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FALTER

HEUREKA Das Wissenschaftsmagazin

Neue Plattform: Informatik Austria

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flanzenethik Was Sie immer schon über die Moral von Pflanzen wissen wollten Logik, Safety & Security sowie Visual Computing Die wichtigsten Forschungen auf diesem Gebiet

Cloud Computing & Wirtschaftsinformatik Was in diesen Fachbereichen entwickelt wird

Nr. 3/15

Österreichs Computerwissenschaften liegen im internationalen Spitzenfeld. Jetzt gründen heimische Forschende und Institutionen die Plattform „Informatik Austria“

ILLUS T R AT ION: K AR IN DR EHER / W W W.K AR IN - G R A FIK DE SIGN.COM

Erscheinungsort: Wien P.b.b. 02Z033405 W Verlagspostamt: 1010 Wien laufende Nummer 2506/2015


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Inhalt

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Menschenrechtsforschung Und was Christina Binder dabei macht Die Evolution der Mineralien Ja, sie wurden immer mehr! Pflanzenethik Iss Pflanzen, aber iss sie p.c! Facebook des Mittelalters Venedigs Volk ersteht neu im Netz

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Informatik in Zahlen Der Countdown zum Thema Die ÖCG wird vierzig Die Österreichische Computer Gesellschaft Computerwissenschaft auf Weltniveau Informatik Austria ist eine Premier-League-Truppe Der verlängerte Zukunftsgestaltungsarm Das soll Informatik für uns alle sein

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Computer hören die Musik der Konzerne Künstliche Intelligenz sowie Safety & Security Mit Computeraugen in der Cloud Visual, Cloud und Elastic Computing Informatik: Das Glossar Einige Begriffe rund um Computerwissenschaften Gedicht, HEUREKA-Rätsel, Kommentar Dichterstreit

Gastkommentar

Anfangen

Weltmacht Computer G a b rie l e A n der s t - K o t s i s

i l l u s t r a t i o n : T o n e f i n k ; F o t o : J KU

o lautet der Titel eines Buches, das der österreichische CompuS terpionier Heinz Zemanek 1990 ver-

öffentlicht hat. Darin zeichnet er ein positives Bild eines „Weltreichs der Information“, vertritt aber nicht eine Politik der blinden Technikgläubigkeit, sondern fordert eine kritische Ausein-andersetzung mit neuen Technologien. Wie steht es heute, ein Vierteljahrhundert später, mit dem Bild der Informatik? Beherrschen wir die Informatik, oder beherrscht sie uns? Die Antwort der Wissenschaft ist klar: Die Umsetzung von Forschungsergebnissen der Informatik erleichtert unser Leben in nahezu allen Bereichen. In der Forschung eröffnet sie allen Disziplinen neue Methoden und Anwendungsmöglichkeiten. Sie positioniert sich somit erfolgreich in der Wissenschaftslandschaft, auch mit vielen Beiträgen von Forscherinnen und Forschern aus Österreich. Doch wie ist es um die Außensicht bestellt? Gilt auch in der Öffentlichkeit die Informatik als Problemlöserin? Oder doch eher als die Quelle neuer Probleme? Wir alle nutzen täglich Informations- und Kommunikationstechnologien. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – wird Informatik als Bedrohung, als Werkzeug in den Händen mächtiger Konzerne, als Instrument des Überwachungsstaates oder gar als Waffe, die wir nicht mehr beherrschen, gesehen. Auch ein Küchenmesser kann zur Waffe werden. Würden Sie deshalb auf dessen Gebrauch verzichten? Wohl kaum. Mögliche Gefahren sind im Sinne des Wortes greifbar. Außerdem wissen Sie, wie man mit einem Küchenmesser verantwortungsbewusst umgeht. Unabsichtlich zugefügte kleinere Verletzungen kann man selbst behandeln. Bei gröberen Schnitten sucht man ärztliche Hilfe. Hingegen scheint im Umgang mit neuen Technologien,

also in der Anwendung der Informatik, dieses Wissen oder der Wille zu einem verantwortungsbewussten Umgang oft zu fehlen. In Zusammenarbeit mit dem bmvit und der Österreichischen Computergesellschaft haben wir, die österreichischen Informatik-Institute, Informatik Austria gegründet. Eines der Ziele ist, ganz im Sinne von Zemanek, die Leistungen der Informatik sichtbar zu machen. Gleichzeitig wollen wir zu einer aufgeschlossenen, aber auch kritischen Auseinandersetzung

C hri s t ia n Z i l l n er

mit der Informatik beitragen. Dieses Heft ist eine erste Gelegenheit, uns kennenzulernen – weiter geht’s auf www.informatikaustria.at.

Finkenschlag Handgreifliches von Tone Fink

Gabriele Anderst-Kotsis ist Vizerektorin für Forschung an der Universität Linz

www.tonefink.at

The fucking fucker‘s fucking fucked. Ein Automechaniker soll das zum Autor Anthony Burgess gesagt haben. Ich denke mir das jeden Tag vor dem Computer im Büro. ­Privat nutze ich sowas nicht. Ein Rechner ist eine Arbeitsmaschine, und mein Handy so smart wie ein Stein. Ich bestelle nichts im Internet, ­meine Suchen dort sind so erratisch, dass mir noch nie wer etwas vorgeschlagen hat („Ihre Worte findet man nicht einmal im Internet“, hat sich eine Übersetzerin über meine ­Bücher beschwert). Jeder Shitstorm geht an mir so spurlos vorüber wie das, was im Netz über mich steht, denn ich google mich nicht selbst. Aber ich liebe Maschinen. Und ich bin so stolz auf unsere ComputerwissenschaftlerInnen, dass ich ­ihnen ein ganzes Falter ­Heureka widme. Manche sind mit Fehler­ ausmerzung beschäftigt. Fehler verleiden mir die Maschinen. Die Fehler stammen von ­smarten Menschen – Codern. Sie sind so smart, dass sie gerade ­Programme entwickeln, die sie dann ersetzen werden. Danke, ich freue mich auf Industrie 4.0 und Maschinen, die Maschinen programmieren und bedienen. Denn Maschinen führen nichts im Schilde, als Befehle auszuführen. Wenn sie uns die Hölle auf Erden bereiten sollten, stecken garantiert Menschen dahinter. Fürchtet euch nicht, ­SmartPhoneys! You can beat the system. Just smart-up yourselfie.

Impressum Falter 27a/15 Herausgeber: Armin Thurnher Medieninhaber: Falter Zeitschriften GmbH, Marc-Aurel-Straße 9, 1010 Wien, T: 01/536 60-0, E: service@falter.at, www.falter.at Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H. Redaktion: Christian Zillner Fotoredaktion: Karin Wasner Produktion/Grafik: Reini Hackl Korrektur: Martina Paul Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar.

HEUREKA ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit


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Aus Wissenschaft und Forschung Kopf im Bild Menschenrechte erforschen Internationaler und fächerübergreifender Austausch ist Christina Binder wichtig. Er wird durch die Berta-Karlik-Professur, die ihr von der Uni Wien verliehen wurde, erleichtert, freut sich die stellvertretende Leiterin des Forschungszentrums „Human Rights“. „Menschenrechte lassen sich nur mit einem interdisziplinären Ansatz umfassend erforschen“, sagt die Völkerrechtlerin. „Neben den Rechtswissenschaften sind auch Methoden der Soziologie, Rechtsanthropologie oder Politikwissenschaften nötig.“ Etwa um einen sinnvollen Rahmen zum Schutz der Rechte indigener Völker zu entwickeln, oder Wahlprozesse umfassend beurteilen zu können. Beides zählt zu den Forschungsschwerpunkten Binders, die u. a. in Ecuador, Usbekistan und Ruanda als Wahlbeobachterin tätig war. Aktuell befasst sie sich mit der Rechtsprechung regionaler Menschenrechtsgerichtshöfe in Europa, dem amerikanischen Raum und Afrika. „In finanziellen Krisenzeiten ist die Bestimmung von Minimalstandards, die von den Staaten nicht unterschritten werden dürfen, besonders relevant.“ T e x t : uschi s o r z F o t o : K arin W asner

U schi S o r z

n einem disziplinenübergreifenden Iuntersuchen DOC-team-Projekt an der Uni Wien diese drei, wie Werte in die Praxis umgesetzt werden. Deniz Seebacher, 31

„Corporate Social Responsibility (CSR), sprich unternehmerische soziale Verantwortung, ist ein interessantes zeitgeistiges Phänomen“, sagt Deniz Seebacher. „Aber welches Weltbild schafft man damit und was bedeutet es, sozial zu agieren?“ Nach dem Ethnologieund Publizistikstudium und Tätigkeiten in der internationalen Wirtschaftsberatung erforscht sie nun mit ethnografischen Methoden CSR-Praktiken in der Türkei. „Hier bewegt sich sehr

viel, daher kann man die Ausverhandlungen von sozialen Werten gut verfolgen.“ Seebacher baut auf organisations- und wirtschaftsanthropologischen Arbeiten auf. „Mir geht’s ums Grundverständnis“, erklärt sie. „Oft wird CSR kritisiert oder hochgejubelt, aber es ist gar nicht so klar, was CSR-Beauftragte eigentlich machen.“ Andreas Streinzer, 30

Schon im Studium kam der Kultur- und Sozialanthropologe durch die Mitarbeit in humanitären Organisationen mit der Lebenswirklichkeit armer Menschen und ihren Überlebensstrategien in Berührung. „Ich wollte mich auch theoretisch damit auseinandersetzen“, so Streinzer. Sein Engagement

und das Verfolgen der EUVerhandlungen mit Griechenland führten schließlich zu seinem Dissertationsthema, mit dem er das Zusammenspiel von Wertvorstellungen und Wirtschaftspraktiken in einer realen Krisensituation ins DOC-team einbringt. Zentral steht der Umgang griechischer Haushalte mit einer Alternativwährung. „Bei einer so drastischen Einkommensreduk­tion wie dort stellt sich die Frage, welche Beschaffungsarten es außerhalb der staatlichen oder marktbasierten gibt. Wie etwa Familien­netzwerke, Selbstorganisation oder Eigenanbau.“ Barbara Stefan, 33

Von ihrer Tätigkeit bei den Vereinten Nationen kehrte Barbara Stefan

enttäuscht zurück. „Die Kompetivität war sehr hoch“, erzählt sie. „Und das in einem Bereich, der sich ein gutes Leben für alle zum Ziel setzt.“ Zurück in Wien, hängte die Politikwissenschafterin ein Kultur- und Sozialanthropologiestudium an und begann sich politisch zu engagieren. „Das Interesse am Transformationspotenzial sozialer Bewegungen hat mich zurück in die Wissenschaft gebracht.“ Diese sei zwar ebenfalls wettbewerbsorientiert, aber die Arbeit im DOC-team ermögliche es ihr, sich mit dem Thema ihrer Leidenschaft auseinanderzusetzen. „Ich untersuche, was soziale Bewegungen in Österreich ausmacht, wie sie agieren, welche Rolle Werte dabei spielen und in welche Widersprüche sie sich verwickeln.“

Fotos: privat

JungforscherInnen


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Aus Wissenschaft und Forschung Pharmazie

Mathematik

Geologie

Computermodelle für ein Frühwarnsystem bei gefährlichen chemischen Umweltgiften

Dictionary Learning: Lernalgorithmen für hochdimensionale Daten und ihre raschere Bearbeitung

Die Evolution der Minerale: Von einer Handvoll im Sonnensystem zu rund 5.000 Varianten

Uschi Sorz

Uschi Sorz

Jochen Stadler

Freistetters Freibrief

an kann ihnen kaum ausweiictionary Learning kann man sich an kennt Evolution von LebeweM chen: Synthetisch erzeugte Stof- D wie eine Maschine vorstellen, in M sen, aber ähnliche Veränderunfe finden sich im Alltag überall, ob in die man viele Beispiele einer Daten- gen gibt es auch im unbelebten MinePutzmitteln, Kosmetika, Plastik, Kleidung oder im Essen. Sie hinterlassen nachweislich Spuren in unserem Körper. Wie stark sie sich auf den Hormonhaushalt, das Immunsystem oder Herz und Kreislauf auswirken, wird im Rahmen des REACH-Programms der EU und des US-National-ToxicityProgramms systematisch untersucht. Die Zahl der potenziell gefährlichen Stoffe ist groß. Einen wichtigen Beitrag dazu, ihre Relevanz abzuklären, liefert Daniela Schuster vom Institut für Pharmazie der Uni Innsbruck. In einem FWF-Projekt entwickelt sie eine computerbasierte ScreeningPlattform, die gefährliche, aber auch harmlose Stoffe identifizieren kann. „Computerbasierte Vorhersagen über mögliche Gefahren von Chemikali-

F o tos: pr i vat, a n dr e a s fr i e dle , N H W/K r ac h e r , pr i vat

„Parabene hemmen den Östrogenabbau. So können Tumore begünstigt werden.“ Daniela Schuster, Universität Innsbruck

en sind für weitere Austestungen im Labor oder am Menschen außerordentlich wertvoll“, sagt die Grundlagenforscherin. „Dadurch können wir abschätzen, welche Stoffe am ehesten eine biologische Wirkung zeigen und diese in der Testung vorziehen.“ Zudem nahm die Gruppe um Schuster bisher kaum untersuchte, für die Hormonproduktion verantwortliche Enzyme unter die Lupe. „Es zeigte sich, dass Parabene den Östrogenabbau hemmen. Das bedeutet, es könnten östrogenabhängige Tumore in ihrer Entwicklung begünstigt werden.“ Parabene werden oft zur Konservierung in Kosmetika oder Nahrungsmitteln eingesetzt. Weiters entdeckten die ­Innsbrucker Wissenschafter Vertreter von Vanillinderivaten, die den Östrogenspiegel erhöhen können. Diese finden sich beispielsweise als Geschmacksstoffe in Kaugummis. Auch einige Lebensmittelfarben hätten das ­Potenzial, den Östrogenspiegel zu beeinflussen, so Schuster.

klasse hineinsteckt und die dann einen geeigneten Bausteinsatz für die ganze Datenklasse ausspuckt“, sagt ­Karin Schnass, Post-Doc an der Fakultät für Mathematik der Uni Innsbruck. In ihrem gerade angelaufenen START-Projekt „Optimierung, Modelle & Algorithmen für Dictionary Learning“ untersucht sie, wie man mit gigantischen Datenmengen umgehen kann. Ob es 300 Millionen hochgeladener Facebook-Fotos pro Tag sind oder 800 GB pro Sekunde, die der Teilchenbeschleuniger am CERN aufzeichnet – die Datenmengen auf der Welt steigen unablässig. Eine vielversprechende Strategie basiert auf der geringen Komplexität sogar hochdimensionaler Daten, sobald diese in einem geeigneten Repräsentationssystem (Dictionary) dargestellt werden. „Ich kann etwa Datensätze wie Bilder haben“, erklärt Schnass. „Die Unterklassen davon sind Bilder von ausgewählten Details, also entweder nur von Gesichtern, oder nur von Bäumen etc.“ Je weniger Bausteine man pro Bild aus dem Dictionary braucht, desto leichter kann man die Bilder entrauschen bzw. sie überhaupt aufnehmen. „Ich brauche dann nicht von jedem den Pixelwert erfragen, sondern es genügen vergleichsweise wenige Durchschnittsmessungen. Dafür habe ich etwas „Grundlagenfoschung erbringt durchaus nützliche ­Nebenprodukte“ Karin Schnass, Universität Innsbruck

mehr Aufwand beim Rückrechnen.“ Ein Beispiel sei etwa, wenn ein Patient beim MRT weniger lange in der Maschine liegen müsse und der Computer im Nebenzimmer länger rechne. „Grundlagenforschung erbringt durchaus nützliche Nebenprodukte“, schmunzelt die 35-jährige Klosterneuburgerin. Aber Mathematik sei ja nicht nur für die Technik wichtig, sondern auch die Kunst: „Einfach wunderschön.“

ralreich“, erklärt Christian Köberl vom Naturhistorischen Museum Wien. Als das Sonnensystem entstand, gab es nur eine Handvoll Minerale. Heute sind es auf der Erde ungefähr 5.000. Über die Äonen trieben neue geologische Prozesse ihre Evolution voran und brachten der Erde eine beispiellose Vielfalt. „Auch unbelebte Minerale haben so etwas wie eine Evolutionsgeschichte durchgemacht“ Christian Koeberl, NHM Wien

Auf unserem Planeten gibt es viel mehr Minerale als irgendwo anders im Sonnensystem. Grund dafür ist das Leben, dem mehr als die Hälfte der Minerale ihre Existenz verdanken sowie stetige Änderungen der Umweltbedingungen auf der Erde, schreibt der „Entdecker“ der Mineral-Evolution, Robert Hazen vom Carnegie Institute in Washington im Scientific American. Er präsentierte seine Arbeiten kürzlich an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Hazen kritisiert, dass die Wissenschaft Minerale jahrhundertelang als wertvolle Objekte mit interessanten Eigenschaften betrachtet hat, aber seltsamerweise keinen Bezug zur jeweiligen Entstehungszeit herstellte. Gemeinsam mit Kollegen verwendet er die Erdgeschichte nun als Rahmen, um die Minerale und ihre Entwicklungsprozesse besser zu verstehen. So fand er eine Entwicklungslinie von den ersten Mineralen, die vermutlich mikroskopisch kleine Diamanten waren und in den Gashüllen der ersten Supernovas entstanden, über solche, die bei der Planetenbildung, bei Kollisionen von Himmelskörpern und durch das Schmelzen und Wiedererstarren der Erdkruste gebildet wurden, bis zu jenen, die durch die Aktivitäten von Lebewesen geformt wurden. Diese brachten zu den damals vermutlich 1.500 vorhandenen Mineralen „in einem geologischen Augenblick“ weitere 2.500 neue Minerale.

Konferenzen Florian Freistetter

itte Juli werden sich in der WieM ner Hofburg mehr als eintausend Mitglieder der Gesellschaft für Mole-

kularbiologie und Evolution zu ihrem Jahrestreffen versammeln. Kurz danach werden an der Uni Wien fast ebenso viele Wissenschafter zur Konferenz der Europäischen Physikalischen Gesellschaft über Hochenergiephysik erwartet. In der Hauptstadt gibt es fast ständig wissenschaftliche Konferenzen. Auch im Rest der Welt treffen sich Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen, um sich gegenseitig ihre neuesten Arbeiten vorzustellen. Ist das wirklich notwendig? Nutzt es der Forschung wirklich, wenn sich die Wissenschafter in Vortragssäle drängen, um dort einen Vortrag nach dem anderen zu hören (von denen viele oft erstaunlich schlecht vorbereitet und vorgetragen werden)? Die neuen Facharbeiten der internationalen Kollegen lassen sich mittlerweile alle auch online beziehen. Wissenschaftliche Diskussionen und Planungsgespräche können per E-Mail oder Videokonferenz geführt werden, ohne dafür bis zu 620 Euro Tagungsgebühr bezahlen zu müssen, wie es bei der SMBE-Konferenz der Fall ist. Nein, wenn es nur um den rein fachlichen Austausch gehen würde. Die Treffen sind aber aus anderen Gründen weiterhin unerlässlich. Das Klischeebild des einsam in seinem Labor arbeitenden Forschers hat nichts mit der Realität zu tun. Vor allem die Naturwissenschaft funktioniert fast nur noch im Team. Ohne Kreativität gibt es keinen Fortschritt, und der persönliche Kontakt kann in kurzer Zeit mehr erreichen als jahrelange Kommunikation per E-Mail. Fragt man Wissenschafter, wovon sie bei einem Konferenzbesuch am meisten profitieren, sind es meist nicht die Vorträge, sondern die Veranstaltungen des Rahmenprogramms, bei denen man gemeinsam einen Ausflug macht, in ein Restaurant geht oder in der Hotelbar sitzt. Bei diesen ungezwungenen und inoffiziellen Gesprächen werden die Grundlagen für die nächsten Forschungsprojekte gelegt. Das ist die Kür – und die Vorträge untertags nur die (oft langweilige) Pflicht. Braucht es also Konferenzen? Ja, weil sie den persönlichen Kontakt vereinfachen. Auf das Vortragsprogramm könnte man aber ruhig verzichten. Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simple


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Aus Wissenschaft und Forschung Pflanzenethik

Zoologie

Brief aus Brüssel

Pflanzen bitte p.c. nutzen!

Schneckenembryos verfügen über effiziente Abwehr­ mechanismen gegen Umweltstress

Emily Walton

Sonja Burger

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ie verhält man sich dem Bärlauch gegenüber? Wer hat sich schon einmal ernsthaft überlegt, ob Flieder oder Bärlauch genauso einen Anspruch darauf haben, dass man sich ihnen gegenüber ethisch korrekt verhält? Allein schon diese Überlegung verdeutlicht, wie schwierig das Thema ist. Auf wissenschaftlicher Ebene setzt sich damit die Pflanzenethik, ein junges Teilgebiet der Umweltethik, auseinander. Moralische Fragen, etwa zu Nutzung und Umgang mit Zier-, Wildoder Nutzpflanzen, bilden dabei den Schwerpunkt. Denn trotz der Unterschiede zwischen Mensch, Tier und Pflanze verbindet alle ihr Streben nach Leben. In der biozentrischen Ethik, einem ethischen Modell, zu dem Albert Schweitzer zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Basis legte, besitzen auch Pflanzen einen Eigenwert. Darüber gehen zwar nach wie vor die Meinungen auseinander, doch technologische Entwicklungen wie etwa der Einsatz von Nanotechnologie in der Landwirtschaft bringen Natur-, Geistes- und Rechtswissenschaften nun an einen Tisch.

Pflanzenschutzmittel auf Basis von Nanotechnologie Ein Beispiel sind Pflanzenschutzmittel auf Basis von Nanotechnologie. Ob Chancen oder Risiken überwiegen, ist derzeit noch offen. Ein zentraler Punkt

Wie verhält man sich vor Bärlauch?

in Hinblick auf Pflanzen ist dabei die Frage nach der Schädigung. Wie Umweltwissenschafter Thilo Hofmann, Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geografie und Astronomie sowie Leiter des Forschungsverbundes Umwelt der Universität Wien betont, lasse sich eine Frage wie diese nicht aus dem Blickwinkel einer einzigen Disziplin beantworten. „Den Einsatz von Nanopartikeln in der Landwirschaft muss man sich ansehen“ Thilo Hofmann, Universität Wien

„Kommen solche Produkte zum Einsatz, wäre dies der erste flächendeckende Einsatz von Nanopartikeln in der Umwelt. Das muss man sich ethisch, naturwissenschaftlich und rechtlich genau ansehen.“ In der neuen interdisziplinären Forschungsplattform „Nano-NormsNature“ bringt Hofmann die naturwissenschaftliche Perspektive ein. Um die Schädigung zu ermessen, ist dies aber nicht genug. Geleitet wird die Forschungsplattform von Angela Kallhoff. Die Professorin für angewandte Ethik am Institut für Philosophie der Universität Wien übernimmt dabei den Part der Umweltethik.

Haben Pflanzen moralische Eigenschaften? „Da Pflanzen keine moralanalogen Eigenschaften wie ein Bewusstsein oder Leidensfähigkeit zugeschrieben werden, funktionieren Argumente für eine Ausweitung der Ethik leider nicht“, erklärt Kallhoff. Für die Entwicklung von Normen und einer „wissensbasierten Ethik an der Schnittstelle Nanotechnologie und Natur ist das daher eine zentrale Herausforderung.“ Da die Forschungsplattform erst am Anfang steht, ist noch relativ offen, mit welcher thematischen Bandbreite sich die Experten befassen werden. Primär geht es bei der Forschung zu Normen im Umgang mit Pflanzen jedenfalls um die Suche nach neuen Wegen der Argumentation, wobei moderne Anwendungen in der Agrarindustrie von Anfang an mitberücksichtigt werden. Einer ethisch korrekten Nutzung könnte man damit einen großen Schritt näher kommen.

Uschi Sorz

eichtiere, zu denen Schnecken W zählen, sind, anders als ihr Name vermuten lässt, hart im Neh-

men. „Bereits Embryonen von Weinbergschnecken produzieren vom ersten Tag ihrer Entwicklung an Schutzproteine, um etwa das extrem toxische Metall Cadmium zu entgiften“, sagt Reinhard Dallinger, Professor für Ökotoxikologie am Institut für Zoologie der Universität Innsbruck. War die ungewöhnlich große Entgiftungskapazität und Toleranz gegenüber Umweltfaktoren ausgewachsener Tiere bereits bekannt, so sind Nachweise in sehr frühen Entwicklungsstadien äußerst schwierig. Schließlich sind Schneckeneier – die Hauptdarsteller von Dallingers Beobachtungen – nur wenige hundertstel Millimeter groß. Im Experiment setzte sein Team frisch gelegte Eier der beiden Weinbergschneckenarten Helix pomatia und Cantareus aspersus hohen Cadmiumkonzentrationen aus. „Angesichts des Klimawandels und den zunehmenden Belastungen der Ökosysteme ist es von grundlegender „Es ist wichtig zu wissen, wie sich Lebenwesen gegen Umnweltstress wehren“ Reinhard Dallinger, Uni Innsbruck

Bedeutung, besser verstehen zu lernen, wie sich diese Lebewesen bereits in einem frühen Stadium gegen Umweltstress zu wehren wissen“, so Dallinger. Die aktuellen Ergebnisse der Innsbrucker, jüngst publiziert im Fachjournal PLOS ONE, könnten zur Entwicklung neuartiger Biomarker nützlich sein und dazu beitragen, schadstoffgefährdete Habitate besser zu schützen. Auch für die Weiterentwicklung metallspezifischer Biosensoren im Boden könnten sie wichtig sein. Laut der Studie binden und entgiften bereits Schneckenembryonen Cadmium durch körpereigene Eiweißstoffe, sogenannte Metallothioneine. Im Lauf ihrer Entwicklung produzieren sie verstärkt genetische Varianten und können so immer besser mit Metallbelastungen umgehen. Der Schlüssel dieser Fähigkeiten liegt in der evolutionären Anpassung.

den Damen und Herren Kommissaren bei ihren Reden zu, so kann man derzeit immer wieder den Eindruck bekommen, es stünde uns eine schöne, neue Online-Welt bevor: Nicht nur, dass wir alle bald wirklich grenzenlos im Netz einkaufen können sollen und das lästige Geoblocking („Dieser Inhalt ist in Ihrem Land leider nicht verfügbar“) der Vergangenheit angehören soll. Nein, die Kommission hält bei rascher und ordentlicher Vollendung des digitalen Binnenmarkts auch ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von ganzen 415 Milliarden Euro für möglich. Klingt gut – bis man kurz daran denkt, wie schnell sich die OnlineWelt in den letzten Jahren verändert hat und wie lange es für gewöhnlich dauert, ein großes Projekt auf EUEbene zu vollenden. Man muss auch gar nicht zur reflexartigen Brüssel-ist-so-bürokratisch-Litanei neigen, um ernsthafte Bedenken zu haben. Es reicht ein Blick auf ein verwandtes Thema: das Urheberrecht. Die aktuelle – wenn man den Begriff hier überhaupt noch verwenden darf – EU-Richtlinie zum Urheberrecht stammt aus dem Jahr 2001. (Um einzuordnen, wie lange das her ist: Facebook und Twitter waren damals längst noch nicht gegründet, das iPhone war nicht mehr als eine futuristische Träumerei.) Mit dem digitalen Alltag, den viele von uns heute leben, hat sie nicht mehr viel zu tun. Ein praktisches Beispiel, wieso eine Reform längst überfällig ist: Ob und wie man Gebäude fotografieren darf, ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Ein Urlaubsfoto von einer bestimmten Sehenswürdigkeit zu verbreiten, kann in einem EUStaat erlaubt sein, in einem anderen verboten. Für die Möglichkeit, es binnen Sekunden per Smartphone über die sozialen Netzwerke mit aller Welt zu teilen, ist das Recht schlicht nicht gerüstet. Jetzt wird in Brüssel an einem Update für das Urheberrecht gearbeitet. Man darf davon ausgehen, dass es am ersten Tag seiner Gültigkeit schon wieder teilweise veraltet sein wird. Für den digitalen Binnenmarkt gilt dies ebenso – von den verheißungsvollen Reden bis zur Umsetzung in der Realität wird noch einige Zeit vergehen, in der das Internet mutmaßlich nicht auf die europäische Bürokratie warten wird. Kommissionschef Juncker selbst verwendet übrigens ein Nokia, das ungefähr so alt sein dürfte wie die Urheberrechts-Richtlinie.

F o tos: N o r b e r t Nag e l , M ö r fe ld en -Wa lld o r f/G e r m a n y, pr i vat, c h r i s t in e b i t s c h e

Mit der Nanotechnologie in der Landwirtschaft treten Fragen auf, mit denen sich die wissenschaftliche Pflanzenethik befasst

ie Juncker-Kommission hat den D digitalen Binnenmarkt zu einem ihrer Großprojekte erklärt. Hört man


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Aus Wissenschaft und Forschung Geisteswissenschaften

Ein Facebook des Mittelalters Mehr als 1.000 Jahre, 80 Kilometer Steuerlisten, Sterbeurkunden und andere Quellen, dazu tausende Monografien im Netz Sabine Edith Braun

A

n der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) entsteht der größte Datensatz venezianischer Dokumente. Man könnte es das Facebook des Mittelalters nennen: Das „Venice Time Machine Project“ (VTMP) will die Seerepublik Venedig mehrdimensional wiederauferstehen lassen. Gründungsvater des Projekts ist Frédéric Kaplan. Er dissertierte über Künstliche Intelligenz und hält in Lausanne einen Lehrstuhl für Digital Humanities. „Es gibt zurzeit zwei Gruppen in der akademischen Welt: Für die einen sind Digital Humanities ein transdisziplinäres Ding, das nach einer Weile wieder verschwinden wird, für die anderen ist es eine Disziplin für sich, mit eigenen Untersuchungsgegenständen und einer eigenen Methodologie.“ Kaplan zählt sich zu Letzteren. Die Digitalisierung ist für ihn eine Möglichkeit, verlorene Informationsdichte wiederherzustellen.

Wichtigster Partner Kaplans ist das „Archivio di Stato“ in Venedig. Bei Recherchearbeiten in dem für die Öffentlichkeit unzugänglichen Archiv sei ihm 2012 die Idee zur venezianischen ­Zeitmaschine gekommen. Durch die Grenzen überschreiten Bei einer Konferenz des Internationalen Zentrums für Archivforschung ICARUS in Prag standen die Beziehungen von Archiven untereinander sowie mit Nutzern im Fokus. Mehr als 40 Redner stellten internationale Digitalisierungsprojekte vor. „Wir waren in den vergangenen Jahren vor allem damit befasst, Institutionen zusammenzubringen. Jetzt geht es darum, die Nutzer-Community ins Archiv hineinzuholen“, so ICARUS-Präsident Thomas Aigner. Dazu dienen das EU-Projekt co:op mit 17 internationalen Projektpartnern und der Verein ICARUS4all. coop-project.eu icar-us.eu/icarus4all

Indexierung der dort befindlichen Dokumente soll ein dichtes biografisches Netzwerk entstehen – ein soziales Netzwerk der Vergangenheit: Wer war mit wem befreundet oder verfeindet, welche Stammbäume lassen sich zeichnen, wer ist von A nach B gezogen? Man könne außerdem Briefe miteinander vergleichen, indem ähnliche oder gleiche Wörter in Bezug zueinander gesetzt werden. Das sei der wahre Wert der Dokumente: die Möglichkeit, Querverweise durch riesige Datenmengen zu ziehen. Was hier entsteht, ist ein „Big Data“ der Vergangenheit. Die Digitalisierung der Quellen erfolgt mittels zweier halbautomatischer Scanner, die bis zu 1.000 Seiten in der Stunde schaffen. Außerdem wird Venedig nun in 3D abgefilmt, und zwar mittels eines elektrischen Dreirads samt Kamera. Eine einzige Person ist dafür zuständig. „Das ist ein bisschen wie das Google-Auto“, sagt Frédéric

Kaplan, „unser Digitalisierungsagent ist sehr stolz auf diesen Job“. So soll die Entwicklung des Stadtstaats Venedig nachvollziehbar gemacht werden. Dabei treten auch Unschärfen zutage, denn geschönt und geschummelt wurde schon damals. So habe der Maler Canaletto der englischen Touristen wegen, die gerne nach Venedig kamen, den Canal Grande immer größer gemalt, als er eigentlich gewesen sei – ebenso das Arsenal auf Stadtplänen. Für Kaplan ist der Digitalisierungsund Vermessungsprozess selbst wichtiger als das Ergebnis. Digitale Sammlungen müssen alle fünf Jahre wiederkodiert werden, andernfalls verlieren sich die Daten. „Wir müssen uns von der Idee verabschieden, Objekte bewahren zu wollen. Wenn Objekte ausschließlich dazu sind, um aufbewahrt zu werden, sterben sie.“ vtm.epfl.ch www.archiviodistato.firenze.it

Crowdsourcing: Die Masse macht’s möglich! Die Digitalisierung von Quellen ermöglicht Laien die freiwillige Mitarbeit bei der Beschlagwortung und Indexierung Sabine Edith Braun

D

as kann ganz schön süchtig machen“, fasst Előd Biszak die Hauptgründe für erfolgreiches Crowdsourcing, also die Mithilfe von interessierten Laien bei wissenschaftlichen Fragestellungen, zusammen. Biszak, der eigentlich Mathematiker ist, betreibt gemeinsam mit seinem Vater ein Unternehmen zur Digitalisierung von historischem Quellenmaterial. Eines der Projekte, an dem weltweit mitgearbeitet werden kann, ist die Sammlung von historischen Postkarten. Auf der Internetplattform Hungaricana können 300.000 Postkarten – Bestände aus fünf Museen – eingesehen werden. Die Postkarten sollen beschrieben und auf der Landkarte platziert werden. Genau dafür ist die Mitarbeit der Masse gefragt. Denn die digitale Verfügbarmachung der Quelle allein ist zu wenig: Wo genau wurde ein Foto aufgenommen? Was ist das für ein Monument auf der Karte, das heute nicht mehr existiert? Wer kennt dieses Haus, das heute nicht

mehr steht? Und warum steht es nicht mehr? „Wir möchten die auf den Karten gezeigte Vergangenheit rekonstruieren“, sagt Biszak. Doch für die Beschlagwortung und Indexierung der Digitalisate fehlen vielen Archiven oder Museen die personellen Ressourcen – ebenso das Detailwissen. Dieses stellt Crowdsourcing bereit. „Jeder kennt seine eigene Stadt besser als jeder Historiker oder Geograf “, erklärt Előd Biszak. Auf der Postkarten-Website herrscht ein regelrechter Beschlagwortungswettbewerb. Gutscheine im Wert von 25.000 bzw. 10.000 Forint (80 bzw. 33 Euro) werden jeden Monat für die drei aktivsten Nutzer vergeben. Von denen kennt Biszak meist nur Mailadressen. Obwohl sie sehr präzise arbeiten, passieren Fehler. Die zeitaufwendige Qualitätskontrolle ist daher die am häufigsten genannte Schwachstelle beim Crowdsourcing. Gunilla Nordström und Maria Larsson Östergren vom Schwedischen Nationalarchiv nennen weitere Punkte: Gewerkschaften kritisieren, dass es

sich um keine reguläre Arbeit handelt, vielmehr werde hier mit Freiwilligenarbeit Geld gemacht. Auch sei das Copyright unklar: Wer ist der Inhaber der so produzierten Inhalte? Neben der Entlastung für die Archive bietet Crowdsourcing weitere Vorteile: Ältere Menschen können

sich geistig fit halten, Crowdsourcing kann aber auch als soziales Projekt gesehen werden: So können Menschen nach einem Burnout durch die häppchenweise Tätigkeit wieder ins geregelte Arbeitsleben zurückfinden. http://postcards.hungaricana.hu/en

Unsere Studierenden geben uns die Note 1!


Titel 8

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Informatik Austria

Der Countdown zum Thema Helmut Veith

870.000.000.000.000.000.000 Bytes oder 870 Exabyte umfasst die ­Datenmenge, die im Jahr 2015 im Internet übertragen wird.

8.966 Fälle von Cybercrime wurden 2014 am Bundeskriminalamt zur

5.000.000.000.000.000.000 Bytes oder fünf Exabyte an Daten werden alle zwei Tage von den Menschen generiert. Das ist die gleiche Datenmenge, die seit Beginn der Menschheit bis zum Jahr 2003 generiert wurde.

2.100 Teilnehmer kamen 2014 zum Vienna Summer of Logic, der bisher

4.000.000.000.000.000.000 Bytes oder vier Exabyte an Speicher-

platz werden benötigt, um die Erdoberfläche millimetergenau darzustellen.

166.000.000.000.000.000 Bytes oder 166 Petabyte war das ­Datenaufkommen im österreichischen Mobilfunknetz 2014.

33.860.000.000.000.000 FLOPS (Gleitkomma-Operationen pro

­Sekunde) oder 33,86 Petaflops erreicht der schnellste Superrechner der Welt.

600.000.000.000.000 FLOPS oder 600 Teraflops beträgt die ­Rechenleistung des schnellsten österreichischen Supercomputers. 3.737.000.000.000 US-Dollar waren die weltweiten Ausgaben für IT im Jahr 2014.

1,200.000.000.000 Suchanfragen beantwortet Google jährlich. 1.400.000.000 aktive Nutzer hat Facebook nach eigenen Angaben. 1.000.000.000 lautet der Faktor der Leistungssteigerung zwischen den EDV-Systemen der letzten 48 Jahre in Österreich, von IBM 7040 bis zum

­heutigen Hochleistungsrechner des Vienna Scientific Clusters.

­A nzeige gebracht.

größten Logikkonferenz der Geschichte.

1969 wurde das erste Informatikstudium in Österreich eingerichtet. 1.296 Absolventen und Absolventinnen von Informatikstudien gab es an österreichischen ­Universitäten im Wintersemester 2013/14. 500 Kilometer lang ist der Quellcode eines Betriebssystems in ­ausgedruckter Form. 200 Milligramm CO2-Äquivalent ist der Beitrag einer Google-Suche zur globalen Erwärmung. 130 mal passt der Bildschirm eines Commodore 64 in den Bildschirm eines modernen Laptops.

100 Mikroprozessoren enthält ein modernes Auto. 98 Prozent der 16- bis 24jährigen ÖsterreicherInnen nutzen das Internet. 94 Jahre hat Heinz Zemanek, der wichtigste österreichische ­Computerpionier, gelebt. 83 Informatik-Studiengänge werden an österreichischen Universitäten angeboten.

2.500.000 Euro umfasst die Dotierung des Advanced Grant des European 83 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen nutzen einen Computer. ­Research Councils. Vier österreichische Informatiker und Informatikerinnen 81 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen nutzen das Internet. haben ihn bisher eingeworben.

1.200.000 Euro ist der START-Preis wert. Diesen höchstdotierten

­ sterreichischen Preis für Nachwuchsforschung erhielten bisher zwölf Inforö matiker und Informatikerinnen.

350.000 Personen verfügen in Österreich über einen Europäischen Computerführerschein.

256.000 Bytes oder 256 Kilobytes umfasste der maximale Speicher der

53 Prozent der österreichischen Schulen bieten in der Unterstufe ­verpflichtenden Informatikunterricht im Rahmen der Schulautonomie an. 40 Jahre alt ist die Österreichische Computergesellschaft. 25 Jahre existiert das Internet in Österreich. 20 Prozent der Informatik-Studierenden in Österreich sind Frauen. ­Damit

ersten IBM-Computer im Jahr 1981.

ist der Frauenanteil in der Informatik um einiges höher als in anderen ­technischen Studien.

121.000 verschiedene Zeichen sind im Unicode-Zeichensatz definiert

10 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs gehen auf Computer und

(Stand: Juni 2015, Version 8.0.0).

­Netzwerke zurück.

100.000 Lötstellen und 3.000 Transistoren besaß das „Mailüfterl“, der

7 Universitäten in Österreich haben einen Forschungsschwerpunkt im

erste vollständig mit Transistoren arbeitende Computer in Europa. Gebaut wurde er 1955 von Heinz Zemanek.

32.244 Mitglieder von 63.725 im Fachverband Unternehmensberatung und IT der Wirtschaftskammer Österreich sind IT-Unternehmen.

16.852 Personen studierten im Wintersemester 2014/15 an

­österreichischen Universitäten Informatik.

­Bereich Informatik.

6 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) werden von der IT-Wirtschaft geschaffen.

5 österreichische Forschungsinstitutionen sind im Nationalen

­ orschungsnetzwerk RiSE (Rigorous Systems Engineering) zur logischen F Überprüfung von Computersystemen verbunden.


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Zu den Illustrationen Karin Dreher, Artdirektorin und Illustratorin, verantwortlich unter anderem für das Design und die Gestaltung des neuen Forbes Österreich, ist glücklich und erfolgreich. Glücklich, weil sie ihre große Liebe für Kunst und Design zum Beruf machen konnte, und erfolgreich, weil sie in zwanzig Jahren Tag für Tag immer besser geworden ist.

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Kreative Erneuerung Ein Kommentar von Hannes Werthner über die Bedeutung von Universitäten für Innovationen Hannes Werthner

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n den Medien genießen Internet-Startups, ihre Gründer, Investoren oder Business Angels viel Aufmerksamkeit. Es gibt Wettbewerbe, öffentliche und private Gründerinitiativen sowie erfolgreiche Festivals wie das Pioneers in Wien. Ein bisschen scheint dabei ein wichtiger Faktor dieses sich entwickelnden „Ökosystems“ zu kurz zu kommen: die Informatik an den österreichischen Universitäten. Woher kommen die Gründer mit ihren Ideen, woher das Wissen und die Kreativität? Hier sind vor allem Universitäten wichtig, sei es in der Lehre, in der angewandten und auch in der grundlagenorientierten Forschung. All dies liefert letztendlich die inhaltlichen Ingredienzen erfolgreicher Innovationen. In diesem Zusammenhang ist die Streichung der grundlagenorientierten Doktorats­kollegs des FWF keine sehr kluge Entscheidung. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Ausgaben bei IT und

Hannes Werthner ist Professor für E-Commerce am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme der TU Wien

„Im Zentrum von Innovationsclustern stehen Universitäten“

Forschung und wirtschaftlichem Wachstum. Die spezifische Rolle der Informatik wird auch dadurch unterstrichen, dass mehr als ein Drittel aller Produktinnovationen ITbasiert sind. Im Zentrum von Innovationsclustern stehen Universitäten. Man schaue nach Silicon Valley, Boston, das Gebiet um Cambridge und Oxford, oder München. Dies gilt auch für Wien: Aus einer Studie der Akademie der Wissenschaften (2015) geht hervor, dass sich die Wiener IT-Entwicklungsund Gründerszene um die TU Wien und, wenn auch in einem geringeren Ausmaß, die Uni Wien konzentriert. Universitäten liefern Ideen und Köpfe. Letztere suchen aus offensichtlichen Gründen die Nähe der Universitäten. Universitäten sind aber keine Innovationsmusterknaben, und viele von uns müssen diese Rolle erst noch erkennen und formulieren, nämlich Innovation als dritte Säule neben den Kernaufgaben Forschung

und der Lehre. Dies umfasst neben der in vielen Fällen zusätzlichen spezifischen Lehre auch ein Dienstleistungsportfolio für Forschende und Lernende wie etwa Startup-Camps, Verwertbarkeitschecks von Forschungsergebnissen, Kontakte zu Investoren und Mentoren, akademische „Partnervermittlung“ für Entwicklung und Firmengründung. Ein Beispiel dafür ist dass i2c der TU Wien. Erfolgreiche Innovationsökosysteme sind international vernetzt. Sie pflegen eine Austausch- und Willkommenskultur. Auch hier spielen Universitäten eine wichtige Rolle. Sie sind interdisziplinär und heterogen, sie interagieren mit Kunst und Kultur. All dies ist kein Selbstzweck, denn Innovation ist ja nicht nur ökonomisch definiert: Sie sollte nicht nur den Interessen von Unternehmen, sondern den Bedürfnissen der Menschen und der Gesellschaft als Ganzes dienen – letztendlich der kreativen gesellschaftlichen Erneuerung.

Wissen, hinterfragen und intelligent nutzen Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG), ein Verein zur Förderung von Informatik, wird vierzig. Eine Würdigung US-Dollar kostete im Jahr 1975 395 der Mikrocomputer-Bausatz für einen Altair 8800, dem ersten kommerzi-

ell erhältlichen Mikrocomputer weltweit. Verantwortlich für dessen Erfolg war die Elektronik-Zeitschrift Popular Electrics, die den Bausatz in der Jänner-Ausgabe auf die Titelseite brachte. Dies läutete die Ära der Mikrocomputer ein, und in den USA entstanden erste Computerclubs. Im selben Jahr schlug die Geburtsstunde der Österreichischen Computer Gesellschaft, einem gemeinnützigen Verein zur Förderung von Informatik und Informations- und Kommunikationstechnologien. „1975 war alles noch sehr technologieorientiert. Die OCG hat von Anfang an das Wechselspiel mit Mensch und Gesellschaft im Blick gehabt. Heute sind diese Technologien überall präsent und beeinflussen das gesellschaftliche Leben enorm“, weiß der Mathematiker und Experte für angewandte Informatik, Reinhard Goebl. Der Verein mit seinen rund 1.500 Mitgliedern sieht sich selbst als Fachgesellschaft, Wissenspool und Plattform. „Das Informatikwissen der OCG liegt bei ihren Mitgliedern, Funktionären und Universitäten, sprich im Netzwerk. Die Universitäten sind zusammen mit Wirtschaft und Administration unser stärkstes Standbein“, erklärt Goebl, OCG-Präsident. Für ihn ist

„Die OCG hat von Anfang an das Wechselspiel mit Mensch und Gesellschaft im Blick gehabt“ Reinhard Goebl, Präsident der OCG

die OCG ein Ort, wo nach wie vor seriös und interessenungebunden über die Entwicklungen in der Informatik gesprochen werde. Nach außen hin ist sie vor allem als Zertifizierungsstelle für den Europäischen Computer-Führerschein bekannt. Besonders sorgfältig betrachtet die OCG die Folgen der exklusiven Kommerzialisierung von Wissen und Information, angetrieben durch die Interessen großer Monopolunternehmen. Von der Politik abwärts bis zur Schule sieht sich der Verein deshalb verpflichtet, die Entwicklung von Problembewusstsein zu fördern. Dies geschieht auf vielen Wegen und erreicht unterschiedliche

Das „Mailüfterl“, ein Computer aus Österreich

Zielgruppen, etwa Wissenschafter oder Jugendliche. In 25 aktiven Arbeitskreisen zu einer breiten Bandbreite an Themen, etwa Privacy oder e-Health, arbeiten Experten an Empfehlungen. Mit Veranstaltungen und Projekten wird Wissen vermittelt. Wettbewerbe für Wissenschafter und Jugendliche fördern innovative Ideen. Nicht überall stoßen die Forderungen der OCG, in der Politik etwa nach einer „ganzheitlichen Digitalpolitik“, auf offene Ohren. Mit der Kritik, dass die Informatik in einigen Lehramtscurricula fehlt, machte sich die OCG nicht nur Freunde. „Ein Schulsystem, in dem Lehrer aller Fächer keine systematische Informatikausbildung erhalten und als IKT-Autodidakten in den Unterricht gehen, kann seinen Zweck nicht mehr erfüllen“, unterstreicht ­Goebl. Gerade heute, wo IKT, also Informations- und Kommunikationstechnik, jeden Lebensbereich betrifft, tritt der Verein dafür ein, dass junge Menschen einen selbstbestimmten, konstruktiv-kritischen Umgang damit lernen. Ihm geht es darum, Informatik und IKT nicht bloß für alle zugänglich zu machen, sondern durch Wissenschaftlichkeit und seriöse Diskurse ein Problembewusstsein zu schaffen, damit sich der Mensch, 40 Jahre nach den ersten Hobbybastlern, von der IT-Industrie das Heft nicht aus der Hand nehmen lässt.

Fotos: TMW/PID, privat

Sonja Burger


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Haidingers Hort der Wissenschaft

Grafikkabinett Püribauers Tierversuche

Wie ein Österreicher das Internet erfand M arti n H aidi n ger

Martin Haidinger ist Historiker, Wissenschafts­ journalist bei Ö1 und ­Staatspreisträger für Wissenschafts­ journalismus

I l l ustratio n : B er n d P ü ribauer

Freihandbibliothek Buchtipps von Emily Walton Bildung für die Zukunft

Wenn der Mistkübel mit dem Schirm spricht

The Second Machine Age: Work, Progress and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies. Von Erik Brynjolfsson and Andrew McAfee. W.W. Norton & Company. 320 S.

Enchanted Objects: Design, Human Desire, and the Internet of Things. Von David Rose. Scribner Verlag. 320 S.

In „The Second Machine Age“ untersuchen Erik Brynjolfsson and Andrew McAfee, zwei Forscher des MIT, wie neue Technologien unsere Ökonomie verändern. Dabei schreiben sie neben vielen Vorteilen auch von den Kehrseiten: Technologien werden menschliche Arbeitskraft in manchen Bereichen ersetzen. Firmen müssen daher umdenken, neue Geschäftsmodelle werden notwendig. Besonders die Bildungssysteme müssen neu ausgerichtet werden, um Mensch und Technik optimal zu paaren.

Wie können gewöhnliche Alltagsgegenstände unsere Bedürfnisse erahnen und befriedigen? David Rose schildert, wie unsere Gegenstände sich vernetzen werden: das Auto mit der Uhr mit dem Geldbörsel mit dem Regenschirm. Nicht mehr Handys und mehr Smartphones werden unseren Alltag erleichtern, sondern eben diese „Enchanted Objects“. Rose widmet sich nicht nur der technologischen Seite, sondern schildert zugleich, wie diese Technologien mit schlauen und eleganten Designs unsere Sinne ansprechen werden.

Your phone is watching you

Roboter, machst du mich glücklich?

Age of Context: Mobile, Sensors, Data and the Future of Privacy. Von Robert Scoble and Shel Israel. Create Space, 248 S.

The Glass Cage. Automation and Us. Von Nicholas Carr. W.W. Norton & Company, 288 S.

Fünf Kräfte gestalten die Zukunft: Mobile Technologien, Daten, Sensoren, Standortbezogene Technologien und Social Media. Unsere Geräte werden bald wissen, dass sie uns früher aufwecken müssen, weil es geschneit hat; sie werden sich merken, welche Programme wir gerne sehen möchten. Die Forscher Scoble und Israel widmen sich den Auswirkungen neuer Entwicklungen. Besonderes Augenmerk legen sie auf den persönlichen Bereich. Die Herausforderung: neue Technologien einzusetzen und dabei trotzdem die Privatsphäre zu wahren.

Autos, die sich selbst fahren; Computer am Handgelenk. Nicholas Carr wirft einen Blick auf die psychologischen und neurologischen Aspekte, die im Zusammenhang mit dem Aufkommen neuer Technologien entstehen. Nicht zwangsläufig führt Automatisierung zum Glück, denn unser Glücksgefühl ist auch an Leistung gekoppelt. Indem wir Maschinen alles erledigen lassen, droht ein Gefühl der Unzufriedenheit. Carr verwebt Geschichte, Philosophie und Wissenschaft zu einem spannenden Buch, das aufzeigt, wie wir neue Technologien befriedigend anwenden können.

ein Computer stürzte immer häufiger S ab: Plötzlich verschwand das Bild, wie eingesogen vom summenden Inneren des

Gerätes, und nur ein weißes Flackern blieb zurück. Er gewöhnte sich daran, mit der Hand zu schreiben.“ Autsch! Wie schmerzhaft wir es dem Wissenschafter David Mahler nachfühlen können, wenn er verzweifelt vor dem Rechner schwitzt und seinen Vortrag für den nahenden Kongress im Cyberspace verglimmen sieht! Erfunden hat den fetten, herzleidenden Forscher der Schriftsteller Daniel Kehlmann und in seinem Frühwerk „Mahlers Zeit“ 2001 auf Papier verewigt. Womit erzählt werden soll, dass EDV schon längst zum Thema der Poeten geworden ist, und – jetzt halten Sie sich gut fest – sogar ein bedeutender österreichischer Kulturphilosoph vor mehr als hundert Jahren in seinem Essay „Dichtkunst ist Atavismus“ eine Vision des Internets entwickelt hat! Egon Friedell sieht es schon 1912 als „nicht ausgemacht, daß die Literatur von nun an ein für allemal das wichtigste geistige Ausdrucksmittel bleiben wird. … und es ist gar nicht ausgeschlossen, daß es in hundert Jahren eine Art der publizistischen Wirksamkeit geben wird, die der Schriftstellerei an Eindringlichkeit, Vielseitigkeit und Beweglichkeit ebenso überlegen ist wie das Buch und die Tageszeitung dem Kanzelredner und Wanderprediger. … Die Dichter, die wir bis jetzt gesehen haben, haben alle ihre verfügbare Poesie und Romantik auf lyrische Gedichte abgezogen oder in einen Roman eingedünstet. So bleibt nichts für das Leben übrig. ... Es ist außerdem auch gar nicht ausgemacht, daß zum Dichten notwendig ‚Werke‘ gehören. Ja, es ist noch sehr die Frage, ob jene Genialität nicht höher steht, die sich in den täglichen improvisierten Lebensäußerungen eines Menschen offenbart. ... Vielleicht wäre der größte Künstler derjenige, der sagen könnte: ,Das einzige Kunstwerk, das ich geschaffen habe ist meine Biographie!‘“ Beziehungsweise mein Blog und mein Facebook-Profil, in dem meine „Freunde“ heute vom mittäglichen Verzehr von Grammelknödeln (samt Foto!), morgen den medizinischen Beschwerden diverser Haustiere (samt Katzenfoto!), und dereinst von meinem irdischen Ableben durch den lapidaren Vermerk „Status geändert“ erfahren werden. Nein, diese Banalität des Internets hat der Schöngeist Egon Friedell freilich nicht erahnen können.


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Computerwissenschaft auf

WERNER STURMBERGER

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ls das „größte Treffen von Logikern seit Aristoteles“ betitelte die veranstaltende Kurt-GödelGesellschaft den „Vienna Summer of Logic“. Das letztjährige Treffen von mehr als 2.000 Forschern und Forscherinnen an der TU Wien kann als vorläufiger Höhepunkt der Renaissance Wiens als historisches Zentrum der Logik gelten. Vor allem im Bereich Logik, in der Informatik und bei Artificial-Intelligence-Forschung, einem Schwerpunkt der Tagung, nimmt Österreich seit einigen Jahren einen Spitzenplatz ein. Das Land genießt als Informatik-Standort hohes Ansehen. „Auch im Bereich der Verifikation von Soft- und Hardware ist Österreich ein Global Player“, sagt Helmut Veith vom Institut für Informationssysteme der TU Wien. „Das nationale Forschungsnetzwerk für Rigorous Systems Engineering ist ein österreichweites Großprojekt von internationaler Bedeutung. Weltweit gibt es nur wenige vergleichbar starke Konzentrationen auf diesem Gebiet.“ Im Bereiche der Computer-Verifikation lassen sich drei Stufen von Aufgaben unterscheiden. „Im einfachsten Fall versucht man Fehler in einem Programm zu finden, im schwierigeren, ihn zu verifizieren. Mit ein bisschen Glück kann jeder Anwender einen Fehler finden, die Verifikation erfordert aber Beweise. Die Kür ist es schließlich, fehlerfreie Programme durch den Computer selbst schreiben zu lassen“, so der Forscher. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist seit 2013 in der Tabellenkalkulationssoftware Microsoft Excel integriert. Das Programm kann manuelle Routineaufgaben, zum Beispiel das Trennen einer Adresse in Straßenname und Hausnummer, selbstständig aus Beispielen des Nutzers erlernen und automatisiert durchführen. Die Technologie der Synthese kann auch in der Programmierausbildung genutzt werden: „Wer Programmieren lernt, macht natürlich Fehler. Meine Forschungsgruppe entwickelt gemeinsam mit Microsoft ein Lernprogramm für angehende Programmierer, das minimale Fehlerkorrekturen vorschlagen soll, um aus einem fehlerhaften ein funktionierendes Programm zu machen“, erklärt Veith.

Effizienz und Krebszellen „Korrekte Systeme zu entwerfen ist eine Grundvoraussetzung, um komplexe Systeme entwickeln zu können. Diesen kommt gesellschaftlich eine immer größere Bedeutung zu“, sagt Krishnendu Chatterjee vom Institute of Science and Technology Austria (IST Austria). Damit endet die Herausforderung aber nicht: „Im nächsten Schritt geht es darum, Algorithmen zu entwickeln, die

Weltniveau

nicht nur darüber Auskunft geben, ob ein System korrekt funktioniert, sondern auch darüber, wie effizient es arbeitet.“ „Effizienz bedeutet, dass ein Algorithmus zur Lösung einer Aufgabe möglichst wenige Arbeitsschritte und wenig Speicherplatz benötigt“, erklärt Monika Henzinger, Leiterin der Forschungsgruppe Theory and Applications of Algorithms der Uni Wien. Es lassen sich aber nicht nur die Systeme in ihrer Effizienz optimieren, sondern auch die Algorithmen, die über diese Auskunft geben. „Für viele Problemstellungen in der Verifikation ist die Laufzeit eine quadratische Funktion der möglichen Zustände. Ein komplexes System kann schon mal aus einer Milliarde Zustände bestehen. Diese alle zu überprüfen, kann Tage dauern. Wir wollen aber nicht fünf Tage warten, sondern nur drei Minuten. Daher suchen wir nach linearen Algorithmen, die dasselbe leisten.“ Chatterjee und Henzinger, die auch häufig kooperieren, arbeiten gleichzeitig an mehreren solcher Algorithmen, die nicht ausschließlich Computerverifikation betreffen. Chatterjee ist auch im Bereich evolutionärer Spieltheorie an der Beschreibung der Entwicklung von Krebszellen tätig.

Weitgehend unbemerkt hat es die heimische Informatik zu internationalem Ansehen gebracht

Übersichtliche Datenmengen Menschen können hervorragend mit visuellen Eindrücken umgehen. Computer verfügen dagegen über das Potenzial, riesige Datenmengen zu verarbeiten. Diese wachsen stetig an, sind aber in ihrem Rohzustand für uns nichtssagend. Visual Analytics will beides kombinieren. „Wir versuchen große Datenräume – das heißt verschiedenste Daten unterschiedlicher Herkunft – mit analytischen und visuellen Methoden in Beziehung zu setzen, um sie im Zeitverlauf betrachten und analysieren zu können“, sagt Silvia Miksch, Leiterin der Information and Software Engineering Group an der TU Wien. Computerunterstützte Methoden der Visualisierung und analytischen Datenauswertung sollen, kombiniert mit den Methoden der Wahrnehmungs- und Erkenntnistheorien, bei der einfachen Darstellung komplexer Sachverhalte helfen. Ziel ist, Instrumente zu entwickeln, die es erleichtern, Zusammenhänge herzustellen und Hypothesen zu generieren. Welche Visualisierungsstrategie in welchem Kontext am besten funktioniert, wird anhand von Versuchspersonen getestet. Mithilfe unterschiedlicher Visualisierungen werden Aufgaben gelöst, wobei Zeit, Fehleranzahl und Erkenntnisgewinn gemessen werden. Die konkreten Anwendungen reichen von Werkzeugen zum Monitoring von

„Meine Forschungsgruppe entwickelt mit Microsoft ein Lernprogramm für angehende Programmierer, das minimale Fehlerkorrekturen vorschlagen soll“ HELMUT VEITH

Tiefbohrungen bis hin zur Analyse der Therapiepläne magersüchtiger Personen. Um die heterogenen Daten analysieren zu können, werden die Datenberge in mit der Maus bedienbare, interaktive Diagramme und Graphiken umgewandelt. Miksch gibt aber zu bedenken, dass es sich dabei um eine „nicht ungefährliche“ Technologie handle. Einerseits müssen die Daten fehlerfrei sein, um nicht zu falschen Schlüssen zu führen, andererseits können Visualisierungen dazu missbraucht werden, bewusst falsche Trends zu erzeugen.

Smarte Assistenzsysteme „Angenommen, es kommt zu einem Fehler in einer Fabrik. Es ist laut, heiß und stressig. Das Problem muss aber dennoch rasch behoben werden. Damit das klappt, braucht man möglichst sofort die richtigen Informationen über den konkreten Fehler, und zwar so aufbereitet, dass sie auf den jeweiligen Mitarbeiter abgestimmt sind und ihm auch wirklich weiterhelfen“, erklärt Stefanie Lindstaedt, Leiterin des Knowledge Technologies Institute der TU Graz und Geschäftsführerin am Know-Center. Im Rahmen von Cognitive Computing forscht sie an Assistenzsystemen, welche die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort in angemessener Form bereitstellen können. Damit diese „Leistungsverstärker für den Menschen“ funktionieren, müssen sie in ihrem Verhalten das menschliche Denken berücksichtigen: Wie wird Wissen aufgenommen? Wie kommen Entscheidungen zustande? Wie reagieren Menschen unter Stress? In der Grundlagenforschung wird daran gearbeitet, die Erkenntnisse psycho- und soziologischer Kognitionsmodelle mit technischen Methoden umzusetzen. Die Systeme müssen nicht nur verstehen, welche Information die NutzerInnen im Moment benötigen und wie man diese am besten präsentiert. Neben hilfreichen sollen sie auch richtige Antworten liefern: „Wir brauchen große Datenmengen – Stichwort Big Data –, um die Systeme zu trainieren, damit sie in Umfeldern mit großer Unsicherheit intelligente Antworten geben können.“ Als Geschäftsführerin des Know-Center verschafft Lindstaedt österreichischen Unternehmen Zugang zu diesen Technologien: „Uns gibt das die Möglichkeit, unsere Technologien in unterschiedlichen Branchen zu testen. Die Firmem profitieren vom technologischen Know-how und dem Innovationspotenzial.“ Die meisten Unternehmen verfügen über riesige Datenmengen, haben Fortsetzung auf Seite 14


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Informatik Austria Fortsetzung von Seite 12

… Computerwissenschaft auf Weltniveau

aber oft keine Vorstellung davon, was in diesen steckt. Gemeinsam mit den Firmen werden auf deren Bedürfnisse zugeschnittene Anwendungen entwickelt. „Data Driven Business ist ein Game Changer“, ist sich Lindstaedt sicher.

Unser Beitrag zu Netflix Zur Primetime entfällt in Nordamerika mehr als ein Viertel des Internetverkehrs auf die Streaming-Plattform Netflix. Mehr als zwei Drittel der im Internet übertragenen Daten sind Videos – Tendenz steigend. „Wenn man sich ein Youtube-Video ansieht, dann steckt dahinter sehr viel Software. Am Standard hinter solchem Streaming haben wir mitgearbeitet“, sagt ­Hermann Hell­wagner, Leiter der Forschungsgruppe Multimedia-Kommunikation der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Die Standards halten fest, wie Daten komprimiert, gespeichert, übertragen und abgespielt werden müssen. Um Videos in der bestmöglichen Qualität wiederzugeben, wählt die Software anhand der zur Verfügung stehenden Bandbreite dynamisch die ideale Übertragungsqualität aus. Das Video muss dafür in unterschiedlichen Qualitäten und teilweise auch Codierungen am Server abgespeichert werden. Bei Netflix ist jedes Video in bis zu fünfzig Versionen vorhanden. Aufgrund des enormen Speicherbedarfs von Streaming Services fällt der Komprimierung von Daten eine Schlüsselrolle zu: Je höher diese ist, desto geringer die Datenmenge. Das bedeutet geringeren Speicherplatz- und Bandbreitenbedarf sowie damit verbunden einen geringeren Hardware-Einsatz und somit niedrigere Kosten für Hardware und deren Betrieb.

„Wenn man sich ein Youtube-Video ansieht, dann steckt dahinter sehr viel Software. Am Standard hinter solchem Streaming haben wir mitgearbeitet“ h e r m ann h e l l w agn e r

Ad-hoc-Netz & Drohnen Bei den letztjährigen Herbst-Protesten in Hongkong verwendeten viele Demonstranten und Demonstrantinnen die App FireChat. Sie stellt über die Bluetooth -Schnittstelle des Smartphones ein Ad-hocNetzwerk zum Senden und Empfangen von Nachrichten her. Anders als die Internetverbindung, die wir im Alltag nutzen, sind diese Netzwerke nicht auf eine feste Infrastruktur angewiesen. Jedes Endgerät des Netzwerks fungiert als Übertragungsknoten. Das Netzwerk ist daher nicht von einem Ausfall fester Infrastruktur betroffen. Im EU-Projekt „Bridge“ demonstrierten Hellwagner und sein Team den Nutzen solcher Netzwerke in Krisensituationen. Mit entsprechenden Apps können Help-Beacons (ein Hilferuf mit Standortlokalisierung) abgesetzt oder Informationen und Videos an Einsatzkräfte bzw. -leitung übermittelt werden. Ad-hoc-Netzwerke können nicht nur mit mobilen Benutzer-Endgeräten, sondern auch mit Drohnen gebildet werden: „In einem Search-and-Rescue-Szenario, gerade in unwegsamen Gelände, können mit Kameras bestückte Drohnen nicht nur Informationen

„Wir interessieren uns besonders für die neue Generation von IT-Systemen: Cloud Services, Smarte Systeme, medizinische Anwendungen und all das, was unter das Schlagwort Industrie 4.0 fällt“ Ru t h B r e u

generieren, sondern sich auch als Netzwerkknoten so positionieren, dass die Informationen über große Distanzen übermittelt werden können“, erklärt Hellwagner. Der Serienreife stehen im Moment noch Probleme mit der Übertragungstechnik und der Witterungsbeständigkeit der Drohnen im Weg. „Gerade im militärischen Bereich wird massiv an solchen Technologien gearbeitet. Wir beschränken uns aber auf rein zivile Anwendungen“, so der Forscher.

Qualitätsmanagement Mit zunehmender Anzahl und Komplexität der IT-Systeme wird deren effiziente Instandhaltung immer wichtiger. „Wir interessieren uns besonders für die neue Generation von IT-Systemen: Cloud Services, Smarte Systeme, medizinische Anwendungen und all das, was unter das Schlagwort Industrie 4.0 fällt“, sagt Ruth Breu, Leiterin der Forschungsgruppe Quality Engineerung an der Universität Innsbruck. Die gängigen Qualitätsmanagementprozesse sind oft veraltet und entsprechen nicht dem Niveau der Systeme, die sie erhalten sollen. „Wir arbeiten daran, die Qualitätsmanagementprozesse genauso smart zu machen wie die Produkte, die sie betreffen.“ Qualität heißt: Anwendungen stabil, effizient und geschützt vor dem Zugriff Unbefugter zu betreiben. Quality Engineering soll Methoden und Werkzeuge zur Verbesserung von Qualität und Kosteneffizienz beim Management, Entwurf und Betrieb der Software-Systeme bereitstellen. Derzeit müssen viele administrative Tätigkeiten noch manuell erledigt werden. Ein höherer Automatisationsgrad hat enorme Auswirkungen in der Praxis: Das IT-Team von Infineon zeichnet etwa für die IT-Infrastruktur von 30.000 MitarbeiterInnen verantwortlich. In Zusammenarbeit mit diesen und anderen Industriepartnern werden im anwendungsorientierten Forschungszentrum Quality Engineering Laura Bassi Lab Werkzeuge und Techniken unter Praxisbedingungen erprobt. Neben dem Wachstum der IT-Systeme in Größe und Anzahl machen auch die gesetzlichen Anforderungen an deren Sicherheit eine Qualitätssteigerung im IT-Management notwendig. Sicherheit und Handhabbarkeit der Systeme bestimmen wiederum über deren Akzeptanz. Wie die Debatten um die elektronische Gesundheitsakte zeigen, trifft dies besonders im Bereich des Gesundheitssystems zu. Doch nur wenn die Systeme angenommen werden, können sie einen positiven Beitrag zur Gesundheit leisten. Am Institut von Breu beschäftigt man sich daher mit der Einbindung der Bevölkerung in solche Systeme. Kooperationen zwischen Industrie und Instituten sind für beide Seiten vorteilhaft. Die Industrie bringt Geldmittel und Expertise aus der Praxis, die Universitätsinstitute

langfristig nutzbares, theoretisch fundiertes Wissen. Dieses kann jedoch nur in der Grundlagenforschung erarbeitet werden.

Grundlagenforschung „Ich hätte sehr gern mehr Freiraum in der Grundlagenforschung, denn viele Probleme sind noch ungelöst und lassen sich auch im Rahmen von Auftragsforschung oder Industrie-Kooperationen nicht lösen“, sagt Miksch. Das Volumen der möglichen Grundlagenforschung wird durch die dem FWF zur Verfügung stehenden Mittel bestimmt. „Insgesamt betrachtet ist die Informatik in Österreich top aufgestellt. Es hakt aber bei der Finanzierung der Grundlagenforschung. Das betrifft aber nicht nur die Informatik, sondern alle Disziplinen“, erklärt Breu. „Im Jahr 2014 hatten wir eine Bewilligungsquote von 21 Prozent. Wir müssen also viele gute Projekte ablehnen, die sehr wohl förderungswürdig wären. Das sind Projekte, die von internationalen Gutachtern als exzellent bis sehr gut eingestuft wurden“, so Hellwagner, als Vizepräsident des FWF zuständig für den Bereich Naturwissenschaft und Technik. Für die nächsten Jahre rechnet er mit einem Budgetrückgang bei steigender Nachfrage und damit mit einer sinkenden Förderungsquote. „Wir müssen versuchen, mehr Mittel vom Wissenschaftsministerium zu erhalten und auch darüber hinaus mehr Geld auf die Beine stellen“, sagt er. Das dürfe aber nicht zu Kürzungen auf anderen Förderungsebenen führen. Denn die Informatik ist aufgrund ihrer Verknüpfung mit unterschiedlichsten Disziplinen auf die Förderung der gesamten Innovationskette angewiesen. Benötigt werden die Gelder der Grundlagenforschung für die Durchführung von Forschungsprojekten und die Schaffung von Stellen für den Nachwuchs. „Die akademische Szene ist globalisiert und der Wettbewerb um die besten Köpfe international. Wir befinden uns in Österreich in der paradoxen Situation, dass wir mittlerweile so attraktiv sind, dass Leute gerne zu uns kommen wollen, wir aber gleichzeitig nicht das Geld haben, ihnen entsprechende Stellen anzubieten“, sagt Veith. Dass junge Wissenschafter und Wissenschafterinnen aus Österreich ins Ausland gehen, um dort zu forschen, sei zwar begrüßenswert, ohne Stellenangebote könne man diese aber nicht mehr zurückholen. Angesichts der drohenden Kürzung von Doktoratskollegsstellen appelliert Veith an die Politik: „Österreich hat vor zwanzig Jahren eine Aufholjagd in der Wissenschaft begonnen. Jetzt, wo die österreichische Forschung in zahlreichen Bereichen wieder Weltniveau erreicht hat, darf man nicht einfach aufhören. Wie im Sport ist auch in der Wissenschaft die Förderung der Nachwuchstalente der Schlüssel zum Erfolg. Dafür brauchen wir einen gut dotierten FWF.“


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Der verlängerte Zukunftsgestaltungsarm Sabine Edith Braun

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as haben Herzschrittmacher, Mondlandung, DNA-Sequenzierung und Kernspintomografie gemeinsam? – Sie alle wären ohne die Leistungen der Informatik nicht möglich gewesen“, sagt der Informatiker Alois Ferscha von der Universität Linz. Gerald Steinhardt, Dekan der TU Wien, bringt es auf den Punkt: „Die Informatik ist eine Universalwissenschaft, eine Grundlagenwissenschaft, ohne die in Alltag und Arbeit, aber auch in anderen Wissenschaften nichts mehr geht.“ Das Spannende sei, dass es die Probleme, zu deren Lösung sie beiträgt, in der wirklichen Welt gibt: „Informatik ist überall: im Haushalt, im Krankenhaus, im Auto ...“ Die Problemlösung für diese praxisrelevanten Probleme finde zwar auf einer abstrakten Ebene statt, doch dann, so Steinhardt, „implementieren wir die theoretische, allgemeine Lösung in konkrete Anwendungen“.

Professoren und Dekane österreichischer InformatikFakultäten über den Sinn der Plattform Informatik Austria

Grund und Zweck von Informatik Austria Um in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür zu erzeugen, was die Informatik leistet – dass sie mehr ist als E-Mail, Facebook und Smartphone –, kam es zur Gründung der Plattform Informatik Austria. Das ist keine Institution, sondern ein lockerer Zusammenschluss von Informatik-Fakultäten an österreichischen Universitäten, aber auch außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie dem IST Austria. „Mit ,Plattform’ ist hier ein Kompetenznetzwerk wissenschaftlicher Leistungsträger gemeint“, erklärt Alois Ferscha, „das Andockstellen für Forschung und Entwicklung in Industrie und Wirtschaft sowie für das österreichische Bildungs- und Innovationssystem bereitstellt.“ Akteure im Netzwerk seien die einzelnen Wissenschafter mit ihrer Forschungsleistung und Innovationskraft. „Gremien, Fachbereiche, Fakultäten und universitäre Standorteitelkeiten waren gestern“, so Ferscha. Entstanden ist das Ganze aus dem ­„Vienna Summer of Logic“ des Vorjahres. Er ist auch medial sehr gut angekommen, „obwohl Logik kein Allerweltsthema ist“, wie Gerhard Friedrich vom Institut für Angewandte Informatik der Universität Klagenfurt sagt. „Informatik Austria kann dazu beitragen, dass die Menschen sich der allgegenwärtigen Rolle von Informatik mehr bewusst sind“, sagt Wolfgang Klas, Dekan der Informatikfakultät der Uni Wien. Dies könne dazu führen, „dass sich mehr junge Menschen für ein Informatikstudium interessieren, und Politik sowie Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung der Wichtigkeit der Informatik als Disziplin, Wirtschaftsfaktor und Motor für unseren Fortschritt stärker bewusst werden“. Die österreichische Informatik gehört zur weltweiten Spitzenforschung. Doch das ist

„Die Informatik ist eine Universalwissenschaft, ohne die in Alltag und Arbeit, aber auch in anderen Wissenschaften nichts mehr geht.“ Gerald Steinhardt

„Informatik Austria muss es schaffen, die Bedeutung der Informatik und der Grundlagenforschung für den Standort Österreich zu vermitteln“ Fr anz Wotawa

außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinde leider kaum bekannt. Dass etwa die Informatik der TU Wien im Ranking von US News unter die Top 3 der deutschsprachigen Informatikfakultäten gereiht wurde, sei medial untergegangen, erklärt TU-­Dekan ­Steinhardt. Die Plattform könne helfen, Studierende aus dem Ausland nach Österreich zu holen. Die Informatik an österreichischen Universitäten soll attraktiver für internationale Forscher und Forscherinnen werden – von Master- und PhDStudierenden bis zu Lehrenden.

Die neue Plattform soll Informatik international sichtbarer machen „Die Plattform gibt der Informatik in Österreich ein Gesicht und erhöht ihre Sichtbarkeit. Sie schafft Synergien, informiert über die Schwerpunkte der einzelnen Standorte und trägt dazu bei, Österreich national und international als Informatik-Kompetenzzentrum zu positionieren“, so Steinhardt. Nicht nur die Kommunikation nach außen, auch die innerhalb der Informatik soll über die Plattform verbessert werden. „Die Hoffnung ist die, dass wir, wenn wir mehr miteinander reden, ein besseres Angebot legen können für die Studierenden und letztendlich schlagkräftiger werden in der Forschung“, sagt Gerhard Friedrich. Das sei vor allem auch deshalb notwendig, weil die Fakultätsstrukturen der Universitäten äußerst unterschiedlich gestaltet sind: „In Klagenfurt ist die Informatik eingebettet in eine technische Fakultät, die sehr informationstechnisch ist. Als Informatiker bringe ich als Dekan dieser Fakultät die Anliegen und Wünsche auch der Informationstechniker ein“, so Friedrich. Ein anderer Sonderfall ist Linz, wie Alois Ferscha erklärt: Obwohl dort 1969 das österreichweit erste Informatikstudium etabliert wurde, hat die Uni dort bis heute keine eigene Informatik-Fakultät. „Linz als die ‚Wiege der Österreichischen Informatik’, wie es im „Informationswissenschaftlichen Programm“ von 1968 heißt, ist anders. Das gilt leider auch für die universitäre Organisation. Die Leistungsträger der Linzer Informatik haben sich wiederholt – 1994, 2012 – um die Chancen einer internationalen Positionierung durch die Einrichtung einer Fakultät für Informatik bemüht – vergeblich.“

Positive Auswirkungen weit über die Informatik hinaus Schon aufgrund der ungleichen Ausgangsbedingungen kann die Plattform kein starres Netz sein. „Es ist ein Vorhaben, wo man miteinander redet und Ideen generiert, wie wir uns besser positionieren können, unsere Anliegen besser kommunizieren können, aber auch, wie wir uns abstimmen in Lehre und Forschung“, so Gerhard Friedrich. Der Informatik-Dekan der TU Graz, Franz Wotawa, ist überzeugt, dass eine

verstärkte Zusammenarbeit der Informatikforschung in Österreich vor allem im Grundlagenforschungsbereich die Sichtbarkeit der Resultate steigern wird. „Informatik Austria muss es schaffen, die Bedeutung der Informatik und der Grundlagenforschung für den Standort Österreich zu vermitteln, um in weiterer Folge vermehrt Forschungsmittel zur Verfügung zu haben. Da die Informatik in anderen Disziplinen verstärkt genutzt wird, würde es auch hier positive Auswirkungen geben. Ich möchte aber unterstreichen, dass die Informatik als eigene Disziplin betrachtet werden muss. Wenn man Grundlagenforschungsresultate der Informatik an Anwendungsdisziplinen anhängt, wie es derzeit gemacht wird, kommt die Grundlangenforschung zu kurz und es existieren Mehrgleisigkeiten – das ist nicht die kosteneffizienteste Förderungsmöglichkeit.“ Wolfgang Klas sagt dazu: „Das Forschungsgeschehen richtet sich an internationalen Entwicklungen aus – höchst kompetitiv. Die Forschungsergebnisse an den beteiligten Institutionen werden durch die Plattform nicht besser, aber sie werden vielleicht leichter wahrgenommen. Die Plattform kann beitragen, dass der Stellenwert von Forschung erhöht wird.“

Was haben die Menschen von Spitzeninformatik? Und was hat der akademisch ungebildete Durchschnittsmensch von der Plattform und den Zielen, die sie sich steckt? „Der nichtakademisch gebildete Durchschnittsösterreicher ist ein Wissenschafter oder Erfinder, dessen akademische Entwicklung bislang lediglich systemisch behindert wurde. Die Informatik Austria ist der verlängerte Zukunftsgestaltungsarm jeder Österreicherin und jedes Österreichers“, meint Alois Ferscha. Und Franz Wotawa: „Forschung hat auf längere Sicht immer auch große Auswirkungen auf die Gesellschaft und Wirtschaft eines Landes. Ohne Forschung werden keine neuen Produkte entstehen. Die Informatik ist ein Beispiel, wie aus reiner Theorie ein Wirtschaftsfaktor entsteht.“ „Im IKT-Bereich, in Klagenfurt ein eigenes Studium, also Informatik plus technische Bereiche“, sagt Gerhard Friedrich, „gibt es zu wenige Absolventen. Wir müssen mehr davon bekommen.“ Dazu müssse man darstellen, wie die Forschungsleistungen in neue Unternehmen oder Innovationen bei Unternehmen umgesetzt werden können. „Es kommt eine Menge auf uns zu“, meint Friedrich: „Robotics, Künstliche Intelligenz … IKT ist aber nicht nur Jobkiller, sie ist auch Jobbringer! Wir müssen kommunizieren, dass es wichtig ist, in die Zukunft zu investieren. Wenn wir über die Forschung genügend hochqualifizierte Jobs schaffen können, profitieren davon alle.“


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Computer hören Musik Logik und Artificial Intelligence bestimmen unseren Alltag, ob wir es mitbekommen oder nicht Sonja Dries

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in Computer hört Musik, erkennt Rhythmus, Harmonien, Instrumente, Stimmen, Melodien. Er ordnet die Musik automatisch je nach Stilrichtung ein und fasst die gehörten Stücke in GenreGruppen zusammen. Diese Technologie wird zum Beispiel beim FM4 Soundpark angewendet, der Hörern, basierend auf dem, was sie gerade gehört haben, ähnliche Songs und Künstler vorschlägt. Theoretisch baut das System auf Logik und Artificial Intelligence (AI). „Logik ist dabei die mathematische Formalisierung dessen, was wir unter gültigen Argumentationsmustern und Schlussfolgerungen verstehen“, erklärt Gerhard Friedrich. Der Dekan der Fakultät für Technische Wissenschaften an der Uni Klagenfurt verbildlicht seine Gedanken gerne mittels Sudoku. Für dieses Rätsel gibt es Regeln und Vorgaben, die dem Spieler sagen, was er tun darf und was nicht. Obwohl der genaue Lösungsweg nicht vorgegeben ist, ist der Mensch schlau genug, ihn eigenständig zu finden. Genau das sollen auch Computer tun. Das Institut für Angewandte Informatik der Uni Klagenfurt arbeitet gemeinsam mit der TU Wien, der Oxford University

„Ein intelligentes System muss Zusammenhänge logisch analysieren und daraus Vorhersagen über die Zukunft ableiten können“ Gerhard W i dm e r

und den Partnern aus der österreichischen Industrie Siemens und Infineon am Projekt „HINT – Heuristic Intelligence“. Ziel ist, dass Computer Verfahren zur Lösungsfindung, basierend auf Erfahrung, automatisch für neue Probleme generieren. Das war in der Vergangenheit nur mit menschlicher Hilfe möglich. In der Praxis kann das dann bei der Optimierung von Produktionsabläufen oder der Steuerung komplexer Systeme wie dem Zugverkehr eingesetzt werden. „Ein intelligentes System, ob Lebewesen oder Maschine, muss Zusammenhänge logisch analysieren und daraus Schlussfolgerungen oder Vorhersagen über die Zukunft ableiten können, um in einer komplexen Umwelt zu bestehen“, meint Gerhard Widmer, Vorstand des Instituts für Computational Perception an der Uni Linz. Maschinelles Lernen ist laut Widmer inzwischen eine zentrale Säule der AI geworden. Für seine Grundlagenforschung im Bereich AI und Musik erhielt er 2009 den Wittgenstein-Preis. Es ging dabei unter anderem darum, Computerprogramme zu entwickeln, die die Feinheiten der ausdrucksvollen Interpretation in der klassischen Musik analysieren. Für sein neues

Forschungsprojekt wurde Widmer vom European Research Council (ERC) kürzlich mit dem auf knapp 2,5 Millionen Euro dotierten ERC Advanced Grant ausgezeichnet. Widmer und sein Team wollen Computern beibringen, den musikalischen Ausdruck von Musik zu erkennen und selbstständig anzuwenden.

Computerprogramme ­entwickeln, die die ­Feinheiten der ausdrucksvollen Inter­ pretation in der klassischen Musik analysieren Logik und Artificial Intelligence haben längst Einzug in unseren Alltag gehalten. Sie sind keine realitätsferne Wissenschaft. Egal, ob es um das automatisierte Zusammenbauen von Autos, das Management nach einer Umweltkatastrophe, Suchmaschinen im Netz oder Handys geht, Computer übernehmen immer mehr Aufgaben – und die Forschung in diesem Bereich hat wohl gerade erst begonnen.

Demokratie oder Großkonzerne? Die Forschung in den Bereichen Safety, Security & Verification bestimmt auch, wer künftig die Macht haben wird Uschi Sorz

üchenmaschine, Handy, HerzschrittK macher, Flugzeug – wir erwarten, dass sie funktionieren. Ist das alles so einfach?

„Nein“, sagt Thomas Henzinger, Präsident des IST Austria (Institute of Science and Technology). „Computersoftware ist enorm komplex, und dafür, dass wie etwa beim Fliegen oder in der Medizin so viel davon abhängt, gibt es noch zu viele Fehler.“ Bei einem Auto oder Flugzeug sei Trial and Error eine schlechte Idee. „Aber beim Entwickeln von Software fehlen uns noch die mathematischen Grundlagen, um wirklich vorhersagen zu können, ob sie funktioniert.“ An diesen mathematischen Grundlagen arbeitet Henzingers Forschungsgruppe. „Wir brauchen sie, um Softwarefehler zu verringern.“ Und er wünsche sich mehr Studierende für dieses Zukunftsgebiet. Für TTTech, Spin-off der TU Wien und Österreichs erfolgreichtes Start-up, spielt Forschung eine zentrale Rolle. „Wir sind Partner in einer Reihe internationaler Forschungsprojekte“, sagt Stefan Poledna, Mitbegründer und Vorstand des Unternehmens. Es sei essenziell, Nutzen für den Menschen und Sicherheit unter einen Hut

zu ­bekommen. Kernkompetenz ist robuste und sichere Elektronik; die Vernetzungslösungen und Elektroniksteuerungen von TTTech finden sich im NASA Orion Shuttle, im Airbus A380, in der Boeing 787 und vielen Fahrzeugen der Volkswagen-­Gruppe.

„Computersoftware ist komplex, und dafür, dass wie beim Fliegen oder in der Medizin so viel davon abhängt, gibt es noch zu viele Fehler. “ Thomas Henzinger

Steuerungen von TTTech sind im NASA Orion Shuttle, im ­Airbus A380, in der Boeing 787 und in VW-Group-Fahrzeugen „Wir arbeiten daran, Computersysteme so zu bauen, dass sie auch dann weiter funktionieren, wenn ein Teil ausfällt“, so ­Poledna. „Dazu bedarf es eines hochzuverlässigen Netzwerks, über das mehrere Komponenten zusammenarbeiten, um Fehler im Betrieb tolerieren zu können.“ „Bei Safety und Verification ist Korrektheit zentral“, sagt Reinhard Posch, Leiter des IAIK (Institute of Applied Information Processing and Communications) der TU Graz. „Diese ist durch die steigende

­ omplexität der Dinge und die immer K autonomeren Algorithmen ganz wesentlich.“ Sie müsse nicht nur in der Praxis, sondern formal beweisbar werden. Gemeinsam mit der TU Wien, dem IST Austria, der Uni Linz und der Uni Salzburg gehört die TU Graz zum Nationalen Forschungsnetzwerk des FWF zu Verification. Als auf Sicherheit spezialisierte Forschungsgruppe ist das IAIK in viele hochkarätige EU-Projekte eingebunden. Neben der formalen Verification sind die Identität von Personen bzw. Objekten und Governance wesentlich. „Manipulation und Terrorismus können eine große Bedrohung darstellen. Hier ist Verification von kritischen Systemen massiv gefordert“, sagt Posch. Mittelfristig seien Sicherheit, ­Identity und Governance entscheidend dafür, ob Technologie und Wirtschaft von demokratischen Strukturen oder Großkonzernen bestimmt werden, so der CIO der Bundesregierung. „Darum halte ich eine nachhaltige Forschungs-, Förderungs- und damit Standortpolitik sowie ein stärkeres Engagement für Governance und digitale Souveränität für unabdingbar.“


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Mit den Augen des Computers Die Disziplin Visual Computing dient unter anderem der Entwicklung selbstfahrender Autos Sonja Dries

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orst Bischof, Professor am Institut für Computer Graphics and Vision an der TU Graz, befindet sich gerade auf der CVPR 2015 in Boston. 2.800 Menschen, eine Rekordteilnehmerzahl, beschäftigen sich auf dieser Konferenz mit dem Thema Visual Computing. Die Disziplin ist aus den ursprünglich getrennten Bereichen Computer-Grafik und Computer Vision hervorgegangen. Laut Bischof hat man vor allem in Österreich früh erkannt, in Graz schon 1992 mit Gründung seines Instituts, dass beides zusammengehört. Der Nutzen von Visual Computing ist vielfältig. Kaum eine neue Technologie kommt heute ohne ihm aus. Neuerdings ist vor allem das autonome Fahren eine Anwendung, bei der ­Visual Computing benötigt wird. Jeder, der ein Smartphone benutzt, hat eine Visual Computing-Maschine direkt in der Hosentasche. Bilder, die man mit der Kamera macht, werden direkt am Telefon verarbeitet, zum Beispiel, um Gesichter zu erkennen und richtig zu fokussieren. Die TU Graz arbeitet derzeit an einer Vielzahl von Projekten aus diesem Bereich. Ein Beispiel ist das von der ­Österreichischen

„Augen sind die effizienteste Schnittstelle zwischen Mensch und Computer, sofern der Computer damit umgehen kann“ Werner Purgathofer

Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderte Projekt Freeline, das gemeinsam mit der Firma Omicron durchgeführt wird. Kleine autonome Flugzeuge werden entlang von Hochspannungsleitungen gesteuert, um anhand der gewonnenen Bilder ein 3D-Modell zu erstellen. Mit einem Simulationsmodell wird dann berechnet, wann Bäume und andere Gewächse in der Nähe der Leitung so groß werden, dass sie eine Gefahr durch Schnee- oder Windbruch bedeuten. Sehr lebensnah ist auch die Forschung von Torsten Möller. Der Professor an der Fakultät für Informatik der Uni Wien leitet die Forschungsgruppe Visualisation and Data Analysis. Sie arbeitet derzeit gemeinsam mit Astronomen daran, verschiedene Sternformationen am Firmament zu finden, oder analysiert mit Statistikern einen mit Computer betriebenen Handel mit Wertpapieren. Österreichs führende Einrichtung für anwendungsorientierte Forschung im Bereich Visual Computing ist das Kompetenzzentrum VRVi. Segmentierung von C ­ T-Bildern der Wirbelsäule zum schnellen Screenen

großer Patientenmengen, die Erhöhung der Stromverbrauchsvorhersagegenauigkeit in Österreich und die realistische Darstellung der Marsoberfläche aus Satellitendaten sind nur einige der zahlreichen Projekte, mit denen sich VRVi beschäftigt. Warum jede Verbesserung im Visual Computing auch mehr Menschen einen leichteren Zugang zur IT-Technologie bietet, erklärt der Vorstand des Instituts für Computergrafik und Algorithmen an der TU Wien, Werner Purgathofer, so: „Die Augen übertragen bei Weitem die meisten Informationen von allen menschlichen Sinnen. Damit sind sie auch die effizienteste Schnittstelle zwischen Mensch und Computer, sofern der Computer damit umgehen kann.“ Werner Purgathofer ist auch der wissenschaftliche Leiter des VRVi. Derzeit hofft er mit seinem Team auf eine Verlängerung der Förderung des Kompetenzzentrums für weitere acht Jahre. Sollte das klappen, möchte man sich dort in der Forschung in Zukunft vermehrt auf die Bereiche Industrie 4.0, Smart Environment, Internet of Things und Biodatenverarbeitung konzentrieren.

In die Cloud? Aber sicher! Bald wird Cloud-Computing aus unserem Arbeitsalltag und der Freizeit genauso wenig wegzudenken sein wie das Internet Uschi Sorz

loud-basierte Dienste? Wie wäre es C mit Dropbox, Netflix oder Facebook? „Cloud wird zu einschneidenden Verände-

rungen der Informatiklandschaft führen“, prognostiziert A Min Tjoa, Vorstand des Instituts für Softwaretechnik und Interaktive Systeme an der TU Wien. „Fast die gesamte Software wird bald in der Cloud sein.“ Also in auf der Welt verstreuten Rechnernetzwerken von Anbietern, die Rechenleistung, Speicherkapazität und Software bedarfsgerecht und temporär vermieten. Tjoa sieht das nicht negativ. „Für KMU etwa, die sich keinen erstklassigen ITSupport leisten können, hat das viele Vorteile.“ Teure Hardware erspare man sich, Softwareeinsatz könne man an Arbeitsspitzen anpassen, und der geringere Energieverbrauch komme der Umwelt zugute. „Knackpunkt ist natürlich die Sicherheit.“ Sein Institut ist als Teil des COMET-Exzellenzzentrums der Bundesregierung in zahlreiche Forschungsprojekte für eine sichere und datenschutzkonforme Cloud-Technologie eingebunden. „Man sollte genau abwägen, welche Daten man unter welchen Bedingungen in

„Cloud wird zu einschneidenden Veränderungen führen. Fast die gesamte Software wird bald in der Cloud sein“ A Min Tjoa

der Cloud ablegt und das Kleingedruckte der Anbieter lesen“, empfiehlt auch Thomas Fahringer von der Uni Innsbruck. Er leitet unter anderem das H2020-EU-Projekt EntICE. Sein Ziel: die vereinfachte Entwicklung und optimierte Installation von virtuellen Maschinen auf Cloud-Infrastrukturen. „Wir möchten die Vorteile von Container­ diensten, die schneller verfügbar sind als gängige Infrastrukturdienste, für Clouds nutzen. Anwendungen sollen leichter

„Mit Elastic Computing kann sich die Rechenleistung dem Bedarf anpassen“ Schahram Dustdar portierbar werden.“ Virtuelle Maschinen sind meist Kopien von Betriebssystemen, denen beim Cloud-Anbieter Leben eingehaucht wird. „Sie beinhalten auch Dinge, die man nicht wirklich braucht, wie Kartenspiele. Solche Files, die nur Speicherplatz verschwenden und Zeit rauben, versuchen wir zu eliminieren.“ Neue Cloud-

Rechner könne man dann viel schneller und damit auch effizienter starten. „Außerdem wollen wir die Elastizität von Clouds verbessern.“ Elastizität ist das Stichwort für Schahram Dustdar, jüngst unter die Top 5 der Welt für Cloud-Computing gelistet. „Mit Elastic Computing kann sich die Rechenleistung dem Bedarf anpassen“, sagt der Professor am Institut für Informationssysteme der TU Wien. „Es geht noch weiter als Cloud-Computing, indem es außer Ressourcen auch Qualitäts- und Kostenaspekte einbezieht.“ Zudem könne man die Dinge hier nicht nur miteinander vernetzen, sondern auch koordinieren. Etwa wenn sich die Leistung der Klimaanlage eines Smart-City-Gebäudes an die Zahl der anwesenden Personen anpassen soll. „Diese Kontextabhängigkeit kann ich ausdehnen auf viele Fragestellungen innerhalb einer Stadt oder eines Landes“, zeichnet Dustdar ein Zukunftsszenario. „Wir arbeiten an zahlreichen Spezifikationsund Monitoringtechnologien dafür.“ Wesentlich dabei sei Privacy: „Auch die ist kontextabhängig.“


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Computerwissenschaften : Das Glossar Johannes Mörth

Absturz

Durch Fehler im Programm, bei der Hardware oder durch Überlastung fällt der Computer oder eine einzelne Anwendung in Schockstarre, oder bricht die laufende Arbeit unvermittelt ab. Administrator

Plant, installiert, konfiguriert und wartet Computersysteme. Momentan noch ein Mensch. Algorithmus

Handlungsvorschrift, nach der ein Computer eine Aufgabe mithilfe von Datenstrukturen in Einzelschritten lösen kann, vom einfachen Sortieren von Terminen bis hin zum Retuschieren eines Gesichts. Angewandte Informatik

Unterstützt Biologen, Mediziner, Betriebswirte, Klimaforscher und andere bei deren fachspezifischen Fragestellungen. Anwendung

Computerprogramm, mit dem Benutzer etwa wissenschaftliche Aufsätze tippen, Tabellen erstellen, Fotos retuschieren und sich die Zeit mit Spielen vertreiben können. App

Neusprech für Anwendung/Applikation am Telefon. (Be)Nutzer

Mensch, der aus den unterschiedlichsten Motiven vor dem Computer sitzt, wie etwa Gelderwerb, um pornografische Inhalte zu betrachten und neue Kochrezepte zu entdecken. Betriebssystem

Wohlkoordinierte Gemeinschaft von Computerprogrammen, die zwischen der Hardware und den Anwendungen vermittelt. Big Data

Anhäufen von großen Datenmengen. Man kann darin Gesetzmäßigkeiten finden, etwa durch Visualisierung. Bindestrich-Informatik

Steht für die Durchdringung aller Bereiche des Lebens und der Forschung durch die Informatik, allen voran die Wirtschafts-Informatik und die Bio-Informatik als große eigene Disziplinen. Cloud

Die Leiharbeiter unter den Computern. Weltweit verteilt, stehen unzählige Cloud-Computer zur kommerziellen Verwendung über das Internet zur Verfügung. Computergrafik

Informatik mit optischem Mehrwert. Omnipräsent nicht nur am Schreibtisch und am Handy, sondern auch in Hollywood, Computerspielen und zur Visualisierung in vielen Bereichen der Angewandten Informatik.

Computersicherheit

Disziplin zur Abwehr von Viren, Würmern und anderem Ungeziefer aus der Fauna der Schadprogramme. Datenbank

Regal für elektronische Daten, in dem sie mehr oder weniger systematisch verwahrt werden.

Effizienz Im Algorithmus wie im richtigen Leben

abhängig von der Aufgabe und der Kompetenz. Elektrotechnik

Physikalischer Werkzeugkasten zum Bauen von Computern. Gemeinsam mit der Logik eine historische Vorläuferin der Informatik. Fehler

kennt jeder Nutzer. Linderung versprechen Fehlertoleranz, Software-Engineering, Verifikation, Synthese. Fehlertoleranz

Die Eigenschaft eines technischen Systems, seine Funktionsweise aufrechtzuerhalten, beispielsweise wenn in Autos, Flugzeugen oder Cloudcomputern Fehler auftreten, welche die Sicherheit von Menschen gefährden oder finanziellen Schaden anrichten könnten. Großrechner

Komplexes Computersystem, das massig Daten verarbeiten und komplizierte Simulationen durchführen kann. Grundlagenforschung

In Österreich seit jeher unterfinanziert. Voraussetzung für Innovation. Hacken

Im Volksmund für das Eindringen in fremde Computer und Netzwerke verstanden, bezeichnen Programmierer damit das schnöde Schreiben von Programmen, Webseiten und anderen Codes. Hardware

Der physische Teil von Computersystemen, vom Mikrochip bis zur Festplatte. Hintertür Software-Teil, der absichtlich Sicher-

heitslücken enthält, um dem Programmierer Kontrolle über den Computer des Nutzers zu verschaffen. Informatik

Die Wissenschaft, wie man Informationen systematisch verarbeiten kann, und nicht das Zusammenstellen von Webseiten nach dem Baukastensystem, Anpassen von vorhandenen Datenbank-Systemen und Aneinanderfügen von Programm-Modulen Internet

Weltweites Netzwerk an Computern, das nicht abgeschaltet werden kann, ­indem man etwa den Aus-Knopf am Modem im Vorzimmer drückt.

Künstliche Intelligenz

Versetzt den Computer in die Lage, Tätigkeiten auszuführen, die beim Menschen Intelligenz, Logik, und Lernvermögen erfordern. Sobald es funktioniert, nennt man es Praktische Informatik. Logik

Philosophischer Werkzeugkasten zum Verständnis der Welt und der Mathematik. Mit der Elektrotechnik eine Vorläuferin der Informatik. Mailüfterl

Berühmtester österreichischer Computer, 1958 von Heinz Zemanek an der TU Wien erbaut. Mensch-Maschine-Kommunikation

Von der Maus zum Touchscreen, vom Fahrscheinautomaten bis zum Hologramm: Computer und Menschen kommunizieren nicht nur mit der Tastatur. Metadaten

Daten, welche Daten über andere Daten, aber nicht die Daten selbst enthalten. Modell

Vereinfachtes Bild der Wirklichkeit, das am Computer nachgestellt werden kann, um etwa biologische Vorgänge zu verstehen, die Folgen des Klimawandels und das Wetter vom Wochenende zu erfahren, oder die Statik eines Hochhauses zu ermitteln. Praktische Informatik Entwickelt Programmiersprachen, Datenbanken, Computergrafik und andere für die Informatik grundlegenden Dinge. Programmiersprache

Kommunikationsbasis zwischen Programmierer und Computer, die aus Befehlen an den Computer besteht. Benannt nach Frauen wie Ada Lovelace, Männern wie Blaise Pascal, Feenkönigen wie Oberon und Inseln mit Coffea Arabica wie Java. C ist bloß der Nachfolger von B. Schadprogramm Software, die ausschließlich dazu ent-

wickelt wurde, anderen Nutzern zu schaden, etwa indem sie Dateien von der Festplatte löscht. Schnittstelle

Teil eines Systems, wo Informationen ausgetauscht werden. Etwa zwischen Programmen, Hardwareteilen, PCs und Servern und dem Benutzer mit seinem Gerät. Schnüffelsoftware

Programme, die dem Hersteller, seinen Freunden oder dem Geheimdienst Daten der Benutzer liefern, freilich ohne deren Wissen oder Einverständnis. Simulation

Durchführen von Experimenten mit Modellen, weil sie im wirklichen

Leben zu gefährlich, zu aufwendig, zu früh passiert (wie der Urknall) oder noch gar nicht vollständig geschehen (die Auswirkungen des Klimawandels) sind. Sneakers Web

Weil die guten alten Internet-Leitungen mit den heutigen Datenmengen häufig überfordert sind, kommen diese oft rascher an, wenn sie am USB-Stick oder einer externen Festplatte per Benutzer mit Sneakers (engl. Sportschuhe) transferiert werden. Software

Programme und Daten in einem Computer. Software Engineering

Wissenschaft von der professionellen industriellen Herstellung von Software. Standards

Normen, durch die verschiedene Software- und Hardware-Teile reibungslos miteinander funktionieren sollten. Syntax

Grammatik von gesprochener und Programmier-Sprache. Theoretische Informatik

Ergründet, ob bestimmte Probleme überhaupt mit den Methoden der Informatik lösbar sind, und entwickelt Algorithmen und Datenstrukturen zur effizienten Lösung dieser Probleme. Technische Informatik

Erforscht, wie Computer und Netzwerke aufgebaut sein sollten, damit sie funktionieren. Wenn möglich schnell und zuverlässig. Trojaner

Programm, das vorgibt nützlich zu sein, im Hintergrund aber den Benutzer überwacht, die Kreditkartennummer und Passwörter ausspäht oder seinen Computer fernsteuerbar macht. Verifikation

Der Prozess, in dem Computerprogramme andere Computerprogramme lesen, um Fehler zu finden oder die Richtigkeit des Programms mithilfe der Logik nachweisen. Virus

Schleust sich in andere Computerprogramme ein und verbreitet sich zum Schaden von Computersystemen und -Anwendern. Viren sind im Aussterben begriffen, weil sie weitgehend von den selbstständigeren Würmern verdrängt wurden. Visualisierung

Visuelle Darstellung großer Datenmengen in Datenbanken und Big Data.

Wurm Schadprogramm, das sich selbst vermehrt und im Unterschied zu Viren

dazu keine fremden Dateien infizieren muss.


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Gedicht Franz Josef Czernin (geb. 1952 in Wien), Lyriker, Essayist. Seit „ossa und pelion“ (1979) erschienen acht Gedichtbände, zuletzt: „zungenenglisch. visionen, varianten.“ (2014). „Zur Metapher. Die Metapher in Philosophie, Wissenschaft und Literatur“ (2007). „Seit einiger Zeit versuche ich mich an Verwandlungen von Wilhelm Müllers Winterreise“, heißt es im Vorsatz zu „Reisen, auch winterlich“, erschienen anlässlich der Verleihung des Ernst-JandlPreises (2015).

Wilhelm Müller – Winterreise

Was am Ende bleibt

Gute Nacht

Dichterstreit

(…) Die Liebe liebt das Wandern, – Gott hat sie so gemacht – Von einem zu dem andern – Fein Liebchen, Gute Nacht! Will dich im Traum nicht stören, Wär Schad um deine Ruh, Sollst meinen Tritt nicht hören – Sacht, sacht die Türe zu!

Franz Josef Czernin – Reisen, auch winterlich

vom andern zum einen nach mancher weise fernlieb himmelschweifen, was unter schwellen sandt, gehst raumweit rund: anverwandelnd uns durchstreifen, insgeheim im finstern wägen, gleitend über ränder, land

er ich k lein

umnachtet tor; deut schliefst verwegen, sand uns insgesamt verblieb, in schwebe kaum zur hand: nachtönend liderschwer begreife, was bewanderst: stelle leiblich dir verschrieb.

Rätsel von Gaja 2

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Waagrecht: 1 Des harten Gehäuses weicher Kern 7 Lösungsworte: CL-Champ-Camp 8 Wir schreiben sein Zeitalter 10 Darling, ich bin zuhause 11 asap 1 2 3 4 5 6 7 12 Lysergsäurediethylamid im Fachjargon 14 Khan oder Kröte, das ist hier die Frage 15 Gedichte feiner klingen, wenn in diese Versform man sie bette (Mz.) 16 Einst Drehscheibe der Musikindustrie (Abk.) 17 Brachte Lord Greystoke in Schwung 19 Wider hin, hinter vor zeitlich voran 21 Agiler spielt keine Stadt Afrikas verrückt 24 Vorteil wissenschaftlicher Gier 26 Plus minus = Herr Lateiner 27 Was zum Ausforschen in der Taskleiste von Microsofties 29 Oft traumatisch, was da in Betten gemacht wird

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Senkrecht 1 Wird selten gegoogelt (Mz.) 2 Genderbestimmend für Adjektivistinnen 3 Bikini-Mannequin ohne Höschen? 4 Für gegen 5 Wilhelm Conrad hatte den Durchblick 6 Vor seiner stand nämlich ihre Vereinigung mit Zeus 9 Radioaktive Ausstrahlung (Abk.) 13 Quell höchster Hackerfreuden 14 Kinderschuhkonsole 18 Sorry. Norobot is perfect 20 Hat Schmetterling im Bauch 22 So bietet man kein Détail feil 23 Dort wachsen Gartentomaten als Paradieser 25 Megamäßig Terabyte 28 Emaillierter Antwortschmuck?

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Lösungswort: Lösungsworte: 1

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Lösungswort: HALLO WELT Waagrecht: 1 SOFTWARE, 7 NOU, 8 COMPUTER , 10 HEIMKINO , 11 NOW , 12 ACID , 14 AGA, 15 SONETTE , 16 CD, 17 LIANE , 19 HER, 21 ALGIER , 24 NEU , 26 DO, 27 EXPLORER , 29 NAESSEN; Senkrecht: 1 SUCHMASCHINEN , 2 FEMININ, 3 TOPMODEL , 4 ANTI, 5 ROENTGEN, 6 EUROPA, 9 UKW, 13 CODE , 14 ATARI, 18 ERROR, 20 RAUPE, 22 GROS , 23 EDEN, 25 EXA, 28 RE

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erich klein

Dichtung, diese Unendlichsprechung vor lauter Vergeblichkeit und Umsonst. So wurde Dichtung, wenn sie überhaupt definierbar ist, einmal vor gut fünfzig Jahren definiert. Dazu passt der „Enzensberger-Koeffizient“, demzufolge die Anzahl der Leser von Dichtung und Gedichten in keinem Land und in keiner Sprache mehr als zweihundertfünfzig betrage. Dichtung – ein Minderheitenprogramm? Mitnichten! Dass Dichter sich öffentlich streiten, kommt dabei nicht sehr oft vor, geschieht es dennoch, fällt der Disput umso drastischer aus. So geschehen vor etwa zwanzig Jahren, als der österreichische Lyriker Franz Josef Czernin, Nachfahre eines eher experimentellen Schreibens mit deutlichen Bezügen zur Wiener Gruppe, zu einer großen Polemik gegen Durs Grünbein, den damaligen Rising Star neudeutscher Großdichtung, ansetzte. Czernin warf dem ostdeutsche Neoklassiker exzessiven Gebrauch hohler Genitivmetaphern vor, die nichts mehr als Klischees seien. Es fielen Ausdrücke wie „subkulturell geeichter Großstadtjugendlicher“ und „der feinnervige Elegante, das antimetaphysische und postnietzscheanische Zünglein an der Nervenwaage“. Durs Grünbeins gesalzene Replik ließ nicht auf sich warten: „Wenn ein Autor so etwas über einen anderen Autor sagt, kommt er entweder aus Ös8 terreich 9 oder er hat ein Problem. In diesem seltenen Fall liegt wohl beides vor, und ich muß damit rechnen, dass es ernst gemeint ist.“ Es klang wie eine Laudatio! Zwanzig Jahre und viele Preise auf beiden Seiten später – beide, Grünbein und Czernin sind mittlerweile Mitglieder der „Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“ – ist noch immer alles ernst, wenn nicht noch viel ernster. Czernin, der enzyklopädische Literaturexperimentator mit Einflüssen von der Romantik über die Mystik und den Symbolismus bis zu diversen Avantgarden, hebt immer radikaler auf das große Ganze ab – mittlerweile schreibt er „zungenenglisch“. Es handelt sich um eine „visionäre“ Sprache, die Engel, England und noch viel mehr in einen rasenden Wirbel von Bedeutungen versetzt, und etwa so klingt: „blitz-zackt. anfänglich da, / allseits weiss-pur, schleudert-raum. //und heiss splitteratmen, schlageilig / geheimart, erd-dichte. dies verblies, // tief baum-innen uns. die spalt-äxte. / wirbel, säulenrauch. ob versteckst, //…/ wie fern königszaun, vogelort.“ Kürzlich erhielt Franz Josef Czernin den ErnstJandl-Preis für Lyrik, wozu wir gratulieren.


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