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küche + archtiektur 1-2024

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Ausgabe 1/2024 · 12. Jahrgang · www.kuecheundarchitektur.de

Das Magazin für professionelles Einrichten

Unternehmer kommt von unternehmen · Ralf Marohn, Far East-Experte und Küchenmöbelhersteller Am Anfang steht die Vision · Im Gespräch mit Leicht-CEO Stefan Waldenmaier „Konjunktureller und politischer Frust führt zu Kaufunlust“· Wolfram Fitz, Wohnfitz, Walldürn


Editorial

Wir sitzen alle in einem Boot

D

ie derzeitigen wirtschaftlichen Gewässer, sowohl national als auch international, mögen stürmisch sein. Politische Unsicherheiten tragen zur Unruhe bei und beeinflussen das Investitionsverhalten sowie die Risikobereitschaft von Unternehmen und Verbrauchern negativ. Inmitten dieser Herausforderungen ist es jedoch entscheidend, dass Industrie und Handel gemeinsam das Ruder fest in der Hand halten. Ja, der Markt ist anspruchsvoller geworden, und die Überkapazitäten aus vergangenen Boom-Jahren sind abgebaut. Gleichzeitig erleben wir einen Rückgang der Nachfrage. Die Rabattschlacht hat bereits begonnen. Druckwerbung und Rundfunkspots von Handel und Industrie locken mit außerordentlichen Preisen. Mehr Küchen werden dadurch nicht verkauft, aber verdrängt wird auf Teufel komm raus. Hinzu kommen Existenzängste, die sich bei dem einen schneller und bei anderen etwas langsamer breitmachen. Ist der Nachfrage-Rückgang nach den letzten Boom-Jahren doch nicht nur ungewohnt, sondern auch besonders extrem. Einige Unternehmen werden hyperaktiv, wieder andere aggressiv, andere verharren in einer Abwarte-Starre. Industrie und Handel agieren hier gleichermaßen heterogen. Jeder ist darauf bedacht, die Kosten im Griff zu behalten. Die in der Boomphase dringend benötigten Leiharbeiter werden meist nicht weiterbeschäftigt. Positionen von Mitarbeitern, die sich in den verdienten Ruhestand verabschieden, werden nicht mehr besetzt. Viele Industrieunternehmen versuchen durch Kurzarbeit ihre Arbeitsprozesse aufrechtzuerhalten und ihre Liquidität in der Krise zu sichern, andere wieder verlagern einen Teil der Arbeitsplätze ins Ausland. Und doch sollte man bedenken, dass dies nicht nur eine Zeit der Herausforderungen, sondern auch eine Zeit der Chancen ist. Flexibilität steht im Fokus des unternehmerischen Handelns, unterstützt durch eine noch ausgeprägtere Digitalisierung. Denn nur eine schnelle Anpassungsfähigkeit ermöglicht es, sich den Herausforderungen des dynamischen Geschäftsumfelds unmittelbar zu stellen und damit die eigene Position auf dem Markt zu stärken. Nur bewegliche Unternehmen können sich besser auf unvorhergesehene Ereignisse wie Wirtschaftskrisen oder politische Veränderungen vorbereiten und darauf reagieren.

Nicht zuletzt können ausschließlich flexiblen Unternehmen ihre Produktionskapazitäten, Lieferketten und Mitarbeiter entsprechend den aktuellen Anforderungen einstellen, und so ihre Effizienz zu steigern. Und nicht nur das, diese neue Dynamik erlaubt es Unternehmen, die es, was zu betonen ist, sowohl auf Industrie- als auch auf Handelsseite gibt, sich an Veränderungen in der Marktnachfrage, Trends und Kundenpräferenzen anzupassen, was mittel- und langfristig zu einer deutlich besseren Positionierung führt. Zudem stärkt die Fähigkeit, sich flexibel den Bedürfnisse der Kunden anzupassen, die Kundenbindung. Unternehmen, die schnell auf Kundenfeedback reagieren und ihre Produkte oder Dienstleistungen verbessern können, schaffen Vertrauen und langfristige Beziehungen. Auch der Küchenfachhandel tritt dieser Situation mit Eigeninitiative, Prozessoptimierung und Kreativität gegenüber. Dabei versucht er mit attraktiven neugestalteten Ladenbaukonzepten, kundenorientiertem, kompetentem Auftreten im stationären Geschäft als auch Online bei kaufinteressierten Kunden zu punkten. Mit einem für seine Mitarbeiter attraktiven Arbeitsumfeld, aber auch mit intelligenten Arbeitszeitmodellen tut er alles, um seine Mitarbeiter zu halten und das Schiff gemeinsam mit ihnen durch die Krise zu manövrieren. Denn keine Wirtschaftskrise währt ewig. Zieht die Konjunktur wieder an, wird jeder gute Verkäufer, jeder Monteur und jeder Lagerist gebraucht. Und dann heißt es „woher nehmen, wenn nicht finden“. Wie nahezu jede Branche, sieht sich die Küchenbranche nicht nur mit den wirtschaftlichen Herausforderungen, sondern auch mit gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen konfrontiert. Eine ganzheitliche Strategie, die individuelle Werte reflektiert und gesellschaftlichen Beitrag leistet, ist gefragt, um erfolgreich durch diesen Wandel zu navigieren. Trotz der konjunkturellen Gesamtsituation und der volatilen Märkte bleibt die Gewissheit, dass Unternehmen, die vorausschauend handeln und sich anpassen, auch in unsicheren Zeiten bestehen können. Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleister und Medien befinden sich branchenübergreifend gemeinsam in einem Boot, und nur durch gemeinsame Anstrengungen können wir die Herausforderungen bewältigen und gestärkt aus diesen bewegten Gewässern hervorgehen. küche + architektur | 1


Foto: Liebherr

So wird Weinlagerung Salonfähig. Mit Liebherr GrandCruWeinlagerschränken ist eine behutsame Lagerung edler Tropfen garantiert. Dafür sorgen speziell entwickelte, besonders laufruhige Kompressoren sowie die stabilen Holz­ borde aus massivem Buchenholz. Die präzise elektronische Steuerung der Geräte gewährleistet die konstante Einhaltung der gewünschten Temperatur. Sie kann gradgenau zwischen +5 °C und +20 °C eingestellt werden. Für eine optimale Luftqualität im Weinlagerschrank sorgen Aktivkohlefilter, die Gerüche aller Art zuverlässig binden. Und nicht zuletzt bieten die GrandCru-Weinlagerschränke mit Glastür einen nie dagewesenen Schutz vor UV-Strahlung. (Siehe auch S. 28) https://home.liebherr.com

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1 Wir sitzen alle in einem Boot Editorial

4 Unternehmer kommt von unternehmen Ralf Marohn – Far East-Experte und Küchenmöbelhersteller

8 Am Anfang steht die Vision Leicht-CEO Stefan Waldenmaier

24 Welchen Stellenwert haben Einbaugeräte heute beim ­Verkauf einer neuen Küche und wie begründet sich dieser? Statements von Händlern

28 Wein richtig lagern, um ihn perfekt zu zelebrieren Weinklima- und Weintemperierschränke von Liebherr für höchste Anforderungen

12 „Konjunktureller und politischer 31 Funktionale Ästhetik mit Frust führt zu Kaufunlust.“

Im Gespräch mit Wolfram Fitz, ­geschäftsführender Gesellschafter des Einrichtungshauses Wohnfitz, Walldürn

16 Der Wunsch nach der eigenen Immobilie Deutsche zwischen Baum und Borke

18 Rotpunkt hält Kurs trotz stürmischer See Umsatz von 100 Millionen Euro stabil auf Vorjahresniveau

20 Jedes Hausgerät ist eine ­Investition in die Zukunft Interview mit Harald Friedrich, Leiter Vertrieb Zentral- und Osteuropa BSH Home Appliances Group

intelligenten Nischensystemen und Regalen Das Accomoda® Regal-und Relingsystem transForm von Naber

32 Mehr Komfort, Sicherheit und Individualität durch Künstliche Intelligenz Auf der CES 2024 in Las Vegas präsentierte Samsung Electronics seine Vision, wie Menschen künftig dank AI ihre Geräte intuitiv und komfortabel nutzen können

37 Nobilia investiert in eigenen Montage- und Logistikservice Montas Montage- und Logistikservice


Impressum Verlag: Bauhelden Media GmbH & Co. KG Welfenstraße 19 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-1 · Fax 0711/5206-300 www.bauhelden.media VERLAGSLEITUNG: Tilmann Münch Christian Schikora Redaktionsbüro: küche+architektur Weißheimerstraße 7 · 67549 Worms

Inhalt 1/2024

Herausgeberin und Chefredakteurin: Yvonne Davy Tel. 06241/979708-10 Fax 06241/979708-17 davy@bauhelden.media Social Media: Tel. 06241/979708-12 Layout: Simone Steinbrech post@steinbrech-design.de Druck: ColorDruck Solutions Gutenbergstraße 4 · 69181 Leimen Preisliste für Anzeigen: zur Zeit Nr. 12, gültig seit 1. 1. 2024 Preis Einzelheft: 10,00 Euro (inkl. Versand und MwSt.)

38 „Offene Wohnraumlösungen im

48 Großzügigkeit und Flexibililtät

Kontext zur Innenarchitektur“

durch intelligente Beschlagund Lichtlösungen

Im Gespräch mit Klaus Monhoff, Leiter des Egger Dekor- und Design­ managements

40 Living Colours 2024 Pfleiderer

42 Eurocucina 2024 – Salone del Mobile.Milano Internationales Schaufenster für Einrichtung und Designkultur

45 Nolte Küchen präsentiert Wohnkultur in Perfektion Eurocucina: 16. bis 21. April 2024 in Pavillon 2, Stand D11

46 Mutifunktionale Rückwände mit italienischer Finesse Arredo3

47 Neue Maßstäbe in Eleganz und Individualität Siematic S2 Next Generation

48 Beschlaglösungen Wenn Funktionalität und Ästhetik zu einem sensorischen Erlebnis werden

Häfele

50 Funktion erlebbar gemacht Blum

51 Gefragt: multifunktionale, nachhaltige Beschlaglösungen mit hohem ästhetischen ­Anspruch Vauth-Sagel

52 Beschläge: Meisterleistungen der Ingenieurskunst Grass

53 Multifunktionalität, Design und flexible Raumtrennung Schüco Interior Systems

54 Hettich schafft Ideen … … für ganzheitliche Möbelkonzepte

56 Die guten Adressen der Branche Visitenkarten

Preis Jahresabo: (6 Ausgaben inklusive ePaper) Inland: 53,00 Euro; Ausland: 62,00 Euro (Preise inkl. Versand und MwSt.) Abonnement-Service: Bauhelden Media GmbH & Co. KG Abo-Service Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-306 Fax 0711/5206-307 abo@fachschriften.de Bankkonten: HypoVereinsbank IBAN: DE72 670 201 900 025 059 506 BIC: HYVEDEMM489 Steuer-Nr.: 90492/10407 EG Ust.-Id.Nr.: DE 147321116 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Artikel oder Zuschriften mit Namen des Verfassers stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Der FachschriftenVerlag ist förderndes Mitglied im Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), Bad Honnef, und im Deutschen Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), Stuttgart. Im Fachschriften-Verlag erscheinen außerdem: Althaus modernisieren, bauen!, Bauen & Renovieren, HausbauHelden, Schwimmbad+Sauna und weitere Sonderhefte für Bauherren und Modernisierer

Fotonachweise: Seite 01: designed by Freepik Seite 56: © auremar / fotolia

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UNTERNEHMEN + Köpfe

Unternehmer kommt von unternehmen Ralf Marohn – Far East-Experte und Küchenmöbelhersteller

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UNTERNEHMEN + Köpfe

Ralf Marohn, geschäftsführender Gesellschafter von Kuhlmann, zeichnet sich nicht nur durch seine Rolle in der Möbelbranche aus, sondern zeigt sich als vielseitiger Unternehmer mit einem breiten Tätigkeitsspektrum und umtriebiger Regionalpolitiker. Bereits vor 32 Jahren gründete er die Far Eastern- Fernost Beratungsund Handelsgesellschaft, deren Geschäfte er bis heute erfolgreich führt. Diese Tätigkeit macht ihn zu einem ausgewiesenen Experten für den chinesischen Markt. In einem spannenden Gespräch gibt er Einblicke in seine Erfahrung als geschäftsführender Gesellschafter zweier vollkommen unterschiedlicher Firmen und teilt seine Einsichten zu aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Investitionen und politische Unsicherheiten in China und den USA. Dabei setzt er in jedem Tätigkeitsfeld auf Werte wie Kontinuität, Solidität und Vertrauen. Herr Marohn, Sie sind nicht nur geschäftsführender Gesellschafter des Küchenmöbelherstellers Kuhlmann, sondern vor allem auch Gründer und langjähriger Geschäftsführer der Far Eastern- Fernost Beratungs- und Handelsgesellschaft und damit ein ausgewiesener Experte für den chinesischen Markt. Vielleicht können Sie uns Ihr Tätigkeitfeld kurz erläutern? Ralf Marohn: Ich habe Far Eastern vor 32 Jahren gegründet. Damals bestand meine Aufgabe vorwiegend darin, deutsche Unternehmen zu beraten, die nach China exportieren oder dort eine Dependance aufbauen wollten. Erst zehn Jahre später zeigten auch chinesische Unternehmen Interesse daran, am deutschen Markt präsent zu sein, so dass wir heute beide Investorengruppen beraten. Einer meiner langjährigsten Kunden aus China ist die Boloni-Gruppe. Deren Beratung führte im Übrigen erst zu meiner Teilhaberschaft an dem Küchenmöbelhersteller Kuhlmann und später dann auch zu dessen Übernahme durch mich. Sie sind doch sicherlich nicht vollkommen ohne BranchenKnow-how in das Unternehmen eingestiegen. Ralf Marohn: Der Küchenfachhandel ist mir nicht ganz fremd. Meine Familie war damals im Sanitärfachhandel tätig, über den zu diesem Zeitpunkt noch Küchen verkauft wurden. In diesem Zusammenhang machte ich meine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und war in der Ausbildung im Küchenverkauf tätig. Soviel wir wissen, sind Sie aber auch Betriebswirt? Ralf Marohn: Das ist richtig! Ich habe das Studium der Betriebswirtschaft belegt und abgeschlossen. Damals wurde in Ludwigshafen ein Modell-Studiengang „Marketing Ost-Asien“ angeboten, der es mir ermöglichte, Betriebswirtschaft in Kombination mit Chinesisch zu erlernen. Ein Jahr später kam es in China zum Massaker am Platz des Himmlischen Friedens und es sah zunächst so aus, als ob mein Engagement umsonst gewesen wäre. Dennoch setzte ich mein Studium in dieser Richtung fort. 1992 kam die BASF auf unseren Studiengang zu, mit der Bitte, sie bei einem China-Projekt zu unterstützen. Allerdings konnten wir unsere Leistung nicht über den Studiengang abrechnen. Das war die Geburtsstunde von Far Eastern. Gemeinsam mit einem Kommilitonen gründete ich die Gesellschaft, die heute bereits seit über 30 Jahren

erfolgreich existiert. Allerdings bin ich seit über 20 Jahren Alleingesellschafter. Mein Mitbegründer orientierte sich beruflich anders und wurde Lehrer. Heute hat Far Eastern drei Büros in China. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Ludwigshafen. Zu unseren Kernkompetenzen gehören Firmengründungen, Standort- und Lieferantensuche sowie die qualifizierte Personalsuche und die Strategieberatung. Auch bieten wir Projektmanagement zur Koordinierung komplexer Projekte an. Innerhalb meines Teams obliegt mir die Aufgabe, chinesische Unternehmen zu beraten, die sich in Deutschland etablieren möchten. In den meisten Fällen werde ich deren Repräsentant in Deutschland und Europa. Arbeiten Sie nach wie vor branchenübergreifend? Ralf Marohn: Ja, branchenübergreifend und leistungsumfassend. In den Gründungsjahren von Far Eastern waren die chinesischen Unternehmen vor allem an Marketingleistungen interessiert und das auf Provisionsbasis. So manches Mal war es sehr unsicher, ob wir überhaupt ein Honorar erhalten würden. Heute erbringen wir gemeinsam mit spezialisierten Partnern im Vergleich zu unseren Anfangszeiten ein deutlich breiteres Leistungsspektrum, bis hin zu kompletten Firmenübernahmen, die eine juristische und steuerrechtliche Beratung voraussetzen. Wie nahe sind Sie während ihrer Beratungstätigkeit am Produkt- und Dienstleistungsportfolio Ihrer jeweiligen Kunden? Ralf Marohn: Natürlich lernen wir das Produkt unserer Kunden während unserer Beratungszeit auch kennen und lernen dazu. Allerdings war und ist es nie unser Ansatz gewesen, die Produktbereiche unserer Kunden ebenso gut oder besser kennen zu wollen als sie selbst. Das wäre nie möglich, denn die Aufgabenfelder sind wirklich vielfältig: von Blutkonserven über chemische Produkte bis zu Möbeln und mehr. Darum liegt unser Fokus seit jeher im Einbringen unseres Markt-Know-hows. Wir können branchenübergreifend tätig sein, da wir nicht in den Kompe­ tenzbereich unserer Kunden eingreifen. Mit den meisten unserer Kunden arbeiten wir bereits seit vielen Jahren immer wieder projektbezogen zusammen. Selbst wenn der eine oder andere Geschäftsführer wechselt, greift man wieder auf unsere Beratung zurück. Das macht uns stolz und entspricht auch meinem Naturell. Ich setze grundsätzlich auf Kontinuität, Solidität, Vertrauen und Zuverlässigkeit.

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UNTERNEHMEN + Köpfe

Darauf bauen nicht nur Ihre Kunden, sondern auch Ihre Wähler. Sie wurden in Ihrem Heimatort bereits zum zweiten Mal zum Bürgermeister gewählt? Ralf Marohn: Neuhofen ist ein Dorf und wir müssen ganz pragmatisch und vernünftig Politik machen. Derzeit stehen wir vor der Herausforderung, dass hier Container für Flüchtlinge aufgestellt werden sollen. Das wird ein dickes Brett werden.

Was war für Sie persönlich das Spannendste an diesem Projekt? Ralf Marohn: Zu sehen, wie Regierungen miteinander kommunizieren und arbeiten. Wie eine Stadtregierung in China intern funktioniert. Wir, mein Team und ich, haben bei diesem Projekt wirklich viel gelernt. Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass der Sino-German Ecopark bis heute nicht nur existiert, sondern auch kontinuierlich weiterwächst und wir mit die Keimzelle dafür gesetzt haben.

Wie lange wollen Sie dieses Amt noch bekleiden? Ralf Marohn: Mit Kommunalwahlen in diesem Jahr würde meine Amtszeit eigentlich enden. Aber viele Einwohner haben mich gebeten, mich noch einmal aufstellen zu lassen. Das Amt des Bürgermeisters auszuführen, erdet mich. Heute Mittag werde ich noch einem Achtzigjährigen zu seinem Geburtstag gratulieren. Bei solchen Gelegenheiten wird einem immer wieder bewusst, was im Leben wirklich zählt: Gesundheit, Familie. Zusammengefasst erfahre ich alle meine Tätigkeiten, von meinem Bürgermeisteramt über Far Eastern bis hin zur Expansion von Kuhlmann nach Kanada und in die USA, als persönliche Bereicherung. Deshalb werde ich mich auch noch einmal als Bürgermeister zur Wahl stellen. In allen Aufgabengebieten sehe ich mich vor allen Dingen als Dienstleister und Berater. Dabei ist ein Miteinander auf Augenhöhe immer sehr wichtig. Wenn ich Kunden berate, so immer nach bestem Wissen und Gewissen. Entscheiden sich Kunden gegen meine Empfehlung, respektiere ich das ebenso. Mir ist es wichtig, alle Informationen zur Verfügung gestellt zu haben, als Grundlage für ihre Entscheidungen.

Herr Marohn, mittlerweile kaufen sich mehr und mehr chinesische Unternehmen in deutsche Unternehmen ein. Wie beurteilen Sie das? Ralf Marohn: Deutschland ist ein exportorientiertes Land und tätigt seit jeher Investitionen im Ausland. Im Gegenzug ist es daher selbstverständlich, dass auch wir Investitionen anderer Nationen in den deutschen Markt zulassen. Man sollte jedoch grundsätzlich darauf achten, dass für Alle gleiche und faire Bedingungen herrschen. China kündigt immer wieder an, dass es seine Wirtschaft weiter öffnen will. Was grundsätzlich sehr begrüßt wird. Die Öffnung erfolgt auch, aber immer nur schrittweise, wohldosiert und mit viel politischem Tamtam. Die Folge: Es gibt bis heute kein Gleichgewicht zwischen chinesischen und deutschen Investoren. Bei alledem muss man immer beachten, dass es sich bei allen Investitionen in China um eine vom Staatsapparat vorgegeben Strategie handelt. Für die europäische Union heißt es daher, immer abzuwägen, welche Beteiligungen man zulässt und von welchen man lieber absieht. Was Unternehmen aus Bereichen wie Robotik, Automatisierung, chemische Industrie usw. anbelangt, sollte die EU genauer hinschauen, und sondieren, ob und an wen man dieses Know-how verkauft. Andererseits muss man sagen, dass zahlreiche Engagements chinesischer Investoren in finanziell geschwächten oder gar insolventen mittelständischen Unternehmen zu einer Verbesserung deren wirtschaftlicher Lage geführt haben.

Sie waren auch als Berater der Bundesregierung tätig? Ralf Marohn: Ja, auch das war eine sehr interessante Aufgabe, die sich aus einem Projekt ergab, das wir bereits für China entwickelt hatten: Wie kann ein Stadtteil oder gar eine ganze Stadt CO2-neutral werden. Im Rahmen des deutsch-chinesischen Pilotprojekts im nachhaltigen Städtebau, dem Sino-German Ecopark, von der Entwicklungszone für Wirtschaft und Technologie Qingdao waren wir als offizielle Vertretung und Projektkoordinator in Deutschland beauftragt. Der Ecopark wurde damals vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem chinesischen Handelsministerium MOFCOM politisch flankiert. In Deutschland gibt es Projekte dieser Größenordnung bis dato nicht. Als ich mit Regierungsvertretern über das Projekt sprach, zeigten diese Interesse und arbeiteten auf Basis meines Konzepts mit der chinesischen Regierung zusammen. Mein Honorar für das Projekt erhielt ich jedoch von der chinesischen Stadtregierung. Das Projekt war eines der interessantesten, bei denen ich in die Umsetzung mit einbezogen wurde. Leider waren die ambitionierten Ziele der Deutschen in China nicht zu einhundert Prozent umsetzbar. Man musste einen großen Teil des Projekts auf chinesische Verhältnisse herunterbrechen. Kompromisse dieser Art gehören zur realen Politik. Jedoch einigte man sich mit der chinesischen Regierung auf Leuchtturmprojekte, mit weltweit einzigartiger Strahlkraft wie z.B. das Deutsche Unternehmenszentrum, als das bis dato größte von der DGNB zertifizierte Projekt in Asien, und das erste Mischnutzungsprojekt, das in China mit dem DGNB-Zertifikat in Platin ausgezeichnet wurde.

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Bezogen auf unsere Branche ist das aber nicht immer der Fall. Ralf Marohn: In vielen Branchen kaufen chinesische Investoren gerne etablierte deutsche Marken auf, die das Qualitätszertifikat „made in Germany“ versinnbildlichen. Meist werden nach der Übernahme eines solchen Unternehmens chinesische Geschäftsführer eingesetzt, die jedoch in keinster Weise mit dem Markt vertraut sind und dementsprechend auch keine Marktstrategie aufbauen können. Managementfehler sind hier voraussehbar. Zudem gelingt es dem neuen Management nur selten, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. In einem solchen Fall hilft auch die Kapitalkraft nicht weiter und die Unternehmen sind zum Scheitern verurteilt. Bei Kuhlmann, deren Mehrheitsanteile Sie mittlerweile übernommen haben, war es anders. Hier wurde sofort ein deutscher Geschäftsführer aufgestellt. Obwohl das Unternehmen, auch bedingt durch die Investition der chinesischen Investoren wuchs, entschieden sich diese für den Verkauf. Ralf Marohn: Ja, heute ist die Boloni-Group nur indirekt noch mit elf Prozent über Kuhlmann GmbH an meinem Unternehmen beteiligt, ich bin jedoch auch hier allein vertretungsberechtigt. Natürlich hätte ich diese elf Prozent ebenfalls gerne gekauft. In diesem Fall wären je-


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doch 500 000 Euro Grunderwerbssteuer auf mich zugekommen. Kapital, das ich erst einmal in das Unternehmen investieren wollte. Mein Ziel ist es, mittelfristig einen Investor zu finden, der diese elf Prozent übernimmt. Und ich bin hier auch sehr optimistisch. Wir produzieren mittlerweile auch Produkte in Lizenz für andere Unternehmen und renommierte Marken wie z.B. Villeroy & Boch, was nicht nur unser Know-how und unsere fertigungstechnische Effizienz und Flexibilität unter Beweis stellt, sondern auch unsere Auslastung unterstützt. Was erwarten Sie sich von dieser Lizenz? Ralf Marohn: Die keramische Villeroy & Boch Küche gibt es ja schon länger am Markt. Bis dato wurde sie jedoch von einem anderen Hersteller gefertigt. Wir konnten innerhalb der letzten drei Wochen, nachdem wir unsere Kunden und Interessenten über diese Lizenz informiert haben, bereits über 1.000 Küchenanfragen und -aufträge verbuchen. Die Villeroy & Boch Küche bietet ein deutlich höheres Umsatzpotenzial als die Marke Kuhlmann. Die Wirtschaftlichkeit ist ebenso besser, da wir einen höheren Deckungsbeitrag erwirtschaften können. Und was die Kosteneffizienz anbelangt, haben wir das Unternehmen im letzten Jahr so aufgestellt, dass wir gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage eine echte Überlebenschance haben. Wie schätzen Sie die Auswirkungen der zurzeit weltweit schwachen Konjunktur ein? Ralf Marohn: Wirtschaft und Politik gehen untrennbar miteinander einher. Wirtschaft braucht Vertrauen und scheut Unsicherheiten. Die politischen Rahmenbedingungen dafür sind derzeit ungünstig und beeinflussen sowohl das Investitionsverhalten als auch die Risikobereitschaft der Unternehmen negativ. Natürlich gewöhnt man sich auch an negative Einflüsse und stumpft ab. Gewöhnlich steigen auch die Investitionen wieder an. Aber derzeit stehen wir vor vielen Unbekannten, von denen wir weder wissen ob, noch wie sie die Wirtschaft beeinflussen werden. Ich denke dabei z. B. an China. Niemand weiß, wie konsequent der chin. Präsident Herr XI die Wiedervereinigung von Taiwan und China verfolgt. In den Medien verweist der Staatspräsident der Volksrepublik China immer wieder darauf, dass es sein persönliches Ziel ist, Taiwan zu integrieren. Ihm gegenüber steht der taiwanesische Präsident William Lai, der sich für ein unabhängiges Taiwan ausspricht und den Konfrontationskurs hält. Eine kriegerische Auseinandersetzung ist also nicht auszuschließen. Das China von heute entspricht nicht mehr dem China von vor der Pandemie, als die positive Wirtschaftsentwicklung im Fokus stand. Heute hat die Übernahme von Taiwan Priorität. Das alles senkt die Investitionsbereitschaft drastisch. Denn käme es zu einer chinesischen Invasion oder Blockade in Taiwan, müssten die deutschen Unternehmen ihr China-Geschäft womöglich weitgehend abschreiben. Gerade bei großen Unternehmen könnte es dazu kommen, dass am Ende Steuergelder nötig werden, um Firmen und gefährdete Arbeitsplätze in Deutschland zu retten. Derzeit sind es überwiegend noch große Konzerne wie Siemens, BASF, etc. die enorme Summen in China investieren. In 2023 lagen die Investitionen deutscher Unternehmen in China bei rund 146 Milliarden Euro. Mittelständische Unternehmen investieren auch, sehen China v.a. als Exportpartner. Was die Abhängigkeit Deutschlands von China als

Hauptlieferant einzelner Rohstoffe und von Produkten wie Mobil­ phones, Laptops und medizinische Produkte anbelangt, sucht man nach Alternativen in Ländern in Südost-Asien wie Indien und Vietnam. Lieferkettenengpässe wie sie durch Corona entstanden sind, will man künftig auf alle Fälle vermeiden. Die Änderung dieser Lieferketten ist nur langsam umsetzbar und braucht Zeit. Unabhängig davon stehen jedoch auch die US-amerikanischen Wahlen an. Ralf Marohn: Auch hier gibt es viele Unbekannte: Sollte Herr Trump die Wahl gewinnen, bedeutet das für Deutschland, dass wir in viele Regionen dieser Welt nicht mehr liefern können, weil wir aus Handelsabkommen abgeschottet werden oder aufgrund von Einfuhrzöllen nicht mehr liefern wollen. Sowohl in den USA als auch in China lautet die Devise in diesem Fall „national first“. Darauf müssen wir uns in Europa dann einstellen. Trotz all dieser vermeintlichen Unwägbarkeiten planen Sie, mit Kuhlmann Ihren Export auszubauen. Ralf Marohn: Natürlich stehen nicht nur die USA und Kanada auf unserer Agenda. China wird vorerst unser Hauptzielmarkt sein. Einen großen Anteil wird hier das Projektgeschäft haben, das sich auch auf Kuhlmann positiv auswirken kann. Allein durch die Marke Villeroy & Boch müssen wir noch viele Länder mehr erschließen als bisher. Die Interessenten an dieser Marke kommen aus aller Welt, denn sie hat in vielen Ländern eine ausgezeichnete Reputation. Wir haben viele Features der Echtkeramik-Küche übernommen und arbeiten gemeinsam mit internen und externen Designern, darunter auch Hans Winkler, an weiteren Spezifikationen. Natürlich arbeiten wir auch an unseren Qualitätsstandards. Die 8 mm Rückwand führen wir für beide Marken ein. Den 19 mm Korpus haben wir uns für das Jahr 2025 vorgemerkt und entscheiden das abhängig von der Entwicklung des Unternehmens. Kuhlmann profitiert von alledem, denn für zahlreiche unserer Kunden ist diese Marke eine ergänzende Alternative in einem günstigeren Preissegment. Viele begrüßen es, alles aus einer Hand zu erhalten. In Ländern wie in der Türkei, Portugal, Spanien oder in Aserbaidschan hatten wir zuvor keine Repräsentanten für Kuhlmann. Durch Villeroy & Boch hat sich das geändert. Durch die Übernahme von Kuhlmann vertreten Sie erstmals die Position eines Herstellers. Ist man als deutsches produzierendes Unternehmen denn noch wettbewerbsfähig? Ralf Marohn: Bis dato sind wir es noch. Doch um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, muss Deutschland als Wirtschaftsnation wesentlich egoistischer werden und sich von einer völlig übertriebenen, ideologisierten Klima- und Energiepolitik distanzieren. Wir müssen sehen, dass wir militärisch, energiepolitisch und ressourcenpolitisch unabhängig werden. Tun wir das nicht, gehören wir irgendwann vielleicht auch zu den Ländern, die ihre Eigenständigkeit ganz verlieren. Herr Marohn, wir danken Ihnen für dieses vielseitige und inter­ essante Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

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Am Anfang steht die Vision Die wahre Größe einer Marke zeigt sich darin, wie sie diese Vision in die Realität überführt und dabei Maßstäbe setzt – sie wird zur Benchmark für Innovation und Erfolg.

In Zeiten des Wandels stehen nicht nur gesellschaftliche, kulturelle und technologische Aspekte im Fokus, sondern auch die Transformation von Unternehmen und Marken. Während sich die Gesellschaft grund­legend verändert, übernehmen Marken eine neue Rolle, die verstärkt auf gesellschaftliche Verantwortung setzt. Gleichzeitig beeinflussen globale Trends und ökonomische Unsicherheiten die Geschäftslandschaft. Der Wandel erfordert von Unternehmen eine aktive ­Gestaltung ihrer Markenidentität, die nicht nur individuelle Werte reflektiert, sondern auch gesellschaftlichen Beitrag leistet. Dabei wird die Grenze zwischen Unternehmen, Marke und Mensch zunehmend verschwommen. In diesem dynamischen Umfeld stehen Unternehmen vor Herausforderungen, die durch eine ganzheitliche Strategie, wie sie Leicht verfolgt, gemeistert werden können. Angesichts globaler Trends, wirtschaftlicher Unsicherheiten und geopolitischer Ereignisse werfen wir gemeinsam mit Leicht-CEO Stefan Waldenmaier einen Blick auf die aktuellen Herausforderungen und Chancen von Markt und Marke.

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Herr Waldenmaier, jedes neue Geschäftsjahr birgt neue Herausforderungen: Wie beeinflussen Ihrer Erfahrung nach die derzeitigen globalen Trends und ökonomischen Unsicherheiten die Nachfrage nach Küchenmöbeln? Stefan Waldenmaier: Es wird herausfordernd und spannend bleiben. Eine rückläufige Baukonjunktur, die nach wie vor hohe Inflationsrate, gestiegene Zinssätze, der sprunghafte Anstieg der Energiepreise, was auch immer die Ursachen sein mögen, sind Faktoren, die sich landesübergreifend nicht wegdiskutieren lassen und sich entsprechend auf die Menschen, die Wirtschaft und damit auch auf unsere Branche auswirken. Der Markt wird sich, wie immer in solchen Konjunkturphasen, auf einem neuen Niveau einpendeln und von diesem Niveau wieder in eine Aufwärtsbewegung kommen. Insofern steht vor allem die Frage im Raum, wie lange diese Phase der „Bodenbildung“ dauert. Apropos Gesprächsthemen, wie wichtig ist momentan der persönliche Kontakt zu Ihren Kunden? Stefan Waldenmaier: Sich mit Geschäftspartnern und Freunden persönlich auszutauschen, ist grundsätzlich sehr wertvoll. Nur so können wir uns menschlich und wirtschaftlich weiterentwickeln. Um mit Menschen in verschiedenen Märkten arbeiten zu können, muss man sie und ihr Umfeld verstehen lernen. Was bewegt die Menschen in anderen Ländern, wie entwickelt sich deren Marktumfeld? Gibt es Nachfrage und wenn ja, in welchen Preissegmenten? Hier gilt: Reisen bildet. Und für uns heißt es, aus den erworbenen Erkenntnissen die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Als Unternehmen müssen Sie antizipieren, Maßnahmen vorwegnehmen, um z.B. einem vermeintlich rezessiven Jahr 2024 rechtzeitig entgegenzusteuern, respektive sich darauf einzustellen. Bis dato können wir sagen, alle Maßnahmen richtig getroffen zu haben. Das laufende Geschäftsjahr wird heraus-

fordernd bleiben und man muss den notwendigen Gestaltungsspielraum für Entscheidungen effektiv nutzten. Jedoch hat in Deutschland und in einigen anderen europäischen Ländern die Bodenbildung eingesetzt und wir haben eine Stabilisierung auf einem gewissen Niveau erreicht, basierend auf lokalen und überregionalen Entwicklungen, die ein Stück weit wieder leicht nach oben zeigen. Könnte man sagen, dass sich unsere Branche derzeit wirtschaftlich auf dem Niveau der Zeit vor Corona bewegt? Stefan Waldenmaier: Mehr oder weniger. Die einzelnen Märkte entwickeln sich äußerst volatil. Für Deutschland könnte man das bestätigen. Die Zahlen, die wir von unseren Handelspartnern in Deutschland erhalten, spiegeln Umsätze der Jahre 2019/2020 vor Corona wider. Dann jammern wir also auf hohem Niveau? Stefan Waldenmaier: Unsere Branche arbeitet exportorientiert. In Deutschland stagniert das Geschäft, in einigen Märkten ist es rückläufig. An Wachstum ist derzeit eingeschränkt zu denken und geht nur über Verdrängung und den Kauf von Umsätzen zu schlechten Konditionen. Hinzu kommt, dass zahlreiche Hersteller ihre Kapazitäten erweitert haben. Letztendlich stellt sich jetzt die Frage, wie lange sich diese Strukturen halten. Belässt man sie wie sie sind oder passt man sie an. Eine Frage, die sich jeder Hersteller in seiner Eigenverantwortung selbst stellen muss. Es gibt derzeit weltweit nahezu kein Land, in dem die Baubranche floriert. Wie abhängig ist Leicht wirklich vom Neubauszenario? Immerhin gehen doch 70 Prozent der in Deutschland vermarkteten Küchen in den Bestandsbau. Stefan Waldenmaier: Für zahlreiche unserer Handelspartner war bis dato auch der Neubau ein wichtiger Umsatzträger. Auch Leicht konnte

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seine Preisfähigkeit während der letzten Jahre so aufbauen, dass auch der Erstausstatter sehr gut bedient werden konnte. Der klassische Leicht-Kunde ist aber nach wie vor der Zweitausstatter, so dass Leicht nicht so stark von dem derzeit rezessiven Neubaugeschäft sowohl im privaten Wohnungsbau als auch im Objektgeschäft in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir bewegen uns in einem solventen Markt. Aus diesem Grund konnten wir das Jahr 2023 auch auf der Umsatzhöhe des Jahres 2022 abschließen. Natürlich mussten auch wir einen leichten Mengenrückgang hinnehmen, den wir jedoch gut verkraften konnten. Zu diesem Erfolg beigetragen hat sicherlich auch, dass die Marke Leicht sich in den letzten Jahren zur Architektur-Marke entwickelt hat, die nahezu jeden individuellen Wunsch eines Konsumenten abdecken kann, oder? Stefan Waldenmaier: Durch unsere grundsätzlich langfristig angelegten, unterschiedlichen online und analogen Marketingaktivitäten gelingt es uns nachweislich, unseren Partnern im Handel mehr kaufkräftige Neukunden zuzuführen, die explizit an einer Leicht-Küche interessiert sind. Diese gezielte Nachfrage ist sowohl vorteilhaft für unsere Handelspartner als auch für uns. Wir haben die Aufgabe in unserer Philosophie verankert, mit den Fertigungsmöglichkeiten Produktlösungen herzustellen, die sowohl für den Planer als auch für den Architekten gestalterische Freiräume bieten, um individuelle Innenarchitektur zu realisieren. Damit bewegen wir uns in einem ausreichend umfangreichen Marktsegment für die Größe, die wir haben. Herr Waldenmaier, von 1998 bis heute haben Sie Leicht zu einer repräsentativen Marke gemacht, die in vielen Bereichen Benchmarks setzt. Welche Unternehmensbereiche haben bei Ihnen jetzt höchste Priorität, das Controlling, der Vertrieb oder das Marketing?

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Stefan Waldenmaier: Ein Unternehmen wie Leicht, wie es sich heute darstellt, ist geprägt durch die Abteilungen Vertrieb und Marketing, die Impulse aus dem Markt aufnehmen. Gemeinsam mit Produktentwicklern und einer gut aufgestellten Technik tragen sie dazu bei, diese Impulse in ein ästhetisch und stilistisch attraktives Produkt umzusetzen. Um unseren innenarchitektonischen Anspruch abzubilden, bedarf es grundsätzlich Menschen, die über den Tellerrand hinausschauen, dabei aber immer eine gewisse Konsequenz leben und mit einer zeitlosen materialehrlichen, nachhaltigen Planungsidee verwirklichen, die sich in der Wirtschaftlichkeit der Produkte widerspiegelt und auch widerspiegeln muss. Alles beginnt mit einer Vision und einer Mission! Mit einem guten Team, das ohne kurzlebige Effekthascherei arbeitet, gelingt es über die Jahre, eine positive Bilanz zu ziehen, die den Weg von der Vision bis zur Realisierung für alle nachvollziehbar macht. Meiner Erfahrung nach tragen Vision als auch Mission zur Motivation von Menschen, Mitarbeitern, Handelspartnern und zur Identifikation mit dem Unternehmen bei. Gleichzeitig sind sie Basis für Führung und Strategie, Grundlage des operativen täglichen Geschäfts und Ausgangspunkt für Weiterentwicklung und Veränderungsprozesse, die einen langfristigen und vor allen Dingen gemeinsamen Erfolg sichern. Sie sprechen gerade die Weiterentwicklung an: Werden Sie die planerische Vielfalt Ihrer Produkte zu Gunsten einer noch größeren Individualität noch weiter ausbauen können? Stefan Waldenmaier: Sie glauben gar nicht, wie viele Möglichkeiten wir unseren Kunden noch bieten können, und das preissegmentübergreifend! Im Premiumbereich haben wir mit Bossa und Bahia in den letzten Jahren tolle Produkte auf den Markt gebracht, die jetzt am Markt ihre Breitenwirkung entfachen.


UNTERNEHMEN + Köpfe

Auf der Küchenmeile 2024 werden wir unsere Handelspartner und Interessenten mit weiteren innovativen Lösungen überraschen. Dabei werden wir unsere bestehende Kollektion um Produkte im konventionellen Bereich arrondieren. Gerade im aktuellen Marktumfeld, das sich sehr volatil gestaltet, ist es umso mehr unser Anspruch, sowohl unsere Handelspartner als auch deren Kunden preissegmentübergreifend mit Produkten mit innenarchitektonischem Anspruch zu unterstützen. Vor der Küchenmeile erwartet uns jedoch zuerst einmal die Eurocucina. Wie werden Sie Leicht auf dieser internationalen Plattform präsentieren? Stefan Waldenmaier: Lassen Sie sich überraschen! Unser Standbau auf dieser internationalen Messe für Möbeldesign wird Architektur und Innenarchitektur miteinander verbinden. Wir laden unsere Gäste ein, unsere neue „Bauhaus-Villa“ zu besichtigen und sich von unseren ­Materialkompositionen und planerischen Lösungen inspirieren zu lassen. Bestandteil unserer Präsentation werden auch die Kollektionen der letzten beiden Jahre sein. Bis dato haben wir unsere Programme Bossa und Bahia oder auch Kyoto ausschließlich auf der Küchenmeile und auf unserer Hausmesse in Waldstetten präsentiert. Für viele internationale Besucher der Eurocucina sind diese Produkte also absolut neu. Eines können wir jedoch zu einhundert Prozent versprechen: Leicht wird seiner Reputation als Architekturmarke wieder gerecht werden. Davon sind wir überzeugt. Wie weit sind Sie vom Angebot eines Komplettanbieters entfernt? Stefan Waldenmaier: Die Marke Leicht verkörpert einen Küchenmöbelhersteller, der in der Lage ist, durch seine Programmtiefe, seine Typen- und Variantenvielfalt, durch seine Maßvarianz sowie durch seine

fertigungsbedingte Flexibilität Immobilien individuell und raumübergreifend auszustatten. Zahlreiche unserer Handelspartner im In- und Ausland, die sich dem Thema ganzheitlicher, innenarchitektonischer Einrichtung verschrieben haben, nutzen diese Möglichkeit bereits. Und was werden Ihres Erachtens in den nächsten fünf Jahren die größten Herausforderungen sein, vor denen Sie wie auch Ihre Marktbegleiter in der Küchenmöbelindustrie stehen werden? Stefan Waldenmaier: In erster Linie muss es uns gelingen, auch in einem schwachen konjunkturellen Umfeld wirtschaftlich gesund zu bleiben. Zudem muss es kurz-, mittel- und langfristig unser Ziel sein, die Marke Leicht, bzw. deren Position, deren Leistungsfähigkeit und deren Image lebendig zu halten. Leicht repräsentiert heute und morgen ein gut verkäufliches Produkt, das die Bandbreite des Marktes abdeckt und abdecken kann. Zuletzt muss es uns auch weiterhin gelingen, an den zentralen Positionen und in den nachgelagerten Arbeitsbereichen Mitarbeiter zu haben, die bereit sind und den Willen haben, die Kreativität und die Leidenschaft zu entwickeln, um den Herausforderungen aus dem Markt erfolgreich zu begegnen. Viele unserer Wettbewerber sind um ein Vielfaches größer als wir. Deren Abteilungen sind umfassender besetzt. Hier müssen wir mit engagiertem und motiviertem Personal eine in Qualität und Quantität hohe Performance liefern, um mit unseren Ideen auch weiterhin einen Unterschied zu definieren. Herr Waldenmaier wir danken Ihnen für dieses interessante Gespräch und freuen uns bereits auf Ihre Präsentationen auf der Eurocucina in Mailand und natürlich auf der Küchenmeile www.leicht.com 2024!

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