Ausgabe 1/2020
Kompetenz und Praxisnähe – die Powerkombi zum Erfolg Karriere im Marketing. Es gibt immer einen Weg, erklärt Roland Weiss | Handlungskompetenz aufbauen statt mit Fachwissen punkten, rät Dr. Petra Hämmerle | Top ausgebildet bei der CSS, lautet die Devise von Daniel Binkert
WISSEN UND ERFAHRUNG
Globalisierung, Digitalisierung, Upskilling, der demografische Wandel oder die steigende Mobilität und Flexibilität in den Arbeitsbeziehungen sind Entwicklungen, die auch vor der Berufsbildung nicht Halt machen. Sie ver ändern unsere Arbeitswelt laufend und dynamisch. Die Marketing- und Verkaufswelt reagiert auf diese wegweisenden Zukunftsentwicklungen mit einer Schwerpunktverlagerung auf die Handlungskompetenz der Berufs personen. Von Petra Hämmerle
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ie Zukunft stellt neue Anforderungen an Berufspersonen und somit auch an die Berufsbildung. Der Umgang mit neuen Technologien steht auf der beruflichen Tagesordnung. Probleme sind vielfältiger und komplexer und erfordern kreative sowie adaptive Lösungen. Ein mögliches Zukunftsszenario: Was vor zehn Jahren noch Schweizer Franken waren, sind heute Bitcoins, Kundengespräche sind Multichannel-, Omnichannel- und Multitouchpoint-Erlebnisse und die Marketingabteilung ist ein agiles virtuelles Projektteam, das sich je nach Aufgabe neu zusammensetzt. Und: Die vierte industrielle Revolution ist längst noch nicht abgeschlossen.
Zukünftig geforderte Kompetenzen von Berufspersonen
Hochentwickelte, digital vernetzte Maschinen und Geräte unterstützen unsere Tätigkeiten im Berufsalltag. Aber auch ökonomische, gesellschaftliche und ökologische Faktoren verändern die Arbeitswelt. Diese vielfältigen Veränderungen verlangen erweiterte Kompetenzen bei den Berufspersonen. Immer zentraler werden Kompetenzen, wie … … kreativ Probleme lösen
Um die Veränderungen im Gesamtsystem positiv zu nutzen und immer komplexer werdende Probleme zu lösen, ist Kreativität und kritisches Denken zunehmend gefragt.1
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Iten et al. 2016, Sachs et al. 2016, Genner 2017
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Quelle, Illustrationen: Ectaveo
Handlungskompetenz aufbauen statt mit Fachwissen punkten
WISSEN UND ERFAHRUNG
Einflussfaktoren auf den Arbeitsmarkt und die zukünftig geforderten Kompetenzen von Berufspersonen.
… technisch und methodisch am Puls der Zeit sein
Ein geübter Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien ist bereits heute in den meisten Berufen unabdingbar, und die Relevanz wird weiter zunehmen.2 Dies bedeutet einerseits, dass Arbeitnehmende über erweiterte Kenntnisse in der Anwendung von digitalen Programmen verfügen müssen, andererseits werden sie in Zukunft ein vertieftes Verständnis über das Zusammenwirken von Technologien und Algorithmen benötigen. Aber auch der Umgang mit und die Interpretation von (Online-)Daten wird zunehmend wichtiger.3 2 3
Dubs 2018, Sachs et al. 2016 Iten et al. 2016, Genner 2017
… kooperativ und agil zusammenarbeiten
In einer Welt, in der der Dienstleistungsgedanke weiter an Wichtigkeit gewinnt, ist der Mensch den Maschinen nach wie vor überlegen.4 Eine Maschine vermag sich heute weder in einen Menschen einzufühlen, noch kann sie ihre Kommunikation situativ anpassen. Es ist der Mensch, der diese wichtige Rolle im Wertschöpfungsprozess einnimmt. Künftige Berufsleute werden ausserdem vermehrt temporär und in interdisziplinären Projekten zusammenarbeiten, wodurch Organisationskompetenzen zunehmend gefragt sein werden.5 Arbeitsprozesse werden immer häufiger globalisiert stattfinden, was interkulturelle Kompetenzen erfordert, um erfolgreich in internationalen Teams zusammenzuarbeiten.6 … die eigene Entwicklung vorantreiben
Gleichzeitig fordert die Flexibilisierung der Arbeit von den Berufsleuten die Fähigkeit, ihre Kompetenzen regelmässig zu prüfen und die eigene Entwicklung selbstinitiativ voranzutreiben, um zukunftsfähig zu bleiben.7 Auf den Punkt gebracht bedeutet das, dass die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt steigen, Routine aufgaben entfallen und kreative, anspruchsvolle und kooperative Tätigkeiten zunehmen. Gleichzeitig ist Fachwissen leichter verfügbar als je zuvor. So wird es in Zukunft voraussichtlich weniger darauf ankommen, was eine Person an spezifischem Fachwissen mitbringt, sondern vielmehr darauf, welche Arbeitsstrategien und -methoden sie nutzt. Dies erfordert umfassende Moderne Kompetenzprofile als Vorbereitung auf die zukünftige Arbeitswelt.
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Adler & Salvi 2017, Sachs et al. 2016, SBFI 2017 Iten et al. 2016 Iten et al. 2016, Sachs et al. 2016 7 Sachs et al. 2016, Genner 2017 5
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WISSEN UND ERFAHRUNG
Formales, non-formales und informelles Lernen verbinden sich im persönlichen Portfolio.
Handlungskompetenz, abgebildet in einem modernen Kompetenzprofil.8 Sie bildet die Grundlage einer umfangreichen Vorbereitung der Berufsleute auf ihre berufliche Zukunft.
Von wem würden Sie Ihre anste hende Knieoperation lieber durchführen lassen? Von einem jungen Arzt, der frisch von der Universität kommt und bisher noch keine Operation geleitet hat oder von einem erfahrenen Arzt, der auf eine erhebliche Anzahl gelungener Operationen zurückblickt?
Die Berufsbildung verfolgt das Ziel, Berufspersonen auf die zukünftigen Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten. Damit Berufsbildung eine nachhaltige
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Erpenbeck & von Rosenstiel 2003
Zukunftsfähige Kompetenzprofile
Die sozial-kommunikativen, methodischen und personalen Kompetenzen gewinnen stark an Bedeutung. Diese müssen im Kontext des Berufs definiert werden und dienen für die weiteren Umsetzungsarbeiten als Basis. Sie sind unabdingbar, um sich später in einem stetig verändernden Arbeitsmarkt bewegen und bestehen zu können. Allen voran wurde die Neuausrichtung der Marketing- und Verkaufsberufe frühzeitig angegangen. Mit der letzten Reform wurden die Berufs prüfungen konsequent auf die Handlungskompe tenzen und auf die realen Berufsanforderungen hin abgestimmt. Zielgerichtete Entwicklung der Kompetenzen
Marketing- und Verkaufsberufe auf dem Weg zur Handlungskompetenz
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Wirkung erzielen kann, sind einige Erfolgsfaktoren zu berücksichtigen:
Die Aus- und Weiterbildungsangebote sind auf die im Kompetenzprofil beschriebenen Kompetenzen abzustimmen. Zentrale Forderung in diesem Zusammenhang ist die Ausrichtung der didaktischen Ansätze auf Kompetenzförderung und Selbstorganisation der Berufspersonen. Dabei ist das Lernen am Arbeitsplatz wichtig; die individuellen Lernprozesse rücken vermehrt ins Zentrum. Die Aus- und Weiterbildungsangebote werden sich somit nicht nur in ihrem bekannten inhaltlichen Terrain, sondern auch innerhalb der Lernfelder bewegen. Die Fachinhalte behalten ihre Relevanz, werden aber auf die künftig geforderten Kompetenzen abgestimmt.
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WISSEN UND ERFAHRUNG
Ein Blick in die Zukunft
Handlungskompetenzorientierte Prüfung der Kompetenzen
Steht die Kompetenzentwicklung im Zentrum der Betrachtung, so sind die Prüfungssysteme auf die Kom petenzmessung hin auszurichten. Bei der Gestaltung von kompetenzorientierten Prüfungsdesigns steht die Arbeitssituation im Zentrum – sei es durch praktische Prüfungen oder durch die Simulation der Praxis in einem entsprechenden Prüfungssetting. Neben der Überprüfung von Kenntnissen und Fertigkeiten spielt die erworbene berufliche Erfahrung eine wichtige Rolle. Die identifizierten Handlungskompetenzen wurden für die Marketing- und Verkaufsberufe folgerichtig in moderne kompetenzorientierte Prüfungsdesigns überführt.
Von wem würden Sie Ihre anstehende Knieoperation lieber durchführen lassen? Von einem jungen Arzt, der frisch von der Universität kommt und bisher noch keine Operation geleitet hat oder von einem erfahrenen Arzt, der auf eine erhebliche Anzahl gelungener Operationen zurückblickt? Erfahrung gilt als zentrale Voraussetzung für erfolg reiches berufliches Handeln. Der Aufbau von Erfahrung – jenem Wissen und Können, das im praktischen Handeln erworben wird – ist für erfolgreiche Berufs leute also von grösster Bedeutung. Dieser zentrale Aspekt darf in der Aus- und Weiterbildung nicht dem Zufall überlassen werden. Aber wie können Berufspersonen ihren Erfahrungsaufbau zielgerichtet gestalten?
Dipl. Marketingmanager/in HF Die Marketingumsetzer «Strategy is a commodity, execution is an art.» Peter F. Drucker
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WISSEN UND ERFAHRUNG
Die Berufsbildung bewegt sich in eine Zukunft, in der das Lernen aus Erfahrungen, formales Lernen in Bildungsinstitutionen sowie informelle Kompetenz entwicklung immer enger zusammenwachsen. Um vor allem non-formalem und informellem Lernen einen Wert zu verleihen und die dadurch aufgebauten vielfältigen Kompetenzen sichtbar zu machen, sind neue Ideen gefragt. Eine wirksame und ansprechende Lösung, diesem zunehmenden Bedarf gerecht zu werden, bietet das persönliche Portfolio. Darin dokumentieren und reflektieren Berufsleute ihre individuellen, im täglichen Handeln erworbenen Kompetenzen und Erfahrungen nachvollziehbar.
Um die Veränderungen im Gesamtsystem positiv zu nutzen und immer komplexer werdende Probleme zu lösen, ist Kreativität und kritisches Denken zunehmend gefragt. Die Einsatzmöglichkeiten eines solchen persönlichen Portfolios sind vielfältig: 1. Es strukturiert und dokumentiert den Lernprozess und den systematischen Aufbau von Handlungskompetenz mit sinnvollen Instrumenten – im Arbeitsalltag sowie an anderen Lernorten. 2. Rückt das durch Erfahrung erworbene Wissen und Können ins Zentrum der Betrachtung, ist es nur folgerichtig, dieses auch zu prüfen. Das persönliche Portfolio macht das auf Erfahrung beruhende Wissen und Können sichtbar und damit beurteilbar. 3. In der heutigen Zeit, in der Erfahrungen immer wichtiger werden, kann das persönliche Portfolio etwa bei einem Stellenwechsel auch dazu dienen, die eigenen Kompetenzen anschaulich in der eigenen «Künstlermappe» darzustellen. Wenn die Forderung nach lebenslangem Lernen ernst genommen wird, muss es künftig gelingen, alle Formen des Lernens sichtbar zu machen und anzuerkennen.9 Die eigene «Künstlermappe» als Schaufenster der persönlichen Kompetenzen dürfte Berufspersonen dabei vielfältige Zukunftsperspektiven eröffnen – damit die berufliche Entwicklung nicht dem Zufall überlassen wird.
LITERATUR Adler, T. & Salvi, M. (2017). Wenn die Roboter kommen. Den Arbeitsmarkt für die Digitalisierung vorbereiten. Avenir Suisse. Zürich: Oktober 2017. Dubs, R. (2018). Gedanken zur Zukunft der kaufmännischen Grundbildung. In: Schlicht J., Moschner U. (Hrsg.): Berufliche Bildung an der Grenze zwischen Wirtschaft und Pädagogik. Wiesbaden: Springer VS. Erpenbeck, J. & von Rosenstiel, L. (2003). Handbuch Kompetenzmessung – Erkennen, verstehen und bewerten von Kompetenzen in der betrieblichen, pädagogischen und psychologischen Praxis. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag. Genner, S. (2017). Digitale Transformation. Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche in der Schweiz – Ausbildung, Bildung, Arbeit, Freizeit. Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen und ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften). Iten, R., Peter, M., Gschwend, E., Angst, V., Lachenmeier, P. & Heinimann, E. (2016). Offshoring und Wandel der Berufsbilder. Aktuelle Trends und Konsequenzen für kaufmännische Berufe. Schlussbericht vom 23. November. Infras und Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB. Sachs, S., Meier, C. & McSorley, V. (2016). Digitalisierung und die Zukunft kaufmännischer Berufsbilder – eine explorative Studie. Schlussbericht. Zürich: HWZ. SBFI (2017). Berufsbildung 2030 – Vision und strategische Leitlinien. Hintergrundbericht. Bern: Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Yang, J. (2015). Recognition, Validation and Accreditation of Non-formal and Informal Learning in UNESCO Member States. Hamburg: UNESCO Institute for Lifelong Learning.
DIE AUTORIN Dr. Petra Hämmerle i st seit 13 Jahren Geschäftsleiterin der Ectaveo AG sowie seit 2014 in der Leitung der Konvink AG. Ihrer beruflichen Ausbildung zur Hochbautechnikerin folgte ein Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Im Anschluss an ihre Promotion an der Universität St. Gallen zum Thema «Lernen in Organisationen» und einem Ausflug in die Finanzberatung widmete sie sich ganz der beruflichen Bildung. Seither klärt sie mit ihrer Geschäftspartnerin Dr. Monja Mariner und ihrem Team herausfordernde Bildungsfragen im Bereich Kompetenzen der Zukunft sowie Handlungskompetenzorientierung und deren Messung. Petra.haemmerle@ectaveo.ch
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Yang 2015
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