11 2018
anzeiger
Das Magazin für die österreichische Buchbranche
Preise, Preise, Preise
Mörderischer Herbst
Prosa, Lyrik, Schmerz
Der Österreichische Buchpreis und der European Union Prize for Literature wurden in der BUCH WIEN-Woche verliehen
Es wird spannend! Regional, historisch, aber auch weihnachtlich: Die neuesten Kriminalromane im Herbstprogramm
Südtirols bekannteste Autorin Sabine Gruber über das Leben und das Schreiben in Wien und Italien
Lebendige Tradition in Österreich
DAS Weihnachtsgeschenk!
Was ist das Geheimnis des Blaudruckers? Warum ist der Walzer ein Wiener?
Ö ST E R R E I C H I S C H E P O ST AG F I R M E N Z E I T U N G / G Z 02Z030877 M / 152. JA H RGA N G
Wie viele Masken braucht die Imster Fasnacht? Welche Ernterechte verlost Galtür?
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Wo wird das älteste Erntedankfest gefeiert?
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© Mike Ranz
Iris Wolff bei ihrer Lesung während der Alpha Literaurgala im Studio 44.
Literaturpreis Alpha 2018 geht an Iris Wolff
Der Mehrgenerationen-Roman „So tun, als ob es regnet“ ging beim Literaturpreis von Casinos Austria und den Büchereien Wien als Sieger hervor.
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ine feierliche Gala beschloss am 23. Oktober 2018 die neunte Ausgabe des Literaturpreises Alpha. Im erneut rein weiblichen Finale der besten drei wurde Iris Wolff für ihren Roman „So tun, als ob es regnet“ bei der Literaturgala im Wiener Studio 44 ausgezeichnet und setzte sich damit gegen Theodora Bauer („Chikago“) und Petra Piuk („Toni und Moni“) durch.
„So tun, als ob es regnet“ spannt sich über ein ganzes Jahrhundert – vom 1. Weltkrieg bis in die unmittelbare Gegenwart – und entwickelt in vier Erzählungen die Geschichte einer siebenbürgischen Familie im Licht der historischen Ereignisse. Die Themen des Romans sind an dessen zeitlichem Ausgangspunkt genauso gültig wie heute: der Wunsch nach Heimat und Zugehörigkeit
einerseits und die Sehnsucht nach einem besseren Leben in Freiheit und Sicherheit andererseits. Und die Zerrissenheit, die aus diesen so gegensätzlichen Polen entsteht. Iris Wolff, selbst in Siebenbürgen geboren, hat dieses Spannungsfeld in ihrem Werk meisterhaft in Prosa übersetzt. Eine Leistung, die auch der Alpha Juryvorsitzende, Autor Paulus Hochgatterer,
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Ein Augenblick der Freude: Die Übergabe des Alpha 2018 an Iris Wolff durch asinos ustria orstandsdirektor Prof. Mag. Dietmar Hoscher und Bundesminister a.D. Dr. Josef Ostermayer (o.); r.: nach der Preisübergabe (v.l.n.r.): Paulus Hochgatterer, Christian Jahl (Leiter der Hauptbücherei Wien), Iris Wolff, ietmar oscher, osef sterma er.
in seiner Laudatio in höchsten Tönen würdigte: „‚So tun, als ob es regnet‘ ist eine ganz wunderbare Geschichte über das seltsam s annungsvolle erhältnis zwischen Heimat und Freiheit, das vor allem Menschen gut kennen, die auf ihren persönlichen Landkarten weite Strecken zurücklegen. Es ist kein uch, das P cke einschlägt. Es hinterlässt S uren im Sand wie ein Kind, das über den Strand läuft. eides kann man sehr mögen.“
Die Alpha Fachjury setzte sich neben Paulus Hochgatterer in bewährter Weise wieder aus Pro l Literatur ournalistin Karin Cerny, Musiker und Autor Ernst Molden und Christian Jahl, Leiter der Hauptbücherei Wien, zusammen. Casinos Austria Vorstandsdirektor Prof. Mag. Dietmar Hoscher überreichte die Alpha ro häe gemeinsam mit Bundesminister a. . osef sterma er an Wolff. Mit der Auszeichnung verbunden ist auch die Dotierung des Preises mit 10.000 Euro. Für Hoscher nicht der einzige Beitrag zur Talentförderung, wie er im es räch mit larissa Stadler, Moderatorin der Gala, anmerkte: „Einerseits sind die 10.000 Euro, mit denen der Alpha dotiert ist, eine wirkungsvolle Starthilfe. ndererseits trägt natürlich eine solche Anerkennung wesentlich dazu bei, sich in der Literaturszene einen Namen zu machen.“
Autor und Alpha Juryvorsitzender Paulus Hochgatterer bei seiner Laudatio.
ie dies ährige ala bot erneut eine Querverbindung zweier Förderinitiativen von Casinos Austria. Denn im musikalischen Teil der Veranstaltung standen Simply Quartet auf der Bühne des Studio 44. Die vier jungen Mitglieder des Streichquartetts waren im Vorjahr mit dem Casinos Austria Rising Star Award ausgezeichnet worden, den das nternehmen ährlich an talentierte Absolventinnen und Absolventen der niversität für usik und darstellende Kunst Wien vergibt.
Sim l uartet, die aktuellen Preisträger des Casinos Austria Rising Star Awards, verzauberten das Publikum im musikalischen Teil der Literaturgala. Entgeltliche Einschaltung
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– Inhalt – KLASSIKER
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Neu entdeckt „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil
HVB-MITGLIEDER IM PORTRÄT
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Elisabeth Glaeser Die Buchhändlerin über den Charme ihres Grätzels Ober St. Veit
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Karin Hajek Einblicke in den Buch- und Papierwarenhandel
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Michael Schröder Seit Anfang des Jahres ist Schröder
ÖBP & EUPL: Preisverleihungen in der BUCH WIEN-Woche
SCHWERPUNKT
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Dieter Bandhauer & Matthias Schmidt Über die Bedeutung von Schach im Sonderzahl Verlag
Die BUCH WIEN 18 in Bildern
IMPRESSUM H e r a u s g e b e r : Hauptverband des Österreichischen Buchhandels/ISSN 0003-6277, Grünangergasse 4, 1010 Wien, T: +43 1/512 15 35, www.buecher.at G e s c h ä fts fü h r u n g : Gustav Soucek P r o je k tle itu n g : Cordula Tippel, DW 29, tippel@hvb.at A b o v e r w a ltu n g : Doris Klinda, DW 14, klinda@hvb.at M e d ie n in h a b e r, K o n z e p t u n d R e d a k tio n : Falter Verlagsgesellschaft m. b. H., Bereich Corporate Publishing, Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, T: +43 1/536 60-0, E: magazine@falter.at, www.falter.at H e r s te llu n g : Wograndl Druck GmbH, Mattersburg C h e fr e d a k tio n : Christian Zillner, DW 926, Teresa Preis, DW 812 G e s c h ä fts fü h r u n g : Siegmar Schlager A n z e ig e n le itu n g : Sigrid Johler, DW 952, johler@falter.at Die Offenlegung gem. § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter-verlag ständig abrufbar
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Kurz gesagt Salonfähig: Der Zauber der Krimis
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Krimi & Thriller Regional, historisch, aber auch weihnachtlich: die wichtigsten neuen Titel im Herbst
Geschäftsführer bei KOMPASS
WISSENSWERT
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Kurzmeldungen Leipzig liest, future!publish, Wissenschaftsbuch des Jahres, Europäischer Buchpreis für Essays, Kulturpreis des Landes Niederösterreich, Literaturpreis Alpha, Martin Pollack, Ö1 Buch des Monats
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Kurzmeldungen Österreichischer Buchpreis Debüt, Branchenzahlen, Personalia
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Ist ein E-Book ein Buch? Zur neuen Mehrwertsteuerrichtlinie
SELBSTREDEND
ESSENZIELL
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Erweiterung der Weltwahrnehmung Vom Österreichischen Buchpreis zum EUPL: Die Preise der BUCH WIEN-Woche BUCH WIEN 18 Rückblick in Bildern
Südtirols bekannteste Autorin Sabine Gruber im Gespräch
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Sabine Gruber Sabine Gruber über das Schreiben und Leben in Wien und Italien Kramers Kinderstube Trost: Wenn Grabsteine inspirieren
STANDARDS MONATSBESTSELLER MONATSBESTENLISTEN BUCHTERMINE TITELSCHUTZ
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– 153. Jahrgang –
Nominiert als Wissenschaftsbuch des Jahres: DAS Sachbuch für Kinder zum Thema „Müll“
„Die BUCH WIEN zeigte sich im elften Jahr von ihrer größten Seite“ Gustav Soucek
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as war also die BUCH WIEN 18. Sieben Tage mit über 400 spannenden Veranstaltungen. Von Beginn an, der Verleihung des Österreichischen Buchpreises am Montag und des Europäischen Literaturpreises am Dienstag, zeigte sich die BUCH WIEN im elften Jahr von ihrer größten Seite: Fläche von 8.000 m² auf 11.000 m² erweitert, um 30 Unternehmen mehr auf 380 Aussteller erhöht, 51.000 Besucher an 35 Locations begrüßt. Und vor allem konnten wir auch bei der Medienresonanz nochmals deutlich steigern, wir zählten bisher österreichweit 265 redaktionelle Berichterstattungen – davor, währenddessen und danach – und das nur in Print! Die BUCH WIEN wird damit einem unserer wichtigsten Anliegen, der Stimulation „Weihnachten = Geschenk = Buch“, mehr als gerecht. Auch beim Österreichischen Buchpreis/Buchpreis Debüt gibt es diese sehr erfreuliche Entwicklung. Hier zeigt unsere bisherige Medienbeobachtung, wiederum nur für Print, 117 redaktionelle Berichterstattungen – und das österreichweit in allen relevanten Medien. So viele wie noch nie! Auch den Buchpreis verstehen wir als Impuls für das Buch und den Verkauf von Büchern. Im Heft finden Sie zu beiden Themen weitere ausführliche Berichterstattung dazu. Ein anderes aktuelles Ereignis war Anfang November der Beginn der HVB/Ö1Aktion „Ö1 Buch des Monats“, exklusiv für HVB-Mitgliedsbuchhandlungen. Über 100 HVB-Buchhandlungen machen schon mit und erhalten kostenfrei Aufsteller, Aufkleber, Plakate, digitale Siegel und werden als „Ö1 Buch des Monats-Buchhandlung“ kommuniziert. Die ersten Zahlen, die uns vorliegen, sind ausgezeichnet, denn ab Einführung der Aktion und der Bewerbung des „Ö1 Buch des Monats“ auf Ö1 (Radio, Print, Online, Out of Home) konnte der Verkauf des Siegertitels um 500 % (!) gesteigert werden. In nur zwei Wochen seit dem Start der Aktion. Herzliche Gratulation an Gudrun Seidenauer, die für ihren Roman „Was wir einander nicht erzählten“, Milena Verlag, diese Auszeichnung erhielt.
Bis zum 7.1.2019: Mitvoten und gewinnen auf www.wissenschaftsbuch.at Melanie Laibl / Lili Richter
So ein Mist
Von Müll, Abfall & Co Mit viel Esprit und ohne Scheu vor so ziemlich eh allem präsentieren Melanie Laibl und Lili Richter wie facettenreich, faszinierend und beeindruckend das Thema „Müll“ sein kann. ab 9 Jahren, gebunden ISBN 978-3-7022-3698-4 48 Seiten, € 19.95
Viel Vergnügen mit dem aktuellen anzeiger, es ist die letzte Ausgabe vor Weihnachten. Wir wünschen Ihnen erfolgreiche Verkaufstage in den Buchhandlungen und allen gemeinsam geruhsame Stunden der Erholung und ein friedliches Weihnachtsfest im Kreis der Menschen, die Sie lieben.
Gustav Soucek HVB-Geschäftsführer Bestellen Sie zu Reisekonditionen bei: Mohr Morawa Buchvertrieb | A-1230 Wien Tel. +43 (0) 1 680 14 -5 | Fax: +43 (0) 1 688-71 -30 bestellung@mohrmorawa.at
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www.tyrolia-verlag.at 20.11.18 09:30
– Wissenswert –
Leipzig liest 2019 285.000 Besucher und Besucherinnen kommen, 3.200 Journalisten und Blogger berichten: Die Leipziger Buchmesse ist ein wichtiger Fixpunkt für die Buchbranche. 2019 findet sie vom 21. bis 24. März statt. Auch heuer bietet der HVB die Teilnahme am Gemeinschaftsstand an. HVB-Mitglieder erhalten den Vorzugspreis, Anmeldeschluss ist der 10. Dezember. Alle Infos unter www.buecher.at/service/messen/
Kulturpreis
Autor und Publizist Paul Lendvai erhält den mit 10.000 Euro dotierten Europäischen Buchpreis für Essays für sein Buch „Orbáns Ungarn“ (Kremayr & Scheriau). Der Preis wird am 5. Dezember 2018 im Europäischen Parlament überreicht. Die internationale Jury unter dem Vorsitz des polnischen Regisseurs Krzystof Warlikowski wählt den Gewinner bzw. die Gewinnerin des 2007 von Jacques Delors gegründeten Preises aus, der für ein Sachbuch und einen Roman vergeben wird.
Die Wiener Autorin Ilse Helbich erhielt pünktlich zum 95. Geburtstag den Kulturpreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Literatur. Der Preis ist mit 11.000 Euro dotiert und wurde am 9. November im Festspielhaus in St. Pölten überreicht. Ihren ersten Roman „Schwalbenschrift“ schrieb sie mit 80, zuletzt erschienen Ilse Helbichs Roman „Schmelzungen“ sowie die Gedichtsammlung „Im Gehen“ (beide im Literaturverlag Droschl).
Literaturpreis Alpha an Iris Wolff
Gewinnspiel! HVB-Mitglieder können exklusiv Tickets für die future!publish 2019 im Wert von 690 Euro gewinnen: Der Kongress für die Buchbranche mit Schwerpunkten zu elektronischem Publizieren findet am 24. und 25. Jänner in Berlin statt. Einfach ein E-Mail mit Betreff „HVB @ f!p“ an redaktion@hvb.at schicken. Viel Glück!
Iris Wolff las bei der Alpha-Verleihung
Doppelte Ehrung für Martin Pollack
Alle nominierten Titel
Wissenschaft Das jeweils beste Wissenschaftsbuch des Jahres kann ab sofort in vier Kategorien bestimmt werden: Eine Fachjury aus 20 Expertinnen und Experten hat die Nominierungen vorgenommen, bis 7. Jänner 2019 gibt es die Möglichkeit, die Gewinnertitel zu küren. Informationen dazu und die Online-Abstimmung gibt es auf www.wissenschaftsbuch.at.
Über gleich zwei Preise durfte sich Martin Pollack, freier Autor und Übersetzer, freuen: Erstens wurde er mit dem JohannHeinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay ausgezeichnet; diese Auszeichnung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist mit 20.000 Euro dotiert. In Pollacks Werk geht es um mitteleuropäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. „Mit Akribie und Beharrlichkeit rekonstruiert er Geschehnisse, Tatorte und Lebenswege, folgt mündlichen Hinweisen ebenso wie kaum noch sichtbaren Spuren in der Landschaft“, begründete die Jury. Zweitens erhielt Pollack auch den österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung der Kunst- und Kultursektion des Bundeskanzleramts wird alle zwei Jahre vergeben.
Für „So tun, als ob es regnet“ (Otto Müller Verlag) erhielt Autorin Iris Wolff den Alpha Literaturpreis der Casinos Austria. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde bereits zum neunten Mal vergeben. Bei dem Roman handle es sich um „eine ganz wunderbare Geschichte über das seltsam spannungsvolle Verhältnis zwischen Heimat und Freiheit, das vor allem Menschen gut kennen, die auf ihren persönlichen Landkarten weite Strecken zurücklegen“, so die Jurybegründung von Paulus Hochgatterer, Karin Cerny, Ernst Molden und Christian Jahl.
Ö1-Monatsbuch Der Roman „Irgendwo in diesem Dunkel“ (Rowohlt) von Natascha Wodin ist Ö1 Buch des Monats Dezember. „Darin zeichnet sie das Leben ihres Vaters nach, nachdem sie im vergangenen Jahr im Buch ,Sie kam aus Mariupol‘ den Spuren ihrer Mutter gefolgt war“, so die Jury. Das Ö1 Buch des Monats ist eine neue, exklusive Aktion für HVBBuchhandlungen in Kooperation mit Ö1. Der Siegertitel wird monatlich von der „Ex Libris“-Redaktion ausgewählt.
Das „Ö1 Buch des Monats“ Dezember
F O T O S : H V B / M A N D Y P U T Z , C A S I N O S AU S T R I A / M I K E R A N Z , S T E FA N G U G G E M O S , L I N D E V E R L A G , K L AU S P I C H L E R , B U C H K U LT U R / F R E U D E N S C H U S S
Exklusive Vorteile für HVB-Mitglieder
Europa im Essay
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– Wissenswert –
Lesungen der Erstlingswerke Wie steht es um die Nachwuchsautorinnen und -autoren des Landes? Die drei nominierten Titel der diesjährigen Shortlist Debüt des Österreichischen Buchpreises wurden am 18. Oktober in der Bibliothek der Arbeiterkammer Wien vorgestellt. Nach der Begrüßung durch Rudi Klein, Direktor der AK-Wien, übernahm Bibliotheksleiterin Ute Weiner die Moderation des Abends. Ljuba Arnautović, David Fuchs und Marie Gamillscheg lasen aus ihren nominierten Büchern.
Ein voller Erfolg: die Lesung zum Debütpreis
Dem stationären Handel geht es gut! Zur BUCH WIEN gab der HVB gemeinsam mit Media Control Einblicke in die bisherige Entwicklung des Verkaufsjahres 2018: Der unabhängige Bucheinzelhandel generierte ein Umsatzplus von 2,2 % im Vergleich zum
Vorjahr (Gesamtmarkt: –1,3 %). Auch bei den verkaufsstarken Tagen gibt es Unterschiede: Der Bucheinzelhandel setzt auf den Freitag, für Filialisten sorgen Freitag und Samstag für Umsatzspitzen.
Personalia Rainer Fritthum wird neuer Geschäftsführer der Firma Mohr Morawa. Er folgt damit auf Christian Langer, der das Unternehmen Ende März 2019 auf eigenen Wunsch verlässt. Mit Oktober hat Gordan Gajski die Leitung der Abteilung „Digitale Medien“ im Linde Verlag übernommen. Stefan Mödritscher wird zum 1. Dezember Verkaufsleiter des Vertriebsbereichs Heyne in der Verlagsgruppe Random House. Georg Rangger übernimmt mit November die Geschäfte der Morawa Buchhandlungen und folgt damit auf Mödritscher.
Eine der größten Druckereien in Mitteleuropa Druck und buchbinderische Weiterverarbeitung unter einem Dach rund um die Uhr Jahresproduktion 24 Mio. Bücher 80 % der Produktion gehen in den Export Jahresumsatz 33 Mio. € Kundenservice in fünf Fremdsprachen Zertifikate Carbon Neutral Produkt, Fogra FSC®, CrefoCert, Eko energie
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FINIDR, s.r.o. Ident. nr.: 60778172 Gültigkeit: 1 Jahr Seit: 30.06.2018
FINIDR, s. r. o. | Lípová 1965 | 737 01 Český Těšín | Tschechische Republik Tel.: +420 558 772 264 oder +420 777 795 117 | E-mail: druckerei@finidr.de
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– Wissenswert –
Ist ein E-Book
ein Buch?
Der Europäische Rat hat im November die Mehrwertsteuer-Richtlinie endgültig angenommen. Damit können gedruckte Bücher und E-Books in Zukunft mit dem gleichen reduzierten Steuersatz abgerechnet werden Text: Teresa Preis
Würde eine Anpassung der Steuersätze zu billigeren E Books führen? „Das wird sich erst zeigen, den Preis können Verlage individuell entscheiden.“ Außerdem plädiert Föger für eine rasche Umsetzung der neuen Richtlinie in Öster reich: „Es wäre für den Handel fatal, wenn der steuerliche Unterschied zwischen EBooks aus deutschen und öster reichischen Verlagen 13 Prozent betrüge – besonders auf einem so vernetzten Markt. Für uns gilt nach wie vor: Ein Buch ist ein Buch.“ Enrico Turrin geht von einer europaweit breiten Umset zung aus: „Die Regierungen von Deutschland, Schweden, Finnland, Spanien, Portugal, Malta, Belgien und den Nieder landen werden voraussichtlich zeitnah die Gelegenheit er greifen. Ich hoffe, dass viele diesem Beispiel folgen werden.“ Für den HVB ist das Ziel klar: Bei der von der Regierung geplanten Steuerreform 2019 müssen EBooks auch auf na tionaler Ebene mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent ausgezeichnet werden.
FOTO: ARCHIV
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ie erste Anpassung wurde laut FEP Deputy Director Enrico Turrin bereits 2009 vom Europäischen Ver legerverband FEP (Federation of European Publi shers) eingebracht. Am 7. November 2018 fiel die Entschei dung: 20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt der EU („Official Journal“) trat die neue Richtlinie in Kraft. Nach zehn Jahren wurde so der Weg für die Gleichbehandlung von EBooks und gedruckten Büchern frei. Anfang Dezem ber beginnt die Durchsetzung der Richtlinie. Nun sind die einzelnen EUMitgliedstaaten gefordert, an der jeweiligen Umsetzung zu arbeiten. „Die erste Variante zur MehrwertsteuerRegelung im Jahr 2009 beinhaltete CDs, CDRoms, USBSticks und zum ersten Mal auch Hörbücher. Doch das war erst der Anfang: Down loads und Streamingportale wurden damals noch nicht be rücksichtigt, auch keine EBooks“, sagt Turrin. „Wir wollten aber, dass das Buch in all seinen Formen steuerlich gleich wertig begünstigt wird, also haben wir unsere Kampagne gestartet.“ Für die Umsetzung waren die Abgeordneten, Finanzmi nisterien und Branchenvertretungen aller Länder essenzi ell: „Alle FEPMitglieder standen hinter dem Vorhaben, die Schweden waren besonders engagiert. Eine Vorreiterrolle nahmen zudem die Italiener und Franzosen ein. Sie hatten ihre Regierungen schon vor dem Inkrafttreten der EURe gelung überzeugt, einen reduzierten Mehrwersteuersatz auf EBooks anzuwenden.“ In allen EULändern kann der Steu ersatz von EBooks und gedruckten Büchern nun angegli chen werden. In Österreich etwa sollte die Mehrwertsteuer auf EBooks künftig bei zehn Prozent liegen. Die Bedeutung dieser Entscheidung für die Branche sieht HVBPräsident und FEPSchatzmeister Benedikt Föger als „hoch, weil sie einen neuen Impuls in die Weiterentwick lung der EBooks bringen würde“. Nach den ersten Jahren des Wachstums stagnieren die Umsätze bei EBooks und lie gen in Österreich seit Jahren bei vier bis fünf Prozent. „Mit Anreizen für neue innovative Ideen könnten Verlage inves tieren und letztendlich auch wieder mehr verkaufen.“
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– Kurz gesagt –
Salonfähig WAS IST DER ZAUBER DER SUBGENRES UND WELCHE CHANCEN KANN DER MARKT NUTZEN, UM AKTUELLE KRIMIS ENTSPRECHEND ZU INSZENIEREN?
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Lesungen und Auszeichnungen Das Genre Krimi boomt, sein extrem weites Spektrum entfaltet eine Breitenwirksamkeit sondergleichen. Sämtliche Befindlichkeiten werden abgedeckt quer durch Altersstufen und Milieus. Die Identifikation mit bestimmten Orten und Protagonisten macht besonders Regional- und Serienkrimis beliebt, die Fortsetzung eines solchen wird sehnlich Elisabeth Schippel erwartet. Fans werden generiert, Weiterbetreibt den Krimiempfehlungen bringen neue Fans. salon in Wien Noch mehr als Preise und Auszeichnungen erreichen Lesungen einen hohen Aufmerksamkeitswert – die beinahe wöchentlichen Lesungen im Krimisalon sind immer gut besucht. Der Krimi ist salonfähig …
Literatur zum Anfassen Im Krimibereich wird das Haymon-Verlagsprogramm demnächst mit einigen neuen Namen begeistern. So setzt zum Beispiel Thomas Raab seine Erfolgsreihe um Willibald Adrian Metzger in unserem Haus fort. Im Zentrum unserer Marketingstrategie steht der direkte Kontakt zwischen Verlag, LeserInnen und den AutorInnen. Gemeinsam mit Bernhard Aichner hat HaymonLinda Müller ist Verleger Markus Hatzer daher das Krimifest verantwortlich für Tirol – Österreichs größtes Krimifestival Kriminalromane bei – ins Leben gerufen. Es steht ganz im ZeiHaymon in Innsbruck chen der „Literatur zum Anfassen“, und der Erfolg ist überwältigend: Mit über 3.700 gezählten BesucherInnen war der Andrang heuer noch größer als im letzten Jahr.
„Sämtliche Befindlichkeiten werden abgedeckt quer durch Altersstufen und Milieus“
„Aber dass eine Michaela Kastel ohne Anlauf stilistisch gleichauf zieht mit einem Fitzek, kann ein Algorithmus nicht ahnen“
Suchtpotenzial Krimis laufen und laufen und laufen … Denn sie bergen Suchtpotenzial! Einmal eingefangen, lassen sie Leserinnen und Leser nicht mehr los. Das geht nach Regionen (Walker, Bannalec, Ribeiro und Co.) oder Fangemeinden (George, Nesbø, Paretsky, Raab, Rossmann – um nur einige zu nennen). Wenn die Buchhändlerin auch noch eine bekannte wie begeisterte Rotraut Schöberl ist Krimileserin ist, kann sie dazu Debüts Mitbegründerin der und unbekannte gute Krimis platzieren Leporello Buchhanddie Stammkundinnen- und kunden freulungen en sich über diese Entdeckungen! Wunderbar ist z. B. die großartige Neuausgabe der Maigrets: Das ist ein schönes, lang laufendes Abo. Bei uns gibt es nun jährlich einen SimenonAbend. Dazu wirken sich Auszeichnungen und Nominierungen auf die Nachfrage aus, zuletzt etwa beim Leo-Perutz-Preis.
Das kann kein Algorithmus Krimis lassen sich herrlich in Kategorien unterteilen, vielleicht einfacher als andere Segmente. Da sind die grauslichen, blutigen – die übrigens immer von den sympathischsten AutorInnen geschrieben werden, die knallharten, Cozy Crime, Regionalkrimis, Psychothriller und natürlich die Schweden, die Italiener und die Franzosen. Das ist praktisch und lässt sich gut einschätzen – das Johannes Kößler, kann ein Algorithmus. Aber dass eine Michagemeinsam mit ela Kastel ohne Anlauf stilistisch gleichauf Bettina Wagner zieht mit einem Fitzek, kann ein Algorithmus Inhaber der Buchnicht ahnen. Und so ist es an uns, aufmerkhandlung Seeseiten sam zu bleiben, unsere Stärken als Sortimenter auszuspielen, unseren VertreterInnen gut zuzuhören und unser Personal zum Lesen zu ermuntern. Denn, und hier muss ich eine andere Entdeckung zitieren, Edgar Cantero: „Neue Wege werden immer durch die menschliche Imagination gefunden, nicht durch künstliche Intelligenz.“ Cantero hat übrigens einen großartigen Schauerroman geschrieben.
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Daniel Kehlmann bei der Festrede zum EUPL im Marmorsaal im Belvedere
Erweiterung der Weltwahrnehmung DER ÖSTERREICHISCHE BUCHPREIS UND DER EUROPEAN UNION PRIZE FOR LITERATURE: DIE PREISVERLEIHUNGEN DER BUCH WIEN-WOCHE anzeiger / 1 0
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– Essenziell – Österreichischer Buchpreis & EUPL
Erste Reihe: Fotos European Union Prize for Literature L.: Moderator Michael Freund mit der Juryvorsitzenden Liana Sakelliou R.: EU-Kommissar Tibor Navracsics, die Gewinnerinnen und Gewinner des EUPL und Bundesminister Gernot Blümel Zweite Reihe: Fotos Österreichischer Buchpreis/Buchpreis Debüt L.: Gernot Blümel, Philipp Hauß, Debütpreisgewinnerin Marie Gamillscheg und Renate Anderl, AK-Präsidentin R.: Benedikt Föger, Philipp Hauß, Buchpreisgewinner Daniel Wisser, Gernot Blümel und Dorothee Hartinger
Text: Redaktion Fotos: Andy Welzel/BKA
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m Rahmen der BUCH WIEN fand die Verleihung der heimischen Preise Österreichischer Buchpreis sowie Österreichischer Buchpreis Debüt am 5. November im Kasino am Schwarzenbergplatz statt – mittlerweile zum dritten Mal. Beide Preise haben das Ziel, die Qualität und Eigenständigkeit der österreichischen Literatur zu würdigen. Ausgelobt werden sie vom Bundeskanzleramt der Republik Österreich, dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und der Arbeiterkammer Wien. Vor 300 geladenen Gästen übergaben Bundesminister Gernot Blümel, AK-Präsidentin Renate Anderl und der Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, Benedikt Föger, den mit 20.000 Euro dotierten Buchpreis an Daniel Wisser für seinen Roman „Königin der Berge“ (Jung
und Jung). Den Debütpreis, Dotation 10.000 stand die verbindende Kraft der Literatur Euro, erhielt Marie Gamillscheg für „Alles im Mittelpunkt. Sowohl der ungarische EUwas glänzt“ (Luchterhand). Bundesminister Kommissar für Kultur und Bildung, Tibor Blümel betonte dabei, dass der Österreichi- Navracsics, als auch Kulturminister Gernot sche Buchpreis sowie der Buchpreis Debüt Blümel erinnerten an die Bedeutsamkeit des dazu beitragen „die eindrucksvolle Band- gedruckten Wortes für die Weiterentwickbreite und Qualität österreichischer Litera- lung des europäischen Projektes. „Es ist eine tur einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu große Ehre für Österreich, dass wir im Rahmen des Ratsvorsitzes als Gastgeber für diemachen.“ Am nachfolgenden Abend fand vor 250 sen Preis fungieren durften“, erklärte Blümel. internationalen Festgästen die Auszeich- „Die Werke der nominierten Autorinnen und nung mit dem Europäischen Literatur- Autoren tragen maßgeblich zur Erweiterung preises (EUPL) im Belvedere statt. Dazu unserer Weltwahrnehmung und dem Gefühl HVB-Präsident Benedikt Föger, der diese einer europäischen Identität bei.“ Zu den Ausgezeichneten zählte die AutoPreisverleihung nach Wien holte: „Diese Ehrung passt wunderbar in die BUCH rin Lidija Dimkovska. Sie erhielt für ihr Werk WIEN-Woche, da wir ja viele hundert in- „When I left‚ Karl Liebknecht“ den Anerkenternationale Autorinnen und Autoren und nungspreis zum Europäischen Jahr des KulVerlage in Wien zu Gast haben.“ Beim EUPL turerbes.
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– Essenziell – Österreichischer Buchpreis & EUPL
„Es war mir wichtig, in meinem Buch die Romanform anzubohren“
„Ich wollte keinen Österreich-Roman schreiben“ Die Debütpreisträgerin 2018 Marie Gamillscheg über die Auszeichnung und das Schreiben aus der Ferne
Welche Bedeutung hat es für Sie, mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet worden zu sein? Daniel Wisser — Der Österreichische Buchpreis ist ein sehr junger Preis und ich finde es schön, zu den ersten Preisträgerinnen und Preisträgern zu gehören. Außerdem sind wir mit Jung und Jung der erste österreichische Verlag, der ihn gewonnen hat. Auch das Setting des Preises, der ganz auf ein Buch zugeschnitten ist, finde ich interessant: Hier wird ein einzelnes Buch bewertet und nicht ein Gesamtwerk. Friederike Mayröcker, Eva Menasse, Daniel Wisser – ist das Ihrer Meinung nach schon ein guter Querschnitt der zeitgenössischen österreichischen Literatur? Wisser — Natürlich. Alle drei sind extrem verschieden, und man hofft auch, dass das so bleibt. Dadurch, dass die Jury jährlich ausgewechselt wird, wird es sich ohnehin einspielen. „Königin der Berge“ ist ein Roman. Gleichzeitig spielen Sie darin mit Textformen: Die Dialoge sind gesetzt wie im Drama, es gibt Ebenen, die zweispaltig passieren, im Text wurde durchgestrichen und geschwärzt. Der richtige Text für einen Preis, der sich traut, neben Belletristischem auch Dramatisches, Essayistisches und Lyrisches miteinzubeziehen? Wisser — Es wäre schön, wenn das so ist! Es ist ja dezidiert ein Buchpreis: Das betrifft genauso die grafische Gestaltung des Buches. Auch textlich war mir wichtig, unter anderem mit dem Wechsel von „er“ auf „ich“ die Romanform anzubohren und mit anderen Textsorten anzureichern. Das ist nicht unbedingt etwas Neues, aber es ist schon etwas, das sich im Buch zeigt. Wie Sind sie darauf gekommen, ein so schweres Thema wie den Wunsch nach Tod
Gewinner des Österreichischen Buchpreises 2018: Daniel Wisser für „Königin der Berge“
und Sterbehilfe in eine zugängliche Art zu packen? Wisser — Ich denke, das kommt von allein: Sterben ist das große Thema – und damit auch jeder Versuch, das Sterben zu gestalten und ihm einen selbst gewählten Zeitpunkt zu geben. Gleichzeitig vergisst man dabei leicht, dass ein chronisch Kranker, wie die Hauptfigur einer ist, einen ganz normalen Alltag hat, in dem er auch sehr müde ist, in dem ihm manchmal langweilig ist, wo er mit immer denselben Menschen kommuniziert. Im Zuge dessen bringt er den Wunsch zu sterben manchmal auf, um dann zu merken, dass alle das Thema scheuen. Gleichzeitig bemerkt mein an Multipler Sklerose erkrankter Protagonist, der geistig voll fit ist, dass er mit Provokation und Witz Aufmerksamkeit bekommt. Der Humor ergibt sich, weil es ein ganz normales Leben ist. In der Geschichte entsteht durch die Planung des eigenen Todes eine gewisse Skurrilität … Wisser — Alles wird in Anbetracht des Todes ein wenig absurd, nicht? Die Überlegung: Was ist das Letzte, das ich mache, was wird das Vorletzte, was muss noch erledigt werden? Einerseits ist es sehr dramatisch, alles auf das hinzumodellieren, andererseits wird es auch sehr lächerlich.
Frau Gamillscheg, Sie kommen aus Graz und leben in Berlin. Würden Sie sagen, man kann über Österreich – und vielleicht gerade über die österreichische Provinz – besser aus der Ferne schreiben? Gamillscheg — Mein Bergarbeiterort hat ganz bewusst keinen Namen, aber man kann bestimmt sehr gut österreichische Orte hineinlesen. Die Namenlosigkeit war bewusst gewählt, weil ich kein ÖsterreichBuch schreiben wollte. Natürlich komme ich woher, natürlich sind das Themen, die mich beschäftigen. Und in der Ferne haben sie begonnen mich zu interessieren. Sie lassen sich dort leichter als Phänomene beobachten. In Berlin zu wohnen, aber auch meinen Wohnort in Österreich noch zu haben, macht fürs Gedankenkonstrukt und fürs Schreiberische sehr viel aus. Ich bediene mich gern bei allem und mache mein Eigenes daraus. Die Berge und die Bergarbeiter in Ihrem Buch geben Hinweise auf die Örtlichkeit. Trotzdem war es Ihnen offenbar wichtig, dass der Ort ungenannt bleibt … Gamillscheg — Ja, weil es mir vor allem um die Figuren und das Thema geht. Das finde ich das Schöne am fiktionalen Schreiben: Ich kann meinen eigenen Ort kreieren und mich dazu unterschiedlicher Dinge bedienen. Hätte ich einen Ortsnamen genannt, hätte der mich bei diesem Buch aufgehalten. Ich glaube, es würde auch die Rezeption einschränken, weil bei Namensnennung ein Realitätsabgleich passiert. Die Geschichte dreht sich einerseits um den Berg, das Oben, andererseits um die Minenarbeit ganz unten. War das bewusst mystifizierend gedacht? Gamillscheg — Es gibt viele solcher Gegensätze im Buch: innen/außen und oben/unten. Was mich daran vor allem interessiert hat, war dieses Verhältnis und gleichzeitig, wie es zusammenspielt und immer wieder ineinandergreift. Das sieht
FOTOS: ANDY WENZEL/BKA
Daniel Wisser, Gewinner des Österreichischen Buchpreises 2018, im Gespräch
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– Essenziell – Österreichischer Buchpreis & EUPL
man auch an diesem Berg, der die Men schen in diesem Ort jahrhundertelang er nährt hat und dabei von ihnen ausgehöhlt wurde – nun bedroht er sie. Genau diese sehr verzwickten Verhältnisse fand ich spannend. Was auch wichtig ist, sind der Gedanke des Gleichgewichts und die Fra ge: Wie hält sich diese Balance? Wie kann ich die bewahren und wo fängt sie zu brö ckeln an, für jede Figur individuell? Könnte man das auch als Gesellschaftskritik lesen? Etwa: Wie weit kann man gehen, bis die Natur sich wehrt? Gamillscheg — Ich habe kein mora lisierendes Buch geschrieben. Aber wenn es das unterschwellig aufzeigt, ist das schön. Haben Sie den Eindruck, der Österreichische Buchpreis Debüt bildet einen guten Querschnitt der aktuellen österreichischen Nachwuchs-Literaturszene? Gamillscheg — Das wäre ein sehr mage rer Querschnitt, weil beim Debütpreis im
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mer nur drei Werke nominiert sind. Preise sind immer sehr subjektiv. Auch uns drei hat man ja kaum vergleichen können, so wohl inhaltlich als auch von der Sprache her. Deshalb ist es gut, dass es verschiede ne Preise gibt. Was bedeutet es für Sie, so einen Preis zu bekommen? Gamillscheg — Eine unglaublich schöne Bestätigung. Sie motiviert mich sehr, wei terzuschreiben, gerade als Debütautorin. Es gibt so viele Bücher, die spannend sind und einfach untergehen, weil sie kein ak tuelles Thema behandeln oder stille Bü cher sind. Das ist bei mir ja auch der Fall. Obwohl viel passiert, ist es ein stilles Buch. Es hat kein vordergründiges politisches oder gesellschaftsrelevantes Thema, das kommt nur heraus, wenn man zwischen den Zeilen liest. Umso schöner ist es, dass es wertgeschätzt und gern gelesen wird. Und natürlich auch, dass es auf der Buch messe ist und weiterhin in den Buchhand lungen liegt.
JAHRE BUCHKLUB
Erhielt den Österreichischen Buchpreis Debüt 2018: Marie Gamillscheg
Bundespräsident Van der Bellen honorierte den bedeutenden Einsatz des Buchklubs für das Lesen.
Der Österreichische Buchklub der Jugend hat Geburtstag und feiert 70 Jahre Einsatz im Dienst der Leseförderung. Aus diesem Anlass wurden Vorstand, Landesreferenten und Mitarbeiter des Buchklubs zum Empfang bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen in die Hofburg geladen, der die bedeutende Aufgabe des Buchklubs honorierte: „Danke, dass Sie seit vielen Jahren jungen Menschen die Freuden des Lesens näherbringen. Danke für Ihr Engagement! Ich bin davon überzeugt: Lesen ist kein Selbstzweck, sondern ein Beitrag zu Humanität und zu Bildung, zum friedlichen Zusammenleben, zum Entfalten der menschlichen Persönlichkeit.“ Buchklub-Vorsitzende Christa Prets unterstreicht: „Siebzig Jahre Österreichischer Buchklub der Jugend heißt Leseförderung für Kinder und Jugendliche, heißt immer wieder auf die zeitlichen Veränderungen einzugehen und gleichzeitig aber auch innovativ zu sein, Visionen zu haben und sie zu realisieren. Enge Kooperationen mit dem Netzwerk der SchulreferentInnen in allen Bundesländern sind die Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung unserer Angebote.“
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© Peter Lechner /HBF
Bundespräsident Van der Bellen gratuliert in der Hofburg
Und wie geht‘s weiter? Die neue Buchklub-Geschäftsführerin Lydia Grünzweig ist sicher: „Lesen gilt unbestritten als Basisvoraussetzung für die Nutzung der Medienvielfalt. Lesen steht mit den digitalen Medien in einer spannenden Wechselwirkung, neue Formen und Techniken des
Lesens entwickeln sich. Wir erleben im Augenblick wohl die gravierendste Umwälzung und Ausweitung an Informationskanälen seit der Gutenberg-Revolution. Faszinierende und spannende Aufgaben, die auf den Buchklub zukommen.“ www.buchklub.at
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– BUCH WIEN 18 –
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Gut besucht: Mit 51.000 Besucherinnen und Besuchern auf vergrößerter Ausstellungsfläche konnten neue Rekorde verzeichnet werden
BUCH WIEN 18: Rekord NETZWERKEN, LESEN, ENTDECKEN, ZUHÖREN, BLÄTTERN: ÖSTERREICHS GRÖSSTES BUCH- UND LITERATURFESTIVAL WAR EIN VOLLER ERFOLG IM ELFTEN JAHR
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F O T O S : R I C H A R D S C H U S T E R ( 1 5 ) , M E R C A N S Ü M B Ü LT E P E ( 1 )
Sektionschef Jürgen Meindl im Gespräch
Franz Lintner mit Begleitung und Georg Buchroithner
Veronica Kaup-Hasler, Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, bei der Eröffnung
Die Eröffnungsrede hielt die deutsche Philosophin und Autorin Svenja Flaßpöhler
Verleger Jochen Jung und Regina RumpoldKunz vom Jung und Jung Verlag
Alexander Potyka, Bürgermeister Michael Ludwig, Benedikt Föger und Georg Glöckler
Alt-Bundespräsident Heinz Fischer zu Gast auf der ORF-Bühne
Kate Morton und Esther Schweins lasen gemeinsam im Palais Coburg
Thema Österreichischer Buchpreis: Daniel Wisser, Marie Gamillscheg und Katja Gasser
Zu später Stunde wurde das Foyer des Gartenbaukinos zur Tanzfläche
Lojze Wieser mit Kulturminister Gernot Blümel am Wieser/Drava-Stand
Horst Grabensberger, Friederike Harr und Nikolaus Brandstätter bei der Happy Hour
Johan de Blank, Theresa Öhler, Lisa Welzel und Marjana Gaponenko
Autorin Karin Peschka und Verleger Arno Kleibel bei der HVB-Happy-Hour
Thomas Brezina war bei den jungen Leserinnen und Lesern ein voller Erfolg
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– Buchtermine –
Veranstaltungen Dezember 2018 SA 1. 12.
Michael Köhlmeier: „Bruder und Schwester Lenobel“ (Stifter Haus Linz, 19.30 Uhr)
Art Book Day Künstlerbuchmesse (Mumok, Wien, 10 Uhr)
MI 12. 12. Iris Blauensteiner, Christoph Ransmayer (Musa, Wien, 18.30 Uhr) Gerda Rogers, Clemens Trischler: „Ein Leben mit den Sternen“, (Haus der Kunst Baden, 19.30 Uhr)
DI 4. 12. Geschichte und Geschichten. Vergangenheit in Gegenwartstexten (Stifter Haus Linz, 14 Uhr) Angelika Hager: Kerls! (Thalia Buchhandlung 1060, Wien, 19 Uhr) Das PEN-Frauenkomitee feiert 100 Jahre Frauenwahlrecht (Literaturhaus Wien, 19 Uhr) M i c h a e l K r ü g e r „Vorübergehende“ (Literaturhaus Graz, 19 Uhr) Dimitré Dinev & Wladigeroff Brothers (Konzerthaus, Wien, 19.30 Uhr) Alois Brandstetter: „Lebenszeichen“ (Stifter Haus Linz, 19.30 Uhr) DO 6. 12. Manfred Baumann: „Das Stille Nacht Geheimnis“ (Stadtbibliothek „Das Zentrum“, Radstadt, 19 Uhr) FR 7. 12. Vorlesefreitag – „Der Fuchs hat seine lie-
Angelika Hager präsentiert ihr aktuelles Buch „Kerls!“ am 4. 12.
ben Nöte beim Halleluja auf der Flöte“ (Facultas Dombuchhandlung, Wien, 16 Uhr) Rapper lesen Rapper (Radiokulturhaus, Argentinierstr. 30a, 1040 Wien, 20 Uhr) Benjamin von Stuckrad-Barre: Remix 3 (WUK, Wien, Freitag & Samstag, 20 Uhr) SA 8. 12. Erni Mangold – Matinée (Syrnau – Sparkasse.event.raum Zwettl, 11 Uhr) Christopher Wurmdobler, David Scheid, Diana Köhle, Gebrüder Moped u. a. (MuseumsQuartier, Wien, Samstag & Sonntag, 11 Uhr) DI 11. 12. Isabella Farkasch: „Die Weisheit der 13“ (Thalia Buchhandlung 1060, 19 Uhr)
DO 13. 12. Exil Literaturpreise 2018 (Literaturhaus Wien, 19 Uhr) FR 14. 12. Bernhard Herrman & Robert Streibel: Der Wein des Vergessens (Arena Bar, Wien, 19:30 Uhr) FR 18. 12. Ins Deutsche übersetzt von … Dominique Fernandez und seine Übersetzerin Margret Millischer (Literaturhaus Wien, 19 Uhr) SO 30. 12. Severin Groebner, Hosea Ratschiller & Stefanie Sargnagel: Letzte Wiener Lesebühne (Vienna Ballhaus, Wien, 19 Uhr)
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FOTO: SABI NA NASSI F COX
MO 3. 12. Anna Goldenberg: „Versteckte Jahre. Der Mann, der meinen Großvater rettete“ (Parlament in der Hofburg, Wien, 18.30 Uhr)
Titelschutzmeldungen Mit einer Titelschutzmeldung im anzeiger ist Ihr Buchtitel für sechs Monate bis zum Erscheinungsdatum geschützt. Ihre Titelschutzmeldung ist mit Ihrer Nennung nach kurzer Überprüfung über www.buecher.at abrufbar und erscheint in der darauffolgenden Ausgabe des anzeigers. Titel melden können Sie auf www.buecher.at/titelschutz oder per E-Mail an Doris Klinda unter klinda@hvb.at. Die gleichzeitige Schaltung von mehreren Titelschutzmeldungen ist besonders günstig: Bis zu drei Titel pro Ausgabe gibt es exklusiv für HVB-Mitglieder* um nur € 80,– / 6 Titel € 110,– und bis zu 12 Titel um nur € 210,–. Doris Klinda berät Sie gern unter klinda@hvb.at, Tel. 01/512 15 35 DW 14.
Bezahlte Anzeigen. Der Verlag über nimmt keine Haftung dafür, dass die Titel bereits geschützt sind oder durch die Inserate Rechte Dritter verletzt werden.
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Unter Hinweis auf § 80 UrhG nehmen wir Titelschutz in Anspruch für den Einzeltitel: „Life is a story:“ in allen Schreibweisen, Darstellungsformen, Wortverbindungen und Kombinationen, als Reihen- und/oder Einzeltitel und zur Verwendung in allen Medien. story.one.publishing, Nonntaler Hauptstraße 58, 5020 Salzburg, Österreich
Unter Hinweis auf § 80 UrhG nehmen wir Titelschutz in Anspruch für den Einzeltitel: „Frauenpower im Network Marketing“ in allen Schreibweisen, Darstellungsformen, Wortverbindungen und Kombinationen, als Reihen- und/oder Einzeltitel und zur Verwendung in allen Medien. Lydia Werner GmbH, Westring 15, 2521 Trumau, Österreich
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Mörderischer Herbst Regional, historisch, aber auch weihnachtlich: Die neuen Krimis der Saison bieten Spannendes für alle Bereiche Text: Teresa Preis
Ein Blick auf die Bestsellerlisten lässt ahnen: Krimis und Thriller boomen. Hier ein Abriss der wichtigsten Titel im Herbst. Und Entdeckungen für den heimischen Markt.
Leben fürchten? Buchner führt so beides zusammen, eine spannende kriminalistische Handlung mit einem Sittenbild der österreichischen Gesellschaft kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
Morde im Habsburgerreich, im Ersten Weltkrieg und im Dritten Reich
Blauensteiner-Morde und andere Wien-Krimis
Krimis mit historischen Hintergründen sind aktuell wie nie: Das Krimi-Duo Matthias Wittekindt und Rainer-Wittkamp widmet sich in „Mord im Balkanexpress“ (Haymon) der Donaumonarchie des Jahres 1895. In Wien wird die Amtseinführung des neuen Burgtheater-Direktors gefeiert, auch Kaiser Franz Joseph wird erwartet. Ein Attentat schlägt fehl. Alsbald beginnt Schauspielerin Christine, die nur knapp mit dem Leben davonkommt, zusammen mit ihrem Geliebten, einem deutschen Agenten, mit der Aufklärung des Falles. Bis nach Belgrad führt die beiden ihre Suche nach der Wahrheit. Beate Maly schickt die Leserinnen und Leser im Jahre 1923 auf eine Luxuskreuzfahrt von Wien nach Budapest. In ihrem „Mord auf der Donau“ (Emons) scheint es, als wäre einem der Gäste die Szegediner Fischsuppe nicht bekommen. Doch Anton Böck und seine Freundin, die pensionierte Lehrerin Ernestine Kirsch, erkennen schnell: Es gibt genug Passagiere auf dem Boot, die ein Mordmotiv hätten. Nicht nur das, Böck und Kisch tappen dem Mörder fast selbst in die Falle. Richtig politisch wird es in Thomas Buchners „Donaudämmerung“ (Haymon). Der Historiker begibt sich ins Linz des Jahres 1939. Hermann Göring ist in der Stadt, um die nach ihm benannten lokalen „Reichswerke“ zu eröffnen. Doch nur kurze Zeit später wird eine Frau ermordet, die, so sagen Gerüchte, sogar die Tante des führenden Nazipolitikers sein könnte. Josef Steininger, eher der Typ behäbiger Kommissar, gerät bei dieser politischen Dimension schnell unter Druck. Denn schon bald wird gefragt: Wer hat sich mit den nationalsozialistischen Machthabern arrangiert und wer muss in dieser Konstellation um sein
Auch in der Hauptstadt wird weiter gemordet, in Stefan Peters’ „Strenge Rechnung“ (Picus) sogar im ganz großen Kontext. Denn in der Welt von Sozialberater Michael Bogner werden plötzlich ganz neue Spielregeln eingeführt. Der Mitarbeiter des Jobtrainingscenters soll wie seine Kollegen nun zwei Klienten gleichzeitig beraten. Aus einer anscheinend widersinnigen Anordnung entwickelt sich schnell ein Skandal erster Güte, der mit europäischen Fördergeldern beginnt und bei habgierigen, kaltblütigen Unternehmern noch kein Ende findet. Denn schon bald gibt es den ersten Toten. Dass der wirklich den Freitod gewählt hat, glauben da nur noch wenige. Einen Wiener Kaffeehauskrimi liefert Hermann Bauer mit seinem „Mord im Hotel“ (Gmeiner). Leopolds Freundin Erika Haller feiert Geburtstag im Café Heller. Doch im Nachbarhotel wird Frauenheld Eberhard Aichholzer erwürgt aufgefunden. Der Kreis der Verdächtigen ist groß, umfasst auch einige der Freunde Erikas. Während sich Leopold auf die Suche nach dem Täter macht, lädt die Polizei allerdings Erika zur Zusammenarbeit ein. Ein Überlebensprogramm der besonderen Sorte präsentiert Monika Buttler in „Die Schwarze Witwe von Wien“ (Gmeiner). Aufgewachsen in einer Welt aus Armut und Gewalt, nimmt Elfriede Blauensteiner auf ihre ganze eigene Weise Rache. Schon den ersten Gatten pflegt sie zu Tode, verspielt dessen Pension im Spielsalon und lockt dann mit Inseraten noch mehr heiratslustige und reiche Rentner an. Was bei einem Mann funktionierte, sollte sich schließlich auch auf andere Männer übertragen lassen.
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der Täter abermals zu. Sicherheitschef Poldi und sein Kumpel Schorsch sind nicht nur ein eingespieltes Team, sie können sich zudem auf Hausdetektiv Jürgen und Eleonora vom Punschstand verlassen. Zusammen hat das Quartett sich nicht nur die Suche nach dem Übeltäter auf die Fahnen geschrieben, auch das Weihnachtswunderland soll gerettet werden.
Krimis aus den Alpen und dem Hundealltag Man könnte meinen, in Österreich mordet es sich besonders gut. Denn das regionale Krimi-Angebot blüht auch im Herbstprogramm. Tirols Ermittlerin Valerie Mauser taucht im fünften Band von Joe Fischlers Alpenkrimi-Serie „Veilchens Show“ (Haymon) in die morbide Welt des Reality-Fernsehens. Während ihr Kollege Manfred Stollwerk der Live-Kuppelshow „Bauerlorette“ begeistert folgt, schaltet sich Mauser bald auf ganz andere Weise in das Fernsehspektakel ein. Zwei der fünf teilnehmenden Bauern, die um eine Frau und immerhin eine Million Euro Preisgeld konkurrieren, sterben unter mysteriösen Umständen. Während für die Produzenten die Show einfach weitergeht, legt das Ermittlerduo Mauser und Stollwerk mit seinem Humor erst richtig los. Wenn deren ureigener Charme dann auch noch auf die hysterische Fernsehwelt trifft, sind skurrile Situationen garantiert. Auch bei Franz Friedrich Altmann geht es gewohnt wortwitzig zu, als er sein Duo Gucki und Turrini in „Turrinis Hirn“ (Haymon) zur Aufklärung ins Hundehalter-Millieu schickt. Die resolute Lokalblattredakteurin Gucki und der trinkfreudige Spitz Turrini bekommen es in ihrem sechsten Fall nicht nur mir dreizehn verwaisten Hundewelpen zu tun, sondern auch noch mit einer nackten Leiche im Beichtstuhl. Eine Geschichte für die Titelseite der Mühlviertler Nachrichten und eine Herausforderung für die kriminalistischen Fähigkeiten von Gucki. Altmann taucht in seinem neuen Buch wieder tief in die Welt des Mühlviertels.
Böse Thriller in einer klaustrophoben Welt Die Wiener Autorin Michaela Kastel erhielt kürzlich für ihren aktuellen Thriller „So dunkel der Wald“ (Emons) den ersten Viktor Crime Award. Ronja und Jannik wurden als Kinder tief in den Wald verschleppt, wo sie heute noch leben. Als die Situation außer Kontrolle gerät, scheint die langersehnte Freiheit zum Greifen nah. Doch plötzlich wirkt dieses mögliche neue Leben beängstigend. Die Verfolgungsjagd beginnt: Kastel zeichnet eine klaustrophobe Welt aus Gewalt und Angst. Bernhard Aichner legt nach der „Totenfrau“Trilogie mit „Bösland“ (btb) seinen neuen Thriller vor. Im Sommer des Jahres 1987 wird auf dem Dachboden eines Bauernhauses ein Mädchen brutal ermordet. Der Täter? Ein dreizehnjähriger Junge, der nun, dreißig Jahre später, plötzlich wieder mit dem Morden beginnt. Fritz Lehner erhielt für seinen letzten Krimi „Nitro“ den Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur. Jetzt schickt er die Leserinnen und Leser in „13 A“ (Seifert) durch eine mörderische Tour de Force in Wien. Die Täter bekommen es bei ihrer wahnwitzigen Serie von Morden entlang der längsten Buslinie der Stadt allerdings mit einem Ermittler zu tun, der es in puncto Abgebrühtheit locker mit ihnen aufnehmen kann.
Mordsbescherungen und stille Nächte So gar nicht besinnlich geht es in diesen Weihnachtskrimis zu. In Oberndorf bei Salzburg wurde vor genau 200 Jahren das Weihnachtslied „Stille Nacht“ geschrieben. Doch in Manfred Baumanns „Das Stille Nacht Geheimnis“ (Gmeiner) wird der Ort zum Schauplatz für einen Kriminalfall. Zwar glaubt die Polizei, dass der portugiesische Journalist Bernardo Pilar, in der Stadt, um von den Jubiläumsfeierlichkeiten des weltberühmten Liedes zu berichten, nur in einen Unfall verwickelt gewesen sei, als er schwer verletzt in einem Waldstück gefunden wird. Stella, die Mutter des Journalisten, gibt sich mit der Erklärung jedoch nicht zufrieden und gerät bei der Auflösung selbst in Gefahr. Im Weihnachtswunderland ermitteln lässt Sanne Aswald in „Keinmal werden wir noch wach“ (Emons). Denn das gleichnamige Einkaufs- und Vergnügungscenter wird von einer Sabotagewelle erschüttert. Während die Leiterin Franziska Fellinger erst noch an harmlose Zufälle glaubt, schlägt
Cyberwars, Fake News und die App-Szene Journalistin Mira Valensky und ihre Freundin Vesna Krainer sind auf der Suche nach der Realität. Was ist geschehen mit Carlo Neuhaus, einem Händler für italienische Spezialitäten? Der Liebling der Medien war sozial engagiert – und von Gerüchten umwoben. War er etwa in Schlepperei und Drogenhandel verwickelt – und was hat sein Tod mit Übergriffen in den sozialen Medien zu tun? Eva Rossmann widmet sich in ihrem neuen Krimi „Im Netz“ (Folio) einem Wien als Drehscheibe von Cyberlegionären. Manfred Baumann überzeugt in „Todesfontäne“ (Gmeiner) mit Meranas sechstem Fall. Ein Toter im Springbrunnen der Festspielstadt Salzburg lässt den Kommissar rätseln: Die Leiche eines Investors führt in die App-Szene. Doch eigentlich wollte sich Merana ja bereits in den Ruhestand begeben …
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SUSANNE WIESINGER, JAN THIES Kulturkampf im Klassenzimmer Edition Qvv € 24,90 THILO SARRAZIN Feindliche Übernahme Finanzbuch Verlag € 25,70
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BAS KAST Der Ernährungskompass 3 C. Bertelsmann € 20,60 STEPHEN HAWKING Kurze Antworten auf große Fragen NEU Klett-Cotta € 20,60 SEPP FORCHER Das Salz in der Suppe NEU Brandstätter Verlag € 20,–
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6
YUVAL NOAH HARARI 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert 7 C.H.Beck € 25,70 MANUELA MACEDONIA Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke 4 Brandstätter Verlag € 22,– ANDREAS SALCHER Das ganze Leben in einem Tag 12 Ecowin € 24,00 ROLAND LIEBSCHER-BRACHT, PETRA BRACHT Deutschland hat Rücken NEU Mosaik € 14,40
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Sachbuch Taschenbuch
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JOHN STRELECKY Das Café am Rande der Welt DTV Verlagsgesellschaft € 9,20 PETRA BRACHT, ROLAND LIEBSCHERBRACHT Die Arthrose-Lüge Goldmann € 14,40
3
Der neue Fischer Weltalmanach 2019 Fischer Taschenbuch 2 € 22,70 YUVAL NOAH HARARI Eine kurze Geschichte der Menschheit NEU Penguin € 15,50 YUVAL NOAH HARARI Homo Deus 4 C.H.Beck € 15,40 VIKTOR E. FRANKL … trotzdem Ja zum Leben sagen 8 Penguin € 10,30 DR. MED. ECKART VON HIRSCHHAUSEN Wunder wirken Wunder 9 Rowohlt TB € 12,40 JOHANNES HUBER Es existiert 7 Goldmann € 12,40
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BODO SCHÄFER Die Gesetze der Gewinner DTV Verlagsgesellschaft € 10,20
YUVAL NOAH HARARI 10 Eine kurze Geschichte der Menschheit
JOHN STRELECKY Wiedersehen 10 im Café am Rande der Welt
Sachbuch E-Book
Ratgeber Hardcover
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Pantheon
€ 15,50
SUSANNE WIESINGER, JAN THIES Kulturkampf im Klassenzimmer Edition Qvv € 18,99
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STEPHEN HAWKING Kurze Antworten auf große Fragen NEU Klett-Cotta € 15,99
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BAS KAST Der Ernährungskompass 3 C. Bertelsmann € 20,60 THOMAS BREZINA Tu es einfach und glaub daran 7 Edition A € 16,00 YUVAL NOAH HARARI Eine kurze Geschichte der Menschheit 5 Pantheon € 15,50 MANUELA MACEDONIA Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke 12 Brandstätter Verlag € 17,99 BOB WOODWARD Furcht NEU Rowohlt Digitalbuch € 19,99 HEATHER MORRIS Der Tätowierer von Auschwitz 8 Piper eBooks € 14,99
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YUVAL NOAH HARARI 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert C.H.Beck € 19,99
THILO SARRAZIN 10 Feindliche Übernahme 1
Finanzbuch Verlag
€ 21,99
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DTV Verlagsgesellschaft
Tiergartendirektorin Dagmar Schratter, ihr Vorgänger Helmut Pechlaner, Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Ö3-Reporter Georg Urbanitsch u.v.m. schildern persönliche Erlebnisse und klären spannende Fragen rund um diese bedrohte Tierart.
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THOMAS BREZINA Tu es einfach und glaub daran 1 Edition A € 20,00 ANDREAS KAIBLINGER Essen Lieben – Raffinierter Genuss 14 ohne Zucker und Weizen Nova Md € 31,10 KATHARINA SCHMID Kopfsache gesund NEU Edition A € 22,00 STEFANIE STAHL Das Kind in dir muss Heimat finden 3 Kailash € 15,50 CHRISTINA BAUER Backen mit Christina 7 Löwenzahn € 24,90 ALEXANDRA REINWARTH Das Leben ist zu kurz für später 2 MVG Verlag € 17,50 CHRISTINA BAUER Kuchen backen mit Christina 5 Löwenzahn € 24,90 RUEDIGER DAHLKE Das Alter als Geschenk NEU Arkana € 19,60 € JAMIE OLIVER Jamie kocht Italien 4 Dorling Kindersley € 27,80 MATHIAS K. THUN Aussaattage 2019 Maria Thun® NEU J. Aussaattage M. Thun € 9,30
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Bahnhofsbuchhandel sowie Elektro-und Drogeriemarkt 83 Prozent aller Barverkäufe in Österreich abgedeckt.
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Das malende Panda-Weibchen Yang Yang aus dem Tiergarten Schönbrunn sorgte weltweit für Schlagzeilen. Diese und andere Erfolgsgeschichten der Schönbrunner Panda-Haltung finden Sie in diesem prächtigen Bildband. Eine Zeitreise in Wort und Bild: von den ersten Verhandlungen mit China über die Ankunft des Panda-Pärchens Yang Yang und Long Hui im Jahr 2003 in Wien bis zu ihren Zwillingen Fu Feng und Fu Ban.
Johanna Bukovsky, Daniel Zupanc PANDAS Eine Schönbrunner Erfolgsgeschichte A Schönbrunn Zoo Success Story deutsch/englisch ISBN 978-3-902644-35-0 Hardcover mit Schutzumschlag 224 Seiten, ca. 240 Fotos € 29,90, KIKO Verlag
Erscheint am 12. Dezember 2018 Bitte richten sie Ihre Bestellung an: Mohr Morawa Buchvertrieb GmbH Tel. +43 (0) 1 680 14 - 5 Fax: +43 (0) 1 688 71 30 E-Mail: bestellung@mohrmorawa.at 20.11.18 09:35
– Bestenliste November 2018 –
Neu für den Buchhandel!
Bestenliste November 2018 Die ORF-Bestenliste
Sachbücher des Monats
1.
1.
PHILIPP WEISS
TIMOTHY SNYDER
Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen Suhrkamp
Der Weg in die Unfreiheit. Russland, Europa, Amerika C. H. Beck
2.
2.
RICHARD POWERS
VOLKER REINHARDT
Die Wurzeln des Lebens S. Fischer
Leonardo da Vinci. Das Auge der Welt
3.
C. H. Beck
Junger Mann Hoffmann & Campe
H. ROSLING, A. ROSLING RÖNNLUND,
3.
WOLF HAAS
O. ROSLING Factfulness Ullstein
4.
4.
DANIEL WISSER
STEFAN WEIDNER
Königin der Berge Jung und Jung
Jenseits des Westens. Für ein neues kosmopolitisches Denken Hanser
5.
5.
ex aequo: ANNIE ERNAUX Erinnerung eines Mädchens Suhrkamp
SIRI HUSTVEDT
Die Illusion der Gewissheit Rowohlt
5.
6.
ex aequo: GERHARD JÄGER All die Nacht über uns Picus
Jeden Monat erstellt eine Jury aus KritikerInnen und BuchhändlerInnen eine Liste von jeweils zehn empfehlenswerten neuen Romanen. Der ORF publiziert diese Liste und der anzeiger auch.
5.
ex aequo: TOM RACHMAN Die Gesichter dtv
8. GORAN VOJNOVIĆ
Unter dem Feigenbaum Folio
9. ex aequo: GABRIELE PETRICEK
Die Unerreichbarkeit von Innsbruck Sonderzahl
9. ex aequo: HANNA SUKARE Schwedenreiter Otto Müller
RICHARD SENNETT
Die offene Stadt. Eine Ethik des Bauens und Bewohnens Hanser Berlin Verlag Die Liste „Sachbücher des Monats“ wird durch ExpertInnen von Die Welt, von WDR 5, der Neuen Zürcher Zeitung und Ö1 zusammengestellt. Berücksichtigt werden neue Bücher in den Geistes-, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
7. JONATHAN DRORI
In 80 Bäumen um die Welt Laurence King Verlag
8. LUC BOLTANSKI, ARNAULD ESQUERRE
Bereicherung. Eine Kritik der Ware Suhrkamp
9. MAX CZOLLEK
Desintegriert euch Carl Hanser
10. STEVEN PINKER
Aufklärung jetzt S. Fischer Verlag
Im Vergleich zum Vorjahresmonat.
+2,8 % -2,7 % +1,2 % Umsatz
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Absatz
Preis
Weitere Marktdaten zur österreichischen Buchbranche liegen für HVB-Mitglieder exklusiv monatlich im anzeiger bei.
Erhebung: Media Control im Auftrag des HVB.
Marktdaten Oktober 2018
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– Klassiker – neu entdeckt
Lebens- und
standen oder den Hintergrund bildeten, machten den Eindruck von fassungslosen Zuschauern, die, in ihrer fröhlichen Tracht überrascht und gebannt, an diesem Begräbniszug und Naturfest teilnahmen. Frühling und Herbst, Sprache und Schweigen der Natur, auch Lebens- und Todeszauber mischten sich in dem Bild; die Herzen schienen stillzustehen, aus der Brust genommen zu sein, sich dem schweigenden Zug durch die Luft anzuschließen. »Da ward mir das Herz aus der Brust genommen«, hat ein Mystiker gesagt: Agathe erinnerte sich dessen. Auch wußte sie, daß sie selbst diesen Ausspruch Ulrich aus einem seiner Bücher vorgelesen hatte. Hier in dem Garten, nicht weit von dem Platze, wo sie sich jetzt befanden, war das geschehen. Die Erinnerung wurde vollständiger. Auch andere Aussprüche, die sie ihm ins Gedächtnis gerufen hatte, fielen ihr ein: »Bist du es, oder bist du es nicht? Ich weiß nicht, wo ich bin; noch will ich davon wissen!« – »Ich habe alle meine Vermögen überstiegen, bis an die dunkle Kraft! Ich bin verliebt, und weiß nicht in wen! Ich habe das Herz von Liebe voll, und von Liebe leer zugleich!« – Also klang in ihr die Klage der Mystiker wieder, in deren Herz Gott so tief eingedrungen ist wie ein Dorn, den keine Fingerspitzen fassen können. Viele solche
Todeszauber ROBERT MUSIL: DER MANN OHNE EIGENSCHAFTEN (AB 1930) Die Sonne war unterdessen höhergestiegen; die Stühle hatten sie wie gestrandete Boote in dem flachen Schatten beim Haus zurückgelassen, und lagen auf einer Wiese im Garten unter der vollen Tiefe des Sommertags. Sie taten es schon eine ganze Weile, und obgleich die Umstände gewechselt hatten, kam es ihnen kaum als Veränderung zu Bewußtsein. Ja eigentlich tat dies auch nicht der Stillstand des Gesprächs; es war hängen geblieben, ohne einen Riß verspüren zu lassen. Ein geräuschloser Strom glanzlosen Blütenschnees schwebte, von einer abgeblühten Baumgruppe kommend, durch den Sonnenschein; und der Atem, der ihn trug, war so sanft, daß sich kein Blatt regte. Kein Schatten fiel davon auf das Grün des Rasens, aber dieses schien sich von innen zu verdunkeln wie ein Auge. Die zärtlich und verschwenderisch vom jungen Sommer belaubten Bäume und Sträucher, die beiseite
WESHALB WIR DAS LESEN SOLLEN. ANLEITUNG VON ERICH KLEIN. Robert Musils Wohnorte der ersten beiden Lebensjahrzehnte lesen sich wie eine kurze Geografie jenes Kakanien, dessen letzte Atemzüge der Schriftsteller in seinem Hauptwerk „Der Mann ohne Eigenschaften“ verewigen sollte: 1890 in Klagenfurt als Sohn eines Hochschulprofessors aus Temesvár geboren, folgen die Übersiedlung nach Komotau in Böhmen, dann der Besuch der Volksschule in Steyr sowie der MilitärRealschulen in Eisenstadt und Mährisch Weißkirchen. In der Wiener Stiftskaserne wird Musil zum Artillerieoffizier ausgebildet. Sein Ingenieursstudium schließt er 1901 in Brünn ab, das Angebot einer wissenschaftlichen Laufbahn in Graz schlägt er zugunsten der Schriftstellerei aus. Wie die Mehrzahl seiner Zeitgenossen begrüßt er den Ausbruch des Ersten
Weltkriegs – dessen reales Erlebnis wird zur einschneidenden Erfahrung: Aus dem Geist der Moderne haben Materialkrieg und Barbarei triumphiert! In den nächsten zwanzig Jahren, zunächst in Wien und Berlin, nach dem „Anschluss“ ab Sommer 1938 im Schweizer Exil, unternimmt Robert Musil eine umfassende Bestandsaufnahme der Trümmer der „Welt von Gestern“, die schon alle Symptome des Unterganges aufwies. Der anfänglichen Erfolg als Autor, den Musil 1908 mit „Die Verwirrungen des Zögling Törleß“ gefeiert hatte, lässt sich dabei nicht wiederholen: weder mit den geradezu idealtypischen Erzählungen „Drei Frauen“ (1924) noch mit dem monumentalen Hauptwerk „Der Mann ohne Eigenschaften“, dessen erster Band zu Musils fünfzigstem Geburtstag 1930 erscheint. Die Satire über die Vorbereitungen einer „Parallelaktion“ anlässlich des 70. Thronjubiläums
selige Klagen hatte sie Ulrich damals vorgelesen. Vielleicht war die Wiedergabe jetzt nicht genau, das Gedächtnis verfährt etwas befehlshaberisch mit dem, was es zu hören wünscht; aber sie begriff, was gemeint war, und faßte einen Entschluß. Wie in diesem Augenblick des Blütenzugs hatte der Garten also schon einmal geheimnisvoll verlassen und belebt ausgesehen; und zwar gerade in der Stunde, nachdem ihr die mystischen Bekenntnisse in die Hand gefallen waren, die Ulrich unter seinen Büchern besaß. Die Zeit stand still, ein Jahrtausend wog so leicht wie ein Öffnen und Schließen des Auges, sie war ans Tausendjährige Reich gelangt, Gott gar gab sich vielleicht zu fühlen. Und während sie, obwohl es doch die Zeit nicht mehr geben sollte, eins nach dem andern das empfand; und während ihr Bruder, damit sie bei diesem Traum nicht Angst leide, neben ihr war, obwohl es auch keinen Raum mehr zu geben schien: schien die Welt, unerachtet dieser Widersprüche, in allen Stücken erfüllt von Verklärung zu sein.
Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften 1–6 (ab 1930), Gesamtauflage bei Jung und Jung, 2016–2018
des Regenten liefert nicht nur einen Querschnitt durch die bessere Gesellschaft der k. u. k. Hauptstadt, in immer neuen essayistischen Anläufen wird der Versuch unternommen, den Geist der Zeit auf den Punkt zu bringen. Wir schreiben 1913, das Jahr, in dem erstmals Autos von Fords Fließbändern laufen – folgerichtig beginnt das Buch mit einem Autounfall. Um mit den Wirren der Moderne zurechtzukommen, bedürften all die Großindustriellen und Großschriftsteller, die Hysteriker und Verbrecher Kakaniens eines „Erdensekretariats für Genauigkeit und Seele“, lautet eine von Ulrichs Ideen. Der junge Intellektuelle – er ist der Mann ohne Eigenschaften – hat sich nach dem Tod des Vaters ein Jahr „Urlaub vom Leben“ genommen. Am Ende des Buches steht das bizarr-inzestuöse Liebesverhältnis zu seiner Schwester. Der Legende nach feilte Robert Musil bis zu seinem Tod am 5. April 1942 am Buch.
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– HVB-Mitglieder im Porträt – Verlag Sonderzahl, Wien Porträt: Tobias Schmitzberger Foto: Christopher Mavrič
„Der Essayismus hat mich auch als Lebensform interessiert“
Dieter Bandhauer und Matthias Schmidt
M
ancher Gedanke braucht Wochen, um zu reifen. Beim Schach zum Beispiel. Im Sonderzahl Verlag mit dem Büro in einem schönen, ruhigen Altbau in Wiens viertem Bezirk steht ein Schachbrett. Hin und wieder spielen Verlagsgründer Dieter Bandhauer und sein Partner Matthias Schmidt eine Partie. Ein Zug kann schon einmal Tage dauern. „Einmal haben wir sechs Wochen bis zum Schachmatt gebraucht“, sagt Schmidt. Zum Nachdenken und Reflektieren nimmt man sich bei Sonderzahl viel Zeit. Bandhauer war 27 Jahre alt, als er den Verlag gründete. Der Fokus lag von Beginn an auf Essays, die er in Buchform herausbringen wollte. „Der Essayismus hat mich nicht nur als Genre interessiert, sondern als Lebensform“, erzählt er. „Man muss sich selbst bei dem, was man tut, über die Schulter schauen. Man darf nie mit sich zufrieden sein.“ Mit dem Verlag ist er aber doch zufrieden, wenngleich nicht mit allem. Schmidt
bringt es für Bandhauer auf den Punkt: „Auf eine positive Weise nicht zufrieden.“ Seit zwei Jahren ist Schmidt im Verlag. Der 34-Jährige hat vergangenes Jahr in Germanistik promoviert, seit heuer arbeitet er hier Vollzeit. Entscheidungen treffen er und Bandhauer nach Möglichkeit gleichberechtigt. Letzterem war es wichtig, nicht alles allein zu entscheiden, eine zweite Sichtweise im Verlag zu haben. „So etwas wie die Frankfurter Buchmesse wurde zur ständigen Wiederholung: Schon wieder Frankfurt …“, sagt der 61-Jährige. Zu zweit sei dies etwas ganz anderes. Bandhauer und Schmidt korrigieren einander und regen einander zu neuen Sichtweisen an. „Das gilt auch bei Buchprojekten. Es ist viel produktiver, als diese Dinge allein zu machen“, sagt Bandhauer. Gerade die Buchmessen in Herbst und Winter sind eine Herausforderung für den
Drei-Personen-Verlag, neben Schmidt und Bandhauer arbeitet hier noch Lehrling Mara Scherzer. „Ein wirklicher Kratereinschlag“ sei das beim Arbeitsaufwand. Immerhin kann der HVB sie etwas entlasten. „Die dritte Messe in Leipzig ist uns neben der BUCH WIEN und Frankfurt oftmals zu viel“, sagt Schmidt, „Da nutzen wir den Gemeinschaftsstand des HVB gern, um trotzdem daran teilzunehmen.“ Die beiden sind viel im Büro, auch an Wochenenden und Feiertagen. Bleibt da noch Zeit, privat Bücher zu lesen? Schmidt: „Ich habe keinen Roman am Nachttisch. Aber Bücher im zweistelligen Bereich, an denen ich immer wieder weiterlese.“ Bandhauer nimmt sich das Lesen bewusst vor. Alle vier Wochen trifft er sich mit seinem vierköpfigen Lesezirkel, mit dem er Bücher diskutiert. „Lesen ist für mich existenziell notwendig. Ein Buch pro Woche muss drinnen sein“, sagt Bandhauer. Es wird klar: Bei diesem Lese- und Arbeitspensum zwischendurch dauert die Schachpartie eben länger.
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– HVB-Mitglieder im Porträt – Buchhändlerin, Wien
Elisabeth Glaeser Porträt: Elisabeth Stuppnig Foto: Nini Tschavoll
E „Bei Lesungen bringt der Bäcker das Brot und der Imker den Honig“
s weihnachtet in Elisabeth Glaesers Buchhandlung. Betritt man den kleinen Laden in Ober St. Veit in Wien, weht einem der zarte Duft von Zimt entgegen. „Ich liebe Duftkerzen. Sie machen einen Ort gemütlicher“, sagt die Buchhändlerin, während sie durch ihr Geschäft führt. Hell und freundlich steht hier Reih an Reih das allgemein gehaltene Sortiment – von Kinder- und Jugendliteratur über Belletristik, Sachbuch bis hin zu Kriminalliteratur. Schon immer wollte Elisabeth Glaeser Buchhändlerin werden, erzählt sie begeistert. „Als ich mit 15 Jahren von einer Reise aus Italien zurückgekommen bin, war für mich klar: Ich möchte nicht mehr in die Schule, ich möchte mit Büchern arbeiten.“ Die reisebegeisterte Jugendliche heuerte zunächst bei Shakespeare & Company an, wo sie den Job „von der Pike auf“ erlernte. Ihre Lehre absolvierte sie dann im Bücherzentrum. Durch Zufall kam Glaeser 23-jährig in den 13. Bezirk, wo sie 2007 den Bücher- und
Geschenkeladen Ober St. Veit übernehmen sollte. Zwar nicht mehr in demselben Ausmaß, aber noch heute bietet Glaeser Geschenkartikel an. Sie umfassen etwa 15 Prozent des Sortiments. Das Non-Book-Segment besteht aus kuriosen, stimmungsvollen und durchaus lustigen Artikeln: aus warmen Socken, Kaffeetassen oder „Gandhi und Einstein als Weinflaschenstöpsel“. Elisabeth Glaeser lacht. Mit ihr stehen zwei Angestellte, Beatrix und Aljia, und ein Lehrling, Christian, im Geschäft. Ab und zu tummeln sich auch ihre sechs- und achtjährigen Kinder im Laden. „Die Buchhandlung ist genau gegenüber der Schule der Kinder – sehr praktisch“, sagt Glaeser, die auch selbst in Ober St. Veit wohnt. „Ab und zu holen mich die Kinder von der Arbeit ab und wir gehen gemeinsam nach Hause.“ Wie würde Glaeser „ihr“ Viertel beschreiben? Sie schmunzelt. „Ober St. Veit hat für mich ein unglaublich charmantes GrätzelFlair. Hier herrscht Greißler-Atmosphäre.“ Besonders bei Lesungen sei dies zu spüren. „Da unterstützen mich meine Kolleginnen und Kollegen im Umfeld. Da bringt dann der Bäcker das Brot oder der Imker den Honig.“ Wenig habe sich verändert in den letzten Jahrzehnten, weder hätten Glaesers Kundinnen und Kunden andere Ansprüche als früher oder würden zu Online-Anbietern wie Amazon abdriften, noch könne sie einen bemerkenswerten Leserrückgang verzeichnen – im Gegenteil: „Die Ober St. Veiter lesen brav“, sagt die Buchhändlerin. Und das durchaus durchmischt. „Wir haben den Pfarrer, der klassische theologische Bücher bestellt. Damals, als ,Shades of Grey‘ rausgekommen ist, war es innerhalb kürzester Zeit ein Bestseller. Das ,Gotteslob‘ aber lag nur um zwei Exemplare dahinter.“
Bücher & Geschenkeladen Hietzinger Hauptstraße 147, 1130 Wien
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– HVB-Mitglieder im Porträt – Buchhändlerin, Niederösterreich
Porträt: Elisabeth Stuppnig Foto: Lukas Ilgner
Karin Hajek „Oft kommen Kunden wegen eines Bleistifts zu mir und kaufen zusätzlich ein Buch“
K
arin Hajeks Buch- und Papierwarenhandlung ist groß und übersichtlich. Ein Blick genügt nicht, um das vielfältige Angebot zu überblicken: In einem Bereich die Papeterie, im anderen die Bücher, am hinteren Ende die Kassa. Was überrascht: Zwei große Spiegelsäulen mittendrin. Sie erinnern an vergangene Zeiten, als die Buchhandlung noch ein Textilgeschäft war. Karin Hajek führt die Buchhandlung bereits in dritter Generation. 1967 vom Großvater Ernst Huber gegründet, übernahm zunächst Karin Hajeks Mutter Monika Winninger, 2002 schließlich Karin Hajek das Geschäft – und baute um. Bestand das Sortiment früher auf lediglich 50 m² zu einem Drittel aus Büchern und zu zwei Dritteln aus Papierwaren, übersiedelte und vergrößerte Karin Hajek das Geschäft auf
200 m². Nun verteilt sich das Sortiment auf 50 Prozent Buch und 50 Prozent Papierwaren. Eine gute Entscheidung, wie sie sagt. „Seit dem Umbau ist es stetig bergauf gegangen. Ich habe 15 wunderbare Jahre gehabt. Jetzt geht es darum, den Level zu halten.“ Die Zeichen stehen gut. Als einzige Buchhandlung in St. Valentin betreut Karin Hajek als Schulbuchhandlung auch neun Schulen in der Umgebung. „Ich habe das große Glück, nie wirklich Stillstand zu haben. Während andere Buchhandlungen mit dem Sommerloch kämpfen, geht es bei mir schon wieder los. Schließlich werden dann wieder Bücher und Schreibwaren für die Schulen benötigt.“ Die Kombination aus Papierwaren, NonBook und Buch sei für sie als Nahversorgerin genau die richtige, sagt Hajek. „Oft kommen Kunden wegen eines Bleistifts zu mir und nehmen zusätzlich ein Buch mit.“ Eine Rolle spielt dabei auch das Verständnis für die Wünsche ihrer Klientel. „Speziell im Bereich Belletristik weiß ich, was die Stammkundschaft will, und lege die entsprechenden Titel bereit. Es gibt fantastische Titel und Autorinnen und Autoren, von denen ich aber weiß, dass sie nicht gelesen werden. Die biete ich gern auf Bestellung an.“ Hajek wird unterstützt von ihrem Vater Harald Winninger, den beiden Halbtagskräften Kornelia Falkner und Brigitte Heilbrunner sowie dem Lehrling Elke Pühringer. Als Mutter ihrer mittlerweile 19-jährigen Tochter Britta sei es vor allem früher nicht immer leicht gewesen, das Arbeitspensum zu bewerkstelligen. Jetzt aber, da die Tochter erwachsen ist, bleibe wieder mehr Zeit für Hajeks, neben dem Lesen, größte Leidenschaft: das Reisen. Erst letztes Jahr ging es für sie und ihren Mann Andreas in den Himalaya zu einer Motorradtour. „Reisen ist für mich Krafttanken. Ich kann im Urlaub nicht zuhause sitzen. Wenn ich weit weg bin, das Geschäft nicht in Sichtweite habe, finde ich wieder Kraft für neue Pläne.“
Buch Papier Büro Hauptstraße 37, 4300 St. Valentin
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– HVB-Mitglieder im Porträt – KOMPASS Verlag, Innsbruck
Porträt: Tobias Schmitzberger Foto: Peter Gründhammer
„Ich finde es cool, Leuten Orientierung zu geben“
Michael Schröder M
ichael Schröders Berufsweg zeichnete sich in der Schule ab, und zwar wortwörtlich. „Damals habe ich Straßen und Landschaften auf die Tische gemalt“, erzählt er. Heute macht er Ähnliches, nur in größerem Maßstab. Schröder ist Geschäftsführer des KOMPASS Verlags, des Weltmarktführers für Wanderkarten. Der 39-Jährige ist gelernter Vermessungstechniker. „Oder Geometer, wie man hier sagt“ (er ist auch gebürtiger Deutscher). Für ihn stand bald fest, dass er unbedingt für einen Kartografie-Verlag arbeiten wollte. „Ich finde es cool, Leuten Orientierung zu geben.“ So begann er bei KOMPASS. Seit Anfang dieses Jahres ist er nun dessen Geschäftsführer. 24 Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter hat das Unternehmen mit Sitz in Innsbruck. Vor 13 Jahren zog Schröder von Berlin hierher, um für den Verlag zu arbeiten. Er musste sich neu orientieren, die Umstellung von deutscher Metropole auf österreichisches Bergland war groß. Er lebte außerhalb von Innsbruck. „Ich musste durch einen Pferdestall, um den Biomüll rauszubringen.“ Trotzdem fand er sich schnell zurecht, die Großstadt fehlt ihm nicht, ganz im Gegenteil: „Wenn ich abends nach Hause komme, brauche ich drei Minuten bis in
den Wald und fünf Minuten bis zu den ersten richtigen Höhenmetern.“ Zumindest zweimal in der Woche versucht er zu wandern. „Wenn man eineinhalb Stunden geht, merkt man, wie unten alles kleiner wird. Und wie die Sorgen kleiner werden.“ In seinem Verlagsgeschäft gibt es zum Glück wenige davon. „Man muss sagen, dass der Printmarkt mit Wanderkarten stabil ist.“ Trotzdem geht KOMPASS neue Wege. Seit diesem Jahr sind alle Wanderkarten mit einer Wander-App ausgestattet, so kann man sie auch via Handy abrufen. „Aber die Karte hat den Vorteil, dass die Batterie nie ausfällt und sie beim Runterfallen nicht kaputtgeht.“ Außerdem gebe es noch ein kommunikatives Element: „Man sitzt am Abend in der Hütte am Tisch, schlägt die Karte auf und überlegt gemeinsam, wo man morgen hingeht.“ Dafür bleiben gedruckte Karten aber nicht aktuell, etwa wenn ein neuer Skilift gebaut wird. Digitale Karten sind leicht zu aktualisieren. „Das ist die Herausforderung: beide Welten, Digital und Print, miteinander zu verbinden.“ Aber mit neuen Wegen kennt sich Schröder ja aus.
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– Selbstredend –
Mit Lyrik aufwärmen SABINE GRUBER, SÜDTIROLS BEKANNTESTE AUTORIN, ÜBER DAS SCHREIBEN, DIE PROSA UND DIE LYRIK, DEN SCHMERZ UND DAS LEBEN IN WIEN UND ITALIEN Interview: Erich Klein, Fotos: Niko Havranek
S
abine Gruber (Jg. 1963), die bekannteste Schriftstellerin Südtirols, lebt in Wien. Seit ihrem Debüt „Aushäusige“ (1996) erschienen vier weitere Romane, zuletzt „Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ (2016). Ihr Gedichtband „Am Abgrund und im Himmel zuhause“ (2018) wurde mit der Österreichischen Buchprämie 2018 ausgezeichnet. Gruber erhielt unter anderem den Anton-Wildgans-Preis (2007), den Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien (2015) und den Österreichischen Kunstpreis für Literatur (2016). Ihr Roman „Stillbach oder die Sehnsucht“ beginnt mit einer genauen Beschreibung einer Reise aus Südtirol in den Süden. Was haben Sie lieber – Berge oder Meer? Sabine Gruber — Meer! Berge nur bis zu einer Höhe von achthundert oder tausend Metern. Mittelgebirge. Als Kind habe ich Berge immer als bedrängend empfunden. Ich bin im Etschtal aufgewachsen. Die Berge vor meiner Nase empfand ich als Einschränkung. Berggehen war nicht meines. Um Brecht zu zitieren: „Was zieht uns in die Berge? Die Seilbahn!“ Man sieht im Tal so wenig Himmel! Meer bedeutet einen freien Blick und Wärme. Außerdem bin ich eine leidenschaftliche Schwimmerin. Wo lernt man in den Bergen schwimmen? Gruber — Im Meer. Ich hatte das Privileg, mit den Eltern ins Tito-Jugoslawien zu fahren – dort habe ich mit fünf auf Krk schwimmen gelernt. Ihre Großmutter hatte ein Zeitungs- und Papiergeschäft … Gruber — Mein Urgroßvater hatte eine Buchbinderei, mein Großvater eine Druckerei, mein Vater war Setzer – bedrucktes Papier war also immer da. Im Geschäft meiner Großmutter gab es hauptsächlich Magazine und Boulevardblätter, die sie an deutsche Touristen verkaufte. Die nicht verkauften Exemplare, von denen das Logo abgerissen wurde, kamen dann in unseren Haushalt. Al-
lerdings wurde die Praline wegen der Nacktfotos nicht weitergeleitet … Ich las auch Comcis auf Italienisch und Deutsch – Donald Duck wurde mir nicht verboten. Von der Lektüre der Schmuddelblätter kam ich dann selbst auf die Bibliothek des Vaters, der außerdem den Corriere della Sera las. Daneben gab es noch die Pfarrbibliothek. Wie funktionierte das Aufwachsen mit der Zweisprachigkeit in Südtirol? Gruber — Meine Mutter hatte eine Freundin, die Italienerin war. Mit deren Sohn Maurizio, so alt wie ich, bin ich aufgewachsen. Als mich meine Mutter in den deutschsprachigen Kindergarten anmelden wollte, soll ich dagegen randaliert haben. Ich ging mit Maurizio in den italienischsprachigen Kindergarten und kam erst danach in die deutschsprachige Volksschule.
In den 1930- und 1940er-Jahren wurden die Südtiroler zwischen Hitler und Mussolini fast zerrieben. Sie sollten „optieren“, ob sie in der Heimat oder „heim ins Reich“ wollten, um etwa als Wehrbauern auf der Krim angesiedelt zu werden … Gruber — In der Familie meines Vaters gab es 1939 darüber einen Riesenstreit. Die halbe Familie optierte für Hitlerdeutschland, die andere waren „Dableiber“. Meine Urgroßmutter fragte: „Was geschieht denn »
Bücher von Sabine Gruber Im
H a ym
o n V e r la g :
A u s h ä u s i g e ( 2 0 1 1 ) : Eine zu Ende gehende Liebe in Venedig, gescheiterte Herzen, Wiener Journalisten und ein Fischhändler, der sich erst ohne Haus zu Hause fühlt.
Wann wurde dem heranwachsenden Mädchen klar, dass es zwischen diesen beiden Gruppen auch Probleme gab? Gruber — Das wird sehr schnell klar. Das sind gesellschaftspolitische Probleme, die mein Leben in der Familie nicht tangierten. Meine Eltern waren liberal – es wäre nie ein Problem gewesen, einen Italiener mit nach Hause zu bringen. Ich bemerkte das erst später, als ich das humanistische Gymnasium in Meran besuchte. Manche Schülerinnen hatten konservative, den Italienern feindliche Eltern. Heute hat sich das Feindbild auf Nordafrikaner oder Muslime verschoben.
A m
A b g r u n d u n d im
H im m e l z u h a u s e
( 2 0 1 8 ) Eine Handvoll Gedichte an den verstorbenen Lebensgefährten. „Trauer ist Wahnsinn“ heißt es in dieser Welt voller Schmerz, in der eine Frage wiederkehrt: „Wenn er wegbricht in meinem Inneren, / was bin ich dann noch?“ B e i C .H . B e c k : S t i l l b a c h o de
r D i e S e h n s u c h t ( 2 0 1 1 ) : Ein
Roman im Roman: Clara, Arztgattin aus Südtirol, findet im Nachlass ihrer Freundin Ines ein Romanmanuskript über die 1930er-Jahre in Rom. Eine Zeitreise in die
Wie ging es mit der Lektüre weiter? Gruber — Kinderbücher – „Hanni und Nanni“ und solches Zeug. Zuhause gab es Karl May, den ich verschlungen habe. Außerdem hatte mein Vater vereinzelt Feuchtwanger, Thomas Mann und Hemingway. Keine Ahnung, wie er zu diesen Büchern kam. Vor einigen Jahren habe ich die Bibliothek meiner Urgroßmutter gesichtet und war ganz überrascht, was sich da am Dachboden fand: Dante und Manzoni, Eichendorff, alle möglichen Klassiker und Romantiker.
Welt von Nazis, Faschisten und Partisanen und deren Nachwirkungen bis heute. D a l do
s s i o d e r D a s L e b e n d e s A u g e n b lic k s
( 2 0 1 6 ) Bruno Daldossi, einst erfolgreicher Kriegsfotograf, wird von seiner Gefährtin verlassen und begibt sich auf eine Reise nach Lampedusa. Die Frage lautet: Wie viel Wahrheit, Einfühlungsvermögen und Nähe sind heute noch möglich? Am Ende steht ein Farbfoto vom 4. April 2019!
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„Man kann in einem Roman große historische Probleme beleuchten, ohne eine eindeutige Position einnehmen zu müssen“ Sabine Gruber
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mit den Leuten, deren Höfe den Südtirolern im Fall der Aussiedlung von Galizien bis auf die Krim versprochen werden? Die kann man ja nicht wegschicken! Werden die umgebracht?“ Sie war eine logisch denkende Frau und klassische „Dableiberin“. Einer der Söhne optierte hingegen für Hitlerdeutschland und schrieb in sein Tagebuch, es habe damit die schönste Zeit seines Lebens begonnen. Im Jänner 1944 ist er in Witebsk gefallen. Sie haben diese für Außenstehende komplizierte Geschichte in „Stillbach oder die Sehnsucht“ behandelt und die Geschichte bis in die Gegenwart weitergeschrieben. Eines Ihrer Themen ist Italiens Umgang mit dem Faschismus. Gruber — Es gab in Italien nichts den Nürnberger Prozessen Vergleichbares. Die Vergangenheit ist nie aufgearbeitet worden. Weil Italien 1943 aus dem Krieg ausschied und die Deutschen einmarschierten, hat man – salopp gesagt – sogar die Faschisten zur Resistenza gezählt. Gab es einen Zeitpunkt, an dem sich die Jugendliche Sabine Gruber die Frage nach ihrer Identität als Italienerin stellte? Gruber — Die Frage habe ich mir so nie gestellt. Ich wollte eher die Verwicklungen verstehen; bestimmte ideologische Abneigungen, etwa die der Tageszeitung Dolomiten gegen die Italiener, oder umgekehrt, und das Ganze differenzierter sehen. Man kann in einem Roman mit seinen verschiedenen Zeitebenen und unterschiedlichen Figurenperspektiven große historische Probleme beleuchten, ohne eine eindeutige Position einnehmen zu müssen. Im Zentrum von „Stillbach“ steht die einer Südtriolerin, die ab 1938 in Rom lebt; in deren Leben spiegeln sich die Tragödien der Zeit zwischen Nationalsozialismus und Faschismus. War das Buch ein Versuch, gleichermaßen Geschichte „von unten“ zu schreiben und sich selbst deutlicher in Bezug zur Geschichte zu stellen? Gruber — Ich habe das ganz bewusst gemacht. Der Ausgangspunkt waren Erzählungen meiner Oma mütterlicherseits, die als Dienstmagd in Bozen in einem bürgerlichen italienischen Haus war. Ich hatte selbst eine glückliche Kindheit, aber meine Eltern haben in den 1970er-Jahren gebaut und sich verschuldet. Ich habe ab vierzehn in jedem Sommer gearbeitet und kenne den Blick von unten als Zimmermädchen oder beim Geschirrspülen. Ich war 1978 auch in Rom und musste deshalb gar nicht viel recherchieren. Natürlich habe ich das damals nur
atmosphärisch wahrgenommen und nicht bewusst politisch verstanden. Wie beginnen Sie eigentlich ein Buch? Gruber — In der Regel gibt es sehr viel Recherche, handschriftliche Notizen und teilweise ausgearbeitete Szenen oder Beschreibungen. Im Fall von „Stillbach“ stellte ich mir die Arbeit einfacher vor. Ich dachte, ich würde ganz leicht Material finden, um eine Figur im Jahr 1944 in Rom zu beschreiben – aber die faschistischen Zeitungen schrieben natürlich nicht über die Befindlichkeiten des einfachen Volkes, denen ging es viel mehr um Aufmärsche. Es ist leichter, über eine Figur wie den Historiker Paul zu schreiben, der für alles einen Namen hat, als über eine Figur ohne eigene Stimme. Am Ende der Recherche habe ich immer mehr Material, als dann tatsächlich in das Buch eingeht.
„Die Beschäftigung mit Lyrik ist eine Übung in Reduktion“ Sabine Gruber
Gruber — Auch das war sehr früh klar. Es gab in der ersten Klasse Gymnasium einen Lehrer, der zu Schulbeginn sagte: „Schreibt auf einen Zettel, warum ihr das humanistische Gymnasium besucht.“ Ich schrieb: „Ich will Schriftstellerin oder Journalistin werden.“ Da war ich vierzehn. (lacht) Nach dem Studium waren Sie Lektorin in Venedig. Dort spielt Ihr erstes Buch „Aushäusige“. Gruber — Es ist halt ein Debütroman. Ich hatte keine Angst, über Venedig zu schreiben, weil ich vier Jahre dort lebte und somit einen anderen Zugang fand als jene, die kurz herkommen und einen Krimi schreiben. Es war wirklich der Blick von unten, den ich dort beschrieb. Abgesehen davon – wenn ich über etwas schreibe, lese ich alles, was es zu diesem Thema gibt. Ich schaue, wo liegen die Schwächen oder Stärken eines Textes. In ihren Büchern gibt es eine Entwicklung von der persönlichen Sicht zur allgemeinen Geschichte … Gruber — Es war – egoistisch gesagt – einfach spannend, sich etwa in „Stillbach“ mit diesen Themen zu beschäftigen. Ich kann diese ganze Selbstbefindlichkeitsliteratur nicht mehr lesen. Ich verstehe, dass man mit zwanzig oder dreißig über amouröse Befindlichkeiten schreiben will – aber irgendwann ist das eine Zumutung. (lacht) Um aus diesem Thema noch einmal etwas zu machen, muss es schon genial sein! Mir geht es immer darum, durch das Schreiben auch selbst etwas zu verstehen. Ist die Erfindung von Fiktion leicht? Gruber — Nein. Ich finde es sehr anstrengend, Figuren zu entwickeln. Das beginnt schon beim Namen, der nicht zu sehr an jemand Konkreten erinnern darf. Ich lasse deshalb auch Figuren aus früheren Büchern wiederauftauchen, weil es sie schon gibt.
Gehen wir weiter in Ihrer Biografie – Sie haben Anfang der 1980er-Jahre in Innsbruck zu studieren begonnen. Warum Germanistik? Gruber — Das war schon immer klar, ab der Mittelschule: Weil ich gern gelesen und mir vorgestellt habe, ich würde dann im Studium noch mehr lesen. Es war dann natürlich eine Enttäuschung, weil es mit Mittel- und Althochdeutsch losging. Und wann wussten Sie, dass Sie Schriftstellerin werden wollen?
Woher rührt denn Ihr sehr selbstsicherer Umgang mit Tragödien? Gruber — Wenn man mit Anfang zwanzig erfährt, dass man chronisch krank ist, und klar wird, dass man möglicherweise nicht so lang leben wird, bringt einen nichts mehr so leicht aus der Ruhe. Damit war ich sehr früh konfrontiert. Ich war mit zwanzig erwachsen und hatte keine wilde Jugend. Das führt noch nicht zwangsläufig zur Beschäftigung mit Kriegsreportern wie in „Daldossi“. Ein früher Freund, der „Stern“-Journalist Gabriel Grüner, wurde im JugoslawienKrieg erschossen. Lust an tragischen Motiven?
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Kramers Kinderstube Gruber — Nein, darum geht es nicht. „Daldossi“ sollte eine Rehabilitierung der Kriegsreporter sein, die oft durch den Dreck gezogen und als Voyeure bezeichnet wer den. Meine Erfahrung war eine andere! Ich wusste um das Ausgesetztsein, wie man in diesen Beruf hineinrutscht. Gabriel Grüner wollte eigentlich ins Feuilleton – der war am glücklichsten, als er mit Handke für den „Stern“ in Bosnien herumgelaufen ist. Er kam dann aber aus diesem Beruf nicht mehr heraus. Die unterschiedlichsten Leute werden zu Daldossis. Die Besucher von Jour nalistenschulen kommen üblicherweise aus besseren Kreisen und kommen alle irgend wo im Feuilleton unter. Wer aber fährt in die Krisengebiete? Es sind die Leute aus der Un terschicht, die als Kriegsreporter unterwegs sind.
F O T O S : N I K O H AV R A N E K , D A R K O T O D O R O V I C
„Daldossi oder Das Leben des Augenblicks“ handelt von der Flüchtlingskatastrophe der Gegenwart und dem ratlosen Umgang damit. Gruber — Ich wurde von der Geschichte ein geholt. Ich habe den Roman relativ schnell nach „Stillbach“ begonnen und schon 2008 Notizen zu Lampedusa gemacht. In den itali enischen Medien war das schon ein Thema, hierzulande aber noch nicht angekommen. Die ganze Flüchtlingswelle hat mich beim Schreiben komplett überrollt. Ich weiß – man sollte dieses Wort „Welle“ hier gar nicht verwenden! Als die Tunesier nach ihrer Re volution nach Lampedusa kamen, merkte ich beim Schreiben: Ich komme zu spät. In Ihren Romanen taucht fast ein wenig augenzwinkernd „typisch“ Italienisches auf – Claudia Cardinale oder die Vespa. Wie lebt es sich im Norden, wenn man mit einem Fuß im Süden steht? Gruber — Na ja – der Kontrast ist das Span nende! Außerdem bin ich pragmatisch: Ich zog nach Wien, weil ich krank war und von einem guten Krankenhaus abhängig bin. In Venedig oder in Palermo hätte ich das nicht. Ich wäre gern länger in Italien geblieben oder wieder hingegangen – im Winter nach Palermo. Die restliche Zeit in Wien. Nur spielt es das nicht – die medizinischen Kon trollen werden auch immer engmaschiger. Im nächsten Jahr sind es fünfundzwanzig Jahre mit der Spenderniere. Es gibt weni ge Transplantierte, die ein Organ so lange haben. So, wie meine Werte jetzt aussehen, habe ich noch ein paar Jahre – dann muss ich wieder auf eine Liste, zur Dialyse. All die Fragen, wie und ob das funktioniert, stellen sich wieder. Aber ein Gesunder weiß auch nicht, ob er morgen an einem Herzinfarkt
stirbt. Ich versuche, diesbezüglich eine ge wisse Gelassenheit zu entwickeln.
Irmgard Kramer Jugendbuchautorin
Wenn Sie in Italien leben könnten, wo würden Sie das tun? Gruber — Im Moment in Palermo. Weil dort anders als im globalisierten und neolibera len Norden noch ein Stück vom alten Italien vorhanden ist – trotz Mafia und aller ande ren Probleme. Aber ich habe dort viel größe re Solidarität mit den Nordafrikanern erlebt. Palermo ist eine sehr lebendige Stadt, auch was die Kultur, etwa das Theater, betrifft. Was ist das Interessante an Lyrik für Sie? Gruber — Ich lese jeden Tag Lyrik, immer in der Früh einige Gedichte. Damit wärme ich mich auf. In der Lyrik wird alles auf ein Minimum reduziert. Ich ertrage diese gan ze Leerlaufredundanz in der Literatur nicht mehr, auch wenn es natürlich literarische Redundanz gibt, die Bedeutung hat. Die Beschäftigung mit Lyrik ist eine Übung in Reduktion. In der Lyrik ist außerdem das musikalische Element, das in der Prosa oft abhandenkommt. Aber ich versuche in mei ner Prosa möglichst genau auf die Stimme zu achten und lese Passagen immer wieder laut. Es kommt zu Unregelmäßigkeiten, wenn man sich das nicht selber laut vorsagt. Genau dieses Moment ist auch in der Lyrik sehr wichtig. Ihr jüngster Gedichtband „Am Abgrund und im Himmel zuhause“ bezieht sich auf den Tod Ihres Lebensgefährten Karl-Heinz Ströhle. Sind die Gedichte eine Form, mit Trauer und Verlust umzugehen? Gruber — Ich habe keine andere Ausdrucks form, keine andere Sprache gefunden. Es mag nicht alles gut sein, aber es ist eine Möglichkeit. Haben Sie bestimmte Schreibrituale, die Sie verraten können? Gruber — Grüner Tee und Kaffee, keine Mu sik, keine Störungen, keine Termine. Wie wichtig ist für Sie Kritik – positive wie negative? Gruber — Bis auf „Daldossi“, wozu es harte Kritiken gab, bin ich bislang gut davonge kommen. Wäre mir das mit dem ersten oder zweiten Buch passiert, wäre vermutlich al les anders. Mittlerweile kann ich mit Kritik umgehen. Mich berühren auch böse Sager nicht. Beschäftigt sich jemand genau mit einem Buch und schreibt ein Kritiker nicht bloß vom anderen ab, denke ich genau nach. Das kann dann durchaus schmerzhaft sein.
Trost Wenn Grabsteine inspirieren Auf Friedhöfen gehe ich gern spazieren. Schöne Namen auf Grabsteinen schreibe ich auf und lasse sie in Geschichten weiterleben. Am Babyfriedhof ruhen Knabe Petrov, Sonja, Abderrahman, Lars und Alena. Von Regen und Wind durchnässte und zerzauste Kuscheltiere halten mit hängenden Ohren wacker die Stellung an den kleinen Gräbern der Totgeborenen. Die Windräder drehen sich weiter. Astrid Lindgren las während eines Spaziergangs im Friedhof von Vimmerby auf einem Grabstein eine Inschrift von zwei jungen Brüdern, die in den 1880er-Jahren gestorben waren, und schrieb die „Brüder Löwenherz“. Man warf ihr vor, den Tod zu verharmlosen, Selbstmord zu befürworten und dass sie es überhaupt wagte, Kindern dieses Thema zuzumuten. Zum Vorlesen eignet sich nichts besser. „Ich wusste gar nicht, dass ein Buch so spannend sein kann“, sagte ein Elfjähriger, der es sich ausleihen und weiterlesen musste, es war sein erstes Buch. Heute wird in Kinderbüchern viel und gern gestorben und noch lieber getrauert – um Opa Elefant, den lieben Dachs, um „Ente, Tod und Tulpe“, um die Oma, die im Himmel ist. Kinderbücher feiern „Die besten Beerdigungen der Welt“. Gut so. Denn sind Geschichten nicht genau dafür da? Um die Vorstellung an den Tod besser ertragen zu können?
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– Kurz vor Schluss – Gastkommentar
Walter Grond Für Walter Grond, Künstlerischer Leiter des Literaturhauses Europa, hat Literatur auch im Zeitalter des ständigen Mediengebrauchs nichts von ihrem Zauber verloren
I
m Jahr 1988 fand im Grazer steirischen herbst ein Literatursymposium mit dem Titel „Das Jugoslawische Labyrinth“ statt. Labyrinth meinte den Aufbruch in eine vielfältige, formal verspielte Zeit. Ja, die Vielfalt von Kulturen im ehemaligen Jugoslawien war ein Sinnbild für die Zeit des Wandels hin zu einer postmodernen, liberalen Gesellschaft. Ich durfte dieses Symposium mitorganisieren, veranstaltete es 1995 ein zweites Mal, und zwar unter dem gleichen Titel und mit den gleichen Autorinnen und Autoren. Inzwischen herrschte Krieg in Jugoslawien, und auf dem Podium unseres zweiten Symposiums standen sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Bosnien, Kroatien, Serbien und Slowenien fremd, ja feindselig gegenüber. Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind Seismografen ihrer Zeit – in ihren Werken durchdringen sich kritisches Denken und Kontemplation, Erkenntnisdrang und Liebe zur Sprache, Aufmerksammachen und Zu-
sich-Kommen. Damit liefern sie beispielhafte Erzählungen, die jede Gesellschaft zu ihrer Orientierung braucht. Zugleich sind sie Menschen und Bürgerinnen und Bürger, darin ebenso mündig und manipulierbar wie alle anderen Menschen und Bürgerinnen und Bürger. Allerdings kommt ihnen eine größere Aufmerksamkeit als den meisten anderen zu. Auch insofern sind sie Seismografen ihrer Zeit. Ich erinnere mich an die Europäischen Literaturtage 2012. Das Thema lautete „Festung, Trauma und Traum Europa“. Nicht wenige Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus westlichen Ländern äußerten sich desinteressiert an Europa wie auch an der Vorstellung einer europäischen Literatur, nannten die angloamerikanische Kultur als ihren geistigen und emotionalen Hintergrund, während ebenso viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus östlichen Ländern, zum Beispiel aus Bosnien, Europa als ihre Utopie einer freieren Gesellschaft bezeichneten. Die Kluft
Im Rahmen der Europäischen Literaturtage 2018 wurde dem Schriftsteller Ilija Trojanow der Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln vom HVB gemeinsam mit der Buch- und Medienwirtschaft der WKO verliehen.
„Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind Seismografen ihrer Zeit“
Walter Grond ist Künstlerischer Leiter des Literaturhauses Europa
I L L U S T R AT I O N : G E O R G F E I E R F E I L , F O T O T E R E S C A S S I N I
Literaturhaus: Traum Europa
hätte nicht größer sein können. Es herrschte Unverständnis und doch entstand ein gegenseitiges Interesse an einer Begegnung. Das ist gut so. Ein jährliches Festival wie die Europäischen Literaturtage erscheint heute nicht mehr als eine exotische Veranstaltung für Europa-Nostalgiker. Dies hat mit den atemberaubenden Umbrüchen unserer Zeit zu tun. Die Europäischen Literaturtage sind ein europäischer Thinktank, der Themen, Fragen und Ideen unserer Gegenwart aus dem besonderen Blickwinkel von Schriftstellerinnen und Schriftstellern beleuchtet. Und sie sind ein Ort der Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen und Sprachräumen. Sie laden alle Interessierten zum Gedankenaustausch ein, und sie präsentieren Gegenwartsliteratur im Spannungsfeld von Digitalisierung und Globalisierung. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Literatur auch im Zeitalter des ständigen Mediengebrauchs ihren Zauber nicht verloren hat. Hinter ihrem Spiel mit Fakten und Fiktionen steht eine Idee von Wahrheit, daher helfen literarische Erzählungen dabei, sich zu orientieren und zu entwickeln. Das braucht Europa fraglos.
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Ö1 Buch des Monats
— Fernando Pessoa
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»Lesen heißt durch fremde Hand träumen.«
Aus der Fülle literarischer Neuerscheinungen wählt die Ö1 Literaturabteilung ab November je ein »Ö1 Buch des Monats«: ein Titel abseits des Mainstreams als besondere Leseempfehlung für Sie.
Das aktuelle »Ö1 Buch des Monats« — in der Ö1 Büchersendung ex libris (mo, 21.00 Uhr | so, 16.00 Uhr) — in vielen österreichischen Buchhandlungen (als »Ö1 Lesetipp« gekennzeichnet) — in oe1.orf.at/buchdesmonats
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Foto: © Peter-Andreas Hassiepen
PHILIPP BLOM »Ich war schon immer fasziniert von der Idee, eine ganze Welt anhand eines einzigen Objektes zu erschließen.«
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