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Der Sommer wächst langsam aus der Landschaft, zieht über die Täler, legt sich auf Almen, Seen und Dörfer. Die Berge verlieren ihre Strenge, die Luft riecht nach Holz, Wasser und Wiesen, und zwischen den ersten warmen Morgenstunden und den langen, lauen Abenden entsteht jene besondere Zeit, in der Tirol seine eindrucksvollsten Geschichten erzählt.
Es sind Geschichten vom Unterwegssein und vom Ankommen. Vom ersten Schritt auf einem schmalen Steig oberhalb der Baumgrenze. Vom Sprung in einen kalten Bergsee, dessen Oberfläche die Gipfel spiegelt. Vom Innehalten auf einer Bank vor der Almhütte. Die Landschaft nimmt einen mit hinaus in die Natur und näher zu den Menschen, die hier leben. Denn hinter den gewaltigen Bildern liegen die stilleren Erzählungen dieses Landes: Menschen, die Tradition nicht konservieren, sondern weiterdenken. Junge Landwirtinnen, Kreative, Künstlerinnen, Bergführer oder Handwerkerinnen, die aus Herkunft Zukunft machen. Sie alle prägen ein Tirol, das weit mehr ist als eine Postkartenkulisse, sondern ein Land voller Charakter, Eigensinn und Gastfreundschaft.

Gestatten: Merle. Manch einer dachte bei Ansicht, das Bild sei KI-generiert, weil die Hübsche gar so fotogen in die Kamera blickt. Wir garantieren: Hinter diesem Bild stecken echtes Fotohandwerk und ein feines Gespür für den richtigen Augenblick. Und ganz viel Geduld. In ihrer Serie „All the Ladies“ verwandelt Fotografin Ramona Waldner den alljährlichen Almabtrieb in ein außergewöhnliches Kunsterlebnis. Die elegant geschmückten Kühe werden so zu faszinierenden Persönlichkeiten. www.ramonawaldner.com
Diese Ausgabe des Tirol Magazines möchte Sie wieder genau dorthin führen: zu besonderen Orten, ungewöhnlichen Perspektiven und Begegnungen, die bleiben. Es lädt dazu ein, Tirol mit Neugier zu entdecken, über Höhenmeter und Aussichtspunkte genauso wie über Kultur, Kulinarik und jene kleinen Beobachtungen, die oft länger nachwirken als das große Ganze.
Tirol schafft es, Ursprünglichkeit und Offenheit miteinander zu verbinden. Zwischen alten Mauern und neuen Ideen, zwischen gelebtem Brauchtum und zeitgenössischer Kultur entsteht eine Vielfalt, die überrascht und inspiriert. Wer sich darauf einlässt, entdeckt beeindruckende Landschaften und ein Lebensgefühl, das von Nähe, Qualität und echtem Miteinander geprägt ist. Der Sommer schenkt dabei eine wunderbare Weite. Im Kopf, im Herzen und manchmal auch im eigenen Blick auf die Welt. Zwischen Berg und See, Dorf und Stadt, Tradition und Aufbruch zeigt sich ein Land, das nicht laut sein muss, um Eindruck zu hinterlassen. Genau dort beginnen jene Geschichten, die wir erzählen wollen. Dieser Sommer lädt dazu ein, genauer hinzusehen, länger zu bleiben und Tirol mit allen Sinnen zu erleben.

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Die Zeit fordert. Doch wir möchten einen langsamen Takt einkehren lassen. In lichtdurch uteten Räumen Gelassenheit und Ruhe spürbar machen und Ihnen unsere ganze ungeteilte Aufmerksamkeit und Zeit zum Entschleunigen schenken.


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18_Stars over Tyrol
Already at the age of 14, Norbert Span loved gazing at the stars. Today, he takes photos of them.
30_ The Long March
The Karwendel March is no walk in the park. Ludwig Kreidl is doing it for the 20th time this year.
70_The Dream of the Summit
The opening of the Zugspitzbahn marked the start of a whole series of developments in North Tyrol.
90_Good Spirit
Johann Anton Falger is known as the father of the Lech Valley. And that is exactly what he is.
103_Jazz at the Heart of Life
Franz Hackl has taken the sound of the trumpet from Schwaz all the way to New York City.
110_Below the Surface
A few years ago, Kai Kipfmüller discovered the joys of freediving.
124_Keepers of a Secret
Only four examples of quill embroidery remain in Tyrol – one of them in Faggen in the Oberes Gericht district.
132_Raising Cows with Dignity
Ancient cattle breeds in a new environment.
150_Coffee Culture
One city, one morning, three drums: the people of Innsbruck roast coffee.

8_Sterne
über Tirol
Auf den Spuren des Wassers im Stubai.
20_Tiere erleben
Am Wildtierweg in Serfaus-FissLadis erlebt man die alpine Tierwelt interaktiv. Und doch verblüffend real.
24_Karwendel, marsch!
Der Karwendelmarsch ist kein Spaziergang. Ludwig Kreidl geht ihn heuer zum 20. Mal.
32_Eisige Welten
Weltweit einzigartig: Der Natur Eis Palast im Hintertuxer Gletscher als mysteriös-faszinierendes Paradies im ewigen Eis.



64_Der Traum vom Gipfel
Mit der Eröffnung der Zugspitzbahn wurde in Nordtirol ein ganzer Reigen von Erschließungen eingeläutet.
72_Zeit, heimzugehen
Die traditionellen Almabtriebe des Landes zeigen, wie eng Tradition und Natur miteinander verwoben sind.
82_Guter Geist
Johann Anton Falger wird als Vater des Lechtals bezeichnet. Und das ist er auch.
92_Entdeckergeist
Nicht zufällig war es Innsbruck, wo ab den 1960er-Jahren die Alte Musik wiederentdeckt wurde.
96_Lebensmittelpunkt Jazz
Franz Hackl hat den Klang der Trompete von Schwaz bis nach New York City getragen.
104_Spektakulär schön
Vor einigen Jahren entdeckte Kai Kipfmüller das Apnoetauchen für sich.
112_Theater ohne Zeigefinger
Mit Gregor Bloéb haben die Tiroler Volksschauspiele ein markantes Gesicht.
120_Geheimnisträger
Nur vier Federkielstickereien sind in Tirol verblieben – eine davon in Faggen im Oberen Gericht.
126_Halten mit Haltung
Alte Rinderrassen in neuer Umgebung.
142_Kaffeekult
Eine Stadt, ein Morgen, drei Trommeln: Innsbrucker rösten Kaffee.
4_Editorial | 42_Kufsteinerland | 52_Nationalpark Hohe Tauern 56_Aussichtsreiches Hochplateau | 60_Am Wilden Kaiser 134_Zum Nachkochen | 152_kurz und bündig | 154_Impressum
Zugspitze: Der Berg vom Ehrwalder Talkessel aus fotografiert. Die Lichter der Landstraße lassen die Bodennebel sehr dramatisch erscheinen.
(Canon 6D, 05.04.2019, 24 mm, f/2.8, 25 Sek., ISO 3200


Schon mit 14 Jahren schaute Norbert Span gerne in die Sterne. Heute fotografiert er sie. Ein Gespräch über Dunkelheit, 400 Übernachtungen am Berg und warum wir öfter in den Himmel schauen sollten.


Die Herz-Jesu-Feuer im Stubaital sind ein besonderes Schauspiel. Sie werden immer zur Zeit der ersten Sterne entzündet. (Canon 5D Mark 3, 13.06.2015, 50 mm, f/1.2, 8 Sek., ISO 3200)


Die Hütte am Penser Joch mit einem dynamischen Polarlichthintergrund Richtung Norden. (Sigma fp, 11.10.2024, 14 mm, f/2, 8 Sek., ISO 6400)
„ICH FOTOGRAFIERE SEIT JAHRZEHNTEN UND ICH WEISS, MEIN
LEBEN WIRD NICHT AUSREICHEN, UM ALLES ZU ENTDECKEN, WAS DER STERNENHIMMEL AN SCHÖNEM ZU BIETEN HAT.“
Norbert Span
Wenn andere schlafen gehen, beginnt für Norbert Span oft der spannendste Teil eines Tages. „Ich mag die Dunkelheit“, sagt er. Und die Sterne. Deshalb hat der Steinacher auch Astronomie studiert, nebst Meteorologie und Glaziologie. Viel in den Bergen unterwegs, war es ihm irgendwann ein Bedürfnis, „ein bisschen was festzuhalten von diesen Stimmungslagen, die nicht alltäglich sind“, beschreibt er. Fotografie untertags habe ihn nie gereizt, „doch sobald die Dämmerung eintritt, passiert etwas mit einem: Die Farben sind unglaublich, die Schatten werden länger, die Menschen sind alle weg und ich habe mich beim Fotografieren immer mehr in die Nacht orientiert.“ Seitdem verbringt Norbert Span Nächte auf Gipfeln, weg vom Licht, immer auf der Suche nach dem perfekten Blick in den Himmel. Im Gespräch erzählt er von der Faszination der Sterne, warum es bei minus 17 Grad am Großvenediger echt schön ist und davon, den Himmel über Tirol wieder öfter bewusst wahrzunehmen.
Du hast schon als Jugendlicher in die Sterne geschaut. Wie kam’s dazu? Norbert Span: Das war eigentlich ein ganz alltäglicher Moment. Mein bester Freund – er ist es übrigens heute noch – und ich mussten früher jeden Tag zum Bauern, um Milch zu holen. Eines Nachts war es völlig sternenklar, damals gab es in Steinach noch kaum Lichtverschmutzung. Irgendwann haben wir uns einfach ins Gras gelegt und

Zur Person
Norbert Span wohnt in Steinach am Brenner und fotografiert seit nunmehr 40 Jahren den Nachthimmel über den Alpen. Nach einem Studium der Meteorologie, Glaziologie und Astronomie und anschließender Promotion in Innsbruck dreht er Naturdokumentationen für Sender wie Servus TV, ARTE sowie den SWR und gewann internationale Preise für seine Astrofotografie. Span war maßgeblich an der Planung der ersten Volkssternwarte in Tirol beteiligt, auch in Steinach soll bald eine entstehen.
nach oben geschaut, wie das kleine Buben eben so machen. Dieser Anblick hat mich unglaublich beeindruckt und tief berührt. Ich wollte unbedingt wissen, was diese Punkte am Himmel eigentlich sind. Also habe ich begonnen, nach Antworten zu suchen, was damals gar nicht so einfach war. Ich habe Bibliotheken besucht, Freunde gefragt. Schließlich kam ich zufällig zu einem gebrauchten Teleskop. Das waren meine ersten Schritte in die Astronomie und seitdem hat mich das nie mehr losgelassen.
Ist die Faszination heute noch immer dieselbe von damals? Im Grunde ja. Wenn man unter dem Himmelszelt steht und diese unglaubliche Weite sieht, dann spürt man automatisch eine gewisse Demut. Als Kind hätte ich das
natürlich anders formuliert, aber das Gefühl ist dasselbe. Mit den Jahren vertieft sich das Wissen, man beginnt, mehr zu verstehen. Wobei ich manchmal denke, es wäre fast schöner, weniger zu wissen, weil das Staunen dann noch größer ist. Aber das Erlebnis selbst, draußen zu stehen und in den Himmel zu schauen, hat sich überhaupt nicht verändert. Ich suche bis heute gezielt die Dunkelheit. Das ist allerdings schwieriger geworden, denn durch die zunehmende Lichtverschmutzung muss man immer weiter hinaufgehen, um den Himmel wirklich zu sehen. Wenn man aber einen solchen Platz gefunden hat, öffnet sich plötzlich wieder das gesamte Universum.
Gibt es diese wirklich dunklen Orte noch in Tirol? Ja, zum Glück, vor allem in den Seitentälern des Wipptals findet man die noch, besonders in der Höhe. Ab etwa 2.000 Metern ist der Himmel schon ein ganz anderer als im Tal und auf 3.000 Metern wird es noch einmal beeindruckender. Da kommt man sich vor wie im Planetarium. Wenn es wirklich dunkel ist, sieht man kaum mehr die eigene Hand vor Augen, dafür die ganze Wucht der Milchstraße. In solchen Momenten versteht man, warum sich frühere Generationen so viele Geschichten über den Himmel erzählt haben. Für sie war er ein täglicher Begleiter. Sie haben all ihre Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen dort hineinprojiziert. Heute haben wir diesen Bezug leider weitestgehend verloren. Wir gehen nach der Arbeit heim, schalten das Licht und den Fernseher ein und knipsen uns damit im wahrsten Sinne des Wortes den Himmel aus.
Verändert sich die Wahrnehmung der Berge, wenn man dort nachts unterwegs ist? Die Berge sind nachts völlig anders. Ich war durch Studium und Reisen viel in Gebirgen unterwegs, in Südamerika, Spitzbergen, Norwegen oder Alaska. Aber wirklich dunkle Nächte in den Alpen haben eine ganz eigene Atmosphäre. Meistens bleibe ich über Nacht auch oben. Laut Gesetz darf man am Berg zwar nicht zelten, aber es gibt einen Passus: Wenn du nachts Sterne fotografierst und es nicht zumutbar ist, wieder abzusteigen, darfst du biwakieren. Das macht auch Sinn, denn wenn man versucht, in der Dunkelheit aus 3.000 Metern wieder nach unten zu gehen, merkt man schnell, dass das gar nicht so einfach ist. Durch die Stirnlampe verändern sich die Schatten und der Weg ist schwer einzuschätzen. So habe ich mittlerweile fast 400 Nächte am Berg verbracht.

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12. und 16. Juli 26



Stört dich die Einsamkeit dort oben nie? Nein, ganz im Gegenteil. Manchmal gehen Freunde mit und dann ist das Erlebnis natürlich doppelt schön. Die meisten aber wollen nicht und das verstehe ich. Selbst im Sommer ist es auf 3.000 Metern richtig, richtig kalt und wenn jemand nicht selbst fotografiert, wird es auch schnell langweilig, stundenlang herumzustehen. Für mich selbst ist die Zeit sehr wertvoll. Man kommt herunter vom Alltag. Wir leben ja alle in diesem Hamsterrad aus Arbeit, Familie und Verpflichtungen und irgendwann braucht man einfach einen Moment für sich selbst. Am Berg, allein in der Nacht, kommt man wieder ins Gespräch mit sich selbst.
Gab es bei all den vielen, schönen Momenten ein Erlebnis, das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist? Da gibt es viele. Einmal lag ich bei minus 17 Grad am Großvenediger. Da fragt man sich schon, ob das alles so gscheit ist, was man da macht. Gleichzeitig erlebt man dort oben etwas sehr Ursprüngliches. Zum ersten Mal habe ich gespürt, was es für unsere Vorfahren bedeutet haben muss, in der Wildnis zu leben. Dieses Gefühl, der Natur komplett ausgeliefert zu sein, wird plötzlich greifbar. Es gab auch ganz viele Glücksmomente. Eine totale Mondfinsternis allein am Berg zu erleben, ist unglaublich. Oder Sternschnuppenregen in den Dolomiten, bei denen im Minutentakt Meteore über den Himmel ziehen. Und dann war da noch der Moment, als ich das erste Mal durch ein Teleskop den Saturn gesehen habe und wie seine Ringe Schatten auf die Kugel werfen. Da kommen dir echt die Tränen.
Ist für dich ein Sternenfoto mehr Kunst oder Dokumentation? Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Ein Teil ist definitiv dokumentarisch. Gleichzeitig versuche ich immer, eine Komposition zu schaffen und mit Landschaften, Bergen oder Seen eine Geschichte zu erzählen. Meine Fotos

Tyrolia Verlag, 200 Seiten, EUR 45,–Mit diesem Bildband eröffnen sich im Wortsinn neue Galaxien am heimischen Himmel. Mithilfe unglaublicher Aufnahmen nimmt Norbert Span mit auf eine Reise durch die Nacht zu Sternbildern wie Drache, Giraffe und Bärenhüter, hinein in fremde Welten und entlang bekannter Bergsilhouetten wie Hohe Munde, Olperer oder den Drei Zinnen. Zugleich beantwortet der Autor die entscheidenden Fragen: Wann leuchtet der erste Stern nach Sonnenuntergang? Was braucht es, um ein Sternenbild zu fotografieren? Und wie viele Sternlein stehen wirklich am Himmel?
Tipp: Wer sich selbst an nächtlicher Fotografie versuchen möchte: Norbert Span arbeitet aktuell an einer Anleitung zum Nightscape in Buchform. „Eine Anleitung zum Staunen“, wie er sagt. Bis dahin seine Empfehlung: „Der größte Tipp ist: hinausgehen, sehen lernen und ein Gefühl für die Schönheit der Nacht entwickeln.“
sollen vor allem zeigen, wie Landschaft bei Nacht aussehen kann, und eine Einladung sein, selbst nach draußen zu gehen. Es ist schwer zu sagen, ob das Kunst ist. Im Grunde ist es aber egal, wie man es benennt, solange die Bilder beim Betrachter etwas auslösen.
Passiert es, dass du ohne Foto vom Berg zurückkehrst? Und wenn ja, grämt dich das? Das passiert durchaus, doch es ist vor allem das Erlebnis, das für mich zählt. Ich müsste allerdings lügen, wenn ich sage, es wäre mir völlig egal. Es ist doch einiges an Aufwand damit verbunden. Man muss ja das gesamte Equipment auf den Berg und wieder herunter tragen, es braucht Planung und Vorbereitung und dann wurmt es einen schon, wenn man quasi ohne Beute nach Hause kommt. Auf der anderen Seite motiviert es fürs nächste Mal.
Was sollten Menschen unbedingt über den Sternenhimmel wissen? Wissen muss man eigentlich gar nichts. Viel wichtiger ist, dass man überhaupt hinschaut. Ich habe viele Sternenführungen gemacht und dabei gemerkt, dass die meisten Menschen den Himmel kaum mehr sehen. Einmal hat ein 40-jähriger gestandener Mann bei einer Führung angefangen zu weinen, weil er die Milchstraße zum ersten Mal bewusst erlebt hat. Wir leben hier in Tirol, haben den Himmel direkt vor der Haustür … und nehmen ihn nicht mehr wahr.
Dein wichtigster Rat an Menschen, die den Himmel wiederentdecken möchten? Ganz einfach: hinausgehen und lernen, die Nacht zu sehen. Weg vom Licht, eine halbe Stunde stehen bleiben und den Himmel beobachten. Und neugierig bleiben. Ich bin jetzt 59 Jahre alt und die Freude, etwas Neues zu entdecken, ist immer noch da. Diese kindliche Neugierde sollten wir uns unbedingt bewahren. Wenn man diese Neugierde verliert, was bleibt dann noch?
Marina_Bernardi

Hütte, Berge, See, Sternschnuppeda bleiben eigentlich gar keine Wünsche mehr offen: Die Zupalseehütte in Osttirol bei Mondlicht. (Olympus EM 1 Mark 3, 25.09.2023, 12 mm, f/2.8, 20 Sek., ISO 3200)
Already at the age of 14, Norbert Span loved gazing at the stars. Today, he takes photos of them. A conversation about darkness, 400 nights spent on the mountain, and why we should look up at the sky more often.

For Tyrolean astrophotographer Norbert Span, the fascination with the night sky began in childhood. One evening, while collecting milk with his best friend in his hometown of Steinach, he lay down in the grass and looked up at a sky full of stars. The experience left such a deep impression on him that it sparked a lifelong passion for astronomy.
Today, Span spends countless nights in the mountains photographing the stars. What continues to inspire him is the same feeling he experienced as a child: standing beneath the vast night sky creates a sense of wonder and humility. Although his scientific knowledge has grown over the years, he believes that the simple
English Summary
act of looking up remains just as powerful. Tyrol still offers some of the best places to experience a truly dark sky. According to Span, the side valleys of the Wipptal and higher mountain regions reveal a completely different view of the heavens. At elevations above 2,000 metres, and especially around 3,000 metres, the Milky Way becomes strikingly visible. In such moments, he says, it is easy to understand why previous generations filled the sky with stories, hopes and dreams. Nighttime also transforms the mountains themselves. After nearly 400 nights spent in alpine environments, Span describes the experience as both peaceful and deeply personal. Away from daily routines and distractions, the mountains offer a rare opportunity for reflection and a stronger connection with nature.
Many unforgettable moments have stayed with him over the years: witnessing a total lunar eclipse alone on a mountaintop, watching meteor showers over the Dolomites, or seeing Saturn’s rings through a telescope for the first time. Such experiences remind him how extraordinary the universe can be. Through his photography, Span aims to combine documentation with storytelling. His images are intended not only to capture the beauty of the night sky but also to encourage others to explore it themselves. Whether his work is considered art or documentation is less important than the emotions it inspires.
His message is simple: people do not need expert knowledge to appreciate the stars. They only need to step outside, move away from artificial light and take the time to observe. In a world full of distractions, the night sky remains one of Tyrol’s most remarkable natural treasures—waiting just above our heads.
In wenigen Minuten vom Stadtbummel zum Gipfelglück, von Kultur zur Natur, vom Ausflug ins Abenteuer. Die Wildnis spüren am Hafelekar, relaxen auf Innsbrucks höchster Sonnenterrasse und ein Besuch im Alpenzoo machen den Tag in Innsbruck perfekt.
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Staunende Augen. Begeisterte Blicke. Und jede Menge Wissenswertes über die heimische Tierwelt. Inmitten der beeindruckenden Bergkulissen von Serfaus-Fiss-Ladis können kleine wie große Wanderfreunde beim ersten interaktiven Wildtierweg auf rund 2.000 Metern Seehöhe die alpine Flora und Fauna auf überraschend reale Weise erleben.

Bergerlebnis für die ganze Familie:
Neue Technologien bringen eine lebensechte Tierwelt in die beeindruckenden Bergkulissen von Serfaus-Fiss-Ladis.
Wandern macht Spaß. Insbesondere dann, wenn es dabei viel zu entdecken gibt. Allein schon die spektakulären Bergkulissen in Serfaus-Fiss-Ladis sind ein Erlebnis für sich. Umso spannender wird’s für die ganze Familie, wenn man dabei noch Hase, Fuchs, Hirsch oder Steinbock begegnet. Nicht ganz in echt zugegeben, dank Augmented Reality aber so gut wie. „Wildtiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten ist eine absolute Seltenheit, da diese scheu sind und Menschen meiden. Zudem sind sie meist in der Morgen- oder Abenddämmerung aktiv und somit dann zugegen, wenn die Bergbahnen in der Regel außer Betrieb sind“, weiß Richard Hochenegger vom Tourismusverband Serfaus-Fiss-Ladis und zuständig für den Wildtierweg. „Daher war es unser Ansinnen, die Tiere sichtund erlebbar zu machen, ohne sie zu stören und somit Rücksicht auf die sensible Tierwelt zu nehmen.“ Mit dem Plan im Kopf, ein leicht zugängliches und innovatives Erlebnis für Familien zu schaffen, das vollkommen neue Perspektiven eröffnet, kam schließlich die Idee einer App-Lösung ins Spiel und setzt damit neue Maßstäbe in der Verbindung von Natur und Technologie.
Seit Spätsommer 2024 begeistert dieser innovative und im Alpenraum bislang einzigartige Augmented-Reality-Themenwanderweg kleine wie große Wanderfreunde und gibt den Usern auch noch jede Menge Wissenswertes über die alpine Flora und Fauna mit auf den Weg. Alles, was man dazu braucht: ein Smartphone und die Serfaus-Fiss-Ladis App. Die darin integ-


„ES WAR UNSER ANSINNEN, DIE TIERE SICHT- UND ERLEBBAR ZU MACHEN, OHNE SIE ZU STÖREN, UND SOMIT RÜCKSICHT AUF DIE TIERWELT ZU NEHMEN.“
Richard Hochenegger
rierte Augmented-Reality-Technologie macht es möglich, dass die Tiere nicht auf irgendwelchen Bildschirmen erscheinen, sondern direkt in der realen Bergwelt. Dabei macht das Handy ein Live-Bild von der Landschaft, die Technik projiziert die bewegten Tiere dazu. Lebensecht, als eine neue Form des Naturerlebens. Still, spielerisch und voller Überraschungen.
Alpine Tierwelt hautnah erleben.
Von der Mittelstation Schönjochbahn führt die spannende Reise in die alpine Tierwelt über den Fisser Kraftund Sinnesweg bis zur Frommes Alp. Dort kann man bei einer gemütlichen Einkehr auch echte Tiere erleben, beheimatet die Frommes Alp doch ein Hirschgehege und eine Greifvogel-Auffangstation. Bis dorthin gibt es an insgesamt acht Stationen mit Fernrohren

Der innovative und im Alpenraum bislang einzigartige Augmented-Reality-Themenwanderweg begeistert kleine wie große Wanderfreunde.

und spannenden Quizfragen allerhand zu entdecken. Ohne große Hexerei. Einfach mit der Serfaus-Fiss-Ladis App den QR-Code scannen, das Smartphone in die vorgesehene Halterung der Fernrohre legen und schon hoppeln virtuelle Wildhasen über die Wiese, schwebt ein Adler über den Baumwipfeln, stolziert ein Hirsch aus dem Wald oder pirscht sich ein Fuchs im Unterholz heran. „Die digitale Tierwelt fügt sich stimmig in die echte Landschaft ein. Sie eröffnet neue Perspektiven, ohne das Echte und Reale zu verdrängen“, erklärt Hochenegger. So bleibt der Blick frei für das, was wirklich zählt: Gemeinsame Momente, staunende Augen und das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben. Diese neue Form des Naturerlebens begeistert besonders Familien, weil so das Wandern zu einem beeindruckenden Highlight wird.
Für schlaue Füchse gibt es zum Abschluss ein „Wildtierhüterinnen-Diplom“, allerdings nur, wenn man die insgesamt acht Stationen mit Fernrohren besucht und die dazugehörigen Quizfragen beantwortet hat. An jeder Station gibt es außerdem Kletter- und Spielmöglichkeiten, gemütliche Schaukeln und liebevoll gestaltete Sitzplätze zum Verweilen und In-die-FerneSchauen. Ein Wandererlebnis für die ganze Familie eben. So leicht, dass es kleine Kinder schaffen, so abwechslungsreich, dass auch Teenager jede Menge Spaß finden, und so viel beeindruckendes Bergpanorama, dass sich Eltern kaum sattsehen können.
Doris_Helweg


Die kühle Gischt des Gletscherbaches spüren und die saubere Bergluft einatmen. Tagsüber Sonne tanken und nachts unterm Sternenhimmel träumen. Die Freiheit unberührter Natur genießen, rundum verwöhnt und begleitet von heimischen Gastgeberfamilien. Erlebe dein Abenteuer in Osttirol nach unseren Grundsätzen:
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In der Regel sind Legenden bereits verstorben. Der Karwendelmarsch indes ist quietschlebendig, seit er 2009 ein zweites Mal aus der Taufe gehoben wurde. Wir haben 2025 den Läufer Ludwig Kreidl aus Bayern begleitet, der heuer zum 20. Mal an den Start gehen will.
„MANCHMAL
DURCHGELAUFEN UND ES WAR ALLES GANZ NORMAL.“
Ludwig Kreidl
Es ist ein frischer und regnerischer Morgen an diesem letzten Augustwochenende 2025 in Scharnitz. Doch das tut der Stimmung unter den 2.500 Starterinnen und Startern zum Karwendelmarsch keinen Abbruch. Man holt die Startnummer, wärmt sich auf, trifft alte Bekannte, wechselt ein paar Worte und die Spannung steigt. Die riesige Gruppe, die sich auf dem Parkplatz vor dem Naturparkhaus eingefunden hat, wird in farbiges Licht getaucht. Mittendrin, und das schon zum 19. Mal, ist mit Startnummer 430 Ludwig Kreidl. Er ist mit seinen 70 Jahren, die man ihm keine Sekunde ansieht, der älteste Läufer, der an den Start geht. Das Prozedere kennt er in- und auswendig. Mit seinen Freunden vom Sportverein RSLC Holzkirchen ist er bereits seit drei Uhr morgens auf den Beinen, hat schon knappe zwei Stunden Anreise aus seinem Heimatort in Fischbachau in Bayern hinter sich. Doch seine Routine mindert den Reiz des Marsches keineswegs, im Gegenteil: Er fiebert diesem Tag jedes Mal aufs Neue entgegen.
Um sechs Uhr fällt der lang erwartete Startschuss. Und was für einer. Es ist ein Kanonendonner und eines der kleinen Details, das Ludwig Kreidl so gut gefällt: „Ich finde das total gut. Da kommt einer von den Schützen in voller Montur.“ Und dann setzt sich der riesige Pulk in Bewegung. Die Besten laufen vorneweg, dahinter dauert es eine Weile, ehe sich das Starterfeld auseinanderzieht. Vorne die Läufer, dahinter die Marschierer. Dort hatte einst auch
Der Karwendelmarsch
Ursprünglich ins Leben gerufen, um finanzielle Mittel für den Tiroler Skinachwuchs zu lukrieren, avancierte der Marsch von 1969 bis 1990 zur größten Sportveranstaltung Tirols. Mit dem Grundsatz, Teilnehmern einmalige Sporterlebnisse unter größtmöglicher Schonung natürlicher Ressourcen zu bieten, wurde der Karwendelmarsch von Achensee Tourismus und der Region Seefeld – Tirols Hochplateau 2009 neu aufgelegt. Der legendäre Wander- und Berglaufevent setzt seinen Nachhaltigkeitsgedanken fort: Seit 2023 kommt ein Teil des Startgeldes dem Projekt „Naturschutz & Almpflege“ entlang der Laufstrecke und somit direkt dem Naturpark Karwendel zugute. Der Karwendelmarsch 2026 findet am 29. August statt. Er ist zwar längst ausverkauft, doch auch Zusehen lohnt sich. www.karwendelmarsch.info
Ludwig begonnen, der am „alten Karwendelmarsch“ – den gab es bis 1990 –drei Mal teilgenommen hat. Zuerst mit drei „Spezln“ in der Wanderklasse. Dabei musste man an bestimmten Punkten eine Karte abstempeln lassen, bei Regen war der Zettel rasch durchnässt und das Stempeln wurde zur Herausforderung. „Wir haben uns bald einmal bei den Läufern angemeldet. Da muss man nicht stempeln, sondern dort wird die Zeit gemessen“, sagt Ludwig. Nach dreimaligem Antreten war 1987 vorerst Pause. Zuerst bei Ludwig Kreidl aus beruflichen Gründen, dann gab es keinen Karwendelmarsch mehr.
Der Neubeginn.
Bis zu einem Samstagmorgen, es muss wohl Ende 2008 oder Anfang 2009 gewesen sein, erinnert sich Ludwig: „Da habe ich in der Zeitung gelesen ‚Der Karwendelmarsch lebt wieder auf‘ und ich hab‘ sofort gewusst: Da bin ich wieder dabei.“ Inzwischen war er auch Mitglied beim erwähnten Sportclub in Holzkirchen geworden. Bei der Neuauflage ging er zuerst neuerlich mit seinen drei Freunden an den Start, schließlich überredete er noch ein paar Vereinsmitglieder, ebenfalls teilzunehmen. Seither wird der legendäre Marsch stets von einer größeren Gruppe bestritten.
Dabei spielt auch Ludwigs Frau eine wesentliche Rolle. Da die Startplätze regelmäßig innerhalb kürzester Zeit nach Öffnung des Anmeldeportals vergeben sind, lauert sie an besagtem Tag rechtzeitig am Computer mit den
Daten ihres Mannes und denen seiner Kollegen. „Das wäre eine Katastrophe, wenn ich da nicht reinkomme“, sagt er. Bislang haben alle stets ihren Platz bekommen. Ist der gesichert, geht es ans Training für den großen Tag. Anfangs habe man in der kalten Jahreszeit noch recht wenig gemacht, inzwischen absolviert man auch eine Winterlaufserie. Zu den Vorbereitungen der Gruppe gehört außerdem die Teilnahme an Halbmarathons und Gebirgsläufen vom Mondsee bis zum Koasamarsch im Wilden Kaiser: „Der ist zwar nur 33 Kilometer lang, aber richtig steil. Schon sehr massiv.“ Zweimal kommen die Holzkirchner Läuferinnen und Läufer vor dem Rennen zudem an den Ort des Geschehens, erzählt der Routinier: „Einmal laufen wir von Scharnitz bis zur Eng und ein zweites Mal, 14 Tage vor dem Termin, von der Eng zur Lamsenjochhütte, dann wieder zurück und weiter auf der Originalstrecke zur Gramai und nach Pertisau. Und danach gibt’s einen Sprung in den Achensee.“ Seine Frau ist zwar selbst keine Läuferin, nützt diese Trainingstage im Karwendel jedoch meist für Bergwanderungen. „Das ergänzt sich gut“, findet Ludwig.
Zurück auf die Strecke am letzten Augustwochenende 2025. Bis zum Schafstallboden geht es verhältnismäßig flach dahin. In der Phase muss man vorsichtig sein, nicht zu schnell losstarten, sonst geht einem am Ende die Puste aus, weiß Ludwig Kreidl: „Rauf zum Karwendelhaus kann man dann schon ungefähr einschätzen, wie man an dem Tag beisammen ist.“ Aufgrund seiner vielen absolvierten Läufe weiß er genau, wie er zeitlich liegen muss: „Wenn ich um 8.10 Uhr nicht am Karwendelhaus war, dann hat die Zeit nicht gepasst. Da habe ich auf ungefähr zehn Minuten abschätzen können, wann ich im Ziel ankomme.“ Inzwischen hat sich das altersbedingt freilich etwas verschoben. 2025 passiert Kreidl allerdings ein Missgeschick, er stolpert, stürzt, blutet am Knie und an der Hand. Doch er schüttelt das Blut


DER KARWENDELMARSCH IST KEIN SPAZIERGANG. NICHT NUR IN BEZUG AUF DAS WETTER IST ALLES MÖGLICH.
vorerst im wahrsten Sinn des Wortes ab. Erst später lässt er sich bei einem der Sanitätsposten, die an der Strecke verteilt sind, verbinden: „Das hat mich natürlich Zeit gekostet.“
An schönen Wettkampftagen ist einer von Ludwig Kreidls Lieblingsmomenten der, wenn ungefähr beim Karwendelhaus oder kurz danach die Sonne im gewaltigen Bergmassiv aufgeht. Letztes Jahr bleibt dieser herrliche Augenblick aus, es dominieren die Wolken und die sonst so beeindruckende Kulisse hält sich verborgen. Überhaupt hat der bayerische Läufer auf der Strecke schon jede Witterung erlebt: Regen, brütende Hitze, Wintereinbruch. Einmal, so erinnert er sich, sei die Strecke ab der Eng wegen des einsetzenden massiven Schneefalls gesperrt worden. Da hatten er und viele der Läufer den Punkt bereits passiert:
„MEIN PLAN WÄRE, NACH 2026 NOCH DREI LÄUFE
ZU ABSOLVIEREN, DAMIT ICH 20 MAL DEN NEUEN KARWENDELMARSCH ABSOLVIERT HABE.“
Ludwig Kreidl
„Das war dann abenteuerlich, in dem Schnee und Matsch.“ So sei es nun einmal beim Karwendelmarsch: „Das ist kein Spaziergang.“ Generell habe jeder Marsch seine Phasen, erzählt Ludwig: „Tagsüber überholt man einen, dann überholt der dich wieder. Das geht oft so hin und her.“ Bis zur Eng gehe es meistens recht gut: „Bis dorthin sind es 35 Kilometer. Ab da wird es dann zäh, auf die Binsalm und den Gramai-Hochleger.“
Die letzten Reserven mobilisieren.
Schließlich kommt das große Finale der 52-Kilometer-Strecke: Von der Gramai die letzten acht, neun Kilometer über Falzturn bis ins Ziel. Da gilt es, noch einmal die letzten Reserven
Streckenlänge:
Für Läufer*innen: ca. 52 km
Für Geher*innen ca. 35 km (Ziel Eng)
Höhenmeter bergauf: ca. 2.281 m ca. 1.500 m (Ziel Eng)
Höhe Start Scharnitz: 967 m
Höchster Punkt Binssattel/ Gramaisattel: 1.903 m
Höhe Ziel Pertisau: 932 m
Tiefster Punkt: 932 m

zu mobilisieren. Entweder, um überhaupt durchzukommen, oder um die Zeit noch zu verbessern. Der Karwendelmarsch-Spezialist hat dafür seine eigene Methode: „Ich suche mir dann jemanden, der gerade nur ein bisschen schneller ist als ich. Den nehme ich mir als Pacemaker und laufe hinterher.“ So kann er auf den letzten Kilometern noch einmal ein bisschen was herausholen.
Im Ziel in Pertisau hat die Qual ein Ende. Das Ankommen dort ist nicht immer gleich. Einmal sei er mit einem Mädchen mitgelaufen, dessen Vater ihr mit dem Rad in die Gramai entgegengekommen sei. Der habe sie so richtig gepusht und immer wieder ermahnt: „Ihr müsst unter sieben Stunden bleiben. Da war ich danach komplett fertig, hab mich nur mehr ins Gras gelegt“, erzählt Ludwig. Bei anderen Läufen sei er „ganz normal“ durchs Ziel gelaufen, als sei fast nichts gewesen. 2025 ist es ein Mittelweg. Ludwig Kreidl ist zwar müde, aber nicht völlig k.o. Nach einer kurzen Erholungsphase lässt er sich stolz die Medaille umhängen. Die kommt daheim zu den anderen in die Vitrine.
Und wie geht es nach dem 20. Lauf weiter? „Mein Plan wäre, nach 2026 noch drei Läufe zu absolvieren, damit ich 20 Mal den neuen Karwendelmarsch absolviert habe. Und unter acht Stunden zu bleiben, mehr ist altersbedingt nicht mehr möglich. Wenn ich hoffentlich gesund bleibe.“
Uwe_Schwinghammer

Wo Tirol auf Qualität
baut: Pflaster vom regionalen Fachbetrieb.
The Karwendel March is one of Tyrol’s largest sporting events. This year, Ludwig Kreidl from Bavaria is aiming to take part for the 20th time.

Originally launched in 1969 to raise funds for young Tyrolean skiers, the Karwendel March grew to become the region’s leading sporting event by 1990. After a long break, it was revived in 2009 by Achensee Tourism and the Seefeld region. To this day, the event combines sporting challenge with an experience of nature. Covering around 52 kilometres, the legendary hiking and mountain running event leads from Scharnitz to Pertisau –attracting thousands of participants each year.
One of them is Ludwig Kreidl from Fischbachau in Bavaria. The 70-year-old lined up at the start for the 19th time in 2025 and knows the Karwendel March better than almost anyone. His connection with the event dates back to the “original” Karwendel March before 1990, when he first took part in the hiking category alongside three friends. Later, he switched to running. After taking part three times, both he and the event itself took a long break. When Kreidl read in the newspaper at the end of 2008 that the Karwendel March was being revived, he immediately knew he would return. Since
then, he has taken part regularly – now usually together with a larger group from his sports club in Holzkirchen.
On the course, the seasoned participant relies mainly on experience and good timing. The first kilometres to Schafstallboden are still relatively flat, but the climb to the Karwendelhaus is where the day really begins to take shape. This is where Kreidl traditionally checks his split time. Up to the Eng, after around 35 kilometres, things usually go smoothly, but the climbs to the Binsalm and the Gramai Hochleger afterwards become increasingly demanding. In 2025, he also had bad luck: Kreidl tripped, fell and injured his knee and hand. Nevertheless, he pushed on. In the final kilometres towards Pertisau, he summons his remaining strength – with a simple strategy: find a slightly faster runner and keep up.
Kreidl already has his next goal firmly in sight: to take part for the 20th time in the new Karwendel March and, if possible, to cross the finish line in under eight hours once again.
–19.07.2026




TIWAG ARENA
Erlebe den FIFA World Cup 2026™ live beim Public Viewing in der TIWAG ARENA. Es werden alle Abendspiele der Weltmeisterschaft auf vier HD LED-Walls übertragen – mit echter StadionAtmosphäre und vielen Fans mitten im Geschehen. Jeder Spieltag wird zum gemeinsamen Erlebnis voller Emotionen, Spannung und unvergesslicher Momente. Der Eintritt ist frei.


11.09.2026
FREIGELÄNDE OLYMPIAWORLD
Täglich von 14–23 Uhr geöffnet. Neben zahlreichen Imbissbuden & köstlichen Kirmes-Klassikern gibt es spektakuläre Fahrgeschäfte wie z. B. das No Limit XXL, das Autodrom, das nervenstrapazierende Black Out, den Autoscooter, die Schießbude u. v. m.
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VORSCHAU AUF DIE NÄCHSTEN EVENTS
16. Juni 2026
Zucchero World Tour
26. – 28. Juni 2026
Kongress der Zeugen Jehovas
15. August 2026
Haiefest
28. – 30. August 2026
Innsbruck Festival – Family & Friends
05. September 2026
Intensity Open Air Festival
02. Oktober 2026
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13. – 17. Oktober 2026
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23. – 25. Oktober 2026
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31. Okt. – 01. Nov. 2026
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Die Farben des Lebens
15. November 2026
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21. November 2026
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27. – 29. November 2026
Erotikmesse

Meterlange Eiszapfen, funkelnde Eiskristalle, gefrorene Wasserfälle und ein Gletschersee entführen Besucher und Besucherinnen 35 Meter unter den Skipisten in eine unterirdische Eiswelt mit großräumigen Hohlräumen und verwinkelten Gängen. In den imposanten und weltweit einzigartigen natürlichen Eishöhlen herrscht konstant eine Temperatur von null Grad Celsius.

Bizarre Eisformationen. Kristallklare Eiszapfen und ein unteririscher Gletschersee. Tief unter den Skipisten des Hintertuxer Gletschers eröffnet sich ein weltweit einzigartiges Naturphänomen: der Natureispalast.
Fotos: Tom Bause
Atemberaubende Eindrücke im tiefen Eis: Der Natureispalast im Hintertuxer Gletscher ist ein weltweit einzigartiges Naturjuwel und ein ideales, ganzjähriges sowie wetterunabhängiges Ausflugsziel für große und kleine Abenteurer und Abenteurerinnen.
Es war ein Zufallsfund des Zillertaler Bergführers Roman Erler, der heute Besucher und Forscher aus aller Welt auf den Hintertuxer Gletscher lockt. 2007 entdeckte er bei einer seiner Führungen einen senkrechten Riss im Eis. Ein Phänomen, das der hobbymäßige Höhlenforscher genauer unter die Lupe nehmen wollte und just auch tat. Was sich ihm nach der Öffnung des Spalts im Inneren des Eises darbot, verblüffte sogar den an sich Höhlenkundigen. Unglaubliche Hohlräume und bizarre Eisformationen, die unter dem Druck der Scheelast einzigartige Gestalten annehmen. Riesige klare Eiszapfen, die sich durch Schmelzwasser immer wieder neu formieren. Nach und nach arbeitete er sich vor, drang immer tiefer in die unterirdischen Eiswelten ein. Und kam schließlich auf die Idee, diese imposanten Eindrücke auch anderen Menschen zugänglich zu machen. Allen voran den Kunden seines Unternehmens, das seit bald zwanzig Jahren spannende Firmen- und Teambuilding-Events veranstaltet. Seine Entdeckung war jedoch so bahnbrechend, dass wenige Jahre nach der ersten Erschließung der eisigen Attraktion dank einer Aussendung der internationalen Nachrichtenagentur Reuters das Interesse am Natureispalast förmlich explodierte. Jahr für Jahr hat der ambitionierte Hobbyforscher weitere Gänge von Hand herausgehauen, immer mit Bedacht auf die Natur und darauf, die Eisschätze in ihrer natürlichen Erscheinungsform zu erhalten. 2012 wurde schließlich ein unterirdischer Eissee erschlossen, auf dem Besucher eine Bootsfahrt in den Tiefen des Eises genießen oder besonders Mutige sich aufs Stand-upPaddle wagen können. Sechshundert Meter Wege hat er bis heute geschaf-

Nach starken Schneefällen sind Stunden an Arbeit erforderlich, um den Eingang des Natureispalastes zu finden und wieder freizulegen.
Touren finden täglich und stündlich zwischen 10:30 Uhr und 14:30 Uhr statt. Dauer: ca. 70 Minuten Eintrittspreise: Kinder ab einem Mindestalter von 6 Jahren: EUR 15,–Erwachsene: 39,–Extras: Stand-up-Paddling, Eisschwimmen, Kajak-Session, Foto-Session, Couple/Family Adventure Tour
Gutes Schuhwerk und angepasste Kleidung sind Voraussetzung!
Hintertux 794
6293 Tux
Tel.: +43 676 3070000 info@natursport.at www.natureispalast.info
fen und zwei Kilometer Kabel für die Ausleuchtung verlegt. Tausende Stunden verbrachte er in den eisigen Tiefen und wagte sich immer weiter vor. Mit einem Forschungsschacht ist er sogar bis an die Sohle des Gletschers vorgedrungen. „Das ist übrigens der tiefste von Menschenhand geschaffene Schacht in einem Gletscher weltweit“, betont Erler. Auf Grund der Tatsache, dass das Gletschereis am Felsen festgefroren ist, findet im Gegensatz zu anderen Gletschergebieten keine Gletscherbewegung statt. Deshalb können die Höhlen überhaupt zugänglich gemacht werden.
Sensationen im tiefen Eis.
Die imposanten und spektakulären Gletscherhöhlen locken nicht nur bis zu 50.000 Besucher jährlich an, sondern sind auch Schauplatz von Sensationen und Weltrekorden. So schwamm der polnische Iceman Krzysztof Gajewski die höchste Eismeile im kältesten Süßwasser oder tauchte der niederösterreichische Apnoetaucher auf 3.200 Metern Seehöhe ohne Pressluftflasche dreiundzwanzig Meter tief in einen Eisschacht im Gletscher – ein Weltrekord. Zahlreiche Drehs für Dokumentationen und Werbespots, beispielsweise für Red Bull, finden im Natureispalast eine Kulisse, die auf der ganzen Welt einzigartig ist. Einzigartig insbesondere deswegen, weil hier kein künstlicher Eispalast geschaffen wurde, sondern das natürlich gewachsene Eis in seiner Ursprünglichkeit bestaunt werden kann.
Ja, es gehört wohl eine große Portion Leidenschaft dazu, tagtäglich im dunklen Eis mit harter Handarbeit die Gletscherhöhlen zu erhalten und zu

Mit viel Herzblut und tausenden Stunden Handarbeit hat Roman Erler die beeindruckenden unterirdischen Eiswelten für Besucher zugänglich gemacht. Mit entsprechender Kleidung und passendem Schuhwerk kann man den mehrstöckigen Natureispalast in einer siebzigminütigen Tour erkunden.

Der Entdecker der Natureisschätze und Betreiber des Natureispalastes Roman Erler führt gemeinsam mit seiner Tochter Anna Besucher durch den Natureispalast.
erweitern. Eine Leidenschaft, die die gesamte Familie Erler mitsamt ihrem engagierten Team teilt. Denn Achtsamkeit und Wertschätzung zählen zu den absoluten Grundwerten von Marlies und Roman Erler sowie ihren drei Töchtern, die sich neben ihren Studien ebenfalls schon tatkräftig im Unternehmen einbringen. Diese Wertschätzung vermitteln sie auch in ihren Firmen- und Teamtrainings. Nicht nur in den spektakulären Eishöhlen, sondern auch unter freiem Himmel bietet das Familienunternehmen exklusive Komplettpakete für Teams, die gemeinsam etwas Besonderes erleben wollen. Auch spezielle Anlässe wie Fotoshootings, Heiratsanträge, Vereinsausflüge oder Geburtstage werden im Natureispalast zu einem unvergesslichen Erlebnis.
„Die Natur gibt jeden Tag aufs Neue beeindruckende Überraschungen frei. Wir freuen uns, wenn Menschen wieder zusammenfinden und aus dem Staunen nicht mehr rauskommen“, liegt
„DIE NATUR GIBT JEDEN TAG AUFS NEUE
BEEINDRUCKENDE ÜBERRASCHUNGEN FREI.“
Roman Erler
es Marlies und Roman Erler am Herzen, nicht nur unsere Natur, sondern auch unsere Mitmenschen wieder mehr wertzuschätzen und mit Achtsamkeit zu begegnen. Die spannende Entdeckungsreise und das Thema Wertschätzung hat Marlies Erler übrigens in ihrem Buch „Natureispalast“ festgehalten.
Ein Besuch im Eispalast wird jedenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dank der unerbittlichen Arbeit des Entdeckers sind die Eiswelten mittlerweile mit gutem, bergtauglichem Schuhwerk und adäquater Kleidung zu bestaunen. Die Temperatur liegt unabhängig von der Jahreszeit bei konstanten null Grad Celsius. Je nach gebuchter Tour dauert ein Rundgang etwa siebzig Minuten. Und weil die imposanten Eindrücke schwer in Worte zu fassen sind, lassen wir beeindruckende Bilder für sich sprechen oder Sie lassen sich einfach bei einem Besuch im Natureispalast persönlich von den atemberaubenden Eiswelten verzaubern.
Doris_Helweg

Inmitten der imposanten Eiswelten offenbart sich ein kristallklarer Gletschersee, den man mit dem Boot oder einem Stand-upPaddle erkunden kann.

Coolcation: fünf Tipps, um den Sommer neu zu entdecken. Unsere To-dos für kühlende Ta-daas!
Sich eiskalt überwinden
Eisbaden ist definitiv nichts für schwache Nerven und wird eher im Winter praktiziert. In Tirol sind wir allerdings in der glücklichen Lage – und das im wahrsten Sinne –, dass das auch im Sommer funktioniert, wenn man nur weit genug hinaufsteigt. Viele Bergseen bewegen sich auch im Hochsommer noch im wirklich frischen Temperaturbereich, wenn auch nicht mehr ganz so winter-eisig. Berge sehen und Bergseen als geniale Kombi. Im Sommer ist Eisbaden zudem weniger ein Kälteschock als ein bewusster Reset: Hitze raus, Kopf klar, einmal komplett runterkühlen. Ein richtig tolles Erlebnis ist das Eisbaden am Kaunertaler Gletscher. Die Mischung aus Adrenalin und Ruhe, die man beim Eintauchen in die Kälte des Weißsees spürt, ist einzigartig. Allein darf man nicht hinein, dafür gibt’s Termine mit professioneller Begleitung.
Wilde Wasser erleben
Quer durchs ganze Land verteilen sich zahlreiche spektakuläre Wasserfälle, Schluchten und Klammen, die im Sommer ganz wunderbar erfrischen und sich
in der Regel auch mit schönen Wanderungen kombinieren lassen, weil man typischerweise durch sie hindurch muss. Die Wolfsklamm bei Stans in der Silberregion Karwendel ist dabei unsere absolute Empfehlung. Das wildromantische Felsengebirge mit seinen tosenden Wasserfällen, dem smaragdgrünen Wasser und faszinierenden Panorama ist ein einziges gewaltiges Naturschauspiel und die markanteste, öffentlich begehbare Schlucht im gesamten Karwendel. Hinauf geht’s über 354 Stufen, Brücken und Steiganlagen führen direkt über die Wasserbecken. Oberhalb der Klamm befindet sich das Felsenkloster St. Georgenberg. Über einen breiten Weg geht es hinter der Klamm hinauf.
In der Höhe gehen
Ob auf hohe Berge oder durch einsame Täler: Wer in Tirol wandert, kann um die halbe Welt laufen, bei über 2.000 Almen einkehren oder auf 574 Dreitausender steigen. Man muss übrigens nicht unbedingt hoch hinaus, um in der Höhe anzukommen. Klingt komisch, ist
in der Region Seefeld aber möglich. Tirols Hochplateau liegt bereits auf 1.200 Metern Seehöhe, somit ist man quasi mitten in den Bergen unterwegs, auch wenn es geradeaus geht. Wir sind hier oben echt gerne im Gaistal in Leutasch unterwegs. Seinen Beinamen „Almenparadies“ trägt das Tal nicht von ungefähr, denn die Wandervielfalt ist riesig. Für alle Könner- und Mögerstufen ist etwas dabei (wer mag, erklimmt tatsächlich noch einen Gipfel) und manchmal liegen die Hütten so nah, dass man auch spontan noch ein Stückchen weitergehen kann. Oder fahren. Denn das Gaistal kann man auf viele Arten auch auf dem Rad erkunden.
Die Aussicht genießen
Je höher man steigt, desto kühler wird’s. Wer sich den Weg hinauf nicht gern erwandert, der nutzt eine der 26 Sommer-Bergbahnen des Landes, die einen schnell und bequem in die Berge bringen. Und meist hat man von dort oben einen herrlichen Weitblick. An manchen Stellen gibt es dafür zusätzliche Aussichtsplattformen, die sich das fantastische Panorama zunutze machen. Unser Tipp: die Gipfelplattform „Top of Tyrol“ auf 3.210 Metern am Stubaier Gletscher. Die liefert einen 360-Grad-Rundblick auf mehr als 100 Dreitausender in Österreich, Italien und der Schweiz, die moderne, freischwebende Architektur verbindet alpine Extreme mit beeindruckender Ingenieurskunst. Erreichbar ist die Plattform mit der 3S Eisgratbahn.
Seen sehen
In Tirol gibt es rund 600 Seen, Weiher und Teiche. Die Wasserqualität der meisten Badeseen ist dabei vergleichbar mit jener von Trinkwasser, die Temperaturen schwanken hingegen von erfrischend-kühl bis ausgesprochen warm. Uns findet man sommers des Öfteren am erfrischenden Hintersteiner See in Scheffau, am liebsten nach einer Wanderung im Kaisergebirge. Auch einige Radtouren kommen hier vorbei. Der glasklare See liegt inmitten des Naturschutzgebietes Wilder Kaiser auf 883 Metern, gespeist wird er mit gebirgsfrischem Wasser von unterirdischen Quellen. Im Sommer hat er im Schnitt zwischen 20 und 22 Grad. Das Südufer verläuft durch den Wald, am Nordufer gibt’s ein Strandbad mit großer Liegewiese, Kiosk und Sonnenliegen-Verleih. Wer mag, kann sich auch ein Stand-up-Paddle ausleihen.





Wer auf der Suche nach einem besonderen Ausflugsziel für die ganze Familie ist, findet in den Swarovski Kristallwelten in Wattens eine außergewöhnliche Kombination aus Kunst, Kultur und Erlebnis.
erade in den Sommermonaten entfaltet die Erlebnisdestination ihren ganz besonderen Reiz: Zwischen funkelnden Installationen, dem weitläufigen Park und überraschenden Attraktionen wird ein Besuch in den Swarovski Kistallwelten schnell zu einem unvergesslichen Erlebnis.
G
Raum für Abenteuer und Erholung.
Der großzügige Park lädt dazu ein, die Natur zu genießen und gleichzeitig aktiv zu werden. Kinder können sich auf dem Wasserspielplatz erfrischen, ihre Ge-
schicklichkeit auf Kletterstationen testen oder eine Runde mit dem Karussell drehen. Auch bei wechselhaftem Wetter ist bestens vorgesorgt: Der Spielturm auf vier Ebenen bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Entdecken und Austoben und ist fester Bestandteil jeden Besuchs.
Erfrischung der besonderen Art.
Wenn im Sommer das Thermometer jenseits der 30 Grad wandert, sind die Wunderkammern der perfekte Ort für ein Cool-Down. Besonders „Silent Light“ mit
echtem Schneefall in einer eindrucksvollen Winterwelt bringt mit bis zu minus 10 Grad rasche Abkühlung – und somit nicht nur eine willkommene Erfrischung, sondern auch unvergessliche Eindrücke.
Zirkusflair zum Anfassen.
Bereits den achten Sommer in Folge verwandelt sich der Außenbereich der Kristallwelten in eine lebendige Bühne voller Magie. Von 10. Juli bis 30. September 2026 begeistert das Circus-Theater Roncalli mit internationalen Artistinnen und Artisten, die ihre Kunst mehrmals täglich präsentieren. Ob am Spiegelwasser, im Zirkuszelt oder unter der Kristallwolke – die abwechslungsreichen Darbietungen sorgen für Staunen und beste Unterhaltung bei Groß und Klein.
Ein Hauch von Hollywood in Tirol.
Kunst- und Kulturinteressierte dürfen sich auf besondere Highlights freuen: Die Sonderausstellung „Marilyn – Forever Inspiring“ widmet sich dem Leben der Filmikone und zeigt sie aus neuen Perspektiven. Ergänzt wird das Erlebnis durch die Wunderkammer „Art of Performance“, in der spektakuläre Kostüme und Accessoires weltbekannter Stars wie Elton John, Madonna oder Nicole Kidman zu sehen sind.
Ein Sommererlebnis für die ganze Familie.
Ob als abwechslungsreicher Tagesausflug, als Programmpunkt im Urlaub oder einfach als spontane Auszeit – die Swarovski Kristallwelten bieten im Sommer eine einzigartige Mischung aus Unterhaltung, Natur und Kunst. Ein Ort, der inspiriert, begeistert und noch lange in Erinnerung bleibt.
Das Sommerfestival mit Circus-Theater Roncalli fi ndet heuer von 10. Juli bis 30. August statt.


Swarovski Kristallwelten
Entspannt erreichbar und ideal für einen Tagesausflug: Nur etwa 20 Minuten von Innsbruck entfernt und direkt an der Autobahn gelegen, werden die Swarovski Kristallwelten zum unkomplizierten Ziel. Kostenlose Parkplätze sowie regelmäßige Shuttleverbindungen direkt vom Bahnhof Innsbruck erleichtern die Anreise zusätzlich. Kulinarisch rundet das Restaurant Daniels Kristallwelten by DoN den Besuch ab, während der große Swarovski Store zum Stöbern und Entdecken einlädt. swarovski.com/kristallwelten

Es ist diese Vielfalt aus imposanten Bergkulissen und den sanfter werdenden Hügellandschaften bis in den Chiemgau hinein. Den unzähligen Seen und wild sprudelnden Achen in der Region. Die beeindruckende Bühne aus Hochkultur und sportlich attraktiver Szenerie hat es auch dem Kreativdirektor der Tiroler Festspiele Erl, Daniele Godor, angetan. Die paradiesischen Rennradrouten waren für den passionierten Radfahrer mit ein Grund, von Berlin ins beschauliche Erl zu ziehen.
Fotos: Tom Bause

Die vielfältigen und eindrucksvollen Radtouren im Kufsteinerland waren für Daniele Godor mit ein Grund, den Job als Kreativdirektor bei den Festspielen Erl anzunehmen.

Nach getaner Arbeit direkt aufs Rad steigen. Diesen Luxus kannte Daniele Godor vorher nicht. Dafür musste er erst nach Tirol ziehen, genauer gesagt ins beschauliche Örtchen Erl im Kufsteinerland. Seit September 2024 ist er Kreativdirektor der Festspiele in Erl und hat sich ganz bewusst dazu entschieden, auch dort zu wohnen und zu leben. Ein großer Kontrast zu seinem bisherigen Leben in Berlin. Abseits der Festspielzeiten ist es ziemlich ruhig in Erl, umso intensiver lassen sich hier Rennradtouren mit beeindruckenden Naturerlebnissen genießen. Die Vielfalt ist schier grenzenlos. Nur wenige Regionen sind derart abwechslungsreich und verknüpfen urbanes Flair von Kufstein mit der Idylle der naturnahen Bergwelten. Da ist für jeden was dabei, von knackigen Anstiegen und fordern-
„SOBALD MAN ÜBER DEN ERLERBERG KOMMT, ERÖFFNET SICH EINE RICHTIGE POSTKARTENLANDSCHAFT.“
Daniele Godor
den Pässen, die die Waden ordentlich zum Glühen bringen, bis zu sanften Hügellandschaften, bei denen man auf sauber asphaltierten Straßen gemütlich dahingleiten kann.
Für Daniele ein wahres Rennradeldorado. Denn Trainings in Großstädten wie Berlin sehen anders aus. Ganz anders. „In Berlin musste ich erst mal eine halbe Stunde fahren, um aus dem städtischen Verkehr zu kommen, und dann gab es beim Wannsee eine zehn Kilometer lange Trainingsstrecke mit gerade mal 60 Meter Höhenunterschied, die man dann mehrere Male hintereinander absolvierte“, erinnert sich Daniele an seine Studentenzeiten. Die Liebe zum Rennradeln hat er damals durch einen Zufall entdeckt. „Ein Freund meiner Mutter war beim Radfahren gestürzt und bat mich, sein Rennrad zu
holen, während er im Krankenhaus lag. Bei dieser Gelegenheit ist tatsächlich der Funke übergesprungen mit dem positiven Nebeneffekt, dass Radfahren ein guter Sport ist, um sein Gewicht zu reduzieren.“ In seinen Jugendjahren war der gebürtige Berliner nämlich noch nicht so athletisch und froh, im Radsport ein Hobby gefunden zu haben, das ihm nicht nur Freude machte, sondern auch seinem Körper und seiner Gesundheit gut tat. So wurde das Radfahren zum Begleiter in seinem spannenden und abwechslungsreichen Leben, nicht als exzessiver Leistungssport, sondern als ausgeprägtes Hobby, das er vier- bis fünfmal die Woche für zwei bis drei Stunden ausübt. Und doch intensiv genug, um das ein oder andere Rennen zu bestreiten.
So kommt es auch nicht von ungefähr, dass er das Jobangebot bei den Festspielen in Erl gerne angenommen hat. Hier trifft Kultur auf beeindruckendes Rennradangebot, internationale Künstlerszene auf Tiroler Traditionen. Ein spannendes Umfeld für den Tausendsassa, der in seinem Leben schon viel ausprobiert hat. Neben seinen Studien der Romanistik, Skandinavistik und Musikwissenschaften schrieb er Bücher, trat als Opernsänger in diversen Produktionen auf, arbeitete für einen Musikverlag und im Marketing. Die einzige Kunst, die er noch nicht ausgeübt hat, ist die seiner Eltern. Die waren beide Maler. Ansonsten hat er künstlerisch viele Erfahrungen gesammelt, eine großartige Kombination für seine Aufgabe als Kreativdirektor bei den Festspielen Erl.
Was ihn bei all seinen Hochs und Tiefs in seinem Leben immer begleitet hat, ist die Liebe zum Radfahren. Dieser Leidenschaft kann er im Rennradeldorado Kufsteinerland nach Herzenslust nachgehen. Hier bricht er nach der Arbeit direkt vom Festspielhaus zu seiner Erlerberg-Runde auf und genießt nach einem anspruchsvollen Anstieg einen

Das Kufsteinerland hat alles: Fordernde Pässe, die die Waden zum Glühen bringen. Rasante Abfahrten, die das Adrenalin in die Adern pumpen. Beeindruckende Landschaften und ruhige, sauber asphaltierte Straßen, auf denen man es laufen lassen kann.
NUR WENIGE REGIONEN SIND DERART ABWECHSLUNGSREICH WIE DAS KUFSTEINERLAND UND VERKNÜPFEN URBANES FLAIR MIT RÜCKZUGSORTEN
DER NATURNAHEN BERGWELTEN.


grandiosen Ausblick auf die schroffen Zacken des Wilden Kaisers und das Inntal. „Sobald man über den Erlerberg kommt, eröffnet sich eine richtige Postkartenlandschaft“, schwärmt Daniele. Wenn es die Zeit zulässt, zählt auch die Sudelfeld-Runde zu seinen Lieblingsstrecken: „Vor allem wochentags ein echter Hochgenuss, wenn man ohne Motorradrummel die ruhigen Landstraßen und knackigen Anstiege bewältigen kann.“ Nach absolviertem Sportprogramm gibt’s auch wunderbare Einkehrmöglichkeiten in der gesamten Region. Und auch zwischendurch lohnt es sich, einfach einmal stehen zu bleiben und inmitten weidender Kühe die eindrucksvolle Landschaft auf sich wirken zu lassen.
Bereits ab April sind im Kufsteinerland Frühlingstouren möglich. Als Sahnehaube geht am 23. August 2026 der Kufsteinerland Radmarathon in seine 10. Jubiläumsrunde und lockt Rennradfahrer aus aller Herren Länder in die Region. Fordernde Anstiege,

einzigartige Landschaften und sanfte Hügel: Mit drei verschiedenen Strecken bietet der Kufsteinerland Radmarathon perfekte Bedingungen für ein spannendes Rennen für jeden. Auch abseits des Radmarathons finden Gäste wie Einheimische die ganze Radsaison über perfekte Voraussetzungen für Touren und unwiderstehliche Rennradler-Menüs. Denn auch in puncto Erholung und Genuss hat das Kufsteinerland einiges zu bieten, sodass rundum perfekten Raderlebnissen nichts im Wege steht. Und weil es im Kufsteinerland so schön zum Radfahren ist, wurde im vergangenen Jahr sogar eine TV-Produktion vom Red Bull Media House mit Extremsportler und Race-Across-America-Sieger Wolfgang Fasching gedreht und im Mai 2026 ausgestrahlt. Auch das Red-Bull-BORATeam nutzt die Region immer wieder zum Trainieren. Gut möglich also, dass man beim Radfahren im Kufsteinerland auch echten Rennsportprofis begegnet.
Sport trifft Kultur.
Für einen inspirierenden Ausgleich nach sportlichen Aktivitäten sorgt ein vielfältiges Kulturprogramm. Große Bühnen wie die Tiroler Festspiele Erl oder die Festung Kufstein sind immer wieder Schauplatz großartiger Aufführungen und Konzerte unterschiedlichster Genres. Formate wie der Musical Sommer Kufstein oder die international gefeierten Festspiele in Erl bringen facettenreichen Kulturgenuss und prägen das besondere Lebensgefühl in der Region. Ein Lebensgefühl, für das sich Daniele Godor bewusst entschieden hat, damit er auch im Alter noch seine Lieblingsrunden im Kufsteinerland drehen und das kulturelle Angebot genießen kann. Doris_Helweg
Hochkultur trifft Radsport: Daniele Godor startet direkt vom Festspielhaus zu seinen naturnahen Rennradtouren.

von Daniele Godor
Knapp 20 Kilometer mit fordernden Anstiegen und rasanten Abfahrten –belohnt mit traumhaften Ausblicken ins Inntal und aufs Kaisergebirge.
Gestartet wird die Runde in Erl beim Gasthaus Blaue Quelle. Von dort führt die Strecke vorbei an Festspielhaus und Passionsspielhaus über den Trockenbach und bei Winkl auf die Erlerberg Straße, wo ein erster steiler Anstieg Kondition verlangt. Oben angekommen bietet sich beim Bergasthof Moosbauer eine verdiente Pause mit Ausblick auf die schroffen Zacken des Kaisers und das Inntal an. Die anschließende Abfahrt über den Niederndorferberg ist ebenso rasant wie aussichtsreich. Über Niederndorf und nördlich des Hechenbergs rollt man schließlich zurück nach Erl, begleitet von eindrucksvollen Blicken auf das Kaisergebirge.
Schwierigkeit: mittelschwierig/rot Höhenmeter bergauf: 565 m Höchster Punkt: 972 m Streckenlänge: 19,11 km
Bayrisch-Tiroler Alpenrunde mit Biss: steile Anstiege, rasante Abfahrten und grandiose Ausblicke.
Die Route beginnt mit einer Kletterei nach Thiersee und auf den Ursprungpass. Die Strecke nach Bayrischzell gewährt eine kurze Pause, bevor es heißt „Antreten“! Die deutsche Alpenstraße

zieht in permanenter Steigung auf den Sudelfeldpass hinauf. In scharfer Abfahrt rauscht man dem Inntal entgegen, wählt auf halber Höhe die Abzweigung rechts in die Tatzelwurm-Straße und rollt weiter Richtung Niederaudorf. Der Rückweg auf ruhigen Landstraßen durch Oberaudorf und Kiefersfelden bringt einen wieder zum Ausgangspunkt. Die Tour ist wochentags ohne Motorradrummel ein echter Leckerbissen.
Schwierigkeit: mittelschwierig/rot
Höhenmeter bergauf: 929 m
Höchster Punkt: 1127 m
Streckenlänge: 56,6 km
Kurz, aber knackig: Der Anstieg zur Aschinger Alm fordert mit rund 500 Höhenmetern und steilen
Rampen – belohnt von herrlichen Ausblicken ins Inntal.
Die Strecke startet am Unteren Stadtplatz in Kufstein und führt zunächst entspannt entlang des idyllischen Innradwegs bis ins charmante Ortszentrum von Ebbs. Vorbei am Gemeindehaus beginnt der sportliche Teil: Über weitläufige Almwiesen schlängelt sich die Route in anspruchsvollen, teils zahnigen Anstiegen mit bis zu 16 Prozent Steigung hinauf zur urigen Aschinger Alm, wo sich beeindruckende Ausblicke auf die umliegende Bergwelt eröffnen.
Schwierigkeit: mittelschwierig/rot
Höhenmeter bergauf: 490 m
Höchster Punkt: 964 m
Streckenlänge: 13,7 km


Es gibt Orte, an denen Urlaub mehr ist als Abstand vom Alltag. Orte, die aktivieren, entschleunigen und neue Energie schenken. Die Pletzer Resorts in Tirol, Kärnten und Bayern stehen genau dafür: für eine moderne Form der Auszeit, in der Bewegung, Regeneration und bewusste Kulinarik zu einem gesunden Urlaubserlebnis verschmelzen.
it der Move & Relax Philosophie wird der Aufenthalt in den Pletzer Resorts zur Quelle neuer Kraft – eingebettet in beeindruckende Landschaften zwischen Bergen und Seen. Hier trifft aktives Erleben auf wohltuende Ruhe, stilvolles Design auf hohen Komfort und nachhaltiges Denken auf ein spürbares Gesundheitsversprechen: ein besseres und längeres Leben. Was als Urlaub beginnt, kann zu einem wertvollen Impuls für mehr Leichtigkeit, Vitalität und bewusstere Entscheidungen werden. Denn Move & Relax ist kein Slogan, sondern eine Haltung. Im Mittelpunkt steht nicht allein das Angebot, sondern das, was daraus entsteht: ein Lebensgefühl, das Körper und
Geist stärkt. Die Basis dafür bilden drei gleichwertige Säulen: Move, Relax und Eat. Sie prägen die Resorts und greifen dort sinnvoll ineinander, wo neue Energie entsteht – in Bewegung, in Regeneration und in einer Ernährung, die belebt.
Move steht für Bewegung, die Lebenskraft freisetzt und den eigenen Rhythmus spürbar macht. Dabei geht es nicht um Leistung um jeden Preis, sondern um Lebendigkeit, Klarheit und ein neues Körpergefühl. Ob beim Schwimmen im 25 m Sportbecken, bei aktiven Tagen in der Natur, im Personal Training oder durch individuelle Leistungsdiagnostik. Relax bildet das na-

türliche Gegengewicht. Es steht für bewusstes Auftanken, Entspannung und das Zurückfinden in die eigene Balance. In den Ruhebereichen, bei Saunagängen, Massagen und Treatments entsteht Raum zum Loslassen. Ergänzt wird diese Form der Erholung durch aktive sowie passive Regeneration – etwa durch sanfte Bewegung, Atemübungen, Mobilitäts- und Balanceeinheiten sowie die BLACKROLL ®-Lounge . Mit Eat wird die Philosophie konsequent erweitert. Denn Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil ganzheitlichen Wohlbefindens. Die eigens entwickelte Energy Küche verbindet nährstoffreiche Komponenten mit regionalen Zutaten und saisonaler Qualität.
In den Pletzer Resorts entsteht damit ein gesundes Erlebnis an Bergen und Seen, das aktiviert, ausgleicht und nachhaltig guttut. Move & Relax wird hier zu einer modernen Art, Urlaub zu denken: als Auszeit, die inspiriert, neue Perspektiven eröffnet und lange nachklingt. www.pletzer-resorts.com

urlaub@pletzer-resorts.com



Der Nationalpark Hohe Tauern ist mit insgesamt 1.856 km2 der größte der Ostalpen und erstreckt sich über die Bundesländer Kärnten, Salzburg und Tirol. Gletscherfläche: 126 km2 | Osttiroler Anteil: 611 km2
Intakte Ökosysteme sichern mit sauberem Wasser, Bestäubung und Klimaregulation das Fundament unserer eigenen Zukunft. Wie erfolgreicher Lebensraumschutz in der Praxis aussieht, zeigt der Nationalpark Hohe Tauern: In dieser alpinen Landschaft der Extreme trotzen rund 10.000 Tier- und Pflanzenarten den harschen Bedingungen. Sie alle sind Teil eines hochspezialisierten Netzwerks, allen voran ein majestätischer Rückkehrer, der wie kein Zweiter für den Triumph des alpinen Naturschutzes steht: der Bartgeier.
Der vermutlich letzte Bartgeier in den Alpen wurde 1913 im italienischen Aostatal getötet. Die Art war durch allerlei Schauermärchen – als wilde Bestie, die Lämmer, Wild und sogar Kinder verschleppen würde – völlig zu Unrecht in Verruf geraten und intensiv bejagt worden. Für Jahrzehnte blieb der alpine Himmel leer. Mit dem Vogel verschwand auch eine faszinierende Eigenheit aus den Bergen: Der majestätische Aasfresser „schminkt“ sich gerne, indem er sein eigentlich weißes Brustgefieder durch ein Bad in eisenoxidhaltigem Schlamm kupferrot färbt. Bis heute weiß man nicht genau, ob dieser Akt dazu dient, sich vor Parasiten zu schützen, oder eher ein Statussymbol ist.
Stilsichere Gesundheitspolizei.
So elegant die Geier auftreten, so unverzichtbar sind sie als „Gesundheitspolizei“ für das Ökosystem. Ihre Wiederansiedlung, die vor genau 40 Jahren – im


Vor 40 Jahren wurden die ersten Jungvögel im Nationalpark Hohe Tauern ausgesetzt, der erste Bruterfolg in freier Wildbahn stellte sich 1997 ein. Seitdem erholt sich die alpine Bartgeierpopulation und wächst.
Jahr 1986 – in den Alpen begann, ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Elf Jahre nach den ersten Freilassungen glückte die erste Wildbrut, heute wird der alpine Bestand wieder auf mehrere hundert Vögel geschätzt. Dass dieses ambitionierte Projekt gelingen konnte, ist zu einem großen Teil einem Tiroler Pionierbetrieb zu verdanken: Im Alpenzoo Innsbruck werden die erstaunlich sozialen Knochen- und Aasfresser bereits seit 1973 erfolgreich nachgezüchtet.
Der Nationalpark ist genau genommen das Revier mehrerer Geier-Arten. Die Lebensentwürfe der Giganten könnten jedoch kaum unterschiedlicher sein: Der Bartgeier trotzt dem rauen Hochgebirgsklima das ganze Jahr über, während ihre „weitschichtigen“ Verwandten, die Gänsegeier, die Hohen Tauern nur als sommerliches Urlaubsdomizil anfliegen. Sie zieht es im Herbst wieder zurück in die milderen Gefilde Südosteuropas. Seit einem guten Jahrzehnt kommen auch wieder einzelne Mönchsgeier auf Sommerfrische in die Hohen Tauern.
Gunter Gressmann ist Wildtierbiologe im Nationalpark Hohe Tauern.


Knochenjob.
Als spezialisierte Aasfresser übernehmen die Geier eine unschätzbare Rolle im Naturkreislauf: Sie sind das hocheffiziente Aufräumkommando der Alpen. Verendete Tiere werden von ihnen oft binnen weniger Tage restlos beseitigt, was unter anderem die Ausbreitung gefährlicher Seuchen verhindert. Ohne die gefiederten Aufräumer würden Kadaver wochenlang in der Landschaft verwesen – mit nachteiligen Folgen für die Hygiene im Gebirge.
Der Verdauungstrakt der Geier ist ein biologisches Wunderwerk. Ihre Magensäure gehört mit einem extrem niedrigen pH-Wert von etwa 0,75 zu den aggressivsten im gesamten Tierreich. Knochen stehen ganz oben am Speiseplan des Bartgeiers. Diese wirft der Vo-
SO ELEGANT DIE GEIER AUFTRETEN, SO UNVERZICHTBAR SIND SIE ALS „GESUNDHEITSPOLIZEI“ FÜR DAS ÖKOSYSTEM.
Könige der Lüfte: Gemütliche Rangerwanderung rund um das Matreier Tauernhaus: Beobachten Sie mit Swarovski-Fernoptik majestätische Bartgeier, Adler sowie seltene Singvögel aus nächster Nähe und erfahren Sie Wissenswertes über ihren Schutz.
Big-Five-Wildtierbeobachtung: Spurensuche für Familien (ab 6 Jahren) am Großglockner: Beobachten Sie mit Swarovski-Optik die „Big Five“ der Alpen von Bartgeier bis Steinbock. Rangergeschichten und die neue Panoramaausstellung am Glocknerwinkel runden das Erlebnis ab.
Magischer Bergseemoment – Oberseitsee: Eindrucksvolle Wanderung im Defereggental durch verschiedene Vegetationsstufen: Entdecken Sie mit den Rangern die bunte Alpenflora und genießen Sie Entschleunigung pur am blau-türkis schimmernden Oberseitsee inmitten einer stillen Hochgebirgswelt.
Die Kraft der wilden Pflanzen: Familienfreundlicher Streifzug auf dem neugestalteten Weg der Sinne in den Virger Feldfluren: Entdecken, sammeln und verarbeiten Sie Heilkräuter mit den Rangern. Barfußpfade, Kneippbecken und Wildpflanzendüfte bieten Naturerfahrung für alle Sinne.
Weitere Touren und Informationen unter www.hohetauern.at
gel aus großer Höhe auf Felsen, wo sie in mundgerechte Stücke zersplittern und anschließend leicht hinuntergeschluckt werden können. Dafür nutzen die Bartgeier feste und flache Felsstrukturen, die sogenannten „Knochenschmieden“. Reviertreue Vögel kehren dafür immer wieder zu denselben Platten zurück. Dank des erfolgreichen Artenschutzprojekts gibt es nun auch in den Alpen wieder aktive Knochenschmieden.
Dass die Vögel im modernen Alpenraum überhaupt eine reich gedeckte Tafel vorfinden, liegt an den unerbittlichen Gesetzen der Bergwelt selbst. Jedes Jahr
verenden im Hochgebirge zahlreiche Tiere durch Blitzschläge, Abstürze, Lawinen oder schlicht durch Entkräftung und Krankheiten. Das räumt auch mit einem gängigen Vorurteil auf: Die großen Vögel sind für ihr Überleben keineswegs auf Risse durch Beutegreifer angewiesen. Gleichzeitig erfüllen die Geier aus der Luft eine wichtige Suchfunktion. Wenn sie am Himmel kreisen, sind sie für das Schutzgebietsmanagement ein möglicher Indikator dafür, wo in dem unwegsamen Gelände ein Kadaver liegen könnte. Am Ende sorgt die biologische Müllabfuhr sogar für einen ganz pragmatischen, wirtschaftlichen Nebeneffekt: Wo die Natur sich selbst reinigt, spart der Mensch bares Geld, weil teure Hubschrauberflüge zur Kadaverbeseitigung unter Umständen vermieden werden können.
Keine Käseglocke.
Trotz solcher Vorzeigeprojekte ist die intakte Bergwelt keine Selbstverständlichkeit. Wildtierbiologe Gunther Gressmann zeigt sich besorgt, was die allgemeine Biodiversität angeht, zumal sich selbst ein geschütztes Ökosystem globalen Einflüssen nicht entziehen könne: „Das ist keine Käseglocke, Biodiversitätsverlust macht nicht an den Nationalparkgrenzen halt.“ Der Klimawandel verändert – und verknappt – den gewohnten Lebensraum vieler Arten, auch der Druck durch Krankheitserreger und Parasiten nimmt zu. Ideal an ihre natürliche Umgebung angepasste Arten können mit Konkurrenz, die zusätzlich von außerhalb eingeschleppt wird, nicht gut umgehen. Während man um die Erhaltungszustände von Gams, Geier und Co.
ALLES SEHEN. NICHTS VERPASSEN.
mittlerweile gut Bescheid weiß, gibt es bei manch anderer, weniger öffentlichkeitswirksamen Art einen Blindflug. „Wir wissen beispielsweise nicht, wie es etwa bei Hasel- oder Schneehühnern aussieht“, sagt Gressmann, der größeres Augenmerk auf die etwas unauffälligen Tiere im Nationalpark, die weniger im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, anmahnt.
Das Comeback der Bartgeier in den Alpen ist zweifellos ein Gewinn für das gesamte Ökosystem. Die Menschen sind gut beraten, nicht nur im Nationalpark, sondern im gesamten Alpenraum und darüber hinaus achtsam zu sein, damit sich der Biodiversitätsverlust nicht weiter beschleunigt – denn letztlich ist Artenschutz auch Selbstschutz.
Marian_Kröll

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Manchmal reicht ein kleiner Aufstieg, um die Welt kurz leiser zu drehen. Hoch über dem Tal, wo der Blick frei wird und die Gedanken Platz bekommen, zeigen die Aussichtspunkte in der Region Seefeld –Tirols Hochplateau, wie wunderbar Weite sein kann.
Wer in der Region Seefeld unterwegs ist, spürt es vom ersten Schritt an: Hier ist Wandern nicht nur ein Freizeitangebot, sondern gelebte Leidenschaft, und das an 365 Tagen im Jahr. Im Sommer stehen rund 650 Wegekilometer für Spaziergänger und Gipfelstürmer und alles dazwischen zur Verfügung, im Winter rund 140 Kilometer an geräumten Winterwanderwegen. Durch die Lage des Hochplateaus auf 1.200 Metern bewegt man sich dabei von Beginn an mitten in der Tiroler Bergwelt, ohne dafür lange, steile Anstiege zurücklegen zu müssen.
Das Berggefühl ist durchgehend präsent und ob der Höhenlage eröffnen sich selbst im flachen Gelände immer wieder grandiose Weitblicke ins Tal. Das machen sich auch die besonderen Aussichtsplattformen der Region zunutze, die man bewusst als Ziel wählt oder die einen am Weg wie selbstverständlich begleiten. Die Aussichtspunkte verbinden leichte Wanderungen mit großen Momenten – raus aus dem Alltag, rein in die Perspektive.
Detaillierte Infos zu diesen und allen anderen Aussichtsplattformen der Region finden Sie unter dem QR-Code.
Panoramaschaukel am Seefelder Joch
Uns reicht’s, wir gehen schaukeln: Am liebsten in unmittelbarer Nähe des Seefelder Jochs, wo der Blick weit über die Bergwelt der Region Seefeld reicht. Schwingen mit Weitblick sozusagen. Hinauf geht’s zuerst bequem mit der Standseilbahn zur Bergstation der Rosshütte, dann weiter zu Fuß oder mit der Gondel zum Seefelder Joch.


Aussichtsplattform Brunschkopf
Die moderne Holz-Aussichtsplattform am Brunschkopf liegt auf 1.510 Metern harmonisch eingebettet in die umliegende Natur und bietet eine besonders eindrucksvolle Aussicht in die Umgebung. Erreichen kann man sie von Seefeld, Leutasch oder Mösern aus über viele verschiedene, mittelschwere Wanderwege und eine Bikestrecke, an denen zahlreiche Möglichkeiten zur Einkehr locken.

Die Friedensglocke in Mösern ist mit einem Gewicht von 10.450 Kilogramm und einem Klöppel mit beachtlichen 303 Kilogramm an sich schon spektakulär und die rund fünf Kilometer lange Friedenswanderung dorthin weit mehr als nur ein Weg. Es ist vielmehr eine Einladung zum bewussten Gehen und zur inneren Einkehr. Der Blick von hier oben ist stets atemberaubend und wer um 17:00 Uhr kommt, kann hautnah beim täglichen Läuten der Glocke dabei sein.
Der Speichersee am Gschwandtkopf ist eine echte Naturschönheit und im Sommer ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel. Wer mag, kommt per (E-)Bike. Direkt am See steht eine Drehbank, von der aus man entspannt in beeindruckende Weiten blickt.


Der Kaltwassersee im Wanderparadies Rosshütte ist ein echtes Kleinod für feine Pausen und stille Momente. Auch hier kann man sich gemütlich in eine kleine Alltagsauszeit schaukeln. Den Kaltwassersee erreicht man entweder zu Fuß ab der Talstation der Bergbahnen Rosshütte oder mit der Standseilbahn, von der aus man zum See absteigt.


Man kann auf Fotos gar nicht festhalten, wie schön die Welt des Wilden Kaisers in Wirklichkeit ist. Fünf Lebensräume prägen diese Region und machen sie zu einem ganzheitlichen und imposanten Naturerlebnis: Wald, Wasser, Fels, Moor und Alm. Kaiserblüte nennt sich die neue Sternwanderung, die diese alpine Naturvielfalt in sechs beeindruckenden Tageswanderungen erlebbar macht.
Zeit zum Ankommen, Durchatmen und Staunen: Mit der Sternwanderung Kaiserblüte wird jeder Lebensraum des Wilden Kaisers zu einem einprägsamen Erlebnis.
Viele kennen die imposanten Landschaften der Region Wilder Kaiser aus der TV-Serie „Der Bergdoktor“. Malerische Bergkulissen, kristallklares Wasser, stille Mooroasen, sanft rauschende Baumriesen und bewirtschaftete Almen. Jeder Lebensraum für sich birgt faszinierende Welten, die man in Bildern gar nicht richtig einfangen kann. Man muss sie erkunden, hautnah erleben und mit allen Sinnen auf sich wirken lassen.
Mit der neuen „Sternwanderung Kaiserblüte“ können diese Naturerlebnisse Tag für Tag, Schritt für Schritt erobert werden. „Ausgehend von einer Base in der Region – sei es ein Hotel oder eine Privatunterkunft – kann man die insgesamt sechs Tagesetappen individuell auswählen und dabei jeden Abend entspannt ins eigene Quartier zurückkehren, ohne Hüttenübernachtung oder Gepäcktransport“, erklärt Silvana Beer vom Tourismusverband Wilder Kaiser das Grundprinzip einer Sternwanderung. „Dank des kostenlosen Mobilitätsangebotes mit Kaiserjet und Wanderbussen gelangen Gäste bequem von ihrer Unterkunft aus zu den jeweiligen Startpunkten der Touren.“ Allen Routen gemeinsam sind einprägsame Naturkulissen und wunderschöne Einkehrmöglichkeiten zur Stärkung zwischendurch.
Das stille Wunder.
Ein besonderes Juwel bilden die zahlreichen Hochmoore in der Region. Zwischen Wollgras und Sonnentau, im leisen Gesumme der Libellen, scheinen die Uhren im Rest der letzten Eiszeit


Auch wenn die Sternwanderung keine hochalpinen Gipfeltouren beinhaltet, sind in gewissen Abschnitten Bergerfahrung und gute Kondition Voraussetzung. Insbesondere gilt es, ausreichend Wasser zum Trinken sowie feste Bergschuhe, Sonnen- und Regenschutz, ein Erste-HilfeKit, Rettungsdecken sowie Kälte- oder Hitzeschutz sowie ausreichend Proviant mitzuführen. In diesem Sinne: Rucksack packen, Bergschuhe anziehen und los gehts in die einprägsamen Naturschönheiten des Wilden Kaisers. www.wilderkaiser.info
noch etwas langsamer zu ticken. Als eigenes Schutzgebiet innerhalb des Naturschutzgebietes Wilder Kaiser finden sich in diesen sensiblen Landschaften seltene Pflanzen- und Tierarten. „Moore speichern das 30-Fache ihres Eigengewichts an Wasser und sind ein wichtiger CO2-Speicher, weshalb sie zu den wichtigsten Klimaschützern unserer Erde zählen“, sagt Silvana als ausgebildete Moor-, Bergwander- und Naturführerin. Empfehlenswert ist eine Rast beim Schleierwasserfall, wo man neben dem imposanten Naturschauspiel auch immer wieder bekannten Extremkletterern bei ihren waghalsigen Trainings zuschauen kann.
Die Quelle des Lebens.
Mit kristallklarem Wasser besticht auch der Lebensraum Wasser mit einer beeindruckenden Wanderung zum sagenumwobenen Hintersteiner See. „Einer Legende nach soll dort, wo heute der See glitzert, ein Dorf mit reichen, arroganten und sehr verschwenderischen Bauern gestanden haben“, erzählt Silvana. Spuk beiseite führt die wunderschöne Tour vorbei an sprudelnden Quellen und plätschernden Bächen zu einem der schönsten Ge-



birgsseen Tirols. Wer nicht zimperlich ist, erfrischt sich im kühlen Nass, bevor es zur imposanten Rehbachklamm weitergeht.
Die grüne Seele des Kaisers.
Grün, so weit das Auge reicht. Moosige weiche Böden, leise vor sich hinplätschernde Bächlein und alte, himmelwärts strebende Baumriesen, in denen Herr Specht als natürlicher Gegenspieler des Borkenkäfers klopft und Rehe sowie viele andere Waldtiere ihren Schutz suchen. Mit 21,6 Kilometern Weglänge die längste aller Tagesrouten. Hier kann man Kraft tanken und wenn man Glück hat, die kleinsten Singvögel Europas, die Wintergoldhähnchen, hoch oben auf Fichtenwipfeln erspähen.
Gelebte Kulturlandschaft.
Der vielfältige Lebensraum Alm hält gleich zwei beeindruckende Tagestouren bereit. Während eine Wanderung von Söll aus mit der Gondelbahn zum Hexenwasser startet und einen 360-Grad-Ausblick von der Hohen Salve aus bietet, beginnt Variante zwei in Going mit dem Sessellift Astbergbahn und eröffnet ein intensives Naturerlebnis mit gemütlichen Höhenwegen und eindrucksvollen Blicken auf den Wilden Kaiser. Beiden gemeinsam sind saftige Almwiesen, urige Hütten, kristallklare Bergseen, spektakuläre Bergkulissen und weidende Kühe als Zeugen einer jahrhundertelangen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Natur.
Die wilde Seite des Kaisers.
Schroffe Felswände, wo noch heute Abdrücke von Schnecken und Korallen aus dem Urmeer zu sehen sind, prägen das Naturerlebnis Fels im Wilden Kaiser. Hier tummeln sich Gämsen, Murmeltiere, Dohlen und Alpensalamander in einer Gebirgsregion, in der wunderschöne geschützte Alpenblumen wie Enzian und Edelweiß erblühen und den harten Lebensbedingungen der Berge trotzen. Doris_Helweg
Fünf Lebensräume in sechs Wanderungen. Ein Kaisererlebnis.

INFOS ZU DEN ETAPPEN

Am 5. Juli 1926 wurde in Ehrwald mit der Zugspitzbahn die erste Seilbahn in Nordtirol eröffnet. Die Erbauer leisteten in dem hochalpinen, steilen Gelände technische Pionierarbeit. Mit der gelungenen Vollendung ihres Werkes wurde das Jahrhundert der Lifte und Seilbahnen im Tiroler Tourismus eingeläutet.
Aus der Talstation schwebt die Kabine langsam in die Höhe. Sie ist nicht groß, kann aber mit dem Führer 20 Personen, von denen allerdings 16 stehen müssen, aufnehmen. Sehr schnell öffnet sich der schöne und weite Talkessel Ehrwald-Lermoos, die grünen Tannen grüßen herauf. Bei der zweiten Stütze fangen die Allgäuer Alpen an aufzutauchen. An schroffen Felswänden geht es nun vorbei. Der Blick geht nach der Talstation nach Süden und Westen. Die Tiroler und die Schweizer Alpen steigen empor. Von der Stütze fünf an ändert sich das Bild plötzlich, da die Bahn einen Felsgrat überschreitet. Man kommt über das Oesterreichische Schneekar in einer Spannweite von 1.000 Metern. Über 100 Meter hoch schwebt die Kabine über dem Kare – weit dehnen sich die Schneefelder ringsum. Rechts bei der Auffahrt sieht man den kleinen Zacken des Sonnspitzes und das übrige Wettersteinmassiv, das den Blick nach Osten versperrt, während der Blick in der Richtung Eibsee umfassender wird. Ehe man sich’s versieht – in etwa 16 Minuten – ist man auf der Bergstation angelangt.“

So schilderte ein Redakteur des Tiroler Anzeigers am 6. Juli 1926 die offizielle Einweihung und Eröffnung der Zugspitzbahn, die tags zuvor stattgefunden hatte. Dem Jubeltag waren drei Jahre Planung und schwierigste Arbeiten vorangegangen. Schon lange hatte der Anwalt Hermann Stern den Gedanken gehegt, durch eine Bahn auf die Zugspitze den Tourismus im Bezirk Reutte zu beleben. Im Frühjahr 1923 ließ er die dazu nötigen Vermessungen auf eigene Initiative durchführen. Im Jahr 1924 erhielt er vom zuständigen Ministerium in Wien eine sogenannte Vorkonzession, um mit dem Bau beginnen zu können. Man hatte sich für eine Seilschwebebahn des Systems Bleichert-Zuegg entschieden.





Die Überwindung der Unbesteigbaren.
Der Südtiroler Ingenieur Luis Zuegg hatte 1912 die erste Seilbahn im damaligen Kronland Tirol aufs Vigiljoch errichtet und während des Ersten Weltkrieges durch den Bau von Materialseilbahnen an der Front gegen Italien wertvolle Erfahrungen gesammelt. Er tat sich mit der Firma Adolf Bleichert & Co. aus Leipzig zum Bau von Seilbahnen zusammen. Der Berliner Großunternehmer Richard Opitz übernahm die Haftung für die Baukosten, die mit 1,5 Millionen Schilling veranschlagt wurden. Das entspräche heute rund 7,3 Millionen Euro. Am Ende beliefen sich die Kosten – offenbar keine Erscheinung der jüngsten Zeit – auf mehr als das Vierfache, was die Gemeinden Ehrwald und Reutte bald in große finanzielle Schwierigkeiten bringen sollte.
Schliesslich konnte mit dem Bau begonnen werden, der unter schwie-
Die 2.962 Meter hohe Zugspitze wurde namentlich erstmals 1590 erwähnt. Lange galt sie als unbesteigbar, was im Jahr 1820 Josef Naus, ein Lechaschauer in bayerischen Diensten, widerlegte. Im Jahr 1851 wurde das erste Gipfelkreuz auf dem Westgipfel aufgestellt, 1853 der Berg von Karoline Pitzner als erster Frau erklommen. Im Jahr 1900 wurde auf dem Gipfel ein Turm für meteorologische Beobachtungen errichtet. Bei klarem Wetter sieht man von dort 265 Kilometer weit. Die Geschichte, dass der östliche Zugspitzgipfel dem späteren Bayernkönig Ludwig II. von Kaiser Franz Joseph I. im Jahr 1854 anlässlich dessen Hochzeit mit der Wittelsbacher-Prinzessin Elisabeth „Sisi“ geschenkt worden sei, damit die Bayern auch einen ordentlichen Berg hätten, hält sich hartnäckig, ist jedoch nur ein Gerücht. Die Grenzen zwischen Tirol und der Grafschaft Werdenfels, auf deren Gebiet die Zugspitze einst lag, wurden schon in einem Vertrag im Jahr 1656 festgesetzt.
rigsten Bedingungen erfolgte. Zur Errichtung der Stützen in der steilen Wand wurde eine Behelfsseilbahn neben der eigentlichen Trasse errichtet, denn es mussten jede Schaufel Sand, jeder Sack Zement, Wasser und die Stahlträger an die Bauplätze gebracht werden. Eine besondere Herausforderung stellten die Lieferung und der Aufzug des Seils dar: Dieses wurde mit einem 40-Tonnen-Spezialwagen mit der Eisenbahn angeliefert und auf hölzernen Rollen bis zur Talstation in Ehrwald-Obermoos gewälzt. Von dort wurde das tonnenschwere Seil mit Hilfe von unzähligen Winden 1.500 Meter nach oben zur Bergstation auf 2.805 Metern Höhe gezogen. Etwas, was in dieser Dimension nie zuvor gemacht worden war. Ein Novum war auch, dass sich der Antrieb der Bahn in der
Tal- und nicht der Bergstation befand. Durch schwierige Wetterverhältnisse und andere Probleme verzögerte sich der Bau, dennoch schrieb man am 1. September 1925 im Tiroler Anzeiger optimistisch: „… wenigstens das eine ist sicher, der schwerste Teil der Arbeit ist vollbracht und es ist zu hoffen, dass die Bahn im Spätherbst eröffnet werden kann“.
Der Termin konnte nicht eingehalten werden, im Sommer darauf war es jedoch so weit. Schon vor der Einweihung besichtigte der damalige Bundespräsident Michael Hainisch das Wunderwerk. Zur Eröffnung am 5. Juli 1926 fanden sich zahlreiche Honoratioren aus Österreich, Bayern und Preußen ein. In den Festreden wurde, dem Geist der damaligen Zeit entsprechend, von

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einem „Wahr- und Denkzeichen deutscher Kulturgemeinschaft“ gesprochen, die Zugspitzbahn solle, so Initiator Hermann Stern, „für ewige Zeiten ein Denkmal der Macht und Kraft der deutschen Nation“ sein.
In den ersten Jahren war die Bahn eine große Attraktion und wirtschaftlich durchaus erfolgreich. Doch schon 1930 war es vorbei mit der bei der Einweihung so sehr gepriesenen Völkerfreundschaft: Die Bayern eröffneten eine Eisenbahn vom Eibsee zum Schneefernerhaus und 1931 eine Seilbahn von dort bis zum Zugspitzgipfel. Als 1933 von den Nazis gegen Österreich auch noch die sogenannte 1.000-Mark-Sperre verhängt wurde, blieben die deutschen Gäste vollends aus und die österreichische Zugspitzbahn blickte einer ungewissen Zukunft entgegen. 1937 musste sie ihre Aktien gar an die bayerische Konkurrenz verkaufen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs ans Dritte Reich 1938 erlebte die Bahn zwar noch einmal einen kurzen Aufschwung, der allerdings rasch durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges beendet wurde. Gegen Ende des Krieges wurde die Bahn durch alliierte Bombardierung und Beschuss beschädigt, ging hingegen mit amerikanischer Hilfe schon am 1. Juni 1945 wieder in Betrieb. Weitere Meilensteine waren der Kauf neuer Kabinen 1952, die Ertüchtigung des Antriebs und damit die Erhöhung der Geschwindigkeit zwei Jahre später. 1960 dann der Bau einer Zwischenstation im Gamskar und die Erschließung des Gipfels mit einer Seilbahn, die 1964


Museum Zugspitzbahn
Anlässlich des Jubiläums wurde das Museum an der Bergstation völlig neu gedacht. Dazu überarbeitete der Gletscherforscher und Astrofotograf Norbert Span das bestehende Museumskonzept. Die neue Ausstellung spannt einen Bogen von der Eröffnung der Zugspitzbahn im Jahr 1926 bis hin zur modernen Seilbahntechnologie des 21. Jahrhunderts. Zu sehen sind unter anderem Grafiken, interaktive Panoramen und eine originale Gondel aus dem Jahr 1978. Panoramafenster gewähren einen großartigen Ausblick nach Ehrwald, während über ein Head-up-Display eine Fahrt der Kabinen Nr. 5 und 6 von 1978 als Animation über die reale Landschaft eingeblendet wird. www.zugspitze.at
in Betrieb ging. Im Jahr 1991 folgte schließlich die Eröffnung der neuen, heutigen Tiroler Zugspitzbahn.
Schwerter zu Liftbügeln.
Mit der Eröffnung der Zugspitzbahn 1926 wurde in Nordtirol ein ganzer Reigen von Erschließungen in den darauffolgenden Jahren eingeläutet: So wurden 1928 die Patscherkofel- und die Nordkettenbahn in Innsbruck – beide übrigens wieder von Bleichert & Co gebaut –und die Hahnenkammbahn in Kitzbühel eröffnet. Im Jahr 1937 bekam St. Anton die erste Seilbahn auf den Galzig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen nicht nur die bestehenden Bahnen rasch wieder in Betrieb, es wurden auch Aufstiegshilfen neuer, anderer Art gebaut. So etwa entstand 1947 die erste Sesselbahn Tirols aufs Markbachjoch in der Wildschönau aus altem Kriegsgerät. Auch der erste Schlepplift in Obergurgl wurde 1948 von einem alten Lkw-Motor angetrieben. Im Jahr 1953 schaffte schließlich auch der Bezirk Lienz den Einstieg ins Seilbahn-Zeitalter mit der Errichtung des ersten Einersesselliftes auf den Hochstein. 1968 erfolgte schließlich mit der Eröffnung der Hintertuxer Gletscherbahn der Sprung ins ewige Eis. Mit Stand Winter 2025/26 gab es in Tirol 871 Seilbahnanlagen, die meisten in den Bezirken Imst, Schwaz und Innsbruck-Land. Als touristischer Wirtschaftsfaktor sind sie, wenn auch immer wieder in Frage gestellt, nicht mehr wegzudenken.
Uwe_Schwinghammer


On 5 July 1926, the Zugspitzbahn, the first cable car in North Tyrol, was opened in Ehrwald. The successful completion of this project heralded the dawn of the cable car era in Tyrolean tourism.

When the Tiroler Zugspitzbahn opened in the summer of 1926, it was regarded as a marvel of engineering. The journey up to Germany’s highest mountain took just a few minutes, yet it passed through a landscape that must have seemed almost unreal to visitors at the time: over steep rock faces, across snow-covered basins and past deep chasms. Even the very first ascent gave the impression that something had begun here that went far beyond an ordinary cable car.
The idea came from Hermann Stern, who wanted to boost tourism in the Außerfern region. Together with the South Tyrolean engineer Luis Zuegg, he created one of the most ambitious infrastructure projects of its time. Construction took place under extreme
conditions: materials had to be transported up the steep slopes using auxiliary cable cars, and steel cables weighing several tonnes were laboriously hauled up to an altitude of almost 3,000 metres. Much of it was uncharted territory – both technically and logistically. The costs eventually rose to more than four times the planned 1.5 million schillings, but the cable car was completed nonetheless.
The Tiroler Zugspitzbahn was not merely a means of transport, but a symbol of an era that believed in progress and technical feasibility. At the same time, it also reflected the political tensions of its day. Initially celebrated as a symbol of cross-border cooperation, the railway came under economic pressure just a few years later: competition from Bavaria, the global economic crisis and, finally, Nazi policies hit the operation hard. However, following war damage, the railway was back in operation as early as 1945 and was continuously modernised in the decades that followed.
The opening of the Zugspitzbahn also marked the beginning of a new era for Tyrol. In the years that followed, numerous other cable cars were built: the Nordkettenbahn and Patscherkofelbahn in Innsbruck, the Hahnenkammbahn in Kitzbühel, and later the Galzigbahn in St. Anton. After the Second World War, chairlifts and T-bar lifts were added – often improvised from old military equipment. Step by step, these individual technical pioneering achievements gave rise to the cable car landscape that characterises Tyrol today. What once began as a daring project on a steep rock face has thus become a central part of Tyrolean identity –economically, in terms of tourism and in terms of the landscape.
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Spektakulärer Sonnenaufgang von der Aussichtsplattform „StubaiBlick“ auf über 2.100 m Seehöhe!


SPANNENDE ERLEBNISWEGE:
Erster Tiroler Rutschenweg, Naturlehrweg, Scheibenweg & Stubai Baumhausweg


Aufbüscheln, aufkranzen, aufputzen: Nur wenn der Almsommer ein erfolgreicher war, werden die Kühe kunstvollprächtig geschmückt.

Wenn der Tiroler Almsommer endet, wird Brauchtum lebendig. Die traditionellen Almabtriebe des Landes zeigen, wie eng Tradition, Arbeit und Natur miteinander verwoben sind. Zwischen Dankbarkeit und harter Realität kehren die Tiere geschmückt ins Tal zurück als sichtbares Zeichen dafür, dass oben am Berg alles gut gegangen ist.

Almabtriebe gibt es in ganz Tirol, jener aus der Eng Alm über das Lamsenjoch in der Silberregion Karwendel ist wohl einer der spektakulärsten. Es ist ein bisschen wie früher und das ist schön. Seit etwa 1.000 Jahren wird die Eng bewirtschaftet und die Milch der Kühe zu Käse verarbeitet. Rund 600 Stück Vieh sind hier sommers zu Hause. Während die meisten davon nach der Zeit auf dem Almboden mit Transportern wieder zurück ins Tal gebracht werden, treten etwa 150 ihren Weg übers Lamsenjoch nach Schwaz an. Und der ist ein echtes Abenteuer. Für alle. 25 Kilometer lang ist der Weg zuerst hinauf aufs Joch und dann hinunter ins Tal. Beschwerlich ist er mitunter und waghalsig. Es ist kein Weg für eine Kuh und dennoch nehmen sie den ungewöhnlichen Karwendelmarsch geduldig in Angriff. Hintereinander, jeder Schritt wohl gesetzt, als wüssten sie um die Bedrohungen. Die meisten Leute meinen, man müsste einfach nur gemütlich Richtung Tal spazieren, doch der Weg von der Eng führt erst einmal 800 Höhenmeter hinauf übers Lamsenjoch auf 1.950 Meter. Erst dann geht es hinunter in die Silberstadt. Bei dieser Tour ist es wenig verwunderlich, dass der Tag um zwei Uhr morgens beginnt. Mit einem letzten Melken und emsigem Zusammenpacken. Der Almabtrieb findet in der Regel am letzten Septemberwochenende statt, am ersten Septemberwochenende lädt die Eng zum traditionellen Kirchtag.

In der Leutasch werden die Kühe von der Gaistalalm über die Ortsteile Klamm, Plaik und Platzl bis nach Kirchplatzl entlang der Hauptstraße bis zum Feld vor der Kirche getrieben, wo sie meist gegen 12 Uhr eintreffen. Gefeiert wird auf dem Feld vor dem Kulturhaus Ganghofermuseum. Nicht immer ist der Almabtrieb dabei von Sonne und Wärme begleitet, was die Wetterlaunen Tirols ganz gut widerspiegelt. Termin 2026: Samstag, 19. September.
Wenn der Sommer sich langsam zur Ruhe setzt und die Tage spürbar kürzer werden, kündigt sich in den Bergen ein ganz besonderer Moment an: Der Almabtrieb markiert das Ende des Almsommers und zählt bis heute zu den wohl sichtbarsten und lebendigsten Bräuchen Tirols. Was für Gäste ein farbenfrohes Spektakel ist, bedeutet für die bäuerlichen Familien vor allem eines: Dankbarkeit.
Monatelang haben Kühe, Pferde, Schafe und Ziegen ihre Sommerfrische auf den Almen verbracht – hoch oben auf saftigen Wiesen, wo naturbelassene Kräuter wachsen, das Gras mit jeder Woche nährstoffreicher wird und frisches Quellwasser sprudelt. Der jährliche Almauftrieb im Frühjahr ist meist unspektakulär, fast still. Ganz anders der Abtrieb, der groß gefeiert und mit Speis, Trank, Musik und Spielen zum alljährlichen Volksfest wird. Und doch ist er weit mehr als ein schöner Anlass, die Krachlederne anzuziehen oder das Dirndl, um sich bei einer jährlich stattfindenden Gaudi zu vergnügen. Denn gefeiert wird nur, wenn der Sommer gut verlaufen ist und alle Tiere wohlbehalten ins Tal zurückkehren. Erst dann tragen die Kühe ihren prächtigen Kopfschmuck mit kunstvoll gebundenen Kränzen aus Tannenzweigen, Almblumen, bunten Bändern, Spiegeln und Heiligenbildern. Glocken werden umgehängt, jede mit Bedacht gewählt, denn nicht
In Tirol gibt es aktuell 2.080 Almen, davon ist jede sechste nur über einen Fußweg oder mit der Seilbahn erreichbar. Rund 1.800 Almen sind bewirtschaftet. Das heißt, hier sind auch Tiere zu Hause. Es ist nämlich nicht das Gasthaus ausschlaggebend, ob es sich um eine „bewirtschaftete Alm“ handelt, es kommt auf die Tiere an, mit denen eine Alm mindestens 60 Tage im Sommer „bestoßen“ wird. Das muss landwirtschaftliches Nutzvieh sein, ein Streichelzoo gilt nicht. Im Sommer weiden etwa 180.000 Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen von 8.900 Heimbetrieben auf Tirols Almen, um die sich insgesamt rund 3.000 Hirten kümmern. Über die Hälfte der heimischen Milchkühe verbringen ihren Sommer auf der Alm, rund 75 Prozent der österreichischen Almmilch stammt aus Tirol. Neben der Betreuung der Tiere leisten Tirols Almen auch einen wertvollen Beitrag zur Lebensmittelproduktion. Auf so genannten Sennalmen wird der Almkäse sogar direkt vor Ort erzeugt.
jede Kuh ist gleich stark oder vom selben Temperament.
Ein Sommer voller Dankbarkeit.
In Tirol ist der Almabtrieb eine jahrhundertealte bäuerliche Tradition. Wenn das Gras auf den Bergwiesen knapp wird und das Wetter rauer, bringen die Bauern ihre Tiere hinunter ins sichere Tal. Dass alle gesund zurückkommen, war früher existenziell wichtig für das Überleben der Landwirte und der gesamten Dorfgemeinschaft und ist noch heute ein Grund zum Aufatmen. Der tiefere Sinn des Brauchs indes reicht weit zurück. Schon vorchristliche Rituale sollen das Schmücken und laute Geläut gekannt haben, um Schutz zu erbitten und böse Geister zu vertreiben. Heute steht der Almabtrieb sinnbildlich für ein respektvolles Miteinander von Mensch, Tier und Natur. Für die Bäuerinnen und Bauern ist er ein stilles „Danke“ für einen unfallfreien Sommer, denn das Leben auf der Alm ist nicht nur romantisch: Wetterumschwünge, Hagel, Schneefall selbst im Hochsommer, Blitzschlag oder steiles Gelände gehören zum Alltag. Noch immer wird mancherorts ohne Strom gearbeitet, Milch von Hand transportiert und mit einfachsten Mitteln gewirtschaftet.
Tirols Almen sind weit mehr als idyllische Postkartenmotive. Über Jahrhunderte haben sie die Kulturlandschaft geprägt, entlasten die Talflächen, sichern die Winterfutter-


Der goldene Herbst steht in der Tiroler Zugspitz Arena ganz im Zeichen von Tradition. Der Almabtrieb in Lermoos und die „Schafschoad“ in Ehrwald, bei der die Schafe geschoren werden, werden mit Musik und Tiroler Spezialitäten zelebriert. Die Schafschaod samt Fest findet in diesem Jahr am Sonntag, 13. September, statt. Die Kühe kommen in der Regel am Tag zuvor retour.

Das „Heimfahren“, bei dem die Finkenberger Bauern ihre Tiere nach einem langen Sommer auf der Alm ins Tal bringen, ist ein echtes Erlebnis. Rund 400 Schafe und Haflinger ziehen gemeinsam mit ihren Hirten auf einem etwa siebenstündigen und 35 Kilometer langen Marsch von der Berliner Hütte durch den Zemmgrund bis ins Festgelände Dornau nach Finkenberg. Das Almabtriebfest ist 2026 für den 12. September geplant, die Tiere werden gegen 13 Uhr erwartet.

versorgung und tragen wesentlich zur hohen Qualität regionaler Lebensmittel bei. Gleichzeitig sind sie Lebensund Arbeitsraum, oft gemeinschaftlich bewirtschaftet, mit klar geregelten Weiderechten und genau festgelegten Tierzahlen. Jeder Almsommer folgt festen Regeln, von der Aufteilung der Weideflächen bis zur täglichen Betreuung der Tiere. Die Almabtriebe selbst variieren leicht von Region zu Region. In der Regel finden sie je nach Ort zwischen Mitte September und Anfang Oktober statt, wobei das letzte Septemberwochenende meist das Highlight markiert. (Tipp: Einen Überblick finden Sie laufend aktualisiert unter anderem unter www.tirol.at – Kultur/Brauchtum, ein paar stehen bereits fest.)
Die saftigen Wiesen der Gramai Alm sind auf drei Seiten von steilen Karwendelbergen umgeben. Einen schöneren Platz können sich wohl auch Kühe für ihre Sommerfrische nicht vorstellen. Alljährlich werden im Juni gut 100 Tiere ins Falzthurntal getrieben, die Milchkühe bleiben auf der Gramaialm, der Rest geht weiter auf den Hochleger. Diese 50 bis 60 Milchkühe sind es auch, die im Herbst festlich für den Almabtrieb hinaus nach Pertisau getrieben werden. 2026 startet der Almabtrieb am 18. September um 10 Uhr mit einem zünftigen Frühshoppen direkt bei der Gramai Alm.
Wenn die geschmückten Herden schließlich talwärts ziehen, kündigt ihr Geläut die Heimkehr schon von Weitem an. Die Leitkuh geht voran, als kenne sie den Weg auswendig. Entlang der Strecke bleiben Menschen stehen, schauen zu, schließen sich an. Es wird musiziert, gegessen, sich gefreut und geredet. So ist der Almabtrieb ein wunderbarer Arbeitsabschluss, öffentlich und doch tief persönlich. Am Ende, wenn die Tiere wieder im Stall stehen, wird im kleinen Kreis weitergefeiert. Mit Familie, Freunden und Helfern. Kein großes Spektakel mehr, sondern ein ruhiger Ausklang. Der Almsommer ist vorbei. Und war – im besten Fall – ein guter.
Marina_Bernardi

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Johann Anton Falger wird als Vater des Lechtals bezeichnet. Und das ist er auch. Der Universalgelehrte sprengte nach seiner Rückkehr Denkgrenzen im engen Tal, erweckte nicht nur das künstlerische Talent von „Geierwally“ Anna Stainer-Knittel, legte mit seiner Zeichenschule den Grundstein für die Schnitzschule und hinterließ seinen Lechtalern zahlreiche durchaus auch eigenartige Schätze. Anton Falger wurde vergangenes Jahr auf der Geierwally-Freilichtbühne gefeiert und Co-Autor Bernhard Wolf weiß: „Er war ein Macher und er war ein Spinner.“ Eine für immer vielversprechende Mischung.
Fotos: Isabelle Bacher

Der Blick durch das grobe Gitter offenbart fast schauerliche Klarheit über Leben und Tod. Unzählige Schädel und Knochen vor langer Zeit verstorbener Lechtalerinnen und Lechtaler vermögen die lebendige Betrachterin durchaus zu ernüchtern. Aha, das ist es also, was am Ende übrigbleibt. Sofern die Schädel nicht mit dem Namen und den Lebens-Eckdaten verziert wurden, sind sie alle gleich. Und bleich.
Irgendwo ganz hinten an der Wand dieses bedrückenden Gemäuers ist die schöne Jahreszahl 1001 zu lesen. Sie deutet nicht nur darauf hin, dass Elbigenalp wohl der älteste Ort im Lechtal ist. Es wird auch angenommen, dass das Beinhaus auf das Jahr 1050 zurückreicht und ursprünglich die erste Kapelle war, über der später die Martinskapelle errichtet wurde. In ihr kamen die Lechtalerinnen und Lechtaler zusammen, um zu beten und zu bitten. Im zwar wunderschönen, aber für das Überleben der Menschen auch arg widerspenstigen Tal muss der Glaube fast zwingend ein essenzielles Lebenselixier gewesen sein und als die Martinskapelle schließlich zu klein wurde, ging Elbigenalp daran, eine Pfarrkirche zu errichten. Die Urpfarre wurde 1312 erstmals urkundlich erwähnt. Logisch, dass sich in und um diese Kirche und die Kapelle herum richtig viel Lechtaler Geschichte tummelt. Wird bedacht, dass alle Töchter und Söhne des Ortes hier getauft wurden, dann ist dieser Ort ein verlässlicher Pulsgeber für ihre spätere Strahlkraft.
Johann Anton Falger Falger arbeitete ohne Unterlass, zog mit seinem Lithographietalent zahlreiche Prominenz nach Elbigenalp, renovierte Kirchen, gründete einen Fonds zur Erhaltung eines Arztes und Tierarztes im Tal und errichtete Denkmäler, wie beispielsweise jenes Kreuz, das an die Appenzeller Kriege vom Beginn des 15. Jahrhunderts erinnert, der ersten kriegerischen Auseinandersetzung, in welche die Lechtaler verwickelt worden waren. Ganz im Geiste der Renaissance sammelte er alles Außergewöhnliche und Neugier weckende – von historischen Daten und auch Klimafakten über anatomische Zeichnungen und Lechtaler Trachten bis hin zu naturwissenschaftlichen Reliquien, wie Holzarten, Schmetterlingen, Mineralien oder auch Fossilien, die im Museum Wunderkammer in Elbigenalp bestaunt werden können.
Über alle Grenzen und in teils abenteuerlicher Rezeption als Geierwally anhaltend berühmt bleibt die Malerin Anna Stainer-Knittel (1841–1915). Eine bronzene Gedenktafel an der Martinskapelle macht auf Josef Anton Lumpert (1757–1837) aufmerksam, der von 1823 bis 1834 Bürgermeister von Wien gewesen war. An der Kirchenmauer erinnert ein Grabstein an jenen Kooperator, der Marie von Bayern, der Mutter König Ludwig II., den katholischen Glauben näherbrachte. In der Kirche selbst ist das Fenster zu sehen, hinter dem die Alpenrosenkönigin noch als Protestantin gestanden hat, um der Messe beizuwohnen. Dass die bergbegeisterte Königin das tat, immer wieder zu Gast in Elbigenalp war und mit ihr die Königssöhne Otto und Ludwig, ist ihrer engen Freundschaft zu einem Lechtaler zu verdanken, der auch für den Startschuss der außergewöhnlichen Karriere der Anna Stainer verantwortlich war. Und für die Zeichenschule, aus der die Elbigenalper Schnitzschule wurde. Und für das bizarre Sammelsurium, das im Elbigenalper Museum „Wunderkammer“ gezeigt wird.
Vater des Lechtals.
Als Vater des Lechtals gilt Johann Anton Falger (1791–1876). Dafür gibt es unzählige richtig gute Gründe. „Er war ein Macher und er war ein Spinner“, weiß Bernhard Wolf und sagt: „Er hat Schulen finanziert und Arzthäuser, ja, er war ein Philanthrop in jeder Hinsicht, hat seine Frau Therese
Direkt über dem Beinhaus in der Martinskapelle von Elbigenalp hängt der Totenzanz Johann Anton Falgers. Aus seiner Zeichenschule wurde die Stuckateurschule, dann die Schnitzschule und schließlich die Fachschule für Kunsthandwerk und Design.




Kurzinterview

Madeleine Weiler ist Schauspielerin, Autorin und Regisseurin – auch des Stückes „Anton Falger – der Vater des Lechtals“, das vergangenen Sommer auf der Geierwally-Bühne in Elbigenalp aufgeführt wurde. Im Interview erzählt sie, was so faszinierend ist – am Helden und an der Bühne
Was ist reizvoll daran, an der Geierwally-Freilichtbühne Regie zu führen? Madeleine Weiler: Ich habe schon zwei Mal an der Geierwally-Bühne arbeiten dürfen und ganz generell ist diese Bühne einfach gewaltig. Ich finde die Menschen toll, die so begeistert sind und etwas erzählen wollen. Wie eben über Anton Falger, aber auch andere Geschichten und Menschen, die einen großen Wert für das Lechtal haben.
In Anton Falgers Biografie steckt viel starker Theaterstoff. Was fasziniert Sie an ihm? An Anton Falger fasziniert mich sein Mut und seine Neugier. Ja, dass er bis ins späte Alter hinein total neugierig war, denken wollte, viel mit der Lithographie gearbeitet und immer geschaut hat, was gibt’s für Möglichkeiten, was gibt’s für Neuerungen. Am Stück fasziniert mich auch, dass er viele Schicksalsschläge, viel Schmerz und Tod erfahren hat, sich aber trotzdem diese Lebensfreude und den Lebenswillen erhalten hat. Das ist so schön an der Figur des Falger. Faszinierend ist auch, dass es ihm total egal war, ob es Mädels oder Buben waren, die er unterrichtete.
In der Geierwally-Bühne beziehungsweise den Menschen, die Sie bewegen, steckt viel heimatverbundene Kraft und ein guter Stolz der Lechtaler. Ist das aussergewöhnlich? Ja, auch diese Leidenschaft, sich eine eigene Wertigkeit zu geben. Man sieht auch, wie das nach außen strahlt. Es kommen immer extrem viele Gäste aus Deutschland und es sind auch junge Menschen daran interessiert.
„AN ANTON FALGER FASZINIERT MICH SEIN MUT UND SEINE NEUGIER.“
Madeleine Weiler
sehr geliebt und sich schon sehr früh für Emanzipation eingesetzt. Falger hat neben Anna Stainer auch viele andere Personen gefördert und entdeckt, die Geschichte des Lechtales akribisch recherchiert und war mit Großen seiner Zeit wie Alois Senefelder oder Johann Wolfgang von Goethe befreundet.“ Dass Bernhard Wolf derart sprudelt, wenn der Name Anton Falger fällt, ist kein Zufall. Bernhard Wolf ist Lechtaler, Schauspieler und Autor. Seit 2011 ist er künstlerischer Leiter der Geierwally-Freilichtbühne in Elbigenalp und dort wurde vergangenen Sommer das Theaterstück „Anton Falger – der Vater des Lechtals“ gezeigt, das Wolf gemeinsam mit Christof Kammerlander geschrieben hat (heuer wird dort übrigens das Stück „Schwabenkinder“ von Claudia Lang-Forcher unter der Regie von Roland Silbernagl aufgeführt). Dass die Existenz der großartigen Freilichtbühne auf Geierwallys Umwegen ebenso auf Anton Falger zurückgeht, muss nicht weiter betont werden. „Er ist in so vielen Ecken und Menschen des Lechtals verankert. Die Bezeichnung Vater des Lechtals ist verkitscht, aber sie trifft’s ziemlich“, sagt Wolf. Der Vater des Lechtals war jedenfalls ein extrem spannender Typ mit enormer Begeisterungsbreite und Begeisterungsfähigkeit.
Johann Anton Falger wurde am 9. Juli 1791 in eine Zeit der großen Umbrüche hinein geboren. In diesem Jahr hat Frankreich seine erste Verfassung erhalten, ein Akt, der den Monarchen Europas allergrößte Furcht einflößte





















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und viel kriegerisch, aber auch gesellschaftspolitisch Einschneidendes in Bewegung setzte. Ob in der Backstube der Familie Falger über die französischen Verhältnisse sinniert oder diskutiert wurde, ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass das künstlerische Talent des Bäckersohnes ihn erst in die Lehre bei Maler Karl Selb nach Stockach führte und bald schon nach München, wo er an der Kunstakademie zu lernen und sein Talent zu formen begann. Die Napoleonischen Weltturbulenzen, die in Tirol zu den Freiheitskriegen führten, zwangen Falger in bayerische Uniform und ließen ihn zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen und Schlachten miterleben. Schon in München soll er mit Königin Marie von Bayern befreundet gewesen sein. Dort lernte Falger auch Alois Senefelder kennen, den Erfinder der Lithographie, von dem er ebendiese Drucktechnik erlernte, und das derart
Anton Falger, dem Vater des Lechtals, war das letztjährige Stück der Geierwally-Freilichtbühne gewidmet.
Der Tod holt sie alle.
ausgezeichnet, dass er Angebote aus Straßburg, London, St. Petersburg und anderen Metropolen ausschlug, um sich in Weimar niederzulassen, der Stadt, in der Johann Wolfgang von Goethe fast 50 Jahre lang wohnte. Goethe kennenzulernen inspirierte Falger nachhaltig – etwa zu seiner umtriebigen Sammelleidenschaft, die ihn später zum Chronisten des Lechtals machen und Verblüffendes über seine Heimat zutage bringen sollte. 40-jährig kehrte Anton Falger im Jahr 1831 zurück nach Elbigenalp – so wohlhabend wie stets wohlmeinend mit den Menschen seines Tales. Mit der Gründung der Zeichenschule förderte er bald deren Talente und schenkte ihnen damit eine Basis, um brotlose Zeiten zu überwinden. Aus der Zeichenschule wurde die Stuckateurschule, dann die Schnitzschule und schließlich die Fachschule für Kunsthandwerk und Design.
Bernhard Wolf hat schon recht. Anton Falger war ein Macher und ein Spinner, er war ein unendlich begeisterter Lechtaler, Chronist, Brauchtumsforscher, Geologe, Anthropologe, Kupferstecher, Lithograph – und er war Maler. Sein Hauptwerk ist es auch, das die leicht morbide und jedenfalls dunkle Ernüchterung, die Besucherinnen angesichts der Gebeine unter der Martinskapelle heimsucht, ein wenig erhellt. Denn direkt über dem Beinhaus hängt Falgers Totentanz. Auf 18 in warmen Tönen und sehr realistisch dargestellten Stationen macht der Tod vor niemandem Halt. Er holt sie alle. Papst, König, Richter. Bürger, Soldat, Kind, Mutter, Arzt, Knabe, Braut, Großmutter, Bauer, Reicher, Bettler, Mörder, Magd und Totengräber. Das waren erst 17. Wer in dieser Aufzählung fehlt, ist der vom Tod heimgesuchte Künstler, für dessen Darstellung Falger die Gesichtszüge von Joseph Anton Koch (1768–1839) gewählt hat. Falger verehrte den berühmtesten Lechtaler, der mit seinen unverwechselbaren Landschaftsmalereien Weltruhm erlangte. In gewisser Weise verneigte er sich mit dem Totentanz ein letztes Mal vor Koch, war der doch ein Jahr zuvor in Rom gestorben. Im ebenso von Anton Falger verfassten Text zum Tanz des Todes mit dem Künstler sagt der: „Laß leben mich der Kunst allein. Ich möcht durch sie verewigt sein.“ Und der Tod antwortet: „Sih andern bring ich keinen Kranz. Durch mich erhälst den Ruhm jetzt ganz.“ Anton Falger selbst sollte nach Fertigstellung des Totentanzes noch 36 Jahre in Elbigenalp leben und an einem Ruhm arbeiten, der mit dem letztjährigen Stück auf der Geierwally-Freilichtbühne gefeiert wurde. Zu Recht. Alexandra_Keller




Es gibt Orte, die wollen beeindrucken. Und es gibt Orte, die lassen uns einfach ankommen. Das Tiroler Lechtal gehört zur zweiten Art.
ielleicht liegt es an der Weite zwischen den Bergen. An den Wegen, die nicht fordern. Am wilden Lech, der sich noch frei durch das Tal bewegen darf. Oder daran, dass hier vieles geblieben ist, wie es immer war –ehrlich, ruhig und nah an der Natur.
Im Lechtal muss niemand etwas abhaken. Keine Highlights sammeln. Keine perfekten Urlaubstage produzieren. Hier reicht oft schon ein früher Morgen in den Bergen. Das Rauschen des wilden Lechs. Eine Bank vor einer Hütte. Oder das gute Gefühl, einmal nicht getrieben zu sein.
Wer durchs Lechtal geht, merkt schnell: Hier tickt die Uhr noch etwas langsamer. Die Berge geben hier den Rhythmus vor. Menschen nehmen sich Zeit für Gespräche. Für echte Begegnungen. Und manchmal einfach nur fürs Staunen.
Gerade deshalb bleibt das Lechtal vielen länger in Erinnerung als andere Reiseziele. Nicht weil hier alles größer, lauter oder spektakulärer wäre. Sondern weil sich vieles wieder klarer anfühlt. Vielleicht ist genau das heute der wahre Luxus: nicht mehr erleben zu müssen – sondern einen Ort zu finden,
an dem weniger plötzlich mehr wird. Ein Tal, das nicht lauter werden muss, um lange nachzuwirken.
Den Sommer im Lechtal erleben!

Tiroler Lechtal
Dorf 46, 6652 Elbigenalp www.lechtal.at
Johann Anton Falger is often referred to as the father of the Lech Valley. This polymath returned to his narrow alpine homeland and shattered the mental boundaries of his time, leaving the people of the Lech Valley with numerous – and at times rather curious – treasures.

Aglance through the heavy iron grating reveals an almost eerie clarity about life and death.
Countless skulls and bones of long-deceased Lech Valley residents line the interior, offering a sobering experience for the living. Unless a skull is decorated with a name and life dates, they are all the same. And pale.
High up on the wall of this sombre ossuary, one can spot the evocative year 1001. It not only suggests that Elbigenalp may be the oldest village in the valley, but also points to the Beinhaus (ossuary) dating back to around 1050. It is believed that this was original-
English Summary
ly the first chapel, over which the current St. Martin’s Chapel was later built. Here, the people of the valley would gather to pray and to plead. In a valley as stunning as it is stubborn, faith must have served as an essential elixir of life. The parish itself was first documented in 1312. Unsurprisingly, the church and chapel have long been central to the story of the region. Considering that generations of locals were baptised here, the site pulses with the spirit and legacy of its people.
Yet it is Johann Anton Falger (1791–1876) who is most fondly remembered as the father of the valley. A philanthropist in the truest sense, Falger funded schools and doctors’ houses, was devoted to his wife Therese, and was an early advocate for women’s emancipation. He supported and discovered many gifted individuals, meticulously researched the history of the Lech Valley, and counted luminaries such as Alois Senefelder and Johann Wolfgang von Goethe among his friends. Born on 9 July 1791, in an age of sweeping change, it was Goethe in particular who inspired him – especially his passion for collecting, which later led him to become the valley’s chronicler, unearthing astonishing insights about his homeland.
At the age of 40, Anton Falger returned to Elbigenalp in 1831 – prosperous, yet always kind-hearted towards the people of his valley. By founding a drawing school, he fostered local talent and gave them the foundation to weather difficult times. This school would later evolve into a stucco workshop, then a woodcarving school, and eventually today’s College for Arts and Design – an institution whose reputation still extends far beyond the village itself.
Der
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Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik feiern heuer ihr 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass blicken wir mit Rainer Lepuschitz, dem ehemaligen Kulturjournalisten und langjährigen Dramaturgen der Festwochen, auf deren Geschichte zurück. Und dabei zeigt sich: In vielen Belangen der Alten Musik war Innsbruck bahnbrechend.
Nicht zufällig war es Innsbruck, wo ab den 1960er-Jahren die Alte Musik wiederentdeckt wurde. Schon in der Renaissance und im Barock weilten bedeutende Komponisten der damaligen Zeit in Tirol: Paul Hofhaimer zum Beispiel, Heinrich Isaac oder Pietro Antonio Cesti. Diese Meister blieben allerdings für Jahrhunderte vergessen und Haydn, Mozart und Beethoven dominierten das Konzertgeschehen. In Vergessenheit gerieten auch die alten Instrumente und wie sie gespielt wurden.
Vorreiter des Originalklangs.
1963 entstanden in Innsbruck die Ambraser Schlosskonzerte, an die eine Sommerakademie für historische Spielpraxis angeschlossen wurde. Aus dieser erwuchsen 13 Jahre später schließlich die Innsbrucker Festwochen. Waren die historischen Aufführungen für die Besuchenden der Schlosskonzerte durchaus normal, wunderte sich das breitere Publikum, wie Rainer Lepuschitz launig erzählt: „Das Repertoire hat damals ja erst bei Mozart angefangen. Und dann kommen plötzlich ein paar Verrückte daher und spielen auf Geigen mit Darmseiten, die sie ständig nachstimmen müssen, weil sie wollen, dass das wie im Original klingt. Und es steht ein Mann draußen und singt mit Frauenstimme.“ Wider Erwarten schlug das Programm ein und die Festwochen traten eine lange Reise an, in deren Verlauf sie immer wieder Maßstäbe setzten.
Hort der italienischen Oper.
Einer der Ersten, der in Innsbruck tätig wurde, war der Dirigent Sir John Eliot Gardiner, der 1977 „Acis und Galatea“ von Georg Friedrich Händel aufführte. Mit der Kombination Gardiner/Händel hätten die Festwochen durchaus in eine „englische Richtung“ gehen können,


„AB DEN 1990ERN WAREN OPERN, DIE IN INNSBRUCK ENTDECKT WURDEN, WELTWEIT SALONFÄHIG.“
Rainer Lepuschitz
glaubt Rainer Lepuschitz. Doch das taten sie unter den musikalischen Leitern, jahrzehntelang René Jacobs, kurzzeitig Howard Arman, eineinhalb Jahrzehnte lang Alessandro De Marchi und nun schließlich unter der Künstlerischen Leitung des Duos Eva-Maria Sens und Ottavio Dantone nicht mehr oder nur ganz am Rande. Innsbruck wurde stattdessen ein Hort der szenischen Wiederentdeckung der italienischen Barockoper in all ihren Facetten: von „Orontea“ von Antonio Cesti über „Orfeo“, „Ulisse“ und „Poppea“ von Monteverdi bis zu „Il Germanico“ von Nicola Porpora oder „La finta semplice“ des 14-jährigen Mozart, noch im Barockstil geschrieben. „Es gab jedes Jahr eine neue Produktion und das war sicher eine Besonderheit der Festwochen“, glaubt Lepuschitz.
Richtig gut war man bei den Festwochen auch darin, verschollen geglaubte Werke wieder aufzuspüren, was der akribischen Recherche der musikalischen Leiter zu verdanken
Kurzinterview

Eva-Maria Sens, Künstlerische Direktorin der Innsbrucker Festwochen
Was bildet das Herzstück des Jubiläumsprogramms? Eva-Maria Sens: Das Zentrum des diesjährigen Festprogramms ist „Il pomo d’oro“ – die monumentale Oper des Innsbrucker Hofkomponisten Pietro Antonio Cesti, die bis heute (noch) als „unaufführbar“ gilt.
Was steckt hinter der Leitfrage des Sommers: Was feiern wir? Sie versteht sich als Einladung, gemeinsam zu feiern –die Musik, die Künstlerinnen und Künstler, das Publikum und natürlich auch die Festwochen selbst mit ihrem runden Geburtstag.
Gibt es für Sie persönliche Highlights in diesem Sommer – oder darf man als Künstlerische Direktorin überhaupt Favoriten haben? Da ich das Programm kuratiert habe, weiß ich natürlich, dass alles, was kommt, gut ist. Ganz persönlich freue ich mich besonders auf die vielen außergewöhnlichen Sängerinnen und Sänger, für die die Festwochen bekannt sind, auf Ensembles wie die Akademie für Alte Musik Berlin und auf phantastische Instrumentalisten wie Jean Rondeau und Giovanni Antonini.
war und ist. So wurde 1997 die wiederentdeckte Oper „Solimano“ von Johann Adolph Hasse aufgeführt, in der es um das Leben von Sultan Süleyman I. geht. Vor dieser Wiederentdeckung, so Lepuschitz, habe man geglaubt, dass die erste jemals aufgeführte „türkische Oper“ Mozarts „Entführung aus dem Serail“ sei. Im selben Jahr kam ein zweiter Fund, der kurz zuvor von René Jacobs gemacht worden war, zur Aufführung: „L’opera seria“ von Florian Leopold Gassmann, die die Musikwelt auf die Schaufel nimmt. Derlei Beispiele gäbe es noch viele, sagt Rainer Lepuschitz: „Das Entdecken hat nie aufgehört.“ Und so ist es bis ins Heute geblieben. Ottavio Dantone hat zum heurigen Jubiläum verschollene Teile von „Il pomo d’oro“ von Cesti rekonstruiert. So kann die komplette Oper diesen Sommer zum ersten Mal wieder aufgeführt werden. Eigentlich gilt das Werk als unaufführbar, weil es alle Regeln und Dimensionen sprengt. Immerhin ist es für 47 Solorollen, Ballett und Chor ausgelegt. Die Innsbrucker Festwochen werden wohl beweisen, dass geht, was niemand gedacht hat. Wie schon so oft.
Anfang der 1980er-Jahre, so Lepuschitz, hätten die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik an Bedeutung gewonnen, zehn Jahre später seien sie fest etabliert gewesen: „Ab den 1990ern waren dann Opern, die in Innsbruck entdeckt wurden, weltweit salonfähig.“ Ja, die Innsbrucker Festwochen erwarben sich in der Presse zuweilen sogar einen legendären Status. So hieß es anlässlich des 250. Geburtstages von Mozart 2006 in einer Gazette: „Im Mozartjahr fährt man nicht nach Salzburg, sondern nach Innsbruck.“ Und 2010 erhielt die Tiroler Landeshauptstadt von einem deutschen Kritiker in Anspielung auf den Aufführungsort der berühmten Wagner-Festspiele gar den Titel „Bayreuth der Alten Musik“. Was allerdings einen etwas anderen Hintergrund hatte, wie sich Rainer Lepuschitz erinnert. So habe Alessandro De Marchi darauf bestanden, die Oper „L’olimpiade“ von Giovanni Pergolesi vollständig aufzuführen. Lepuschitz: „Das Werk hat über fünf Stunden gedauert. Die Bayreuth-Anspielung des Kritikers hat sich also auf die Länge bezogen.“
Auch was den Einsatz von Countertenören anging, war Innsbruck weit voraus. Während sie heute auch beim Eurovision Song Contest auftreten, waren sie vor wenigen Jahrzehnten noch seltene Exoten. „Die Geschichte der Festwochen ist auch eine Geschichte der Entwicklung der Countertenöre“, sagt Lepuschitz. Es gäbe noch viele Entwicklungen aufzuzeigen, bei denen die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik einen wesentlichen Beitrag geleistet haben, und die Geschichte geht weiter. Im heurigen Jubiläumsjahr und auch darüber hinaus. Uwe_Schwinghammer
Mehr als 60 Veranstaltungen machen Innsbruck im Sommer zum Treffpunkt für Musikliebhaber*innen aus aller Welt. Auf dem Programm stehen glanzvolle Opern, festliche Konzerte und klingende Entdeckungen an besonderen Orten in und um Innsbruck. Tauchen Sie ein in 500 Jahre Musikgeschichte und werden Sie Teil dieses kulturellen Highlights.
Verpassen Sie im
50. Festwochen-Sommer nicht ...
… Legendäre Opernproduktionen
Erleben Sie Musikgeschichte hautnah: «Il pomo d’oro» – eine Oper, die als unaufführbar galt und zum Mythos wurde – wird in diesem Jubiläumsjahr wieder zum Leben erweckt.
… Historische Spielstätten
Von dem prunkvollen Riesensaal der Innsbrucker Hofburg über den berühmten Spanischen Saal im Schloss Ambras bis hin zum Goldenen Dachl und dem Dom: Bei den Festwochen werden historische Orte zur Bühne. Genießen Sie Musik an den Orten, die selbst Kunstwerke sind.
… Vergangene Klänge, neue Räume
Was passiert, wenn Alte Musik auf moderne Architektur trifft? Entdecken Sie in besonderen Konzerten, wie überraschend lebendig die Brücke zwischen den Zeiten wird – wenn Vergangenes mitten im Heute wieder erklingt.
… Musik für alle – einfach und frei Mit Musica montana auf den Almen rund um Innsbruck, Lunchkonzerten im Hofgarten und dem Concerto mobile mitten in der Stadt gibt es jede Menge Gelegenheiten, die Festwochen kostenlos und in lockerer Atmosphäre zu erleben.
20.00 Uhr Fr | 24.07.
20.00 Uhr Sa | 25.07.
20.00 Uhr Fr | 31.07.
20.00 Uhr Sa | 01.08.
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11.00 Uhr Do | 06.08. Haus der Musik Innsbruck � Großer Saal youngbaroque & masterclass ab 18.30 Uhr Fr | 07.08.
13.00 Uhr Sa | 08.08.
Alle Infos und Tickets auf altemusik.at
Tiroler Landestheater � Großes Haus Il pomo d’oro
Schloss Ambras Innsbruck � Nikolauskapelle The Queen’s Lute
13.00 - 22.00 Uhr So | 09.08. Hofgarten Innsbruck Wir feiern!
20.00 Uhr Mo | 10.08. Schloss Ambras Innsbruck � Spanischer Saal A Tribute to Alan
20.00 Uhr Do | 13.08. Dom zu St. Jakob Christina von Schweden
21.30 Uhr Fr | 14.08. Hofgarten Innsbruck � Pavillon Die blaue Stunde
20.00 Uhr Mo | 17.08. Schloss Ambras Innsbruck � Spanischer Saal Un giro d’Italia
20.00 Uhr Di | 18.08. Tiroler Landestheater � Großes Haus Neapolitanisch aufg’spielt
20.00 Uhr Mi | 19.08. Stiftskirche Wilten Gioseffo
20.00 Uhr Do | 20.08. Hofburg Innsbruck � Riesensaal Encore ab 19.00 Uhr Fr | 21.08. Haus der Musik Innsbruck � Kammerspiele Atalanta
13.00 Uhr Sa | 22.08. Hofkirche Innsbruck Sonare organo
20.00 Uhr Sa | 22.08. Haus der Musik Innsbruck � Großer Saal Il Trionfo
20.00 Uhr Do | 27.08. Schloss Ambras Innsbruck � Spanischer Saal Bach & Söhne
19.00 Uhr Fr | 28.08. St. Bartlmä � Halle 6 Made in Tirol
20.00 Uhr Sa | 29.08.
Schloss Ambras Innsbruck � Spanischer Saal Ottavio plus
19.00 Uhr So | 30.08. Haus der Musik Innsbruck � Großer Saal Finalkonzert 17. Cesti-Wettbewerb


Er ist Tirols wichtigster Export in Sachen Jazz: Franz Hackl hat den Klang der von seinem Vater erfundenen Trompete von Schwaz bis nach New York City getragen. Nach einem Grammy und Jahrzehnten im Scheinwerferlicht kehrt er nun vermehrt zu seinen Wurzeln zurück. In Schwaz agiert er als Sohn, Mentor und kultureller Motor eines Festivals, das keine Grenzen kennt.
AUF EINE ART, DIE MAN VON JEMANDEM, DER SEIT DEN FRÜHEN 1990ER-JAHREN ÜBERWIEGEND IN NEW YORK
LEBT, NICHT UNBEDINGT ERWARTET.
In meinem Kopf bin ich nie ausgewandert“, sagt Franz Hackl. Dabei hat er Schwaz mit Anfang 20 verlassen, um dorthin zu gehen, wo der Puls des Jazz am heftigsten spürbar ist: New York City. Drei Jahrzehnte später, um einen Grammy – genau genommen durch seine Mitwirkung am Album des puertoricanischen Rappers Residente – reicher, sitzt er in der Stube seiner Eltern. Und ist trotzdem noch nicht ganz zurück.
Der gebürtige Schwazer ist wohl Tirols prominentester Beitrag zur globalen Jazzkultur. Und er ist geerdet geblieben auf eine Art, die man von jemandem, der seit den frühen 1990er-Jahren überwiegend in New York lebt, nicht unbedingt erwartet. Wenn Hackl in Schwaz ist, ist er für seine Eltern da, wann immer sie Unterstützung brauchen, arbeitet in der Blechblasinstrumentenbauer-Werkstatt oder gibt Online-Stunden für Musiker aus aller Welt. Das Instrument, das Franz Hackl so virtuos beherrscht, ist keine gewöhnliche Trompete. Er spielt eine Hackl-Trompete, benannt nach ihrem Erfinder und seinem Vater Franz Hackl senior. Die Eigenart dieser Trompete liegt in ihrer Bauform mit dem „aufgebogenen“ Schalltrichter. Dieser ist freilich kein Gimmick, hat nicht nur optische Gründe, sondern verbessert die Klangabstrahlung in Richtung des Publikums, weil der Schall des Trichters direkt in den Raum geht, statt den Vordermann akustisch zu bedrängen oder am Notenpult hängen zu bleiben.
Das Outreach Festival & Academy (umgangssprachlich oft auch „Festwochen der jungen Musik“ genannt) von Initiator Franz Hackl ist ein Jazzmeeting und findet seit 1993 in Schwaz statt. Alljährlich werden dabei Musiker eingeladen, um in unterschiedlichen Besetzungen gemeinsam Musik zu machen und die Teilnehmer zu unterrichten. Unter dem Motto „Geschmacksverstärkung für alle“ finden sich Größen der Jazz- und Rockwelt, DJs und Musikproduzenten in der Silberregion Karwendel zusammen, um „lebende Musik“ unter die Leute zu bringen. Das Outreach Festival will mit seiner Musikprogrammierung Originäres und Unverwechselbares bieten. Diese Mischung wird mittlerweile von Festivalbesuchern aus ganz Österreich geschätzt. Weitere Infos und Programm unter www.outreachmusic.org
Franz Hackl junior sitzt in der vertäfelten elterlichen Stube in Schwaz, nur einen Steinwurf vom Inn entfernt, der in einem tiefen Flussbett, gesäumt von den hohen Innmauern, die Silberstadt teilt. Er nimmt auf einer Couch Platz, hinter ihm hängen Bilder, die seine Schwester Heidi Hackl gezeichnet hat, sie ist Künstlerin und Kostümbildnerin. Die Musik ist Franz Hackl in die Wiege gelegt. Schon als kleines Kind hört er seinen Vater regelmäßig in der Werkstatt spielen. Trompetenklänge gehören im Hause Hackl zur vertrauten Klangkulisse. „Ich wollte schon als Kind, mit drei, vier Jahren mit dem Trompetenspiel beginnen“, erinnert sich Hackl. Daraus wird zunächst nichts, weil der Vater keinen Druck aufbauen will. „Er wollte mich beschützen.“ Die Fußstapfen des Instrumentenbauermeisters Franz Hackl senior sind nicht gerade klein. „Mein Vater war damals Solotrompeter in der Militärmusik, namhafte Komponisten haben Werke für ihn geschrieben“, sagt er. Deshalb lernt der junge Franz Hackl zunächst Blockflöte und später Klavier. Halbherzig. Seine Leidenschaft gilt der Trompete. Hackl ist acht Jahre alt, als der Vater schließlich einlenkt.
Herrliche Komplexität.
Großangelegten Masterplan gab es im Leben Franz Hackls keinen. „Ich habe mir immer mehrere Optionen offenge-
Vom Tiroler TrompetenWunderkind zum internationalen Jazzsolisten führte Franz Hackl juniors Weg – hier in der heimatlichen Werkstatt – von der traditionellen Blasmusik direkt in die Musikmetropole New York.
halten. Eine fixe Idee hatte ich nie – dann gehst du mit Scheuklappen durchs Leben.“ Franz Hackl wollte gut – nein, ausgezeichnet sein. „Dann hast du die Möglichkeit, Wege zu gehen, wenn sie sich auftun.“ Mit dieser Einstellung ist der Trompeter immer gut gefahren. „Das Leben ist herrlich komplex. Kompliziert wird es nur durch schlechtes Management“, ist sein Credo. Von der Erzählung, man müsse „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ sein, hält er nichts. „Das Leben bietet viele Chancen. Man muss nur bereit sein, sie auch zu ergreifen.“ Franz Hackl war immer bereit. Seine größten Karrieresprünge verdanken sich seiner Spontanität. Als er einmal unverhofft für seinen Mentor Lew Soloff einspringen sollte, ist Hackl da. „Ich war bereit, ich war voll im Saft“, sagt er. Chance ergriffen, Chance genutzt. Von der Musik leben kann man heutzutage nur, wenn man die Möglichkeiten ergreift, die sich auftun. Dieses pragmatische Fundament legte er sich bereits in jungen Jahren. Nach dem Paulinum in Schwaz begann Hackl in Innsbruck das Studium der Musikwissenschaften und Philosophie. Gleichzeitig absolviert er unter der liebevollen Anleitung seines Vaters die Ausbildung zum Instrumentenbauer. Geprägt hat ihn auch Gert Chesis Eremitage in Schwaz, einer der ersten Jazzclubs in Österreich. „Chick Corea, Pat Metheny, ... die Superstars des Jazz haben in diesem kleinen Schwazer Café gespielt. Das war ein absoluter Wahnsinn“, erinnert sich Hackl.
Den Jazz verbindet er vor allem mit einem Begriff: Freiheit. „Wir alle“, sagt der Trompeter, „neigen dazu, zu

„DAS LEBEN BIETET VIELE CHANCEN. MAN MUSS NUR BEREIT SEIN, SIE AUCH ZU ERGREIFEN.“
Franz Hackl
viel in Kategorien zu denken.“ Jazz sträubt sich dagegen, in eine Schublade gesteckt zu werden. Mit 17 Jahren ist Franz Hackl bereits ein etablierter Trompeter, wie einst schon der Vater Solist bei den Original Tiroler Kaiserjägern. Gut ausgebildet, technisch sehr sauber. Der erste Kontakt mit dem Jazz fällt dennoch ernüchternd aus. Im Jazz ist Improvisation gefragt. Das ist Hackl zunächst noch völlig fremd. „Wenn ich schon virtuos spielen kann, dann sollte ich doch auch fähig sein, mit meinen Mitmusikern zu kommunizieren.“ Hackls Ehrgeiz ist geweckt, er beschäftigt sich in der Folge intensiv mit der Improvisation, um die Sprache des Jazz zu lernen. Die Latte liegt hoch: „Hätte ich das damals nicht geschafft, hätte ich mir mein Musiker-Sein abgesprochen.“ Die Überwindung dieser Hürde – der Sprung von der Notentreue in die Freiheit der Improvisation – wird für Hackl zum Befreiungsschlag. Er begreift, dass

Technik nur das Fundament ist, auf dem die Geschichten, die er mit seinem Instrument erzählen will, ruhen.
Hello, Vienna Calling.
Da die Berufsschule der Instrumentenbauer in Wien angesiedelt war, verschlug es Franz Hackl damals in die Bundeshauptstadt. Groß, aber um ein Vielfaches kleiner als sein späterer Lebensmittelpunkt New York. Hackl tauchte ins Wiener Nachtleben ein und lernte die damaligen heimischen Jazzgrößen wie Karl „Bumi“ Fian kennen. Er schaffte die Aufnahmeprüfung am Konservatorium, nahm sein Jazzstudium auf und wurde für diverse Gigs gebucht. Es lief ganz gut. Damals, Ende der 80er-Jahre, boomt das Musical. Eine Chance für den Trompeter, die er absichtlich vorbeiziehen ließ, weil Hackl eine Rolle als Theatermusiker als Karrieresackgasse empfunden hatte. In Wien hätte ihn so etwas wie eine
„JEDER TON, DEN ICH SPIELE, GEHT HINAUS INS UNIVERSUM. ICH KANN IHN NICHT MEHR ZURÜCKHOLEN.“
Franz Hackl
vorgezogene Midlife Crisis ereilt. „Nicht biologisch, aber geistig“, so Hackl. „Ich habe New York gebraucht“, sagt Hackl rückblickend. Der damals 23-Jährige wollte nur eines: „Jazz zu meinem Lebensmittelpunkt machen.“
New York, New York.
Deshalb ging er dorthin, wo Jazz nicht irgendein Genre, sondern eine Lebenseinstellung ist: New York City, die moderne Welthauptstadt des Jazz. Die amerikanische Botschaft in Wien faxt Franz Hackl eine Liste mit Hochschulen, an denen Jazz gelehrt wird – samt den Lehrenden. Hackls Wahl fällt auf Lew Soloff, der unter anderem Leadtrompeter von Frank Sinatra und Barbra Streisand gewesen ist und mit Gil Evans gespielt hat. Ein Gigant seines Fachs. „Soloff war erdig, authentisch –und konnte Lead spielen. Er hat dabei nicht nur clean abgeliefert, sondern war vielseitig und hat immer mit Emo-


FRANZ HACKL WOLLTE NICHT ALS „LOCAL HERO“ ENDEN, SONDERN DORTHIN, WO IHN DIE BESTEN DER JAZZSZENE FORDERN, INSPIRIEREN UND MITREISSEN WÜRDEN.
tion gespielt.“ Soloff wurde zu Hackls Mentor, der ihm das vorgelebt hat, wonach der junge Trompeter gesucht hatte: Die Seele mit der Technik zu verbinden. Noch heute schwärmt Hackl vom „warmen Sound“ Soloffs.
Mundwerker.
„Wir Blechbläser sind – neben den Sängern – die einzigen Musiker, bei denen die Tonquelle unser eigener Körper ist. Was die Stimmbänder für die Sänger sind, sind bei uns die Lippen.“ Das Instrument selbst, erklärt Hackl, sei vor allem Verstärker und Klangformung. Die eigentliche Schwingung kommt von innen. Deshalb ist die Trompete für ihn kein Werkzeug, sondern eine Verlängerung seiner Stimme. Diese Intimität verpflichtet. „Jeder Ton, den ich spiele, geht hinaus ins Universum. Ich kann ihn nicht mehr zurückholen.“ Hackl kommt deshalb nie übervorbereitet zu einem Gig. Das mechanische Wiederholen fester Abläufe, sagt er, raube der Musik den Raum zum Atmen. Improvisation müsse Komposition in Echtzeit sein – sonst wird man ausrechenbar. Und ein ausrechenbarer Musiker, der ist langweilig.
Das setzt voraus, dass man wirklich etwas zu sagen hat. Hackl arbeitet täglich daran. Nicht, um Fehler zu vermeiden – Perfektion hält er für eine Illusion –, sondern um sich weiterzuentwickeln. „Wenn ich etwas völlig fehlerfrei abliefere, bin ich nicht an meine Grenzen gegangen.“ Mit fortschreitendem Alter, sagt er, werde er besser, nicht schlechter: Was er körperlich verliere, gewinne er an Effizienz und Verständnis. Die Stimme reift.
Die Welt ist seine Bühne.
„Ich halte mich dort auf, wo ich am meisten gebraucht werde.“ Derzeit ist das wieder Schwaz. Franz Hackl wird seiner Familie zur Hand gehen, auf rund die Hälfte seiner New Yorker Gigs verzichten – nach Jahren, in denen er bis zu sechsmal pro Woche auf der Bühne stand. Heimat ist für ihn kein Ort, sondern ein Gefühl: Vertrautheit. Und die trägt er ohnehin mit sich, in Gestalt der Hackl-Trompete, die seinen Namen trägt und den seines Vaters. Kurz davor hat er sich noch einen Grammy geholt. Das Album „Las Letras
Ya No Importan“ von Residente, auf dem Hackl sämtliche Trompetenparts eingespielt hat, wurde mit der prestigeträchtigsten Trophäe der Musikbranche ausgezeichnet. Franz Hackl erwähnt das fast beiläufig.
Jazz mit Reichweite.
Seit 1993 bringt Hackl jeden Sommer die New Yorker Jazzelite in seine Heimatstadt – zum Outreach Festival, das er gegründet hat und seither künstlerisch leitet. In Zeiten der Pandemie hat Franz Hackl sich mit seinen Musikerkollegen im Wortsinn in die Auslage seiner Werkstatt gestellt und von dort aus gespielt. „Musikinstrumente Franz Hackl Schaufenster-Konzerte“ hieß das Format, mit dem gegen die Stille angespielt wurde. Das Outreach ist eben nicht nur ein Event, sondern Ausdruck einer Haltung. Was dabei entsteht, lässt sich schwer in eine Kategorie pressen. Das ist wohl Absicht. Ob er irgendwann ganz in die alte Heimat zurückkommt?
Hackl lässt die Frage offen. Sein wahrer Lebensmittelpunkt braucht keine Koordinaten: Jazz. Hier in Tirol, in New York, überall. Marian_Kröll
English Summary
He is Tyrol’s most important export in jazz: Franz Hackl has carried the sound of the trumpet invented by his father from Schwaz all the way to New York City.
In my mind, I’ve never left,” says Franz Hackl, even though he has been commuting between Schwaz and New York for decades. The musician is regarded as Tyrol’s most significant contribution to the international jazz scene. Despite winning a Grammy for his work on the album “Las Letras Ya No Importan” by the Puerto Rican rapper Residente, Hackl comes across as remarkably down-to-earth. When he is in Schwaz, he helps his parents in the workshop, teaches musicians online or works on that special instrument that bears his family’s name: the Hackl trumpet. Its characteristically curved bell improves sound projection and symbolises the combination of craftsmanship and musical vision that has always defined the Hackls.
Franz Hackl grew up in Schwaz in a music-loving family and wanted to play the trumpet from an early age. His father, himself a renowned instrument maker and musician, initially had him learn other instruments before finally allowing the eight-year-old to take up the trumpet. Hackl never followed a set career plan; instead, he chose to keep an open mind. To everything.
In his home town, Franz Hackl was shaped by the Schwaz jazz scene centred around Gert Chesi’s Eremitage, where international greats such as Chick Corea and Pat Metheny performed. For Hackl, jazz meant, above all, freedom. The transition from technical perfection to improvisation thus became a personal liberation for him. After studying in Innsbruck and Vienna, he was eventually drawn to New York in the early 1990s – a place where jazz is not merely a musical genre, but a way of life. There, he found a mentor in Lew Soloff, who showed him how technique and expression could be combined.

To this day, Hackl sees music as something alive: every note tells a story and is created in the moment. Since 1993, he has been bringing international jazz musicians to Schwaz himself through the Outreach Festival. He defines home less as a geographical place than as a sense of familiarity that travels with him wherever he goes.

Vor einigen Jahren entdeckte Kai Kipfmüller das Apnoetauchen für sich. Inzwischen gibt er sein Wissen bei Kursen am Achensee weiter. Mit minimalem Stress bei maximalem Naturerlebnis.
Fotos: Tom Bause

„IMMER WENN ES STRESSIG WAR, HAT MIR DAS APNOETAUCHEN
UND
Kai Kipfmüller
Der breiten Öffentlichkeit wurde das Apnoetauchen durch den Film „Im Rausch der Tiefe“ des französischen Starregisseurs Luc Besson bekannt. Angelehnt ist die Handlung an die wahre Geschichte der Rivalität des Franzosen Jacques Mayol und des Italieners Enzo Maiorca, die sich in den 1960er-Jahren über einen Zeitraum von zehn Jahren die Tauchrekorde gegenseitig abjagten. Mit der Realität von Apnoetaucher Kai Kipfmüller hat das allerdings wenig zu tun. Für ihn zählen nicht Tiefe und Leistung, sondern maximale Entspannung und die Nähe zur Natur.
Der gebürtige Deutsche kam als Jungkoch in der gehobenen Gastronomie nach Tirol. Er arbeitete in verschiedenen Betrieben, war selbst Teilhaber eines gut gehenden Restaurants in Innsbruck. Als Ausgleich zum stressigen Job war er viel in den Bergen unterwegs und entdeckte schließlich den Blindsee im Außerfern: „Das Wasser war so klar, man konnte die Fische beobachten. Da habe ich mir ein Schnorchelset gekauft.“ Nach kurzer Zeit folgte ein erster Neoprenanzug und Kipfmüller begann im Internet zu recherchieren, welche Möglichkeiten es gab, die Luft etwas länger anzuhalten: „Dabei bin ich auf das Apnoetauchen gestoßen. Zuerst hatte ich den Eindruck, da gibt es nur Spitzensport, dennoch ließ mich der Gedanke nicht mehr los.“ Er schaute nach einer Weile wieder ins Netz und entdeckte einen Kurs, den er schließlich buchte und besuchte. Dabei entdeckte er
Beim Apnoetauchen nimmt der Taucher vor dem Abtauchen einen einzigen tiefen Atemzug und genau mit diesem einen Atemzug wird der gesamte Tauchgang absolviert. Damit gilt Apnoetauchen als die ursprünglichste und älteste Form des Tauchens überhaupt. Im modernen Apnoe-Tauchsport gibt es verschiedene Disziplinen und Kategorien. Dabei werden Leistungen in den Bereichen Zeit, Strecke und Tiefe gemessen. Besonders beim Tiefentauchen unterscheidet man zusätzlich zwischen Tauchgängen mit oder ohne Flossen sowie mit unterschiedlichen Hilfsmitteln wie Seil, Gewicht oder Hebeballon. Den aktuellen absoluten Tiefenrekord der Herren hält der Österreicher Herbert Nitsch mit beeindruckenden 214 Metern. Bei den Frauen liegt der Rekord bei 160 Metern und wird von der US-Amerikanerin Tanya Streeter gehalten. Beide Rekorde wurden in der Kategorie „Variables Gewicht“ mit Hebevorrichtung erzielt.
eine neue, faszinierende Welt, in die er seither im wahrsten Wortsinn immer tiefer eingetaucht ist. Er trug sich bei einem Verein ein, begann systematisch zu trainieren, absolvierte erste Pool-Wettkämpfe, schnitt recht gut ab und fand Gefallen daran. Nach und nach absolvierte Kai Kipfmüller weitere Kurse. 2018 den letzten, der ihn auch befähigt, andere zu unterrichten. Vorerst blieb es noch ausgleichendes Hobby: „Immer wenn es stressig war, hat mir das Apnoetauchen total geholfen. Ich habe mein System heruntergefahren und nach 20, 30 Minuten war ich total entspannt.“
Maximale Entspannung.
Apnoetauchen sei zu 80 Prozent Kopfsache, erzählt Kipfmüller: „Manchmal arbeite ich mit Leuten, die Angst im Wasser haben, grade ein Burnout hatten oder haben. Dann geht es nicht wirklich um das Apnoetauchen, sondern um 45 Minuten maximale Entspannung im Wasser.“ Mit dieser Entspannung und der richtigen Technik komme auch die Fähigkeit, länger unter Wasser zu bleiben: „Da kommen viele Leute gleich mal ohne große Anstrengung an die zwei Minuten heran, ohne es selber zu merken.“ Erzwingen lasse sich nämlich nichts.
Apnoe ist ein Sport, der gut für Geist und Körper ist. Und am Achensee zudem in einer faszinierenden Natur stattfindet, allerdings auch unter ganz besonderen Bedingungen. Die Meeres-

höhe und das doch recht kalte Wasser seien trotz des Neoprenanzugs durchaus limitierende Faktoren: „Man taucht viel weniger tief. Selbst die Vollprofis erreichen höchstens 60, 70 Prozent ihres Potenzials.“
Es blieb schliesslich nicht aus, dass Kai Kipfmüller die Faszination und sein Wissen weitergeben wollte: „Freunde haben mich immer wieder gefragt: ‚Gehst du mit uns schnorcheln, du kannst das doch so gut.‘ Ich habe dann Freunden und den Freunden von Freunden für eine Pizza Unterricht gegeben.“ Schließlich gründete Kipfmüller 2021 „Freedive Tirol“, kaufte die ersten gebrauchten Anzüge und begann nicht mehr nur im Freundeskreis zu unterrichten – allerdings immer noch neben der Arbeit als Koch: „Nach
„ICH SEHE ES ALS MEINE
VERANTWORTUNG AN, FIT ZU SEIN FÜR DIE ANDEREN.“
Kai Kipfmüller


der Arbeit bin ich um 15 Uhr immer gleich an den Achensee gefahren, für die Kurse.“ Schließlich entschloss er sich, die Kochschürze an den Nagel zu hängen und sich – zumindest vorerst – ganz dem Apnoetauchen zu widmen.
Die Kurse, die Kai Kipfmüller aktuell anbietet, finden häufig am Achensee statt. Oder in Form von gemeinsamen Urlauben – so genannten Retreats – am Meer, die er seit zwei Jahren veranstaltet: „Dabei geht es darum, eine schöne Zeit zu haben, gegenseitiges Vertrauen zu gewinnen.“ Und natürlich zu tauchen: „Wir fahren mit Booten hinaus, sprechen uns ab, wer wo hinuntertaucht und wo er wieder raufkommt. Der Zweite bleibt an der Oberfläche, um im Notfall reagieren zu können.“ Kai Kipfmüller trainiert selbst immer noch regelmäßig. Und das nicht nur, um bei Wettkämpfen teilzunehmen, sondern für seine Kundinnen und Kunden: „Ich sehe es als meine Verantwortung an, fit zu sein für die anderen.“
Die Achensee-Kurse, so erinnert sich Kipfmüller, seien durch Mundpropaganda rasch gewachsen: „Zuerst kam eine Dame aus Hamburg allein. Und dann ist sie mit fünf Freunden gleich noch einmal gekommen.“ Kurse werden angeboten, sobald es das Wetter zulässt, meistens ab Mai. Wer gesund ist, kann mitmachen, Alter ist dabei kein großes Thema, sagt Kipfmüller: „Ich habe auch Teilnehmer über 70.“ Das Angebot richtet sich an Anfänger ebenso wie Fortgeschrittene und weil die Nachfrage inzwischen derart hoch ist, arbeitet Kipfmüller heuer erstmals mit einem zweiten Instruktor: „Es ist aus einem Hobby entstanden und einfach so gewachsen. Und auch wenn es anstrengend ist, fühlt es sich nicht wie Arbeit an.“ Ums große Geld gehe es ihm dabei nicht, sagt er, sondern um die Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Die freuen sich, die lächeln, die hätten nie gedacht, dass sie sowas können.“ Uwe_Schwinghammer
„Nach der Arbeit auf die Hungerburg wandern und den Ausblick genießen!“
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A few years ago, Kai Kipfmüller discovered freediving for the first time. Today, he shares his knowledge through courses at Lake Achensee..
The German-born Kai Kipfmüller first discovered his passion for freediving – that is, diving without breathing apparatus – by chance a few years ago. While the sport became widely known through the film The Big Blue, which focuses on records and rivalry, Kipfmüller is interested in something entirely different: relaxation, nature and inner calm rather than performance and depth.
After working as a chef in fine dining, he was looking for a way to balance the pressures of everyday life and found it at Lake Blindsee. He began with snorkelling, soon bought a wetsuit and started researching online how to hold his breath longer. That’s how he came across freediving. What initially seemed like an extreme sport soon developed into a true passion. He attended courses, joined a club, trained systematically and took part in pool competitions. In 2018, he completed his final certification, which qualified him to teach courses himself.
For Kipfmüller, freediving is around 80 per cent mental discipline. Many people come to him dealing with stress, anxiety or exhaustion, and often it is not about staying underwater for as long as possible, but about achieving complete relaxation in the water. With the right technique and a calm mindset, many participants are able to stay underwater for two minutes surprisingly quickly – with little effort. In freediving, nothing can be forced.
In 2021, Kipfmüller founded “Freedive Tirol” and began offering regular courses at Lake Achensee. At first, he taught friends in exchange for a pizza, but through word of mouth his courses quickly grew in popularity.

Today, he offers courses for beginners and advanced divers, as well as retreats by the sea. Anyone in good health can take part, regardless of age.
Kipfmüller now devotes himself entirely to freediving, even if cooking remains in the back of his mind. What matters most to him is that his participants enjoy the experience. For him, freediving is no longer just a sport, but a way to bring body and mind to rest and to experience nature in an intense and meaningful way.


Gregor Bloéb über „Feuernacht“, Theater ohne Zeigefinger und die Sehnsucht nach echten Geschichten.

Die Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 ging als „Feuernacht“ in die Geschichte Südtirols ein: Zahlreiche Strommasten wurden gesprengt, der Konflikt rund um die Autonomie Südtirols eskalierte. In seinem Stück „Feuernacht“ richtet Felix Mitterer den Blick jedoch nicht auf die historischen Schlagzeilen, sondern auf die Menschen dahinter, auf Familien, Beziehungen und persönliche Brüche in einer politisch aufgeheizten Zeit. Nach „Die verkaufte Heimat“ erzählt Mitterer die Geschichte weiter und zeigt, wie eng Politik und Privates miteinander verwoben sind.
Bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs wird „Feuernacht“ heuer als großes Freiluftspektakel in der Südtiroler Siedlung mit über 35 Darstellern, Musik von Herbert Pixner und unter Regie von Thomas Gassner aufgeführt. Der künstlerische Leiter der Volksschauspiele Gregor Bloéb spricht über die Vorbereitung, die Faszination ambivalenter Figuren und warum ihn „Wikipedia-Theater“ nie interessiert hat.
Nach dem Zirkusspektakel „Romeo und Julia“ im vergangenen Jahr, wird es heuer das durchaus ernste Stück „Feuernacht“ von Felix Mitterer. Wie kam’s? Gregor Bloéb: Das Stück haben wir eigentlich schon vorgekauft gehabt, es war also irgendwie ein Erbe. Relativ schnell war klar, dass wir das nun machen wollen. Insgesamt liegen dafür drei Jahre Vorbereitung hinter uns. Für mich war dabei immer ein Ziel, Herbert Pixner für dieses Projekt zu holen. Ich wusste ja, dass Herbert ursprünglich mit Theatermusik angefangen hat, für Dorfbühnen in Südtirol. Also habe ich seit drei Jahren an ihm herumgebohrt und irgendwann kam er nicht mehr aus meinem Schwitzkasten raus.
Hat er sich lange geziert? Nein, überhaupt nicht, aber erfolgreiche Musiker planen natürlich Jahre voraus. Ich habe genau die Lücke erwischt, wo er gesagt hat, er wolle sich wieder stärker aufs Komponieren konzentrieren. Das habe ich sofort ausgenutzt.
Livemusik und Herbert Pixner sind ein Statement. Ist der musikalische Part ein Teil des Stücks oder eine eigene Ebene? Absolut integriert. Herbert spielt sogar selbst mit, einen Carabinieri. Das freut mich persönlich sehr. Er ist schon ziemlich nervös deswegen.
Felix Mitterer ist ein Autor, der mit seinen Stücken immer wieder polarisiert und kontrovers dis -

Felix Mitterer kehrt zurück nach Telfs. Herbert Pixner komponiert und spielt jeden Abend live mit seiner Band auf. Der eigentliche Star des Abends jedoch ist die Tiroler Geschichte: Mit dieser spektakulären Uraufführung bringen die Volksschauspiele 2026 die Fortsetzung von Mitterers „Die verkaufte Heimat“ erstmals auf die Bühne. „Feuernacht“ spielt Anfang der 1960er-Jahre, zur Hochzeit der so genannten „Bumser“, in der sich Südtirol im permanenten Ausnahmezustand befand. In der Feuernacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 wurden zahlreiche Strommasten gesprengt, um internationale Aufmerksamkeit für die Sache der deutschsprachigen Südtiroler zu wecken. Noch heute, 65 Jahre danach, wird hochemotional über Sinn oder Unsinn dieser Taten diskutiert. Wie unter einem Brennglas betrachtet „Feuernacht“ die in die Konflikte jener Zeiten des Aufruhrs verstrickten Menschen und deren Geschichten. Die inzwischen größtenteils abgerissene Südtiroler Siedlung in Telfs wird zur OpenAir-Bühne für große Oper und kleine Geschichten inmitten der großen Geschichte, inszeniert von Thomas Gassner, in einer eigens erstellten Bühnenfassung von Peter Lorenz. Und mit einem kongenialen Schauspielensemble mit Ausnahmedarstellern aus Nord- und Südtirol. www.volksschauspiele.at
kutiert wird. Geht es mit der Aufführung von „Feuernacht“ darum, die Geschichte zu erzählen oder ein Stück weit auch Stellung zu beziehen? Stellung beziehen ist heute so eine Sache. Ich kenne fast nur Leute, die Stellung zu etwas beziehen, wo eh schon alle derselben Meinung sind. „Ich bin gegen Gewalt.“ Ja eh. Interessant wird’s doch erst dort, wo es kompliziert wird. Die Südtirol-Geschichte ist mittlerweile komplett dokumentiert. Man weiß alles: von den Anschlägen, von den Misshandlungen, von den Geheimdiensten. Es hat Tote gegeben auf beiden Seiten. Österreich war verwickelt, Italien sowieso. Das ist alles aufgearbeitet. Was bei Felix Mitterer allerdings spannend ist: Er schaut immer auf die menschliche Perspektive. Auf Familien, Beziehungen, Charaktere. Mich interessiert kein Wikipedia-Theater, mich interessieren die Menschen. Bei der Feuernacht heißt das, dass man eben nicht nur über Politik spricht, sondern über das, was das mit Menschen macht. Es gab Beziehungen zwischen Südtirolern und Italienern, Familienkonstellationen, Loyalitätskonflikte. Und natürlich auch die große Frage: Ab wann wird Gewalt legitim? Das ist ja etwas, worüber niemand gern spricht. Alle sagen immer sofort, sie seien gegen Gewalt, doch Geschichte ist oft komplizierter. Mich interessiert diese Ambivalenz.
Theater soll also Fragen stellen und nicht Antworten liefern? Genau. Ich brauche keinen erhobenen Zeigefinger. Die Zuschauer sollen selbst zu einer Haltung kommen. Welche das ist, ist mir vollkommen offen. Eigentlich sollte das immer die Aufgabe von Theater sein, aber wir leben in einer Zeit, in der Ideologien und moralische Zeigefinger wahnsinnig wichtig geworden sind. Gleichzeitig sieht man oft, dass das inhaltsleer bleibt.
Ist das auch ein Grund für den Erfolg der Volksschauspiele? Ich denke schon. Wir haben mittlerweile

über 20.000 Zuschauer, wir waren bei der offiziellen Präsentation im Dezember schon fast ausverkauft. Menschen kommen mittlerweile zu uns und sagen: „Habt ihr für 2027 schon Karten? Ist uns wurscht, was ihr spielt.“ Das ist ein Wahnsinn. Ich glaube, das funktioniert genau deshalb, weil wir qualitatives Theater machen, ohne den Leuten irgendetwas vorschreiben zu wollen. Bei uns passiert vieles aus einem Selbstverständnis heraus, ohne Dinge groß zu thematisieren. Bei „Romeo & Julia“ im vergangenen Jahr zum Beispiel hatten wir homosexuelle Darsteller, eine brasilianische Transfrau, Lisa Hörtnagl als Mercuzio – also eine Frau in einer der berühmtesten Männerrollen überhaupt. Wir waren wahrscheinlich zehnmal „woker“ als viele andere. Aber wir machen daraus kei-
„MEIN JOB IST ES, THEATER FÜR MENSCHEN ZU MACHEN, NICHT FÜR MICH.“
Gregor Bloéb
nen moralischen Auftrag. Theater war immer schon so, weil es einfach nur darum geht, das Bestmögliche machen zu wollen. Zuschauer zahlen dafür, dass Menschen ihr Herz öffnen. Genau das ist die Aufgabe von Theater.
„Feuernacht“ wird wie schon „Die Verkaufte Heimat“ in der Südtiroler Siedlung gespielt. Spielt der Ort eine besondere Rolle? Natürlich. Der Ort bringt etwas mit. Grundsätzlich würde das Stück aber überall funktionieren, weil die eigentliche Kraft in den Beziehungen und den Szenen liegt, die fast schon kammerspielartig sind. Allerdings mussten wir das Stück teilweise neu dramatisieren, weil vieles darin sehr drehbuchartig geschrieben war – kurze Szenen, schnelle Ortswechsel. Auch die verkaufte Heimat
„WIKIPEDIA-THEATER HAT MICH NIE INTERESSIERT.
MICH INTERESSIEREN CHARAKTERE UND VERBINDUNGEN.“
Gregor Bloéb
war damals sehr filmisch erzählt, wir möchten wieder mehr Fokus auf Theater legen. Es wird mit Sicherheit ein großes Spektakel werden, ich glaube sogar, wir denken eher Richtung Oper. Wir wollten weder Wikipedia-Theater noch Winnetou-Festspiele machen. Das waren die zwei Dinge, die ich auf keinen Fall wollte. Das Konzept von Thomas Gassner ist großartig und ich bin sehr glücklich darüber.
Thomas Gassner war die letzten Jahre für die zweite Produktion der Volksschauspiele zuständig. Diese ist heuer hinfällig … Weil das Projekt einfach riesig ist. Wir haben über 35 Darsteller auf der Bühne, dazu Musiker und Leute aus den Laienspielgruppen. Thomas kann diese Welten unglaublich gut verbinden, von dem her war es sicher eine kluge Entscheidung. Er ist wahnsinnig fleißig und extrem gut vorbereitet. Thomas ist seit über einem Jahr voll dabei und macht daheim schon Probesprengungen. Es ist Wahnsinn. Ich bin sehr gespannt.
Auch das Ensemble verbindet Nord- und Südtirol sehr stark. War das bewusst so geplant? Ja, absolut. Das gehört zu diesem Stoff dazu. Spannend ist eher, wie wenig viele junge Leute heute noch über diese Geschichte wissen. Selbst bei den Schauspielern war dieses Südtirol-Thema oft überhaupt nicht mehr präsent. Außerhalb Tirols sowieso kaum. Ich war einmal in Neapel, da wussten manche nicht einmal, dass es in Italien eine deutschsprachige Minderheit gibt. Dass Nord- und Südtirol einmal jahrhundertelang zusammengehört haben, ist für
viele komplett weg. Als ich im letzten Jahr gesagt hab, dass es heuer um die Geschichte der Bumser gehen wird, gab’s erst mal ein verschämtes Kichern.
Die zweite Produktion ist weggefallen, die Marathonlesung durfte bleiben. Ja, und darüber freue ich mich total. Das Stück und die ganze Produktion sind einfach so groß geworden, dass sich eine zweite Produktion heuer nicht ausgeht. Deshalb machen wir zumindest wieder die Marathonlesung – diesmal mit Joseph Roths „Die Flucht ohne Ende“. Ursprünglich wollten wir das im Brenner Basistunnel machen, das hat sich leider zerschlagen. Jetzt findet sie in Kooperation mit Bozen statt. Und mit wirklich grandiosen Vorlesern.
Erstaunlich eigentlich, dass diese Marathonlesungen derart gut funktionieren. Finde ich auch. Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass das so angenommen wird. Wahrscheinlich ist genau das die Sehnsucht heute: einmal nur dasitzen und zuhören. Nicht nebenbei noch irgendetwas machen. Kein Podcast beim Bügeln, keine Dauerbeschallung. Mittlerweile nimmt man ja das Handy sogar mit aufs Klo. Wir sind Weltmeister der Effizienz. Bei der Lesung sitzt du einfach da, tust nix, hörst zu, schläfst vielleicht kurz ein, wachst wieder auf, gehst etwas trinken, hast plötzlich zu viel getrunken, kommst wieder zurück. Es ist völlig egal. Du bist in so einem eigenen Flow drin. Und das ist schön.
Die Volksschauspiele haben sich mittlerweile weit über Tirol hinaus einen Namen gemacht, der
Grossteil der Zuschauer kommt jedoch aus der Region. Freut Sie das? Mittlerweile kennt die Tiroler Volksschauspiele jeder in unserer Branche. Jeder. Dass viele Zuschauer aus der Region kommen, freut mich eigentlich besonders. Die Leute sollen das Gefühl haben, dass das ihre Volksschauspiele sind. Das ist der Sinn. Wir sind sozusagen ein künstlerischer Nahversorger. Aber es kommen auch viele Menschen aus anderen Bundesländern, aus Südtirol und dem gesamten süddeutschen Raum. Die Mischung machts.
Gibt es bereits Ideen für das kommende Jahr? Natürlich. Das braucht auch eine gewisse Vorlaufzeit und das Programm für die nächsten Jahre ist zumindest schon im Kopf. Wir haben viele Angeln ausgelegt und immer wieder beißt etwas Fettes an. Gleichzeitig haben wir ein riesiges Problem: Wir haben keine fixe Spielstätte. Das wird für nächstes Jahr schwierig, denn diese temporären Spielorte kosten mittlerweile absurd viel Geld. Allein der Stromanschluss kostet heuer 35.000 Euro. Insgesamt bist du schnell bei 200.000 bis 300.000 Euro, nur damit überhaupt ein Theater dasteht. Ich glaube also nicht, dass wir nächstes Jahr wieder so ein Riesenspektakel machen. Ich denke eher an drei kleinere Produktionen. Mehr Schauspiel, intimer, konzentrierter. Gleichzeitig haben wir jetzt eben auch 20.000 Zuschauer. Da trägt man plötzlich Verantwortung und wir können nicht einfach sagen, nächstes Jahr haben wir nur Platz für 5.000. Spektakel wird es also keines mehr werden. Na ja, vielleicht doch, halt ein kleineres Spektakel. Marina_Bernardi






















































Das AUDIOVERSUM ist ein Ort für alle, die Wissenschaft, Kultur und interaktive Erlebnisse miteinander verbinden möchten. Mitten in Innsbruck gelegen, begeistert das Museum mit faszinierenden Einblicken in die Welt des Hörens, Lernens und Denkens.
Im Mittelpunkt steht die Hauptausstellung „ABENTEUER HÖREN“, die Besucherinnen und Besucher auf eine multisensorische Reise durch die Welt des Hörens mitnimmt. Von der Entstehung eines Klanges bis zur Verarbeitung im Gehirn werden komplexe Abläufe verständlich erklärt und an zahlreichen Mitmachstationen direkt erfahrbar gemacht. Klänge erforschen, die eigene Wahrnehmung testen und Hörphänomene selbst erleben – hier wird Wissen spielerisch vermittelt.
Besonders hervorzuheben ist die neue Sonderausstellung „WIE WIR LERNEN“. Seit Ende Mai zeigt sie anschaulich, wie unser Gehirn Informationen aufnimmt, speichert und verarbeitet. Interaktive Stationen machen deutlich, welche Rolle Aufmerksamkeit, Emotionen und Bewegung im Lernprozess spielen und warum Lernen bei jedem Menschen unterschiedlich funktioniert. Die Ausstellung verbindet aktuelle Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft mit praktischen Impulsen für Schule, Beruf und Alltag und regt dazu an, das eigene Lernverhalten neu zu entdecken. Ergänzt wird das Angebot durch „BRAIN GYM AI“, wo Besucherinnen und Besucher ihre geistige Fitness spielerisch
testen können. Übungen zu Konzentration, Reaktion und kognitiver Flexibilität sorgen für motivierende Aha-Momente und zeigen, wie eng körperliche und mentale Leistungsfähigkeit zusammenhängen.
Auch über den Museumsbesuch hinaus lädt das AUDIOVERSUM zum Weiterdenken ein: Die Podcasts „HINHÖREN“greifen Themen aus Wissenschaft, Medizin, Kunst und Kultur auf und machen komplexe Inhalte verständlich und alltagsnah zugänglich. Abrufbar über die AUDIOVERSUM-Website oder über alle gängigen Podcast-Plattformen.
Ob Familienausflug oder inspirierender Ort zum Staunen – ein Besuch lohnt sich für alle, die ihre Sinne neu entdecken und Wissen auf interaktive Weise erleben möchten.
AUDIOVERSUM Science Center
Wilhelm-Greil-Straße 23, 6020 Innsbruck +43(0)5 7788 99, www.audioversum.at
Öffnungszeiten: Di. bis So. von 10 bis 18 Uhr

















































Nur vier Federkielstickereien sind in Tirol verblieben – eine davon in Faggen im Oberen Gericht. Dort schafft Familie Seiringer aus fein gespaltenen Pfauenfedern und in sorgfältiger Handarbeit kunstvolle Einzelstücke. Das traditionsreiche Handwerk blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins 18. Jahrhundert reicht.
Die Künstliche Intelligenz mag viel wissen, doch manche Geheimnisse entziehen sich selbst ihr. Davon konnte sich kürzlich auch Benjamin „Benni“ Seiringer, Juniorchef der Federkielstickerei Seiringer, überzeugen, der rein interessehalber eben jene KI nach dem großen Geheimnis hinter dem Spalten von Pfauenfedern befragt hat: „Was die dazu ausspuckt, kann man vergessen. Da kommen schräge Vorgehensweisen zur Sprache“, sagt er lachend.
Gemeinsam mit seiner Schwester Melanie Ott führt er den Familienbetrieb, der auch Mitglied beim Qualitätshandwerk Tirol ist, in zweiter Generation. Sein Wissen verdankt er Vater Helmuth, der sich dieses alte Handwerk selbst beigebracht hat und – im Gegensatz zum Sohn – auf keine Familienexpertise zurückgreifen konnte. So bleibt also die zentrale Frage, wie man Fäden aus Federkielen herausspaltet, das sehr gut gehütete Familiengeheimnis. „Das verraten wir natürlich auch nicht“, sagen Vater und Sohn einstimmig. Verständlich, schließlich ist das kein Verfahren, das
Benjamin Seiringer führt die gleichnamige Federkielstickerei in Faggen gemeinsam mit seiner Schwester Melanie Ott. Auch Vater Helmuth hilft noch mit.

Die Federkielstickerei ist ein jahrhundertealtes Tiroler Kunsthandwerk, das heute nur noch von wenigen Betrieben mit großer Hingabe gepflegt wird. Einer davon ist die Federkielstickerei Seiringer, ein Familienbetrieb, der sich aktuell in zweiter Generation dieser besonderen Technik verschrieben hat und das Wissen rund um die Stickerei mit viel Leidenschaft weiterträgt. Grundlage der Arbeit sind Federkiele von Pfauen, die ihre Federn einmal im Jahr auf natürliche Weise abwerfen. Diese werden gesammelt und in einem aufwendigen Prozess sorgfältig aufbereitet. Mit einer Ahle werden die vorbereiteten Federkielfäden unter großer Sorgfalt in edles Leder eingestochen. Jeder Stich verlangt Präzision, Geduld und ein hohes Maß an handwerklichem Können. Das Ergebnis sind kunstvolle Muster, in denen Tradition, Naturmaterialien und zeitlose Ästhetik verschmelzen.
sich schnell in einem Lehrbuch nachlesen lässt.
Früh entfachte Leidenschaft.
Vater Helmuth absolvierte ab 1973 eine Lehre als Tapezierer und Bettwarenerzeuger bei Roman Gritsch in Zams und erzählt: „Mein Lehrherr hat mir damals gezeigt, wie man mit Kunststofffäden stickt.“ Das Spalten der Fäden aus Pfauenfedern musste er jedoch selbst lange probieren: „Da hab ich monatelang herumgetüftelt und probiert, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war“, sagt er. Benjamin hingegen wurde das Handwerk quasi in die Wiege gelegt: „Mit eineinhalb Jahren saß ich schon auf Papas Schoß und habe ihm zugeschaut“, erzählt er über die früh entfachte Leidenschaft. Erlernt hat Benjamin ursprünglich den Lehrberuf des Sattlers und Tapezierers im Unternehmen Raumausstattung Bruno Mair in Ried im Oberinntal, da „Federkielsticker“ als Ausbildung nicht im Angebot steht. Vater Helmuth hat zuerst gemeinsam mit seiner Frau Isolde eine kleine Werkstatt in Landeck/Perjen betrieben, ehe die Familie 1993 nach Faggen übersiedelte und dort die Federkielstickerei Seiringer eröffnete.
Die Geschichte.
Die Geschichte der Federkielstickerei selbst reicht noch viel weiter als nur
In einer komplett bestickten Bauchbinde stecken teilweise mehr als 100 Stunden Arbeit.


Zuerst wird gezeichnet – unter anderem auf Butterpapier.
Jahrzehnte zurück. Bereits um 1790 finden sich erste Aufzeichnungen zum heute selten gewordenen Handwerk. „Ursprünglich entwickelte sich die Federkielstickerei aus dem Riemer- und Sattlerhandwerk“, erklärt Benni Seiringer und schlägt im Rahmen unseres Besuchs ein Buch über die Tradition dieses Kunsthandwerks auf. Darin ersichtlich: Bevor um 1790 erstmals Pfauenfedern verwendet wurden, kamen gegossene Zinnstifte zum Einsatz. So ist es auch im Buch festgehalten. Ein solches fast 200 Jahre altes Unikat besitzt Vater Helmuth noch heute.
Die Hochzeit erlebte die Federkielstickerei schließlich um das Jahr 1850. Damals gab es sogar große Pfauenfarmen mit über 200 Pfauen in Oberösterreich. Warum aber fiel die Wahl seit jeher ausgerechnet auf Pfauenfedern, aus denen die Fäden gespalten werden? „Das ist die längste Feder und schimmert schön elfenbeinfarbig“, erklären
„DAS SCHÖNSTE AN MEINER ARBEIT IST, DASS DAS, WAS ICH HEUTE MACHE, LÄNGER BESTEHEN WIRD ALS ICH SELBST.“
Benjamin Seiringer
Helmuth und Benni Seiringer. Damals wie heute erfüll(t)en die besonders bestickten Ranzen und Bauchbinden neben dem optischen Aspekt auch einen Zweck: „Im Schlauch wurden damals Münzen und Papiere aufbewahrt“, erzählt Benni Seiringer und gesteht: „Solche Fächer bringe ich auf Wunsch heute noch an – wenn auch in anderer Form. Heute sind meist kleine Zusatztaschen für Karten gewünscht.“
Man lernt nie aus.
„Beim Sticken selbst lernt man nie aus“, sagt Benni. Er ist derjenige, der im Unternehmen für die Ausführung des eigentlichen Handwerks zuständig ist, während in den Kompetenzbereich von Schwester Melanie die Büroarbeit und der Verkauf entfallen und Vater Helmuth (auch in seiner Pension) noch bei Reparaturen und den Stickereien mithilft. In einem eigenen Verkaufsraum der Federkielstickerei wird auch Trachtenmode für die ganze Familie verkauft. Im Angebot der individuell hergestellten Werke finden sich nebst Ranzen und Bauchbinden unter anderem auch Geld- und Handtaschen, Hosenträger, Hundehalsbänder, Gitarren- oder Ziehharmonikagurte. Auch Traditionsvereine aus dem ganzen Land werden ausgestattet. Sie bekommen hier alles – außer Hüte und Jacken: „Wir statten um die 150 Vereine aus – im Tiroler Oberland gibt’s kaum Traditionsvereine, die nichts von uns haben“, erzählt Melanie. Sollte von Seiten der Vereine ein günstigerer und maschinell gefertigter Ranzen gewünscht sein, kooperiert das Geschwisterpaar bei Bedarf mit einer weiteren Stickerei.
Bis jedenfalls ein handgefertigtes Unikat entsteht, geht dem Ganzen ein aufwendiger Prozess voraus. Zahlreiche Arbeitsschritte sind vonnöten: Im Rahmen eines ersten Termins werden Details wie die Lederfarbe, Form oder Schriftzüge besprochen. Der nächste Schritt ist ein Entwurf, den Benjamin erstellt und der dem Kunden gezeigt wird.
„IM TIROLER OBERLAND GIBT’S KAUM
Melanie Ott
„Ich zeichne jedes Motiv mindestens drei Mal. Unter anderem kommt das Motiv auf Butterpapier, wird abgepaust und nachgezeichnet“, erzählt Benni. Bevor die Fäden in das robuste Leder eingestickt werden, werden die Löcher mit speziellen Werkzeugen, den sogenannten Aalen, vorgestochen. Hinter einem handgefertigten Ranzen samt Stickerei steckt schon einmal ein Aufwand von 50 bis 100 Stunden: „Für eine komplett bestickte Bauchbinde können schon auch 100 Stunden und mehr Arbeit drinstecken“, erklärt Benni. Die Pfauenfedern kommen übrigens aus Indien und werden über einen deutschen Importeur bezogen. In Summe benötigt die Familie für ihre Produktionen zwischen 2.000 und 3.000 Pfauenfedern pro Jahr: „Pro Tag kommen 30 bis 40 Fäden zum Einsatz“, rechnet der Fachmann.
Kreative Einzelstücke.
Was den Geschwistern besonders taugt an ihrem Beruf? „Man kann kreativ sein und verschiedenste Kundenwünsche umsetzen“, sagt Benjamin. Die Geschwister sind überzeugt: „Solche aufwendig gestickten Unikate sind ganz besondere Geschenke und auch bei speziellen Ereignissen wie runden Geburtstagen beliebt.“ Der kreative Kopf dahinter, Benjamin, bringt außergewöhnlich viel Ideenreichtum mit: „Mir fällt immer wieder was Neues ein – oft hab ich eine Idee und dann probiere ich das einfach aus“, sagt er und zeigt Beispiele eines Hundehalsbandes oder eines Messergriffs, den er bestickt hat. Schwester Melanie ergänzt: „Neulich hat er erzählt, dass er nachts aufgewacht ist, weil ihm eine neue Umsetzungsidee von Geldtaschen gekommen ist.“

in frühester Kindheit in Berührung.
Die Arbeit ist unverändert geblieben.
Während sich die ganze Welt in den vergangenen Jahrhunderten massiv verändert hat, wird das Federkiel-Handwerk heute noch praktisch gleich wie vor hunderten Jahren ausgeführt. „Wir arbeiten immer noch mit einem Bock zum Einspannen“, erzählt Benni. „Der wurde nur unwesentlich in der Form verändert.“ Das Federkielsticken ist übrigens seit 2019 immaterielles Kulturerbe der UNESCO in Österreich. „Es wäre ewig schade, wenn dieses Handwerk verloren ginge“, sagt Benni und gesteht: „Das Schönste an meiner Arbeit ist, dass das, was ich heute mache, länger bestehen wird als ich selbst. Ich restauriere oft Ranzen, die 200 Jahre alt sind. Ich möchte Werke für Generationen schaf-
fen, auch, um dem Fast-Fashion-Trend entgegenzuwirken.“
Allein die Tatsache, dass manche Stücke jahrhundertelang überleben, zeigt die außergewöhnliche Qualität und Langlebigkeit der handgefertigten Produkte. Angesprochen auf ihre Ziele und Pläne sagen die beiden Geschwister: „Wir sind froh, wenn’s so weitergeht, und hoffen, dass dieses Handwerk noch lange geschätzt wird.“ Abschließend verraten die beiden, was sie an ihrem Beruf so mögen: „Die Wertschätzung unserer Kunden“, sind sie sich einig, und: „Es ist schön zu sehen, wenn Männer Tränen in den Augen haben, wenn sie einen Ranzen oder eine Bauchbinde, die genau nach ihren Vorstellungen gefertigt wurden, in den Händen halten.“ Elisabeth_Zangerl
There are only four quill embroidery workshops left in Tyrol –one of them is in Faggen in the Oberes Gericht district. Here, the Seiringer family creates exquisite, one-of-a-kind pieces from finely split peacock feathers, crafted with meticulous care by hand.
Quill embroidery is a Tyrolean craft that has become rare, practised today by only a handful of workshops. One of these is the Seiringer Quill Embroidery. The family business is run by Benjamin ‘Benni’ Seiringer and his sister Melanie Ott, supported by their father Helmuth, who once taught himself the craft and eventually passed it on to his children. The core knowledge of splitting wafer-thin strands from peacock feathers is a closely guarded family secret and cannot be learnt from books or through modern technology.
The roots of quill embroidery date back to the 18th century. This artistic craft evolved from the trades of belt-making and saddlery, in which leather was refined not only for its functional qualities but increasingly for decorative purposes as well. From around 1790, the use of peacock feathers finally became established – a material that gave the embroidery its distinctive character. The technique reached its heyday around 1850, when there were even large peacock farms in Austria. Today, the peacock feathers come from India; the family processes several thousand of them every year. To this day, they are prized above all for their exceptional length, durability and their elegant, lustrous sheen.
However, the ornate embroidery served not only aesthetic purposes: embroidered satchels and waistbands were once practical everyday companions, with loops and compartments in which coins and papers were kept safe. The technique of quill embroidery has hardly changed over the centuries.
Each piece is created entirely by hand and involves numerous steps: from the initial consultation, through the design and preliminary sketches, to the meticulous stitching of the quill threads into the leather. A fully

embroidered satchel or waistband can take between 50 and over 100 hours to complete using this method.
In addition to satchels and waistbands, the Seiringer quill embroidery range also includes bags, braces, belts, dog collars and instrument straps. Around 150 traditional societies are also regularly supplied. Since 2019, quill embroidery has been included in Austria’s UNESCO list of intangible cultural heritage. For the Seiringer family, however, the focus is not only on tradition but also on sustainability: the aim is to create durable, unique pieces that will last for generations and consciously provide a counterpoint to the fast-paced world of fashion.

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Wagyu, Yak und Hochlandrind sind weit gereist. Sie kommen, wie Yak und Wagyu, aus Asien. Das zottlige Hochlandrind aus den schottischen Highlands. Auf Tiroler Almen haben sie eine zweite Heimat gefunden – und drei Landwirte, die wissen, was sie an ihnen haben.
Fotos: Jürgen Schmücking

Gabi Brunner ist Lehrerin,
Almbäuerin und Bio-Yakzüchterin.


Wenn man am frühen Morgen vor der Neuhögenalm steht und die steilen Almweiden hinunterschaut, kann es sein, dass man in den Nebelschwaden einen Kopf mit mächtigen Hörnern durchscheinen sieht. Ganz langsam taucht ein zweiter auf. Und ein dritter. Ebenso langsam zeichnen sich die Umrisse wilder Rinder ab – Erscheinungen wie aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Welt. Die Yaks haben ihren Ursprung nicht in Tirol. Sie kommen aus dem gebirgigen Tibet, den Hochebenen Zentralasiens und den rauen Weiten Sibiriens. Aber sieht man sie so im Morgendunst der Kelchsau stehen – diesem wilden, engen Tal bei Hopfgarten, das einmal im Jahr alle Straßen und Wege verliert und sich selbst gehört –, könnte man meinen, sie wären schon immer hier gewesen. Das sind sie nicht. Und genau das ist der Punkt.
Die Kelchsau ist einmal im Jahr, immer im Sommer, Schauplatz eines kulinarischen Experiments, das seinesgleichen sucht. Vier Bio-Rinderrassen, zehn Gänge, fünfzig Gäste, kein Strom, kein warmes Wasser. Philipp Stohner, Kochweltmeister und Chefcoach der österreichischen Kochnationalmannschaft, steht dann mit seinem Team am offenen Feuer der Stube der Neuhögenalm. Frontcooking unter mittelalterlichen Bedingungen. „In einer perfekt ausgestatteten Küche ist alles einfacher, ganz klar“, sagte Stohner. „Aber mit einem gut eingespielten Team ist alles machbar. Wir lieben Herausforderungen.“

Hinter dem Abend stehen drei Menschen, die diese Herausforderung lange Jahre geplant hatten. Gabi Brunner, Lehrerin, Almbäuerin und Bio-Yakzüchterin. Manuel Haaser, Biobauer und Züchter schottischer Hochlandrinder. Werner Hofer, Biobauer und der erste Wagyu-Züchter Tirols. Drei Betriebe, drei Rassen, drei Haltungen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Tiroler Grauvieh ist als vierte Rasse ebenfalls im Spiel. Das einzig autochthone, sprich heimische Rind, das nirgendwoher zugereist ist und trotzdem zeigen durfte, was es kann. Doch hier geht es um die anderen drei.
Vier Betriebe. Drei Haltungen.
Gabi Brunner lebt im Unterland. Sie ist Lehrerin – und damit bereits eine jener Kombinationen, die man in der Tiroler Landwirtschaft öfter findet als anderswo: Hauptberuf Bildung, Herzensberuf Bäuerin. Ihre Yaks sind keine Exoten im Sinne von Zirkustieren. Es sind ro-
buste, hochalpine Rinder mit einem Ursprung, der dem Tiroler Hochgebirge strukturell gar nicht unähnlich ist: karge Weiden, extreme Temperaturen, steile Hänge. Der Yak ist physiologisch für exakt jene Bedingungen optimiert, die Tirol reichlich bereithält. Kein Wunder, dass die Tiere wirken, als gehörten sie hierher.
Das Fleisch des Yaks ist dunkelrot, feinporig, von beeindruckender Intensität. Der Fettgehalt ist im Vergleich zu konventionellen Rinderrassen deutlich geringer, der Geschmack umso konzentrierter. Wer einmal Fleisch vom Yak gegessen hat, weiß: Der Begriff „Wildfleisch“ meint hier etwas anderes als ein Reh aus dem Revier. Es schmeckt nach Berg, nach Kraft, nach Eigenständigkeit. Stohner fasst das in einem einzigen (und zugleich einzigartigen) Gericht zusammen, das er schlicht „Rinderwahn“ nennt. Rieddeckel mit Waldpilzen und karamellisiertem Sellerie – über das fertige Gericht hobelt er getrocknetes Herz vom Yak, vermischt
mit Fichten- und Zirbenpulver. „Tiroler Parmesan“, sagt er. Die Intensität dieses gehobelten Herzens – ohne jede Innereien-Assoziation, ohne einen Moment des Zögerns am Tisch – war eine sensorische Offenbarung. Ein Geschmack, den niemand erwartet.
Schottische Hochlandrinder werden in zwei spannenden Betrieben gezüchtet. In Manuel Haasers ARGE Hochlandrind in Brandenberg und am Zottlhof in der Leutasch. Beide stehen für eine andere Form der Konsequenz. Die schottischen Hochlandrinder – im Volksmund die „Zottl“ – sind die vielleicht fotogensten Rinder der Welt (abgesehen von den Watussi-Rindern Afrikas mit ihren gewaltigen Hörnern). Zottelige Stirnfransen, ruhige Augen, markante Hörner, die parallel zum Boden wachsen. Wer ihr Fleisch zum ersten Mal isst, denkt daran, wie lange es her ist, dass er zuletzt wirklich gutes Rindfleisch gegessen hat. Am Zottlhof gilt eine eiserne Regel: Gras, Bergkräuter, Heu. Sonst nichts. Kein Kraftfutter,
kein Getreide, keine Abkürzungen. Das Ergebnis ist ein langsames Wachstum – und ein Fleisch, das diese Langsamkeit schmeckt. Die Vermarktung läuft über einen einzigen Kanal: das angeschlossene Restaurant aHORN und Exklusivmenüs für Kleingruppen ab zehn Personen. Angefangen haben Regina und Bernhard Wolf mit ihrem Zottlhof 2011. Mit drei Tieren. Der Weg war steinig, sagen sie. Und untertreiben damit maßlos.
Auf der Neuhögenalm war das Hochlandrind als „Tiroler Schotte“ im Menü vertreten: Verhackertes – Tatar, Nussbutter und Schnittlauch – und ein umgedachtes Gulasch mit Kartoffelschaum und knuspriger Gerste. Zwei Gerichte, die zeigten, was Haaser und der Zottlhof seit Jahren wissen: Wenn das Ausgangsprodukt stimmt, braucht die Küche keine Tricks.
Werner Hofer aus Oberndorf bei Kitzbühel ist der dritte im Bund – und in gewisser Weise der mit der spekta-
kulärsten Herkunftsgeschichte. Vor fast zwanzig Jahren sah er zufällig einen Fernsehbeitrag über Wagyu-Rinder. Fett galt damals noch als etwas, das man vom Fleisch wegschneidet. Hofer sah in diesem Fett – dem intramuskulären Marmorfett, das sich hauchdünn durch die gesamte Muskulatur des Tieres zieht – etwas anderes: Potenzial. Er recherchierte, rechnete, zweifelte. Und kaufte als erster Wagyu-Züchter Tirols ein einziges Kalb. Mehrere Tausend Euro. Ohne das Fleisch je gekostet zu haben. „Sechs Jahre hätte es gedauert, bis wir das erste eigene Stück Fleisch in Händen gehalten hätten“, erinnert er sich. Er wartete nicht. Er kaufte ein einjähriges Tier dazu, zog es auf – und stand bald vor der nächsten Herausforderung: Schlachtung, Reifung, Vermarktung. Alles Neuland. Ein Grillweltmeister wurde auf den „Wagyu-Bauern vom Berg“ aufmerksam, organisierte Verkostungen direkt am Hof. Plötzlich standen mehrere Hundert Kilo Fleisch im Kühlraum und neugierige Gäste auf dem Hof. Der Funke sprang über.

Heute leben am Hof neben den Wagyu auch Fleckviehkühe. Die Tiere kennen den Hänger, laufen freiwillig hinein – kein Stress beim Transport, kein Zwang im Stall. Aus der Erfahrung dieser Pionierzeit ist ein regionales Netzwerk gewachsen, das in der Pandemie entstand und mittlerweile einen eigenen Verein mit klarer Haltung trägt: Die Wertschöpfung soll beim Landwirt bleiben. Was als Fernsehimpuls begann, ist ein Lebensprojekt geworden. Aus einem Experiment eine Bewegung.
Ein Koch, der nichts versteckt.
Wagyu ist der Name der Rasse. Übersetzt heißt das nichts anderes als „Rind aus Japan“. Kobe – die berühmteste Herkunft – ist einer von mehreren Orten in Japan, an denen das Fleisch traditionell produziert wird. Der eigentliche Reiz des Wagyu ist sein Fett: nicht als Schicht auf dem Steak, sondern als feines Netz, das sich durch jeden Muskel zieht, die Textur butterweich macht und dem Geschmack eine nussige, fast süßliche Tiefe verleiht. „Intramuskuläres Fett“ nennen die Fleischzampanos das. Für den Grad dieser Marmorierung gibt es eine eigene, weltweit gültige Maßzahl – den Beef Marbling Score –, und an die Werte, die Wagyu erreicht, kommt kaum eine andere Rasse heran. Das Tiroler Exemplar, aufgezogen auf Bergweiden bei Kitzbühel, beweist, dass Herkunft keine geografische Ausschließlichkeit ist.
Auf der Neuhögenalm ist das Wagyu als Pastrami vertreten – gesmoked, mit BBQ und Sauerteigcrumble – und als Roulade mit Röstzwiebeln und
Am Zottlhof von Regina und Bernhard Wolf in der Leutasch auf Tirols Hochplateau sind schottische Hochlandrinder zu Hause.
Schafgarbe. Beides ohne Ausschweifung, beides präzise. Stohner lässt das Fleisch sprechen, anstatt es zu kommentieren. Das gilt für den gesamten Abend. Das Menü begann mit einem Craft Beef Beer aus dem Tiroler Grauvieh – genauer: einem Beeftea, einer intensiven Rinderbrühe mit Hopfenschaum, die den Begriff „brauen“ verdient, auch wenn kein Malz im Spiel war. Dazwischen zeigte jede Rasse ihr Temperament in mindestens zwei Zubereitungen: das Grauvieh als gezupftes Schulterscherzel auf Laugenbrioche mit Blaukraut und Kren, das Wagyu auch als Supperl vom weißen Scherzel mit Walnuss und Schildampfer. „Wir müssen uns mit heimischem Fleisch nicht verstecken. Auch wenn die Rassen, die es liefern, von weit her kommen“, sagte Stohner. Das ist, vorsichtig formuliert, eine Untertreibung. Was an diesem Abend auf den Tisch kommt, ist ein landwirtschaftliches und kulinarisches Machtwort. Tiroler Wagyu schmeckt anders als das schwarze Rind aus Kobe oder das rote Wagyu mit dem Namen „Akaushi“. Nicht schlechter, anders. Das schottische Hochlandrind hat in Leutasch andere Gräser gefressen als in den Highlands. Der Tiroler Yak trägt Zirbe und Fichte in sich, wenn man ihn über sein eigenes Herz hobelt. Das hat nichts mit Show zu tun. Das nennt man Terroir.
Bei einem der ersten Abende auf der Neuhögenalm regnete es übrigens die ganze Zeit. Was heißt regnen? Es goss in Strömen. Ein paar Stunden nach dem letzten Gang riss der starke Regen die Zufahrtsstraße weg. Kelchsau war von der Welt abgeschnitten. Ein Teil der Gäste musste die Nacht auf der Alm verbringen. Was bleibt, sind


WENN DAS AUSGANGSPRODUKT STIMMT, BRAUCHT DIE KÜCHE KEINE
drei Erkenntnisse. Erstens: Ein zehngängiges Gourmetmenü für fünfzig Menschen, gekocht über offenem Feuer ohne Strom und warmes Wasser, ist ein Erlebnis und machbar – wenn Vorbereitung, Team und Haltung stimmen. Zweitens: Tiroler Rindfleisch von Rindern, die ihren Ursprung nicht in Tirol haben, muss sich nicht hinter japanischen (oder schottischen) Importen verstecken. Und drittens: Wenn alles passt, spielt das Wetter keine Rolle. Die Yaks hat das Unwetter sowieso nicht beeindruckt. Sie standen die ganze Nacht entspannt im Regen und im Nebel. Sie kennen das.
Jürgen_Schmücking
Wagyu, yaks and Highland cattle have travelled far and wide. They have found a second home on the Tyrolean alpine pastures.

When mist rolls over the mountain pastures in the early morning and horns and dark silhouettes suddenly appear amongst the steep alpine meadows, Tyrol seems for a moment like another world.
Yaks from Tibet, Scottish Highland cattle and Japanese Wagyu cattle graze here on the same pastures as the native Tyrolean Grey cattle – foreign and yet, at the same time, astonishingly natural. It was precisely this that gave rise to an extraordinary culinary project at the Neuhögenalm: a ten-course menu cooked over an open fire, without electricity or running hot water, featuring meat from four special breeds of cattle from Tyrolean organic farms.
Behind this evening are people who view their animals not as a trend, but as a way of life. Gabi Brunner breeds yaks, which, although native to Central Asia, feel remarkably at home in the high mountains of Tyrol. Their meat is considered intense, robust and distinctive – a flavour that evokes mountain herbs, crisp air and alpine wilderness. The Scottish Highland cat-
tle of Manuel Haaser and the Zottlhof in Leutasch also stand for slowness and consistency. The animals are reared on grass, herbs and hay, without concentrated feed or shortcuts. The result is meat that doesn’t need to be loud to make an impression: aromatic, calm and precise. A third approach is embodied by Werner Hofer from Oberndorf near Kitzbühel. As Tyrol’s first Wagyu breeder, he brought a Japanese breed to the Alps and proved that meat with exceptional marbling can be produced here too. What began as a spontaneous idea developed over the years into a regional network for high-quality meat culture.
These diverse approaches were brought together by Philipp Stohner, who deliberately presented the dishes in a simple manner at the Neuhögenalm. There was no showmanship here, just dishes that allowed the character of the animals and their origins to speak for themselves. Above all, this evening demonstrated one thing: Tyrol’s agriculture thrives not only on tradition, but also on courage, a spirit of experimentation and genuine craftsmanship.
BLAUBURGUNDER 2021 € 24,50
BLAUBURGUNDER RISERVA 2019 € 45,50
WEINGUT GOTTARDI, MAZZON, SÜDTIROL



Vom Talboden bis hinauf auf die Almen – den „zweiten Stock Tirols“ – entsteht eine Genusswelt, die eng mit der Natur, den Jahreszeiten und der Arbeit heimischer Produzentinnen und Produzenten verbunden ist.
ährend im Tal hochwertige Lebensmittel verarbeitet und veredelt werden, liefern die Almen auf über 1.000 Metern Seehöhe wertvolle Zutaten und eine alpine Vielfalt, die den Geschmack Tirols prägt. Der Almsommer steht damit nicht nur für gelebte Tradition, sondern auch für regionale Qualität und echten Genuss mit Herkunft.
Diese besondere Verbindung zwischen Tal und Berg spiegelt sich auch in den nachfolgenden Rezepten wider. Im Mittelpunkt stehen dabei ausgewählte regionale Zutaten und Produkte, die für Qualität, Handwerk und Authentizität stehen. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten Tirols Bäuerinnen und
Viele weitere Rezepte finden Sie hier
Weitere Infos zu sämtlichen Produkten mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“ und deren Bezugsquellen sowie einen Überblick über aktuelle regionale Produkte finden Sie unter www.qualitaet.tirol
Bauern, die mit ihrer täglichen Arbeit nicht nur hochwertige Lebensmittel erzeugen, sondern auch die alpine Kulturlandschaft erhalten und pflegen. Unterstützt werden sie dabei vom Agrarmarketing Tirol mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“, das für nachvollziehbare Herkunft, regionale Wertschöpfung und kontrollierte Qualität steht.
Die Rezepte zeigen, wie vielseitig sich Tiroler Produkte in der Küche einsetzen lassen – traditionell verwurzelt und zugleich modern interpretiert. Die dafür benötigten „Qualität Tirol“-Produkte sind im Tiroler Lebensmittelhandel erhältlich, unter anderem bei SPAR, EUROSPAR, INTERSPAR, MPREIS, Hörtnagl und BILLA PLUS.
Zutaten für 4 bis 6 Personen
6 Filets vom „Qualität Tirol“
Kwell-Saibling (ca. 600 g)
1 kleine „Bio vom Berg“ Zwiebel
125 g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
Beize
5 EL Pökelsalz
2 EL Meersalz
50 g Kristallzucker
1 TL Senf (Estragon)
3–4 Zweige Dill
Saft einer halben Zitrone
Zubereitung
» Die Filets waschen und trocken tupfen.
» Den Dill fein schneiden, in eine Schüssel geben und die restlichen Zutaten der Beize dazugeben sowie vermischen.
» Die Filets vom Kwell-Saibling auf Frischhaltefolie auflegen und die Beize gleichmäßig darauf verteilen. Die gebeizten Filets in die Folie einschlagen, in eine Schale geben und im Kühlschrank für ca. 12 Stunden marinieren lassen.
» Anschließend die gebeizten Filets abwaschen und trocken tupfen. Die Haut entfernen und die Filets in kleine Stücke schneiden.
» Die Zwiebel fein hacken und zum Kwell-Saibling geben. Die Crème fraîche untermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

» Anschließend die Kwell-Saibling-Masse bis zur Verwendung kaltstellen.
Tipp:
Die Kwell-Saibling Nockerln in einer Tiroler Biersuppe servieren.
Dauer: 1 Stunde (+12 Stunden beizen)
Zutaten Für 4 Personen
800 g „Qualität Tirol“ Lammrücken
Salz und Pfeffer
Butterschmalz
1 Bund „Qualität Tirol“ Thymian
40 g „Qualität Tirol“ Modlbutter
5 „Qualität Tirol“ Karotten (ca. 400 g)
250 ml „Bio vom Berg“ Schlagrahm
Salz
1–2 „Bio vom Berg“ Knoblauchzehen
Zubereitung
» Backofen auf 110 °C (Heißluft) vorheizen und einen Teller darin vorwärmen.
» Den Lammrücken mit Salz und Pfeffer würzen. In einer Pfanne das Butterschmalz erhitzen und das Fleisch darin auf allen Seiten kurz scharf anbraten. Den Lammrücken aus der Pfanne nehmen und auf dem vorgewärmten Teller in den vorgeheizten Backofen geben, bis das Fleisch eine Kerntemperatur von 60–62 °C erreicht hat (ca. 20 Minuten).
» Karotten in kleine Stücke schneiden. Die Karotten mit Schlagrahm, Knoblauch und Salz in einen Topf geben und darin weichkochen. Anschließend mit einem Mixstab fein pürieren und mit Salz abschmecken.
» Butter in einer Pfanne erhitzen (goldbraun). Thymianblätter dazugeben und kurz schwenken.

» Das Fleisch aus dem Ofen nehmen, kurz rasten lassen und in Scheiben schneiden.
» Die Mousseline auf den Teller geben, das Fleisch darauf anrichten und mit einem Esslöffel die Thymianbutter darauf verteilen und gleich servieren!
Wenn das Rezept in der Menüfolge benützt wird, dann beim Fleisch auf 150 g pro Person reduzieren.
Dauer: 45 Minuten


500 g „Qualität Tirol“ Wieshofer’s Weizenmehl (Type 700)
60 g Zucker
60 g „Qualität Tirol“ Modlbutter (zimmerwarm)
200 ml „Qualität Tirol“ Almmilch (lauwarm)
1 „Qualität Tirol“ Goggei
20 g Germ
1 TL Salz
20 g „Qualität Tirol“ Modlbutter (zum Bestreichen)
Preiselbeermarmelade
Zubereitung
» Mehl in eine Schüssel geben und eine Mulde formen. Zucker und zerbröselten Germ in die Mulde geben, die Hälfte der lauwarmen Milch zum Germ geben und ca. 10 Minuten gehen lassen (Dampfl).
» Die restlichen Zutaten (Ei, Milch, Salz und Butter) in die Schüssel geben und zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Anschließend ca. 30 Minuten zugedeckt gehen lassen.
» Den Teig dünn auswalken und Kreise ausstechen (mit einem Durchmesser von ca. 10 cm). Jeweils 5 Kreise überlappend (ca. 2 cm) aneinanderlegen und mit Marmelade bestreichen. Die aufeinandergelegten Kreise zusammenrollen und in der Mitte mit einem Messer auseinanderschneiden.
» Die Rosen mit der geraden Seite in eine gefettete Form stellen, die „Blätter“ etwas nach außen drücken, einige Minuten gehen lassen und anschließend mit etwas flüssiger Butter bestreichen.

» Die Form mit den Rosen für ca. 25 Minuten in das auf 170 °C Heißluft vorgeheizte Backrohr geben und goldbraun backen.
Dauer: 1,5 Stunden

Die Sommerfrische in Tirol erlebt einen neuen Aufwind – ein Comeback sozusagen, denn am Beginn der Geschichte des Tiroler Tourismus Mitte des 19. Jahrhunderts stand der Sommerurlaub. Der Wintertourismus entwickelte sich in den 1920ern und überholte den Sommer erst in den 1980er-Jahren. Das in den letzten Jahren stetig gewachsene Angebot hebt die Tiroler Sommerfrische auf ein neues Level und bietet Gästen und Einheimischen einen facettenreichen Erlebnisraum, der die gelebte Tiroler Gastfreundschaft mit allen Sinnen spürbar macht.
as Blatt wendet sich aktuell“, sagt Alois Rainer, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Tirol. „Der Sommertourismus holt stark auf.“ Trends in der Gesellschaft wie Naturbewusstsein und Bergerlebnisse sowie die Flucht vor der sommerlichen Hitze machen Tirol zu einem beliebten Reiseziel –auch im Sommer und ganz nebenbei zu einem attraktiven Lebensraum für die Tiroler Bevölkerung. Mit dem klaren Fokus auf Sport, Familie, Kulinarik und Qualität hat sich das Infra-
strukturangebot in den verschiedenen Regionen verstärkt auch auf den Sommer ausgerichtet – auf attraktive Bergerlebnisse für die ganze Familie, auf Biketouren auf und abseits asphaltierter Straßen, auf actionreiche Trails und Parcours, auf Klettersteige sowie auf Wellnessangebote, die das ganze Jahr über Gäste mit einem Mix aus Aktivität und Entspannung anlocken. „Gerade unsere Angebote in den Bergen haben sich zu einem großen Spielplatz und Erlebnisraum für die ganze Familie entwickelt“, erzählt Thomas Geiger, Geschäftsführer
der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Tirol. „Mit all diesen attraktiven Freizeitangeboten hat der Tourismus auch einen Mehrwert für die heimische Bevölkerung geschaffen. Zahlreiche Ausflugsziele, Sport- und Freizeitangebote direkt vor der Haustüre erhöhen die Lebensqualität in Tirol maßgeblich.“
Vom Armenhaus zum Sehnsuchtsort.
Tirol hat sich vom hindernisreichen Gebirgsland zum Sehnsuchtsort entwi-

„DER TIROLER TOURISMUS DENKT IN GENERATIONEN, NICHT IN NACKTEN ZAHLEN, UND EVALUIERT SICH DABEI STÄNDIG NEU.“
Alois Rainer
ckelt, von mühsamen Wintern zu bestens erschlossenen Skigebieten, von einer schwer überwindbaren Berglandschaft zu einem begehrten Urlaubsziel, von einer Armenregion zu einem florierenden Wirtschaftsgebiet. Es waren Pioniere, die aus bäuerlichen Strukturen heraus Gastbetriebe geschaffen haben, die sich mit Herzblut immer weiterentwickelt haben zu einem Standard, der international zu den besten zählt und Menschen aus aller Welt anlockt.
Es sind nicht nur die schönen Berge, es ist vor allem die gewachsene und leidenschaftliche Gastfreundschaft, eine qualitätsvolle Mischung aus Tradition und Moderne, die bei den Gästen ankommt – das Gefühl des Willkommenseins und des Wohlfühlens. „Wir haben in Tirol eine unglaublich tolle Struktur an Betrieben, die immer im Einklang mit der Natur gewachsen sind, vom ursprünglichen landwirtschaftlichen Betrieb über das Gasthaus und die Pension bis zum Ho-

„UNSERE ANGEBOTE IN DEN BERGEN HABEN SICH ZU EINEM GROSSEN SPIELPLATZ FÜR DIE GANZE FAMILIE ENTWICKELT.“
Thomas Geiger
telresort. Der Tiroler Tourismus denkt in Generationen, nicht in nackten Zahlen, und evaluiert sich dabei ständig neu, indem er auf die Bedürfnisse der Gäste eingeht“, so Rainer.
Mit ihrer Leidenschaft, Gäste mit allen Sinnen zu verwöhnen, haben die Tourismusbetriebe in Tirol Urlaubsrefugien geschaffen, die authentisch sind – nicht nur im Winter, auch im Sommer. Das vermehrte Wellnessangebot lockt Gäste zunehmend auch in den Nebensaisonen nach Tirol. „Wellnessaufenthalte sind jahreszeitenunabhängig. Somit sind viele Betriebe von der klassischen Zwei- Saisonalität zum Ganzjahrestourismus übergegangen“, weiß Alois Rainer. Es sind Leitbetriebe, die ganze Regionen mitentwickeln, von denen das gesamte Umfeld profitiert – vom kleineren Beherbergungsbetrieb über Gastronomie und Bergbahnen bis hin zu Handelsund Handwerksbetrieben. Auch die heimische Bevölkerung kann dank der touristischen Infrastruktur ein vielfäl-
tiges Freizeitangebot nutzen. Rund 70 Prozent aller Ausgaben eines Tourismusbetriebes werden in der eigenen Region getätigt, 20 Prozent in Österreich und lediglich zehn Prozent der Leistungen werden aus dem Ausland importiert.
Dass Tirol mit seiner unglaublichen Dichte an hochqualitativen Sterne-Betrieben vor allem in puncto Qualität ganz weit vorne liegt, ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die meisten Häuser seit Generationen in Familienhand sind. Die berühmte Tiroler Gastfreundschaft wird von den Hotelliersfamilien mit großer Leidenschaft gelebt und bis ins kleinste Detail mit viel Liebe zum Detail zelebriert. Das ist authentisch. Und das spürt man.
Doris_Helweg


Cem Korkmaz ist einer der tituliertesten Baristas Österreichs und röstet heute unter dem Namen coffeekult.

Drei Innsbrucker Kaffeeröstereien, drei Philosophien und die Frage, was Kaffee wirklich bedeutet.
Fotos: Jürgen Schmücking
Es war 1751, als ein gewisser Josef Ulrich Müller in der Innsbrucker Seilergasse 18 ein Spezereien- und Kolonialwarengeschäft eröffnete. Innsbruck war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Landeshauptstadt – das wurde es erst 1849 – Maria Theresia regierte ihr Reich, und Kaffee war ein Luxusprodukt, das man höchstens in den neuen Kaffeehäusern der großen Städte trank. Dass aus Müllers Handelshaus einmal die älteste Rösterei Tirols werden würde, ahnte damals niemand. Aber Kaffee hatte Zukunft.
Über ein Jahrhundert und mehrere Eigentümer später kauft Heinrich Nosko das Geschäft. Er kommt aus Waidhofen an der Ybbs, ist Wahltiroler und besessen von Kaffee. Er richtet eine maschinelle Kaffeebrennerei ein, legt Wert auf Hygiene, Qualität, Mengendurchsatz. 1906 nimmt er die erste elektrisch betriebene Rösttrommel Tirols in Betrieb – damals eine Sensation, vergleichbar etwa mit dem Einsatz der ersten Dampfmaschine in einer Tiroler Mühle. Im selben Jahr zeichnet Erzherzog Eugen von Österreich-Teschen, Generalfeldmarschall und einer der ersten hochadligen Kraftfahrzeugbesitzer der Monarchie, Nosko als kaiserlichen Kammerlieferanten aus. Kein schlechtes Jahr für eine Kaffeemanufaktur in der Provinz. 1936 beauftragt die Familie den Tiroler Grafiker Arthur Zelger mit einem neuen Erscheinungsbild. Zelger, später auch Schöpfer des ikonischen Tirol-Schriftzugs (genau der Schrift-

Der Vorgang des Röstens sieht zwar einfach aus, ist jedoch ausgesprochen komplex. Die Rohbohne trägt Feuchtigkeit und Zucker in sich, die Hitze der Trommel entzieht das eine und verwandelt das andere: Beim sogenannten First Crack – einem deutlich hörbaren Knacken und Ploppen, weil die unter Druck stehende Zellstruktur aufspringt – karamellisiert der Zucker, entfalten sich hunderte Aromaverbindungen, verdoppelt die Bohne fast ihr Volumen. Wer zu früh aufhört, hat einen Kaffee, der nach Heu schmeckt. Wer zu lange wartet, trinkt Rauch. Was dazwischen liegt, ist Erfahrung – und das, was Marx mit dem Wort „Fingerspitzengefühl“ meint, wenn er darüber spricht. Bei Nosko wird der Röstvorgang inzwischen von einer Software einer Innsbrucker Firma lückenlos protokolliert. Tradition und Digitalisierung, kein Widerspruch.
zug, der auch titelgebend für dieses Magazin am Cover prangt), entwirft drei Türme mit dem Namenszug –markant, zeitlos, schwarz auf weiß. Das Motiv überdauert Bombenangriffe, Nachkriegszeit, Besitzerwechsel und die gesamte Kaffeemaschinen-Ästhetik des 21. Jahrhunderts. Es strahlt noch heute von jeder Packung. Ein Stadtarchiv-Foto aus 1948 zeigt das Gebäude am Marktgraben nach den Angriffen: Die Fassade beschädigt, das Logo kristallklar. Manches überdauert einfach.
1973 verkauft Heinrich Nosko junior die Rösterei an seinen langjährigen Mitarbeiter Josef Aster, der sie als Familienbetrieb weiterführt. Asters Tochter und Schwiegersohn übernehmen, führen das Geschäft klein, verlässlich, handwerklich – jahrzehntelang, ohne großes Aufheben, mit einer Treue zum Produkt, die in der Branche selten geworden ist. 2018 kommt der nächste Wendepunkt: Bernhard Peskoller übernimmt als Miteigentümer. Kein Erbe, keine Nostalgiestrategie, sondern eine unternehmerische Entscheidung. Seitdem hat sich der Umsatz verzehnfacht. Heute veredelt Nosko jährlich Tonnen von Kaffeebohnen. Die Rösttrommel, mehrere Jahrzehnte alt, röstet Bohnen aus Brasilien, Nicaragua, Honduras, Guatemala, Indien, Vietnam und Äthiopien. Es wird sortenrein bei moderaten Temperaturen geröstet. Dann ruhen die frisch gerösteten Bohnen noch ein paar Tage, bevor sie abgepackt werden. Kein Hochdruck, keine Eile. Die Bohne soll Zeit bekommen.
Was das Team von Nosko derzeit am meisten beschäftigt, ist weniger romantisch: Die Rohstoffpreise sind in vier Jahren rasant gestiegen. Spekulanten, wachsende Nachfrage in China und Indien, Klimakapriolen in den Anbaugebieten. Nur einen Teil davon konnte Nosko an die Kunden weitergeben. Und doch. Die älteste Rösterei Tirols, einst Kammerlieferant der Habsburger, röstet weiter. Eben doch der Beste. Und das verpflichtet.
Jede Röstung ist ein Experiment.
Einige Kilometer südlich des Stadtzentrums, in Wilten, einer Mischzone aus Wohnen und Gewerbe nahe dem Bergisel, liegt die Rösterei von Cem Korkmaz. Schild: coffeekult, mit kleinem k. Kompaktes Ladenlokal, eine sichtbare Trommel, Säcke mit grünen Rohbohnen, ein Regal mit Brühgeräten und Merchandise-Shirts, eine Spielecke für Kinder, kostenloses WLAN. Wer nicht weiß, dass hier einer der tituliertesten Baristas Österreichs seiner Arbeit nachgeht, kommt möglicherweise ohne dieses Wissen wieder raus. Korkmaz, Innsbrucker mit türkischen Wurzeln, ist kein Röster, der irgendwann zum Kaffee gefunden hat. Er ist jemand, der den Kaffee von der Wettkampfbühne aus kennt. 2009 und 2010 Tiroler Barista-Champion, 2010 Latte-Art-Champion, 2011 Österreichischer Barista-Meister mit Weltmeisterschaft in Bogotá, 2012 österreichischer Titel im Cezve/Ibrik-Brewing mit WM-Teilnahme in Wien. Wer einen Guinness-Weltrekord für die meisten Cappuccini in einer Stunde hält, hat ein anderes Verhältnis zur Tasse als der durchschnittliche Kaffeetrinker. Irgendwo in dieser Zeit begann er zu rösten – und entschied, dass der Wettbewerb als Bühne gut war, die Rösterei als Bühne aber besser ist.
Seine Philosophie ist direkt: Kaffee ist ein Erlebnis, kein Massenpro-

Das Nosko-Logo, bestehend aus drei markanten Türmen und Namenszug, stammt von Arthur Zelger, der auch für das ikonische Tirol-Logo verantwortlich zeichnet.

DIE PHILOSOPHIE VON COFFEEKULT IST DIREKT: KAFFEE IST EIN ERLEBNIS, KEIN MASSENPRODUKT.
dukt. Die Bohnen kommen von kleinen Farmen, fair gehandelt, transparent deklariert – eine Haltung, die er Direct Trade nennt und als ehrlicheren Weg bezeichnet, Kaffee zu den Menschen zu bringen. Im Sortiment stehen Single Origins aus Äthiopien, El Salvador, Ruanda, Peru und Kolumbien, dazu eine Hausmischung und wechselnde Limitierungen. Der aktuelle Kolumbien-Lot stammt von der Finca El Diviso im Departamento Huila, Sorte Tabi, auf 1.700 bis 1.900 Metern angebaut. Geröstet wird fast täglich, in kleinen Chargen, von Hand – und in einer handwerklichen Trommelröstung bedeutet das, dass der Röster während des gesamten Vorgangs dabeisteht. Am Schauglas, am Trier – einem langen Probeheber, den man sekündlich in die rotierende Trommel steckt – am Ohr. Geruch, Farbe, Klang: Das ist das Messinstrument. „Jede Röstung ist ein Experiment, bei dem ich versuche, das Beste aus der Bohne herauszuholen“,

1751 eröffnete Josef Ulrich Müller in Innsbruck ein Spezereienund Kolonialwarengeschäft. Über ein Jahrhundert und mehrere Eigentümer später kauft Heinrich Nosko das Geschäft und nimmt 1906 die erste elektrisch betriebene Rösttrommel Tirols in Betrieb.

sagt er. Das klingt wie ein Slogan. Es ist dennoch wörtlich gemeint. Industrielle Anlagen arbeiten mit Heißluftströmen bei weit höheren Temperaturen, in Minuten statt Viertelstunden, in Tonnen statt Kilogramm. Das Ergebnis ist homogen und austauschbar. Die Trommel bei Korkmaz dreht langsamer, sanfter, mit mehr Aufmerksamkeit pro Bohne.
Vom Zehnkampf zur Rösttrommel.
Florian Mayrhofer war Zehnkämpfer und Hürdenläufer. Dass jemand mit dieser Biografie irgendwann eine Rösterei gründet, ist nicht die naheliegendste Karrierebewegung – aber auch keine völlig unlogische. Zehnkämpfer gewöhnen sich früh ans Scheitern, ans geduldige Üben und ans Denken in Disziplinen. Kaffeeröster brauchen genau das.
Die Idee zu unbound coffee roasters entstand nicht in Innsbruck, sondern in einer Hängematte in Guna Yala, Panama, während einer Motorradreise durch Kolumbien. Gespräche mit Kaffeebauern, Besuche auf Fincas, das Begreifen, dass zwischen Rohstoff und Tasse ein handwerklicher Weg liegt, den man gehen oder ignorieren kann. Mayrhofer entschied sich fürs Gehen. Zurück in Innsbruck, experimentierte er in seiner Studentenküche, die er selbst als eine Art geheimes Labor beschreibt, im besten Sinne. 2017 folgte die Gründung, zunächst mit einer Schaurösterei in der Werkstätte Wattens auf dem ehemaligen

S e i t übe r 140 J a h ren e i n e s d e r sc hö n ste n Ka ffeeh äuser Europ a s und der centr ale Tr e f fpunk t i n Innsbruc k .
Swarovski-Gelände: Co-Working-Atmosphäre, Start-up-Nachbarschaft, junges Publikum. Im Frühjahr 2026 zog unbound nach Innsbruck: eine neue Rösterei in der Valiergasse im Stadtteil Rossau, mit Glasfront und freiem Blick auf die Trommel, Schulungsraum, Café. Handwerk als Schauspiel, absichtlich. Geröstet wird auf einem 15-Kilogramm-Trommelröster der niederländischen Marke Giesen; Head of Coffee und Röster Valentin Possert hat sich das Mantra „Make coffee great again“ gewählt, was man als Scherz lesen kann und als Haltung ernst nehmen sollte. Zehn Farmen weltweit beliefern die Rösterei – Äthiopien, Kenia, Panama, Brasilien, Peru, Mexiko, Kolumbien – die Rückverfolgbarkeit bis zur einzelnen Farm ist als eigenes Gütezeichen ausgewiesen, die Verpackungen sind aluminiumfrei, Teile des Sortiments biozertifiziert. Die Sortennamen sind verspielt: Peachy Keen, Merry Blueberry, Go Nuts. Das klingt nach Leichtigkeit und meint dennoch Qualität. Direkt gegenüber
„JEDE RÖSTUNG IST EIN EXPERIMENT, BEI DEM ICH VERSUCHE, DAS BESTE AUS DER BOHNE HERAUSZUHOLEN.“
Cem Korkmaz
der Innsbrucker Universitätsklinik betreibt unbound seit Sommer 2025 einen Coffee Shop in der Anichstraße – täglich ab 7:10 Uhr geöffnet, die genaue Startzeit bewusst auf die Frühschichten des größten Arbeitgebers der Stadt kalibriert. Sandra Niederacher, im Haus als Sunny bekannt, leitet das Café: erfahrene Gastronomin mit Foodtruck-Vergangenheit und dem Talent, einen Raum zu etwas zu machen, das man nicht gleich verlassen möchte. Bagels, Filterkaffee, gute Vibes, wie das Unternehmen selbst formuliert – und damit ist ausnahmsweise nicht Marketingsprache gemeint, sondern eine Arbeitsphilosophie.


Eine Stadt, ein Morgen, drei Trommeln.
Laut einer aktuellen Studie trinken die Österreicherinnen und Österreicher im Schnitt knapp drei Tassen Kaffee täglich – die Tiroler liegen deutlich darüber und führen den nationalen Vergleich an. Der Verlängerte bleibt der Favorit, aber der Espresso gewinnt bei Jüngeren, und Filterkaffee feiert ein Comeback, das man vor zehn Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Tirol als Kaffeehochburg, nicht trotz seiner Alpenkultur, sondern mit ihr.
In Innsbruck jedenfalls, zwischen Seilergasse und Rossau und Wilten, wird das alles gleichzeitig getrunken. Nosko röstet mit 275 Jahren Erfahrung und einer Trommel, die seit Jahrzehnten ihren Dienst tut, für ein Publikum, das den klassischen Blend kennt und schätzt – und neuerdings auch versteht, warum er so schmeckt, wie er schmeckt. Cem Korkmaz röstet mit Wettkampfbiografie und dem Ehrgeiz des Perfektionisten, der in jeder Bohne das Optimum sucht und es meistens findet. Florian Mayrhofer röstet mit der Energie eines Ex-Athleten, der eine neue Disziplin entdeckt hat und sie mit dem Enthusiasmus betreibt, den nur jemand aufbringt, der weiß, wie es sich anfühlt, auf den Startblock zu steigen. Drei Röstereien, drei Geschichten, eine Stadt. Die Trommel dreht sich, der First Crack kündigt sich an, die Bohne gibt nach, wechselt die Farbe von grün ins Braune. Was danach in der Tasse landet, ist die Essenz handwerklicher Leidenschaft. Und Genuss pur. Jürgen_Schmücking
Three coffee roasters, three philosophies, and the question of what coffee really means.

Coffee has a longer history in Innsbruck than one might think. As early as 1751, a general store opened in Seilergasse, which later gave rise to Nosko, Tyrol’s oldest coffee roastery.
Over generations, this developed into a business steeped in tradition, where beans from all over the world continue to be roasted in an old drum roaster. Despite rising raw material prices and a changing market, Nosko remains a place where coffee is treated with the patience and care of true craftsmanship – far removed from the fast pace of modern life and industrial uniformity.
Innsbruck’s coffee scene, however, is not defined solely by its history. A few kilometres further south, in Wilten, Coffeekult is shaping the city’s modern speciality coffee culture. Founder Cem Korkmaz, a multi-award-winning barista, sees coffee as both an experience and a craft. Beans from countries such as Ethiopia, Rwanda and Colombia are roasted in small
batches – with care, a willingness to experiment and a keen sense of nuance. Amid roasting drums, sacks of coffee and espresso machines, an atmosphere emerges that feels less like a business and more like a labour of love.
Unbound Coffee Roasters also embodies this new approach to coffee. Founded by former decathlete Florian Mayrhofer, the roastery combines artisanal precision with an open, youthful coffee culture. What once began in a student kitchen has developed into a modern roastery with a café, training courses and a direct view into the roasting process.
The contrast between the traditional tranquillity of Nosko, the experimental precision of Coffeekult and the dynamic openness of Unbound shows just how diverse Innsbruck’s coffee scene has become. Innsbruck may be surrounded by mountains, but its coffee scene is unmistakably cosmopolitan.





Anfang des Jahres haben die ersten Mieter ihre Räume im neu errichteten Gebäude in der Museumstraße 1 in Innsbruck bezogen –unter anderem ist Sonnentor mit seinem Geschäft rückübersiedelt, im März hat die Lebensraum Tirol Gruppe mit „Moments Tirol“ im Erdgeschoß ihre neue Markenwelt eröffnet. „Moments Tirol“, geplant von Architekt Michael Schmücking, vereint dabei die bisherigen Tirol Shops aus der Maria-Theresien-Straße und vom Burggraben an einem gemeinsamen Standort, neu ist die kulinarische Partnerschaft. Dabei wird Tiroler Kulinarik exemplarisch in „Häppchenform“ komprimiert und zeitgenössisch interpretiert. Der Standort bietet Platz für rund 40 Gäste im Innenbereich und insgesamt bis zu 100 Besucher inklusive Gastgarten. Mit Themenveranstaltungen, Talks und einem begleitenden Programm der Marke Tirol, die über das Jahr verteilt stattfinden, soll sich Moments Tirol zu einem kulturellen Treffpunkt mit Community-Charakter entwickeln.

2026 jährt sich die Erfindung der Fotografie zum 200. Mal. INN SITU, die Galerie im BTV Stadtforum in Innsbruck, widmet dieses Jubiläum einem Künstler, dessen Praxis eng mit den Ursprüngen des Mediums verbunden ist. Maciej Markowicz arbeitet mit einer Camera obscura.
Die hat er in ein Boot oder einen Van eingebaut, während sich die Vehikel bewegen, belichtet er großformatiges chromogenes Fotopapier.
Nach Hudson, Seine und Themse widmet sich Markowicz nun alpinen Fließgewässern. Ergänzt werden die Aufnahmen in „Above the river and under the sky“ durch Porträts, aufgenommen an öffentlichen Orten in Innsbruck. Die Ausstellung ist noch bis 18. Juli zu sehen, der Eintritt ist frei. www.innsitu.at

Abwarten … und Tee trinken. Am liebsten einen der wunderbaren Kräutermischungen von Neuner’s aus Kirchbichl. In die Teesackerln darf nur das Beste hinein und das schmeckt man, denn jede Mischung wird von den Kräuterexperten mit viel Wissen und Erfahrung abgestimmt. 4,70 Euro. neuners.com
Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber manchmal spielt es dein Lieblingslied.

Unlängst wurde mit „RedensART“ im AUDIOVERSUM Science Center Innsbruck eine Ausstellung eröffnet, die in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Tirol entwickelt wurde. Die Lehramtsstudierenden der PHT setzten sprichwörtliche Sprache dafür in Material, Farbe und Form um und ergänzten die visuellen Arbeiten durch akustische Elemente. Das interdisziplinäre Projekt ist noch bis Ende August 2026 geöffnet. www.audioversum.at


Der Reformer-Pilates-Trend hat auch Tirol erreicht. Immer mehr Studios eröffnen – vorrangig in Innsbruck, aber auch in den Bezirken. Anfang Mai ist in der Innsbrucker Lieberstraße ein Studio von JOSEF P eingezogen, das eine sportliche-moderne Atmosphäre mit reichlich Design und einem lässigen Community-Gedanken verbindet. Das Schöne: Hier kann man sich auch ziemlich spontan in ein freies Training einbuchen und mit Videos individuell trainieren. Bezahlt wird einfach pro Stunde. Und wer nicht trainieren mag, kommt auf einen Matcha oder eine Acai-Bowl vorbei. www.josef-p.com

Wanderfreund. Rucksäcke bekommt man in Tirol fast an jeder Ecke. Unser Tipp sind jene aus der Lederwerkstätte Schmarda in der Maria-Theresien-Straße, dem letzten Taschner Innsbrucks. Die werden gern auch individuell geprägt oder verschickt. Den Lodenrucksack „Innsbruck“ gibt’s um 189 Euro. jagd-rucksack.com

Obst-Gemüse Niederwieser ist in Innsbruck eine echte Institution. Die Qualität der Waren ist hervorragend und man kann sich auch durch so manche Überraschung kosten. Der Familienbetrieb besteht seit mittlerweile über 100 Jahren, seit 2005 wird er von Patricia und Claudio Niederwieser geführt. Deren Vater Bruno hat seinen ganzen Erfahrungsschatz kürzlich in ein richtig schönes Kochbuch gepackt – persönliche Geschichten und atmosphärische Bilder inklusive. Erhältlich um 39,95 Euro natürlich im Geschäft sowie in der Wagner’schen und Tyrolia.
Tiroler Steinöl wird seit Jahrhunderten aus einem besonderen Ölschiefer aus den Tiroler Alpen gewonnen. Es ist bekannt für seine wohltuende Wirkung und verbindet traditionelle Alpenheilkunde mit natürlicher Pflege. Die Produktvielfalt ist groß und geht von Haut- und Haarpflege bis zu Fitness und Entspannung. Die Geschenkbox „Tiroler Steinöl“ enthält die wichtigsten Basics zum Probieren in Reisegröße. 25 Euro unter www.steinoel.at oder man besucht den Vitalberg in Pertisau am Achensee.

Erscheinungsweise: 2 x jährlich _Auflage pro Magazin: 25.000 Stück
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Tirol Magazin

