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e n t g e l t l i c h e Ve r l a g s b e i l a g e z u F a l t e r 2 6 , 2 0 1 3
Foto: Karin Wasner
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Neue Wiener Schulen machen Spaß
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„ W i r e r z i e h e n K i n d e r z u r S e l b s t s t ä n d i g k e i t “ Reportage von den Wiener Campus D a s W i e n e r C a m p u s m o d e l l Was das Wiener Bildungsmodell der Zukunft leisten kann A m b i t i o n i e r t e s N e u b a u p r o g r a m m Die neuen Bildungsgebäude für Wiener Kinder H o c h g l a n z f ü r a l t e S c h u l e n Wiens Programm zur Sanierung bestehender Gebäude
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„Wir erziehen die Kinder zur Selbst Das Wiener Campusmodell kombiniert Unterricht mit Freizeit. Kinder lernen, sich zu organisieren, der Übergang vom Kindergarten zur Schule wird erleichtert. Eine Reise zu den drei aktuellen Campus-Standorten in Wien
U
m acht Uhr Früh läutet am Campus Gertrude-FröhlichSandner die Schulglocke – zum ersten und letzten Mal am Tag. Mehr als 400 Kinder laufen in ihre Klassen, auch im Kindergarten nebenan kann der Tag beginnen. Für manche hat er das schon längst: Eltern, die früh in die Arbeit müssen, können ihre Kinder ab sechs Uhr am Campus abliefern. Die Frühbetreuung erfreut sich großer Beliebtheit. „Von acht bis halb vier haben wir Schulbetrieb, eine Mischung aus Unterricht und Freizeit“, erklärt Schulleiterin Ingrid Fischer. Zusammen mit Kindergartenleiterin A ndrea Gerstl sitzt sie am Besprechungstisch der Direktion. Es ist ein heller, großer Raum, die Tür bleibt offen. Ab und zu kommen Kinder herein, um Fischer Fragen zu stellen oder ihr etwas Wichtiges zu erzählen. „Der Campus“, sagt Fischer mit Nachdruck, „ist keine Schule.“ Der Gertrude-Fröhlich-Sandner-Campus am Areal des ehemaligen Nordbahnhofs im zweiten Bezirk ist eine von drei ganztägigen Bildungseinrichtungen für Kindergarten- und Schulkinder in Wien. Den Tag über wechseln Lerneinheiten und Freistunden, von halb vier bis 18 Uhr gibt es ein breites Betreuungsangebot: Musik- und Tanzkurse, TheaterWorkshops, Sport und vieles mehr. Wer keinen Kurs belegen will, kann seine Freizeit selbst gestalten. Auch die ganz Kleinen dürfen wählen: Im Kindergarten gibt es Gruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, derzeit beschäftigt man sich vor allem mit dem Thema „Wiese“. „Die Kinder können jeden Tag aussuchen, in welcher Gruppe sie sein wollen oder ob sie lieber etwas anderes machen wollen“, sagt Gerstl. Zu Mittag können sich die Kleinen schlafen legen, einfach nur ausruhen oder ein Buch ansehen.
Entwicklung sozialer
Kompetenz
Mit einer Fläche von etwa 14.000 Quadratmetern und seinen rund 80 PädagogInnen ist der GertrudeFröhlich-Sandner-Campus der größte der drei Standorte in Wien. Insgesamt wurden 38 Millionen Euro in den Campus investiert, eröffnet wurde im Herbst 2010. Die Ganztagsvolksschule hat 17 Klassen mit etwa 420 SchülerInnen, den Kindergarten besuchen rund 250 Kinder. Am Campus arbeiten Kindergarten-, Schul- und HortpädagogInnen gemeinsam. Die Freizeitaktivitäten werden altersübergreifend angeboten: In den Pausen und Freistunden spielen die Kinder gemeinsam, mitunter wird auch zusammen geturnt. „Die Kinder“, sagt Gerstl, „genießen diese Auswahl an SpielpartnerInnen. Das fördert die Selbstständigkeit und die soziale, emotionale Kompetenz.“ So können sich auch Kinder ohne Geschwister mit älteren und jüngeren anfreunden und Vorbilder finden. „Die größeren Kinder verstehen durchaus, dass man auf die Kleinen Rücksicht nehmen muss“, sagt Fischer. Bei der Frage nach den Vorteilen des Campusmodells für die Kinder sind sich die PädagogInnen einig. „Sie wachsen hier auf, kennen die anderen SchülerInnen, die LehrerInnen und das Umfeld“, sagt Gerstl. So wird der Übergang zwischen Kindergarten und Volksschule erleichtert: „Je besser die Kinder ihr Umfeld kennen und darauf vorbereitet sind, desto weniger Angst und Unsicherheit haben sie.“ Hier gibt es keinen Bruch, keine Abschiedsdramen, die Kinder gehen einfach weiter, nach nebenan. „So bleiben Freundschaften, die sich im Kindergarten aufgebaut
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Kinder am
Campus Gertrude-Fröhlich-Sandner
im zweiten Bezirk
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ständigkeit“
3 Die Kinder genießen die Auswahl an SpielpartnerInnen. Das fördert die Selbstständigkeit und die soziale und emo- tionale Kompetenz
Foto: Karin Wasner
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haben, bestehen“, sagt Fischer. Diese pädagogische Vernetzung zwischen Schule und Kindergarten ist einzigartig. Sie hilft vor allem Kindern, die kognitive Probleme haben oder sich mit anderen schwertun. Fischer und Gerstl erzählen von einem Mädchen, das Schwierigkeiten hatte, seine Impulse zu kontrollieren. „Als es in die erste Klasse kam, war es unsicher und ging oft zurück in den Kindergarten, den es ja schon kannte“, erzählt Fischer. Die PädagogInnen ließen dem Mädchen die Freiheit. Und die Lehrerin profitierte vom Austausch mit dem Kindergarten: Sie erkannte, dass das Kind schon zuvor Schwierigkeiten gehabt hatte, und besprach sich mit den KindergartenbetreuerInnen. Mittlerweile scheint sich das Mädchen an die Umgebung gewöhnt zu haben, in den Kindergarten geht es nur noch selten. „Doch die Möglichkeit, es zu tun, gibt ihm Sicherheit“, sagt Gerstl.
Die Qualität für die PädagogInnen
Die Frühbetreuung verbringen alle Kinder, auch die VolksschülerInnen, im Kindergarten. Außerdem gibt es Partnerschaften zwischen Kindergartengruppen und Schulklassen: Man unternimmt Ausflüge, feiert Feste, es wird gespielt und vorgelesen. „Durch diese Mischung entsteht ein großes Lernfeld. Kinder, die Schwierigkeiten im kognitiven Bereich haben, verfügen oft über soziale Stärken, die sie hier nutzen können“, sagt Gerstl. Wenn die Kindergartenleiterin in der Volksschule unterwegs ist, kann es passieren, dass sie von Kindern angesprochen und mitunter umzingelt wird. „Frau Gerstl!“, rufen die Kleinen, dann wird geplaudert. „Das hat für mich schon eine ganz besondere Qualität“, sagt die Pädagogin. Sie erzählt von der Abschiedskarte eines Kindes, auf der stand zum Schluss: „Ich bin ja nur eine Tür weiter.“ Auch am Campus Monte Laa in Wien Favoriten befinden sich Volksschule und Kindergarten unter einem Dach. „Bei uns hat auch schon
wiener campus modell einmal ein Kind mit fünf Jahren lesen gelernt, weil es zufällig bei uns war“, sagt Volksschulleiterin Irene Jagersberger. Manchmal kommen die Kindergartenkinder stundenoder tageweise in die Volksschule, das nimmt ihnen die Angst vor dem Schuleintritt. Jagersberger betont den Vorteil des Campusmodells für die Eltern: „Sie ersparen sich den Weg zwischen Kindergarten, Schule und Orten der Freizeitgestaltung.“ Für die LehrerInnen schafft das Modell einen besseren Überblick: „Man sieht das Kind als Ganzes, weil man es auch in der Freizeit erlebt. So lernt man die Kinder besser kennen, baut eine Beziehungsebene zu ihnen auf.“ Auch hier wechseln Unterricht und Freizeit, nach halb vier können die Kinder Kurse besuchen oder ihre Freizeit selbst gestalten. „Es ist auch wichtig, dass nicht immer alles durchgeplant ist“, sagt Jagersberger. „Kinder brauchen Phasen, in denen sie für sich sein können und frei sind, ihre Zeit selbst zu gestalten.“
Erziehung zur
Selbstständigkeit Zu Mittag sitzen VolksschülerInnen und Kindergartenkinder in dem großen, hellen Speisesaal in kleinen Gruppen zusammen. Sie holen sich das Essen, danach putzen sie die Tische selbst. „Hier“, sagt Jagersberger, „erziehen wir die Kinder zur Selbstständigkeit.“ Die Volksschulleiterin betont die Vielfalt am Campus: „Die Kinder haben sehr unterschiedliche Hintergründe. In Monte Laa gibt es alles, von Eigentumswohnungen über Genossenschafts- und Sozialbauten. Die Klientel ist sehr gemischt. Die Kinder profitieren von der Vielfalt.“ Im Haus werden 24 Sprachen gesprochen, untereinander unterhalten sich die Kinder auf Deutsch. „Die Sprache lernen sie in der Ganztagsbetreuung viel schneller“, sagt Jagersberger. Die Kinder kämen hauptsächlich aus der Umgebung, doch auch der Andrang aus anderen Bezirken sei groß: „Heute sind mehr Eltern berufstätig. Sie wollen, dass alles in einem Haus ist. Bei uns ist die Sicherheit der Kinder gegeben.“
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Ein Teil des großzügigen Freizeitareals am
Campus Monte Laa
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Im Garten herrscht
Urlaubsstimmung
Der dritte Standort wurde erst im vergangenen Herbst in Floridsdorf eröffnet: Der Campus Donaufeld liegt am Rande einer Siedlung, rund 1.400 Wohnungen wurden hier in den vergangenen Jahren fertiggestellt. Der Campus erstreckt sich über rund 10.000 Quadratmeter und verfügt über einen 9-gruppigen Kindergarten und eine 13-klassige Ganztagsvolksschule. Momentan laufen aber nur Erstklässlerinnen durch die Schule, in den kommenden Jahren sollen dann jeweils drei neue erste Klassen dazukommen. Im Garten des Campus herrscht Urlaubsstimmung. Es ist Mitte Juni, einer der ersten heißen, wolkenlosen Tage des Jahres. Vor Freude kreischende Kinder laufen in Badehosen über die grüne Wiese, veranstalten Wasserschlachten und jagen sich gegenseitig mit Spritzpistolen. Im Schatten unter einer Laube sitzen die KindergartenpädagogInnen, in einer halben Stunde werden auch die Volksschulkinder dazukommen, die gerade Unterricht haben. Der Garten gibt einen Vorgeschmack auf die einzigartige Architektur der Standorte. Auch hier am Campus Donaufeld gibt es großzügig angelegte Freizeiträume, einen gemeinsamen Eingang für Volksschule und Kindergarten sowie eine Turnhalle, einen Sportplatz am Dach, eine Bibliothek und eine kindergerechte Küche. In den Pausen toben die Kinder durch breite, lichtdurchflutete Gänge oder gehen zum Spielen in den Garten. Jeder Freizeitraum ist über eine Terrasse mit anschließender Treppe mit dem Garten verbunden. So kann schnell zwischen Unterricht und Freizeit gewechselt werden. Der Volksschulleiterin Astrid Gerö ist es wichtig, dass sich die Kinder genug bewegen und gesund essen. „Der ganzheitliche Ansatz ist bei uns Grundgedanke“, sagt sie. Auch Gerö betont die Vernetzung zwischen LehrerInnen sowie Kindergarten- und HortpädagogInnen. „Sie alle haben eine unterschiedliche Ausbildung, können sich austauschen und voneinander profitieren.
wiener campus modell So bleiben Probleme nicht an den LehrerInnen hängen, wir arbeiten alle zusammen“, sagt sie. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu anderen Einrichtungen sei, dass man hier ein Komplettangebot biete: „Wir holen Vereine ins Haus, die sich um die Kurse kümmern. Die Musikschule ist schon integriert, auch der Musikunterricht findet mit MusikerInnen der Wiener Musikschulen statt.“
Druck wegnehmen vom
Elternhaus
Gerös pädagogisches Credo: Schule muss in der Schule stattfinden, nicht zu Hause. „Wir fühlen uns für die Leistungen der Kinder verantwortlich, das nimmt viel Druck vom Elternhaus. So wird das Familienleben entspannter“, sagt sie. Um den hohen Anforderungen gerecht zu werden, müssen die PädagogInnen ständig miteinander kommunizieren und planen: Die Kinder können wählen, ob sie draußen im Garten sein wollen, am Spielplatz oder doch lieber im Haus. Es gibt gemeinsame Ausflüge, Feste und Lesestunden. Das klingt nach einem Haufen Arbeit. „Es ist sicher mehr zu tun, allein wegen des organisatorischen Aufwands“, sagt Gerö. Auch Jagersberger vom Campus Monte Laa spricht von einer „logistischen Herausforderung“: „Man ist ständig damit beschäftigt, Kinder zu sortieren.“ Der Vorteil: die Kinder lernen, sich selbst zu organisieren. Um den Überblick zu bewahren, hat der Campus Nordbahnhof eine visuelle Hilfe eingerichtet: An der Wand im Gang zwischen aufgemalten Bäumen und Blumen ist für jeden Raum eine Tafel angebracht. Die Kinder kleben Sticker mit ihrem Foto in den Bereich, in den sie gehen – so wissen die PädagogInnen, welches Kind sich wo aufhält. Der ganzheitliche Zugang, die Freiheit der Kinder und die Verschränkung zwischen den PädagogInnen brauchen viele Besprechungen. Für die PädagogInnen bedeutet das meist eine ganztägige Anwesenheit vor Ort. „Wir haben zwar mehr Arbeit als in einem normalen Betrieb“, sagt Volksschulleiterin Fischer, „tauschen würden wir aber Text: Siobhan Geets nicht.“
Im Hof des neuen
Campus Donaufeld
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Foto: Karin Wasner
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Großer Andrang
Um Kindern möglichst optimale Bildung und Freizeitgestaltung zu ermöglichen, hat Wien das Campusmodell entwickelt. Rudi Leber, Projektleiter dieser Bildungseinrichtung, über Aufgaben, Ergebnisse und Reaktionen
Herr Leber, wie sieht Wien heute für Kinder aus? Rudi Leber: Kinder leben heute in einer Welt konkurrierender Freizeitangebote, sie können aus einem sehr breiten Programm auswählen, wie sie ihre Freizeit gestalten wollen. Gleichzeitig leben sie aber auch in einer Welt eingeschränkter Bewegungsmöglichkeiten und reduzierter Spiel- und Gestaltungsräume. Um alldem entgegenzuwirken, braucht es eine visionäre Bildungseinrichtung mit erfahrenen PädagogInnen im Kreativitätsbereich, mit SportpädagogInnen und MusikpädagogInnen. Und wie sieht diese visionäre Bildungseinrichtung aus? Leber: Sie ist das Wiener Campus-
Rudi Leber: „Das Campusmodell ist nicht nur aus pädagogischer, sondern auch aus sozialpolitischer, aber auch architektonischer Sicht ein zukunftsweisendes Modell.“
modell mit der Aufgabe, die Bildungsqualität im urbanen Raum weiter zu steigern. Der erste Campus startete im Schuljahr 2009 am Monte Laa und ist in der ersten Umsetzungsphase für Kinder von 0 bis zu 10 Jahren konzipiert. Durch die Vernetzung und Nähe der einzelnen Institutionen wie Schule, Kindergarten und Freizeiteinrichtungen werden Übergänge fließend gestaltet – somit ist eine ganzheitliche Bildungskontinuität gewährleistet. Diese Partnerschaft am Campus sichert Offenheit und eine Gesamtverantwortung zur bestmöglichen Bildungsarbeit für alle zu betreuenden Kinder. Rund ein Drittel der Wiener Bevölkerung hat Migrationshintergrund. Dem muss ein modernes Schulsystem Rechnung
tragen, indem es die interkulturelle Erziehung optimal fördert. Fürs Campusmodell sind ganztägige und ganzjährige Öffnungszeiten vorgesehen. Daher ist das Campusmodell nicht nur aus pädagogischer, sondern auch aus sozialpolitischer, aber auch architektonischer Sicht ein zukunftsweisendes Modell. Wie drückt sich das in der Architektur aus? Leber: Es gibt großzügig gestaltete Eingangsbereiche für alle Einrichtungen. Die Innenräume sind sehr hell gestaltet. Schul- und Kindergartenkinder können gemeinsame Räume wie Bibliothek, Turnhallen und Küche gemeinsam nutzen. Auch steht ein großer Garten mit Spiel- und Sportplatz allen Kindern
Der Wiener Architekt Gerd Schlögl, von Schlögl Architekten, über die Anforderungen zeitgemäßer, gesamtheitlicher Pädagogik an den Wiener Schulbau Neue Erkenntnisse in der Schulpädagogik haben zu neuen Konzepten im Schulwesen geführt. Dadurch ändern sich natürlich auch die Anforderungen an den Schulbau. Wir sprechen heute vielfach von Individualisierung des Unterrichts. Die Schüler haben zum Teil sehr unterschiedliche Lernrhythmen. Um darauf einzugehen, braucht es mehr Räume, Bereiche, in denen Schüler ihrem Lerntempo entsprechend arbeiten können, insgesamt daher nicht nur mehr, sondern auch flexiblere Schulräume. Besonderes Augenmerk wird dabei auch auf die Ausbildung von Kindern mit Behinderungen gelegt. Zum Teil durch bessere Integration, zum Teil auch durch die Schaffung von Klassen, in denen auf die Bedürfnisse dieser Kinder speziell eingegangen wird. Neue Herausforderungen werden aber auch durch den vielfachen Elternwunsch
nach Ganztagsbetreuung der Kinder gestellt. Die Ganztagsschulen müssen für Lernen, Essen und Freizeitgestaltung eingerichtet sein. Es sind daher zusätzliche Küchen, Speisesäle und auch Freizeiträume und Freiflächen in die Schulkonzepte einzuplanen. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist die Zusammenlegung von Volksschule und Kindergarten – das sogenannte Campusmodell. Kinder unterschiedlicher Altersgruppen werden hier im Rahmen diverser Aktivitäten in Spiel und Sport zusammengebracht. Das führt unter anderem auch zur effizienteren Nutzung der Infrastruktur dieser Anlagen. Noch einen Schritt weiter geht man versuchsweise im geplanten Campus beim Hauptbahnhof Wien. Erstmals soll hier auch eine Neue Mittelschule eingebunden werden. Es werden aber nicht nur pädagogische Anforderungen an die Bildungseinrichtungen der Zukunft gestellt, sondern auch organisatorische und technische.
Das relativ neue Wiener Antidiskriminierungsgesetz soll die barrierefreie Benutzung aller Bildungseinrichtungen durch behinderte Kinder und behinderte PädagogInnen, sicherstellen. Energieeffizienz ist ein weiteres Gebot vor allem bei Neuplanungen, das heißt in der Regel Fernwärme statt individueller Heizsysteme, gedämmte Fassaden, Fenster und obere Gebäudeabschlüsse. Auch der Brandschutz in Bildungseinrichtungen unterliegt immer strengeren Richtlinien. Ein wichtiger Aspekt bei der Planung von Bildungseinrichtungen ist auch die baukünstlerische Qualität in Bezug auf das Stadtbild und in Bezug auf die Erziehung der Kinder zu einem besseren Architekturverständnis. Einen Schritt in diese Richtung hat die Stadt Wien in den Neunzigerjahren mit dem Schulbauprogramm 2000 gesetzt. Durch Beauftragung der österreichischen TeilnehmerInnen an der Architektur-Biennale in Venedig einerseits und der aus Architekturwettbewerben hervorgegangenen Siegerprojekte andererseits ist Schularchitektur auf hohem Niveau entstanden.
Nicht minder wichtig ist es jedoch, die bestehenden 200 Pflichtschulen an den heutigen Standard heranzuführen. Für die bereits angesprochene Individualisierung des Unterrichts und für ganztägige Schulformen fehlt jedoch in diesen Gebäuden meist der notwendige Platz. Funktionsbedingte Umbauten und Anpassungen an die heute vorgeschriebenen Klassenschülerhöchstzahlen von 25 sind schwierig, da die bestehenden Schulen oft in klassengroßem Raster mit größeren Schülerzahlen angelegt wurden. Kaum eine dieser Schulen entspricht in Bezug auf Wärme-, Schall- und Brandschutz dem heutigen Stand der Technik und für den Erhalt sind meist substanzsanierende Maßnahmen erforderlich. Diese Maßnahmen werden seit einigen Jahren von der Stadt Wien im Rahmen des „Schulsanierungspaketes 2008–2017“ gefördert. Fehlender Schulraum muss fallweise durch Zubauten, oft in Form von Mobilklassen, ergänzt werden. Ihr Vorteil ist, dass zusätzlicher Schulraum in wachsenden Bezirken rasch zur Verfügung steht.
Foto: Karin Wasner, Schlögl Architekten
SCHULE DER ZUKUNFT
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„Kindergarten und Schule an einem ge- meinsamen Standort erleichtert vieles“ zur Verfügung. Und gemeinsame Speisebereiche ermöglichen es ihnen, einander untertags zu treffen.
Foto: Karin Wasner
Welche Vorteile bringt dies den Kindern am Campus? Leber: Der Übergang vom Kindergarten zur Schule wird durch den gemeinsamen Standort erleichtert. Freizeit wird nicht mehr nach Altersstufen getrennt. Es gibt ein enges Zusammenwirken von Kindergarten, Schule und Freizeit – das ist für die heranwachsenden Kinder äußerst positiv. Die weitläufigen Spiel-, Sport- und Freiflächen sind großzügig auf die Bedürfnisse von Kindern und Pä-dagogInnen abgestimmt. Moderne Freizeitpädagogik bietet für die Entwicklung von Autonomie und Selbstverantwortlichkeit die besten Voraussetzungen. Sie fördert die Toleranz, den gegenseitigen Respekt und den rücksichtsvollen Umgang miteinander und unterstützt vor allem die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Am Campus wird es den Kindern ermöglicht, vielseitige Erfahrungen als Basis für eine selbstbestimmte Freizeitgestaltung zu sammeln. Kinder lernen dadurch, sinnvolle und befriedigende Angebote von konsumorientiertem Tun zu unterscheiden. Der Einsatz von erfahrenen PädagogInnen gerade in den Bereichen Sport, Musik und Kreativität ist ein wichtiger Impuls in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen. PädagogInnen klagen oft über zu wenig Arbeitsraum für Vorbereitungen. Wird dem Rechnung getragen? Leber: Ja. Aufmerksame BeobachterInnen der Bildungsdebatten haben noch die Klagen über fehlende Arbeits- und Vorbereitungsmöglichkeiten für PädagogInnen in Erinnerung. Auch hier zeigt sich, dass eine neue Herangehensweise bei der Planung des Raumprogramms positive
„In regelmäßigen Abständen soll eine
Evaluierung
Auswirkungen haben kann. Bei den Bildungseinrichtungen Campus wird ständig an der Weiterentwicklung gearbeitet, um den PädagogInnen mehr Raum, darunter auch Teamräume, zur Verfügung stellen zu können. Welche Anforderungen sehen Sie an die Zukunft des Modells? Leber: Bei der Konzeption des Projekts Campus wurde davon ausgegangen, dass es sich nicht um ein endgültig festgelegtes Programm handeln kann. Der dynamischen Weiterentwicklung wird eine hohe Bedeutung beigemessen. In regelmäßigen Abständen soll mittels quantitativer und qualitativer Erhe-
des Wiener Campusmodells stattfinden.“ Rudi Leber
bungsmethoden eine Evaluierung durchgeführt werden. Die erhobenen Daten werden wissenschaftlich ausgewertet und entsprechend einer Ist-Soll-Feststellung analysiert. Wie kommt das Campusmodell bei Kindern und Eltern an? Leber: Nach heutigem Stand und den derzeitigen Erfahrungswerten ist das Projekt „Bildungseinrichtung Campus“ ein Erfolg. Es kann eine umfassende Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen gewährleisten. Dementsprechend stark ist der Andrang an unseren Campusstandorten. Es werden immer mehr Kinder angemeldet, als aufgenommen werden können.
Der Umbau bestehender Schulgebäude gestaltet sich nicht immer einfach. Was ist hier aus Ihrer Sicht besonders zu beachten? Leber: Ökologische Aspekte bei Sanierungen sind ein wichtiger Faktor. Wir wollen energieeffiziente Gebäude, die Stadt saniert ihre Schulgebäude und beachtet dabei strenge Umweltauflagen. Die Herausforderung für die nächsten Jahre ist es, zu überprüfen, welche Schulen wie zu adaptieren sind. Nur durch die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen und Beteiligten kann der Spagat zwischen Wünschen der Nutzer und baulichen Gegebenheiten bewältigt werden. Interview: Dieter Hönig
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Die Schule als Dorfplatz
Die Stadt Wien geht schon in der Vorbereitungsphase von Bildungsneubauten neue Wege und berücksichtigt bei Ausschreibungen neben technischen auch moderne pädagogische Anforderungen
chulklassen im herkömmlichen Sinne könnten bald der Vergangenheit angehören. Stattdessen setzen Architekten neuerdings auf sogenannte „Cluster“ mit zentralen „Marktplätzen“ und rundum gruppierten Bildungsräumen. „Man kann sich das Grundkonzept als Dorfstruktur vorstellen, wo mehrere Bildungsräume um einen gemeinsamen Marktplatz angeordnet sind. In den Klassen selbst gibt es zwei abgesetzte „Nester“, in die sich die Kinder zum Lesen oder zum Werken zurückziehen“, erklärt Architekt Georg Poduschka die Architektur des neuen Bildungscampus am Wiener Hauptbahnhof. Er und seine Kollegen vom Architektenteam PPAG haben den Zuschlag für das Projekt erhalten. In unmittelbarer Nähe des ehemaligen Südbahnhofs, direkt im Sonnwendviertel, soll im Herbst 2014 auf 20.000 Quadratmetern Wiens größter Bildungscampus entstehen. Konzipiert ist der moderne Campus für Kinder bis 14 Jahre. Neben 11 Kindergarten-Gruppen und einer 17-klassigen Ganztagsvolksschule wird dort – erstmals im Campus inkludiert – auch eine 16-klassige Neue Wiener Mittelschule Quartier beziehen. Insgesamt werden um die 1.100 Kinder und Jugendliche und etwa 200 PädagogInnen und Verwaltungspersonal den neuen Bildungsstandort bevölkern. Das Einzigartige: Es entsteht hier erstmals in Österreich ein Campus für Null- bis 14-Jährige, und das zeitgerecht zur Besiedelung der ersten Wohnungen des Sonnwendviertels.
Pädagogische Anforderungen und Unterricht im Grünen
Erstmals wurden bereits im Vorfeld, also beim Architektur-Wettbewerb, neben technischen Anforderungen auch moderne pädagogische Inhal-
te berücksichtigt. Die als Ganztagsschulen geführten Bildungseinrichtungen sind so wesentlich harmonischer miteinander verknüpft, als dies anderswo möglich wäre. Ziel ist es, dass der neue Campus möglichst viele Synergien im Miteinander schafft, zugleich aber den Kindern auch genügend Rückzugsorte bzw. Räumlichkeiten für Kreativität bietet. Wesentlich ist auch die Verknüpfung von drinnen und draußen. Das heißt, es kann jede Klasse und Gruppe, je nach Lust und Wetter, den Unterricht ins Grüne verlagern.
Im neuen Campus beim Hauptbahnhof finden die Kinder in den Klassen „Nester“, in die sie sich zurück- ziehen können
Ganztagsschulbetrieb mit Lern- und Freizeitphasen
Im Kindergarten werden, so das Konzept, je zwei bis drei Gruppen zur nächstgrößeren Organisationseinheit, dem „Cluster“, zusammengefasst. Dadurch wird der offene Betrieb unterstützt, bei dem sich die Kinder nicht ausschließlich in ihrer Stammgruppe aufhalten, sondern ihnen der gesamte Kindergarten zur Verfügung steht. Die Struktur des Projektes ermöglicht es ihnen, sich allmählich mit dem ganzen Gebäude vertraut zu machen, auch Bereiche kennenzulernen, die der Schule zugeordnet sind, und sich darin selbstständig und locker zu bewegen. So sollen der Übergang vom Kindergarten zur Schule erleichtert und allgemeine Räume und Einrichtungen von allen Kindern synergetisch genutzt werden. Mit dieser Umsetzung sehen die Planer das Fundament des Modells realisiert: der geplante Ganztagsschulbetrieb mit einander abwechselnden Lern- und Freizeitphasen, moderne pädagogische Prinzipien wie individuelle Förderung, Arbeiten in unterschiedlichen Gruppengrößen, selbst organisiertes und offenes Lernen sowie Projektunterricht. Der neue Bildungscampus ist
als Kernstück des Gesamtprojektes Sonnwendviertel konzipiert, das bis 2019/20 zwischen Hauptbahnhof und Absberggasse auf einer Fläche von etwa 30 Hektar entstehen wird. Dort, wo noch vor wenigen Jahren Eisenbahnschwellen und Gleise des ehemaligen Südbahnhofs die Gegend zierten, setzt die Stadt Wien nun ein ambitioniertes Stadterweiterungsprojekt um. Nicht weniger als 5.000 Wohnungen sind hier, rund um den zukünftigen Helmut-ZilkPark, vorgesehen. Das bedeutet nicht zuletzt auch eine infrastrukturelle Großoffensive: Straßenbau, umfassende Verund Entsorgung und die Errichtung zweier Brücken zur Verbindung von Favoriten mit dem dritten Bezirk. Insgesamt rund 500 Millionen Euro lässt sich die Stadt Wien diese urbane Erschließung des Gebiets im Zentrum Wiens kosten. Zusammen mit dem neuen Hauptbahnhof und dem „Quartier Belvedere“ entlang des Wiedner Gürtels/Arsenalstraße (zukünftige Alfred-AdlerStraße/Sonnwendgasse) soll Wien in den kommenden Jahren um ein attraktives Stadtviertel mit großer Ausstrahlungskraft für die gesamte Stadt ergänzt werden.
Moderner Zubau in der
Volksschule Mannagettagasse Andernorts ist es schon so weit: Die Volksschule Mannagettagasse in Wien-Grinzing, ein denkmalgeschütztes Altgebäude, wurde bereits um einen neuen, modernen Zubau erweitert. Der Neubau in Leichtbauweise bietet nun Platz für vier Volksschulklassen, eine Vorschul- und eine Freizeitklasse. Ein zum Spielhof umgestalteter Schulhof, entsprechende Garderoben und Sanitäranlagen und weitere Einrichtungen
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Rendering: PPAG architects ztgmbh
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Rendering: PPAG architects ztgmbh
Der geplante
Campus Hauptbahnhof
soll neben Kindergarten und Ganztagsvolksschule erstmals auch eine Neue Wiener Mittelschule umfassen
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Die Verbindung von Alt- und Neubau ist in der
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Volksschule Mannagettagasse im 19. Bezirk 端berzeugend gelungen
Foto: Karin Wasner
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Die neue
Berufsschule in Margareten soll vor allem ein hohes Maß an Transparenz ausstrahlen – unter anderem durch das verglaste Erdgeschoß
Fortsetzung von Seite 11 AllesWirdGut Architektur ZT GmbH, Visualisierung: expressiv
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haben das Gebäudeensemble fit für den Ganztagsschulbetrieb gemacht. Der Standort Mannagettagasse ist übrigens die erste und bislang einzige Ganztagsvolksschule im 19. Bezirk.
Die Wiener Berufsschule mit speziellem „Durchblick“
Im fünften Bezirk steht man praktisch schon in den Startlöchern: Im Herbst 2014 soll die moderne Berufsschule für 600 kaufmänni-
Transparenz, Offen- heit und Durchblick prägen das äußere Erscheinungsbild
sche Lehrlinge der Stadt Wien in der Embelgasse 46 eröffnet werden. Das neue Schulhaus weist eine Gesamtnutzfläche von rund 3.700 Quadratmetern auf und wird 18 Unterrichtsräume sowie ein Frontoffice mit Übungsbüro für Lehrlinge umfassen, die hier ihre Berufsschultage verbringen. Ein Blick auf die Baupläne offenbart Vielversprechendes: Transparenz, Offenheit und Durchblick prägen das äußere Erscheinungsbild. So wird etwa die großzügige Verglasung des Erdgeschoßes Pas-
santen den Ein- und Durchblick in den Schulbetrieb von Lehrlingen bieten. Kommunikativer Mittelpunkt soll die Erdgeschoßzone werden mit Buffet und klar strukturiertem Hofbereich. Über ein großzügiges, zweigeschoßiges Foyer gelangen die SchülerInnen zu den Klassenräumen in den Obergeschoßen. Beeindruckend die Hoffassade mit Verglasungen, die bis zum Boden reichen und einen herrlichen Ausblick in den grünen Innenhof Text: Dieter Hönig schaffen.
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Schulsanierung
Hochglanz für alte Schulen
Neben dem ambitionierten Neubauprogramm-Bildungseinrichtungen 2012 bis 2023 investiert die Stadt Wien auch in den Umbau und die Sanierung bestehender Schulgebäude
ie Volksschulen in der Julius-Meinl-Gasse und Odoakergasse in Wien-Ottakring feierten jüngst ihr 100-jähriges Bestehen. Beide wurden neulich einem Sanierungsprogramm unterzogen und präsentieren sich nun fit für die Zukunft. „Das Schulsanierungspaket trägt wesentlich dazu bei, unsere Schulen auf Hochglanz zu bringen, und auch bei diesen beiden Schulen ist dies wieder besonders gelungen“, sagt ein Wiener Schulexperte aus dem Rathaus. Diese Schule hat eine durchaus bewegte und berührende Geschichte: Im Jahr 1913 zunächst als Mädchenvolksschule eröffnet, hatte die Volksschule Julius-Meinl-Gasse Platz für 15 Klassen. Im Keller sollte später auch ein Schulbad entstehen. Türme auf dem Dach leiteten die Abluft ins Freie. Als besondere Attraktion galt der Trinkstrahlbrunnen mit Kröten als Wasserspeier. Gemeinsam mit der Odoakergasse war sie damals die erste Tagesheimschule mit Nachmittagsbetreuung. Der Schulgarten bot Grün und einen Spielplatz. Während der Kriegszeit durften SchülerInnen den Schulgarten bepflanzen und die Ernte behalten. Arme und unterernährte Kinder erhielten das „Wiener Frühstück“ und ein Schularzt kümmerte sich um deren Gesundheitszustand. Ab 1925 wurde die Schule immer wieder als Vorzeigeschule aufgrund des fortschrittlichen Unterrichts und der hygienischen und baulichen Vorzüge von angehenden PädagogInnen aus dem In-und Ausland besucht. Insgesamt wurden nun in den vergangenen fünf Jahren rund vier Millionen Euro von Stadt und Bezirk in die beiden Volksschulen investiert. So wurden unter anderem die Fassaden und Dächer sowie die gesamte Elektrik erneuert. Im Jahr
2012 standen als letzte große Maßnahmen die Turnsaal-Sanierungen und die Erneuerung der Klassentüren auf dem Programm. Gelder, die man gut angelegt sieht, denn jeder Euro, der in die Bildungseinrichtungen unserer Kinder investiert wird, soll mehrfach zurückkommen.
570 Millionen Euro bis 2017
Ökologische Aspekte sind bei Schul- sanierungen ein ganz wichtiger Faktor
Das Schulsanierungspaket, das 2007 im Wiener Gemeinderat beschlossen wurde, läuft noch bis zum Jahr 2017: Insgesamt werden in dieser Zeit 570 Millionen Euro für substanzerhaltende Maßnahmen in 242 allgemeinbildende Pflichtschulen in Wien investiert. Die Stadt Wien unterstützt die Bezirke mit einer Sonderförderung von 40 Prozent. Beim Start des Schulsanierungspaketes im Jahre 2008 wurde an 144 Standorten mit Sanierungsarbeiten begonnen. Bis Ende 2012 wurden 28 Schulgebäude fertig saniert, wobei die einzelnen Sanierungsinvestitionen je Standort von 18.000 Euro bis fünf Millionen Euro ausmachten. Durch das Schulsanierungspaket wurden bisher über 215 Millionen Euro in Wiens Schulgebäude investiert, was gerade in konjunkturell angespannten Zeiten auch ein positives Signal für den Wirtschaftsstandort Wien ist. Denn von den Sanierungsaufträgen der Stadt Wien profitieren vor allem klein- und mittelständische Unternehmen.
Ambitionierter Schulumbau Ganztagsschulen, in denen Kinder auch einen Teil ihrer Freizeit verbringen, stellen Architekten vor neue Herausforderungen. Der Umbau bestehender Schulgebäude gestaltet sich nicht immer einfach, wie der Wiener Architekt Gerd Schlögl weiß: „Funktionsbe-
dingte Umbauten und Anpassungen an die heute vorgeschriebenen Klassenschülerhöchstzahlen von 25 sind oft schwierig, da die bestehenden Schulen oft in klassengroßem Raster mit größeren Schülerzahlen angelegt wurden.“ Trotzdem wird mit Hochdruck an der Sanierung von Wiener Pflichtschulen gearbeitet. Da die Schulen im Vollbetrieb stehen, müssen die Schulgebäude schwerpunktmäßig während der großen Ferien, in denen die Kinder den Sommer auskosten, zügig renoviert werden. Keine kleine Aufgabe, geht es doch darum, Fenster und Fassaden zu erneuern, Dächer zu sanieren, Turnsäle und WC-Anlagen zu renovieren, Elektro- und Heizungsanlagen zu modernisieren und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine Tagesbetreuung zu schaffen. Die Stadt Wien investiert heuer 53 Millionen Euro an 156 Schulstandorten, damit sich im Herbst die Kinder in ihrer neuen Schule wohlfühlen und das Lernen, gegebenenfalls auch ganztags, Spaß macht.
Vorrang für Ganztagsschulen Wien hat österreichweit das am besten ausgebaute Ganztagsschulwesen, dessen Ausbau wegen der längst überfälligen Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Stadt Wien oberste Priorität hat. Mit einem flächendeckenden Angebot gibt es Wahlmöglichkeiten für alle Eltern. Ab September 2013 sollen zusätzlich zum Schulneubauprogramm weitere fünf Standorte im 3., 13., 20., 22. und 23. Bezirk als Ganztagsvolksschulen geführt werden, darunter die erste Ganztagsvolksschule in Hietzing, Standort Steinlechnergasse. Insgesamt stehen
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Zum hundertj채hrigen Bestehen wurde die
Schulsanierung
Volksschule Odoakergasse
in Ottakring einem Sanierungsprogramm unterzogen
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Schulsanierung
Volksschule Hasenleitengasse
Fortsetzung von Seite 14 für das kommende Schuljahr bereits 41 Ganztagsvolksschulen zur Verfügung.
Neues in Simmering Auch die 1976 erbaute Ganztagsschule in der Hasenleitengasse in Wien-Simmering wird im kommenden Herbst in neuem Glanz erstrahlen. Der beliebte Schulstandort wurde um rund fünf Millionen Euro saniert. Es ist gelungen, durch neue Garderoben und Wände mit Oberlichten helle, freundliche Räume zu erzeugen. Erneuert wurden neben Heizung, Fassade, Fenstern, Dach und Portalen auch die WC-Anlagen und Waschplätze sowie die Elektroinstallationen und die zentrale Warmwasseranlage. Auch Physik- und Turnsaal sowie der Sportplatz wurden neu gestaltet. Die Bezirksvorsteherin Renate An-
Kosteneffizienz ist wichtig, aber letztlich steht die Zufrieden- heit der SchülerInnen an erster Stelle. Sie sollen sich auch noch in vielen Jahren in den Schulen wohlfühlen
Impressum: Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H.,1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 01/536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlagsgesellschaft m.b.H.; Redaktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: Reinhard Hackl; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau
in Simmering schätzen ihr saniertes Gebäude
gerer zeigt sich erfreut: „Die Hasenleitengasse ist ein wichtiger Schulstandort in unserem Bezirk, daher war es für uns besonders wichtig, diese Bildungseinrichtung umfassend zu sanieren.“ Bleiben nur noch die letzten Arbeiten im Gang- und Stiegenhausbereich, die in den kommenden Sommerferien abgeschlossen sein sollten.
Ökologische Aspekte punkten „Ökologische Aspekte sind bei Schulsanierungen ein ganz wichtiger Faktor“, sagt Rudi Leber von der MA 56 – Wiener Schulen. So werden die Fassaden, wenn es der Denkmalschutz zulässt, mit energieeffizienten Dämmsystemen saniert. Bei den Fenstern kommen moderne Holz-Alu-Isolierglasfenster zum Einsatz. Bei den Heizungsanlagen werden neben dem Tausch von Heizkörpern auf energiesparende Flachheizkörper mit Ther-
mostatventilen auch die Heizungssteuerungen dem letzten Stand der Technik angepasst. Ziel ist es, den Energieverbrauch zu senken und so einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.
Auch die Kosten halten Das Schulsanierungspaket wurde zuletzt vom Kontrollamt der Stadt Wien genau unter die Lupe genommen. Dabei wurde vom Kontrollamt insgesamt ein gutes Zeugnis ausgestellt. Und was nicht selbstverständlich ist: Bei keinem einzigen Projekt wurden die genehmigten Gesamtkosten überschritten. „Letztlich steht aber die Zufriedenheit der SchülerInnen an erster Stelle. Sie sollen sich auch noch in vielen Jahren in unseren Schulen wohlfühlen und hungrig nach Wissen gerne zur Schule kommen“, sagt Rolf Bellak, der Projektkoordinator des Wiener Schulsanierungspaketes. Text: Dieter Hönig
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Helle Räume, angenehme Atmosphäre. Die Kinder in der