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Anzeiger 3/18

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anzeiger

Das Magazin für die österreichische Buchbranche

Jeder will den Lotto-Sechser

Das Böse schläft nie

„Ich fahre nicht mehr hin“

Wenn eine Geschichte den Nerv von Kindern und Jugendlichen trifft, dann wollen sie auch ein Buch davon

Es bleibt spannend im Krimi-Genre: Die Neuerscheinungen drehen sich um Heimat, Historie und Dystopie

Maxim Kantor will nie wieder nach Russland. Der anzeiger traf ihn zum Gespräch über seinen Roman

DIE NEUE ROSSBACHER

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Foto: Sarah Esther Paulus groothuis.de

ca. 150 Seiten Gebunden mit Schutzumschlag ca. € 18,50 (A) ISBN 978-3-89684-262-6 Erscheint am 23. April 2018

ruck Vorabd i n d er i tu n g « e Z r e n »W ie

»Innovation ist nichts fürs Feiglinge« Überall werden innovative Kräfte beschworen: In Wirtschaft, Technik, Politik und Gesellschaft herrscht eine regelrechte Innovations-Inflation. In seinem neuen Essay fordert der österreichische Publizist Wolf Lotter einen Kulturwandel: weg vom Etikettenschwindel, hin zu wirklicher Erneuerung, zur Aktivierung kreativer Ressourcen, mit Mut zu Risiko und Irrweg.

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TAUCHEN SIE EIN IN DIE SPANNENDE WELT VON OBST, GEMÜSE UND CO.

– 153. Jahrgang –

„Ich habe mich gefreut, so viele von Ihnen in Leipzig getroffen zu haben“ Gustav Soucek

D

ie Leipziger Buchmesse war für die Branche der Höhepunkt des Bücherfrühlings und für mich außerdem eine Premiere. Ich habe mich gefreut, so viele von Ihnen an unserem Gemeinschaftsstand, im Österreich-Kaffeehaus und beim Empfang am Donnerstag getroffen zu haben. In Leipzig schlenderten viele Schulklassen und Jugendliche über das Messegelände. Das ist erfreulich, denn sie sind unsere Leserinnen und Leser von morgen. Gerade in Konkurrenz zu zeitraubenden Online-Angeboten wird es für das Buch schwieriger, einen fixen Platz im Leben junger Menschen einzunehmen. Pünktlich vor Ostern haben wir den Kinder- und Jugendbuchmarkt analysiert (S. 12).

F O T O : H V B /A PA F O T O S E R V I C E / L U D W I G S C H E D L

LeserInnen jeden Alters nutzen verstärkt Online-Medien für Rezensionen. Plattformen wie Lovelybooks, Perlentaucher, Facebook & Co sind wichtige Stimmungsbarometer. Wir haben bei Verlagen, Autorinnen und Autoren nachgefragt, wie relevant die Online-Rezensionen tatsächlich für den Verkaufserfolg eines Buches sind (S. 8). In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen außerdem wieder vier HVB-Mitglieder vor: Patrick Addai vom Verlag Adinkra, Romana Ledl vom Buchcafé Melange, Monika Koch von der Edition Koch und Andreas Gausterer, Buchhändler und Geschäftsführer von KÖBU Data in Personalunion (S. 24–27). Wir freuen uns, dass in den Gesprächen mit vielen Mitgliedern der HVB als eine wichtige Stütze genannt wird. Vor Kurzem haben wir wieder eine günstige Vereinbarung für sie abgeschlossen: Dank unserem aktuellen Deal mit der AKM müssen Mitglieder bei Inhouse-Veranstaltungen wie z. B. Lesungen die Verwendung mechanischer Musik nicht mehr melden oder bezahlen. Das bedeutet: weniger bürokratischen Aufwand, keine Mehrkosten und Rechtssicherheit. Nach Leipzig bin ich übrigens schon auf das nächste Branchentreffen gespannt. Ich freue mich darauf, viele Mitglieder und andere Menschen, die für das Buch brennen, vom 18. bis 20. April bei „Rund ums Buch“ in Bad Aussee begrüßen zu dürfen.

Markus Metka

Obst, Gemüse und Co. WISSEN häppchenweise Frühling & Sommer 256 Seiten, Hardcover EUR 27,80 ISBN 978-3-99002-057-9

Gustav Soucek HVB-Geschäftsführer

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– Inhalt –

hvb-mitglieder im porträt

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Patrick Addai

Der Ghanese erzählt, warum er heute seine Bücher in Leonding verlegt

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Romana Ledl

So entwickelt sich der Kinder- und Jugendbuchmarkt

12

26

thema

8

Kurz gesagt Wie relevant sind OnlineRezensionen für den Verkaufserfolg?

12

Essenziell Letztlich will jeder seinen „Harry Potter“. Eine Analyse des Kinder- und Jugendbuchmarkts

Die Buchhändlerin möchte in ihrem Buchcafé Leute zusammenbringen

Monika Koch Die Innsbrucker Verlegerin bringt Biografien großer Stars heraus

27

Andreas Gausterer

Als Buchhändler und GF von KÖBU Data ist er sein eigener Kunde

Selbstredend

28

Maxim Kantor

aus dem ANZEIGER-archiv

6

Die fliegende Buchlieferung? 1968 war die Luftfracht der heißeste Trend in der Logistik. Auch für den Buchhandel?

wissenswert

7

Gutenberg-Galaxie Ilse Aichinger, Dorian Gray und Chimamanda Ngozi Adichie treffen sich in der Nationalbibliothek

9

Kurzmeldungen Fort- und Weiterbildung Welttag des Buches Personalia

10

Monika Koch verlegt die Biografien von Stars wie Beyoncé oder Prince

26

Kurzmeldungen HVB-Deal mit AKM Das war Leipzig 2018 Preis für Axel Ruoff Platinbuch an Thomas Brezina Verkaufshit: Hildegard von Bingen Botschafter empfehlen Bücher Nachruf Johannes Hermann

18

Heimat, Historie und Dystopie Neue Krimi und Thriller

20

Gastkommentar

Ralf Drack analysiert die rechte Verlags­szene Österreichs

28 Maxim Kantor spricht über sein

Verhältnis zum heutigen Russland

31

Kramers Kinderstube

Trinkgeld

klassiker

33

Bis der Tod uns scheidet

„Heute heiratet mein Mann“ von Annemarie Selinko

Standards marktdaten monatsbestseller Titelschutz Impressum

21 22 34 34

i l l u s t r a t i o n : g e o r g f e i e r f e i l , f o t o s : y v e s n o i r , m a r t i n va n d o r y, p a u l z s o l n ay v e r l a g / l e o n h a r d h i l z e n s a u e r

Der Autor Michael Stavaric über die Mund-Propaganda im Internet

8

Der Autor und Künstler im Gespräch über seinen neuen Roman

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– Aus dem anzeiger-Archiv –

Die fliegende Buchlieferung? März 1968 Fundstücke aus den alten Ausgaben des anzeigers

Der Logistiktrend im Jahr 1968 war der Transport per Flugzeug. Der Frachtanteil der AUA wuchs in den 60er-Jahren kontinuierlich. Damals sprach man von der Luftfracht als „schlafendem Riesen“. Auch der Anzeiger des österreichischen Kunst-, Buch- und Musikalienhandels machte darauf aufmerksam. Viel gebracht hat es nicht: Die Luftfracht setzte sich in der Branche nie durch. „Ebenso wenig die Bahnfracht“, weiß Peter Kargl, Vertriebsleiter von Mohr Morawa. „Die Straße ist einfach flexibler. Die Luftfracht war 1968 eben neu und interessant. Man wollte nichts versäumen – so wie man heute nicht versäumen will, wenn Bücher gebeamt werden können.“

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– Wissenswert –

PIONIERIN

Ilses größere Hoffnung. Ilse Aichinger ist der Beginn der österreichischen Nachkriegsliteratur. Literarische Sprache nach 1945 musste sich verändern und das Schreiben Aichingers half dabei, obwohl sie die Bezeichnung „Pionierin“ wohl abgelehnt hätte. In diesem März jährt sich der „Anschluss“ zum 80. Mal. Die größere Hoffnung bleibt, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

POLARSTERN

Aus der

Chimamanda Ngozi Adichie. Ifemelu ist Nigerianerin, Feministin und erfolgreiche Bloggerin. Sie bekommt ein Stipendium einer amerikanischen Uni, darf aber nicht legal arbeiten. Nach 13 Jahren in den USA geht sie nach Nigeria zurück. Adichie erzählt vom Leben einer nicht amerikanischen Schwarzen in Amerika und der Wiederentdeckung ihrer Wurzeln. Jetzt soll „Americanah“ (S. Fischer) als Serie verfilmt werden.

GutenbergPIN-UP

Young and Wilde. Bildlein, Bildlein an der Wand, wer ist der Schönste im ganzen Land? Das kann nur Dorian Gray sein! Der hat nämlich das Geheimnis ewiger Jugend geknackt: Anstelle seiner selbst altert nur sein Konterfei am Gemälde. Sein Haar ist blond, sein Name ist grau, nur sein Bildnis ist grausig. So sehr, dass er tot umfällt, als er es erblickt.

PROSPEKT

Galaxie

Geschichtenträchtig. Die Österreichische Nationalbibliothek feiert ihren 650. Geburtstag. Sie beherbergt mehr als drei Millionen Druckwerke, die 21 Regalkilometer füllen und bis zu 14 Meter unter der Erdoberfläche verwahrt sind. Neben Papyri und alten Codices befinden sich in der ÖNB auch Hörbücher, E-Books und das ganze Internet mit der Domain „.at“. Nicht zu vergessen: die büffelnden Studierenden.

Lukas Schöppl

POWIDL

Chaos Pe(te)rson. Man wird nicht schlau aus Jordan Peterson. Er bekämpft politische Korrektheit und hält nicht viel vom Gendern. Dass es so etwas wie „Male White Privilege“ gibt, will er auch nicht glauben. Ist das jetzt schon wieder so ein neuer AltRechter? Sein Buch „12 Rules for Life: An Antidote to Chaos“ (Random House) wird seinem Namen jedenfalls nicht gerecht: Vor allem in den Medien stiftet es Chaos.

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– Kurz gesagt –

Gefällt mir? Wie relevant sind Online-Rezensionen für den Verkaufserfolg eines Buches?

Wichtiger Baustein Online-Rezensionen allein reichen nicht aus, sind aber in Kombination mit Leserstimmen mittlerweile ein wichtiger Baustein in der Kommunikationskette. Im Idealfall setzt Print das Thema, OnlineRedaktionen sorgen für eine schnelle Verbreitung und wenn die Leserin oder der Leser dann auf einschlägigen Websites wie Amazon, Verlags- und BuchhandelsBirgit Politycki, homepages sowie LovelyBooks RezensioLiteratur- und Pressenen bzw. Bewertungen findet, ist der Weg büro Politycki & zur Bestellung nicht mehr weit. VorausPartner gesetzt, die Berichterstattung ist positiv und emphatisch. Blogs und Social-MediaAktivitäten sorgen dafür, dass Buch und Autorin oder Autor auch nach Erscheinen im Gespräch bleiben.

Foto s:f r a n k k r e m s, s u sa n n e k r au s s, y v e s n o i r, löw e n za h n v e r l ag

„Wir betrachten das Internet als größtes Schaufenster der Welt“ Große Chance Wir betrachten das Internet als größtes Schaufenster der Welt. Auf Sichtbarkeit und Bewertungen in Online-Portalen legen wir großen Wert, wir sehen OnlineBewertungen und den direkten Austausch mit unseren Leserinnen und Lesern als große Chance, mit unseren Inhalten zu überzeugen und direkt mit unseren Leserinnen und Lesern in Kontakt zu treten. Christophe Koroknai, Beispiele zeigen, dass so manche OnlineLöwenzahn Verlag Rezension eine lange Lebensdauer und einen hohen Wirkungsgrad aufweist. Nicht zuletzt die interaktiven Möglichkeiten und das unkomplizierte Weiterverarbeiten machen Leserstimmen und Online-Beiträge zu einer wichtigen Priorität in unserer Arbeit.

Zeitnahes Feedback Die Online-Rezensionen sind für uns und die Leserinnen und Leser neben den klassischen Rezensionen sehr wertvoll. Sie sind ein zeitnahes Feedback der Zielgruppe des entsprechenden Titels und sorgen für eine erhöhte Sichtbarkeit. Dabei sind die Eindrücke oft mit großem Engagement und Leidenschaft geschrieben und verfügen – da hier Leserinnen und Leser für andere Leserinnen und Leser Annette Beetz, schreiben – über eine hohe Glaubwürdigkeit. GF Marketing und Wir freuen uns, wenn Buchhändlerinnen Vertrieb Random House und Buchhändler, Leserinnen und Leser sowie Bloggerinnen und Blogger auch direkt auf unserer Homepage von ihrer Lektüre berichten. Mit unserem Bloggerportal haben wir eine weitere Anlaufstelle für alle geschaffen, die gerne online Bücher und Hörbücher rezensieren.

„Die Eindrücke sind oft mit großem Engagement und Leidenschaft geschrieben“

Erreichen der Community unerlässlich Ich bin davon überzeugt, dass die Wichtigkeit der klassischen Feuilletons weiter abnehmen wird, so sehr man sich persönlich als Autor über eine Printrezension in der „FAZ“, „NZZ“ und Co. freut. Das jüngere Lesepublikum (also alles unter 40) informiert sich selbstverständlich mit Hilfe des Internets über die neuesten Publikationen. Eine immer wichtigere Rolle spielen hierbei BuchbloggerinMichael Stavaric, nen und Buchblogger, die ihre literarischen Autor „Follower“ mit Tipps und Kommentaren versorgen. Hinzu kommen unzählige Literaturportale und Ähnliches, selbstverständlich auch die Online-Rezensionen der klassischen Printmedien. Summa summarum ist jedwede Online-Rezension, die es schafft, eine Community hinter sich zu vereinen, selbstverständlich unerlässlich für den Verkaufserfolg. Ebenso die daraus resultierende Mundpropaganda, die gleichfalls in E-Mails, Postings, Chats und Co. ihren Ausdruck findet.

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– Wissenswert –

Welttag des Buches Am 23. April wird das Buch gefeiert Im mediakolleg lernen Verlagsangestellte, wie sie Social Media gezielt nutzen können

Gewusst wie! Man lernt nie aus – vor allem nicht in einer sich wandelnden Branche. In den kommenden Monaten finden viele Fort- und Weiterbildungen statt ■

Der HVB bietet im April und Mai mediakolleg-Seminare an, in denen man sowohl für den verlegerischen als auch für den buchhändlerischen Alltag viel dazulernen kann: Ratgeber im Buchhandel: 17. April, 9–17 Uhr Erfolgreiche Buchempfehlung: 7. Mai, 9.30–17 Uhr Telefontraining für den Kundenservice: 14. Mai Buchpreisbindung: 15. Mai, 14–17 Uhr Social Media für Verlage: 17. Mai, 10–17.30 Uhr

„Anfänge – Neue Österreichische Literatur“ – so heißt das Buch, das zahlreiche österreichische Buchhandlungen an Kundinnen und Kunden am heurigen Welttag des Buches am 23. April verteilen. Die vom HVB veröffentlichte Publikation umfasst die ersten zehn Seiten der Werke von u. a. Theodora Bauer, Raphaela Edelbauer, Elias Hirschl oder Cordula Simon. Mit dabei sind auch die ­Nominierten für den Österreichischen Buchpreis Debüt 2017: Mascha Dabić, Irene Diwiak und die Gewinnerin Nava Ebrahimi.

Alle mediakolleg-Seminare finden in der Bibliothek des Palais Fürstenberg in der Grünangergasse 4, 1010 Wien, statt. Die Kursgebühr für Mitglieder beträgt € 199,– und für Nichtmitglieder € 250,– (Ausnahme Buchpreisbindung: € 80,–/€ 110,–). Mehr Infos zum mediakolleg finden Sie unter www.buecher.at/mediakolleg Ihre Ansprechperson für Rückfragen: Cordula Tippel, 01/512 15 35 29, tippel@hvb.at

■  Der HVB bringt gemeinsam mit dem BKA Licht in den EU-Förder­ dschungel: In einem Workshop wird es um Förderungen für literarische Übersetzungen gehen. Das Seminar findet im Rahmen von Creative Europe statt und richtet sich an Verlage, die Mitte Mai 2018 einen EUFörderantrag für literarische Übersetzungen einreichen möchten.

F O T o : g o l d e g g v e r l a g , p r i va t

Workshop für literarische Übersetzungen 6. April, 9.45–13 Uhr BKA, Concordiaplatz 2, 1010 Wien

■  Was ist die SLUM-Methode? Und was erwartet Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Zertifikatslehrgang Buchverlag? Das und mehr erfährt man im April im Rahmen der Goldegg-Seminare: Informationsabend zum Zertifikatslehrgang Buchverlag: 9. April PC-Know-how und Experten-Wissen für LektorInnen: 10., 12., 13., 19. April Sachbuch-Konzeption nach der SLUM-Methode: 17. April

Personalia Adrian Minoggio hat die Leitung von Vertrieb und Marketing des Goldegg Verlags übernommen. Er hat 20 Jahre Erfahrung im Vertrieb, beim Sachbuch-Verlag Goldegg ist er seit drei Jahren tätig und war zuletzt für Einkauf und Logistik zuständig. Gisa Wörlein wechselt von Benevento zum Herder Verlag. Sie folgt dort als Pressesprecherin auf Nicola Meier.

Mehr Infos: www.goldegg-training.com

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– Wissenswert –

Verkaufshit: Hildegard von Bingen „Hildegard von Bingen – Einfach Fasten“ wurde mit dem Platinbuch ausgezeichnet

Der ÖsterreichEmpfang am Donnerstag war eine gute Gelegenheit zum Austausch

Das war Leipzig

Die Universalgelehrte Hildegard von Bingen ist auch 1.000 Jahre nach ihrem Tod noch nicht passé: Kürzlich erhielten Brigitte Pregenzer und Brigitte Schmidle für mehr als 25.000 verkaufte Exemplare von „Hildegard von Bingen – Einfach Fasten“ (Tyrolia) das Platinbuch. Rechtzeitig zum Start der Fastenzeit wurde der erfolgreiche Fastenratgeber zum fünften Mal neu aufgelegt. Bei der Präsentation der Neuauflage in der Sonnentor-Filiale in Innsbruck überreichte Filialleiter Gottfried Kompatscher den Autorinnen die Auszeichnung.

Die Leipziger Buchmesse war auch für die österreichische Buchbranche das Highlight des Bücherfrühlings

Musik, ganz einfach! HVB-Mitglieder können bei Veranstaltungen nun unbürokratisch und rechtssicher mechanische Musik nutzen Bei der Planung und Gestaltung von Buchpräsentationen, Lesungen und anderen Events gibt es vieles, an das man als Veranstalter denken muss. Ab sofort müssen HVB-Mitglieder sich zumindest um eine Sache keine Sorgen mehr machen: die Rechtssicherheit bei der Verwendung von mechanischer Musik. Der HVB hat einen Deal mit der AKM, also den AutorInnen, KomponistInnen und MusikverlegerInnen, abgeschlossen. Durch diesen können Mitglieder nun bei Inhouse-Veranstaltungen z. B. CD-Einspielungen unkompliziert verwenden. Sie sind ab sofort von der Meldepflicht und Bezahlung entbunden. Achtung: Die Vereinbarung gilt nur für mechanische Musik, nicht für Livemusik oder DJ-Lines.

Gottfried Kompatscher und Brigitte Pregenzer

Deutscher Literaturpreis für Axel Ruoffs „Apatit“ Autor der Bibliothek der Provinz erhält den Preis der A und A Kulturstiftung Der mit 10.000 Euro dotierte Literaturpreis der A und A Kulturstiftung geht 2018 an den Autor Axel Ruoff. Er wird für seinen 2015 erschienenen Roman „Apatit“, der beim niederösterreichischen Verlag Bibliothek der Provinz erschien, ausgezeichnet. Die Preisverleihung wird am 27. April im „Roten Salon“ der Berliner Volksbühne stattfinden. Zuletzt erschien Axel Ruoffs Anthologie „Schlangen schauen“ (2016) in der Bibliothek der Provinz.

F O T O S : H V B / M a n d y p u t z , t y r o l i a , n o r i o ta k a s u g i

Fachbesucherinnen und -besucher, Lesepublikum, Schulklassen und kostümierte Manga-Fans: Auf der Publikumsmesse in Leipzig traf wieder eine ziemlich bunte Mischung aufeinander. Insgesamt 271.000 Besucherinnen und Besucher waren in den Ausstellungshallen unterwegs. Im Messegewimmel hatte die österreichische Buchbranche ihr eigenes „Grätzel“: den Bereich rund um den HVB-Gemeinschaftsstand und das Österreich-Kaffeehaus in Halle 4. Am Donnerstag eröffnete dort HVB-Präsident Benedikt Föger im Beisein von Jürgen Meindl, dem Sektionschef für Kunst und Kultur des BKA, den Gemeinschaftsstand. Beim anschließenden Empfang trafen viele bekannte Gesichter der österreichischen, deutschen und schweizerischen Buchlandschaft aufeinander. Insgesamt waren 183 Aussteller aus Österreich in Leipzig vertreten, 18 davon am Gemeinschaftsstand, der dieses Jahr in neuem Design erstrahlte. Während der vier Messetage fanden direkt daneben, im stets gut gefüllten Österreich-Kaffeehaus, 32 Lesungen statt.

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– Wissenswert –

Thomas Brezinas

erfolgreiches Comeback Der Kult-Kinderbuchautor Thomas Brezina erhielt das Platin- und das Goldene Buch Thomas Brezina hat mehr als 560 Bücher geschrieben und verkaufte mehr als 50 Millionen Exemplare, die in 35 Sprachen übersetzt wurden. Auch sein jüngstes Comeback „Die Knickerbockerbande 4immer – Alte Geister ruhen unsanft“ (Ecowin) wurde zum Verkaufserfolg. Seit Erscheinen ist es in den Bestsellerlisten präsent und wurde nun für mehr als 15.000 bzw. 25.000 verkaufte Exemplare mit dem Goldenen Buch und dem Platinbuch ausgezeichnet. Die Verleihung fand am 13. März in der Buchhandlung Morawa in der Wiener Wollzeile statt. Stefan Mödritscher, Geschäftsführer der Buchhandlung Morawa, begrüßte die zahlreichen Gäste, bevor Gustav Soucek, Geschäftsführer des HVB, Thomas Brezina seine Auszeichnung überreichte. Eigens angereist war auch Dirk Rumberg, Geschäftsführer von benevento publishing, aus Salzburg.

Nachruf

Ein Land, ein Buch

Johannes Hermann, der die Buchhandlung Schottentor leitete, ist verstorben. Kurt Kaltenbacher hat einen Nachruf auf ihn verfasst Am 1. März 2018 hat Johannes Paul Hermann den langen Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren und seinen letzten Weg angetreten. Wien ist um eine seiner buntesten Buchhandelspersönlichkeiten ärmer geworden. Der in Freiburg i. B. geborene Wahlwiener übernahm vor mehr als zwanzig Jahren als Geschäftsführer die Buchhandlung Schottentor. In dieser Funktion hat er viele Ideen umgesetzt, hat seine Liebe zu Büchern ausleben dürfen und bleibt sicher vielen Kundinnen und Kunden aufgrund seiner originellen Art in Erinnerung. Doch nicht nur als Buchhändler hat er Spuren hinterlassen. Er war auch der Freund, mit dem man bei einem Bier über vieles diskutieren konnte, der Fußballfan, der sich über jedes Match seines Heimatvereins Freiburg ereiferte, der Kollege, der geduldig zuhören konnte. Albert Schweitzer hat gesagt: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht nicht auf irgendeinem Platz, sondern im Herzen seiner Mitmenschen“, und so gesehen hat Johannes Hermann in Wien viele Denkmäler und Spuren hinterlassen.

Welches Buch passt zu welchem Land? Botschafterinnen und Botschafter rund um den Globus geben Empfehlungen ab

FOTo: michael pruegl

Thomas Brezina in der Buchhandlung Morawa

Was den Griechen Homers „Odyssee“ und den Spaniern „Don Quijote“, ist den Italienern Ecos „Il nome della rosa“: Diese Bücher haben Botschafterinnen und Botschafter angegeben, um am ehesten die Besonderheiten der Herkunftsländer zusammenzufassen. Die Reise-Plattform TravelBird hat die Befragung in einer Studie veröffentlicht. Österreichische Botschafterinnen und Botschafter empfehlen Bücher wie Zweigs „Die Welt von Gestern“, Seethalers „Der Trafikant“, Plachuttas „Die gute Küche: Das österreichische Standardkochbuch“, Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ oder Torbergs „Die Tante Jolesch“. Mehr Tipps von Botschafterinnen und Botschaftern gibt’s hier: travelbird.nl

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– Essenziell – Trends im Kinder- und Jugendbuchmarkt

Wenn eine Geschichte den Nerv von Kindern und Jugendlichen trifft, wollen sie ein Buch davon. Das zeigen der Erfolg von Harry Potter oder die jungen Fans von Bloggerin Ava Reed

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Shitstorm,

weil kein Buch vorhanden

Text: Kirstin Breitenfellner, Illustration: Georg Feierfeil

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as Kinder- und Jugendbuch gehört zu den stabilsten Warengruppen der Branche. Trotzdem wird es gern zum Sorgenkind hochstilisiert. Seine Konsumentinnen und Konsumenten sind die Leserschaft der Zukunft, und wer will die schon unterwegs verlieren. Was kann das Gedeihen des Kinder- und Jugendbuchs gewährleisten?

Children’s Book Salon Das Online-Magazin „Publishing Perspectives“ befasst sich mit Trends der internationalen Buchindustrie. Am 23. und 24. Jänner organisierte es mit dem New Yorker Büro der Frankfurter Buchmesse den ersten Children’s Books Salon im Goethe-Institut im Herzen Manhattans. Dort trafen sich etwa vierzig US-amerikanische Verlegerinnen und Verleger mit etwa dreißig aus Kanada, Finnland, China, Deutschland, Norwegen, Spanien, Schweden und den Niederlanden. David Walter, Business Development Director des Marktforschungsinstituts npdgroup, begann mit einem Überblick über die Branchenentwicklung. Motoren dafür seien drei kulturelle Marker: die Digitalisierung, die Generation der Millennials – also der zwischen 1980 und 2000 Geborenen, die heute junge Erwachsene sind – und das po-

litische Klima seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im Herbst 2016. Vom Comic zu sozialen Fragen Beim Konsumenten sieht Walter eine gewisse Nostalgie als Reaktion auf den Dauerbeschuss mit Negativnachrichten, aber auch ein Interesse für soziale Fragen und das „echte Leben“ als Gegengewicht zur Zeit vor dem Bildschirm. Der Boom der Fantasy- und Dystopie-Serien mache einem verstärkten Interesse an den Themen Familie, Gesundheit, Menschen und Beziehungen Platz. Den von ihm verorteten Aufwärtstrend bei Comic und Graphic Novel kann Konferenzteilnehmerin Eva Kutter vom S. Fischer Verlag auf dem deutschsprachigen Markt nicht ausmachen. Ebensowenig einen Einbruch beim E-Book, das in den USA bereits 2013 den Zenit überschritten hatte. Im deutschsprachigen Raum hatte das E-Book nie eine so hohe Marktdurchdringung wie in den USA erreicht. Eine überraschende Erkenntnis für Kutter war hingegen, dass der US-Markt weniger von Neuerscheinungen abhängig ist als der deutschsprachige, denn er macht siebzig Prozent der Umsätze mit der Backlist.

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– Essenziell – Trends im Kinder- und Jugendbuchmarkt

Kinder sind

multimedial

Der Autor Michael Schlüter leitete in Leipzig die Podiumsdiskussion zur Zukunft des Lesens

„Man schaut, wer den Sechser im Lotto gezogen hat, und versucht da anzuschließen“ Michael Schlüter, Kinderbuchautor

Stimmt es, dass die Jugendlichen wegen der digitalen Medien nicht mehr lesen? Andreas Schlüter — Dem Jugendbuch ging es immer schon schlecht. Das wissen die Verlage auch, deswegen bieten sie den Jugendlichen auch gar nichts an. Jugendbücher sind oft nichts anderes als ein Erwachsenenbuch unter anderem Label. Die Klientel, die Bücher zu Bestsellern macht, besteht aus jungen Frauen zwischen 18 und 22. Das sieht man, wenn etwa Kay Meyer um 20 Uhr in einer Buchhandlung liest. Der Unterschied zu dem, was der ErwachsenenFantasy-Autor Markus Heitz schreibt, ist gering. Zwischen 14 und 16 hören viele Jugendliche auf zu lesen, und diejenigen, die lesen, wechseln ab 17 zur Erwachsenenliteratur. Wenn die Verlage sagen, das Jugendbuch gehe gerade schwer, heißt das nur, dass es gerade keinen Megabestseller aus den USA gibt. „Harry Potter“ wurde ja von Verlagen mit dem Hinweis abgelehnt, kein Kind lese heute mehr so dicke Bücher. Hängt der Markt stärker von einzelnen Büchern ab als von sogenannten Trends?

Schlüter — Als Cornelia Funke ihren ersten Fantasy-Roman „Drachenreiter“ geschrieben hat, war der Verlag nicht begeistert und hat ihr nur zugestanden, so ein dickes Buch herauszubringen, weil er mit Funkes „Wilden Hühnern“ so viel Geld verdient hatte. Dann kam „Harry Potter“ und der Verlag war plötzlich froh, das Buch zu haben. Es gibt also immer wieder Dinge, die angeblich nicht gehen – bis es einer macht! In den USA liegen Graphic Novels und Comics im Trend. Warum gehen die hier nicht so gut? Schlüter „Gregs Tagebuch“ von Jeff Kinney hat doch Millionenauflagen! Und „Mein Lotta-Leben“ bei Arena von Alice Pantermüller und Daniela Kohl ist genauso aufgemacht – und läuft genauso gut! Auch Jochen Till ist auf dem Weg zum Bestseller mit seiner „Luzifer“-Serie. Und „Flätscher“ von Antje Szillat und Jan Birck bei dtv ist ein reiner Comic. Angebliche Trends wie personalisierte Kinderbücher haben sich hingegen als Holzweg erwiesen. Ich fände es ja schön, wenn die Verlage neue Trends setzen würden. Aber es läuft andersrum: Man schaut, wer den Sechser im Lotto gezogen hat, und versucht da anzuschließen. Niemand hat den Mut, vorzupreschen und zu investieren. Was würden Sie machen, wenn Sie einen Verlag hätten? Schlüter — Ich würde mich bei deutschen Autoren umschauen und die fragen, was sie für Ideen haben – und einfach was ausprobieren. Dabei würde ich inhaltlich herangehen und nicht vom Reißbrett aus planen, von dem aus heute die meisten Bestseller lanciert werden.

Foto: Gerrit Meier

Am 15. März lud der Bundeskongress Kinderbuch, ein Zusammenschluss deutschsprachiger Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren, auf der Leipziger Buchmesse zu einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des Lesens ein. Wir sprachen mit dem Diskussionsleiter Andreas Schlüter über dieses Thema. Schlüter wurde 1994 mit dem Buch „Level 4 – Die Stadt der Kinder“ bekannt, aus dem sich eine 14-teilige Computerkrimi-Reihe entwickelte. 2015 startete seine WeltraumSerie „Spacekids“ bei dtv, von der es bereits zwei Bände gibt.

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Was halten Sie davon, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sind: auf YouTube und Blogs, mit Themen wie ­Cybermobbing? Schlüter — Solche Bemühungen sind immer eher peinlich. Ich selbst habe vor 25 Jahren damit angefangen, Computerkrimis für Jugendliche zu schreiben. Da war die Debatte dieselbe. Wenn ein Kind weniger liest, heißt es immer gleich: Die sind die ganze Zeit vor dem Computer! Aber Heranwachsende verbringen die meiste Zeit nach wie vor nicht vor dem Computer, sondern vor dem Fernseher. Diejenigen, die viel vor dem Computer sitzen und dort nicht nur spielen, sind oft auch diejenigen, die noch lesen. Kinder sind multimedial. Die harte Trennung in Computerkinder und Bücherkinder war noch nie real. Mein „Level 4“-Buch wurde von über zwanzig Verlagen abgelehnt mit der Begründung, Computerkinder lesen keine Bücher. Es wurde ein Bestseller mit einer Auflage von über einer Million. Noch heute werden davon jedes Jahr 50.000 Stück verkauft. Welche Rolle kommt dabei Buchhandlungen zu? Schlüter — Das Kernproblem besteht darin, dass wir den Kindern die Zeit rauben. Sie haben keine Langeweile mehr, ihre Tage sind durchgetaktet wie die von Spitzenmanagern. Sie gehen auch nicht mehr in die Musikschule und in Vereine. Zeit zum Lesen haben sie nur in organisierten Lese-AGs. Das Einzige, was Buchhandlungen tun können, sind Nachmittagsveranstaltungen mit Schulklassen. Gerade in kleinen Orten wird die Buchhandlung für Lesungen und soziale Kontakte da sein und der Verkauf hauptsächlich online funktionieren.

Buch des Herbstes, „Unerschrocken“, im Reprodukt Verlag. Darin stellt Pénélope Bagieu in Comic­form 15 atemberaubende Lebensläufe jenseits kanonisierter Berühmtheiten vor. Sie ergänzen den hiesigen Markt und beweisen, dass Trends nicht in jedem Kulturkreis dieselbe Bedeutung haben.

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Ein Langzeithoch der GirlPower

Den von David Walter geltend gemachten Trend „Girlpower“ kann Kutter am deutschsprachigen Markt so nicht sehen. Starke Mädchen seien hierzulande schon seit den 1960er-Jahren – Stichwort: Pippi Lang­ strumpf – eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem wurden in der letzten Saison viel beachtete Mädchenbücher auch ins Deutsche übersetzt: etwa die hundert Frauenporträts in „Good night stories for rebel girls“ bei Hanser, illustriert von sechzig verschiedenen Künstlerinnen. Mit über einer Million USDollar erreichte das Projekt von Elena Favelli und Francesca Cavallo den bislang höchsten Unterstützungsbetrag für ein Buchprojekt via Crowdfunding (siehe dazu auch den Kasten S. 17). Beinahe noch unangepasster erscheint das zweite feministische Mädchen-

Sorgenkind Jugendbuch? Ein Trend, der nicht nur in den USA, sondern auch in Finnland und Deutschland festzustellen sei, so der Tenor beim Children’s Book Salon, ist der Einbruch des Jugendbuchmarkts. An den Hype von Fantasy-Bestsellern wie der „Twilight“-Serie von Stephenie Meyer konnte hier nicht angeschlossen werden. Es liegt, vermutet etwa Mirjam Ilvas vom finnischen Verlag Kustantamo S&S, daran, dass sich Jugendliche verstärkt digitalen Unterhaltungsangeboten wie Apps und Netflix-Serien zuwenden. Wie holt man die Jugend aus ihrem Alltag zwischen Smartphone und PC zurück zum Buch? Indem man digitale Themen aufgreift und die Jugendlichen in der Welt abholt, in der sie sich befinden, lautet die Antwort unisono. Papperlapapp, meint Jugendbuchautor Andreas Schlüter, der in den 1990er-Jahren eine Bestsellerserie über „Computerkids“ startete. Nicht die Themen seien dafür verantwortlich, dass Jugendliche weniger lesen,

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– Essenziell – Trends im Kinder- und Jugendbuchmarkt

sondern Zeitmangel (siehe Interview S. 14). Georg Glöckler, Verleger von G&G/Ueber­ reuter, hingegen sieht für seine Verlagsgruppe das Jugendbuch im Aufschwung. So versuchten jugendliche Fans der Bloggerin Ava Reed das Buch „Wir fliegen, wenn wir fallen“ offline zu kaufen. Als es bei einer Buchhandelskette nicht vorrätig war, wurde sie mit einem Shitstorm überzogen. Mindestens ebenso viel Beharrlichkeit wie beim Vertriebsweg zeigen Jugendliche bei den Themen. Beim Kinderbuch verkaufen sich, so Glöckler, Prinzessinnen, Ritter und Piraten immer noch besser als zeitgenössische Themen. Beim Jugendbuch ist es ähnlich: Nach wie vor hält sich hartnäckig das Primat der Fantasy vor sozialen Belangen oder Zukunftsthemen. Influencer Marketing Lassen sich Jugendliche Trends überhaupt vom sogenannten Buchmarkt „verordnen“? Manche Buchprojekte wirken jedenfalls wie ein Versuch dazu. „Let’s disco“ von Andreas Hüging bei Ueberreuter thematisiert den YouTube-Hype und Cybermobbing. „Roofer“ von Jutta Wilke beim Coppenrath Verlag beschreibt Jugendliche, die sich beim Klettern auf hohe Dächer und Baugerüste ihren Kick holen und dabei Bilder schießen, die sie dann auf YouTube hochladen. Und Claudia

Pietschmanns „Cloud“, erschienen bei Are- ob sie den Weg zurück finden werden, bevor na, handelt das Thema Online-Dating ab. sie als junge Eltern selbstständig wieder zum Aber können Bücher, die von Autorinnen Buch greifen. und Autoren der Babyboomergeneration geschrieben werden, Millennials vom Com- Das Bilderbuch lebt! puter zurückholen? Oder wollen Jugendliche Und lehrt! nicht vielmehr ihre Trends selbst entdecken Nämlich zum Bilderbuch. Was Bibliothekabeziehungsweise setzen? rinnen und Bibliothekare in ganz Österreich Influencer Marketing bei Jugendlichen beobachten, scheint Realität: Während Juwar deswegen im vergangenen Juni auch gendliche in den Bibliotheken nicht mehr Thema beim Kinder- und Jugendmarketing- gesehen werden – auch weil sie für ihre RefeKongress von iconkids & youth. Es ist das rate online recherchieren –, kommen sie als größte deutsche Spezialinstitut für Kinder- Eltern zurück. Vielleicht auch, weil Kinder und Jugendforschung. Im Zuge einer Befra- zu haben wieder schick ist und die als Heligung von 13- bis 19-Jährigen kam iconkids & koptereltern verunglimpften Millennials für youth zu dem Ergebnis: Wenn die Stars der die Kleinen gern tief in die Tasche greifen. Teens etwas gut finden, wirkt sich das – wie Dem entspricht die Erholung am Bilderbei ihren Eltern – auf die Verkaufszahlen buchsektor, der in Deutschland mit einem aus. Wobei heutige Jugendliche ihren Idolen Plus von sechs Prozent in den ersten neun keineswegs blind folgen: Sind sie doch selbst Monaten des Vorjahrs auf einen Anteil von mit allen Wassern des Selbstmarketings ge- 21 Prozent stieg. In Österreich lag der Anwaschen und wissen, dass diese Geld bekom- teil 2017 laut media control insgesamt sogar men, um Produkte anzupreisen. bei 28,2 Prozent. Und das größtenteils auf Georg Glöckler von G&G etwa vertritt Papier, denn noch immer sehen Eltern ihre hier die Meinung, dass es bei der Zukunft der Kinder am liebsten vor einem echten Buch. Digitalisierung nicht vorrangig um Buch­ Auch wenn Thiemann-Esslinger und andere themen, sondern um die Kommunikation Verlage ihre Bilderbücher mit animierten, über Bücher gehe. Die Jugendlichen müssen „Buchtrailern“ auf YouTube bewerben. auf ihren Plattformen abgeholt werden. Darin sind sich auch alle einig. Die Frage bleibt, Fotografien und Apps Petra Albers ist Verlagsleiterin der Gruppe Beltz & Gelberg, Gulliver, Parabel und Der KinderbuchVerlag. Sie sieht in der Fotografie einen Zukunftsmarkt – auch im Bilderbuch. Ein weiterer Trend seien nicht nur in den USA Sachbücher für die Allerkleinsten. „Da geht es nicht darum, ehrgeizige Eltern zu bedienen, sondern um die Freude der Kinder, sich die Welt anzueignen. Kinder wol-

„Wir sollten nicht in Panik verfallen, wenn Kinder, die gelesen haben, als Jugendliche eine Pause einlegen“ Petra Albers, Verlagsleiterin Beltz & Gelberg anzeiger / 16

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len ja wissen!“ Deswegen entwickelte der geschwankungen geprägt, vor allem durch Verlag etwa zu Martin Baltscheits beliebten All-Age-Phänomene wie etwa „Harry Potter“, „Löwen“-Büchern eine App. Wobei Apps die dem Zauberbuch der letzten Jahre. Beigabe zum Buch darstellen und nicht umgekehrt. Harry Potter wird zwanzig! Diesem Trend entsprechen opulent aus- Dieser Bucherfolg ließ sich weder voraussagestattete Kindersachbücher wie das Bilder­ gen noch planen. Er hat nicht nur Leserinbuchkunstwerk „Unter der Erde. Tief im nen und Lesern, sondern auch Verlegerinnen Wasser“ des polnischen Duos Aleksandra und Verlegern den Glauben an ein so oft totMizielinska und Daniel Mizielinski aus dem gesagtes Medium wiedergegeben. Allein in Moritz Verlag. Oder auch der Anatomie-Atlas Deutschland stiegen die Umsätze bei Kindermit aufwendigen Lasercut-Scherenschnitten und Jugendbüchern 2016, mitbedingt durch von Hélene und Jean-Claude Druvert aus den „Harry-Potter-Effekt“, um neun Prozent. dem Frühjahrsprogramm bei Gerstenberg. 2016/17 verzerrte der Theater-Nachdreher Die Herausforderung liege darin, Inhalte „Harry Potter und das verwunschene Kind“ auf kühne Weise aufzuarbeiten, betont Al- die Zahlen, weil er als „Jugendbuch ab zwölf bers. „Die nackte Information kann man sich Jahre“ kategorisiert war, obwohl er von Menja heute aus dem Internet holen. Wir müssen schen zwischen sieben und 99 gelesen wird. uns also mehr anstrengen, aber das ist auch Harry Potter widerlegte das Vorurteil, Kingut so.“ Auch bei der älteren Zielgruppe rät der würden heutzutage nicht mehr so dicke Albers zu Gelassenheit: „Wir sollten nicht in Bücher lesen. Damit begründeten Verlage Panik verfallen, wenn Kinder, die gelesen ha- Mitte der 1990er-Jahre ihre Ablehnung der ben, als Jugendliche eine Pause einlegen. Die Geschichte des heute berühmtesten Zausind nicht verloren!“ berlehrlings. Selbst nach 450 Millionen verkauften Büchern bis 2015, davon über dreißig Millionen auf Deutsch, hört er nicht auf, Zugpferd Kinderbuch Bilderbücher werden vorwiegend von Er- den Markt, wenn nicht zu verzaubern, dann wachsenen gekauft. Bei den über Achtjähri- zumindest zu dopen. Die Verkäufe haben gen zeige sich ein anderes Verhalten, stellt sich auf einem hohen Niveau eingependelt. Bärbel Dorweiler von Thienemann-Esslinger Zu besonderen Anlässen wie der Veröffentfest: „Kinder sind mündiger, werden von ih- lichung des Theaterstücks erhalten auch ren Eltern ernster genommen und suchen die alten Bände wieder einen Schub, erzählt die Bücher immer öfter selbst aus. Das be- Katrin Hochgrebe vom Carlsen Verlag. „Wir deutet, dass die jungen Leser eine Erwartung erwarten für 2018 denselben Effekt wie zum zwanzigjährigen Jubiläum letztes Jahr in an das Buch haben, und das ist ja positiv.“ Wie kommt das Buch zum Kind, wenn Großbritannien.“ Kinder immer weniger in Buchhandlungen gehen? In den USA schlägt man den um- Die Kraft des Erzählens gekehrten Weg ein, erzählt Dorweiler: Ein Wenn wir J. K. Rowling für eines dankbar Truck lädt vor der Schule Regale aus, die in sein dürfen, dann für den Beweis der Kraft, einen Raum gerollt werden und einige Tage die eine einzige, gut erzählte und originelle bleiben. Dort können die Kinder Bücher Geschichte entfalten kann. Bis heute bleiben lesen und auch kaufen. So werden Bücher die Filme und Spiele Beiwerk zu den Potterimmer öfter von den Verlagen direkt bei der Büchern, die immer noch imstande sind Zielgruppe getestet, um zu sehen, was Ab- Kinder zu begeistern, selbst wenn sie zuvor satz findet. nie ein ganzes Buch ausgelesen haben. Kinderbücher machen am deutschen Ein Buch eröffnet die Möglichkeit, ins unMarkt mit knapp 28 Prozent des Umsatzes endliche Reich der Fantasie einzutreten – ins immer noch den größten Anteil des Seg- „freie Spiel der Einbildungskraft“, wie es der ments aus. Jugendbücher ab zwölf Jahre sind Philosoph Immanuel Kant genannt hat. Es hingegen seit Jahren von starken Nachfra- gibt zu denken, ohne dass man damit zu einem Ende kommen könnte. Es berührt und fesselt, ohne die Gefühle einzuengen. Damit vermittelt es ein Gefühl von Freiheit. Einfacher gesagt: Das Buch ist Kino im Kopf, eine unendliche Welt im vernetzten Gehirn. Daher kann es wohl auch durch die digitale Vernetzung nicht so schnell ersetzt werden.

Crowdfunding von Kirchberg AM Wechsel aus „ASAGAN“, das charmante Bilderbuch von Wolfgang Hartl und Erika Friedl, arbeitet mit 100 bis 500 Jahre alten Stichen, die mit den witzigen Figuren von Erika Friedl zu Tableaus verwachsen. Da die Herstellung aufwendig war, entschloss sich das junge Duo aus Kirchberg am Wechsel, die Druckkosten über Crowdfunding zu finanzieren, und präsentierte das Projekt auf der größten deutschsprachigen Plattform www.startnext. com. Das Budget war schnell beisammen, genau genommen 168 Prozent, und man druckte dem Konzept entsprechend regional und umweltschonend. Nachdem Band eins bei einer Startauflage von 1.500 Stück, auch aufgrund seiner Auszeichnung als eines der „schönsten Bücher Österreichs“, binnen kurzer Zeit vergriffen war, startete Band zwei, „ASAGAN – Neue Geschichten aus Wien“, schon mit doppelt so hoher Auflage. „Da geht es eigentlich nicht um das Geld oder gar um Spenden, denn seine Investition bekommt man als Sachleistung zurück, sondern um den Community-Effekt, also um Emotionen“, erklärt Wolfgang Hartl. „Man ist bei einer Idee dabei, die einem gefällt, und steigt in den Produktionsprozess ein.“ Ein weiterer Unterschied zum klassischen Publizieren besteht darin, dass die Marketingkampagne vor der Veröffentlichung des Buchs stattfindet. „Daher weiß man auch vorher und nicht erst nachher, wer das Buch haben will und warum.“

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– Wissenswert – Krimis

Heimat, Historie und Dystopie Text: Joshua Köb

Das Böse schläft nie. Neuer Stoff ist garantiert. Es bleibt also spannend in der literarischen Welt der Kriminalistik. Wir haben einen Blick auf die Frühlingsprogramme geworfen und eine kleine Auswahl an neuen Büchern und Tatorten erstellt.

Taut das Eis?

Mühlviertel-Krimi ist „Der springende Punkt“ (federfrei) von Christian Hartl. Bereits zum siebten Mal ist die Wachau Schauplatz bei Lisa Gallauner. Ihr aktueller Fall heißt „Teufelsziel“ (federfrei). In Johann Allachers Wien-Krimi „Der Knochentandler“ (emons) führt die Spur bis zu Falcos Grab. Ums Erben und Sterben im Herzen der Hauptstadt dreht sich die humoristische Koproduktion „Glück in Wien“ (ars vivendi) von Christine Grän und Hannelore Mezei. Auch bei Haymon erscheinen regionale Krimis. In Peter C. Hubers „Blutroter Veltliner“ ist das beschauliche Weinviertel Tatort. Bei Ehrenglauser-Preisträgerin Edith Kneifl heißt es: „Der Tod ist ein Wiener“. Schon seit einigen Jahren zählt der Tiroler Verlag zur Spitze der kriminalistischen Unterhaltungsliteratur. Mit Alfred Komarek, Tatjana Kruse, Georg Haderer und Herbert Dutzler hat man einige Größen des Fachs unter Vertrag. Von Letzterem erschien soeben das tiefgreifende Tochter-MutterRachedrama mit dem drohenden Titel „Am Ende bist du still“. Die fließende Grenze zwischen Opfer und Täter erzeuge eine riesige psychologische Sogwirkung, verrät Linda Müller, die beim Verlag für Krimis verantwortlich ist. Wir haben sie gefragt, was das neue Programm zu bieten hat: „Im Fokus stehen diesmal spannende Frauenfiguren – von der gequälten Tochter, die keinen Ausweg mehr sieht und ihrer Mutter nach dem Leben trachtet, bis hin zum Ermittlerinnentrio mit viel Frauenpower.“ Besonders viel verspricht man sich von Thomas Baums Debüt „Tödliche Fälschung“. Der erfolgreiche Drehbuchautor („Tatort“, „Rosenheim-Cops“, „In 3 Tagen bist du tot“) sei ein absoluter Geheimtipp.

Eines ist sicher: Wenn es um Krimis oder Thriller geht, sind und bleiben die Autorinnen und Autoren aus dem hohen Norden die unumstrittenen Stars der Szene. Dort, wo es frostig kalt und düster ist, scheint das Böse sehr verlockend zu sein. Zumindest wenn man skandinavischen BestsellerAutoren wie Jo Nesbø, Hakan Nesser oder Jussi Adler-Olsen Glauben schenkt. Doch was empfiehlt sich jetzt, wo die warmen und hellen Jahreszeiten anbrechen? „Krimis sind wunderbare Reisebegleiter, weil sie eine Gegend auf unterhaltsame Weise erfahrbar machen und ganz nebenbei oft auch viel Wissen über eine Region transportieren“, meint Linda Müller vom Haymon Verlag. Petra Wendler von Gmeiner empfiehlt „leichte, spannende und teils auch skurrile Geschichten mit pointiert gezeichneten Serienfiguren“ als Frühjahrs- und Sommerlektüre. Also Geschichten, die sich eher am Land als in der Hektik der Großstadt abspielen. Bei der großen Auswahl an Neuerscheinungen dürfte da für jeden etwas dabei sein.

Blutiges Land Mord am Feld, im Wald, im Moor oder am Berg. In Bayern, im Schwarzwald, im Waldviertel, im Salzkammergut oder in Vorarlberg. Egal wo, die ländliche Idylle ist jedenfalls nachhaltig gestört. Krimis mit Lokalkolorit sind schon eine Weile hoch im Kurs. Der deutsche Gmeiner-Verlag hat sich auf dieses Genre spezialisiert. Und da der Tod keine Grenzen kennt, sind die Mordgeschichten aus dem Alpenland sogar besonders beliebt. Hervorzuheben ist etwa Claudia Rossbachers Steiermark-Reihe rund um die Ermittlerin Sandra Mohr. Im neuen Fall „Steirerquell“ begibt sich diese auf die Suche nach ihrer plötzlich verschwundenen Freundin. Mit Schrecken endet der Winter in Vorarlberg. Martin Mucha lässt in „Funkenfeuer“ eine Volksschullehrerin während des brauchtümlichen Festes spurlos verschwinden. Ein Geheimtipp, wie Petra Wendler vom Gmeiner-Verlag verrät. Zwei neue österreichische Autorinnen hat der Verlag mit Maria Publig („Waldviertelmorde“) und Eva Reichl („Mühlviertler Blut“) im Programm. Ein weiterer

Geschichtsunterricht Mitfiebern und lernen: Zeitgeschichtliche Krimis liegen im Trend. „True-Crime bleibt ein gefragtes Thema“, betont auch Wendler. Ein Beispiel dafür liefert Uwe Klausner. Er bettet in seinem neuen Roman die Ermordung von Kaiserin Elisabeth in einen fiktiven Plot ein. In „Sisis letzte Reise“ (Gmeiner) treffen Fakten auf fiktive Charaktere und Verschwörungstheorien. Im Gedenkjahr „100

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– Wissenswert – Krimis

Jahre Republik“ erscheint Gerhard Loibelsbergers „Schönbrunner Finale“ (Gmeiner). Mit dem Verfall Österreich-Ungarns beschäftigt sich auch Günther Zäuner in „Halbseidenes kaiserliches Wien“ (federfrei). Von den Folgen der NS-Diktatur und dem unbehelligten Weiterwirken ehemaliger Nazis erzählt J. J. Preyer in „Wiener Blaupausen“ (Gmeiner). Die Geschichte dreht sich um eine mörderisch-revisionistische Politikerriege, die 1967 in Wien das „Deutsche Reich“ erneuern will. Etwas weiter nördlich kündigt Gunnar Kunz in „Schwarze Reichswehr“ (Gmeiner) von den Vorzeichen der Nationalsozialisten zu Zeiten der Weimarer Republik. Um verbrecherische Bereicherungen ehemaliger SS-Offiziere kreist die „Operation Bird Dog“ (Gmeiner) von Jan-Christoph Nüse über die deutsche Währungsreform im Jahr 1948. Demselben Thema widmet sich Frank Goldhammer in seinem Kriminalroman „Die Vergessenen“, der Ende Juni bei dtv erscheinen wird. Dass auch die Gegenwart genügend Stoff für Thriller bietet, zeigt Carlo Bonini mit „ACAB. All Cops Are Bastards“ (Folio). Der Autor zeichnet ein brutales Bild von Roms Straßen, erzählt von gewalttätigen Hooligans außer Kontrolle und Angriffen auf MigrantInnen.

Tödliche Technologie Apokalyptische Visionen liegen im Trend. Seit einiger Zeit spielen viele Krimis und Thriller in einer technologisierten Zukunft. Wo künstliche Intelligenzen regieren, ist der Mensch nur Randfigur. Ein Indiz für das Interesse an Horrorszenarien sind Marc Elsbergs bei blanvalet erschienene Bestseller „Blackout“ (Stromausfall), „Zero“ (Datenüberwachung) und „Helix“ (Gentechnik). Von den Abgründen der biologischen Revolution und den Missbrauchsmöglichkeiten der Gentechnik handelt der Thriller „BIOS“ (rororo) von Daniel Suarez. Frisch zum Thema künstliche Intelligenz erscheint Tom Hillenbrands Sciene-Fiction-Thriller „Hologrammatica“ (KiWi). Den drohenden Klimakatastrophen der Zukunft widmet sich Uwe Laub in „Sturm“ (Heyne).

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– Wissenswert – Gastkommentar

Kampf der Buchstaben

Wien, Bahnhofstrafiken). Ein Großteil der einschlägigen Bücher kommt allerdings aus deutschen Verlagen wie Antaios, Kopp oder Grabert. Mehr noch als über Bücher finden rechtsextreme Ideologeme auf Internet-Plattformen wie YouTube, Facebook oder unzensuriert.at Verbreitung. Einschlägige InternetFormate erreichen beachtliche Zugriffe. Der Rechtsextremismus hat sich modernisiert und agiert mit Gruppen wie der Identitären Bewegung im vorpolitischen Raum. Das Konzept der sogenannten Neuen Rechten ist es, mit Aktionen und sprachlichen Mitteln in mediale Diskurse einzudringen und Konnotationen zu setzen. Dies gelingt auch. Beispielsweise strahlte der oberösterreichische Regionalfernsehsender RTV einen positiven Bericht über einen „Defend Europe“-Vortrag der Identitären Bewegung aus, der im Internet Verbreitung findet. Das Spezifische an der österreichischen Situation ist ein weitreichendes Ineinandergreifen von Neonazismus, Rechtsextremismus und Bürokratismus. Österreich hat eines der restriktivsten Fremdengesetze Europas. Sozialleistungen werden an „Integrationskriterien“ gekoppelt, die Behörde reduziert damit komplexe Lebensrealitäten. Der Opfermythos ist nach wie vor sehr lebendig. Außerdem sind Hasskriminalität und rechtsextreme Straftaten laut Verfassungsschutz massiv im Steigen begriffen.

Ralf Drack Auch in Österreich gibt es eine Verlagslandschaft am rechten Rand. Das Buch ist für Rechtsextreme aber nicht das Mittel erster Wahl

I L L U S T R A T I O N : G E O R G F E I E R F E I L , F O T O : P R I VA T

D

ie rechtsextreme Verlagsszene Österreichs ist klein, aber nicht unbedeutend. Sie ist in einschlägigen deutschen und österreichischen Medien präsent und vernetzt. Neben dem W3-Verlag von Andreas Mölzer ist der bedeutendste österreichische Buchverlag der Ares-Verlag aus Graz, ein Tochterunternehmen des Leopold Stocker Verlags, der in seiner 101-jährigen Geschichte seit Generationen in rechtsextremen Zusammenhängen präsent ist. 2004 gründete der Stocker-Verlag den Ares-Verlag, um der laut Eigenangabe stark gewachsenen Zeitgeschichte/PolitikSparte mit einem separaten Verlag gerecht zu werden, insbesondere auch für den deutschen Markt. Darüber hinaus gibt es Verlage, die Zeitschriften herausgeben (Aula, Zur Zeit, Eckartbote) oder das Internet publizistisch nutzen, wie die 1848 Medienvielfaltverlags GmbH mit der Homepage unzensuriert.at. Der nach dem griechischen Kriegsgott benannte Ares-Verlag wird seit 1995 von Wolfgang Dvorak-Stocker geführt. Dieser gibt

auch die Zeitschrift Neue Ordnung heraus, die aktuell vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem bewertet wird. Dvorak-Stocker referiert bei rechtsextremen Veranstaltungen und verbreitet völkisch-nationalistisches Gedankengut. In seiner Rhetorik sind „Rasse“, Volk und Nation untrennbar miteinander verbunden. Dvorak-Stocker nahm zuletzt beim „Kongress Verteidiger Europas“ im oberösterreichischen Aistersheim als Vortragender teil. Der Kongress wurde von „Infoportalen“ wie infodirekt und unzensuriert.at veranstaltet, die FPÖ-nahe sind und mit ihren Publikationen ein ausländerfeindliches und islamophobes Klima aufbereiten. Beim „Kongress Verteidiger Europas“ nahmen mehr als 500 Personen teil, viele waren aus Deutschland angereist. Das Medium Buch ist wegen seiner Komplexität für Rechtsextreme nicht das Mittel erster Wahl. Doch die Popularisierung rechtsextremer Ideologeme findet auch über den Büchermarkt statt (Internet-Vertriebe wie Bücherquelle, Buchhandlung Stöhr in

„Die rechtsextreme Verlagsszene Österreichs ist klein, aber nicht unbedeutend“

Ralf Drack hat seine Diplomarbeit zum Thema „Rechtsextreme Verlage in Österreich mit dem Schwerpunkt auf den 90er Jahren“ verfasst. Heute ist er Sozialarbeiter in Wels und engagiert sich in mehreren Vereinen.

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– Marktdaten –

Buchhandelspanel Februar 2018 Im Vergleich zum Februar 2017 konnte einzig das Hard- und Softcoverbuch ein Umsatzplus in der Höhe von 1,5 Prozent erreichen. Sowohl die Taschenbücher (–7,9 Prozent) als auch die Hörbücher und Audiobooks (–7,4 Prozent) mussten, verglichen zum Vorjahresmonat, einiges an Umsatz einbüßen. Ingesamt musste der österreichische Buchhandel im Februar 2018 ein Umsatzminus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnen.

Umsatzveränderung

Februar 2018

+1,5 % –0,6 %

2 1 0 -1 Hardcover, -2 Softcover 1,5 % -3 -4 -5 Kumuliert Jän. 2018 bis Feb. -6 2018 Februar 2018 zu Februar 2017 -7 -8

Taschenbuch –7,9 %

Hörbuch/ Audiobook –7,4 %

Hörbuch

Taschen

Hardcov

Umsatzveränderung Nach Warengruppen

Februar 2018 zu Februar 2017

4 2 0 -2

Reisen –6,2 %

Belletristik 1,1 %

Ratgeber –2,6 %

Geisteswissenschaften, Kunst, Musik –2,6 %

Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik –5,8 %

graph

Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft –2,1 %

Kinderund Jugend­ bücher 1,8 %

Sachbuch

Sachbuch 2,6 %

Geisteswissensch

-6

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Sozialwissenscha

Naturwissenscha

-4

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Sachbücher gewannen im Februar 2018 um 2,6 Prozent an Umsatz. Auch Kinder- und Jugendbücher waren im Februar diesen Jahres im Vergleich zum Februar 2017 beliebt: Diese Warengruppe verzeichnete ein Plus von 1,8 Prozent. Ähnlich erging es der Sparte Belletristik mit 1,1 Prozent. Für weniger Reisefreude als noch im Vorjahresmonat sprechen die Umsätze der Reisebücher, hier ergab sich ein Minus von 6,2 Prozent. Ähnlich starke Verluste verzeichneten Bücher der Naturwissenschaft und Medizin. Ein Umsatzminus ergab sich außerdem bei den Sparten Ratgeber ­(–2,6 Prozent), Geisteswissenschaften und Kunst (–2,6 Prozent) und Sozialwissenschaften und Recht (–2,1 Prozent).

Ratgeber UmsatzveRteilung Nach Warengruppen

Umsatzverteilung

Februar 2018

Februar 2018 Taschenbuch 18,9 %

Hardcover, Softcover 79,1 %

Hörbuch / Audiobook 2 %

Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft 2,8 % Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik 5,4 % Geisteswissenschaften, Kunst, Musik 6,2 %

Hö r b uch Tas /A c u h d en iob bu Ha oo ch r k d cov er, S o ftc ov er

Im Auftrag des HVB ermittelt das Marktforschungsinstitut media control monatlich die Umsatzveränderungen im Vergleich zum Vorjahresmonat für die Absatzwege Sortimentsbuchhandel, E-Commerce, Bahnhofbuchhandel sowie Elektro- und Drogeriemarkt. Mit dem MC-Buchhandelspanel werden 83 Prozent aller Barverkäufe in Österreich abgedeckt.

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Ratgeber 21,8 %

Reisen 7,3 %

Reisen

Kinder- und Juge Belletristik Sachbuch 12 %

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Belletristik 27,4 %

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Kinder- und Jugendbücher 17 % R

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– HVB-Mitglieder im Porträt – Verleger / Adinkra, Leonding Porträts: Elisabeth Stuppnig Foto: Robert Maybach

„Es gibt so viele Kinder, die die Welt ins Positive verändern können. Sie sind die Zukunft“

Patrick Addai G

erade geht es stressig zu für Patrick Addai. Mehrere Lesungen – Addai nennt sie Kulturbegegnungen – in Österreich, Deutschland und der Schweiz stehen an. Trotzdem wirkt der Autor und Verleger keineswegs abgekämpft, sondern voller Energie und Tatendrang. Was treibt ihn an? „Ich möchte, dass die Menschen aufhören, in Klischees zu denken, und die afrikanische Mentalität kennenlernen.“ Deshalb wird in seinen Lesungen getanzt, gesungen und gelacht. Patrick Addai kam dank eines Stipendiums Mitte der Neunzigerjahre von Ghana an die Johannes Kepler Universität in Linz, um Volkswirtschaft zu studieren – als erster Ghanese, wie er stolz betont. Mittlerweile lebt er davon, Bücher zu schreiben und in seinem Verlag Adinkra herauszugeben. Als Arbeits- und Lebensmittelpunkt hat er

die beschauliche oberösterreichische Stadt Leonding gewählt. Warum gerade Leonding? Patrick Addai lacht. „Ich bin ein bescheidener Mensch und Leonding ist ein kleiner, ruhiger Ort, der inspiriert. Hier kommen die Hasen und Fasane zu uns. Man muss sie nicht suchen.“ Die Bücher, die er schreibt, sind vor allem fantasievolle Kinderbücher über Freundschaft, Liebe, über die Tradition und Kultur Afrikas. „Kinder haben keine Vorurteile und sind nicht rassistisch. Ihnen ist komplett egal, woher du kommst oder welche Hautfarbe du hast. Sie sind ehrlich. Wenn du nicht gut bist, bekommst du dein Urteil sofort.“ Begonnen hat alles 1999 mit „Die Großmutter übernimmt das Fernsehen“, einem Buch, für das sich Addai an seine eigene Kindheit und die Geschichten seiner Großmutter erin-

nerte. Verlegen wollte es zunächst niemand. Bis eines Tages der Weltladen in Bad Schallerbach auf Addai aufmerksam wurde und das Projekt vorfinanzierte. Eine gute Idee: Das Buch landete auf den Bestsellerlisten, die Finanzierungssituation entspannte sich und Patrick Addai gründete den Verlag Adinkra. Mittlerweile wird Addais Erstlingswerk in Luxemburg als Schulbuch genutzt. Seine Bücher werden nicht nur ins Lëtzebuergesche übersetzt, sondern erscheinen auch auf Französisch, Englisch, Polnisch, Tschechisch und bald in afrikanischen Sprachen wie Twi, Ga, Ewe und Mamprusi. An seine Heimat binden Addai auch wohltätige Projekte: 2000 gründete er mit den Erlösen von „Die Großmutter übernimmt das Fernsehen“ eine Schule in seinem Heimatdorf. „Man tut, was man kann. Wenn ich nicht die Gelegenheit bekommen hätte, in Österreich studieren zu dürfen, wäre ich nie so weit gekommen. Es gibt so viele Kinder, die die Welt ins Positive verändern können, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen. Sie sind die Zukunft.“

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– HVB-Mitglieder im Porträt – Buchhändlerin / Buchcafé Melange, Wien

Romana Ledl

Foto: Krpelan

„Bei guten Büchern ist es wie mit guten Filmen: Sie müssen einen Nachhall haben“

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n Romana Ledls Buchhandlung riecht es gut. Gerade ist eine Kaffeelieferung gekommen. Das passt zum Namen ihrer Buchhandlung „Buchcafé Melange“ im 15. Bezirk in Wien, in der Kundinnen und Kunden in Büchern schmökern, während Romana Ledl berät, verkauft und Kaffee serviert. „Melange“ sei allerdings auch im übertragenen Sinn zu verstehen, erklärt Ledl: „Einerseits gehört Kaffee und Literatur für mich einfach zusammen. Zum anderen steht die Melange vor allem für das typisch Wienerische: einen Mix an Sprachen und Kulturen.“ Deshalb serviert Romana Ledl zur Wiener Melange oder zum türkischen Kaffee auch Süßspeisen. Mal gibt es Baklava, mal Cheesecake, dann wieder Cookies. Romana Ledl lacht: „Das variiert bei mir je nachdem, was die BäckerInnen bringen.“ Die sympathische Buchhändlerin ist in Wien aufgewachsen. Da ihre Mutter aber aus der Vojvodina stammt, hat sie auch schon früh Serbisch gelernt. „Viele Menschen in Wien haben wie ich mehr als eine Sprache in ihrer Familie, aber es ist oft nicht so leicht, an

Literatur in bestimmten Sprachen zu kommen.“ Romana Ledl erkannte die Marktlücke und richtete in ihrer Buchhandlung eine Fremdsprachen-Ecke ein, wo sie Bücher auf Bosnisch, Serbisch, Kroatisch und Türkisch anbietet. Sie weiß, was potenzielle KundInnen wollen – schließlich war die Quereinsteigerin nach ihrem Germanistik-Studium 16 Jahre lang im PR-, Marketing- und Eventbereich, davon neun Jahre im Literaturhaus Wien, tätig. Die Idee, irgendwann ihr eigenes Geschäft zu eröffnen, ließ sie aber nicht los. Der HVB war ihr bei der Gründung eine große Unterstützung: „Gerade wenn man am Anfang steht, tun sich immer wieder Fragen auf. Der HVB gab mir das Gefühl, dass ich nicht alleine bin und dass es da jemanden gibt, den ich jederzeit fragen kann.“ Romana Ledls Sortiment deckt sich meist mit ihrem eigenen Geschmack. „Natürlich nehme ich gerne Sachen ins Sortiment, die mir selbst gefallen. Ich kann kein Buch empfehlen, wenn ich nichts damit anfangen kann. Aber ich muss natürlich auch differenzieren, was ein gutes Buch ausmacht, unabhängig von meinem persönlichen Geschmack.“ Und was macht ein gutes Buch aus? Für Romana Ledl ist es wie mit Filmen. Ob ein klassischer Popcornfilm oder ein fordernder Autorenfilm: Sie müssen einen Nachhall haben. „Das liegt mir auch bei Büchern am Herzen.“ Ledl möchte, dass in ihrem Buchcafé die Leute zusammenkommen. „Egal aus welchem Kultur- oder Sprachraum wir kommen, die wirklich wichtigen Dinge verbinden uns alle: Familie, Liebe, das politische Leben. Essen, Kaffee und Süßes sowieso. Das lieben alle.“

Buchcafé Melange Reindorfgasse 42 1150 Wien

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– HVB-Mitglieder im Porträt – Verlegerin / Hannibal und Edition KOCH, Innsbruck

Monika Koch Foto: Martin Vandory

„Die Stars, die ich kennengelernt habe, sind weder arrogant noch abgehoben. Sie sind Menschen wie wir, mit Höhen und Tiefen“

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ie Stars, die ich kennengelernt habe, sind weder arrogant noch abgehoben. Sie sind zugänglich und sympathisch, vor allem aber sind sie Menschen wie wir, mit Höhen und Tiefen.“ Von Beyoncé über Prince bis hin zu AC/DC und Nirvana – in den Verlagen Hannibal und Edition KOCH sind etliche Biografien von Stars erschienen. Gerne erinnert sich Monika Koch an Begegnungen mit dem Idol ihrer Kindheit, David Hasselhoff, mit Schauspieler Til Schweiger oder dem Gitarristen von Queen, Brian May. Doch nicht alle Stars, deren Biografien in Kochs Verlag erscheinen, treffen die Verlegerin oder die AutorInnen persönlich. „Viele Bios internationaler Stars erscheinen auf Englisch. Wir kümmern uns dann um die Übersetzung für den deutschsprachigen Markt.“

Nachdem sie in Innsbruck und London Wirtschaftswissenschaften studiert und in einer Steuerberatungskanzlei gearbeitet hatte, entschied sich Koch vor zehn Jahren dazu, sich innerhalb des Familienbetriebs KOCH International den beiden Imprints Hannibal und Edition KOCH zu widmen. Jährlich verlegt sie zwischen zehn und zwanzig Biografien von SchauspielerInnen, SportlerInnen, PolitikerInnen und MusikerInnen aus dem Pop- und Rockbereich. Ihre Zielgruppe ist zwischen 35 und 70 Jahre alt und – unüblich für die Buchbranche – vorwiegend männlich. „Aber natürlich hängt das immer wieder vom aktuellen Programm und von den einzelnen Titeln ab“, sagt Koch. Welche Themen und welche Stars bewegen die Menschen im Moment? Wer geht auf Tournee? „Man muss up to date sein“, findet Koch. Dieses und nächstes Jahr stehen einige Jubiläen an, zu denen Bücher erscheinen werden: darunter 50 Jahre Led Zeppelin und nächstes Jahr 50 Jahre Woodstock. Jedes Jahr stellt Monika Koch auf der Frankfurter Buchmesse am Stand des HVB aus, der ihr auch sonst immer eine Hilfe ist: „Wir nutzen die Veranstaltungen zur Weiterbildung und zum Networking. Und selbstverständlich profitieren wir durch den Einsatz des HVB für die Förderung des Kulturguts Buch.“ George Michael, Carrie Fisher, Michael Jackson – denkt Monika Koch an die großen KünstlerInnen, deren Biografien in ihrem Verlag erschienen sind, wird sie ein bisschen wehmütig: „Viele unserer Künstler sind in den letzten zehn Jahren verstorben. Das waren Legenden, die viel zu erzählen hatten.“ Doch es gebe genügend spannende noch lebende Persönlichkeiten, deren Geschichten es wert seien, erzählt zu werden, fährt Koch munter fort: „Bald erscheint die Autobiografie von Sängerin Marcia Barrett von Boney M. Sie hat sechs Krebsarten überlebt und eine wirklich bewegte Lebensgeschichte.“

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– HVB-Mitglieder im Porträt – Buchhändler / Karl Schmidl Buchhandlung, Geschäftsführer / KÖBU DATA

Foto: Christopher Mavric

„Eine gute Frequenzlage ist das Um und Auf. An uns kommt man einfach schwer vorbei, das hilft sehr!“

Andreas Gausterer A

ndreas Gausterer ist sein eigener Kunde. Als Geschäftsführer von KÖBU Data entwickelt er Software für BuchhändlerInnen. Zugleich weiß er als Inhaber der Karl Schmidl Buchhandlung in Krems am besten, was BuchhändlerInnen wollen. In ersterer Funktion arbeitet er in einem denkmalgeschützten Altbau in der Wiener Grünangergasse, in dem auch der HVB seinen Sitz hat. Mit dem Hauptverband arbeitet Gausterer eng zusammen, so hat KÖBU Data gemeinsam mit dem HVB zum Beispiel das Auslieferungsverzeichnis gestaltet. Das Innenstadtpalais ist ein repräsentatives Gebäude, das allerdings auch Tücken birgt: „Die dicken Mauern machen das Arbeiten nicht immer leicht. Das Festnetz funktioniert zwar tadellos, aber mit mobilen

Daten wird es schon schwieriger.“ Bei KÖBU Data begann Andreas Gausterer bereits 1997 während seines Studiums der Wirtschaftsinformatik – damals noch als Außendienstmitarbeiter. Seit 2003 ist er Geschäftsführer. Auf den Erfolg von KÖBU Data ist er sichtlich stolz. „Mittlerweile verwenden 95 Prozent der österreichischen Buchhandlungen unsere Software, um Waren, Sortiment und Kundendaten zu managen.“ Viel hat sich in all den Jahren getan. „Früher gab es das Verzeichnis lieferbarer Bücher VLB oder das ISBN-Verzeichnis lediglich in Buchform. Jetzt wird alles webbasiert.“ Im Netz ist auch die Buchhandlung Andreas Gausterers zu finden, die er seit sechs Jahren als alleiniger Inhaber leitet: Die KundInnen der Karl Schmidl Buchhand-

lung in Krems können ihre Bücher via Webshop bestellen. Einst in Besitz seines Vaters Alfred Gausterer, liegt der Schwerpunkt der kleinen Sortimentsbuchhandlung auf Reiseliteratur. Neben Reiseführern, Landkarten und Radwegkarten findet sich in den Regalen auch klassische und regionale Literatur, wie Krimis von Bernhard Görg. Der Standort im Zentrum der Kremser Landstraße ist gut gewählt: „Eine gute Frequenzlage ist das Um und Auf. An uns kommt man einfach schwer vorbei, das hilft sehr!“ Andreas Gausterer lacht. Krems, Wien und wieder zurück – wie schafft er den beruflichen Spagat? „Mein Vater steht zum Glück auch heute noch im Geschäft.“ Alfred Gausterer verantwortet den Einkauf, während sich Andreas Gausterer um die Buchhaltung und die EDV kümmert. Auf die Frage, was sich der Buchhandel in Zukunft von digitalen Medien erwartet, antwortet er: „Ich als Buchhändler wünsche mir vor allem eines: Zeitersparnis durch elektronische Systeme“. Das brauche es, um in der hektischen Zeit den Überblick zu behalten.

Buchhandlung Karl Schmidl Obere Landstraße 5 3500 Krems an der Donau

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– Selbstredend –

F o t o : P a u l Z s o l n ay V e r l a g / L e o n h a r d H i l z e n s a u e r

„Auf einer Liste der ,Feinde Russlands‘ hatte ich die Nummer sechsunddreißig“

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Der neue Roman von Maxim Kantor ist ein Abgesang auf die russische Kultur. Im Interview erklärt er, warum jede Kultur zu Ende gehen kann und wie es dazu kam, dass er jetzt auf einer Insel im Atlantik lebt Interview: Erich Klein

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axim Kantor, 1957 in einer prominenten Moskauer Intellektuellenfamilie geboren, ist ein Universalist. Nach dem Grafikstudium gründete er 1983 im Underground eine Künstlergruppe, ab Ende der 80er-Jahre folgten zahlreiche Ausstellungen in Russland und Europa. Als international erfolgreicher Künstler vertrat er Russland 1997 auf der 47. Biennale in Venedig. Längst in mehreren europäischen Ländern ansässig, wurde Maxim Kantor erst 2006 mit dem voluminösen Roman „Zeichenlehrbuch“ (2006) als Schriftsteller bekannt. Die bissige Satire auf Moskaus Kunst- und Kulturszene wurde zum Skandal, Kantor aber dennoch für zahlreiche Literaturpreise nominiert. Der kürzlich auf Deutsch erschienene Roman „Rotes Licht“ (Zsolnay) ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie: Familiengeschichte, erzählt als Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Maxim Kantor lebt und arbeitet auf der Ile de Ré und in Oxford. Der anzeiger traf den Autor, der kürzlich zur Buchpräsentation nach Wien kam, im Café Prückel. Im ersten Satz von „Rotes Licht“ liegt der Vater des Erzählers in Moskau im Sterben. Sogleich erfolgt ein Schnitt zum aktuellen Krieg in der Ostukraine. Kam dieser Krieg im Gefolge der Besetzung der Krim 2014 für Sie eigentlich überraschend? Maxim Kantor — Es war tatsächlich unerwartet. Wäre darauf geachtet worden – man hätte es merken können. Mein Vater hat das sonderbarerweise vorausgesehen. Vor zwanzig Jahren sagte er zu mir und meinem Bruder einmal: „Die Ukraine ist das slawische Atlantis. Das Imperium wird durch einen Krieg mit der Ukraine wiedererrichtet.“ Wir haben damals nur gelacht. Halten Sie einen großen Krieg mit der Ukraine, der immer wieder gespenstisch im Raum steht, in Zukunft für möglich? Kantor — Ja. Was heute in Russland geschieht, ist einerseits eine lächerliche Farce, andererseits ist es schrecklich!

Der Terror des 20. Jahrhunderts hat auch deutliche Spuren in Ihrer Familiengeschichte hinterlassen. Ihre Großeltern gehörten zur Elite des Landes. Kantor — Der Großvater stammte ursprünglich aus Bessarabien und war überzeugter Anarchist. Er wurde 1905 vom Zarenregime verhaftet und nach Sibirien verbannt. Von dort floh er auf abenteuerliche Weise über das

„Was heute in Russland geschieht, ist einerseits eine lächerliche Farce, andererseits ist es schrecklich!“ Maxim Kantor

Schwarze Meer nach Europa und weiter nach Argentinien, wo er an der Universität von La Plata Professor für Metallurgie wurde. Warum kam er in die Sowjetunion zurück? Kantor — Er wurde 1927, in der Wiederaufbauphase des Landes, als ausländischer Spezialist eingeladen. Eigentlich wollte er nur einige Jahre bleiben. Es kam dann ziemlich viel dazwischen! Als wenige Jahre später der Spanische Bürgerkrieg begann, schlossen sich drei seiner Söhne, die ja Spanisch sprachen, den Internationalen Brigaden an. Und wurden nach ihrer Rückkehr Opfer des Stalinismus. Kantor — Sie wurden als Trotzkisten verhaftet. Auch der Großvater wurde als Vater zweier Trotzkisten verhaftet. Meine Großmutter, eine glühende Kommunistin und seit 1903 Mitglied der Kommunistischen Partei, schreib einen Brief an die Führung

und der Großvater wurde nach eineinhalb Jahren Gefängnis freigelassen. Damals gab es noch Freisprüche? Kantor — Offenbar, wenn auch in geringer Zahl. Allerdings hat der Großvater bis zu seinem Tod kein Wort mehr gesprochen. Sie haben ihn nicht mehr erlebt? Kantor — Nein – er starb 1947. Meine Mutter erzählte mir später, dass mein Vater, der erst sehr spät aus der Armee demobilisiert wurde, gerade noch rechtzeitig nach Hause kam. Er saß zwei Tage lang beim toten Großvater im Leichenschauhaus. Ich habe das, als mein Vater vor mittlerweile zehn Jahren starb, auch gemacht. Sie wurden 1957 geboren. Ihr Vater war ein vom System geduldeter Philosoph und Spezialist für Ästhetik, befreundet mit zahlreichen Dissidenten. Wie war Ihre Kindheit im Moskau der 60er-Jahre? Kantor — Die glücklichste der Welt – auch wenn wir arm wie Kirchenmäuse waren. Mein Vater war der klügste Mensch der Welt. Er hatte keine Hoffnungen mehr auf eigene Publikationen und verwandte all seine Energie auf meine Ausbildung. Alles, was ich weiß, hat er mir bei unseren täglichen Abendspaziergängen erzählt. Einmal sprachen wir darüber, was ich einmal werden möchte. Ich sagte, ich werde Künstler und Schriftsteller. (lacht) In welchem Alter wurde Ihnen die Tragödie des Kommunismus und Ihrer eigenen Familie bewusst? Kantor — Das war mir sofort klar. Ich habe Stalin immer gehasst. In unserem Familienarchiv gibt es eine Postkarte mit Stalins Visage, über die ich schrieb: „Henker und Mörder!“ Ich war vier oder fünf und hatte gerade Schreiben gelernt. Meine Eltern und deren Dissidenten-Freunde hatten mich schon für das Sowjetsystem verdorben. (lacht)

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Das klingt trotzdem eher unwahrscheinlich. Kantor — Ich konnte den Kommunismus nie ausstehen und produzierte mit vierzehn eine antisowjetische Zeitung. Dafür wurde ich verhaftet und aus der Schule hinausgeworfen. Ich bekam ein Jahr „bedingt“. Ich wurde dann Gepäckträger am Bahnhof und besuchte eine Abendschule. Neben mir ­saßen vierzigjährige Busfahrer. Es war eine ziemlich interessante Zeit!

mus-Leninismus zu zerstören, was im Prinzip gut war; alles Sozialistische durch Kapitalismus zu ersetzen.

kritisieren und den neuen Herren zu dienen. Wenn ich die Liberalen kritisiere, dann nicht, weil ich Stalin so sehr mag.

Man sagt, es gab keine Alternative. Kantor — Das Problem waren die dabei angewandten Mittel – die sogenannte Privatisierung, die man besser als Feudalisierung bezeichnet. Das größte Land der Welt mit entwickelter sozialistischer Wirtschaft wurde in die Hände einiger weniger übergeben. Dass diese Ökonomie nicht funktionierte, ist

Der neue Stalin-Kult der Putin-Jahre ist dennoch ein merkwürdiges Phänomen. Es gab und gibt in Russland ja auch ausführliche StalinKritik. Warum gibt es bis heute eigentlich keine eindeutigen Zahlen der Stalinopfer? Kantor — Weil man sie nicht wirklich wissen wollte – weder die Zahl der Opfer des Zweiten Weltkrieges oder der ermordeten Ju-

Machen wir einen Sprung in die Gegenwart. Sie hatten als Künstler in den 90er-Jahren rasch Erfolg und damals auch einen Band mit Erzählungen veröffentlicht, der eher un­bemerkt blieb. Was war der Grund für die ­spätere Schriftstellerlaufbahn, die mit ­Zeitungsartikeln begann? Kantor — Ich habe eigentlich mein ganzes Leben lang geschrieben. Mit dreiundvierzig war es dann Zeit für eine größere Arbeit. Gründe dafür gab es. Was meinen Sie damit konkret? Kantor — Ich konnte – wie gesagt – die Sowjetmacht nie ausstehen. Was nach ihr kam, war mir allerdings auch nicht sympathisch. Der damals entstandene Neofeudalismus war widerlich! Daraus entstand dann der Roman „Zeichenlehrbuch“.

Können Sie das genauer erklären? Kantor — Die Sowjetgesellschaft war eine Kasernengesellschaft mit verschiedenen Schichten und Kasten – eine davon die Intelligenzija mit einem ganz bestimmten Verhaltenskodex. Man wusste, wie man sich unter den Bedingungen des Straflagers zu verhalten hatte – nicht vernadern, eine gewisse Treue zu Idealen bewahren, es gab einen humanistischen Kodex. Löste sich der mit dem Ende der Sowjetunion auf? Kantor — Nach dem Untergang der Sowjetunion entstand ein undefinierbarer QuasiKapitalismus. Im Russland der 90er-Jahre gab es nur eine Überzeugung: den Marxis-

„Ich konnte den Kommunismus nie ausstehen und produzierte mit vierzehn eine antisowjetische Zeitung“ Maxim Kantor

dabei nicht wichtig – formal war das Volk Eigentümer gewesen. Rund um die neuen Feudalherren, denen plötzlich ganze Regionen gehörten, entstand eine gewisse ideologische Aura. Sie hatten auch Zeitungen und Fernsehen, alle Medien in der Hand. Und sie kauften auch die Moskauer Intelligenzija ein. Kantor — In Sowjetzeiten konnte man wenigstens recht gut zynisch sein. Unter den neuen Herren wie Beresowski, Prochorow oder Deripaska entstand eine OligarchenIntelligenzija, die über eine sehr einfache Wahrheit verfügte: Es genügt, wenn du den längst untergegangenen Kommunismus kritisierst, dann bekommst du alle Freiheiten für den heutigen Tag. Die Intelligenzija begann sogleich voller Begeisterung Stalin zu

den noch der eingesperrten Dissidenten oder jener, die unter Putin verhaftet wurden. Wir kennen keine genauen Zahlen und jedes Mal, wenn du irgendwo in die Provinz kommst, erfährst du neue Horrorgeschichten. In diesem Zusammenhang ist aber noch etwas anderes wichtig: Die sogenannten Liberalen vertreten eigentlich dieselben faschistischen Putin-Ideen wie seine patriotischen Schergen. Die Leute aus dem Westen verstehen das meistens nicht, wenn sie nach Russland kommen. Sie meinen die traute Einigkeit zwischen den Putin-Anhängern und -Kritikern, die Sie auch in „Rotes Licht“ sarkastisch beschreiben? Alle schlemmen beim französischen Botschafter. Kantor — Der Chef des liberalen Radiosenders „Echo Moskaus“ und Putins Pressespre-

F o t o : P a u l Z s o l n ay V e r l a g / L e o n h a r d H i l z e n s a u e r

Mit dem Spott über die Moskauer Kunstszene und der Kritik an der russischen Intelligenzija, die Sie auch in „Rotes Licht“ aufgreifen, kamen Sie ziemlich in die Bredouille. Kantor — Viele sahen mich deshalb als antiliberal an – in Wahrheit bin ich superliberal. Allerdings kritisierte ich den Neofeudalismus, der sich in Russland den Deckmantel der liberalen Demokratie übergeworfen hatte. Es hieß gleich: „Kantor ist ein Stalinist!“

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Kramers Kinderstube cher sind Freunde. Am Abend hocken sie gemeinsam im Restaurant. Keiner der Oli­ garchen, die liberalen Ruf genießen, hat je den Krieg in der Ukraine kritisiert. War das der Wendepunkt in Ihrer Sicht der russischen Politik – die Besetzung der Krim und der Krieg im Donbass? Kantor — Unmittelbar vor der Besetzung der Krim schlug man mir vor, Kulturminis­ ter zu werden. Man hatte mich sehr gerne – ein Kritiker der Liberalen, der über Bildung verfügt und im Westen bekannt ist. Das hätte ihnen gefallen: Wir besetzen die Krim und haben einen Kulturminister Kantor, den man nicht einmal als Faschisten bezeichnen kann, weil er Jude ist. Wie ging es nach der Ablehnung dieses Angebots weiter? Kantor — Nachdem ich die Besetzung der Krim unmissverständlich kritisiert hatte, be­ kam ich viele Drohbriefe. Es hieß, sie würden mich aufhängen. Es gab auch einen Artikel mit dem Titel „Der Judas Kantor“. Auf einer Liste der „Feinde Russlands“ hatte ich die Nummer sechsunddreißig. Sie bezeichnen Putin in Ihrem Roman als „kleinen blassen Mann“, der die Macht im Kreml usurpiert hat und die Welt in Aufruhr versetzt. Es mag schon stimmen, dass der russische Präsident ein größenwahnsinniger Spießbürger ist, aber genügt der Spott allein? Kantor — Ich mache mich über ihn nicht mehr lustig als über andere Figuren wie Hei­ degger oder Hannah Arendt. Außerdem tue nicht ich das, sondern eine der Romanfigu­ ren. Als Person ist Putin widerwärtig und er müsste natürlich längst abgesetzt werden. Er ist nur noch eine stehende Lacke im russi­ schen Sumpf. Allerdings bedeutet das nicht, dass sich allein durch einen anderen Präsi­ denten etwas ändern würde. Die KGB-Macht und der liberale Kapitalismus passen gut zusammen. Solange die feudale Natur Russ­ lands nicht zerstört wird, werden die Men­ schen immer nur Dienstpersonal des Kreml und Kanonenfutter bleiben.

wird immer nationalistisch sein. Außerdem kenne ich eine Reihe von Ukrainern, die rus­ sische Kultur und russischen Imperialismus sehr wohl zu unterscheiden wissen. Das Ver­ rückte in Russland ist ja, dass der russische Imperialismus jetzt versucht, auch die ganze russische Kultur in Geiselhaft zu nehmen. Ist sie nicht auch dafür verantwortlich? Kantor — Es ist tatsächlich ein großes Pro­ blem der russischen Kultur, sie immer nur als heilig anzusehen. Es gab nie eine Aufar­ beitung und tiefgehende Entnazifizierung, wie sie in Deutschland geschehen ist. Von außen werden Tolstoi und Dostojewski in einem Atemzug genannt, obwohl zwischen beiden ein immenser Unterscheid besteht. Man übersieht gerne, dass Dostojewski zur Eroberung von Konstantinopel aufrief, ein Imperialist und Antisemit war. Tolstoi war das Gegenteil davon. Ihr Buch geht noch einen Schritt weiter: Sie rechnen auf ziemlich rabiate Weise mit der im Westen so geschätzten russischen Avantgardekunst ab. Die Kunst der Revolutionszeit wurde im Stalinismus doch unterdrückt. Kantor — Mich interessierte die abstrakte Kunst mit ihren Gurus schon in Dissidenten­ zeiten nicht besonders. Ich glaubte »

ZUM BUCH Maxim Kantor: Rotes Licht (Wien 2018) Aus dem Russischen von Juri Elperin, Sebastian Gutnik, Olga und Claudia Kor­ neev; Paul Zsolnay Verlag Schiefe Häuser, kaputte Zäune, verwüste­ tes Land: Solomon Richter dämmert auf einer Eisenpritsche in einem Moskauer Vorstadtkrankenhaus dem Tod entgegen. Der Historiker lässt das Leben von drei Ge­ nerationen seiner Familie Revue passieren. Als Mephisto und Begleiter durch das 20. Jahrhundert tritt eine obskure Figur aus Hitlers Umgebung auf den Plan:

Foto: darko tod orovic

„Europa war ein Sterben und Wiederaufer­

Was im Falle der Ostukraine der Fall ist. Es mag nicht einfach sein, eine neutrale Position einzunehmen – aber der Krieg wird auch in der Ukraine von nationalistischem Getöse begleitet. Was ist davon zu halten? Kantor — Die Aggression geht von Russland aus, aber natürlich gibt es auch in der Uk­ raine Nationalismus. Man darf einer Kolonie oder Provinz nicht das Recht auf Aufstand absprechen! Der Aufstand einer Kolonie

stehen – für einen Menschen aber, der nur ein Leben hat, wiegt der Tod schwer.“ Ausstellung: „BOSCH & KANTOR“: In der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien (zu Gast im Theatermuseum) werden vom 4. Oktober 2018 bis 13. Jänner 2019 erstmals Maxim Kantors künstlerische Werke ausgestellt.

Irmgard Kramer Jugendbuchautorin

Trinkgeld Eine Klasse auf Messebesuch Schulausflüge sind was Feines. Ausgerüstet mit festem Schuh­ werk, Sonnenbrille und einem Rucksack voller Wurstsemmeln und picksüßer Limonade, hält man sich an den Händen und wartet, bis alle auf dem Klo waren. Kinder aus Leipzig machen gern Schulausflüge durch die Buchmesse. MiniaturZweierreihen in verkehrssicheren Westen schlängeln sich durch Mensch und Buch. Mit Himbeerlutschern sitzen sie in Lesebuden und lauschen den Geschichten. Nach der Lesung drängen sie sich um den Tisch und stellen kluge Fragen. Die Kinder sind sehr höflich. Zum Abschluss wollen sie ein Autogramm. Sie buchstabieren ihre Namen: Yves, Cora, Adam Maurice (ohne Bindestrich), Cherish, Octave, Amy-Josephine (mit Bindestrich) und Titus. Titus verabschiedet sich mit den Worten: „Wir möchten uns herzlich bei Ihnen bedanken, dass sie uns vorgelesen und unsere Fragen beantwortet haben, und wir würden Ihnen dafür gern ein Trinkgeld geben.“ Angesichts der astreinen deutschen Sprache fragt sich die Autorin, ob Kinder mit Drei-WortSätzen in Erstlesebüchern nicht unterfordert werden. Fünf klebrige Kinderhände lassen Münzen auf den Tisch kullern. Die Autorin zählt und bedankt sich. Fünfzehn Cent. Dafür lohnt sich das Schreiben allemal.

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– Selbstredend –

Ihr Urteil ist ziemlich harsch: Sie stellen Kandinsky und Malewitsch neben Hitler. Malewitschs Gemälde „Das Schwarze Quadrat“ sei nichts anderes als die Kehrseite des Hakenkreuzes gewesen. Kantor — Chagall hatte nichts mit der Avantgarde zu tun – er war ein großer Humanist. Ein Künstler wie Tatlin war ein interessanter Projektemacher, der den naiven Traum der Befreiung jedes Einzelnen träumte. Dasselbe gilt für einen Dichter wie Majakowski. Aber die ganze Avantgarde, Leute wie El Lissitzky, stellte sich in den Dienst des Systems, Rodtschenko fotografierte diese pompösen Paraden des Stalinismus. Sie waren die Väter des Sozialistischen Realismus. Was ihre Unterdrückung betrifft – es kommt öfter vor, dass die Väter von den Söhnen aufgefressen werden! Kandinsky mag ich aus anderen Gründen nicht – das ist Neo-Heidentum gepaart mit schwerem Nationalismus. Ihre Liebe als Künstler gilt den alten Meistern von Breughel und Bosch bis Goya. Kantor — Jemand wie Breughel interessiert mich, weil er als Künstler auch ein großer Philosoph und Schriftsteller war. Ich sehe da keinen großen Unterschied. Ich kann stundenlang in Breughels Bildern „lesen“. Hier, im Wiener Kunsthistorischen Museum, gibt es ja einen unglaublichen Schatz an diesen Bildern! Mich interessiert die große existenzielle Geste dieser Maler. Ich versuche jedes Detail zu verstehen. Erst kürzlich habe ich etwa kapiert, dass sich auf Breughels „Turmbau zu Babel“ dieser Turm aus sich selbst aufbaut. Welche Idee! Malewitsch vermittelt mir hingegen keine besonderen Gedanken und es ist unendlich langweilig, Kandinsky anzuschauen. „Rotes Licht“ ist nicht nur ein Denkmal für Ihren Vater und Ihre Familie. Es wirkt auch wie ein Abgesang auf die ganze russische Kultur. Kantor — Ja, das ist es. Wenn Sie mich danach fragen, ob die russische Kultur zu Ende ist, dann kann ich nur antworten: Jede Kultur kann zu Ende gehen. Die griechische Kultur ging genauso unter wie die römische oder die der Renaissance. Es gibt keine ewigen Kulturen. Meine Familie kam für neun-

zig Jahre nach Russland und ich bin jetzt seit zehn Jahren wieder weg. So etwas kommt vor. Meine Familie hat in Argentinien gelebt, in Paris und in Moskau – ich lebe jetzt auf einer Insel im Atlantik. Außerdem gehöre ich selbst viel mehr zu Europa als zum russischen Paradigma.

wieder auferstanden. Der britische Historiker Eric Hobsbawm, mit dem ich befreundet war, sagte mir einmal: „Europa ist ein komplizierter Organismus, der immer wieder erkrankt. Wäre er eine Amöbe, würde er nur einmal erkranken und endgültig sterben.“ Europa ist ein wenig komplizierter.

Mit Russland zurechtzukommen, ist für Europa nicht ganz einfach. Wo sehen Sie heute die wichtigsten Fragen? Kantor — Die wichtigste Herausforderung ist nicht in Russland – Russland, das ist europäische Provinz. Europas Hauptproblem ist es, sich angesichts der Herausforderung durch Amerika, China und Russland seiner eigenen Aufgabe bewusst zu werden. Euro-

Warum ist Ihr neues Buch eigentlich nicht in Moskau, sondern in der Ukraine erstmals erschienen? Kantor — Ich bin in Russland nicht verboten. Es gibt dort andere Bücher. Demnächst erscheinen von mir eine Analyse von Goethes „Faust“ und eine Geschichte der Malerei. Bei „Rotes Licht“ wollte man, dass ich einige Änderungen anbringe, was wiederum ich nicht wollte. Erst kürzlich hat mich der größte Verlag angerufen und vorgeschlagen, es noch einmal zu versuchen. Ich glaube nicht, dass es gelingen wird.

„Europa wird zerfallen, wenn es sich dem Nationalismus überlässt“ Maxim Kantor

Sie leben seit Jahren in diversen europäischen Ländern – in Deutschland, Frankreich und England. Im Vatikan haben Sie einmal eine Kapelle ausgemalt und Sie bezeichnen sich als Katholik. Wohin gehört Maxim Kantor? Kantor — Ich bin Künstler und Schriftsteller, schreibe und zeichne oder male jeden Tag. Für mich sind das keine getrennten Beschäftigungen. Als Künstler kam ich in die unterschiedlichsten Länder und Museen. Ich habe in Berlin gelebt, später in Oxford unterrichtet und dort eine kleine Wohnung genommen. Dem Pass nach bin ich aber Argentinier. Warum denn das? Kantor — Mein Vater wurde in Argentinien geboren und ich erhielt 1989 die argentinische Staatsbürgerschaft zurück.

pa wird zerfallen, wenn es sich dem Nationalismus überlässt – und das wäre nicht nur eine Katastrophe für Europa, sondern für die ganze Welt. Damit kommen wir noch einmal zum ersten Satz von „Rotes Licht“. Es heißt dort: „Der Held dieses Buches, der Jude Solomon Richter, lag im Sterben, wie Europa und die Demokratie.“ Sind sie Optimist oder Pessimist? Kantor — Ich bin Romancier! Sie müssen nach diesem Satz weiterlesen. Dort steht: Europa ist immer wieder gestorben und immer

Dann brauchen Sie ja ein russisches Visum, wenn Sie nach Moskau fahren. Oder haben Sie den russischen Pass auch noch immer? Kantor — Ich erneuere den Pass nicht, will ihn aber auch nicht aufgeben. Aber ich fahre ohnedies nicht mehr hin. Jetzt kokettieren Sie! Kantor — Ich bin über sechzig. Wie viele Jahre bleiben mir noch – zehn, zwanzig Jahre? Ich habe einen erwachsenen Sohn, der schon Professor ist und zwei kleine Söhne im Alter von vier und sieben hat. Ich muss nicht mehr nach Russland fahren. Dass ich begann, auf einer Insel im Ärmelkanal zu leben, war kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Ich wollte immer auf einer Insel leben!

F o t o : P a u l Z s o l n ay V e r l a g / L e o n h a r d H i l z e n s a u e r

diesen kleinen Gurus nicht. Was die Avantgarde betrifft, so ist sie ein Teil des Totalitarismus. Kasimir Malewitsch war ein russischer Faschist und verheimlichte das gar nicht. Sein Suprematismus bedeutet Herrschaft und Triumph des Heidentums über alles Geistige. Andere Künstler wie Marc Chagall wurden einfach vertrieben.

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– Klassiker – neu entdeckt

Bis der Tod uns

Thesi einen Zahnarzt brauchte, schickte er sie natürlich zu seinem Doktor Aagaard. So – Thesi ist vor zwei Jahren von Herrn Poulsen fortgegangen, Scheidung, Schluß mit Herrn Poulsen, seine Freunde grüßen sie kaum noch, und ihre Freunde, die neuen, jetzigen kennen ihn überhaupt nicht. Man läßt sich scheiden, das machen viele Leute; irgendwann bekommt man auch einen neuen Mann. Aber – wer wechselt freiwillig den Zahnarzt? Kein Mensch, überlegt Thesi, ich bleibe doch auch bei Doktor ­Aagaard. Bis der Tod uns scheidet. Karen Nielsen – Thesi dreht den Wasserhahn auf und läßt heißes Wasser nachfließen, sie drückt das letzte Stückchen Zigarette aus, jetzt kann auch die rechte Hand ins Wasser kriechen. Thesi rutscht in die Wanne hinein, gar nichts denken, das heiße Wasser und der Dunst löschen alles aus, alles – nur nicht den Namen: Karen Nielsen. Sie ist natürlich blond, denkt Thesi, eine Karen Nielsen muß blond sein. Wie angenehm, wenn man Karen heißen kann. Hier heißen fast alle Frauen Karen. Ein paar noch Ingrid oder Mette. „Thesi – was ist Thesi für ein Name?“ fragt jeder, der sie hier kennenlernt. Thesi seufzt auf: Karen, glückliche Karen. Das heiße Wasser wird kühl. Thesi ist zu faul, um wieder den Wasserhahn aufzudrehen. Da liegt sie also und fröstelt. Dieser Sven hat eine neue Villa in

scheidet

Annemarie Selinko: Heute heiratet mein Mann (1940)

Thesi ist nachmittags um halb drei vom Zahnarzt gekommen. Jetzt ist es drei und sie liegt in der Badewanne. (…) Thesi zündet sich eine Zigarette an und liegt ganz still im Wasser. Heiß, herrlich heiß. Sie raucht einen tiefen Zug – dieses Biest von einem Zahndoktor bohrt und bohrt – gut geht es einem in der Badewanne, man kann nachdenken und … Und deshalb – also deshalb liegt sie jetzt in der Wanne, Montag drei Uhr nachmittags, während andere Leute im Büro sitzen oder spazierengehen oder Kaffee trinken. Thesi denkt nicht gern nach. Höchstens manchmal in der Badewanne. Komische Mission erfüllen diese Zahnärzte, überlegt sie. Zahnärzte sind das letzte Bindeglied zwischen geschiedenen Eheleuten. Dieser Doktor da – wie das Biest gebohrt hat! –, also, dieser Doktor ist seit urdenklichen Zeiten der Zahnarzt von Herrn Poulsen. Dann hat Herr Poulsen die Wienerin geheiratet, die Thesi. Und als

Weshalb wir das lesen sollen. anleitung von erich Klein. Annemarie Selinko, 1914 in Wien als Tochter eines jüdischen Textilfabrikanten geboren, besucht das Realgymnasium des „Schulvereins für Beamtentöchter“ und studiert Geschichte an der Uni Wien. In den 1930er-Jahren als Journalistin tätig, veröffentlicht sie mit dreiundzwanzig ihren Debütroman „Ich war ein häßliches Mädchen“ (1937). Auch ihr zweites Buch „Morgen ist alles besser“ (1939 in Prag erschienen) behandelt auf „unterhaltsame“ Weise das neue Role Model der jungen, selbstständigen Frau vor dem Hintergrund der „Goldenen Zwanzigerjahre“. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, einem dänischen Diplomaten, übersiedelt sie nach Kopenhagen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs versucht Selinko Bekannten zur Flucht aus Nazideutschland zu verhelfen.

Der dritte Roman „Heute heiratet mein Mann“ (1940) ist als klassische Wiederverheiratungskomödie angelegt. Die Geschichte der jungen Thesi Petersen, die es quasi autobiografisch nach Dänemark verschlagen hat, wird vom ersten Satz an von schrillen Tönen begleitet. „Zahnärzte sind wie Erdölsucher, sie setzen den Bohrer an und wühlen unbarmherzig und verbissen.“ Thesi erfährt zufällig, dass ihr Ex, der bekannte Kopenhagener Architekt Sven Poulsen, wieder heiraten wird. Ein Bad am frühen Nachmittag ist angesagt: „So – und jetzt ist das Wasser wirklich saukalt“, feixt sie vor sich hin, pfeift den Deutschmeistermarsch und erklärt die Scheidung zur besten Lösung. Politik mischt sich unmerklich ins Spiel der Erinnerungen: „Wien ist weit, Österreich liegt in unwahrscheinlich süßer ferner Vergangenheit und existiert außerdem gar nicht mehr. Versunken, wegradiert

Klampenborg und eine neue Braut. Sven und Thesi haben einmal in einer schönen altmodischen Wohnung in der Bredgade gewohnt. Sven baut die modernsten Häuser von Kopenhagen und sammelt heimlich alte Kommoden und Renaissancestühle. Vor zwei Jahren hat Thesi die Wohnungstür in der Bredgade wütend und endgültig hinter sich zugeknallt. Seitdem hat er sich eine Villa in Klampenborg gebaut. Zwei Jahre. In Dänemark muß man zuerst eineinhalb Jahre getrennt wohnen, dann gibt das Gericht die Scheidung. Das dänische Scheidungsgesetz ist sehr vernünftig, sagen die Juristen. In eineinhalb Jahren überlegt man sich viel. Thesi und Sven hatten sich nichts zu überlegen. Eineinhalb Jahre – in dieser Zeit wurde Thesi eine gute Modezeichnerin. Die großen Warenhäuser kaufen ihre Modelle und ­schreiben „Original-Wiener Modelle“ auf die Kleider, die nach Thesis Entwürfen geschneidert werden. Thesi ist früher in Wien in die Kunstgewerbeschule gegangen und hat ein bißchen Modezeichnen gelernt. Das war alles. Hier kauft man ihre Zeichnungen. Thesi hat eine energische Art, sie den Direktoren der Modellabteilungen einzureden, Thesi – selbst ein Original-Wiener Modell. Nach eineinhalb Jahren schrieb sie Herrn Poulsen einen höflichen Brief: Danke, ich verzichte auf Deine weitere Unterstützung, ich will von Dir nichts als die Scheidung.

Annemarie Selinko, „Heute heiratet mein Mann“ (Milena Verlag, 2018)

von der Landkarte.“ In der besseren Gesellschaft Kopenhagens lernt Thesi den englischen Adeligen Gary kennen, der in den Internationalen Brigaden in Spanien gekämpft hat, und den amerikanischen Kriegsberichterstatter John, in den sie sich beinahe verliebt. Ein rasantes Katz-undMaus-Spiel um die wahre Liebe und gegen alle vergangenen Querelen setzt ein. Im Postskriptum heißt es schließlich: „Ich bin wahnsinnig glücklich, man sollte jede Ehe zweimal beginnen und beide Male mit demselben Mann!“ Dem glücklichen Showdown im Roman folgt in der Realität vorerst kein Happy End. Annemarie Selinko schließt sich nach Dänemarks Besetzung durch die Wehrmacht dem Widerstand an, 1943 wird sie von der Gestapo verhaftet. Nach gelungener Flucht nach Schweden arbeitet sie wieder als Journalistin und gegen Kriegsende als Dolmetscherin für das Rote Kreuz. Selinko stirbt 1986 in Kopenhagen.

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