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NIVEAU 2

Kaspar Hauser

ANSELM VON FEUERBACH KASPAR HAUSER

KASPAR HAUSER

Wer war Kaspar Hauser? Diese Frage stellen sich die Menschen noch heute. Im Jahr 1828 findet man einen fremden jungen Mann auf dem Unschlittplatz in Nürnberg. Er spricht kaum, kann nicht richtig laufen und er hält einen Brief in der Hand. Hier beginnt das Rätsel. Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach (1775 - 1833) ist Rechtsgelehrter und interessiert sich für diesen außergewöhnlichen Fall. Er lernt Kaspar kennen und erzählt mit viel psychologischem Gespür seine Geschichte.

ANSELM VON FEUERBACH

Anselm von Feuerbach

NIVEAU 2

ELI-Lektüren: Texte für Leser jeden Alters. Von spannenden und aktuellen Geschichten bis hin zur zeitlosen Größe der Klassiker.

- Vereinfachter und gekürzter Text mit Erklärung schwieriger Wörter als Fußnoten - Übungen zu Leseverständnis, Wortschatz und Grammatik - Übungen zur Prüfungsvorbereitung A2 -A bschlusstest

Themen Herkunft

Psychologie

NIVEAU 1

A1

START DEUTSCH 1

NIVEAU 2

A2

START DEUTSCH 2

NIVEAU 3

B1

ZERTIFIKAT DEUTSCH - ZD

NIVEAU 4

B2

GOETHE-ZERTIFIKAT B2

Klassiker

DAF A 2

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Sozialisation

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Identität

DAF A2

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ERWACHSENE

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ELI-Lektüren: Texte für Leser jeden Alters. Von spannenden und aktuellen Geschichten bis hin zur zeitlosen Größe der Klassiker. Eine redaktionell anspruchsvolle Bearbeitung, ein klares didaktisches Konzept und ansprechende Illustrationen begleiten den Leser durch die Geschichten. So lernt man Deutsch wie von selbst!

A2


Die FSC-Zertifizierung garantiert, dass das für diese Veröffentlichung verwendete Papier aus zertifizierten Wäldern stammt und damit weltweit eine verantwortungsvolle Forstwirtschaft unterstützt.

Für diese Reihe an Lektüreheften wurden 5000 Bäume gepflanzt.


Anselm von Feuerbach

Kaspar Hauser Nacherzählt von Gudrun Gotzmann Illustrationen von Martina Peluso

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Kaspar Hauser Anselm von Feuerbach Nacherzählt von Gudrun Gotzmann Übungen: Gudrun Gotzmann Illustrationen: Martina Peluso Redaktion: Iris Faigle ELI-Lektüren Konzeption: Paola Accattoli, Grazia Ancillani, Daniele Garbuglia (Art Director) Grafische Gestaltung Sergio Elisei Produktionsleitung Francesco Capitano Layout Diletta Brutti Fotos ELI © 2013 ELI S.r.l. B.P. 6 - 62019 Recanati - Italien Tel. +39 071 750701 Fax +39 071 977851 info@elionline.com www.elionline.com Verwendeter Schriftsatz: Monotype Dante 11,5/15 Druck in Italien: Tecnostampa Recanati - ERA 211.01 ISBN 978-88-536-1598-5 Erste Auflage Februar 2013 www.elireaders.com


Inhalt 6

Hauptfiguren

8 10 18 20 27 30 38 40 48 50 58 60 68 70 78 80 86

Vor dem Lesen Kapitel 1 Aufgaben Kapitel 2 Aufgaben Kapitel 3 Aufgaben Kapitel 4 Aufgaben Kapitel 5 Aufgaben Kapitel 6 Aufgaben Kapitel 7 Aufgaben Kapitel 8 Aufgaben

Ein Fremdling in Nürnberg Kaspar unter Menschen Kaspars Leben im Gefängnis Kaspar entdeckt die Welt Umzug zu Professor Daumer Kaspars Besonderheiten Das Attentat Kaspar heute

88 Zum Weiterlesen

Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach

90 Zum Weiterlesen

Wer war Kaspar Hauser?

93 Zum Weiterlesen Kaspars Aktualität 94 Testen sie sich selbst 95

Syllabus

Zeichen für die Hörtexte auf der CD Anfang

Ende


HAUPTFIGUREN

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VOR DEM LESEN

Wortschatz 1

Setzen Sie die passenden Wörter ein (Es gibt für jedes Wort eine Lücke). Stiefel • Kind • Ausdruck • Haare • Hut • sprechen • Jahre • Jacke • Augen Als Kaspar Hauser nach Nürnberg kommt, hat er einen runden roten (1) ___________ von städtischer Form auf dem Kopf. An den Füßen trägt er zerrissene (2) ___________. Über einem Hemd und einer alten Weste trägt er eine graue (3) ___________. Er ist wahrscheinlich 16 oder 17 (4) ___________ alt. Er hat hellbraune, dünne und lockige (5) ___________. Er hat klare bläuliche (6) ___________. Sein Gesicht ist fast ohne (7) ___________. Kaspar geht wie ein kleines (8) ___________. Auch kann er kaum (9) ___________.

2 Welches Wort passt nicht? Streichen Sie das unpassende Wort durch. Beispiel: Kaspar 1 Gefängnis 2 lernen 3 Sinne

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fremd, kindlich, dunkel, hilflos Himmel, Käfig, Loch, Unterkunft sprechen, lesen, schreiben, schlafen, zeichnen hören, sehen, riechen, essen


Grammatik 3 Aus welchen einzelnen Substantiven setzen sich die folgenden Wörter zusammen? Nennen Sie bitte auch den bestimmten Artikel (im Singular). 1 2 3 4 5 6 7 8

der Polizeisoldat _______________ und _______________ das Sonnenlicht _______________ und _______________ die Spielsachen _______________ und _______________ das Spiegelbild _______________ und _______________ der Familientisch _______________ und _______________ die Bauernhochzeit _______________ und _______________ die Gartenarbeit _______________ und _______________ der Regenbogen _______________ und _______________

Leseverständnis 4 Welche Definition ist richtig? Kreuzen Sie an. 1 der Fremdling a ■ eine Person, die Touristen durch fremde Orte führt und ihnen Sehenswürdigkeiten erklärt b ■ eine Person, die in einem Ort niemanden kennt und von keinem gekannt wird c ■ eine Person, die in einem Ort fast alle Einwohner kennt 2 der Rittmeister a ■ der Führer einer Kavallerie b ■ ein Reitlehrer c ■ eine Person, die das Reiten lernt 3 der Turm a ■ ein hohes, meist enges Gebäude; häufig Teil einer Burg oder einer Kirche b ■ der Eingang zu einer Stadt oder einem Schloss/einer Burg c ■ eine Tür, die zum Keller eines Schlosses oder einer Burg führt

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Kapitel 1

Ein Fremdling in Nürnberg

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Der zweite Pfingsttag1 gehört in Nürnberg zu den wichtigen Feiertagen. Der größte Teil der Einwohner geht aufs Land und in die benachbarten Orte. Die Stadt wird dann, besonders bei schönem Frühlingswetter, sehr still und menschenleer. Am 26. Mai, zweiter Pfingsttag des Jahres 1828, nachmittags zwischen vier und fünf Uhr, passiert Folgendes: Ein Bürger, der auf dem sogenannten Unschlittplatz wohnt, ist vor seinem Haus und will durch das sogenannte neue Tor gehen. Er sieht ganz in seiner Nähe einen jungen Menschen, der als Bauernjunge gekleidet ist. Er steht in sehr auffallender Körperhaltung da und versucht zu laufen. Er sieht dabei aus wie ein Betrunkener. Der Bürger geht auf den Fremdling zu. Dieser hält ihm einen Brief entgegen mit der Aufschrift: An den Rittmeister bei der 4. Esgataron2 beim 6. Schwolischen Regiment3 in Nürnberg. Weil der Rittmeister ganz in der Nähe des neuen Tors wohnt, bringt der Bürger den Fremden dort hin. Ein Diener4 des Rittmeisters Wessening öffnet die Tür. Der Fremde hat den Hut auf dem Kopf und geht mit seinem Brief in der Hand auf ihn zu. Er sagt: „Ä sechtene möcht ih wähn, wie mei Vottä wähn is.5“

r Pfingsttag, e christliches Fest des Heiligen Geistes, Pentekoste Cavalleggeri (ital.) Kavallerie im Königreich Bayern 4 r Diener, - Hausangestellter e Esgataron, en eigentlich: die Eskadron oder die 5 dialektal für „Ein Sechster möchte ich werden, wie mein Vater Schwadron, kleinste Einheit der Kavallerie 3 Schwolisches Regiment, e eigentlich: die Cheveaulegers (frz.)/ [einer] gewesen ist.“ 1

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KASPAR HAUSER

Der Diener fragt ihn, was er will, wer er ist und woher er kommt. Der Fremde scheint1 keine Frage zu verstehen und antwortet immer nur: „Ä sechtene möcht ih wähn, wie mei Vottä wähn is.“ Er weint, weil er starke Schmerzen hat und zeigt auf seine Füße. Er scheint Hunger und Durst zu haben und man gibt ihm ein Stückchen Fleisch. Dies spuckt er sofort wieder aus. Als er etwas Bier probiert, zeigt der denselben Abscheu2. Ein Stück schwarzes Brot und ein Glas frisches Wasser mag er sehr gern. Er scheint zu hören, ohne etwas zu verstehen. Er scheint zu sehen, ohne etwas zu bemerken3. Er scheint seine Füße zu bewegen, ohne dass er sie zum Gehen benutzen kann. Seine Sprache sind meistens Tränen4, Schmerzenslaute, unverständliche Töne oder die Worte: „Reutä wähn, wie mei Vattä wähn is5.“ Im Haus des Rittmeisters denkt man, dass er ein wilder Mensch ist, und führt ihn in den Pferdestall. Dort legt er sich sofort hin und schläft tief ein. Als der Rittmeister nach Hause kommt, erzählen ihm seine Kinder viel Seltsames über den wilden Menschen. Er geht sofort in den Pferdestall und will ihn sehen. Dieser liegt noch in einem tiefen Schlaf. Man versucht, ihn zu wecken. Man hebt ihn vom Boden auf und versucht, ihn auf die Füße zu stellen, aber er schläft weiter. Endlich macht er die Augen auf und wird wach. Er sieht den Rittmeister in seiner bunten, glänzenden Uniform und betrachtet sie mit kindischem Wohlgefallen6. Dann sagt er wieder: „Reutä wähn, wie mei Vattä wähn is.“ Herr von Wessenig kennt den fremden Burschen nicht und versteht auch den Brief nicht. Weil er auf seine Fragen nichts scheinen, schien, geschienen glauben, dass etw. so ist e oder r Abscheu (nur Sg.) Widerwille, Aversion, Ekel 3 bemerken, wahrnehmen, erkennen

e Träne, n Flüssigkeit, die aus den Augen kommt, wenn man weint dialektal für „Ein Reiter werden, wie mein Vater [einer] gewesen ist.“ 6 s Wohlgefallen (nur Sg.) Gefallen, Freude

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ANSELM VON FEUERBACH

antwortet, ruft er die Polizei. Sie soll sich um den fremden Unbekannten kümmern. Gegen acht Uhr abends hat er den Weg zur Polizeistation zurückgelegt, der für ihn sehr schmerzvoll ist. Dort sind mehrere Beamte1 und Polizeisoldaten. Alle finden, dass er eine seltsame Erscheinung ist und fragen sich, unter welche Kategorie sie zu ordnen ist. Bei den polizeilichen Fragen „Wie heißt er? Welchen Beruf hat er? Woher kommt er? Warum ist er hier? Wo ist sein Reisepass?“ zeigt er keine Reaktion. „Ä Reutä wähn, wie mei Vottä wähn is“, „woas nit“ oder „hoam weissa!2“ sind die einzigen Worte, die er sagt. Er scheint nicht zu wissen, wo er ist. Er zeigt keine Angst, kein Befremden oder Verlegenheit, vielmehr eine fast tierische Stumpf heit3. Äußere Dinge bemerkt er nicht oder starrt sie gedankenlos an. Durch seine Tränen, sein Weinen und seine kindliche Art gewinnt er bald das Mitgefühl der Personen auf der Polizeistation. Ein Soldat bringt ihm ein Stück Fleisch und ein Glas Bier, aber er isst nur Brot zu frischem Wasser. Ein anderer gibt ihm eine Münze. Er zeigt darüber die Freude eines kleinen Kindes. Er spielt damit und ruft mehrmals: „Ross!4 Ross!“ Es scheint, dass er diese Münze einem Ross anhängen möchte. Sein ganzes Wesen5 und Verhalten ist das eines zwei- bis dreijährigen Kindes im Körper eines jungen Mannes. Die Meinungen der Polizeimänner sind darüber geteilt, ob man ihn für einen Blöd- oder Wahnsinnigen6 halten soll oder für einen Halbwilden. Einige meinen, dass der Bursche ein Betrüger7 ist. Man hat die Idee, eine Feder mit Tinte und Papier vor ihn zu legen. Man r Beamte, n hier: Angestellter bei der Polizei dialektal für „[Ich] weiß nicht.“ „ Heim weiß er.“ 3 e Stumpfheit (nur Sg.) Apathie 4 s Ross, e oder "er Reitpferd

s Wesen (nur Sg.) Charakter, Art r Blödsinnige/Wahnsinnige, n Pers., die mental zurückgeblieben/ verrückt ist 7 r Betrüger, - jd., der zu seinem Vorteil lügt

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ANSELM VON FEUERBACH

sagt ihm, dass er schreiben soll. Er nimmt die Feder in die Hand und schreibt deutlich den Namen Kaspar Hauser Er soll auch den Namen des Ortes schreiben, aus dem er kommt. Aber er sagt nur wieder: „Reutä wähn“, „Hoam weissä“ und „Woas nit.“ Ein Polizeidiener bringt ihn auf den Turm des Vestner Tors, der für Polizeisträflinge bestimmt ist. In dem Arreststübchen1 fällt er sofort in einen tiefen Schlaf. Als Kaspar Hauser nach Nürnberg kommt, trägt er auf dem Kopf einen runden, großen roten Hut von städtischer Form. Er trägt Stiefel mit Absätzen2. Aus diesen sehen die Zehen seiner nackten Füße heraus. Sie sind ganz zerrissen und passen nicht. Über einem Hemd und einer Weste trägt er eine graue Jacke. Sie war früher ein Frack3, bei dem die Hinterteile abgeschnitten und dann wieder zusammengenäht wurden. Seine Hose sieht aus wie eine alte Reithose. In seiner Tasche findet man einen hölzernen Rosenkranz4 und mehrere religiöse Schriften. In dem Brief, der an den Rittmeister der 4. Eskadron des 6. Cheveaulegers-Regiments adressiert ist, steht Folgendes: Ich schicke Ihnen diesen Knaben. Er möchte seinem König dienen. Er heißt Kaspar. Man hat mir diesen Knaben am 7. Oktober 1812 gegeben. Ich bin selbst ein armer Tagelöhner5, ich habe selbst 10 Kinder und ich habe selbst genug zu tun. s Arreststübchen, - kleine Stube/ kleines Zimmer, wo Gefangene wohnen 2 r Absatz, "e am hinteren Teil des Schuhs unter der Sohle befestigt 3 r Frack, "e lange elegante Jacke 1

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r Rosenkranz, "e eine Art Kette, die man zum Beten benutzt r Tagelöhner, - Arbeiter, der jeden Tag sein Gehalt bekommt 4 5


KASPAR HAUSER

Seine Mutter hat ihn mir zur Erziehung1 gegeben. Ich konnte seine Mutter nicht fragen. Ich habe niemandem gesagt, dass man mir den Knaben gegeben hat. Ich habe mir gedacht, dass ich ihn als Sohn bekommen habe. Ich habe ihn christlich erzogen. Seit 1812 habe ich ihn nicht aus dem Haus gelassen. Kein Mensch und auch er selbst weiß nicht, wo ich wohne. Lesen und Schreiben habe ich ihn schon gelehrt. Wenn man ihn fragt, was er werden will, sagt er, dass er auch ein Schwolischer werden will, wie sein Vater gewesen ist. Er weiß nicht, wo ich bin. Ich habe ihn in der Nacht weggeführt und deshalb kennt er den Weg nach Hause nicht. Ich nenne meinen Namen nicht, weil ich bestraft werden könnte. Er hat kein Geld bei sich, weil ich selbst nichts habe. Bei dem Brief liegt ein Zettel, wahrscheinlich von der gleichen Hand geschrieben: Das Kind ist schon getauft2. Es heißt Kaspar. Einen Schreibnamen müssen Sie ihm selbst geben. Sein Vater ist ein Schwolischer gewesen. Wenn er 17 Jahre alt ist, schicken Sie ihn nach Nürnberg zum 6. Schwolischen Regiment. Da ist auch sein Vater gewesen. Ich bitte um die Erziehung bis zum 17. Jahr. Geboren ist er am 30. April im Jahr 1812. Ich bin eine arme Magd und kann das Kind nicht ernähren3. Sein Vater ist gestorben. Kaspar Hauser war bei seinem Erscheinen in Nürnberg 4 Schuh4 und 9 Zoll5 groß und in seinem 16. bis 17. Lebensjahr. Ein ganz dünner e Erziehung (nur Sg.) das Sorgen, Kümmern um eine Pers., meist ein Kind; 3ernähren jdm. zu essen geben 4 es gehören viele Aspekte dazu, wie z.B. das Lehren von Verhaltensformen r Schuh, - veraltete Längeneinheit: 1 Schuh = ca. 30 cm 2 5 taufen das Sakrament geben, durch das man ein Christ wird; r Zoll, - veraltete Längeneinheit: 1 Zoll = ca. 2,4 cm 1

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ANSELM VON FEUERBACH

Bartwuchs überzieht Kinn und Lippen. Er hat hellbraune dünne und lockige Haare. Sein Körperbau ist kräftig und breitschultrig und ohne sichtbare Gebrechen1. Seine Haut ist sehr weiß und fein. Auch seine Beine und Arme sind fein. Die kleinen Hände sind schön geformt. So auch die Füße, die wahrscheinlich noch nie Schuhe getragen haben. Sie sind sehr weich, aber voll von frischen Blutblasen. An beiden Armen zeigen sich die Narben einer Impfung2. Sein Gesicht ist, wenn es ruhig ist, fast ohne Ausdruck. Die unteren Teile treten etwas hervor. Das gibt ihm ein tierisches Aussehen. Auch der starre Blick seiner klaren bläulichen Augen hat den Ausdruck tierischer Stumpf heit. Die Physiognomie seines Gesichts ändert sich nach einigen Monaten völlig. Der Blick gewinnt an Ausdruck und Leben und die unteren Teile treten mehr zurück. Das Weinen ist in der ersten Zeit ein hässliches Verzerren des Mundes. Bei etwas Schönem lächelt er mit einer liebenswerten Freundlichkeit. Das ist die Freude eines unschuldigen Kindes. Er weiß nicht, wie er seine Hände und Finger gebrauchen soll. Wenn andere Menschen nur einige Finger brauchen, nimmt er die ganze Hand. Er ist sehr ungeschickt3. Sein Gehen ist wie das eines Kindes, das seine ersten Laufversuche macht. Er setzt mit gehobenen Beinen den ganzen Fuß auf den Boden. Sein Oberkörper hängt nach vorn über und seine Arme sind weit ausgestreckt4. Langsam und ungeschickt bewegt er sich vorwärts. Oft fällt er in seinem Zimmer hin, der Länge nach zu Boden. Beim Aufs Gebrechen, - körperliches Problem e Impfung, en eine Person bekommt einen bestimmten Impfstoff, weil sie nicht krank werden soll 1

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ungeschickt wenn man unpräzise Bewegungen macht ausstrecken in einer geraden Position vom Körper weg halten


KASPAR HAUSER

und Absteigen von Treppen muss er noch lange nach seiner Ankunft geführt werden. Bei einer gerichtsärztlichen Untersuchung1 im Jahr 1830 findet man folgende Besonderheiten, die Licht in sein Leben und sein Schicksal bringen. Dr. Osterhausen sagt, dass das Knie eine anormale Bildung hat. Beim Strecken des Unterschenkels tritt in der Regel die Kniescheibe2 hervor. Bei Hauser aber liegt sie in einer starken Vertiefung. Wenn er mit ausgestreckten Beinen in horizontaler Lage auf dem Boden sitzt, liegt das Knie so fest auf dem Boden, dass kaum ein Kartenblatt unter die Kniekehle3 zu schieben ist.

gerichtsärztliche Untersuchung vom Gericht veranlasste ärztliche Untersuchung; das Gericht: staatliche Institution, die über Recht und Unrecht entscheiden soll 2 e Kniescheibe, n oberer Teil des Knies 3 e Kniekehle, n unterer Teil des Knies 1

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AUFGABEN

START 2 - Lesen 1

Sind die folgenden Aussagen richtig (R) oder falsch (F)? Kreuzen Sie an. Beispiel: Kaspar trägt einen Brief für den Rittmeister bei sich.

R

F

✓ ■ ■

1 Der Rittmeister will Kaspar als Soldat in sein Regiment aufnehmen. ■ ■ 2 Weil Kaspars Mutter und Vater gestorben sind, hat sein Onkel ihn erzogen. ■ ■ 3 Kaspar sieht aus wie ein Jugendlicher, seine Sprache ist aber die eines kleinen Kindes. ■ ■

Schreiben 2 Bringen Sie die Wörter in die richtige Reihenfolge. Schreiben Sie die Sätze und achten Sie dabei auf die Zeichensetzung (Komma und Punkt) und Groß- und Kleinschreibung. Beispiel: einen jungen Menschen Er sieht der gekleidet ist als Bauernjunge ganz in seiner Nähe. Er sieht ganz in seiner Nähe einen jungen Menschen, der als ___________________________________________________ Bauernjunge gekleidet ist. ___________________________________________________ 1 zeigt starke Schmerzen Er weint weil er hat und auf seine Füße ___________________________________________________ 2 und will sofort in den Pferdestall Er geht ihn sehen ___________________________________________________ 3 seinen Namen Er in die Hand nimmt die Feder und deutlich schreibt ___________________________________________________ 4 Hände und Finger Er weiß nicht gebrauchen soll wie er seine ___________________________________________________

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Wortschatz 3 Finden Sie das Gegenteil zu den kursiv gedruckten Adjektiven und notieren Sie die Adjektive (in der Grundform). Beispiel: Die Stadt wird dann sehr still und ist menschenleer. laut voller Menschen ___________________________________________________ 1 Er sieht ganz in seiner Nähe einen jungen Menschen. ___________________________________________________ 2 Seine Sprache sind meistens Tränen, Schmerzenslaute und unverständliche Töne oder Worte. ___________________________________________________ 3 Dieser liegt noch in einem tiefen Schlaf. ___________________________________________________ 4 Ich bin eine arme Magd und kann das Kind nicht ernähren. ___________________________________________________

Vor dem Lesen 4 Was glauben Sie? Was passiert im nächsten Kapitel? Kreuzen Sie die Alternative an, die Sie für richtig halten. 1 A ■ Kaspar isst nur Brot und trinkt nur Wasser und hat Probleme, sich an andere Speisen zu gewöhnen. B ■ Kaspar gewöhnt sich schnell an neue Speisen. Am liebsten mag er Milch und Fleischgerichte. 2 A ■ Kaspar spielt gerne mit dem Spielzeug, das ihm die Nürnberger geschenkt haben. B ■ Kaspar beschäftigt sich nicht mit dem Spielzeug, das man ihm geschenkt hat. 3 A ■ Anfangs spricht er unverständlich und die Zuhörer müssen häufig erraten, was er sagen will. B ■ Er spricht sofort verständlich und erzählt den Nürnbergern von seiner Vergangenheit.

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Kapitel 2

Kaspar unter Menschen

3 In den nächsten Tagen und Wochen versucht man ohne Erfolg das

dunkle, schreckliche Rätsel um Kaspar Hauser zu lösen. Er ist nicht blöd- oder wahnsinnig. Er ist so sanft, folgsam1 und gutartig, dass keiner ihn für einen Wilden halten kann oder für einen Knaben, der unter den Tieren des Waldes aufgewachsen ist. Er kennt keine Worte und Begriffe, keine alltäglichen Gegenstände und Erscheinungen der Natur. Er zeigt Abscheu gegenüber allen Gewohnheiten2, Bequemlichkeiten3 und Bedürfnissen4 des Lebens und hat starke Besonderheiten in seinem ganzen Wesen. Man könnte ihn für einen Bürger halten, der von einem anderen Planeten kommt und erst im reifen Alter durch ein Wunder auf die Erde herab gekommen ist. Allein der Geruch unserer Speisen erregt in ihm einen Schauder5. Ein Tropfen Wein oder Kaffee, ohne sein Wissen unter sein Wasser gemischt, verursachen in ihm Angstschweiß, Erbrechen und starke Kopfschmerzen. Auch Milch mag er nicht. Man versteckt einmal Fleisch in seinem Brot. Er riecht es sofort und zeigt darüber starke Abscheu. Die Nacht fängt für ihn mit Sonnenuntergang an und endet mit Sonnenaufgang. Er liegt dann auf seinem Strohsack. Bei Tag sitzt er mit ausgestreckten Füßen auf dem Boden.

folgsam gehorsam; das tun, was andere sagen e Gewohnheit, en das, was man immer wieder tut 3 e Bequemlichkeit, en etwas Angenehmes, Komfort 1

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s Bedürfnis, se das, was man zum Leben braucht r Schauder (nur Sg.) sehr unangenehmes Gefühl, ähnlich wie Angst; wird auch körperlich empfunden 4 5


KASPAR HAUSER

Als er in den ersten Tagen zum ersten Mal eine brennende Kerze vor sich sieht, zeigt er große Freude. Er greift hinein und verbrennt sich Hand und Finger, die er zu spät unter Schreien und Weinen zurückzieht. Sie wollen ihn prüfen und hauen mit Säbeln1 nach ihm. Er bewegt sich nicht, weil er die Gefahr nicht erkennt. Als man ihm einen Spiegel gibt, greift er nach seinem Spiegelbild und sucht den Menschen hinter dem Spiegel. Menschen nennt er „Bua“ und zu Tieren sagt er „Ross“. Bei weißen Tieren zeigt er Wohlgefallen, bei schwarzen Tieren zeigt er Furcht. Am Anfang scheinen Kaspers Seele2 und Sinne3 wie erstarrt. Dann nimmt er immer mehr von der Welt wahr. Erst nach einigen Tagen hört er die Turmuhr und die Glocken und ist sehr erstaunt4. Einige Wochen später hört er die Musik einer Bauernhochzeit, die ihm sehr gut gefällt. Als man ihn neben eine laute Trommel5 stellt, ist er sehr erschüttert. Er bekommt Zuckungen und muss weggebracht werden. Kaspar wird täglich auf die Polizeistation geführt, wo er einen großen Teil des Tages verbringt. Dort untersucht man ihn. Bald haben ihn alle lieb. Weil Kaspar oft „Ross! Ross!“ ruft, schenkt ein Polizeisoldat ihm ein weißes, hölzernes Spielpferd. Als Kaspar das Pferd sieht, ist er sehr froh. Er begrüßt es wie einen alten Freund, den er lange nicht gesehen hat und auf den er gewartet hat. Er weint mit lächelndem Gesicht und setzt sich sofort auf den Boden zu dem Pferd. Er streichelt6 es und schaut es die ganze Zeit an. Dann behängt er es mit bunten und r Säbel, - lange Waffe e Seele, n Psyche; religiöse Bedeutung: das, was nach dem Tod weiterlebt 3 r Sinn, e man nimmt Außenreize durch die Sinne wahr

erstaunt überrascht, verwundert e Trommel, n Musikinstrument, bei dem man mit Stöcken schlägt und so die Töne erzeugt 6 streicheln etwas/jdn. vorsichtig und liebevoll berühren

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ANSELM VON FEUERBACH

goldenen Gegenständen, wie zum Beispiel Papierstücken, Bändern1 oder Münzen. Als er die Polizeistation verlassen soll, versucht er, das Ross mitzunehmen. Aber es ist zu schwer für ihn und er muss weinen. Jedes Mal, wenn er auf die Polizeistation kommt, setzt er sich zu seinem lieben Ross auf den Boden. Ein Polizeisoldat sagt später: „Stundenlang hat Kaspar mit seinem Ross gespielt. Er hat kein bisschen auf das geschaut, was um ihn herum passiert ist.“ Er bekommt weitere Rösser für seine Wohnung im Turm. Sie sind immer bei ihm. Auch hier sitzt Kaspar auf dem Boden und dekoriert sie mit verschiedenen Gegenständen, die er oft wechselt. Er versucht auch, ihnen Brot zu fressen zu geben. Der Gefangenenwächter2 will ihm verständlich machen, dass diese Pferde nicht fressen3 können. Kaspar ist sicher, dass sie es können und zeigt auf die Brotkrumen an ihrer Schnauze4. Sie sind dort hängen geblieben. Einmal schläft er auf einem Pferd ein. Als er herunterfällt, verletzt er sich am Finger. Er meint, dass das Pferd ihn gebissen hat. Tiere und Menschen unterscheidet er nur an ihrem Aussehen. Männer und Frauen unterscheidet er an der Kleidung. Die Kleidung der Frauen gefällt ihm besser, weil sie viele auffällige Farben hat. Weil er gerne Frauenkleider tragen möchte, äußert er auch später noch oft den Wunsch, ein Mädchen zu werden. Er kann nicht verstehen, dass aus kleinen Kindern große Leute werden. Man erklärt ihm, dass er auch einmal ein Kind gewesen ist und dass er wahrscheinlich noch viel größer wird, als er schon ist. Erst als er einige Monate später die Markierungen seiner Größe an der Wand sieht, versteht er, dass er größer geworden ist. s Band, "er längerer Streifen, meistens aus Stoff r Gefangenenwächter, - Person, die auf die Gefangenen aufpasst 3 fressen, fraß, gefressen Tiere fressen, wenn sie Hunger haben (Menschen essen) 4 e Schnauze Maul von bestimmten Tieren 1

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ANSELM VON FEUERBACH

Von Religion oder einer Dogmatik sind in seiner Seele nichts zu finden. Einige Geistliche1 kommen schon in den ersten Wochen nach seinem Erscheinen in Nürnberg zu ihm. Kaspar aber versteht von ihren Fragen, Reden und Predigten so viel wie ein Tier. Als er auf dem Turm wohnt, beobachtet der Gefangenenwächter Hiltel ihn für mehrere Wochen. Dieser erzählt Folgendes über Kasper Hauser: „Er verhält sich wie ein kleines Kind und zeigt dabei die größte Natürlichkeit und Unschuld2. Anfangs hat er alles um sich herum vergessen, wenn er sich mit seinen Spielsachen beschäftigt hat. Die große Freude am Spiel war aber nur von kurzer Dauer. Als man ihm nützlichere3 Gegenstände gezeigt hat, hatte er an diesen mehr Interesse. Er hatte nichts Falsches an sich. Auch als ich und meine Frau ihm zum ersten Mal die Kleidung ausgezogen haben und ihn gewaschen haben, war sein Verhalten so natürlich wie das eines Kindes. Ich habe manchmal meinen elfjährigen Sohn Julius und meine dreijährige Tochter Margareta zu ihm gelassen. Julius hat ihn das Sprechen gelehrt, ihm Buchstaben gezeigt und versucht, ihm Begriffe zu erklären. Mit Margareta hat er anfangs sehr gern gespielt. Sie hat ihm gezeigt, wie man Glasperlen an eine Schnur reiht.“ Schon nach den ersten Tagen wird Kaspar nicht mehr als Gefangener, sondern als Kind behandelt, das Pflege4 und Erziehung braucht. Der Gefangenenwächter nimmt ihn mit an seinen Familientisch. Dort isst er nichts, aber er sitzt mit Hiltel und seiner Familie zusammen. Er 1 2

r Geistliche, n Person, die in der Kirche tätig ist e Unschuld (nur Sg.) Reinheit, Naivität

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nützlich praktisch e Pflege (nur Sg.) Hilfe, Unterstützung


KASPAR HAUSER

lernt, wie man seine Hände auf menschliche Art gebraucht. Er lernt auch andere Sitten1 kennen und ahmt2 sie nach. Er spielt gerne mit den Kindern des Wächters. Auch sie beschäftigen sich gerne mit dem gutmütigen3 und unwissenden Jüngling4. Julius hat ihn besonders lieb und er freut sich, dass er einen so großen Burschen das Sprechen lehren kann. Bald kommt eine Menge neugieriger Menschen zu Kaspar. Nur wenige wollen ihn nur anschauen. Manche lachen über ihn oder machen wissenschaftliche Experimente mit ihm. Es gibt aber auch viele, die versuchen, mit ihm zu sprechen und ihn zum Sprechen zu bringen. Sie sagen ihm Worte und Redensarten5 vor, die er nachsprechen soll. Sie versuchen ihm durch Zeichen und Pantomime, Unbekanntes bekannt und Unverständliches verständlich zu machen. Durch jede Sache, durch jedes Spielzeug lernt er neue Begriffe und Worte. Besonders der Kontakt mit den Menschen bringt Kaspar Hauser zum Denken und Reflektieren. Er will sich auch mitteilen können und lernt deshalb in dieser Zeit immer mehr dazu. Zwei Wochen nach Kaspars Ankunft in Nürnberg kümmert sich Professor Daumer, ein junger Gelehrter, um seine geistige6 Entwicklung7 und Bildung. In kurzer Zeit lernt Kasper so gut sprechen, dass er auf einfache Art seine Gedanken ausdrücken kann. Natürlich ist seine Sprache für lange Zeit lückenhaft, arm und e Sitte, n Umgangs-, Verhaltensnormen nachahmen imitieren 3 gutmütig mit einem freundlichen Charakter 4 r Jüngling, e veraltet für: Jugendlicher 1

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e Redensart, en idiomatische Sprichwörter oder Sätze 6 geistig intellektuell 7 e Entwicklung, en Veränderung, Fortschritt 5

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ANSELM VON FEUERBACH

kindisch. Man kann nur selten mit Sicherheit wissen, was er sagen will. Der Zuhörer muss vieles erraten und durch Vermutungen1 ergänzen. Der Bürgermeister Herr Binder hat als Chef der städtischen Polizei ein besonderes Interesse an Kaspar. Er lässt den Jungen fast täglich in seine Wohnung zu seiner Familie bringen. Er spricht mit Kaspar und lässt ihn sprechen. Durch viele Fragen versucht er, Auskunft über sein Leben und Erscheinen zu bekommen. Am Ende schreibt er eine Geschichte über Kaspers Leben, die am 7. Juli öffentlich gemacht wird. Man weiß nicht, wie viel wirklich aus Kaspars Erinnerung kommt. Die Geschichte stimmt aber im Großen und Ganzen mit dem überein, was Hauser später selbst schreibt und dem Autor dieses Buches in verschiedenen Situationen erzählt.

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e Vermutung, en Hypothese

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AUFGABEN

Wortschatz 1

Finden Sie in jeder Reihe das Wort, das nicht passt, und streichen Sie es durch. 1 gutmütig • verständlich • unwissend • folgsam 2 Milch • Wein • Fleisch • Kaffee 3 Gedanken • Worte • Redensarten • Begriffe 4 Erziehung • Bildung • Pflege • Familie

2 Tragen Sie die Lösungswörter in das Worträtsel ein. Beginnen Sie in dem Feld mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben. (Für Umlaute benutzen Sie bitte nur ein Kästchen) Beispiel: Viele Besucher machen .... mit Kaspar (Wort mit 11 Buchstaben, senkrecht) 1 Am liebsten mag er die bunte ... der Frauen. (8 Buchstaben, waagerecht) 2 Für Kaspar fängt die Nacht bei ... an. (15 Buchstaben, waagerecht) 3 So nennt er sein Lieblingsspielzeug. (4 Buchstaben, waagerecht) 4 Herr Binder stellt Kaspar viele ... (6 Buchstaben, senkrecht) 5 Er schmückt sein Holzpferd mit ... (6 Buchstaben, waagerecht) 6 Bei der Familie Hiltel lernt er verschiedene ... kennen (6 Buchstaben, senkrecht) 2

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E X P E R I M E N T E

4 3

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3 Im Kapitel 2 werden Kaspars Gefühle oft mit Substantiven beschrieben. Suchen Sie die Substantive im Text und formulieren Sie jeweils einen Satz mit dem passenden Verb. Beispiel: Man versteckt einmal Fleisch in seinem Brot. Er riecht es sofort und zeigt darüber starke Abscheu. Er verabscheut Fleisch. der/die Abscheu _____________________ 1 die Freude 2 das Schreien/das Weinen 3 das Wohlgefallen/das Gefallen 4 die Furcht

_____________________ _____________________ _____________________ _____________________

START 2 - Lesen 4 Welche Aussagen passen zu welcher Person? Ordnen Sie zu. Es gibt für jede Person nur eine richtige Aussage (zwei Aussagen passen zu keiner Person). 1 ■ 2 ■ 3 ■ 4 ■ 5 ■ 6 ■

ein Polizeisoldat Kaspar Professor Daumer der Gefangenenwächter Hiltel Julius (Sohn von Hiltel) Herr Binder

a nimmt Kaspar zum Essen mit zu seiner Familie. b schenkt Kaspar ein weißes, hölzernes Spielpferd. c mag es sehr, wenn Musik gespielt wird. d will Kaspar das Sprechen beibringen. e ist sehr an Religion interessiert. f kümmert sich um die Bildung und Entwicklung Kaspars. g schreibt Kaspars Geschichte auf und macht sie der Öffentlichkeit bekannt. h schenkt Kaspar viel Spielzeug

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Schreiben 5 Beschreiben Sie Kaspar! Welche Eigenschaften und Gefühle hat er? Schreiben Sie kurze Sätze zu den folgenden Punkten: 1 sein Aussehen: Größe, Alter, Haarfarbe, Gesichtsausdruck. ... (siehe auch Kapitel 1) 2 seine Gefühle: Wann hat Kaspar welche Emotionen? (Beschreiben Sie mindestens drei Situationen und nennen Sie die Gefühle, die er in diesen Situationen zeigt.)

START 2 - Sprechen 6 Nun sollen Sie Informationen zu Ihrer Person geben! Stellen Sie sich bitte vor. Die folgenden Stichpunkte helfen Ihnen. Name • Alter • Land • Wohnort • Sprachen • Beruf • Hobby

Vor dem Lesen 7 Was glauben Sie - wie wird Kaspars Geschichte weitergehen? Kreuzen Sie die Alternative an, die Sie für richtig (R) halten. 1 A Schon bald verlieren die Nürnberger Interesse an Kaspar. B Kaspar wird wie eine Zirkus-Attraktion behandelt und bekommt den ganzen Tag Besuch von Leuten, die ihn sehen wollen. 2 A Kaspar freut sich sehr über die Besuche und geht offen auf die Besucher zu. B Kaspar ist ängstlich, wenn er Besuch bekommt und spricht nicht mit Fremden. 3 A Kaspar hat keine Lust, lesen, schreiben und andere Fähigkeiten zu erlernen und beschäftigt sich am liebsten mit seinem Spielzeug. B Kaspar ist sehr neugierig und motiviert und will alles für ihn Neue lernen.

R

■ ■ ■ ■ ■ ■

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Kapitel 3

Kaspars Leben im Gefängnis 4 Seine Angaben sind im Kurzen folgende:

Er weiß nicht, wer er selbst ist oder wo seine Heimat ist. Erst in Nürnberg ist er auf die Welt gekommen. Hier erst hat er erfahren, dass es, außer ihm und dem Mann, bei dem er immer war, auch noch andere Menschen und Lebewesen gibt. Solange er sich erinnern kann, hat er immer in einem Loch gelebt. Es war ein kleiner niedriger Raum, den er auch Käfig nennt. Er hat nur ein Hemd und hinten aufgeschlitzte1 Lederhosen getragen und hat barfuß2 auf dem Boden gesessen. Nach Kaspars Erzählung hat er niemals, auch nicht im Schlaf, mit dem ganzen Körper gelegen, sondern immer mit angelehntem Rücken gesessen. Wahrscheinlich war diese Position in seiner Unterkunft notwendig. Er selbst kann dazu keine nähere Auskunft geben. Er hat nie einen Laut gehört, nicht von Menschen und nicht von Tieren oder von sonst etwas. Er hat nie den Himmel3 gesehen und er hat auch nie das helle Sonnenlicht, wie in Nürnberg, wahrgenommen. Einen Unterschied zwischen Tag und Nacht hat er nie erfahren und die schönen Lichter am Himmel hat er nie gesehen.

aufschlitzen mit einem scharfen Gegenstand (z.B. einem Messer) einen Einschnitt machen 2 barfuß ohne Schuhe 1

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r Himmel (nur Sg.) Wenn es regnet sieht man am Himmel viele Wolken. 3


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Kaspar Hauser

ANSELM VON FEUERBACH KASPAR HAUSER

KASPAR HAUSER

Wer war Kaspar Hauser? Diese Frage stellen sich die Menschen noch heute. Im Jahr 1828 findet man einen fremden jungen Mann auf dem Unschlittplatz in Nürnberg. Er spricht kaum, kann nicht richtig laufen und er hält einen Brief in der Hand. Hier beginnt das Rätsel. Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach (1775 - 1833) ist Rechtsgelehrter und interessiert sich für diesen außergewöhnlichen Fall. Er lernt Kaspar kennen und erzählt mit viel psychologischem Gespür seine Geschichte.

ANSELM VON FEUERBACH

Anselm von Feuerbach

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- Vereinfachter und gekürzter Text mit Erklärung schwieriger Wörter als Fußnoten - Übungen zu Leseverständnis, Wortschatz und Grammatik - Übungen zur Prüfungsvorbereitung A2 -A bschlusstest

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GOETHE-ZERTIFIKAT B2

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