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küche + architektur 3-2023

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Ausgabe 3/2023 · 11. Jahrgang · www.kuecheundarchitektur.de

Das Magazin für professionelles Einrichten

Interzum 2023 · Nachhaltige Wohnlichkeit – technische Multifunktionalität Warendorf ist Warendorf · Interview mit Daniel Griehl, Geschäftsführer Warendorf Werke GmbH Küchenspezialist des Jahres 2023 · Wohnwerk Memmel – der Name ist Programm


Editorial

Wenn die Marke mit der Marke … … entsteht ein vielschichtiges Profil

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hne Profil geht heute gar nichts mehr. Wer sich im Laufe der Jahre mit seinem Geschäft keinen Namen gemacht hat, der wird gerade in den herausfordernden Zeiten von heute auf kei­ nen grünen Zweig kommen. Denn der Markt wird rauer, Konsumenten werden anspruchsvoller und bedachter. Die einfallsloseste Methode, um vom Verbraucher wahrgenommen zu werden, ist eine aggressive Preispolitik. Sie stellt das größte Armutszeugnis dar, das Unternehmen abgeben können. Erfolgversprechend ist vielmehr das klare und at­ traktive Bild, das authentische Hersteller und Han­ delsmarken gegenüber dem Verbraucher aufgebaut haben. Allerdings sind auch sie nicht gegen Preisfeh­ den gefeit, durch die leider auch hier Wertschöp­ fung vernichtet wird, und zwar sowohl auf Seiten der Hersteller als auch auf Seiten des Handels. Hier wäre es sicherlich besser, darüber nachzudenken, wie man sich durch intelligentere und nachhaltigere Maßnahmen profilieren und Präferenzen bei Kun­ den aufbauen kann. Gerade zurzeit arbeiten auch in unserer Branche Hersteller am Ausbau und an der Schärfung ihres Markenprofils, bzw. gezielt an der Etablierung und dem Aufbau ihrer Produkte zu Marken. Speziell im Bereich der Möbelhersteller treten sie an die Stelle etablierter Marken, die ihren Bekanntheitsgrad mittlerweile nahezu verloren haben. Wenn über­ haupt, sind sie höchstens noch im Ausland präsent. Das bietet Raum für die neuen Marken – vormalige Handelsmarken zum Beispiel, die vom Fachhandel gegenüber dem Verbraucher bereits zur Marke ge­ kürt wurden, ohne dass dies von Seiten der Hersteller eigentlich angestrebt war. Doch gerade jetzt, in dem schwierigen konjunkturellen Umfeld, profitieren sie von dieser bereits auf den Weg gebrachten Aufwer­ tung. Sie nehmen das Zepter selbst in die Hand und haben begonnen, selbst ihr Markenprofil auch gegen­ über den Konsumenten entsprechend zu schärfen.

Andere Hersteller sehen sich weiterhin in erster Li­ nie als Marke für den Fachhandel. Sie wachsen be­ reits seit einigen Jahren gemeinsam mit ihren Part­ nern im Handel und unterstützen diese wie immer möglich. Ihr Marketingbudget fließt in die Unter­ stützung ihrer Kunden, die sich damit gegenüber dem Endverbraucher profilieren können. Es gibt jedoch auch Unternehmen, die das Feld zwi­ schen Konsumenten- und Handelsorientierung glei­ chermaßen gut bestellt und sich zu einer von beiden Seiten wahrgenommenen und respektierten Marke entwickelt haben. Dabei setzen sie auf die Kombina­ tion echter Innovationen und zielgruppenorientier­ tem Marketing. Dieses neu entstehende Markenspektrum bietet den Verbrauchern wieder eine gewisse Vielfalt und wird deren Wunsch nach Abwechslung und Individuali­ tät gerecht. Den Küchen- und Einrichtungsplanern, die sich in ihrem Geschäftsfeld ebenfalls zu regionalen Marken entwickelt haben, verleiht dies mehr denn je die Chance, ihr Profil durch die Zusammenarbeit mit markanten Industriepartnern zusätzlich zu schär­ fen. Künftig, daran besteht kein Zweifel, wird es im­ mer wichtiger werden, die Werte der Marke klar und unmissverständlich zu kommunizieren, um für Kunden relevant zu sein und zu bleiben.

Yvonne Davy Chefredakteurin

„Eine Marke besteht aus Erwartungen, ­Erinnerungen, Geschichten und Beziehungen, die zusammengenommen dafür sorgen, dass ein Kunde bestimmte Produkte oder Dienstleistungen anderen bevorzugt.“ Seth Godin, Marketing- und Leadership-Experte

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Foto: Hettich

FurnSpin – der spektaku­ läre Dreh-Schwenk­ beschlag von Hettich bringt künftig Dynamik in hoch­ wertige Möbelprogramme. Dank FurnSpin können Hoch- oder Seitenschränke ihr Inneres um die eigene Achse komplett nach außen drehen und ermöglichen damit einen komfortablen Zugriff auf die hinten liegenden Bereiche des Schranks. Mit einer ­flüssigen Drehbewegung enthüllt sich das Schrank­ innere wie von Zauberhand und verhüllt es auf Wunsch ebenso schnell wieder. Zurück bleibt eine völlig unauffällige, grifflose Schrankfront. Das raum­ übergreifend einsetzbare Beschlagsystem wurde in Köln mit dem interzumAward „Best of the Best“ ausgezeichnet. (Siehe auch S. 22) hettich.com

1 Wenn die Marke mit der Marke … 21 Nachhaltige Wohnlichkeit – entsteht ein vielschichtiges Profil

technische Multifunktionalität

Editorial

Interzum 2023

4 Das Innere hält, was das Äußere verspricht Küche und Architektur im Einklang

8 Warendorf ist Warendorf Interview mit Daniel Griehl, Geschäftsführer Warendorf Werke GmbH

12 Wohnwerk Memmel – Der Name ist Programm Küchenspezialist des Jahres 2023

14 Stronger together BLANC & FISCHER Familienholding ­steigert Umsatz auf 1,45 Milliarden Euro

19 Blanco – Der Systemanbieter am Küchenwasserplatz Nutzen statt Menge

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22 It’s all in Hettich – Interzum 2023 Erfolg ist das Ergebnis starker ­Partnerschaften

25 Kunststofffliesen erleichtern das Renovieren Fliesenalternative Ceramin® Tiles ­gewinnt Interzum Award

26 Aus Überzeugung nachhaltig gut Blum

29 Design hat kein Verfallsdatum Gera Leuchten

30 Outdoorküchen genießen ­internationale Nachfrage Wesco zeigte seine hochwertigen Outdoorküchen-Lösungen auf der Interzum


Impressum Verlag: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-1 · Fax 0711/5206-300 www.fachschriften-verlag.de VERLAGSLEITUNG: Tilmann Münch Christian Schikora Redaktionsbüro: küche+architektur Weißheimerstraße 7 · 67549 Worms

Inhalt 3/2023

Herausgeberin und Chefredakteurin: Yvonne Davy Tel. 06241/979708-10 Fax 06241/979708-17 davy@fachschriften.de Social Media und Anzeigenverkauf: Angela Weber Tel. 06241/979708-12 weber@fachschriften.de Layout: Simone Steinbrech post@steinbrech-design.de Druck: ColorDruck Solutions Gutenbergstraße 4 · 69181 Leimen

32 Überzeugend in

42 E.G.O. – die Weichen stehen

Technik und Design

auf Wachstum

Salice

Von Future Washing bis Zonengaren

34 Naber Compair Prime flow® begeistert im Praxis-Test

44 Der Kreis – Jahreshauptversammlung 2023 „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“

35 Die Individualität der Griffe Schwinn

36 Mehr Komfort für Küche und Hauswirtschaftsraum Hailo

38 Willkommen bei Ninka! Das Bad Salzufler Unternehmen zeigt zur Interzum 2023 die Einsatzvielfalt seiner Kunststofferzeugnisse

40 Innovativ, nachhhaltig und kundenorientiert Vauth-Sagel

48 Digital trifft physisch – Der Küchenring verbindet Welten Verbundgruppe nähert sich der 700 Mio.-Euro-Hürde

52 Vorsprung durch ­Systemkompetenz Jahreshauptversammlung MHK Group

56 Die guten Adressen der Branche Visitenkarten

Preisliste für Anzeigen: zur Zeit Nr. 11, gültig seit 1. 1. 2023 Preis Einzelheft: 10,00 Euro (inkl. Versand und MwSt.) Preis Jahresabo: (6 Ausgaben inklusive ePaper) Inland: 53,00 Euro; Ausland: 62,00 Euro (Preise inkl. Versand und MwSt.) Abonnement-Service: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Abo-Service Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-306 Fax 0711/5206-307 abo@fachschriften.de Bankkonten: HypoVereinsbank IBAN: DE72 670 201 900 025 059 506 BIC: HYVEDEMM489 Steuer-Nr.: 90492/10407 EG Ust.-Id.Nr.: DE 147321116 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Artikel oder Zuschriften mit Namen des Verfassers stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Der FachschriftenVerlag ist förderndes Mitglied im Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), Bad Honnef, und im Deutschen Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), Stuttgart. Im Fachschriften-Verlag erscheinen außerdem: Althaus modernisieren, bauen!, Bauen & Renovieren, HausbauHelden, Schwimmbad+Sauna und weitere Sonderhefte für Bauherren und Modernisierer Fotonachweise: küche + architektur | 3 Seite 56: © auremar / fotolia


Architektur + Trend

Das Innere hält, was das Äußere verspricht Küche und Architektur im Einklang

Entwurf und Umsetzung dieser Villa in Marbella mit ihren 620 qm Wohnfläche auf zwei Ebenen verantwortet das niederländische Architekturbüro 123DV. Zum Außenbereich mit Pool gelangt man über die Küche.

D

ie Bauherren wünschten sich ein Haus mit enger Verbindung zum Meer, das sich in die mediterrane Landschaft einfügt. 123DV wählte daher Panorama-Glasfronten als Gestaltungs­ elemente und legte einen Wasserkanal an, der sich durch beide Stock­ werke des Hauses zieht. Die gesamte Villa bietet ihren Bewohnern maximalen Komfort: Alle technischen Geräte können per Smartphone oder Tablet bedient

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werden. Das gilt auch für die Lampen an der Fassade, deren Licht durch vertikale Schlitze strahlt. Das unbestrittene Highlight im Au­ ßenbereich ist der große Swimmingpool mit transparenten Wänden, der den mediterranen Charakter der atemberaubenden Villa perfekt ergänzt. Geprägt wird das luxuriöse Bauwerk von einer geradlinigen moder­ nen Ästhetik, die gezielt auf spitze Winkel als Gestaltungselemente


Küchen | Architektur + Trend

setzt. Gleichzeitig übernehmen sie jedoch funktionelle Aufgaben: So spannt sich etwa das Obergeschoss wie ein Segel über die Terrasse und spendet Schatten. Den spitzen Winkel greift die Panoramafens­ terfront der ersten Etage auf und ragt wie ein Schiffsbug empor. Diese Geometrie wiederholt sich in der Küche mit der dominieren­ den zentralen Insel, die der niederländische Luxusküchenhersteller Culimaat aus Solid-Surface-Material im Farbton Alpine White S028 anfertigte. „Der Hauptanziehungspunkt ist zweifelsohne die Küchen­ insel aus „Himacs“, einem robusten, hochwertigen Material. Mit ihrer dreieckigen Form bildet sie das perfekte Bindeglied zwischen Wand und Glasfassade“, so 123DV. Das geometrische Design der Insel harmoniert zudem mit dem Grundriss der Küche und unterstreicht die Großzügigkeit des Rau­ mes. Das verwendete Material war die ideale Wahl für diesen Raum, denn der Mineralwerkstoff genügt nicht nur höchsten Hygiene- und Sicherheitsanforderungen, sondern zeichnet sich auch durch eine unvergleichliche Optik aus. Die fugenlosen Oberflächen von Himacs verhindern die Ansammlung und Ausbreitung von Keimen, Viren und

Bakterien, sind außerdem wasser-, chemikalien-, und hitzebeständig und äußerst langlebig. Elemente wie die Spüle und das Cerankochfeld sind in die Insel integ­ riert und stehen im Einklang mit der von 123DV angestrebten klaren, minimalistischen Ästhetik. Design und Funktion verbinden sich hier formvollendet auch dank einer Vielzahl verborgener Ablagemöglich­ keiten und jeder Menge Stauraum. Die Einbaugeräte sind in die mit Holz verkleideten Wände eingelassenen, so entsteht eine ruhige Op­ tik, die das großzügige Raumgefühl verstärkt. Diese Wandverkleidung findet sich auch in anderen Räumen und sogar im Keller wieder und sorgt damit für eine klare Linie. Wobei die Farbe Weiß beim Mobiliar und an den Wänden dominiert, um die Helligkeit und Großzügigkeit des Hauses zu unterstreichen. Hinterleuchtete Holzelemente an ei­ nigen Wänden bilden einen ansprechenden Kontrast und verleihen den Räumen Wärme – ebenso wie das Treppenhaus, für das die In­ nenarchitekten einen Kaffeeton wählten. Die Glasfassaden lassen na­ türliches Licht ein und schaffen einen fließenden Übergang zwischen www.123dv.nl · www.culimaat.nl Drinnen und Draußen.

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Architektur + Trend | Küchen

Unsere Fragen zu Themen, die den Wohnungsbau aktuell beherrschen, beantwortete 123DV-Architekt Liong Lie.

Welche Ausstattungsmerkmale verbinden Sie als Architekt mit dem energetischen Bauen? Ein Gebäude sollte in Bezug auf Heizung und Kühlung effizient arbeiten und so angelegt sein, dass es Hitze und Kälte abhält. Nachhaltige Materialien spielen eine tragende Rolle. Welche Werkstoffe (außen und innen) werden die Zukunft des privaten Bausektors prägen? Ganz wichtig wird die Wiederverwendung von vorhandenen Materialien sein. Aber auch bio­ basierte Werkstoffe sind im Kommen. Stoffe, die sich für 3D-Druck verwenden lassen, werden ebenfalls eine Zukunft haben. Welche Bedeutung kommt dem Thema Raum (Größe) und der räumlichen Aufteilung (Küche, Essen, Wohnen – Schlafen, Bad, Ankleide) in privaten Immobilien zu? Raumgröße ist ein Mengenmaß. Ich glaube, wenn es gelingt, Menge durch Qualität zu erset­ zen, können wir Architekten kompakte Raumgrößen mit räumlicher Qualität schafffen. Wir haben das bereits umgesetzt mit der 360 Villa auf 80 qm Wohnfläche. Hier maximierten wir das Wohnerlebnis, indem wir einen kreisförmigen Grundriss mit einem scheinbar endlosen

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Architektur + Trend

Fotos: © Culimaat

Fenster projektierten, für einen Wohnraum mit unbegrenztem Panoramablick in den Garten. Wir gestalteten Eingangsbereich und Wohnraum, Schlaf- und Badbereich als einen fortge­ setzten Raum. Vorratshaltung und Küche wurden als übertiefe Schrankwand integriert. Wir sparten Quadratmeter für den Eingangsbereich und strichen Flur und Bad als Räume. In welcher Form bringen Sie smarte, energiesparende Lösungen mit in die von Ihnen geplanten Immobilien ein? Wir ermittteln, inwieweit smarte, energiesparende Lösungen mit den Wünschen des Bauher­ ren nach Komfort und dem zur Verfügung stehenden Budget in Einklang gebracht werden können. Dementsprechend ermitteln wir anschließend die beste Strategie hinsichtlich der Ge­ bäudegröße, der Materialauswahl und der Installationen. Grundsätzlich gilt: Wie auch immer wir uns entscheiden, das Ergebnis soll ein vollkommenes Wohnerleben sein. Welche Heizungsvarianten empfehlen Sie Ihren Kunden heute und warum? Fußbodenheizung! Wenn Ihre Füße sich wohlfühlen, können Sie so die Temperatur im gesam­ ten Raum niedriger einstellen, als mit Wandheizkörpern.

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unternehmen + köpfe

Warendorf ist Warendorf Interview mit Daniel Griehl, Geschäftsführer Warendorf Werke GmbH

Im Juli 2022 wurde Daniel Griehl Geschäftsführer der Warendorf Küchenfabrik GmbH. Damals machte er sich zur Aufgabe, die Positionierung der Premiummarke mit internationaler Ausrichtung zu festigen und auch den Heimatmarkt Deutschland stärker zu mobilisieren. Dann, nicht einmal ein halbes Jahr später – zum dritten Mal in der Historie des Unternehmens – die Insolvenz. Heute ist Warendorf Die Küche Bestandteil der hülsta Gruppe und sieht optimistisch einer erfolgreichen Zukunft entgegen. Wir sprachen mit dem versierten Branchenkenner über die Vorteile der neuen Konstellation, die, so Daniel Griehl, eine langfristige, strategische Ausrichtung der

Fotos: Warendorf

Premium-Marke ‚Warendorf made and managed in Germany‘ gewährleistet.

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unternehmen + köpfe

A

n der Fokussierung auf den Fachhandel, der klaren Positionie­ rung im Premiumsegment und der nachhaltigen Schärfung des Markenprofils hält das Unternehmen fest: „Unser Ziel muss es sein“, betont der Branchenkenner, „die Wiedererkennbarkeit der Marke Warendorf noch weiter auszubauen und zu gewährleisten.“ Herr Griehl, seit Ihrem Einstieg bei der Warendorf Küchen­ fabrik GmbH durchleben Sie spannende Zeiten. Diese Insolvenz muss Sie doch völlig überrascht haben? Daniel Griehl: Das kann man wohl sagen. Die Entwicklungen, die bereits nach wenigen Monaten eintraten, kamen für mich als auch für die Belegschaft mehr als überraschend. Die Verschiebung der Großprojekte aus China – die fest bestätigt waren – auf einen unbestimmten Zeit­ punkt, führte zu erhöhtem Liquiditätsbedarf durch den Gesellschafter. Dessen Entscheidung, Warendorf diesbezüglich nicht weiter zu unter­ stützen, machte die Suche nach einem neuen Gesellschafter notwendig.

Keine einfache Situation. Im Endeffekt war es ja nicht unbe­ dingt absehbar, dass ein Käufer gefunden wird. Dennoch haben Sie an dem Unternehmen festgehalten. Daniel Griehl: Als Alleingeschäftsführer sind Sie der Kapitän des Unternehmens, daher verstehe ich meine Rolle vorrangig darin, das Schiff gemeinsam mit der Mannschaft durch den Orkan zu segeln. Meine Mannschaft hat das zum größten Teil auch so gesehen und hat sich gemeinsam mit mir durch den Sturm gekämpft. Im Nachhinein muss ich feststellen, dass uns das gemeinsame Ziel Warendorf zu erhalten, noch stärker zusammengeschweißt hat. Unser Vertriebsteam hat sich als ab­ soluter Fels in der Brandung erwiesen. Jetzt, wo die Wogen sich geglättet haben, sind wir in der Lage, das Team sogar zeitnah weiter auszubauen. Aber nicht nur wir als Team haben an die Fortführung der Marke ge­ glaubt und dafür gearbeitet. Auch nahezu jeder unserer Kunden hat uns Solidarität zugesichert, diese bis heute auch gelebt und arbeitet weiter mit uns zusammen. Die Tatsache, dass wir nicht nur irgendeinen neu­ en Gesellschafter gefunden haben, sondern mit dem Traditionsunter­ nehmen hülsta einen renommierten Partner an unserer Seite haben, stärkt unsere Kunden in ihrer Entscheidung mit uns weiterzuarbeiten. Unsere Referenz und Qualitätsversprechen zugleich – Made in Ger­ many – werden wir konsequent weiterverfolgen. Das wird uns helfen, unsere Exportquote von derzeit 53 Prozent deutlich auszubauen. Vor der Insolvenz waren Sie gerade dabei, Warendorf neu auf­ zustellen. Können Sie Ihre Strategie unter dem neuen Inhaber fortführen? Daniel Griehl: Ja, und ich habe die volle Unterstützung unseres neuen Gesellschafters. Wir werden unsere Positionierung von ‚Functional Luxury‘ sehr präsent auf der diesjährigen Hausmesse in Warendorf zeigen. Auch das Markenbild wird überarbeitet sowie das digitale Marketing ausgebaut werden, um unsere Partner zu unterstützen. Die neue Website wird gerade programmiert. Nachdem wir nun einen strategischen Investor aus der Möbelbranche haben, können wir unsere Transformationsgeschwindigkeit hochgra­ dig beschleunigen. Das macht sich bereits an den Qualitätskennzif­ fern der ersten Wochen bemerkbar. Qualität und Lieferperformance sind hier Prio 1. Mein Geschäftsführungs-Kollege Waldemar Bauer, der auch Geschäftsführer der Supply Chain bei hülsta ist, bringt hier richtig Geschwindigkeit in die Themen. Des Weiteren generieren wir bereits erhebliche Synergieeffekte, wie beim Thema Kosteneffizienz.

Alexander Schmidt, Leiter Customer Service, Klaus Unger, Gebietsverkaufsleiter, Dirk Richter, Gebietsverkaufsleiter, Daniel Griehl, Geschäftsführer, Hennie van den Akker, Sales Director Export (v.l.n.r.)

Wir arbeiten beispielsweise seit April mit der hauseigenen Logistik von hülsta. Auch in den Themen Insourcing, IT und Finanzen konn­ ten wir erste positive Synergien schaffen. Nicht zu vergessen: die Er­ fahrungswerte beider Unternehmen. Der Austausch von Erfahrungen und Wissen ist Gold wert. Dem vormaligen chinesischen Investor, der das Unterneh­ men nach der zweiten Insolvenz im Jahr 2019 übernommen hatte, machte die chinesische Null-Covid-Politik zu schaffen. Deren weitreichende, negative Auswirkungen auf die dortige Baubranche hatten auch das Projektgeschäft von Warendorf Küchen beeinflusst und mit zur Insolvenz beigetragen. Wie werden Sie künftig versuchen, nicht mehr in eine solche Ab­ hängigkeit zu geraten? Daniel Griehl: Die meisten landesspezifischen wirtschaftlichen Ent­ wicklungen haben heute eine globale Auswirkung. Dem wird man als Unternehmen immer ausgesetzt sein. Das, was man aktuell tun kann, um etwaige negative Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, ist, die Abhängigkeit von sehr volatilen Geschäften zu minimieren. Die Marke Warendorf ist und bleibt eine Fachhandelsmarke und diesen Kanal werden wir national und international weiter ausbauen. Wir haben hierzu eine klare Expansionsstrategie entwickelt, die den Aufbau von qualitativen, weltweiten Premiumhändlern beinhaltet. Uns geht es hier nicht um Quantität, sondern um Qualität. Wir sind nun, nach den wenigen Wochen, auf einem guten Weg und haben auch bereits proaktive Anfragen aus verschiedensten Märkten erhalten. Für viele ist der Zusammenschluss mit hülsta sehr spannend, da er auch die Möglichkeit bietet, gesamte Wohnraumkonzepte anzubieten. Das wird für Innenarchitekten immer wichtiger. Was bedeutet das für Warendorf? Werden wir künftig auch ­Warendorf Küchen in den großen Möbelhäusern finden? Daniel Griehl: Als Fachhandelsmarke wird die Marke Warendorf nicht über die Großfläche distribuiert. hülsta arbeitet zwar gerade an einem Design-Konzept, um Wohnraum und Küche in Bezug auf Form, Far­ be, Material noch stärker zu verschmelzen. Bei diesem Konzept wird die Marke hülsta jedoch im Fokus stehen. Werden Sie mit der Marke Warendorf Die Küche das PremiumPreissegment in Zukunft nach unten ausweiten? Daniel Griehl: Die Marke Warendorf ist aktuell sehr gut positioniert. Wir haben deutlich stärkere Produkt-USPs als die Top-Premium küche + architektur | 9


unternehmen + köpfe

Küchen-Hersteller und sind preislich attraktiver. Eine Marke wie Wa­ rendorf im gehobenen Preissegment gewinnt gerade heute in einem international polarisierenden Markt immer stärker an Bedeutung. Die Einzigartigkeit und die Vielfalt des Produkts werden uns zudem un­ terstützen. Dazu gehört der Faltkorpus, der 100 Prozent Flexibilität in der Planung bietet und Kunden und deren Kunden passgenaue archi­ tektonische Lösungen ermöglicht. Einzigartig auf der Welt, macht sei­ ne Konstruktion ihn zum stabilsten und langlebigsten Korpus auf dem Markt, auf dessen Qualität wir bedenkenlos 30 Jahre Garantie geben können. Unsere eigene Lackfertigung ermöglicht jegliche Farbgestal­ tung in RAL und NCS. Dieser Individualisierungsgrad wird noch ab­ gerundet von Details wie Konturkanten, Greifprofile, Frontenstärken und vieles mehr. Sowohl unsere Fertigungstiefe als auch die von uns angebotenen Möglichkeiten suchen ihresgleichen. Auf der Messe werden unsere Gäste aber auch Konzepte sehen, die gezielt in das Luxus-Segment einsteigen, daher ist tendenziell eher eine Entwicklung nach oben als nach unten angesagt. Das heißt: Wir bleiben uns nicht nur treu, sondern bauen zusätzlich noch bedeutendere Differenzierungsmerkmale vor allem für End­ kunden aus. Diese werden eine Warendorf-Küche bald auf den ersten Blick erkennen. Somit unterstützen wir unsere Kunden, eine starke Geschichte zu erzählen und nicht nur über Merkmale wie Fronten und Griffe zu sprechen. Unsere Zielgruppen im B2C Bereich sind Postmaterielle und Perfor­ mer, die wir mit dem neuen Marketing-Ansatz noch gezielter anspre­ chen können. Ich möchte dennoch noch einmal auf den neuen Investor hülsta zurückkommen. Auch dieses Traditionsunternehmen musste durch die derzeit erschwerte konjunkturelle Marktsituation Umsatzrückgänge hinnehmen und leitete im Oktober 2022 für die Hülsta-Werke Hüls GmbH & Co. KG und für die Dienstleis­ tungsgesellschaft DIHUG GmbH ein Insolvenzverfahren in Ei­ genverwaltung ein. Böse Zungen lästern nach dem Erwerb von Warendorf durch die Unternehmensgruppe „zwei Kranke erge­ ben noch keinen Gesunden“. Wie sehen Sie das? Daniel Griehl: In Zeiten der Verunsicherung, vor allem bei Kunden, helfen derartige Äußerungen nicht weiter. Es ist offensichtlich, dass die Branche aktuell unter Druck steht. Ich bin der Meinung, dass uns die deutsche Wirtschaft gemeinsam am Herzen liegen und die Sicherung von Arbeitsplätzen im Vordergrund stehen sollte. Zu hüls­ ta: Die Gruppe wird in dem derzeit herausfordernden Marktumfeld mit Know-how und viel Erfahrung geleitet. Gesellschafter und Ge­ 10 | küche + architektur

schäftsführer Dr. Thomas Knecht ist ein ausgewiesener Transfor­ mations- und Sanierungsexperte, der das Unternehmen mit seinem Team zukunftssicher aufstellt. Mit Profis wie Waldemar Bauer haben wir bereits wertvolle Synergien nutzen können: Die Teams, die Men­ talität und der Wille, gemeinsam viel zu bewegen – das passt einfach. Warendorf hat die schwierigste Zeit nun hinter sich und kann sich gemeinsam mit hülsta auf den Weg in die Zukunft machen. Hülsta selbst hat die Zeit genutzt, um seine Prozesse zu op­ timieren. U.a. werden Fertigungsstätten zusammengelegt und Personal wurde reduziert. Wie sieht es mit der Fertigung von Warendorf Die Küche aus? Die Fertigung in Warendorf wird von Marktkennern als „nicht ganz up-to-date“ beschrieben. Daniel Griehl: Der Standort für Produktion und Verwaltung wird in Warendorf bleiben. Wir haben innerhalb des M&A Prozesses den In­ vestitionsplan besprochen und im Business Case integriert. Die Suche nach entsprechenden Maschinen für eine Modernisierung ist bereits angestoßen. Was geschieht eigentlich mit dem Werksstudio sowie den zwei Küchenstudios in Berlin und Düsseldorf, die vor der Insolvenz unter Warendorf Küchen Retails GmbH liefen? Daniel Griehl: Wir haben bereits eine neue GmbH gegründet und die Stores übernommen. Auch hier sind wir gerade dabei, uns konzepti­ onell neu aufzustellen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Produkt der Marke ‚Waren­ dorf ‘ weitaus mehr Potenzial hat. Wir haben noch unzählige White Spots zu erschließen und daran wird aktuell aktiv gearbeitet. Ich bin davon überzeugt, dass es uns gelingen wird, Warendorf auf das nächs­ te Level zu bringen und international zu positionieren – explizit in der neuen Konstellation mit hülsta. Warendorf ist unverkennbar Wa­ rendorf, darauf können unsere Partner im Fachhandel als auch deren Kunden vertrauen. Zu unserer nächsten Hausmesse, die zudem im Zeichen unseres 50-jährigen Firmenjubiläums steht, wird das bereits deutlich erkennbar sein. Ich verspreche Ihnen bereits heute: Mit der Marke Warendorf werden wir unseren Gästen aus dem In- und Aus­ land ein klar definiertes Profil zeigen. Das gilt auch für die gestalteri­ sche Ausrichtung unserer Produkte. Wir zeigen nicht einfach Neues, sondern Besonderes. Ich halte es hier mit Massimo Vignelli: „Styles come and go. Good design is a language, not a style.“ Herr Griehl, wir danken Ihnen für dieses informative Gespräch und wünschen Ihnen und Ihrem Team weiterhin viel Erfolg!


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DAS VERBINDENDE ELEMENT

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STATIONÄRER KÜCHENHANDEL DIGITALE MÖGLICHKEITEN Der Besuch im Küchenstudio ist die unangefochtene Nummer 1, wenn es um die Planung einer neuen Küche geht. Doch auch in der Digitalisierung steckt großes Potenzial für den stationären Handel. Der Küchenring ist der starke Partner für Ihren stationären sowie digitalen Auftritt. WWW.KUECHENRING.DE


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