11 2019
anzeiger
Das Magazin für die österreichische Buchbranche
Verlagspodcasts
Krimis & Thriller
Das Denken verstehen
Die Wiederentdeckung eines Trends, der Leserinnen und Leser mit einfachenMitteln gewinnen kann
Regional, historisch, blutig: PackendeFälle und Nervenkitzel bringen die aktuellen Titel
Autorin Bettina Balàka im Gespräch über die Lebenswelt der Menschen unterschiedlicher Epochen
HEISSZEIT 51
Gar nicht so einfach, die Welt zu retten. „Auch in ihrem 20. Mira-Valensky-Roman stellt die Autorin unbequeme Fragen.“ ORF
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„Eva Rossmann kann etwas fantastisch: sie nimmt Themen der Zeit auf.“ FA LT E R V E R L A G S G E S E L L S C H A F T M . B . H . , M A R C -AU R E L - S T R A S S E 9 , 1 0 1 1 W I E N
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Über das Verreisen und Ankommen …
– 154. Jahrgang –
„Die BUCH WIEN ist in der Stadt und im Mediengeschehen angekommen – ein Auftakt für das Weihnachtsgeschäft“ Benedikt Föger
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as Buch steht hierzulande nie so sehr im medialen Mittelpunkt wie in der Woche der BUCH WIEN: Beginnend mit dem Österreichischen Buchpreis (S. 8), mit dem die Literaturszene des Landes gewürdigt wird. Beim LeoPerutz-Preis für Kriminalliteratur geht es um den spannendsten Titel mit WienBezug (S. 7). Und von Mittwoch bis Sonntag im Rahmen der BUCH WIEN. Aktuelle Branchenthemen von der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung über Umweltschutzmaßnahmen der Branche bis hin zur Leseförderung wurden besprochen. Durch Austausch und Zusammenarbeit können neue Projekte entstehen und verbessert werden, das bestätigen Veranstaltungen wie die Buchmesse immer wieder. Die wachsenden Zahlen der Besucherinnen und Besucher auf der Messe und in den Abendveranstaltungen haben gezeigt, dass die BUCH WIEN in der Stadt und im Mediengeschehen angekommen ist – ein Auftakt für das Weihnachtsgeschäft im Buchhandel (ab S. 10).
Micky Kaltenstein Stille 9 Porträts München und Wien, New York und Salzburg: Lassen Sie sich in neun Gesprächen von all den wunderbaren Dingen und Erkenntnissen erzählen, die leise entstehen ... 144 Seiten, ISBN 978-3-7025-0940-8, € 19,95
F O T O : K A T H A R I N A F. R O S S B O T H
Podcasts sind nicht neu, aber erleben ein Comeback – und ermöglichen es Verlagen, ganz neue Zielgruppen anzusprechen und komplexe Buchtitel entsprechend einzuführen. Welche Konzepte es bereits gibt und welche Erkenntnisse daraus gezogen werden können, widmet sich in dieser Ausgabe „Essenziell“ ab Seite 12. In dieser Ausgabe werden die HVB-Mitglieder Katarzyna Lutecka (Amalthea Verlag), Jürgen Lagger (Luftschacht Verlag), Johannes Reiss (Buchhandlung im JüdischenMuseum Eisenstadt) und Robert Ivancich (Kral Buchhandlungen) vorgestellt, nachzulesen ab Seite 28. Die Salzburger Schriftstellerin Bettina Balàka erzählt im Gespräch über ihre Romane, in denen sie die Lebenswelt der Menschen verschiedener Epochen ans Licht bringt, und warum sie schon in der Volksschule Schriftstellerin werden wollte (ab S. 32).
Benedikt Föger
Günther Marchner Wie eine zufällige Begegnung Roman Salzburg, die Schotterebene des Tagliamento und das adriatische Küstenland rund um Triest sind Schauplätze der Geschichte um eine brüchige Liebe und eine Welt, die Menschen mitunter heimatlos macht. 192 Seiten, ISBN 978-3-7025-0950-7, € 22,–
HVB-Präsident
Lesen Sie uns kennen. anzeiger / 3
www.pustet.at
– Inhalt –
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Spannende Seiten verspricht das KrimiHerbstprogramm mit starken Romanen. Nichts für schwache Nerven
Hört, hört! Immer mehr Verlage versuchen sich in der PodcastSzene
Herausgeber: Hauptverband des Österreichischen Buchhandels/ISSN 0003-6277, Grünangergasse 4, 1010 Wien, T: +43 1/512 15 35, www.buecher.at Geschäftsführung: Gustav Soucek Projektleitung: Julia Stumvoll, DW 29, stumvoll@hvb.at Aboverwaltung: Irina Odvody, DW 12, odvody@hvb.at Medieninhaber, Konzept, Redaktion und Produktion: Falter Verlagsgesellschaft m. b. H., Bereich Corporate Publishing, Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, T: +43 1/536 60-0, E: magazine@falter.at, www.falter.at Chefredaktion: Christian Zillner, DW 926, Teresa Preis, DW 812 Geschäftsführung: Siegmar Schlager Anzeigenleitung: Sigrid Johler, DW 952, johler@falter.at Die Offenlegung gem. § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter-verlag ständig abrufbar Herstellung: Print Alliance HAV Produktions GmbH.
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Katarzyna Lutecka im HVB-MitgliederPorträt
Bettina Balàka bringt in ihren Romanen die Lebenswelten verschiedener Epochen ans Licht
KURZ GESAGT
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Weihnachtstage in der Buchhandlung Kreative und besondere Ideen im Weihnachtsgeschäft
HVB-MITGLIEDER IM PORTRÄT
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Katarzyna Lutecka Amalthea Jürgen Lagger Luftschacht Johannes Reiss Buchhandlung im Österreichischen Jüdischen Museum Robert Ivancich Kral GmbH
WISSENSWERT
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Kurzmeldungen Ö1 Buch des Monats, ARGE Kinderund Jugendbuchverlage, Platinbuch für „Die Heilung der Mitte“, Platinbuch für „Save Me“, Alpha Preis, Ed. Hölzel, Leo-Perutz-Preis und Österreichischer Krimipreis, Leipzig, Druckerei Theiss und Samson Druck, Tyrolia, Österreichischer Buchpreis, mediakolleg, Otto Müller
ESSENZIELL
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Ein spannendes Experiment
Immer mehr Verlage versuchen sich in der Podcast-Szene
SCHWERPUNKT
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SELBSTREDEND
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Im Gespräch mit Erich Klein
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Sechsbeinige Detektive
Bettina Balàka
Kontinent Kinderbuch
KURZ VOR SCHLUSS
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Gastkommentar isa Schantl macht einen Blick L in die Zukunft
Krimis & Thriller
Spannende Seiten im Herbstprogramm
STANDARDS
KLASSIKER
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Neu entdeckt Margarete Schütte-Lihotzky
anzeiger / 4
MONATSBESTSELLER 24 MONATSBESTENLISTEN 26 BUCHTERMINE 38
I L L U S T R AT I O N : G E O R G F E I E R F E I L F O T O S : N I N I T S C H AV O L L , H E I K E S T E I N W E G , U N S P L A S H / T H O M M A S AT
IMPRESSUM
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– Kurz gesagt –
Weihnachtstage in der Buchhandlung KREATIVE UND BESONDERE IDEEN IM WEIHNACHTSGESCHÄFT FÖRDERN GUTE STIMMUNG – UND GANZ NEBENBEIDEN UMSATZ
F O T O S : C H R I S T O P H E R M A V R I C , P R I VA T, N I N A U H L
Weihnachtsprogramm für Groß und Klein Alle Jahre wieder kommt das Weihnachtsgeschäft, von dem Buchhandlungen am meisten profitieren (können). Letztes Jahr konnte der Buchhandel seit Langem wieder ein Plus nach der besinnlichen Zeit verzeichnen. Melanie Hofinger, Um diesen Trend heuer bei uns auch Buchhandlung aufrechtzuerhalten, setzen wir stark Veritas in Linz auf Veranstaltungen. Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden neben Lesungen – etwa mit René Freunds neuem Roman „Swinging Bells“ – auch kreative Workshops zum Räuchern oder Kerzenbasteln. Für die Kleinen haben wir heuer am 6. Dezember wieder den Nikolaus bei uns im Geschäft, der Geschichten vorliest. Ein starker Kinderbuchtitel, auf den wir im Weihnachtsgeschäft diesmal besonders setzen, ist „Weihnachten mit Astrid Lindgren“ und „Eselweihnacht“ vom G&G Verlag. Ein Christbaum, geschmückt mit Pixi-Büchern, sorgt für eine gemütliche Atmosphäre in der Buchhandlung, und unser persönlich gestalteter Adventkalender überrascht täglich Kundinnen und Kunden. Mit Kinderpunsch und Glühwein schließen wir mit einem netten Get-together unser Weihnachtsgeschäft am 24. Dezember ab.
Finden, ohne zu suchen Weihnachten gilt – hoffentlich auch heuer – als Umsatzbringer für den Buchhandel. Für uns Buchhändlerinnen und Buchhändler ist es zwar einerseits eine stressige Zeit, andererseits wird die Buchhandlung noch mehr zum erweiterten WohnHelga Ebenkofler, zimmer als unter dem Jahr. Plaudern, Rat suchen, auch mal Tee INTU.books trinken und Kekse kosten gehört in Wien dazu. Weihnachtliche Dekoration ja – aber eher zurückhaltend. Im Vordergrund sollen die Bücherstehen. So finden unsere Kundinnen und Kunden auch jene Bücher, die sie gar nicht gesucht haben.
„Plaudern, Rat suchen, auch mal Tee trinken und Kekse kosten gehört dazu“ Helga Ebenkofler
„Für heuer haben wir uns ein besonderes Dankeschön überlegt: Einen Jahresrückblick in Form einer kleinen Zeitung“ Susi Riedlsperger
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Bücher als besondere Geschenke Wir merken es jedes Jahr: Bücher werden zu Weihnachten besonders gerne geschenkt, viel mehr als etwa Gutscheine, sie sind einfach persönlicher. Das Wetter leistet in diesem Jahr seinen Beitrag schon früh, Stimmung und Vorfreude waren bereits im November groß. Susi Riedlsperger, Unser „Weihnachtseck“ ist bereits DER BUCHLADEN dekoriert und kommt gut an, auin Kaprun ßerdem ist mir wichtig, dass man in unserer Buchhandlung nicht zwangsbeschallt wird. Das fällt im Weihnachtsstress auch unseren Kundinnen und Kunden positiv auf. Für heuer haben wir uns ein besonderes Dankeschön überlegt: Einen Jahresrückblick in Form einer kleinen Zeitung. Am letzten Einkaufssamstag gibt es bei uns traditionell Punsch und Kekse – eine Einstimmung auf das Weihnachtsfest.
– Wissenswert –
ARGE Kinderbuch
Ö1-Monatsbuch
Die ARGE Kinderbuchverlage auf der Messe
Platin für „Die Heilung der Mitte“
Das Ö1 Buch des Monats im November
Platin für „Save Me“ „Save Me“ (LYX), der erste Teil der MaxtonHall-Trilogie der Hamburger Schriftstellerin Mona Kasten, wurde im Rahmen der Frankfurter Buchmesse am Österreichischen Gemeinschaftsstand mit dem Platinbuch ausgezeichnet. Das Platinbuch wird vom Hauptverband für mehr als 25.000 verkaufte Exemplare auf dem österreichischen Buchmarkt vergeben. Stellvertretend für die Autorin übernahm LYX- und LYX.digital-Programmleiterin Ruza Kelava die Urkunde für das erfolgreiche Buch, das bereits im Frühjahr 2018 erschienen ist. Auch die beiden Folgeteile „Save You“ und „Save Us“ erschienen bereits im vergangenen Jahr.
Ruza Kelava, LYX-Programmleiterin
Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendbuchverlage lud im Namen der Vorsitzenden Hildegard Gärtner (Jungbrunnen) auf der BUCH WIEN zum lockeren Austausch bei Brötchen und Getränken ein. Anwesend waren Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsverlage Picus, Tyrolia, Obelisk, G&G, Adinkra, Bibliothek der Provinz und Luftschacht, außerdem einige Journalistinnen und Journalisten sowie brachennahe Kontakte.
Bei der Verleihung auf der BUCH WIEN
Mit seinem Buch „Die Heilung der Mitte“ (Ennsthaler Verlag) erreichte Autor Georg Weidinger Platinstatus: Das Buch verkaufte sich auf dem österreichischen Buchmarkt über 25.000 Mal. Die Verleihung fand am 6. 11. auf der BUCH WIEN statt. HVB-Geschäftsführer Gustav Soucek überreichte dem Autor die besondere Auszeichnung im Beisein des Geschäftsführers Christoph Ennsthaler und der Vertriebsleiterin Geraldine Schirl-Ennsthaler am eigenen Verlagsstand.
Lehner gewinnt Die Kärntner Autorin Angela Lehner gewann den 10. Literaturpreis Alpha der Casinos Austria und der Büchereien Wien für ihr Debüt „Vater unser“ (Hanser Berlin). Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert „Es ist ein Roman, der in einer schlichten, treffsicheren Sprache von den wirklich komplizierten und schwer fassbaren Dingen erzählt, von Beziehung und von Verlust“, sagte der Jury-Vorsitzende Paulus Hochgatterer über den Roman.
Angela Lehner gewann den 10. Alpha-Preis
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Gustav Soucek, Lukas Birsack
175 Jahre jung Der bekannte Bildungs- und Atlasverlag Ed. Hölzel feierte am 29. 10. bei einem Festakt im Oberen Belvedere sein 175. Jubiläum. Durch das Programm führte TV-Moderator Thomas Mohr, der als Kartografiestudent einst selbst im Verlagshaus tätig war. Dabei wurden Aspekte der Verlagsgeschichte seit 1844 und die eigens produzierte Festschrift präsentiert. HVB-Geschäftsführer Gustav Soucek überreichte eine feierliche Urkunde.
F O T O S : R I C H A R D S C H U S T E R ( 2 ) , O L I V I E R FAV R E , M I K E R A N Z , E R I C H K N A B L , M E R C A N S U E M B U E LT E P E , T Y R O L I A .
Der neue Roman „Ruth Tannenbaum“ (Verlag Schöffling & Co) von Miljenko Jergović ist Ö1 Buch des Monats im November. Die Jury beschreibt den ausgewählten Roman über eines der finstersten Kapitel kroatischer Geschichte als „historisch und zugleich gegenwärtig“. Jergović male „mit zahlreichen farbigen Abschweifungen ein Angstpanorama Kroatiens zwischen 1920 und 1943“. Das Ö1 Buch des Monats ist eine exklusive Aktion für HVB-Buchhandlungen in Kooperation mit dem Radiosender Ö1. Der Siegertitel wird monatlich von der „Ex Libris“-Redaktion ausgewählt und in der Sendung besprochen.
– Wissenswert –
Alex Beer gewinnt Perutz-Preis
Die preisgekrönte Autorin Alex Beer (2. v. l.)
Alex Beer heißt die Gewinnerin des LeoPerutz-Preises für Wiener Kriminalliteratur, die bereits zum zweiten Mal für eines ihrer Werke – beide aus der Reihe um Polizeiagent August Emmerich – ausgezeichnet wurde. Für ihren Kriminalroman „Der dunkle Bote“ (Limes Verlag) erhielt die Vorarlberger Autorin den Preis, der mit 5.000 Euro dotiert ist. Beer „malt das Bild eines politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich bis zum Zerreißen gespannten Wien in feinen Schattie-
rungen. Mit einem Wort: Man lernt etwas und fürchtet sich dabei – was könnte man Besseres über einen historischen Kriminalroman sagen? Der dunkle Bote ist nach Meinung der Leo-Perutz-Jury der bisherige Höhepunkt im Schaffen von Alex Beer“, gab die Jury zu Protokoll. Der Preis wurde in der Wienbibliothek im Rathaus verliehen, die Urkunde wurde von Sylvia Fassl-Vogler, Stadt Wien Kultur, und HVB-Geschäftsführer Gustav Soucek überreicht. Der Leo-Perutz-Preis wird gemeinsam von der Stadt Wien Kultur und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gestiftet und mit freundlicher Unterstützung der Bestattung Wien ausgerichtet. Auch der Österreichische Krimipreis 2019 ging an Alex Beer. Im Rahmen des Krimifests Tirol erhielt sie die Ehrung, die mit 4.000 Euro dotiert ist, in den Swarovski Kristallwelten in Wattens. Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren, deren Kriminalromane „besonders überzeugen und die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz unterstreichen“.
Der ideale Begleiter für Advent und Weihnachten
NEU
Elmar Simma
Geführt von einem inneren Stern Gute Gedanken für Advent und Weihnachten
Die guten Gedanken und Geschichten dieses Buches ermöglichen mehr Achtsamkeit und Gelassenheit und sind der ideale Begleiter durch den Advent und die Zeit bis Dreikönig. zweifarbig, geb. m. Lesebändchen ISBN 978-3-7022-3780-6 128 Seiten, € 14.95
Weihnachten – Fest der Hoffnung für alle
Leipzig buchen
Theiss bei Samson
Ein Platz am Österreichischen Gemeinschaftsstand auf der Leipziger Buchmesse in Halle 4 kann noch bis zum 5. Dezember gebucht werden. Für HVBMitglieder stehen besonders gute Konditionen bereit. Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie unter www.buecher.at/service/messen.
Das Fortbestehen der Kärntner Druckerei Theiss ist durch die Übernahme der Salzburger Firma Samson Druck gesichert. Die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Familienunternehmens behalten ihre Arbeitsplätze. Außerdem bleibt der gewohnte Standort bestehen, auch die Marke Theiss soll erhalten bleiben.
100 Jahre Tyrolia Innsbruck
Am 11. 10. feierte Tyrolia ein großes Fest
Ein Tag mit vollem Programm: Ein 9-UhrFrühstück mit dem Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi und Percussionist Andreas Schiffer, ein Glücksrad, ein Poetry Slam, Kinderprogramm, ein Escape Game und zuletzt Mitternachtssuppe am Roulettetisch. Außerdem wurde das Buch „Die Maria-Theresien-Straße“ präsentiert. So feierte die Tyrolia-Filiale in der gleichnamigen Straße ihren 100. Geburtstag mit den Kundinnen und Kunden. Am 24. April erhielt Stephan Bair die Ehrenurkunde des HVB.
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Erwin Kräutler
Als Gott einer von uns wurde Gedanken zur Weihnachtsbotschaft
Ausgehend von persönlichem Erleben in Amazonien und der Bibel stößt Erwin Kräutler in diesem Buch zum Kern von Weihnachten vor: der Botschaft, dass Gott den Menschen nahe ist. zweifarbig, Leinen, geb. m. Banderole ISBN 978-3-7022-3630-4 56 Seiten, € 14.95
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www.tyrolia-verlag.at
– Wissenswert –
Links: Der Abend der Verleihung mit HVB-Präsident Benedikt Föger und allen Nominierten sowie Philipp Hauß und Dorothee Hartinger. Oben: Angela Lehner (r. im Bild). Unten: Suzana Ruscic nahm die Ehrung für ihren Mann Norbert Gstrein entgegen
Die Besten des Jahres im Land Beim Österreichischen Buchpreis werden das beste Buch des Jahres sowie das beste Debüt des Landes prämiert. Norbert Gstrein und Angela Lehner wurden zum Auftakt der BUCH WIEN-Woche ausgezeichnet Text: Teresa Preis
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ÖSTERREICHISCHER BUCHPREIS FÜR NORBERT GSTREIN Der Österreichische Buchpreis ging an den Tiroler Autor Norbert Gstrein für seinen Roman „Als ich jung war“ (Carl Hanser). Krankheitsbedingt konnte Gstrein nicht bei der Verleihung anwesend sein. Seine Frau Suzana Ruscic nahm die Ehrung für ihn an. „Norbert Gstrein setzt Zeichen um Zeichen“, heißt es in der Jury-Begründung. „Man folgt seinem Konstrukt und seinem bewundernswert klaren Satzbau mit Spannung, aber im Gegensatz zum Detektivroman gibt es hier kein Superhirn, das die Zeichen eindeutig interpretieren könnte. Am Ende hält der Leser viele Fäden in der Hand. Ob einer
zeichnung erhielt Norbert Gstrein 20.000 Euro, die vier weiteren Nominierten jeweils 2.500 Euro.
„Am Ende hält der Leser viele Fäden in der Hand. Ob einer davon der rote ist – wer weiß?“ Aus der Jury-Begründung für Norbert Gstreins „Als ich jung war“
davon der rote ist – wer weiß?“ Gstrein selbst freute sich zwar über den Preis, dazu befragt fügte er an: „Welche Bedeutung hat das alles? Ich weiß es nicht. Julian Barnes hat bei seiner Dankesrede zum Booker Prize gesagt, er habe den Preis immer für ein Unding gehalten, bis er ihn selbst bekommen habe, und erst jetzt finde er ihn gut. Ein bisschen geht es mir so mit allen Preisen.“ Neben der Aus-
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PREIS FÜR DEN BESTEN DEBÜTROMAN AN ANGELA LEHNER Für Angela Lehner, die für ihren Debütroman „Vater unser“ (Hanser Berlin) ausgezeichnet wurde, bedeutet der Österreichische Buchpreis „eine Würdigung der eigenen Arbeit. Nicht nur im Sinne der Wertschätzung, sondern auch im Hinblick auf zukünftige Stipendien etwa, von denen man als Kunstschaffende ja abhängig ist.“ Salopp fügt sie hinzu: „Es ist immer gut, etwas vorweisen zu können, von dem ein anderer schon mal gesagt hat: ,Hey, was die macht, ist gar nicht mal so ein Schas.‘“ Über ihr Werk schrieb die Jury: „Angela Lehners fulminanter Debütroman, unsentimental, frech und direkt erzählt, ist Familiengeschichte, Krankenhausreport und Krimi in einem – und zugleich ein kritischer Befund eines katholisch geprägten Österreich, in dem auf den Hausaltären neben dem Rosenkranz das gerahmte Porträtfoto von Jörg Haider liegt.“ Der Preis für das beste Debüt ist mit 10.000 Euro dotiert, für die beiden weiteren Nominierten gab es jeweils 2.500 Euro.
F O T O S : B K A /A N D Y W E N Z E L , W I L D B I L D
s ist einer jener Preise, bei denen die Jury erst am Tag der Verleihung die Gewinnertitel kürt, sodass bis zur letzten Minute jeder Ausgang möglich ist. Spannung lag also in der Luft, als am 4. November im Kasino am Schwarzenbergplatz 300 Gäste den Leseproben aus den nominierten Werken von Dorothee Hartinger und Philipp Hauß vom Burgtheater lauschten. Der Österreichische Buchpreis wird vom Bundeskanzleramt der Republik Österreich, dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und der Arbeiterkammer Wien ausgerichtet.
– Wissenswert –
Quer durch die Branche Wer Interesse hat, Teil der Branche zu werden und mit Büchern zu arbeiten, sollte sich diesen Infoabend vormerken pertinnen zum Thema. Danach kann man sich gleich bei entspanntem Netzwerken kennenlernen und Kontakte knüpfen. Das Ganze findet ab 18 Uhr im ersten Stock in der Bibliothek des Palais Fürstenberg in der Wiener Grünangergasse 4 statt.
Was bedeutet es, mit Büchern zu arbeiten? Wo fängt man am besten mit der Wissens aquirierung an? Und wie baut man sich dafür am besten ein Netzwerk auf? Am 23. Jänner laden das mediakolleg und Goldegg Training zu einem kostenlosen Info-Abend in die Bibliothek des Hauptverbands. An dem Abend werden Aus- und Weiterbildungen in der Branche vorgestellt, es gibt kurze Impulsvorträge von zwei Ex-
Bei Interesse werden ab sofort Voranmeldungen unter office@goldeggtraining.at entgegengenommen. Fragen zur Veranstaltung beantworten Julia Stumvoll vom Hauptverband (stumvoll@hvb.at) und Magdalena Lettner von Goldegg Training (Magdalena.lettner@goldegg-training.com). Das mediakolleg-Seminarprogramm wird zu Jahresbeginn angekündigt.
Gewürdigt Arno Kleibel, Verleger des Salzburger Otto Müller Verlags, wurde am 12. 11. mit dem Buchpreis der Salzburger Wirtschaft ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Autor Karl-Markus Gauß. Kleibel bekam den Preis, der mit 7.000 Euro dotiert ist, für seine „besonderen verlegerischen Initiativen“ (Jury-Begründung). „Rückblickend waren die vergangenen drei Jahrzehnte für mich eine Geschichte meiner Begeisterung für Literatur und wunderbare Bücher, die ich verlegen durfte“, so Kleibel in seiner Rede.
in Österreich Liebe Buchhändlerinnen und Buchhändler,
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ab dem 1.1.2020 liefern wir in Österreich aus über: Mohr Morawa Buchvertrieb GmbH Sulzengasse 2 · A-1230 Wien · Tel. (01) 680-14-0 · Fax (01) 688-71-30 oder 689-68-00 · bestellung@mohrmorawa.at Im Außendienst besuchen Sie ab dem 1.1.2020 die Vertreter der Verlagsgruppe Random House: Österreich Ost: Renate Fladischer Hietzinger Hauptstraße 80 / Top 12 · A-1130 Wien · Tel. (01) 8 76 22 92 · Fax (01) 8 76 22 92 · E-Mail: renate.fladischer@randomhouse.de Österreich West: Helmut Baretty Weitlahnerstraße 44 · D-83093 Bad Endorf · Tel. 00 49 (80 53) 7 99 98 92 · Fax 00 49 (80 53) 7 99 98 93 · E-Mail: helmut.baretty@randomhouse.de Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen und dem neuen Team! Ganz ausdrücklich und von Herzen möchten wir uns bei unserem bisherigen Vertreter Kurt Kaltenbacher für die tolle, vertrauensvolle und immer freundschaftliche Zusammenarbeit bedanken.
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– BUCH WIEN 19 –
Weitere Fotos von der BUCH WIEN 19 .at auf buchwien en nn => BesucherI s => Foto !
Der letztjährige Rekord konnte in diesem Jahr getoppt werden: 55.000 Bücherinteressierte kamen zur BUCH WIEN 19
BUCH WIEN 19: Ein Fest GRÖSSER, INTERNATIONALER UND MEHR PROGRAMMPUNKTE ALS JE ZUVOR: EIN RÜCKBLICK IN BILDERN AUF EINE WOCHE BUCHMESSE UND LESEFEST
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F O T O S : R I C H A R D S C H U S T E R ( 9 ) , M E R C A N S Ü M B Ü LT E P E ( 7 )
Angela Lehner im Gespräch mit Wolfgang Popp
Georg Glöckler, Alexander Potyka, BürgermeisterMichael Ludwig, Benedikt Föger
Falter-Chefredakteur Armin Thurnher hielt die diesjährige Eröffnungsrede
I. Brodnig, K. P. Liessmann, C. Rau, S. Spiekermann und L. Lorenz-Dittlbacher
Der Schweizer Buchpreis zu Gast in Wien: Sibylle Berg und Tabea Steiner
Alexander Potyka und Bundesminister Alexander Schallenberg
Norbert Gstrein, Gewinner des Österreichischen Buchpreises, signiert nach seiner Lesung
Sandrina Sostero, Madeleine Pichler, Katarzyna Lutecka
Die „Staatskünstler“: Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer
Benedikt Föger, Bundespräsident Alexander van der Bellen, Rudi Gradnitzer
Martin Walker las im Palais Coburg
Veronica Kaup-Hasler, Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, bei der Eröffnung
Signierten gemeinsam: Thomas Brezina und Michi Buchinger
Mareike Nieberding im Haus der Geschichte
Deborah Sengls Ausstellung „Die letzten Tage der Menschheit“ auf der Messe
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– Essenziell – Podcasts
„Ein spannendes Experiment“ IMMER MEHR VERLAGE VERSUCHEN SICH IN DER PODCAST-SZENE – UND HABEN DAMIT AUCH ERFOLG. WER BEREITS MITMACHT, WORAUF ES ANKOMMT UND WIE DER ÖSTERREICHISCHE MARKT AUSSIEHT
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as Format kann charmant simpel oder hochprofessionell produziert werden, im Kleiderschrank für besseren Sound oder im Tonstudio. Podcasts, also meist abonnierte Audiodateien, die man auf unterschiedlichen Playern über das Internet abspielen kann, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Spätestens mit diesem Jahr ist das selbst gemachte Radioformat auch in der deutschsprachigen Verlagsszene als Marketingtool angekommen.
AUTHENTISCHE GESPRÄCHSATMOSPHÄRE Einen Podcast zu erstellen ist an sich keine große Herausforderung. Ein Mikrofon, ein Schneideprogramm (auch Freeware wie Audacity) und einen Internetzugang – mehr braucht es nicht unbedingt. Nach oben bleiben die Möglichkeiten natürlich offen. Anleitungen und Austauschmöglichkeiten finden sich online zahlreich. Wichtig ist dabei Authentizität, erzählt Frauke Vollmer vom Hanser Verlag: „Dass ‚Hanser Rauschen‘ ab und an mal ein bisschen rauscht, nehmen wir bewusst in Kauf: Wir gehen für die Aufnahmen nicht ins Tonstudio – wobei jede Folge tontechnisch noch mal etwas nachbearbeitet wird –, um eine lockere, authentische Gesprächsatmosphäre zu schaffen, und das gelingt in der Regel besser im Büro der Lektorin oder des Lektors, einer Wohnung oder einem Hotelzimmer.“ Ähnlich war die Konzeptfindung im Verlag: „Wir haben überlegt, was wir im Verlag gut können – über Literatur und alles drumherum sprechen natürlich – und in welcher Form das Leserinnen und Leser interessieren könnte“, sagt Vollmer. „So ist das Konzept der ‚Küchengespräche‘ entstanden. In ‚Hanser Rauschen’ sprechen Lektorinnen und Lektoren über ihren Arbeitsalltag mit Autorinnen und Autoren, zu denen in der Regel eine enge, persön-
Text: Teresa Preis Illustration: Georg Feierfeil
liche Bindung besteht. Geredet wird ohne Punkt und Komma und ohne feste Vorgaben, über alles, was interessiert.“ DER WIRTSCHAFTLICHE ASPEKT Doch wie kann sich ein Programm wirtschaftlich rechnen, wenn die meisten Podcasts kostenlos zur Verfügung gestellt werden? Bezahlte Abo-Modelle, wie Patreon, haben sich in der breiten Masse bisher nicht durchgesetzt. Einnahmen können ab einer gewissen Reichweite in Form von Werbejingles oder von der Moderatorin oder dem Moderator eingesprochenen Produktbewerbungen generiert werden. Kostendeckend ist das oft noch lang nicht. Warum ist ein Podcast für Verlage trotzdem reizvoll? „Aus Sicht der Werbung war von vornherein klar, dass sich ein solcher Podcast erst einmal nicht monetarisieren lassen würde“, sagt Frauke Vollmer vom Podcast „Hanser Rauschen“. „Aber er eröffnet spannende neue Kommunikationswege: Über Plattformen wie Spotify erreichen wir neue Interessentinnen und Interessenten für unsere Bücher, für unsere Autorinnen und Autoren.“ EXKLUSIVER BLICK HINTER DIE KULISSE Als der Verlagspodcast „DuMont auf Sendung“ im April dieses Jahres startete, gab es laut Torsten Woywod, bei DuMont zuständig für Social Media und Online-PR, noch keine vergleichbaren Formate. Der Podcast gibt exklusive Einblicke in die Verlagsarbeit, und es gibt Gespräche mit den hauseigenen Autorinnen und Autoren. „Dass man sich Gedan-
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ken über neue Möglichkeiten der Kommunikation sowie der Informationsvermittlung macht, ist natürlich ein fortlaufender Prozess, und wir diskutieren sehr regelmäßig darüber“, sagt er zur Entstehungsgeschichte. Für ihn ergänzt das Podcast-Format die bestehenden Kommunikationskanäle perfekt. „Gerade im Onlinebereich nimmt es eine echte Ausnahmestellung ein, weil sich die Hörerinnen und Hörer bewusst Zeit nehmen und dem Erzählten mit großer Aufmerksamkeit und Zugewandtheit begegnen.“ Dabei wird auch auf Interaktion mit dem Publikum gesetzt: „Wir laden unsere Hörerinnen und Hörer ausdrücklich dazu ein, aktiv an dem Format teilzunehmen und uns mitzuteilen, was sie interessiert.“ Das bringt laut Woywod einen besonderen Nebeneffekt: „Unsere Verlagsmarke wird gestärkt und im Gedächtnis der Zuhörerinnen und Zuhörer verankert.“ Das direkte Feedback ist Teil der Podcast-Szene. „Neben schönem Lob gibt es auch konstruktive Verbesserungsvorschläge“, erzählt auch Vollmer, „etwa zur Länge der einzelnen Folgen, die viele als zu lang empfinden. Das nehmen wir uns natürlich zu Herzen und versuchen es zu optimieren. ‚Hanser Rauschen‘ ist für uns, die wir vom Geschriebenen her denken, schließlich auch ein spannendes Experiment.“ WENN DER AUTOR PODCASTET Doch was ist, wenn Autorinnen und Autoren auf dieser anderen Seite stehen? Mit dem Journalisten Andreas Sator konnte der Wiener Verlag Kremayr & Scheriau einen der erfolgreichsten Podcaster des Landes („Erklär mir die Welt“) für sein erstes Buch gewinnen. „Let’s face it: Tatsächlich gewinnt die Tatsache, dass Autorinnen und Autoren in den sozialen Medien gut vernetzt sind, immer mehr an Wichtigkeit für Verlage“, so Stefanie Jaksch, Programmleiterin »
– Essenziell – Podcasts
»
für das Sachbuch im Verlag. „Eigen werbung ist heutzutage nicht mehr aus dem Autorendasein wegzudenken, gerade weil diese auf den richtigen Plattformen ihr Zielpublikum direkt erreichen. Nicht zu vergessen: Viele Verlage entdecken und suchen heute ganz bewusst über Podcast-Dienste, soziale Medien und Blogs neue Talente – natürlich mit der Überlegung, dass diese ein eigenes Publikum mitbringen und neue LeserInnen-Gruppen eröffnen.“ Auf den Autor aufmerksam wurde Jaksch allerdings über seine journalistische Arbeit bei der Tageszeitung Der Standard, seinen Podcast startete er erst zu einem späteren Zeitpunkt. „Wir haben das mit großem Interesse verfolgt, sind quasi ‚Fans der ersten Stunde‘, während sich nach und nach die Buchidee zu ‚Alles gut?!‘ verdichtet hat und gewachsen ist“, so Jaksch.
VERLAGE NACHHÖREN
„Unsere Verlagsmarke wird gestärkt und im Gedächtnis der Zuhörerinnen und Zuhörer verankert.“ Torsten Woywod
Cathy Rentzenbrink jeden Monat Autorinnen und Autoren, etwa Sarah Perry, David Nicholls
Penguin lädt ein
oder Lee Child. Dazu gibt es aktuelle Buchtipps.
Seit: März 2019, 14-tägig Die Moderatorinnen Ann-Kathrin Eckardt und
Bücher! Der Lübbe Audio Podcast
Andrea Lindner sprechen abwechselnd mit
Seit: Dezember 2016, 14-tägig
Autorinnen und Autoren der Verlage Pengu-
Der Podcast gibt bereits seit beinahe drei Jahren
in, C. Bertelsmann, DVA, Siedler, Manesse,
Einblick hinter die Kulissen. Lektorinnen
Gütersloher und Kösel sowie mit Gästen aus der
und Lektoren, Regisseurinnen und Regisseu-
Verlagsbranche. Bisher waren etwa Schauspieler
re und Sprecherinnen und Sprecher stellen
Shenja Lacher, Autor Bas Kast und die aktuellen
Lieblings(hör)bücher aus dem Verlag vor,
Auszubildenden Jana und Till zu Gast.
Autorinnen und Autoren werden interviewt und lesen aus ihren Büchern vor.
Long Story Short Seit: April 2019, 14-tägig
DuMont auf Sendung – Der Podcast mit
Buchbloggerin Karla Paul und Journalist und
Büchern
Literaturblogger Günter Keil stellen pro Folge
Seit April 2019, monatlich
vier Bücher in zwanzig Minuten vor. Dabei geht
Das Radio-Duo Tabea Soergel und Martin Becker
es um neueste Entdeckungen und Backlisttitel
von der Agentur „Gold und Silben“ moderiert
sowie Interviews aus der Branche. In Kooperati-
die Interviews mit Autorinnen und Autoren
on mit der Verlagruppe Random House.
des Hauses gemeinsam mit einer DuMontMitarbeiterin oder einem -Mitarbeiter und bildet
Hanser Rauschen
die verlegerische Arbeit ab. Dabei wird jeder
Seit: April 2019, 14-tägig
Schritt von der Übersetzung über die Gestaltung
Der Hanser Verlag lässt seine Lektorinnen und
oder die Verlagsvertretung berücksichtigt. Auch
Lektoren die einzelnen Folgen moderieren. Sie
Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer dürfen
sprechen mit Buchmenschen, Leserinnen und
eingeschickt werden.
Lesern und natürlich Autorinnen und Autoren. Thematisch ist alles erlaubt, „was in Bücher
Zurückgespult
passt und außenrum passiert“. Mit Gästen wie
März 2018–August 2019, wöchentlich
Julya Rabinowich oder Rafik Schami.
Im argon.lab produziert, bietet der Argon Hörbuchverlag verschiedene Podcast-Formate an,
The Bookseller Podcast
eines der ersten: „Zurückgespult“, bei dem in ein-
Seit: Dezember 2018, monatlich
stündigen Beiträgen Einblicke in geschichtliche
Für den Podcast des britischen Buchbranchen-
Ereignisse und Persönlichkeiten gegeben wurde,
Magazins The Bookseller interviewt die Autorin
von Titanic über Coco Chanel bis Hiroshima.
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NEUE ZIELGRUPPEN UND AUFMERKSAMES HÖREN
Was Verlage sich vom Podcast-Format versprechen, wird also deutlich: Neue Zielgruppen erreichen und anspruchsvollere Titel in einem passenden Format präsentieren zu können. Das unterstreicht auch Vollmer von Hanser: „Uns ist sehr bewusst, dass wir mit dem Konzept unseres Podcasts keine Reichweitenrekorde aufstellen werden. Wenn Sie zum Beispiel an die wunderbare Folge mit Ernest Wichner über seine Übersetzung von Mircea Cărtărescus ‚Solenoid‘ denken, ist klar, dass das ein Special-Interest-Thema ist. Die Interessentinnen und Interessenten, die sie sich jedoch anhören, sind begeistert und empfinden die Folge als eine kluge, nützliche Ergänzung zur Lektüre des Romans.“ Ein weiterer Nebeneffekt ist die Dauerhaftigkeit einzelner Folgen, auf die Hörerinnen und Hörer nach wie vor zugreifen können. „Die Zugriffszahlen entwickeln sich im Zeitverlauf, manche Folgen werden noch gehört, nachdem sie schon wochenlang online sind. Unsere meistgehörte ist die allererste Folge mit T. C. Boyle“, betont Vollmer. Auch Rebecca Klöber von Random House freut sich über das neue Format: „Die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer ist hoch und wir können auch komplexere Themen beleuchten, die wir über andere Kanäle, etwa über Social-Media-Marketing, nicht so gut vermitteln können. Insgesamt wollen wir mit unseren Podcasts in erster Linie unsere Leserinnen und Leser und auch neue Zielgruppen unabhängig von Raum und Zeit erreichen und für unsere Geschichten und Inhalte begeistern.“
– Essenziell – Podcasts
Für den Podcast „Long Story Short“ etwa wurde ein Format entwickelt, das von der Zusammenarbeit mit der Kulturjournalistin Karla Paul und dem Kulturjournalisten Günter Keil lebt. „Beide bringen ihre eigene Reichweite mit, und Leserinnen und Leser schenken ihnen das Vertrauen, gute Bücher VERLAGSPODCASTS zu empfehlen“, so Klöber. Seit einigen Jahren IN ÖSTERREICH? touren Paul und Keil bereits mit ihrer Litera- Und wie sieht der Markt für Podcasts in Östurshow „Die Seitenspringer“ durch Deutsch- terreich aus? In einer Studie META Commuland. „Für den Podcast haben die beiden die- nication International von Jänner 2019, für ses Konzept angepasst und stellen hier pro die 400 aktive Podcasts ausgewertet wurden, Folge zwei Novitäten und zwei Backlist-Titel stellte sich heraus, dass hierzulande 48 Provor. Wichtig ist uns dabei aber immer, dass zent der Podcast-Anbieter unabhängig sind, die beiden die redaktionelle Freiheit haben, 40 Prozent zu Medien gehören und 12 Prodie Bücher auszuwählen, die sie wirklich zent von Unternehmen und Organisationen empfehlen wollen – auch außerhalb unserer betrieben werden. Die verschiedenen Kanäle eigenen Programme,“ betont Klöber des ORF machen insgesamt 16 Prozent des Hierbei wird in der Verlagsgruppe ein kla- Angebots aus. Von allen ausgewerteten Pod res Ziel verfolgt. „Bei ‚Long Story Short‘ steht casts liegt bei den Themen der Bereich Gealso der Aspekt der Kundengewinnung, bzw. sellschaft (26 Prozent) ganz vorn, an zweiter -bindung im Vordergrund“, betont Klöber. Stelle liegt schon die Kultur mit 14 Prozent „Und auch ‚Penguin lädt ein‘, ein Interview- – wobei hier Film, Literatur und Videospiele format, in dem unter anderem Autorinnen dominieren. Sind Verlagspodcasts also auch und Autoren zu Wort kommen, ist vor allem ein Thema auf dem österreichischen Markt? als Bühne für unsere vielfältigen Themen „Klar verfolgen wir diese Entwicklung – man gedacht, und auch, um Penguin als starke kommt ja quasi nicht daran vorbei“, so SachMarke bei den Endkundinnen und -kunden buch-Programmleiterin Stefanie Jaksch. „Inzu etablieren.“ teresse haben wir natürlich, geplant ist aber vorerst nichts. Wenn ein Verlag eine große Marketingabteilung hat, ist es sicher etwas HÖRBÜCHER UND FICTION einfacher, all diese wunderbaren Formate PODCASTS: EINE SCHNITTMENGE Wären Hörbuchverlage dabei nicht nahelie- abzudecken.“ Im eigenen Verlag sei eher das gend? „Im englischsprachigen Raum gibt Haushalten mit Ressourcen angesagt und die es für Fiction Podcasts bereits einen gro- Konzentration auf Optimierung von bereits ßen Markt“, erzählt Klöber. Dabei werden bestehenden Tools. „Aber wer weiß, vielGeschichten über mehrere Folgen erzählt, leicht podcastet Kremayr & Scheriau eines ähnlich wie bei einem Hörbuch – oder eben Tages – man soll niemals nie sagen.“ «
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© Dieter Brasch
verlag-margarete-tischler.at
einer TV-Serie. Tatsächlich wurden aus einigen fiktionalen Podcasts bereits erfolgreiche Streaming-Serienadaptionen, etwa die Thriller-Reihe „Homecoming“ von der preisgekrönten Podcast-Agentur Gimlet Media, die bereits für Amazon Prime mit HollywoodSchauspielerin Julia Roberts verfilmt wurde. „Mit den ‚Hörverlag Serials‘ verfolgt der Hörverlag eine andere Strategie als bei ‚Long Story Short‘ und veröffentlicht hochkarätig besetzte serielle Hörspiele im Podcast-Format“, so Klöber. „Die bisherige Reaktion der Zuhörerinnen und Zuhörer hat selbst unsere optimistischsten Erwartungen übertroffen. Hier ist die Akquise von Werbepartnern nun eine spannende Herausforderung.“ Podcasts können für Werber verschiedenster Sparten interessant sein, allerdings ist dieser Sektor im deutschsprachigen Raum noch im Aufbruch. „Da Podcasts für die Nutzerinnen und Nutzer kostenfrei sind, ist Werbung ein wichtiger Baustein in der Monetarisierung der Produktionen. Der Markt entwickelt sich hier extrem dynamisch, und wir konnten bei ‚Der Abgrund‘ schon erste Erfahrungen sammeln, auf die wir für unsere weiteren Podcasts aufbauen können.“
Autor Jürgen Jüly packt die Themen des Lebens, Liebe, Hass, Krieg und Frieden, in ein spirituelles ScienceFiction-Abenteuer. Sein Debütroman verwebt drei Erzählstränge zur Geschichte seiner Menschheit.
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– Schwerpunkt – Krimis & Thriller
Spannende Seiten Die Neuerscheinungen im Herbstprogramm zwischen historischen Fällen, bekannten Schauplätzen und aktuellen globalen Themen
Das Krimigenre weiß Bekanntes zu bedienen und Eine Tote zwischen Salzburger Marizu überraschen, das bringt besonders eines: ein pa- onetten und gestohlene Büsten von ckendes Herbstprogramm für Krimis und Thriller. Kaiserin Sissi – irgendwas ist immer
Ludwig van Beethoven, Sigmund Freud und Jack the Ripper Sie haben eine lange Tradition: Verlage setzen im aktuellen Programm auf starke Kriminalromane mit historischem Bezug. Gerhard Loibelsberger
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schickt seinen Ermittler Joseph Maria Nechyba diesmal auf Spuren in die Maurer Weinberge und ins Wiener Burgtheater, wo er als junger Polizeiagent den Prinzen von Wales als Leibwächter beschützen soll. Außerdem trifft er seinen Zeitgenossen Sigmund Freud und verhaftet Wilhelm Kerl – Betreiber des Café Landtmann. Mit „Morphium, Mokka, Mördergeschichten. Wien zur Zeit Joseph Maria Nechybas“ (Gmeiner) hat Loibelsberger
F O T O : A N I TA JA N K O V I C / U N S P L A S H
Text: Teresa Preis
– Schwerpunkt – Krimis & Thriller
eine Krimikurzgeschichtensammlung durch das historische Wien vorgelegt. Um eine weitere historische Figur geht es in Oliver Buslaus Krimi zum Beethoven-Jahr 2020 „Feuer im Elysium“ (emons). Der junge Schlossverwalter Sebastian Reiser kommt nach Wien, wo Ludwig van Beethoven gerade die Uraufführung seiner neunten Sinfonie im Kärntnertortheater vorbereitet. Doch die Stadt ist gespalten. Während die einen das Konzert kaum erwarten können, sehen konservative Musikenthusiasten und Burschenschaften den Auftritt kritisch. Als Reiser die Chance bekommt, im Orchester mitzuwirken, gerät er in ein gefährliches Netz aus Intrigen. Mit „Die Frau in der Themse“ (Diogenes) hat Steven Price einen historischen Spannungsroman geschrieben, der auch die Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts widerspiegelt. Charlotte Reckitt gilt als schön, stolz und gesetzlos – und sie spielt die Hauptrolle im Leben zweier Männer: William Pinkerton, berühmt-berüchtigter Detektiv, und Adam Foole, Dandy-Dieb mit Vergangenheit. Sie alle treffen in London 1885 aufeinander, kurz vor den Whitechapel-Morden von Jack the Ripper. Steven Price nimmt sich zwei amerikanische Legenden zum Vorbild, den Detektiv Allan Pinkerton, der 1850 in Chicago die Pinkerton Agency gegründet hat, die als die erste amerikanische Detektei gilt. Und den Ganoven Adam Worth: In den USA wurde gegen ihn ermittelt wegen Eisenbahnraubs im großen Stil, in London wegen des Diebstahl eines Gemäldes und in Südafrika wegen Rohdiamantenraubs im Wert von 500.000 Dollar. Der Ermittler war William Pinkerton, Sohn des Allan Pinkerton, dem Worth seine Lebensgeschichte erzählte. Ein russischer Oligarch, der den britischen Geheimdienst als Informant unterstützen soll, muss beschützt werden. Dann wird ein ehemaliger Spion aus Zeiten des Kalten Kriegs tot aufgefunden, die Ursache: angeblich die Folgen eines Schlaganfalls. Beide Fälle werden mit russischen Schläfern in Verbindung gebracht, den sogenannten Dead Lions. Zwei Agenten von Slough House, dem Ort, an den jene verbannt werden, die bei ihrer Arbeit für den Geheimdienst MI5 in London versagt haben, werden mit dem Fall betraut. Auch der zweite Fall, „Dead Lions. Ein Fall für Jackson Lamb“ (Diogenes), von Mick Herron überzeugt. Bei Davide Longos „Die jungen Bestien“ (Rowohlt), das Anfang des kommenden Jahres erscheint, ermittelt der schweigsame Corso Bramard für einen Fall auf Schienen zwischen Mailand und Turin. Beim Bau einer Bahnschnellstrecke werden die Überreste von zwölf Leichen gefunden – eine Spur führt in die Zeit der Anschläge der kommunistischen Untergrundorganisation »
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BLACK STORIES S
AU N H U E N E L E N E D IT IO
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WER SORGT FÜR GERECHTIGKEIT?
» Brigate Rosse im Turiner Herbst 1977. Ein paar Jugendliche haben damals den Parteisitz der rechten MSI in Brand gesetzt, dabei starb ein Mann, der sich nachts in den Gebäuden aufhielt. War es ein Spiel oder geplanter Mord? Und wieso sind die Jugendlichen seither spurlos verschwunden? Fast vierzig Jahre später ermitteln zwei Kommissare und ihr ehemaliger Kollege Corso Bramard. Salzburger Marionetten, verschwundene Büsten und gefährliches Schwefelwasser
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Eine familiäre Kulisse, die durch einen Mord in Aufruhr gerät: Das ist der Zauber der Regionalkrimis. Etwa im Salzburger Marionettentheater: Wo Puppen an Fäden tanzen und Mozart-Inszenierungen Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt anziehen, hängt eine erdrosselte junge Frau in den Kulissen. Lucy, der Liebling der Truppe, wurde ermordet. In Manfred Baumanns „Marionettenverschwörung“ (Gmeiner) beginnt Kommissar Merana zu ermitteln und gerät dabei mitten in Theaterintrigen und rechte Verschwörungen. So ist auch sein Leben in Gefahr. In Beate Malys „Tod in Baden“ (emons) fahren die pensionierte Lehrerin Ernestine und ihr Freund, der Apotheker Anton, zur Erholung ins Kurhotel Sauerhof in Baden – wir schreiben das Jahr 1924. Die Heilwirkung des Schwefelwassers zieht so internationale wie prominente Gäste an. Der Fund einer Leiche im Kurpark weckt die Neugierde der beiden Erholungsurlauber. Erholen möchte sich auch Gustl Brandner, der sich zu diesem Zweck das Salzkammergut ausgesucht hat. Doch der Erzherzog ist in Aufruhr: Der Kopf einer wertvollen Büste der Kaiserin Elisabeth wurde gestohlen. In „Sissis Kopf“ (Haymon) von Bernhard Barta jagt ein Rätsel das nächste, denn die Schlösser weisen keine Spuren auf und auch sonst haben die Einbrecher nichts hinterlassen. Wie konnten sie durch die versperrten Türen kommen und wer steckt dahinter? Wenn Gustl Brandner ermittelt, kommt man natürlich nicht am Kuk Max, an der Anni vom Buchgeschäft oder am Zuckerl Zauner vorbei.
Drogenkriege, Klimakatastrophen und flächendeckende Überwachung Themen, die die Welt auch politisch bewegen, lassen sich in kaum einem fiktionalen Genre so gut bedienen wie im Krimi. Bekannt dafür ist etwa Eva Rossmann mit ihrer Ermittlerin Mira Valensky. Mit „Heißzeit 51“ (Folio) lässt sie die Erde noch
w.ak.at/app
GERECHTIGKEIT MUSS SEIN
– Schwerpunkt – Krimis & Thriller
heißer werden: Jahrhunderthochwasser auf dem Markusplatz in Venedig lassen die Klimaschützerin Julia protestieren, die Bilder gehen um die Welt – am nächsten Tag ist sie tot. Gleichzeitig hat sich ein junger preisverdächtiger Klimaforscher ins Weinviertel zurückgezogen und warnt von dort aus vor den Folgen des Populismus. Doch welche Firma sponsert die Bewegung eigentlich, was haben Nationalisten gegen grüne Entscheidungen, und haben Ökos immer recht? Um ein persönliches Schicksal geht es in Hannelore Cayres „Die Alte“ (Ariadne). Patience Portefeux hat sich ihr Leben und ihre Zukunft anders vorgestellt: mindestens mit Kaviar und Zuckerwatte. Plötzlich steht sie als junge Witwe mit zwei Töchtern da, und die Kosten für den Pflegeheimplatz ihrer Mutter muss sie auch auftreiben. Mit ihrem Job, fürs Drogendezernat abgehörte Te-
lefonate aus dem Arabischen zu übersetzen, versucht sie, die finanzielle Lage in den Griff zu kriegen. Eine prekäre Aufgabe, schwarz bezahlt vom Justizministerium in Paris. Da fällt ihr ein abgehörter junger Mann mit marokkanischen Wurzeln besonders auf, und sie beschließt ihn zu warnen. Er wird zwar dennoch verhaftet, allerdings weiß Patience, wo sich der Transporter mit der neuen Lieferung Hasch aufhält. Eine neue Karrieremöglichkeit ergibt sich. Als der Gefangene 5995 es schafft, nach fast zwanzig Jahren aus einem chinesischen Straflager auszubrechen, versucht der „dissidente Intellektuelle“, seine alten Kontakte zum britischen MI6 wiederzubeleben. Doch die Welt und vor allem China sind nicht mehr dieselben, die flächendeckende Überwachung ist zum Alltag geworden. Um dem zu entgehen, rekrutieren die Briten den »
Bücher herzustellen ist unsere Berufung
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– Schwerpunkt – Krimis & Thriller
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Quantenforschung, vermisste Kinder und die Verbrechen der Medizin
Journalisten Philip Mangan, der sich relativ frei bewegen kann. Seine Aufgabe: Nr. 5995 unter dem Decknamen „Night Heron“ wieder zu aktivieren. Doch die Vorhaben und Ziele sind auf allen Seiten unterschiedlich. Als der MI6 auch noch eine amerikanische Sicherheitsfirma involviert, geht die Katz-und-Maus-Jagd in Adam Brookes „Der chinesische Verräter“ (Suhrkamp) erst richtig los. Dass Spannung nicht zwangsläufig als klassischer Krimi daherkommen muss, beweist etwa der italienische Autor Giancarlo De Cataldo mit seinem neuen Buch „Der Agent des Chaos“ (Folio). Die Jugend im Westen fordert eine neue Gesellschaftsordnung, doch eine unsichtbare Macht will die Bewegung im Keim ersticken. Da erfährt ein römischer Autor die Geschichte von Jay Dark, der in der Bewegung Chaos stiften soll: Die Rebellierenden sollen mit Drogen überflutet werden, um den Protest endgültig zum Stillstand zu bringen. Zwischen fehlgeleiteten Nachrichtendiensten, alten Nazis, Menschenhändlern, Terroristen und korrupten Polizisten versucht der Anwalt Flint, den Fall zu verstehen. Der Krimiautor hat hier einen Roman vorgelegt, der an krimineller Energie nichts zu wünschen übrig lässt. In „Klare Sache“ (Ariadne) von Denise Mina geht es um Anna McDonald, eine Frau, die bisher nicht groß aufgefallen ist. Sie liebt ihre Töchter und erduldet ihren lokalpatriotischen Ehemann. Doch als sie in einem True-Crime-Podcast auf eine Person ihrer Vergangenheit stößt, ihr Mann mit ihrer besten Freundin Estelle durchbrennt und die gemeinsamen Töchter mitnehmen will, gerät AnnasLeben endgültig aus den Fugen. Im Podcast-Fall geht es ausgerechnet um ein versunkenes Schiff und eine getötete Familie, Anna muss unbedingt herausfinden, woher die Londoner Podcasterin all ihre Informationen nimmt. Sie will erfahren, wie die Sprecherin auf Annas Erzfeindin Gretchen Teigler gestoßen ist und was diese nach all den Jahren im Schilde führt. Jedes Jahr am Tag des Verschwindens von KatharinaHaugen nimmt sich der Kommissar William Wisting ihren Cold-Case-Fall neu vor. Dann trifft er sich auch immer mit Martin Haugen, dem Ehemann der Vermissten, der damals als Hauptverdächtiger gegolten hat. Nachweisen konnte man ihm nie etwas. Diesmal passieren allerdings zwei unvorhergesehene Sachen: Wistings Kollege AdrianStiller reist aus Oslo an, da er in einem anderen Fall auf Martin Haugens Fingerabdrücke gestoßen ist, und Haugen selbst scheint plötzlich spurlos verschwunden. Mit „Wistingund der Tag der Vermissten“ (Piper) hat der ehemalige Kriminalhauptkommissar der norwegischen Polizei Jørn Lier Horst einen spannenden neuen Fall um Wisting vorgelegt.
Für aufgestellte Nackenhaare sorgen die Thriller im Herbstprogramm. Mit „Quantum Spy. Der Feind im System“ (Rowohlt) hat David Ignatius einen Cyberthriller über technisches Wettrüsten geschrieben. Ein ultraschneller Quantencomputer steht kurz vor der Verwirklichung. Mit unfassbaren Rechenfähigkeiten kann er jeden Code entschlüsseln. Wer ihn besitzt, könnte die ganze Welt beherrschen. Es wird auf Hochtouren programmiert und gerechnet, ein digitales Rüstungsrennen zwischen China und den USA hält die Erde in Atem. CIA-Officer Harris Chang soll den Informanten der Chinesen enttarnen, der sich in die Quantenforschungslabore eingeschleust haben soll. Aber gibt es diesen Spion wirklich oder ist all das ein Ablenkungsmanöver, um China zu täuschen? In Cadice Fox’ neuem Thriller „Missing Boy“ (Suhrkamp) verschwindet der achtjährige Richie spurlos, als er mit seinen drei Freunden in einem Zimmer des australischen White Caps Hotels ist, während die Eltern im Restaurant essen. Als seine Mutter Sara Farrow um Mitternacht nach den Kindern sieht, ist er verschwunden. Laut den anderen Jungs hat Richie das Zimmer nicht verlassen, auch die Hotelkamera hat keine Besonderheiten aufgezeichnet. Sara Farrow hat kein Vertrauen in die örtliche Polizei, und so landet der Fall beim Ermittlerduo Ted Conkaffey und Amanda Pharrell. Das bringt Ted an die übelsten Typen, um den vermissten Jungen aufzuspüren. Doch dabei könnte er auch seine eigene junge Tochter in Gefahr bringen. Die Supermarktverkäuferin Rita wird tot aufgefunden, obwohl sie scheinbar nie etwas Böses getan hat. Doch hatte sie bei der Arbeit etwas gefunden, das nicht für sie bestimmt war – und ihr zum Verhängnis wurde. Aber kann das wirklich der Auslöser für ihre Ermordung gewesen sein? Auf der anderen Seite steht ein Polizist, der in Bernhard Aichners „Der Fund“ (btb) nicht aufgibt, unangenehme Fragen zu stellen. Denn er will den Fall klären, obwohl er eigentlich bereits abgeschlossen wurde. Claudia Rossbacher führt mit „Hillarys Blut“ (Gmeiner) auf eine kleine Karibikinsel. Dort sterben zu wenig Menschen – zu wenige jedenfalls, die ihren Leichnam der Medizin zur Verfügung stellen. Die Folgen sind so brutal wie ethisch verwerflich, als plötzlich 3.000 US-Dollar als Prämie für jede Leiche ausgeschrieben werden, die für die Lehre verwendet werden kann. Als die Touristin Sonja Podolski auf Antigua landet, beginnt ihre paradiesische Reise. Sie freundet sich mit der Millionärsgattin Hillary Darnell an und lernt den Arzt Dr. Jeffrey Geller kennen, in den sie sich sofort verliebt. Doch damit begibt sie sich, ohne es zu merken, in eine tödliche Intrige. «
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»Älterwerden und Abschiednehmen sind unweigerlich miteinander verbunden. Es ist jener Preis, den das Weiterleben von Jahr zu Jahr in die Höhe treibt und über den es kein Verhandeln gibt. Und so folgt Abschied auf Abschied, bis wir uns unwiderruflich verabschieden müssen.« Lotte Tobisch
Wir trauern um unsere Autorin
Prof. Lotte Tobisch von Labotýn 1926–2019
In Dankbarkeit und Verehrung. Der Amalthea Verlag
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© Mike Ranz
Angela Lehner bei ihrer Lesung während der Alpha Literaturpreisgala im Studio 44.
Literaturpreis Alpha 2019 geht an Angela Lehner Die 10. Ausgabe des Literaturpreises von Casinos Austria und den Büchereien Wien prämiert den Debütroman „Vater unser“ der in Klagenfurt geborenen Schriftstellerin.
A
m 30. Oktober 2019 hieß es im Studio 44 zum bereits zehnten Mal: „Der Literaturpreis Alpha geht an…“. Zum Jubiläum waren erstmals seit fünf Jahren wieder Autoren im finalen Teilnehmerfeld, dennoch setzte sich die weibliche Siegesserie beim Alpha auch in diesem Jahr fort. Denn Angela Lehner, die einzige Schriftstellerin unter den letzten drei, wurde für ihren Romanerstling „Vater unser“ ausgezeichnet. Ihr Werk setzte sich im Finalfeld der besten drei gegen „Flutgebiet“ von Malte Borsdorf und „Wie man Dinge repariert“ von Martin Peichl durch. Somit bleibt Thomas
Stangl, der bei der Premiere 2010 gewann, der vorerst einzige männliche Alpha Preisträger. Angela Lehner, in Klagenfurt geboren, ist mit ihrem ersten Roman ein fulminantes Debüt gelungen. Die Kritik lobte unisono die raffinierte Erzählung voller Fallstricke und falscher Fährten, die Eva Gruber, die schillernde und manipulative Protagonistin, legt – für die anderen Romanfiguren wie für die Leserschaft. Auch für Lehner selbst war die „unzuverlässige Erzählerin“ das leitende Motiv. „Vater unser“ verbindet unterschiedliche Traditionen und
Genres. Nicht nur wegen der psychiatrischen Klinik, des Otto-Wagner-Spitals in Wien, als Schauplatz der Handlung tauchen Parallelen zu Werken von Thomas Bernhard auf. Im Kontrast zum Geschehen in der Klinik steht der biographische Hintergrund Eva Grubers in der Kärntner Provinz, dem Aufwachsen unter der erdrückenden, titelgebenden Vaterfigur. Dies waren aber nicht die einzigen Beweggründe für die Wahl der Alpha Fachjury, die sich neuerlich aus Autor Paulus Hochgatterer als Vorsitzendem, „Profil“-Literaturjournalistin
O.: Die Übergabe des Alpha 2019 an Angela Lehner durch Alpha Initiator Prof. Mag. Dietmar Hoscher (r.) und Paulus Hochgatterer; r.: nach der Preisübergabe (v.l.n.r.): die beiden anderen Finalisten Malte Borsdorf und Martin Peichl, Angela Lehner, Dietmar Hoscher, die Alpha Fachjury mit Paulus Hochgatterer, Karin Cerny und Christian Jahl, Moderatorin Clarissa Stadler.
Karin Cerny, Musiker und Autor Ernst Molden und Christian Jahl, Leiter der Hauptbücherei Wien, zusammensetzte. Hochgatterer in seiner Laudatio: „‘Vater unser‘ ist ein Buch, in dem die Genauigkeit der Autorin und ihr profundes Wissen um den Hintergrund der Figuren und Ereignisse dazu führen, dass man sich in ihm sehr bald so aufgehoben und sicher fühlt, wie es typisch ist für Bücher, die klüger sind als man selbst. Es ist ein Roman, der in einer schlichten, treffsicheren Sprache von den wirklich komplizierten und schwer fassbaren Dingen erzählt, von Beziehung und von Verlust. Ein Roman, der auf Raunen und Getöse verzichtet und genau dadurch das hören lässt, was seit
Autor und Alpha Juryvorsitzender Paulus Hochgatterer bei seiner Laudatio.
jeher Grundton von Literatur war, das Lachen und den Schmerz.“
Fixgröße im literarischen Jahreslauf geworden.“
Seitens Casinos Austria bzw. der Büchereien Wien haben Prof. Mag. Dietmar Hoscher und Christian Jahl den Alpha vor bald zehn Jahren aus der Taufe gehoben. Als Hoscher den mit 10.000 Euro dotierten Preis gestern an Angela Lehner überreichte, war dies nicht nur für die Schriftstellerin ein freudiger Moment. „10 Jahre lang die an Talenten so reiche österreichische Literaturlandschaft nicht nur begleitet, sondern mit dem Alpha einen nachhaltigen Beitrag zur Förderung eben dieser Talente geleistet zu haben, macht mich glücklich und auch ein wenig stolz.“
Der musikalische Teil der heurigen Alpha Gala stand auch diesmal in engem Bezug zu einer weiteren Förderung begabter Nachwuchskünstlerinnen und -künstler durch Casinos Austria. Der junge Pianist Maximilian Kromer gab auf der Bühne des Studio 44 eine Probe seines Könnens. Er wurde 2018 mit dem Casinos Austria Rising Star ausgezeichnet, den das Unternehmen an herausragende Absolventinnen und Absolventen der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien vergibt.
Auch für Christian Jahl ist Alpha Nummer 10 Anlass für ein durchwegs positives Resümee: „Während der Arbeit am Konzept zum Alpha erschien es mir selbst vermessen, einen neuen Literaturpreis ins Leben zu rufen und in der Literaturszene etablieren zu wollen. Ich bin daher unendlich dankbar dafür, was wir mit dem Preis erreicht haben. Für beide Partner – Casinos Austria und Büchereien Wien – hat der Alpha einen Imagegewinn über die engere Literaturszene hinaus gebracht. Autorinnen und Autoren, die den Preis erhalten haben, haben weitere Würdigungen erfahren. Der Alpha und die damit verbundene Literaturgala sind eine
Einen besonders schönen Epilog erfuhr der Alpha 2019 bei der Bekanntgabe des Österreichischen Buchpreises. Angela Lehners Roman erhielt mit dem Debütpreis die zweite prestigeträchtige Auszeichnung innerhalb von fünf Tagen.
Markus Kromer, der aktuelle Preisträger des Casinos Austria Rising Star Awards, bestritt den musikalischen Teil der Literaturpreisgala. Entgeltliche Einschaltung
– Bestseller Oktober 2019 –
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MARGIT AUER Die Schule der magischen Tiere: Eingeschneit! Ein Winterabenteuer Carlsen € 12,40 SABINE STÄDING Petronella Apfelmus – Hexenfest und Waldgeflüster Boje € 13,40 TANYA STEWNER Alea Aquarius 5 Oetinger € 17,50 URSULA POZNANSKI Erebos 2! Loewe € 20,60 MAGNUS MYST Das kleine Böse Buch 3 Überreuter Kinder- und Jugendbuch € 13,40 BORIS PFEIFFER Die drei ??? Kids, Der Adventskalender Kosmos € 11,30 URSULA POZNANSKI Erebos Loewe € 10,30 MAGNUS MYST Das kleine Böse Buch Überreuter Kinder- und Jugendbuch € 13,40 MAJA VON VOGEL Die drei !!!, Die Marzipan-Mission Kosmos € 11,30 J. K. ROWLING Harry Potter und der Feuerkelch (farbig illustrierte Schmuckausgabe) (Harry Potter 4) Carlsen € 39,10
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– Bestenliste November 2019 –
Für den Buchhandel!
Bestenliste November 2019 Die ORF-Bestenliste
Sachbücher des Monats
1.
1.
MIRCEA CĂRTĂRESCU
RÜDIGER SAFRANSKI
Solenoid Zsolnay
Hölderlin. Komm! Ins Offene, Freund!
2.
Carl Hanser
Das letzte rote Jahr
PHILIPP THER
Frankfurter Verlagsanstalt
Das andere Ende der Geschichte
3.
Suhrkamp
2.
SUSANNE GREGOR
3.
RAPHAELA EDELBAUER
Das flüssige Land Klett-Cotta
VOLKER REINHARDT
4.
Die Macht der Schönheit C. H. Beck
Schutzzone Suhrkamp
CARLO ROVELLI
5.
Die Geburt der Wissenschaft Rowohlt
Fliege fort, fliege fort Deuticke
RICHARD WRANGHAM
5.
Die Zähmung des Menschen
4.
NORA BOSSONG
5.
PAULUS HOCHGATTERER
Deutsche Verlags-Anstalt
6.
VALERIA LUISELLI
Archiv der verlorenen Kinder Kunstmann
KWAME ANTHONY APPIAH
7.
Identitäten Hanser Berlin
7.
JON FOSSE
Der andere Name Rowohlt
7.
NADINE SCHNEIDER
Drei Kilometer Jung und Jung
9. MARIEKE LUCAS RIJNEVELD
Was man sät Suhrkamp
9. MARTIN POLLACK
Die Frau ohne Grab Zsolnay
9. TERÉZIA MORA
Die Liste „Sach bücher des Monats“ wird durch Exper tInnen von Die Welt, von WDR 5, der Neuen Zürcher Zeitung und Ö1 zusammengestellt. Berücksichtigt werden neue Bücher in den Geistes-, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissen schaften.
Alternate Possibilities and Moral Responsibility/Alternative Möglichkeiten und moralische Verantwortungr Reclam
8.
FRÉDÉRIC MARTEL
Sodom S. Fischer
9. JULIA EBNER
Radikalisierungsmaschinen Suhrkamp Nova
10. THOMAS PLETZINGER
The Great Nowitzki Kiepenheuer & Witsch
Auf dem Seil Luchterhand
Marktdaten Oktober 2019
HARRY FRANKFURT
Im Vergleich zum Vorjahresmonat.
–3 %
–1,9 %
–1,2 %
Umsatz
Absatz
Preis
Weitere Marktdaten zur österreichischen Buchbranche liegen für HVB-Mitglieder exklusiv monatlich im anzeiger bei.
Erhebung: Media Control im Auftrag des HVB.
Jeden Monat erstellt eine Jury aus KritikerInnen und Buchhänd lerInnen eine Liste von jeweils zehn empfehlens werten neuen Romanen. Der ORF publiziert diese Liste, und der anzeiger auch.
– Klassiker – neu entdeckt
Dornröschenmärchen mit Ohrfeige Text: Erich Klein Illustration: Katharina Klein
MARGARETE SCHÜTTE-LIHOTZKY: WARUM ICH ARCHITEKTIN WURDE
Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) war eine Ikone und Jahrhunderterscheinung – als eine der ersten Frauen, die in Österreich Architektur studierte, als Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus und als Kommunistin. „Der Stoff umfasst zeitlich eine fünfzigjährige Praxis als Architektin. Örtlich ist er weit gespannt. Er reicht von Europa bis Japan, von China bis Kuba“, schreibt sie als Motto zu ihren unvollendet gebliebenen Erinnerungen. Mit Aufträgen war Margarete Schütte-Lihotzky, die unmittelbar nach ihrem Studium an der k. k. Kunstgewerbeschule am Stubenring (der heutigen Angewandten) ihren ersten Preis für das Projekt einer Arbeiterwohnung bekam, in ihrem langen Leben nicht gerade verwöhnt. „Warumich Architektin wurde“ skizziert zeitgeschichtliche Umstände wie den Wandel von Kakaniens Hauptstadt zum „Roten Wien“ angesichts der akuten Wohnungsnot; die Siedlerbewegung nach dem Ersten Weltkrieg wird ebenso reflektiert wie die eigene Beteiligung an der Errichtung einer der Wiener Arbeiterfestungen oder bei der Werkbundsiedlung. Daneben stehen Vignetten von Lehrern in Sachen Architektur wie Oskar Strnad, Heinrich Tessenow oder Adolf Loos, von denen sie Zurückhaltung in Sachen Architektur als Kunst lernt. So
heißt es da etwa: „Die Architektur ist durch eine konkrete Aufgabenstellung immer an einen Zweck gebunden, das ‚Schöne‘ ist gleichzeitig und direkt stets Dienstleistung am Menschen. Architektur kann deshalb niemals Selbstzweck, niemals nur l’art pour l’art werden.“ Ein Kuriosum aus der Frühzeit der damals noch überzeugten Sozialdemokratin – deren Arbeitsraum befindet sich in der Neuen Hofburg: „Es war wie im Dornröschenmärchen, in dem nach hundertjährigem Schlaf der Küchenjunge seine noch ausstehende Ohrfeige bekam.“ Aus finanzieller Not und mit einer Einladung des Stadtplaners Ernst May übersiedelt Schütte-Lihotzky 1926 nach Frankfurt, wo sie neben der Arbeit an neuen Wohnungstypen die legendäre „Frankfurter Küche“ konzipiert. Nüchtern bemerkt sie zum Vorbild der modernen Einbauküche, diese sei „in erster Linie eine Bauprojektierungs- und eine Finanzierungsentscheidung und erst in zweiter Linie eine Einrichtungsfrage“ gewesen. Das Loblied auf den damals erstmals eingesetzten Plattenbau verwundert heute, jenes auf den Dachgarten bedarf heute keiner Erklärung mehr, harsche Worte findet SchütteLihotzky retrospektiv für ihre Architektenkollegen: Deren absolutes Desinteresse an Politik sei am Triumph des Nazitums mitverantwortlich gewesen. Sie selbst entwickelt sich immer weiter nach links, wird Kommunistin und geht blauäugig 1930 in die Sowjetunion. Die größte Tragödie ihres Lebens, die Verhaftung durch die Nazis und Lagerhaft werden noch folgen …
Das sagt die Herausgeberin:
„Kulturgeschichte aus erster Hand – pointiert, präzise und unterhaltsam. Mit diesem Buch überzeugt die große Architektin auch als Autorin“ Karin Zogmayer
Margarete Schütte-Lihotzky Karin Zogmayer (Hg.): Warum ich Architektin wurde Residenz Verlag, 2019
anzeiger / 27
– HVB-Mitglieder im Porträt – Amalthea Verlag/Wien Text: Elisabeth Stuppnig Foto: Nini Tschavoll
„Ich werde mit einem Buch nicht die Welt verändern, aber es ist wie mit der Wahl: Jede Stimme und jede Autorin zählt“
Katarzyna Lutecka M
it ruhiger und sanfter Stimme führt Katarzyna Lutecka stolz und ein klein wenig ehrfürchtig durch die Räumlichkeiten des alteingesessenen Amalthea Verlags, vorbei an goldenen Lustern und prunkvollen Anrichten. Der Festsaal, erzählt die Verlegerin, als sie die Tür zu einem dunkel vertäfelten Raum öffnet, sei die „heilige Halle“ und Herzstück des Verlags. Lutecka kennt sich aus: Mit 13 Jahren im Amalthea Verlag ist sie die dienstälteste Mitarbeiterin. In den 1860er-Jahren dienten die Räumlichkeiten nahe des Wiener Konzerthauses als Wohnräume. Erst in den 1960er-Jahren zog der Amalthea Verlag hier ein. „Die Räume sind sehr alt, wir aber sind ein junges Team“, sagt Lutecka. Sinnbildlich für die Entwicklung ist auch ihr Büro: Neben dem Biedermeierschrank steht ein Glastisch, an den
bronzefarbenen Seidentapeten hängt moderne Kunst. „Ich glaube, man muss den Spagat schaffen: Einerseits die Tradition bewahren, aber auch neue Wege gehen.“ Als Teenager träumte Lutecka davon, Balletttänzerin zu werden. Doch es kam anders: In Krakau studierte sie Germanistik, um Dolmetscherin zu werden. Dann kam sie nach Wien und bewarb sich vor 13 Jahren beim Amalthea Verlag. Zunächst Praktikantin, wechselte sie bald in die Presseabteilung. 2017 schließlich wurde ihr die Verlagsleitung übertragen. Seitdem hat sie das Programm verkleinert: Wurden früher zwanzig bis 24 Titel im Halbjahr verlegt, sind es jetzt maximal zwölf.
anzeiger / 28
Auch konzentriert sich Lutecka vermehrt auf die Programmschwerpunkte österreichische Geschichte, Humor und Biografien, etwa jene von Erni Mangold, Karl Merkatz oder Arik Brauer: „Es ist ein Privileg, dass Menschen einem so viel erzählen.“ Ein Buch, das ihr besonders in Erinnerung blieb, ist die Biografie der Schauspielerin Ursula Strauss, für das sie Fotos aus der Kindheit rausgesucht hat. „Das Manuskript war unglaublich berührend und persönlich. Als hätte Ursula nicht nur die Fotokiste aufgemacht, sondern auch sich selbst.“ Fiel es ihr eigentlich schwer, den österreichischen Traditionsverlag zu übernehmen? „Ja, ich musste schon darüber schlafen“, sagt Lutecka. „Ich glaube, als Mann wäre mir die Entscheidung leichter gefallen. Wir Frauen tendieren oft zur Zurückhaltung, wenn es darum geht, neue Aufgaben zu übernehmen.“ Deshalb ist Lutecka besonders stolz, dass sie ausschließlich Frauen im Verlag beschäftigt und auch Autorinnen fördert. „Warum müssen immer Männer über Sport schreiben?“, fragt sie und deutet auf ein Buch über Sport einer weiblichen Autorin. „Ich werde mit einem Buch nicht die Welt verändern, aber es ist wie mit der Wahl: Jede Stimme und jede Autorin zählt.“
– HVB-Mitglieder im Porträt – Luftschacht Verlag/Wien
Text: Hannah Jutz Foto: Karin Wasner
„Man weiß, es wird schwer, aber man brennt dafür“
Jürgen Lagger V
or 11 Uhr kommt Jürgen Lagger selten in seinen Verlag im zweiten Wiener Bezirk. Nach einem Kaffee beantwortet er Mails und erst am Nachmittag erreicht er seine „Betriebstemperatur“. Am Abend läuft der Verleger zur Höchstform auf: „Ich arbeite gerne in der Nacht. Ich brauche dieses Dunkle, Fokussierte.“ Jürgen Lagger ist eigentlich Architekt. Mit 14 Jahren zog der Villacher von Kärnten nach Wien, absolvierte die Gartenbauschule und studierte Architektur. Mit Büchern kam er durch den elterlichen Bücherschrank in Kontakt: „Da war zum Glück viel Gutes dabei.“ Nach einem Schreibworkshop mit Julian Schutting, für den er sich mehr aus einer Laune heraus beworben hatte, begann der Architekt mit Anfang 30 zu schreiben. „Ich hatte eigentlich nie die Idee von mir als Schriftsteller, mir ist das einfach so passiert.“ Sein erster Roman handelte von einem Vampir: „Der ist zum Glück vergriffen …“ Bei Lesungen lernte er Stefan Buchberger und Gabriel Vollmann kennen und gründete mit ihnen den Luftschacht Verlag. Warum Luftschacht? „Luftschacht war der Name ei-
ner Band von Stefan. Sie hatten einen Luftschacht in ihrem Proberaum, und nach dem Auflösen der Band ist der Name übrig geblieben.“ Zu Beginn verkauften die drei Gründer kleine Paperback-Bändchen auf ihren Lesungen. „Sobald es einen Verlag gibt, kommen Interesse und Manuskripe dann von außen.“ Bei Luftschachtgibt es neben Belletristik und Bilderbüchern auch Comics (Graphic Novels). Für den Verleger ist es diese Mischung, die den Verlag ausmacht. „Ich sehe mir gerne Illustrationen an und halte Ausschau nach dem, was nicht so ‚mainstreamig‘ ist. Man weiß, es wird schwer, aber man brennt dafür.“ Die Kinder- und Jugendbücher von Luftschacht werden regelmäßig ausgezeichnet, und einige Bücher aus dem Verlag erhielten bereits den Titel „Schönstes Buch Deutschlands“. Für Jürgen Lagger ist der Au-
Luftschacht Verlag Malzgasse 12 1020 Wien
anzeiger / 29
tor Dennis Cooper, den er als Jugendlicher gelesen hat, eine der größten Errungenschaften des Verlags. An dem Autor schätzt er dessen „harte“ Herangehensweise: „Er verwendet kurze, knappe Sätze, die oft verwirrend sind.“ Sein Lieblingsbuch des Amerikaners trägt den Titel „Mein loser Faden“. „Wenn man beruflich viel liest, wird man irgendwann abgebrüht. Das Buch ist aber richtig verstörend. Man sieht, was Literatur wirklich kann. Ich mag es, wenn Bücher fordernd sind und man sich darauf einlassen muss, um mitzukommen“, erklärt der Verleger. Wenn er nicht liest, gärtnert Jürgen Lagger gerne oder kocht. „Ich kann auch sehr gut nix tun, wenn man mich lässt“, schmunzelt der ehemalige Architekt. Das eigene Schreiben erscheint seit der Verlagsarbeit in einem anderen Licht: „Früher war es einfacher. Wenn man mehr Einblick in die Literaturszene hat, weiß man, dass die Welt nicht auf dein Buch wartet. Man wird realistischer.“ Zurzeit schreibt der Verleger an einem Erzählband, der aber noch etwas dauern wird. „Ich war nie ein Vielschreiber, eine halbe Seite kostet mich bereits Mühe.“ Eine Romanidee hat er auch, „das dauert aber noch länger!“
– HVB-Mitglieder im Porträt – Buchhandlung im Österreichischen Jüdischen Museum Eisenstadt
„Ich bin ruhelos – ich muss immer etwas machen!“
Text: Hannah Jutz Foto: Privat
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ohannes Reiss kennt jedes einzelne Buch in seiner Buchhandlung. Von den über 1.000 Büchern, die in den Regalen stehen, hat er einige selbst geschrieben, die anderen zumindest einmal gelesen. Die Buchhandlung ist Teil des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt, bei dem Johannes Reiss bereits seit dreißig Jahren Geschäftsführer und Direktor ist. Die Buchhandlung ist klein, aber fein. Neben Eigenpublikationen stehen vor allem Bücher in den Regalen, die Hintergrundinfos zur jüdischen Geschichte, Kultur und Religion bieten. Sie sollen nach dem Museumsrundgang die Fragen der Besucherinnen und Besucher über Objekte, Orte oder Hintergründe beant worten. Klein, aber fein ist auch das Museums team: Neben dem Leiter sind derzeit drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt: „Da wir ein kleines Team sind, muss jede und jeder für alle Agenden das nötige Know-how mitbringen. Ich bin Leiter und Geschäftsführer, forsche im wissenschaftlichen Bereich, kuratiere Ausstellungen und betreue Besucher.“ Das Museum ist das älteste der drei jüdischen Museen in Österreich und eines der ersten in Europa, das nach 1945 gegründet wurde. Das Besondere am Standort im Burgenland sind die „living synagogue“, in der auch praktiziert werden kann, und die beiden jüdischen Friedhöfe in unmittelbarer Umgebung des Museums. Es war für ihn ein klarer Weg: Johannes Reiss studierte Judaistik und begann mit einem Ferialjob beim Österreichischen Jüdischen Museum, bereits fünf Jahre später war er Museumsdirektor. Sein Beruf ist seine Leidenschaft. „Man muss bereit sein, viel Arbeit reinzustecken, sonst geht es nicht.“ Neben den alltäglichen Aufgaben im Museum arbeitet Johannes Reiss auch an der Aufarbeitung der Geschichte der Juden in der Region, denn „hier gibt es noch viele weiße
Johannes Reiss Flecken.“ Neue Veröffentlichungen und Erkenntnisse landen in den Regalen der Buchhandlung oder im Internet. Hier betreibt Johannes Reiss den Blog „Koschere Melange“, der mittlerweile über 3.000 Artikel stark ist. „Durch digitale Publikationen entsteht ein Dialog mit Nachfahren und Interessierten,
Österreichisches Jüdisches Museum A-7000 Eisenstadt Unterbergstraße 6 Postfach 67
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das kann man mit Büchern einfach nicht.“ In seiner Freizeit ist der gebürtige Niederösterreicher sehr sportlich und betreibt Kraftdreikampf, auch „Powerlifting“. Im März trat er bei den Europameisterschaften in Györ in Ungarn an und wurde sogar Dritter bei der Kniebeuge, inzwischen trainiert er für die nächsten Meisterschaften in Frankreich. Seit fünf Monaten hält Fili, ein Yorki/ Chihuahua-Mischling aus dem Tierheim, den Museumsdirektor und seine Familie auf Trab. Daneben bereitet Johannes Reiss verschiedene Führungen für das Museum vor. Klingt stressig, für ihn ist es Alltag: „Ich bin ruhelos – ich muss immer etwas machen!“
– HVB-Mitglieder im Porträt – Kral GmbH/Niederösterreich
Robert Ivancich „Nur wenn Leute zusammenhalten, können Dörfer überleben“
G
ut, dass Sie anrufen, ich fahre gerade Auto. Da bin ich immer am besten zu erreichen“, sagt Robert Ivancich lachend. Gerade fährt er von einer Auslieferung zurück in eines seiner Geschäfte. 70.000 Kilometer lege er im Jahr mit seinem Auto zurück, kein Wunder, schließlich führt Ivancich nicht nur vier Buchhandlungen in Berndorf, Mödling, St. Gabriel und in Baden, sondern auch noch einen Verlag. „Viel Freizeit bleibt da kaum.“ Mit einer dreijährigen Buchhandelslehre nach dem Polytechnischen Lehrgang kam Ivancich mit 15 Jahren in die Buchbranche. 1991 kaufte er die Berndorfer Filiale, die heute das Stammhaus für die Buchhandlungen in Baden, Mödling und St. Gabriel ist. Zu den Kernkompetenzen des Stammhauses in Berndorf mit eigener Büroprofiabteilung und einem reichhaltigen Geschenk- und Lederwaren-Sortiment zählt auch eine Schulabteilung. Im ersten Stock findet sich der von Ivancich vor 15 Jahren gegründete Kral Verlag, der sich regionalen niederösterreichischen Titeln verschrieben hat. Sein Credo: Teamgeist zu fördern und die insgesamt 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbstständig arbeiten zu lassen. „Alle meine Buchhändlerinnen und Buchhändler kennen durch ihre Tätigkeit im Geschäft die neuesten Titel und Kundenwünsche besser als ich.“ Als Geschäftsführer müsse er vor allem ein Auge auf den sich stets verändernden Markt und neues Kundenverhalten haben. „Früher waren Buchhändlerinnen und Buchhändler Hüter des Wissens. Heute ist der Kunde dank des Internets oft informierter als wir.“
Text: Elisabeth Stuppnig Foto: Nini Tschavoll
Umso wichtiger sind Ivancich daher „lesende Buchhändlerinnen und Buchhändler“, also Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre persönlichen Erfahrungen weitergeben können. Neben einem guten Service sei es wichtig, dem Kunden ein „Wohlfühlerlebnis“ zu bieten. „Wir versuchen, für jeden Standort eine angepasste Geschäftsstruktur zu entwickeln.“ Je nach Größe und Beschaffenheit oder Lage müsse nicht nur die Mitarbeiteranzahl, sondern auch das Sortiment angepasst werden. „Eine große viereckige Buchhand-
Kral GmbH J.-F.-Kennedy-Platz 2 2560 Berndorf und Filialen in Baden, Maria Enzersdorf und Mödling.
anzeiger / 31
lung wie in St. Gabriel bietet ganz andere Möglichkeiten und Herausforderungen als eine kleine Buchhandlung mit schwierigerem Grundriss wie beim Zweymüller.“ In Berndorf, wo Ivancich auch Post Partner ist, gehe es darum, die hohe Kundenfrequenz zu halten. Im schlechter erschlossenen St. Gabriel müsse man Fläche und Parkplätze vor der Ladentür bieten. In Baden und Mödling, zwei typischen „Boulevardbuchhandlungen“, wie Ivancich sie nennt, müsse man Flaneure schon vor dem Eingang mit Aktionstischen abholen und ins Geschäft locken. Ivancich hat ein Gespür dafür, was Menschen wollen. Er selbst, sagt er stolz, sei ein „alter Vereinsmeier“. Der siebenfache Familienvater ist in einer Sparkasse im Aufsichtsrat tätig sowie Mitglied des Pfarrgemeinderats und der Feuerwehr. „Ich engagiere mich gerne ehrenamtlich. Nur wenn Leute zusammenhalten, können Dörfer überleben.“
– Selbstredend –
Das Denken anderer
Menschen verstehen DIE SCHRIFTSTELLERIN BETTINA BALÀKA BRINGT IN IHREN ROMANEN DIE LEBENSWELT DER MENSCHEN UNTERSCHIEDLICHER EPOCHEN ANS LICHT UND FÜHRT UNS VOR, AUF WELCHEN ERFAHRUNGEN UNSERER VORGÄNGER UNSERE VORSTELLUNGEN BERUHEN Text: Erich Klein Fotos: Christopher Mavrič
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ettina Balàka (Jg. 1966) wurde in Salzburg geboren, studierte Englisch und Italienisch und lebt nach mehreren Auslandsaufenthalten in England und den USA nun in Wien. Sie schreibt Hörspiele und Theaterstücke, Lyrik, Erzählungen und Romane, die auch vielfach ausgezeichnet wurden. Zuletzt erschienen der Essayband „Kaiser, Krieger. Heldinnen. Exkursionen in die Gegenwart der Vergangenheit“ (2018) und jüngst der Roman „Die Tauben von Brünn“ (2019). Frau Balàka, Ihr Name ist ein Pseudonym. Stammen Sie aus Ungarn? Bettina Balàka: Ich spreche leider kein Ungarisch und habe die Geschichte des Namens in „Kaiser, Krieger Heldinnen“ im Kapitel „Warum ich keinen Hofknicks kann“ beschrieben. Es war eine Spielerei, ich wollte das „BB“ haben und begann, unter diesem Namen zu publizieren. Dann musste ich ihn amtlich annehmen, weil die Bank mir Honorare an diesen Namen nicht auszahlen wollte. Es gab auch den Fall, dass ich in ein Hotelzimmer nicht hineinkam, das auf „Balàka“ reserviert war. Woher rührt Ihr Interesse am Ersten Weltkrieg, der in „Eisflüstern“, Ihrem bekanntesten Buch, eine große Rolle spielt? Balàka: Mit zunehmendem Alter begann ich mich selbst als historisches Wesen zu verstehen, als Teil einer Geschichte, die nicht einfach lang vorbei ist. Meine beiden Urgroßväter kämpften im Ersten, die Großväter im Zweiten Weltkrieg, und ich wollte wissen, was mit meinen Vorfahren passiert ist. Das habe ich weder in der Familie noch in der Schule erfahren. Ich wollte wissen, wie man damals gelebt hat, und bin immer weiter zurückgegangen – im letzten Buch
bis ins Biedermeier. Ich glaube ja nicht, dass unsere Gegenwart einfach so da ist. Sie hat sich aus einer Vergangenheit entwickelt. Um die Gegenwart zu verstehen, muss ich die Vergangenheit kennen. Um Österreich, die kleine Alpenrepublik, zu verstehen, ist es interessant zu sehen, was da alles einmal dazugehörte. Sie sind in Salzburg geboren, das erst 1816 zu Österreich kam. Balàka: Ich bin noch mit der Geschichte des Fürsterzbischofs aufgewachsen – die Nähe zu Bayern war wichtiger als die zum südslawischen Raum. Ich bin jetzt nicht mehr sehr oft dort, vielleicht zweimal im Jahr. Es hat sich wahnsinnig verändert. Da es kürzlich zur schönsten Stadt der Welt gewählt wurde, wird ihm wohl endgültig der Garaus gemacht werden. In meiner Schulzeit saßen wir noch im Café Tomaselli und lasen uns gegenseitig Gedichte vor – das war unser Café Herrenhof! Heute wäre das unmöglich, man muss sich um einen Platz extra anstellen. Aber das Panorama, das man vom Zug aus sieht, ist großartig. Es ist ein Privileg, in einer so schönen Stadt, in der sich Architektur und Natur derart glorios vermählen, aufgewachsen zu sein, bevor sie von Touristen überrannt wurde. Wie war die erste Begegnung mit Wien? Balàka: Die fand in einem Buch statt: in „Letzter Glanz der Märchenstadt“ von Otto Friedländer, der das alte Wien beschrieb, das ich nur von Kurzbesuchen kannte. Es faszinierte mich, dass es einmal eine Märchenstadt mit so vielen Nationalitäten gegeben hatte: mit Huzulen und Gagausen, mit Ostjuden und slowakischen Schafhirten. Ich war zehn oder elf, als ich das Buch las, und es
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hat mich unglaublich fasziniert, dass wir einmal eine multikulturelle Gesellschaft waren, auch wenn das natürlich ein wenig verklärt war. Wann haben Sie zu schreiben begonnen? Balàka: Ich habe schon in der Volksschule beschlossen, Schriftstellerin zu werden, und schlug mich, wie man das in diesem Alter macht, mit Gedichten herum. Zur Prosa kam ich relativ spät und ich habe zuerst studiert, wie es mit meinem Vater ausgemacht war. Warum gerade Italienisch und Englisch? Balàka: Weil ich diese Kombination schön fand und die beiden Sprachen einander perfekt ergänzen: Das Englische ist das Nordische, ich bin gerne auf den Inseln und liebe den britischen Humor; gleichzeitig mag ich Italien, die Oper, das gute Essen. Vermutlich wählte ich die Sprachen nur, um möglichst oft reisen zu können. Die andere Hälfte der Welt war damals wegen des Eisernen Vorhangs nicht zu bereisen. Heute ist das anders – meine Tochter hat in der Schule Russisch gelernt. Nach dem Studium habe ich gedacht, ich erzähle jemandem, dass ich schreibe, und der würde mich dann schon auf den Weg bringen. Schließlich wurde mir klar, dass ich selber aktiv werden muss. Ich reichte beim Rauriser Förderungspreis ein und bekam ihn zu meiner großen Überraschung auch. Das war das Schlüsselerlebnis, so kam ich in die Welt der Literatur. Sie schreiben noch immer Lyrik? Balàka: Ja! Ich bekam voriges Jahr den Trakl-Förderungspreis. Die Verlage reißen sich zwar nicht um die Gedichte, aber ich werde das jemand aufdrängen, wenn es so weit ist (lacht). »
„Ich reichte beim Rauriser Förderungspreis ein und bekam ihn zu meiner großen Überraschung auch. Das war das Schlüsselerlebnis“ Bettina Balàka
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Und die lyrische Produktion steht nicht im Gegensatz zur Prosa? Balàka: Keineswegs. Ich kann in Gedichten die Ergebnisse einer Recherche komprimieren und schneller umsetzen. Oft geht es um dieselben Themen, etwa um Vogelarten oder Berufe, die es früher gab und die heute verschwunden sind wie die Bandlkramer. Ich las einmal ein Gedicht über medizinische Versorgung in der Vergangenheit vor und die Zuhörer verstanden sofort, worum es ging. Sie haben als experimentelle Autorin mit sprachreflexiven Texten begonnen – heute setzen Sie auf das Erzählen. Was war der Grund für den Wandel? Balàka: Man lebt nicht losgelöst von seiner literarischen Umgebung. In den 1990erJahren wurde mehr in der Tradition der Sprachreflexion geschrieben. Das hat Spaß gemacht, aber es gibt in der deutschen Sprache nur eine begrenzte Menge von Kalauern, und irgendwann war das erledigt. Außerdem haben sich Journalisten und die Werbung dieser Techniken bedient, wodurch die Sache uninteressant wurde. Ein anderer Grund war der immer wieder erhobene Vorwurf, deutschsprachige Autoren könnten nicht erzählen – das hat mich herausgefordert. Literatur ist für mich Kommunikation, deshalb muss ich mich halbwegs klar ausdrücken.
Ihr Roman „Eisflüstern“ spielt unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit, über die Musil oder Doderer schrieben. Hatten Sie keine Angst vor derartiger Nachbarschaft? Balàka: Mein Ansatz war folgendermaßen: Es macht nur Sinn, wenn ich das Ganze aus der Jetztzeit schreibe und auf Erkenntnisse wie etwa die Kriegstraumaforschung rekurriere, die erst später gewonnen wurden. Ein Wagner-Jauregg oder auch Freud waren überrascht, was da an „Kriegszitterern“ heimkam, und fragten sich, wie sie damit umgehen sollten. Nach dem Vietnamkrieg wurde darüber ziemlich viel geforscht, und dieses Wissen war mein Ausgangspunkt. Außerdem wusste ich ja, wie es später wei-
Welt einiges getan. Zuerst kam die Sklavenbefreiung, dann gab es Demokratisierung – auch in Österreich hatten die Männer zuerst das Wahlrecht, nach vielen Aufs und Abs auch die Frauen. Der nächste Schritt wird sein, dass auch andere Lebewesen, sprich die Tiere, mehr Rechte bekommen. Was war der Grund für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts? Balàka: Dass man den Krieg falsch eingeschätzt hat. Man glaubte aufgrund der technologischen Entwicklung bei Geschützen und Gewehren, alles würde in zwei Wochen vorbei sein. Es war ein „Fehler“, mit solchen Fantasien zu arbeiten, anstatt auf die Realität
„Für mich sind Glaube und Aberglaube eins: irrationale Systeme, mit denen man die Menschen vom politischen Handeln fernhält“
Was war die überraschendste Reaktion? Balàka: Das Schönste, was ich je hörte, war die Bemerkung, jemand habe jetzt einen anderen Blick auf eine Sache, mein Text habe einen neuen Blickwinkel gezeigt. Genau so verstehe ich die Aufgabe eines Schriftstellers, die über das Journalistische hinausgeht: Noch eine weitere Perspektive zu eröffnen. Wenn das gelingt, ist der Text gelungen.
terging. Deshalb habe ich es gewagt, dieses Buch zu schreiben.
Wie wichtig sind Literaturpreise für Autoren? Balàka: Unendlich wichtig! Der Rauriser Preis hat mich in meinen Anfängen motiviert, weiterzumachen. Es gibt hier zwei Faktoren von Bedeutung: Das konkrete Geld, das Schreiben überhaupt erst möglich macht, ohne einem anderen Job nachzugehen. Bis Mitte dreißig war ich mir nicht sicher, ob das eine gute Berufswahl ist, weil es finanziell so katastrophal war. Und dann bedeuten Preise natürlich Anerkennung, man weiß, dass wertgeschätzt wird, was man macht. „Eisflüstern“ wurde durch ein Musil-Stipendium ermöglicht, also ein dreijähriges Stipendium. Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir in Österreich mit Stipendien und Förderungen gesegnet.
Auch Ihr vorletztes Buch „Kaiser, Krieger Heldinnen“ bewegt sich in der Welt um 1900. Eine Ihrer Heldinnen ist die Frauenrechtlerin und Sozialistin Adelheid Popp. Was hat sich in den letzten einhundert Jahren verändert? Balàka: Vor noch wenigen Jahren hat kein Mensch von Adelheid Popp geredet. Sie wurde erst jüngst wiederentdeckt. Ich halte es für wichtig, etwa jungen Frauen aufzuzeigen, dass es die weitgehende Gleichberechtigung von Frauen nicht immer gab. Das Gegenteil war der Fall – es war ein mühsamer Kampf! Junge Frauen sollten wissen, wem sie es zu verdanken haben, dass sie in die Schule gehen, studieren oder selbst einen Beruf wählen dürfen. Was die Gleichberechtigung betrifft, hat sich zumindest in der westlichen
Bettina Balàka
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zu achten. Etwas Ähnliches passierte dann nach dem Ersten Weltkrieg noch einmal: Europa wurde neu geordnet, aber dadurch entstanden neue Probleme. Es waren abermals Fantasien, die ins Unheil führten: Nazitum war ein grandios aufgezogener, quasi religiöser Rausch, in den man sich hineinsteigerte, eine Fantasie von Größe, Herrenrasse und Weltherrschaft. Ist da noch Platz für Helden und Heldinnen – oder macht der Ausdruck keinen Sinn mehr? Balàka: In meinem Erzählband „Auf offenem Meer“ kommen zwei Helden vor: Menschen, denen es gelingt, auf ihre Überzeugung zu bestehen, auch wenn ihre Umgebung behauptet, es sei alles ganz anders. Da ist einmal der russische Genetiker Nikolaj Wawilow, der sich dem sowjetischen System nicht beugte und wie Galilei auf seiner
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Kontinent Kinderbuch Überzeugung bestand. Ich glaube, es ist sehr schwer, sich so furchtbar allein gegen alle anderen zu stellen. Der Zweite ist der Uhrmacher Harrison, der das Längengradproblem löste, obwohl ihm die größten Wissenschaftler seiner Zeit widersprochen hatten. Diese beiden sind für mich Helden – auch wenn es erst rückblickend so leicht ist zu sagen, dass sie recht hatten. Das schließt eine Faszination für das Böse wie die kleine Serienmörderin in Ihrer „Prinzessin von Arborio“ nicht aus … Balàka: Bei der „Prinzessin von Arborio“ fand ich es interessant auszuloten, warum charismatische und narzisstisch gestörte Personen andere so leicht täuschen können. Deshalb habe ich es so gestaltet, dass der Leser ein bisschen auf sie reinfällt. Leider ist es ja nicht so, dass der Böse in der wirklichen Welt immer schwarz gekleidet ist. Die Frage, warum die Leute so gern Krimis lesen, hat mich immer beschäftigt, obwohl das, nüchtern betrachtet, Zeitverschwendung ist. Es ist verwunderlich, dass man sich zur Entspannung mit grausigsten Kapitalverbrechen beschäftigt. Im Krimi ist alles sublimiert. Es geht nicht um wirkliche Grausamkeit, es handelt sich vielmehr um eine Art, mit der Realität umzugehen. Man kann sich mit dem Bösen auseinandersetzen, ohne dass es wehtut. Mit einer Ausnahme: Wenn Kinder betroffen sind, kommt das beim Leser nicht so gut an. Im Fall eines Kriegs weiß man nicht, wo das Gute und wo das Böse ist. Das war auch der Grund, warum ich in „Eisflüstern“ das Krimigenre eingebaut habe: Ich wollte eine Geschichte über die unterschiedliche Bewertung des Tötens und die dabei entstehende moralische Unschärfe entwickeln. Kurioserweise weiß man im Krieg nämlich nicht, ob man selber zu den Guten oder zu den Bösen gehört. Viele sterben, viele töten. Und die, die töten, sind die Helden – all das ist höchst verwirrend, während im Krimi alles klar ist. In Ihrem jüngsten Buch „Die Tauben von Brünn“ gibt es neben dem Betrüger und bösen Kapitalisten Johann Carl von Sothen viele Sagen und traditionelle Legenden aus Wien … Balàka: Diese Sagen und Legenden sind nicht unpolitisch. Der ganze Aberglaube war für die armen Leute wichtig, insbesondere auch die Lotterie. Sie waren der irrigen Meinung, mit irgendwelchem Geheimwissen könnten sie viel gewinnen. Wie heute wurden die Menschen auf diese Weise ruhiggestellt. Im Buch kommt auch die Revolution von 1848 vor, die niedergeschlagen wurde.
Nur der Kriegsminister Latour wurde „laternisiert“. Haben Sie den Ausdruck erfunden? Balàka: Den Ausdruck gab es: Er wurde nach dem Lynchmord an einer Gaslaterne aufgehängt. Das war damals die erste Arbeiterrebellion in größerem Stil – wobei die Arbeiter nicht nur rebellierten, sondern gegen die unverrückbare Ordnung insgesamt aufstanden. Dafür stand die Kirche, die den Menschen erklärte, jeder Mensch sei von Gott an eine bestimmte Stelle gesetzt. Karl Marx sprach nicht zufällig von Religion als Opium für das Volk. Für mich sind Glaube und Aberglaube eins – irrationale Systeme, mit denen man die Menschen vom politischen Handeln fernhält. Der Gegenpol dazu ist die Figur des Johann Carl von Sothen, der auch aus einfachen Verhältnissen kommt, aber Realist ist und sich nicht mit Zaubereien abgibt, um die richtigen Lottozahlen zu finden. Er verlässt sich auf die einzig plausible Methode, um sie zu erfahren – auf den Betrug. Er setzt dafür Brieftauben ein … Balàka: Das ist ein Gerücht. Das Sie literarisch entfalten. Spielen Sie selbst manchmal Lotto? Balàka: Nie! Ich habe im Zuge der Recherche einen Lottoschein ausgefüllt und natürlich verloren. Mir ist klar, dass eher die Lottogesellschaft etwas davon hat als ich. Die Recherche war vermutlich ziemlich aufwendig … Balàka: Alles war sehr aufwendig, auch wenn das Buch dünn ist. Aber wenn man es genau liest, merkt man, wie viel an Recherche dahintersteckt. Mich interessierte, wie der Alltag der Menschen damals aussah. Die, wie ich jetzt weiß, ein „Seidel Wein“ trinken. Balàka: Genau. Gegessen haben sie Krammetsvögel, Wacholderdrosseln, Zieselbraten oder Biber. Was mich an den Brieftauben interessierte, war die Zeit unmittelbar vor der Erfindung des Telegramms, als Nachrichten noch physisch überbracht werden mussten. Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen, weil wir Mitteilungen in Sekundenschnelle über den ganzen Globus schicken können. Die Zeit, in der man eine Nachricht physisch aufschrieb, die dann per Vogel oder Pferd überbracht wurde, faszinierte mich. Erleben wir heute ein Neobiedermeier? Balàka: Das wird oft behauptet – vermutlich stimmt es aber nicht. Es gibt in der westlichen Welt natürlich Tendenzen, »
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Karin Haller Geschäftsführerin des Instituts für Jugendliteratur, www.jugendliteratur.at
Sechsbeinige Detektive Wenn in einer Geschichte die ErmittlerInnen Jahrzehnte jünger sind als die VerbrecherInnen, handelt es sich meist um ein Kinderbuch. Die „Fünf Freunde“ von Enid Blyton oder „Die drei Fragezeichen“ von Robert Arthur, gewissermaßen die Großeltern des zeitgenössischen Kinderkrimis, haben eine bis heute beliebte Gangart vorgegeben: Ein paar Kinder oder Jugendliche mit einander ergänzenden Fähigkeiten lüften Geheimnisse in ihrem Umfeld und legen Dieben und Betrügern das Handwerk. (Ein Mord wird den jungen Lesenden selten zugemutet.) Dass das nicht sehr realistisch ist, spielt keine Rolle. Die Genreliteratur blüht, Detektivgeschichten und Krimis für Kinder bieten serienweise spannenden Lesestoff, Auswahl gibt es mehr als genug. Worauf man dabei achten kann? Mir sind die Figuren besonders wichtig. Wie die Protagonistinnen und Protagonisten dargestellt sind, wie klischeehaft oder eben nicht, ob es einem gendermäßig ein Seufzen entlockt oder eben nicht, wie markant sie einem im Gedächtnis bleiben – das macht neben der Handlung und dem Schauplatz buchstäblich den Charakter eines Krimis aus. Mein Lieblingsermittler heißt übrigens Muldoon und ist eine Wanze. Nachzulesen im gleichnamigen Insektenkrimi von Paul Shipton. Denken Sie also daran: Wenn Sie Schädlinge bekämpfen, vernichten Sie möglicherweise den besten Schnüffler im ganzen Garten.
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sich auf den eigenen Körper zurückzuziehen, wie das beim Gesundheitskult der Fall ist. Im Biedermeier hatten die Menschen wenig Sinn dafür – die Familie wurde in den Mittelpunkt gestellt, nicht das Ich.
Die Tauben von Brünn spielen in einer Umbruchsphase … Balàka: Es gibt unzählige Details der Stadtgeschichte, mit denen ich mich beschäftigt habe. Zum Beispiel mit der Oberflächenversiegelung. Wie viel war eigentlich gepflastert? Wien soll damals regelrecht in einer Staubwolke versunken sein, und man versuchte, den Staub mit Spritzwägen wieder wegzukriegen. Mittlerweile ist Österreich eines der meistversiegelten Länder und man kapiert nun, dass es in Zeiten der Klimakatastrophe nicht mehr so toll ist, wenn alles asphaltiert wird. Das sind Entwicklungen, die im 19. Jahrhundert begonnen haben. Ich sehe zwei Tendenzen: Einerseits begann die Indus trialisierung mit der Ausbeutung von allem und jedem. Das reichte von der Arbeitskraft bis zu den Ressourcen und bis zum Vogelfang, den man in den 1880er-Jahren schon einschränkte, weil keine Singvögel mehr da waren. Und andrerseits beginnen damals die exakten Wissenschaften, die etwa in der Medizin gewaltige Fortschritte machen. Ärzte gingen damals noch von den wildesten Vorstellungen aus, die nur besser formuliert waren als jene der Wunderheilerin. Aderlass war aus heutiger Sicht nicht gerade die beste Idee. Ich hatte schon einige Lesungen mit dem Buch. Wenn ich die Geschichten über den damaligen Aberglauben vorlese, meinen die Zuhörenden: „Es ist ja unglaublich, wie das damals war!“ Ich sage dann: „Ich war vorige Woche auf einem Mittelalterfest, bei dem es eine Hellseherin gab. Die Schlange vor deren Zelt war ziemlich lang.“ Als Autorin halten Sie mehr von Wissenschaft als von sonstigen Welterklärungen – steht das der Erzählerin nicht im Weg? Balàka: Ich hoffe nicht! Ich habe aber immer versucht, nicht belehrend zu wirken, das wäre ja das Schlimmste! Ich bin Schriftstellerin und nicht Sachbuchautorin. Ich will nicht informieren, das Wissen dient mir ausschließlich als Hintergrund. Ich kann das Denken der Menschen einer Zeit besser verstehen, wenn ich weiß, dass sie kein Licht hatten und abends außer Haus Angst vor Geistern hatten. Heute ist alles ausgeleuchtet. Ich habe mich mit der Geschichte des Lichts sicher zwei, drei Wochen lang beschäftigt, doch im Buch spielt das nur an einer einzigen Stelle eine Rolle. Um sich in die Zeit
hineinzudenken, kann man ausprobieren, wie sehr eine Kerze einen Raum tatsächlich ausleuchtet. Solche Details fließen in meine Erzählung ein, die selbst eine Fiktion ist.
Bücher von Bettina Balàka: Eisflüstern. Roman.
Die Schriftsteller der jeweiligen Zeit lesen Sie auch? Oder stört das beim Schreiben? Balàka: Im Gegenteil – in einem wissenschaftlichen Buch findet man selten literarisch verwertbare Dinge, die entnehme ich alten Reiseberichten. Zum Beispiel, welche Geräusche an der Donau zu hören sind: etwa das Klappern der Schiffsmühlen, oder wenn die Sensen gedengelt werden. Im konkreten Fall war das „Sehnsucht nach der Ferne“ von Ernst Moritz Arndt, der um 1800 nach Ungarn reiste.
Droschl 2006/Suhrkamp 2009 Wien 1922. Nach siebenjähriger Kriegsgefangenschaft in Sibirien kommt Balthasar Beck nach Hause und zögert tagelang, zu Frau und Tochter zurückzukehren. Der Kriminalpolizist wird betraut, rätselhafte und bestialische Mordfälle aufzuklären … Auf offenem Meer. Erzählungen. Haymon 2010 Sechs Geschichten auf der Goldwaage des Gefühls – über die Skrupel eines Enkels, das Erbe seiner Nazi-Großmutter, eine „arisier-
Was lesen Sie im Allgemeinen? Balàka: Das ist sehr gemischt – ich lese die Autoren der Zeit, über die ich gerade recherchiere. Im Moment sind das die Feuilletons von Eugenie Schwarzwald. Zwischendurch lese ich die Bücher meiner zeitgenössischen Kollegen, aber ich bin da nicht besonders in Form, um mitreden zu können. In meiner literarischen Frühzeit war Emily Brontë meine Heldin, über deren „Wuthering Heights“ ich auch meine Diplomarbeit geschrieben habe. Es hat mich fasziniert, wie sie lyrische Momente in einen Roman hineinbringt. Ich versuche das auch immer.
te“ Wohnung, anzutreten; über den Streit zwischen Isaac Newton und dem eigensinnigen Uhrmacher – und ein kleines Meisterwerk, die Geschichte des zum Tode verurteilten sowjetischen Genetikers Wawilow aus der Sicht eines Gefängnisdirektors, der nur seine stalinistische Pflicht erfüllt. Die Prinzessin von Arborio. Roman. Haymon 2016 Elisabetta Zorzi, Restaurantbesitzerin, gibt ihrem Lebensgefährten Bernhard bei einer Bergtour einen Schubs und genießt erleichtert die Aussicht. Bei der Gerichtsverhandlung und in Gesprächen der Schwarzen
Und deutschsprachige Autoren? Balàka: Ich wurde mit H. C. Artmann, einem heute unglaublich vergessenen Autor, sozialisiert. Das war einfach Sprachlust! In politischer Hinsicht fiel mir kürzlich beim Durchmustern alter Bücher Solschenizyns „Archipel Gulag“ in die Hände. Wenn ich zuhause bin, fallen mir dann die anderen ein (lacht)! Vor Kurzem las ich Joseph Thomas Sheridan Le Fanu, den irischen Erfinder der Vampirgeschichte, wieder. Er ist genial! Seine erste Vampirgeschichte „Carmilla“ handelt von einem weiblichen lesbischen Vampir und spielt in der Steiermark – das ist einer meiner Lieblingsautoren!
Witwe mit ihrem Kriminalpsychologen wird klar, es gab noch zwei weitere Morde. Kaiser, Krieger, Heldinnen: Exkursionen in die Gegenwart der Vergangenheit. Essays. Haymon 2018 Ein Panorama von 100 Jahren österreichischer Frauengeschichte mit Erzherzogin, Straßenbahnfahrerinnen bis zur ersten österreichischen Pilotin im Jahr 2001. Die Tauben von Brünn. Roman. Zsolnay 2019 Johann Karl von Sothen stiehlt den Lottogewinn des Brieftaubenzüchters Wenzel Hüttler, schwängert dessen Tochter, erpresst
Ihre Lieblingsbuchhandlung? Balàka: Ich wohne in der Alser Straße, da gibt’s die Buchhandlung Riedl, an der ich oft vorbeigehe. Ich kenne diese Auslage seit Jahrzehnten, habe aber immer das Gefühl, sie sei meinem eigenen Kopf entsprungen. Es sind immer sehr exklusive Bücher zu sehen. Diese Auslage ist ein Kunstwerk! Die Buchhandlung „Buch und Boot“ in Altaussee fällt mir ein – es ist wunderschön, wenn man reinkommt, ein richtiger Bücherwahnsinn. «
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diese, heiratet eine andere und kommt durch ein ausgeklügeltes Betrugssystem zu unermesslichem Reichtum; zum Freiherrn geadelt, wird er zu guter Letzt erschossen. Die Sisi-Kapelle am Pfaffenberg erinnert an den meistgehassten Mann seiner Zeit.
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