Skip to main content

Architektur + Küche 2025

Page 1

ARCHITEKTUR + K CHE

Ausgabe 1/2025 Deutschland € 6,80 Österreich € 7,50 Schweiz sfr 13,60 BeNeLux € 7,90

+ K CHE einricHtUnGstrenDs | liFestYle

trAUMHAUs AUF stelzen Nachhaltiges Bauen im Einklang mit der Natur

vOM GetreiDesPeicHer … … zum modernen Wohnhaus

MeHr Als GrÜn:

Zukunftssicher bauen, nachhaltig und kosteneffizient

WOHntrenDs

Neues Lebensgefühl – bewusst, stilvoll, individuell


Architektur ist keine Frage des Stils, sondern der Haltung.

Stellen Sie sich ein Zuhause vor, das nicht nur Wände und ein Dach bietet, sondern ein Leben voller Möglichkeiten eröffnet. Ein Ort, an dem sich Wohlbefinden, Nachhaltigkeit und Innovation vereinen – in dem jedes Element mit Bedacht gewählt und jede Entscheidung mit Blick auf die Zukunft getroffen wurde. Dieses Zuhause ist mehr als ein Raum, es ist ein Versprechen. Ein Versprechen, in Harmonie mit der Umwelt zu leben, ohne auf Komfort zu verzichten. Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend – sie ist unsere Verantwortung. Die Architektur der Zukunft verbindet ressourcenschonende Materialien mit Energieeffizienz und smartem Design. Wie immer liegt wahre Innovation im Detail: Die Rückkehr zu bewährten Low-Tech-Ansätzen bringt Einfachheit und Langlebigkeit zurück in die Bauwelt. Sanierungen bestehender Gebäude zeigen, wie wir nicht nur Ressourcen sparen, sondern auch den Charakter alter Häuser bewahren und ihre Geschichten weitererzählen können. Jedes renovierte Zuhause wird so zu einem kleinen Beitrag für den Klimaschutz – ein Symbol der Hoffnung. Unsere Welt verändert sich schneller als je zuvor. Klimatische Extrembedingungen und gesellschaftliche Umbrüche fordern Gebäude, die robust und anpassungsfähig sind. Architektur, die auf modulare Bauweisen setzt, bietet Lösungen für verschiedene Lebensphasen und Bedürfnisse. Jedes Gebäude wird damit nicht nur ein Raum, sondern eine Lebensgeschichte, die sich mit den Bewohnern weiterentwickelt. Unser Zuhause steht im Zentrum dieser Veränderung als ein emotionaler Rückzugsort, der mehr ist als ein funktionaler Raum. Die Küche kann zum Herzstück des Hauses werden, hier entstehen Erinnerungen und hier wird Harmonie spürbar. Natürliche Materialien, beruhigende Farben und ein durchdachtes Beleuchtungskonzept schaffen die Atmosphäre, die Balance und Geborgenheit vermittelt. Hier spiegelt sich die Sehnsucht nach Beständigkeit in einer dynamischen Welt wider. Jedes Detail erzählt von der Persönlichkeit der Bewohner – individuell, bewusst, authentisch. Die Bau- und Wohnkultur von morgen ist kein Zufall. Sie ist eine bewusste Entscheidung, Räume zu schaffen, die den Menschen dienen indem sie ihre Umwelt respektieren. Dafür gehen Nachhaltigkeit, Technologie und Design Hand in Hand und Komfort, Flexibilität und Lebensqualität werden neu definiert. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen. Ihr Redaktionsteam Yvonne Davy und Simone Steinbrech

ARCHITEKTUR + KÜCHE | 1


Inhalt

04

14

18

ARCH+ITEKT UR K CHE

inhalt

08 Ausgabe 1/2025 6,80 Deutschland € Österreich € 7,50 Schweiz sfr 13,60 BeNeLux € 7,90

+ K CHE eInr Icht ungs

tren ds | lIFes

trauMhaus auF

tYle

stelzen

Nachhaltiges BauenNatur der im Einklang mit

… eIdesPeIcher

VOM getr

… zum modernen

Wohnhaus

:

Mehr als grÜn

, Zukunftssicher bauen effizient kosten nachhaltig und

WOhntrends

hl – Neues Lebensgefü individuell bewusst, stilvoll,

„Kyoto“ trifft Japandi – Eine Küchen­ kreation von LEICHT, die mit natürlicher Ästhetik, klarer Struktur und harmonischem Materialeinsatz Wärme und Gelassenheit in der offenen Wohnraumgestaltung vereint. www.leicht.com

2 | ARCHITEKTUR + KÜCHE

04

Traumhaus auf Stelzen Moderne Architektur und nachhaltiges Bauen im Einklang mit der Natur

08

vom Getreidespeicher … … zum modernen Wohnhaus

12

Zwischen Leidenschaft und Verantwortung Über die Zukunft des Bauens und die Herausforderungen der Architektur

14

Die „Alte Meierei“ Von der Vergangenheit inspiriert, für die Zukunft geschaffen

18

Mehr als grün Zukunftssicher bauen, nachhaltig und kosteneffizient


Inhalt

Impressum Verlag: Bauhelden Media GmbH & Co. KG Welfenstraße 19 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-1 www.bauhelden.media

60 42

Verlagsleitung: Christian Schikora Manuel Lösch Redaktionsbüro: küche+architektur Weißheimerstraße 7 67549 Worms Chefredaktion: Yvonne Davy Tel. 06241/979708-10 Fax 06241/979708-17 davy@bauhelden.media Layout: Simone Steinbrech post@steinbrech-design.de Vertrieb: Partner Medienservices GmbH Julius-Hölder-Straße 47 70597 Stuttgart

34 26

Sanieren statt neu bauen Warum Ihr Haus der wahre Klimaretter ist

30

Schluss mit den Mythen So funktioniert Abluft in ­Passivhäusern

34

Über die Qualität des Trinkwassers Anforderungen an sauberes und gesundheitlich unbedenkliches Trinkwasser

38 42 51

J enseits des Trends Hans Winkler über die Kraft der Beständigkeit und echte Designwerte

52 54

Zeitlose Eleganz … … in weißem Multiplex

Preisliste für Anzeigen: zur Zeit Nr. 13, gültig seit 1.1.2025 Preis Einzelheft: 6,80 Euro (inkl. MwSt.) Direktbestellung im Verlag unter www.renovieren.de/einzelhefte ISBN: 978-3-945604-99-1

56

Mit einem Dreh v ­ erwandelt Eben offenes Regal – jetzt geschlossener Schrank

58

Küchenspezialisten von heute Meister der ganzheitlichen Wohnraumgestaltung

60

aum für Perfektion R Innenarchitektur und Funktionalität vereint

Neues Lebensgefühl Wohnen: Bewusst, stilvoll, individuell

Puristisches Design mit Charakter nolteneo, die Premium-Line von Nolte Küchen

Hommage … … an Ästhetik, I­ndividualität und Nachhaltigkeit

Druck: Print Media Group GmbH Gutenbergstraße 4 69181 Leimen

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Artikel oder Zuschriften mit Namen des Verfassers stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Die Bauhelden Media GmbH & Co. KG ist förderndes Mitglied im Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), Bad Honnef, und im Deutschen HolzfertigbauVerband e.V. (DHV), Stuttgart. Im Bauhelden Media Verlag erscheinen außerdem: Althaus modernisieren, bauen!, Bauen & Renovieren, HausbauHelden, Schwimmbad+Sauna und weitere Sonderhefte für Bauherren und Modernisierer

ARCHITEKTUR + KÜCHE | 3


architektur

Moderne Architektur und nachhaltiges Bauen im Einklang mit der Natur Angesichts zentraler Themen wie der CO₂-Bilanzierung von Gebäuden, des Mangels an Mietwohnungen, der Suche nach bezahlbarem Wohnraum, des Einsatzes von Recycling­ materialien und neuen Rohstoffen sowie des Ziels einer funktionalen Nachhaltigkeit und Energiewende wird das Konzept widerstandsfähiger, klimaresilienter und nachhaltiger Gebäude zunehmend unverzichtbar. Häuser müssen heute robuster und flexibler geplant werden, um auch in klimatisch gefährdeten Regionen sicher bewohnbar zu bleiben. Ein Beispiel zeigt die Familie Tawse, die nahe der Themse bei Wargrave (UK) lebt und sich mit einem BaufritzHaus auf Stelzen auf die klimatischen Herausforderungen vorbereitet hat. Ihr Grundstück verwandelt sich bei Hochwasser regelmäßig in eine Seenlandschaft, sodass ein herkömmlicher Bau keine sichere Lösung wäre. Hier ruht ein 265 Quadratmeter großes zweistöckiges Leichtbauhaus auf einem erhöhten Stahlrahmen, getragen von

4 | ARCHITEKTUR + KÜCHE

72 Pfählen. Die Leichtbauweise von Baufritz-Häusern eignet sich ideal für solche Anforderungen und bietet eine nachhaltige, flexible Wohnlösung, die sich zudem erfolg­ reich den Herausforderungen des Klimawandels stellt. Dieses Einfamilienhaus auf Stelzen versinnbildlicht ein durchdachtes Raumkonzept, das Funktionalität und Komfort mit einem nachhaltigen Bauansatz vereint. Die einzig­ artige Bauweise kombiniert großzügige Wohnflächen


FotoS: Baufritz

architektur

Auf klimatische Herausforderungen wie Hochwasser vorbereitet: nahe der Themse bei Wargrave (UK) ruht ein 265 Quadratmeter großes zweistöckiges Leichtbauhaus auf einem erhöhten Stahlrahmen, getragen von 72 Pfählen.

Traumhaus auf Stelzen mit innovativen Lösungen, die sowohl ästhetisch als auch umweltbewusst sind. Moderne Architektur und BaufritzMehrwerte machen dieses Haus zu einem nachhaltigen Lebensraum für die ganze Familie.

Nachhaltigkeit und Mehrwerte für ein inividuelles Wohlbefinden Das Haus wurde in ökologischer Holztafelbauweise mit Großelementen errichtet und zeichnet sich durch die ­Verwendung natürlicher, baubiologisch geprüfter Mate­ ria­lien aus. Die Außenwandstärke von 37 cm sorgt gemeinsam mit einer biologischen Naturdämmung aus Hobelspan – dem HOIZ Dämmmaterial – für eine hervorragende Wärmedämmung und ein gesundes Raumklima. Der mineralische Putz und die zweifache umweltfreundliche Farbbeschichtung der Fassade in Weiß

verleihen der Immobilie eine zeitlose Eleganz. Die sichtbaren Pfetten, Sparren, Stützen und der Dachvorsprung sind in silbergrau gehalten. Neben der hervorragenden Wärmedämmung (U-Wert der Außenwand: 0,16 W/ (m²K) schützt das Haus durch eine spezielle ElektrosmogSchutztechnik und abgeschirmte Leitungen. Das Bio-LichtKonzept trägt ebenfalls zu einem angenehmen, natürlichen Wohlfühlambiente bei.

Architektur- und Raumwunder Das auf einer stabilen Plattform von ca. 2,30 m Höhe errichtete Einfamilienhaus scheint über dem Boden zu schweben und bietet eine faszinierende Aussicht. Die Wohnfläche von insgesamt 265,11 m², verteilt sich auf Erd- und Dachgeschoss und erlaubt eine offene, großzügige Raumaufteilung.

ARCHITEKTUR + KÜCHE | 5


architektur

Durch eine Backstage-Küche im Hauswirtschaftsraum wirkt der Hauptbereich stets aufgeräumt, minimalistisch und ästhetisch.

Bereits die besondere Außengestaltung des Hauses zieht alle Blicke auf sich: Die moderne Kombination aus Pult- und Flachdach erstreckt sich über die gesamte Hauslänge, wobei das Flachdach an beiden Giebelseiten weit über die Außenwand ragt. Dies schafft nicht nur einen imposanten Eingangs-, sondern auch einen geschützten Terrassenbereich. Auf der Südseite bietet eine abgehängte Pergola zusätzlichen Sonnenschutz und setzt architektonische Akzente über den großen Fensterflächen. Übrigens: Der Kniestock mit einer Höhe von 300,5 cm kann optional um bis zu 37,5 cm erhöht werden, um noch mehr Raumgefühl zu schaffen. Die Dachform mit einem Neigungswinkel von 5° und einem Flachdach bietet dabei maximale Flexibilität und ein einzigartiges architektonisches Statement.

Lichtdurchflutete Räume und ­komfortable Raumaufteilung Schon beim Betreten des Hauses überzeugt das einzigartige Raumkonzept. Der breite Flur durchzieht das gesamte Haus und verbindet auf intuitive Weise alle Räume miteinander. Der Wohnbereich besticht durch eine offene Podesttreppe mit großzügiger Verglasung, Glasgeländern und einem Holzhandlauf, der einladend und zugleich modern wirkt. Große Fensterflächen sorgen für helle, lichtdurchflutete Räume und schaffen eine harmonische Verbindung zur umliegenden Natur. Im Erdgeschoss befindet sich das Wohnzimmer, das durch eine freistehende Wand leicht vom Ess- und Küchenbereich abgegrenzt wird. Der angrenzende Hauswirtschaftsraum bietet nicht nur Staufläche, sondern auch Raum für eine Backstage-Küche. Während der Essbereich stets aufgeräumt wirkt, bleibt die Backstage-Küche

6 | ARCHITEKTUR + KÜCHE


architektur

Der Wohnbereich besticht durch eine offene Podest­ treppe mit großzügiger Verglasung, Glasgeländern und einem Holzhandlauf. Das auf einer stabilen Plattform von ca. 2,30 m Höhe errichtete Einfamilienhaus scheint über dem Boden zu schweben.

für funktionale Aufgaben im Hintergrund und erhält den minimalistischen, ästhetischen Eindruck des Hauptbereichs. Stets in der Nähe des Mittelpunkts des Geschehens: der Playroom für Kinder. Die Räumlichkeiten, die eine Oase der Ruhe und der Privatsphäre darstellen, befinden sich im Dachgeschoss der Immobilie. Auch hier wird der Flur zum Bindeglied zwischen zwei Kinderzimmern, einem Gästezimmer mit eigenem Bad und einem großzügigen Master-Bereich mit Schlafzimmer und großzügigem Bad. Apropos: Insgesamt verfügt diese Immobilie über drei Badezimmer, von denen zwei über Badewanne und Dusche verfügen.

Energieeffizienz und klimafreundliche Technik Zudem erfüllt das Objekt höchste Standards in Sachen Energieeffizienz. Mit einem Jahresprimärenergiebedarf von 27 kWh/(m²a) und einem Endenergiebedarf von lediglich 138,66 kWh/(m²a) ist das Gebäude als Effizienzhaus 55 realisierbar und erreicht die Energieeffizienzklasse A+. Die hervorragende Wärmedämmung, zu der auch die 3-fach verglasten Fenster mit einem U-Wert von 0,8 W/(m²K) beitragen, ist maßgeblich für die positive Energiebilanz des Objekts. Die umweltfreundliche Gas-Brennwertheizung, kombiniert mit Fußbodenheizung und der zentralen Baufritz Voll-Wert-Plus-Lüftung sorgt für ein angenehmes, konstantes Raumklima. Dieses Haus auf Stelzen vereint architektonische Raffi­ nesse mit nachhaltigen Lösungen und bietet so einen Wohnraum, der Ästhetik, Komfort und Umweltbewusstsein ideal verbindet – ein zukunftsweisendes Zuhause, das den Heraus­ forderungen des Klimawandels standhält. www.baufritz.de

ARCHITEKTUR + KÜCHE | 7


Architektur

Fotos: fabi architekten

vom Getreidespeicher zum modernen Wohnhaus

Die Arbeiten an der denkmalgeschützten Scheune in Kemnath begannen mit intensiver Recherche zur Geschichte des Gebäudes und zielten darauf ab, die originale Gestalt der Scheune zu bewahren und gleichzeitig moderne, funktionale Wohn­ räume zu schaffen.

8 | ARCHITEKTUR + KÜCHE

Die denkmalgeschützte Scheune in Kemnath, einem Städtchen in der nördlichen Oberpfalz, wurde 1843 als Teil eines U-förmigen Scheunenviertels errichtet. Die Sanierung dieses architektonisch und historisch bedeutenden Gebäudes zum Wohnhaus gelang durch die Planung des Architekturbüros Fabi Architekten BDA aus Regensburg, das gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die denkmalgerechte Umgestaltung realisierte.

Die Bauherren haben sich im Übrigen nicht nur an den gestalterischen Entscheidungen beteiligt, sondern auch erhebliche Eigenleistungen erbracht. Vom Konzept für die Innenarchitektur über die Restaurierung des Dachstuhls bis hin zur sorgfältigen Auswahl der Materialien und Farben: Die Familie investierte unzählige Arbeitsstunden in das Projekt. Mit viel Liebe zum Detail und handwerklichem Geschick schufen sie ein perfekt abgestimmtes Zuhause, das in fußläufiger Entfernung zur Altstadt von Kemnath liegt und das Flair des historischen Gebäudes in ein modernes Wohnumfeld integriert.

Erhalt und Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes Die Außenhülle des Gebäudes besteht aus robustem Sandsteinmauerwerk, das die typischen Merkmale der Oberpfälzer Bauweise aufweist – bodenständig, schnörkellos und zugleich nachhaltig. Risse in der Fassade und beschädigte Steine im Mauerwerk wurden durch erfahrene Steinmetze behutsam restauriert und teils ergänzt. Die historische Rundbogen-Toreinfahrt, ursprünglich zugesetzt, wurde wieder geöffnet und bildet nun eine Hauptbelichtungsquelle für den Wohnbereich


Architektur

Um den historischen Charakter des Hauses zu erhalten, wurde die statische Tragstruktur der Decke im ­Erdgeschoss mit sichtbaren Stahl­profilen ergänzt, die durch ihre schwarze Lackierung markante Akzente setzen.

sowie einen stufenlosen Zugang zur Terrasse. Einige Fensteröffnungen, die in den vergangenen Jahrzehnten verändert oder zugemauert wurden, hat das Team um Fabi Architekten nach historischem Vorbild rekonstruieren lassen. So konnte das ursprüngliche Erscheinungsbild der Giebelfassade wiederhergestellt werden. An der nordöstlichen Grundstücksgrenze dient ein neuer Schuppenanbau mit schwarzer Aluminiumverkleidung als Abstell- und Lagerraum.

erlebbar bleiben. Ein offener Luftraum verbindet das zentrale Obergeschoss mit dem Essbereich im Erdgeschoss, wodurch natürliches Licht vom Dachfenster bis in die Tiefe des Hauses fällt. Der marode Boden im Erdgeschoss wurde durch eine stabile Stahlbetonplatte ersetzt, die zugleich den Anforderungen an moderne Wohnbauten entspricht.

Innenarchitektur: Moderne Funktionalität trifft historischen Charme

Das Gebäude verfügt über eine energieeffiziente Haustechnik, die eine nachhaltige Nutzung gewährleistet. Eine Luftwärmepumpe mit Kühlfunktion und ein Grundofen (6 kW) sorgen für behagliche Wärme, während die Wände um eine Innenputz-Dämmung ergänzt wurden. Diese Lösung, die Wandheizung und Fußbodenheizung einschließt, verbessert die Wärmeisolierung und erhält zugleich die historische Fassade in ihrer ursprünglichen Optik.

Im Inneren der Scheune wurden der Dachstuhl und die Deckenbalken umfassend saniert. Die für die Oberpfalz typischen Aussteifungskreuze der Dachkonstruktion blieben sichtbar und fügen sich harmonisch in das Raumkonzept ein. Neue Holzständertrennwände im Dachgeschoss wurden so geometrisch gefaltet, dass die charakteristischen Dachkonstruktionen uneingeschränkt

Technische Ausstattung und ­e nergetische Modernisierung

ARCHITEKTUR + KÜCHE | 9


Architektur

Die Le CorbusierFarben verleihen dem Innenraum eine subtile Eleganz und schaffen eine stilvolle, wohnliche Umgebung, die sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt und dennoch individuelle Akzente setzt.

Le Corbusiers Farbenlehre als ­s tilvolle Grundlage Das Farbkonzept im Innenbereich basiert auf der Farbenlehre von Le Corbusier. Die eigens für diese Sanierung ausgesuchten Farbtöne verleihen den Räumen eine harmonische und zugleich lebendige Atmosphäre. Die Farbpigmente wirken in unterschiedlichen Lichtverhältnissen leicht verändert und unterstützen so das Spiel von Licht und Schatten, das durch die offene Raumgestaltung noch verstärkt wird. Die Le Corbusier-Farben verleihen dem Innenraum eine subtile Eleganz und schaffen eine stilvolle, wohnliche Umgebung, die sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt und dennoch individuelle Akzente setzt.

Sanieren, um Werte zu bewahren und Klima zu schützen Angesichts des fortschreitenden Klimawandels ist es in Deutschland mittlerweile gesellschaftlicher Konsens, dass eine Transformation des Gebäudesektors dringend notwendig ist. Wichtige Bausteine für eine Transformation des Gebäudebereichs und ein Gelingen der Energie- und Wärmewende sind die Steigerung der Energieeffizienz, energetische Sanierungen, der Einsatz erneuerbarer Energien und die Dekarbonisierung von Heizsystemen. Die im dena-Gebäudereport 2024 veröffentlichten aktuellen Daten zum Klimaschutz im deutschen Gebäudebe-

10 | ARCHITEKTUR + KÜCHE

stand verdeutlichen, was sich in den vergangenen Jahren getan hat – und wie viel noch getan werden muss. Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass der Wohngebäudebestand in Deutschland im Jahr 2022 etwa 19,5 Millionen Gebäude umfasst, von denen rund 60 Prozent vor 1978 errichtet wurden und damit weit vor den heutigen energetischen Standards liegen. Dies unterstreicht den hohen Sanierungsbedarf: Schätzungen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP) zufolge sind aktuell etwa 24 Millionen Wohngebäude sanierungsbedürftig.

Beispielhaft Die Sanierung der historischen Scheune in Kemnath zeigt eindrucksvoll, wie durch gezielten Einsatz moderner Technik, sorgfältig ausgewählte Materialien und ein durchdachtes Farbkonzept aus einem historischen Bauwerk ein moderner Wohnraum entstehen kann, der den Charakter des Bauwerks bewahrt und zugleich neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnet. Durch die Zusammenarbeit mit fabi architekten bda, die Entwurf und Eingabeplanung übernahmen, entstand ein Zuhause in harmonischem Einklang mit der Historie des Ortes. Das Projekt steht beispielhaft für nachhaltiges Wohnen und Denkmalschutz – und zeigt, wie historisch wertvolle Gebäude mit moderner Wohnkultur und ökologischem Bewusstsein zu neuem Leben erweckt werden können. www.fabi-architekten.de


Elegantes Design, exzellente Leistung. Die neuen Kochfelder mit integriertem Dunstabzug in Matt Design von Bosch vereinen moderne Ästhetik und höchste Funktionalität. Dank ihres reduzierten und eleganten Designs fügen sie sich perfekt in jede Küche ein und ermöglichen maximale Freiheit bei der Küchenplanung. Die matte Oberfläche reduziert die Sichtbarkeit von Kratzern und Fingerabdrücken deutlich und der PerfectFry Bratsensor und der Luftgütesensor sorgen für perfekte Kochergebnisse. Im Küchenfachhandel erhältlich ab Frühjahr 2025.

Mattes Design


Architektur

Zwischen Leidenschaft und Verantwortung über die Zukunft des Bauens und die Herausforderungen der Architektur Stephan Fabi ist Architekt aus Leidenschaft. Gleichzeitig ist er Visionär mit einem kritischen Blick auf die Entwicklungen der Bau- und Architekturwelt: Im nachfolgenden Interview gibt der renommierte Regensburger Architekt einen Einblick in seine Definition der Werte, die für ihn beim Bauen im Vordergrund stehen. Er erläutert, warum Nachhaltigkeit und Sanierungen für die Zukunft des Wohnens unverzichtbar sind. Gleichzeitig wagt er jedoch auch einen Blick auf die „dystopischen“ Tendenzen unserer Gesellschaft. Das Team von Fabi Architekten betrachtet jedes Projekt als individuelle Aufgabe und entwickelt seit 30 Jahren Lösungen, die Schönheit, Funktion und Nachhaltigkeit vereinen. Mit dem Ziel, Wohlbefinden zu schaffen und verantwortungsvoll zu handeln, entstehen hier wie in einer Manufaktur einzigartige und durchdachte Gebäude.

Herr Fabi, Sie sind Architekt aus Passion. Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden? Stephan Fabi: Architekt zu sein bedeutete immer, ein hohes Maß an Mitgestaltung unserer dinglichen Umwelt einbringen zu können. In der heutigen Zeit hat sich der Gestaltungsanteil jedoch leider aufgrund von Überregulierung, extremer Bürokratie und verstärktem Sicherheitsdenken weit in den Hintergrund drängen lassen. Welche Architekten oder Architekturstile inspirieren Sie persönlich bei Ihrer Arbeit? Stephan Fabi: Für mich persönlich ist der italie­nische Architekt Carlo Scarpa eine sehr inspirierende Figur. Er hat den Architektur-Inhalten immer eine tiefere Sinnhaftigkeit gegeben und in seiner Detailverliebtheit umgesetzt. Dabei schuf er Orte von Zeitlosigkeit und Poesie. Welche aktuellen Trends sehen Sie derzeit in der Architekturwelt? Stephan Fabi: Ein großer Trend ist die klima­neutrale Haltung im gesamten Lebenszyklus der Baubranche. Leider werden auch hier, wie bei vielen Trends zuvor, viele leere Worthülsen geschickt platziert, ohne dass sich das Problem wirklich deutlich verbessert. Wie wichtig ist Ihnen der Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Auswahl von Baumateria­lien? Stephan Fabi: Das sollte als Selbstverständlichkeit gelten – und zwar im ursprünglichen Sinne des möglichst regi-

12 | ARCHITEKTUR + KÜCHE

onalen Einsatzes des Notwendigen und nicht des Machbaren. Aber da haben wir auch schon das Dilemma der heutigen Zeit: Es lässt sich für alles ein Argument oder Gegenargument finden. Holz, das durch Europa gefahren werden muss, ist dabei nicht der Heilsbringer. Stärken von einzelnen Regionen zu nutzen und auszubauen, führt automatisch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen – in der Planung, in der Herstellung und in den Arbeitsprozessen. Welche neuen umweltfreundlichen Materialien oder Technologien finden in Ihren aktuellen Projekten Anwendung? Stephan Fabi: Ein Baustoff oder Bauteil sollte nie einzeln, sondern immer im Gebäudekontext betrachtet werden. Neben dem Energieaufwand inklusive Transport bei der Erzeugung, der Lebensdauer und der späteren Recycelbarkeit hat für uns die Regionalität einen hohen Wert. So setzen wir eher traditionelle Materialien ein, wie Lehm in Form von Putzen, selbstverständlich Holz als regionales Produkt für Konstruktionen und Oberflächen und Naturstein für Oberflächen. Welchen Stellenwert haben Innenarchitektur und Raumaufteilung in Ihren Planungen? Stephan Fabi: Einen extrem hohen Stellenwert, da sich durch die Verbindung von Funktionalität und Schönheit eine lebenswerte Umgebung schaffen lässt, die den Alltag erleichtert.


Architektur

Wie gehen Sie bei der Entwicklung von Grundrissen vor, um den zur Verfügung stehenden Raum adäquat zu nutzen? Stephan Fabi: Wir versuchen zu Beginn immer, die Nutzerwünsche intensiv zu ermitteln, um herauszufinden, was der Kunde und spätere Nutzer benötigt und wünscht. Mit dieser Analyse erarbeiten wir das Essentielle der Wünsche, um möglichst sparsame und effiziente Räume mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Wie gelingt es Ihnen, eine Symbiose aus Funktionalität und Ästhetik zu schaffen? Stephan Fabi: Das ist aus meiner Sicht ein Zusammenspiel von Erfahrung, Kenntnis und vor allem gepaart mit Gefühl für den Raum und die Menschen. Was aufgrund der genannten Aspekte nicht immer perfekt gelingt – aber angestrebt werden sollte. Der private Hausbau liegt derzeit konjunkturell bedingt nahezu brach, aber Renovierungen und Sanierungen nehmen zu. Rund 95 Prozent der Wohngebäude in Deutschland wurden vor 2012 errichtet, die meisten zwischen 1950 und 1979. Der hohe Anteil an weniger energieeffizienten Altbauten stellt die Eigentümer vor immense Herausforderungen. Stephan Fabi: Ja, das ist eine riesige Aufgabe in der Zukunft. Hier benötigen die Eigentümer einen Partner, der mit Sachverstand und Fingerspitzengefühl eine adäquate Lösung für das einzelne Gebäude findet. Regelungen und starre Normvorgaben dürfen dabei nur ein Leitfaden sein und kein rigider Zwang. Wie beurteilen Sie diese Situation und auf welche Aspekte legen Sie bei der Beratung für Renovierungsoder Sanierungsobjekte den Fokus? Stephan Fabi: Hier ist ein ganzheitlicher Ansatz gefragt. Zuerst analysieren wir den Bestand intensiv, ermitteln den tatsächlichen Raumbedarf und entwickeln ein Konzept unter Berücksichtigung von Aufwand – monetär und energetisch –, Nutzen, Wohnkomfort und späteren Betriebskosten. Mit welchen Wünschen treten Bauherren in diesen Bereichen prioritär an Sie heran? Stephan Fabi: Meist ändern sich die Lebensumstände – die Kinder verlassen das Haus, neue Prioritäten entstehen

durch das Älterwerden – oder die täglichen Kompromisse im Alltag werden den Bewohnern unerträglich. Man glaubt es kaum, wie viele Menschen unter unpraktischen Gebäuden oder zu großen Gebäuden leiden. Welche gesellschaftlichen oder kulturellen Einflüsse prägen Ihrer Meinung nach die Architektur von heute und morgen? Stephan Fabi: Vor allem der Nachhaltigkeitsaspekt und die weiter voranschreitende Trennung in Arm und Reich. Die sogenannte Mittelschicht verliert sich immer weiter. Damit wird der ge­mein­schaft­liche Wohnungsbau, also Genossenschaften, Baugemeinschaften und sozial geförderter Wohnungsbau, immer wichtiger werden. Wie sehen Sie die Zukunft der Architektur in Bezug auf städtische Verdichtung und nachhaltige Entwicklung? Stephan Fabi: Hier vertrete ich leider ein sehr dystopisches Bild: Das gemeinschaftliche Leben in der Kernstadt mit Arbeit, Einzelhandel, Kultur, Gastronomie und öffentlichen Plätzen wird in mittlerer Zukunft, also in 20 bis 50 Jahren, wie wir es kannten, nicht mehr benötigt. Der Mensch wird immer isolierter leben – diese Tendenz schreitet bereits die letzten Jahre immer weiter voran. Remote-Arbeiten, digitales Leben und letztendlich die KI werden alles auf den Kopf stellen, was uns bisher als Gesellschaft ausgemacht hat. Das wird die Städte extrem verändern; sie werden im Sinne der Nutzung des öffentlichen Raums verwaisen. Wohnen wird immer kleinteiliger, anonymer und typologisierter – also mit Einpersonenhaushalten – und die Produktion wird keine großen Flächen mehr benötigen, vor allem werden in der Produktion kaum noch Menschen eine Rolle spielen. Denken Sie, dass sich dieser Trend langfristig halten wird? Stephan Fabi: Ich habe eine Hoffnung: Durch die negative Entwicklung der nächsten Jahre besinnt sich die Menschheit in mittlerer Zukunft wieder auf die wirklichen Werte, die für uns als Individuen wichtig sind, wie Gemeinschaft, Natur und Kultur. Damit verbunden wäre eine Umstrukturierung der Städte und kein Veröden. Herr Fabi, wir danken Ihnen für dieses offene und informative Gespräch.

ARCHITEKTUR + KÜCHE | 13


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Architektur + Küche 2025 by Bauhelden Media - Issuu