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Datenklau im Internet Anneliese Rohrer und Niki Kowall streiten Interview mit Claudia Gamon von den JuLis Freier Sex? Klar. Und sonst?
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Volksbank. Mit V wie Flügel.
nur mut zur feigheit
Editorial
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euch nichts ir machen uns und großes vor: Freiheit ist ein n wir Wort. Dennoch habe . Wir et dm ihr unser Heft gewi fragt, wie ge haben Erstsemester Unsere n. Studium erwarte viel Freiheit sie vom der Zukunft – mit viel in Titelgeschichte spielt nig Freiheit. Wir haben we sozialen Medien und rreichs geblickt: nach te Ös über den Tellerrand a. Menschen haben nk Nordkorea und Sri La n Traum von Freiheit ihre uns erzählt, wie sie nach von seinem Radltrip leben. Einer hat uns ckt. Experten der schi Rom Nachrichten ge t: ein Ex-Aktionist, Wor Freiheit kommen zu ortlerin mit Prothese. Sp e ein Polizist und ein ch nicht, was Freiheit no Wir wissen immer für! r sind unbedingt da wirklich ist – aber wi
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ir haben unsere Freiheit verschenkt. Das klingt schlimm, ist es aber nicht. Denn erstens hat es niemand bemerkt und zweitens hat es keinen gestört. Wir fühlen uns wohl und sind gesund. Immerhin. Die paar nächtlichen Panikattacken kriegt doch keiner mit. Das Drücken in der Magengrube geht vorüber. Vertraut uns. Das geht schon. Irgendwie.
nicht BEWEGEN Dass die Alten unsere Pensionen verprassen, während wir als Praktikanten für einen Hungerlohn arbeiten, ist doch ein alter Hut. Ein paar korrupte Politiker, ein paar Justizskandale. Tagesgeschäft. Unsere Wut haben wir uns schon vor Jahren mit Edding auf den Schulrucksack und damit aus dem System geschrieben. „Wer sich nicht bewegt, kann die Ketten nicht spüren!“ Naiv und pubertär, richtig? Mittlerweile wissen wir es besser: Wir haben uns engagiert und dann immer mehr arrangiert. Vernetzt und eingenetzt.
Coverfoto: Christian Bretter 2006 in der Greenestreet, NEw York; Foto: Mara Simperler
nicht aufstehen Irgendwann wurde der Rucksack schäbig und die Ideen gleich mit. Wir haben gelernt, was geht und was nicht geht. Wir wissen Bescheid über Arbeitslosenquoten und Anstellungsverhältnisse, Zukunftsbranchen und Branchenüblichkeiten. Politik passiert und wir passen. Keine Zeit, keine Motivation, keine Perspektive. Es ist immer nur ein Frage der Zeit, eine Frage, wie oft man gegen die Wand rennt, bevor man liegen bleibt. Also lieber erst gar nicht aufstehen.
LIEGENBLEIBEN Nicht, dass wir nicht wüssten was Freiheit ist: Ägypten. Libyen. Der Kampf um die Freiheit im 24-Stunden-Livestream. Das war doch was. Nur hier in Österreich, da gibt es eben nichts zu kämpfen. Die Karten sind verteilt, jetzt heißt es selbst austeilen. Hier brennt nichts mehr. Wie angenehm. Und dann ist es plötzlich wieder da, dieses Drücken in der Magengrube. Tief durchatmen. Das geht schon. Irgendwie.
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Nackt baden! Nachts baden! Ein Kopfstand, um alles mal verkehrt herum zu sehen.
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„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil ich aus umweltfreundlichen Rohstoffen saubere Energie erzeuge und einen Beitrag leiste, um fosile Brennstoffe zu verringern.“
„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil die Solarzellen die ich herstelle für eine effiziente Nutzung der Sonnenenergie sorgen.“
Binder Florian Biomasse
Marco Stipsits Solarzellen-Produktion
„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil die Fahrzeuge, die ich baue, nämlich Räder, keine Abgase absondern.“
„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil ich durch richtige Müllentsorgung aktiv die Umwelt schütze.“
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Lidwine Holzach Fahrrad
Manfred Kögl E-Recycling
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„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil ich Turbinen montiere, die mit der Kraft des Wassers saubere Energie erzeugen.“
„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil durch meine Arbeit die österreichischen Gewässer auch weiterhin saubere, artenreiche Lebensräume bleiben.“
Thomas Lehner Turbinenproduktion
DI Doris Eberstaller-Fleischanderl Gewässerökologie
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„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil ich dafür sorge, dass aus Wind umweltfreundlicher Strom wird.“ Johanna Scharinger Windenergie
Mehr Jobs durch green jobs Karriere mit Umweltund Klimaschutz
„Mein Arbeitsplatz ist ein green job, weil ich mich als Installateur auf Solaranlagen spezialisiert habe.“
Inmitten des angespannten Arbeitsmarktes gibt es ein starkes Lebenszeichen: green jobs. Arbeitsplätze, die aus dem Einsatz für unsere Umwelt entstehen. Mit dem Master plan green jobs sollen bis 2020 100.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Auf der Karriere plattform www.greenjobs.at können sich Jobsuchende daher über aktuelle Jobausschreibungen aus der Branche informieren und direkt auf offene Jobs bewerben. Darüber hinaus erhalten alle green jobs Interessierten einen umfassenden Überblick über die Branche.
Steininger Stefan Photovoltaik-Anlage Facts & Figures 200.000, knapp 5 Prozent aller österreichischen Erwerbstätigen sind in der Umweltwirtschaft tätig. Der Umsatz beträgt rund 30 Mrd Euro. Jährlich werden 760 Millionen Euro für Maßnahmen investiert, die green jobs erzeugen: zB: Förderprogramm Thermische Sanierung: 100 Millionen Euro Förderung bringen circa 10.000 green jobs.
Umweltminister Niki Berlakovich „green jobs sind die Arbeitsplätze der Zukunft. Bis 2020 sollen 100.000 neue green jobs im Land entstehen.“
Österreichs Radsektor: 18.000 Arbeitsplätze und 800 Millionen Euro an Wertschöpfung Bildung ist Schlüssel zum Erfolg Jobplattform green jobs (www.greenjobs.at) Weiterbildungsprogramme (www.klimaaktiv.at)
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IMPRESSUM Medieninhaber Falter Zeitschriften Gesellschaft mbH. Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien T: 01 536 60-0 E: durst@falter.at www.falter.at Redaktion Thomas Askan Vierich (Ltg), Martina Powell, Mara Simperler, Georg Eckelsberger, Raffael Fritz, Anna Schiester, Mathias Morscher, Manuel Köllner, Valentin Ladstätter
„Rebell“ Kowall, freie Liebe, Jung Liberale Claudia Gamon und ein Zwitterwesen – mehr dazu im Heft!
Wissensdurst
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Am Anfang: War nicht das Wort sondern die Inskriptionsschlange - eine Umfrage unter Erstsemestern Zweitausendirgendwann - eine Studi-Odyssee: � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Ein multimedialer Blick in eine Zukunft, in der Unis Konzernen g ehören und soziale Netzwerke Vorstellungsgespräche ersetzen Experten antworten auf 5 Fragen zur Freiheit: � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Festhaltetherapeutin, Polizistenausbilder, Mechatronikerin u.a. Die Hippie-Kapitalistin, � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Claudia Gamon von den JuLis erklärt die freie Liebe und mehr (Un-)Freiheit in Zahlen, wir zählen die Häfenbrüder und -schwestern � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � �
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Freie Liebe, freie Triebe: � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Ihr fragt, DDr. Elfriede „Kamasutra“ Pfannenstiel-Brugger antwortet Wird Prag das neue Amsterdam? � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Wo ist Kiffen am legalsten? Wie viel Heroin darf ich in der Tasche haben? Ein Überblick Kunst! Werk! Zeug! � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Fünf Künstlerinnen und Künstler zeigen ihren Zugang zur Freiheit Wenn die Freundin weg ist: Wird die Freiheit grenzenlos, oder? � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Die Freimeister: Sie basteln an der Freiheit im Flugzeug und auf der Straße � � � � � � � � � �
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Durchbrechen! Wände einreißen! � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Anneliese Rohrer und Nikolaus Kowall streiten in unserer Redaktion Grüße aus Nordkorea: ein Reisebericht aus einem der unfreisten Länder der Welt � Einmal Hacken, bitte! DURST lässt sich von Profis virtuell nackig machen � � � � � Widerstand mit Worten: Lal kämpft in Sri Lanka für Pressefreiheit � � � � � � � � � � � � �
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Mode statt Masse: � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Drei Modedesigner erklären den Zusammenhang von Mode, Freiheit, Individualität und Kommerz Mit dem Fahrrad nach Rom: Mit dem Auto wäre es schneller gegangen � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � Spiel der Freiheit: Frei wie ein Hund oder doch gefangen wie Tom Hanks? Find´s raus! � � � � � � � � � Die Freiheit im Moment: ein persönliches Freiheits-Fotoalbum � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � � �
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CREATIV-Direction & Grafik Christian Bretter Illustration Kurt Rudolf Foto Christian Bretter, Georg Eckelsberger, Mara Simperler, Manuel Köllner oder wie angegeben Produktion Reinhard Hackl Anzeigenverkauf Sigrid Johler (Leitung) Geschäftsführung Siegmar Schlager Druck NÖP Druck- und Verlagsges.m.b.H., DVR: 047 69 86
p Schreibt uns was ihr wollt, wos zwickt und was euch ankotzt. Wir haben für alles Platz.
facebook.com/ durstmagazin durst@falter.at
Fotos: Mara Simperler; Illustration: Kurt Rudolf
Die Redaktion stellt sich vor: unsere Lieblingsfreiheitssongs � � � � � � � � � Tipps und Verrisse: coole Konzerte, blöde Fehler, nervige Happenings � � Best of Students: interessante Uni-Projekte und studentische Arbeiten � Facebook - ein Gedicht: Social-Media-Bash in Rein(m)form � � � � � � � � � Freiheit dank Smartphone? Brauchen wir das wirklich? � � � � � � � � � � � � � Eis zum Frühstück: Die große Freiheit gibt es nicht - ein Essay � � � � � � � �
Autorinnen Florian Skrabal, Paul Rabel, Robin Heyne
Das nächste DURST erscheint zu Beginn des Sommersemsesters 2012.
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Die Redaktion und ihre freiheitssongs durch Bergdörfer. Und irgendwie zeigt ja auch die Textzeile „I can never belong to you“, dass man immer ein Stückchen Unabhängigkeit in sich trägt.
Anna Schiester
kriegt als „die Neue“ von den alten Miesepetern einiges zu hören. Sie duldet!
Manuel Köllner
hat in der DURST-Redaktion seinen Hauptwohnsitz und läuft „zuhause“ nur mehr nackt rum.
Panik-Sänger Andreas Spechtl ein Verdruss-Resumé seiner Generation vorgelegt. Jede einzelne Zeile möchte man dick auf T-Shirts und Wände schreiben. Sätze, die bleiben werden: „Nicht du bist in der Krise, sondern die Form, die man dir aufzwingt.“ Erkennen, dass etwas nicht stimmt – auch das bedeutet Freiheit.
Christian Bretter
gestaltet DURST seit Urzeiten. Er tut das von Wien und Brüssel aus. Wir haben eine Standleitung.
Raffael Fritz
geht zur Zeit mit „Best of Vienna“ fremd, kommt aber nicht von DURST los.
Josef Hader: Freiheit Wir fühlen uns so frei. Gedudel. Freier Fall bla bla. „Der Oma die ungewaschenen Haare ins Gesicht klatschen. Oder in Mistelbach ein Papierl wegschmeißen. Das ist Freiheit.“ Im Zweifelsfall höre ich Josef Hader, wenn es wichtige Dinge zu besingen gilt. Das ist Freiheit oder Altersheim.
Mathias Morscher
kam uns in der Produktion abhanden und schreibt jetzt für die „Anderen“ („Kurier“).
Valentin Ladstätter
hat letztes Mal ausgesetzt, wurde prompt vermisst und kam reumütig zurück. Einstürzende Neubauten: Alles wieder offen Alles ist offen. Deshalb ist das für mich ein Song über die Freiheit. Egal, was man tut, der Ausgang ist offen. Und ist es nicht gerade dieses Nichtwissen über den Ausgang der eigenen Entscheidungen, was die Freiheit zur Freiheit macht? Ok, zu philosophisch. Egal. Das Lied mag ich trotzdem. „Es ist alles wieder offen / Die Zukunft / Die Folge, Nachfolge / Resultat / Tür, Tor, Wein, Hose, Bluse, Hemd und Haar …“
Die Fantastischen Vier: Tag am Meer „Du lebst – du bist am Leben, und das wird dir bewusst, ohne nachzudenken, nur auf Grund der eig‘nen Lebenslust.“ Meine Lieblingszeile von „Tag am Meer“ handelt vom reinen Bewusstsein, das die Lebendigkeit beweist. „Ich denke, also bin ich“, war gestern. Ich liebe mein Leben, also bin ich, ist heute. Für mich das größte Gefühl von Freiheit: Die Freude am Leben.
Mara Simperler
wenn sie nicht gerade auf Pressereise in Bhutan ist, bastelt sie für uns komplizierte Geschichten.
Georg Eckelsberger
ist jetzt irgendwie schon ewig dabei und nur schwer vermittelbar („Datum“).
Kings of Convenience: Boat Behind Ich hatte dieses Lied auf praktisch jeder Reise der letzten zwei Jahre in Dauerschleife. Jedes Mal, wenn ich die ersten Töne höre, verschwindet der graue Alltag und ich bin im Kopf zurück in den Höhen des Himalaya, den Stränden im Süden, auf meditativen Busfahrten
Ja-Panik: DMD KIU LIDT Mit dem vierzehn Minuten langen Track DMD KIU LIDT hat Ja-
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Adam Freeland: We Want Your Soul „Your cellphone, your wallet, your time, your ideas, no barcode – no party, no ID – no beers“ – Der Song „We Want Your Soul“ handelt von der ständigen Unfreiheit, an die wir uns natürlich schon längst gewöhnt haben. Sonst sage ich: Musik soll sich nicht mit der Politik ins Bett legen, sonst ist sie bloße Propaganda. Aber diese Propaganda hier klingt nunmal ausgezeichnet – nicht zuletzt wegen eines Soundschnipsels des viel zu früh verstorbenen Standup-Comedy-Genies Bill Hicks: „Here. Watch this. Shut up. You are free to do as we tell you.“
Sonic Youth Daydream Nation Die Stromgitarre macht den Sound der Freiheit. Lou Reed mit seinem Song „Small Town“: „There is only one good use for a small town / You hate it and you‘ll know you have to leave“, und Lemmy Kilmister von Motörhead mit seiner Hymne „Ace of Spades“: „The pleasure is to play / it makes no difference what you say“. Aber Sonic Youth sind die wahren Freiheits-Pioniere. Sie sprengen die Grenzen des klassischen Songs, vereinen Gitarrenrock professionell mit pubertärer Dissonanz und erteilen der Idee einer vernünftigen Erwachsenenwelt – die heute allerorts in der Krise steckt – eine Absage. Thomas Askan Vierich
Dritter Vorname des CR: „Die Peitsche“. Schwankt zwischen „Lass sie machen“ und Panikattacken.
Martina Powell
ist auf ewiger Recherche in Amsterdam; malt jetzt Blümchen unter ihre Texte.
The Lively Ones: Surf Rider Ich sorge immer dafür, dass ich weiche Socken an und Parkettboden unter den Füßen habe, wenn ich diesen Song höre. Dann surfe ich wie John Travolta durch mein Zimmer, denke an Strand, Sommer und frische Meerluft. Ein Mix aus genialen Gitarrenklängen und perfekten Trompetensoli sind manchmal genug, um mich tausende Kilometer weit weg von meiner Arbeit zu befördern. Dank Quentin Tarantino und seinem Film „Pulp Fiction“ ist dieser Track nicht ganz in der Versenkung verschwunden. Auf meiner Festplatte nimmt er seit Jahren einen Ehrenplatz ein.
Elvis Presley: Suspicious Minds Elvis war in den Sechzigerjahren im Sumpf seiner dümmlichen Filme versunken. Er war nur noch ein Rädchen in einer gewinnbringenden, aber inhaltsleeren Maschinerie. Dann im Jänner 1969 die Rückkehr nach Memphis: In zehn Tagen nahm er in einem heruntergekommenen Studio legendäre Songs wie „In the Ghetto“, „Long Black Limousine“ oder „Don’t Cry Daddy“ auf. Am Ende des Studiomarathons, es war schon morgens, „stolperte“ Elvis noch über ein weiteres Lied: „Suspicious Minds“. Er trommelte nochmal seine Band zusammen. Wenn eine Truppe warm gespielt war, dann diese. „Caught in a trap, I can’t walk out...“ Elvis hatte sich künstlerisch befreit – und allen bewiesen, dass er es noch konnte. „Suspicious Minds“ wurde seine erste Nummer 1 seit sieben Jahren. Was für ein Triumph für den damals 34-Jährigen, der beinahe sein Talent verschwendet hätte. Er hatte zu sich selbst und SEINER Musik zurückgefunden. Er war/ist der King.
Fotos: Anders Jensen-Urstad, Manuel Köllner, Mathias Morscher, karin Wasner, Plattenlabels
Florence and the Machine: Dog Days are over Die Botschaft des Songs: Lauf nicht davor weg, wenn du das Glück gefunden hast. Dabei lässt mich die Musik eintauchen in eine fantastisch-surreale Welt, die Alltagssorgen kurz vergessen und richtig wild abzappeln. Daher ist es mein Best-of-Freedom-Song.
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Tipps und Verisse
von georg eckelsberger, valentin ladstätter, Anna Schiester und Mara Simperler
Ton Steine Scherben
1.11., Flex, 18 Euro Die zwei Berliner Elektroheiligen von Modeselektor treten die Reise nach Wien an, um ihren Ruf mal wieder live zu verteidigen. Im Flex wird’s technomäßig scheppern und wohl sehr voll werden. Yeah!
22.10., Szene Wien, 16 Euro Ob der junge Mann mit der heiseren Stimme den deutschen Hip-Hop nun gerettet hat oder nicht, ist immer noch unklar und auch egal. Was Casper live zu bieten hat: schlaue Texte, unpeinlichen Pathos und eine verdammt gute Liveband. Oder einfach: „Frise wie Punker, Swagger wie Rapper!“
25.11., Event Center Hohenems, 39,90 Euro Hollywoodstar Jared Leto hat wieder mal seinen Lidstrich ausgepackt und kommt gut geschminkt, aber in trauriger Stimmung nach Österreich. Trotzdem sollte man sich das Ganze anschauen, weil die Emo-Jungs eine verdammt gute Show rausfetzen. Wenn nicht in der Wiener Stadthalle, dann im Event Center Hohenems.
Yann Tiersen + Guests
2.11., Arena, 20 Euro „Die wunderbare Welt der Amelie“ war unter anderem wegen Yann Tiersens musikalischer Untermalung so wunderbar, der Musiker kann aber noch viel mehr als schön am Klavier herumklimpern. Im Vorprogramm die UK-Band Diagrams. Apparat
Casper
1000 Robota
24.11., Szene Wien, 12 Euro Tomte-Chef Thees Uhlmann hat den Hamburger Jungs von 1000 Robota wohl mal vorgehalten, sie würden nach dem Geld ihrer Eltern stinken. Wer über den angeblichen Geruch hinwegsehen kann, wird mit schlauem, wütendem und ehrlichem Diskurs-Rock belohnt. Wonach riecht eigentlich Thees Uhlmann?
Maike Rosa Vogel
12.10., Studio im Theater Akzent, 12 Euro Die Frankfurterin bezeichnet sich selbst als „Akustikmädchen“ – zumindest auf ihren Konzerten. Sven Regener gehört zu ihren größten Fans und wer Element of Crime mag, ist auch bei Maike Rosa Vogel gut aufgehoben.
Thirty Seconds To Mars
8.11., Flex, 18 Euro Eine Woche nach Modeselektor empfängt das Flex schon wieder hohen Besuch aus Berlin: Sascha Ring, besser bekannt als Apparat, hat eben sein neues Album auf dem britischen Label Mute Records veröffentlicht und präsentiert es live in Wien. Es darf wild getanzt werden.
JBO, supported by Krautschädl dEUS
4.12., Arena, 22 Euro Wenn es um gute Dinge geht, die aus Belgien kommen, sollte die Band dEUS Platz 1 bis 3 belegen. Sinnlos, dEUS irgendeinen Stempel wie Indie oder Rock aufzudrücken, sie halten sich ohnehin nicht daran. Und das alles noch in der (unserer Meinung nach) besten Live-Location Wiens. Schön!
24.-27.11. Wörgl (Komma), Salzburg (Rockhouse), Wien (Arena), Graz (Explosiv), 27 Euro Die Bayrischen Metal-Witzbolde mit Unterstützung der Mundart-Rocker aus Oberösterreich. Wenn da ein Auge trocken bleibt, sollte über einen Besuch beim Optiker nachgedacht werden. Gleich viermal in Österreich, sollte also zu schaffen sein.
Konzerttipps aus ganz Österreich Paul Kalkbrenner
Against Me Björn Berge
28.10., Reigen Wien, 20 Euro Wo Berge hinlangt, da kracht es. Seine Live-Shows sind atemberaubend. Egal, ob sechs oder zwölf Saiten an der akustischen oder elektrischen Gitarre sind oder ob er einen Bass in die Finger bekommt, Björn wird im Reigen in Wien wieder mal seinen Spaß haben. So wie das Publikum.
9.11., WUK, 18 Euro Die Songs von Against Me eignen sich als Soundtrack zum Die-Gesellschaft-beschissenfinden ebenso gut wie zum Vielzuviel-trinken-undrumspringen. Beides hat seine Zeit, beides soll passieren. Im Zweifel: Einfach ins WUK kommen und mitgrölen!
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Kreisky
25.10., Festsaal im Zentrum, Judenburg, 12 Euro Der Eintrittspreis ist mal ein wahres Schnäppchen für die dreckig-krachende Wiener Band mit Frontman Austrofred. Ihre Musik ist
10.12., Werkstattbühne Bregenz, 43,50 Euro Kalkbrenner sagt von sich, er sei ein bisschen erwachsener geworden. Das ist auf seinem neuen Album „icke wieder“ zu hören. Ohne Gesang, keine Zukunftsmusik, sondern Kalkbrenner wie früher soll es nach eigener Aussage geworden sein. Dem Publikum in der Werkstattbühne wird‘s ohnehin gefallen – auch wenn der Eintrittspreis nicht gerade wohlfeil ist. Der Paule ist jetzt nunmal ein Weltstar (im deutschsprachigen Raum). DURST 2/11
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Foto: rotor
Modeselektor
nicht nur gut für Nackenmuskulatur und Rhythmusgefühl, sondern auch für die politische Bildung.
Fotos: Homepage von Maike Rosa Vogel, Check Your Head, Ben de Biel, Mute Records, Ryan Russell, Markus Wustmann, Niels van Iperen, kalkbrenner, ingo pertramer, 30 Seconds to mars, JBO, gitte johannesen, yann tiersen, dEus
Gute Wiener Konzerte
23.11., Szene Wien, 22 Euro Die Scherben wurden mit Sänger Rio Reiser zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Bands überhaupt. Reiser ist schon lange tot und die meisten Hausbesetzer sind schon vor Jahren nach Hause gegangen. Wer sehen will, worum es da überhaupt so ging, lässt sich das am besten in der Szene Wien vortragen.
Politik, Wirtschaft, Religion, Medien und intellektuelle Eliten sind eng miteinander verwoben; die Demokratie wird immer mehr von Korruption, Bestechung und Lobbyismus beeinflusst. Um diese „Parallelsysteme der Macht“ geht es in der Ausstellung „abgehoben – Künstlerische Positionierungen zu Netzen der Macht“, die zur Zeit in der „<rotor> association for contemporary art“ in Graz zu sehen ist. Ein Zeichen gegen die Scheindemokratie, in der unliebsame Gesetze umgangen werden. Um in diese Zwischenwelt einzudringen sind Kritiker auf Insider angewiesen, die investigativen Journalisten, systemkritischen Forschern oder Aktivisten ein kleines Fenster in die Schattensphäre öffnen. In Bildern, Installationen und Videos widmet sich die Ausstellung einem Thema, das aktueller nicht sein könnte. Bis 22.12.2011, < rotor > Verein für zeitgenössische Kunst, Volksgartenstraße 6a, 8020 Graz, Tel. 0316 / 688306, Eintritt frei
Erratum Verratum
kaufen gibt’s, was da ist – so lange der hochexklusive Vorrat reicht. Wer von den Untergrund-Events erfahren will, kommt um Social Media nicht herum. Die meisten Aktionen werden nur auf Facebook oder Twitter angekündigt. Wem es zu anstrengend ist, ständig seine Accounts zu checken, um das nächste 20-minütige Happening nicht zu verpassen, dem sei eine langlebigere Aktion empfohlen: die StrickGuerilla. Ihr Ziel: Die graue Stadt mit bunten Strickwerken verschönen. Und so einen Laternenpfahl zu ummaschen dauert schon eine Weile. Im diesem Sinne: ready, steady, knit!
Wir sind so hip und so urban Sie sprießen wie die Pilze aus dem Boden: Heimlich angelegte Gärten; Geschäfte, deren Türen den Kunden nur für wenige Tage offen stehen; Bäckereien, die hippe Cupcakes verkaufen, aber nur an zwei Tagen im Monat; oder eine Küche, die keine feste Bleibe hat. Das alles ist ja so urban. Pop-up ist der letzte Schrei. Das Prinzip: Kaum sind die GuerillaStores, -Bakeries und -Kitchens da, sind sie auch schon wieder weg. Zu
Österreichischer Hochschulraum Krems Hagenberg Wels
Wieselburg
Seekirchen Steyr SALZBURG
OBERÖSTERREICH
Dornbirn Feldkirch
VORARLBERG
Kufstein Hall
Stams
STEIERMARK SALZBURG
Kapfenberg Leoben
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St. Pölten Baden
Eisenstadt
Wiener Neustadt
BURGENLAND
NIEDERÖSTERREICH
Kuchl
TIROL
Tulln Melk
LINZ
Hollabrunn
Pinkafeld GRAZ Oberschützen Stadtschlaininig Bad Gleichenberg
KÄRNTEN Spittal/Drau Villach
Feldkirchen KLAGENFURT
Universitäten, Medizinische Universitäten, Universitäten der Künste: www.bmwf.gv.at Private Universitäten www.akkreditierungsrat.at Fachhochschulen: www.bmwf.gv.at, www.fhr.ac.at Pädagogische Hochschulen: www.bmukk.gv.at
Foto: rotor
Fotos: Homepage von Maike Rosa Vogel, Check Your Head, Ben de Biel, Mute Records, Ryan Russell, Markus Wustmann, Niels van Iperen, kalkbrenner, ingo pertramer, 30 Seconds to mars, JBO, gitte johannesen, yann tiersen, dEus
Kunst statt Korruption
Zahlen-Punkte trotzdem kein Licht aufgegangen ist, liegt das nicht an euren Rechenkünsten. Eher an unseren (da war doch mal was mit „Klapustri“). Offensichtlich ging unsere Idee, den Stinkefinger als ultimative Antwort zu präsentieren, irgendeiner höheren Macht gegen den Strich. Anders können wir uns nicht erklären, dass sich ein Fehler durchs Lektorat geschummelt hat. Als Wiedergutmachung haben wir auf Seite 60 ein Spiel der Freiheit für alle gebastelt, die nicht völlig von ihren Vorlesungsinhalten gefesselt sind. Diesmal funktioniert´s. Versprochen. Es muss ja nicht gerechnet werden.
Die Antwort auf alle Fragen haben wir euch im letzten Heft auf S. 58 versprochen. Wenn euch nach dem Nachzeichnen der Malen-nachDURST 2/11
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Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
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Best of Students An dieser Stelle präsentieren wir ab sofort interessante Studentenprojekte, Bewerbungs- oder Abschlussarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten – aus allen Fachbereichen und Wissensgebieten.
von Manuel Köllner, Mara Simperler, Valentin Ladstätter
Eigentlich Aus Langeweile
Eisfreie Stromleitungen
Wiener Bankerl
Gastarbeiterinnen in Kärnten
Projektleiter Christian Fabian
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n den 1960er und 1970er Jahren kamen im Zuge von Anwerberabkommen zahlreiche sogenannte Gastarbeiter nach Österreich. Das öffentliche Bild der Gastarbeiter in Österreich zeigt diese als jung, arbeitswillig, aus Südosteuropa stammend und vor allem: männlich. Mit diesen Stereotypen will ein Forschungsprojekt am Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudium der Uni Klagenfurt nun aufräumen. Die Doktorandin Viktorija Ratković leitet die rein aus Studentinnen bestehende Forschungsgruppe, die das Bild von Gastarbeiterinnen als hilflose Opfer des Migrationsprozesses neu aufarbeiten will. Gastarbeiterinnen sollen als selbstbestimmt handelnde Personen in den Mittelpunkt der Untersuchungen rücken. Dabei war die erste Erkenntnis für Ratković und ihren Kolleginnen gleich eine ernüchternde: „Es ist fast unmöglich, in Kärnten Gastarbeiterinnen zu finden“, erzählt die Doktorandin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften. Weil vor allem Frauen oft in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt waren, sei es schwierig, Zeitzeuginnen ausfindig zu machen. „Auch in den Betrieben herrscht große Angst, wenn wir nachfragen. Das deutet darauf hin, dass es hier oft nicht so saubere Arbeitsverhältnisse gab“, sagt Ratković. Die Studentinnen versuchen nun, über Medienberichte und Frauenberatungsstellen Kontakt zu ehemaligen Gastarbeiterinnen herzustellen, damit das interdiszi plinäre Forschungsprojekt erfolgreich abgeschlossen werden kann.
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igentlich entstand Johanna Marks Collagensammlung „Als die Tiere den Wald verließen und anfingen sich mit den wichtigen Dingen des Lebens zu beschäftigen“ aus Langeweile zu Hause. Doch als sie die Collagen mit auf die Uni nahm, war man begeistert und stellte sie beim Tag der offenen Tür der Bildenden aus, wo sie viel Aufmerksamkeit erregten. Nun will Mark weiter mit diesem Stilmittel arbeiten. Johanna Mark studiert Technisches und Textiles Werken an der Universität der Bildenden Künste in Wien.
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Meine Bank, meine kleine Freiheit
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ank, Bankkrise, Bankrettung. Vor lauter Banken registriert man die Bänke gar nicht mehr. Einfach die Perspektive wechseln! Catherine Fischer, 23, Studentin der Graphischen, fotografiert sich „Von Bankerl zu Bankerl“. Die Idee für einen Wiener Stadtführer für Bankerl begleitet sie schon längere Zeit. Es müssen nicht immer die Enzis sein. Die haben jetzt ohnehin Löcher und heißen Enzos. Sie kommen trotzdem vor. Fischer hat die Wiener Parks besucht, ihren Kamerasensor an der Donau belichtet oder den Gemeindebauklassiker Karl-MarxHof fotografiert. Die Aussicht dort: Familien, Kinder, Pensionisten – behauptet die Bildbeschreibung. Im Andreas-Park in Wien 7 gibt es immerhin eine bunt bemalte öffentliche Toilette zu sehen. Die wird aber nicht besungen, ganz im Gegensatz zum dortigen Bankerl. Fischer arrangiert ihre Bilder mit Wienerliedern. Wenn es kein passendes Musikstück gibt, kommen die Sitzer zu Wort. Die eine sagt: „Stadtpark! Eine Oase in der Stadt. Zu jeder Jahreszeit erholt man sich hier gerne! Schöne Bankerl für lauschige Rendezvous, alles gibt es hier!“ Die andere: „Es war Sommer und nicht kalt. Ich saß ewig und unterhielt mich über Essen, plötzlich hörte ich einen Schuss und noch plötzlicher fiel eine Taube vom Himmel. Wir nannten sie Christi Himmelfall. Die Hälfte ihres Gesichts war verwundet und sie hatte nur ein Auge.“ „Meine Intention war es den Autoren größtmögliche Freiheit bei ihren Texten zu geben“, sagt Fischer. Das Werk entstand als Diplom projekt von Februar bis Juni 2011.
Fotos: Catherine Fischer, privat, Johanna Mark
Hinten von links: Manuela Saringer und Viktorija Ratković, vorne von links: Rosemarie Schöffmann und Elisabeth Koch.
s kommt aufgrund von Witterungsverhältnissen auf allen Strecken der Wiener Linien und der ÖBB zu unregelmäßigen Zugfolgen. Wir arbeiten an der Behebung des Problems und bitten um ihr Verständnis.“ Winterzeit ist Wartezeit – nicht nur in Wien. Lehrende und Studierende der FH St. Pölten arbeiten im Auftrag der Salzburg AG an einer effizienten Enteisung von Oberleitungen der elektrischen Busse im Salzburger Stadtgebiet. Durch die Vereisung wird die elektrische Leitfähigkeit beeinträchtigt oder der Kontakt ganz unterbrochen. Das heißt: Warten. Gängiges Verfahren zur Enteisung bisher: Es wird ein Kurzschluss erzeugt, um eine Leitung aufzuheizen. Wenn das passiert, können wieder keine Busse fahren. „Diese Methode verschwendet sehr viel Energie und ist für bestimmte Leitungsteile nicht steuerbar“, sagt Projektleiter Christan Fabian. Das Projektteam arbeitet nun an einer Lösung, damit der Fahrbetrieb während des Heizens nicht unterbrochen werden muss. Eisfreiheit, kosten- und energieeffizient, das ist das Ziel. Die Energieersparnis soll in einem „zweistelligen Prozentbereich“ liegen, soweit die erste Schätzung. Fabian hat mit den Studenten Andreas Randacher und David Hahn bereits die theoretische Arbeit abgeschlossen. Hahn entwickelte im Rahmen einer Bachelorarbeit eine Computersimulation und Randacher arbeitet an der technischen Umsetzung. Jetzt wird ein Prototyp gebaut, der in Salzburg ausprobiert werden soll. Das Fernziel des Projektes ist, das System an nordische Länder verkaufen zu können. Die Heizung wird nicht nur für Busse, sondern für alle Verkehrsmittel nutzbar sein, die an einer Oberleitung hängen. Und wir müssen vielleicht weniger in der Kälte warten.
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Facebook – ein Gedicht Von Raffael Fritz
Raffael F. Ritz Es gibt eine Branche, die ich nicht sehr mag – ich weiß ja, man soll nicht gleich werten – doch was machen eigentlich den ganzen Tag diese Social-Media-Experten? Gefällt mir – Kommentieren 3 Personen gefällt das Raffael F. Ritz Denn rechne ich meine Erfahrung darin, dumm auf diese Pinnwand zu stieren und jede Minute und ganz ohne Sinn den Browser zu aktualisieren, dann bin ich wohl ausreichend qualifiziert, um so ein Experte zu werden doch wann wird mir bloß so ein Job offeriert, wo muss ich mich dafür bewerben? Gefällt mir – Kommentieren 2 Personen gefällt das Mathias Morscher Reimemonster, hm? Mara Simperler ZUGABE! Raffael F. Ritz Im Internet habe ich Freunde en masse auf Google Plus, Facebook und Twitter, und ununterbrochen befeure ich das Belanglosigkeitengewitter mit jedem Detail meiner Biografie – es darf ja kein Mensch was verpassen – und Fotos vom Rucksacktrip nach Potosí, man könnte vor Neid glatt erblassen. Gefällt mir – Kommentieren Martina Powell Biografie – Potosí? Deine Reime werden auch nicht besser. Manuel Köllner Wer oder was ist Potosí? Anna Schiester Google sagt, eine Stadt in Bolivien
www.turek.at
Raffael F. Ritz Das hat mich auf einen Gedanken gebracht, die Sicherheit wird immer größer, dass Facebook die Leute nicht dümmer macht – man sieht die Dummheit nur besser. Gefällt mir – Kommentieren 5 Personen gefällt das Valentin Ladstätter Jetzt nicht ausfallend werden! Raffael F. Ritz Und danach betrachtet gibt‘s in unserm Land ein paar Millionen Experten. Was brauchen die alle schon aus erster Hand die Meinung des Facebook-Gelehrten? Drum ist es wohl besser ich halte mich raus und deaktivier‘ mein Profil dann komme ich auch wieder mal aus dem Haus und treff ‘ meine Freunde „in real“. Gefällt mir – Kommentieren Thomas A. Vierich Sehr brav. Und jetzt zurück an die Arbeit, Kollege Goethe. Raffael F. Ritz hat sein Profil deaktiviert.
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1010 Wien, Rotenturmstrasse 14 und 19 1010 Wien, Walfischgasse 3 1070 Wien, Mariahilfer Strasse 22–24 1070 Wien, Mariahilfer Strasse 68 1110 Wien, Simmeringer Hauptstrasse 96a 1120 Wien, Meidlinger Hauptstrasse 20 1170 Wien, Elterleinplatz 12 1170 Wien, Hernalser Hauptstrasse 42–48 1190 Wien, Billrothstrasse 41 1210 Wien, Turek Center, Schlosshoferstrasse 11–15 1220 Wien, Donauzentrum, Donaustadtstrasse 1 2320 Schwechat, Wiener Strasse 12–16
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Mehr Freiheit dank Smartphone? Was bringt ein Touchscreen-Handy wirklich?
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„Beim stundenlangen Telefonieren mit ihrer besten Freundin strangulierte sich die 14-Jährige Jacqueline K. auf tragische Weise selbst mit dem Telefonkabel.“ — Schlagzeilen wie diese gehören der Vergangenheit an.
Das viele Geld kannst du auch für ganz andere nutzlose Dinge ausgeben, die mehr Spaß machen: zu enge Hosen, zu wilde Parties, viel zu teuren Starbucks-Cafe-Latte.
Du musst keinen zwei Kilo schweren Duden mitschleppen, um nachzuschauen, wie man Desoxyribonukleinsäure buchstabiert.
Alle erwarten von dir, dass du ab jetzt nicht nur telefonisch, sondern auch per Mail und auf Facebook permanent erreichbar bist.
Schon mal versucht Handy, Digicam, MP3Player, Notizbuch, Kalender, Stadtplan und Gameboy in eine Hosentasche zu stecken?
Wenn du länger als 30 Sekunden irgendwo warten musst, ist es dir physisch nicht mehr möglich, dich nicht mit deinem Smartphone zu beschäftigen.
Wenn du auf der Suche nach Freiheit in der Wildnis verloren gehst, holt dich dein Navi am Handy wieder raus. Ansonsten gibt’s wahrscheinlich sogar eine eigene App fürs Feuer machen.
Mit dem Blick aufs Display navigierst du dich selbst durch die verwinkeltsten Gassen. Von den Schaufenstern, Cafes und Menschen um dich herum kriegst du aber nichts mehr mit.
Dank Smartphone kannst du auch am Strand arbeiten.
In deinem Geldbeutel befinden sich immer 2 Valium, um die Panikattacken zu bekämpfen, falls du irgendwann einmal das Teil zu Hause (oder horribile dictu: im Beisl!) vergessen solltest.
Es liegt an dir, ob du das Mail deines Chefs/Studiengangleiters am Abend sofort beantworten willst. Aber es ist gut zu wissen, dass er sich gemeldet hat.
Es ist nutzlos im Ausland. Beziehungsweise unleistbar.
Das Treffen der richtigen Tasten am Touchscreen ist eine sehr gute Konzentrations- und Koordinationsübung für deine zittrigen Finger.
Auf deiner Hand ist abends ein Abdruck in der Form deines HTC zu sehen.
Es gibt schon echt lustige Apps: Das Ding, das Musiktitel erkennt. Oder der Wetterbericht aus Osttimor. Oder das Navi. Oder die Bundesliga-App. Oder das Gratis-Fotomanipulierprogramm. Oder?
Hätte Spiderman einen BlackBerry einstecken gehabt, hätte er nicht kopfüber hängend im Regen geschmust, sondern das teure Stück ins Trockene gebracht.
Sie sehen einfach geiler aus als die alten Knochen von Nokia oder Sony-Ericsson.
Das iPhone liegt im Coolness-Ranking der Gadgets zwischen Tamagotchi und Thermos kanne. Von den anderen gar nicht zu reden.
Man kann sich so schön im Touchscreen spiegeln.
Dank GPS-Ortung wissen alle, die es wissen wollen, wo du bist.
Wie solltest du dich sonst an Orten wie der „Apotheke zum lachenden Pinguin“ (Wien 12) einchecken können oder dort sogar Bürgermeister werden?
Vögel gegen eine wackelige Baukonstruktion zu werfen ist grausam – auch wenn‘s nur digital ist.
Ist das ein Smartphone in deiner Hose oder freust du dich mich zu sehen?
Echten Spielspaß gab‘s nur auf monochromen Handybildschirmen – Es lebe Snake!
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Essay
Eis zum Frühstück Mit Freiheit werden Autos verkauft und Ideologien unters Volk gebracht. Kinder glauben Erwachsene wären frei und Erwachsene das Gleiche von Kindern. Von Mara Simperler
Freiheit suchen wir auf Kinderspielplätzen, in der Lotterie und am Strand. Aber was, wenn es diese Freiheit gar nicht gibt?
Wir lechzen dem Mythos Freiheit hinterher, denn wir sind der Meinung, irgendwann hätten wir ihn einmal erlebt, irgendwann werden wir ihn auch wieder erleben.
Jean-Jacques Rousseau, französischer Philosoph Freiheit versprechen uns allerlei schöne Dinge in der Werbung. Frei sein dank Auto (BMW: “Mit Luxus in die Freiheit”), frei sein dank Mobiltelefonanbieter (Orange: “Schritt für Schritt zu mehr Freiheit”), frei sein dank Damenbinden (Always: “Die Freiheit, das Leben
zu genießen”). Freiheit ist, glaubt man diesen Anpreisungen, schon ab läppischen 3,50 Euro zu haben. Um diese vermeintlichen Freiheiten kaufen zu können, brauchen wir allerdings eines: Geld. Für Geld muss man (meistens) arbeiten gehen. Also lassen wir uns 70-Stunden-Wochen aufbürden, um irgendwann „frei“ in unserem BMW zur Arbeit fahren zu können.
Die Freiheit eines jeden hat als logische Grenzen die Freiheit der anderen. Alphonse Karr, französischer Satiriker „Weg mit dem Kapitalismus, weg mit den ganzen Regeln, die uns einengen!“, schreien die Anarchisten seit mehr als einem Jahrhundert dagegen und beanspruchen die grenzenlose Freiheit für sich. Jeder macht sein eigenes Ding, wir sind frei von Gesetzen, frei zu tun, was wir wollen. Totale Verantwortungslosigkeit gegenüber anderen mag zwar die eigene Freiheit erweitern, spätestens mit dem ersten egoistischen Akt ist aber die Freiheit der anderen beschränkt. Oder glaubt noch ernsthaft jemand daran, dass in einer anarchistischen Situation alle Menschen moralisch handeln würden?
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Oskar Kokoschka, österreichischer Maler Die Wahrheit ist wohl eher, dass die Freiheit weder in Form von Damenbinden, noch in Form von Gesetzlosigkeit zu haben ist. Für beide ist sie aber ein gutes Verkaufsargument. Der Begriff wird von Autohändlern, Anarchisten und Almhüttenbesitzern gleichermaßen verwendet und verliert sich somit in der vollkommenen Bedeutungs losigkeit. So gut wie jede Ideologie der letzten hundert Jahre beanspruchte für sich, den Menschen in die Freiheit zu führen. Freiheit durch den Markt, predigen die Neoliberalen, Freiheit durch die Gemeinschaft die Kommunisten. „Arbeit macht frei“ steht sogar in gusseisernen Lettern über den Toren von Auschwitz. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, die große Jagd nach der Freiheit aufzugeben. Die Freiheit ist tot, es lebe die Freiheit. Man sollte den Begriff in die Sparte der Rhetorik einordnen: eine große Idee, von vielen benutzt, von vielen missbraucht. Halten wir uns lieber an die kleinen Glücksmomente: Den Sonnenaufgang zu beobachten, während man mit dem Bus über staubige Straßen Richtung Urlaub brettert. Die Erste in der Bibliothek sein, wenn noch alle Stühle unbesetzt sind. Ein Wochenende lang das Handy ausschalten. Im Sommer das erste Mal kopfüber in einen See springen. Vielleicht findet irgendwer die Freiheit dann sogar in Damenbinden.
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Foto: Manuel Köllner
Als Erwachsene fühlen wir uns zwar oft noch immer so planlos wie Kinder, aber wir merken, dass wir keine mehr sind, weil uns die Freiheiten des Kindseins abgehen: kein voller Email-Posteingang, keine Vorstellung von Steuererklärungen und die größten Geldsorgen jene, ob man sich im Freibad ein Jolly oder ein Cornetto leisten kann.
Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.
Fotos: Mara Simperler
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ls Kind war Erwachsenwerden der ultimative Inbegriff von Freiheit. Wir würden Eis zum Frühstück essen, bis nach der Hauptabendsendung aufbleiben und niemals, wirklich niemals unser Zimmer aufräumen. Stellten wir uns vor.
Freiheit ist ein Kaugummibegriff geworden – an jedem Schlagbaum versteht man etwas anderes darunter.
Peter weibeL, KÜnStLer, Seite 25
Foto: Manuel Köllner
Fotos: Mara siMperler
eS iSt heute in ÖSterreich nicht mÖGLich, eine SyStemKritiSche meinunG ÖFFentLich zu ArtiKuLieren. Öffentlich die meinung rausschreien – oder Streetart auf Fotos festhalten? DURST 2/11
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Umfrage
Lisa, 20, aus Graz, inskribiert Deutsch und Biologie auf Lehramt
Was erwarten sich Erstsemester von ihrem Studium? Mehr Freiheiten? Mehr Stress? DURST hat sich vor der Studienzulassungsstelle der Hauptuni Wien umgehört. Von Mara Simperler & Georg Eckelsberger
„Ich habe bis jetzt Metall- und Schmuckgestaltung gelernt und möchte mir in Wien eine Werkstatt mieten, um während des Studiums weiter daran zu arbeiten. Ich möchte aber nicht abhängig von der Kunst sein, deshalb studiere ich. Lehrerin möchte ich trotzdem gerne werden.“
Lee Chiung, 22, aus Taiwan, inskribiert Transkulturelle Kommunikationswissenschaft
Grigorianna, 18, aus Sofia inskribiert Romanistik
Daniel, 19, aus Wien, inskribiert Geschichte, sozialpolitische Bildung, Geografie und Wirtschaft auf Lehramt
„Ich war an der Uni Linz als Austauschstudent und es hat mir sehr gut gefallen. Dort gibt es aber keine DolmetschKurse, deshalb studiere ich jetzt in Wien. Ich hoffe, dass ich in Österreich bald Snowboarden gehen kann.“
„Ich hoffe, dass ich in Wien gut Italienisch lerne und auch mein Deutsch verbessere. Ich habe mich schon in Sofia sehr frei gefühlt, ich weiß nicht, was sich für mich ändern wird. Da lasse ich mich überraschen. Erst mal muss ich mich an den Euro gewöhnen.“
„Aus meinen Plänen, beim Heer ein freiwilliges Jahr zu machen, ist dank eines Kreuzbandrisses nichts geworden. Weil ich dadurch die Voranmeldefrist an den Unis verpasst habe, war alles ein bisschen kompliziert, ich musste viel herumtelefonieren, um doch noch anfangen zu dürfen. Jetzt freue ich mich aufs Studium – aber nicht auf alle Fächer.“
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FotoS: Georg Eckelsberger
am anfang
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Nicola, 18, aus Bad Leonfeld, inskribiert Kultur- und Sozialanthropologie
Carina, 18, aus Bad Leonfeld, inskribiert Transkulturelle Kommunikationswissenschaft
„Ich bin mit dem Nachtzug gekommen und will noch bis Freitag eine Wohnung finden. Ich freue mich darauf, in einer neuen Stadt zu sein, ohne Eltern, mit neuen Leuten.“
„Ich habe schon zu Hause viele Freiheiten gehabt, deshalb wird sich für mich im Studium diesbezüglich nicht viel ändern. Ein bisschen schwierig finde ich, dass man sich alles selbst organisieren muss.“
„Der Studienbeginn ist anstrengend, es sagt einem keiner, wann man was machen muss. Ich habe nichts gegen Selbstorganisation, aber ganz ohne Infos ist es ein bisschen schwer. Die Angst vorm Anfangen ist schon da.“
FotoS: Georg Eckelsberger
Tom Ole, 19, aus Bremen, inskribiert VWL
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Zweitausendirgendwann – eine Studi-Odyssee – Wie werden wir in naher Zukunft leben und studieren? Unsere e-dentity bestimmt unseren Lebensweg, Städte und Studiengänge werden von Firmen gesponsert und heißen auch so. Aber es gibt Widerstand .... Von Mara Simperler und Valentin Ladstätter
PROFILANALYSE #1: Regelmäßige Postings – Kandidat angemessen konsequent
PROFILANALYSE #2: Letztes Statusupdate vor 2 Stunden – durchschnittliches Aktualitätsbedürfnis
PROFILANALYSE #5: Interagiert mit 1747 Freunden – minderwertige soziale Kontakte
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PROFILANALYSE #4: Symmetrische Gesichtszüge – Kandidat geeignet für persönliche Interaktion
Illustration: Mara Simperler
PROFILANALYSE #6: Durchschnittliche Lebensweise – hohes Konformitätspotenzial
PROFILANALYSE #3: Äußert periodische Konsumwünsche – offen für Crosspromotion
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Ob im Jahr 2020 oder 2025 oder 2030 überhaupt noch getwittert oder gemailt wird, können wir natürlich nicht wissen. Aber etwas Vergleichbares wird es sicher geben. Unsere Voraussage: Persönliche Begegnungen werden so selten sein wie Gedichte auf gedrucktem Papier. Ohne dass wir hier einen Zusammenhang herstellen möchten.
Aufnahmebrief Sehr geehrte/r AT 345098980, Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Sie einen Studienplatz im Wert von 60.000 Credits am Studiengang COCA COLA Chemie erhalten haben. Ihre Ergebnisse im Standardisierten Studieneignungstest (StSt) haben ergeben, dass Sie besonders effektiv in den Bereichen Chemie, Physik und Biologie abgeschnitten haben. Die Persönlichkeitsanalyse Ihres Sozialen-Netzwerk-Profils hat keine Hindernisse für Ihre Teilnahme am COCA COLA Chemie Studiengang ergeben. Daher sind Sie ein qualifizierter Kandidat für unseren Studiengang. Sie können sich an dem COCA COLA Studiengang für Chemie zu einer ausgewählten Elite zählen, die die Zukunft der internationalen Getränkeindustrie entscheidend mitbestimmen wird. Im Sinne bestmöglicher Produktivität erwarten wir von Ihnen eine konstant ausgezeichnete Leistung und größtmögliches Engagement. Um Ihre Loyalität zu COCA COLA Chemie auszudrücken, empfehlen wir Ihnen, sich auf unserer Homepage die Richtlinien für Twitter-Postings hinsichtlich Ihrer Aufnahme am Studiengang durchzulesen. Sollten Hashtags in Postings mit negativen Inhalten aufgespürt werden, behalten wir uns rechtliche Schritte vor. Um Ihnen etwaige Unannehmlichkeiten zu ersparen, empfehlen wir den Standardpost: „Erfrischend innovativ! Mein Studienplatz an der #COCACOLAChemie!“ Beim Kick Off Event nächsten Freitag haben Sie die Möglichkeit, Top-Experten aus der Praxis schon vor Studienbeginn bei einem Networking-Treffen kennenzulernen. Bitte denken Sie daran, Ihre Visitenkarten mitzubringen und Ihren Syncochron upzudaten, um sich optimal vernetzen zu können. Wir erwarten von Ihnen, dass Sie Ihren Studiengang mit Ihrem Auftreten perfekt repräsentieren. Ihren Stundenplan entnehmen Sie bitte der .vbs Datei auf Ihrem Synchocron, die Ihnen mit dieser Nachricht automatisch übermittelt wurde. Sie werden gebeten, den Erhalt dieser personalisierten Nachricht und die Inanspruchnahme des Studienplatzes mittels Ihrer E-dentity-Card zu bestätigen. Mit konformen Grüßen,
Illustration: Mara Simperler
Ihr Studiengangsadministrationssystem, COCA COLA Chemie
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Continental Sponsoring
Grundlagen interkultureller Kompetenz und neuer Weltordnung Rot: Coca Cola Blau: Red Bull Gelb: Gatorade
DOs & DON´Ts persönlicher Interaktion
Begrüßung: Verbeugung (Händeschütteln ist antiquiert und überträgt H1N1 bis H12N1)
Sprechen Sie Ihr Gegenüber nicht mit Kennzahl an – zu förmlich (Geburtsname zeigt persönliche Wertschätzung)
DO
Blick in Augen, nicht auf Synchocron Passen Sie Ihre Sprache Ihrem Gegenüber an – im Zweifelsfall Mandarin
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Wetter Neue technologische Innovationen CelebritySkandale
DON´T
Globale Erwärmung
Gescheiterter
Illustration: Mara Simperler, Reinhard Hackl, Dirk Merbach
Themen für Smalltalk
Afro-Chinesischer Unabhängigkeitskrieg
Land-Grabbing
Babykatzen
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Neue Anschläge von K.U.N.S.T. Terroristische Splittergruppe installiert Gemüsebeete im Stadtzentrum – Folge: 20.000 Euro Schaden und verstörte Stadtbewohner
A gangenen Dienstagmorgen ihr Haus verließ,
entkam sie nur knapp dem sicheren Tod: Auf dem Platz vor ihrer Wohnsiedlung in Block C554 hatten Unbekannte über Nacht grüne Kisten mit Erde und orangen organischen Kugeln installiert. Antonia P. rief sofort die Polizei, die ihre Spezialeinheit für biochemische Waffen G.E.N. powered by Monsanto an den Tatort schickte. G.E.N. powered by Monsanto identifizierte die orangen Objekte als Kürbisse und stufte sie als weitgehend ungefährlich ein, obwohl sie nicht den genetischen Standards entsprechen. Die Bewohner des Blocks C554 wurden von einem Expertenteam psychologisch betreut. Der Anschlag dürfte eine weitere Aktion der anarchistischen Splittergruppe K.U.N.S.T. (Konformität Unterbrechen Normalität Sicherer Tod) gewesen sein, obwohl sich auf Twitter noch niemand zu dem Anschlag bekannt hat. Kennzahl AT 123235494 (Bernhard Graf) von der polizeilichen Einheit für terroristische Aktivitäten ist sich je-
doch sicher: „Dieser Anschlag trägt deutlich die Signatur von K.U.N.S.T. - sie haben schon in der Vergangenheit mit der öffentlichen Verbreitung von nicht genetisch standardisierten Lebensmitteln gearbeitet. Die Gruppe birgt ein großes Risiko für die Politik der Konformität, wir nehmen die Gefahr sehr ernst.“ Die genaue Organisation von K.U.N.S.T. ist nicht bekannt, von Bekennermitteilungen vergangener Aktionen weiß man jedoch, dass die anarchistische Gruppierung das Ziel verfolgt, die Politik der Konformität zu bekämpfen und als sinnlos anerkannte Aktivitäten wie das handschriftliche Verfassen von sogenannten „Gedichten“ auf Papier wieder in der Gesellschaft zu etablieren. Experten vermuten, dass die Untergrundgruppierung vor einigen Jahren von ehemaligen Studierenden der Bildhauerei und Malerei gegründet wurde, nachdem ihre Studienrichtungen im Zuge der Etablierung des Standardisierten Studieneignungstests aufgelassen worden waren.
Illustration: Mara Simperler, Reinhard Hackl, Dirk Merbach
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ls Kennzahl AT 685949841 (Antonia P.) ver-
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diE bEZiEhungsflicKErin
Wofür würde man ein Stück seiner Freiheit aufgeben? Wo liegen die Grenzen der Freiheit? Wir haben Menschen gefragt, die es wissen könnten.
Bindungstherapeutin Lin Burian über mentale Trägheit und die Tragik der Augeum-Auge-Mentalität.
Die Fragen stellten Georg Eckelsberger, Manuel Köllner, Valentin Ladstätter und Thomas Askan Vierich
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Was sind aus Ihrer persönlichen und beruflichen Sicht die Bedingungen für Freiheit?
Freiheit ist basal nur durch einen einzigen Umstand bedingt: Durch unser Menschsein selbst. Sie ist ein Wesensmerkmal des Menschen, ist uns immanent. Wir müssen und dürfen mit der Freiheit leben lernen. Wir haben Entscheidungen zu treffen und uns selbst zu bestimmen. Niemand nimmt uns ab, uns darauf zu besinnen, wer wir sein möchten, wie wir leben, was wir tun oder lassen wollen. Wir sind frei, weil wir Verantwortung tragen, Pflicht oder Schuld erkennen können, weil wir ein Gewissen haben, weil wir schöpferische Fähigkeiten besitzen und ja, weil wir in der Lage sind, das Gute vom Bösen zu unterscheiden. Ein Gutteil meiner beruflichen Aufgabe besteht darin, suchende Menschen daran zu erinnern. Und was sind die Grenzen der Freiheit?
Offensichtlich ist Freiheit niemals absolut, sondern immer geprägt: Durch physische und psychische Faktoren, durch Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie, Epoche, Kultur, Religion oder Gesellschaftsschicht. Keine Frage, dass ein Kind europäischer Herkunft grundlegend andere Voraussetzungen für die Entwicklung seiner Handlungsfreiheit vorfindet als ein Kind, das in der afrikanischen Dürrekatastrophe ums Überleben ringt. Dennoch sind wir durch all diese Faktoren nicht durchgängig determiniert. Was stellt für Sie momentan die größte Bedrohung für unsere Freiheit in Österreich oder auch global dar?
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Ich vermute, dass für unseren wohlgenährten und grosso modo satten Kulturkreis die größte Gefahr
Was waren Ihre schönsten Momente der größten Freiheit? Wann haben Sie sich in Ihrem Leben am freiesten gefühlt?
In jenem Moment, als ich bereit war, meine Freiheit f r e i w i l l i g einzuschränken: Bei meiner Eheschliessung, also beim unverbrüchlichen Ja zur lebenslangen Bindung und Zusammengehörigkeit. Mein Mann und ich haben die Freiheit der Entschiedenheit gewählt. Jetzt genießen wir Tag für Tag die Frucht unserer Einschränkung – in vollen Zügen. Wofür würden Sie ein Stück Ihrer Freiheit aufgeben?
Prinzipiell halte ich menschliche Freiheit für unaufgebbar. Wir können uns nicht entscheiden, nicht frei zu sein. Wie der polnische Rabbiner Abraham Joshua Heschel sagte: „Wir mögen zwar frei sein, die Freiheit zu gebrauchen oder zu ignorieren; wir sind aber nicht frei, Freiheit zu haben. Wir sind frei, zwischen Gut und Böse zu wählen; wir sind aber nicht frei von der Wahl. Tatsächlich sind wir zum Wählen gezwungen.“
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lin burian, geb. 1964, zwei söhne, eine Enkeltochter, ist gründerin und geschäftsführerin des Wiener institutes für bindungstherapie, cranio-sacral-Osteopathin (csir), zertifizierte festhaltetherapeutin (gfh), bindungstherapeutin (abt) und gründungs- und Vorstandsmitglied der arbeitsgemeinschaft bindungstherapie abt e.V.
Fotos: privat, valentin ladstätter, Manuel Köllner, illustration: Kurt rudolF
5 FRAGEN UND ANTWORTEN ZUR FREIHEIT
in mentaler Trägheit liegt. Wir weigern uns zunehmend, Standpunkte festzulegen, Urteile abzugeben und so etwas Antiquiertes wie Anstand einzufordern und uns damit der allgemeinen Kritik auszusetzen. Wer wagt es heute noch, über Gut und Böse zu entscheiden? Gar etwas als sündhaft zu bezeichnen? Sich selbst als Autorität zu verstehen und andere Autoritäten zu akzeptieren? „Ist ja alles relativ und jedem das seine“. Festlegung bedeutet auch immer Einschränkung – davor scheuen wir ängstlich zurück, so, als würden wir damit unsere Freiheit oder die Freiheit eines anderen beschneiden. Ein eindrückliches Beispiel verfehlten Freiheitsverständnisses hat sich uns jüngst in den Medien geboten: Mubarak, nach dem Freiheitskampf „seines Volkes“ selbstinszeniert dahinschwächelnd im Käfigkrankenbett vor seinen Richtern. Gut, das Freiheitsstreben hat einen Sieg errungen. Wir freuen uns mit dem ägyptischen Volk. Doch wie sehr verursacht es mir Bauchgrimmen, dass muslimische Männer und Frauen nun mit dem Galgenstrick winken, Mubaraks Hinrichtung wünschen, Gleiches mit Gleichem heimzahlen wollen.
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Fotos: privat, Valentin ladstätter, Manuel Köllner, Illustration: Kurt Rudolf
Es braucht Mehr als die Barrierefreiheit Die alltäglichen Hürden eines Lebens mit Behinderung ärgern die Olympiasiegerin Andrea Scherney. Was sind aus Ihrer persönlichen und beruflichen Sicht die Bedingungen für Freiheit?
Wahlmöglichkeiten zu haben. Auf welchen Ebenen darf man Sport machen? Welche Sportarten darf man wählen und auf welchem Niveau? Freiheit im Sport ist es, keinen Zwängen zu unterliegen, außer ich mache mir selbst welche: Wenn ich Leistungssportlerin bin, bin ich angehalten die Vorgaben des Trainers zu befolgen. Ich würde mir wünschen, dass wir die gleichen Wahlmöglichkeiten im Behindertensport hätten. Rollstuhlfahrer haben zu vielen Sportstätten keinen Zugang. Wir haben sicher mehr Einschränkungen als „nur“ die Barrierefreiheit: Die Wahlmöglichkeiten sind viel geringer. Und was sind die Grenzen der Freiheit?
Wenn Personen deines sportlichen Umfeldes dich zu etwas drängen oder zwingen oder dir zu etwas raten, was deinen menschlichen und ethischen Werten nicht entspricht. Zum Beispiel Doping. Die Freiheit hört auch dort auf, wo ich von äußeren Bedingungen eingeschränkt werde. Wenn mein Mann – der Rollstuhlfahrer ist – und ich ins Kino gehen wollen und wieder einmal keinen Platz bekommen, weil der einzige Rollstuhlplatz besetzt ist, dann sind das Grenzen, die einem täglich aufzeigen, dass man kein gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft ist. Oder: Wenn DURST 2/11
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ich im Bad mit der Prothese herumgehe und alle Leute gaffen mich an, dann erkennt man schon, dass Österreich noch nicht sehr weit ist. Was stellt für Sie momentan die größte Bedrohung für unsere Freiheit in Österreich oder global dar?
Wenn im Sport das Siegen wichtiger wird als der Mensch. Siehe die Diskussion um den südafrikanischen Läufer Oscar Pistorius, ein doppelt beinamputierter Leichtathlet, der gegen nicht-behinderte Sportler antritt. Manche behaupten, seine Prothesen würden ihm unerlaubte Vorteile bringen. Steckt dahinter nicht eigentlich die Frage, ob ein Sportler mit Handicap gegen Sportler ohne Handicap siegen darf? Was waren Ihre schönsten Momente der größten Freiheit? Wann haben Sie sich in Ihrem Leben am freiesten gefühlt?
Als ich nach meinem Unfall mit Prothese wieder laufen konnte – nicht nur gehen, wirklich laufen. Das hieß wieder unabhängig zu sein, wieder ohne auf jemanden angewiesen zu sein von A nach B zu kommen. Wofür würden Sie ein Stück Ihrer Freiheit aufgeben?
Für meinen Partner, einen Menschen, den ich liebe, gebe ich gerne ein Stück meiner persönlichen Freiheit auf. Das eröffnet einem vielleicht neue Freiheiten, von denen man vorher nicht gewusst hat, dass es sie gibt.
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Andrea Scherney, geb.1966, ist dreifache Olympiasiegerin bei den Paralympics. Im Alter von 20 Jahren musste ihr nach einem Verkehrsunfall der linke Unterschenkel amputiert werden. Scherney schloss trotzdem ihr Sportstudium auf der Schmelz ab und wurde so zu Wiens erster Behindertensportstudentin. Sie ist heute Sportdirektorin des österreichischen Behindertensportverbandes.
Freiheit oder Konsens Der ehemalige Aktionskünstler Peter Weibel hält Österreich nicht wirklich für ein freies Land. Was sind aus Ihrer persönlichen und beruflichen Sicht die Bedingungen für Freiheit?
Wir kennen aus der Philosophie Freiheitsdefinitionen. Da gibt es die Gedankenfreiheit, der aber die Kognitionswissenschaften widersprechen und die Psychoanalyse, der gemäß wir nicht Herr im eigenen Haus sind, sondern gesteuert von unbewussten Triebkräften. Die Neurowissenschaftler sagen, dass die Willensfreiheit nicht existiert, die Genetiker, dass wir von unseren Genen beeinflusst werden. Sie sehen schon, die Gedankenfreiheit wird angefochten. Dann die Freiheit der öffentlichen Meinungsäußerung: Die gibt es nicht. Es ist heute in Österreich nicht möglich, eine systemkritische Meinung öffentlich zu artikulieren. Persönlich bin ich der Meinung, dass Freiheit kognitiv erlebt wird. Das bedeutet für mich dann Gedankenfreiheit. Und das ist die einzige wirkliche Freiheit. Und was sind die Grenzen der Freiheit?
Da gibt es diesen Satz von Einstein: Ob das Universum unendlich ist, weiß er nicht, aber dass die Dummheit der Menschen grenzenlos ist, das weiß er. Ich würde sagen: Das Wissen ist grenzenlos, aber die Freiheit ist eingeschränkt. Der größte Feind der Freiheit ist der Konsens. Dass die meisten Menschen etwas als Norm erwarten. Dadurch wird die Freiheit am meisten eingeschränkt. Was stellt für Sie die größte Bedrohung für unsere Freiheit in Österreich oder global dar?
Das Bankensystem. Das basiert auf einer prinzipiellen Ungerechtigkeit
und Lüge. Der Bank Geld geben, nennt man Sparen. Wenn die Bank Ihnen Geld gibt, nennt man das Kredit. Sie bekommen ein Prozent Zinsen für das „Sparen“, die Bank nimmt zehn Prozent. Dabei produzieren die Banken kein Geld, sondern sie arbeiten nur mit dem Verleih des Geldes, das wir ihnen geliehen haben. Sie sind unsere Schuldner. Sparen heißt nichts anderes, als dass Sie der Bank Ihr Geld leihen, also der Bank Kredit geben. Daher hätten Sie eigentlich ein Anrecht auf 10 Prozent. Und es ist hundertprozentig so, dass die Stabilisierung des Euro Europa destabilisieren wird. Es werden nur die Banken und nicht die Gemeinschaft gerettet. Wenn man nur monetär denkt, leidet die Gemeinschaft darunter. Weil man an der Bildung spart, geht Kompetenz in vielen Bereichen zurück und führt zu Fehlentscheidungen, Fehlinvestitionen und Fehleinschätzungen. Was waren Ihre schönsten Momente der größten Freiheit? Wann haben Sie sich in Ihrem Leben am freiesten gefühlt?
Nach der Matura. Und am Ende von Liebesbeziehungen (lächelt). Wofür würden Sie ein Stück Ihrer Freiheit aufgeben?
Um die Freiheit anderer Menschen zu unterstützen und zu verteidigen. Danach lebe ich. Handle so, dass die Freiheiten der anderen größer werden. Wie Voltaire gesagt hat: „Ich bin nicht Ihrer Meinung, aber ich werde immer dafür kämpfen, dass Sie Ihre Meinung sagen können.“ Mein Freiheitsdrang ist so groß, dass ich jeden Hund verstehen kann, der im Käfig schreit und brüllt. Ich halte Freiheit für das höchste Gut. Ich würde alles andere für meine Freiheit aufgeben.
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Peter Weibel, geb. 1944 in Odessa, ist Künstler, Ausstellungskurator und Kunst- und Medientheoretiker. Er war einer der führenden Wiener Aktionskünstler in den 1960er Jahren.
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Der Leiter des Studiengangs Polizeiliche Führung an der FH Wiener Neustadt, Michael Fischer, mag Spielregeln und mündige Polizisten. Was sind aus Ihrer persönlichen und beruflichen Sicht die Bedingungen für Freiheit?
Es muss ein Sicherheitsnetz gewährt sein. Ich möchte mich privat in den vom Staat vorgegebenen Bedingungen frei bewegen können. Natürlich besteht eine Dialektik zwischen Freiheit und Sicherheit. Aber für mich zählt nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität. Wir einigen uns als Gesellschaft auf Normen. Innerhalb dieser Regeln kann ich mich bewegen, ohne mich für jede Handlung rechtfertigen zu müssen. Nur Abweichungen können mit Konsequenzen belegt werden. Beruflich geht es mir als Studiengangsleiter um geistige und wissenschaftliche Freiheit. Meine Studierenden gehören zum Großteil der Exekutive an, die meisten sind Polizisten. Da herrscht ein hierarchisches System, aber auch darin sind Freiheiten möglich. Ich bin der Meinung, dass Polizisten als mündige, freie Menschen angesehen werden müssen. Und was sind die Grenzen der Freiheit?
Die sind gesetzlich normiert. Die Grenzen sind dort, wo man mit seinen Handlungen in die Freiheit anderer eingreift. In diesem Bereich muss man aufpassen. Dafür will ich meine Studierenden sensibilisieren. Die Polizei
schränkt Freiheit ein, aber zu einem bestimmten Zweck und nicht willkürlich. Es geht um Sicherheit und den Schutz der Staatsbürger. Was stellt für Sie momentan die größte Bedrohung für unsere Freiheit in Österreich oder auch global dar?
Man kann von einer latenten Bedrohung durch den Terrorismus sprechen, aber persönlich und als Wissenschaftler sehe ich in Österreich keine unmittelbare Gefahr. Ich glaube, dass wir vor allem in Europa eine ähnliche Auffassung von Freiheit haben. Wir sind mit sehr viel Freiheit gesegnet. Im internationalen Vergleich gehören wir zu den sichersten Ländern. Ich kann im Alltag angstfrei leben. Was waren Ihre schönsten Momente der Freiheit? Wann haben Sie sich in ihrem Leben am freiesten gefühlt?
Ich erlebe immer wieder eine Art der Freiheit, wenn ich zum Beispiel mit Freunden auf der Terrasse sitze und kontrovers diskutiere. Ich kann meine wissenschaftlichen und privaten Gedanken uneingeschränkt artikulieren. Da fühle ich mich immer wieder sehr frei. Aber auch in meiner Arbeit habe ich das Glück, Dinge frei sagen zu dürfen. Diese Freiheiten sind einem oft nicht bewusst. Oft reflektiert man das erst, wenn man sieht, dass es diese Freiheiten in anderen Kulturen nicht gibt. Wofür würden Sie ein Stück Ihrer Freiheit aufgeben?
Ich würde ein Stück meiner persönlichen Freiheit dafür opfern, dass Menschen, die nicht so privilegiert sind, ein Quantum mehr an Freiheit bekommen. Ich würde ein Stück opfern, um es dem Kollektiv zukommen zu lassen. michael.fischer@fhwn.ac.at
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Extremismus ist immer Gefährlich Die Mechatronikerin Ana Almansa glaubt nicht, dass der Zweck die Mittel heiligt und will nicht, dass Social Networks persönliche Kontakte ersetzen. Was sind aus Ihrer persönlichen und beruflichen Sicht die Bedingungen für Freiheit?
Die Bedingungen für die Freiheit werden einerseits von unserem externen Umfeld – also von Politik, Gesetzen und dergleichen mehr – geprägt. Andererseits gibt es auch interne, persönliche Barrieren: Oft verschließen wir uns selbst die Türen zu neuen Wegen. Sei es aus Angst, aus Gewohnheit oder auf Grund von Vorurteilen. Und das ist uns selbst oft gar nicht bewusst. Und was sind die Grenzen der Freiheit?
Die ergeben sich aus einer Reflexion über die möglichen Folgen unserer frei ausgeübten Handlungen. Wenn unsere Verhaltensweisen dazu führen können, dass wir andere Menschen verletzen oder der Natur Schaden zufügen, dann sind diese Grenzen überschritten. Was stellt für Sie momentan die größte Bedrohung für unsere Freiheit in Österreich oder global dar?
Die größte Bedrohung sehe ich im Extremismus jedweder Art. Damit meine ich nicht nur politischen oder religiösen Extremismus. Auch manche Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie geben Grund zur Sorge. Viele Technologien und Maschinen denken schon für uns. Das halte ich für problematisch. Außerdem finde
ich es gefährlich zu glauben, dass jedes Mittel erlaubt ist, um wissenschaftliche Fortschritte zu erzielen oder dass die Nutzung von Internet und Social Networks persönliche Face-to-face-Interaktionen mit anderen Menschen ersetzen kann. Da ist für mich auch die Grenze des Fortschritts und der Freiheit erreicht. Was waren Ihre schönsten Momente der größten Freiheit? Wann haben Sie sich in Ihrem Leben am freiesten gefühlt?
Als ich den Weg der Selbständigkeit wählte und mein eigenes Unternehmen gründete. Zum ersten Mal konnte ich meine Ziele und Tätigkeiten völlig frei auswählen. Zwar muss man immer Kompromisse finden, diese werden aber nach eigenen Kriterien und selbst gesetzten Prioritäten gesetzt. Schöne Momente der Freiheit sind für mich auch immer private oder berufliche Reisen, wo man die Gelegenheit hat, die Routine zu unterbrechen und Distanz zum Alltag zu gewinnen. Wofür würden Sie ein Stück Ihrer Freiheit aufgeben?
Für die Zukunft und für Menschen, die mir wichtig sind. Jede frei gewählte Handlung hat Folgen für Gegenwart und Zukunft, die berücksichtigt werden müssen. Kompromisse einzugehen heißt, auf kleine Stücke der eigenen Freiheit zu verzichten. Sie sind aber immer notwendig, um das Gleichgewicht im eigenen Leben und in der Welt zu bewahren.
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Dr. Ana Almansa forscht und unterrichtet im Fachbereich Mechatronics an der FH Technikum Wien. Ihr Unternehmen Xedera Technology Consulting berät Unternehmen und Forscher in den Bereichen Mechatronik, intelligente Systeme sowie Mikro- und Nanotechnologie.
Fotos: privat
Spielregeln müssen sein
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23.09.2010 17:05:16 Uhr
Die Hippie-Kapitalistin
Die Jungen Liberalen schreiben Freiheit groß - zumindest in ihrem Namen. Mit DURST spricht die stellvertretende Bundesvorsitzende Claudia Gamon über freie Liebe und freie Märkte. Interview: Raffael fritz
Gute Frage! Österreich ist rückstän dig und sehr konservativ, was die Libe ralität der Gesellschaft und die Freiheit im Privatleben betrifft. Aber das wird sich irgendwann ändern. Die Entwick lung der Gesellschaft wird dazu füh ren, dass sich Leute nicht persönlich beleidigt fühlen, wenn jemand nackt vor ihnen steht. Man sagt: Meine Freiheit hört dort auf, wo die der anderen anfängt. Lässt sich das so einfach sagen?
Ich glaube schon. Freiheit ist ja nur durch Beziehungen zu anderen Men schen möglich, die einem selbst Frei heit ermöglichen. Wie sieht es mit Drogen aus? Wenn ich die nehme, schränke ich die Freiheit der anderen auch nicht ein.
Es gibt da zwei verschiedene Posi tionen. Entweder: Ich liberalisiere al les und es soll jedem frei stehen, wel ches Gift er in sich reinpumpt – wenn er auch selbst mit den Konsequenzen klar kommt. Das Gleiche gilt für Alko hol und Zigaretten. Die Konsequenzen wären exorbitante Gesundheitskosten. Wenn man ein privates Gesundheits system hat, wo die Prämien höher wä ren für jemand, der sein Leben lang Drogen genommen hat, dann sage ich: Von mir aus! Er zahlt ja dafür. Wer sich kaputt macht, soll also selbst dafür aufkommen.
Ja. Oder man ist in einem System, wo die Gemeinschaft für die Gesund heitskosten aufkommt, dann hat man auch eine persönliche Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Man will der Gesellschaft ja nicht höhere Kosten aufbürden. Daraus würde sich ableiten, dass man den Konsum gewisser, beson ders schädigender Drogen verbietet.
Wenn ich mir jetzt vor dir einen Joint anzünden würde, hättest du damit also kein Problem?
Ich persönlich hätte keines. Ich be gebe mich halt ins Passivrauchen hin ein, was mich selbst nicht sehr stört. Aber falls doch, ist es deine Entschei dung, ob du mit Rauchen in die Freiheit deiner Mitmenschen eingreifen möch test oder nicht. Ich hab eh keinen da … anders gesagt: Geht es auch darum, wie viel Vernunft man den Leuten zutraut?
Das kann man jedem zutrauen. So lange die Informationen da sind, ist der Mensch an sich vernünftig. Ich glaube auch, dass der Mensch vernünftiger handelt, wenn man ihm die Chance dazu gibt und er weiß, dass Taten Konsequenzen haben und er nicht in ein Netz der Verantwortungslosigkeit zurückfällt. „Liberal“ heißt „die Freiheit betreffend“, als Junge Liberale tragt ihr unser Heft-Thema schon im Namen. Was bedeutet für dich „liberal“?
Die Freiheit gehört zu unserer per sönlichen Einstellung. Ich sage „per sönlich“, weil ich finde, dass da wenig Ideologie dabei ist. Als Liberale ver binden uns hauptsächlich die Grund ideen Freiheit, Vernunft und Logik. Man kann auch sagen: Ich kann tun und lassen, was ich will, aber ich weiß auch, dass ich Eigenverantwortung habe für mich selbst und für die Frei heit der anderen. Was ist mit freier Bildung? Die scheint ihr mit eurem Ruf nach Studiengebühren und Zugangs regelungen nicht so zu mögen …
Es heißt immer, dass unser System freie Bildung für jeden garantieren würde, aber das ist so ein Blödsinn! Unsere Unis haben eine miserable so ziale Durchmischung. Aber das kann
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ich mit vielen Akademikern einfach nicht sachlich diskutieren. Es ist auch einfach ungerecht, dass jemand, der es sich locker leisten könnte, keine Stu diengebühren zahlen muss. Gerade ein Sozialist sollte dieses Argument verstehen. Wie frei sind die Menschen in Österreich?
Das ist relativ. Wenn ich uns mit ei nem diktatorischen Staat vergleiche, ist Österreich recht frei. Aber verglichen mit einer idealen Demokratie sind wir ziemlich unfrei. In welchen Bereichen sind wir besonders unfrei?
In der politischen Mitbestimmung, im Privatleben und auch in der Wirt schaft. Es gibt so eine gewisse Apathie gegenüber dem, was im politischen Diskurs passiert. Da ist ein radikaler Wechsel nötig, da braucht es mehr Mit bestimmung und direkte Demokratie, weil es offensichtlich anders in Öster reich nicht funktioniert. Im Privatleben sind wir unfrei, da es abgesehen von Eingriffen durch Überwachung u.Ä. eben auch den fehlgeleiteten Glau ben der Politik gibt, man müsse dieses Land vor gesellschaftlicher Entwick lung schützen. In der Wirtschaft sind wir unter an derem auf Grund von Kammerzwang und Überregulierung in vielen Berei chen unfrei. Vielleicht wollen wir gar nicht frei sein. Wissen die Österreicher überhaupt, was gut für sie ist?
Ich habe einen unheimlichen Schweiz-Fetisch, auch weil ich aus Vorarlberg komme. Die Menschen sind in der Schweiz gezwungen, sich zu informieren, weil sie wissen, dass ihre Entscheidungen auch ihr eigenes Leben beeinflussen. Es gibt in Öster reich einfach eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Akt des Wählens und den Konsequenzen daraus. Ich glaube,
die Menschen fühlen den direkten Zu sammenhang nicht zwischen dem, was sie ankreuzen und dem, was ihnen da durch persönlich passiert, also wie das ihr Leben beeinflusst. Warum tun sich liberale Parteien bei uns so schwer?
Das Problem ist vermutlich his torisch bedingt. Alleine, wie sich das Dritte Lager entwickelt hat. Ich kann ja selbst nicht verstehen, warum manche Leute, die sich als Liberale bezeichnen, in den Achtziger-Jahren in der FPÖ gelandet sind. Auch das LIF war im Grunde nur eine direkte Antwort auf die FPÖ, der ultimative Gegenpol in Programmatik und Auftreten. Heide Schmidt wird ja auch vorgeworfen, dass sie nicht grundsätzlich liberal, sondern vor allem Haiders Gegnerin war. Die Freiheitlichen haben ja auch die Freiheit im Namen …
Das versteh‘ ich eh nicht. Das ist eine Beleidigung für unsere Ideolo gie. Rechtspopulismus ist ein Feind der Freiheit. Das beste Mittel dagegen sind Fakten: Es gibt einen Unterschied zwischen dem politischen Islam und dem Islam als Religion. Zuwanderung wird die Österreicher nicht ausrotten. Nur weil ein Türke einen Arbeitsplatz bekommt, nimmt er ihn nicht auto matisch jemand anderem weg. Solche Informationen müssen bei den Leuten ankommen. Tun sie aber oft nicht …
Die Leute wollen, dass man ihnen die Wahrheit sagt. Aber das ist halt nicht immer leicht. Gloria Steinem (Feministin aus den 1960ern, Anm. d. Red.) hat einmal gesagt: „The truth will set you free, but first it will piss you off “. Es ist einfach, einen Gegner zu haben, auf den man alles schieben kann. Den gibt es aber in den meisten Fragen nicht. Da läge es wieder in der Verantwortung der Politik, dass man den Menschen das in ihrer Sprache DURST 2/11
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Fotos: georg Eckelsberger Illustration: Kurt Rudolf
Österreich ist ein freies Land. Warum darf ich mir dann nicht die Kleider vom Leib reißen und nackt auf der Straße herumlaufen?
„AUCH KAPITALISTEN KÖNNEN IN YOGAHOSEN HERUMRENNEN UND JOAN BAEZ HÖREN.“
Claudia Gamon
ist lächerlich. Wir wollen, dass die Leu te, die ein Land leiten, auch die besten sind. Alles andere wäre ineffizient. Die Eliten sind also nicht reif für Liberalismus?
Gewisse Leute sind immer in einer vorteilhaften Situation und wollen nichts daran ändern. Aber ich bin ja auch in einer vorteilhaften Situation gegenüber dem Großteil der Weltbe völkerung. Es geht aber nicht nur um mich und meine Verantwortung reicht nicht nur bis zum nächsten Jahr. Ich will, dass die Zukunft der nächsten Ge neration abgesichert ist. Wenn man das in einem weiteren Kontext sieht, kann man nicht einfach nichts tun. Dann könnten wir auch sagen, morgen verbieten wir Autofahren, weil es der nächsten Generation schadet. Wäre das noch liberal?
Fotos: georg Eckelsberger Illustration: Kurt Rudolf
verständlich macht. Die Freiheitlichen sind die einzigen, die mit der großen Masse in ihrer Sprache sprechen und ihnen eine verständliche Lösung an bieten – auch wenn diese Lösung aus Halbwahrheiten oder Lügen besteht. Darin liegt das Verschulden der ande ren Parteien: Dass sie nicht die Wahr heit in einer verständlichen Sprache rüberbringen. Apropos: Wenn die Leute „freiheitlich“ hören, denken sie an Freiheit, hören sie „liberal“, denken sie an Neoliberalismus, momentan keine besonders positive Assoziation.
Mein Gott, ich will dieses Wort schon gar nicht mehr verwenden. Neo liberalismus ist etwas ganz anderes, als die Kritiker glauben. Er besagt zwar, dass man einen freien Markt haben will, aber der Markt ist nur dann frei und nur dann fair, wenn der Staat ge wisse Regeln setzt. Der Neoliberalismus ist nicht das Böse, das die Menschen auf sich alleine stellt und die Diktatur des globalen Finanzkapitals befördert. DURST 2/11
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In den letzten zwanzig Jahren hat aber weniger die persönliche Freiheit, sondern mehr die Freiheit der Konzerne gezählt.
Das mag stimmen. Aber die Fi nanzkrise ist nicht einfach durch freie Marktwirtschaft entstanden. Die Staa ten haben in gewissen Bereichen, wo sie regulieren und für Wettbewerb sor gen hätten sollen, nichts getan und an anderen Stellen überreguliert. Das hat zu Monopolen und Kartellen geführt, die Preisverzerrungen erlauben. Das hat alles nichts mit Neoliberalismus zu tun. Der Neoliberalismus will, dass der Markt fair ist und Chancengleichheit für alle bietet.
Claudia Gamon ist 22 Jahre alt und kommt aus Nenzing in Vorarlberg. Seit 2007 studiert sie an der WU Wien. Bei den ÖH-Wahlen 2011 war Gamon Spitzenkandidatin der Jungen Liberalen und holte drei Mandate für die Bundesvertretung. Foto: Im Gespräch mit Raffael Fritz im Wiener Cafe Pickwick‘s.
Das erinnert mich an deinen Blog. Den nennst du „Hippie Capitalist“ – was hat es damit auf sich?
Aber die Leute, die an den Hebeln der Wirtschafts- und Finanzpolitik gesessen sind, haben sich ja selbst oft als neoliberal bezeichnet.
Da kann ich ja nichts dafür, das ist nichts anderes als ein Etikettenschwin del. Ein Liberaler will erst einmal nicht, dass Leute nur durch Beziehungen oder Erbschaften an die Macht kommen, das
Das ist ein schwieriges Thema, das gleichzeitig die persönliche Freiheit und die globale Verantwortung be trifft. Da muss man dann abwägen. Die wichtigsten Zukunftsthemen sind für mich die Pensionen, die globale Ver antwortung für andere Länder und die Natur. Apropos Autofahren: Ich bin selbst Autofahrerin und weiß, dass ich das Auto seltener nehmen sollte. Dafür leiste ich woanders meinen Beitrag, in dem ich mich pflanzlich ernähre und keine Tiere esse.
Als „The Hippie Capitalist“ bloggt Claudia Gamon über Studium, Unipolitik und ihre Lieblingsserie „Buffy - The Vampire Slayer“. http://www.hippiecapitalist.at
Das ist aus einem Schmäh entstan den. Wenn man einfach erklären will, wofür wir stehen, kommt sowas raus. Freie Märkte, freie Menschen, freie Lie be und so. Wenn ich sowohl die persön liche als auch die wirtschaftliche Frei heit unterstützen will, kann ich sowohl Hippie als auch Kapitalist sein. Ich will auch keinem Kapitalisten absprechen, dass er in Yogahosen herumrennt und Joan Baez hört.
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(UN-)freiheit in Zahlen Wie viele Menschen sitzen in Österreich im Gefängnis? Wie viele davon sind Frauen? Wie viele Kinder werden weltweit versklavt? Gesammelt von Mathias Morscher und Mara Simperler
619.000.000
Google spuckt beim Suchbegriff „Freiheit“ 42.200.000 Ergebnisse aus, bei der englischen Version „Freedom“ sind es bereits 619.000.000. Allerdings ist der Begriff nicht so populär wie zum Beispiel „Lady Gaga“ mit 653.000.000 Ergebnissen und „Sex“ mit 2.450.000.000.
10
In den Vereinigten Staaten gibt es 10 Orte, die sich „Freedom“ nennen. Eigentlich wenig für „the land of the free and the home of the brave“, wie es in ihrer Hymne heißt.
47
Aktuell werden 47 der 193 weltweit unabhängigen und anerkannten Staaten von der Organisation Freedom House als „unfrei“ eingestuft. 60 Staaten werden als „teilweise frei“ und 87 Staaten als „frei“ kategorisiert. 1980 galten lediglich 51 Staaten als „frei“, ebenfalls 51 Staaten als „teilweise frei“ und 60 Staaten als „unfrei“. Heute leben 2.434.250.000 Menschen oder 35% der Weltbevölkerung in unfreien Staaten, 1.487.000.000 oder 22% in teilweise freien Staaten und 2.951.950.000 bzw. 43% in gänzlich freien Staaten. Am schlechtesten steht es um den Mittleren Osten und Nordafrika. Dort werden 78% der Staaten und 88% der Bevölkerung als unfrei eingestuft. In Europa gelten nur vier Prozent der Staaten und fünfzehn Prozent der Bevölkerung als „teilweise unfrei“ und kein Staat als „unfrei“.
9.800.000
Weltweit sitzen mehr als 9,8 Mil lionen Menschen hinter Gittern. Alleine in den Vereinigten Staaten fristen 2.293.157 Menschen ihr Leben im Gefängnis. Seit Jahren belegen die USA den ersten Platz in der Gefangenenrate: 2010 waren es 756 pro 100.000 Einwoh nern, gefolgt von Russland (629) und Ruanda (604). Bei anderen Staaten ist die Lage weniger klar: In China sind offiziell 1.565.771 Menschen inhaftiert. Das Londo ner Kings College, das die „World Prison Population List“ heraus gibt, schätzt aber, dass mindestens 850.000 weitere Personen in China festgehalten werden. Jeweils nur drei Gefangene weisen die beiden pazifischen Inselstaaten Nauru und Tuvalu mit jeweils rund 10.000 Einwohnern aus.
7
Österreich nimmt in der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ 2010 den 7. Platz ein. Immerhin besser als die Deutschen, die auf Platz 14 liegen. Platz 1 gehört den Finnen, den sie sich allerdings mit Isländern, Niederländern, Norwegern, Schweden und Schweizern teilen. Österreich ist also eigentlich auf dem zweiten Platz. Die USA belegen Platz 20. Die rote Laterne gehört Eritrea, knapp gefolgt von Nordkorea. Auch China ist bei der Pressefreiheit nicht so erfolgreich wie in der Wirtschaft: Die Volks republik belegt nur Platz 171.
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300.000 Im Gesamtzeitraum 2009 saßen in Österreich laut der Statistik des Justizministeriums im Schnitt 8367 Menschen in Haft. Davon waren etwa 5% weiblich.
In Haiti wird vor allem Kindern ihr Recht auf Freiheit versagt: Die deutsche „Kindernothilfe“ zählt 300.000 Mädchen und Buben, die als so genannte „Restavèk“ leben – das Wort kommt von „rester avec“ und meint zu deutsch „bei jemandem bleiben“. Sie wohnen in fremden Haus halten und werden als rechtlose Arbeitshilfen missbraucht.
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126.000.000
8367
Weltweit bleibt jedem dritten Internetnutzer der Zugang zu einem freien Netz verwehrt. Zehn Staaten werden von „Reporter ohne Grenzen“ als „Feinde des Internets“ bezeichnet: Myanmar (Birma), China, Kuba, Iran, Nordkorea, Saudi Arabien, Syrien, Turkmenistan, Usbekistan und Vietnam. Frankreich (!), Libyen und Venezuela stehen „unter Beobachtung“. Ersteres wegen eines Gesetzes, das es dem Innenministerium ohne gerichtliche Anordnung erlaubt, Provider bei Verdacht von Pädophilie anzuweisen, die Webseiten ihrer Kunden zu filtern. Die Schlüsselwörter dazu sucht eine Regierungsbehörde ohne Kontrolle durch ein Gericht aus. In circa 60 Staaten zensieren Regierungen das Internet und verfolgen Nutzer. Mindestens 119 Online-Aktivisten sitzen derzeit im Gefängnis, nur weil sie ihre Meinung frei äußerten.
So viele Kinder werden nach Angaben von „Terre des hommes“ täglich zur Arbeit gezwungen und leben teilweise unter sklavenähnlichen Bedingungen.
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Menschen arbeiteten nach Angabe der Arbeiterkammer im Jahr 2010 in Österreich im Rahmen von freien Dienstverträgen. Beinahe zwei Drittel davon waren nur geringfügig beschäftigt.
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Freie Bildung? In den meisten europäischen Ländern gibt es Beschränkungen zum Hochschulzugang. Österreichs Unis beschränken derzeit sechs Studienrichtungen: Medizin, Sport, Veterinärmedizin, Psy chologie, Publizistik und Kunst. DURST 2/11
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WIR INVESTIEREN SO SEHR IN DAS EIGENE HUMANKAPITAL, DASS ES FAST KRAMPFHAFT IST.“ NIKOLAUS KOWALL, POLITIKER, S.33
Fotoarbeit von Isabella Maria Bugnits. Sie studiert an der Akademie der bildenden Künste in Wien auf Lehramt. DURST 2/11
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Durchbrechen! Wände einreiSSen! Die Journalistin Anneliese Rohrer bezichtigt in ihrem neuen Buch die Jugend der Laschheit – SPÖ-„Rebell“ Nikolaus Kowall widerspricht. Die Fragen stellten Georg Eckelsberger und Florian Skrabal Fotos: Mara Simperler
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ahrgang 44 vs. Jahrgang 83, bürgerliche Journalistin und sozialdemokratischer Jungpolitiker, Anneliese Rohrer trifft auf Nikolaus Kowall. Es ist ein warmer Septembermorgen, an dem das ungleiche Paar auf zwei Gläser Leitungswasser und ein Streitgespräch in die Durst-Redaktion kommt. Was hat es auf sich, mit der „Generation Scheiß Drauf “? Wie halten wir es in Österreich mit der Freiheit? Und wie kommt man als Junger heute in der Politik zum Erfolg? Sie stammen aus unterschiedlichen Zeiten, stehen auf entgegengesetzten Seiten, doch von
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einem Konflikt (der Generationen) ist wenig zu merken. Sie sind sich ähnlicher als wir es erwarteten. Durst: Frau Rohrer, Sie beschreiben in ihrem Buch „Das Ende des Gehorsams“ die Generation der unter 30-jährigen als „Generation Scheiß Drauf“. Was haben Ihnen die Jungen getan?
Anneliese Rohrer: Ich habe den Begriff nicht erfunden, er kam von den Jungen. Ich habe eine Umfrage auf Facebook gemacht. Da hieß es dann: „Wir
sind die Generation Scheiß Drauf!“ Ich war selbst völlig verblüfft. Herr Kowall, was halten Sie von dem Begriff?
Nikolaus Kowall: Frau Rohrer muss mir erst in ein paar Worten skizzieren, was damit gemeint ist. Rohrer: Die Jungen meinten, sie wären bisher auf Individualität trainiert worden. Darauf, sich selbst zu verwirklichen und ihrer Leidenschaft zu folgen. Das Gesellschaftliche und das DURST 2/11
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„Wenn ich diese Gaben annehme und nicht selbst für meine Leben sorge, dann toleriere ich die Politik und mische mich auch nicht ein.“ Anneliese Rohrer Politische würden in der Schule wie auch im Studium ausgeblendet. Im Berufsleben sind sie dann mit einer relativ schwierigen Situation konfrontiert, die vom Prekariat bestimmt ist. Dann sagen sie: Scheiß auf die Gesellschaft, ich muss schauen, wo ich bleib. Kowall: Das ist ja nachvollziehbar. Das ist das Resultat der Entwicklung der letzten zwanzig bis dreißig Jahre. Früher gab es sichere Verhältnisse. Es gab Zeit, sich politisch zu engagieren. Das ist der Vorteil eines 9-to-5-Jobs, mit freien Wochenenden – ohne den permanenten Druck des 15. unbezahlten Praktikums. Meine Generation ist die, die es am meisten versucht. Wir investieren so sehr in das eigene Humankapital, dass es fast krampfhaft ist. Meine Generation muss ihren Lebenslauf leben und ist vielleicht die leistungsorientierteste, am besten ausgebildete und kompetitivste, die wir jemals hatten. Dass sich die Jungen bei diesem Druck und all diesem Wahnsinn nicht mehr politisch engagieren, wundert mich nicht.
und 50er Jahren ein Wohlfahrtsstaat erkämpft. Da haben die Gewerkschaften, die Sozialdemokratie und Teile der Christdemokratie etwas für die Menschen erreicht und die beste aller bisherigen Welten geschaffen. Das ist meine Lieblingsphase, weil es jene ist, in der man es das erste Mal geschafft hat, die Bevölkerung in ein menschenwürdiges Gemeinwesen zu integrieren. Deshalb bin ich, was diese Zeit angeht, nicht so skeptisch wie Sie. Rohrer: Sie haben völlig recht, nach dem Krieg und dem Wiederaufbau war dieses rot-schwarze Aufteilungssystem – das laut Mythos in den Lagerstraßen der KZs ausgemacht wurde – ein Segen. Da war Ruhe, da war Stabilität, da war Wiederaufbau. Aber fünfzig Jahre danach muss man sagen: Der Kollateralschaden dieses Systems, das viel Wohlstand gebracht hat, ist der bequeme, akzeptierende, verlangende Bürger, der dieses System mit einer guten Portion Unterwürfigkeit aufrechterhalten hat. Aber das System gibt es nicht mehr. Wir müssen uns umstellen.
Rohrer: Menschen denken nicht in historischen Zusammenhängen. Ihnen ist oft nicht bewusst, wie unfassbar viel erreicht worden ist und welch historischer Fortschritt die Durchsetzung der bürgerlichen Freiheiten ist. Mich bedrückt, dass wir eine latente Bereitschaft haben, für ein Stück Sicherheit sofort Freiheiten aufzugeben. Das zeigen alle Umfragen. Und zwar noch bevor wir in eine gefährliche Situation kommen. Sehen Sie sich nur die Überwachungsgeschichte an: Die Menschen sagen, ich habe ja nichts gemacht, überwacht mich ruhig. Da wird nicht nachgedacht, was das im Endeffekt bedeuten kann. Stellen wir uns eine wirkliche Krisensituation vor, in der innere Instabilität mit hoher Arbeitslosigkeit, mit Mangel an Sicherheit und vielleicht noch mit einer Bedrohung von außen zusammenfallen. Meine Sorge ist, dass dann alles sehr schnell kippen kann, weil sich die nächste Generation so
Rohrer: Aber das ist unglaublich falsch. Die Konzentration auf den Lebenslauf ist völlig belanglos, wenn die allgemeinen Verhältnisse kippen und das alles verloren geht. Was ich meine: Wenn sie sich jetzt nicht um ihre Rahmenbedingungen und um die Demokratie kümmern, dann haben sie von ihren Lebensläufen nichts. Ich rede jetzt von Österreich, in anderen Ländern reagieren die Jungen anders. Frau Rohrer, sehen Sie das mangelnde politische Engagement der Jugend auch darin verwurzelt, dass Österreich eine schlecht ausgeprägte politische Kultur hat?
Rohrer: Natürlich ist das historisch gewachsen. Dennoch halte ich das mittlerweile für eine Ausrede: Wir sind nicht gewohnt, uns einzumischen. Wir haben nach 1945 ein System der – wie ich es nenne – Gnadenpolitik toleriert. Der Bürger erwartete von der Politik in der Nachkriegszeit die Sicherung seines Lebens, den Job, die Wohnung. Das alles kam von der Politik und die Bürger haben es angenommen. Wenn ich diese Gaben annehme und nicht selbst für meine Leben sorge, dann toleriere ich die Politik und mische mich auch nicht ein. Kowall: Das ist die liberale Story. Aus meiner Sicht wurde in den 1940er DURST 2/11
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distanziert. Dann kann es mit der Freiheit schnell vorbei sein!
Glauben Sie, dass den Menschen in Österreich die Freiheit, die sie jetzt genießen, zu wenig wert ist?
Kowall: Ich sage nicht, dass die Gefahr völlig inexistent ist, aber ich glaube, dass es einen Konsens innerhalb der Eliten gibt: Demokratie, Rechtsstaat und bürgerliche Freiheit. Meine Skepsis ist nicht so groß, weil ich keine wirklich starke, radikal antidemokratische Kraft am Horizont sehe. Ich glaube, dass wir trotz allem ein relativ stabiles Demokratie- und Rechtsstaatsregime haben. Was nicht heißt, dass Ihre Sorge unberechtigt ist. Herr Kowall, Sie sind ein junges Parteimitglied der SPÖ. Wie wichtig sind Parteien heute für unsere Gesellschaft?
Kowall: Früher haben Parteien das gesamte Leben von der Wiege bis zur Bahre begleitet – in der Sozialdemokratie von den Kinderfreunden bis zum Begräbnis mit roter Fahne. Das hat sich heute ausdifferenziert und das ist gut so. Es ist ein Fortschritt, dass es verschiedene Lebenswelten gibt. Ein Teil des Bedeutungsverlustes der Parteien wurde von den NGOs und der Zivilgesellschaft absorbiert. Das große Problem liegt aber darin, dass der zivilgesellschaftliche und der parteipolitische Bereich in keinen Dialog miteinander treten. Die Parteipolitik köchelt fern jeder Frischluft, hermetisch abgeriegelt in ihrer Suppe dahin. Der Zivilgesellschaft wiederum mangelt es an Zielbewusstsein, dem Gespür dafür, wie man Ideale in die Realität umsetzt. Würde man die Wand zwischen diesen beiden Sektoren einreißen, könnte der frische Wind aus der Zivilgesellschaft in die Parteien eindringen – was übrigens ein Schock wäre. Für die SPÖ wäre das auf alle Fälle ein Schock. (lacht) Sie haben mit Ihrer Rede gegen das kleine Glücksspiel für Aufsehen gesorgt, sind als „Rebell“ bezeichnet worden. Hat Ihnen das politisch geschadet?
Die gebürtige Kärntnerin Anneliese Rohrer (67) begann ihre journalistische Karriere in den 70er Jahren bei der Tageszeitung Die Presse. In einer Zeit, als es nicht selbstverständlich war, setzte sie als Innenpolitik-Redakteurin gegen ihre männliche Kollegen durch und stieg später zur Ressortleiterin auf. Rohrer lehrt heute an der Fachhochschule für Journalismus und zählt aufgrund ihrer Kolumnen und ihrer Beiträge in Diskussionssendungen zu einer der prominentesten kritischen Kommentatorinnen der heimischen Innenpolitik. Ihr Buch „Das Ende des Gehorsams“ ist im April 2011 im Residenz Verlag erschienen. Es ist ein Aufruf „zum zivilen Widerstand“.
Kowall: Wenn man seine Meinung sagt, gilt man als Rebell! Das sagt viel über unser politisches System aus. Ich bin ein stinknormaler Sozialdemokrat und habe nichts anderes gemacht, als das, was innerhalb der Statuten der Sozialdemokratie möglich ist. Ich habe am Parteitag meine Meinung gesagt. Rohrer: Voilà!
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„Wenn man seine Meinung sagt, gilt man als Rebell! Das sagt viel über unser politisches System aus.“ Nikolaus Kowall Kowall: Von weiten Teilen der SPÖ habe ich keine schlechten Rückmeldungen bekommen. Die Aufmerksamkeit für meine kleine Gruppe, die Sektion 8, ist aber innerhalb der Partei stark gestiegen. Es gibt immer mehr Unterstützung, teilweise im Hintergrund. Wir werden mit Informationen versorgt oder bekommen zumindest unterstützende E-Mails. Wie sollte mir das überhaupt schaden? Ich bin ehrenamtlicher Sektionsvorsitzender. Ich lebe nicht von der Sozialdemokratie. Es kann mir nicht schaden, weil ich nichts bin. Es gibt ein paar junge Politiker, die parteipolitisch sehr exponiert sind und wichtige Positionen einnehmen. Bei der ÖVP etwa Sebastian Kurz, bei der SPÖ Laura Rudas. Können Sie uns einen Eindruck geben, wie man heute als Junger innerhalb von Parteien zum Erfolg kommt?
Kowall: Wenn man die Strategie von Kurz oder Rudas wählt, konzentriert man sich zunächst auf Themen, die tagesaktuell sind und der Partei unmittelbar nützen. Da gibt es keine Grundsatzdiskussionen. Dann heißt es hackeln wie ein Irrer. Die sind alle extrem fleißig. Und es braucht ein gewisses Geschick für organisatorische Belange und Kampagnen. Es ist ein Handwerk, das sie erlernen müssen. Politik ist ein Geschäft wie viele andere geworden und zum Handwerk gehört leider nicht inhaltliche Arbeit oder zu überlegen, wie man etwa das Sozialversicherungssystem verbessern kann. Es geht um Kommunikation, um Machttechnik und darum, sich an Meinungsumfragen zu orientieren.
Thema oder politische Leidenschaft zu entwickeln. Etwas von dem man sagen kann: Dafür kämpfe ich. So sind sie Sprechblasenfabrikanten. Früher gab es die Schüssel-Karrieren, die BusekKarrieren, bei der SPÖ Karl Blecha oder Heinz Fischer. Die haben als Sekretäre angefangen und sind langsam von einer Position in die andere gewachsen. Das gibt Zeit, sich persönlich und inhaltlich zu entwickeln. Das heißt, es fehlt auch an Vorstellungen für die Zukunft?
Rohrer: Es fehlt an Überzeugungen. Welches Österreich will Werner Faymann? Welches will Michael Spindelegger? Das weiß niemand. Auch Strache will nichts anderes als stärkste Partei zu werden – er hat aber außerdem noch zu wenig Personal, um damit etwas anzufangen. Kowall: Nicht einmal die Grünen sind in der Lage, einen Entwurf zu
entwickeln, sondern orientieren sich auch an den medialen Herausforderungen des Alltags. Wie kommt man da raus?
Kowall: Durchbrechen! Rohrer: Wie es der Kollege anfangs gesagt hat: die Wand zwischen Politik und Gesellschaft niederreißen. Aber dazu muss ich der Gesellschaft, vor allem den Jungen, klar machen, dass es ihre Sache ist. Frischluft muss hinein. Ich muss die Leute finden, die diese hineintragen. Kowall: Und die anderen müssen Sie hineinlassen. Geh‘ in einen SPÖ Bezirk und sag‘, du willst aktiv werden. Die schauen dich an und fragen: Was bist du für einer? Wo kommst du her? Durst: Stichwort: Mut. Herr Kowall, sie haben vor drei Jahren in
Kowall: Ich glaube, sie haben Angst. In Wertestudien lese ich: Verunsicherung, übertriebene Vorsicht, Paranoia vor allem vor dem, was außerhalb der Grenzen ist. Angst vor der Globalisierung, vor den Ausländern und ein tiefer Pessimismus. Es braucht optimistische Bilder und Überzeugungskraft. Man muss den Menschen sagen: Freunde, es ist alles nicht so schlimm wie ihr glaubt! Der Wohlfahrtsstaat ist vorhanden, die Demokratie einigermaßen stabil! Und: Wir können es noch besser machen! Wenn man immer nur Angst macht, wird das so bleiben. Unter den Angstmachern sehe ich nicht nur HC Strache, sondern auch diejenigen, die immer den internationalen Wettbewerb betonen. Zum Beispiel, dass uns die Chinesen überrennen werden. Das halte ich für ein überflüssiges und volkswirtschaftlich ungerechtfertigtes Paranoia-Prophetentum. Rohrer: Ich sehe ein totales Versagen des Bildungssystems. Die jungen Leute werden bei uns nicht dazu ermuntert, Vertrauen in sich selbst und ihre Fähigkeiten zu haben. Dann werden sie Erwachsene, wie Sie es jetzt beschrieben haben. Das ist schon lange so gewesen und leider ist es heute auch noch so: Die Kinder werden nicht gefördert, nicht ermuntert Kritik zu äußern und in die eigenen Fähigkeiten Vertrauen zu haben. Wenn ich mich hilflos fühle und mangelndes Selbstwertgefühl habe, wirkt alles umso bedrohlicher.
Frau Rohrer, wie war das bei jungen Politikern in den 1970er und 1980er Jahren?
Rohrer: Ich glaube, die sind damals mehr hineingewachsen. Solche Blitzkarrieren wie jene von Laura Rudas hat es nicht gegeben – es war aber auch keine Partei ein solcher Familienbetrieb wie die Wiener SPÖ. Dadurch haben die Jungen Persönlichkeit entwickeln können. Heute gibt es Fälle – bei Rudas merkt man es besonders – die in ihren Rollen eingefroren sind. Rudas ist seit drei Jahren in der Bundespolitik und schafft es immer noch nicht, etwas anderes als tagespolitische Speaking Notes zu produzieren. Man lässt ihnen überhaupt keine Zeit, inhaltlich ein
Durst: Ist das der Grund, warum Sie ihre eigene Tochter direkt nach der Schule gedrängt haben in die USA zu gehen? Ist Österreich kein Land für junge Menschen? Nikolaus Kowall (28) wuchs in Niederösterreich auf und war schon als Schüler in der Sozialdemokratie aktiv. Kowall studierte Volkswirtschaftslehre an der WU Wien, schloss sein Studium im Jahr 2008 ab und schlägt sich seitdem nach eigenen Angaben als „prekärerer Wissenschaftler“ mit Praktika und Werkverträgen durch. Noch als Student gründete er mit anderen aus der Bezirksgruppe SPÖ-Alsergrund die „Sektion 8“; eine Protestgruppe für jene, die „sich mehr mit der sozialdemokratischen Idee als mit der Führung der gleichnamigen Partei identifizieren können“. Mit seiner Rede gegen das Gesetz zum kleinen Glücksspiel stellte er sich im Mai 2011 am Landesparteitag der Wiener SPÖ gegen die Parteispitze und half kräftig mit, das kleine Glücksspiel künftig vor Wiens Tore zu verbannen.
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der Zeitung „Die Presse“ einen Kommentar geschrieben, in dem Sie der SPÖ zu wenig Risikobereitschaft attestiert haben. Damals wählten Sie Wolfgang Schüssel als Gegenbeispiel. Gehen wir einen Schritt weiter: Sind die Österreicher zu feige für Veränderungen, zu feige sich zu engagieren?
Rohrer: Ich wollte nicht, dass sie ihren Weg in einem Land beginnt, in dem man sich ständig darüber unterhält, warum etwas nicht geht. Ein Land, in dem man so viel Energie aufbringt zu erklären, was alles nicht möglich ist. Ich wollte, dass Sie in eine Umgebung geht, wo es heißt: Probier das einfach aus! Probier alles!
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GrüSSe aus Nordkorea N.N. war in Nordkorea. Er erzählte DURST von autofreien Autobahnen und menschlichen Rasenmähern. Ein Reisebericht aus einem der unfreiesten Länder der Welt.
Fotos: Propaganda der demokratischen Volksrepublik Nordkorea, Illustration: Kurt Rudolf
protokolliert von Mara Simperler*
Jetzt oder nie, hatte ich mir gedacht, als ich mich zu dieser Reise entschloss. Fast 200 Euro pro Tag zahle ich dafür, mir Propaganda über die Demokratische Volksrepublik Korea, den amerikanischen Imperialismus und die Güte des „Geliebten Führers“ Kim Jong Il anzuhören. Ich bin kritisch hierher geflogen, doch schon nach wenigen Tagen weiß ich nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Ich hatte von Arbeitslagern gelesen, von Folter und Hungersnöten. Was wir sehen, sind restaurierte Tempel, glitzernde Wolkenkratzer. Pjöngjang ist eine der saubersten Städte, in denen ich jemals war. Sie ist die Hauptstadt der Regimetreuen. Nur wer sich der Gunst des „geliebten“ Führers als würdig erweist, bekommt hier eine Wohnung zugeteilt. Drei Millionen Menschen leben hier. Graue Betonblöcke ragen in den Himmel: Wohnen in Plattenbauten, so wird man für Gehorsam belohnt. Von meinem Zimmer sehe ich ein zehn Stockwerke hohes Bildnis, auf dem der „große“ (Kim Il Sung, der Vater) und der „geliebte“ (Kim Jong Il, der Sohn) Führer von Blumen umrandet Menschenmengen zulächeln. Vor unserem Hotel sitzen Menschen auf dem Rasen und zupfen Grashalme mit den Händen ab. „Freiwillige Verschönerung des geliebten Vaterlandes“, erklärt unser Guide. Nordkoreanische Flüchtlinge erzählen in China davon, dass sie während der Hungersnöte Gras gegessen hätten, um zu überleben. Maisfelder reichen bis in die Vorstädte hinein. Mittendrin stehen Hochstände. Im ersten Moment wundere ich mich, dass so viele Hochstände wegen der Rehe aufgestellt werden, bis ich begreife, dass es nicht die Rehe sind, vor denen der Mais geschützt werden soll. Wir selbst leben hier wie die Könige. Nie können wir aufessen, was auf unseieses Land ist ein Paradies für ren Tischen aufgetürmt wird. Aber wir Autofahrer. In einem alten Grey- sitzen in einem goldenen Käfig. Sich auf hound-Bus, in dem alle englischen eigene Faust umzusehen ist unmöglich, Schilder übermalt wurden, fahren wir selbst in der Stadt der Regimetreuen. über leergefegte Straßen. Eine Rush „Ihr könnt die Sprache nicht, ihr würdet Hour gibt es hier nicht, auf der Au- verloren gehen und nie wieder gefuntobahn spielen Kinder. Bloß: Hier be- den werden“, sagt unser Guide. Er sagt sitzt eben kaum jemand ein Auto. Wer es sehr höflich. reisen will, benützt einen „Holzverga„Passt auf, was ihr zu Hause über unser“, einen mit Holz betriebenen LKW. ser Land erzählt“, mahnen die Guides. Willkommen in der Demokratischen Zu kritische Berichte von Ausländern fallen auf sie zurück, erklären sie uns. Volksrepublik Korea!
Propagandistische Postkartenidylle *N.N. ist ein Freund der Autorin und war im Sommer in Nordkorea. Würde er seinen Namen nennen oder den seiner Gesprächspartner, müssten diese in Nordkorea die Konsequenzen seiner Kritik tragen. Das ist kein Scherz! Der nordkoreanische Geheimdienst liest (wahrscheinlich) mit. Kritik will er trotzdem üben bzw. die Wahrheit sagen – doch lieber anonym. Nicht zu seinem Schutz, sondern zum Schutz derer, mit denen er gesprochen hat. DURST 2/11
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Deshalb kann ich weder meinen Namen nennen, noch den Namen von irgendjemand, mit dem ich gesprochen habe. Nicht einmal der investigativste Reporter will für das Leid seiner Informanten verantwortlich sein. Oder ist das alles wieder nur Propaganda? Nach einiger Zeit kann ich keinen Tempel mehr sehen, kein Museum und schon gar kein Denkmal. Ich habe mich vor Statuen von Kim Jong Il verneigt, ich wurde durch den „Children‘s Palace“ geschleppt, in dem Kinder zum Singen und Tanzen dressiert werden, wurde mit einem Förderband zur einbalsamierten Leiche von Kim Il Sung gerollt, habe mich vor der Leiche des „Großen Führers“ verbeugt, habe über Hunderte Panzer im Victorious Fatherland Liberation War Museum gestaunt und noch mehr über die Performance von 30.000 Schülern bei den Ariang Mass Games. Wenn ich abends ins Hotel komme, habe ich gar keine Lust mehr, zu versuchen, Nordkorea auf eigene Faust zu entdecken. Das wäre sowieso nicht möglich. Wir werden auf Schritt und Tritt von unseren Guides begleitet. Ganz im Gegensatz zu allen anderen Nordkoreanern. Fast immer fahre ich alleine mit meinen Guides im Lift, sogar in der U-Bahn warten die Einheimischen lieber auf den nächsten Zug. Die einzigen Nordkoreaner, mit denen ich ins Gespräch komme, sind jene, zu denen uns die Guides führen. Regimetreue Ärzte, regimetreue Studenten, regimetreue Kolchosenarbeiter. Wer nicht regimetreu ist, läuft vermutlich nicht mehr auf offener Straße herum. Das Gute ist: Im Gegensatz zu den Leuten, die hier leben, kann ich nach meinem Trip wieder ins Flugzeug steigen und nach Hause fliegen. In meinem Koffer haufenweise Propagandaliteratur und Postkarten (siehe links). In meinem Kopf mehr Fragen als zuvor.
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Im aktuellen Ranking von Freedom House rangiert Nordkorea neben Burma, Äquatorial-Guinea, Eritrea, Libyen (mit Gadafi), Somalia, Sudan, Turkmenistan und Usbekistan unter den unfreiesten Ländern der Welt (freedomhouse.org). Buchtipp: Soon Ok Lee: Lasst mich eure Stimme sein. Sechs Jahre in Nordkoreas Arbeitslagern. Brunnen-Verlag.
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Einmal hacken, bitte! Ungeschützter Datenverkehr kann zur Virus-Infektion führen. Nachlässig gesicherte Passwörter können von Kennern mit ein paar Klicks eingesehen werden. DURST ließ sich zeigen, was Big Brother über Otto Normalverbraucher herausfinden kann. Von Manuel Köllner
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erte Geeks, geschätzte Nerds. Ihr kennt das alles schon. Liebe Normalo-User, ihr und ich, wir haben nur eine vage Ahnung – von den Abgründen und Untiefen des Internets. Das Internet ist unendlich weit. Die große Freiheit? Klar. Die gibt es für Leute, die das Nötige wissen und unsere Mails lesen, unseren derzeitigen Standort erfahren oder unsere Passwörter haben wollen. Ich nutze Facebook, Twitter und seit Kurzem Google+, klicke auf Like-Buttons und habe ein YouTube-, Flickr- und Yahoo-Konto, wenn auch nicht immer mit echtem Namen oder E-Mail-Adresse. Ich will Genaueres wissen und besuche den Stammtisch von „Quintessenz“ im Museums-Quartier. Der Verein setzt sich für Bürgerrechte und Datenschutz ein, also für „die Freiheit, unbelauscht zu kommunizieren und unbeobachtet durch die Straßen zu gehen“. Zwei Männer verlassen kurz ihre Laptops, um mir die
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Hand zu schütteln. Der große, dünne und ältere der beiden ist Erich Möchel. Er grinst verschmitzt unter seinem schwarzen Schnurrbart. Möchel ist berühmt. Er ist Aktivist für Datenschutz und Datensicherheit, war Redakteur der ehemaligen ORFFuturezone und bloggt bei FM4. Es trudeln weitere Besucher ein. Möchel erklärt, warum ich da bin und eröffnet den anderen, dass ich gerne gehackt werden will. In der Runde wird gelächelt. Finger öffnen Bier- und Coladosen. Nach den Namen der freundlichen Menschen traue ich mich nicht zu Fragen. Datenschutz. Ich hole meinen Block hervor. „Du schreibst mit?“, fragt einer. Ich glaube, es war ein Scherz. Ich komme mir vor wie in einer Lateinstunde. Ich hatte nie Latein. Ein junger Oberösterreicher mit blondem Wuschelkopf und Bart übersetzt für mich. Die erste Frage habe ich noch verstanden. „Hast du ein Smartphone?“
Abbildung: Quintessenz
Die Hacker von „Quintessenz“ gehören zu den Guten. Sie schützen Daten wie Greenpeace die Wale. Ihr erklärter Feind: Der Überwachungsstaat.
Nein, leider nicht. Enttäuschung. Das wäre jetzt ganz einfach gewesen. Sofort sind wir bei ihrem Lieblingsthema: Die Vorratsdatenspeicherung. Alle Telefon- und Internetverbindungsdaten sowie E-Mail-Verbindungen und Handystandortdaten sollen sechs Monate gespeichert werden. Die österreichische Bundesregierung hat das Gesetz im April beschlossen. „Wenn du einmal ein Geheimdienst-Tool gesehen hast, läuft es dir kalt den Rücken runter“, sagt jemand. „Schau dir die Daten von Malte Spitz an.“ Der deutsche Grün-Politiker hat 2009 bei der deutschen Telekom seine Vorratsdaten eingeklagt und diese ins Netz gestellt. Auf einer Landkarte lassen sich sechs Monate von Spitzs Leben verfolgen. Wo er war, wie oft er telefoniert hat, wie viele SMS er geschrieben hat. Es geht gar nicht darum, die Inhalte von Gesprächen oder E-Mails zu untersuchen. Die Datensätze der Verbindungen DURST 2/11
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Abbildung: Quintessenz
reichen aus, um Freunde, geheime Neigungen oder die politische Gesinnung offen zu legen. „Fahr doch mal deinen Rechner hoch“, sagt Möchel. Einer fragt nach meinem Betriebssystem. Ich drücke den On-Knopf auf meinem Laptop. Ein mitleidiges „Oh, Windows ...“ folgt. Die Profis setzen auf Linux. Ich höre Abkürzungen und Worte, die ich nicht verstehe. Mein Übersetzer sagt, ich soll die Cookie-Liste des Browsers (Ich benutze Mozilla Firefox) herzeigen. Ich zögere. Der Wuschelkopf hilft. Cookies werden von Webseiten auf meinem Rechner gesetzt, um mein Nutzerverhalten zu speichern. Die digitalen Kekse merken sich wesentliche Aktionen, die wir mit unserem Browser auf der Webseite ausgeführt haben, wie etwa das Einloggen. Glück gehabt: Die Liste ist in einem Format gespeichert, das nicht sofort lesbar ist. Nützt nichts. Ein paar Klicks und meine Passwörter sind lesbar. Browser bieten beim Login auf verschiedenen Seiten an, die Passwörter zu sichern. Übersetzer: „Machst du das manchmal?“ Ich: „Eigentlich nicht.“ Klick. Übersetzer: „Doch.“ Er öffnet die Liste. Es finden sich Registrierungen, die ich irgendwo einmal angelegt habe. Übersetzer: „Hast du ein Masterpasswort?“ „Nein.“ „Verwendest du manchmal das gleiche Passwort?“ „Oft.“ „OK, dann klicke ich jetzt nicht auf ‚Passwörter anzeigen‘ ...“ Erwischt. Später kontrolliere ich die Codes und finde zwei Kombinationen, die ich auch für E-Mail, Facebook und Twitter verwende. Aber meine E-Mails sind doch wenigstens sicher, denke ich. Ich erfahre, dass es für geneigte User kein Problem ist bei mir mitzulesen. Ich vernehme wieder eine Abkürzung: PGP. Das
die erste frage habe ich noch verstanden. „hast du ein smartphone?“ Nein, leider nicht. Enttäuschung. Das wäre jetzt ganz einfach gewesen. heißt „pretty good privacy“ und ist ein Verschlüsselungssystem. Ein Programm chiffriert die Nachricht. Sender und Empfänger haben einen Schlüssel. Die Software gibt’s zu kaufen oder auch als OpenSource-Variante GnuPG. Ich verstehe nun wieder etwas. Wir müssen unsere Software immer updaten. Aber: Wir sollen nicht wahllos Programme herunterladen oder gar Cracks dafür. Ein Crack soll den Kopierschutz von Software knacken. Ich lerne, dass es häufig vorkommt, dass sich in der Crack-Datei Trojaner, also Schadprogramme verstecken. Erich Möchel geht gerade online. Er sagt Vokabeln, die ich noch nicht gelernt habe und USA, Großbritannien und Thor. Ich denke an germanische Gottheiten. Übersetzer bitte! Möchel hat über Proxy-Server in den USA auf eine Seite in Großbritannien zugegriffen. Ein Proxy-Server (lat. proximus – der Nächste) bietet eine gewisse Anonymität, da uns dieser eine neue IP-Adresse (Identifizierung unseres
Gerätes) gibt. Er verwendet außerdem das Programm TOR. Damit greift der User nicht direkt auf eine Webseite zu, sondern sein gesendetes Datenpaket nimmt in Teilen zufällige Routen über andere Server. Zusätzlich dazu bietet hidemyass.com ein Gratis-Proxy. Möchels Tipp: „Heikle Recherche nur via Laptop mit Breitband-Modem = wechselnde IP. Nur der Provider weiß, wer dahintersteckt.“ Ich hatte mich zuvor im (ungesicherten) Gratis-WLAN des Museumsquatiers eingeloggt und habe also schon wieder was gelernt: Ich gebe kein Passwort ein. Passwörter können in einem offenen Netzwerk leicht abgefangen werden. Was außerdem helfen kann: https. Das ist ein Internetprotokoll wie http, allerdings mit Verschlüsselung. Banken verwenden es beim e-banking, auch Facebook oder Twitter bieten diese https-Funktion an. Vorbildlich habe ich diese schon seit Längerem aktiviert. Die Experten im Raum prüfen, ob auch die Facebook-Startseite, also wo ich mein Passwort eingebe, https geschützt ist. In der Adresszeile steht nur http. Sie klicken. Ich schaue zu und verstehe nicht. Sie sagen, es ist geschützt. Ich glaube ihnen. Im Kreis von Datenschutzaktivisten mit Facebook anzufangen, war ohnehin ein Wagnis. Ist es sicher? „Das Sicherste ist nicht daran teilzunehmen“, stellt jemand fest. Und was wissen Facebook und Google über uns? Diskussion. Mein Übersetzer meint dann: „Wenn die einmal keinen Gewinn mehr machen, möchte ich nicht, dass sie meine Daten haben.“ Datenschützer bekämpfen Facebook seit Jahren. Aktuell wird dem Netzwerk vorgeworfen auf Seiten Dritter via Like-Button, auch ungeklickt, Daten über User zu sammeln.
Du hast´s versaut.
Zum Schluss werde ich noch ein wenig beruhigt: Mein Übersetzer gibt mir seine E-Mail-Adresse. Es ist ein ganz normales Google-Konto. Noch ein Tipp: Wer zu mehr Vorsicht motiviert werden will, soll bei Youtube mal „Firesheep“ eingeben. Aber die Geeks kennen das eh schon.
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Links: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2011-02/vorratsdaten-malte-spitz http://www.quintessenz.org http://fm4.orf.at/erichmoechel https://joindiaspora.com (alternatives Soziales Netzwerk)
„Quintessenz“ organisiert die Big Brother Awards am 25.10. im Rabenhof. Bisherige „Gewinner“: Elisabeth Gehrer, Dieter Böhmdorfer, Jörg Haider und Hans Dichand bekamen ihn jeweils für ihr Lebenswerk als „Lebenslanges Ärgernis“. Ernst Strasser wurde vom Publikum gewählt. Blizzard Entertainment erhielt ihn für die Bespitzelung von User bei ihrem Spiel „World of Warcraft“, Telekom Austria für die Weitergabe von privaten Nutzer-Daten an die Porno-Industrie.
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widerstand mit worten In Sri Lanka kämpft der Zeitungsmacher Lal Wickrematunge einen mutigen und einsamen Kampf gegen das Regime der Familie Rajapaksa – unter Einsatz seines Lebens. DURST hat ihn besucht.
von Valentin Ladstätter
Lal Wickrematunge lebt gefährlich. An der Wand das Bild seines ermordeten Bruders. Rechts Autor Valentin Ladstätter in Lals Büro.
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ieht die T-Shirts nicht in Colombo an, sonst werdet ihr erschossen.“ Die T-Shirts mit dem „Sunday Leader“-Logo auf der Brust nehme ich trotz des makaberen Scherzes gerne. Es ist mir sogar eine Ehre. Lal Wickrematunge verzieht bei seinem Scherz keine Miene. Er schenkt lieber noch einen Schluck Arrak nach. Der Palmschnaps schmeckt ähnlich wie Whiskey, ist aber weniger stark. Und im verschwitzten, schmutzigen Klima an Sri Lankas Westküste genau das Richtige, denn er lässt die Hitze vergessen. Eigentlich sieht der etwa einssiebzig große Lal mit dem dunkelbraunen, gegerbten Gesicht aus wie ein lieber Onkel, der seine Freizeit mit Heckenschneiden und Rasenmähen verbringt. Aber neben seiner gemütlichen und freundlichen Art ist Lal ein Mann mit Eiern aus Stahl. Früher war er Polizist in Colombo, bis er Korruption und Vetternwirtschaft nicht mehr aushielt und 1994 gemeinsam mit seinem Bruder Lasantha die Zeitung „The Sunday Leader“ gründete. Dem Zeitungs-Slogan „unbowed and unafraid“ wird bis heute alle Ehre gemacht. Mit 62 denkt Lal noch lange nicht an die Pension, sondern kämpft weiter seinen zunehmend einsamen Kampf gegen die Korruption in der Regierung und die Unterdrückung der
Pressefreiheit. Das ist in einem Land wie Sri Lanka eine gefährliche Arbeit. Zweimal entging Lal einem Attentat. Seine Telefone werden angezapft, wenn er mit dem Auto unterwegs ist, wird er immer wieder beschattet und verfolgt. Die Gespräche mit Lal könnten in einem James-Bond-Film vorkommen. „Stimmt es, dass Verteidigungsminister Gotabaya Rajapaksa ein Haifischbecken in seinem Garten hat?“ Das hatte Lals Tochter Raisa erzählt. Lal bestätigt das. Das gehöre fast zum Allgemeinwissen in seinem Land. Auch zum Allgemeinwissen gehört, dass Rajapaksa den „Sunday Leader“ nicht mag. Und der „Sunday Leader“, das ist nun einmal Lal. Er ist nicht nur ihr Gründer, sondern bis heute ihr Präsident und wichtigster Mann. Er ist die Seele der Zeitung. Das Herz des „Sunday Leader“ war Lals Bruder Lasantha. Er war Chefredakteur und einer der schärfsten Kritiker von Korruption und Regierung. Er wurde 2009 erschossen. Das ist es, was Lals Scherz mit den T-Shirts so makaber macht. Als ehemaliger Jurist mit einem ausgezeichneten Netz an Informanten schrieb Lasantha über das Innenleben der verschiedenen Regierungen seit 1994. Damit war er das Haar in der Korruptionssuppe der Regierungen,
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der Kieselstein im Brot der Präsidenten und schließlich der Dorn in der Pranke des Löwen Rajapaksa, den „Reporter ohne Grenzen“ auf einer Liste von 38 Feinden der Pressefreiheit führt. Neben Robert Mugabe, Ramsan Kadyrow und Kim Jong Il. Löwe ist der falsche Vergleich. Rajapaksa ist eher eine Hyäne. Nicht so majestätisch wie ein Löwe, dafür verschlagen grinsend, cholerisch und wesentlich gefährlicher. Auch ist er nicht so faul wie ein Löwe, sondern emsig damit beschäftigt, Gegner zu eliminieren, um seine Macht zu festigen und auszudehnen. Hyänen jagen im Rudel. Die Rajapaksa-Familie durchsetzt in Sri Lanka nicht nur die höchsten Regierungsebenen – Präsident, Verteidigungsminister, Minister für Wirtschaftliche Entwicklung und Parlamentssprecher sind Brüder –, sondern auch Botschafter, Parlamentsmitglieder, Wirtschafts- und Verwaltungsfunktionäre. Je nach Quelle werden zwischen 100 und 250 Mitglieder des Rudels in Schlüsselpositionen gezählt. Kein Wunder, dass Gotabaya sich einiges erlauben kann. In Lasanthas Fall ist „erschossen“ der falsche Begriff. Besser passt „geschlachtet“. Seine Mörder verwendeten am 8. Januar 2009 weder ein Gewehr noch eine Pistole, um ihn zu töten,
sondern einen Schlachtschussapparat. Sie drängten ihn auf Motorrädern in eine Ecke und zertrümmerten die Scheiben seines Wagens mit Eisenstangen. Dann setzte ihm einer der Männer den Apparat an die Schläfe und aktivierte den Bolzen. Eine starke Botschaft. Wer dahintersteckt, ist bis heute nicht offiziell bekannt. Die Mörder wurden trotz mehrerer Dutzend Zeugen nie gefasst, geschweige denn angeklagt. Mit dem Mord an Lasantha war das Säbelrasseln der Regierung noch lange nicht vorbei. Zur Zeit steht der „Sunday Leader“ – und somit Lal – in drei Fällen wegen Rufschädigung vor Gericht. Die geforderte EntschädigungsSumme: eine Milliarde Rupien (sechs Millionen Euro) pro Fall. Hauptankläger: Gotabaya Rajapaksa, der Mitte August anfing, seine Beweise vorzutragen. Präsident Mohinda Rajapaksa meldete sich telefonisch bei Lal und „used strong language“. Er drohte, ihn persönlich anzugreifen. Doch darauf pfeift Lal. „What characterizes a leader?“ fragt er einmal im Gespräch. „A leader is a person, who is prepared to make the hard decisions.” So trifft Lal weiterhin die harten Entscheidungen als „Sunday Leader“.
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www.thesundayleader.lk
Fotos: Manuel Köllner
Lal Wickrematunge – ein Mann mit Eiern aus Stahl.
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FOTO: GEORG ECKELSBERGER
WO IMMER DU HINKOMMST, GEHT‘S UM DEIN GELD. GÜNTHER REINDL, SEGLER, SEITE 51
Eine Erinnerung an die Aufstände am Hamburger Schanzenfest, 20. August 2011 DURST 2/11
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Freie liebe, freie Triebe Rein, raus, rein, raus: Unsere Sexologin DDr. Elfriede „Kamasutra“ Pfannenstiel-Brugger beantwortet eure wichtigsten Fragen zu Liebe, Sex und Zärtlichkeit.
Illustration: Kurt Rudolf
Von Raffael Fritz und Anna Schiester
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Illustration: Kurt Rudolf
Fragen an DDr. Elfriede „Kamasutra“ Pfannenstiel-Brugger unter facebook.com/durstmagazin oder durst@falter.at — Die Antworten findet Ihr in der nächsten Aussgabe zu Beginn des Sommersemesters 2012.
Wir hatten in den Sechzigern die Sexuelle Revolution, schön und gut. Aber was wurde aus der freien Liebe? Ich warte!
Sex? Ich verstehe das Konzept, aber die Durchführung interessiert mich nicht wirklich! Bin ich normal? Hans (19)
Hatto (26)
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arten ist unnötig, Hatto, hau rein! Es gibt kein Gesetz gegen einvernehmliche Liebesbeziehungen zwischen mehreren Erwachsenen. Aber die Bezeichnung „Freie Liebe“ hat ein gewisses PR-Problem: Sie war mal eine erregende Idee, aber als sich die Schwaden der Sechziger Jahre legten, zeigte sie sich oft als bloße Chance für ungewaschene Typen, mit drei Siebzehnjährigen gleichzeitig im Bett zu landen. Damals waren eben andere Zeiten, und für manche offenbar ziemlich unterhaltsame. Aber hättest du schon einmal versucht, eine offene Beziehung zu führen, wüsstest du, dass es kein Spaziergang durch einen Garten Eden aus primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen ist, sondern dass es einem Dinge wie „Verantwortung“, „Respekt“ und anderen Spießerkram abverlangt. Und du sonst entweder a) dich in einer normalen Beziehung wiederfindest, die du einfach nicht so nennst, oder b) ein rasender Feuerball aus Eifersucht wirst, der alles um sich herum verschlingt. Aber nur zu, hau rein. Wer heute zweimal mit demselben pennt (aber nicht nur) und dabei weiter dem Establishment fernzubleiben beliebt, nennt das „Polyamorie“. Klingt polyglott und gebildet, ohne wieder das Bild mit den drei Siebzehnjährigen heraufzubeschwören. Das wollen wir nicht, oh nein. Der Eintrag zu Polyamorie in der deutschsprachigen Wikipedia (ich scheue bei der Recherche weder Kosten noch Mühen) hat übrigens zehn Mal so viele Wörter wie der über Monogamie und ungefähr gleich viele wie der über die Stadt Salzburg. Das Thema ist also der heiße Scheiß, schließlich sollte man Wikipedia und seinen repräsentativ in der Bevölkerung verteilten Autoren in jedem Fall trauen.
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er trotz tausender nackter, sich räkelnder Körper auf Werbeplakaten partout keine Lust auf Sex hat, gilt oft als verklemmt und/oder verrückt. Deinen Freunden könntest du wohl eher eine Fetischbeziehung mit einer Modelleisenbahn und einem Zwergflusspferd glaubhaft machen, als dass du kein Bedürfnis hast, mit wem auch immer diverse Körperteile ineinander zu stecken. Dabei kommt Asexualität durchaus vor: Du gehörst immerhin dem einen Prozent der Menschheit an, das eine sehr geringe sexuelle Triebkraft hat. Auch bei einem berühmten Namensvetter von dir munkelt man, er sei asexuell gewesen: Hans Christian Andersen, dänischer Märchenkaiser. Kaiser sind sonst eher für das Gegenteil bekannt: Bei den römischen ging es besonders wild her – von denen gehörten wohl einige zu den drei bis fünf Prozent der Menschen, die als sexsüchtig gelten. Kaiser Tiberius soll in seinem Palast auf Capri durchlauchte Gruppensexpartys gefeiert haben. Messalina hingegen, die Frau von Kaiser Claudius, maß sich laut Plinius mit einer stadtbekannten Prostituierten darin, wer länger Sex haben konnte. Messalina gewann: Über 25 concubitus* (so macht die U-Deklination Spaß) hintereinander soll sie durchgehalten haben. Bei ihrem Gatten kam dieser Rekord nicht so gut an: Er ließ sie hinrichten (dass sie sich von ihm scheiden ließ und mit ihrem neuen Mann einen Mordanschlag auf Claudius plante, dürfte ihre Beziehung auch ein wenig belastet haben). Von den Päpsten und ihren Orgien fange ich gar nicht erst an, sonst würde dieses Heft nur an Tankstellen unter dem Tresen aufliegen. Pro-Tipp: Überleg dir eine Karriere als Geistlicher – die suchen schon seit 1000 Jahren Leute, die das mit dem Zölibat ein bisschen ernster nehmen. *Lat. „Beischlaf “, etymologische Wurzel des Wortes „Konkubine“
Ich liebe meine Modelleisenbahn Piko. Nun wollen wir endlich Ernst machen und heiraten. Wie stelle ich das am besten an?
Wie alt sollte meine Freundin mindestens sein? Gibt es da eine Faustregel? Rüdiger (22)
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eiraten? Wer braucht schon einen Ring am Finger, besonders wenn man, so wie deine Eisenbahn, nicht einmal Finger hat? Außerdem wird Piko dich kaum mit einer anderen betrügen, aus der Wohnung schmeißen und dir eure gemeinsamen Kinder vorenthalten. Und ohne eheliche Verpflichtungen kannst du ihn (oder sie?) einfach in die Mülltonne werfen, falls, naja … euer Leben verschiedene Bahnen nimmt. So groß dein Wunsch auch ist: Die Ehe mit einem Objekt erkennen die Behörden nicht an (nicht einmal in Holland). Aber den Namen deiner Modellbahn kannst du wohl tragen. Zumindest ging das bei einer Amerikanerin: Die hat in einer inoffiziellen Zeremonie den Eiffelturm geheiratet und heißt seither mit Nachnamen La Tour Eiffel. Auch die Berliner Mauer ist schon länger unter der (antifaschistischen Schutz-)Haube: Die Schwedin Eija Riitta Eklöf-Berliner-Mauer behauptete – wie ihr Name schon verrät – seit 1979 mit der Mauer verheiratet zu sein. Was sie an der so toll fand? Naja, sie sei eben „the best and sexiest wall that ever existed“. Klar, oder? Nun gibt es aber seit 9. November 1989 keine Mauer mehr. Was für die einen den Weg in die Freiheit bedeutete, war für Eija Riitta eine Tragödie: Seither ist sie nämlich Witwe. Detail am Rande: Auch Eija Riitta ist Modellbauerin.
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propos Faustregel: Das englische „rule of thumb“ soll der Legende nach von einem Gesetz kommen, demgemäß man seine Frau mit einer Rute schlagen durfte, die höchstens so dick wie der eigene Daumen war. Für die österreichische „Faustregel“ lässt das raue Sitten vermuten … aber ich schweife ab. Die am weitesten verbreitete Regel zum Mindestalter der Partnerin lautet: dein eigenes Alter durch zwei plus sieben. Das heißt, deine Freundin müsste mindestens 18 sein. Das exakte Rechenbeispiel spare ich mir, das ist hier schließlich ein Studentenmagazin. Umgekehrt gilt (wie die Streber, die sich über sowas nicht den Kopf zerbrechen müssen, das ausdrücken) f(x) = 2(x-7) – hättest du Lust auf eine ältere Frau, dürfte sie höchstens 30 sein. Doch die Streber nicken längst wissend: Je älter du wirst, desto größer wird auch dein Spielraum als Cougar-Jäger oder Lustgreis. Apropos Lustgreis: Die Regel stammt vom Gründer und langjährigen Leiter der Nation of Islam, Elijah Muhammad. Er meinte damit aber nicht das Mindest-, sondern das ideale Alter einer Partnerin. Außerdem fand er, dass der Größenunterschied zwischen zwei Partnern nicht zu groß sein, eine Frau immer in Respekt zu ihrem Mann aufschauen sollte und dass ein schwarzer Wissenschaftler die weiße Rasse auf einer einsamen Insel als das absolute Böse gezüchtet habe (ungefähr wie die Uruk-Hai aus „Herr der Ringe“). Bad Vibrations. Darum rate ich dir besser zur Faustregel von Woody Allen: Whatever works … vulgo: macht (als Erwachsene über 18 mit Erwachsenen über 18) was ihr wollt und lasst die Leute sich um ihren eigenen Kram kümmern.
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Wird Prag das neue Amsterdam? Kann man in Lissabon legal koksen? Sterben in Amsterdam die Coffeeshops aus? Wenn es um Drogenpolitik geht, herrscht Verwirrung. Kein Wunder: Die jeweiligen nationalen Gesetzgebungen sind unübersichtlich. DURST hat sich ein paar aktuelle Fälle angesehen.
Portugal Ein Zug am Ofen und schon sitzt du bis zu drei Monate im Knast. Das war Portugal, zumindest bis zur Jahrtausendwende. Seit 1999 sind restriktive Drogengesetze, die den Besitz und Konsum von Betäubungsmitteln und psychotropen (die Psyche beinflussende) Substanzen (z.B. LSD, Psilocybin, Amphetamin) als Straftat definierten, nach und nach gelockert worden. Heute gilt Portugals Drogenpolitik als äußerst liberal.
Trotzdem: Illegaler Drogenbesitz – von Cannabis, Heroin bis zu bestimmten Medikamenten – bleibt strafbar. Allerdings wurde ihr Konsum entkriminalisiert. Süchtige werden nicht mehr stigmatisiert und bestraft. Ihnen soll stattdessen mit Rehabilitationsprogrammen geholfen werden. In der Praxis gilt: Wenn man mit einer „kleineren Menge“ erwischt wird und nicht nachgewiesen werden kann, dass man diese verkaufen wollte, muss man lediglich mit einer Geldstrafe oder einer Verwarnung rechnen. Wie viel
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diese „kleine Menge“ nun letztendlich ist, wurde ziemlich schwammig definiert: Laut Gesetz soll die Dosis, die für den dreimal täglichen Gebrauch reichen würde, nicht überschritten werden. Ansonsten drohen ein Jahr Gefängnis oder eine Geldstrafe. Heute stellen Experten der portugiesischen Drogenpolitik ein gutes Zeugnis aus: Entgegen den Befürchtungen von Kritikern hat sich bislang kein Drogentourismus etabliert. Dank dem Aufbau von Rehabilitationszentren nehmen immer mehr Abhängige
dieses Angebot an: Die Anzahl der Entzugswilligen stieg um ein Drittel, von 23.500 im Jahr 1998 auf 35.000 heute. Auch andere Zahlen sprechen für Portugals Drogenpolitik: Während vor der Gesetzesänderung rund 50% der HIV-Infizierten aus dem Drogenmilieu kamen, sind heute nur mehr rund 20% der HIV-Erkrankungen drogenbedingt. Sogar überdosis-bedingte Todesfälle sind mit dem neuen Gesetz zurückgegangen. In Großbritannien wird darüber diskutiert, die Strategie des kleinen Landes als Vorbild zu nehmen.
Illustration: Kurt Rudolf
Von Martina Powell
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Tschechien
ÖSTERREICH
Wird Prag das neue Amsterdam? In Tschechien wird seit dem 1. Jänner 2010 der Besitz von bis zu 15 Gramm Marihuana nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Das heißt aber nicht, dass jetzt jeder nach Belieben auf der Straße kiffen kann. Wer mit Joint erwischt wird, zahlt trotzdem eine Verwaltungsstrafe von bis zu 570 Euro. Das Polarisierende an der Reform: „Legal“ wurden neben Cannabisprodukten auch diverse härtere Drogen. Allerdings: Was häufig als Legalisierung harter Drogen interpretiert wird, ist in der Realität ein kompliziertes Konstrukt aus Gesetzen. Diese definieren bis ins Detail Mengen, die mitgeführt werden dürfen. Eine Kostprobe: Heroin – 10 Dosierungen (je 100 Milligramm) Kokain – 10 Dosierungen (je 50 Milligramm) MDMA (Ecstasy) – 10 Dosierungen (je 100 Milligramm) LSD – 10 Dosierungen (je 50 Mikrogramm) Marihuana – 20 Zigaretten mit 1,5 Prozent THC Außerdem wurde 2007 das Anbauverbot von Cannabis vom Verfassungsgericht außer Kraft gesetzt.
Alarm! 37 Cannabis-Pflanzen am Kärntner Ring gefunden! Eine Wiener Sommerstory, die nicht nur Boulevardjournalisten dazu veranlasste, über die österreichische Drogenpolitik zu philosophieren. Zu liberal? Zu konservativ? Tatsache ist: Auch wenn – oh Schreck!! – vielerorts berauschende Düfte auf die Straßen Wiens entfleuchen: Laut Suchtmittelgesetz (SMG) sind Haschisch und Marihuana in Österreich verboten – genauso wie Opiate, Speed, Kokain, Ecstasy und andere Designer-Drogen. Jede Form des Erwerbs, des Besitzes, der Weitergabe sowie der Erzeugung, Einfuhr und Ausfuhr wird angezeigt. Die Höhe der Strafe hängt unter anderem von der Menge des Suchtgiftes ab, die man erwirbt, besitzt, weitergibt, erzeugt, einführt oder ausführt. Lediglich gewisse psychotrope Stoffe – im wesentlichen Arzneimittel mit beruhigender Wirkung wie zum Beispiel Tranquilizer – kann man laut Gesetz straffrei konsumieren. 1998 wurde mit dem SMG die Basis für die österreichische Drogenpolitik geschaffen. Bis auf kleinere Novellierungen hat es sich bis heute kaum verändert. Gerichtliche Strafen treffen meist Personen, die Suchtgift in großen Mengen „in Verkehr setzen“, ohne selbst
suchtgiftabhängig zu sein. Denn das SMG kann in gewissen Fällen „reine“ Konsumenten entkriminalisieren. Übrigens: Der kleine Garten am Kärntner Ring wurde prompt von der Polizei entfernt.
Niederlande Aus etwa 300 Coffeeshops und diversen Privatwohnungen duftet es nach Gras. Natürlich sind wir in Amsterdam. Die Stadt, in der Passivrauchen einen besonderen Geschmack bekommt. Bis heute hält sich das Klischee von Sexund Drogentourismus hartnäckig. Nicht ohne Grund: Berühmt wurden die Niederlande durch ihre „Toleranzpolitik“ der 1970er Jahre. Dabei wurde zwischen „weichen“ (Cannabisprodukte) und „harten” (LSD, Heroin u.a.) Drogen unterschieden. Legal ist der Joint streng genommen nicht. Allerdings dürfen Coffeeshops bis zu fünf Gramm Gras oder Haschisch pro Kunde verkaufen. Alkohol anbieten oder selbst Cannabisprodukte anbauen dürfen sie aber nicht. Eine Gesetzesreform der konservativen Regierung vergangenen Mai sorgte allerdings weltweit für Schlagzeilen: Nur Niederländer dürfen in Zukunft Coffeeshops betreten und deren
Angebot in Anspruch nehmen. Ausländische Stoner müssen draußen bleiben. Jeder Shop muss seine Mitglieder registrieren lassen, pro Shop sind 1.500 Kunden erlaubt. Bis Ende 2011 wird die Reform in den südlichen Provinzen in Kraft gesetzt. Ein paar Monate später soll sie überregional gelten. In Maastricht wird darüber diskutiert, neben den Einheimischen auch Deutschen und Belgiern den Zugang zu Coffeeshops zu ermöglichen. Auf die 14 Coffeeshops der 200.000-Einwohner-Stadt kommen jährlich an die 14 Millionen ausländische Kunden. Der EuGh erlaubt die Diskriminierung anderer europäischer Staatsbürger, wenn dies im Sinne des „Kampfes gegen den Drogentourismus“ geschieht. Kritiker meinen, dass sich dies negativ auf den Tourismus auswirken und sich der Handel von Drogen auf unkontrollierbare Schwarzmärkte verschieben könnte. In Amsterdam ist die neue Regelung allerdings kein Thema: Fragt man Coffeeshop-Besucher, so glauben die wenigsten, dass die Reform tatsächlich Veränderungen bringen wird.
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Studien und Profile einzelner Staaten: http://www.emcdda.europa.eu/ index.cfm (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction)
The Vienna Review The Vienna Review is Austria’s only English language paper, an independent journal of news and opinion covering the life and times of Vienna and the Central and Eastern European Region, ten times a year.
Illustration: Kurt Rudolf
Get the Vienna Review: 1 year /10 issues € 20,– For students € 17,–
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KUnst! werk! zeug!
Fünf Künstler zeigen ihren Zugang zum Thema Freiheit – jeweils mit einem Foto. Da kann es um das Ausgeliefertsein gehen, um Gleichberechtigung, Gewalt, Anderssein oder Minderheiten. Auswahl: Christian Bretter Texte: Thomas Askan Vierich
Every Time the cuckoo screamed
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foto: fabio otti
Tina Schula, Filmemacherin, Fotografin. *1972 in Wien, lebt und arbeitet in Brooklyn, New York. BA in Regie des London College of Communication; MFA für Fotografie der School of Visual Arts, NYC
foto: Tina Schula
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ina Schula interessiert sich für das Sperrige, das Schmerzhafte. Deshalb hat sie ihre Mutter gebeten, sich noch einmal in den Luftschutzbunker zu hocken, wo sie im Zweiten Weltkrieg als kleines Kind Todesängste ausstand und das Heulen der Sirenen (Cuckoo) hören musste. Eine ganze Generation von heute Siebzig- bis Achtzigjährigen musste dort nächtelang ausharren. Oben flogen die Bomber. Und unten wusste man nicht, ob man jemals wieder aus diesem finsteren Kellerloch herausfinden würde. Tina Schula beschäftigt sich öfter mit traumatischen Erfahrungen. Die seit 2002 in New York lebende Künstlerin hat zum Beispiel einen auf mehreren Ebenen verschachtelten Film über 9/11 gedreht.
F foto: fabio otti
foto: Tina Schula
it´s me abio Otti arbeitet mit dem eigenen Körper. Für seine rote Skulptur hat er sich vor Publikum in „eine Art embryonales Wesen“ verwandelt, erzählt er. „Das als Zwitterwesen beide Geschlechter spiegelt.“ Deshalb zeichnet sich nur eine einzelne Brust ab. Mit solchen Performances will Otti die Konstruktion von Geschlechterrollen aufzeigen und durchbrechen. Damit steht er in der Tradition von KünstlerInnen wie Jakob Lena Knebel, bei der er auch an der Akademie studiert. Otti will Lehrer werden. Weil den gelernten Kindergartenpädagogen die Vermittlung von Kunst interessiert, der soziale Kontakt. Jetzt muss er nur noch eine Schule finden, bei der seine Performances im Lehrplan Platz haben. DURST 2/11
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Fabio Otti, * 1988 in Villach, BAKIP in Klagenfurt, Kunstgeschichte an der Uni Wien, seit 2009 Kunst auf Lehramt an der Akademie der bildenden Künste in Wien
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Elke Auer, *1980, Esther Straganz, *1979, besuchten die HTL für künstlerische Gestaltung in Graz und die Universität für angewandte Kunst in Wien. Diplom 2005 DURST 2/11
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foto: MIchael Gumhold, Martin Behr
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wischenzeitlich nannten sie sich mal „Wild Diamond Gang“. Elke Auer und Esther Straganz arbeiten seit mehr als 15 Jahren zusammen. Mit Humor und Konsequenz. Sie stehen in der Tradition radikaler, feministischer Ansätze. Aber sie betreiben ihre harsche Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen nicht ohne Ironie. Ihr Foto „Pissen im Stehen“ veröffentlichten sie zuerst 2007 im Girl-Zine „Cuntstunt“. Schon Simone de Beauvoir hatte 1949 das erzwungene Pinkeln von Mädchen im Sitzen als „beschämenden, unbequemen und erniedrigenden Vorgang“ beschrieben. Vielleicht lächelt die Dame an der Donau deshalb so befreit. Denn für Jungs ist Urinieren nach Beauvoir ein „freies Spiel“. Für hockende Mädchen nicht.
foto: Auer und Straganz
Pissen im Stehen
foto: MIchael Gumhold, Martin Behr
foto: Auer und Straganz
kadavergehorsam
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rst Maschinenbau, dann Kunst. Das war die Forderung von Michael Gumholds Eltern. Also lernte Gumhold Maschinenbau an der HTL Wolfsberg. Dann ging er an die Meisterschule für Bildhauerei in der Grazer Ortweinschule, später zu Heimo Zobernig an die Akademie der bildenden Künste in Wien. Mit Heavy Metal hat er sich auch beschäftigt – als Bassist. Aus einer Karriere als Musiker wurde aber nichts. Aber er baut immer wieder Elemente der Rockmusik in seine Werke – Skulpturen, Samplings, Bilder – ein. Auf dem Foto „Kadavergehorsam“ posiert er als Hooligan mit Keule. Oder? Äußert sich so der Kunstbegriff eines Heavy-MetalFans? Die Kappe ist übrigens Gumholds Markenzeichen. Die trägt er nicht nur, wenn er posiert. DURST 2/11
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Michael Gumhold, *1978 in Graz, Auslandsstipendien des bm:ukk: Chicago 2006, Tokio 2010, 2012 Staatsstipendium für bildende Kunst. www.georgkargl.com
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edes menschliche Wesen ist ein Künstler, ein freies Wesen, aufgerufen an der Transformation und Umformung der Bedingungen, des Denkens und der Strukturen teilzunehmen, die unser Leben formen“, sagte Joseph Beuys in den 1970er-Jahren. Das setzt Delaine Le Bas in ihren A rbeiten um. Sie will die Strukturen sichtbar machen, die uns davon abhalten, wir selbst zu sein. Das ist in ihrem Fall besonders brisant, weil sie einer Minderheit angehört, die gerade in Europa heftigen Repressionen ausgesetzt ist: den Roma. Für das Foto hat sie sich in einen eingezäunten Schrebergarten in England gestellt, es könnte sogar ihr eigener sein. Eine „Zigeunerin“ im Schrebergarten! Aber ist das nicht immerhin der „Lizard King“ mit Hang zum Schamanentum auf ihrem Shirt?
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Delaine Le Bas, *1965, stammt aus einer Roma-Familie und lebt in Großbritannien; ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Außenseitern, Volks- und Gegenwartskunst; gemeinsam mit ihrem Mann Damian errichtete sie im Rahmen der Wiener Festwochen 2011 die begehbare, temporäre Skulptur „Safe European Home“ vor dem Parlament.
Foto: Tara Darby
SPiel mit Erwartungen
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Das Ende einer Beziehung bringt nicht immer das Gefühl von Freiheit. Von Paul Rabel und Georg Eckelsberger
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s sind jetzt schon drei Wochen. David hat recht: Zeit weiterzumachen! „Genieß doch deine Freiheit!“, sagt er. Ich fühle mich elend. „Der Mensch ist in jenem Moment frei, in dem er frei sein will1, hat mein Opa immer gesagt“, legt David nach. „Was für ein Bullshit!“ Jeder will frei sein, klar, aber wie geht das? David weiß es offenbar auch nicht. „Was ist denn deine Definition von Freiheit?“, fragt er. Ich glaube, dass es heute vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben wirklich bei dem einen Bier bleibt, so sehr ödet mich sein Gelaber an. „Sag doch mal was!“ Verdammt. „Äh, weißt du, was ich unlängst gelesen habe? Freiheit heiSSt wichsend auf dem Flugzeugfriedhof zu stehen.2“ Er verdreht die Augen. „Glaubst du wirklich, Anna sitzt jetzt auch in irgendeiner Bar und weint rum? Bestimmt nicht!“ Gott, David, Salz in die Wunden. Schon wieder diese Übelkeit. Als ich gerade zu meiner Standardgeschichte ansetze, von wegen unabhängig und darüber hinweg und so weiter, tut sich plötzlich etwas an der Bar. „Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen und lesen, was einem die Zensoren erlauben!3“, brüllt dort ein Typ in einem grünem V-Neck und streckt dem Barkeeper die Faust entgegen. „Glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten!3“ Ungeschickt
versucht er auf einen Barhocker zu klettern und lässt es dann doch sein. „Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen! Freiheit gar nicht!3“, schreit er und kommt sich dabei wohl irrsinnig originell vor. Er selbst trägt superenge Jeans, als wäre das hier Williamsburg oder Kreuzberg vor drei Jahren und nicht Ottakring. 50 Prozent Elasthan Minimum. David ist meinem Blick gefolgt. „Verdammter Hipster“, meint er nur verächtlich. „Aber wie ich sehe, ist mit dir heute auch kein Staat mehr zu machen.“ Wir rufen uns ein Taxi. „Wie stehen Sie so zu Freiheit?“, fragt David den Taxifahrer. „Sind Sie frei?“ Ich hasse es, wenn er so etwas tut. „Zumindest bin ich nicht mehr im Häfn’, soviel weiß ich“, antwortet der Fahrer, ohne den Blick von der Straße zu wenden. Er hat die typischen drei kleinen Punkte auf sein Daumengelenk tätowiert. „Aber so anders ist es draußen auch wieder nicht. Die schönsten Träume von Freiheit werden im Kerker geträumt.4 ...Dreizehnachtzig!“ Der Taxifahrer dreht sich zu David um. Der greift in seine Jackentasche und holt die leere Hand sofort wieder heraus. „Freiheit bedeutet lediglich, dass du nichts mehr zu verlieren hast5“, sagt
er und grinst mich erwartungsvoll an. Ich zahle. Vielleicht hat er ja recht. Zumindest bezahlt er seltener als ich. Eigentlich nie. „Komm mit, dafür kriegst ein paar Bier! Außerdem, du weißt doch, A friend is someone who gives you total freedom to be yourself 6”, sagt er. Wo hat David diese beschissenen Hippiesprüche ausgegraben? Im nächsten Beisl. „Weißt du, du wirst nie frei sein, wenn du Anna nicht loslässt“, lallt David mich an. Ach wirklich, darauf wär ich gar nicht gekommen. Ich will ihm zynisch Paroli bieten, doch David hat sich schon dem Nachbartisch zugewandt. Die vielen leeren Biergläser auf unserem Tisch lassen mich Schlimmes befürchten. „Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet7. Und du rauchst hier einfach. Da steht Nichtraucher!“, fährt David unseren Tischnachbarn an. Ich bin seine militante Art ja gewohnt, der tätowierte, junge Typ mit dem Ohrring aber nicht. Jetzt stehen beide auf. Ein Kellner blickt besorgt auf die Streithähne und sein Inventar. „Gemma ausse?“, zischt der Tätowierte. Mein Stichwort. Ich lege einen Zwanziger auf den Tisch. Zeit zu gehen. Halbvieruhrfrüh. Toll. Während David seinen Rausch ausschläft, nehme ich den Weg durch den Park nach Hause. Ich komme zu einer Brücke. An der Mauer Graffitis und ein riesiger Pissfleck. „If society fits you comfor tably enough, you call it freedom8”,
steht in weißer Farbe daneben. Einfach großartig. Was für ein vergeudeter Abend. Das ganze Gerede über Freiheit und ich denke immer noch an Anna. „Jaja, so ist es. Alles angepasste Schlappschwänze heutzutage. Da gehörst du auch dazu!“ Ich drehe mich zu dem grauhaarigen Typen um. Er ist wie aus dem Nichts gekommen und steht jetzt direkt hinter mir. Er riecht nach Schnaps und sieht auch danach aus. „Aber ärger dich nicht, ihr wisst ja gar nicht mehr, was Freiheit heißt. Das war früher anders. In den Siebzigern. Ihr tut mir echt Leid heute.“ „Genau! Und was hat es euch gebracht?“ „Es gibt keinen einfachen Weg zur Freiheit, es müssen viele von uns durch das Tal des Schattens und des Todes gehen, bevor der Gipfel unserer Begierde erreicht ist9“, sagt der Alte und legt mir seine Hand auf die Schulter. Ich versuche mich wegzuducken, aber schon hat er seinen Arm um meinen Hals gelegt und drückt mein Gesicht in seinen stinkenden Mantel. Er hält mich fest im Griff und lässt mir kaum Luft zum Atmen. „Jeder lehnt sich gegen einen wackeligen Zaun.10 Ihr wart doch am Ende auch nur zu feige“, zische ich. Ich will ihn wegdrücken, aber er ist zu geschickt. Ein halbherziger Schlag in den Magen bleibt ohne Wirkung. Er drückt mich zu Boden. „Jaja, man sollte nie seine beste Hose anziehen, wenn man hingeht, um für Freiheit und Wahrheit zu kämpfen 11“, höre ich ihn sagen, bevor ich das Bewusstsein verliere. Was haben die nur alle mit ihren Hosen?
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WUK
1) Voltaire, 2) David Schalko; aus dem Roman „Frühstück in Helsinki“, 3) Kurt Tucholsky, 4) Friedrich Schiller, 5) Janis Joplin, 6) Jim Morrison, 7) Arthur Schopenhauer, 8) Robert Frost, 9) Nelson Mandela, 10) Chinesisches Sprichwort, 11) Henrik Ibsen
Werkstätten- und Kulturhaus Währinger Straße 59, 1090 Wien Telefon 01-40121-0 www.wuk.at
¥ 3. bis 5. November, 20 Uhr NIKOLAUS ADLER: DO NOT FORSAKE ME OH MY DARLING The ballad of high noon
Tanz
HELGI JÓNSSON
Kinderkultur
Musik
¥ 27. November 11 und 15 Uhr BEST OF RITTER ROST
¥ 16. Oktober SPARROW AND THE WORKSHOP / DAS FIEBER ¥ 23. Oktober HELGI JÓNSSON
Konzert für die ganze Familie
¥ 7. November FRISKA VILJOR SPARROW AND THE WORKSHOP
DAS FIEBER
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DIE FREIMEISTER Clownin, Segler, Pilot und Vagabund - die sollten doch wirklich frei sein. Wir haben sie gefragt, ob ihre Freiheitsträume Wirklichkeit wurden.
Wohnen im Zirkuswagen Sophia-Marie Bömer ist Clownin, lebt in einem Wohnwagen und hält ihre Freiheit aus. Aufgezeichnet von Mara Simperler
Sophia-Marie Bömer ist 23, studiert Internationale Entwicklung in Wien und ist Clownin. Sie zieht die Freiheit in einem Wohnwagenpark den Bequemlichkeiten einer Mietwohnung vor. Obwohl nur kaltes Wasser aus ihrer Leitung kommt und sie ihr Brennholz selbst hacken muss.
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Illustration: Kurt Rudolf, Fotos: Mara Simperler, Günther reindl, Ivo Bove
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ch wohne seit zwei Jahren in Wien auf einem Wagenplatz. Davor hab‘ ich aber schon zwei Jahre in Mainz in diesem Zirkuswagen gelebt, als ich eine Ausbildung an der Clownschule gemacht habe. Meine Eltern betreiben im Sommer seit zwanzig Jahren ein Zirkusprojekt. Und als ich ausgezogen bin, haben sie mir diesen Wagen geschenkt. Mein Zirkuswagen hat mehrere Zimmer und einen Kühlschrank, einer der wenigen hier am Wagenplatz. Deshalb herrscht hier immer reges Kommen und Gehen. Vor ein paar Jahren habe ich den LKW-Führerschein gemacht, damit ich mein Zuhause auch selbst überall hin mitnehmen kann. Als ich in die Stadt gezogen bin, konnte ich mir nicht vorstellen, in einer grauen Wohnung im 5. Stock zu wohnen. Ich will nicht von Betonmauern eingeengt sein, hier am Wagenplatz kann ich ganz viel draußen sein und muss mich nicht nach einem Vermieter richten, wenn ich mein Zuhause verändern will. Natürlich muss ich auf einen gewissen Luxus verzichten. Im Winter muss ich Holz hacken, ich habe kein warmes fließendes Wasser im Wagen und wenn das Wasser hier mal einfriert, muss ich es aufhacken. Aber das gehört für mich zu diesem Leben dazu, in einer Wohnung würde ich stattdessen wohl vor dem Computer hocken. Ich genieße das Leben am Wagenplatz und meine Arbeit als freischaffende Künstlerin, aber diese Freiheit muss man eben auch aushalten können. DURST 2/11
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Illustration: Kurt Rudolf, Fotos: Mara Simperler, Günther reindl, Ivo Bove
Allein über den Atlantik Günter Reindl hat sich seinen Lebenstraum (fast) erfüllt. Das halbe Jahr verbringt er auf seinem Boot – in Südamerika. Von Manuel Köllner
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or einigen Jahren, als ihn an Land nichts mehr hielt, kam ihm der Gedanke, sich ein wenig auf See umzutun. Nun ging Günter nicht wie Herman Melvilles Ismael auf Walfang. Der Wiener verhält sich von Beginn an gescheiter als Ismael. Er verzichtet nicht nur auf den Walfang, sondern auch auf einen geisteskranken Einbeinigen, der ihm auf seinen Reisen sagt, was er zu tun und was er zu lassen hat. Noch auf Kindesbeinen hatte er Pläne, einmal die Welt zu umsegeln. Doch zuerst ein Brotberuf. Er lernt Koch/ Kellner. Dann der Traumberuf. Günter absolviert alle Ausbildungen, die nötig sind, um aufs Meer zu dürfen. Er navigiert sich anhand des Sextanten, dem nautischen Winkelmessgestell, und der Sterne über das Wasser. Das ist handwerkliches Segeln. „Es fahren so viele Leute mit dem Boot herum und haben keine Ahnung vom Handwerk Seefahrt.“ 21 Tage segelt er von Gibraltar bis nach Brasilien. Die See ist flach. Es wird Nacht. Unten leuchtet Plankton – wie grüne Sterne – oben leuchtet der Sternenhimmel. „Es war, als ob ich ein Schiff im All führe“, sagt Günter. Ganz ohne Wale geht es dann doch nicht. Am Tag nach dem gefühlten Ausflug ins Weltall begegnet er einer ganzen Walherde. Es sind Schweinswale, die schnarchend an der Wasseroberfläche schlafen. Das klingt nach dieser ominösen Seglerfreiheit. „Die hat es früher vielleicht mal gegeben. Jetzt ist es so: Wo immer du hinkommst, geht’s um dein Geld.“ Zwischen den Kap Verden und den Kanaren tobt zwölf Tage ein Sturm. Günter ist mitten drin. Er schläft am Ruder, mehr oder weniger. 100 Zigaretten am Tag sollen ihn wach halten.
Sieben Tage nach Beginn des Sturmes ruft jemand nach ihm. Denkt er. „Jedes Geräusch am Schiff klang wie eine Stimme“, erinnert er sich. Wassermassen brechen über dem Schiff zusammen. Stimmenhören ist keine von Günters Segelroutinen. Aber Routinen helfen – bei drei Wochen alleine auf dem Atlantik – gegen Stimmenhören. Wer wie Günter im Wiener Hotel Imperial aufgekocht hat, lebt auch auf See im Zeichen kulinarischen Genusses. Jeden dritten Tag bäckt er Brot, zieht sich Bockshornklee, Bierradi und anderes Gemüse. 180 Flaschen österreichischen Weines sind an Bord. Für die weiterhin geplante Weltumsegelung müssten es dann vermutlich
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Ivo Bove (36) stoppt Autos, schläft auf fremden Sofas und hat die Straße zu seinem Wohnzimmer gemacht.
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Der Wiener Günter Reindl (geboren 1961) ist gelernter Koch und Sommelier. Jetzt ist er Segler. Er verbringt vier Monate des Jahres auf Törn, meistens alleine. Den Rest des Jahres arbeitet Reindl überwiegend als Bademeister. Er investierte rund 40.000 Euro in sein letztes Boot – jährliche Erhaltungskosten nicht eingerechnet. Er lebt in einer Partnerschaft, und hat drei Kinder.
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Der autostopper
Von Martina Powell
ch habe Ivo Bove um drei Uhr morgens unter einer Autobahnbrücke getroffen, irgendwo am Rande von Athen. Er wartete auf das nächste Auto, das ihn mitnimmt. Sein Ziel? Einfach weiterkommen. Der Texaner ist nicht der einzige Backpacker, der die griechische Halbinsel im Sommer im Zick-Zack-Kurs via Autostop durchquert. Trotzdem fällt der 36-Jährige mit dem riesigen Rucksack unter all den anderen LowBudget Reisenden sofort auf. So wie er angezogen und bepackt ist, sieht er einfach „professioneller“ aus. Oft sieht man ihn auch mit seiner Mini-Gitarre „Lapstick“. Vielleicht waren es die Erdbeben, die Ivo als Teenager im Haus seiner Großeltern in Italien miterlebt hat und die das gesamte Dorf zerstört haben. Oder seine Eindrücke während der Panama-Invasion 1989, als er mit 14 Jahren US-Panzer vor seinem Kinderzimmer vorbeifahren sah. Der gebürtige US-Amerikaner und Sohn italienischer Migranten hat jedenfalls nur ein Ziel vor Augen: Jede Sekunde seines Lebens auskosten. Ivo ist ein klassischer Globetrotter. Der Musiker mit Uni-Abschluss in Jazz-Studies, der früher viel durch die Vereinigten Staaten getourt ist und in einigen Bands (u.a. La Mafia) gespielt
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noch mehr Flaschen sein – und: Auch mehr Geld. Der Pazifik ist kostspielig (Versicherung, Liegeplätze) und „solange sich die Lage am Horn vom Afrika nicht ändert ... Meine Weltreise muss durchs Rote Meer führen.“ Und was ist mit der Freiheit? „Freiheit wird immer limitiert von äußeren Faktoren. Die Natur schränkt die Freiheit ein. Freiheit ist für mich, tun und lassen zu können, was ich will. Ich will niemandem etwas wegnehmen, aber ich will auch nicht, dass mir irgendwer sagt, was ich tun muss.“ Die totale Freiheit erlebt der Segler nicht. Er sagt, die gibt es auch draußen in der Natur nur in manchen Momenten. Und dann bläst der Wind wieder aus der falschen Richtung ...
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Der Flieger Flugschreiber: Manuel Köllner
P Früher finanzierte er seine Reisen, indem er Zimmer in seinem Haus in San Antonio, Texas, untervermietete. Das Haus steht mittlerweile zum Verkauf – er bekommt es aber wegen der Immobilienkrise nicht los. Er hat sein Auto und einige Sachen aus seinem Haus verkauft. Jetzt minimiert er seine Übernachtungs- und Transportkosten – durch Autostoppen, Couchsurfing, also das kostenlose Schlafen auf fremden Sofas (www.couchsurfing.org), billigste Hostels oder Übernachtungen am Strand, in Wäldern, am Straßenrand. Derzeit ist Ivo wieder unterwegs. Von Südmexiko durch Zentralamerika. „Ich habe mir diesmal kein Zeitlimit gesetzt“, sagt er. „Ich lasse mich vom Wind tragen, wohin er will.“ Noch ist er in Texas gemeldet und zahlt dort seine (wenigen) Steuern. Auch seine pensionierten Eltern leben noch dort. „Ich werde also immer wieder zurückkehren“, sagt Ivo. Ivo hat auch eine Facebook-Page: „Ivo Bove Travels“, wo er seine Reiseerfahrungen und Tipps für billiges Reisen weitergibt.
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Ivo Bove, 36, ist Reisender. Der US-Amerikaner mit italienischen Wurzeln besitzt zwar ein Haus in Texas, ist aber selten dort. Auch ohne festen Wohnsitz fühlt er sich wohl. „Wenn du Vagabund bist, so wie ich, ohne Struktur oder Erwartungen, dann ist das wirklich befreiend“, sagt er.
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ilot wird man nicht einfach so. Vermutlich muss man mit Spielzeug-Flugzeugen, Flugzeug-Postern, Flugzeug-Büchern und Flugzeug-Filmen aufwachsen. „Ich kann mich erinnern, dass ich als kleiner Bub mit Kreide auf dem Gehsteig vor unserem Haus Landebahnen für meine Flugzeuge aufgezeichnet habe“, sagt Christoph Kager. Der 29-Jährige ist Pilot bei Swiss International Air Lines. Der Niederösterreicher hat außerdem den Doktor der Soziologie. „Es ist nach wie vor der große Menschheitstraum, die Schwerkraft zu überwinden und wie ein Vogel davon zu fliegen. Die Freiheit des Fliegens habe ich eher in meinen fliegerischen Anfangsjahren erlebt, als ich noch mit kleinen Sportmaschinen geflogen bin – mal schnell zum Mittagessen nach Graz und danach nach Salzburg auf einen Kaffee. Das war echte Freiheit. Heute ist das Cockpit mein Büro, zwar mit der besten Aussicht der Welt, aber ich nehme das Fliegen an sich gar nicht mehr so wahr.“ Wenn nicht Fliegen die große Freiheit ist, was dann? Karger fliegt auf Linie, aber Fliegen kann doch nicht wie Busfahren sein! Zumindest als Pilot. „Der Job eines Linienpiloten ist in der ganzen Berufsbranche sicher einer der
am meist strukturierten. Eine Unzahl von technischen Limitationen, firmeninternen Vorschriften, Checklisten und gesetzlichen Grundlagen schränken die eigene Handlungsfreiheit sehr stark ein – zu Gunsten der Flugsicherheit. Denn da, wo wir stur nach Leitfaden und Vorgaben arbeiten, machen wir auch weniger Fehler.“ Der Autopilot macht eh alles? Nicht ganz. „Beim Start ist der Pilot Flieger – sprich, man fliegt das Flugzeug manuell bis zu einer bestimmten Höhe, wo dann der Autopilot eingeschaltet wird. Im Reiseflug ist der Pilot eher Kontrolleur der Software und mehr mit Überwachungsaufgaben als mit dem eigentlichen Fliegen beschäftigt. Der Autopilot übernimmt den mechanischen Ablauf des Steuerns des Flugzeuges. Die geistige Aufgabe, wie der Autopilot fliegen soll, bleibt aber an mir hängen. Im Landeanflug und bei der Landung ist man dann wieder mit der Flugzeugsteuerung beschäftigt, man landet zu 99 Prozent manuell.“ Bei so viel Verantwortung bleibt einem wenigstens die Freiheit ordentlich Party zu machen, oder? Piloten ist doch nichts verboten ... „Heute sind die Dienstpläne so eng, dass man oft müde ist und die kurze Zeit im Hotel zum Regenerieren nutzt. Vor 20 oder 30 Jahren, als man noch eine Woche Aufenthalt auf den Malediven hatte, war vermutlich noch genug Zeit, um mit der Crew Party zu machen.“
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Illustration: Kurt Rudolf, Fotos: IVO Bove, Christoph Kager
hat, – sogar bei einem Grammy ist er mal dabei gewesen – hat das Reisen zu seiner Berufung gemacht. Er ist ständig unterwegs: in Südamerika, Mexiko, Europa, im Nahen Osten. Via Facebook-Postings informiert er fast täglich seine 1140 Freunde, wo er sich gerade befindet. „Reisen ist für mich das einzig wahre Befreiende, das ich bis dato gemacht habe“, sagt er. Die Liebe zum Reisen und Autostoppen entdeckte Ivo erst spät: Abgesehen davon, dass er als Kind drei Jahre lang in Deutschland und sieben Jahre in Italien gelebt hatte, kannte der gebürtige US-Amerikaner bis vor zwei Jahren keine anderen europäischen Länder. 2009 machte er seine erste dreimonatige Rundreise durch Europa. Ein Jahr später folgte der nächste Megatrip: 17 Länder und etwa 60 Städte in drei Monaten. Von Amsterdam aus stoppte er drei Monate lang Autos durch Frankreich, Spanien, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, die Türkei, Syrien und den Libanon. „Empfehlen kann ich es keinem, es war schon ein wenig stressig“, meint Ivo im Rückblick – und grinst. Ivo Bove stoppt Autos aus einem einfachen Grund: „Man ist komplett flexibel und trifft eine Menge Leute, die aus der Gegend kommen und die dir interessante Einblicke in ihre Kultur und Region geben.“ Er reist aber auch einfach so billig wie möglich:
Christoph Kager fliegt. Hat er deshalb die Freiheit gepachtet?
Christoph Kager, 29, ist Pilot bei Swiss International Air Lines. Er lebt nach dem Motto: „Besser fliegen statt arbeiten.“ Kager hat den „Ready Entry“-Weg gewählt, um sein Ziel zu erreichen. Dabei holt sich der Fluglehrling auf eigene Faust alle nötigen Pilotenscheine und bewirbt sich dann bei einer Fluggesellschaft. Das Gegenteil ist „Ab initio“. Man stellt sich ohne Erfahrung bei einer Fluglinie vor. DURST 2/11
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KLEBEBILD UND KLEBESCHRIFT: KURT RUDOLF
DA BLICKT MAN IN DEN SCHLUND DES UNENDLICHEN. RAFFAEL FRITZ, AUTOR, SEITE 62
Freiheit tut weh. Hin- und hergerissen, alle wollen was von dir, sei kreativ, spontan – so viel Freiheit wird versprochen, so viele Möglichkeiten vorgegaukelt. Und in Wirklichkeit? DURST 2/11
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MODE STATT MASSE DURST hat zwei Designerinnen und einen Designer nach dem Zusammenhang von Freiheit und Mode befragt – und wie frei sie arbeiten können. Birgit Indra ist bereits etabliert, Lisa Donhauser und Luciano Raimondi stehen am Anfang ihrer Karrieren.
FOTO: LISA DONHAUSER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
Aufgezeichnet von martina powell und anna schiester
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Lisa Donhauser befreit die Mode von Geschlechterabhängigkeiten. Die ehemalige Medizinstudentin versucht eine „friedvolle Zusammenführung“ von Männer- und Frauenmode.
UNISEX FÜR ALLE
FOTO: LISA DONHAUSER; ILLUSTRATION: KURT RUDOLF
Mein Weg in die Modebranche war eine große Befreiung. Nach der Schule habe ich begonnen Medizin zu studieren, aber ich war nicht wirklich glücklich damit. Während des Studiums fing ich zu nähen an, das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Deshalb habe ich abgebrochen. Meine Eltern waren schockiert, aber ich fühlte mich befreit. In der Medizin ist man ständig mit Schmerz und Leid konfrontiert, für mich war die Mode ein Kontrast dazu. Ich will etwas Schönes schaffen. Es hat aber ziemlich lange gedauert, bis ich mein Interesse für Mode entdeckt habe. Das war sicher kein Kindheitstraum. Das Zeichnen war mir nie so wichtig wie das Handwerkliche. Heute bin ich sehr froh über meine Entscheidung. Freiheit hat für meine Arbeit auch direkt eine Bedeutung: Ich habe mich entschieden, Unisex-Mode zu machen. Für meine Abschlusskollektion sollte ich wählen: Männer- oder Frauenkleidung? Und ich dachte: Warum nicht beides? Meine Mode ist sehr minimalistisch, auch das ist befreiend: Durch das Minimalistische löse ich mich von allem. Ich sehe mich nicht als Feministin, aber die strikte Unterscheidung zwischen Mann und Frau stört mich. Ich versuche eine friedvolle Zusammenführung der Geschlechter. Meine Eltern sind mittlerweile übrigens echt stolz auf mich. Auch wenn es in Österreich ganz schön schwer ist. Ich versuche Erfahrung zu sammeln, produktiv zu sein und einfach dranzubleiben. Lisa Donhauser hat mit 19 begonnen an der Modeschule Hetzendorf zu studieren und hat heuer nach drei Jahren mit dem Bachelor abgeschlossen. Sie ist dabei mit einer Freundin ihr eigenes Label zu gründen.
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Als selbstständige Modeschaffende ist mir Freiheit natürlich besonders wichtig. Aber Freiheit kostet, viel Zeit für Privates bleibt nicht. Ich bin manchmal überrascht von den Vorstellungen der Absolventinnen: Oft glauben sie, ohne Konzept einfach drauflos arbeiten zu können. Tatsächlich muss man sich mit Trends und Wirtschaft auseinandersetzen, um überleben zu können. Ich wundere mich immer wieder über jene, die sagen: Trends sind mir Wurst, ich mache mein eigenes Ding – dafür bin ich frei! Schön und gut, wenn man bereit ist, als Outlaw zu leben.
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Jene, die es „geschafft“ haben, kann man an einer Hand abzählen. Zu den Top 5 gehören, heißt Opfer bringen. Wirklich frei sind wir sowieso nicht. Das ist eine Utopie. Doch man kann sich ökonomische Freiheit schaffen: Vor zwei Jahren habe ich mir mit der Kooperation mit dem Trachtenunternehmen Gössl ein zweites Standbein geschaffen. Nun führe ich den Laden im ersten Bezirk und habe meine eigene Maßschneiderei. Der Standort wäre für mich ohne die Kooperation unleistbar gewesen. Birgit Indra ist Geschäftsführerin bei Gössl Trachtenmoden und schneidert im „Indra Atelier“ Mode nach Maß. Die 45-Jährige ist Preisträgerin des Haute Couture Awards.
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FOTO: LUCIANO RAIMONDI
FREIHEIT OHNE FREIZEIT
FOTO: BIORGIT INDRA/PAUL KOLB
Birgit Indra hat sich die Freiheit erkämpft, Mode nach ihrem Geschmack zu schneidern. Dafür musste sie aber andere Freiheiten aufgeben.
NIEMAND LIEST TITEL
Meine Abschlusskollektion trägt den Titel „8067 Euro“. Eigentlich hasse ich Titel, dieNein, sagen das nichts ist keineaus. Niemand liest die und niemand Brautmode. Weißsetzt ist sich damit zwar auch für Luciano auseinander. Darum wollte ich einen Raimundi Titel die Farbe ganz plakativen haben und einder Unschuld, dochdie Kollektion fach sagen: So viel hat gekostet!hier symbolisiert sie denwar Neuanfang Für mich die Arbeit daran das nach dem Studium. innere Abschließen mit dem Studium. Die Kollektion schaut vielleicht aus wie Brautmode, aber das ist sie nicht. Viel eher drückt sie mein Gefühl nach dem Studium aus, etwas Unbeschriebenes anzufangen. Und Weiß ist eben die Farbe dieser Unschuld, des Reinen. Es ist ja überhaupt oft sehr lustig, was die Leute von einer Modenschau erwarten. Da kommen dann Argumente wie: Das ist nicht tragbar! Das ist hässlich! Das will ich nicht anziehen! Wozu das Ganze? Aber in Wahrheit schaut niemand wirklich hin und fragt sich, worum es eigentlich geht. Man muss darauf achten, was jemand aussagen will. Ich habe das einmal ausgetestet: Im zweiten Studienjahr habe ich Kunststoffmaterialien verwendet, auf die ich etwas geschrieben habe. Ich habe aber niemandem gesagt, was. Ich wollte zeigen, dass das Showpublikum nicht erkennt, was der Prozess hinter einer Kollektion ist. Ich habe nämlich eine Rede von Himmler draufgeschrieben. Es hätte wohl viel Aufregung gegeben, wenn sich jemand dafür interessiert hätte. Aber das hat ja niemand. Und das war für mich die Aussage: Man schaut zwar drauf, aber in Wirklichkeit nicht. Man sieht nur das, was man sehen möchte und nicht das, was man vielleicht sehen sollte oder könnte. Luciano Raimondi, 24 Jahre alt, hat dieses Jahr sein Modestudium an der Universität für Angewandte Kunst abgeschlossen.
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FOTO: LUCIANO RAIMONDI
FOTO: BIORGIT INDRA/PAUL KOLB
Nein, das ist keine Brautmode. Weiß ist zwar auch für Luciano Raimundi die Farbe der Unschuld, doch hier symbolisiert sie den Neuanfang nach dem Studium.
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mit dem fahrrad nach rom 27 Tage dauerte Robin Heynes Weg von Wien nach Rom – mit dem Auto wäre es schneller gegangen. Doch der Komparatistikstudent wollte mit dem Fahrrad fahren, begleitet von Elena von Liebenstein. Für DURST schrieb er ein Reisetagebuch.
von Robin Heyne fotos: elena v. liebenstein
flappende, zwischen den öden Kaimauern kreisende Möwen. Hafenidylle, jäh durchkreuzt. Rollerarmada und Boutiquenrummel, nur schnell weg hier. Meidet die Städte. Das Leben besteht aus vielen Tagen. Dieser wird enden.
TOSKANA, 19.8.
wien, 2.8.
venedig, 13.8.
Ich nehme mir die Freiheit, ein Jahr meines Studiums in Rom zu verbringen. Unsere vierwöchige Radreise stellt so etwas wie einen Geburtsritus dar. Ich habe ein bisschen aufgeräumt. Das Herz wird einem kurz schwer dabei, aber tatsächlich, es erleichtert auch. Alles, was ich jetzt besitze, geht in die drei Ortlieb-Taschen, die meinem steirischen Waffenrad das Gewicht eines kleinen Motorrades verleihen. Freiheit ist die Fähigkeit sich zu beschränken … knirsch.
Seit wir in Italien sind, ist es unglaublich heiß … Wir waren immer noch nicht im Meer. Seit gestern bin ich zwei. Eine Zecke hat sich an meiner Wade festgebissen. Hinterhältig, die Mistviecher. Wir verbringen die Nacht bei vollem Mond unter venezianischem Himmel. Beim ersten bereits warmen Schimmer aufgehender Sonne geht es weiter. Angeheitert, durchaus nicht nüchtern verlassen wir Venedig. Mittagsschlaf im Schatten junger Feigenbäume.
Es war eine bewusste Entscheidung zu Qualitätsprodukten österreichischer Fabrikation zu greifen, aber leider ist eines unserer Räder bereits kurz nach Wien totalschädlich zugrunde gegangen. Niederösterreichischer Gastfreundlichkeit, gepaart mit der Hilfsbereitschaft eines ganzen Dorfes, haben wir es zu verdanken, dass wir unsere Reise am nächsten Tag fortsetzen können.
Wir haben zum wiederholten Male die slowenische Grenze passiert. Es hat sich allmählich ein Rhythmus eingestellt, der die Tage recht flott vergehen lässt. Wir kommen gut voran. Sunrise — Sunset, swiftly go the days. Wir irren ohne Karte, Orientierung nur nach Kompass, durch Slowenien. Wir verbringen viel Zeit mit Suchen, morgens suchen wir Kaffee, abends einen Schlafplatz und zwischendurch den Weg. Dieses mir bisher unbekannte Land entpuppt sich als landschaftlich sehr reizend, befleckt allerdings mit einer Unzahl kleiner hässlicher Städte. Slowenien, wo versteckst du deine Frauen?
triest, 11.8. Italien! Wie in Österreich wählen deine Bauern rechts. Aber sie tragen keine Trachten. Immerhin: das Meer. Warmer Sonnenschein, heiternd über der See. Hafenstadt. Heftig mit den Flügeln
promontorio, 25.8. Was unendlich schien, neigt sich seinem Ende zu. Schilder drohen: Rom 150 km. Bläuliches D ämmern, Abend, tiefe blaue Nacht. Wir sind unglaublich müde und hungrig. Kein Obdach, nirgends. Suchend tappen wir durchs Dunkel, um schließlich am Straßenrand, von Leitplanken dürftig geschützt, ein schmales Lager zu finden.
gen roma, 28.8. adria, 14.8. Strand, Lethargie und Sonnenstich.Die Italiener scheinen allesamt recht gut genährt, sehen in ihren knallbunten Baderoben aus wie adipöse Pokémons. Beine schenkeln badefroh aus buntgeblümten Ärmelhöschen. Absonderliches Phänomen: Wir radeln schon seit Tagen durch die unpackbarste Hitze, und am Strand, im Schatten liegend, bekomme ich ‘nen Stich.
Mir fehlt seit drei Tagen das r echte Pedal. Erneut sind mir mehrere Speichen gebrochen, und ich musste dreimal nach dem Flickzeug kramen. Das Profil der Mäntel ist abgefahren. Resümieren kurz vorm Ziel: Wir hatten jeden Morgen K affee, die ganze Strecke. Keine Lücken in der Infrastruktur zwischen Wien und Rom, tatsächlich. Noch eine letzte Waschung im Lago di B racciano. Roma, wir kommen. Endlich.
Die iTaliener sehen in ihren knallbunten baderoben aus wie adipöse pokémons. 58 58_REISETAGEBUCH_RZ|GEOL2.indd 58
Illustration: Kurt Rudolf, fotos: Elena von Liebenstein
50 km vor graz, 3.8.
slowenien, 5.8.
Wo sich im Wind der Roggen wiegt, zu zweit das schöne Landvolk liegt. Verloren in Raum und Zeit. Oh, du schönes Toskanalein. Zunehmend wird es bergiger. Es reiht sich Berg an Berg. Gibt es einen Namen für das Schlamassel hier?
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Spiel der Freiheit
von Martina Powell
Hier kann man eigentlich nichts gewinnen. Außer vielleicht ein wenig Selbsterkenntnis. In Feld 001 geht es los. Dort musst du dich entscheiden: A oder B? Dann geht‘s in das Labyrinth weiterer Entscheidungsfragen. Du kannst in Sackgassen landen, wo du aber ganz zufrieden bist. Oder du landest auf Feld 10.
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Apropos Likör: Deinem Auftreten nach ähnelst immer mehr David Hasselhoff. Du grölst „I‘ve been looking for freedom”, das Wodkaglas ist nie voll genug. A Falsch. Ich summe lieber Tom Petty, “Free Falling” und klatsche wie Tom Cruise gegen das Lenkrad. B Ja, zugegeben. In meinen Baywatch-Zeiten habe ich auch besser ausgesehen: 100
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Du wohnst in Nordkorea, Turkmenistan, Usbekistan, Sudan, Burma, Äquatorial Guinea, Somalia oder Lybien noch unter Ghadaffi. (Laut Freedom House Index 2011 „The Worst of The Worst States“ in Bezug auf Freiheit, definiert über Meinungsfreiheit und politische Partizipation) A Ja: 100 B Nein: 2
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Kleiner Trost? In Österreich müssen du, Rolfi und Flauschi nicht angeschnallt werden. Im Gegensatz zu Italien gibt es für Hunde nämlich keine Gurtenpflicht.
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Karierte Socken, Wollstrumpfhosen und selbstgestrickter Pullover. Deine Mami hat für deine tägliche Garderobe gesorgt. A Ja. Ich bekomme heute noch immer Hautausschlag wenn ich lange Unterhosen sehe: 9 B Nein: 6
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Sorry, auch der Falter kann dich da nicht mehr rausholen.
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002
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Du bist nicht allein: Auch Prominente & Politiker werden abgehört. Bei Bedarf nach Trost wähle die Vorwahl für Großbritannien (+44). Dann lässt du dich zu Rupert Murdoch durchstellen. Dieser Herr sollte dir einige Abhöropfer nennen können. (Die britische Boulevard-Zeitung „News of the World“ ließ über mehrere Jahre Handys abhören, um in den Besitz exklusiver Informationen zu gelangen. Medienmogul Rupert Murdoch zog die Konsequenzen und stellte das Blatt ein.)
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Du bist Tom Hanks in Terminal. Sieh es positiv: Keine Papiere, keine Identität – kein Arbeitgeber der Welt wird dich vermissen.
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Herzlichen Glückwunsch! Du bist - aus/in keinem unfreien Land. - nicht im Gefängnis. - nicht staatenlos. - nicht mit sechs verheiratet worden. - mit dir mehr oder weniger im Reinen, stehst zu dir selbst. - kein Workaholic. - nicht obdachlos, auch kein Tier / Hund - wirst nicht von Staat überwacht / abgehört. - hast eher weniger Geld am Konto. - deine Mutter sorgt für dich/ hat für dich gesorgt / du bist von zu Hause geflüchtet oder du stehst darauf am Rockzipfel zu hängen. Kurz: Du bist ein durchschnittlich zufriedener Österreicher. Lies jetzt das Editorial auf S. 3!
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Du machst eine 180 Grad Drehung. Du siehst Gitterstäbe. Dein Zellennachbar spuckt dir in die Suppe. A Ja. Erinnert mich an mein Kinderzimmer: 101 B Nein: 3
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Du suchst regelmäßig deine Zimmer nach Wanzen ab. A Nein. Ich habe einen guten Kammerjäger: 10 B Piep piep. Täglich grüßt der KGB: 108
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Schade, dass die Krankenkassen keine Schönheitsoperationen zahlen. Aber für eine 0-8-15 Nase und einem Durchschnittslook à la H&M plünderst du gerne dein Konto. A Auf jeden Fall! Die Maße 90-60-90 lasse ich mir zwischen die Augen tätowieren. Mein größtes Ziel möchte ich nie aus den Augen verlieren! 100 B Von welchem Konto bitte was plündern? 8
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Wer nichts zu verlieren hat, hat viel zu gewinnen! A Erzähl das mal meiner Leber! 100 B Gott sei Dank habe ich einen Meditationskurs bei Yogi Radschan Mulligatawny belegt: 6
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DIE FREIHEIT IM MOMENT Wann hast du dich zum letzten Mal wirklich frei gefühlt? Völlig losgelöst? Die DURST-Redaktion erzählt von ganz persönlichen Augenblicken der Freiheit.
MAGEN TRIFFT SPEISERÖHRE Vor zwei Jahren stieg ich mit einem Freund in eine Nussschale namens Cessna. Es war ein Probeflug für seinen Pilotenschein. Ich weiß seitdem was es heißt, gefühlte fünf Minuten schwerelos in der Luft zu hängen: Magen und Speiseröhre lernten sich kennen.
VERLIEBT IN BOGOTÁ Die meisten Reisenden, die ich in Kolumbien traf, nannten mir Medellín als die schönste Stadt. Für mich war es Bogotá. Am Nachmittag meiner Ankunft steckte mir die siebzehnstündige Busfahrt noch in den Knochen. Die kühle Luft auf Bogotás Hausberg Monserrate, 3152 m Seehöhe, der Blick über die schier endlose Stadt, die einzelnen Sonnenstrahlen, die durch die Wolkendecke stießen - ich fühlte mich wie frisch verliebt.
DAS LEERE MUSIKPROJEKT Wie bei den Autoren die unbeschriebene Seite und bei den Malern die leere Leinwand, sorgt es oft genug für Selbstzweifel und Panikattacken. Dabei müsste ich es genießen – an diesem Punkt ist die Freiheit am größten: Jede neue Spur begrenzt die Möglichkeiten. Am Anfang kannst du tun, was immer du willst – aber was willst du überhaupt? Da blickt man in den Schlund des Unendlichen. Kunst ist eben nix für Lulus.
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DACHZIGARETTE Die erste warme Frühlingsnacht, ein paar Getränke zu viel, eine Schnapsidee: Auf dem Weg von der Bar nach Hause kam ich mit einem Kollegen an einem Gerüst im ersten Bezirk vorbei. Aus einem Scherz heraus kletterte ich auf die erste Etage, übermutig ging es noch ein Stockwerk höher. Mein Kollege war anfangs widerwillig, folgte mir aber. Er hat bis heute Höhenangst. Trotzdem kletterten wir Etage für Etage in die Höhe; im Schutz der Dunkelheit und der Gerüstverkleidung. Aber auch die oberste Etage reichte uns noch nicht, es musste das Dach sein. Ich zündete mir eine Zigarette an und genoss den Ausblick über die Dächer. Ein kleiner aber feiner Moment der Freiheit, der mit nichts zu vergleichen ist.
EIN GUTES BUCH Lesen und nicht mehr wissen, was rund um mich passiert. In einer Welt fremder Gedanken versinken und die Wirklichkeit einfach ausknipsen. Diesen Flow zu erleben (danke, Herr Csikszentmihalyi), das ist für mich Freiheit.
ARSCHKALT „Löyly“, grölen die Finnen im Holzverschlag in Vierumäki, Süd-Finnland. Dampf wollen sie. Wasser auf heißem Stein. Nackte Menschen laufen auf einen wenige Meter langen Holzsteg zu. Nach dem Saunieren bin auch ich freiwillig in einen 12, vielleicht aber auch nur 10 Grad kalten Teich gehüpft. Frei, sauber und erfroren zur gleichen Zeit habe ich mich seither nicht mehr gefühlt.
KLISCHEEKEULE Es ist natürlich ein totales Klischee, sich im Urlaub am Strand frei zu fühlen. Aber: Klischees entstehen nicht ohne Grund. Wenn man beim Frühstück mit den Zehen im Sand bohrt und dabei Meeresschildkröten den Kopf aus den Wellen strecken ist man schon alleine deswegen frei, weil das einfach nicht zum realen Leben dazugehört. Die Auszeit vom Alltag endet leider meist mit dem Heimflug – oder wenn einem das Geld ausgeht und man am Strand als Kokosnussverkäuferin anfangen muss.
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HANSEFEUER Am Hamburger Schanzenfest kann man sehen, was es heißt, den öffentlichen Raum zurückzuerobern. Die Stadt hat zwar nicht umsonst einen etwas spießigen Ruf, am Schanzenfest wird dann aber auf den Straßen heftig getrunken und getanzt. Und am Ende brennt die Bank.
LOCH IN DER HOSE „Wann schmeißt du den Fetzen endlich weg?“ sagt meine Mutter wenn sie mich in meinen zerrissenen Jeans sieht. Ich werde sie tragen, bis sie sich an meinen Beinen auflösen: Sie bieten zehn Mal mehr Freiheit als jede Skinny Jeans. Die Kategorie Fetzen haben Mütter erfunden.
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