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Bericht Richterportfolio

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Obergericht des Kantons Z端rich

Richterportfolio

Projektbericht


2


A

Inhalt

1

Das Projekt Richterportfolio – ein Überblick

1

2

Die Idee

3

2.1

Ausgangslage 3

2.2

Zielsetzung 4

3

Das Richterportfolio

5

3.1

Ablauf einer Portfolioleistung

5

3.2

Bausteine 6

4

Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

11

4.1

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

12

4.2

Das didaktische Konzept

13

4.3

Verknüpfung mit bestehenden Organisationsstrukturen

16

4.4

Ein Projekt – zwei Partner/-innen

17

5

Impressionen zum Ergebnis

19

5.1

Einblicke in das Produkt

19

5.2

Was sind die Erfahrungen bei der Umsetzung?

22

6

Wie geht es weiter?

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7

Die Projektpartner

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7.1

Das Obergericht des Kantons Zürich

26

7.2

Ectaveo AG

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Abbildungsverzeichnis A

Ablauf einer Portfolioleistung

5

B

Bausteine des Richterportfolios

6

C

Kompetenzen aus dem Kompetenzraster

6

D

Diagnose- und Reflexionsinstrumente

7

E

Instrumente zur individuellen Wissenserarbeitung

8

F

Instrumente kollegialen Wissensaustauschs

9

G

Einstiegsseite virtuelle Plattform

10

H

Virtuelle Plattform

19

I

Kompetenzraster 20

J

Sammelmappen und Schuber

21

K

Rahmenbedingungen der Pilotdurchführung

22

L

Bewertungskriterien 22

M

Stichprobe 23

N

Evaluationsergebnisse im Detail

24


1

Das Projekt Richterportfolio – ein Überblick

Das Richterportfolio ist seit Oktober 2007 das zentrale Personalentwicklungsinstrument für die Richterinnen und Richter in der Rechtspflege des Kantons Zürich. Es wurde in einem interdisziplinären Projektteam von Vertreter/innen der Rechtspflege und Berater/-innen der Ectaveo AG Zürich entwickelt. Wie kam es dazu? Im Jahre 2004 beschloss das Obergericht des Kantons Zürich, an den Gerichten des Kantons ein Entwicklungssystem für Richter/-innen einzuführen, das auf die speziellen Bedingungen der richterlichen Tätigkeit massgeschneidert ist und mit dem Grundsatz der richterlichen Unabhängigkeit übereinstimmt. Diesem Entwicklungs­ system wurde der Name «Richterportfolio» gegeben. Grundsätzliches Ziel des Richterportfolios bei der Einführung war es, Richterinnen und Richter bei der Erweiterung und Weiterentwicklung ihrer beruflichen Handlungskompetenzen zu unterstützen und deren kollegiale Vernetzung in den Gerichten und gerichtsübergreifend zu erhöhen. Als Ergebnis entstand das Richterportfolio als ein hochgradig selbst gesteuertes Programm zur Personalentwicklung. Zielgruppe sind alle juristisch gebildeten, haupt- und nebenamtlichen Richterinnen und Richter des Kantons Zürich. Was sind die Besonderheiten dieses Entwicklungssystems? •

Das Richterportfolio ist konsequent auf Freiwilligkeit, Selbstorganisation und Selbststeuerung ausgerichtet. Dies bedeutet, dass die Richter/-innen selbst über Themenwahl und Umsetzung der Lerninhalte entscheiden. Auf Kontrolle, z. B. seitens der Vorgesetzten, wird bewusst verzichtet.

•

Das Richterportfolio ist ein Entwicklungssystem, das auf die individuellen Bedürfnisse der Richter/-innen ausgerichtet ist: Je nach persönlichem Wissensstand stellen sich die Richter/-innen aus einem Baukastensystem aus verschiedenen Entwicklungsinstrumenten ein Portfolio zusammen. Der Baukasten enthält massgeschneiderte Diagnose- und Reflexionsinstrumente, Instrumente zur individuellen Wissenserarbeitung und zum Wissensaustausch unter Kolleg/-innen.

•

Die Lernprozesse folgen im Richterportfolio einem strukturierten Ablauf. Dieser wird als Portfolioleistung bezeichnet und umfasst eine Selbsteinschätzung anhand eines Kompetenzrasters, den Austausch mit einem Portfoliopartner, die Planung und Umsetzung eines persönlichen Entwicklungsvorhabens sowie die Auswertung des Lernprozesses und den Abschluss.

•

Das Richterportfolio enthält einen Kompetenzraster, der in einer Berufsfeldanalyse entwickelt wurde und die beruflichen Handlungskompetenzen von Richter/-innen beschreibt. Er ermöglicht den Richterinnen und Richtern eine differenzierte Standortbestimmung und zeigt ihnen Stärken und Optimierungsmöglichkeiten auf.

•

Durch einen intensiven kollegialen Austausch wird im Richterportfolio eine Kultur einer Expertengemeinschaft gefördert, in der Kolleg/-innen nicht als Einzelkämpfer oder Konkurrenten, sondern als Lernpartner angesehen werden, die sich gegenseitig in der individuellen Entwicklung unterstützen. Wichtiger Bestandteil ist in diesem Zusammenhang der Portfoliopartner, der den Richter/die Richterin bei dem Lernprozess unterstützt.

•

Um die Arbeit mit dem Richterportfolio attraktiv zu gestalten und die Richter/-innen zur aktiven Nutzung zu motivieren, wurde höchster Wert auf arbeitsplatzbezogene Inhalte der verschiedenen Lerninstrumente gelegt. Durch den Einbezug neuer Medien (Lernplattform mit verschiedenen Funktionalitäten wie Kompetenzraster zur Diagnose, elektronische Auswertehilfen, Foren, Dokumentenablagen usw.) wurde ein zentrales und attraktiv gestaltetes Informations- und Kommunikationsportal für das Richterportfolio geschaffen, auf dem sich alle Informationen und Instrumente in elektronischer Form befinden.

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1

Das Projekt Richterportfolio – ein Überblick

Welches waren die Besonderheiten des Projekts? •

Die Entwicklung und Implementierung des Richterportfolios erfolgte in einem interdisziplinären Projekt: Alle Bausteine und Instrumente des Richterportfolios wurden von Richter/-innen von Beginn an mitentwickelt und auf die richterliche Tätigkeit hin massgeschneidert. Für die didaktische Ausgestaltung und Prozessbegleitung wirkten Psychologen, Betriebswirtinnen, Pädagoginnen und Didaktiker mit.

•

Dem didaktischen Konzept wurde ein zentraler Stellenwert beigemessen, damit Lernen kein Zufallsprodukt ist. Es wird ein modernes didaktisches Konzept umgesetzt, das durch eine virtuelle Lernplattform unterstützt wird.

•

Um die Nachhaltigkeit, Pflege und Weiterentwicklung des Richterportfolios zu garantieren, ist das Richterportfolio eng mit den organisationalen Strukturen der Rechtspflege verknüpft. Hochrangig besetzte Gremien gewährleisten, dass die Inhalte des Richterportfolios aktuell gehalten und zukünftige Berufsanforderungen berücksichtigt werden.

Wo steht das Richterportfolio jetzt? Das Richterportfolio wurde nach zweieinhalbjähriger Entwicklungszeit in einer Pilotdurchführung 2006 über mehrere Monate hinweg erprobt. Nach den positiven Erfahrungen bei der Evaluation wurde das Entwicklungssystem im Oktober 2007 an allen Gerichten des Kantons eingeführt und ist seither im Einsatz.

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2

Die Idee

2.1

Ausgangslage Die Richterauswahl und -ausbildung in der Schweiz unterscheidet sich im Vergleich mit dem europäischen Ausland in zwei wesentlichen Punkten: Zum einen ist in der Schweiz prinzipiell jeder Stimmberechtigte als Bundesrichter wählbar, d. h. anders als in den europäischen Nachbarländern können auch Laien ohne juristische Ausbildung und ohne Rechtskenntnisse als Richter oder Richterinnen gewählt werden. Zum anderen fehlt der Schweiz ein Ausbildungscurriculum für Richterinnen und Richter – eine systematische Richterausbildung wie z. B. in Frankreich oder Deutschland gibt es nicht. Dieses Fehlen einer systematischen Richterausbildung ist bemerkenswert, da die richterliche Tätigkeit höchste Anforderungen an die berufliche Qualifikation stellt. Arbeitspsychologisch betrachtet ist die richterliche Tätigkeit durch grosse Handlungsspielräume und durch hohe, vielfach undefinierte und sehr komplexe Anforderungen gekennzeichnet. Dazu kommt, dass sich das Betätigungsfeld der Richter/-innen immer mehr zur «Einzelrichtertätigkeit» entwickelt, was bedeutet, dass der im Kollegialgericht institutionalisierte kollegiale Austausch abnimmt. So besteht ein Risiko, dass Richter/-innen immer mehr zu «Einzelkämpfern» werden, welche relativ wenige Rückmeldungen bzw. Anstösse für die persönliche und fachliche Entwicklung erhalten. Vor dem Hintergrund der fehlenden Richterqualifikation und der hohen Anforderungen richterlicher Tätigkeit beschloss die Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich, zur Personal- und Qualitätsentwicklung ein on-the-job-Entwicklungssystem einzuführen. Bei der Konzeption dieses Entwicklungssystems für Richterinnen und Richter wurde davon ausgegangen, dass die richterliche Unabhängigkeit nicht tangiert werden darf. Es konnte daher nur ein System aufgebaut werden, das gänzlich auf Freiwilligkeit beruht. Aufgrund der unterschiedlichen Vorbildung der auf politischem Weg gewählten Richter/-innen war eine möglichst hohe Flexibilität und individuelle Nutzbarmachung anzustreben. Ein Baukastensystem voller Entwicklungsinstrumente zeichnete sich als adäquate Form ab. Dem Entwicklungssystem wurde der Namen Richterportfolio gegeben, um zum Ausdruck zu bringen, dass es sich hierbei um ein persönliches Dossier für jeden Richter/jede Richterin handelt, das seine/ihre Lernaktivitäten aufzeigt.

3


2

Die Idee

2.2

Zielsetzung Richterinnen und Richter bei der Erweiterung und Entwicklung der beruflichen Handlungskompetenzen zu unterstützen und ihre kollegiale Vernetzung in den Gerichten und gerichtsübergreifend zu erhöhen – dieses war die grundsätzliche Idee für das Richterportfolio. Zielgruppe sind alle juristisch gebildeten, haupt- und nebenamtlichen Richterinnen und Richter des Kantons Zürich. Derzeit sind dies 11 Präsidenten, 43 Oberrichter (inkl. Ersatzrichter) und 138 Bezirksrichter/innen, d. h. 192 Personen. Für das Richterportfolio wurden von der Verwaltungskommission folgende Grundsätze beschlossen: •

Das Richterportfolio ist ein Entwicklungssystem, welches von den Richterinnen und Richtern genutzt wird, um ihre fachliche oder persönliche Weiterentwicklung selbstorganisiert zu planen und umzusetzen.

•

Die Arbeit mit dem Richterportfolio erfolgt unabhängig von der Personalführung in der Rechtspflege. Die Umsetzung der on-the-job- Weiterbildungen bleibt im persönlichen Gewahrsam der Richterinnen und Richter und fliesst nicht in bestehende Beurteilungen ein. Einzig die Teilnahme am Richterportfolio ist qualifikationsrelevant.

•

Die Richter/-innen absolvieren pro Jahr eine Portfolioleistung im Rahmen eines Kompetenzbereichs. Als Kompetenzbereiche sind definiert: Fallbearbeitung, Verhandlungsführung, Verfahrensorganisation, Personalführung, Selbstführung sowie Organisation und Administration. Die Portfolioleistung umfasst verschiedene Schritte: Selbsteinschätzung anhand eines Kompetenzrasters, Austausch mit einem Portfoliopartner, Planung und Umsetzung des Vorhabens, Auswertung des Lernprozesses und Abschluss. Die Wahl des Kompetenzbereichs, in dem schwerpunktmässig die Weiterentwicklung erfolgt, ist frei und erfolgt mittels einer Einschätzung anhand eines Kompetenzrasters.

Trotz der grossen Handlungsspielräume bei der Ausgestaltung einer Portfolioleistung gibt es Voraussetzungen, die für die Portfolioarbeit für alle verbindlich sind. So wird erwartet, dass der gewählte Kompetenzbereich einen für den Arbeitsalltag relevanten Entwicklungsbedarf abdeckt, die Einschätzung anhand des Kompetenzrasters regelmässig erfolgt und die Kompetenzbereiche abwechseln, sodass es zu einem regelmässigen Wechsel zwischen den Kompetenzbereichen kommt. Weiterhin wird erwartet, dass die Richter/-innen die Wahl des Kompetenzbereiches mit einem Portfoliopartner besprechen und sich im Rahmen der Entwicklungsarbeit regelmässig mit ihren Kolleg/-innen austauschen.

4


3

Das Richterportfolio

3.1

Ablauf einer Portfolioleistung Das Richterportfolio ist ein hochgradig selbst gesteuertes Programm zur Personalentwicklung von Richterinnen und Richtern. Um einen möglichst erfolgreichen und strukturierten Lernprozess zu ermöglichen und das Lernen zu flankieren, durchlaufen die Richter/-innen für ihre Portfolioleistung folgende Schritte: •

In einem ersten Schritt informieren sich die Richter/-innen über das Vorgehen bei einer Portfolioleistung.

•

In regelmässigen Abständen nehmen die Richter/-innen eine Selbsteinschätzung ihrer Kompetenzen anhand des für ihre Funktion massgeschneiderten Kompetenzrasters in verschiedenen Kompetenzbereichen vor. Diese Selbsteinschätzung ist der zweite Schritt der Portfolioleistung.

•

Im dritten Schritt wählen die Richter/-innen einen Portfoliopartner ihres Vertrauens und besprechen mit ihm die Wahl des Kompetenzbereiches. Der Portfoliopartner ist ebenfalls ein Richter/eine Richterin und hat die Aufgabe, im gemeinsamen Gespräch die Relevanz der Auswahl zu reflektieren.

•

Im vierten Schritt erfolgt die Planung des Vorhabens: Die Richter/-innen formulieren konkrete Zielsetzungen für ihre Entwicklungsarbeit und arbeiten einen Massnahmenplan aus.

•

Bei der anschliessenden Umsetzung des Vorhabens können die Richter/-innen verschiedene Lernangebote und Entwicklungsinstrumente nutzen und kombinieren, um in dem gewählten Kompetenzbereich sukzessive Handlungskompetenzen aufzubauen.

•

Bei der individuellen Auswertung im sechsten Schritt halten die Richter/-innen die gemachten Erfahrungen und die Erkenntnisse schriftlich fest.

•

Der siebte Schritt beinhaltet die gemeinsame Auswertung mit dem Portfoliopartner: Mit ihm wird die Port­ folioleistung besprochen und ausgewertet.

•

Im achten und letzten Schritt können die Richter/-innen alle wichtigen Dokumente in einem persönlichen, extra für das Richterportfolio entwickelten Dossier sammeln und für die Zukunft aufbewahren.

Das folgende Schema verdeutlicht den Ablauf einer Portfolioleistung. A

Ablauf einer Portfolioleistung 1. Schritt: Orientierung anhand einer Wegleitung zu den Vorgehensschritten 2. Schritt: Selbsteinschätzung mittels Kompetenzraster

Vorgehensschritte

Kompetenzraster

3. Schritt: Wahl eines Portfoliopartners und Gespräch

Gespräch mit Portfoliopartner

4. Schritt: Formulierung konkreter Ziele und Massnahmenplan

Planung des Vorhabens

5. Schritt: Umsetzung des Vorhabens

Umsetzung

6. Schritt: Persönliche Auswertung der Entwicklungsmassnahmen

Abschluss

7. Schritt: Auswertung mit Portfoliopartner/-in

Auswertung mit Portfoliopartner

8. Schritt: Sammlung und Aufbereitung aller wichtigen Dokumente in einem persönlichen Portfolio

Persönliches Dossier

5


3

Das Richterportfolio

3.2

Bausteine Das Richterportfolio besteht aus bestimmten Bausteinen, die im Folgenden beschrieben werden.

B

Bausteine des Richterportfolios Kompetenzraster

Portfoliopartner

Entwicklungs­instrumente

Virtuelle Plattform

Baustein 1: Kompetenzraster Der Kompetenzraster wurde in einer Berufsfeldanalyse von Richter/-innen entwickelt. In ihm sind sämtliche Kompetenzen der richterlichen Tätigkeit beschrieben. Inhaltlich sind die Kompetenzen in die Kompetenzbereiche Fallbearbeitung, Verhandlungsführung, Verfahrensorganisation, Personalführung, Selbstführung sowie Organisation und Administration strukturiert. Die Richter/-innen können anhand von Leitfragen und Kompetenzbeschreibungen eine Selbsteinschätzung vornehmen und beurteilen, über welche Kompetenzen sie verfügen bzw. wo sie noch Entwicklungsbedarf sehen. Folgende Abbildung gibt ein Beispiel aus dem Kompetenzbereich der Fall­ bearbeitung. C

Kompetenzen aus dem Kompetenzraster Berufsbild: 2. Fallbearbeitung Leitfrage: Halte ich mich über die Rechtsentwicklung auf dem Laufenden? Ich beherrsche das formelle und materielle Recht in dem von mir zu bearbeitenden Prozess und finde innert nützlicher Frist die massgebenden Bestimmungen und die aktuelle Rechtsprechung sowie die einschlägige Literatur. Ich studiere regelmässig die gängigen (BGE, Pra, ZR, AJP, SJZ) sowie die in meinem Tätigkeitsgebiet fachspezifischen juristischen Periodika (z. B. FamPra, mp, ZStrR). Ich verfolge die Gesetzesentwicklung in meinem Tätigkeitsgebiet (z. B. Revision StPO, neuer AT StGB).

Für die verschiedenen Funktionen am Gericht (Obergerichtspräsident, Gerichtspräsident/-in, Oberrichter/-in, Kammerpräsident/-innen, Richter/-innen) wurden jeweils spezifische Kompetenzprofile entwickelt. Baustein 2: Portfoliopartner/-in Ein wichtiger Grundsatz des Richterportfolios ist, dass die Richter/-innen zu Beginn und beim Abschluss einer Portfolioleistung mit einem Portfoliopartner sprechen. Der Portfoliopartner ist eine Richterin oder ein Richter, die oder der sie bei der Arbeit im Rahmen des Richterportfolios unterstützt. Portfoliopartner haben ausschliesslich eine beratende Rolle und verfügen in keiner Weise über Kompetenzen im Bereich der Mitarbeiterführung. Sie sind zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet. Für den Portfoliopartner gibt es spezielle An- und Wegleitungen sowie Dokumente mit Kommunikationsempfehlungen für die Durchführung des Portfoliogesprächs.

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3

Das Richterportfolio

Baustein 3: Entwicklungsinstrumente Anhand der Einschätzungen im Kompetenzraster und dem Gespräch mit dem Portfoliopartner formulieren die Richterinnen die konkreten Zielsetzungen der Portfolioleistung und arbeiten einen Umsetzungsplan aus. Dafür steht ihnen eine Vorlage zur Verfügung, die auf Basis von Erkenntnissen aus der Handlungsforschung bzw. Motivationspsychologie entwickelt wurde und die Umsetzung des Handelns in die Praxis unterstützt. Neben der Umsetzungsplanung legen die Richter/-innen den Umfang und Ablauf ihrer Weiterbildungsbemühungen fest und wählen aus dem breiten Angebot der Entwicklungsinstrumente aus. Innerhalb jedes Kompetenzbereiches stehen den Richter/-innen so genannte Entwicklungsinstrumente zur Verfügung, die sich grob in die Kategorien Diagnose- und Reflexionsinstrumente, individuelle Wissenserarbeitung und Wissensaustausch unter Kolleg/-innen einteilen lassen. Die einzelnen Instrumente sind im Folgenden detaillierter beschrieben. D

Diagnose- und Reflexionsinstrumente Selbsteinschätzung

Mit diesem Instrument können die Richter/-innen eine vertiefte Selbsteinschätzung in den jeweiligen Kompetenzbereichen vornehmen. Ziel dieser Selbsteinschätzung ist eine Standortbestimmung, mit der sie, anhand der für das Richterportfolio definierten Kompetenzen, Stärken und Verbesserungspotenziale detailliert abbilden können.

Kollegiale Rückmeldung

Bei der kollegialen Rückmeldung geben die Kolleg/-innen kriteriengestützte, konstruktive Rückmeldungen zu bestimmten Kompetenzen innerhalb des von den Richter/-innen ausgewählten Kompetenzbereichs.

Anonyme Befragung (für Mitarbeiter und Kollegen)

Mittels EDV-gestützter, anonymer Befragung können die Richter/-innen eine durch die Befragung von mehreren Mitarbeitern objektive Rückmeldung zu bestimmten Kompetenzen erhalten. Die Anonymität garantiert eine offene Rückmeldung. Gerade bei wiederholtem Einsatz lässt sich das Instrument zur Verlaufskontrolle einsetzen.

Selbstbild- und Fremdbild-Abgleich

Mit dem Selbstbild-/Fremdbildvergleich können die Richter/-innen eine ausführliche Standortbestimmung vornehmen. Sie vergleichen EDV-gestützt ihre Einschätzungen mit denen ihrer Kollegen in den ausgewählten Kompetenzbereichen und erfahren so, in welchen Bereichen Selbstbild und Fremdbild miteinander übereinstimmen bzw. voneinander abweichen.

Fragebogen

Mit Hilfe wissenschaftlich fundierter Skalen können die Richter/-innen in ausgewählten Bereichen (z. B. Selbstmanagement) eine Einschätzung vornehmen.

Lernjournal

Mittels Lernjournal können Richterinnen und Richter in ausgewählten Kompetenzbereichen (z. B. «Führung» oder «Zeitmanagement») kontinuierlich Erfahrungen festhalten, reflektieren und auswerten.

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3

Das Richterportfolio

E

Instrumente zur individuellen Wissenserarbeitung Seminare

In den verschiedenen Kompetenzbereichen können die Richter/-innen aus einem breiten, modularen Seminar- und Fortbildungsangebot auswählen. Die Seminare/Kurse werden entweder intern durch die Fachstelle Aus- und Weiterbildung oder durch externe Weiterbildungsinstitutionen (Universitäten, juristische Stiftungen) angeboten. Das Fortbildungsangebot ist so auf das Kompetenzraster abgestimmt, dass alle Kompetenzen durch entsprechende Seminare abgedeckt sind. So gibt es Fachfortbildungen im Bereich der Judikative (Familienrecht, Strafrecht usw.), aber auch Seminare für Sozial-, Personaloder Methodenkompetenzen.

Coaching

Coaching bezeichnet die professionelle Beratung und Begleitung von Richter/-innen durch einen Coach bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Das Ziel ist es, die Richter/-innen bei ihrer Arbeit durch individuelle Beratung zu unterstützen.

Wissensbausteine

Zur individuellen Wissenserarbeitung stehen den Richter/-innen eine Reihe massgeschneiderter und didaktisierter Lehrmittel zur Verfügung, die von Fachspezialisten entwickelt wurden. Die Lehrmittel vermitteln Wissen in den verschiedenen Kompetenzbereichen (z. B. zum Thema «Juristische Datenbanken», «Recht und Sprache», «Grundlagen der Mediation», «Umgang mit Medien und Öffentlichkeit», «Sitzungsleitung», «Kommunikation im Führungsalltag», «Stressmanagement», «Zeitmanagement»). Alle Lehrmittel wurden vor ihrem Einsatz von zufällig ausgewählten Richter/-innen gelesen und geprüft. Wissensbaustein «Juristische ­Datenbanken»

Mit dem Wissensbaustein «Juristische Datenbanken» erhalten die Richter/-innen eine Einführung in die über das Internet zugänglichen juristischen Datenbanken mit den massgebenden Erlassen und der Rechtsprechung.

Wissensbaustein «Recht und Sprache»

Wie in jedem Fachgebiet hat sich insbesondere in der Jurisprudenz eine Sprache mit eigener Terminologie und besonderer Tradition entwickelt. Im Wissensbaustein «Recht und Sprache» lernen die Richter/-innen, mit welchen Mitteln sie ihre Sprache so anpassen können, dass diese für sämtliche Parteien in hohem Masse verständlich ist.

Wissensbaustein «Fragetechnik»

Das bewusste Einsetzen von Fragen bzw. die Kompetenz, Fragen zu stellen, ist eine Grundlage für erfolgreiche Kommunikation. Der Wissensbaustein «Fragetechnik» thematisiert, welche Bedeutung verschiedene Frageformen für den Verlauf richterlicher Kommunikationssituationen haben.

Wissensbaustein «Grundlagen der ­Mediation»

Mediation ist ein aussergerichtliches Verfahren der Streitbeilegung mit einer langen Tradition. Im Wissensbaustein werden den Richter/-innen die theoretischen Grundlagen der Mediation, die Verfahrensschritte sowie mediative Methoden und Techniken vermittelt.

Wissensbaustein «Umgang mit Medien und Öffentlichkeit»

Nach der Bearbeitung des Wissensbausteins «Umgang mit Medien und Öffentlichkeit» kennen die Richter/-innen die gesetzlichen und gerichtsinternen Bestimmungen über den Umgang mit Medien, sind für legitime Öffentlichkeitsbedürfnisse sensibilisiert, können die Arbeitstechniken, Interessen und Bedürfnisse der Medienschaffenden einordnen und beschreiben und sind dafür vorbereitet, auch in aussergewöhnlichen Situationen professionell mit Medien umzugehen.

Wissensbaustein «Sitzungsleitung»

Nach dem Durcharbeiten des Wissensbausteins «Sitzungsleitung» sind die Richter/-innen in der Lage, Sitzungen und Gespräche so vorzubereiten, dass das Ziel des Zusammenkommens bestmöglich erreicht werden kann. Sie lernen, eine Sitzung effizient zu leiten und allen Beteiligten angemessen Raum für deren Beiträge zu geben.

Wissensbaustein «Kommunikation im Führungsalltag»

Kommunikation hat in der richterlichen Tätigkeit eine zentrale Bedeutung. Nach der Bearbeitung des Wissensbausteins «Kommunikation im Führungsalltag» sind die Richter/-innen darauf sensibilisiert, welche Faktoren für eine wirkungsvolle Kommunikation wichtig sind, sie achten auf eine professionelle Leistungsbeurteilung im Führungsalltag und leisten damit einen Beitrag zu einem motivierenden und anregenden Betriebsklima.

Wissensbaustein «Stressmanagement»

Der Wissensbaustein «Stressmanagement» unterstützt zwei Lernziele: 1. Die Richter/-innen kennen die Grundzüge der Stressreaktion und nehmen in Zukunft Symptome und Folgen von Stress bewusster wahr. 2. Die Richter/-innen können Belastungen und Beanspruchungen im Arbeitsalltag durch verschiedene, erprobte Anti-Stress-Techniken auffangen.

Wissensbaustein «Umgang mit ­Informationen»

Um eine aktuelle Rechtsprechung garantieren zu können, ist es notwendig, die Rechtsentwicklung aufmerksam zu verfolgen und sich in fachlicher Hinsicht ständig weiterzubilden. Im Wissensbaustein «Umgang mit Informationen» lernen die Richter/-innen Arbeitstechniken kennen, die sie im Umgang mit der Fülle von Informationen unterstützen.

Wissensbaustein «Zeitmanagement»

Der Wissensbaustein «Zeitmanagement» vermittelt den Richter/-innen Techniken bei verschiedenen Zeitproblemen. Der Wissensbaustein enthält als «Fundgrube» Tipps, Techniken und Lösungen für ein Zeitmanagement unter schwierigen Anforderungen.

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3

Das Richterportfolio

F

Instrumente kollegialen Wissensaustauschs Foren zu Fachliteratur

Ein wichtiges Element des Richterportfolios ist, dass die Richter/-innen Empfehlungen zu Fachbüchern, Aufsätzen oder sonstigen Dokumenten austauschen. So erfahren sie direkt von den Kolleg/-innen, welche Literaturquellen aus Juristensicht besonders wichtig oder hilfreich sind, ohne sich selbst auf die Suche machen zu müssen.

Infolunch

Das Ziel des Infolunches besteht darin, dass die Richter/-innen Wissen, das sie sich anhand eines Falles aneignet haben, an interessierte Kollegen weitergeben, Standpunkte reflektieren, neue Sichtweisen erhalten, das eigene Vorgehen reflektieren – und sich in diesem kollegialen Austausch neues Wissen aneignen. Dabei halten sie einen Kurzvortrag über ein Thema und leiten im Anschluss eine Diskussion. Zusätzlich bietet der Infolunch die Gelegenheit, sich informell auszutauschen, miteinander zu reden und ein gemeinsames Mittagessen einzunehmen.

Intervision

Die Intervision (auch «Kollegiale Beratung» genannt) ist eine Technik, bei der die Richter/-innen im Kollegenkreis aktuelle Praxissituationen diskutieren, und zwar anhand eines strukturierten, planvollen Vorgehens. Der kollegiale Austausch wird mit Hilfe von Moderationshilfen von der Gruppe selbst strukturiert, auf eine Moderation, etwa durch einen externen Supervisor, wird bewusst verzichtet.

Göttisystem

Unter dem Göttisystem wird ein systematisch gestalteter Entwicklungsprozess von relativ unerfahrenen Richter/-innen verstanden, die in ihrer Tätigkeit durch erfahrene Kollegen unterstützt und begleitet werden. Die Zielsetzung des Göttisystems besteht darin, dass weniger erfahrene Richter/-innen Kompetenzen aufbauen, indem ein erfahrener Richter (der «Götti») sein Wissen systematisch weitergibt, zu professionellem Handeln anleitet und bei einer Reflexion der Leistungen behilflich ist.

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3

Das Richterportfolio

Baustein 4: Virtuelle Plattform Der Kompetenzraster sowie alle Entwicklungsinstrumente stehen den Richter/-innen auf einer virtuellen Plattform (http://richterportfolio.knowledgeplus.ch/) zur Verfügung. In einem passwortgeschützten Bereich können sie das Kompetenzraster ausfüllen und erhalten eine automatisierte Auswertung. Sie können sich alle Entwicklungs­ instrumente, Unterlagen und Leitfäden aus einem Downloadbereich herunterladen. Zudem dient die Plattform als Austausch- und Kommunikationsplattform, wo in moderierten virtuellen Diskussionsforen Erfahrungen, Unterlagen, Ideen ausgetauscht werden können. Die virtuelle Plattform erfüllt eine wichtige Funktion: Dadurch, dass es bei dem Richterportfolio im Gegensatz zu klassischen Weiterbildungsmassnahmen nur wenig Präsenzzeiten gibt, stiftet eine gemeinsame, virtuelle Plattform Verbindlichkeit, Kontinuität und Identifikation. Die Plattform wurde von IT-Spezialisten und Webdesignern entwickelt, um eine einfache, übersichtliche und ansprechende Bedienung auch für ungeübte Richter/-innen zu ermöglichen und Frustrationserlebnisse mit dem Computer zu vermeiden. G

Einstiegsseite virtuelle Plattform

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4

Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

Das Richterportfolio ist innovativ, massgeschneidert und nachhaltig. Das zeigt sich vor allem an den folgenden drei Aspekten. •

Es besteht eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem Obergericht und der Ectaveo AG (siehe 4.1).

•

Dem didaktischen Konzept wird ein wesentlicher Wert beigemessen, damit Lernen kein Zufallsprodukt ist. Es wird ein modernes, didaktisches Konzept umgesetzt (siehe 4.2).

•

Um die Nachhaltigkeit, Pflege und Weiterentwicklung zu garantieren, ist das Richterportfolio eng mit den organisationalen Strukturen der Rechtspflege verknüpft (siehe 4.3).

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4

Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

4.1

Interdisziplinäre Zusammenarbeit Vor dem Hintergrund der fehlenden Richterqualifikation wurde vom Präsidium des Obergerichts das Richterportfolio als Massnahme zur Qualitätssicherung richterlicher Arbeit initiiert. Es wurde von Anfang an als zentrales Personal- und Organisationsentwicklungsinstrument bewertet. Damit betrat das Obergericht des Kantons Zürich Neuland. Um die komplexen Aufgaben im Zusammenhang mit dem Projekt zu bewältigen, liess sich das Obergericht bei der Entwicklung und Implementierung des Richterportfolios von der Ectaveo AG Zürich beraten. Mit dem Richterportfolio entstand ein interdisziplinäres Projekt, an dem (auf Seiten der Rechtspflege) OberRichter/-innen, Gerichtspräsidenten und Richter/-innen sowie (auf Seiten der Ectaveo AG) Arbeitspsychologen, Betriebswirtinnen und Pädagoginnen erfolgreich zusammenarbeiteten. Kennzeichnend für den Entwicklungsprozess des Richterportfolios war, dass alle Inhalte von Richter/-innen von Beginn an mitentwickelt und auf die richterliche Tätigkeit hin massgeschneidert wurden. Die methodisch-didaktische Ausgestaltung der Lernprozesse und Bausteine sowie die Begleitung beim Projektmanagement oblagen den Berater/-innen der Firma Ectaveo AG. Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit an Beispielen zu erläutern, werden hier einige Meilensteine des Projekts aufgeführt: •

Ausgangs- und Kernpunkt des Entwicklungssystems war die umfassende Bildungsbedarfsanalyse, die sich stringent an den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen bzw. den daraus abgeleiteten Kompetenzen der Richterinnen und Richter orientierte. Zur Formulierung von Entwicklungszielen war die Niederlegung eines Idealbildes der Richterperson bzw. ihrer Denk- und Handlungsweisen erforderlich. Daraus entstand der Kompetenzraster, anhand dessen die Richter/-innen ihre Kompetenzen eigenverantwortlich einschätzen und allfälligen Entwicklungsbedarf definieren können. An der Entwicklung des Kompetenzrasters, der als zentrales Kernelement des Richterportfolios gilt, beteiligten sich mit dem Präsidium und der Verwaltungskommission die höchsten Gremien des Gerichts. Die Ectaveo AG übernahm die methodische Betreuung und Begleitung bei der Durchführung der Bildungsbedarfsanalyse.

•

Für die Entwicklung der verschiedenen Inhalte und Instrumente engagierten sich mehrere Gerichtspräsidenten und Schlüsselpersonen aus der Verwaltungskommission. Sie wirkten bei der Aufbereitung der Instrumente mit und gaben jederzeit – auch in zeitlich sehr exponierten Phasen – ausführliche Rückmeldungen. Die Ectaveo AG beriet die Projektgruppe bei der curricularen Konzeption und begleitete den Prozess der Inhaltsentwicklung mit fachlicher Expertise und Prozessmoderation.

•

Der internen Kommunikation des Projekts wurde höchste Bedeutung zugemessen. Bei der Einführung des Richterportfolios an den Gerichten, diversen Informationsveranstaltungen für Richterinnen und Richter und verschiedenen Informationsschreiben war das Präsidium federführend. So wurde der Zielgruppe kontinuierlich und über verschiedene Kanäle hinweg der Sinn und Zweck erläutert, die Hintergründe erklärt und es wurde Widerständen begegnet. Diese persönliche Kommunikation erwies sich als zielführend und wurde von den Teilnehmenden geschätzt. Die Ectaveo AG unterstützte die interne Kommunikationsstrategie mit fachlicher Expertise.

•

Zusätzlich gab es eine doppelte Projektleitung, die auf Seiten des Obergerichts von Anfang an von dem Obergerichtspräsidenten Dr. Rainer Klopfer wahrgenommen wurde.

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4

Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

4.2

Das didaktische Konzept Das methodisch-didaktische Konzept orientiert sich an aktuellen Erkenntnissen der Lehr-/Lernforschung und ist in der Umsetzung zugleich pragmatisch und nachhaltig. Die Grundphilosophie lautet: Handlungskompetenz kann nicht im Seminarraum erworben werden, vielmehr zeigt sich der Schlüssel zum Erfolg in einem Kompetenzerwerb on-the-job, in einem arbeitsplatzbezogenen Lernen. Eine grosse Stärke dieses Entwicklungssystems on-the-job ist die Förderung der Handlungskompetenz der Richter/-innen: Die Umsetzung einer Portfolioleistung im Arbeitsalltag erfolgt individuell durch die Richter/-innen. Sie bestimmen den Zeitpunkt, den Umfang und den Inhalt der Portfolioleistung selbst. Mithilfe von Selbst- und Fremdeinschätzungen erkennen sie ihre individuellen Kompetenzdefizite und Entwicklungspotenziale. Aus einem grossen Spektrum an Entwicklungsinstrumenten können sie ein individuelles Portfolio zusammenstellen. Sie nutzen dabei die Vorteile kollegialen Wissensaustausches und der Selbstreflexion.

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Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

Um Handlungskompetenzen on-the-job aufzubauen, werden folgende didaktische Prinzipien berücksichtigt. Didaktisches Prinzip 1: Selbstgesteuertes Lernen in authentischen Handlungssituationen Lernprozesse innerhalb des Entwicklungssystems erfolgen in hohem Masse selbstgesteuert und on-the-job. Dies bedeutet, dass die Richter/-innen je nach persönlichen Lernbedürfnissen und Anforderungen ihrer beruflichen Praxis über Themenwahl, Umfang, Ablauf und Umsetzung der Lerninhalte entscheiden. Alle Weiterbildungsangebote (vom Lehrmittel bis zum Seminar) fokussieren auf Kompetenzen am Arbeitsplatz. Bis auf die Seminare finden die Wissensvermittlungen (z. B. Infolunch, Intervision, Rückmeldungen) vor Ort im Gericht statt. Alle Formen des Wissensaustausches sind in die Abläufe des Gerichtsalltages eingebettet. Die individuellen Lerninstrumente (z. B. die Themen in den Wissensbausteinen) haben einen klaren Bezug zum Arbeitsplatz und wurden von Arbeitsplatzinhabern und Experten entwickelt. Didaktisches Prinzip 2: Unterstützung der Lernprozesse Lernprozesse innerhalb des Richterportfolios erfolgen wie oben beschrieben in hohem Masse selbstgesteuert. Um die Richter/-innen dabei zu unterstützen, gibt es verschiedene Unterstützungssysteme. Beispiele sind: •

Der Einsatz von Portfoliopartner/-in: Die Richter/-innen werden zu Beginn und beim Abschluss einer Portfolio­ leistung von einem Portfoliopartner unterstützt. Dieser übernimmt eine beratende Rolle und hilft u. a. bei der Konkretisierung der Zielsetzungen und bei der Auswertung der Lernerkenntnisse.

•

Die virtuelle Plattform: Alle Weiterbildungsinstrumente und Informationen stehen den Richter/-innen auf einer virtuellen Plattform zur Verfügung. Hier können die Richter/-innen Erfahrungen, Unterlagen, Ideen austauschen.

Didaktisches Prinzip 3: Soziales Lernen Durch Formen der kollegialen Zusammenarbeit wird eine Kultur der Expertengemeinschaft (community of experts) gefördert, in der Kolleg/-innen nicht als Einzelkämpfer oder Konkurrenten, sondern als Lernpartner angesehen werden, die sich gegenseitig in der individuellen Entwicklung unterstützen. Beispiele für soziale Lernformen sind: •

Forum zur Fachliteratur: Auf der virtuellen Plattform können sich die Richter/-innen zu Fachbüchern, Aufsätzen oder sonstigen Dokumenten austauschen und von dem Wissen der Kolleginnen profitieren.

•

Infolunch: Bei einem Infolunch tauschen sich die Richter/-innen zu bestimmten Themen aus und eignen sich neues Wissen an, indem abwechselnd Kurzvorträge gehalten werden und darüber diskutiert wird.

•

Intervision: In Form der kollegialen Beratung besprechen die Richter/-innen in regelmässigen und strukturierten Sitzungen aktuelle Praxissituationen.

•

Göttisystem: Ein Richter/eine Richterin mit grosser Berufserfahrung begleitet und unterstützt einen noch unerfahrenen Richter als fachlicher Mentor.

Didaktisches Prinzip 4: Einsatz von Werkzeugen, Tools, Methoden Zur Erarbeitung von persönlichen «Werkzeugen für den Berufsalltag» stehen den Richter/-innen eine Reihe massgeschneiderter und didaktisierter Wissensbausteine zur Verfügung, die von Fachspezialisten entwickelt wurden. Die Wissensbausteine vermitteln Wissen in den verschiedenen Kompetenzbereichen (z. B. zum Thema «Juristische Datenbanken», «Recht und Sprache», «Grundlagen der Mediation», «Umgang mit Medien und Öffentlichkeit», «Sitzungsleitung», «Kommunikation im Führungsalltag», «Stressmanagement», «Zeitmanagement»). Alle Lehrmittel wurden vor ihrem Einsatz von zufällig ausgewählten Richter/-innen gelesen und geprüft. Die Lehrmittel enthalten Checklisten und Memocards, so dass sie als Nachschlagewerke oder Erinnerungshilfen im Alltag einsetzbar sind.

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Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

Didaktisches Prinzip 5: Reflexion Ein wichtiges, im Richterportfolio verwirklichtes didaktisches Prinzip ist das der Reflexion. Sie ist ein wesentliches Merkmal von Handlungskompetenz und deshalb ein wichtiges Gestaltungsmittel kompetenzorientierter Weiterbildungsmassnahmen. Alle Lernprozesse sind so angelegt, dass die Richter/-innen in den verschiedenen Kompetenzbereichen durch Selbsteinschätzungen und Rückmeldungen individuelle Standortbestimmungen vornehmen, darüber nachdenken und ihre Schlussfolgerungen verschriftlichen. Beispiele für diese Reflexionen sind: •

Selbsteinschätzung: Mittels Selbsteinschätzung können die Richter/-innen eine vertiefte Selbsteinschätzung in den jeweiligen Kompetenzbereichen vornehmen z. B. zum Führungsstil, zur Kommunikation, zur persönlichen Stressbewältigung usw.

•

Kollegiale Rückmeldung: Bei der kollegialen Rückmeldung geben die Kolleginnen und Kollegen kriteriengestützte, konstruktive Rückmeldungen zu bestimmten Kompetenzen innerhalb des von den Richter/-innen ausgewählten Kompetenzbereichs.

•

Anonyme Befragung (für Mitarbeiter): Mittels EDV-gestützter, anonymer Befragung können die Richter/-innen eine durch die Befragung von mehreren Mitarbeitern objektive Rückmeldung zu bestimmten Kompetenzen erhalten.

Didaktisches Prinzip 6: Übungen und Training Das Prinzip der Selbststeuerung bedingt, dass es bei diesem Entwicklungssystem keine formalen Übungen und Trainings gibt. Allerdings erhalten die Richter/-innen durch die fortlaufende Selbsteinschätzung im Kompetenzraster Rückmeldungen zum Ausprägungsgrad ihrer Kompetenzen und sind dadurch aufgefordert, an vorhandenen Kompetenzdefiziten so lange zu arbeiten (d. h. auch zu üben und zu trainieren), bis sie die Idealausprägung erreichen.

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4

Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

4.3

Verknüpfung mit bestehenden Organisationsstrukturen Um die Umsetzung des Richterportfolios zu unterstützen und die Verbindlichkeit des Richterportfolios zu erhöhen, ist das Richterportfolio eng an die Organisationsstrukturen der Rechtspflege angebunden. •

Einbindung in die Qualifikationsgespräche mit den Bezirksgerichts-präsident/-innen: Sowohl die Arbeit mit dem Richterportfolio als auch die periodische Durchführung von Mitarbeitergesprächen stehen im Dienste der Personal- und Qualitätsentwicklung und sind somit Teil des umfassenden Qualitätsmanagements der Rechtspflege. Deshalb ist die Arbeit im Rahmen des Richterportfolios ein obligatorisches Traktandum jedes Mitarbeitergespräches. Vorgesetzte und Richter/-innen entscheiden gemeinsam, in welchem Umfang sie die Portfolioarbeit und die Ergebnisse im Mitarbeitergespräch thematisieren wollen. Das Minimum ist die Frage nach der Beteiligung am Richterportfolio.

•

Die Richter/-innen werden durch eine zentrale Fachstelle am Obergericht bei ihrer Arbeit mit dem Richterportfolio unterstützt. Die zentrale Fachstelle ist dem Generalsekretariat unterstellt und übernimmt folgende Aufgaben: (1) Sie steht als Ansprechpartnerin bei Umsetzungsfragen, bei technischen Fragen, etwa zum Umgang mit der unterstützenden virtuellen Lernplattform, bei Koordinationsaufgaben und bei Weiterbildungen innerhalb des Portfolios zur Verfügung. (2) Sie organisiert ein jährliches Treffen der Richter/-innen zu einem Erfahrungsaustausch im Rahmen des Richterportfolios. Die Zielsetzungen dieser Veranstaltung sind u. a. ein Erfahrungsaustausch, der Aufbau von Netzwerken über die einzelnen Bezirksgerichte hinweg und eine inhaltliche Vertiefung durch die Vorstellung durch die Vorstellung eines Schwerpunktthemas an jedem Treffen.

•

Neue Richter/-innen werden bei ihrer Einarbeitung ins Richterportfolio eingeführt. Dies umfasst die folgenden Massnahmen: (1) Information durch die Bezirksgerichtspräsident/-innen: Alle zukünftigen Richter/-innen erhalten mit ihrer Anstellung einen Leitfaden zum Richterportfolio. Sie werden beim Einführungsgespräch über die Grundzüge des Richterportfolios informiert. (2) Einführung durch eine/n Portfoliopartner/-in: Die Arbeit mit dem Richterportfolio beginnt drei Monate nach Stellenantritt. Die zuständigen Portfoliopartner/-innen begleiten die neuen Richter/-innen in der Arbeit mit dem Richterportfolio. Sie zeigen ihnen, mit welchen Instrumenten aus dem Richterportfolio sie ihre Einführungszeit effizient organisieren, und sie begleiten die neuen Richter/-innen während des ersten Jahres im Rahmen der zu erbringenden Portfolioleistungen. (3) Informationsveranstaltung durch die zentrale Fachstelle: Zweimal jährlich veranstaltet die zentrale Fachstelle Informationsveranstaltungen für neu eingetretene Richter/-innen. Die Teilnahme ist obligatorisch. Die Veranstaltung führt detailliert in die Handhabung des Richterportfolios ein.

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4

Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

4.4

Ein Projekt – zwei Partner/-innen Kennzeichnend für den Entwicklungsprozess des Richterportfolios war, dass alle Instrumente von Richter/-innen von Beginn an mitentwickelt und sie auf die richterliche Tätigkeit hin massgeschneidert wurden. In einem interdisziplinären Projekt arbeiteten – für die methodisch-didaktische Ausgestaltung und Prozessbegleitung – ­Arbeitspsychologen, Betriebswirte und Pädagogen der Firma Ectaveo AG Zürich mit. Die Arbeitsteilung in den einzelnen Projektschritten sah im Überblick folgendermassen aus: Obergericht

Ectaveo AG

• Projektmanagement

• Projektmanagement • Unterstützung der Projektleitung OG bei Problemstellungen und Entscheidungsfindungen

• Projektkommunikation und Marketing: • Präsenz an den Veranstaltungen und Anlässen am Obergericht und den Bezirksgerichten

• Projektkommunikation und Marketing: • Erstellung von Informations- und Kommunikations­ dokumenten • Mitgestaltung der Einführungsveranstaltungen

• Strukturierung des Berufsbildes und Definition der ­Kompetenzen

• Methodisch-didaktische Begleitung bei der Durchführung der Bildungsbedarfsanalyse

• Definition der Grundsätze des Richterportfolios • Review des didaktischen Konzepts für eine Portfolioleistung

• Entwicklung des didaktischen Konzepts für eine Portfolio­ leistung

• Entwicklung diverser gerichtsspezifischer Inhalte für die ­Entwicklungsinstrumente • Review der Entwicklungsinstrumente durch die Projektgruppe • Vernehmlassung der Entwicklungsinstrumente durch die ­Verwaltungskommission

• Methodisch-didaktische Konzeption der Entwicklungs­ instrumente, Aufbau der virtuellen Plattform

• Pilotdurchführung: Test der Entwicklungsinstrumente und des Verfahrens

• Pilotdurchführung: Planung, Begleitung und Evaluation

• Überarbeitung der Entwicklungsinstrumente • Vernehmlassung der Überarbeitungen

• Überarbeitung der Entwicklungsinstrumente, Überarbeitung der virtuellen Plattform

• Vernehmlassung und Umsetzung des Einführungskonzepts

• Erstellen eines Einführungskonzepts

• Besetzung der Fachstelle Richterportfolio, Implementierung des Richterportfolios, Umsetzung des Betriebskonzepts

• Erstellen eines Betriebskonzepts

• Vernehmlassung, Anpassung und Umsetzung der Strukturen für die Weiterentwicklung

• Erstellung eines Konzepts zur Weiterentwicklung des Richterportfolios

• Teilnahme an den Datenerhebungen

• Koordination und Begleitung der wissenschaftlichen Begleit­ forschung

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4

Das Richterportfolio: Die Besonderheiten

Ein Projekt dieser Dimension umfasst noch weitere externe Projektpartner/-innen: •

Die Firma Ivaris AG Wallisellen (www.ivaris.ch) war für den Aufbau und die Betreuung der virtuellen Plattform verantwortlich.

•

Das Key-Visual, das Web-Design der Plattform und das auf der Titelseite abgebildete Aufbewahrungssystem für Dokumente entwickelte die Firma dezember und juli gmbh, Wernetshausen (www.dezemberundjuli.ch).

Zusätzlich wird das Richterportfolio durch ausgewählte Universitäten wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die wissenschaftliche Evaluation des Richterportfolios soll Daten zur Konzeption, Implementierung, Wirkung und zum Nutzen liefern, um das Projekt nach wissenschaftlichen Kriterien zu bewerten, Hinweise für die Weiterentwicklung des Richterportfolios zu geben und Empfehlungen für die Übertragbarkeit auf andere Organisationen auszuarbeiten. Bei der wissenschaftlichen Begleitforschung sind derzeit die folgenden Universitäten beteiligt. •

Universität Freiburg i. Brsg. (Arbeitsgruppe Arbeits- und Organisationspsychologie: Prof. Dr. Heinz Schüpbach)

•

Universität Bern (Institut für öffentliches Recht: Prof. Dr. Regina Kiener)

Weitere Kooperationen mit juristischen, betriebswirtschaftlichen und organisationspsychologischen Lehrstühlen sind in Vorbereitung.

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5

Impressionen zum Ergebnis

5.1

Einblicke in das Produkt

H

Virtuelle Plattform

19


5

Impressionen zum Ergebnis

I

Kompetenzraster

20


5

Impressionen zum Ergebnis

J

Sammelmappen und Schuber

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5

Impressionen zum Ergebnis

5.2

Was sind die Erfahrungen bei der Umsetzung? Im Zentrum der Arbeit mit den Instrumenten des Richterportfolios steht die berufliche Kompetenzentwicklung. Bei der Pilotdurchführung wurden im Jahre 2006 alle Bausteine des Richterportfolios (ausgenommen: Seminare – diese waren bis anhin noch nicht auf das Kompetenzraster abgestimmt) über mehrere Monate hinweg erprobt. Bei der Umsetzung wurde darauf geachtet, jedes Instrument von mindestens zwei Richter/-innen unter «realen Bedingungen» prüfen und unter verschiedenen Gesichtspunkten bewerten zu lassen. «Reale Bedingungen» bedeutet: Die Teilnehmer/-innen des Pilots setzten die Instrumente an ihren Gerichten um. So traf sich beispielsweise eine Gruppe von Richterinnen und Richtern zu einem regelmässigen strukturierten Erfahrungsaustausch oder einem Infolunch, oder mehrere Richter holten sich eine kollegiale Rückmeldung z. B. zu ihrer Verhandlungsführung ein.

K

Rahmenbedingungen der Pilotdurchführung Rahmenbedingungen • Jedes Instrument wird von mindestens 2 Personen getestet • Das Instrument wird unter «realen Bedingungen» erprobt (Einbezug anderer Kolleginnen und Kollegen/Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen) • Alle Dokumente werden auf der Plattform zur Verfügung gestellt • Es steht pro Kompetenzbereich jeweils eine Betreuungsperson von Ectaveo zur Verfügung

Als Bewertungskriterien wurden verschiedene Kriterien einbezogen, die sich sowohl auf die Handhabbarkeit als auch auf den Nutzen und die Akzeptanz bezogen, wie die folgende Abbildung zeigt. L

Bewertungskriterien Bewertungskriterien • • • • • • •

Zeitliche und organisatorische Aufwendungen Verständlichkeit Nachvollziehbarkeit Relevanz des Inhalts Mehrwert des Instruments Virtuelle Plattform Reaktionen aus dem Umfeld

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5

Impressionen zum Ergebnis

Insgesamt nahmen an dem Piloten 56 Personen teil (Zufallsstichprobe), die Datenerhebung erfolgte in 1-stündigen Interviews (N=20) bzw. durch Evaluationsfragebögen (N=36). M

Stichprobe Anzahl der Evaluationen pro Kompetenzbereich (n=36) • • • • • • •

Fallbearbeitung: n=5 Verhandlungsführung: n=5 Verfahrensorganisation: n=4 Personalführung: n=6 Selbstführung: n=6 Organisation/Administration: n=6 Übergeordnete Instrumente: n=4

Anzahl der Interviews pro Kompetenzbereich (n=20) • • • • • • •

Fallbearbeitung: n=4 Verhandlungsführung: n=4 Verfahrensorganisation: n=1 Personalführung: n=4 Selbstführung: n=1 Organisation/Administration: n=3 Übergeordnete Instrumente: n=3

Insgesamt wurden die Instrumente als nützlich und gewinnbringend eingeschätzt, wobei die Bewertungen bei einzelnen Instrumenten differierten: Einige Richterinnen schätzten beispielsweise die Rückmeldung durch Kollegen als ungewohnt und gewöhnungsbedürftig ein, während andere gerade von dieser Form der Fremdeinschätzung profitierten. Einige wiesen darauf hin, dass ein kollegialer Erfahrungsaufwand zu zeitaufwändig und schwierig zu organisieren sei, während andere von interessanten und hilfreichen Diskussionen zu aktuellen Themen berichteten. Insgesamt als positiv wurde die virtuelle Plattform eingeschätzt, auch wenn die Arbeit mit einer virtuellen Plattform für viele Richterinnen und Richter noch ungewohnt war. Die Ergebnisse der Pilotdurchführung zeigten, dass bei vielen Richterinnen und Richtern ein grosses Interesse an einem Instrumentarium besteht, das den selbstorganisierten Kompetenzerwerb unterstützt. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass der Nutzen der einzelnen Instrumente in hohem Masse von der beruflichen Erfahrung, der persönlichen Arbeitsbelastung und dem jeweiligen Bedürfnis des Richters abhängt. Aber gerade deshalb wurden für die verschiedenen Kompetenzbereiche vielfältige Instrumente entwickelt, die die Richter/-innen je nach Bedürfnis und Bedarf zusammenstellen können. Lernangebote, die dem kollegialen Wissensaustausch dienen, wurden vor allem von unerfahrenen Richter/-innen sehr positiv bewertet. Vor Einführung des Richterportfolios gehörte es nicht zur Kultur der Rechtspflege, sich gegenseitig z. B. auf die Verhandlungsführung Rückmeldung zu geben, ein Mentoring zu nutzen oder eine kollegiale Intervision durchzuführen. Die Evaluation ergab, dass sich insbesondere junge Richter/-innen eine solche Begleitung wünschten, sie aber – weil es bis anhin nicht Brauch war – diesen Wunsch nie äusserten. Durch den offiziellen Charakter im Rahmen des Richterportfolios wurden solche Lernformen institutionalisiert und als offizielles Angebot geschaffen.

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5

Impressionen zum Ergebnis

Die folgende Abbildung zeigt die Evaluationsergebnisse, bei denen Überarbeitungsmassnahmen erforderlich waren, im Detail auf und beschreibt die Massnahmen, die anschliessend umgesetzt wurden. N

Evaluationsergebnisse im Detail Bewertungen und getroffene Massnahmen: Wissensbausteine Bewertungen • Relevante Inhalte, lohnender Lesestoff • Nutzen vom Vorwissen und der Erfahrung abhängig • Texte teilweise zu lang, zu abstrakt Massnahmen bei der Überarbeitung • Überarbeitung der Sprache/des Ausdrucks • Kürzung der Textlänge, wo erforderlich • Überarbeitung des Wissensbausteins «Sitzungsleitung»

Bewertungen und getroffene Massnahmen: Analyseinstrumente Bewertungen • Selbsteinschätzung: Gut umsetzbar, Inhalte unterschiedlich relevant • Kollegiale Rückmeldung: Ungewohnt, aber von jüngeren Richtern als sehr hilfreich bewertet • Befragung: innerhalb der Kultur der Rechtspflege ungewohnt/ungewöhnlich; positive Erfahrungsberichte • Allgemein: Sprache noch zu abstrakt Massnahmen • Überarbeitung der Sprache/des Ausdrucks • Hinweis auf die Möglichkeit, Fragen selbst zu formulieren

Bewertungen und getroffene Massnahmen: Intervision Bewertungen • Contra: zu institutionalisiert, aufwendig • Pro: Hoher Aufwand, aber auch hoher Nutzen. Förderung eines kollegialen, strukturierten Erfahrungsaustausches, Profit von der Erfahrung Gleichgestellter, grundsätzlich gutes und akzeptiertes Instrument Massnahmen • Überarbeitung der Sprache/des Ausdrucks • Beispiele für Intervision pro Kompetenzbereich • Flexibilisierung der Struktur

Bewertungen und getroffene Massnahmen: Infolunch Bewertungen • Insgesamt sehr positive Einschätzungen, hohes Nutzenpotenzial, hohe Relevanz • Bisherige Form ist zu schematisch (Anzahl, Frequenz und Dauer der Treffen, Form des Referats) • Sprache/Ausdruck nicht angemessen: Hinweise als Empfehlungen formulieren Massnahmen • Sprachliche Überarbeitung • Flexibilisierung der Struktur

Bewertungen und getroffene Massnahmen: Virtuelle Plattform Bewertungen • Kompetenzraster als online-Fragebogen aufschalten • Zu 70% positive Bewertungen (keine Probleme mit der Plattform, Plattform ist benutzerfreundlich) • Zu 30% negative Bewertungen (Plattform ist unübersichtlich) Massnahmen • Aufschalten des Kompetenzrasters als online-Version • Verbesserung der Übersichtlichkeit durch neues grafisches Konzept

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6

Wie geht es weiter?

Seit Oktober 2007 ist das Richterportfolio an den Gerichten flächendeckend eingeführt. Die Benutzerstatistiken auf der Plattform zeigen, dass die Richterinnen und Richter die Plattform aktiv nutzen. Die bisher häufigste Nutzung war im März 2008 (über 12’000 aufgerufene Seiten bei 119 Besuchern). Für Ende 2008 ist eine Evaluation geplant, die die Umsetzung des Richterportfolios im Gerichtsalltag abbilden soll. Das Richterportfolio ist keine isolierte Massnahme, sondern wurde als die zentrale Personal- und Organisationsentwicklungsmassnahme implementiert. Seit der Einführung im Herbst 2007 ist das Richterportfolio das zentrale Instrument, um Zielsetzungen der Personal- und Organisationsentwicklung abzubilden und umzusetzen. Durch die konsequente Verknüpfung mit dem Arbeitsalltag werden Auswirkungen im Bereich der Organisationsentwicklung mitinitiiert. Um zu gewährleisten, dass das Richterportfolio Beständigkeit, Konstanz und Systematik aufweist, gleichzeitig aber auch in hohem Masse aktuell und zukunftsweisend ist, wird der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Richterportfolios ein wichtiger Stellenwert zugewiesen. Folgende Strukturen und Prozesse sind für Pflege und Weiterentwicklung des Richterportfolios vorgesehen: •

Entwicklungsschwerpunkte aus der Verwaltungskommission: Die Verwaltungskommission führt einen Themenspeicher, um relevante Inhalte für das Richterportfolio festzuhalten. Dabei berücksichtigt sie vor allem zukünftige Entwicklungen, Vorgaben vom Kanton etc. im Sinne einer strategischen Ausrichtung der Rechtspflege.

•

Entwicklungsschwerpunkte aus der Konferenz der Gerichtspräsident/-innen: Einmal jährlich im Rahmen des 2-tägigen Workshops diskutieren die Gerichtspräsident/-innen mögliche Themenbereiche für das Richterportfolio. Dabei stehen vor allem Anliegen der Gerichte im Zentrum.

•

Entwicklungsschwerpunkte aus dem Plenum des Obergerichts und der Plena der einzelnen Bezirksgerichte: Die Richter/-innen in den einzelnen Gerichten können sich an der Weiterentwicklung des Richterportfolios beteiligen. Einmal jährlich ist dies ein Traktandum an der Plenarsitzung. Richter/-innen können jedoch auch direkt bei der Fachstelle Richterportfolio ihre Anliegen einbringen.

•

Entwicklungsschwerpunkt aus der Statistik bzw. Evaluation der im Einsatz stehenden Instrumente: Die zentrale Fachstelle hat die Aufgabe, regelmässig die im Einsatz stehenden Instrumente zu evaluieren. Der sich ergebende Entwicklungsbedarf wird in die Fachgruppe eingebracht.

•

Aufarbeitung und Entscheidung der Entwicklungsschwerpunkte in der Fachgruppe Richterportfolio: Die Fachgruppe Richterportfolio besteht aus Delegierten der verschiedenen Gremien. Die Fachgruppe diskutiert die eingebrachten Themenschwerpunkte, wählt Entwicklungsschwerpunkte aus und plant die Aufarbeitung der verschiedenen Schwerpunkte. Die zentrale Fachstelle erstellt als Grundlage für diese Diskussion verschiedene Statistiken über die vorhandenen Entwicklungsinstrumente. Diese machen Aussagen über Häufigkeit des Einsatzes, Notwendigkeit der Überarbeitung etc.

•

Umsetzung der Entwicklungsschwerpunkte durch die zentrale Fachstelle: Die zentrale Fachstelle organisiert den Aufbau der ausgewählten Entwicklungsschwerpunkte, wobei externe Fachexperten mit einbezogen werden können.

Diese hochrangig besetzten Gremien sollen gewährleisten, dass die Inhalte aktuell gehalten werden, zukünftige Berufsanforderungen und Kompetenzen einfliessen und das Richterportfolio für die Richterschaft auch in Zukunft ein attraktives on-the-job-Entwicklungssystem bleibt.

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7

Die Projektpartner

7.1

Das Obergericht des Kantons Zürich Das Obergericht ist zur Hauptsache als Rechtsmittelinstanz in Zivil- und Strafsachen tätig. Es beurteilt Berufungen, Rekurse und Nichtigkeitsbeschwerden gegen Entscheide der Arbeitsgerichte, Mietgerichte, Bezirksgerichte und Schiedsgerichte sowie der Einzelrichter an den Arbeitsgerichten, Mietgerichten und Bezirksgerichten. Als erste Instanz behandelt das Obergericht Zivilprozesse über vermögensrechtliche Ansprüche, in welchen sich die Parteien schriftlich geeinigt haben, Zivilklagen gemäss Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte sowie Zivilklagen gemäss Bundesgesetz über den Schutz von Topographien von Halbleitererzeugnissen. Ferner beurteilt es erstinstanzlich Strafprozesse, die an sich in die Zuständigkeit des Geschworenengerichts fielen, in denen jedoch der Angeklagte den eingeklagten Sachverhalt anerkennt und sich schuldig erklärt oder die Bestreitung nur solche Teile der Anklage oder des Deliktbetrages betrifft, die an sich die Zuständigkeit des Geschworenengerichts nicht begründen. Ferner kann der Angeklagte anstelle des Geschworenengerichts das Obergericht wählen, wenn er lediglich die rechtliche Würdigung des anerkannten eingeklagten Sachverhaltes bestreitet oder wenn er den eingeklagten Straftatbestand zwar anerkennt, jedoch eine Qualifikation dieses Straftatbestandes bestreitet, die im Rahmen des gleichen Artikels des Strafgesetzbuches einen besonderen Strafrahmen begründet oder wenn er die eingeklagten strafbaren Handlungen vor der Vollendung des 25. Altersjahres begangen hat. Ausserdem behandelt das Obergericht Begehren um Vollstreckung ausländischer Strafentscheide gemäss Bundesgesetz über die internationale Rechtshilfe. Zugleich ist das Obergericht aber auch oberste Justizverwaltungsbehörde und überwacht die gesamte Zivil- und Strafrechtspflege des Kantons. Ihm unterstehen nebst seinen sechs Kammern auch das Handelsgericht, das Geschworenengericht und alle Bezirksgerichte. Es übt sodann mittelbar oder unmittelbar die Aufsicht über die Notariate, Grundbuch- und Konkursämter, über die Gemeindeammann- und Betreibungsämter sowie über die Friedensrichterämter aus. Seine Aufgaben erfüllt das Obergericht teils als Gesamtgericht, teils in Zivil- und Strafkammern, einer Anklagekammer, einer Revisionskammer und einer Verwaltungskommission. Die Justizverwaltungsgeschäfte sind zur Hauptsache dem Obergerichtspräsidium (Operatives) und der Verwaltungskommission (Strategisches) übertragen. Weitere Informationen können unter http://www.obergericht-zh.ch/ eingesehen werden.

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7

Die Projektpartner

7.2

Ectaveo AG Die Firma Ectaveo AG ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Partner/-innen, welche jahrelange Erfahrung im Bereich der Bildungs- und Organisationsgestaltung aufweisen. Die Vertreter/-innen kommen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen und ermöglichen aus diesem Grund ein interdisziplinäres Bearbeiten des Themenbereichs. Ectaveo hat in folgenden Bereichen umfangreiche Projekte erfolgreich umgesetzt: •

Erarbeitung von Grundlagen zur Umsetzung der Kompetenzorientierung im Auftrag des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie

•

Aufbau mehrerer Rahmenlehrpläne für die Höheren Fachschulen im Auftrag von verschiedenen Organisationen der Arbeitswelt

•

Begleitung von Bildungsinstitutionen beim Aufbau von kompetenzorientierten Ausbildungskonzeptionen

•

Entwicklung von verschiedenen on-the-job-Programmen

•

Massgeschneiderte Entwicklung und Durchführung von Führungsausbildungen in verschiedenen Branchen (Rechtspflege, Bildung, Detailhandel)

•

Begleitung von Organisationsentwicklungsmassnahmen

•

Begleitung von Prüfungskommissionen beim Aufbau von kompetenzorientierten Prüfungen

•

Begleitung von Bildungsinstitutionen bei der Einführung von blended learning Konzeptionen (Einführung neuer Technologien im Unterricht)

•

Durchführung von Tagungen, Konferenzen, Anlässen im Bereich «Kompetenzorientierung» und «blended learning»

Weitere Informationen können unter www.ectaveo.ch eingesehen werden.

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Obergericht des Kantons Z端rich

Richterportfolio

Obergericht des Kantons Z端rich Hirschengraben 13/15 8023 Z端rich

Ectaveo AG Riedtlistrasse 15a 8006 Z端rich www.ectaveo.ch


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Bericht Richterportfolio by Konvink AG - Issuu