DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN
WIRTSCHAFTS WISSEN Verstehen, um verstanden zu werden.
Ausgabe Nr. 05 | Juni 2021 P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck ZNr. GZ 02Z030672 M | Euro 3.00
ZAHLUNGSMITTEL. Die Geschichte von Währung und Geld BILDUNGSDILEMMA. Ist Wirtschafts- auch Allgemeinwissen? KRISENBEWÄLTIGUNG. Unternehmen vor dem Neustart INNOVATIONSKRAFT. Von der Forschung zur Entwicklung
Mietenbetreuung für Ihre Immobilie.
Sorglospaket für Vermieter Ab einer Größenordnung von fünf Wohnungen übernehmen wir Ihre Sorgen rund um die Vermietung Ihrer Objekte. Für nur € 35,- pro Monat und Wohnung kümmern wir uns um die Mietersuche, den Mietvertrag und seine Anpassungen sowie sämtliche organisatorische und verwaltungstechnische Belange. Kontaktieren Sie uns und profitieren Sie am besten gleich von unserer Mietenbetreuung.
immo Kössler
Leopoldstraße 26
info@immo-koessler.at
+43 512 552777
6020 Innsbruck
www.immo-koessler.at
© MARIAN KRÖLL
eco.edit
Christoph Loreck und Mag. Sandra Nardin, eco.nova-Herausgeber
HÄ? Die meisten Menschen hierzulande wissen relativ wenig über wirtschaftliche Zusammenhänge. Oder die Finanzwelt. Das mag in manchen Fällen schlichtem Desinteresse geschuldet sein, das weit größere Übel liegt aber im Bildungswesen begraben. Denn Wirtschafts- und Finanzwissen wird vor allem in Pflichtschulen kaum bis gar nicht gelehrt.
Z
ur Planung dieser Ausgabe ist es uns wie Schuppen von den Augen gefallen. Wir haben uns als Wirtschaftsmagazin zwar schon mit der Sprache an sich und ihrer Wirkungsmacht beschäftigt, nicht aber explizit mit den Worten der Wirtschaft. Viele Begriffe kommen uns wie selbstverständlich über die Lippen und werden gesprochen wie geschrieben laufend verwendet, was sie aber wirklich bedeuten, wissen viele Menschen nicht. Einige gängige Wörter haben wir auf Seite 26/27 (Wirtschaft) sowie 69 (Geld) versucht, so einfach und verständlich wie möglich zu erklären, und werden auch in künftigen Beiträgen immer wieder Worte herauspicken, um genau das zu tun. Unregelmäßig ist das bereits in der Vergangenheit passiert, künftig soll es ganz bewusst geschehen. Woran es liegt, dass die Wirtschafts- und Finanzbildung hierzulande eher mau ausgeprägt ist, hat eine ganz einfache Ursache: Die Bildung an sich. So beschäftigen wir uns in der Titelgeschichte ab Seite 18 unter anderem damit, dass eines der größten Probleme wirtschaftlichen Nichtwissens das Fehlen entsprechender Lehre an Schulen ist, zumindest in den Unterstufen und allgemeinbildenden Schulen. Auf Seite 42 versuchen wir, den Grund dafür herauszufinden. Letzlich aber bleibt ein Umstand bestehen: Man kann in Österreich das (Pflicht-)Schulsystem verlassen, ohne jemals etwas Substanzielles über Wirtschaft und wirtschaftliche Zusammenhänge gelernt zu haben. Wirtschaftswissen zählt schlichtweg nicht zur Allgemeinbildung. Was grotesk ist, weil letztlich alles irgendwie Wirtschaft ist und der Mensch fest damit verwoben. So ist Wirtschaftsbildung gleichzeitig Lebensbildung – zumindest unserem Verständnis nach.
3
Sprechen Sie Wirtschaft! Ihre Redaktion der eco.nova.
HER AUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020
Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Wellness, Steuern, Recht, Kulinarium und Lifes tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE SABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN!
IHR GOLDSCHMIED SEIT 1764
Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, Christiane Fasching, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper, Marion Witting, MSc. // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Dr. Michael Posselt // eco.kultur: Julia Sparber-Ablinger // eco.mobil: Felix Kasseroler // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Elisabeth Plattner ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Mag. Claudia Elzenbaumer, Matteo Loreck L AYOUT: Tom Binder LEK TOR AT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH UNTERNEHMENS GEGENS TAND:
FACEBOOK.COM/ECO.NOVA.AT
www.norz.gold | Maria-Theresien-Staße 8 | Innsbruck
eco.inhalt
18 28
42
60
4
74
106
FOTOS: ADOBE STOCK, BIRGIT KOELL, NADJA FRÖHLICH, TOM BAUSE
102
eco.inhalt
E C O .T I T E L 18 SHAKESPEARE ODER SOLLZINS Das Wirtschaftswissen ist in Österreich unterentwickelt. Daran ist das Bildungssystem nicht unschuldig. 26 GLOSSAR Wirtschaftswörter und ihre Bedeutungen.
E C O .W I R T S C H A F T 28 STRATEGIEARBEIT
Familienunternehmen in Zeiten der Pandemie. 34 ZUKUNFT GESTALTEN Die iDM Energiesysteme GmbH produziert Wärmepumpen für einen rasant wachsenden Markt und konnte auch im Krisenjahr stark zulegen.
ECO.ZUKUNFT 42 DAS BILDUNGSDILEMMA
ZUR ENTWICKLUNG
Zahlreiche Studien belegen, dass die Ursache für den Wohlstand eines Landes in dessen Innovationskraft liegt. Und Innovation braucht Forschung. 50 PATENTRECHT Die Diskussion über die Aussetzung von Patenten auf COVID-19-Impfstoffe und ihre Folgen.
ECO.GELD 60 WAS IST GELD?
Als Geld das erste Mal in Europa aus Papier war und was uns das über das Wesen des Geldes verrät. 66 WERT-PAPIER Wenn es um Wertpapiere wie Aktien geht, können diese, ginge es immer noch nach einem Großteil der Österreicher, bleiben, wo der
GLOSSAR
Finanzwörter und ihre Bedeutungen. 70 WENIGER WERT Auf der Rohstoffseite, beim Wohnen und auch an der Supermarktkasse wird eine Teuerung spürbar. Doch Löhne und Gehälter können damit nicht Schritt halten. Die Auswirkungen. 74 DIE MONEY-MAKERIN Desiree Marie Holjevac ist Leiterin des Private Banking in der Tiroler Sparkasse und spricht offen über ein Thema, das vielen von uns unangenehm ist: Geld. 80 KRISENBEWÄLTIGUNG Mit dem Auslaufen staatlicher CoronaUnterstützungsmaßnahmen gilt es für viele Unternehmen, den Neustart nach der Krise in Angriff zu nehmen.
ECO.MOTOR 102 WIEDERAUFBAU
Nach dem Brand am Timmels joch bauen Alban und Attila Scheiber ihr TOP Mountain Crosspoint wieder auf. 106 GOOD VIBRATIONS Manche Motorräder haben das Zeug zur Legende. Manche sind schon von Beginn an Legende. Wie die BMW R18. 108 ALLTAGSSPORTLER Der BMW M340d xDrive im Test.
ECO.LIFE 122 FUSSGESUNDHEIT
Sie tragen uns im wahrsten Sinne durchs Leben und werden doch oft zu wenig beachtet: die Füße. 03 EDITORIAL 06 KOMMENTAR 08 11¾ FRAGEN 16 KLARTEXT 86 ECO.STEUERN 94 ECO.RECHT
glücksmomente auf den punkt. umringt von freunden auf der beheizten terrasse sitzen, den gin tonic schon in der hand, in freudiger erwartung auf die köstlichkeiten aus grander‘s küche. das grander +43 (0) 52 24 52 6 26 info@das-grander.at das-grander.at
Ob Wirtschaftswissen indes auch Allgemeinwissen ist, darüber scheiden sich die Geister. Das hat unter anderem paradigmatische Gründe. 46 VON FORSCHUNG
69
Pfeffer wächst. Da kommen sie in gewisser Weise auch her.
eco.mmentar
EIN SOMMER WIE DAMALS? Viele wünschen sich nach Corona, dass einfach alles so wird wie früher. Das wird aber nicht reichen. Denn vor Corona gab es jede Menge Reformbedarf. Zurück in die Zukunft ist keine Option.
6
J
e näher es Richtung „Exit“ bei der Corona-Pandemie geht, desto lauter werden die Stimmen, die fragen: War das alles richtig so? War jede Maßnahme angemessen und wirklich nötig? Wäre alles nicht auch ganz anders gegangen? Die Antwort darauf lautet: Ja. Dass es ganz anders gegangen wäre, zeigen Beispiele aus aller Welt. Schweden ist einen Sonderweg gegangen, welcher der Eigenverantwortung einen hohen Stellenwert eingeräumt hat. Die Zahl der Coronatoten ist höher als bei uns – 13.800 zu 10.000 bei vergleichbarer Einwohnerzahl –, aber nicht um das Zigfache, wie man eigentlich erwarten würde. Auch die Schweiz hat auf Risiko gesetzt und die Hotellerie großteils offengehalten – während bei uns die Tourismus-, Freizeit- und Sportbetriebe 196 Tage lang zusperren mussten. Für einen Weg in die 180 Grad entgegengesetzte Richtung haben sich Australien und Neuseeland entschieden und bereits wegen einzelner Infektionen harte Lockdowns verhängt. Jedes Land bastelte sich somit seinen eigenen Kompromiss zurecht – und aus Sicht der Befürworter ist jeder Weg richtig, aus Sicht der Kritiker jeder Weg falsch. Diese Sandwichposition übt massiven Druck auf die Regierenden aus, auf allen Ebenen. Auf Bundesebene war es Rudolf Anschober anzusehen, dass er in dieser Mühle aufgerieben wurde und entnervt das Handtuch geworfen hat. Auch der Rest der Mannschaft wirkt gestresst und stolpert gerade von einem Skandal in den nächsten, umrahmt von beschlagnahmten Handys über Hausdurchsuchungen und nicht gelieferte Akten bis hin zu Ermittlungen wegen mutmaßlicher Falschaussagen. Und dass inmitten der heiklen Atomverhandlungen mit dem Iran am Dach des Außenministeriums die israelische Flagge gehisst wurde, disqualifiziert Österreichs Anspruch auf die „Vermittlerrolle“ und
V O N K L A U S S C H E B E S TA
ist eine Bankrotterklärung in Bezug auf die Neutralität. Auf Landesebene ist es in den letzten Wochen ebenfalls holprig gelaufen. Die massive Unruhe gipfelte in der Rochade zweier Landesräte, die von jeder Menge schräger Zwischentöne und neuer Verunsicherungen begleitet war. Strategische Planung von langer Hand schaut anders aus. Für das i-Tüpfelchen sorgte der Landeshauptmann mit seinem Kommentar „Es könnte eigentlich nicht besser laufen“. Wir sollten uns allerdings nicht zu lange mit Vergangenheitsbewältigung aufhalten. Wichtiger als die ohnehin kaum zu beantwortende Frage, ob „alles richtig gemacht“ wurde, stellt sich der Blick nach vorne dar. Wer sich damit begnügt, dort anzudocken, wo wir vor Corona waren, fällt dem Klischee zum Opfer, dass „früher alles besser war“. Doch „früher“, also vor eineinhalb Jahren, waren bereits einige Reformen fällig – jetzt sind sie überfällig. Die Rede ist von rekordverdächtig hohen Steuern und Abgaben, die den Mittelstand in die Knie zwingen. Von einer überbordenden Bürokratie, die so manchem Betrieb den letzten Nerv raubt. Von der sich ewig im Kreis drehenden Diskussion über „leistbares Wohnen“, wo derzeit befriedigende Lösungen fehlen. Vom gelungenen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie – was unser Handeln enkeltauglich macht, ohne jedes neue Projekt abzuwürgen. Vom ausufernden Stückwerk in der Verkehrspolitik, die keine klare Strategie erkennen lässt. Wenn sich die Politik diesen Aufgaben nicht stellt, werden sie uns über kurz oder lang über den Kopf wachsen. Da wir in den kommenden Jahren noch zig Milliarden Euro vom Schuldenberg wegräumen müssen, den uns Corona beschert hat, sollten wir nicht vergessen, rechtzeitig die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen. Die nächste Krise kommt bestimmt – bis dorthin sollten wir wieder einigermaßen stabil dastehen.
orthopädie und fußzentrum Operationen werden im Sanatorium Kettenbrücke der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck durchgeführt.
Leistungsschwerpunkte: • Künstliche Gelenke an Hüfte, Knie- und Sprunggelenk • Arthroskopische Operationen am Kniegelenk, Sprunggelenk und Fuß • Operative Beinachsenkorrektur • Behandlung von Fuß- und Sprunggelenksfehlstellungen • Hallux valgus Chirurgie minimalinvasiv
ofz orthopädie fußzentrum Priv-Doz. Dr. Kaufmann Gerhard Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie Innrain 2 / 6020 Innsbruck Tel.: +43 512 56 39 00 www.ofz-innsbruck.at
eco.porträt
Dr. Stefan D. Haigner ist geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW)
8
eco.porträt
11¾ FRAGEN AN
STEFAN HAIGNER Wer sind Sie? Wer ich bin, kann ich leider nicht sagen, aber was ich tue, gerne. Direkt nach meiner Promotion habe ich gemeinsam mit Partnern ein frei finanziertes Forschungsinstitut mit Sitz in Innsbruck gegründet. Heute schreiben wir bereits seit 14 Jahren volks- und regionalwirtschaftliche Studien zu einem breiten Themenspektrum. Vom Schwerpunkt Wertschöpfungsanalysen angefangen bis hin zu Themen wie internationale Terrorismusfinanzierung, Creative Industries, kalte Progression oder bedingungsloses Grundeinkommen.
1.
2. Warum, glauben Sie, haben wir Ihnen geschrieben? Würde mich auch interessieren. Warum eigentlich? 3.
Wie lautet Ihr Lebensmotto? Stetige Verbesserung.
4. Was macht Sie stolz? Dass wir Aufträge aus der freien Wirtschaft, direkt aus der Akademia und über praktisch alle Kammern und das politische Farbenspektrum hinweg bearbeiten und dabei sowohl unser wissenschaftlicher Ansatz als auch unsere politische Unabhängigkeit als Wert an sich geschätzt wird.
5. Was bedeutet für Sie Luxus? Verschwendung. Unabhängigkeit, und dabei nicht allein zu sein, ist daher für mich kein Luxus – beantwortet sinngemäß aber wohl trotzdem Ihre Frage.
6. Mit welcher historischen Persönlichkeit würden Sie
gerne einen Abend verbringen – warum? Fragen dieser Art lösen bei mir reflexartig den Eindruck aus, dass dies ein Wettbewerb ist, in dem ich unbedingt die beste, spannendste und ungewöhnlichste Persönlichkeit nennen muss. Idealerweise auch noch eine politische Wegbereiterin. Ganz so, als ob man bereits durch die Nennung einer ebensolchen Person an Ansehen gewinnen könnte – ganz ohne eigenes Zutun. Aber dann irritiert die Frage auch, weil wieso die Frage nach einer historischen Persönlichkeit und nicht „nur“ nach einer Persönlichkeit? Denn ich bin fest davon überzeugt, man kann vieles von den meisten lernen. Von der völlig unhistorischen Oma nebenan, wenn man sie über ihre Kindheit, die erlebte Armut und den Abschied vom Vater, der in den Krieg zog, befragt. Oder von der völlig unhistorischen alleinerziehenden Mutter, die über ihren Alltag erzählt. Von unhistorischen Politikerinnen, wenn sie über politische Zwänge reden, von unhistorischen Migranten, wenn sie über ihre Träume reden, unhistorischen Russinnen oder Chinesen, wie sie Europa sehen oder von einem von knapp 74 Millionen unhisto-
rischen Wählerinnen und Wählern, warum sie glauben, dass die Wahlen „rigged“ waren. Ist das Interesse nur breit genug, haben viele Spannendes zu erzählen. Was ist das ungewöhnlichste Thema, über das Sie richtig viel wissen? Über russische Feldgurken.
7.
8. Wenn Sie den größten Meilensteinen in Ihrem Leben je einen Song, ein Buch oder ein Musikstück zuordnen müssten, welche wären das und warum? Nächste Frage, bitte. 9.
Keynes oder Hayek? Und warum? Warum „oder“?
10. Welcher zu wenig bekannte Sachverhalt sollte eigentlich zum wirtschaftlichen Allgemeinwissen zählen? Dass vor allem Nicht-Ökonomen und -Ökonominnen an den freien Markt glauben, der alles richtet, und jedweder Staatseingriff schlecht ist. Dieses naive Verständnis von Wirtschaft ist unter Fachleuten praktisch nicht anzutreffen. 11. Die Volkswirtschaft ist auf Beobachtungen angewie-
sen, eine stringente Anwendung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Methode ist dadurch nicht immer möglich. Wird in der Volkswirtschaft ausreichend diskutiert, wo die Grenzen der Wissenschaft liegen und die Ideologie beginnt? Die empirisch arbeitende Volkswirtschaftslehre ist auf Beobachtung angewiesen, sie arbeitet dabei aber nicht theorielos. Ganz so wie die empirisch arbeitenden Naturwissenschaften. Die Grenzen der Wissenschaft betreffen dabei wohl mehr die Erkenntnis an sich als die wissenschaftliche Methode, die in einer Art des Denkens besteht. Aber spätestens seit Immanuel Kant ist es ein alter Hut, dass Menschen in der Lage sind, sich Fragen zu stellen, die das Vermögen unserer Vernunft übersteigen. Aber wie die Geschichte zeigt, ändern sich mit der Zeit die Fragen, die wir nicht beantworten können. Die Grenzen verschieben sich damit laufend – das gilt für die Volkswirtschaftslehre wie auch für die Physik. Zum zweiten Teil: Definieren Sie bitte „ausreichend“.
11¾ :
W E L C H E F R A G E W O L LT E N S I E S C H O N
I M M E R B E A N T W O R T E N , N U R H AT S I E N O C H N I E J E M A N D G E S T E L LT ?
HAIGNER: Weißt du, was die Zahl 42 bedeutet, oder soll ich dir’s sagen? (Antwort: Nein, sag’s mir bitte!)
9
VON ARBEIT UND TOURISMUS Tirol in Zahlen
46.680
Unternehmen in Tirol*) Davon: 58,1 % Ein-Personen-Unternehmen und 0,2 % Großunternehmen
20.123
10
Betriebe in Tirol beschäftigen zwischen 1 und 49 Mitarbeiter (Kleinst- und Kleinbetriebe). Sie zusammen beschäftigen 125.313 Mitarbeiter und damit 49,6 % aller unselbständig Beschäftigten.*)
29.690
vorgemerkte Arbeitslose im April 2021 Dies entspricht einem Rückgang von 33,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Frauen: 16.421 / Männer: 13.539 Davon Langzeitarbeitslose: 4.834 (+129,3 % im Vergleich zum Vorjahresmonat)
4.364
71.987
Mitarbeiter in Tirol sind in den insgesamt 110 Großunternehmen beschäftigt. Dies entspricht 28,5 % aller unselbständig Beschäftigten.*)
308.000
Beschäftigte im April 2021 Dies entspricht einer Steigerung von 4,9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Frauen: 142.000 / Männer: 166.000
8,9 %
Arbeitslosenquote im April 2021 Dies entspricht einem Rückgang von 3,9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Österreichwert: 8,7 % Die niedrigste Arbeitslosenquote (7,3 %) gibt es in Innsbruck, die höchste im Bezirk Landeck (18,2 %).
533
beim AMS gemeldete offene Lehrstellen im April 2021 Lehrstellensuchende: 358
beim AMS gemeldete offene Stellen im April 2021
*) Stand: 31.07.2020 / Quellen: Wirtschaftskammer Tirol/Beschäftigtenstatistik, AMS Tirol, Statistik Austria/Beherbergungsstatistik
71.300
1.108.000
Übernachtungen (vorläufig) in Gesamtösterreich im März 2021 Veränderung zu 2020: –81,9 % Veränderung zu 2019: –92,6 %
davon inländische Gäste: 798.800 Die meisten ausländischen Gäste kamen aus Deutschland, gefolgt von Polen, Ungarn, Italien und der Tschechischen Republik.
Übernachtungen (vorläufig) von inländischen Gästen in Tirol im März 2021
129.000
Übernachtungen (vorläufig) in Tirol im März 2021 Veränderung zu 2020: –94,9 % Veränderung zu 2019: –97,9 %
11
© BRABETZ PHOTOGRAPHY
WIRTSCHAF
12
wirtschaft & unternehmen
Rudi Rohowsky führt den Rauchfangkehrerbetrieb seit 1997 bereits in vierter Generation
ALT, ABER GUT Der Familienbetrieb Rohowsky feiert heuer sein stattliches 170-Jahr-Jubiläum. Das seit 1997 von Rudi Rohowsky in vierter Generation geführte Unternehmen gilt sohin als der älteste Betrieb von Telfs. Die jahrhundertealte Geschichte des Kaminkehrerunternehmens beginnt folglich im Jahr 1851. Den Beleg hierfür lieferte der Telfer Historiker Stefan Dietrich, der im Taufbuch der Pfarre Telfs einen Eintrag über die Taufe von Vincentia Dietrich am 24. Dezember 1851 fand, in dem ihr Vater Alois Dietrich bereits als „Rauchfangkehrer“ bezeichnet wird. Die Vorfahren von Alois waren zuvor schon länger in Telfs ansässig, aber von Beruf Bauern, Metzger und Gastwirte. Wie es scheint, hat Alois den Beruf des Kaminkehrers ergriffen und den Betrieb gegründet. Die Erwähnung seiner Auszeichnung als „muthvoller und umsichtiger Kaminfeger Dietrich von Telfs“ in der Wiener Zeitung stammt aus dem Jahr 1852, darin wird auch geschrieben, dass er sich schon 1851 hervorgetan hatte und „bei der großen Wasserbedrängnis in Telfs Rettung zu schaffen wußte“. Inzwischen führt Ur-Ur-Ur-Enkel Rudi den Betrieb. Bis zu 100 Kamine kehren der Fachmann und seine zehn Mitarbeiter*innen täglich. Darüber hinaus engagiert sich der Rauchfangkehrermeister für verschiedene regionale Organisationen. Bürgermeister Christian Härting würdigte die wertvollen unternehmerischen Tätigkeiten: „Rohowsky ist der einzige Kaminkehrerbetrieb in Telfs. Das Unternehmen ist bei Feuerbeschauen und bei größeren Veranstaltungen ein wichtiger Partner für die Marktgemeinde. Wir sind sehr stolz auf den langjährigen und konstanten Erfolg von Rudi und seinem Team. Hoffentlich gibt es noch weitere 170 Jahre unseren Kaminkehrer in Telfs.“ Wir hoffen mit.
© JULIA TÜRTSCHER
© EGGER HOLZWERKSTOFFE
eco.wirtschaft
eco.mmentar
Marina Bernardi, Chefredaktion
Im Stammwerk St. Johann begann 1961 die Geschichte der EGGER Gruppe.
Mo|ral, die: Sittenlehre, Sittlichkeit.
INVESTIERT
© STIHL TIROL
Das Tiroler Familienunternehmen Egger mit über 10.000 Mitarbeiter*innen weltweit zählt zu den führenden Holzwerkstoffherstellern. Nun wird wiederum dort investiert, wo vor 60 Jahren alles begann: im Stammwerk in St. Johann. Ein neues Hochregallager, ein Recyclingturm und ein zweiter Biomassekessel sind geplant. Die Investitionen stehen im Zeichen der Steigerung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsleistung sowie der Automatisierung. Bis 2024 werden insgesamt über 70 Millionen Euro im Stammwerk investiert, um künftig energieeffizienter und ressourcenschonender zu arbeiten.
UNT ERN EHM DER EN AU S GAB E
ABERMALS AUSGEBAUT Mit einem symbolischen Spatenstich erfolgte Ende April der offizielle Startschuss zum Bau einer Kunststoff-Fertigung beim Gartengeräte-Hersteller STIHL Tirol. Nach der Übersiedlung des Unternehmens vom ursprünglichen Standort Kufstein nach Langkampfen im Jahr 2001 erfolgt nach 2007, 2012 und 2019 die nächste Ausbaustufe für das Unternehmen der STIHLGruppe. Martin Schwarz, STIHL Vorstand Produktion und Materialwirtschaft: „Seit fast 30 Jahren gehört STIHL Tirol zur Unternehmensgruppe. Dieser Spatenstich unterstreicht die Bedeutung des Standorts in unserem internationalen Fertigungsverbund. Ein Ende dieser positiven Entwicklung in Langkampfen sehen wir nicht. Stattdessen sind wir überzeugt, dass sich unsere Garten- und Akkuprodukte aus Tirol auch künftig am Markt durchsetzen werden.“ Das Investitionsvolumen beträgt rund 19 Millionen Euro, die Fertigstellung ist bereits für Sommer 2022 geplant.
„DAS GESE TZ DER WIRTSCHAF T VERBIE TE T ES, FÜR WENIG GELD V I E L W E R T Z U E R H A LT E N .“ JOHN RUSKIN, SCHRIFTSTELLER
Moralverfall Eigentlich hätten wir das Wort in unser Glossar auf Seite 26 aufnehmen sollen, in dem wir versuchen, oft gebrauchte und trotzdem oft unverstandene Begriffe zu erklären. Denn offenbar gibt es unterschiedliche Auffassungen über die gute alte Moral, dabei ist es eigentlich ganz simpel: Es geht um Werte, die das zwischenmenschliche Verhalten in einer Gesellschaft regulieren und die von dieser als verbindlich akzeptiert werden. Zum Beispiel: Du sollst deine Frau nicht töten. Es gibt keinen wie auch immer gearteten Grund, das zu tun. Nie. Deshalb sind Femizide auch keine Beziehungstragödien oder Eifersuchtsdramen, sondern Mord. Immer. Zugegeben, nicht zwangsläufig sind moralisch bedenkliche Taten auch von strafrechtlicher Relevanz. Das macht sie jedoch nicht minder schäbig. Die heimische Politik ist aktuell Meister darin, dafür den Beweis anzutreten. Denn im Umkehrschluss ist nicht alles, was das Recht zulässt, auch moralisch in Ordnung. Dabei irritiert mich etwa weniger ein vermeintlicher Postenschacher an sich, denn viel mehr die Art und Weise, was in den höchsten Kreisen der Politik – für die generell ein höher angelegter moralischer Maßstab gelten sollte, Stichwort Vorbildwirkung – offenbar als völlig normal angesehen wird. Anders kann ich mir die Art der WhatsApp-Kommunikation nicht erklären. In Worten: WHATSAPP. Es gibt weit weniger exponierte Berufsgruppen, die auf ihren Diensthandys die App aus Sicherheitsgrüden nicht mal installiert haben dürfen. Hat man sich früher noch heimlich im Hinterzimmer getroffen, weil man sich offenbar bewusst war, etwas nicht ganz Koscheres zu tun, verschriftlicht man es heute sogar noch. Für die Nachwelt sozusagen. Eh irgendwie praktisch. Und sollte sich am Ende alles als rechtlich in Ordnung herausstellen ... es warat wegen der Moral. Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at
13
© KUNSTFOTOGRAFIN
eco.mmentar
SPRECHEN SIE WIRTSCHAFT? In der Zeitungen oder TV-Nachrichten kommen einem immer wieder Begriffe aus der Wirtschaft unter. Wir haben alle schon von ihnen gehört und verwenden sie auch selbst. Können wir sie aber auch erklären und einordnen, ob und welche Bedeutung diese Begriffe für uns haben?
14
D
en größten Gefallen, den wir unseren Kindern tun können, ist eine entsprechende Grundausbildung in „Wirtschaft“. Jeder sollte Prozentrechnen können und spätestens vor Ende der Lehre oder Abschluss der Matura einmal selbst eine Steuererklärung ausgefüllt haben. Es sich zur Angewohnheit machen, auch das Kleingedruckte vor Vertragsabschluss zu lesen, schadet nicht. Das bewahrt einen öfters vor Ungemach, als man glaubt, zumal sich die Art und Weise, wie heute Verträge abgeschlossen werden – online per Mausklick – stark verändert haben. Eine kleine persönliche Wort-Wahl:
VON ALEXANDER M. SCHMID
ZINSESZINSRECHNUNG
Zugegeben, aktuell machen die Zinssätze diese Rechnung fast obsolet. Trotzdem sei darauf hingewiesen, dass der Zinseszinseffekt, über einen längeren Zeitraum betrachtet, mehr ausmacht, als gerne vermutet wird. Dieser Effekt beruht darauf, dass der Zinszuwachs pro Jahr im Folgejahr die Basis für die nächste Zinsberechnung darstellt. Langsam, aber dafür stetig wächst das zu verzinsende Kapital an und erwirtschaftet somit noch mehr Ertrag.
EFFEKTIVER ZINSSATZ
Der umgekehrte Fall ist mindestens ebenso wichtig. Bei einem Kredit fallen zu Beginn Nebengebühren an, welche die Auszahlungssumme reduzieren. Die Zinsberechnung erfolgt aber weiterhin auf der ursprünglichen Kreditsumme. Daher ist der effektive Zinssatz immer höher als der beworbene Zinssatz. Nimmt man dazu ein tilgungsfreies Jahr in Anspruch und zahlt in der Zeit nicht zumindest die anfallenden Zinsen, wird die Kreditsumme immer höher. Dieser Spirale muss man sich bewusst sein, wenn man einen Kredit aufnimmt. Egal ob Unternehmen oder Privatperson, diese Rechnung gilt für alle.
WIR ALLE WIRTSCHAF TEN TA G TÄ G L I C H U N D S O L LT E N U N S D A H E R A U C H D I E D A Z U N O TWENDIGE SPRACHE ANEIGNEN. UM ZU VERSTEHEN UND V E R S TA N D E N Z U W E R D E N . TCO - RECHNUNG Apropos Rechnung. Kein Tag vergeht ohne Lock- und Teilzahlungsangebote für Dinge, die wir brauchen, oder bei denen uns suggeriert wird, dass wir sie brauchen. Um die wirklichen Kosten für das neue Handy oder den neuen Fernseher zu vergleichen und zu bewerten, eignet sich die die sogenannte TCO-Rechnung. TCO steht für Total Cost of Ownership, also die Gesamtkosten über die gesamte Laufzeit. Nachdem Smartphones inzwischen teuer geworden sind und die Mobilfunkbetreiber den Kaufpreis kaum noch stützen, macht es sich bezahlt, die Anschaffungskosten plus Vertrag ohne Handy den Kosten des Vertrags inklusive Handy gegenüberzustellen. Gleiches gilt für andere Anschaffungen wie Autos. Die Anschaffungskosten sind nicht alleine ausschlaggebend, denn die laufenden Kosten (Versicherung, Verbrauch, Service) können sich über die Laufzeit sehr unterschiedlich gestalten. MEHR DAZU AUF SEITE 26.
ZUR PERSON Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über sechs Jahren mit Vereinfachung in Unternehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at
eco.wirtschaft
IE: SER EXT RT KLA
MAN SPRICHT DEUTSH Deutsch geschrieben heißt noch lange nicht verständlich. Ob Recht, Politik, Verwaltung, Technik oder Werbung – der wahre Sinn vieler Aussagen versteckt sich oft hinter barocken Satzgebilden. Ziemlich leichte Sprache nimmt die Luft aus aufgeblasenen Formulierungen und legt den Blick auf die meist bescheidene Substanz frei. Klartext geht einen Schritt weiter und ergründet die wahren Absichten des Verfassers. Es gilt die Unschuldsvermutung. T E X T : K L A U S S C H E B E S TA
ORIGINAL: VERSCHWÖRUNGSTHEORIE 1 – WIR WERDEN STERBEN
„Die Elite plant, minderwertige Völker über Seuchen und Krankheiten loszuwerden.“
ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Wer ein bisschen im Netz stöbert, entdeckt eine Fülle von Plattformen, Interviews Büchern und Videos, welche die Welt erklären. Aber nicht so kompliziert wie die klassische Wissenschaft, sondern „wirklich“. Eine der schrägsten Fantasien enthält das Buch „Wir töten die halbe Menschheit – und es wird schnell gehen“. Darin wird die „Dezimierung der Weltbevölkerung auf 50 Prozent“ als Faktum verkauft und – erraten! – Corona ist das Werkzeug dazu, besser gesagt die Impfung, die dann den Großteil der Erdbevölkerung verlässlich hinwegraffen wird.
KLARTEXT:
Man könnte darüber schmunzeln, wenn diese schwindligen Theoriegebäude nicht so gefährlich wären. Eine Studie des Market-Instituts zeigt übrigens, dass 32 Prozent der Österreicher für Verschwörungstheorien offen sind.
16
ORIGINAL: VERSCHWÖRUNGSTHEORIE 2 – ORWELL IST DA
„Der Multimilliardär Bill Gates plant, bei jeder Impfung gleichzeitig einen Mikrochip unter die Haut einzusetzen, mit dem die Menschen überwacht werden sollen.“
ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Das Einzige, was Bill Gates dazu tatsächlich gesagt hat, ist, dass irgendwann „digitale Zertifikate“ Auskunft darüber geben könnten, wer bereits eine Infektion mit dem Coronavirus hatte oder dagegen geimpft ist. Doch Gates sprach in diesem Zusammenhang nie von Mikrochips unter der Haut. Seine Aussage wurde mit anderen Projekten vermischt, die von der Gates-Stiftung unterstützt werden, beispielsweise zu Verhütungsmethoden via Mikrochips.
KLARTEXT: Ein Musterbeispiel für eine Verschwörungstheorie. Bill Gates gibt es tatsächlich. Die digitale Erfassung geimpfter Personen auch. Mit diesen Zutaten lässt sich herrlich ein leckerer Verschwörungscocktail mixen, mit dem George Orwell seine Freude gehabt hätte.
ORIGINAL: STEUERN ZAHLEN NUR DIE DEPPEN
Amazon sagt: „Das Unternehmen zahlt alle anwendbaren Steuern in allen Ländern, in denen wir agieren. Die Körperschaftssteuer basiert auf Gewinnen und nicht auf Umsätzen. Die Gewinne sind unter anderem aufgrund großer Investitionen und geringer Margen im Einzelhandel gering ausgefallen.“
ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Den Rechenkünstlern in der Konzernzentrale ist es tatsächlich gelungen, dass der Krisengewinner in Europa bei 44 Milliarden Euro Umsatz keinen Cent Gewinnsteuer zahlen musste. Die Buchhalter haben die Online-Plattform derart arm gerechnet, dass Amazon am Papier für seine Europa-Geschäfte 1,2 Milliarden Euro Verlust auswies und sogar noch eine Steuergutschrift über 56 Millionen Euro erhielt.
KLARTEXT:
Es wird höchste Zeit, dass die europäischen Politiker aufwachen und der Steuertrickserei im großen Stil ein Ende machen. Die „braven Steuerzahler“ in ganz Europa haben es satt, die Deppen zu spielen.
IR
S PÄ
T E R .. .S I
E
W
IHR 1. DERMAKOSMETISCHES FACHINSTITUT IN TIROL
CH?
WERDE
N
AU
W
G
.K
OS
IS
A
WW
E.
AT
A LT ? M E T I K-V
WIR L ASSEN EUCH NICHT HÄNGEN. VENUS VIVA TM Venus Viva TM ist die Behandlung bei hängenden Oberarmen. Mittels der NanoFractional-Therapie und der Radiofrequenz wird die Haut erhitzt. Die Energie dringt durch die Epidermis bis zur Dermis. Dabei bildet sich Wärme, wobei neues Kollagen aufgebaut und die Fibroblasten stimuliert werden. Dies alles führt zu einer Umgestaltung und massiven Straffung des Gewebes. INNSBRUCK, Richard-Wagner-Straße 6, +43 512 294370 | EBBS, Kaiserbergerstraße 4, +43 5373 42 039
INSTITUT
eco.titel
eco.titel
SHAKESPEARE ODER SOLLZINS Das Wirtschaftswissen ist in Österreich unterentwickelt. Daran ist das Bildungssystem nicht unschuldig. Mittlerweile gibt es zarte Initiativen, die Frau und Herrn Österreicher zu ihrem eigenen Vorteil beim Thema Financial Literacy auf die Sprünge helfen wollen. Denn Wirtschaft sind wir alle. TEXT: MARIAN KRÖLL
19
eco.titel
20
D
ie damals 17-jährige Schülerin Naina hat im Jahr 2015 via Twitter eine bildungspolitische Debatte losgetreten. „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen“, schrieb Naina damals. Dieser Umstand für sich genommen ist noch lange kein Grund, die Schulen bis auf die Grundmauern niederbrennen zu wollen. Er kann Anlass sein, sich ernstlich mit der Frage auseinanderzusetzen, was das Bildungssystem heutzutage leisten und inwiefern es junge Menschen ertüchtigen soll, selbstbestimmt und selbstbewusst an ökonomischen, gesellschaftlichen und nicht zuletzt demokratischen Prozessen teilzuhaben. Wem es völlig am grundlegenden Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge fehlt, der wird letztlich in dieser Gesellschaft auch nicht sein volles Potenzial ausschöpfen und selbige mitgestalten können. Beim Wissen um die Grundzüge unseres politischen Systems verhält es sich ähnlich. Wer nichts weiß oder nichts wissen will, über dessen Kopf wird einfach hinwegentschieden.
W IR T S C H A F T UND GE S EL L S C H A F T S IND ENG MI T EIN A NDER V ER Z A HN T, M A N KÖNN T E UN T ER UMS TÄ NDEN S OGA R S O W EI T GEHEN UND S AGEN: W IR T S C H A F T IS T GE S EL L S C H A F T.
ÖKONOMIE IST NICHTS NEUES Der Begriff Ökonomie setzt sich aus den altgriechischen Wörtern oĩkos „Haus“ und nómos „Gesetz“ zusammen. Im antiken Griechenland verstand man unter oĩkos die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, die Familie, Bedienstete (und damals auch Sklaven), Gebäude, Land und sämtliches Inventar umfasste. Bis heute ist die so genannte Hauswirtschaft neben der Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft eine der grundlegenden ökonomischen Ebenen der modernen Gesellschaft. Wirtschaft ist in all ihren Zusammenhängen und Bedeutungen bis heute etwas, dem man sich nicht entziehen kann, es sei denn, man lebt als Eremit in Subsistenz. Dabei sind Wirtschaft und Gesellschaft eng miteinander verzahnt, man könn-
eco.titel
te unter Umständen sogar so weit gehen und sagen: Wirtschaft ist Gesellschaft.
WIRTSCHAFT BEWEGT
Die Kräfte der Wirtschaft rühren im Weltgeschehen um, mindestens ebenso viel wie jene der Politik, wenn nicht sogar stärker. Und dennoch stehen weite Teile der Bevölkerung der Wirtschaft desinteressiert gegenüber. Es fehlt an wirtschaftlicher Kompetenz und grundlegendem Wissen, das sich eigentlich in der Schule mit relativ geringem Mehraufwand vermitteln ließe. Studien zeigen, dass österreichische Schüler allgemein zu wenig über die Grundbegriffe und Funktionsmechanismen des Finanz- und Wirtschaftslebens Bescheid wissen. Viele lernen erst später etwas darüber, nicht selten auf die harte Tour. Schon vor der Coronakrise galten 700.000 Österreicher als überschuldet. Einer der Hauptgründe dafür ist irrationales Konsumverhalten, das nicht den eigenen finanziellen Möglichkeiten angepasst ist. Wie man sich denken kann, ist die Lage durch die Krise nicht besser geworden. Dass den Menschen einerseits Überkonsum – ein Leben über die Verhältnisse – vorgehalten wird und andererseits höchst professionalisiert Bedürfnisse geweckt werden, die Menschen zum Konsum animieren, ist eine der Ambivalenzen, mit denen man heutzutage unweigerlich konfrontiert ist. Bettina Fuhrmann, die das Institut für Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien leitet, konstatiert nach einer Studie der WU, dass den Schülern in Österreich das ganzheitliche Verständnis von Wirtschaft fehle: „Die österreichischen Schülerinnen und Schüler sind sich bewusst, dass sie Wissenslücken im Wirtschaftsbereich haben, und zeigen auch großes Interesse daran, Wirtschaftsthemen besser zu verstehen. Es fehlt ihnen jedoch das ganzheitliche Verständnis. Sie fühlen sich nur marginal von der Wirtschaft betroffen und nicht als aktiver Teil des Wirtschaftskreislaufes.“ Um diesen Mangel zu lindern, wurde im Dezember 2020 die Stiftung Wirtschaftsbildung gegründet, getragen von sieben Organisationen – Arbeiterkammer, Erste-Stiftung, Industriellenvereinigung, Innovationsstiftung für Bildung, Mega-Bildungsstiftung, Oesterreichische Nationalbank sowie Wirtschaftskammer Österreich. Ziel der Stiftung ist die langfristige Verankerung von wirtschaftlichen Bildungsinhalten in der schulischen und außerschulischen Allgemeinbildung. „Die Stiftung will mit ihren Aktivitäten alle jungen Menschen dazu befähigen, im Laufe ihres Lebens und in ihren unterschiedlichen Rollen in der Arbeitswelt (z. B. als Arbeitnehmer, Unternehmer, Bürger, Konsumenten, Versicherte und Steuerzahler) mündig, kritisch, selbstständig, verantwortungsbewusst und kompetent an der nachhaltigen Entwicklung und Gestaltung der Wirtschaft und der Gesellschaft mitzuwirken“, heißt es. Beim Thema Wirtschaftsbildung wird allgemein Handlungsbedarf geortet. Doch bevor das hehre Ziel der Stiftung erst einmal in Griffweite rückt, muss Wirtschaftsbildung im Bildungssystem verankert werden, müssen Pädagogen abseits von Schulen mit Wirtschafts-
W EM E S VÖL L IG A M GRUNDL EGENDEN V ER S TÄ NDNIS W IR T S C H A F T L IC HER ZU S A MMENH Ä NGE F EHLT, DER W IRD L E T Z T L IC H IN DIE S ER GE S EL L S C H A F T AUC H NIC H T S EIN VOL L E S P O T ENZI A L AU S S C HÖP F EN UND S EL BIGE MI T GE S TA LT EN KÖNNEN. BEIM W IS S EN UM DIE GRUNDZÜGE UNS ERE S P OL I T IS C HEN S Y S T EM S V ERH Ä LT E S S IC H Ä HNL IC H. W ER NIC H T S W EIS S ODER NIC H T S W IS S EN W IL L , ÜBER DE S S EN KOP F W IRD EINFAC H HIN W EGEN T S C HIEDEN.
fokus mit faktischem wie didaktischen Wissen unterstützt werden und nicht zuletzt in weiten Teilen der Bevölkerung erst einmal ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass überhaupt etwas im Argen liegt. Ob es zur Vermittlung des kleinen Einmaleins der Wirtschaft ein eigenes Fach braucht, ist nicht abgemacht, schaden würde das jedenfalls nicht. Gänzlich unverzichtbar erscheint es, bestehende Lehrpläne dahingehend anzupassen, dass diese mehr mit der Lebensrealität junger Menschen zu tun haben. Gedichtanalyse ist gut und wichtig, die Kunst, ein in Form und Inhalt makelloses oder zumindest annehmbares Bewerbungsschreiben abzuliefern, aber auch nicht gänzlich zu verachten. Diesbezüglich hätte wohl fast jedes Unternehmen die eine oder andere schaurige Geschichte zu erzählen, weil die Qualität von Bewerbungen leider allzu oft unterirdisch zu sein scheint und sich junge Menschen damit Lebenschancen berauben. Allerdings darf man getrost davon ausgehen, dass die Gedichtanalysen der Jugendlichen, die keine ansatzweise vernünftige Bewerbung zustande bringen, wohl auch keine besondere Offenbarung sind. Ähnlich dürfte die Situation in der Mathematik gelagert sein, deren Rolle als Werkzeug zur Modellierung von realen Problemen im Unterricht unterentwickelt ist. Ein zeitgemäßer Mathematikunterricht sollte daher nicht nur mathematisches Faktenwissen und schematische Lösungsverfahren vermitteln, sondern auch die Ausbildung der Fähigkeit, mathematisches Wissen flexibel in kontextbezogenen Problemstellungen einsetzen zu können. Die Probleme sollten dabei derart gestaltet sein, dass sie den Schülern die Bedeutung von Mathematik in unserem Leben aufzeigen, einen Bezug zur Lebenswelt der Schüler herstellen und gezielt das eigenständige Denken schulen.
EINSEITIG, TENDENZIÖS, FALSCH
Die in Innsbruck ansässige Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung/GAW hat sich im Jahr 2016 im Rahmen einer umfassenden Studie 57 Schulbücher aus Geographie und Wirtschaftskunde aus der 5. bis
21
eco.titel
22
8. Schulstufe (also Pflichtschule) angesehen und ist dabei zu einigen interessanten und besorgniserregenden Schlüssen gelangt. Wir haben in dieser Ausgabe übrigens dem Ökonomen und geschäftsführenden Gesellschafter der GAW, Dr. Stefan D. Haigner, unsere 11 3⁄4 Fragen gestellt (Seite 8). In der Analyse hat sich gezeigt, dass die betreffenden Bücher ihre eigenen Weltbilder zeichnen und dass dabei „rein quantitativ die Bereiche Wirtschaft(skunde) und Geographie in den Schulbüchern nicht gleichberechtigt nebeneinanderstehen“. Heißt im Klartext, die Wirtschaft ist mehr oder weniger das Beiwagerl der Geographie. Mit den Zahlen nimmt man es mithin nicht so ganz genau und es werden Sachverhalte angedeutet, die einer objektiven Überprüfung nicht wirklich standhalten. Der Umgang mit Zahlen, Daten, Fakten und Statistiken wird in den meisten dieser Lehrbücher zudem recht lässig gehandhabt. Es mangelt allgemein an Differenzierung und es darf nicht weiter verwundern, dass ein zunehmender Teil der Bevölkerung einem manichäischen Weltbild anhängt, das zwischen dem absolut Guten und dem absolut Bösen keinerlei Abstufungen kennt. „Manche Themen bringen es mit sich, dass sie, gefragt oder ungefragt, auch Fachfremde zu Meinungsäußerungen, Kommentaren oder Kritik geradezu einladen. Viele dieser Wortspenden dienen dabei nicht selten der Eigenprofilierung und kratzen mangels Fachkompetenz und unter Ausklammerung von unliebsamen Untiefen lediglich an der Oberfläche. Das Thema Schulbuch zählt wohl auch dazu“, lautet ein im Grunde genommen ver-
nichtendes Fazit der GAW-Analyse. Doch es geht noch weiter: „Im Zuge der Analyse der Schulbücher wurden jedoch auch Ungereimtheiten zwischen den Schulbüchern sowie falsche, einseitige und tendenziöse Darstellungen festgestellt.“
WEIT UND BREIT KEIN UNTERNEHMERTUM
Eine Antwort auf die Frage, wieso der Unternehmergeist in Österreich bestenfalls als laues Lüftchen durch die Lande weht, könnte in der GAW-Analyse ebenfalls zu finden sein: „Die Antwort auf die Teilfrage, wie das Thema ‚Unternehmertum‘ in den Schulbüchern der 5. bis 8. Schulstufe behandelt wird, ist rasch gegeben: praktisch überhaupt nicht.“ Das ist nicht weiter überraschend, ist doch Exotisches wie Unternehmertum in den Lehrplänen gar nicht vorgesehen. Da wäre man wieder bei der Diskrepanz zwischen Lehrplan und Lebenswirklichkeit angelangt, die auch der GAW nicht verborgen bleibt: „Wenn man sich vor Augen führt, dass in Österreich grob eine halbe Million Menschen selbstständig erwerbstätig sind oder dass das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft mit einem ‚Start-up-Paket‘ das ‚Gründerland Österreich‘ stärken will, stellt sich schon die Frage, weshalb dieser Themenbereich in den Schulbüchern so gut wie inexistent ist.“ Außerdem werde dem Thema „Arbeiten im Unternehmen“ eindeutig Vorrang vor dem Thema „Arbeiten am Unternehmen“ gegeben. „Ein Appetitmachen auf das ‚Abenteuer Unternehmertum‘ sieht anders aus“, heißt es im Papier.
© PETRA FEHER
erfolgs.geschichten
Mag. Josef Feichtner, Josef Gruber, Mag. Markus Kals und Florian Unterberger
Von Dynamik geprägt E S EN T S T EH T BIS W EIL EN E T WA S ÜBER S P I T Z T F ORMUL IER T DER EINDRUC K , DA S S S C HÜL ER NIC H T W EGEN, S ONDERN T R O T Z IHRER S C HUL B ÜC HER ZU V ERNÜNF T IGEN, W IR T S C H A F T L IC H DENK ENDEN UND H A NDEL NDEN ER WAC HS ENEN HER A NREIF EN KÖNNEN. Der Begriff unternehmerische Kompetenz wird gleich ganz ausgespart: „Das weitgehende Fehlen des Begriffs der unternehmerischen Kompetenz in den Schulbüchern mag dabei auch daran liegen, dass dieser Begriff zu eng verstanden wird, wenn dieser als nur für Unternehmerinnen und Unternehmer relevant verstanden wird. Aber der Begriff der unternehmerischen Kompetenz ist viel breiter zu verstehen und wird dadurch für jedermann und jederfrau relevant“, argumentiert man bei der GAW. Im Europäischen Referenzrahmen zum Thema lebensbegleitendes Lernen wird die so genannte unternehmerische Kompetenz explizit und folgerichtig zu den Schlüsselkompetenzen gezählt, versetzt sie den Einzelnen doch in die Lage, „Ideen in die Tat umzusetzen“, hilft „dem Einzelnen […] in seinem täglichen Leben zu Hause oder in der Gesellschaft [...] sein Arbeitsumfeld bewusst wahrzunehmen und Chancen zu
1976 gründeten KR Fritz und Helga Unterberger ihr erstes Autohaus. Heute präsentiert sich die Unterberger Gruppe als starke, beständige und innovative Unternehmensgruppe weit über die Autobranche und die Landesgrenzen hinaus. Das erste Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte schrieben KR Fritz Unterberger und seine Frau Helga im Jahr 1976 mit der Gründung eines BMW- und Volvo Autohauses mit fünf Mitarbeitern in Kufstein. Heute beschäftigt das Firmengeflecht aus 19 Standorten inklusive zwei Karosseriezentren rund 750 Mitarbeiter. Seit 1980 ist die Gruppe auch im Leasing-, Beteiligungs- und Immobilienbereich erfolgreich tätig, ein weiteres gelungenes Kapitel der Firmengeschichte. Über vier Jahrzehnte hinweg steht der Name Unterberger in all seinen Tätigkeitsfeldern für Beständigkeit, Innovation, starke Partnerschaften und nicht zuletzt für echte Handschlagqualität. „Neben dem stetigen Ansporn zur Weiterentwicklung sieht das Team rund um KR Fritz Unterberger und seinen Söhnen Gerald Unterberger, Mag. Dieter Unterberger, Fritz Unterberger jun. und Florian Unterberger vor allem im Faktor ‚Mitarbeiter‘ den Schlüssel zum Erfolg“, weiß Geschäftsführer Josef Gruber über die Firmenphilosophie. Mit großem Engagement kümmert sich das Team um vielseitige Anliegen der Kunden in den Bereichen Automobile, Immobilien und deren Finanzierung. Branchenübergreifend erstrecken sich die gut etablierten Standorte von Tirol über Vorarlberg, Salzburg bis nach Südbayern und ins Allgäu. „Besonders schätzen wir die langjährige Zusammenarbeit mit der Hypo Tirol, die uns in der ganzen Unternehmensgeschichte als verlässlicher Partner im Finanzbereich zur Seite steht. Dies zeigt sich aktuell in der vertrauensvollen Geschäftsbeziehung und Kooperation in schwierigen Corona-Zeiten. Wir fühlen uns von der Hypo Tirol Bank mit ihren Ansprechpartnern Mag. Alexander Weiß und Mag. Markus Kals bestens betreut“, betont die Unternehmerfamilie. PR
eco.titel
24
ergreifen“ und ist „die Grundlage für die besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse, die diejenigen benötigen, die eine gesellschaftliche […] Tätigkeit begründen oder dazu beitragen“ wollen. „Damit ist unternehmerische Kompetenz auch für unselbstständig Erwerbstätige, als kleinste unternehmerische Einheit, wertvoll. Oder für Konsumentinnen und Konsumenten, da auch sie ‚Ideen in die Tat umsetzen‘ wollen“, heißt es in der Analyse. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden. Es entsteht bisweilen etwas überspitzt formuliert der Eindruck, dass Schüler nicht wegen, sondern trotz ihrer Schulbücher zu vernünftigen, wirtschaftlich denkenden und handelnden Erwachsenen heranreifen können. Der Handlungsbedarf, was wirtschaftliche Aspekte betrifft, lässt sich mit Händen greifen und es ist kaum zu erwarten, dass sich das in den Jahren seit Erscheinung dieser Analyse signifikant zum Besseren gewendet hat. Das lückenhafte Wirtschaftswissen ließe sich jedenfalls verbessern, würde mehr Zeit dafür aufgewendet, die Ausbildung der Pädagogen entsprechend adaptiert und die Unterrichtsmaterialien verbessert. Das Match in den Schulen darf dennoch zukünftig nicht Goethe oder Giralgeld, Shakespeare oder Sollzins, Nietzsche oder Niedrigzins heißen, sondern sowohl als auch. Bildung ist freilich mehr als das Herrichten und Heranzüchten von Konsumenten, deren humanistische, sprachliche und geisteswissenschaftliche Inhalte nicht etwa Luxus sind. Das rudimentäre Vorhandensein
schulisch vermittelter Wirtschaftskompetenz schließt ein Faible für Latein und Altgriechisch nicht aus. Umgekehrt gilt selbstredend dasselbe. Es kommt darauf an, jedem, der in diesem Land jemals eine Schule besucht hat, die wichtigsten Grundbegriffe beizubringen, damit mitgeredet und bewusst mitentschieden werden kann, wenn es um die Wirtschaft geht, deren Wahl analog zum Urnengang in der Demokratie die Konsumentscheidung ist. Das sollte nicht zuletzt im Eigeninteresse aller Menschen in diesem Land liegen. Von Starinvestor Warren Buffet stammt die Aussage, dass dieser nur in Aktiengesellschaften investiert, deren Geschäftstätigkeit er versteht. Das kann analog auch für das Wirtschaftsleben gelten, das vom „normalen“ Leben schlichtweg nicht zu trennen ist. Auch deshalb ist es wohl keineswegs von Nachteil, sich mehr Wissen über Wirtschaft und deren Zusammenhänge anzueignen und damit – wie es im Englischen schön heißt – der Financial Literacy auf die Sprünge zu helfen. Damit man, wenn das Leben wie im Alltag so oft die Frage „Do you speak Wirtschaft?“ stellt, auch im Brustton der Überzeugung antworten können: „Yes, we can!“
btv.at
Verantwortung wahrnehmen Nicht irgendwo, sondern hier bei uns. Die BTV kommt aus der Region und investiert in der Region. Das Richtige dort zu tun, wo wir alle leben und arbeiten heißt für uns, lokal zu handeln – aber auch darüber hinauszudenken.
eco.glossar
[GLOSSAR] Wirtschaftswörter und ihre Bedeutungen.
INFLATION UND KAUFKRAFT
26
Die Inflation beschreibt das sich stetig erhöhende Preisniveau von Gütern und Dienstleistungen. Das heißt: Für dasselbe Geld bekommt man ein Jahr im Schnitt später weniger Waren. Inflation ist per se nicht weiter schlimm, wenn gleichzeitig das Niveau der Löhne im gleichen Maß steigt. Passiert das nicht, sinkt die Kaufkraft des Geldes und man spricht von sinkenden Reallöhnen bzw. einer sinkenden Konsum-Kaufkraft. Berechnet wird die Inflation mit Hilfe eines Warenkorbs, in dem ein repräsentativer Querschnitt aller Konsumgüter enthalten ist, die man tagtäglich braucht oder nutzt. Ein gewisses Maß an Inflation gilt für die Wirtschaft sogar als gesund: Da das Geld immer weniger wert wird, ist es besser, es zu investieren oder auszugeben. Das fördert den Konsum. Für März 2021 lag die Inflationsrate in Österreich bei 2,0 Prozent (d. h. Waren und Dienstleistungen sind um 2 Prozent teurer als im März 2020).
erfahrene Einzelunternehmerin, die Unternehmensberatung anbietet, hat vermutlich wesentlich geringere Kosten als ein kleiner Tischlereibetrieb und dennoch können beide einen ähnlichen Umsatz erwirtschaften. Nach Abzug der Kosten für die Produktionsaufwände wie Maschinen oder Material, Mieten, Löhne und Gehälter für Mitarbeiter, Steuern und dergleichen mehr bleibt hoffentlich noch etwas übrig: Das ist der Gewinn. Die Höhe des Umsatzes übersteigt also die Höhe der Kosten, die der Einnahmen jene der Ausgaben. Die Frage nach dem Umsatz alleine mag innerhalb einer Branche ein Indiz dafür sein, wie gut ein Unternehmen im Geschäft ist, sagt aber noch nichts darüber aus, ob es auch rentabel ist. (Siehe Rentabilität)
RENTABILITÄT
Das Gegenteil von Inflation ist Deflation. Das Geld wird also mehr wert. Das klingt im ersten Moment verlockend, hat aber seine Tücken. Wenn alle mit ihrem Konsum auf später warten (weil sie dann mehr Gegenwert bekommen, als würden sie gleich kaufen), kommen manche Unternehmen ins Schleudern, weil sie keine Produkte mehr verkaufen können.
UMSATZ VS. GEWINN
Die Rentabilität ist eine Verhältniszahl, die meist in Prozent ausgedrückt wird. Setzt man den Unternehmensgewinn in Relation zum eingesetzten Kapital, erhält man diesen Wert. Dieser lässt sich sehr gut auch branchenübergreifend vergleichen. Es liegt im Interesse einer jeden Unternehmung, eine möglichst hohe Rentabilität zu erwirtschaften. Das gelingt zum Beispiel durch eine Alleinstellung am Markt, die hohe Preise ermöglicht, oder besonders hohe Effizienz, also geringen Mitteleinsatz in der Herstellung. Je höher diese Rentabilität ist, umso mehr finanzielle Mittel sind für weitere Investitionen vorhanden.
Auch wenn es schön wäre: Umsatz und Gewinn sind bei weitem nicht dasselbe. Der Umsatz beschreibt, was in einer bestimmten Zeit durch den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen hereingekommen ist, wie viel Geld man also insgesamt eingenommen hat. Es ist ein Wert, der immer wieder gerne als die Vergleichszahl zwischen Unternehmen herangezogen wird. Hier ist gerne mal von vielen Milliarden Euro die Rede, was auf den ersten Blick nach viel klingt. Und damit nach Erfolg. Um aber überhaupt Umsätze erzielen zu können, entstehen Aufwände und damit Kosten. Diese sind je Unternehmen und Branche sehr unterschiedlich. Eine
Den Mitarbeiter interessiert vor allem der Nettolohn, denn diesen bekommt er monatlich ausgezahlt. Für den Arbeitgeber hingegen ist wichtig, wie viel der Mitarbeiter dem Unternehmen tatsächlich kostet, und das ist weit mehr. Zusätzlich zum Nettolohn kommen Sozialversicherung und Lohnsteuer hinzu. In der Regel sind diese beiden Punkte auch auf der Gehaltsabrechnung für den Mitarbeiter ersichtlich, denn all dies zusammen ergibt den Bruttolohn. Der Arbeitgeber hat aber noch weitere Abgaben pro Mitarbeiter zu bezahlen, etwa Kommunalsteuer oder den Dienstgeberbeitrag (DB) und den Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (DZ). Dem Unter-
NETTO - UND BRUTTOLOHN
nehmen kostet ein Mitarbeiter unterm Strich also noch mehr als den Bruttolohn. Beispiel: Von einem Bruttolohn von 2.400 Euro kommen ca. 1.720 Euro netto beim Arbeitnehmer an. Die Sozialversicherung von rund 435 Euro und die Lohnsteuer von ca. 245 Euro werden automatisch vom Bruttolohn abgezogen. Zählt man jene Abgaben dazu, die für den Mitarbeiter nicht ersichtlich sind, entstehen dem Arbeitgeber insgesamt Kosten von rund 3.100 Euro, wovon insgesamt 1.380 Euro an den Staat gehen. KURZ & BÜNDIG
B R E A K- E V E N - P O IN T: Wenn man ein Pro-
jekt/Unternehmen beginnt, fallen anfangs meist nur Kosten an. Der Break-even-Point gibt an, wann der Umsatz so hoch ist, dass die Kosten gedeckt sind und man beginnt, Gewinne zu machen.
BRUT TOINL ANDSPRODUK T: Das BIP drückt
in Geld aus, was in einer Volkswirtschaft in einem Jahr (legal) an Waren produziert oder geleistet wird. Das BIP in Österreich lag im vergangenen Jahr bei 375,6 Milliarden Euro (2019: 397,58 Mrd. Euro).
C E O : Chief Executive Officer = Geschäftsführer.
C OR P OR AT E IDEN T I T Y/C I: Erscheinungsbild eines Unternehmens nach außen, seine Identität, ausgedrückt zum Beispiel im Design (Corporate Design/CD), in einer einheitlichen Kommunikation und Unternehmenskultur.
D U M P I N G : Verkauf einer Ware zu einem sehr geringen Preis, der manchmal nicht einmal kostendeckend ist. Warum? Um Kunden zu locken, um damit neue Geschäftsfelder zu erobern und/oder Konkurrenten vom Markt zu drängen (um im besten Fall der letzte verbliebene Anbieter zu sein, der die Preise dann beliebig erhöhen kann, weil es schlicht keine Konkurrenz mehr gibt) oder um alte Ware loszuwerden.
eco.glossar
E B I T: Earnings Before Interest and Taxes = Einkommen vor Zinsen und Steuern (oft auch EGT genannt, Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit). Damit werden Geschäftsergebnisse von Unternehmen vergleichbar gemacht. Das EBIT entspricht dem Gewinn des Unternehmens, bevor jene Aufwendungen abgezogen werden, die mit dem eigentlichen Geschäft nichts zu tun haben (also Zinsen und Steuern). EIGENK A PI TA L : Alles, was die Eigentümer
oder Gesellschafter eines Unternehmens selbst in den Betrieb einbringen. Oder aus eigenen Mitteln aufgebrachtes Kapital zur Finanzierung einer Sache. Das Gegenteil ist Fremdkapital, das meist von Banken in Form von Krediten kommt.
E M E R G I N G M A R K E T S : Stark wachsende
Märkte meist in Osteuropa oder in Entwicklungs- und Schwellenländern (zählen nicht mehr zu den armen Entwicklungsländern, aber auch noch nicht zu den reichen Industrienationen). Meist in Zusammenhang mit Aktienmärkten verwendet.
F & E : steht für Forschung & Entwicklung. Beides ist vor allem wichtig für Innovation, also den Erfindergeist einer Nation.
FLUK TUATION: Die Fluktuation gibt an, wie
häufig Mitarbeiter den Arbeitsplatz wechseln. Je niedriger die Fluktuation in einem Unternehmen, desto weniger Personalwechsel gibt es.
F USION: Wenn sich mehrere Unternehmen
zu einer neuen Einheit zusammenschließen.
H A N D E L S S PA N N E : Ist die Differenz zwi-
schen jenem Preis, zu dem ein Händler seine Waren einkauft, und jenem Preis, zu dem er sie verkauft, den also der Kunde bezahlt. Der Händler bekommt die Differenz für seine Leistung wie Beratung oder Service und muss davon seine Kosten decken.
H O L D I N G : Eine Holding ist an mehreren untergeordneten Unternehmen beteiligt. Sie stellt selbst weder Waren her, noch bietet sie Dienstleistungen an. Sie verwaltet lediglich die Unternehmen, an denen sie beteiligt ist. IND U S T R I A L I S IER UNG : Entwicklung vom
landwirtschaftlich geprägten zum industriell geprägten Staat.
INS OLVENZ: (Drohende) Zahlungsunfähig-
M A R K T W IR T S C H A F T: Grundgedanke der
K ARTELL: Der Preis eines Produktes richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Bei einem Kartell sprechen sich einige Unternehmen ab und schalten so die Konkurrenz aus – was verboten ist.
NON - PROFIT- ORGANIS AT IONEN: Sie funktionieren wie herkömmliche Unternehmen, sind aber nicht darauf ausgelegt, Gewinne zu machen, sondern verfolgen einen bestimmten Zweck, meist einen sozialen. Das notwendige Geld dafür stammt in der Regel aus Spenden oder von der öffentlichen Hand.
keit eines Unternehmens. Kann ein Unternehmen seine Rechnungen nicht mehr bezahlen, gibt es zwei Möglichkeiten: Ausgleich und Konkurs. Beim Ausgleich verzichten die Gläubiger (alle jene, denen das Unternehmen Geld schuldet) auf einen Teil ihres Geldes und der Betrieb läuft unter bestimmten Auflagen weiter. Beim Konkurs muss das Unternehmen zusperren.
K M U : Kleine und mittlere Unternehmen. Kleinstbetriebe beschäftigen zwischen 1 und 9 Mitarbeiter (in Tirol sind das rund 1⁄3 aller Dienstgeberbetriebe). Kleinbetriebe beschäftigen zwischen 10 und 49 Mitarbeiter, Mittelbetriebe zwischen 50 und 249 Mitarbeiter. Ab 250 Beschäftigten spricht man von Großbetrieben. Derer gibt es in Tirol rund 110. Die kleinste Einheit ist das EPU, das Ein-Personen-Unternehmen. KOLLEK TIV VERTR AG: Er regelt die Arbeits-
bedingungen einzelner Branchen – von den Mindestlöhnen bis zur Kündigungsfrist. Damit werden Mindestvoraussetzungen für alle Arbeitnehmer einer Branche geschaffen.
KON J UNK T UR : Beschreibt die allgemeine
wirtschaftliche Lage. Wie das Wetter kann diese gut oder schlecht sein. Konjunkturprognosen versuchen abzuschätzen, wie sich diese Lage künftig verändert.
LIQUIDITÄT: Kommt von liquide, flüssig. Damit ist gemeint, dass eine Firma Geld „flüssig“, also sofort verfügbar hat (und z. B. nicht erst über einen Kredit besorgen muss).
LOBBYING: Ist eine Form der Interessenvertretung. Es ist der Versuch einer Gruppe, auf die öffentliche Meinung (oft auf politischer Ebene) in ihrem Sinn einzuwirken. Das kann eine Branche, eine Unternehmensgruppe oder eine Gewerkschaft sein. Lobbying ist übrigens nicht per se böse, sondern in manchen Fällen erlaubt. LÖHNE UND GEHÄLTER: Arbeiter (arbeiten vorwiegend körperlich) bekommen Löhne, Angestellte (arbeiten überwiegend geistig) ein Gehalt.
Marktwirtschaft ist das so genannte freie Spiel der Kräfte von Angebot und Nachfrage. Daraus ergibt sich der Preis. In einer Marktwirtschaft geht man davon aus, dass die Produktion und Verteilung von Gütern durch den Markt gesteuert wird, im Gegensatz zur Planwirtschaft, die von der Annahme ausgeht, dass der Staat diese Dinge zu regeln hat.
P UBL IC REL AT IONS : PR ist die Öffentlich-
keitsarbeit für ein Unternehmen. Im Gegensatz zu klassischen Inseraten geht es dabei um Pressearbeit in Form von Pressekonferenzen oder Veranstaltungen. Auch interessengeleitete Beiträge in Zeitungen fallen darunter. Dabei wird eine Werbebotschaft in einen so genannten Text verpackt, der manchmal gar nicht auf den ersten Blick als „Werbung“ zu erkennen ist.
REL AUNC H: Die Überarbeitung eines Pro-
duktes, Designs oder Werbekonzeptes. Quasi eine Verjüngungskur.
S KO N T O : Eine nachträglich gewährte Ermäßigung (von meist 2 oder 3 %), die man sich bei schneller Bezahlung einer Rechnung abziehen darf. Im Gegensatz zum Rabatt, der sofort vom Rechnungspreis abgezogen wird. SOZIALPARTNERSCHAF T: Interessengegen-
sätze von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind normal, schließlich haben beide unterschiedliche Ziele. Im Modell der Sozialpartnerschaft lösen die wichtigsten Interessenvertretungen – Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung auf der einen und Arbeiterkammer und Gewerkschaften auf der anderen Seite – am Verhandlungsweg die Konflikte.
Quellen: Alexander Schmid, Büchlein „Du schaffst es. Wirtschaft kompakt“ (herausgegeben von Pro Wirtschaft Tirol – einer ehemaligen Initiative des Landes Tirol, der Wirtschaftskammer Tirol und der Industriellenvereinigung Tirol, die mittlerweile aufgelöst wurde. Die Beschreibungen indes haben nach wie vor Gültigkeit.), Wikipedia, Wirtschaftslexikon
27
eco.wirtschaft
FAMILIENUNTERNEHMEN IN ZEITEN DER PANDEMIE
28
Durch Umfragen und Forschungen, Beobachtungen, Artikel und Bücher, aufgrund von vielen Gesprächen mit Unternehmer*innen sowie durchgeführten Beratungsprojekten mit Familienunternehmen in den letzten zwölf Monaten sind soziokulturelle, politische, technologische und ökonomische Tendenzen zu erkennen, die ein hohes Potential haben, bleibende Auswirkungen auf die Welt der Familienunternehmen zu haben. Die COVID-19-Pandemie hat lang bestehende Unverhältnismäßigkeiten, brodelnde Konflikte sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und geopolitische Klüfte ungeschminkt an die Oberfläche gebracht. TEXT: MARKUS WEISHAUPT
eco.wirtschaft
DIE EINEN VERSUCHEN DIE ZEICHEN DER ZEIT MIT DER T Ö D L I C H E N S T R AT E G I E D E S A U S S I T Z E N S Z U I G N O R I E R E N . DIE ANDEREN WISSEN: NUN IST AK TIVES GEGENSTEUERN U N D A N PA S S E N G E F R A G T, U M Z U Ü B E R L E B E N .
gilt auch das „Ziehharmonika-Unternehmen“ derzeit als unrealistisch, denn dazu braucht es nicht zuletzt neue Arbeitsrechtsgrundlagen oder öffentlich garantierte Unterstützungen. Nichtsdestotrotz: Unternehmen sollten ihr Geschäftsmodell dahingehend überprüfen – und zwar disruptiv –, wo und wie fixe Kosten variabel gestaltet werden können, ohne dabei wichtige Kernkompetenzen zu verlieren. Die Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen, die sich meist als eine Kombination aus herausragenden Fähigkeiten, tiefem Wissen, über Generationen gereiften Erfahrungen, außergewöhnlich effizienten Prozessen und dem Arbeiten mit mondernsten Technologien zeigt, bleibt auch für die Zukunft unverändert die Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens. Aber in den Vertriebs- und Absatzkanälen braucht es im Zeitalter der Pandemien eine starke Diversifikation. Wer in Zukunft Kunden und Konsumenten in allen Konjunkturlagen erreichen will, wird gezwungen, Produkte und Dienstleistungen durch ein Omnichannel-Marketing und Omnichannel-Vertriebskonzept ständig verfügbar zu machen. Dennoch, die Diversifikation von Absatzkanälen bringt keine zwingende Diversifikation der Kernkompetenzen mit sich.
STRATEGIEARBEIT
U
nternehmen werden es in Zukunft noch viel mehr als heute schaffen müssen, ihre Produktionsund Wertschöpfungstätigkeiten je nach Bedarf voll, teilweise oder gar nicht abzurufen. Und zwar profitabel. Die totale Flexibilität, das gänzliche Aufspannen und anschließend wieder völlige Stilllegen der gesamten Unternehmenswertschöpfung ist dabei das Ziel. So wie das Konzept der Losgröße 1, das von der Industrie 4.0 propagiert wurde, lange als unrealisierbar galt,
Intuitiv würde man meinen, dass es durch die Unvorhersehbarkeit der äußeren Welt keine Unternehmensstrategie mehr brauche. Schließlich navigiere man sowieso immer auf Sicht und müsse eher taktische Maßnahmen ergreifen als langfristig strategische. Das ist ein Trugschluss: Strategiearbeit war nie so wichtig wie jetzt. Dabei geht es weniger darum, eine Zeit-Punkt-genaue Landung anzuvisieren, als mehr einen strategischen Ziel-Zeit-Korridor zu definieren. Somit wird das Beherrschen von strategischen Szenarioplanungen zu einer kritischen Managementkompetenz. Szenarioplanungen sind nicht nur im strategischen Unternehmenskontext wichtig, sondern auch in der mittel- und langfristigen Fiskalplanung der Unternehmerfami-
FAMILIENUNTERNEHMEN IN TIROL Laut KMU Forschung Österreich sind 85 % der 17.400 Tiroler Unternehmen – exklusive EinPersonen-Unternehmen/EPU – Familienunternehmen. Diese Betriebe beschäftigen rund 130.000 Personen. Mit über 90 % weist die Sparte Tourismus in Tirol einen überdurchschnittlich hohen Anteil an familiengeführten Betrieben auf. Obwohl viele Familienunternehmen als besonders erfolgsträchtig und überlebensfähig gelten, sind sie in einem Punkt äußerst krisenanfällig, nämlich bei der Übergabe an die nächste Generation.
lien. Aufgrund der starken Verschuldungen von Staat, Regionen und lokalen, öffentlichen Verwaltungen sollte in nicht zu ferner Zukunft mit Erbschafts-, Vermögens- und Finanztransaktionssteuern gerechnet und entsprechend vorgesorgt werden. Das Ziel, finanzielle Unabhängigkeit und Eigenkapitalstärke aufzubauen, bleibt auch weiterhin von zentraler Wichtigkeit. Sie sind Teil auch der zukünftigen Erfolgs-DNA der besten Familienunternehmen. Wer robust ist und vielleicht sogar antifragil, somit von Schockerfahrungen nicht geschwächt wird, sondern von diesen sogar profitiert, hält in wiederkehrenden Krisenzeiten länger durch. Auch eine intelligente Internationalisierung ist fürs Durchhalten dienlich. Die neue Internationalisierung hat nicht das primäre Ziel, Niedriglohnregionen auszunutzen, um Profite zu sichern oder zu steigern, sondern Produktionskapazitäten in jenen Weltregionen zu etablieren, die durch diese auch bedient werden. Das Zeitalter der Pandemien könnte somit auch zum Zeitalter der Glokalisierung werden: global aufgestellt mit lokaler Wertschöpfung. Internationalität und Regionalität sind dann keine Gegensätze, sondern integrative Konzepte, die sich gegenseitig stützen.
DER WERT DES MITEINANDER
Das Wohlergehen der Mitarbeiter*innen wird in Zukunft immer weniger Image-
29
30
kampagne sein, um sich attraktiv am Arbeitsmarkt zu positionieren, sondern immer mehr Substanz erhalten. Die Gesundheit der Mitarbeiter*innen wird zum Erfolgsfaktor, denn gesunde Menschen halten die Wertschöpfung des Unternehmens am Laufen. Gesundheitstests, physische und psychische Gesundheitsvorsorge und Unterstützung, Ausfallversicherungen für die Menschen und das Unternehmen und ein holistisches Achtsamkeitspaket schaffen Wettbewerbsvorteile für die Firma und stärken die Loyalität aller Beteiligten. Die generationenübergreifende Ausrichtung von Familienunternehmen muss sich in immer konkreteren Maßnahmen zeigen, die auf den Erhalt einer intakten Ökologie, ein faires gesellschaftliches Miteinander, eine ressourcenschonende Wertschöpfung und eine gerechte Rendite abzielen. Das nachhaltige Unternehmen schließt die bestehenden und kommenden Generationen als Stakeholder in ihre Überlegungen und Entscheidungen mit ein. Familienunternehmen haben das Potential, mehr als andere Unternehmensformen, wieder zum Ort des Zusammenseins mit Kollegen und Freunden zu werden. Ein guter Ort, in dem Arbeit als qualitativ hochwertiger Teil des Lebens erlebt wird, gestalterisch, fair und ganz selbstverständlich Gender-gleichberechtigt. Familienunternehmen sind dann jene Art große Familie, die für Mitarbeiter*innen eine identitätsstiftende Wirkung erzeugt. In diese Kerbe schlagen auch neue Minderheits-Beteiligungsmodelle, durch die Mitarbeiter*innen Anteile am Unternehmen halten. Diese könnten bald schon keine Ausnahme mehr sein und aus Angestellten Mit-Unternehmer*innen machen, die an den (guten und schlechten) Entscheidungen des Unternehmens partizipieren. Die Partizipation an Macht und Erfolg wird somit in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht keine reine Unternehmerfamilienangelegenheit mehr sein.
AUSWIRKUNGEN DER KRISE AUF FAMILIENUNTERNEHMEN
Das Gros der Familienunternehmen geht zweifelsohne geschwächt aus der COVID19-Krise hervor. Liquiditätsreserven wurden verbraucht, zusätzliche Verschuldung war vielfach notwendig, trotz staatlicher und regionaler Hilfspakete, die je nach Land unterschiedlich dürftig und verspätet ausfielen. Die kleinen Familienbetriebe und spezifische Branchen (z. B. Eventdienstleister, Kultur,
© BIRGIT KOELL
eco.wirtschaft
ZUR PERSON Prof. (FH) Dott. Markus Weishaupt ist geschäftsführender Gesellschafter von Weissman & Cie (www.weissmaninternational.com) . Er berät und begleitet Familienunternehmen in ihren strategischen, organisatorischen und kulturellen Herausforderungen, in der Nachfolge und in der Corporate-Family-Governance. Er lehrt als Professor an der FH Kufstein, ist Ideator des Online-Analyse-Instruments für Familienunternehmen – Family Business Model Tool (www.familybusinessmodel. com), Autor von zahlreichen Büchern und Fachartikeln zur Welt der Familienunternehmen (u. a. „Radikal anders. Die DNA erfolgreicher Familienunternehmen“). Zudem ist er Mitglied von Familien- und Verwaltungsräten.
Restauration oder Hotels) sind die großen Verlierer. Gleichzeitig sehen wir größere Unternehmen und COVID-19-resistente Branchen (z. B. IT, Onlinehandel und -dienste, Lebensmittel) als Krisengewinner. Familienunternehmen, die finanziell und strukturell stark Anfang 2020 in die Krise eingetreten sind, nutzen die Zeit, um antizyklisch zu investieren in Unternehmen, Technologien, Organisationsentwicklung und in die Kompetenzen ihrer wichtigsten Ressource: den Menschen im Unternehmen. Die ländliche Verwurzelung vieler Familienunternehmen-Champions, die prägend ist für eine eigene Werte-, Führungs- und Unternehmenskultur, wirkt gerade in schwierigen Zeiten als Garant für Mitarbeiter und die Gesellschaft im Allgemeinen. Entlassungen finden als letzte Kriseneindämmungsmaßnahme Anwendung und nicht als erste. Auftretenden Existenzängsten von Mitarbei-
ter*innen können von soliden Familienunternehmen und mit den Unterstützungsmaßnahmen der öffentlichen Hand recht lange wirksam begegnet werden. Auch in den Unternehmen erkennt man zusehends die Polarisierung, die sich in der Gesellschaft zeigt: reich und arm. Wenn viele Arbeitskräfte um ihre Existenz bangen, scheinen sich reichere Gesellschaftsschichten in Unternehmer*innen- und Manager*innenkreisen um ihren privilegierten Lebensstil zu sorgen und fühlen diesen möglichen Verlust als existenziell bedrohlich. Eine ver-rückte Wirklichkeit, vor allem dann, wenn der außergewöhnliche Lebensstil durch vererbtes Vermögen ermöglicht wurde und nicht durch Leistung. Der Graben zwischen Erb- und Leistungsgesellschaft ist durch die COVID-19-Krise noch tiefer geworden. Sobald er sich als zu groß herausstellt, könnte das Gefühl der Ohnmacht der Machtlosen kippen in Hass auf die Mächtigen. Auch deshalb sollten sich Familienunternehmen und Unternehmerfamilien auf Erbschafts-, Vermögens- und Finanztransaktionssteuern einstellen. Eine Umverteilung wird stattfinden. Die Alternative dazu ist alles andere als wünschenswert. Gleichzeitig treten die Schwachstellen des bestehenden Geschäftsmodells ungeschminkt zu Tage. Ob das Konzept, mit dem Unternehmen für Kunden Nutzen stiften und Ertrag erwirtschaften, auch in der Ära der Pandemien Bestand hat, wird gerade einem realen Stresstest unterzogen. Kundenorientierung, Internationalität, Innovationskraft, Unternehmenskultur, die Effizienz der Off- und Onlineabläufe, die Wirksamkeit der Governance und die digitale Kompetenz im weitesten Sinne sind auf dem Prüfstand. Die einen versuchen die Zeichen der Zeit mit der tödlichen Strategie des Aussitzens zu ignorieren. Die anderen wissen: Nun ist aktives Gegensteuern und Anpassen gefragt, um zu überleben.
DIE ZUKUNFT
Pandemien sind kein Phänomen des letzten Jahres. SARS, HIV und Ebola sind die bekanntesten Virusepidemien der letzten Jahre. COVID-19 hat eine neue Ära der Weltregionen umspannenden Epidemien eingeleitet. Man ist sich in Wissenschaftskreisen recht sicher: Pandemien sind gekommen, um zu bleiben. Krisen führen Wandel herbei, wobei Naturkatastrophen andere Kräfte freisetzen als sonstige Krisen. Große gesellschaftliche Umwälzungen werden von Naturkatastrophen, zu denen auch COVID-19 gezählt werden kann, begünstigt.
eco.wirtschaft
Die letzten Monate haben dem zur Normalität gewordenen Turbokonsumismus zumindest kurzfristig durch wiederkehrende Lockdowns die Grenzen aufgezeigt. Ob diese Grenzen von Dauer sein werden, ist fraglich. Wohl eher wird sich nach der COVID-19-Immunisierung der Bevölkerung die Konsumblockade im Hyperkonsumismus wieder entladen. Vielleicht setzt sich aber mittelfristig der Trend zu einem mündigen, wert(e)vollen, bewussten Konsum durch. Gesellschaftliche, ökonomische und geopolitische Klüfte kommen durch die Pandemie ungeschminkt an die Oberfläche. Die zweifelhafte und ungerechte Verteilung von Vermögen wird sichtbar. Die Leistungsgesellschaft, in der man durch Arbeit alles erreichen konnte, unterliegt dem Siegeszug der Herkunftsgesellschaft, in der Wohlstand und Lebensqualität geerbt und nicht erarbeitet wird. Die Klimakrise schreitet stetig und immer sichtbarer voran und dass Gesundheit von Wohlstand und Bildung nicht zu entkoppeln ist, wird evident. Frauen tragen in der Coronakrise die höhere Last als Männer und sind zudem der Gewalt letzterer ausgesetzt. Die Genderpolitik hat nun endgültig Fakten zu schaffen. Weltweite Wertschöpfungsketten funktionieren nicht mehr und man erkennt, dass überlebenswichtige Produkte bewusst regional produziert werden müssen. Pharma, eine Industrie mit zweifelhaftem Image und als Ziel von Verschwörungstheorien attackiert, rettet die Art zu leben. Und auch für die Produktion von Vaccinen und Medikamenten im Allgemeinen gilt, dass Regionalität und Internationalität sich nicht ausschließen dürfen. Glokalisierung wird zur bewussten Wertschöpfungsstrategie von Unternehmen und Staaten. Die technologischen Umbrüche haben durch COVID-19 an Geschwindigkeit gewonnen. Künstliche Intelligenz, Konnektivität, Big Data, Virtual und Augmented Reality, Drohnen, Sprachsteuerung, Elektromobilität, Robotik und die Exponentialität dieser technologischen Entwicklungen haben Monopolstellungen gestärkt. „The winner takes it all“-Phänomene haben sich bewiesen. Ebenso wissen Unternehmen nun, was es mit dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen über Onlineplattformen auf sich hat und dass es ohne in Zukunft nicht mehr gehen wird. Homeoffice ist eine der wichtigsten Errungenschaften in der Beziehung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen. Die Währung dafür ist Vertrauen, von der Krise aufgezwungen und durch das
31
D I E N E U E I N T E R N AT I O N A L I S I E R U N G H AT N I C H T D A S P R I M Ä R E Z I E L , NIEDRIGLOHNREGIONEN AUSZUNUTZEN, UM PROFITE ZU SICHERN ODER ZU STEIGERN, SONDERN P R O D U K T I O N S K A PA Z I TÄT E N I N J E N E N W E LT R E G I O N E N Z U E TA B L I E R E N , D I E DURCH DIESE AUCH BEDIENT WERDEN.
verantwortliche Handeln der Mitarbeiter*innen mehr als bestätigt. Der Staat hat eine neuentdeckte Funktion, die man in Anlehnung an Adam Smith nicht als „invisible“, sondern als „visible hand“ bezeichnen könnte; die sichtbare Hand des Staates, der einerseits als Gelddruckmaschine und Schuldenmacher Menschen und Unternehmen zu retten versucht und dessen politische Abläufe und Verwaltungsapparat andererseits überlebensrele-
vante Zeit vergeuden. Der Staat agiert im heiklen Zwiespalt von Retter und Zerstörer gleichermaßen. Die Generationen von heute und morgen werden den Preis für die „sichtbare Hand“ des Staates zahlen. Für die Zeche wird der Staat findig werden müssen, wohl im Vermögen, den Erbschaften, den Finanztransaktionen und vielleicht auch durch die Zerschlagung von Monopolstellungen, die aus Digitalisierungsmodellen hervorgegangen sind.
eco.wirtschaft
32 Beim Besuch der Giesswein Walkwaren AG in Brixlegg: Hermann Maier mit CEO Markus Giesswein (li.) und Entwicklungsleiter Johannes Giesswein.
IN DEN EIGENEN SCHUHEN ERFOLGSWEGE GEHEN Die Fasern, aus denen nachhaltige Erfolgsgeschichten gewoben sind, sind belastbar. Wie ein Familienverband. Das Tiroler Familienunternehmen Giesswein hat das generationsübergreifend mit Ausdauer, Kreativität und Innovationsfreude vorgezeigt. Mit der Erweiterung des Produktsortiments um Sneakers ist Giesswein auch noch der Sprung ins Freie geglückt. Dafür braucht es einen starken Partner, der Unternehmertum versteht. Ein ebensolcher steht Giesswein mit Raiffeisen zur Seite. Davon konnte sich auch Hermann Maier in Brixlegg überzeugen. TEXT: MARIAN KRÖLL
M
it Hermann Maier wandelt für Raiffeisen einer der erfolgreichsten Skirennläufer der Geschichte auf den Erfolgswegen heimischer Vorzeigebetriebe. Kürzlich war er zu Gast bei der Firma Giesswein im Tiroler Brixlegg. Geführt wird das Familienunternehmen in dritter Generation von
den Brüdern Markus Giesswein, Vorstand der Giesswein Walkwaren AG, und Johannes Giesswein, der die Produktentwicklung im Haus leitet.
DER WILLE ZUR WOLLE
„Für einen gesunden Körper braucht es die richtige Gesellschaft, physische wie geisti-
ge Betätigung und die Verbundenheit zur Natur“, weiß Hermann Maier, der letztere Tugend auch bei Giesswein vorfindet: „Dass sich diese Verbundenheit auch in modernsten Dingen wiederfindet, beweisen zwei Tiroler Brüder mit Bekleidung und Sportschuhen aus Schafwolle.“ Die Marke Giesswein dürfte den allermeisten Menschen ein
eco.wirtschaft
„ I M M E R W I E D E R S T E L LT S I C H D A N N H E R A U S , D A S S D I E N AT U R U N S D A S B E S T E B E I S P I E L S E I N S O L LT E U N D D I E B E S T E N M AT E R I A L I E N O F T D I R E K T V O R UNSERER NASE LIEGEN. SO GEHEN MARKUS UND J O H A N N E S U N D D I E FA M I L I E G I E S S W E I N S E I T D R E I G E N E R AT I O N E N I N I H R E N E I G E N E N S C H U H E N I H R E G A N Z P E R S Ö N L I C H E N E R F O L G S W E G E .“ HERMANN MAIER
wenig später sollte es ernst werden. „Hermann, wir haben eine Challenge für dich vorbereitet“, kündigt Markus Giesswein an. „Du musst einmal deinen eigenen Hausschuh zuschneiden und zusammennähen“, sagt der Vorstand. Hermann Maier scheut bekanntlich keine Herausforderung, doch dabei sollte schließlich sogar der „Herminator“ an seine Grenzen stoßen. „In Zukunft kaufe ich mir keine Schuhe mehr, die mache ich alle selber“, scherzt er.
Begriff sein, bekannt vor allem durch die bequemen Hüttenschuhe, die ursprünglich aus den Stoffresten gefertigt wurden, die bei der Herstellung von Walkjacken anfielen. Dieses Erbe findet sich nach wie vor in Gestalt des beliebten Hüttenschuhs „Kramsach“ im Sortiment. „Giesswein, der Schuh für zu Hause“, hieß es in einem Werbespot aus dem Jahr 1989. Mittlerweile hat man sich mit der Übernahme des Unternehmens durch die dritte Generation im Jahr 2017 auch nach draußen gewagt. Giesswein wurde vom klassischen Hausschuh auch zum gefragten, modischen Straßenschuh, mit dem man überall gute Figur macht. „Unsere Hausschuhe sind zu bequem, um sie nur zuhause zu tragen. Daher wollten wir dieses tolle Tragegefühl mit unserem Merino Runner auf die Straßen bringen“, erklärt Markus Giesswein: „Wir haben den Megatrend Sneaker aufgegriffen und unseren Tragekomfort auf diesen übertragen.“ Aus dieser Idee ist ein echter Erfolgsrun geworden, trägt doch schon über eine halbe Million Menschen in aller Welt die Merino Runners aus Brixlegg.
STARKE PARTNERSCHAFTEN
DER NACHHALTIGKEIT BEINE MACHEN
Eine echte Besonderheit ist es, dass sämtliche Stoffe für die gesamte Produktpalette selbst hergestellt werden. Im Schuhbereich arbeitet Giesswein neben der Wolle auch mit anderen Fasern, „zum Beispiel mit Eukalyptusfasern oder recyceltem PET“, so Johannes Giesswein. „Wir sind immer darauf bedacht, jede Produktinnovation aus nachhaltigen Materialien zu fertigen.“ In Brixlegg wird bewusst nachhaltig produziert. Das heißt unter anderem, dass Augenmerk auf ressourcenschonende Produktionsweisen gelegt wird. In der nachhaltigen Produktion fallen daher keinerlei Stoffabfälle an, es wird bis zu 90 Prozent recyceltes Wasser verwendet und nicht zuletzt setzt man zu 100 Prozent auf die Verwendung nach-
wachsender Rohstoffe. Stylishes, bequemes und innovatives Schuhwerk, das nicht nur in ästhetischer und funktionaler Hinsicht Maßstäbe setzt, sondern auch in ökologischer einen möglichst geringen Fußabdruck hinterlässt.
AUS MAIER WIRD SCHUHMACHER
Im Zuge der Betriebsbesichtigung macht Hermann Maier vor einer Mitarbeiterin Halt, die an einer Nähmaschine des gleichnamigen Herstellers „Maier“ arbeitet. „Die Maier ist eher eine langsamere?“, fragt der Ex-Skirennläufer lachend, woraufhin Johannes Giesswein antwortet: „Das ist die Schnellste, die Nummer eins.“ Doch bereits
Von der gegenwärtigen Pandemie zeigte sich das Familienunternehmen nach einigen Wochen anfänglicher Unsicherheit unbeeindruckt. „Es hat sich herausgestellt, dass es einen Trend hin zum Homeoffice gibt, von dem wir sehr stark profitiert haben, weil wir mit unseren Hausschuhen dafür das perfekte Produkt anbieten“, weiß Johannes Giesswein. In guten wie in schlechten Zeiten ist es wichtig, stets die Bodenhaftung zu bewahren und einen finanziellen Partner an der Seite zu haben, der einem Rückendeckung gibt und stets versteht, was das Unternehmen braucht. Raiffeisen ist für Giesswein ein solcher Partner, wie der Vorstand ausführt: „Die Partnerschaft mit Raiffeisen war von Anfang an super positiv, sehr vertrauens- und verständnisvoll und wir hatten das Gefühl, einen Partner an unserer Seite zu haben, der das Unternehmertum richtig versteht.“ Hermann Maier resümiert seinen Besuch in Brixlegg mit einer neuen Perspektive: „Oft denkt man, dass die besten, angenehmsten und widerstandsfähigsten Materialien hochindustriell und chemisch hergestellt würden. Immer wieder stellt sich dann heraus, dass die Natur uns das beste Beispiel sein sollte und die besten Materialien oft direkt vor unserer Nase liegen. So gehen Markus und Johannes und die Familie Giesswein seit drei Generationen in ihren eigenen Schuhen ihre ganz persönlichen Erfolgswege.“
33
eco.wirtschaft
EINE WACHSTUMSBRANCHE MITGESTALTEN Die zur Pletzer-Gruppe gehörige iDM Energiesysteme GmbH produziert in Matrei in Osttirol Wärmepumpen für einen rasant wachsenden Markt und hat auch im Krisenjahr 2020 stark zulegen können. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL
I
n Matrei ist die Wärmepumpe keine Männersache, der Frauenanteil in der Produktion liegt bei über 30 Prozent, die zukünftige Lehrlingsakademie wird von einer Kältetechnik-Meisterin geführt. Was sich am Standort und Markt alles bewegt, erläutert Geschäftsführer Hans-Jörg Hoheisel im Interview.
34
ECO.NOVA: Der Wärmepumpenmarkt ist im Wachstum und auch iDM wächst. Wie sieht der aktuelle Geschäftsverlauf im Vergleich zum Vorjahr aus und welche Expansion ist am Standort noch möglich? HANS-JÖRG HOHEISEL: Im ersten Quartal hatten wir eine Steigerung von 56 Prozent. Hier am Standort ist die Produktion von 35.000 Stück möglich. Wir wollen aber noch ein bisschen mehr herauskitzeln und setzen dafür alle Hebel in Bewegung.
Wann wollen Sie das ambitionierte Ziel von 35.000 produzierten Wärmepumpen erreichen? In den kommenden drei Jahren.
Seit über einem Jahr haben wir mit einer Pandemie eine sehr spezielle, herausfordernde Situation. Hat diese den Wachstumskurs des Unternehmens beeinträchtigt? Es gab keinen einzigen Tag Kurzarbeit bei uns. Anfangs war die Verunsicherung groß und es war herausfordernd, die Produktion durchgehend aufrechtzuerhalten. Da haben wir die eine oder andere Wärmepumpe liegen lassen, wir sind aber nie zum Stillstand gekommen. In der ersten Zeit war es für uns als einer der größten Arbeitgeber im Bezirk herausfordernd, für eine gute Stimmung zu sorgen. Das ist uns grundsätzlich gelungen. Wir haben im Pandemiejahr 2020 151 neue Mitarbeiter aufgenommen. Tendenziell hat uns die Pandemie sogar einen kleinen Schub gegeben, weil die Investitionsbereitschaft der Menschen ins eigene Zuhause gestiegen ist.
Kann das Arbeitskräfteangebot in der Region mit dem Unternehmenswachstum überhaupt Schritt halten? Wir kämpfen darum, gute Leute zu bekommen. Wir haben uns im letzten Jahr als Arbeitgeber auch als gute Alternative für Arbeitskräfte aus krisengeschüttelten Branchen positionieren können und dadurch erfreulicherweise besonders viele Frauen für die Produktion gewinnen können. Dort liegt der Frauenanteil bei über 30 Prozent, das ist für ein Industrieunternehmen schon sehr hoch. Das ist einer der Gründe, warum wir die Mit-
„W I R H A B E N U N S IM LE TZ TEN JAHR ALS ARBEITGEBER AUCH AL S GUTE A LT E R N AT I V E F Ü R ARBEITSKRÄF TE AUS KRISENG E S C H Ü T T E LT E N BRANCHEN POSITIONIEREN KÖ N N E N .“ HANS-JÖRG HOHEISEL
arbeiterzahlen überhaupt derart steigern konnten. Nicht nur durch die Pletzer-Akademie, Mitarbeiterrabatte und unser gruppenübergreifendes Gesundheitsmanagement können wir attraktive Arbeitsplätze und -bedingungen schaffen – wir arbeiten, wo andere Urlaub machen. Wo liegen die Stärken des Standorts Matrei in Osttirol? Matrei liegt im Nationalpark Hohe Tauern. Viele unserer Kunden kommen sehr gerne hierher. Das, wofür der Nationalpark steht, und das, was wir tun, passt zusammen: Nachhaltigkeit, Effizienz,
Ressourcenschonung. Wir sind bodenständig und im alpinen Raum verwurzelt. Eine weitere Stärke liegt ohne Zweifel in unseren Mitarbeitern. Wir haben viele langjährige Beschäftigte und in allen Bereichen sehr gute Leute. Im oberen Iseltal sind wir ein guter Arbeitgeber, der nicht nur saisonale Jobs bieten kann, sondern eine sichere und langfristige Beschäftigung in einer Wachstumsbranche, die wir mitgestalten wollen. Beginnt die Ära der Wärmepumpe jetzt erst so richtig? Ich glaube, ja. Der deutsche Markt ist in den ersten Monaten rapide um 45 Prozent gewachsen, für Österreich rechne ich auch mit 25 bis 30 Prozent bis zum Jahresende. Wir wachsen aber noch ein Stück schneller als der Markt.
Hängt dieses starke Wachstum mit den aktuellen Förderungen zusammen? Natürlich hängt es auch damit zusammen. Die Themen, die vor Corona wichtig waren, werden auch danach noch wichtig sein. Wir bieten mit der Wärmepumpe die perfekte Heizungslösung für die Zukunft und leisten einen wichtigen Beitrag für die Energiewende.
Welchen Stellenwert haben die betriebsinterne Weiterbildung und die Lehre im Unternehmen? Einen sehr hohen, weil wir auf Qualität setzen. Gute Mitarbeiter wollen weiterentwickelt werden, damit wir unsere Ziele – Wachstum, Qualität und Innovation – zuverlässig erreichen. Ohne die Mitarbeiter gut aus- und weiterzubilden und zu schulen geht das nicht. Mit Sommer wollen wir eine technische Akademie aufsetzen, inklusive einer Lehrlingsakademie, die von einem ehemaligen Lehrling, einer nunmehrigen Meisterin, geleitet wird. Bianca Berger ist die erste Kältetechnik-Meisterin in Tirol. Eine bessere Botschafterin für unsere Lehre kann es nicht geben.
eco.wirtschaft
35
eco.wirtschaft
aussehen. Wir haben bei gewissen Modellen zum Beispiel darauf geachtet, dass diese eine Art Raffstore-Optik haben, die gut zu den Raffstores passt, die heutzutage in sehr vielen Neubauten verbaut sind. Auch der Heizungskeller ist heute kein reiner Stauraum mehr, da ist es von Vorteil, wenn das Gerät gut aussieht.
„ D A S , W O F Ü R D E R N AT I O N A L PA R K S T E H T, U N D D A S , WA S W I R T U N , PA S S T Z U S A M M E N : N A C H H A LT I G K E I T, E F F I Z I E N Z , R E S S O U R C E N S C H O N U N G . W I R S I N D B O D E N S TÄ N D I G U N D I M A L P I N E N R A U M V E R W U R Z E LT.“ HANS-JÖRG HOHEISEL
36
In welchen Bereichen suchen Sie besonders dringend Mitarbeiter? Quer über alle Abteilungen hinweg. Wenn man in dieser Geschwindigkeit wächst, braucht es überall Leute, sei es im Verkauf, in der Technik und Programmierung, Servicetechniker und Produktionsmitarbeiter.
Der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern vollzieht sich gerade. Da wird gerade in der Sanierung ein großes Potenzial frei. Wie gut eignet sich die Wärmepumpe für sanierte Gebäude? Die Wärmepumpe ist für die Sanierung absolut geeignet und es gibt auch schon genügend Referenzen, die wir umgesetzt haben. Gerade jetzt haben wir Wärmepumpen auf den Markt gebracht, die eine Vorlauftemperatur von bis zu 70 °C liefern können. Damit gibt es auch bei alten Gebäuden, die nicht energieoptimiert sind, genügend Spielraum. Die Technik ist heute so weit, dass nahezu alle Gebäude mit der Wärmepumpe wirtschaftlich beheizt werden können. Die Wärmepumpe ist beim Neubau quasi aufgelegt, aber auch bei der Sanierung ist sehr viel möglich, wenn man sich das bisherige System ansieht und es optimiert. Wir arbeiten diesbezüglich mit langjährigen Partnern zusammen, die unsere Wärmepumpen mit großer Expertise in der Sanierung verbauen. Eine Expertise, die beim Kunden ankommt. Die Wärmepumpe kann aber nicht „nur“ heizen, sondern auch kühlen. Ist das in Zeiten wärmerer Sommer ein Thema? Das ist ein Alleinstellungsmerkmal der
Wärmepumpe. Kein anderes Heizsystem kann das. Kühlen ist ein Zusatznutzen, der immer mehr nachgefragt wird, und nicht nur bei Privaten, sondern auch im gewerblichen Bereich, in Büro- und Hotelbauten. Unsere Geräte können über sogenannte Kaskaden in Serie geschaltet werden, das heißt, dass auch für große Objekte genügend Leistung zur Verfügung steht.
Wie weit ist das Unternehmen in der intelligenten Steuerung der Wärmepumpe? Wir sind führend in diesem Bereich. Das ist auch unser Anspruch. Variable Stromtarife, Steuerung per Handy, Fernwartung, Schnittstellen zu PV-Anlage und Batteriespeichern und vieles mehr, was die Effizienz und den Komfort erhöht, ist über unseren Energiemanager Navigator 2.0 machbar. Damit können wir uns als Premium-Hersteller von der Konkurrenz abheben. Zudem setzen wir mittels Augmented-Reality-Lösung darauf, dass der Kunde schon genau simulieren kann, wie eine iDM-Wärmepumpe am dafür vorgesehenen Standort, etwa im Garten, aussieht. Früher waren Wärmepumpen meist mausgraue, langweilige Klötze. Das sieht heutzutage bedeutend anders aus. Spielt das Design im Entwicklungsprozess eine Rolle? Wenn man Qualität und Innovation verkauft, muss das in der richtigen Verpackung daherkommen und auch haptisch wertig sein und ästhetisch aussehen. Auf Messen werden wir immer wieder – vor allem von Frauen – darauf angesprochen, dass unsere Wärmepumpen auch richtig gut
Wie hoch ist der Anteil an verkauften Luftwärmepumpen im Vergleich mit Erdwärmepumpen? Wir verkaufen zu ungefähr zwei Drittel Luftwärmepumpen, doch auch bei Erdwärmepumpen haben wir große Zuwächse.
Liegt das daran, dass Erdwärmepumpen zwar effizienter, aber teurer in der Vorbereitung sind? Das Gerät ist nicht teurer, die Preisdifferenz ergibt sich aus den Kosten für die Bohrung bzw. die Verlegung des Kollektors in das Medium Wasser oder eben Erdreich, dem man mit der Wärmepumpe die Energie entzieht. Das ist der einzige Unterschied. Damit kann man allerdings sehr gut kühlen, ohne in die Aktivkühlung gehen zu müssen. Die Luftwärmepumpen sind allerdings auch effizienter geworden als früher, und vielerorts wird eine Grundwasserbohrung nicht genehmigt. Ist die Geräuschentwicklung noch ein Thema? Früher wurde vielfach argumentiert, dass die Luftwärmepumpe zu laut sei und deshalb stören würde. Das ist nach wie vor ein Thema. Es ist ein Qualitätsmerkmal, leise Geräte mit optimierter Geräuschkulisse herstellen zu können. Unsere Geräte sind kaum hörbar bzw. nicht lauter als die normale Umgebungsgeräuschkulisse.
Was tut sich konkret in Sachen Innovation im Haus? Wir haben gerade neue Wärmepumpentypen mit natürlichem Kältemittel herausgebracht und werden auch im Großwärmepumpen- bzw. gewerblichen Bereich noch nachlegen, weil wir davon ausgehen, dass dieser überproportional wachsen wird. Außerdem arbeiten wir daran, unseren Energiemanager noch intelligenter zu machen. Unsere Entwicklungsabteilung kooperiert bei einigen Forschungsprojekten mit Universitäten und anderen Forschungspartnern. Die Entwicklung in den kommenden Jahren wird ganz stark in Richtung Energiemanagement gehen, das über die Heizung hinausgeht. Dementsprechend liefern wir als iDM neue Wärme, die unabhängig macht.
Antrieb: Zukunft
Rein elektrischer Antrieb, progressives Design, beeindruckendes Raumgefühl, individualisierbare digitale Features und bis zu 520 Kilometer Reichweite – das bietet der Audi Q4 e-tron.
Jetzt bei uns bestellbar.
Bitte beachten Sie, dass sich durch Sonderausstattungen und Zubehör relevante Fahrzeugparameter, wie z.B. Gewicht, Rollwiderstand und Aerodynamik verändern und sich dadurch abweichende Verbrauchswerte und CO₂-Emissionen ergeben können. CO₂-Emissionen in g/km: 0. Stromverbrauch kombiniert: 17,8-15,8 kWh/100 km. Symbolfoto. Stand 04/2021.
A-6020 Innsbruck Mitterweg 26 Telefon +43 512 22755 www.porscheinnsbruck.at/mitterweg
A-6020 Innsbruck Haller Straße 165 Telefon +43 512 2423-0 www.porscheinnsbruck.at/hallerstrasse
© JEROME MERTENS
ZUKUNF
bildung & innovation
38
Wider das Vergessen Die genetisch bedingte, vererbbare Form der Alzheimer-Krankheit ist gut erforscht. Aufgrund des ähnlichen klinischen Bildes bei Erkrankten, die nicht über die entsprechenden Genmutationen verfügen, ging man davon aus, dass auch die ausschließlich im höheren Alter auftretende, sporadische Form von Alzheimer gleichen Prinzipien folgt. Sporadisches Alzheimer ist schwer im Labor zu untersuchen, da es mangels fehlender „Krankheitsgene“ keine genetischen Tiermodelle gibt. Auch die zur Verfügung stehende iPS-Methode – iPS steht für „induzierte pluripotente Stammzellen“ –, mit der es seit rund 15 Jahren möglich ist, aus menschlichen Hautzellen Nervenzellen herzustellen, erlaubte keine Hinweise auf Unterschiede. „Die iPS-Zellen waren ein Durchbruch für unsere Forschung. Bei dieser Methode gehen allerdings alle epigenetisch in den Zellen gespeicherten Informationen über das Alter verloren. Wir erhalten mit dieser Methode zwar Nervenzellen des jeweiligen Patienten, diese befinden sich allerdings im Baby stadium“, erklärt Jerome Mertens. Gemeinsam mit seinem Team gelang es dem Molekularbiologen bereits vor einigen Jahren, eine Methode zu entwickeln, um im Labor aus Hautzellen menschliche Nervenzellen zu züchten, die das epigenetische Alter erhalten. Nun modellierte Mertens erstmals auch die sporadische, nur im Alter auftretende Form von Alzheimer basierend auf Hautzellen von Patient*innen. Die im renommierten Fachjournal Cell Stem Cell veröffentlichten Ergebnisse belegen eine Altersabhängigkeit dieser Form der Krankheit und zeigen, dass Alzheimer-Nervenzellen und Krebszellen einiges gemeinsam haben. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wollen Mertens und sein Team nun versuchen, Erkenntnisse aus der Krebsforschung zu nutzen und mit ihrer Hilfe neue und zum Teil unerwartete Methoden zur Bekämpfung der Krankheit Alzheimer aufzuzeigen. Die Abbildung zeigt induzierte Neuronen von Alzheimer-Patient*innen aus einer Immunfluoreszenz-Aufnahme. Die DNA-Schädigungen in diesen Nervenzellen sind durch grüne Punkte sichtbar.
eco.zukunft
Be the best
A B W A S S E R A N A LY S E Das abwasserbasierte Drogenmonitoring in europäischen Städten wird seit Jahren erfolgreich eingesetzt, um Vergleichswerte und Trends des Drogenkonsums über Ländergrenzen hinweg feststellen zu können. Mit dem Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck (GMI) nimmt seit 2016 auch Österreich am jährlichen Monitoring im Rahmen des europaweiten Netzwerkes SCORE teil. Die Ergebnisse für 2020 stehen quasi naturgemäß unter dem Einfluss der COVID-19-Pandemie, in der sich die Analyse von Abwasser auch als brauchbares Instrument für die Virusüberwachung bewährt hat. Eine besondere Stärke des abwasserbasierten Drogenmonitorings ist die Möglichkeit des Vergleichs unterschiedlicher Regionen. So ergab die Analyse, dass der Pro-Kopf-Konsum an Alkohol und Nikotin innerhalb Österreichs relativ einheitlich ist. Bei den verbotenen Drogen bietet sich ein weniger homogenes Bild: In allen Regionen war Cannabis die dominierende Droge, wobei der THC-Konsum im urbanen Raum höher zu sein scheint als in ländlichen Gegenden. Kokain führt bei den Stimulanzien, wobei der höchste Pro-Kopf-Verbrauch hierzulande im Bezirk Kufstein liegt. Beim Ecstasy-Konsum nimmt ebenfalls die Region Kufstein den Spitzenwert ein. Leichte, aber signifikante Zunahmen sind generell auch bei Methampheta minen (Crystal Meth) zu verzeichnen.
Der Förderverein Technik Tirol hat bereit zum zwölften Mal herausragende Diplomund Facharbeiten ausgezeichnet. Insgesamt 23 Teams haben heuer mit ihren Arbeiten am alljährlichen Schulwettbewerb teilgenommen. Die besten neun hatten die Gelegenheit, ihre Projekte mittels Kurzvideo einer Fachjury zu präsentieren. Platz eins und die damit verbundene Prämie von 1.200 Euro ging dabei an ein Team der HTL Kramsach Glas und Chemie, das sich mit der „Auswirkung von Androgenen und Antiandrogenen auf die Mitochondrienfunktion im Prostatakarzinom“ beschäftigte. Bei der Bewertung der Projekte waren unter anderem die Kriterien Kreativität, interdisziplinäre Zusammenhänge, technischer Inhalt, Umsetzung und Präsentation ausschlaggebend. Schön: Die Qualität der Einreichungen war auch in Coronazeiten auf einem durchwegs hohen Niveau.
C L U S T E R *)P R E I S Das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort hat der Industriellenvereinigung (IV) Tirol den Clusterpreis in der Kategorie Fachkräfte verliehen. Der Preis bestätige die Bedeutung der IV-Initiativen, um insbesondere bei der Jugend gezielt über berufliche Möglichkeiten in der Industrie zu informieren. Die Fachkräfteinitiative überzeuge durch den professionellen und strategischen Ansatz sowie durch die hohe Qualität. Das Leuchtturmprojekt ist die Internetplattform „industrie.tirol“, mit der durch digitale Technologien Zielgruppen treffsicher angesprochen werden. *) Cluster: In der Wirtschaft meint man dabei einen Verbund aus Unternehmen aus derselben Branche bzw. mit gleichen Zielen, um gemeinsam stärker zu sein. Aus dem Englischen übersetzt heißt Cluster „Bündel, Büschel, Gruppe oder Anhäufung“, weshalb man auch von so genannten CoronaClustern sprach, wenn irgendwo gehäuft Infektionen auftraten.
BUCHTIPP
DAS BEWEGTE HERZ Thomas Schachner/Claudia Angerer Goldegg Verlag 240 Seiten, EUR 19,95 Wer sich nicht bewegt, stirbt früher: Was niemand gerne hören will, ist wissenschaftlich messbar, schreiben der Chirurg Thomas Schachner und die Gesundheitsexpertin Claudia Angerer in ihrem Buch „Das bewegte Herz – Bewegung statt Medikamenten“. Darin geben sie auch konkrete Anweisungen, um bis ins hohe Alter fit, gesund und aktiv zu bleiben. Bewegung indes war vermutlich noch nie so wichtig wie jetzt – nach mehr als einem Jahr Pandemie. In den Lockdowns bewegte und bewegt sich die Hälfte der Bevölkerung noch weniger als sonst, wie Schachner aktuellen wissenschaftlichen Studien über Bewegung und Herzgesundheit entnimmt. „Daten aus Metaanalysen zeigen, dass Bewegung die Sterblichkeit reduziert. Wenn wir uns viel bewegen, ist das nicht nur subjektiv gut für unsere Gesundheit und Psyche, sondern auch messbar“, weiß Schachner, der auch Mitbegründer des jährlich stattfindenden Symposiums „Das bewegte Herz“ ist. Je früher wir ein bewegtes Leben führen, desto besser. Kinder, deren Eltern die angeborene Lust an der Bewegung schon früh fördern, haben ein wortwörtlich leichteres Leben. Sie leben gesünder, entwickeln mit einem sportlichen Körper mehr Selbstbewusstsein und haben mit der Bewegung ein lebenslanges Ventil, um Stress, Alltagsfrust und Krankheit zu verhindern und seelischen Verstimmungen vorzubeugen. Und: Bewegungsarmut kann den Körper bereits über wenige Wochen schwächen, aber umgekehrt auch wieder aufbauen. Damit man gleich Lust bekommt, mit Bewegung zu beginnen, und keine Ausrede hat, dass das Equipment fehlt, liefern Schachner und Angerer auch einige bebilderte Indoor- und Outdoor-Übungen ohne Geräte mit.
„DER BESTE WEG, DIE ZUKUNF T VORAUSZUSAGEN, I S T, S I E Z U G E S TA LT E N .“ W I L LY B R A N D T, E H E M . D E U T S C H E R B U N D E S K A N Z L E R
39
eco.mmentar
ABGRENZUNG UND ZUGEHÖRIGKEIT Ob das Outcome Ihrer Communication skyrockt, hängt an Ihrer Intelligibility Performance.
40
J
edes Kollektiv hat seine eigene Sprache, seine eigenen Sprachrhythmus und seine eigenen Schlüsselwörter. Das wohl interessanteste Sprachbiotop bietet die Jugendsprache mit ihren immer neuen Wortschöpfungen abseits des Mainstreams. Und ja, Jugendsprache und Wirtschaftssprache haben einiges gemeinsam. Es geht in beiden Welten um Abgrenzung und Zugehörigkeit. Jugendliche grenzen sich sprachlich bewusst von den Erwachsenen ab, um sich ihrer eigenen Gruppe noch stärker zugehörig fühlen zu können. Die Jungen wollen bewusst mit anderen Worten und eigenen Wortschöpfungen ihre Botschaften und ihre Gefühle codieren, um nicht jeden an ihrer (Sprach-)Welt teilnehmen zu lassen. Außerdem soll ihre Sprache als neu, hip und cool empfunden werden. Sobald Erwachsene sich solche Begriffe zu eigen machen, beginnt die Inflation dieser Wortschöpfungen, weil sie ihren ursprünglichen Zweck der Differenzierung nicht mehr erfüllen. Spätestens mit der Aufnahme in den deutschen Duden haben die von ihnen erschaffenen Worte für die Jugendlichen ausgedient. Fix.
V O N T O M S TA D L M E Y R
AUTHENTIZITÄT UND DOSIERUNG
Besonders in Start-ups findet sich eine starke Vermischung von Jugend- und Wirtschaftssprache. Die meist sehr jungen GründerInnen bezeichnen sich als Entrepreneure und erschaffen gerne hybride Begriffswelten aus jugendlicher Subkultur und wirtschaftlich klassischen Termini. Sie sind die sprachlichen Revoluzzer unter den Unternehmerinnen. Sie treten wie Popstars auf, spielen auf den derzeit größten Bühnen des Unternehmertums und haben sich eine eigene Szene geschaffen. Diese zieht nicht nur sehr viel Aufmerksamkeit auf sich, sondern dokumentiert einzigartig, wie ein Abgrenzungs- und Zugehörigkeitsgefüge perfekt inszeniert werden kann. Fast jeder will sich mit Start-ups umgeben, ihnen nacheifern und auch ein wenig dazugehören. Selbst etablierte und traditionsreiche Unternehmen versuchen in diesem Fahrtwind neue Luft zu schnuppern und den Nimbus der
Frische, des Unverbrauchten und des Innovativen zu inhalieren. Manch findige Entrepreneure könnten diese scheinbar wertvollen Aerosole in hippe Designerflaschen füllen, um sie mit riesigen Margen an die lechzende Klientel verkaufen zu können. Aber nur die Worte eines Stammes zu lernen und zu verwenden, macht noch niemanden zu einem Stammesmitglied. Unsere Sprache – und das hat auch in der Wirtschaft seine Gültigkeit – ist immer Ausdruck unserer individuellen Persönlichkeit und der Kultur, der wir uns zugehörig fühlen. Wenn die gewählten Worte nicht zur Wahrnehmung der jeweiligen Person oder des Unternehmens passen, werden wir zu Recht misstrauisch. Natürlich verwenden wir alle Fachbegriffe, um in unseren Unternehmen gut zu kommunizieren und produktiv arbeiten zu können. Sobald Kommunikation nach außen gerichtet wird, geht es darum, zu wissen, für wen die Botschaft bestimmt ist. Wenn hier die Abgrenzung aufrechterhalten wird, dann blockieren wir die Zugehörigkeit für zum Beispiel einen möglichen Kunden. Hier müssen wir dolmetschen und unsere Fachsprache in die Sprache des Empfängers übersetzen. Einerseits wollen wir mit unserem Wissen glänzen und eine bestimmte Erwartungshaltung als Experte erfüllen, anderseits hilft es uns nicht weiter, wenn wir nicht verstanden werden. Manchen ist dies vielleicht gar nicht bewusst, andere nutzen die scheinbare Überlegenheit, um über ihre eigenen Schwächen hinwegzutäuschen. Wie in der Medizin ist alles eine Frage der Dosierung. Das gilt grundsätzlich für alle Branchen, für manche aber ganz besonders. Denn wie erfolgreich Ihre Kommunikation sein wird, hängt davon ab, wie verständlich Ihre Ausführungen sind. Sollte also das Outcome Ihrer Communication skyrocken, dürfte Ihre Intelligibility Performance ganz nice sein ;-)
ZUR PERSON
Tom Stadlmeyr ist Unternehmer, Essenzialist und Auf-den-Punkt-Bringer. Er beschäftigt sich mit dem Weglassen von Unwesentlichem.
www.tomstadlmeyr.com
Besseres Studium, bessere Chancen.
Studium. Chance. Kompetenz.
n unter Jetzt informiere at/studien w w w.umit-tirol.
Lehre auf höchstem Niveau, international anerkannte Professoren, Gastprofessoren und Lehrende und modernste Infrastruktur bieten ideale Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium. Bachelor-Studien Psychologie, Mechatronik, Elektrotechnik, Pflegewissenschaft, Wirtschaft, Sport- und Gesundheitstourismus. Master-Studien Psychologie, Mechatronik, Gesundheitswissenschaften, Public Health, Advanced Nursing Practice, Pflege- und Gesundheitsmanagement, Pflege- und Gesundheitspädagogik, Nachhaltige Regional- und Destinationsentwicklung, Medizinische Informatik*. Universitätslehrgänge Dyskalkulie-Therapeut/in, Legasthenie-Therapeut/in, Führungsaufgaben/ Lehraufgaben in der Gesundheits- und Krankenpflege, Konfliktmanagement und Mediation, Health Information Management. Doktoratsstudien Gesundheitsinformationssysteme, Psychologie, Health Technology Assessment, Management und Ökonomie im Gesundheitswesen, Public Health, Pflegewissenschaft, Technische Wissenschaften, Sportmedizin, Gesundheitstourismus und Freizeitwissenschaften. * Vorbehaltlich der Genehmigung durch die AQ Austria
www.umit-tirol.at
eco.zukunft
DAS BILDUNGSDILEMMA In Pflicht- und allgemeinbildendenden Schulen findet Wirtschaftsund Finanzbildung kaum statt. Das hat paradigmatische Gründe. Ob Wirtschaftswissen indes auch Allgemeinwissen ist, darüber scheiden sich die Geister. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. TEXT: MARINA BERNARDI
42
S
eit Langem werden Kämpfe darüber ausgefochten, was als bildungswirksamer Unterricht gilt. Es wird über Bildungsideale und -systeme verhandelt und darüber, ob Bildung per se zweckfrei sein muss oder auch nutzbringend sein darf, zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt. Was die Allgemeinbildung betrifft, überwiegt erstere Ansicht. Wirtschafts- und Finanzwissen gelten allerdings gemeinhin als berufliches Wissen, das folglich zweckdienlich und deshalb qua definitionem nicht allgemeinbildend ist. Darüber kann man freilich streiten, hat Bildung an sich doch den Auftrag, Menschen klüger zu machen und zur gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen. Und auch das mit dem Zweck hat seine Tücken. Für einen späteren Ägyptologen ist in der Pflichtschule erworbenes Wissen über ägyptische Geschichte (zeitverzögert) durchaus einkommensrelevant und hat damit einen deutlichen Zweck. Auf der anderen Seite muss man zweckorientiertes Wissen später nicht unbedingt auch zu dessen Zweck nutzen. „Was ich in der Diskussion darüber, ob Wirtschaft ein allgemeinbildendes Fach sein soll, noch immer häufig wahrnehme, ist die Vorstellung, die Wirtschaft sei das Böse. Als ob es da draußen ‚eine Wirtschaft‘ geben würde, die allein Arbeitsplätze abbaut, die Umwelt belastet und das Klima zerstört“, sagt Univ.-Prof. Dr. Bernd Gössling vom Institut für Organisation und Lernen, Bereich Wirtschaftspädagogik an der Universität Innsbruck. Diese Argumentation, so seine Sichtweise, „ist an vielen Stellen fehlgeleitet und Ausdruck von mangelndem ökonomischen Verständnis“.
WIRTSCHAFTSWESEN
Die Anfänge der industriellen Massenproduktion waren es etwa, die die breite Bevölkerung aus der Armut geholt haben. Gewissermaßen unser gesamter derzeitiger gesellschaftlicher Wohlstand fußt darauf. Unternehmer sind nicht nur diejenigen, die Arbeitsplätze abbauen, sondern auch jene, die sie schaffen. „Die Vorstellung, dass wir Menschen losgelöst und getrennt von der Wirtschaft leben, ist kategorisch verfehlt“, nennt es Gössling. „Es kann keine Wirtschaft ohne Menschen geben. Solange wir Menschen Bedürfnisse haben und Güter benötigen, solange werden wir wirtschaften müssen. Das war immer so (selbst wenn man in die Frühzeit zurückgeht) und das wird immer so sein. Es ist eine anthropologische Dimension menschlicher Existenz. Natürlich kann man sich die Frage stellen, wie diese Güter produziert werden sollen, und so manche derzeitige Vorgangsweise in Frage stellen. Wir können uns wünschen, dass dies energieeffizienter und ressourcenschonender passiert oder dass überhaupt andere Güter hergestellt und gerechter verteilt werden. Nur per se so zu tun, als wäre DIE Wirtschaft der Feind, das funktioniert nicht. Nirgends. Indem wir auf einem Markt Produkte kaufen, schaffen wir auch die Voraussetzungen für ihre Produktion.“ Dieser Ansatz – dass Wirtschaft letztlich wir alle sind und damit jeder Einzelne etwa durch sein Konsumverhalten dafür Verantwortung trägt – verstärkt das Bildungsdilemma zusätzlich. Er zeigt, dass diese wirtschaftlichen Kreisläufe und Zusammenhänge
43
eco.zukunft
B I L D U N G S T E L LT V I E L E F R A G E N : SOLL BILDUNG ZWECKFREI SEIN ODER VOR ALLEM VERWERTBAR AUF DEM ARBEITSMARK T ? SOLL WISSENSERWERB IM VORDERGRUND STEHEN ODER PERSÖNLICHKEITSENT WICKLUNG? GEHÖRT ZUM BILDUNGSAUF TR AG DER SCHULE AUCH ERZIEHUNG?
44
durchaus bildungswirksam sein können, weil sie in der Folge eine Art Einladung darstellen, das eigene Leben bewusst(er) zu gestalten. Und das ist sehr nahe dran am Verständnis davon, was Bildung sein soll. Nämlich das Ermöglichen einer zielgerichteten und emanzipierten Lebensgestaltung. Gössling: „Der mündige Bürger ist heute in demokratischen Gesellschaften das Bildungsideal. Wie man dort hinkommt, ist umstritten und letztlich eine Frage der Überzeugung. So gibt es die einen, die sagen, wirklich gebildet ist nur, wer sich mit den klassischen europäischen Schriften der Aufklärung auskennt, zum Beispiel dem Schrifttum von Immanuel Kant, andere erklären, genau solche Bildungsinhalte sind für viele nicht zugänglich, bildungswirksamer ist stattdessen die Auseinandersetzung mit Phänomenen wie den Handelsströmen rund um den Globus und unsere Verwobenheit darin.“ Das Ziel kann in beiden Fällen dasselbe sein: Das Erkennen-Lernen von Zusammenhängen – einmal theoretisch (wie es derzeit „zweckfrei“ gelehrt wird), einmal praktisch (wie es eventuell mehr Sinn machte).
VOM FACH
In der pflichtschulischen Bildung in Österreich werden die verschiedenen Fächer häufig noch sehr isoliert betrachtet. In höheren Schulen steigt der fächerübergreifende Projektanteil laufend an, besonders in der Berufsausbildung geht man immer weiter weg vom Denken in Fächern hin zu (beruflichen) Gesamtsituationen. „Moderne Lernpläne in der Berufsbildung sind vermehrt kompetenz- und weniger fachorientiert“, fasst Bernd Gössling zusammen. „Ich würde nicht sagen, dass der eine Weg besser ist als der andere. Das ist eine Frage der Denkrichtung, gleichwohl hat man grundsätzlich erkannt, dass sich in Bezug auf die Berufsausbildung etwas ändern muss, weil berufliche Handlungskompetenz sich in der Bewältigung von beruflichen Aufgaben zeigt, die per se fachübergreifend sind. In der Allgemeinbildung ist das meiner Wahrnehmung nach noch anders. Hier stehen überwiegend noch Fach-Curricula im Vordergrund. Das ist an sich nicht verkehrt, wenn man sich in einzelnen Fächern Wissen aneignet und die Fachstrukturen zur Systematisierung nutzt. Die Frage ist: Wie organisiert man dieses Wissen, damit die Lernenden sich später in
einer immer vernetzter und komplexer werdenden Welt zurechtfinden?“ Das betrifft übrigens nicht nur die Arbeitswelt, sondern die gesamte Lebensrealität, wodurch sich das Thema à la longue auch von der Zweckfrage löst. Hinzu kommt, dass Bildung in Österreich nach wie vor herkunftsabhängig ist. „Bildungserfolg und Arbeitsmarkterfolg hängen noch immer stark von der eigenen Herkunft ab – das zeigt sich anhand von Indikatoren wie dem Bildungsstand der Eltern oder dem sozioökonomischen Hintergrund. Frühe Selektionsstufen im Bildungssystem reproduzieren Bildungsunterschiede anstatt durch individuelle Förderung jedem Kind möglichst weitreichende Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen. Natürlich kann man auch aus guten Voraussetzungen nichts oder aus schlechten Voraussetzungen viel machen, wir wissen jedoch aus verschiedenen Studien, dass das Elternhaus einen großen Einfluss auf die Bildungskarrieren der nächsten Generation hat“, sagt Gössling. Spielt also in den Pflichtschulen weder vernetztes Denken noch Wirtschafts- und Finanzbildung und damit auch ein Stück Lebensbildung eine Rolle, werden also am ehesten wieder die benachteiligt, die ohnehin schon benachteiligt sind, weil ihnen wichtiges Wissen und entscheidende Einsichten fehlen, die sie in der Schule nicht lernen und auch von ihren Eltern nicht vermittelt bekommen (können).
LEBENSLANGES LERNEN
In Anbetracht dessen, dass je nach Bildungsweg Bildungschancen in erheblichem Maße verschlossen sein können, klingt das Schlagwort des lebenslangen Lernens fast wie ein Hohn. Deshalb warnt Gössling auch davor, das Thema Bildung ausschließlich auf das Schulsystem zu verkürzen: „Lernen findet schon in den ersten zwölf bis 18 Lebensmonaten statt – mit Folgen für das ganze Leben. Laut manchen Erhebungen macht das schulische Lernen nur rund 20 Prozent des lebenslangen Lernens aus. Der überwiegende Teil des Lernens im Lebenslauf findet außerhalb formaler Bildungseinrichtungen statt und das oft unbewusst. Man kann Wissen nicht an Bildungsabschlüssen allein festmachen.“ Und hier stehen wir vor dem nächsten Dilemma: Lernen außerhalb formaler Bildungseinrichtungen passiert nicht „einfach so“. Es braucht quasi eine Basis, auf der man aufbauen kann. Man muss die Fähigkeit haben, Lernchancen zu erkennen und zu ergreifen. Diese Fähigkeit wiederum lernt man großteils – man kann’s erahnen – durch Prägung in der Familie und in formalen Bildungseinrichtungen, weiterführenden Schulen zumeist. „Diejenigen mit einer geringeren formalen Bildung und einem weniger stark ausgeprägten Vermögen, aus Texten Informationen zu gewinnen und Selbstregulationskompetenz aufzubauen, tun sich auch schwerer damit, außerhalb der klassischen Bildungseinrichtungen zu lernen, zum Beispiel am Arbeitsplatz.“ Doch genau das wird immer wichtiger werden. Welche Skills in der zukünftigen Arbeitswelt vermehrt gefordert sein werden, diese Frage hat man sich schon
eco.zukunft
in den 1970ern gestellt, als die erste Automatisierungswelle durch die Industrie geschwappt ist und man eine Massenarbeitslosigkeit befürchtete (die übrigens nicht eintrat). Die Frage an sich ist also nicht neu, die Antwort ist es nicht minder, wenn auch auf einem neuen Level. Gössling: „Der Trend ist klar, dass Fachkompetenz alleine nicht mehr ausreicht. Es braucht ein hohes Maß an sozialen und personalen Kompetenzen, zu denen ich insbesondere Lernkompetenzen zählen würde.“ Was ein Mitarbeiter fachlich kann, ist nur mehr bedingt die Grundlage für Beschäftigung und Arbeitsfähigkeit. Nicht zuletzt, weil sich auch die fachliche Komponente laufend ändert. Deshalb muss Fachkompetenz jedenfalls mit der Kompetenz zu lernen gekoppelt sein.
LERNEN LERNEN
Mit all diesen Dingen müssen wir lernen umzugehen. Wer jedoch ist verantwortlich dafür, uns all das beizubringen? Ist es die Aufgabe von Schulen, uns auf das Leben vorzubereiten, oder ist es ihre Aufgabe, uns jene Werkzeuge an die Hand zu geben, damit wir es uns selbst beibringen können? Wir Menschen haben in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten so viel Wissen angesammelt, dass man dieses unmöglich im Laufe eines Pflichtschullebens abarbeiten kann. Nimmt man zum bestehenden Lehrplan ein neues Fach hinzu (nennen wir es „Wirtschaft“), gibt es folglich zwei Möglichkeiten: Man verlängert die Bildungszeit – was vermutlich kaum jemand möchte – oder man nimmt ein anderes weg. Welches aber soll es sein? Der Pädagoge Erich Weniger erkannte bereits vor Jahrzehnten sinngemäß: Der Kampf um den Lehrplan ist ein Kampf gesellschaftlicher Mächte. Was sich letzten Endes durchsetzt, ist offen. Das zweckfreie Ideal? Die Beschäftigungsfähigkeit? Wissenschaftspropädeutik? „Die reine Frage nach Lerninhalten halte ich für zu kurz gegriffen. Wir sollten uns nicht nur überlegen, mit welchem Gegenstand, welcher Materie wir uns künftig auseinandersetzen sollten, um für die Zukunft gerüstet zu sein – weniger Kant und mehr Rechnungswesen? –, sondern uns fragen, was Bildung dazu bewirken muss. Wohin soll Bildung die Menschen führen? Hier geht es
IN ANBE TRACHT DESSEN, DASS E INI G E K IND E R NI C H T Ü B E R D IE NE U N P F L I C H T S C H U L JA HR E HIN AU S L E R NE N KÖ N N E N O D E R D Ü R F E N , K L I N G T D A S SCHL AGWORT DES LEBENSL ANGEN L E R N E N S FA S T W I E E I N H O H N . 45 um eine selbstbestimmte Lebensführung, man könnte auch Kritikfähigkeit als ein weiteres Bildungsziel sehen. Daran schließt sich die Frage an: Mit welchen Bildungsgegenständen lässt sich dieses Ziel am besten erreichen? Eine Frage, die man auf dieser Ebene nicht allgemeinverbindlich beantworten kann“, wirft Gössling in den Raum. Erreicht man den Bildungsanspruch durch Beschäftigung mit der Ilias, der Bibel, mit mathematischen Formeln oder ökonomischer Theorie? Es wird immer verschiedene Wege geben: „Man kann aus der Auseinandersetzung mit dem Weltbild von Kant Kritikfähigkeit aufbauen oder auf vielen anderen Wegen, indem man sich zum Beispiel mit klassischen Modellen über Marktgleichgewichte beschäftigt und feststellt, dass die Regel, wenn der Preis steigt, die Nachfrage sinkt, zum Beispiel bei einem Run auf Kryptowährungen nicht gilt. Die Frage ist für mich: Was brauchen die Menschen? Wenn man das, was Bildung bei Menschen bewirkt, Mündigkeit, Einsicht in Zusammenhänge, Lernkompetenz und anderes, als formale Ebene der Bildung ansieht, ist es tragisch, wenn hehre Vorstellungen von der Wichtigkeit bestimmter Inhalte, die materiale Ebene, Schüler hervorbringt, die mangels erkannter Relevanz mit dem tradierten Schulstoff auch die Bildung ablehnen, die sie eigentlich bräuchten, weil sie zu sehr nach Schule ‚riecht‘. Das sehe ich derzeit durchaus als Problem.“ Mehr denn je zählt heute, dass junge Menschen zu souveränen, unabhängigen und solidaritätsfähigen Bürgern werden. Die Bedeutung von Bildung und Bildungseinrichtungen steigt weiter an. Was die dafür passenden Bildungsgegenstände sind, darum wird wohl auch weiterhin gestritten werden.
eco.zukunft
VON DER FORSCHUNG ZUR ENTWICKLUNG Zahlreiche Studien belegen, dass die Ursache für den Wohlstand eines Landes in dessen Innovationskraft liegt. Vor allem in jenen Ländern, die über keine Rohstoffe verfügen, und Österreich ist diesem Punkt bekanntlich eher wenig gesegnet. Unser größtes Asset ist unser Wissen. Natürlich trägt der Tourismus (hoffentlich bald wieder) das seine dazu bei, dass es Tirol geht, wie es ihm geht. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, auch aus der geistigen Ecke entsprechenden Input zu liefern, um den Wirtschaftsstandort nachhaltig nach vorne zu entwickeln. Ohne Forschung keine Entwicklung. TEXT: MARINA BERNARDI
46
F
orschung ist etwas, das in der breiten Bevölkerung vielfach erst seinen Platz finden muss. Vor allem mit Grundlagenforschung können viele nicht wirklich etwas anfangen. Zu abstrakt, zu weit weg. Aber: Keine Anwendung ohne Grundlage! Es braucht das grundlegende Verständnis eines Sachverhaltes, um dann auch entsprechende Anwendungen, Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Grundlagenforschung und angewandte Forschung sind kein Gegensatzpaar. Sie folgen der gleichen Logik des Stellens der richtigen (Forschungs-)Frage und deren Beantwortung und so bedingen sie einander. Letztlich geht es immer um das Betreten von Neuland, nur die Ausgangslage ist eine andere. Im einen Fall handelt es sich um eine konkrete Fragestellung zur Lösung eines angewandten Problems, im anderen Fall geht es um die Fortführung des allgemeinen Erkenntnisgewinns über Mensch und Natur, wobei Letzteres zu besonders wertvollen Anwendungen führen kann. Forschung ist dabei nicht nur das klassische Mikroskop. Es geht um die Weiterentwicklung von Technologien bis hin zur Konfliktforschung und ganz viel dazwischen.
An der Universität Innsbruck zum Beispiel beschäftigen sich die Wissenschaftler zu rund 70 Prozent mit Grundlagenforschung, natürlich stark abhängig vom jeweiligen Fachbereich. Der Vorteil der Uni ist, dass man sich durch die Grundlagenforschung einen enormen Wissensschatz aufbaut, der – wenn seine Zeit gekommen ist – relativ rasch zu konkreten Lösungen führen kann. Nur weil Forschung zu einem Zeitpunkt nicht unmittelbar verwendet wird, heißt es nicht, dass sie nicht anwendbar ist. Doch bei allem, was Menschen nicht physisch fassen können, wird eine Erklärung schwierig. Deshalb findet Forschung nicht immer die Anerkennung, die sie verdient – auch nicht in der Anwendung. Doch eine erfolgreiche Zukunft kann nur über Forschung funktionieren. „Besonders in Krisenzeiten zeigt sich: Von Forschung und Entwicklung (F&E) getriebene Industrie ist widerstandsfähiger als andere Wirtschaftszweige. Für kleine Volkswirtschaften ist Innovation und Fortschritt der Motor für Wertschöpfung. Für Österreich – als kleines und rohstoffarmes Land – gilt dies im besonderen Maße: Nur über Innovation kann ein Land wie Österreich punkten, und die Life-Science-Branche ist ein starker Verbündeter, um Innovationen zu generieren. Österreich
hat in diesem Sektor einiges Potenzial: Es sind bereits viele Pharma- und Life-Science-Unternehmen im Land. Dies gepaart mit starken Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie günstigen Rahmenbedingungen könnte Österreich zu einem zentralen Innovationsplayer in der EU und in der Welt machen. Mit dem nötigen Schulterschluss und richtigen Weichenstellungen könnten wir Österreich vom Hidden Champion zur Champions League im Bereich Life Sciences bringen“, sagt Michael Kocher, Country President Novartis Austria. Der Standort Kundl/Schaftenau gehört zu den zentralen Entwicklungs- und
eco.zukunft
47
Produktionsstandorten des Schweizer Pharmaunternehmens Novartis.
RENOMMIERTE FORSCHUNG UND E N T S P R E C H E N D E F O R S C H U N G S S TÄT T E N S I N D F Ü R E I N E N S TA N D O R T UNERL ÄSSLICH. DAS MACHT IHN AUCH FÜR UNTERNEHMENSGRÜNDUNGEN UND - A N S I E D E L U N G E N AT T R A K T I V, W E I L N E B E N DEN FORSCHUNGSERGEBNISSEN AUCH SEHR VIELE BESTENS AUSGEBILDE TE P O T E N T I E L L E M I TA R B E I T E R Z U R VERFÜGUNG STEHEN.
FORSCHEN FÜR DIE GESUNDHEIT
Ein Bereich, in dem das öffentliche Interesse beim Thema Forschung hoch ist, ist die Medizin, weil sie Themen bespielt, die jeden im Laufe seines Lebens betreffen können. Persönliche Nähe weckt die Neugierde. Nicht erst in Zeiten von Corona, aber aktuell stark getrieben davon. „Corona hat deutlich gemacht, wie wichtig medizinischer Fortschritt, getrieben von pharmazeutischer Forschung und Entwicklung, ist“, so Kocher.
Im Zuge der Coronapandemie wurde der Ruf, Schlüsselindustrien zurück nach Europa oder noch besser Österreich zu holen, immer lauter. In so manchem Bereich wird das schwierig bis unmöglich werden, Novartis indes zeigt, wo und wie es durchaus funktionieren kann. In Kundl wird mit der Herstellung von mRNA-Impfstoffen und des vorformulierten Wirkstoffes für den Coro-
na-Impfstoffkandidaten CureVac begonnen, der Beginn der Auslieferungen erfolgt voraussichtlich ab Sommer 2021. Novartis beabsichtigt, die mRNA und den vorformulierten Wirkstoff für bis zu 50 Millionen Dosen des Impfstoffkandidaten von CureVac bis Ende 2021 und bis zu rund 200 Millionen Dosen im Jahr 2022 in Tirol herzustellen. Und weil uns Corona in verschiedenen Aus-
eco.zukunft
48 prägungen wohl noch eine ganze Weile begleiten wird, rüstet man sich technologisch dafür, auch schnell auf künftige Mutationen reagieren zu können. Um die Basis dafür zu schaffen, wurden 20 Millionen Euro am Standort investiert. Wir haben Michael Kocher ein paar Fragen gestellt.
ECO.NOVA: Um künftig vor allem in medizinischen Belangen unabhängig(er) vom globalen Markt zu sein, steht das Thema der Reindustrialisierung in Europa im Raum. Wie realistisch erscheint Ihnen diese aus derzeitiger Sicht? MICHAEL KOCHER: Wir brauchen keine Reindustrialisierung, weil Europa ein pharmazeutisches Power-House ist. Unsere Sorge ist eher, ob es dies auch bleiben wird. Europa ist die einzige große globale Wirtschaftseinheit, die Covid-Impfstoffe in erheblichem Ausmaß exportiert und damit anderen Teilen der Welt Zugang gewährt. Zwei der ersten drei zugelassenen Covid-Impfstoffe sind eine europäische Erfolgsgeschichte, die nicht nur in Europa erforscht worden sind, sondern auch hier hergestellt werden. Aus diesem Grund beobachte ich die Diskussion rund um Patentschutz mit Besorgnis, denn eines muss uns bewusst sein: Ein starker Patentschutz ist die Basis für Wohlstand, Forschung und
E I N S TA N D O R T W I E Ö S T E R R E I C H W I R D N U R Ü B E R I N N O VAT I O N E N Ü B E R L E B E N KÖ N N E N . U N D I N N O VAT I O N E N BRAUCHEN FORSCHUNG. Fortschritt. Würde man den Innovatoren die Planungssicherheit nehmen, die ihnen das geistige Eigentum bietet, würde dies den laufenden Technologietransfer gefährden, zukünftige medizinische Innovationen in Frage stellen und eine schnelle Reaktion auf zukünftige Pandemien behindern. Das letzte, das Europa in der momentanen Situation tun sollte, wäre im Bereich des geistigen Eigentums diverse F&E-Anreize durch neue Regulierungen zurückzufahren.
Sandoz hat die Nukleinsäure-Produktion ausgebaut und arbeitet mit dem deutschen Biotech-Unternehmen CureVac in Bezug auf dessen COVID-19-Impfstoffkandidaten zusammen. Wie kam es dazu? Erst im November 2020 hat Novartis bekanntgegeben, Kundl zu einem Nukleinsäure-Kompetenzzentrum, vor allem für die Zell- und Gentherapie-Pipeline, auszubauen. Schon damals haben wir angekündigt, dass bis Mitte 2021 eine weitere Anlage zur Herstellung
von mRNA entsteht. Novartis ist am Standort Kundl Pionier und verfügt über jahrzehntelange Expertise in der biopharmazeutischen Produktion von Proteinen auf Basis mikrobieller Technologien. Dies schafft die Voraussetzung für die Herstellung von Nukleinsäuren, im Speziellen von mRNA-Wirkstoffen, welche die Grundsubstanz vieler innovativer Therapien und moderner Impfstoffe sind. Derzeit erweitern wir unseren Standort um zusätzliche Kapazitäten für die Produktion von mRNA, um den steigenden Bedarf bestmöglich zu bedienen. Infolge der entsprechenden Vereinbarung mit CureVac wird die bereits geplante Produktionslinie (zur Herstellung von RNA) in Kundl früher und umfassender als ursprünglich geplant fertiggestellt. In diesem Zusammenhang werden am Standort Novartis in Kundl bis zu 100 hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Novartis plant außerdem, den Standort Kundl/Schaftenau zu einem Life-Science-
Park weiterzuentwickeln. Mit BASF konnte ein erster externer Partner gewonnen werden. Was erhoffen Sie sich von dieser Zusammenarbeit und wo soll es in Zukunft damit hingehen? Novartis überprüft regelmäßig sein Produktionsnetzwerk, um sicherzustellen, dass wir auf die Bedürfnisse der Zukunft vorbereitet sind, die Bedürfnisse unserer Patienten erfüllen und die Wettbewerbsfähigkeit von Novartis stärken. In diesem Rahmen wurden seit 2020 in acht Regionen lokale Standortentwicklungsorganisationen gegründet. Die Öffnung der Standorte, die Einrichtung von Life-Science-Parks und die Gewinnung neuer Unternehmen für unsere Standorte sind ein weiterer Schritt in unserer globalen Standortentwicklung. Dies ist auch eine Maßnahme in die Zukunft unserer Standorte:Durch die Schaffung unseres Life-Science- und Technologieparks und in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen können wir unsere Flächen und vorhandenen Gebäude und Einrichtungen besser nutzen und weitere Synergien für Dienstleistungen und Infrastruktur schaffen. Mit der Öffnung des Areals in Kundl ermöglicht Novartis die Ansiedlung von Unterneh-
© NOVARTIS
eco.zukunft
„ C O R O N A H AT G E Z E I G T, W I E W I C H T I G E S I S T, I N N O VAT I O N I N E U R O PA Z U H A B E N U N D UNABHÄNGIG VON WIRTSCHAF TSMÄCHTEN WIE CHINA, INDIEN ODER DEN USA A G I E R E N Z U KÖ N N E N .“ MICHAEL KOCHER
men, die voneinander profitieren können. Damit entsteht ein äußerst vielfältiger Industriestandort, der großes Potential für Kreativität und Innovation hat und noch mehr Wertschöpfung nach Tirol bringt. Wir glauben, dass Novartis zunehmend mit Dritten (Unternehmen, Institutionen, Start-
ups usw.) in der Wissenschaft und darüber hinaus zusammenarbeiten muss, um wettbewerbsfähig, agil und letztendlich erfolgreich zu bleiben. Wir erwarten daher, dass der Austausch mit anderen Unternehmen und Start-ups zu entsprechenden Innovationen und Wissensgewinnen führt.
WEBDESIGN ONLINE MARKETING
Komplette Webkompetenz. Aus einer Hand.
PROGRAMMIERUNG
Wir lieben die Herausforderung und haben für (fast) jedes Problem die passende Lösung.
HOSTING & SERVER DOMAINMANAGEMENT
Kontaktieren Sie uns! + 43 512 20 65 67 info@web-crossing.com www.web-crossing.com
49
eco.zukunft
„UND BIST DU NICHT WILLIG, SO BRAUCH ICH GEWALT“
Was Erlkönig, COVID-19 und geistiges Eigentum miteinander zu tun haben. Einige grundlegende rechtliche Informationen für die Diskussion rund um die Aussetzung von Patenten auf COVID-19-Impfstoffe 50
T E X T : S T E FA N WA R B E K
V
erfahren zur chirurgischen oder therapeutischen Behandlung sind zwar nicht patentierbar, für Arzneimittel allerdings können Patente angemeldet werden. Für innovative Wirkstoffe oder die innovative Verwendung bereits bekannter Wirkstoffe kann dadurch ein Monopol erlangt werden. Dies gilt natürlich auch für Medikamente und Impfstoffe zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie. In Zeiten der Pandemie ist der Wunsch der Weltöffentlichkeit nach einem sofortigen, gerechten und günstigen Zugriff auf wirksame Arzneien naturgemäß besonders groß, weshalb derzeit die exklusive Verwertung patentierter Corona-Arzneimittel international diskutiert wird. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob die „Aussetzung von Patenten“ den globalen Zugang zu COVID-19-Impfstoffen verbessern würde. Was aber ist mit einer „Aussetzung“ von Patenten und den vielen anderen medial kolportierten Vorschlägen gemeint? Die mediale Berichterstattung liest sich jedenfalls variantenreich: • „Eine Aussetzung von Patenten auf Covid19-Präparate wird gefordert.“ • „Wer Medikamente oder Impfungen gegen Covid-19 entwickelt, könnte um seinen Patentschutz umfallen.“
• „Viele Staaten können sich den Erwerb von Covid-19-Impfstoffen nicht leisten. Sollten die Patente daher freigegeben werden?“ • „Die Aufhebung des Patentschutzes soll die Unterversorgung von Entwicklungsländern mit Impfstoffen gegen das Coronavirus beheben.“ • „Wird der Verzicht auf IP-Rechte von Impfstoffherstellern die Herausforderungen beim Zugang zu Covid-19-Impfstoffen lösen?“
PATENTVERZICHT ODER ZWANGSLIZENZ? Ein Bündnis von Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen forderte Pharmafirmen in einem offenen Brief auf, während der Pandemie auf ihre Impfstoff-Patente zu verzichten und ihre Technologien sowie ihr Know-how anderen Unternehmen zugänglich zu machen. Zudem sollten sie einen Teil ihrer Impfstoffe für ärmere Länder bereitstellen. Die Berichterstattung spricht also verschiedene Aspekte und unterschiedliche Maßnahmen an. So betreffen die diskutierten Aspekte • Beschränkungen des geistigen Eigentums an Erfindungen,
• die Weitergabe von Know-how zur Herstellung und Massenproduktion der Arzneimittel und • den Vertrieb der Arzneimittel.
Auch die Maßnahmen werden variantenreich kolportiert. Wird hier über eine zeitlich befristete Ungültigkeit von Patenten, eine gänzliche Nichtigerklärung von Patenten, einen freiwilligen Verzicht auf Durchsetzung von Patentrechten oder die Einräumung von Zwangslizenzen an Patenten berichtet? Was steckt dahinter? Die in der Natur der Sache liegende Debatte über Patente an lebensrettenden Arzneimitteln wird schon seit Jahrzehnten geführt und ist nichts Neues. In besonderen Ausnahmefällen eines überragenden öffentlichen Interesses ist es schon längst möglich, dass durch geistige Eigentumsrechte gewährte Monopole eingeschränkt werden. In den internationalen Patentsystemen hat sich die Maßnahme einer gesetzlichen Zwangslizenz etabliert. Auch in Österreich kann im Interesse der Allgemeinheit eine Zwangslizenz an einem Patent erteilt werden. Gemäß dem Patentgesetz hat jedermann für seinen Betrieb Anspruch auf die Erteilung einer nicht-exklusiven Lizenz an einer patentierten Erfin-
eco.zukunft
dung, wenn deren Erteilung im öffentlichen Interesse geboten ist. Voraussetzung für die Erteilung einer Zwangslizenz ist allerdings, dass ein produktionsbereites Unternehmen den Patentinhaber vorab um eine marktübliche Lizenz ersucht. Erklärt sich dieser nicht zumindest zu einer „FRAND-Lizenz“ bereit, kann das lizenzwillige Unternehmen bei der jeweils national zuständigen Behörde (Patentamt, Gericht) eine Entscheidung beantragen, ob und zu welchen Bedingungen ihm der Patentinhaber eine Lizenz erteilten muss. Eine Zwangslizenz kommt also nur nach Abwägung der individuellen Umstände durch eine Behörde in Frage. Sie kommt nur dann in Betracht, wenn der zu den erfindungsgegenständlichen Produkten benötigte Zugang nicht anders gewährleistet werden kann. Das könnte der Fall sein, wenn der Patentinhaber nicht über die nötigen Produktionskapazitäten verfügt, um eine ausreichende Versorgung mit dem „Corona-Arzneimittel“ sicherzustellen. In welchem Umfang die Benutzung zu gestatten ist, schreibt das Gesetz nicht vor. Es ist Aufgabe der Behörde, den Umfang der Zwangslizenz auf den Zweck im konkreten Fall zu begrenzen. Sie kann sie von Bedingungen abhängig machen oder einschränken. Zeitlich ist die Zwangslizenz jedenfalls auf die Dauer des Krisenfalls bzw. ihren Zweck beschränkt. Eine Zwangslizenz ist immer eine einfache Lizenz, so dass der Patentinhaber seine Arznei weiter herstellen und verkaufen kann. Im internationalen Abkommen der „Pariser Verbandsübereinkunft“ wird eine Zwangslizenz als das „gelindeste Mittel“ präferiert. In diesem Sinne sehen die einschlägigen Gesetze auch nicht vor, dass ein Patent seinem Inhaber einfach entzogen werden kann. Liegen ein „nationaler Notstand“ oder „sonstige Umstände von äußerster Dringlichkeit“ (z.B. in der Gesundheitsversorgung) vor, dann muss nicht einmal vorab um die Zustimmung des Patentinhabers angesucht werden. Dann kann die Behörde direkt eine vorläufige Bewilligung zur Benützung des Patents erteilen. Im Arzneimittelbereich ist es in manchen Ländern im Krisenfall auch möglich, dass der Staat eine Benutzungsanordnung erlassen kann. Damit können die Behörden bei einem Versorgungsengpass ein geeignetes Unternehmen damit beauftragen, das betreffende Arzneimittel im Auftrag des Staates herzustellen, ohne dass der Patentinhaber dies verhindern kann. Den Bestand des Patents berühren jedoch all diese Maßnahmen nicht. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen also gar keinen
D I E D E B AT T E Ü B E R PAT E N T E A N L E B E N S RE T T ENDEN A R ZNEIMI T T EL N IS T NIC H T S NEUE S . I N B E S O N D E R E N A U S N A H M E FÄ L L E N E I N E S ÜBERR AGENDEN ÖFFENTLICHEN INTERESSES IST ES SCHON L ÄNGST MÖGLICH, DASS DURCH G E I S T I G E E I G E N T U M S R E C H T E G E WÄ H R T E MONOPOLE EINGESCHR ÄNK T WERDEN. „Verfall“ oder „Verzicht“ und keine Ungültigkeit von Arzneimittelpatenten aus dem Anlass der Pandemie vor. Gerade im Arzneimittelbereich reicht nämlich die Gewährung von Zwangslizenzen in der Regel aus, weil es in der Praxis immer nur einzelne, individuell befähigte Unternehmen gibt, die überhaupt in der Lage sind, eine ihnen erteilte Lizenz zu nutzen. Es genügt sohin, den Patentschutz zeitweise individuell zu beschränken, ohne dem Patentinhaber sein Patent überhaupt streitig zu machen. Wesentliche Kernpunkte der Diskussion betreffen auch den Aspekt der Weitergabe von Know-how zur Herstellung und Massenproduktion der Arzneimittel sowie die im Zusammenhang mit dem Europäischen Arzneimittelrecht und dem In-Verkehr-Bringen von Generika zu klärenden Fragen.
FÜR JEDERMANN NACHVOLLZIEHBAR
Um an einer Innovation ein monopolisierendes Patent zu erhalten, ist die Erfindung in der zu veröffentlichenden Patentschrift zu offenbaren. Patentschriften müssen so konkrete Angaben zur Erfindung geben, dass sie ein Durchschnittsfachmann ausführen kann. Das bedeutet, dass die Erfindung im Rahmen ihrer Patenterteilung immer auch der Öffentlichkeit bekannt gegeben wird, so dass jeder deren Beschreibung nachlesen kann. Patentierte Erfindungen sind also nicht mehr geheim, sondern – gerade im Gegenteil – für jedermann nachvollziehbar. Nun liefern diese veröffentlichten Angaben zur Erfindung aber meist nicht gleichzeitig auch alle für die industrielle Herstellung einer Arznei wichtigen Informationen, geschweige denn, dass diese in der Patentschrift enthaltenen Angaben die für den Zulassungsprozess vor den Arzneimittelbehörden erforderlichen Informationen ersetzen können. Während also die patentierte Erfindung im öffentlichen Patentregister einsehbar ist, bleibt das zur Herstellung und Zulassung eines Produkts erforderliche Know-how weitestgehend geheim. Ein Blick auf die Generika-Industrie zeigt, dass der Markteintritt eines Generikums durch verschiedene Rechtsvorschrif-
ten beschränkt ist. Dazu zählt einerseits das Patentrecht, andererseits greift ein arzneimittelrechtlicher Unterlagenschutz für die Zulassungsunterlagen des Originalherstellers. Unabhängig vom Patentschutz sieht das Europäische Arzneimittelrecht nämlich vor, dass Generika erst zehn Jahre nach Zulassung des Originalpräparats in Verkehr gebracht werden dürfen. Ein Patentschutz verhindert entsprechend der „Roche-Bolar-Regelung“ jedoch nicht die Durchführung klinischer Studien (Versuchsprivileg). In den Medienberichten über die Aussetzung von Covid-Patenten ist trotz variantenreicher Schilderungen primär die Einräumung von Zwangslizenzen angesprochen. Am Bestand des Patents zu rütteln, wie dies bei einem Verfall, Verzicht oder einer Ungültigkeit von Arzneimittelpatenten der Fall wäre, bestehen weder Anlass noch rechtliche Grundlage. Gerade im Arzneimittelbereich genügt in der Regel die Gewährung von Zwangslizenzen, weil es in der Praxis immer nur einzelne, individuell befähigte Unternehmen gibt, die überhaupt in der Lage sind, eine ihnen erteilte Lizenz zu nutzen. Maßstab hierfür sind aber stets das überragende Interesse der Öffentlichkeit und die unzureichende Kapazität des Patentinhabers.
Dr. Stefan Warbek
WARBEK RECHTSANWÄLTE ist eine auf die Innovations- und Kreativwirtschaft spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei.
www.warbek.at
51
STANDORTAGENTUR TIROL
GEMEINSAM MIT WISSEN ZUM KÖNNEN Klein- und Mittelbetriebe aus Westösterreich können unkompliziert auf das Digitalisierungswissen der ansässigen Universitäten und Hochschulen zugreifen – im Digital Innovation Hub West.
D
52
amit heimische Betriebe das Aufschwung- und Wachstumspotenzial der Digitalisierung ausschöpfen können, brauchen sie das Digitalisierungs-Know-how der Forschungseinrichtungen und ein starkes Partner-Netzwerk – beides stellen in Österreich sogenannte Digital Innovation Hubs (DIH) zur Verfügung, die über das gleichnamige Programm der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG gefördert werden. Im Digital Innovation Hub West (DIH West) haben sich Standortagenturen, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Salzburg, Tirol und Vorarlberg zusammengeschlossen, um lokale Klein- und Mittelunternehmen (KMU) in allen Phasen der Digitalisierung zu unterstützen: von der Ideenfindung bis hin zur Entwicklung innovativer digitaler Dienste und Technologien. Ziel des DIH West ist es, heimische Unternehmen zu unterstützen, fit für die digitale Zukunft zu bleiben oder zu werden. Unterstützt wird diese Zusammenarbeit mit insgesamt 2,5 Millionen Euro aus Mitteln der öffentlichen Hand. Fördergeber sind das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort sowie die Länder Tirol, Salzburg und Vorarlberg.
WORAUF ES ANKOMMT
Dem besonderen Bedarf der KMU in Westösterreich trägt der DIH West mit einem Schwerpunkt für den produzierenden Sektor, den Tourismus und IT-Dienstleistungen Rechnung. Methodische Schwerpunkte bilden die Themen Automation und Cybersecurity sowie Data Analytics und Künstliche Intelligenz. Das umfangreiche Angebotspaket im DIH West richtet sich sowohl an Einsteiger als auch Profis unter den KMU-Digitalisierern. Mit Basisschulungen und Workshops stehen KMU zahlreiche Weiterbildungsangebote zur Verfügung, elf strategische Arbeitsgruppen bieten KMU einen konti-
Hand in Hand heißt es im Digital Innovation Hub West.
nuierlichen Austausch mit Experten der Hochschuleinrichtungen zu digitalen Themen. Darüber hinaus können Unternehmen im DIH West Infrastruktur zum Anwenden neuer Technologien und zum Testen von Produkten nützen. „Für die Unternehmen im Wirtschafts- und Lebensraum Tirol ist die Standortagentur Tirol gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Tirol und Industriellenvereinigung Tirol erste Anlaufstelle rund um den DIH West. Wir informieren, prüfen digitale Fähigkeiten und Potenziale, beraten zu Förderungen und verknüpfen zu den richtigen Forschungsgruppen“, erklärt dazu Marcus Hofer, Geschäftsführer Standortagentur Tirol. In den Themenschwerpunkten Daten und Künstliche Intelligenz, Innovationsmanagement, Security, IT-Architektur und IT-Qualität werden KMU entlang der Anwendungsfelder Produktion, Tourismus und Softwareentwicklung unterschiedliche Leistungen angeboten, je nachdem, welche Unterstützung
das jeweilige Unternehmen benötigt: Die Leistungen des DIH West für KMU umfassen Events, Workshops und strategische Arbeitsgruppen zu diversen Schwerpunktthemen, in denen Kontakte geknüpft werden, der Einstieg in Themen der Digitalisierung erleichtert wird, Basiswissen der Digitalisierung aufgebaut wird und gemeinsam Innovationen vorangetrieben werden. Tiroler Unternehmen, die das Digitalisierungswissen der Wissenschaft nutzen wollen, sollten nicht zögern: Alle Infos sowie Kontakte finden sich auf www.dih-west.at. PR
Lebensraum Perspektiven FORUM 07.–11. Juni 2021
Alle Informationen und Umfrage-Teilnahme unter: www.lebensraum.tirol/perspektiven Eine Initiative der Lebensraum Tirol Holding
irol T e n i e D e? v i t k e p Pers men
e teilneh g a r f m An U innen! w e g d n u
© WWW.VIEWTURE.MEDIA
eco.zukunft
Beim Wirtschaftshof neben der Zufahrt zur Swarovskistraße zur Krankenhausgaragt wird aktuell am neuen Mehrzweckgebäude gebaut. Mit den Abrissarbeiten des veralteten Gebäudeteils wurde Ende 2020 begonnen, im Mai wurde mit dem Bau der Stockwerke mittels Holzbauweise gestartet. Die Fertigstellung ist bereits für nächstes Jahr geplant.
WERT(E)VOLL
54
Die Aufgabe des Bezirkskrankenhauses (BKH) Schwaz ist die optimale medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Region. Über diesen Gesundheitsaspekt hinaus ist das Krankenhaus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – als größter Arbeitgeber im Bezirk Schwaz ebenso wie durch seine regelmäßigen Investitionen am Standort. Aktuell entsteht am Areal des Krankenhauses ein neues Mehrzweckgebäude in innovativer Holzbauweise. Damit bleibt das BKH seiner vor einigen Jahren gestarteten Nachhaltigkeitsstrategie treu.
D
as BKH Schwaz ist mehr als ein reiner Gesundheitsversorger. Das Haus ist Arbeitgeber für etwa 700 Beschäftigte, die im Jahr für die Versorgung von rund 16.500 stationären und ca. 80.000 ambulanten Patientinnen und Patienten sorgen. Als einer der größten Arbeitgeber der Region nimmt das BKH Schwaz damit auch seine soziale Verantwortung wahr – unterstrichen durch flexible Arbeitszeitmodelle oder den hauseigenen Betriebskindergarten KRAKI. Das soziale Bewusstsein im BKH Schwaz geht indes weit über den einzelnen Menschen hinaus. „Als öffentliches Krankenhaus nehmen wir die Verantwortung für die Menschen in unserer Betreuung sehr ernst. Verantwortung tragen wir aber auch für unsere Region, die Umwelt und unser Klima“, sagt Geschäftsführer MMag. Andreas Hoppichler.
„Wir wissen, dass der Klimawandel neben den Auswirkungen auf die Umwelt auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen mit sich bringt. Dieses Wissen allein wäre für mich schon Grund genug, eine aktive Rolle in der Entgegenwirkung einzunehmen.“
PATIENT KLIMAWANDEL
Wirtschaftlich-ökologisches Handeln ist im Leitbild des BKH Schwaz fest verankert. 2017 hat das Krankenhaus seine Unternehmensstrategie überarbeitet und dabei unter anderem das Thema Energie in den Fokus gerückt, im Zuge dessen eine Senkung des CO2-Ausstoßes und die Umstellung auf nachhaltige Energieressourcen in den Mittelpunkt gestellt wurden. Auch der derzeit entstehende Neubau des multifunktionalen Gebäudes am Krankenhausareal trägt dieser Strategie Rech-
nung. „Gebaut wird in einem Krankenhaus eigentlich immer irgendwo“, so Georg Markt, technischer Leiter und Energiestratege des BKH. Und wenn im BKH Schwaz gebaut wird, dann wird es gleich 2050-tauglich gemacht. Zuletzt wurde die Fassade im Bereich des Bettentrakts komplett saniert. „Diese Sanierung beinhaltet einen Fenstertausch, die Anbringung von außenliegendem Sonnenschutz und die Umsetzung einer hinterlüfteten Fassade und das alles im Niedrigstenergie-Standard.“ Damit ist die Sanierung eines der Herzstücke der Energiestrategie und eine wichtige Maßnahme, um den Energieverbrauch zu senken. Als erstes Projekt in Tirol hat das BKH Schwaz dafür die Förderung „Musterhaussanierung“ des Klimafonds und den Sonderpreis für das Energiekonzept von Energie Tirol im Rahmen des „Tiroler Sanierungspreis 2021“ erhalten.
eco.zukunft
„W I R T R A G E N V E R A N T W O R T U N G FÜR DIE MENSCHEN, UNSERE R E G I O N , D I E U M W E LT U N D U N S E R K L I M A .“
„W I R S I N D Ü B E R Z E U G T, D A S S WIR AUCH IM BAUBEREICH NEUE W E G E I N P U N K T O N A C H H A LT I G K E I T G E H E N M Ü S S E N .“
ANDREAS HOPPICHLER, GESCHÄFTSFÜHRER
FRANZ HAUSER, GEMEINDEVERBANDSOBMANN
Aktuell laufen die Bauarbeiten am neuen Mehrzweckgebäude. „Bei der Planung wurde schnell klar, dass eine Sanierung des Altbaus eine große Herausforderung sein würde. Deshalb haben wir uns entschieden, das bestehende Gebäude abzureißen und es nach höchsten Kriterien der Energieeffizienz und in einer nachhaltigen Bauweise komplett neu zu errichten“, so Franz Hauser, Gemeindeverbandsobmann und Koordinator der Bauthemen im BKH. Eine Sanierung wäre bedeutend teurer gewesen und die gewünschte Nutzung hätte im Bestand nicht realisiert werden können. Errichtet wird das neue Gebäude zum Großteil in nachhaltiger (hybrider) Holzbauweise. Eines der Hauptargumente dafür bildet der ökologische Fußabdruck des Werkstoffs. Holz ist ein CO2-neutraler, nachwachsender, heimischer Rohstoff und gleichzeitig ein natürliches, feuchtigkeitsregulierendes und wärmedämmendes Material. Durch die hohe Vorfertigung von Gebäudeteilen ergeben sich außerdem wesentlich kürzere lärmintensive Bauzeiten. Die exakte Planungsmöglichkeit reduziert Fehler und damit aufwändige Nachbearbeitungen verbunden mit hohen Folgekosten. „Die Holzbauweise im Krankenhausbereich ist zwar noch selten, aber wir sind überzeugt, dass wir auch im Baubereich neue Wege in puncto Nachhaltigkeit gehen müssen“, so Hauser.
Der Neubau bringt mehr Raumressourcen für das Krankenhaus – zwei zusätzliche Stockwerke schaffen Platz. Untergebracht werden im neuen Gebäude all jene Funktionen, die abgesehen von rein medizinischen Zwecken innerhalb eines Krankenhauses erforderlich sind, also Räumlichkeiten des Wirtschaftsbetriebes, Haustechnik, Administration sowie Dienstzimmer und Aufenthaltsräume. „Das Gebäude beherbergt zum Großteil Dienstzimmer für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir hoffen, hier auch eine besondere Raumatmosphäre durch Sichtholzbereiche im Innenbereich zu schaffen“, beschreibt Hoppichler.
AUSSEN GUT, INNEN GUT
Nicht nur außen, sondern auch tief im Inneren der Gebäude wird kräftig an der Energiewende gearbeitet. „Unsere neu gebaute Energiezentrale ist mit zwei Tiefbrunnen und Wärmepumpen ausgestattet“, erklärt Techniker Markt. „Früher erfolgte die Wärmebereitstellung mittels Erdgas, das derzeit nur mehr zur Spitzenlastabdeckung oder bei einem potenziellen Ausfall der Wärmepumpen zum Einsatz kommt.“ Ziel ist es, die Hälfte des Primärenergiebedarfs einzusparen und diesen vollständig aus erneuerbaren Ressourcen zu decken. „Zum Teil konnten wir schon in den letzten Tagen und Wochen einen vollkommen fossilfreien Betrieb um-
setzen“, ergänzt Hauser. Die Erhöhung des Strombedarfs durch die Wärmepumpen wird mit einer 180-kWp-Photovoltaikanlage kompensiert, deren Strom gänzlich dem Eigenverbrauch zukommt. Neben technischen Energiemaßnahmen versucht das BKH Schwaz auch bewusstseinsbildende und verhaltensändernde Maßnahmen zu setzen. So wurden die Radabstellplätze am Areal erneuert und erweitert, letztes Jahr ging das RADhaus mit zweistöckigen Radabstellplätzen in Betrieb. Insgesamt gibt es am Gelände 154 sichere Fahrradabstellplätze. Ein Gratis-E-Bike-Verleih für die Mitarbeiter wird seit 2018 angeboten und läuft auch 2021 wieder an – attraktives Mietmodell inklusive. Darüber hinaus werden in der Kantine Maßnahmen gesetzt. „Wir haben beim Einkauf Optimierungen umgesetzt und die Anzahl der heimischen Lieferanten und Produzenten erhöht, Speiserestabfälle reduziert und bieten vermehrt fleischlose Alternativen an“, sagt Hoppichler und weiter: „Anfangs hatten wir geplant, das bestehende System mit kleinen Maßnahmen Schritt für Schritt zu verbessern. Wir mussten aber bald feststellen, dass mit dieser Strategie die Fördermöglichkeiten nicht einfach abgreifbar oder verfügbar waren. Die dadurch entstandene Entwicklung und Umsetzung des Gesamtkonzepts war aber rückblickend das Beste, was uns passieren konnte.“
I N A L L E N B E L A N G E N I S T D A S H A N D E L N I M B K H S C H WA Z V O M L E I T S AT Z „ H I L F E M I T KO M P E T E N Z U N D M E N S C H L I C H K E I T “ G E P R Ä G T, D A S D E N M E N S C H E N I N D E N M I T T E L P U N K T D E S TÄ G L I C H E N H A N D E L N S S T E L LT.
55
GEMEINSAM BRÜCKEN BAUEN Der Tiroler Personalbereitsteller InterWork-Personalservice stellt inländische Facharbeiter für Bau-, Industrie- und Medizinbetriebe ein.
#TEAMPOWER
Sie sind auf der Suche nach Mitarbeitern für Ihren Betrieb? Dann haben Sie gefunden, was Sie brauchen. Die in Rum ansässige Firma InterWorkPersonalservice GmbH hat sich auf die Bereitstellung von top qualifizierten inländischen Fachkräften aus Ostösterreich für den Einsatz in Tirol, Salzburg und Vorarlberg spezialisiert. Das Besondere: Es werden primär inländische Fachkräfte aus Ostösterreich angeworben. Dank hoher Nachfrage konnte InterWork in der letzten Zeit zahlreiche Neukunden gewinnen, vom Groß- bis zum Kleinbetrieb. Durch einen großen Pool an Mitarbeitern kann die InterWork Personalservice GmbH rasch auf die Herausforderungen ihrer Kunden reagieren Geschäftsführer Rainer Körber ist selbst schon seit über 10 Jahren auf dem Gebiet der Personalbereitstellung tätig und kann auf einen vielschichtigen Erfahrungsschatz zurückgreifen, den er mit Geschick und Know-how mit seinem Team für seine Kunden einsetzt.
Tatkräftig unterstützt wird er dabei von Christian Eckersperger, dem Gebietsleiter für Westösterreich. Den gelernten Offset-Drucker führte sein Weg auch durch die Arbeit als Rettungsassistenten und der Feuerwehr.
MIT LEIDENSCHAFT VERBINDEN WIR MENSCHEN & UNTERNEHMEN CHRISTIAN ECKERSPERGER Gebietsleiter Westösterreich
Später arbeitete er auch als IT Consultant sowie im Fuhrpark- und Objektmanagement. Abseits der Arbeit findet man Christian als Jungjäger im Wald, wo er seinen Ausgleich findet. Mit seinem Wissen und der facettenreichen Erfahrung bildet er die ideale Ergänzung für die erfolgreiche Arbeit der InterWork Personalservice GmbH. WIR BERATEN SIE GERNE: Bundesstraße 25 . 6063 Rum Tel.: 0512/343060 office@interwork.co.at
#TEAMPOWER Ihr Personaldienstleister der verbindet
Zentrale Tirol Bundesstraße 25 6063 Rum
Niederlassung Salzburg Teisenberggasse 29 5020 Salzburg
interwork.co.at
Niederlassung Wien . ICON Tower Gertrude-Fröhlich-Sandner-Str. 2 1100 Wien
GEL
finanzieren & versichern
58
Vorsorge-Boom Die steigende Nachfrage in der privaten Gesundheitsvorsorge war in Tirol schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie spürbar. Die weltweit größte Gesundheits- und Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte hat diesen Trend zur individuell besten Gesundheitsvorsorge noch verstärkt. Zwar hat Tirol, wie Österreich generell, grundsätzlich ein gutes öffentliches Gesundheitswesen, doch bei der Gesundheit bzw. bei Gesundheitsleistungen zählt nicht mehr allein die sichere Versorgung. Viele wollen mehr als die gesetzliche Krankenversicherung bieten kann. Eine aktuelle IMAS-Umfrage hat ergeben, dass vier von zehn Befragten in Tirol nicht glauben, allein durch das öffentliche Gesundheitssystem so gut behandelt zu werden, wie sie sich das eigentlich wünschen würden. Die Menschen erwarten sich zusätzlichen Service, Komfort und ganz wichtig: die Möglichkeit, frei zu wählen – den Arzt, das Spital, die Behandlungsmethode und den Termin. „Es sind vor allem drei Gründe, die Kundinnen und Kunden für sich und ihre Familien eine private Gesundheitsvorsorge abschließen lassen: Der Wunsch nach flexiblen Terminen, dass sich die Ärztin und der Arzt mehr Zeit nimmt und die Absicherung steigender Selbstbehalte für Gesundheitsleistungen“, so Walter Peer, Landesdirektor der Wiener Städtischen in Tirol. Das zunehmende Bewusstsein für die Themen Gesundheit und Prävention zeigt sich an der seit Jahren steigenden Nachfrage nach privaten Krankenversicherungen. So konnte etwa die Wiener Städtische ihr Prämienvolumen in Tirol im Geschäftsjahr 2020 um insgesamt 2,9 Prozent und die Kundenanzahl auf rund 50.000 steigern.
eco.geld
© BANKHAUS SPÄNGLER
BUCHTIPP BILANZ I
Für die Innsbrucker Niederlassung der Privatbank Spängler sind Andreas Scheiber und Guntram Kirchebner verantwortlich.
W E S T- E X PA N S I O N Das Bankhaus Spängler, Österreichs älteste Privatbank mit Stammhaus in Salzburg, expandiert weiter in Richtung Westen und eröffnet eine Niederlassung in der Innsbrucker Museumstraße und damit ihren neunten Standort in Österreich. Verstärkt möchte man mittelständische Familienunternehmen mit der Beratung in den Bereichen Private Banking und Family Management ansprechen. Die Leitung des Bereichs Family Wealth übernimmt der erfahrene Private Banker Guntram Kirchebner, Andreas Scheiber, seit 2016 im Haus beschäftigt, ist als Regionalleiter für Tirol zuständig. Innsbruck ist der zweite Standort in Tirol, seit mehr als 30 Jahren ist die Privatbank in Kitzbühel vertreten.
Die Raiffeisen-Landesbank Tirol zeigte sich bei der Bilanzpressekonferenz zum Pandemiejahr 2020 bestens gerüstet für die Zeit nach Corona. „Mit einer Kernkapitalquote von über 16 Prozent zählen wir zu den kapitalstärksten Regionalbanken Österreichs“, bringt Vorstandsvorsitzender Reinhard Mayr die sehr gute Ausgangslage der RLB Tirol AG auf den Punkt. Erstmals in der Geschichte der Raiffeisen-Landesbank erreicht die Bilanzsumme im Jahr 2020 einen Wert von über 9,4 Milliarden Euro, ein Plus von 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ausleihungen erhöhten sich dabei um 4,9 Prozent auf über 3,1 Milliarden Euro. Zurückzuführen ist dieser Anstieg neben pandemiebedingten Überbrückungsfinanzierungen zu einem großen Teil auf Neufinanzierungen. Aufgrund des Ausfalls der Dividende der RBI und der gestiegenen Risikovorsorgen liegt das EGT 2020 mit 16,3 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahresniveau von 26,9 Millionen Euro.
FINANZHELDINNEN Katharina Bremer / Jessica Schwarzer, Komplett Media 176 Seiten, EUR 20,00 Finanzielle Unabhängigkeit ist ein wichtiger Bestandteil eines selbstbestimmten Lebens. Trotzdem scheinen Finanzen und Geldanlagen in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch eher Männersache zu sein. Viele Frauen wissen einfach nicht, wo sie anfangen sollen – und wen sie um Rat fragen können. Der Finanzheldinnen-Planer möchte Frauen dazu bringen, sich mit ihren Finanzen auseinanderzusetzen und sie so in die finanzielle Unabhängigkeit begleiten. Neben einem Ausfüllteil zur Ermittlung des Status quo gibt‘s Infos zum Vermögensaufbau und viele allgemeine Tipps vom Erstellen eines Haushaltsbuchs bis zur Gehaltsverhandlung.
BILANZ II
G E L D I S T S E LT E N W E G . E S H AT N U R J E M A N D A N D E R E R .
S TA B I L E K R E D I T N A C H F R A G E Seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie hat das Eurosystem verstärkt Maßnahmen ergriffen, um den Banken vermehrt finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen sowie um Stabilität und günstige Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft zu sichern. Die verfügbare Liquidität im österreichischen Bankensektor ist dadurch seit Juni 2020 deutlich gestiegen. Die Ausleihungen der österreichischen Banken bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) stiegen dementsprechend in den letzten zwölf Monaten auf 78 Milliarden Euro. Sie wurde von den Banken bereits für die Kreditvergabe verwendet und steht auch weiterhin für diese zur Verfügung. Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft mit Unternehmen und privaten Haushalten blieben laut einer aktuellen Umfrage im ersten Quartal 2021 weitgehend unverändert. Große Unternehmen seien laut den befragten Banken überwiegend gut durch die Krise gekommen und haben eine stärkere Eigenkapitalbasis als KMU. Eine verbesserte bzw. wiederhergestellte Eigenkapitalausstattung per se führt zwar nicht zu einer steigenden Kreditnachfrage, ermöglicht aber grundsätzlich eine höhere Fremdkapitalaufnahme und damit mehr Investitionen.
Auch die Hypo Tirol Bank blickt auf ein gleichsam herausforderndes wie erfolgreiches Geschäftsjahr 2020 zurück. Das wirtschaftliche Ergebnis vor Steuern lag bei 12,09 Millionen Euro, die Bilanzsumme stieg aufgrund einer bei der EZB in Anspruch genommenen Refinanzierungsmöglichkeit auf 8,77 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote blieb mit 14,52 Prozent, die Eigenmittelquote mit 16,79 Prozent stabil hoch. Aufgrund der Pandemie wurde die Kreditrisikovorsorge aufgestockt, was sich direkt auf das Unternehmensergebnis auswirkt. „Mit dieser Maßnahme tragen wir möglichen Nachwehen der Covidkrise Rechnung“, so Mag. Wilfried Stauder, Vorsitzender des Aufsichtsrats. Zum zweiten Mal konnte die Bank außerdem im Forbes-Ranking „The World’s Best Banks“ einen Spitzenrang im Vergleich der österreichischen Banken erzielen. Bewertet wurden die Qualität der Beratung, das Vertrauen der Kunden, die Gebühren sowie digitalen Services.
59
eco.geld eco.geld
ES IST KOMPLIZIERT Als Geld das erste Mal in Europa aus Papier war und was uns das über das Wesen des Geldes verrät. TEXT: JÜRGEN HUBER
60
E
in Jahr zuvor noch war John Law der reichste Mann der Welt gewesen. Er war Finanz- und Wirtschaftsministerminister sowie Zentralbankchef des mächtigsten Landes, größter Aktionär der wertvollsten Aktiengesellschaft und enger Freund des Herrschers. Was er berührte, schien sich in Gold zu verwandeln. Die Menschen riefen „Gott schütze den König und John Law!“ Doch nun saß er hier, als Flüchtling, aller Ämter und Reichtümer beraubt und in Schande aus dem Land gejagt. Was war passiert? Was sagt uns John Laws Schicksal über das Wesen von Geld damals und heute?
WAS IST GELD EIGENTLICH?
Diese Frage ist bis heute nicht ganz einfach zu beantworten, etwa wenn wir an Bitcoin denken – kann Geld sein, ist aber keine Währung, an Gold – lange das einzig wahre Geld, aber nicht mehr Währung, aber auch an Zigaretten – Währung in vielen Gefängnissen – oder an Salz – das früher einmal Geld gewesen war. Nähern wir uns dieser Frage, die wir gegen Ende des Artikels beantworten werden, einmal mit den Augen eines Mannes, der das moderne Finanzwesen ganz entscheidend prägte, der vom Glücksspieler und verurteilten Mörder zum Superstar und reichsten Mann auf Erden und dennoch nach wenigen Jahren in Schimpf und Schande aus dem Land gejagt wurde. Dieser Mann hat das Wesen des Geldes sehr gut verstanden und damit beinahe das Geldwesen in Europa revolutioniert – beinahe, da er letztlich an der Undiszipliniertheit des Regenten scheiterte, der einfach zu viel Geld druckte und es damit entwertete. Die Geschichte startet aber mit dem Gegenteil: zu wenig Geld. Begeben wir uns nach Frankreich des Jahres 1715, wo am 1. September der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV stirbt – „Endlich!“, wie viele seiner Untertanen und Höflinge sagen oder zumindest denken. In seinen 73 Jahren auf dem Thron – er wurde bereits als Vierjähriger König – baute er nicht nur das Prachtschloss Versailles, sondern auch noch viele weitere Schlösser und festigte die Macht Frankreichs durch viele Kriege. Er gab dabei außerordentliche Geldsummen aus, verschuldete sich enorm und hinterließ bei seinem Tod ein ruiniertes Land. Alleine die Zinsen der Staatsschulden verschlangen 60 Prozent aller Einnahmen, jeder zweite Franzose war arbeitslos, Tausende wanderten aus, denn Industrie und Handel lagen völlig darnieder. Der Hauptgrund dafür war der Mangel an Geld, denn „Geld“, das war damals einzig und allein Münzen aus Gold oder Silber. Doch der König hatte mit seinen hohen Steuern das meiste Gold
© PORTRÄT VON CASIMIR BALTHAZAR
eco.geld
Der Schotte John Law machte dereinst Gold zu Geld und starb dennoch als gebrochener Mann.
und Silber eingezogen und dieses in Kriegen und für Prachtbauten ausgegeben, wobei vieles ins Ausland abfloss. Dadurch zirkulierte in Frankreich immer weniger Geld und der innerfranzösische Handel brach nach und nach zusammen, denn niemand hatte mehr Geld. Und die Wenigen, die noch welches hatten, hüteten sich, es auszugeben. Sie horteten es. Dies zeigt uns bereits zwei wichtige Funktionen des Geldes: Es ist Tausch- aber auch Wertaufbewahrungsmittel. Davon ist die Funktion als Tauschmittel die wichtigere, denn Geld ermöglicht es, dass Menschen, die Unterschiedliches brauchen und anbieten, miteinander handeln können. So können der Bauer, der neue Schuhe braucht, der Schuster, der einen Wagen will, und der Wagenhersteller, der Getreide will, miteinander handeln, ohne dass sie sich alle gleichzeitig treffen müssen, wenn jeder seine Waren gegen Geld tauscht. Geld macht es möglich, dass Millionen von Menschen ihre Waren und Dienstleistungen verkaufen und sich im Gegenzug jene Dinge einkaufen können, die er oder sie haben will.
DER TALENTIERTE JOHN LAW
Während der Großteil der Franzosen 1715 im Elend lebte, hatte ein Mann all dies gut verstanden und hoffte, nun seine Idee für einen wirtschaftlichen Aufschwung umsetzen zu können. Der gebürtige Schotte John Law,
GEL D M AC H T E S MÖGL IC H, DA S S MIL L IONEN VON MENS C HEN IHRE WA REN UND DIENS T L EIS T UNGEN V ERK AUF EN UND S IC H IM GEGENZUG JENE DINGE EINK AUF EN KÖNNEN, DIE ER ODER S IE H A BEN W IL L .
61
eco.geld
62
damals 44 Jahre alt, hatte bereits erfolglos versucht, Ludwig XIV sowie vorher sein damals noch unabhängiges Heimatland Schottland von seinem Plan zu überzeugen. Doch nun, mit dem Tod Ludwigs, kam der Herzog von Orleans an die Macht – ein spiel- und vergnügungssüchtiger Mann, der bis zur Volljährigkeit des neuen Königs Regent von Frankreich sein würde. John Law hatte sich schon Jahre zuvor mit diesem Herzog angefreundet, denn beide liebten das Karten- und Glückspiel. John Law wuchs als Sohn eines Goldschmieds in Edinburgh auf und besaß ein außerordentliches mathematisches Talent. Dieses nutzte er in seiner Jugend, um bei Karten- und Glückspielen in den damals bei den Adeligen und der Oberschicht sehr beliebten Spielsalons ein kleines Vermögen zu verdienen. Dies zuerst in Schottland und dann in London, wo er in den Spielsalons nebst Vermögen einige Berühmtheit erlangte. Dabei war er auch dem Wein und den Damen sehr zugetan – was ihm zum Verhängnis wurde, denn der Ehemann einer Dame bezichtigte ihn des Ehebruchs und forderte ihn zum Duell, wobei Law den Herausforderer tötete. Law wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Einflussreiche Freunde bestachen jedoch die Wärter, Law konnte aus dem Gefängnis fliehen und reiste sofort nach Frankreich weiter. Die nächsten Jahre war er in den Spielsalons Europas zu Hause und wurde ein vermögender und berühmter Mann. Mit dem Antritt des neuen Regenten witterte Law seine große Chance, denn dem Herzog von Orleans gefiel sein Plan, aus Papier Geld zu machen. Law gründete eine Bank, in die er sein gesamtes Vermögen einbrachte. Diese Bank sollte Banknoten ausgeben, also Zahlungsversprechen, dass jeder, der so eine Banknote brächte,
diese in Gold eintauschen könnte. Der Regent gab diesen Banknoten seinen Segen, indem er selbst einen großen Bestand an Gold und Silber bei Law’s Bank einlagerte, dies in Zeitungen mitteilen ließ und vor allem, da er Steuerzahlungen auch in Banknoten erlaubte. Damit hatten diese Banknoten für jeden Bürger einen Wert, denn Steuern musste jeder irgendwann zahlen. Law war überzeugt, dass das Einzige, was die Wirtschaft Frankreichs hemmte, der Mangel an Geld, also an einem hochliquiden Tauschmittel war. Mit seinen Banknoten, die grundsätzlich nach Belieben ausgegeben werden konnten, behob er diesen Mangel. Tatsächlich begann die Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit zu florieren. Die Industrieproduktion stieg in nur zwei Jahren um 60 Prozent und die Anzahl der Schiffe, die Außenhandel betrieben, stieg sogar um das 15-fache. Die Menschen hatten wieder Geld und das Gewerbe blühte auf, da Kleider und Geschirr gekauft, Feste gegeben und Freunde eingeladen wurden. Die Stimmung in Frankreich drehte sich in kurzer Zeit und der Strom von Auswanderern verwandelte sich in einen Strom von Einwanderern, da Tausende Menschen aus Nachbarländern vom neuen Reichtum und den entstandenen Arbeitsplätzen angezogen wurden. Law wurde Finanz- und Wirtschaftsminister von Frankreich und
WA S S P EK UL AT I V E BL A S EN A N T REIB T, IS T DIE MÖGL IC HK EI T UND P H A N TA S IE VON S T E T S NOC H HÖHEREN K UR S EN.
eco.geld
PROF. DDR. JÜRGEN HUBER Jahrgang 1974, ist Professor für Finanzwissenschaft und seit 2010 Leiter des Instituts für Banken und Finanzen an der Universität Innsbruck. Er forscht und lehrt unter anderem zu empirischer Finanzwirtschaft. Er hat zahlreich in renommierten Zeitschriften publiziert und ist gern gesehener Gesprächspartner in nationalen und lokalen Medien. 2020 wurde er von den Studenten der Uni Innsbruck zum zweiten Mal zum „Professor of the Year“ gewählt.
„ICH SEHE BITCOIN NICHT AL S G E L D U N D G L A U B E A U C H N I C H T, D A S S K R Y P T O WÄ H R U N G E N D I E Z U K U N F T S I N D .“ JÜRGEN HUBER
setzte viele sinnvolle Reformen um. Er schaffte interne Zölle ab, ließ Kanäle und Straßen bauen und förderte neue Industrien mit billigen Krediten. Doch ein Problem Frankreichs hatte er noch nicht gelöst, nämlich die erdrückend hohen Staatschulden. Hier folgte sein zweiter Geniestreich: Er gründete eine Handels- und Kolonialgesellschaft, die „Compagnie des Indes“, die von allen die Mississippi-Kompanie genannt wurde und die Kolonialisierung des Mississippigebiets und den Kolonialhandel Frankreichs ausbauen sollte. Damals beherrschten die Franzosen etwa das mittlere Drittel des Gebiets, das heute die USA sind, rund drei Millionen Quadratkilometer. Law erzählte den Franzosen vielversprechende Geschichten, welche Schätze an Gold und Silber dort zu finden wären – man denke daran, was die Spanier bei den Azteken und Inkas geraubt hatten. Ähnliches wäre auch hier zu erwarten, verhieß Law. Mit diesen Versprechungen wurden die Franzosen eingeladen, Aktionäre der Mississippi-Kompanie zu werden – durch die Einzahlung von Gold, Silber, Banknoten oder den Eintausch ihrer Staatsanleihen. Da Law schon damals eine enorme Reputation hatte, glaubten ihm viele und Zehntausende investierten in die Aktien. Dadurch gelang es Law, in nur einem weiteren Jahr die gesamten Staatsschulden Frankreichs zu tilgen. War das Land 1715 noch ruiniert gewesen, so war es nun vier Jahre später komplett schuldenfrei und die Wirtschaft florierte. Der Aktienkurs der Mississippi-Kompanie stieg allein in der zweiten Jahreshälfte 1719 um das 20-fache, sodass viele Aktionäre sehr reich wurden und Law’s Prestige und Reichtum weiter stiegen. John Law war
nun ein gefeierter Mann – und enorm reich und mächtig. Er vereinte die wichtigsten Wirtschaftsämter auf sich und war größter Aktionär der Mississippi-Kompanie und seiner Bank.
WER HOCH STEIGT, DER FÄLLT AUCH TIEF
Doch es kam, wie es kommen musste: Während Law seinen Erfolg feierte und sich seiner Ehefrau und seinem Kind widmete, druckte der Regent ohne Unterlass neues Geld. Insgesamt stieg die Geldmenge dadurch um das 17-fache. Wann immer es zu viel Geld gibt, folgt darauf fast unweigerlich Inflation. Auch in diesem Fall begannen 1720 die Preise zu explodieren – monatlich stiegen sie im Schnitt um 20 Prozent. Gleichzeitig kehrten die ersten Siedler aus dem Mississippigebiet zurück und berichteten, dass es dort kein Gold und Silber gäbe, sondern nur Sümpfe, Moskitos, heimtückische Krankheiten und feindselige Indianer. Als der Aktienkurs der Mississippi-Kompanie zu sinken begann, fixierte ihn der Regent ohne vorherige Rücksprache mit Law bei 9.000 Livres. Damit nahm er der Aktie aber jeglichen spekulativen Spielraum nach oben, denn was spekulative Blasen – wie auch derzeit bei Bitcoin – antreibt, ist die Möglichkeit und Phantasie von stets noch höheren Kursen. Als der Kurs jedoch fixiert wurde, wollten Tausende Aktionäre verkaufen, was den Kurs massiv nach unten unter Druck setzte. Das rief die politischen Gegner Law’s auf den Plan, denn gerade vom alten Adel wurde dieser „Ausländer“ als unwürdiger Emporkömmling gesehen. Einer dieser Adeligen fuhr mit einer Wagenladung voller Banknoten vor Law’s Bank und verlangte den Umtausch der Banknoten in Gold. Dies gelang zwar gerade noch, aber tags darauf zwang der Regent den Adeligen, 90 Prozent des Goldes zurückzugeben, da Law’s Tresore nun fast leer waren. Dies sprach sich sofort herum, viele Menschen gerieten in Panik und stürmten am Folgetag die Bank, um ihre Banknoten umzutauschen. Nun ging alles ganz schnell: Die Bank musste zugeben, viel weniger Gold zu besitzen, als sie Banknoten ausgegeben hatte; und der Wert der Banknoten verfiel dramatisch. Auch der Aktienkurs der Mississippi-Kompanie brach im Mai 1920 um über die Hälfte ein und Law verlor alle seine Ämter. Er floh über Brüssel nach Venedig, wo er einige Jahre später als gebrochener Mann starb. Frankreich gab danach für fast 200 Jahre kein Papiergeld mehr aus.
63
64
Was diese Episode über den Zusammenbruch von Law’s System zeigt, ist, dass der Schlüssel jedes funktionierenden Finanzsystems Vertrauen ist. Hat Geld – egal ob es nun Salz, Muscheln, Gold, Papier oder Bitcoin ist – das Vertrauen der Menschen, funktioniert es. Verlieren die Menschen aber das Vertrauen, kann so ein System sehr schnell zusammenbrechen. Man denke in diesem Zusammenhang etwa an die Hyperinflation in Deutschland und Österreich in den frühen 1920er-Jahren.
ES IST NICHT ALLES GELD …
Was können wir daraus für unsere Zeit lernen? Der Goldstandard, die Deckung des Geldes durch Gold, wurde in Europa bereits in den 1930er-Jahren aufgegeben. Seitdem haben wir Papiergeld. Dies führte vor allem in den 1970er-Jahren zu relativ hohen Inflationsraten, da Zentralbanken bisweilen auf Geheiß ihrer Regierungen zu viel Geld druckten – notorisch waren hier die „Weichwährungsländer“ wie Italien und Griechenland. Seit der Einführung des Euro haben wir in Europa aber eine sehr starke und unabhängige Zentralbank, die alleine für die Ausgabe von Geld zuständig ist und der es in den letzten 20 Jahren gelang, den Geldwert mit einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent pro Jahr sehr stabil zu halten. Da im Zuge der COVID-19-Krise nun sehr viel neues Geld gedruckt und in Umlauf gebracht wurde und wird, haben einige Menschen Sorge, dass das System zusammenbrechen könnte. Ich teile diese Sorge nicht: Die Geldmengenausweitung ist überschaubar und der Nutzen dieser Gelder (Krisenbekämpfung, Kurzarbeit, etc.) überwiegt den möglichen Schaden einer höheren Inflation. Diese ist derzeit ohnehin noch sehr niedrig.
GEL D ERF ÜL LT DREI K ERNF UNK T IONEN: E S IS T REC HENEINHEI T, TAU S C HMI T T EL UND W ER TAUF BE WA HRUNG S MI T T EL .
Allerdings darf natürlich nicht „nach Belieben“ weiter Geld gedruckt werden, da ansonsten irgendwann der Punkt kommen könnte, wo die Menschen das Vertrauen in den Euro verlieren. Das wäre dann ein sehr gefährlicher Moment. Allerdings sehe ich uns weit von einer derart kritischen Situation entfernt. Zum Abschluss kurz zur Frage, ob denn auch Bitcoin Geld ist bzw. sein könnte. Geld erfüllt drei Kernfunktionen: Es ist Recheneinheit, Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel. Ich kann natürlich in Bitcoin rechnen, die erste Funktion ist damit erfüllt. Als Tauschmittel eigenen sich Bitcoin allerdings ziemlich schlecht, denn kaum ein Geschäft (oder Privater) akzeptiert sie und ein Transfer erfordert zumindest einen Computer bzw. ein Handy sowie Codes. Das ist im Vergleich zur Zahlung in einem Geschäft mit einer Zehn-Euro-Note recht umständlich. Zudem ist das Bitcoin-Universum nicht in der Lage, Milliarden von Transaktionen täglich abzuwickeln, wie es mit dem Euro passiert. Am kritischsten ist aber die Wertaufbewahrungsfunktion zu sehen: Da der Kurs von Bitcoin täglich oft um mehr als zehn Prozent nach oben oder unten schwanken kann, ist er bisher kein stabiler Wert und erfüllt damit diese Funktion nicht. Ich sehe Bitcoin daher nicht als Geld und glaube auch nicht, dass Kryptowährungen die Zukunft sind.
promotion
Zeit deine EDV aufzufrischen! Wir sind dein IT Systemhaus für alle Themen rund um EDV. Ortsunabhängig, bedarfsorientiert, verständlich und stets transparent. Wir bieten dir: ·
Managed WLAN für Einfamilienhäuser, Lagerhallen und Firmengebäude – voll überwacht
·
Managed IT-Server inklusive Sicherung, Software Monitoring und proaktiver Fehlerbehebung
·
IT-Support mit schneller Reaktionszeit und Kommunikation auf „Small Talk“-Niveau
·
Ortsunabhängiges Arbeiten mit Cloud Server Systemen Besuche uns jetzt online auf www.ws-edv.at +43 5266 20302
office@ws-edv.at 65
Gesund und ergonomisch Arbeiten – auch Zuhause. Mit den höhenverstellbaren Schreibtischen und ergonomischen Bürostühlen von YAASA kannst du auch im Homeoffice optimal arbeiten. Ergonomie für Designliebhaber Innovative Büromöbel Kostenlose Lieferung 30 Tage Rückgaberecht Jetzt online bestellen auf www.yaasa.de
66
VON PFEFFERSÄCKEN UND WERTPAPIEREN Wenn es um Wertpapiere wie Aktien geht, können diese, ginge es immer noch nach einem Großteil der Österreicher, bleiben, wo der Pfeffer wächst. Da kommen sie in gewisser Weise auch her. Wertpapiere gibt es schon seit Jahrhunderten und dennoch ist es gerade in Zeiten wie diesen kein Fehler, sich die werthaltigen Urkunden einmal näher anzusehen. TEXT: MARIAN KRÖLL
heißt, das Sparguthaben kann bei Bedarf sofort flüssig gemacht werden.
WERTPAPIERMUFFEL
WA S S I C H A N H A N D DER GESCHICHTE DER W E R T PA P I E R E Z E I G E N L Ä S S T, I S T, D A S S E S B E I M S PA R E N B Z W. V E R A N L A G E N O H N E J E G L I C H E S R I S I KO KEINEN GEWINN (MEHR) G I B T. D A S K A N N J E D E R S PA R E R M I T T L E R W E I L E SELBST BEOBACHTEN. ES SCHEINT DAHER GERADE IN ZEITEN WIE DIESEN GEBOTEN, SICH N A C H A LT E R N AT I V E N UMZUSEHEN, DAMIT AUS DEM SAUER VERDIENTEN G E L D N I C H T A U T O M AT I S C H WENIGER WIRD.
Der Ruf der Österreicher, Wertpapiermuffel zu sein, hängt wohl auch damit zusammen, dass den Wertpapieren – und Aktien gehören zu dieser Gattung – nach wie vor mit einigem Misstrauen begegnet wird. Das mag wohl damit zu tun haben, dass rasch der Begriff der Spekulation im Raum steht, wenn von Wertpapieren und der Börse die Rede ist. Der Laie sieht im Wertpapiergeschäft mitunter etwas Geheimnisvolles, schwer zu Fassendes, für Sachkundige dagegen ist das glatte Börsenparkett eine Spielwiese, auf der im Idealfall das eigene Kapital wächst und gedeiht. Durch die Zinslage scheint es geboten, sich dem Thema Wertpapiere von einer anderen Perspektive zu nähern, ihnen das Geheimnisvolle zu nehmen und sie auch als das zu sehen, was sie – sofern klug veranlagt – sein können: Ein verhältnismäßig sicheres Investment mit soliden Ertragschancen. Ganz allgemein ist es am Kapitalmarkt wie im Leben: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Einem höheren Risiko stehen auch entsprechend höhere Gewinnchancen gegenüber. Doch zunächst einmal zur Entstehung der Wertpapiere, deren Sinn und Zweck in der geschichtlichen Rückbetrachtung besser sichtbar wird.
PAPIERGESCHICHTE
D
urch die Coronakrise und die damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten haben die Österreicher mehr gespart. Die Sparquote steigt. Im vergangenen Krisenjahr 2020 stieg sie laut Statistik Austria sogar kräftig. Auf 14,5 Prozent nämlich. Vor allem deshalb, weil der private Konsum der Haushalte mit minus 9,6 Prozent stärker gesunken ist als das verfügbare Einkommen (–1,9 %). Zum Vergleich: In den Jahren 2019 und 2018 sparten die privaten Haushalte jeweils 8,2 bzw. 7,8 Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Dass mehr gespart wird, ist in Krisen nicht ungewöhnlich. Die Sparzinsen sind aber bekanntermaßen historisch niedrig. Das bedeutet,
dass das Geld, das man spart, nicht nur nicht mehr wert wird, sondern sogar an Wert verliert. Berücksichtigt man auch die Inflation, ist das Sparbuch schon seit 2010 unter dem Strich ein Verlustgeschäft, wiewohl es nach wie vor bei den heimischen Sparern die mit Abstand beliebteste Anlageform ist. Zudem ist das Sparbuch bei Einlagen bis zu 100.000 Euro tatsächlich die wohl sicherste Anlageform. Bis zu diesem Betrag ist das Geld am Sparbuch gesetzlich durch die sogenannte Einlagensicherung gesichert. Außerdem kann das gesparte Geld bei einer täglich fälligen Spareinlage jederzeit abgehoben werden, sollte man es rasch brauchen. Das Sparbuch bzw. Tagesgeld sorgt also für eine hohe Liquidität, das
Die Entstehung der Wertpapiere hängt mit der zunächst europäischen Eroberung der Weltmeere zusammen. Die Seerouten wurden hauptsächlich genutzt, um exotische Gewürze und andere Waren aus fernen Weltgegenden nach Europa zu bringen. Die Schifffahrt war teuer und risikoreich. Deshalb schlossen sich bereits im Jahr 1602 holländische Reeder und Kaufleute zur ersten Aktiengesellschaft (AG) der Welt zusammen, zur „Vereinigten Ost-Indischen Compagnie“. An die Aktionäre bzw. Anteilseigner – im Englischen Shareholder genannt – wurden Anteilsscheine bzw. Aktien an der gemeinsamen Unternehmung ausgegeben. Auch damals wurden an die Anteilseigner bereits Dividenden ausbezahlt, allerdings nicht in Geld, sondern in Form von Naturalien. Das konnte ein Sack Pfeffer sein oder eine bestimmte Menge eines anderen Gewürzes. Das Modell „Aktiengesellschaft“ begann sich zu verbreiten. Die Anteilseigner konnten ihre Anteile frei handeln, eintauschen oder verkaufen.
67
eco.geld
68
In Österreich war es erst über 200 Jahre später so weit. Zwei Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1816 war die Oesterreichische Nationalbank die erste Aktiengesellschaft, die an der Wiener Börse gehandelt wurde. Einer der ersten Aktionäre war übrigens Ludwig van Beethoven, der 1819 acht Aktien der Nationalbank erwarb. Bis zum heutigen Tag hat die Aktie stürmische und unruhige Zeiten hinter sich, was auch mit den beiden Weltkriegen zusammenhängt. Der rasante wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland wie in Österreich hat auch mit dem Comeback der Aktiengesellschaften zu tun, die zu Triebfedern des sogenannten Wirtschaftswunders wurden. Nicht wenige der damals entstandenen Aktiengesellschaften gelten heute als sogenannte Blue Chips bzw. Standardwerte. Das sind Aktien von Großunternehmen, die sich durch hohe Bonität, Ertragskraft und Substanzwerte auszeichnen. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war die Aktie der heutigen Erscheinungsform schon sehr ähnlich. Die Industrialisierung, die teuer war und besonders viel Kapital brauchte, trieb die Bildung von Kapitalgesellschaften voran. Unternehmen begannen verstärkt, Aktien und Anleihen auszugeben. Auch bei den Anleihen gilt wie bei anderen Wertpapieren, dass höheres Risiko mit höherer Verzinsung einhergeht. Die Emittenten
mit einer schlechteren Kreditwürdigkeit versprechen höhere Zinsen, da sie nur dadurch das Geld der Anleger bekommen. Diese setzen darauf, dass die Unternehmen – oder im Fall von Staatsanleihen auch Staaten – das geliehene Geld zurückzahlen werden können. Anleihen sind im Gegensatz zum Tagesgeld bzw. Sparbuch eher als langfristige Anlageform zu sehen, weil der Verkauf vor Ende der Laufzeit nicht selten mit einem Verlust verbunden ist.
DER STAND DER DINGE
Neben Aktien und Anleihen zählen heutzutage auch Zertifikate und Optionsscheine, Fonds und ETFs bzw. Indexfonds zu den gängigen Wertpapierarten. Zertifikate und Optionsscheine sind aufgrund ihres hohen Risikos nur erfahrenen Anlegern, die mit einem Totalverlust umgehen können, anzuraten. Bei den sogenannten Derivaten wird es außerdem schnell unübersichtlich, kompliziert und mitunter sogar dubios. In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 haben Kreditderivate eine entscheidende Rolle gespielt. Investmentfonds werden von eigens dafür geschaffenen Unternehmen, sogenannten Kapitalanlage- bzw. Investmentgesellschaften, verwaltet. Anleger können sich bereits ab relativ kleinen Beträgen beteiligen. Investmentfonds sammeln das Geld von Anlegern.
Dieses Kapital wird dann vom Fondsmanager an den Finanzmärkten für die Anleger investiert. Der Vorteil eines Fonds liegt in der Risikostreuung. Es wird nicht nur in eine Aktie oder in eine Anleihe investiert, sondern in viele. Das Geld, das Anleger bei einem Fonds anlegen, ist sogenanntes Sondervermögen. Bei einer Pleite der Fondsgesellschaft ist es geschützt. Die Konkurssicherheit betrifft die Fondsanteile an sich, die im Fonds enthaltenen Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen und sonstigen Risiken. Es kann auch zu Ausfällen von Wertpapieren kommen, was sich nachteilig auf die Wertentwicklung des Fonds auswirken kann. Was sich anhand der Geschichte der Wertpapiere zeigen lässt, ist, dass es beim Sparen bzw. Veranlagen ohne jegliches Risiko keinen Gewinn (mehr) gibt. Das kann jeder Sparer mittlerweile selbst beobachten. Es scheint daher gerade in Zeiten wie diesen geboten, sich nach Alternativen umzusehen, damit aus dem sauer verdienten Geld nicht automatisch weniger wird. Der Sparstrumpf ist jedenfalls keine Alternative, dafür gibt es weder Zinsen noch eine Einlagensicherung. Kreditinstitute bieten auch für Laien, die sich in die Welt der Wertpapiere wagen wollen, heute eine breite Angebotspalette, die mit guter Aufklärung und Beratung Anlagemöglichkeiten mit guten Renditeerwartungen bei überschaubaren Risiken bietet.
eco.glossar
[FINANZ-GLOSSAR] Finanzwörter und ihre Bedeutungen.
AK TIE: Anteile an Unternehmen, die an der Börse ge-
handelt (verkauft und gekauft) werden. Jeder kann damit einen Teil einer so genannten Aktiengesellschaft/ AG kaufen. Die Aktie dient der AG zur Beschaffung von Eigenkapital, das ist derjenige Teil des Kapitals, der dem Unternehmen selbst „gehört“ und mit dem Fremdkapital das Gesamtkapital bildet. Je nachdem, wie gut das Unternehmen wirtschaftet, kann man mit seinem Anteil Gewinne, aber auch Verluste machen.
A NL EIHE : Schuldschein von Staaten oder Unterneh-
men. Mit dem Kauf einer Anleihe leiht man dem Herausgeber (Emittent) dieses Wertpapiers Geld. Die Höhe der Zinsen steht dabei von Vornherein fest, die Laufzeit ist begrenzt. Anleihen werden auch als Bonds, Renten, Obligationen oder Schuldverschreibungen bezeichnet.
BONITÄT: Der Ruf einer Person oder Firma in Hinblick
auf ihre Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit und eine Einschätzung, wie zuverlässig eine Person oder ein Unternehmen einen Kredit zurückzahlen kann. Je höher die Bonität, desto besser die Voraussetzungen für einen Kredit. BÖRSE: Eine Art Marktplatz, an dem zum Beispiel mit
AN DER BÖRSE SIND ZWEI MAL ZWEI NICHT VIER, SONDERN FÜNF MINUS EINS. MAN MUSS NUR DIE NERVEN HABEN, DAS MINUS E I N S A U S Z U H A LT E N . A N D R É K O S T O L A N Y, BÖRSEN- UND FINANZEXPERTE
69 K A PI TA L GE S EL L S C H A F T EN: Handelsgesellschaften, bei denen die Beteiligung der Gesellschafter mit einem bestimmten Kapital im Vordergrund steht, in Österreich sind das die Aktiengesellschaft (AG) oder die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). K A P I TA L M A R K T: Markt für mittel- und langfristige
Kapitalanlage und -aufnahme.
Aktien, Währungen/Devisen oder auch Gütern (so genannten Commodities) wie Metallen oder Rohstoffen gehandelt wird, für die nach bestimmten festen Regeln Preise ausgehandelt werden.
KONS UM: Verbrauch von Gütern.
ment ist ein gegenseitiger Vertrag, dessen Wert sich von einem Basiswert ableitet. Das bedeutet, dass ein Derivat keinen eigenen Wert hat, sondern vom Vermögenswert abhängig ist, mit dem es verbunden ist.
Bank für seine Spareinlagen bekommt.
DERI VAT: Ein Derivat bzw. derivatives Finanzinstru-
DI V IDENDE : Teil des Gewinns, der im Verhältnis der
gehaltenen Anteile an die Aktionäre ausgezahlt wird.
ER TR AGSKR AF T: Langfristig nachhaltige Möglichkeit eines Unternehmens, Gewinne zu machen. K A PI TA L : Die zur Herstellung von Gütern notwendi-
gen finanziellen Mittel. Kapital zählt mit Arbeit und Boden zu den so genannten Produktionsfaktoren, das sind Wirtschaftsgüter, die zur Herstellung von Gütern und Dienstleistungen eingesetzt werden (müssen).
RENDITE: Ertrag, den angelegtes Kapital in einem be-
stimmten Zeitraum bringt.
S PA R ZINS EN: Geldbeträge, die ein Sparer von seiner SPARQUOTE: In Prozent ausgedrückter Anteil des verfügbaren Einkommens, der gespart wird.
SPEKULATION: Ausnutzung von Kurs-, Zins- oder Preisunterschieden innerhalb eines bestimmten Zeitraums zur Erzielung von Gewinnen.
S U B S TA N Z W E R T: Größe, die auf dem Wert der beweglichen und unbeweglichen Sachen, Grundstücke und Rechte eines Unternehmens aufbaut. WERTPAPIER: Urkunde über ein Vermögensrecht, das
meist mit regelmäßigen Erträgen aus Zinsen oder Dividenden (siehe ebendort) verbunden ist.
eco.geld
70
DIE INFLATIONSSCHUTZANLAGESTRATEGIE In den vergangenen Monaten führten steigende Inflationserwartungen zu Zinsanstiegen und stärkeren Kursanstiegen bei vereinzelten Minentiteln. Holz, Industriemetalle und Mikrochips werden knapp. Auf der Rohstoffseite, beim Wohnen und auch an der Supermarktkasse wird eine Teuerung spürbar. Doch Löhne und Gehälter können damit nicht Schritt halten. Mit einer gezielten Investmentstrategie können Reallohnverluste kompensiert werden. TEXT: MICHAEL KORDOVSKY
eco.geld
*) FINANZWORT DER AUSGABE: VERBRAUCHERPREISINDEX/VPI Der VPI misst die Lebenshaltungskosten in einem Land und wird anhand eines Warenkorbs berechnet. Darin sind verschiedene Waren und Dienstleistungen enthalten, die private Haushalte konsumieren (z. B. ausgewählte Nahrungsmittel, Bekleidung, Kosten für Wohnen/Wasser/Energie, Hausrat, Ausgaben für Gesundheit/ Freizeit/Bildung etc.). Diese Preise werden regelmäßig miteinander verglichen, damit ist der VPI ein Maßstab für die allgemeine Preisentwicklung. Die prozentuelle Veränderung des VPI gegenüber dem Vorjahreszeitraum wird als Inflationsrate bezeichnet.Der harmonisierte Verbraucherpreisindex/HVPI dient zur Berechnung der Inflationsrate im internationalen Vergleich.
raum ein Preisrückgang um 0,3 Prozent in einen Anstieg um 1,3 Prozent. Doch die individuelle Inflation ist viel höher als die breit gestreute im Verbraucherpreisindex. Denn wenn Computer, Smartphones und Internet/ Telefonieren günstiger werden, ist das zwar eine feine Sache, doch Wohnen und Essen fallen viel mehr ins Gewicht.
VERSTECKTE INFLATION
on 2009 bis 2019 stieg das Nettojahreseinkommen unselbständig Beschäftigter bundesweit im arithmetischen Mittel von 20.025 auf 23.944 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 1,8 Prozent p. a.. Im Vergleich dazu stiegen die Verbraucherpreise im Verbraucherpreisindex/VPI*) auf Basis 2005 um knapp 1,9 Prozent p. a. Also stagnierten die Reallöhne. Legt man den so genannten harmonisierten Verbraucherpreisindex/HVPI zu Grunde, so verdoppelte sich die Inflation in Österreich von Dezember 2020 bis März 2021 von 1,0 auf 2,0 Prozent. Im gesamten Euroraum verwandelte sich in diesem Zeit-
Laut Statistik Austria sind in Tirol die durchschnittlichen Mieten inklusive Betriebskosten von 2010 bis 2020 von 6,57 auf 9,20 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um 3,4 Prozent p. a. Praxisnaher für Übersiedler und Neuwohnungskäufer sind die Preisangaben in immopreise. at: In Innsbruck liegt die durchschnittliche Miete für eine Wohnung zwischen 51 und 80 Quadratmeter aktuell bei 18,28 Euro pro Quadratmeter, im Falle eines Kaufes liegt der Schnitt bei 8.050 Euro pro Quadratmeter. Für eine 60 Quadratmeter große Wohnung in Innsbruck sind somit 483.000 Euro ohne Nebenkosten (ca. zehn Prozent des Kaufpreises) zu veranschlagen. Selbst bei 70.000 Euro Eigenmittel und Abdeckung der Nebenkosten wären 413.000 Euro an Krediten erforderlich, was bei einem Zinssatz von 1,5 Prozent und einer Laufzeit von 30 Jahren noch immer einer monatlichen Kreditrate von 1.425,35 Euro entspricht. Und hier sind die Betriebskosten noch nicht berücksichtigt. Rund 1.400 Euro entsprechen für viele einem Netto-Monatsgehalt. Hinzu kommen die wöchentlichen Großeinkäufe im Supermarkt, deren Preisentwicklung der Miniwarenkorb (Preisindex) anzeigt. Von März 2011 bis März 2021 lag der Preisanstieg zwar nur bei 1,6 Prozent p. a., doch zuletzt verwandelten sich 0,7 Prozent Rückgang (Jahresbasis) im Jänner 2021 in 3,8 Prozent Anstieg bis März 2021. Die Preisanstiege bei Wohnungen und Einfamilienhäusern werden jedoch
viel zu wenig berücksichtigt, genauso wenig wie die rasche Wertentwicklung bei manchen Oldtimer-Fahrzeugen, Gemälden und Edelmetallen. Die sogenannte „Asset-Inflation“ wird stiefmütterlich behandelt, steht aber durchaus im Zusammenhang mit der massiven Geldmengenausweitung durch die Europäische Zentralbank (EZB) in den vergangenen Jahren. Immer mehr wirkt sich die Geldmengenexpansion der Notenbanken, vor allem jene der Bank of Japan, Fed und EZB, auf die Assetpreise (Aktienkurse, Anleihenkurse und Immobilienpreise) aus. Im Euroraum hat die EZB die Geldmenge um 10,1 Prozent ausgeweitet, von März 2016 bis März 2021 lag deren Wachstum bei rund 7,6 Prozent p. a. und somit weit über dem BIP-Wachstum. Das ist die monetäre Seite.
REALWIRTSCHAFTLICHE URSACHEN
Doch es gibt weitere Inflationsfaktoren, nämlich Basiseffekte bei manchen Rohstoffpreisen, etwa bei Rohöl. Der Preis der Sorte WTI war am 20. April 2020 sogar negativ. Nun hat er sich auf Jahressicht fast verdoppelt. Das schlägt sich auch auf den HVPI der Eurozone nieder: Die Energiepreiskomponente, die im März auf Jahresbasis ca. 4,3 Prozent anstieg, trug 0,43 Prozentpunkte zur Inflationsrate von 1,30 Prozent bei. Ausgehend von der Rohstoffseite und der Lieferkettenunterbrechung in vielen Bereichen droht Ungemach. Hinzu kommen eine Vervielfachung der Frachtraten im asiatischen Raum, da es dort an Containerkapazitäten mangelt, und Lieferverzögerungen wegen der unfallbedingten Blockade des Suez-Kanals. Doch bereits 2020 hat die Coronakrise die globale Logistik durcheinandergeworfen. Die gestiegenen Frachtkosten werden früher oder später über Produktion und Handel an den Endverbraucher abgewälzt. Zwischenzeitlich aber haben Produk-
71
eco.geld
72
tionsfirmen und der Handel diese Kosten zum größten Teil noch selbst zu tragen. Die Entspannung der Situation braucht noch Zeit. Die Reeder haben Medienberichten zufolge im März eine Rekordanzahl an Bestellungen für neue Schiffe in den Werften eingereicht. Bis diese allerdings im Einsatz sind, kann es noch ein paar Jahre dauern. Auf der Rohstoffproduktionsseite sind die Kapazitäten ebenfalls begrenzt. Es gibt Rohstoffe wie Kupfer, Nickel, Lithium und Silber, die stärker vom Ökoboom (Elektrofahrzeuge, Photovoltaik, Windkraft ...) profitieren. Hinzu kommen die Infrastrukturprogramme in den USA, der Trend zum Ausbau der Seidenstraße von China Richtung Europa sowie die Bauaktivitäten in Europa. Der Kupferpreis hat sich auf Jahresbasis fast verdoppelt, ebenso Zinn, während Holz sich alleine binnen sechs Monaten um 246 Prozent verteuerte. Nickel und Primäraluminium liegen auf Jahressicht jeweils 47 bzw. 69 Prozent im Plus. Schlecht für Entwicklungsländer ist der rasante Anstieg der Ag-
rarrohstoffe, hervorgerufen durch schlechte Witterungsbedingungen in Anbaugebieten und eine besonders starke Import-Nachfrage aus China. Weizen und Mais liegen je 42 bzw. 102 Prozent auf Jahressicht im Plus. Darüber hinaus sind coronabedingt noch immer Lieferketten unterbrochen. Mikrochips werden bereits so knapp, dass manche Autohersteller auf Kurzarbeit umstellen müssen. Zudem mangelt es an Fahrrädern und Fahrradteilen.
DIE INFLATIONSSCHUTZ - STRATEGIE
Das primäre Ziel dieser Strategie liegt im Auffangen realer Einkommenseinbußen durch Anlageerträge. Angenommen jemand verdiente im vergangenen Jahr 30.000 Euro netto. Die Steigerung stagniert mit einem erwarteten Plus von 1,5 Prozent im heurigen Jahr, während die individuellen Lebenshaltungskosten um sieben Prozent ansteigen (Erwartung). Demnach liegen die exakten erwarteten realen Einkommenseinbußen bei 5,14 Prozent. Um diese Lücke gänzlich
zu schließen, könnte man Kapital von ursprünglich 30.000 Euro (Jahreseinkommen) mit einem Performanceziel von mindestens 5,15 Prozent p. a. veranlagen. Am Jahresende erfolgt die Auszahlung des Ertrags durch Abschichtung der Portfoliokomponenten. Doch es folgen weitere Jahre, für die diese Rechnung entsprechend der Steigerung des Einkommens im Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten regelmäßig angepasst werden müsste. So weit, so theoretisch. So unwahrscheinlich für die meisten. Geld entsprechend zu veranlagen, ist dennoch eine gute Möglichkeit, Verluste durch die Inflation auszugleichen. Hier gilt es, die richtigen Titel für sich zu finden, und das ist in Anbetracht des aktuellen Marktumfeldes gar nicht so einfach. Rohstoffaktien sind schon etwas heißgelaufen, zumal sie bereits dabei sind, weitere Anstiege einzupreisen. Der Kupfergigant Freeport-McMoRan legte binnen eines Jahres 378 Prozent zu, Alcoa 411 Prozent, die brasilianische Vale stieg um 159 Prozent und Glencore in London
eco.geld
V O N 2 0 0 9 B I S 2 019 S T I E G D A S N E T T O J A H R E S E I N KO M M E N U N S E L B S TÄ N D I G B E S C H Ä F T I G T E R J Ä H R L I C H U M 1, 8 P R O Z E N T. I M V E R G L E I C H DA ZU STIEGEN DIE VERBR AUCHERPREISE U M K N A P P 1, 9 P R O Z E N T P R O J A H R . D A S H E I S S T: D I E R E A L L Ö H N E S TA G N I E R E N . um 118 Prozent. Bei einzelnen Werten sind daher zwischenzeitlich zweistellige Korrekturen nicht ausgeschlossen. Noch mehr gilt dies für Gold- und Silberminentitel. Hier sind die Erwartungen einer immer größer werdenden Szene sehr hoch. Aber angekündigte Revolutionen finden bekanntlich nicht statt. Dennoch bestehen durchaus attraktive Chancen. Doch mit starken zwischenzeitlichen Einbrüchen, insbesondere bei Silberminenaktien, muss man leben können. Noch als die Kurse im März und April bei den Minentiteln im Keller lagen, wurden sie von der breiten Masse und vor allem von den Medien vornehm ignoriert, während jetzt immer mehr Social-Media-Wichtigtuer und selbsternannte Experten ihre eigenen Empfehlungen entweder marktschreierisch anpreisen oder über das Format eigener Börsendienste verkaufen. Selbstverständlich kann man hier nicht alle Auftritte über einen Kamm scheren und es gibt sicherlich mehrheitlich qualifizierte Kommentatoren, die es tatsächlich gut meinen, doch es ist schon eigenartig, dass immer dann solche Empfehlungsdienste massenhaft angeboten werden, wenn die Aktienkurse bereits stark gestiegen sind. Das war beispielsweise in den späten 1990er-Jahren am Neuen Markt ähnlich. Während Rohstoffaktien bereits mögliche Kurssteigerungen der kommenden ein bis zwei Jahre einpreisen, hinkt im privaten Haushalt die Belastungswelle weit hinterher, denn erst in einer gewissen Zeitverzögerung geben Industrie und Handel ihre
höheren Kosten bis an den Endverbraucher weiter. Genau diese Umstände sollten bei der Inflationsschutz-Anlage berücksichtigt werden. Das Schlüsselwort dabei lautet: Diversifikation.
INVESTMENTMÖGLICHKEITEN
Im Einklang mit der Inflation steigen die Mieten für Wohnungen, Büros und Einzelhandelsimmobilien. So lohnt etwa eine Investition in ausgewählte Immoaktien. Stärker gewichtet werden können offene Immofonds, die im Falle stärkerer Mietanhebungen und Wertsteigerungen wieder an Dynamik Richtung nachhaltig über drei Prozent p. a. gewinnen könnten. Naheliegend sind noch echte Rohstoff-ETFs (Exchange Traded Fund, ein börsengehandelter Indexfonds und quasi eine Mischung aus Aktien und Fonds), die breite Rohstoffindizes abdecken, alternativ kann in Bergbaufonds investiert werden, über die die Förderung eines breiten Spektrums an Bodenschätzen abgedeckt werden kann. Diese reagieren ebenfalls auf steigende Rohstoffpreise mit Kursanstiegen. Gewisses Nachholpotenzial hat physisches Gold und auch Silber könnte bei einem längeren Gold-Aufwärtstrend mit plötzlichen Aufwärtsschüben überraschen. Darüber hinaus sollte noch mit bewährten Qualitätsaktien diversifiziert werden, also Aktien von Firmen mit starken Marken, hoher Rentabilität und Pricing Power. Auch Baumaterial-Hersteller sollten im Portfolio nicht fehlen.
BEISPIEL- PORTFOLIO So könnte ein Inflationsschutzportfolio aussehen: • 20 % Rohstoff-ETFs • 20 % offene Immofonds • 20 % Bergbaufonds • 20 % Edelmetalle (physisches Gold und Silber) • 15 % Qualitätsaktien mit Schwerpunkt Haushaltsmarken und Baumaterialien • 5 % heimische Immoaktien
Achtung: Sollten Rohstoffpreise wieder zurückgehen und auch die Inflationsraten zu fallen beginnen, gilt wieder der alte Grundsatz: „Cash ist fesch“. iele Marktteilnehmer gehen übrigens nur von einer zwischenzeitlichen inflation spike aus, gefolgt von erneut disinflationären Tendenzen.
Der Partner in Personal& Jobsachen! 73
Zentrale Tirol Bundesstraße 25 6063 Rum Niederlassung Salzburg Teisenberggasse 29 5020 Salzburg Niederlassung Wien ICON Tower Gertrude-Fröhlich-Sandner-Str. 2 1100 Wien
interwork.co.at
eco.geld
DIE MONEY-MAKERIN Desiree Marie Holjevac ist Leiterin des Private Bankings in der Tiroler Sparkasse und spricht offen über ein Thema, das vielen von uns unangenehm ist: Geld. Warum das so ist und wie wir unsere Einstellung zu unseren finanziellen Angelegenheiten verbessern können, erklärt sie in einem exklusiven Interview. FRAGEN: MARINA BERNARDI
74
eco.geld
ECO.NOVA: Über Geld spricht man nicht. Dieses Motto zieht sich durch viele Leben und führt in der Folge zu teils finanziellen Schieflagen, die sich vermeiden hätten lassen, wenn man sich früh genug um seine finanzielle Gesundheit gekümmert hätte. Woran liegt es, dass Geld (sogar in vielen Beziehungen) immer noch ein Tabuthema ist? DESIREE MARIE HOLJEVAC: Sie sprechen hier ein interessantes Spannungsfeld an. Die persönliche Vermögenslage ist hierzulande etwas Höchstpersönliches, ja fast schon Intimes. Darüber zu sprechen, was man sich alles leisten kann, wirkt gleich mal angeberisch. Wenn das Gegenteil der Fall ist, ist uns das peinlich. Auch dem Partner gegenüber. Und außerdem gibt niemand gerne zu, dass er nicht weiß, wie er mit seinem eigenen Geld umgehen soll. Problematisch wird das dann, wenn wir dadurch Chancen auslassen, die uns dabei helfen, Vermögen aufzubauen oder abzusichern. Wer also Hemmungen hat, offen über Geld zu sprechen, sollte am besten einfach mit seiner/m Bankberater*in beginnen.
Geld ist definitiv Vertrauenssache. Wie schafft man es, das Vertrauen seiner Kunden zu gewinnen und langfristig zu halten? Vertrauen ist die Basis aller funktionierenden Beziehungen. Gerade in unserem Bereich ist es deshalb unerlässlich, im laufenden direkten Austausch mit unseren KundInnen zu sein und offen Wünsche, Erwartungen, Chancen und Risiken anzusprechen. Mein Credo: In der Veranlagung gibt es kein „richtig“ und kein „falsch“, sondern sie muss individuell zum jeweiligen Kunden und seinen Bedürfnissen passen. Alles andere ist weder nachhaltig noch langfristig gedacht und wird weder KundIn noch Bank über lange Zeit Freude machen. Und meine Erfahrung zeigt: KundInnen erwarten Transparenz und Offenheit von ihrer/m langjährigen Berater*in. Dann gehen sie auch gerne mit uns gemeinsam durch gute und weniger gute Börsenzeiten. Sorgt ein besseres Finanzwissen für erhöhtes Vertrauen in Banken bzw. einen offeneren Umgang mit Geld? Interessanterweise lassen sich Menschen, die ein solides finanzielles Wissen und auch Geld haben, regelmäßig von ihrer Bank beraten. Deshalb gibt es uns als Private Banker. Das sollte uns zu denken geben. Wie bei allem im Leben werden sich nur jene Dinge gut entwickeln, denen wir eine gewisse Aufmerksamkeit und Beachtung schenken. Das gilt auch oder besonders für Geld. Davon bin ich überzeugt. Dem Thema Umgang mit Geld wird mittlerweile in den Schulen mehr Bedeutung zugemessen. Das ist sehr, sehr wichtig.
Einige Bankinstitute ziehen sich großteils aus Kosten- und/oder Ressourcengründen aus dem Privatkundengeschäft zurück. Warum geht die Sparkasse hier bewusst einen anderen Weg? Weil wir uns den Menschen in der Region verpflichtet sehen. Und das seit 200 Jahren. Uns ging es nie um schnelle Profite, sondern um nachhaltigen Vermögensaufbau in der Region. Das gelingt aber nur, wenn man in der Region verankert ist
„W I E B E I A L L E M I M L E B E N WERDEN SICH NUR JENE DINGE GUT ENT WICKELN, DENEN WIR EINE GEWISSE AUFMERKSAMKEIT UND B E A C H T U N G S C H E N K E N . D A S G I LT A U C H O D E R B E S O N D E R S F Ü R G E L D .“ D E S IR E E M A R IE H O L J E VA C
und die Menschen und wirtschaftlichen Strukturen kennt. Es geht also um Vertrauen, Expertise und exzellente Beratung. Das kostet Zeit und Geld. Es ist für uns aber der einzig richtige Weg, den Menschen das zu bieten, was sie von einer Bank erwarten dürfen: Einen Partner für ihre finanzielle Gesundheit und Zukunft zu haben.
Die letzten Jahre vor allem seit der Finanzkrise waren von vielen Veränderungen in der Bankenbranche geprägt, die auch zu Verunsicherungen beim Thema Veranlagung geführt haben. Haben sich die Bedürfnisse der Kunden verändert und inwieweit beeinflusst das in der Folge die Arbeit des Bankers? Ich denke nicht, dass sich die Bedürfnisse oder Wünsche der Menschen geändert haben. Heute wie damals wollen sie Vermögen aufbauen oder gewinnbringend veranlagen, um sich am Ende des Tages etwas Schönes leisten zu können. Verändert haben sich die Möglichkeiten, wie so etwas gelingen kann. Hinzu kommt eine immer strengere Regulatorik, die genau das verhindern soll, was in der Finanzkrise passiert ist. Das verlangt von uns BankerInnen viel Fachwissen. Der Job ist, wenn Sie so wollen, sicher nicht einfacher geworden. Aber er ist spannend wie nie zuvor. Und auch befriedigend. Denn es ist schön zu sehen, wenn für eine KundIn eine Veranlagungsstrategie voll und ganz aufgegangen ist. Hat die Coronakrise Auswirkungen auf das Anlageverhalten? Klar. Und auch hier waren die am besten beraten, die sich beraten haben lassen. Große Vermögen, heißt es an der Börse, macht man in Krisenzeiten. Aber alte Weisheiten mal beiseite: Die Krise hat uns alle verändert. Sie hat uns scheinbar Selbstverständlichem gegenüber dankbarer und bewusster gemacht. Das trifft ganz besonders die Themen Gesundheit und Umwelt. Diese spiegeln sich auch ganz stark bei der Veranlagung wider. Grüne Fonds und neue Technologien haben einen echten Boost erfahren. Viele AnlegerInnen haben erkannt, dass es hier nicht nur um Gewinne geht, sondern auch darum, in eine bessere Zukunft zu investieren. Das kommt uns letztlich allen zugute. Das niedrige Zinsniveau und unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen machen das Thema der Veranlagung nicht einfacher. In welche Bereiche lässt sich heute noch sinnvoll investieren? Ordentliche Zinsen am Sparbuch oder Konto sind zumindest in Europa
75
eco.geld
selbst digital erledigen, aber auch komplexe Themen oder Veranlagungen, bei denen wir persönlich beraten, können wir heute auf Distanz für unsere KundInnen erledigen. Eine gute Voraussetzung ist hier ebenfalls ein persönliches Vertrauensverhältnis. Das macht gutes (Private) Banking aus.
© NADJA FRÖHLICH
Mag.(FH) Desiree Marie Holjevac, Leiterin Private Banking Tiroler Sparkasse
76 wohl noch länger nicht in Sicht. Doch es gibt Alternativen und Bereiche, in die es sich lohnt zu investieren. Für mich sind das ganz klar die angesprochenen Themen Umwelt, neue Technologien und Digitalisierung. Sehr beliebt ist nach wie vor das sogenannte „Beton-Gold“. Doch auch Immobilien sind eine endliche Ressource und die Preise nicht mehr überall für alle erschwinglich. Gesamt betrachtet zeigt uns das Jahr 2020, dass von Vorteil sein kann, breit in verschiedenen Assetklassen im Hinblick auf Absicherung von starken Schwankungen und ertragreicher Performance veranlagt zu sein. Hier kann man laufend, beispielsweise über einen Fondsplan, in kleineren Tranchen einsteigen. Viele Bereiche unseres Lebens verlagern sich ins Digitale. Auch Bankgeschäfte werden heute vermehrt online abgewickelt. Was bedeutet das für die Branche? Braucht es künftig noch Berater? Gute Betreuung braucht es mehr denn je – nicht unbedingt nur persönlich vor Ort, denn „Convenience“ ist mittlerweile auch im Bankenbusiness angekommen. Viele KundInnen ziehen heute eine Beratung via Telefon oder einen Videocall vor. Auslöser war ganz klar die COVID-Krise, in der wir alle zu viel persönlichen Kontakt vermeiden sollten. Nicht wenige haben diese Form der Beratung auf Distanz beibehalten, weil es oft schneller und bequemer ist. Heute wählt der Kunde den Kanal, mit dem er mit uns in Kontakt treten will. Das hat uns vor Herausforderungen gestellt, die wir dank unserer Vorreiterrolle in der Digitalisierung perfekt lösen konnten. Viele Dinge können unsere KundInnen
Noch immer sieht die Finanzrealität von Frauen schlechter aus als jene von Männern. Warum haben Frauen offenbar ein anderes Verhältnis zu Geld und welche Auswirkungen hat das auf ihr Leben? Ich kenne viele Frauen in ihren 30er und 40ern, die nun den Pensionsschock der Eltern, vor allem ihrer Mütter, merken und dagegen vorbeugen wollen. Private Altersvorsorge wird zum Glück allgemein stark zum Thema. Mein Traum ist, dass junge Frauen und Mädchen mit ihren Freundinnen nicht über Jungs und Partys reden, sondern über ihre Investments. Dafür gilt es, sich im Vorfeld zu informieren und sich laufend mit dem Thema zu beschäftigen. Denn das größte Risiko bei der Geldanlage ist, zu investieren, ohne sich auszukennen. Wer früh mit dem Investieren beginnt, schafft sich ein Zeitpolster für später, für die Familie und sich selbst. Dazu kommt das Abhängigkeitsthema – Frauen sollten von Männern nicht abhängig sein, auch nicht in der Kindererziehungszeit. Generell scheinen Frauen in der Bankenwelt unterrepräsentiert. Auch in der Beratung. Kurzum: Geld scheint über quasi alle Lebensbereiche hinweg Männersache zu sein. Worin sehen Sie hier die Gründe bzw. macht sich das auch bei Ihren Kunden bemerkbar? Vertrauen Männer eher Männern? Der Finanzsektor ist zwar keine klassische Männerbranche, aber immer noch sehr traditionell strukturiert. Hier arbeiten ungefähr genauso viele Frauen wie Männer. Doch schaut man die Karriereleiter hinauf und in die Funktionsebene hinein, findet man immer deutlich weniger Frauen, die sich vor allen Dingen selbst viel zutrauen. Wir in der Tiroler Sparkasse haben uns hier schon sehr stark weiterentwickelt und beispielsweise erstmals einen weiblichen Vorstand im obersten Management. Ich selbst als Leiterin des Private Bankings bin Mutter zweier kleiner Kinder. Vielleicht bin ich damit eine Art Mutmacherin für all jene Frauen, die sich immer noch von möglichen Herausforderungen einer Mehrfachverantwortung abschrecken lassen. Eine diverse Belegschaft sollte auch ein geschäftlicher Imperativ ein. Wenn dies nicht oberste Priorität hat, werden ganze Branchen den Kampf um Talente verlieren. Diversität am Arbeitsplatz ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine des unternehmerischen Erfolgs. Ich selbst betreue seit Jahren viele männliche Kunden, für die Kompetenz, Verlässlichkeit und Vertrauen schon lange keine Frage von Gender sind.
Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapiere neben Chancen auch Risiken birgt. Kapitalverlust ist möglich.
ÜBER GELD SPRICHT MAN NICHT WARUM FINANZBILDUNG? Wissen ist wichtig, aber nicht immer genug … Was man weiß und was man kann ist zwar ohne Frage eine wichtige Voraussetzung – aber isoliert betrachtet noch keine Garantie für eine erfolgreiche Gestaltung des Finanzlebens. Genauso wie das Wissen über den Aufbau der Ernährungspyramide noch nicht eine gesunde Ernährung sicherstellt.
Auf das Verhalten kommt es an!
Die Entscheidend ist, dieses Wissen – bewusst oder unbeOeNB ist wusst – in bestimmte Verhaltensmuster und Routinen schon seit vielen Jahren zu übersetzen: Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht halten, sich einen Überblick über die im Bereich Finanzbildung persönlichen Finanzen erarbeiten und informiert bleiben. aktiv und bietet kostenlos und unabhängig unter der Dachmarke „Eurologisch“ eine breite Palette von Initiativen für unterschiedliche Neben der eigenen Motivation und persönlichen Zielgruppen − von Schul Eigenschaften braucht es aber auch die Rahmenkindern bis hin zu bedingungen, die ein finanzbewusstes Verhalten überLehrkräften haupt erst möglich machen. Ein möglichst barrierefreier Zu− an. gang zu Finanzprodukten, KonsumentInnenschutz, adäquate
Nicht alle Wege führen nach Rom – aber viele!
Die Wege zum finanziellen Wohlbefinden sind unterschiedlich – eine Finanzbildung, die all diese Bereiche einbezieht, möchte einen Beitrag leisten, damit das Leben von möglichst vielen Menschen in finanzieller Hinsicht gelingt. Das ist auch das Ziel der OeNB mit ihren Initiativen unter www.eurologisch.at. HabenwirIhrInteressegeweckt?GernekönnenSiemitunsKontaktaufnehmenunter regionwest@oenb.at.
OESTERREICHISCHE NATIONALBANK EUROSYSTEM
Entgeltliche Information
Einkommen und stabile Preise (eine der Kernaufgaben der OeNB) –alldasbeeinflusstdasindividuellefinanzielleWohlbefinden.
eco.geld
VON WERT UND WERTIGKEIT Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung den steuerfreien Essensbonus zur Mitarbeiterunterstützung und -motivation von täglich 4,40 auf bis zu acht Euro angehoben. Mit Jausengeld gibt es seit Kurzem eine regionale Möglichkeit, um seinen Mitarbeitern diesen Zuschuss unkompliziert anzubieten. Und damit gleichzeitig die heimische Wirtschaft zu unterstützen. TEXT: MARINA BERNARDI
78
Das Jausengeld-Team: Alois Rathgeb (Geschäftsführer der GN & BB Jausengeld GmbH, Mi.) mit den Kundenbetreuern Michael Kichmair (re.) und Robert Balazinec Kollnig
E
s gibt verschiedene Arten, seinen Mitarbeitern gegenüber Wertschätzung auszudrücken. Eine davon ermöglicht der Gesetzgeber – in Form von Essenszuschüssen. Demnach können bis zu acht Euro täglich an steuerfreien Zuschüssen gewährt werden. Für diese geldwerten Zuwendungen fallen keine Lohnnebenkosten, Lohnsteuerund Sozialversicherungsbeiträge an, somit
kommen sie brutto für netto beim Arbeitnehmer an. Und das unabhängig davon, ob im Büro, im Homeoffice oder Außendienst gearbeitet wird. Lange Jahre galt für diese steuerfreien Essensgutscheine ein Grenzwert von 4,40 Euro pro Tag, mit 1. Juli 2020 wurde dieser auf acht Euro angehoben. Das freut nicht nur die Mitarbeiter, sondern folglich auch die heimischen Gastronomiebetriebe, die zu
den am stärksten und längsten betroffenen Branchen der Coronakrise zählen.
SPÜRBARER MEHRWERT
Neu ist diese Art der Zuwendung nicht, neu hingegen ist ein regionaler Anbieter solcher Essensgutschein-Lösungen. Der passende Name: Jausengeld. Wurden viele solcher Gutscheine bis dato noch in Papierform ausgestellt, so bietet Jausengeld nun
eco.geld
WERTSCHÄTZUNG UND WERTSCHÖPFUNG
„U N S E R E L Ö S U N G I S T V Ö L L I G U N A B H Ä N G I G VON DER GRÖSSE DES UNTERNEHMENS. E G A L O B E I N M I TA R B E I T E R O D E R 10 0 : P R O M I TA R B E I T E R V E R R E C H N E N W I R D E M UNTERNEHMEN FÜR UNSEREN SERVICE EINEN E U R O I M M O N AT. D A S I S T Ü B E R S C H A U B A R U N D E I N FA C H Z U K A L K U L I E R E N .“ A L OI S R AT HGEB
eine rein digitale Lösung mittels einer Art Bankomatkarte, die vom Arbeitgeber flexibel beladen werden kann, eine App sorgt für den entsprechenden Überblick über Ausgaben und Guthaben. „Je nach Ausgestaltung kann der Arbeitgeber täglich einen individuellen Betrag bis acht Euro aufbuchen, das Guthaben wöchentlich oder monatlich zur Verfügung stellen oder nur bestimmte Tage wählen. Der Mitarbeiter kann die Zuschüsse täglich ausgeben oder kumulieren, also ansammeln, bezahlt wird bequem über die Jausengeld-Karte. So viel, wie auf der Karte an Guthaben vorhanden ist, so viel kann eingelöst werden“, erklärt Geschäftsführer Alois Rathgeb. Diese Gutscheinlösungen bieten nicht nur dem Mitarbeiter einen spürbaren finanziellen Mehrwert und ein steuerfreies Add-on zum Grundgehalt, auch die Unternehmen profitieren von einer fairen und vor allem heimischen Lösung. Rathgeb: „Unsere Lösung ist völlig unabhängig von der Größe des Unternehmens. Egal ob ein Mitarbeiter oder 100: Pro Mitarbeiter verrechnen wir dem Unternehmen für unseren Service einen Euro im Monat. Das ist überschaubar und einfach zu kalkulieren. Dafür bekommt der Unternehmer ein tolles Instrument zur Mitarbeiterbindung. Und im Gegensatz zu Papiergutscheinen, die sofort bezahlt werden müssen und quasi verfallen und damit vergebens bezahlt
wurden, wenn sie nicht eingelöst werden, erfolgt die Verrechnung mit dem Unternehmen bei Jausengeld erst ab der tatsächlich geleisteten Kartenabbuchung durch den Mitarbeiter.“ Eingesetzt werden kann die Karte bei den großen nationalen Lebensmittelhändlern wie beispielsweise MPREIS, sowie natürlich auch in der heimischen Gastronomie. „Unser Ziel ist es, dass das Geld sinnvoll verwendet wird. Es soll nicht einfach nur rasch verkonsumiert werden, es geht uns um die Vielfalt und darum, die Gastronomie zu fördern. Das Mittagessen soll wieder regionaler und auch bewusster genossen werden“, sagt Rathgeb. „Der Zuschuss ermöglicht es, vielleicht auch einmal etwas mehr für sein Mittagessen auszugeben, als man es sonst getan hätte, und zu hochwertigeren, gesünderen Mahlzeiten zu greifen. Zusätzlich möchten wir den sozialen Aspekt fördern, das Ritual des gemeinsamen Mittagessens. So kann der Arbeitgeber zum Beispiel die Karte jeden Mittwoch wöchentlich kumuliert bebuchen und das Büro geht an diesem Tag gemeinsam zum Essen.“ Das Unternehmen unterstützt seine Mitarbeiter finanziell, damit diese wiederum die heimischen Gastronomiebetriebe unterstützen. Essen für die Regionalwirtschaft quasi. So können Essensgutscheine nicht nur die Qualität des Mittagessens aufwerten, sondern generell die Wertigkeit fürs Essen heben.
Auf der Suche nach neuen Gastropartnern geht man laut Michael Kirchmair, Kundenbetreuer im Jausengeld-Team, nach dem Henne-Ei-Prinzip vor: „Wir sind gerade dabei, Unternehmen zu akquirieren, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zum steuerfreien Essensbonus anbieten möchten, und versuchen dann, Gastronomiebetriebe in deren Nähe mit ins Boot zu holen, damit die teilnehmenden Unternehmen eine entsprechende Auswahl in der Umgebung haben. Wir wollen nicht vorrangig an der Anzahl der Akzeptanzstellen gemessen werden, sondern an der Qualität der Partner.“ Das Jausengeld-System ist jedenfalls auch für Gastronomie- und Lebensmittelpartner einfach zu implementieren. „Wir möchten den Zugang so niederschwellig und einfach wie nur möglich machen. Die Simplifizierung kommt nach der Komplexität“, ist Michael Kirchmair überzeugt. „Auch wenn hinter Jausengeld ein komplexes System steckt, muss es für den Anwender einfach sein.“ Jausengeld ist ein Tochterunternehmen des kommunalen Dienstleisters GemNova und der Brain Behind GmbH, einem Provider spezialisiert auf Gutscheinsysteme und österreichischer Marktführer in diesem Bereich, der bereits zahlreiche Zahlterminals betreut, an die man andocken kann. Für den Jausengeld-Service müssen also keine eigenen Gerätschaften implementiert, sondern es können vorhandene Systeme genutzt werden. Gerade gearbeitet wird auch an einem eigenen, autarken System zum Bezahlen via Handy. „Wir möchten uns auch in diesem Bereich nicht an irgendwelche anonymen Konzerne hängen und nicht über Systeme abrechnen, die uns nicht selbst gehören und in die wir keine Einblicke haben. Nur wenn wir ein eigenes Bezahlsystem entwickeln, können wir unsere Tarife und wirklich regionale Lösungen anbieten, damit die gesamte Wertschöpfung im Land bleibt. Dafür sind noch viele Meter zu machen und im Moment fühlen wir uns ein wenig wie bei David gegen Goliath“, so Kirchmair. Aber man weiß ja, wie diese Geschichte ausging. Letztlich geht es bei Jausengeld um den bewussten Umgang mit Ressourcen, mit Lebensmitteln, mit Regionalität und darum, die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Das macht man mit Jausengeld in mehrerlei Hinsicht. Möge die Übung gelingen. www.jausengeld.at
79
eco.geld
80
KRISENBEWÄLTIGUNG UND NEUSTART Mit dem Auslaufen staatlicher Corona-Unterstützungsmaßnahmen gilt es für viele Unternehmen, den Neustart nach der Krise in Angriff zu nehmen. Die Verantwortlichen müssen dabei frühzeitig und konsequent Maßnahmen ergreifen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. TEXT: CHRISTOPH STROBL & IVO RUNGG
S
ätestens mit dem Ende der Stundungen von Steuern, Abgaben und Sozialversicherungsbeiträgen am 30. Juni wird in vielen Unternehmen die Liquidität der entscheidende Überlebensfaktor. Insbesondere wenn die in Anspruch genommenen Überbrückungshilfen und Zuschüsse schon verbraucht sind, gilt wieder „cash is king“.
Zu diesem Zeitpunkt ist es für Unternehmen mehr als ratsam, einen fundierten und detaillierten 13-Wochen-Liquiditätsstatus zu erstellen. Damit können Engpässe rechtzeitig erkannt und frühzeitig gegengesteuert werden. Verantwortliche in den Unternehmen sollten sich an diesem Punkt auch grundlegende Fragen zum Status der Finanzen stellen.
Der Gesetzgeber hat zur Beurteilung der wirtschaftlichen Krise des Unternehmens im Unternehmensreorganisationsgesetz die Kriterien der Eigenkapitalquote (> 8 %) und der fiktiven Schuldentilgungsdauer (< 15 Jahre) festgelegt. Es empfiehlt sich, diese Kennzahlen regelmäßig im Auge zu behalten und zu dokumentieren. Werden die Vorgaben nicht erfüllt oder liegen sonstige Krisen-
eco.geld
EINERSEITS GEHT ES UM DIE EXISTENZIELL E N T S C H E I D E N D E L I Q U I D I TÄT, A N D E R E R S E I T S U M D I E V E R F Ü G B A R K E I T D E R M I T T E L F Ü R D E N N E U S TA R T, A L S O F Ü R N O T W E N D I G E I N V E S T I T I O N E N I N D I E Z U K U N F T.
symptome vor, ist die Unternehmensführung verpflichtet, eine Fortbestehensprognose zu erstellen. Eine solche muss neben dem detaillierten Status ein Sanierungskonzept und die darauf aufbauende integrierte Planrechnung enthalten. Einerseits geht es um eine mittel- und langfristige Erfolgs- und Vermögensplanung, andererseits um eine Liquiditätsplanung mit einem zumindest einjährigen Planhorizont. Insgesamt muss eine längerfristige positive Entwicklung absehbar sein. Nur mit einer positiven Fortbestehensprognose vermeidet die Geschäftsführung rechtliche Konsequenzen und Haftungsfolgen eines etwaigen späteren Scheiterns. Gleichzeitig stellen diese notwendigen Analysen eine hervorragende Grundlage für Verhandlungen über erforderliche Maßnahmen mit Banken und anderen entscheidenden Partnern dar.
SCHRECKGESPENST INSOLVENZ?
Kann eine positive Prognose nicht erstellt werden, muss sich der Unternehmer bzw. Geschäftsführer mit einer eventuell gegebenen Verpflichtung zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens befassen. Diese besteht bei Zahlungsunfähigkeit und bei Überschuldung. Im Zuge der COVID-19-Krise wurde der Insolvenzantragstatbestand der Überschuldung, wenn diese nach dem 1. März 2020 und vor dem 30. Juni 2021 eingetreten ist, ausgesetzt. Besteht am 30. Juni 2021 die Überschuldung, ist das Insolvenzverfahren ohne schuldhaftes Zögern, spätestens aber innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf des 30. Juni 2021 oder 120 Tage nach Eintritt der Überschuldung – je nachdem, welcher Zeitraum später endet – zu beantragen. Die Zahlungsunfähigkeit hingegen blieb grundsätzlich auch während der Krise aufrecht. Allerdings wurde der Eintritt der Zahlungsunfähigkeit häufig durch die Unterstützungsprogramme der staatlichen Stellen vermieden. In Bezug auf die Zahlungsfähigkeit sollten sich Unternehmen in der Krise laufend die Frage stellen, ob sie mit den tatsächlich verfügbaren Mitteln im 13-Wochen-Zeitraum
zumindest 95 Prozent der in der gleichen Zeit fälligen Verbindlichkeiten bedienen können. Zwar werden Insolvenzverfahren nach wie vor als Stigmatisierung empfunden, allerdings haben einige Neuerungen die Chance eines Neustarts deutlich verbessert. So hat das mit dem Insolvenzrechtsänderungsgesetz/IRÄG 2010 eingeführte Sanierungsverfahren der Insolvenz die Endgültigkeit und den Makel des „Scheiterns“ teilweise genommen. Vorausgesetzt, das Unternehmen verfügt über ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell und „einen gesunden Kern“, ermöglichen die Sanierungsverfahren mit oder ohne Eigenverwaltung einen erleichterten Neustart nach der Krise.
NEUE RESTRUKTURIERUNGS ORDNUNG STARTET
Basierend auf dem präventiven Restrukturierungsrahmen der EU-Richtlinie 2019/1023 wird es ab Juli in Österreich auch eine Restrukturierungsordnung (ReO) geben. Diese tritt neben die bestehende Insolvenzordnung (IO). Damit wird Unternehmern, die noch nicht insolvent sind, aber wahrscheinlich insolvent werden, ein Zugang zu einem gerichtlichen Restrukturierungsverfahren eröffnet, das etwa eine Vollstreckungssperre und Forderungskürzungen ermöglicht. Der Schuldenschnitt setzt zwar eine Mehrheit der betroffenen Gläubiger oder eine gerichtliche Bestätigung voraus, einzelne Gläubiger können das aber nicht ver-
hindern. Solche „überstimmten“ Gläubiger sind ihrerseits so geschützt, dass sie nicht schlechter gestellt werden dürfen als im nächstbesten Alternativszenario (wie z. B. einem Insolvenzverfahren). Welche Gläubiger vom Restrukturierungsverfahren umfasst sein sollen, entscheidet mit wenigen Ausnahmen der Schuldner selbst. Er kann auch wählen, ob das Verfahren öffentlich oder nichtöffentlich erfolgen soll. Für den Betrieb des Unternehmens erforderliche Verträge können von den Vertragspartnern nicht auf Grund ausstehender Forderungen oder der Restrukturierung fällig gestellt, abgeändert oder aufgelöst und ausstehende Leistungen nicht verweigert werden. Frisches Geld und für die Restrukturierung des Unternehmens erforderliche Transaktionen bekommen höheren Schutz und so können etwa Neu- und Zwischenfinanzierungen in einer möglichen späteren Insolvenz nur mehr eingeschränkt angefochten werden. Für den praktisch häufigen Fall, dass die Restrukturierung nur mit den Finanzgläubigern (also vor allem Banken) verhandelt wird, sieht das Gesetz ein vereinfachtes „Schnellverfahren“ vor. All dies setzt jedoch einen gut vorbereiteten, mit Berechnungen und Planungen unterlegten Restrukturierungsplan voraus. Die neuen Möglichkeiten der ReO werden auch außergerichtliche Sanierungen erleichtern, besonders im Hinblick auf einzelne blockierende Gläubiger.
Christoph Strobl ist geschäftsführender Gesellschafter der SGS Management GmbH in Rum/Innsbruck und Sanierer. Er verfügt über langjährige Erfahrung bei der Begleitung von Unternehmen in herausfordernden Situationen (www.sgs-management.com).
81
eco.geld
82
V O R A U S G E S E T Z T, D A S U N T E R N E H M E N V E R F Ü G T Ü B E R E I N Z U K U N F T S FÄ H I G E S GESCHÄF TSMODELL UND „EINEN GESUNDEN K E R N “, E R M Ö G L I C H E N S A N I E R U N G S V E R FA H R E N M I T O D E R O H N E E I G E N V E R WA LT U N G E I N E N E R L E I C H T E R T E N N E U S TA R T N A C H D E R K R I S E . AUF DIE NÄCHSTE KRISE VORBEREITET SEIN In Zeiten großer Umbrüche und einer immer schnelleren Veränderungsgeschwindigkeit ist es für Unternehmen entscheidend, auf möglichst viele Eventualitäten und Szenarien vorbereitet zu sein. Das betrifft naturgemäß die laufende Befassung mit den finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen und Verpflichtungen. Während die aktuelle Pandemie für die meisten Unternehmer in ihren Auswirkungen nicht vorhersehbar war, gilt es, in einem „normalen“ Umfeld die wesentlichen Aktionsfelder des Unternehmens permanent im Blick zu haben. Betrachtet man etwa Märkte (verkaufs- und einkaufsseitig), technologische oder gesellschaftliche Veränderungen und erkennt rechtzeitig „schwache“ Signale der Veränderung, so hat man schon eine wesentliche Vorarbeit für die Bewältigung kommender Krisen geleistet.
Einige Unternehmen haben deshalb bereits früh begonnen, Notfallpläne für verschiedenste Situationen zu erstellen. Beim akuten Eintreten der Veränderung bringt dies einen wesentlichen und erfolgsentscheidenden (Zeit-)Vorsprung gegenüber Mitbewerbern. Neben der Liquidität ist Zeit der zweite kritische Erfolgsfaktor in Phasen großer Umbrüche. Sie gibt dem Unternehmer jene Handlungsspielräume, um Sanierungskonzepte zu erstellen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Diese strategischen Veränderungen werden in der Dringlichkeit der Krise häufig vernachlässigt. Sie sind aber gleichzeitig die wesentlichste Grundlage für eine zielorientierte operative Vorgehensweise. Die Erstellung strategisch ausgerichteter Sanierungskonzepte und darauf aufbauender integrierter Planrechnungen erfordert ein spezielles Know-how und eine gut organisier-
te Einbindung der entscheidenden Player in der Sanierung. Es gilt also, Banken, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter differenziert in die Erarbeitung einzubeziehen, um entsprechend schnell und ohne Umwege zu den notwendigen Entscheidungen zu kommen.
NEUE NORMALITÄT
Zusammengefasst ist die Früherkennung von Veränderungen und drohenden Krisen für die Zukunft eine dauernde Anforderung und ein kritischer Erfolgsfaktor. Nur wer über ein geschärftes Sensorium für die wesentlichen Bereiche verfügt, wird die aus Krisen und Veränderungen entstehenden Chancen für Wettbewerbsvorteile ziehen können. Die COVID-Pandemie hat darüber hinaus auch die finanziellen und rechtlichen Anforderungen an Unternehmer noch einmal dramatisch vor Augen geführt. Deshalb ist das Bewusstsein um die wesentlichsten Kenngrößen wie Eigenkapitalquote, Überschuldung, Schuldentilgungsdauer oder Zahlungsfähigkeit für Geschäftsführer von entscheidender Bedeutung. Ein entsprechend professionelles Management solcher Phasen dient einerseits der Vermeidung von Haftungsrisiken und ermöglicht andererseits die strategische Neuausrichtung im Sinne des Schlagwortes „Krise als Chance“.
Braucht jedes Wochenende Adrenalin. Braucht Ideen für morgen. Braucht klare Antworten. Wir haben verstanden, dass Fragen, die über die Zukunft entscheiden, heute klare Antworten erfordern. Sprechen Sie deshalb mit uns über Ihre Ziele für Ihr Vermögen.
sparkasseprivatebanking.at
BTV LEASING
KONJUNKTURABHÄNGIGES LEASING MIT SICHERHEITSNETZ Mit dem Konjunkturleasing® hat die BTV Leasing ein Leasingmodell aufgelegt, das die Leasingrate flexibel an die Liquiditätssituation der Kunden anpasst. Wie es dazu gekommen ist und was das Modell für Leasingnehmer leistet, erläutern die BTV Leasing Geschäftsführer Michael Perger, Johannes Wukowitsch und Gerd Schwab. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL
© THOMAS SCHROTT
84
Mit dem Konjunkturleasing® haben die BTV Leasing Geschäftsführer Johannes Wukowitsch, Gerd Schwab und Michael Perger (v.l.) ein Modell aus der Taufe gehoben, das größere Flexibilität bei Konjunkturschwankungen erlaubt.
N
iemand ist eine Insel, nur für sich allein“, wusste schon der britische Dichter John Donne. In einer hochkomplexen und globalisierten Wirtschaftswelt ist auch kein Unternehmen für sich völlig unabhängig von den ökonomischen Gezeiten. Man kann schnell und ohne Vorwarnung in eine Situation geraten, die sich nachteilig auf die
Liquidität auswirkt. Um diesen Unwägbarkeiten besser begegnen zu können, hat die BTV Leasing ein Modell erarbeitet, das – gekoppelt an gängige Konjunkturparameter wie Herstellungs-PMI, ifo-Geschäftsklimaindex oder den Auftragseingang der deutschen Industrie – dabei hilft, die für den Unternehmenserfolg so wichtige Liquidität zu erhalten.
ECO.NOVA: Wie hat sich das Sondermodell
Konjunkturleasing® entwickelt? GERD SCHWAB: Wir beobachten die Märkte und Branchen, in denen unsere Kundinnen und Kunden tätig sind, ganz genau. So können wir sie ideal bei der Finanzierung ihrer Vorhaben unterstützen. Vor wenigen Jahren stellten Konjunkturschwankungen eine Herausfor-
BTV LEASING
derung für einige unserer Kunden dar. Um diesem Effekt entgegenzuwirken hatten wir die Idee, eine Kombination aus einem klassischen Leasingvertrag und der Möglichkeit, die laufenden Leasingraten einmalig bei einem Konjunkturrückgang anzupassen, anzubieten. Das Konjunkturleasing® war geboren. Dieses Sondermodell haben wir für BTV Leasing Kunden einfach gestaltet. Fällt der vereinbarte Wirtschaftsindikator unter ein bestimmtes Niveau, kann unser Kunde die Option ziehen.
Wie wird das Modell, das Liquiditätsengpässen vorbauen soll, von den Leasingkunden angenommen? MICHAEL PERGER: Bei der Einführung des Modells gab es differenzierte Meinungen. Kundinnen und Kunden aus Branchen, die seit dem Jahr 2008 nicht mehr von wesentlichen Veränderungen des Wirtschaftswachstums betroffen waren, reagierten verhalten. Die Lösung wurde als eine Art „Versicherung“ gesehen. Kunden, die mit laufenden Konjunkturschwankungen aufgrund ihres Wirtschaftszweiges umgehen müssen, erkannten hingegen schnell die Vorteile des Konjunkturleasing. Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist das Interesse an unserem Sondermodell enorm gestiegen. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Wirtschaft deutlich eingebrochen. BTV Leasing Kunden, die die Option gezogen haben, waren von der einfachen und schnellen Abwicklung überrascht.
Welche Voraussetzungen müssen die Unternehmerin/der Unternehmer erfüllen, um es in Anspruch nehmen zu können? JOHANNES WUKOWITSCH: Die „Sondervereinbarung“ Konjunkturleasing muss bereits von Beginn an Bestandteil des Vertrags sein. Ein nachträglicher Abschluss ist nicht möglich. In der Vereinbarung werden auch ein Indikator und die Grenze, ab der die Option gezogen werden kann, definiert. Die Wahl des richtigen Parameters ist dabei das A und O. Beobachtet ein Kunde Veränderungen, die seine Branche direkt belasten oder sich
„U M KO N J U N K T U R S C H WA N K U N G E N E N T G E G E N Z U W I R K E N , H AT T E N W I R D I E I D E E , E I N E KO M B I N AT I O N A U S E I N E M K L A S S I S C H E N L E A S I N G V E R T R A G U N D D E R M Ö G L I C H K E I T, D I E L A U F E N D E N L E A S I N G R AT E N E I N M A L I G B E I E I N E M KO N J U N K T U R R Ü C KG A N G A N Z U PA S S E N , A N Z U B I E T E N .“ GERD S CHWAB
negativ auf seine Zielgruppe oder auch Lieferanten auswirken, so kann er wesentlich früher reagieren. Er muss nicht warten, bis die Entwicklungen für sein Unternehmen spürbar werden.
Inwieweit muss ein konjunktureller Abschwung, der die eigene Branche trifft, zur Inanspruchnahme des Konjunkturleasing belegt werden? PERGER: In der Sondervereinbarung wird ein Parameter wie beispielsweise der Einkaufsmanagerindex, ifo-Geschäftsklimaindex oder Auftragseingang der deutschen Industrie etc. definiert und die Stelle, an der dieser Indikator veröffentlicht wird. Sind die Bedingungen der Option eingetreten, teilt uns dies der Kunde im ersten Schritt per E-Mail mit. Wir gleichen die Werte mit denen an der veröffentlichten Stelle ab. Im Anschluss stimmt der BTV Leasing Betreuer mit dem Kunden die Details über Dauer der Aussetzung der Leasingzahlung und Ratenhöhe ab. Mit der Vorschreibung zum nächsten Monatsersten schreibt die BTV Leasing bereits die gewünschte Leasingrate vor.
Kann auch proaktiv, das heißt bei einem sich ankündigenden Ereignis, die Rate vorübergehend reduziert werden? SCHWAB: Nein, die Option ist immer an einen Parameter gebunden. Solange ein Ereignis keinen Einfluss auf den vereinbarten Index hat, kann die Option nicht gezogen werden. Für Objekte oder Branchen mit starken Auslastungsschwankungen wie
„KUNDEN, DIE MIT L AUFENDEN KO N J U N K T U R S C H WA N K U N G E N A U F G R U N D IHRES WIRTSCHAF TSZWEIGES UMGEHEN MÜSSEN, ERK ANNTEN SCHNELL DIE V O R T E I L E D E S KO N J U N K T U R L E A S I N G .“ MICHAEL PERGER
beispielsweise die Seilbahnwirtschaft haben wir das Kapazitätenleasing entwickelt. Dieses Sondermodell basiert auf Faktoren, die schwankende Auslastungen anzeigen. Dazu zählen zum Beispiel Betriebsstunden, Flugminuten, beförderte Personen etc. Beim Kapazitätenleasing orientiert sich die monatliche Leasingrate daher immer an der Einnahmensituation unserer Kundinnen und Kunden.
In welchem Umfang kann die Rate des Konjunkturleasing maximal reduziert werden und für welchen Zeitraum? WUKOWITSCH: Die Leasingzahlung kann einmalig für die Dauer von bis zu zwölf Monaten um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Innerhalb dieser Leitplanken steht es dem Kunden frei, um welchen Prozentsatz er die Rate senken möchte und über welchen Zeitraum. Dank der flexiblen Gestaltung orientiert sich die Liquiditätsbelastung an den individuellen Bedürfnissen der BTV Leasing Kunden. Dadurch erreichen diese eine deutliche Verbesserung des Bilanzergebnisses. Kann bei unerwartet rascher Verbesserung der Situation der Zeitraum der reduzierten Rate verkürzt bzw. vorzeitig beendet werden? PERGER: Ja, Kunden können die gezogene Option vorzeitig beenden. Dies führt allerdings nicht dazu, dass die Option nochmals gezogen werden kann.
Wovon hängt es ab, ob nach Ablauf der Ratenreduktion die Laufzeit verlängert oder die Rate angepasst wird? SCHWAB: Diese Entscheidung wird von unseren Kundinnen und Kunden getroffen. Je nach den individuellen Bedürfnissen kann die Laufzeit des Leasingvertrages unverändert bleiben oder um einen gewählten Zeitraum verlängert werden – sofern die steuerlichen Leasingkriterien dies zulassen. Der zugrundeliegende Restwert wird entsprechend angepasst. PR
85
eco.steuern
AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF BETRIEBSÜBERTRAGUNGEN UND UMSTRUKTURIERUNGEN
86
Corona hat seit Anfang 2020 die Welt fest im Griff, auch wenn mittlerweile das Licht am Ende des Tunnels langsam heller wird. Auch das Steuerrecht bleibt von der Krise nicht verschont. Auswirkungen der Krise ergeben sich auch auf Betriebsübertragungen und Umstrukturierungen. Es gibt Gründe, Umstrukturierungen auf die Zukunft zu verschieben, aber auch gewichtige Gründe, eine rasche Umsetzung zu erreichen. Das richtige Vorgehen ist für den Einzelfall zu klären. TEXT: DANIEL HOFER
Ö
sterreich als Tourismusland hat unter den Beschränkungen der Reisefreiheiten ganz besonders zu leiden, wobei seitens der Bundesregierung mit einem bisher nie dagewesenen Unterstützungsprogramm der Versuch unternommen wurde, die schlimmsten finanziellen Auswirkungen abzumildern. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der von der Pandemie ausgelösten Verwerfungen werden uns indes noch
länger begleiten. Viele Betriebe können derzeit keine Gewinne erwirtschaften, sodass geprüft werden muss, ob die Rechtsform des Unternehmens den aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen genügt. Nachdem bei vielen Betrieben die Übergabe an die nächste Generation ansteht, stellt sich zudem häufig die Frage, ob dies der richtige Zeitpunkt für eine Übergabe ist oder die wirtschaftliche Erholung abgewartet werden soll.
AUFSCHIEBUNG GEPLANTER STRUKTURÄNDERUNGEN BEI FAMILIENBETRIEBEN Aufgrund der unsicheren Situation im Tourismus, insbesondere nach der völlig ausgefallenen Wintersaison 2020/2021, kamen viele Unternehmerinnen und Unternehmer zum Schluss, bereits länger geplante Betriebsübergaben auf später zu verschieben. Ein sich in der Krise befindendes Unternehmen zu übergeben
eco.steuern
war für viele eine schlechte Option, da die befürchtete Doppelbelastung von Übertragung und den damit verbundenen Umstellungen sowie dem schlechten wirtschaftlichen Umfeld als nicht akzeptabel erschien. Hinzu kamen Bestimmungen im Rahmen der unterschiedlichen Corona-Unterstützungsmaßnahmen, durch welche Übergaben oder Umstrukturierungen dazu führen können, dass die Anspruchsberechtigung für Förderungen in Frage gestellt oder sogar verwehrt ist. Beispielsweise führte beim Umsatzersatz für November und Dezember 2020 eine Betriebsübertragung im vorangegangenen Sommer 2020 („nach dem 16. März 2020 neu gegründete Unternehmen“) dazu, dass die Übernehmenden die Antragsberechtigung für den Umsatzersatz verloren haben, weil keine Gesamtrechtsnachfolge vorlag. Gleiches kann für Umstrukturierungen im Wege der Einzelrechtsnachfolge gelten, wie beispielsweise bei Zusammenschlüssen oder Einbringungen nach Umgründungssteuergesetz. Für die derzeit noch laufenden Zuschüsse (z. B. Ausfallsbonus, Fixkostenzuschuss 800.000) gibt es allerdings nun detaillierte Regelungen, wie bei Umstrukturierungen vorzugehen ist. Aufgrund dieser Regelungen, die im Sommer 2020 zudem noch nicht absehbar waren, kam es zu einer gewissen Verunsicherung in der Unternehmerschaft. In der Beratungspraxis konnte in den letzten Monaten ein starker Rückgang an Betriebsübertragungen und Umstrukturierungen bei Familienbetrieben beobachtet werden. Eine Gegenbewegung wird sich voraussichtlich nach Einstellung der finanziellen Unterstützungsmaßnahmen bei Abebben der Pandemie entwickeln.
OPTIMALE VERLUSTVERWERTUNG IM ZENTRUM DES FOKUS
Insbesondere Tourismusbetriebe werden aufgrund der ausgefallenen Wintersaison mit Verlusten im Jahr 2021 rechnen müssen. In Krisenzeiten steht steuerlich die optimale Verlustverwertung im Zentrum der Überlegungen. Hierbei muss im Vorfeld allerdings geprüft werden, wie sich die verschiedenen Zuschüsse auf die steuerlichen Ergebnisse auswirken. Die meisten Zuschüsse sind zwar steuerfrei, führen aber andererseits dazu, dass die geförderten Kosten (z. B. Fixkostenzuschuss) steuerlich nicht abzugsfähig sind. Die Investitionsprämie ist hingegen steuerfrei und es können die angeschafften
Besteht jedoch keine Möglichkeit, Verluste selbst auszugleichen (z. B. bei länger anhaltenden Verlustperioden), so können durch Umstrukturierungen die entsprechenden Voraussetzungen zur Verwertung geschaffen werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Übertragung des Verlustrücktrages auf einen Rechtsnachfolger nicht möglich ist, sodass dieser Umstand in die Detailplanung der jeweiligen Vor- und Nachteile von entsprechenden Umstrukturierungsmaßnahmen einfließen muss. U M WA N D L U N G V O N
K A P I TA L G E S E L L S C H A F T E N
Daniel Hofer, BA, ist Steuerberater bei Deloitte Tirol
Wirtschaftsgüter dennoch in voller Höhe abgeschrieben werden.
Werden Verluste erwirtschaftet, so bestehen nachfolgende Verwertungsmöglichkeiten: • Verwertung im Rahmen des steuerlichen Verlustvortrages und Verrechnung mit zukünftigen Gewinnen • Nutzung des neu eingeführten Verlustrücktrages zur Verrechnung mit Gewinnen in 2019 und 2018 • Umwandlung von Kapitalgesellschaften nach Umwandlungsgesetz und Verrechnung der Verluste auf persönlicher Ebene mit anderen positiven Einkünften • Einbringung von Gewinnbetrieben in Kapitalgesellschaften, um bestehende Verluste mit laufenden Gewinnen zu verrechnen • Bildung einer steuerlichen Unternehmensgruppe VERLUSTVORTRAG UND VERLUSTRÜCKTRAG
Grundsätzlich besteht für alle Steuerpflichtigen mit betrieblichen Einkünften die Möglichkeit, Verluste steuerlich entweder im Rahmen des normalen Verlustvortrages mit zukünftigen Gewinnen zu verrechnen oder aber sie bedienen sich des neuen Instruments des Verlustrücktrages, durch den nicht ausgleichsfähige Verluste zeitlich befristet mit positiven Einkünften des Jahres 2019 bzw. 2018 verrechnet werden können.
Ist eine Verwertung von Verlusten durch eine Kapitalgesellschaft nicht möglich, können aufgelaufene Verluste mittels einer Umwandlung nach Umwandlungsgesetz mit den Einkünften ihrer Gesellschafter verrechenbar gemacht werden. Bei einer Umwandlung kommt es zu einer liquidationslosen Auflösung der Kapitalgesellschaft und Übertragung ihres Vermögens auf eine natürliche Person oder eine Personengesellschaft als Gesamtrechtsnachfolger. Dabei sind neben den gesellschaftsrechtlichen Voraussetzungen auch die entsprechenden steuerlichen Anforderungen des Umgründungssteuergesetzes zum Zeitpunkt des Umwandlungsbeschlusses zu erfüllen. Nur so kann ein steuerneutraler Vorgang sichergestellt sowie ein Übergang der Verluste der Kapitalgesellschaft erreicht werden. Die für den Verlustübergang zentralen Voraussetzungen sind: • Vorhandensein eines aufrechten Betriebes am Umwandlungsstichtag sowie zum Zeitpunkt des Umwandlungsbeschlusses • Keine wesentliche Verkleinerung des Betriebes im Vergleich zum Zeitpunkt der Verlustentstehung
Ein positiver Verkehrswert des zu übertragenden Vermögens ist hingegen keine steuerliche Voraussetzung. Soll jedoch eine GmbH & CoKG als Rechtsnachfolgerin entstehen, so verlangen die Vorgaben der Kapitalerhaltung, dass nur positives Vermögen übertragen werden darf. EINBRINGUNG EINES GEWINNBETRIEBES IN VERLUSTGESELLSCHAFT
Ebenfalls möglich ist die Übertragung eines Gewinnbetriebes auf eine Kapitalgesellschaft mit Verlustvorträgen durch eine Einbringung gemäß Umgründungssteuergesetz.
87
eco.steuern
Unter der Voraussetzung, dass das verlusterzeugende Vermögen der übernehmenden Gesellschaft zum Einbringungsstichtag noch in vergleichbarem Umfang vorhanden ist, kommt es in der Folge zu einer Verrechnung dieser Verluste mit den laufenden Gewinnen des übertragenen Betriebes. Dabei sind die weiteren Voraussetzungen für steuerneutrale Einbringungen von Betrieben zu beachten. Speziell die Voraussetzung der Übertragung eines positiven Vermögens, was bei den meisten Umgründungsmaßnahmen erforderlich ist, stellt in Zeiten der Krise eine kritische Hürde dar, zumal die Betriebsergebnisse vieler Unternehmen durch die Pandemie Einbrüche verzeichnet haben. Hierbei kommt es insbesondere im Zusammenhang mit der Unternehmensbewertung zu Folgefragen, welche auch Auswirkungen auf mögliche Umstrukturierungen haben können. Die Frage, wie diese Auswirkungen in die Unternehmensbewertungen einzufließen haben, ist daher von großer Bedeutung und kann jeweils nur im Einzelfall geklärt werden. BILDUNG EINER STEUERLICHEN UNTERNEHMENSGRUPPE
Bei verbundenen Kapitalgesellschaften bietet sich zusätzlich die Möglichkeit, die Ver-
INSBESONDERE TOURISMUSBE TRIEBE W E R D E N A U F G R U N D D E R A U S G E FA L L E N E N WINTERSAISON MIT VERLUSTEN IM J A H R 2 0 21 R E C H N E N M Ü S S E N . I N KRISENZEITEN STEHT STEUERLICH DIE OP TIMALE VERLUST VERWERTUNG IM ZENTRUM DER ÜBERLEGUNGEN. lustverwertung im Rahmen einer steuerlichen Unternehmensgruppe durchzuführen. Bei der sogenannten Gruppenbesteuerung kommt es zu einer Zusammenfassung der steuerlichen Ergebnisse beim Gruppenträger, wobei positive und negative Ergebnisse saldiert werden. Voraussetzung für die Bildung einer steuerlichen Unternehmensgruppe ist eine finanzielle Verbindung, bei welcher die beteiligte Körperschaft über die Mehrheit an Anteilen und Stimmrechten verfügen muss. Diese Verbindung muss während des gesamten Wirtschaftsjahres der Tochtergesellschaft bestanden haben, für welches die Gruppenbesteuerung erstmalig beantragt wird. Finanzielle Verbindungen können unter bestimmten Voraussetzungen auch bis zu neun Monate rückwirkend
mittels Umgründungsmaßnahmen hergestellt werden.
RESÜMEE
Die Coronakrise hat in der Beratungspraxis tiefe Spuren hinterlassen. Das ohnehin bereits sehr komplexe Feld der Umstrukturierung von betrieblichen Einheiten hat durch die Coronakrise zusätzliche Relevanz erhalten. Gleichzeitig musste jedoch aufgrund einer Vielzahl von staatlichen Förderprogrammen mit eigenständigen Regelsystemen eine weitere Steigerung der Komplexität der Umstrukturierungsvorgänge beobachtet werden. Dennoch können Umstrukturierungen – bei Beachtung aller rechtlichen Vorgaben – Unternehmen bei der Bewältigung der Coronakrise wesentlich unterstützen.
IHRE PLATZPROBLEME MÖCHTEN WIR HABEN Zugangszeiten: 365 Tage/Jahr, Zugangszeiten 5 – 22 Uhr Über 1.000 Lager-Boxen von 2 – 20 m² Trocken, hell, sauber, video-überwacht, gebührenfreie und überdachte PKW-Ladezone
ne Mieter ... mehr als 800 zufriede folg. sprechen für unseren Er
DeineLagerBox GmbH
Trientlgasse 77 · A-6020 Innsbruck Telefon: 0512 / 36 10 70 · office@deinelagerbox.at · www.DeineLagerBox.at
eco.steuern
90
WER PLANT, GEWINNT Die massiven Auswirkungen der Coronakrise haben gezeigt, dass Unternehmen, die regelmäßig Planrechnungen für mindestens ein Jahr erstellen, deutlich besser durch die Krise kommen als Unternehmen ohne Liquiditätsplan. TEXT: SIMON LENTNER, HUGO HUBER
U
nternehmens- und Liquiditätsplanungen bauen auf den Zahlen der Finanzbuchhaltung (FIBU) auf. Dabei gilt: eine Planung kann immer nur so solide sein, wie die zu Grunde gelegten Daten. Herzstück einer Planung sind die Daten und Auswertungen der kurzfristigen Erfolgsrechnung auf Monatsbasis aus der Finanzbuchhaltung (Aufwands- und Ertragskonten monatlich dargestellt). Je sauberer unterjährig die Verbuchung erfolgt (z. B. mit unterjährigen Abgrenzungen, unterjähriger Erfassung von Privatanteilen und Eigenverbräuchen, Zinsabgrenzungen, laufender Abstimmung der Bankkonten …), desto besser und aussagekräftiger kann geplant werden.
Basierend auf den Auswertungen der monatlichen kurzfristigen Erfolgsrechnungen (Aufwands- und Ertragskonten) können die Daten mit den geplanten Zahlungsein- und -ausgängen (Forderungseingänge, Auszahlungen für Lieferanten, Finanzamtszahlungen … [= Veränderung working capital]), Investitionen, Bankverbindlichkeiten verarbeitet werden, um von der Plan-Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) in die Plan-Cashflow-Rechnung überzuleiten. Um den Prozess und die Aussagekraft der Planung verbessern zu können, sollte man im Vorfeld die Buchhaltung so aufstellen, dass man hier eine bestmögliche Planung aufsetzen kann. Folgende Schritte können wir empfehlen:
• Teilbetriebe/Teilbereiche des Unternehmens bereits in der FIBU durch Erfassung auf verschiedenen Konten trennen. • Aufwands- und Ertragskonten so anlegen, dass aussagekräftige Auswertungen/Analysen erstellt werden können (Beispiel Hotel/Gastronomie: Trennung Logis- und Verpflegungsumsätze sowie Zusatzkonsumationen für eine bessere Aussagekraft und Planung; Beispiel Gewerbe: Trennung von Leistungserlösen und Umsätzen mit Warenverkäufen; Beispiel KFZ: Trennung Werkstätte vom KFZ-Handel). • Anlegen von Buchhaltungskreisen, um die Daten trennen und für die Planung besser darstellen zu können. • Buchhaltungsunterlagen frühzeitig zur Verfügung stellen.
eco.steuern
Nur wer einen Liquiditätsplan auf monatlicher Basis für sein Unternehmen hat, kann Liquiditätsengpässe frühzeitig erkennen und gezielt gegensteuern. Wie man in der Grafik sieht, stellt sich die Frage: Reichen die Liquiditätsreserven aus, um ergebnisschwache Monate zu überstehen?
• Digitalisierung der Buchhaltung ermöglicht einen Zugriff auf die wichtigsten Dokumente in Echtzeit (vor allem das Einspielen der Bankdaten in die FIBU mittels „CAMT-Dateien“ verbessert den Planungsprozess erheblich). • Planung so aufsetzen, dass diese an aussagekräftige Kennzahlen anknüpft (Umsatz pro Zimmer, Umsatz pro Taxifahrt, Umsatz pro Erstzutritte Skigebiet …).
ANWENDUNGSBEREICHE
Unternehmensplanungen können insbesondere in folgenden Bereichen eingesetzt werden und sind hilfreich für Entscheidungen bei: • Aktuelle Coronaförderungen bauen auf Planrechnungen auf (Fixkostenzuschuss II Tranche I, Verlustersatz Tranche I, Corona-Kurzarbeit). • Bankfinanzierungen: Können Investitionskredite/Überbrückungsfinanzierungen zurückgeführt werden? • Investitionen: Sind diese mittelfristig finanzierbar? • Umstrukturierungen/Erweiterungen des Betriebs: Können diese Änderungen die Liquidität des Unternehmens verbessern? • Laufende unterjährige Soll-Ist-Vergleiche (Controlling für KMU): In welchen Monaten werden Überschüsse erwirtschaftet und wie werden diese verwendet? • Krisenbewältigung, Entscheidungen über Fortbetrieb des Unternehmens: Kann aufgrund der aktuellen Entwicklung die kurzfristige Liquidität des Unternehmens aufrechterhalten werden?
Nutzen kann aus erstellten Planrechnungen vor allem dann gezogen werden, wenn eine solche nach Abschluss eines Projektes nicht in der Schublade verschwindet, sondern für kurzfristige Planungen mit Soll-Ist-Vergleich (ein Jahr auf Monatsbasis bietet sich in der Praxis an) weiterverwendet oder sogar verfeinert wird. So bietet sich die aktuelle Coronakrise auch als Chance, denn die aktuellen Förderanträge erfordern eine derart intensive Beschäftigung mit den unterjährigen Finanzen, mit monatsgenauen Abgrenzungen und Planungen von Aufwendungen und Erträgen, dass diese Arbeiten der ideale Ausgangspunkt für jährlich wiederkehrende Unternehmensplanungen darstellen. So intensiv wie aktuell wird man sich in den kommenden Jahren sonst nicht mehr mit unterjährigen Zahlungsströmen beschäftigen.
• AWS-Überbrückungsgarantien mit Bundeshaftung (80 bis 100 % Bundeshaftung) prüfen. • Bankgespräche führen, um die Kreditlaufzeiten um ein Jahr zu verlängern und aktuelle Tilgungen auszusetzen. • Finanzamt und Gesundheitskasse bieten ab Juni 2021 umfangreiche neue Ratenzahlungskonzepte an. Bei diesen können Rückstände über die kommenden Jahre zurückgeführt werden. • Optimierung der Veranlagung: Vorauszahlungen herabsetzen bzw. den Verlustrücktrag nutzen, um Einkommens-/Körperschaftsteuergutschriften zu erwirken. • Vorauszahlungen bei der Sozialversicherung herabsetzen, Ratenzahlungen beantragen. • Über Förderungen informieren und rechtzeitig beantragen (z. B. Digitalisierungsförderung Land Tirol, E-Mobilitätsförderung, KMU-E-Commerce-Förderung, Forschungsprämie …) • Sale and lease back in Krisenjahren nutzen, um sich einen (steuerfreien) Liquiditätspuffer zu verschaffen.
91
MASSNAHMEN
In Krisenzeiten sind Entscheidungsträger von Unternehmen gut beraten, sich zumindest anhand einer einfachen Planrechnung einen Überblick zur Liquiditätssituation zu verschaffen. Zur Sicherung der kurzfristigen Liquidität und zur Darstellung eines soliden Liquiditätsplans bieten sich neben allseits bekannten Schritten (Außenstände eintreiben, Kosten reduzieren …) aktuell folgende Maßnahmen an: • Coronahilfen frühzeitig beantragen: Für eine rasche Auszahlung bietet sich der Ausfallsbonus und der Vorschuss auf den Fixkostenzuschuss II an. • Corona-Kurzarbeit nutzen und Auswirkung auf Personalausgaben/Liquidität prüfen.
MMAG. SIMON LENTNER HUGO HUBER, MSc Steuerberater, gerichtlich beeidete Sachverständige und Partner bei der Wirtschaftstreuhand Tirol Rennweg 18, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/58 99 02
www.wtt.tirol
eco.steuern
92
HIER SPRECHEN WIR WIRTSCHAFT FÜR ÄRZTINNEN & ÄRZTE Vorne ist dort, wo die sind, die blitzschnell kleine wie große Entscheidungen zuverlässig treffen können. Krise oder nicht bewahren Sie mit einem geeigneten betriebswirtschaftlichen Instrumentarium Übersicht, Kontrolle und Sicherheit. TEXT: VERENA MARIA ERIAN, RAIMUND ELLER
eco.steuern
ANAMNESE Aufbauend auf den Zahlen der alljährlichen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung gilt es in einem ersten Schritt arztspezifische Kennzahlen zu ermitteln. Voraussetzung dafür ist, dass bereits bei der laufenden Buchhaltung eine sinnvolle Aufgliederung der Einnahmen und Ausgaben erfolgt. Dabei sind die Spezifika des jeweiligen Faches im Besonderen von Anfang an zu begreifen und im Auge zu behalten (Privatpatientenhonorare, Kassenhonorare, Einkünfte aus „Tirol testet und impft“, Honorarweitergaben, Vertretungshonorare, Materialeinkauf, Laborkosten beim Zahnarzt, Kontaktlinseneinkauf beim Augenarzt, Medikamenteneinkauf bei Hausapotheken etc.).
DIAGNOSE
Je besser die Qualität der Buchhaltung ist, desto aussagekräftiger sind die daraus zu entwickelnden Diagnosebilder. Eine profunde Diagnose beinhaltet idealerweise folgende Auswertungen: • Diagnosediagramme und Grafiken über die Umsatzentwicklung der letzten vier Jahre, Umsatzstruktur der letzten vier Jahre, Ausgabenstruktur, erwirtschaftete Geldmittel (Cashflow) und Gewinne. Hier gilt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. • Jahresvergleich der letzten vier Jahre in Zahlen: Damit kann die betriebliche Entwicklung in all ihren Fassetten sichtbar gemacht werden und Tendenzen können erkannt werden. Alle wichtigen Zahlen Ihrer Praxis können so auf einen Blick voll und ganz erfasst werden, vergleichbar mit dem Cockpit in einem Flugzeug. • Spezielle Ärztekennzahlen im Vierjahresvergleich einschließlich Benchmarking (Vergleich der eigenen Praxiskennzahlen mit den statistischen Durchschnittswerten der Fachkollegen). Diese Auswertungen zeigen im Idealfall ein klares Bild in einer deutlichen Sprache und liefern auf viele interessante Fragen eindeutige Antworten wie folgt: • Wie hat sich der Kassen- und Privathonorarumsatz entwickelt? • Welcher Gewinn ist wann zu versteuern? • Wie hoch ist meine Einkommensteuerbelastung in Prozent vom Gesamtgewinn? • Wie groß ist mein „Stück vom Kuchen“? Was bleibt mir netto? • In welchem Verhältnis steht der Gewinn, der Materialaufwand, der Laboraufwand und der Zinsaufwand jeweils zum Honorarumsatz (Umsatzrentabilität, Materialinten-
Die Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian und StB Raimund Eller
sität, Laborintensität, Personalintensität, Finanzierungsquote etc.)? • Wie viel vom Umsatz wird von den Kosten gefressen (Gesamtausgabenquote)? • Wie viel Umsatz muss ich für einen Nettoverdienst von 1 Euro erwirtschaften? • Wie hoch ist mein durchschnittlicher Umsatz pro Patient pro Behandlung (Fallwert)? • Woher kommt das Geld und wohin geht es? Dies ist vor allem dann interessant, wenn Sie sich wundern, warum von den vielen Einnahmen so wenig übergeblieben ist.
Zusätzlich sollte Ihnen ein professioneller Diagnosebefund über Folgendes Auskunft geben: • Wie hoch ist mein Familieneinkommen? • Was kann ich mir leisten? Lebe ich über meine Verhältnisse? • Wie viel Prozent vom Umsatz kann ich am Ende des Tages mit nach Hause nehmen? • Welche Schulden habe ich und welche vertrage ich? Wie viel habe ich heuer zurückgezahlt? Sind meine Schulden gewachsen? Wie viel konnte ich ansparen? etc. Ergebnis ist eine Diagnosemappe von unschätzbarem Wert für die Zukunft. In unserer Ärztekanzlei bekommen alle Ärztinnen und Ärzte zu jedem Jahresabschluss eine solche Mappe mitgeliefert. Wir nennen das „Praxisbefund“, der bei der Jahresabschlussbesprechung präsentiert und erläutert wird. Nutzen und Wirkung liegen auf der Hand. Die Schwachstellen sind erkannt, die Wunschszenarien können formuliert werden und die Therapie kann beginnen.
THERAPIE Allein die Antworten auf die vorherigen Fragen sind eine bedeutende Entscheidungsgrundlage für die Zukunft. Noch interessanter wird die Sache, wenn den Diagnosewerten Vergleichszahlen aus Ordinationen mit ähnlichen Ausgangsparametern gegenübergestellt werden. Insbesondere der außerbetriebliche Vergleich gibt Aufschluss über erreichbare Optimalzustände (Zieldefinition). Dies setzt ausreichendes statistisches Material aus Echtdaten von Vergleichsordinationen voraus. Steht dieses zur Verfügung, so ist es ein Leichtes, zu erkennen, an welchen Schrauben gedreht werden kann, um bestimmte Wunschszenarien zu erreichen. Aus einem solchen Praxisbefund lassen sich Handlungsempfehlungen zur Optimierung künftiger Ergebnisse ableiten und entscheidende Fragen beantworten (z. B. Wie mache ich mehr Gewinn aus meinem Umsatz? Oder: Wie kann ich meinen Fallwert erhöhen?). Besonders schön ist es zu sehen, wenn sich zeigt, dass man selbst schon an der Spitze steht.
RESÜMEE Ein Praxisbefund mit Ihren individuellen Kennzahlen gibt Sicherheit und sorgt dafür, dass Sie Ihren Betrieb im Griff haben. Betriebswirtschaftliche Kennzahlen sind ein verlässliches Kontrollinstrument und bilden die optimale Entscheidungsbasis für eine gesunde, erfolgreiche Zukunft.
93
eco.recht
EUROPAS VERTRAUENSWÜRDIGE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Künstliche Intelligenz (KI) ist auf dem Vormarsch. Sie begegnet jedem von uns bereits in vielen Anwendungen – auch wenn wir es nicht immer wissen – und ihr wird eine hohe Innovationskraft für unsere Gesellschaft zugeschrieben. T E X T : I V O R U N G G , B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K
M 94
it dem Vorschlag für den weltweit ersten Rechtsrahmen für KI legt die Europäische Kommission ein ehrgeiziges Projekt auf den Tisch. Damit soll eine wesentliche technologische Entwicklung unserer Zeit nicht nur reguliert, sondern auch deren Akzeptanz unterstützt werden. Die Kommission möchte mit diesem Vorschlag den potenziellen Nutzen der KI für die europäische Gesellschaft fördern, das Vertrauen in KI stärken und die Risiken verhindern. Dabei wird nicht die Technologie selbst, sondern die Verwendung von KI einer Regelung unterworfen. Dementsprechend wird der Begriff von KI-Systemen sehr weit definiert und damit möglichst viele Arten selbstlernender, sich verändernder und menschliche Intelligenzleistungen imitierender Algorithmen, wie sie gemeinhin unter KI zusammengefasst werden, erfasst. Je nach Anwendung und Einsatz werden konsequenterweise verschiedene Risikoklassen definiert und mit entsprechenden Verpflichtungen kombiniert. Ein unannehmbares Risiko soll dann vorliegen, wenn KI-Anwendungen gegen die Grundwerte der EU verstoßen und eine klare Bedrohung für Sicherheit, die Lebensgrundlagen und die Rechte der Menschen darstellen. So sollen zum Beispiel die Bewertung des sozialen Verhaltens durch Behörden (Social Scoring), die Ausnutzung der Schutzbedürftigkeit von Kindern, der Einsatz der Techniken zur unterschwelligen Beeinflussung sowie die meisten biometrischen Echtzeit-Fernidentifizierungssysteme, die zu Strafverfolgungszwecken im öffentlich zugänglichen Raum eingesetzt werden, verboten sein. Der Einsatz von KI-Systemen mit hohem Risiko wird etwa bei kritischen Infrastrukturen, in Schul- oder Berufsausbildung (etwa
Dr. Ivo Rungg
für Zugang oder Bewertung), bei Sicherheitskomponenten von Produkten wie der roboterassistierten Chirurgie, bei der Beschäftigung von Mitarbeitern, dem Personalmanagement und dem Zugang zur selbständigen Tätigkeit (z. B. Auswertung von Lebensläufen) oder bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit gesehen. Aber auch Anwendungen im Bereich der Strafverfolgung, Migration und Grenzkontrolle sowie Rechtspflege und demokratische Prozesse werden als Anwendungen mit hohem Risiko beurteilt. KI-Systeme für solche Anwendungen sollen daher vor der Marktzulassung strenge Vorgaben erfüllen, wie angemessene Risikobewertungs- und Risikominimierungssysteme, hohe Qualität der Datensätze, die in das System eingespeist werden, Protokollieren der Vorgänge, um die Rückverfolgbarkeit von Ergebnissen zu ermöglichen, ausführliche Dokumentation, klare und angemessene Information für die Nutzer, angemessene menschliche Aufsicht zur Minimierung der Risiken und ein hohes Maß an Robustheit, Sicherheit und Genauigkeit derartiger Systeme.
Für KI-Systeme mit geringem Risiko werden besondere Transparenzverpflichtungen gelten. Darunter fallen in etwa Chatbots. Hier ist es der Kommission wichtig, dass den Nutzern bewusst ist, dass sie mit einem KI-System, also mit einer Maschine kommunizieren und interagieren. KI-Systeme mit minimalem Risiko wie etwa auf KI gestützte Videospiele oder Spam-Filter sollen frei genützt werden können. Dieser Rechtsrahmen soll sowohl für öffentliche als auch für private Akteure innerhalb und außerhalb der Europäischen Union gelten. Für Akteure außerhalb der EU allerdings nur dann, wenn das KI-System in der Union in Verkehr gebracht wird oder Menschen in der Union von seiner Verwendung betroffen sind. Flankiert wird dieser Vorschlag von einer neuen Maschinenverordnung, die gewährleisten soll, dass ein KI-System so in eine Maschine integriert wird, dass die Sicherheit der Maschine insgesamt nicht beeinträchtigt wird. Umfasst davon sind beispielsweise Reinigungsroboter, persönliche Assistenz-, aber auch Industrieroboter. Der aktualisierte, koordinierte Plan wiederum sieht konkrete Maßnahmen vor, um eine weltweite Führungsrolle der EU im Bereich der vertrauenswürdigen KI aufzubauen. Die Initiative ist uneingeschränkt zu begrüßen, hat sich Europa doch bisher sehr zurückhaltend bei der weltweiten digitalen Entwicklung gegeben. Da ist jedenfalls etwas aufzuholen. Der Vorschlag bildet die Grundlage für weitere Diskussionen im Europäischen Parlament, dem Rat und den Lobbyisten. Zu hoffen ist auch, dass sich mit diesen wichtigen Fragen auch eine breitere Öffentlichkeit auseinandersetzt, denn die KI-Systeme werden in unserem Alltag zunehmen – ob vertrauenswürdig oder nicht.
Entgeltliche Einschaltung Foto: BMF/Adobe Stock
bmf.gv.at/corona
Ausfallsbonus Erhöhte Hilfe für April seit 16. Mai beantragbar
• Wie schon im März, werden auch für April insgesamt bis zu 45 % des Umsatzes ersetzt, max. 80.000 Euro pro Monat • Kann bereits ab 40 % Umsatzausfall über FinanzOnline beantragt werden Alle Informationen auf bmf.gv.at/corona oder unter 050 233 770
eco.recht
DIGITALISIERUNGSSCHUB IM GESELLSCHAFTSRECHT
96
Durch die Umsetzung der europäischen Digitalisierungsrichtlinie soll der „Einsatz digitaler Werkzeuge und Verfahren“ im Gesellschaftsrecht verbessert werden, um den Unternehmern in den Mitgliedstaaten ein einfacheres, rascheres und effizienteres wirtschaftliches Handeln zu ermöglichen. T E X T : S I LV I A M O S E R
K
ünftig sollen Unternehmern zusätzliche Onlineverfahren zur Gründung und Errichtung von Zweigniederlassungen von Kapitalgesellschaften mit Musterdokumenten zur Verfügung stehen. Solche Onlineverfahren sollen auch
bei sogenannten Mehrpersonen-Gründungen anwendbar sein, und zwar sowohl für mehrere natürliche als auch juristische Personen. Außerdem sollen Erledigungen in diesen Onlineverfahren möglichst innerhalb von fünf bis zehn Arbeitstagen abgeschlossen sein.
Die Digitalisierungsrichtlinie sieht für bestimmte Rechtsformen die Möglichkeit eines Opt-outs vor. Das bedeutet, dass in einigen Mitgliedstaaten bestimmte Rechtsformen von dieser Onlinegründung ausgeschlossen werden könnten. Dies könnte gegebenenfalls auch für Sachgründungen zur Anwendung
eco.recht
gelangen. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, welche nächsten Schritte der Gesetzgeber setzen wird, um den Unternehmern entsprechend richtlinienkonforme digitale Lösungen bereitzustellen.
EINFACHER GRÜNDEN
Das nationale österreichische GmbH-Gesetz kennt eine Form der „vereinfachten elektronischen GmbH-Gründung“ seit Inkrafttreten von § 9 a GmbHG. Diese Bestimmung wurde ursprünglich für die Dauer einer dreijährigen Testphase eingeführt. Nach Ansicht des Gesetzgebers hat sich die Bestimmung in der Praxis bewährt. Deshalb wurde zu Beginn des Jahres eine unbefristete Weitergeltung von § 9 a GmbHG beschlossen, sodass Gründern diese Form der vereinfachten elektronischen GmbH-Gründung auch künftig zur Verfügung stehen wird, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So gilt diese vereinfachte elektronische GmbH-Gründung bislang etwa nur für Einpersonen-Gründungen, wenn eine natürliche Person eine GmbH gründet und diese Person auch zugleich einziger Geschäftsführer ist. Außerdem muss sich die Errichtungserklärung auf einen bestimmten standardisierten Inhalt beschränken („Mustersatzung“, keine Notariatsaktsform). Das Stammkapital beträgt 35.000 Euro und ist mit 17.500 Euro bar zu leisten. Bei Inanspruchnahme der Gründungsprivilegierung beträgt das Stammkapital 10.000 Euro und ist mit 5.000 Euro bar zu leisten. Nicht möglich ist die vereinfachte elektronische GmbH-Gründung außerdem derzeit bei Mehrpersonen-Gründungen und Sachgründungen mit Gründungsprüfung. In der Praxis der Firmenbuchgerichte hat sich in der Vergangenheit unter anderem gezeigt, dass häufiger gerichtliche Verbesserungsaufträge wegen Schwierigkeiten bei der richtigen Bildung des Firmenwortlautes erlassen werden mussten, wenn Gründer ohne Rechtsberatung gründeten. Im ersten Jahr der Einführung waren über 30 Prozent der Firmenbucheingaben bei vereinfachten elektronischen GmbH-Gründungen fehlerhaft. In diesem Zusammenhang steht daher derzeit die Optimierung der bestehenden digitalen Lösung im Vordergrund. Weiters hat sich gezeigt, dass Gründer ohne Rechtsberatung oft Entscheidungen getroffen haben, die sie bei Inanspruchnahme einer Rechtsberatung allenfalls anders getroffen hätten. Das kann zum Beispiel bereits die Grundsatzentscheidung betref-
RA Dr. Silvia Moser, M.A. Greiter Pegger Kofler & Partner www.lawfirm.at
fen, ob eine GmbH überhaupt die richtige Rechtsform für einen Gründer darstellt oder ob für sein Vorhaben vielleicht eine andere Rechtsform geeigneter wäre. Gründer ohne Rechtsberatung waren im Nachhinein etwa weiters überrascht, dass die Auflösung und Löschung einer GmbH weit aufwändiger ist, als sie das im Zuge der Gründung noch angenommen hatten (z. B. wegen der Durchführung eines Liquidationsverfahrens).
VIRTUELLE VERSAMMLUNGEN
Durch den Gesetzgeber wurde im Zuge der COVID-Krise ein eigenes Gesetz für besondere Maßnahmen im Gesellschaftsrecht erlassen („COVID-19-GesG“) und in einer dazugehörigen Verordnung zur Abhaltung von „Virtuellen Versammlungen“ präzisiert („COVID-19-GesV“). Diese Verordnung sollte ursprünglich mit 31. Dezember 2020 wieder außer Kraft treten. Zwischenzeitlich wurde
die Geltungsdauer bis 31. Dezember 2021 verlängert. Die Regelungen dieser Verordnung sind auf bestimmte Rechtsformen anwendbar. Um eine solche virtuelle Versammlung abhalten zu können, muss eine Teilnahmemöglichkeit mittels einer akustischen und optischen Zweiweg-Verbindung in Echtzeit bestehen. Jeder Teilnehmer muss sich zu Wort melden und an der Abstimmung teilnehmen können. Falls einzelne Teilnehmer nicht akustisch und optisch (mit Video) teilnehmen können oder wollen, darf höchstens die Hälfte der Teilnehmer bloß akustisch mit der Versammlung verbunden sein. Die Entscheidung, ob eine virtuelle Versammlung stattfinden soll und wie sie durchgeführt wird (z. B. Art der Verbindungstechnologie), obliegt dem Organ, das für die Einberufung zuständig ist. Ähnliche Regelungen, aber auch Sonderbestimmungen sieht die Verordnung für Hauptversammlungen bei einer Aktiengesellschaft (AG) und für Genossenschaften (Gen) vor. Schon vor der COVID-Krise waren im Aktienrecht (AktG) Regelungen für Hauptversammlungen im Wege elektronischer Kommunikation enthalten (z.B. Fernteilnahme, Fernabstimmung). Erforderlich war jedoch, dass die Satzung entsprechende Regelungen dazu enthielt.
ELEKTRONISCH KOMMUNIZIEREN
Im letzten Jahr wurden die Möglichkeiten der Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln bei bestimmten notariellen Amtshandlungen auch im Gesellschaftsrecht weiter ausgedehnt. Da sich auch diese Flexibilisierungen nach Ansicht des Gesetzgebers in der Praxis bewährt haben, sollen diese zusätzlichen digitalen Formen künftig ebenfalls unbefristet möglich sein (z. B. § 90 a NO). So kann etwa auch ein Notariatsakt unter bestimmten Voraussetzungen unter Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln digital errichtet werden (§ 69b NO).
AUSBLICK Es bleibt mit Spannung abzuwarten, welche weiteren Schritte der Gesetzgeber in nächster Zeit setzt, um den Unternehmern (weitere) digitale Lösungen zur Verfügung zu stellen und den Wirtschaftsstandort Österreich und Europa zu stärken, aber auch, welche digitalen Lösungen sich langfristig in der Praxis etablieren werden.
97
MOBILITÄ
auto & motor
98
Living life the easy way MINI ist seit jeher untrennbar mit Spaß und Fahrfreude verknüpft. Im MINI Cabrio potenzieren sich alle positiven Eigenschaften quasi zum Maximum. Das ist beim 2021er-Modell nicht anders. Der offene Viersitzer der britischen Premiummarke unterstreicht seine Ausstrahlung jetzt mit einem noch klareren, reduzierten Design. Besonders intensiv kommen die frischen Akzente im Exterieur in Verbindung mit der Karosserielackierung in der neuen, exklusiv für das MINI Cabrio verfügbaren Variante Zesty Yellow, ein kraftvoller, lebhaft-fröhlicher Gelbton, zum Ausdruck. Sein vollelektrisch angetriebenes und dadurch besonders geräuscharmes Textilverdeck lässt sich auf Knopfdruck und innerhalb von jeweils 18 Sekunden öffnen und schließen. Unter der Haube werkeln Motoren zwischen 102 und 178 PS, ergänzt durch den besonders sportlichen John Cooper Works mit 231 PS, der in flotten 6,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt. Eingestiegen wird bei rund 26.000 Euro. So muss Sommer!
© AUTOSTADT GMBH
eco.mobil
Autopark-Geschäftsführer Mag. Michael Mayr mit Sohn Maximilian. Das erste Training fand Ende März in Saalfelden statt, die ersten Rennen sind auch schon absolviert.
AU T O PA R K G O E S R E N N S T R E C K E
JUBILÄUM EINER IKONE Die Sammlung des Automobilmuseums ZeitHaus in der Autostadt in Wolfsburg ist markenübergreifend und umfasst rund 260 Fahrzeuge von mehr als 60 Herstellern. Ein Meilenstein in der Automobilgeschichte ist der Volkswagen Golf GTI. Zwei Jahre vor dessen Markteinführung 1976 entstand der Plan, einen „SportGolf“ zu entwickeln und damit eine neue Fahrzeugklasse zu definieren – die des sportlichen Kompaktwagens: Mit einem 110 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder-Reihenmotor und dem Leergewicht von gerade einmal 860 Kilogramm erreichte der GTI eine Höchstgeschwindigkeit von 183 km/h. Der Golf I GTI debütierte 1975 auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt. Aus den anfangs geplanten 5.000 Exemplaren entstanden in sieben Produktionsjahren 461.690 Golf GTI der ersten Serie. Damit erreichte der leistungsstarke Kompaktler Kultstatus und legte als Ikone den Grundstein für die heutige 45-jährige GTI-Erfolgsstory.
FOTOS (WENN NICHT ANDERS VERMERKT): HERSTELLER
Mag. Michael Mayr mag Autos. Der Geschäftsführer des Autoparks verkauft sie aber nicht nur gern, er fährt sie auch mit Leidenschaft. Fast folgerichtig steigt der Autopark deshalb in der Saison 2021 mit den Fahrern Maximilian und Michael Mayr aktiv in den Motorsport ein – konkret nehmen die beiden am Suzuki Motorsport Cup teil, Österreichs größtem und beliebtestem Markencup. Seit mittlerweile 15 Jahren zeigt Suzuki mit ihrem internationalen Wettbewerb im Motorsport auf. Für das Autopark-Team kommt ein Suzuki Swift Sport mit 1,4-Liter-Turbomotor, 175 PS und 300 Nm Drehmoment zum Einsatz. Mit an Bord des Dienstfahrzeugs: ein Überrollkäfig, Löschsystem sowie eine Telemetrie-Datenaufzeichnung. Bereift wird der Sport-Suzuki mit Semislicks 195/50/R15. „Mit der Teilnahme am Suzuki Cup möchte die Autopark GmbH ein starkes Zeichen für die Marke Suzuki setzen. Im Rahmen der Rennen und Testtage möchten wir zudem Mitarbeitern und Kunden die Möglichkeit geben, live am Motorsport-Geschehen dabei zu sein und somit ein Teil unserer Leidenschaft zu werden“, sagt Michael Mayr. Die ersten Rennen am Hungaroring und dem Red Bull Ring sind bereits absolviert, im Juni, Juli, August und September wird noch am Salzburgring, im polnischen Poznan, dem Slovakiaring und dem Automotodrom Brünn in Tschechien gefahren. Die genauen Termine und Resultate gibt‘s unter www.suzuki-cup.at. Wir drücken weiterhin die Daumen für eine erfolgreiche, unfallfreie Erstaison für Vater und Sohn.
„W E N N I C H D I E M E N S C H E N G E F R A G T H ÄT T E , WA S S I E W O L L E N , H ÄT T E N S I E G E S A G T S C H N E L L E R E P F E R D E .“ HENRY FORD, AUTOMOBILPIONIER
DER JUBILÄUMS-GTI VON HEUTE Bis heute wurden vom Golf GTI über 2,3 Millionen Exemplare verkauft, mittlerweile ist man in der achten Generation angekommen. Zum 45. Geburtstag rollt das Sondermodell „Clubsport 45“ daher und so sieht der GTI von heute aus. Die exklusive Edition basiert auf dem 300 PS starken Clubsport, der vergangenen Herbst auf den Markt gekommen ist. Bei beiden Modellen klettert die Fahrdynamik auf ein nochmals höheres Niveau. Die Individualisierungsumfänge machen den „Clubsport 45“ schon als Neuwagen zum Sammlerfahrzeug. Der Vorverkauf in Österreich ist gestartet, der Ab-Preis liegt bei rund 50.000 Euro. Happy Birth-YAY!
99
eco.mobil
GROSSER KLEINER FLITZER 1959 – der Ausbau des Familienhauses zur Werkstatt
100 Links:1982 – die erste ISUZU-Lieferung nach Tirol Rechts: 1985 – die LKW-Werkstätte
Feierlaune Wie viele Erfolgsgeschichten beginnt auch jene des Autohauses Hollaus in einer – für Autos nicht ganz unpassend – Garage. 1951 von Hermann Hollaus als KFZ-Werkstatt in der Familienhausgarage an der Innsbrucker Straße 58 in Hall gegründet, waren bald erste Ausbaustufen notwendig. Anfang der 1970er-Jahre wurde auch diese zu klein, weshalb Hollaus gemeinsam mit seinem Sohn Bernhard den jetzigen Standort im Burgfrieden erschloss. Seit den 1980er-Jahren hatte Bernhard Hollaus sen. den Betrieb als Opel-, später als ISUZU-Vertragshändler stetig weiterentwickelt und ausgebaut. Seit 2014 führt die dritte Generation den Familienbetrieb mithilfe ihrer Mitarbeiter*innen und Familienmitglieder. Auto Hollaus verfügt über eine Pkw- und Lkw-Werkstätte mit eigener Spenglerei und Lackiererei sowie einen Neu- und Gebrauchtwagenhandel für alle Marken. Darüber hinaus werden innovative technische Lösungen für sämtliche Anwendungsbereiche der Fahrzeuge realisiert, vom Aufbau für Fahrzeuge von Gewerbe und Blaulichtorganisationen bis zu Spezialeinbauten wie elektrische Schiebetüren für Rollstuhlfahrer*innen. Für Campingbegeisterte bieten sich neben dem jährlichen Service auch die notwendige Gasprüfung und Stellplätze an, damit dem spontanen Urlaub nichts mehr im Wege steht. Am 30. März 2021 feierte Auto Hollaus seinen 70. Geburtstag. Passend zum Jubiläum kam Anfang des Jahres der neue ISUZU D-Max Pickup heraus – als langjähriger Opel- und Isuzu-Experte ein passendes Ereignis, diesen Runden zu feiern.
Die Fiat-500-Familie für das heurige Jahr ist noch moderner und innovativer geworden. Dafür haben die Italiener die komplette Modellreihe aufgefrischt und folgen mit neu strukturierten Ausstattungsniveaus und bunten Farben den neuen Versionen von Fiat Tipo und Fiat Panda sowie dem vollelektrisch angetriebenen Fiat 500. Dazu gibt‘s ein neues Innenraumdesign. Die Einstiegs-Ausstattungslinie Cult ist eine Hommage an die jugendliche Popkultur, geschaffen für alle, die Stil suchen und dabei keine Kompromisse beim Preis eingehen wollen (Hybrid, Startpreis: 15.890 Euro). Darauf aufbauend wählt man aus Dolcevita, Cross und Sport. Dank zahlreicher Individualisierungsmögichkeiten werden der Fiat 500, 500X und 500L echte Persönlichkeiten. Auch die Motorenpalette ist vielfältig. So mögen wir das.
UP IN THE AIR Der Citroën C3 Aircross kommt in seiner neuen Version mit markanterer Frontpartie daher und unterstreicht damit seinen eigenständigen Charakter noch einmal mehr. Der Neue übernimmt die kompakten Maße, die hohe Sitzposition und die Schutzelemente seines Vorgängers und erhält zugleich einen frischen Look, der mehr Robustheit und Stärke ausstrahlt. Im Inneren zeigt sich der Aircross gewohnt bequem und übersichtlich, dazu gibt‘s viel Platz für alle. Die Technik ist angenehm bedienerfreundlich und viele intelligente Hilfssysteme sorgen für mehr Sicherheit. Der Citroën C3 Aircross ist bereits bei den Händlern und ab ca. 16.000 Euro erhältlich.
TIMMELSJOCH
TIMMELSJOCH HOCHALPENSTRASSE LOCKT MIT SOMMERATTRAKTIONEN Wer einen Ausflug zum 2.509 m hoch gelegenen Timmelsjoch macht, den erwarten ein sicheres Urlaubsfeeling und neue Attraktionen.
BRETTLJAUSE MIT DOLOMITENBLICK
fahrt auf 2.635 Meter Seehöhe, wo herzhafte Brettljausen, knackige Sommersalate u.v.m. warten. Von der Kirchenkarhütte erreicht man in wenigen Gehminuten zwei neue Aussichtsplattformen, die atemberaubende Blicke auf die Dolomiten, das Timmelsjoch und die Gurgler 3.000er ermöglichen! Täglich geöffnet ist außerdem das beliebte Panoramarestaurant im Crosspoint. PR
© HÖPPERGER UMWELTSCHUTZ / FELIX STARK
Erstmals im Sommer sind Kirchenkarbahn und -hütte geöffnet. Direkt an der Timmelsjoch Hochalpenstraße – vom Crosspoint aus – geht es mit einer entspannenden Gondel-
© ALEXANDER MARIA LOHMANN
D
as Tor zum Süden, wie die Timmelsjoch Hochalpenstraße auch genannt wird, ist nicht nur die beschauliche Reiseroute nach Südtirol und Italien. Sie ist auch einen Tagesausflug wert! Entlang der bestens ausgebauten Passstraße warten sechs aufsehenerregende Infopoints. Diese einzigartigen Architekturskulpturen von Italiens Architekt des Jahres 2016, Werner Tscholl, informieren über Geschichte, Kultur und Natur der Hochgebirgsregion im hintersten Ötztal, aber auch über manch Bizarres wie eine „UFO-Landung“.
Direkt an der Timmelsjoch Hochalpenstraße sind erstmals im heurigen Sommer Kirchenkarbahn und -hütte geöffnet. In 2.800 m Höhe warten zwei neue Aussichtsplattformen.
TIMMELSJOCH HOCHALPENSTRASSE & TOP MOUNTAIN CROSSPOINT mit Panoramarestaurant, Kirchenkarbahn und Kirchenkarhütte täglich geöffnet!
www.timmelsjoch.tirol
FA M I L I E N PA C K U N G
Mehr als eine Million Euro investiert Höpperger Umweltschutz pro Jahr in die Fuhrpark-Modernisierung.
FÜR MEHR SICHERHEIT Alljählich modernisiert der Oberländer Familienbetrieb Höpperger seinen Fuhrpark. Heuer wurden dafür wieder 1,2 Millionen Euro investiert. Technologisierte Spezialanfertigungen sorgen dabei für bestmöglichen Umweltschutz und bringen Erleichterungen für Fahrer*innen und Kund*innen mit sich. Höpperger kauft im Zuge dessen heuer gleich zwei Sammelfahrzeuge für Bioabfälle – inklusive modernen Kübelwasch- und Desinfektionseinrichtungen. Insgesamt sind mehr als 70 Höpperger-Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs. Bis Herbst 2021 sollen die neu angeschafften Spezial-LKW die teilweise älteren Modelle ersetzen. „Mitte dieses Jahres müssen wir schon wieder die Bestellungen für 2022 tätigen. Die Lieferzeit der Sonderanfertigungen beträgt bis zu eineinhalb Jahren“, so Geschäftsführer und Fuhrparkleiter Stefan Höpperger.
Kurz nach seinem E-Flaggschiff EQS präsentierte Mercedes mit dem EQB einen weiteren Baustein seines Elektroprogramms. Die elektrisierte Variante des Mercedes GLB ist perfekt für Familien und allerhand sonstige Transportbedürfnisse. Das Kofferraumvolumen von bis zu 1.710 Liter ist ebenso großzügig wie sämtliche anderen Innenabmessungen, trotzdem ist der EQB außen kompakt geblieben. Die kantige Linienführung sorgt dazu für ordentlich Charakter. Voll geladen kommt man laut den Sternen bis zu 478 Kilometer weit. Preise sind noch nicht bekannt, der Einstieg dürfte aber wohl etwas über dem des kleinen Bruders EQA liegen. Der wiederum startet bei rund 47.000 Euro.
eco.mobil
„DIE MOTORRAD- UND OLDTIMER-COMMUNITY IST UNGLAUBLICH“ Die Zwillingsbrüder und begeisterten Motorradfahrer Alban und Attila Scheiber haben sich mit dem TOP Mountain Crosspoint einen Traum erfüllt: das höchstgelegene Motorradmuseum Europas. Eben jenes ging heuer samt emotional und finanziell wertvollsten Exponaten in Flammen auf. Nachdem sich die Rauchschwaden am Timmelsjoch verzogen hatten, starteten die Brüder mit qualmenden Reifen neu durch. Sie bauen ein Museum, das noch größer, noch spektakulärer werden soll. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL
102
ECO.NOVA: Woher kommt Ihre Liebe zu klassischen Motorrädern, die Sie mit Ihrem Zwillingsbruder Attila teilen? ALBAN SCHEIBER: Unser Vater war im Rennsport tätig. Daher rührt unsere Liebe zu Motoren. In Hochgurgl gab es früher nicht viel, deshalb hat sich der Vater unser erbarmt und uns bereits mit sechs, sieben Jahren das erste Mofa geschenkt. Bald darauf hatten wir die erste Trial-Maschine. Damit hatten wir den ganzen Berg für uns.
Sie beide waren also durchaus Frühstarter? In dieser Hinsicht sicher. Die Liebe zum Motorrad hat uns seitdem nicht mehr losgelassen. Mit 18 Jahren hatte ich eine Kawasaki, für die ich in Paris Tag und Nacht gearbeitet habe. Später haben wir in Amerika gearbeitet und dort Harleys und – die haben uns damals schon besonders gefallen – alte Indians gesehen. Zurück in Europa begannen wir mit dem Sammeln und haben uns immer mehr für alte Motorräder zu interessieren begonnen. Anfänglich hätten wir nie daran gedacht, ein Museum zu machen. Die Idee ist uns erst gekommen, als mein Bruder Attila in der Nähe von Frankfurt den Bestand eines Motorradmuseums gesehen hat, der zum Verkauf stand. „Du, Alban, magst du mit mir ein Museum kaufen?“, hat er gefragt. Plötzlich hatten wir über 60 Motorräder. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde der Gedanke konkret, ein Museum daraus zu machen. Welche Faktoren waren ursprünglich für die Standortentscheidung am Timmelsjoch ausschlaggebend? Ursprünglich hat-
„GOT T SEI DANK IS T DER MENS CH S O G E B A U T, D A S S D I E Z E I T V I E L E W U N D E N H E I LT. W I R H A B E N R E L AT I V S C H N E L L WIEDER BODEN UNTER DEN FÜSSEN B E KO M M E N U N D G E S C H A U T, D A S S W I R DAS MUSEUM AUF SCHNELL STEM WEG W I E D E R A U F B A U E N KÖ N N E N .“ ALBAN SCHEIBER
ten wir einen anderen Standort im Visier. Als wir das Crosspoint-Projekt mit Seilbahn, Mautstelle und Restaurant angegangen sind, haben wir dort am Timmelsjoch als viertes Standbein dieses Museum realisiert. Wir wollten alte Motorräder für die Nachwelt erhalten. Das ist auch jetzt wieder unser Ziel. Es wird aber nicht so schnell gehen, weil wir davor jahrzehntelang gesammelt haben. Im Jänner wurde Ihr Museum samt aller Exponate durch einen Brand völlig zerstört. Was geht einem in dem Moment durch den Kopf, wenn man das Resultat seiner jahrzehntelangen Leidenschaft in Rauch aufgehen sieht? Manche Eindrücke vergisst man Gott sei Dank relativ schnell wieder. „Hoffentlich brennt nicht alles ab“,
war mein erster Gedanke. Ich habe befürchtet, dass das Museum nicht mehr zu retten sein wird, weil das Gebäude fast in Vollbrand stand, als ich dort hingekommen bin. Es ist durch den gemeinsamen Kraftaufwand der Feuerwehren und unserer Mitarbeiter gelungen, ein Übergreifen der Flammen auf die Seilbahnstation und das Restaurant zu verhindern. Das stand auf Messers Schneide. Sie haben einen Totalverlust des ganzen Gebäudes befürchtet? Anfänglich schon. Was in diesem Feuer an seltenen und auch emotional wertvollen Ausstellungsstücken verloren gegangen ist, realisiert man erst später. Die emotionalen Verluste wie der alte Lotus, in dem unser Vater Rennen gefahren ist, wiegen schwer. Es sind aber auch
eco.mobil
© BIRGIT KÖLL
103
Die Geschichte Hochgurgls ist quasi untrennbar mit dem Namen Scheiber verbunden. Die Brüder Alban (li.) und Attila Scheiber sind die aktuellen Erben der Pioniere und wollen mit dem neuen TOP Mountain Crosspoint erneut spektakuläre Akzente setzen.
eco.mobil
In Schutt und Asche: Im Jänner 2021 wurde das Museum auf 2.200 m durch einen Brand fast völlig zerstört.
104 viele Leihgaben, die uns Freunde und Bekannte zur Verfügung gestellt haben, unwiederbringlich verloren. Manche Motorräder waren einmalig. Die ersten Nächte nach so einem Brand schläft man nicht allzu viel. Gott sei Dank ist der Mensch so gebaut, dass die Zeit viele Wunden heilt. Wir haben relativ schnell wieder Boden unter den Füßen bekommen und geschaut, dass wir das Museum auf schnellstem Weg wiederaufbauen können.
Wie lange haben Sie für die Entscheidung gebraucht, mit dem Museum einen Neustart zu wagen? Für mich stand das eigentlich nach der ersten Nacht schon fest, dass wir das Museum wiederaufbauen müssen. Mir war klar, unser Weg kann nur nach vorne gehen. Wir kommen zurück, noch stärker, als wir waren.
Haben Sie das Konzept für den Neustart geändert? Es war ohnehin geplant, einen Erweiterungsbau mit knapp 2.000 Quadratmetern Fläche zu machen. Dafür haben wir im letzten Sommer schon das Fundament gebaut, finalisieren wollten wir das aber erst nächstes oder übernächstes Jahr. Jetzt machen wir alles zugleich. Am Konzept haben wir einige Änderungen vorgenommen. Wir wollen insgesamt mehr Erlebnischarakter bieten,
sache gewesen sein – einen derartigen Brand auslöst. Wir werden jedenfalls gewisse Dinge verfeinern, noch mehr Wert auf Brandschutz legen, mehr Brandabschnitte einziehen, eine Sprinkleranlage einbauen und, und, und. Wir wollen baulich die größtmögliche Sicherheit, für uns selbst und die Leihgeber.
Wann werden Sie wieder eröffnen? Wir sind sehr ambitioniert und guten Mutes. Der Bau geht trotz der schwierigen Verhältnisse hier auf fast 2.200 Metern Seehöhe hervorragend voran. Dafür möchte ich allen Beteiligten meinen Dank aussprechen. Wir wollen pünktlich zum Beginn der Wintersaison am 18. November das Museum wieder aufsperren. Das ist leichter gesagt als getan, wir sind aber schon dabei, attraktive Modelle zu kaufen und zu organisieren. Wir stehen mit großen Firmen aus der Motorrad- und Automobilbranche in Kontakt, die bei uns Sonderausstellungen machen wollen. Es sieht insgesamt gut aus, wir geben alles, damit wir das schaffen.
„DU, ALBAN, MAGST DU MIT MIR EIN MUSEUM K A U F E N ? “, F R A G T E AT T I L A SCHEIBER SEINEN ZWILLINGSBRUDER. E R W O L LT E .
auch für Menschen, die nicht so fanatisch für Motorräder und Autos sind. Wir wollen ein Erlebnis bieten, Geschichten erzählen und diese in einen größeren Rahmen einbetten. Etwa, dass man die Timmelsjochstraße auf einem Motorrad virtuell abfahren kann. Wir haben schon einige Ideen.
Sie haben emotional und finanziell sehr wertvolle eigene Ausstellungsstücke verloren und auch viele Maschinen, die Ihnen lediglich geliehen wurden. Wie haben die Besitzer auf den Verlust reagiert? Die Motorrad- und Oldtimer-Community ist unglaublich. Es war für uns nicht vorstellbar, dass wir aus der ganzen Welt so viel Zuspruch bekommen würden. Niemand von den Leuten, die alte, wertvolle Motorräder verloren haben, hat uns einen Vorwurf gemacht. Einige haben uns sogar wieder Leihgaben für das neue Museum angeboten. Gewisse Dinge wie eine derartige Feuersbrunst kann man niemals zu hundert Prozent ausschließen. Was haben Sie in baulicher Hinsicht geändert, damit sich das nicht wiederholt? Man konnte nicht annehmen, dass ein Monitor – der dürfte die Ur-
Wie viel Geld nehmen Sie für den Wiederaufbau in die Hand? Das können wir noch nicht beziffern, weil die Kosten eines Neubaus erheblich größer sind. Das liegt nicht zuletzt an den Materialpreisen, die enorm gestiegen sind. Wir haben auch noch nicht alle Arbeiten vergeben. Vorrangig ist, fertig zu werden.
Sie hatten keine leichte Zeit. Zum verheerenden Brand kam ein wahrhaftes Seuchenjahr, das den Tourismus fast vollständig zum Erliegen gebracht hat. Sind Sie optimistisch für die nähere Zukunft, etwa die Sommersaison? Das hängt davon ab, wie unsere Nachbarländer bezüglich der Reisefreiheit reagieren. Die Straße über das Timmelsjoch führt nach Italien, viele unserer Gäste stammen aus Deutschland. Wird das Reisen wieder weitgehend ohne große Einschränkungen möglich, sehe ich der Sommersaison mit vorsichtigem Optimismus entgegen. Von den Einheimischen allein können wir – wie übrigens das gesamte Ötztal – dauerhaft nicht leben. Wir hoffen, dass wir bis zur Wintersaison wieder annähernd Normalität haben werden. Andernfalls sind die Aussichten in der gesamten Region trüb. Zum Tourismus gibt es in den Tiroler Seitentälern keine wirkliche Alternative. Das muss man ganz klar sagen.
Freude am Fahren
AUFGELADEN MIT
FREUDE. DER BMW i3 JETZT AB
€ 199,– MONATLICH*
Unterberger Denzel Innsbruck Griesauweg 32, 6020 Innsbruck Telefon 0512/33435 info@unterberger-denzel.bmw.at
Unterberger Kufstein Endach 32, 6330 Kufstein Telefon 05372/6945 info@unterberger.cc
Unterberger St.Johann
Anichweg 1, 6380 St. Johann/T. Telefon 05352/62389 office.stj@unterberger.bmw.at
www.unterberger.cc www.unterberger.bmw.at www.unterberger-denzel.bmw.at
* Angebot der BMW Austria Leasing GmbH. Gültig bei Kaufvertragsabschluss 26.04.2021 bis 30.09.2021, Auslieferung und Anmeldung bis 31.12.2021. BMW Select Leasing für den BMW i3, Anschaffungswert € 34.386,- (E-Mobilitätsförderung 2021 Hersteller berücksichtigt), Anzahlung € 3.600,-, Laufzeit 48 Monate, Leasingentgelt € 199,- monatlich, 10.000 km p.a., Restwert € 21.648,48, Rechtsgeschäftsgebühr € 124,86, Bearbeitungsgebühr € 260,-, Vollkaskoversicherung vorausgesetzt, eff. Jahreszins 0,77%, Sollzins var. 0,40%, Gesamtbelastung € 35.185,34. Beträge inkl. NoVA u. MwSt. Angebot freibleibend. Änderungen und Irrtümer vorbehalten.
Symbolfoto
BMW i3/i3s: von 125 kW (170 PS) bis 135 kW (184 PS), Kraftstoffverbrauch gesamt 0 l/100 km, CO2-Emission 0 g CO2 / km, Stromverbrauch von 15,3 bis 16,2 kWh / 100 km. Angegebene Verbrauchs- und CO2-Emissionswerte ermittelt nach WLTP.
eco.mobil
106
GOOD VIBRATIONS Manche Motorräder haben das Zeug zur Legende. Manche sind schon von Beginn an Legende. Die R18 verteilt im größten jemals gebauten Boxermotor 1.800 Kubikzentimeter auf zwei mächtige Zylinder und zitiert die eigene Motorradgeschichte. T E X T : K L A U S S C H E B E S TA / / F O T O S : T O M B A U S E
D
er Trend in der Mobilisierung auf zwei und vier Rädern ist unverkennbar: Es muss digital sein, am besten elektrisch, leise, sauber, leicht und vor allem vernünftig. Doch BMW bürstet die R18 gegen den Zeitgeist: Ein Motorrad wie damals, ein Koloss mit 365 Kilogramm, ein klassischer Boxer als Antichrist der Digitalisierung, laut und massiv.
Vernünftig ist die R18 definitiv nicht. Aber das will sie gar nicht sein. Die R18 ist unschwer als Reminiszenz an die legendäre R5 aus dem Jahr 1936 erkennbar. Es finden sich so liebevolle Details wie Stößelstangen an der Oberseite der Zylinder, eine offen rotierende Kardanwelle, Speichenräder und der tropfenförmige Tank mit feinen Doppellinien. Gepaart mit der
eco.mobil
D I E R18 I S T D E R A N T I C H R I S T D E R D I G I TA L I S I E R U N G , L A U T U N D M A S S I V U N D ALLES ANDERE AL S VERNÜNF TIG.
wuchtigen Erscheinung und jeder Menge Chrom bietet der sanfte Riese ganz großes Kino. Natürlich fährt die R18 auch mit zeitgemäßer Elektronik vorwärts in die Vergangenheit, diese ist aber subtil verpackt und schön dosiert: ABS, automatische Stabilitätskontrolle sowie drei Fahrmodi (Rain, Rock und Roll) erhöhen die Fahrsicherheit, auf Wunsch gibt’s auch einen Rückwärtsgang. Im aktuellen Zeitalter popeliger Plastikteile setzt die R18 auf solide Stahl- und Frästeile, welche die analoge Ikone mit der Aura des Unkaputtbaren umgeben. Auf die letztes Jahr präsentierte „nackte“ R18 folgt heuer die „Classic“, die eine Windschutzscheibe, Zusatzscheinwerfer, ein 16-Zoll-Vorderrad sowie einen Soziussitz und Satteltaschen als Mitgift erhalten hat.
LIEBE AUF DEN ERSTEN KLICK
Das unübersehbare Herzstück ist der mächtige luftgekühlte Boxer, der zwar „nur“ 91 PS leistet, aber mit wuchtigen 158 Newtonmetern für beherzten Vortrieb sorgt, und das aus dem Drehzahlkeller heraus. Schon der Druck auf den Starter führt zu Liebe auf den ersten Klick. Die R18 schüttelt und rüttelt gewaltig und zieht beim Dreh am Gasgriff deutlich nach links. Wer auf einem derart archaischen Aggregat sitzt, der will es auch spüren. Immerhin werkt auf jeder Seite ein schlampig eingeschenktes bayerisches Maß an Hubraum. 1.802 ccm sind es genau, der größte jemals in Serienfertigung hergestellte Boxer im Motorradbau, der mit unverwechselbarem Sound (99 Dezibel) zur Arbeit geht. Wenn die 365 Kilogramm erst einmal rollen, lässt sich die R18 recht flott bewegen, aber spätestens die aufsetzenden Fußrasten erinnern den Fahrer daran, dass er auf einem Cruiser sitzt, der nicht fürs Kurvenräubern gebaut wurde. Die R18 ist wählerisch bei der Partnersuche. Sie bevorzugt Käufer mit einem Hang zur großzügigen Geste (Listenpreis Testmotorrad 31.500 Euro), einer geräumigen Garage (2.440 mm Länge, 964 mm Breite), der entsprechenden Reife (maximale Schräglagenfreiheit 30 Grad) und ohne Harley-Tattoos auf den Oberarmen. Wenn Fahrzeug und Fahrer zusammenpassen, entsteht ein Bund fürs Leben. Der Big Boxer scheint jedenfalls für die Ewigkeit gebaut.
107
BMW R18 CLASSIC Motor: Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Boxermotor, 1.802 ccm Hubraum, 91 PS, 158 Nm bei 3.000 U/min, 99 dB Fahrwerk: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Drahtspeichenräder Assistenzsysteme: Zweikreis-ABS (teilintegral), Antischlupfregelung, Keyless-Startsystem, Tempomat, drei Fahrmodi Maße und Gewichte: Radstand 1.731 mm, Sitzhöhe 710 mm, Gewicht fahrfertig 365 kg Fahrleistungen: 0–100 km/h in 4,8 sec, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h, Normverbrauch 5,6 l/100 km
eco.mobil
108
eco.mobil
ALLTAGSTAUGLICHER SPORTLER Auf den ersten Blick präsentiert sich der im April 2020 eingeführte Topdiesel der BMW-3er-Reihe – der M340d xDrive – sowohl als Limousine als auch als Touring im Vergleich zu den Standardmodellen recht unscheinbar. Das ändert sich beim näheren Hinschauen. TEXT: FELIX KASSEROLER // FOTOS: TOM BAUSE
A
ußen weisen lediglich kleine Akzente darauf hin, dass wir es beim M340d xDrive nicht mit einem „normalen“ 3er, sondern mit einem echten Powerdiesel zu tun haben. Preislich merkt man den Unterschied allerdings deutlich. Während das Einsteigermodell der Dieselflotte knapp unter 40.000 Euro kostet, gibt es den M340d ab 69.959 Euro, gut ausgestattet kratzt er sogar an der 100.000Euro-Grenze. In preislicher Hinsicht ordnet sich der Bayer also durchaus im Sportwagensegment ein. Rein optisch setzt BMW bei der M340d xDrive Limousine abgesehen von einigen M-typischen Designmerkmalen auf das Aussehen der schwächeren Modelle der 3er-Reihe. Doch wie heißt es so schön? Wenn es funktioniert, sollte man nichts daran ändern. Das gilt unserer Ansicht nach auch für das Design der 3er-Reihe. Neu sind beispielsweise die Niere im Mesh-Design sowie die trapezförmigen Endrohrblenden der Abgasanlage.
EINERSEITS SPORTWAGEN
Ganz anders sieht es unter der Haube aus. In klassischer M-Manier bringt der Hochleistungsdiesel 340 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment mit. Möglich macht das ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Dieselmotor mit TwinPower-Turbo-Technologie in Kombination mit einem 48-Volt-Mild-Hybrid-System. Im Ergebnis bedeutet das eine herausragende Durchzugskraft, einen realistischen Verbrauch um die 6,2 Liter auf 100 Kilometer und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in rasanten 4,6 Sekunden. Eine Hilfestellung ist das blitzschnell schaltende 8-Gang-Steptronic-Sport-Getriebe mit
BMW M340D XDRIVE Antrieb: Allrad Leistung: 250 kW/340 PS Drehmoment: 700 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 4,6 sec Spitze: 250 km/h Verbrauch: 6,2 Liter/100 km Spaßfaktor: 10 von 10 Preis: ab 69.959 Euro
M-Sport-Fahrwerk. Was außen an Sportlichkeit ein wenig unterdrückt erscheinen mag, wird dadurch definitiv wieder wettgemacht, qualifizieren diese Werte den M340d doch wahrlich zu einem echten Sportwagen.
ANDERERSEITS ALLTAGSTAUGLICH
Eines sind Sportwägen indes meistens nicht, nämlich alltagstauglich. Sehr zu un-
serer Freude gilt das nicht für die M340d xDrive Limousine. Ähnlich sportlich wie unter der Motorhaube geht es im Innenraum weiter. Platz nehmen darf man in der ersten Sitzreihe auf den serienmäßigen Sportsitzen mit M-spezifischer Polsterung in Sensatec-/Alcantara-Ausführung mit blauer Kontraststeppung. Für noch mehr Sportlichkeit sorgt das M-Lederlenkrad mit Multifunktionstasten und Schaltwippen, falls man sich einmal mit dem Automatikgetriebe im Duell messen möchte. Komfortabel sitzen lässt es sich ebenso in der hinteren Sitzreihe und auch der Kofferraum weist mit 480 Litern ein in diesem Größensegment durchaus passables Ladevolumen auf. War anfangs noch von einem echten Sportwagen die Rede, zeigt sich hier, dass das Auto auch absolut alltagstauglich ist.
TECHNISCH EINWANDFREI AUSGERÜSTET
Wie nicht anders zu erwarten, hat auch der M340d allerhand Technik mit an Bord. (Fast) alles ist möglich – teilweise fast selbstredend gegen Aufpreis. Für 4.000 Euro extra gibt es beispielsweise das Innovationspaket mit Head-up-Display, Driving-Assistant oder Live-Cockpit-Professional. Das erleichtert zwar einiges, Fahren muss man aber grundsätzlich (noch) selbst. Und das lässt sich die Limousine einwandfrei. Damit gelingt der sportliche Auftritt auf der Landstraße oder der Autobahn, und auch komfortables Cruisen ist mit der M340d xDrive Limousine einwandfrei möglich. Uns hat der alltagstaugliche Sportwagen aus Bayern voll und ganz überzeugt und sahnt dadurch die vollen zehn Punkte beim Spaßfaktor ab.
109
LIFESTYL
genuss & trends
110
Yoga, Picknick und Alpakas Nur wenige österreichische Boutiquehotels schaffen es über die Jahre hinweg so regelmäßig in den internationalen Fokus wie das Aurelio Lech – mit zahlreich gewonnenen Awards, Veranstaltungen in New York oder Moskau und Gourmetevents. Und jetzt auch noch Alpakas (gedanklich ist hier ein Smiley mit Herzerlaugen eingefügt). Ein alpines Fünf-Sterne-Superior-Hotel mit hauseigenen Flauschis ist sicherlich eine Seltenheit. Diese werden stets von Hoteldirektor Axel Pfefferkorn persönlich ausgeführt – für einen Spaziergang oder zu einem Meet & Greet mit den Hotelgästen. Neuerdings sind die Vierbeiner auch für Yogaeinheiten und Picknicks im Einsatz. Die drei Alpakas Hiero, Domingo und Yaki sind nicht nur unglaublich entzückend und freundlich, auch die beruhigende Ausstrahlung der Tiere ist erstaunlich. Alpakas gelten als das Antidepressivum der Tierwelt und das Yogavergnügen wird sofort vervielfacht. Ommmmmm ... www.aureliolech.com
eco.life
Sattmacher DIE SEELE BERÜHREN Der Volksmissionar des 16. Jahrhunderts wusste um die Bedeutung von Bildern. Petrus Canisius wollte damit seinen Zeitgenoss*innen nicht nur die Inhalte des Glaubens vor Augen stellen, er wollte ihre Seelen berühren. Diesem Anliegen des katholischen Reformators ist die Präsentation herausragender Werke von Gegenwartskunst unter dem Titel „Gebt mir Bilder“ in fünf Kirchen und an drei weiteren Orten in Innsbruck und Hall im Jubiläumsjahr des Diözesanpatrons verpflichtet. Es geht in den rund 50 Werken aus wichtigen Sammlungen und prominenten Galerien, die erstmals in Tirol zu sehen sind, um die zentralen existentiellen Themen des Menschseins und um die Notwendigkeit persönlicher Entscheidungen inmitten einer bedrängten Zeit. Zu sehen sind die Bilder noch bis 30. September. www.dibk.at
Von kurzfristigen Diäten halten wir ja generell nicht so viel. Um Gewicht zu verlieren (und vor allem sein Gewicht dann zu halten), braucht es einen bewussten Umgang mit Ernährung. Bestimmte „Entlastungstage“ einzulegen indes kann durchaus Sinn machen. Das Innsbrucker Start-up Inngreen bietet dabei ein neues Diätkonzept auf Basis von Riegeln an. An seinem Riegeltag isst man folglich nur fünf Riegel und versorgt seinen Körper dadurch mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen. Begleitend dazu gibt es eine persönliche Betreuung von Gründerin Nina Schaiter und ein langfristiges Ernährungskonzept. www.inngreen.com
N AT U R Z U M T R I N K E N Zillertal Bier kann nicht nur Hopfen, sondern auch Saft. Seit einigen Jahren schon gibt‘s den Midi‘s Apfelsaft gespritzt, kürzlich wurde das Sortiment um zwei weitere Limonaden ergänzt. Zitrone und Ingwer nämlich. Dazu frisches Bergquellwasser und fertig ist der Trinkgenuss. Wer‘s dann doch lieber alkoholisch hat, kombiniert Midi‘s Ingwerlimonade (15 cl) einfach mit Wodka (4 cl) und Eiswürfeln, gibt das Ganze in einen Kupferbecher, garniert ihn mit einer Scheibe Zitrone und Ingwer und macht einen erfrischenden Mule daraus.
„Du kannst keine Fortschritte machen, ohne Entscheidungen zu treffen.“
© CHARLES HEIDSIECK_P. BARIL
JIM ROHN, UNTERNEHMER UND AUTOR
EXQUISIT Im Alter von 29 Jahren verließ Charles Heidsieck 1851 das Familienunternehmen, um ein neues Champagnerhaus zu gründen. Er war einer der Ersten, der es wagte, in 2.000 Jahre alte Crayères (Kreidekeller – heute UNESCO-Weltkurturerbe) zur Reifung seiner Weine in Reims zu investieren. Mut, der belohnt wurde. Der einzigartige Charakter von Charles Heidsieck, seine Abenteuer, sein Wagemut und das Ansehen seiner Weine machten ihn zu einer Legende seiner Zeit, seine Champagner sind nach wie vor so sinnlich wie unverwechselbar. Seit Anfang Mai sind die edlen Tropfen in Österreich exklusiv bei Morandell erhältlich.
FEINE FEDER Künstlerin Ulrike WachsmuthKießling verneigt sich in ihrem SaTIERischen ABC vor – beinahe – jedem Buchstaben des Alphabets in Wort und zartem Pinselstrich. Selten ist uns so viel kluger Wortwitz untergekommen (Japsend jagen Jaguare jede Jungfrau junger Jahre). Chapeau! Erschienen bei Diogenes (60 Seiten, EUR 30,90).
111
eco.life
G LUN FEH EMP ER D ION AKT RED
BUCHTIPPS LANGE REDE, KURZER GIN Die Zirbe ist ein echter Wunderbaum und kommt nicht nur in Tirol, da aber ganz besonders, in vielen verschiedenen Varianten zum Einsatz. Auch als Gin. Und der hat passenderweise den Namen Zirbin bekommen. Darin enthalten ist der unverkennbare Charakter der Zapfen, der perfekt zum Wacholder passt. Eine echte Tirolerin sozusagen. Unsere Empfehlung ist, die Zirbin pur zu genießen, weil der Geschmack tatsächlich sehr eigenständig ist. Einzige Voraussetzung: Man mag Zirbe. Alternativ raten die Macher zum Indian Tonic von Fever-Tree. Die 0,7-Liter-Flasche gibt‘s um 39,90 Euro unter www.zirbin.at.
FRANZÖSISCHES ROULETTE Martin Walker Diogenes Verlag 400 Seiten, EUR 24,70
Links: Astrid Gamper, Bild Nr. 3 „Ohne Titel“ (aus der Serie „Unter die Haut“), 2019 Rechts: Martin Abentung, „Am Bach“, 2017
Filigrane Momente
112
© SCHLETTERER CONSULT GMBH
So lautet der Titel der kommenden Ausstellung in der Galerie Nothburga, im Zuge derer der Tiroler Martin Abentung (Malerei) und die Südtirolerin Astrid Gamper (Grafik) zu Gast sein werden. Sie beide haben ihre ganz eigene Art des künstlerischen Geschichtenerzählens gefunden – Abentung farbenfroh und an der Grenze zur Gegenständlichkeit, ausgehend von Skizzen und geordneten Pinselzeichnungen hin zu freien Formen der Malerei; Gamper widmet sich in akribischer Kleinarbeit vor allem dem Menschen in Allgemeinen und dem weiblichen Körper im Speziellen. Sie hat eine Art der Darstellung gefunden, die den Betrachter beim ersten Blick überrascht, beim zweiten verstört und bei näherer Betrachtung berührt. Die Werke sind vom 16. Juni bis 10. Juli zu sehen. www.galerienothburga.at
AUF IN EINE GESUNDE ZUKUNFT Der mehr als 850 Jahre alte Kellerwirt aus Oberau in der Wildschönau wird zum Mountain Health Resort revitalisiert und erweitert. Mitte Mai fand der Spatenstich zur 50-Millionen-Euro-Investition statt. Das Generalmanagement hat die Schletterer Consult GmbH über. Auf 7.700 Quadratmetern entstehen bis Winter 2022/23 rund 140 Betten, sieben Restaurants mit À-la-carte-Angebot und 3.300 Quadratmeter Wellness-, Fitness-, Spa- und Gesundheitsbereich. Im Gesundheitsresort werden Gäste angesprochen, die ihr Wohlbefinden nachhaltig steigern wollen und auf eine ganzheitliche, nachhaltige Prävention und Regeneration zur Erhaltung ihrer Gesundheit setzen.
Über all die Jahre haben wir Bruno Courrèges, Chef de Police in St. Denis im französischen Perigord, schon richtig lieb gewonnen. Derart, dass sogar eine Urlaubsreise nach Frankreich ging. Mit „Französisches Roulette“ ermittelt Bruno in seinem bereits 13. Fall und bekommt es mit einer Intrige zu tun, die vermeintlich bis nach Russland reicht, aber erst mal in einem malerischen Château und mit gutem Essen beginnt. So mögen wir das ...
DA STRUWIPEDA AUF TIROLARISCH Martin Reiter Wagner‘sche, EUR 14,95 Kaum jemand kennt ihn nicht, Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter. Erschienen ist der Klassiker als „Gegenentwurf zum lieblichen Biedermeier-Kind“, im Laufe der Jahrhunderte gab es immer wieder mehr oder weniger kreative Umdichtungen. Dazu gesellt sich nun zum zweiten Mal der „Struwipeda auf tirolarisch“, den Martin Reiter bereits im Jahr 2000 erstmals veröffentlicht hat. Zum 175-Jahr-Jubiläum des Struwwelpeters ist der Klassiker ab sofort wieder auf Tirolerisch im Verlag der Wagner’schen Buchhandlung erhältlich.
TIROLFISCH
HEIMISCHER FISCH AUF DEN TELLERN TIROLS Mit tirolfisch und MPREIS haben sich zwei gefunden, für die Regionalität ein Herzensanliegen ist. Seit einigen Monaten bei MPREIS im Angebot: Fischfilets und ganze Fische aus Lechaschauer Produktion. Michaela Schwarz-Weismann, IN BETWEEN, Öl auf Leinwand, 8-teilig, 94 x 155 cm, 2011
Atmosphärisch In der ersten Ausstellung nach der Covid-Zwangspause zeigt die Galerie „Im Vektor – operated by Steinmayr & Co“ in der Burg Hasegg in Hall noch bis 18. Juli Arbeiten der Künstlerin Michaela Schwarz-Weismann. War der Topos des Schlafes gerade in ihren früheren Arbeiten als Reaktion auf eine überdynamisierte, kapitalistische Gesellschaft zu verstehen, widmet sie sich in „Chlorophyll“ vermehrt ihrer eigenen Erinnerung, ihrer kindlichen Prägung, inspiriert durch die Pflanzenwelt, die sie schon als Kind im Garten ihrer Großeltern in Hall erlebt und erforscht hat.
SUCHSPIEL
© MPREIS / SCHENNACH
MPREIS hat zu seinem 100-jährigen Jubiläum gemeinsam mit dem Verlag der Wagner’schen Buchhandlung ein Wimmelbuch veröffentlicht und das finden wir echt zauberhaft. „Wo ist Therese?“ zeigt spielerisch die täglichen Arbeitsabläufe des Nahversorgers, auf jeder Seite hat sich außerdem Firmengründerin Therese Mölk versteckt. Erhältlich um 15 Euro in allen MPREIS-Filialen.
M
PREIS ist bekannt für sein Sortiment regional produzierter Lebensmittel. Mit den frischen Fischen von tirolfisch wurde eine Lücke im Angebot geschlossen. Eine Auswahl frischer und geräuchterter Fische von tirolfisch findet sich nun in den MPREIS-Kühlregalen. Zu erkennen sind sie am eigens produzierten Folder mit Informationen und Tipps.
AB HOF UND ONLINE
H A L L O H E I M AT Ketchup aus Österreich bedeutet nicht Ketchup aus österreichischen Tomaten. Oftmals werden die roten Früchtchen nämlich importiert, um dann hier verarbeitet zu werden. Das heimische Traditionsunternehmen Spak hat nun einen echten Österreicher lanciert und ihn auch gleich so benannt. Nebst reinem Ketchup gibt‘s auch eine Kombi mit Ajvar (und vieles mehr). Erhältlich bei Interspar und Billa Plus.
In einem Waldgebiet bei Lechaschau liegt die lange Zeit stillgelegte, von tirolfisch revitalisierte Fischzuchtanlage, Hofladen inklusive. Die hier produzierten Fische gibt es ganz und küchenfertig, als Filet, kalt oder warm geräuchert oder zart gebeizt zu kaufen. Zusätzlich hat Helmut Zaderer, Gründer von tirolfisch, einen Onlineshop eingerichtet. Ein ungewöhnlicher – und noch ungewohnter – Weg, die Fische in die Haushalte zu bringen. Wichtig dafür ist eine präzise Logistik: Entnahme, Verpackung und Versand geschehen innerhalb von zwölf Stunden. Die 100 Prozent recycelbare tirolfisch-Kühlbox hält den frischen Fisch für mindestens 48 Stunden kühl. Helmut Zaderer: „Unser Anliegen ist es, regional produzierte Speisefische von erster Qualität auf kürzestem Weg direkt an die Tirolerinnen und Tiroler zu liefern. Die Zusammenarbeit mit MPREIS macht unsere Fische tirolweit für alle zugänglich.“ PR
TIROLFISCH Gewerbepark Süd 1, 6068 Mils Telefon: 05223/20 444 E-Mail: office@tirol-fisch.at
www.tirol-fisch.at
113
EHRLICH.TIROL
DEN ZWIEBELROSTBRATEN IM POSTKASTL Die Plattform ehrlich.tirol ermöglicht es, Tiroler Qualitätsfleisch direkt vom Bauern von zuhause aus zu bestellen. So werden die heimischen Bauernhöfe unterstützt, während man selbst bequem an regionales hochwertiges Fleisch gelangt.
© CE. DESIGNSTUDIO
T E X T : E L I S A B E T H P L AT T N E R
114
W
as wäre Tirol ohne Bauern und Bäuerinnen, ohne Weiden und darauf grasenden Tieren? Für uns Einheimische ein nahezu unvorstellbares Bild, doch leider inzwischen gar nicht mehr so weit weg von der Realität. Denn die Tiroler Bauernhöfe tun sich schwer im Kampf gegen die Flut an immer verfügbaren Billigimporten aus dem Ausland. Dabei sind Faktoren wie Regionalität, Nachhaltigkeit und Qualität so wichtig wie schon lange nicht mehr. Die Rinderzucht Tirol hat sich deshalb ein Projekt einfallen lassen, um den Kon-
takt zwischen den heimischen Bäuerinnen und Bauern mit den Tiroler Konsumenten zu verstärken und somit den Zugang zu frischen, hochwertigen und regionalen Fleischprodukten zu erleichtern. Mit der Plattform ehrlich.tirol wurde vor kurzem ein Webshop mit dazugehörigem Versand eingerichtet, der diese Aufgabe mit Bravour meistert.
NOSE TO TAIL
Ob vom Rind, Lamm oder Kalb – bei ehrlich. tirol wird nur das qualitativ hochwertigste Fleisch angeboten. Der besondere Kniff
dahinter: Wann auch immer das Fleisch geliefert wird, es ist nie älter als ein paar Stunden. Denn die Tiere werden erst dann geschlachtet, sobald ausreichend Bestellungen eingegangen sind. So muss auf potenzielle Käufer nicht erst gewartet werden und die Auslieferung kann sofort starten. Österreichweit ist das Fleisch bereits innerhalb von 24 Stunden nach Versand beim Kunden. Der Versand selbst ist kostenfrei und die verwendete Post-Frische-Box garantiert, dass das Fleisch unter den günstigsten Bedingungen transportiert wird. Die Ware ist vakuumiert verpackt und bereits
REZEPTTIPP
Schmorbraten nach spanischer Art PERSONEN: 4 BIS 6 ZUBEREITUNG: 40 MIN. GESAMTDAUER: CA. 4 H S C H W I E R I G K E I T : E I N FA C H
küchenfertig portioniert, was ein Aufteilen sowie längeres Aufbewahren im Tiefkühlfach um einiges vereinfacht. Auch ein Aufteilen mit Familie oder Freunden geht so ganz einfach. Ein Paket beinhaltet fünf, sieben oder zehn Kilo Fleisch. Da derzeit ausschließlich Mischboxen bestellt werden können, bietet sich zudem eine besondere Abwechslung in der Küche, da nun auch mit weniger bekannten Teilstücken gekocht werden darf. Diese Vorgangsweise ist für den bäuerlichen Betrieb von großem Vorteil, da sie garantiert, dass das gesamte Tier Verwertung findet und nichts weggeworfen werden muss.
EIN HEIMATPROJEKT
Große Stärke des Projektes ehrlich.tirol ist die Kooperation und der Zusammenhalt mit den kleinstrukturierten regionalen Bauernhöfen. Jedem Paket wird ein Etikett beigefügt, das zeigt, von welchem Bauern das Tier stammt, wodurch das gesamte Unternehmen Transparenz und Rückverfolgbarkeit beweist. Durch die direkte Verknüpfung zwischen heimischen Konsumenten und Tiroler Bauernfamilien können Transportwege und CO2 gespart werden, während zugleich die regionale Wirtschaft davon profitiert. Außerdem kommt den Bauern mehr Wertschätzung für ihre harte Arbeit entgegen. Denn diese arbeiten mit viel Wissen und Leidenschaft tagtäglich dafür, regionale Lebensmittel höchster Qualität zu erzeugen. Dies macht sich in Geschmack und Qualität des Fleisches bemerkbar. All dies gehört zur persönlichen Mission des ehrlich.tirolTeams: Zusammenrücken. Wertschätzen. Perspektiven stärken. Und dabei nicht vergessen: Genießen. www.ehrlich.tirol PR ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG
Z U TA T E N :
1 kg ehrlich.tirol Bratenfleisch 1 EL Kartoffelstärke 6 EL Olivenöl je 1 rote, gelbe und grüne Paprika 3 Schalotten 600 g Babyerdäpfel 1 Knoblauchknolle 1 Fleischtomate 3 Zweige Thymian 300 ml Rotwein 200 ml Rindsuppe 300 g Kirschtomaten 2 Zucchini ca. 20 grüne Oliven Salz & Pfeffer
© ARGERIND.AT
© CE. DESIGNSTUDIO
T E I L S T Ü C K : H Ü F E R S C H WA N Z E L
SO WIRDS GEMACHT:
Das Rohr auf 175 °C vorheizen. Das Fleisch in Würfel schneiden, salzen und in der Kartoffelstärke wälzen. Einen großen Bräter mit 3 EL Öl erhitzen und das Fleisch in Portionen von allen Seiten gut anbraten (die Fleischstücke sollten sich dabei nicht berühren). Anschließend das gesamte Fleisch samt ausgetretener Flüssigkeit wieder in den Bräter geben und für 30 Minuten ins Rohr schieben. 2 Währenddessen die Paprika entkernen und in mundgerechte Stücke schneiden. Die Schalotten schälen, die kleinen Erdäpfel halbieren und beides mit den Paprika in eine Schüssel geben. 2 EL Öl darübergießen und gut vermischen, sodass alle Stücke von einem Ölfilm umhüllt sind. Knoblauchknolle halbieren und mit dem restlichen Öl einpinseln. Die Fleischtomate klein würfeln. Alles zum Fleisch in den Bräter geben, salzen und pfeffern, den Thymian dazugeben und mit dem Rotwein und der Suppe aufgießen. Den Bräter für eine weitere Stunde ins Rohr schieben. 3 Die Kirschtomaten halbieren, die Zucchini in dicke Scheiben schneiden und beides mit den Oliven in den Bräter geben und weitere 45 bis 60 Minuten im Rohr fertiggaren, dabei das Fleisch immer wieder mit dem Saft übergießen. Es sollte nach der Garzeit fast auseinanderfallen, die Flüssigkeit um die Hälfte reduziert sein. 4 Das Rohr ausschalten und den Eintopf bei offener Tür 15 Minuten rasten lassen. Im Bräter servieren. 1
TIPP: Um dem Gericht noch mehr spanisches Flair zu geben, fügt man mit den Oliven noch ein paar Scheiben Paprika-Chorizo (spanische Wurst) hinzu.
115
VALAMAR
HVAR [PLACESHOTEL] by Valamar
116
SO GEHT URLAUB! Wer Kroatien erleben möchte, kommt am Reisespezialisten Valamar kaum vorbei. Alle Valamar-Hotels überzeugen mit großzügigem Wohngefühl, ausgewählten Lagen entlang der Adriaküste sowie ausgezeichnetem Service für eine gelungene Auszeit am Meer. T E X T : E L I S A B E T H P L AT T N E R
N
ach all der Zeit in altbekannten Räumen, immer am selben Ort festsitzend, wird es wieder Zeit für neue Eindrücke, fremdes Essen und überraschende Erlebnisse. Der Sommer scheint schon zum Greifen nah und mit ihm kommt die Gelegenheit, das eigene Land zu verlassen und die Seele so richtig baumeln zu lassen. Kroatien punktet dabei mit einer bequemen Erreichbarkeit per Auto, schönen Küstenstädtchen und traumhaften Inseln. Wer sich dort noch nicht so gut aus-
kennt oder etwas Neues ausprobieren möchte, kann sich auf den kroatischen Reisespezialisten Valamar verlassen, der eine Vielzahl an besonderen Hotels und exklusiven Resorts betreibt und jedem seiner Kunden hilft, genau das Richtige für seinen Geschmack und seine individuellen Ansprüche zu finden.
EIN LEBENSGEFÜHL BUCHEN
Neuestes Juwel dieser Marke ist das diesen Sommer eröffnende HVAR [PLACESHOTEL]
by Valamar. Bereits die Wahl des Ortes vor der dalmatinischen Küste auf der sonnigsten Insel Kroatiens ist ein wahrer Volltreffer. Für die Besucher wurden 179 Zimmer eingerichtet – und das zu einem erschwinglichen Preis, wobei trotzdem auf Luxusfeeling nicht verzichtet werden muss. Das Lebensgefühl der Insel, mediterrane Leichtigkeit und Lebenslust stehen im Mittelpunkt des Hotelerlebnisses. Für ein beschwingtes Urlaubsgefühl sorgen unter anderem die
VALAMAR
Isabella Valamar Collection Island Resort
117
hauseigenen DJs, die das Ausspannen und Planschen in der Pool-Landschaft oder am Strand mit jeder Menge Musik begleiten. Zudem lassen einen die besonderen Signature-Drinks jeglichen übriggebliebenen Alltagsstress vergessen. Um eine möglichst an die Bedürfnisse angepasste und dabei flexible Urlaubsplanung zu ermöglichen, kann bereits bei der Buchung zwischen Breakfast Only und flexibler Halbpension mit Mittag- oder Abendessen gewählt werden. Was dabei von Vorteil ist: Sollte es die Spontaneität des Moments erfordern, lässt der Gast eine Mahlzeit aus und erhält dafür ein Guthaben von 25 Euro. Dieses Guthaben ist dann auf einem elektronischen Armband gespeichert und kann bis zum nächsten Tag im Restaurant oder an den Bars eingelöst werden. Bei der Konzeption des Hotels legte Valamar viel Wert auf Modernität und tech-
nisch vollwertige Ausstattung. So laufen viele Prozesse digital ab, was das Urlauben noch einfacher gestaltet. Dank elektronischern Armbändern kann man vereinfacht bezahlen, ohne dass man die Geldtasche immer dabei haben muss. Der Check-in erfolgt kontaktlos. Zudem steht im ganzen Areal ein kostenfreies und schnelles WLAN zur Verfügung. Und wer mehr von der Insel erkunden möchte, etwa die nahegelegene Altstadt von Stari Grad, kann sich von den Mitarbeitern ein paar Geheimtipps geben lassen.
EINE INSEL FÜR ALLES
Wer eher ein romantisches Haus vorzieht, ist beim Isabella Valamar Collection Island Resort genau richtig. Auf der kleinen Insel Sveti Nikola gelegen, die selbst nur wenige Minuten mit dem Boot von Poreč entfernt liegt, findet sich ein kleines Paradies aus
gepflegten Gärten und zahlreichen Strandbuchten. Den Mittelpunkt der Hotelanlage bildet ein malerisches Schlösschen – eine ideale Adresse für Pärchen sowie Familien. Angeboten werden Luxusvillen oder Familiensuiten, wer es ganz besonders romantisch haben will, bucht sein Zimmer direkt im Schloss. Highlight ist der Outdoor-Infinitypool, der das Gefühl vermittelt, eins mit dem Meer zu werden. Von der Terrasse des Restaurants Miramare lässt sich der Sonnenuntergang über der Adria genießen. Das Küchenteam verzaubert seine Gäste mit lokalen Fischspezialitäten und einem guten Tropfen Wein. Zudem gibt es eine professionelle Kinderbetreuung mit einem 1.000 Quadratmeter großen Unterhaltungsbereich. Und wer den Abend lieber zu zweit verbringen möchte, kann sich einen Babysitter ausleihen. www.valamar.com
PR
WIRTSCHAFTSKAMMER TIROL
SICH SELBST GUTES TUN Die Zeit, die wir uns ganz für uns nehmen, ist enorm wertvoll – gerade dann, wenn die Welt um uns chaotisch und unberechenbar ist. Die Dienstleistungen der Tiroler Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure tun Körper, Geist und Seele gut.
118
S
eit Februar dürfen die heimischen Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure wieder ihrer Tätigkeit nachgehen, wenn auch unter strengen Auflagen. Und diese werden uns wohl noch eine Weile begleiten – Mitarbeiter ebenso wie Kunden. Das bringt für alle Seiten zusätzliche Aufgaben mit sich, die uns unsere Gesundheit und Pflege aber durchaus wert sein sollte. „Ich habe noch von keinem Mitglied gehört, dass Mitarbeiter Schwierigkeiten mit den Regelungen hätten. Allerdingst ist ein gewisser Mehraufwand zu leisten: Wir müssen die Impfbestätigung oder alternativ die Antigentests kontrollieren und kontaktieren alle unsere Kunden am Vortag, damit sie
den Test auch nicht vergessen. Die Tests dürfen dabei nicht älter als 48 Stunden sein und es zählt wirklich jede Minute. Nach den Terminen müssen die Räume gut gelüftet werden, was Leerzeiten verursacht“, sagt Astrid Westerthaler, Landesinnungsmeisterin der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure in der Wirtschaftskammer Tirol. Für manche Kunden gibt es übrigens Ausnahmen, was viele nicht wissen. Westerthaler: „Kunden, die unsere Dienstleistungen dringend benötigen, wie Diabetiker oder Schmerzpatienten, kommen mit negativen Tests, obwohl sie aufgrund ihrer Krankheitsgeschichte gar keinen bräuchten – sie gehen also auf Nummer sicher. Auch
für Besuche beim Heilmasseur braucht es weder Impfung noch Test.“ Außerdem sind all jene, die von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind, Kinder, Schwangere oder Kunden mit einem ärztlichen Attest von der FFP2-Maskenpflicht befreit. Die Auflagen werden zum Großteil eingehalten, doch nicht jeder reagiert verständnisvoll, weiß Westerthaler: „Es gibt eine Gruppe von Kunden, die unsere Dienstleistungen aus Wohlfühl- oder Verschönerungsgründen in Anspruch nehmen wollen. Hier sind leider immer wieder welche dabei, die nicht bereit sind, sich testen zu lassen. Sie verzichten lieber auf unsere Dienstleistung.“ Das sorgt für Probleme: Zum einen fallen dadurch
WIRTSCHAFTSKAMMER TIROL
40 bis 60 Prozent der Kunden weg. Zum anderen wird damit dem Pfusch Tür und Tor geöffnet, denn die Regelungen für Hausbesuche sind viel lockerer. „Dazu kommt, dass uns viele Kunden beschimpfen, was uns denn mit den Tests eingefallen ist – dass es nicht unsere Entscheidung war, zählt dabei nicht“, so die Landesinnungsmeisterin, die appelliert: „Nicht mehr schimpfen und – ausgestattet mit einem negativen Test – unsere Dienstleistungen wieder in Anspruch nehmen. Wir haben sämtliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen und freuen uns auf unsere Arbeit und Kunden.“
SEELENSTREICHLER
Kosmetik baut im Wesentlichen auf drei Säulen: pflegende, dekorative und Psychokosmetik. Gerade letztere ist in Zeiten wie diesen besonders wichtig. „Psychokosmetik bedeutet, dass ein Besuch bei uns auch der Psyche gut tut. Die Räumlichkeiten versprühen eine entspannende Atmosphäre. Wir berühren Füße, Gesicht und Körper auf angenehme Weise und hören einfach zu – das tut Körper, Geist und Seele wohl. Viele Kunden schätzen gerade diesen Mehrwert an unseren Dienstleistungen – sie dürfen das nur nicht vergessen. Ich denke, dass es vielen sehr gut täte, sich wieder verwöhnen zu lassen“, sagt Westerthaler. Bei manchen Kunden lässt sich sehr rasch eine Veränderung feststellen: Gerade ältere Menschen sind stark von der Krise betroffen. Ihnen fehlt das soziale Umfeld, ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG
sogar Krankheitsbilder haben sich verschlechtert, sie haben – mental wie körperlich – stark abgebaut. Viele zeigen ein aggressives Verhalten, einige leider auch ein depressives. Jungen Menschen hingegen fehlt oftmals die Perspektive, wie es weitergehen wird. Sich ganz bewusst Zeit für sich zu nehmen, wirkt oft wahre Wunder. Und sich nach außen schön zu fühlen, macht auch etwas mit unserem Inneren. Professionelle Kosmetikanwendungen, gekonnte Fußpflege oder eine fachkundige Massage sind deshalb keine rein oberflächlichen Behandlungen, sondern stärken auch unser Drinnen. In Tirol sind derzeit rund 1.600 Betriebe aus dem Bereich der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure verzeichnet. Dazu zählen übrigens auch Shiatsu- und Ayurvedastudios, Tatöwierer, Piercer, Nagel- oder Pigmentierstudios. Über 80 Prozent davon sind Ein-Personen-Unternehmen. Viele Betriebe sehen sich mittlerweile leider in ihrer Existenz bedroht und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Die meisten Unternehmen, die Mitarbeiter beschäftigen, haben diese zwar in Kurzarbeit geschickt, das erleichtert die Situation etwas, durch die Hotelschließungen wurden aber auch sehr viele Kosmetiker, Fußpfleger und Masseure gekündigt. Viele haben noch keinen neuen Job gefunden. „Nun heißt es, an einem Strang zu ziehen, um den Menschen wieder mehr Freude ins Leben zu bringen“, so Astrid Westerthaler. www.wko.at/tirol
PR
© FRANZ OSS
Die Dienstleistungen der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure tun Körper, Geist und Seele wohl – wann haben Sie sich das letzte Mal verwöhnen lassen?
119
„W I R H A B E N SÄMTLICHE SICHERHEITS VORKEHRUNGEN GE TROFFEN UND FREUEN UNS AUF UNSERE ARBEIT U N D K U N D E N .“ LANDESINNUNGSMEISTERIN ASTRID WESTERTHALER
eco.life
MEDIZIN VON MORGEN War der medizinische Fortschritt der letzten Jahrhunderte vor allem der Erkennung und Behandlung von bereits bestehenden Beschwerden und Krankheiten gewidmet, so gewinnt die wissenschaftliche Erkenntnis um das enorme Potential der Präventivmedizin zunehmend an Bedeutung. INTERVIEW: BARBARA LIESENER
D
iagnoseverfahren, die Krankheiten erkennen, bevor sie ausbrechen können, personalisierte Medizin, wo nicht allein die Diagnose, sondern auch die Charakteristika des Patienten über die bestmögliche Therapie entscheiden, diesem Ansatz widmet sich das vor einem Jahr von den Apothekern MMag. pharm. Jens Wilke und Mag. pharm. Raimund Mestan unter der medizinisch-wissenschaftlichen Leitung von Dr. med. Wolf-Dieter von Bessing gegründete Stoffwechselinstitut Innsbruck (SWI). Zum medizinischen Nutzen kommt noch der schon nach einigen Anwendungen sichtbare zellverjüngende Effekt des „Bodymodellings“ hinzu – ein Besuch des
Stoffwechselinstituts lohnt sich also in doppelter Hinsicht.
Was erwartet mich im Stoffwechselinstitut Innsbruck? JENS WILKE: Wenn Sie zu uns kommen, sei es auf Anraten Ihres Arztes oder weil Sie Ihre Gesundheit und Ihren Lebensstil verbessern möchten, führen wir zuerst eine Stoffwechselmessung und Körperanalyse durch, um den Status quo festzustellen, und erstellen dann ein auf Sie zugeschnittenes, individuelles Maßnahmenpaket, das neben dem gesundheitsfördernden Effekt auch zu mehr Energie, einer verbesserten Leistungsfähigkeit und einer schnelleren Regeneration
ECO.NOVA:
verhilft. WOLF-DIETER VON BESSING: Unsere medizinischen Analysen umfassen unter anderem die Mitochondrien, salopp gesagt die „Kraftwerke“ der Zellen, die für die Produktion von ATP (Adenosintriphosphat) verantwortlich sind. ATP ist der Energieträger, den all unsere Zellen benötigen, um richtig zu funktionieren. Wie der Körper, der sich im ständigen Ab- und Aufbau befindet, befinden sich auch Mitochondrien in einem fortwährenden Prozess, in dem sie sich vermehren, verbrauchen, wachsen oder abbauen. Diesen Prozess können wir optimieren und so die Mitochondrien, also die Zellkraftwerke, maßgeblich stärken und sogar verjüngen. Hier kommt die personalisierte Medizin
eco.life
ZU DEN PERSONEN Jens Wilke (re.) ist Pharmazeut und Unternehmer aus Leidenschaft. Nach seinen Studien der Pharmazie und Wirtschaft und mehreren Jahren Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie hat er zusammen mit seinem Partner Mag. Raimund Mestan die Apotheke im DEZ übernommen. Mit der Kombination aus unternehmerischem Wissen in der Apothekenbranche und betriebswirtschaftlichem Know-how berät er außerdem Apothekenbetriebe im deutschsprachigen Raum. Mit seiner Leidenschaft zu Sport und Selbstoptimierung hat er vor gut einem Jahr das Stoffwechselinstitut Innsbruck gegründet.
„Kümmere Dich um Deinen Körper. Er ist der einzige Ort, den Du zum Leben hast.“ JIM ROHN
ins Spiel. Wir können durch die Analysen maßgeschneiderte Anwendungen anbieten und begleiten viele unserer Kunden in diesem Prozess zu einem neuen Lebensstil, der nicht nur gesünder ist, sondern auch positive Auswirkungen auf Psyche, Körper und nicht zuletzt die eigene Attraktivität hat. Dabei arbeiten wir ganzheitlich und unter Einbeziehung der „Gesundheitssäulen“ Ernährung, Bewegung, Gewichtsmanagement und begleitender Information bzw. medizinischer Wissensvermittlung. Das richtige Mindset ist mindestens genauso wichtig wie die Wirksamkeit der Anwendungen selbst.
Welche Dienstleistungen bieten Sie im SWI konkret an? WILKE: Als eines von wenigen Instituten in Tirol bieten wir die Ganzkörper-Kältetherapie an. Diese dauert ca. dreieinhalb Minuten und ist sehr beliebt bei Spitzensportlern zur schnelleren Regeneration, aber auch bei Stars und Models, weil die Kältekammern einerseits die Entzündungsaktivität im Gewebe dämpfen, Schmerzen lindern und eine rasche Erholung fördern und andererseits den Körper dazu anregen, vermehrt Kollagen zu produzieren, was schon nach wenigen Anwendungen an einem deutlich strafferen Hautbild erkennbar ist. Die trockene Kälte von –118 Grad Celsius, die sich übrigens überraschend angenehm anfühlt, erhöht zudem den Kalorienverbrauch. VON BESSING: Durch unser Intervall-Höhentraining im Massagesessel,
die korrekte Bezeichung lautet „Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training“, erfolgt ein sogenanntes „Zelltraining“, da abwechselnd Luft mit weniger und Luft mit mehr Sauerstoff eingeatmet wird. Der schwankende Sauerstoffgehalt bewirkt, dass vorgeschädigte Mitochondrien rascher eliminiert werden und die Bildung von neuen, voll funktionsund leistungsfähigen beschleunigt wird. Somit wird das Selbstheilungs- und Regenerationspotential der Zelle angeregt. WILKE: Zu den Anwendungen, die wir im SWI anbieten, gehört auch ein Regenerationsaufenthalt für die Atemwege in unserer Salzlounge, wo besonders wirksamer Trockensalznebel in angenehmer Atmosphäre für Desinfizierung und Entzündungshemmung sowie eine allgemeine Unterstützung des Immunsystems sorgt. Diese Anwendung zeigt effiziente Unterstützung bei Allergien, Atemwegserkrankungen und Hautproblemen. Zusätzlich führen wir professionelle Leistungsdiagnostiken mit anschließendem individuellen Ernährungs- und Trainingsplan für Hobby- und Leistungssportler durch und informieren unsere Kunden darüber hinaus das ganze Jahr über mit spannenden Vorträgen über neueste Entwicklungen und Erkenntnisse im Bereich der Sport- und Präventivmedizin. Wir sind also der richtige Ansprechpartner für Menschen, die ihrem Körper und sich selbst nachhaltig etwas Gutes tun wollen, und das im besten Fall noch bevor Beschwerden entstehen.
Wolf-Dieter von Bessing hat in Düsseldorf promoviert und dort seine Facharztausbildung in Gynäkologie absolviert. Er ist Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthomolekulare Medizin und hat zahlreiche Weiterbildungsermächtigungen und Zusatzqualifikationen in den Spezialgebieten Allgemeine Medizin, Integrative Medizin, Präventive und Regenerative Medizin, Orthomolekulare Medizin, Naturheilverfahren und Health Management erlangt. Seit der Gründung des Stoffwechselinstitut Innsbruck hat er dort die medizinischwissenschaftliche Leitung inne.
In der Kältekammer herrscht eine trockene Kälte von –118 Grad Celsius, die sich überraschend angenehm anfühlt.
STOFFWECHSELINSTITUT INNSBRUCK Amraser-See-Straße 56 6020 Innsbruck Tel.: 0512/346437 office@stoffwechsel-innsbruck.at
www.stoffwechsel-innsbruck.at
121
eco.life
122
DER GESUNDHEIT EINEN SCHRITT VORAUS Normalerweise zu Unrecht übersehen, wird hier der Fuß auf ein ihm würdiges Podest gestellt. Und dabei lohnt es sich, gleich zu fragen: Wie kann man ihn unterstützen? Was schadet ihm, und wie bleibt man möglichst lange fußfit? T E X T : E L I S A B E T H P L AT T N E R
E
gal ob wir standhaft bleiben oder vorwärtskommen wollen. Ob Laufen, Springen, Spazieren oder Tanzen. Sie tragen uns durchs Leben und lassen uns jeden Berg erklimmen. Doch erhalten unsere Füße je ausreichend Dank-
barkeit für all ihre Verdienste? Wer weiß schon, was seinen Füßen wirklich guttut? Und wann nimmt man sich auch die Zeit für so was? Besser gleich, bevor es zu spät ist. Denn der Zustand unserer Füße heute bestimmt,
wie es um unsere körperliche Fitness und Mobilität in ein paar Jahren steht.
TRITTSICHER UNTERWEGS
Grundsätzlich gilt für einen gesunden Fuß, dass Haltungsrichtigkeit, Schmerzfreiheit
eco.expertentipp
EIN GEPFLEGTER AUFTRITT Auf die Füße, fertig, los!
W
ir haben mit Drogistin Andrea Gschwenter, Obmann-Stellvertreterin des Wirtschaftskammer-Landesgremiums des Handels mit Arzneimitteln, Drogerie- und Parfümeriewaren sowie Chemikalien und Farben Tirol, über Füße und wie man sie pflegt gesprochen.
VON ANDREA GSCHWENTER
ECO.NOVA: Auf die Pflege der eigenen Füße vergisst man allzu
und eine normale Leistungsfähigkeit gegeben sind. Wenn man also seinen Alltag als auch die eine oder andere Sportart beschwerdefrei und ohne Balanceprobleme meistern kann, ist man schon auf einem ziemlich guten Weg. Obacht gilt allerdings bei Fehlstellungen. Plattfuß, Spreizfuß, Hallux Valgus (wenn der große Zeh einen Knick macht) oder Hohlfuß gehören zu den am häufigsten auftretenden Fußbeschwerden und können im schlimmsten Fall nur mehr von einem Orthopäden oder Physiotherapeuten behandelt werden. Manchmal hingegen reicht es aus, wenn man mit einer passenden Einlage entgegenwirkt, was etwa bei Ballenschmerzen Linderung verschaffen kann. Manche Fußfehlstellungen bringen erst mit der Zeit Beschwerden mit sich, andere sind so wenig ausgeprägt, dass sie gar keine Folgen nach sich ziehen. Generell gilt zu berücksichtigen, dass es kaum perfekte Fußstellungen gibt und dass beinahe jeder eine leichte Verformung mit sich trägt. Also keine Panik, wenn man bemerkt, dass man nicht die ideale Fußform hat. Ist man sich unsicher, ob der eigene Fuß nicht vielleicht doch zu stark verformt ist, und/oder möchte man entsprechend vorbeugen, lohnt sich ein Gang zum Facharzt oder zur Fachärztin.
oft. Was sind die absoluten Basics, die bereits viel bewirken können? ANDREA GSCHWENTER: Um die Füße geschmeidig zu halten, eignet sich ein Fußpeeling besonders gut. Das befreit die Haut von abgestorbenen Hautschüppchen. Bei Hornhaut braucht es hingegen etwas Gröberes, etwa einen Bimsstein. Dabei muss man allerdings vorsichtig sein, da man gerade bei aufgeweichter Haut nicht gleich bemerkt, wie schnell das Abtragen vor sich geht.
Kann man den Füßen etwas Gutes zur Entspannung tun? Fußbäder wirken immer gut zur Entspannung, vor allem Salzbäder helfen bei müden und geschwollenen Füßen. Sie fördern – wie die Peelings – die Durchblutung. Auch Fußcremen können helfen, da sie beleben und pflegen.
Und was lässt sich für die Schönheit machen? Am besten gleich nach dem Fußbad die Nagelhaut entfernen, weil dann die Füße noch ganz weich sind. Spezielle Holzstäbchen eigenen sich hierfür hervorragend. Anschließend einen hübschen Nagellack drüberpinseln und die Füße sind bereit für die Badesaison.
123
eco.life
124
FUSSFREUNDE UND - FEINDE Um seine Füße weitgehend zu unterstützen und somit in Bestform zu halten, ist der erste und womöglich wichtigste Faktor gute Hygiene. Durch regelmäßiges Waschen kann man nicht nur strengeren Gerüchen vorbeugen, es zahlt sich vor allem auch gegen unschöne Erkrankungen wie Fußpilz aus. Mindestens ebenso wichtig ist Barfußlaufen, vor allem auf unebenem Grund und abwechslungsreichem Gelände. Dies hilft in vielerlei Hinsicht, beispielsweise werden Sehnen, Muskeln und die Sensomotorik unterstützt. Auch diversen Fußfehlstellungen wie etwa dem Plattfuß kann auf diese natürliche Weise vorgebeugt werden. Ausreichend Bewegung – ob mit Schuhen oder ohne – tut dem Körper generell gut und ist zudem die Basis für kräftige Füße. Demgegenüber braucht es entsprechende Ruhephasen. Einfach mal die Füße hochzulegen und ihnen etwas Entspannung zu gönnen, hat durchaus seine heilende Wirkung. Als besonderes Extrazuckerl eignen sich gut Fußmassagen oder anregende Fußbäder. Ebenfalls förderlich wirken sich Dehn- und Gymnastikübungen auf die Fußgesundheit aus, um diesen Wunderapparat der Natur mit all seinen Sehnen, Muskeln und Bändern
Höchste Zeit, dass wir unseren Füßen unter die Sohlen greifen. weiterhin in Gang zu halten. Unnötige und vermeidbare Schäden werden zumeist durch ungeeignetes Schuhwerk erzeugt. Es wird niemanden verwundern, dass hohe Absätze nicht optimal für die Füße sind. Genauso bringen schlecht sitzende Schuhe oder ungeeignete Materialien Unerwünschtes mit sich – Druckstellen oder Blasen zum Beispiel. Sind die Stoffe nicht atmungsaktiv, begünstigt dies außerdem das Bakterienwachstum und der Geruch verstärkt sich.
AUF EXPERTEN SETZEN
Es ist absolut in Ordnung, zuzugeben, dass man wenig Ahnung hat, welche Maßnahmen den Füßen gut und wohl tun und worauf es dabei zu achten gilt – ob bei der Wahl der richtigen Schuhe und Einlagen oder beim Versuch, die Füße gut zu dehnen. Eine Vielzahl von Experten und Expertinnen ist gerne bereit, einem weiterzuhel-
fen und genau das Richtige für die eigenen Füße zu finden. Orthopäden und Physiotherapeuten sind die besten Ansprechpartner, wenn es um akute Schmerzlinderung geht, und sie können gröbere Fehlstellungen erkennen und behandeln. Zur Vorbeugung und Pflege reicht zumeist ein Besuch bei der Fußpflege. Neben der standardmäßig bekannten kosmetischen Pediküre sei an dieser Stelle auf die medizinische Fußpflege von sogenannten Podologen zu verweisen. Diese pflegen nicht nur die Füße, sie können auch kleinere Behandlungen vornehmen, etwa das Entfernen von Warzen oder das Korrigieren eingewachsener Nägel. Zudem erkennen sie frühzeitig Veränderungen an Haut oder Nägeln und helfen, zu einer geeigneten ärztlichen Betreuung zu gelangen. Gerade bei Diabetikern, die verstärkt anfällig für bestimmte Fußleiden sind, ist diese Option sinnvoll. Doch auch außerhalb des medizinischen Bereichs kann man auf Expertenwissen setzen. Eine kompetente Schuhberatung kann helfen, geeignetes Schuhwerk zu finden, das auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist. Auch bei Materialfragen, Sohlen oder Einlagen können sie eine Orientierung geben. Man ist also nicht auf sich alleine gestellt.
SIEBERT SPORTS
DER INDIVIDUALISIERTE SPORTSCHUH Gerade bei sportlichen Betätigungen ist die Belastung des Fußes besonders groß. Durch eine digitale und manuelle Fußanalyse wird die Druckverteilung im Schuh genauestens vermessen. Stefan Siebert hat sich auf die individuelle Schuhanpassung spezialisiert. T E X T : D O R I S H E LW E G
W
er kennt es nicht, wenn der Schuh drückt. Und schon macht das Laufen, Skifahren oder Berggehen nur mehr halb so viel Spaß. Druckstellen und Blasenbildung bis hin zu Knieschmerzen auf Grund von Fehlbelastungen sind die Folge. „Zwar gibt es in der gehobenen Sportschuhproduktion schon Marken, die dem Fuß wesentlich besseren Halt geben, aber natürlich kann kein Schuh von der Stange individuell auf den eigenen Fuß angepasst sein“, weiß Stefan Siebert, der nach familiären Schicksalsschlägen den alteingesessenen Schuhfachbetrieb in Götzens seit 2018 fortführt. In Anbetracht der Tatsache, dass kein Fuß gleich ist – nicht mal unser rechter und linker sind völlig ident –, macht die individuelle Anpassung insbesondere von Sportschuhen durchaus Sinn. „Besonders Läufer klagen häufig über Knie- oder Hüftprobleme, weil der Fußstand im Schuh nicht ideal ist. Mit einer simplen Anpassung kann hier ein sehr großer Effekt erzielt werden“, weiß der Schuhprofi, der sich in seinem kleinen, feinen Geschäft dem Sportschuh verschrieben hat. Die Liebe zu Sportschuhen wurde Stefan in die Wiege gelegt, denn schon sein Großvater war maßgeblich in die handwerkliche Fertigung von Skischuhen involviert und hat dieses Wissen um Fußanatomie und Druckübertragung an seine Nachkommen weitergegeben. Stefan Siebert geht bei seiner Anpassungsmethode auf Nummer sicher und misst zur digitalen Fußanalyse die Füße seiner Kunden zusätzlich an drei Stellen von Hand mit dem Maßband nach. Erst dann wird das Fußmodell aus Holz nachgebaut, anhand dessen der Innenschuh millimetergenau nach Maß angepasst wird. „Unser Angebot reicht von kleinen punktuellen Anpassungen zum Beispiel nur beim Knöchel oder an der Ferse bis hin zu Sporteinlagen oder
125 Mittels digitaler Fußanalyse und händischer Nachmessung wird jeder Fuß genau vermessen und ein Fußmodell aus Holz gebaut, das eine millimetergenaue Anpassung des Innenschuhs ermöglicht
Volumenkissen, bei denen die Fußstellung korrigiert wird“, so der Experte.
SKISCHUH - CANTING
Was bislang aus dem Profiskisport bekannt ist, kommt bei Sport Siebert auch beim sportlichen Hobbyfahrer zum Einsatz: das Canting. „Durch die korrekte Canting-Einstellung kann das Bein eine korrekte Position einnehmen, wodurch eine optimale Druckübertragung auf den Ski erfolgt. Die Canting-Einstellung ist daher nicht nur für Geschwindigkeitsleistungen wichtig, sondern dient vor allem der Prävention von Unfällen und Gelenkschmerzen. So wird Skifahren natürlicher, sicherer und ganz nebenbei wird auch noch die Leistung verbessert“, weiß Siebert aus eigener Erfahrung im Skisport. Stefan Siebert heißt in seinem schicken Laden in Götzens alle herzlich willkommen, auch jene, denen Sportschuhe Probleme bereiten, der nicht in seinem Geschäft gekauft
wurde. Speziell im Winter für Skischuhanpassungen ist man jedoch besser beraten, vorab einen Termin zu vereinbaren und sich Zeit zu nehmen, damit der Skischuh dann wirklich passt. „Ich bemühe mich bei jedem einzelnen Kunden sehr, dass ich den passenden Schuh finde und dieser dann zu 100 Prozent passt, auch wenn man nochmal nachjustieren muss.“ Der Erfolg und der Trend zu den unterschiedlichsten Sommer- wie Wintersportarten gibt ihm eindeutig recht. So kommt in den Sommermonaten auch der E-Bike-Verleih bestens an. Und auch hier gilt: Am besten voranmelden und reservieren.
SIEBERT SPORTS Kirchstraße 17 6091 Götzens Tel.: 0680/33 26 477 office@siebertsports.com
www.siebertsports.com
eco.life
AUF SCHRITT UND TRITT Unsere Füße tragen uns durchs Leben. Dementsprechend wird dieses hochkomplexe Stützorgan viel beansprucht und erfüllt wichtige Funktionen wie den aufrechten Gang und das Stehen. Schon kleinere Fehlstellungen können weite Teile des Bewegungsapparates beinträchtigen, weshalb es empfehlenswert ist, sich frühzeitig Rat zu holen und gegenzusteuern. I N T E RV I E W : D O R I S H E LW E G
W 126
er gesunden Fußes unterwegs ist, darf sich durchaus glücklich schätzen. Denn es gibt eine große Bandbreite an angeborenen oder erworbenen Fehlstellungen. Viele davon können konservativ, also ohne operativen Eingriff behandelt werden. Manchmal führt jedoch nur eine operative Behandlung zu einer Besserung. Wir haben mit Priv.-Doz. Dr. Gerhard Kaufmann, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, über Füße und mögliche Problematiken gesprochen.
ECO.NOVA: Fußfehlstellungen wie Plattfuß,
Spreizfuß oder Hallux valgus sind ein gar nicht so seltenes Phänomen. Wann sollte man fachärztlichen orthopädischen Rat suchen? GERHARD KAUFMANN: Spätestens wenn Schmerzen auftreten, sollte man rasch eine ärztliche Abklärung in Betracht ziehen. Nicht jede Fehlstellung ist gleich ein medizinisches Problem. Ich persönlich verfolge als Arzt einen ganzheitlichen Ansatz und mir ist es wichtig, dass der Patient ausführlich aufgeklärt wird. Was passiert, wenn man nichts tut – also wie ist der natürliche Verlauf der Erkrankung? Was ist bei einer konservativen Behandlung zu erwarten? Und wann wäre eine Operation anzuraten? Der Patient soll über sämtliche Therapiemöglichkeiten mit allen jeweiligen Vor- und Nachteilen ausführlich informiert sein, um die für sich beste Entscheidung treffen zu können.
Sind Fußfehlstellungen eher angeboren oder erworben? In den meisten Fällen sind Fußfehlstellungen erworben. Es gibt natürlich auch genetische Komponenten wie beim Hallux valgus. Ein gesunder Fuß kann aber im Laufe des Lebens durch die unterschiedlichsten Faktoren krank werden, seien es genetische Konstellationen, Bagatellverletzungen, Fehlhaltungen oder bei älteren Patienten auch Erkrankungen wie Diabetes, Polyneuropathie oder Schlaganfall.
Welche Behandlungsmöglichkeiten sind bei Fußfehlstellungen empfehlenswert? Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich und hängt immer vom individuellen Beschwerdebild und Schmerzempfinden ab. Fehlstellungen kann man häufig mit konservativen Therapien wie der Anpassung von speziellen Einlagesohlen, spezifischen Verbandsanlagen, gezielten Injektionen bis hin zu korrigierenden Gipsanlagen behandeln. Auch manuelle Therapien, Tapebehandlungen sowie Selbstbeübungen führen oftmals zum gewünschten Erfolg und können Achsfehler oder Weichteilverkürzungen verbessern.
Bei welchen Fußfehlstellungen raten Sie zu operativen Eingriffen? Führen die konservativen Methoden nicht zum Erfolg oder werden die Schmerzen unerträglich und das tägliche Leben stark beeinträchtigt, kann ein operativer Eingriff indiziert sein. Eine der häufigsten Fußfehlstellungen, bei der eine Operation schnell und allumfassend zum Erfolg führt, ist der Hallux valgus. Dabei handelt es sich um eine Abweichung des Großzehengrundgelenkes nach außen. Bemerkbar macht sich der Hallux valgus vor allem durch starke Schmerzen am großen Zeh oder sohlenwärts am Fußballen. Mit konservativen Methoden können beim Hallux
eco.mmentar
„Nicht jede Fehlstellung ist gleich ein medizinisches Problem. Spätestens wenn Schmerzen auftreten, sollte man rasch eine ärztliche Abklärung in Betracht ziehen.“
NORMAL ODER AUFFÄLLIG? Mein Kind hat einen Plattfuß: Was gilt es zu beachten?
GERHARD KAUFMANN
valgus zumeist nur die Sekundärprobleme adressiert werden. Die Fehlstellung an sich kann dadurch nicht verbessert werden. Bei starken Schmerzen oder Schuhdruckproblemen führt schlussendlich nur die Operation zum Erfolg. Dabei werden die knöcherne Fehlstellung sowie die verkürzten Weichteile korrigiert und der große Zeh an sich wieder in die richtige Position gebracht. Bei korrekter Indikationsstellung, genauer Analyse und Diagnostik sowie guter Planung der Operation lassen sich bei der Korrektur einer Halluxvalgus-Fehlstellung in über 90 Prozent sehr zufriedenstellende Operationsergebnisse erzielen. Bei einer Vielzahl der Patienten reicht eine lokale Fußbetäubung aus, wodurch die Nebenwirkungen einer Allgemeinnarkose vermieden werden können und mittels Verbandssandalen bereits am ersten Tag mit der Mobilisation begonnen werden kann. Durch den Einsatz minimalinvasiver Operationstechniken wird die schnelle postoperative Mobilisierbarkeit zusätzlich unterstützt. Welchen Beitrag kann gutes Schuhwerk leisten? Ein gesunder Fuß braucht kein spezielles Schuhwerk, aber qualitative Schuhe mit guter Passform. Weh tun sollte ein Schuh nie! Was man früher gesagt hat, dass ein neuer Schuh drücken und erst eingelatscht werden muss, ist völliger Unsinn. Bestehen jedoch Fußfehlstellungen, ist es häufig empfehlenswert, dass Einlagesohlen oder orthopädische Schuhe verschrieben werden, um eine Stellungskorrektur zu bewerkstelligen.
Sind High Heels auf Dauer schlecht für zarte Frauenfüße? Wie immer in der Medizin macht die Dosis das Gift. Hin und wieder einen hohen Stöckelschuh zu tragen, wird keinen Schaden anrichten. Natürlich kommt es beim Tragen von High Heels zu einer Verschiebung der Kräfte, die auf Dauer vor allem bei einer genetischen Vorbelastung den Hallux valgus negativ beeinflussen kann.
N
icht selten bemerken Eltern bei ihren Kindern eine auffällige Verformung des Fußes. Naturgemäß besteht die Sorge, dass diese Fußfehlstellung zu dauerhaften Problemen führen könnte. Oftmals ist ein Elternteil selbst jahrelang mit Einlagsohlen versorgt worden. Eine Vorstellung beim Fußorthopäden kann darüber Klarheit schaffen, ob eine therapiebedürftige Problematik besteht. Die Abflachung des Fußgewölbes stellt eine der am häufigsten zu beobachtenden Auffälligkeiten des kindlichen Fußskeletts dar. Im orthopädischen Sprachgebrauch wird nicht zwischen Knicksenkfuß und Plattfuß differenziert, sondern diese Begriffe werden gleichbedeutend verwendet. Kurz nach Gehbeginn des Kindes entspricht die Abflachung des Fußgewölbes meistens einem Normalbefund. Im Zehenspitzenstand ist dabei eine gute Aufrichtung der Gewölbsstruktur feststellbar. In diesen Fällen spricht man von einem sogenannten asymptomatischen flexiblen Knicksenkfuß. In den meisten Fällen kommt es im Laufe der weiteren Entwicklung zu einer spontanen Stellungsverbesserung des Fußes. Wichtige Warnsignale, die unbedingt einer Vorstellung beim Orthopäden bedürfen, sind das Auftreten von Schmerzen am Fuß oder Unterschenkel, eine Verkürzung des Wadenmuskels sowie eine vermehrt feststellbare Stolperneigung. Therapeutisch steht beim sogenannten symptomatischen Knicksenkfuß eine Reihe verschiedener Therapieelemente zur Verfügung, die von physiotherapeutischen Maßnahmen über Einlagsohlen bis hin zu Schienenversorgungen oder auch Gipsbehandlungen reichen. Selten sind operative Korrekturen notwendig. Diese werden in aller Regel vor dem pubertären Wachstumsschub durchgeführt. Wenn beim eigenen Kind ein „zu flacher“ Fuß festgestellt wird – vor allem, wenn er Schmerzen verursacht oder die Wadenmuskulatur zu kurz ist –, ist die Vorstellung beim Orthopäden mit fußchirurgischem Schwerpunkt unbedingt zu empfehlen, um eine Einschätzung treffen zu können, ob eine Therapie notwendig ist.
VON GERHARD KAUFMANN
ORTHOPÄDIE + FUSSZENTRUM Priv.-Doz. Dr. Gerhard Kaufmann Innrain 2, 6020 Innsbruck Tel.: 0512 563900 praxis@ofz-innsbruck.at
www.ofz-innsbruck.at
127
IN DUBIO PRO DEO eco.life
Vor allem im Sommer, wenn die Schuhe wieder mehr zeigen als verhüllen, freuen sich die Füße über entsprechende Pflege. Das gilt übrigens auch für alle anderen Körperteile. Wir haben ein paar Helferlein gefunden, die uns rundum strahlen lassen: Schönheit zum Sehen, Fühlen und Riechen.
KARIBIKFLAIR
128
In den Anfangsjahren von Ligne St Barth wurden die Produkte einfach in traditionellen Rumflaschen abgefüllt und einzeln von Hand mit Goldstift beschriftet. Den einheimischen und internationalen Badegästen bot man sie am Strand direkt aus dem Koffer an. Das hat offensichtlich ganz wunderbar geklappt. Heute und damit mehr als drei Jahrzehnte später würdigen die „Originals“-Klassiker Huile de Coco, Huile d’Avocat und Gel d’Aloès nicht nur ihre Herkunft, sondern feiern auch das karibische Wohlgefühl. Öle ab 39 Euro in Murat Coskuns Kosmetikinstitut Aurora in Innsbruck.
BEERIG Wenn das Wetter gute Laune macht, darfs auch auf den Nägeln wieder bunt(er) werden. Wir lieben die Lacke von Nailberry, die es um je 15 Euro in vielen verschiedenen Farben im Resort in der Innsbrucker Erlerstraße zu kaufen gibt.
WOCHENRATION Heiße Sonnenstrahlen und die warme, trockene Luft können unsere Gesichtshaut ganz schön mitnehmen. Die Siebentage-Kollagenkur von QMS Medicosmetics ist wie ein Energieboost für die Haut, revitalisiert und spendet tiefenwirksame Feuchtigkeit. Collagen Concentrate 7-days System um 130 Euro gesehen im Kosmetikinstitut Aurora.
SCHUHE MÖSL
MASSARBEIT
DRUNTER FÜR DRÜBER Männerhaut ist im Schnitt 20 Prozent dicker als die weibliche. Zusätzlich besteht sie aus deutlich mehr Kollagenfasern. Dadurch setzt die Faltenbildung zwar nicht so früh ein, allerdings werden die Falten im Alter umso tiefer. Zugegeben, manche Falte kann Männer attraktiver und sexy aussehen lassen. Doch selten ist man selber begeistert, wenn einem im Spiegelbild die Zeichen der Zeit entgegenlachen. Die SuperfoodDragees von BLOOM Beauty Essence pflegen, schützen und revitalisieren die Haut. Zwei-Monats-Kur um 49,95 Euro unter www.bloombeauty.at/men.
AUFGEPASST UND MITGEMACHT Schönheitsregel Nummer 1: Die Haut immer gut reinigen. Besonders gerne machen wir das mit der „Cleanse & Peel Mask“ von Babor. Die reduziert überschüssigen Talg und löst abgestorbene Hornschüppchen. Das Ergebnis ist eine klare und seidig weiche Haut. Ca. 25 Euro. Babor erhältlich bei Kosmetik Visage im Innsbrucker Saggen.
HAIR- LICH Im Zuge der aktuellen Plastikdiskussion rücken auch sie vermehrt in den Fokus: feste Haarshampoos. Zugegeben, wir waren anfangs skeptisch, aber die sind echt super. Wir mögen die heimische Variante von Walde sehr. Zu haben als Ringelblume oder Melisse um je 11,80 Euro unter anderem im Shop in der Innsbrucker Innstraße, wo es noch allerhand anderes Schönes gibt. www.walde.at.
Andreas Papes ist einer von wenigen orthopädischen Schuhmachern im Land. Mittels modernster Vermessungstechnik fertigt er nach traditionellem Handwerk individuelle orthopädische Schuhe und Einlagen – als Krankenkassenpartner sogar auf Überweisung vom Orthopäden oder Ihrem Hausarzt.
Der orthopädische Schuhmachermeister Andreas Papes fertigt orthopädische Einlagen und Schuhe nach Maß.
E
in Paar Schuhe oder Einlagen auf Krankenschein bitte. Was etwas ungewöhnlich klingt, ist bei Andreas Papes täglich Brot. Für einen Selbstbehalt erhalten Patienten mit verschiedenen Fußproblemstellungen ein Paar orthopädische Schuhe oder Einlagen nach Maß. Auf die Frage, für welche Fehlstellungen orthopädische Schuhe oder Einlagen verschrieben werden, weiß Andreas Papes: „Meine Kunden haben die unterschiedlichsten Fehlstellungen wie Hallux valgus, Spreizfüße, Knick-/Senkfüße, Fehlstellungen nach einem Unfall oder von Geburt an, Fußprobleme bei Diabetikern oder Knieprobleme auf Grund von Fehlbelastungen im Fuß. Besonders zugenommen hat der sogenannte Fersensporn, eine Entzündung der Plantarfaszie, die auf eine Überlastung des Fußes zurückzuführen ist.“ Hilfreich seien orthopädische Einlagen insbesondere auch bei Knie-, Hüftund Rückenschmerzen. „Bei Kindern kann man auch bei früher regelmäßiger Einlagenversorgung einen Knick-/Senkfuß im Wachstum verbessern.“ Generell rät Papes zu passendem Qualitätsschuhwerk, das insbesondere bei der Ferse festen Halt geben soll. Eine große Auswahl an Markenschuhen wie Ecco, Ara, Gabor, Vital, Salewa, ON, Lowa oder Superfit findet man im hauseigenen Fachhandel „Schuhe Mösl“ mit ausreichend Parkplätzen barrierefrei vor der Tür. Egal um welchen orthopädischen Behelf es sich handelt, das vorrangige Bestreben des Orthopädieschuhmachers ist, das Gehen zu erleichtern. PR
SCHUHE MÖSL ORTHOPÄDIE PAPES Mittergasse 1, 6161 Natters Tel.: 0512/546204 oder 0660/4402331 Terminvereinbarung erbeten
www.schuhe-moesl.at
129
LIFES VORS TYLE ORG TIPP E-
NACHSORGE IST VORSORGE © ANDREAS FRIEDLE
Was wir aus COVID-19 bereits gelernt haben: Die Vorsorge muss – im Sinn der optimalen Patientenversorgung – verstärkt in den Fokus rücken.
130
Igor Richtmann leitet das UNIQA Vorsorgemanagement und den Spartenbereich der Personenversicherungen. Ihm obliegt die Führung der Projekte zu den Themen Vitalbilanz & Vitalmarketing sowie die Implementierung des betrieblichen Gesundheitsmanagements und betrieblicher Altersvorsorge.
W
as als „unvollständige Erholung und fehlende Rückkehr zum normalen Gesundheitszustand“ definiert und unter Bezeichnungen wie „Long COVID“, „Post-acute COVID-19“ oder „Post-COVID-Syndrome“ geführt wird, ist längst nicht hinreichend erforscht und definiert. Noch ist nicht gänzlich geklärt, ob die an-
haltenden Beschwerden nach einer COVID-19-Erkrankung tatsächlich ein klar abgrenzbares Syndrom darstellen. Doch mittlerweile ist klar, dass zwischen zehn und 20 Prozent der eigentlich Genesenen weiterhin Beschwerden haben, die sie im Alltag einschränken oder es sogar unmöglich machen, diesen zu bewältigen. Ein Blick auf die Datenlage basierend auf immer mehr Studien liefert ein klares Ranking der Beschwerden, die sich während der akuten Erkrankung entwickelt und über mehr als zwölf Wochen fortgesetzt haben: Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Schmerzen oder Enge in der Brust sowie Husten. Weniger häufige körperliche Langzeitbeschwerden sind: Verlust des Geruchssinns, Gelenksschmerzen, Kopfschmerzen, Sicca-Syndrom (Trockenheit des Auges), Muskelschmerzen, Schlafstörungen, Schwitzen und Durchfall. Die vielfältigen physischen Beeinträchtigungen machen es oftmals schwierig bis unmöglich, eine andere (zusätzliche) Ursache für die Beschwerden auszuschließen. Jedenfalls scheint es, dass es bei Patientinnen und Patienten nach intensivmedizinischer Betreuung, bei älteren und chronisch kranken Patientinnen und Patienten eher zu länger anhaltenden Symptomen kommt. Chronische Müdigkeit („Fatigue“), Schwäche und mangelnde Ausdauer können bei ihnen häufig sogar länger als drei Monate bestehen bleiben, während sich diese Beschwerden bei den meisten anderen Patientinnen und Patienten innerhalb dieses Zeitraums völlig zurückbilden. Letzteres gilt auch für Atemnot und chronischen Husten. Mentale Probleme wie Angst oder Depres-
sion werden meist kontinuierlich schwächer, können manchmal jedoch bis zu drei Monate bestehen bleiben.
POST- COVID - CHECK
Für alle über 18-Jährige mit aufrechtem UNIQA Versicherungsschutz für eine Krankenhauskostenversicherung (allgemeine Gebührenklasse oder Sonderklasse), deren Coronainfektion überstanden ist und bei denen Folgebeschwerden auftreten, übernimmt die UNIQA einen umfangreichen Post-COVID-Check. Dieser findet bei ausgewählten Partnerinnen und Partnern in ganz Österreich statt und umfasst folgende Leistungen: • Umfassendes ärztliches Gespräch (spezifische Anamnese, Befundbesprechung, ausführliche Abschlussbesprechung inklusive schriftlicher Unterlagen, allfällige ärztliche Empfehlungen für eine weitere Behandlung) • Herzultraschall • Spezifische Blutuntersuchung inklusive Antikörpertest COVID-19 • (Ruhe-)EKG • Lungenfunktionstest inklusive Sauerstoffsättigung
UNIQA ÖSTERREICH VERSICHERUNGEN AG Ing.-Etzel-Str. 9 6020 Innsbruck Team Vorsorgemanagement, Tel.: 0512/53 32 663 Leiter Igor Richtmann
Infos unter www.uniqa.at
(Gesundheit – Serviceleistungen – Post-COVID-Check)
Deine Lehre. Dein Erfolg. Lehre nach Matura www.tirol.gv.at/lehre Bezahlte Anzeige.
JULIA macht nach der Matura ihre technische Leidenschaft zum Beruf. Mit einer Lehre zur Mechatronikerin.
diewildenkaiser.com
NG
Dahinter steckt mein Lieblingslokal*, das endlich wieder den Familiensonntag krönt. WWW.WILLKOMMEN.TIROL/IM-RESTAURANT
* stellvertretend für ein Tiroler Unternehmen
U TÄRK ZUR S . IATIVE TSCHAFT IT IN EINE R WIR IROLE DER T