DEZEMBER 2021 | P.B.B. VERLAGSPOSTAMT 6020 INNSBRUCK | ZNR. GZ 02Z030672 M | EURO 3.00
N° 12 KULTURGUT: Die andere Seite der Tracht DORFGESCHICHTEN: Tradition in die Zukunft führen AUSBLICK: Trotzt die Konjunktur der Pandemie? TIROL IN GESICHTERN: Erinnerungen an früher
FORD MUSTA MUSTANG T NG TA MACH-E MAC A H-E AC
VOLLELEKTRISCH. AUFREGEND. BAHNBRECHEND. BESTELLEN SIE JETZT DEN SUV, DER NEUE STANDARDS SETZT:
JETZT BESTELLEN
• bis zu 610 km* Reichweite2) • 119 km Reichweite bereits nach 10 Minuten laden1) • Allradantrieb2) • Frontkofferraum mit bis zu 81 Liter extra Stauraum Kommunikations- und Entertainmentsystem
Ford Mustang Mach-E: Stromverbrauch: 16,5 – 19,5 kWh/100 km (kombiniert) | CO2-Emissionen: 0 g/km (kombiniert) | Elektrische Reichweite: je nach Batterie bis zu 400 – 610 km* (Prüfverfahren: WLTP)
I N N S B R U C K | Tel. 0 512 - 3336-0 V O M P | Tel. 0 52 42 - 642 00-0 W Ö R G L | Tel. 0 53 32 - 737 11-0 K I R C H D O R F | Tel. 0 53 52 - 645 50 T E L F S - P F A F F E N H O F E N | Tel. 0 52 62 - 654 00 WWW.AUTOPARK.AT Symbolfoto. *Gemäß Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure (WLTP) können je nach gewünschter Batterie bis zu 400 – 610 km Reichweite bei voll aufgeladener Batterie erreicht werden – je nach vorhandener Konfiguration. Die tatsächliche Reichweite kann aufgrund unterschiedlicher Faktoren (Wetterbedingungen, Fahrverhalten, Fahrzeugzustand, Alter der Lithium-Ionen-Batterie) variieren. 2 Jahre Garantie (beginnend mit Auslieferungsdatum), unbegrenzte Kilometer. Auf Batterie und Hochvoltkomponenten 8 Jahre Garantie, beschränkt auf 160.000 km. 1) Bei Batterie mit Extended Range (ER) über Hochleistungs-DC-Ladestationen (150 kW). Die Ladeleistung nimmt mit steigendem Ladezustand ab. Die tatsächlichen Ladezeiten können aufgrund unterschiedlicher Faktoren (Wetterbedingungen, Fahrverhalten, Fahrzeugzustand, Alter der Lithium-Ionen-Batterie) abweichen. 2) Wunschausstattung gegen Mehrpreis. Nähere Informationen auf www.ford.at
© MARIAN KRÖLL
eco.edit
Christoph Loreck und Mag. Sandra Nardin, eco.nova-Herausgeber
WEIL’S IMMER SCHON SO WAR Es ist vor allem der Winter, in dem Traditionen auf die verschiedensten Weisen zelebriert werden. Das wird nicht von jedem wohlwollend zur Kenntnis genommen. Tradition wird oft mit Rückwärtsgewandtheit gleichgesetzt, mit dem starren Festhalten an Altem. Doch das ist zu kurz gedacht.
M
it der Tradition ist’s so eine Sache: Die einen halten sie für altbacken, verzopft und unbeweglich. Die anderen sehen in ihr den Gegenpol zur Globalisierung, eine Wertehaltung, Dazugehörigkeit. Natürlich gibt es sie noch, die Traditionsveranstaltungen, die gerade junge Menschen befremden mögen, weil sie mit bestimmten Riten schlichtweg nichts mehr anzufangen wissen. Der Ursprung mancher Brauchtümer liegt derart weit zurück, dass man sich daran nicht mehr erinnert und sie sich mittlerweile selbst überholt haben. Aber auch die Tradition wandelt sich, passt sich an, ist in Bewegung. Und genau deshalb wird sie aktuell in vielen Bereichen wiederentdeckt und -belebt. Zuweilen leider auch missbraucht. In der Wirtschaft scheint Tradition indes eine Art Qualitätsmerkmal zu sein. Und tatsächlich: Kann sich ein Unternehmen über mehrere (Familien-)Generationen halten, ist das nicht nur ein Zeichen von Durchhaltevermögen und Ausdauer, sondern auch von Flexibilität und Anpassungsvermögen. Ohne diese Tugenden hätte es vermutlich nicht so lange überlebt. Letzlich ist die Frage, wie mit dem Erbe umgegangen wird und wie offen aktuelle und künftige Herausforderungen angenommen werden, entscheidend dafür, wie erfolgreich die Zukunft sein wird. Schon immer hat der (technologische) Fortschritt Veränderungen gebracht, nie jedoch waren diese so schnell wie heute. Und so wichtig Veränderung ist, manche Dinge dürfen auch einfach mal bleiben, wie sie sind. Weil’s eben immer schon so war.
3
Wir wünschen Ihnen eine feine Zeit und einen guten Rutsch in ein hoffentlich wieder normales Jahr 2022! Ihre Redaktion der eco.nova
Vom Altpapier zum Rohpapier für Wellpappe-Verpackungen und wieder zum Altpapier. Papier im nachhaltigen Kreislauf von Zimmermann und Rondo.
ROG-21-059_Anz_EcoNova_180x60_2021-10-25_Def.indd 1
Zimmermann Ganahl Aktiengesellschaft Obere Lend 14 A-6060 Hall in Tirol www.zimmermann-ganahl.com
25.10.21 14:05
Falcon Restaurant, SÖLDEN
das Mezzanin am Schottentor, WIEN
Manche mögen‘s
marschall.cc
SeeYou Restaurant Lohmann, OBERGURGL
EDEL.
Atrio, VILLACH
www.kluckner.at
eco.inhalt
18 34
38
54
6
44
92
FOTOS: TIROL WERBUNG, ANDREAS FRIEDLE, GIESSWEIN, TOM BAUSE, RAMON HAINDL
104
eco.inhalt
E C O .T I T E L 18 SIE IST WIEDER DA
Tradition in der post traditionalen Gesellschaft. 28 DIRNDL UND DISKONTER Die andere Seite der Tracht. 34 SPRECHEN SIE DIALEKT? Über die Sprache in die Seele schauen.
E C O .W I R T S C H A F T 38 WILLE ZUR WOLLE
ECO.ZUKUNFT 54 WIRTSHAUSSTERBEN
Das Dorfgasthaus stirbt aus. Wie Tradition in die Zukunft geführt werden kann. 58 KLAR ZUR WENDE Im Rahmen des Change Summit wurde zum zweiten Mal der Tirol Change Award vergeben.
Die Konjunktur trotzt der Pandemie. Die Frage ist, wie lange noch.
ECO.MOTOR 92 ALL THAT JAZZ
Die Neuauflage des Honda Jazz kommt nur noch als Hybridvariante. 94 ELEKTRO-MINI Der facegeliftete MINI Cooper SE zeigt sich unverändert stilsicher.
ECO.LIFE 98 FREUDEMACHER
Schenken heißt, einem anderen etwas zu geben, das man am liebsten selbst behalten würde. 104 KINDER MÜSSEN SPIELEN Fünf Tirolerinnen und Tiroler erinnern sich an Momente ihrer Kinderheit, die sie nie vergessen haben.
03 EDITORIAL 08 KOMMENTAR 10 11¾ FRAGEN 16 KLARTEXT 78 ECO.STEUERN 112 IM.GESPRÄCH
HER AUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, Christiane Fasching, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper, Marion Witting, MSc. // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Dr. Michael Posselt // eco.kultur: Julia Sparber-Ablinger // eco.mobil: Felix Kasseroler // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Marina Bernardi ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Matteo Loreck, Daniel Christleth L AYOUT: Tom Binder LEK TOR AT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Wellness, Steuern, Recht, Kulinarium und Lifes tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE SABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN! UNTERNEHMENS GEGENS TAND:
FACEBOOK.COM/ECO.NOVA.AT
genuss to go auf den punkt. rex-gläser, gefüllt mit köstlichkeiten für daheim & eine vielfalt an besonderen spirituosen & weinen gibt‘ in unserem pop-up shop.
das grander +43 (0) 52 24 52 6 26 info@das-grander.at das-grander.at
Giesswein: Wenn StrickHightech auf traditionelles Walken trifft, wird ein Schuh draus. 42 GEMEINSAM WACHSEN Tradition zur Innovation: STASTO baut seinen Standort in Innsbruck aus. 44 FAMILIENSACHE Die Unterberger-Gruppe feiert ihr 45-Jahr-Jubiläum. Die zweite Generation im Interview.
ECO.GELD 66 SCHÖNE AUSSICHTEN
eco.mmentar
DÉJÀ-VU Wir stehen knapp davor, die zweite Wintersaison an das Virus zu verlieren. Eines haben die vergangenen zwanzig Monate gezeigt: Mit halben Lösungen ist nichts zu gewinnen.
8
H
atten wir das nicht alles schon? Gab es nicht bereits im vergangenen Spätherbst treuherzige Beteuerungen, dass die Wintersaison selbstverständlich stattfinden würde, nur um sie dann feierlich zu Grabe zu tragen? Jetzt sind wir schon wieder an diesem Punkt. Die Politik war im Sommer und Herbst derart mit sich selbst beschäftigt, dass sie den schleichenden Anstieg der Inzidenzzahlen sträflich ignoriert hat. Sämtliche Experten schrien schon lange heraus, dass endlich etwas zu tun sei, denn: Exponentielle Kurven haben es so an sich, dass man sie kaum mehr einbremsen kann, wenn sie erst einmal Schwung aufgenommen haben. Erst das schreckliche Wort „Triage“ hat die Politik aus ihrer Lethargie gerissen. Triage, das ist das Ende der zivilisierten Welt. Das bedeutet nämlich, dass man sich wie mitten im Krieg zwischen zwei Patienten entscheiden muss. Der mit den größeren Überlebenschancen bekommt das Intensivbett, die Leiche des anderen findet sich einige Tage später am Gang. Damit man bei einem der besten Gesundheitssysteme der Welt überhaupt dorthin kommt, braucht es einiges an Inkompetenz. Eine Regierung heißt so, weil sie regiert und nicht, weil sie ständig nur reagiert und der Entwicklung atemlos hinterherläuft. Wer sich Wochen und Monate lang dagegen wehrt, die zur Verfügung stehenden gelinderen Mittel beherzt einzusetzen, muss den ultimativen Hammer auspacken, den Lockdown. Der kostet allein in Tirol 150 bis 180 Millionen Euro pro Woche, das ist etwa eine Million Euro stündlich, die sich in Luft auflöst. Das Corona-Management hat uns zu Europa- und Weltmeistern gemacht, leider in den falschen Disziplinen. Wir sind neben Zypern Europameister im Testen – doch das hat seine Schattenseiten. Abgesehen von den Kosten in Milliardenhöhe treibt das die Inzidenz in die Höhe – hier waren wir zeitweise sogar Weltmeister. Doch genau diese nach außen sichtbaren Zahlen empfehlen Österreich nicht gerade als Urlaubsland.
V O N K L A U S S C H E B E S TA
Wie kommen wir aus dieser Nummer wieder raus? Nun ja, es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: In einem unerklärlichen Moment der Voraussicht wurde eine Impfflicht beschlossen. Das regt natürlich die Impfgegner auf, aber das ist auch schon egal, denn sie regen sich sowieso dauernd auf. Ein Staat, der zwanzig Monate lang mit Bitten und Betteln, mit Hängen und Würgen, mit Lotterien und vorfahrenden Impfbussen immer noch nicht überzeugen konnte, darf ruhig die Samthandschuhe ablegen. Für die Zweifler ist das eine klare Ansage, die möglicherweise hilfreich ist. Und gegenüber den Hardcore-Verschwörungstheoretikern wird eine klare Linie gezogen. Wer vor überlasteten Krankenhäusern gegen Covid demonstriert, ist derart unsensibel, dass im Gegenzug auch keine Sensibilität angebracht ist. Wir haben inzwischen weit mehr als 100 Milliarden Euro in die Bekämpfung der Pandemie versenkt und bei der aktuellen Impfquote von 66 Prozent ist klar, dass das ewig so weitergehen würde. Das ganze schöne Geld ist aber nicht umsonst, es wird uns in den folgenden Jahren in der Bildung, bei der Kinderbetreuung, bei den Pensionen, bei der Kulturförderung, somit bei vielem, was uns wichtig ist, fehlen. Die schlechte Nachricht: Wir haben einen neuen Feind. Das Mutationsmonster Omikron läutet aller Voraussicht nach eine neue Runde ein, die mit Dilettantismus nicht mehr zu bewältigen ist. Vorausgesetzt, dass sich die Impfstoffe, wie von Experten erhofft, rasch anpassen lassen, wird es eine neue politische Performance brauchen. Das Motto dafür ist ganz einfach: Keine halben Lösungen mehr. Anders gesprochen: Wenn Maßnahmen, dann richtig. Also keine lauwarmen Lockdowns, die laufend verlängert werden müssen, sondern ein kurzer und harter Stillstand, der diesen Namen auch verdient; professionelles Monitoring und begleitende Maßnahmen, die auch kontrolliert werden; eine Impfpflicht mit Strafen, die spürbar sind. Anders kommen wir mit Covid nicht zurecht. Das Virus gibt sich auch nicht mit halben Sachen zufrieden.
RENAULT ZOE E-TECH ELECTRIC
0 % SACHBEZUG & VORSTEUERABZUGSBERECHTIGT
UNSER BETRIEB IST FÜR FIRMENKUNDEN WEITERHIN GEÖFFNET!
IN ALLEN FARBEN SOFORT VERFÜGBAR! Jetzt im Business Leasing bis zu 5 % Finanzierungsbonus sichern!
1)
Schon ab (netto)
€ 16.990,–
Inkl. Batterie und Finanzierungsbonus
Unternehmer im Oberen- bzw. Obersten Gericht 2) Zusätzlich € 3.000,– Sonderförderung 395 km Reichweite* Angebote und Preise für Firmenkunden, inkl. Batterie, inkl. aller anwendbaren Boni und dem entsprechenden E-Mobilitätsbonus (der E-Mobilitätsbonus erfolgt gemäß der Förderrichtlinie klimaaktiv mobil aufgrund des Klima- und Energiefondsgesetzes, genaue Informationen unter www.umweltfoerderung.at; Tiroler Wirtschaftsförderung (30 % der Bundesförderung), Emobilitätsbonus Bund.), exkl. USt., exkl. NoVA, zzgl. Auslieferungspauschale von € 200,– netto gültig bei Kaufvertragsabschluss und Zulassung bis 30.12.2021 bei Finanzierung über Renault Finance (RCI Banque SA Niederlassung Österreich) im Tarif Business Service+: Finanzierung inkl. Full Service, Haftpflicht und Vollkaskoversicherung (Mindestlaufzeit 24 Monate, Mindestfinanzierungsbetrag 50 % vom Kaufpreis). Es gelten die Annahmerichtlinien der Versicherung, gemäß Bedingungen unter www.renault.at. 1) Business Finanzierungsbonus ist ein freibleibendes Angebot von Renault Finance (ein Geschäftsbereich der RCI Banque SA Niederlassung Österreich), gültig für Firmenkunden bei Kaufvertragsabschluss bis 31.12.2021 und Finanzierung in einer Business-Box (Mindestlaufzeit 24 Monate, Mindest-Finanzierungsbetrag 50% vom Kaufpreis). Bonushöhe abhängig von gewähltem Business Box-Tarif. Maximalbonus iHv 5% des Listenpreises (inkl. Optionen) gültig bei Finanzierung im Tarif Business Service+: Finanzierung inkl. Full Service, Haftpflicht- und Kaskoversicherung. Es gelten die Annahmerichtlinien der Versicherung, gemäß Bedingungen unter www.renault.at. 2) 2) Nur bei Kreditfinanzierung. Die Förderung erstreckt sich auf das Gebiet des Planungsverbandes 9 „Oberes und Oberstes Gericht“ und umfasst die Gemeinden Faggen, Fendels, Kaunerberg, Kaunertal, Kauns, Nauders, Pfunds, Prutz, Ried im Oberinntal, Spiss und Tösens. Details unter https://www.tirol.gv.at/arbeit-wirtschaft/wirtschaftsfoerderung/sonderprogramme/sonderprogramm-oberes-und-oberstes-gericht. * Reichweite WLTP (Weltweit harmonisiertes Prüfverfahren für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge, Standardfahrzyklus: 57 % Stadtstraßen, 25 % Umlandstraßen, 18 % Fernstraßen) für den ZOE Life R110 Z .E . 50 mit 15-Zoll-Leichtmetallrädern. Änderungen, Satz-und Druckfehler vorbehalten. Symbolfoto.
Stromverbrauch: 17,3–19,1 kWh/ 100 km, homologiert nach WLTP.
STANDORTE: INNSBRUCK NEU-RUM, Serlesstraße 1 Tel. 050/2611, office@dosenberger.com DOSENBERGER-PLASELLER ZAMS, Buntweg 8 Tel. 050/261153, zams@dosenberger.com
NEURAUTER, Stams-Mötz, Staudach 23, Tel. 05263/6410 SCHÖPF, Imst, Industriezone 54, Tel. 05412/64526 HANGL, Pfunds, Nr. 432, Tel. 05474/5273 OSTERMANN, Innsbruck, Fürstenweg 93a, Tel. 0512/281741 office@ostermannibk.com HOFER, Neustift, Kampl/Gewerbezone 10, Tel. 05226/2661
© ANDREAS FRIEDLE
eco.porträt
10
eco.porträt
11¾ FRAGEN AN
MARTIN LOCHER 1. Wer sind Sie? Ich bin ein Mensch, der zwei unterschiedliche Leben lebt. Zum einen im Brotberuf als Postbote und zum anderen als Musiker und Songschreiber. In der Kunst darf ich mich so lange austoben und ausleben, bis der Job mir sagt: „Du musst morgen früh aufstehen und was leisten, also geh bald schlafen heut.“ 2. Warum, glauben Sie, haben wir Ihnen geschrieben?
Weil alle anderen abgesagt haben?
3. Wie lautet Ihr Lebensmotto? Das mach ich morgen. 4. Was macht Sie stolz?
tig gemacht hab.
Alles, was ich im Leben rich-
Was bedeutet für Sie Luxus? Vier eigene Wände und eine Waschmaschine.
5.
6. Mit welcher historischen Persönlichkeit würden Sie gerne einen Abend verbringen – warum? Mit Jesus. Weil mit ihm über Gott und die Welt zu philosophieren bestimmt unglaublich spannend wäre.
11. Besitzen Sie selbst eine Lederhose/Tracht? Nein.
11¾ :
W E L C H E F R A G E W O L LT E N S I E S C H O N
I M M E R B E A N T W O R T E N , N U R H AT S I E N O C H N I E J E M A N D G E S T E L LT ?
LOCHER: Was würden Sie auf der Welt abschaffen, wenn Sie es könnten? Gewalt, Neid und Ungerechtigkeit.
„In meinen Liedern geht es um Emotion. Die kann man nur transportieren, wenn man in der Muttersprache singt.“ MARTIN LOCHER
7. Was ist das ungewöhnlichste Thema, über das Sie richtig viel wissen? Der Chaot – Martin Locher …
8. Ihr Leben in Liedern: Wenn Sie den größten Meilensteinen in Ihrem Leben je ein Lied zuordnen müssten, welche wären das? HÄNSCHEN KLEIN MIT 7: Ich war fasziniert von der Hohner-Orgel meiner Oma. I AM … I SAID (NEIL DIAMOND) MIT 15: Wegen dem Song wollte ich singen. NOTHINGS GONNA CHANGE MY LOVE FOR YOU MIT 16: Mein erster „richtiger“ Kuss. SUMMER OF 69 MIT 25: Anhand einer Grifftabelle habe ich mir den Song auf der Gitarre beigebracht. DES IS MEI FRAU (GEORG DANZER) MIT 30: Ich wollte (m)einen eigenen Song schreiben. HUNGRY HEART (BRUCE SPRINGSTEEN) MIT 32: Ich wollte Konzerte im kleinen Rahmen spielen.
Auf welche Tradition in Ihrem Leben möchten Sie nicht verzichten? Auf Glühwein und Kiachl mit Kraut jedes Jahr am ersten Christkindlmarkt-Besuch. 9.
10. Wo fühlen Sie sich zuhause?
lie und meine Freunde sind.
Da, wo meine Fami-
ZUR PERSON Martin Locher lebt in Kolsass und macht laut Eigendefinition „österreichische Musik“. Er singt in Mundart über das Leben, seine schönen, aber auch melancholischen Seiten. Mittlerweile hat er drei Alben herausgebracht, das letzte „Hamweh“ entstand während der Coronazeit.
11
© TVB OSTTIROL/BERG IM BILD
WIRTSCHAF
12
wirtschaft & unternehmen
Wirtschaftsfaktor Sport Sport ist gesund. Damit erzählen wir Ihnen nichts weltbewegend Neues. Das ist er jedoch nicht nur für die Gesundheit des Einzelnen (und damit irgendwie auch für die gesamte Gesellschaft), sondern auch für die Wirtschaft. Und Sie wissen ja: Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Das 2021 gegründete Sports Research Lab Tirol (SRLT) hat im Auftrag der Lebensraum Tirol Holding und in Kooperation mit SportsEconAustria erstmals eine Wertschöpfungsanalyse des Sektors „Sport“ in Tirol durchgeführt. Das Ergebnis: Würde man Sport als eigenständige Branche definieren, läge sie in der wirtschaftlichen Bedeutung neben dem Tourismus und der Industrie auf Rang drei und sicherte rund 88.000 Arbeitsplätze. Sport als Ganzes, also unter Beachtung aller Wirtschaftsbereiche, die mit Sport verbunden sind, wie die Sportartikelproduktion und der -handel, der Tourismus, aber auch die Bauwirtschaft, das Unterrichtswesen oder das Gesundheitswesen, löst in Tirol eine totale Bruttowertschöpfung von 6,7 Milliarden Euro aus. Das entspricht knapp 21 Prozent der gesamten Wertschöpfung. Kein anderes Bundesland ist damit wirtschaftlich so stark mit dem Sport verknüpft. „Das bedeutet, dass jeder fünfte Euro mittel- oder unmittelbar durch Sport erwirtschaftet wird“, erläutert Studienautorin Anna Kleissner vom SportsEconAustria Institut für Sportökonomie in Wien. Auch der direkte Wertschöpfungsanteil durch Sport (5,3 Milliarden Euro) ist beachtlich. „Die Studie zur Wertschöpfung des Sports in Tirol zeigt, dass insbesondere der Sporttourismus von hoher Relevanz für unser Bundesland ist. Der Großteil unserer Gäste kommt wegen des Sports zu uns bzw. übt während des Aufenthalts sportliche Aktivitäten aus. Die vorliegende Wertschöpfungsanalyse auf Basis einer europaweit einheitlichen Definition zeigt, dass knapp die Hälfte der 6,7 Milliarden Euro im Beherbergungswesen und in der Gastronomie sowie im Einzelhandel generiert werden“, so Tanja Hörtnagl-Pozzo, die seitens des Management Center Innsbruck im Rahmen des Sports Research Lab Tirol an dieser Studie mitgearbeitet hat. Möge also eine Wintersaison zustande kommen ...
© JULIA TÜRTSCHER
© STIHL TIROL
eco.wirtschaft
eco.mmentar
Marina Bernardi, Chefredaktion
Vom Mut zur Wut UNTERNEHMEN DER AUSGABE Vielfach wird nur darüber geredet oder sie großzügig angekündigt: die Coronaprämie. Der Gartengerätehersteller STIHL Tirol aus Langkampfen macht ernst und zahlt seinen Mitarbeiter*innen auch heuer zusätzlich 450 Euro brutto. Geschäftsführer Clemens Schaller: „Wir sind insgesamt gut durch diese nicht einfachen Zeiten gekommen, da die Belegschaft vor Ort ein hohes Engagement gezeigt und außergewöhnliche Anstrengungen gemeistert hat. Mein Dankeschön gilt besonders der konsequenten Umsetzung aller Sicherheitsmaßnahmen und der großen Flexibilität. Unsere Belegschaft hat sich diese Sonderzahlung mehr als verdient.“ Auch Kurzarbeit war und ist im Unternehmen kein Thema.
TRADITIONSREICH Kürzlich wurden im Congresspark Igls wieder 29 Tiroler Traditionsbetriebe geehrt, die zu ihren jeweiligen runden Betriebsjubiläen eine Auszeichnung und Urkunde verliehen bekamen. Ingesamt stechen in den Unternehmen 1.880 Jahre Tradition und Wirtschaftskraft. Die vier ältesten ausgezeichneten Betriebe sind die Holz Marberger GmbH aus Ötztal-Bahnhof und die Plansee Holding AG aus Reutte mit je 100 Jahren, der Zillertaler Versicherungsverein auf Gegenseitigeit aus Zell mit 170 Jahren und die Tiroler Versicherung V.a.G. aus Innsbruck mit 200 Jahren.
Erratum
In vergangenen Wirtschaftsmagazin No. 10 vom Oktober 2021 ist uns leider ein Fehler unterlaufen. Matthias Rauch (Interview Seite 30/31) ist nicht Leiter des Wohn- und Pflegeheimes Schwaz, sondern in Wattens. Wir entschuldigen uns für die Verwirrung.
Die Pandemie hat ihre Auswirkungen. In irgendeiner Form wohl auf jeden von uns. Zeit meines Lebens war ich nie ein wütender Mensch. Sogar die Teenagerjahre verliefen – sollte mich meine Erinnerung nicht drastisch trügen – relativ entspannt. Statt mich aufzulehnen oder aufzuregen, war mir vieles einfach wurscht. Das ist heute noch so. Meine Eltern haben mich Toleranz gelehrt, einfach, indem sie sie selbst vorgelebt haben. Mein Beruf hat mich gelehrt, anderen erst mal unvoreingenommen gegenüberzutreten und sie möglichst wertfrei zu betrachten. Das allerdings fällt mir zusehends schwerer. Ich sag’s Ihnen, wie es ist: Ich bin genervt. Eigentlich bin ich zutiefst angepisst. Und zum ersten Mal richtig wütend. Auf die Politik, die es geschafft hat, die anfängliche Corona-Solidarität durch Parteigeplänkel ins Gegenteil zu verkehren; die sehenden Auges und mit Anlauf in die vierte Welle gerannt ist; und die sich in entscheidenden Momenten mehr mit sich selbst beschäftigt als mit dem Volk, dem sie eigentlich zu dienen verpflichtet ist. Ich bin wütend auf all die Coronaleugner und Impfgegner – und ich meine damit explizit die Aus-dem-Kanaldeckel-in-dieWaden-geimpfte-Aluhutfraktion, die Angst hat, ihre durch die Impfung verursachte Unfruchtbarkeit an die nächste Generation weiterzugeben, die gemeinsam Zuckerln lutscht (was ich übrigens nicht nur in Pandemiezeiten gelinde gesagt widerlich finde) und sich in die 1930er rückversetzt fühlt. Es ist mir leider nicht (mehr) möglich, diese alle ernst zu nehmen und einen offenen Diskurs anzustreben. Mir ist ehrlich gesagt völlig egal, was sie mit ihrem eigenen Leben anstellen, ob sie sich selbst mit Ivermectin vergiften oder an Long Covid leiden, aber wir alle haben verdammt nochmal nicht nur eine Verantwortung uns selbst, sondern auch der gesamten Gesellschaft gegenüber. Das macht mich übrigens auch wütend aufs Bildungssystem, für dessen teilweises Versagen wir jetzt die Rechnung präsentiert bekommen. Schaut man sich an, welche Kosten diese Pandemie verursacht, schwant mir Übles. Weil dieses Geld künftig an anderer Stelle fehlen wird. Auch das macht mich wütend. Und das in der Adventzeit. Schönen Dank auch! Frohe Weihnachten! Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at
13
© KUNSTFOTOGRAFIN
eco.mmentar
TRADITION(ELL) „Es ist Tradition, dass …“ lässt uns erkennen, dass ein über die Jahre geübtes Verhalten oder Ritual beschrieben wird. Bald entzünden wir die erste Kerze am Adventskranz und öffnen das erste Türchen am Adventskalender. Welche Bedeutung haben Traditionen in der heutigen Zeit? Brauchen wir sie überhaupt und wenn ja, dürfen wir sie verändern?
14
S
Seit unser aller Leben von der Pandemie maßgeblich (mit)bestimmt wird, merken wir deutlich, wie wichtig Traditionen sind. Vermeintliche einfache Rituale wie das gemeinsame Geburtstag feiern oder der Besuch der Großeltern am Wochenende wurde stark eingeschränkt oder gar unmöglich. Diese Treffen selbst sind Tradition und zugleich ein Vehikel, um von anderen Geschichten und Rituale übermittelt zu bekommen. Feiertage sind der klassische Anlass, um an ein besonderes Ereignis zu gedenken und die Kernbotschaft an die nächsten Generationen zu vermitteln. Staatsfeiertag, Nationalfeiertag, oder einschneidende Tage aus unserer Geschichte wie die Novemberpogrome 1938 sind bekannte Beispiele für unsere Gesellschaft. Am anderen Ende des Spektrums gibt es in den verschiedensten Lebensbereichen unzählige kleine Traditionen, die den gleichen Zweck erfüllen.
VON ALEXANDER M. SCHMID
DIE ÜBERLIEFERUNG
Tradition im Sinne von Tradierung beschreibt die Art der Überlieferung von Verhalten und Ritualen. Das sonntägliche Aufbrezeln für den Kirchgang in der Dorfkirche ist ein Beispiel für die Überlieferung durch Vorbildwirkung. Die Kinder sahen es an ihren Eltern und haben es später ebenso gemacht. Das diese Tradition inzwischen nicht mehr so ausgeprägt vorhanden ist, hat vielerlei Gründe. Einer ist sicher das weniger oft vormachen. Ein anderer mag sein, dass für die heutige Jugend der Wert einer solchen Tradition nicht mehr erkennbar oder die dafür verwendeten Mittel und Wege der Überlieferung nicht mehr zeitgemäß sind.
ZEITGEMÄSSE TRADITION
Jede Tradition ist über die Jahre der Gefahr ausgesetzt, dass sie an Bedeutung verliert. Die ursprüngliche Kernaussage geht Stück für Stück verloren, bis man nicht mehr weiß,
warum es die Tradition überhaupt gegeben hat. Oft bildet sich dann ein Pseudogrund heraus, der mehr das konsumorientierte Verlangen einiger weniger stillt und für andere zum Event verkommt. Das Münchner Oktoberfest ist ein gutes Beispiel dafür. Ursprünglich wurde das Fest zur Hochzeit von Prinzregent Ludwig von Bayern, dem späteren König Ludwig I., und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen als Pferderennen ausgerichtet. Heute ist davon nichts mehr zu merken. Es ist daraus ein riesiger Vergnügungspark auf der Theresienwiese geworden, bei dem selbst die Dirndln nicht mehr echt sind. Selbstverständlich ist es angebracht, die Ausgestaltung von Traditionen zu hinterfragen. So sehr ich Feuerwerke zu Silvester als Kind beeindruckend fand, inzwischen weiß ich um die massive Umweltverschmutzung die damit einhergeht. Lichtspiele in den Nachhimmel zu zaubern, ginge auch mit einer Lasershow oder einem Drohnenschwarm. „Das haben wir immer schon so gemacht“, ist nicht nur Feind jeglicher Innovation sondern auch von zeitgemäßer Tradition und deren Weiterentwicklung. Nicht hinterfragt sollte wir hingegen die grundlegendste aller Traditionen: Solidarität. Die Tendenz, das eigene Wohl über das der anderen zu stellen, zeigt gerade in der Pandemie grausige Auswüchse. Es wäre schön, wenn wir uns der ursprünglichen Tradition, einander zu helfen, wieder besinnen würden. Haben Sie eine besinnliche Zeit und bleiben sie gesund.
ZUR PERSON Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über sechs Jahren mit Vereinfachung in Unternehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at
CRISTAL Fit
®
Bodyforming der nächsten Generation! Durch Hochfrequenz-Magnetfeld-Technologie ist jetzt Muskelstimulation und damit Körperformung auf einzigartige Weise möglich. Genießen Sie gezieltes und effektives Muskeltraining in 20 Minuten ohne Anstrengung! Nach acht Sitzungen lässt sich ein Muskelzuwachs von mindestens 20 Prozent erreichen. Bei Behandlung der Bauchmuskeln kommt es dadurch nicht nur zu einer Konturverbesserung (Stichwort: Sixpack), sondern auch zu einer Verbesserung der Haltung. Die CRISTAL-Fit-Behandlung eignet sich für Männer und Frauen, die an Bauch, Po, Oberschenkeln oder Oberarmen gezielt die Muskeln stärken und damit ihre Silhouette straffen möchten. Dr. Petschke bietet die CRISTAL-FIT-Behandlung als erster Arzt in Westösterreich an. Eine Sitzung mit CRISTAL Fit dauert 15 bis 40 Minuten und ist schmerzfrei. Währenddessen kann man sich entspannt zurücklehnen und seine Muskeln arbeiten lassen. Die Magnetwellen sorgen für Muskelkontraktionen und man absolviert so mühelos mehrere Tausend Sit-ups oder Squats. Kommen Sie zu einem Beratungsgespräch in die Ordination, um ein Konzept für eine bessere Haltung/Silhouette zu bekommen, denn das Geheimnis jugendlichen Aussehens ist nicht nur die straffe Haut, sondern auch unsere Haltung.
Premstraße 42, 6020 Innsbruck Tel.: +43 650 338 5442 office@dr-petschke.at www.schoenheits-op-tirol.at
eco.wirtschaft
IE: SER EXT RT KLA
MAN SPRICHT DEUTSH Deutsch geschrieben heißt noch lange nicht verständlich. Ob Recht, Politik, Verwaltung, Technik oder Werbung – der wahre Sinn vieler Aussagen versteckt sich oft hinter barocken Satzgebilden. Ziemlich leichte Sprache nimmt die Luft aus aufgeblasenen Formulierungen und legt den Blick auf die meist bescheidene Substanz frei. Klartext geht einen Schritt weiter und ergründet die wahren Absichten des Verfassers. Es gilt die Unschuldsvermutung. T E X T : K L A U S S C H E B E S TA
ORIGINAL: „FINANZ-STUDIE: 164 FORSCHER, 164 ERGEBNISSE“
ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE:
16
Eine Untersuchung unter Beteiligung der Uni Innsbruck mit Daten der Deutschen Börse zeigt: Gibt man 164 Forschern dieselben Daten, kommen 164 verschiedene Ergebnisse heraus. Jürgen Huber, Finanzprofessor an der Uni Innsbruck, schließt daraus messerscharf, dass die Forscher das Studienergebnis beeinflussen. „Das geschieht nicht aus Absicht, sondern weil jeder Forscher in seinen Analysen viele kleine Entscheidungen treffen muss“, sagt Huber dazu. Das betreffe nicht nur die Finanzwissenschaft, sondern auch Studien von Regierungen, Unternehmen und Marktforschungsagenturen.
KLARTEXT:
Seltsamerweise erzielen Studien „im Auftrag von ...“ meist Ergebnisse, die punktgenau im Sinne des Auftraggebers sind. Jetzt wissen wir zumindest, dass das die beauftragten Forscher nicht „aus Absicht“ machen. Wir werden es wohl hinnehmen müssen: Nicht überall, wo Wissenschaft draufsteht, ist auch Wissenschaft drin.
ORIGINAL: „CERTIFIED PRE-OWNED UHREN“
ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Eine Hochglanzanzeige im Magazin der ZEIT bewirbt hochtönend „kuratierte und zertifizierte Kollektion aus Vorbesitz“ mit dem dezenten Slogan: „Certified pre-owned Uhren“.
KLARTEXT:
Während unsere Uhren- und Antiquitätenhändler spröd „gebrauchte Uhren“, „Mechanisches aus zweiter Hand“ oder „vom Uhrmacher geprüfte Armbanduhren“ anpreisen, greift die Werbeagentur dieses Anbieters ins Volle. „Certified preowned Uhren“ klingt derart vollmundig, dass man versucht ist, jede neue Uhr links liegen zu lassen. Marketing ist alles.
O R I G I NA L : K R AW U Z I K A P U Z I , D E R K A S P E R L I S T DA !
ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Der Kasperl ist eine Institution, die seit Jahrzehnten Kinder in seiner tollpatschigen Art zum Lachen bringt. Für die Erwachsenenwelt gibt es würdige Nachfolger. Etwa wenn FPÖ-Chef Dr. Kickl ordiniert und dem Coronavirus mit Pferdeentwurmungsmitteln zu Leibe rückt. Wäre ein echter Schenkelklopfer, wenn es nicht Leute in Österreich gäbe, die dieser Behandlungsmethode folgen und sich daran vergiftet haben. Für den größten Krawuzikapuzi-Effekt der vergangenen Wochen sorgte indes der ebenso vergangene FPÖ-Obmann HC Strache, indem er, passend zur Adventszeit, auf die Tränendrüse drückte. Die Ibiza-Affäre habe ihn „finanziell an den Rand des wirtschaftlichen und existenziellen Ruins“ gebracht. Da hilft auch nicht, dass Gattin Philippa als Nationalrätin monatlich 9.000 Euro zum Haushaltseinkommen beisteuert. Folgerichtig bittet der Gebeutelte um Spenden.
KLARTEXT:
Kasperl 2.0 at its best!
© CORDES
STANER AUPARK
ZENTRAL. INNOVATIV. EINZIGARTIG. Anfang Dezember konnte mit dem Spatenstich und dem Beginn der Abrissarbeiten der erste Meilenstein für das Megaprojekt STANER AUPARK gelegt werden.
B
is Ende 2023 soll mit dem STANER AUPARK im Herzen von Tirol ein zeitgemäßes Architektur- und Gebäudekonzept auf dem rund ein Hektar großen Areal der ehemaligen „Mausefalle Schwaz“ realisiert werden. Noch nie zuvor wurden an einem Standort so viele unterschiedliche Branchen auf derart smarte und synergetische Weise miteinander verknüpft. Im konkreten Fall sollen durch einen trendigen wie zukunftsträchtigen Branchenmix nicht nur B2B-, sondern auch B2C-Kunden profitieren. Denn das innovative Konzept hinter diesem spannenden Immobilienprojekt lautet „Arbeiten. Shoppen. Genießen. Entspannen. Wohlfühlen. Gesund bleiben“ – ein längst überfälliges Angebot, das an alle Gebäudenutzer wie Unternehmer, Mitarbeiter, Besucher, Kinder, Sportfans, Patienten und andere Gäste des Hauses gerichtet ist.
SO EINZIGARTIG WIE DAS LEBEN SELBST
Die Einzigartigkeit des Business- und Lifestylecenters spiegelt sich in diversen Bereichen wider. Ein wesentlicher Bestandteil ist das durchdachte und umweltschonende Mobilitätskonzept. Zusätzlich zur zweigschossigen Tiefgarage können Unternehmer und Mitarbeiter auf den hauseigenen E-Fuhrpark bestehend aus Fahrrädern, E-Mopeds und E-Autos und eine Charging-Station mit einer Vielzahl an Superchargern zurückgreifen.
Eine perfekte Symbiose aus Leben und Arbeiten bietet die AUPARK-Kinderwelt. Während Eltern im hauseigenen Fitnesscenter trainieren, einkaufen oder einen Arzttermin wahrnehmen, werden alle kleinen Besucher bei einem kostenlosen Entertainment-Programm betreut. Zukunftsfit und modern präsentiert sich der STANER AUPARK auch in Bezug auf die Digitalisierung. Sämtliche Angebote können über ein einfaches digitales Buchungssystem genutzt werden, das via Handy-App oder PC bedient werden kann. Unternehmer, die Büro-, Lager- und Verkaufsflächen oder Dienstwohnungen im STANER AUPARK auf Basis von Baurechtswohnungseigentum gekauft haben, profitieren von einer Vielzahl hausinterner Synergien, um teure Investitionskosten nachhaltig zu reduzieren. Denn gemeinsam nutzbare Flächen wie Seminarräumlichkeiten stehen für alle gemeinsam zur Verfügung und brauchen nicht von jedem einzelnen Unternehmer separat gekauft werden. „Der STANER AUPARK soll ein beliebter Treffpunkt für alle Tirolerinnen und Tiroler werden. Ziel ist es, an einem einzigen Ort alle persönlichen Bedürfnisse abdecken zu können“, sagt Peter Hauser – von Anbietern regionaler Produkte über die Themen Schönheit, Wellness und (Indoor-)Sport bis hin zur Abendgestaltung. Dafür sind unter anderem das Dachgeschoss-Restaurant sowie eine Skybar und ein Bereich zum Feiern vorgesehen. Auch diverse Ärzte werden im
STANER AUPARK ein neues Zuhause finden und die Region versogen. Mit insgesamt rund 20.000 Quadratmeter hellen, hochwertig gebauten Büro-, Gewerbe-, Handels-, Ordinations- und Lagerflächen auf insgesamt acht Stockwerken werden moderne und flexible Arbeitsbedingungen garantiert. Dabei können alle Gewerbe- und Büroflächen provisionsfrei gekauft oder gemietet werden. „Bis dato haben wir sehr viele Flächen verkauft oder reserviert, das attraktive Angebot des STANER AUPARK wird bestens angenommen. Freuen würden wir uns noch über interessierte Friseure, Kosmetiker, Ärzte und Mieter oder Käufer für Büroflächen“, so Peter Hauser. PR
PMW- IMMOBILIEN GMBH & CO. KG Mag. iur. Peter Hauser Waldweg 23 6114 Kolsass Tel.: 0664/96 27 137 office@pmw-immo.tirol
www.staner-aupark.tirol
17
SIE IST WIEDER DA! Oder war sie überhaupt jemals weg, die Tradition? Traditionen und Bräuche erfüllen gesellschaftliche Funktionen. Manche sind weniger alt, als man annehmen könnte, und allesamt wurden sie irgendwann erfunden. Tradition schafft auch Identität. Gerade deshalb ist es klug, einen entspannten, unverkrampften Umgang mit ihr zu pflegen. TEXT: MARIAN KRÖLL
19
Ingo Schneider ist Professor für Europäische Ethnologie an der Universität Innsbruck.
20
ine Zeit lang sah es gegen Ende des 20. Jahrhunderts so aus, als hätte die Tradition ihren Wert verloren und viel von ihrer Strahl- und sozialkonstitutiven Bindekraft eingebüßt. Das Ende der Geschichte war damals ausgerufen worden, zuletzt vom Politologen Francis Fukuyama Ende der 1980er-Jahre. Dieser vertrat die These, dass sich nach dem Ende der Sowjetunion Liberalismus, Marktwirtschaft und Demokratie allerorten durchsetzen würden. Friede, Freude, Eierkuchen. Damit ist es nichts geworden. Traditionale Strukturen sind widerständiger als angenommen und lassen sich nicht von der Versprechung maximaler persönlicher Freiheit so einfach absorbieren. Autoritäre Staaten sind auf dem Vormarsch, und gerade in der westlichen Welt ist es eine auch angesichts der Umstände zunehmend autoritäre Staatlichkeit, welche die Erzählung vom Ende der Geschichte zunichte macht. Die liberale Demokratie mag wirtschaftlichen Erfolg, relative Sicherheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bieten, eines kann sie jedoch nicht, was besonders die Tradition schon immer gut konnte: Gemeinschaft und Identität stiften und Stolz begründen. Stolz auf die Heimat, die Nation, das Dorf, die Sippe. Wohl auch deshalb ist heute der Stellenwert der Tradition wieder ein größerer: Sie ist wieder da. Tradiertes in all seinen Formen hat wieder Konjunktur, Tradition ist – auch wenn das bei oberflächlicher Betrachtung vielleicht paradox klingen mag – modern geworden und wird da und dort sogar zur Hochkultur hochgejazzt. Diese Stilisierung zum kulturellen Erbe, die zunehmend auch kleinräumigere Traditionen erfahren, wertet der Innsbrucker Kulturwissenschaftler Ingo Schneider „als Prozess der Konstruktion oder Produktion von Kultur“. Dementsprechend darf man, wenn vom kulturellen Erbe die Rede ist, durchaus hellhörig werden, zumal der Begriff besonders im Kontext von Kulturpolitik und Tourismus bemüht, wenn nicht gar strapaziert wird.
TRADITION IN DER POSTTRADITIONALEN GESELLSCHAFT
Die Nachrichten vom Tod der Tradition sind wie bereits angedeutet maßlos übertrieben. Der britische Soziologe Anthony Giddens beschrieb in den 1990er-Jahren die Entstehung einer posttraditionalen Gesellschaft. Für Giddens ist die Geschichte der Moderne großteils eine der „Rekonstruktion der Traditionen, die sie auflöst“. Der Soziologe betont die Bedeutung der Schaffung von Traditionen für die Legitimation der Staatsmacht und verweist ferner auf die Globalisierungsprozesse. Es ist kein verwegener Gedanke, dass die Wiederkehr
„ E I N E K R I S E D E R I D E N T I TÄT K A N N ES AUS MEINER SICHT NUR GEBEN, W E N N M A N E I N S E H R S TA R R E S B I L D D E R E I G E N E N I D E N T I TÄT H AT. I D E N T I TÄT I S T A B E R E I N S TÄ N D I G E R P R O Z E S S , S O W I E H E I M AT A U C H E I N S TÄ N D I G E R P R O Z E S S I S T.“ K ULT URW IS S ENS C H A F T L ER ING O S C HNEIDER
der Tradition und die Erfindung neuer Traditionen als Backlash gegenüber einer als überwältigend empfundenen Globalisierung und damit verbunden (zu) großen Vielfalt an Identitäten und Identifikationsangeboten gedeutet werden können. Tradition habe aber auch etwas mit Zukunft zu tun, argumentiert der Soziologe, und zwar in dem Sinne, dass „eingespielte Praktiken zur Strukturierung der Zukunft verwendet werden“. Tradition wird durch Repetition erzeugt. „Wiederholung holt die Zukunft in die Vergangenheit zurück und bedient sich der Vergangenheit, um die Zukunft zu rekonstruieren“, schreibt Giddens. Dadurch wird aus der signalisierten Dauer ein Geltungsanspruch für die Zukunft abgeleitet. Traditionen sind im Zeitverlauf nicht etwa starr, sondern ändern sich dauernd, obgleich es dabei immer zumindest ein stabiles Element gibt, das veränderungsresistent ist.
eco.titel
TRADITION BEGREIFEN Die Tradition kommt etymologisch aus dem Lateinischen tradere bzw. traditio, was Übergabe, Überlieferung, Auslieferung bedeutet. Das Wort Traditio kommt ursprünglich aus dem römischen Erbrecht, regelte die Übergabe von Eigentum, aber auch die Übernahme von Pflichten und Rechten. Tradition bezeichnet zum einen die Weitergabe von Glaubensvorstellungen, Handlungsmustern und Überzeugungen, zum anderen das Weitergegebene selbst in Form von Bräuchen, Sitten, Gepflogenheiten und Konventionen. Tradiert werden die Dinge innerhalb von Gruppen oder über längere Zeiträume zwischen Generationen. Das kann mündlich, schriftlich oder über Erziehung, Nachahmung oder Vorbildfunktion geschehen. Tradition kann unter Umständen auch ein Kulturgut sein. Im Deutschen lässt sich zur Präzisierung die Unterscheidung zwischen der Tradition als Inhalt und der Tradierung als Prozess der Weitergabe des Traditionellen treffen.
KOLLEKTIVE GEDÄCHTNISSTÜTZE Eine wesentliche Funktion der Tradition ist deren engste Verbindung mit dem (kollektiven) Gedächtnis. Tradition hänge mit Ritualen zusammen, meint Giddens, sie verfüge über eigene „Bewahrer“ und „Hüter“ und – Giddens nimmt die Bräuche davon explizit aus – eine bindende moralische und emotionale Kraft. Gedächtnis diene, wie Traditionen, der Organisation der Vergangenheit in Bezug auf die Zukunft. Tradition wird, anders als man vielleicht annehmen möchte, auch nicht bewahrt, sondern fortdauernd auf Basis der Gegenwart rekonstruiert. Und eben diese Rekonstruktion findet grundsätzlich im Kollektiv statt. Folgt man Giddens, ist Tradition „eines der organisierenden Medien des kollektiven Gedächtnisses“, deren Integrität und Charakter des Ehrwürdigen nicht aus ihrer zeitlichen Dauer und Unveränderlichkeit erwachse, sondern aus der fortlaufenden Arbeit der Interpretation. Tradition kann es also nur geben, wenn sie aktiv gepflegt bzw. betrieben wird. Rituale sind in diesem Zusammenhang nichts anderes als Mittel zur Sicherung der weiteren Erhaltung von Traditionen.
projizierte Traditionen dienen als historische Fiktion dazu, bestimmte Normen und Strukturen gegenüber einem gegenwärtigen Wandlungsdruck gesellschaftlich zu legitimieren und zu festigen. Die Historiker unterschieden drei Varianten erfundener Tradition, die entweder kollektive Identität schaffen oder symbolisieren, hierarchische Institutionen und Gesellschaften bilden oder legitimieren oder aber Menschen in spezifische soziale Gruppen einführen sollten. Erfundene Tradition verleiht Teilen des sozialen Lebens Struktur und Kontinuität und wird wohl auch deshalb als Zeiterscheinung der Moderne betrachtet. Es ist interessant zu beobachten, dass sich unsere heutige Zeit durch zwei gegensätzliche Tendenzen auszeichnet: Dem vermehrten Rückgriff auf die Tradition steht ein ausgeprägter Hang zur konstruierten Originalität, geradezu eine Fetischisierung der Innovation gegenüber. Das eine schließt das andere nicht aus, was in einer Zeit, die so voll von Widersprüchen ist wie die heutige, nicht weiter verwundern kann. Als Beispiele für erfundene Traditionen nennen die Autoren Traditionsneuschöpfungen im kolonialen Indien und – Kilt-Träger und Dudelsack-Enthusiasten aufgepasst – die Highland-Tradition in Schottland. Diese Tradition ist nicht besonders alt, sondern wurde erst eingeführt, als sich Schottland längst in einer Union mit England befand. Ähnliches dürfte wohl auch für die hiesige Dirndl-Tradition gelten, wie uns die Volkskundlerin Elsbeth Wallnöfer auf den nachfolgenden Seiten verrät. „Die These von der Invention of Tradition hat in unserer Wissenschaft große Resonanz gefunden“, sagt Schneider. „Die symbolische Aufladung ist ein bewusster Vorgang der Traditionsbildung“, so der Ethnologe, der darauf hinweist, dass die Schotten Kilts vom normalen Kleidungsstück zum Symbol schottischer Identität umgedeutet haben, um sich von den Engländern abzugrenzen. Das funktioniert mit den Trachten hierzulande wohl ganz ähnlich.
Ingo Schneider, Professor für Europäische Ethnologie an der Universität Innsbruck, der sich auch wissenschaftlich an der Tradition abgearbeitet hat, bringt ebenfalls ein wenig Licht ins Dunkel des Traditionalen. Wie eine Tradition entsteht, lässt sich dabei gar nicht so einfach sagen. „Jede Tradition wird irgendwann einmal erfunden“, sagt Schneider. Das ist zunächst einmal gar nicht so offensichtlich, werden Traditionen doch „mit einem mythischen Schleier überzogen“, der wohl suggerieren soll, „dass sie schon immer dagewesen sein müssen“, meint der Ethnologe. Das heißt nicht, dass die Erfindung einer Tradition eine absichtsvolle Handlung gewesen sein muss. Die These von der „Erfindung der Tradition“ (Invention of Tradition) wurde 1983 von den britischen Historikern Eric Hobsbawm und Terence Ranger aufgestellt und besagt: Erfundene, in der jeweiligen Gegenwart konstruierte, in eine bestimmte Vergangenheit zurückFOTOS: © TIROL WERBUNG, MARIAN KRÖLL
WIR WÜNSCHEN FROHE FESTTAGE! Maria-Theresien-Staße 8 | Innsbruck | www.norz.gold
IHR GOLDSCHMIED SEIT 1764
DIE ERFUNDENE TRADITION
21
22
eco.titel
OB E S UM DIE A L LTAG S TAUGL IC H K EI T VON V ERMEIN T L IC H T R A DI T IONEL L EM GE WA ND W IE DIRNDL & C O. GEH T ODER UM DIE W IEDEREN T DEC K UNG UND - ERW EC K UNG A LT ER BR ÄUC HE UND GEP F L OGENHEI T EN DER A LT VORDEREN: DA S T R A DI T ION A L E IS T V I TA L W IE L A NGE NIC H T.
ZUKUNFTSGEWISSHEITS SCHWUNDERSCHEINUNGEN Damit ist das Wie und Was der Traditionen einmal betrachtet, aber wie verhält es sich mit dem Warum und Wozu? „In den letzten zwei, drei Jahrzehnten wurden in Tirol auffallend viele Bräuche wiederbelebt“, sagt Schneider. „Auch dort, wo es sie ursprünglich nicht gegeben hat, wurde versucht, historische Anknüpfungspunkte zu finden.“ Das gelte vor allem für die Bräuche in der Winterzeit, jene um den 6. Dezember und in der Fasnacht. „In Nordtirol haben nach dem Zweiten Weltkrieg die großen Fasnachtsorte ihre Fasnachtsbräuche mit riesigem Aufwand alle paar Jahre aufgeführt. Das waren ursprünglich aber nur ein paar Orte, darunter Imst, Nassereith, Telfs, Axams oder die sogenannten Martha-Dörfer (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam) mit ihrem Mullerlaufen. Ab dem Jahr 2000 wurden Fasnachtsbräuche in zunehmend mehr Orten wiederaufgeführt. Im Unterland sind dagegen vor allem die vorweihnachtlichen Bräuche, etwa das Perchtenlaufen, plötzlich allerorts aus dem Boden geschossen“, erzählt Ingo Schneider. Was bewegt junge Menschen dazu, derartige Bräuche zu betreiben? „Ganz so schlau bin ich aus dieser Frage noch nicht geworden“, räumt der Wissenschaftler ein. Schneider sieht in der Moderne und ihren Prozessen eine Krise der Identitäten mitangelegt. „Es ist schwieriger geworden, Identitäten auszubilden“, sagt der Professor. Das mag damit zusammenhängen, dass die Globalisierung alle Bereiche des Lebens durchdrungen hat. Es gibt auch durchaus die Wahrnehmung, dass mit der Zuwanderung die „Einheimischen“ sich in ihrer Identität bedroht sehen. Schneider vermutet, dass das Wiederaufleben der Bräuche in gewisser Weise mit einem diffusen „Zukunftsgewissheitsschwund“ zusammenhängen könnte. Das ist gewissermaßen die Modernisierungsverliererthese, formuliert im kultürlichen Kontext. „Mit Pauschalurteilen muss man vorsichtig sein“, entgegnet der Forscher auf die bewusst überspitzt formulierte Frage, ob denn Bräuche und Traditionen nach dieser Lesart womöglich gar etwas für Loser seien. Jedenfalls ist es deutlich unterkomplex, die Konjunktur der Bräuche allein als Ausdrucksmittel und Zufluchtsort einer Gesellschaft aufzufassen, die sich auf dem Rückzug befindet. Schneider bringt in die-
sem Kontext den Begriff der Identitätspolitik aufs Tapet. Ihre Proponenten versprechen, das Eigene gegen das Fremde, das Andere in Schutz zu nehmen. „In der Identitätspolitik spielt die Betonung der Tradition eine große Rolle“, sagt Schneider, der die politische Instrumentalisierung ethnologischer Schlüsselbegriffe wie Heimat, Tradition und Kultur mit Sorge beobachtet. Das Schutzversprechen der Identitätspolitik hat die Menschen politisch mobilisiert, die vom Veränderungstempo einer globalisierten Realität überwältigt waren. „Das ist aber nur ein Aspekt, der für sich genommen nicht erklärt, warum der Ruf nach Traditionen in den letzten Jahren merklich lauter geworden ist“, sagt Schneider. Bräuche werden heute nicht nur, aber auch aus Gründen der Selbstvergewisserung zelebriert. „Eine Krise der Identität kann es aus meiner Sicht nur geben, wenn man ein sehr starres Bild der eigenen Identität hat. Identität ist aber ein ständiger Prozess, so wie Heimat auch ein ständiger Prozess ist“, argumentiert Schneider für ein flexibles und dynamisches Modell der Identität. „Die Berufung auf die Tradition stellt für manche Menschen eine Möglichkeit dar, sich ihrer Identität zu versichern“, so Schneider. Bräuche sind vielfach per definitionem etwas Exklusives, Regionales, auf einen kleinen Adressatenkreis Beschränktes. Das gilt natürlich nicht für die Zuschauerrolle, sondern für die der Ausübenden. Da ist es durchaus üblich, dass bereits an der Ortsgrenze Schluss mit lustig ist. „Bräuche sind überwiegend etwas sehr Kleinräumiges und zudem meist Männern vorbehalten“, sagt Schneider und äußert einen, wie er selbst einräumt, „unwissenschaftlichen Verdacht“, der nicht ganz unumstritten sein dürfte und in etwa so geht: Bräuche und dafür erforderliche Vorbereitungen können mitunter auch als männlicher Eskapismus interpretiert werden. „Das Hauptmotiv dürfte für die meisten Spaß und Unterhaltung sein und weniger das Gefühl, etwas Bedeutungsvolles zu tun“, sagt Schneider.
23
eco.titel
24
TRADITION ALS KULTURERBE Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die UNESCO unter dem Eindruck der Zerstörungen vieler Altstädte bzw. historischer Bauten eine Liste mit ausgewählten Beispielen des kulturellen, bald auch des natürlichen Erbes der Menschheit anzulegen, die World Heritage List. In den 1990er-Jahren kam das immaterielle Kulturerbe, das Intangible Cultural Heritage, dazu. Nach der Ratifizierung der entsprechenden UNESCO-Konvention werden zunächst nationale Listen des immateriellen Kulturerbes angelegt, aus denen es dann einige Nennungen auf die höchste Ebene, jene des UNESCO-Weltkulturerbes, geschafft haben. „Aus Österreich sind da zum Beispiel die Lipizzaner drauf, was einigermaßen absurd ist, aber eben auch die Imster Fasnacht“, sagt Schneider. In den Imster Bewerbungsunterlagen beiliegenden Gutachten kommen dabei manche Funktionen und Eigenschaften von Tradition explizit zur Sprache: „Das ‚Schemenlaufen‘ in seiner heutigen Form besteht seit mindestens 1820/30. Der Brauch ist älter, doch sind seine Ursprünge nicht bekannt.“ Überliefert wurde der Fasnachtsbrauch schriftlos über „mindestens sechs Generationen hinweg. (…) Die Fasnacht als ein in Imst anerkanntes, gesellschaftlich hochgeachtetes Fest (…)
äußert sich in rituellen Ausdrucksformen. Traditionelle Handwerkstechniken kommen beim Schnitzen der Larven und bei der Herstellung der Aufputze und Kostüme sowie beim Wagenbau zur Anwendung.“ Gutachter Thomas Nußbaumer, Universitätsprofessor für Volksmusikforschung, bringt auch klar zum Ausdruck, dass sich Bräuche – konkret die Imster Fasnacht – über die Zeit hinweg verändert haben: „Die Fasnacht an sich ist offen für neue Elemente. Während in der Imster Fasnacht die wesentlichen Abläufe als konstitutive, unverwechselbare Elemente unangetastet bestehen bleiben, existiert eine große Zahl variabler Elemente mit direkten Bezügen zum aktuellen Zeitgeschehen. Zudem unterliegen auch die traditionellen Elemente der Imster Fasnacht, wie Archivquellen belegen, einem zwar verlangsamten, jedoch beständigen Wandel.“ Zur Identitätsfunktion der Tradition schreibt Nußbaumer: „Die Imster Fasnacht ist gerade für eine Stadtgemeinde, die in den vergangenen Jahrzehnten durch Zuzug stetig wuchs, ein sozial wichtiges, bedeutendes identitätsstiftendes Phänomen. An der Imster Fasnacht dürfen nur Männer und Buben, die in Imst wohnen, aktiv teilnehmen.“ Preise für Diversity und Inklusion gewinnt man so freilich keine. Aber das ist auch nicht unbedingt der Sinn der Übung. Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass auch Zuagroaste unter Umständen in den exklusiven Kreis Aufnahme finden: „Zugezogene erhalten dieses Recht schon nach wenigen Jahren. Entscheidend für die Einladung mitzumachen ist allemal, wie sich der Einzelne innerhalb des Ortes, seiner Vereine und innerhalb der einzelnen Fasnachtsgruppen zu integrieren vermag.“ Es besteht wenig Zweifel daran, dass es dabei mehr um Assimilation als um Integration geht, aber das ist an sich nicht verwunderlich, entsteht Identität doch gerade als Abgrenzung vom Anderen. Identität macht die Mitglieder einer Gruppe gleich unter ihresgleichen und grenzt sie ab vom Anderen der Anderen. Bei der Weitergabe des zum Großteil auf mündlicher Tradierung beruhenden Wissens „wird versucht, nicht eine starre, theaterhafte Überlieferung weiterzugeben, sondern die Idee des Brauches zu tradieren“, schreibt der Gutachter, Europäische Ethnologe und nunmehrige Leiter des Volkskunstmuseums Karl C. Berger und betont auch den Vorbildcharakter der Imster Fasnacht für die um-
E S BR AUC H T EINEN REF L EK T IER T EN UND EN T S PA NN T EN UMGA NG MI T DEN T R A DI T IONEN UND BR ÄUC HEN. W IR S OL LT EN DER DENK MÖGL IC HK EI T R AUM GEBEN, DA S S DIE HIE S IGE K ULT UR NIC H T BE S S ER IS T A L S DIE K ULT UR , DIE A NDERNOR T S GEP F L EG T W IRD. NUR A NDER S .
Shaping the world since 1919. Unsere Leidenschaft für Technologie und das Streben nach Innovation lassen seit 100 Jahren führende Schleiflösungen für Kunden in aller Welt entstehen.
www.tyrolit.group
eco.titel
26
liegende Region. Einige Gemeinden hätten nach dem Vorbild – und mit der Berücksichtigung bzw. Betonung scheinbarer regionaler Eigenheiten – die Fastnacht neu oder wieder eingeführt.
TRADITION IST TRADITION
Wenn man sich vergegenwärtigt, wie Traditionen entstehen, wird die Frage nach einem Werturteil betreffend die Authentizität von Traditionen müßig. Es gibt keine Tradition, die echter und dadurch besser ist als die nächste. Tradition ist Tradition. „Ob eine Unterscheidung zwischen ‚echten‘ und ‚unechten‘ Traditionen überhaupt aufrechterhalten werden kann, wurde in unserer Disziplin heftig diskutiert“, sagt Ingo Schneider, der Authentizität für eine reine „Wahrnehmungskategorie“ hält. „Die Unterscheidung zwischen authentischen und nicht authentischen Traditionen ist also nicht wirklich aufrechtzuerhalten“, meint der Europäische Ethnologe. Wer heutzutage die Deutungshoheit über das Traditionelle hat, ist gar nicht so einfach zu sagen. „Die frühen Volkskundler haben sich diese angemaßt“, meint Schneider. Heute könne man das nicht mehr behaupten, meint Schneider, der eher Expertengremien in diese Rolle gerückt sieht: „Die Begriffe Heimat, Brauchtum und Tradition werden oft in ähnlicher Weise instrumentalisiert und besetzt“, sagt der Europäische Ethnologe. Von manchen Gruppierungen subtiler, von anderen dagegen mit dem Holzhammer, nicht selten in Verbindung mit dem schönen Wort „autochthon“. Auf derselben Klaviatur klimpert auch das alte Lied von der „Leitkultur“. Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt, wenn Traditionen, Bräuche und Heimaten
gegeneinander ausgespielt werden. Trachtiges Aufmascherln – wie es etwa beim sogenannten Aufsteirern medien- und publikumswirksam zelebriert wird – darf in mancherlei Hinsicht durchaus als weltanschauliches, politisches Signal gewertet werden. Ähnliches dürfte es in Tirol im Kontext von Kirchtagsfesten wohl auch geben, wenngleich man diesem Sachverhalt, anders als in der Steiermark, noch nicht zum eigenen Verb „Auftirolern“ verhelfen konnte.
ENTSPANNTER UMGANG
Alles in allem könnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Tradition eine bierernste Sache sein müsse. Schneider spricht davon, dass die Tradition gleichermaßen von „Instrumentalisierung und Inszenierung“ betroffen sei. Das ist per se nichts Verwerfliches. Nur sollte man sich dessen bewusst sein und eventuell einen reflektierteren und auch entspannteren Umgang mit den Traditionen und Bräuchen finden. Der Denkmöglichkeit Raum geben, dass die hiesige Kultur nicht besser ist als die Kultur, die andernorts gepflegt wird. Nur anders. Die hiesigen Traditionsbestände sind auch durch Veränderung nicht gefährdet, gehört Veränderung doch traditionell zum Wesen der Tradition. Es ist legitim, dass Tradition auch Identität schafft, nur sollte diese möglichst nicht der einzige Pfeiler sein, auf dem das Selbstbild ruht. Es gibt ältere und neuere Traditionen, bekanntere und weniger bekannte, eigene und andere. Traditionen sind keine Dogmen, sie können sich verändern und tun das auch. Traditionen sind handgemacht. Und wenn sie ihre Wesen nach schon nicht „authentisch“ sein können, sind sie zumindest über weite Strecken gut erfunden.
W W W. STO F F WE C H S E L- I N N S B R U C K . AT
AB IN DIE K Ä LT E K A M M E R
Die eisigen Temperaturen in unserer Kältekammer bieten vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit. Unsere Kältekammer besteht aus zwei Kammern: eine Vorkammer mit -25°C und eine Hauptkammer mit -110°C. Zur Akklimatisierung und Verdampfung der Feuchtigkeit auf der Hautoberfläche gehen Sie zunächst 30 Sekunden in die Vorkammer. Danach kommen Sie für 3 min. in die Hauptkammer.
Immer mehr bekannte Sport-Clubs und erfolgreiche Vereine nutzen diese Hilfe der Natur für die schnellere Regeneration und Leistungssteigerung. Auch bei der Verjüngung des Hautbildes, Cellulite oder der Unterstützung bei Gewichtsreduktion etc. wird verstärkt auf die Panacool GanzkörperKältetherapie zurückgegriffen.
Unsere Öffnungszeiten Montag – Freitag von 8 – 18 Uhr +43 (0) 512 346437 office@stoffwechsel-innsbruck.at Amraser-See-Straße 56, Menardi Center II, 4. OG, 6020 Innsbruck
STOFFWECHSEL INSTITUT Innsbruck
28 © MARIAN KRÖLL
eco.titel
eco.titel
DIE ANDERE SEITE DER TRACHT Das Trachtenwesen ist immer auch mit Klischees verbunden. Darüber haben wir mit der Ethnologin Elsbeth Wallnöfer gesprochen, die mit ihrem Buch „TRACHT MACHT POLITIK“ dem Wesen der Tracht nachgespürt und diese ein Stück weit dekonstruiert hat. Ganz ohne Sentimentalitäten, mit nüchternem Blick für das Wesentliche. Tracht muss nicht Monokultur sein, nicht Einfalt, sondern gelebte, sich verändernde Vielfalt.
© TLM
TEXT: MARIAN KRÖLL
© MARIAN KRÖLL
E
lsbeth Wallnöfer ist Ethnologin. Als solche erschien es der Südtirolerin naheliegend, zur kostümhistorischen Erforschung der Tracht anzusetzen. Im Zuge einer Buchrecherche vor mehr als zehn Jahren stößt Wallnöfer auf die Wiltenerin Getrud Pesendorfer (1895–1982), die schon früh in Kontakt mit Tracht, Trachtenbildern und einer Nähmaschine gekommen war und 1937 ein Gewerbe „Entwurf und Beratung in allen die Trachtenerzeugung berührenden Angelegenheiten“ angemeldet hatte. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten beriet Pesendorfer den NSDAP-Gauleiter von Tirol-Vorarlberg, Franz Hofer (1902–1975), in „Volkstums- und Brauchtumsfragen“ und stufte damals selbst ihre Aktivitäten als Trachtenberaterin vor dem „Anschluss” Österreichs an das Deutsche Reich als illegale nationalsozialistische Betätigung ein. Im Jahr 1938 wurde Getrud Pesendorfer schließlich zur „Reichsbeauftragten für Trachtenarbeit“ ernannt, die das Trachtenwesen im gesamten Deutschen Reich koordinieren sollte. Nach dem Ende des NS-Staats 1945 wurde sie von den Entnazifizierungsbehörden als minderbelastet eingestuft. 1966 erschien Pesendorfers Buch „Lebendige Tracht in Tirol“, das zu einiger Beliebtheit und Verbreitung gelangte. Die darin präsentierten Trachtenmodelle wirkten im historischen Tirol und weit darüber hinaus. Man sprach sogar von einer „Pesendorfer-Schule“. Gertrud Pesendorfer hat das Trachtenwesen im Land zweifellos geprägt, aber auch zu dessen Abgeschlossenheit beigetragen.
ANDERS BETRACHTET
Mit der Neubetrachtung der Tracht – und das betrifft bei Elsbeth Wallnöfer hauptsächlich die Frauentracht – haben nicht alle eine Freude. „Wenn man jemandem eine Illusion nimmt oder gar einen Teil der eigenen Biografie in Frage stellt, kann es vorkommen, dass dieser jemand zornig wird”, sagt Wallnöfer. Das sei im Zusammenhang mit ihrer Recherche 2008 durchaus vorgekommen. „Ich finde das nicht so schlimm, es ist völlig menschlich“, sagt die Ethnologin, die es überhaupt nicht darauf angelegt hatte, zu provozieren. Die Menschen in und um Tirol seien allerdings zwischenzeitlich empfänglicher geworden für die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Tracht, das Nachden-
29
© FOTOWERK AICHNER
eco.titel
„U R S P R Ü N G L I C H M U S S T E M A N A N Z I E H E N , WA S M A N H AT T E . E S G A B K L E I D E R O R D N U N G E N , E S W U R D E G E S E L L S C H A F T S P O L I T I S C H D A R A U F G E A C H T E T, DASS ES ZWISCHEN DEN SOZIALEN SCHICHTEN UND S TÄ N D E N E I N E N U N T E R S C H I E D G A B .“ EL SBE TH WALLNÖFER, E THNOLOGIN
30
ken über Herkunft und Wirkung. Es deutet einiges darauf hin, dass die Tracht in ihrer früheren Erscheinungsform den romantisierenden Beschreibungen spottete und es sich bei den Schilderungen, „die von einem bunt ausstaffierten, lustig gelaunten Völklein erzählen“, um selektiv tradierte Geschichten handelt. Bereits um 1890 herum wurden die ersten Trachtenvereine gegründet, im damals schon viel bereisten Tirol entstand das Comité zur Erhaltung der Volkstrachten in Tirol. „Das Rad der Selbstvergewisserung begann sich also damals zu drehen, immer mehr Vereine, vorwiegend unter dem Namen Gebirgstrachtenerhaltung entstanden, das Diktat, wie was auszusehen hatte, wie es getragen werden sollte, nahm seinen unaufhörlichen Lauf“, hält Wallnöfer in ihrem Buch fest. Am Ende dieser Entwicklung, schreibt die Autorin, „galten Vereine als Experten für korrektes Tragen von Trachten, sie taxinomierten Mensch und Gwand, sie historisierten gegen jede Modernisierung, sie suchten zu konservieren, wovon der moderne Mensch befreit werden wollte.“ Die Gelegenheit, sich von der verklärten Vergangenheit freizumachen, „einen entspannteren Umgang mit der Geschichte zu pflegen, Trachten und Dirndl neu zu entwerfen, sich viel regionaler und kleinteiliger eine Kleidung zur Identität zu schaffen“, hätten Trachtenvereine bislang nicht ergriffen. Die Ethnologin findet das schade und wirft eine Frage auf, die sie sogleich selbst beantwortet: „Was spricht eigentlich dagegen, neue Trachten zu erfinden? – Nichts.“
TRACHT MACHT POLITIK Elsbeth Wallnöfer und Marie Vermont Haymon Verlag 272 Seiten, EUR 24,90 Tracht und Dirndl sind neben einem schönen Stück Stoff auch Diskussionsstoff. Volkskundlerin und Philosophin Elsbeth Wallnöfer geht in ihrem Buch dem unreflektierten Umgang mit (scheinbar) Althergebrachtem auf den Grund.
Emanzipation ist ein wiederkehrendes Motiv in Wallnöfers Buch „TRACHT MACHT POLITIK“. Emanzipation vom vermeintlich Althergebrachten, Ausbruch aus dem Schablonenhaften, aus einem normierten Korsett, mehr gestalterische Freiheit, kurzum Lustgewinn durch trachtige Kleidung. Die Tracht ist keineswegs jene Uniform, als die sie heute bisweilen missverstanden wird, und wohl auch nie als solche gedacht gewesen. „Die Vielfältigkeit und Individualität, mit der Tracht getragen wurde, bevor eine Uniformierung eingesetzt hat und die Tracht einem politischen Diktat unterworfen wurde, sieht man im Trachtensaal des Volkskunstmuseums“, empfiehlt Wallnöfer einen Besuch ebendort.
DER SALONTIROLER
Bei der Darstellung von Trachten in Wort und Bild müsse man die Intention des Künstlers mitdenken. Manchmal ist die idyllische Darstellung eines in alpine Tracht gewandeten Idealtypus nämlich beabsichtigt. Beispielhaft dafür steht etwa Franz Defreggers „Salontiroler“ aus dem Jahr 1882. Der Salontiroler verkörperte bereits zur Entstehungszeit des Bildes einen gesellschaftlichen Trend, der alpines Leben durch nicht älplerische Menschen nachzuahmen suchte. Heute würde man dieses Verhalten wohl als „cultural appropriation“ bzw. kulturelle Aneignung bezeichnen, die in anderen Kontexten vielfach als Tabu betrachtet wird. Der Vorwurf der kulturellen Aneignung ist heutzutage Anklage und Urteil in einem.
eco.titel
Doch in den Alpen wird in dieser Hinsicht nicht so heiß gegessen, wie es in den Metropolen der Wokeness – gewissermaßen Political Correctness auf Steroiden – gekocht wird. „Den Salontiroler im ursprünglichen Sinne gibt es nicht mehr, außer wir nehmen an, dass alle Touristen, die sich in Tracht werfen, automatisch Rollennachfolger des Salontirolers sind“, sagt Wallnöfer. Gestehe man anderen zu, über kulturelle Aneignung empört zu sein, müsse man dies den Tirolern auch zugestehen. „Ich bin diesen Cancel-Culture-Diskursen und Aneignungsdiskussionen gegenüber generell sehr skeptisch“, sagt die Ethnologin, die sich dafür ausspricht, „wieder viel mehr anthropologisch zu denken“, denn „das Individuum, der Mensch ist, was er ist. Ein Wesen, das sich nährt vom Anschauen, Abschauen, Nachahmen oder Entgegentreten.“ In einer völlig unreflektierten Abschaffung kulturhistorisch gewachsener Dinge nehme man sich die so wichtige Erkenntnisfähigkeit weg, argumentiert die Ethnologin. Die Wissenschaft sei nicht dazu da, moralische Prämissen auszugeben, sondern sich erkenntnistheoretisch zu betätigen.
DIE TR ACHT IST IN ERSTER LINIE EIN ERGEBNIS POLITISCHER, JENES DES DIRNDL S DAGEGEN MODISCHER ENT WICKLUNGEN.
Elsbeth Wallnöfer ist auch persönlich der Tracht keineswegs abgeneigt, nennt unter anderem eine Tracht, die besagte Gertrud Pesendorfer damals eigens für die Vinschger entworfen hatte, sowie zwei Dirndln ihr Eigen. „Ich kombiniere gerne, etwa mit einem selbstgeschneiderten Unterrock oder einem Rock, von einem türkischen Schneider mit Bozner Loden geschneidert. Ich mag’s, trage es aber nicht dogmatisch.“
DIRNDL UND DISKONTER
„Das Dirndl ist einerseits ein Kind, geboren aus der Tracht und entstanden aus der technischen Entwicklung, und es ist ein Kind der Mode, das mit dem Aufkommen der Sommerfrische korrespondiert“, sagt Wallnöfer. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass eine breite (bildungs)bürgerliche Schicht es sich
leisten konnte, in ihrer Freizeit aufs Land zu fahren und sich dort – in der Verarbeitung und Machart zwar schöner – angelehnt an die Landfrauen zu kleiden. „Tracht und Dirndl gehören zusammen, allerdings als Familie. Das Dirndl ist modischer und auch wirtschaftshistorisch von Bedeutung“, fasst Wallnöfer zusammen. Doch wie ist es insgesamt um das Verhältnis der Tracht zur Mode bestellt? „Ursprünglich musste man anziehen, was man hatte. Es gab Kleiderordnungen, es wurde gesellschaftspolitisch darauf geachtet, dass es zwischen den sozialen Schichten und Ständen einen Unterschied gab. Die Tracht war aber zugleich Mittel, sich von den noch niedereren Schichten abzuheben. Deshalb haben Frauen in wohlhabenderen Gegenden opulentere Kleidung und bessere Stoffe
T G Ä R G T N T U T O R NTWOR VERA
I n sie ENERAL shalb möchte G R E D BEI , de FONDS en am Herzen ng nachhaltig n E G I T L e A u NACHH gt Ihren Kund ensversicher u das. Sprech e b a i l e n t L e Umwel uch bei ihrer können sie g ondspalette, a eF ali ihr Geld Mit der Gener re nachhaltig Interessen e s ? r en n anl e g e n i t u n s ü b e r u pas s e n d z u ih u tm Si e j e t z K u n d e n g e na hr e d ami t I . en vorsorg m erali.co L n O e R I g T @ t T .tirol.a NDIENS KUNDE 5926 0, of fice 12 T +4 3 5
IE S M U ’S T H E G UNS
31
eco.titel
B E R E I T S U M 18 9 0 WURDEN DIE ERSTEN TR ACHTENVEREINE G E G R Ü N D E T, I M D A M A L S SCHON VIEL BEREISTEN T I R O L E N T S TA N D D A S C O M I T É Z U R E R H A LT U N G DER VOLKSTRACHTEN.
Als Franz von Defregger 1885 das Bild „Salontiroler“ malte, war eben jene Figur schon definiert. Und zwar als jemand, der so aussehen wollte wie die Einheimischen und sich deren Kleidungsstil angeeignet hat.
32
getragen.“ Die Tracht wäre, glaubt Wallnöfer, „wahrscheinlich heute ausgestorben, hätte es nicht die Trachtenvereine gegeben, weil sie so plump war, so schwer, so ganz und gar unsexy war.“ Damals herrschten im katholischen Tirol, und nicht nur dort, genaue Vorstellungen, wie sich Frauen sittsam zu kleiden hatten. Das offenherzige Dirndl-Dekolleté, das etwa bei Dorf- und Zeltfesten tausendfach getragen wird, wäre damals undenkbar gewesen. Das Hochgeschlossene abgelegt hat die Tracht, wie Elsbeth Wallnöfer inzwischen zuverlässig rekonstruieren konnte, ausgerechnet durch die tatkräftige Mitwirkung von Gertrud Pesendorfer. „Sie war tatsächlich eine der Ersten, die – gerade, weil sie antiklerikal eingestellt war und einen Zorn auf die Kirche hatte – auf diese, ich nenne es gerne gezähmte Erotik, gesetzt hat. Die Tracht hat dadurch plötzlich Taille bekommen, die Ärmel wurden kurz, der Hals frei. Das war tatsächlich als Reaktion auf die Leibfeindlichkeit der Kirche erfolgt.“ Pesendorfer habe zweifellos eine Stiländerung herbeigeführt, die Elsbeth Wallnöfer kostümhistorisch durchaus als Befreiung interpretiert. Einen gewissen modischen Impetus gab es also auch bei der Tracht, wenn auch nicht so ausgeprägt wie beim Dirndl. Die Tracht wäre heutzutage nur mehr eine unbedeutende Randerscheinung, würde sie nicht auch politisch vereinnahmt und aufgeladen, glaubt die Ethnologin, und führt
Deutschland als Beispiel an: „Dort hat man sich schon lange vor dem Nationalsozialismus der meisten klassischen Trachten entledigt, zugunsten der Modernisierung und des Fortschritts in der Art, sich zu kleiden. Die modernere Kleidung war ganz einfach pflegeleichter und angenehmer zu tragen.“ Österreich habe dagegen wirtschafts- und kulturhistorisch eine andere Entwicklung durchlaufen als das benachbarte Deutschland, gibt die Ethnologin zu bedenken: „Die Tracht – nicht das Dirndl – wird heutzutage hauptsächlich von den Trachtenvereinen aufrechterhalten. Da erzählt man sich noch den Gründungsmythos der alpinen Tracht“, sagt Wallnöfer. Insofern sei der Status quo der Tracht in erster Linie ein Ergebnis politischer, jener des Dirndls dagegen der modischen Entwicklungen. Die Tracht sei in Österreich einer Aufladung sowohl des Mythos als auch des Topos unterworfen. Das heutige Trachtenbild ist gewissermaßen von einer Gleichzeitigkeit von idealisierten, romantisierenden Erzählungen über die Tracht einerseits und einer in erster Linie von der Mode geleiteten, ideologiefreien bzw. -befreiten Aneignung andererseits geprägt.
VIELFALT STATT EINFALT
Elsbeth Wallnöfer vertritt die Auffassung, dass der Griff zur Tracht bzw. zum Dirndl ruhig Spaß machen darf und nicht mit bitterem Ernst und großer Geste erfolgen soll.
Die Tracht muss nicht Projektionsfläche identitätspolitischer Erzählungen sein und zur – oft nachträglichen – Konstruktion einer gemeinsamen Identität herhalten. „Dann hat das Individuum mehr Möglichkeiten, sich auch über das Trachtentragen auszudrücken und Schönheit damit zu schaffen, sich Luft zum Atmen zu verschaffen“, so Wallnöfer, die es für einen Erfolg hält, dass das Dirndl es mittlerweile sogar zum Diskonter geschafft hat und zum leistbaren Massenprodukt geworden ist. „Das ist für mich der Gipfel der Demokratisierung und auch der Gipfel der Freiheit. Puristen hatten damit freilich keine Freude, weil ihnen das nicht ‚echt‘, nicht authentisch genug war. Wer erlaubt sich, anderen vorzuschreiben, was sie anzuziehen haben?“ In der Anfangszeit des Fremdenverkehrs war die Tracht auch ein Stilmittel gewesen, den alpinen Lifestyle – auch wenn man das damals anders genannt hat – zu vermarkten. Die imposante Landschaft war die Bühne, die Trachtenträger Staffage. „Das gibt es heute auch noch. Wenn es beispielsweise um einen Almabtrieb geht, wird auch mit trachtigen Figuren geworben“, sagt Wallnöfer. Nachsatz: „Die Werbung kommt ja nicht ohne Klischees aus. Und das ist eines der hübschesten, romantischsten Klischees, die sich der Tourismus erfinden hat können.“ Was den Umgang mit dem historischen Erbe der Tracht betrifft, wünscht sich Elsbeth Wallnöfer mehr Offenheit und weniger Exklusivität, generell einen entspannteren Umgang mit der Tracht. Damit diese und deren modischer Spross, das Dirndl, das sein können, was sie im Grunde genommen sind: Ein Ensemble aus Kleidungsstücken, das mit Freude getragen werden darf, weil man das eben möchte. Eine andere, darüber hinausreichende Begründung ist eigentlich gar nicht notwendig. Tracht macht Spaß.
regionalen r ü f d n i s Shops dich da!
Die
#meininnsbruck www.innsbruckmarketing.at
eco.titel
ÜBER DIE SPRACHE IN DIE SEELE SCHAUEN Mit seinem „Großen Wörterbuch der Tiroler Dialekte“ legt Hans Moser eine spannende Momentaufnahme von Dialektwörtern vor, die hierzulande (noch) gebraucht werden. Im Interview spricht er über lautliche Hürden, dialektale Grenzen, städtischen Hochmut und den unvermeidlichen „Oachkatzlschwoaf“. I N T E R V I E W : C H R I S T I A N E FA S C H I N G
H 34
ans Moser zupft sich seine „Pfoat“ zurecht, zu der man in Tirol auch ungestraft „Hemat“ sagen darf, und taucht sogleich in die Untiefen der Dialektlandschaft ein, die ihn schon sein ganzes Leben lang fasziniert. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Sprachkolumnisten Robert Sedlacek und unterstützt von Gewährsleuten aus allen Regionen Tirols hat der langjährige Rektor der Universität Innsbruck „Das Große Wörterbuch der Tiroler Dialekte“ erarbeitet, das die Herzen von Dialektliebhabern und solchen, die es noch werden wollen, höherschlagen lassen soll. Die akribisch zusammengetragene Wortsammlung geht dabei nicht nur auf die lautlichen Eigenheiten von Dialektbegriffen ein, sondern zeigt auch deren geschichtlichen Ursprung auf. Das Schmökern darin garantiert eine saggrische Gaudi für alle jene, die gern so ratschn, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
ECO.NOVA: Wenn es um das Tirolerische
geht, taucht unwillkürlich der Begriff „Oachkatzlschwoaf“ auf, dessen falsche Aussprache angeblich sofort jeden Nichttiroler zu enttarnen vermag. Unter uns: Haben Sie „Oachkatzlschwoaf – abseits von sprachwissenschaftlichen Diskussionen – schon jemals in ein Gespräch einfließen lassen? HANS MOSER: Nein! Aber trotzdem ist das Wort gut gewählt. Es enthält nämlich zwei Mal den Laut „oa“, der klar macht, dass sich im Dialekt hochdeutsche Diphthonge (Doppellaute aus zwei Vokalen, Anm.) lautlich verändern können. Dann taucht das „ch“ als gutturaler Reibelaut auf, der ja für das Tirolerische als markant gilt. Außerdem wird aus dem „Kätzchen“ ein „Katzl“, was wiederum aufzeigt, dass aus dem „ä“ im Dialekt ein „a“ werden kann. „Oachkatzlschwoaf “ ist also voller span-
einander unterscheiden. Die Geografie ist mit Sicherheit ausschlaggebend für gewisse Verständnisbarrieren. Beeinflusst wurden diese Barrieren aber auch durch staatliche und kirchliche Grenzen, die sich genauso in der Sprache niedergeschlagen haben.
nender Laute, die vor allem unsere deutschen Nachbarn durchaus an ihre Grenzen bringen können. Wie Sie in Ihrem „Großen Wörterbuch der Tiroler Dialekte“ ausführen, wäre es falsch, von dem einen Tiroler Dialekt zu sprechen. Der Unterinntaler begreift zwar, was der Oberinntaler sagt, und erkennt auch einen Südtiroler, der wiederum heraushört, wenn er es mit einem Osttiroler zu tun hat. Doch bei bestimmten Wörtern verstehen alle nur noch Bahnhof. Woher rühren diese sprachlichen Barrieren? Das Leben in der bäuerlichen Gesellschaft hat sich über Jahrhunderte in sehr kleinen Räumen abgespielt. Die Menschen sind früher aus ihrer Umgebung ja schwer hinausgekommen – und wenn, dann nur für kurze Zeit. Somit haben sich in den einzelnen Tälern und Talschaften allmählich sprachliche Eigenheiten gebildet, die auf lange Sicht dazu geführt haben, dass sich die Dialekte in bestimmten Bereichen von-
Sie beschäftigen sich schon seit vielen Jahren mit Tiroler Dialekten und ihrer historischen Entwicklung. Was war der Auslöser dafür? Die Zeit bis zur ersten Klasse Volksschule habe ich im Achental verbracht: Das heißt, ich bin in einer dialektalen Umgebung aufgewachsen. Groß geworden bin ich dann in Weissach, einem bäuerlichen Weiler im Westen von Kufstein, wo auch größtenteils Dialekt gesprochen wurde. Da meine Mutter Lehrerin war, haben wir zu Hause aber ein „schöneres“ Deutsch gelernt – also eines, das sich von unserer Sprache auf der Straße unterschieden hat. Mich haben diese sprachlichen Unterschiede von früher Kindheit an interessiert. Während meines Studiums bekam ich die Möglichkeit, am „Tirolischen Sprachatlas“ mitzuarbeiten. Ich bin dann zu Recherchezwecken ins Achental zurückgekehrt, um dort den Achentaler und Brandenberger Dialekt zu untersuchen. Das war der Moment, an dem ich erkannt habe, dass dieses Feld auch historisch unglaublich interessant ist. Losgelassen hat mich dieses Thema seither nicht mehr.
Wenn ich Ihnen von einem „Patsch, der in Patschn seinen Patschn flickt“ erzähle, dann wissen Sie, dass ich von einem „ungeschickten Kerl, der in Hausschuhen seinen platten Reifen repariert“ rede. Für einen Nichttiroler muss das doch wie ein Witz klingen. Kann man einen Dialekt überhaupt wie eine Standardsprache erlernen? In der Schweiz gibt es Versuche, das anhand der „Zürichdeutschen Grammatik“
© ANDREAS FRIEDLE
eco.titel
35
eco.titel
„DIE MENSCHEN SIND FRÜHER AUS IHRER U M G E B U N G J A S C H W E R H I N A U S G E KO M M E N – U N D W E N N , D A N N N U R F Ü R K U R Z E Z E I T. S O M I T H A B E N S I C H I N D E N E I N Z E L N E N TÄ L E R N U N D TA L S C H A F T E N ALLMÄHLICH SPRACHLICHE EIGENHEITEN G E B I L D E T, D I E A U F L A N G E S I C H T D A Z U G E F Ü H R T HABEN, DASS SICH DIE DIALEK TE IN BESTIMMTEN B E R E I C H E N V O N E I N A N D E R U N T E R S C H E I D E N .“ HANS MOSER
36
zu machen. Das hängt damit zusammen, dass der Dialekt in der Schweiz einen anderen Status hat als bei uns. Die romanischsprachigen Schweizer müssen nicht nur Hochdeutsch, sondern auch Zürichdeutsch lernen, weil es völlig befremdlich wäre, in einer informellen Situation Hochdeutsch zu reden. Hier greift man dann auf den Dialekt als Sprache des Alltags zurück. Dieser Versuch in der Schweiz funktioniert auch ganz gut. Deshalb wäre es prinzipiell möglich, einen Dialekt zu erlernen, aber im Normalfall fehlt dafür oft das Motiv. Warum sollte man begrenztere Laut- und Wortformen und die daran geknüpfte Grammatik erlernen, wenn man die weiter gefassten Formen ohnedies beherrscht? Aber spielt der Dialekt nicht auch eine wesentliche Rolle, wenn es um die Identität oder die Verortung geht? Sprich: Ein Nichttiroler könnte das Motiv haben, Tirolerisch zu lernen, um Teil der Gemeinschaft zu werden. Dieses Phänomen gibt es. Wenn sich ein Mensch mit einem bestimmten Ort identifiziert, dann kommt es schon vor, dass er den Dialekt dieses Ortes sukzessive annimmt. Dazu gehört sicherlich eine gewisse Begabung. Ist diese vorhanden, werden solche Menschen immer schwerer von den Ortsansässigen unterscheidbar werden. Aber es kommt natürlich auch vor, dass jemand nicht willens oder schlichtweg nicht in der Lage ist, einen Dialekt anzunehmen, und deshalb ewig als Fremder erkennbar bleibt. Doch selbst jene Leute, die sich mit der lautlichen Anpassung schwer tun, nehmen sicherlich im Laufe der Zeit Wortschatzelemente aus der neuen Sprache auf. Sie schreiben, dass in Städten und in den tiefer gelegenen Haupttälern der dialektale Wortschatz zusehends dahinschmilzt.
Wird man in absehbarer Zeit nur mehr am Land und in den Hochtälern auf Dialektsprecher treffen? Ich persönlich glaube es nicht, wobei es natürlich schwierig ist, dahingehend konkrete Prophezeiungen zu machen. Tatsache ist jedoch, dass immer mehr Worte aus der Standardsprache – und da vor allem aus dem Technik- und Informationsbereich – in den Dialekt einfließen. Es rücken
also neue Wörter nach, die dann lediglich lautlich angepasst werden. Dafür verschwinden bestimmte Wortelemente, wodurch der Dialekt zusehends ausgedünnt wird. Interessant dabei ist, dass Dialekte eigentlich eine wesentlich längere Geschichte als die Standardsprache haben. Diese hat sich erst im 16. Jahrhundert entwickelt und ist so gesehen ein relativ junges Phänomen.
„Das große Wörterbuch der Tiroler Dialekte“ Haymon-Verlag, 24,90 Euro
Vielleicht ist es nur ein Gefühl: Aber für so manches Tiroler Kind scheint der Dialekt mittlerweile eine Fremdsprache zu sein. Was früher „guat“ war, ist heute „lecker“ und „Pfiat di“ hört man auch viel seltener als „Tschüss“. Wie kommt’s? Fakt ist, dass die Sprachwelt von Kindern und Jugendlichen heutzutage längst nicht mehr auf das Dorf beschränkt ist. Der Konsum neuer Medien führt natürlich auch zu einem veränderten Sprachgebrauch: Man findet die dort gehörten Wörter fesch und baut sie bewusst in seine Sprache ein und verdrängt somit natürlich auch den Dialekt.
Der 1939 in Thiersee geborene Dialektspezialist Hans Moser hat versucht, mit seinem im Haymon Verlag erschienenen Wörterbuch Dialektsprechern aus allen Teilen Tirols auf den Mund zu schauen. Gemeinsam mit dem Wiener Autor und Sprachkolumnisten Robert Sedlacek und unterstützt von Gewährsleuten aus Nord-, Ostund Südtirol hat der langjährige Rektor der Universität Innsbruck eine dialektale Wortsammlung zusammengetragen, die nicht nur den lautlichen Eigenheiten der Begriffe nachspürt, sondern auch auf deren Bedeutung und Herkunft eingeht. Entstanden ist eine spannende Momentaufnahme des „Tirolerischen“, das so vielfältig und bunt ist wie das Land selbst.
Wie kann man Dialekte vor dem Aussterben bewahren? Ganz einfach: Indem man sie spricht.
BUCHTIPP
Sie haben Germanistik, Geschichte, Philosophie und Romanistik an der Universität Innsbruck studiert, wo Sie auch jahrelang als Rektor tätig waren. Haben Sie Studenten, die bei Prüfungen in den Dialektmodus verfallen sind, als weniger intelligent eingestuft? Nein, weil dann wäre ich ein schlechter Germanist. Nur weil jemand im Dialekt spricht, heißt das nicht, dass es ihm an Intelligenz mangelt. Aber in bestimmten Situationen wird man als Dialektsprecher von „Städtern“ sicher mit einer gewissen Form von Hochmut beäugt. Was ich schade finde.
WIRTSCHAFTSKAMMER TIROL
WAHRHEIT ODER MYTHOS? Ist der Hausverwalter schuld, dass die Betriebskosten steigen?
I
n der ersten Jahreshälfte übermittelt der Hausverwalter den Wohnungseigentümern die Betriebskostenabrechnung des Vorjahres und alle Jahre wieder ärgert sich der Wohnungseigentümer über Betriebskostensteigerungen. Und wer wird als Schuldiger auserkoren – der Hausverwalter. Betriebskosten erhöhen sich tatsächlich laufend; aber was ist wirklich die Ursache?
eventueller Austausch einkalkuliert werden. Zudem kostet auch die verbrauchsabhängige Abrechnung durch eine Abrechnungsfirma Geld. Nicht zu unterschätzen sind zum Beispiel auch tropfende Hähne oder rinnende WC-Spülungen.
ABFALL UND HAUSBETREUUNG
PREISTREIBER HEIZKOSTEN
Derzeit schießen gerade die Preise für Öl und Gas in lichte Höhen. Deshalb sind hieraus auch wieder Nachzahlungen und eine weitere Betriebskostenerhöhung zu erwarten. Auch trat mit 5. Juni 2021 das neue Heiz- und Kältekostenabrechnungsgesetz in Kraft. Verpflichtend wurde dabei eingeführt, dass eine Rechnungsabgrenzung für Energieträger mit Bevorratung (Öl, Pellets, …) zu erfolgen hat. Das heißt, dass der Hausverwalter zum Beispiel bei einem Öltank immer zum Jahresende volltanken muss, damit man den genauen verbrauchten Stand ermitteln kann; also zu einer Zeit, in der üblicherweise der Preis hoch ist. Dadurch können günstigere Preislagen unterjährig nur mehr eingeschränkt genutzt werden. Neu ist auch, dass fernablesbare Werte ab 2022 monatlich dem Eigentümer zur Verfügung gestellt werden müssen. Dadurch erhöhen sich auch die Servicekosten.
WARTUNG UND KONTROLLEN
Gerade bei Neubauten ist feststellbar, dass durch diverse baurechtliche Vorschriften technische Anlagen eingebaut werden müssen, die auch gewartet werden müssen. So findet man dort zum Beispiel Rauchabzugsanlagen, Brandabschnittstüren, Blitzschutzanlagen, Lifte, Solar-/Photovoltaikanlagen, Spielplätze, Lüftungen, CO2-Anlagen, Feuerlöscher, Wandhydranten, Notleuchten, automatische Tore und Schranken, Rampenheizungen, Hebeanlagen und vieles mehr. Auch spielen diverse Befundungen durch dazu befugte Fachleute eine Rolle. So schreiben die unterschiedlichen ÖNORMEN regelmäßige Kontrollen vor. Hierunter fallen zum Beispiel die ÖNORM B1300, bei der die Liegenschaft jährlich (!) durch Sichtkontrollen
Ellen Moll ist Ausschussmitglied der Fachgruppe Immobilien- & Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Tirol
auf eventuelle Sicherheitsmängel kontrolliert werden muss, oder die ÖNORM L1122, nach der Bäume auf ihre Verkehrssicherheit überprüft werden müssen, damit dadurch kein Sach- oder gar Personenschaden entstehen kann.
RÜCKLAGEN
Mit Jahreswechsel sollen neue Regelungen im Wohnungseigentumsgesetz in Kraft treten. Dabei wird unter anderem eine Mindestrücklage durch den Hausverwalter einzuheben sein – nach momentanem Stand (Ende November 21) sind dies 0,90 Euro je Quadratmeter Nutzfläche pro Monat. Auch dieser Faktor trägt dazu bei, dass sich die Vorschreibungen nächstes Jahr spürbar erhöhen werden, weil in vielen Liegenschaften derzeit viel geringere Beiträge vorgeschrieben werden. Durch diese Mindestrücklage möchte der Gesetzgeber Sanierungen vorantreiben, die sich positiv auf unsere CO2-Bilanz auswirken würden.
WASSERVERBRAUCH
Dass durch den Einbau von Kaltwasserzählern eine Kostenreduktion von Wasser- und Kanalgebühren erreicht werden kann, ist leider auch ein Irrglaube. So muss deren Einbau, Ablesung, Eichung (fünfjährig) und
Ein weiterer Faktor sind – speziell in Innsbruck – die Müllbereitstellungen von Papier und Plastik. Da dies in den seltensten Fällen von Eigentümern selbst übernommen wird, muss der Hausverwalter dafür Sorge tragen, dass die Bereitstellung reibungslos funktioniert. Ein großer Betrag in der Abrechnung entfällt außerdem oft auf den Hausbetreuer. Dieser übernimmt etwa die Stiegenhausreinigung und Gartenbetreuung sowie den Glühbirnenwechsel oder Winterdienst. In den seltensten Fällen wollen und können die Miteigentümer das selbst erledigen. Weiters muss man schon jetzt damit rechnen, dass ab nächstem Jahr die Versicherungsprämien um rund zehn Prozent steigen werden. Auch geplante Sanierungen werden durch Preissteigerungen in der gesamten Baubranche erheblich teurer. Auf all die genannten Beispiele hat der Hausverwalter wenig oder gar keinen Einfluss. Selbstverständlich versucht er, wirtschaftlich und ökonomisch zu planen, ist aber auch den allgemeinen Marktverhältnissen unterworfen und muss gesetzliche Vorgaben einhalten – schließlich haftet er bei Nichterfüllung. PR
WIRTSCHAFTSKAMMER TIROL Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder Wilhelm-Greil-Straße 7 6020 Innsbruck Tel.: 05 90 905 1280 E-Mail: immobilien@wktirol.at
www.wko.at/tirol/immobilien
37
© FLORIAN LECHNER
eco.wirtschaft
38
eco.wirtschaft
D
ie Lieferketten sind heutzutage tatsächlich ein Problem, das sich an allen Ecken und Enden widerspiegelt“, sagt Markus Giesswein, Alleingeschäftsführer des gleichnamigen Walkwarenherstellers aus Brixlegg. Doch Giesswein liefert, und zwar im Wortsinn wie im übertragenen. Qualitätsprodukte aus möglichst natürlichen Rohstoffen. Das hängt auch damit zusammen, dass man sich schon am Beginn der Pandemie, als Engpässe in dieser Dimension noch nicht absehbar waren, bei seinen Lieferanten abgesichert hat. Die Lieferzeiten haben sich vervielfacht, die Preise für den Containerverkehr ebenfalls. Die Zeiten sind zweifellos herausfordernd. Und dennoch kann sich das Traditionsunternehmen, dem Markus Giesswein in dritter Generation vorsteht, zu den Gewinnern zählen. Das hängt zum einen mit der Konjunktur des Homeoffice zusammen, in dem niemand gerne mit kalten Füßen sitzt, zum anderen damit, dass man Neues gewagt hat. Neues, das auf Bewährtem fußt. Das Zusammenspiel des Tradierten mit dem Innovativen beherrscht man in Brixlegg virtuos. Das zeigt die Entwicklung von Bekleidung, Sport- und Freizeitschuhen aus Schafwolle. Der typische Giesswein-Hausschuh, der nach wie vor erfolgreich im Sortiment geführt wird, ist nicht unbedingt ein modischer Eyecatcher. Dafür ist er umso bequemer und man muss zu Hause auch niemandem mit dem Schuhwerk imponieren. „Österreich ist das Land der Tradition. Sie genießt hier einen sehr hohen Stellenwert, besonders in Tirol. Dasselbe gilt auch für unser Unternehmen. Was wir tun, fußt auf einem traditionellen Handwerk. Die handwerkliche Textilproduktion hat eine lange Geschichte“, sagt Giesswein. Eine, die in Österreich nur noch von wenigen Unternehmen hochgehalten und gepflegt wird. „Auf der Grundlage eines alten Handwerks schaffen wir ein modernes Produkt“, so Giesswein. Diese Tradition wird im Unternehmen hochgehalten, ohne dass sie dabei versteinert und dadurch obsolet wird. „Aus unserer Tradition erwächst auch heute noch sehr viel Positives“, sagt Markus Giesswein. Ein tradiertes Wertefundament, das generationsübergreifend fortwirkt und gewissermaßen zum Inventar gehört. Giesswein formuliert das so: „Wir halten unsere Qualität bewährt hoch und probieren gleichzeitig immer wieder Neues aus. Das war in unserem Unternehmen schon immer so.“ Markus Giesswein (li.) ist seit 2017 alleiniger Geschäftsführer des Unternehmens, sein jüngerer Bruder Johannes ist vor allem für Design und Produktentwicklung zuständig.
WALK WALKING Der Tiroler Traditionsbetrieb Giesswein ist vor allem für hochwertige Walkwaren und bequeme Hausschuhe für Jung und Alt und neuerdings Homeoffice-Patschen bekannt. In den letzten Jahren hat man sich auf Sneakers aus Wolle sehr erfolgreich ins Freie bewegt und gezeigt, dass sich Althergebrachtes wunderbar mit Neuem vereinbaren lässt. TEXT: MARIAN KRÖLL
Durchs Ausprobieren ist die Firma Giesswein einst überhaupt erst auf den Schuh gekommen, der aus den Textilresten, die bei der Walkjacken-Herstellung angefallen waren, gefertigt wurde. Das war 1974. Noch bis fast zur Jahrtausendwende waren Trachten das Giesswein-Hauptprodukt. Der Schuh, der das zweite Standbein des Unternehmens bekleidet, garantierte dessen Fortbestand, als die Tracht Ende der 1990-er Jahre plötzlich aus der Mode gekommen war. Heute ist die Tracht zwar wieder en vogue, Giesswein ist aber ein anderes, vielseitigeres Unternehmen geworden, das auf mehreren gesunden Beinen steht und vor wenigen Jahren mit Schuhen den Schritt nach draußen gewagt hat. Und zwar in Form von Sneakers. Aus Wolle.
WILLE ZUR WOLLE
Die Sneakers aus Wolle made in Brixlegg wurden von naturverbundenen und modeaffinen Konsumenten in aller Welt sehr gut angenommen. So gut, dass man sich mit dem Schuhsegment – also Hausschuhe und Sneakers gleichermaßen – heute am oberen Ende der Produktionskapazitäten am Standort bewegt. Die Walkproduktion in Brixlegg hat sich seit 2017 verdreifacht, seit Monaten wird die ganze Woche hindurch im Dreischichtbetrieb produziert. „Die Bekleidung ist inzwischen das sehr viel kleinere Standbein, weil unser Schuhbereich so dynamisch gewachsen ist“, freut sich Markus Giesswein. Natürlich wird es auch weiterhin Bekleidung aus dem
39
© FLORIAN LECHNER
eco.wirtschaft
„ÖS TERREICH IS T DA S L AND DER TR ADITION. SIE GENIESST HIER EINEN SEHR HOHEN S T E L L E N W E R T, B E S O N D E R S I N T I R O L . D A S S E L B E G I LT A U C H FÜR UNSER UNTERNEHMEN. WA S W I R T U N , F U S S T A U F E I N E M T R A D I T I O N E L L E N H A N D W E R K .“ MARKUS GIESSWEIN
ein neues Produkt her, für das auch der Vertrieb neu gedacht werden musste.“ Der stationäre Handel hat Giesswein die kalte Schulter gezeigt, also waren andere Konzepte gefragt, um Sneakers aus Wolle bekannt zu machen. Das war im gegenständlichen Fall Social Media. Die Strategie ging auf, die Schuhe gehen im Netz über den Onlineshop weg wie die berühmten warmen Semmeln. „Es war tatsächlich erklärungsbedürftig, warum man im Freien einen Wollschuh tragen sollte“, sagt Giesswein, zumal sich „einen Wollsneaker damals keiner so richtig vorstellen konnte.“ Darum hat man kurzerhand aus der Not eine Tugend gemacht und potenzielle Kunden über diverse Internetplattformen direkt angesprochen. Während es Ende der 1980er-Jahre in der Werbung noch hieß „Giesswein, der Schuh für zu Hause“, ist das heute nur mehr ein Teil der Wahrheit. „Wolle ist ein super Material, und zwar für drinnen wie draußen“, bekräftigt Markus Giesswein. Möglich gemacht hat den Siegeszug des traditionellen Materials der technische Fortschritt. „Die Zeit war reif. Nachhaltigkeit, neue Strickmaschinen-Technologie, altbewährtes Material, uns wurde alles vor die Füße gelegt. Wir mussten die Teile nur noch zusammenfügen.“
DAS TOLLE AN DER WOLLE
40 Hause Giesswein geben. „Bekleidung und Schuhe ergänzen einander ja sehr gut. Letzten Endes wollen wir von Kopf bis Fuß ein Angebot haben. Das ist die Grundstrategie“, erklärt der CEO. Die Schuhe hätten die Marke, wie Giesswein sagt, „verjüngt“ und seien heute das „Zugpferd“, mit dem sich dem Unternehmen ganz neue Kundenschichten in aller Welt auftun.
DIE ZEIT WAR REIF
Markus Giesswein ist seit 2006 im Unternehmen und seit 2017 alleiniger Geschäftsführer, sein jüngerer Bruder Johannes, der 2015 dazustieß, ist vor allem für Design und Produktentwicklung zuständig. Der Geschäftsführer hat das Unternehmen in all seinen Facetten sehr gut kennengelernt, ehe er die Verantwortung übernommen hat. Heute trägt der Betrieb zweifelsfrei erkennbar die Handschrift der dritten Giesswein-Unternehmergeneration, die da lautet: Digitalisierung. „Ich habe von Anfang auf Digitalisierung und Automatisierung gesetzt. Viele Prozesse waren mir zu langsam, zu behäbig“, sagt Giesswein, hält kurz inne, um zu ergänzen, „zu analog“. Das seien viele überwiegend kleine Dinge gewesen, die in Summe das Unternehmen für eine digitalisierte Zukunft, die heute weitgehend Gegenwart ist, vorbereitet haben. Eine neue Dynamik, ein frischer Wind ist ins Unternehmen gekommen, als man um das Jahr 2015 die Sneakers konzipiert, entwickelt, produziert und schließlich vermarktet hat. „Mir war die Dynamik im Unternehmen zu gering. Mit der bestehenden Vertriebsstruktur sind wir nicht mehr weitergekommen“, erinnert sich Giesswein und fährt fort: „Es musste also
„Wolle ist eine nachwachsende Naturfaser“, hebt der Geschäftsführer zu einem kleinen Impulsreferat an. „Das Tolle an der Wolle ist aber, dass sie eine einzigartige Faserstruktur hat, die bis heute keine Kunstfaser der Welt imitieren kann. An der Schuppenstruktur der Wolle können Bakterien viel schwerer haften bleiben.“ Zudem punktet Wolle damit, dass sie bis zu 60 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. „Deshalb hat man auch das Gefühl, dass man in unseren Sneakers nicht schwitzt. Wolle ist außerdem so etwas wie ein natürlicher Dämmstoff, der die Temperatur regulieren kann“, erklärt Markus Giesswein. Die zahlreichen Vorzüge der Wolle werden durch das Walken noch einmal multipliziert. „Deshalb kommt unser Material so gut an. Und der Hammer ist, dass sich gestrickte Schuhe in alle Richtungen gut dehnen und sich so genau an den Fuß anpassen. Druckstellen gehören der Vergangenheit an.“ Wenn Strick-Hightech also auf traditionelles Walken trifft, wird ein Schuh draus. Selbst in Sachen Haltbarkeit muss sich der schöne Wollschuh nicht vor seinen Konkurrenten aus Kunststoff verstecken. Der schwierige Spagat zwischen Komfort, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit wurde in Brixlegg allem Anschein nach souverän bewältigt.
DER NACHHALTIGKEIT AUF DIE SPRÜNGE HELFEN
Die Stoffe für die gesamte Produktpalette stellt Giesswein selbst her. Im Schuhbereich arbeitet das Unternehmen neben der Wolle auch mit anderen Fasern, zum Beispiel mit Eukalyptusfasern oder recyceltem PET und sogar veganem Kaktusleder. Das ist jedoch längst nicht alles: „Spätestens mit der Coronakrise hat jeder verstanden,
eco.wirtschaft
dass Nachhaltigkeit wichtig ist. Es tut sich im Bereich der Holzfasern sehr viel. Die können auch physikalisch, das heißt ohne Chemie, hergestellt werden. Das Thema veganes Leder ist ein Trend, der die Schuhindustrie aufmischt. Da werden wir im kommenden Jahr mit entsprechenden Produkten auf den Markt kommen“, gibt Giesswein eine kleine Vorausschau. In Brixlegg wird ganz bewusst nachhaltig produziert. Das bedeutet, dass besonderes Augenmerk auf ressourcenschonende Produktionsweisen gelegt wird. Dadurch fallen keinerlei Stoffabfälle an, es wird bis zu 90 Prozent recyceltes Wasser verwendet und nicht zuletzt setzt man auf die Verwendung nachwachsender Rohstoffe. Das Resultat dieser Bemühungen ist bequemes und innovatives Schuhwerk, das nicht nur in ästhetischer und funktionaler Hinsicht überzeugen kann, sondern auch ökologisch einen möglichst kleinen Fußabdruck hinterlässt. Neben bequemen Hausschuhen und stylishen Freizeitschuhen mischt Giesswein auch bei Sportschuhen mit. „Sport und Freizeit, das sind die zwei Bereiche, in denen wir uns hauptsächlich sehen“, sagt der Geschäftsführer. Die vielfältigen Herausforderungen der Pandemie wurden und werden in Brixlegg gut bewältigt. Für die Konjunktur des Homeoffice hat man mit dem Hausschuh ein passendes Produkt parat gehabt. Im Onlinebereich war man schon vor Corona gut organisiert. Das hat sich ausgezahlt. „Wir waren im Unternehmen organisatorisch perfekt aufgestellt für das, was da über uns hereingebrochen ist“, zeigt sich Markus Giesswein durchaus zufrieden mit der Dividende, welche die frühzeitige Digitalisierung abgeworfen hat. In Brixlegg reitet man auf der Welle des Zeitgeists mit, die Marke wurde mit neuem Sortiment abgestaubt und neu aufgeladen. Giesswein kündigt außerdem ein „Revival“ der Bekleidung an, die ebenfalls auf ein breiteres Publikum abzielt: „Unsere Bekleidung bekommt einen sportiven Charakter, wir forschen zudem an neuen Materialien und Stoffen. Das ist schließlich unsere Kernkompetenz.“ Derzeit lotet der CEO aus, wie sich am Standort die Kapazitäten noch ausbauen lassen könnten. Es gibt angrenzend noch ein Grundstück, auf dem angebaut werden könnte. Allerdings möchte der Geschäftsführer zuerst lieber noch an einigen organisatorischen Stellschrauben drehen: „Ich musste lernen, dass Wachstum zwar eine ganz tolle Geschichte ist, die Firma aber organisatorisch mitwachsen und auf das nächste Level kommen muss, damit wir weiterhin unsere Kunden in gewohnter Qualität bedienen können.“ Jedenfalls scheint es langfristig gesichert, dass so mancher Gang in aller Welt in den Schuhen von Giesswein stattfinden wird.
W E N N S T R I C K- H I G H T E C H AUF TRADITIONELLES WA L K E N T R I F F T, W I R D EIN SCHUH DR AUS.
41
NEUEN LÖSUNGEN MEHR RAUM GEBEN
42
Die STASTO Automation KG investiert rund zwölf Millionen Euro in den Ausbau des Standorts Innsbruck. Planungsleitend war der Gedanke, dass Innovation den besten Arbeitsplatz fordert. Über Beteiligungen an aufstrebenden Unternehmen will man bei STASTO die Veränderung aktiv mitgestalten. TEXT: MARIAN KRÖLL
D
as Tiroler Unternehmen STASTO ist seit 1974 als Industriedienstleister in den Bereichen Pneumatik, Armaturen und Hydraulik erfolgreich. STASTO beschäftigt an seinen Standorten in Österreich, Polen, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Serbien um die 100 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon in Österreich. „Es sind viele Dinge, die uns ausmachen, aber ein besonderes Anliegen ist uns unser Grundsatz ‚Made in Europe‘“, sagt Geschäftsführer Christof Stocker. Angesichts der zeitweiligen Unterbrechung wichtiger Lieferketten ist das gerade in der heutigen Zeit noch wichtiger geworden. Der Unternehmenssitz in Innsbruck platzt aus allen Nähten, weil das Unternehmen in den vergangenen Jahren einen kon-
tinuierlichen Wachstumskurs eingeschlagen hat. Vor rund drei Jahren wurde deshalb die Entscheidung gefällt, zu erweitern. „Wir haben uns auch überlegt, ob ein neuer Standort auf der grünen Wiese interessant wäre, aber letztlich kam nur eine Erweiterung an unserem bestehenden Standort in Frage“, versichert Stocker, dem es besonders wichtig ist, Wertschöpfung und Kompetenz vor Ort zu generieren. Gesagt, getan. Anfang November wurde der Spaten für den Zubau gestochen, den sich das Unternehmen zwölf Millionen Euro kosten lässt und der auch als Investition in neue Arbeitsplätze verstanden werden will. Die andauernde Coronakrise hat die Planungen nicht beeinflusst, das Gebäude soll im Mai 2023 in neuem Glanz erstrahlen. „Wir waren positiv überrascht, was am be-
stehenden Standort in Innsbruck räumlich noch möglich ist. Im Prinzip haben wir eine räumliche Verdoppelung, die Autos finden in einer Tiefgarage Platz“, erzählt Stocker. Als Architekt und Generalplaner des Gebäudes fungiert die OFA Group. Für dieses wurde als grundsätzlicher, planungsleitender Gedanke die Devise „Innovation fordert den besten Arbeitsplatz“ ausgegeben. Dementsprechend gibt es künftig nicht nur mehr Platz für Montage- und Lagerflächen, sondern auch der Belegschaft wird mehr Raum gegeben. „Bis zu 50 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden im erweiterten Gebäude Platz finden. Wir schaffen Begegnungszonen, einen neuen Seminarraum, einen Aufenthaltsbereich und sogar einen Fitnessraum“, führt der STASTO-Geschäfts-
eco.wirtschaft
führer aus. Denn es gilt: „Innovativen Ideen muss Raum zur Entfaltung gegeben werden.“ Diese Räume, in denen Innovation wirken kann, sind aber nur eine Seite der Medaille. Innovative Ideen wollen schließlich auch umgesetzt werden, und zwar mit größtmöglicher Effizienz. Das verlangt nach technischen Raffinessen, wie sie vom Dornbirner Unternehmen Servus Intralogistics in Gestalt eines hochmodernen Kleinteilelagers am STASTO-Standort eingerichtet werden. „Dieses Lager verbindet alle internen Abläufe von Wareneingang und Kommissionierung bis zu Montage und Versand vollautomatisch und nach dem First-in-First-out-Prinzip. Dadurch sind wir für die Zukunft als Zentrallager bestens gerüstet. Das bedeutet kürzeste Durchlaufzeiten auf qualitativ höchstem Niveau und bei voller Transporttransparenz“, erläutert Gesellschafter Dieter Stocker die Vorzüge der Investition. Dadurch wird zukünftig auch mehr Zeit für besonders anspruchsvolle Sonderlösungen bleiben, die mit den Kunden gemeinsam erarbeitet und speziell auf deren Anforderungen abgestimmt produziert werden können. Bei STASTO wird besonderer Wert auf Partnerschaft und Handschlagqualität gelegt. Das umfasst Kunden ebenso wie Hersteller bzw. Lieferanten.
NACHHALTIG ARBEITEN
Selbstredend tangiert auch einen Industriedienstleister wie STASTO das Thema Nachhaltigkeit. Dem soll im Zubau unter anderem durch die Nutzung erneuerbarer Energien mittels Photovoltaikanlage, durch eine Grundwasser-Wärmepumpe und ein begrüntes Dach Rechnung getragen werden. Christof Stocker möchte die millionenschwere Investition in den Innsbrucker Stammsitz auch als Signal verstanden wissen: „Wir wollen den Standort Innsbruck langfristig absichern und auch dazu beitragen, heimische Arbeitsplätze zu sichern.“ Partnerschaft und Teilhabe am Unternehmenserfolg sind Werte, die im Unternehmen bereits seit den frühen 1990er-Jahren gelebt werden, konkret über ein Mitunternehmermodell. Bei diesem geht es darum, dass Mitarbeiter am Erfolg beteiligt werden, was für Stabilität und Identifikation mit dem Unternehmen sorgt. „Jede und jeder bekommt bei uns eine Stimme und gemeinsam treffen wir Entscheidungen. Das bringt uns voran“, sagt Stocker.
GEMEINSAM WACHSEN
Das Unternehmen wächst in die Tiefe, aber auch in die Breite. Ein gutes Beispiel dafür
Bis 2023 soll der Erweiterungsbau am Standort Innsbruck abgeschlossen sein. Der Spatenstich ist bereits erfolgt.
ist die 2018 vollzogene Hälftebeteiligung am Start-up PowUnity, das darauf spezialisiert ist, E-Bikes und andere Fahrzeuge mittels GPS-Tracker vor Diebstahl zu schützen. Das einstige Start-up ist den Kinderschuhen entwachsen, hat sich sehr gut entwickelt und weist Jahr für Jahr solides Wachstum auf. Der Umbau am Standort ist auch notwendig geworden, weil PowUnity heute vollständig in STASTO integriert ist. „Wir lernen viel voneinander, etwa, wie man für den Endverbraucher Marketing macht. Im Gegenzug übernimmt STASTO die komplette PowUni-
ty-Logistik“, zeigt sich Christof Stocker erfreut über die Synergien. Diese Beteiligung ist nicht die einzige. Denn um bei Industrie 4.0, dem Internet der Dinge und Big Data vorne dabei zu sein, hat sich STASTO – ebenso über eine Hälftebeteiligung – die facheinschlägige Kompetenz des IT-Unternehmens Cibex gesichert. „Wir haben uns dafür entschieden, diese digitale Zukunft zu bewältigen, indem wir uns das Know-how aktiv hereinholen. STASTO ist gewissermaßen eine Spielwiese für ein IT-Unternehmen wie Cibex. Gemeinsam können viele zukunftsfähige IT-Lösungen entwickelt und in der Praxis erprobt werden“, betont Stocker. Es ist geplant, dass zukünftig auch kleinere Unternehmen zu einem erschwinglichen Preis in den Genuss dieser von Cibex entwickelten IT-Lösungen kommen sollen. Für die beiden Unternehmen, an denen STASTO beteiligt ist, werden im neuen STASTO-Headquarter vorerst rund 20 Arbeitsplätze entstehen. In Innsbruck werden bis 2023 die räumlichen Voraussetzungen geschaffen, um in einer hochvernetzten Zukunft mit intelligenten Lösungen voranzugehen und der Innovation den bestmöglichen Arbeitsplatz zu schaffen. www.stasto.eu
43
eco.wirtschaft
44
eco.wirtschaft
FAMILIENSACHE Mit der Entscheidung von Fritz und Helga Unterberger, ein eigenes Autohaus zu eröffnen, begann 1976 die Geschichte der Unterberger-Gruppe, die heute mit 19 Automobil-Standorten in Tirol, Vorarlberg, Südbayern, im Allgäu und in Salzburg sowie seit 1980 erfolgreich im Immobiliengeschäft tätig ist. Vieles hat sich verändert, nicht aber, dass das Unternehmen trotz rasanten Wachstums nach wie vor in Familienhand ist. INTERVIEW: MARINA BERNARDI
A
m Anfang stand die Leidenschaft für Autos. Die gibt es in der Familie Unterberger fast selbstredend nach wie vor, aber eben noch weit mehr. „Wenn wir so weiterleben wollen wie bisher, dann müssen wir uns verändern“, ist KR Fritz Unterberger überzeugt. Er hat gemeinsam mit Helga Unterberger 1976 und mit fünf Mitarbeitern in Kufstein sein erstes Autohaus gegründet und damit den Grundstein für eine weitreichende, rasante Geschichte gelegt, die heute über die Faszination Auto hinausgeht. Im 45. Jubiläumsjahr des Unternehmens stehen die vier Söhne Gerald, Dieter, Fritz jun. und Florian Unterberger an der Spitze
ECO.NOVA: Die Unterberger-Gruppe feiert heuer ihr 45-Jahr-Jubiläum. Was sind für Sie die größten Meilensteine des Unternehmens? FRITZ UNTERBERGER JUN.: Aufgrund der dynamischen Entwicklung unserer Gruppe gibt es zweifelsohne viele Meilensteine. Neben – logischerweise – der Gründung waren dies unter anderem der Schritt in den deutschen Markt, die Gründung der Leasing Unterland sowie der sukzessive Ausbau des Immobiliengeschäftes.
Wie hat sich Unternehmertum in den vergangenen Jahr(zehnt)en verändert? GERALD UNTERBERGER: Wachstum verändert natürlich. Und wir sind ja nicht nur innerhalb der Automobilbranche gewachsen, sondern auch in andere Geschäftsfelder. Was Hinten: Florian und Gerald Unterberger, sitzend: Dieter und Fritz Unterberger jun. FOTOS: © LAND TIROL/BERGER
uns vielleicht wichtiger erscheint, ist, was sich nicht verändert hat: Dass wir nämlich ein 100-prozentiges Familienunternehmen mit starken Wurzeln geblieben sind.
Sie führen als Brüder den Familienbetrieb in zweiter Generation. War es für Sie alle klar, ins Unternehmen einzusteigen, bzw. war auch die Aufgabenverteilung von Anfang an geregelt? DIETER UNTERBERGER: Da wir über dem Stammhaus aufgewachsen sind, sind Kindheit bzw. Jugend und Firma untrennbar miteinander verbunden. Außerdem hatte das Unternehmen in unserer Familie immer einen positiven Stellenwert. Dies ist sicherlich ein Fehler in einigen Familien, dass die Firma beim Mittag- oder Abendessen unterbewusst als etwas Belastendes beschrieben wird. Das hat es bei uns kaum gegeben. Die Aufgabenverteilung hat sich folglich mit der Zeit und durch das Wachstum ergeben. Was unterscheidet für Sie Familienunternehmen von klassischen Konzernstrukturen? FLORIAN UNTERBERGER: Letztendlich die Nachhaltigkeit im Denken. Entscheidungsträger in einem Konzern haben oftmals einen sehr kurzen Betrachtungshorizont. Sie müssen einen relativ raschen Erfolg realisieren. In Familienbetrieben werden Entscheidungen meist für Generationen getroffen. Die Unterberger-Gruppe ist in den Bereichen Automobil, Immobilien und Beteiligungen zuhause. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Branchen bzw. inwiefern kann man innerhalb der Gruppe voneinander profitieren? FRITZ: Der größte Anknüpfungspunkt für Synergien liegt sicher-
lich im Netzwerk, das man sich aufgebaut hat. In jedem unserer Bereiche ist es wichtig, gut vernetzt zu sein. So gelangt man an die wichtigen Informationen sowie an die richtigen Kunden. Nur wenn man ausreichend Informationsquellen hat, kommt man an die richtigen Immobilienprojekte. Und nur wenn man seine Zielgruppe auch wirklich kennt, kann man im Verkauf erfolgreich sein.
Die großen Zukunftsthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung betreffen die gesamte Wirtschaft. Wie gehen Sie innerhalb der Gruppe damit um? DIETER: Das Thema Nachhaltigkeit haben wir schon vor einiger Zeit als strategisches Unternehmensziel formuliert. Unser Hauptfokus liegt im Bereich der Wertstoffe und deren Vermeidung (vor allem Plastik) sowie in der Produktion von Strom mittels Photovoltaik (PV)-Anlagen. Bereits jetzt produzieren wir ca. 400.000 kWh Strom mit unseren PV-Anlagen auf unseren Autohäusern. Hinzu kommen ca. 450.000 kWh, die wir auf den Dächern der Liegenschaften unserer Immobilienprojekte gewinnen. Unser Ziel ist es, alle unsere Autohaus-Flachdächer, bei denen es technisch möglich ist, mit PVAnlagen auszustatten und unseren Eigenstromverbrauch im Automobilbereich zu mindestens 60 Prozent selbst zu decken. Das Thema Digitalisierung beschäftigt uns zum einen intern, zum anderen im Vertrieb. Intern versuchen wir stets unsere Abläufe zu optimieren und so effizienter zu werden. Im Vertrieb sehen wir die Digitalisierung als große Chance, um neue Kommunikationswege zu nutzen. Auf der anderen Seite ist die Digitalisierung auch eine gewisse Bedrohung – Stichwort Direktvertrieb. Unse-
45
eco.wirtschaft
„WA C H S T U M V E R Ä N D E R T N AT Ü R L I C H . U N D WIR SIND JA NICHT NUR INNERHALB DER A U T O M O B I L B R A N C H E G E WA C H S E N , S O N D E R N A U C H I N A N D E R E G E S C H Ä F T S F E L D E R .“ FRITZ UNTERBERGER JUN.
re Antwort auf diese Bedrohung ist jedoch ganz klar: Kundenbindung, Kundenbindung und nochmals Kundenbindung.
46
Wohin geht für Sie konkret die Zukunft im Bereich des Bauen und Wohnens? FLORIAN: Die zwei großen Themen der Zukunft sind auch hier Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Im Bereich der Digitalisierung tut sich aktuell sehr viel auf dem Markt, auch weil es enormen Aufholbedarf gibt. Wir selbst befinden uns derzeit mitten in der Umstellungsphase unserer Systeme. Das Thema Nachhaltigkeit im (Wohn-)Bau befindet sich noch in den Kinderschuhen. Es gibt sehr wenige Bauträger, die das Thema aktiv aufgreifen, nicht zuletzt aufgrund des aktuell vorherrschenden Kostendrucks durch gestiegene Rohstoffpreise, geringe Verfügbarkeiten von Liegenschaften und hohe Nachfrage nach Immobilien. Uns ist das Thema aber bereits seit mehreren Jahren sehr wichtig. Unter anderem konnten wir das mit unserem kürzlich übergebenen Wohnbauprojekt Naturquartier, dem bisher größten Vollholzwohnbau Tirols, eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Auf welche Automodelle freuen Sie sich im Modelljahr 2022 ganz besonders? GERALD: Es wird ein regelrechtes Feuerwerk an Modellen geben. Besonders hervorzuheben sind sicherlich der BMW i4 M sowie der M3 Touring. Bei Land Rover freuen wir uns auf den neuen Range Rover. Sehr interessant wird der neue VW-Bus-Herausforderer Hyundai Staria. Ein neuer Elektro-SUV kommt mit dem Ioniq 6 ebenfalls von Hyundai.
Die vergangenen Monate waren stark geprägt von der Coronapandemie. Hat sich dadurch etwas an Ihrer langfristigen Strategie bzw. Ausrichtung verändert? FRITZ: Die Coronapandemie hat uns alle massiv verändert – sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Umfeld. Die wirklichen, langfristigen Auswirkungen sind unserer Meinung nach noch gar nicht richtig absehbar. In unserer langfristigen Strategie sind daher bis jetzt noch keine Auswirkungen erkennbar.
GESCHICHTE 1976: Unternehmensgründung in Kufstein mit BMW und Volvo 1980: Gründung Unterberger Immobilien 1980: Eröffnung BMW/MINI/Mazda-Autohaus in St. Johann 1981: Gründung der Leasing Unterland 1994: Eröffnung BWM/MINI-Autohaus in Innsbruck 1997: Gründung der Citybau GmbH 1998: Eröffnung der Autowelt Kufstein 2000: Expansion nach Bayern: Eröffnung BMW/MINI-Autohaus in Rosenheim und Prien 2002/03: Eröffnung der Autowelten in Kufstein und Innsbruck 2003: Eröffnung BWM/MINI-Autohaus in Dornbirn/Vorarlberg 2008: Gründung der Innpark Immobilien GmbH 2009/10: Expansion ins Allgäu: Eröffnung BMW/MINI-Standorte in Lindau, Lindenberg und Wangen 2010: Gründung A&U Immobilien GmbH 2012: Eröffnung der Autowelt Strass 2012: Gründung der Windau Sport- und Clubhaus GmbH 2013: Gründung der ZIMA Unterberger Immobilien GmbH 2013: Eröffnung BWM/MINI-Autohaus in Freilassing 2014: Gründung der WIPA Wirtschaftspark GmbH 2014: Gründung der Kitz Galleria GmbH 2014: Start Vertrieb des BMW i in Innsbruck (und in Lindau) als einer von nur fünf BMW-Partnern in ganz Österreich 2016: Ausgezeichnet mit dem Tiroler Landeswappen anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Unterberger Gruppe 2017: Eröffnung der vierten Autowelt in Telfs 2017: Übernahme des Traditionshauses BMW Baumgartner in Nenzing sowie von BMW Nenzing 2018: Eröffnung Koasapark St. Johann 2019: Übernahme des Traditionshauses BMW Kaufmann in Kaprun 2020: Übernahme BMW Bad Wiessee/Tegernsee (Bayern) 2020: Errichtung der Karosseriezentren Inntal und Pinzgau 2020: Übernahme von Jensen Classics
making places reflecting you
! n e t h c a n h i e Frohe W
usm.com
mg mg interior
interior Haller Straße 43 | 6020 Innsbruck Haller | TelStraße +43(0)512/206068 43 | 6020 Innsbruck | office@mg-interior.com | Tel +43(0)512/206068 | www.mg-interior.com | office@mg-interior.com | www.mg-interior.com
e in richten in der alten feai bn r ik i c h t e n in d e r a l t e n f a b r ik möbel
licht
küchen
planung
tischlerei möbel licht
küchen
planung
tischlerei
HYPO TIROL
ZUM ABSACKEN IN DIE NEUE HALLE © FLORIAN LECHNER
Die Wieshofer Mühle ist eine Institution in St. Johann. Firmenchef Lukas Krainz stellte das Traditionsunternehmen auf solide Beine und erhöhte mit einer neuen Werkhalle die Produktionskapazitäten.
48
Lukas Krainz leitet die Wieshofer Mühle seit 2017.
Die Wieshofer Mühle ist seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts in Familienbesitz. Macht eine so lange Tradition stolz? LUKAS KRAINZ: Erstmals erwähnt wurde dieser Standort als Mühle sogar schon im 13. Jahrhundert. Genaueres dazu fehlt aber. 1756 übernahm die Familie Wieshofer die Mühle. Seither ist sie in unserem Besitz. Meine Großmutter war eine Wieshofer. Sie hat einen Krainz geheiratet. Ihr Bruder blieb kinderlos. So kam es zum Wechsel des Familiennamens. Mit meiner Schwester Caroline und mir ist nun die sechste Generation in der Wieshofer Mühle tätig. Man denkt ja nicht ständig darüber nach, aber die Geschichte ist wirklich spannend. Und man kann schon
ECO.NOVA:
sagen, dass wir stolz darauf sind, dass es uns noch gibt.
Wann haben Sie den Betrieb übernommen? Nach dem Wirtschaftsstudium bin ich ins Unternehmen eingestiegen und habe sukzessive immer mehr Verantwortung übernommen. Offiziell leite ich die Wieshofer Mühle seit 2017. Das Unternehmen hat turbulente Zeiten hinter sich. War es schwierig, die Mühle zu halten? Meine Schwester und ich haben in den letzten Jahren richtig, richtig reingebuggelt, um die Mühle auf solide Beine zu stellen. Unser Vater war schon schwer
krank und wir wollten das Unternehmen auf alle Fälle retten, auch für ihn. Es waren harte Zeiten. Wir mussten Schulden abtragen, den Maschinenpark erneuern, einen größeren soliden Kundenstock aufbauen. Noch einmal würde ich das wohl nicht schaffen.
Was hat Ihnen geholfen? Der Rückhalt meiner Familie, meine Schwester – und natürlich auch unser Berater bei der Hypo Tirol Bank, bei der wir seit 2014 sind. Er hat sich mit unserer Situation sehr genau auseinandergesetzt und uns wirklich sehr unterstützt. Wir mussten investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben.
HYPO TIROL
© FLORIAN LECHNER
besinnung auf Regionalität spielt uns in die Karten. Klar ist dennoch: Tirol bietet zwar Flächen für Getreideanbau. Das Interesse daran steigt. Und wir vermahlen auch Tiroler Getreide, etwa für Bio vom Berg. Der Bedarf ist aber weitaus größer!
Künstler Alois Schild (2. v. li.) übergab die Skulptur persönlich an Caroline und Lukas Krainz. Mit dabei: Stefan Moser (li.), Mario Zangerl und Bernhard Gründler (re.) von der Hypo Tirol.
FOTO: © HYPO TIROL
Ist die Konkurrenz groß? Vor dem EUBeitritt gab es in Österreich zirka 400 aktive Mühlen. Jetzt sind es noch rund 90. Davon produzieren etwa 40 bis 50 annehmbare Mengen. Konkurrenzmäßig wird es vom individuellen Angebot gesehen weniger. Es geht eher darum, eine solide Größe zu erreichen und zu halten. Die Wieshofer Mühle liegt mittlerweile im vorderen Mittelfeld. Als ich 2010/11 begonnen habe, haben wir im Jahr rund 3.000 Tonnen Getreide vermahlen. Jetzt sind es etwa 10.000 Tonnen. Beim Futtergetreide haben wir die Produktion nicht ganz verdoppelt.
Für den Erfolg Ihres Unternehmens 350 Mio. für Tiroler KMU Unser Finanzierungspaket verleiht Ihren Ideen finanzielle Schubkraft.
Mehr Infos unter: impulse-tirol.at
Wie hat sich die Pandemie auf die Geschäfte der Wieshofer Mühle ausgewirkt? Was den Mühlen schon in der Wirtschaftskrise 2008 und nun in der Coronapandemie zu schaffen macht, sind die schwankenden Rohstoffpreise. Wir haben aber einen guten Kundenmix, setzen auf langjährige Partnerschaften und streuen damit das Risiko. Seit die Pandemie ausgebrochen ist, steht Regionalität hoch im Kurs. Profitiert die Wieshofer Mühle davon? Der Müller ist in der Wertigkeit wieder gestiegen. Die Rück-
Sie haben 2020 eine große Werkhalle mit Abpackmaschine und Verladerampe errichtet. War der Bau schwierig abzuwickeln? Die Planungen hatten wir bereits 2019 abgeschlossen. Im März 2020 waren wir mitten im Genehmigungsprozess und der Bau ließ sich nicht mehr verschieben. Mittlerweile sind wir sehr froh! Denn ohne das neue Gebäude würden wir die 40 Prozent, die wir inzwischen mehr produzieren, nicht schaffen. Außerdem sind heuer die Baukosten aufgrund von Materialknappheit stark gestiegen. Wir hatten also echt Glück, dass wir das 2020 durchgezogen haben. Was bringt die neue Anlage? Die Mühle ist sehr gut ausgelastet. Wir sind mit dem Abpacken nicht mehr nachgekommen, hätten also die Mühle abstellen müssen, bis die gemahlene Menge abgesackt ist. Nun können wir in der Stunde rund zwölf Tonnen Mehl absacken und wir könnten zirka 30 Tonnen verladen. Wir haben aber nicht übertrieben gebaut, sondern so, dass wir gut arbeiten können. Jetzt ist eher die Mühle der limitierende Faktor. PR
49
ZUKUNF
bildung & innovation
50
Hinaus in die Welt 2018 gründete der Innsbrucker Michael Bredehorn (Bild) zusammen mit MAD ventures das Start-up Swarm Analytics: Seither feilt das rund 15-köpfige Team an einer Lösung für die komplexe Videoanalyse zum Beispiel von Verkehrsströmen in Großstädten mittels künstlicher Intelligenz (KI). Die herkömmliche Videoanalyse in Städten verursacht vor allem drei Probleme: große Datenmengen, hohe Kosten und nur schwer verarbeitbare Informationen. Permanenter Datenfluss und Gratwanderungen im Bereich des Datenschutzes sind die Begleiterscheinungen. Bereits 2019 lieferte das Gründerteam von Swarm Analytics eine proprietäre KI-Softwarelösung, die all das einfacher macht. Drei Jahre nach der Gründung steht nun die internationale Expansion an. Dafür stellte das österreichische Investorennetzwerk primeCROWD gemeinsam mit MAD ventures eine Finanzierungsrunde auf, die Swarm Analytics mehr als 1,2 Millionen Euro einbringt. Schon 2019 erhielt das Unternehmen Unterstützung von erfahrenen Investor*innen und konnte seinen Umsatz seitdem vervierfachen. Nun will man hinaus in die Welt, die Summe aus der kürzlich abgeschlossenen Finanzierungsrunde mit globalen Partnern soll dieses Vorhaben vorantreiben. www.swarm-analytics.com
eco.zukunft
QUANTENSPRUNG
© ROBBIE SHONE
BUCHTIPP
FORSCHERGEIST
AMERIKAS GOTTESKRIEGER Annika Brockschmidt rowohlt Verlag 416 Seiten, EUR 14,40 Annika Brockschmidt erläutert das Spektrum der christlichen Rechten in den USA und warum ihre Anhänger glauben, dass sie sich im Krieg gegen satanische Mächte befinden und individueller Reichtum Ausdruck von göttlicher Erwähltheit ist. Unbedingt lesen, staunen, sich wundern ... und klüger werden.
Die Geologin und Höhlenforscherin Prof. Gina Moseley vom Institut für Geologie der Uni Innsbruck wurde mit dem renommierten „Rolex Preis für Unternehmungsgeist“ ausgezeichnet. Rolex unterstützt mit der Auszeichnung besonders visionäre Projekte. Moseley erforscht in Höhlen Grönlands den Klimawandel in der Arktis und ist eine von weltweit fünf Preisträger*innen (aus knapp 1.700 Bewerber*innen) und die einzige aus Europa.
Das Start-up aps techsolutions aus Vorarlberg hat mit dem Wizard 480+ ein zukunftsweisendes System in der additiven Fertigung – salopp oft als 3D-Druck bezeichnet – vorgestellt. Für das Fertigen eines Bauteils stellt es drei verschiedene Druckverfahren zur Wahl. Eine einzigartige Druckkopftechnologie mit automatisiertem Werkzeugwechsler ermöglicht den Einsatz von bis zu vier Materialvarianten gleichzeitig in einem einzigen Fertigungsprozess. So ist der Wizard 480+ in der Lage, aus Hochleistungspolymeren in Kombination mit Carbonfaser, Glasfaser oder Metalldraht hoch belastbare und zugleich sehr leichte Funktionsbauteile zu erzeugen und mit hoher Präzision quasi on Demand nach individuellem Bedarf zu fertigen. Die Ersparnis von Material und Lieferwegen begünstigt auch die Energieeffizienz der Komponenten – beides bedeutet einen Vorsprung im internationalen Wettbewerb. Die Anwendungsbereiche des bislang weltweit einzigartigen Systems liegen unter anderem im Maschinenbau, der Luft- und Raumfahrt oder Automobilindustrie und das Potential ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Fachwelt erachtet das additive Extrusionsverfahren mit Endlosfaser als zukünftige Schlüsseltechnologie, die am Anfang der breiten industriellen Anwendung steht. www.aps-techsolutions.com
P L AT Z F Ü R F O R S C H U N G U N D L E H R E Das Finanzministerium und das Wissenschaftsministerium erteilten Mitte November die Planungsfreigabe für das Bauprojekt „Haus der Physik“, das die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) für die Universität Innsbruck errichten wird. Entstehen wird es am Campus Technik der Universität Innsbruck im Westen der Landeshauptstadt. Der Architekturwettbewerb für die Planung des Neubaus läuft bereits und im Sommer 2022 soll das Siegerprojekt feststehen. Der Baubeginn ist für Herbst 2024 geplant. Fertig werden soll das Haus der Physik 2028. Die BIG investiert 180,8 Millionen Euro in den Bau, an dem sich das Land Tirol mit drei Millionen Euro beteiligen wird. Die Investition wird über Mieten vom Wissenschaftsministerium refinanziert.
BEI TRADITIONEN GEHT ES NICHT DARUM, FRÜHERE G E N E R AT I O N E N N A C H Z U A H M E N , E S G E H T D A R U M , A U S I H R E N E R FA H R U N G E N Z U L E R N E N .
51
eco.mmentar
DIE DOSIS MACHT DAS GIFT Je stärker wir uns bei den Begriffen Heimat und Tradition an die Ränder begeben, desto extremer werden die Positionen.
52
T
radition liegt wieder im Zeitgeist und der Begriff Heimat wurde schon lange nicht mehr von so vielen Seiten vereinnahmt wie heute. Nahezu alle Philosophen haben sich mit diesen zwei Themen mehr oder weniger erschöpfend beschäftigt, es gibt wissenschaftliche Studien und Abhandlungen, unendlich viele Thesen und Erklärungsversuche. Und dennoch kann es dafür kein allgemein gültiges Verständnis geben.
V O N T O M S TA D L M E Y R
GRENZENLOS VERWURZELT
Keine Heimat zu haben, würde für viele bedeuten, keinen Ursprung und keine Identität zu haben. Keinen Ort, wo man herkommt oder eine neue Heimat gefunden hat. Oder man findet sich in seiner ursprünglichen Heimat fremd, weil diese sich so stark verändert hat, dass das Gefühl Heimat nicht mehr vorhanden ist. Gerade soziale und kulturelle Veränderungen können neben den räumlichen Aspekt für Verzerrungen sorgen. Heimatlos zu werden oder sich so zu fühlen, geht immer auch mit dem Verlust von Nähe und Zugehörigkeit einher. Aber auch die bewusste Abgrenzung, der Rückzug aus dem Kollektiv, das Ausschließen der realen Welt kann Heimat obsolet machen. Dem steht diametral jene Heimatliebe gegenüber, die für Nichtheimische am Grenzzaun endet. Nationalisten und nationale Regionalisten, die ihre Heimat gegenüber allen und jedem verteidigen, die ihren Heimat(t)raum gefährden könnten, besetzen den Begriff gerne politisch. Für sie ist in ihrer fälschlich imaginierten Idylle nur logisch, dass sie die Probleme jenen überantworten, die hier ihrer Ansicht nach keine Heimat haben. Abschottung als Mittel zur Erhaltung der Kultur, der Sprache, der Tradition und vor allem der Kontinuität.
FORTSCHREITEND TRADITIONELL
Eingeschworene Traditionalisten beschreiten ausgetretenen Pfade und verschließen sich Veränderungen so lange, bis sie selbst an ihrer Rückwärtsgewandtheit ersticken. Traditionen können eine erfolgsversprechende Strategie sein, solange
die Bedingungen gleichbleiben. Wie gesagt: können. Hexenverbrennungen und sonstige Hinrichtungen waren früher traditionelle und gut organisierte Unterhaltungsformate. Sozusagen das Fernsehen des Mittelalters zur Primetime. Hätten wir an dieser Tradition festgehalten, dann hätten wir heute keine freien Demokratien. Demgegenüber steht der Fortschritt um jeden Preis. Die faszinierenden technische Errungenschaften unserer Zeit werden vielfach auf dem Rücken unserer Gesellschaft ausgetragen. Staaten wie China nutzen diesen Fortschritt für die Kontrolle ihrer Bevölkerung. Westlich Staaten investieren Milliarden in die Genforschung zur Optimierung von fast allen Lebewesen. Ignoriert wird dabei das enorme Potential unseres menschlichen Bewusstseins, das dadurch immer mehr verkümmert und beeinträchtig wird. Technischer Fortschritt mit menschlichem Rückschritt. Wie auch immer wir Dinge betrachten, die Ränder sind voll mit Verblendung, Überheblichkeit, Selbsterhöhung und radikalem Verhalten. Wir erleben gerade eine Zeit, in der sich (zu) viele auf die Ränder zubewegen. Extreme Haltungen, starre Positionen und eigene Faktenwelt, die davor schützt, sich mit anderen Sichtweisen auseinanderzusetzen. Kein Platz mehr für ein gesundes Miteinander, keine Streitkultur und kaum noch Vorbilder, die uns positiv beeinflussen könnten. Also müssen wir selbst dazu beitragen, im wahrsten Sinne des Wortes wieder „nüchtern“ zu werden und dem Rausch der Extreme zu widersagen. Wir müssen uns bewusst machen, dass vieles, dass wir instrumentalisieren, nicht die Wahrheit, sondern ein Fantasie- und Wertekonstrukt in unseren Köpfen ist. Mehr Erinnerung, Vorstellung und Zauber als wahrgenommene Gegenwart. Mehr Sehnsucht, Hoffnung und Utopie als erfahrene Wirklichkeit und vorhersehbare Zukunft.
ZUR PERSON
Tom Stadlmeyr ist Branding-Experte, Essenzialist und Auf-den-Punkt-Bringer. Er beschäftigt sich mit dem Weglassen von Unwesentlichem. www.tomstadlmeyr.com
BFI TIROL
MENSCHEN GANZHEITLICH VERSTEHEN UND BETREUEN Unsere Welt wird zunehmend vernetzter. Sei es in der Familie, in einem Unternehmen oder einer Organisation: Es gilt, sich der Auswirkungen des Tuns von Menschen oder Teams, deren Zusammenhänge und Komplexität bewusst zu sein und die daraus resultierenden Anforderungen zu berücksichtigen. © ADOBESTOCK
AKTUELLE KURSE • Ausbildungslehrgang zum/zur Systemischen Coach*in Start am 28. April 2022
• Case Management – Basismodul (Onlinekurs) Start am 24. Februar 2022 • Deutsch als Fremdsprache auf allen Niveaus Start am 13. Dezember 2021 • Berufsbegleitend studieren Start am 1. Jänner 2022
D
ie systemische Perspektive im Coaching interessiert sich für die Wechselwirkungen zwischen den Elementen sozialer Systeme. In einem Unternehmen berücksichtigt systemisches Coaching daher neben der Ebene der Organisation auch jene der Rolle, der Funktion, der Person und der individuellen Persönlichkeit. Ein neuer Lehrgang am BFI Tirol bereitet perfekt auf die berufliche Praxis vor, egal ob man sich mit Personalfragen beschäftigt, Organisationen und Unternehmen berät oder Einzelcoachings durchführt. Diese Weiterbildung vermittelt ein breites Repertoire an systemischen Techniken, um die Bedarfe und Problemstellungen von Klient*innen zu lösen.
DIE AUSBILDUNG ZUM/ZUR SYSTEMISCHEN COACH*IN …
• eröffnet die Möglichkeit zur Selbständigkeit im freien Gewerbe „Training“
• stärkt die Qualifikation als Führungskraft durch das Verständnis systemischer Zusammenhänge und potentieller Wechselwirkungen • schafft die Möglichkeit, sich selbst zu reflektieren und neue Perspektiven zu eröffnen
Dieser Lehrgang ist besonders für Personen interessant, die in psychosozialen Kontexten arbeiten, wie zum Beispiel Berater*innen, Coaches, Trainer*innen, Mitarbeiter*innen und Führungskräfte.
MASSGESCHNEIDERTE SCHULUNGEN NACH WUNSCH
Nach Bedarf konzipiert das BFI Tirol maßgeschneiderte Firmenschulungen, die auf Ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmt sind. Das BFI Tirol ist mit seiner mehr als 50-jährigen Erfahrung ein verlässlicher Partner für professionelle Firmentrainings. Wir freuen uns auf Ihr Interesse! PR
„ S Y S T E M I S C H D E N K E N H I L F T, A N D E R E M E N S C H E N B E S S E R WA H R Z U N E H M E N U N D Z U V E R S T E H E N .“ O T HM A R TA MERL , GE S C H Ä F T S F ÜHRER B F I T IR OL
• Pharmazeutischkaufmännische/r Assistent*in Start am 18. Jänner 2022 • Berufsreifeprüfung – Tagesvariante Start am 21. Februar 2022
• Bürokaufmann/-frau – Lehrgang Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung Start am 28. Februar 2022 • Fortbildung für E-Trainer*innen Start am 8. März 2022
• Fachlehrgang FirewallAdministration Start am 21. März 2022 • Elektrotechnische Unterweisung für fächerübergreifende Tätigkeiten Start am 25. April 2022
BFI TIROL Ing.-Etzel-Straße 7, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/59 660 info@bfi-tirol.at www.bfi.tirol
53
eco.zukunft
TRADITION IN DIE ZUKUNFT FÜHREN Familienunternehmen sind das Rückgrat der Tiroler Wirtschaft. Rund 17.500 gibt es im Land und jedes Traditionsunternehmen – ob groß oder klein – hat seine eigene, besondere und vielfach faszinierende Geschichte. Wie mit dem Erbe umgegangen wird und wie offen die Herausforderungen der Zukunft angenommen werden, ist entscheidend für die Stabilität des Rückgrats. Und damit des Landes selbst.
V 54
iele der heimischen Familienbetriebe sind bereits mehrere Generationen alt. Das ist nicht nur ein Zeichen von Durchhaltevermögen und Ausdauer, sondern auch von Flexibilität und Anpassungsvermögen. Wenn ein Unternehmen über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte besteht, steht Tradition nicht für Rückwärtsgewandtheit und das Festhalten an Altem, sondern für Innovation und Weitblick. Knackpunkt beim Fortbestand eines Unternehmens ist vielfach der Zeitpunkt der Übergabe. War es früher sozusagen der natürliche Lauf der Dinge, dass die Kinder den Familienbetrieb übernommen haben, so ist das heute nicht mehr selbstverständlich. Man muss nicht mehr, man kann. Und nicht mehr jeder macht von der Option Gebrauch. Das Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck beschäftigt sich in verschiedenen (Forschungs-)Projekten intensiv mit dem Prozess der Unternehmensübergabe. Daraus entstand unter anderem – gemeinsam mit der UMIT Tirol und in Kooperation mit der Standortagentur sowie dem Land Tirol – eine Studie zum Gasthaussterben in Tirol, das eben vielfach damit zusammenhängt, dass alteingesessene Traditionsgasthäuser keine Nachfolger mehr finden. Aus den verschiedensten Gründen. „Anfangs haben wir gedacht, die Probleme liegen vor allem in den bürokratischen Hürden und den diversesten Auflagen“, sagt Mag. Alexander Plaikner von der Universität Innsbruck, der sich gemeinsam mit einer Gruppe von Studierenden der Thematik angenommen hat. „Doch die Probleme sind weit vielschichtiger.“
FOTOS: © TOM BAUSE
TEXT: MARINA BERNARDI
LOKAL – GESCHICHTEN In Zeiten des Lockdowns zeigt sich einmal mehr: Gasthäuser, Bars und Kaffeehäuser sind wichtige Orte der Kommunikation. Sind sie geschlossen, fehlt uns etwas. Das Team im Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck widmet sich in der aktuellen Ausstellung historischen Gasthäusern in Innsbruck und ihrer Funktion in der Stadt. Dafür stand eine Fülle an Infomaterial zur Verfügung: Plakate, Ansichtskarten, Fotos, Speisekarten und Gästebücher, Betriebsakten und nicht zuletzt eine Sammlung von Geschirr aus den Stadtsälen. Die Ausstellung „Lokal – Geschichten. Nüchternes aus ehemaligen Innsbrucker Gasthäusern“ ist noch bis 25. Feber 2022 zu sehen.
Wirtshäuser sind nach wie vor wichtige Begegnungsorte. Das Problem ist, dass sich dort immer weniger begegnet wird. Das wiederum liegt vor allem am gesellschaftlichen Wandel. „Es tut den Einwohnern eines kleinen Ortes oftmals richtig weh, wenn ein Traditionsgasthaus für immer schließt. Man geht vorbei und denkt an all die schönen, teils persönlichen Geschichten, die damit verbunden sind. Vielfach hat sich dort über Jahrhunderte das Dorfleben abgespielt. Und plötzlich wird daraus ein Wohnhaus“, skizziert Plaikner. Doch woran liegt’s? Ein wesentlicher Punkt ist, dass sich besagtes Dorfleben heute anderswo abspielt. Die Freizeitgestaltung wird individueller, die Möglichkeiten vielfältiger. Man verbringt seine Freizeit lieber in der Natur oder beim Sport. „Jeder findet es schade, wenn Wirtshäuser zusperren, tatsächlich aber geht selbst keiner mehr hin. Man ist am Berg oder sitzt am Bike. Traditionen spiegeln auch immer ein Stück weit den Zeitgeist wider. Sie müssen sich anpassen, um zu überleben. So ist es auch mit klassischen Traditionsbetrieben. Vielfach werden sie schlichtweg vom soziodemografischen Wandel eingeholt. Dieser Prozess geht in der Regel schleichend und ist die Veränderung dann wirklich da, sind die Menschen überrascht“, so Plaikner, für den das Gasthaussterben aber nur eine Auswirkung eines gesamtheitlicheren Problems ist. Im ländlichen Raum sperren nicht nur Gaststätten zu, auch Metzger, Bäcker oder kleine Lebensmittelhändler verschwinden aus den Dörfern. Durch genau diesen soziodemografischen Wandel verkommt so manches Dorf zum reinen Schlafzentrum.
eco.zukunft
Gasthäuser bekamen in der Vergangenheit zusätzliche Konkurrenz. Durch Vereinsheime nämlich. Was gut gemeint war, war letztlich nicht gut gemacht. Spielte sich das Gemeinde- und Vereinsleben in der Vergangenheit meist in den Dorfgasthäusern ab, entstanden in der Folge immer häufiger subventionierte Vereinsheime, die unter gänzlich anderen und in der Regel einfacheren Voraussetzungen betrieben werden können. Plaikner: „Wenn die oder der eine bestimmte Auflage zu erfüllen hat, die der andere nicht einhalten muss, führt das zu einem unfairen Wettbewerb und folglich zur Verdrängung. Selbst wenn Vereinsheime für den Charakter eines Dorfes positiv sind, sind sie dennoch kritisch zu sehen.“ Und ja, natürlich spielen auch die behördlichen Auflagen ihre Rolle für die Zukunftsfähigkeit von Traditionsgasthäusern. Die Sicherheitsstandards haben sich verändert, Hygieneauflagen sind strenger geworden, die Allergenverordnung macht zusätzlich Arbeit. „Das alles ist gut und rechtens für die Konsumentinnen und Konsumenten, aber eine große Herausforderung und Verantwortung für die Gastronomen“, konstatiert Plaikner. Der Fachkräftemangel tut sein Übriges. „Das alles führt dazu, dass viele junge Menschen, die in diesem Umfeld aufgewachsen sind und all diese Probleme bei ihren Eltern beobachtet haben, den Betrieb nicht mehr übernehmen wollen. Das gipfelt in einer regelrechten Furcht vor der Übernahme. Das ist keine Ehrfurcht mehr, sondern echte Sorge.“ Die aktuelle Gastronomengeneration will er dennoch nicht ganz aus der Pflicht entlassen: „Wenn Auflagen oder der generelle Wandel belastend für einen Betrieb werden, dann hat man vielleicht auch selbst ein Stück weit zu spät reagiert. Wandel passiert nicht von heute auf morgen, es ist ein langsamer Prozess, der gerne übersehen wird, wenn man selbst vermehrt operativ tätig ist. Das nimmt einem oft den strategischen Weitblick. Man achtet nicht auf Trends und irgendwann ist es zu spät.“
TRADITION BRAUCHT INFORMATION
Tradition wird oft als etwas Verstaubtes angesehen, dabei ist Tradition etwas, das sich laufend verändert. Sich verändern muss, um relevant zu bleiben. Selbiges gilt für Unternehmen. Um erfolgreich zu sein, darf man nicht stehen bleiben, sondern muss sich stetig entwickeln. Auch Lorbeerkränze welken und brauchen frische Energie.
55
Mag. Alexander Plaikner, Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck, nahm Platz im Innsbrucker Stadtarchiv
Die Zukunft liegt dabei auch in Gasthäusern in der Kooperation und Kollaboration. Einen Aspekt macht Plaikner diesbezüglich in der Zusammenarbeit von Tourismus und Landwirtschaft aus, der vor allem der Digitalisierung große Chancen eröffnet. Es geht um unkomplizierte digitale Vernetzung, von der alle Seiten profitieren. Vorstellbar ist für Plaikner etwa eine geteilte App als Schnittstelle zwischen Urlaubsanbietern, Landwirten und Gastronomie, die in erster Linie dem raschen Informationsaustausch dienen soll. Landwirte können damit quasi in Echtzeit darüber berichten, welches Obst oder Gemüse geerntet oder welches Tier in Kürze geschlachtet wird. Aufbauend auf diese Infos
können Gastronomen ihre Gerichte zusammenstellen, Urlaubsanbieter ihren Gästen die neuesten Geschichten aus der Region erzählen und damit eine Verbindung nach außen herstellen. Gäste lernen sohin die Gepflogenheiten und Traditionen einer Region kennen und freuen sich, diese vor Ort hautnah erleben zu können. Darauf aufbauend lassen sich gänzlich neue Marketingkonzepte ableiten, indem man die Menschen – wenn auch virtuell – am Dorfleben teilhaben lässt. „Tradition muss gelebt werden, man muss sie aber auch entsprechend inszenieren“, so Alexander Plaikner. „Die nächste Stufe unseres Gasthausprojektes wird also sein, dass wir uns die Frage stellen, wo man die
eco.zukunft
„WA N D E L PA S S I E R T N I C H T V O N H E U T E A U F M O R G E N , S O N D E R N IST EIN SCHLEICHENDER PROZESS. MAN DARF JEDOCH DEN Z E I T P U N K T N I C H T V E R PA S S E N , D I E V E R Ä N D E R U N G E N Z U E R K E N N E N U N D M I T I H R M I T Z U G E H E N . W E N N M A N D AV O N P L Ö T Z L I C H Ü B E R R A S C H T W I R D , I S T E S M E I S T Z U S PÄT. A L S F O L G E G E H E N A U C H V I E L E T R A D I T I O N E N V E R L O R E N .“ ALEXANDER PLAIKNER
56
Leute im Zuge dieses soziodemografischen Wandels am besten abholen kann. Traditionen geben Sicherheit, brauchen aber auch moderne Elemente. Tradition muss den Menschen begreifbar gemacht werden. Unterm Strich muss man dorthin, wo die Zielgruppe ist.“ In der Gastronomie ist vor allem die Regionalität ein identitätsstiftendes Element. Produkte aus der Umgebung zu verwenden, stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe und bringt dem Gast ein Stück Heimat und damit (kulinarische) Tradition näher. „In der Küche sieht man sehr eindrücklich, wie innovativ Tradition sein kann, weil oft über Generationen überlieferte Rezepte mit heimischen Zutaten durchaus modern interpretiert werden können, ohne ihre Wurzeln aufzugeben. Auch mit tradierten Rezepten kann man sich somit auf moderne Ernährungsformen einstellen“, findet Plaikner.
INNOVATIVE TRADITION
Die Coronapandemie hat gezeigt, dass die Gastronomie durchaus zur Flexibilität fähig ist. Nun mag das Angebot von Take-away nichts weltbewegend Innovatives sein, für alteingesessene Traditionsbetriebe war diese Öffnung nach außen jedoch vielfach ein großer Schritt und ist ein Beweis dafür, dass der Blick über den Tellerrand lohnend sein kann. Für Plaikner eröffnen sich für die Zukunft spannende Optionen: „Man könnte
etwa den bereits angesprochenen Schlafpendlern eine Art Halbpension anbieten – das wäre eine echte Vertriebsinnovation und eine Win-win-Situation. Dorfbewohner bekommen zum Beispiel für einen monatlichen Pauschalbetrag zwei, drei Mal die Woche ein Abendessen im Dorfgasthaus – entweder vor Ort oder zu einem bestimmten Zeitpunkt nach Hause geliefert, individuell reservier- und abrufbar mittels App. So hat das Gasthaus ein regelmäßiges, fixes Einkommen und sohin eine Existenzsicherung, der Gast bekommt unkompliziert frisches, gesundes Essen.“ Die Zukunft ist voller Möglichkeiten. Nun gilt es sie zu nutzen. Und den Wandel zu erkennen. „Das Problem ist, dass viele Gastronominnen und Gastronomen der Veränderung selbst nicht unmittelbar gewahr werden. Sie fällt ihnen erst auf, wenn weniger Leute ins Gasthaus kommen. Doch dann ist es schon zu spät“, sagt Plaikner. Für ihn ist es deshalb wichtig, sich unter anderem frühzeitig Gedanken über die Übergabe zu machen. Es klingt etwas grotesk, wenn er befindet: „Die meisten Traditionen werden aufrechterhalten, wenn Betriebe rechtzeitig übergeben werden.“ Doch genauer hingesehen, macht das durchaus Sinn: „In der Übergabe spricht man von der so genannten generativen Sozialisation. Innerhalb einer Familie werden bestimmte Werte gelebt und vermittelt und selbst wenn die Kinder diese hinterfragen
oder vielleicht daraus ausbrechen, so gibt es dennoch bestimmte Grundhaltungen, die im Zuge des familiären Sozialisationsprozesses über Generationen übertragen werden. Das reicht natürlich auch ins Unternehmen hinein. Erfolgt die Übergabe behutsam und schrittweise und lässt sie Raum für Innovationen und fürs Anders-Machen, können die Traditionen – manchmal auch in moderneren Abwandlungen – überleben. Passiert das nicht, wird es schwierig.“ Etwa dann, wenn sich die Nachfolgegeneration beginnt aufzulehnen. Dann kann es dazu kommen, dass als Folge eines Abkapselungsprozesses bewusst mit Traditionen gebrochen wird. Problematisch wird es auch, wenn mit der Übergabe zu lange gewartet wird, zwischenzeitlich Investitionen aufgeschoben werden oder man die zeitgeistigen Veränderungen verschläft und selbst den Spaß an der Arbeit verliert. Plaikner: „Man muss sich als Übergebergenertaion heute bewusst sein: Die Kinder müssen das Unternehmen nicht mehr weiterführen. Sie sind meist gut ausgebildet, ihnen steht die Welt offen. Wenn ich möchte, dass mein Kind das Unternehmen übernimmt, muss ich mit gutem Beispiel vorangehen und es achtsam ans Unternehmertum heranführen. Das braucht Positivismus der Arbeit gegenüber, es bedeutet aber auch, früher oder später loslassen zu können. Dann können vielleicht sogar neue Traditionen etabliert werden.“
Tirol impft. Ein drittes Mal. Achtung: Auch wenn Sie gegen das Coronavirus geimpft sind, nimmt Ihr Impfschutz nach etwa vier bis sechs Monaten deutlich ab! Damit steigt die Gefahr, dass Sie am Coronavirus erkranken und Ihre Liebsten anstecken können. Mit einer dritten Impfdosis bleiben Sie weiterhin gut gegen das Coronavirus geschützt. In Tirol haben Sie ab sofort die Möglichkeit, sich auf eigenen Wunsch bereits ab vier Monaten nach Ihrer zweiten Dosis ein drittes Mal impfen zu lassen. Auch Erst- und Zweitimpfungen werden weiterhin durchgeführt.
Bezahlte Anzeige
Aktuell stehen Ihnen viele zusätzliche Impfmöglichkeiten und Impftermine auf www.tirolimpft.at zur Verfügung.
Weitere Informationen unter www.tirol.gv.at/tirolimpft
Bitte halten, Abstand n ske trage FFP2-Ma de und Hän ren. desinfizie
eco.zukunft
58
Der Tirol Change Award ging heuer an das Familien-Landhotel „Der Stern“ aus Obsteig: Josef Margreiter (Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding), Karin Seiler (Geschäftsführerin Innsbruck Tourismus), Preisträger René Föger, Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi, Landesrat Anton Mattle und Thomas Wass (stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Landesbank Tirol, die den Award gesponsert hat).
NACHHALTIG DIE WIRTSCHAFT VERÄNDERN Im Rahmen des 4. Change Summit wurde zum zweiten Mal der Tirol Change Award vergeben. Im Zentrum der Auszeichnung und Diskussionen stand die Nachhaltigkeit, ein Megatrend, der nicht nur der Umwelt guttut, sondern sich auch wirtschaftlich rechnet, wie Tirols Vorreiter bereits heute eindrucksvoll beweisen. Die Auszeichnung ging heuer an das Familien-Landhotel „Der Stern“ in Obsteig. TEXT: MARIAN KRÖLL
V
eränderung ist die einzige Konstante im Universum. Alles fließt. „Panta rhei“ formulierte man schon im antiken Griechenland. Das heißt in der Langversion in etwa: „Alles bewegt sich fort und nichts bleibt.“ Doch diese Bewegung lässt sich auch ein Stück weit beeinflussen, zumindest, wenn es um gesellschaftliche und ökonomische Perspektiven geht. In diesen Zusammenhang
lässt sich der Tirol Change Award stellen, der 2021 zum zweiten Mal im Rahmen des 4. Change Summit, eines Gipfels, der sich zu hundert Prozent in den Dienst der Veränderung stellt, verliehen wird. Als Preisträger kommen nur Betriebe, Initiativen und Persönlichkeiten in Frage, die sich besonders um ein nachhaltiges Wirtschaften verdient gemacht haben. Vergeben wird der Award von der Lebensraum Tirol Holding mit ih-
ren Unternehmen Tirol Werbung, Standortagentur Tirol und Agrarmarketing Tirol. Zehn Nominierte buhlten um die Gunst der Jury, bestehend aus Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer, Christian Dobler (Nachhaltigkeitskoordinator des Landes Tirol), Jutta Kister (Nachhaltigkeitsexpertin), Claus Reitan (Journalist mit Fokus auf Nachhaltigkeit) und Dhara Meyer, Koordinatorin von „Tirol 2050 energieautonom“.
eco.zukunft
„ICH BEDANKE MICH BEI ALLEN ANDEREN NOMINIERTEN U N T E R N E H M E R N F Ü R I H R E N G A G E M E N T, I H R E N P I O N I E R G E I S T U N D I H R E N M U T, E I N E V O R R E I T E R R O L L E E I N Z U N E H M E N . GENAU SOLCHE UNTERNEHMERINNEN UND UNTERNEHMER BR AUCHEN WIR, DAMIT AUCH UNSERE NACHFOLGENDEN G E N E R AT I O N E N E I N E G U T E B A S I S Z U M L E B E N U N D W I R T S C H A F T E N I N T I R O L V O R F I N D E N .“ L A NDE S R AT A N T ON M AT T L E
In Form eines Onlinevotings hatte auch die Tiroler Bevölkerung ein gewichtiges Wort mitzureden. „Noch nie zuvor war es so wichtig, unsere alpine Natur und einen respektvollen Umgang mit derselben in den Mittelpunkt zu stellen“, sagte Wirtschaftslandesrat Anton Mattle zum Auftakt der Veranstaltung, die Mitte November im Haus der Musik stattfand. Nominiert waren heuer zehn Betriebe, handverlesen nach den Kriterien „Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Innovationsfähigkeit und Strahlkraft“. Dazu zählten die Genossenschaft gegen Lebensmittelverschwendung „feld:schafft“, der Bergsportartikel-Hersteller Kohla, das Biohotel Leutascherhof, Österreichs erste zertifizierte Bio-Blumengärtnerei Seidemann, die Visionärin Therese Fiegl (Tiroler Edle, Bauernkisten-Gründerin), die Mobilitäts-App „ummadum“, das Naturhotel Waldklause, der Raumakustik-Experte Whisperwool sowie der Handschuh-Spezialist Zanier. Das Rennen gemacht hat letztlich das in Obsteig gelegene Familien-Landhotel „Der Stern“. Mattle gratulierte und zollte den nominierten Unternehmen Respekt: „Ich gratuliere dem ‚Stern‘ ganz herzlich, bedanke mich aber auch bei allen anderen nominierten Unternehmern für ihr Engagement, ihren Pioniergeist und ihren Mut, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Genau solche Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen wir, damit auch unsere nachfolgenden Generationen eine gute Basis zum Leben und Wirtschaften in Tirol vorfinden. Es macht mich stolz, zu sehen, was diese Betriebe in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf freiwilliger Basis leisten. Für mich ist jeder Einzelne von ihnen ein Gewinner.“ Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding und „Erfinder“ des Tirol Change Award, sah ein erfreuliches Anwachsen der Liste der unternehmerischen „Gamechanger“ und sekundierte: „Alle heuer Nominierten beweisen, dass konsequentes Wirtschaften im Einklang mit der alpinen
Natur gelingen kann. Sie alle sind Motivation und Ideengeber für jene, die sich mit Nachhaltigkeit bislang noch kaum oder vielleicht zu wenig auseinandersetzen.“ Margreiter hofft, dass die Vorreiter auch andere dazu motivieren, mit nachhaltigen Konzepten in die Umsetzung zu gehen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Ins Leben gerufen wurde der Award ursprünglich, um einem Defizit zu begegnen, wie Margreiter ausführt: „Ehrlicherweise hat Tirol international als Urlaubsland einen großartigen Namen, als Herz der Alpen, aber keinen Namen als nachhaltiges Land, als ‚Green Destination‘. Wir haben festgestellt, dass es Akzente braucht, dass in diesem Bereich viel zu tun ist, um Tirol als nachhaltig bewirtschaftetes Land weit vorne zu positionieren.“ Thomas Wass, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Landesbank Tirol und Sponsor des Tirol Change Award, hält fest: „Es wird in den nächsten Jahren viel Geld in den Umbau der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit fließen. Davon werden viele Unternehmen profitieren. 65 Prozent der Tiroler beschreiben sich als nachhaltigkeitsorientiert und 45 Prozent wären bereit, für nachhaltige Produkte einen höheren Preis zu bezahlen. Ich bin überzeugt, dass sich Nachhaltigkeit
rechnet und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen sehr erfolgreich sein werden.“
„DER STERN“ LEUCHTET NACHHALTIG
Nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltigeres Leben sind zweifellos gesellschaftliche Megatrends und vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Klimas Gebot der Stunde. Nachhaltigkeit kann aber in unternehmerischen Kontexten niemals Selbstzweck sein, sondern muss sich auch rechnen. Und das tut sie mittlerweile, weil der Konsument diese Art des Wirtschaftens im Einklang mit der Natur honoriert. Preisträger René Föger vom Landhotel Stern zeigte sich über die Auszeichnung erfreut und – angesichts der starken Konkurrenz – sogar ein wenig überrascht. „Der ‚Tirol Change Award‘ ist eine große Anerkennung für das, was wir als erstes klimaneutrales Hotel Österreichs voller Überzeugung tun – und natürlich auch fortsetzen werden. Vielleicht können wir auch den einen oder anderen dazu anspornen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit noch mehr auseinanderzusetzen. Ich kann nur sagen, es zahlt sich aus“, sagte der Hotelier aus Obsteig. Seit Generationen übernimmt „Der Stern“ Verantwortung für Natur, Region und Menschen und ist um nachhaltiges Wirtschaften bemüht: Angefangen in der Küche, wo konsequent gekocht wird, was die Natur hergibt und die Bauern und Produzenten aus der Umgebung liefern können. Wer zum Urlaub im Landhotel umweltfreundlich mit der Bahn anreist, bekommt fünf Prozent Rabatt – Abholung am Bahnhof inklusive. Auf die gewohnte Mobilität im Urlaub muss deshalb aber niemand verzichten. Das Hotel verleiht Mountainbikes zum Nulltarif, auch E-Bikes und ein Elektroauto können bei Bedarf gemietet werden. Seit Mitte September 2021 verfügt das Hotel zudem über ein Öko-Hallenbad mit begrüntem Dach. Das alles sorgt für ein Urlaubserlebnis, bei dem der Gast, wie es Föger formuliert, „die
59
eco.zukunft
„ALLE HEUER NOMINIERTEN BEWEISEN, DASS KO N S E Q U E N T E S W I R T S C H A F T E N I M E I N K L A N G M I T D E R A L P I N E N N AT U R G E L I N G E N K A N N . S I E A L L E S I N D M O T I VAT I O N U N D I D E E N G E B E R F Ü R J E N E , D I E S I C H M I T N A C H H A LT I G K E I T BISL ANG NOCH K AUM ODER VIELLEICHT ZU W E N I G A U S E I N A N D E R S E T Z E N .“ JOSEF MARGREITER, GESCHÄFTSFÜHRER DER LEBENSRAUM TIROL HOLDING
Vor den Vorhang: René Föger führt sein Familien-Landhotel „Der Stern“ und sieht den Tirol Change Award in erster Linie als große Anerkennung für das erste klimaneutrale Hotel Österreichs.
60
CO2-Pfunde purzeln lassen kann.“ Und zwar, ohne dabei auf etwas verzichten zu müssen. Allein im Zeitraum zwischen 2010 und 2013 hat Föger die CO2-Bilanz seines Hauses um rund ein Drittel verbessert, bereits 2012 war das Landhotel Stern das damals noch einzige klimaneutrale Hotel Österreichs. Der unternehmerische Weitblick wurde seitdem mit diversen Auszeichnungen honoriert, darunter 2020 der Trigos Tirol oder der Platin Award von tripadvisor als Ökospitzenreiter. Am Ende seiner Nachhaltigkeitsbestrebungen ist Föger freilich noch längst nicht angelangt. Der Hotelier ist überzeugt, dass da noch einiges möglich ist. So will er bis 2025 zu 75 Prozent energieautark sein – mit Hilfe von Photovoltaik, Energiespeicher und dem Ausbau der Nahwärme auf der Grundlage einer Hackschnitzelanlage. Im Landhotel „Der Stern“ heißt es also noch lange nicht „rien ne va plus“.
MUT ZUR NACHHALTIGKEIT
Die Modefarbe „Grün“ stand schließlich im Mittelpunkt des 4. Change Summit. Man ging der wichtigen Frage nach, wie viel Nachhaltigkeit Konsumenten mitzutragen bereit sind. Denn alle Nachhaltigkeit ist umsonst, wenn sie vom Konsumenten nicht akzeptiert wird. Regionale Wirtschaftskreisläufe in Richtung Kreislaufwirtschaft umzubauen, wird eine der großen und lohnenden Herausforderungen der Zukunft sein, ein Paradigmenwechsel, den man am besten
bereits in der Gegenwart einleiten sollte. Im Haus der Musik diskutierte eine Expertenrunde über die Grenzen der Machbarkeit, was Nachhaltigkeit und Regionalität in der Textilerzeugung betrifft. Diskussionsgrundlage war eigentlich ein Experiment, das anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Kollektion Tirol durchgeführt wurde mit dem Ziel, die beinahe legendäre Tiroler „Star-Mütze“ ausschließlich aus heimischen Materialien in Tirol zu produzieren. Der Grundgedanke: „Wo Tirol draufsteht, soll auch Tirol drin sein.“ Fürs Design suchte man die Zusammenarbeit mit dem Tiroler Musiker Manu Delago, der sich von den verschiedenen Grüntönen des Mooses und dem Tirolerhut inspirieren ließ. Ein Prototyp der Mütze darf bereits als Teilerfolg am Weg zur zu 100 Prozent Tiroler Kopfbedeckung verbucht werden. Diskutiert haben der Musiker Manu Delago, Modedesigner Markus Spatzier, Dr. Monika Hauck (kreative Ökonomin, Unternehmerin, soziale Aktivistin und City Ambassador der weltweit tätigen sozialen Bewegung Fashion Revolution), ORF-Moderator Reiner Reitsamer, Werner Boote, so etwas wie der„Popstar“ unter den österreichischen Dokumentarfilmern, und Handschuh-Produzent Markus Zanier. Modedesigner Markus Spatzier sieht im Ankauf von Stoffen aus alten Lagerbeständen Qualitäten, die andernfalls in der Tonne landen, obwohl man sie noch trefflich mit anderen Stoffen kombinieren könnte. „Mir liegt es am Herzen, weil das Sachen sind, die man Jahrzehnte tragen und weitervererben kann“, erklärt Spatzier, der keinen Sinn darin sieht, „etwas nur für einen Anlass zu tragen, weil so viel Energie und Arbeit in jedem Teil steckt. Wenn es im Second Hand landet, hat es ja zumindest noch einen Wert.“ Den Second-Hand-Markt sieht die Ökonomin und Unternehmerin Monika Hauck definitiv als Wachstumsmarkt und die Nachfrage
nach nachhaltig produzierter Mode dementsprechend im Steigen. Mit ihrem Unternehmen Repair Rebels möchte sie „Menschen ermutigen, mehr zu reparieren, mehr Liebe für deren Lieblingsstücke zu zeigen und stolz darauf zu sein“. Die Reparatur braucht einen Imagewandel und eine Aufwertung, sie ist kein Zeichen von Armut, sondern vielmehr von Klugheit und einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit, kurzum die Antithese einer heute vorherrschenden Wegwerfmentalität. Dokumentarfilmer Werner Boote indes bemängelt, dass Nachhaltigkeit kein genau definierter Begriff ist, sondern Auslegungssache, die großen Interpretationsspielraum offenlässt. Er sieht Konzerne und Politik gleichermaßen in der Verantwortung: „Ich glaube, dass durch die immer größere Aufmerksamkeit für das Thema auch die Politik nachziehen wird und den Konzernen Verbote vorschreiben muss, weil es anders wohl nicht gehen wird.“ Boote wünscht sich mehr Fairness und Aufrichtigkeit: „Ich ersehne den Moment, wenn Konzerne uns keine ‚grünen Lügen‘ mehr auftischen werden und Produkte tatsächlich nachhaltig und fair hergestellt werden können.“ Handschuh-Produzent Markus Zanier stimmt Bootes Befund zu, dass nicht überall drinnen sei, was außen draufsteht. Viele Unternehmen würden „sehr transparent und ehrlich mit dem Thema umgehen“, wie übrigens auch sein eigenes. „Ich glaube, so kann man als Konsument schon relativ gut den Finger in die Wunde legen und die Versprechen einfordern, die gegeben werden“, rät Zanier. Die Veränderungsdynamik in Richtung nachhaltiges Wirtschaften wird entscheidend von der Nachfrage beeinflusst. Die Konsumenten haben es ein Stück weit in der Hand, wie rasch weitere Gamechanger auf den Plan treten. Tirols Vorreiter zeigen bereits heute, wie nachhaltigeres Wirtschaften gehen kann.
JETZT ROHSTOFFE ABSICHERN © T. STEINLECHNER
Hedging nimmt in der Diskussion mit unseren Kunden aktuell eine deutlich größere Rolle ein. Natürlich werden auch Zins-, Währungs- und Veranlagungsrisiken weiterhin aktiv adressiert, zusätzlich beobachten wir jedoch eine starke Nachfrage und Gesprächsbedarf im Hinblick auf die Sicherung von Rohstoffpreisrisiken in Unternehmen über den Finanzmarkt.“
DIESEL EUR/MT
Starke Kursschwankungen und massive Kursanstiege – seit Beginn der Coronapandemie hat die Volatilität an den Rohstoffmärkten deutlich zugenommen. Ein Grund für viele Unternehmen, das Management von Rohstoffrisiken verstärkt in den Vordergrund zu rücken. Die CorporateTreasury-Sales-Experten der UniCredit Bank Austria können hier maßgeblich unterstützen.
61
GLOBALE EXPERTISE
Markus Sappl, Landesdirektor Firmenkunden Tirol der UniCredit Bank Austria
Z
ins- und Wechselkursänderungsrisiken waren in der Vergangenheit die bestimmenden Faktoren des klassischen Finanz-Risikomanagements in Unternehmen. Durch die weltweiten Entwicklungen im Zuge der Coronapandemie hat jedoch eine weitere Risikoklasse verstärkte Aufmerksamkeit erfahren: der Rohstoffbereich. Während diese Assetklasse in der Vergangenheit bei vielen Unternehmen eher als Randthema in den Finanzabteilungen gesehen wurde und Sicherungen primär über den physischen Einkauf erfolgten, haben die Marktentwicklungen der letzten 18 Monate zu einem sukzessiven Umdenken geführt. Dies bestätigt auch Markus Sappl, Landesdirektor Firmenkunden Tirol, UniCredit Bank Austria: „Das Thema Commodity
BEZAHLTE ANZEIGE
Die Corporate-Treasury-Sales-Experten der UniCredit Bank Austria können hier auf das globale Netzwerk und die Expertise der UniCredit Gruppe zugreifen und Unternehmen Sicherungsmöglichkeiten in einer Vielzahl von Rohstoffen anbieten. Rohstoffkontrakte aus den Bereichen Energie (z. B. Diesel, Gas) und Industriemetalle (z. B. Aluminium, Zink) sind oftmals Gegenstand der Gespräche, ebenso gibt es auch Interesse bei Strom und Agrarprodukten. Am Beginn der Beratungsgespräche mit einem Unternehmen steht oftmals die Frage, welche Vorteile eine Sicherung über den Finanzmarkt im Vergleich zu einer Preisfixierung über den physischen Einkauf bieten kann. „Die spezifische Situation im Unternehmen sowie die Gegebenheiten im jeweiligen Rohstoffmarkt werden im Zuge der Beratung gemeinsam besprochen und analysiert“, erörtert Markus Sappl. „Grundsätzlich kann man jedoch festhalten, dass die Absicherung (englisch: Hedge) über den Finanzmarkt oftmals über einen längeren Zeitraum möglich ist und das Unternehmen direkt von vorteilhaften Preiskonstellationen profitieren kann. Das Hedging kann für den Kunden maßgeschneidert gestal-
Diesel: Hohe Nachfrage nach Absicherungen im volatilen Marktumfeld
tet werden.“ Markus Sappl erwartet auch für die nächsten Monate keinen Rückgang der Volatilität in den Rohstoffmärkten: „Wir gehen weiterhin von starken Kursschwankungen in allen Rohstoffmärken im kommenden Jahr aus. Der beste Zeitpunkt, diese Risiken aktiv zu adressieren, ist jetzt.“
NÄHERE INFORMATIONEN erhalten Sie bei Markus Sappl, Landesdirektor Firmenkunden Tirol der UniCredit Bank Austria Tel.: +43 (0)5 05 05-95182
firmenkunden.bankaustria.at
Das ist eine Marketingmitteilung und keine Beratung bzw. keine Empfehlung, Absicherungsgeschäfte abzuschließen
© THOMAS STEINLECHNER
TIROLER SPARKASSE
Der neue Sparkassenplatz im Herzen der Innsbrucker Innenstadt
EINE VISION WIRD WIRKLICHKEIT
62
Der neue Sparkassenplatz schaut auf eine intensive Zeit des Umbaus zurück.
E
r prägt seit jeher das Bild in der Innsbrucker Innenstadt. Im Laufe vieler Jahrezehnte hat er gelernt, sehr viel mehr zu sein als nur ein Platz. Er ist längst zu einem Ort voller Erlebnisse und Begegnungen geworden. Mit der Idee der Neugestaltung des Platzes war der Wunsch verbunden, für alle Tiroler*innen einen Ort zu schaffen, den jeder auf seine Art nutzen kann. Egal ob zum Verweilen, sich mit Freunden zu treffen, um zu shoppen oder zu bummeln. Mit dem Spatenstich am 1. Feber 2021 wurde der Umbau offiziell gestartet. Ab diesem Moment gaben auf dem Sparkassenplatz die Baufirmen mit ihren gewaltigen Maschinen und Geräten den Ton an. 272 Tage lang leisteten die fleißigen Bauarbeiter*innen Großartiges, um die Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Die Decke der sanierungsbedürftigen Tiefgarage wurde saniert, Wasser- und Stromleitungen erneuert, Natursteine penibel genau verlegt, die Wand mit 1.500 Pflanzen begrünt und ein Baum gepflanzt. Seit wenigen Tagen beleuchten acht Meter hohe Lichtstellen den Platz. Im Sommer tragen sie mit einer integrierten Beneblung zur Kühlung
In einer symbolischen Geste zwischen Hans Unterdorfer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse (li.), und Bürgermeister Georg Willi wurde der neue Sparkassenplatz den Tiroler*innen zur Nutzung übergeben.
bei. Überhaupt wurde auf Nachhaltigkeit größter Wert gelegt. Insbesondere das Beleuchtungskonzept ist heute so ausgestaltet, dass die Lichtverschmutzung im öffentlichen Raum möglichst gering gehalten wird. Der neue Sparkassenplatz wurde Ende Oktober offiziell den Tiroler*innen zur Nutzung überlassen. Mit einem Ziel: weiterhin einer der beliebtesten Plätze der Stadt und ein Ort für schöne Erinnerungen zu sein. PR
TIROLER SPARKASSE Sparkassenplatz 1 6010 Innsbruck Tel.: 05 0100 70000
tirolersparkasse.at sparkassenplatz.info
#glaubanmorgen
QR-Code scannen und erleben, warum #glaubanmorgen schon heute wichtig ist.
sparkasse.at
GEL
finanzieren & versichern
64
Ruf nach mehr Finanzbildung Und der kommt in dem Fall von den Jugendlichen selbst. Gerade junge Menschen haben oft Schwierigkeiten beim Start in die finanzielle Selbständigkeit, tappen in Konsumfallen und sind unsicher, wie sie ihr Geldleben managen können. Der Grund: Es mangelt an finanziellem Wissen. Dessen ist sich auch Österreichs Jugend bewusst, denn jeder zweite Jugendliche fühlt sich mit seiner Finanzbildung nicht ausreichend für die Zukunft gerüstet. Rund zwei Drittel der 14- bis 20-Jährigen haben dahingehend enormen Aufholbedarf, so der aktuelle YEP Jugendbericht im Auftrag des Erste Financial Life Park (FLiP), bei dem 14- und 20-Jährige befragt wurden (repräsentativ für diese österreichische Bevölkerungsgruppe). Nur jeder fünfte Jugendliche weiß genau, wie viel Geld er im Monat ausgibt. Jeder Sechste hat überhaupt keine Übersicht über sein Budget und ebenfalls jeder Fünfte hat Sorge, geborgtes Geld nicht mehr zurückzahlen zu können. Die Corona-Pandemie hat diese Unsicherheit zusätzlich erhöht. Laut der Studie herrscht ein klarer Wunsch nach mehr Informationen und Praxisorientierung zu Geld- und Finanzthemen. Bernd Spalt, CEO der Erste Group: „Finanzbildung kann nicht alleine die Aufgabe von Unternehmen sein. Finanzbildung muss jetzt wirklich Einzug in den Pflichtschulunterricht finden. Auch das Lehrpersonal muss dahingehend geschult werden.“
AUSGEZEICHNET Die Ermittlung und Vergabe des Österreichischen Dachfondsawards durch das GELD-Magazin fand heuer zum 21. Mal statt und zählt zu den renommiertesten Rankings der heimischen Branche. Auch Tiroler Banken fanden sich im Ranking – unter anderem die Hypo Tirol Bank sowie die AlpenBank. Die Hypo Tirol konnte mit ihren mittelund langfristigen Investments „Faktorstrategie Aktien global“ und den „Aktienstrategie global“ punkten und wurde damit bereits zum 17. Mal ausgezeichnet: „Der Aktienstrategie global wurde bereits im Jahr 1998 aufgelegt. Er verwaltet ein Fondsvolumen von über 110 Millionen Euro und investiert primär in Fonds aus Asien, Nordamerika und Europa. Das Portfolio wird durch kostengünstige ETFs ergänzt, die das Management besonders flexibel machen. Eine Beimischung aus interessanten Themenfonds aus den Bereichen Technologie und Healthcare rundet das Investment ab“, erklärt Fondsmanager MMag. Stefan Danzl den Siegerfonds. Auch die AlpenBank war zum wiederholten Mal im Ranking vertreten. In der Kategorie „gemischte Dachfonds flexibel“ gewann der von Markus Haid gemanagte Macro + Strategy den 1. Preis für die Drei-Jahres Performance, in der Kategorie „Anleihendachfonds“ gewann der von Gregor Klieber gemanagte AlpenBank Anleihenstrategie den 3. Preis für die Fünf-Jahres-Performance.
NORDKETTE TOP OF INNSBRUCK Weltweit einzigartig. Aus der historischen Altstadt mit spektakulären Bahnen in wenigen Minuten auf über 2.000 Meter. Winterwandern am Hafelekar, relaxen auf Innsbrucks höchster Sonnenterrasse, Skispaß pur, oder einfach den atemberaubenden Ausblick genießen.
„ES GIBT NUR EINE KL ASSE IN DER G E S E L L S C H A F T, D I E M E H R A N G E L D D E N K T A L S D I E R E I C H E N . D A S S I N D D I E A R M E N .“ O S C A R W IL DE , H AT L EIDER REC H T
Grafik: Emanuel Tomasini, Fotos: guentheregger.at, Thomas Bause
eco.geld
HOHES VERTRAUEN
Top of Innsbruck – 2.334 m In Zuge der Coronakrise haben sich die Erwartungen der Bankkund*innen in einigen Bereichen deutlich verändert. Unabhängig davon ist die Zufriedenheit der Tiroler*innen mit ihren Hausbanken enorm hoch. So könnte man die Ergebnisse der aktuellen „Tiroler Bankenstudie 2021“ zusammenfassen, die vor Kurzem von Hans Unterdorfer, Obmann der Sparte Bank und Versicherung, und Alexander Zeh vom Marktforschungsunternehmen Ipsos präsentiert wurde. „Es gibt beispielsweise eine hohe Erwartungshaltung, was die Innovationsfähigkeit von Geldinstituten betrifft. 39 Prozent gehen davon aus, dass es in den kommenden Jahren Neuerungen etwa zu dem Themen E-Governement und Mobile Payment geben wird“, so Unterdorfer. Schon jetzt nutzen 73 Prozent der heimischen Bankkund*innen Onlineangebote für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Je 30 Prozent verwenden die Möglichkeit der elektronischen Unterschrift beziehungsweise der biometrischen Authentifizierung über Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Diese zunehmende Digitalisierung schlägt sich mittlerweile auch in der Erwartungshaltung der Bevölkerung an die Filialstruktur nieder. „In Tirol kann man von einem Filialparadoxon sprechen. Für viele – nämlich 57 Prozent – ist der persönliche Kontakt über Filialen nach wie vor wichtig, dennoch sind mehr als 70 Prozent seltener als einmal im Monat in ihrer Bank. Und mittlerweile können sich immerhin 44 Prozent der Befragten eine Bank ohne Filiale vorstellen“, fasst Zeh zusammen.
Erleben Sie die faszinierende Bergwelt des größten Naturparks Österreichs!
Innsbrucks höchste Sonnenterrasse Auf der 1.905 m hohen Seegrube der Sonne entgegen.
Alpenzoo und Gipfelerlebnis
Mit dem Top of Innsbruck PLUS-Ticket aufs Hafelekar und in den Alpenzoo.
Parken
Stressfrei in der City- und Congressgarage parken.
* Gültig für TOP OF INNSBRUCK Ticket.
TICKETS.NORDKETTE.COM
eco.geld
DIE KONJUNKTUR TROTZT DER
PANDEMIE Unter den Experten herrscht fast einhellig Zuversicht, was die wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr 2022, dem dritten der Corona-Zeitrechung, betrifft. Und das, obwohl die Wirtschaft noch mit einer Vielzahl anderer, ebenfalls globaler Herausforderungen konfrontiert ist. TEXT: MARIAN KRÖLL
66
eco.geld
P
rognosen sind traditionell schwierig, und vor allem dann, wenn sie die Zukunft betreffen. Es herrscht nicht einmal annähernd so etwas wie Konsens bei Vergangenheitsbetrachtungen und der Dissens wird bei Gegenwartsanalysen rund um derzeit offen zutage tretende gesellschaftliche Bruchlinien sogar noch größer. Um eine Vorausschau auf die Konjunkturentwicklung des kommenden Jahres geben zu können, braucht es dennoch keine Glaskugel. Es genügt ein klarer und unverstellter (Rück)blick in die jüngere, von Lockdowns geprägte pandemische Zeit, die stellenweise – so hat man mittlerweile den einigermaßen unguten Eindruck – zu einer Art „neuen“ Normalität zu gerinnen droht.
SCHÖNE AUSSICHTEN
Wie die unmittelbare wirtschaftliche Zukunft aussehen könnte, hat sich etwa Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek bereits Anfang Oktober angesehen. Damals war von weiteren Lockdowns freilich noch nicht ansatzweise die Rede. In seiner damaligen Analyse ging Brezinschek jedenfalls davon aus, dass das laufende Jahr mit einem BIP-Wachstum von 4,5 Prozent abschließt und es in dieser Tonart weitergehen wird. Mindestens. Es ist tatsächlich bemerkenswert, dass sich die Weltwirtschaft im Vorjahr mit ungekannter Dynamik erholt hat und bereits nach sechs Monaten das Vorkrisenniveau erreicht wurde. Der Chefanalyst geht sogar davon aus, dass für die kommenden zwei bis drei Jahre mit einer – Trommelwirbel – Hochkonjunktur zu rechnen sein wird. Tirol gelange im Jahr 2022 wieder auf die Überholspur und dürfte Gesamtösterreich und die Eurozone mit einem Plus zwischen sechs und sieben Prozent deutlich übertreffen. Revidieren will Brezinschek auf Nachfrage seine Prognose vom Oktober angesichts der jüngsten negativen pandemischen Entwicklungen einstweilen noch nicht, seien doch gewisse Faktoren ohnehin bereits in die ursprüngliche Prognose eingepreist. Ein genereller, mehrwöchiger Lockdown aber eben noch nicht. Zu einigem Optimismus veranlasst sieht sich der Analyst durch die Erfahrungen der vorherigen Lockdowns. Die Wirtschaft und in noch viel weitreichenderem Ausmaß das gesellschaftliche Leben kamen zwar abrupt zum Erliegen, setzten aber nach Aufhebung der Maßnahmen ebenso rasch wieder zum Höhenflug an. Die ökonomischen Aufholprozesse finden in erfreulich hohem Tempo statt, lehrt die Erfahrung seit Beginn der Pandemie. Brezinschek weist auch darauf hin, dass die Ersparnisse, die von den Menschen im Lauf des Jahres
„ G R U N D S ÄT Z L I C H H A B E N W I R ZULE TZ T EINEN JE NACH BR ANCHE KR ÄF TIGEN WIRTSCHAF TLICHEN A U F S C H W U N G WA H R G E N O M M E N , DER JEDOCH NACH WIE VOR AM S E I D E N E N FA D E N H Ä N G T.“ KLAUS SCHALLER, LEITER REGION WEST KSV1870
2020 angesammelt wurden, erst teilweise wieder in der Wirtschaft angekommen sind. Allgemein darf man aber davon ausgehen, dass die Sparquote in den kommenden Jahren über dem Vorkrisenniveau bleiben wird. Hier manifestiert sich vor allem der Gedanke, für schlechte(re) Zeiten Vorsorge zu treffen. Im Raiffeisen-Sektor geht man davon aus, dass die Dynamik der heimischen Konjunktur im Jahresverlauf 2022 abnehmen, aber mit 4,5 Prozent einen halben Prozentpunkt über dem Niveau der Eurozone bleiben wird. „Wenngleich die stärksten Wachstumsraten bereits wieder hinter uns liegen, ist der Aufschwung 2022 breit angelegt. Wachstumsmotoren sind Investitionszyklus, Baubranche und der prosperierende Welthandel“, ist Brezinschek überzeugt. Markus Sappl, Regionaldirektor Firmenkunden Austria West bei der Bank Austria, erwartet für das kommende Jahr sogar ein Wachstum von fünf Prozent für Österreichs Wirtschaft, auch wenn das Tempo der Erholung derzeit nachlasse. Vom starken privaten Konsum über den Sommer zeigt sich Sappl „ein wenig überrascht“, aber grundsätzlich hätten die Ökonomen der UniCredit Bank Austria „bereits im Herbst vergangenen Jahres mit fünf Prozent Wirtschaftswachstum für 2021 gerechnet“. Sappl geht weiterhin davon aus, dass diese Prognose halten wird und der Aufschwung sich 2022 kräftig fortsetzt, rechnet allerdings, ebenso wie Brezinschek, mit nachlassender Dynamik.
67
eco.geld
© DIE FOTOGRAFEN
68
Fix ist das alles freilich nicht, wie auch Markus Sappl zu Bedenken gibt: „Ein anhaltender Aufschwung über mehrere Jahre ist derzeit noch nicht gesichert, dafür müssen einige positive Faktoren wie der Pandemieverlauf, die Wirtschaftspolitik und auch die Weltpolitik zusammenkommen.“ Der Pandemieverlauf indes ist derzeit bekanntermaßen denkbar ungünstig. Klaus Schaller, Leiter der Region West beim Kreditschutzverband von 1870, hält die Konjunkturaussichten aufgrund der bekannten Unwägbarkeiten folglich für „schwer abschätzbar“. Aktuell gelte es vielmehr abzuwarten, in welchem Ausmaß sich die momentane COVID-19-Entwicklung auf die Unternehmen auswirken werde. „Grundsätzlich haben wir zuletzt einen je nach Branche kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung wahrgenommen, der jedoch nach wie vor am seidenen Faden hängt. Hier wird einiges an Innovation, politischer Stabilität und Ressourcen notwendig sein, um eine nachhaltige Stabilität zu erreichen“, ist Schaller überzeugt, dass ein etwaiges Konjunkturhoch kein Selbstläufer sein wird. Hans Unterdorfer ist zum einen Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse, zum anderen Obmann der Sparte Banken und Versicherung in der Wirtschaftskammer Tirol. Auch er rechnet weiterhin ganz klar mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung: „Bestätigt wurde diese Annahme auch im Konsumbarometer für Tirol und in einer groß angelegten Konsumentenbefragung. Diese stammt allerdings aus dem Frühjahr. Die Umfragen für den Herbst und Winter sind noch nicht abgeschlossen. Aufgrund des aktuellen Verlaufs der Pandemie erwarten wir aber, dass sich die Laune
„IN ALL DEN KRISEN, DIE W I R B E WÄ LT I G E N M Ü S S E N , LIEGEN UNGL AUBLICH VIELE CHANCEN. EGAL OB PA N D E M I E O D E R U M W E LT.“ HANS UNTERDORFER, BANKENOBMANN DER WIRTSCHAFTSKAMMER TIROL
etwas verschlechtert hat. Das könnte auch die Erwartungen senken. In Summe bleibt aber trotzdem eine positive Erwartung für 2022.“ Die rasche wirtschaftliche Erholung hat Unterdorfer keineswegs überrascht: „Unsere Wirtschaft ist sehr gut aufgestellt und als Banken hatten wir bereits früh einen guten Einblick, wie umsichtig die Tiroler Unternehmen in der Krise gehandelt haben. Auch die Stimmung bei den Konsumenten hat sich sehr rasch erholt. Insgesamt ist die konjunkturelle Stimmungslage – trotz des Dämpfers im Herbst – sehr positiv.“ Den zuversichtlichen Blick nach vorne hätten sich die Tirolerinnen und Tiroler nie nehmen lassen, meint Unterdorfer, der selbst optimistisch in die Zukunft schaut und eine betont chancenorientierte Perspektive einnimmt. „In all den Krisen, die wir bewältigen müssen, liegen unglaublich viele Chancen. Egal ob Pandemie oder Umwelt. Wir alle sind gefordert, innovativer zu werden und neue Lösungen und Strategien zu finden. Und genau dieser Innovationsdruck wird den Aufschwung verstärken“, argumentiert Unterdorfer.
DIE WIRTSCHAFT FÄHRT ACHTERBAHN
Die Wirtschaft hat sich als erstaunlich und erfreulich widerstandsfähig erwiesen und es deutet wenig darauf hin, dass sich das plötzlich, Lockdown hin oder her, geändert haben könnte. Für Stefan Garbislander, den Chefvolkswirt der Wirtschaftskammer Tirol, ist auch dieses allgemeine Zusperren noch kein Grund, den „Optimismus über Bord zu werfen“. Entscheidend werde nun sein, so Garbislander, wie dieser erneute Lockdown wirke und ob es zu einer Stabilisierung der Infektionszahlen und Hospitalisierungen komme. „Der wichtigste Tourismusmonat in Tirol ist der Februar. Sollte es nicht wieder zu einem Komplettausfall der Wintersaison kommen, wird es 2022 jedenfalls ein kräftiges Wirtschaftswachstum geben“, sagt der Ökonom. Ob es in der Größenordnung liege, mit der Brezinschek für Tirol gerechnet habe, sei derzeit schwer zu sagen. Als regionalen Risikofaktor hat auch Markus Sappl den Pandemieverlauf auf der Rechnung: „Speziell in Tirol, für das wir eine überdurchschnittlich kräftige Erholung 2022 erwarten, könnte der Pandemieverlauf diese Erholung nochmals verzögern.“ Die Wirtschaftsentwicklung im heurigen Jahr vergleicht Garbislander mit einer Achterbahnfahrt: „Das erste Quartal des Jahres war noch stark geprägt vom faktischen Ausfall der Wintersaison – der Nächtigungsrückgang betrug rund 90 Prozent. Über alle Sektoren hinweg gerechnet brachte die verlorene Wintersaison vom November 2020 bis April 2021 für Tirol einen Wertschöpfungsverlust von rund fünf Milliarden Euro mit sich.“ Als Felsen in der konjunkturellen Brandung hätten sich das Bau- und Baunebengewerbe, die Bauindustrie und die exportorientierte Industrie erwiesen und „auch im Dienstleistungssektor setzte dann ab dem späten Frühjahr 2021 eine starke Erholung ein“, so Garbislander, der zudem darauf verweist, dass die Sommersaison sehr positiv verlaufen sei und in den Monaten August und September sogar höhere Nächtigungszahlen zu
© ARIA SADR-SALEK
HAUSVERKAUF MIT WOHNRECHT Nehmen Sie ihre Zukunft in die Hand und genießen Sie goldene Zeiten.
„W E N N G L E I C H D I E S TÄ R K S T E N WA C H S T U M S R AT E N B E R E I T S W I E D E R HINTER UNS LIEGEN, IST DER AUFSCHWUNG 2 0 2 2 B R E I T A N G E L E G T. WA C H S T U M S M O T O R E N SIND INVES TITIONSZ YKLUS, BAUBRANCHE UND DER PROSPERIERENDE W E LT H A N D E L .“
69
PETER BREZINSCHEK, C H E FA N A LY S T D E R R A I F F E I S E N B A NK IN T ERN AT ION A L
verzeichnen gewesen seien als 2019. Also zumindest touristisch war der heurige ein Sommer wie damals. „Die Situation am Arbeitsmarkt hat sich im Jahresverlauf völlig gedreht. In den Sommermonaten hatten wir in Tirol de facto Vollbeschäftigung und mit fast 9.000 gemeldeten offenen Stellen beim AMS einen Rekord“, sagt der Kammerökonom, der mit den steigenden Infektionszahlen, der neuerlichen Einstufung als Hochrisikogebiet durch die im Fremdenverkehr so wichtigen deutschen Nachbarn und letztlich dem Lockdown „natürlich die Unsicherheit in das Wirtschaftsgeschehen, vor allem den Dienstleistungsbereich betreffend“ zurückgekehrt sieht.
UNNORMALES INSOLVENZNIVEAU
Lockdowns sind zweifellos schwerwiegende Eingriffe in die Erwerbsfähigkeit und das Wirtschaftsgeschehen. Ohne staatliche finanzielle Hilfen sind diese für viele Unternehmen nicht durchzuhalten. Es ist legitim und wünschenswert, dass der Staat, der das gesellschaftliche Leben und ökonomische Treiben bremst, dieses auch subventioniert. Ob das in der Vergangenheit immer besonders treffsicher gemacht wurde, darf bezweifelt werden. Unternehmen, die am Tropf des Steuerzahlers
Wir suchen Häuser und Wohnungen für unsere vorgemerkten Kunden. Sie bleiben in ihrer gewohnten Umgebung mit einem grundbücherlich gesichertem Wohnrecht und erfüllen sich mit Ihren neuen finanziellen Möglichkeiten lang ersehnte Wünsche. Gerne informieren wir Sie: deaurea.at Bonne Apart Group +43 (0) 512 90 90 60 office@bonne-apart.at
© STEINLECHNER
eco.geld
„ E I N A N H A LT E N D E R A U F S C H W U N G ÜBER MEHRERE JAHRE IST DERZEIT N O C H N I C H T G E S I C H E R T, D A F Ü R M Ü S S E N E I N I G E P O S I T I V E FA K T O R E N W I E D E R PA N D E M I E V E R L A U F, D I E WIRTSCHAF TSPOLITIK UND AUCH DIE W E LT P O L I T I K Z U S A M M E N KO M M E N .“ 70
MARKUS SAPPL, LANDESDIREKTOR FIRMENKUNDEN TIROL DER UNICREDIT BANK AUSTRIA
hängen, sind auf Dauer auch nicht lebensfähig. Klaus Schaller weiß das. Ein Symptom der Staatshilfen ist ein historisch niedriges Insolvenzniveau, das man in „normalen“ Zeiten sogar für eine gute Nachricht halten könnte. Aber die Zeiten sind nun einmal nicht normal. Schaller weist darauf hin, dass die Zahl der Insolvenzen in Tirol „bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie auf einem sehr niedrigen Niveau“ gelegen sei und sich seit 2013 in Tirol kontinuierlich nach unten bewegt habe. Diesen Zustand erklärt er so: „Ein über Jahre gut laufender Wirtschaftsmotor gepaart mit niedrigen Zinsen führte dazu, dass die Tiroler Betriebe sehr ordentliche Ergebnisse einfahren konnten.“ Die Erklärung dafür, dass die Pleiten angesichts der vergleichsweise stark vom Tourismus abhängigen regionalen Wirtschaft im vergangenen Jahr und heuer nicht explodiert, sondern sogar gesunken sind, ist monokausal, argumentiert Schaller: „Der einzige Grund für das Einbrechen der Anzahl der Pleiten seit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 ist der Eingriff der öffentlichen Hand in reguläre Wirtschaftsabläufe. Langfristige Stundungen von öffentlich-rechtlichen Abgaben und staatliche Beihilfen führten dazu, dass Unternehmen, die bereits vor der Pandemie schwach aufgestellt waren, am Markt verbleiben können. Zusätzlich bleiben Betriebe, die in Folge der Corona-Auswirkungen eigentlich insolvent wären, häufig passiv und setzen auf Zeit.“ Zeit, die sie eigentlich nicht haben. Im Zusammenwirken mit dem Stillhalten
öffentlich-rechtlicher Gläubiger sind die Selbstreinigungskräfte des Marktes in den letzten Monaten fast gänzlich zum Erliegen gekommen. „Das braucht eine gesunde Wirtschaft aber“, mahnt Schaller. Eine Insolvenzwelle sieht der Experte selbst nach einem Auslaufen der staatlichen Hilfeleistungen, Garantien und Stundungen jedoch nicht über das Land hereinbrechen, hält aber „eine Rückkehr zum Insolvenzniveau pro Woche wie vor der Pandemie“ für wahrscheinlich. Es gehe in Richtung Vorkrisenniveau, so der Experte: „Das zeigt sich auch daran, dass die Zahl der Firmenpleiten im laufenden Jahr pro Quartal kontinuierlich zugenommen hat. Darüber hinaus wird die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen zum Jahresende hin wohl leicht unter jener des Vorjahres zu liegen kommen. Aus heutiger Sicht erwarten wir diese Entwicklung auch für das Jahr 2022. Für das weitere Insolvenzaufkommen wird zudem entscheidend sein, wie sich die Coronakrise weiterentwickelt und welche Maßnahmen neuerlich getroffen werden müssen, die für die Wirtschaft maßgeblich sein könnten. Denn damit geht auch die Frage einer stabilen Geschäfts- und Auftragslage in den Unternehmen einher.“ Wirtschaftskammer-Spartenobmann Hans Unterdorfer sieht die heimischen Unternehmen für zukünftige Herausforderungen zum einen sehr gut aufgestellt, zum anderen hätten die staatlichen Hilfen Wirkung gezeigt. „Die heimischen Banken und Versicherungen sehen sich in diesem Zusammenhang ganz klar als Teil der Lösung. Wir unterstützen die Wirtschaft in ihren Forderungen und stehen den Unternehmen als Partner zur Seite. Wir werden unseren Kundinnen und Kunden auch weiterhin zur Seite stehen, weil wir als Banken immer an einer nachhaltigen Lösung interessiert sind“, versichert Unterdorfer. Insolvenzen sind gesamtwirtschaftlich betrachtet besser als ihr Ruf, können diese doch dazu führen, dass sich Mitarbeiter eines insolventen Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt anderen, effizienter arbeitenden Betrieben zuwenden und Kapital – Finanz- wie Humankapital – zu wirtschaftlich stabilen Unternehmen fließt. Dieser „natürliche“ Prozess stärkt die gesamtwirtschaftliche Produktivität und Innovationskraft und ist sogar geeignet, die Fachkräfteproblematik unter den gut wirtschaftenden Unternehmen zu lindern. Der Kreditschutzverband hat bereits in der Vergangenheit das zu undifferenzierte „Gießkannenprinzip“ bei den Coronaförderungen kritisiert. Ein Prinzip, das auch im wirtschaftlich durchaus wechselvollen Verlauf der Pandemie nicht korrigiert wurde. Das ist aber nur eine Seite des Problems, das der KSV mit dem Corona-Hilfsregime ausgemacht hat. „Im Rahmen unseres aktuellen Austrian-Business-Checks hat sich zudem gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Betriebe finanzielle Hilfe seitens des Staates in Anspruch genommen haben – ein Drittel davon ohne jegliche wirtschaftliche Notwendigkeit“, hält Schaller fest. Er richtet zugleich einen Appell an die Wirtschaft, bestehende Sanierungsnotwendigkeiten nicht zu übersehen: „Als KSV1870 haben wir stets dafür plädiert, und tun dies auch weiterhin, rechtzei-
© THOMAS SCHROTT
BTV LEASING
Mit dem Konjunkturleasing® haben die BTV-Leasing-Geschäftsführer Johannes Wukowitsch, Gerd Schwab und Michael Perger (v. l.) ein Modell aufgelegt, das die Leasingrate flexibel an die Liquiditätssituation der Kunden anpasst.
KONJUNKTURABHÄNGIGES LEASING MIT SICHERHEITSNETZ Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell sich die globale Wirtschaft wandelt und dadurch angespannte Liquiditätssituationen für Unternehmen entstehen können. Mit dem Modell der BTV Leasing können Sie sich gegen solche Konjunktureinbrüche wappnen.
D
ie BTV Leasing beobachtet die Märkte und Branchen, in denen ihre Kundinnen und Kunden tätig sind, ganz genau. So können diese bei der Finanzierung ihrer Vorhaben ideal unterstützt werden. „Konjunkturschwankungen stellten insbesondere in den letzten Jahren eine enorme Herausforderung für zahlreiche unserer Kundinnen und Kunden dar. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, hatten wir die Idee, eine Kombination aus einem klassischen Leasingvertrag und der Möglichkeit, die laufenden Raten einmalig bei einem Konjunkturrückgang anzupassen, anzubieten“, erklären die Geschäftsführer der BTV Leasing die Entwicklung des Konjunkturleasing®. Dieses Sondermodell ist sehr einfach in der Abwicklung: Bei Vertragsabschluss wird
ein Wirtschaftsparameter wie beispielsweise der Herstellungs-PMI (Einkaufsmanagerindex), ifo-Geschäftsklimaindex oder Auftragseingang der deutschen Industrie etc. vereinbart. Fällt dieser unter ein definiertes Niveau, kann der Leasingnehmer seine Raten einmalig für die Dauer von maximal zwölf Monaten um bis zu 90 Prozent reduzieren. Im Anschluss kann je nach den individuellen Bedürfnissen der Unternehmerin bzw. des Unternehmers die Laufzeit des Leasingvertrages unverändert bleiben oder um einen gewählten Zeitraum verlängert werden (sofern die steuerlichen Leasingkriterien dies zulassen). Der zugrunde liegende Restwert wird entsprechend angepasst. Durch die flexible Gestaltung der Aussetzungsdauer orientiert sich die Liquiditätsbelastung
an den individuellen Bedürfnissen der BTVLeasing-Kundinnen und -Kunden. PR
BTV LEASING
Die BTV Leasing hat ihren Hauptsitz in Innsbruck und ist in Deutschland sowie in der Schweiz mit zwei 100-prozentigen Tochtergesellschaften vertreten. Experten kümmern sich um alle Aspekte des Leasings und Mietkaufs – auch um Sondermodelle. Als 100-prozentige Tochter der Bank für Tirol und Vorarlberg AG profitieren Kunden der BTV Leasing von der nachhaltigen Stabilität eines vitalen und ertragreichen Konzerns. Durch die Zusammenarbeit ergeben sich für Kunden der BTV Leasing und der BTV umfassende Leistungsangebote und vielversprechende Geschäftsverbindungen.
www.btv-leasing.com
71
© RLB/G. KRESSER
eco.geld
„W I E S TA R K D E R P R O D U Z I E R E N D E S E K T O R D I E KO N J U N K T U R 2 0 2 2 S T Ü T Z E N W I R D , H Ä N G T D AV O N A B , W I E B E S T E H E N D E E N G PÄ S S E ODER VERZÖGERUNGEN BEI DER VERSORGUNG MIT ROHSTOFFEN G E L Ö S T W E R D E N KÖ N N E N .“ T HOM A S WA S S , VOR S TA ND DER RL B T IR OL
72
tig den Schritt in Richtung Sanierung zu wagen, wenn es keine reellen, positiven Zukunftsaussichten für ein Unternehmen gibt. So kann gerettet werden, was noch zu retten ist, und es werden darüber hinaus auch keine Arbeitsplätze unnötigerweise aufs Spiel gesetzt.“
BEKANNTE UNBEKANNTE
Neben der großen, hässlichen Unbekannten namens COVID-19 und der dadurch ausgelösten Gesundheitskrise, die im vergangenen Jahr rasch auch die Wirtschaft angesteckt hat und nun in einer gänzlich unlustigen „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Mutation wieder zurückgekommen ist, lauern noch andere bekannte Unbekannten in der unmittelbaren Zukunft, die alle positiven Prognosen verhageln könnten. Apropos Prognosen: Für Thomas Wass, den stellvertretenden Vostandsvorsitzenden der RLB Tirol, hängt das Reiseziel der Konjunktur maßgeblich vom Tourismus ab. Diese würde naturgemäß umso besser ausfallen, hätte eine vollständige Schließung von Hotels, Restaurants und anderen verbrauchernahen Dienstleistungen trotz der erneut hohen Infektionszahlen vermieden werden können. Wass hält es aus derzeitiger Sicht für „eher unwahrscheinlich, dass das ganze Jahr 2022 von COVID-Maßnahmen betroffen sein wird“. Die Potenziale und Gefahren für das kommende Wirtschaftsjahr schätzt Wass wie folgt ein: „In Tirols Industrie ist die Geschäftslage sehr gut und man rechnet auch im laufenden Quartal mit stabiler Produktion. Wie stark
der produzierende Sektor die Konjunktur 2022 stützen wird, hängt davon ab, wie bestehende Engpässe oder Verzögerungen bei der Versorgung mit Rohstoffen gelöst werden können. Auch der private Konsum sollte nächstes Jahr eine Konjunkturstütze sein und Impulse erwarte ich mir auch vom Tourismus.“ Der private Konsum war vor allem 2020 bedingt durch die durch Lockdowns fehlenden Konsummöglichkeiten eingeschränkt. Es wurde gespart. Auch bei den Kunden der RLB Tirol war das so: „Das Sparvolumen ist im Vergleichszeitraum Dezember 2019 bis September 2021 um mehr als zehn Prozent gestiegen. Zum einen ist Geld seit Beginn der COVID-19-Pandemie während verschiedener Lockdowns und Reisebeschränkungen zwangsweise in der eigenen Tasche verblieben und zudem wurde wegen Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und unsicheren Aussichten auf Ausgaben verzichtet.“ Im heurigen dritten Quartal sei der private Konsum aber kräftig angesprungen, so Wass. Einen Gesamtüberblick über die Entwicklung der Sparquote in Tirol hat Hans Unterdorfer parat: „Die Sparquote stieg im Jahresdurchschnitt 2020 auf 14,4 Prozent und lag dabei deutlich über den Jahren 2018 und 2019 (7,7 bzw. 8,5 %). Noch stehen die aktuellen Werte nicht zur Verfügung, aber für heuer ergibt sich eine leichte Reduktion auf 14,4 Prozent für das erste Halbjahr, verglichen mit durchschnittlich 14,9 Prozent im ersten Halbjahr 2020. Als Hauptgrund für das vermehrte Sparen wird angeführt, aufgrund von Corona weniger Geld ausgegeben zu haben. Für 64 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler dient das Ersparte als Absicherung bei Notfällen oder um sich später etwas leisten zu können. Das wird wohl länger so bleiben.“
DIE WELT IST EIN DORF
Die globalisierte Weltwirtschaft ist gewissermaßen ein Dorf, weshalb auch von anderer Seite verschiedentlich Ungemach droht. Sappl spricht explizit eine potenzielle Wachstumsschwäche Chinas, aber auch mögliche globale Konflikte an. Manches hänge zudem auch von der staatlichen Wirtschaftspolitik ab. „Neben der Pandemie kommt die Wirtschaftspolitik als Risikofaktor dazu, etwa ein zu früher Ausstieg aus den Unterstützungsmaßnahmen oder unklare Vorgaben bei der Bekämpfung des Klimawandels“, sagt Sappl. Hieß es früher unter Volkswirten gerne „Wenn Amerika niest, bekommt die ganze Welt einen Schnupfen“, gilt selbiges wohl heute im zumindest gleichen Ausmaß für China, dessen wirtschaftlicher Output und dessen Importe und Exporte heutzutage maßgeblich mitbestimmen, wie der Hase in Europa läuft. In Abwandlung der nicht mehr ganz neuen Börsen- bzw. Binsenweisheit könnte man auf China gemünzt heute behaupten: „Wenn China hustet, bekommt die ganze Welt Corona.“ Das soll allerdings nicht als Schuldzuweisung aufgefasst werden, sondern als trocken gehustete Feststellung, dass in der heutigen, hochvernetzten Welt nicht nur ökonomisch alles mit allem zusammenhängt, sondern dass die Menschheit auch überall ähnlich verwundbar ist. Globalisie-
eco.geld
© ANDREAS FRIEDLE
rung bringt Wohlstand, hat aber auch einen Preis. Das Bewusstsein für die Vulnerabilität des menschlichen Zusammenlebens und -wirtschaftens ist gestiegen, in greifbare politische Handlungen auf globaler Ebene wurde es noch nicht übersetzt. Der Wirtschaftskammer-Wirtschaftsweise Stefan Garbislander hält die dynamische Preisentwicklung bei Energie und Rohstoffen als beträchtlichen Risikofaktor für die Konjunktur: „In unseren Befragungen geben 80 Prozent der Unternehmen an, dass sie damit rechnen, dass ihre Beschaffungskosten auch in den kommenden Monaten zunehmen werden. Gerade bei den Energiepreisen ist eine Entspannung derzeit nicht absehbar.“ Als weitere große Herausforderung für die Unternehmen benennt Garbislander den Arbeitskräftemangel, ein überwiegend heimisches und damit hausgemachtes Problem: „Es fehlt nicht nur an Fachkräften, sondern generell an Arbeitskräften. Es gibt Schätzungen, dass in der Tiroler Wirtschaft derzeit rund 30.000 Arbeitskräfte fehlen, davon rund ein Drittel allein im Tourismus. Da der Arbeitskräftemangel mehrere Ursachen hat, darunter die demographische Entwicklung, fehlende bzw. unpassende Qualifikationen und eine zu geringe Verfügbarkeit von ausländischen Arbeitskräften, gibt es hier auch keine Patentrezepte.“ Es zeige sich aber, dass Unternehmen, die sehr viel in die eigene Lehrlingsausbildung investiert und junge
„ E S F E H LT N I C H T N U R A N FA C H K R Ä F T E N , S O N D E R N GENERELL AN ARBEITSKRÄF TEN. E S G I B T S C H ÄT Z U N G E N , D A S S I N DER TIROLER WIRTSCHAF T DERZEIT RUND 30.000 ARBEITSKRÄF TE F E H L E N , D AV O N R U N D E I N D R I T T E L A L L E I N I M T O U R I S M U S .“ STEFAN GARBISL ANDER, CHEF VOLKSWIRT DER WIRTSCHAFTSKAMMER TIROL
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen hätten binden können, diese Herausforderung noch am besten meistern würden. „Investitionen in die Lehrlingsausbildung und in die berufliche Weiterqualifizierung der Mitarbeiter sind also zentrale Erfolgsfaktoren, um mit dieser Herausforderung umzugehen“, meint Stefan Garbislander. Konjunkturelle Spielverderber identifiziert Hans Unterdorfer ebenfalls in Gestalt von Lieferkettenproblemen und Materialmangel. Diese seien „derzeit sicher dafür verantwortlich, dass das – ohnehin starke – Wachstum abgebremst wird“. Unterdorfer plädiert dafür, das Thema Nachhaltigkeit ernst zu nehmen. Eine Wirtschaft, die nachhaltiges Wachstum erzielen will, kommt darum nicht mehr herum. „Wer glaubt, das Thema Nachhaltigkeit geht vorbei, der irrt. Das gilt für Unternehmen im gleichen Maß wie für jeden Einzelnen von uns“, mahnt der Spartenobmann an. Der Bankensektor in Tirol habe sich hier die Latte sehr hoch gelegt. Das beginne bei der Veranlagung in grünen Fonds und reiche bis hin zur Verpflichtung, dass die Einhaltung von sozialen Standards und Menschenrechten bei fairen Fonds sichergestellt sein müsse, erklärt Unterdorfer. Im Hinblick auf die aktuelle Inflationsentwicklung, die den Konsumenten – und dazu gehört jeder Einzelne – die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, kalmiert der Bankenobmann: „Derzeit deutet noch alles auf vorübergehende Preiseffekte hin. Dennoch zeigt der Inflationstracker der Wirtschaftskammer Österreich aktuell in vielen Teilbereichen einen Preisdruck nach oben an. Wie lange dieser bestehen bleibt, hängt davon ab, wie schnell das Angebot mit dem veränderten Nachfrageverhalten der Konsumenten ins Gleichgewicht kommt. Für die Zentralbanken ist das Problem, dass ihre üblichen Instrumente zur Bekämpfung von Inflation wenig gegen Lieferengpässe und Arbeitskräfteknappheit ausrichten können. Die Europäische Zentralbank bekräftigt ihre Haltung, dass sich die aktuelle Preisentwicklung als vorübergehend erweisen wird und keine Zinserhöhungen geplant sind. Berücksichtig man Maßnahmen wie die CO2-Bepreisung, ist eine Inflationsrate zwischen zweieinhalb und drei Prozent wohl realistisch.“ Und noch ein Tipp: „Das sollten Sparerinnen und Sparer bei ihrer Veranlagungsstrategie nicht aus dem Auge verlieren.“ Was die Stabilität der Konjunktur betrifft, gibt es unter den Experten unterschiedliche Einschätzungen. Die Tendenz ist allerdings durchwegs positiv. Während Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek davon ausgeht, dass die Konjunkturparty zwei, vielleicht sogar drei Jahre anhalten könnte, geben sich andere skeptischer. Insgesamt sieht es trotz vieler regionaler und großer, weltumspannender Herausforderungen wie Corona, Lieferketten oder Klimawandel momentan danach aus, als würde 2022 – um die Diktion eines Ex-Bundeskanzlers zu bemühen – zumindest wirtschaftlich „eine coole Zeit“ vor uns liegen. Darüber hinaus gilt weiterhin unverzagt die Devise: Hinfallen, (immer wieder) aufstehen, Corona richten, weiterleben.
73
© UNION INVESTMENT
VOLKSBANK TIROL
GELD NEU DENKEN – ZEITGEMÄSS SPAREN MIT FONDS 74
I
mmer noch liegen die Zinsen nahe null. Zugleich steigt die Inflation. Sparer haben es in dieser Situation nicht leicht, vor allem wenn sie auf Klassiker wie Sparbuch, Festgeld oder Bausparen setzen. Hier heißt es umdenken – Geld neu denken. Denn es gibt eine Lösung: Fonds. Übrigens lassen sich auch nachhaltige Kriterien bei der Geldanlage mit Investmentfonds einbeziehen. So kann man eine entsprechende Rendite erzielen und zugleich mit einem guten Gefühl nachhaltig investieren.
RUCKSACK MIT RECYCELTEM OZEAN - PLASTIK ALS GESCHENK
Dass für eine gute Zukunft in Nachhaltigkeit investiert werden muss, beweist auch der Zustand unserer Ozeane. Aktuell treiben mehr als 5 Billionen Plastikteile in den Ozeanen und zerstören damit das wichtigste Die vorliegende Marketingmitteilung dient ausschließlich der unverbindlichen Information. Die Inhalte stellen weder ein Angebot beziehungsweise eine Einladung zur Stellung eines Anbots zum Kauf/ Verkauf von Finanzinstrumenten noch eine Empfehlung zum Kauf/ Verkauf oder eine sonstige vermögensbezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar und dienen überdies nicht als Ersatz für eine umfassende Risikoaufklärung beziehungsweise individuelle, fachgerechte Beratung. Die Volksbank Tirol AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Genauigkeit der Angaben und Inhalte. Druckfehler und Irrtümer vorbehalten. Union-Investment-Fondssparen umfasst keine Spareinlagen gemäß Bankwesengesetz (BWG). Werbung | Stand: Dezember 2021.
© VOLKSBANK
Wer jetzt mit Fondssparen bei der Volksbank Tirol beginnt, sichert sich einen limitierten adidas-Rucksack aus recyceltem Ozeanplastik.
„DIE ZEIT IST REIF FÜR FONDS – F O N D S KÖ N N E N G E E I G N E T S E I N Z U M V E R M Ö G E N S A U F B A U. E S G I B T W E N I G A LT E R N AT I V E N , DENN VERNÜNF TIGE ZINSEN A U F S E I N E R S PA R T E S G I B T ES VORAUSSICHTLICH L Ä N G E R F R I S T I G N I C H T M E H R .“ M A NF RED S INGER , A NL AGEB ER AT ER DER VOLKSB ANK-HAUP TGE S CHÄF T S S TELLE S CHWA Z
Ökosystem unseres Planeten. Das Ziel ist also, Plastik zu vermeiden, wo immer es möglich ist. Schon seit 2015 arbeitet adidas mit einer globalen Umweltorganisation zusammen, die sich auf die Rettung der Ozeane konzentriert. Bisher wurden schon über 30 Millionen Produkte aus recyceltem Plastikmüll produziert, der in Küstenregionen gesammelt wird, bevor er die Ozeane verschmutzen kann. So auch der adidas-Rucksack, den Volksbank-Kunden noch bis 31. Dezember 2021 für den Abschluss eines Fondssparvertrages (ab 50 Euro monatlich) erhalten. Wenn auch Sie sich jetzt für Fonds unseres
Partners Union Investment entscheiden, gibt es auch für Sie den limitierten adidas-Rucksack und Sie leisten damit einen kleinen nachhaltigen Beitrag für 100 % Zukunft. Teilnahmebedingungen unter www.sparen-mit-zukunft.at. PR
KONTAKT Lassen Sie sich von den Anlageexperten der Volksbank Tirol über zeitgemäße Formen der Geldanlage beraten – es zahlt sich aus. Nähere Informationen und Terminvereinbarung unter Tel. 050 566 bzw. oder www.volksbank.tirol
Geld in der Karikatur
EINTRIT T FREI Sonderausstellung des Geldmuseums der Oesterreichischen Nationalbank im Kassensaal der OeNB West, Adamgasse 2, 6020 Innsbruck Ausstellungsdauer: 1. Oktober 2021 bis 9. September 2022
Führungsanmeldung: Herr Mag. Jakob Buemberger, Herr Anton Reinelt, BA
Führungen für Gruppen: Ab zehn Personen, nach Vereinbarung. Alle Führungen sind kostenlos.
Öffnungszeiten: Während der Kassenöffnungszeiten
Telefon: +43 (512) 908100 E-Mail: regionwest@oenb.at
Weitere Informationen unter: www.oenb.at, www.geldmuseum.at
UNIQA TIROL
NACHHALTIG LEBEN – NACHHALTIG VORSORGEN Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit steigt in sämtlichen Lebensbereichen – vom Konsumverhalten bei alltäglichen Gütern bis hin zu Versicherungsprodukten.
© ANDREAS FRIEDLE
AMUNDI CPR CLIMATE ACTION FONDS
76
schaftlichen Wettbewerb achten. Ein nachhaltiger Lebensstil muss auch bei der Veranlagung keine Ausnahme darstellen: Bei UNIQA stoßen insbesondere die nachhaltigen Fonds auf reges Interesse der Kundinnen und Kunden, der Absatz im Neugeschäft übersteigt bereits jenen der traditionellen Fonds.
VORSORGEN – FÜR SICH, DIE GESELLSCHAFT UND DIE UMWELT
Igor Richtmann leitet das UNIQA Vorsorgemanagement und den Spartenbereich der Personenversicherungen.
B
ei einer jüngst von UNIQA durchgeführten repräsentativen Befragung österreichischer Versicherungskunden zeigte sich ein klares Bild: Mehr als die Hälfte wollen künftig durch den Kauf von Produkten jene Unternehmen unterstützen, die nachhaltig wirtschaften, verantwortungsvoll mit ihren Mitarbeitenden umgehen, einen ethisch korrekten Umgang mit ihren Kundinnen und Kunden pflegen und auf einen moralisch wirt-
Um nach dem Erwerbsleben den gewohnten Lebensstandard halten zu können, braucht es eine lebenslange Pension. Die fondsgebundene Lebensversicherung UNIQA FlexSolution legt den Grundstein dafür und jeder, der sich für diese Vorsorge entscheidet, leistet quasi nebenbei einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft. Denn im Rahmen der fondsgebundenen Lebensversicherung können nachhaltige Fonds eingeschlossen werden, die den so genannten „ESG-Kriterien“ entsprechen. Das bedeutet, sie erfüllen die internationalen Standards in den Bereichen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Im Bereich der Veranlagung und Vorsorge bietet UNIQA dabei auf Wunsch „Amundi ESG Fonds“ an. Diese bieten mit ihren unterschiedlichen Nachhaltigkeitskriterien und Risikoklassen für jeden Anleger die passende Alternative – mit Schwerpunkten in den Bereichen Klima und Ethik sowie einem Nachhaltigkeits-Mix. PR
Die Zielsetzung des Fonds ist die aktive Bekämpfung des Klimawandels. Das Geld wird ausschließlich in Unternehmen angelegt, die sich stark für die Energiewende und die Bekämpfung des Klimawandels einsetzen. Die persönliche Vorsorge wächst somit im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Dieser ertragsorientierte Fonds ist mit dem österreichischen Umweltzeichen zertifiziert.
AMUNDI ETHIK FONDS
Mit dem Amundi Ethik Fonds ist es möglich, seiner Vorsorge einen stärkeren ethischen Charakter zu verleihen. Dieser Fonds investiert 30 Prozent in globale Aktien – das Kapital wird in Unternehmen und Staaten veranlagt, die im Einklang mit sozialer, humaner und ökologischer Verantwortung stehen.
AMUNDI INDEX SOLUTIONS MSCI WORLD SRI Damit investiert man in einen weltweit diversifizierten ESG-AktienIndexfonds (MSCI World SRI). Die dort notierten Unternehmen müssen die Mindeststandards für Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung (ESGRating) einhalten, sonst werden sie von diesem ertragsorientierten Indexfonds ausgeschlossen. Unsere Vertriebsmitarbeiter und -partner beraten Sie gerne zu nachhaltigen Veranlagungen im Rahmen von Versicherungsprodukten.
UNIQA ÖSTERREICH VERSICHERUNGEN AG Ing.-Etzel-Str. 9 6020 Innsbruck Tel.: 0512/53 32 663 Team Vorsorgemanagement, Leiter Igor Richtmann
www.uniqa.at
(Vorsorge – Pensionsvorsorge – Pensionsvorsorge mit fondsgebundener Veranlagung – Schon gewusst?)
UNTERSTÜTZUNG BEI DAS REZEPT FÜR IHRE IHRER PRAXISGRÜNDUNG FINANZIELLE GESUNDHEIT! Wir beraten ausschließlich Ärztinnen und Ärzte - und das seit über 40 Jahren. Mit uns sind alleJahren. Fragen rund umVorsprung Ihre Praxisgründung bestens gewappnet. und seitSie 40für Jahren. Das schafft durch Wissen - und das das seit über 40 Das schafft Vorsprung durch Wissen - und daszuzuIhrem IhremVorteil! Vorteil! Ergebnis ist ein ausgefeilter aufmaximalen den Sie sichKlientennutzen. verlassen können. Unser ressourcenreiches TeamPraxisgründungsplan, steht für bestes Service und
Erwarten Sie von uns ruhig mehr, denn wir sind die Spezialisten! v. li. Raimund Eller, Karin Fankhauser, Dr. Verena Maria Erian, Mag. Johannes Nikolaus Erian
Wir haben neue Räumlichkeiten Platz für Sie und für uns. Wer kommt,mit willmehr bleiben. Kostenlose Parkplätze direkt vor unserer Haustüre. Unser Team freut sich auf Sie.
Die Ärztespezialisten Kaiserjägerstraße 24 · 6020 Innsbruck Tel.: +43 512 59 8 59-0 · Fax: DW-25 info@aerztekanzlei.at www.aerztekanzlei.at Unsere Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8.00 Uhr - 12.00 Uhr und 13.00 Uhr - 17.00 Uhr Freitag 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr
www.aerztekanzlei.at
TEAM JÜNGER STEUERBERATER OG
eco.steuern
78
ENDSPURT 2021: STEUERSPARCHECKLISTE Alle Jahre wieder ... Machen Sie hier Ihren persönlichen Steuercheck 2021 und lesen Sie, wo Sie jetzt noch gestalten können. TEXT: VERENA MARIA ERIAN, RAIMUND ELLER
CHECK 1: GEWINN - UND STEUERPLANUNG 2021 Besonders Einnahmen-Ausgaben-Rechner können ihren Gewinn ganz einfach planen, indem zum Beispiel Einnahmen in das Folgejahr verschoben werden. Gegen Jahresende sollte das Timing der Rechnungslegung daher wohl überlegt sein. Zahlungseingänge, die erst nach dem 31. Dezember 2021 erfolgen, müssen erst ein Jahr später versteuert werden. Je nach Gewinnsituation kann mitunter auch eine Verschiebung in die andere Richtung Sinn machen. Auf Grund
der Coronasituation könnte das Jahr 2021 für so manchen Betrieb ein außergewöhnliches Jahr gewesen sein. Vor diesem Hintergrund kann eine Gewinnverschiebung, in welche Richtung auch immer, zur Glättung dieses „Ausreißerjahres“ heuer besonders angebracht sein.
CHECK 2: INVESTITIONEN VORZIEHEN
Für Investitionen im ersten Halbjahr kann die Abnutzung für ein ganzes Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Anschaffun-
gen nach dem 30. Juni schlagen mit einer Halbjahresabschreibung zu Buche. Das gilt auch dann, wenn die Inbetriebnahme erst am 31. Dezember erfolgt. » TIPP: Das Vorziehen von für Anfang 2022 geplanten Investitionen spätestens in den Dezember 2021 kann daher Steuervorteile bringen. Zudem kann das Wirtschaftsgut, von Ausnahmen abgesehen, dann auch noch für den 13-prozentigen Gewinnfreibetrag (siehe Check 7) herangezogen werden. Zudem gibt es seit 2020 die Möglichkeit einer degressiven Abschreibung in der Hö-
eco.steuern
he von bis zu 30 Prozent, unabhängig von der tatsächlichen Nutzungsdauer (15 % bei Anschaffung in der zweiten Jahreshälfte). Ebenso kann auch eine beschleunigte Gebäudeabschreibung von 7,5 Prozent im ersten Jahr statt wie bisher 2,5 Prozent in Anspruch genommen werden. Dieser Satz von 7,5 Prozent kann auch dann zur Anwendung kommen, wenn die Anschaffung bzw. die Fertigstellung erst im zweiten Halbjahr erfolgt.
CHECK 3: DIFFERENZIERTE BETRACHTUNGSWEISE BEI GERINGWERTIGEN WIRTSCHAFTSGÜTERN
Bis zum 31. Dezember 2019 konnten Investitionen bis 400 Euro unabhängig von der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer sofort zur Gänze abgeschrieben werden. Ab 2020 erhöhte sich dieser Grenzwert auf 800 Euro und ab 2022 sollen es dank der geplanten Steuerreform dann gar 1.000 Euro werden, die auch bei längerer betriebsgewöhnlicher Nutzungsdauer sofort im Zeitpunkt der Anschaffung voll und ganz steuerlich in Ansatz gebracht werden können. Vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll sein, solche geringwertigen Anschaffungen auf Jänner 2022 zu verschieben.
CHECK 4: SVA - BEITRÄGE STEUERWIRKSAM VORZIEHEN
Das können auch Einnahmen-Ausgaben-Rechner: Es besteht die Möglichkeit, bei der Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen einen Antrag auf Anpassung der Vorauszahlungen zu stellen. Dies ist insbesondere für Neugründer interessant, die nur mit dem Mindestbeitrag eingestuft wurden, tatsächlich aber schon ansehnliche Gewinne erzielen. Anstatt von einer Nachzahlung Jahre später böse überrascht zu werden, können Sie gemäß dem Ergebnis aus der Planungsrechnung gemäß Check 1 und 2 eine korrekte Einstufung noch für das laufende Jahr beantragen. Sollten die entsprechenden Vorschreibungen heuer nicht mehr ergehen, dann können Einnahmen-Ausgaben-Rechner den errechneten Betrag dennoch noch heuer steuerwirksam einzahlen. Das ist allemal besser als eine steuerunwirksame Rücklage für eine spätere Nachzahlung zu bunkern oder gar zum falschen Zeitpunkt eine unliebsame Überraschung zu erleben. Demgegenüber müssen Bilanzierer ja ohnehin eine Rückstellung bilden, die unabhängig vom Zahlungsfluss sowieso noch im betreffenden Jahr steuerwirksam ist.
CHECK 5: BEFREIUNG VON DER SOZIALVERSICHERUNG BIS 31. DEZEMBER 2021 BEANTRAGEN Konträr zu Check 4 kann es auch sein, dass SVS-Beiträge zur Gänze vermeidbar sind. Selbständige können sich für das gesamte Jahr 2021 noch rückwirkend von der Beitragspflicht zur Kranken- und Pensionsversicherung der SVS ausnehmen lassen, wenn: • die selbständigen Einnahmen insgesamt nicht über 30.000 Euro zu liegen kommen und • der jährliche Gewinn daraus nicht mehr als 5.710,32 Euro (ab 2022: 5.830,20 Euro) ausmacht. Zudem darf in den letzten fünf Kalenderjahren in der Regel nicht mehr als ein Jahr Sozialversicherungspflicht bestanden haben. Hinsichtlich der Krankenversicherung ist eine rückwirkende Befreiung nur dann möglich, wenn noch keine Leistungen aus der Krankenversicherung bezogen wurden. Der Antrag muss bis zum Jahresende eingebracht werden, damit er für das laufende Jahr noch gilt.
CHECK 6: BESTEHENDE GSVG BEFREIUNG CHECKEN
Hat man nun schon einen solchen Antrag gemäß Check 4 eingebracht und zeichnet sich ab, dass eine der Grenzen wider Erwarten überschritten wird, so kann dies bis zu acht Wochen nach Ergehen des maßgeblichen Steuerbescheides gemeldet werden. Erfolgt keine rechtzeitige Meldung, so kommt es zu einem Strafzuschlag von 9,3 Prozent. » TIPP: Ob so oder so – rechtzeitig melden zahlt sich aus.
CHECK 7: HOCHRECHNEN, INVESTIEREN UND 13 PROZENT KASSIEREN
Auf Basis der Planung und Maßnahmen gemäß Check 1, 2, 3 und 4 können Sie mit dem Gewinnfreibetrag (GFB) auch heuer wieder bis zu 13 Prozent Ihrer Gewinne steuerfrei lukrieren, wenn Sie entsprechend investieren. Alles, was Sie dazu brauchen, ist eine Berechnung von Ihrem Steuerberater. Dann heißt es nur noch investieren und kassieren. Begünstigt sind Neuanschaffungen abnutzbarer, körperlicher Anlagegüter (Ausnahmen: Luftfahrzeuge, PKW und Software) und bestimmte Wertpapiere. Weitere Voraussetzung ist die Einhaltung einer vierjährigen Behaltefrist. Das Wichtigste ist, dass die Investitionsgüter spätestens am 31. Dezember 2021 in Ihrem Betrieb bzw. die begünstigten Anlei-
hen jedenfalls spätestens am 31. Dezember 2021 auf Ihrem Depot sind.
CHECK 8: STEUERPLANUNG FÜR PAUSCHALIERER: BIS ZU 52,15 PROZENT STEUERFREI KASSIEREN
Kleinunternehmer mit einem Umsatz von jährlich maximal 35.000 Euro können seit 2020 ohne Nachweis der tatsächlichen Kosten unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 45 Prozent der Betriebseinnahmen pauschal als Ausgaben geltend machen. Bei Dienstleistungsbetrieben (Begriffsdefinition laut Verordnung) reduziert sich dieser Satz auf 20 Prozent. Der Grundfreibetrag von 13 Prozent steht auch hier zusätzlich zu, sodass bei dieser Variante dann 2021 mindestens 52,15 Prozent (bei Dienstleistern 30,40 %) steuerfrei bleiben können. Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung sowie Steuerberatungskosten können dabei zusätzlich in Ansatz gebracht werden. Wird die Kleinunternehmergrenze überschritten, so ist es möglich, die Ausgaben pauschal in Höhe von 12 Prozent der Einnahmen anzusetzen. Bei Tätigkeitsvergütungen an wesentlich beteiligte Gesellschafter, vermögensverwaltender, beratender (technisch oder kaufmännisch), schriftstellerischer, vortragender, wissenschaftlicher, unterrichtender oder erzieherischer Tätigkeit reduziert sich dieser Pauschalsatz auf 6 Prozent. Zusätzlich ist auch hier ein Gewinnfreibetrag in Höhe von 13 Prozent (maximal 3.900 Euro) möglich. Werden nun zuerst die 12 Prozent von den Einnahmen und vom Rest sodann nochmals 13 Prozent abgezogen, so ergeben sich daraus insgesamt 23,44 Prozent der Einnahmen, die so ganz legal jedenfalls steuerfrei bleiben. Eine Pauschalierung macht immer dann Sinn, wenn die tatsächlichen Ausgaben geringer sind als die pauschalen Ausgaben. » TIPP: Lassen Sie von Ihrem Steuerberater einen Günstigkeitsvergleich unter Berücksichtigung aller relevanten Aspekte machen. Dabei kann sich auch herausstellen, dass Sie mit dem Ansatz der Echtkosten günstiger fahren. Zudem ist zu bedenken, dass auch bei der Pauschalvariante ein Teil der Echtkosten zusätzlich als so genannte Werbungskosten von eventuellen Gehaltseinkünften abgesetzt werden kann. Dafür kommen insbesondere Fachliteratur, Mitgliedsbeiträge, Aus- und Fortbildungskosten sowie auch Kosten für eine doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten in Frage.
79
eco.steuern
CHECK 9: ELEKTROAUTOS – EIN GEWINN AUF GANZER LINIE Steht bei Ihnen eine Kaufentscheidung für ein neues Auto an, so empfehlen wir auch ein Elektroauto mit ins Kalkül zu ziehen. Elektroautos unterliegen weder der NoVA noch der motorbezogenen Versicherungssteuer. Zudem gibt es Förderungen für den Betrieb mit Ökostrom. Aber das absolute Highlight ist: Den Dienstnehmern können Elektroautos auf Betriebskosten steuerfrei (ohne abgabenpflichtigen Sachbezug) zur Verfügung gestellt werden. Interessant ist die Sache insbesondere dann, wenn die Gattin/der Gatte im Betrieb beschäftigt ist. Von diesem reinen Dienstnehmerfahrzeug ist dann zudem nicht einmal ein Privatanteil auszuscheiden. Bitte konsultieren Sie vor der konkreten Umsetzung unbedingt Ihren persönlichen Steuerberater.
CHECK 10: KILOMETERSTAND
80
Bitte notieren Sie am 31. Dezember 2021 den Kilometerstand Ihres Autos. Dies ist für steuerrelevante Berechnungen sehr nützlich. Damit kann für den Fall einer Steuerprüfung eine Prophylaxe zur Verteidigung der angesetzten Autokosten erfolgen.
CHECK 11: REISEKOSTEN
Dazu verwenden Sie am besten vorgefertigte Checklisten Ihres Steuerberaters. So können Sie sicherstellen, dass Ihnen auch wirklich nichts durch die Lappen geht. Auch Besorgungsfahrten, Fahrten zu Vorstellungsgesprächen und zum fachlichen Erfahrungsaustausch sowie zu Arbeitskreisen zur gemeinsamen Fortbildung mit Fachkollegen und Ähnliches sind beruflich bzw. betrieblich veranlasste Reisen. Solcherart informelle Fortbildungen haben in der „Corona-Ära“, sprich den Veranlagungsjahren 2020 und 2021, vermutlich zugenommen und sollten daher entsprechend dokumentiert und ebenso in Ansatz gebracht werden. Checken Sie, ob Sie hier auch wirklich keine Fahrt vergessen haben.
» TIPP: Um bei so genannten Mischreisen (z. B. einer beruflichen Reise wird ein Privaturlaub angehängt oder umgekehrt) den betrieblichen Teil steuerlich unterzubekommen, sollte die vorrangige berufliche Veranlassung sowie das Vorliegen getrennter Reiseabschnitte dokumentiert und belegt werden.
CHECK 12: SCHENKUNGEN MELDEN Schenkungen zwischen nahen Verwandten in einem Wert von mehr als 50.000 Euro innerhalb eines Jahres und zwischen Fremden von mehr als 15.000 Euro innerhalb von fünf Jahren sind meldepflichtig. Die Meldepflicht ist innerhalb von drei Monaten wahrzunehmen und trifft sowohl den Geschenkgeber als auch den Geschenknehmer. Bei Nichtmeldung kann es Strafen von bis zu 10 Prozent der Zuwendung setzen. Haben Sie eine solche Meldepflicht heuer übersehen, so können Sie innerhalb eines Jahres nach Ablauf der Meldefrist noch eine strafbefreiende Selbstanzeige einbringen.
CHECK 13: VERANLAGUNGS FREIBETRAG NÜTZEN
Steuerzahler, die ausschließlich über Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit verfügen, können pro Jahr bis zu 730 Euro außerhalb eines Dienstverhältnisses dazuverdienen, ohne dies in ihrer Steuererklärung angeben zu müssen. Haben solche Personen für Ihr Unternehmen Leistungen erbracht, so können Sie solche Rechnungen noch heuer begleichen, ohne dass es für den Empfänger zu einer Steuerbelastung kommt. » TIPP: Achten Sie auf eine korrekte Rechnungslegung zur steuerlichen Absetzbarkeit.
CHECK 14: WEIHNACHTSFEIER UND - GESCHENKE
Für Weihnachtsfeiern und andere Betriebsfeiern sowie für Betriebsausflüge können pro Mitarbeiter jährlich bis zu 365 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei abgesetzt werden. Zudem darf jeder Mitarbeiter pro Jahr Sachgeschenke im Wert von 186 Euro von seinem Dienstgeber steuerfrei im Rahmen von Feierlichkeiten entgegennehmen. » ACHTUNG! Bargeld ist ausgenommen. Lösung: Gutscheine. Eventuell kommt es hier auf Grund der aktuellen Lockdown-Situation auch noch, so wie im Vorjahr, zu erhöhten Grenzbeträgen bei Geschenken, um ein Kompensat zu eventuell gestrichenen Weihnachtsfeiern zu schaffen. Weiters ist die Bezahlung von Prämien für die Zukunftssicherung der Mitarbeiter (z .B. Er- und Ablebensversicherungen) bis zu 300 Euro pro Jahr und pro Mitarbeiter steuerfrei und voll betrieblich absetzbar. Es ist der Gleichheitsgrundsatz einzuhalten, das heißt, solche Zuwendungen können nur allen zusammen oder nach bestimmten Kriterien festgelegten Mitarbeitergruppen angeboten
werden. Ähnliches gilt für Direktzahlungen an Kindergärten und Kinderkrippen für die Kinder Ihrer Mitarbeiter. Hier liegt die Grenze bei jährlich 1.000 Euro pro Kind. » TIPP: Falls Sie an Prämien oder Gehaltserhöhungen denken, so empfiehlt es sich, damit noch etwas zuzuwarten. Laut Reformplänen soll 2022 eine Steuerfreiheit für Erfolgsbeteiligung von bis zu 3.000 Euro pro Mitarbeiter pro Jahr eingeführt werden. Ebenso könnte der aktuelle Lockdown auch nochmals eine Erhöhung des Grenzbetrages für abgabenfreie Geschenke und Gutscheine bringen.
CHECK 15: BETREUUNG UND AUSBILDUNG VON KINDERN
Auch dafür gibt es unter bestimmten Voraussetzungen einen steuerlichen Absetzposten von bis zu 1.320 Euro bei auswärtiger Berufsausbildung pro Kind und Jahr. Zudem kann mit dem sogenannten Kinderbonus Plus ohne Nachweis tatsächlicher Kosten ein Betrag von bis zu 1.500 Euro pro Kind (ab dem 18. Lebensjahr 500 Euro) als Absetzbetrag von der Gesamtsteuerbelastung in Abzug gebracht werden. Ab dem Jahr 2022 sind hier weitere Erhöhungen geplant.
CHECK 16: SPENDEN & CO – EXAKTE ANGABE VON NAMEN UND GEBURTSDATUM
Für Spenden, Kirchenbeiträge, Beiträge zur freiwilligen Weiterversicherung und zum Nachkauf von Versicherungszeiten gilt ein verpflichtender automatischer Datenaustausch zwischen der empfangenden Organisation und der Finanzverwaltung. Dazu müssen Sie Ihren Vor- und Zunamen sowie Ihr Geburtsdatum bei der Einzahlung bekannt geben. Da Ihr Name mit den Daten aus dem Melderegister abgeglichen wird, empfiehlt sich, die Schreibweise exakt jener auf dem aktuellen Meldezettel anzupassen. Via FinanzOnline besteht die Möglichkeit, sich schon vor Abgabe der Steuererklärung zu informieren, ob eine korrekte Datenübermittlung erfolgt ist. Kontrollieren Sie daher rechtzeitig, ob alles korrekt gemeldet wurde, und veranlassen Sie bei der empfangenden Organisation gegebenenfalls entsprechende Korrekturen. Bei Spenden ist es das Einfachste, wenn Sie diese vom Betriebskonto tätigen. Damit liegen Betriebsausgaben vor, die nach wie vor im Zuge der Buchhaltung ohne das ganze Brimborium steuerwirksam geltend gemacht werden können.
1 gute Entscheidung 50,– Euro monatlich 100 % Zukunft Jetzt zeitgemäß mit Fonds von Union Investment sparen und limitierten adidas Rucksack mit Parley Ocean Plastic® sichern.* Teilnahmebedingungen unter www.sparen-mit-zukunft.at Aus Geld Zukunft machen
Einfach QR-Code scannen und informieren
* Der adidas Rucksack ist Primeblue, ein High-Performance-Material mit mindestens 50 % Parley Ocean Plastic® – recyceltem Plastikmüll, der in Küstenregionen gesammelt wird, bevor er die Ozeane verschmutzen kann. Die vorliegende Marketingmitteilung dient ausschließlich der unverbindlichen Information. Die Inhalte stellen weder ein Angebot bzw. eine Einladung zur Stellung eines Anbots von Finanzinstrumenten noch eine Empfehlung zum Kauf/Verkauf, oder eine sonstige vermögensbezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar und dienen überdies nicht als Ersatz für eine umfassende Risikoaufklärung bzw. individuelle, fachgerechte Beratung. Union Investment Austria GmbH und Volksbank Tirol AG übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität oder Genauigkeit der Angaben und Inhalte. Druckfehler und Irrtümer vorbehalten. Die Verkaufsunterlagen zu den Fonds (Verkaufsprospekte, Anlagebedingungen, aktuelle Jahres- und Halbjahresberichte und wesentliche Anlegerinformationen/KID) finden Sie in deutscher Sprache auf www.union-investment.at. Union Investment-Fondssparen umfasst keine Spareinlagen gemäß BWG | Informationen zur Offenlegungsverordnung unter:https://ui-link.de/offenlegungsverordnung | Werbung | Stand: Dezember 2021
Tel. 050 566 www.volksbank.tirol
Die Anlage-Bank für Tirol.
eco.steuern
CHECK 17: REGISTRIERKASSE ABSCHLIESSEN: JAHRESBELEG MIT APP HERUNTERLADEN Der Monatsbeleg Dezember muss ausgedruckt, aufbewahrt und mit der Belegcheck-App geprüft werden. Bei dieser Gelegenheit können Sie auch gleich die ebenso vorgeschriebene Quartalssicherung des letzten Quartals 2021 auf einem externen Datenträger vornehmen. » ACHTUNG! Der Monatsbeleg Dezember muss mit dem Jahresbeleg übereinstimmen.
CHECK 18: RÜCKFÜHRUNG VON DEPOTS AUS DER SCHWEIZ UND AUS LIECHTENSTEIN
82
Nachdem die Steuerabkommen zur anonymen Abgeltung von Zinserträgen nicht mehr bestehen, empfehlen wir zur Vermeidung einer steuerlich komplexen Veranlagung eine Rückholung nach Österreich. Passiert dies noch 2021, so können Sie ab 2022 wieder von der automatischen Endbesteuerungswirkung profitieren. Bei sehr profitablen Veranlagungen im Ausland ist allerdings schon zu hinterfragen, ob der Verbleib der Papiere im Ausland trotz des erhöhten Verwaltungsaufwandes nicht doch lukrativer ist.
CHECK 19: VERLUSTBETEILIGUNGEN
Verluste aus einer Beteiligung an einem verlustbringenden Unternehmen oder einer Liegenschaftsvermietung (Vorsorgewohnung, Bauherrenmodell) können steuerlich abgesetzt werden. » ACHTUNG! Die Finanz akzeptiert nicht alles! » TIPP: Suchen Sie sich ein Projekt nach Ihrem Geschmack und lassen Sie es vor Unterfertigung auf steuerliche Verwertbarkeit prüfen. Bedenken Sie bitte auch, dass es sich hier um Veranlagungen mit erheblichem Risiko handeln kann.
CHECK 20: SPEKULIEREN MIT STEUERTIMING
Kursgewinne aus Kapitalveranlagungen sind steuerpflichtig. Kursverluste können ausschließlich mit Gewinnen aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Ein Vortrag ins nächste Jahr ist nicht möglich. » TIPP: Bei bereits eingetretenen oder absehbaren Kursverlusten ist eine gezielte Kompensation mit Kursgewinnen im selben Jahr möglich.
Die Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian und StB Raimund Eller
CHECK 21: GELD VOM FINANZAMT ZURÜCKHOLEN Steuerpflichtige, die keine selbständigen Einkünfte haben und nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, können freiwillig eine so genannte Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt einreichen und so steuerlich absetzbare Ausgaben geltend machen. Dies kann bis zu fünf Jahre rückwirkend gemacht werden. Somit ist es heuer noch möglich, bis ins Jahr 2016 zurück Steuern zu sparen. Ebenso besteht die Möglichkeit einer sogenannten automatischen Arbeitnehmerveranlagung. Sollten Sie davon betroffen sein und stellt sich nun heraus, dass es darüber hinaus noch weitere steuerlich absetzbare Positionen gibt, so können Sie innerhalb einer Frist von fünf Jahren dennoch ohne Weiteres eine Steuererklärung abgeben. In der Folge entscheidet die Finanz unter Berücksichtigung Ihrer Erklärung automatisch neu.
CHECK 22: KRYPTOWÄHRUNGEN
Ganz egal ob Mining, Staking oder Lending, die diesbezügliche Erfassung in der Steuererklärung ist komplex. Um hier stundenlange Vorbereitungen und Berechnungen und vor allem auch Steuerberatungskosten zu sparen, empfehlen wir Ihnen, das Service von Blockbit oder ähnlichen Anbietern in Anspruch zu nehmen. Dort bekommen Sie eine Jahresaufstellung zur direkten Übernahme in die Steuererklärung, die Sie bitte Ihrem Steuerberater weitergeben.
CHECK 23: ENERGIEABGABEN VERGÜTUNG FÜR PRODUKTIONS BETRIEBE 2021 endet die Frist für die Antragstellung betreffend das Jahr 2016. Diesbezüglich besteht somit noch heuer Handlungsbedarf.
CHECK 24: BALLAST ABWERFEN
Am 31. Dezember 2021 endet die siebenjährige Aufbewahrungspflicht für die Unterlagen des Jahres 2014. Das heißt, beim Weihnachtsputz können Sie jedenfalls aus steuerlicher Sicht alle Unterlagen aus 2013 und Vorjahren entsorgen. Gleich nach Silvester können Sie dann auch mit den 2014er-Belegen ein Feuerwerk machen. » ACHTUNG! Ausnahme: Für Unterlagen zu Immobilien gilt eine zwölfjährige Behaltefrist. In bestimmten Fällen (nichtunternehmerische Grundstücksteile mit Vorsteuerabzug) verlängert sich diese Frist sogar auf 22 Jahre. Immobilienunterlagen betreffend Neuzugänge, Instandhaltungen und Instandsetzungen ab 2002 sind auf Grund der Immobilienertragsteuer im Privatbereich gar für immer und ewig aufzubewahren. Zudem müssen Unterlagen für ein anhängiges behördliches oder gerichtliches Verfahren jedenfalls auch weiterhin aufbewahrt werden. » TIPP: Darüber hinaus sollten freilich wichtige Geschäftsunterlagen wie Kauf-, Miet-, und Leasingverträge mit aktueller Gültigkeit, Lohn- und Gehaltsverrechnungsunterlagen etc. aufbewahrt werden.
gemeinsam besser leben
Gemeinsam besser wachsen. Mehr als Versicherungslösungen für mein Unternehmen.
uniqa.at
BIKELEASING - SERVICE GMBH
84
MIT DEM RAD ZUR ARBEIT! Dienstradleasing mit dem Bikeleasing-Service: Jetzt auch in Österreich.
G
ute Nachrichten für Dienstnehmer und Dienstgeber in Österreich: Der Bikeleasing-Service ist seit diesem Jahr auch in Österreich aktiv. Als einer der großen und etablierten Dienstrad-Anbieter Deutschlands möchten wir noch mehr Angestellte dazu bringen, für ihren Arbeitsweg die umweltfreundliche und gesunde Alter-
native zu nutzen. Denn wir sind überzeugt, dass die Nutzung eines Dienstrades anstelle eines Firmenwagens einen großen Beitrag zu einem nachhaltigen Verkehrskonzept leisten kann. Wenn dadurch nun auch österreichische Dienstnehmer die Möglichkeit haben, ihr Traum-(E-)Bike zu besonders guten Konditionen zu leasen, und alle Beteiligten ei-
nen zuverlässigen Schutz unserer starken Versicherungspartner ERGO und Merkur genießen, entsteht eine Win-win-Situation.
RAHMENBEDINGUNGEN
Grundsätzlich gelten in Österreich seit der 2020 in Kraft getretenen Steuerreform ähnliche Voraussetzungen wie zuvor schon in
BIKELEASING - SERVICE GMBH
BIKELEASING LEISTE T EINEN WERT VOLLEN B E I T R A G Z U R M O B I L I TÄT S W E N D E .
Deutschland für das Dienstrad-Modell. Bei der Ausgestaltung der Konditionen gibt es in Österreich für Firmen verschiedene Möglichkeiten, die Vorteile von Diensträdern zu nutzen und ihren Mitarbeitern zu überlassen: als Gehaltsumwandlung, bei der der Dienstgeber einen Teil des monatlichen Gehaltes für die Leasingraten einbehält und der Dienstnehmer so einen Steuervorteil erwirkt, oder als Gehaltsextra, bei dem der Dienstgeber die Leasingraten übernimmt.
VORTEILE DES DIENSTRAD - LEASINGS
Für Dienstgeber bietet das Bikeleasing-Service-Angebot einen wertvollen Benefit bei der Rekrutierung und Bindung von qualifizierten Mitarbeitern. Es verschafft ihnen somit einen Wettbewerbsvorteil. Durch die zusätzliche einzigartige, vollumfassende Arbeitgeber-Ausfallversicherung (AGAV) trägt der Dienstgeber dabei keinerlei Risiken. Das Dienstrad mit dem Bikeleasing-Service ist vollkommen kostenfrei, aufwandsarm und liquiditätsneutral. Die Räder werden nicht in das Anlagevermögen aufgenommen und müssen dadurch nicht abgeschrieben werden. Neben den steuerlichen Vorteilen profitieren Dienstgeber außerdem von gesünderen Mitarbeitern und leisten einen Beitrag zu einem nachhaltigen Unternehmen. Arbeitnehmern ermöglicht das Bikeleasing-Service-Konzept die Finanzierung eines Fahrrads oder E-Bikes zu Konditionen, die günstiger sind als bei einem Privatkauf. Aufgrund entsprechender Steuervorteile sind Ersparnisse von bis zu 36 Prozent dabei keine Seltenheit. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sämtliches Zubehör, das fest mit dem Rad verbunden werden kann, mit in das Leasing aufzunehmen. Das Fahrrad kann sowohl für den Arbeitsweg als auch privat genutzt und zum Ende der Leasingzeit entweder übernommen oder gegen ein neues Fahrrad getauscht werden. Dank der Premium-Versicherung ist der Dienstnehmer während der Laufzeit bestens gegen (Teile-)Diebstahl, Unfallschäden, Sturzschäden oder Vandalismus abgesichert. Da diese Versicherung automatisch in jedem Leasing enthalten ist, muss keine separate Zusatzversicherung abgeschlossen werden.
85
Und auch Händler profitieren maßgeblich durch das Bikeleasing-Angebot. Das gesamte Bikeleasing-Service-Angebot ist kostenlos. Sie erhalten somit 100 Prozent des Verkaufspreises, da keine Provisionszahlungen anfallen. Aufgrund der Kundenkonzentration, der Publizierung als Partnerhändler in der Bikeleasing-Service-Händlerübersicht sowie des Verkaufs hochwertiger Räder ist zusätzlich eine Umsatzsteigerung zu erwarten. Auch ist es Händlern möglich, ihre Vorführ-, Miet- und Testräder inklusive eines Vollkaskoschutzes zu leasen. PR
BIKELEASING SERVICE GMBH Niederlassung Österreich Grabenweg 68 6020 Innsbruck Tel.: 0512/219 32-100 info@bikeleasing.at
www.bikeleasing.at
Als starkes Team möchten wir zusammen mit Dienstgebern und -nehmern sowie Händlern mehr Menschen von den Vorteilen unseres Dienstrad-Konzeptes überzeugen. So wollen wir einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten und dabei helfen, die Umwelt zu entlasten. Wir möchten Nachhaltigkeit aktiv mitgestalten und das Klima schützen. Sie möchten das auch? Dann kontaktieren Sie uns und satteln jetzt um!
eco.steuern
FACHKRÄFTEMANGEL UND 2G-REGEL MACHEN TOURISMUSBRANCHE ZU SCHAFFEN Der heimische Tourismus hat für die bevorstehende Wintersaison keine allzu großen Hoffnungen. Der diesjährige Tourismusbarometer – eine Umfrage von Deloitte zusammen mit der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) – zeigt deutlich, wie stark sich der akute Arbeitskräftemangel in der Hotellerie und Gastronomie zuspitzt. Zudem rechnet der Tourismussektor aufgrund der verschärften Coronaregeln und der anhaltenden Gesundheitskrise in den kommenden Monaten mit erheblichen Umsatzeinbußen. TEXT: ANDREAS KAPFERER
86
D
as Beratungsunternehmen Deloitte untersucht mit dem Tourismusbarometer jährlich die aktuelle Stimmungslage in der Branche. Heuer haben im Herbst 470 Unternehmerinnen und Unternehmer aus ganz Österreich an der Umfrage teilgenommen und ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage geteilt: Zwar verbesserte sich der Tourismusbarometer nach Schulnotensystem von 3,6 auf 3,1, allerdings bereitet besonders der akute Fachkräftemangel den heimischen Touristikerinnen und Touristikern große Sorgen. Laut Studie suchen derzeit 84 Prozent der Beherbergungsbetriebe sowie fast zwei
Drittel der Gastronomie- und Freizeitinfrastrukturbetriebe nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die große Mehrheit der Ferienhotellerie (91 Prozent) hegt Bedenken, dass sich die Situation in der anstehenden Wintersaison noch weiter verschärft, im Städtetourismus sind es 86 Prozent. Um dem Personalmangel nun nachhaltig entgegenzuwirken, müssen zeitnah Maßnahmen gesetzt werden. Mögliche Schritte sind die Attraktivierung des Berufsbildes, die Rückholung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Tourismussektor, aber auch die verstärkte Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte.
TOURISMUSBRANCHE BEFÜRCHTET UMSATZEINBUSSEN Die Sommersaison war im Großen und Ganzen akzeptabel – die Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr ist vor allem im Beherbergungssektor am Land spürbar. Im Bundesländerranking gibt es allerdings deutliche Unterschiede. Der Sommer 2021 lief im Burgenland und in Kärnten am besten, Wien schneidet am schlechtesten ab. Für die Wintersaison 2021/2022 geht die Mehrheit davon aus, dass die Umsätze noch deutlich unter den Werten des Vor-Corona-Niveaus liegen werden. Die Unsicherheit vor der anstehenden Wintersaison ist auf-
grund der anhaltenden Gesundheitskrise und des neuerlichen Lockdowns hoch. Zweifellos geht die 2G-Regel für den Tourismussektor mit zahlreichen Herausforderungen und Unsicherheiten einher. In Anbetracht der derzeit rasch steigenden Zahlen an COVID-19-Infizierten ist diese Maßnahme aber nachvollziehbar. Spannend ist: Rund ein Drittel der befragten Tourismusbetriebe hätte für die kommende Wintersaison auch ohne allgemeine Pflicht die 2G-Regel eingeführt. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gaben im Rahmen der Umfrage zu bedenken, dass die 2G-Regel insbesondere Familien mit ungeimpften, nicht genesenen Jugendlichen von einem Urlaub abhalten könnte. Um die zu erwartenden Umsatzrückgänge zu ersetzen bzw. abzufedern, stellt sich nun wieder die Frage nach finanziellen Unterstützungsleistungen vom Staat. Im Hinblick darauf wurde bereits angekündigt, dass der Verlustersatz und der Ausfallsbonus bis März 2022 verlängert werden. Weitere Wirtschaftshilfen wie Härtefallfonds, NPO-Fonds und der Veranstalterschutzschirm sollen ebenfalls bis März 2022 verlängert werden. Stark verändert hat sich im Sommer 2021 das Buchungsverhalten von Gästen in Beherbergungsunternehmen: Zunehmend mehr
© DELOITTE/FEELIMAGE
eco.steuern
Andreas Kapferer, Partner bei Deloitte Tirol
Buchungen wurden kurzfristig getätigt – ein durch die Coronakrise verstärkter Trend. Heimische Touristikerinnen und Touristiker verfolgen jedenfalls das Ziel, die angestrebten Preise zu erreichen. Das funktioniert bei kurzfristigen Buchungen am Land deutlich besser als in der Stadt. Mehr als die Hälfte der Landbetriebe (52 Prozent) schaffen es, bei kurzfristigen Buchungen Preissteigerungen durchzusetzen. Zum Vergleich: In Beherbergungsunternehmen in der Stadt gelingt das lediglich 22 Prozent.
ben aufgrund der unsicheren Gesamtlage derzeit etwas gedämpft ist. Rund die Hälfte der Befragten wird Investitionen in den Jahren 2021/2022 nicht wie ursprünglich geplant durchführen. Zahlreiche Investitionen, die für 2021/2022 vorgesehen waren, wurden aber offenbar schon vorgezogen: Die Investitionsprämie war ein wichtiger Impuls und hat beispielsweise fast ein Fünftel der Touristikerinnen und Touristiker dazu bewogen, während der Corona-Pandemie zu investieren. Zusammenfassend lautet das Fazit der Studie: Die Engpässe bei den Arbeitskräften zehren an den heimischen Touristikerinnen und Touristikern. Dem Fachkräftemangel muss nun dringend mit effizienten Maßnahmen entgegengewirkt werden. Die Coronaregeln beschäftigen die Branche – nach der Verschärfung Anfang November – mehr denn je. Der neuerliche Lockdown und die anhaltende Gesundheitskrise dürften sich auf die Buchungslage über die Wintersaison erheblich auswirken, selbst wenn eine Öffnung der Betriebe wieder möglich ist. Die bereits zugesagten staatlichen Unterstützungsleistungen bis März 2022 sind angesichts der gravierenden Unsicherheiten notwendig. www.deloitte.at/tirol
COVID - 19 - UNTERSTÜTZUNGS MASSNAHMEN: BREITE ANNAHME UND SCHNELLE WIRKUNG
Aufgrund der Coronakrise ist die Eigenkapitalquote bei knapp der Hälfte der befragten Unternehmen gesunken. Die Mehrheit der Unterkunftsbetriebe (53 Prozent) und Gastronomie- und Freizeitinfrastrukturbetriebe (59 Prozent) verzeichneten 2020 ein negatives Jahresergebnis. Die staatlichen COVID-19-Unterstützungsmaßnahmen waren daher zweifellos dringend erforderlich: Beinahe alle befragten heimischen Touristikerinnen und Touristiker haben die angebotenen staatlichen Corona-Hilfsmaßnahmen genutzt. Die Kurzarbeit, der Umsatzersatz sowie der Fixkostenzuschuss wurden von den Betrieben am häufigsten genutzt. Aus der Umfrage geht zudem hervor, dass die Investitionslust unter den befragten BetrieZwar verbesserte sich der Tourismusbarometer nach Schulnotensystem von 3,6 auf 3,1, allerdings bereitet besonders der akute Fachkräftemangel den heimischen Touristikerinnen und Touristikern große Sorgen.
TOURISMUSBAROMETER 2021 Mit dem Tourismusbarometer analysieren Deloitte und die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) jährlich die Stimmung in der heimischen Tourismusbranche. Im Rahmen der diesjährigen Studie haben im Herbst 470 Unternehmen österreichweit ihre Meinung geteilt. Das Ergebnis: Der Tourismusindex verbesserte sich nach Schulnotensystem leicht von 3,6 auf 3,1. Von echtem Optimismus ist man aber noch weit entfernt. Die gesamte Studie steht unter https://www2.deloitte.com/at/ de/seiten/ueber-deloitte/artikel/ tourismusbarometer.html zum Download bereit.
87
© TOM BAUSE
MOBILITÄ
auto & motor
88
Der batterieelektrische Citroën Ë-C4 ist perfekt für den Alltag und macht auch sonst allerhand mit. Der Elektrofranzose ist ab rund 36.000 Euro zu haben – in dem Fall ohne den Dachaufbau, der für Naturabenteurer jedoch eine echte Empfehlung ist. Der kommt von Björn Bettermanns Dachzeltverleih aus Innsbruck, der für fast jede individuelle Lösung zu haben ist. www.dachzeltverleih.at
PUNKTLANDUNG Zugegeben, die Schreibweise des neuen elektrischen Citroën Ë-C4 kann mit den ganzen Punkten auf den Es optisch etwas komisch anmuten, aber irgendwie passt’s ganz gut, weil wir dem Auto in vielen Bereichen ganz viele Pluspunkte abgewinnen können. Punktemäßige Punktlandung quasi. Uns gefällt der Franzose mit seiner erhöhten Karosserieform und der fließenden Linienführung schon von außen, vor allem deshalb, weil die Designs vieler anderer immer kantiger werden. Innen zeigt sich der Ë-C4 gleichsam komfortabel und individuell und – elektrotypisch – extrem laufruhig. Der Elektro-Citroën bringt eine Leistung von 136 PS mit, die 50-kWh-Batterie erlaubt eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern laut WTLP. Für die Extraportion Komfort sorgt nun auch eine Sitzheizung, die zwar die Reichweite etwas drückt, dafür ist’s am Popo schön warm. Vor allem im Winter gilt es hier Prioritäten zu setzen. Wir haben es ja gern warm ...
eco.mobil
© TOM BAUSE
erfolgs.geschichten
LAUFRUNDE Der neue Dacia Jogger ist ein echter Allrounder und macht nicht nur in der Stadt eine gute Figur, sondern überzeugt durchaus auch mit Offroad-Qualitäten. Bereits in der Basisausstattung hat er ziemlich viele Features und ein zeitgemäß hohes Sicherheitsniveau mit an Bord. Und das zu einem echt attraktiven Preis. Die fünfsitzige Variante mit dem vollständig neuen Benzinmotor TCe 110 kombiniert mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe und 110 PS startet bereits bei 14.990 Euro, der Siebensitzer bei 15.790 Euro. Im 4,55 Meter langen Jogger findet eine Familie bequem Platz, der Kofferraum steckt mit bis zu 1.819 Litern ebenso einiges weg. Der neue Dacia joggt im März zu den Händlern.
RUNDUM AUFGEHÜBSCHT Ford hat seine Focus-Baureihe einer umfangreichen Aufwertung unterzogen. Beim Außendesign wurde leicht nachgeschärft, die Assistenz- und Konnektivitätsfunktionen wurden technologisch noch weiter modernisiert und Limousine wie Kombi für Fahrer und Passagiere alles in allem noch angenehmer, komfortabler und sicherer gemacht. Jede Ausstattungslinie kommt dabei mit speziellen Designmerkmalen daher, als Antriebsversionen stehen zwei Benzinmotoren mit 100 und 125 PS, zwei Hybridvarianten (1.0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner in Kombi mit einem BISG-Starter-Gernerator) mit 125 und 155 PS sowie zwei EcoBlue-Diesel mit 120 und 150 PS zur Wahl. Der Einstiegspreis für die Benzinlimousine liegt bei 23.300 Euro, beim Turnier bei 24.500 Euro.
FOTOS (WENN NICHT ANDERS VERMERKT): HERSTELLER
Autopark-Chef Mag. Michael Mayr mit Sabine Moser, Firmenkundenbetreuerin der Hypo Tirol
Investition als Turbo Mit viel Fleiß und Einsatz hat sich der Autopark zu einem der größten Autohäuser Österreichs entwickelt und mit der Eröffnung des Volvo Cube erst kürzlich ein Statement gesetzt. Die Erfolgsgeschichte beginnt im Jahr 1923 als erster Ford-Händler Österreichs. 2002 übernahm Autoprofi Mag. Michael Mayr die Geschäftsführung. Er schafft es bis heute, mit seiner einzigartigen Mitarbeiter-Crew den Ruf des Autoparks auf Hochglanz zu polieren und das Vertrauen von Kunden wie Geschäftspartnern zu gewinnen. Mit viel Mut und konsequentem Nach-vorne-Arbeiten knackte der Autopark 2019 mit seinen Standorten Innsbruck, Vomp, Wörgl, Kirchdorf und Pfaffenhofen die 100-Millionen-Euro-Umsatzgrenze. „Wir haben das Geld, das wir verdient haben, stets wieder investiert – in neue Standorte, neue Abteilungen, Maschinen oder Schauräume oder zuletzt in den Bau des Volvo Cube. Das hat sich bis dato immer gelohnt“, resümiert Geschäftsführer Mag. Michael Mayr und ergänzt: „Es sind besondere Menschen, die an diesen Erfolgen teilhaben. Dazu zählen natürlich auch unsere treuen Kunden. Schlussendlich ist Erfolg immer Teamarbeit. So ist das Autopark-Team inzwischen auf über 230 Mitarbeiter angewachsen. 230 bemerkenswerte Menschen, denen tagtäglich eines am Herzen liegt: das Wohl und die Mobilität der Autopark-Kunden.“ Eine besondere Partnerschaft verbindet der Autopark auch mit der Hypo Tirol Bank. „Mit der Finanzierung des Betriebs hat die Tiroler Landesbank den Grundstein für meine Selbstständigkeit gelegt. Über all die Jahre war die Hypo Tirol ein fairer Partner für unser Tiroler Unternehmen, geprägt von gegenseitigem Vertrauen“, schätzt Michael Mayr die Jahrzehnte währende Zusammenarbeit sehr. PR
89
eco.mobil
NACHGESCHÄRFT
90
Audi hat seinem Flaggschiff ein deutlich stärkeres Profil gegeben und den A8 vor allem an der Front und am Heck ordentlich nachgeschärft. Das lässt ihn mit seinen 5,2 Metern noch satter am Boden stehen und unterstreicht seine Souveränität. Innen hat man dafür entsprechend abgerüstet und als Gestaltungsmittel die Reduktion gewählt. Die Formensprache ist zurückhaltend und sorgt für einen feinen Loungecharakter. Platz genug ist ja im Innenraum. Dass an technischen Innovationen alles mit dabei ist, was aktuell geht, versteht sich fast von selbst. Der aufgewertete Audi A8 ist in fünf Motorisierungen von 286 bis 460 PS erhältlich, eingestiegen wird knapp unter 100.000 Euro.
„ICH GL AUBE AN DA S PFERD. DA S AUTOMOBIL I S T E I N E V O R Ü B E R G E H E N D E E R S C H E I N U N G .“ KAISER WILHELM II., LAG KNAPP DANEBEN
NEUDEFINITION Mit seinem EV6 hebt Kia die Elektromobilität auf ein neues Level und bringt einen reichweitenstarken Stromer mit 800-Volt-Schnellladefähigkeit und echt lässigem Design in den Crossover-SUVMarkt. Der knapp 4,70 Meter lange EV6 ist der erste Kia, der auf der neuen und speziell für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEV) konzipierten Plattform des Unternehmens basiert. Konsequent elektrisch eben und das merkt man. Das Leistungsspektrum liegt zwischen 170 und satten 585 PS, die Elektropower reicht für bis zu 528 Kilometer Reichweite. Einstiegspreis: 43.990 Euro.
MUTIG UND KLAR Im September feierte die jüngste Astra-Generation von Opel mit dem Fünftürer ihre Weltpremiere. Kürzlich folgte der Sports Tourer nach. Und der ist ziemlich stylisch und sportlich geworden. Und geräumig. Außerdem wird die Kombiversion des Kompaktklassen-Bestsellers direkt ab Verkaufsstart als Plug-in-Hybrid erhältlich und damit der erste elektrifizierte Kombi der Marke sein. Auch abseits davon fährt Opel bei den Antrieben mit hocheffizienten Benzin- und Dieseltriebwerken zwischen 110 und 225 PS das volle Programm auf. Wie der Fünftürer ist auch der Tourer ein echtes Design-Statement und der erste Opel-Kombi, der die neue mutige, klare Designphilosophie der Marke aufnimmt. Clever ist der justierbare Intelli-Space-Ladeboden für eine flexible Gepäckraumnutzung. Die Limousine kommt Anfang 2022 ab 22.500 Euro zu den Händlern, der Kombi soll dann im Sommer folgen.
Der neue Taigo Ab sofort bestellbar
Character. Everyday. Der neue Taigo. Für alle, die ihre eigenen Trends setzen. Die sich nicht verändern lassen, sondern lieber selbst etwas bewegen. Die nicht nur Stil zeigen, sondern Charakter. Und die selbst im Alltag das Außergewöhnliche finden. Verbrauch: 5,5 – 6,9 l/100 km. CO₂-Emission: 124 - 156 g/km. Symbolfoto. Stand 10/2021.
Porsche Innsbruck-Haller Strasse Haller Straße 165, 6020 Innsbruck, Tel.+43 512 24 23 0 Porsche Innsbruck-Mitterweg Mitterweg 26-27, 6020 Innsbruck, Tel. +43 512 227 550 www.porscheinnsbruck.at
eco.mobil
ALL THAT JAZZ Während Hybridmodelle bei anderen Fahrzeugherstellern erst in den letzten Jahren Teil der Produktpalette geworden sind, hat Honda bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten Elektro- mit Verbrennungsmotoren kombiniert und spielt dementsprechend in diesem Segment eindeutig vorne mit. TEXT: FELIX KASSEROLER // FOTOS: TOM BAUSE
92
I
nsbesondere der neue Honda Jazz – in unserem Fall in der Crosstar-Variante – hat es in sich, nicht zuletzt aufgrund des aus dem Honda CR-V bekannten 3-Motoren-Gespanns, das beim Jazz für die notwendige Vorwärtskraft sorgt. Während früher nebenher noch Verbrenneralternativen des Jazz angeboten wurden, gibt es die neueste Auflage nur noch als Hybrid.
EINZIGARTIG
Zwar lässt der klingende Namenszusatz „Crosstar“ vermuten, dass es sich bei dieser Variante des neuen Honda Jazz um einen
Geländewagen handelt, doch so ist es nicht. Trotz der in dunklem Plastik angebrachten Stoßstangen vorne und hinten und den weiteren schwarzen vermeintlichen Offroad-Applikationen bleibt der Japaner ein Stadtauto. Ein sehr gutes. Denn fahren lässt sich das wohl als B-SUV zu bezeichnende Gefährt einwandfrei, sowohl innerorts als auch auf der Landstraße, und das mit einem Verbrauch von gerade einmal 4,8 Litern auf 100 Kilometer. Grund für diesen niedrigen Wert ist das erwähnte 3-Motoren-Gespann, bestehend aus einem 1,5-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor in Kombination mit zwei Elektromoto-
ren. Warnung an dieser Stelle: Jetzt wird’s technisch. Hauptaufgabe des Benzinmotors ist im Groben das Fungieren als Generator für den zweiten Elektromotor, der wiederum Strom für den ersten Elektromotor – den eigentlichen Star der Show – liefert. Im Ergebnis ergibt das eine Leistung von 80 kW (109 PS) sowie ein maximales Drehmoment von 253 Newtonmetern, die mittels eines stufenlosen CVT-Getriebes auf die beiden Vorderräder übertragen werden. Einzigartig an der Antriebstechnik von Honda ist, dass sich der Benziner – sofern zusätzliche Power insbesondere ab einer höheren Ge-
eco.mobil
T R O T Z S E I N E R R E L AT I V G E R I N G E N A B M E S S U N G E N , INSBESONDERE DER L ÄNGE VON GER ADE EINMAL K N A P P Ü B E R V I E R M E T E R N , W E I S T D E R C R O S S TA R E I N G R O S S Z Ü G I G E S P L AT Z A N G E B O T S O W O H L I M F O N D B E R E I C H A L S A U C H I M KO F F E R R A U M A U F.
schwindigkeit benötigt wird – automatisch hinzuschaltet und selbst die Räder antreibt. Der Innenraum präsentiert sich funktional und fahrerorientiert. Beim Einsteigen fällt unmittelbar das zentrierte, neun Zoll große Touchscreen-Infotainmentsystem ins Auge, das sich einwandfrei und kinderleicht bedienen lässt. Pluspunkte gibt es überdies für die beiden Knöpfe am linken Seitenrand, mit denen man entweder einen Schritt im Menü zurück oder überhaupt zum Startmenü gelangt. Die kommen gerade dann recht, wenn man sich in den Tiefen des Feature-Dschungels verlaufen hat. Ansonsten besticht das Interieur des Honda Jazz Crosstar durch wasserabweisende Textilien, das multifunktionale Lederlenkrad sowie das hervorragende Premium-Soundsystem mit acht Lautsprechern und einem Subwoofer.
STICHWORT: MAGIC SEATS
Trotz seiner relativ geringen Abmessungen, insbesondere der Länge von gerade einmal knapp über vier Metern, weist der Crosstar ein großzügiges Platzangebot sowohl im Fondbereich als auch im Kofferraum auf. Während großgewachsene Personen in vergleichbaren Modellen auf der zweiten Sitzreihe nur mäßig komfortabel sitzen, ist im Jazz eine Personengröße von bis zu 1,85 Metern sowohl vorne als auch hinten absolut kein Problem. Auch das Laderaumvolumen ist mit 298 Litern recht passabel. Dank der von Honda patentierten sogenannten Ma-
gic Seats lässt sich dieses auf bis zu 1.199 Liter vergrößern. Dabei können die Sitze wie bei den meisten anderen Autos nach vorne umgeklappt werden, senken dabei jedoch zusätzlich die Sitzflächen ein wenig ab und vergrößern dadurch das Kofferraumvolumen. Das Spiel funktioniert auch in die andere Richtung, indem sich die Sitzflächen ähnlich wie Kinosessel nach oben aufklappen lassen, wodurch sich ein überaus großzügiger Laderaum zwischen erster Sitzreihe und Fondbereich auftut.
auch sportlich, wie der Spurt von 0 auf 100 km/h in 9,9 Sekunden zeigt. Einzig und allein der laut werdende Benzinmotor hat das Beschleunigungsvergnügen etwas geschmälert, ansonsten fährt er sich wirklich angenehm und macht Spaß. Der Preis für den Honda Jazz Crosstar Executive startet bei 27.890 Euro, wirklich viele Extras benötigt er erfreulicherweise nicht mehr.
TECHNISCH EINWANDFREI
Zusätzliche Pluspunkte sammelt der Honda Jazz Crosstar insbesondere in puncto Fahrassistenz- und Fahrsicherheitssystemen. Da der Crosstar ohnehin nur in der Topausstattung Executive erhältlich ist, sind bereits mehr oder weniger alle gängigen Systeme mit an Bord. Dabei reicht die Palette vom präventiven Fahrerassistent mit Kollisionswarnsystem über einen aktiven Spurhalteassistent bis hin zur intelligenten adaptiven Geschwindigkeitsregelung mit Stauassistent. Zu guter Letzt interessiert natürlich das Fahrverhalten des Honda Jazz Crosstar. Und das lässt sich als durchaus komfortabel mit Hang zur Sportlichkeit beschreiben. Während der Japaner innerorts bis zu einer Geschwindigkeit von circa 40 bis 50 Kilometer pro Stunde meist rein elektrisch und geräuschlos unterwegs ist, kann der Crosstar
HONDA JAZZ CROSSTAR EXECUTIVE Antrieb: Front Leistung: 80 kW/109 PS Drehmoment: 253 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 9,9 sec Spitze: 175 km/h Verbrauch: 4,8 Liter/100 km Spaßfaktor: 8 von 10 Preis: ab 27.890 Euro
93
eco.mobil
94
CITY(KULT)FLITZER Gerade einmal ein Jahr nach dem Verkaufsstart des ersten Elektro-MINIs ist im März 2021 das erste Facelift des MINI Cooper SE am Markt erschienen. TEXT: FELIX KASSEROLER
E
ntsprechend der recht kurzen Phase zwischen dem Alten und dem Neuen hat sich im MINI Cooper SE technisch recht wenig verändert, lediglich in Sachen Exterieurdesign wurde der Elektroflitzer an den Rest der Cooper-Familie angepasst.
Der neue hexagonale Kühlergrill, den auch die herkömmlichen Cooper-Modelle verpasst bekommen haben, ziert nun auch die Front des elektrischen MINI Cooper SE. Darüber liegen in unserem Testauto die optionalen schwarz ummantelten adaptiven LED-Scheinwerfer im klassischen runden
MINI-Design. Während sich die Seitenansicht im Vergleich zum Vorgängermodell mehr oder weniger gar nicht verändert hat, besticht das Heck vor allem durch ein kleines, aber ausschlaggebendes Designmerkmal: Die LED-Heckleuchten im bereits bekannten markanten Union-Jack-Design sind nun
eco.mobil
serienmäßig mit an Bord – unserer Meinung nach ein riesiger Pluspunkt. Toll ist auch das Multitone-Roof, das im Nass-in-Nass-Verfahren lackiert wird und jedem MINI sein individuell gestaltetes Dach verleiht (in unserem Test ob des optionalen Panoramadachs allerdings wegfiel). Damit bekommt jeder seine ganz eigene Dachlackierung und sohin Individualität in die Garage. Im Großen und Ganzen wirkt das Design ansonsten „clean“, wie es MINI selbst beschreibt. Wir können dem auch angesichts der fehlenden Abgasanlage und des verdeckten Diffusorbereichs nur zustimmen.
D E R M I N I C O O P E R S E FÄ H R T S I C H W I E E I N G O K A R T. D A S I S T V O N M I N I A U C H S O G E W O L LT. B E S O N D E R S B E I S C H N E L L E R E N K U R V E N I N D E R S TA D T MACHT DER WENDIGE ELEK TRO-BRITE EINE HERVORR AGENDE FIGUR.
UNVERÄNDERT STILSICHER
Der Innenraum wirkt auf den ersten Blick unverändert. Auf den zweiten übrigens auch. MINI bleibt dabei dem altbekannten klassisch-stimmigen Design mit dem 8,8 Zoll großen, runden Zentraldisplay samt haptischen Hebeln und Tasten treu. Das multifunktionale Lenkrad, in unserem Testfall handelt es sich um das optionale Nappa-Lederlenkrad, liegt auch bei schnelleren Kurven gut in der Hand. Dahinter findet sich das serienmäßige, fünf Zoll große digitale Farbdisplay, auf dem alle fahrrelevanten Daten und sonstige Informationen abgelesen und eingestellt werden können. Wer möchte, kann sich diese Informationen auch auf dem optionalen Head-up-Display anzeigen lassen, wirklich schick ist die auffahrende Plexiglasscheibe allerdings nicht. Während die erste Sitzreihe für Fahrer und Beifahrer – in Anbetracht des Konzepts eines MINI – angenehm Platz bietet, sieht die Sache im Fondbereich etwas anders aus. Wirklich komfortabel sitzt ein Erwachsener über 1,75 Meter dort nicht, auch das Einsteigen fällt ein wenig schwer, denn der MINI Cooper SE ist lediglich als Dreitürer erhältlich. Nörgeln darf man jedoch nicht, handelt es sich doch um einen MINI. Und der Name ist Programm. Angesichts der kompakten Abmessungen ist der Laderaum recht passabel. 211 Liter fasst der Kofferraum des Kleinwagens, mit umgeklappter Fondreihe geräumige 731 Liter.
GERNE ETWAS MEHR REICHWEITE!
Besonders relevant ist bei einem Elektroauto vorwiegend der Antrieb. Im Fall des MINI Cooper SE handelt es sich um einen 135 kW (184 PS) starken Elektromotor mit einem maximalen Drehmoment von 270 Newtonmetern in Kombination mit einer 32,6-kWh-Batterie. Damit beschleunigt der kleine Brite in sportlichen 7,3 Sekunden
MINI COOPER SE Antrieb: Front Leistung: 135 kW/184 PS Drehmoment: 270 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 7,3 sec Spitze: 150 km/h Verbrauch: 15,4 kWh/100 km Ladedauer: 35 Min. bei 50 kW (0 auf 80 %) Spaßfaktor: 6,5 von 10 Preis: ab 33.600 Euro
von 0 auf 100 km/h. Trotz aller Sportlichkeit ist allerdings ähnlich wie bei den meisten Elektroautos bereits bei einer ziemlich niedrigen Geschwindigkeit Schluss. In diesem Fall bei 150 km/h. Verhältnismäßig gering fällt beim MINI Cooper SE auch die Reichweite aus: Gerade einmal 203 bis 234 Kilometer schafft der E-MINI nach WLTP, in der Realität liegt die Reichweite gerade einmal bei knapp 170 Kilometern. Zwar ist ein MINI nicht als Langstreckenauto konzipiert, ein wenig mehr Kilometer sollten es aber schon sein. Pluspunkte gibt es hingegen bei den Ladezeiten, so braucht der Cooper SE an der Schnellladesäule mit 50 kW gerade einmal 35 Minuten von null auf 80 Prozent, an der haushaltsherkömmlichen Wallbox mit 11 kW dauert es 2,5 Stunden. Das Laden ist dank des serienmäßigen Flexible-
Fast-Chargers supereinfach, lediglich das Verbindungskabel muss abhängig von der jeweiligen Lademöglichkeit ausgetauscht werden.
FAHRVERHALTEN? FABELHAFT!
Der MINI Cooper SE fährt sich quasi wie ein Gokart. Das ist von MINI auch so gewollt. Besonders bei schnelleren Kurven in der Stadt macht der wendige Elektro-Brite mit einer Länge von nur knapp 3,8 Metern eine hervorragende Figur. Doch auch abseits von engen Straßen und 50er-Zonen ist das Fahren ein Genuss, nicht zuletzt dank der überaus sportlichen Beschleunigung. Pluspunkte gibt’s außerdem für die in Stufen einstellbare Rekuperation, die bis hin zum One-Pedal-Drive per Hebel kinderleicht eingestellt werden kann – das wird insbesondere die kilometersparenden Fahrer freuen.
95
LIFESTYL
genuss & trends
96
Gute Luft Wohl noch nie hatten Luftreiniger derart Hochkonjunktur wie gerade. Auch wir haben einen in der Redaktion stehen – die neue Variante von Dyson nämlich, weil die nicht nur richtig gut hilft, sondern auch optisch was hermacht. Der Dyson Purifier Humidify+Cool ist eine Kombination aus Luftreiniger und Luftbefeuchter und nimmt bis zu 99,95 Prozent der Partikel mit einer Größe von nur 0,1 Mikron wie Allergene, Bakterien, Pollen und Schimmelpilzsporen effizient auf, während die UV-C-Technologie bis zu 99,9 Prozent der Bakterien im Wasser entfernt. Wir könnten Ihnen jetzt vieles über die einzigartige Technologie erzählen, sagen Ihnen aber lieber, dass das Gerät wirklich und merklich gute Dienste leistet. Den Dyson Purifier Humidify+Cool gibt’s für 699 Euro auf www.dyson.at.
© ABERJUNG
© TIROL WERBUNG
eco.life
NOMNOM
HANDGESTRICKT
Trotz Pandemie tut sich etwas in der Landeshauptstadt. Eine der jüngsten Neueröffnungen ist das Xocolat, das schräg gegenüber vom Goldenen Dachl 400 Tafelschokoladen und 60 Sorten feinstes Konfekt bietet. In die manufakturgefertigten süßen Köstlichkeiten dürfen ausschließlich Naturprodukte aus nachvollziehbarer Herkunft.
Die Tirol-Mütze aus Strick war eines der ersten Produkte der „Kollektion Tirol“. Zu ihrem 20-jährigen Jubiläum ging man nun der Frage nach, ob es möglich wäre, die legendäre Mütze ausschließlich aus heimischen Materialien und gänzlich in Tirol herzustellen. Mit einem handgestrickten Protoypen gelang ein erster Teilerfolg – mit Hanffasern und Schafwolle. Wir beobachten weiter ...
www.xocolat.at
AKZENTSETZER
© BILDRECHT, WIEN 2021
„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ HENR Y F ORD, H AT DIE ERK ENN T NI S
97 © SWAROVSKI KRISTALLWELTEN
Die Osttiroler Tischlerei Lanser überrascht uns immer wieder mit ihrer Kreativität und ihrem Mut zu außergewöhlichen Designs. So auch beim Weinkühler „Frio“, der sich durch seine klaren Linien und den Zusammenschluss starker Materialien auszeichnet. Ein Dreieck aus einem Quader geschnitten, die sich ergebenden Flächen mit Metallen veredelt, bilden seine einzigartige Form. Der Kühler hat einen Durchmesser, der es erlaubt, Weine, aber auch bauchigere Flaschen auf eine kühle Temperatur zu bringen. Somit finden beispielsweise auch Champagner oder Gin-Flaschen ihren Platz. Erhältlich in verschiedenen Ausführungen direkt bei der Tischlerei. www.tischlerei-lanser.at
N E U E G L I T Z E R W E LT Die neue Wunderkammer „The Art of Performance“ in den Kristallwelten in Wattens zelebriert die langjährige Zusammenarbeit zwischen Swarovski und Hollywoods größten Entertainer*innen und Künstler*innen auf ganz fantastische Weise. Bei den Ausstellungsstücken hatte Fashiondesigner und Kurator Michael Schmidt die Qual der Wahl und hat sie ganz meisterhaft getroffen, wie wir finden. Von Dorothys rubinroten Schuhen aus „Der Zauberer von Oz“ über Michael Jacksons Handschuh bis hin zu Simone Biles’ Outfits im Zuge ihrer Goldmedaillengewinne. Mehr Glamour als bei dieser Ausstellung geht fast nicht. Chapeau!
F L O R E N Z , D Ü S S E L D O R F, I N N S B R U C K Wie werden Menschen zu Künstler*innen? Dieser Frage widmet sich die aktuelle Ausstellung „werden.“ im Innsbrucker Ferdinandeum. Mit Blick auf die lange Geschichte der Kunstakademien in Florenz und Düsseldorf spürt sie den Einflussgrößen, Entwicklungen und Wahrnehmungen nach, die den künstlerischen Werdegang über die Jahrhunderte hinweg prägen und geprägt haben. Die gezeigten Werke dokumentieren den Prozess am Beispiel zahlreicher Künstler*innenpersönlichkeiten und greifen eine Reihe kunsthistorischer Bezugspunkte auf. Von Michelangelo in die Zukunft sozusagen. Die Ausstellung ist noch bis 18. April 2022 zu sehen. Im Bild: Thomas Ruff, Portraits, farbiger Hintergrund, 1981–1985, Fotografien, je 14 x 18 cm
eco.life
FREUDEMACHER Schenken heißt, einem anderen etwas zu geben, das man am liebsten selbst behalten würde.
BRILLANT Beim Ring Ava gehen naturbraune Diamanten im Brillantschliff mit sanftem Roségold eine wunderbare Symbiose ein. Brillant 0,72 ct. Um 2.960 Euro bei Goldschmied Norz in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße.
FÜR MEHR WÜRZE
98
STAY SPICED! steckt die besten Gewürze aus aller Welt in stylische Dosen und gibt damit jedem Gericht den Extrakick. Eine schöne Auswahl gibt’s bei Plangger Delikatessen in Seefeld.
INDIVIDUELL Der Anhänger Iris ist energiegeladen und ausdrucksstark. Aus 18 kt Gelbgold mit blauem Tansanit und Brillant. Um 3.310 Euro beim Innsbrucker Goldschmied Norz.
G(L)O WITH THE FLOW Wir mögen die Produkte von Glo Skin Beauty sehr – Make-up (in echt tollen Farben) und Hautpflege vom Feinsten. Gesehen in Murat Coskuns Kosmetikinstitut Aurora in der Innsbrucker Müllerstraße.
HAUTSCHMEICHLER Das straffende Efeu-Gel von Ligne St. Barth ist ein wahres BeautySerum und darf auch gern ins Gesicht. 125 ml um 33 Euro, erhältlich im Kosmetikinstitut Aurora.
PRÖSTERCHEN Die Bäckerei Therese Mölk macht schon seit Längerem aus altem Brot nachhaltige Spirituosen. Der Name: „Herr Friedrich“. Bei der Falstaff Spirits Trophy 2021 wurden diese nun ausgezeichnet, was sie quasi zum perfekten Weihnachtsgeschenk adelt.
Saugut.
eco.life
KRÄUTERKUNDE
VON INNEN FÜR AUSSEN
Die Macher von Kräuterwohl transferieren Kräuter, Samen und Früchte unter anderem zu feinsten Sirupen. Die wiederum gibt’s bei Plangger Delikatessen in Seefeld.
„Collagen intravital plus“ von QMS Medicosmetics ist ein hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel, das zur Wiederherstellung, Regeneration und zum Schutz der Haut beiträgt. 79 Euro. Die Experten vom Kosmetikinstitut Aurora in Innsbruck beraten gerne.
UNENDLICH „Euphoria Infinity“ steht für funkelnde Unendlichkeit. Aus 18 kt Weißgold mit Brillanten. 4.890 Euro, gesehen bei Goldschmied Norz.
100
WINTERWUNDER Der AG Gin von Psenner schmeckt mit seinen Zitrusnoten herrlich frisch und wurde außerdem mit Blattsilber veredelt. Ca. 40 Euro, gesehen bei Plangger Delikatessen in Seefeld.
BEAUTY- RITUAL
TOLLE KNOLLE
Die Home- und Bodyprodukte von Rituals wurden speziell kreiert, um Entspannung und Ruhe in alltäglichen Momenten zu finden. Die verschiedenen Geschenksets sind perfekt für Weihnachten. Und alle anderen Tage. Fleursde-L’Himalaya-Set um 47,50 Euro.
Trüffel sorgen immer für eine kleine Besonderheit in der Nase und am Gaumen. Die Butter mit weißem Trüffel von Giuliano Tartufi ist ein echter Tausendsassa. Um 9,90 Euro gesehen im Webshop von www.plangger.net.
BALSAM FÜR DIE SEELE Die limitierte Winteredition Serendipity von Rituals ist ein reines Elixier aus zehn luxuriösen Ölen, die sich in verschiedenen Körper- und Homeprodukten sowie Eau de Parfums wiederfinden. RelaxingCollection um 44,90 Euro.
40% Träume 30% Genuss 10% Übermut 30% Dankbarkeit
110% Lebensfreude Delikatessen - Feinkost - Vinothek - Genusslounge - Geschenke - Catering
tre.culinaria OG Klosterstraße 43 A-6100 Seefeld
À +43 (0)5212 52955 Á mj80@live.at
< www.genussgipfel-seefeld.tirol
b Delikatessen Plangger Seefeld <
b
© WINFRIED FLOHNER
© KITCHEN STORY OG
eco.life
102
Mohn dieu Es muss nicht immer von woanders her kommen, damit‘s super ist. Die als „Superfood“ gehypten Früchte und Samen müssen nicht Goji, Chia oder Açaí heißen, man kann sie auch einfach Mohn nennen. „My Poppies“ liefert die heimische Antwort auf internationale Exoten.
D
ie Welt des Mohns ist gar nicht so grau, wie man vielleicht annehmen möchte. Sie überrascht mit Vielfalt, Abwechslungsreichtum und allem, was gut tut. Und genau diese Vielseitigkeit schätzen die Menschen hinter „My Poppies“ schon lange. Der österreichische Mohnhersteller bringt neuen Schwung in die Palette heimischer Mohnprodukte.
MOHN KANN MEHR ALS STRUDEL
„My Poppies“ ist ein naturbezogener Mohnhersteller aus Österreich. Jahrzehntelange Erfahrung – der Familienbetrieb wird mittlerweile in dritter Generation geführt – trifft hier auf den Tatendrang eines jungen, dynamischen Teams. Das Ziel ist klar: Der Anbau von österreichischen Traditionssorten soll gestärkt sowie nachhaltige Landwirtschaft
und ein achtsamer Umgang mit Ressourcen vermehrt zum Thema werden. Denn Mohn ist mehr als nur ein Landwirtschaftsprodukt. Für „My Poppies“ steht das graue Gold für eine Weltanschauung, die nicht nur zu Mehlspeisen von der Oma passt, sondern genauso gut zum Konsumbewusstsein einer jungen Generation. Mohn kann dabei nicht nur süß, sondern macht sich auch toll in pikanten oder würzigen Speisen. Dass die am Teller richtig lässig ausschauen, das zeigt „My Poppies“ mit vielen Inspirationen auch auf Instagram (@mypoppiescom). Dank seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren, Eiweiß sowie großen Mengen an Kalzium, Eisen und Magnesium verdient der Mohn von „My Poppies“ den Titel heimisches Superfood wie kein anderer. Im Gegensatz zu vielen internationalen Super-
foods wächst „My Poppies“-Mohn direkt in Österreich. Angebaut wird er im ganzen Tullnerfeld in Niederösterreich. Das macht ihn zur besten Wahl, wenn man auf Nachhaltigkeit und Qualität Wert legt. Während es auf der ganzen Welt etwa 50 bis 120 Mohnarten gibt, kommt bei „My Poppies“ nur der beste regionale Grau-, Blau- und Weißmohn in die – echt stylischen – Gläser. Dazu gibt‘s ein hochwertiges, kaltgepresstes Mohnöl, eine raffinierte Mischung aus allen drei Mohnsorten. Und weil das Auge bekanntlich mitisst, finden bei „My Poppies“ auch die Mohnkapseln Verwendung. Die kann man zwar nicht essen, sie eignen sich aber super als außergewöhnliche (Tisch-) Deko. So wird der Mohn zu einem ganzheitlichen Allroundtalent. Weitere Infos unter www.mypoppies.com
eco.life
Der Schlüssel zum Wohlbefinden Um möglichst lange gesund, aktiv, fit und unabhängig zu bleiben, sollte man bereits in jungen Jahren damit beginnen, mit seinem Körper respektvoll und achtsam umzugehen.
A
ssoziationen mit dem Alter sind häufig negativ besetzt. Wir betrachten das Älterwerden als etwas Bedrohliches, anstatt es als Gewinn zu sehen: Wir werden reicher an Erfahrungen, weiser, gelassener und selbst und der wirklich wichtigen Dinge des Lebens bewusster. Und ja, die Elastizität der Haut lässt nach, manchmal hadert man mit gesundheitlichen Beschwerden oder der Menopause. Doch unser gesamtes Leben ist bestimmten Zyklen unterworfen und das hat durchaus seinen Sinn.
ALLES FÜR DIE SCHÖNHEIT?
Mit dem Thema des Älterwerdens geht folglich oft das Aussehen einher. Der gesellschaftliche Druck, sich nicht nur länger jung zu fühlen, sondern auch so auszusehen, steigt. Dr. Andrea Ehm ist Fachärztin für Gynäkologie und Allgemeinmedizin in Innsbruck und beobachtet, dass viele Patientinnen, um ihrem Schönheitsideal zu entsprechen, öfter bereit sind, auch zu drastischeren Methoden zu greifen. Zusätzlich beobachtet sie, dass die betroffenen Frauen immer jünger werden. Nach der Veröffentlichung eines Buches, das Hormontherapien als Anti-Aging-Methode empfiehlt, kommt es aktuell zu einer vermehrten Nachfrage. „Hormontherapien sind ein höchst sensibles Thema“, sagt Andrea Ehm. „Aus schulmedizinischer Sicht gibt es für eine solche Therapie neben spezifischen Krankheitsbildern nur eine wirkliche Indikation: das schwere klimakterische Syndrom. Wenn Frauen unter starken Wechselbeschwerden leiden, die deren Lebensqualität oft erheblich einschränken, dann brauchen sie sicher Hilfe, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Das persönliche Wohlbefinden der Patientinnen hat oberste Priorität. Trotzdem gilt es immer, die Risiken genau abzuwägen und die Patientinnen bestmöglich zu beraten.“ Hormone leichtfertig als Schönheitsbooster zu verwenden, hält Ehm für gefährlich: „Hormone haben wichtige Funktionen und Aufgaben in
„Die beste Methode, um möglichst lange gesund, fit und voller Energie zu sein, ist es, seinen eigenen Hormonhaushalt im Gleichgewicht zu halten.“ DR. ANDREA EHM
unserem Körper, eine Substitution muss deshalb höchst achtsam und genau abgewogen individuell begleitet werden.“ Anti-Aging beginnt für Andrea Ehm vor allem jedoch beim achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper. „Die beste Methode, um möglichst lange gesund, fit und voller Energie zu sein, ist es, seinen eigenen Hormonhaushalt im Gleichgewicht zu halten“, rät sie. Das ist zugegeben nicht immer einfach, weil unserer Hormone von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Vor allem körperlicher und psychischer Stress, ungesunde Ernährung und zu wenig
Bewegung haben negative Auswirkungen. Diese Faktoren werden in unserer Gesellschaft ohnehin zu einem immer größeren Problem. Ein Tipp, die eigene Hormonproduktion – die primär in der Nacht stattfindet – anzukurbeln, ist regelmäßiges Dinner-Cancelling. Vor allem wichtig und zu Recht viel propagiert: die Darmgesundheit. Der Darm ist unser Schlüssel zum Wohlbefinden und sorgt dafür, unseren Stoffwechsel auf einem guten Level zu halten. Durch gezieltes Basenfasten kommt es neben der Aktivierung bzw. Regulierung unseres Immunsystems zur Anregung der Hormonproduktion. Eine weitere effiziente Maßnahme, um eine Zellerneuerung und Regeneration zu fördern, ist die individuell auf die Patientin abgestimmte orthomolekulare Infusionstherapie. Dabei werden Mangelzustände durch bestimmte Mikro- und Makronährstoffe rasch behoben. Um speziell gegen den Alterungsprozess der Haut etwas zu tun, empfiehlt Dr. Ehm die Meso- oder Ultherapie. Bei beiden Methoden kommt es zur Anregung der Kollagenbildung und damit zur Straffung der Haut. Bei der Mesotherapie werden gering dosierte aktive Wirkstoffe in die Haut injiziert, bei der Ultherapie handelt es sich um eine nichtinvasive Liftingbehandlung, die auf einem hochfrequenten Ultraschall basiert. Das Ziel jedes Einzelnen sollte sein, sich in seinem Körper wohl zu fühlen. Die Methode dafür sei jedem selbst überlassen. Grundsätzlich sollte die Gesundheit immer Vorrang vor der Schönheit haben – ist Andrea Ehm überzeugt.
DR. ANDREA EHM Fachärztin für Gynäkologie Ärztin für Allgemeinmedizin Karl-Schönherr-Straße 7 6020 Innsbruck Tel.: 0512/56 07 10 office@andreaehm.at www.andreaehm.at
103
eco.life
104
HANS NEUNER: Aus Weidenästen kann man Sportgeräte und Musikinstrumente schnitzen, erinnert sich der Leutascher.
eco.life
MONIKA NEUNER: Als Mädchen aß sie Pflanzen von der Frühlingswiese, heute bietet sie in Leutasch Kräuterwanderungen an.
105
KINDER MÜSSEN SPIELEN! Wie schmecken eigentlich Maikäfer? Schaffe ich es allein auf den fernen Gipfel? Was passiert, wenn ich an einen Elektrozaun fasse? Besonders auf den Nachwuchs warten in den Bergen kleine und große Abenteuer. Fünf Tirolerinnen und Tiroler erinnern sich an Momente ihrer Kindheit, die sie nie vergessen haben. TEXTE: ANNA MOLL // FOTOS: RAMON HAINDL
eco.life
HANS „BANTL“ NEUNER
MONIKA NEUNER
W A N D E R F Ü H R E R A U S L E U TA S C H
K R Ä U T E R E X P E R T I N A U S L E U TA S C H
W
106
ir Burschen auf dem Tiroler Land erfanden immer neue Spiele, um uns zu messen und die Aufmerksamkeit der Mädchen auf uns zu lenken. Der Weidenbaum spendete uns hierfür reichlich Material. Aus seinen Ästen bauten wir Pfeil und Bogen und versuchten uns damit in Länge und Zielsicherheit zu übertreffen. Aber auch Musik konnte man mit der Weide machen. Dafür klopften wir so lange auf die Äste, bis nur noch die Rinde übrig war und der Ast hohl. Mit einer Schnur banden wir die hohlen Zweige zu einer „Maiflöte“ zusammen. Ein Instrument aus der Natur, mit dessen Melodien wir versuchten, die Mädchen aus dem Dorf zu „verzaubern“. Eine Chance, mit der „Richtigen“ zu tanzen, gab es auf den Waldfesten im Sommer – wenn man sich traute. Es spielte eine Blaskapelle, und wir Buben führten auf der Tanzbühne das Schuhplatteln vor. Kurz nach dem ersten Auftritt durfte man sich einen Gast aussuchen, mit dem man das Schuhplatteln üben wollte. In dem Moment gab es sofort Gelächter. Aufregung und Frohsinn lagen in der Luft. Ein anderer Wettstreit fand statt, wenn im Frühling das Schmelzwasser kleine Seen im Tal bildete, die bis zu zwei, drei Meter tief waren. Obwohl niemand von uns schwimmen konnte, wollten wir auf diesen bitterkalten Seen segeln. Aus alten Scheunentoren und Sautrögen bauten wir Flöße. Auf dem Wasser ging es dann immer darum, rechtzeitig den Absprung zu schaffen, denn die Gefährte waren nur bedingt dicht und sogen sich schnell mit Wasser voll. Die Hände fest um eine Holzkelle geklammert, die als Paddel fungierte, rief mein Freund mir mit verschmitztem Grinsen zu: „Pass auf, dass du nicht ersaufst, Hansi!“ Nur ein Spaß. Denn wir hatten keine Angst auf unserer Bootsfahrt in den Bergen.
A AUS: MEINTIROL MAGAZIN, TIROL WERBUNG, W W W. T I R O L . A T ( B L O G / K AT E G O R I E N : M A G A Z I N )
„Im Frühling bauten wir Flöße aus alten Scheunentoren und Sautrögen.“ HANS NEUNER
ls ich ein Kind war, machten wir im Herbst aus Kohl unser Sauerkraut selbst. Das war das Gemüse für den Winter. Der Schnee legte sich über die Wiesen unseres Dorfes, und bis zum Ende des Winters waren wir vollkommen ausgehungert nach dem satten Grün auf unseren Tellern und in unseren Wäldern. Als dann im Frühling die ersten Wiesen zu blühen begannen, stürzten wir uns nach der Schule auf die grünen Flächen und aßen die Gräser direkt von der Wiese. Aus der Ferne müssen wir wie bekleidete Schafe ausgesehen haben. Aber wir wussten, was wir dort aßen. Von Wiesenbocksbart bis Sauerampfer fanden wir viele Leckerbissen. Nur die Touristen konnten den Anblick grasender Kinder nicht einordnen. Sie gaben uns Geld, damit wir uns etwas zu essen kaufen konnten. Das amüsierte uns sehr. Von nun an wussten wir, wo wir grasen mussten, um köstliche Bergkräuter zu naschen – und uns etwas dazuzuverdienen. Beim Spielen auf den Wiesen im Sommer staunten wir immer wieder über die riesigen Maikäfer in den Gräsern. Manchmal flogen sie direkt auf uns zu, als wären sie blind. Dann griffen wir zu. „Wer traut sich, den Maikäfer auszuzeln?“, riefen wir. Eine Mutprobe. Wer sich das nicht traute, war ein Hosenkacker. Man musste dem Käfer den Kopf abbeißen, diesen schnell ausspucken und dann „zuzeln“. Wer das schon einmal gemacht hat, weiß, dass Maikäfer so süß wie ein Bonbon sind, weil sie sich von den Blättern der Obstbäume ernähren.
eco.life
ALOIS BERGER: Als Sechsjähriger beschloss er, allein auf den Großvenediger zu steigen. Den Begriff „Helikoptereltern“ gab es damals noch nicht.
107
„Ich spürte, wie mein Gesicht und meine Haare vereisten – an einem sonnigen Augusttag.“
eco.life
108
MARIA GAPP: Sie verbrachte ihr Leben auf Bauernhöfen, Spiel und Arbeit vermischten sich in ihrer Kindheit. Genossen hat sie das immer.
eco.life
HUBERT KIRCHMAIR: Mit fünf Jahren half er auf der Hochalm mit, heute holt Hubert Holz mit Pferden aus dem Wald. Seine prägende Erinnerung? Der erste Elektrozaun.
109
eco.life
ALOIS BERGER
MARIA GAPP
HUBERT KIRCHMAIR
R E N T N E R A U S P R Ä G R AT E N
BÄUERIN AUS REITH BEI SEEFELD
F U H R M A N N A U S S C H WA Z
A
uf der Suche nach Edelsteinen ging ich als Kind mit meinem Vater viel in die Berge. Die Schule wollte die Steine als Materialien verwenden, weil ihre Sammlung im Krieg zerstört worden war. Wir verkauften die Steine auch an Gäste und Mineralienmuseen in der ganzen Welt. Unsere Suche nach Hornblenden, Strahlsteinen, Serpentinsteinen und Kristallen dauerte von der Nacht bis in die Nacht. Wir krochen in enge Höhlen, seilten uns darin ab und aßen die Jause, die uns die Mutter eingepackt hatte. Unsere Gemeinde lag am Fuße des Großvenedigers. In meiner Vorstellung konnte ich von seinem Gipfel aus die ganze Welt sehen.
110
Eines Morgens, die Dämmerung hing über den Bergen, meine Eltern waren schon aufs Feld gegangen, entschloss ich mich zum Aufbruch. „Heute schleiche ich ab“, dachte ich. Ohne Verpflegung und in kurzen Hosen wollte ich allein 3.657 Meter besteigen. Fest entschlossen marschierte ich dem Abenteuer meines Lebens entgegen. Am Defreggerhaus, der letzten Hütte vor dem eigentlichen Aufstieg, traf ich auf eine Gruppe von Bergführern, die mich erstaunt anblickten. „Ich möchte auf den Venediger, um die ganze Welt zu sehen“, erklärte ich. Das amüsierte sie, aber imponierte ihnen wohl auch. Sie nahmen mich in ihrer Seilschaft auf und liehen mir Mütze und Handschuhe. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Trotz dieses sonnigen Augusttages kämpften wir in dieser Höhe mit Temperaturen von fast minus 20 Grad. Ich spürte, wie mein Gesicht und meine Haare vereisten. Am Gipfel vergaß ich die Kälte für kurze Zeit. Ich hatte mir die Welt deutlich größer vorgestellt. Fast erfroren beschloss ich damals, Bergführer zu werden. Noch 4.000 Mal sollte ich den Venediger besteigen. So kalt wie bei diesem ersten Aufstieg war es niemals mehr.
W
ir Kinder hatten alle unsere Aufgaben auf dem Hof. Ich erledigte diese Aufgaben gern, denn sonst hätte mein Vater alles alleine machen müssen. Am liebsten mähte ich die Wiesen im Morgengrauen vor der Schule. Dafür verließ ich früh das Haus, wartete auf den Sonnenaufgang und begann zu mähen. Der Herbst führte uns in den Wald. Mein Vater fällte auf fast 2.000 Metern Bäume. Damals gab es noch keine Forstwege, wir mussten unser Holz über eine selbst gebaute Schneise abtransportieren. Ein Teil der Senken war dafür freigeschnitten. Unser Vater teilte uns Stämme von ungefähr zwei Metern Länge zu. Unsere Aufgabe war es, diese möglichst schnell die Schneise hinunterzutransportieren.
Für uns Kinder war das ein Wettkampf. Es ging darum, wer seinen Stamm am weitesten schmeißen konnte – insgesamt mussten wir eine Strecke von fast einem Kilometer bewältigen. Wir versuchten, die anderen zu überholen, und jauchzten freudig, wenn uns dies gelang. Teilweise war es auch eine Mutprobe, denn an manchen Stellen ging es ziemlich steil bergab. Im Herbst, wenn der Boden bereits angefroren war, rutschte das Holz besser, und wir selber eben auch. Ich genoss diese aufregende Zeit. Der Wald spendete uns Wärme für den Winter.
A
uf 2.000 Metern Höhe hatten wir eine Weidefläche für unsere Kühe. Im Sommer verbrachten die Tiere dort fast zwei Wochen am Stück und mussten natürlich gemolken und behütet werden. Für diesen Zweck zog ich mit fünf Jahren mit meinem Großonkel auf die Alm. Jeden Morgen um vier Uhr brachen wir zu den Weideflächen auf. Gegen sechs Uhr erreichten wir die Tiere, und mein Großonkel begann sie zu melken. Ich musste aufpassen, dass die Kühe ruhig blieben und nicht auf Abwege gerieten. Hier lernte ich schnell, dass jede Kuh einen anderen Charakter hat. Die eine frech und aufmüpfig, die andere ruhig und genügsam.
„Ein Stoß durchfuhr mich, und mein Vater begann zu lachen.“ Ich war sechs Jahre alt, als wir unseren ersten Elektrozaun auf dem Feld ausrollten. Das muss in den 1970er-Jahren gewesen sein. Bis dahin hatten wir Hirten dafür gesorgt, dass das Vieh auf dem Feld blieb und Ordnung in der Herde herrschte. Meine Geschwister und ich halfen meinem Vater und meinem Großonkel beim Ausrollen des Drahtes. Und dann lautete das Kommando EIN. Alle Augen waren auf meinen Vater gerichtet. Er bewegte seine Hand in Richtung des Weidezauns. Er griff zu, zeigte aber keine Reaktion. Er sah herüber zu meinem Großonkel. Beide verzogen keine Miene. Erstaunt griff auch ich fest an den Zaun. Ein Stromstoß durchfuhr mich, und mein Vater und mein Großonkel begannen zu lachen.
MAGAZIN
Jetzt e rhäl im Han tlich d oder a el ls Abo 2 x jäh rlich!
EIN STÜCK TIROL SEIT 1924
� � �. � � � � � � � � � � � � � � � . ��
© ANGELIKA STEHLE © INNSBRUCK TOURISMUS / FRANZ OSS
© WIRTSHAUSFÜHRER ÖSTERREICH/APA-FOTOSERVICE/MARIA HOLLUNDER
IM GESPRÄC
112
news & events
Klaus Egle, Österreichischer Wirtshausführer, mit Christian, Maximilian und Sandra Moigg vom Gasthof Herrnhaus sowie Christian Zechmeister, Österreich Wein Marketing
WEINWIRT 2022 Der renommierte Österreichische „Wirtshausführer“ belohnte kürzlich den Gasthof Herrnhaus in Brixlegg mit der begehrten Auszeichnung „Weinwirt des Jahres 2022“. Die Auszeichnung bestätigt die Qualitäten des historischen Betriebs, der seit dem 15. Jahrhundert einen bedeutenden Rang im Tiroler Unterland einnimmt. 1809 hielt Andreas Hofer hier seinen Kriegsrat ab – heute wird in den antiken Stuben und gotischen Gewölben die feine Küche von Christian Moigg und Sohn Lukas serviert. Sohn Maximilian, der erst kürzlich in den elterlichen Betrieb zurückgekehrt ist, zeichnet als Sommelier verantwortlich für den Weinkeller, der laut Wirtshausführer „durch die kundige Pflege beachtlich an Umfang gewonnen hat und das Haus zu unserem Tiroler Weinwirt macht“. WIRTSHAUSFÜHRER 2022, 23. aktualisierte Ausgabe Herausgeber: Renate Wagner-Wittula, Elisabeth Egle und Klaus Egle, Verlag GOURmedia, 556 Seiten, EUR 24,90 www.wirtshausfuehrer.at
S T E U E R B E R AT E R- G I P F E L Die Sparkasse Imst und die Tiroler Landesstelle der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (KSW) luden kürzlich zum Steuerberatergipfel in das Hotel Hirschen in Imst. Nach der coronabedingten Pause 2020 ermöglichte die Sparkasse Imst heuer zum vierten Mal die Diskussion zu aktuellen Fragestellungen und brisanten Themen in der Branche. Das Echo auf die Einladung zum fachlichen Erfahrungsaustausch war auch diesmal groß – die führenden Kanzleien aus dem Bezirk Imst und Landeck folgten der Einladung zu diesem Infoformat. Markus Scheiring, Vorstand Sparkasse Imst, KSWLandespräsident Klaus Hilber und Christian Lechthaler, Bereichsleiter Risikomanagement
P E R S O N A LW E C H S E L Es tut sich was vorm Winter – in den Tourismusverbänden nämlich. Seit 1. Dezember ist Saskia Schweiger neue Direktorin für den Bereich Marketing & Kommunikation im Tourismusverband Paznaun – Ischgl. Sie bringt mehr als zehn Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Marketing und Events mit. Bis zuletzt war die gebürtige Münchnerin als Head of Licensing & Sportmedia beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) beschäftigt. Und auch der Innsbruck Tourismus steht unter neuer Obermannschaft. Im Zuge der Vollversammlung wurde Mario Gerber zum offziellen Nachfolger von Karl Gostner gewählt. Karin Sailer präsentierte außerdem die Strategie 2025, deren Ziel es ist, die Begehrlichkeit rund um die Destination dermaßen zu steigern, dass Stadt und Region bis 2025 zur „must see region in the Alps“ avancieren können.
© VIVIUS
im.gespräch
GESCHICHTESCHREIBER Das Jahr 2021 geht in die Annalen der heimischen Sommelerie ein. Mit Suvad „Suwi“ Zlatic schafft erstmals ein Österreicher den Sprung auf das Podest bei der europäisch-afrikanischen Sommeliermeisterschaft und kann sich über einen exzellenten dritten Platz freuen. Der Titel „Bester Sommelier Europas und Afrikas 2021“ geht an Salvatore Castano aus Italien, Platz zwei an Nina Jensen aus Dänemark. 2014 entschied Zlatic erstmals den Wettbewerb „Bester Sommelier Österreichs“ für sich. Er vertrat Österreich 2016 bei der Weltmeisterschaft in Argentinien und 2017 bei der Europameisterschaft in Wien. Im September 2021 holte er sich zum zweiten Mal den Staatsmeistertitel.
Die Exkursionsteilnehmer*innen – 30 Unternehmer*innen und Vertreter*innen von Institutionen und Forschungspartnern – vor der Baustelle des Vier geschossers „St. Albuin“ in Brixen
ÜBERREGIONALE VERNETZUNG Mitte November organisierte proHolz Tirol gemeinsam mit der IDM Südtirol (Wood & Construction Innovation) ganz im Sinne des EUREGIOGedankens und im Rahmen der EU-Förderprojekte Build-in-Wood und BIGWOOD eine eintägige Fachexkursion nach Brixen. Neben verschiedensten Vorträgen stand dabei vor allem die überregionale Vernetzung im Mittelpunkt. Die beiden EU-Projekte stehen dafür, künftig eine große Anzahl der mehrgeschossigen Wohngebäude regional und international in Holzbauweise zu errichten. So besuchten die Exkursionsteilnehmer*innen mit Microtec ein Unternehmen, das unter anderem mit seinem innovativen Rundholz-Scanner in diesem Bereich eine besondere Rolle spielen kann, sowie die Holz-Baustelle eines von der Diözese Bozen-Brixen in Auftrag gegebenen Wohngebäudes „St. Albuin“.
HERZLICH WILLKOMMEN BEI TIROLS GRÖSSTEN EVENTS
ALLE EVENTS AUF WWW.OLYMPIAWORLD.AT
DEZ 2021– MÄRZ 2022 BOB RAFTING
14. – 16.01.22 HOLIDAY ON ICE
OLYMPIA EISKANAL Spaß & Action für die ganze Familie. Helm auf und los geht‘s! Helm auf und los geht‘s! Beim Bob Rafting rasen Sie mit bis zu 95 km/h durch den Olympia Eiskanal. Vom Herrenstart weg warten 1.270 Meter Bahnlänge, 14 Kurven und der spektakuläre Kreisel auf alle Mutigen ab 10 Jahren. Buchungen unter shop.olympiaworld.at
OLYMPIAHALLE HOLIDAY ON ICE hebt ab! Die energiegeladene Eisshow SUPERNOVA nimmt sein Publikum in spektakulären Settings mit auf eine Abenteuerreise von der Erde zu den Sternen, entführt die Zuschauer in eine galaktische Welt. Diese Eiskunstshow präsentiert Eiskunstlauf auf höchstem Leistungsniveau mit Elementen aus Theater, Tanz, Oper, Pop, Magie, Musical und Akrobatik.
113
im.gespräch
Gabi Plattner, Geschäftsführerin des Frauenhaus Tirol (Mi.), mit Marcel Hubeli, Past-President, und Johanna Penz, Vizepräsidentin des Lions Club Innsbruck
GUTES TUN
Zillertal-Bier-Geschäftsführer Martin Lechner und Eva-Maria Lechner mit Geschäftsführer Peter Weigand und Obmann Andreas Mair, beide Verein Tiroler Wirtshauskultur
T I R O L E R W I R T S H AU S B I E R E
114
Das 6. Tiroler Wirtshausforum und Wirtefest fand heuer im Rahmen des BrauKunstHauses von Zillertal Bier statt. Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins der Tiroler Wirtshauskultur wurden 13 neue Mitgliedsbetriebe begrüßt. Zudem erfolgte die Präsentation der Tiroler Wirtshausbiere als exklusiver Trinkgenuss aus Tirol für Tirol. Die edlen Tropfen von Zillertal Bier erwiesen sich als perfekte Begleitung des zum Abschluss der Veranstaltung kredenzten vielseitigen kulinarischen Programms. Gebraut werden die Tiroler Wirtshausbiere ausschließlich aus der hochwertigen Fisser Imperial Gerste und exklusiv für die Tiroler Wirtshäuser.
© WK TIROL/DIE FOTOGRAFEN
Mitglieder unter www.tiroler-wirtshaus.at
Wenn eine Veranstaltung von einer weiblichen Direktorin und von einem Team aus engagierten Frauen organisiert und auf die Beine gestellt wird, dann kann es nicht ausbleiben, dass auch eine Charityaktion im Zeichen von Frauenpower steht. Die Einnahmen einer Tombola, die auf der diesjährigen ART Innsbruck gemeinsam mit dem Lions Club Innsbruck Goldenes Dachl durchgeführt und von Messedirektorin Johanna Penz initiiert wurde, gingen zu 100 Prozent an das Tiroler Frauenhaus. Insgesamt kamen 2.100 Euro zusammen, die dabei helfen sollen, ein neues Haus im Tiroler Oberland zu finanzieren.
Das Tiroler Frauenhaus bietet seit 40 Jahren Schutz, Unterkunft, Beratung und Begleitung für Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt bedroht sind, so wie betreutes Wohnen und Nachbetreuung und Beratung von Frauen und Kindern. Wenn auch Sie helfen wollen: www. frauenhaus-tirol.at
TOLLE LEISTUNG Mehrere COPD-Patient*innen nahmen den Welt-COPD-Tag am 17. November zum Anlass, um die Innsbrucker Bergiselschanze und den Wiener Millenium Tower zu besteigen. Erstmals gelang dabei auch zwei sauerstoffpflichtigen COPD-Kranken der Aufstieg im Schanzenturm. Damit die beiden Teilnehmerinnen gut trainiert waren, hatten sie sich sechs Wochen in der Reha Innsbruck auf die myCOPD-Challenge vorbereitet. Die Teilnehmer*innen an der „myCOPD-Challenge 2021“ unterstrichen damit, was alles trotz und mit teils schwerer COPD möglich ist – und setzten ein Ausrufezeichen für die Coronaimpfung von COPD-Patient*innen.
D I E W E LT Z U G A S T I N T I R O L Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen kamen Mitte November in die Tiroler Wirtschaftskammer, um sich im Gespräch mit 25 österreichischen Wirtschaftsdelegierten aus der ganzen Welt und zahlreichen Export-Dienstleistern über die verschiedenen Auslandsmärkte zu informieren. Der Export zählt zu den wichtigsten Wachstumstreibern und Beschäftigungsstützen der heimischen Wirtschaft. Die Tiroler Unternehmen werden heuer mehr als 13 Milliarden Euro auf ausländischen Märkten erwirtschaften, über ein Viertel der Exporte gehen nach Deutschland. Nach Pharmaprodukten sind Maschinen und Holz(waren) die wichtigsten Exportprodukte.