Österreichische Post AG / MZ20Z042169M econova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck
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2021
MAGAZIN
5,90 €
SEIT 1924
EDITORIAL
LIEBE LESERINNEN UND LESER!
H
ätten wir ein taugliches Orakel, würden wir Ihnen sagen, wie der kommende Winter wird. Haben wir aber leider nicht, daher hoffen wir – wie der Rest des Landes –, dass er in jeder Hinsicht gut wird. Was wir jedoch mit Sicherheit sagen können: In die Winterausgabe des Tirol Magazins haben wir wieder jede Menge Herzblut gesteckt und gänzlich ohne Orakel finden wir: Ja, es ist gut geworden. T i r o l i n d e s fanden schon recht
Benvenuto collection
Innsbrucker Str. 22 - 6100 Seefeld in Tirol Tel. 05212-2317 - juwelier@armbruster.at www.armbruster.at
viele Menschen richtig gut. Das Land hatte schon viele Filmstars zu Gast, hier wurden Streifen von internationaler Bedeutung gedreht, rührige Weihnachtsserien und skurrile Krimis. Die Liste reicht von Luis Trenkers „Berge in Flammen“ über „Das vergessene Tal“ mit Omar Sharif bis zum Bond-Abenteuer „Spectre“. Nicht zu vergessen jene Filme, die sich der Wahrnehmung der breiten heimischen Masse entziehen und dennoch in Tirol entstanden sind und entstehen: Produktionen für den indischen Markt. Diese Filmgeschichte zeichnen wir nach. Zum Thema Film-Festivalland konnten wir auch Anna Ladinig, Präsidentin des Internationalen Filmfestivals Innsbruck, als Kommentatorin gewinnen. Außerdem tauchen wir ganz tief ein in eine andere, artverwandte Welt der Illusionen: in die des Theaters nämlich. Der Blick hinter die Kulissen des Tiroler Landestheaters ist überraschend, spannend und lustig. Tirol_Magazin
A u c h d i s k u t i e r t wird in Tirol
gerne – und bisweilen unerschöpflich. Zuletzt ergingen sich etwa die Diskussionen um das Timmelsjoch darin, ob der Straßenübergang nun ein paar Meter höher oder tiefer liegt. Ganz ehrlich: Die Menschen, die jedes Jahr im Frühjahr die dortige Hochalpenstraße räumen, sind für uns echte Helden – 2.509 Meter hin oder 2.487 Meter her. Eine nicht minder heldenhafte Leistung ist, dass das Top Mountain Motorradmuseum nach dem katastrophalen Brand im Jänner 2021 schon wieder neu eröffnet werden konnte. Wa s T i r o l vor allem gut kann:
Tradition und Landwirtschaft. Wenn es ein Grundnahrungsmittel schlechthin gibt, dann ist es (nebst Wasser) wohl das Brot. Einst gab es in Tirol viele verschiedene Getreidesorten und dementsprechend große Anbauflächen. Doch die Getreideäcker wurden weniger und manche Sorten verschwanden. Nicht zum Glück jedoch das Wissen darum, das in der Genbank des Landes lagert. Aktuell erleben einige davon ihre Renaissance und es finden sich immer wieder Menschen, die echtes heimisches Handwerk einem industriell in China gefertigten Teigling vorziehen. Nichts geht über ein frisches Bauernbrot mit Butter! Frohes Lesen und S ta u n e n u n d e i n e n schönen Winter wünscht Ihnen das gesamte Team!
WILLKOMMEN.
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10_Hard work
It takes weeks to clear the snow from the Timmelsjoch. 20_Winter rest
How wild animals spend the winter.
6 CONTENT
INHALT
CONTENT Nature
40_More than shooting
Hunters are gamekeepers, forestry workers and guardians of nature.
Culture
54_Behind the scenes
70_Pictures in motion
Tyrol has been and still is the location of real blockbusters. 84_Posh hotels
When it became fashionable to holiday in the mountains.
NATUR
The finely oiled machinery of the Tyrolean Regional Theatre.
People
10_Knochenarbeit
1 0 6 _ C at wa l k e x p e r i e n c e
Die Schneeräumung am Timmelsjoch dauert Wochen.
Greta Elisa Hofer, the top model from Steinach.
116_Journey of discovery
A hidden picture book of Tyrol. 1 2 6 _ I n v e n t o r ’ s fat e
Good at crafting, bad luck in business. 134_Lord of the castle
How Ehrenberg Fortress almost became rubble.
Life
156_Grain for grain
Old grain meets real baker’s craft.
20_Winterruhe
Wie Wildtiere den Winter verbringen.
40_Mehr als Schiessen
Jäger sind Heger, Forstarbeiter und Naturwächter.
Die fein geölte Maschinerie des Tiroler Landestheaters. 70_Laufende Bilder
Greta Elisa Hofer, das Topmodel aus Steinach.
Tirol war und ist Drehort echter Blockbuster.
84_Mondäne Absteigen
In diesem Buch wimmelt’s nur so vor Bildern.
Als es Mode wurde, in den Bergen zu urlauben.
Glück beim Basteln, Pech in der Wirtschaft.
116_Entdeckungsreise
126_Erfinderschicksal
134_Burgherr
Fast wäre die Feste Ehrenberg Bauschutt geworden.
156_Korn für Korn
INHALT
LEBEN
106_LaufstegE r fa h r u n g
MENSCH
KULTUR
54_Hinter den Kulissen
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KLETTERE NIE AUF BERGE, DAMIT DIE WELT DICH SIEHT. ERKLIMME DIE BERGE, DAMIT DU DIE WELT SEHEN KANNST.
Altes Getreide trifft echtes Bäckerhandwerk.
4_Editorial 8 _ G a s t k o m m e n ta r 30_Ein echter Bergfex 104_Aus dem Archiv 148_Kulinarische Reise 172_Bücher 174_kurz & bündig 176_Impressum
KOMMENTAR
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K o m m e n ta r
FILMFESTIVALLAND TIROL
Das Erlebnis, einen Film im Kino zu sehen, ist für mich von großer Faszination. Es ist eine einzigartige Atmosphäre, die einerseits mit den räumlichen und technischen Gegebenheiten, dem dunklen Saal und der Projektion auf der großen Leinwand, in Verbindung steht. Andererseits umfasst die Kinoerfahrung auch soziale Aspekte: das kollektive Sehen und die anschließende Diskussion. Das beschreibt die Magie, die vom Kinoerlebnis ausgeht, nur unzureichend. Diese steht wahrscheinlich mit dessen Unmittelbarkeit und der affektivperformativen Dimension in Zusammenhang: Empathie zu wecken, Perspektiven zugänglich zu machen, die nicht den eigenen entsprechen, und uns zu ermutigen, unsere eigenen Positionen zu hinterfragen. Das macht Film und Kino so relevant für uns als Einzelperson und für uns als Gesellschaft. F ü r e i n e F i l m p r o d u k t i o n läutet die
Vorführung eines Films im Kino zudem die finale fünfte Phase der Filmverwertung ein. Nach der Projektentwicklung, Vorproduktion, Dreharbeiten und Postproduktion muss der Film an ein Publikum gebracht werden. Der stufenhafte Verlauf, der mit Festivals und anschließend dem Kinostart beginnt und mit DVD-Verleih und Verkauf sowie Pay- und Free-TV endet, wurde in den letzten Jahren aufgeweicht. Das Aufkommen von Streaminggiganten und nicht zuletzt die COVID-19-Pandemie führten dazu, dass Premieren auch auf Streaming-
plattformen stattfanden. Des Weiteren gibt es zahlreiche Filme, die nicht einen regulären Kinostart haben und hauptsächlich auf Festivals zirkulieren. Es sind oft Filme, die vor allem im Festivalsetting funktionieren.
D e s h a l b i s t e s s c h ö n , dass Tirol eine lebendige Festivalszene vorweisen kann. Festivals sind nicht nur ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, sondern fungieren als Multiplikatoren und schaffen international und lokal Aufmerksamkeit unter anderem durch Pressereviews für die ausgewählten Filme. Das am längsten existierende Filmfestival Tirols, das IFFI – Internationale Filmfestival Innsbruck – gibt es mit zwei Namenswechseln bereits seit 1992 und es zeigt seither Filme zu Themen und aus Regionen, die in globalen Kinonetzwerken unterrepräsentiert sind. Über die Jahre ist noch eine große Zahl weiterer Tiroler Festivals dazugekommen: das INFF – International Nature Film Festival – zum Thema Natur, die Diametrale mit ihren schräg-komischen Beiträgen, das Filmfestival St. Anton mit einem Schwerpunkt auf Outdoor und Bergsport, das InnContro mit Filmen zum Thema Migration, das Politfilmfestival, das sich jedes Jahr neuen politischen Fragen stellt, sowie das Filmfestival Kitzbühel zum internationalen Independent-Film. ihre Anna Ladinig
Zur Person Anna Ladinig ist seit 2019 Leiterin des Internationalen Filmfestivals Innsbruck (IFFI). Sie arbeitet derzeit auch an ihrer Dissertation zum zentralasiatischen Kino.
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WENN DIE SCHNEEFRESSER KOMMEN Alljährlich im April oder Mai wird das Timmelsjoch aus dem Winter gewühlt, damit Pkw und vor allem Motorräder diese Hochalpenstraße, die Nord- und Südtirol verbindet, wieder befahren können. Das TirolMagazin hat ein Auge auf diese spektakuläre Arbeit geworfen – auf dem Boden und in der Luft. Fotos: Tom Bause
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FOTOS: © TOM BAUSE
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Zahlen und Daten: • Eröffnung Nordrampe: 17. Juli 1959 • Eröffnung der Verbindung mit Südtirol: 15. September 1968 • Höchster Punkt: 2.478 Meter (lt. Alpenvereinskarte) • Baukosten Nordrampe: 28,1 Mio. Schilling (entspricht nach heutiger Kaufkraft ca. 14,28 Mio. Euro) • Verkehr 1960: 5.592 Pkw, 372 Motorräder • Verkehr 2019: ca. 105.000 Pkw, 85.000 Motorräder • Dauer der Schneeräumung: 6 bis 8 Wochen • Länge der zu räumenden Strecke: ca. 8 Kilometer Tirol_Magazin
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age-, ja wochenlang wühlen sich Schneefräsen Meter für Meter durch das Weiß und legen den Asphalt der Timmelsjoch-Hochalpenstraße wieder frei. Dieses Schauspiel wiederholt sich seit 61 Jahren jedes Frühjahr. Nach dem Winter 2020/21 waren die Bedingungen für die Räumtrupps jedoch besonders hart. Zum Teil ragten nach erledigter Arbeit zwölf Meter hohe Schneewände links und rechts der Fahrbahn empor. Dies und die angespannte Lawinensituation waren der Grund, dass die Straße erst Anfang Juni eröffnet wurde. So spät wie seit 15 Jahren nicht mehr. Phönix aus der Asche.
Am Beginn der Timmelsjoch-Hochalpenstraße befindet sich mit dem Top Mountain Crosspoint außerdem eine echte Besonderheit. Das höchstgelegene Motorradmuseum Europas nämlich. Im Jänner 2021 wurde dieses durch einen Brand völlig zerstört. Doch wie der Phönix erstand es im Laufe des letzten Sommers wieder aus der Asche und wurde inzwischen neu eröffnet. Entstanden ist eine einmalige Motorraderlebniswelt mit neuen, innovativen Attraktionen auf 4.500 Quadratmetern, und damit um 2.000 Quadratmeter größer als das frühere Museum.
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DAS TIMMELSJOCH liegt im Ötztal im Bezirk Imst an der Grenze zwischen Nord- und Südtirol. Die Mautstraße, die von Hochgurgl zum Pass reicht, ist besonders bei Motorradfahrern sehr beliebt. H ö c h s t e r P u n k t : 2.478 m | L ä n g e N o r d r a m p e : 11,87 km
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Die Timmelsjoch-Hochalpenstraße ist eine von vier Straßen mit einer dauerhaften Wintersperre in Tirol. Die anderen sind die Silvretta-Hochalpenstraße, das Hahntennjoch und der Staller Sattel.
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Ski-Star Manuel Feller organisiert seinen Hotel-Aufenthalt und checkt über die CASABLANCA gäste-app direkt auf der Piste im Hotel ein.
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Das Eichhörnchen ist ganzjährig aktiv, nur in strengen Wintern schränkt es seine Aktivitäten stark ein und bleibt lange Zeit in seinem Nest, dem so genannten Kobel. Der ist nahezu wasserdicht und bietet einen guten Wärmeschutz. Während der Zeit der Winterruhe ernähren sich die Eichhörnchen von den Vorräten, die sie im Herbst im Boden verstecken.
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WÄHREND DU SCHLIEFST Der Winter mag die stille Zeit sein, aber stumm ist er keineswegs.
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© ANDREAS FRIEDLE
er Niedergang des blühenden Lebens, der durch den Herbst eingeleitet wird, ist weniger Zäsur als vielmehr ein Atemholen, das bereinigt und Raum schafft für Neues. Das ist der immerwährende Kreislauf des Lebens. Die Tierwelt hat dabei ihre ganz eigenen Strategien, um den Winter zu überstehen. Die Aufgabe von uns Menschen ist es, darauf Rücksicht zu nehmen und den Lebensraum der Tierwelt zu respektieren. Eine Ruhestörung kann für ein Tier im schlimmsten Fall nämlich den Tod bedeuten. N i c h t a l l e T i e r e des Alpenrau-
mes indes halten Winterruhe oder Winterschlaf. Tatsächlich sind es gar nicht so viele. Zahlreiche Arten verbringen ihren Winter aktiv, sodass wir sie oder ihre Spuren beobachten können. Reh und Hirsch zum Beispiel, Fuchs und Hase, aber auch viele Vögel wie Spatzen, Meisen oder Amseln. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit und zahlreicher Tricks schaffen sie es, die unwirtliche Jahreszeit zu überstehen. Während wir Menschen uns eine dicke Daunenjacke überziehen, machen es die Tiere ähnlich: Sie bekommen ein dickeres Winterfell mit dichtstehenden Woll- und Flaumhaaren, bei Vögeln besteht die Wintermontur aus dachziegelartig übereinanderliegen-
den Kontur- und feinen Unterfedern, die dicht über der Haut ein flauschiges Geflecht bilden. Eine Art Wollunterwäsche sozusagen. Eine dichtere Behaarung hat jedoch nicht nur wärmetechnische Gründe, an den Füßen erleichtert sie auch das Vorankommen auf dem Schnee. Wir Menschen tragen zu diesem Zweck Schneeschuhe, mit denen wir schlicht die Auflagefläche unter unseren Füßen vergrößern. So manches Tier verändert auch seine Fellfarbe von braun auf – passenderweise – schneeweiß, um von Feinden nicht sofort erkannt zu werden. Das Tier und wir.
Murmeltiere, die wir gemeinsam mit Alpenzoo-Direktor André Stadler in ihrem Gehege besucht haben, knapp bevor sie sich in den Winterschlaf begeben haben (weshalb sie auch redlich angefressen sind), kleiden ihren Bau für die kalte Jahreszeit mit trockenem Pflanzenmaterial aus. Den Eingang verschließen sie von innen mit einem Pfropfen aus Gras, Kot, Erde und Steinen.
Die Natur ist ein einziges Wunder, ein wildes Reich, das seine ganz eigenen Schätze bereithält. Für jeden, der sie wertschätzt. Wir haben mit Alpenzoo-Direktor André Stadler gesprochen, der für uns extra ins Murmeltiergehege geklettert ist (bitte nicht nachmachen!), bevor dessen Bewohner sich in den Winterschlaf verabschiedet haben. Murmeltiere gehören in der Tat zu den wenigen Tieren, die den Winter vollumfänglich verschlafen und sich dafür verkriechen. Ein Besuch im Alpenzoo lohnt sich also auch während der kalten Jahreszeit, es gibt durchaus viel zu sehen.
© ANDREAS FRIEDLE
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zehren also ausschließlich von ihren Fettdepots, Winterruher wachen zwischendurch auf, um sich an ihren Vorratsschränken zu bedienen.
Wie lange dauert der Winterschlaf? In der Regel ziehen sich die
Tiere Ende September zurück und kommen vor April nicht wieder. Da viele Tiere frische Knospen als Nahrung benötigen, macht es auch gar keinen Sinn, früher zurückzukehren. Es sind eigentlich nur wenige Tiere, die einen wirklichen Winterschlaf halten. Die meisten sind auch winters in der Natur unterwegs. Wie verhält man sich als Mensch richtig, wenn man sich in dieser Zeit ebendort bewegt? Mein Tipp ist für den Winter
Es gibt Tiere, die halten Winterschlaf, andere Winterruhe. Was ist der Unterschied? A n d r é
S ta d l e r : Viele Tiere halten weder Winterschlaf noch -ruhe, sie bekommen ein dickeres Fell, begeben sich in niedrigere Lagen oder reduzieren ihren Stoffwechsel. Für manche ist der Winter sogar die Hauptpaarungszeit, für Füchse zum Beispiel. Auch nicht alle Vögel fliegen gen Süden. Tiere, die sich in Winterschlaf oder Winterruhe begeben, fressen sich im Herbst Fettreserven an. Während die einen – die Winterschläfer – zugleich ihre Winterquartiere vorbereiten, legen die anderen Nahrungsvorräte an. Damit wird auch der Unterschied sichtbar: Bei Winterschläfern erfolgt während dieser Zeit keine Nahrungsaufnahme, sie
„GEHEN SIE IN DIE NATUR, HABEN SIE SPASS, ABER DENKEN SIE DABEI AUCH AN DIE TIERE.“ A n d r é S t a d l e r, Alpenzoodirektor
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kein anderer wie für den Sommer: Bleiben Sie auf den Wegen. Man muss nicht querfeldein laufen. Übrigens stehen die Chancen, Wildtiere zu sehen, besser, wenn man auf den vorgesehenen Pfaden unterwegs ist. Die meisten Tiere haben gelernt, dass der Wanderer oder Spaziergänger ihnen in der Regel nichts tut. Läuft man jedoch kreuz und quer und dringt damit in ihr Revier ein, scheucht man die Tiere auf und sie stieben in alle Richtungen auseinander. Was passiert, wenn man Tiere aus ihrem Winterschlaf weckt? Einen
echten Winterschläfer bekommt man kaum geweckt, problematisch ist es bei den Winterruhern. Reißt man diese aus dem Schlaf, kann das im schlimmsten Fall bis zu deren Tod führen. Die Tiere ruhen aus einem bestimmten Grund: Es gibt kaum Futter und es ist kalt. Wenn es nachts minus 20 Grad hat, kostet sie das ordentlich Energie, weshalb sie mit ihren Reserven sparsam umgehen müssen. Wenn man sie unnötig stört und sie zur Flucht antreibt, verbrennen sie zusätzlich mehr Energie, als sie vielleicht vertragen können.
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Bei Fischotter und Biber ändert der Winter nicht viel. Ihr dickes Fell schützt sie vor Kälte.
Nicht alle heimischen Vögel ziehen winters gen Süden. Der Tannenhäher etwa sammelt im Sommer und Herbst Futter und vergräbt es im Erdboden. Im Winter bedient er sich daran.
Winterschlaf • Herzschläge, Körpertemperatur und Atemfrequenz abgesenkt • Schlaf in frostgeschützten Höhlen • eingerollte Schlafhaltung • nur kurzzeitiges Erwachen • Fettpolster wird abgebaut, keine Nahrungsaufnahme • Einschlafen und Aufwachen durch Hormone und „innere Uhr“ gesteuert
Tiere der Alpen im Winterschlaf: Murmeltier, Igel, Bilche (z. B. Siebenschläfer), Fledermäuse
Winterruhe
Frösche, Schlangen, Eidechsen oder Schildkröten verschlafen den Winter nicht, sondern fallen in die Winterstarre. Das köpereigene Frostschutzmittel Glycerol oder kontrolliertes „Durchfrieren“ verhindern die Zerstörung der Zellen.
Immer mehr Menschen sind in der Natur, auf den Almen und Bergen unterwegs. Nicht immer ist deren Verhalten angemessen. Haben wir den Bezug zur Natur verloren?
Verloren nicht, aber wir leben in einer Zeit der Naturentfremdung. Manche Kinder denken, die Kuh sei lila, sie wissen nicht, wo das Fleisch herkommt, und kennen kein Kikeriki von Hähnen. Ich glaube, Menschen, die sich in der Natur nicht korrekt verhalten, machen das meist nicht böswillig, sondern aus Unwissenheit. Sie wissen nicht mehr, welchen Einfluss unser Verhalten auf andere haben kann. Jeder soll seine Freizeit genießen und das natürlich auch gerne in der Natur, das ist etwas Großartiges, aber wir müssen dafür
nicht unbedingt durch den Lebensraum der Tiere spazieren. Sie würden auch nicht wollen, dass jemand ungefragt durch Ihr Wohnzimmer wandert. Sich auf den dafür vorgesehenen Wegen aufzuhalten, ist genauso wertvoll und ein schönes Erlebnis. Denken Sie an die Skipisten: Tagsüber gehören sie uns Menschen, nachts, nachdem die Pistenraupe gefahren ist, wagt sich so manches Tier dorthin. Lassen wir das doch zu, wir müssen nicht nachts mit der Stirnlampe dort hoch. Mein Appell also: Haben Sie Spaß, gehen Sie raus, und wenn Sie Tiere gucken möchten, erst recht. Aber: Versuchen Sie auch an die Tiere zu denken. Wenn es Ruhezonen gibt, sind die ernst gemeint und Marina_Bernardi sinnvoll. Tirol_Magazin
• Herzschläge, Körpertemperatur und Atemfrequenz abgesenkt • Ruhezeit in Höhlen oder Baumnestern • normale Schlafhaltung • wiederholtes Aufwachen mit Nahrungsaufnahme • Fettpolster wird abgebaut • Einschlafen und Aufwachen durch Umweltbedingungen und Hormone gesteuert
Tiere der Alpen mit Winterruhe: Braunbär, Dachs, Eichhörnchen
Winterstarre • Herzschläge und Körpertemperatur (0 – 10 °C) abgesenkt • Atmung durch die Haut • normale Schlafhaltung • Unterschlupf mit hoher Luftfeuchtigkeit (Erdhöhle, Gewässergrund) • Rückzug ins Überwinterungsquartier gesteuert durch abnehmende Tageslänge und sinkende Temperaturen
Tiere der Alpen mit Winterstarre: Schlangen, Eidechsen, Schildkröten, Schwanzlurche, Froschlurche, Insekten, Schmetterlinge, Heuschrecken, Spinnen, Schnecken
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Spuren im Schnee
WER IST’S GEWESEN? www.naturimbild.at
WER WAR DAS?
Braunbär
Waldmaus
Dachs
Eichhörnchen
Höckerschwan
Graureiher
Fischotter
Biber
Stockente
Feldhase
Blässralle
www.naturimbild.at/Tierspuren
Marder
Wildschwein
Rebhuhn
Rotfuchs
Luchs
Rothirsch
Birkhuhn
Aaskrähe
Reh
Ringeltaube
Hauskatze Wildkatze
Gämse
Amsel
www.naturundjagd.at/Tierspuren QUELLE: NATURSCHUTZBUND/WWW.NATURIMBILD.AT
Impressum: Konzeption: Christian Deschka Silhouetten: Daniela Pollack Trittsiegel: Veronika Grünschachner-Berger Herausgeber & Copyright: | naturschutzbund OÖ | Regionalgruppe Mühlviertel West | www.naturimbild.at |
Tirol_Magazin
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28 NATURE
ENGLISH
English Summary
RESPECT THE ANIMALS
Winter may be the silent season, but it is by no means mute.
T
he decline of flourishing life brought on by autumn is more of a cleansing breath than a caesura, making room for the new. This is the perpetual cycle of life. The animal world has its own strategies for surviving the winter. It is up to us humans to be considerate of this and to respect the habitat of the animal world. In the worst case, disturbing the peace can mean death for an animal. A n i m a l s t h at g o into hibernation or winter rest
eat fat reserves in autumn. While some - the hibernators - prepare their winter quarters at the same time, the others stock up on food. This also reveals the difference: hibernators do not eat during this period, so they feed exclusively on their fat stores, while those who rest for the winter wake up in between to help themselves to their supplies.
H o w e v e r , n o t a l l a n i m a l s in the Alpine region
hibernate. In fact, there are not that many. Many species spend their winter actively, so we can observe them or their tracks. But please do so with caution, says Alpine Zoo Director André Stadler: “My recommendation for winter hiking is the same as for summer: stay on the paths. You don’t have to wander off the trail. Moreover, the chances of seeing wild animals are better if you walk along the designated paths. Most animals have learned that hikers or walkers usually do not harm them. However, if you criss-cross and thus invade their territory, you scare the animals and they scatter in all directions.” H av e f u n , g o o u t, and especially if you want to see
animals. However, please be mindful of them as well. If you find quiet zones, take them seriously, because they are there for a reason.
Tirol_Magazin
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Trifft man in Tirol einen schwarzen Vogel oberhalb der Baumgrenze, handelt es sich entweder um eine Alpendohle, Rabenkrähe oder einen Kolkraben. Erstere erkennt man gut an ihrer zarten Statur. Tirol_Magazin
Kommt man auf dem Gipfel an, ist sie meistens schon da: die Alpendohle. Viele Bergsteiger mögen den Rabenvogel. Aber wer weiß schon, dass Dohlen lügen können – und bis zu 200 Stundenkilometer schnell fliegen? Zum Beispiel Christiane Böhm, Vogelkuratorin im Innsbrucker Alpenzoo. Fotos: Lene Harbo Pedersen
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EIN ECHTER BERGFEX
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Die Menschen staunen über die Flugakrobatik der Dohlen. Ein Grund für die vielen lustigen Spitznamen wie „Schneetacha“ und „Bergjauchzer“. Tirol_Magazin
Die Alpendohle ist eines der Tiere mit „Ich“Bewusstsein – und kann sich in Artgenossen und andere Tiere hineindenken.
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„DIE ALPENDOHLE WEISS GENAU, DASS WIR AUF DEM GIPFEL BROTZEIT MACHEN.“
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35 NATUR Die Alpendohle kommt im Hochgebirge bei jedem Wetter zurecht. Für noch höhere Geschwindigkeiten wechselt sie vom Flattermodus in die geballte Tropfenform.
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Alpendohlen haben es vor allem auf Wurst und Käse abgesehen. Man sollte ihnen aber nicht zu viel Salziges geben, sondern lieber Rosinen.
Tirol_Magazin
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bel kommt. Das müssen sie auch, denn im hochalpinen Gelände ist das Nahrungsangebot knapp. Wenn sie Menschen bei der Rast begegnen, haben sie es besonders auf Wurst und Käse abgesehen. Wer sie füttern möchte, sollte allerdings darauf achten, nicht zu viel Salziges zu geben. Rosinen sind ideal.
Frau Dr. Böhm, wenn ich in den Bergen unterwegs bin, werde ich häufig von ein paar Dohlen begleitet. Haben die Vögel ein besonderes Interesse am Menschen?
C h r i s t i a n e B ö h m : Die Alpendohle ist zwar ein sehr neugieriger Vogel, allerdings interessiert sie sich wohl nicht persönlich für Sie. Sie schätzen, was der Mensch zu bieten hat. Das ist auch der Grund, weshalb man ihr so oft begegnet: Die Alpendohle weiß genau, dass viele Wanderer am Gipfel erst mal eine Brotzeit machen. Klingt, als wäre die Alpendohle durchaus clever. Oh ja, die ist ge-
wieft. Ich würde sogar sagen, dass sie ein Ich-Bewusstsein hat – in der Tierwelt ein besonderes Zeichen für Intelligenz. Wir haben zum Beispiel herausgefunden, dass die Alpendohle lügen kann. Dafür haben wir einen besonderen Leckerbissen so ins Gehege gelegt, dass ihn erst mal nur einer der Vögel gesehen hat. Der hat daraufhin einen Luftfeindalarm ausgerufen. Während der Rest der Gruppe nach oben schaute, ist er zum Leckerbissen geflogen und hat sich bedient. Die Alpendohle kann sich also in andere Lebewesen hineindenken und erahnen, wie sie handeln werden. Sie sprechen Dohlisch? Ein wenig.
Aber wie bei allen Fremdsprachen ist mein passiver Wortschatz größer als mein aktiver. Alpendohlen setzen Rufe und Laute zur Kommunikation ein. Deren Bedeutung kann man erlernen, die Laute nachzuahmen ist deutlich schwieriger.
Was sagt die Alpendohle denn noch so? In den 1980er-Jahren hatten
wir am Alpenzoo Innsbruck einen Studenten, der sehr viele Rufe der Alpendohle aufgezeichnet und ausgewertet hat. Dadurch konnten wir einige Bedeutungen zuordnen, zum Beispiel hatten unsere Alpendohlen spezifische Rufe für Pfleger und Besucher, sogar für ei-
Christiane Böhm Die Vogelkuratorin im Alpenzoo Innsbruck leitet dort auch das Forschungsund Lehrinstitut. Der Zoo nimmt seit mehr als 30 Jahren Vogelfindlinge auf und erforscht das Verhalten der Tiere. Einen Lieblingsvogel hat Böhm jedoch nicht: „Es ist wie mit Kindern: Man liebt sie alle.“
nen Paragleiter, der regelmäßig über den Zoo flog. Auch für die damalige Vogelkuratorin gab es einen speziellen Alarmruf. Die Kollegin war bei den Vögeln verhasst, weil sie die Nestkontrollen durchführte. Wenn ein Vogel weiter weg ist, bin ich mir manchmal nicht sicher, ob ich tatsächlich eine Alpendohle sehe. Woran erkennt man sie? Am
gelben Schnabel und den orangenen Beinen. Außerdem hat sie einen recht markanten Ruf, ein hohes „Tschak“. Oberhalb der Baumgrenze kann man als „schwarze“ Vögel noch Rabenkrähe und Kolkrabe antreffen. Alpendohlen sind aber deutlich kleiner und haben einen runderen Flügel.
Von was ernähren sich die Vögel?
Alpendohlen sind Gemischtköstler, sie sind nicht wählerisch und fressen so ziemlich alles, was ihnen vor den SchnaTirol_Magazin
Ich bin besonders fasziniert von den Flugfähigkeiten der Alpendohle. Ich könnte ihnen stundenlang zusehen, wie sie sich trudelnd in die Tiefe stürzen oder mühelos im Wind stehen. Wie machen sie das? Die Menschen staunen
seit jeher über die Flugakrobatik der Alpendohle, deshalb hat sie auch so viele lustige Namen: von „Schneetacha“ bis „Bergjauchzer“. Fliegen können sie deshalb so gut, weil sie sehr gut mit den sich rasch ändernden Windverhältnissen im Hochgebirge zurechtkommen. Sie haben recht lange, runde Flügel und lange Schwanzfedern, was ihnen das Segeln erleichtert, aber auch schnelle Wendungen in der Luft ermöglicht. Fühlt sie sich denn nur in den Bergen wohl? Im Winter kann man die
Vögel dabei beobachten, wie sie für ein bisschen „City-Shopping“ in tiefere Regionen absteigen. Was ist denn „City-Shopping“? Die-
ses Verhalten kennt man schon seit 150 Jahren. Die Vögel fliegen morgens runter in die Städte und gehen dort für einige Stunden auf Nahrungssuche. Zum Schlafen kehren sie dann wieder zurück in ihr Urhabitat. Wenn sie die Flügel anlegen und sich wie Tropfen fallen lassen, erreichen sie bis zu 200 Stundenkilometer. Für solche Manöver ist ihr Körper perfekt angepasst. Zum Beispiel haben sie kleine Federchen, die die Nasenöffnungen abdecken, damit dort die Luft nicht so reinströmt. In diesem Highspeed-Modus brauchen die Dohlen von der Nordkette bis nach Innsbruck nur wenige Sekunden.
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DAS WISSEN UMS GLEICHGEWICHT Thomas Eder ist Berufsjäger in Hinterriss. Ein toller Teil des Karwendels ist sein Arbeitsplatz – er ist prachtvoll und riesig und reich an Wildtieren. Dass Thomas dabei von „seinem“ Wild spricht, verwundert nicht. Seit knapp 30 Jahren kümmert er sich täglich um die Tiere und die Harmonie im Wald. Fotos: Tom Bause
Tirol_Magazin
© TOM BAUSE
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FÜR DIE MEISTEN IST DIE JAGD EIN HOBBY, FÜR THOMAS IST SIE SEIN BERUF.
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ls er seinen Berufswunsch äußerte, konnte das Staunen kaum geringer sein. „Mein Vater war Berufsjäger, der Bruder meines Vaters und der Bruder meiner Mutter waren es auch und schon mein Großvater war Berufsjäger gewesen“, sagt Thomas Eder. Tja. Wenn Opa, Papa und zwei Onkel den Beruf ausübten, erübrigt sie sich fast, die Frage, wie denn die Annäherung an den Beruf passierte, der so außergewöhnlich ist – und so selten.
W e r n u n k u r z schnaubt und sagt, so ein Blödsinn, ich selbst kenne mindestens fünf Jäger, wenn nicht zehn, der trifft den Nagel auf Umwegen auf den Kopf. Laut einem Wikipedia-Eintrag gibt es österreichweit nur rund 500 Berufsjäger und so schön gerundet diese Zahl klingt, ist die Feststellung, dass Berufsjäger gerade mal 0,4 Prozent der Jäger in Österreich stellen, entscheidend – entscheidend für alles, was Berufsjäger wie Thomas so besonders macht. Weil das eben nur am Rande damit zu tun hat, was jene 15.400 Tirolerinnen und Tiroler so machen, die mit der Jagdkarte die Lizenz zum Jagen besitzen. Für sie ist die Jagd ein Hobby, für Thomas ist die Jagd ein Beruf. Als Kind war er von der Holzverarbeitung ziemlich angetan, dem Tischlerhandwerk: „Aber als es dann ernst geworden ist, war es klar: Wenn ich eine Lehrstelle bekomme, möchte ich Berufsjäger werden.“ O b w o h l e r d a s im Alter von 16
Jahren noch nicht wissen konnte, war diese Klarheit sein erster Schritt in
Richtung Hinterriss, das Risstal und die Eng – einen der schönsten, prachtvollsten und vom Rest des Landes so entfernten Flecken des Karwendels also. Der Naturpark Karwendel selbst, der seit 1928 Naturschutzgebiet ist, war ihm nicht fremd. Thomas ist in Gallzein aufgewachsen, der Gemeinde nahe Schwaz, die auf den Ausläufern der Tuxer Alpen eine feine Terrasse nutzt. Von dort aus werden die Blicke fast magnetisch von den Karwendelfelsen „gegenüber“ angezogen und nachdem der Berufsbeschluss feststand, überquerte Thomas das Inntal – für immer irgendwie. „Meine Lehrstelle war am Achensee, in Achenkirch. Ich bin mit 16 von daheim weg und musste meinen eigenen Haushalt führen. Wir waren zwei Lehrlinge und unsere Wohnung war in einem kleinen Häusl“, erinnert sich Thomas.
R u n d 7 . 0 0 0 H e k ta r groß ist das Jagdrevier, in dem er sein Handwerk lernte. Wenn ein Jagdrevier über 2.000 Hektar groß ist und zu mindestens 1.500 Hektar aus Waldungen besteht, ist die Bestellung eines Berufsjägers gesetzlich vorgeschrieben. Die großen Flächen sind Lebenswelt der verschiedensten Wildtiere und diese Lebenswelt professionell zu betreuen, ist eine Aufgabe, die multiple Fähigkeiten und umfassendes Wissen erfordert. Wobei die Leitung des Jagdbetriebes selbst und die Erfüllung des behördlich verordneten Abschussplanes nur einen Teil einnimmt – wenn auch jenen, der die Berufsbezeichnung prägt. Jäger. „Viele meinen, wir schießen gaudihalber“, sagt Thomas und stellt klar: „Wenn ich nicht müsste, würde ich nicht so Tirol_Magazin
viel schießen. Ich muss aber schauen, dass das in der Balance bleibt.“ Die Balance i m Wa l d .
Sie ist es, um die sich der Alltag eines Berufsjägers dreht. Mit ihr steht und fällt das harmonische Zusammenleben und Gedeihen – nicht nur der Wildtiere, sondern auch aller Beziehungen, die sich in und rund um einen Wald abspielen. Es ist ein komplexes Aufeinandertreffen der Interessen, in denen ein Konfliktpotenzial steckt, das fast so alt ist wie die Jagd selbst. „Wenn das Wild die Spitzen der jungen Bäume anknabbert, mag das der Forst oder der Waldbesitzer natürlich nicht so. Und wenn das Wild auf den Almflächen äst und den Kühen das Futter wegnimmt, mögen das die Almbauern nicht“, nennt Thomas die drei großen Vorzeichen, die seinen Alltag bestimmen. Sie wollen in Harmonie gehalten werden, wobei er ganz grundsätzlich betont: „Nicht der Mensch war als Erstes in der Hinterriss. Das Wild war immer schon da und wir sind die, die in der Wohnung des Wildes herumtrampeln.“ F ü r d a s W i l d war es die natürlichste
Sache der Welt, zum Äsen auf die Almflächen zu gehen. Nicht minder natürlich war es, die leckeren Spitzen der jungen Bäumchen zu verzehren. Die Spitze einer Babytanne ist die Lieblingsspeise eines Rehs oder eines Hirsches und durch diese Brille betrachtet ist ein Jungwald in etwa so, als würden reihenweise Teller mit perfekt zubereiteten Filetspitzen in unseren Esszimmern stehen. Wer kann da schon widerstehen?
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44 Wildes zu fördern, muss Thomas regelmäßig die Spitzen der jungen Bäume mit für das Wild Unleckerem, für die Bäumchen selbst aber Unschädlichem bepinseln. Und er muss sich darum kümmern, ihnen ein leckeres Buffet herzurichten, um auch ungewollte Schlenker auf die Alm zu verhindern. „Darum mache ich bei mir im Revier ganz viele Wildäsungsflächen, die ich betreue, indem ich sie mähe, wieder einsäe und schaue, dass eine schöne Äsung wächst. Das ist ein ganz schöner Aufwand, ich bin fast wie ein kleiner Bergbauer, doch alles was das Wild auf der Äsungsfläche frisst, frisst es nicht im Wald und nicht auf der Alm“, erzählt
„ES IST EIN EWIGES STUDIUM, EIN EWIGES FORSCHEN.“ Thomas Eder
Hinterriss.
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Thomas. Auch das Wissen darum, wie verlockende Äsungen gestaltet werden können, war Teil der Lehre, die Thomas damals am Achensee absolvierte. „Die Lehre wird mit der Gesellenprüfung abgeschlossen und dann bist du Berufsjäger. Wenn du die Meisterprüfung hast, bist du Revierjäger, dann kannst du Revieroberjäger werden und die letzte Phase ist der Wildmeister“, beschreibt der 47-jährige die Karriereleiter der Berufsjäger, deren letzte Klasse, die Königsklasse, er selbstverständlich längst erreicht hat. Nach der Ausbildung hätte er in drei Revieren anfangen können: „Ich habe mich dann für die Hinterriss entschieden, das Revier hat mir gefallen, da wollte ich hin.“
U m d e n n ö t i g e n Widerstand des
Alles im Blick: Berufsjäger Thomas Eder sorgt für Ordnung im Wald.
Tirol_Magazin
Das Dorf ist die einzige Dauersiedlung im Karwendel. Sie hat durchaus ihre bizarren Seiten. Knapp 40 Menschen leben jahrein, jahraus dort, das Dorf gehört zur Gemeinde Vomp und ist nur über Deutschland zu erreichen. In den wärmeren Jahreszeiten pilgern zahlreiche und immer zahlreichere Touristen ins Risstal – zum Großen Ahornboden, der Engalm, dem Kleinen Ahornboden und all den Almen und Hütten, die über das Tal zu erreichen sind. Was für die Menschen nachvollziehbar verlockend ist, ist für das Wild und die Jäger weniger prickelnd. Bei all den Wanderern, Mountainbikern und E-Bikern kommt das Wild zunehmend unter Druck. Vor allem im Winter, wenn die Tiere von Thomas’ Fütterung abhängig sind und die Ruhe um ihr Ess-, Schlaf- und Wohnzimmer herum dringend nötig haben, ist es für sie fatal, etwa durch vorbeiziehende Skitourengeher aus dem Paradies vertrieben zu werden. „Das Wild stellt sich darauf ein, es lernt. Wenn sie ausgejagt werden, hoffe ich immer, dass sie nicht so viel Schäden im Wald angerichtet haben. Das wird im Frühjahr penibel erfasst und dann wird der Pächter zur Kasse gebeten.“
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ES IST EIN KOMPLEXES AUFEINANDERTREFFEN DER INTERESSEN, IN DENEN EIN KONFLIKTPOTENZIAL STECKT, DAS FAST SO ALT IST WIE DIE JAGD SELBST.
der Abschussplan und der wird von der Bezirkshauptmannschaft vorgeschrieben. Rund zwei Drittel der Abschüsse in der Hinterriss betreffen so genanntes Kahlwild. „Nur ein Drittel sind Abschüsse mit Trophäen und von diesem Drittel schießen der Jagdpächter oder Jagdgäste 20 Prozent“, erklärt Thomas. Welche Tiere erlegt werden dürfen, bestimmt er und er ist auch bei jedem Schuss dabei. Das ist ganz gut so. Um beispielsweise eine Gams „ansprechen“, also ihr Alter bestimmen und klassifizieren zu können, ob sie abschussfähig ist oder nicht, ist Erfahrung notwendig und am besten das geschulte Auge dessen, der jedes Tier kennt im Revier. Thomas: „Mir gehört hier gar nichts, aber ich sage immer mein Hirsch, meine Gams und so weiter. Ich lebe jeden Tag mit ihnen. Wenn man jeden Tag draußen ist, ist das wie ein ewiges Studium, ein ewiges Forschen – man kennt sein Wild.“ Berufsjäger wie Thomas sind meist bei den Pächtern der Jagden angestellt, in deren Auftrag sie die Reviere in Schuss halten. Gedanken- oder Rücksichtslosigkeiten von Waldbesuchern erschweren diese Arbeit. „Und für die Jagd wird es immer schwieriger, die Abschüsse zu erfüllen“, stellt Thomas fest, zu dessen Ausbildung auch zählte, die erlegten Tiere metzger- beziehungsweise küchenfertig zu zerlegen. „Es ist ja ein super Lebensmittel, doch steckt viel Arbeit dahinter, bis es in der Kühlung hängt. Die Kühlkette muss passen und die Vermarktung auch“, beschreibt er
wieder eine Facette dieses echt facettenreichen Berufes.
W e n n e s u m d i e Verwertung des
Fleisches geht, ist er Metzger und Manager. Geht es um die Harmonie zwischen den Wild-, Wald- und Alminteressen, ist er Diplomat. Für die Betreuung der Äseplätze muss er Bergbauer sein. Bei der Instandhaltung der Jagdhütten, Zäune und Futterstellen schaden allerlei handwerkliche Geschicke nicht. Und das Jagen muss er selbstverständlich auch beherrschen. Logisch. Diesen Teil bestimmt Tirol_Magazin
S e i t 1 9 9 3 s t u d i e r t und forscht
er in seinem Revier. Dass er dabei gerne allein sein muss, ist klar. Mag man das nicht, darf man nicht Berufsjäger werden. „Wenn mir ein Mensch sympathisch ist, gehe ich auch gerne zu zweit. Gewisse Erlebnisse zu teilen, ist auch nicht schiach“, sagt er. Seit August 2021 teilt er die Erlebnisse, aber auch die Arbeit gewissermaßen berufsbedingt. Thomas bildet gerade seinen ersten Lehrling aus. Und stellt damit sicher, dass seine Erfahrung und sein von einem der schönsten Fleckchen Erde geformtes Wissen weitergegeben wird. Das große Wissen um die Balance.
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VON PROBLEMWÖLFEN UND FREIZEITSPORTLERN Josef Stock ist seit über 40 Jahren Jäger und langjähriger Obmann des Berufsjägerverbandes. Was er zu Nachwuchsproblemen in den eigenen Reihen, dem Unterschied zwischen Berufs- und Hobbyjägern und dem enormen Druck auf die Natur sagt.
Wie viele Berufsjäger haben wir denn in Tirol und wie kann man diesen Beruf ergreifen? J o s e f
S t o c k : Wir haben derzeit um die 115 Berufsjäger in Tirol und damit den höchsten Stand in Österreich. Die Ausbildung ist in der Regel dreijährig, wir sind aber gerade dabei, die Lehre neu auszurichten. Verpflichtend ist ein Jahr forstliche Ausbildung, die man entweder in Rotholz zum Waldaufseher oder zum Forstwart in Traunkirchen machen kann. Zwei Jahre sind dann in einem Lehrrevier zu absolvieren. Ebenfalls verpflichtend ist in dieser Zeit ein elfwöchiger Berufsjägerkurs in Rotholz. Berufsjäger sind angestellt. Wo denn zum Beispiel? Man ist in der
Regel beim Grundeigentümer oder Jagdpächter angestellt. Zum Beispiel bei den Österreichischen Bundesforsten, bei einer Jagdgenossenschaft oder privaten Jagdpächtern. Wir betreuen professionell das Revier unserer Arbeitgeber, sind verantwortlich für das Wildtiermanagement, den Wildpretverkauf, die Wildfütterung, aber auch für forstliche Aufgaben … Jagd ist einfach sehr aufwändig. Worin besteht denn der Unterschied zwischen einem Berufs-
In vielen Berufssparten herrscht Nachwuchsmangel, wie ist das bei den Berufsjägern? Auch bei uns ist
und einem Hobbyjäger? Der Frei-
zeitjäger geht zur Jagd, wenn er Zeit und Lust hat. Der Berufsjäger ist sieben Tage in der Woche im Revier, ich behaupte einmal, er hat nur sehr wenig Urlaub. Wir schießen auch relativ viel. Im Schnitt über 100 Stück Schalenwild, entweder selbst oder mit Jagdgästen. Wir sind aber um Nachhaltigkeit bemüht, versuchen den verträglichen Wildbestand zu erhalten, optimal zu nützen und die Lebensräume für Wildtiere zu erhalten. Viele Freizeitjäger können diese Aufgaben alleine schon aus zeitlichen Gründen nicht in dem Ausmaß erfüllen. Tirol_Magazin
der Andrang derzeit nicht besonders hoch. Die forstliche Ausbildung hat bisher viele abgeschreckt. Wir arbeiten vorwiegend mit Quereinsteigern, die schon einen Beruf ergriffen haben, dort nicht so zufrieden waren, aber Freizeitjäger sind und sagen: Das will ich jetzt hauptberuflich machen. Mit 15 oder 16 ist so eine Entscheidung schwierig. Aber darum sind wir auch dabei, die Ausbildung gerade auf eine vollwertig anerkannte Lehre umzustellen. Es ist eine gute Ausbildung und wir entwickeln uns auch ständig weiter, bleiben nicht stehen. Ein Thema sind Waldschäden und Abschussquoten. Wie funktioniert so etwas? Jedes Revier wird
an der Verjüngungsdynamik gemessen. Alle drei Jahre gibt es eine Begehung durch Jäger und Förster, und sie schauen sich die Jungwuchsflächen an und entscheiden, ob Handlungsbedarf besteht. Der kürzeste Weg ist, wenn man sich noch vor Ort auf Maßnahmen, das muss ja nicht immer der höhere Abschuss sein, einigt. Nach drei Jahren schaut man sich das dann wieder an und sieht, ob die Maßnahmen gewirkt haben oder nicht.
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fa c t s
JAGD IN TIROL IN ZAHLEN
Seit zwei, drei Sommern sind Wolf und Bär der grosse Aufreger. Wie stehen Sie zu den grossen Beutegreifern?
Das ist ganz einfach: Sie sind nicht aufzuhalten, ob wir das wollen oder nicht. Viele Menschen denken, dass die Rückkehr von Wolf und Bär unsere Artenvielfalt erhöht. Genau das Gegenteil kann aber der Fall sein. Wenn beispielsweise die Beweidung einiger Almflächen aufgegeben wird, so kann das Nachteile für unsere alpine Tier- und Pflanzenwelt mit sich bringen. Einige Arten sind, im Gegensatz zu Wolf und Bär, vom Aussterben bedroht. Der Wolf reißt derzeit vorwiegend Schafe und Ziegen, weil das für ihn am einfachsten ist. Wild ist für ihn schon schwieriger zu kriegen, darum ist das aus jagdlicher Sicht für uns derzeit kein großes Thema. Wo es eines werden könnte, ist im Winter bei der Fütterung. Und wenn Wölfe beginnen, Rudel zu bilden, dann kriegen wir auch ein Problem. Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen.
Jagdfläche: 1 . 2 4 4 . 4 6 6 h a
Jagdgebiete: 1 2 4 7 davon c a . 3 0 0 an AusländerInnen verpachtet, nur knapp 5 0 E i g e n j a g d e n , die von den Eigentümern bejagt werden
Jährliche Ausgaben durch Jagdpächter (Pacht, Fütterung, Abgaben etc.): c a . 2 6 , 5 M i o . E u r o Mitglieder des Tiroler Jägerverbandes: 1 5 . 2 8 8 , davon 2.820 (ca. 18 %) Ausländer 1.564 Jägerinnen
Den Jagdschutz übernehmen: ca. 1 3 0 B e r u f s j ä g e r und 1 . 3 0 0 J a g d a u f s e h e r Beruf der Jagdkarteninhaber (Auszug): 4 2 % Gewerbetreibende, 1 6 % Bauern, 4 % Pensionisten, 1 % Industrielle Erlegt wurden 2020/21 unter anderem: 10.815 Stück Rotwild 14.141 Stück Rehwild 6.598 Stück Gamswild 376 Stück Steinwild 3 . 9 2 2 M u r m e lt i e r e 6.969 Füchse 299 Wildenten 18 Stück Birkwild QUELLE: TIROLER JÄGERVERBAND, JAGD IN TIROL (JAGDJAHR 2020/21)
Tirol_Magazin
Es sind die Jäger, die die Abschussverordnungen für „ProblemWölfe“ vollziehen müssen … Wir haben uns ge-
gen einen Abschuss nie gesträubt, wir drängen uns aber auch nicht auf, wir halten uns im Hintergrund. Aber wenn ich so einen Problemwolf in meinem Revier hätte, dieser von der Behörde zum Abschuss freigegeben worden ist, müsste ich dieses Problem natürlich professionell lösen. Ebenfalls heftig diskutiert wird über die zunehmende Zahl an Mountainbikern, Wanderern und Skitourengehern. Wie erleben Sie das? Die
Nutzung der Natur ist tatsächlich etwas, wo wir riesige Probleme haben. Ich bin jetzt seit über 40 Jahren Berufsjäger, aber das ist einfach in dieser Zeit extrem geworden – es geht Tag und Nacht, Sommer und Winter. Die Leute wollen die Natur genießen und das darf auch jeder, aber die allerwenigsten denken an das Wild, das dadurch ständig beunruhigt wird. Es wird vor allem im Winter einige Ruhezonen brauchen und wenn die Bevölkerung versteht, dass dies für das Überleben und die Erhaltung der Tiere notwendig ist, so werden diese auch mitgetragen werden. Uwe_Schwinghammer
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ENGLISH
English Summary
THE IMPORTANCE OF BALANCE
Thomas Eder is a professional hunter in Hinterriss. A great part of the Karwendel is his workplace - it is magnificent and huge and rich in wildlife.
W
hen he expressed his desire for a profession, the amazement could hardly be less. “My father was a professional hunter, so were my father’s brother and my mother’s brother, and my grandfather had already been a professional hunter,” says Thomas Eder. Well. If grandpa, dad and two uncles practised the profession, it is almost superfluous to ask how the approach to the unusual and rare profession happened. Just 0.4 percent of hunters in Austria are professional hunters. The job is pretty strenuous but also beautiful. T I f a h u n t i n g g r o u n d covers more than 2,000
hectares and at least 1,500 hectares consist of woodland, the appointment of a professional hunter is required by law. The large areas are the habitat of a wide variety of wild animals and professionally managing this habitat is a task that requires multiple skills and comprehensive knowledge. The management of the hunting operation itself and the fulfilment of the officially prescribed shooting plan is only one part of the job - even if it is the part that characterises the job title. Hunter. “Many people think we shoot for pleasure,” says Thomas and clarifies: “If I didn’t have to, I wouldn’t shoot so much. But I have to see that the environment stays in balance.” B a l a n c e i s w h at the everyday life of a professional
hunter is all about. The harmonious coexistence and prosperity of not only the wild animals, but also all the relationships that take place in and around a forest, stands and falls with it. Professional hunters like Thomas are usually employed by the property tenants on whose behalf they keep the hunting grounds in good condition. When it comes to harmony between game, forest and alpine interests, Thomas is a diplomat. When it comes to looking after the grazing grounds, he has to be a mountain farmer. When it comes to maintaining the hunting lodges, fences and feeding stations,
all kinds of manual skills don’t hurt. And of course he has to know how to hunt.
T h o m a s E d e r has been studying and researching in
his hunting ground since 1993. It goes without saying that he likes to be alone. If you don’t like that, you can’t become a professional hunter. Since August 2021, he has been sharing the experiences, but also the work, to a certain extent, on a professional basis. Thomas is currently training his first apprentice. And thus ensures that his experience and knowledge shaped by one of the most beautiful spots on earth is passed on.
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DIE WELT HINTER DEM VORHANG Zwischen akribisch nummerierten Kostümen, behäbigen Kulissen und falschen Bärten tut sich im Tiroler Landestheater ein gleich vitaler wie verwinkelter Mikrokosmos auf. Das Tirol Magazin hat sich in dem theatralen Paralleluniversum umgeschaut und dabei nicht nur Einblicke in akkurate Handarbeit bekommen, sondern auch spannende Geschichten von nachtaktiven Portieren und wachsamen Feuerwehrmännern erfahren. Fotos: Andreas Friedle
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DER LETZTE MACHT IM LANDESTHEATER NICHT NUR DAS LICHT AUS, ER SCHAUT AUCH DRAUF, DASS ALLE TÜREN UND FENSTER VERSCHLOSSEN SIND.
I
m Requisitenlager des Tiroler Landestheaters schlägt das Herz von aufgeräumten Messies höher. Teppichklopfer schmiegen sich an Regenschirme, antik anmutende Uhren und eine imposante Sammlung an Plastikpflanzen. In den zum Bersten vollen Regalen entdeckt man Bierkrüge, Plattenspieler, alte Colaflaschen und jede Menge Bücher, von denen manche längst vergriffen und viele abgegriffen sind. Ein Hauch von Gestern umgibt auch die Skier aus der Prä-CarvingZeit und die aus der Zeit gefallenen Schulranzen, die neben einem Wust an Sensen und einer überdimensionalen Schere an den Wänden lehnen. Kurzum: Im prall gefüllten Untergeschoß des Drei-Sparten-Hauses herrscht ausufernde Flohmarkt-Atmosphäre und Chefrequisiteur Philipp Baumgartner über die Schätze des imposanten Fundus, in dem man auf jedweden Krimskrams stößt, der bei Bedarf den Weg vom Keller auf die Bühne findet. D o c h w i e b e h ä lt m a n angesichts
einer solchen Flut an Dingen eigentlich den Überblick? „Indem man in Kategorien und Materialien denkt“, sagt Baumgartner, der mit der Idee aufräumt, dass die Zeit bliebe, alles in Listen zu erfassen. Und kramt in einem Rollwagerl voller Instrumente, das er gerade im Tausch für zwei Freikarten geschenkt bekommen hat. Sprich: Der Fundus wächst stetig. Auch deshalb, weil die sieben Requisiteure, die am Haus angestellt sind, leidenschaftliche Flohmarkt-Fans sind, die in ihrer Freizeit Ausschau nach bühnentauglichen
Fundstücken halten. Doch aus Platzgründen kann nicht gar alles dauerhaft archiviert werden: Beim Landestheater-Flohmarkt, der vor pandemischen Zeiten immer zum Saisonstart für volles Haus sorgte, fand so manches aufführungserprobte Objekt ein neues Zuhause im Wohnzimmer eines Theaterfans. Tirol_Magazin
Gemeinsam an einem Strang ziehen.
Chefdramaturgin und Schauspieldirektorin Christina Alexandridis, die sich in den unendlichen Weiten des Landestheaters auch ohne Kompass problemlos zurechtfindet, war schon
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„NUR WENN ALLE GEMEINSAM AN EINEM STRANG ZIEHEN, FUNKTIONIERT DIESE WELT.“ Christina Alexandridis, Chefdramaturgin und Schauspieldirektorin
in frühester Jugend von der Theaterluft „geflasht“. Nicht nur wegen der hohen Kunst, die auf der Bühne passiert, sondern wegen all der Rädchen, die sich hinter den Kulissen zu einem vitalen Mikrokosmos zusammenfügen. „Nur wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, funktioniert diese Welt“, sagt sie und schwärmt von den „unterschiedlichen Kräften und Charakteren“, die notwendig sind, um das Paralleluniversum zum Leben zu erwecken. D i e Z a h l e n sprechen für sich: Von
den knapp 450 Menschen aus 48 Nationen, die am Landestheater angestellt sind, stehen nicht einmal 100 regelmäßig im Rampenlicht. Applausverwöhnt ist damit also nur ein Teil des Mitarbeiterstabs, der sich auf die fünf Ebenen des Hauses verteilt. In der Tischlerei im Erdgeschoß würde man das Klatschen aber eh nicht hören: Hier liegen laute Sägegeräusche in der Luft und werden riesige Holzkulissen mit Radiountermalung in bühnentaugliche Form gebracht. Rainer Ebenbichler und sein Team sind dabei immer der Zeit voraus: Bis zur technischen Einrichtung, die spätestens vier Wochen vor der Premiere stattfindet, muss ihre Arbeit nämlich abgeschlossen sein. „Fad wird uns nie“, lacht Ebenbichler, der mit 28 Dienstjahren ein alter Theaterhase ist und die notwendigen Abläufe aus dem Effeff beherrscht. Zwei Stockwerke höher im Malersaal huscht Gerald Kofler vorbei an einem Schild, auf dem „Irrenanstalt“ prangt, und lässt sich nicht davon verrückt machen,
Zahlen, Daten, Fakten: • 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind vor und hinter den Kulissen des Tiroler Landestheaters im Einsatz. • 34 Millionen Euro stehen dem Drei-Sparten-Haus als Jahresbudget zur Verfügung, knapp 29 Millionen Euro davon lukrieren sich aus den Subventionen von Land (55 Prozent) und Stadt (45 Prozent), der Rest stammt aus den Ticketverkäufen und sonstigen Erlösen.
• Ca. 30 Produktionen (aufgeteilt auf 600 Vorstellungen) kommen in einer normalen Spielzeit zur Aufführung.
• 750 Sitzplätze und 30 Stehplätze umfasst das Große Haus, die Kammerspiele bieten Platz für 213 Zuschauer, im [K2] kann für bis zu 60 Zuschauer Platz geschaffen werden. Der Große Saal im Haus der Musik bietet gut 500 Sitzplätze, der Kleine Saal 110.
Tirol_Magazin
dass hier parallel gleich an mehreren Produktionen gearbeitet werden muss. „Wir sind es gewohnt, zwischen den Stücken hin und her zu springen. Bei 30 Produktionen im Jahr wäre das gar nicht anders möglich“, erklärt der Herr über die Maler- und Bildhauerarbeiten, während er durch die lichtdurchflutete Halle schreitet, die er seit 1983 wie seine Westentasche kennt. Länger als er wacht hier nur ein riesiges Kruzifix über die finalen Anstriche für die Bühnenelemente, die im Sinne der Nachhaltigkeit bei verschiedenen Produktionen verwendet werden. Feuer und Flamme für die Bühne.
Schauplatzwechsel: Auf der Bühne des Großen Hauses, die bis Mitte Oktober aufwändigen Sanierungsarbeiten unterzogen wurde, ist bei jeder Vorstellung ein Sitzplatz für einen Abgesandten der Feuerwehr reserviert. Doch was hat es mit dem heißen Stuhl auf sich? Da es im Laufe der Geschichte immer wieder zu Theaterbränden gekommen ist, will man sich im Fall des Notfalls nicht nur auf den Eisernen Vorhang verlassen, sondern auch auf das geschulte Auge eines Feuerwehrmanns, der stets Löschdecken griffbereit hat. Das ist nicht nur am Tiroler Landestheater Standard. „Ich habe schon erlebt, dass es auf der Bühne zu brennen begonnen hat“, erinnert sich Alexandridis an einen brenzligen Einsatz an ihrem Vorgängerhaus in Kaiserslautern, der glücklicherweise glimpflich ausgegan-
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Ideen zum Fliegenbringer Mit Neugier auf unternehmerische Ideen. Mit Projekten für die Region. Mit Offenheit für Neues. Mit Vielfalt ohne Grenzen – und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ohne die unser Erfolg gar nicht denkbar wäre. Es gibt viele Gründe, die für eine Mitarbeit in der BTV sprechen.
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gen ist. Safety first heißt es deshalb auch in Innsbruck – auf der Bühne soll es nämlich tunlichst nur vor Spannung knistern. B e v o r s i c h d e r Vorhang hebt, wird
etwaigem Lampenfieberschweiß aber noch in der Maske zu Leibe gerückt. Doch die Damen, die hier die Schminkpinsel schwingen, sind nicht nur Expertinnen in Sachen Make-up, sondern auch bei haarigen Einsätzen zur Stelle. Das Herstellen von Perücken gehört genauso zu ihrem täglich Brot wie das Knüpfen von falschen Bärten. Wenn es sein muss, verwandeln sie die Häupter der Künstlerkundschaft aber auch in eine temporäre Glatzenlandschaft. Das Schöne daran: Nach dem Schlussapplaus sprießt es dann rasch wieder aus den kahl gemachten Stellen. Stoffe zu Träumen machen.
Dicht an dicht hängen im Tagesfundus die Kostüme der aktuellen Produktionen nebeneinander. So nah sind sich Romy Schneider, die Blues Brothers, Papageno und Pamino wohl noch nie gekommen – schön, was das Theater alles möglich macht. Schier Unmögliches möglich machen auch die Ankleider, die während einer Vorstellung darauf zu achten haben, dass die Akteure stets im richtigen Outfit ins Geschehen treten. Fürs Umziehen bleibt oft nicht mehr als 30 Sekunden Zeit, ohne helfende Hände käme es da mit Sicherheit zu dramatischen Outfit-Konfusionen. Z u t h e at r a l e n Träumen werden die
mannigfaltigen Stoffe in der Schneiderei im dritten Stock gemacht, die in eine Damen- und Herrenabteilung unterteilt ist. Bis auf eine männliche Ausnahme haben hier übrigens fingerfertige Frauen die Hosen an. Bevor die Nähmaschinen zu rattern beginnen, müssen anhand der Figurinen aber erst einmal die geforderten Schnitte entwickelt werden. So manches Kostüm verlangt
Alles, was man für Kostüm und Bühnenbild braucht, findet sich irgendwo in den Gängen und Räumen des Tiroler Landestheaters: Bilder, Bücher, Stoffe …
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„WIR SIND ES GEWOHNT, ZWISCHEN DEN STÜCKEN HIN UND HER ZU SPRINGEN.“ G e r a l d K o f l e r, Malerei und Bildhauerei
Programm-Highlights dann nach einer Sonderbehandlung, wie Ivana Gander erklärt, die gerade in mühevoller Handarbeit Streifen auf wahren Textilfluten anbringt, ehe sie sich an fragile Unter- und Übermieder macht, die selbst für die erfahrene Schneiderin eine Herausforderung darstellen. „Gerade bei den Kostümen fürs Tanztheater ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt“, erklärt Gander. Schließlich müssen diese nicht nur ein optischer Hingucker sein, sondern auch den teils akrobatischen Aktionen der Tanzcompany standhalten. F l o h wa l z e r und Geisterstunde.
Zu finden ist diese hohe Kunst stimmigerweise ganz hoch oben: Im fünften Stock sind mehr als 30.000 Kostüme gelagert, in die zwecks Chaos-Vorbeugung allesamt fein säuberlich Nummern eingenäht sind. Passend dazu findet sich hier auch eine Flut an Schuhen,
die vom groben Stiefel bis zum grazilen Stiletto reicht. Hier Mäuschen zu spielen, macht wirklich Spaß. Allerdings nur im übertragenen Sinn. Etwaiges Getier wird einmal im Jahr nämlich von einem Kammerjäger verscheucht. Man will ja keinen Flohwalzer riskieren. D e r L e t z t e m a c h t im Landesthe-
ater nicht nur das Licht aus, er schaut auch drauf, dass alle Türen und Fenster verschlossen sind. Seit rund 30 Jahren obliegt diese Aufgabe Portier-Urgestein Werner Neurauter, der wie seine Kollegen Zwölf-Stunden-Schichten gewohnt ist. Und im Dienste des Theaters nicht nur Pförtner- und Conciergepflichten erfüllt, sondern auch regelmäßig die Nacht zum Tage macht. Aber sind Rundgänge zur Geisterstunde nicht auch ein wenig unheimlich? Werner Neurauter schüttelt den Kopf. Aus der Ruhe scheint den guten Geist des Hauses nichts bringen zu können.
C h r i s t i a n e _ Fa s c h i n g
Musiktheater: • Mozarts populärste Oper „Die Zauberflöte“ wird seit Ende Oktober im Großen Haus gezeigt. Regie: Gregor Bloéb; musikalische Leitung: Andrea Sanguineti • Das Musical „Das Cabinet des Doktor Caligari“ wird ab 5. Februar 2022 als österreichische Erstaufführung in den Kammerspielen gespielt. Regie: Johannes Reitmeier; musikalische Leitung: Hansjörg Sofka • Richard Strauss’ Musikdrama „Salome“ nach Oscar Wildes gleichnamigem Drama feiert am 12. Februar 2022 im Großen Haus Premiere. Regie: Angela Denoke; musikalische Leitung: Thaddeus Strassberger
Schauspiel: • „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ heißt es ab 22. Jänner 2022 im Großen Haus; Regie beim Schauspiel von Edward Albee führt Stefan Maurer. • „Koffer auf Reisen“ ist ab 4. Juni 2022 als österreichische Erstaufführung im [K2] zu sehen. Regie beim Schauspiel für junges Publikum von Geert Genbrugge führt Ingrid Gründisch. Tanztheater: • Seit Ende Oktober spürt die Tanzcompany von Enrique Gasa Valga im Großen Haus dem Leben von „Romy Schneider“ nach. • Filip Veverkas Tanzstück „Cyrano de Bergerac“ erlebt am 23. April 2022 in den Kammerspielen seine Uraufführung. Mehr zum Programm unter www.landestheater.at
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NICHT VERGESSEN: INS MUSEUM GEHEN
Die Tiroler Landesmuseen: Kultur erleben tiroler-landesmuseen.at
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ENGLISH
English Summary
THE WORLD BEHIND THE CURTAIN
Between meticulously numbered costumes, ponderous sets and false beards, the Tyrolean Landestheater reveals a microcosm that is as vital as it is intricate.
T
he props warehouse of the Tyrolean Landestheater is a somewhat chaotic place. In the bulging basement of the theatre, the atmosphere resembles that of a flea market. Head prop master Philipp Baumgartner is in charge of the treasures in the imposing collection, where you can find all kinds of odds and ends ready to make their way from the basement to the stage – and the collection keeps growing. For reasons of space, however, not everything can be archived permanently and is therefore sold again at regular flea markets.
T h e n u m b e r s s p e a k for themselves: of the almost
The last one turns off the lights.
450 people from 48 nations employed at the Landestheater, not even 100 are regularly in the limelight. So only a part of the staff, which is distributed over the five levels of the theatre, is spoilt for applause. There are the carpenters on the ground floor who build the sets, then the painters who make sure they are painted in the right colours. The make-up ladies, who are not only experts in make-up, but they can also make beards grow and bald heads shine. The dressers, who have to make sure that the actors are always dressed in the right outfit during a performance, make the impossible possible.
Chief dramaturge and theatre director Christina Alexandridis was fascinated by the world of theatre from an early age. Not only because of the high art that happens on stage, but because of all the cogs that come together behind the scenes to form a vital microcosm. “It is only when everyone is working together that this world functions,” she says.
on the stage of the Great House, which underwent extensive renovation work until mid-October, a seat is reserved for an emissary of the fire brigade at every performance. If the worst comes to the worst, he or she will throw the fire blanket. And last but not least, there is the veteran porter Werner Neurauter, who turns off not only the lights, but also makes sure that all doors and windows are closed.
N o t t o f o r g e t the gentlemen who ensure safety:
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2021/22
TIROLER FESTSPIELE ERL WINTER 26. — 06. DEZ
JAN
Info · Karten T +43 (0)5373 81000-20 karten@tiroler-festspiele.at www.tiroler-festspiele.at
KONZERT
OPER
Musikalische Leitung Erik Nielsen
Musikalische Leitung Erik Nielsen (27. und 30. Dez) Beomseok Yi (5. Jan) Regie Hans Walter Richter
J. S. BACH DAS WEIHNACHTSORATORIUM (I–VI) 12. DEZ
ADOLPHE ADAM LE POSTILLON DE LONJUMEAU
SPECIAL
TÖLZER KNABENCHOR ALPENLÄNDISCHE WEIHNACHT
PIETRO MASCAGNI L’AMICO FRITZ Musikalische Leitung Francesco Lanzillotta Regie Ute M. Engelhardt
26. DEZ / 02. JAN / 04. JAN
MUSICBANDA FRANUI MISCHMASCH 28. DEZ
Musikalische Leitung Francesco Lanzillotta
01. JAN SPECIAL
KONZERT SPECIAL
NEUJAHRSKONZERT
29. DEZ
27. DEZ / 30. DEZ / 05. JAN OPER
KONZERT
SILVESTERKONZERT
Dirigent Erik Nielsen
31. DEZ
FRANZ & FRIENDS „WINTERREISE“ FRANZ HACKL, LEO GENOVESE UND DAS WIENER POSAUNENENSEMBLE 03. JAN und vieles mehr!
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KULTUR
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„DIE LIEBE ZUM HAUS IST DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG“ Das Salzlager wurde 2020 zur „Best-Event-Location“ Österreichs gekürt. Die hohe Auszeichnung verdankt sich der kompromisslosen Ausrichtung auf Umweltfreundlichkeit, außergewöhnlicher Qualität in außergewöhnlichem Ambiente und nicht zuletzt den Mitarbeitern, die mit großer Liebe zum Haus zu Werke gehen.
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GELEBTES UMWELTBEWUSSTSEIN IST DAS EINE, WAS DEN SALZRAUM AUS DER MASSE HERAUSTRETEN LÄSST, EIN DURCHGÄNGIGER QUALITÄTSANSPRUCH DAS ANDERE.
D
as Salzlager ist grundsätzlich der einzige Industriebau westlich von Salzburg, den man als Veranstaltungslocation nutzen kann“, sagt SALZRAUM.Hall livelocations-Prokurist Andreas Ablinger. Die Besonderheit dieses Ortes wurde im vergangenen Jahr mit dem „Austrian Event Award“ honoriert. D e r h i s t o r i s c h e Industriebau aus
dem 19. Jahrhundert mit seinen neun Meter hohen Säulen aus Breccie bietet einen spektakulären Rahmen für Veranstaltungen mit bis zu 1.500 Personen. Mit der Auszeichnung reiht sich das Salzlager in die ausgewählte Riege prominenter Gewinner wie der Hofburg Wien oder dem Schloss Schönbrunn ein. Der Erfolg dieses besonderen Veranstaltungsortes hat mehrere Mütter und Väter. Die SALZRAUM.Hall livelocations gehört zur HALL AG und bietet neben dem Salzlager auch dem Kurhaus Hall und der Burg Hasegg ein gemeinsames Dach und eine Plattform, die sich bewährt hat. „Wir haben im Salzraum sehr unterschiedliche Gebäude aus unterschiedlichen Epochen mit sehr verschiedenen Architekturen gebündelt. Das Salz ist das verbindende Element“, sagt Ablinger zur Namensgebung.
Andreas Ablinger ist Prokurist der SALZRAUM.Hall livelocations, die zur HALL AG gehören.
Inntal nahe der Burg Thaur“. Es ist kein Geheimnis, dass der richtige Rahmen das Salz in der Suppe einer gelungenen Veranstaltung darstellt. Insofern ist das Salzlager jedenfalls ein Ort, mit dessen Wahl man nichts falsch machen kann. Das liegt ganz wesentlich an den Mitarbeitern, die dem Haus den Feinschliff geben. „Unsere Mitarbeiter sind sehr engagiert und kennen die Häuser in- und auswendig“, sagt Ablinger und betont die außergewöhnliche Identifikation der Mitarbeiter mit ihren Wirkungsstätten als wesentlichen Teil des Erfolgsrezepts. „Dadurch haben die Mitarbeiter immer wahnsinnig gut auf die Häuser geschaut“, so der Prokurist. Den Erfolg des SALZRAUM.Hall sieht Ablinger aber auch damit verknüpft, dass man immer schon sehr nahe am Kunden gewesen ist: „Ein ganz wesentlicher Teil unseres Geschäfts basiert auf langjährigen und vertrauensvollen Beziehungen.” Ablinger erinnert in diesem Zusammenhang an die hohe Umwegrentabilität und Wertschöpfung, die vor allem durch größere Veranstaltungen in der Region generiert wird, und zwar in der Hotellerie und Gastronomie ebenso wie beim Caterer und in der Eventtechnik. U m w e lt b e w u s s t handeln.
D a s h e u t i g e H a l l – der Name weist
Die Burg Hasegg und das Salzlager sind seit einigen Jahren beim Land Tirol als „Green Events Partner“ zer-
auf die Salzgewinnung hin – wurde 1232 erstmals erwähnt, als „Saline im
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69 D e r B u r g s o m m e r wurde bereits
Hohe Q u a l i tät.
Gelebtes Umweltbewusstsein ist das eine, was den Salzraum aus der Masse heraustreten lässt, ein durchgängiger Qualitätsanspruch das andere. „Wir haben immer versucht, die Dinge in hoher Qualität zu machen. Diesen Anspruch verfolgen wir konsequent in allen Bereichen, von der Dienstleistung bis zur Hardware. Die Erstinvestition kann dadurch höher sein, langfristig rentiert sich die Entscheidung für gute Qualität, und zwar nicht nur in der Haltbarkeit, sondern auch in der unbewussten Wahrnehmung, die zum Gelingen einer Veranstaltung beiträgt“, formuliert Ablinger.
© ANDREAS FRIEDLE
zweimal als grünes Event ausgetragen, das praktisch keinen Müll mehr verursacht. „Wir haben den Burgsommer 2018 mit einem halben Sack Müll beendet. Zwei Jahre zuvor hat das noch ganz anders ausgesehen“, erinnert sich Ablinger.
Wolfgang Wallner, Stefan Treichl, Christian Draschl und Martin Garzaner kümmern sich mit Herzblut um das Salzlager.
Vo r a l l e m d a s prämierte Salzlager
spiel technisch alle Stückerln. Die Liebe zum Detail ist beachtlich, die Haus- und Eventtechnik arbeiten ebenso effizient wie unaufdringlich und beeinträchtigen nicht den ganz besonderen Raumeindruck, den dieser Industriebau ausstrahlt. Die Atmosphäre, man könnte auch sagen der Genius loci, sind im
Salzlager eben etwas ganz Besonderes. Andreas Ablinger formuliert es so: „Die Liebe zum Haus ist vielleicht der Schlüssel zum Erfolg. Das spüren und honorieren die Leute, die zu uns ins Salzlager kommen.“ Und das hat man inzwischen in ganz Österreich deutlich wahrgenommen. Davon zeugt der „Austrian Event Award 2020“. w w w. s a l z r a u m . at
KULTUR
© TIROL WERBUNG © SALZLAGER HALL © ANDREAS FRIEDLE
tifiziert. Anfangs hat Andreas Ablinger das vor allem als Marketingtool gesehen. Das hat sich mittlerweile geändert. Umweltbewusstsein ist im Salzraum zum Handlungsmotiv herangereift. „Wir arbeiten Schritt für Schritt daran, noch besser, noch umweltfreundlicher zu werden. Wir stellen unsere Lichtsysteme auf LED um, minimieren den Wärmeverlust der Gebäude und vieles mehr“, zählt Ablinger auf. Da man organisatorisch in der Hall AG angesiedelt ist, werden die Locations immer schon mit Fernwärme aus Biomasse beheizt. Das Wasser rinnt in einem tiefen Stollen im Halltal kristallklar aus dem Berg. „Wir rücken bei unseren Veranstaltungen bewusst das großartige Trinkwasser aus der Leitung in den Vordergrund, stellen Karaffen und Gläser zur Verfügung und animieren dazu, den Wasserhahn aufzudrehen“, sagt Ablinger.
© EPO FILM SAMSARA / CHRISTOPH THANHOFFER
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BIS HEUTE WURDEN ÜBER 500 SPIELFILME IN TIROL GEDREHT.
Am Patscherkofel wurde heuer filmisch dem legendären Olympiatriumph Franz Klammers im Jahr 1976 nachgespürt. In „Klammer – Chasing the Line“ taucht das Publikum in Skiaufnahmen ein, wie man sie auf der Kinoleinwand noch nie gesehen hat. Ziemlich großes Kino!
Tirol_Magazin
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TIROL, FILMLAND IM GEBIRG Bewegtbild bewegt und fasziniert die Menschen seit der Erfindung des Films. Das hat man sich in Tirol schon früh touristisch zunutze gemacht und ist mit dem Aufstieg des Mediums Film mitgeklettert.
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irol, das Land im Gebirg, ist zentral in den Alpen gelegen. Dafür, dass sich hier vor Urzeiten majestätische Gebirgszüge aufgefaltet haben, kann der Mensch nichts. Dafür, dass das Land zu einem durchaus fruchtbaren Boden für den Film geworden ist, sehr wohl. Hollywood und Bollywood waren in den vergangenen gut 120 Jahren, seit die Bilder laufen lernten, schon vielfach zu Gast in Tirollywood, dessen Berge sich ungleich markanter und imposanter ausnehmen als die sanften Hollywood Hills. Einer, der sich von Berufs wegen seit vielen Jahren sehr intensiv mit dem Film in Tirol auseinandergesetzt hat, ist Johannes Köck, als Leiter der Cine Tirol Film Commission oberster Filmwerber des Landes. T i r o l k a n n mittlerweile auf einen
beachtlichen Bewegtfilm-Fundus zurückgreifen, wie Köck ausführt: „Nach meinen Recherchen sind seit dem Jahr 1900 bis heute über 500 Spielfilme für Kino, Fernsehen und Stream in Tirol realisiert worden, dazu schier unzählige Dokumentar-, Kurz-, Werbe- und Imagefilme sowie Musikvideos.“ Von der Weltpremiere der Brüder Lumiére in Paris Ende 1895 verging knapp ein Jahr bis zur ersten Filmvorführung im heutigen Tirol, die im November 1896 in Innsbruck über die Bühne ging. Es war kein Kinovergnügen, wie man es sich heute vorstellt. Die Filme dauerten oft nur wenige Minuten, Ton gab es keinen. Als erste Filmproduktion „made in Tirol“ darf ein sogenannter „Schuhplattler“ – ein typischer Tiroler Volkstanz – gelten, der aber leider verschollen ist.
The Eagle h a s va n i s h e d .
Verschollen ist auch ein weiteres filmisches Werk, das in Tirol gedreht wurde – und zwar von niemand Geringerem als Alfred Hitchcock. Hitchcocks Zweitling, die 1925 in Obergurgl und Umhausen gedrehte britisch-deutsche Koproduktion „The Mountain Eagle“, gilt gar als meistgesuchter verlorener Film aller Zeiten.
© CINE TIROL
KULTUR
NEBEN HOLLYWOOD IST LÄNGST AUCH BOLLYWOOD AUF TIROLLYWOOD AUFMERKSAM GEWORDEN.
A u f T i r o l als Filmkulisse aufmerk-
Zur Person Johannes Köck leitet die Cine Tirol Film Commission, die 1998 als Geschäftsfeld der Tirol Werbung gegründet wurde. Köck ist als Film Commissioner so etwas wie ein „Filmfischer“, der mit dem Cine-Tirol-Team nach Produktionen fischt, die Bedarf an alpinen Drehorten haben. Köck will sich in den kommenden Jahren speziell für die Verfilmung von Tiroler Stoffen einsetzen, „weil wahre Geschichten über unser und aus unserem Land meist die packendsten sind. Dies haben Filme wie ‚1809 – Die Freiheit des Adlers‘, ‚Schwabenkinder‘, ‚Kaiser Maximilian in Tirol‘, ‚Glockner – Der schwarze Berg‘, ‚Märzengrund‘ und ‚Klammer‘ bereits mehrfach bewiesen.“
Tirol_Magazin
sam geworden ist der Meisterregisseur damals anscheinend durch eine Postkarte. „Ich habe nach intensiver Nachforschung bis nach Los Angeles zwölf Fotos von den Dreharbeiten entdeckt, auch Tagebuchaufzeichnungen und Kritiken, aber leider keinen einzigen Meter dieses Films. Gemeinsam mit dem British Film Institut in London suchen wir diese britisch-deutsche Produktion seit vielen Jahren und folgen jeder Spur – bisher leider erfolglos, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass dieser Film noch auftauchen wird, vielleicht in einem Archiv oder auf einem Dachboden“, sagt Köck, der „für zweckdienliche Nachrichten in dieser Sache Tag und Nacht erreichbar“ ist. Bewegte To u r i s m u s w e r b u n g .
Die ersten Gehversuche filmischer Tourismuswerbung hatte der Engländer Frank Ormiston Smith unternommen. Er war bereits 1906 vom Landesverband für Fremdenverkehr beauftragt worden, bioskopische Auf-
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© ACADEMY OF MOTION PICTURE ARTS AND SCIENCES © ORF / KIRCH MEDIA
Alfred Hitchcock, der Großmeister der Suspense, hat im Ötztal mit „Der Bergadler“ (im Original: The Mountain Eagle) sein Zweitwerk abgeliefert. Anschauen kann man sich das deutsch-britische Filmdrama allerdings leider nicht, gilt es doch als meistgesuchter verschollener Film der Welt. Es ist ein Drama.
H wie Heimatfilm. Im Nachkriegsösterreich der späten 40er- und 50er-Jahre war das beschauliche Thiersee Zentrum des österreichischen Films. Aus den 60ern stammen mit „Liebesgrüße aus Tirol“ (o.) und „Denn die Musik und die Liebe in Tirol“ zwei von zahlreichen Filmen, die Tirol im Titel führten und zur internationalen Bekanntheit der Marke beigetragen haben.
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© PAUL SPRINZ
© 2015 METRO-GOLDWYN-MAYER STUDIOS
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Ganz schön durchgeschüttelt hat es Bond-Darsteller Daniel Craig bei den Dreharbeiten in Sölden (unten) und Obertilliach (rechts). Für das Filmland Tirol war der Einsatz von 007 ein Volltreffer, den man besonders im Ötztal touristisch gekonnt in Szene gesetzt hat.
„Märzengrund“ ist die wahre und berührende Geschichte des jungen Elias, der sich Ende der 1960er Jahre gegen die Maxime einer profitorientierten Gesellschaft wendet und für ein radikales Leben im Einklang mit der Natur entscheidet. Der Stoff stammt aus der Feder von Felix Mitterer, Regie geführt hat Adrian Goiginger.
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„JAMES BOND 007 IST DIE WELTWEIT STÄRKSTE MARKE IM FILMBUSINESS, WOVON DIE JEWEILIGEN DREHORTE ENORM PROFITIEREN.“ Johannes Köck
A l s ä lt e s t e r noch erhaltener Spiel-
film, der in Tirol gedreht wurde, gilt der 1912 entstandene Film „Speckbacher“. Das 40-minütige Stummfilm-Historiendrama thematisiert die Zeit der Befreiungskämpfe in Tirol im Jahr 1809, wurde unter Mitwirkung von 2.000 Statisten an den Originalschauplätzen in Tirol gedreht und von Publikum wie Kritik damals durchaus wohlwollend aufgenommen. Übrigens galt auch dieser Film lange Zeit als verschollen, konnte aber dank Funden im Filmarchiv Austria und im National Film and Television Archive in London fast vollständig rekonstruiert werden.
nationalem und internationalem Belang wie das „Das doppelte Lottchen“. Die 1950er und 1960er standen ganz im Zeichen des Heimatfilms, in dem das Idyll und die nicht selten klischeehafte Erzählung von einer heilen Welt als genretypisch gelten dürfen. Im Heimatfilm sind Gut und Böse trennscharf unterscheidbar, Nuancen unerhört, Happy Ends vorprogrammiert. Kitsch happens. Diese Filme tragen häufig geografische Bezeichnungen im Titel – „Die Zwillinge vom Zillertal“, „Sturm am Wilden Kaiser“, „So liebt und küsst man in Tirol“. Für den Bekanntheitsgrad Tirols war das natürlich eine äußerst positive Sache. A b s e i t s d e s H e i m at f i l m s wur-
den in dieser Zeit auch einige ande-
re internationale Filme zumindest teilweise in Tirol gedreht. Imst war Schauplatz des Science-Fiction-Abenteuers „The Gamma People“, „La Strega Bruciata Viva“ von Luchino Visconti entstand teils in Kitzbühel und der Arlberg fungierte als Kulisse für „The Double Man“ mit Yul Brynner und Britt Ekland. 1969 wurden gleich zwei große internationale Produktionen in Tirol abgedreht: „Das vergessene Tal“ – im Original „The Last Valley“ – mit Michael Caine und Omar Sharif fand im Gschnitztal den passenden landschaftlichen Rahmen, „The Downhill Racer“ mit den Superstars Robert Redford und Gene Hackman wurde überwiegend und naheliegend in St. Anton und Kitzbühel gedreht.
IHR GOLDSCHMIED SEIT 1764
nahmen anzufertigen, die in Deutschland und England vorgeführt wurden. Der Film bestand aus typischen Szenen des gesellschaftlichen Lebens: Einer Fronleichnamsprozession und einem Schuhplattler, er zeigte eine Fahrt über den Arlberg im Sommer und Winter sowie das städtische Getriebe an einem Markttag in Innsbruck. Im Tiroler Fremdenverkehr hat die Arbeit mit bewegten Bildern, die dazu dienen, Menschen zu bewegen, also bereits eine ebenso lange wie erfolgreiche Tradition.
H e i m at f i l m - H o c h .
In der Nachkriegszeit startete Tirol als Filmland so richtig durch. Zu verdanken war das dem kleinen Dorf Thiersee unweit von Kufstein. Von Mitte der Vierzigerjahre bis zum Beginn der Fünfzigerjahre war Thiersee das Zentrum des österreichischen Nachkriegsfilms und die Wiege zahlreicher Spielfilme von
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„DIE HERVORRAGENDE INFRASTRUKTUR IN UNMITTELBARER NÄHE DER LOCATIONS UND DIE UNTERSCHIEDLICHEN BAUWERKE IM HISTORISCHEN WIE MODERNEN STIL SIND ERFOLGSFAKTOREN FÜR TIROL ALS FILMLAND.“ Johannes Köck
Legendäre Filme.
Einer der wohl einflussreichsten Filme, die in Tirol – konkret in St. Anton und St. Christoph am Arlberg – jemals gedreht worden sind, ist „Der weiße Rausch“, der mit seinen spektakulären Szenen und grandios durchchoreographierten Aufnahmen bis heute nachwirkt. Es ist auch diesem Film zu verdanken, dass der Winter- bzw. Skitourismus sich zum Tiroler Wirtschaftswunder entwickelt hat. Auch für Johannes Köck gehört „Der weiße Rausch“ von Arnold Fanck zu den in der Außenwirkung wichtigsten filmischen Werken, den der Filmexperte im selben Atemzug mit „Die Geierwally“ von Hans Steinhoff, „Der Bär“ von Jean-Jacques Annaud, „Das vergessene Tal“, „James Bond 007 SPECTRE“ von Sam Mendes und den TV-Serien „SOKO Kitzbühel“, „Der Bergdoktor“ sowie dem Musikvideo „Perfect“ von Ed Sheeran aufzählt. Bond… James Bond.
Das zweifellos bedeutendste Film-Franchise, das jemals in Tirol gedreht hat, dürfte zweifellos jenes um den legendären britischen Geheimagenten James Bond sein. „JAMES BOND 007 ist die weltweit stärkste Marke im Filmbusiness, wovon die jeweiligen Drehorte enorm profitieren, darunter eben auch Sölden und Obertilliach bzw. ganz Tirol“, sagt Cine-Tirol-Leiter Johannes Köck. Im Daniel-Craig-Bond-Streifen „Spectre“ wurde zwar außer Bad Aussee kein österreichischer Drehort konkret er-
wähnt, was der Werbewirkung jedoch keinen Abbruch tut, wie Köck erklärt: „Speziell in Sölden hat man eindrucksvoll bewiesen, dass man eine Location auch ohne konkrete Verortung im Film sehr bekannt machen kann.“ D e n E r f o l g d e s Filmlandes Tirol
macht Köck vor allem an Umständen wie „der beeindruckenden Vielfalt unserer alpinen Landschaft, der guten Erreichbarkeit von Drehorten selbst im hochalpinen Raum und der zentralen Lage inmitten Europas“ fest. „Aber auch die hervorragende Infrastruktur in unmittelbarer Nähe der Locations, die unterschiedlichen Bauwerke im historischen wie modernen Stil sowie die ausdrückliche Filmfreundlichkeit der heimischen Bevölkerung sind Erfolgsfaktoren“, so Köck. Daneben gaben auch die Nächtigungskapazitäten für Cast und Crew sowie das Vorhandensein heimischer Filmschaffender, die für Produktionen engagiert werden können, häufig den Ausschlag für das Filmland im Gebirg. „Letztlich hilft auch ein finanzieller Anreiz auf Bundes- und Landesebene, beispielsweise in Form eines Produktionskostenzuschusses, um große Filmproduktionen zu akquirieren. Gerade in diesem Bereich ist der Wettbewerb weltweit sehr groß“, sagt Köck, der auch um die Bedeutung des Films als Wirtschaftsfaktor weiß und ein Beispiel nennt: „Allein während der Dreharbeiten von „James Bond 007 SPECTRE“ in Sölden und Obertilliach wurden fast neun Millionen Euro in Tirol ausgegeben.“ Tirol_Magazin
M i t d e m A u f s t i e g der Streaming-
dienste wie Netflix & Co. kann man mit dem Medium Film heutzutage ein Milliardenpublikum erreichen. Dasselbe gilt für Musikvideos. „Wir sprechen die Produzenten und Regisseure von Musikvideos seit vielen Jahren an und weisen sie auf die vielfältigen Drehorte in Tirol hin – erfreulicherweise wurden zahlreiche Produktionen realisiert, darunter der Megahit ‚Perfect‘ von Ed Sheeran“, erklärt Köck. Dieses Video wurde mittlerweile knapp drei Milliarden Mal gesehen und ist damit der bisher erfolgreichste Film „shot on location“ in Tirol. N e b e n H o l ly w o o d ist längst auch
Bollywood auf Tirollywood aufmerksam geworden, wie Köck ausführt: „Indische Filmschaffende schätzen und lieben alpine Landschaften speziell für die romantischen Szenen in ihren Filmen – Berge und Seen sind dann Glücks- und Kraftorte. Wir haben die führenden Produktionsfirmen in Indien auf die geeigneten Locations in Tirol aufmerksam gemacht und ein Netzwerk im Land geschaffen, um entsprechende Dreharbeiten mit viel Verständnis für die besonderen und oft auch sehr kurzfristigen Wünsche der indischen Filmschaffenden zu ermöglichen. Bisher konnten wir knapp 100 indische Filmproduktionen nach Tirol bringen.“ Es schadet nicht, in einem der weltgrößten Filmmärkte wie Indien mit der Marke Tirol einen Fuß in der Tür zu haben. Tirol und der Film, das passt. Marian_Kröll
Hits in Serie: „SOKO Kitzbühel“ (oben) und „Der Bergdoktor“ gehören zu den Dauerbrennern, die eindrucksvoll belegen, dass nicht nur der Spielfilm in Tirol einen guten Boden vorfindet, sondern Erfolg auch in Serie gehen kann.
© ZDF / ERIKA HAURI, ORF / GEBHARDT PRODUCTIONS
© YASH RAJ FILMS
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Seit der Jahrtausendwende ist Tirol auch zum beliebten Schauplatz für indische Filmproduktionen geworden, die neben wirtschaftlichen und medialen Effekten auch filmtouristische Impulse ausgelöst haben. Bollywood meets Tyrollywood, gewissermaßen.
KULTUR LEBEN
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Thiersee – Das Zentrum des österreichischen Nachkriegsfilms Zwischen 1946 und 1952 entstehen im Filmatelier Thiersee 18 Spielfilme, darunter die Wintermelodie (1947), Eroica (1949), Das doppelte Lottchen (1950) oder Blaubart (1951).
Legende Bezirke RE
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KARTE: © ILLUGRA.COM
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Ausgewählte Filme und ihre Hauptdrehorte in Tirol
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Speckbacher oder die Todesbraut (1912), Zillertal The Mountain Eagle / Der Bergadler (1926), Obergurgl Der weiße Rausch (1931), Arlberg Die Geierwally (1940), Hafelekar The Gamma People (1956), Imst La strega bruciata viva (1966), Kitzbühel The Double Man (1967), Arlberg The Downhill Racer (1969), Kitzbühel Das vergessene Tal (1971), Gschnitztal Der Bär (1988), Lienz Die Piefke-Saga (1990), Zillertal Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers (2001), Innsbruck xXx Triple X (2002), Kaunertal Wie im Himmel (2004), Innsbruck James Bond 007 – SPECTRE (2015), Sölden, Obertilliach Tiger Zinda Hai (2017), Innsbruck Ed Sheeran – Musikvideo zu „Perfect“ (2017), Hintertux Klammer (2020), Innsbruck Märzengrund (2020), Zillertal
KÄRNTEN
Ise lta l 10
LIENZ
Pu st er ta l 15
79 LEBEN
FILMLAND TIROL
FILM LAND TYROL
Moving images have fascinated people since the invention of film. Tyrol took advantage of this early on and has climbed along with the rise of the medium of film. To date, over 500 feature films have been shot in Tyrol. © EPO FILM SAMSARA / CHRISTOPH THANHOFFER
80 CULTURE
ENGLISH
English Summary
H
ollywood and Bollywood have been guests in Tirollywood many times in the past 120 years. A so-called “Schuhplattler” - a typical Tyrolean folk dance - may be considered the first film production “made in Tyrol”, but unfortunately it has disappeared. Also lost is another cinematic work shot in Tyrol, by none other than Alfred Hitchcock. Hitchcock’s second film, the British-German co-production “The Mountain Eagle”, shot in Obergurgl and Umhausen in 1925, is even considered the most sought-after lost film of all time. The oldest surviving feature film shot in Tyrol is the 1912 film “Speckbacher”. The 40-minute silent historical drama focuses on the time of the liberation struggles in Tyrol in 1809 and was shot with the participation of 2,000 extras at the original locations in Tyrol. F r o m t h e m i d - f o r t i e s to the beginning of the
fifties, the small village of Thiersee was the center of Austrian post-war film and the cradle of numerous fea-
ture films. During this time, 18 films were made here. Apart from the classic regional film, a number of other international films were also shot at least partly in Tyrol during this period: popular locations included Kitzbühel and St. Anton. O n e o f t h e m o s t influential films ever shot in Tyrol
is undoubtedly “Der weiße Rausch” (The White Intoxication) by Arnold Fanck, whose spectacular scenes still resonate today. It is also thanks to this film that winter tourism developed into an economic miracle. Cinematic works such as “The Vulture Wally” by Hans Steinhoff, “The Bear” by Jean-Jacques Annaud, “”The Last Valley”, of course “James Bond 007 SPECTRE” by Sam Mendes or TV series “SOKO Kitzbühel”, “Der Bergdoktor” (The Mountain Doctor) as well as the music video “Perfect” by Ed Sheeran were also not insignificant for promoting the image of Tyrol. T y r o l a n d c i n e m a are a perfect match.
Tirol_Magazin
STARKE FRAUEN. GROSSE LEGENDEN. Die TIROLER VOLKSSCHAUSPIELE sind geprägt von klingenden Namen, packenden Stücken und illustren Schauplätzen und das seit 40 Jahren! Als Kurt Weinzierl und seine MitstreiterInnen von Hall in die Marktgemeinde Telfs kamen, ging es um Felix Mitterers damaliges Skandalstück „Stigma“. Dann prägte Ruth Drexel, die TV-Mutter des „Bullen von Tölz“ Ottfried Fischer, das Telfer Sommerfestival als Obfrau über viele Jahre. Ihr Mann Hans Brenner war genauso dabei wie Otto Grünmandl, Dietmar Schönherr und viele andere bekannte Theatergrößen. 2022 steht ganz im Zeichen einer der schillerndsten historischen Frauenfiguren von Tirol – Margarethe Maultasch. Nicht gerade schmeichelhaft Attribute wurden ihr angeheftet: Als die ‚Hässliche Herzogin‘ oder ‚Margarete Maultasch‘ ging sie in die Geschichte ein. Wie heute wurden schon vor 700 Jahren Angriffe ‚ad hominem‘ als Propaganda im Machtkampf benutzt. Für Margarete von Tirol, die letzte ihres Geschlechts, war das nie ein Grund, sich zu fügen. Einen Gutteil ihres Lebens kämpfte sie gegen mächtige Gegner in Politik und Kirche, stritt für die Rechtmäßigkeit ihrer Scheidung und Neuvermählung und hatte das Wohl ihres Landes Tirol stets vor Augen, das sie – nachdem sowohl ihr Gemahl, als auch Sohn kinderlos gestorben waren – notgedrungen den Habsburger überschreiben musste. Foto: Victor Malyshev
SCHA UG V ORBE
K U LT T E L F E R U R -S O 2022 MMER I
GUTS CH VOLK EINE ERHÄ SSCH L AUSP TLICH IELE.A T
VO L K S S C H A U S P I E L E . AT
MARGARETE MAULTASCH von Thomas Arzt
82 MENSCH
Wenn die Kinder aus dem Haus sind
Jede Lebensphase hat so ihren eigenen Wohnbedarf. Während man sich in Zeiten der Familiengründung eher großzügig orientiert, kann eine große Immobilie in späteren Lebensjahren zusehends zur Belastung werden. Indes gibt es doch einige Möglichkeiten, sich den Lebensabend aufzuhübschen und zu genießen. Die Experten der Raiffeisen Immobilien sind genau darauf spezialisiert, zeigen individuelle Möglichkeiten auf und bieten umfassende Beratung an.
enn die Kinder aus dem Haus sind, verändert W sich einiges im Leben von Eltern. Nicht nur, dass es gilt, die Kinder ziehen und somit auch ein Stück weit wieder loszulassen, steht man auch plötzlich vor einer völlig neuen Wohnsituation. Während der eine die neu gewonnene Freiheit und Ruhe zu schätzen und zu genießen weiß, müssen andere mit der neuen Lebenssituation erst leben lernen, sich an die leerstehenden Zimmer langsam gewöhnen. Mit zunehmendem Alter kann der Erhalt einer größeren Immobilie jedoch mühevoll werden – im Alltag, aber auch finanziell.
Gemeinsam einen Weg finden.
Es sind schwierige Entscheidungen, die mitunter mit viel Wehmut verbunden sind. Auf der einen Seite fühlt man sich im eigenen Heim wohl, hat sein gewohntes Umfeld und sich einen Alltag geschaffen. Auf der anderen Seite wird es im Alter möglicherweise beschwerlicher, den großen Haushalt zu bewältigen oder die Gartenarbeit zu stemmen. „Brauche ich noch so ein großes Haus oder geräumige Wohnung? Können wir unsere Liegenschaft überhaupt noch in Stand halten? Welche
Tirol_Magazin
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG
Sigrid Kober
anderen Wohnmöglichkeiten gäbe es für uns?“, fragen sich wohl viele ältere Menschen.
F r a g e n , a u f d i e die Experten der Raiffeisen Immo-
bilien spezialisiert sind und den Betroffenen vom ersten Kontakt bis hin zur gesamten Abwicklung mit großem Expertenwissen und Einfühlungsvermögen zur Seite stehen. „Das Wichtigste für uns ist die individuelle Beleuchtung der Situation, die Analyse des Ist-Zustandes ebenso wie das Aufzeigen der verschiedenen Möglichkeiten“, betont Geschäftsführerin Sigrid Kober. „Aus diesem Grund ist es uns ein großes Anliegen, die Menschen auf diesem Weg zu begleiten und ihnen vor allem in der Bewertung wie auch beim Verkauf oder der Vermietung der Immobilie alles aus einer Hand bieten zu können.“ Vermieten, Verkaufen, Wo h n r ec h t o d e r L e i b r e n t e ?
„Wie eine solche Lösung aussehen kann, dafür gibt es die unterschiedlichsten Varianten“, weiß die Expertin. „Das kann ganz klassisch die Vermietung oder der Verkauf der Immobilie und der Erwerb einer neuen Immobilie sein. Ein Weg kann auch der Verkauf mit lebenslangem Wohnrecht sein, das dem Verkäufer einräumt, bis an sein Lebensende ungestört in der Immobilie verbleiben zu dürfen. Weiters ist auch der Verkauf
D i e M ö g l i c h k e i t e n s i n d vielfältig und hängen
stark von der jeweiligen Situation ab. „Wichtig ist es, sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen und sich fachkundigen Rat einzuholen. Schließlich soll man nach einem arbeitsreichen Leben gerade die Pensionsjahre noch in vollen Zügen genießen können. Bei uns wird jedes Kundenbedürfnis individuell behandelt“, betont Kober. „Essentiell ist bei allen Varianten die richtige und professionelle Bewertung der Immobilien. Fehleinschätzungen können zu erheblichen Schwierigkeiten führen“, ist Kober überzeugt. Die Expertinnen und Experten der Raiffeisen Immobilien sind Profis auf diesem Gebiet und verfügen über das nötige Einfühlungsvermögen, um diese einschneidenden Entscheidungen professionell zu begleiten.
Raiffeisen Immobilien Tirol GmbH Sigrid Kober Geschäftsführerin Staatl. geprüfte Immobilientreuhänderin
6020 Innsbruck, Bozner Platz 2 Tel.: +43 512 5305 12302 Mobil: +43 664 8875 0533 E-Mail: sigrid.kober@raiffeisen-immobilien-tirol.at www.raiffeisen-immobilien.at
RAIFFEISEN IMMOBILIEN
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„ESSENTIELL IST BEI ALLEN VARIANTEN DIE RICHTIGE UND PROFESSIONELLE BEWERTUNG DER IMMOBILIEN.“
auf Leibrentenbasis möglich. Dabei verpflichtet sich der Käufer zur Zahlung einer Leibrente und erwirbt im Gegenzug das Eigentum des Verkaufsgegenstandes. Diese Variante ist vor allem für jene geeignet, die sich ihre Pension mit zusätzlichem Einkommen etwas aufhübschen wollen oder müssen“, ergänzt Gerhard Cramer, Geschäftsführer der Raiffeisen Immobilien. Ist die Liegenschaft schon sehr verfallen, kann man auch den Verkauf des Grundstücks an einen Wohnbauträger andenken, der ein neues Gebäude oder eine Wohnanlage errichtet, in welcher der Verkäufer eine neue, auf seine Wünsche angepasste Wohnung erhält. „Das hat den Vorteil, dass der Verkäufer zwar in eine neue Immobilie zieht, aber in der gewohnten Umgebung verbleiben kann, ja vielleicht sogar den gleichen Ausblick aus dem Wohnzimmer genießen kann wie zuvor. Zudem erwartet die Verkäufer bei dieser Variante zumeist noch ein finanzielles Zubrot“, erklärt Kober.
KULTUR
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Das imposante Hotel Sulden auf 2000 Metern Seehöhe, eröffnet 1893
TIROLER OZEANDAMPFER MIT SCHWARZWÄLDER RELING Tirol_Magazin
I
m Spätsommer 1897 rauscht es im Südtiroler Blätterwald. Die lokalen Zeitungen berichten über eine prominente Sommerfrischlerin und jeder ihrer Schritte wird aufgeregt kommentiert: „Der Aufenthalt in der Hochgebirgswelt hat der Kaiserin sichtlich gut angeschlagen, sie sieht vortrefflich aus, ihr Gang ist elastisch und kräftig“, heißt es da über Elisabeth I. von Österreich-Ungarn, die im gerade erst eröffneten, auf 1.670 Metern Seehöhe gelegenen Hotel Karersee in den Dolomiten weilt. Es ist fortan als „das Hotel, in dem auch die Kaiserin nächtigte“ bekannt. „Um 1900 konnte keine andere verkaufsfördernde Maßnahme so große Wirkung entfalten wie illustre Gäste“, sagt Bettina Schlorhaufer.
© TLMF
D a b e i b e o b a c h t e t das Kaiserhaus in Wien
den aufstrebenden Tourismus im fernen Tirol lange eher skeptisch, ehe es darin einen wirtschaftlichen Faktor erkennt. Umgekehrt erkennen die Tourismuspioniere schnell, dass mit allzu guten Nächtigungszahlen auch Nachteile verbunden sind, nämlich die nach Wien abzuliefernden Steuern. Man weiß sich jedoch zu helfen, und zwar mit der Gründung eines „Vereins für Alpenhotels in Tirol“, der sich auf Gemeinwohl-Orientierung beruft und damit steuerbegünstigt ist. Einer der Mitbegründer dieses Vereins ist der 1854 in Wien geborene Alpinist, Autor, Politiker und Berghotel-Entrepreneur Theodor Christomannos; er gilt heute als Pionier in der touristischen Erschließung Südtirols.
85 KULTUR
Um 1900 wurden in den entlegensten Hochgebirgsregionen riesige Hotelpaläste errichtet. Bettina Schlorhaufer hat diese Bauten und damit auch die frühe Tiroler Tourismusgeschichte erforscht. Ein Streifzug durch die Welt der alpin gefärbten Gothictrends, der illustren Gäste und des Größenwahns.
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B a u h e r r e n d e s Hotel Sulden sind
Buchtipp Berghotels 1890–1930 Bettina Schlorhaufer, Birkhäuser Verlag 2021, zwei Bände à 304 Seiten, EUR 79,95 Euro Bauten und Projekte von Musch & Lun und Otto Schmid, herausgegeben vom Touriseum – Südtiroler Landesmuseum für Tourismus. © CAROLINE HEISS
Zunächst aber ein Schauplatzwechsel ins Ortlergebiet, wo bereits 1892/93 oberhalb des Bergdorfes Sulden einer jener „Ozeandampfer“ gestrandet ist, mit denen Architekturhistorikerin Schlorhaufer die Berghotels nicht nur aufgrund ihrer imposanten Größe gerne vergleicht. Da wie dort handle es sich um „Vorboten der Moderne“, sagt sie. Da wie dort setzen „Rationalisierung, Systematisierung, Standardisierung“ ein, um die Abfertigung bzw. den Transport der Massen zu bewältigen. Das Hotel funktioniere „maschinenmäßig, wie ein tadellos konstruierter Apparat“, schreibt 1909 nicht zufällig auch
übrigens dessen Architekt Otto Schmid und ein gewisser Theodor Christomannos. In einem Prospekt heißt es um 1896 über das Hotel: „Dasselbe hat 120 Zimmer, Dampfheizung, elektrische Beleuchtung, Bäder und eigene Bäckerei und nebst einem großen Speisesaal und schönen Restaurationsräumen ein Damen- und Musikzimmer, sowie auch ein Lesezimmer und einen Billardsaal, eine photographische Dunkelkammer und Tennisplätze.“ Wir sprechen wohlgemerkt von einer Lage auf 2.000 Metern Seehöhe und von einer nur drei Monate dauernden Sommerfrische-Saison, in der das Haus seine Gäste empfängt. W i r s p r e c h e n bei den Berghotels,
die zwischen 1890 und 1930 in Südund Nordtirol sowie im Trentino inmitten atemberaubender Gebirgskulissen errichtet wurden, aber keineswegs von Luxushotels, betont Schlorhaufer. Und das war auch im Sinne der Erfinder: Man wollte nicht nur das vornehme Publikum, sondern auch den einfachen Bergwanderer anlocken. Hotels mit
Das Hotel Pragser Wildsee um 1900
© SAMMLUNG EIMANNSBERGER
KULTUR
der Kunsthistoriker und Schriftsteller Joseph August Lux.
E i n e w o h l g e ö lt e Maschinerie.
Das Hotel Karersee vor dem Latemar-Massiv
Tirol_Magazin
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88 KULTUR
„UM 1900 KONNTE KEINE ANDERE VERKAUFSFÖRDERNDE MASSNAHME SO GROSSE WIRKUNG ENTFALTEN WIE ILLUSTRE GÄSTE.“ Bettina Schlorhaufer
„allem modernen Comfort, aber ohne jeglichen Luxus“ lautete die Devise von Christomannos. Die Ausstattung der Zimmer war entsprechend karg, die funktionalen Möbel wurden von lokalen Handwerken hergestellt, fließendes Wasser gab es nicht immer und schon gar nicht in den oberen Stockwerken. Eine wilde Stilmischung.
So imposant die wenigen erhaltenen Gebäude und die Ansichten nicht mehr vorhandener Häuser auf historischen Fotografien und Postkarten also auch aussehen mögen: Gebaut wurde möglichst preisgünstig und nach dem Baukastenprinzip. Die Ähnlichkeiten im äußeren Erscheinungsbild sind deshalb wenig überraschend. Spannend ist aber, was in die Baukästen der Architekten alles Eingang gefunden hat und später zu typischen Stilelementen einer vermeintlichen „Tyroler“ Architektur uminterpretiert wurde. Da wären zum Beispiel die gotischen Elemente, denen vor allem die Deutschnationalisten (und damit auch Christomannos) sehr zugetan waren, weil sie als besonders „germanisch“ galten. Da wären aber auch Elemente, die, so Schlorhaufer, über Eisenbahningenieure aus dem südwestdeutschen Raum nach Südtirol kamen, zum Beispiel „die angehängten Balkone mit Geländern, die aussehen wie barocke Balustraden und die eigentlich aus dem Schwarzwald kommen“. Anderes ergab sich auch aus den Witterungsbedingungen im hochalpinen Gelände und korrespondierte am
Ende mit dem bereits Vorhandenen, zum Beispiel die rauen Steinfassaden, die man „in Südtirol bei jeder Burg findet“, so Schlorhaufer. Baugeschichtlich gesehen sei die Entstehungszeit der Berghotels also „eine Geschichte der erfundenen Traditionen, der Rückgriffe auf Stilelemente verschiedener Epochen, aber auch der technologischen Innovationen“: Denn ohne die Straßen, die in die entlegensten Hochgebirgstäler hinein gebaut wurden, ohne die eigens für sie aus dem Boden gestampften Elektrizitätswerke und ohne die temporär errichteten Dörfer für die Hundertschaften von Bauarbeitern wären sie wohl nie entstanden. F ü r S c h l o r h a u f e r war der Aus-
gangspunkt für die Beschäftigung mit der Geschichte der Berghotels ein Forschungsprojekt über das Archiv des Meraner „Bureaus für Architektur und Ingenieurbau Musch & Lun“, das auch im Hotelbau ein zentraler Player war. Der erwähnte Wiener Architekt Otto Schmid war ein anderer. Als Fundgrube stellte sich auch die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum heraus, wo Schlorhaufer unter anderem historische Abbildungen, Postkarten und Werbematerialien fand. Am Ende ist ein zweibändiges Werk herausgekommen, das die Berghotels und mit ihnen auch die frühe Tourismusgeschichte und die gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit ungeheuer facettenreich beleuchtet. Man erfährt darin zum Beispiel auch, warum vielen Kirchenvertretern die Machenschaften der Hotel-Entrepreneure ein Dorn im Auge waren. Tirol_Magazin
Gegen den Willen der Kirche.
Eine Zeitreise an den Pragser Wildsee lässt diesbezüglich tief blicken. Über die Errichtung des gleichnamigen Hotels steht 1896 im konservativen „Volksblatt“ zu lesen: „Wir stehen diesem Baue ziemlich kühl gegenüber. Denn, wenn es ein Hotel abgibt, wie andere neuerrichtete Alpenhotels, dann ist katholischen Dienstboten und Arbeitern die Mitwirkung an diesem Baue und an der Bedienung nicht sehr zu empfehlen.“ Die „Entweihung des Sonntags“, so Schlorhaufer, „stand bei der Opposition der Kirche im Vordergrund. Im Hintergrund haben die klerikal-konservativen Kreise aber natürlich auch gemerkt, dass dieser ‚böse Tourismus‘ auch andere Ideen ins Land bringt, und zwar Ideen von deutschen Protestanten – egal ob sie jetzt als Gäste oder als Wirtschaftsmigranten nach Südtirol hereinkommen. Die haben eine andere Ideologie mitgebracht.“ G e b a u t w u r d e d a s Hotel Pragser
Wildsee trotzdem. Es ist eines der wenigen Gebäude, die die Zeit überdauert haben – und die noch dazu bis heute als Hotel betrieben werden. Berühmt-berüchtigt wurde es rund fünfzig Jahre nach seiner Erbauung, weil die Nationalsozialisten hier in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs prominente politische Häftlinge interniert hatten, die im Mai 1945 schließlich von der US-Armee befreit wurden.
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© CAROLINE HEISS
© ÖNB
KULTUR
Das Hotel Pragser Wildsee auf einer Postkarte
© STADTARCHIV KITZBÜHEL
Tirol_Magazin
noch erhaltenes Gebäude aus der Ära der Berghotels, es ist heute der Sitz der McKinsey Alpine University. Um 1900 steht es auch für den Beginn einer neuen Ära im Tiroler Tourismus, denn im Hotel Kitzbühel, später Grand Hotel Kitzbühel, gibt man sich nicht mehr mit der Sommersaison zufrieden, sondern empfängt, nachdem sich das Skifahren als Wintersportart etabliert hat, auch in der kalten Jahreszeit Gäste. D a s s n a h e d e s von Musch & Lun
Das Dolomitenhaus Canazei auf einer Postkarte aus der Österreichischen Nationalbibliothek
Das Hotel Kitzbühel in den 1930er Jahren und ein Blick in dessen Speisesaal mit Wandmalereien von Karl Lartschneider
I n K i t z b ü h e l steht ein weiteres
geplanten Dolomitenhauses Canazei 1929/30 sogar ein völlig neuer Hotel-Bautyp umgesetzt wurde, nämlich ein „Berg-Motel“, sagt ebenfalls einiges über den Innovationsgeist der Fremdenverkehrspioniere aus. Und trotzdem steht die Ära der Berghotels insgesamt für eine seltsame Mischung aus Fortschrittsdenken und Rückwärtsgewandtheit. An den Speisesälen, die das gesellschaftliche Zentrum der Hotels darstellten, lässt sich das gut ablesen. Rückgriffe auf die barocke Schlossarchitektur und auf mittelalterliche Burgen sorgen für feudales Flair, aufwändige Holztonnengewölbe ebenfalls. 38 Meter lang und 16 Meter breit ist der Speisesaal im Hotel Trafoi unterhalb des Stilfser Jochs, im Hotel Karersee wird bei der Eröffnung im Juli 1896 „Consomme à la tirolienne“, „Filet bœuf à la Wolkenstein“ und „Gâteau Andreas Hofer“ serviert. Und zwar nicht von befrackten Kellnern, sondern von Mädchen im „reizenden Tirolercostüme“. Was anderswo zu dieser Zeit völlig undenkbar ist, wird in den Berghotels zur Attraktion, die „von den Gästen schnell nachgeahmt wurde“, sagt Schlorhaufer. Der Mastermind hinter dieser „nostalgischen Umdeutung des vergangenen bäuerlichen Lebens der Frauen in eine farbenprächtig-exotische, aber nur auf ihre äußerlichen Merkmale bezogene Inszenierung“ heißt einmal mehr Theodor Christomannos. Ivona_Jelčić
Tirol impft. Auch weiterhin. Aller guten Dinge sind drei. Ihre zweite Corona-Impfung liegt bereits sechs Monate zurück? Dann können Sie sich ab sofort ein drittes Mal impfen lassen.* Damit sind Sie weiterhin bestmöglich gegen das Coronavirus geschützt. Sollten Sie noch nicht geimpft sein, können Sie auch Ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten. Es stehen ab sofort viele zusätzliche Impfmöglichkeiten und Impftermine auf www.tirolimpft.at zur Verfügung. Sie können sich aber auch ohne Termin impfen lassen.
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A WILD MIXTURE OF STYLES
Around 1900, huge hotel palaces were built in the most remote high mountain regions. Bettina Schlorhaufer has researched these buildings along with the early history of tourism in Tyrol.
others, stands behind it. One of the co-founders of this association was the alpinist, author, politician and entrepreneur Theodor Christomannos, who was born in Vienna in 1854. Today he is considered a pioneer in the tourist development of South Tyrol. T h e r e wa s a l s o another hotel of similar size in the
© SAMMLUNG EIMANNSBERGER
92 CULTURE
ENGLISH
English Summary
I
n the late summer of 1897, Elisabeth I of Austria-Hungary - “Sisi” - stayed at the newly opened Hotel Karersee in the Dolomites, located at 1,670 metres above sea level. It was from then on known as “the hotel where the Empress stayed”. “Around 1900, no other marketing strategy was as effective as having famous guests,” says Bettina Schlorhaufer, an architectural historian. The hotel is one of many that were built around this time, especially in South Tyrol: The Association for Alpine Hotels in Tyrol, among
Ortler region in 1892/93, above the mountain village of Sulden. Schlorhaufer likes to call them “ocean liners”, not only because of their enormous appearance. In both places they are “harbingers of modernity,” she says. Both hotels use “rationalization, systematization, standardization” to facilitate the arrival and transport of the masses. The developers of the Hotel Sulden were the architect Otto Schmid and Christomannos. Nevertheless, the mountain hotels built between 1890 and 1930 in South and North Tyrol and in Trentino, amid breathtaking mountain scenery, are by no means luxury hotels. And this was also the intention of the inventors: They wanted to attract not only the noble public, but also the simple mountain hiker. Consequently, the hotels were built as inexpensively as possible and according to the modular principle. F o r S c h l o r h a u f e r , the starting point for research-
ing the history of mountain hotels was a study of the archives of the Merano-based “Bureaus for Architecture and Engineering Musch & Lun”, which was also a central player in hotel construction. The mentioned Viennese architect Otto Schmid was another one. In the end, a two-volume work emerged that illuminates the mountain hotels and with them also the early history of tourism and the social developments of the time in an immensely multifaceted way.
Tirol_Magazin
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94 NATUR
„Welcome to SenCity“
Ab Jänner 2022 ist ein akustischer Städtetrip mit Bildern der Künstlerin Deborah Sengl sowie Klängen und Geschichten der Sounddesigner Peter Kollreider und Thomas Aichinger zu sehen und zu hören.
ie Audioversum-BesucherInnen können ab Jänner 2022 ein Stadtlabyrinth erkunden, das Deborah Sengl kunstvoll gestaltet. Im Original auf Büttenpapier gezeichnet und gemalt, wird es in Menschengröße nachgebaut und zu einer 3-D-Welt aus Orient und Okzident, alter und neuer Welt. Das Besondere an der „SenCity“ ist, dass die BesucherInnen via Kopfhörer in eine erweiterte Audiowelt eintauchen und sich auf klangbasierte Augmented Reality (AR) konzentrieren können. Sie werden wahlweise in ein Rätselspiel versetzt oder von verschiedenen Klängen eingehüllt. Zentrales Thema der Ausstellung ist die Stadt, ein von Menschen für Menschen gebauter Organismus und seine Klänge: die von ihm erzeugten, die verbannten oder die von seinen tönenden mechanischen Gehilfen.
sen von Deborah Sengl und der Klangraum von SONIC TRACES ergeben in der „SenCity“ ein urbanes Labyrinth, das zum Nachdenken anregen soll: Wann wird aus den notwendigen Geräuschen Lärm? Worauf könnte man verzichten? Wie könnte eine alternative urbane Welt klingen?
len durchaus laute 3-D-Klangstadt von Peter Kollreider und Thomas Aichinger (SONIC TRACES). Die beiden Soundkünstler schreiben Geschichten und erstellen Augmented-Audio-Realitäten, die man begehen kann - also akustische Welten, die sich mit der eigenen Bewegung erfahren lassen. Das Beeindruckende dabei ist, dass die Augen im Hier und Jetzt bleiben und die Ohren auf Reisen gehen können.
eine Gruppe von jungen Menschen angeführt von Vicky Fanfare, die wissen will, was Klänge so alles anstellen können. Sie selbst haben nichts angestellt, werden aber fälschlicherweise des Diebstahls bezichtigt. Deshalb sind sie auf der Flucht, die nur die Audioversum-BesucherInnen beenden können. Mehr über diese Rätselgeschichte erfahren Sie im Rahmen der Ausstellung ab Jänner 2022 im Science Center.
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D i e „ S e n C i t y “ ist eine akustisch vielfältige, biswei-
D i e B e s u c h e r I n n e n e r l e b e n , welche Geräusche
D i e s e F r a g e n b e s c h ä f t i g e n auch die „SenGang“,
der Mensch in seiner urbanen Umgebung erzeugt. Dabei ist es möglich, auf Klangquellen zuzugehen oder sich von ihnen zu entfernen. Die eigene Bewegung steuert, was gehört wird. Die eindrucksvollen KulisTirol_Magazin
AUDIOVERSUM Science Center Wilhelm-Greil-Straße 23, 6020 Innsbruck +43(0)5 7788 99, office@audioversum.at www.audioversum.at
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG / FOTOS: AUDIOVERSUM
95 AUDIOVERSUM
Interview
Wenn die Kunst auch Lärm macht Ein Interview mit der Wiener Künstlerin Deborah Sengl, die mit der Ausstellung „SenCity“ ab Jänner 2022 im Innsbrucker Audioversum Science Center zu sehen ist. Die Audioversum-Ausstellung „SenCity“ wird auditiv vermittelt. Wie ist Dein Zugang zu diesem zeitgenössischen Ausstellungsformat?
D e b o r a h S e n g l : Ich sehe mich als bildende Künstlerin. Jedoch suche ich bewusst die Verknüpfung mit anderen Medien und künstlerischen Ausdrucksformen. Mir ist der narrative Zugang in meiner Arbeit sehr wichtig. Die klassische bildende Kunst ist oftmals statisch und das versuche ich zu durchbrechen. Mein Projekt „ESCAPE!“ im Wiener Museumsquartier ist bis jetzt mein umfangreichster Versuch dieser Art gewesen. Die Kooperation mit anderen Künstlern und Experten ist sehr befruchtend. Es erweitert meinen Horizont und gleichzeitig bietet es dem Publikum ein breiteres Angebot an Sinneserfahrungen. Die Einladung von Julia Sparber-Ablinger, ein ähnliches Projekt für das Audioversum zu entwickeln, hat mich in diesem Zugang bestärkt. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Lärmverschmutzung und die enge Zusammenarbeit mit den Sounddesignern Peter Kollreider und Thomas Aichinger sind eine wunderbare Gelegenheit, mich neuen Herausforderungen zu stellen, ohne dabei meine persönliche Handschrift zu verlassen. In Deiner Kunst spielst Du oftmals mit Tieren als Protagonisten, lässt Dich von Eigenschaften inspirieren, die den Tieren zugeschrieben werden. Wie bist Du in dieser Ausstellung zu Deinen Protagonisten gekommen? Ich verwende
seit jeher Tiere bzw. deren Köpfe, um menschliche Eigenschaften darzustellen. Durch das Weglassen von menschlichen Gesichtern vermeide ich die naheliegende und ganz automatische Anziehung oder
Ablehnung der jeweiligen Protagonisten. Mein Fokus liegt bei den Verhaltensmustern und dem thematischen Umfeld meiner „Darsteller“. Im Rahmen dieser Ausstellung schöpfe ich aus dem Fundus meiner unzähligen Akteure und baue diese, der Geschichte entsprechend, in meine Stadt ein.
Spielt Musik, spielen Klänge in der Entstehung Deiner Kunst eine Rolle? Ich höre viel und
sehr gerne Musik. Bis jetzt kamen Klänge aber nicht in der vordergründigen Bedeutung wie in dem aktuellen Projekt „SenCity“ vor. Die Auseinandersetzung und Vermischung mit anderen künstlerischen Medien ist eine große Bereicherung und Inspiration für mein Schaffen. Nichts ist mir langweiliger als Stillstand und Wiederholung. Meine Kunst bietet mir immer wieder neue Möglichkeiten, mich neuen Themen und Techniken zu öffnen. Endlich hat sich nun die passende Gelegenheit ergeben, den wichtigen akustischen Part in meiner Kunst einfließen zu lassen. Kann Hören auch unangenehm sein? Was sagt Dir der Begriff anthropogener Lärm? Ich
reagiere auf Geräusche aller Art sehr sensibel. Das wird tatsächlich immer extremer und seitdem ich weiß, dass es dafür sogar den Begriff „Misophonie“ gibt, fühle ich mich mit dieser Empfindlichkeit nicht mehr ganz so allein. Die Schwierigkeit, mich mit und in dieser lauten Welt zurechtzufinden, war für mich ausschlaggebend, diese Ausstellung dem „anthropogenen Lärm“ zu widmen.
96 KULTUR
TAGUNGSKRISTALLE Drei Veranstaltungszentren an drei Orten, die topografisch und von ihrem Charakter her kaum unterschiedlicher sein könnten, haben sich auf die Fahnen geheftet, den Nordtiroler Tagungsmarkt nach langen Monaten der sozialen Distanziertheit mit neuem Esprit wieder mit Leben zu füllen.
© NORBERT FREUDENTHALER
DIE STADT: SALZRAUM.Hall livelocations
© GURGL CARAT
DER BERG: Gurgl Carat
DAS TAL: Europahaus Mayrhofen
Tirol_Magazin
K r i s ta l l i n e r C h a r a k t e r
Die Bezeichnung Tagungskristalle rührt zum einen von der kristallinen Gebäudeform her, die den Häusern in Obergurgl und Mayrhofen zu eigen ist, zum anderen hat sie damit zu tun, dass die ehemalige Salinenstadt Hall, der dritte Tagungsort, historisch untrennbar mit dem Salzkristall verwoben ist. Der Name SALZRAUM.Hall ist direkt darauf zurückzuführen. Das Europahaus Mayrhofen weist seit dem Umbau im Jahr 2009 die Form eines Bergkristalls auf, ein Gestein, das im Zillertal gehäuft vorkommt. Das 2020 neu eröffnete Konferenzzentrum Gurgl Carat schließlich erinnert in der Form an einen geschliffenen Diamanten und trägt damit der Standortgemeinde Gurgl, das als „Diamant der Alpen“ gilt, Rechnung. G e s c h l i f f e n s i n d die Tagungsor-
te aber nicht nur der Architektur oder dem Namen nach, sondern auch im Tagungsangebot. „Wir wollen zeigen,
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ie Idee, gemeinsame Sache zu machen und miteinander den Tiroler Tagungsmarkt zu bespielen, ist während eines Lockdowns entstanden. Unter dem Namen „dieDrei.tirol – Tagungskristalle in Stadt.Tal.Berg“ werden die vielfältigen Tagungskompetenzen nun gemeinsam vermarktet. „Wir wollten nicht einfach abwarten, bis das Kongressgeschäft wieder Fahrt aufnimmt, sondern etwas tun, um den Unternehmen nach dem Lockdown Lust auf Tagungen und Events zu machen. Unsere Veranstaltungshäuser ergänzen einander so gut, dass wir zusammen ein attraktives Angebot machen können“, beschreibt Stefanie Thurner, Geschäftsführerin des Europahaus Mayrhofen, was „dieDrei.tirol“ antreibt. Gemeinsam mit Felix Kupfer, Geschäftsführer des Gurgl Carat in Obergurgl, und Andreas Ablinger, Prokurist der SALZRAUM.Hall livelocations, bildet sie das Trio, das die Kooperation umsetzt.
Seminarpauschalen dieDrei.tirol Drei Kongresslocations – ein Preis. Weil es bei Tagungen nicht allein um den Inhalt, sondern auch um das leibliche Wohl der Tagungsteilnehmer geht, bieten dieDrei einheitliche und reichhaltige Tagungspauschalen mit regionalen Köstlichkeiten. Jede Pauschale beinhaltet darüber hinaus einen auf die Teilnehmerzahl angepassten Seminarraum inkl. Bestuhlung, Standardtechnik und TechnikSupport. Buchbar ab 20 Personen. Ganztagspauschale „Mayrhofner Bergkristall“ • Saalmiete • Seminartechnik (Beamer, Leinwand, Ton, 1 Stunde Technikbetreuung) • Kaffeepause am Vormittag (herzhafte Snacks, Kaffee und Tee, Quellwasser) • Leichter 2-Gang-Businesslunch (Hauptspeise, Vorspeise oder Dessert) • Kaffeepause am Nachmittag (süße Snacks, Kaffee und Tee) Halbtagspauschale „Gurgler Diamant“ • Saalmiete • Seminartechnik (Beamer, Leinwand, Ton, 1 Stunde Technikbetreuung) • Kaffeepause am Vormittag oder Nachmittag (herzhafte oder süße Snacks, Kaffee und Tee, Quellwasser) • Leichter 2-Gang-Businesslunch (Hauptspeise, Vorspeise oder Dessert) Vormittags- bzw. Nachmittagspauschale „Haller Salzkristall“ • Saalmiete • Seminartechnik (Beamer, Leinwand, Ton, 1 Stunde Technikbetreuung) • Kaffeepause am Vormittag oder Nachmittag (herzhafte oder süße Snacks, Kaffee und Tee, Quellwasser)
wie hochwertig unser Angebot ist, und zugleich unsere Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte dreier nicht alltäglicher Tagungslocations, die historisch fest in Tirol verankert sind, zusammenhalten und daher dem Markt gemeinsam etwas Einzigartiges bieten können“, erläutert Andreas Ablinger von den SALZRAUM.Hall livelocations. Zum Thema Historie hat der SALZRAUM. Hall mit der ältesten Eventlocation, der auf das 13. Jahrhundert zurückgehenden Burg Hasegg, Besonderes beizutragen. Man könnte sagen, dass die Burg wohl eine der ältesten Begegnungsstätten Österreichs ist. Ebenfalls zum SALZRAUM.Hall gehören das Salzlager, ein Industriebau aus dem 19. Jahrhundert, und das zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Kurhaus.
A u f T r a d i t i o n berufen darf sich auch das Gurgl Carat, das mit seiner Lage auf 1.900 Metern Seehöhe höchstgelegene Konferenzzentrum Europas. Es wurde an der Stelle des Piccardsaales errichtet, mit dem man in Gurgl der Notlandung des Forschers Auguste Piccard, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinem Gasballon aus der Stratosphäre kommend am Gurgler Ferner ankerte, gehuldigt hatte.
D a s E u r o pa h a u s Mayrhofen blickt auf eine mittlerweile 40-jährige Kongressgeschichte zurück. Aber nicht nur Tagungen und Kongresse haben in der Region eine lange Geschichte, auch Kultur und Begegnung haben Tradition. So waren es zwei Zillertaler Sängerfamilien, die das Stille-Nacht-Lied erst berühmt machten, indem sie es in die ganze Welt hinaustrugen. w w w. d i e d r e i . t i r o l
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FOTOS: © ANDREAS FRIEDLE
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Stefanie Thurner, Geschäftsführerin Europahaus Mayrhofen, mit Andreas Ablinger, Prokurist SALZRAUM.Hall livelocations, und Felix Kupfer (re.), Geschäftsführer Gurgl Carat
TAGEN MIT MEHRWERT Stefanie Thurner, Felix Kupfer und Andreas Ablinger haben mit ihren jeweiligen Tagungsstätten beschlossen, gemeinsam dem Vorurteil entgegenzutreten, dass Konferenzzentren oft von der Angebotslegung kompliziert und nicht leistbar seien.
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ir haben uns entschlossen, für alle drei Locations attraktive Packages zu schnüren und jeweils noch ein Extra in Form eines Mitbringsels dazuzugeben“, sagt Felix Kupfer vom Gurgl Carat. Unter den klangvollen Bezeichnungen „Mayrhofner Bergkristall“, „Gurgler Diamant“ und „Haller Salzkristall“ werden für alle drei Locations Halbund Ganztagespauschalen zu einheitlichen Preisen angeboten. Darüber hinaus gibt es die sogenannten Mitbringsel (siehe Seite 16/17). Sie inkludieren die Teilnahme an besonderen Attraktionen in der näheren Umgebung der Locations. Das Europahaus Mayrhofen lädt unter diesem Titel zu einer Führung in die Schlegeis-Stau(n)mauer im Naturpark Zillertaler Alpen ein, das Gurgl Carat bietet in Kooperation mit dem Alpincenter Obergurgl La-
winenkurse an und im SALZRAUM.Hall dürfen sich die Gäste auf den Besuch des Trinkwasserstollens im Halltal freuen. „Wer in einem der drei Konferenzzentren veranstaltet, erhält jeweils Gutscheine für die Nutzung der Mitbringsel der beiden anderen Locations. Wir wollen erreichen, dass die Gäste wechselseitig unsere Häuser kennenlernen, und wir wollen ihnen
die Schönheiten und Besonderheiten der jeweiligen Region näherbringen“, so Stefanie Thurner, Felix Kupfer und Andreas Ablinger. E i n m a l ta g e n , dreimal Vorteile ge-
nießen. So geht die neue Form der Tagungskooperation, von der man mehr als einen Mehrwert mitnehmen kann.
WER SEINE VERANSTALTUNG IN EINEM DER DREI KONFERENZZENTREN ABHÄLT, ERHÄLT JEWEILS GUTSCHEINE FÜR DIE NUTZUNG DER SO GENANNTEN MITBRINGSEL DER BEIDEN ANDEREN LOCATIONS. Tirol_Magazin
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HOCHALPIN UND HOCHPROFESSIONELL Felix Kupfer, Geschäftsführer von Gurgl Carat in Obergurgl Was
macht
das
Gurgl
Carat
einzigartig?
F e l i x K u p f e r : Im Wesentlichen sind das vier Dinge. Erstens: Unsere Lage – wir liegen auf 1.900 Metern Seehöhe und sind damit das höchstgelegene Kongresszentrum in Europa. Nirgendwo anders gibt es diese Kombination einer hochprofessionellen Eventlocation mit hochalpiner Natur. Daher rührt auch unser Claim – „Alpiner Raum für Inspiration“. Zweitens: Unsere an die Form eines geschliffenen Diamanten angelehnte Gebäudearchitektur, eine Hommage an die Destination Gurgl, den „Diamant der Alpen“. Drittens: Die lange Wissenschafts- und Kongresstradition in Gurgl. Obwohl unser Gebäude erst 2019 gebaut und im Jänner 2020 eröffnet wurde, gibt es schon seit langem viele hochkarätige Tagungen und Kongresse in Gurgl. Viertens: Unsere hochmoderne Saaltechnik, die unserer spektakulären Architektur in nichts nachsteht.
Worauf sind Sie spezialisiert? Auf kleine und mittelgroße Events für 20 bis 500 Personen. Mit bis zu vier separaten Sälen bieten wir flexible Raumkonzepte an. Wir decken damit den klassischen Kongressbereich ab, den Seminarbereich mit Schulungen und Workshops und den kleineren Meetingbereich mit Besprechungen und Sitzungen. Durch unsere Lage inmitten der hochalpinen Gurgler Natur liegt es auf der Hand, die Tagung, den Workshop oder die Besprechung mit einem Rahmenprogramm bzw. Teambuilding in Gurgl emotional abzurunden. Dies kann eine Wanderung, ein Klettersteig, eine Bergbahnfahrt oder im Winter ein Skiausflug bzw. eine Skitour sein. Grundsätzlich ist Gurgl für alle Firmen interessant, die ihre Veranstaltung gerne in einer unvergleichlichen Landschaft durchführen möchten. Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn das Tagungs- und Eventbusiness wieder Fahrt aufnimmt? Wir sind das jüngste Mitglied in unserer Run-
de und haben das Carat erst im Jänner 2020 eröffnet und es kurz danach wieder schließen müssen. Also sind wir im Prinzip noch gar nicht richtig gestartet und
freuen uns sehr, endlich viele zufriedene Gäste bei uns begrüßen zu dürfen. Corona hat die Arbeits- und Geschäftswelt – zumindest vorübergehend – verändert. Noch nie wurde derart intensiv von technologischen Konferenzlösungen Gebrauch gemacht. Doch der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen. Worin liegt der Mehrwert, einen Event in einer spezialisierten Location abzuhalten?
Während der Coronazeit sind unzählige Studien zu diesem Thema durchgeführt worden. Der Grundtenor ist dabei immer der gleiche: Es wird auch in Zukunft Liveevents geben. Die Gründe hierfür sind vielfältig, es sticht aber einer ganz besonders hervor: Egal wie gut die technische Infrastruktur und die Abwicklung eines digitalen Events sind, die persönliche, emotionale Komponente ist digital nur sehr schwer transportierbar. Ehrliche Verbindungen, langfristige Freundschaften und vertrauensvolle Kundenbeziehungen sind in einem rein digitalen Aufeinandertreffen kaum bzw. nicht erreichbar. Diese werden auch bei Liveevents nicht während der Tagung, der Podiumsdiskussion oder in der Schulung geschlossen, sondern bei einem Kaffee in der Pause, beim Mittagessen oder auch mal abends bei einem Bier oder Wein an der Hotelbar. Was haben Sie für Klein- und Mittelbetriebe im Angebot? Unser Angebot von dieDrei.tirol richtet
sich ganz klar an die Tiroler Unternehmen und selbstverständlich auch an die vielen KMU. Kongresshäuser werden von vielen Firmen oft als zu groß, zu kompliziert und zu teuer angesehen. Diesem Vorurteil möchten wir offen begegnen und haben einfache, leistbare und vergleichbare Tagungspauschalen geschaffen, die neben der Raummiete auch die Verpflegung der Teilnehmer beinhalten. Diese Packages kennen die Firmen von den klassischen Tagungshotels und werden hoffentlich dazu beitragen, dass wir möglichst viele Firmen aus der Region bei uns begrüßen dürfen.
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Interview
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Interview
ZILLERTALER HERZBLUT
Stefanie Thurner, Geschäftsführerin des Europahaus Mayrhofen.
Was macht das Europahaus Mayrhofen einzigartig? S t e fa n i e T h u r n e r : Das Europahaus
Mayrhofen gibt es seit mehr als 40 Jahren und wir blicken auf eine lange Kongressgeschichte zurück. In den Jahren 2009 und 2010 wurde das Haus grundsaniert und sämtliche technische Standards an die Marktanforderungen angepasst. Unsere Architektur, ein leicht anmutender, gläserner Bergedelstein mit Kristallcharakter, sticht heraus und bettet sich zeitgleich harmonisch in das traditionelle Dorfbild ein. Im Rahmen des Umbaus wurde auch großer Wert auf die flexible Raumgestaltung gelegt. So kann die Raumgröße individuell an die Bedürfnisse der Veranstaltungsgröße angepasst werden. Insgesamt stehen zehn Plenar- und Workshopräumlichkeiten für zehn bis 1.600 Personen zur Verfügung. Das Herz jedoch bilden die Menschen, die hinter den Kulissen arbeiten: Mit Zillertaler Herzblut engagieren wir uns nahezu 24/7 für die Bedürfnisse unserer Kunden. Unser Team arbeitet bereits seit vielen Jahren zusammen, somit können wir uns aufeinander verlassen, wissen, welche Veranstaltungen bei uns im Haus wie funktionieren, und können unseren Kunden und Gästen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Worauf sind Sie spezialisiert? Unser Haus funk-
tioniert optimal für Tagungen für bis zu 400 Personen. Seit 2012 sind wir Seminarlocation eines der führenden deutschen Motivations- und Businesstrainer, der nicht nur aufgrund der professionellen und mittlerweile eingespielten Zusammenarbeit mit dem Europahaus-Team jedes Jahr an die sechs bis acht Seminarveranstaltungen bei uns durchführt, sondern weil auch das Drumherum in Mayrhofen bzw. im gesamten Zillertal die beste aktive Ergänzung zu seinem Fortbildungsprogramm im Europahaus bildet. Somit profitieren Kunden bei uns auch von den Angeboten und Möglichkeiten rund um das Europahaus. Darüber hinaus funktionieren Sporthändlertagungen optimal bei uns. Kunden und Gäste können die neuen Produkte im Rahmen der Präsentation im Europahaus kennenlernen und dann gleich auf den Bergen, den Pisten und den Gipfeln testen.
Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn das Tagungs- und Eventbusiness wieder Fahrt aufnimmt? Dass wir endlich wieder das machen dürfen,
was wir so gerne machen: die Türen und Säle für unsere Teilnehmer öffnen und veranstalten. In der Zwischenzeit haben wir an unserem Präventionskonzept gearbeitet und die Sicherheits- und Reinigungsstandards angepasst. Wir wissen mittlerweile, welche Maßnahmen in unserem Haus wie umgesetzt werden müssen, welche Settings funktionieren, so dass es auch den Teilnehmern noch Spaß macht. Durch Corona wurden viele Tagungen und Veranstaltungen in die virtuelle Welt verlegt. Glauben Sie, wird diese Vorgehensweise beibehalten bleiben? Wir haben in den letzten Monaten
gelernt, dass gewisse Veranstaltungsformate auch in der digitalen Welt funktionieren. Ziemlich sicher werden auch kleinere Tagungen, die zur reinen Wissensvermittlung dienen, in der virtuellen Welt bleiben. Das wird sich zeigen. Dennoch sind wir mehr denn je überzeugt davon, dass die Live-Begegnung das Herz von Veranstaltungen ist. Die Menschen sehnen sich mehr denn je nach einem persönlichen Face-to-Face-Austausch, der greifbar ist und nicht abhängig von der Internetleitung oder einer guten Kamera. Was können Sie Klein- und Mittelbetrieben bieten? Ein flexibles Raumangebot, das an die in-
dividuellen Bedürfnisse der Tagung angepasst werden kann. Und weil Tagen auch durch den Magen geht, arbeiten wir seit September 2018 mit unserem Exklusivcaterer Samuel Pinter zusammen. Er versteht es, Zillertaler Tradition mit kulinarischen Trends zu vereinen. Außerdem setzen wir auf starke Partner im Bereich Abend- und Outdoorprogramm, Unterbringung und Transfer und auf unser einzigartiges Platzerl – den Waldfestplatz: der perfekte Ort für einen Netzwerkabend im Anschluss an den Tagungsteil.
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Interview
EIN GEMEINSAMES GANZES Andreas Ablinger, Prokurist der SALZRAUM.Hall livelocations.
Was macht die Locations des SALZRAUM.Hall einzigartig? A n d r e a s A b l i n g e r : An dieser
Stelle darf ich Halls Bürgermeisterin Eva-Maria Posch zitieren: „Die SALZRAUM.Hall livelocations sind das Veranstaltungszentrum unserer Stadt. Es wird so hervorragend gemanagt, dass wir für alle Größen von Veranstaltungen die passenden Räume in bester Qualität zur Verfügung haben. Ich kenne nur begeisterte Teilnehmer von Veranstaltungen in unseren Räumen, weil jeder Raum anders ist und es deswegen für jede Veranstaltung das passende Konzept gibt.“ Unsere Locations bilden, wenn auch jedes Haus einzeln buchbar ist, doch ein gemeinsames Ganzes. Das bringt höchste Flexibilität bei den Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten. Hinzu kommen Synergien im Bereich Technik, Licht, Rahmenprogramme und allem, was sonst noch für ein gelungenes Event benötigt wird. Worauf sind Sie spezialisiert? Das Team der
SALZRAUM.Hall livelocations organisiert für Sie Rahmenprogramme, in denen die Stadt und die wunderbare Naturumgebung des Halltals in Ihren Event einbezogen werden. Wenn Sie in Hall tagen oder feiern, dann kommen Sie um die Altstadt quasi nicht herum. Selbst wenn Sie ein sehr dichtes Programm haben, werden Sie und Ihre Gäste Gelegenheit finden, die Altstadt mit ihren architektonischen Schätzen, ihren kleinen Läden und Boutiquen und der einladenden Gastronomie quasi en passant mitzunehmen. Sie können sie außerdem aktiv im Sinne eines Rent-a-City-Konzeptes in Ihr Programm einbeziehen. Als „Green-Events-Partner“ ermöglicht das Salzlager Hall auch die Abhaltung klimafreundlicher Veranstaltungen. Wie hat Corona das Veranstalten verändert?
Wir verfügen über ein großzügiges Raumangebot mit flexiblem, coronatauglichem Umfeld, haben ein Hygienekonzept etabliert, das bereits in unserem Besucher-
zentrum Burg Hasegg/Münze Hall erfolgreich umgesetzt wurde, ein Gästeleitsystem für die Einhaltung der Sicherheitsabstände, Expertise in Eventsicherheit und Gästemanagement und bieten flexible Stornobedingungen für den Fall, dass Ihre Veranstaltung aufgrund gesetzlicher Änderungen nicht durchführbar sein sollte. Wir freuen uns wieder auf gemeinsame Erlebnisse. Hybride Events, die digitale und physische Anwesenheit miteinander verbinden, liegen im Trend. Wie sind Sie darauf vorbereitet?
Coronabedingt wurden und werden viele Veranstaltungen abgesagt. Doch es gibt auch andere Lösungen. Das beweist die „Virtuelle Ausstellung“ der floralen Meisterstücke der Absolventinnen und Absolventen der Academy of Flowerdesign/AoF im Salzlager Hall. Und sie zeigt: Ob analog oder digital, die SALZRAUM. Hall livelocations bieten einen würdigen Rahmen für jegliche Art der Präsentation. Welches Angebot haben Sie speziell für Kleinund Mittelbetriebe? Gerade bei KMU ist es nicht
immer einfach, die passenden Räumlichkeiten und das Rahmenprogramm zu finden. Hier punkten die SALZRAUM.Hall livelocations mit drei Veranstaltungsorten unterschiedlichen Charakters und unterschiedlicher Größenordnung: dem Kurhaus Hall, dem Salzlager und der Burg Hasegg. Diese können einzeln oder in Kombination miteinander gebucht werden. Wir punkten auch mit der unmittelbaren Nähe zu Innsbruck, der guten Erreichbarkeit aus verschiedensten Destinationen mit dem Auto, Bus und mit dem Zug und der Rundum-Betreuung durch das SALZRAUM. Hall-Team. Es verfügt über Kompetenz und Erfahrung, unterstützt bei der Auswahl des Showprogramms, empfiehlt passende Caterer, hilft bei der Hotelbuchung, bietet jeglichen technischen Support und lässt keine Wünsche offen.
Vom Gurgl Carat aus geht es zu Fuß mit einer moderaten Wanderung oder optional als Skitour durch die wunderschöne Winterlandschaft Gurgls. Nach einer Viertelstunde erreicht man den schneebedeckten Zirbenwald. Hier gibt es die Möglichkeit, in der Zirbenalm einzukehren und ein köstliches, regionstypisches Mittagessen zu genießen. Mitten im Zirbenwald liegt schließlich der ORTOVOX Training Park. Hier findet das Sicherheitstraining in Kleingruppen statt. Die ORTOVOX Safety Academy bietet dabei die einzigartige und sichere Möglichkeit, Lawinen-Know-how direkt im Gelände zu erlernen und anzuwenden. Dazu sind am gesamten Gelände versteckte Sender installiert, die es von den Gruppen zu finden gilt. Durch unterschiedliche Suchkorridore ist es möglich, selbst komplexe Verschüttungsszenarien zu simulieren und sich dadurch auf den Ernstfall vorzubereiten. Im Anschluss an den Lawinenkurs gibt es die Möglichkeit, gemeinsam in Obergurgl und Hochgurgl Ski fahren zu gehen. Die Gurgler Schneesicherheit und Schneequalität sucht in Tirol ihresgleichen. Die letzte Abfahrt ist sogar bis fast vor das Gurgl Carat möglich.
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ORTOVOX Safety Academy in Gurgl
DIE ELEMENTE WASSER, SCHNEE UND LUFT ERLEBEN Die Mitbringsel inkludieren die Teilnahme an besonderen Attraktionen in der näheren Umgebung der Locations und sollen dazu einladen, alle drei Partnerhäuser von dieDrei.tirol kennenzulernen. Tirol_Magazin
Der Schlegeis ist einer der fünf Stauseen im Zillertal, die Strom aus Wasserkraft erzeugen. Die nassen Massen fließen durch einen kilometerlangen Triebwasserstollen zum nächsten Kraftwerk, wo Strom entsteht. Die Turbinen sind nicht ständig in Betrieb. Je nach Bedarf, mal fünf Minuten am Tag, mal eine Stunde. Der Rest ist Stillstand. Insgesamt speichert der Schlegeis rund 126 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Füllstand hängt von Niederschlägen und Jahreszeit ab. 1971 folgte nach sechsjähriger Bauzeit die Fertigstellung, ein Jahr später floss in Mayrhofen Strom ins Netz. Das Wasser schwankt oben an der Krone und drückt unterschiedlich stark gegen die Wand. Darum wurde eine doppelt gekrümmte Bogengewichtsmauer errichtet. Das erklärt die gewölbte Bauweise. Dadurch verteilt sich der Druck und die Mauer ist stabiler. 725 Meter lang und 131 Meter hoch ist sie. Fast eine Million Kubikmeter Beton stecken darin. Würde man das auf einen Güterzug laden, hätte der eine Länge von 360 Kilometern.
Das Geheimnis des Wassers aus dem Halltal Simpler Stoff, das häufigste Molekül auf diesem Planeten – eben ganz gewöhnliches Wasser. Oben in der Natur tanzt es durch die Ritzen von Gesteinen, es bewegt sich mit den Schwingungen der Mineralien, es bejubelt die gute Luft, es sprudelt mit drehender Bewegung in die grenzenlose Freiheit der Natur. Unten im Tal wird es in dumpfen Röhren scheinbar endlos zusammengepresst, auf engstem Raum gehalten, bis der Mensch über dessen Fluss bestimmt. Spinnerei? Gut möglich. Wasser ist eben Ansichtssache. Wohl an keinem anderen Element scheiden sich derart die Geister wie am Wasser. SALZRAUM.Hall eventlocations bietet seinen Kunden deshalb einen exklusiven Einblick in einen Ort des Ursprungs. Im Jahr 2003 nahm die Hall AG, Mutterbetrieb von SALZRAUM. Hall, einen mit großem Aufwand errichteten und tief in den Berg führenden Trinkwasserstollen im nahe gelegenen Halltal in Betrieb. Die Produktionsstätte von rund 400 Sekundenliter reinstem Wasser liegt 900 Meter im Berg, in einem Naturschutzgebiet und gilt als Geheimtipp für Gäste mit besonderen Ansprüchen.
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Stau(n)mauer am Schlegeis
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TIROLBILDPRÄGEND Franz von Defregger: Auf einer visuellen Spurensuche nach einem der ganz Großen in der heimischen Kunstgeschichte im Tiroler Photoarchiv (TAP).
Das Hotel Defreggerhof am Iselsberg lehnte sich namentlich auch an den Maler an, um 1908 / Foto: Verlag W. Hofmann; Sammlung Stadtgemeinde Lienz, Archiv Museum Schloss Bruck – TAP
F
ranz von Defregger ist ein Titan innerhalb der Tiroler Kunstgeschichte – eine Ausstellung der Tiroler Landesmuseen im vergangenen Jahr hat es anlässlich des 100. Todestages vermocht, hier auch andere neue Blickwinkel zu entdecken und zu eröffnen.
und Ludwig Ganghofer zählen zu seinem Freundeskreis. Er hat auch viele junge Tiroler Künstler ausgebildet und gefördert.
(1835–1921) am Ende doch nicht nach Amerika ausgewandert ist, schlägt der aus (Iselsberg-)Stronach Stammende die Künstlerlaufbahn ein und sollte als Professor an der Akademie in München mit seinen Darstellungen des Bauernlebens und des „Freiheitskampfes von 1809“ das Bild Tirols im In- und Ausland lange bestimmen. Peter Rosegger
D i e F o t o s u c h e in den vielfältigen
erschlossenen Beständen des Tiroler Archivs für photographische Dokumentation und Kunst (TAP) bringt eine erstaunliche Bandbreite zu Tage.
N a c h d e m F r a n z von Defregger
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Historiker Martin Kofler leitet das in Lienz und Bruneck angesiedelte Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst (TAP), das 2011 aus einem EU-Interreg-IVProjekt hervorgegangen ist.
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Franz von Defregger, um 1918/ Sammlung Stadtgemeinde Lienz, Archiv Museum Schloss Bruck – TAP
Die Franz-von-Defregger-Straße in Lienz mit der Villa Monti (heute Kindergarten) rechts vorne, 1914 / Foto: Hans Fracaro; Sammlung Oliva Lukasser – TAP
Das nach dem Maler benannte Defreggerhaus (2.962 m) am Mullwitzaderl, westlich des äußeren Mullwitzkeeses, bei Prägraten am Großvenediger, ist eine der ältesten und höchstgelegenen Schutzhütten in den Ostalpen. Erbaut 1885–1887, um 1925 erweitert / Foto: Franz Knollmüller; Sammlung Stadtgemeinde Lienz, Archiv Museum Schloss Bruck – TAP
Bildpostkarte mit dem Franz-von-Defregger-Geburtshaus, abgebrannt 1934, heute Rehazentrum Ederhof für organtransplantierte Kinder und Jugendliche, Karten-Druck um 1925 / Federzeichnung von E. T. Compton – Sammlung TAP
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Franz von Defregger, Selbstbildnis, Öl auf Leinwand, 1866, Museum Schloss Bruck, InvNr. 8995, Aufnahme 1997 / Foto: Georg Baptist; Sammlung Stadtgemeinde Lienz, Archiv Museum Schloss Bruck – TAP
Prada statt Brenner: Die 21-jährige Greta Elisa Hofer hat von Steinach aus den Sprung in die internationale Topmodel-Liga geschafft. Wir haben mit ihr über den Mut, zu sich selbst zu stehen, die erdende Kraft wahrer Freundschaft und das schräge Gefühl, sich selbst auf einer riesigen Plakatwand zu begegnen, gesprochen.
© STEFAN FUERTBAUER
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„FÜR MICH IST ALLES SCHÖN, WAS NICHT PERFEKT IST“
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Greta Elisa Hofer
Sie haben 2020 einen Exklusivvertrag bei Prada unterschrieben, pendeln seither beruflich zwischen Mailand, Paris, London und Wien und waren unter anderem auf dem „Vogue“-Cover zu sehen. Wie fühlt es sich an, in der Topmodel-Liga mitzuspielen?
G r e ta E l i s a H o f e r : Wenn ich in Tirol oder Wien bin, fühlt sich das sehr speziell an, weil es hier ja nicht so viele Gleichaltrige gibt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Da hab ich dann schon das Gefühl, dass ich was richtig Großes erreicht habe. Sobald ich aber in Mailand oder Paris arbeite und dort auf Castings gehe, merke ich schnell, wie „klein“ ich eigentlich bin und dass es noch ganz, ganz viele andere gibt, die in diesem Business Erfolg haben. Sie kommen aus Steinach am Brenner. Ich gehe mal nicht davon aus, dass hier viele Modelscouts auf Talentsuche gehen. Wie hat Prada dort Wind von Ihnen bekommen? Ich habe bereits während
meiner Schulzeit damit begonnen, in Innsbruck bei kleineren Fashionshows mitzulaufen. Als ich schon in Wien gewohnt habe, ist mein jetziger Agent Andreas Kranebitter von der Agentur „SP-Models“ auf mich aufmerksam geworden und hat mich auf Instagram kontaktiert. Andreas hat mir zunächst ein paar kleinere Jobs vermittelt und mich dann rasch mit größeren, internationalen Agenturen vernetzt, die mich wiederum bei Prada vorgeschlagen ha-
Zur Person Greta Elisa Hofer (geb. 2000) ist in Steinach am Brenner als jüngste von drei Schwestern aufgewachsen und hat an der Ferrarischule in Innsbruck den Zweig „Kommunikations- und Mediendesign“ absolviert. Schon während ihrer Schulzeit hat sie begonnen, bei kleineren Modeschauen mitzulaufen. Nach der Matura zog sie nach Wien, um Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte zu studieren. Via Instagram wurde ihr aktueller Agent Andreas Kranebitter, Geschäftsführer der Innsbrucker Modelagentur „SPModels“, auf sie aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. 2020 unterschrieb die Wipptalerin einen Exklusivvertrag für das Mailänder Modehaus Prada und eroberte unter anderem im Herbst 2020 bei der großen, im Netz übertragenen „PradaShow“ den Laufsteg. Im Sommer 2021 endete die Exklusivität. Mit dem italienischen Label ist die Tirolerin, die bereits ein Vogue-Cover-Shooting hinter sich hat, aber immer noch in bestem Kontakt. Mit Dior neuerdings auch. Im Herbst präsentierte sie in Paris deren aktuelle Frühjahrsund Sommerkollektion. www.sp-models.com
ben. Zuerst war ich dort in Option mit vielen anderen Leuten, doch irgendwann hat sich Prada für mich entschieden. Der Rest ist Geschichte. Wie schafft man es, sein eigenes Gesicht zu bewahren, wenn man das Gesicht von Prada ist? Ich habe
immer versucht, Prada in erster Linie als Job zu sehen, den ich auch hinter mir lassen kann, sobald ich aus Mailand weg bin. Mir war und ist wichtig, mich und meine Persönlichkeit nicht über Prada zu definieren. Manchmal ist das aber gar nicht so leicht: Wenn ich hier in Österreich neue Leute kennenlerne, fahren die oft voll auf mein Prada-Engagement ab und stellen mich auf eine Art Podest. Aber nicht so sehr, weil sie mich als Menschen toll finden, sondern mehr die Marke, für die ich arbeite.
Wer erdet Sie im Leben? Zu einem großen Teil ist das sicher meine Freundin in Wien, mit der ich schon zusammen war, als von Prada noch gar nicht die Rede war. Geerdet werde ich auch von meinen langjährigen Freunden: Bei ihnen weiß ich, dass alles echt ist und sie mich mögen, weil ich Greta bin. Meine Familie gibt mir natürlich auch großen Halt: Wenn ich zuhause in Steinach bin, ist das Modelbusiness schnell ganz weit weg und kein Thema mehr. Castingformate wie „Germany‘s Next Topmodel“ haben bei vielen jungen Frauen den Wunsch geweckt, eine Laufstegkarriere zu starten. Sie selbst haben
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„MIR IST KLAR GEWORDEN, DASS DIE MEINUNG VON ANDEREN MENSCHEN NICHT VIEL ZÄHLT, WENN MAN SELBST MIT SICH GLÜCKLICH IST.“
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„WENN ICH HIER IN ÖSTERREICH NEUE LEUTE KENNENLERNE, FAHREN DIE OFT VOLL AUF MEIN PRADA-ENGAGEMENT AB UND STELLEN MICH AUF EINE ART PODEST. ABER NICHT SO SEHR, WEIL SIE MICH ALS MENSCHEN TOLL FINDEN, SONDERN MEHR DIE MARKE, FÜR DIE ICH ARBEITE.“ Greta Elisa Hofer
in einem Interview gemeint, dass Sie solche Castingshows nie interessiert haben. Warum? Das
Modeln war eigentlich nie ein großer Traum von mir. Wäre ich nicht von Menschen wie Andreas angesprochen worden, hätte ich dahingehend gar nichts probiert. Die Teilnahme an einer Castingshow wäre sowieso das völlig Falsche für mich: Ich mag es nämlich gar nicht so wirklich, im Mittelpunkt zu stehen, weil ich eher eine ruhigere Person bin. Und bei Castingformaten geht es nun einmal viel um Entertainment und darum, sich permanent zu exponieren. Mir kommt auch vor, dass viele bei „Germany‘s Next Topmodel“ mitmachen, weil sie auf eine Influencerkarriere hoffen und gar nicht so sehr, weil sie das Ziel vor Augen haben, für große Marken zu laufen. Die ersten professionellen Bilder von Ihnen, die um die Welt gingen, zeigen Sie mit raspelkurzen Haaren. Und schon war in Social-Media-Kommentaren zu lesen, dass so ein Kurzhaarschnitt doch nicht weiblich sei. Wie reagieren Sie auf solche Äusserungen, die oft auch in Beleidigungen münden? Solch verletzen-
de Kommentare sind für mich leider nicht neu, da ich meine Haare schon abrasiert habe, als ich 17 war. Da hagelte es auch Beleidigungen, die mich
am Anfang recht verletzt haben, da ich damals noch recht unsicher war. Aber mittlerweile ist mir das ziemlich egal. Mich trifft das nicht mehr – auch deshalb, weil ich mich sehr gut mit meinen kurzen Haaren identifizieren kann. Sie sind ein Teil von mir. Und Leute, die auf die Idee kommen, mich deshalb im Internet zu beleidigen, nehm ich einfach nicht ernst, sondern ignorier sie lieber. Das ist sicher der beste Weg. Aber wahrscheinlich auch kein einfacher. Es hat mich auf alle Fälle
viel Mut und auch Kraft gekostet, mir solche Beleidigungen nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich dadurch gewachsen bin, weil ich gelernt habe, zu mir zu stehen. Mir ist klar geworden, dass die Meinung von anderen Menschen nicht viel zählt, wenn man selbst mit sich glücklich ist. Bevor Sie den Prada-Vertrag unterzeichnet haben, haben Sie sich an der Uni Wien für Vergleichende Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte inskribiert. Warum fiel die Wahl gerade auf diese zwei Studienrichtungen? Ich
habe mich einfach schon immer sehr für Literatur und Kunst interessiert und bin der Meinung, dass es im Leben eigentlich nicht darum gehen sollte, wie viel Geld man verdient, sondern Tirol_Magazin
wie man sein Glück findet. Ich wollte mich deshalb auch nicht in ein anderes Studium drängen lassen, nur weil am Ende womöglich ein lukrativer Job wartet. Meine Eltern haben mich in dieser Entscheidung glücklicherweise immer voll und ganz unterstützt. Lässt sich Ihr Studium noch mit Ihrem Modeljob kombinieren? Als
ich noch exklusiv bei Prada war, ging das ein bisschen einfacher, weil ich zwischen den Arbeitsterminen in Mailand immer recht viel Zeit in Wien hatte. Im Sommer ist diese Exklusivität abgelaufen, seither hab ich die Möglichkeit, auch für andere Marken und Modehäuser zu arbeiten, was super ist, allerdings auch mehr Stress bedeutet. Deshalb habe ich das Studium vorerst auf Eis gelegt, weil ich sonst nur noch arbeiten und lernen würde. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass ich wieder weiterstudiere, sobald ich mehr Zeit habe. Den Modelalltag kann man sich als Aussenstehender schwer vorstellen. Von Ihnen stammt der Tipp, sich zu Shootings immer ein kleines Jausenpaket mitzunehmen. Gehört ein knurrender Magen zum Business? Das ist ganz unterschied-
lich: Es gibt Shootings, bei denen ein richtiges Frühstücksbuffett aufgebaut ist und man sogar frische Spiegeleier herausgebraten bekommt.
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Die eisigen Temperaturen in unserer Kältekammer bieten vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit. Unsere Kältekammer besteht aus zwei Kammern: eine Vorkammer mit -25°C und eine Hauptkammer mit -110°C. Zur Akklimatisierung und Verdampfung der Feuchtigkeit auf der Hautoberfläche gehen Sie zunächst 30 Sekunden in die Vorkammer. Danach kommen Sie für 3 min. in die Hauptkammer.
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sehe ich ganz oft Leute, die ich persönlich kenne – da find ich das plötzlich nicht mehr komisch, sondern irgendwie normal. Der Modeljob ist zeitlich begrenzt. Gibt es andere berufliche Ziele, von denen Sie träumen? Ei-
gentlich noch nicht so richtig. Ich kann mir auf alle Fälle vorstellen, dass ich irgendwann Literaturwissenschaften fertig studiere und dann schaue, was auf mich zukommt. Ich bin auch sehr an Fotografie interessiert und könnte mir vorstellen, dass ich in diesem Bereich beruflich Fuß fassen könnte. Vorerst möchte ich mich noch ein paar Jahre auf meine Modelkarriere konzentrieren und die Zeit nutzen, um tolle Jobs zu machen. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Ich glaub, ich bin nicht die einzige 21-Jährige, die sich ab und zu ein wenig lost fühlt und sich noch nicht so richtig festlegen will. Ein anderes Mal gibt es nur Kaffee und man muss darauf hoffen, dass man ein Stück Brot erwischt. Dazu kommt, dass ich Vegetarierin bin und es für mich oft nur recht kleine Portionen gibt oder manchmal sogar nur einen Salat – und das ist doch ein bisschen wenig, um ein stundenlanges Shooting durchzustehen. Für solche Momente pack ich mir gerne Instant-Ramen ein und hoffe, dass ich zu einem Wasserkocher komme, damit ich nicht mit knurrendem Magen ins Bett gehen muss. Wenn Sie sich selbst vom „Vogue“Cover oder einem Modeplakat entgegenschauen, ist das ein unwirklicher Moment für Sie? In Pa-
ris hing einmal ein riesiges Prada-Plakat von mir bei den Galeries Lafayette, das war schon ziemlich crazy. Aber irgendwie gewöhnt man sich an solche Momente und Eindrücke. Ich habe mittlerweile auch Freundinnen und Freunde, die erfolgreiche Models sind. Wenn ich Flughafenhallen entlanggehe und in die High-Fashion-Stores schaue,
„ICH MAG ES GAR NICHT SO WIRKLICH, IM MITTELPUNKT ZU STEHEN, WEIL ICH EHER EINE RUHIGERE PERSON BIN.“ Greta Elisa Hofer
Heimatbesuche werden mittlerweile vermutlich etwas rar sein. Gibt es in Tirol so etwas wie einen Seelenort für Sie? Ich würde
eigentlich gern öfter heimkommen, aber oft muss ich Besuche im letzten Moment absagen. Das tut mir für meine Familie und Freunde sehr leid. Aber ich schaue drauf, dass ich zumindest alle paar Monate mal nach Steinach komme: Richtig wohl fühle ich mich dann, wenn ich mit meinen Leuten im Garten meiner Eltern zusammensitzen kann oder zum Obernberger See spaziere. Wenn ich dort aufs Wasser schau, dann weiß ich, dass ich heimgekommen bin. Ein Kalenderspruch besagt, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Was ist in Ihren Augen schön? Für mich ist alles schön, was
nicht perfekt ist. Ich finde es zum Beispiel schade, wenn auf Fotos Muttermale oder andere vermeintliche Makel wegretuschiert werden. Genau solche Kleinigkeiten machen den Menschen einzigartig und wunderschön.
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114 PEOPLE
ENGLISH
English Summary
„ FOR ME, EVERYTHING THAT IS NOT PERFECT IS BEAUTIFUL“ Prada instead of the Brennero: 21-year-old Greta Elisa Hofer has made the leap into the international top model league from Steinach.
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reta Elisa Hofer, born in 2000, grew up in Steinach am Brenner as the youngest of three sisters and graduated from the Ferrari School in Innsbruck with a degree in “Communication and Media Design”. Already during her school years she started to participate in smaller fashion shows. After graduating from high school, she moved to Vienna to study literature and art history. Via Instagram, she came to the attention of her current agent Andreas Kranebitter, managing director of the Innsbruck-based model agency “SP Models”, who signed her up. This didn’t really correspond to her original life plan: “Modeling was never really a big dream of mine. If I hadn’t been approached by people like Andreas, I wouldn’t have tried anything in that regard.” In 2020, the girl from Wipptal nevertheless signed an exclusive contract for the Milan fashion house Prada and, among other things, conquered the catwalk in the fall of 2020 at the big “Prada Show” that was broadcast on the internet.
I n t h e s u m m e r o f 2 0 2 1 , the exclusivity ended, which among other things resulted in Hofer putting her studies on hold for the time being: „Since then, I‘ve had the opportunity to work for other brands and fashion houses, which is great, but it also means more stress.“ However, the Tyrolean, who has already completed a Vogue cover shoot, is still in excellent contact with the Italian label. With Dior, too, of late. In the fall, she presented their current spring/summer collection in Paris.
D e s p i t e h e r a s t o n i s h i n g and unexpected career,
Hofer has remained grounded: „Sometimes I have the feeling that I‘ve achieved something really big. But as soon as I work in Milan or Paris and go on castings there, I quickly realize how ‚small‘ I actually am and that there are still many, many others who are successful in this business.“ When fame is over, the 21-year-old may want to move behind the camera or finish her studies. To her, by the way, it‘s beautiful to also have small flaws: „For me, everything that‘s not perfect is beautiful. For example, I think it‘s a shame when moles are airbrushed out of photos. It‘s precisely little things like that that make people unique and beautiful.“
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© ANDREAS FRIEDLE
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Die Wimmelbücher von Bettina Egger zeichnen sich durch liebevolle Details aus.
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TIROL, WIE’S WIMMELT Auf den Bildern von Bettina Egger wimmelt es nur so von Geschichten. Zusammen mit Maria Kittler hat sie das Tirol-Wimmelbuch herausgebracht. Ein Besuch am Zeichentisch.
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„WIR WOLLTEN DIE ORTE SEHEN, RIECHEN, SPÜREN UND HABEN JEDEN EINZELNEN PERSÖNLICH BESUCHT UND AUCH GEMEINSAM DAZU RECHERCHIERT.“ Maria Kittler
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utos sind für sie der Horror. „Jeder Zeichner hat so seine Dinge, die er einfach nicht zeichnen mag. Bei manchen sind es Füße, die auch wirklich schwer zu zeichnen sind, bei mir sind’s eben Autos“, sagt Bettina Egger und beugt sich lächelnd wieder über ihren Zeichentisch. Dass es auf ihren Bildern nicht gerade von Autos wimmelt, ist also kein Zufall. Höchstens ein alter 2CV oder ein Hippie-Bus verirrt sich dorthin. Dafür gibt es sonst unheimlich viel zu sehen: Man schaut zwei-, drei-, viermal und dann noch ein fünftes Mal hin, bis man auch das kleine Mädchen entdeckt hat, das im Gewimmel auf den Haller Altstadtgassen eine Schar Gänse vor sich hertreibt. Oder den Adler, der mit einem Schoko-Osterhasen in den Klauen hoch über Kufstein das Weite sucht, während ihm die Osternest-Besitzerin aus dem Fenster heraus entgeistert hinterherschaut. Auch manch anderes witzige Detail versteckt sich in den liebevoll handgezeichneten Szenerien des 2021 im Verlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung erschienenen Tirol-Wimmelbuchs. Höchstpersönlich r e c h e r c h i e r t.
Bettina Egger ist die Künstlerin, die hinter diesem Gemeinschaftsprojekt steckt, Maria Kittler die Initiatorin und unternehmerische Triebfeder. Angesichts der unterschiedlichen Temperamente der beiden Frauen – da die quirlige Marketingexpertin, dort die eher zurückhaltende Künstlerin – muss man ein biss-
D a s T i r o l - W i m m e l b u c h ist nicht
Wimmelbücher Das Innsbruck-Wimmelbuch Das Tirol-Wimmelbuch Bettina Egger, Maria Kittler Beide sind im Verlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung 2019 bzw. 2021 erschienen. Je 19,95 Euro.
chen schmunzeln bei der Vorstellung, wie sie gemeinsam durchs schneebedeckte Tiroler Lechtal stapfen oder in der Osttiroler Galitzenklamm nebeneinander in den Kletterseilen hängen. Ist aber so passiert: „Wir wollten die Orte sehen, riechen, spüren und haben jeden einzelnen persönlich besucht und auch gemeinsam dazu recherchiert“, sagt Kittler und betont mit einigem Stolz, dass im Ergebnis nichts drin sei, „das nicht stimmt“. Fliegende Osterhasen sind damit natürlich nicht gemeint, sondern zum Beispiel geografische und historische Gegebenheiten, die Egger in ihren Illustrationen zu ungeheuer detailreichen Wimmelbildern verdichtet. Tirol_Magazin
der erste Streich des Duos Egger-Kittler, bereits 2019 ist ihr Innsbruck-Wimmelbuch erschienen. Als Mutter von drei Kindern habe sie sich immer wieder über irreführende Inhalte geärgert, die in manchen Kinderbüchern vermittelt werden, erzählt Kittler. „Wir hatten zum Beispiel ein Buch zuhause, in dem ein Hirsch, ein Reh und ein Kitz abgebildet waren. Das war die ‚Familie Hirsch‘“. Kittler kam auf die Idee, selbst ein Buch zu machen – und erinnerte sich an eine ehemalige Mitschülerin, nämlich an Comiczeichnerin und Autorin Bettina Egger, die bei unserem Besuch die Originalblätter aus einer großen Mappe holt. Rund ein Monat Arbeit stecke in jedem einzelnen davon, erklärt die Zeichnerin. „Zuerst fertige ich eine ganz grobe Skizze an, dann arbeite ich direkt am Zeichenblatt. Die Grundkomposition ist von vorneherein im Kopf, im Lauf der Arbeit kommen meist noch Dinge hinzu.“ Sagt’s und zeigt uns eines ihrer Lieblingsmotive: Das Wimmelbild aus Alpbach ist vom Bergbauernmuseum in Inneralpbach inspiriert, man schaut in einen seitlich aufgeschnittenen Hof hinein, dessen einzelne Räume von der Schlafkammer bis zur Rauchkuchl fast wie die Panels in einem Comic wirken. Ein gutes Pflaster für Comics.
Ihre Liebe zum Comic hat Egger in Frankreich entdeckt, wohin es sie als 19-Jährige im Rahmen eines Erasmusaufenthaltes verschlug und wo sie
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Egger in ihrem Comic zwei Hobbyforscher auf die „Suche nach dem Monster“, während sich rundum ganz andere Monstrositäten Bahn brechen: In der Geschichte schwingt auch der Aufstieg der Nationalsozialisten in den Dreißigerjahren mit.
© KITTLER
G a s ta u f t r i t t e d e r V e r wa n d t s c h a f t.
Im Gegensatz zu den vornehmlich schwarzweiß getuschten Graphic Novels für Erwachsene greift Egger bei ihren Wimmelbildern zum Buntstift. Und gönnt Verwandten und Freunden gern den einen oder anderen „Gastauftritt“. Wer ganz genau hinschaut, wird im Gewimmel auf dem Christkindlmarkt in der Innsbrucker Altstadt auch die beiden Wimmelbuch-Macherinnen selbst entdecken. Oder auf einem anderen Bild die Zeichnerin, die sich als Fassadenmalerin betätigt. D i e s e S z e n e n stammen aus dem
Die Mütter der Wimmelbücher: Maria Kittler (li.) und Bettina Egger
schließlich geblieben ist, um in Rennes ein Studium der bildenden Künste zu absolvieren. Promoviert hat Egger, die sich auch wissenschaftlich mit Comics und Graphic Novels auseinandersetzt, 2018 an der Universität Salzburg mit einer Arbeit zum Thema „Comic und Erinnerung“. Sie selbst hat bislang neun Graphic Novels veröffentlicht, fast alle davon in Frankreich, wo es, wie sie sagt, „für Comicschaffende viel mehr Möglichkeiten“ und vor allem viel mehr Verlage gebe, die auf das Genre spezialisiert und „auch offen für Experimentelleres“ sind. Zu Eggers Arbeiten gehören das gezeichnete Tagebuch
einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, eine Zeitreise ins Moskau von Michail Bulgakovs epochalem Roman „Der Meister und Margarita“ oder die Graphic Novel „À la recherche du monstre“, in der die gebürtige Innsbruckerin eine kuriose alpenländische Legende aufgegriffen hat, nämlich jene vom so genannten Tatzlwurm. Die Jagd auf dieses Fabeltier habe dereinst nahezu „Loch-Ness-Ausmaße“ angenommen, sagt Egger. Eine deutsche Zeitung habe in den 1930er-Jahren sogar ein Preisgeld für die Auffindung des Tatzlwurms ausgeschrieben. Ausgehend von dieser wahren Episode schickt Tirol_Magazin
Innsbruck-Wimmelbuch, das allen anfänglichen Schwierigkeiten zum Trotz ein voller Erfolg wurde. „Wir hatten zuerst keinen Verlag, der uns wollte, jetzt kriegen wir sogar Anfragen aus einzelnen Tälern, die gerne ein eigenes Wimmelbuch hätten“, freut sich Kittler. Der Erstling sei eigentlich für Eineinhalb- bis Fünfjährige gedacht gewesen, „einer unserer besten Absatzmärkte wurden dann aber Altersheime“. Besonders stolz ist Kittler auf die umweltfreundliche und plastikfreie Herstellung der Hardpapp-Bücher. Und darauf, dass man inzwischen noch viel tiefer ins Gewimmel eintauchen kann: Mittels QR-Code lassen sich nämlich jede Menge geschichtliche, geografische und naturwissenschaftliche Hintergrundinformationen zu den einzelnen Bildern und Szenen aufrufen. Zum Beispiel zur Holztrift und Innschifffahrt in Hall, die Egger zeichnerisch wieder zum Leben erweckt hat. Autos gab es zu dieser Zeit glücklicherweise noch nicht. Ivona_Jelčić
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122 PEOPLE
ENGLISH
English Summary
TYROL IN A HIDDEN PICTURE BOOK
Bettina Egger‘s pictures are teeming with stories. Together with Maria Kittler, she has published the Tirol-Wimmelbuch.
til you have discovered the little girl who is herding a flock of geese in the bustle of the streets of the city of Hall. Or the eagle that, with a chocolate Easter bunny in its claws, flies away high above Kufstein, while the owner of the Easter bunny looks out of the window at it in amazement. B e t t i n a E g g e r is the artist behind this joint pro-
ject, Maria Kittler the initiator and entrepreneurial driving force. In view of the rather different temperaments of these two women - on the one hand the lively marketing expert, on the other the rather reserved artist - one has to smile a little when imagining them trudging together through the snow-covered Tyrolean Lechtal Valley or hanging next to each other in the climbing ropes in the East Tyrolean Galitzen Gorge. Yet that’s how the book happened: “We wanted to see, smell and feel the places and visited each one personally and also researched them together,” says Kittler and emphasises with some pride that there is nothing in the result “that is not real”. Of course, this does not include flying Easter bunnies, but geographical and historical facts. T h e T i r o l - W i m m e l b u c h isn’t the duo’s first
C
ars terrify her. “Every artist has his or her own things that he or she simply doesn’t like to draw. For some it’s feet, for me it’s cars,” says Bettina Egger. So it’s no coincidence that her pictures are not exactly teeming with them. However, there is a lot else to see: You have to look twice, three times, four times and then a fifth time un-
creation, their Innsbruck-Wimmelbuch was already published in 2019. The first book was actually intended for one-and-a-half to five-year-olds, but “one of our best sales markets then became old people’s homes”. Kittler is also particularly proud of the environmentally friendly and plastic-free production of the hardcover books. And the fact that you can now delve much deeper into the pictures: A QR code can be used to call up a wealth of historical, geographical and scientific background information on the individual pictures.
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Was der Tirol Shop mit Greta Thunberg zu tun hat Als der Tirol Shop vor zwanzig Jahren erstmals seine Türen aufsperrte, war die schwedische Klimaaktivistin noch nicht einmal geboren. Und dennoch verbindet beide mehr, als man meinen würde. Denn: im Tirol Shop wird das Thema Nachhaltigkeit großgeschrieben. Und zwar seit jeher und nicht erst, seit die Greta fürs Klima kämpft.
as Regionale, Echte und Unverfälschte ist fest in der DNA der Marke Tirol verankert, darum legen wir größten Wert darauf, wo unsere Produkte herkommen und welche Geschichte in ihnen steckt“, erklärt Claudia Pichler, Geschäftsführerin des Tirol Shops.
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D e n n e s i s t k e i n G e h e i m n i s , dass die Textilindus-
trie zu den größten Umweltverschmutzern überhaupt zählt. Dies liegt neben unsauberen Produktionsmethoden vor allem auch am Geschäftsmodell von „Fast Fashion“: Mit der sogenannten Wegwerfmode verhält es sich ähnlich wie mit Fast Food: Sie ist billig. Sie ist schnell verfügbar. Und sie verursacht jede Menge Müll. Denn was „in“ ist, wechselt heutzutage schneller als die Jahreszeiten – der Trend von heute ist der Abfall von morgen.
„ U n s i s t d i e s e P r o b l e m a t i k bewusst. Auch
wenn wir im Vergleich zu den Branchenriesen nur ein kleines Rad im großen Ganzen sind, so wollen wir doch unseren größtmöglichen Beitrag leisten, um Mode wieder nachhaltig zu machen“, zeigt sich Pichler kämpferisch. „Kaufen. Tragen. Lieben“ s tat t „ K a u f e n . T r a g e n . W e g w e r f e n “
Dies beginnt bei der Frage, aus welchen Rohstoffen und wo die Produkte gefertigt werden, und hört bei ihrer Verpackung noch lange nicht auf: die Kollektion Tirol besteht aus zeitlosen Lieblingsstücken, an denen man viele Jahre Freude haben kann. „Schließlich bedeuten langlebiges Design und durchdachte Qualität eine lange Nutzbarkeit, und dies wiederum ist ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG
TIROL SHOP
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nachhaltig“, so Pichler. Ebenso gibt es im Tirol Shop von jedem Produkt nur eine kleine Auflage und damit keine Überkapazitäten, denn Überproduktionen verbrauchen sinnlose Ressourcen und verursachen weltweit Müllberge, die weit höher sind als unsere Tiroler Gebirge. Wissen, wo die Produkte herkommen.
Bei der Wahl der Tirol-Shop-Partner und -Produzenten haben Qualität, faire Produktionsbedingungen und möglichst kurze Transportwege höchste Priorität. Das Motto lautet: „So nah und regional wie möglich“. Deshalb wird alles, was technisch und wirtschaftlich machbar ist, in Tirol und im Alpenraum produziert. Es gibt aber auch Produkte, bei denen das nicht geht – hier wird darauf geachtet, dass so viel wie möglich innerhalb Europas produziert wird. Und wenn es notwendig ist, ein Produkt aus Übersee zu beziehen, dann wird dies nicht mit dem Flugzeug nach Tirol gebracht, sondern umweltfreundlich mit der Bahn. Kleinstmöglicher ökologischer Fussabdruck.
Dass Produkte von so weit herkommen müssen, ist aber die Ausnahme: „Wir sind stolz darauf, dass bereits über 90 % unseres Sortiments in Europa gefertigt werden. Und die gesamte Traditionslinie entsteht ohnehin schon seit mehreren Jahren ausschließlich in Zusammenarbeit mit Designern und Herstellern aus dem Alpenraum“, so Pichler. B e i d e n P r o d u k t e n wird aber nicht nur darauf ge-
achtet, wo sie herkommen, sondern auch, aus welchen Materialien sie gefertigt und wie sie verpackt werden: wo auch immer es geht, setzt der Tirol Shop auf nachwachsende Rohstoffe, die so wenig wie nötig Ressourcen verbrauchen. Wenn es anderer Stoffe bedarf wie beispielsweise für Funktionstextilien oder Rucksäcke, werden Recyclingmaterialien oder Alternativen mit der kleinstmöglichen Umweltbilanz verwendet. Bei der Verpackung wird weitestgehend auf Plastik verzichtet – entweder wird sie komplett weggelassen oder, wenn dies nicht möglich ist, durch umweltfreundliche Alternativen aus biologisch abbaubaren Materialien oder Papier ersetzt. Heimeliges Einkaufserlebnis.
Der Fokus auf Regionalität und Nachhaltigkeit im Tirol Shop zeigt sich aber auch in den beiden Innsbrucker Geschäften: Die Verkaufsräumlichkeiten wurden fast
Die Stücke der Kollektion Tirol zeichnen sich durch Zeitlosigkeit und Langlebigkeit aus – sie sind gemacht, um lange Freude daran zu haben.
ausschließlich mit natürlichen Materialien aus den Alpen ausgestattet. Mit Schafwolle verkleidete Wände, aber auch heimische, naturbelassene Hölzer sowie ein zugleich zeitgemäßes wie zeitloses Design rücken die Stücke der Kollektion Tirol ins rechte Licht und sorgen für eine behagliche Wohlfühl-Atmosphäre.
Tirol Shops Innsbruck Maria-Theresien-Str. 55 6020 Innsbruck Mo.–Fr. von 08.00 bis 18.00 Uhr Sa. von 09.00 bis 13.00 Uhr Burggraben 3 6020 Innsbruck Mo.–Fr. von 10.00 bis 18.00 Uhr Sa. von 10.00 bis 17.00 Uhr
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D © NACHLASS EMO HENRICH
ie 55 Zentimeter langen Fichtenholzbretter mit breiter Schaufel, seitlich angeschraubten Metallkanten und einfacher Lederriemenbindung sehen recht urtümlich und auch ein wenig mitgenommen aus: Sie dürften die eine oder andere steile Abfahrt unter der Frühjahrssonne mitgemacht und dabei auch unsanfte Bekanntschaft mit ausgeapertem Fels und Schotter gemacht haben. Jetzt sind die rund 75 Jahre alten „Ur-Figl“ ein Museumsobjekt und erzählen in Jenbach von der Geschichte des Firngleitens und von alpinem Erfindergeist.
© ARCHIV BERGVAGABUNDEN
Johann Emo Henrich wusste, wie man am besten über den Firnschnee gleitet. Er hat dafür ein eigenes Sportgerät entwickelt. Die erstaunliche Geschichte eines vielseitigen Selfmade-Man, ohne den es im alpinen Sprachschatz wohl eine Fortbewegungs-Vokabel weniger gäbe: Sie lautet „figln“.
A u f F e r n s e h a u f n a h m e n aus den 1970er-Jahren wirkt der Tiroler Johann Emo Henrich wie ein Bilderbuch-Alpinist: Wettergegerbtes Gesicht, sportliche Statur, gemusterter Strickjanker, kerniges Lachen. Dieses Lachen vergeht ihm auch nicht, wenn er von Rückschlägen erzählt. Und die Sache mit den Firngleitern, kurz Figl genannt, war so ein Rückschlag – jedenfalls in geschäftlicher Hinsicht. „Mich hat’s halt auch so erwischt wie die meisten Erfinder, die leer ausgehen, und nachher, viele Jahre später, ist es ein Erfolg geworden“, erzählte Henrich, der seinen aus Kindertagen stammenden Spitznamen Emo zeitlebens beibehalten hat, einst im ORF-Interview. Und lachte trotzdem. H e n r i c h wa r zu diesem Zeitpunkt längst ein erfolgreicher
Unternehmer, hatte im US-amerikanischen Bundesstaat Vermont wesentlich am Aufbau des Skigebiets Stratton Mountain Resort mitgewirkt, dort eine Skischule eröffnet und nebenbei auch noch eine Musikgruppe namens „Stratton Mountain Boys“ gegründet. Womit bei weitem noch nicht alle seine Betätigungsfelder genannt sind.
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55 ZENTIMETER FREUDE IM FIRN
Aus einem Prospekt
E i n G e r ät f ü r den schnellen „ A b s t i e g “.
Wenn im Frühjahr die Sonneneinstrahlung stärker wird, entsteht jene Art von Schnee, der die Herzen von Figl-Fans höherschlagen lässt: Im so genannten Firn- oder Sulzschnee wird die Abfahrt auf Firngleitern zur Gaudi, tollkühne Sprünge und Purzelbäume inklusive. Speziell die Innsbrucker Nordkette ist im Frühjahr und Frühsommer eine beliebte Destination, um „figln“ zu gehen, wie man in Tirol zu sagen pflegt. Ursprünglich waren die kurzen Skier als Abstiegshilfe für Bergsteiger gedacht. Auch Emo Henrich waren „nach den Frühjahrsklettertouren die Abstiege und das Abrutschen auf den Schuhsohlen durch steile, mit Schnee gefüllte Karrinnen zu umständlich und zu wenig genussvoll“, schreibt Günter Amor in einer seiner Publikationen über Henrich und die Firngleiter. Amor, seinerseits begeisterter Bergsteiger, Autor und Künstler, hatte Henrich Ende der 1950er-Jahre kennengelernt, seit damals verband die beiden eine enge Freundschaft. F ü r A m o r steht auch fest, dass jene
Kurzskier, die die Innsbrucker Wagnerei und Rodelerzeugung Engel seinen Recherchen zufolge bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellt hatte und die schon damals von Bergsteigern benutzt wurden, mit der Entwicklung des Gleitsportgerätes namens Firngleiter nicht wirklich viel zu tun haben. Das sei, sagt Amor, „eine andere
© JENBACHER MUSEUM
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„IN OST- UND WESTALPEN ERPROBT, HAT SICH DER FIRNGLEITER IM FRÜHJAHR UND SOMMER BESTENS BEWÄHRT.“
Figln für Fortgeschrittene Das heimatkundliche Museum der Gemeinde Jenbach liegt an der Achenseestraße 21 in Jenbach und ist von Mai bis Dezember geöffnet. Man erfährt dort nicht nur Wissenswertes über Emo Henrich, seine Firngleiter und den Jenbacher Figlclub, sondern auch viel über die Tiroler Skiund Wintersportgeschichte im Allgemeinen. Auch in den Sammlungen des Österreichischen Alpenvereins – Emo Henrich hat einst die Jungmannschaft der Alpenvereins-Sektion Innsbruck geleitet – sind die Firngleiter selbstredend vertreten, mangels Standort für ein AlpenvereinsMuseum allerdings nicht öffentlich ausgestellt. Im Depot findet sich unter anderem ein Figl-Modell, das um 1950 von der Innsbrucker Firma Messerer hergestellt wurde.
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Geschichte“. Und die hat eben mit dem Bergfex und Tüftler Emo Henrich zu tun.
G e b o r e n w u r d e dieser 1922 in Innsbruck, wo er später die Staatsschule für Elektrotechnik besuchte. 1941 wurde Henrich zum Kriegsdienst einberufen. Knapp ein Jahr später, im Herbst 1942, wurde er „als jüdischer Mischling“ mit „sofortiger Wirkung“ aus der Wehrmacht entlassen, wie sich bei Archivrecherchen herausstellt. Die genauen Umstände und Folgen sind bislang unerforscht. Über seine Kriegserfahrungen und die NS-Zeit habe ihr Mann kaum gesprochen, sagt seine Witwe Annedore Henrich, die bis heute in Igls lebt. Das Paar hatte 1960 in den USA geheiratet, da lagen der Zweite Weltkrieg, aber auch Henrichs Experimente mit dem Firngleiter schon eine Weile zurück. W e r h at ’ s erfunden?
Was die Entwicklung von Kurzskiern betrifft, gilt auch der Grazer Karl Taul als einer der Pioniere, doch es war Henrich, der 1946 das Patent für seine Firngleiter anmeldete. Der Ingenieur leitete zu der Zeit das Pumpwerk Achenkirch für das Achenseekraftwerk der Tiroler Wasserkraftwerke AG, berichtet Amor. 1952 wurde schließlich das Patent für Österreich, die Schweiz, Italien und Deutschland erteilt. „Ein neues, patentiertes Kurzskigerät für Bergsteiger und Skifahrer, für den Firnschnee konstruiert“ heißt es auf einem
129 Emo Henrich im Jahr 1950
DEZ EINKAUFSZENTRUM
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Firngleiter bestellt, die Henrich in Innsbruck aus Eschenholz herstellen ließ. Allerdings erwies sich das von der Wagnerei verwendete Material als mangelhaft und der Deal platzte. „Mit den 100 Firngleiterpaaren, die ich zurückgekriegt habe, ist mir damals leider das Geld ausgegangen“, erzählte Henrich Jahre später. Das bedeutete zwar das Ende der Henrich’schen Geschäfte mit den Firngleitern, aber keineswegs das Ende der Firngleiter selbst. Ganz im Gegenteil: „Verschiedene Wagnermeister produzierten nun für den örtlichen Bedarf in kleineren Stückzahlen, ohne sich um den Patentschutz zu kümmern“, so Amor. Es entstanden eigene Figl-Klubs, das Figln wurde immer beliebter und schließlich sogar zu einer
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A u s d e r S c h w e i z wurden 100 Paar © ARCHIV BERGVAGABUNDEN
Werbeprospekt, das Henrich um 1955 drucken ließ. „In Ost- und Westalpen erprobt, hat sich der Firngleiter im Frühjahr und Sommer bestens bewährt. Kleinstes Gewicht, kleinste Abmessungen, müheloser Aufstieg mit Fellen, leichte Erlernbarkeit der Fahrweise machen ihn zu einem beliebten alpinen Ausrüstungsgegenstand.“ Auch Ratschläge zur Fahrweise gibt es: Der Firngleiter werde „mit leichter Fersenbelastung gefahren“, die Körperstellung entspreche „genau dem Abfahren auf glatten Schuhsohlen, jedoch kann verblüffend schnell und in zügigen schönen Schwüngen abgefahren werden“. Als Testimonial fungierte auf der Vorderseite des sorgsam gestalteten Faltblattes Dagmar Rom, Innsbrucker Slalomweltmeisterin von 1950.
© ARCHIV BERGVAGABUNDEN
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Werbeprospekt aus den 50ern mit Slalomund RiesenslalomWeltmeisterin Dagmar Rom
nehmens später in Innsbruck – und hat während der Aufbauphase immer wieder in Henrichs Haus in Igls gewohnt, weiß Amor.
offiziellen Rennsportdisziplin des Österreichischen Skiverbands. F i g l w u r d e n alsbald auch aus Metall
hergestellt, über die Jahrzehnte hinweg entstanden unterschiedlichste Variationen und Modelle, der Tiroler Skihersteller Kneissl brachte 1990 den „Big Foot“ auf den Markt, der als Funsportgerät Furore machte. Abenteurer, Skilehrer, Künstler.
Henrich brach unterdessen bereits in den Fünfzigern zu neuen Abenteuern auf: Von Anden-Expeditionen, Jahren als Schilehrer in Lech am Arlberg, Argentinien, Chile und Kalifornien weiß Amor, der sich intensiv mit der Biografie des Freundes beschäftigt hat, zu berichten. Aber auch von ausgedehnten Reisen im Dienst der Kunst: Für sie hatte Henrich seit jeher eine große Leidenschaft und widmete sich als Autodidakt dem Zeichnen und Malen. Seine Werke präsentierte er immer wieder in Ausstellungen. Beruflich verschlug es ihn Anfang der
1960er-Jahre nach Vermont: Man hatte ihn eingeladen, am Aufbau des Skigebietes Stratton Mountain mitzuwirken, Henrich eröffnete dort seine eigene Skischule und soll bei der Auswahl seiner Mitarbeiter auch auf deren musikalisches Talent geachtet haben. Nicht ohne Grund: Mit den „Stratton Mountain Boys“ hatte der vielseitige Tiroler eine Volksmusikgruppe gegründet, mit der er in den USA auftrat und sogar Schallplatten produzierte. A b e r n i c h t n u r zahlreiche Ski-
lehrer aus Österreich, darunter Ernst Hinterseer und Hias Leitner, kamen zu Henrich nach Vermont, auch ein gewisser Jake Burton soll sich dereinst in Emo und Annedore Henrichs Hotel Birkenhaus in Stratton Mountain etwas dazuverdient haben, während er an der Weiterentwicklung des „Snurfer“ und den Prototypen seiner Snowboards tüftelte. Henrich mag das vielleicht an die Jahre erinnert haben, als er in Tirol an der Entwicklung seiner Firngleiter gearbeitet hat. Burton jedenfalls eröffnete die Europa-Zentrale seines UnterTirol_Magazin
Henrich dauerhaft nach Tirol zurück, wo er bis zu seinem Tod 2009 gelebt hat. Seine „Ur-Figl“ übergab er noch zu Lebzeiten als Dauerleihgabe an das Jenbacher Museum. Sie kehrten damit in jene Region zurück, in der sie einst entwickelt wurden. Und dass das Figln in Jenbach besonders intensiv und erfolgreich betrieben wurde, zeigt die Geschichte des Jenbacher Figlclubs: Er hat immerhin schon Weltmeister und Europameister hervorgebracht.
Ivona_Jelčić
© MARIO WEBHOFER
© NACHLASS EMO HENRICH
I n d e n 1 9 8 0 e r - J a h r e n kehrte Emo
Figl-Hotspot Nordkette Speziell in Innsbruck gilt das Figln seit Jahrzehnten als Volkssport, denn die Nordkette mit ihren steilen Karen wird im Frühjahr zum Firngleiter-Paradies. Die Figlsaison beginnt hier für gewöhnlich im April und läuft bis Anfang Mai. Auf der Seegrube gibt es auch einen Figlverleih. Alpine Figltouren sind inzwischen etwas aus der Mode gekommen. Klassiker waren unter anderem aber das Stempeljoch im Halltal oder die steile, nordseitige Rinne zwischen Ampferstein und Marchreisen in den Kalkkögeln.
© Foto Martin Lugger
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FUN IN THE FIRN
Johann Emo Henrich certainly knew how best to glide over spring snow. He developed his own sports equipment for it.
W
hen the sunlight becomes stronger in spring, it creates the kind of snow that makes the hearts of firn gliding fans beat faster: In the so-called firn or sulz snow, downhill skiing on Figl skis, which are supershort skis, becomes fun. Innsbruck’s North Chain in particular is a popular destination in spring and early summer for “figln”, as they call firn gliding in Tyrol. O r i g i n a l ly, the short skis were intended as a de-
scent aid for mountaineers. In a publication about his friend Henrich and the firn gliders, the mountaineer Günter Amor describes how Johann Emo Henrich, too, “found the descents and slipping on the soles of his shoes through steep, snow-filled cirques too tricky and not enjoyable after the spring climbing tours”.
© INNSBRUCKER NORDKETTENBAHNEN / MARIO WEBHOFER
132 PEOPLE
ENGLISH
English Summary
A s fa r a s the development of short skis is concerned,
Karl Taul from Graz is also considered one of the pioneers, but it was Henrich who registered the patent for his 55-centimetre-long firn gliders in 1946. “A new, patented short ski device for mountaineers and skiers, designed for firn snow,” reads an advertising brochure Henrich had printed around 1955. N o m o n e y, no business.
100 pairs of firn gliders were ordered from Switzerland, which Henrich had made from ash wood in Innsbruck. However, the material used by the manufacturer turned out to be defective and the deal fell through. The inventor ran out of money. This meant the end of Henrich’s business, but by no means the end of the Firn gliders themselves. Quite the opposite: “Various craftsmen now produced for local needs in smaller quantities without worrying about patent protection,” says Amor. Figl clubs were formed, figln became more and more popular and eventually even became an official racing discipline of the Austrian Ski Association.
F i g l w e r e s o o n also made of metal, and over the decades a wide variety of variations and models were created. In 1990, the Tyrolean ski manufacturer Kneissl brought the “Big Foot” onto the market, which caused a sensation as a fun sports device. I n t h e 1 9 8 0 s , after spending time in the USA and
abroad, Emo Henrich returned permanently to Tyrol, where he lived until his death in 2009.
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DER HERR DER BURGEN In den letzten 25 Jahren wurde das Burgenensemble Ehrenberg wachgeküsst. Armin Walch war und ist der nimmermüde Held dieser erstaunlichen Dornröschengeschichte. Über 700 höchst turbulente Tiroler Jahre wurden am südlichen Eingang zu Reutte sichtbar und erlebbar. Jeder Stein erzählt ein Stück dieser Geschichte. Sie ist seine geworden.
Tirol_Magazin
G i e r , M a c h t u n d K r i e g wabern
ruhelos durch die natürliche Engstelle dieser bergigen Ausläufer der Lechtaler Alpen. Es wird laut. Wie aus dem Nichts tauchen die kriegerischen protestantischen Schmalkalden auf, dann die nicht minder kriegerischen Sachsen, dann die Schweden und dann – zu allem Übel – auch noch die Bayern. Bald lässt Erzherzogin Claudia, diese wehrhafte Tiroler Landesfürstin in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, den Ehrenberg gegenüberliegenden Bergrücken befestigen. Auch der russische Zarewitsch Alexej kommt vor-
Jahre Geschichte ballen sich „da unten“. Trotz ihrer historischen Schwere sind die Jahre federleicht erlebbar. Und mittendrin steht der Dirigent dieser großartigen historischen Symphonie: Armin Walch, Geschäftsführer der Burgenwelt Ehrenberg, der getrost Burgherr zu Ehrenberg genannt werden darf. Ein grosses Kleinod.
bei – auf der Flucht vor seinem Vater Zar Peter dem Großen. Kaiserin Maria Theresia darf selbstverständlich nicht fehlen, ebenso wie ihr Sohn Josef II. D a s S a m m e l s u r i u m an Kaisern,
Königen, Herrschaften und Kriegern, die zwischen der Burg Ehrenberg, der Klause, der Festung Schlosskopf und Fort Claudia mäandern, ist fast nicht zu fassen. Jeder steinerne Rest des Burgenensembles Ehrenberg, das seine natürliche Bühne am prominenten Südrand von Reutte clever zu nutzen versteht, repräsentiert die kraftvolle historische Dynamik dieses Ortes. Die Zeitreise lässt unweigerlich den Kopf rauchen. Als wäre das noch nicht genug, macht ein Spaziergang in der Luft – auf der Hängebrücke – den Rausch perfekt. Von oben betrachtet erschließt sich der strategische Reiz im Nu. Durch diese hohle Gasse mussten alle kommen, die Tirol vom Norden her überfallen wollten. Nicht wenige haben es versucht. Mal erfolgreich, mal eben nicht. Über 700
Zusammen mit ein paar ebenso hartnäckig visionären Mitstreitern, die sich nur äußerst zaghaft zu einer Heerschar vermehrten, hat Armin Walch Ehrenberg in den letzten 25 Jahren sukzessive aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Wo früher eine Handvoll Menschen wissend um das große historische Erbe durch die Wälder streiften, werden heute rund 350.000 Besucher jährlich mit allen Finessen empfangen. Wo sich früher sprichwörtlich Fuchs und Hase gute Nacht sagten, wird heute gefeiert, getanzt und gestaunt. Die Burgenwelt Ehrenberg ist eine der meistbesuchten Kulturanlagen Tirols. „Es gibt überall schönere Burgen, spektakulärere Ruinen oder Einzelobjekte. Aber ein derartiges Festungsensemble mit unterschiedlichen Typologien – von der mittelalterlichen Hochburg über die Talsperre, eine Fortifikation und eine Festung, die dem Ersten Weltkrieg näher war als dem Mittelalter – gibt es sonst nicht. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, weiß Armin Walch. Er weiß das schon lange. Beim Blick zurück, als Ehrenberg noch ein trauriger Steinhaufen zwischen blickdicht wachsenden Bäumen war – bis er sich systematisch daran machte, die Schätze zu suchen und zu heben –, lächelt der Burgherr so verschmitzt wie stolz und sagt: „Das verstehen nur Verrückte.“ A r m i n Wa l c h ist ein Kind des Au-
ßerfern, wurde vor 66 Jahren im Haus seiner Großeltern in Höfen geboren, wuchs in Reutte auf, kletterte als kleiner Junge gerne auf der Ruine und am
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U
nd plötzlich sind sie alle da. Machtvoll, prächtig und herrschaftlich. Bögen spannend, säbelrasselnd und Kanonen feuernd. Meinhard II. etwa – dieser das Land Tirol in seinen Anfängen prägende Fürst mit seinem wallenden Bart und dem echt großen Schwert. Oder Kaiser Maximilian I., dessen Namensnennung allein schon reicht, um vor dem geistigen Auge eine Bilderfolge abzuspielen – mit Goldenem Dachl, glitzerndem Silber, Ritterspielen, prunkvollen Festen und gigantischen Schuldenbergen. Das Antlitz von Maximilians Finanzberater Georg Gossembrot sticht aus diesen Schuldenbergen hervor. Der Augsburger Kaufmann war rundum arg unbeliebter Pfleger von Ehrenberg gewesen und soll dann vergiftet worden sein – mit einer tödlich präparierten Blutwurst. Tja. Dass bald auch der in der Habsburgerfamilie sehr einflussreiche und als überaus grausam bekannte Spanier Gabriel von Salamanca über Ehrenberg herrschen durfte, hat sich irgendwie in den Wirren nach Gossembrots Tod so ergeben.
© ISABELLE BACHER
Armin Walch ist Geschäftsführer der Burgenwelt Ehrenberg und hat dem Ensemble in akribischer Arbeit wieder Leben eingehaucht.
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Burgenwelt Ehrenberg 2001 wurde der Verein Burgenwelt Ehrenberg gegründet, der sich der Wiederbelebung des Burgensembles verschrieben hat. 2003 entstand der große Masterplan. Die Hängebrücke wurde schließlich 2014 dazugebaut, der erste Schrägaufzug 2019. Potente Begleiter wie TVB-Reutte-Obmann Hermann Ruepp oder Siegfried Singers Nachfolger im Amt des Reuttener Bürgermeisters unterstützten Armin Walch als Initiator. Dass die Burgenwelt nun schon zehn Jahre funktioniert, ist nicht der schlechteste Beweis für die Handfestigkeit der Vision, die durch die Mitarbeiter des Ensembles multipliziert und potenziert wird. „Wäre Österreich nicht der EU beigetreten, wäre Ehrenberg nicht möglich gewesen“, weiß Walch dabei nicht nur die Union selbst, sondern auch den Hebel zu schätzen, der mit der Drittelfinanzierung bewegt werden kann. Ein Drittel EU, ein Drittel Land Tirol und ein Drittel aus der Region ist dabei der Schlüssel, mit dem beispielsweise aus 50.000 Euro 150.000 Euro und damit viele tolle Dinge möglich werden. Befeuert durch diese Möglichkeiten wurden in Ehrenberg bereits 40 Projekte abgewickelt und rund 15 Millionen Euro investiert.
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© ISABELLE BACHER
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H e u t e i s t a l l e n k l a r , welche
Kraft dieses historische Erbe hat. Heute sind die Anlagen strahlend inszeniert, in weiten Teilen saniert, rekonstruiert, begehbar und jedenfalls sichtbar. Das war nicht immer so und fast wäre es auch nie passiert. In der Zeit von Kaiser Josef II. hatten stationäre Verteidigungsanlagen wie Ehrenberg zunehmend ihren Sinn verloren. Mit neuen Heeresstrategien und Konzepten ging ihr Daseinszweck verloren. 1782 wurde die Festung aufgelassen und mit dem Zerfall begann ein fast schon komatöser Dornröschenschlaf. Als in den 1990er Jahren immer wieder Mauerteile der einst so stolzen Talsperre auf die Straße fielen, tauchte in Reutte die Idee auf, die Reste einfach abzureißen. „Der letzte gebäudeähnliche Teil des größten Verteidigungsensembles im Norden von Tirol wäre in zwei, drei Tagen abgebrochen gewesen und für immer verschwunden. Das wäre ein Verlust gewesen, der meinem Heimatgefühl einen Knacks versetzt hätte“, erzählt Armin Walch. Es wurde richtig brenzlig. Mit dem Hinweis auf den nutzlosen „alten Steinerhaufen“ machten Abbruchwillige mobil.
EHRENBERG VERSTEHT, GESCHICHTE EINMALIG ZU ERZÄHLEN.
A b s c h ät z i g hingespuckt sollten die
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Schlossanger herum, ging zum Architekturstudium nach Innsbruck, um wie eine Antithese zum Braindrain gleich danach in seinen Heimatort zurückzukehren. 1986 war das. „Ich habe die Städte immer geliebt – für drei Tage. Aber als Lebenskonzept war das nichts für mich, dazu war ich viel zu verwurzelt in der Region“, sagt er. Wieder in Reutte begann Walch als Architekt und ab 1989 auch als Ortsplaner in der Marktgemeinde zu arbeiten. Diese Aufgabe forderte nicht nur sein Können als Raumkenner, sondern förderte auch seine Begeisterung für jene Wurzeln, die ihn zurückgezogen hatten. Es verwundert nicht wirklich, dass dabei bald jene verborgenen Wehrbauten eine Rolle spielten, welche die Region über Jahrhunderte geprägt hatten.
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Worte „alter Steinerhaufen“ Armin Walch bald wie eine Art Fluch begleiten. Denn als er zusammen mit dem damaligen Bürgermeister von Reutte, Siegfried Singer, und dem liebevollen Hüter des Wissens um Ehrenberg, Friedl Schennach, daran ging, erst den Abbruch zu verhindern und dann die Sanierung der Klause ins Auge zu fassen, konnte niemand erahnen, dass die alten Steine ein Segen werden würden – für die Marktgemeinde und die ganze Region. „Wir haben gleich gemerkt, dass wir größer denken müssen und die Klause nicht ohne Zweck sanieren dürfen“, erinnert sich Walch. 2001 war er Geschäftsführer des neu gegründeten Vereins Burgenwelt Ehrenberg geworden und im Jahr 2003 verfasste er den Masterplan für die Burgenwelt. Aus
Das Tirol Gefühl www.tirol.at
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A r m i n Wa l c h
heutiger Sicht wirkt die Strahlkraft der darin festgehaltenen Visionen fast verrückt. Alles, was in der Zwischenzeit entstanden und für die kommenden Jahre fix geplant ist – die Sanierung und Rekonstruktion der Anlagen, die familienfreundliche Inszenierung, die Hängebrücke, der schon bestehende und der im kommenden Jahr zu bauende Schräglift, die Arena, das Hotel, das Gasthaus oder das Besucherzentrum – alles steht in diesem Masterplan. „Von Anfang an haben wir das Projekt auf drei Säulen aufgebaut – der kulturellen, der touristischen und der wirtschaftlichen“, erklärt der Burgherr. Inmitten spektakulärer Naturräume zeigen und nachhaltig erlebbar machen zu können, wie sich Festungsbauten parallel zum technischen Fortschritt entwickelt haben, war stets der rote Faden.
© ISABELLE BACHER
MENSCH
„EIN DERARTIGES FESTUNGSENSEMBLE MIT DEN UNTERSCHIEDLICHEN TYPOLOGIEN GIBT ES SONST NICHT.“
W i e e s w e i t e r g e h t ? „Die Sanie-
rung der Ruine Ehrenberg wurde 2020 genehmigt, das wird Schritt für Schritt umgesetzt. Dann kommt noch die Inszenierung des Schlosskopfs, dieser barocken Festungsanlage, die es in Tirol sonst nicht gibt. Das ist Festungsbaukunst pur“, sagt Armin Walch und wie bei jedem Stückchen Ehrenberg, bei dem er den Defibrillator angesetzt hat, strahlt er auch bei diesem übers ganze Gesicht. Ist der Schlosskopf inszeniert, ist der Masterplan erfüllt. Es wird noch ein paar Jahre dauern. „Dann kann meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger weitermachen und ihre/ seine Ideen einbringen“, sagt Walch. Alexandra_Keller
Die Burgruine Ehrenberg, weithin sichtbar, egal ob von Norden oder Süden kommend, ist der Mittelpunkt eines der bedeutendsten Festungsensembles Mitteleuropas.
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English Summary
LORD OF THE CASTLES
In the last 25 years the castle ensemble Ehrenberg has been kissed awake. Armin Walch was and is the eternal hero of this amazing Sleeping Beauty story.
A
nd suddenly they are all there. Powerful, magnificent and stately. Bows thrusting, saber-rattling and cannons firing. Meinhard II, for example - this prince who shaped the land of Tyrol in its early days, with his flowing beard and large sword. Or Emperor Maximilian I, whose name alone is enough to play a sequence of images in the mind’s eye - with the Golden Roof, glittering silver, knightly games, magnificent festivities and gigantic mountains of debt. T h e m o s a i c o f e m p e r o r s , kings, lords and war-
riors mingling between Ehrenberg Castle, the Klause, the fortress Schlosskopf and Fort Claudia is almost impossible to grasp. Every stone remnant of the Ehrenberg castle ensemble, which cleverly knows how to use its natural stage on the prominent southern edge of Reutte, represents the powerful historical dynamics of this place. The journey through time inevitably makes your head spin. As if that were not enough, a walk in the air - on the suspension bridge - makes the rush perfect. Viewed from above, the strategic charm is
revealed in an instant. All those who wanted to invade Tyrol from the north had to pass through this hollow alley. Quite a few have tried it. Sometimes successfully, sometimes not. M o r e t h a n 7 0 0 y e a r s of history are concentrated
here, and despite their historical weight, the years can be experienced as light as a feather. And in the middle of it all stands the conductor of this great historical symphony: Armin Walch, managing director of the Ehrenberg Castle World, who can confidently be called the lord of Ehrenberg Castle. Together with a few equally persistent visionary comrades-in-arms, Walch has gradually awakened Ehrenberg from its slumber over the past 25 years. Where once a handful of people roamed the woods knowing about the great historical heritage, today some 350,000 visitors a year are welcomed with all the trimmings. Where once used to be in the middle of nowhere, today there are celebrations, dances and marvels. The Ehrenberg Castle World is one of the most visited cultural facilities in Tyrol. And quite rightly so!
Tirol_Magazin
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ZEIG MIR, WAS DU ISST Nirgendwo lernt man Menschen so schnell so gut kennen wie beim Kochen. Wir machen eine kulinarische Entdeckungsreise vom Tiroler Unterland ins Außerferner Gamsgebirg und lassen uns von Menschen, die sich dem Thema Genuss verschrieben haben, regionale Spezialitäten und ihre Zubereitungstipps zeigen. Sobald es in der Küche zischt und brutzelt, erfährt man viel über Land und Leute. Texte: Jürgen Schmücking Fotos: Sebastian Gabriel
Tirol_Magazin
147 LEBEN Früher handelte es sich bei Stockfisch meist um Kabeljau aus dem Atlantik. Aber auch Hecht und Schleie kann man auf diese Art konservieren.
148 LEBEN
Gang 1: A l p e n s e e s tat t Norwegen
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er Stockfisch hat einen fixen Platz in der kulinarischen Geschichte des Alpenraums und damit auch Tirols. Allerdings ist er von den Speisekarten der Tiroler Wirtshäuser weitgehend verschwunden: Stockfischsuppe oder Stockfischgröstl sind eben Gerichte aus einer Zeit, in der es keine schnelle globale Logistik und keine geschlossenen Kühlketten gab. Um die Menschen in den Tälern Tirols mit ausreichend Proteinen zu versorgen, wurde die Haltbarkeit von Fisch verlängert, indem man ihm Wasser entzog und ihn so trocknete – meist handelte es sich um Kabeljau von den Lofoten. Ähnliche Rezepte kennt man in Portugal (Bacalhau), Griechenland (Bakaliaros), Schweden (tørrfisk) und Japan (himono). G e n a u h i e r kommen Claudia Kog-
ler und Christoph Zingerle ins Spiel. Claudia betreibt mit ihrem Bruder Michael das Restaurant „die Wilderin“ in Innsbruck, Claudia führt das Geschäft, Christoph Zingerle ist der Chefkoch am Herd. Ein traditionelles, fast vergessenes Tiroler Gericht wiederbeleben? Das ist genau ihr Ding. Aber Kabeljau? Von den Lofoten? Das geht gar nicht. Denn Claudia Kogler und ihr Team legen Wert darauf, die Produzenten der Lebensmittel, die sie verwenden, genau zu kennen: kurze Wege, kleine
Die Küche „die Wilderin“ ist ein sicherer Hafen für Freunde des guten Geschmacks und des guten Gewissens. Inhaberin Claudia Kogler und Küchenchef Christoph Zingerle (oben) präsentieren Gerichte aus der traditionellen Tiroler Küche. Und hin und wieder auch Dinge, die zwar in Tirol verwurzelt sind, die es aber nicht an jeder Ecke gibt. Fohlengulasch zum Beispiel. Seilergasse 5 6020 Innsbruck info@diewilderin.at www.diewilderin.at
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Schlachthöfe. Handwerk. Also gerne das Stockfischgröstl neu interpretieren, aber sicher nicht mit einem gefährdeten Meeresfisch aus Norwegen. N a c h d e m s i e die Sache mit ihren Fi-
schlieferanten durchgegangen waren, fiel die Wahl auf Hecht und Schleie. Getrocknet wurde im Garten, ein Fliegennetz schützte den trocknenden Fisch. Nach etwa einer Woche ist der Fisch steinhart. Um aus diesen „Fischbrettern“ ein schmackhaftes Gericht zu machen, muss der Trockenfisch wieder gewässert werden. Dann wird er in mundgerechte Stücke geschnitten und mit Kartoffeln, Salz, Majoran und anderen Gewürzen in der Pfanne zum Gröstl gebraten – mit einem herrlich aromatischen Fisch vom Bergsee. Bei der ersten Verkostung des Gerichts strahlen Koch und Wirtin. Das Experiment ist gelungen, den Gästen schmeckt es.
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Zu gut, um vergessen zu werden: Im Stockfischgröstl von Christoph Zingerle wird der aromatische Fisch mit Majoran und anderen Gewürzen kombiniert.
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Hightech und oldschool: Ernst Rieser ist Facility Manager in einem Pharmakonzern und betreibt einen Selbstversorgerhof im Inntal.
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151 I m S ta l l des Selbstversorgerhofs „InnGang 2: Alles muss in d e n To p f
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rnst Rieser wirkt entspannt, als wir ihn treffen. Er lehnt lässig an einem Holzzaun, hinter ihm drei dunkle Schweine, die die letzten Strahlen der Abendsonne genießen. Für eines der drei Tiere wird es allerdings auch der letzte Sonnenuntergang sein. Denn Ernst Rieser ist Selbst- und Nahversorger und braucht für das Gericht, das er nun kochen wird, noch Fleisch und ein paar Innereien. D i e Z i l l e r ta l e r O f e n l e b e r ist
ein deftiger Fleischklassiker aus dem Zillertal. Im Originalrezept, das dort vor ein paar Hundert Jahren in den bäuerlichen Stuben entstanden ist, dominieren die Leber, fetter Schweinebauch und Herz und Lunge: ein festliches Restemahl, bei dem möglichst viel vom Schwein verwertet wurde. Selbst das Schweinsnetz ist Teil des Rezepts.
Die Küche „Innland“ liegt in Langkampfen im Tiroler Unterland. Es ist zwar ein Selbstversorgerbetrieb. Man kann den beiden Neo-Landwirten Ernst Rieser (links) und Mirjam Trattner aber gern „über die Schulter“ schauen und „unter die Arme greifen“. Sprich mithelfen. Dann teilen Trattner und Rieser auch, was sie ernten. Innstraße 27 6336 Langkampfen info@innland.at www.innland.at
land“ im Tiroler Unterland geht es bunt zu: Neben Quessant- und Gotlandschafen, Mechelner Hühnern, einem frechen Vierhorn-Ziegenbock und kleinen, lustigen Kunekuneschweinen haben Rieser und Trattner auch ein paar Schwarze Alpenschweine. Eine alte, regionale Rasse, für deren Erhalt sie sich starkmachen. Mit den langen, stets zum Zopf gebundenen Haaren sieht Ernst Rieser ein wenig wie ein Revoluzzer aus. Dabei geht er seinem bürgerlichen Beruf als Facility Manager in einem Pharmakonzern nach und betreibt die Landwirtschaft nur als Nebenerwerb – noch. D i e O f e n l e b e r wurde früher im
Zillertal ins Rohr geschoben, wenn ein Schwein geschlachtet oder Hochzeit gefeiert wurde – und obwohl sich das Gericht mittlerweile zum Tiroler Wirtshausklassiker entwickelt hat, bleibt es ein Festmahl. Und es passt auch gut zum aktuellen Foodtrend „nose to tail“, bei dem so viele Teile eines Tieres verwendet werden wie möglich. Deshalb verwenden Rieser und Trattner für dieses Gericht neben Leber, Lunge, Herz und Bauch auch die Milz, was dem Braten eine leichte Süße verleiht, und die Nieren – ein spannender Akzent im Biss.
LEBEN
„Was im Bauch des Schweins den Darm zusammenhält, kann im Ofen auch den Braten zusammenhalten“, sagt Rieser. Ernst Rieser ist ein kulinarischer Tüftler und hat mit seiner Partnerin Mirjam Trattner auf weiten Reisen studiert, wie man Tiere schlachtet und verwertet. Es ist gar nicht lange her, da besuchten sie die Stara Planina, das gebirgige Hochland im Süden Serbiens, um den Bauern in ihren Hinterhöfen bei der Arbeit über die Schulter zu sehen. In seiner Küche werden Salz und Gewürze aufs Gramm genau abgewogen, Art und Menge der Innereien sind exakt dokumentiert. Das Bratenthermometer ist das wichtigste Werkzeug – die Daten werden ihm direkt auf dem Smartphone angezeigt: „74 Grad. Alles bestens.“
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Gang 3: Krapfen „wia vom Nadl g’lernt“
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reitag ist Krapfentag. Dass die Krapfen in der „Bauernkuchl“ von Anni und Andreas Ritter besonders köstlich sind, hat sich im Tal längst herumgesprochen. Gegen Ende der Arbeitswoche wird es in dem kleinen Wirtshaus in Buch eng, immer wieder kommen neue Kunden und stellen sich brav für ihre Portion an. Wir sprechen hier nicht von Faschingskrapfen. Wir sprechen von echten, hausgemachten Zillertaler Krapfen, manchmal auch Zillertaler Bauernkrapfen genannt. Die Teigtaschen haben in Tirol eine lange Tradition, weil sie aus einfachen (und wenigen) Zutaten bestehen und ein stärkendes Mahl für die ganze Bauernfamilie waren. Eine große Schüssel mit einem ordentlichen Berg Krapfen kam in die Mitte des Tisches, und während alle zulangten, brutzelte bereits die nächste Portion in der großen Pfanne. Heute findet man in Tirol auf den Wochen- und Bauernmärkten noch ein stattliches Angebot an Bauernkrapfen. Aus der Alltagsküche sind sie indes fast verschwunden. I n d e r B a u e r n k u c h l hat die Anni
das Krapfenmachen von ihrer Oma gelernt. Und die wiederum von ihrem „Nadl“. Also ihrer Großmutter, der Bäuerin „z’Hachtler“ am Stummerberg. Das Rezept ist überliefertes Wissen und wird jahrzehntelang von einer Generation an die nächste oder übernächste weitergereicht. Dabei ist es weniger das Rezept selbst. Vielmehr geht es ums Handwerk. „Es funktioniert nur mit Butterschmalz. Mit keinem anderen Fett bringt man Geschmack, Farbe und Knusprigkeit so hin, wie es gehört“, ist sich Anni Ritter sicher. „Außerdem muss die Temperatur passen. Richtig heiß muss es sein, wenn man die Krapfen ‚außapresst‘.“ „Außapressen“ ist der Zillertaler Ausdruck
Andreas und Anni Ritter betreiben die Bauernkuchl in Buch – und kochen nach den Rezepten ihrer Großeltern.
Die Küche Die Bauernkuchl in Buch bei Jenbach ist ein kleines, an eine Biolandwirtschaft angeschlossenes Restaurant. Die Gerichte sind bodenständig und absolut köstlich. Reservierung ist nicht nötig, die Zillertaler Bauernkrapfen sollte man aber vorbestellen. St. Margarethen 113a 6220 Buch in Tirol ritter.anni@gmail.com www.bauernkuchl.at
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fürs Braten in der Pfanne. In der Bauernkuchl sind es allerdings immer gleich mehrere Pfannen. An Freitagen geht es in der kleinen Küche groß zur Sache. Die „Blattln“, also die hauchdünnen Roggenteigfladen, werden schon am Vortag „getrieben“ (ausgewalzt), am Krapfentag selbst wird nur noch die Graukäseund Topfenfüllung aufgestrichen, die Zillertaler Krapfen geformt und schließlich – genau – außapresst. A n n i u n d A n d r e a s Ritter haben
ihren Hof bereits in den 1980er-Jahren auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Zu einer Zeit, in der „bio“ alles andere als selbstverständlich war. Heute kommen die Zutaten für ihre berühmten Krapfen entweder aus der eigenen Biolandwirtschaft oder von befreundeten Betrieben aus der Region. D e r H o f wird mittlerweile von Anni
und Andreas’ Sohn Christoph und seiner Frau Christine geführt. Langweilig wird den beiden „Alten“ aber mit Sicherheit nicht. Erstens, weil es in der Bauernkuchl nicht nur Zillertaler Krapfen, sondern eine eindrucksvolle, bodenständige Küche gibt, die es wert ist, besucht zu werden. Und zweitens, weil die beiden schon längst über ihr nächstes kulinarisches Projekt nachdenken: Schlutzkrapfen.
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Das Wichtigste beim Zillertaler Krapfen ist seit jeher die Verwendung von Butterschmalz! Nur so geraten die Teigtaschen goldbraun, knusprig – und von feinstem Geschmack.
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Die nächste Generation: Lisa Morent hat in Toprestaurants gelernt und nun die Küche des Familienbetriebs Morent übernommen.
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zeigt er auch. Er ist nicht nur ein herausragender Wirt und Gastgeber, sondern auch leidenschaftlicher Jäger.
S c h n e l l w a r k l a r , dass er uns
ein Gamsgericht zubereiten wird, vielleicht, weil es eine kulinarische Herausforderung ist und recht selten. Wenn Ralf Morent über die Gams zu erzählen beginnt, kommt er schnell ins Schwärmen. Als Jäger erzählt er, dass die Gamsjagd eine Art Königsdisziplin ist, weil man im felsigen, unwegsamen Revier unterwegs ist. Und dass Zeit eine wesentliche Rolle spielt. Vor allem für die richtige Reifung des Gamsfleisches. Als Koch muss er beim Zerlegen der Gams ebenfalls einiges anders machen als beim Schwein oder Rind. „Beim Parieren, dem ‚Putzen‘ des Fleisches, sollte man eher mehr als weniger wegschneiden. Eine Spur zu viel vom wilden Fett und die ganze Wurst ist im Eimer“, warnt Morent.
Gang 4: Fleisch von ganz oben
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or zehn Jahren war das Gasthaus von Ralf Morent am äußersten westlichen Zipfel Tirols die Entdeckung des Jahres im Slow-Food-Wirtshausführer – und stand bald auch in allen anderen Wirtshaus- und Gastronomieführern des Landes. Manche Küchen verlieren durch solche Auszeichnungen den Fokus, das Gasthaus Morent aus dem Jahr 1764 steht da wie eh und je – als Dorfwirtschaft. Die Zutaten, Schweine, Kälber, Pilze, Fisch und Wild, kommen aus der Region, wobei Ralf Morent einen transalpinen Ansatz verfolgt, das (deutsche) Allgäu ist ihm näher als das Inntal, und auch die eigene (Südtiroler) Herkunft spielt eine größere Rolle. Dass ihm diese Wurzeln wichtig sind,
A m H e r d s t e h t im Gasthaus mitt-
Die Küche 2004 hat die Familie Morent das stattliche Bergbauernhaus in Zöblen im Tannheimer Tal erworben. Das Haus wurde saniert und beherbergt seither eine ordentliche Dorfwirtschaft und ein paar Zimmer. Für den Fall, dass der Abend etwas länger wird – was schon einmal passieren kann. Hausnummer 14 6677 Zöblen feinschmecker@morent.at www.morent.at
lerweile die Tochter Lisa. Eine junge Frau, die bereits mit den besten Köchinnen und Köchen des Landes gearbeitet hat und motiviert ist, aus Altem neue Eindrücke zu generieren. Aus der vom Vater geschossenen Gams macht sie weder Gamsragout oder Gamsrücken (was die Klassiker wären). Wir bekommen Gams-Salsiccia. Eine grobe, gebratene Wurst, hauptsächlich aus der Schulter, dem Hals und dem Bauch der Gams, dazu etwas durchwachsener Schweinebauch. Gewürzt wird sie mit Pfeffer und Salz, Kümmel, Wacholderbeeren, Majoran und Piment. Und ein wenig Muskatblüten.
D e r G e s c h m a c k ist wild, würzig und einzigartig. Als könnte man vom Alpenhauptkamm das Mittelmeer sehen.
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VOM URKORN ZUM KNUSPRIGEN WECKERL Regionalität boomt. Wie eine gelungene kleinräumige, regionale Wirtschaft aussehen kann, zeigt sich am Anbau von alten Getreide-Landsorten und deren Verarbeitung zu Brot, Bier oder Whisky.
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rüher fuhr man in Tirol wohl oft an im Wind wogenden Getreidefeldern vorbei, konnte die goldgelben Ähren im Sonnenlicht leuchten sehen. Heute ist dieses Bild aus der Landschaft praktisch verschwunden. Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert setzte das Land auf Eigenversorgung, unzählige verschiedene, über Jahrhunderte entstandene Landsorten wurden ausgesät. Im Jahr 1950 betrug die Anbaufläche immerhin noch 14.000 Hektar, 2018 waren es nicht einmal mehr 700. Doch etliche Initiativen haben sich zur Aufgabe gemacht, dieses Ungleichgewicht wenigstens wieder ein bisschen zu verschieben: um alte Sorten zu erhalten, die Getreideanbaufläche wieder zu steigern und letztlich zahlreiche lokale Produkte daraus zu machen. Allen voran Brot.
„WIR MACHEN BROT, WIE SICH’S GEHÖRT.“ Philipp Schweiss
D e r H o r t a lt e r S o r t e n in Tirol ist
die Genbank, die ihre Schätze – unter anderem – im Keller des Tiroler Landhauses lagert. Anfang der 1920er-Jahre begann der Salzburger Saatgutforscher, Tirol_Magazin
Pflanzenzüchter und Getreideökologe Erwin Mayr alte Sorten im Alpenraum zu sammeln, zu katalogisieren und zu konservieren. Vorerst aus Salzburg, Kärnten, Vorarlberg und Tirol. Während des Zweiten Weltkrieges erhielt Mayr in Rinn ein Feld und gründete – ganz im Sinne der nationalsozialistischen Machthaber – eine Versuchsstation für erhaltenswerte alte Landsorten. Aus dieser ging später die Landesanstalt für Pflanzenzucht und Samenprüfung hervor, die Mayr bis 1964 leitete. Sie wurde bis vor wenigen Jahren in Rinn betrieben und ist nun nach Imst übersiedelt. Aus Mayrs Arbeit entstand letztlich die Genbank des Landes Tirol, die heute ein weites Spektrum alter Getreidesorten, anderer Feldfrüchte und Obst enthält. Sie ist gewissermaßen das landwirtschaftliche Erbe des Landes. Heute ist Christian Partl Hüter von über 1.000 Saatgutproben, 70 Kartoffelsorten und etlichen anderen teils noch ungeklärten Herkünften. Wobei die Genbank durch das Projekt GENESAVE, das man gemeinsam mit der Forschungsanstalt an der Südtiroler
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Laimburg abgewickelt hat, in den letzten Jahren noch einmal einen tüchtigen Zuwachs erfuhr.
Die populärsten
Auf gute Gene kommt’s an.
Das Material, das in den Kellern des Landhauses schlummert, ist keineswegs tot, erklärt der Leiter der Genbank: „Wir nehmen es nur auf, wenn es wieder keimt.“ Diese Keimfähigkeit wird vorher getestet. Dann wird das Saatgut getrocknet und in Papiersäckchen verstaut. Diese werden mit Silica-Gel in einen Plastikbeutel gesteckt und vakuumiert. So wird das Gut schließlich an mehreren Orten („Damit nichts passiert, falls was passiert.“) gekühlt gelagert und kann jederzeit wieder zum Leben erweckt werden. So erhielten und erhalten zahlreiche Bauern, die sich dazu entschlossen haben, wieder alte Sorten anzubauen, das Saatgut der Genbank. Das, so Partl, sei sicherer, als sein eigenes zu verwenden: „Wichtig ist, dass es geprüftes Saatgut ist. Dann gibt es eine hohe Garantie, dass es keimt und nur das drinnen ist, was hineingehört.“ E i n e d e r L a n d s o r t e n , die in letz-
ter Zeit dank Zillertal Bier wieder relativ hohe Bekanntheit erlangte, ist die Fisser Imperial Gerste. Partl: „Der ursprüngliche Wunsch, die wieder anzubauen, kam aus der Bevölkerung. Wir hatten Material in der Genbank und
alten Landsorten 1
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Chrysanth Hanserroggen (Winterroggen) • Ursprüngliches Anbaugebiet: Nörsach bei Nikolsdorf/Osttirol • Ernte: Juli bis Ende September • hoher Ballaststoffgehalt, daher wertvoll für das Verdauungssystem • Verwendung: Mehl, Flocken, Brand, Viehfutter, Einstreu
Steiner’s Roter Tiroler Kolbendinkel (Winterdinkel) • Ernte: Mitte Juli bis September • hoher Gehalt an Ballaststoffen, Spurenelementen, Aminosäuren, hochwertigen Eiweißen und komplexen Kohlehydraten • Verwendung: Mehl, Grieß, Flocken, Brand, Viehfutter, Einstreu, Dinkelspelzkissen
Tiroler Früher/Mittelfrüher Binkel (Sommerweizen) • Ursprüngliches Anbaugebiet: höchstgelegene Bauernhöfe Osttirols • Ernte: August bis Mitte September • im Weizenkeim befinden sich ungesättigte Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine • Verwendung: Mehl, Flocken, Grieß, Brand, Viehfutter, Einstreu
haben es zur Verfügung gestellt. Das hat dazu geführt, dass das einen relativ großen Umfang erreicht hat, weil Zillertal Bier den Bauern gutes Geld gezahlt hat.“ So ist das freilich nicht in allen Fällen, es gehört schon auch eine gehörige Portion Nostalgie und Idealismus dazu. Die Nutzung und Verarbeitung dieser Sorten wird in vielen Bereichen freilich eine Nische bleiben. Das ist auch Partl klar: „Das ist sicher nicht die Rettung der Tiroler Landwirtschaft. Aber wenn ein Bauer daraus etwas bessere Erträge erzielt und das Ganze noch zur Erhaltung der Biodiversität beiträgt und die Fruchtfolge auflockert, dann hat es auch sein Ziel erreicht.“ Wichtiger Idealismus.
A u s d i e s e m G r u n d wird der Anbau
einiger Sorten über ein Projekt der Tiroler Umweltanwaltschaft gefördert. Die ursprüngliche Idee, in Schutzgebietsnähe alte Sorten anzubauen, stammt von Umweltanwalt Johannes Kostenzer, Stefanie Suchy betreut das Projekt seit sieben Jahren. Pro Jahr, so erzählt sie, würden an die 30 Biobetriebe mitmachen, die vom Land sodann eine Aufwandsentschädigung erhalten. Viele würden zu alten Sorten greifen, weil sie für Grenzstandorte mit kargeren Verhältnissen besser seien, andere wollten einfach Neues ausprobieren, wieder andere bauen schon seit Generationen die standortangepasste
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DER NATUR TUT DER ANBAU VON ALTEN LANDSORTEN GUT. DAMIT GEHT EINE KLEINTEILIGKEIT DER FELDER EINHER, WEIL SIE NICHT SO INTENSIV BEARBEITET WERDEN.
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DER HORT ALTER SORTEN IN TIROL IST DIE GENBANK, DIE IHRE SCHÄTZE – UNTER ANDEREM – IM KELLER DES TIROLER LANDHAUSES LAGERT.
Hofsorte an. Suchy: „Aber natürlich ist hier auch der wertvolle Idealismus der Tiroler Biobetriebe spürbar.“ D e r N at u r tut der Anbau von Getrei-
de allgemein und den alten Landsorten im Besonderen jedenfalls gut. Oft geht damit nämlich auch eine Kleinteiligkeit der Felder einher, weil sie nicht so intensiv und maschinell bearbeitet werden. Und, so Suchy: „Kleinstrukturiertheit bedeutet auch Randstrukturen und dort spielt sich die Artenvielfalt ab.“ So habe man bei den Pflanzen, die dort am Rand der Felder und oft auch innerhalb des Getreidebestandes wachsen, den sogenannten Acker-Begleitkräutern, spannende Entdeckungen machen können und Seltenes wiedergefunden: etwa das Adonisröschen. Viele dieser Begleitkräuter kämen an Orten vor, wo früher bereits Getreide angebaut worden sei, sagt die Projektbetreuerin: „Sie sind nicht so hoch, stören bei der Ernte nicht, sind aber für die Bestäuber eine Bereicherung.“ Auch bodenbrütende Vögel lieben die Getreidefelder. Und abgesehen von der Natur, erzählt Suchy, hängt am Getreidebau auch eine ganze, jahrhundertealte Kultur: Technik, Gebäude, Strohmännchen … Den Ahnen v e r p f l i c h t e t.
Zwei, die sich gänzlich altem Getreide und altem Handwerk verschrieben haben, sind Alexander Katsch und Phi-
Die populärsten alten Landsorten 4
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Tiroler Sommerroggen • Ernte: Anfang August bis Oktober • hoher Ballaststoffgehalt, daher wertvoll für das Verdauungssystem • Verwendung: Mehl, Flocken, Brand, Viehfutter, Einstreu Sechszeilige Pumpergerste (Sommergerste) • Ernte: Ende Juli bis Ende August • schleimbildende Eigenschaft, deshalb wird Gerste als Nahrungsmittel bei MagenDarm-Erkrankungen empfohlen • Verwendung: Graupen, Flocken, Brand, Viehfutter, Einstreu
Oberberger Schwarzhafer (Sommerhafer) • Ursprüngliches Anbaugebiet: Wipptal und seine Seitentäler • Ernte: August bis Mitte September • enthält mehrfach ungesättigte Linolsäure, Mineralstoffe, Spurenelemente und Eisen • Verwendung: Flocken, Brand, Viehfutter, Einstreu Rinner Winterweizen • Ernte: Ende Juli bis September • im Weizenkeim befinden sich ungesättigte Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine • Verwendung: gute Backqualität; Mehl, Flocken, Grieß, Brand, Viehfutter, Einstreu
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lipp Schweiss. Sie entdeckten bei einer zufälligen Begegnung die gemeinsame Leidenschaft für Brot und gründeten wenig später, vor fünf Jahren, die „Brotschmiede – deine Ur-Getreidebäckerei“. Katsch studierte damals Jus und Schweiss war als Bäcker bei einem großen Tiroler Hotel angestellt. Ursprünglich, so erzählt der gebürtige Salzburger Katsch, „wollten wir das berufsbegleitend machen, Brot nach unseren Vorstellungen hobbymäßig backen. Aber dann hat es uns komplett überfahren.“ Nach ihren Vorstellungen heißt: Es werden Emmer und Dinkel vom heimatlichen Bauernhof von Philipp Schweiss auf der Schwäbischen Alp verwendet, die Milchprodukte kommen von einem Hof im Unterland, den Katsch bewirtschaftet, und alles wird nach altem, solidem Bäckerhandwerk verarbeitet.
Z u e r s t b e g a n n e n s i e , das Brot in einem mobilen Ofen vor der Innsbrucker Markthalle zu backen und zu verkaufen. „Bei Wind und Wetter und sehr zur Freude der Nachbarn“, wie sich Katsch augenzwinkernd erinnert. Das Gebäck ging weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Das währte nicht besonders lang, erzählt Philipp Schweiss: „Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo es nicht mehr nebenher gegangen ist.“ Also entschloss sich das Duo, eine Betriebsstätte zu suchen und richtig viel Geld zu investieren. Heute befindet sich die Backstube
Anfang der 1920er-Jahre begann der Salzburger Saatgutforscher, Pflanzenzüchter und Getreideökologe Erwin Mayr alte Sorten im Alpenraum zu sammeln, zu katalogisieren und zu konservieren.
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Schmieden das Brot, solange es warm ist v. li.: Alexander Katsch, Karin und Philipp Schweiss
Nicht nur Brot Aus den Urkörnern wird nicht nur Brot hergestellt, sie finden sich auch in Nudeln, Bier und Hochprozentigem.
Eine heimische
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Bierspezialität
der Brotschmiede in der ehemaligen Straub-Kaserne in Hall. Die Backöfen sind hochmodern, ein Teil des Equipments sieht hingegen ein bisschen antiquiert aus. Was keineswegs täuscht. Bäckermeister Schweiss erklärt, warum das so ist: „Urgetreide sind nicht besonders maschinengängig. Wir haben alte Maschinen gekauft, die es heute gar nicht mehr gibt. Aber durch das langsame Kneten und Mischen hat das Mehl mehr Zeit, Wasser aufzunehmen, und es entsteht ein saftigeres Brot. Die Teigführung dauert bei uns bis zu 60 Stunden.“ Das war einst normales Bäckerhandwerk, das inzwischen überwiegend durch eine industrielle Produktion ersetzt wurde. Doch nicht
bei Katsch und Schweiss: „Das Erbe der Ahnen unverändert zu erhalten und die Qualität des guten Handwerks sind uns ein großes Anliegen. Wir machen Brot, wie sich’s gehört.“ I n s g e s a m t a r b e i t e n inklusive Ka-
rin, der Mutter von Philipp Schweiss, sechs Menschen in der Bäckerei und jeder macht alles. Ihre Backwaren verkaufen sie nun in der Innsbrucker Markthalle und auf verschiedenen Bauernmärkten. Größer wollen sie nicht mehr werden, sagt Alexander Katsch: „Es liegt uns eher am Herzen, andere zu infizieren. Die Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln soll wieder größer werden.“ Uwe_Schwinghammer Tirol_Magazin
Seit 2013 wird die Fisser Imperial Gerste von Zillertal Bier in Zell verwendet, um Bierspezialitäten daraus zu machen: Das Tyroler Imperial Hell und das Tyroler Imperial Zwickl. Durch die Kooperation ist, wie es neudeutsch so schön heißt, eine Win-winSituation entstanden: Die Bauern haben einen starken Abnehmer gefunden, Zillertal Bier kann dafür eine Spezialität produzieren, die sie von den Mitbewerbern abhebt. Den Abnehmern bezahlt die älteste Tiroler Privatbrauerei dafür einen weit höheren als den marktüblichen Preis.
Aus Tirols Highlands
Experimentierfreudig zeigte und zeigt sich die Edelbrennerei Kostenzer vom Achensee. Sie hat unter anderem aus Obernberger Schwarzhafer einen Tiroler Whisky, den so genannten Whisky Alpin, produziert. Er hat eine kräftige orange Farbe, schmeckt leicht zimtig, würzig und ausgewogen. Der Brand wurde mindestens fünf Jahre im Eichenfass gereift.
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Genial regional
Zusammen mit lokalen Partnern sorgt MPREIS schon seit mehr als 100 Jahren für die Nahversorgung in der Alpenregion. Dabei setzt das Tiroler Familienunternehmen vor allem auf Nachhaltigkeit – wie auch die hauseigene Bäckerei Therese Mölk mit ihrem Tyrolean Gin „Herr Friedrich“ beweist. ür MPREIS ist Regionalität F nicht nur ein Schlagwort, sondern seit jeher ein Auftrag. Die Zusammenarbeit mit örtlichen Partnern hat im Familienunternehmen lange Tradition. So sorgen unter anderem über 130 Gemüse-, Salat- und Obstbauern für heimische Vielfalt in den Regalen. Sobald eine Sorte aus der Region erhältlich ist, wird sie bevorzugt vor Ort eingekauft. Das gibt auch kleinsten bäuerlichen Betrieben die Chance, das breite Netz aus MPREIS-Filialen als Marktplatz für ihre hervorragenden und immer wieder neuen Erzeugnisse zu nutzen. Seit über 20 Jahren kooperiert MPREIS außerdem mit der Tiroler Bio-Genossenschaft Bioalpin, deren vielfältigen Produkte unter der Marke „BIO vom BERG“ erhältlich und durch das markante Label auf den ersten Blick erkennbar sind. Starke (Bio-) Eigenmarken und exklusive Kooperationen sind ein Garant für ein abwechslungsreiches Sortiment an regionalen sowie in Tirol veredelten Produkten. Einmal pur, zweimal magisch.
MPREIS ist auch selbst Produzent für nachhaltige und vor allem regionale ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG / FOTOS: PATRICK SARINGER, DAVID SCHREYER
MPREIS Das Tiroler Traditionsunternehmen wurde 1920 von Therese und Johann Mölk gegründet und ist nach wie vor zu 100 Prozent in Familienhand. Regionalität und Nachhaltigkeit werden seit jeher großgeschrieben. So zählt MPREIS über 250 heimische Lieferanten, außerdem trägt das Unternehmen als größter privater Arbeitgeber Tirols eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Die individuell designten Filialen tragen überdies positiv zur Standortentwicklung der jeweiligen Gemeinden bei und werden laufend mit Architekturpreisen ausgezeichnet. www.mpreis.at
Produkte. Aus der hauseigenen Bäckerei Therese Mölk kommt dabei nicht nur fein duftendes, frisches Brot und Gebäck mit über 94% Rohstoffen aus Österreich, sondern auch herrlicher Gin, gebrannt aus Brot von gestern. Weil in Österreich jedes fünfte Stück Brot in der Tonne landet, hat man sich Gedanken gemacht, wie man diese Ausschussware dem Nachhaltigkeitsgedanken folgend sinnvoll verwerten könnte. Das Ergebnis ist unter anderem der Tyrolean Gin „Herr Friedrich“, in dem Brot von gestern einen neuen Zweck bekommt. Aus 100 Kilogramm altem Brot können in der eigenen Brennerei rund 12,5 Liter hochprozentiger Alkohol gebrannt werden. Die Tiroler Variante des Gins auf Brotbasis wurde im Jahr 2018 von Falstaff mit 92 Punkten unter die fünf besten Gins Österreichs gewählt. Mit der „Blue Edition“ und „Black Edition“ hat Herr Friedrich kürzlich magischen Zuwachs bekommen.
Infos
Erhältlich sind sämtliche nachhaltige Spirituosen bei MPREIS und T&G. Weitere Informationen zur Initiative „Flasche. Statt. Tonne“ finden Sie unter www.therese-moelk.at
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5-MINUTEN-VOLLKORNBROT Zutaten
500 g Vollkornweizenmehl 450 g Wasser 2 g Germ, frisch (oder 0,7 g Trockengerm) 10 g Salz 30 g Öl
Zubereitung
» Das Mehl mit Wasser, Öl, Hefe und dem Salz vermengen und in eine Schüssel geben. Die Komponenten müssen nur verrührt werden, Kneten ist nicht nötig. » Die Schüssel mit Frischhaltefolie abdecken und für 12 bis 14 Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen. Der Teig bekommt kleine Luftbläschen und wird ziemlich flüssig. » Den Backofen auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen und dabei einen Gusseisen-, Emaille- oder Tontopf mit erhitzen. » Den Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche stürzen und grob zu einer Kugel formen (das geht am besten mit einer Teigkarte). » Die weiche Teigkugel auf ein Backpapier legen und mit dessen Hilfe in den heißen Topf heben. Den Deckel drauflegen und die Temperatur auf 210 °C zurücknehmen. Das Brot bei geschlossenem Deckel 30 Minuten backen. » Anschließend den Deckel abnehmen und das Brot weiter 15 bis 20 Minuten goldgelb backen, bis es die gewünschte Krustenfarbe bekommen hat.
Buchtipp Das Rezept stammt aus „Mann backt Brot“ von Marian Moschen, erschienen im Tyrolia Verlag, 216 Seiten, EUR 24,95. Darin finden Sie über 50 weitere tolle Brotrezepte für jeden Geschmack. Marian Moschen bloggt zudem unter www.mannbackt.de. Tirol_Magazin
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Zutaten Vorteig
Zubereitung Vorteig
Zutaten Hauptteig
Zubereitung Hauptteig
200 g Dinkelmehl Type 1050 200 g Wasser, lauwarm 10 g Hefe 410 g Vorteig 300 g Dinkel-Vollkornmehl 120 g Wasser 1 EL Honig 12 g Salz
» Die Zutaten mischen und den Vorteig ca. 2 bis 4 Stunden gehen lassen. » Die Zutaten zu einem glatten Teig kneten und diesen ca. eine Stunde gehen lassen, Brot formen, im Gärkorb (Simperl) ca. 30 Minuten gehen lassen, stürzen und backen.
Backen
» Ofen auf 230 °C vorheizen. » Brot in den Ofen schieben und diesen nach 5 Minuten auf 190 °C zurückdrehen. » Gesamtbackzeit: ca. 50 Minuten
Danke! Das Rezept wurde von der Brotschmiede zur Verfügung gestellt.
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URDINKEL-BAUERNBROT
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ENGLISH
English Summary
FROM ANCIENT GRAIN TO CRISPY BUNS
What a successful, small-scale, regional economy can look like is demonstrated by the cultivation of old grain varieties and their processing into bread, beer or whisky.
tato varieties and several other so-called provenances. The material slumbering in the cellars of the Landhaus is by no means dead, explains Prantl: “We only take it in when it germinates again. So farmers can use it for cultivation. I n a n y c a s e , the cultivation of cereals in general and
old landraces in particular is good for nature. This is often accompanied by a small-scale structure of the fields, because they are not worked so intensively and mechanically. Small-scale structures also mean marginal structures, and that is where biodiversity takes place. Thus, exciting discoveries have been made and rarities have been found among the plants growing at the edges of the fields and sometimes even in them. Ground-nesting birds also love the grain fields. Honouring their ancestors.
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n recent decades, grain fields have almost disappeared from the Tyrolean landscape. In 1950, the cultivated area was 14,000 hectares, in 2018 it was not even 700 hectares. But several initiatives have taken on the task of shifting this imbalance at least a little bit: to preserve old varieties, to increase the area under cereal cultivation again and ultimately to make numerous local products from it. First and foremost bread. T h e h o a r d of old varieties in Tyrol is the gene bank,
which - among other things - stores its treasures in the cellar of the Tyrolean Landhaus. In a way, it is the agricultural heritage of the province. Christian Partl is currently the custodian of over 1,000 seed samples, 70 po-
Alexander Katsch and Philipp Schweiss are two people who have dedicated themselves to old grains and old crafts. They founded their bakery “Brotschmiede - deine Ur-Getreidebäckerei” five years ago and bake bread according to their own ideas: They use emmer and spelt from the local farm, the dairy products come from a farm in the lowlands and everything is processed according to the old, solid baker’s craft. In other places, this has meanwhile been predominantly replaced by industrial production. But not for Katsch and Schweiss: “Keeping the heritage of our ancestors unchanged and the quality of good craftsmanship are very important to us. We make bread the way it should be made.”
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Die spannend erzählte Geschichte der Stadt Innsbruck, in der nicht nur Kaiser und Könige vorkommen, sondern auch die „einfachen Leute“. Auch die Neuauflage des Buches von 2021 ist es immer noch wert, gelesen zu werden.
Luis Durnwalder war 25 Jahre lang Landeshauptmann von Südtirol. Lange Jahre unangetastet und mächtig, wurde es nach seinem politischen Abgang so richtig turbulent um ihn. Dem Historiker Michael Gehler gab er in Interviews Einblicke in sein Leben und Denken.
Arno Bussi zieht Schwierigkeiten an: Da lädt ihn seine Mutter ins schneelose Maria Schnee auf ein paar Urlaubstage ein, dort verschwindet die Eisprinzessin und die Mama behauptet, die Dame sei entführt worden, und dann mischt sich auch noch Erna Katz vom Landeskriminalamt Tirol ein …
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TIVOLI STADION TIROL Der Markt am Tivoli hat jeden Samstag von 6.00 –12.00 Uhr geöffnet. Neben Landwirtschaftliche Produkten werden auch Floh-, Kuriositäten- und Händlermarkt angeboten.
174 TIPPS
HINAUS IN DIE NATUR
Das neue faltbare CL Curio von Swarovski Optik ist das leichteste und kompakteste Fernglas seiner Klasse und damit perfekt fürs Mitnehmen nach draußen. Denn auch im Winter gibt es dort allerhand zu sehen. Das in Zusammenarbeit mit dem weltberühmten Designer Marc Newson entworfene Beobachtungsgerät vereint außergewöhnliche optische Leistung mit zeitlosem, formschönem Industriedesign. Das CL Curio ist intutiv bedienbar und jederzeit zur Hand für sämtliche Outdoorabenteuer und einzigartige Naturerlebnisse. Erhältlich ab 760 Euro in Schwarz oder Burnt Orange im ausgewählten Fachhandel oder unter swarovskioptik.com. Tirol_Magazin
175 TIPPS
KURZ & BÜNDIG
ESSEN
ALL THAT JAZZ
Kann man das essen, oder ist das vegan? Mit solchen Aussagen gewinnt man heute keinen Sympathie-Blumentopf mehr, denn die Zeiten sind vorbei, an denen Kein-Fleisch-Esser als kulinarische Spielverderber galten. Vegetarische und vegane Gerichte sind angekommen auf den Speisekarten des Landes. Nicht überall, aber immer öfter. Schillinger’s SWING KITCHEN zeigt, dass das auch bei Burgern funktioniert. Nach Läden in Wien und Graz (und Bern und Berlin) gibt’s nun auch einen in Innsbruck. Gefällt uns sehr! www.swingkitchen.com
Käsemacher. Kulinarisch ist Tirol neben Speck auch bekannt für seinen Käse. Zahlreiche kleine Käsereien machen aus frischer Heumilch ganz fabelhafte Produkte. Die Milchbuben Thomas und Markus aus Penningdörfl sind eine davon. milchbuben.at
„Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler.“ J o h a n n Wo l f g a n g von Goethe
TRINKEN
TIROL GANZ BUNT Seit geraumer Zeit machen Wimmelbücher wieder eifrig die Runde, nun wird auch gemalt. Künstlerin Beatrix Weger hat für das Tirol-Ausmalbuch 30 detailreiche und liebevoll gestaltete Motive zusammengestellt, bei denen man sich so richtig austoben und kreativ sein kann. Sehenswürdigkeiten, Berge und Landschaften, Brauchtum sowie Tier- und Pflanzenwelt sind in dekorative Flächen aufgebrochen und warten darauf, ordentlich bebuntet zu werden. Das große Ausmalbuch Tirol, Tyrolia Verlag, 64 Seiten, EUR 14,95
Willkommen zurück. In Tirol hat man bis Ende der 1960er-Jahre das BürgerbräuInnsbruck-Bier getrunken. Irgendwann nicht mehr. Nun wird die Marke wiederbelebt und in der Brauerei Falkenstein in Lienz gebraut. Das Tiroler Helle ist mild im Geschmack und angenehm frisch. buergerbraeu.at
ZIRBENLIEBE
Nicht umsonst wird die Zirbe als Königin der Alpen bezeichnet. Zirbenholz sorgt auf ganz viele Weisen für natürliche Entspannung und wir Tiroler lieben sie. Wir machen sogar Gin daraus. Es geht aber auch ganz klassisch – als Öl. Das Innsbrucker Unternehmen zirb fängt das Beste der Zirbe ein und macht daraus natürliche ätherische Öle, die man am besten in Kombination mit dem zirb.Raumlüfter verwendet. Die Öle sind pur, zitrus-erfrischt und lavendelrelaxed zu haben. Für Kinder gibt’s spezielle Monster-Zirbenkissen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Alpträume zu fressen. www.zirb.at
© THOMAS SCHROTT
TIPPS
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KURZ & BÜNDIG
DOKUMENTATION UND FIKTION
Scheinbar tausendmal gesehene Landschaftsaufnahmen wandeln sich zum Schauplatz einer Liebesgeschichte. Ausgangsmaterial ist eine Serie früher Schwarz-Weiß-Abzüge von 1912, die heute im Besitz des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum sind – das Fotoalbum zu einer Reise von München nach Tirol, deren Urheberschaft anonym ist. Die Bilder entstanden am Beginn der Amateurfotografie und des Individualtourismus mit den ersten Automobilen. Im Rahmen der Reihe INN SITU wurde die Schriftstellerin Verena Roßbacher beauftragt, diese Bilder als Ausgangspunkt für eine Erzählung zu verwenden. Aus einem inneren Monolog über die Entwicklung des privaten Umgangs mit dem Fotografieren von den Pionieren der Technik bis zur Selfiekultur heute entwickelt sie eine Recherche zu den Protagonisten des Albums. Zu sehen ist das spannende Ergebnis bis 22. Jänner 2022 im BTV Stadtforum in Innsbruck. www.innsitu.at
MITBRINGEN Alpine Kosmetik. Seit 2014 stellt die Seifenmanufaktur Neururer & Alpine Cosmetics aus Umhausen besonders feine Seifenprodukte her, die nebst Körper und Seele auch der Umwelt guttun. So mögen wird das. alpinecosmetics. tirol
SCHRÄGER VOGEL TubAffinity, alias Tobias Ennemoser, träumte schon immer davon, Rockstar zu werden. Aus jugendlicher Leichtigkeit griff er dafür jedoch zum falschen Instrument: der Tuba. Also studierte er Klassik und Jazz unter anderem am Mozarteum Salzburg und machte sich das Instrument zu eigen. Jetzt ist er nicht nur Tubaspieler, sondern auch Komiker. Ein irgendwie absurder. TubAffinity ist ein echt schräger Vogel und es kommt nicht von ungefähr, dass auch eines der Stücke auf seinem ersten Album so heißt. www.tubaffinity.at E D L E W E LT Das Leben ist zu kurz für einen langweiligen Alltag. Deshalb sollte man ihm ab und an ein Krönchen aufsetzen. Mit der neuen „edelwelt“ ist in Kitzbühel ein kleines Paradies an edlen Entführungen entstanden. Im feinen Ambiente findet sich hochwertige Mode für sie und ihn, ausgesuchte Papeterie und süße Geschenke. Schwer zu widerstehen, leicht zu verschenken! www.edelwelt.at
IMPRESSUM E r s c h e i n u n g s w e i s e : 2 x jährlich _ A u f l a g e p r o M a g a z i n : 25.000 Stück
H e r a u s g e b e r & M e d i e n i n h a b e r : eco.nova Corporate Publishing Senn & Partner KG, 6020 Innsbruck, Tel.: 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at _ C h e f r e d a k t i o n : Uwe Schwinghammer _ R e d a k t i o n : Alexandra Keller, Christiane Fasching, Marian Kröll, Marina Bernardi, Ivona Jelčić _ M i ta r b e i t : Martin Weissenbrunner, Elisabeth Plattner _ L a y o u t : Tom Binder _ A n z e i g e n v e r k a u f : Ing. Christian Senn, Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin, Matteo Loreck, Daniel Christleth F o t o r e d a k t i o n : Andreas Friedle, Marian Kröll, Isabelle Bacher, Tom Bause _ Ü b e r s e t z u n g e n : Viktoria Leidlmair L e k t o r at : Mag. Christoph Slezak _ D r u c k : RWf Frömelt Hechenleitner GmbH _ U n t e r n e h m e n s g e g e n s ta n d : Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art _ C o v e r f o t o : Patrick Bätz, TVB St. Anton am Arlberg. Das Bild zeigt die Abfahrt
von der Rendlspitze in das Malfontal.
Tirol_Magazin
lebe. liebe. schenke.
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178 UNIQA TIROL
Immer in der Hauptrolle: Umwelt und Natur
Faszinierend und mitreißend, nachdenklich, sachlich oder einfach nur schön waren die Beiträge beim 20. Innsbruck Nature Film Festival. Zum 20-jährigen Jubiläum wurde der „Protect our Planet Award“ neu eingeführt – gestiftet von UNIQA. s war ein Highlight in der immer noch währenden Pandemie, als sich beim 20. Innsbruck Nature Film Festival begeisterte Besucherinnen und Besucher endlich wieder live begegnen konnten. 52 Wettbewerbsfilme gingen im Innsbrucker Metropol Kino an den Start, kurz oder lang, als Dokumentation oder als Story.
E
Yo u t h U n s t o p pa b l e gewinnt den „Protect o u r P l a n e t A wa r d “.
Zum 20-jährigen Festivaljubiläum wurde der von der UNIQA gestiftete und mit 2.000 Euro dotierte „Protect our Planet Award“ neu eingeführt. Als Sieger von der Jury auserkoren wurde der Eröffnungsfilm der Festspiele „Youth Unstoppable – Der Aufstieg der Globalen Jugendklimabewegung“.
sich durch das enorme Engagement der Filmemacherin aus, das sie in den zwölf Jahren, um die es in der Dokumentation geht, aufgebracht hat. Wir sehen in der Doku, wie sich die globale Jugend-Klimabewegung in den letzten Jahren entwickelt und welche Auswirkungen dies auf den Lebensweg der Regisseurin selbst hat“, lautet die Jurybegründung. Die kanadische Regisseurin und Preisträgerin zeigte sich begeistert und glücklich: „In diesem Moment fühle ich mich als Filmemacherin und Erzählerin derart bestätigt, dass sich all die Jahre, die ich hineingesteckt habe, gelohnt haben. Da wir uns derzeit im Klima-Notstand befinden, finde ich, dass wir uns mehr denn je als Menschen zusammentun müssen. Zu wissen, dass der Film auf euch einen derartigen Eindruck gemacht hat, ist eine große Ehre. Ich denke, es braucht uns alle, um den Planeten zu retten, um unsere Gemeinschaften zu retten.“
S l at e r J e w e l l - K e m k e r ist heute 30 Jahre alt. Mit
15 wurde die Kanadierin gegen den Klimawandel aktiv. Von Anfang an mit dabei: ihre Kamera. Und so wurde Jewell-Kemker während der nächsten zwölf Jahre hinter den Kulissen Zeugin einer weltweit wachsenden Jugendbewegung. „Unaufhaltsame Jugend“ erzählt von UN-Klimakonferenzen, dem Pariser Klimaabkommen und Greta Thunberg. Authentisch, herausfordernd, hoffnungsvoll, oft auch enttäuschend. Was als individuelle Reise begann, wird mit „Youth Unstoppable“ zu einem Dokument der globalen Jugendbewegung für die Zukunft unseres Planeten. „Dieser Film zeichnet
UNIQA Tirol Boss Michael Zentner sprach bei den INFF-Awards über das Engagement von UNIQA.
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG / FOTOS: TOM HOFER, STADLER, YOUTHUNSTOPPABLE
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