12 2019
anzeiger
Das Magazin für die österreichische Buchbranche
Saubere Bücher
Gesundheit und Natur
Große Zukunft hinter sich
Mehr als Plastiksackerlverbot und Fridays for Future: Was tut die Branche, um die Natur zu retten?
Naturapotheken, Ernährungsweisen und Wintergärten: Das sind die Neuerscheinungen im Herbst
Der ungarische Schriftsteller und Historiker György Dalos im Gespräch über seine Erinnerungen
FA LT E R V E R L A G S G E S E L L S C H A F T M . B . H . , M A R C -AU R E L - S T R A S S E 9 , 1 0 1 1 W I E N
ÖSTERREICHISCHE POST AG MZ 02Z030877 M
Der ebenso impulsive wie erfolgreiche Wiener Unternehmer Mathieu Rassling ist es gewöhnt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. An einem Sommerabend ermordet in der Tiefgarage eines Hotels aufgefunden zu werden, gehörte allerdings nicht zu seinen Plänen.
336 Seiten, ISBN 978-3-7025-0968-2, € 19,95
Tatort Wien: Der neue Krimi mit Schmäh-Faktor
r Chefinspekto s Leo Lang zweiter Fall
Lesen Sie uns kennen. www.pustet.at Anzeiger Titel Dez.indd 1
09.12.19 10:40
Erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr wünscht Ihnen das Team des Verlags Anton Pustet
– 154. Jahrgang –
„Ich bedanke mich bei allen fünf Fachverbänden und deren Mitgliedern sowie bei den HVB-Gremien, die ehrenamtlich tätig sind“ Gustav Soucek
W
eihnachten. Heißzeit. Um den aktuellen Buchtitel der österreichischen Starautorin Eva Rossmann zu bemühen. Denn Weihnachten ist für viele von Ihnen die anstrengendste Zeit, aber auch die erfreulichste Saison. Jetzt wird verkauft, jetzt sind die Kundinnen und Kunden in den Buchhandlungen. Ich hoffe auf ein gutes Gelingen für diese heiße Phase und einen erfolgreichen Abschluss eines aktiven Jahres. Ein Jahr, für das ich mich auch bedanken möchte – bei allen fünf Fachverbänden und deren Mitgliedern sowie bei den HVB-Gremien, die ehrenamtlich tätig sind und neben dem eigentlichen Beruf Zeit für Handeln und Wirken im Hauptverband des Österreichischen Buchhandels haben. Danke! Ich wünsche Ihnen mit dieser für heuer letzten Ausgabe des anzeigers ein angenehmes Lesevergnügen und viele interessante Beiträge auf den folgenden Seiten.
Ein abwechslungsreiches Programm macht wieder Lust darauf, gelesen zu werden. Pdf-Download und alle Titelinformationen auf www.pustet.at, Broschüre bestellen: buch@spv-verlage.at
Das Thema Umweltschutz beschäftigt natürlich auch unsere Branche. Über „Saubere Bücher“ lesen Sie diesmal in „Essenziell“, was wir alle umsetzen können und wie ökologisch erzeugte Bücher aussehen können (ab S. 10).
F O T O : K A T H A R I N A F. R O S S B O T H
Passend zu guten Vorsätzen im neuen Jahr widmet sich der Schwerpunkt mit aktuellen Büchern zum Thema „Gesundheit und Naturkunde“. Alle Trends in den Neuerscheinungen, von Aromatherapie, Naturapotheke bis Wege zum Wohlbefinden (ab S. 14). Ich freue mich, Ihnen auch diesmal einige unserer HVB-Mitglieder vorzustellen: Astrid Koblanck und Stefan Ragg (Univeral Edition), Nikolaus Donner (Veritas), Doris Stadlbauer (Buchhandlung Schachtner) und Vertreterin Dagmar Niesner (ab S. 24). Der anzeiger traf sich außerdem mit dem ungarischen Historiker und Schriftsteller György Dalos, der über seine neu veröffentlichten Erinnerungen erzählt – nachzulesen ab Seite 28.
NORDICO Stadtmuseum Linz, Andrea Bina, Michaela Nagl (Hg.)
Egon Hofmann-Linz (1884–1972) Künstler Industrieller Kosmopolit
Frohe Weihnachten und friedliche Festtage!
umfassende Monografie mit rund 200 farbigen Abbildungen Texte von Andrea Bina, Berthold Ecker, Margit Greinöcker, Tobias Hagleitner und Michaela Nagl ISBN 978-3-7025-0971-2, € 29,–
Gustav Soucek HVB-Geschäftsführer
Lesen Sie uns kennen. anzeiger / 3
www.pustet.at
– Inhalt –
10
14
Naturheilmittel, selbst gemachte Kosmetik und Gartentipps auch für den Winter
Saubere Bücher – das kann die Buchbranche für die Ökologisierung der Branche machen
Herausgeber: Hauptverband des Österreichischen Buchhandels/ISSN 0003-6277, Grünangergasse 4, 1010 Wien, T: +43 1/512 15 35, www.buecher.at Geschäftsführung: Gustav Soucek Projektleitung: Julia Stumvoll, DW 29, stumvoll@hvb.at Aboverwaltung: Irina Odvody, DW 12, odvody@hvb.at Medieninhaber, Konzept, Redaktion und Produktion: Falter Verlagsgesellschaft m. b. H., Bereich Corporate Publishing, Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, T: +43 1/536 60-0, E: magazine@falter.at, www.falter.at Chefredaktion: Christian Zillner, DW 926, Teresa Preis, DW 812 Geschäftsführung: Siegmar Schlager Anzeigenleitung: Sigrid Johler, DW 952, johler@falter.at Die Offenlegung gem. § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter-verlag ständig abrufbar Herstellung: Print Alliance HAV Produktions GmbH.
28
Dagmar Niesner im HVB-MitgliederPorträt
Der ungarische Historiker und Schriftsteller György Dalos im Gespräch
KURZ GESAGT
5
Tagebuch und Glaskugel Was 2019 der Buchbranche brachte und worauf wir uns freuen dürfen
HVB-MITGLIEDER IM PORTRÄT
24
WISSENSWERT
6
Kurzmeldungen Ö1 Buch des Monats, Goldenes Buch und Platinbuch für Kneipp, Ahoj Wien!, 25 Jahre Folio, Toleranzpreis für Francesca Melandri, PISA-Studie, 60 Jahre Literar-Mechana, Personalia,
György Dalos Im Gespräch mit Erich Klein
Saubere Bücher
31
Kontinent Kinderbuch Weihnachtszeit ist Vorlesezeit
Was tut die Buchbranche, um die Natur zu retten?
KURZ VOR SCHLUSS
ESSENZIELL
SCHWERPUNKT
14
Gesundheit und Naturkunde Gartenfrüchte auch im Winter, Entspannungsübungen und nahrhafte Rezepte
33
Gastkommentar Gerhard Lauer über Wissen und Lesen
STANDARDS
KLASSIKER
23
SELBSTREDEND
28
Ennsthaler, 150-Jahr-Jubiläum Styria, mediakolleg
10
Astrid Koblanck & Stefan Ragg Universal Edition Nikolaus Donner Veritas Dagmar Niesner Vertreterin Random House Doris Stadlbauer Buchhandlung Schachtner
Neu entdeckt Theodor Fontane
anzeiger / 4
TITELSCHUTZ 6 MONATSBESTSELLER 20 MONATSBESTENLISTEN 22 BUCHTERMINE 34
I L L U S T R AT I O N : G E O R G F E I E R F E I L F O T O S : A L E K S A N D R A C H Y T R A , K A R I N WA S N E R , C H R I S T O P H E R M AV R I C
IMPRESSUM
24
– Kurz gesagt –
Tagebuch und Glaskugel WAS 2019 FÜR DIE BUCHBRANCHE BRACHTE UND WORAUF WIR UNS FREUEN DÜRFEN Wenig neue Kunden, dafür neue Mitglieder Trotz vieler Bemühungen unserer Branche, mehr in das öffentliche Bewusstsein zu dringen, ist es nur selten gelungen, neue Kunden zu gewinnen. Dessen ungeachtet verlief das Jahr für die Mehrzahl der Kollegen geschäftlich zufriedenstellend. Außerdem konnten wir mehrere neue Kollegen als Mitglieder Michael Steinbach, begrüßen. Positiv ist zu vermerken, dass die Antiquariat Rare öffentlichen Bibliotheken wieder stärker am Books Markt präsent sind und als Käufer auftreten. Der Gemeinschaftsstand der Antiquare auf der BUCH WIEN 19 hat sich bewährt. So ist zu hoffen, dass sich im kommenden Jahr noch mehr Kollegen daran beteiligen werden. Das kommende Jahr sehe ich für unsere Branche durchaus positiv. Es macht sich eine gewisse Müdigkeit im Umgang mit den digitalen Medien bemerkbar, die Menschen beginnen langsam wieder den Wert eines gedruckten Buches zu schätzen.
Anerkennung und großes Interesse Ein Highlight des Jahres war für uns der Österreichische Kinderund Jugendbuchpreis für „Henrikes Dachgarten“. Das Buch ist rundherum gelungen. Ich mag es sehr, außerdem tut die Anerkennung gut. Schön ist außerdem das große Hildegard Gärtner, Interesse, das unserem Verlag in Jungbrunnen Asien entgegengebracht wird. 2019 Verlag hatten wir eine chinesische und eine koreanische Delegation zu Gast, die beide den Verlag genauer kennenlernen wollten. Gleichzeitig stehen wir auch vor Herausforderungen: So wird es zunehmend schwieriger, Jugendliche mit längeren literarischen Texten zu erreichen, denn sie lesen bevorzugt kurze Texteinheiten. Darüber klagen viele Verlage auch aus anderen Ländern. Worauf ich mich 2020 am meisten freue? Auf neue Projekte und neue Bücher!
„Das Echo auf unser vielfältiges Programm war überwältigend“ „Für eine kleine Buchhandlung ist jedes Jahr eine neue Herausforderung“
Stephan Bair
F O T O S : P R I VA T, C H R I S T O P E R M A V R I C , H E R M A N N H O R VA T H
Markus Mayr
Geburtstag und Nachhaltigkeitsjahr Für uns war der 100. Geburtstag unserer Buchhandlung in der Innsbrucker MariaTheresien-Straße ein schöner Anlass für viele Aktionen und Events. Auch das viel gelobte Facelifting unserer Filialen im DEZ oder in Fulpmes freut uns. Wir haben zudem intensiv an unserem Category Management gearbeitet, das in ZuStephan Bair, kunft ein optimales Kernsortiment für Tyrolia alle Standorte garantiert und uns noch Buchhandlungen stärker als regionaler Click-&-CollectAnbieter positioniert. Das Echo auf unser vielfältiges Programm zum Jubiläum war überwältigend, wir konnten unterschiedlichste Kundengruppen erreichen und zum Mitfeiern animieren. Höhepunkte waren die Lesung mit Donna Leon, unser „buchverrückter“ Geburtstag und der Stempelpass für unsere Jubiläumsgeschenke. 2020 haben wir bei Tyrolia zum Nachhaltigkeitsjahr erklärt. Unter dem Motto „Seite an Seite in die Zukunft“ starten wir im Februar mit einer eigenen Themenwoche, bieten das ganze Jahr über Lesungen sowie Aktionen und setzen umweltfreundliche Maßnahmen in allen Filialen um.
Die Liebe zu Büchern wecken Für eine kleine Buchhandlung ist jedes Jahr eine neue Herausforderung. Wenn Kundinnen und Kunden ins Geschäft kommen und zu ihren Kindern sagen, die sich ein Buch wünschen: „Nein, du bekommst kein Buch mehr, du hast bereits so viele“, dann bedeutet es eine enorme Herausforderung, bei den Kindern und Erwachsenen wieder Markus Mayr, die Liebe zu Büchern zu wecken. Wir wolBuch-Café im Lippott-Haus len ihnen die ganze Bandbreite an Büchern aufzeigen und verständlich machen, dass man sie zur Information, aber auch zum Träumen verwenden kann; zur Arbeit ebenso wie zum Vergnügen; im Haus genauso wie am Strand. 2019 war durch den Gewinn des Österreichischen Buchhandlungspreises für uns natürlich ein absoluter Höhepunkt. Wie können wir das 2020 noch steigern …?
anzeiger / 5
– Wissenswert –
Ö1 Buch des Monats Der Roman „Herz, sprich lauter“ (Arche Verlag) ist Ö1 Buch des Monats Dezember. „Um ein Kind, das in den Wirren des Krieges scheinbar seine Eltern verloren hat, geht es im Roman der englischen Schriftstellerin Marghanita Laski (1915 bis 1988). Der erschien ursprünglich unter dem viel besseren Originaltitel „Little Boy Lost“ im Jahr 1949 und handelt vom Verlieren und vom Suchen“, so ein Auszug aus der Jurybegründung der „Ex Libris“-Redaktion. Das Ö1 Buch des Monats ist eine exklusive Aktion für HVB-Buchhandlungen in Kooperation mit dem Radiosender Ö1. Der Siegertitel wird monatlich von der „Ex Libris“-Redaktion ausgewählt und in der Sendung besprochen.
Das Ö1 Buch des Monats im Dezember
Goldenes Buch und Platinbuch
Verleihung für den „Jungbrunnen-Effekt“
Eine besondere Verleihung gab es für das Autorentrio P. A. Straubinger, Margit Fensl und Nathalie Karré: Ihr Buch „Der Jungbrunnen-Effekt. Wie 16 Stunden Fasten Ihr Leben verändert“ (Kneipp Verlag) wurde am 22. November gleich doppelt ausgezeichnet. Einmal mit dem Goldenen Buch und einmal mit dem Platinbuch für mehr als 25.000 verkaufte Exemplare im österreichischen Handel. Die Auszeichnung wurde von Gustav Soucek, Geschäftsführer des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, im Rahmen einer Lesung im Thalia W3 überreicht.
Ahoj Wien!
Toleranzpreis
Was machten Vertreterinnen und Vertreter der tschechischen Verlags- und Kulturbranche auf der BUCH WIEN 19? Sie luden am HVB-Stand zu einem Get-together unter dem Motto „Ahoj Wien!“ ein. Dort wurden die nächsten literarischen Pläne Tschechiens präsentiert und fand ein Austausch in lockerer Atmosphäre statt. Mit dabei waren der ständige Vertreter der tschechischen Botschafterin in Österreich, Jakub Novák, und Martin Krafl, Leiter des Tschechischen Literaturzentrums.
Es ist der größte Preis, den der Österreichische Buchhandel zu vergeben hat: Der Ehrenpreis des Österreichischischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln für die italienische Autorin Francesca Melandri. Die Verleihung fand als Abschluss der Europäischen Literaturtage in Krems/Stein statt. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird gemeinsam vom Fachverband Buch und Medienwirtschaft und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels verliehen.
Ein großes Fest zum 25. Verlagsgeburtstag
Zum Abschluss des Jubiläumsjahrs feierte der Folio Verlag ein Fest mit Freunden des Hauses in Bozen. Der 1994 von Hermann Gummerer und Ludwig Paulmichl gegründete Verlag veröffentlichte bereits über 1.000 Titel in seiner bisherigen Geschichte. Dabei war der kulturelle Austausch zwischen Ländern und Kulturen seit jeher im Fokus.
Karl Puš, Francesca Melandri, Benedikt Föger
Titelschutzmeldungen Mit einer Titelschutzmeldung im anzeiger ist Ihr Buchtitel für sechs Monate bis zum Erscheinungsdatum geschützt. Ihre Titelschutzmeldung ist mit Ihrer Nennung nach kurzer Überprüfung über www.buecher.at abrufbar und erscheint in der darauffolgenden Ausgabe des anzeigers. Titel melden können Sie auf www.buecher.at/titelschutz oder per E-Mail an Doris Klinda unter klinda@hvb.at. Die gleichzeitige Schaltung von mehreren Titelschutzmeldungen ist besonders günstig: Bis zu drei Titel pro Ausgabe gibt es exklusiv für HVB-Mitglieder* um nur € 80,– /6 Titel € 110,– und bis zu 12 Titel um nur € 210,–. Doris Klinda berät Sie gern unter klinda@hvb.at, Tel. 01/512 15 35 DW 14. (*Nichtmitglieder zahlen das Doppelte, alle Preise zzgl. 5 % Werbeabgabe und 20 % MwSt.)
anzeiger / 6
Bezahlte Anzeigen. Der Verlag übernimmt keine Haftung dafür, dass die Titel bereits geschützt sind oder durch die Inserate Rechte Dritter verletzt werden.
Unter Hinweis auf § 80 UrhG nehmen wir Titelschutz in Anspruch für den Einzeltitel: „Scheiß auf Plan B / Pfeif auf Plan B / Fuck Plan B“ in allen Schreibweisen, Darstellungsformen, Wortverbindungen und Kombinationen, als Reihen- und/oder Einzeltitel und zur Verwendung in allen Medien. Eigenverlag Jürgen Eisserer Franz-Imlinger-Straße 1 4775 Taufkirchen an der Pram
FOTOS: AKOS B URG, OSAKA
25 Jahre Folio
– Wissenswert –
Es ist was schief in PISA
F O T O S : A L E X VA S E Y / U N S P L A S H , M H - P H O T O G R A P H Y
Österreichische Schülerinnen und Schüler können unterdurchschnittlich gut lesen Es ist einer der Dauerbrenner der Bildungspolitik: Was sagen die Resultate der PISA-Studie über die Lesefähigkeit österreichischer Jugendlicher aus? Die Veröffentlichung der neuen Zahlen für das Jahr 2018 hat diese Diskussion aufs Neue angestoßen. Insgesamt 6.802 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren aus 293 Schulen nahmen 2018 am PISA-Test in Österreich teil. Das (sinnerfassende) Lesen war bereits zum dritten Mal das Haupttestfeld. Während Österreich hier mit 484 Punkten leicht unter dem OECD-Durchschnitt von 487 Punkten liegt, konnte in Deutschland eine leichte Steigerung im Vergleich zur letzten Erhebung auf 498 Punkte verzeichnet werden. Zwar liegt Deutschland damit weiterhin ein gutes Stück hinter europäischen Spitzenreitern wie Estland, Finnland oder Irland. Trotzdem liegt die Vermutung nahe, dass die in den letzten Jahren eingeführten Leseförderungsmaßnahmen langsam Wirkung zeigen.
60 Jahre Verwertung Die österreichische Verwertungsgesellschaft Literar-Mechana feierte ihr 60-jähriges Jubiläum im Wiener Odeon-Theater mit zahlreichen Gästen. Mit dabei war auch der Schriftsteller Daniel Kehlmann, der die Festrede hielt. Gegründet wurde die Literar-Mechana 1959 von Autorinnen und Autoren gemeinsam mit Verlegerinnen und Verlegern, um die Rechte an Sprachwerken kollektiv wahrzunehmen, und sie kümmert sich um die Durchsetzung von Urheberrechten sowie die Vergabe von Tantiemen.
Die Lesefähigkeit stand im Zentrum von PISA Auch in Österreich werden Schulen, Eltern, Politik und Kulturinstitutionen an Initiativen zur Leseförderung ansetzen müssen. In Deutschland forderte der Börsenverein etwa einen bundesweiten Lesepakt, Ähnliches könnte auch hierzulande umgesetzt werden. Mehr dazu im Gastkommentar der Rubrik „Kurz vor Schluss“ von Gerhard Lauer auf Seite 33.
Sandra Csillag und Alexander Potyka
Neuer Vertreter für Österreich und Südtirol ab Sommer 2020 Unser Vertreter Hans Jobst wird Ende März nach bald 35 Reisejahren für die S. Fischer Verlage in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Herr Jobst wird auf der Frühjahrsreise alle vereinbarten Termine wahrnehmen. Schon heute möchten wir uns bei Herrn Jobst für sein großes Engagement für unsere Autoren und Bücher ganz herzlich bedanken! Zum 1. März 2020 übernimmt
Ulf Moser Strozzigasse 1/8, 1080 Wien, ulf.moser@fischerverlage.de, +43 664 54 57 852 die Vertretung unserer Verlage in Österreich und Südtirol. Wir freuen uns sehr, dass Herr Moser, den viele von Ihnen bereits kennen, diese Aufgabe übernimmt, und wünschen ihm einen guten Start!
S. Fischer Verlag GmbH Fischer Kinder- und Jugendbuchverlag GmbH Hedderichstraße 114 D-60596 Frankfurt www.fischerverlage.de
– Wissenswert –
Josef Kirchner ist neuer Programmleiter des Literaturfestes Salzburg und folgt damit auf Christa Gürtler, die sich nach zwölf Jahren zurückzieht. Kirchner ist außerdem Gründer und Herausgeber von mosaik. Auch der Autor Robert Prosser steigt ins Programmleitungsteam des Literaturfestes Salzburg ein, er soll einen Blick von außen einbringen. Mit 2020 übernimmt Max Freudenschuß die Geschäftsführung der Buchkultur VerlagsgmbH. Damit folgt er auf Michael Schnepf, der Herausgeber und Mehrheitseigentümer bleibt.
Ennsthaler stellt Auslieferung ein Wie im November bekannt gegeben worden ist, stellt die oberösterreichische Ennsthaler GmbH & Co KG, bestehend aus dem Verlag Ennsthaler, der Buchhandlung Ennsthaler und der Auslieferung Ennsthaler, mit Ende des Jahres den Betrieb der Auslieferung ein. Diese Bündelung der Ressourcen ist im Rahmen einer neuen Aufstellung beschlossen worden. „Die kleinteilige Struktur der Auslieferung, eine zunehmende Marktkonzentration im österreichischen Buchhandel und der spürbare Innovationsdruck im Zwischenbuchhandel machten diesen Schritt notwendig“, hieß es in einer Aussendung. Knapp 100 Verlage aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sind betroffen, wurden jedoch zeitgerecht informiert. Ab 2020 wird der Fokus auf die Buchhandlung sowie auf den Verlag gelegt, der zukünftig von der Medienlogistik ausgeliefert werden soll.
Styria ist 150 Der namensgebende Verlag der Verlagsgruppe Styria feierte im September sein 150-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde dem Geschäftsführungsduo Matthias Opis und Elisabeth Stein-Hölzl auf der BUCH WIEN 19 durch HVB-Präsident Benedikt Föger eine Urkunde des Hauptverbands verliehen. In den vergangenen 150 Jahren wurden unter der Marke Styria mehr als 8.000 Titel veröffentlicht. Zur Verlagsgruppe gehören auch die Imprints Molden, Pichler, Kneipp und Styria.
M. Opis, E. Stein-Hölzl und B. Föger
Wer kennt Ihre Wünsche besser als Sie selbst?
„Gehen Sie auf „Nummer Sicher“. Mit einer Bestattungsvorsorge der Bestattung Wien können Sie Ihre Trauerfeier schon zu Lebzeiten planen und bezahlen. Ihre Vorteile: Alles wird gemäß Ihrer Wünsche umgesetzt, Ihr Geld ist bei uns sicher und Sie entlasten zusätzlich Ihre Angehörigen. Gerne stehen wir Ihnen für ein kostenloses Beratungsgespräch zur Verfügung.“ Martina Dresselt Kundenservice Bestattung Wien
anzeiger / 8
Abschied leben.
15x ien in W
F O T O S : E R I K A M AY E R , R I C H A R D S C H U S T E R , P R I VA T
Personalia
Ein Blick in die Zukunft Egal, ob bereits Teil der Branche oder einfach interessiert daran, den Fuß in die Tür zu bekommen: Save the Date für den Info-Abend am 23. Jänner Mit einem Info-Abend startet das Jahr für die Seminarschiene mediakolleg des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels am 23. Jänner gemeinsam mit Goldegg Training. Dabei werden Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Buchbranche vorgestellt, zusätzlich bietet sich die Möglichkeit zum entspannten Netzwerken. Die beiden Expertinnen und Seminarleiterinnen Elisabeth Ornauer von Zauberwort und Michaela Wein von MOKS werden kurze Impulsvorträge halten, in denen sie einen kleinen Vorgeschmack auf ihre Workshops geben. Michaela Wein wirft einen Blick in neue Wege der Onlinekommunikation: „Was
bringt das neue Jahr für die Onlinekommunikation? Neue Trends zeichnen sich ab, die nicht nur für die Buch- und Verlagsbranche eine wichtige Rolle spielen werden. Wir wagen einen Blick in die Zukunft.“ Elisabeth Ornauer beschäftigt sich vor allem mit Webtexten, Blogs und Suchmaschinenoptimierung, auch in der Buchbranche: „In einer Zeit, in der mehr und mehr digital und online stattfindet und abgewickelt wird, wird es immer wesentlicher, auf eine gute Suchmaschinenoptimierung (SEO) der Webtexte zu achten. Was dabei für den Buchhandel und die Buchbranche relevant ist, darum geht es in diesem Impulsvortrag. Samt Tipps einer langjährigen Bloggerin.“
Der Info-Abend findet ab 18 Uhr im ersten Stock in der Bibliothek des Palais Fürstenberg in der Wiener Grünangergasse 4 statt. Die Teilnahme ist kostenlos, um Voranmeldung unter office@goldegg-training.at wird gebeten. Fragen zur Veranstaltung beantworten Julia Stumvoll vom Hauptverband (stumvoll@hvb.at) und Magdalena Lettner von Goldegg Training (magdalena.lettner@goldegg-training.com). Das mediakolleg-Seminarprogramm 2020 wird zu Jahresbeginn angekündigt.
Bücher herzustellen ist unsere Berufung
100 % 80 % 24 33 Zertifikate
der Bücher produzieren wir mit grüner Energie
unserer Produktion gehen nach DE, AT, CH, FR, UK, NL, SE, ...
Mio. Bücher stellen wir jährlich her
Mio. Euro Jahresumsatz
€
Vielen Dank für Ihre Gunst und wir wünschen Ihnen ein erfolgreiches Jahr 2020!
20
FINIDR, s. r. o. | Lípová 1965 | 737 01 Český Těšín | Tschechische Republik Tel.: +420 558 772 239 oder +420 777 795 116 | E-mail: druckerei@finidr.de
FINIDR.de
www.
anzeiger / 12
– Essenziell – Umwelt
Saubere
Bücher PLASTIKSACKERLVERBOT, „FRIDAYS FOR FUTURE“, GRÜNE WAHLERFOLGE: DER KLIMAWANDEL MUSS AUFGEHALTEN WERDEN, SO DIE WEITVERBREITETE FORDERUNG. WAS TUT DIE BUCHBRANCHE, UM DIE NATUR ZU RETTEN?
W
ir sind Überzeugungstäter“, sagt Anke Oxenfarth von Oekom. Oekom ist ein deutscher Fachverlag für Ökologie und Nachhaltigkeit. Hier werden nicht nur Bücher und Zeitschriften zur Thematik veröffentlicht, vielmehr gehöre Nachhaltigkeit zur „DNA des Verlags“, so Oxenfarth. Man will auf allen Ebenen umweltschonend handeln. Beauftragte Druckereien befinden sich etwa maximal in einem Umkreis von 350 Kilometern, um Transportwege zu sparen. „Auch bei Dienstreisen, selbst bei Strecken über 500 Kilometern, fahren wir per Bahn. Wir fliegen nicht“, sagt Oxenfarth. Was ökologisches Handeln in der Buchbranche betrifft, wollte Oekom schon immer ein Vorreiter sein. Deshalb wurde 2011 eine eigene Stabsstelle für Nachhaltigkeit eingerichtet, Oxenfarth ist deren Leiterin. Nicht nur für Oekom ist das Thema wichtig – auch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der österreichischen Buchbranche versuchen, naturschonende Maßnahmen zu ergreifen. So zum Beispiel der Innsbrucker Löwenzahn Verlag. Hier werden vor allem Bücher zum Thema nachhaltiges Leben veröffentlicht – etwa Biogarten-Bücher oder Ratgeber über Permakultur. „Unsere Zielgruppe legt Wert darauf, dass diese Bücher auch klimapositiv hergestellt werden“, sagt Verlagschef Markus Hatzer. Deshalb entschied man sich für das naturschonende „Cradle to Cradle“-Druckverfahren: Dabei entsteht kein Müll. Das Buch soll vollkommen biologisch abbaubar sein, auch bei der Produktion werden keine Giftstoffe
Text: Tobias Schmitzberger Illustration: Georg Feierfeil
„Wir wollen nicht nur weniger schädlich oder umweltneutral für den Planeten produzieren. Wir wollen nützlich sein“ Ernst Gugler, Druckerei Gugler
anzeiger / 11
ausgestoßen. Dafür verwendet die Druckerei etwa mineralölfreie Farben auf Pflanzenbasis und Bio-Papiere. Die Bücher werden dadurch teurer, doch das sei laut Hatzer kein großer Nachteil: „Durch den höheren Preis wird sichtbar, dass das Produkt auf umweltschonende Weise hergestellt wurde. Wir vermitteln das auch bewusst an unsere Kundinnen und Kunden.“ Die Druckerei, bei der Löwenzahn nun 100 Prozent seines Sortiments druckt, ist die Gugler GmbH. „Wir leben Nachhaltigkeit seit 1989“, erzählt Geschäftsführer Ernst Gugler: „Dabei galten wir zu Beginn als die Spinner der Branche.“ Nun würde endlich „die Frucht aufgehen“. Die Nachfrage steigt, immer mehr Unternehmen sind an Druckerzeugnissen mit hohen Umweltstandards interessiert. „Wir waren in der Branche weltweit das erste Unternehmen, das ,Cradle to Cradle‘zertifiziert wurde“, erzählt Gugler. Das Zertifikat wird vom Cradle to Cradle Products Innovation Institute vergeben, wobei auf fünf Qualitätskriterien geachtet wird: Die Verwendung von Materialien, die erstens für Mensch sowie Natur unschädlich und zweitens kreislauffähig, also etwa kompostierbar, sind. Drittens muss erneuerbare Energie, zum Beispiel Ökostrom, verwendet werden. Viertens muss Wasser so eingesetzt werden, dass es als Ressource für alle erhalten bleibt. Und fünftens muss soziale Verantwortung in Richtung einer positiven Wirkung auf Menschheit und Planet gelebt werden. Laut Gugler übertrifft man diese Anforderungen: „Wir wollen nicht nur weni»
– Essenziell – Umwelt
»
ger schädlich oder umweltneutral für den Planeten produzieren. Wir wollen nützlich sein.“ Deshalb kompensiere man direkte und indirekte CO2-Emissionen durch Ausgleichszertifikate zu 110 Prozent. Damit werden Maßnahmen unterstützt, die umweltschädliches CO2 binden, etwa ein Waldschutzgebiet in Sambia. Deshalb kosten Guglers „Bio“-Printprodukte etwas mehr. Laut Ernst Gugler geht es um etwa fünf Prozent Mehrkosten, wenn man sie mit konventionellen österreichischen Erzeugnissen vergleicht: „Aber dafür ist die Qualität höher, vor allem wenn man den Begriff neu definiert: Das Produkt ist frei von Schadstoffen, zu einhundert Prozent recyclingfähig und klimapositiv. So hinterlassen wir den Nachfolgegenerationen eine lebenswerte Welt.“ Ein anderes Thema im Buchhandel: Das Plastiksackerl. Zwar hat der Nationalrat in Österreich ein Verbot ab 2020 beschlossen, doch schon jetzt verzichten einige Buchhändlerinnen und Buchhändler darauf. „Wir sind seit Oktober 2018 plastiksackerlfrei“, sagt etwa Thalia-Geschäftsführer Thomas Zehetner. Stattdessen gibt es hier nur noch Papiersackerl und mehrfach verwendbare Stofftragetaschen. Generell fällt Zehetner auf, dass sich Kunden und Kundinnen aktuell sehr für Nachhaltigkeit interessieren – die Nachfrage nach Büchern zum Thema steigt. Für ihn ist das ein wichtiger Beitrag der Buchbran-
„Kein Medium eignet sich besser als das Buch, diese Debatte aufzubereiten“ Thomas Zehetner, Thalia
che: „Kein Medium eignet sich besser als das Buch, diese Debatte aufzubereiten und das komplexe Thema von allen Seiten her zu beleuchten. Da ist unsere Branche gefordert, und das kann sie.“ Die Branche selbst habe, so Zehetner, ohnehin schon immer hohe Standards eingehalten und ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Das betrifft auch die Debatte über Einschweißfolien. „Es ist widersprüchlich: Da handelt ein Buch von Müllvermeidung, und dann ist es in Plastikfolie eingeschweißt!“, sagt Lucia Kirchner. Deshalb brauche es ein Umdenken: „Gerade Auslieferungen sollten toleranter werden. Momentan muss ich Bü-
anzeiger / 12
cher mit leichten Kratzern sofort als ‚beschädigt‘ an sie retournieren, weil sie sonst später nicht zurückgenommen werden.“ Die Buchhändlerin aus Stockerau glaubt, auch leicht beschädigte Bücher verkaufen zu können. Sie hat, ähnlich wie Zehetner, einen Bewusstseinswandel bei ihrer Kundschaft wahrgenommen: „Sie will grundsätzlich keine Sackerl mehr, auch nicht aus Papier.“ Das könnte Einfluss auf die EinschweißfolienDiskussion haben. „Wenn wir erklären, warum es keine Folien mehr gibt, ist die Kundschaft sicher bereit dazu.“ Die andere Seite der Medaille: Manche fürchten, dass es ohne Folien mehr Remittenten gäbe. Dabei gibt es die Folien in vielen Ländern gar nicht. Im deutschsprachigen Raum haben sie eine gewisse Tradition, und es scheint schwer, sich davon zu lösen. Die Verlage Oekom und Löwenzahn verwenden keine Einschweißfolien. Bei Oekom ist die Zahl der Remittenten nicht gestiegen, bei Löwenzahn ebenso wenig – allerdings sei der Zeitraum für eine endgültige Bewertung bei Löwenzahn zu kurz, hier spart man die Plastikfolie erst seit Juli ein. Der Auslieferer Mohr Morawa unterstützt eine möglichst folienfreie Auslieferung der Bücher– letztlich würden das die Leserinnen und Leser entscheiden, glaubt Geschäftsführer Rainer Fritthum. Wenn sie die Bücher nach wie vor kaufen, selbst mit kleinen Beschädigungen, würden sicher auch andere Verlage darauf umsteigen. Fritthum selbst befürwortet, wenn die Einschweißfolie weggelassen wird. Allerdings müsse man auch differenzieren: „Für billig produzierte Paperback-Bücher braucht es die Folie sicher nicht. Anders ist das bei Kunstbüchern oder Bildbänden. Da hat die Folie schon eine Berechtigung, damit diese aufwendigen Bücher makellos bleiben.“ Als Auslieferer habe man darauf leider keinen großen Einfluss. Doch auch bei Morawa versucht man, in mehreren Bereichen umweltschonend zu handeln: So verwendet man beim Transport Mehrwegwannen, um die Bücher zuzustellen. „Die können 80 bis 100 Mal verwendet werden, man muss sie jedoch zwischenzeitlich reinigen. Das ist zwar teurer, als es Einwegverpackungen wären, aber diese Transportkisten kann man jahrelang verwenden“, sagt Fritthum.
– Essenziell – Umwelt
Noch mehr können Buchhändlerinnen und Buchhändler beitragen, wenn sie bei ihren Bestellungen aufmerksam sind, glaubt Morawa-Vertriebsleiter Peter Kargl: „Bestellt eine Wiener Buchhändlerin ein österreichisches Buch aus Deutschland, obwohl es auch bei uns verfügbar wäre, legt es weite Wege zurück.“ Ist es das Buch eines einheimischen Verlags und wird in Österreich gedruckt, so kommt es ins Mo- 72 Prozent des Ausstoßes fallen demnach rawa-Lager nach Wien. Morawa liefert das auf Papier, auf den Buchtransport fallen Buch nach Deutschland. Bestellt nun die zehn Prozent, der Rest verteilt sich auf die Wiener Buchhändlerin bei einer deutschen Posten Papiertransport (5 %) Dienstreisen Auslieferung, legt das Buch die Strecke (4 %), Pendeln zur Arbeit (3 %) und EnergieD r u c ke re i –Wi e n – D e u ts c h l a n d –Wi e n verbrauch (6 %). zurück. Das ist für die CO2-Bilanz sicher E-Books und Tablets sind hier nur für Vielleser eine sinnvolle Alternative. Bei der nicht ideal. Generell können Kleinbetriebe, also auch Herstellung elektronischer Geräte werden Buchhandlungen, einiges zum Klimaschutz hohe Mengen an Energie und Ressourcen beitragen. Tipps dazu hat Johannes Hug von verbraucht, die man mit der BuchprodukDIE UMWELTBERATUNG. Oft helfen kleine tion gegenrechnen muss. „Erst wenn man Dinge: „Im Sommer sollte man die Klima- zirka 20 Bücher pro Jahr am Tablet liest anlage nicht bei offenen Fenstern einschal- und das Gerät länger als zwei Jahre verwenten“, sagt der Unternehmensberater. Auch det, ist es aus ökologischer Sicht günstiger“, auf die Beleuchtung kann man achten, also erklärt Oxenfarth. Allerdings gibt LED- statt Halogen-Lampen verwenden. „Im es kaum belastbare VergleichsWinter sind Türen ein Thema: Wenn sie oft zahlen, da die Datenerhebung auf- und zugehen, geht viel Wärme – und da- aufwendig und teuer ist. Ein Weg zur Minderung mit Energie – verloren.“ Deshalb ist etwa ein Windfang nützlich. Betriebe können so ihr des CO2-Ausstoßes ist die VerÖko-Image für die Kundschaft verbessern wendung von Recyclingpapier, und gleichzeitig Betriebskosten einsparen. dessen Produktion umweltschoIn Wien bietet DIE UMWELTBERATUNG mit nender ist. Für Verlage ist hier der dem OekoBusiness Wien deslhalb geförderte „Blaue Engel für Druckerzeugnisse“ Unternehmensberatungen an, um konkrete eine Hilfe. Er zeichnet Druckereien aus, die – unter anderem – nur RecyclingTipps zu geben. Energiesparpotenziale gibt es auch auf der papier verwenden. Das Umweltzeichen Verlagsseite. „Die Achillesferse sind Papier entstand infolge des Projekts „Nachhaltig und Druck“, erklärt Oxenfarth. Laut deut- Publizieren“, in dessen Rahmen Oekom schem Umweltbundesamt entsteht bei der mit der Frankfurter Buchmesse Herstellung einer Tonne Frischfaserpapier Richtlinien zur nachhaltigeren Progenauso viel CO2 wie bei einer Tonne Stahl. duktion von Druckereierzeugnis„Wenn nun ein deutscher Bestseller in China sen erarbeitete. Bei Oekom selbst lag der Regedruckt und billiges Papier verwendet wird, ist das für die CO2-Bilanz dramatischer, als cyclingpapieranteil der Produkte wenn man ein hierzulande gedrucktes Buch im Jahr 2018 bei 96 Prozent. Diesen Anteil zu halten ist laut Oxenfarth aufgrund der einschweißt“, so Oxenfarth. Die Holtzbrinck Buchverlage haben unter- Marktlage schwierig: „Die Preise für Recysuchen lassen, wie hoch die CO2-Emissionen clingpapier sind 2019 um fast 20 Prozent bei der Herstellung ihrer Bücher sind. Satte gestiegen, weil ein großer Papiererzeuger in Konkurs ging. Das muss man sich erst einmal leisten können.“ Deshalb wird der Recyclingpapieranteil bei Oekom heuer wohl sinken. Oxenfarth sieht in diesem Bereich auch große Verlage in der Pflicht: „Wenn ein Großverlag eine ambitionierte Quote festlegen würde, etwa, dass man bis 2021 rund 25
anzeiger / 13
Prozent seiner Bücher aus Recyclingpapier herstellen wird, würde das viel bewegen.“ Naturschonende Druckverfahren, die Vermeidung von Plastikmüll, die Verwendung von Recyclingpapier: Es gibt viele Möglichkeiten für die Buchbranche, um die Umweltbilanz zu verbessern. Einige Unternehmen gehen voran, die einen mit größeren, die anderen mit kleineren Initiativen. Spannend wird sein, ob in Zukunft weitere Verlage, Buchhandlungen und Auslieferungen auf den grünen Zug aufspringen – Bewusstsein und Know-how sind vorhanden. «
– Schwerpunkt – Gesundheit & Naturkunde
Das grüne Jahr Gartenfrüchte auch im Winter, Entspannungsübungen für guten Schlaf und nahrhafte wie schmackhafte Rezepte – aktuelle Bücher für ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur Text: Teresa Preis
Zum Jahreswechsel nimmt man sich meist einen bewussteren Umgang mit sich selbst und seinem Umfeld vor. Bei der Realisierung dieser Vorsätze helfen Neuerscheinungen in diesem Herbst und Winter. Für angenehme Raumluft und einfache Rezepte sorgt die Pharmazeutin Barbara Našel mit „Aromatherapie für Zuhause“ (maudrich) aus der Reihe maudrich Naturapotheke. Sie beschäftigt sich mit Anwendungsgebieten für die ganze Familie und zeigt, wie Lavendel, Zirbe und Zypresse im Alltag eingesetzt werden können – zu allen Jahreszeiten. Außerdem gibt sie Tipps für selbst gemachte Geschenke. Ums Selbermachen geht es auch bei Barbara Hoflacher. Unter dem Titel „Du darfst auf meine Haut. Naturkosmetik selber machen“ (Löwenzahn) beschreibt sie, wie aus Blüten, Kräutern und Wurzeln Kosmetik wird. Mit wenigen Produkten, die einfach und kostengünstig herzustellen sind. Sie verzichtet auf Mineralöle, Weichmacher und Mikroplastik, die oft unbemerkt ihren Weg in herkömmliche Kosmetika finden. Ob Seifen, Deos, Salben oder Öle, es gibt kaum etwas im Badezimmerschrank, das sich nicht zusammenmischen lässt. Auch wie selbst gemachte Cremes haltbar gemacht werden können, beschreibt Hoflacher. Wer kennt es nicht: Ein Tag nach wenig oder schlechtem Schlaf ist anstrengend. Eva Faume gibt mit „Entspannt und ausgeschlafen. Hausmittel für innere Ruhe“ (maudrich) eine Anleitung für Entspannung – und in der Folge für guten Schlaf. Dieser Naturapotheken-Band vereint Rezepte und praktische Tipps gegen Stress und seine Folgen wie Antriebslosigkeit, Nervosität oder Schlafstörungen, die jeder nachmachen kann. Man lernt, wie durch natürliche Hausmittel wie Johanniskraut Entspannung, Ruhe und guter Schlaf in den Alltag kommen.
Schmerzen, Allergien und die grüne Hausapotheke Was sind die neuesten Ansätze ganzheitlicher Therapie, und welche Hausmittel werden dafür
„Naturkosmetik selber machen“ aus dem Löwenzahn Verlag
anzeiger / 14
FOTO: LÖW E N ZA H N V E R L AG/NA D JA H U D OV E R N I K
Aromatherapie, Naturkosmetik und guter Schlaf
– Schwerpunkt – Gesundheit & Naturkunde
Gesundheit, verwendet? Helmar Bornemann-Cimenti und Kordula Lang-Illievich widmen sich in ihrem neuen Buch dem „Schmerz. Ein facettenreiches Phänomen“ (maudrich). Die Empfindung schränkt betroffene Personen ein und hat Auswirkungen auf ihr Umfeld. Schmerz ist ein vielschichtiges und komplexes Thema. Das Buch versammelt Wissenschaftler und Expertinnen aus verschiedenen Fachbereichen – von geschichtlichen, psychologischen und politischen bis medizinischen –, die neue Theorien aus ihrem Bereich vorstellen. Ein informativer und interdisziplinärer Blick auf das Phänomen Schmerz. Starker Stress soll Allergien nach sich ziehen und nach Harald und Georg Stossier in der westlichen Welt sogar hauptverantwortlich dafür sein. Allergien wirken sich ebenso wie die Ernährungsweise auf die Regulationsfähigkeit des gesamten Körpers aus. In „Allergien & Unverträglichkeiten lindern mit dem VIVAMAYR-Prinzip“ (Verlagshaus der Ärzte) zeigen die beiden Autoren, wie mit innovativen Diagnostikmethoden und einer ganzheitlichen Therapie der Teufelskreis aus Allergie, Entzündung, Stress und Erschöpfung durchbrochen werden kann. Auch sollen allergische Reaktionen auf einfache Art und Weise gelindert werden. Mit dem umfassenden Werk „Die grüne Hausapotheke“ (Dorling Kindersley) ist man für 170 Beschwerden mit 800 natürlichen Hausmitteln gewappnet. Die Wirkung von Kräutern, Ölen und Nahrungsmitteln wird erklärt und mit Rezepten für einfache und kostengünstige Umschläge, Tinkturen, Kapseln und Cremes ergänzt. Damit sollen leichte körperliche Beschwerden behandelt und Erkrankungen durch einen bewussten Lebensstil verhindert werden.
Bunte Rezepte, Gemüse aus dem Garten und alles ohne Zucker Liebe geht durch den Magen, Gesundheit und Wohlbefinden auch. Die britische Köchin Anna Jones kocht mit „The Modern Cook’s Year. Über 250 vegetarische und vegane Rezepte für alle Jahreszeiten“ (mosaik). Dabei macht sie vor, wie man aus saisonalen Zutaten von Frühling bis Winter das Beste für nachhaltige Speisen herausholt. Und sie gibt Tipps für ein nachhaltiges Kochen. Um diesen Ansatz zu unterstützen, wurde das Kochbuch auf dem besonders umweltfreundlichen und regional produzierten Papier „Bavaria Bulk“ gedruckt. Der britische Krimi-Autor Martin Walker und seine Frau Julia Watson fühlen sich in ihrem Garten im französischen Périgord am wohlsten. Dort pflanzen sie Kräuter, Obst und Gemüse an, die sie zu schmackhaften Rezepten inspirieren. »
anzeiger / 15
natürlich
hausgemacht Die
DIY-Hausmittel-Reihe
WAS DIE DIGITALE WELT ÜBER DICH WEISS!
Aus: „Kochen mit Löwenzahn“ (Ennsthaler Verlag)
TT EINTRI ! I FRE
AUSSTELLUNG IN DER AK WIEN outofcontrol.ak.at
» Hier ist auch Bruno, Chef de police, die Hauptfigur in Walkers Krimi-Reihe, zuhause. Seine Leidenschaft: kochen, am besten gemeinsam mit und für die Familie, Nachbarn, Freundinnen und Freunde. In „Brunos Gartenkochbuch“ (Diogenes) kommen frische Rezepte zusammen, die einen zu Kopfreisen einladen. Und zum Gärtnern. Löwenzahn schmeckt als Tee oder Salat und kann als Heilkraut genutzt werden. In Jana Vlkovás „Kochen mit Löwenzahn“ (Ennsthaler) trägt die Autorin eine Sammlung an Rezepten und Naturheilmitteln zusammen, die auch bei Rheuma und Diabetes helfen sollen. Außerdem erfährt man, dass die Pflanze von der Wurzel bis zur Blüte verwendet und gegessen werden kann. Suppenrezepte, Salate, Nachspeisen und sogar Löwenzahn als Kaffeeersatz finden genauso Platz wie Gedichte, Zitate und Kindheitserinnerungen der tschechischen Autorin und ihrer Freundinnen und Freunde. Wenn man auch im Alter gesund bleibt, liegt dies für den Kardiologen Steven R. Gundry hauptsächlich an der Ernährung und dem eigenen Lebensstil. In „Das Paradox des langen Lebens. Mit der richtigen Ernährung bis ins hohe Alter jung und gesund bleiben“ (Beltz) widmet er sich dem Essverhalten und den Darmbakterien des Menschen. Für sein lektinfreies Ernährungskonzept rät er von Vollkornernährung, Milchprodukten, eisenreichen Speisen und lektinreichen Obst- und Gemüsesorten wie Hülsenfrüchten, Tomaten oder Gurken ab. Damit sollen typische Alterskrankheiten wie Diabetes, Krebs, Arthritis oder Alzheimer aufgehalten werden können. Zucker scheint uns zu umzingeln. Wie man mit der Lust auf Süßes so umgehen kann, dass man wieder mehr genießt, statt kurze Heißhungerattacken zu befriedigen, beschäftigt die Ernährungswissenschaftlerin Johanna Sillipp und
DAS UMFANGREICHSTE
STANDARDWERK
zur Naturheilkunde für Frauen
die Ernährungsberaterin Ulli Zika in „Nie mehr Zucker-Junkie“ (Kneipp). Ihr Argument: Gusto auf Süßes ist evolutionär bedingt und sogar sinnvoll. Um zu lernen, wie wir diesem Drang richtig folgen können, sollten wir aus der „Zuckersucht“ ausbrechen. Die Nebeneffekte sind vielversprechend, von Darmregulation bis mehr Energie.
Winterernten, Immergrün und die Gärten der Künstler
448
Seiten Von der Pubertät bis zu den Wechseljahren Alltagstaugliche Pflanzenheilkunde und wertvolle Hausmittel Mit ganzheitlichem Blick auf Krankheiten und Beschwerden Naturheilkunde für Frauen. Ganzheitliche Gesundheit mit Heilpflanzen und Hausmitteln. Helga Ell-Beiser. 2019. 448 Seiten, 272 Farbfotos, geb. ISBN 978-3-8001-0859-6. €[A] F O T O : E N N S T H A L E R /A L E K S A N D R A C H Y T R A
Wer das Garteln auch bei niedrigen Temperaturen nicht lassen möchte, ist mit Wolfgang Palmes neuem Buch bestens beraten. In „Ernte mich im Winter“ (Löwenzahn) beweist er, dass man mit der richtigen, warmen Bekleidung auch in der kalten Jahreszeit viele Stunden im Garten verbringen kann. Denn es gibt einiges zu ernten, von Karotten über Wintersalat bis Radieschen oder Jungzwiebeln: Sie alle wachsen auch unter einer dünnen Schneedecke – nicht nur im Garten, auch auf der Terrasse oder dem Balkon. Allerdings verlangt es nach einer guten Planung, und zwar bereits im Frühling. Wie das funktioniert, lernt man in diesem Werk. Immergrüne Pflanzen gelten als Strukturgeber und bieten zahlreiche Einsatzmöglichkeiten im Garten. Dorothée Waechter hat mit „Immergrüne Pflanzen. Struktur, Farbe und Blüten – Gestalten mit Gehölzen und Stauden“ (BLV) ein umfangreiches Buch vorgelegt und erläutert darin, wie man dem eigenen Garten auch im Winter Form verleiht. Dabei berücksichtigt sie verschiedene Standorte und Stile – von formal über mediterran bis zum Landhaus. Besonders praktisch: Ihr Augenmerk liegt auf der Integration des Immergrüns in bestehende Pflanzungen. Für Gartentipps gibt es zahlreiche Videos und Blogeinträge online. Für „Großvaters Gartenwissen“ (Kosmos) beruft sich die Au»
41,10
Unsere Auslieferung: Mohr Morawa Buchvertrieb GmbH Verlag Eugen Ulmer
Wollgrasweg 41 | D-70599 Stuttgart buchvertrieb@ulmer.de | www.ulmer-verlag.de
1_2_h_Naturheilkunde_ANZEIGER.indd 1
04.12.2019 16:09:49
»Ein Buch lesen – für mich ist das das Erforschen eines Universums.« Marguerite Duras
Wir wünschen frohe Weihnachten und ein erfolgreiches Jahr 2020! Benedikt Föger Präsident
Gustav Soucek Geschäftsführer
Hauptverband des Österreichischen Buchhandels
– Schwerpunkt – Gesundheit & Naturkunde
Der typische Neujahrsvorsatz, mehr auf die Ernährung zu achten, kann mit diesen Neuerscheinungen unterstützt werden. Es muss nicht für immer die Ernährungspyramide sein, findet Ernährungsberaterin Karin Hofinger. Stattdessen: Zwei Handvoll Gemüse, eine Handvoll Eiweiß, eine Handvoll Kohlenhydrate und ein Schuss hochwertiges Fett – so beschreibt sie „Das VitalTeller-Modell“ (Kneipp). Alle wichtigen Nährstoffe sollen im richtigen Verhältnis auf dem Teller landen. Zahlreichen Rezepte vermitteln die Vielseitigkeit ihres Modells. Die Köchin Elisabeth Fischer macht mit „Vegan Fasten“ (Kneipp) vor, wie man basische Fastenrezepte schmackhaft zubereitet. Für ihr neues Kochbuch hat sie ihre besten hundert Rezepte zusammengestellt, die sich um Gemüse und Obst drehen und gleichzeitig auf säurehaltige Zutaten wie tierische Produkte, Zucker, Fett und Getreide verzichten. So soll der Organismus entlastet werden, ohne den Genuss beim Essen einzuschränken.
Dr. h. c. Peter Jentschura · Josef Lohkämper
Gesundheit durch Entschlackung
Leseproben: www.verlag-jentschura.de/gde
Vitale Teller, Fastenmodelle und Selbstversuche
Ums Fasten dreht sich alles in Martina Tischers neuem Buch „Fastenglück. Ein Selbstversuch – Nachmachen erlaubt“ (Goldegg), das im Jänner erscheint. Die Ernährungswissenschaftlerin hat sich auf ein Experiment eingelassen und wollte herausfinden, ob Essensverzicht tatsächlich so gut für Körper und Geist ist. Dabei bleibt sie neugierig und kritisch und versucht darzustellen, welche Folgen das Fasten hat. «
ISBN 978-3-933874-37-5 · 352 Seiten · 17,50 € · Verlag Peter Jentschura · Tel.: +49 (0) 25 34 -9 73 35-0
» torin Susanne Bruns auf das Wissen ihrer Großelterngeneration. Dabei sammelt sie Ratschläge für Gemüse-, Kräuter-, Obst- und Blumengärten, für natürliche Dünger, Anzucht oder Bewässerung. Auch viele bewährte Tipps für alltägliche Probleme im Hobbygarten sind zu erfahren. Damit können Ressourcen und Kosten gespart und kann eine ökologisch wertvolle Vielfalt im Garten erhalten werden. Besondere Gärten versammeln die Autorin Jackie Bennett und der Fotograf Richard Hanson in einem im Februar erscheinenden Bildband mit dem Titel „Die Gärten der Künstler“ (Gerstenberg). Sie beschreiben und zeigen darin mehr als zwanzig Gärten berühmter Künstlerinnen und Künstler wie Paul Cézanne, Frida Kahlo oder Leonardo da Vinci. Die eigenen Gärten, Pflanzen und Blumen dienten vielen von ihnen zur Inspiration und als Motiv. Alle präsentierten Gärten können besucht werden.
– Bestseller November 2019 –
Empfehlungen Ermittlungen in Furth am See Psychiater Horn und Kommissar Kovacs ermitteln wieder. Während sich im Sommer die Hotels füllen, erschüttern grausame Gewalttaten den Ort. „Fliege fort, fliege fort“ – Paulus Hochgatterer. Deuticke
Bestseller November 2019 Belletristik Hardcover
1
THOMAS STIPSITS Kopftuchmafia 4 Ueberreuter Sachbuch LUCINDA RILEY Die Sonnenschwester NEU Goldmann € 22,70
„Die neue Arktis“ – Marzio G. Mian. Folio
Zum 100. Geburtstag Margarete Schütte-Lihotzky war eine der ersten Frauen, die in Österreich Architektur studierten. Mit der Frankfurter Küche erreichte sie Weltruhm. „Warum ich Architektin wurde“ – Margarete SchütteLihotzky. Residenz
Abwechslungsreiches Vorlesen Vielfältige Geschichten für Kinder von 10 bis 13 Jahren bietet dieses Buch – zum Vorlesen und Selbstentdecken. Es geht um Träume, Abenteuer und Erlebnisse, die wir aus dem eigenen Leben kennen. „Tiroler Vorlesebuch“ – Haymon
€ 16,95
3 3
4 1
5 6 5
16
3
SEBASTIAN FITZEK Das Geschenk Droemer HC € 23,70 BERNHARD AICHNER Der Fund btb € 20,60 JOJO MOYES Wie ein Leuchten in tiefer Nacht Wunderlich € 24,70 RITA FALK Guglhupfgeschwader DTV Verlagsgesellschaft
1 2
2
2
Wem gehört der Nordpol? Die Zukunft der Arktis steht im Zentrum der Debatten über den Klimawandel. Gleichzeitig wird sie als Startschuss für die Ausbeutung eines der letzten unberührten Naturräume gesehen.
Belletristik Taschenbuch
€ 16,40
DONNA LEON Heimliche Versuchung Diogenes € 13,40 PETER HANDKE Wunschloses Unglück Suhrkamp € 7,20
3
CHARLOTTE LINK Die Suche Blanvalet € 12,40
4
ANDREAS GRUBER Todesmal Goldmann € 11,30
5
DANI ATKINS Sag ihr, ich war bei den Sternen Knaur Taschenbuch € 10,30
6
BEATE MALY Tod in Baden Emons Verlag
2
1
5
11
€ 12,30
7
7
THOMAS BREZINA Liebesbrief an Unbekannt NEU Edition A € 20,00
SOPHIE KINSELLA Christmas Shopaholic NEU Goldmann € 10,30
8
NORBERT GSTREIN Als ich jung war Hanser, Carl € 23,70
8
LUCINDA RILEY Das Schmetterlingszimmer Goldmann € 16,40
9
SAŠA STANIŠIĆ Herkunft Luchterhand Literaturverlag
9
FERDINAND SCHIRACH Strafe btb € 11,40
WE
8
3
€ 22,70
7
ALEX BEER 10 Unter Wölfen
BERNHARD AICHNER 10 Bösland
Kinderbuch
Belletristik E-Book
NEU
1
Limes
€ 16,50
JEFF KINNEY Gregs Tagebuch 14 – Voll daneben! NEU Baumhaus Verlag € 15,50 MARGIT AUER Die Schule der magischen Tiere: 1 Eingeschneit! Ein Winterabenteuer Carlsen € 12,40 BORIS PFEIFFER Die drei ??? Kids, Der Adventskalender 6 Kosmos € 11,30 MAJA VON VOGEL Die drei !!!, Die Marzipan-Mission 9 Kosmos € 11,30 R. FINK, A. RICHTER Wie ich die Welt rettete und gleichNEU zeitig eine 3– im Vokabeltest schrieb Community Editions € 15,50 THOMAS BREZINA Tom Turbo: Das Geheimnis der Weihnachtsburg 14 G & G Kinder- u. Jugendbuch € 15,00 LINDA CHAPMAN Sternenschweif, Adventskalender: In 11 der Zauberburg Kosmos € 11,30 MAGNUS MYST Das kleine Böse Buch Überreuter 8 Kinder- und Jugendbuch € 13,40 MAGNUS MYST Das kleine Böse Buch 3 Überreuter 5 Kinder- und Jugendbuch € 13,40 SABINE STÄDING Petronella Apfelmus – Das Adventskalenderbuch 17 Boje € 10,30
2
9
btb
€ 10,30
1
LUCINDA RILEY Die Sonnenschwester NEU Goldmann € 17,99
2
SEBASTIAN FITZEK Das Geschenk Droemer eBook € 14,99
3
3
THOMAS STIPSITS Kopftuchmafia Ueberreuter Sachbuch
4
4
DANI ATKINS Sag ihr, ich war bei den Sternen Knaur eBook € 9,99
5
5
ANDREAS GRUBER Todesmal Goldmann € 10,99
6
JOJO MOYES Wie ein Leuchten in tiefer Nacht Rowohlt Digitalbuch
7
7
JUSSI ADLER-OLSEN Messer Ullstein Ebooks € 18,99
8
8
BERNHARD AICHNER Der Fund btb € 14,99
9
9
10
10
THOMAS STIPSITS Kopftuchmafia Ueberreuter Sachbuch € 15,95 KARIN LINDBERG Sommer auf Schottisch Elaria € 3,99
6
6
9
3
5
1
4
2
8
14
€ 15,99
€ 19,99
Im Auftrag des HVB ermittelt das Marktforschungsinstitut media control das gesamte Bestseller-Portfolio. Mit den Bestsellerlisten werden auf dem Absatzweg Sortimentsbuchhandel und E-Commerce,
Bestseller
November 2019 NR.
1 2
BELLETRISTIK
SACHBUCH
Kopftuchmafia
4
UEBERREUTER SACHBUCH
Lucinda Riley
NEU
NEU
Letzte-Hilfe-Kurs STYRIA VERLAG
3
Bernhard Aichner
Der Fund
1
BTB
Aussaattage 2020 Maria Thun® AUSSAATTAGE-VERLAG
Eine kurze Geschichte der Menschheit
5
Rita Falk 5
8 9
Boris Pfeiffer Die drei ??? Kids, Der Adventskalender
Maja von Vogel
KOSMOS
Selleriesaft
6
KOSMOS
Die drei !!!, Die Marzipan-Mission
Sei Pilot deines Lebens
9
R. Fink, A. Richter 1
Wie ich die Welt rettete und gleichzeitig eine 3im Vokabeltest schrieb
NEU
COMMUNITY EDITIONS
Anthony William NEU
NEU
ARKANA
Thomas Brezina Tom Turbo: Das Geheimnis der Weihnachtsburg
NEU
G&G
M. Friedrich, M. Weik
Liebesbrief an Unbekannt
NEU
Der größte Crash aller Zeiten
Brot backen mit Christina
EICHBORN
LÖWENZAHN
Norbert Gstrein Als ich jung war
Edward Snowden
Jamie Oliver
WE
HANSER, CARL
Permanent Record
1
S.FISCHER
8
LUCHTERHAND
Der werfe den ersten Stein
NEU
Bastian Obermayer, Frederik Obermaier
Die Ibiza-Affäre KIEPENHEUER & WITSCH
Veggies
Magnus Myst
Die besten Weihnachtskekse
5
–
Magnus Myst
Das kleine Böse Buch 3
5
ÜBERREUTER
Sabine Städing
Christina Bauer
Backen mit Christina
Das kleine Böse Buch ÜBERREUTER
NEU
LÖWENZAHN
5
Sternenschweif, Adventskalender, In NEU der Zauberburg KOSMOS
Johanna Aust 4
HANSER, CARL
Alex Beer
Unter Wölfen LIMES
4
DORLING KINDERSLEY
M. Köhlmeier, K. P. Liessmann
Saša Stanišić HERKUNFT
Linda Chapman
Christina Bauer NEU
EDITION A
LITERATURVERLAG
10
Das Böse ECOWIN
DTV VERLAG
10
Das Kind in dir 3 muss Heimat finden KAILASH
BRANDSTÄTTER VERLAG
Reinhard Haller
Guglhupfgeschwader
Thomas Brezina
7
Die Schule der magischen 1 Tiere: Eingeschneit! Ein Winterabenteuer CARLSEN
Matthias Strolz 9
AMALTHEA SIGNUM
WUNDERLICH
6
Alles aus Neugier
Margit Auer
Stefanie Stahl 3
Georg Markus 2
Gregs Tagebuch 14 NEU Voll daneben! CARLSEN
–
Matthias K. Thun
Geführt von einem NEU inneren Stern TYROLIA
PANTHEON
Jojo Moyes
Wie ein Leuchten in tiefer Nacht
Das Wunder der Wertschätzung GRÄFE UND UNZER
Elmar Simma
Sebastian Fitzek
Das Geschenk DROEMER HC
KINDERBUCH Jeff Kinney 1
Reinhard Haller NEU
Yuval Noah Harari
4
Marcel Hirscher EGOTH-VERLAG
Martin Prein
Die Sonnenschwester
ÖSTERREICH AM HÄUFIGSTEN
Alexander Hofstetter
EDITION A
GOLDMANN
3
Die Anatomie des Schicksals
DIESE BÜCHER KAUFT MAN IN
RATGEBER
Johannes Huber
Thomas Stipsits
8
LÖWENZAHN
Im Auftrag des HVB ermittelt das Marktforschungsinstitut media control die einzige offizielle Buchverkaufsliste im gesamten stationären Buchhandel und auf allen Online-Plattformen in Österreich. 600 Verkaufsstellen und knapp 90 % aller Barverkäufe sind damit erfasst.
Das Posterformat zum Download gibt es für Buchhandlungen im Mitgliederbereich www.buecher.at
Petronella Apfelmus NEU Das Adventskalenderbuch BOJE
anzeiger
Das Magazin für die österreichische Buchbranche
Sachbuch Taschenbuch
1
JOHANNES HUBER Die Anatomie des Schicksals NEU Edition A € 24,00
1
MARTIN PREIN Letzte-Hilfe-Kurs NEU Styria Verlag € 22,00
2
2
3
3
4
4
5
5
2
ELMAR SIMMA Geführt von einem inneren Stern NEU Tyrolia € 14,95 YUVAL NOAH HARARI Eine kurze Geschichte der Menschheit 3 Pantheon € 15,50 GEORG MARKUS Alles aus Neugier 9 Amalthea Signum € 26,00
6 12
4
5
8
MARC FRIEDRICH, MATTHIAS WEIK Der größte Crash aller Zeiten NEU Eichborn € 20,60
8
EDWARD SNOWDEN Permanent Record S. Fischer € 22,70
9
MICHAEL KÖHLMEIER, KONRAD PAUL LIESSMANN Der werfe den ersten Stein Hanser, Carl € 25,70
4
3
6
REINHARD HALLER Das Böse Ecowin € 24,00
7 1
1
7 13
8 7
9 6
JOHN STRELECKY Das Café am Rande der Welt DTV Verlagsgesellschaft € 9,20 JOHN STRELECKY Auszeit im Café am Rande der Welt DTV Verlagsgesellschaft € 10,20 YUVAL NOAH HARARI 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert C.H. Beck € 15,40 JOHN STRELECKY The Big Five for Life DTV Verlagsgesellschaft € 10,20 JOHN STRELECKY Wiedersehen im Café am Rande der Welt DTV Verlagsgesellschaft € 10,20 HEYNE VERLAG Wer weiß denn sowas? 2 Heyne € 10,30 JOHANNA PAUNGGER, THOMAS POPPE Das Mond-Jahrbuch 2020 Goldmann € 9,30 YUVAL NOAH HARARI Homo Deus C.H. Beck € 15,40 PETRA BRACHT, ROLAND LIEBSCHER-BRACHT Die Arthrose-Lüge Goldmann € 14,40
OBERMAYER, FREDERIK 10 BASTIAN OBERMAIER Die Ibiza-Affäre
ROSLING, A. ROSLING RÖNNLUND, 10 H.O. ROSLING Factfulness
Sachbuch E-Book
Ratgeber Hardcover
5
Kiepenheuer & Witsch
€ 16,50
11
Ullstein Taschenbuch Verlag
€ 16,50
1
JOHANNES HUBER Die Anatomie des Schicksals NEU Edition A € 18,00
ALEXANDER HOFSTETTER Marcel Hirscher NEU Egoth-Verlag € 29,90
2
MARTIN PREIN Letzte-Hilfe-Kurs NEU Styria Verlag € 17,99
2
REINHARD HALLER Das Wunder der Wertschätzung Gräfe und Unzer € 18,50
3
3
MATTHIAS K. THUN Aussaattage 2020 Maria Thun® Aussaattage € 9,30
MURIEL BAUMEISTER, CONSTANZE BEHRENDS Hinfallen ist keine NEU Schande, nur Liegenbleiben Eden Books € 13,99
4
YUVAL NOAH HARARI Eine kurze Geschichte der Menschheit DVA € 14,99
5
STEFANIE STAHL Das Kind in dir muss Heimat finden Kailash / Sphinx € 11,99
4
11
6
MATTHIAS WEIK, MARC FRIEDRICH Der größte Crash aller Zeiten NEU Bastei Entertainment € 14,99
1 2
10
4
STEFANIE STAHL Das Kind in dir muss 3 Heimat finden Kailash € 15,50 MATTHIAS STROLZ Sei Pilot deines Lebens 1 Brandstätter Verlag € 22,00 ANTHONY WILLIAM Selleriesaft NEU Arkana € 22,70
5
6
7
HEATHER MORRIS Der Tätowierer von Auschwitz Piper eBooks € 14,99
7
CHRISTINA BAUER Brot backen mit Christina Löwenzahn € 25,60
8
MATTHIAS STROLZ Sei Pilot deines Lebens Brandstätter € 17,99
8
JAMIE OLIVER Veggies Dorling Kindersley
9
EDWARD SNOWDEN Permanent Record Fischer Ebooks € 14,99 BASTIAN OBERMAYER, FREDERIK OBERMAIER Die Ibiza-Affäre Kiepenheuer & Witsch € 14,99
JOHANNA AUST Die besten Weihnachtskekse NEU Löwenzahn € 25,60
13
1
3
10 17
4
5
€ 27,80
9
CHRISTINA BAUER 10 Backen mit Christina 8
Löwenzahn
Bahnhofsbuchhandel sowie Elektro-und Drogeriemarkt 83 Prozent aller Barverkäufe in Österreich abgedeckt.
€ 24,90
verlag-margarete-tischler.at
Sachbuch Hardcover
Single sein ist keine Option für Autorin E. M. Tollovich. Ihre Erfahrungen bei der Partnersuche 50+ erzählt sie auf humorvolle Weise. Ein Buch für alle Generationen.
amüsant ISBN 978-3-9504487-0-2
217 Seiten, 14,5x20,5 cm Hardcover, 18,70
– Bestenliste Dezember 2019 –
Für den Buchhandel!
Bestenliste Dezember 2019 Die ORF-Bestenliste
Sachbücher des Monats
1.
1.
ANDREAS RECKWITZ
MIRCEA CĂRTĂRESCU:
Solenoid Zsolnay
Das Ende der Illusionen
2.
Suhrkamp (edition suhrkamp)
Niemandskinder Haymon
JÜRGEN HABERMAS
3.
Auch eine Geschichte der Philosophie
2.
CHRISTOPH W. BAUER
Suhrkamp
3.
OLGA TOKARCZUK
Die Jakobsbücher Kampa
4.
ULRIKE GUÉROT
Wie hältst du’s mit Europa? Steidl
4.
GEORGE ELIOT
Middlemarch dtv
5.
JILL LEPORE
Diese Wahrheiten C.H.Beck
4.
DRAGO JANČAR
Wenn die Liebe ruht Zsolnay
5.
JUAN MORENO
Tausend Zeilen Lügen Rowohlt Berlin
6.
JON FOSSE
Der andere Name Rowohlt
MICHAEL MARTENS
7.
Im Brand der Welten. Ivo Andrić Paul Zsolnay
ANNE CARSON
Rot S. Fischer
8. BOTHO STRAUSS
zu oft umsonst gelächelt Hanser
8. TOMAS ESPEDAL
Das Jahr Matthes & Seitz
10. EUGEN RUGE
Metropol Rowohlt
10. SUSANNE GREGOR
Das letzte rote Jahr
Die Liste „Sachbücher des Monats“ wird durch ExpertInnen von Die Welt, von WDR 5, der Neuen Zürcher Zeitung und Ö1 zusammengestellt. Berücksichtigt werden neue Bücher in den Geistes-, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
Das Zeitalter der Fitness S. Fischer
8.
JENS BISKY
Berlin. Biographie einer großen Stadt Rowohlt Berlin
8. MICHI STRAUSFELD
Gelbe Schmetterlinge und die Herren Diktatoren S. Fischer
10. ERNST DRONKE
Berlin Die andere Bibliothek
Frankfurter Verlagsanstalt
Marktdaten November 2019
7.
JÜRGEN MARTSCHUKAT
Im Vergleich zum Vorjahresmonat.
3,1 %
–3,9 %
0,8 %
Umsatz
Absatz
Preis
Weitere Marktdaten zur österreichischen Buchbranche liegen für HVB-Mitglieder exklusiv monatlich im anzeiger bei.
Erhebung: Media Control im Auftrag des HVB.
Jeden Monat erstellt eine Jury aus KritikerInnen und BuchhändlerInnen eine Liste von jeweils zehn empfehlenswerten neuen Romanen. Der ORF publiziert diese Liste, und der anzeiger auch.
– Klassiker – neu entdeckt
Ein zu
weites Feld THEODOR FONTANE: EFFI BRIEST (1896)
Der vor zweihundert Jahren als Sohn eines Berlin Apothekers geborene Theodor Fontane (1819– 1898) hatte als Zeitungskorrespondent in England, Verfasser von Reiseberichten, als Kriegsberichterstatter und Theaterkritiker schon eine beachtliche Journalistenkarriere hinter sich, als er mit sechzig begann, literarisch zu schreiben. Der Meister des „bürgerlichen Realismus“ verfasste ein gutes Dutzend E h e g e s c h i c h te n und Gesellschaftsromane über Preußen im Umbruch zur Moderne, in deren Zentrum immer Frauen standen. Erfolg war ihm erst nach einigen Anläufen und mit seinem als Fortsetzungsroman erscheinenden Hauptwerk „Effi Briest“ beschieden – „ein Kronjuwel erzählender Prosa“, wie Thomas Mann später meinte. Schauplatz ist ein Herrenhaus in Hohen-Cremmen, Brandenburg. Frau Briest ermahnt ihre unbändige Tochter Effi: „Eigentlich hättest du doch wohl Kunstreiterin werden müssen. Immer am Trapez, immer Tochter der Luft. Nicht so wild, nicht so leidenschaftlich!“ Im ausgelassenen Gespräch mit ihren Freundinnen meint die siebzehnjährige Effi schnippisch, junge Männer ihres Alters kämen für sie gar nicht in Frage … Als der frühere Galan der Mutter, der achtunddreißigjährige Geert von Innstetten, wenig später tatsächlich um Effis
Hand anhält, erblasst diese, willigt aber in die Heirat ein. Maman hat auch ein triftiges Argument zur Hand: Innstetten ist Baron und Beamter – „du stehst mit zwanzig da, wo andere mit vierzig stehen“. Der soziale Aufstieg im Wilhelminischen Zeitalter ist garantiert und dem Leser schwant eine Ménage-à-trois … Diese kommt anders: Auf die standesgemäße Hochzeitsreise nach Italien folgt langweiliger Ehealltag in Hinterpommern, ständig ist der Baron auf Dienstreisen. Über Effis Flirt und die eher unbeabsichtigte Affäre mit Major Crampas ist nur wenig direkt zu lesen: „Dann nahm er ihre Hand und löste die Finger, die sie noch immer geschlossen hielt, und überdeckte sie mit heißen Küssen. Es war ihr, als wandle sie eine Ohnmacht an.“ Erst sieben Jahre und zurück in Berlin fliegt der erotische Betriebsunfall auf, Innstetten tötet den verflossenen Liebhaber der Gattin im Duell, verstößt Effi, die Tochter wird ihr weggenommen, was bleibt, sind Depressionen und Selbstmord. Am schlechten Ende fragt nicht nur die Mutter, wer Schuld an Effis Misere trage – der alte Briest antwortet ausweichend mit dem berühmten Satz: „Ach, Luise, laß … das ist ein zu weites Feld.“ Allerdings sollte auch der Autor Fontane mit einem Urteil über seine Protagonistin hadern: „Die Leute sympathisierten mit ihr – und einige gehen so weit, den Mann als altes Ekel zu bezeichnen.“ In Wirklichkeit war ohnedies alles ganz anders: Elisabeth von Ardenne, deren jugendliche Affäre das Vorbild für Fontanes Meisterwerk gewesen war, starb erst 1952 hochbetagt in Lindau am Bodensee.
Das sagt die Germanistin:
„Theodor Fontane erzählt von einem Gesellschaftsmord, einem Tod durch Gesellschaft, vielleicht auch einem Mord an der Gesellschaft, in dem man eines ihrer Glieder – die Frau – nicht erkennt als Wesen in seiner Potenz“ Nora Gomringer
Theodor Fontane: „Effi Briest. Mit einem Essay von Nora Gomringer“ Reclam 2019
anzeiger / 23
FOTO: DANI EL BISKUP
Text: Erich Klein Illustration: Katharina Klein
– HVB-Mitglieder im Porträt – Universal Edition / Wien
Text: Hannah Jutz Foto: Nini Tschavoll
„Bei der Musik verbindet sich alles“
Astrid Koblanck und Stefan Ragg B
ereits seit 14 Jahren kennen sich Astrid Koblanck und Stefan Ragg. Die beiden bilden gemeinsam den Vorstand des Verlags Universal Edition, der sich auf zeitgenössische Musik aus dem 20. und 21. Jahrhundert spezialisiert hat. Der Musikverlag ist in seinem Bereich der größte im Land und einer der ältesten: „Von Beginn an hat sich der Verlag auf die Gegenwart und Zukunft konzentriert. Die Aufgaben haben sich stark erweitert – man muss sich anpassen und verändern“, erklärt Stefan Ragg, der für die Finanzen, das Personal, die Logistik und Produktion verantwortlich ist. Neben einem BWL-Studium hat er das Druckgewerbe gelernt. „Ich liebe den Geruch von Farbe und Papier.“ Astrid Koblanck ist für den gesamten Rechts-, Lizenz- und Distributionsbereich verantwortlich. Die gelernte Juristin kommt aus einer musikaffinen Familie und musizierte lange selbst. „Es war für mich ein Geschenk, in einen Verlag zu kommen, in dem Musik eine große Rolle spielt!“ Auch Ragg ist Musiker und spielt privat Klavier. „Wenn es ein Klavier gibt, ist es ein guter Ort.“ Die
Musik ist für ihn ein Ausgleich zum Verlags alltag. „Wir hören die Musik im Verlag ja nicht nur an, unsere Aufgabe ist es, sie in die Welt hinauszubringen.“ Universal Edition verkauft und verleiht verschiedenes Notenmaterial für Aufführungen in Konzert- und Opernhäusern, für den Unterricht und vieles mehr. Aktuell hat der Verlag eine App herausgebracht, die es den Musikerinnen und Musikern ermöglicht, Noten digital in Echtzeit zu beziehen und individuell zu nutzen. Damit ist er laut Stefan Ragg der erste große Musikverlag der Welt. „Das ist so typisch Universal Edition, wir nehmen etwas und entwickeln es in die Zukunft: We shape the future of music!“ „Ermöglicht wird das natürlich auch durch unsere vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dafür brennen und begeistert sind“, ergänzt Astrid Koblanck. Beide Vorstände betonen: „Wir ergänzen uns durch unsere unterschiedlichen Fähigkeiten und Schwerpunkte. Wenn wir bei etwas anstehen, hilft der Blickwinkel des anderen.“ Stefan Ragg
anzeiger / 24
selbst beschreibt die Zusammenarbeit so: „Jeder bringt einen Anteil, der aus der eigenen Sicht richtig ist. So haben wir bis jetzt noch für alles eine Lösung gefunden.“ Bei neuen oder schwierigen Aufgaben hilft auch der Austausch mit anderen Verlegern. „Durch den Hauptverband kommen wir mit Menschen in Kontakt, die ähnliche Aufgaben und Probleme haben wie wir.“ Das Wichtigste in der Arbeitsbeziehung im Vorstand ist die Vertrauensbasis. „Dass man sich auf den anderen 100 Prozent verlassen kann, das schätze ich am meisten“, so Koblanck. Privat sind sich Stefan Ragg und Astrid Koblanck recht ähnlich, sie verbringen gerne Zeit mit der Familie, sind sportlich und reisen viel. Und: In beider Leben ist die Musik omnipräsent, wie Koblanck zusammenfasst: „Bei der Musik verbindet sich alles!“
Universal Edition Karlsplatz 6, 1010 Wien
– HVB-Mitglieder im Porträt – Veritas Verlag / Linz
Nikolaus Donner Text: Tobias Schmitzberger Foto: Veritas
„Das Bildungsministerium verhandelt die Preise für Schulbücher sehr gut“
Veritas Verlag Hafenstraße 2a, 4020 Linz
W
enn er Business-Bücher liest, mag Nikolaus Donner das Wissen gerne kompakt. „Da nehme ich digitale Abkürzungen“, sagt er. Donner nutzt Online-Plattformen wie GetAbstract und Blinkest, die die Inhalte der Bücher aufs Wesentliche zusammenfassen. Der Geschäftsführer des Veritas Verlags ist ein Digitalisierungsspezialist, seit Oktober 2017 bringt der gebürtige Linzer sein Know-how in den größten Schulbuchverlag des Landes ein. Im kommenden Jahr feiert Veritas sein 75-jähriges Bestehen. Der 47-jährige Donner entstammt selbst einer Verlegerfamilie und sammelte über 20 Jahre lang Führungserfahrung im Medienbereich, unter anderem als Europaverantwortlicher bei PressReader, dem Weltmarktführer als Technologiedienstleister für E-Paper und E-Books. Auch für Veritas ist die Digitalisierung wichtig. Seine Erfahrungen aus anderen Me-
anzeiger / 25
dienfeldern können hier helfen, sagt Donner: „In Print, Rundfunk und Online wurden alle Fehler gemacht, die man bei der digitalen Transformation machen kann. Auf diesen Erfahrungswerten kann man nun aufbauen.“ Technisch sei man in der Lage, digitale Lerninhalte auf hohem Qualitätsniveau zu produzieren. Doch wie immer spielt das liebe Geld hier eine wichtige Rolle: In Österreich gibt es Preisobergrenzen für Schulbücher. „Das Bildungsministerium verhandelt hier sehr gut im Sinne der Schüler und Schülerinnen“, sagt Donner. Das findet der Vater von vier Kindern ausdrücklich positiv. Dies führt aber auch dazu, dass die Gewinnspanne bei Schulbüchern entsprechend begrenzt ist. Zusatzkosten durch digitale Produkte können so schwer abgedeckt werden. Klar ist: Schulbuchverlage werden wirtschaftlich nicht in der Lage sein, digitale Inhalte zum Schulbuch gratis anzubieten. Doch Donner vertraut darauf, dass der Staat künftig die notwendigen Mittel für nötige digitale Lerninhalte bereitstellen wird. Veritas betreibt mit scook.at zudem bereits seit 2017 eine eigene Inhalte-Plattform. „Die Nachfrage steigt stetig, auch dieses Jahr haben sich die Nutzerzahlen mehr als verdoppelt.“ Trotz seines digitalen Fokus hegt Donner Sympathie für das gute alte, gedruckte Buch. Auch deshalb ist er HVB-Mitglied: „Es ist wichtig, dass sich jemand mit lauter Stimme um das Kulturgut Buch kümmert.“ Und natürlich liegen auch Bücher auf seinem Nachttisch. Sein Lieblingsautor ist der englische Humorist P. G. Wodehouse, „welcher am besten im englischen Original genossen wird“. Wodehouse ist im englischen Sprachraum für seine satirischen Jeeves-Romane berühmt. „Das Buch wird alle digitalen Herausforderungen überdauern. Bei Literatur reicht eine digitale Zusammenfassung nicht“, sagt Donner. Wenn er das sagt, glaubt man ihm gerne.
– HVB-Mitglieder im Porträt – Verlagsvertreterin Verlagsgruppe Random House / Ostösterreich
Porträt: Elisabeth Stuppnig Foto: Karin Wasner
Dagmar Niesner „Wir müssen vermehrt Ideen zusammen entwickeln, um der Onlinekonkurrenz die Stirn zu bieten“
S
ie halten die Buchbranche in Schwung: Verlagsvertreterinnen und -vertreter wie Dagmar Niesner. „Oh ja, langweilig wird es in dem Job nie“, sagt die Deutsche, die seit mittlerweile acht Jahren in Wien lebt und Random House vertritt. In ihrer Döblinger Wohnung, die sie als Wohn- und Büroraum nutzt, strotzen die ,Billy‘-Regale vor Büchern, im Flur stapeln sich Leseexemplare für die Frühjahrsreisen. Insgesamt acht Vertreterinnen und Vertreter arbeiten für die Verlagsgruppe in Österreich mit 47 Verlagen in der Tasche. Vier ihrer Kolleginnen und Kollegen kümmern sich um den Westen, vier um den Osten des Landes. Anfangs kümmerte sie sich vor allem um Belletristik und Ratgeber, mittler-
anzeiger / 26
weile betreut sie auch die Sparte Kinder- und Jugendbuch sowie Audio. „Ich habe einen einjährigen Enkel, da sitze ich an der Quelle“, lacht sie. Tagesreisen führen Niesner ins niederösterreichische Wein- und Waldviertel oder ins Burgenland. „Im Herbst war ich in Baden und Mödling unterwegs. In den Weinbergen ist es einfach herrlich.“ Den Weg in die Buchbranche fand Niesner über einen Bekannten, in dessen Wolfsburger Buchhandlung sie neben ihrem BWL-Studium in Braunschweig jobbte. Dort lernte sie von der Pike auf alles über Einkauf, Sortimentspflege und Verkauf. Wissen, das ihr auch in weiteren Jobs von Nutzen sein sollte. So arbeitete Niesner 15 Jahre lang bei einem großen Buchunternehmen, in dem sie bald stellvertretende Ladenleiterin wurde. Ihr jetziger Arbeitgeber, die Verlagsgruppe Random House, hieß damals Verlagsgruppe Bertelsmann und war dafür bekannt, Buchhändlerreisen zu organisieren. An einer nahm Niesner teil: „2006 fragte mich der damalige Außendienstchef, ob ich mir vorstellen könne, zu Random House in den Außendienst zu wechseln, um die Verlage zu vertreten. Das war für mich der richtige Zeitpunkt.“ Nach sechs Jahren kam ein Angebot, nach Wien zu ziehen. „Schon nach zweieinhalb Jahren war für mich klar, dass ich hier bleiben möchte. Ich liebe Wien.“ Zuerst wohnte Niesner direkt unterhalb der Nußdorfer Weinberge, ganz in der Nähe ihres StammHeurigen. „Beim Kierlinger habe ich sogar zwei Buchhändlerabende organisiert, etwa mit der österreichischen Autorin Alex Beer.“ Das ist es, was Niesner an ihrem Job am meisten Freude bereitet: zu kommunizieren und Menschen zusammenzubringen. Die Digitalisierung hat auch die Verlagsvertreterbranche verändert. Bekam Niesner früher Manuskripte als gebündelte DIN-A4Seiten, liest sie jetzt alles am E-Reader. „Wir können so in neue, teilweise unredigierte Bücher hineinlesen und uns schneller Überblick über Autor und Inhalt verschaffen.“ Mit Blick auf die Zukunft meint Niesner: „Wir müssen vermehrt Ideen zusammen entwickeln, um der Onlinekonkurrenz die Stirn zu bieten.“
– HVB-Mitglieder im Porträt – Buchhandlung Schachtner / Vöcklabruck
Doris Stadlbauer Porträt: Elisabeth Stuppnig Foto: privat
„Viele von meinen Kollegen sind, wie ich, eine gefühlte Ewigkeit im Betrieb tätig. Wir fühlen uns hier einfach wohl“
V
iel los in der Vöcklabrucker Buchhandlung. Es handelt sich um ein Skribo-Partnergeschäft, das ist schon von Weitem erkennbar. An der bunten Fassade prangt in ebenso farbigen Lettern der Name des Büroprofis. Im Eingangsbereich Bücher, im Kassenbereich liegen Papierwaren auf. Besonders nett dekoriert zeigt sich der Kinderbuchbereich: Auf einem Zuganhänger mit Pappbilderbüchern finden kleine Leseratten zum Spielen und Stöbern Platz. Rund 180 Quadratmeter der Buchhandlung sind Büro- und Papierwaren, 130 Quadratmeter dem Buch gewidmet: Belletristik, Bücher zum Thema Gesundheit, Ratgeber und erstaunlich viel Reiseliteratur. „Der regionale Bereich ist bei uns sehr beliebt, also die Reiseliteratur, vor allem übers Salzkammergut, oder Bücher über Berge und Wandern“, sagt Doris Stadlbauer. Sie verantwortet den Buchbereich. Mit ihr stehen vier weitere Mitarbeiterinnen im Geschäft, drei Kolleginnen in Teilzeit, eine weitere Kollegin in Vollzeit. Bereits als Kind sei es ihr großer Traum gewesen, mit Büchern zu arbeiten, erinnert
sich Stadlbauer schmunzelnd. Sie verfolgte den Weg konsequent: Nach dem Schulabschluss absolvierte sie ein Jahr in der St. Pöltner Berufsschule, zeitgleich erfolgte der Einstieg in die Buchbranche. Der Arbeitgeber von damals ist derselbe wie heute: 1985 stieg sie in die Vöcklabrucker Buchhandlung ein. „Der Herr Kommerzialrat Johann Schachtner war mein Chef. Von ihm habe ich unglaublich viel gelernt.“ 1998 übernahm dessen Sohn Andreas Schachtner den Betrieb. Dass es sich um ein Familienunternehmen handle, sei jeden Tag spürbar. „Über die Jahre wächst man zusammen, viele von meinen Kollegen sind, wie ich, eine gefühlte Ewigkeit im Betrieb tätig. Wir fühlen uns hier einfach wohl.“ Hat sich in der Zeit ihrer Tätigkeit denn viel verändert? „Ja“, antwortet Stadlbauer rasch. „Früher habe ich vor allem Bücher empfohlen und mich mit großer Freude mit
anzeiger / 27
Kunden eine gefühlte Ewigkeit über Titel und Autoren ausgetauscht. Das ist leider zurückgegangen.“ Die Kundinnen und Kunden seien durch das Internet informierter als früher und kommen oft mit konkreten Wünschen in die Buchhandlung. Eine weitere Herausforderung sei das Ausdünnen der Innenstädte: Viele würden ihre Einkäufe vermehrt in Einkaufszentren erledigen. Oder Bücher im Internet bestellen. Nie hat Stadlbauer in einer anderen Branche gearbeitet als in der Buchbranche. „Bücher waren und sind einfach schon immer meine Leidenschaft.“ So fällt es ihr schwer, Berufliches und Privates zu trennen. Zumal sie auch außerhalb ihres Berufs ehrenamtlich mit Büchern arbeitet: in einer Bibliothek ihres Heimatortes zwischen Attersee und Vöcklabruck. Eine echte Bücherfrau.
Schachtner GmbH & Co KG Buchhandlung Stadtplatz 28, 4840 Vöcklabruck
– Selbstredend –
Große Zukunft hinter sich SO SAH ES FÜR GYÖRGY DALOS IN UNGARN NACH SEINEM ERSTEN BUCH AUS: 19 JAHRE MUSSTE ER AUF DIE VERÖFFENTLICHUNG DES NÄCHSTEN WARTEN. AUS EINEM ÜBERZEUGTEN KOMMUNISTEN WURDE EIN REGIMEKRITIKER Text: Erich Klein Fotos: Christopher Mavrič
D
er Schriftsteller und Historiker György Dalos wurde 1943 in Budapest geboren. In den 1960er-Jahren studierte er in Moskau, in den 1970er-Jahren gehörte er zu den Mitbegründern der demokratischen Oppositionsbewegung in Ungarn. 1987 „emigrierte“ er über Wien nach Berlin, wo er heute als freier Autor lebt. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen und Monografien über russische Schriftsteller (Tschechow, Pasternak und Anna Achmatowa) oder Politiker wie Gorbatschow und Nikolaus II. Eine Reihe von Dalos’ Büchern widmet sich der Geschichte Ungarns und dem Ende der osteuropäischen Diktaturen. Unter dem Titel „Für, gegen und ohne Kommunismus“ erschienen im Verlag C.H. Beck jüngst seine Erinnerungen. Warum wurden Sie nach dem ungarischen Volksaufstand 1956 Kommunist? György Dalos — Die jüdische Abstammung spielte eine gewisse Rolle. Die unteren Schichten der jüdischen Kleinbürger, aus der ich komme, waren der Roten Armee für die Befreiung sehr dankbar. Andererseits hatten die Menschen ein bisschen Angst. Sie ging vom früheren Regime auf das neue System über: Man achtete darauf, was passieren würde, und versuchte, Vorteile herauszuschlagen. Wer eine kleine Werkstatt oder einen Tabakladen besaß, hatte gegenüber dem neuen Regime vermutlich ambivalente Gefühle. Bei mir war das nicht der Fall. Ich versuchte den Aufstieg in die höhere Klasse der Intellektuellen – ohne dass ich das damals so formuliert hätte. Ihr Vater starb an den Folgen der Lagerhaft, die Mutter war krank. Die Großmutter, bei der Sie aufwuchsen, bestand auf Deutschlernen … Dalos — Meine Großmutter, die kaum Deutsch sprach, es aber verstand, schrieb die
Schrecklichkeiten des Jahres 1944 nicht den Deutschen, sondern den ungarischen „Pfeilkreuzlern“ zu. Oder manchmal, ein bisschen oberflächlich, den Christen. Die großen ungarischen Kirchen waren an allen Gesetzen beteiligt, die das Leben der Juden erschwerten. Ich lernte vor meiner kommunistischen Phase verschiedenste ungarische Sekten kennen, weil meine Mutter von ihrem jüdischen Gott enttäuscht war – mit gutem Recht, muss man sagen. Weil er den Holocaust zugelassen hatte? Dalos — Ja. Die enttäuschten Juden waren der Meinung, die ganze Katastrophe hänge mit dem Umstand zusammen, dass sie keine Christen sind. Also schleppte sie mich zu Baptisten und Methodisten, die als kleine Kirchen vom neuen Regime weniger verfolgt wurden. Das beruhte auf dem Glauben, Christentum bedeute Rettung. Ich bin zwischen all diesen Stühlen gesessen und landete dann beim Gegenteil aller Religion, dem Atheismus. Also in der größten Sekte. Der kommunistische Atheismus war auch deshalb wichtig, weil ich den Wunsch nicht hatte, erst nach dem Tode ein glückliches Leben zu führen. Das Versprechen von Glück vor dem Tod machten die Kommunisten. Außerdem verbreitete die sowjetische Propaganda damals, Gagarin habe nach seinem Flug ins Weltall gesagt, dort oben habe er keinen Gott gesehen. Das war ein Spruch, den man ziemlich ernst nahm. Auswanderung ins damals schon gegründete Israel war für Sie keine Option? Dalos — Nein. Mein Vater hatte zwar vor dem Krieg Gedichte in einer zionistischen Zeitung veröffentlicht, aber er wollte nicht weg aus Ungarn. Er meinte, er sei mit dieser Sprache verbunden. Es gab in Ungarn zwei zionistische Auswanderungswellen: die ers-
anzeiger / 28
te in den 1940er-Jahren bis 1944, die zweite nach 1956, als viele Juden emigrierten und die Regierung versuchte, diese Emigration unter Kontrolle zu bringen. Es gab eine israelische Botschaft in Budapest, das Kádár-Regime wollte Pluspunkte sammeln. Fast niemand von meinen jüdischen Verwandten landete in Israel. Alle wollten nach Österreich, weil es das Nachbarland war, oder nach Deutschland, weil sie Deutsch konnten, oder nach Amerika, weil dort das große Abenteuer auf sie wartete. Meine Familie war rein physisch nicht imstande, einen derartigen Sprung ins Ungewisse zu machen. Stattdessen sind Sie der kommunistischen Jugendorganisation beigetreten und bekamen die Möglichkeit, als künftiger Parteikader in Moskau zu studieren. Dalos — Ich begann mein Studium in Moskau mit neunzehn. Das Land besaß für mich bald keine höheren Perspektiven. Ich sage das heute. Damals war mir das nicht klar, obwohl mir der unglaubliche Mangel an Waren sofort auffiel. Es gab immer zwei Seiten: die reale Welt und jene der Propaganda. Damit stellten sich Fragen, über die ich ernsthaft nachdenken musste – vorerst, ohne dabei meinen Kommunismus zu verlieren. Für mich wäre das so schlimm gewesen wie für einen Christen, der sein Heilsversprechen aufgibt. Erinnern Sie sich an den ersten Eindruck der UdSSR? Dalos — Das war der Bahnhof Tschop, an dem wir auf die russische Breitspur der Eisenbahn umsteigen mussten. Die Grenze des kleinen Bruderlandes Ungarn zum größeren Bruderland war eine besondere Groteske. Ausgerechnet in Tschop, wo wenig Afrikaner in Erscheinung traten, hing ein enormes Plakat mit der russischen Aufschrift »
„Meine Akte bei der Staatssicherheit wurde im Juli 1964 eröffnet, da war ich nicht einmal einundzwanzig“ György Dalos
anzeiger / 29
– Selbstredend –
»
„Völker Afrikas, schüttelt die Kolonialherrschaft ab!“. Mein Sinn für Humor wurde in Moskau besonders angestachelt: So wurde mir rasch klar, dass die Menschen in Ungarn besser lebten als in Russland, trotzdem galten wir als weniger entwickeltes Land! Wenn ich trotz aller Zweifel, die ich schon hatte, versuchte, die Sowjetunion in Schutz zu nehmen, reagierten meine russischen Freunde nur mit Spott. Jemand, der wie ich die Prawda las, konnte nur einen Vogel haben! (lacht) Es waren zwei einander widersprechende Gefühle: schmerzhafte Enttäuschung und andrerseits Liebe zu diesen Menschen, die mir ihre Lebenswahrheiten ganz offen erzählten.
Dalos — Sehr langsam. Dass ich kein Musterkommunist bin, wusste die Partei jedenfalls früher als ich selbst. Meine Akte bei der Staatssicherheit wurde im Juli 1964 eröffnet, da war ich nicht einmal einundzwanzig. Ich glaube nicht, dass meine damaligen Gedanken irgendeinen Wert hatten, für die Staatssicherheit war ich aber schon jemand! Die dümmsten Ideen, über die jeder normale Mensch lachen würde, hielten sie für relevant. Ich wurde dann mit einigen Freunden vor Gericht gestellt und kam mit sieben Monaten auf Bewährung relativ glimpflich davon. Dann folgten Publikations- und Reiseverbot. Eine Zeit lang lebte ich mit Polizeiaufsicht praktisch unter Hausarrest. Aller-
politische oder ökonomische Bücher zum Übersetzen, meist ziemlich schlechte. Davon konnte ich zwar leben, aber für eine Wohnung mit einem eigenen Zimmer hatte ich nie genug Geld. Ich verdiente genug, um gut essen zu können. Einmal konnte ich sogar eine Heizung in die Wohnung einbauen lassen oder eine Wohnungsreparatur durchführen, aber das blieb immer auf niedrigem Niveau. Außerdem gab es nach 1968 enormen Druck, der erst in den Siebzigerjahren wieder ein wenig nachließ. Ich durfte dann einmal nach Helsinki fahren, aber der Mensch, der damals in den Westen reiste, war schon nicht mehr jener, der seinerzeit in einer Bar in Wien eine nackte Frau hatte anschau-
Sie sind damals erstmals in den Westen gefahren, um eine nach 1956 emigrierte Tante in Wien zu treffen. Dabei stattete der junge Kommunist einer Stripteasebar einen Besuch ab. Was bedeutete der Eiserne Vorhang damals für Sie? Dalos — Ich fand es ganz normal, dass ich ein Visum bekam. Es gab auch mit den zwei Büchern, die ich im Westen gekauft hatte, bei der Grenzkontrolle kein Problem. Die erdrückende Last, die man bei späteren Grenzübertritten spürte, gehörte schon zu einer aufgeklärteren Wahrnehmung. Da ich meine Zukunft damals mit dem Sozialismus verbunden sah, hatte der Westen keine Chance. Weil die Welt bis Wladiwostok groß war … Dalos — Ja, und ich fühlte mich in dieser Welt auch zuhause, weil ich als junger Kommunist, und meinem Lebensalter entsprechend, vor allem in der Zukunft lebte. Mit einundzwanzig ist man Zeitmillionär und man glaubt leichter an die Zukunft. Für mich lag sie im Ostblock. Sie haben dann eine Russin geheiratet. Dalos — Zu meiner Ehe kam es nicht wegen meiner politischen Einstellung, aber es stimmt: Wir wollten ein bisschen Sowjetmenschen werden, auch wenn meine und die Sympathien meiner Freunde bald China galten. Unter den ausländischen Studierenden gab es viele gemischte Ehen. Für junge russische Frauen, die noch nie im Ausland gewesen waren, nicht ganz unwichtig. Polnische Studenten galten hier fast als Wessis! Die Moskauer Universität war kosmopolitisch, es gab auch unzählige Studierende aus Afrika und Asien, mit denen man über die ganze Welt reden konnte. Wann und wie erfolgte Ihre Abkehr vom Kommunismus?
„Freiräume waren wichtig, aber an eine Ablösung der Machtverhältnisse hat niemand geglaubt“ György Dalos dings glaubte ich immer noch, das Problem bestehe darin, dass ich ein besserer Kommunist sei als alle anderen. Als Kind erlebte ich 1956 die Okkupation, dann kam die kommunistische Wende. Erst 1968 wurde mir klar, dass ich mit diesem Regime nicht weiterkomme. Das Ganze war in Ungarn nicht so brutal wie in der UdSSR oder in der DDR, aber was meine Karriere betraf, gab es in Ungarn die Wendung: „Ich hatte eine große Zukunft hinter mir.“ Neunzehn Jahre lang erschien kein Buch mehr von mir. Außerdem gab es Schwierigkeiten beim Reisen – obwohl ich eine russische Ehefrau hatte, konnte ich auch nicht mehr in den Osten fahren. Wovon haben Sie eigentlich gelebt? Dalos — Ich schlug aus meinen Russischund Deutschkenntnissen Kapital und bekam
anzeiger / 30
en wollen. Obwohl ich damals schon eine Menge verbotener Literatur las, sah ich den Westen noch immer nicht als meine Hemisphäre an. Meine wirkliche Einstellung war ein Sozialismus, in dem man frei schreiben und lesen würde können. Worin bestand die Tätigkeit der Opposition? Wohl nicht nur im heimlichen Konsumieren westlicher Radiosender und verbotener Bücher … Dalos — Die Opposition war illegal, aber nicht konspirativ. Wir sagten: Das, was wir machen, ist normal, wir haben nichts zu verheimlichen. Nicht wir haben Geheimnisse, sondern sie haben Geheimnisse. Also das Prinzip aller osteuropäischen Dissidenten …
Kontinent Kinderbuch Dalos — Es gab keine einheitliche Ideologie. Und es ging vor allem um zwei Dinge. Zum einen war man davon überzeugt, dass dieses System sehr lang, wenn nicht gar ewig bestehen würde. Zum Zweiten handelte es sich nicht nur um eine von der Sowjetunion aufgezwungene Diktatur, sondern um ein System, das auch die westliche Welt akzeptierte. Das bedeutete, so ist die Ordnung der Welt. Was man in dieser Ordnung machen kann, ist, jeden Tag ein wenig mehr Freiheit zu erkämpfen; die ökonomischen und sozialen Schwierigkeiten nützen, um immer mehr Freiräume zu bekommen. Freiräume waren wichtig, aber an eine Ablösung der Machtverhältnisse hat niemand geglaubt. Was waren die größten Einschränkungen? Dalos — Speziell für Intellektuelle gab es zwei große Probleme: die kulturelle Isolation, die mit der Zeit ein wenig schwächer wurde, und den Mangel an Information über die Welt insgesamt. In den 1970er-Jahren beschäftigten wir uns nur damit, an Informationen zu kommen. Für alle anderen Menschen, die es nicht darauf abgesehen hatten, war das System ganz anders. Ihre Unzufriedenheit mit dem System bezog sich auf Alltagsprobleme. Junge Menschen hatten das Problem, zur Universität zugelassen zu werden: In den 1950er- und 1960er-Jahren hing das mit den Eltern zusammen. Waren sie keine zuverlässigen Kader, konnte das den Kindern schaden. Außerdem musste man das Maul halten, was sich übrigens schon auf die „liberale“ Phase des Systems bezieht. Zu Stalins Zeiten konnte man nie sicher sein, ob es ausreichte, das Maul zu halten! Unter Kádár hat das genügt. Außerdem gab es in Ungarn an die einhunderttausend Personen, die Spitzeldienste leisteten. Ich wurde von 1969 bis 1989 abgehört, das Abhörgerät erst 1991 aus der Wohnung entfernt. Es befand sich unter einer Fußleiste. Dasselbe galt auch für das Telefon – was man natürlich wusste. Als Bewohner des „Archipel Gulasch“, wie Sie Ungarn nannten, konnten Sie immerhin im Ostblock reisen … Dalos — Aufgrund meiner verwandtschaftlichen Beziehungen bin ich jedes Jahr in die Sowjetunion gefahren, in eine Gegend, wo heute die russisch-ukrainische Grenze verläuft. Dort wohnten meine Schwiegereltern. Persönliches Interesse verband mich mit der DDR, wohin ich immer wieder reiste, solange ich nicht rausgeschmissen wurde. Das war mein Programm: Einmal im Jahr in die Sowjetunion, einmal in die DDR, ab und zu in die Tschechoslowakei. Ich war zweimal in
Siebenbürgen, wo es eine ungarische Minderheit gab, und in den späten Siebzigerjahren auch einmal in Schweden. Deutschland und Österreich hatten dann mit der Veränderung meiner Lebensstrategie zu tun. Um mein zweites Buch zu publizieren, verabredete ich mich mit Kollegen und Freunden und schickte meine Manuskripte in die BRD, wo sie publiziert wurden. Das war das Buch „Die Lage in der Lage“ … Dalos — Ja, 1979. Damals war schon klar, dass sich das Regime nicht mehr im besten Zustand befindet. Der ungarische Staat war hoch verschuldet, die Wirtschaft begann zu kollabieren, und damit funktionierten auch die vier Vorteile des Sozialismus nicht mehr. Das kostenlose Gesundheitswesen war wegen des Zustands der Spitäler und der medizinischen Einrichtungen im Niedergang. Das kostenlose Schulwesen war kaputt. Vollbeschäftigung gab es noch, war aber mit innerbetrieblicher Arbeitslosigkeit und äußerster Unproduktivität gepaart. Schließlich gab es noch ein Letztes, das für die Intellektuellen wichtig war – die staatliche Garantie der Kultur. Man muss anerkennen, dass es das tatsächlich gab, wenn auch auf einem ziemlich niedrigen Niveau. Wenn heute Vertreter meiner Generation mit Nostalgie auf den Sozialismus zurückblicken, liegt darin der Grund. Was hat Sie schließlich bewogen, nach Wien zu übersiedeln? Dalos — Eigentlich war das eine Affekthandlung. Ich war daran gewöhnt, jedes dritte Jahr als Tourist in den Westen reisen zu können. Wenn ich eine Einladung hatte, durfte ich in den Westen fahren. 1986 verweigerte man mir eine Reise – völlig verständlich. In Deutschland war mein Buch über die ungarische Oppositionsbewegung erschienen, und ich sollte zur Frankfurter Buchmesse. Natürlich wollte unser Regime nicht meine PR-Agentur sein und ließ mich deshalb nicht ausreisen. Damals dachte ich: Dieses ewige Betteln um Reisen mache ich nicht mehr mit. Außerdem gaben mir die Behörden zu verstehen, ich könnte reisen, wenn das Minimum (nicht Maximum!) meiner Reise ein Jahr betragen würde. Sie wurden praktisch aus dem Land hinausgeworfen? Dalos — Es war eine Art Kompromiss: Ich durfte mit einer Arbeitserlaubnis nach Wien, wo ich ein Zimmer nahm. Das einzige Problem bestand darin, dass ich nicht nach Ungarn zurückkonnte. »
anzeiger / 31
Karin Haller Geschäftsführerin des Instituts für Jugendliteratur, www.jugendliteratur.at
Weihnachtszeit ist Vorlesezeit Weihnachten naht. Thematisch spielt die Kinderliteratur jetzt alle Stückeln, Weihnachtsgeschichten für junge Lesende gibt es wie Schnee am Nordpol. Die meisten davon (auch) zum Vorlesen, was gut und richtig ist – hat sich doch mittlerweile dessen große Bedeutung herumgesprochen. (Theoretisch. In einem Drittel aller Haushalte, so die aktuelle Studie der Stiftung Lesen, wird selten bis nie vorgelesen.) Abgesehen davon, dass es die Basis einer soliden Lesebiografie darstellt: (S)einem Kind in entspannter Atmosphäre vorzulesen gehört zu besonders intimen Momenten. Meine persönlichen weihnachtlichen Favoriten wechseln (nur Dickens bleibt). Heuer ist es Ulrich Hubs „Das letzte Schaf“, schon in der achten Auflage bei Carlsen, mit den Comic-Illustrationen von Jörg Mühle. Da werden Schafe im Jahr eins von einem hellen Licht aus dem Schlaf gerissen – ihre Hirten sind weg. Auf der Suche nach ihnen lernen die eigenwilligen Schafe, wie sie als Team besser vorwärtskommen. Schadet nicht, sich das ins Gedächtnis zu rufen. Um beim Schwerpunktthema dieses Heftes zu bleiben: Nicht nur Schnupfen ist ansteckend, sondern auch Wohlbefinden. Gemeinschaft hilft, gesund zu bleiben, sagen die Auskenner. Und Vorlesen, sage ich. Weil es einfach schön ist, für alle Beteiligten. Nicht nur unterm Christbaum, aber eben auch. In diesem Sinne: Schönes Fest!
– Selbstredend –
»
Sie sind also 1987 per Schiff nach Wien gefahren … Dalos — Wobei jeder Ungar ab dem 1. Jänner 1988 frei reisen konnte. Mein zweites Buch war 1983 in Ungarn erschienen, die Publikationsmöglichkeiten hatten sich verändert. Doch war ich bald in Österreich gut verwurzelt. So stellte sich die Frage, wo eigentlich meine Zukunft liegt. Ich entschied mich für den Westen. Der Osten hatte seine Chance bei mir verspielt. Außerdem war ich davon überzeugt, dass dort alles auseinanderfallen würde – friedlich oder gewaltsam. Als Gorbatschow die politische Bühne betrat, war klar: Es ist vorbei. Die verrückteste Episode Ihres Buchs beschreibt eine leidenschaftliche Budapester Kommunistin, früher Ihre Mentorin, die sich 1989 aus dem Fenster stürzte, weil jetzt der Kapitalismus kommt … Dalos — Das ist keine erfundene Geschichte. Diese Frau hatte ihr Leben lang von links gegen die Partei gekämpft und bereits in den 1960er-Jahren vor einer Restauration des Kapitalismus gewarnt. Sie war fanatisch und kompromisslos, außerdem hatte sie eine für Ungarn nicht untypische Eigenschaft: Es gibt hier viele Suizide. Mit ihrer politischen Tat vom 23. Oktober 1989 wollte sie wohl sagen, dass mit dem Systemwechsel der Sinn ihres Lebens verloren war. Man hatte sie aus der Partei ausgeschlossen, aber meiner Meinung nach verdient sie auch Respekt: Sie folgte ihrer kommunistischen Überzeugung bis in den Tod. Sie war aber kein Vorbild? Dalos — Ich hätte so etwas nicht gemacht! Obwohl in meiner Jugend ein überzeugter Kommunist, war ich nie besonders fanatisch. Ich hatte eine große Klappe, aber am Suizid hätte mich vieles gehindert: So verstand ich die ganze Welt als eine Art Witz. (lacht) Auch wollte ich nie Politiker werden, obwohl die Möglichkeit durchaus bestand – ich wollte Schriftsteller sein. Wenn ich daran denke, dass ich neunzehn Jahre auf mein zweites Buch warten musste, und es damit vergleiche, was ein Buch heute bedeutet: Es ist einfach absurd! Wenn ich heute jemandem etwas sagen will, öffne ich den Computer oder schreibe auf Facebook. Warum tun sich so viele Länder des ehemaligen Ostblocks mit der Demokratie so schwer? Dalos — Weil die Freiheit, die ich selbst immer gewollt habe, nichts Eindeutiges ist. Die Unfreiheit damals hatte für viele Menschen einen gewissen Vorteil: Man war für nichts
verantwortlich. Die kommunistischen Diktaturen erweckten den Eindruck, der Staat stelle alle von der Wiege bis zur Bahre unter seine Obhut. Es wird uns gesagt, was wir tun und was wir unterlassen sollen. Das gab vielen Menschen das Gefühl, alles sei stabil. Die Wende des Jahres 1989 bewirkte eine enorme Instabilität. Hunderttausende Menschen verloren plötzlich ihre Arbeit. Zuvor hatte es eine Art von Vollbeschäftigung gegeben, bei der man nicht viel verdienen konnte, bei der man sich aber auch nicht zu Tode arbeiten musste. Ein weiteres Phänomen war das Geld. Geld hatte in Ungarn schon immer größere Bedeutung als in anderen sozialistischen Ländern. Daher war die zweistellige Inflation der frühen 1990er-Jahre für Ungarns Bevölkerung ein Riesenschock. Die Ungarn hegten in ihrer gemütlicheren Variante des Sozialismus irgendwie die Hoffnung, dass sie durch allmähliche Annäherung an den Westen mit allen Vorteilen des Sozialismus ohne dessen Nachteile weiterleben könnten. Das ist aber nicht passiert. Viele Menschen dachten 1989, wir lassen jetzt die DDR-Bürger am Samstag nach Österreich fahren und am Montag sind wir dann selbst in der EU. Doch allein das Klopfen an die Tür der EU hat dann 14 Jahre gedauert.
Bücher von György Dalos: Verlag C. H. Beck Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa (2010) 1989 bedeutete für Polen, Ungarn, die DDR, CSSR, Bulgarien und Rumänien nach jahr-
zehntelanger Abhängigkeit von der UdSSR und der Herrschaft der kommunistischen Diktatur: Endlich konnten sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, demokratische Strukturen aufbauen und den Anschluss an das westliche Europa suchen. Ungarn in der Nussschale. Geschichte meines Landes (2012) Ungarns mehr als tausendjährige Geschichte auf knapp zweihundert Seiten – vom ursprünglich aus Asien stammenden Nomadenvolk bis zur Ausrufung der Republik am 23. Oktober 1989. Gorbatschow – Mensch und Macht (2012) Triumph und Tragödie des Erfinders von Perestrojka und Glasnost, Michail Gorbatschow, jenes „Helden des Rückzugs“, der mit seinem Rücktritt vom Posten des Generalsekretärs 1991 auch die UdSSR für beendet
Daher der Unmut und die Europaskepsis? Dalos — Die Menschen bezahlten für die Wende einen hohen Preis. Trotzdem wurde das schwedische Niveau nicht erreicht, das man sich erhofft hatte. Diese Generation kann das den Politikern noch immer nicht verzeihen. Unter den Kommunisten hatten sie gelernt, dass es ständig Versprechungen gab, die dann nicht eingehalten wurden. Jetzt hören sie wiederum Versprechungen, aber nicht nur von einer, sondern von vier Parteien! Diese dreißig Jahre bedeuten für die Generation, die noch unter János Kádár lebte, dass alles ganz anders ist. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern auch alle kulturellen Gewohnheiten und die Medien. Das neue Land ist wie eine Mondlandschaft.
erklärte. 1956. Der Aufstand der Ungarn (2014) Auf den Protest gegen die Lüge und Gewalt der Diktatur unter Mátyás Rákosi am 23. Oktober 1956 antwortete die KP-Führung mit einer Bitte an Moskau um Hilfe. Die Intervention der Roten Armee führte zum blutige Ende am 4. November 1956. Für, gegen und ohne Kommunismus. Erinnerungen (2019) Die Vorfahren mütterlicherseits kamen aus der Slowakei und hießen „Berliner“, jene väterlicherseits aus dem rumänischen Banat „Deutsch“. Auf Wunsch der Großmutter wurde der Familienname magyarisiert. „Für alle Fälle“, meinte sie angesichts der Umstän-
Und wie sehen Sie das selbst? Dalos — Ich merke an mir selbst, dass das neue System auch für mich relativ fremd ist – ich bin nicht begeistert. Wofür ich mich begeistern sollte, die Freiheit, die finde ich natürlich. Aber die habe ich auch schon vor der Wende praktiziert. Inzwischen habe ich im Westen außerdem fast so viel Zeit verbracht wie vorher im Sozialismus. Die Atmosphäre aber, die Umgebung, in der ich mich in Ungarn wirklich zuhause fühlen könnte, gibt es nicht mehr. «
anzeiger / 32
de der Zeit. Der Einmarsch der Roten Armee verhinderte die Deportation der Familie ins KZ. Präzise, selbstkritisch und bisweilen voller Witz beschreibt Die Jahrhundertbiografie den Weg von Dalos zum Kommunismus, die Studienjahre in Moskau, die Abkehr von der Partei und die Zeit danach im Westen.
– Kurz vor Schluss – Gastkommentar
Den Wörtern einen Sinn geben Gerhard Lauer
Warum Lesekompetenz alleine nicht ausreicht und Kinder spannende Texte brauchen
I L L U S T R AT I O N : G E O R G F E I E R F E I L , F O T O : U N I V E R S I TÄT B A S E L
A
nders als das Sprechen müssen wir das Lesen lernen. Damit das gelingt und zu einer Selbstverständlichkeit wird, muss viel zusammenkommen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den gelingenden Leseerwerb wird oft übersehen. Es ist das Wissen über die Welt, bevor wir überhaupt zu lesen beginnen. Es klingt trivial, aber ist keineswegs selbstverständlich, dass Kinder vom ersten Tag ihres Lebens viele Wörter hören sollten, und die in unterschiedlichen Sätzen. Das kognitive System des Menschen ist nämlich intuitiv in der Lage, aus den vielen Wörtern und ihrer Stellung in den Sätzen Muster herauszulesen, wie Wörter und die Welt zusammenhängen. Im glücklichen Fall haben Kinder viel über die Welt und ihre sprachliche Darstellung gelernt, weil ihnen vorgelesen wurde, weil sie einen Raum zum Spielen haben und ihre Fragen erklärende Antworten gefunden haben. Für diese Kinder bekommen die gelesenen Wörter in der Schule schnell Sinn.
Sie verstehen den Zusammenhang aufgrund ihres Weltwissens und können dann rasch vermuten, welche anderen Wörter nach einem schon entschlüsselten Wort kommen müssen. So lernen sie zügig zu lesen, weil sie schon viel über die Welt gehört haben. Der glückliche Fall trifft allerdings nicht auf alle Kinder zu. Denn viele hören zu Hause viel zu wenige Wörter und selten komplexere syntaktische Wortstellungen. Komplementsätze wie „Ich glaube, sie hat was anderes gesagt“ oder auch die sachlichen Zusammenhänge, die etwa für ein Kaufmannsladen-Spiel wesentlich sind, kommen in ihrer Welt kaum vor. Zwischen 10 bis 30 Millionen Wörter weniger hören Kinder aus sozial schlechtergestellten Familien bis zu ihrem vierten Lebensjahr. Sie haben entsprechende Nachteile, wenn in Schulen solche Zusammenhänge notwendig sind, um dem Lesen eine Bedeutung zu geben. Daher müssen Schulen nicht nur eine inhaltsdünne Lesekompetenz vermitteln, sondern das
anzeiger / 33
fehlende Weltwissen ausgleichen, damit alle Schüler am Ende ausreichend lesen lernen. Das ist umso schwieriger, je heterogener die Voraussetzungen der Kinder sind, die sie an die Schulen mitbringen. Zwei Entwicklungen machen die Sache nicht eben besser. Zum einen setzen einflussreiche Theorien des Leseerwerbs auf eine inhaltsschwache Lesekompetenz, als käme es nicht darauf an, an spannenden, den Horizont der Kinder erweiternden Themen das Lesen einzuüben, eben um die vorhandenen Unterschiede im Wissen der Kinder auszugleichen. Zum anderen lernen viele Kinder, dass digitale Medien nur dazu da sind, schnell und oberflächlich Inhalte abzugreifen, aber nicht für eine vertiefte Auseinandersetzung geeignet seien. Beides trägt nicht dazu bei, dass Kinder und Jugendliche mehr über die Welt lernen und sich ihr Lesen entsprechend verbessert. Beides müsste so nicht sein. Konzepte für einen inhaltsstarken Leseunterricht gibt es. Nicht Kompetenzen, sondern Inhalte sollten also aufgewertet werden. Und digitale Medien können in Familien und Schule als Bildungswerkzeuge eingeübt werden. Sie taugen zu mehr als nur für das Gucken von Katzenvideos. Man kann mit ihnen lernen, mehr neue Worte hören und unbekannte Sachverhalte begreifen, als es geschieht. Sie taugen zu mehr als zur Unterhaltung. Kurz, es lohnt sich, Wissen über die Welt und ihre sprachliche Darstellung wortreich und vom ersten Tag in den Familien und erst recht in der Schule zu mehren und dafür auch die digitalen Medien heranzuziehen.
„Zwischen 10 bis 30 Millionen Wörter weniger hören Kinder aus sozial schlechtergestellten Familien bis zu ihrem vierten Lebensjahr“
Gerhard Lauer ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Professor für Digital Humanities an der Universität Basel.
– Buchtermine –
Veranstaltungen Jänner 2020 Kurt Kotrschal: Mensch – Woher wir kommen, wer wir sind, wohin wir gehen (Thalia Buchhandlung 1060, Mariahilfer Straße 99, 1060 Wien, 19:00) Lorenz Langenegger: Jahr ohne Winter (Literaturhaus Salzburg, Strubergasse 23, 5020 Salzburg, 19:30)
DIENSTAG, 7. 1.
Susanne Wendel: Männer sind Schweine – Frauen erst recht (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) Drago Jančar: Wenn die Liebe ruht (Stifter Haus Linz, Adalbert-Stifter-Platz 1, 4020 Linz, 19:30)
DONNERSTAG, 23. 1. DONNERSTAG, 9. 1.
Peter Filzmaier: Atemlos. Meine schönsten Sportgeschichten und was sie mit Politik zu tun haben (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) Andreas Jungwirth: Wir haben keinen Kontakt mehr / Barbara Schwarcz: Sommerverschwendung (Stifter Haus Linz, Adalbert-Stifter-Platz 1, 4020 Linz, 19:30)
Majda Moser liest am 14. 1. aus ihrem Buch „Angst? Mit Achtsamkeit zu neuem Mut“ bei Thalia W3
FREITAG, 10. 1.
Maximilian Hauptmann, Stefan Kutzenberger: Das Literatur-Quiz (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) MONTAG, 13. 1.
Michael Schottenberg: Von Träumen und Schiffen. Unterwegs auf dem Frachtschiff MS Karina (Theater Akzent, Theresianumgasse 16–18, 1040 Wien, 19:30)
Dirk Stermann: Der Hammer (Österr. OrientGesellschaft, Dominikanerbastei 6/6, 1010 Wien, 18:30) Robert Prosser: Gemma Habibi (Stifter Haus Linz, Adalbert-Stifter-Platz 1, 4020 Linz, 19:30) Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land / Tonio Schachinger: Nicht wie ihr (Literaturhaus Salzburg, Strubergasse 23, 5020 Salzburg, 19:30) Martin Pollack: Die Frau ohne Grab. Bericht über meine Tante (Dinzlschloss, Schloßgasse 11, 9500 Villach, 19:30) FREITAG, 24. 1.
Robert Prosser präsentiert seinen aktuellen Roman „Gemma Habibi“ am 23. 1. im Stifter Haus
DIENSTAG, 14. 1.
FREITAG, 17. 1.
Majda Moser: Angst? (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) Alain Claude Sulzer: Unhaltbare Zustände (Literaturhaus Salzburg, Strubergasse 23, 5020 Salzburg, 19:30)
Margit Reiter: Die Ehemaligen. Der Nationalsozialismus und die Anfänge der FPÖ (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00)
Robert-Tarek Fischer: Richard I. Löwenherz 1157–1199 (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) SAMSTAG, 25. 1.
Erika Pluhar: Pluhar liest Pluhar (Theater Forum Schwechat, Ehrenbrunngasse 24, 2320 Schwechat, 20:00) MONTAG, 27. 1.
Lotte Ingrisch: Mysterien der Quantenwelt (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00)
SAMSTAG, 18. 1.
Markus Margreiter: Mann 2020 (Thalia Buchhandlung 1060, Mariahilfer Straße 99, 1060 Wien, 19:00) Birgit Birnbacher (Lesung), Karen Asatria (Klavier) (Berio-Saal, Konzerthaus, Lothringerstraße 20, 1030 Wien, 19:30) Michael Köhlmeier: Wenn ich wir sage (Bildungshaus Schloss Puchberg, Puchberg 1, 6400 Wels, 19:30) DONNERSTAG, 16. 1.
Arnold Mettnitzer: Der ermutigte Mensch. Durch Resonanz meinen Platz im Leben finden (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) Thomas Perle: Wir gingen, weil alle gingen (Bücherei Weisselbad, Brünner Straße 27, 1210 Wien, 19:00) Michael Martens: Im Brand der Welten. Ivo Andric – Ein europäisches Leben (Literaturhaus Mattersburg, Brunnenplatz 4, Rathaus, 1. Stock, 7210 Mattersburg, 19:00) Andrej Kurkow: Graue Bienen (Literaturhaus Salzburg, Strubergasse 23, 5020 Salzburg, 19:30)
Vorlesen beflügelt! Neue Veranstaltungsreihe für Kinder zwischen 5 und 8 Jahren (Tyrolia, Maria-Theresien-Straße 15, 6020 Innsbruck, 9:30–11:00)
DIENSTAG, 28. 1.
Barbara Serloth: Nach der Shoah. Politik und Antisemitismus in Österreich nach 1945 (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00)
DIENSTAG, 21. 1.
Franz Paul Horn: Über die Grenzen. Wien, Damaskus, Teheran – Drei wahre Geschichten von Reise und Flucht (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) Thomas Hofmann & Beppo Beyerl: Wiener Vergnügungen. Die Stadt von gestern (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) Rosa Gitta Martl: Bleib stark (Stifter Haus Linz, Adalbert-Stifter-Platz 1, 4020 Linz, 19:30)
MITTWOCH, 29. 1.
Christian Felber: This Is Not Economy (Kunstraum St. Virgil, Ernst-Grein-Straße 14, 5026 Salzburg, 19:00) Ivna Žic: Die Nachkommende (Literaturhaus Salzburg, Strubergasse 23, 5020 Salzburg, 19:30) Gebrüder Moped: Heute gehört uns Österreich und morgen die ganze Scheibe (Theater Forum Schwechat, Ehrenbrunngasse 24, 2320 Schwechat, 20:00)
MITTWOCH, 22. 1.
Nadja Sarwat: Medien Frauen Macht (Thalia Buchhandlung 1030, Landstraßer Hauptstraße 2a, 1030 Wien, 19:00) Evelyne Polt-Heinzl und Gerhard Ruiss präsentieren Oskar Jan Tauschinskis Roman „Talmi“ (Wienbibliothek im Rathaus, Felderstraße 1, 1082 Wien, 19:00)
anzeiger / 34
DONNERSTAG, 30. 1.
Monika Salzer: Omas gegen rechts (ARGEkultur Salzburg, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, 5020 Salzburg, 18:30)
Senden Sie Ihre Terminvorschläge an redaktion@hvb.at
FOTO: DOMINIK HAMMER, CHRIS HOFER, ARCHIV
MITTWOCH, 15. 1.
Die beste Online-MarketingLĂśsung fĂźr Verlage?
eyepin eMarketing Software +43 1 961 7777 - 0
eyepin.com/verlagsmarketing
www.oegbverlag.at
Wen kümmert‘s? Elisa Tomaselli (Hrsg.)
Die (un-)sichtbare Sorgearbeit in der Gesellschaft Elisa Tomaselli (Hrsg.) 172 Seiten / EUR 19,90 ISBN 978-3-99046-433-5
WEN
KÜMMERT’S?
DIE (UN-)SICHTBARE SORGEARBEIT IN DER GESELLSCHAFT
AUSLIEFERUNG BUCHHANDEL ÖSTERREICH Medienlogistik Pichler-ÖBZ GmbH & Co KG IZ NÖ Süd, Straße 1, Objekt 34, 2355 Wiener Neudorf T +43 2236 635 35-290 / F +43 2236 635 35-243 mlo@medien-logistik.at
Ins_Anzeiger_Tomaselli_Wenkümmerts_220x310.indd 1
Wir helfen, begleiten, pflegen, erziehen und unterstützen. Das Sorgen um andere ist fester Bestandteil unserer menschlichen Existenz. Viele leisten sie gratis, andere in Form von Lohnarbeit: Ein Großteil der sorgenden Arbeit wird in Österreich von Frauen verrichtet. Der Sozial- und Pflegebereich sowie der unsichtbare Bereich der Hausarbeit sind weiblich. Und schlechter oder gar nicht bezahlt. Das Buch beleuchtet mit unterschiedlichen Reportagen Seiten der Sorgearbeit, die bislang nur wenig Beachtung fanden. Unter anderem beschäftigt sich Sibylle Hamann mit der Frage, ob die Niederlande ein nachhaltiges Pflegemodell gefunden haben. Manuela Tomic begleitet eine Familienhelferin in ihrem Arbeitsalltag, und Benjamin Breitegger schaut sich den Verein Poika an, der gendersensible Workshops für Kinder anbietet.
REPRÄSENTANTIN BUCHHANDEL ÖSTERREICH Anna Güll, Verlagsvertretungen Hernalser Hauptstraße 230/10/9, 1170 Wien T +43 699 1947 12 37 anna.guell@pimk.at
03.12.19 09:25