Ausgabe 6/2021 · 9. Jahrgang · www.kuecheundarchitektur.de
Das Magazin für professionelles Einrichten
Branchenspiegel 2022 „Who is who“
Bosch und Leicht – zwei Marken mit Profil · Wie zwei süddeutsche Unternehmen die Küche von heute prägen Die postpandemischen Züge der Weltwirtschaft · Zuversicht trotz vieler Fragezeichen Küchenfachhandel bleibt gefragt · Verbraucher vertrauen auf die Kompetenz von Spezialisten
WILLKOMMEN BEI DEN PROFIS
KOPF & HERZ. EIN GLÜCKSFALL, WENN BEIDE JA! SAGEN.
Henner Riesenbeck, Geschäftsführer von Riesenbeck Der Küchenkotten aus Westbevern
Für Henner Riesenbeck, seit 21 Jahren Geschäftsführer von Riesenbeck - Der Küchenkotten aus Westbevern, sind Küchen nicht einfach nur eine Ansammlung von Schränken und Elektrogeräten, sondern Räume zum Leben. Es geht um die perfekte Kombination aus Funktionalität und Wohlfühlatmosphäre. Beides miteinander zu vereinen ist die hohe Kunst der Küchenplanung, die Henner Riesenbeck und sein Team perfekt beherrschen. „Beste Konditionen und Leistungen, aber auch menschliche Werte und echte Sympathie - das waren für mich die Gründe, Gesellschafter beim Verband der Küchenring zu werden. Bei denen finde ich beides.“ Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen und sagen einfach nur „Danke, lieber Henner Riesenbeck!“ Wenn Sie mehr über den Verband und unsere Leistungsstärke erfahren möchten, wenden Sie sich an unseren Geschäftsführer Herrn Jürgen Feldmann unter der Telefonnummer +49 22 26 – 90 40.
www.kuechenring.de www.kuechenkotten.de
EDITORIAL
Auch Weihnachten lebt von der Vielfalt „Vielfalt, nicht Uniformität, ist Stärke.“ (Willy Brandt)
S
eit dem Nikolaustag nimmt die Flut der Wunschzettel täglich zu. Santa Claus und seine Auftragserfassungs-Elfen haben alle Hände voll zu tun. Eigentlich wie jedes Jahr um diese Zeit, und doch ist alles anders. Die gängigen Wünsche zu erfüllen, das machten er und seine Crew mit links. Sonderwünsche allerdings … sein Beschaffungs management weiß nicht, wo ihm der Kopf steht. Lieferengpässe beim Weihnachtsmann? Unvorstellbar! Seine Klientel erwartet prompte Lieferung, just-in-time, absolut vollständig und reklamationsfrei. Einmal enttäuscht und das Vertrauen in den Weihnachtsmann und die Macht der Wünsche sind unwiederbringlich passé. Der Materialeingang jedoch erfolgt in diesem Jahr seit Wochen, wenn überhaupt, dann verzögert. Einige Elfen in der Fertigung sind bereits in Kurzarbeit geschickt und das in der Hochsaison. Da ist guter Rat teuer. „Bestechung der Lieferanten oder Recycling?“, verzweifelt rauft er seinen Bart. An der Liquidität würde es nicht scheitern. Bei der NordpolBank liegt für Notfälle genug Kapital auf Eis. Muss er sich wirklich auf das Niveau seiner Vorlieferanten herablassen, um die, die immer noch an ihn glauben, nicht zu enttäuschen? Und das gerade in diesen schwierigen Zeiten. Schließlich liegt es an der weltweit herrschenden Pandemie, dass die eigenen vier Wände für die Menschen nicht nur als Homeoffice so
wichtig geworden sind: Vielmehr wachsen Familien zusammen, man beschäftigt sich mit einander bei Gesellschaftsspielen, beim Basteln oder beim Kochen und Genießen. Das Zuhause als Ort der Geborgenheit hat gewonnen. „Schade“, sinniert er, „schade, dass erst so eine Katastrophe zeigt, wie sehr alle auf einander angewiesen sind und was Zusammenhalt bedeuten kann.“ Von Zusammenhalt zwischen ihm und den Vorlieferanten kann jedoch nicht die Rede sein. Die profitieren eher noch von der Notsituation des Weihnachtsmanns. „Ich werde wohl in den sauren Apfel beißen müssen und auf die Preisforderungen eingehen“, seufzt er frustriert. „Aber“, murmelt er in seinen Bart, „es wird eine andere Zeit kommen und dann werden wir sehen … Oligopole hin oder her …! Nichts währt ewig, aber ich! Denn“, träumt er, „irgendwann gibt es nachhaltigere Materialien, angeboten von weiteren regionalen und globalen Herstellern. Damit erhöht sich die Vielfalt und auch die Abhängigkeit relativiert sich. Heute mache ich das Kapital noch mal flüssig und verbuche das Ganze als Investition in meine Zukunft.“ Abendrot am Winterhimmel? Das sind nicht die Engel, die in der himmlischen Backstube Plätzchen backen. Dieses Mal rührt die Glut aus dem Kamin des Weihnachtsmanns, der bündelweise Geldscheine auftaut, behutsam und darauf bedacht, sie nicht zu verbrennen.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein Frohes Fest und einen guten Start in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2022. Ihr Redaktionsteam Yvonne Davy, Sabine Metz-Lieb und Angela Weber
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Foto: Rotpunkt Küchen
FURNIERTE RILLENFRONT. Holzfronten in Kombination mit innenarchitektonisch ansprechenden Unidekoren verleihen fließenden Übergängen von der Küche hin zum Wohnbereich eine ganz eigene Anmutung. Ein besonderes Highlight der diesjährigen Rotpunkt Hausmesse bildete das Modell „Memory RI“, das durch seine schmalen, vertikalen Lamellen besticht. Die wohnliche Holz-Lamellen Front eignet sich insbesondere für raumübergreifende Pla nungen und ist neben der Farbgebung „Forest Oak“ auch in „Black“ erhältlich. www.rotpunktkuechen.de
1 Auch Weihnachten lebt von der Vielfalt 33 Mission Leibspeise Editorial
4 Die postpandemischen Züge der Weltwirtschaft Zuversicht trotz vieler Fragezeichen
10 Deutsche Küchenmöbelindustrie wächst zweistellig Impulse kommen aus dem Exportgeschäft
12 Mattlack trifft Holzdesign Edel und wohnlich zugleich – Beckermann Küchen
13 Küchenmöbelindustrie – Der Blick in die Glaskugel ist milchig 14 15 15 17 18 18 20 20
Nobilia Bauformat/Burger Rotpunkt Häcker Küchen Ballerina-Küchen Artego Leicht Küchen Pronorm
22 Spiel der Kontraste Eleganz in der Küche mit Smeg
23 Hausgeräteindustrie zwischen Nachfrageboom und Lieferengpässen 24 25 26 27 28 29 30 31 2 | küche + architektur
V-Zug Miele Whirlpool Smeg Samsung Beko/Grundig BSH Küppersbusch/Teka
Mit Oranier leckeren Geheimnissen auf die Spur
34 Bosch und Leicht – zwei Marken mit Profil Wie zwei süddeutsche Unternehmen die Küche von heute prägen
41 Komfortable XXL-Frische … … versprechen die Bosch French Door Kühlschränke der neuesten Generation
42 Maßarbeit aus einem Guss Hochwertige PureSteel-Arbeitsplatten von Franke
43 Spülenindustrie – Hochwertige Produkte bleiben gefragt 44 44 45 46 47 48
Franke Blanco Schock Systemceram Villeroy & Boch Naber
49 So vielfältig wie das Leben … … wirkt die Spülenserie Subway Style von Villeroy & Boch
50 Trinkgenuss und Schwarz matt Blanco Wassersysteme
51 Gedruckt und digital Neue Katalog-Sets von Naber
52 Es werde Licht AvanTech YOU Illumination von Hettich
Impressum VERLAG: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-1 · Fax 0711/5206-300 www.fachschriften-verlag.de VERLAGSLEITUNG: Tilmann Münch Christian Schikora REDAKTIONSBÜRO: küche+architektur Weißheimerstraße 7 · 67549 Worms
Inhalt 6/2021
HERAUSGEBERIN UND CHEFREDAKTEURIN: Yvonne Davy Tel. 06241/979708-10 Fax 06241/979708-17 davy@fachschriften.de SOCIAL MEDIA UND ANZEIGENVERKAUF: Angela Weber Tel. 06241/979708-12 weber@fachschriften.de LAYOUT: Simone Steinbrech post@steinbrech-design.de DRUCK: ColorDruck Solutions GmbH Gutenbergstraße 4 · 69181 Leimen
53 Beschlagindustrie wächst mit der Branche 54 55 56 58
Hettich Salice Blum Kesseböhmer
60 Update eines Klassikers „Dispensa“ – der Apothekerschrank von Kesseböhmer
61 Flexibel für den Alltag … … die Regalsysteme von Schüco Alu Competence
62 Küchenfachhandel bleibt gefragt 63 64 65 68
Der Kreis EMV MHK Garant Gruppe
65 „Wir müssen sagen, was wir denken, müssen tun, was wir sagen, und müssen sein, was wir tun.“ (Alfred Herrhausen) Im Gespräch mit Werner Heilos, Vorstandsvorsitzender der MHK Group
68 Die Garant Gruppe – Service-Partner mittelständischer Einrichtungsspezialisten Im Gespräch mit Jens Hölper (l.), Geschäftsführer der Verbundgruppe, und Jörg Böhler (r.), Geschäftsleitung Küchen Areal
79
Die guten Adressen der Branche Visitenkarten
WHO IS WHO – FIRMENEINTRÄGE 19, 21 üchenmöbel, K Outdoorküchen
32 Einbaugeräte
46, 47, 48 Spülen und Armaturen
57, 59 Beschläge, Möbelinnenausstattung
64, 66, 67 Organisationen
PREISLISTE FÜR ANZEIGEN: zur Zeit Nr. 9, gültig seit 1. 1. 2021 PREIS EINZELHEFT: 10,00 Euro (inkl. Versand und MwSt.) PREIS JAHRESABO: (6 Ausgaben inklusive ePaper) Inland: 53,00 Euro; Ausland: 62,00 Euro (Preise inkl. Versand und MwSt.) ABONNEMENT-SERVICE: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Abo-Service Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-306 Fax 0711/5206-307 abo@fachschriften.de BANKKONTEN: HypoVereinsbank IBAN: DE72 670 201 900 025 059 506 BIC: HYVEDEMM489 Steuer-Nr.: 90492/10407 EG Ust.-Id.Nr.: DE 147321116 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Artikel oder Zuschriften mit Namen des Verfassers stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Der FachschriftenVerlag ist förderndes Mitglied im Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), Bad Honnef, und im Deutschen Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), Stuttgart. Im Fachschriften-Verlag erscheinen außerdem: Althaus modernisieren, bauen!, Bauen & Renovieren, HausbauHelden, Schwimmbad+Sauna und weitere Sonderhefte für Bauherren und Modernisierer FOTONACHWEISE: Seite 1: ©by-studio / stock.adobe.com Seite 4: ©Hurca! / stock.adobe.com
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DATEN + FAKTEN
Die postpandemischen Züge der Weltwirtschaft Zuversicht trotz vieler Fragezeichen
Engpässe und zunehmender Preisdruck, die sonst wesentlich später zum Tragen kommen, sind allerdings dieses Mal schon fast von Anfang an dabei. Im Jahr 2022 ist auch das Covid-19-Virus noch auf der Liste potenzieller Faktoren, die zu einem deutlich schlechteren konjunkturellen Verlauf der weltwirtschaftlichen Entwicklung führen können. Dennoch erwartet der Sachverständigenrat ein globales BIP-Wachstum von zwischen 4,6 und 4,8 Prozent im Jahr 2022. Der globale Warenhandel dürfte im kommenden Jahr ein Wachstum von 4,7 % verbuchen. Trotz stark steigender Corona-Infektionszahlen und massiver Lieferketten probleme blickt auch DZ BANK Research zuversichtlich auf das kommende Jahr. Die Analysten erwarten ab dem zweiten Quartal 2022 eine kräftige durch Nachholeffekte getriebene wirtschaftliche Erholung. Eine zunehmende Impfquote ermöglicht eine Normalisierung des Alltags- und Wirtschaftslebens. In Deutschland legt das BIP um 4,8 Prozent zu.
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DATEN + FAKTEN
L
aut IWF leidet die Weltwirtschaft weiterhin durch zahlreiche Einschränkungen, so etwa durch die verbreiteten Engpässe bei Rohstoffen, Vorprodukten und in der Logistik. Die Störungen sind laut IWF zusammen mit den steigenden Rohstoffpreisen und den angesammelten Ersparnissen der Verbraucher ein Grund für die steigenden Verbraucherpreise. Diese weltweite Inflation wird laut IWF Mitte des Jahres 2022 in vielen Ländern wieder auf das Vorkrisenniveau zurückfallen. Derzeit ist der private Konsum die Triebfeder der wirtschaftlichen Erholung. Auf der anderen Seite leidet das verarbeitende Gewerbe angesichts der nach dem Corona-Krisenjahr 2020 weltweit anziehenden Konjunktur unter einer historisch einmaligen Knappheit an Vorleistungsgütern. Das bremst die Industriekonjunktur aus. Die Nachfrage nach deutschen Produkten auf den Weltmärkten bleibt aber nach wie vor hoch, prognostizieren die Spezialisten der Hessischen Landesbank, Helaba. Wenn sich die Lieferengpässe schrittweise auflösen, ist in 2022 mit deutlichen Aufholeffekten zu rechnen. Für 2022 gehen die Wirtschaftspezialisten von einem Wachstum von 4,1 % aus. In der Eurozone werden die Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt 2022 mit 2,4 % ähnlich stark zulegen wie im Vorjahr, für Deutschland mit 2,7 % etwas stärker. In den USA wird die Teuerung mit 4 % immer noch deutlich höher als normal liegen. In der globalen Handelspolitik hat der Machtwechsel in Washington zwar für einen zivilisierteren Ton gesorgt, die Strafzölle Präsident Trumps sind aber fast alle noch in Kraft. GÜNSTIGE WACHSTUMSBEDINGUNGEN IM EURORAUM Für das Jahr 2022 erwartet der Sachverständigenrat günstige Wachstumsbedingungen im Euro-Raum. So dürften im Jahr 2022 weitere Öffnungsschritte möglich werden und sich das Konsum- und Reiseverhalten der Bevölkerung weiter normalisieren. Davon profitie-
len in Frankreich und Italien hin, die potenziell für Verunsicherung sorgen können. Dies gilt auch für die Debatte um das Verhältnis der EU zu Polen und die schwelende Nordirland-Problematik, die doch noch einen größeren Handelsstreit mit Großbritannien heraufbeschwören könnte. Neuerliche Auseinandersetzungen über die künftige fiskalpolitische Ordnung in der EU sind ebenfalls ein durchaus plausibles Szenario.
ren würden dann vor allem Länder, die stark vom Dienstleistungs- und insbesondere dem Tourismusbereich abhängen, wie etwa Spanien, Griechenland und Portugal. Darüber hinaus könnte durch den Abbau pandemiebedingter ungeplanter Ersparnisse der privaten Haushalte zusätzliche Nachfrage entstehen. So betrug beispielsweise in Deutschland nach jetzigem Stand die ungeplante Ersparnis seit Beginn der Pandemie bis zum 2. Quartal 2021 etwa 186 Mrd. Euro. Da der Rückgang des Konsums vor allem auf geringere Ausgaben für Dienstleistungen zurückzuführen ist, dürfte allerdings nur ein Teil dieser Summe im Rahmen von Nachholeffekten verausgabt werden. Nicht zuletzt dürften die Europäischen Aufbau- und Resilienzpläne im Jahr 2022 zunehmend realisiert werden und für höhere Investitionsausgaben sorgen sowie positive fiskalische Impulse aus den USA zum Tragen kommen. Nach dem starken Einbruch des BIP im Euro-Raum von –6,4 % im Jahr 2020 geht der Sachverständigenrat für 2021 von einem Wachstum von 5,2 % aus. Was das Jahr 2022 anbelangt, erwarten die Spezilaisten der Helaba ein Wachstum von fast 4 % und damit unter dem des Vorjahres liegend. Dabei weisen sie auch auf die Wah-
STEIGENDE VERBRAUCHER PREISE Für die Verbraucherpreise, gemessen am HVPI, prognostiziert der Sachverständigenrat im EuroRaum eine Inflationsrate von 2,1 Prozent. Nach Wegfall der Basisund Sondereffekte im Jahr 2021 rechnen die Wirtschaftsweisen für das Jahr 2022 damit, dass neben den angebotsseitigen Produktionshemmnissen Energiepreissteigerungen sowie die allgemein starke gesamtwirtschaftliche Nachfrage preistreibend wirken dürften. AUF DEM WEG ZUM KLIMANEUTRALEN EUROPA Während die Pandemiebekämpfung hoffentlich bald in eine Schlussphase tritt, wird Nachhaltigkeit in der EU 2022 ein wichtiges Thema bleiben. Durch den Ende 2019 beschlossenen „Green Deal“ will die EU bis 2050 klimaneutral werden. Zentrales Instrument für den Übergang zu nachhaltigem Wirtschaften ist die EU-Taxonomie-Verordnung, die alle drei Dimensionen von Nachhaltigkeit berücksichtigen soll: Den Umweltaspekt, soziale Kriterien und gute Unternehmensführung. DEUTSCHLAND – OPTIMISTISCH INS NÄCHSTE JAHR In seiner Prognose für Deutschland geht der Sachverständigenrat davon aus, dass die vielfältigen angebotsseitigen Engpässe im Jahr 2022 in vielen Bereichen nach und nach reduziert werden. Die Wirtschaftsweisen unterstellen, dass das Pandemiegeschehen durch gezielte und regionale Maßnahmen
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DATEN + FAKTEN
PROGNOSETABELLE BIP UND INFLATION
Energiepreise zu einem Anstieg der Inflationsrate geführt. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Inflationsrate bereits zum Jahreswechsel 2021/22 wieder ein deutlich niedrigeres Niveau erreicht, da dann Sonderfaktoren, wie der Basiseffekt der befristeten Senkung der Umsatzsteuersätze, im zweiten Halbjahr 2020 wegfallen. Der Sachverständigenrat erwartet in Deutschland eine Inflationsrate von 2,6 % für das Jahr 2022. Länger anhaltende angebotsseitige Engpässe, höhere Lohnabschlüsse und steigende Energiepreise bergen, so die Wirtschaftsweisen, jedoch das Risiko, dass eigentlich temporäre Preistreiber zu persistent höheren Inflationsraten führen könnten.
ohne erneute weitreichende Beschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens kontrollierbar sein dürfte. Das Pandemiegeschehen dürfte im Frühjahr 2022 wieder soweit zurückgegangen sein, dass es – getragen von sich weiter verbessernden Arbeitsmarktbedingungen und sinkender Unsicherheit – zu einer Stärkung der privaten Konsumnachfrage kommen sollte. Während die erhöhte Inflation in diesem Jahr die reale Kaufkraft der Haushalte belastet, dürften die nachlassende Preisdynamik und das steigende verfügbare Einkommen im nächsten Jahr unterstützend wirken. Zudem dürfte von der pandemiebedingten ungeplanten Ersparnis im restlichen Jahresverlauf ein begrenzter Wachstumsimpuls ausgehen. Im Jahr 2022 dürfte die Wirtschaftsleistung unterstützt von der aufgestauten Industrieproduktion, einem teilweisen Abbau der ungeplanten privaten Ersparnis sowie infolge eines kräftigen statistischen Überhangs um 4,6 % ansteigen. Für 2022 rechnen die DekaÖkonomen mit einem BIP-Wachstum von 3,7 Prozent in Deutschland. Die Strategen der Deutschen Bank prognostizieren ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent. Und mit einer vom Sachverstädigenrat prognostizierten Jahresverlaufsrate von rund 4,7 % würde
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das Wachstum deutlich über der erwarteten Potenzialwachstumsrate liegen. Dementsprechend dürfte sich die Produktionslücke zum Ende des 2. Quartals 2022 schließen und zum Jahresende 2022 positiv sein. Am Arbeitsmarkt stieg die Erwerbstätigkeit im ersten Halbjahr 2021 nach einem Rückgang im Jahr 2020 wieder an, was vor allem auf eine Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zurückzuführen ist. Die im Jahr 2020 stark zurückgegangene geringfügige Beschäftigung stieg ebenso wieder an, während die Zahl der Selbständigen weiter rückläufig war. Die starke Zunahme der Anzahl der offenen Stellen in diesem Jahr deutet an, dass sich die Arbeitskräftenachfrage in 2022 normalisiert. VERBRAUCHERPREISE BLEIBEN HOCH Die Verbraucherpreise sind bis dato deutlich gestiegen und die Veränderungsraten dürften noch bis weit ins Jahr 2022 hinein erhöht bleiben. Alleine die Umsatzsteuersenkung dürfte deutlich mehr als einen Prozentpunkt zu den Preissteigerungen im 2. Halbjahr 2021 beigetragen haben. Zudem haben Lieferengpässe und die zuletzt weltweit stark gestiegenen
WOHNUNGSNEUBAU NIMMT WEITER FAHRT AUF Der Immobilienmarkt in Deutschland hat die Corona-Pandemie und die durch die Lockdowns ausgelöste tiefe Rezession gut überstanden und zeigt sich im internationalen Vergleich wenig schwankungsanfällig. Die Zinsen, so die Wirtschaftsexperten der Helaba, dürften 2022 von extrem niedrigem Niveau geringfügig steigen. Der deutsche Wohnungsmarkt hat sich in der zurückliegenden Krise als sehr robust erwiesen. Die Rezession hat sich nicht negativ auf Mieten und Kaufpreise ausgewirkt. Im Gegenteil: Die anhaltend niedrigen Finanzierungszinsen, der Mangel an Anlagealternativen und vermutlich die Aufwertung der eigenen Wohnung durch mehr Homeoffice haben der Nachfrage nach Wohnimmobilien sogar einen zusätzlichen Schub verliehen. Obwohl die wesentlichen Treiber des Wohnimmobilienmarktes 2022 erhalten bleiben, dürfte die Dynamik etwas abnehmen. Denn der bislang kräftige Zuzug in die Großstädte lässt nach, die Nachfrage verlagert sich – auch dank verbesserter Möglichkeiten, im Homeoffice zu arbeiten – in das günstigere weitere Umland der Städte. Etwas höhere Fertigstellungszahlen können ebenfalls zur
DATEN + FAKTEN
Entspannung beitragen. Gleichwohl werden die Kapazitätsengpässe auch 2022 die Bautätigkeit begrenzen, so dass die neue Bundesregierung ihr Ziel von voraussichtlich 400.000 neuen Wohnungen jährlich verfehlen wird, so die Wirtschaftsspezialisten der Helaba weiter. Insgesamt dürfte sich der bundesweite Preisanstieg für selbstgenutztes Wohneigentum von rund 10 % auf etwa 7 % normalisieren. FRANKREICH: STRUKTUR REFORMEN ERST NACH DER WAHL Frankreich kommt gut aus der Pandemie heraus, aber auf Kosten einer höheren Staatsverschuldung. Mit notwendigen Strukturreformen ist vor der Präsidentschaftswahl nicht zu rechnen. Frankreich hat das Vor-Corona-Niveau des Bruttoinlandsprodukts früher als Deutschland bereits 2021 überschritten. Allerdings war der Einbruch zuvor auch deutlich schärfer. 2022 wird sich die Dynamik mit einem Wachstum von 3,6 % in Richtung Normalität bewegen. Nachdem die Bauinvestitionen in 2021 mit einem Wachstum von 15 % das Vorkrisenniveau sogar überschritten haben, wird es nun durch Faktoren wie knappe Arbeitskräfte, die mangelnde Verfügbarkeit von Baugrundstücken und hohe Kosten verlangsamt. Steigende Wohnungsbaugenehmigungen signalisieren für 2022 ein mäßiges Bauwachstum. Vom Außenhandel sind, so die Spezilisten der Helaba, 2022 keine Impulse zu erwarten, da die Importe ähnlich stark zulegen wie die Exporte. ITALIEN: IM KONJUNKTURBOOM Dank der expansiven Fiskalpolitik überrascht Italien mit hohem Wachstum, das ohne strukturelle ökonomische und ökologische Reformen allerdings ein Einmaleffekt bleiben könnte. Die italienische Volkswirtschaft hat Fahrt aufgenommen. Nicht nur zuletzt wenige Corona-Fälle und hohe Impfquoten sorgen für Optimismus. Auch der EU-Aufbauplan „NextGenerationEU“, aus dem Italien allein Transfers von 69 Mrd. Euro oder knapp 4 % des Bruttoinlandsprodukts erhält, hebt die Stimmung. Geschäfts- und Konsumklima der Unternehmen haben Höchststände erreicht. Nach einer um mehr als 6 % gestiegenen Wirtschaftsleistung in 2021 schätzen die
Spezialisten der Helaba auch 2022 mit einer Dynamik von 3,7 %. Die Konsumausgaben dürften 2021 um 4,5 % gestiegen sein und die Beschäftigung verbessert sich. Allerdings bremst die höhere Inflation bei gleichzeitig nur leicht zunehmenden Tariflöhnen. Der starke Anstieg der Energiepreise dürfte nur allmählich zurückgehen. Die Teuerung dürfte 2022 mit 1,9 % ähnlich hoch liegen wie im Jahr zuvor. Trotzdem wird der private Konsum 2022, unterstützt durch den Beschluss von Steuererleichterungen, mit erneut 4,5 % überdurchschnittlich expandieren, Italien hat bereits begonnen, die EU-Mittel in Bauvorhaben umzusetzen. Die Investitionen im Nicht-Wohnungsbau liegen deutlich über dem Vorkrisenniveau. Auch der Wohnungsbau erholt sich. Die gesamten Bauinvestitionen dürften 2021 um mindestens ein Fünftel zugelegt haben. Das Geschäftsklima des Sektors ist deutlich optimistischer als in anderen Branchen. Das lässt erwarten, dass sich die rege Bautätigkeit 2022 und darüber hinaus fortsetzt. Im Außenhandel ist mit keinem positiven Impuls zu rechnen. SPANIEN: DER AUFSCHWUNG KOMMT Das Wachstum in Spanien wird derzeit noch durch schwachen Tourismus und niedrige Bauausgaben gebremst. Doch dürfte sich der Aufwärtstrend, unterstützt durch das EUAufbaufonds 2022 fortsetzen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2021 um gut 4 % wachsen. Die spanische Industrie hat nach einer raschen Erholung allerdings mitt-
lerweile an Fahrt verloren. Auch hier leiden die Unternehmen unter der mangelnden Verfügbarkeit von Vorprodukten, während die Auftragslage weiterhin gut ist. Die privaten Konsumausgaben sind 2021 um schätzungsweise 5,5 % gestiegen, nach dem Einbruch von 12 % zuvor. Die Normalisierung dürfte sich 2022 mit einem Zuwachs von etwa 5 % fortsetzen. Die Tariflöhne sind 2021 um gerade mal 1,5 % gestiegen und auch 2022 ist hier nur mit einer moderaten Verbesserung zu rechnen. Dagegen haben die Unternehmens-und Vermögenseinkommen Fahrt aufgenommen. Gebremst wird der Konsum durch die hohe Inflationsrate von zuletzt 5,5 %. Im Jahresdurchschnitt 2022 muss mit einem Preisanstieg von knapp 3 % gerechnet werden. Positiv wirkt sich hingegen der Arbeitsmarkt aus. Der Beschäftigungsstand vor der Krise dürfte bald erreicht sein und die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Kapitalbildung Spaniens wird auch vom Programm „NextGenerationEU“ profitieren, aus dem Spanien alleine Transfers in der Höhe von 5,8 % der aktuellen Wirtschaftsleistung erhält. Die Mittel sollen vorwiegend in Digitalisierung und den Klimaschutz fließen. Wohnungs- und Stadtsanierungen dürften zu mehr Bautätigkeit führen. Die Wohnungsbauinvestitionen dürften 2022 moderat expandieren. Der Außenhandel hat das Wirtschaftswachstum 2021 reduziert. Die Importe stiegen lebhaft, während die Exporte auch in Spanien durch Lieferprobleme etwas gebremst wurden. 2022 sollte der Außenbeitrag stabil ausfallen.
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Arbeitsnachfrage, sodass sich hier Anzeichen von Arbeitskräfteengpässen und für DATEN + FAKTEN temporäre Friktionen am Arbeitsmarkt zeigen (BoE, 2021, S. 29 f.). ABBILDUNG 8 UNTEN RECHTS
Im internationalen Vergleich zeigen sich die unterschiedlichen Auswirkungen der arbeitsmarktpolitischen Stützungsprogramme. Während TABELLE 1
BRUTTOINLANDSPRODUKT UND VERBRAUCHERPREISE LÄNDER Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise ausgewählterAUSGEWÄHLTER Länder Land/Ländergruppe
Europa
Gewicht in %1
Bruttoinlandsprodukt2
Verbraucherpreise
Veränderung zum Vorjahr in % 2020
20213
20223
2020
20213
20223
28,4
– 5,8
5,3
4,2
1,2
3,2
2,9
17,3
– 6,4
5,2
4,3
0,3
2,4
2,1
Vereinigtes Königreich
3,6
– 9,8
6,5
5,0
0,9
2,3
2,9
Russland
2,0
– 3,0
5,5
3,2
3,4
6,4
5,2
Mittel- und Osteuropa4
1,8
– 3,9
5,1
4,8
3,0
4,2
3,8
Türkei
1,0
1,8
9,0
3,4
12,3
17,9
15,5
Andere Länder5
2,7
– 2,3
3,5
3,5
0,2
1,7
1,4
Amerika
34,6
– 3,9
5,5
4,2
2,0
5,3
4,1
USA
27,8
– 3,4
5,5
4,4
1,2
4,5
3,5
Lateinamerika6
2,6
– 8,2
7,1
3,6
10,8
13,3
9,8
Brasilien
1,9
– 4,1
5,2
1,5
3,2
8,1
5,8
Kanada
2,2
– 5,3
4,9
4,1
0,7
3,2
2,6
37,1
– 0,9
6,1
4,8
2,1
1,4
2,0
China
19,8
2,3
7,9
5,0
2,5
1,0
1,8
Japan
6,7
– 4,6
2,0
2,9
0,0
– 0,2
0,5
Asiatische Industrieländer7
4,0
– 1,1
4,9
3,2
0,2
2,1
1,9
Indien
3,5
– 7,3
8,4
8,9
6,6
5,1
5,3
3,0
– 4,7
3,0
5,3
1,0
2,0
2,4
– 3,3
5,7
4,4
1,8
3,3
3,0
Euro-Raum
Asien
Südostasiatische Schwellenländer8 Insgesamt
100
Fortgeschrittene Volkswirtschaften9
66,1
– 4,6
4,9
4,1
0,8
3,0
2,6
Schwellenländer10
33,9
– 0,9
7,2
5,0
3,8
3,7
3,6
nachrichtlich: exportgewichtet11
100
– 4,4
5,8
4,2
.
.
.
nach dem Messkonzept des IWF12
100
– 2,7
6,0
4,7
.
.
.
– 5,4
10,8
4,7
.
.
.
Welthandel13
1 – Anteil des BIP des Jahres 2020 in US-Dollar der aufgeführten Länder oder Ländergruppen am BIP aller aufgeführten Länder beziehungsweise Ländergruppen, die US-Dollar gewichtet 88 % und gewichtet nach Kaufkraftparitäten 84 % des IWF-Länderkreises entsprechen. 2 – Preisbereinigt. 3 – Prognose des Sachverständigenrates. 4 – Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Tschechische Republik und Ungarn. 5 – Dänemark, Norwegen, Schweden und Schweiz. 6 – Argentinien, Chile, Kolumbien und Mexiko. 7 – Hongkong, Republik Korea, Singapur und Taiwan. 8 – Indonesien, Malaysia, Philippinen und Thailand. 9 – Asiatische Industrieländer, Euro-Raum, Mittel- und Osteuropa, Dänemark, Japan, Kanada, Norwegen, Schweden, Schweiz, Vereinigtes Königreich und USA. 10 – Lateinamerika, südostasiatische Schwellenländer, Brasilien, China, Indien, Russland und Türkei. 11 – Summe der aufgeführten Länder, gewichtet mit den Anteilen an der deutschen Ausfuhr im Jahr 2020. 12 – Gewichte nach Kaufkraftparitäten und hochgerechnet auf den Länderkreis des IWF. 13 – Nach dem Messkonzept des niederländischen Centraal Planbureau (CPB). Quellen: CPB, Eurostat, IWF, nationale Statistikämter, OECD, eigene Berechnungen © Sachverständigenrat | 21-470
SCHWEDEN: HERAUSFORDERNDES WAHLJAHR Die schwedische Regierung wird sich 2022 nicht nur der Parlamentswahl widmen können. Auch der angespannte Wohnungsmarkt und die EU-Taxonomie werden Kapazitäten binden. Mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von voraussichtlich 4,3 % lässt die schwedische Wirtschaft 2021 die Krise hinter sich. Hohe Energiepreise bremsen 2022 das Wachstum. Mit 3,2 % bleibt es aber oberhalb des Vorkrisen niveaus. Dafür spricht unter anderem der anhaltende Anstieg des Industrievertrauens.
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Jahresgutachten 2021/22 – Sachverständigenrat
Eine Basis für den Aufschwung bleibt der private Konsum, allerdings belasten hohe Energiepreise die Kaufkraft. Die Sparquote der privaten Haushalte ist in der Pandemie auf gut 20 % gestiegen. Ein Risikofaktor für die Konjunktur bleiben neben hohen Energiepreisen die Lieferschwierigkeiten für verschiedene Materialien und Vorprodukte, die die Erzeugerpreise in die Höhe treiben. Auch die Preise am Wohnungsmarkt haben ein neues Allzeithoch erreicht und bei den privaten Haushalten zum Anstieg der Verschuldungsquote auf gut 170 % des Einkommens beigetragen.
POLEN, TSCHECHIEN, UNGARN: EU ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR Ein stabiles Wirtschaftswachstum und hohe Inflationsraten legen den Grund für weitere Zinsschritte der Notenbanken. Konflikte mit der EU drohen aber zum Bremsfaktor zu werden. Der Aufschwung ist da, die Dynamik in den drei zentralosteuropäischen Ländern jedoch unterschiedlich: Das Wachstumstempo in Tschechien ist deutlich schwächer. Hier leidet vor allem die Automobilindustrie unter Lieferengpässen, insbesondere dem Chip-Mangel. Werden diese Probleme im Laufe von 2022 überwunden, ist mit Nachholeffekten zu rechnen. Der Tourismus spielt in Tschechien und Ungarn mit ca. 8 % des BIP eine große Rolle. Die Übernachtungszahlen dürften erst 2022 wieder zulegen. Polen profitiert von einer stärkeren Diversifizierung der Wirtschaft, dem größeren Binnenmarkt sowie dem robusten privaten Verbrauch, der ab Januar 2022 mit dem „polnischen Deal“ Impulse von der Fiskalpolitik erhält. Das Wirtschaftswachstum wird daher 2022 in Tschechien deutlich steigen, während es sich in Polen und Ungarn auf hohem Niveau konsolidiert. GROSSBRITANNIEN: KONJUNKTUR ERHOLUNG VERLIERT AN FAHRT Die britische Wirtschaft hat sich 2021 kräftig erholt und liegt mit einer Wachstumsrate von rund 7 % im Vergleich weit vorn. Dem Brexit ist dies jenseits der zügigeren Impfkampagne kaum zu verdanken, sondern den Nachholeffekten nach der schweren Rezession. Dem privaten Konsum als einem der bisherigen Wachstumstreiber wird 2022 ein wenig die Luft ausgehen. Neben einem wohl vorsichtigeren Verhalten belastet ein teilweise 27 eingeschränktes Angebot von Produkten und Dienstleistungen. Die dank des robusten Arbeitsmarktes steigenden Einkommen stützen allerdings zusammen mit den hohen Ersparnissen den Konsum. Die Fiskalpolitik bremst das Wachstum. Die Unternehmensinvestitionen dürften sich weiter solide entwickeln, eine Steueranhebung soll erst, so die Helaba, 2023 erfolgen. Der Außenhandel hat unter dem EU-Austritt gelitten, allerdings waren die EU-Exporteure etwas mehr als die Briten betroffen – bislang. Der Wachstumsbeitrag wird 2022 vermut-
DATEN + FAKTEN
lich negativ ausfallen. Zudem birgt selbst der Brexit noch Unsicherheiten, wie der Streit über das Nordirland-Protokoll zeigt. Insgesamt dürfte die britische Wirtschaft 2022 mit einer Rate von 4 % klar über dem Trend wachsen. Allerdings lässt die Dynamik im Jahresverlauf deutlich nach.
BIP-Wachstum von 4 %. Die Arbeitslosenquote dürfte schon im Laufe des Jahres 2022 wieder unter 4 % fallen. CHINA Seit dem Pandemieschock wird deutlich, welche zentrale Rolle China in den weltweiten Lieferketten spielt. Chinesische Unternehmen haben daher entscheidenden Einfluss auf die globalen Engpässe in der Industrie. Der Aufbau alternativer Fertigungskapazitäten „auf der grünen Wiese“ in Industrieländern kann Jahre dauern. Für die Lösung der aktuellen Probleme spielt er daher eine vernachlässigbare Rolle. Nach einer insgesamt enttäuschenden konjunkturellen Performance 2021 – das scheinbar spektakuläre Durchschnittswachstum von rund 8 % geht vor allem auf einen massiven statistischen Überhang aus 2020 zurück – erwarten die Analysten der Hessischen Landesbank für 2022 wieder solide Wachstumsraten. Der Jahreswert wird mit voraussichtlich 5,5 % „normaler“ ausfallen. Schätzungen verorten das aktuelle Trendwachstum Chinas bei etwa 5 %.
USA Die Geschwindigkeit, mit der die Wirkung der Pandemie und die mit ihr verbundenen Restriktionen auf das Verhalten der Menschen abklingt, ist ausschlaggebend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der USA. Sie beeinflusst die Bereitschaft, personennahe Dienstleistungen nachzufragen, einen Teil der 2020/2021 aufgehäuften riesigen Überschussersparnis auszugeben und zur Aufnahme von neuen Beschäftigungsverhältnissen. Die Engpässe bei Rohstoffen, Zwischenprodukten und Logistikdienstleistungen wirken als eine Wachstumsbremse. Sie deckeln direkt den Output der betroffenen Unternehmen und durch die resultierenden Preis erhöhungen leiden die Realeinkommen der privaten Haushalte. Die Spezialisten der Helaba gehen davon aus, dass sich die Kapazitätsausweitungen der UnRUSSLAND: KEIN WACHSTUM ternehmen in den kommenden Quartalen IN SICHT fortsetzen und die Investitionen eine wichtige Zwei Jahre ohne Wahltermine erlauben der Stütze der Konjunktur sein werden. Regierung, den Fokus auf die KonsolidieFür 2022 insgesamt rechnen die Wirtschafts- rung des Haushalts zu richten. Die restriktive Kapitel 1 – Konjunktur: Angebotsseitige Engpässe dämpfen Wachstum spezialisten mit einem durchschnittlichen Geldpolitik dämpft das Wachstum zusätzlich.
Für 2022 rechnen die Spezialisten der Helaba mit einer Abschwächung auf 2,7 %. Der starke Impuls vom hohen Ölpreis wird allmählich nachlassen. Zudem kann der Ölsektor sein Potenzial nicht voll entfalten, da die Förderbeschränkungen der OPEC bis mindestens April 2022 in Kraft bleiben. Die westlichen Sanktionen werden erneut verlängert. Größere Privatisierungen mit nennenswertem Interesse ausländischer Investoren sind daher nicht zu erwarten. Was die Pandemie anbelangt, hatte Russland schon im ersten Pandemiejahr im internationa len Vergleich wenig strikte Beschränkungen eingeführt und wird auch 2022 davon absehen. Die Inflation wird sich 2022 auf 5,8 % abschwächen, da sowohl das Wachstum des privaten Konsums als auch die Engpässe auf der Angebotsseite nachlassen. Allerdings wird die Preissteigerung erneut über dem Zielwert der Zentralbank von 4 % liegen. Ab 2022 wird auf einen Konsolidierungskurs eingeschwenkt. Das Ziel eines Haushaltsüberschusses von 1 % des BIP dürfte, so die Helaba, fast erreicht werden. Der Anstieg der Staatsausgaben wird deutlich gebremst. Präsident Putins Prestigevorhaben, die 13 „Nationalen Projekte“ mit einem Volumen von 360 Mrd. US-Dollar, sollen erst 2024 beginnen. Die Verzögerung belastet die privaten Unternehmen stärker als die ohnehin finanziell solide aufgestellten Staatsunternehmen. Insgesamt wird dadurch das Wachstumspotenzial eingeschränkt.
ABBILDUNG 21 VORAUSSICHTLICHEEntwicklung ENTWICKLUNG DESaußenwirtschaftlichen AUSSENWIRTSCHAFTLICHEN UMFELDS Voraussichtliche des Umfelds
Exportindikator1 12 9 6
Preisliche Wettbewerbsfähigkeit3
Prozentpunkte2
2
Veränderung zum Vorquartal (%)
Prozentpunkte2 Verschlechterung
1
3 0
0 -3
-1
-6 -9 -12
2,4 2019 China
Veränderung zum Vorjahr (%) -4,4 5,8 4,2 2020
2021
Sonstiges Asien
Sonstige Länder
2022
Euro-Raum
-2
Mittel- und
-1,3 2019
Osteuropa4
Verbesserung Veränderung zum Vorjahr (%) 0,2 0,9 -0,4 2020
2021
2022
Vereinigtes Königreich und USA
Prognosezeitraum5
1 – Der Indikator basiert auf der Entwicklung des BIP von 49 Handelspartnern. Die Gewichtung eines Landes ergibt sich aus dem jeweiligen Anteil am deutschen Export. Länderabgrenzung gemäß Tabelle 1. 2 – Beiträge der einzelnen Regionen. 3 – Gegenüber 37 Ländern; eine positive Veränderung zeigt eine verringerte preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte an. Methode und Länderabgrenzung der Deutschen Bundesbank. 4 – Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Tschechische Republik, Ungarn. 5 – Prognose des Sachverständigenrates. Quellen: Deutsche Bundesbank, nationale Statistikämter, eigene Berechnungen © Sachverständigenrat | 21-479
1 – Der Indikator basiert auf der Entwicklung des BIP von 49 Handelspartnern. Die Gewichtung eines Landes ergibt sich aus dem jeweiligen Anteil am deutschen Export. Länderabgrenzung gemäß Tabelle 1. 2 – Beiträge der einzelnen Regionen. 3 – Gegenüber 37 Ländern; eine positive Veränderung zeigt eine verringerte preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte an. Methode und Länderabgrenzung der Deutschen Bundesbank. 4 – Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Tschechische Republik, Ungarn. 5 – Prognose des Sachverständigenrates. Quellen: Deutsche Bundesbank, nationale Statistikämter, eigene Berechnungen © Sachverständigenrat | 21-479
küche + architektur | 9
DATEN + FAKTEN
Deutsche Küchenmöbelindustrie wächst zweistellig Impulse kommen aus dem Exportgeschäft
Die deutsche Möbelindustrie hat ihren Umsatz laut amtlicher Statistik in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 um 2,7 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro gesteigert. Als maßgeblicher Wachstumstreiber erwies sich dabei das Auslandsgeschäft mit einem Plus von 7,3 Prozent, während der Inlandsumsatz nur um 0,7 Prozent zulegte. „Unsere Branche hat in diesen volatilen, herausfordernden Zeiten ein solides Ergebnis erzielt“, kommentiert Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK), den Geschäftsverlauf in den ersten drei Quartalen. „Dass sich das zweite Halbjahr etwas schwächer entwickeln würde als die erste Jahreshälfte (plus 4,3 Prozent), war absehbar, denn die Vergleichszahlen aus dem Vorjahreszeitraum liegen unter anderem wegen der Nachholeffekte nach dem ersten Lockdown und wegen
Küchenmöbelumsatz (Euro) 2020
Inlandsumsatz (Euro)
2021
2020
Auslandsumsatz (Euro)
2021
2020
2021
Januar
409.572.000
413.787.000
+1,03 %
238.979.000
242.791.000
+1,60 %
170.593.000
170.996.000
Februar
426.194.000
464.008.000
+8,87 %
252.045.000
267.479.000
+6,12 %
174.149.000
196.529.000 +12,85 %
März
455.820.000
515.818.000 +13,16 %
281.821.000
283.403.000
+0,56 %
173.999.000
232.415.000 +33,57 %
1. Quartal
1.291.586.000
+7,90 %
772.845.000
793.673.000
+2,69 %
518.741.000
599.940.000 +15,65 %
April
328.715.000
467.551.000 +42,24 %
210.249.000
249.465.000 +18,65 %
118.466.000
218.086.000 +84,09 %
Mai
389.507.000
465.576.000 +19,53 %
227.241.000
247.188.000
+8,78 %
162.266.000
218.388.000 +34,59 %
Juni
456.279.000
541.101.000 +18,59 %
266.303.000
297.978.000 +11,89 %
189.976.000
243.123.000 +27,98 %
1. – 2. Quartal
2.466.087.000
2.867.841.000 +16,29 %
1.476.638.000
1.588.304.000
+7,56 %
989.449.000
1.279.537.000 +29,32 %
Juli
403.836.000
424.598.000
+5,14 %
240.120.000
242.805.000
+1,12 %
163.716.000
181.793.000 +11,04 %
August
380.448.000
351.898.000
-7,50 %
221.936.000
201.699.000
-9,12 %
158.512.000
150.199.000
-5,24 %
September
561.169.000
577.318.000
+2,88 %
329.988.000
325.141.000
-1,47 %
231.181.000
252.177.000
+9,08 %
1. – 3. Quartal
3.811.540.000
4.221.655.000 +10,76 %
2.268.682.000
2.357.949.000
+3,93 %
1.542.858.000
Oktober
535.127.000
317.728.000
315.850.000
-0,59 %
217.399.000
November
536.048.000
325.798.000
210.250.000
Dezember
368.214.000
233.784.000
134.430.000
Gesamtjahr
5.250.929.000
3.145.992.000
2.104.937.000
10 | küche + architektur
1.393.613.000
550.849.000
+2,94 %
+0,24 %
1.863.706.000 +20,80 % 234.999.000
+8,10 %
Quelle: Statistisches Bundesamt, HDH/VDM, VdDK
des Mehrwertsteuereffekts auf hohem Niveau.“
DATEN + FAKTEN
D
ie Entwicklung der einzelnen Sparten chenmöbel (plus 2,9 Prozent) und Matratzen verlief in den ersten neun Monaten (plus 0,5 Prozent) erfreulich entwickelten, 2021 sehr heterogen. Zweistellige Umsank der Umsatz bei den sonstigen Möbeln/ satzzuwächse gelangen den PolstermöbelherMöbelteilen um 9 Prozent. stellern (plus 13,3 Prozent auf 745 Millionen Für das Gesamtjahr 2021 rechnet Jan Kurth Euro) und der Küchenmöbelindustrie (plus für die deutsche Möbelindustrie weiterhin 10,8 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro). Auch mit einem Umsatz auf dem Vorjahresniveau die Büro- und Ladenmöbelproduzenten (plus von 17,2 Milliarden Euro. „Die Auftragsein5,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro) und die gänge bestätigen uns in unserer Prognose.“ Matratzenhersteller (plus 3 Prozent auf 569 Nach internen Erhebungen stiegen die AufMillionen Euro) konnten ihr Geschäft ausbauen. tragseingänge der deutschen KüchenmöbelDagegen verbuchte das größte Segment der industrie bis Ende September um 8 Prozent. Möbelindustrie – die sonstigen Möbel (darDie Bestellungen der Polstermöbelproduzenunter Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel) ten entwickelten sich annähernd stabil. Bei sowie Möbelteile – gegenüber den sehr ho- JAN KURTH, Geschäftsführer der Verbände der den Wohnmöbelherstellern lagen die Aufhen Vorjahreswerten ein Umsatzminus von deutschen Möbelindustrie (VDM/VHK) tragseingänge um rund 12 Prozent unter den 6,8 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Während sehr hohen Vorjahreswerten. die Küchen- und Polstermöbelhersteller per „Der Blick nach vorne ist derzeit von geEnde September sogar die Vor-Coronawerte des Jahres 2019 um 12 mischten Gefühlen geprägt“, sagt Kurth. „Auf der einen Seite gibt es beziehungsweise 11 Prozent übertreffen konnten, blieb die Möbelin- nach wie vor Herausforderungen bei der Materialbeschaffung und dustrie in Summe um 4,4 Prozent hinter diesem Benchmark zurück. den damit verbundenen Preisentwicklungen sowie Unsicherheiten Im Monat September 2021 erzielten die 459 deutschen Möbelherstel- hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Pandemie. Andererseits bleibt ler einen Umsatz auf dem Vorjahresniveau von rund 1,7 Milliarden das eigene Zuhause ein wichtiger Rückzugsraum in unsicheren Zeiten Euro. Während sich insbesondere die Sparten Polster (plus 9,2 Pro- und das Thema Wohnen und Einrichten bei den Verbrauchern in den zent) und Büro- und Ladenmöbel (plus 8,3 Prozent), aber auch die Kü- nächsten Monaten gewiss im Fokus.“ www.moebelindustrie.de
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küche + architektur | 11
ARCHITEKTUR + TREND
PRAKTISCHER BEGLEITER: Der in die Planung integrierte Trolley, der sich als Minibar oder auch als Beistelltischchen für das Homeoffice nutzen lässt.
Mattlack trifft Holzdesign Edel und wohnlich zugleich – Beckermann Küchen
D
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er warme Farbton des neuen Holzdekors Oak Sherry mit der lebhaften und markanten Maserung der Synchronpore ist der Protagonist des Programms Tessina – kombiniert mit Akzentuierungen in schwarzem Mattlack. Angereichert um Solitäre und elegante Regalelemente nimmt eine gekonnte Melange Gestalt an und schafft den fließenden Übergang zwischen Küche, Essen und Wohnen. Mattlack als Partner für Holzdesigns macht in vielen Fällen eine gute Figur. Für Beckermann Küchen Grund genug, das Spektrum in diesem Bereich um 18 Farbstellungen zu erweitern. Damit unterstreicht das Unternehmen einmal mehr, was sein Portfolio ausmacht: Eine hohe Material- und Farbvarianz, Maßvariabilität und – unter Einbindung modernster Beschlagtechnik – ein hohes Maß an Funktionalität. www.beckermann.de
12 | küche + architektur
Umfrage Küchen | BRANCHENSPIEGEL
Küchenmöbelindustrie – Der Blick in die Glaskugel ist milchig Auf der einen Seite steigende Baugenehmigungen und ein nach wie vor hohes Interesse der Verbraucher an der Ausstattung der eigenen vier Wände, das sich zu einem anhaltenden Mega trend zu entwickeln scheint. Auf der anderen Seite eine steigende Inflationsrate, höhere Mieten und höhere Preisen für Küchen und Möbel als Folge von Materialverknappung und instabilen Lieferketten. Zudem könnten die Konsumenten ihr Geld wieder verstärkt für Urlaub bzw. andere Themen ausgeben wollen. Nach einem für die meisten Unternehmen der Küchenmöbelindustrie umsatzstarken Jahr 2021 zeigt sich der Blick in die Glaskugel, was das kommende Jahr anbelangt, derzeit noch etwas milchig. Dennoch gehen die Unternehmen auch für 2022 von einer positiven, wenn auch im Vergleich zum Vorjahr geringeren Umsatzentwicklung aus.
1. 2.
3. 4. 5. 6.
Wie hat sich Ihr Unternehmen im Jahr 2021 im In- und Ausland entwickelt? as Bruttoinlandsprodukt für Deutschland dürfte 2022 zwischen 3,6 und 5,1 Prozent D liegen, so die Prognosen der Wirtschaftsinstitute. Die hohe Zuwachsrate im Jahr 2022, so heißt es, sei maßgeblich auf das coronabedingte niedrige Niveau der Produktion an Waren und Dienstleistungen im Jahr 2021 zurückzuführen. Wie schätzen Sie unter Berücksichtigung aller relevanten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, darunter auch Einschränkungen, wie branchenübergreifend gestörte Lieferketten (auch die Baubranche ist betroffen), Rohstoffverknappung, steigende Rohstoffpeise etc., die Entwicklung Ihres Unternehmens im Jahr 2022 in Relation zur Entwicklung der Branche ein? elche Rolle wird das Auslandsgeschäft dabei, bezogen auf Ihre Kernabsatzmärkte, W spielen? Der IWF hat in seinem jüngsten World Economic Outlook die Prognosen zur Veränderung der Wirtschaftsleistung von Nationen und Regionen aktualisiert. Die weltweite Wirtschaftsleistung steigt 2022 demnach voraussichtlich um 4,9 Prozent gegenüber 2021. Angetrieben werden soll die Entwicklung von einem stärkeren Wachstum der Industrieländer (4,4 Prozent), vor allem aufgrund höherer staatlicher Ausgaben in den USA und der EU. ie schätzen Sie die Ausgabefreudigkeit der Konsumenten hinsichtlich der W Anschaffung neuer Küchen (Neu- und Bestandsbau) im Laufe des nächsten Jahres ein? elche Maßnahmen empfehlen Sie Ihren Partnern im Handel, W um mit Lieferverzögerungen wesentlicher Komponenten umzugehen? Wie unterstützen Sie Ihre Handelspartner bei dieser Thematik?
küche + architektur | 13
BRANCHENSPIEGEL | Umfrage Küchen
Nobilia überzeugt mit Attraktivität und Strategien
BERND WEISSER,
verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Produktstra tegie bei Nobilia
14 | küche + architektur
„Vor dem Hintergrund des fünfmonatigen Lockdowns in Deutschland zum Jahresbeginn 2021 sind wir mit dem bisherigen Geschäftsverlauf nicht unzufrieden“, betont Bernd Weisser, verantwortlich für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Produktstrategie. „Die finalen Geschäftszahlen für Nobilia stehen wie gewohnt erst im Rahmen unserer Bilanzpressekonferenz zur Verfügung, so dass ich insoweit auf unsere Pressekonferenz Anfang des Jahres 2022 verweisen darf. Grundsätzlich sehen wir sowohl im Inlandsmarkt wie auch in den Auslandsmärkten 2022 weiteres Wachstumspotenzial. Nach unserer Einschätzung und nach allen uns vorliegenden Informationen und Daten sehen wir die Nachfrage nach Küchen, Möbeln und Einrichtungsthemen insgesamt auch zukünftig auf hohem Niveau“, betont der sympathische Manager. „In der anhaltenden Pandemiesituation hat das eigene Zuhause für viele Verbraucher an Bedeutung gewonnen. Leben, Lernen und Arbeiten – vieles konzentrierte sich auf die eigenen vier Wände. Diese Entwicklung setzt sich nach unserer Einschätzung auch zukünftig fort und bleibt somit eine wichtige Säule für weiteres Wachstum.“ Auch die Signale aus dem Wohnungsbau, einem der wichtigsten Indikatoren für die Möbelbranche in Deutschland, zeige sich weiterhin positiv. Die weiterhin hohe Nachfrage nach Wohnraum belebe auch die Nachfrage nach Küchen und Einrichtung. „Somit ist nicht die Nachfrage der limitierende Wachstumsfaktor für unsere Branche – weder hinsichtlich des Bedarfs noch seitens der verfügbaren Einkommenssituation oder der allgemeinen Kaufbereitschaft. Erfolgsfaktoren für das Wachstum im kommenden Jahr sehen wir in den Feldern Materialverfügbarkeit, Stabilität der Lieferketten sowie in der Verfügbarkeit von Fachkräften“, betont Bernd Weisser. „Vor diesem Hintergrund steht für uns das Sicherstellen von Produktion und Kundenbelieferung im Zentrum unserer Aktivitäten. Mit unserem ganzheitlichen und präventiv ausgerichteten Corona-Management, unseren umfangreichen Schutzmaßnahmen, einer umfassenden Bevorratungsstrategie und einem hohen Fokus auf unser Logistik-Management arbeitet die gesamte Mannschaft mit großer Disziplin und hohem Engagement an diesen Themen. Grundsätzlich gelten nach unserer Auffassung aktuell im Inland und Ausland die annähernd gleichen Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren bezüglich der Nachfrage und des Bedarfs. Mit Blick auf unseren vergleichsweise hohen Marktanteil im Inlandsmarkt wird rein mathematisch bedingt das zukünftige Wachstum von Nobilia zunehmend in den Auslandsmärkten erzielt werden. Dennoch sehen wir auch im Inlandsmarkt Impulse und Potenzial für ein weiteres nobiliaWachstum. Im Export haben wir uns in den letzten Jahren ganz bewusst sehr breit aufgestellt. Damit ist
unser Wachstum im Auslandsgeschäft insgesamt weniger anfällig gegenüber den Entwicklungen von einzelnen Ländermärkten. Da die Nachfrage nach Wohnraum weiter steigt, mindestens aber auf dem hohen Niveau verbleibt und der Stellenwert des Zuhauses zunimmt, bleiben auch Konsumentennachfrage und Kaufbereitschaft nach unserer Einschätzung stabil“, zeigt sich der Vertriebsmanager zuversichtlich. „Wir sind davon überzeugt, dass selbst bei Inflationseffekten eher in anderen Lebens- und Konsumbereichen Einschränkungen zu Gunsten des Wohnens erfolgen werden.“ Was die pandemiebedingten Lieferverzögerungen anbelangt, rät Bernd Weisser von pauschalen Empfehlungen ab: „Die Gespräche mit unseren Partnern zeigen uns, dass sich jeder unserer Handelspartner verantwortungsvoll und engagiert entsprechend seines Geschäftsmodells auf die Situation einstellt. Nach meiner persönlichen Auffassung ist es essentiell, dass Nobilia sich mit seinen Partnern offen, transparent und kontinuierlich über den Markt und die aktuellen Herausforderungen austauscht und gemeinsam Lösungen entwickelt. Genau dies tun wir und das macht uns gemeinsam erfolgreich. Gerade in diesen schwierigen Zeiten und unter diesen extremen Bedingungen. Unser Anspruch ist daher mehr denn je der attraktivste und zuverlässigste Lieferant für unsere Handelspartner zu sein. Dies ist das Leitmotiv für unser Handeln bei Nobilia.“ Dementsprechend unterstützt Nobilia seine Partner im Handel mit einem Portfolio unterschiedlicher Maßnahmen. „Ein zentraler Baustein ist unsere erweiterte Bevorratungsstrategie, die natürlich auch unseren Ansatz der Komplettvermarktung mit unterstützt. Auch knappe Komponenten wie Elektrogeräte werden von uns bevorratet, sodass wir unseren Partnern aus unserem Sortiment heraus auch alternative Lösungen aufzeigen können. Für Märkte und Regionen, die sich im Lockdown befinden, haben wir einen portablen Musterkoffer entwickelt, der unsere Händler in der Vor-Ort-Beratung beim Endkunden im eigenen Zuhause unterstützt. Zudem unterstützen wir unsere Partner mit einem großen Portfolio an Produktvideos und unserem 360° Rundgang durch die Ausstellung bei der Beratung vor Ort oder per Videochat. Das wichtigste Element bleibt aber nach wie vor eine enge und abgestimmte Kommunikation mit unseren Partnern, die wir neben dem weiterhin wichtigen persönlichen Austausch über Newsletter, unser Extranet und unser Kundenmagazin „insights“ intensiviert und noch stärker zentralisiert haben. Zudem unterstützen wir unsere Partner über ein aktives und umfassendes Kampagnenmarketing von der Platzierung bis zur Vermarktung über fertig ausgearbeitete Marketingpakete.“ www.nobilia.de
Umfrage Küchen | BRANCHENSPIEGEL
Bauformat/Burger: Unbürokratisch und flexibel, zuverlässig „Bei Bauformat werden wir das Jahr 2021 im Inland +6,5% abschließen“, so Matthias Berens, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing Bauformat Küchen GmbH & Co. KG. Im Ausland habe man jedoch ein Minus von 5 Prozent verbuchen müssen. „Begründet liegt dieser Umsatzrückgang darin, dass klassische Projektländer wie USA und China noch nicht wieder auf Normallevel sind. Zusätzlich hatten wir im letzten Jahr große Objektvolumen aus weiteren Ländern wie Schweden und UK gehabt, die dieses Jahr leider fehlten. Burger Küchen entwickelte sich im Jahr 2021 mit +2,6 % im Inland und +16,26 % im Ausland positiv.“ Erfreulicherweise verhalte sich, so Matthias Berens, das Auslandsgeschäft hier deutlich positiver als bei Bauformat – positiv beeinflusst durch die erfolgreiche Entwicklung im Retailgeschäft in Österreich, UK, Niederlande und Spanien. An seiner Exportstrategie hält die Unternehmensgruppe im Übrigen weiterhin fest. „Wir investieren nach wie vor kontinuierlich in den Ausbau der Exportmärkte, wie Benelux, Österreich, UK, Schweiz und Spanien. Wir haben in jedem Land noch genug weiße Flecken und wenn dann noch die Wirtschaftsleistungen in den Ländern positiv verlaufen, ergeben sich dann noch mehr Chancen für uns“, ist sich der sympathische Manager sicher. Auch wenn die Konsumenten im nächsten Jahr hof-
fentlich ihr Geld auch wieder für Reisen etc. ausgeben können, glaube ich, dass wir zumindest bis Mitte des Jahres 2022 einen guten Küchenmarkt haben werden“, zeigt sich der Manager zuversichtlich. „Die Baugenehmigungen (Jan-August 2021) sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,1 Prozent gestiegen, d.h. es wird in der nächsten Zeit mehr gebaut. Zudem zieht jeder Neubau weitere Küchenverkäufe nach sich.“ Was die Lieferverzögerungen anbelangt, betrachtet Matthias Berens die Situation ganz sachlich: „Wir als Küchenhersteller können in der Regel noch auf Alternativprodukte zurückgreifen. Fehlt eine Front in einer gewissen Ausführung, kann der Händler dem Kunden eine andere Ausführung anbieten. Bei Geräten ist dies oft nicht möglich. Der Handel in Deutschland wird sicherlich schon Erfahrungen mit dieser Situation gemacht haben und wird den Konsumenten mit offenem Visier aufklären.“ Unsere ganze Energie stecken wir seit Beginn der Pandemie in die Aufrechterhaltung der Lieferkette. Bis dato ist es uns sehr gut gelungen, die Küchenkommissionen vollständig und pünktlich zu liefern. Auch im Bereich der Geräte sind wir bisher lieferfähig gewesen. Sollte einer unserer Kunden ein Problem haben, dann helfen wir ihm unbürokratisch und flexibel. Das ist der Vorteil bei uns, wir haben kurze Wege.“ www.bauformat.de · www.burger-kuechen.de
MATTHIAS BERENS, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing Bauformat Küchen GmbH & Co. KG
Rotpunkt Küchen: Kommunikation schafft Transparenz = Vertrauen „Wir haben uns im Jahr 2021 sehr positiv entwickelt und gehen von einem Wachstum von über 15 Prozent ggü. 2020 aus“, freut sich Andreas Wagner, geschäftsführender Gesellschafter Rotpunkt Küchen. „Für das Jahr 2022 rechnen wir mit einem moderaten Wachstum im unteren einstelligen Prozentbereich. Aus unserer Sicht wird sich die hohe Nachfrage, wie wir sie seit Herbst 2020 haben ein wenig normalisieren.“ Als nahezu unkalkulierbaren Faktor bezeichnet der versierte Marktkenner die Lieferkettensituation, die die Branche auch im kommenden Jahr fordern wird. „Das Auslandsgeschäft spielt für unser Unternehmen eine wesentliche Rolle“, betont der global agierende Unternehmenschef. „In unseren Kernmärkten (Zentraleuropa) gehen wir von einer leichten Abschwächung (zurück auf ein normales Niveau) aus. Aufgrund unserer intensiven Bemühungen, andere
Märkte im Exportbereich zu erschließen, gehen wir aber auch hier insgesamt von einem Wachstum aus. Aus meiner Sicht bleibt die Ausgabefreudigkeit der Konsumenten weitestgehend erhalten, solange die Baubranche nicht durch noch weiter steigende Lieferkettenprobleme ausgebremst wird.“ Was die coronabedingten Lieferverzögerungen anbelangt, empfiehlt Rotpunkt seinen Handelspartnern eine sehr, sehr enge Abstimmung mit den Partnern auf Lieferanten-Seite, um die Herausforderungen kurzfristig eintretender Verzögerungen gemeinsam zu lösen. „Getreu dem Motto: reden und Transparenz hilft, haben wir eine sehr offene Kommunikation zu unseren Handelspartnern aufgebaut. Diese wird unsererseits durch frühzeitige telefonische und schriftliche Information an unsere Handelspartner gewährleistet.“ www.rotpunktkuechen.de
ANDREAS WAGNER, geschäftsführender Gesellschafter Rotpunkt Küchen
küche + architektur | 15