Ausgabe 6/2019 · 7. Jahrgang · www.kuecheundarchitektur.de
Das Magazin für professionelles Einrichten
Branchenspiegel 2020 „Who is who“
Weltwirtschaft geprägt von der globalen Vernetzung · „Das Trojanische Pferd zieht eine globale Industrie“ (Manfred Hinrich) Branchenrück- und -ausblick 2019/20 · Industrie und Handel äußern sich zum Markt Architekten über den modernen Privathausbau · Stephan Fabi, Regensburg, und Jochen Reetz, Köln
STYLE YOUR LIFE ZOW 04.-06.02.2020, Bad Salzuflen Halle / Hall 20, Stand E30
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Editorial
Wie Turnover, Capacity und das Ren(dite)tier Profit den Weihnachtsmann aufmischen
W
ie immer am Heiligen Abend hatte Santa alle Hände voll zu tun, um die vielen ganz persön lichen Wünsche von Groß und Klein auf den Weg zu bringen. Ja, er kennt seine Menschen mit all ihren Eigenarten und Gewohnheiten. Die vielen fleißigen Elfen mussten Überstunden einlegen, um Geschenke herzu stellen, die die Herzen mehr erfreuten als die des großen Kaufhauses nebenan. Jetzt konnte es losgehen. Die Rentiere waren einge spannt, die Präsente eingeladen. Nur noch einen Hauch Sternenstaub und aufi ging‘s. Dasher, Dancer, Prancer, Vixon, Comet, Cupid, Donner, Blitzen und Rudolf jagten mit dem Schlitten in die Höhe, passierten den Mond ge folgt von einer goldschimmernden Spur. Doch was war das, ein riesiger Schatten schob sich zwischen den Mond und das Gefährt. Santas Rentiere warfen sich mit aller Kraft ins Geschirr, um wieder in den Mondschein zu ge langen. Vergeblich. Erschrocken wandte Santa den Kopf und traute seinen Augen nicht: Ein mächtiges Rentier mit ausladendem Geweih nahm ihnen das Licht, während sich ein weiteres, äußerst übergewichtiges Exemplar an die Kufen gehängt hatte und die Flüchtenden ausbrems te. „Was zum Donnerdrummel macht ihr hier“, dröhnte Santa aufgebracht. „Hey Capacity, die sind immer noch zu schnell“, grunzte das Schattentier seinem Kompli zen zu. „Okay, Turnover, dann lege ich noch ,ne Schippe drauf!“ Ein Ruck ging durch den Schlitten und die Hufe von Santas Getreuen schlugen ins Leere, Capacity hatte sich verdoppelt und mit ihm wuchs auch der Schatten von Turnover. „Ich schaff ‘ das nicht mehr“, japste eine kaum hörbare Stimme. Da war ja noch ein fremdes Rentier!
Santa musste zweimal hinsehen: Das arme Tier schien immer weniger zu werden. „Was soll die Wegelagerei? Könntet ihr mich mal auf klären?“, Santa sah sich bereits in Zeitverzug. „Wie, Du kennst uns nicht? Ich bin Turnover, meine Aufgabe ist es, dich und deine Rentiere, und viele andere vor mir her zutreiben. Mein Kumpel Capacity wurde geschaffen, um dir die Grenzen deiner Werkstatt aufzuzeigen und dich dazu anzustacheln, deinen Ausstoß zu erhöhen.“ „Hallo, und ich bin Profit“, meldete sich mit erstickter Stimme der Dritte, „sozusagen das Ren(dite)tier, das jeder von euch braucht, um nicht vom Markt zu verschwinden!“ „Ach, du armes Tier, warum bist du denn so abgemagert?“ „Capacity und Turnover haben sich dermaßen breit ge macht, dass die Luft zum Atmen für mich immer dünner wird.“ „So, so, und nun soll ich hier wohl auch noch mitmischen! Würde ich das tun, hätte ich mich mit meiner Manufaktur sicher nicht so gut gehalten. Hab‘ keine Angst kleiner Pro fit! Ich werde dir zu einer stabilen Größe verhelfen, mit der wir beide gut leben können. Und Du‚ Turnover, von Dir lasse ich mich nicht jagen, sondern handle weiter im Sinne der Menschen und ihrer Wünsche. Capacity, dein Übergewicht ist absolut ungesund. Jeder sollte nur so viel tragen wie er heben und geben kann, ohne irgendwann zu explodieren und die Welt zu überschwemmen. Denn dabei wird nicht nur die Wertschätzung unser aller Arbeit zunichte gemacht, sondern es werden zusätzlich ganze Existenzen weggeblasen. Bedenkt stets: Sich mit wenigem begnügen ist schwer, sich mit vielem begnügen unmöglich!“
Yvonne Davy Chefredakteurin
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein Frohes Fest und einen guten Start in ein gesundes erfolgreiches und spannendes Jahr 2020!
küche + architektur | 1
Foto: Nobilia
Den Trend zu eleganten, dunklen Tönen im Küchen design bedient Nobilia auch mit dem Dekor Eiche Nero im Programm Structura. Mit seiner feinen senk rechten Maserung kommt es optisch und haptisch echtem Holz sehr nahe. Hier grifflos geplant als Line N-Variante und in Verbindung mit den schwar zen Aluminium-Rahmen der Vitrinen, Schwarzglas und den beleuchteten Glasborden spricht sie Ästheten mit einem Faible für außergewöhnliche Einrichtungskultur an. www.nobilia.de
1 Wie Turnover, Capacity und das Ren(dite)tier Profit den Weihnachtsmann aufmischen Editorial
4 Weltwirtschaft geprägt von der globalen Vernetzung „Das Trojanische Pferd zieht eine globale Industrie“ (Manfred Hinrich)
11 Neubauprognose 2020 Eigenheimsegment wächst solide weiter
12 My home is my Castle Ganz oben auf der Wunschliste der Deutschen: Das Eigenheim
14 Architekten über den modernen Privathausbau Stephan Fabi, Architekt BDA, Dipl.-Ing.(FH), Regensburg, und Dipl.-Ing. Arch. Jochen Reetz, Köln, stehen Rede und Antwort
15 „Der Wunsch nach viel Nichts und wenig Was“ Dipl.-Ing. Arch. Jochen Reetz, Köln
17 „Dennoch lassen sich Einzeltrends rkennen, die sich wellenartig e abwechseln.“ Stephan Fabi, Architekt BDA, Dipl.-Ing.(FH), Regensburg 2 | küche + architektur
19 Küchenmöbelindustrie verhalten optimistisch 20 Nobilia 21 Schüller 22 Häcker 22 Pronorm 23 Rational 24 Leicht 25 Rotpunkt 25 Ballerina 26 Nolte Küchen 27 Bauformat/Burger 28 Alno
31 Küchenbeleuchtung per Sprachanweisung Smart mit Naber
32 Smart Home – vernetzte Geräte im Kommen Nachfrage nach smarten Hausgeräten wächst
34 Hausgeräteindustrie optimistisch gestimmt 35 Oranier 36 Miele 36 Bosch 37 Siemens 38 Grundig 38 Samsung 40 V-Zug 41 AEG
43 Frisch, klar und wohlschmeckend Trinkwasser aus der Franke Vital
Impressum Verlag: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-1 · Fax 0711/5206-300 www.fachschriften-verlag.de VERLAGSLEITUNG: Tilmann Münch Christian Schikora Redaktionsbüro: küche+architektur Weißheimerstraße 7 · 67549 Worms
Inhalt 6/2019
Herausgeberin und Chefredakteurin: Yvonne Davy Tel. 06241/979708-10 Fax 06241/979708-17 davy@fachschriften.de Redaktionsassistenz und Anzeigenverkauf: Sabine Metz-Lieb Tel. 06241/979708-12 metz-lieb@fachschriften.de Layout: Simone Steinbrech post@steinbrech-design.de Druck: ColorDruck Solutions GmbH Gutenbergstraße 4 · 69181 Leimen
44 Spülenindustrie setzt weiter auf Wachstum 44 Systemceram 46 Naber 46 Franke 47 Blanco 48 Schock
49 Design und Funktion … … gehen bei Hansgrohe Hand in Hand
51 Mit Sprachsteuerung Hailo Libero 3.0
52 Leben in der „toten“ Ecke mit … … „LeMans“ von Kesseböhmer
53 Beschlagindustrie zeigt sich v erhalten optimistisch 54 Salice 54 Kesseböhmer 55 Hettich 56 Blum 57 Grass 57 Schüco Alu Competence
59 Verbundgruppen erwarten weiterhin s tabile Umsatzentwicklungen 59 Der Küchenring 60 Der Kreis 60 KüchenTreff 61 EMV
63 Die guten Adressen der Branche Visitenkarten
Who is who – Firmeneinträge
Preisliste für Anzeigen: zur Zeit Nr. 7, gültig seit 1. 1. 2019
28, 29, 30
Preis Jahresabo: (6 Ausgaben inklusive ePaper) Inland: 53,00 Euro; Ausland: 62,00 Euro (Preise inkl. Versand und MwSt.)
Küchenmöbel, Outdoorküchen
42 Einbaugeräte
45, 50 Spülen und Armaturen
58 Beschläge, Möbelinnenausstattung
58 Abfalltrennung
61, 62 Organisationen
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Abonnement-Service: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Abo-Service Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-306 Fax 0711/5206-307 abo@fachschriften.de Bankkonten: HypoVereinsbank IBAN: DE72 670 201 900 025 059 506 BIC: HYVEDEMM489 Steuer-Nr.: 90492/10407 EG Ust.-Id.Nr.: DE 147321116 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Artikel oder Zuschriften mit Namen des Verfassers stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Der FachschriftenVerlag ist förderndes Mitglied im Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), Bad Honnef, und im Deutschen Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), Stuttgart. Im Fachschriften-Verlag erscheinen außerdem: Althaus modernisieren, bauen!, Bauen & Renovieren, Effizienzhäuser, pro fertighaus, Schwimmbad+Sauna und weitere Sonderhefte für Bauherren und Modernisierer Fotonachweise: Seite 01: Jess rodriguez / stock.adobe.com + architektur | 3 Seite 04: Michael küche Rosskothen / stock.adobe.com Funtap / stock.adobe.com Seite 63: auremar / fotolia
Daten + fakten
Weltwirtschaft geprägt von der globalen Vernetzung „Das Trojanische Pferd zieht eine globale Industrie“ Manfred Hinrich*
Die Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft hat merklich nachgelassen und das glei *Manfred Hinrich (1926 - 2015), Dr. phil., deutscher Philosoph, Philologe, Lehrer, Journalist, Kinderliederautor, Aphoristiker und Schriftsteller
chermaßen in den fortgeschrittenen Volks wirtschaften wie in den Schwellenländern. Für den Prognosezeitraum 2019/2020 erwartet der Sachverständigen rat nur ein relativ verhaltenes Wachstum der Weltwirt schaft.
4 | küche + architektur
V
ordergründig ist es der schwächere Welthandel, der die Bundesregierung dazu bewegt hat, ihre Konjunkturpro gnose für 2020 deutlich auf 1,0 Prozent nach unten zu korrigieren. Die deutsche Wirtschaft ist zwar exportstark, aber dadurch auch be sonders anfällig. Viele Unterneh men halten derzeit ihre Investitio nen zurück. Von den anhaltenden Unsicherheiten betroffen sind vor allem der Auto- und Ma schinenbau sowie die Elektround Chemieindustrie. Da die Binnennachfrage weiterhin sehr hoch ist, Beschäfti gung und Einkommen stei gen und der Bausektor weiter in Hochkonjunktur, sei mit einer Krise jedoch nicht zu rechnen. Während die USA im Jahr 2018 noch als einzige der großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften eine höhere Zuwachs rate als im Jahr 2017 ausweisen konnten, ist zu erwarten, dass das Wachstumstempo im Prognosezeitraum nun zurückgeht, lautet die Prognose des Sachverständi genrats. Was Japan und die übrigen asia tischen Industrieländer anbelangt, werden
Daten + fakten
Kapitel 1 – Konjunktur: Deutliche Abkühlung
von Seiten des Sachverständigenrates eben falls geringere Wachstumsraten erwartet. Bereits die bislang im Handelskonflikt von den USA und China erhobenen Zölle sowie die mit dem Konflikt einhergehende Unsi cherheit dürften die Weltwirtschaft spürbar belasten. So schätzt der IWF (2019a) in ei ner Aktualisierung seiner Analyse aus dem vergangenen Jahr, dass das BIP unter der Be rücksichtigung von Vertrauens- und Produk tivitätseffekten sowie von Marktreaktionen infolge der bisherigen Zollerhöhungen im Jahr 2020 in den USA um bis zu 0,6 % und in China um bis zu 2 % geringer ausfallen dürfte. In diesem besonders negativen Szenario wäre die übrige Welt ebenfalls spürbar betroffen. So läge etwa im Euro-Raum das BIP um 0,4 % unter dem Niveau, das ohne die Maßnahmen zu erwarten wäre. Arbeitslosenquote international gesunken Sowohl in den USA als auch in der Eurozo ne sind die Arbeitslosenquoten in den letz ten Jahren deutlich gesunken, bilanzieren die Analysten der Hessischen Landesbank. Zuletzt habe allerdings die schwächere Kon junktur gebremst. In Deutschland ist die
TABELLE 3 Wirtschaftliche
Eckdaten Wirtschaftliche Eckdaten Einheit
Bruttoinlandsprodukt
2
Konsumausgaben
2017
2018
20191
20201
%
2,5
1,5
0,5
0,9
%
1,6
1,3
1,6
1,4
Private Konsumausgaben3
%
1,3
1,3
1,4
1,2
Konsumausgaben des Staates
%
2,4
1,4
2,1
2,1 1,7
Bruttoanlageinvestitionen
%
2,4
3,5
2,7
Ausrüstungsinvestitionen4
%
4,0
4,4
1,6
0,8
Bauinvestitionen
%
0,7
2,5
3,6
2,2
Sonstige Anlagen
%
4,2
4,3
2,3
2,1
Inländische Verwendung
%
2,4
2,1
1,2
1,5
0,3
– 0,4
– 0,7
– 0,5
Exporte
%
4,9
2,1
0,7
1,5
Importe
%
5,2
3,6
2,5
3,0
%
8,1
7,3
6,9
6,4
Tausend
44 248
44 854
45 225
45 360
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
Tausend
32 234
32 964
33 424
33 641
Registriert Arbeitslose
Tausend
2 533
2 340
2 272
2 317
Außenbeitrag (Wachstumsbeitrag in Prozentpunkten)
Leistungsbilanzsaldo5 Erwerbstätige
Arbeitslosenquote6
%
5,7
5,2
5,0
5,1
Verbraucherpreise7
%
1,5
1,8
1,5
1,6
Finanzierungssaldo des Staates8
%
1,2
1,9
1,4
0,5
Bruttoinlandsprodukt je Einwohner9,10
%
2,1
1,2
0,2
0,7
Bruttoinlandsprodukt, kalenderbereinigt10
%
2,8
1,5
0,5
0,5
1 – Prognose des Sachverständigenrates. 2 – Preisbereinigt. Veränderung zum Vorjahr. Gilt zudem für alle angegebenen Bestandteile des BIP. 3 – Einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck. 4 – Einschließlich militärischer Waffensysteme. 5 – In Relation zum BIP. 6 – Registriert Arbeitslose in Relation zu allen zivilen Erwerbspersonen. 7 – Veränderung zum Vorjahr. 8 – Gebietskörperschaften und Sozialversicherung in der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen; in Relation zum BIP. 9 – Bevölkerungsentwicklung gemäß Mittelfristprojektion des Sachverständigenrates. 10 – Preisbereinigt. Veränderung zum Vorjahr. Quellen: BA, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen
© Sachverständigenrat | 19-251
1. Konjunkturelle Zweiteilung hält bislang an 70.
Im ersten Quartal 2019 wuchs das BIP mit 0,4 % gegenüber dem Schlussquartal des Jahres 2018 recht kräftig. Hierbei dürften Nachholeffekte nach den Produktionsschwierigkeiten im zweiten Halbjahr 2018 eine Rolle gespielt haben. Im zweiten Quartal 2019 ging die Wirtschaftsleistung jedoch um 0,1 % zuküche + architektur | 5 rück. Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg das BIP kalenderbereinigt um nur 0,4 % an.
2019 deutlich unter dem im Vorjahr erreichten Wert von 1,9 % liegen. ABBILDUNG 7 Damit nähert sie sich dem von der Europäischen Kommission geschätzten Potenzialwachstum von etwa 1,3 % von oben an und wird es im Prognosezeitraum voraussichtlich leicht unterschreiten.
Daten + fakten
ABBILDUNG 7
Voraussichtliche Entwicklung Voraussichtliche Entwicklungim imEuro-Raum Euro-Raum Bruttoinlandsprodukt1
Produktionspotenzial und Produktionslücke4
2015 = 100
%
Mrd Euro
%
1,5
2 800
110
1,0
2 600
2
105
0,5
2 400
0
0,0 0
2 200
-2
-0,5
2 000
115
100 %2
Veränderung zum Vorjahr in 1,9 2,7 1,9 1,2
2,1
95
2015
16
17
Kettenindex
18
19
1,1 2020
4
-4 2002
Jahresdurchschnitt
BIP5
05
08
11
14
17
2020
Produktionspotenzial
Veränderung gegenüber Vorquartal (rechte Skala)
Produktionslücke (rechte Skala)
Prognosezeitraum3
Prognosezeitraum3
1 – Referenzjahr 2015, saison- und kalenderbereinigt. 2 – Berechnet anhand der saison- und kalenderbereinigten Quartalswerte. 3 – Prognose des Sachverständigenrates. 4 – Eigene Berechnungen auf Basis der Potenzialschätzung der Europäischen Kommission für die Mitgliedstaaten des Euro-Raums sowie der Potenzialschätzung des Sachverständigenrates für Deutschland. 5 – Preis-, saison- und kalenderbereinigte Werte. Referenzjahr 2010.
Konjunktur: Deutliche Abkühlung – Kapitel 1
Quellen: Europäische Kommission, Eurostat, eigene Berechnungen
© Sachverständigenrat | 19-401
ABBILDUNG 2
Wachstumsrückgangdes desBIP BIPund undder derIndustrieproduktion Industrieproduktion ininausgewählten Ländern Wachstumsrückgang ausgewählten Ländern BIP-Wachstum1 2,5
Wachstum der Industrieproduktion2
2018Q1 bis 2019Q2 in %
2,5
2,0
28
2,0
Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2019/20 1,5
1,5
1,0
1,0
0,5
0,5
0
0
-0,5
-0,5
-1,0
2018Q1 bis 2019Q2 in %
-1,0
-0,5
0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
-1,0
Deutschland
Mittel- und Osteuropa3
-1,0
-0,5
0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
2016Q1 bis 2017Q4 in %
2016Q1 bis 2017Q4 in % Türkei
USA
Japan
Sonstige Länder4
1 – Durchschnittliches Quartalswachstum des realen BIP in den Zeiträumen von 2016Q1 bis 2017Q4 beziehungsweise 2018Q1 bis 2019Q2, saisonbereinigt. 2 – Durchschnittliches Quartalswachstum der Industrieproduktion in den Zeiträumen von 2016Q1 bis 2017Q4 beziehungsweise 2018Q1 bis 2019Q2, saisonbereinigt. 3 – Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn. 4 – OECD (ohne Island und Mexiko) und Brasilien, Indien, Kolumbien sowie Russland. Quellen: OECD, eigene Berechnungen
8. 6 | küche + architektur
© Sachverständigenrat | 19-327
Für die anhaltende Schwäche der Industrie gibt es verschiedene Gründe. Erstens dürfte es sich dabei um einen zyklischen Abschwung handeln. Anzeichen hierfür gibt es beispielsweise in der Halbleiter- und in der Automobilindustrie. KASTEN 1 Daneben könnten in einzelnen Bereichen strukturelle Veränderungen
2015
16
17
18
19
2015
2020
16
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19
2020
1 – Veränderung zum Vorjahr; Unsicherheitsmargen berechnet auf Grundlage des mittleren absoluten Prognosefehlers des Zeitraums 1999 bis 2018. Die Breite des symmetrisch um den wahrscheinlichsten Wert verteilten Bandes entspricht dem doppelten mittlerenDaten absoluten+ Prognosefehler; fakten gestrichelte Linie: 68 %-Konfidenzintervall. 2 – Preis-, saison- und kalenderbereinigt. 3 – Prognose des Sachverständigenrates. 4 – Harmonisierter Verbraucherpreisindex. Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen
Besserung am Arbeitsmarkt zum Erliegen gekommen. Zudem ist die Arbeitslosigkeit in den USA und in Deutschland mittlerweile so niedrig, dass selbst ein stärkeres Wachstum nur noch wenig bewirkt. Anders sieht es im Währungsverbund aus: Die spanische Ar beitslosenquote liegt mit über 14 % weiterhin auf hohem Niveau, Italien unterschreitet ge rade mal die 10-Prozentmarke. Nicht nur in diesen Ländern reicht es nicht, auf konjunk turell bessere Zeiten zu warten. G7 Staaten erfahren Wachstumsrückgang In vielen mittel- und osteuropäischen EUMitgliedstaaten hat sich das Wachstum der Industrieproduktion ebenfalls spürbar ab geschwächt. Unter den G7-Staaten ist der Wachstumsrückgang in Deutschland und Ita lien besonders ausgeprägt, wobei die Indus trieproduktion in Deutschland am stärksten zurückging. Von der allgemein schwachen Industriekon junktur sind bestimmte Bereiche besonders betroffen. So reagiert etwa die Nachfrage nach Investitions- und Vorleistungsgütern relativ stark auf eine nachlassende konjunk 40 turelle Dynamik. Im Euro-Raum wird sich nach den Progno sen der Wirtschaftsspezialisten die verhal tene konjunkturelle Dynamik fortsetzen. Demgegenüber ist für die mittel- und osteu ropäischen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) im Prognosezeitraum noch ein, wenn auch verlangsamtes, recht kräftiges Wachstum zu erwarten. Deutschland Für Deutschland hat sich die Verunsicherung durch Brexit und Handelsstreitigkeiten ne gativ ausgewirkt. Woraufhin die Hessische Landesbank ihre Prognose für 2020 leicht auf kalenderbereinigt 1,0 % (vorher: 1,2 %) gesenkt hat. Der konjunkturelle Tiefpunkt ist zwar erreicht; der Aufschwung dürfte sich, so die Spezialisten der Helaba, allerdings nur zögerlich einstellen. Die Geldpolitik bleibt, so deren Ansicht extrem expansiv. Gleichwohl sind positive Wirkungen auf die Konjunktur überschaubar. Die deutsche Fiskalpolitik wir ke im nächsten Jahr mit einem Impuls von etwa 0,5 Prozentpunkten des Bruttoinlands produkts stimulierend.
© Sachverständigenrat | 19-271
TABELLE 2
Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Erwerbslosenquote im Euro-Raum Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Erwerbslosenquote im Euro-Raum Bruttoinlandsprodukt Land/Ländergruppe
Euro-Raum
6
(kalenderbereinigt)2
Gewicht in %1
Verbraucherpreise (HVPI)3
Erwerbslosenquote4
Veränderung zum Vorjahr in %
%
2018
20195
20205
2018
20195
20205
2018
20195
20205
1,9
1,2
1,1
1,8
1,2
1,3
8,2
7,5
7,2
100
darunter: Deutschland
29,0
1,5
0,5
0,5
1,9
1,3
1,3
3,4
3,2
3,2
Frankreich
20,4
1,7
1,3
1,2
2,1
1,3
1,5
9,1
8,5
8,3
Italien
15,2
0,7
0,1
0,5
1,2
0,7
0,9
10,6
9,8
9,3
Spanien
10,5
2,4
2,1
1,9
1,7
0,8
1,1
15,3
13,9
13,0
Niederlande
6,7
2,5
1,7
1,6
1,6
2,7
1,9
3,8
3,3
3,3
Belgien
3,9
1,4
1,2
1,0
2,3
1,3
1,6
6,0
5,5
5,5
Österreich
3,3
2,3
1,5
1,2
2,1
1,5
1,7
4,9
4,6
4,6
Irland
2,8
8,3
5,8
3,6
0,7
0,8
0,4
5,8
5,2
5,3
Finnland
2,0
1,7
0,9
0,8
1,2
1,2
1,2
7,4
6,7
6,7
Portugal
1,8
2,4
2,0
1,7
1,2
0,3
0,8
7,0
6,4
5,7
Griechenland
1,6
1,9
1,6
2,1
0,8
0,5
1,0
19,3
17,2
15,6
71,0
2,1
1,5
1,4
1,7
1,2
1,3
9,9
9,1
8,6
nachrichtlich: Euro-Raum ohne Deutschland
1 – Anteil des BIP des Jahres 2018 am BIP des Euro-Raums. 2 – Preisbereinigt. Werte basieren auf saison- und kalenderbereinigten Quartalswerten. 3 – Harmonisierter Verbraucherpreisindex. 4 – Standardisiert nach ILO-Konzept. Für den gesamten Euro-Raum und den Euro-Raum ohne Deutschland gewichtet mit der Anzahl der Erwerbspersonen des Jahres 2018. 5 – Prognose des Sachverständigenrates. 6 – Gewichteter Durchschnitt der 19 Mitgliedstaaten des Euro-Raums. Quellen: Eurostat, eigene Berechnungen
© Sachverständigenrat | 19-243
Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2019/20
Das deutsche Wirtschaftswachstum wird 2020 mit voraussichtlich kalenderbereinigt 1,0% fast doppelt so hoch ausfallen wie 2019. Da das Jahr vier Arbeitstage mehr aufweist, liegt das tatsächliche Wirtschaftswachstum mit 1,4% sogar noch höher. Zu einem starken Aufschwung des verarbei tenden Gewerbes, davon sind die Volkswirte der Helaba überzeugt, wird es allerdings nicht kommen. Der Zollstreit zwischen USA, Chi na und Europa wird den Warenverkehr und die Investitionen weiterhin belasten. Und auch das Brexit-Drama ist immer noch nicht beendet. Nach Großbritannien gehen zwar nur noch 6 Prozent der deutschen Ausfuhren, gemessen am Ausfuhrüberschuss ist es aller dings knapp ein Fünftel. Zudem beeinflussen die Schwierigkeiten der Automobilindustrie, die für nahezu ein Vier tel des Umsatzes im verarbeitenden Gewer be steht, die deutsche Wirtschaft. Sie leidet nicht nur an einer schwachen Nachfrage und den Handelsstreitigkeiten, sondern zugleich unter dem strukturellen Wandel weg vom Verbrennungsmotor.
Ebenfalls negativ beeinflusst wurde die Ent wicklung der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren durch die im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern in Deutschland erheblich stärker gestiegenen Lohnstückkosten Den deutlichen Lohnstei gerungen stand eine kaum zunehmende Be schäftigtenproduktivität gegenüber. Die deutsche Fiskalpolitik bleibt mit einem Impuls von etwa 0,5 Prozentpunkten des Bruttoinlandsprodukts leicht expansiv. Erfreulich entwickelt sich die Bautätigkeit. Die Investitionen in diesem Bereich dürften nach 2,5 % im laufenden Jahr, 2020 nochmals um rund 2 % zulegen. Dabei wird der Neubau an Fahrt verlieren, während der Ausbau dyna mischer zulegt. Die jüngsten Beschlüsse zur energetischen Sanierung im Bestandsbau wer den die Nachfrage zusätzlich befeuern. Am we nigsten dynamisch dürfte 2020 der gewerbli che Bau expandieren, prognostiziert die Helaba. Frankreich In Frankreich dürfte im nächsten Jahr mit einem Wachstum. von 1,5% gerechnet wer
küche + architektur | 7
möglichen Brexit überschattet. Dies dürfte dazu beitragen, dass die Wachstumsraten im Prognosezeitraum eher gering bleiben dürften. ZIFFERN 33 FF. Daten + fakten 12. In der Gruppe der Schwellenländer dürfte das BIP-Wachstum ebenfalls hinter den im Jahr 2018 erreichten Werten zurückbleiben. Einen wesentlichen Beitrag hierzu liefert der erwartete Wachstumsrückgang in China. ZIFFERN 28 FF. Zudem dürfte das Wachstum in Indien im laufenden Jahr geringer ausfallen. TABELLE 1 Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise ausgewählter Länder
Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise ausgewählter Länder Gewicht
Land/Ländergruppe
in %
Europa Euro-Raum
Bruttoinlandsprodukt2
Verbraucherpreise
Veränderung zum Vorjahr in %
1
2018
2019
3
2020
3
2018
2019
3
2020
3
29,7
2,1
1,3
1,4
2,4
2,1
1,9
18,2
1,9
1,2
1,1
1,8
1,2
1,3
Vereinigtes Königreich
3,8
1,4
1,2
1,0
2,5
1,9
2,0
Russland
2,2
2,2
0,7
1,3
2,9
4,6
3,8
Mittel- und Osteuropa
1,8
4,4
3,9
3,1
2,1
2,7
2,5
Türkei
1,0
2,9
0,4
3,7
16,3
14,9
9,0
2,7
2,2
1,3
1,6
1,6
1,2
1,2
4
Andere Länder
5
Amerika
35,3
2,6
2,0
1,8
3,3
3,0
2,8
USA
27,4
2,9
2,3
1,8
2,4
1,8
2,0
Lateinamerika
3,2
1,3
0,3
1,8
10,8
14,1
10,9
Brasilien
2,5
1,1
1,0
2,0
3,7
3,6
3,3
Kanada
2,3
1,9
1,5
1,4
2,3
2,0
1,8
35,0
5,0
4,4
4,3
2,1
2,0
2,2
17,8
6,6
6,2
5,8
2,1
2,5
2,4
6,6
0,8
0,8
0,4
1,0
0,7
1,3
4,0
2,8
1,5
1,8
1,4
0,7
1,1
3,6
7,3
5,4
6,6
3,9
3,3
4,1
2,9
5,0
4,6
4,8
2,7
2,2
2,6
3,3
2,6
2,6
2,6
2,4
2,3
66,8
2,3
1,7
1,5
2,0
1,5
1,6
33,2
5,2
4,5
4,8
3,8
4,3
3,8
100
2,9
2,2
2,1
.
.
.
100
3,7
3,3
3,4
.
.
.
3,4
– 0,5
1,6
.
.
.
6
Asien China Japan Asiatische Industrieländer
7
Indien Südostasiatische Schwellenländer
8
Insgesamt
100
Fortgeschrittene Volkswirtschaften Schwellenländer
9
10
nachrichtlich: 11
exportgewichtet
nach dem Messkonzept des IWF
12
Welthandel13
1 – Anteil des BIP des Jahres 2018 in US-Dollar der aufgeführten Länder oder Ländergruppen am BIP aller aufgeführten Länder beziehungsweise Ländergruppen. 2 – Preisbereinigt. 3 – Prognose des Sachverständigenrates. 4 – Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Tschechische Republik und Ungarn. 5 – Dänemark, Norwegen, Schweden und Schweiz. 6 – Argentinien, Chile, Kolumbien und Mexiko. 7 – Hongkong, Republik Korea, Singapur und Taiwan. 8 – Indonesien, Malaysia, Philippinen und Thailand. 9 – Asiatische Industrieländer, Euro-Raum, Mittel- und Osteuropa, Dänemark, Japan, Kanada, Norwegen, Schweden, Schweiz, Vereinigtes Königreich und USA. 10 – Lateinamerika, südostasiatische Schwellenländer, Brasilien, China, Indien, Russland und Türkei. 11 – Summe der aufgeführten Länder, gewichtet mit den Anteilen an der deutschen Ausfuhr im Jahr 2018. 12 – Gewichte nach Kaufkraftparitäten und hochgerechnet auf den Länderkreis des IWF. 13 – Nach dem Messkonzept des niederländischen Centraal Planbureau (CPB). Quellen: CPB, Eurostat, IWF, nationale Statistikämter, OECD, eigene Berechnungen
18
© Sachverständigenrat | 19-242
Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2019/20
den (Deutschland: 1,0%). Die Macron’sche Reformpolitik scheint aufzugehen. Steuern und Abgaben wurden gesenkt und ein staat licher Lohnzuschuss erhöht. Die Gesamt kosten belaufen sich auf etwa 17 Mrd. Euro. Im Budgetentwurf 2020 sind nochmals Steu erentlastungen von 10 Mrd. Euro enthalten, u. a. Senkungen bei der Wohn- und der Ein kommensteuer. Die Körperschaftsteuer wird erneut reduziert. Immerhin stützen die Fiskalpolitik sowie mo derat steigende Tariflöhne und Beschäftigung die privaten Konsumausgaben. Diese dürften auch 2020 wie das Bruttoinlandsprodukt zu legen. Die Unternehmensinvestitionen expan-
8 | küche + architektur
ieren moderat und der Außenhandel sollte d 2020 nicht mehr bremsen. Denn aufgrund der Belebung des Welthandels kann das Ex portwachstum dann an die Importsteigerun gen heranreichen. Italien Italien leidet 2019 wie andere Länder unter einer zyklischen Abschwächung. Im Gesamt jahr dürfte die Wirtschaftsleistung kaum stei gen. Auch für 2020 ist nur ein Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 0,8% zu erwarten. Die Ursache hierfür sind tiefgrei fende strukturelle Probleme, die zur Produk tivitätsschwäche beitragen.
Spanien … … hat im November 2019 zum vierten Mal in vier Jahren gewählt. Ob diesmal eine mehr heitsfähige Regierung gebildet werden kann und der Reformstillstand endet, ist abzu warten. Die Phase der Unsicherheit belastet das Wirtschaftswachstum; die Dynamik lässt nach. Obwohl Spanien auch 2020 mit 1,8% (2019: 2,0%) stärker expandieren dürfte als die Eurozone, bleiben wirtschaftspolitische Baustellen. Die Arbeitslosigkeit ist mit gut 14% immer noch hoch. Trotz der geringe ren Dynamik der spanischen Volkswirtschaft steigt die Beschäftigung um etwa 2%. Nach nur gut 1% dürfte der Konsum 2020 um knapp 2% zulegen. Moderate Impulse werden zudem von den Ausrüstungen und der Bautä tigkeit ausgehen. Schweden Mit einem prognostizierten Wirtschaftswachs tum von 1,7% kann Schweden 2020 im Ver gleich zu anderen europäischen Ländern eine ansehnliche Performance erzielen. Dazu tragen eine Entspannung im Handelskonflikt sowie eine Stimmungsverbesserung bei den Konsu menten und in der Industrie bei. Die Exporte sind 2020 erneut ein Pfeiler des Wachstums. Die Bruttoanlageinvestitionen sollten nach der Schwäche 2019 einen positiven Wachstums beitrag leisten, der vor allem von der Bau tätigkeit ausgeht. Wieder steigende Häuser preise dürften zu mehr Baubeginnen führen. Polen, Ungarn und Tschechien In den drei Ländern wird die Inlandsnach frage die zentrale Rolle für das Wirtschafts wachstum spielen. Dafür greifen die Re gierungen zum Teil tief in die öffentlichen Taschen: Ungarn stellt umfangreiche Beihil fen für Familien bereit und beteiligt sich am Haus- und Autokauf. Polen hat das Famili enprogramm 500+ nochmals ausgeweitet. In Tschechien, wo 2021 gewählt wird, steigen unter anderem die Renten, das Elterngeld und die Gehälter im öffentlichen Dienst. Die noch immer engen Arbeitsmärkte werden durch Zuwanderung nur wenig entlastet. Wiederholte kräftige Lohnsteigerungen und Maßnahmen wie die Lohnsteuerbefreiung junger Arbeitnehmer in Polen wirken dem Trend zur Abwanderung entgegen. Für 2020 rechnen die Analysten mit einem BIP von 2,4
Daten + fakten
Kapitel 1 – Konjunktur: Deutliche Abkühlung
ABBILDUNG 22
Voraussichtliche Entwicklung Entwicklung inimDeutschland Voraussichtliche deutschland Bruttoinlandsprodukt¹ 820
Produktionspotenzial und Produktionslücke⁴
Mrd Euro
%
800
1,5
%
6
800
4
760
2
720
0
680
-2
640
-4
600
-6
1,0
780
0,5
760
0,0 0
740
Mrd Euro
840
1,7
Veränderung zum Vorjahr in %² 2,2 2,5 1,5 0,5
2015
16
17
18
Verkettete Volumenwerte
19
0,9
-0,5
2002
2020
Jahresdurchschnitt
05
BIP⁵
08
11
14
17
2020
Produktionspotenzial
Veränderung gegenüber Vorquartal (rechte Skala)
Produktionslücke (rechte Skala)
Prognosezeitraum³
Prognosezeitraum³
1 – Referenzjahr 2015, saison- und kalenderbereinigt. 2 – Ursprungswerte. 3 – Prognose des Sachverständigenrates. 4 – Eigene Berechnungen. 5 – Reale saisonbereinigte Werte; der Kalendereffekt wird jedoch berücksichtigt. Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen
© Sachverständigenrat | 19-293
92. Im März 2019 war der Sachverständigenrat noch von Wachstumsraten des BIP Prozent. Die Inflationsrate sinkt um 0,3 auf samt dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2020 mit gen, dass Mieten und Kaufpreise 2020 etwas von 0,8 % und 1,7 % ausgegangen. KASTEN 4 Die deutliche Abwärtsrevision 2,4 Prozent, während die Arbeitslosenquote 1,0 % etwas weniger als 2019 (1,3 %) wachsen. weniger dynamisch steigen. Die Inflation spiegelt die unerwartete Eintrübung konjunkturellen im von Kapitel 1 – Konjunktur: Deutliche bei Abkühlung um 0,1 Prozent auf 2,9 Prozent steigt. vor allem Immobilien bleiben extrem niedrigen der dürfte sich etwas unterhalb Lage der Marke attraktiv. dieJahr 2 % bewegen. Der enge Arbeitsmarkt und die SommerhalbjahrZinsen 2019relativ wider, die Allerdings sich biskönnte in das 2020 hineinziehen dürfte. GroSSbritannien Für das laufende jüngste wirtschaftliche Schwäche dafür sor deutlichen Lohnzuwächse halten die Jahr erwartet der Sachverständigenrat eine jahresdurch-Teue Gemessen am politischen Chaos schlägt sich schnittliche Wachstumsrate von 0,5 %. Für das Jahr 2020 beläuft sich die die Konjunktur Großbritanniens wacker. Das TABELLE 10 für das BIP-Wachstum auf 0,9 %. Wachstumsbeiträge zum Bruttoinlandsprodukt nach Verwendungskomponenten1 Wachstum hat zwar seitPrognose dem EU-Referen 1 Wachstumsbeiträge zum Bruttoinlandsprodukt nach Verwendungskomponenten dum deutlich nachgelassen, die befürchtete Prozentpunkte Rezession blieb jedoch aus. Dabei sind jedoch zwei Effekte zu berücksichtigen. Zum einen überzeichnet der 2014 2015 2016 2017 2018 20192 20202 Am deutlichsten schlägt sich der Brexit bei Inländische Verwendung 1,2 1,6 1,5 2,8 2,2 2,0 Kalendereffekt von 0,4 Prozentpunkten infolge der höheren Anzahl an Ar-1,4 den Investitionen nieder, die seit 2016 im Konsumausgaben 0,9 1,6 2,0 1,2 1,0 1,1 1,0 beitstagen im kommenden Jahr. Dies übersetzt sich ka-0,6 Vergleich zur Eurozone nur geringfügigdie ge Wachstumsdynamik 0,7 0,7 0,6 1,0 1,2 0,7 Private Konsumausgaben3 0,4 0,4 des StaatesWachstum 0,3 0,5 0,5 0,8 0,5 wachsen sind. Getragen lenderbereinigt wurde das magere in Konsumausgaben 4 0,3 Zum anderen ein erwartetes von %. TABELLE Bruttoanlageinvestitionen 0,6 0,4 0,8 0,5 0,7 0,6 0,4 Wachstum vor allem vom Wohnungsbau, liefert der Überhang keinen Beitrag zum0,3jahresdurchschnittlichen Wachstum im0,1 0,3 0,2 0,3 0,3 0,1 Ausrüstungsinvestitionen4 die Ausrüstungsinvestitionen stagnierten. Jahr 2020.noch Für die Jahresverlaufsrate,0,2 welche Veränderung des BIP Bauinvestitionen – 0,1 die 0,4 0,1 0,3 0,4 zwi-0,2 Da nach einem geordneten EU-Austritt Sonstige Anlagen 0,1 0,2 0,2 0,2 0,2 0,1 dem vierten Quartal des Vorjahres und dem Schlussquartal des betrachte-0,1 Unsicherheiten über das schen zukünftige Verhält Vorratsveränderungen 0,1 – 0,4 0,1 0,5 0,3 – 0,6 – 0,0 nis bestehen, bleiben die Unternehmen vor Außenbeitrag 0,6 0,2 – 0,6 0,3 – 0,4 – 0,7 – 0,5 erst gehemmt. Exporte 2,2 2,5 1,1 2,3 1,0 0,3 0,7 Der private Konsum hat sich ebenfalls ver TABELLE 4 Importe – 1,6 – 2,3 – 1,7 – 2,0 – 1,5 – 1,0 – 1,2 1 langsamt, stützt aber insgesamt das Wachstum. Bruttoinlandsprodukt 1,5 0,5 0,9 (%) 2,2 1,7 (in %)2,2 2,5 Komponenten der Wachstumsprognose des Bruttoinlandsprodukts Der sehr solide Arbeitsmarkt inklusive steigen 2 2014BIP. Abweichungen 2015 in 2016 2017 2018 20202 zum preisbereinigten den Summen rundungsbedingt. 2 – Prognose2019 des Sachverständigenrates. der Löhne hebt die Einkommen. Die Export 13 –– Wachstumsbeiträge Einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck. 4 – Einschließlich militärischer Waffensysteme. 3 Statistischer Ende des Vorjahres 0,8 0,7 0,5 1,1 0,2 © Sachverständigenrat 0,0 | 19-248 Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen0,9 aussichten werdenÜberhang sich leichtam aufhellen. Insge
ANHANG
Jahresverlaufsrate4
1,3
1,9
3,4
0,6
Jahresdurchschnittliche Veränderungsrate des TABELLE 11 Bruttoinlandsprodukts, kalenderbereinigt Entwicklung der Löhne in Deutschland 2,2 1,5
2,3
2,1
2,8
1,5
Kalendereffekt (in % des Bruttoinlandsprodukts)
0,1
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %
Jahresdurchschnittliche Rate des
5 Tariflöhne Bruttoinlandsprodukts (Stundenkonzept)
0,0
0,2
2,2
1,7
Effektivlöhne1
Lohndrift2
– 0,3
0,0
Arbeitnehmer2,2entgelt je2,5 Arbeits1,5 Arbeitnehmer- produktivität3
0,3
0,9
0,5
0,5
küche 0,0 + architektur | 9 0,4 Lohnstück-
0,5
kosten
(nominal)4
Lohnstück-
0,9kosten (real)5
ringert. Wenn der letztgenannte Effekt dominiert, würde sich die Wirkung einer Zinssenkung umdrehen. Daten + fakten
Dies gilt laut Brunnermeier und Koby (2019) insbesondere dann, wenn eine Niedrig- oder Negativzinsphase sehr lange anhält. Dagegen schlagen Rogoff (2017) sowie Lilley und Rogoff (2019) vor, regulatorische und institutionelle ANHANG Veränderungen vorzunehmen, sodass unbeschränkt negative Nominalzinsen Wachstumsbeiträge zum Bruttoinlandsprodukt nach Verwendungskomponenten1 rung vergleichsweise hoch. Die Bank of Eng TABELLE 10 möglich werden. Dies sei die eleganteste und stabilste Lösung, um die Effektiviland dürfte dennoch ihre abwartende Hal 1 Wachstumsbeiträge zum Bruttoinlandsprodukt nach Verwendungskomponenten tät der Geldpolitik sicherzustellen. So sei ein duales sinnvoll, tungWährungssystem 2020 beibehalten und den Leitzins bei Prozentpunkte 2016 2017 2018 2019 2020 und0,75 % belassen. das2014heißt2015 ein Wechselkurs zwischen Bargeld elektronischem Geld, um es Inländische Verwendung 1,6 1,5 2,8 2,2 2,0 1,2 1,4 Banken zu 1,6erleichtern, negative Nominalzinsen an die Kunden weiterzuKonsumausgaben 0,9 2,0 1,2 1,0 1,1 1,0 Prognose 0,7 0,7 würden 0,6 0,6 1,0 1,2 0,7 reichen. Stark negative Nominalzinsen helfen, die Dauer von Private Konsumausgaben Wirtschaftsspezialisten gehenRezessidavon aus, 0,4 0,4 Konsumausgaben des Staates 0,3 0,5 0,8 0,5 0,3 ons- und Deflationsphasen deutlich zu verkürzen und hätten damit weniger dass sich die Konjunktur 2020 fangen wird Bruttoanlageinvestitionen 0,6 0,4 0,8 0,5 0,7 0,6 0,4 und sich die weltwirtschaftliche Expansion, schädliche Nebeneffekte als eine lang anhaltende Niedrigzinspolitik (Agarwal 0,3 0,3 0,2 0,3 0,3 0,1 0,1 Ausrüstungsinvestitionen wenn auch verhalten, dynamisch fortsetzt. Bauinvestitionen – 0,1 0,4 0,1 0,3hat die 0,4 breite 0,2 Verfügbarkeit von Bargeld eine und0,2Kimball, 2019). Allerdings Die USA als auch China zeigen Einsicht. Mit Sonstige Anlagen 0,1 0,2 0,2 0,2 0,2 0,1 0,1 Reihe von– 0,4 Vorteilen, die0,5bei dieser Analyse unberücksichtigt (Wieland, der Entspannungbleiben im Handelsstreit und einer Vorratsveränderungen 0,1 0,1 0,3 – 0,6 – 0,0 geordneten Brexit-Lösung hellen sich die Per Außenbeitrag 0,6 0,2 – 0,6 0,3 – 0,4 – 0,7 – 0,5 2016). Kapitel 1 – Konjunktur: Deutliche Abkühlung
2
2
3
4
spektiven weltweit wieder auf. Die Fiskalpoli tik wird 2020 insgesamt leicht expansiv wir 62. Das lang anhaltende Niedrigzinsumfeld geht mit einem Anstieg von Vermö1,5 0,5 0,9 Bruttoinlandsprodukt (%) 2,2 1,7 2,2 2,5 ken und die geldpolitische Kehrtwende der genspreisen einher. Schätzungen deuten darauf großen hin, dass in zahlreichen Notenbanken im laufenden MitJahr wird 1 – Wachstumsbeiträge zum preisbereinigten BIP. Abweichungen in den Summen rundungsbedingt. 2 – Prognose des Sachverständigenrates. 3 – Einschließlich privater Organisationengliedstaaten ohne Erwerbszweck. 4 – Einschließlich militärischer Waffensysteme. des Euro-Raums die Preise für Wohnimmobilien überbewersich zunehmend positiv auf die Konjunktur Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen © Sachverständigenrat | 19-248 auswirken. Ein Szenario, das nach Meinung tet sein könnten. ABBILDUNG 12 LINKS Aufgrund signifikanter systemischer Risiken der Spezialisten der Helaba zu 70 Prozent ein in der mittleren Frist hat der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) treffen wird. TABELLE 11 Exporte
2,2
2,5
1,1
2,3
1,0
0,3
0,7
Importe
– 1,6
– 2,3
– 1,7
– 2,0
– 1,5
– 1,0
– 1,2
im September 2019 Empfehlungen an sechs und Warnungen an fünf Mitglied-
Entwicklung der Löhne in Deutschland
Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %
ABBILDUNG Tariflöhne 12
Arbeitnehmerentgelt je
Lohnstück-
Arbeits-
Lohnstück-
kosten (Stunden-der Effektivlöhne kostenWohnimmobilien Lohndrift Schätzungen der Über-/Unterbewertung von Preisen für und Risikoaufschläge für Schätzungen Über-/Unterbewertung von Preisen für Wohnimmobilien Arbeitnehmerproduktivität konzept) (real) (nominal) stunde Unternehmensanleihen im Euro-Raum und Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen im Euro-Raum 1
2
3
2015
2,1
2,7
0,5
2,5
0,8
1,8
2016
2,1
2,8
0,7
2,6
1,4
1,1
2017
2,5
2018
2,9
3,1
0,2
2,7
0,3
2,5
20196
2,7 %
3,0
0,3
3,2
0,0
3,3
2,3
2,3
0,0
2,3
0,2
2 2,1
20206
Schätzungen der Über-/Unterbewertung von 2,5 2,6 1,3 – 0,1 Preisen für Wohnimmobilien (2018Q4)¹
40
5
4
0,0 0,0
Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen²
1,2
0,1 1,0
000
1,2 Basispunkte 0,1
1 – Bruttolöhne 30 und -gehälter (Inlandskonzept) je Arbeitnehmerstunde. 2 – Differenz zwischen dem Anstieg der Effektivlöhne und demjenigen der 1 500 in Relation zum Tariflöhne in Prozentpunkten. 3 – Reales BIP je Erwerbstätigenstunde. 4 – Arbeitnehmerentgelt je geleisteter Arbeitnehmerstunde realen BIP je geleisteter Erwerbstätigenstunde. 5 – Arbeitnehmerentgelt je geleisteter Arbeitnehmerstunde in Relation zum BIP je geleisteter Erwerbstätigenstunde. 6 – Prognose des Sachverständigenrates. 20
1 000 © Sachverständigenrat | 19-252
Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen
10 500
0
0
-10 -20
EA
DE
FR
Spanne der Schätzungen
IT
NL
AT
Nachfragemodell
ES
-500
2001 AA
04
07 BBB
10
13
16
2019
High Yield
Nachfragemodell (Durchschnitt 2007) 74
Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2019/20
1 – EA-Euro-Raum, DE-Deutschland, FR-Frankreich, IT-Italien, NL-Niederlande, AT-Österreich, ES-Spanien. Die blauen Balken geben für jedes Land den Bereich der Schätzungen durch vier Bewertungsmethoden an. Zu den Bewertungsmethoden gehören das Preis-Miet-Verhältnis, das Preis-Einkommens-Verhältnis, ein Asset-Pricing-Ansatz und ein bayesianisch geschätztes invertiertes Nachfragemodell. Für Details zum Asset-Pricing-Ansatz siehe Finanzstabilitätsbericht der EZB Juni 2011, Box 3. Für Details zum bayesianisch geschätzten invertierten Nachfragemodell siehe Finanzstabilitätsbericht der EZB November 2015, Box 3. 2 – Renditedifferenzen von Unternehmensanleihen mit verschiedenen Ratings zu den 10-jährigen Staatsanleihen Deutschlands. Quellen: EZB, Refinitiv Datastream, eigene Berechnungen
38
Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2019/20 10 | küche + architektur
© Sachverständigenrat | 19-320
Daten + fakten
Neubauprognose 2020:
erwartete Neubautätigkeit bei Wohngebäuden bis Ende 2020
Eigenheimsegment wächst solide weiter
■ wird deutlich häufiger neu gebaut ■ wird häufiger neu gebaut ■ keine Veränderung ■ wird seltener neu gebaut
Bis zum Ende des Jahres 2020 dürfte sich im klassischen
■ wird deutlich seltener neu gebaut
Eigenheimsegment kaum etwas an der brummenden Baukonjunktur
■ keine Einschätzung
ändern – zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Neubauprognose von BauInfoConsult. Mit einem Fertigstellungsplus von über einem Prozent in 2020 bleibt der Ein- und Zweifamilienhausbau weiterhin konstant.
I
© BauInfoConsult, Jahresanalyse 2019
n der Neubauprognose des Düsseldorfer BauInfoConsult-Institutes deutet sich für das Einund Zweifamilienhausbausegment ein kontinuierliches Wachstum an. Mit insgesamt 94.740 fertiggestellten Ein- und Zweifamilienhäusern in 2019 sollten die Fertigstellungen in diesem Segment etwa 1,8 Prozent über dem 2018er Niveau liegen. In 2020 sollte der Aufwärtstrend mit einem Fertigstellungsplus von 1,5 Prozent in einer fast identischen Größenordnung anhalten. Im Geschosswohnungsbau zeichnet sich im Prognosezeitraum jedoch eine andere Ent wicklung ab. So sollten in 2019 insgesamt 14.800 Mehrfamilienbauten bezugsfertig ge baut werden – dies entspricht einem deutlichen Plus von 8,4 Prozent gegenüber 2018. Allerdings steht im Folgejahr (2020) mit lediglich 14.070 fertiggestellten Bauwerken ein merkliches Minus von 5,4 Prozent im Raum. Das relativ abrupte Absacken der Fertigstel lungen in 2020 liegt jedoch zum größten Teil an einer prognostizierten Genehmigungs schwäche für 2019. Regional betrachtet zeigt die Prognose, dass die Zahl der fertiggestellten Ein- und Zwei familienhäuser im Norden Deutschlands in 2020 mit einem deutlichen Plus über 10 Pro zent kräftig ansteigen wird, während die Fertigstellungsziffern im Osten eher stagnieren. Dagegen zeichnen sich für die südliche Region im Geschosswohnungsbau zwei unstete Jahre ab: Zuerst ein deutlicher Fertigstellungsanstieg in 2019 und danach eine relativ klare Schrumpfung ab 2020. Im Westen der Republik deutet sich im Mehrfamilienhausbau die gleiche Entwicklung an wie im Süden.
Prognose der Fertigstellungen von neuen Nichtwohngebäuden 2019-2020 und Tendenz 2021 ■
Büro- und Verwaltungsgebäude
■
Fabrik- und Werkstattgebäude
■
Hotels und Gaststätten
3.000
© BauInfoConsult, Jahresanalyse 2019/2020
2.500 2.000 1.500 1.000 500 0 2018*
2019**
2020**
2021**
küche + architektur | 11
* Fertigstellungen laut Statistischem Bundesamt, Juni 2019 ** BauInfoConsult Prognose (Stand Juli 2019)
3.500
Architektur + Trend | Küchen
So sieht es aus, das Zuhause der Deutschen: Stadt
So möchte Deutschland wohnen:
4,3 Zimmer
Ort
Zimmer
101,6 qm Wohnfläche
Mehr als 30 Jahre alt Alter des Hauses
My home is my Castle Ganz oben auf der Wunschliste der Deutschen: Das Eigenheim
63 %
41 %
Freistehendes Einfamilienhaus
Zeitlos elegant
Nach Hause kommen, den Schlüssel ins Schloss stecken und wissen: Das ist meins. Zwei Drittel aller Mieter wären gerne im Besitz eines Eigen heims, lautet das Ergebnis der Wohntraumstudie 2019 der Interhyp AG. Befragt wurden bundesweit 2.600 Menschen.
Wo soll das Traumhaus stehen? Die Lage ist neben Einkaufsmöglichkeiten und Behaglichkeit eines der Topkriterien. Aber was ist für die Menschen in Deutschland wirklich Bestlage?
83 %
Gute Anbindung
71 %
Nähe zum Wasser
12 | küche + architektur
68 %
Kurze Fahrzeiten zum Arbeitsplatz
33 %
Nähe zum Spielplatz
Urban
Ländlich
Aktuell Wunsch
Stadt oder Land – dort wohnen die Deutschen
Wunsch Aktuell
Im Moment leben die meisten Menschen in großen, mittleren oder kleinen Städten. Aber der Wunsch ist ein Leben im Grünen.
66 % 51 %
I
m Durchschnitt leben die Deutschen auf 101,6 Quadratmetern Flä che. Sie haben 4,3 Zimmer und ihr Zuhause ist zwischen 20 und 100 Jahre alt. 96 Prozent der Befragten leben in Bestandsbauten und nur vier Prozent leben in einem Neubau, stellt die Interhyp-Wohntraum studie 2019 fest. Die meisten der an der Umfrage partizipierenden Bundesbürger, 35 Prozent, leben in einer kleineren oder mittleren Stadt, 35 Prozent in einer Großstadt und 21 Prozent in einem ländlichen Gebiet. Dabei verfügen 57 Prozent über eine Terrasse, 49 Prozent über einen Garten und 46 Prozent haben eine Garage. Der Umfrage zur Folge besitzen nur 44 Prozent der Befragten eine Einbauküche und auf einen Keller zurückgreifen können gerade einmal 32 Prozent. Zwei Drittel aller Mieter in Deutschland träumen vom Kauf einer Im mobilie. Jeder zehnte Mieter gab in der Studie an, möglichst bald ein Objekt kaufen zu wollen. Für 83 Prozent ist der Kauf einer Immobilie eine Entscheidung für das gesamte Leben. Nur 45 Prozent stimmen der Aussage zu, mit dem Kauf ebenso flexibel zu sein wie mit einer Mietwohnung. Gefragt: das freistehende Einfamilienhaus Könnten alle an der Befragung teilnehmenden ihre ganz individuelle Traumimmobilie frei auswählen, dann wäre, so die Marktanalyse noch immer das freistehende Einfamilienhaus mit Garten, moderner Einbauküche und Gäste-WC der Wunsch vieler Menschen. Abgesehen von dem baulich guten Zustand der Immobilie und den über schaubaren Wohnkosten soll das Traumhaus im Grünen liegen, über eine gute Infrastruktur mit diversen Einkaufsmöglichkeiten verfügen.
Wie soll die Traumimmobilie wie soll die Traumimmobilie ausgestattet sein? ausgestattet sein?
Bestlage, genügend Zimmer, Bestlage, genügend Zimmer, Küche, Bad – Küche, Bad – aber was noch? aber was noch? Ein Traumhaus ohne die Ein ist Traumhaus richtigen Extras undenkbar. ohne die richtigen Extras ist undenkbar.
Einbauküche
44 %
Mehr Raum und mehr Komfort Bezüglich der Ausstattung wünschen sich die Menschen nicht nur mehr Platz – zwischen der favorisierten Wohnfläche und der tatsächlichen liegen derzeit 25 bis 30 Quadratmeter – sondern insgesamt ein höheres Niveau. Allen voran die moderne Einbauküche, gefolgt von Solaranlagen und Smarthome-Systemen. Bei all diesen Punkten wird der Unterschied zwischen den befragten Mietern und Eigentümern sichtbar. Die Besitzer einer Immobilie sind grundsätzlich zufriedener mit ihrer Wohnsituation. Ein Stück Freiheit Währenddessen träumen viele Menschen vom Erwerb der eigenen vier Wände. Keine Miete mehr zahlen müssen und die Immobilie nach den eigenen Vorstellungen gestalten können, zeigen sich in den Aussagen der Befragen, abgesehen von der Wertanlage und dem Ge fühl der S icherheit bis ins Alter, als die häufigsten Gründe für ein eige https://wohntraumstudie.interhyp.de nes Zuhause.
Garten
Garage
Wunsch Aktuell
75 %
49 %
Kleinstädte gefragter als Metropolen Das Leben auf dem Land scheint für viele, 24%, noch immer ein Ideal zu sein. Die idyllische Lage, ein Ort der Entschleunigung. Diese Lage vereint das Beste aus zwei Welten. Käufer bekommen für den glei chen Preis häufig noch größere Immobilien. Zum Teil sind diese sogar besser ausgestattet. Dennoch bleibt die ländliche Umgebung oft ein Traum und man entscheidet sich doch für das Leben in der Stadt. Bevorzugt wird dann allerdings nicht die Großstadt, sondern mittlere und kleinere Städte (32%). Nur 19 Prozent der Befragten würden gern in der Großstadt leben.
Wunsch Aktuell
34 %
49 %
Wunsch Aktuell
73 %
Gäste-WC
46 %
Wunsch Aktuell
71 %
39 %
69 %
küche + architektur | 13
Architektur + Trend
Architekten über den modernen Privathausbau Ein flexibler Baukörper, lichtdurchflutete Räume mit großen Glasflächen, Minimalismus, Aufgeräumtheit und Geradlinigkeit prägen das Bild moderner Architektur. Ein smartes Zuhause sollte bereits State of the Art sein. Megatrends wie Urbanisierung, soziodemographischer Wandel und E-Mobilität bringen sich langsam in das Bauwesen ein und schlagen sich sukzessive in Form von generationsübergreifenden Planungen nieder. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz beeinflussen Materialität, das Verbauen von Baustoffen und architektonische Planung. Lesen Sie die Interviews mit Stephan Fabi, Architekt BDA, Dipl.-Ing.(FH), Regensburg, und Dipl.-Ing. Arch. Jochen Reetz, Köln. Als anerkannte Architekten ihrer Regionen und überzeugte Repräsentanten ihres Berufszweigs schildern sie uns ihre Erfahrungen im Privatbau.
14 | küche + architektur
Architektur + Trend
Herr Reetz, beobachtet man Ihr Tun, stellt man bald fest, dass Ihre Projekte grundsätzlich sehr individuell auf Ihre Klientel zugeschnitten sind. Gibt es Ihrer Erfahrung nach dennoch Wünsche ihrer Bauherren zu erkennen, die sich wiederholen? Als eine Gemeinsamkeit erscheint mir der Wunsch nach Minimalismus, Aufgeräumtheit und Geradlinigkeit erkennbar: Der Wunsch nach viel Nichts und wenig Was. Dazu gehört die Be reitschaft sich von Dingen und Gegenständen zu trennen, um ein großzügigeres Wohngefühl zu erleben. Dekoelemente und Nippes weichen klaren und funktionalen Möbelensembles und flexiblen Freiräumen. Warme Strenge – das ist kein Widerspruch, sondern zeigt sich in einer klaren Struktur über raumhohe Einbaumöbel, homogene Wand- und Bodenflächen einerseits, die Wärme entsteht über haptische Materialien und kontrastierende Maserung andererseits. Das Material bestimmt die Farbigkeit. Funktion steht im Vordergrund. Dinge dürfen patinie ren und als Nutzobjekt erkennbar sein. Ihre Leistungen gehen oft über die eines klassischen Architekten hinaus. Sie setzen sich gleichermaßen mit der Innenarchitektur auseinander, planen Küchen und Bäder; Sie arbeiten selbst an der Entwicklung neuer Materialien. Was treibt Sie dazu an? Entwicklung neuer Materialien ist zu hoch gegriffen. Oft kann ein Standardmaterial den glei chen Zweck erfüllen, wie sein trendiger Gegenpart. Über z. B. Details, Oberflächenbehandlun gen oder ungewöhnliche Materialkombination lassen sich vermeintlich einfache Materialien modifizieren und vermitteln über ihre Funktion hinaus einen besonderen Charakter oder eine Einzigartigkeit. Oftmals lassen Budgets keine andere Alternative zu. Bei Neubauten und Sanierungen steht auch Generationen übergreifendes und nachhaltiges Bauen im Fokus. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück und wie stellen Sie sich diesem Thema? Architektur ist ein Spiegelbild sozio-kultureller Strömungen. Als Planer sehe ich mich in der Pflicht, im Rahmen meiner Dienstleistungen momentane gesellschaftliche / ökologische Prob leme wie Klimaschutz, Überalterung, Kita-Mangel, Rentenängste, … in Form von neuen Typo logien und Maßnahmen entgegenzuwirken. Nachhaltiges Bauen bedeutet in diesem Fall neben einer materiellen und regenerativen Komponente auch die strategische Weiterverwendung und Flexibilität des Baukörpers.
Dipl.-Ing. Arch. Jochen Reetz 2018 – Mitglied Art Directors Club für Deutschland (ADC) e.V. 2011 – diiip Architektur 2011 – Mitglied Architektenkammer NRW 2009 bis 2012 – Lehrauftrag Bergische Universität Wuppertal, Prof. Susanne Gross, Grundlage des Entwerfens/Gebäudekunde 2007 bis 2011 – KOMMA4 Architekten in Köln mit Patrick Pütz 2000 bis 2006 – Studium der Architektur (Dipl.-Ing. Arch.) an der Bauhaus Universität Weimar 1998 bis 2000 – Gesellenjahre im Ausland 1995 bis 1998 – Zimmermannslehre in Konstanz 1974 – geb. in Mönchengladbach
Ein weiteres Thema ist die Energie-Effizienz. Hier geht es nicht nur um eingesetzte Materialien, sondern ebenso um Haustechnik und Smart Home-Anbindungen. Wie sind Ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet und wie sehen Sie die Entwicklung? Im Zuge der allgegenwärtigen digitalen Entwicklung und ihrer rasanten Geschwindigkeit fällt es Bauherren oftmals schwer, sich für eine Technologie zu entscheiden, die ggfs. in einigen Jah ren bereits veraltet sein wird. Viele Bauherren hadern nach wie vor mit Sicherheitsbedenken, Kosten und Mehrwert. Der Planer ist im jeweiligen Entscheidungsprozess mitverantwortlich, den Kunden im Rahmen der Gegebenheiten (z. B. Budget, Objektgröße, technisches Verständ nis, Bestandsituation, etc.) zu einer individuellen Lösung zu führen. www.diiip.net
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Fotos: diiip Architekten / © Annika Feuss
„Der Wunsch nach viel Nichts und wenig Was“
Fotos: diiip Architekten / © Annika Feuss
Architektur + Trend
„Raumhohe Einbaumöbel, homogene Wand- und Bodenflächen einerseits, haptische Materialien und kontrastierende Maserung andererseits. Dekoelemente und Nippes weichen klaren und funktionalen Möbelensembles und flexiblen Freiräumen.“
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Dipl.-Ing. Arch. Jochen Reetz
Architektur + Trend
Herr Fabi, Sie sind Architekt aus Leidenschaft. Für Ihre Privat- und Geschäftskunden erarbeiten Sie ganzheitliche individuelle architektonische und innenarchitektonische Einrichtungskonzepte. Ihre Projekte zeigen sich sehr heterogen, lassen sich dennoch Trends erkennen, die von Bauherren präferiert werden? Wir planen für jedes Projekt völlig individuell und ermitteln zu allererst die Bedürfnisse des Bauherren. Aus dieser Bedarfsermittlung kreieren wir dann die Gesamtkonzeption. Somit gibt es bei uns keine gleichen Konzepte. Dennoch lassen sich im Großen teilweise Einzeltrends erkennen, die sich wellenartig abwechseln. Wir versuchen jedoch möglichst keinem Trend direkt zu folgen, sondern wie eingangs gesagt, die individuelle Lösung vorne an zu stellen. Spielt das Thema generationsübergreifende Planung und Bauweise bei Ihren Kunden heute bereits eine Rolle? Viele Bauherren, auch in jungen Jahren, denken sehr weit voraus, was die Nutzung des Ei genheims angeht. Wie beispielsweise Barrierefreiheit oder sonstige Veränderungen. Es gibt allerdings auch weitgreifende Überlegungen, wie Wohnmöglichkeiten für spätere Pflegekräfte oder ähnliches. Aus unserer Sicht muss ein Gebäude so flexibel sein, dass es den verschiede nen Lebensumständen angepasst werden kann. Es muss dem Bauherren aber auch bewusst gemacht werden, dass nicht jede Eventualität berücksichtigt werden kann. Wie gelingt es Ihnen, aktuelle Trends in puncto Planung, Einsatz von Werkstoffen, Farbstellungen und energieeffizienten Ausstattungen mit den Wünschen Ihrer Klienten zu vereinbaren? Und inwiefern ist das Thema Nachhaltigkeit heute im Bewusstsein der Bauherren verankert? Wir erstellen umfangreiche Moodboards. Anfänglich werden die se digital vorgestellt und im weiteren Planungsverlauf benut zen wir Musterflächen und können so den Bauherren sehr plastisch die einzelnen Teilbereiche des Konzepts veran schaulichen.
Stephan Fabi, Architekt BDA, Dipl.-Ing.(FH) 2018 – BDA Regionalpreis NiederbayernOberpfalz 2015 – Berufung in den temporären Gestaltungs beirat der Bayerischen Architektenkammer 2013 – Architekturpreis der Stadt Regensburg Seit 2011 – Büro-Kooperation mit Studio Carlo Berarducci, Rom 2010–2012 – ehrenamtlicher Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft NaBau 2009 – Wahl zum Beirat des Architekturkreises Regensburg 2008-2010 – Lehrbeauftragter der Hochschule Regensburg FB Architektur Seit 2008 – Mitglied FC Bayern München Seit 2002 – berufen im BDA (Bund Deutscher Architekten) Seit 1996 – freiberuflich als Architekt tätig. Vorträge, Fachpreisrichter an versch. Wettbewerben, diverse Veröffentlichungen und Privatdozent für Entwurf, Baukonstruktion und Baurecht 1992/93 – Diplom an der FH Regensburg, Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros in München und Regensburg, z.B. Bei A2 LehnerRobold. Geb. 18.08.1968
küche + architektur | 17
Fotos: fabi architekten / © Herbert Stolz
„Dennoch lassen sich Einzeltrends erkennen, die sich wellenartig abwechseln.“
Foto: fabi architekten / © Herbert Stolz
Architektur + Trend
„Aus unserer Sicht ist es essenziell, Räume vor allem lichtdurchflutet
Für viele Bauherren beschränkt sich das technisiert ist. Im Vergleich zu Gebäuden, zu gestalten. Also beispielsweise Thema Nachhaltigkeit auf Energieeffizi die ein viertel Jahrhundert älter sind, stel enz. Das ist aus unserer Sicht allerdings zu len diese heute schon beinahe Hightechdurch große Glasflächen, welche kurz gedacht. Nachhaltigkeit ist allerdings Maschinen dar. möglichst vom Boden zur Decke der gesamte Prozess. Dieser erstreckt sich Bei der Ausstattung ist es auch wieder eine von der Planung, dem Einsatz der Baustoffe ganz individuelle Frage. Je nachdem welche gespannt sein sollten. Wir konstru über das Verbauen von Baustoffen, welche Features für den einzelnen Bauherren die ieren unsere Häuser so, um die ökologisch einwandfrei sind. Zudem gehö Wichtigkeit haben. Aus unserer Sicht ist es ren aber auch die Baustoffe dazu, welche essenziell, Räume vor allem lichtdurchflu Grenze zwischen innen und außen einen kurzen Transportweg haben sollen, tet zu gestalten. Also beispielsweise durch optisch aufzuheben.“ um somit möglichst viel Energie einzuspa große Glasflächen, welche möglichst vom Stephan Fabi, Architekt BDA, Dipl.-Ing.(FH) ren. Wie der Baustoff später recycelt wer Boden zur Decke gespannt sein sollten. den kann, ist für uns hierbei ebenfalls ein Wir konstruieren unsere Häuser so, um die wichtiger Punkt. Um dies optimal umzusetzen, versuchen wir uns mit Grenze zwischen innen und außen optisch aufzuheben. Ganz wichtig dem Bauherren abzustimmen und ihm unsere Denkweise zu vermit ist dabei allerdings auch, den Sicht- und Sonnenschutz zu berücksich teln. tigen, damit der Komfort und die Privatsphäre gewährleistet sind. Megatrends wie Urbanisierung, soziodemographischer Wandel, E-Mobilität prägen heute die Gesellschaft. Wie beeinflussen sie, Ihrer Erfahrung nach, die Architektur? Die großen Megatrends wie Urbanisierung, soziodemographischer Wandel und E-Mobilität bringen sich langsam auch in das träge Bau wesen ein und beeinflussen mehr und mehr die städtebaulichen Kon zepte. Sie werden sich jedoch ziemlich sicher in naher Zukunft auch in Einzelbauvorhaben manifestieren. Die E-Mobilität sehen wir als sehr wichtigen Aspekt, welcher im Gegensatz zum Ausland aber leider in Deutschland noch sehr stiefmütterlich behandelt wird. Welche Eigenschaften zeichnen das moderne Eigenheim aus und auf welche Ausstattungs-Features sollte ein Bauherr in keinem Fall verzichten? Das moderne Eigenheim ist mittlerweile ein sehr perfekt geplanter und organisierter Organismus welcher im puncto Haustechnik hoch 18 | küche + architektur
Wie stehen Sie als Architekt zum Thema Smart Home? Das Smart Home sollte heute eigentlich Standard der Technik sein. Hier muss allerdings auch wieder individuell unterschieden werden, denn nicht alles ist für jeden Bauherren von gleicher Priorität. Ein strukturelles Vernetzen der Gebäudetechnik ist mittlerweile unerläss lich. Ob zusätzlich jede Spielerei, wie beispielsweise die Vernetzung von Küchengeräten, wirklich sein muss, kann nur der einzelne Nutzer entscheiden. Wenn Sie sich einen Blick in die Glaskugel erlauben, wird es dann, Ihrer Meinung nach, einen Baustil der Zukunft geben? Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft zwei extrem unterschiedliche Stilrichtungen geben wird. Zum einen die vorgefertigten, normierten Bausteine, welche weltweit absolut gleich erstellt werden. Dazu als Gegentrend, die sehr individualisierte Sonderanfertigung. Der Mittelweg wird www.fabi-architekten.de mittelfristig aus meiner Sicht verloren gehen.
Umfrage Küchen | Branchenspiegel
Küchenmöbelindustrie verhalten optimistisch In Anbetracht eines absehbar stagnierenden Inlandsmarktes und volatiler Auslandsmärkte erwartet die Küchenmöbelindustrie für das Jahr 2020 keine signifikanten Umsatzsteigerungen. Durch den zu gewärtigenden Ausbau der Produktionskapazitäten rechnet man mit deutlichen Verschiebungen in einigen Preissegmenten sowie mit einem starken Verdrängungswettbewerb. Trotz alledem sehen sich die Unternehmen durch getätigte und geplante sinnvolle Investitionen in Produktion und Logistik, eine nachvollziehbare Preislogik und eine ausgewogene Sortimentspolitik für die Zukunft gerüstet. Megatrends wie Mobilität, Individualisierung, Urbanisierung sowie das damit verbundene Verschmelzen von Räumen kann bereits heute erfolgreich Rechnung getragen werden.
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Wie beurteilen Sie das abgeschlossene Jahr 2019 für Ihr Unternehmen? ie lautet Ihre Prognose für die Entwicklung Ihres Unternehmens und W der Branche für das kommende Jahr? ie Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose für 2020 deutlich D gesenkt. Grund ist vor allem der schwächere Welthandel. Wie schätzen Sie das Exportgeschäft für Ihr Unternehmen ein? er Anspruch nach individuellen Einrichtungslösungen wächst über die D Grenzen hinaus. Wie bewältigen Sie die damit verbundene Komplexität Ihres Produktportfolios? AL, NCS, Sikkens, steht dieses Leistungsspektrum der Industrie R anbieter nicht im Widerspruch zum Endverbraucherverhalten, demzufolge nach wie vor über 80 Prozent aller verkauften Küchen weiß sind? elche Design-Trends werden sich Ihres Erachtens im nächsten Jahr W stärker durchsetzen? ie lautet Ihre Antwort auf die Mega-Trends Individualisierung, W Urbanisierung und die damit verbundenen Themen Verschmelzen von Räumen und Mobilität?
küche + architektur | 19
Branchenspiegel | Umfrage Küchen
Dr. Lars M. Bopf,
Dr. Oliver Streit,
Nobilia-Geschäfts
Nobilia-Geschäfts
führer (Vors.)
führer
Nobilia – die modulare Antwort auf wachsende Komplexität 1. Wir sind mit dem gesamten Geschäftsverlauf des Jahres 2019 zufrieden. Interessanterweise hatten wir zwei unterschiedliche Halbjahre. Im ersten Halbjahr hatte sich das Inland etwas besser entwickelt. Im zweiten Halbjahr konnte der Export, der im ersten etwas geschwächelt hatte, deutlich aufholen. Insgesamt schauen wir zufrieden auf die Gesamtentwicklung zurück und sind uns si cher, oberhalb des Durchschnittsmarktes abge schlossen zu haben. 2. Für das Jahr 2020 sind wir nach wie vor verhalten optimistisch. Natürlich wird der Brexit bei den Expor ten in den UK-Bereich seine Folgen zeigen. Anderer seits wird Europa nach wie vor von einer Niedrigzins politik bestimmt, so dass die Investitionen in Heim und Haus weiter lukrativ sind und wir nach wie vor von einer stabilen Nachfrage nach Wohnmöbeln und Elektrogeräten ausgehen können. 3. Wir sehen uns für das nächste Jahr auch im Export gut aufgestellt. Sofern die USA und China alsbald ihre Auseinandersetzungen beenden, wird dieses positi ve Auswirkungen auf den Welthandel haben. Derzeit scheint es so, als wären erste Anzeichen für ein Ab klingen der Auseinandersetzungen zu erkennen. In der Tat ist es so, dass gerade ein Exportweltmeister wie Deutschland im Bereich Maschinenbau und Au tomobilproduktion/Zulieferer bereits deutliche Ein bußen hat hinnehmen müssen. Davon ist aber der Möbelbereich zunächst nicht betroffen. Langfristig können natürlich die Probleme in typisch deutschen Leitindustrien auch zu einer schlechten Stimmung der Inlandsnachfrage führen, was dann selbstver ständlich auch die Binnennachfrage beeinflussen würde. 4. Durch die zunehmende Automatisierung sowie durch weitere intelligente Lösungen von der Auf tragserfassung über die Fertigung bis hin zur Logistik – und damit über die gesamte Prozesskette – können wir die Komplexität unseres Produktportfolios gut bewältigen. Die automatisierte Maßanfertigung indi vidueller Einrichtungslösungen ist für uns weiterhin ein wichtiger Baustein für unsere zukünftige Entwick lung. 20 | küche + architektur
Unser Küchenmöbel ist ein modulares System. Was wir in den letzten beiden Hausausstellungen bewie sen haben, ist, dass man aus diesem modularen Sys tem von ursprünglichen Küchenmöbeln jede Menge weiterer interessanter Wohnlösungen bauen kann. Mit unserem System lassen sich mühelos Küchen bestücken, gleichzeitig aber auch Wohnthemen oder Bäder abbilden. Das trägt dazu bei, den Anspruch nach individuellen Eigenlösungen zu erfüllen, da un ser System planbar und konstruierbar ist. Wir bauen knapp über 800 000 Küchen pro Jahr. Davon gleicht keine der anderen, jede ist unterschied lich und nicht vergleichbar. Das liegt daran, dass wir das mit einem entsprechenden Bausatz können. Und dieses Bausatzsystem ist auch wieder entspre chend attraktiv für Menschen, die über Bad, Garde robe, Hauswirtschaftraum oder Wohnmöbel nach denken. Das zeigt, dass wir Komplexität durchaus handeln können, auch dann, wenn diese Jahr für Jahr wächst. Das hält uns an, uns kontinuierlich gedanklich mit diesem Thema auseinander zu setzen. 5. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass 20 Prozent der verkauften Küchen nicht weiß sind. Ob man dafür das gesamte Farbspektrum der genannten Farbsysteme benötigt, kann man sicher in Frage stellen. Die Entwicklung entspricht zumindest im Wesentlichen dem Zeitgeist und dem Wunsch des Endkunden nach weitreichenden Individualisierungs möglichkeiten des Produktes. Ob Handel und End kunde in der Lage sind, die damit einhergehende Pla nungskomplexität zu bewältigen, kann man allerdings zu Recht bezweifeln. Die technischen Möglichkeiten entsprechen nicht unbedingt dem Endverbraucher-Wunsch. D. h. eine Küche kann rosa lackiert werden, es kann sogar ein entsprechender Rosa-Ton individuell ausgesucht werden. Aber wie viele Leute wollen das am Ende des Tages? Zumal karierte Maiglöckchen auch immer mit einem saftigen Aufpreis verbunden sind. Dabei muss sich jeder die Frage stellen, wie viel Geld einem diese Extravaganz am Ende des Tages wert ist. Letztendlich gibt es grundsätzlich noch immer ein Massenprodukt,
Umfrage Küchen | Branchenspiegel
das zwar sicher nicht mehr so massentauglich ist, wie das der 70er Jahre, aber es gilt nach wie vor die Zu sammennahme von sinnvollen Produktionsmengen und -slots. Das ist bei der Küche wieder etwas Besonderes: Ich kann 1000-mal den gleichen Schrank produzieren und habe daraus einen Mengenvorteil. Was die Küche so interessant macht, weil sie eben ein so konstruktions fähiges Produkt ist, ist, dass der gleiche Schrank so wohl in eine „fünfeckige“ Küche eingeplant wird oder auch in eine Zeile. 6. Einhergehend mit dem Verschmelzen mit dem Wohnraum wird die Küche künftig etwas dunkler und etwas matter werden. Wir gehen davon aus, dass sich auch im kommenden Jahr viele dunkle Oberflächen und vermehrt Produkte mit Anti-Fingerprint-Be schichtung stärker durchsetzen werden. Grifflose Kü chen, grifflose Optiken und Griffleisten geben in der Gestaltung weiterhin den Ton an. Dekore in Stein-,
Beton- oder Keramikoptik sind weit verbreitet. Holz dekore werden primär als Akzent eingesetzt. 7. Kurz gesagt „more than kitchen“. Unser weit ge fasster Produkt- und Planungsansatz mit Lösungen, die über die Küche hinaus auch die weiteren Wohnbe reiche wie das Badezimmer, das Ess- oder Wohnzim mer bis hin zur Garderobe und den Hauswirtschafts raum mit erschließen, bietet aus unserer Sicht hier eine gute Antwort. Während der diesjährigen Hausmesse konnten sich unsere Kunden auf der Sonderfläche „Tiny houses“ davon überzeugen, dass unser umfangreicher Bau kasten mit pfiffigen Lösungen und der durchgängigen XL-Höhe beste Stauraumlösungen auch für kleine Räume bietet. Unser sehr leistungsfähiges Produkt ist so in verschiedenen Kontexten einsetzbar, dass es dem, der mit diesem Produkt planen und konstruie ren kann, unglaubliche Möglichkeiten bietet. www.nobilia.de
Schüller – Weichen auf Wachstum gestellt 1. Nach einem starken Vorjahr waren wir 2019 auf grund unseres variantenreichen Produktportfolios in allen für uns relevanten Absatzkanälen ebenfalls auf Wachstumskurs. 2. Das Jahr 2020 wird für Schüller bedeutende Neue rungen mit sich bringen: Getreu dem Motto „Maßstä be setzen – Innovationsvorsprung nutzen“ wird derzeit die Produktionserweiterung am Standort Herrieden Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt ‒ erste Pro duktionsmöglichkeiten in den neuen Hallen werden sich im Herbst 2021 ergeben. Auch in Sachen Produkt steht uns ein spannendes Jahr bevor: Die Präsenta tion der Neuheiten von next125 auf der EuroCucina in Mailand im April. Und was das neue Jahr für die Branche bringt? Vermutlich eine weitere Konzentrati on und neue Herausforderungen – von der Nachhal tigkeit bis hin zum Thema Digitalisierung. 3. Wir sind ein deutscher Hersteller, der am Stand ort Herrieden seit zwei Generationen fest verankert ist, und sich die Treue zu „Made in Germany“ auf die Fahnen geschrieben hat – dem deutschen Markt gilt daher nach wie vor unser zentraler Fokus. Im Bereich Export konzentrieren wir uns auf die Absatzmärkte des umgrenzenden Auslandes, aber auch den Bereich Osteuropa, den Nahen Osten und Asien – diese Märk te möchten wir im neuen Jahr weiter „bearbeiten“ und neue Absatzmöglichkeiten erschließen. 4. Wir bauen Küchen für Persönlichkeiten und für unter schiedliche wohnliche Gegebenheiten – die Komplexi tät des Produktspektrums liegt in der Natur der Sache. Die hohe Technisierung unserer 100% Barcode ge steuerten Fertigung, „schlanke“ Abläufe und qualifizier
te Mitarbeiter, die an einem Strang ziehen, sorgen da für, dass die Prozesse wie Zahnräder ineinandergreifen. 5. Weiße Küchen sind nach wie vor ein Klassiker, nichtsdestotrotz stellen wir fest, dass, als Folge der zunehmenden Verschmelzung von Küche und Woh nen, sowohl dunkle als auch farbige Küchen an Be liebtheit gewinnen. Die Tendenz zu farbigeren Küchen vollzieht sich selbstverständlich nicht von heute auf morgen. Wie so oft der Fall bei Umdenkprozessen, ist der Übergang fließend. Bei Schüller widmen wir uns dem Thema Farbe mit unserem breiten Angebot hochwertiger, umweltfreundlich produzierter Lacke und unserer ständig wachsenden Farbpalette des Co lour Concepts. 6. Das Thema Wohnlichkeit begleitet uns schon seit einiger Zeit und wird uns sicherlich auch im nächs ten Jahr beschäftigen – ergänzend werden vermutlich die Themen Smart Kitchen und Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung gewinnen. 7. Die aktuellen Mega-Trends bringen neue Heraus forderungen mit sich – durch die wachsende Verstäd terung und die Knappheit bezahlbaren Wohnraums sind zum Beispiel kleine Küchen ein wichtiges Thema. Hierbei ist es uns ein wichtiges Anliegen, zu beweisen, dass auch auf kleiner Grundfläche keine Wünsche in Hinblick auf Individualität und Wertigkeit offenblei ben. Die zunehmende Verschmelzung von Küche und Wohnbereich verlangt nach flexiblen, multifunktiona len Möbeln für den Übergangsbereich, zum Beispiel Sideboards oder Regalen, die die Küche als übergrei fenden Lebensraum neu definieren. www.schueller.de · www.next125.com
Markus Schüller, geschäftsführender Gesellschafter Schüller Möbelwerke
küche + architektur | 21