NICOLE ANKELMANN
Ehrensachen
KOLUMNEN
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Über die Autorin: Nicole Ankelmann, geboren 1971 in Schwerte, lebt heute in Köln und arbeitet als Freie Journalistin und Texterin. Sie unterhält mit ehren*worte eine kleine Agentur zur Organisation von Wortpartikeln. Hierfür schreibt sie je nach Auftrag Pressemitteilungen, Künstlerbiografien und journalistische Texte. Im Rahmen ihrer langjährigen Tätigkeit als Musikredakteurin hat sie Interviews mit Künstlern wie Depeche Mode, Moby, David Guetta, Fatboy Slim uvm. geführt und geschrieben. »Ehrensachen« ist eine Sammlung ihrer Kolumnen von Dezember 2010 bis Dezember 2011.
www.ehrenworte.de www.nicoleankelmann.de
F端r Gerhard Erich
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Inhalt 07. Alte Hippe sucht jungen Stecher 09. Ist es Nikotin oder Wandfarbe? 11. Gute Laune gibt‘s beim Bäcker 13. The Social Nacktwork 15. Es schlägt 13. Zeit zu gehen. 17. Wichteln für Hartgesottene 19. Ice, Ice Icezeit, Baby! 21. So alt wie man sich fühlt und jünger 23. Mein Vorsatz: kein Vorsatz! 25. Aszendent oder Schicksal? Deine Mudda ...! 27. Einmal Schweden und zurück 29. Sozialautismus 2.0 31. Wetten, dass ... es noch schlimmer geht? 33. NikkiPlag Wiki 35. Größenwahn 2.0 37. Liebe Freunde der Nackt(heit) ... 39. Kopfarbeiter hereinsparziert – es wird haarmonisch 41. I’ve been locking for ... whatever 43. Personal Post Press Deadline Assistant gesucht ... 45. Hunger Strike 47. Bart statt Botox 49. Toleranz A.D. 51. Gut vorbereitet in den Festivalsommer 53. Festival-Kleiderordnung, §13, Absatz 2 55. Ja, ich will ... oder?
57. Wieder nichts dazu gelernt+ 59. Money, money, money ... 61. Scherbst oder Schwinter? 63. Feuchte Schoßgeb(i)ete 65. Auf der Alm, da gibt‘s koa Niveau 67. Er war stets bemüht, der Loser ... 69. FX-GH 2378 und gute Nacht 71. Energiesparlampen vs. Romantik 73. Eben noch top, jetzt schon Flop 75. Nomen est omen 77. Grammatiklektion 1: SZ, SS und PC 79. Politik kann auch Spaß machen 81. »Gehirnamputiert«-Button erwünscht! 83. Knutschen, Koks und Konkubinen 85. Schmerz vergeht. Versagen bleibt. 87. Age is in the air … 89. Mein Leben in Excel 91. Winterschlafzeit 93. Bis dass die »T.O.D.« uns scheidet … 95. My Boy Lollipop … jetzt zuckerfrei! 97. Ich hab’s ja gleich gesagt … 99. Unzurechnungsfähigkeitsbescheinigungskonzept 101. Der Mann, der alles kann! 103. Oh du Schreckliche …
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ehren* worte Agentur zur Organisation von Wortpartikeln
Alte Hippe sucht jungen Stecher
Prominente und Werbung – das ist sicherlich ein Thema für sich. Nicht selten fragt man sich, warum sich ausgerechnet diese oder jene Person für dieses oder jenes Produkt prostituiert. Dass eine Verona Poth ihr Gesicht für KiK in die Kamera hält, mag nach der Maxfield-Pleite ihres Mannes Franjo dagegen durchaus Sinn ergeben, denn im Hause Poth muss nun sicherlich gespart werden. Auch Michael Wendlers neuer Vertrag mit dem gerne in sogenannten Taschenflaschen ausgegebenen Wodka-Feige-Mischgepansch »Kleiner Feigling« scheint mir soweit plausibel, erklärte besagter und selbsternannter Pop-Schlagerist aus Dinslaken doch neulich im Rahmen einer Pressekonferenz, er würde zeitweise ähnlich drein blicken wie die schielenden Augen auf dem Flaschenlabel. Nun, dennoch wäre ich für die Umbenennung des Getränks, um die Kooperation fett zu unterstreichen. »Großer Narziss« wäre mein Vorschlag. Den Vogel abgeschossen hat aber sicherlich Gundis Zámbó. »Gundis wer?« wird sich manch einer zu Recht fragen und womöglich trotz Stichworten wie »Bim Bam Bino«, »Ruck Zuck« oder »Die Vorher-Nachher-Show« weiterhin ratlos bleiben. Wer jedoch das RTL-Dschungelcamp 2009 verfolgte, der kennt sie als Blondine Anfang/Mitte 40, die mit ihrer offenen, teils penetranten Art trotz eines Mannes (jenseits der 50, inzwischen von ihr getrennt) daheim nicht anders konnte, als sich dem doch einige Jahre jüngeren
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Nico Schwanz an den Hals zu werfen. Sehen wir jetzt mal davon ab, dass allein die Wahl des Herrn Schwanz als Liebesbegehr geschmacklich bedenklich ist, ist es gerade dessen Aussage, die Gundis »sei ja nett, aber ihm viel zu alt«, die nun ihren neuesten Werbedeal in ein etwas seltsames Licht rücken lässt. Gundis Zámbó hält ihr Gesicht für die Internetplattform Zuckerjungs.de in die Kamera. Wer hier jetzt eine Partnerbörse für Diabetiker vermutet, liegt gänzlich falsch. Vielmehr suchen reifere Damen nach jüngeren Gespielen, und das Ganze eben unter dem Motto der Seite, das da lautet: »Erfahren und sexy sucht jung und süß«. Allein der TV-Spot hierzu ist sehenswert und eröffnet einem in Sachen Fremdschämen ganz neue Dimensionen. Da sitzt eine aufgebrezelte Gundis mit geglättetem Goldhaar und im kleinen Schwarzen auf einem reinweißen Sofa und rasselt einen schlecht einstudierten Text herunter: »Klar kenne ich Zuckerjungs.de. Das ist die Partnerbörse für Frauen, die wissen, was sie wollen. Und ich weiß, was ich will.« – Was sie da so ganz natürlich wirkend wirklich sagen will: »Ich suche öffentlich weil verzweifelt übers Internet einen Toy-Boy, der mich ordentlich durch die Betten jagt.« Gefunden hat sie ihn noch nicht, aber ich drücke ihr ganz fest die Daumen.
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Ist es Nikotin oder Wandfarbe?
Noch eineinhalb Monate bis zu meinem Umzug, und ich bin jetzt schon fertig mit den Nerven. Nicht nur, dass es sich recht schwierig gestaltet, sich von all dem überflüssigem Ballast zu befreien, den man über die Jahre so angehäuft hat – dieser muss dann ja auch entsprechend fachmännisch abtransportiert bzw. entsorgt werden werden. Natürlich findet man Freiwillige, die zwar gerne gewisse Dinge (kostenlos) übernehmen, aber bitte doch nur, wenn man sie ihnen dann auch direkt bis in die Wohnung liefert. Aber sicher doch, aber gerne doch. Wenn ich dann schon mal da bin, könnte ich auch gleich mal durch die Bude wischen und die Toilette schrubben, wenn ich darf?! Ohnehin ist man aus dem Alter, in dem man jedes zweite Wochenende gern beim Umzug befreundeter Paare geholfen hat, ja schon länger raus – falls man da jemals drin war. Daher dürfte die Anzahl der Freiwilligen für meinen eigenen Umzug eher mau ausfallen. Nun habe ich beschlossen, das Ganze vertrauensvoll in die Hände eines Umzugsunternehmens zu geben. Der erste Mann meiner Wahl erschien dann schon mal gleich gar nicht erst zum vereinbarten Besichtigungstermin. Interessante Geschäftsstrategie, nur frage ich mich, ob man so tatsächlich Geld verdienen kann. Dann eröffne ich auch eine Spedition, transportiere durchs Rumsitzen
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an meinem Schreibtisch gute Vorsätze von A nach B und werde reich. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, wird die sich zunächst als glücklicher Umstand darstellende Tatsache, dass der Vermieter vorab komplett renoviert, zum nächsten Problem, plant er doch, die Decken weiß und die Wände in einem „Gelbton“ zu streichen. Warum das denn bitte? Glaubt er, die vom Vormieter durch jahrzehntelanges Roth-Händle-ohne Filter-Rauchen verursachten Nikotinverfärbungen nicht anders übertünchen oder mir diese am Ende sogar als „frisch gestrichen“ verkaufen zu können? Ich sehe mich schon jetzt im November ohne meine Klamotten in meiner neuen Wohnung sitzen und auf gelbliche Wände starren, weil weder mein Vermieter die Notwendigkeit weißer Wandfarbe eingesehen hat, noch sich ein zuverlässiger Umzugsunternehmer finden ließ, der tatsächlich kam und auch tatsächlich wieder ablieferte. Na, Hauptsache, ich bin in Köln und das Internet funktioniert. Dabei fällt mir ein, dass ich noch meinen DSL-Anbieter kontaktieren muss – dafür fehlt mir aber zumindest heute der nötige Nerv.
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Gute Laune gibt’s beim Bäcker
Neulich sagte mir doch jemand, er lese meine Kolumne im Grunde zwar gern, aber auf die Dauer seien ihm meine Texte doch zu negativ und viel zu zynisch. Gut beobachtet, so soll es ja auch sein. »Romeo & Julia« oder »Titanic« wären ohne all das Leid und das Drama, das die Geschichten mit sich bringen, wohl kaum so große Erfolge gewesen. Möchte wirklich wer lesen, wie gut es anderen gerade geht und so permanent auf seine eigenen Unzulänglichkeiten hingewiesen werden? Ist es nicht viel aufbauender zu erfahren, dass es immer jemanden gibt, dem es noch dreckiger geht als einem selbst? Wie sonst würde sich die Vielzahl der Hartz IV-Reality-Dokus im nachmittäglichen TV-Programm der Privatsender erklären? Wem meine Texte zu depremierend sind, der kann sich ja als Ausgleich oder gleich als Ersatz die aktuelle »Wendy« oder »Neues aus Entenhausen« am Kiosk besorgen. Auch ein frühmorgendlicher Besuch in der Backstube meines Vertrauens mit der an ein manisches Niveau grenzenden guten Laune der Bäckereifachverkäuferin könnte bei dem einen oder anderen für beste Stimmung sorgen – bei mir allerdings ganz sicher nicht. Gerade aktuell gibt es wieder zahlreiche gute Gründe, sich die
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kommenden Wochen mit ein bis zwölf Flaschen Whisky, einigen Gramm Gras und den Tranquilizern aus Mutters Arzneischrank zu verkriechen. Mieses Wetter, bald kahle Bäume, unsere Bundesregierung, ein Peter Maffay-Album mit neuen Versionen alter »Hits« … Wer besagtes (oder auch empfohlenes) Gras selbst anbaut, sollte nun allerdings auf der Hut sein. Laut gut informierter BILD-Redakteure mit diversen geheimen Quellen für ihren investigativen Journalismus gibt es nämlich ganz eindeutige Indizien, die jeden »Hasch-Züchter« direkt überführen. Neben dem Geräusch von Generatoren und Ventilatoren, der entsprechenden süßlichen Geruchsentwicklung und der Kondenswasserbildung an den Scheiben durch Abluft- und Filteranlagen finde ich ganz besonders folgenden Hinweis echt hilfreich: »Wenn ihr Nachbar nachts plötzlich laut Reggae-Musik hört …» Da habe ich dann gestern Abend spontan mal die 110 gewählt, war mir der scheinbar schwerhörige Rastafari von nebenan doch schon länger ein Dorn in Ohr und Auge.
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The Social Nacktwork
Ich gebe gerne zu, dass ich seinerzeit schon früh im Web 2.0 angekommen war und bis heute den Weg raus nicht mehr gefunden habe. Ein eigener Blog, eine MySpace-Seite, ein Twitter-Account, ein Facebook-Profil – das sind die Eckpfeiler einer teils beunruhigenden Entwicklung. Dank des neuen Fincher-Streifens »The Social Network« wird gerade das Thema Facebook aktuell wieder heiß diskutiert. Mich beschäftigt hierbei die Frage, was der User an sich seinen „Freunden“ zumuten darf. Das gemeine Facebook-Mitglied neigt dazu – sofern es nicht schon nach einem ersten neugierigen Reinschauen vor so viel Selbstdarstellung flüchtend zur Karteileiche verkommen ist – sich virtuell nackig zu machen. Nicht immer ein schöner Anblick. Fotos von sich selbst in einem desolaten Zustand – Arm in Arm mit Fremden in nicht besserer Verfassung – aufgenommen am letzten Wochenende in der Eckkneipe, finden sich ebenso wieder, wie die ungefragt geteilte Meinung zu jedem mehr oder weniger wichtigen Thema des aktuellen Tagesgeschehens. All das muss jeder selbst wissen, und wem der eine oder andere mit seinem im Halbstundentakt geposteten geistigen Müll auf die Nerven geht, der kann ihn ja ausblenden oder direkt löschen. Doch gibt es für mich Dinge, die mit nichts zu entschuldigen sind.
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Zum einen ist das das Verlinken meiner Person auf hochgeladenen Flyern zwecks Vermarktung irgendeiner blödsinnigen Veranstaltung. Ich hasse es, ungewollt und ungefragt zum Werkzeug der Verbreitung völlig unwichtiger Feierinformationen gemacht zu werden – zumal es sich dabei meist um Events handelt, die ich nie im Leben besuchen würde. Dies kommt einer digitalen Vergewaltigung gleich und zieht inzwischen den unmittelbaren Rauswurf des Verlinkenden aus meiner Liste nach sich. Des Weiteren habe ich überhaupt kein Verständnis für Menschen, die ihr Liebesleben 1:1 bei Facebook nach außen tragen. Posts wie »Danke für letzte Nacht.«, »Ich liebe dich, mein Muckelbär« oder »Ich freue mich auf Kochen und Knutschen mit dir, Zuckerschnecke. Bussi Bussi, Kuss Kuss!« sind nicht nur die Ausgeburt an Peinlichkeit, sondern geben einem als gezwungen beobachtender „Freund“ das Gefühl, in der Bettritze des entsprechenden Paares zu liegen und selbständig dort nicht mehr herauszukommen. Hier stellt sich alsbald der selbe Effekt ein, der uns auch Sendungen wie »Schwiegertochter gesucht« schauen lässt: Die unerklärte Lust am Fremdschämen. Ab sofort werden derartige Einträge von mir mit folgendem Satz kommentiert: »Gott hat uns E-Mail, Telefon und SMS gegeben. Nutzt es!«
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Es schlägt 13. Zeit zu gehen.
Fragt mich jemand, ob ich abergläubisch bin, kann ich diese Frage nicht mit gänzlich reinem Gewissen verneinen. Zwar bilde ich mir oberflächlich ein, recht aufgeklärt durch unsere schnelllebige, moderne Welt zu wandeln, doch erwische ich mich immer wieder dabei, gewisse ganz offensichtlich sinnlose Rituale zu vollziehen, von denen ich mir dennoch Erfolg verspreche. Darunter fällt zum Beispiel der ans Universum gerichtete Wunsch nach einem Parkplatz vor der Tür, wenn ich viel zu schleppen habe. Funktioniert leider nur bedingt und ist stets abhängig von Wochentag und Uhrzeit, was wohl wenig überrascht. Außerdem vermeide ich es, unter Leitern hindurch zu gehen, gehe schwarzen Katzen aus dem Weg, wenn sie von links kreuzen wollen und töte keine Spinnentiere, weil ich denke, dass es schlecht für mein Karma ist. Gutes Karma ist eben wichtig, um nicht als eben solches Viehzeug irgendwann wiedergeboren zu werden. Womöglich hat sich das aber bis es soweit ist auch schon rumgesprochen und das Leben als Spinne ist dann aufgrund des massiven Karmahortens überall äußerst entspannt. Vielleicht gibt es bis dahin auch schon aus eben diesem Grund gar keine Spinnen mehr?! Ich schweife ab … Gerade versuche ich aus einem mir völlig unerfindlichen Grund
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zu resümieren, was die Zahl 13 für mich bedeutet. Bin ich Triskaidekaphobikerin? So nennt man Menschen mit einer irrationalen Angst der Zahl 13 gegenüber. Bei mir sorgt allerdings das Wort selbst weit mehr für nasse Handinnenflächen. War ich mit 13 ein glücklicher Teenager? Gibt es überhaupt glückliche 13-Jährige? Dank starker pubertärer Tendenzen gerade in diesem Lebensjahr wohl eher nicht. 13 Punkte in Flensburg können einem schon ziemlichen Stress bereiten, und wenn man an einem Abend im Club auf 13 seiner Ex-Freunde trifft, ist das sicherlich auch kein Spaß. Allerdings ist es doch recht gewöhnlich, die 13 als seine »persönliche« Unglückszahl zu bezeichnen. Persönlich ist das mal so gar nicht, immerhin gibt es Hotels, die komplett auf einen 13. Stock verzichten; Krankenhäuser verfügen nicht über ein Zimmer mit dieser Nummer, und auch in diversen Sportwettkämpfen sucht man sie auf dem Trikot der Teilnehmer vergebens. Wie können wir uns über den miesen Bildungsstand beschweren, wenn die halbe Welt auf die 12 die 14 folgen lässt? Zumindest in der Mathematik hätte das ja doch enorme Folgen. Aber an irgendwas muss man ja glauben. Da mich das Universum in Köln bereits vielfach in Sachen Parkplatzproblematik im Stich gelassen hat und mir die 13 als Pechbringer einfach zu trivial erscheint, erkläre ich hiermit die Zahl 3589 zu meiner ganz persönlichen Unglücksnummer und harre der Dinge, die da nun kommen. Nur das passende Phobiker-Wort ist mir dafür noch nicht eingefallen.
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Wichteln nur für Hartgesottene
»Wichteln ist ein vorweihnachtlicher Brauch, der unter Arbeitskollegen, in Vereinen etc. gepflegt wird. Dabei wird durch zufällige Auswahl für jedes Mitglied ein anderes Gruppenmitglied bestimmt, durch den es dann bei einer Feierlichkeit beschenkt wird.« Das kennen wir ja alle: Die Weihnachtsfeier in der Firma naht, und mal wieder hat man vergessen, für die völlig ungeliebte Kollegin, mit der man Mittags nicht mal an einem Tisch in der Kantine sitzen möchte und die eigentlich nur durch Geschmack- und Stillosigkeit, sowie eine äußerst langweilige Gesprächsthemenwahl auf sich aufmerksam macht, ein passendes Wichtelgeschenk zu besorgen. Schlimmer aber noch die Befürchtung, dass ebene jene Geschmack- und Stillose mit ihren fleischigen Wurstgriffeln den eigenen Namen aus der Schüssel mit den Losen gegrabbelt hat. Was erwartet einen angesichts ihres beschränkten Horizontes, der sich neben ihrem Halbtagsjob am Empfang ausschließlich um Mann und Kinder dreht, dann an diesem Abend wohl? Eine 30cm große Didl-Maus aus Keramik mit einer Weihnachtsmannmütze auf dem Kopf und einem blauen und dank unten einsetzbarer Batterie leuchtenden Geschenk unter dem linken Arm, die einen dümmlich angrinst? Oder eine dieser lustigen bunten Quietscheentchen im Hochzeitsdress, mit Teufelshörner oder gar im Sado/Maso-Outfit –
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besonders schön der Moment, in dem man das hässliche Ding auspackt und die schenkende Kollegin sich kringelt vor Lachen ob ihres unfassbar lustigen Gags. Oder sind es doch die Plüschtierpantoffeln in Größe 36, die ohnehin nicht passen und auch schon seit gefühlten 40 Jahren überhaupt nicht mehr amüsant sind? Mit denen kann man zumindest noch ein Kind in der Nachbarschaft glücklich machen. Bestickte Handtücher, gehäkelte Klorollenhalter, kitschige Schneekugeln, billigster Plastikschmuck – alles kann, aber nichts davon muss wirklich sein. Nur ich, ich muss jetzt los, Spongebob-Geschenkpapier besorgen, um das für die Kollegin gekaufte Bild im Wechselrahmen einzupacken. Motiv: Mann mit freiem Oberkörper und Baby auf dem Arm in Schwarzweiß. Wenn das nicht passt, dann weiß ich es ja auch nicht.
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Ice, Ice, Icezeit, Baby!
Die derzeitige Kälte macht den Menschen offenbar schwer zu schaffen und hat für den menschlichen Körper nicht unwesentliche Nebenwirkungen. Wer jetzt am Wochenende wie üblich im TShirt aus dem Club schwankt, weil er mal wieder seine Garderobenmarke verloren hat, und alkoholbedingt Gefahr läuft, es ohne Nickerchen nicht bis daheim zu schaffen, gibt sich in Normalfall lediglich der Lächerlichkeit, jetzt aber gleich dem Tod preis. Die vom Tanzen müden Gliedmaßen sterben zuerst ab, da der Körper damit beschäftigt ist, die lebenserhaltenden Organe anständig zu durchbluten. Aufgrund der völligen Unterkühlung wird ihm aber auch das nach einer Weile nicht mehr gelingen, das Bewusstsein schwindet und das Ende naht. Wie sich das so ungefähr anfühlt, dürfte jetzt auch jeder einzelne Spieler beim baldigen Zweitligisten Schalke 04 wissen, hat Supertrainer Felix Magath seine versagenden Jungs bei diesem Temperaturen doch in kurzen Hosen und ohne Handschuhe über den Platz gejagt. Nicht mal die Rasenheizung hat er anstellen lassen, der Sadist. Mein Mitleid hält sich allerdings in Grenzen angesichts der Kontostände der ver(be)hinderten Ballakrobaten. Spannend wird es erst, wenn beim Abstieg der Mannschaft Magath in Gelsenkirchen zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt wird. Dann möchte man nicht
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in seiner Haut stecken, denn was passieren kann, wenn einen allzu viele Leute nicht mögen, sieht man ja jetzt am Fall von Wikileaks-Gründer Julian Assange. Dem ist Interpol auf den Fersen, doch nicht wie man zunächst denken mag, wegen der Veröffentlichung der neuesten geheimen Dokumente aus Kreisen der US-Regierung. Hier fragt man sich ja ohnehin, wie »geheim« es überhaupt ist, dass Guido Westerwelle »inkompetent« und »aggressiv« ist und Frau Merkel »das Risiko meidet«. Nein, stattdessen wird er nun der Vergewaltigung bezichtigt, soll in Schweden eine Frau sexuell belästigt und sie zu ungeschütztem Sex gezwungen haben. Ein Schelm, wer hier – wie der Beschuldigte selbst – an einen Komplott glaubt. Aber im Flüchten und Verstecken ist er ja mittlerweile berufsbedingt ein echter Profi, und wenn er schlau ist, kommt er einfach fix nach Deutschland, denn bei den derzeit vorherrschenden Temperaturen in unserem Land hat nicht mal Interpol Bock, ihn hier zu suchen. Ab zum Training in die Veltins-Arena und unter das frierende Fußballer-Volk gemischt. Schlechter als die spielt der sicher auch nicht.
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So alt wie man sich fühlt und jünger
Ich sag es mal, wie es ist: Ich werde alt. Super finde ich das nicht, wie wohl ca. 97 Prozent der sich als zivilisiert bezeichnenden Menschheit. (Die übrigen drei Prozent lügen oder machen sich was vor.) Schnell feststellen lässt sich das bei einem Blick in die ausdruckslosen Gesichter von Kylie Minogue, Nicole Kidman und nun auch Gwyneth Paltrow. Die sind teils älter als ich, sehen aber jünger aus, können sich allerdings vor lauter Straffung in spätestens zwei Jahren nicht mehr bewegen, weil ihnen beim kleinsten Lächeln eine Naht an Knie oder Hintern aufplatzt. DAS passiert mich nicht. Was nicht heißt, dass ich in meinen Bewegungsabläufen nicht ebenfalls eingeschränkt bin. Das aber liegt weniger an den Pfuschereien irgendwelcher Hollywood-Skalpellmeister, sondern eben am fortschreitenden Alter. Neulich wollte ich mit der Schlagbohrmaschine ein Loch in die Zimmerdecke bohren. Seitdem plagt mich ein Schmerz in der rechten Schulter, der einfach nicht verschwinden will, sowie ein missratener Krater schräg über mir. Im ersten Fall war ich nach drei Wochen Quengelei bereit, mir Hilfe zu holen, also ab zum Orthopäden. Schon seine Begrüßung machte mich betroffen: »Wie kann ich ihnen helfen, zu mir kommen eigentlich ja nur Rentner.« Ah ja. Nun, Geschichte erzählt,
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Problem erkannt: »Sie haben (wie wohl ebenfalls 97 Prozent der sich als zivilisiert bezeichnenden Menschheit) einen Knick-SpreizSenkfuß. Deswegen gehen und stehen sie falsch und daher kommen die Beschwerden. Ich verschreibe Ihnen Einlagen.« Moooment! Das heißt, ich trage ab jetzt beige Gesundheitsschuhe mit rutschfesten Gummisohlen? Gefühlt zumindest. Dennoch frage ich mich, wozu ich dann schon als Kind mit diversen Optik und Gesundheit verbessernden Utensilien gequält wurde, wenn ich 30 Jahre später wieder an genau der selben Stelle stehe? Zwar sind es inzwischen Kontaktlinsen statt die Hornbrille gegen das Schielen, eine Brücke statt der Spange gegen die schiefen Fronthauer, sowie Einlagen für Knick-Spreiz-Senkfüße statt gegen das »Überdengroßenonkellatschen«, aber wo ist da schon der Unterschied? Und könnte man auch meinen, all das würde einem helfen, sich mal wieder wie ein Vorschulkind zu fühlen – das tut es nicht. Was kommt als nächstes? Das künstliche Hüftgelenk, der Rollator, Teena Lady oder Lifta, der Treppenlift? Demnächst müssen sich dann wohl auch die Clubbetreiber den Gegebenheiten anpassen und ihre Läden und insbesondere die DJ-Pulte altengerecht umbauen. Wir werden schließlich alle nicht jünger.
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Mein Vorsatz: kein Vorsatz!
Weihnachten ist überstanden, wenn auch der eine oder andere dabei nur knapp einem Herzinfarkt entkommen ist. Schon die Vorbereitungen darauf waren wieder ein echtes Erlebnis. Es ist erschreckend, wie wenig der Mensch durch Erfahrung dazu lernt. Das merkt man zum einen am Fall unverbesserlicher FDPWähler, aber eben auch an jedem einzelnen, ebenso unverbesserlichen Last-Minute-Weihnachtseinkäufer. Die Panik steht ihnen in die Augen geschrieben, während sie sich durch die vollgepackten Gänge der Kaufhäuser schieben und am Ende selten mit etwas wirklich Originellem, völlig abgekämpft und stets ein wenig frustriert heimkehren. Wieder nur Socken und Krawatte für den Vater, Parfüm für die Mutter und womöglich für die Freundin ein Schmuckstück, bei dessen Anblick sie sich schon im post-weihnachtlichen Umtauschgedränge durch die City hetzen sieht. Und da soll Freude aufkommen? Kein Wunder, dass um Weihnachten herum die meisten Trennungen stattfinden. Was aber gar nicht tragisch ist, bietet sich doch Silvester schon die erste Gelegenheit des noch jungen Jahres, etwas Neues/ Besseres/Dankbareres aufzureißen. Sofern man sich denn mal entschieden hat, wie man in der Nacht der Nächte verbringen
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möchte. Bleigießen und Scharade mit den lieben Kollegen, sich besinnungslos besaufen mit den besten Freunden oder doch lieber mit völlig Fremden anonym an einem öffentlichen Ort z.B. im Club das neue Jahr begrüßen? Was soll das Theater? Silvester ist doch kaum anders als jeder x-beliebige Wochenendabend, nur sind alle vier Stunden eher unterwegs, vier Stunden eher voll und vier Stunden eher daheim, weil sie sich vier Stunden zu früh völlig daneben benommen haben und von den Kollegen/Freunden/Türstehern vier Stunden vor allen anderen der Lokalität verwiesen wurden. Dazu noch die quälenden Gedanken an all die guten Vorsätze, die man wie immer fasst und auch wie immer nicht einhalten wird. Weniger trinken, gesünder ernähren, Sport, Monogamie, nicht mehr rauchen und netter zu seinen Mitmenschen sein … Letzteres wird meist als erstes verworfen, denn hält man sich an alle anderen Vorsätze, ist Nettigkeit wirklich nicht mehr drin. Spätestens nach drei Wochen wird wieder gesoffen, gevögelt und geraucht wie schon 2010, also ist mein guter Vorsatz in diesem Jahr, keinen guten Vorsatz zu haben. Stresst euch nicht schon vorher, die kommenden 12 Monate werden noch anstrengend genug.
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Aszendent oder Schicksal? Deine Mudda …!
Ich mache mir aus purer Tradition kurz vor meinem Geburtstag Gedanken über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, aktuell z.B. darüber, wie oft der ach so liebe Gott pro Tag welche Gaben und Absonderheiten an alle Neugeborenen dieser Erde verteilt. Ich erinnere mich dabei an Sprüche aus meiner Kindheit und Jugend wie: »Als der liebe Gott Hirn verteilt hat, hat die und die aber nicht besonders laut hier geschrien.« Oder: »Als der liebe Gott die Akne verteilt hat, war der und der ganz vorne mit dabei.« – Vielleicht ist ja was dran? Vielleicht muss man sich schon äußerst früh seinen späteren Status hart und laut erkämpfen? Das beschäftigt mich, seit ich feststellte, dass Fernsehkoch Tim Mälzer am selben Tag Geburtstag feiert wie ich. Selber Tag, selber Monat, selbes Jahr. Und dabei fällt allen, die mich gut genug kennen, ganz klar auf: Ich kann im Gegensatz zum Mälzer nicht kochen. Eigentlich kann ich sogar im Gegensatz zu jeder drittklassigen Pommesfritteuse nicht gut kochen. Ich kann es nämlich gar nicht und vermeide auch jeden Versuch in diese Richtung tunlichst. Offenbar habe ich bei der Verteilung des Kochtalents/interesses am 22.01. (für das Jahr könnt ihr den Mälzer googlen) nicht laut genug »HIER!« gerufen – dafür aber, als Nasenmasse verteilt wurde, umso lauter. Schön blöd.
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Hätte ich seinerzeit gewusst, dass sich mit Kochkunst mehr Geld verdienen lässt, als mit einem großen Zinken – hier bildeten Thomas Gottschalk und Mike Krüger als »Die Supernasen« in den 80ern offenbar die vielbeschworene Ausnahmen – hätte ich mich damals sicherlich anders entschieden. Möglicherweise ist aber auch das Quatsch und mein Aszendent – was immer das so genau ist – ist Schuld an meiner Misere. Vielleicht ist Tim Mälzer ja im Zeichen der häuslichen Jungfrau geboren während ich das Licht der Welt zur Zeit des von Selbstzweifeln geplagten, depressiven Krebs erblickte. Ich glaube, die Uhrzeit der Geburt ist hierbei entscheidend. Die Quintessenz dessen ist so oder so: Meine Mutter ist Schuld. Sie hätte bei meiner Geburt einfach noch ein bisschen aushalten können, bis ich in einen brauchbareren Aszendenten rutsche, oder aber die Weichen in meiner Kindheit per exzessivem Druck auf meine Person zur Arbeit am Herd stellen können. Dann hätte ich womöglich heute ein gut besuchtes Restaurant in einer deutschen Großstadt und natürlich eine gern gesehene und topp bezahlte TV-Show im deutschen Privatfernsehen. Stattdessen schreibe ich blöde Kolumnen über völlig hirnrissige Themen, mit denen sich am Ende kein Pfifferling verdienen lässt. Danke, Mutter!
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Einmal Schweden und zurück
Ich habe mich heute mal wieder getraut und einem großen schwedischen Möbelriesen einen Besuch abgestattet. Nennen wir das Kind mal beim Namen: Ikea. Ausflüge dorthin rufen bei mir eher zwiegespaltene Gefühle hervor. Während sich der eine Teil in mir auf viel neuen und bunten Schnickschnack freut, der ohnehin früher oder später zum Staubfänger verkommt, beim Kauf selbst aber noch sinnvoll wie sonst nichts erscheint, sträubt sich der andere Teil vehement genau dagegen: Geld, das ich nicht habe, auszugeben für die Dinge, die ich unter keinen Umständen brauche. Aber das ist nun mal das Prinzip Ikeas, und so habe ich auch heute wieder Lämpchen, Kerzchen, Handtüchlein, Serviertchen und Blümchen mitgebracht, die nun Platz wegnehmen, den ich durch eine Entrümpelungsaktion gerade erst frei geräumt habe, und in spätestens drei Monaten im Müll landen. Obligatorisch ist auch der eine Artikel, der entweder zu klein, zu groß oder in der falschen Farbe gekauft wurde und deswegen noch unbedingt am selben Tag umgetauscht werden muss. In meinem Fall war es diesmal ein Teppich. Zu winzig und zu grün. Mich beschlich, als der Lappen da in meinem plötzlich überdimensonal groß wirkendem Wohnzimmer so rumlag, die Angst, dass der Hund ihn bald mit einer Wiese verwechseln könne, und das gilt es, lebt man mit einem Tier
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unter einem Dach, unbedingt zu vermeiden. Also wieder zusammengerollt, nach bestem Wissen und Gewissen zurück in die Verpackung gequetscht und erneut zu Ikea gefahren. Ein Umtausch mit Nümmerchen ziehen – das kennen die einen oder anderen sicherlich vom Arbeitsamt ... äh ... der Agentur für Arbeit – dauert unterm Strich übrigens genau so lang, wie der komplette Gang durch die Ikea-Ausstellung mit Platznehmen auf jeder zweiten Sitzgelegenheit, dem Verzehr einer Portion Köttbullar und dem Aussuchen neuer Vorhänge und passender Kissenbezüge. Wirklich schlimm allerdings wurde es für mich dann doch erst wieder Zuhause, nämlich als ich feststellte, dass ich die 56 Schrauben meines eben gekauften Vorratsschrank-Regals Albert (ist das überhaupt ein schwedischer Name?) per Hand würde eindrehen müssen. Der Akkuschrauber, den ich in meiner Werkzeugkiste wähnte, ist offenbar nicht meiner gewesen und damit der letzten Trennung zu meinen Ungunsten zum Opfer gefallen. Das Regal steht, wenn auch schief. Und ich habe nach mehreren Nervenzusammen- und Schweißausbrüchen sowie unzähligen nicht jugendfreien Flüchen Blasen an Daumen und Mittelfinger der rechten Hand und mir zum gefühlten 1.476. Mal geschworen, um Ikea fortan einen großen Bogen zu machen. Spätestens aber zu Knut bin ich wieder da!
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Sozialautismus 2.0
Ich mutiere zur Sozialautistin. Früher war ich wahnsinnig viel unterwegs, habe wahnsinnig viel telefoniert und wahnsinnig viel geredet, mit allem und jedem. Worüber? Das weiß ich nicht mehr. Vieles davon hätte vermutlich nie gesagt werden müssen. Wirklich Wichtiges ist dafür auf der Strecke geblieben. Reden um zu Reden eben. Heute ist mir all das viel zu viel Aktion. Nach der Arbeit bin ich froh, nicht mehr reden, nicht mehr telefonieren zu müssen, so dass sich zwangsläufig viele meiner alten Freunde bald nicht einmal mehr an meinen Namen erinnern werden. Wer sich nicht meldet, ist raus und auch noch selbst schuld. Noch schlimmer aber ist, dass es so schier unmöglich scheint, in einer neuen Stadt überhaupt erst soziale Kontakte aufzubauen, ganz zu schweigen davon, diese dann anschließend auch noch so zu pflegen, dass sie länger als eine durchzechte Nacht halten. Bei Facebook adden und regelmäßig irgendeine Grütze posten, reicht am Ende eben nicht. Stellt sich die Frage: Was tun? Wie wendet man das so unausweichliche Eremitendasein ab, besiegt seinen inneren, manchmal fast kontaktscheuen Schweinehund und verschenkt vor allem nicht Monat für Monat unfassbar viel Kohle für die lediglich für den obligatorischen 10-Minuten-Anruf bei Vater und Mutter genutzte
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Handyflatrate an seinen Mobilfunkanbieter, der sich darüber vermutlich längst ins goldklunkerbestückte Fäustchen lacht? Liegt es am Alter und ich werde langsam wunderlich? Oder liegt es schlicht an der fiesen Jahreszeit, dass ich den Hintern am Abend nicht mehr so recht hochbekomme? Wird all das im Sommer besser, wenn die Tage erst mal wieder länger werden? Bis dahin aber sind vermutlich sämtliche Bekannten und Freunde abtrünnig und ich fange bei Null an. Der nächste Winter ist dann auch schon wieder nicht mehr fern, und das Spiel beginnt von vorn. Was ich eigentlich sagen will: Nur, weil ich manchmal einfach zu müde/faul/beschäftigt bin, um mich bei gewissen Leuten zu melden, heißt das nicht, dass sie mir nicht wichtig sind. Ich hoffe, dass echte Freundschaft auch eine längere Phase des Nichtkontakts überlebt und wir spätestens im Sommer wieder fröhlich und gut gelaunt zusammenfinden. Ja, das ist als eine Entschuldigung zu verstehen – und als ein Appell an mich und all die anderen faulen Schweine, die sich bei Dunkelheit und Kälte gern in ihr wärmendes Kämmerchen verziehen.
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Wachsen statt wachsen lassen
Für Jörg Kachelmann läuft es aktuell nicht so wirklich rund, dabei hatte ich schon fast geglaubt, sein Draht zu dem, der das Wetter macht, sei beinahe übermenschlich. Eine ganze Weile schien es, als sei mit ihm der früher in diesem Jahr schon fast fühlbare Sommer in der U-Haft verschwunden. Doch offenbar habe ich den Einfluss des bei vielen Fernsehzuschauern einst so beliebten, heute von selbigen bereits vorverurteilten Actimell-Befürworters da doch ein klein wenig überschätzt, denn jetzt soll er ja bald zurückkommen. Der Sommer, nicht der Kachelmann. Doch so gut Sonne und Wärme für das Gemüt sind, so sehr setzt einen das gute Wetter auch unter Druck. Frauen in erster Linie, denn sobald es beinahe täglich in den nächstgelegenen HippiePark oder an das ach so angesagte, wenngleich auch noch so dreckige Baggerloch geht, sollte nicht nur die im Mai meist noch meilenweit entfernte Bikinifigur sitzen. Auch kann die Rasur der über die kalten und häufig in Wolle gehüllten Wintermonate immer mal wieder aus Bequemlichkeit (»sieht ja eh keiner«) lang gezüchteten Achsel-, Scham- und Beinbehaarung in dieser Zeit natürlich nicht länger vernachlässigt werden. Wer hier nicht direkt mit Wachs, Epilation oder gar Lasertechnik dem Problem zu Leibe rücken möchte, sieht sich nun beinahe täglich – abhängig vom Testosterongehalt der Probandin – seinen eigenen unangenehmen wie unansehnlichen Stoppellandschaf-
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ten ausgesetzt. Entweder, man investiert also von nun an einen Großteil seines hart verdienten Geldes in völlig überteuerte aber dafür supersanfte Spezialklingen für ebenso überteuerte aber supersanfte Ladyshaver in den Farben Pink oder Türkis, oder man weigert sich standhaft, sich dem gesellschaftlichen Zwang der Ganzkörperrasur zu unterwerfen und lässt wachsen. Würde sich auch nur ein geringer Teil der weiblichen Bevölkerung, der nicht im Hartz-IV-Elend vor sich hinsiecht oder einfach »mehr so der ganz natürliche Typ« ist, sondern stattdessen Wert auf Optik, Stil und Körperpflege legt, für diesen Weg entscheiden, würde das einen gänzlichen neuen Markt erschließen, was neue Arbeitsplätze schafft und das Wirtschaftswachstum fördert: Intimhaarschmuck. Warum nicht einfach mal kleine, hübsche Glitzerperlen in den Farben Pink oder Türkis in die Achselbehaarung einflechten? Oder kleine Glücksbringer in die Scham knoten? Schmerzfreier als der bisher bekannte Intimschmuck ist das allemal. Ich sehe ganze Läden – ach was sag ich – ganze Ladenketten, die sich dem Verkauf solcher Accessoires verschrieben haben. Mit Swarovski-Kristallen besetzt, in Gold, in Silber und Platin, in allen erdenklichen Farben und Formen und für jede Gelegenheit passend – vom ersten Sex auf der Rückbank bis zum öffentlichen Auftritt im Bundestag. Aber auch preisgünstigere Varianten sind schon bald in jeder H&M-Fililae zu finden und die anfängliche Exklusivität schwindet schnell. Intimhaarschmuck wird zum Massenphänomen.
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NikkiPlag Wiki
Ich habe lange überlegt, bei wem ich meine diesmalige Kolumne wohl am besten abschreibe – ohne Quellenangaben natürlich. Da ich gerne schreiben können würde wie Sybille Berg, Max Gold und Heinz Strunk zusammen werde ich es bei Gelegenheit bei ihnen mal versuchen. Vielleicht aber ist es schlauer, direkt jemand anderen damit zu beauftragen, da ich neben Beruf und Freizeit ja eigentlich kaum Zeit für so einen Quatsch habe. Leider hat sich in der Kürze der Zeit niemand gefunden, der diesen Job übernehmen wollte. Liegt zum einen sicher daran, dass ich stets nur sieben Tage und keine sieben Jahre Zeit habe. Zum anderen verfüge ich dank eines fehlenden Politikergehalts natürlich auch nicht über die entsprechenden finanziellen Mittel. Allzu teuer dürfte jemand, der ohnehin nur von anderen kopiert, am Ende aber auch gar nicht sein. Ich suche weiter und nehme auch Bewerbungen dankend an.
Da gibt es in Deutschland endlich mal einen Politiker wie KarlTheodor zu Guttenberg, der sich trotz seiner CSU-Zugehörigkeit bei einem Großteil der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut, und nun wird er ungeniert und gnadenlos in der Luft zerrissen – und das nur, weil er womöglich ein bisschen bei seiner Doktorarbeit geschummelt hat. Nein, falsch, weil er schlecht geschummelt und
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sich nun hat erwischen lassen. Schon in der Schule galten die als besonders cool, die sich ohne zu lernen dank gut gefertigter Spickzettel und einer gewissen Kaltblütigkeit geschickt bis zum Abitur und darüber hinaus durchmogelten – und sich eben NICHT erwischen ließen. Allerdings kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es diese Typen inzwischen zu einem ehrlich erworbenen Doktortitel oder zu überhaupt irgendetwas gebracht haben. Außer zum Kommunalpolitiker oder DSDS-Juryvorsitzenden vielleicht.
Ist man nach seinem so öffentlichen Outing als Lügner in der Politik nun eigentlich gänzlich fehl am Platz? Oder ist das Gegenteil der Fall? Qualifiziert einen der Hang zum Erzählen von Geschichten, die nicht ganz der Wahrheit entsprechen, nicht sogar für den Posten des Bundeskanzlers? Ich bin schon ein bisschen froh, dass es unseren Verteidigungsminister getroffen hat, denn jetzt kann er mal zeigen, was er auch mit ermogeltem Titel beruflich tatsächlich darauf hat. Wenn er es schafft, sich hier gut aus der Affäre zu ziehen, sollte man über seinen kleinen Mogel-Fauxpas großzügig hinwegsehen und sich lieber darüber freuen, dass er zumindest in Sachen „Selbstverteidigung“ ein ganz Großer ist.
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Größenwahn 2.0
Angesichts der aktuellen Geschehnisse weiß ich gar nicht so recht, wo ich anfangen soll – zumal sich beinahe stündlich weitere Möglichkeiten eröffnen. Zur Auswahl stehen aktuell folgende Themen: Der nun doch und endlich eingeleitete Guttenberg-Rücktritt. Die Nazi-Parolen von Dior-Chefdesigner John Galliano. Die Leugnung der Situation in seinem Land seitens Libyens Noch-Staatschef Gaddafi. Und die zahlreichen wirren TV-Interviews eines siegessicheren und längst gescheiterten Charlie Sheen. Da stellt sich mir die Frage, ob die vier wohl alle in den selben Puff gehen und die gleichen Drogen schnupfen, denn auffällig ist, dass sie alle den Bezug zur Realität schon lange verloren haben. Da ist ein Verteidigungsminister, der scheinbar geglaubt hat, mit einem erschlichenen Doktortitel und einem über die Schmerzgrenze hinaus geschönten Lebenslauf seine Karriere einfach mal so fortführen zu können. Da ist ein gefeierter Modedesigner, der – ob auf Koks, im Scherz oder aus Überzeugung – durch die Gegend streift und Nazi-Parolen von sich gibt, ohne sich über das was er da sagt und dessen Folgen Gedanken zu machen. Da ist ein seit Jahrzehnten geduldetes aber völlig psychopathisches Staatsoberhaupt, gegen das das geschundene Volk nun endlich aufbegehrt und das dies in öffentlichen Interviews mit Aussagen wie »Mein Volk liebt mich« strikt ignoriert. Und da ist ein Schauspieler, der
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dank seines exzessiven Lebenswandels in den vergangenen Jahren Familie, Freunde und Jobs verloren hat, sich selbst und seine Situation dennoch als absolut erstrebenswert darstellt und lieber allen anderen mit diversen Klagen droht. Mir als Frau fällt dabei natürlich sofort auf, dass alle vier vom Größenwahn befallenen Personen männlichen Geschlechts sind. Und auch wenn ich längere Zeit über größenwahnsinnige Persönlichkeiten der Geschichte und der Jetzt-Zeit nachdenke, fallen mir lediglich Namen wie Julius Caesar, Napoleon, Adolf Hitler, Klaus Kinski, Elton John, Uli Hoeneß und Angela Merkel ein; alles Männer – auf die eine oder andere Art und Weise – die aktuelle Umstände in Politik, Wirtschaft, Sport oder auch Privatem über viele Jahre völlig falsch bewerteten und rechtfertigten, ohne ihrem eigenen Schwindel dabei aufzusitzen. Aber das ist ja sicherlich alles nur ein dummer Zufall, oder?
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Liebe Freunde der Nackt(heit) …
Ich bin mit dem Beginn des neuen Jahres unter die Hobbysportler gegangen. Halte ich auch nichts von guten Vorsätzen zum Jahresstart, so war mein 40. Geburtstag hingegen für mich Anlass genug, zum wiederholten Male einen Knebelvertrag mit einem Fitnessstudio zu unterschreiben. Von nichts kommt ja nichts, und wer möchte schon seinem eigenen Verfall beiwohnen, ohne einzugreifen? Okay, das tun Millionen von Menschen weltweit, zu ihnen möchte ich mich aber eben nur ungern zählen. Wie immer in diesen Momenten war ich bei der Vertragsunterzeichnung hochmotiviert und guter Dinge – und bin es nun, zwei Monate später – noch immer. Ein Teilerfolg. Ein bisschen Spinning, ein bisschen Bodypump, mal zum Boxen … und am Ende immer noch schön entspannt in die riesige, angeschlossene SaunaLandschaft. Der eigentliche Grund für meine Mitgliedschaft in diesem Studio, aber auch das eigentliche Problem. Nacktheit. Was sieht man nicht alles für Dinge dort, die besser im Verborgenen geblieben wären? Fettschürzen und Hängeärsche. Behaarte Männerrücken, behaarte Frauenbeine und 70ies-like behaarte Schambereiche bei beiden Geschlechtern. Tätowierte Arschgeweihe, Comic-Teufel und Stacheldrahtoberarmbänder. Das größte Gräuel sind mir allerdings Pärchen im Bademantelpartnerlook.
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Das sind sicherlich auch die, die man am Wochenende tagsüber mit ihrem Schäferhund oder Golden Retriever im Jack WolfskinPartnerlook im Bergischen oder auf irgendeiner Hundeausstellung treffen kann und am Abend dann im Swingerclub »Erlebniswelt Holweide« – sofern man das denn möchte. So sehr ich mich auch für einen aufgeschlossenen Menschen halte bzw. dieser gerne wäre, umso mehr muss ich jedoch feststellen, dass das in Sachen Sauna einfach nicht zutrifft. Ja, ich fand es unangenehm, meinem Zahnarzt dort zu begegnen. Auch einen alten Bekannten hätte ich nicht mal in Badehose, geschweige denn nackig wiedertreffen wollen, passiert ist es trotzdem. Und Grund für meine Abneigung war nicht nur seine Fettschürze. Auch Menschen, die man am Wochenende auf der Tanzfläche oder an der Bar des angesagtesten Clubs der Stadt trifft, mag ich nicht zwingend im Planschbecken des Saunabereichs wiedersehen. Nennt mich spießig, prüde, schamhaft und/oder verklemmt. Ich nenne es »auf Ästhetik bedacht« und »respektvollen Abstand wahrend«. Spätestens, wenn ich meinem Gynäkologen, meinem Steuerberater und meinem Chef dort über den Weg gelaufen bin, werde ich mich nur noch auf den Sport konzentrieren und die Sauna Sauna sein lassen. Versprochen!
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Kopfarbeiter hairreinspaziert – es wird haarmonisch Ein guter Friseur ist schwerer zu finden als ein guter Gynäkologe. Immerhin trägt man am Ende das, was der Typ fabriziert, im besten Fall eine ganze Weile auf dem Kopf, und da ist so ein Schnitt nun mal Vertrauenssache. Doch wie findet man den einen Menschen, dem man dieses Vertrauen auch langfristig entgegenbringen möchte? Ich habe mich mal in einer deutschen Großstadt – nennen wir sie der Einfachheit halber Köln – umgeschaut und versucht, mich allein vom Namen des jeweiligen Geschäfts beeinflusst zu entscheiden. Die Zeiten, in denen ich bei »Beates Haartraum«, »Hannelores Haarstudio«, »Renates Frisiersalon« oder »Heikes Haartreff« einkehrte, sind vorbei, seit ich nicht mehr an der Hand meiner Mutter zum Ponyschneiden gehe und kehren wohl auch erst zurück in dem Moment, in dem ich das Bedürfnis verspüre, mein bis dahin sicher schlohweißes Haar lilastichig zu tragen. Beim Blick ins Domstadt-Branchenbuch sind mir eine echt haarsträubende Tatsache ins Auge gefallen, nämlich dass es in Sachen origineller Namensgebung und Wortspielerei im Friseurbusiness offenbar keine Schmerzgrenze gibt. Am häufigsten Verwendung findet »Haarmonie« – und das in diversen Schreibweisen wie HAARmonie, HAARmony und HAAR.MONI.E. Damit also durchaus nicht originell, aber gerade noch vertretbar. Was ich allerdings von »Philhaarmonie« halten soll, weiß ich noch nicht so genau. Einige naheliegende Spielereien mit Begriffen aus dem Friseurhandwerk lasse ich auch noch durchgehen, z.B. Haarscharf, Haar-
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genau, Schnittstelle, Ponyclub, Kopfarbeit, Hauptsache und Die Auswaschbar. Andere wiederum jagen mir direkt einen heißkalten Schauer über den Rücken und lassen Übelkeit in mir hochsteigen. Beispiele dieser Kategorie sind Engelshaarstudio, Haarem, Director of Hair Rudigier W. (der sicherlich schlicht und einfach Rüdiger heißt) oder Salon Hairreinspaziert. Nein danke, da schneide ich doch lieber selbst. Natürlich möchte mancher Haardresseur auch seiner Heimat gerecht werden und kommt so auf Cölnhair, Hair Cologne, Hairspray (ob der Laden nach dem Ende der Kölner Spielzeit des gleichnamigen Musicals wohl umbenannt wird?) oder Fönen und Klönen. Nicht toll, aber von mir aus. Allerdings bin ich auf einige Wortkreationen gestoßen, bei denen ich mich allen Ernstes frage, wie die überhaupt Kundschaft in den Laden bekommen. Niemals nicht würde ich einen Coiffeur aufsuchen, der sich Haarakiri, Hairkiller oder Chaos Hairconcept nennt. Da ist doch eine missglückte Frisur wenn nicht gleich der anschließende Selbstmord des Haares durch spontanen Komplettausfall praktisch vorprogrammiert. Nun stellt sich also abschließend die Frage, für welchen Laden ich mich nun entscheiden soll, und ihr seht mich echt verzweifelt. Ich mag es schlicht, und in Ermangelung der Läden »Fön« und »Schere« habe ich mich für »Kamm« entschieden. Etwas, das mir tatsächlich fehlt, ist einer mit dem Namen »Kopfgeld«. Dieses setze ich nämlich auf den neuen Haarschneider aus, sollte er Mist bauen.
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I’ve been looking for … whatever
Zugegeben bedienen meine Kolumnen nicht selten recht triviale Themen, und im Zuge dessen komme auch um das eine oder andere vulgäre Wort nicht herum. Dennoch war ich ob der im Dashboard meiner WordPress-Seite verzeichneten Suchbegriffe, die die Menschen bisher so auf meine Page führten, doch ein wenig überrascht. Allerdings weniger darüber, dass man bei der Suche nach »Geschichten von behaarten Frauenbeinen« bei mir landet – das klingt ja nur allzu logisch. Sondern vielmehr darüber, dass überhaupt jemand nach »Geschichten von behaarten Frauenbeinen« sucht. Auch »will wie meine mutter intimschmuck tragen» ist eine Eingabe, die mich stutzig werden lässt. Woher soll das Internet – und vor allem ich – denn wissen, welchen Intimschmuck die Mutter des Users bevorzugt? »Sonja Zietlow nackt« dürfte den Internetsurfer ebenso enttäuscht zurückgelassen haben, denn Nacktfotos von Sonja Zietlow gibt es bei mir nun wirklich nicht zu sehen. Ähnliches gilt für »der aszendent von uli hoeneß«, denn auch hierauf findet sich auf meiner Seite keine Antwort. Über »reife damen in lackwäsche», »singlebörsen für diabetiker« und »schielendes Auge als Verkäuferin arbeiten« bin ich jetzt noch nicht hinweg und suche nach wie vor nach dem Text, der es in diesen drei Fällen dazu führte, dass meine Seite zu den von Google, Yahoo und Co.
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vorgeschlagenen zählte. Vielleicht sollte ich aber auch einfach den Inhalt meiner Kolumnen neu überdenken und eben jene offenbar verzweifelten Menschen mit entsprechenden Inhalten bedienen. Mit ein bisschen Glück gibt es nächste Woche also etwas zum Thema »nackt boxen« oder auch »fotos behaarte Männerrücken«. Freut euch drauf.
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Personal Post Press Deadline Assistant gesucht …
Laut einer Umfrage der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) gibt es aktuell diverse Berufsbilder, die zunächst einmal keinem Menschen etwas sagen. Dies soll zum Teil daran liegen, dass es gänzlich neue, sich eben erst entwickelte Berufe sind. Möglicherweise sind aber auch einfach die zahlreichen Anglizismen schuld, die auf diesem Feld eingesetzt werden, um international mitspielen zu können. Was früher der Hausmeister war, ist heute der Facility Manager, das hat sich inzwischen wohl herumgesprochen. Doch würden sich Compliance Officer, Regulatory Affairs Manager oder Drug Research Manager vielleicht dem einen oder andern schon selbst erklären, hießen sie Einhaltungsbeamter, Angelegenheitenregulierungs- oder Medikamentenforschungsorganisator. Okay, vielleicht auch nicht … Doch wer weiß schon, wie viele Jobs bzw. Arbeitslose bereits vermittelt wären, könnte der Suchende anhand der Anzeige direkt erkennen, ob er qualifiziert ist oder nicht. Lange kann es also nicht mehr dauern, bis dir die Bakery Product Sales Managerin am Morgen die Brötchen über die Ladentheke schiebt oder du dir von der Design Chaussure Managerin kartonweise den heißesten Scheiß in Sachen Schuhmode vorführen lässt. Ich persönlich hätte ja ger-
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ne einen Personal Post Press Deadline Assistant, der nach dem Redaktionsschluss meinen Platz im Office einnimmt und mich ersetzt, bis ich mich erholt habe. Hierf체r in Frage k채me allerdings nur ein One Euro Jobholder, sonst w체rde mir das zu teuer. Bewerbungen gerne an mich.
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Hunger Strike
Das ist ein Song aus dem Jahre 1991 – von einer Band namens Temple of the Dog, der Pearl Jams Eddie Vedder und Soundgardens Chris Cornell seinerzeit angehörten. Das tut hier zwar nichts zur Sache und hat nur wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun, aber ein bisschen Musikgeschichte zum Einstieg kann ja nicht schaden … Prinzipiell habe ich kein Problem mit der Nahrungsaufnahme an sich (leider), vorausgesetzt, ich werde bekocht oder in ein Restaurant eingeladen. Doch wehe, ich muss mich einen Abend mal allein und selbständig versorgen, schon gerate ich in echte Schwierigkeiten. Ich kann nicht kochen, und so wird der Besuch des Supermarkts zur abendlichen Essensbeschaffung zu einem vermeidbaren Unterfangen. Als Frau muss man sich über allerlei Zusätzliches Gedanken machen, simples Nahrungkaufen ist ausgeschlossen: Keine Kohlenhydrate nach 18 Uhr. Fleisch wegen der niedlichen Tiere natürlich gleich gar nicht. Fertiggerichte sind dank dieser zwei Prämissen ebenfalls ein No-Go, abgesehen davon, dass meist schon der Blick auf die Verpackung Ekel herauf beschwören, noch ehe ihr Inhalt dem Hunger Einhalt gebieten konnten. Fast Food komm wegen diverser gesundheitlicher Aspekte auch nicht in Frage.
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Das Auftauchen von EHEC und die verzweifelte Suche nach der Herkunft dieses heimtückischen Keims haben meine Lage nicht unbedingt entspannt. Nach spanischen Gurken standen niedersächsische Sprossen unter Verdacht. Erneute Fehlanzeige. Also wird weiterhin vor der Gesamtheit meines aus oben genannten Gründen bevorzugten Grundnahrungsmittels gewarnt und die Salatbar bleibt geschlossen. Finger weg von den Tomaten, auf keinen Fall ran an die Gurken und auch sonst Obacht bei Grünzeug jedweder Art. Das frische Gemüse hingegen nett zubereitet, bei hoher Temperatur gekocht, gegart, gebraten – wasauchimmer – wäre eine Möglichkeit, aber da kommen wir wieder zu meinem ursprünglichen Problem: Ich kann nicht kochen. Zwar vermute ich, dass ich nicht unbedingt in den kommenden Wochen den Hungertod sterben werde, doch Spaß macht das so alles nicht. Allerdings befürchte ich, dass ich schneller das Kochen erlerne und zum Gastronom mit eigener Sterne-Lokalität avanciere, als dass die verantwortlichen Wissenschaftler tatsächlich den Übeltäter finden und dingfest machen. Aber das ist nur so ein Gefühl in der Magengegend ...
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Bart statt Botox
Neulich war ich mal wieder auf einem Konzert. Die Band nennt sich Eels. Eingeweihten dürfte sie ein Begriff sein, alle anderen könnten sie gern bei YouTube suchen. Frontman Mark Oliver Everett zeichnet sich seit Jahr und Tag durch einen nicht unbeträchtlichen Bart aus, und auch der Rest seiner Kombo hat sich seinem Äußeren angepasst. So standen dort also sieben mittelalte, bärtige Männer mit Sonnenbrille in Weste und mit Schlips auf der Bühne und spielten ihre Instrumente, als gäbe es kein Morgen mehr. Und während ich dort so stand, dem lauschte und meinen Blick durchs Publikum schweifen ließ, geriet ich etwas ins Grübeln, denn diese Vorliebe zum langen bis überlangen Bart scheint sich mehr und mehr durchzusetzen, und das nicht nur bei mittelalten Musikern. Wohin man auch schaut tragen Typen, die etwas auf sich halten, so viel Haar im Gesicht, wie sie nur können. Gut, bei einigen ist das weniger, aber bei anderen eben mehr. Prinzipiell kann man festhalten: Je weniger Haare einem auf dem Kopf geblieben sind, umso länger muss der Bart sein. Die Eels sahen dabei ein bisschen aus wie eine Mischung aus ZZ Top, The Black Crowes und dem aktuell etwas verlotterten Brad Pitt. Ich mags, doch sicherlich kommt dieser offenbar ansteckend an-
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steigende Drang zur ausufernden Gesichtsbehaarung nicht bei allen Frauen gleich gut an. Dabei glaube ich verstanden zu haben, dass der Bart an sich doch nicht mehr ist als das Botox/das Hyaluron des Mannes. Wo Frau sich aus naturgegebenem Anlass nichts wachsen lassen kann, muss die Spritze her. Mann lässt sich einfach einen Bart stehen, schon ist die Naso-Labial-Falte (das ist die neben den Mundwinkeln) Geschichte. Und dann heißt es, Frauen wären nicht in der Lage, in Würde zu altern. Männer tun das ganz offenbar genauso wenig, wenden nur andere Methoden an, um es zu vertuschen. Diese gelten dann auch noch als total angesagt und super cool, und preisgünstiger sind sie außerdem. Ein klein wenig neidisch bin ich schon.
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Toleranz A.D.
Woran ich merke, dass ich älter werde, sind zum aktuellen Zeitpunkt noch wenig körperliche Widrigkeiten, wie man sie sicherlich bald zum Beispiel beim Aussteigen aus dem Auto oder beim Aufsteigen aufs Rad feststellen kann. Das geht derzeit alles noch ganz gut. Dass ich alt werde, erkenne ich viel mehr daran, dass sich meine Toleranzgrenze verschoben hat, und zwar ganz deutlich nach unten. Hatte man früher noch Verständnis für den Nachbarn, der unter der Woche nachts um zwei Uhr völlig benebelt in seiner Bude rumhängt und seinem Hörschaden durch viel zu lauten Techno frönt, ist man nun kurz davor, die Polizei zu verständigen und den Nichtsnutz wegen Ruhestörung anzuzeigen – oder gar dem Typ gleich selbst die Tür einzutreten und das allein zu regeln. Auch die volltrunkenen 17-Jährigen, die Wochenende für Wochenende anlässlich des Flatratesaufens im Club um die Ecke in die Straße pinkeln, kotzen und außerdem aus vollem Hals ihre letzte (und vermutlich auch gleich erste) Eroberung vor ihren Freunden und sämtlichen Anwohner ausbreiten, wünscht man die Pest, Syphilis und weitere Widerlichkeiten oder zumindest einen boxcluberprobten Schläger an den Hals. Entspanntes Anstehen an der Supermarktkasse, weil zum einen die sich seit drei Tagen in der Lehre befindende Kassiererin nicht
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die schnellste ist und zudem die zur Zahlung gebetene Rentnerin mal wieder das im vergangenen Monat zusammengesammelte Kleingeld abzählt, ist längst Geschichte. Das liegt womöglich an dem stets in einem schwelenden Gefühl ablaufender Zeit, die man sicherlich sinnvoller verbringen könnte als bei Aldi, Netto, Rewe und Co. Dass ich dann doch noch nicht ganz alt bin, merke ich hingegen daran, dass ich bisher weder die Polizei gerufen, noch irgendwelche Türen eingetreten, Passenten vermöbelt oder Kassiererinnen/ Rentnerinnen aufs Übelste beschimpft habe … Es gibt also noch Hoffnung.
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Gut vorbereitet in den Festivalsommer
Der Sommer ist da, und das mit voller Wucht. Bei 37 Grad im Schatten wird überall geschwitzt, gehechelt und gejammert. Doch hat das Ganze doch auch etwas Gutes, können die Gummistiefel beim nächsten Trip zu einem der zahlreichen OpenAir-Festivals der Saison getrost im Schrank bleiben. Was leider nur wenige im Vorfeld bedenken ist, sich rechtzeitig und allumfassend auf eben diese Saison vorzubereiten. Damit, sich Tickets im Vorverkauf zu sichern, ist es einfach nicht getan. Okay, Sonnenbankbesuche zwecks Vermeidung fieser Sonnenbrände, falls man dann am helllichten Tag mal wieder neben dem Zelt einschläft, gehören zur Grundausbildung und sollten selbstverständlich sein. Wichtiger noch aber ist es, Magen und Darm auf eine mindestens dreitägige Feierei zwischen Zelten, Tanzen und Ekstase unter freiem Himmel zu trainieren. Ernährt man sich in dieser Zeit nämlich größtenteils von Bier, Jägermeister und kalten Ravioli, können einem seine Eingeweide schon mal schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Und die sanitäre Situation auf sämtlichen OpenAir-Events dankt einem das ganz sicher nicht. Wer möchte schon 50 Prozent des Wochenendes auf einem DixieKlo oder im Gebüsch verbringen? Ich rate euch, schon zum Jahresanfang mit dem Training zu be-
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ginnen. Verkommenes Grillfleisch, kaltes Dosenfutter, warmes Bier und noch wärmerer Kräuteschnaps sollten zum täglichen Trainingsprogramm gehören – in wachsenden Dosen natürlich. Außerdem gilt es, mindestens einmal die Woche im Schlafsack auf dem Balkon zu campieren, um auf alle Eventualitäten in Form nächtlicher Unwetter vorbereitet zu sein. Nur so übersteht ihr die Festivalsaison unbeschadet – sofern ihr nicht schon vorher nach mehrfachem Magenauspumpen und Aussetzern dank verschiedenster Bakterien mit halluzinogener Wirkung lahm gelegt seid. Für die Festivals des Sommers ist es jetzt natürlich bereits zu spät, und so solltet ihr euch – untrainiert wie ihr seid – besser an folgende drei Dinge halten: Kräuterschnaps nur in Maßen, Wasser dafür in Massen trinken und das Essen nicht vergessen. Toi Toi Toi!
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Festival-Kleiderordnung, §13, Absatz 2
Kürzlich war ich auf einem der ersten Festivals dieses Sommers. Sein Name tut hier nichts zur Sache, sind die meisten doch auf so mancher Ebene austauschbar. Zum Beispiel auf der der Bodenbeschaffenheit bei Langzeitregen. Und so kann ich mich doch nur schwer wundern, dass hier mal wieder allen vorangegangenen Wettervorhersagen zum Trotz so mancher Gast ignorant falsch gekleidet war. Schon vor dem Eingang traf man junge, verzweifelte Mädchen mit 1,8 Promille und nur einem verbliebenen Ballerinaschläppchen, die um Conentance bemüht versuchten, der Mutter am Telefon den Weg zum Gelände zu erklären. Ob zur Herbeischaffung eines neuen Schläppchens oder zwecks Abholung der Barfüßigen blieb dabei offen. Auch das Modell »osteuropäische Prostituierte« in weißen Kunstlederstiefeln mit 10cm-Absatz war vertreten, ebenso wie die dem Kindesalter eben erst entronnenen Pubertierenden, die meinten, Flipflops und andere Zehen- und Riemchensandalen seien bei 14 Grad und dreitägigem Dauerregen genau das Richtige, um auf einer sehr großen, sehr feuchten und sehr matschigen Wiese zu tanzen bzw. am Ende bis zu den Knien darin zu versinken.
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Dass sich gewisse Menschen bei gewissen Events in gewissen Situationen und gewissen Zuständen die Kleider vom Leib reißen, um ihre selten gut gestählten Körper der nicht interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren, kennt man ja. Aber bereits im Vorfeld bewusst auf etwaige – wenngleich in keinem Gesetz außer dem des gesunden Menschenverstandes festgehaltene – Kleiderordnungen wie festes Schuhwerk, im besten Falle Gummistiefel, Regencape und ein einigermaßen resistentes Untendrunter zu verzichten, scheint mir mehr als töricht. Im Grunde kann es mir natürlich egal sein, schließlich bin ich nicht der Chef/Dozent/Klassenlehrer besagter Leute, die allesamt noch heute mit einer fetten Erkältung darnieder liegen dürften. Und trotzdem macht man sich ja Sorgen ob so viel Gedankenlosigkeit. Diese wird sich ja sicherlich noch über viele weitere Teile ihres Leben ergießen, und wo so das dann alles noch hinführen?
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Ja, ich will … oder?
Ich bin eingeladen. Auf eine Hochzeit. Die erste – nicht nur für das Brautpaar, auch für mich. Als Gast. Und auch so. Das mag angesichts meines fortgeschrittenen Alters verwunderlich erscheinen, vermutlich aber hielt man meine Anwesenheit bisher bei solchen Veranstaltungen eher für ein schlechtes Omen denn für eine wünschenswerte Angelegenheit. Erst jetzt weiß ich allerdings, dass man tatsächlich einiges falsch machen kann. Bisher glaubte ich, zu vermeidende Fehler seien lediglich das direkte Essen vom Büffet mit den Fingern, noch ehe es überhaupt eröffnet ist, und sich nach dem Genuss von zu vielen der dargebotenen Aperitifs gleich zu Beginn an den Bräutigam heranzuschmeißen. (Das gehört sich übrigens auch später nicht.) Lautstarke Diskussionen über Sinn und Unsinn des Heiratens im Allgemeinen sind ebenso zu vermeiden, wie die Darbietung gespielter Witze unflätiger Natur unter Einbeziehung des Brautpaars. Allerdings kann man auch schon vor statt nur während der Feier daneben greifen, was einem am Ende garantiert, nicht nur auf der ersten, sondern auch gleich auf der letzten Hochzeit gewesen zu sein. Ich bin z.B. eine Freundin schwarzer Bekleidung, die eigentlich zu jedem Anlass passt – wenn es nach mir geht. Da ist man an-
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dernorts offenbar gänzlich entgegengesetzter Meinung, ist diese Nichtfarbe bei einer Hochzeit doch absolut tabu. Ebenso sollte man nicht in direkter Konkurrenz zur Braut Weiß tragen, was mir schon eher einleuchtet und auch gelegen kommt. Wie soll man sonst als total aufgeregter Bräutigam in dem Durcheinander vor der Kirche auch die Richtige herausfischen? Was da alles passieren kann … Nichts desto trotz werde ich mich jetzt auf die Suche nach einem passenden Fummel machen, meine Ausgehschühchen putzen und mich so gut es geht in den Konventionen bewegen, die die Gesellschaft bei einem solchen Anlass vorgibt. Und ich bin mir sicher, dass ich es diesmal besser hinbekomme, als bei der Beerdigung, auf der ich kürzlich war …
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Wieder nichts dazu gelernt+
Es gibt wirklich viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die mich nerven, allerdings ist nichts davon wirklich außergewöhnlich. Es fängt für mich ganz persönlich beim Sommer 2011 und dem ihn begleitenden Wetter an, geht über den nach wie vor zu jeder Tages- und Nachtzeit laut Techno hörenden Nachbarn und endet bei »Freunden«, denen man entgegen aller jahrelang vorausgegangener Warnungen (»Bei Geld hört die Freundschaft auf.«) einen Gefallen tut, für den man anschließend auch direkt einen unverschämten Tritt in den Hintern bekommt. Hinzu gesellen sich jene Dinge, die man tagtäglich zu verfolgen gezwungen ist; die politischen Eskapaden unserer Regierung, z.B. in Sachen Panzerverkäufe nach Saudi Arabien, umfangreiche Abhörskandale im Medienbusiness, gekaufte oder ermogelte Doktortitel, abgeschmetterte Vergewaltigungsklagen in den Reihen der oberen Zehntausend, als geheilt entlassene und rückfällig gewordene Sexualstraftäter – die Liste ist schier endlos. Außerdem: zu viel schlechte Musik in den Charts, diverse völlig überbewertete Kinofilme, die dennoch Millionen einspielen, sämtliche ausschließlich gescripteten Shows und Pseudo-Dokus im Hartz IV-TV-Bereich, fade D-Promis, die uns über all das informieren, was wir nie wissen wollten – und noch so einiges mehr, das immer wieder die Frage aufkommen lässt, wie man dem ganzen Wahn-
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sinn aus dem Weg gehen soll? Was wären die Alternativen? Eine Strandbar in Waikīkī eröffnen und bis ans Ende seiner Tage Fruchtcocktails an surfende Touristen verkaufen. Oder Schafe hüten in Neuseeland. Vielleicht im Regenwald Australiens Froschforschung betreiben. Nichts von alledem habe ich bisher getan, auch wenn es mir gerade äußerst verlockend erscheint. Stattdessen melde ich mich bei Google+ an und werde nun mit noch mehr oder auch den selben unnötigen Informationen zugemüllt wie zuvor schon via Facebook, Twitter und Co. Gott sei Dank gibt es aber auch noch sehr viele tolle Dinge, die einen dann eben doch davon abhalten, direkt ans andere Ende der Welt – fernab jeglicher Zivilisation – zu flüchten; echte Freunde, wunderbare neue wie alte Musik, großartige Kinoerlebnisse, super Partys, der eine oder andere sonnige Tag unter freiem Himmel (noch ist der Sommer ja nicht vorbei) und, und und. Nur Google+, das braucht wirklich keiner …
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Money, money, money …
Meine Eltern haben mir früh beigebracht, dass es nicht erstrebenswert sei, Schulden zu machen. Sich Geld zu leihen – egal ob bei der Bank, bei Freunden oder der buckeligen Verwandtschaft – ist ein NoGo. Sachen auf Pump kaufen – nur im Notfall. Daran habe ich mich den Großteil meines bisherigen Lebens gehalten. Fast habe ich eine gewisse Art der Panik entwickelt, die sich immer dann einstellt, wenn mein Konto ein dickes Minus aufweist. Sie äußerst sich in einem schlechten Gewissen einhergehend mit zeitweiligen Einschlafproblemen. Offenbar gibt es heute nur noch vereinzelt Menschen, die mit diesem Thema dergleichen altmodisch umgehen, und so werde ich häufig dafür belächelt oder gar verlacht. Nicht nur, dass eine angebliche Freundin sich vor geraumer Zeit von mir Geld lieh und – statt dieses wie verabredet zurückzuzahlen – mich beschimpfte, bei einem großen Netzwerk blockierte und mich in einer E-Mail darauf hinwies, ich möge sie gefälligst in Ruhe lassen. Nein, auch beim Blick auf die internationale Landkarte wirkt es ganz so, als sei es heute üblich, Schulden anzuhäufen. Wer könnte ihr also einen Vorwurf machen? Griechenland ist pleite, Irland zahlungsunfähig, Portugal steht ohne einen Cent da, und die größte Weltmacht USA hat sich in
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Sachen Wirtschaftlichkeit ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert. Selbst Deutschland steht mit fast 2.000 Milliarden Euro in der Kreide. Dies umgerechnet auf jeden einzelnen Bürger dieses Landes macht rund 25.000 Euro. Ich bin also im Grunde blank, ohne mir auch nur irgendetwas gegönnt zu haben. Schon lange ist Geld nicht mal mehr bunt bedrucktes Papier. Es existiert beinahe nur noch virtuell. Man überweist direkt online, zahlt überall per ECoder Kreditkarte und im Netz via Paypal, Clickandbuy und Co. Der Mensch nimmt maximal noch morgens beim Bäcker einen Schein oder etwas Kleingeld in die Hand. Wo sind die Zeiten hin, in denen die Oma ihr Erspartes noch in einer Socke unter der Matratze versteckte? Vielleicht haben aufgrund der Digitalisierung des Geldes so viele Menschen den Blick für das Wesentliche verloren und eine solche »Scheißegal«-Haltung gegenüber den Dingen entwickelt. Ich arbeite noch an dieser, bin mir aber nicht sicher, ob das am Ende wirklich der Weg zur totalen Freiheit ist. Wer sich jedoch in Mittelund Obdachlosigkeit independent fühlt, ist damit sicherlich gut beraten.
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Scherbst oder Schwinter?
Langsam aber sicher spielt mein Biorhythmus verrückt. Permanente Müdigkeit gepaart mit übelster Laune bis hin zu ersten Anzeichen schwerer Winterdepressionen, dazu der ständige Drang, sich alles und jeden schön zu trinken sind eindeutige Indizien dafür, dass irgendetwas ganz gehörig schief läuft. Und es ist wohl auch klar, was das ist: April- wechselt sich mit November-Wetter ab – und das im kalendarischen Hochsommer. Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich über eine Auswanderung nach Waikīkī nachdachte, um dort zukünftig gut gebauten und braun gebrannten Surfern im Baströckchen – also ich jetzt, nicht die Surfer – Fruchtcocktails mit Schirmchen zu servieren. Diese Art von Schirm, deren Anblick einen in sommerliche Hochstimmung versetzt und nicht die, die derzeit das Straßenbild bestimmt. Diese Idee reift langsam zu einer Art innerem Zwang heran. Am Ende gibt es eben nur wenig, das einen hier hält. Wie gern würde ich am Strand statt in der Saunalandschaft auf der Liege rumhängen, eisgekühlte Soft- und Longdrinks statt heißen Tee und Glühwein zu mir nehmen, und Flipflops statt Gummistiefel tragen. Daraus wird im Jahre 2011 voraussichtlich nichts mehr, und ich befürchte, aus meiner Auswanderung ebenso nicht. Was bleibt einem also übrig, als sich den Gegebenheiten anzu-
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passen? Ich denke, wir sollten Weihnachten in diesem Jahr vorziehen, schneien wird es ja vermutlich ohnehin bereits im September. Und so könnten wir den Sommer 2012 bereits im April beginnen lassen, damit wir am Ende auf eine gewissen Anzahl Sonnentage kommen, um dieser Jahreszeit in ihrem eigentlichen Sinne überhaupt noch gerecht zu werden. Oder wir benennen den Sommer direkt um. In Scherbst vielleicht … oder gar Schwinter? Prost!
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Feuchte Schoßgeb(i)ete
Ich habe es nicht gelesen. Seinerzeit. Habe mich schlicht verweigert und diese Einstellung bis heute beibehalten. Auch weigere ich mich zu glauben, dass es einen solchen Hype um dieses Buch gegeben hätte, wäre der Name seiner Autorin Erna Hubbels und nicht Charlotte Roche gewesen. »Feuchtgebiete«, der Roche-Debütroman, erschien vor zwei Jahren und platzierte sich direkt an der Spitze der Bestsellerlisten. Die einen amüsierten sich köstlich – in diesem Zusammenhang wohl eine eher gewagte Wortwahl – über Roches plakative wörtliche Darstellung der überaus aktiven Sexualität eines weiblichen Teenagers. Die anderen wandten sich angewidert ab ob ihrer obszönen und sehr direkten Ausdrucksweise. Ich tat weder das eine, noch das andere. Ich weigerte mich halt, das sagte ich schon. Nun ist Charlotte Roches neues Werk, »Schoßgebete«, erschienen, und wieder ist sie auf den ganz vorderen Tischen in den großen Buchhandlungen, im größten Schaufenster der Läden und auf den entsprechenden Seiten der Zeitungen und Zeitschriften übergroß präsent. Ich werde auch dieses Buch vermutlich nicht lesen, und doch ist meine Neugier geweckt. Ich frage mich, was es ist, das die Leu-
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te an den geschriebenen Obszönitäten von Charlotte Roche so fasziniert. In Zeiten von Youporn, Pornhub etc. ist Sexualität doch längst kein Aufreger mehr. Sobald aber Worte wie Smegma, Muschi und Analverkehr fallen, zucken einige Leute offenbar immer noch verschreckt zusammen und/oder erröten ad hoc, während andere es kaum erwarten können, die provokante Lektüre in Händen zu halten, bzw. in einer Hand – die zweite brauchen sie womöglich während des Lesens für andere Dinge. Allerdings geht es diesmal laut Info auch um die Themen Ehe und Familie, was wiederum auf den einen oder anderen in der geplanten Ausübung der Masturbation hemmend wirken dürfte. Natürlich benutze ich die in dieser Kolumne unauffällig platzierten Aufreger-Wörter – Smegma, Muschi und Analverkehr – auch nur, um bei der Google-Suche nach Themen wie diesen mehr Leute auf mich aufmerksam zu machen und so von Frau Roches Erfolg wenigstens ein bisschen mit zu profitieren. Sex sells – das weiß ja jeder.
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Auf der Alm, da gibt’s koa Niveau
Gerade können wir zwei Wochen wieder Tag für Tag echte Sternstunden des Unterhaltungsfernsehens erleben. Knapp sieben Jahre lang hatte ich gehofft, dass uns eine weitere Ausgabe der Reality-Soap »Die Alm – Promischweiß und Edelweiß« erspart bleiben würde, nachdem sich 2004 Kader Loth (erinnert sich eigentlich noch jemand an die?) in die Herzen der Zuschauer gezickt, gesoffen und gekotzt hatte. Nun aber haben sich wieder einige echte Highlights in den Reihen der Doppel-D-Prominez gefunden, die verzweifelt genug waren, den Vertrag mit ProSieben zu unterschreiben. Und ich weiß nicht, wer mein Mitleid eher verdient hat – der Zuschauer, der sich das freiwillig antut, oder die vermeintlichen Promis, die tiefer wohl kaum sinken können. Gut, für Gina-Lisa Lohfink, Tessa Bergmeier oder Carsten Spengemann ist das neue Niveau keineswegs eine Verschlechterung, sondern nur eine weitere Bestätigung ihres ohnehin nicht allzu hohen Standards. Da gibt es tatsächlich nichts mehr zu verlieren. Überhaupt hat meine – nach der Alm – zweite Lieblingssendung »Germany‘s next Topmodel« gleich drei erstklassige Bewohner beigesteuert, denn auch Rolfe ist sich nicht zu fein, Ställe auszumisten und auf Heu zu schlafen. Toll, dass der Kölner mit den
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französischen Akzent so natürlich geblieben ist, wie man schon während seiner Zeit in der GNTM-Jury kennenlernen durfte. Der Erfolg hat ihn eben nicht verdorben. Ah, Moment ... dass auch nur einer der Anwesenden vom Erfolg verdorben sein könnte, ist ohnehin mehr als unwahrscheinlich, denn weder Charlotte Karlinder noch Thomas, der Checker oder Kathy Kelly können irgendetwas verzeichnen, das man auch nur im Entferntesten als solchen bezeichnen könnte. Lediglich Weißkopfadler Werner Lorant hat nachweislich das eine oder andere Tor in seiner Karriere als Fußballspieler- und trainer auf dem Erfolgskonto verbuchen können. Mein Favorit ist ja schon jetzt Manni Ludolf, der mich übrigens mehr und mehr an Sepp Maier erinnert. Er dürfte sich am Ende durchsetzen, hat er doch schließlich jahrelange Erfahrung in Sachen Schrott und kann so mit den Mitbewohnern am souveränsten umgehen.
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Er war stets bemüht, der Loser
Ich frage mich schon eine Weile – nachdem in der Politik ja bereits darüber diskutiert wurde, Ehen nach sieben Jahren auslaufen zu lassen, um die Scheidungsrate zu verringern – warum man dem nicht vorweg greift, und ein Beziehungszeugnis zur Pflicht macht. Im Arbeitsleben ist das schließlich gang und gäbe. Mir hätte das in der Vergangenheit viel Zeit und noch mehr Ärger mit unehrlichen, dauernörgelnden, geizigen Jammerlappen und Blendern erspart, die am ersten gemeinsamen Abend noch mit dem Bezahlen der Rechnung auftrumpften, alles aus ihrer am Ende dann doch nur mau bestückten Charmekiste hervorkramten und zunächst einen recht eloquenten Eindruck machten. Dass sie ihre perfekt auswendig gelernten Weisheiten lediglich bei einem ihrer Kommilitonen geklaut hatten, der eben öfter als einmal die Woche eine Vorlesung besucht, ist oft auf den ersten Blick nicht so klar zu erkennen. Auch dass sie – weltoffen wie sie zunächst tun – im Grunde Emanzipation ebenso überflüssig wie Treue und Frauen für Nutzvieh halten, sagen sie selten beim ersten Date und schon gar nicht vor dem ersten Sex. Ihre Leidenschaft für russische Prostituierte mit Namen wie Olga oder Nadja sowie ein gewisses und nicht zu verachtendes Suchtpotential hinsichtlich harter wie weicher Drogen werden ebenfalls gern unter den Teppich gekehrt. Beides bemerkt
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man als Frau oft erst, wenn es zu spät ist. Und das ist es eigentlich bereits nach der ersten verschwendeten Minute, denn die bringt einem niemand mehr zurück. Ich wäre dafür, dass jede Frau bei der Abgabe ihres einstigen Lieblingsmannes diesem ein Zeugnis ausstellt. Darin werden sowohl soziales Verhalten als auch körperliche Auffälligkeiten festgehalten. Tischmanieren kommen hier ebenso zum Tragen, wie bevorzugte Sexualpraktiken, schlechte Angewohnheiten und unangenehme Körpergerüche. Zu Grunde legen kann man hier den bereits für Arbeitszeugnisse entwickelten Formulierungscode. Und das würde dann in etwa so klingen: »Herr Max Mustermann, geboren am 16.05.1979, trat am 23.06.2005 seine Anstellung in meinem Leben an. Zu seinen Aufgaben gehörten die moralische Unterstützung in sämtlichen Lebenslagen, meine sexuelle Befriedigung in ebenfalls sämtlichen Lebenslagen sowie absolute Ehrlichkeit, 100%ige Zuverlässigkeit und sehr viel Humor. Er war stets bemüht, seinen Aufgaben zu meiner Zufriedenstellung nachzukommen und außerdem für alles Neue äußerst aufgeschlossen. Herr Mustermann verlässt die Beziehung auf mein ausdrückliches Bitten. Ich wünsche ihm für seinen weiteren privaten Lebensweg nichts Gutes, keinerlei Erfolg und sage nur: Finger weg, es lohnt nicht.«
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FX-GH 2378 und gute Nacht
Was sind das wohl für Menschen, die irgendwo in den Kreativbüros großer Hersteller technischen Equipments hocken und sich Namen für neue Gerätschaften ausdenken? Hat sich jemals jemand aus dem Hause Casio, der er da sitzt und offenbar Typenbezeichnungen für neue Kameras würfelt, Gedanken darüber gemacht, dass er den gemeinen Verbraucher mit dem Ergebnis überfordern könnte? Und ich rede von stinknormalen Digitalkameras, mit denen junge Mütter niedliche Bilder ihrer niedlichen Kinder machen oder sich betrunkene Mallorca-Touristen von ihren Freunden bei weniger niedlichen Handlungen fotografieren lassen – und nicht etwa von hochkomplexen Spiegelreflexkameras für Superprofifotografen. Mit einem Überbegriff wie im genannten Beispiel »Exilim« mag ich ja noch konform gehen, aber bei EX-H15 SR, EX-FC100 WE oder EX-Z2 BK hört es dann echt auf. Dieses Phänomen ist natürlich in diversen Bereichen des mehr oder weniger alltäglichen technischen Lebens anzutreffen. Da heißt eine schnöde Philips-Kaffeemaschine HD 7546/20 Gaia Therm, oder der Fresh Aromat Perfect aka BEE D2000.604. Wie soll sich das bitte schön beim nächsten Kaffeeklatsch mit der besten Freundin anhören? »Du, ich hab mir
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den neuen Severin KA4049 gekauft, ein tolles Teil ...« Und auch Empfehlungen gehen so schnell daneben, da man gut und gerne bei einem Buchstaben- oder Zahlendreher statt der Kaffeemaschine eine Personenwaage bestellt. Solche Gespräche führe ich jedenfalls nicht. Könnte aber daran liegen, dass ich grundsätzlich nicht mit meinen Freundinnen über Küchengeräte philosophiere – aber das ist ein anderes Thema und gehört an anderer Stelle diskutiert. Warum nehmen die sich nicht einfach mal ein Beispiel an Ikea? Die Schwedenmöbel habe allesamt sympathische, teils persönliche bis unterhaltsam anmutenden Namen, die sich toll in die Familie integrieren lassen. Wer hat nicht mindestens einen Billy daheim, verbringt viel Zeit neben Benno und schlummert friedlich jeden Nacht auf Malm? Eben. Das Leben könnte doch so einfach sein.
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Energiesparlampen vs. Romantik
Ich bin zugegeben kein besonders romantischer Typ. Mir muss man keine Blumen schenken. Tut man es doch, freue ich mich allerdings trotzdem, sofern es keine Rosen sind. Sonnenuntergänge langweilen mich, und das ewige Starren auf das grellgelbe Ding tut mir in den Augen weh. Candlelight Dinner sind absolut unpraktisch, will ich doch sehen, was man mir vorsetzt, das Auge isst schließlich mit. Und bei schwülstigen Liebesbekundungen fange ich an, zotige Witze zu reißen, was mein Gegenüber mitunter – sollte es eher zart besaitet sein – wohl eher in die Flucht schlagen als zu weiteren Schwüren animieren dürfte. Und doch möchte ich mich beklagen, ja wenn nicht gleich wehklagen ob der Tatsache, dass bei der Umstellung von einfachen Glühbirnen auf Energiesparlampen einiges an Muschebubu – um an dieser Stelle mal Max Goldt zu zitieren – eingebüßt wird. Muschebubu entstammt dem Sächsischen und steht für eben jenes Zwielicht, in dem sich optische Makel am ehesten auch dem noch so geschulten Singleauge verbergen lassen. Frauen- oder auch altersfreundlich und eben das, was viele andere unter romantischer Atmosphäre verstehen. An dieser Stelle sei eingeräumt, dass auch ich hier und da gern darauf verzichte, länger als drei Sekunden unter einer 100 Watt Neonröhre zu verweilen oder bei dem kalten und unfreundlichen Licht einer 60 Watt Energiesparlampe ein Glas
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Wein in mich hineinzukippen. Ja, in dem Fall hineinzukippen, weil ich es gar nicht abwarten könnte, das Licht endlich zu löschen und schlafen zu gehen. Im Dunkeln! Mittlerweile ist der Birnenmarkt überschwemmt von eben jenen Energiesparpeinigern, die es offenbar – zumindest mit einer E27Fassung – erst ab 20 Energiespar- und damit umgerechnet 100 Glühbirnenwatt zu geben scheint, was womöglich nur auf den von mir favorisierten Baumarkt zutrifft, aber schlimm genug ist. Selbst die E14-7-Watt-Funzel ist keine Funzel, sondern gleicht mit ihren angegebenen 40 Watt Glühbirnenleistung einem Spot, wie man ihn auf der Polizeiwache im stickigen Verhörraum von einem Trenchcoat tragenden Kommissar ins Gesicht gehalten bekommt, wenn man nicht unverzüglich alles zugibt, was einem so unterstellt wird. Da ist es für jemandem, der für Romantik ohnehin schon wenig bis keinen Sinn hat, beinahe unmöglich, im Falle der Zweisamkeit in Stimmung zu kommen, ist die einzig verfügbare Lichtquelle eben durch eine Energiesparlampe welcher Wattzahl auch immer besetzt. Jede Falte, jedes Hämatom und jeder Mückenstich scheint Ausmaße anzunehmen, die maximal eine isländische Aschewolke verschleiern könnte. Und so hege und pflege ich meine 15 Watt Glühbirnen, hüte sie wie meinen Augapfel, beweine jede, die das Zeitliche segnet und ersetze sie dann durch ein Teelicht. Das, wie ich übrigens kürzlich lernte, im Plural nicht etwa Teelichter, sondern schlicht Teelichte heißt. Aber das ist ein anderes Thema.
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Eben noch top, jetzt schon Flop!
Da gibt man sich als ehrlicher, aufstrebender Wind alle erdenkliche Mühe, die Menschen in den USA in Angst und Schrecken zu versetzen, löst Evakuierungen und panikartiges Fluchtverhalten aus, droht mit Überschwemmungen und verspricht, auch in New York City kein Stein auf dem anderen zu lassen, und dann das: Man wird einfach so vom Hurrikan zum Tropensturm herunterstuft. Als sei nichts gewesen. Arme Irene … die ganze Vorarbeit: umsonst. So ist das in unserer erfolgsorientierten Welt heute nunmal: Eben noch ganz oben, und dann auch schon wieder ganz unten. Dieses Gefühl können aktuell wohl auch alle Inhaber von Apple-Aktien nachvollziehen. Als ob der Erfolg eines Unternehmens von nur einer einzigen Person abhinge. Ich behaupte einfach mal, dass auch weiterhin jeder sich für hip haltende Versicherungsvertreter nicht darauf verzichten möchte, in der Öffentlichkeit mit seinen schmierigen Patschehändchen auf einem iPad herumzudrücken, um damit seine Hipness gebührend zu unterstreichen (Ich habe nämlich keine Ahnung, was man sonst mit einem iPad im Café/beim Warten auf dem Amt/in der Straßenbahn eigentlich so macht.) Armer Apfel. Das ist außerdem ein bisschen so, als würde man Guido Westerwelle nach all seinen Bemühungen der vergangenen Jahre plötz-
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lich vom Außenminister unseres Landes zum Bürgermeister von Bad Honnef degradieren. Und das nur, weil er hinsichtlich des Verdienstes Deutschlands in Sachen Libyen eine etwas anderer Meinung vertritt als … der Rest Berlins/Deutschlands/der Welt. Armer Guido. Und wo kämen wir hin, würde man die schwer erkrankte Gina-Lisa der Übertreibung bezichtigen, nur weil sie wegen einer kleinen Erkältung einen Rettungshubschrauber verlangt, um die Alm zu verlassen? Arme Gina-Lisa. Nicht, dass ich jetzt Gudio Westerwelles offenbar gestörten, politischen Realitätssinn mit der geistigen Minderwertigkeit eines sich mit geschöntem Busen durch eine ohnehin schon niveaulose Show prollenden Superweibs vergleichen möchte … Da würden wir der Gina-Lisa wirklich Unrecht tun. Irene hat sich den Titel »Hurrikan« so hart und ehrlich verdient wie die hessische Blondine die Bezeichnung „Peinlichste ErotikHeulsuse der Woche“. Härter und ehrlicher als der Guido seinen Außenminister-Posten vermutlich, aber nicht härter und ehrlicher als ich mir meine Position als Schreiberin dieses Buchs.
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Nomen est omen
Sarah Connor ist soeben wieder einmal Mutter geworden. Glückwunsch dazu. Warum sie ihre Tochter allerdings Delphine Malou nennt, ist mir nicht ganz klar. Noch hat ihr das arme Kind doch nichts getan, sehen wir von ein paar möglicherweise unangenehmen Monaten der Schwangerschaft und dem sicherlich höllischen Geburtsschmerz einmal ab. Nicht mehr nur in Prominentenkreisen fühlt man sich heute offenbar gezwungen, in der Namensfindung für den Nachwuchs ganz besonders originell zu sein. Stets scheint es, als wolle man seine Kinder schon durch die Verwendung eines besonders pfiffigen Namens ins Rampenlicht prügeln, denn das eine SavannahCheyenne Ochsenknecht eines Tages schlicht an der Metzgereitheke als Fleischereifachverkäuferin arbeitet – was ihr Nachname ja durchaus zulassen würde – scheint unvorstellbar. Harper Seven Beckham, Apple Paltrow (oder heißt sie Martin?), Amadeus Benedict Edley Luis Becker, Günter Ademola Dashtu und Johan Riley Fyodor Taiwo Klum … Es nimmt immer absurdere Züge an. Bob Geldof hat in den 70rn ein sehr seltsames Kraut geraucht, oder wie sonst kann man sich die Namen seiner Töchter Fifi Trixibelle, Pixie Frou-Frou, Peaches Honeyblossom und Heavenly Hirani Tiger Lilly erklären!? Ähnliches gilt für Frank Zappa, dessen Kinder mehr oder weniger auf Diva Thin Muffin Pigeen, Dweezil
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und Moon Unit hören. Was soll nur aus einem Jungen werden, der Pilot Inspektor heißt (Sohn von Jason Lee)? Welchen Anfeindungen Gleichaltriger ist ein Kind mit dem Namen Don Hugo (Sohn von Franzisika von Almsick) ausgesetzt? Findet so ein Junge jemals eine Freundin? Für alle, die diesem Trend folgen wollen, selbst aber nicht einfallsreich genug sind, hier mein Tipp: Kombiniere das Ikea-Möbelstück, das bei der Zeugung eine wichtige Rolle spielte – Bettgestell Fjellse, Matratze Sultan Hamnvik, Bettwäsche Brunkrissla, Sofa Ektrop, Küchentisch Leksiv oder Teppich Eivor Cirkel – mit einem Sternbild, das du meinst, in der besagten Nacht (sofern Nacht war) gesehen zu haben (kann man auch googlen) – Camelopardalis, Triangulum, Vulpecula, Ursa Major oder Coma Berenices. Dann noch unbedingt den Namen des Urgroßvaters – der mit etwas Glück Korbinian, Primin, Gangolf oder Siegenot lautet – oder entsprechend der Urgroßmutter – Leopoldine, Florentine, Gundeline oder Wilhelmine – hinzufügen. Abschließend deine Lieblingsfilmfigur – z.B. Gollum, Hermine oder Bugs Bunny – benennen, und schon ist der Name des nächsten geschundenen und für die Zukunft versauten Kindes fertig: Er: Sultan Hamnvik Triangulum Gangolf Gollum Sie: Brunkrissla Camelopardalis Gundeline Hermine Also mir gefällt’s.
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Grammatiklektion 1: SZ, SS und PC
Ich bin ein Wortnazi, sofern man das so sagen darf, ohne dafür gerügt zu werden. Ich bin nichts und niemandem gegenüber so intolerant wie gegenüber fehlerhaften Wörtern, Phrasen, Sprichworten oder Texten jedweder Art. Erst einmal mag es für jemanden, der sich beruflich intensiv mit der Schreiberei befasst, ja ganz hilfreich, wenn nicht sogar dringend nötig sein, auf jede Kleinigkeit in Sachen Rechtschreibung und Grammatik zu achten. Allerdings beeinflusst das Wortnazitum in meinem Fall auch das Privatleben und macht so manchen Abend zu einer äußerst unentspannten Angelegenheit. Filme mit Untertiteln kann ich nicht schauen, denn schon der winzigste Fehler hier würde mich so nerven, dass ich mich nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren kann. Von Bauchbinden bei TV-Ausstrahlungen wollen wir gar nicht erst anfangen, das geht schließlich schon bei eigentlich schlichten Fußballübertragungen los … Auch das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften wird für mich oft zum Spießrutenlauf. Insbesondere Facebook-Postings treiben mir immer häufiger die Tränen in die Augen – leider vor Verzweiflung und selten vor Lachen – so dass ich mich eigentlich nur noch ausloggen möchte. Für immer. Und auch wenn das jetzt zu meiner vorangegangenen, politisch womöglich nicht ganz korrekten Wortwahl passen sollte,
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ist es insbesondere der Umstand, dass der Großteil der Deutschen meint, man habe das SZ aka ß mit der neuen Rechtschreibung gänzlich abgeschafft und einheitlich durch ss ersetzt. Dem ist nicht so. »Heißer Spaß mit Scheiße« heißt heute immer noch »Heißer Spaß mit Scheiße«, auch wenn es auf mancher Pornowebsite wohl eher als »Heisser Spass mit Scheisse« deklariert werden würde. Keine Ahnung, ob es das so gibt – könnt ihr auf jeden Fall mal googlen. Jetzt wisst ihr ja zumindest, wie es geschrieben wird. Ich bin übrigens für einen Autokorrektur bei Facebook oder zumindest die Möglichkeit, Postings mit einem digitalen Rotstift markieren zu können. Leider macht man sich mit so was nicht allzu viele Freunde, so dass ich am Ende wohl zwangsausgeloggt würde. Für meine Nerven wäre es womöglich besser. P.S. Das heißt natürlich alles nicht, dass nicht auch mir so mancher Flüchtigkeitsfehler unterläuft, was gerade hinsichtlich dieser Kolumne und der fehlenden Schlusskorrektur dem einen oder anderen bereits aufgefallen sein dürfte. Dafür entschuldige ich mich rückwirkend und vorausschauend in aller Form und weise darauf hin, dass es niemanden gibt, der sich über einen nachträglich entdeckten Verschreiber mehr ärgert als ich selbst.
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Politik kann auch Spaß machen
Berlin hat gewählt, und wie schon in Baden-Württemberg oder Mecklenburg-Vorpommern hat sich die FDP ein Stückchen mehr abgeschafft. Was passiert eigentlich mit den Parteimitgliedern, wenn die FDP eines Tages aufgelöst wird, weil die Resonanzen nichts anderes zulassen? Vielleicht gründen sie einfach eine neue Partei?! So etwas geht ja ganz schnell, denn ein Parteiprogramm braucht man dafür offenbar nicht. Vielmehr kann man darauf hoffen, dass alle anderen mehr oder weniger großen Mitstreiter so weit versagen, dass der Wähler gar nicht anders kann, als auf das scheinbar geringere Übel zu setzen. Kein Programm ist immer noch besser als ein scheiß Programm. Wir machen ja auch lieber den Fernseher aus, als RTL oder RTL2 zu gucken. Und so ist die Piratenpartei plötzlich und unerwartet – vor allem plötzlich und unerwartet für sie selbst – im Abgeordnetenhaus vertreten. Und nun? Wie weit kommt man mit dem Plan, das Haschischrauchen zu legalisieren und das kostenlose Bahnfahren innerstädtisch einzuführen? Ich weiß gerade nicht, ob mir diese Planlosigkeit Angst machen soll oder nicht doch die Hoffnung schürt, dass auch ich meinen Platz in der Politik noch finden kann. Planlos bin ich schließlich auch oft genug. Wie wäre es mit einer Frauenpartei, Wahlwahr-
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scheinlichkeit immerhin rund 50 Prozent. Mein Programm? Sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Schuhe, Klamotten, MakeUp, Botox und Co., die Einführung eines Beziehungszeugnisses für Männer und die Abschaffung von Kopfsteinpflaster, weil das mit Hochhackigen einfach viel zu gefährlich ist. Auch eine Hundehalterpartei könnte ich mir vorstellen. Bei rund neun Prozent Hundehaltern in Deutschland würde ich immerhin die 5-Prozent-Hürde schaffen. Nie mehr irgendwo den Hund anleinen müssen. Schrittgeschwindigkeit für Autos auf allen Straßen. Kinderspielplätze werden in Hundespielplätze umgewandelt. Radfahrer müssen ihr Rad im Wald schieben … Außerdem mangelt es in Deutschland an einer Partypartei … Wodka-Redbull auf Rezept vom Arzt. Der Tatbestand der Ruhestörung wird nur bei nicht-tanzbarer Musik erfüllt. Wer am Wochenende daheim bleibt und stattdessen am Montag im Job erscheint, kann von seinem Arbeitgeber jederzeit fristlos gekündigt werden. Ich muss los … Gründungsversammlung.
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„Gehirnamputiert“-Button erwünscht!
Als ob mich manche Leute nicht schon genug mit ihren privaten, auf Facebook veröffentlichten Unerträglichkeiten gequält hätten, wird all dies laut Mark Zuckerberg zukünftig noch auf die Spitze getrieben und bekommt gleich einen eigenen Namen: »Timeline«. Ein miniutiös geführtes, interaktives Protokoll des täglichen Lebens eines jeden noch so uninteressanten oder auch zu Peinlichkeiten neigenden Users. Nachrichten, Bilder, Filme und andere Daten bleiben dauerhaft gespeichert und können höchstens noch verändert werden, heißt es. Das klingt wirklich traumhaft. Nicht nur für den User selbst, sondern auch für sein Umfeld, denn hat erst mal ein „Freund“ ein Foto hochgeladen, auf dem du nicht unbedingt vorteilhaft mit einer halbvollen Flasche Wodka in der Hand, glasigem Blick und ungeachtet deines Geschlechts nichts weiter als einem hautfarbenen BH an abgelichtet wurdest, ist dies zum einen noch freier zugänglich als zuvor und zum anderen auch noch schwerer wieder aus dem Netz zu entfernen. Im Grunde kann man sich dann doch auch gleich nackt auf den Marktplatz seiner Heimatstadt legen, wenn man so auf die Offenlegung wirklich aller privaten und persönlichen Details steht. Und es ist ja nicht so, dass man sich per Klick für sein Leben als
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gläserner User entscheiden kann, denn ist man Exibitionist genug, mag einem das den sonst nur illegal zu beschaffenden Kick bringen. Vielmehr ist es an jedem Einzelnen selbst, den entsprechenden Unterpunkt in den Sicherheitseinstellungen zu finden, um ihn zu deaktivieren. Und da Zuckerberg sich schon lange nicht mehr zwischen Genie und Wahnsinn entscheiden kann/muss, träumt er dann auch gleich von der kompletten Vereinnahmung des Internets, was wohl unmittelbar vor der Weltherrschaft kommt. Facebook als DIE Plattform, die man für nichts und niemanden mehr verlassen muss, was immer man im Netz auch sucht – einen neuen Job, ein Mittel gegen Chlamydien, einen rot-grün-gelb-gestreiften Strickpullover in Größe XXL, ein Rezept für falsche Hechtsuppe, halblegale, psychotrope Substanzen oder einen lapidaren Escortservice für Strumpfhosenfetischisten. Zumindest bekommt der etwas vereinsamte »Gefällt mir«-Button endlich Gesellschaft, wenngleich sich die schon lang gehegte Hoffnung auf den »Gefällt mir nicht«-Button auch schon wieder zerschlagen hat. »Gelesen«, »Gehört«, »Gesehen« sollen es werden. Dazu bitte noch die Buttons »Gehirnamputiert«, »Gefahrenpotential« und »Gewichtsverlust« – und ich höre auf zu meckern.
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Knutschen, Koks und Konkubinen
Es gibt sicherlich vieles auf dieser Welt, auf das ich gut verzichten kann. Zahnweh, Blinddarmentzündung, juckender Hautausschlag, Darmbeschwerden während eines überfüllten Festivals bei 40 Grad im Schatten und gefühlten 60 auf dem Dixieklo, stundenlange Wanderungen mit mindestens 20 Prozent Steigung (eigentlich aber auch schon Wanderungen im Allgemeinen), Zoobesuche am letzten schönen Sonntag des Jahres oder stundenlanges Schlangestehen vorm T Mobile-Shop, um endlich das iPhone 5 vorbestellen zu können, um dann festzustellen, dass es nur das iPhone 4S gibt. Alles nicht so schön und unbedingt zu vermeiden. Auf der Vermeidbarkeitsskala ganz weit oben gerade: Volksmusikfan oder gar Volksmusikstar sein. Dass Stefan Mross und Stefanie Hertel sich nach 17 gemeinsamen Jahren trennen, mag für sie selbst ja gewissermaßen traurig oder auch befreiend, sollte allen anderen aber im Grunde egal sein. Doch verhält es sich hinsichtlich der anstehenden Scheidung bei den über 60-jährigen Fans scheinbar so, wie 1995 bei allen unter 16-jährigen Take That-Anhängern: Telefonseelsorge, Selbsthilfegruppen, Therapieangebote … der Schock will und muss erst mal verarbeitet werden. Knutschen, Koks und Konkubinen … da besteht bei vielen Redebedarf. Und Mross und Hertel selbst? Nicht nur, dass sie als Gehörnte an
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Würde und er als Fremdgänger an Fanbase verloren hat – nun wird noch offensichtlicher, dass es finanziell nicht von unerheblicher Bedeutung gewesen wäre, weitere Jahre Seite an Seite durchzuhalten. Also geht man wie geplant zu zweit auf Tour und verzichtet lediglich auf alle Lieder, die mit Liebe und Treue zu tun haben. Wie viele Stücke bleiben da am Ende noch übrig? Das ist ein bisschen so, als würden die mal wieder von Robbie getrennten Take That zukünftig bei Tourneen auf alle Songs verzichten, bei denen er irgendwann mal mitgesungen hat – das würden wohl verdammt kurze und zudem ohnehin eher schlecht besuchte Konzerte. Während einen mindestens 50 Prozent der im ersten Absatz aufgeführten Vermeidbarkeiten tatsächlich ganz ungeplant überwältigen können, ist das Gute am Volksmusikfansein: Man muss ja nicht.
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Schmerz vergeht. Versagen bleibt.
Ein Leitspruch aus dem Ausdauersport. Doch bin ich nicht besonders sportlich. Das war ich nie. Und ausdauernd bin ich nur im Unsportlichsein. Dennoch habe ich mich Anfang des Jahres – wie Tausende andere auch und ich selbst bereits viele Male zuvor – in einem besonders schönen (und teuren) Fitnessstudio angemeldet und bin tatsächlich eine ganze Weile recht fleißig dort ein- und ausgegangen. Und nein, nicht etwa, um der groß angelegten Saunalandschaft des Hauses einen Besuch abzustatten, sondern für Spinning, Bodypump, Boxen und Co. Geschwitzt und gelitten habe ich, und dennoch ausreichend Spaß dabei gehabt, um nicht nach dem ersten Muskelkater beim nächsten Mal lieber daheim zu bleiben. Man zahlt ja schließlich dafür, sich zu quälen und quälen zu lassen. Hoffnung keimte in mir auf, dass womöglich ja auch aus mir noch so etwas wie ein Sportfanatiker werden könnte. Was aber passiert im menschlichen Gehirn, wenn ein eigentlich als Sportmuffel geborener Mensch wie ich tatsächlich zwei Wochen nicht die Zeit findet, um zu seinen Kursen anzutreten? Ich sage es euch: Während der Sportfanatiker es kaum noch aushält bzw. sich ganz sicher zwischendurch die Zeit dafür einfach nimmt, wächst im Muffel der innere Schweinehund auf die Größe eines überdimensionalen Pitbulls heran.
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Zähnefletschend steht mir die Töle nun im Weg, wenn einer der Kurse auf dem Zettel steht. Es gehen ihm die mir zuzuflüsternden Ausreden einfach nicht aus. Er macht mich müde, dann wieder schaufelt er mir Arbeit auf. An einigen Tagen lockt er mit Versuchungen wie Kino, Konzerten und Vergleichbarem, während ich an anderen sicher bin, die leider stets mehr als unterirdische Musik in den entsprechenden Kursen auf keinen Fall ertragen zu können, ohne dass mir am Ende die Ohren bluten. Heute, ganz bestimmt, werde ich gehen. Und das ist auch der einzige Grund für diesen Text, falls ihr euch bereits nach seinem Mehrwert für euch gefragt habt. Den gibt es nicht. Er ist lediglich ein weiteres Druckmittel an mich selbst. Es sei denn, ihr findet Sport ebenso daneben wie ich. Dann wisst ihr jetzt: Ihr seid nicht allein.
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Age is in the air …
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in meinen noch unbedarften Teenagerjahren bei Geburtstagen, Silberhochzeiten, Beerdigungen und Co. im Kreise der teils bereits buckeligen Verwandtschaft saß, entsetzt ob derer klassischen Unterhaltungsmuster. Probleme mit der Prostata wahlweise dem Gebärmutterhals. Verstärkte Altersweitsichtigkeit sowie Sinn und Notwendigkeit einer Gleitsichtbrille. Ständige Scherereien mit dem Magen-Darm-Trakt inklusive ungesund wirkender Ausscheidungen. Regelmäßige, lautstarke Meldungen von Bandscheibe und Ischias. Stundenlang wurde über Krankenhausaufenthalte, Hausärzte und Krankenkassenabrechnungen lamentiert und beraten, so dass ich mir alsbald vorkam, als sei ich widerwillens zur Strafe für meine in diesem Moment mir durch den Kopf schießenden bösen Gedanken geradewegs ins Altersheim eingefahren … oder auch in die Hölle selbst – da besteht aber womöglich unterm Strich ohnehin kein beachtenswerter Unterschied mehr. Es waren diese Gespräche, die mir den körperlichen Verfall der Menschen und damit das hohe Alter der mich Umgebenden auf solchen Feierlichkeiten vor Augen führten und in mir den Stachel der Erkenntnis pflanzten: Wenn du selbst einmal mit deinen Freunden solche Unterhaltungen führst, kannst du dich ohne Umschweife einäschern lassen. Und nun ist es also soweit. Erst kürzlich saßen
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wir in illustrer Runde beisammen. Frauen im vermeintlich besten Alter, doch sollte es mich nicht wundern, würde sich ein dieser Besetzung beigefügter Teenager fühlen wie ich seinerzeit. Denke ich zurück an die Tage, in denen ich als Kind zu Oma und Opa musste und beim Eintreten in die Wohnung meinte, den Tod bereits im Flur riechen zu können; der Geruch von Kernseife und Rheumasalbe, Kohlrouladen und abgestandenem wie frischem Rauch von Opas massivem Roth Händle-Konsum verschlug mir da schnell den Atem. Seit ich uns an besagtem Abend selbst eine Weile beobachtet und zugehört habe, auch wir über diverse Wehwechen klagten und die Karte beim Bestellservice vor bisher nicht zugeben wollender Alterskurzsichtigkeit kaum lesen konnten, teste ich mich täglich selbst. Mehrfach verlasse ich die Wohnung, um beim Eintreten zu checken, ob etwas von der vorhin für das Zwicken im Rücken benutzten Schmerzsalbe oder dem Erkältungsbad von gestern Abend in der Luft hängt. Dabei habe ich übrigens schnell festgestellt, dass Lufterfrischer – egal ob in Dosen-, Kegeloder Natursteinfakeform – keine adäquate Lösung des Problems darstellen.
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Mein Leben in Excel
Ich bin ein Freak. Oder auch ein Nerd. Das meint man sicherlich zunächst nicht, weil ich auf den ersten und sogar den zweiten Blick keiner freakigen oder nerdigen Gesellschaftsgruppe angehöre. Ich neige beispielsweise nicht dazu, mich zu meiner zugegeben meist schwarzen Kleidung kalkweiß zu schminken, mir das Haar wild aufzutoupieren und meine Nächte Hühner schlachtend und Katzen opfernd auf dem benachbarten Friedhof zu verbringen. Auch hänge ich an den Wochenenden nicht auf irgendwelchen LAN-Partys rum, bis an die Zähne digital bewaffnet und völlig übermüdet, weil Schlaf aus Angst vor einem Hinterhalt der anderen LAN-Freaks nicht in Frage kommt. Ich interessiere mich ebenso wenig für Physik wie für Chemie und bastele mir auch daheim gerade nicht meinen ganz eigenen kleinen Computer zusammen, den ich dann zukünftig unter einem an irgendein Obst erinnernden Namen vertreiben möchte, um mir damit ein Millardenimperium aufzubauen. All das tue ich nicht. Und trotzdem könnte man mich für einen Freak halten, denn ich LIEBE … Excel-Tabellen. Es gibt nichts, wozu ich keine Excel-Tabelle erstelle. Den Wocheneinkauf, sämtliche Einnahmen, sämtliche Ausgaben, sämtliche Steuern nach Überflüssigkeits- und Ärgerlichkeitsskala, sämtliche Schulden und alles Verliehene, Wochenaufgaben, Monatsaufgaben … eine schlichte Liste ist mir zu simpel. Es muss eine Tabelle sein, mit
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Formeln, die mir mit einem Klick ausrechnen, was ich wissen will. Auch wenn ich schon wenig später nicht mehr weiß, was das war und was diese Zahl am Ende des Dokuments denn nun eigentlich für mich heißt. Aber das ist egal. Erst mal geht es mir nur um das Erstellen einer solchen Tabelle, mit denen ich mittlerweile auch meine Redaktionskollegen nerve. Den Satz „Ich habe da mal eine Excel-Tabelle erstellt und auf den Server gelegt …“ können sie schon lange nicht mehr hören. Mir ist das egal. Ich plane, mein komplettes Leben mithilfe von Excel-Tabellen durchzustrukturieren. Treffen mit Freunden, ein Abend mit dem Liebsten, Telefonate mit den Eltern … alles muss sich unterm Strich rechnen, und ob es das tut, sagt mir die entsprechende Excel-Tabelle. Ich habe auch eine Tabelle für meine Kolumnen erstellt, und diese hat mir ausgerechnet, dass in dieser Woche nach 365 Wörtern Schluss sein muss, damit sich das für mich noch rentiert. Also …
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Winterschlafzeit
Ich hab’n Jetlag, dabei war ich noch nicht einmal in Übersee. Vielmehr schiebe ich die mich derzeit immer wieder überfallende Müdigkeit auf das andauernde Hin und Herr zwischen Winter- und Sommerzeit. Klar hat man uns am vergangenen Wochenende eine Stunde »geschenkt«, aber nicht, ohne sie uns entsprechend einige Monate vorher geklaut zu haben, und DAS glaube ich noch heute zu spüren. Von mir aus könnten wir den ganzen Quatsch ruhig ausfallen lassen, denn was 1980 vor dem löblichen Gedanken des Energiesparens nach einigen früheren Anläufen endgültig eingeführt wurde, ist in den Köpfen vieler doch nicht mehr als eine lästige Pflicht, derer man sich unterzurodnen hat. Der Anarchogedanke, dieses Spiel nicht mitzuspielen, birgt Vorteile wie auch Gefahren, und diese insbesondere hinsichtlich der Organisation des Arbeitsalltags. Das hat man jetzt jedenfalls in Russland festgestellt, war man hier doch mutig genug, sich dem Uhrenumstellungsdoktrin in diesem Jahr und für die Zukunft zu entziehen. Aus Sicht der Wissenschaftler begrüßenswerterweise, denn die Zahl der Tageslichtstunden steige und die Selbstmordrate werde dank der längeren Helligkeit sinken. In frostigen Zeiten wie denen des gemeinen Winters durchaus ein überdenkenswertes Argu-
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ment. Blöd nur für die Wirtschaft, denn nun ist Moskau Deutschland beispielsweise drei Stunden voraus, was das Telefonieren mit Geschäftspartnern im Ausland erschwert. Hier könnte dann die so eben gesenkte Selbstmordrate aufgrund nicht zustande kommender Abschlüsse und verlustig gehender Jobs also auch schon wieder steigen. Wie man es macht, macht man es eben am Ende doch meist falsch. Ich wünschte, wir wäre ein bisschen mehr wie die Chinesen. Die verzichten komplett auf Zeitzonen, wenngleich sie angesichts der geografischen Gegebenheiten ganze vier innehaben müssten. Ich werde mich jetzt auch auf eine sehr persönliche Zeitzone beschränken, und die heißt bis zum Frühjahr: Winterschlafzeit.
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Bis dass die »T.O.D.« uns scheidet …
Es gibt so manche verrückte Veranstaltung auch jenseits des Nightlifes, die einen Besuch wert ist. Auf einer solchen war ich am vergangenen Wochenende. Natürlich aus reiner Neugier. Die TrauDich ist eine Hochzeitsmesse, die mehrfach im Jahr im gesamten Bundesgebiet stattfindet und Tausende Heiratswütige anlockt. Hier gibt es dann alles, was das verliebte und ehegeile Herz begehrt: Ringe in allen Ausführungen und für fast jeden Geldbeutel, Baiser-artige Kitschkleider für die oft ohnehin wenig stilsichere Braut, Hochzeitstortenbäcker, Hochzeitsfotografen, Hochzeitsmakeupartists, Hochzeitstischdecker und Hochzeitsluftballontierbläser. Über den Sinn und Unsinn der Messestände von Sunpoint und der altgedienten Staubsaugerfirma Vorwerk denke ich allerdings bis heute nach. Für mich, die nie vor hatte, zu heiraten, war dieser Besuch im Grunde ja recht ungefährlich, doch hätte ich in meinem Leben auch nur eine Sekunde dieser Option gewidmet – spätestens nach diesem Nachmittag wäre ich davon geheilt gewesen. Ihr habt eine Freundin, die euch mit dem Heiraten in den Ohren liegt? Schleppt sie zur TrauDich und ihr seid womöglich ganz fix raus aus der Nummer. Romantik geht echt anders. Parallel frage ich mich, ob es eigentlich auch eine Gegenveranstaltung gibt, so etwas wie eine Bestattermesse – »Die T.O.D. – Zeitgenössisches Sterben«. Etwas, wo du den neuesten Schrei in
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Sachen Sarg- und Urnenmode anschauen und ausprobieren, die hippsten Grabbeigaben befummeln und feinste Designerklamotten in Schwarz für den Verstorbenen selbst als auch für seine Hinterbliebenen ordern kannst. Gutes Aussehen ist schließlich auch auf Beerdigungen keine Schande. Die Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge mbH hat die Zeichen erkannt und einen Wettbewerb ausgerufen, in dessen Verlauf eine Expertenjury, der u.a. die ehemalige Landesbeischöfin Hannovers, Margot Käßmann, angehört, den schönsten Sarg bzw. die schönste Urne des Landes gewählt hat. Da kann so eine letzte Ruhestätte auch schon mal in schrillsten Farben mit Blumen bemalt oder mit SwarowskiKristallen verziert sein. Am Ende werden auch die Katzenbergers dieser Welt eines Tages das Zeitliche segnen, da sollte man doch vorbereitet sein.
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My Boy Lollipop … jetzt zuckerfrei!
Ein Traum wird wahr … zumindest für alle, die es süß mögen. In vielen Fällen sind das Frauen, und dass diese bei übermäßigem Zuckerkonsum meist auch gleich über einen wachsenden Körperumfang zu klagen haben, ist ein altbekanntes Problem. Auch unsere Kinder werden immer dicker, von wachsenden Kariesproblemen mal ganz zu schweigen. All diesen Umständen könnte mit der Stevia-Pflanze aus Paraguay nun Einhalt geboten werden. Die EU-Kommission hat die natürlichen Süßstoffe aus den Blättern des Wundergewächses als Lebensmittel zugelassen. Die Stevioglycoside sind 300 Mal so süß wie Zucker, haben keine Kalorien und verursachen keine Karies. Die Ureinwohner Paraguays wissen das natürlich längst, nutzen sie diese Vorteile bereits seit mehr als 500 Jahren – wobei ich gerade gar nicht so genau über die Physiognomie der Paraguayer informiert bin. In Europa sind wir mit dem bis dato in Lebensmitteln verbotenen Zeug nur in Badezusatz und Mundspülung in Kontakt gekommen. Und da haben wir es doch schon: Ich kenne niemanden, der durch Badezusatz oder Mundspülung fett geworden ist. Natürlich ist nicht alles Zucker, was so schmeckt, und außerdem schmeckt auch nicht alles nach Zucker, das süß ist. Der Umgang mit dem neuen Stoff ist scheinbar etwas kompliziert, und sicher-
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lich wird auch die Zuckerlobby – ja, die gibt es wirklich – noch ein wenig mitreden wollen. Krebserregend soll das Zeug sein, unfruchtbar machen und Embryonen schädigen – so hieß es lange Zeit. Für viele zuckerabhängige Menschen sicherlich alles keine ausreichenden Argumente, Stevioglycoside nicht einzuführen. Nachdem wir also dieses Problem gelöst haben, wünsche ich mir noch unrutschbare Socken, dauerhaft haftende Saugnäpfe und nicht kratzende Wollpullover.
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Ich hab’s ja gleich gesagt …
Es gibt offenbar ja wirklich Menschen, die nicht altern. Zum Beispiel Demi Moore, die mit 49 Jahren immer noch aussieht wie 35. Dass das nicht mit rechten Dingen zugeht und hier und da ein Chirurg ran musste, ist ein offenes Geheimnis. Dass ihr das nicht geholfen hat, ihren 15 Jahren jüngeren Ehemann an sich zu binden, jetzt wohl ebenso. Da wird nun also eine von Beginn an in den Medien zunächst angezweifelte, später gefeierte Beziehung und deren Ende öffentlich ausgebreitet und jeder fühlt sich in der Position den „Ich hab’s ja gleich gesagt“-Satz zu sagen. Endlich mal wieder, denn den sagen wir ja so gerne. „Ich hab ja gleich gesagt, dass ich nicht treu sein kann.“ „Ich hab ja gleich gesagt, dass Naddels Haare nicht echt sind.“ „Ich hab ja gleich gesagt, dass Schalke niemals Meister wird.“ „Ich hab ja gleich gesagt, dass es besser ist, nicht die CDU zu wählen.“ „Ich hab ja gleich gesagt, dass uns der Euro nur Scherereien macht.“ „Ich hab ja gleich gesagt, dass sich das mit dem Internet nicht durchsetzt.“
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Es gibt unzählige Gelegenheiten, den »Ich hab’s ja gleich gesagt«Satz an den Mann zu bringen. Schließlich haben es hinterher immer alle vorher besser gewusst und sind sich auch nicht zu schade, dies zu jeder Gelegenheit lautstark und vor allem ungefragt kund zu tun. Überhaupt leben wir in einer Gesellschaft der Besserwisser, die sich vornehmlich in der Politik tummeln, aber auch häufig im Bekanntenkreis ihre nervigen Runden ziehen. Vermeintliche Freundinnen, die vorher wussten, dass der Typ nichts taugt. Gesagt haben sie es nie, sondern stattdessen immer nur neidisch rüber geschielt, wenn man mit ihm die Bar betrat. Oder Männer, die natürlich vorher wussten, dass der Nagel in der Wand die daran aufgehängte Garderobe nicht auf Dauer halten würde. Gesagt haben sie es nie, geschweige denn einen entsprechenden Gegenvorschlag gemacht. Ich habe übrigens gleich gewusst, dass ich heute irgendwie nicht auf den Punkt kommen würde, habe es aber zu Beginn extra nicht gesagt, sonst hättet ihr womöglich gar nicht erst weiter gelesen.
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Unzurechnungsfähigkeitsbescheinigungskonzept Durch eine Nachricht, über die ich angesichts ihrer vorangegangenen Tragödie keinesfalls Witze machen möchte, bin ich über das Wort »Unzurechnungsfähigkeit« gestolpert. Was bedeutet eine solche Diagnose eigentlich so genau? Wann ist jemand für das, was er tut, verantwortlich zu machen und wann muss man ihn als bescheinigten Spinner für immer und ewig in eine Gummizelle verbannen? Spontan sind mir einige Leute eingefallen, denen ich eine Unzurechnungsfähigkeit ad hoc attestieren würde – aufgrund der Eindeutigkeit aller Symptome auch ohne Gutachten vom Fachmann. Karl-Theodor zu Guttenberg ist so jemand. Der gefallene Schwiegermütterliebling, der sich nun von vielen als Persona non grata abgestempelt ungerecht behandelt fühlt. Er sei kein Blender und kein Betrüger, wiederholt er immer wieder unter dem Anschein erster Anzeichen eines durch seine Verbannung entwickelten Hospitalismus – und spätestens an diesem Punkt ist klar: Unzurechnungsfähig. Realitätsverlust. Ab in die Klinik oder zurück in die Politik. Weder hier noch dort fällt er weiter auf – egal ob mit Gel in den Haaren und Brille oder ohne. Ex-»Germanys next Topmodel«-Juror, Ex-»Die Alm«-Bewohner und Ex-»Let’s Dance«-Hampelmann Rolfe Scheider – der Franzose mit
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dem kölschen Akzent … ah nee … umgekehrt – glaubt, der Fernsehzuschauer sei in solch einem Maße masochistisch veranlagt, dass er ihn unbedingt zu Beginn des Jahres 2012 auch noch im australischen Dschungel bestaunen möchte. Irrtum. Zwar steht es schlimm um die deutsche Fernsehlandschaft und ihre Zuschauer, aber so schlimm dann doch auch wieder nicht. Realitätsverlust. Unzurechnungsfähig. Wegsperren. In eine Hütte, ganz weit oben in den französischen Alpen. Ich würde sogar den Verstand meines Vermieters anzweifeln, ist er doch nach wie vor der Meinung, dass das Gros der Neumieter von gelb getünchten Wänden ganz an- und keineswegs eher einem schlichtem Weiß zugetan sei – zu beobachten in der gerade renovierten Nachbarwohnung. Womöglich aber leide auch ich hinsichtlich des aktuellen Massensgeschmack an Realitätsverlust. Das möchte ich dann aber lieber gar nicht erst wissen, denn das würde bedeuten, dass es Leute gibt, die uringelbe Wände mögen, sich über eine Rückkehr zu Guttenbergs freuen und denen auch ein leicht bekleideter Rolfe auf einer von Kameras beobachten Pritsche im Regenwald keine Angst macht.
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Der Mann, der alles kann!
Til Schweiger wird neuer Tatort-Kommissar. Dufte News, wenngleich auch schon ein alter Hut, munkelte man diesbezüglich ja bereits seit einer Weile. Es scheint ein wenig so, als gäbe es schlichtweg nichts, das ein Til Schweiger nicht kann – außer sein unerträgliches Näseln in den Griff bekommen vielleicht. Gerade arbeitet der Til auch noch an einem neuen Actionfilmprojekt, bei dem er Autor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller in einem ist. Ich finde, er könnte doch direkt noch die Kameraführung übernehmen, die Aufnahmeleitung machen und sich bei all den Jobs sowieso selbst assistieren. Auch über Schweiger in der weiblichen Hauptrolle müsste von den Verantwortlichen – also ihm selbst –nachgedacht werden. Und wo es doch schon mal so gut läuft, wäre Til Schweiger sicherlich auch der richtige Kandidat für den nun endlich freien Posten des »Wetten, dass …?«-Moderators. Er wäre dann Gastgeber und alle Gäste des Abends gleichzeitig. Gut, ein – meist ja ohnehin eher mittelmäßiges – Musikprogramm müsste er sich noch drauf schaffen, aber ich denke, auch das kriegt er hin. Geld würde der Sender so zwar nicht zwingend sparen, denn so ein Schweiger macht das alles natürlich nicht umsonst und wird auch gleich mehrfache Gagen einstreichen, aber es ist ja für einen guten Zweck, nämlich
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viele weitere Schweiger-Filme. Möglicherweise beschert uns das dann zumindest den einen oder anderen unterhaltsamen Moment bei der Oscar Verleihung – ein Schweiger muss sich seine Ziele schließlich realistisch stecken – bei der er dann für seinen neuen Actionfilm ausgezeichnet wird. Als Regisseur, als Produzent, als bester männlicher Hauptdarsteller, als beste weibliche Hauptdarstellerin, für die beste Nebenrolle, das beste Drehbuch, den besten Schnitt, das beste Kostüm, die besten Special Effects, die beste Synchronisation uvm. Und weil so eine Preisverleihung, bei der nur ein einziger Mann geehrt wird, nicht nur für alle übrigen Gäste, sondern tatsächlich irgendwann auch für Til Schweiger selbst recht öd sein dürfte, kann er dann während aller auf ihn gehaltenen Laudationes das eine oder andere Gläschen Wein wegpicheln. Am Ende wird das eine schöne Studie über den über mehrere Stunden des Abends zu beobachtenden Verfall eines Menschen unter dem Einfluss von Alkohol, und für so viel Einsatz bekommt er dann später auch noch das Bundesverdienstkreuz. Prost.
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Oh du Schreckliche …
Ich stecke in einer klassischen Zwickmühle, wenn es um Weihnachten geht. Stets schwanke ich zwischen Anstrengung, Gleichgültigkeit und Vorfreude. Zum einen finde ich das ganze Tamtam um dieses Fest völlig übertrieben, zum anderen mag ich Lichterketten und Eierpunsch. Ich finde Engel doof und »Last Christmas« nervig, mag aber heiße Maronen und »Let It Snow«. Jedes Jahr aufs Neue schlage ich vor, die Schenkerei zu unterlassen und werde am Ende doch wieder vertragsbrüchig. Ich bin Frühgeschenkekäufer, doch leider bleibt mir so zu viel Zeit, die zuvor noch als grandios gefeierte Idee anzuzweifeln, um alles schon vor Heiligabend mehrfach umzutauschen und dennoch am 24. völlig verunsichert und mit zahlreichen erklärenden Bemerkungen meine Präsente zu überreichen. Eigene Wünsche habe ich das Jahr über viele, doch wenn es auf Weihnachten zugeht, bin ich froh, nicht der Mensch zu sein, der mich beschenken muss, kann ich doch am Ende nichts konkretisieren. Außerdem neige ich zur Ungeduld und habe mir vorher schon alles selbst besorgt. Aktuell hätte ich daheim gern etwas mehr vorweihnachtliche Stimmung, als ein schnödes Teelicht auf der kahlen Fensterbank zu
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vermitteln mag. Stehe ich jedoch in der völlig überladenen Dekoabteilung eines Kaufhauses kann ich mich partout nicht dazu überwinden, für irgendeinen blöden Kitsch auch nur einen Cent auszugeben. Dann kaufe ich mir doch lieber das alljährliche, nach Apfel-Zimt duftende Weihnachtsklopapier von Charmin. Das macht für mich einfach am meisten Sinn, vereint es Zweckmäßigkeit und Romantik wie wohl kein anderes Produkt dieser Tage.
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nicole ankelmann freie journalistin + texterin 0177. 797 35 56 kontakt@ehrenworte.de www.ehrenworte.de
Ehrensachen Eine Auswahl an Kolumnen der Autorin aus den Jahren 2010 und 2011, erschienen unter anderem auf www. nicoleankelmann.de. „Großartig unterhaltend.“ Die einen „Kurz. Bündig. Auf den Punkt.“ Die anderen „Lustig und lesenswert.“ Der Freund