Ausgabe 1/2020 · 8. Jahrgang · www.kuecheundarchitektur.de
Das Magazin für professionelles Einrichten
Eggerzum – Pure Emotion · „Designing a product is designing a relationship.“ (Steve Rogers, Interaction Designer) Küchen mit Persönlichkeit · Individuell, generationenübergreifend, komfortabel, multifunktional, nachhaltig Erfolg ist das beste Argument … weiß Manfred Töpert, Geschäftsführer Der Küchenring, aus Erfahrung
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Editorial
Inhabergeführter Küchenund Einrichtungshandel im Orbit Alles kreist um den Kunden
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urch Zufall stießen wir auf das Buch „Die Orbit-Organisation“ der Autoren Anne Schüller und Alex Steffen. Ihre Kernaussage: „Das Unternehmen der Zukunft ist eine Orbit-Organisation, in der sich alles um die Kundenbedürfnisse dreht.“ Kundennähe ist seit jeher das Erfolgskonzept vieler inhabergeführter Fachgeschäfte. Niemand weiß besser, was der Verbraucher will. Eine Kompetenz, die der Fachhandel den meisten Industrieunternehmen voraus hat. Die Gabe zuzuhören, sich in die Belange ihrer Kunden hinein zu versetzen und sie individuell und lösungsorientiert zu bedienen, sichert so manchem Fachgeschäft bereits seit Generationen die Existenz. Weiterempfehlung durch zufriedene Kunden ist ihre beste Werbung. Deshalb ist dann wohl nicht zu verkennen, dass sie bereits seit Jahren die Vorreiter der „Orbit-Organisation“ sind, wie die Unternehmensstruktur der Zukunft im Buch genannt wird. Kundenbedürfnisse unterliegen einem ständigen Wandel. Heute prägen die fortschreitende Digitalisierung, die Internationalisierung, die Urbanisierung und der soziodemographische Wandel die Lebensumstände und damit auch die Architektur. Mobilität der Arbeitsorganisation bestimmt den Alltag und Freizeitgestaltung. Daraus resultieren steigende Grundstückspreise und der Wunsch der Menschen nach einer komfortablen Infrastruktur treibt sie in die Zentren und deren Peripherien. Einer aktuellen Umfrage der Sparda-Bank werden bis zu 30 km Anfahrt zum Arbeitsplatz von der Mehrheit der Deutschen als akzeptabel empfunden. Single- und Zweipersonenhaushalte nehmen weiter zu. Entsprechend verändert sich die Architektur, alte Strukturen durchbricht, Wände durchbricht und sich großen, Lichtdurchfluteten Räumen öffnet, die es entsprechend einzurichten gilt.
Zahlreiche Küchenspezialisten haben sich bereits seit Jahren der ganzheitlichen Einrichtung angenommen. Sie bedienen ihre Kunden mit einzigartigen, maßgeschneiderten Raumgestaltungen. Küchen, Hauswirtschaftraum Ess- und Wohnbereich, Bäder, Garderoben und mehr entstehen durch die planerische Kreativität der Küchenprofis, umgesetzt aus einer Melange aus industrieller, zum größten Teil bereits digitalisierter Serienfertigung ihrer Lieferanten und Manufaktur, realisiert in der in der eigenen Schreinerei oder mit ortsansässigen Handwerkspartnern und Spezialisten, um individuelle Kundenwünsche zu erfüllen. Kommissionsweise werden einzelne Elemente aus unterschiedlichen Gewerken zusammengeführt, um sie dann beim Kunden zu einer unvergesslichen Komposition zuzusammenzufügen. Auch hierzu trägt die Digitalisierung ihren Teil beim, dieses Mal jedoch von Seiten des Küchenprofis, deren Logistik und Montageplanung bei den meisten Häusern bereits auf dem neuesten Stand der Technik sind: „Wer heute und morgen erfolgreich will muss sich auch radikal auf die Seite des Kunden schlagen“, heißt es in der „Orbit-Organisation“. Der qualifizierte Küchenfach- und Einrichtungshandel zeichnet sich dafür aus. Er ist bereits dabei das Digitale und das Menschliche miteinander zu vereinen. Dabei agiert er dabei gegenüber der Industrie als Botschafter des Konsumenten und der Architekten und kreiert gemeinsam mit ihnen individuelle Wohngefühle, aus denen sich zeitgemäße Strömungen und Entwicklungen ableiten lassen. Es ist die perfekte Symbiose aus menschlicher Zugewandtheit, digitaler Kompetenz und die unternehmerische Denkweise. Als Teil einer lebendigen Innovationskultur, die sich anpassungsfähig, antizipativ und agil auf die Erfordernisse der neuen Zeit einstellen kann.
Yvonne Davy Chefredakteurin
küche + architektur | 1
Foto: Systemceram
Die aktuelle Trendfarbe in der Küche ist Schwarz und bei Systemceram-Spülen seit längerem sehr gefragt. In der Systemceram-Farbpalette als „nigra“ geführt, lässt sich diese elegante und sehr modern wirkende Nuance mit praktisch allen Farbtönen gut kombinieren. Das Titelbild mit der Mera 51 in nigra mit passender Armatur Move, schwarzem Spülmittelspender und schwarzer Faltmatte zeigt, wie Schwarz seine ganze Kraft entfaltet, wenn Küchenmöbel, Arbeitsplatte, Spüle und Accessoires einheitlich und damit in einer ruhigen Harmonie gestaltet sind. Aber auch als Kontrastfarbe, insbesondere zu Weiß, überzeugt die aktuelle Trendfarbe designorientierte Endkunden (s. S. 22).
1 Inhabergeführter Küchen-
25 Jede Spüle mit
und Einrichtungshandel im Orbit
einzigartiger Silhouette
Alles kreist um den Kunden
Villeroy & Boch
4 Erfolg ist das beste Argument …
26
… weiß Manfred Töpert, Geschäftsführer Der Küchenring, aus Erfahrung
8 Küchen mit Persönlichkeit Individuell, generationenübergreifend, komfortabel, multifunktional, nachhaltig
Pyramis
26
27 Innovative Küchentechnik Naber bietet clevere Lösungen für Dunstabzug und Spülzentrum
was sie verspricht
28 Designstark, bedienerfreundlich, ressourcenschonend Elektrogeräte stellen sich den Anforderungen der Zeit
20 Auch auf kleinem Raum … … das Vorbereitungszentrum punktet mit Funktionalität und Komfort
28 29
Systemceram
30
Dornbracht
24 Wasser ist ein Stück Lebenskraft Franke 2 | küche + architektur
Die App macht‘s Oranier
23 Designorientierte Lösungen mit integrierter Funktion
Leistung und Komfort Miele
22 Vielfalt, die überzeugt
www.systemceram.de
Hochwertige, langlebige Produkte Küppersbusch
20 Smart in Design und Funktion Blanco
Farbe und smarte Intelligenz Hansgrohe
16 Franke – eine Marke hält, „Service heißt, das ganze Geschäft mit den Augen des Kunden zu sehen.“
Purismus trifft Multifunktionalität
30
Dampf flexibel Bauknecht
Impressum Verlag: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-1 · Fax 0711/5206-300 www.fachschriften-verlag.de VERLAGSLEITUNG: Tilmann Münch Christian Schikora Redaktionsbüro: küche+architektur Weißheimerstraße 7 · 67549 Worms
Inhalt 1/2020
Herausgeberin und Chefredakteurin: Yvonne Davy Tel. 06241/979708-10 Fax 06241/979708-17 davy@fachschriften.de Redaktionsassistenz und Anzeigenverkauf: Sabine Metz-Lieb Tel. 06241/979708-12 metz-lieb@fachschriften.de Layout: Simone Steinbrech post@steinbrech-design.de Druck: ColorDruck Solutions GmbH Gutenbergstraße 4 · 69181 Leimen
31 Technologie, die Ressourcen schont 39 Liebherr-Hausgeräte
32 Vernetzt Samsung
33 Ästhetik und Funktion V-Zug
33
34 Künstliche Intelligenz für die Küche Bosch
Design für Individualisten Smeg
35 Systemlösung Laundry Area Patent, kompakt und modular
Preis Einzelheft: 10,00 Euro (inkl. Versand und MwSt.)
Zum Nutzen des Verbrauchers
Preis Jahresabo: (6 Ausgaben inklusive ePaper) Inland: 53,00 Euro; Ausland: 62,00 Euro (Preise inkl. Versand und MwSt.)
Kesseböhmer
42 Neue Lösung für offene Wohnräume
44 Eggerzum – Pure Emotion „Designing a product is designing a relationship.“ (Steve Rogers, Interaction Designer)
48 Evolution trifft Revolution Schüco Alu Competence – Wie man mit Regalsystemen und einer durchdachten Supply Chain neue Märkte erschließt
53 ZOW 2020 – Innovationen brauchen Kundennähe Eine Messe mit Workshop-Charakter
38 Zeigen und Verbergen Mit Beschlägen Möbel und Räume ästhetisch gestalten
38 Funktional, komfortabel, individuell Hettich
Preisliste für Anzeigen: zur Zeit Nr. 8, gültig seit 1. 1. 2019
Hailo
Blum
Smarter Komfort Neff
34
40
Umweltschutz fängt zu Hause an
60 Gut aufgestellt Umsatzplus im Miele Rumpfgeschäftsjahr 2019
63 Die guten Adressen der Branche Visitenkarten
Abonnement-Service: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Abo-Service Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-306 Fax 0711/5206-307 abo@fachschriften.de Bankkonten: HypoVereinsbank IBAN: DE72 670 201 900 025 059 506 BIC: HYVEDEMM489 Steuer-Nr.: 90492/10407 EG Ust.-Id.Nr.: DE 147321116 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Artikel oder Zuschriften mit Namen des Verfassers stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Der FachschriftenVerlag ist förderndes Mitglied im Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), Bad Honnef, und im Deutschen Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), Stuttgart. Im Fachschriften-Verlag erscheinen außerdem: Althaus modernisieren, bauen!, Bauen & Renovieren, Effizienzhäuser, pro fertighaus, Schwimmbad+Sauna und weitere Sonderhefte für Bauherren und Modernisierer Fotonachweise: Seite 63: auremar / fotolia
küche + architektur | 3
unternehmen + Köpfe
Erfolg ist das beste Argument … … weiß Manfred Töpert, Geschäftsführer Der Küchenring, aus Erfahrung
Manfred Töpert blickt auf eine 40-jährige Branchenerfahrung zurück. Geprägt wurde sie von Industrieund Handelsseite gleichermaßen. In seiner Tätigkeit für Unternehmen wie Bulthaup, Tielsa oder Gruco spiegelt sich seine Affinität zu designstarken Produkten und deren Vermarktung wider. Die hier gesammelten Einsichten und sein offenes Ohr für den Küchenfachhandel machten ihn später zu einem der erfolgreichsten Verbandgeschäftsführer. Unter seiner Ägide schlossen sich mehr und mehr Küchenspe zialisten der Verbundgruppe in Rheinbach an. Aus 264 Mitgliedshäusern und einem zentralregulierten Umsatz von 76,3 Millionen Euro in 2003 wuchs ein Einkaufs- und Dienstleistungsverband mit 615 Mitgliedern und mehr als 515 Millionen Euro zentralreguliertem Einkaufsumsatz in 2019. Bei all dem Erreichten bleibt Manfred Töpert bescheiden: „Zu jedem Erfolg gehört ein gerütteltes Maß an Glück, um mit dem richtigen Konzept und den richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“
4 | küche + architektur
unternehmen + Köpfe
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ie Flächenexpansion hat ihren Zenit überschritten. Die Quad- lich stärker nach außen zu tragen. Der Verbraucher wird diese Herratmeterzahl in der Verkaufsfläche geht sukzessive zurück und steller automatisch am deutlichsten wahrnehmen. reduziert sich auf ein überschaubares Normalmaß. Der statio näre Handel stellt sich dem Zeitalter der Digitalisierung und inves- Welche Rolle spielt der Fachhandel in dieser Entwicklung? tiert in eigene Web-Sites oder sogar Online-Stores. Im Umkehrschluss Manfred Töpert: Der Fachhandel fungiert hierbei sowohl als Drehpasst sich auch der Online-Handel dem sich wandelnden Markt an scheibe als auch als Filter. Deshalb wird das Erstarken der neuen Marund zeigt zusätzlich stationäre Präsenz. Gemeinsam mit seinen Lie- ken auch nicht schlagartig, sondern sukzessive erfolgen. Aber komferantenpartnern aus der Industrie stellt sich der Fachhandel der men wird die Umorientierung hin zu Marken auf jeden Fall. wachsenden Nachfrage der Verbraucher nach Individualisierung und Was den Ausbau von Kapazitäten anbelangt, sollten diese natürlich Nachhaltigkeit. „Vom Hochbeet bis zum Möbel bekommt man heute nicht ausschließlich der reinen Verdrängung dienen. Im Fokus einer alles geliefert und es funktioniert“, fasst Manfred Töpert zusammen solchen Entscheidung sollte generell die sinnvolle Abdeckung aktuund bilanziert: „Zeitgeist und Zukunft sind einfach nicht aufzuhalten.“ eller Marktbedürfnisse stehen. An der Grenze zu Frankreich macht Da hat er wohl recht, können wir nur zustimmen. Auch dann, wenn es für einen dort bereits marktführenden Hersteller Sinn, die Liefereinige Entwicklungen recht kontrovers laufen. Auf der einen Seite die geschwindigkeit zu erhöhen und gleichzeitig die Logistikkosten zu Forderung nach höherer und schnellerer Verfügbarkeit und anderer- senken. Auch der zukunftsorientierte Ausbau des eigenen Standorts seits der Wunsch nach Vielfalt und Individualität bei gleichzeitiger kann vernünftig sein, um schnell, flexibel und kosteneffizient auf natiKonzentration auf Lieferantenseite onale und internationale Markt- und mit der Folge oligopolistischer TenNachfrageveränderungen eingedenzen, „… die branchenübergreihen zu können. Einhergehend mit «Die Küchen- oder Einrichtungsfend zu beobachten sind. In mehr Eigenschaften wie Fertigungstiefe, und mehr Bereichen bestimmen durchdacht gegliederter Sortimentspartner als Koordinatoren Hersteller, welche Ware wo erhältstruktur, Preistransparenz und Verunterschiedlicher Gewerke zur lich ist. Teilweise erinnert das zum trauenswürdigkeit machen solche Teil schon an eine „Planwirtschaft“ Themen den Erfolg eines Herstellers Realisierung schlüsselfertiger im Sinne einer Marktherrschaft. Unaus. Nicht zu vergessen die zwiProjekte haben Zukunft. sere Branche bleibt von dieser Entschenmenschliche Komponente. wicklung ebenfalls nicht verschont. Darunter fällt nicht nur die interne Der Stellenwert individuell Sehen Sie nur die ZusammenschlüsKommunikation, sondern auch die auf die Belange des jeweiligen se von Verbundgruppen. Nach der zwischen Lieferanten und HandelsFusion zwischen Union und VME, partner bis hin zum Konsumenten. Konsumenten zugeschnittener wird es mit Sicherheit keinen zweiEin Geschäft ist nicht mit einem Dienstleistungen wächst ten größeren Zusammenschluss Algorithmus zu vergleichen, in dem mehr geben. Ich bin davon überMenschen keine Rolle mehr spielen. kontinuierlich.» zeugt, dass sich dann das Kartellamt Was unserer Branche ein wenig fehlt, einschalten wird“, so die Prognose ist das Vertrauen in die Wirtschaftsdes Strategen. psychologie. Erfolg basiert immer „Auch der Elektrofachhandel wurde durch die strategische Ausrich- auf einer guten Idee, die zum richtigen Zeitpunkt umgesetzt wird. Um tung von Mediamarkt und Saturn in Mitleidenschaft gezogen und das zu ermöglichen, ist die Erhebung empirischer Daten erforderlich; überdimensional ausgedünnt, so dass auch die Hersteller von Elek um seine Kunden besser kennen zu lernen, deren Interessen und Fotrogeräten heute einer enormen, konzentrierten Einkaufsmacht ge- kussierung dem kontinuierlichen Wandel unterliegen. genüber stehen, mit deren Ausmaß sie anfänglich sicher nicht gerech- Die Anforderungen an Industrie und Handel wachsen auch architeknet haben. Auch hier entwickeln sich nicht nur neue Vertriebskanäle, tonisch. In offenen Wohnraumgestaltungen nimmt die Küche einen sondern auch neue Vertriebskonzepte, die bis zur Direktvermarktung vollkommen anderen Stellenwert ein als bisher. Die Küche wird zum marktführender Hersteller gehen können. Damit einher geht auch die Wohnmöbel. Entwicklungen von Seiten der Geräteindustrie und vor Stärkung von deren Marken, während andere vormals starke Tradi allem der Beschlagindustrie, haben diesen Anspruch erst ermöglicht. tionsmarken sukzessive an Bedeutung verlieren.“ Ergänzt um Low-Boards, Highboard, Regale und Raumteilungs- bzw. -gliederungs-Elemente produziert von der Küchenmöbelindustrie, Apropos Marken, welche Rolle werden Ihrer Meinung nach entsteht die Möglichkeit des ganzheitlichen, raumübergreifenden künftig die Eigenmarken haben? Einrichtens. Das nur noch von einem entsprechenden Leuchtmittel, Manfred Töpert: Ich glaube, dass Marken sich künftig wieder stärker eingesetzt nach einem professionellen Lichtplan, perfektioniert wergegenüber den Private Labels und Eigenmarken durchsetzen werden. den sollte. Wobei das Know-how in Sachen Lichtplanung auch durch Dabei denke ich jedoch nicht an die traditionellen Markenhersteller, Kooperationen mit regionalen Spezialisten mit Leben erfüllt werden sondern eher an die quantitativen Marktführer. Wenn ein Markt von kann. Die Küchen- oder Einrichtungspartner als Koordinatoren unfünf oder sechs Herstellern beherrscht wird, wachsen diese automa- terschiedlicher Gewerke zur Realisierung schlüsselfertiger Projekte tisch in die Position einer Marke hinein. Im Rahmen des Verdrän- haben Zukunft. Der Stellenwert individuell auf die Belange des jeweigungswettbewerbs beginnen sie ihr Marketing und damit ihr Profil ligen Konsumenten zugeschnittener Dienstleistungen wächst kontisowie die mit ihrer Größe verbundene Verfügbarkeit ihrer Ware werb- nuierlich. küche + architektur | 5
unternehmen + Köpfe
Die Großfläche, die durch ihr Abteilungsdenken geprägt ist, kann Was waren und sind die stärksten Beweggründe für einen Kü diesen Service kaum erbringen. Und auch der Küchenfachhandel be- chenspezialisten, sich dem Küchenring anzuschließen? herrscht dieses Feld nur zum Teil. Ich glaube dem Thema der raum- Manfred Töpert: Dieser Markt stellte den Küchenring damals vor die übergreifenden Innenarchitektur haben sich schätzungsweise etwa Herausforderung, sich von den bestehenden Systemen sichtbar abzu300 Planer verschrieben. heben. Außerdem bin ich der Meinung, dass sich jeder Planer auf gewisse Wir zeigten uns von Anfang an transparent. Jeder AußendienstmitEinrichtungsbereiche spezialisiert. Hochwertige Bäder werden, so arbeiter konnte Auskunft über unser Angebot und unsere Kostendenke ich, auch künftig weniger von struktur geben – um zu beweisen, Küchenprofis geplant. Hier sind viel dass wir halten, was wir versprechen. zu viele unterschiedliche Gewerke Dass wir wirklich gläsern sind, dafür «Wir zeigten uns von Anfang zu berücksichtigen. Ein neues Bad brauchten wir zuerst einmal Zeit, es an transparent. Jeder AuSSen oder auch eine Komplett-Bad-Sadem Handel zu beweisen. Doch nach nierung kann ein Vielfaches mehr zwei bis drei Jahren begann man uns dienstmitarbeiter konnte kosten als eine neue Küche. Zudem zu vertrauen. Seit dieser Zeit wachfinden konsumige Badmöbel, wie sie sen wir kontinuierlich. Unsere MitAuskunft über unser Angebot derzeit von der Küchenmöbelindusgliederstruktur war von vornherein und unsere Kostenstruktur trie gefertigt werden, ihren Absatz nicht wahllos, sondern gesund und wohl eher über die Großfläche. zukunftsorientiert. Davon profitiegeben – um zu beweisen, dass wir ren wir noch heute. halten, was wir versprechen. Herr Töpert, Sie betonen immer Der Küchenring hat ebenso wie jewieder Ihre Verbundenheit mit des seiner Mitglieder ein eigenes Dass wir wirklich gläsern sind, mittelständisch geprägten Unter Profil und Der Küchenring ist erfolgdafür brauchten wir zuerst nehmen. Wen haben Sie während reich. Wenn ich so zurückblicke, gab Ihres Berufslebens lieber reprä es bislang kein Jahr ohne Wachstum einmal Zeit, es dem Handel zu sentiert, Industrie oder Handel? und das wird sich, nach dem zu urb eweisen. Doch nach zwei bis Manfred Töpert: In meinem gesamteilen, was sich bisher abzeichnet, ten Berufsleben habe mich immer auch nicht so schnell ändern. Auch drei Jahren begann man uns als Repräsentant von Industrie und für 2020 können wir schon heute zu vertrauen. Seit dieser Zeit Handel gesehen. In beiden Fällen von einem weiteren Wachstum auswar es meine Aufgabe, Individualisgehen. Eine Entwicklung, die von wachsen wir kontinuierlich. ten zufrieden zu stellen. Das gelingt den Eckpfeilern des Küchenring, wie Unsere Mitgliederstruktur war nur, wenn man die einzelnen PositiTransparenz und Glaubwürdigkeit, onen versteht. Ist das nicht der Fall, flache Hierarchie, zukunftsorienvon vornherein nicht wahllos, überlebt man nicht. tiertes und gleichzeitig bezahlbares sondern gesund und zukunftsDienstleistungsprogramm getragen Dass Sie nicht nur überlebens wird. Und darauf bin ich schon sehr orientiert. Davon profitieren fähig sind, sondern auch erfolg stolz. wir noch heute.» reich agieren können, dokumen Die Unternehmer, die sich für die tiert die Entwicklung von Der Mitgliedschaft in einer VerbundKüchenring. Die 515 Millionen gruppe entscheiden, orientieren sich Euro zentral regulierter Einkaufs-Umsatz sowie kontinuierlich an deren Profil und an den damit verbundenen Dienstleistungen. Und steigende Mitgliederzahlen können sich mehr als sehen las solange der Verband seine Struktur und seine Service-Leistungen weisen. terhin grundsätzlich an den Belangen seiner Mitglieder orientiert und Manfred Töpert: Sicher bin ich stolz auf das Erreichte. Dabei muss ich dabei seine Identität nicht verliert, wird er erfolgreich sein. jedoch betonen, dass bei allem Tun auch ein Quäntchen Glück und ein gutes Team entscheidend zum Erfolg beitragen. Die Verbandslandschaft ist in unserer Branche seit jeher gut struktu- Wir bedanken uns bei Manfred Töpert, dem versierten Bran riert. In den 80er Jahren gab es die inhabergeführten Verbände und chenkenner, für dieses interessante Interview. eine genossenschaftlich ausgerichtete Verbundgruppe. Letztere ist Ab April dieses Jahres geht der erfolgreiche Manager in den dann weggebrochen, während die inhabergeführten Verbände sich wohlverdienten Ruhestand. Sein lang gehegtes Wunschvor aus den fetten Jahren heraus im sicheren Hafen wähnten. Ganz nach haben mit vier Freunden im Landrover durch Nord Amerika der Devise: Man verhandelte mit der Industrie. Erste Priorität hatten bis nach Feuerland zu fahren und dabei einen Zwischenstopp die eigenen Belange. Und zeigte sich ein Industrieanbieter nicht willig, einzulegen, um Machu Piccu zu besuchen, kann der aufge konnte man den einen oder anderen Unwilligen einfach austauschen. schlossene Weltbürger endlich wahrmachen. Und danach? So Es gab ja mehr als genug Hersteller. Unter dieser Prämisse wurden politisch und sozial interessiert und engagiert Manfred Töpert auch einige kleinere Unternehmen „groß“ gemacht, die es heute zum ist, und zudem so fest in der Branche verankert, wäre es kaum Teil nicht mehr gibt. verwunderlich, wieder von ihm zu hören oder zu lesen … ! 6 | küche + architektur
Fotos: Beckermann
Küchen | Architektur + Trend
Supermatter Lack trifft warme Eiche im Ton Oak Cognac: Diese elegante Landhausküche lebt von dem Kontrast zwischen der lackierten Rahmenfront der Insel und der lebhaften, vertikalen Maserung des Geräte- und Vorratszentrums. Damit trifft diese Planung sowohl den Trend zu wohnlichen Materialkombinationen, als auch den grifflos- und den Eiche-Trend. Die überstehenden Fronten der Oberschränke ermöglichen deckenhohe Planungen für eine harmonische Raumwirkung. Ausziehbare Tablare tragen zum Komfort bei. Da nimmt es nicht Wunder, dass Beckermann jetzt als „Lieblingsmarke“ in Gold prämiert wurde als besondere Anerkennung für konstant herausragende Produktleistung und Verbraucherorientierung. (s. auch S. 9)
www.beckermann.de
küche + architektur | 7
Architektur + Trend | Küchen
Küchen mit Persönlichkeit Individuell, generationenübergreifend, komfortabel, multifunktional, nachhaltig
„Matte Oberflächen mit einer angenehmen Haptik dominieren den Markt. Zusätzlich und in Kombination zu Unifarben nimmt das Thema Holz eine zentrale Rolle ein. Furnierte Holzoberflächen und tiefgeprägte Reprooberflächen in Holzoptik erweitern das Angebot im High-End Bereich“, so Stefan Waldenmaier, Vorstandsvorsitzender der Leicht Küchen AG. „Diese Materialkomposition findet in einer gedeckt zurückgenommenen Farbwelt statt. Schwarz-, Blau- und Braunnuancen in Verbindung mit hellen Tönen setzen entscheidende Akzente. Einer Materiallinie folgend, bieten Schrankkonstruktionen, Regalsysteme und Türlösungen raumübergreifende Gestaltungskonzepte und unterstützen Planerinnen und Planer bei der Gliederung und Zonierung der Innenarchitektur. Zusätzlich bleiben Planungsgrundsätze auch in diesem Jahr tendenziell kubisch – mit einer deutlichen Betonung der Horizontalen. Eine Wirkung, die durch die klassische Reihung von Schränken
Foto: Leicht
hervorgehoben und durch die Lichtinszenierung und Materialwahl akzentuiert wird.“
8 | küche + architektur
Küchen | Architektur + Trend
„Metatrends wie Individualisierung, Digitalisierung und Urbanisierung prägen das 21. Jahrhundert und damit alle Lebens- und Arbeitsbereiche und somit insbesondere die Planung, Gestaltung und Ausstattung künftiger Wohnbereiche. Die moderne, zeitgemäße Küche repräsentiert heute gleichzeitig den multifunk tionalen Wohn-Wohlfühl-Genuss-Lebensraum sowie das Zentrum für persönliche und soziale Kontakte. Hier begegnen sich die Generationen mit ihren unterschiedlichen Lebensstilen und Werten, Wünschen und Träumen, Ansprüchen und Möglichkeiten. Diesem Anspruch gerecht werdend, wird sie zum persönlichen Ausdruck der Menschen, die in ihr leben“, fasst Beckermann Küchen-Geschäftsführer Bernhard Lampe im Sinne aller an unserer Umfrage beteiligten Küchenmöbelhersteller zusammen.
„Der Trend zu offenen Wohnräumen verlangt nach Möbel- Konzepten, die das Arbeiten in der Küche, das Wohnen und Relaxen und nicht zuletzt die Familienkommunikation in Einklang bringen.“ Bernhard Lampe, Geschäftsführer Beckermann Küchen GmbH
Fotos: Beckermann
„A
uch 2020 bleibt die Wohnraumküche das Produkt der Begierde“, so Stefan Waldenmaier, Vorstandsvorsitzender der Leicht Küchen AG. Bereits seit vielen Jahren setzt der Küchenhersteller aus Waldstetten bei der Produktentwicklung auf die Integration von Kochen und Wohnen zu einem Lebensraum. „Multifunktionale Einrichtungslösungen werden immer wichtiger. Raumteilende Solitäre sind deshalb eine feste Größe in unserem Programm. Systemregale setzen wir als „Mittler“ zwischen den Wohnbereichen ein. Demi- und Hochschränke lassen sich frei im Raum platzieren und rückseitig wohnlich gestalten“, beschreibt Roger Klinkenberg, Geschäftsführer Pronorm die Mittel zum Zweck. Sven Herden, Geschäftsführung Marketing und Vertrieb Rotpunkt Küchen, meint: „Innenarchitektur nutzt aus unserer Sicht Materialien, Farben etc., um einen gewünschten Stil bzw. Look zu erzielen. Innenausstattung und Beschläge sind küche + architektur | 9
„Festzustellen ist auch der Trend zur Nachhaltigkeit und einem bewussteren Konsumverhalten“, betont
Foto: Neue Alno
Rotpunkt-Geschäftsführer Sven Herden.
„Viele Grautöne werden mit bunter Note gestaltet. Bei den Bunttönen kommt Blau.“ Ulrich Dahm-Wachsmann, Leiter Design, Neue Alno GmbH
10 | küche + architektur
Fotos: Rotpunkt
Architektur + Trend | Küchen
Fotos: Bauformat
Küchen | Architektur + Trend
Foto: Bauformat
Ob als Accessoires wie Griff und Armatur oder mutig in Front und Nischenpaneel – wichtig ist, dass die Messing-Töne zusammenpassen.
„Der Trend zu Schwarz vermischt sich aktuell extrem im Bereich des modernen Industrial Styles – hier spielt rohes dunkles Metall die maßgebende Rolle. Blaustahl-Gestelle, gusseiserne Griffe, Regale aus dünnen Metallstreben und diverse kleine, aber sichtbare technische Details machen den Look bei uns aus“. Hélène Bangert, Innenarchitektin Bauformat/Burger
dabei die Grundlage, um nicht nur außergewöhnliche Designs zu schaffen, sondern auch Funktionalität zu gewährleisten.“ „Entweder die Trends mischen sich oder sie sind so polarisierend, dass es dazu einen Gegentrend, sprich das komplette differenzierte Gegenteil gibt“, ergänzt Hélène Bangert, Innenarchitektin Bauformat/Burger. „So verhält es sich beispielsweise beim sehr konsumigen skandinavischen Design – helle Hölzer, pastellige Farben und weiche Formen. Dieses erfährt gerade einen absoluten Trendkontrast mit Neon-Farben und allgemein allen Spectral Farben – und im Bereich Dekoration und Interior aktuell am besten alle Farben gleichzeitig.“ Mix and Match Bei den Materialien bestimmen Holz, Glas, Lack das Bild. Sie sind die Basis für individuelle Kombinationen mit wohnlichem Anstrich. Dabei gibt es stilistisch keine Einschränkungen. Gerade als Akzent findet zum Beispiel Metall auch Einzug in klassisch geprägte Designs, die derzeit auf dem Vormarsch sind. „Die Vielfalt der Materialien bildet sich nicht nur im Angebot an Echtfronten ab, sondern auch in entsprechenden Replikationen. Farbe und Struktur der Oberflächen stehen ihren Vorbildern in nichts nach und sind daher gute Alternativen für alle, die ihre Küche am Trend ausrichten, aber weniger tief in die Tasche greifen möchten“, betont Nolte-Marketingleiter Axel Brinkmann. Moderne Holzdekore mit küche + architektur | 11
Architektur + Trend | Küchen
Platin-Finishes kombiniert mit dunklen Farb-Schattierungen und Schwarz werden in diesem und im nächsten Jahr in all unseren Märkten ein großes Thema sein.“ Roger
Fotos: Pronorm
Klinkenberg, Pronorm Einbauküchen GmbH
eleganten Strukturen und warmen Nuancen sind absolut angesagt. Sie stehen für stylisch eingerichtete Räume und verbreiten eine wohnliche Stimmung. Dabei zeigen sie sich verblüffend authentische und schaffen auch im Mix z. B. mit fein abgestimmten Unitönen und Glasakzenten Küchenoptiken mit besonderem Flair. Dominant zeigt sich hier nach wie vor die Eiche in unterschiedlichen Farbstellungen. Nussbaum bildet ein elegantes Gegengewicht dazu. „Natürliche Oberflächen, strukturierte Hölzer mit transparenten oder farbigen Lasuren unterstreichen die Natürlichkeit und Ursprünglichkeit der Materialien. Nachhaltigkeit wird viel propagiert aber noch kaum als Konzept der Möbel effektiv umgesetzt“, merkt Ulrich Dahm-Wachsmann an. Für mehr Leichtigkeit sorgen geometrische Formen und Transparenz durch farbiges oder geripptes Glas. Metallics setzen Akzente „Besonders gut auf großen, vertikalen Flächen kommen Metallics in gedeckter Farbigkeit zum Tragen. Platin-Finishes kombiniert mit dunklen Farb-Schattierungen und Schwarz werden in diesem und nächsten Jahr in all unseren Märkten ein großes Thema sein“, betont Roger Klinkenberg und Hélène Bangert ergänzt: „Deutlich international geprägt ist der erstaunlich lang anhaltende Messing-Trend.“ Messing ist nicht glänzend, sondern matt und so entsteht ein multifunktionaler Look, der sich mit vielen Farben und Texturen und für viele Zielgruppen kombinieren lässt. 12 | küche + architektur
Naturstein veredelt die Küche „Stein-/Betondekore überzeugen gleichermaßen optisch und haptisch. Küchen in den angesagten Beton- oder Steindekoren verkörpern einen designorientierten Lebensstil und vermitteln Stärke und Beständigkeit. Gleichzeitig stehen diese von der Natur inspirierten Dekore für Authentizität und Natürlichkeit“, beschreibt Sonja Diermann, Leitung Marketing & PR, Nobilia-Werke. „Marmor-Designs erinnern mit ihren ausdrucksstarken Maserungen an die Designs der 60-80er Jahre“. Architektenfarben überwiegen Die Architektenfarben Schwarz, Grau und Weiß zeigen sich zeitlos elegant nicht nur als ansprechende Solisten in einer ruhigen monochromen Designwelt, in Front, Arbeitsplatte, Wangen, Griffen Ton in Ton miteinander korrespondierend, sondern überzeugen auch im Duett oder als Trio mit attraktiven Unis unterschiedlicher Farbstellungen. Nach wie vor hat auch das scandinavian Design, inszeniert mit hellen Hölzern und pastelligen Farben seine Liebhaber. „Dem Trend zur Individualisierung kann durch den Einsatz von RAL- / NCS Farben Rechnung getragen werden“, weist Rational-Marketingleiterin Elke Pfeiffer hin. Repräsentant der kräftigen Farben ist neben den sich haltenden natürlichen Grüntönen die Farbe Blau. Orange- und Rottöne geben Wärme und liegen besonders bei Polstern und Lack flächen deutlich im Trend. Ocker und Senf stehen Pate für Gold- und Messingthemen.
Fotos: Rational
Küchen | Architektur + Trend
Elke Pfeiffer,
passe|par|tout
Marketingleiterin
– das hochwertige
Rational: „Wir bieten
Innenausstattungs-
unseren Partnern im
system exlusiv by
Handel sowie deren
Rational. Nussbaum
Kunden ein breites
geölt, atmungsaktive
Spektrum individuel-
Textiltaschen,
ler Gestaltungsmög-
Besteckeinsätze in
lichkeiten. In Farbe,
Eiche Honig, und
Oberflächenstruktur,
auch ein Humidor
Schranktypen und
erhöhen die
Innenausstattung.“
Funktionalität.
küche + architektur | 13