ERWACHSENE
LEKTÜREN
STEFAN ZWEIG DIE WELT VON GESTERN
NIVEAU 3
ELI-Lektüren: Texte für Leser jeden Alters. Von spannenden und aktuellen Geschichten bis hin zur zeitlosen Größe der Klassiker.
Erinnerungen eines Europäers
Die „Erinnerungen eines Europäers“ geben dem Leser einen umfassenden Eindruck von dieser wichtigen geschichtlichen Epoche, die durch die persönlichen Berichte und Anekdoten des Autors lebendig wird.
Faschismus/Nationalsozialismus
Krieg
A1
START DEUTSCH 1
NIVEAU 2
A2
GOETHE-ZERTIFIKAT A2
NIVEAU 3
B1
GOETHE/ÖSD-ZERTIFIKAT B1
NIVEAU 4
B2
GOETHE-ZERTIFIKAT B2
Klassiker
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DAF B 1
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ERWACHSENE ELI LEKTÜREN
NIVEAU 1
DIE WELT VON GESTERN - ERINNERUNGEN EINES EUROPÄERS
Der berühmte österreichische Schriftsteller Stefan Zweig (1881-1941) erinnert sich in seinem autobiographischen Werk an seine Jugendzeit in Wien Anfang des 20. Jahrhundertes, die von einem Gefühl der Sicherheit, aber auch von Lebensfreude und kulturellem Genuss geprägt war. Überschattet wird diese sorglose Zeit vom Ersten Weltkrieg, der Europa für immer verändert. Stefan Zweig beschreibt diese Jahre und die Anfänge des Faschismus, sowie die ersten Jahre des Zweiten Weltkrieges.
NIVEAU 3
Die Welt von Gestern
Themen Europa
ERINNERUNGEN EINES EUROPÄERS STEFAN ZWEIG
Stefan Zweig
DAF B1
ERWACHSENE
LEKTÜREN
Kapitel 1
Die Welt der Sicherheit
2 Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, in der ich aufgewachsen bin, war
das Zeitalter1 der Sicherheit. Alles in unserer fast tausendjährigen Monarchie schien von Dauer. Jeder wusste, wie viel er besaß oder wie viel er bekam. Alles hatte seine Norm, sein bestimmtes Maß und Gewicht. Alles stand in diesem weiten Reich2 fest und man meinte, es würde sich nichts ändern in der Ordnung. Niemand glaubte an Kriege, an Revolutionen und Umstürze. Dieses Gefühl der Sicherheit war das gemeinsame Lebensideal. Das Jahrhundert der Sicherheit wurde das goldene Zeitalter des Versicherungswesens. Man versicherte sein Haus, sein Feld, seinen Körper, man kaufte sich Altersversicherungen, gab Mädchen bei der Geburt eine Police für die künftige Mitgift3. Nur wer sorglos in die Zukunft blicken konnte, genoss mit gutem Gefühl die Gegenwart. Das neunzehnte Jahrhundert glaubte, auf dem Weg zur besten aller Welten zu sein. Dieser Glaube an den Fortschritt hatte die Kraft einer Religion und wurde durch die täglich neuen Wunder der Wissenschaft und der Technik bewiesen. s Zeitalter, - Epoche s Reich, e Territorium eines Königs/Kaisers oder einer Königin/Kaiserin, z.B. das Römische Reich
1
2
e Mitgift, en das, was die Eltern der Tochter geben, wenn sie heiratet
3
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AUFGABEN
Wortschatz 1
Suchen Sie das Wort, das am ehesten ein Synonym für das vorgegebene Wort ist. Kreuzen Sie es an.
Beispiel: Exil A Ausland 1 Heimat A Geburtsort 2 Recht A Erlaubnis 3 Anfang A Neuigkeit 4 Europa A Alte Welt 5 Katastrophe A schweres Unglück 6 Pass A Erlaubnis
B neues Land
C Zufluchtsort D Aufenthalt
B Vaterland
C Herkunft
B Gesetz
C Anspruch
B Beginn
C Verlauf
B Union
C der Westen
B Ende
C Zerstörung
B Ausweis
C Reisemöglichkeit
D Wohnort
Grammatik 2
Versuchen Sie, sich in die Situation des Autors hineinzuversetzen und überlegen Sie, was sie gemacht hätten oder wie Sie sich gefühlt hätten. Führen Sie die Sätze im Konjunktiv II (Vergangenheit) weiter.
Beispiel: Wenn ich im Februar 1934 in London angekommen wäre, wäre ______________________________________________________ ich froh, aber auch ängstlich gewesen. ______________________________________________________
1 Wenn ich in London eine Wohnung gesucht hätte, __________ ______________________________________________________
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2 Wenn ich von 1934 bis 1940 in London gelebt hätte, _________ ______________________________________________________ 3 Wenn ich damals nach Argentinien und Brasilien gereist wäre, ______________________________________________________ 4 Wenn ich zum letzten Mal Wien besucht hätte, _____________ ______________________________________________________ 5 Wenn mein Pass ungültig geworden wäre, _________________ ______________________________________________________ 6 Wenn ich als feindlicher Ausländer England hätte verlassen müssen, ______________________________________________ ______________________________________________________
Schreiben 3
Sie haben einen Freiwilligendienst in Brasilien geplant. Sie werden dort an einem Schulprojekt teilnehmen und leistungsschwache Kinder unterstützen. Schreiben Sie eine E-Mail (ca. 80 Wörter) an einen Freund/eine Freundin, in der Sie folgende Punkte behandeln: (Denken Sie auch an die Anrede und den Schluss!)
– Dauer und Art des Freiwilligendienstes – Motivation für den Freiwilligendienst – Frage, ob der Freund/die Freundin auch schon mal daran gedacht hat, als Freiwilliger/Freiwillige zu arbeiten
Lesen - Goethe/ÖSD-Zertifikat B1 4 Lesen Sie den folgenden Textausschnitt (www2.klett.de) zum Thema Emigration und Exil infolge des Nationalsozialismus 1933-1945 und kreuzen Sie an, ob die Aussagen richtig oder falsch sind.
116
Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 und dem Ende des Dritten Reiches am 8. Mai 1945 etwa 500 000 Menschen aus Deutschland emigrierten. Während in den ersten
Monaten vor allem politische Gegner des Nationalsozialismus vor den sofort einsetzenden Verfolgungen flohen, waren es in den Folgejahren überwiegend Deutsche jüdischer Herkunft, die ihr Heimatland verließen. Diejenigen Emigranten, denen bis 1941 die Ausreise oder Flucht aus Deutschland gelang, sahen sich im Exil vielfältigen Schwierigkeiten und Problemen ausgesetzt. War es für die meisten jüdischen Exilanten schon schwierig genug, überhaupt Einreisegenehmigungen für potenzielle Aufnahmeländer zu finden – in den meisten Ländern galten strenge Auflagen und Einreisebestimmungen – so gestaltete sich das Leben in den Exilländern zumeist außerordentlich problematisch. Angesichts des Ausmaßes der Auswanderung konnte auch die umfangreiche Hilfe zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer Hilfsorganisationen die Not nur wenig lindern. Für viele emigrierte Juden bedeutete die Ankunft im Exil zunächst eine Unterbringung in Lagern, Elend, Arbeitslosigkeit, die Beschäftigung in gering qualifizierten und bezahlten Tätigkeiten, Probleme mit den einheimischen Behörden und der Bevölkerung und weitere Demütigungen. Viele konnten den Verlust ihrer Heimat, Sprache und Kultur nur schwer verwinden. Flüchtlinge, die in die später von Deutschland besetzten Länder Europas, etwa in die Niederlande, nach Belgien oder Frankreich, ausgewandert waren, mussten erneut fliehen – oder wurden Opfer der nun auch dort einsetzenden Vernichtungspolitik. Staaten wie Argentinien oder Brasilien, aber auch Australien und einige afrikanische und asiatische Staaten nahmen viele jüdische Flüchtlinge auf.
R F 1 Während der Zeit des Nationalsozialismus emigrierten ca. eine halbe Million Menschen. ■ ■ 2 Die Emigranten waren ausschließlich Juden. ■ ■ 3 Die jüdischen Emigranten, die vor 1941 aus Deutschland ausreisten, hatten Probleme, in anderen Ländern aufgenommen zu werden. ■ ■ 4 Die Hilfsorganisationen waren sehr aktiv, sodass fast allen geholfen werden konnte. ■ ■ 5 Die europäischen Länder nahmen am meisten Juden auf. ■ ■
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ZUM WEITERLESEN
Stefan Zweig
Frühe Jahre Der österreichische Schriftsteller, Übersetzer und Journalist Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 als Sohn des Textilindustriellen Moritz Zweig in Wien geboren. Er kam aus großbürgerlich-jüdischer Familie. Er studierte in Wien und Berlin Philosophie, Germanistik und Romanistik. 1904 promovierte er in Wien zum Dr. phil. Nach der Promotion machte er Reisen durch Europa, Amerika, Afrika und Indien. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er zuerst im Wiener Kriegsarchiv und konnte dann 1917 nach Zürich gehen, wo er Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse“ war. Zweig nutzte seine Verbindungen zu Zeitungen und Zeitschriften, um seine persönlichen Ansichten als parteiloser Europäer und Pazifist zu veröffentlichen. 118