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Februar 2022

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N° 01

FEBRUAR 2022 | P.B.B. VERLAGSPOSTAMT 6020 INNSBRUCK | ZNR. GZ 02Z030672 M | EURO 3.00

DIE ZUKUNFT BEGINNT…

5G: New Radio für Mensch und Maschine FASZINATION FORSCHUNG: Mitten in der Zukunft MEDIZININFORMATIK: Die Wissenschaft der Daten BIONIK: Aus der Natur zurück zur Natur


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© BLICKFANG PHOTOGRAPHIE

eco.edit

eco.nova-Herausgeber Sandra Nardin (re.) und Christoph Loreck mit Chefredakteurin Marina Bernardi

SEHEN, WAS WIRD Viele Entwicklungen und Technologien, die wir für eine gelungene Zukunft brauchen, stehen bereits in den Startlöchern. Die Digitalisierung mit all ihren Ausprägungen macht vieles möglich, das vor Jahr(zehnt)en noch nicht denkbar gewesen wäre. Sie stellt aber auch vor Herausforderungen. Die sind weniger technischer Natur als vielmehr eine Frage ethischer und moralischer Grenzen. Dazu kommen die Tücken des Menschseins, der schließlich mit all diesen Entwicklungen mitmuss.

P

rognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, lautet ein Bonmot, das wahlweise Mark Twain, Karl Valentin, Nils Bohr oder auch Winston Churchill zugeschrieben wird. Letzter soll übrigens recht viele Dinge gesagt haben, die schlussendlich doch nicht von ihm stammten. Man sieht also: Auch der Blick in die Vergangenheit ist nicht immer so eindeutig.

GESTERN WAR HEUTE NOCH MORGEN Wir wollen uns in dieser Ausgabe der Zukunft nicht durch die Glaskugel nähern, um zu sehen, was sein könnte. Wir schauen uns an, was wird. Manches von dem, was vor Jahren noch denkunmöglich war, ist nun im Geschehen, und viele Entwicklungen prägen diese unsere Zukunft bereits maßgeblich mit. Das stellt vor die große Frage, wie wir künftig leben „Mehr als die Vergangenheit werden. Und ob wir das möchten. Schon jetzt werden uninteressiert mich die Zukunft, sere Meinungen und unser (vermeintliches) Wissen von denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Algorithmen mitgeprägt, Maschinen lernen selbstständig und kommen zu Entscheidungen, die für uns Menschen ALBERT EINSTEIN nicht mehr nachvollziehbar sind, und sogar selbst miteinander ins Gespräch. Nicht alles, was heute technisch machbar ist, ist auch in Sachen Ethik und Moral in Ordnung. Technologien, die uns das Leben erleichern sollten, machen es in Wahrheit in vielerlei Hinsicht komplizierter. Die Zukunft verlangt uns neue Kompetenzen ab, die sich jedoch langsamer bilden, als der Fortschritt vorangeht. Viele Entwicklungen, die früher evolutionär verliefen, passieren heute disruptiv. Fortschritt spielt sich in einem Tempo ab, dem der Mensch nicht mehr hinterherkommt und vielfach gar nicht will. Ein großer Knackpunkt der Zukunft wird also sein, die Geschwindigkeit menschlicher und technischer Entwicklung in irgendeiner Weise in Einklang zu bringen. Damit der Mensch auch künftig in einer Welt lebt, die er noch verstehen kann. Schauen Sie nach vorn – im besten Fall optimistisch. Ihre Redaktion der eco.nova

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eco.inhalt

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FOTOS: ADOBE STOCK, ANDREAS FRIEDLE, WALTER OBERBRAMBERGER, TOM BAUSE, TLM

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eco.inhalt

E C O .T I T E L 14

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Will der Mensch bei der Gestaltung seiner Zukunft ein Wörtchen mitreden, gilt es, nicht nur fantasievoller als bisher über diese Zukunft nachzudenken, sondern sie auch aktiver zu gestalten.

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E C O .W I R T S C H A F T 18

PARADIGMENWECHSEL

Mit 5G wird die fünfte Mobilfunkgeneration ausgerollt. Sie hat das Potenzial, die Wirtschaft und Mobilität zu verändern, und wird dem Internet der Dinge Anschub geben.

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Im Zuge der Digitalisierung werden Unmengen von Daten gesammelt. Die Herausforderung liegt darin, diesen Daten die richtigen Fragen zu stellen, um daraus brauchbare Antworten zu bekommen.

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SAFETY FIRST

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PRESTIGESACHE

Parametrisch. So nennt sich das Konzept, das sich annähernd im gesamten Design des Hyundai Tucson Prestige Line findet.

ECO.LIFE THEATER-LEIDENSCHAFT

Die künftige Intendantin des Tiroler Landestheaters, Irene Girkinger, im Gespräch über ihre Pläne für Innsbruck und ihre Leidenschaft fürs Theater. EINE ODE AN DIE KULTUR

Die Tiroler Landesmuseen verzeichneten im vergangenen Jahr einen regen Besucherzuwachs. Was heuer dort los ist.

MOBILE PAYMENTS

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GUTE ZEITEN FÜR DIE KUNST

Kunstauktionen: Die Dynamik eines besonderen Marktes.

MUT ZUR AKTIE

Trotz vieler CoronaHerausforderungen gibt es auch Krisengewinner: den Aktienmarkt zum Beispiel.

ELEKTRO-STERN

Der bis dato kompakteste Elektro-Mercedes hört auf den schmucken Namen EQA.

DIE WISSENSCHAFT DER DATEN

Mobile Bezahldienste erfreuen sich nicht erst, aber vor allem seit Beginn der Pandemie zunehmender Popularität. Was das für die Banken bedeutet.

INFORMATIONSGESELLSCHAFT

Von der Herrschaft der Information in einer digitalisierten Zeit und wie Algorithmen unser Weltbild beeinflussen.

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KANTIGER BURSCHE

Er soll das Elektroauto des Jahres 2021 werden: der neue 5 der IONIQ-eigenen BEVMarke von Hyundai.

ECO.GELD

ECO.ZUKUNFT 34

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Neue Technologien können dabei helfen, die Lebensqualität älterer Menschen zu steigern und ihnen Sicherheit im Alltag zu geben.

JA ZUM TOURISMUS

Die positive Einstellung dem Tourismus gegenüber ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Das ist ein Punkt von vielen, die Mario Gerber als neuen Obmann des Innsbruck Tourismus beschäftigen.

DIE NATUR ALS LEHRER

In der bisherigen Zivilisationsgeschichte war Fortschritt fast immer von einer Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur begleitet. Die bioinspirierte Wissenschaft zeigt, dass das nicht so sein muss.

DIE ZUKUNFT DES MENSCHEN

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KLANGSTADT

In der aktuellen Sonderausstellung des Audioversum gehen die Ohren auf Reisen.

FASZINATION FORSCHUNG

Dass ein derart komplexes therapeutisches Konzept wie die mRNA-Technologie alltägliches Gesprächsthema geworden ist, ist außergewöhnlich. Neu indes ist sie nicht.

ECO.MOBIL 82

SCHÖN STARK

Der neue Audi Q4 Sportback e-tron ist vor allem eines: attraktiv. Innen wie außen und unter der Haube.

03 EDITORIAL 06 KOMMENTAR 08 11¾ FRAGEN 74 ECO.STEUERN 78 ECO.RECHT 106 IM.GESPRÄCH

HER AUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin

Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, Christiane Fasching, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Michael Kordovsky // eco.mobil: Felix Kasseroler // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Ümmü Yuksel ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Matteo Loreck, Daniel Christleth L AYOUT: Tom Binder LEK TOR AT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Wellness, Steuern, Recht, Kulinarium und Lifestyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE SABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BEZ AHLTE ANZEIGEN!

UNTERNEHMENS GEGENS TAND:

FACEBOOK.COM/ECO.NOVA.AT

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eco.mmentar

Pi

Nach Omikron kommt im griechischen Alphabet Pi. Ob es auch das Coronavirus bis dorthin schafft, ist offen. Solange wir das nicht wissen, sollten wir die Zeit nutzen, uns auch einmal mit anderen Themen zu beschäftigen.

VON

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I

nzidenzen. Contact-Tracing. Virenlast. Long Covid. DurchK L A U S S C H E B E S TA seuchung. Mit derart spröden Begriffen müssen wir uns seit zwei Jahren herumschlagen. Omikron scheint uns eine kleine Atempause zu gönnen: Die Infektionszahlen schnellen zwar in die Höhe, aber offenbar ohne die Krankenhäuser zu überlasten. Die einen Experten schicken Signale, dass wir gerade den Anfang vom Ende des Virus erleben, die anderen sehen schon die nächste Generation des Virus auf uns zurollen – im griechischen Alphabet wäre Pi an der Reihe. Ohne allzu viel Mitleid erwecken zu wollen: Die Politik hat’s in diesem Spannungsfeld der Expertenmeinungen gerade nicht wirklich leicht. Also wird „auf Sicht gefahren“ – auch wenn das angesichts des dichten Nebels dynamischer klingt als es tatsächlich ist. Das führt zu Entscheidungen mit maximaler Bandbreite, um es freundlich zu formulieren. Die Impfpflicht ist ein Musterbeispiel dafür: Pflicht ja, aber Kontrolle erst später; Strafen ja, aber Aufhebung bei Nachholung der Impfung innerhalb von 14 Tagen; Peitsche ja, aber im selben Atemzug wird das eine Milliarde Euro teure Zuckerbrot in Form der Impflotterie verteilt. Dieser „typisch österreichische Zugang“ ist vertretbar, solange die weitere Entwicklung derart im Dunkeln liegt wie derzeit. Sobald sich allerdings die Nebel lichten, fallen die Ausreden weg. Dann braucht es wieder Klartext und Entscheidungen mit Ecken und Kanten. Denn während wir zwei Jahre lang über Corona geredet haben, ist die Welt nicht stehen geblieben. Zahlreiche Baustellen warten darauf, bearbeitet zu werden. Klimaschutz. Überalterung. Bildungsstau. Fachkräftemangel. Kinderbetreuung. Pflege. Inflation. Budgetsanierung. Und mehr. Als ob wir nicht schon genug mit uns selbst zu kämpfen hätten, macht’s uns auch die EU noch schwer. Sie fährt im wahrsten Sinne des Wortes mit der Eurovignette über uns drüber, rügt uns beim gestaffelten Kindergeld und hat es zwei Jahre lang nicht zustande gebracht, ihre Mitgliedsländer zu

halbwegs einheitlichen Covidregeln zu bewegen. Doch die Bundesregierung scheint über erstaunliche Leidensfähigkeit zu verfügen. Sie lässt sich zusätzlich dreinreden, indem sie beispielsweise ein Covid-Beratergremium installiert, dessen Name „Gecko“ wie aus einem zweitklassigen Actionfilm klingt. Oder hundert Bürgerinnen und Bürger angeblich zufällig auswählt, die im ebenfalls neu erfundenen „Klimarat“ die Herkulesaufgabe des Klimaschutzes lösen sollen. Man möchte meinen, die nicht in der Verfassung vorkommende Landeshauptleutekonferenz und die Sozialpartner seien mächtig genug, da brauche es nicht weitere Nebenregierungen. Demokratisch legitimiert ist nämlich immer noch ausschließlich die Politik. Versagt sie, können Neuwahlen die Karten neu mischen. Das funktioniert aber nur, wenn die Politik die Karten selbst in der Hand hält. Wer Verantwortung hat, muss sie auch tragen. Genau das wird in den kommenden Monaten nötig sein: Mutige und eigenständige Entscheidungen, die auch vor unangenehmen Tatsachen die Augen nicht verschließen. Das dem ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Kurt Schumacher zugeschriebene Zitat „Gute Politik beginnt mit dem Betrachten von Wirklichkeit“ bringt’s in Zeiten von Fake News und alternativen Wahrheiten auf den Punkt. Mehr denn je muss die Politik aus der Fülle an Informationen jene herausfiltern, die für die weitere Entwicklung entscheidend sind, anstatt sich auf Nebenschauplätzen zu verzetteln. Das Zitat lässt sich auch umgekehrt lesen: „Schlechte Politik beginnt mit dem Leugnen der Wirklichkeit.“ Dazu fällt mir auf Anhieb ein österreichischer Politiker ein, der derzeit als Redner auf zahlreichen Anti-Corona-Demos auf Österreichtour geht und in die aufgewühlten Seelen sein Gift versprüht. Das führt zu meiner größten Hoffnung für 2022: Sollte sich die Pandemie tatsächlich langsam verabschieden, wird der FPÖ-Scharfmacher sein selbstgewähltes Hauptthema los und er kann gemeinsam mit den Impfrevoluzzern MFG ein politisches Begräbnis erster Klasse feiern. Rein subjektiv eingeschätzt, Daumen mal Pi eben.


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© SANDRA SCHÖNHERR

eco.porträt

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Michael Schotzko ist seit 1. Dezember 2021 neuer Betriebsleiter der Denzel & Unterberger Autowelt in Innsbruck.


eco.porträt

11¾ FRAGEN AN

MICHAEL SCHOTZKO „Auf welche Sonderausstattung ich in einem Auto nie verzichten möchte? Definitiv die Lenkradheizung.“ MICHAEL SCHOTZKO

1. Wer sind Sie? Ich habe eine Schlosserlehre absolviert und nach zehn Jahren im Beruf als Juniorverkäufer in der Unterberger-Gruppe angefangen. Danach bin ich in den Verkauf von Jaguar und Land Rover gewechselt und wurde Verkaufsleiter. Seit Dezember 2021 bin ich Betriebsleiter der Denzel & Unterberger Autowelt in Innsbruck. Ich bin kommunikativ, lösungsorientiert und zielstrebig.

Warum, glauben Sie, haben wir Ihnen geschrieben? Wegen meiner neuen Position als Betriebsleiter. 2.

3.

Wie lautet Ihr Lebensmotto? Stets positiv sein und neue Wege einschlagen.

4. Was macht Sie stolz? Das mir entgegengebrachte Vertrauen, die Position des Betriebsleiters zu übernehmen. 5.

Was bedeutet für Sie Luxus? Zeit, Gesundheit und Heimat.

6. Mit welcher historischen Persönlichkeit würden Sie gerne einen Abend verbringen – warum? Abraham Lincoln, denn er war seiner Zeit weit voraus. 7.

Was ist das ungewöhnlichste Thema, über das Sie richtig viel wissen? Fahrräder.

Ihr Leben in Autos: Wenn Sie den größten Meilensteinen in Ihrem Leben je ein Fahrzeug zuordnen müssten, welche wären das? ERWERB DES FÜHRERSCHEINS: Golf GTI. LEHRABSCHLUSS: 3er BMW. BEGINN BEI DENZEL & UNTERBERGER: Freelander 2. BETRIEBSLEITER: Range Rover. 8.

9. Wo sehen Sie die automobile Welt in 20 Jahren? Nutzfahrzeuge werden mit Wasserstoff betrieben, die Hybridtechnik wird stark vertreten sein und eventuell in synthetischen Kraftstoffen. 10. Auf welches Automodell freuen Sie sich heuer ganz besonders? Ich freue mich sehr auf den neuen Ranger Rover Sport, quasi den Bruder des neuen Range Rover, der im November 2021 präsentiert wurde. Leider gibt’s noch keine Fotos dazu. 11.

Design oder Technik: Worum geht’s Ihnen bei einem Auto eher? Design.

11¾ :

W E L C H E F R A G E W O L LT E N S I E S C H O N I M M E R B E A N T W O R T E N ,

N U R H A T S I E N O C H N I E J E M A N D G E S T E L LT ?

SCHOTZKO:

Glauben Sie mir: In 15 Jahren im Verkauf wurden Sie alles gefragt.

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WIRTSCHAF

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wirtschaft & unternehmen

Aufwärtstrend Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Coronapandemie treffen Tirol im Bundesländervergleich nach wie vor überproportional. Die entgangene Wertschöpfung nach rund zwei Jahren Pandemie beträgt netto rund fünf Milliarden Euro. Die Ursache für diesen großen Einbruch liegt im hohen Anteil an wirtschaftsbezogenen Dienstleistungen. Besonders Beherbergung, Gastronomie, Seilbahnwirtschaft und Handel sind im Vergleich zu anderen Bundesländern in Tirol stark ausgeprägt. Damit sank auch die Wirtschaftsleistung 2021 mit minus zehn Prozent stärker als im Bundesschnitt (–6,7 %). Auf der anderen Seite erweisen sich die exportorientierte Industrie, das Gewerbe und die Bauwirtschaft einmal mehr als Träger der Konjunktur. Die Prognose für heuer hängt naturgemäß stark vom weiteren Pandemieverlauf ab. Wenn es gelingt, die Situation mit der Kombination der verfügbaren Maßnahmen zu kontrollieren, ist mit einem Anstieg der realen Bruttowertschöpfung von rund fünf bis sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen. Eine wichtige Konjunkturstütze im zweiten und dritten Quartal 2022 wird dabei der private Konsum sein. Die Tiroler Haushalte dürften schätzungsweise rund eine Milliarde Euro seit Beginn der Pandemie zusätzlich gespart haben, die es nun auszugeben gilt. Das Wirtschaftsbarometer der Wirtschaftskammer offenbart allerdings auch drei große betriebliche Problemzonen: An erster Stelle steht für die Unternehmen der Arbeitskräftemangel (79 %), gefolgt von steigenden Energiepreisen (64 %) und stockenden Lieferketten (58 %). Eine Herausforderung für den Arbeitsmarkt – trotz der tendenziell positiven Erwartungen – wird außerdem das Thema Langzeitarbeitslosigkeit. Seit 2019 stieg die Anzahl der Langzeitarbeitslosen um 150 Prozent auf 2.450 Personen an, auch Long COVID könnte noch zum Problem werden.


© BERGER

© BLICKFANG PHOTOGRAPHIE

eco.wirtschaft

eco.mmentar

Marina Bernardi, Chefredaktion

ZAHL DER AUSGABE: 1.000.000 In der Abfallsortieranlage Recycling Zentrum (RZ) Ahrental wurde kürzlich die millionste Tonne Rest- und Sperrmüll aus der Stadt Innsbruck sowie den Bezirken Innsbruck Land und Schwaz angeliefert. 2011 haben die Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB) und die Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH (ATM) die Anlage südlich von Innsbruck in Betrieb genommen. Mittels moderner Technologie wird der Abfall hier bestmöglich für die thermische Verwertung aufbereitet. Die angelieferten Abfälle werden zerkleinert und sortiert; die daraus entstehenden Energieballen sind in Industrieanlagen als hochwertiger Ersatz für fossile Brennstoffe gefragt. Eine Tonne dieses Ersatzbrennstoffs hat einen Heizwert, der dem von rund 500 Litern Heizöl entspricht. Den Weg in die Verbrennung legen die Energieballen aus dem RZ Ahrental umweltfreundlich mit der Bahn zurück.

„Es ist ein verbreiteter menschlicher Fehler, bei schönem Wetter nicht mit Stürmen zu rechnen.“

© SKISTAR/OLA MATSSON

NI C C O L Ò M A C HI AV E L L I, P HIL O S O P H

DEAL! Die St. Johanner Bergbahnen haben einen neuen Besitzer. Eine Bietergemeinschaft um die Tiroler Pletzer Gruppe, Autobus Oberbayern und die MIC-Marbach-Group konnte mit dem schwedischen Eigentümer SkiStar den Deal Mitte Jänner abschließen, nachdem der Verkauf an einen Mitbewerber zuvor von den Aufsichtsorganen kein grünes Licht erhalten hatte. Die Pletzer Gruppe mit Stammsitz in Hopfgarten im Brixental ist bereits Betreiber und Eigentümer der Bergbahn Hohe Salve als Teil der SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental sowie der Bergbahn Pillersee. Ein weiteres Projekt ist der Ausbau des größten Skigebiets Deutschlands im bayerischen Sudelfeld. Zuletzt wurden die Reuttener Seilbahnen übernommen.

Pandemüde Fuchs sein allein reicht nicht, man muss sich auch auskennen im Wald. Ob Frau Beinschab in ihrer Studie einen Fuchs unter den Politikern ausgemacht hat, weiß ich nicht genau, mir dünkt aber, dass sich der ein oder andere in seinem Wald ganz schön verlaufen hat. Inzwischen haben wir die Pandemie schon stattliche zwei Jahre picken und man könnte meinen, irgendwann hätte man einen Plan, wie man damit umgeht. Den hat die Regierung zwar nicht (zumindest keinen mir stringent ersichtlichen), aber immerhin haben wir jetzt Gecko. Und eine Impfpflicht. Wenngleich eine sehr österreichische Variante davon. Kommt man seiner Pflicht nämlich nach, wird man belohnt. Nicht jeder übrigens, denn wie es bei Lotterien so ist: Die Gewinner werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Das macht bei jenen, die sich freiwillig drei Impfungen abgeholt haben und nichts gewinnen, sicher gute Laune, wenn der Nachbar, der sich erst unter Androhung von Strafen impfen lässt, 500 Euro kassiert.*) Mit der Einführung der Impfpflicht hat man außerdem 3G wiederbelebt. Macht durchaus Sinn, wenn man sich zwar nicht an Regeln hält, sich aber kostenlos testen lassen kann, um ins Restaurant oder Kino zu gehen. Wobei dieses „kostenlos“ trügerisch ist, denn bezahlen muss die Tests naturgemäß jemand. Das ist in dem Fall der Staat. Der wiederum holt sich sein Geld durch die Steuerzahler*innen, und das wiederum freut mich nur mäßig, weil dieses, mein Geld an anderer Stelle weitaus gerechter und zukunftsträchtiger investiert wäre. Im Übrigen hab ich auch nichts gegen die Maskenpflicht, wenn ich aber zum Eintreten in die Sporthalle einen Snutenpulli anziehen muss, den ich zum Training abnehmen darf (immerhin), während ich meine Mittrainierenden anschwitze, und ihn zum Gehen wieder aufziehen muss, erschließt sich mir die Sinnhaftigkeit nur mäßig. Selbiges gilt fürs Restaurant. Bewegt man sich abseits seines zugewiesenen Sitzplatzes: Maske auf! Als gäbe es eine Virenschutzzone rund um jeden einzelnen Tisch. Und das ist das Problem: Vieles von dem, was uns an Vorschriften zufällt, scheint in der Tat eher zufällig. Damit hat man im Laufe dieser Pandemie viele Menschen verloren. Viele Regeln sind in der Praxis wenig logisch. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Zeit der Pandemie. Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at

*) Nachdem es offenbar verabsäumt wurde, sich über die Abwicklung rechtzeitig Gedanken zu machen, gewinnt nun vielleicht eh überhaupt niemand und die Welt ist wieder in Ordnung ...

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eco.mmentar

ZUKUNFT. HEUTE. MORGEN Der Jahreswechsel eignet sich besonders, um sich über das, was sein wird, Gedanken zu machen. Reden wir über die Zukunft und was wir uns von ihr erwarten können und dürfen.

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D

as Paradoxe an der Zukunft ist, dass sie immer in der Vergangenheit beginnt. Dinge, die heute möglich sind, haben eine lange Vorgeschichte. Das Muster dabei ist immer ähnlich. Vordenker entwickeln neue Technologien, die Bekanntes ersetzen sollen. Damit einher geht oft eine Veränderung des Verhaltens jener, die bis dato die alte Technologie genutzt haben. Dieser Schritt ins vorerst Ungewisse bereitet vielen Unbehagen und es ist verständlich, dass dabei einige – zumindest zeitweise – aussteigen und eine Runde aussetzen wollen. Viele dieser Veränderungen sind nur marginal besser und es stellt sich die Frage, ob der Zugewinn an Verbesserung den Umstieg rechtfertigt. Dennoch gibt es einige Entwicklungen, die einen dermaßen großen Schritt bedeuten, dass es sich lohnt, sich damit intensiv zu beschäftigen. Eine davon ist 5G. Dabei handelt sich um keine neue Corona-Verordnung, die Sie übersehen haben. 5G ist vielmehr ein neuer mobiler Datenübertragungsstandard, der einen wesentlich höheren Datendurchsatz ermöglicht als der momentane Standard (mehr dazu in der Titelgeschichte) und der weitere Entwicklungen maßgeblich beeinflussen wird. Wie die Telemedizin oder Mobilität.

VON ALEXANDER M. SCHMID

TELEMEDIZIN Die Digitalisierung in der Medizin war und ist ein wesentlicher Faktor für Weiterentwicklung und Innovation. Daten lassen sich leichter und schneller von A nach B transferieren als Personen mit ihren Befunden auf Papier. Besonders bei bildgebenden Verfahren sind die Datenmengen hoch und eine entsprechende Bandbreite für das rasche Übermitteln (zwischen Ärtz*innen) notwendig. Bei vielen Eingriffen wird außerdem bereits mit Operationsrobotern gearbeitet. Dazu sitzt ein/e Chirurg*in vor einem Gerät mit Monitor oder Datenbrille und führt die Roboterarme, an denen entsprechendes Werkzeug montiert ist. Derzeit steht dieses Gerät meistens in einem Zimmer neben dem OP-Saal.

Technologisch spricht nichts dagegen, dass dieses Gerät in einem anderen Krankenhaus, einer anderen Stadt oder einem anderen (Bundes-)Land steht. Benötigen Patient*innen nach einer erfolgreichen Operation noch eine Nachbetreuung, die nicht zwingend im Krankenhaus oder eine Reha-Anstalt erfolgen muss, können diese weiterhin digital überwacht werden, da mit der neuen Technologie laufend und zeitnah Daten übermittelt werden können. Schon heute nutzen viele von uns smarten Uhren, die laufend Puls, Herzrhythmus und andere Kennzahlen überwachen. Und das passiert bereits rund um die Uhr und mobil.

MOBILITÄT Nicht nur die Rennerei von Ärztin zu Arzt kann reduziert werden. Die Digitalisierung ermöglicht vielen das zeitweise Arbeiten von daheim oder einem Co-Working-Space, die derzeit – auch mangels entsprechender Infrastruktur – immer ins Büro fahren müssen. Die Arbeitsmobilität kann sohin gleichermaßen reduziert wie erhöht werden. Arbeiten von dort, wo man will, und nicht wo man muss. Das erfordert auch eine neue gedankliche Mobilität. Die Denke, dass Anwesenheit gleichbedeutend mit Produktivität ist, ist Vergangenheit. Das hat nicht zuletzt die Pandemie bewiesen. Es ist richtig, dass die Kosten dafür noch zu hoch waren. Die Stressbelastung hat viele an ihre Grenzen oder darüber hinaus gebracht. Daran müssen wir alle zusammen arbeiten, damit wir morgen auf die seit gestern vorhandenen Technologien aufbauen und alle neuen Möglichkeiten ausschöpfen können. Fangen wir an. Heute.

ZUR PERSON

Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über sieben Jahren mit Vereinfachung in Unter nehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at

FOTO: © WIENER STADTWERKE / MICHÈLE PAUTY


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WIE WIR LEBEN WERDEN Wir stehen womöglich an einer Zeitenwende. Das Internet wird mitsamt seinen Algorithmen immer mächtiger, die Geräte kommen im Internet der Dinge miteinander ins Gespräch. Will der Mensch bei der Gestaltung seiner Zukunft ein gewichtiges Wörtchen mitreden, gilt es, nicht nur fantasievoller als bisher über diese Zukunft nachzudenken, sondern sie auch aktiver zu gestalten. TEXT: MARIAN KRÖLL


eco.titel

Technologie hat selbst keine Moralität, sie ist grundsätzlich neutral, ein Werkzeug, das die Tendenzen – und den Tonfall – ihrer Nutzer trägt.

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ir leben heute wohl im Anthropozän, jenem Zeitalter, dem der moderne Mensch durch seine Technologien seinen Stempel aufgedrückt hat. Damit sind alle Veränderungen am Planeten gemeint, die der Mensch verursacht hat. Und es sind ihrer unzählige. Der Mensch hat die Erde binnen weniger Jahrhunderte tiefgreifend verändert. Und irreversibel. Für den renommierten Historiker Yuval Noah Harari steht fest, dass der nächste Veränderungsprozess den Menschen selbst betreffen wird. Harari deutet mit dem technikverstärkten Homo Deus einen Zukunftsentwurf an, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheiden wird als der Homo sapiens vom Neandertaler. „Über Millionen von Jahren hinweg gingen Intelligenz und Bewusstsein Hand in Hand. Bewusstsein ist die Fähigkeit zu empfinden, Intelligenz die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Künstliche Intelligenz verfügt über kein Bewusstsein und löst Probleme völlig anders, als wir Menschen das tun würden“, sagte der Historiker, der sich auch intensiv mit der Zukunft auseinandersetzt – zum Beispiel in einem Interview mit dem US-Sender CBS. „Die Welt teilt sich zunehmend auf in verschiedene Datensphären. Im Kalten Krieg gab es den Eisernen Vorhang, jetzt haben wir den Silicon Curtain zwischen den USA und China. Heute stellt sich die Frage, ob unsere Daten nach Kalifornien oder China gehen“, sagt Harari. Von Europa ist in diesem Zusammenhang keine Rede. Es scheint fast so, als ob die alte Welt den Anbruch der Digitalisierung gründlich verschlafen habe. Während der Kontinent seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Friedensdividende eingestrichen hat, droht die Dividende der digitalen Transformation gen Asien und in die USA abzufließen und Europa ins Hintertreffen zu geraten. Die Sphäre des Digitalen lässt sich bereits heute kaum mehr trennscharf von der physischen Welt abgrenzen. Diese Grenzen sollen – geht es nach der globalen Techelite – zukünftig weiter verschwimmen. „Netflix sagt uns, was wir schauen sollen, Amazon sagt uns, was wir kaufen sollen, und in 20, 30 Jahren könnten uns Algorithmen sagen, was wir studieren, wo wir arbeiten und wen wir heiraten und sogar wen wir wählen sollen“, malt Yuval Noah Harari ein Szenario an die Wand, das auch einem Science-Fiction-Drehbuch entsprungen sein könnte. Der Historiker argumentiert, wir alle würden sogar Gefahr laufen, zu sogenannten „gehackten“ Menschen zu werden: „Einen Menschen zu hacken bedeutet, ihn besser kennenzulernen, als er sich selbst kennt. Und ihn auf dieser Grundlage zu manipulieren. Dieses externe System hat das Potenzial, sich an alles zu erinnern,

was Sie jemals getan haben“, warnt Harari, der es als Historiker als seine Aufgabe sieht, nicht nur in die Vergangenheit zu blicken, sondern Veränderungsprozesse zu beobachten. Und das tut er mit klarem Blick und großem Scharfsinn. „Wenn Menschen Codes schreiben, gestalten sie die Politik, die Wirtschaft und die Struktur der menschlichen Gesellschaft um“, mahnt der Historiker. Es gibt also gute Gründe dafür, die Programmierer, die am Gewebe unserer Gesellschaft, ja vielleicht sogar unserer Realität codieren, mit der Ethik und den Konsequenzen ihrer Aufgabe vertrauter zu machen. Nun weiß man nicht erst seit Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Elon Musk, dass es die Nerds sind, die im digitalen Zeitalter eine globale Machtfülle und Bedeutung erlangt haben, von der gewählte Volksvertreter wie Despoten weltweit nicht einmal zu träumen wagen. Apropos Wagen: Auch autonome Fahrzeuge werden zukünftig Entscheidungen nach ethischen Gesichtspunkten treffen müssen. Angenommen, eine Frau mit Kinderwagen überquert die Straße, ein Zusammenstoß lässt sich nur vermeiden, wenn das Fahrzeug in einen entgegenkommenden LKW ausweicht und dabei das Leben der Insassen gefährdet. „In diesen schwierigen Situationen wird man den Algorithmen sagen müssen, welche Entscheidung sie zu treffen haben. Dazu muss man diese philosophische, ethische Frage aber vorher klären“, meint Harari. Algorithmen werden in Zukunft in unser aller Leben eine noch wesentlich größere Rolle spielen, ob uns das bewusst ist oder nicht. Es ist noch nicht zu spät, darüber mitzuentscheiden, wie transparent und nachvollziehbar diese Entscheidungen gemacht werden, die von Maschinen sekündlich getroffen werden. Die EU hat – wie wir im Interview mit dem auf Digitale Kommunikationsräume spezialisierten Universitätsprofessor Matthias C. Kettemann auf Seite 40 ergründet haben – dahingehend jüngst vielversprechende Initiativen gesetzt. Denn so wie Macht Kontrolle braucht, braucht auch der Algorithmus Kontrolle. Der Mensch der Zukunft wird heute gemacht, er braucht Big-Data-Literacy, die Fähigkeit zur Quellenkritik, Medienkompetenz und ein ausgeprägteres Problembewusstsein. Und das Vertrauen, die Zukunft selbst (mit)gestalten zu können. Technologie hat selbst keine Moralität, sie ist grundsätzlich neutral, ein Werkzeug, das die Tendenzen – und den Tonfall – ihrer Nutzer trägt. Es obliegt der Politik, für gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen


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Leben und am politischen Prozess zu sorgen, weil sich eine offene Gesellschaft keine Heerscharen an Menschen leisten kann, die sich abgehängt und marginalisiert fühlen. Aus Unmut und dem Gefühl, nicht gehört und nicht verstanden zu werden, entwickelt sich nämlich – wie man in der aktuellen Krise gut besichtigen darf – schnell eine Fundamentalopposition gegenüber allem, was „von oben“ kommt, und damit eine Krise der Demokratie und in weiterer Folge des Rechtsstaats. Nur eine Gesellschaft mündiger, auf- und abgeklärter, selbstbewusster Bürger wird den Herausforderungen zu begegnen und die Chancen zu nützen wissen, die sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auftun. Der Mensch darf sich nicht von seiner Technologie gegängelt fühlen. Sie muss für den Menschen da sein, nicht der Mensch für seine Technik. Es wird auch darum gehen, die Wohlstandsgewinne und den Produktivitätsfortschritt gerechter zu verteilen. Der Trickle-down-Effekt*) hat sich nämlich als eine Mär entpuppt, ein Gschichtl, wie man in Österreich sagt. In der Pandemie hat sich gezeigt, dass man angesichts der wachsenden ökonomischen Ungleichheit, die auch die westlichen Industrienationen berührt, viel eher von einem Trickle-up-Effekt reden müsste. Man kann schon vor dem Ende der Pandemie eine sehr kleine Gruppe zum alleinigen Sieger erklären: Es sind die Milliardäre. Ausgerechnet die zehn reichsten Menschen konnten ihr Vermögen seit Beginn der Pandemie mehr als verdoppeln – von 700 Milliarden Dollar auf 1,5 Billionen Dollar. Im selben Zeitraum sind laut der Entwicklungsorganisation Oxfam mehr als 160 Millionen Menschen in die Armut abgerutscht. Man weiß aus der Geschichte, dass zunehmende sozioökonomische Ungleichheit ein

*) Die Trickle-down-Theorie besagt, dass der Wohlstand der Reichsten einer Gesellschaft nach und nach durch deren Konsum und Investitionen in die unteren Schichten der Gesellschaft durchrieselt und zu Wirtschaftswachstum führt.

sozialer Brandbeschleuniger ist, der das Potenzial hat, die ohnehin fragile globale Ordnung weiter zu destabilisieren. Auch im Internet werden die Menschen in Zukunft nicht länger – abgesehen von den Computern – unter sich sein. Das Internet der Dinge steht vor der Tür, das physische Objekte mit der virtuellen Welt verbinden wird. So kann der Mensch mit seinen Gerätschaften – ganz gleich, ob Auto, Kühlschrank oder Toaster – interagieren sowie auch die Geräte untereinander. Zu den Grundvoraussetzungen für diese Entwicklung zählt der neue Mobilfunkstandard 5G, mit dem wir uns im Folgenden näher beschäftigen. Wer – so wie der Autor dieser Zeilen – vom Internet der Menschen schon zeitweilig schwerstens genervt ist, wird das Internet der Dinge kaum erwarten können. Nicht umsonst trägt das IoT, das Internet of things, auch den Namen „Allesnetz“. Die Akzeptanz dieses Fortschritts, der aus heutiger Sicht unausweichlich scheint, wird davon abhängen, wie glaubwürdig und zuverlässig allgemein gültige Sicherheitsstandards darin implementiert werden können. Es ist also viel zu tun. Wir haben es heute mit Technologie zu tun, die wir nicht verstehen. Wir stehen als Menschheit an einem Scheideweg: Es scheint so, als seien wir nicht entwickelt genug, um unsere Technologie zu verstehen, und wir können auch ihre Ergebnisse nicht mehr vollständig vorhersehen. Je eher und bestimmter die Menschen die Ärmel hochkrempeln, um die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und das Momentum nicht länger den Maschinen und Algorithmen zu überlassen, desto menschenfreundlicher und lebenswerter wird die Zukunft werden. Eine Zukunft, in der sich der Mensch weitgehend selbst aussuchen kann, wie sehr er von seinen Maschinen dabei unterstützt wird, zu sich selbst zu kommen und ein erfülltes Leben zu führen. Denn das ist doch im Grunde das Einzige, was wirklich zählt.

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5G

NEW RADIO FÜR MENSCH UND MASCHINE 18

Mit 5G wird in Tirol wie in ganz Österreich derzeit die fünfte Mobilfunkgeneration ausgerollt. Sie hat das Potenzial, die Wirtschaft und die Mobilität gleichermaßen zu verändern, und wird dem Internet der Dinge Anschub geben. Für den Mobilfunknutzer ändert sich vorerst zumindest oberflächlich nicht allzu viel, außer dass 5G noch schneller sein wird. TEXT: MARIAN KRÖLL


„Der Siedlungsraum wird zukünftig relativ flächendeckend mit 5G versorgt sein.“

© RTR/DAVID BOHMANN

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KLAUS M. STEINMAURER

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G ist gekommen, um zu bleiben. Und um in der Wirtschaft und Gesellschaft umzurühren. Wie weitreichend die Veränderungen sein werden, lässt sich heute erst erahnen. Grundsätzlich ist der neue Mobilfunkstandard, genau genommen als 5G New Radio bezeichnet, auf drei unterschiedliche Anwendungsszenarien hin zugeschnitten: Enhanced Mobile Broadband (eMBB) zielt darauf ab, Mobilgeräte mit möglichst hohen Datenraten zu versorgen, Massive Machine Type Communication (mMTC) ist für das Internet der Dinge relevant und nicht zuletzt Ultra reliable low latency communications (uRLLC), das zuverlässige Verbindungen mit geringer Latenz ermöglichen soll, eine Vorbedingung für das autonome Fahren oder die Industrieautomation.

KRITISCHE INFRASTRUKTUR Die Ausrollung von 5G ist nicht allein Angelegenheit der Mobilfunkunternehmen, sondern auch der Politik, handelt es sich doch dabei um kritische Infrastruktur, ohne die – schenkt man den Experten Glauben – in Zukunft nichts geht. „Der rasche und flächendeckende Ausbau von digitaler Infrastruktur bietet die Basis für Innovationskraft in Wirtschaft und Industrie, den Einsatz moderner digitaler Technologien in unseren Unternehmen sowie die erfolgreiche Entwicklung unserer Gemeinden und Lebensräume. Neben dem Ausbau der kabelgebundenen Glasfaserinfrastruktur, der vom Land Tirol offensiv forciert und finanziell gefördert wird, brauchen wir auch den raschen Ausbau von leistungsfähiger Mobilfunkinfrastruktur der neuesten Generation“, sagte Tirols Wirtschaftslandesrat Anton Mattle anlässlich der Inbetriebnahme der 250. Tiroler 5G-Sendeanlage von Mobilfunk-Branchenprimus A1 im November in Haiming. 5G wird übrigens nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung der Breitbandversorgung durch feste Anschlüsse betrachtet. Der Ausbau von Fest- und Mobilfunk ist synergetisch zu sehen, die gemeinsame Basis ist die Glasfaser. 5G gilt wohl nicht zu Unrecht als Schlüsseltechnologie für eine zunehmend vernetzte Gesellschaft, in der auch die Maschinen mitfunken werden. Das ist besonders für die Industrie hochrelevant, auch wenn die prognostizierte 5G-Lawine bislang noch nicht so recht Fahrt aufgenommen hat. 5G-Technologie erhöht die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit, lautet die einfache Rechnung. Mit 5G kündigen sich für die Industrie signifikante Fortschritte an, etwa im Bereich der bildbasierten Prozessüberwachung, in der Vernetzung von Sensoren und Aktoren oder für Anwendungen in der latenzkritischen, kabellosen Steuerung von mobilen Maschinen. Bauteile, Werkzeuge und Transportsysteme lassen sich im 5G-Netz auch in überdachten Bereichen genau lokalisieren, Robotersysteme in Echtzeit rekonfigurieren. Mit 5G sollen nicht zuletzt neue Geschäftsmodelle entstehen, besonders im Bereich von Remote-Dienstleistungen. So könnte etwa der Betrieb ganzer automatisierter Produktionsanlagen als Dienstleistung aus der Ferne angeboten werden.

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© APA-FOTOSERVICE/MARTIN HÖRMANDINGER

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„5G wurde nicht für den Endkonsumenten entwickelt, sondern ist eigentlich ein Industriestandard. Dennoch wird 5G auch für den Endkunden an Relevanz gewinnen, allerdings in Bereichen, wo er es nicht bemerkt, in der Verkehrssteuerung, der Haussteuerung und dem Internet of Things.“ KLAUS M. STEINMAURER

Der Endverbraucher läuft bei 5G einstweilen eher nebenher mit. Es fehlt augenscheinlich noch die Killerapplikation, die den neuen Mobilfunkstandard auch für den Consumer zum Must-have macht. Das könnte sich ändern, wenn sich die virtuelle Realität, wie sie sich etwa in Form eines Metaverse ankündigt, tatsächlich durchsetzt. Wie viel Freude das Wandeln in virtuellen Räumen macht, hängt nämlich auch davon ab, ob die Daten in Echtzeit übertragen werden. Das Gigabit-Zeitalter ist angebrochen. Ob sich mit ihm auch eine florierende Gigabit-Gesellschaft entwickelt, ist dagegen noch nicht abgemacht. Was von der fünften Mobilfunkgeneration zu erwarten ist, haben wir mit Dr. Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR-GmbH für den Fachbereich Telekommunikation und Post – gebräuchlicher ist die Funktionsbezeichnung „Telekom-Regulator“ – eingehend besprochen.

ZUR PERSON

Dr. Klaus M. Steinmaurer ist Geschäftsführer der RTRGmbH für den Fachbereich Telekommunikation und Post, gebräuchlicher ist die Bezeichnung „TelekomRegulator“.

ECO.NOVA: Der Umstieg auf die fünfte Mo-

bilfunkgeneration wird eher als Paradigmenwechsel denn als bloße Weiterentwicklung begriffen. Stimmen Sie diesem Befund zu? KLAUS M. STEINMAURER: 5G ist nicht nur die nächste Mobilfunkgeneration nach 4G. 5G wurde entwickelt, um den Mobilitätserfordernissen im Bereich Machine-to-Machine, Netzsteuerung, Automatisierung und Digitalisierung gerecht zu werden. Für das, was wir als User bisher gewohnt sind, mobil zu machen – im Internet surfen, WhatsApp verschicken, Video streamen –, braucht es 5G nicht. Die Technologie wird für sicherheitsrelevante Themen gebraucht, wie etwa Automotive, Industriemaschinensteuerung oder Verkehrsmanagement. Hat das in erster Linie mit der geringeren Latenz, also Verzögerung, dem höheren Datendurchsatz oder mit beidem zu tun? Früher hat es ein einziges Netz – sei es 3G oder 4G – gegeben. 5G bietet die Möglichkeit zur Netzvirtualisierung. Dadurch lassen sich verschiedene Slices für unterschiedliche Anwendungen zur Verfügung stellen. Für manche Dienste braucht es hohe Bandbreiten, die Latenz ist dagegen relativ, für andere wiederum ist hohe Bandbreite bei hoher Latenz gefordert. Ersteres gilt eher für den Consumer- bzw. Entertainment-Bereich wie etwa das Streaming eines Films, Letzteres zum Beispiel für Anwendungen im medizinischen Bereich. Da hätten Sie keine große Freude, wenn das computergesteuerte Skalpell mit Verzögerung reagiert. Dann gibt es noch Anwendungen, die keine hohe Bandbreite brauchen, aber eine sehr hohe Latenz. Dazu gehören insbesondere Steuerungen und Automotive-Anwendungen. Die Information, dass eine Ampel auf Rot schaltet, verursacht kaum Daten, sollte aber binnen Millisekunden beim Fahrzeug ankommen. Für all diese unterschiedlichen Anwendungen kann man bei 5G eigene Netzwerkslices festlegen. Folglich ist eigentlich dieses Slicing die große Neuerung im Vergleich mit älteren Mobilfunkstandards? Ja. Innerhalb dieser Teilsysteme kann man jeweils eigene Sicherheitskomponenten festlegen. In die Verkehrssteuerung funkt niemand mit seinem Streaming dazwischen. Mobilfunk ist ja, wie wir wissen, ein Shared Medium (mehrere User teilen sich die zur Verfügung stehende Bandbreite), die Netzvirtualisierung erlaubt es aber, die Kapazität genau abgestimmt auf die jeweiligen Anforderungen zu reservieren.


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Obwohl 5G theoretisch weniger Energie verbraucht als etwa 4G, ist absolut betrachtet schon allein durch den erwarteten Anstieg der Datennutzung ein unterm Strich wesentlich höherer Energieverbrauch zu erwarten. Inwiefern ist 5G Grundvoraussetzung für viele nähere Zukunftstechnologien? Lassen Sie mich darauf philosophisch antworten: Unser Leben ist, was die Endgeräte betrifft, mobil. Dahinter kann eine Festnetz- oder eine Mobilfunktechnologie stecken. Ihr Auto ist mit dem Hersteller verbunden und übermittelt verschiedene Daten an diesen. 5G schafft die Möglichkeit, dass sich Geräte unter diesem weltweit einheitlichen Standard miteinander vernetzen können. Das ermöglicht erst das Thema IoT, das Internet of Things. Es gibt zwar andere Technologien, 5G wird sich aber vermutlich als Standard etablieren. Als Laie könnte man nun versucht sein, anzunehmen, dass man sich durch 5G einen Breitbandausbau mit Glasfaser sparen könnte. Das ist ein völliger Irrtum. Der kürzeste Weg ist der von der Antenne zum Device, die Luftschnittstelle. 95 Prozent der Übertragungen im Mobilnetz erfolgen über das Festnetz. Um im ländlichen Raum die besonders für Automotive gebrauchten kurzen Latenzen zur Verfügung stellen zu können, braucht es ein relativ engmaschiges Netz. Damit 5G entsprechend funktionieren kann, muss mindestens alle zehn Kilometer

eine Anbindung an das Glasfasernetz erfolgen. Glasfaser ist die einzige Technologie, die den Anforderungen von 5G gerecht wird. Was ist das „Endgame“ im Netzausbau? Ist es realistisch, dass ganz Österreich mit 5G versorgt wird, oder wird sich das überwiegend in den Ballungsräumen abspielen? Bei allen Vorgänger-Frequenzversteigerungen, die wir durchgeführt haben, ging es immer darum, Population Coverage zu haben, das heißt, jene Wohngebiete abzudecken, in denen sich die Bevölkerung aufhält. Es gibt dann noch den Siedlungsraum und letztlich die Fläche. Mit „flächendeckender Versorgung“ haben die Betreiber bei den bisherigen Mobilfunkstandards die Versorgung des Wohngebiets gemeint. Das macht nur in etwa zwölf, 13 Prozent der Gesamtfläche aus. Der Siedlungsraum umfasst auch die Bereiche zwischen den Wohngebieten und macht insgesamt 44 Prozent der Gesamtfläche des Landes aus. Bei 5G sind wir weitergegangen und haben den Siedlungsraum als Zielsetzung hergenommen, das heißt, dass zwischen 40 und 45 Prozent der gesamten Landesfläche abgedeckt ist. In den Ausschreibungskriterien haben wir auf die Katastralgemeinden

– in Österreich gibt es etwa 12.000 davon – abgestellt. Etwa 10.000 davon sind gut versorgt, 2.000 schlecht bis gar nicht. Mit der Frequenzversteigerung haben wir erreicht, dass sich die Betreiber verpflichten, rund 1.700 bisher schlecht versorgte Katastralgemeinden auch mit 5G zu versorgen. Geht es dabei um den Versorgungsauftrag, weil Geld wird mit dem Netzausbau bis in die kleinste Siedlung wohl keines zu verdienen sein? Wir haben deshalb die Versteigerung so aufgesetzt. Dass dort kein Geld zu verdienen ist, merkt man daran, dass in den letzten 25 Jahren kaum etwas ausgebaut wurde. Jetzt müssen die Betreiber bis 2025 liefern. Ihr Vorgänger, der ehemalige RTR-Geschäftsführer Johannes Gungl, hat 2018 davon gesprochen, dass „beim Endausbau von 5G auf jedem zweiten Gebäude eine Antenne installiert sein“ werde. Ist das tatsächlich ein realistisches Szenario? Um die 5G-Versorgung sicherzustellen, gibt es verschiedene Frequenztypen. Dabei gilt: Je niedriger die Frequenz, desto größer der Ausbreitungsbogen. Es gibt die Flächen-

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frequenzen, die alle unter einem Gigahertz liegen, dann gibt es die Frequenzen aus dem sogenannten C-Band, dem Core Band, also Kernband. Diese Frequenzen liegen in einem Bereich zwischen 3,4 und 3,8 Gigahertz und haben eine ähnliche Ausbreitungswelle wie die 3G-Frequenzen, die sich zwischen 1,8 und 2,1 Gigahertz befinden. Diese Frequenzen sind interessant, wenn es um eine Netzverdichtung und 5G-Empfang indoor geht. Da gibt es auch kleinere Funkzellen. Die Mobilfunkstandorte werden sich in etwa in der Größenordnung bewegen, wie wir sie bereits haben. Es wird höchstens die eine oder andere Verdichtung geben. Man muss dazu nicht mehr Antennen aufhängen, sondern lediglich andere. Wenn ein Unternehmen auf seinem Firmengelände aber ein 5G-Campusnetz*) machen möchte, dann wird es auf diesem Campus zusätzliche Antennen geben. Dabei wird unter anderem auch im 26-Gigahertz-Netz gefunkt, das zwar sehr schnell ist, aber schon eine Rigipswand nicht mehr durchdringen kann. Zusammengefasst: Um 5G in Österreich flächendeckend anbieten zu können, wird es – abgesehen von punktuellen Verdichtungen – bei den derzeitigen rund 18.000 bis 20.000 Standorten bleiben. Es wird nicht so sein, dass ganz Österreich mit Antennen zugepflastert wird. Die Usecases für industrielle Anwendungen sind so weit klar. Es heißt aber immer wieder, dass es für den Privatanwender, den Consumer, derzeit keine Killerapplikation**) gäbe, die 5G erstrebenswert erscheinen lässt. D’accord? Ja. Gab es denn eine Killerapplikation für 3G? Alle haben im Zuge der 3G-Einführung um die Jahrtausend-

*) Campusnetz: geografisch begrenztes, lokales, für besondere Anforderungen wie industrielle Kommunikation angepasstes Mobilfunknetz. **) Killerapplikation: Anwendung, die zahlreiche Nutzer bzw. Käufer findet und dadurch einer Technologie zum Durchbruch verhilft, die zuvor auf wenig Interesse gestoßen ist, weil man keine Verwendung für sie gesehen hat.

wende herum über die Videotelefonie geredet. Diese Erwartungen wurden enttäuscht. Plötzlich, zwischen 2005 und 2007, sind diese USB-Dongles aufgetreten und später die Integrated SIM. Damit konnte man mobil mit dem Laptop im Internet arbeiten so wie zu Hause. Das war die eigentliche Killerapplikation, Internet über das Mobilfunknetz. Apples Steve Jobs ist dann auf die Idee gekommen, das auf einem Telefon zu ermöglichen. Damit war das Smartphone geboren. Für Videostreaming kommt man mit dem LTE-Standard ganz gut zurecht. 5G wurde nicht für den Endkonsumenten entwickelt, sondern ist eigentlich ein Industriestandard. Dennoch wird 5G auch für den Endkunden an Relevanz gewinnen, allerdings in Bereichen, wo er es nicht bemerkt, in der Verkehrssteuerung, der Haussteuerung und dem Internet of Things. Das ist ein schleichender Wandel und wir werden gar nicht darüber nachdenken, dass das nur möglich ist, weil es eine flächendeckende 5G-Versorgung gibt. Manche Länder wollen im Zuge der 5G-Einführung das 3G-Netz abdrehen, die Schweiz möchte das 2G-Netz abschalten. Ist Ähnliches in Österreich denn auch zu erwarten? 2G wird aus Fallback-Gründen sicher beibehalten. Es ist die stabilste und erprobteste Technologie und als Grundlage für die Telefonie immer noch eine gute Sache. Die 3G-Technologie ist, verglichen mit der menschlichen Entwicklungsgeschichte, der Neandertaler. Die nachfolgenden Standards tragen gewisse Merkmale von 3G, der Standard ist aber an seinen Grenzen angelangt und wird deshalb über kurz oder lang verschwinden. Die Überlebensfähigkeit von 2G ist höher. Nicht erst im Zusammenhang mit dieser Pandemie steht 5G im Zentrum so mancher kruder Verschwörungserzählung. Rankten sich um andere Mobilfunkstandards ähn-

liche haarsträubende Geschichten oder ist das ein neues Phänomen? Die Aluhüte, Bill Gates und die große Weltverschwörung sind eine Besonderheit, die sicher auch mit der Pandemie zusammenhängt. Die allertollste Geschichte ist die, dass die Chinesen die Pandemie ausgelöst hätten, um 5G einführen zu können, und die Impfung sei nur dafür da, damit wir wegen 5G nicht sterben. Das ist die Story, die mir ein Taxler einmal erzählt hat und die ich in unterschiedlichen Versionen schon öfter gehört habe. Beginnend mit 2G gab es Sorgen wegen der Strahlung. Es hieß damals: Vorsicht, das sind Mikrowellen, da wird das Gehirn verbrutzelt! Die erklärten Feinde waren damals die bösen Mobilfunkbetreiber, die nur auf den Gewinn aus sind und denen die Gesundheit der Menschen egal ist. Es gab vor allem im ländlichen Bereich auch die eine oder andere Bürgerinitiative. Diese Initiativen haben sich meist über Handys organisiert, aber das ist eine andere Geschichte. Heute steckt bei 5G eine größere, globalere Verschwörungserzählung dahinter und das ist in dieser Dimension neu. Tatsächlich werden von unterschiedlicher Seite immer wieder gesundheitliche Bedenken im Zusammenhang mit dem Mobilfunk und besonders 5G geäußert. Wie ist die Studienlage? In Österreich gibt es den Wissenschaftlichen Beirat Funk, der alle Studien, die in diesem Bereich erscheinen, nach wissenschaftlichen Methoden evaluiert. In Österreich ist seit rund 25 Jahren der Mobilfunk flächendeckend in Betrieb. Das ist eine relativ lange Zeit. Es gibt keinerlei Evidenz, dass es irgendeine Häufung von Erkrankungen gäbe, die auf Mobilfunkstrahlung zurückzuführen ist. Es gibt natürlich eine erhöhte Summenstrahlung, wenn man zu Hause das Handy eingeschaltet hat, das WLAN, ja selbst die Mikrowelle. Es ist erwiesen, dass die Strahlungsintensität der meisten Mikrowellen höher ist als jene eines Handys. Mikrowellenstrahlung, wie sie auch von Mobiltelefonen ausgeht, erzeugt natürlich Wärme. Wenn Sie eine Stunde mit dem Handy am Ohr telefonieren, dann wird’s Ihnen sicherlich am Ohr warm werden. Die Strahlung, die das Handy am Körper erzeugt, ist von den Auswirkungen her ein wesentlich größerer Faktor als der Sendemast da draußen. Das alles muss man berücksichtigen. Wer lange telefoniert, sollte am besten ein Headset verwenden. Da ist aber wiederum sogar die durch Bluetooth erzeugte Strahlung in der Wohnung größer als die, die von einem Mobilfunkmast ausgeht.


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JA ZUM TOURISMUS Die positive Einstellung dem Tourismus gegenüber ist in den letzten Jahren, wenn auch nicht empirisch belegt, so zumindest vielfach gefühlt, zurückgegangen. Das ist ein Punkt von vielen, die Mario Gerber als neuen Obmann des Innsbruck Tourismus beschäftigen. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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m Zuge der Vollversammlung wurde Mario Gerber im November letzten Jahres einstimmig zum Nachfolger von Dr. Karl Gostner als Obmann des Innsbruck Tourismus gewählt. „Es gab im Vorfeld viele Gerüchte rund um die Übergabe. Ich möchte jedoch betonen, dass der Übergang reibungslos und unkompliziert geklappt hat“, sagt Gerber. „Ich bin sehr stolz, das Haus samt seinem professionellen, motivierten Team übernehmen zu dürfen, und freue mich auf die Arbeit.“ Was er vor hat und wofür er stehen möchte, erzählt der neue Tourismusverband (TVB)-Obmann im Interview.

„In Zukunft wird es vermehrt darum gehen, wie wir mit der Bevölkerung kommunizieren. Wir müssen den Leuten erklären, welche Rolle der Tourismus für jeden Einzelnen spielt.“ MARIO GERBER

ECO.NOVA: In welchen Bereichen im Tou-

rismusverband soll man Ihre Handschrift spüren? MARIO GERBER: Der Tourismusverband wird nicht nur von Touristikern gespeist, sondern auch von den Unternehmen der Region mitgetragen. Deshalb ist es mir wichtig, alle Beteiligten mit ins Boot zu holen und auch Nichttouristikern im Verbandsgebiet Gehör zu schenken. Ich möchte für alle ein nahbarer Obmann sein und in weiterer Folge ganz generell die Tourismusgesinnung im Land stärken. Wir müssen den Menschen besser erklären, was der TVB leistet und was seine Aufgaben sind. Einige Unternehmer wissen nicht so recht, wofür sie die Tourismusabgabe zahlen, und auch die Bevölkerung weiß nicht immer, wofür der TVB Innsbruck steht. Denn Tourismusverbände sind nicht nur für Touristen da, sondern arbeiten in starkem Maß für die Einheimischen – sei es im Sinne von Veranstaltungen, Kulturprojekten oder Infrastrukturen wie den Bergbahnen. Wir unterstützen zum Beispiel den Bikepark Mutters, der zu einem großen Teil von heimischen Downhillern genutzt wird. Es geht mir also vor allem um zwei Punkte: Diejenigen abzuholen, die in die Tourismusabgabe einzahlen, und das

Image des Tourismus in der Bevölkerung zu verbessern. Woher, glauben Sie, kommt diese grundlegende Skepsis gegenüber dem Tourismus? Es gibt im Tourismus zahlreiche Mythen, etwa beim Thema Verkehr. Oft wird den Touristen die Schuld für den überbordenden Verkehr gegeben, dabei machen diese bei genauem Hinsehen nur sieben Prozent des Gesamtaufkommens aus. Weil sich diese jedoch meist am Wochenende konzentrieren, sind es in der Wahrnehmung viel mehr. Die Staus zum Stubaier Gletscher zum Beispiel werden zum Großteil von einheimischen Skifahrern verursacht. In Zukunft wird es vermehrt darum gehen, wie wir mit der Bevölkerung kommunizieren. Wir müssen den Leuten erklären, welche Rolle der Tourismus für jeden Einzelnen spielt. Sich hinzustellen und zu sagen, dass jeder dritte Euro im Tourismus verdient wird und jeder vierte Arbeitsplatz indirekt davon abhängt, will da draußen keiner mehr hören. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass man den Tourismus als überheblich empfunden hat. Wir müssen den Menschen anhand von

Beispielen zeigen, in welchen Bereichen der Tourismus ihr Leben positiv beeinflusst. Im vergangenen Jahr wurde das Markenprofil von Innsbruck in Zusammenarbeit mit Brand Logic, der Stadt, dem Stadtmarketing und der Wirtschaftskammer überarbeitet. Wofür soll Innsbruck stehen und wie soll es von außen wahrgenommen werden? Innsbruck soll vor allem als coole, trendige Stadt wahrgenommen werden, sicher und mit hoher Lebensqualität. Dieses Alpin-Urbane, eine Stadt eingebettet in ein solches Bergpanorama, sucht seinesgleichen. Wir sehen uns als TVB aber nicht nur der Stadt verpflichtet, wir sind Destinationsmanager. Tatsächlich gehören zum Tourismusverband „Innsbruck und seine Feriendörfer“ noch rund 40 weitere Ortschaften. Wie schwierig ist es, so viele unterschiedliche Gemeinden trotz ihrer Verschiedenheiten unter einen Hut zu bringen und unter einen Dachmarke zu vereinen? Das ist in der Tat eine Herausforderung und braucht eine gute Koordination zwischen den Gemeinden und den dort handelnden Personen. Eines ist für mich jedoch klar: Der TVB darf kann und darf keine finanzielle Gießkanne sein. Wir müssen aktiv auf die Gemeinden zugehen, ihnen zuhören und schauen, in welchen Bereichen wir sinnvoll unterstützend tätig sein können, damit die gesamte Bevölkerung davon profitiert. Die Coronapandemie hat den heimischen Tourismus stark getroffen. Braucht Tirol für die Zukunft eine neue touristische Erzählung? Das glaube ich nicht. Der Tourismus ist eine innovative Branche und hätte sich auch ohne Corona weiterentwickelt. So wie er es immer gemacht hat. Unser Tou-


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rismus wird international beachtet, immer wieder kommen ausländische Delegationen zu uns, um von uns zu lernen. Tirol verfügt flächendeckend über ein facettenreiches, hochwertiges Angebot – in Bezug auf Natur, Hotellerie und Kulinarik. Ich denke deshalb nicht, dass man den Tourismus als Ganzes neu erzählen muss, und finde es unfair, „dem Tourismus“ per se an allem die Schuld zu geben. Letztlich ist es die individuelle Entscheidung jedes einzelnen Gastes, wie er seinen Urlaub verbringen möchte – entschleunigt auf einer Berghütte oder in tourismusintensiveren Regionen mit Entertainment. Ja, der Tourismus wird sich ändern und anpassen, aber das war auch in der Vergangenheit so. Als wir im Land den „Tiroler Weg“ entwickelt haben, haben wir uns intensiv damit auseinandergesetzt, an welchen Stellschrauben man drehen kann, um langfristig erfolgreich zu sein. Und es braucht die ein oder andere Drehung, wie es das in jedem anderen Unternehmen braucht. Aber ein Erfolgsprodukt, das international derart beliebt ist, wegen einer Krise, die quasi von außen ins Land kam, komplett zu hinterfragen, halte ich für falsch. Wir sind zu Anfang von der COVID-19-Situation überrannt worden und haben ein Bild gezeichnet, das nicht schön war. Ja, es sind Fehler passiert und es wurde in der Nachbetrachtung eben nicht alles richtig gemacht. Doch deshalb zum Beispiel das so stark angeprangerte Après-Ski-Konzept für die Zukunft komplett infrage zu stellen, finde ich nicht richtig. Jeder Urlauber kann sich entscheiden, was er erleben möchte. Und wo er eben lieber nicht hinfährt. Der Congresstourismus ist in den vergangenen Monaten und mittlerweile Jahren mehr oder weniger vollständig zum Erliegen gekommen, was nebst den Kongressveranstaltern in erster Linie die Stadthotellerie getroffen hat. Gerade in diesem Bereich erwarten Experten und die Branche große Umbrüche (Stichwort: hybrides Tagen). Welche Auswirkungen kann das auf Innsbruck haben und inwieweit beeinflusst es – weitere – Hotelprojekte? Aktuell entstehen mit Das Raiqa (Radisson RED) und dem dritten PEMA-Turm (Motel One) neue Hotels. Wohlwissend, dass man die Pandemie bei Planungsstart nicht vorhersehen konnte: Braucht Innsbruck mehr Betten? In der Krise von mehr Betten zu sprechen, ist fast ein wenig zynisch, weil gerade die Stadthotellerie extrem hart getroffen wurde. Ich gehe auch davon aus, dass es noch lange

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ZUR PERSON

Mario Gerber, Jahrgang 1981, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er absolvierte eine Lehre zum Hotel- und Gastgewerbeassistenten, sammelte Erfahrungen im In- und Ausland und ist heute Geschäftsführer und Gesellschafter in den familieneigenen Gerberhotels sowie als Abgeordneter zum Landtag (ÖVP), im Wirtschaftsbund sowie der Wirtschaftskammer auch politisch tätig. Im November 2021 wurde Gerber Obmann des Innsbrucker Tourismusverbandes.

dauern wird, bis sie sich vollständig erholt hat – vor allem im MICE-Bereich. Deshalb ist derzeit wohl der falsche Zeitpunkt, sich über weitere Hotelprojekte Gedanken zu machen. Erst wenn die Krise überwunden ist, kann man wieder laut darüber nachdenken, wohin die Zukunft gehen soll und was die Stadt braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Erst wenn wir in der Lage sind, die Situation seriös zu evaluieren, stellt sich die Frage, ob wir weitere Betten brauchen oder nicht. Derzeit sind einige Betten im Entstehen und wir werden diese Entwicklung genau beobachten. Ich war übrigens auch nie ein Gegner des Motel One, weil ich glaube, dass das Produkt an sich zu Innsbruck passt. Es ging mir in meiner Skepsis vorrangig um die Größe. Wir müssen aufpassen, dass die großen Ketten nicht in Konkurrenz mit der heimischen, regionalen Hotellerie treten. Das finde ich nicht gut. Generell würde ich mir wünschen, dass Innsbruck wieder ein

Fünfsternehaus bekommt. Das ist nicht einfach, wäre aber zur Repräsentation wichtig. Mit dem Hard Rock Café ist 2017 mitten in die Innenstadt eine internationale (Franchise-)Kette eingezogen, die nicht von jedem positiv angenommen wurde. In Kürze eröffnete eine Dunkin-Donut-Filiale, den Ortner&Stanger ersetzt im Frühjahr eine Filiale von Starbucks. Wie viele solcher international „austauschbarer“ Läden kann sich eine Stadt leisten, ohne ihren eigenen Charakter zu verlieren und quasi more-of-the-same zu werden? Ich bin überzeugt, dass eine moderne Stadt internationale Ketten verträgt und auch braucht. Deren Bekanntheit hilft dabei, eine Stadt trendy zu machen. Wir brauchen sicher nicht unzählige solcher Filialen, wenn man es aber schafft, ein paar davon anzuziehen, sehe ich das positiv. Ein Starbucks oder Hard Rock ist anziehend für Touristen und sie sorgen folglich dafür, dass diese Touristen auch an kleineren, regionalen Läden vorbeikommen. Die Diskussion um den innerstädtischen Busparkplatz ist eine langwierige und teils emotionale. Sie sind gegen eine Shuttlelösung und halten am zentralen Standort fest. Warum? Oftmals wird der Bustourismus als minderwertig wahrgenommen, doch das stimmt nicht. Der Bustourismus ist extrem wichtig für den Handel. Vielfach sind es einheimische Busgruppen, die aus dem Ober- oder Unterland nach Innsbruck zum Shoppen kommen und dazwischen Kaffee und Kuchen konsumie-


eco.wirtschaft

ren. Jeder redet davon, den Individualverkehr zu reduzieren, auf der anderen Seite sind Busse aber auch nicht recht. In vielen Gesprächen mit Busunternehmen wurde klar, dass diese vermehrt Destinationen ansteuern, in denen sie zentral parken können. Für die Gäste ist das ein großer Komfortgewinn. Natürlich können wir nicht alle Busse innerstädtisch unterbringen und haben für Spitzen wie Weihnachten die Möglichkeit, auf ein Backup zurückzugreifen. Ich glaube aber, dass es für eine Tourismusstadt wie Innsbruck und ihre Wirtschaft fatal wäre, alle Busse in die Peripherie zu verbannen und die Leute in der Gegend herumzushutteln. Dieses Außerhalb-Parken klingt in der Theorie erst mal gut, wenn aber zu Stoßzeiten 20 Busse ankommen und die Passagiere alle gleichzeitig in die Stadt wollen, würden wir wohl eine ziemliche Stausituation fabrizieren. Ähnlich wäre es mit einer zentralen Ausstiegsstelle. Bei gleichzeitiger Ankunft mehrerer Busse wäre ein Verkehrschaos vorprogrammiert, vor allem, wenn das Entladen länger dauert. Deshalb bin ich der Meinung, wir sollten ein Produkt, das jahrelang erfolgreich funktioniert hat, nicht wegen eines geplanten Bauvorhabens

„Der Tourismus ist eine innovative Branche und hätte sich auch ohne Corona weiterentwickelt.“ MARIO GERBER

in ein schlechtes Licht rücken und kaputt machen. Mit der „Strategie 2025“ möchte man die Begehrlichkeit der Destination steigern und die Stadt und die Region zur „must see region in the alps“ machen. Was sind die konkreten Inhalte dieser Strategie und gibt es bereits eine grobe Kostenschätzung für die Leuchtturm-Vorhaben? Wir befinden uns derzeit in der Planungsphase und schauen uns genau an, welche Projekte Sinn machen und wo wir Partner dafür gewinnen können. Denn klar ist: Der TVB kann langfristig nicht alle Projekte selbst finanzieren und betreiben. Ich sehe uns hier eher in der Rolle des Vermittlers und Netzwerkers. Das heißt, wir brauchen für die Finanzierung private Geldgeber. Konkret beschäftigen wir uns aktuell mit zwei Projekten, für die be-

reits Gespräche mit nationalen und internationalen Investoren laufen. Gemeinsam mit der Stadt arbeiten wir an der Standortfrage. Zum einen handelt es sich dabei um ein so genanntes Flying Theatre, mit dem man das Tourismusland entsprechend in den Fokus rücken kann, sowie einen Flying Fox auf der Bergisel-Sprungschanze. Ich bin überzeugt, dass Innsbruck noch enormes touristisches Potenzial hat und es für die Zukunft innovative Wege braucht, um Begehrlichkeiten zu wecken. Wir dürfen uns auch in schwierigen Zeiten nicht hängen lassen und müssen nach vorne schauen. Es wäre falsch, uns auf unseren touristischen Lorbeeren auszuruhen. Wir stehen im ständigen Wettbewerb mit anderen Regionen und Städten. Nun gilt es, das nötige sensible Fingerspitzengefühl zu haben, um Akzente für die Zukunft zu setzen und gestärkt aus der Krise zu kommen.

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STIHL TIROL GMBH

Mit der neuen Kunststoff-Fertigung entstehen bei STIHL Tirol in Langkampfen 50 neue, attraktive Arbeitsplätze, etwa in der Kunststofftechnologie und Einstellung der Spritzgussmaschinen. Und auch sonst finden sich beim erfolgreichen Gartengeräte-Hersteller spannende Jobmöglichkeiten.

MIT STIHL TIROL BERUFLICH WACHSEN

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Es gibt kaum ein Unternehmen in Tirol, das sich in den letzten vier Jahrzehnten ähnlich gut entwickelt hat wie der Gartengeräte-Hersteller STIHL Tirol. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte im Tiroler Unterland als anfangs kleiner Hersteller unter dem Namen VIKING. Mittlerweile tragen die Qualitätsgartengeräte das orange Kleid des Mutterkonzerns STIHL, eines Herstellers von Weltrang. Das ist Auftrag und Verpflichtung zugleich, sich nachhaltig weiterzuentwickeln.

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er Gartengeräte-Hersteller und Akkuprodukte-Spezialist STIHL Tirol wächst kontinuierlich. Davon zeugt auch der Bau einer Kunststoff-Fertigung, der die Fertigungstiefe vor Ort beträchtlich erhöht, die Teileversorgung besser absichert und den CO2-Fußabdruck schlanker macht, weil unzählige LKW-Fahrten eingespart werden können. Das spart auch Kosten und macht Ressourcen frei, damit sich STIHL Tirol dynamisch weiterentwickeln kann. Die neue Kunststoff-Fertigung, die auf 3.500 Quadratmetern verbauter Fläche einer Anlage mit vorerst zehn Spritzguss-Maschinen Platz bieten wird, wird ab Herbst 2022 in Serienproduktion gehen. Das Investitionsvolumen beträgt 19 Millionen Euro und ist ein kräftiges Bekenntnis zum Standort und zur guten Arbeit, die in Langkampfen seit

vielen Jahren geleistet wird. Apropos Arbeit: Mit der Inbetriebnahme der Kunststoff-Fertigung entstehen dort ca. 50 anspruchsvolle neue Arbeitsplätze. Und auch sonst tut sich im Unternehmen einiges. Doch wer könnte besser darüber Auskunft geben als die Menschen, die diese Veränderung aktiv mitgestalten. Wir haben mit dem Leiter der Kunststoff-Fertigung, Hansjörg Geisler und dem Hauptabteilungsleiter Qualität, Sven Zimmermann, gesprochen. ECO.NOVA: STIHL Tirol entwickelt sich nicht erst in den letzten Jahren sehr dynamisch. Was tut sich am Standort? SVEN ZIMMERMANN: Es gab in den vergangenen Jahren kein Jahr, wo sich nicht einiges im Unternehmen geändert hätte. Das macht es sehr spannend und reizvoll, hier zu arbeiten.

Wir sind auch ein bisschen stolz darauf, dass unsere Gartengeräte made in Tirol nun den Markennamen STIHL tragen, mit dem man international höchste Qualität verbindet. In der Produktion konnten wir in den letzten drei Jahren den Automatisierungsgrad wesentlich steigern, die neuen Linien werden teilautomatisiert und mit Robotern ausgestattet. Mit dem neuen Kunststoff-Center wird die Fertigungstiefe am Standort beträchtlich steigen und ich bin zuversichtlich, dass zukünftig noch weitere Schritte in diese Richtung erfolgen. Was zeichnet STIHL Tirol aus? ZIMMERMANN: Uns unterscheidet von vielen anderen Unternehmen, dass man bei uns alles vor Ort machen kann – von der Entwicklung bis zur Fertigung. Ich war lange Entwickler


STIHL TIROL GMBH

und viele Bauteile sind mir bestens bekannt. Man kann sich – mit der Brille des Technikers betrachtet – überall einbringen. Das zeichnet uns hier besonders aus. Außerdem ist es schön, die Geräte, die man selbst entwickelt und produziert hat, im Alltag – und Gartengeräte sind Alltagsgeräte – auch zu verwenden. Es handelt sich um Geräte zum Angreifen, um bodenständige Produkte im allerbesten Sinne. Welche großen Zukunftsthemen sind gerade im Laufen? ZIMMERMANN: Das Thema Akku bleibt für uns weiterhin sehr wichtig. Handgetragene Akkugeräte werden im Stammhaus entwickelt und hier bei uns gefertigt. Bodengeführte Produkte – wie Rasenmäher oder Garten-Häcksler – entwickeln und produzieren wir selbst. Was macht STIHL Tirol als Arbeitgeber aus? ZIMMERMANN: Bei uns wird nach wie vor ein familiärer Umgang miteinander gepflegt, auch wenn wir in näherer Zukunft 1.000 Beschäftigte am Standort sein werden. Ich war vor 18 Jahren der 150. Beschäftigte und habe miterlebt, wie wir vom kleinen Unternehmen zum großen mittelständischen Betrieb gewachsen sind. Das Familiäre ist dabei erhalten geblieben und das macht es sehr angenehm, hier zu arbeiten. In dieser Betriebsgröße ist das alles andere als selbstverständlich. Der STIHL Gruppe merkt man an, dass das Unternehmen nach wie vor in Familienbesitz ist und die Eigentümerfamilie sehr engagiert ist. Die Familie denkt in Generationen, dadurch ist das Unternehmen stabil, berechenbar und geerdet. Das gibt einem auch Sicherheit, die spürbar ist. HANSJÖRG GEISLER: Man spürt im Unternehmen, dass langfristig gedacht wird. Es kommen laufend neue Produkte und Innovationen auf den Markt, bestehende Produkte werden kontinuierlich verbessert. Bei zahlreichen handgeführten Produkten wird z.B. eine Gewichtsreduktion bei besserer Performance umgesetzt, das schätzt Sven Zimmermann (li.) verantwortet das Qualitätsmanagement, Hansjörg Geisler die Kunststoff-Fertigung.

der Kunde. Das macht unseren Job auch abwechslungsreich. Wie schätzen Sie die Entwicklungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen im Unternehmen ein? ZIMMERMANN: Grundsätzlich gut! Viele Mitarbeitende bei STIHL Tirol haben am Montageband begonnen und sich dann weiterentwickelt. Auch das Wechseln einer Abteilung ist gut möglich. Was wird die Kunststoff-Fertigung zukünftig für den Standort leisten? GEISLER: Der Hauptfokus liegt darauf, die Teileversorgung für unsere Montage aufzunehmen. STIHL Tirol wächst stabil, das ist eine gesunde Basis. So kann man einen neuen Bauabschnitt so konzipieren, dass dieser zu Beginn nur zur Hälfte in Anspruch genommen wird. Die neue Kunststoff-Fertigung ist ein attraktives Betätigungsfeld für Fachleute aus diesem Bereich. Wo liegen die Herausforderungen? GEISLER: Zum einen darin, die Fertigungsprozesse von Anfang an richtig aufzusetzen, zum anderen das benötigte Fachpersonal aus der Kunststofftechnologie zu finden. Wir suchen hier noch EinstellerInnen und BedienerInnen für die Spritzgussmaschinen. In Tirol gibt es hier noch Luft nach oben. Kunststoff ist ein vielfältiges Material mit sehr vielen unterschiedlichen Grundstrukturen und Eigenschaften. Kunststoff ist spannend! Außerdem müssen wir unsere Maschinen warten und die Werkzeuge instandhalten. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe. Wird sich in dieser Hinsicht in der Lehre etwas tun? G E I S L E R : Ja, das streben wir an! Ziel ist, möglichst viele Fachkräfte selbst auszubilden, weil es diese am Arbeitsmarkt nicht gibt. So wollen wir zukünftig auch Lehrberufe in Kunststofftechnik und Werkzeugbautechnik anbieten, die Lehre für Maschinenbautechnik gibt es hier bereits. Wir müssen die Mitarbeiter mit den nötigen Skills selbst aufbauen. Am Stammsitz von STIHL gibt es bereits eine große Spritzgussfertigung und einen spezialisierten Werkzeugbau. Wir werden in diese Richtung einen guten Wissenstransfer anstreben. ZIMMERMANN: Wir werden auch einen Lehrgang Messtechnik anbieten, den wir im Herbst besetzen wollen. Generell bieten wir vielfältige Möglichkeiten zur Weiterbildung und -qualifizierung und die Lehre mit Matura. Jeden Monat steht eine neue Gelegenheit vor der Tür. Es gibt sehr viele Chancen, sich hier beruflich zu entfalten. PR

Am Dach bei STIHL Tirol befindet sich eine Testfläche für die STIHL Mähroboter.

Die Kunststoff-Fertigung beim Gartengeräte-Hersteller startet im Herbst 2022.

STIHL TIROL IM ÜBERBLICK Am Standort Langkampfen werden akkubetriebene Produkte hergestellt. STIHL Tirol ist außerdem Kompetenzzentrum für bodengeführte Gartengeräte, wie Rasenmäher, Mähroboter, Aufsitzmäher, Motorhacken oder Garten-Häcksler. Mit 702 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielte das Unternehmen 2020 einen Umsatz von 576,2 Millionen Euro.

IM ZEITRAFFER: 1981 Gründung des Unternehmens in Kufstein als VIKING Umwelttechnik; erstes Produkt ist der GartenHäcksler 1984 Entwicklung der ersten eigenen Rasenmäher-Linie 1992 Eintritt in die STIHL Gruppe 2001 Übersiedlung von Kufstein nach Langkampfen ins „Kompetenzzentrum für Gartengeräte“ 2007 Ausbaustufe 2 am Standort 2012 Ausbaustufe 3 am Standort 2018 Aus der VIKING GmbH wird die STIHL Tirol GmbH – ab Beginn 2019 ist der Markenwechsel von VIKING zu STIHL vollzogen 2019 Ausbaustufe 4 am Standort 2021 Spatenstich zur Ausbustufe 5 am Standort – eine KunststoffFertigung entsteht

STIHL TIROL GMBH Hans Peter Stihl-Str. 5 6336 Langkampfen T 05372-6972-0 E information@stihl.at W stihl-tirol.at J jobs.stihl.at

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eco.wirtschaft

RESILIENZ UND WACHSTUM Es ist ein Schlagwort der Stunde: Resilienz. Psychische Widerstandskraft und die Fähigkeit, schwierige Situationen zu überstehen und durch Anpassung auf Veränderungen zu reagieren. Letztlich kann nur so nachhaltiges, erfolgreiches Wachstum entstehen. Auch in der siebten Auflage des Kitzbüheler Führungsforum trifft Initiator Christian Blaschke mit seiner Themenauswahl den Puls der Zeit.

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ie Coronapandemie hat uns vor viele Herausforderungen gestellt – als Gesellschaft ebenso wie in der Wirtschaft. Und sie hat wohl genauso viele Fragen aufgeworfen. Das Kitzbüheler Führungsforum, das Christian Blaschke jedes Jahr gemeinsam mit seiner Familie im Rasmushof veranstaltet, versucht heuer ein weiteres Mal, darauf Antworten zu finden. Stand die letztjährige Veranstaltung unter dem Motto „Krise? Chance!“, so setzen sich die renommierten Referenten im heurigen Juni aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln mit den Themen Resilienz und Wachstum sowie deren Wechselwirkung auseinander. „Ich bin stolz, dass wir es auch in den letzten beiden Jahren geschafft haben, das Führungsforum abzuhalten. Für die heurige Veranstaltung sind bereits rund 60 Menschen angemeldet, wir freuen uns aber natürlich über weitere. Einige Plätze sind noch frei“, so Blaschke. Tatsächlich hat sich das Kitzbüheler Führungsforum über die Jahre als hochkarätige Konferenz für Unternehmer, (Bank-)Vorstände, Freiberufler und Führungskräfte etabliert. Viele Teilnehmer sind seit Jahren regelmäßig dabei und auch Referent Gerhard Kürner zählt von Anfang an zu den Fixpunkten am Podium.

„Die Auswahl der Referenten liegt mir sehr am Herzen“, sagt Blaschke. „Jeden von ihnen habe ich mindestens einmal selbst live erlebt, um mir ein Bild zu machen.“ Neben Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen der Wirtschaft ist seit drei Jahren auch immer ein Spitzensportler dabei – heuer in Person von U23-Ruderweltmeister Bernhard Sieber.

KITZBÜHELER FÜHRUNGSFORUM

AUSTAUSCH UND GENUSS

Tag 2: Begrüßung und Eröffnung Vormittagsvorträge mit Kaffeepause Mittagsmenü samt ausgesuchten Weinen Nachmittagsvorträge mit Kaffeepause Gemütlicher Meinungsaustausch

Neben interessanten Vorträgen müssen für Blaschke vor allem die Abwicklung samt Zeitmanagement und die Kulinarik passen. Wie immer wird am Vortragstag zu Mittag ein Mehrgang-Wahlmenü samt feinen Weinen serviert, den ganzen Tag über stehen Nespresso und Obst bereit, vormittags und nachmittags wird zu den Kaffeepausen Plundergebäck und hausgemachter Blechkuchen gereicht. Am Vortag findet vor dem obligatorischen abendlichen Kamingespräch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm statt, das auch die wunderbare Umgebung mit einbindet. Heuer geht es dabei direkt vom Rasmushof hinauf aufs Kitzbüheler Horn. „Das Publikum ist stets bunt gemischt, was für einen tollen, wertvollen Austausch sorgt“, so Blaschke.

8. und 9. Juni 2022 im Rasmushof Kitzbühel Tag 1: Get-together Fahrt auf das Kitzbüheler Horn Aperitif im Weingarten des Rasmushof Kamingespräch

Die Referenten: • Dipl.-Inf. Christoph Holz, Business Angel & SiliconValley-Entrepreneur • Michael Reiss von Filski, LL.M., Global CEO der GGI Global Alliance AG • Bernhard Sieber, MBA, Gründer Flooozone Collaboration Development • Gerhard Kürner, Data Based Marketing Expert, CEO & Founder 506.ai • Dr. Friedhelm Boschert, Certified Expert in Sustainable Finance

www.fuehrungs-forum.com


MCI

DYNAMIK UND UNTERNEHMERISCHE KOMPETENZEN

© MCI/KASPER

Am MCI, der Unternehmerischen Hochschule® in Innsbruck, profitieren Studierende und Partner vom einzigartigen Konzept der Verbindung aus Wissenschaft & Wirtschaft, internationalen Lehrenden & Experten und einem starken weltweiten Netzwerk.

Im Wettbewerb um öffentliche Aufträge sollen neben großen Unternehmen auch KMU in den Vergabeverfahren berücksichtigt werden.

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ie derzeit 29 Bachelor- und Masterstudien in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft, Technologie und Life Sciences vermitteln topaktuelles Know-how und bereiten die Studierenden auf ihre Rolle als kompetente Fachkräfte, Consultants, Führungskräfte oder Unternehmer vor.

SPANNENDE CHANCEN ENTDECKEN: MCI - WEITERBILDUNG: Ambitionierte Persönlichkeiten aller Managementebenen können am MCI einen international anerkannten Master-Abschluss und damit ein akademisches Upgrade erhalten oder als erfahrene Führungskräfte mit gezielten Weiterbildungen neue Dynamik in ihre Karriere bringen. mci.edu/weiterbildung • Executive MBA • Digital Business & Entrepreneurship MBA • Digital Business & Tech Law LL.M. • Digital Marketing & Analytics MSc • Management & Leadership MSc • Executive PhD Program in Management • Zahlreiche Zertifikatslehrgänge & Management-Seminare

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*reguläres Teilnahmeentgelt abzüglich 1.900€

Online: mci.edu/bewerbung

©MCI/Kasper


ZUKUNF

bildung & innovation

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Krankheitsbild mit vielen Gesichtern Nahezu die Hälfte der Teilnehmer*innen einer Onlinebefragung der Universitätsklinik für Innere Medizin II gab an, dass die Symptome ihrer COVID-Erkrankung über 28 Tage hinaus fortbestanden. Mittels sogenannter Machine-Learning-Mustererkennungstools aus den umfangreich erhobenen klinischen Symptomen gelang es schließlich, bei Long COVID klinische Erscheinungsbilder zu differenzieren: „Neben milderen, vorwiegend mit Riech- und/oder Geschmacksstörung assoziierten Symptommustern zeigte die Hauptgruppe der Betroffenen mit Long COVID zwar keine anhaltende Hyposmie (verminderter Geruchssinn) oder Hypogeusie (Geschmacksstörung), aber eine hohe Anzahl von postakuten Multiorgan-Symptomen wie Erschöpfung, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Kurzatmigkeit, Herzrasen, Engegefühl im Brustkorb, Verdauungsprobleme und Hauterscheinungen sowie eine schlechte, selbst berichtete körperliche Erholung“, schildert Neurologe Raimund Helbok die ersten Erkenntnisse. „Anhaltende postinfektiöse Beschwerden kennen wir auch bei anderen Erregern, aber die Fallzahl der Pandemie wird uns herausfordern“, sagt Klinikdirektor Günter Weiss. Mit den Ergebnissen der Zwei-Kohorten-Studie (Tirol/Südtirol), die in Tirol fortgesetzt wird, soll es nun in der interdisziplinären Zusammenarbeit gelingen, Versorgungskonzepte zu entwerfen, die der langwierigen Erholung nach COVID-19 entsprechen. „Ein Wissenstransfer zu den Hausärzt*innen für die individuelle Behandlung und Betreuung von Long-COVID-Patient*innen bei der Koordination fachärztlicher Abklärungen und rehabilitativer Maßnahmen spielt hierbei eine zentrale Rolle“, so Pflegewissenschafter Dietmar Ausserhofer. Die Entwicklung eines integrierten und wissenschaftlich begleiteten Versorgungsmodells befindet sich in Tirol derzeit in Ausarbeitung.


© WK TIROL/DIE FOTOGRAFEN

eco.zukunft

Uni-Vizerektorin Ulrike Tanzer, Manuel Brunner, Frederick Pfeifer, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser, Monica Fernandez-Quintero, Stefan Brida, Thomas Margreiter und Michael Kohlegger, Vizerektor der FH Kufstein

GUTE ARBEIT(EN) Seit 24 Jahren prämiert die Wirtschaftskammer herausragende Dissertationen sowie Diplom- und Masterarbeiten, die von Student*innen der Leopold-Franzens-Universität, des Management Center Innsbruck/ MCI und der Fachhochschule Kufstein verfasst wurden. Mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet werden mit „Sehr gut“ benotete Arbeiten, die einen hohen Innovationsgrad aufweisen und für die Tiroler Wirtschaft bzw. für den Wirtschaftsstandort von direkter Bedeutung sind. Eine Unternehmer*innenjury hat diesmal fünf Arbeiten ausgewählt. Die Gewinner des mit jeweils 1.000 Euro dotierten Preises 2021 sind Monica Fernandez-Quintero (Uni Innsbruck), Frederick Pfeifer (Uni Innsbruck), Stefan Brida (MCI), Thomas Margreiter (MCI) und Manuel Brunner (FH Kufstein).

Geschäftsführer Johannes Thurner, CTO Bernhard Bachofner, CIS-Auditorin Margareth Stoll und Geschäftsführer Leonhard Neuner

ISO-PIONIER Bei Fiegl+Spielberger wird seit Jahrzehnten viel Wert auf Managementsysteme gelegt. Die Qualitäts-, Umwelt-, und Informationssicherheitsstandards werden dabei laufend verbessert und optimiert. Ein integriertes Managementsystem nach der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 ist seit fast 30 Jahren fester Bestandteil der Unternehmenspolitik, seit kurzem kommt mit der ISO 27701 eine weitere Zertifizierung dazu, die den erweiterten Schutz von personenbezogenen Daten bestätigt. Fiegl+ Spielberger erhielt das Zertifikat als erstes Unternehmen in Tirol und als eines der ersten Unternehmen Europas.

„Wenn man sich um Kunden kümmert und sich um die Leute kümmert, die sich um Kunden kümmern, sollte man Erfolg haben.“ CHARLES DUNSTONE, UNTERNEHMER

VERANTWORTUNGSVOLL WIRTSCHAFTEN B E T T E N WÄ R M E R Im Alpenraum existieren geschätzt sechs bis zehn Millionen Betten auf dem Markt der Zweitwohnungen, die touristisch vermietet und vermarktet werden wollen. Viele dieser Betten bleiben zeitweise kalt, die Wohnungen also leer. Das wiederum führt zu einem Mangel an regionaler Wertschöpfung. Parallel dazu stehen in Tirol in den kommenden zehn Jahren potenziell 30 Prozent der Tourismusbetriebe vor der Übergabe und nicht alle Nachfolger*innen möchten die operative Verwaltung selbst managen. Mögliche Folgen: Leerstand oder Verkauf an ausländische Investor*innen. Damit genau das nicht passiert, hat es sich das Start-up Airgreets zur Aufgabe gemacht, Vermieter*innen im Tourismusbereich unter die Arme zu greifen. Deren All-in-one-Lösung enthält unter anderem die Vermarktung, das Buchungsmanagement, Gästekommunikation und Qualitätschecks. Damit will Airgreet Marktführer für Ferienunterkünfte im Alpenraum werden. Mit an Bord sind die Leadinvestoren Falkensteiner Ventures und feratel. www.airgreets.com

Der TRIGOS als Motor für Unternehmensverantwortung und nachhaltige Innovation in der österreichischen Wirtschaft gibt jenen Unternehmen eine Bühne, die eine positive Entwicklung der Gesellschaft aktiv mitgestalten. Österreichische Klein- und Mittelbetriebe als auch Großkonzerne können sich 2022 in sechs Kategorien bewerben. Die Einreichfrist läuft noch bis 25. Feber 2022. Neben der bundesweiten TRIGOS-Verleihung haben Betriebe mit Sitz in den Bundesländern Tirol und Kärnten 2022 auch die Möglichkeit, mit dem regionalen TRIGOS ausgezeichnet zu werden. Alle teilnehmenden Betriebe aus diesen Bundesländern nehmen mit ihrer Einreichung automatisch sowohl am Bundeswettbewerb als auch am regionalen Bewerb teil. Infos unter www.trigos.at

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eco.zukunft

DIE HERRSCHAFT DER INFORMATION TEXT: MARIAN KRÖLL

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„Ist das die beste aller möglichen Welten, nun so möcht’ ich die übrigen sehn!“ CANDIDE

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as vorangehende Zitat stammt aus der Novelle „Candide oder der Optimismus“, die der französische Philosoph Voltaire als Satire gegen die optimistische Weltanschauung Gottfried Wilhelm Leibniz’ in Stellung gebracht hatte. In ihr verspottet Voltaire unter anderem die nai-

ve Utopie des einfachen Mannes von einem sorglosen Leben. Diese Utopie ist bis in die heutige Zeit hinein streckenweise erhalten geblieben, obwohl sie durch die Pandemie deutliche Kratzer bekommen hat. Das Leben ist und bleibt hart, obwohl die Möglichkeiten – das ist vor allem dem sich weiter beschleunigenden technologischen Fortschritt geschuldet – noch nie so groß waren wie in der heutigen Zeit. Dennoch ist es besorgniserregend, wie die sich öffnenden Möglichkeitsräume genutzt werden. Oder vielmehr vergeudet. Hieß es bei Francis Bacon noch – verkürzt formuliert – „Wissen ist Macht“, muss man heute sagen „(Des)information ist Macht“.


eco.zukunft

HERRSCHAFTSFORM DER DIGITALISIERTEN ZEIT Das Informationszeitalter hat mit dem Informationsregime selbst eine neue Herrschaftsform hervorgebracht. So lautet die Diagnose des koreanisch-deutschen Philosophen und Kulturwissenschaftlers Byung-Chul Han, die er in seinem Buch „Infokratie – Digitalisierung und die Krise der Demokratie“ formuliert. Han ist damit einem bisher weitgehend wortlosen Unbehagen auf der Spur, das sich, ausgelöst durch die Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche durch die Digitalisierung, in den luziden Ausführungen des Philosophen geistreich Bahn bricht. Der Autor spart in seinen philosophischen Arbeiten meist nicht mit großer Geste. Seine Thesen trägt er mit einem gewissen Hang zum Pathos und zu neuen Wortschöpfungen vor. Informationsregime nennt Byung-Chul Han die neue Herrschaftsform, in der Informationen und deren Verarbeitung mittels Algorithmen und künstlicher Intelligenz soziale, ökonomische und politische Prozesse maßgeblich bestimmen. Im Gegensatz zum Disziplinarregime des Industriekapitalismus würden, postuliert Han, nicht Körper und Energien, sondern Informationen und Daten ausgebeutet. Nicht mehr wer die Produktionsmittel besitzt, hat die Macht, sondern wer Zugang zu den Informationen hat. Es handelt sich notabene zu einem wesentlichen Teil auch um Informationen, die der Mensch auf dem Wege der sozialen Medien bereitwillig preisgibt, wenn er auf den Plattformen ungefragt sein Innerstes nach außen kehrt. Der Mensch wird in Hans Augen im aus dem Informationskapitalismus heraustretenden, ihm gleichsam nachfolgenden Überwachungskapitalismus zum „Daten- und Konsumvieh“ degradiert. „Das unterworfene Subjekt des Informationsregimes wähnt sich frei, authentisch und kreativ. Es produziert sich und performt sich“, mahnt der Philosoph. Im Informationsregime würden sich die Menschen paradoxerweise nicht überwacht fühlen, sondern frei. „Je mehr Daten wir generieren, je intensiver wir kommunizieren, desto effizienter wird die Überwachung“, weiß Han, der das Mobiltelefon als Überwachungs- und Unterwerfungsapparat bezeichnet, der Freiheit und Kommunikation

INFOKRATIE

Digitalisierung und die Krise der Demokratie Byung-Chul Han, Verlag Mattehs & Seitz Berlin, 100 Seiten, EUR 10,00 Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran und erfasst inzwischen auch den Bereich des Politischen und führt zu massiven Verwerfungen im demokratischen Prozess. Troll-Armeen greifen in die Wahlkämpfe ein, indem sie gezielt Desinformation betreiben. Byung-Chul Hans neuer Essay beschreibt die heutige Krise der Demokratie, indem er sie auf den digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit zurückführt. Han gibt der Krise einen Namen: Infokratie, und er verortet sie im Informationsregime als neue Herrschaftsform.

Wir hören in der digitalen Kommunikation nur noch uns selbst sprechen, sie verkommt zur Kommunikation ohne Gemeinschaft. ausbeute. Im Informationsregime braucht es keinen disziplinarischen Zwang mehr, weil sich dessen Herrschaft in dem Moment vollendet, „in dem Freiheit und Überwachung in eins fallen.“ Han setzt sich in der Folge auch mit dem Begriff der Transparenz auseinander, dessen Tragweite verkannt würde. Er betrachtet die Transparenz als den systemischen Zwang des Informationsregimes, dessen Imperativ laute: „Alles hat als Information vorzuliegen.“ Dementsprechend seien auch nicht die Menschen wirklich frei, sondern die Informationen. Das Paradoxe an der Sache: „Die Menschen sind in Informationen gefangen. Sie legen sich selbst Fesseln an, indem sie kommunizieren und Informationen produzieren“, diagnostiziert Han und kommt zum folgenden Schluss: „Das digitale Gefängnis ist transparent“. Die Menschen sind transparent im Informationsregime, Herrschaft dagegen ist niemals transparent. „Der Maschinenraum der Transparenz ist dunkel. Wir liefern uns der immer größer werdenden Macht der algorithmischen Blackbox aus“, hält der Philosoph fest. Wären die mit der Digitalisierung verbundenen Annehmlichkeiten bloß nicht so verlockend, die sozialen Medien nicht so gefällig, die Suchmaschinen nicht so angenehm, die smarten Apps nicht so zuvorkommend. Das Smart Home protokolliert unser Leben minutiös, der Staubsaugerroboter kartiert unsere Wohnung, das Smart Bed überwacht unseren Schlaf. „Die Überwachung schleicht sich in Form von Convenience in den Alltag ein“, sagt Han. Das heutige digitale Gefängnis ist eine smarte Wellnessoase, die keinen Widerstand provoziert. In der Heimeligkeit entstehen keine Revolutionen. Die Infokratie ist eine smarte Herrschaftsform, sie muss nicht befehlen, sie flüstert, sie nudget, stupst mit subtilen Mitteln zur Verhaltensänderung an, geht im Kleid der Freiheit, Kommunikation und Community spazieren. Die gefühlte Freiheit stellt sicher, dass die Machtausübung funktioniert. Freiheit bedeute, so Han, im Informationsregime nicht länger handeln, sondern klicken, liken und posten. Das Informationsregime bemächtigt sich der Einzelnen, indem es Verhaltensprofile von ihnen erstellt. Han argumentiert, dass Big Data und künstliche Intelligenz das Informationsregime in die Lage versetzten, unser Verhalten auf einer Ebene zu beeinflussen, die unterhalb der Bewusstseinsschwelle liegt. „Die datengetriebene Psychopolitik des Informationsregimes greift in unser Verhalten ein, ohne dass wir uns dieser Eingriffe bewusst werden.“ Der Philosoph nennt das das Digital-Unbewusste.

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eco.zukunft

Wir haben in der Informationsgesellschaft das Grundvertrauen verloren, dass es eine Wahrheit gibt. Sie ist eine Gesellschaft des Misstrauens. EINE KRISE DES ZUHÖRENS

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Nun ist es ja nachweislich so, dass schon die elektronischen Massenmedien mit ihrem fortwährenden Infotainment dem rationalen Diskurs, von dem die Gesundheit der Demokratie maßgeblich abhängt, nicht unbedingt gutgetan haben. In der massenmedial erzeugten Mediokratie ließ sich aber noch zwischen Sendern und Empfängern von Nachrichten unterscheiden. „Wir amüsieren uns zu Tode“ wurde beim Aufstieg der Massenmedien noch befürchtet, „Wir kommunizieren uns zu Tode“ lautet die neue Befürchtung im Informationsregime. Wer weiß, möglicherweise handelt es sich beim Lamento der Massenmedien über das neue Informationszeitalter auch um eine Art des Beleidigtseins, weil aus der Kommunikation der Wenigen hin zu den Vielen kraft des Internets eine Any-to-any-Kommunikation, in der jeder jeden jederzeit erreichen kann, geworden ist. Byung-Chul Han sieht heute die diskursive Öffentlichkeit nicht mehr durch Infotainment, sondern von einer Infodemie, der viralen Verbreitung und Vermehrung von Information, bedroht. Die ungeheure Informationsfülle reißt die Wirklichkeit in einen „permanenten Taumel der Aktualität“ und verdrängt, so Han, „zeitintensive, kognitive Praktiken wie Wissen, Erfahrung und Erkenntnis“. Der rationale Diskurs verträgt sich nicht gut mit der beschleunigten und fragmentierten Kommunikation des World Wide Web. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass der Kurznachrichtendienst Twitter für Donald Trump das mit Abstand wichtigste Medium war, um seine potenzielle Wählerschaft mit seinen unterkomplexen Botschaften zu erreichen. Der Philosoph warnt generell vor dem Vormarsch der Affektkommunikation, in der sich nicht die besseren Argumente durchsetzten, sondern die Informationen mit dem größeren Erregungspotenzial.

Fake News generieren mehr Aufmerksamkeit als Tatsachen. Und dann ist da noch die Microtargeting genannte Praxis, Wählern in manipulativer Absicht auf ihr Psychogramm zugeschnittene Wahlwerbung zuzuspielen. „Jeder bekommt eine andere Nachricht, wodurch die Öffentlichkeit fragmentiert wird“, so Han. Der Diskurs sei eine Praxis des Zuhörens, die Krise der Demokratie in erster Linie eine Krise des Zuhörens. „Wir hören einander nicht mehr zu“, hält der Kulturwissenschaftler fest. Wir hören in der digitalen Kommunikation nur noch uns selbst sprechen, sie verkommt zur Kommunikation ohne Gemeinschaft. Dazu kommt erschwerend, dass wir in der Informationsgesellschaft das Grundvertrauen verloren haben, dass es eine Wahrheit gibt. Sie ist eine Gesellschaft des Misstrauens. Wir begegnen vielen Dingen mit einem Generalverdacht: Es könnte so sein, es könnte aber auch anders sein. Nicht zuletzt vollende sich, schreibt Byung-Chul Han, in der Informationsgesellschaft das bereits in der Postmoderne eingeläutete Ende der großen Erzählungen. „Erzählungen zerfallen zu Informationen“, so Han. Doch wie passt das mit dem Auftreten zahlloser Verschwörungstheorien, neuerdings gerne Verschwörungserzählungen genannt, zusammen? Auch dafür liefert der Philosoph in seinem Buch eine plausible Erklärung: „Heute befinden wir uns nicht nur in der ökonomischen oder pandemischen, sondern auch in einer narrativen Krise. Erzählungen stiften Sinn und Identität. So führt die narrative Krise zur Sinnleere, Identitätskrise und Orientierungslosigkeit. Hier schaffen Verschwörungstheorien als Mikroerzählungen Abhilfe. Sie werden als Identitäts- und Sinnressourcen aufgegriffen.“

DIE WARE ERSETZT DAS WAHRE Die Bedrohungen der Demokratie durch das Informationsregime sind mannigfaltig. Und schon lugt in Gestalt des Metaverse bereits eine neue Gefahr unter der Decke hervor. Noch einigermaßen im Dunkeln, aber was sich abzeichnet, sollte uns als Warnung gelten. Das Metaverse ist ein kollektiver virtueller Raum, möglicherweise die nächste Evolutionsstufe des Internets, eine virtuelle Parallelwelt, in die Tech-Konzerne gerade Milliarden investieren. Das Metaverse ist die nächste große Wette. Es ist Social Media, zu Ende gedacht. Das Metaverse hat das Potenzial, die Kommerzialisierung und Monetarisierung sämtlicher menschlicher (Er)regungen zu vollenden. Wir sind als Menschen zweifellos soziale Wesen. Ob wir auch Social-Media-Wesen sind, ist dagegen äußerst zweifelhaft. Egalitärer wird die Welt durch das Metaverse gewiss nicht. Es ist vielmehr die Fortsetzung – und potenziell Verstärkung – bestehender Ungleichheiten mit anderen, virtuellen Mitteln. Ob das Metaversum Erfolg haben wird, hängt letztlich von jedem Einzelnen ab. In nächster Zukunft entscheidet sich, ob wir uns als Individuen behaupten, denen die reale, physische Welt die erste Heimat bleibt, oder ob sich der moderne Mensch in einen kümmerlichen Datensatz auflösen wird. Choose wisely.


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EIN STÜCK TIROL SEIT 1924

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eco.zukunft

„DIVERGIERENDE WELTSICHTEN WERDEN DE FACTO AUSGEBLENDET“

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m weitesten Sinne bestimmen Algorithmen im Kontext von Social Media, welche Inhalte jeder Nutzer bzw. jede Nutzerin angezeigt bekommt. Dies wird meist durch Empfehlungssysteme berechnet, die man sich vereinfacht gesprochen wie ein Sortierverfahren vorstellen kann: Das System berechnet, welche Produkte, Posts, Bilder, Lieder etc. prominent präsentiert werden sollen“, erklärt Informatikprofessorin Eva Zangerle. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum diese Systeme vor allem nachvollziehbarer, transparenter und fairer werden müssen.

ECO.NOVA: Wie funktionieren derartige algorithmische Empfehlungssysteme? EVA ZANGERLE: Empfehlungssysteme basieren vorwiegend auf der Annahme, dass sich Nutzerinnen und Nutzer, die sich in der Vergangenheit ähnlich verhalten haben, auch in Zukunft ähnlich verhalten werden. Daher versucht das System, diese ähnlichen Nutzer zu finden und aus den von ihnen konsumierten Produkten Empfehlungen abzuleiten. Dies alles basiert auf den sogenannten „Interaktionen“ der Nutzerinnen und Nutzer mit dem System, also unseren bisherigen Einkäufen, welche Lieder und Filme wir bisher auf der Plattform konsumiert haben oder welche Produkte wir bisher mit ein oder fünf Sternen bewertet haben. Die Summe der Interaktionen aller Nutzer ergibt die Datenbasis des Systems. Diese werden dann oft mit Daten erweitert, die die zu empfehlenden Elemente näher beschreiben und charakterisieren. Dies können Autor oder Genre bei Büchern, Musikrichtung oder die „Energiegeladenheit“ eines Liedes sein, um ein paar sehr einfache Beispiele zu nennen.

Was macht ein gutes Empfehlungssystem aus? Ein gutes Empfehlungssystem macht aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer aus, dass es zum einen personalisierte, passende Empfehlungen präsentieren kann und

Was wir im Internet und vor allem auf Social Media zu sehen bekommen, wird überwiegend von Algorithmen bestimmt, die immer leistungsfähiger werden. Das birgt einige Gefahren für eine freie Gesellschaft. TEXT: MARIAN KRÖLL

gleichzeitig ermöglicht, immer wieder neue Produkte zu entdecken und die verfügbaren Produkte zu explorieren. Der Begriff Produkt kann hier sehr weit gefasst werden – von wirklichen Produkten im Onlineshopping über Filme und Musik auf Streaming-Plattformen bis hin zu Personen, die auf Social-Media-Plattformen empfohlen werden. Natürlich gibt es neben der Nutzerperspektive noch andere: Aus Sicht des Anbieters

schafft es ein gutes Empfehlungssystem beispielsweise, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten. Sind algorithmische Entscheidungssysteme zwangsläufig objektiv und unbeeinflussbar? Die Entscheidungssysteme sind natürlich immer abhängig von den zugrunde liegenden Daten und genau diese können beeinflusst werden. In sogenannten „shilling


attacks“ werden eine Vielzahl künstlicher Nutzerprofile erzeugt, mit denen Produkte konsumiert werden. So wird versucht, bestimmte Produkte zu pushen und damit öfter in der Liste der empfohlenen Produkte aufscheinen zu lassen. Neben diesen Attacken ist es natürlich auch denkbar, dass manuell vom Anbieter eingegriffen wird und so Produkte, die einen höheren Gewinn abwerfen, weiter vorne gereiht bzw. prominenter platziert werden. Sind Algorithmen durch das Maschinenlernen mächtiger geworden? Im Bereich von Empfehlungssystemen ist dies sicher so. Die ersten Systeme Mitte der 1990er waren noch sehr einfach gestrickt, mit zunehmenden Datenmengen und auch zunehmend mächtigeren Methoden des maschinellen Lernens wurden die Algorithmen stetig verbessert und optimiert. Ist es denn sinnvoll, die Funktionsweise eines algorithmischen Empfehlungssystems offenzulegen, oder kann das sogar kontraproduktiv sein? In meinen Augen ist es essenziell, dass Nutzerinnen und Nutzer nachvollziehen können, warum das System bestimmte Empfehlungen berechnet hat. Das hat zwei Dimensionen: Zum einen haben Studien gezeigt, dass Nutzer eines transparenten Systems – also eines Systems, das erklärt, warum bzw. wie die Empfehlungen zustande gekommen sind – mehr Vertrauen in dieses System haben. Zum anderen können Nutzerinnen und Nutzer, die ein Grundverständnis für das System haben, besseres Feedback zu den Empfehlungen geben und damit wiederum das Gesamtsystem und damit die Empfehlungen verbessern. Ich forsche aktuell in einem vom FWF finanzierten Projekt genau an diesen Aspekten: Zum einen möchten wir die menschliche Entscheidungsfindung besser verstehen lernen, um damit die Empfehlungsalgorithmen zu verbessern, und zum anderen möchten wir die Empfehlungsalgorithmen für Nutzer transparenter gestalten. Profitorientierte Social-Media-Konzerne stehen in einem Spannungsfeld aus wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlicher Verantwortung. Ist man sich in der Informatik der ethischen Dimension bewusst, die mit der Weiterentwicklung von immer leistungsfähigeren Algorithmen einhergeht? Ja, dieser Verantwortung ist man sich sehr wohl bewusst und daraus hat sich mittlerweile ein eigenes Forschungsfeld

© ANDREAS FRIEDLE

eco.zukunft

„Mittlerweile hat sich ein eigenes Forschungsfeld etabliert, in dem man sich mit der Fairness, Transparenz und auch Verantwortlichkeit von Algorithmen befasst.“ E VA Z A N G E R L E

etabliert, in dem man sich mit der Fairness, Transparenz und auch Verantwortlichkeit befasst. Beispielsweise arbeitet man im Bereich der Empfehlungssysteme daran, wie man die Fairness eines Systems messen kann. Um beim Beispiel der Musikempfehlungen zu bleiben: Wir haben letztes Jahr eine Studie veröffentlicht, in der wir zeigen konnten, dass Nutzerinnen und Nutzer, die gerne Musik abseits des Mainstreams hören, tendenziell schlechtere Empfehlungen erhalten als jene Nutzerinnen und Nutzer, die meist Mainstream-Musik hören. Hier sehe ich generell noch sehr großen Aufholbedarf bei Empfehlungssystemen. Aktuelle Systeme vernachlässigen meist unterrepräsentierte Gruppen und können nicht allen Nutzerinnen und Nutzern gleich passende Empfehlungen bieten. Eli Pariser hat den Begriff der Filterblase geprägt und lange vor ihm hat Marshall McLuhan auf die Wechselwirkung zwischen unseren Werkzeugen und uns Menschen hingewiesen („We shape our tools, and thereafter our tools shape us“). Sorgen Algorithmen heutzutage dafür, dass jeder Mensch im Netz gewissermaßen seine eigene, auf die eigenen Vorlieben, Interessen und Meinungen hin zugeschnittene Realität präsentiert bekommt? Das kann man sicherlich so

sagen. So angenehm es auch ist, beim Onlineshopping passende Produkte vorgeschlagen zu bekommen oder beim Streamen von Musik oder Filmen mithilfe des Empfehlungssystems neue, interessante Lieder oder Filme entdecken zu können – speziell in sozialen Medien muss man diese Entwicklung auch kritisch betrachten. Mit der zunehmenden Personalisierung von Inhalten geht einher, dass divergierende Weltsichten de facto ausgeblendet werden. Die so entstehenden Filterblasen tragen massiv zur Polarisierung der Gesellschaft bei und verstärken diese. Das kann man aktuell sehr gut rund um Covid-19 und die Impfpflicht verfolgen.

ZUR PERSON

Eva Zangerle hat sich im Rahmen ihrer Dissertation ursprünglich mit Empfehlungssystemen für Hashtags auf Twitter beschäftigt und dabei bemerkt, dass Twitter-Nutzer den Dienst auch oft dazu verwenden, das aktuell abgespielte Lied zu twittern. Über diesen Umweg ist die Assistenzprofessorin am Institut für Informatik der Universität Innsbruck zum Thema Musikempfehlungen gekommen. Zangerle forschte bereits an der Ritsumeikan University in Kyoto, der Freien Universität Berlin sowie der Johannes Kepler Universität Linz.

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„GANZ OHNE ALGORITHMEN WIRD ES NICHT GEHEN“ An der Universität Innsbruck ist ein neues Institut für Theorie und Zukunft des Rechts entstanden. An diesem forscht seit vergangenem Herbst Universitätsprofessor Matthias C. Kettemann, ausgewiesener Experte für digitale Kommunikationsräume. Er arbeitet unter anderem daran, das Internet zu einem besseren Ort für alle zu machen. Wir haben ihn gefragt, wie das gehen könnte. TEXT: MARIAN KRÖLL

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m weitesten Sinne bestimmen Algorithmen im Kontext von Social Media, welche Inhalte jeder Nutzer bzw. jede Nutzerin angezeigt bekommt. Dies wird meist durch Empfehlungssysteme berechnet, die man sich vereinfacht gesprochen wie ein Sortierverfahren vorstellen kann: Das System berechnet, welche Produkte, Posts, Bilder, Lieder etc. prominent präsentiert werden sollen“, erklärt Informatikprofessorin Eva Zangerle. Wir haben mit ihr

darüber gesprochen, warum diese Systeme vor allem nachvollziehbarer, transparenter und fairer werden müssen. Wenn man sich das Internet so ansieht, gibt es dort zahlreiche Baustellen, vor allem im Zusammenhang mit den sozialen Medien. Woher rühren Ihre Erfahrungen mit digitalen Kommunikationsräumen? MATTHIAS C. KETTEMANN: Ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit MenECO.NOVA:

schenrechten im Internet und deren Durchsetzung. Im Zuge dessen habe ich mir die Rolle privater Unternehmen angesehen. Der Unterschied zwischen der Offline- und der Onlinewelt ist, dass es in letzterer praktisch keine öffentlichen Räume gibt, in denen der Staat primär für den Rechtsschutz zuständig ist. Will man in der Offlinewelt demonstrieren, geht man beispielsweise auf den Marktplatz. Was macht man aber in der Onlinewelt?


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Die Regeln und Rechtsnormen in unserer physischen Welt haben sich über Jahrzehnte und teils Jahrhunderte herausgebildet. Das Internet ist dagegen noch nicht besonders alt. Sehen Sie dort rechtsfreie Räume als Hauptproblem? Ich würde nicht von rechtsfreien Räumen sprechen, das Recht gilt nämlich auch für das Internet. Es sind aber Räume, in denen die Rechtsdurchsetzung sehr viel schwieriger ist und neben den Staaten die Plattformen viel mehr tun müssten. Da ist über die Jahre vieles liegengeblieben und die Staaten haben diese Entwicklung verschlafen. Mit dem Digital Services Act und dem Digital Markets Act hat die EU Gesetze über digitale Dienste und Märkte auf den Weg gebracht. Sind diese Gesetze taugliche Schritte hin zu einer besser regulierten Internetsphäre? Diese Rechtsakte sind richtige und wichtige Schritte hin zu mehr Rechtsstaatlichkeit im Internet. Die Social-Media-Plattformen werden zu mehr Rechtsschutz, Transparenz und Moderation verpflichtet und dürfen nicht mehr nach eigenem Gutdünken Inhalte herunternehmen, ihre Algorithmen so programmieren, dass sie möglichst viel Geld damit verdienen, und sie dürfen auch nicht mehr einfach ihre Marktmacht gegenüber anderen Unternehmen ausnutzen. Sie werden dazu verpflichtet, die Risiken zu bewerten, die ihre Algorithmen und Geschäftspraktiken für den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben. Das gab es noch nie. Die digitalen Kommunikationsräume bzw. Social-Media-Plattformen gleichen einem Oligopol mit wenigen, aber dafür sehr mächtigen Playern. Steht als Sanktionsmöglichkeit sogar eine Aufsplitterung der mächtigsten Digitalkonzerne im Raum? Verhält sich ein Unternehmen wettbewerbswidrig, steht in der Tat als letzte Sanktion eine Zerschlagung im Raum. Das halte ich jedoch für eine nukleare Option, die nicht zielführend ist. Es zeigt aber, dass die Staaten erkannt haben, dass sie lange Jahre verschlafen haben, bessere Regulierungsmöglichkeiten zu schaffen. Es ist viel schwieriger, Facebook bzw. Meta zu zwingen, sich von WhatsApp zu verabschieden, als es vor einigen Jahren gewesen wäre, den Kauf von WhatsApp nicht zu gestatten. Jetzt darf man aber nicht überreagieren, nur weil man in der Vergangenheit zu lasch war. Die EU ist vor allem wirtschaftlich ein globales Schwergewicht, an dem kein

„Studien haben gezeigt, dass es überwiegend nicht die Teenager sind, die Desinformation teilen, sondern Menschen zwischen 40 und 60 Jahren mit ausbaufähiger Medienkompetenz.“ M AT T HI A S C . K E T T EM A NN

Konzern vorbeikann. Haben die neuen EU-Gesetze für die digitalen Märkte und Dienstleistungen global gesehen Vorbildcharakter? Auf jeden Fall. Ich rechne mit einem starken Brüssel-Effekt, den es auch beim Thema Datenschutz schon gegeben hat. Die DSGVO hat inzwischen weltweit Anwendung gefunden, auch weil die Macht der europäischen Konsumentinnen und Konsumenten eine große ist. Wir dürfen uns in Europa auf unser rechtsstaatlich geprägtes, freies Internet etwas einbilden und müssen dieses schützen. Europa wird nicht das nächste Facebook oder Google hervorbringen, wir sind aber sehr gut darin, grundrechtlich solide Regeln aufzustellen. Europa als Normenexporteur für das globale Internet ist daher kein schlechter Ansatz. Social Media tragen, anders, als man sich das vielleicht erhofft hatte und wie gerade in dieser Pandemie zu sehen ist, dazu bei, das gesellschaftliche Klima zu vergiften. Sehen Sie das auch so? Diese Plattformen ermöglichen den Zugang zu noch nie dagewesenen Informationsmengen. Das ist gut. Gleichzeitig sehen wir es durchaus kritisch, dass Menschen verknüpft werden, die in der Offlinewelt nicht zusammengefunden hätten. Das ist auf die Empfehlungsalgorithmen zurückzuführen, die lange Jahre darauf ausgerichtet waren, die Leute möglichst lange auf den Plattformen zu halten, weil Aufmerksamkeit bares Geld ist. Erst in letzter Zeit hat man bemerkt, dass diese Ausrichtung gesellschaftliche Nebenwirkungen haben kann, die jetzt richtig zum Tragen kommen. Zu diesen Nebenwirkungen gehören Hass und Hetze. Besonders auf Plattformen wie Telegram, die sich beharrlich weigern, rechtswidrige Inhalte zu löschen, findet sich Hassrede, die schon ins wirkliche Leben herübergeschwappt ist. Dabei lässt es sich empirisch gar nicht so leicht nachweisen, welchen Effekt soziale Medien auf die Prävalenz von Hass und Hetze in einer Gesellschaft haben. Gibt es mehr Hass? Oder ist dieser nur sichtbarer geworden? Zu behaupten, die Plattformen seien der alleinige oder primäre Grund

für aktuelle gesellschaftliche Probleme wie Hass und Desinformation, ist wohl verkürzt. Man sollte sie weder dämonisieren noch von ihrer Verantwortung freisprechen. Sie tun noch viel zu wenig, obwohl wir in Europa und den USA noch in der komfortableren Situation sind, dass vergleichsweise mehr moderiert wird als in vielen anderen Ländern. In manchen Staaten – etwa in Myanmar – ist Facebook das Internet und wurde lange Zeit kaum moderiert. Moderation ist einerseits wichtig, andererseits aber nicht ganz unproblematisch, weil damit große Verantwortung einhergeht. Es geht dabei auch um die Frage, wer hat die Deutungshoheit über die Wahrheit? Der Staat muss das Recht – und die Rechte seiner Bürgerinnen und Bürger – durchsetzen und dafür sorgen, dass illegale Inhalte aus dem Netz verschwinden. Dazu wurden die Plattformen vom Staat verpflichtet, in Österreich über das Kommunikationsplattformen-Gesetz, in Deutschland über das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Plattformen haben einen Kommunikationsraum geschaffen und sind verantwortlich dafür, dass in diesem Raum das Recht herrscht und keine Gefahren für gesellschaftliche Rechtsgüter entstehen. Zu diesen gehört auch der gesellschaftliche Zusammenhalt und die freie Meinungsbildung auf Grundlage geteilter Fakten als Voraussetzung für demokratische Gesellschaften. Diese Verantwortung kann den Plattformen niemand abnehmen. Es wäre schrecklich wie faktisch unmöglich, wenn der Staat beginnen würde, das selbst zu moderieren. Das wäre ungeheuer freiheitsfeindlich. Facebook löscht jeden Tag Millionen Beiträge, und zwar nicht nur oder primär menschlich, sondern automatisch über Filter-Algorithmen. Das Hauptproblem sind noch nicht einmal die rechtswidrigen Inhalte, die sich bei den gelöschten Inhalten nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegen. Der überwältigende Teil gelöschter Inhalte wird wegen Verstößen gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelöscht, bei Facebook etwa wegen Corona-Desinformation,

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eco.zukunft

Spam-Inhalten oder Pornografie. Das ist alles nicht rechtswidrig und dagegen könnte – und sollte – der Staat gar nichts machen.

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Kann man Konzerne zur Offenlegung ihrer Algorithmen zwingen, so dass diese in ihrer Funktion nachvollzogen werden können? Bis zu einem gewissen Grad ja. Im Digital Services Act steht, dass diese Plattformen für die Offenlegung der Logiken hinter ihren Empfehlungsalgorithmen verantwortlich sind. Darüber hinaus sind sie verpflichtet, jährlich Risikoabschätzungen dahingehend zu veröffentlichen, wie anfällig die Empfehlungsalgorithmen für Missbrauch und Manipulation sind. Die Plattformen sind ferner verpflichtet, User davon in Kenntnis zu setzen, wenn aufgrund einer algorithmischen Entscheidung Beiträge entfernt wurden. Darüber hinaus kann es sein, dass im kommenden AI Act – ein Rechtsakt über künstliche Intelligenz – eine umfassendere Erklärungspflicht für algorithmische Entscheidungen enthalten sein wird. Schon jetzt enthält die Datenschutz-Grundverordnung ein Recht auf Einblick in die Logik eines Algorithmus. Ist ein Opting-out aus Algorithmen in Zukunft eine denkbare Alternative für User? Ein Opt-out-Recht aus personalisierter Werbung wird im Digital Services Act festgehalten. Aber: Ganz ohne Algorithmen wird es nicht gehen. Eine Plattform, auf der diese Algorithmen nicht mehr greifen, wäre voller Desinfor-

© HBI, 2021

Das bedeutet aber auch sehr große Interpretationsspielräume und damit sehr viel Macht für diese Plattformen, was „gute“ und „schlechte“ Informationen betrifft? Ja. Diese Macht wird aber dadurch eingeschränkt, dass es zumindest in Deutschland und Österreich Berichtspflichten gibt, wie und was aufgrund gesetzlicher Pflichten gelöscht wird. Darüber hinaus haben Plattformen schon vor Jahren begonnen, Transparenzberichte zu veröffentlichen. Und es gibt zunehmend Wege, wie sich User, deren Beiträge gelöscht worden sind, zur Wehr setzen können. Der Staat ist bestrebt, zu gewährleisten, dass die Plattformen innerhalb ihrer Handlungsspielräume gut vorgehen. Dabei hilft jetzt vor allem auch der Digital Services Act.

Matthias C. Kettemann ist seit 1. September 2021 am Institut für Theorie und Zukunft des Rechts an der Univesität Innsbruck tätig.

ZUR PERSON

Nach Studien der Rechtswissenschaften in Graz, Genf und als Fulbright- und Boas-Stipendiat an der Harvard School promovierte Matthias C. Kettemann (*1983) mit einer Arbeit zur Rechtsstellung des Individuums im Völkerrecht. Als Erster im deutschen Sprachraum mit einer Lehrbefugnis für Internetrecht (und Völkerrecht und Rechtstheorie) ausgestattet, untersucht der Professor für Innovation, Theorie und Philosophie des Rechts an der Uni Innsbruck, wie künstliche Intelligenz besser reguliert und Menschenrechte auch im Internet geschützt werden können.

mation und Hassrede. Man muss aufpassen, nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten. Je größer die Plattform, desto wichtiger sind automatisierte Filter. Es wäre jedoch sinnvoll, bei automatisierten Löschungen einen Menschen kontrollieren zu lassen. Man muss allerdings abwägen, ob das nicht zu lange dauern würde. Ich halte es für besser, die Inhalte rascher zu entfernen, aber gleichzeitig ein starkes Rechtsschutzinstrumentarium zu etablieren, damit User sich dagegen wehren können und Einspruch erheben können. Wir müssen dafür sorgen, dass algorithmische Systeme besser werden, transparenter und an den Rechten ausgerichtet. Ist die sogenannte Hassrede bzw. Hate Speech aus Ihrer Sicht ein hinreichend

„Die Onlinewelt ist kein rechtsfreier Raum, das Recht gilt nämlich auch für das Internet.“ M AT T HI A S C . K E T T EM A NN

genau definiertes und damit taugliches Kriterium, um die Meinungsfreiheit im Internet zu beschneiden? Das ist eine spannende Frage, weil Hassrede im österreichischen Gesetz ja gar nicht definiert ist. Der Begriff kommt aus dem Völkerrecht, wo er für bestimmte Arten der Beleidigung – rassistisch, fremdenfeindlich, misogyn – verwendet wurde. Hassrede ist aber ein hilfreicher Sammelbegriff für Aussagen, die die Menschenwürde anderer angreifen. Die Technologie schreitet unaufhaltsam voran. Das heißt längst nicht, dass der Mensch mit dieser Entwicklung Schritt halten kann. Sehen Sie Handlungsbedarf in unserem Bildungssystem, was Fähigkeit zur Quellenkritik und Big Data Literacy betrifft? Auf jeden Fall muss Digitalbildung noch stärker in alle Phasen der Bildung und Ausbildung integriert werden, in die familiären, schulischen, aber auch der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Studien haben gezeigt, dass es überwiegend nicht die Teenager sind, die Desinformation teilen, sondern Menschen zwischen 40 und 60 Jahren mit ausbaufähiger Medienkompetenz. Es stehen große technologische (Fort-) Schritte im Raum, etwa das Internets der Dinge oder ganz aktuell das Metaversum. Sind Sie optimistisch, was die Entwicklung des Internet und die daraus resultierenden globalen und sozialen Konsequenzen betrifft? Ich denke, wir wissen heute genug, um Maßnahmen setzen zu können, damit bestehende Diskriminierungen und Ungleichzeitigkeiten nicht noch weiter verstärkt werden. Grundsätzlich bin ich positiv gestimmt, weil wir so viel mehr über die Herausforderungen des Internets reden als noch vor ein paar Jahren. Wir haben ein paar Jahre verschlafen, aber es ist noch nicht zu spät für ein grundrechtssensibleres Internet. Die neuen EU-Regularien werden unsere Internetnutzung nachhaltig ändern. Ich halte eine menschenorientiertere Internet-Umgebung in Zukunft sowohl für nötig als auch für wahrscheinlich. Das Internet muss für die Menschen da sein. Nicht die Menschen für die Plattformen.


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WANN, WENN NICHT JETZT? WARUM ES ZEIT IST, DIGITALE PRÄSENZ ZU ZEIGEN. Wenn sich Onlineauftritt und Offlineangebot perfekt ergänzen, profitiert nicht nur der stationäre Handel: Ein Projekt des Standortmarketings Kufstein gibt Unternehmer*innen aus Kufstein und dem Kaiserwinkl wertvolle Werkzeuge in die Hand, um ihre digitale Präsenz nachhaltig zu erhöhen. Mit ausgewählten Maßnahmen im Onlinemarketing können sie aktiv und authentisch agieren – auch unter veränderten Marktbedingungen – und im entscheidenden Moment den Wettbewerb für sich entscheiden.


STANDORTMARKETING KUFSTEIN

„Ziel ist es, durch die digitale Präsenz Kund*innen in die Geschäfte zu bringen, um sie vor Ort mit exzellentem Service zu überzeugen.“ TA N JA REHB ER GER , S TA ND OR T M A RK E T ING K UF S T EIN

Onlineshop betreiben sollte, vielmehr geht es darum, die Vorteile des Internets im eigenen Interesse zu nutzen, wie Tanja Rehberger beschreibt: „Das Netz ermöglicht Wirtschaftstreibenden, ihre Zielgruppe kostengünstig und im richtigen Moment zu erreichen. Diese Chance sollten sie nutzen.“ Die geplanten Workshops lassen die Unternehmer*innen in die Welt des Onlinemarketings eintauchen: „Unser Angebot ist sehr niederschwellig. Die Unternehmer*innen müssen nur noch zusagen“, betont Sigrid Ruppe-Senn, die vom Standortmarketing Kufstein mit der Leitung der zukünftigen Workshops in Kössen und Kufstein beauftragt wurde. Die Geschäftsführerin der Agentur Interalp Touristik in Kufstein ist seit knapp 20 Jahren im digitalen Marketing tätig und österreichischer Marktführer, wenn es um Vertriebsstrategien im Internet geht.

DIGITAL COACHING „Die Workshops sind für alle Branchen interessant“, erklärt die erfolgreiche Unternehmerin. Sie legt Wert darauf, zu erwähnen, dass der Wissenstransfer in den Workshops in beide Richtungen stattfindet: „Wir gehen sehr gerne auf die einzelnen Teilnehmer*innen ein. In den Kursen nehmen wir uns Zeit, die individuelle Situation der Teilnehmer*innen zu beleuchten. Ich schaue mir die Kursteilnehmer*innen vor Beginn online an, um zu wissen, mit wem ich es zu tun habe“, erläutert Sigrid Ruppe-Senn ihre Vorgehensweise. Die Analyse der bisher verfügbaren Informationen offenbart vieles: „Oft finden wir nicht gewartete Webauftritte, fehlende Öffnungszeiten, veraltete Telefonnummern. Wir beginnen mit diesen Basics und arbeiten uns von da ausgehend weiter vor“, berichtet die Workshopleiterin aus der Praxis.

© STANDORTMARKETING KUFSTEIN

tunden um Stunden verbringt der moderne Mensch beim Scrollen und Schauen, beim Tippen und Daddeln. So verschenkt er seine Zeit an den Meistbietenden. Nicht nur in der Onlinewelt ist Aufmerksamkeit die wertvollste Währung geworden. Auch für den stationären Handel kann die im Internet vorhandene oder vergeblich gesuchte Präsenz große Auswirkungen haben. Das Digital Coaching – ein Teilprojekt der „Region 4.0“, ins Leben gerufen vom Standortmarketing Kufstein und umgesetzt mit der Unterstützung von Land Tirol und Europäischer Union – war ursprünglich für die Handelsbranche konzipiert. Die Zeit aber zeigt, dass Unternehmer*innen aller Branchen ein Bedürfnis haben, in die unendlichen Weiten des Onlinemarketings vorzudringen, um das eigene Unternehmen auch im Internet bestmöglich zu präsentieren. „Durch die Kaufkraftabwanderung ins Internet verlieren Innenstädte immer mehr an Attraktivität. Dem wollen wir entgegenwirken“, hält Tanja Rehberger fest, die das Projekt von Seiten des Standortmarketings Kufstein betreut. Die Standortattraktivierung und -belebung zählt zu ihren Hauptaufgaben. Durch das Wachstum des Onlinehandels geht der Bedarf vor Ort spürbar zurück. Die Umsätze bleiben aus, das Geschäft rentiert sich nicht mehr, leerstehende Läden sind die Folge – so das bedrohliche Szenario. Digitale Präsenz kann dieser Entwicklung entgegenwirken, ist Tanja Rehberger sicher: „Eine verstärkte Auffindbarkeit des stationären Handels im Netz schafft ein Bewusstsein, dass die gesuchten Dinge auch vor Ort verfügbar sind beziehungsweise gekauft werden können. Die Kunden werden auf das lokale Angebot aufmerksam gemacht.“ In den Geschäften gilt es, die Kund*innen mit perfektem Service und bester Beratung von den Vorzügen des Offlinehandels zu überzeugen.

ZEIT FÜR VERÄNDERUNG Digitalisierung im Handel bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen zusätzlich einen ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Die Workshops vermitteln Wissen, das sofort und selbstständig umgesetzt werden kann. So können die Teilnehmer*innen direkt durchstarten.

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STANDORTMARKETING KUFSTEIN

AUTHENTISCHES ONLINEMARKETING Die Erarbeitung einer Content-Strategie steht am Anfang: Die Unternehmer*innen müssen sich klar werden, wer sie sind und wofür sie stehen. Mit der richtigen Positionierung können sie ihre digitale Präsenz ausbauen. Über 120 Personen besuchten die bisherigen Schulungen und das Feedback ist sehr positiv ausgefallen: Vier von fünf der Teilnehmer*innen haben angegeben, dass sich ihr Web- und Social-Media-Auftritt durch die Workshops bzw. die Webseitenanalyse verändert hat. Über neunzig Prozent würden das Digital Coaching weiterempfehlen. „Soziale Medien sind vergleichbar mit dem Schaufenster oder dem Prospekt von einst“, bringt es Tanja Rehberger abschließend auf den Punkt. Das Digital Coaching ist daher nicht nur für den Handel, sondern auch für Unternehmer*innen anderer Branchen unbedingt empfehlenswert, unterstreicht Sigrid Ruppe-Senn: „Es lohnt sich, aktiv zu werden und sich um einen authentischen Auftritt im Internet zu kümmern. Wann, wenn nicht jetzt?“ PR

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„Wer sich mit digitalem Marketing auseinandersetzt, muss sich über seine Sichtbarkeit Gedanken machen. Wie möchte ich online auftreten?“ SIGRID RUPPE-SENN, MARKETINGEXPERTIN

Als zweifache Mutter kennt Sigrid Ruppe-Senn die Sorgen und Nöte der Unternehmer*innen, die – unabhängig von ihrem Geschlecht – oft mehrere Rollen spielen: „Sie stehen untertags im Geschäft, machen nachts die Buchhaltung und tun dazwischen alles für ihre Familie. Sie fragen sich, wo da die Zeit für die digitale Bewerbung des eigenen Unternehmens bleiben soll.“ Wie so oft, gilt auch hier: Wo ein Wille, da ein Weg. Das Versprechen der Digital Coachings ist es, den Unternehmer*innen Werkzeuge in die Hand zu geben, um direkt durchstarten zu können.

Nicht nur Sigrid Ruppe-Senn sieht viele Vorteile, wenn sich die Firmeninhaber*innen persönlich um die Marketingagenden kümmern. Zum einen helfe ein gewisses Grundwissen, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden: „Es werden so viele unterschiedliche Maßnahmen angeboten. Umso wichtiger ist es, die Kanäle auszuwählen, die erfolgversprechend sind.“ Zum anderen haben die Eigentümer*innen wertvolles Wissen für die Content Creation: „Niemand kennt Ihr Unternehmen besser als Sie selbst“, ist sich die Marketingexpertin sicher.

DIGITAL COACHING Das Digital Coaching unterstützt regionale Klein- und Mittelbetriebe, volle digitale Präsenz zu entfalten. In diversen Workshops wird Wissen vermittelt, das den Unternehmer*innen hilft, im Wettbewerb mit großen Onlineanbietern zu bestehen. Zur Auswahl stehen aktuell zwölf Termine in Kössen und Kufstein für das Frühjahr 2022 zu folgenden Themen: Digitales Marketing für Anfänger und Fortgeschrittene, Google Basics, Schwerpunkt Social Media und mehr. Ganztagesworkshop: 30 Euro Halbtagesworkshop: 22 Euro Kursprogramm und Anmeldung finden Sie unter

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BMW 2er Active Tourer: von 100 kW (136 PS) bis 150 kW (204 PS), Kraftstoffverbrauch gesamt von 4,8 l bis 6,2 l/100 km, CO2 -Emissionen von 126 g bis 141 g CO2 /km. Angegebene Verbrauchs- und CO2 -Emissionswerte ermittelt nach WLTP.

Symbolfoto

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MITTEN IN DER ZUKUNFT 48

Ein recht bizarrer Schauplatz der Coronapandemie ist der Esstisch, an dem über die mRNA-Technologie geplaudert wird. Dass ein derart komplexes therapeutisches Konzept alltägliches Gesprächsthema geworden ist, ist außergewöhnlich. Ein klitzekleiner Bereich der Biowissenschaften rückt damit ins Scheinwerferlicht und es wird eine Welt erhellt, in der die medizinische Forschung längst an der Zukunft werkelt. Mit Erfolg. TEXT: ALEXANDRA KELLER


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ür uns ist die mRNA-Technologie eigentlich fast kalter Kaffee“, sagt Guido Wollmann. Kalter Kaffee. Gnadenloser und endgültiger kann einem vermeintlichen medizinischen Durchbruch kaum der aktuelle Sensationsboden entzogen werden. Tja. So schnell geht’s. Sensationell bleibt’s aber trotzdem. Guido Wollmann hat einen anderen Blick, einen anderen Blickwinkel. Er ist Leiter des Christian-Doppler-Forschungslabors für Virale Immuntherapie gegen Krebs am Institut für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck. In seiner Welt ist die mRNA-Technologie, die im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen Einzug als Gesprächsstoff an den Esstischen fand, mal gefeiert, mal verteufelt und jedenfalls als superschnell bezeichnet wurde, ein altbekanntes Werkzeug. In Guido Wollmanns Welt spielen gentechnische Impfstoffe eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Krebs. Und nur weil das nicht erst seit gestern getan wird, konnte der mRNA-Impfstoff so flott entwickelt werden. „Es gibt einen sehr großen Unterschied zwischen der Wahrnehmung von außen und der begleitenden Beobachtung der Wissenschaftler“, sagt Wollmann und erklärt: „Was außen als wahnsinnig schnelles Funktionieren eines neuen therapeutischen Konzeptes wahrgenommen wird, ist eigentlich nur ein Foto auf der Ziellinie. Die zwei Jahre, in denen das nun millionen- oder milliardenfach angewendet wird, ist die Kumulation von zehn bis 20 Jahren Entwicklung.“ Kalter Kaffee eben. Richtig heiß war er vor vielen Jahren, doch seine höchst animierende Wirkung auf die Immunologie und Wissenschaftler bleibt und belebt nicht nur zahlreiche Therapiemöglichkeiten, sondern auch Hoffnungen.

VON DER FORSCHUNG ZUR ENTWICKLUNG Guido Wollmann verfolgte im Rahmen seiner eigenen Forschung seit vielen Jahren die Entwicklungsstufen dieser Methode, mit der auf ziemlich elegante und punktgenaue Art und Weise das körpereigene Immunsystem ausgetrickst beziehungsweise in die richtige Richtung angekickt wird. Seine Leidenschaft gilt der Immuntherapie. Seine Arena ist das Labor. „Wir Virologen sind eigentlich eher bedächtige Menschen“, rückt Wollmann einen Eindruck zurecht, der im Zuge der Berichterstattung zur Coronapandemie entstanden ist, in dem Vertreter dieses klitzekleinen Bereichs der Biowissenschaften plötzlich wie Rockstars erschienen. „Die

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Grundlage dafür, das Wissen um die Funkletzten zwei Jahre haben uns gezeigt, wie tionsweisen von DNA und RNA das kleine wahnsinnig wichtig wissenschaftliche KomABC. „Die Ausgangsstoffe DNA und RNA – munikation nicht nur innerhalb des wissennatürlicher geht es nicht. Das ist Natur pur. schaftlichen Zirkels, sondern auch nach auDas ist der Grundstein jeglichen natürlißen hin ist. Dafür gibt es gute und schlechte chen biologischen Existenzdaseins“, sagt Beispiele, doch eigentlich lieben wir unser Wollmann. kleines Labor und unsere Wissenschaft“, sagt Gezielte Eingriffe in das Erbgut bezieWollmann. Er ist ein gutes Beispiel. Er kann hungsweise die Veränderung und Neuzunicht nur begeistert, sondern auch begeissammensetzung von DNA-Sequenzen löternd über seine Forschung sprechen und sen bei Menschen nicht selten mulmige am Beispiel seines Fachgebietes die große Gefühle aus. Vor allem, Faszination, die in mewenn es um Lebensmitdizinischer Forschung „Die letzten zwei tel geht. Geht es um das steckt, skizzieren. Ja, Jahre haben Leben selbst oder gar zelebrieren. das Überleben, steckt Bevor der Mediuns gezeigt, wie der Gentechnik aber ziner Ende 2014 als wahnsinnig wichtig in eine der stärksten WafForschungsgruppenwissenschaftliche fen. Das klingt martialeiter nach Innsbruck Kommunikation lisch und das ist es im kam, hatte er an der besten Fall auch – dann, US-amerikanischen nicht nur wenn eine KrebstheraYale University in innerhalb des pie siegreich endet. New Haven an einer wissenschaftlichen auf Gentechnik basieZirkels, sondern renden Therapie geGEWAPPNET arbeitet, die mit dem FÜRS SPIEL auch nach außen Glioblastom einen der Aufrüsten, Genfähren hin ist.“ häufigsten bösartigen und Genscheren, RepliGUIDO WOLLMANN Gehirntumore im Vikationsmechanismen, sier hat. Hinter der Interferone, Antigene, so genannten onkolytischen Virotherapie Infektionen und so weiter und so kompliversteckt sich so etwas wie ein punktgeziert zählen zum Wortschatz der sich danauer biologischer Angriff auf die Tumormit beschäftigenden Wissenschaftler. All ihr zellen. Ihre Zerstörung ist das Ziel und daStreben und Forschen wird gleichermaßen für werden beispielsweise die feindlichen überstrahlt und geleitet vom menschlichen Eigenschaften von Viren genutzt, um sie Immunsystem, das so wundervoll ist wie zu Todfeinden für den Tumor zu machen knifflig. Alles, was fremd ist, wird vom Im– und zu ziemlich besten Freunden für die munsystem als fremd erkannt, und es ist betroffenen Menschen. Gentechnik ist die seine Uraufgabe, das Fremde zu bekämpfen.

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„Was außen als wahnsinnig schnelles Funktionieren eines neuen therapeutischen Konzeptes wahrgenommen wird, ist eigentlich nur ein Foto auf der Ziellinie. Die zwei Jahre, in denen das nun millionen- oder milliardenfach angewendet wird, ist die Kumulation von zehn bis 20 Jahren Entwicklung.“ GUIDO WOLLMANN

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„Bei einer Impfung trainiere ich das Immunsystem gegen ein Ziel, das ich vorgebe“, lenkt Wollmann den Blick auf ein Instrument, das nicht erst seit gut zwei Jahren schicksalhaft für die Zukunft der Menschheit ist. Gegen Eindringlinge, die vom Immunsystem als fremd erkannt werden, kann sehr gut geimpft beziehungsweise das Immunsystem trainiert werden. Ein Virus wird dafür beispielsweise im Labor sequenziert und gewissermaßen in all seine Einzelteile zerlegt. Die dabei entdeckten Eiweiße und Genomabschnitte sind Basis dafür, einen Impfstoff zu entwickeln, einen Trainer quasi, dessen Lektionen das Immunsystem nicht vergisst. Während diese Form der Anregung körpereigener Abwehrmechanismen recht bekannt und etabliert ist, stellt eine Krebsimpfung eine weit größere Herausforderung dar. „Ein Krebs ist ja nichts Fremdes, das Immunsystem erkennt Krebs oftmals nicht als fremd an. Das heißt, gegen Krebs zu impfen, ist um ein Vielfaches herausfordernder als gegen einen Erreger zu impfen“, sagt Guido Wollmann. Darum ist sein Fachgebiet eine Art Königsdisziplin in der wissenschaftlichen Krebsarena, aus der in erstaunlich straffem Takt „Hurra“-Rufe zu vernehmen sind. „Die Immuntherapie ist in den 2010erJahren Meilen vorangekommen. Es wurden in richtig großen Studien nicht nur Zufalls-

befunde geliefert, sondern wissenschaftlich fundiert gezeigt: Patienten können besser behandelt werden, länger überleben und vielleicht sogar geheilt werden“, blickt Wollmann in eine anhaltend bahnbrechende Ära der immunologischen Behandlungsansätze. Bei einigen Tumorarten gehört die Immuntherapie mittlerweile sogar zur Standardbehandlung. Das Jahr 2015 sticht als Schlüsseljahr im Bereich der krebstötenden Viren heraus. „2015 wurde das erste onkolytische Virus zur Behandlung des schwarzen Hautkrebses in den USA und in Europa zugelassen“, sagt Wollmann. Die Premiere ist ein Meilenstein. In vielen Fällen konnte mit dieser Behandlung nicht nur eine Verlängerung des Überlebens, sondern oftmals auch eine langfristige Kontrolle des Tumors bis hin zur Heilung beobachtet werden. „Zum einen infizieren sie hochspezifisch die Krebszellen in den behandelten Tumoren und zerstören diese. Andererseits lösen sie eine sehr starke Immunantwort auch gegen den Tumor aus und verhindern so die Wiederkehr des Tumors an anderen Stellen des Körpers“, sagt Wollmann und hält weiter fest: „Das ist die große Erwartung an diese onkolytischen Viren. Mittlerweile sind fast alle klinischen Studien zu onkolytischen Viren kombiniert mit der Immuntherapie.“ Der Begriff Krebsimpfung ist in dem Zusammen-

hang ein wenig missverständlich, wird in dem Fall doch nicht prophylaktisch gegen Krebs „im Allgemeinen“ geimpft und – wie etwa bei der seit vielen Jahren eingesetzten HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs – die eventuelle zukünftige Entstehung von Krebs verhindert. Die Impfung gegen Krebs und die Behandlung mit krebstötenden Viren setzt einen bestehenden Tumor voraus, der derart angegriffen und zerstört werden soll – im besten Fall mit der höchst willkommenen Konsequenz, dass das Immunsystem die Tumorzellen als Eindringlinge definiert und entsprechend scharf auf sie reagiert. In der Kombination der onkolytischen Virotherapie mit der Immuntherapie stecken große Behandlungserwartungen, die Guido Wollmanns Team in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie im letzten Jahr erst befeuern konnte. Ende August 2021 wurden im renommierten Fachjournal Nature Communications die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, mit der verstärkt krebsabtötende Immuneffekte bei der kombinierten Tumorimpfung nachgewiesen wurden. Und wieder wurde ein Meilenstein gesetzt.

APROPOS MEILENSTEINE Die Frage, warum keiner der großen Pharmariesen, sondern das vergleichsweise kleine Biotechnologieunternehmen Biontech


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das erste war, das auf Basis der mRNA-Technologie einen Corona-Impfstoff entwickeln konnte, ist eine spannende. Die Antwort ist es auch. Wollmann: „Sie haben sich in den letzten Jahren auf diese Vakzin-Technologien konzentriert und sie optimiert.“ Die Fokussierung auf die personalisierte Medizin, die mit exakt auf den einen Patienten „zugeschnittenen“ Therapeutika arbeitet, zeichnet das deutsche Unternehmen aus. Zeit ist immer ein entscheidender Faktor bei der Behandlung von Krebs und dem Unternehmen ist es zwischenzeitlich gelungen, die Zeitspanne zwischen der Biopsie eines Patiententumors hin zur personalisierten Behandlung des jeweiligen Patienten auf unter 30 Tage zu reduzieren. Im Wissen um die Jahre, die oftmals zwischen der Entwicklung einer Therapie und der Anwendung am Patienten vergehen können, wird die Wucht dieses Könnens ziemlich deutlich. In der Krebstherapie wird dem mRNA-Impfstoff die kurzlebige genetische Information einer Tumormutation mitgegeben. „Davon auf die Information des Coronavirus umzuschwenken war einfach für sie“, weiß Wollmann. „Einfach“ ist nur auf der Spitze des

Eisberges medizinischer Forschungen eine Kategorie. Im Zusammenhang mit dem Menschen als Gesamtkunstwerk ist es keine. „Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir eine Fehlfunktion haben, sind wir uns der Komplexität unseres Körpers oder der Abermillionen Mechanismen, die in uns ablaufen, nicht bewusst. Dann aber fragen wir uns, warum habe ich das“, so Wollmann. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist es recht praktisch beziehungsweise überaus hilfreich, wenn schon andere sich die Frage stellten und es bereits Antworten gibt. Für Wissenschaftler dreht sich dieses Frage-Antworten-Rad unablässig. Während es in der formbeschreibenden Anatomie keine allzu großen Lücken mehr zu füllen gibt, rittern Heerscharen an Biologen und Physiologen darum, den Geheimnissen hinterher. Wie funktioniert das? Wie hängt es mit dem zusammen? Und dem? Und dem? Guido Wollmann beobachtet diese Erkenntnisrennen mit größter Spannung und stellt auf die Frage, welche Revolutionen in der medizinischen Forschung anstehen, fest: „Das Gehirn, das Gehirn ist in der Biowissenschaft immer noch das größte Enigma.

Die Komplexität des Gehirns – im Gesunden wie im Kranken – wird uns weiter über Jahrzehnte beschäftigen.“ Als anstehenden Durchbruch sieht er etwa die Anwendung von „Brücken“ zwischen dem Gehirn und äußeren Hilfsmitteln, die es Gelähmten oder diesbezüglich beeinträchtigten Schlaganfallpatienten ermöglichen, sich zu bewegen beziehungsweise fortzubewegen. „Gedankengesteuerte Hilfsmittel – ja, das ist für mich einer der kommenden therapeutischen Durchbrüche.“ Im Bereich der Krebsforschung entdeckt Wollmann ein paar große Löcher, die mit Big Data zusammenhängen und die es zu füllen gibt. „Einer der wichtigsten Durchbrüche der Zukunft wird sein, dass wir lernen, aus den Massen an Daten, die wir gesammelt haben und weiter sammeln, die essenziellen Informationen herauszulesen und zu einem Nutzen zu bringen. Das wäre ein großer Schritt – in der Krebstherapie genauso wie bei Alzheimer oder Schlaganfall, bei allen möglichen Sachen.“ Ist dieser Schatz gehoben, muss Zukunft wieder neu definiert werden. Das wäre richtig heißer Kaffee.

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MIT INSPIRATION AUS DER NATUR ZURÜCK ZUR NATUR In der bisherigen Zivilisationsgeschichte war der Fortschritt fast immer von einer Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur begleitet. Die Bionik bzw. bioinspirierte Wissenschaft zeigt, dass das nicht zwangsläufig so sein muss. Der studierte Zoologe und Bioniker Thorsten Schwerte von der Universität Innsbruck zeigt auf, was bioinspirierte Technologie leisten kann, und plädiert dafür, die ethische Dimension immer mitzudenken.

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TEXT: MARIAN KRÖLL

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ass der Mensch aus den Vorgängen, die er in der Natur beobachtet, lernen kann, ist zunächst einmal nichts Neues. Der Universalgelehrte Leonardo da Vinci versuchte, den Flug des Vogels mittels einer Maschine nachzuahmen. Um tatsächlich abzuheben, war der Mensch allerdings zu schwach, seine Körpermasse im Verhältnis zu seiner Muskelkraft viel zu groß. Auch vor und nach da Vinci nahm der Mensch Anleihen bei der Natur. Die Bionik – ein Kofferwort aus Biologie und Technik – beschäftigt sich mit der Übertragung natürlicher Phänomene auf die Technik. Manchmal wird sie auch als Biomimetik, Biomimikry oder Biomimese bezeichnet. Für den technologischen Fortschritt muss man nicht immer das Rad neu erfinden. Interessanterweise gibt es gerade für das Rad kaum Vorbilder in der Natur und es hat die menschliche Fortbewegung geprägt und verändert wie nichts anderes. Die heutige Bionik sollte allerdings nicht als bloßes Abkupfern von der Natur verstanden werden, sondern eher als durch

die Natur angeregtes Neuerfinden. Dementsprechend spricht Thorsten Schwerte, Universitätsprofessor für Zoologie an der Universität Innsbruck und Bionik-Experte, in diesem Zusammenhang lieber von Bioinspiration oder bioinspirierter Technik. Die Natur macht’s vor, der Mensch gewinnt zunehmend die Fähigkeit, natürliche Dinge – modifiziert, teils neu kombiniert und verbessert – nachzuahmen und in allerlei praktische Anwendungen zu überführen. Das birgt nicht zuletzt neue, dringend benötigte Chancen für die Umwelt.

RAPIDE ENTWICKLUNGS MÖGLICHKEITEN „Mittlerweile sind viele Produktionsverfahren verfügbar, vor allem in Bezug auf Rapid Prototyping, aber auch in der Optik, die viel Neues ermöglichen“, weiß Schwerte und nennt als konkretes Anwendungsbeispiel den 3D-Druck von Nanostrukturen. „Das ermöglicht heutzutage Prototypen, die extrem nahe am natürlichen Vorbild sind.“ Davon verspricht man sich vor al-

lem im Bereich der sogenannten smarten Oberflächen sehr viel, obgleich man von der Marktreife noch ein Stück weit entfernt ist. Die Bioinspiration ist die interdisziplinäre Klammer, die verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, meist in den Naturwissenschaften angesiedelt, miteinander verbindet. „Alles in der Natur unterwirft sich den Gesetzen der Physik und den Regeln der Chemie. Deshalb ist das, was in der Natur funktioniert, zwangsläufig auch in artifiziellen Systemen eine sehr gute Lösung“, argumentiert Schwerte und folgert: „Bioinspiration bringt uns näher an die Natur heran.“ Sie ist, könnte man ergänzen, eine Hinwendung zum Ursprünglichen, zum Natürlichen.


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Es ist in unserem genetischen Erbe angelegt, dass wir als Menschen der Natur – oder besser gesagt unserer Umwelt – einen hohen intrinsischen Wert beimessen. Das „Lesen“ der natürlichen Umgebung und ihre Erfahrung mit allen Sinnen war lange Zeit und vor allem zu Beginn der Menschheitsgeschichte absolut überlebensnotwendig. „Dazu gehörte es, natürliche Muster zu erkennen. Das hat beispielsweise zur Erfindung der Landwirtschaft geführt“, sagt Schwerte. Und über die Bedeutung der Sesshaftwerdung des Menschen für dessen Zivilisation brauchen wohl keine weiteren Worte verloren werden. Evolutionsbiologisch haben sich immer jene Menschen durchgesetzt, denen jederzeit genügend Energie in Form von

„Bioinspiration heißt nicht, einfach etwas zu kopieren. Man muss sich zuerst über die Funktion im Klaren sein und über die Randbedingungen.“ THORSTEN SCHWERTE

Nahrung zur Verfügung stand. „Die Energie steht immer im Zentrum. Sehr viele bioinspirierte Prozesse zeichnen sich durch einen hohen Grad an Effizienz aus“, erklärt Schwerte.

WIE MACHT ES DIE NATUR? „Durch die von ihm geschaffenen Systeme hat sich der Mensch von der Natur emanzipiert. Er hat Naturgefahren zu beherrschen gelernt, ist ein Kosmopolit geworden. Heute stehen wir allerdings an der Stelle, dass wir sagen müssen, geht der Trend so weiter, wird es zukünftig Regionen auf der Erde geben, in denen der Mensch nicht mehr leben kann.“ Und tatsächlich herrscht an Menetekeln wie verheerenden Flutkatast-


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Die Bionik – ein Kofferwort aus Biologie und Technik – beschäftigt sich mit der Übertragung natürlicher Phänomene auf die Technik. Sie sollte allerdings nicht als bloßes Abkupfern von der Natur verstanden werden, sondern eher als durch die Natur angeregtes Neuerfinden.

Thinking, einen Ansatz, der Lösungen finden will, die sowohl aus Anwender- bzw. Nutzersicht überzeugen als auch markt- und produktorientiert sind. „Design Thinking wird in vielen anderen Bereichen eingesetzt, nur lautet unsere Prämisse eben, dass die Lösung bioinspiriert sein soll“, sagt der Bioniker.

WAHRNEHMUNGSFRAGEN

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rophen in den vergangenen Jahren kein Mangel. „Dabei kann man in die Natur schauen, wie diese das Phänomen Klima gelöst hat“, regt Schwerte an. Es ist kein Geheimnis, dass die belebte Natur erst durch die hocheffiziente Nutzung von Sonnenenergie zu dem geworden ist, was wir heute kennen. „Das ist die Photosynthese der Pflanzen und es gibt sogar einige Tiere, die Photosynthese betreiben können. Mittlerweile nähern wir uns bei den künstlichen Photovoltaiksystemen dem Wirkungsgrad der Natur an“, sagt der Forscher, der am Institut für Zoologie in Innsbruck mit seinen Kollegen verschiedenen bioinspirierten Fragen nachgeht. Eine davon lautet „Wie klebt die Natur?“. Dabei geht es um die sogenannte Bioadhäsion. Die federführend von Peter Ladurner am Institut durchgeführte Forschung bringt vielversprechende Resultate. „Bioinspiration heißt nicht, einfach etwas zu kopieren. Man muss sich zuerst über die Funktion im Klaren sein und über die Randbedingungen“, sagt Thorsten Schwerte in Bezug auf die Arbeit an smarten Oberflächenstrukturen. Was im Wasser gut funktioniere, wie etwa ein der Haihaut nachempfundenes Material, könne an der Luft

beispielsweise weitgehend wirkungslos sein. In einem vom FFG geförderten Projekt, dem sogenannten Innovationscampus, wollen Schwerte und seine Kollegen unter dem Motto „Bionik für Designer“ Wissen aus der Grundlagenforschung in die Wirtschaft und insbesondere die Industrie transferieren. Ein ehernes Naturgesetz muss besonders vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen in der Gestalt von Green Tech stärkeren Widerhall in der Wirtschaft finden: Das Prinzip, dass „Dinge nicht ewig halten, sondern immer hundertprozentig recycliert werden“, formuliert Schwerte und verweist in diesem Zusammenhang auf das Cradle-to-Cradle-Prinzip, einen vielversprechenden Ansatz hin zu einer durchgängigen und konsequenten Kreislaufwirtschaft. „Grüne Technologien sind eine Spielwiese der Bioinspiration“, sagt Schwerte und nennt exemplarisch das Thema Biopolymere, aus denen biologisch abbaubare Werkstoffe gemacht werden können. Bislang sei es in der Technik überwiegend so gewesen, dass Einzelkomponenten optimiert würden und kaum das System als Ganzes, hält Schwerte fest. Der Wissenschaftler favorisiert demgegenüber Design

„Verdammt komplex“ sei sie, die Kybernetik in der Natur, meint Schwerte. Die Bionik ist schon aufgrund ihrer Forschungsinhalte dazu prädestiniert, sensibel mit der Natur und den unterschiedlichen Wechselwirkungen zwischen dem Menschen und seiner Natur umzugehen. Als Beispiel nennt Schwerte den Umgang mit Licht, das für den Biorhythmus des Menschen maßgeblich ist. Und für jenen der Tiere. Exemplarisch festgemacht werden kann das an den Leuchtdioden, die anfänglich vor allem kaltweißes Licht mit hohem Blauanteil emittiert haben, das nachts tagaktive Insekten magisch anzog. Mittlerweile setzt man wieder verstärkt auf warmweiße LEDs, die dem Licht der Glühbirnen wieder näherkommen. Das Verständnis dafür, wie das Wahrnehmungssystem von Lebewesen funktioniert, ist eine wichtige Grundlage für die Entwicklung bioinspirierter Anwendungen und zugleich eine ethische Herausforderung, wie Schwerte erläutert: „Das ist vor allem dann der Fall, wenn man auf dieser Basis gewisse Dinge auslöst, um sich einen Vorteil zu verschaffen.“ Es ist durchaus vorstellbar, dass es Unternehmen gibt, die der Manipulation ihres Zielpublikums nicht prinzipiell abgeneigt sein dürften. Profit wiegt eben in der Wirtschaft nicht selten schwerer als ethische Unbedenklichkeit. Thorsten Schwerte forscht aber nicht nur theoretisch in der Bionik, sondern hat bereits ein Patent namens „MoskitoNavigEX“ angemeldet. Das Gerät, das sich im Prototypstadium befindet, macht sich die Mani-


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pulation der Wahrnehmung von Moskitos zunutze, ohne diese zu töten. Dagegen ist also aus ethischer Sicht nichts einzuwenden. „Wir projizieren bewusst sich bewegende Lichtmuster in einen dunklen Raum und arbeiten dabei mit Lichtfarben, die den Menschen nicht stören. Die Tiere versuchen, diese Bewegungsmuster mit einem Gegenflug zu kompensieren. Damit lenken wir die Moskitos davon ab, Menschen anzufliegen“, führt Schwerte aus, der mit seinem Team daran arbeitet, das Gerät zur Marktreife zu bringen. Der globale Markt ist riesengroß und umfasst zumindest alle Menschen, die schon einmal von einer Stechmücke angezapft wurden. „Durch Reverse Engineering können wir heute viele optische Effekte gezielt berechnen, um damit den gewünschten Effekt auszulösen“, sagt Schwerte über den Status quo in der Forschung. Die Bionik streift dann und wann selbst an schwierigen, jahrtausendealten philosophischen Fragen über Leben und Tod an. „Setzt man einen Fischembryo in eine sauerstofffreie Umgebung, hören sämtliche Prozesse auf, die Zellteilung bleibt stehen, das Herz ebenso, das Blut zirkuliert nicht mehr, die Atmung setzt aus. Diesen Zustand kann man über 24 Stunden und teils sogar länger aufrechterhalten. Gibt man dann vorsichtig wieder Sauerstoff hinzu, ist das Tier reanimiert. Wie man den Zustand nennen soll, in dem sich der Embryo vorübergehend befindet, ist eine philosophische Frage“, führt Schwerte aus, um schließlich zu einer provisorischen Zustandsbeschreibung zu kommen: „Der Embryo ist vorübergehend deanimiert.“ Ob ähnliche Zustände, inspiriert von der Tierwelt, zukünftig auch beim Menschen eintreten werden, ist primär eine Frage des medizinischen Fortschritts. Vieles, was bis vor kurzem noch dem Genre der Science Fiction zugeschlagen wurde, wird bald Wirklichkeit werden, manches steht unmittelbar vor der Marktreife, von anderem existieren bereits erste Prototypen. Es stehen, so viel scheint gewiss, zivilisatorische Umbrüche an. Dabei ist es wichtig, die ethischen Implikationen des technologischen Fortschritts bereits in der Entwicklungsphase mitzudenken, wofür auch Thorsten Schwerte ausdrücklich plädiert. Der Mensch ändert vermittels Technologie nicht nur seine Umwelt, sondern auch sich selbst, vor allem durch die Methoden der modernen Medizin und der Genetik. Ethisch drängt sich in diesem Zusammenhang vor allem die uralte Frage auf, ob der Mensch all das auch tun soll, was er theoretisch tun kann.

„Empathie gegenüber der Natur müssen wir uns kollektiv erst wieder bewusst machen.“ THORSTEN SCHWERTE

VERSCHIEDENE REALITÄTEN Nicht zufällig fällt im Gespräch mit dem Wissenschaftler auch der Name „Meta“, der neue Name von Mark Zuckerbergs Tech-Konzern Facebook. Der Multimilliardär schraubt emsig an einem Metaverse, einer mittel Virtual-Reality-Brille erlebbaren virtuellen Realität, die der echten zumindest Konkurrenz machen, wenn sie nicht sogar teilweise ersetzen soll. Der Name entstammt Neal Stephensons SciFi-Roman Snow Crash. Dessen Protagonisten fliehen immer wieder aus der trostlosen Realität in das Metaverse, eine Mischung aus Internet und Online-Rollenspiel, durch das sie sich mit Avataren bewegen. Die gezielte Beeinflussung der Menschen in ihrer Rolle als Konsumenten durch psychooptische Tricks und Kniffe sind in einem Metaverse, wie es dem Facebook-Gründer wohl vorschwebt, aus heutiger Sicht nicht auszuschließen. Doch gibt es nicht nur eine Virtual Reality, sondern auch eine Mischung aus physischer und virtueller Welt, eine sogenannte Mixed Reality. Es handelt sich dabei definitionsgemäß um eine Mischung aus einer rein virtuellen Erweiterung der echten Welt und einer vollständig virtuell erzeugten. Diese Mixed Reality ist im Gegensatz zur Virtuellen Realität weniger energieintensiv, erweitert aber die Natur beträchtlich. Mit Locandy gibt es schon einen FFG-geförderten Mixed-Reality-Player made in Tirol. In der aktuellen Forschung geht man sogar davon aus, dass Mixed Reality sich besser zur Informations-

vermittlung eignen könnte als selbst perfekt umgesetzte Virtuelle Realität. „Nur weil eine Illusion perfekt ist, muss das nicht heißen, dass sie zur Vermittlung von Information geeignet ist“, sagt Schwerte.

IN DER NATUR GEHT NICHTS VERLOREN Effizienz gehört zu den Grundprinzipien der Bionik, die bemüht ist, das Maximum aus möglichst geringem Ressourcen- bzw. Energieeinsatz herauszuholen. Nichts anderes geschieht in der Natur. In der Natur geht nichts verloren, alles wird wiederverwertet. Ein solcher Zugang stünde einer Menschheit, die die Erde seit vielen Jahrzehnten chronisch übernutzt, gut an. „Empathie gegenüber der Natur müssen wir uns kollektiv aber erst wieder bewusst machen“, meint der Wissenschaftler. Es scheint plausibel, dass diese Empathie sukzessive verloren gegangen ist, weil der Mensch der Erde seinen Stempel aufgedrückt und sich dabei von der Natur entfremdet hat und mit der fossilen Energie, die es scheinbar im Überfluss zu geben schien, bis heute relativ verschwenderisch umgeht. Die Klage über den bevorstehenden Untergang des Abendlandes ist freilich so alt wie dieses selbst. Es deutet aber tatsächlich einiges darauf hin, dass die Erdbeziehung des Menschen schon in naher Zukunft grundlegend neu verhandelt werden muss. Die Bionik bzw. Bioinspiration kann dabei behilflich sein, auf Grundlage der Natur zu selbiger zurückzufinden.

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DIE WISSENSCHAFT DER DATEN Im Zuge der Digitalisierung werden Unmengen von Daten gesammelt. Die Herausforderung liegt darin, diesen Daten die richtigen Fragen zu stellen, um daraus passende – und brauchbare – Antworten zu bekommen. Data Science nennt sich diese Kunst, relevantes Wissen aus Daten zu extrahieren. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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ie in der biologischen Evolution werden auch beim technischen Fortschritt die Zeitabschnitte zwischen den Entwicklungsschritten immer kürzer. Entwicklung findet nicht linear statt, sondern exponentiell. Die Ära der so genannten digitalen Revolution bringt dabei das Generieren riesiger Datenmengen mit sich. Das stellt vor Herausforderungen unterschiedlichster Natur, birgt aber auch Chancen und kann dabei helfen, die Welt ein bisschen besser zu machen und Dinge besser zu verstehen. Den Menschen zum Beispiel. Denn die Digitalisierung verändert auch das Gesundheitswesen. Wenn man über die Zeit – innerhalb der rechtlichen, ethischen und moralischen Grenzen – viele Daten über Patienten sammelt und diese digital und vernetzt (Stichwort ELGA) zur Verfügung stellt, entsteht mit der Zeit ein sehr gesamtheitliches Bild eines Patienten, das künftige Diagnosen und Behandlungen erleichtert, effizienter und treffsicherer macht.

RATIO TRIFFT EMOTIO Nun ist es eine Sache, all diese Daten zu sammeln. Die viel spannendere, wichtigere und herausforderndere Frage ist aber, wie man aus dieser Fülle an Datenmaterial die richtigen Schlüsse zieht. Die UMIT TIROL hat dafür das Masterstudium „Medizinische Informatik“ initiiert, im Zuge dessen die Studierenden jene Werkzeuge an die Hand bekommen, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen aktiv mitzugestalten. Dabei geht es nicht nur um die technischen Skills, sondern um interdisziplinäres Denken und Arbeiten, um aktuelle Probleme im Gesundheitswesen zu analysieren und soziotechnische Lösungen zu entwickeln

und umzusetzen. Das braucht auf der einen Seite das technische Verständnis für die Daten und deren Zustandekommen, andererseits ein tiefes Verständnis dafür, welche Informationen jene Menschen brauchen, die mit den Ergebnissen arbeiten sollen. Medizinische Informatik ist also eine Schlüsseldisziplin, um Wissen zu generieren und dieses derart zu übersetzen, um es in Anwendung zu bringen. „Wir sind Werkzeugmacher für die Medizin“, beschreibt es Ass.-Prof. DI Dr. Werner Hackl, den wir in der UMIT besucht haben.

MEDIZINISCHE INFORMATIK

Die Medizinische Informatik treibt die Entwicklung der Gesundheitsversorgung maßgeblich voran und ist heute so wichtig wie Anatomie und Pathologie im letzten Jahrhundert. Im Masterstudium Medizinische Informatik an der UMIT TIROL werden international gefragte Expertinnen und Experten ausgebildet, welche die Digitalisierung im Gesundheitswesen mitgestalten. Gemäß dem Motto „Informatik für Menschen – Informatik mit Menschen“ lernen die Studierenden, über den technischen Tellerrand hinauszuschauen, in interdisziplinären Settings aktuelle Probleme im Gesundheitswesen zu analysieren und soziotechnische Lösungen zu entwickeln sowie umzusetzen – für eine moderne, qualitativ hochwertige und auch in der Zukunft leistbare Gesundheitsversorgung. Nächster Start ist im heurigen Oktober. Es gibt 30 Studienplätze pro Jahrgang. www.umit-tirol.at

Komplexitätsforscher Peter Klimek, im Zuge der Pandemie quasi im Dauereinsatz, bemängelte vor Kurzem, dass in Österreich viele Daten schwer zu bekommen und zu wenig vernetzt seien. Woran hapert es Ihrer Meinung nach beim Datenmanagement? WERNER HACKL: Ich denke, wir stehen nicht nur in Österreich noch am Anfang der Entwicklung, wenngleich man schon in den 1950er-Jahren angefangen hat, erstmals Daten zu sammeln und für Analysen systematisch aufzubereiten. Bereits damals gab es in der Wirtschaft so genannte Management Information Systems. Rund zehn bis 20 Jahre später hat man versucht, diese Systeme zur Unterstützung von Entscheidungen zu nutzen, und kam drauf, dass das gar nicht so einfach ist. Entscheidungsfindungen sind komplexe Prozesse. Entscheidungen fallen nicht ad hoc, sondern stützen sich auf den jeweils aktuellen Informationsstand. Diese Informationen entwickeln sich allerdings laufend weiter. Wir generieren heute viel mehr Daten, verknüpfen sie mit Vorwissen und ergänzen sie durch Annahmen. Daraus entstehen immer komplexere Strukturen und das in einer immer schnelleren Geschwindigkeit. Dazu werden die medizinischen Fragestellungen multidimensionaler. Das Problem ist, dass man komplexe Fragen nicht einfach mit Hilfe von noch mehr Daten beantworten kann. Im Gegenteil. Je größer die Datenmenge, desto konkreter muss die Fragestellung sein. Eine Aufgabe der medizinischen Informatik ist es, das minimalste Datenset und aus der Fülle die relevantesten Daten zu finden, um eine Frage zufriedenstellend zu lösen und valide Antworten zu bekommen, aus denen man Handlungen ableiten kann. ECO.NOVA:

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„Nicht alles, was in der Medizin technisch möglich ist, ist auch ethisch vertretbar. Hier gilt es, genaue Grenzen und rote Linien zu definieren.“ WERNER HACKL

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Ein breites Wissen über Patienten erleichtert künftige Diagnosestellungen. Wie sehr läuft man damit Gefahr, sich eher auf Daten zu verlassen als auf das menschliche Urteilsvermögen? Systemisch sehe ich diese Gefahr nicht, in Einzelfällen hängt es vom Arzt ab. Letztlich hat jedoch der Arzt immer die Entscheidungsgewalt über die Maschine. Eine breite Datenlage hilft indes sehr beim Schritt in Richtung personalisierte bzw. zielgruppenorientierte Medizin. Je mehr ähnlich gelagerte Vergleichsfälle es gibt, desto präziser kann aufbauend auf diesen Erfahrungswerten eine Diagnose gestellt oder Therapien geplant werden. Eine Maschine ist in der Lage, viel mehr Informationen zu verarbeiten, als es ein Mensch jemals könnte. Sie aggregiert Daten von abertausenden Fällen, dennoch obliegt es letzten Endes dem Menschen, seine Schlüsse daraus zu ziehen und eine Entscheidung zu treffen. Sind solche Algorithmen folglich auch in der Lage, bestimmte Krankheiten vorauszusagen? Zur Diagnoseerstellung helfen Algorithmen auf jeden Fall. Oft sind sie sogar besser als Menschen, eben weil die Wissensbasis eine viel breitere ist. Das Feld der predictive medicine, also übersetzt die vorhersagende Medizin, ist kniffliger. Präventiv mag das seine Vorteile haben, weil man etwa seinen Lebenswandel frühzeitig verändern kann, wenn die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Erkrankung hoch

ist und man deren Auftreten sohin vermeiden kann. Demgegenüber können mit Hilfe von Algorithmen Prognosen erstellt und Behandlungserfolge vorhergesagt werden, zum Beispiel, wie hoch die Mortalitätswahrscheinlichkeit eines Patienten nach einer Herzoperation ist. Bestimmt der Algorithmus, dass die Überlebenschancen gering sind, was dann? Operiert man nicht? Der Bereich der Data Science ist nicht nur höchst technisch, sondern auch stark von moralisch-ethischen Faktoren geprägt. Was bedeuten diese neuen Entwicklungen und modernen Analysemethoden für die Forschung? Wird sie schneller? Präziser? Ja und nein. Das Zusammenführen und Aufbereiten der Daten sowie das Auswählen der korrekten Datenbasis wird immer komplexer. Früher war die Datenlage überschaubar, heute muss man sich im Vorfeld einer Studie oder eines Forschungsprojektes sehr genau überlegen, welche Daten man heranzieht und mit welcher Begründung. So kann es passieren, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Deshalb wird die Forschung wohl nicht schneller, die Ergebnisse hingegen genauer und robuster. Gendermedizin findet immer mehr Aufmerksamkeit, weil Männer und Frauen auch in Bezug auf die Gesundheit unterschiedlich ticken. Gerade in der Forschung oder bei Studien herrscht jedoch ein eklatanter Gender-Data-Gap. Merken

Sie, dass hier ein Umdenken stattfindet? Ja, durchaus und das nicht nur in Bezug auf die Geschlechter, sondern auch auf spezielle Patienten-Subgruppen. Hier geht es zum Beispiel um genetische Prädispositionen, Auswirkungen bestimmter Vorerkrankungen oder Medikationsinteraktionen, also Wechselwirkungen von Medikamenten. Es gibt Medikamente, die beim einen Patienten wirken und beim anderen nicht. Eine breite Datenlage ermöglicht es uns herauszufinden, warum das so ist. Das führt à la longue dazu, dass wir jeden Patienten besser und individueller behandeln können, je mehr wir über seine Vorgeschichte wissen und diese mit andern vergleichen können. Sehen Sie die Medizin generell als etwas, das Gesundheit erhalten soll oder Krankheiten behandelt? Das Ziel ist natürlich, Gesundheit zu fördern und möglichst lange zu erhalten, also nicht symptomatisch zu behandeln, sondern präventiv oder sogar vorausschauend zu agieren. Das braucht allerdings die Einsicht und Mitarbeit der Menschen und die Bereitschaft, gegebenenfalls ihr Leben zu verändern, um mögliche Krankheiten zu vermeiden. Das ist weniger eine Frage der medizinischen Möglichkeiten. Man hat während der Pandemie etwa anhand des Impfstoffes gesehen, dass manche medizinischen Entwicklungen sehr schnell gehen können, wenn man im Austausch ist und sich vernetzt. Das wäre zu einer früheren Zeit weitaus mühsamer gewesen. Ganz grob gesprochen: Wohin geht die Medizin der Zukunft und was wird in den nächsten zehn Jahren Realität sein? Ich bin überzeugt davon, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen noch stärker und schneller voranschreiten wird. Anwendungen wie der virtuelle Arztbesuch, mobile Gesundheits-Apps, intelligente und vernetzte Patientenakten oder die künstliche Intelligenz für die Entscheidungsunterstützung sind die Basis für vieles weitere. Es wird alles digital werden. Der Erfinder und Futurist Raymond Kurzweil ist sogar der Meinung, dass wir uns der Singularität nähern, Mensch und Technik miteinander verschmelzen. Wir werden technische Artefakte in unseren Körpern tragen, wodurch unsere biologische Existenz mit der Technik verschmilzt. Das wird wahrscheinlich nicht in den nächsten Jahren passieren, aber es wird kommen. Ob man dafür oder dagegen ist, diese Frage stellt sich dann nicht mehr.


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eco.zukunft

SAFETY FIRST

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Unsere Gesellschaft wird stetig älter. In der Konsequenz steigt damit auch der Pflegebedarf, der dazu immer vielfältiger und individueller wird. Die Digitalisierung und neue Technologien können dabei helfen, die Lebensqualität älterer Menschen zu steigern, ihnen Sicherheit im Alltag zu geben und ihnen folglich eine längere Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen. TEXT: MARINA BERNARDI

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m Zuge eines Forschungsprojektes des Institutes für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck begann sich das Forschungsteam von Univ.-Prof. Dr. Kurt Promberger bereits 2013 intensiv mit der Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen mithilfe von Assistenztechnologien zu beschäftigen. In den Fokus rückte dabei ein Notrufsystem (2PCS), das im Alltag für eine neue Sicherheit sorgen soll. Ausgegründet wurde 2PCS schließlich im Jahr 2017, innerhalb von nur drei Jahren konnten in der Folge Vertriebspartner in Österreich, Deutschland und der Schweiz gefunden werden. Das erste Produkt, das 2PCS damals auf den Markt brachte, war eine Armbanduhr, in

die man reichlich Technologie gepackt hat: aktives RFID, GSM, GPRS, GPS, Sturzsensor, Bluetooth … einsetzbar im Innen- wie Außenbereich und mit zusätzlicher Telefoniefunktion ausgestattet. Konkret ließen und lassen – das Produkt gibt es nach wie vor – sich damit im Ernstfall Personen lokalisieren, die sich in Notsituationen befinden oder sich verletzt haben, um bedarfsgerecht und rasch Hilfe zu leisten. In den letzten Jahren wurde das Portfolio um weitere kleinere, kompaktere sowie neue Geräte ergänzt und das System um Funktionsbereiche erweitert.

WEGLAUF - & GEFAHRENERKENNUNG Die tragbaren Geräte wurden mit der Funktion „Weglauferkennung“ ausgestattet und die 2PCS-Lösung zu einem umfassenden

Desorientierten-Schutzsystem ausgebaut, die die Türsteuerung miteinbezieht. Geht zum Beispiel eine an Demenz erkrankte Person mit Weglauftendenz durch einen Ausgang, wird sofort das zuständige Personal darüber informiert. Bestimmte Türen können dahingehend programmiert werden, dass sie sich bei Annäherung weglaufgefährdeter Personen automatisch verschließen – sofern dies über zuständige Behörden gestattet ist. Auch in Außenbereichen können individuelle Schutz- bzw. Gefahrenzonen mit gewünschtem Bewegungsradius eingerichtet werden. Besonders praktisch: Mithilfe des 2PCS-Systems wird somit ein technologiegestütztes Schutznetz angeboten, das über räumliche und bauliche Grenzen hinweg gespannt werden kann.


© MARIAN KRÖLL

eco.zukunft

„Im Moment halten wir es noch nicht für sinnvoll, gesammelte Daten zu speichern, weil es nicht korrekt wäre, Daten ohne bestimmtes Ziel vorzuhalten.“ FELIX PIAZOLO

Ganz der Gründungsidee folgend, werden mit dem Weglauferkennungssystem vor allem Demenzkranke, eine Krankheit, die an Relevanz rasant zunimmt, besser unterstützt. Die rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen dafür wurden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zivilrecht genau abgesteckt. Selbst wenn man Daten sammeln könnte, um das System zum Beispiel um eine präventive Funktion zu erweitern oder Streckenverläufe zu zeigen, so macht man es ganz bewusst nicht. Die Rohdaten werden so lange vorgehalten, um die Personen im Bedarfsfall lokalisieren zu können, und nach drei bis fünf Minuten gelöscht. Das System „vergisst“ sozusagen automatisch.

ZIMMERGEBUNDENE RUFE „2019 haben wir begonnen, eine eigene Lichtrufanlage gemäß der deutschen Norm DIN 0834 zu entwickeln, die für die stationäre Pflege typische Produkte wie Ruf- und Anwesenheitstaster, Birntaster, Zugtaster umfasst. Die Lichtrufanlage signalisiert unter anderem die Rufe bzw. Alarme über die am Flur platzierten Zimmerleuchten sowie Anzeigen auf Displays/Dashboards. Die Logik der Stromversorgung und Datenkommunikation baut auf den Leitungssystemen unserer Vorsysteme auf. Das heißt, für die Installation müssen keine neuen Kabel verlegt werden, was bei der Implementierung einer neuen Rufanlage in der Regel den größten Kostenfaktor darstellt. Mit diesem Produkt

stehen wir gerade vor dem Markteintritt“, sagt Geschäftsführer Dr. Felix Piazolo.

MOBILE RUFE „Mit unseren Systemen geben wir Patienten bzw. Bewohnern stationärer (Pflege)Einrichtungen ein neues Gefühl der Sicherheit, weil sie so genannte mobile Rufe an jedem Punkt der Einrichtung und sogar außerhalb auslösen können. Wir sind damit also unabhängig von Zimmer- und Gebäudegrenzen. Ein Unterschied zu anderen Systemen ist auch, dass wir – sofern es die jeweilige Person ausdrücklich erlaubt – den Aufenthaltsort der Person nach der Auslösung raumbasiert bestimmen können oder Stürze automatisch erkannt werden“, fasst Dr. Nesrin Ates, bei 2PCS zuständig für Marketing & Research, zusammen. Darüber hinaus ist es möglich, bereits bestehende Systeme in jenes von 2PCS zu integrieren und Drittprodukte anzuschließen. „Das Thema der Interoperabilität, Integration und Vernetzung von Systemen wird künftig immer wichtiger werden – vor allem in Pflegeeinrichtungen und Kliniken“, ergänzt Ates. Vorerst will man sich auf stationäre und teilstationäre Einrichtungen wie betreutes Wohnen oder Seniorenwohnungen konzentrieren, grundsätzlich ist auch die Nachfrage von ambulanten Diensten da. Im Privatbereich indes wird es schwierig: „Wenn man das System für den consumer market anbietet, müssen sich Privatpersonen, meist

Angehörige, um die Notrufe kümmern. Das kann sehr belastend sein, außerdem ist es kaum möglich, rechtzeitig darauf zu reagieren. Deshalb ist unsere Strategie, unser System vorerst institutionellen Einrichtungen anzubieten“, erklärt Piazolo. Im Moment beschränkt man sich mit dem System auf den Regelbetrieb und verwendet die Sendedaten der Geräte ausschließlich zur Alarmübertragung und Notfall-Lokalisierung. Es geht also um ein Reagieren auf Situationen, auch wenn bereits Studien dazu laufen, Daten im Sinne der Prävention zu sammeln, um damit zum Beispiel Verhaltensänderungen oder Demenz frühzeitig zu erkennen. Piazolo: „Wir arbeiten derzeit an keinem konkreten Produkt, weil es dafür zu viele offene Fragen gibt – etwa, wem diese Daten zugänglich gemacht werden und wer gegebenenfalls die Haftung übernimmt, wenn auf bestimmte Erkenntnisse nicht adäquat reagiert wird.“ Letztlich kann es nicht die Funktion des Pflege- oder Betreuungspersonals sein, zusätzlich zu ihren Kernaufgaben ein lückenloses Monitoring zu übernehmen. „Die Fülle an Daten und Informationen muss für den einzelnen Menschen bewältigbar bleiben“, beschreibt es Ates. Generell wird es beim Thema Pflege künftig neue Ansätze und Strategien brauchen. Davon sind nicht nur Felix Piazolo und Nesrin Ates überzeugt. Dabei kann auch die Technik mit weiteren innovativen Entwicklungen helfen.

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finanzieren & versichern

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No risk, no fun Um den Standort Tirol für technologiebasierte Start-ups attraktiver zu machen, hat die Lebensraum Tirol Holding die Gründung des international ausgerichteten Investmentfonds „Onsight Ventures+“ initiiert. Gegründet von der Standortagentur Tirol, der Hermann Hauser Investment GmbH, dem I.E.C.T – Hermann Hauser Management GmbH und der Round2 Capital startet der Fonds mit zehn Millionen Euro und unterstützt Unternehmen vor allem in der risikoreichen Anfangsphase. Bis 2023 soll das Fondvolumen auf mindestens 20 Millionen Euro erweitert werden. Von Banken werden Hightech-Start-ups in der Regel als zu risikobehaftet eingestuft und nur in Ausnahmefällen finanziert. Jasmin Güngör, Geschäftsführerin von Onsight Ventures+: „Wir investieren in einer frühen Phase – der sogenannten Seed-Phase – in Start-ups mit exzellenten Gründerteams, die mit ihrer Technologie neue Standards setzen und das Potential haben, zu international tätigen Unternehmen heranzuwachsen. Die Erstinvestitionssummen liegen zwischen 200.000 und zwei Millionen Euro. Aber mit der Finanzierung ist es nicht getan, denn wir begleiten das Unternehmenswachstum langfristig. Mit Follow-on-Tickets und Netzwerken unterstützen wir auf dem Weg zum Scale-up, also zum wachsenden Unternehmen.“ Die Start-ups wähle man anhand dreier Kriterien aus, so Güngör: „Zum Ersten ist uns wichtig, dass es sich um international skalierbare Geschäftsmodelle mit einem klaren USP und einer starken Technologie handelt. Dann entscheidet die Attraktivität des Marktumfelds in Bezug auf Wettbewerb, Marktpotenzial und volkswirtschaftliche und demographische Trends. Zudem muss eine plausible Kapitalbedarfsplanung bis zur nächsten Finanzierungsrunde gegeben sein.“


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BUCHTIPP

ALLES GELD DER WELT

Vitali Konstantinov Gerstenberg Verlag, 80 Seiten, EUR 26,– Das großformatige Sachbuch im Graphic-Novel-Stil zeigt die Geschichte des Geldes vom Muschelgeld bis zum Bitcoin. Das Buch ist ab zehn Jahren empfohlen, die Texte sind auf junge Leser zugeschnitten und verständlich, durchaus aber auch für Erwachsene interessant, wenngleich es für deren Augen bisweilen etwas hektisch werden kann.

DIE MUTTER ALS FINANZEXPERTIN Der Bankenverband und die BAWAG Group untersuchten vor Kurzem das Geldleben von Frauen und fanden heraus: Beim Umgang mit Geld gibt es heute kaum noch Unterschiede zwischen Frauen und Männern. So ist weniger das Geschlecht als der Bildungsgrad für einen selbstbestimmten Umgang mit Geld entscheidend. Besonders junge und gebildete Frauen haben laut Studie ein hohes Interesse an Geld-, Finanz- und Wirtschaftsthemen. Frauen beurteilen ihre persönliche finanzielle Zukunft allerdings pessimistischer als ihre aktuelle Lage, Männer sind in dieser Frage deutlich optimistischer. Nur rund ein Drittel der Frauen fühlt sich etwa gut vorbereitet auf die Pension. Ihren Umgang mit Geld haben die Befragten (Frauen wie Männer) laut eigenen Angaben übrigens stärker von ihrer Mutter als von ihrem Vater gelernt, der Großteil habe sich sein Wissen über Geldthemen allerdings selbst beigebracht. Die Schule spielt dabei lediglich eine untergeordnete Rolle. Mit der Coronapandemie sind die finanziellen Sorgen generell gestiegen – in der gesamten Bevölkerung. Das habe das Geldleben verändert, so die Studie. Die Risikobereitschaft bei Veranlagungen habe demnach tendenziell abegnommen, einzelne Ausgaben werden stärker hinterfragt.

KREDITGESCHÄFT ZIEHT AN Seit dem zweiten Quartal 2021 steigt die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im Zuge der wirtschaftlichen Erholung nach dem pandemiebedingten Einbruch im Jahr 2020 an. Auch für das erste Quartal 2022 erwarten die Banken eine weiter steigende Kreditnachfrage, so die Hauptergebnisse einer von Mitte Dezember 2021 bis Anfang Jänner 2022 von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) durchgeführten Umfrage über das Kreditgeschäft, in der führende Banken nach ihren Einschätzungen gebeten wurden. Im vierten Quartal 2021 kam es dabei zu einem im Rahmen der letzten Umfrage nicht erwarteten Anstieg der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten, der auf Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel zurückgeführt werden kann. Weitere Gründe für die im vierten Quartal 2021 gestiegene Gesamtnachfrage nach Unternehmenskrediten waren der Finanzierungsbedarf für Fusionen/Übernahmen und Unternehmensumstrukturierungen sowie jener für Anlageinvestitionen. Während die Nachfrage gestiegen ist, haben die Banken ihre Kreditvergabepolitik (interne Vergaberichtlinien, Kreditkonditionen) im Unternehmenskundengeschäft über das Jahr 2021 hinweg kaum verändert. Lediglich die Margen (Zinsaufschläge auf Referenzzinsen) für durchschnittlich risikoreiche Unternehmenskredite wurden in diesem Zeitraum aufgrund der Wettbewerbssituation leicht gesenkt.

„Was schweinisch teuer ist, muss nicht saugut sein.“ WA LT ER L UDIN, S C H W EIZER T HEOL OGE

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ZWISCHEN KONKURRENZ UND KOOPERATION Mobile Bezahldienste erfreuen sich nicht erst, aber vor allem seit Beginn der Pandemie zunehmender Popularität. Kontaktloses Bezahlen via NFC ist im Aufwind. Es darf daher kaum verwundern, dass sich die Tech-Giganten Apple und Google bzw. Alphabet dieses aufstrebende Geschäftsfeld nicht entgehen lassen wollen. Die heimischen Banken sehen das Thema derzeit noch gelassen. TEXT: MARIAN KRÖLL


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ingeführt wurde Apple Pay, das Zahlungssystem des Konzerns aus dem kalifornischen Cupertino, in den USA bereits 2014 mit dem iPhone 6 und 6 Plus. Konkurrent Google Pay erschien, damals noch in Form von Android Pay, ein Jahr darauf und führte die zwei vormals unabhängigen Dienste Android Pay und Google Wallet in einer Anwendung zusammen. Google Pay hat übrigens bereits 2019 eine litauische Lizenz für elektronisches Geld erhalten und reiht sich damit bei US-Konzernen wie Amazon und Meta (ehemals Facebook) ein, die über eine Lizenz aus Luxemburg (Amazon) und Irland (Meta) verfügen. Damit kann das Unternehmen in der gesamten EU Finanzdienstleistungen anbieten sowie elektronisches Geld ausgeben. Klassische Bankdienstleistungen wie Kreditausgabe oder Hypotheken sind dem Tech-Riesen damit nicht möglich, allerdings hat Google mit der Lizenz (theoretisch) größeren Handlungsspielraum als Konkurrent Apple, der lediglich zwischen Händler und Nutzer, der eine Kreditoder Bankomatkarte hinterlegt hat, vermittelt. Litauen – und damit erklärt sich auch die dortige Lizenz – arbeitet übrigens aktiv daran, zu einem der führenden Fintech-Hubs in der EU zu werden und eine Führungsrolle im Bereich der digitalen Finanzdienstleistungen zu beanspruchen. Der kleine baltische Staat hat den regulatorischen Spielraum voll ausgeschöpft und bietet „Spezialbanklizenzen“ mit eingeschränktem Funktionsumfang. In Österreich ist Google Pay prinzipiell seit Mitte November 2020 verfügbar. In der Praxis sieht das einstweilen noch anders aus, weil die heimischen Banken die App derzeit nur vereinzelt unterstützen. Warum dem so ist, begründet Hans Unterdorfer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse und Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Tirol, nachstehend im Interview. Jedenfalls ist Google Pay zumindest theoretisch nicht auf klassische Banken angewiesen. Aktuell sieht man das Thema in der Tiroler Bankenlandschaft noch recht gelassen und will „beobachten, wohin die Reise geht“.

Die US-Tech-Giganten zeigen sich im Hinblick auf die Strategie, die sie mit ihren mobilen Bezahldiensten verfolgen, indes gewohnt schmallippig. Einstweilen geht ohne die Zusammenarbeit mit den etablierten Banken allem Anschein nach für die Tech-Konzerne so gut wie nichts. Ein Experte mutmaßt etwa, dass es den Konzernen noch an der notwendigen Expertise fürs Bankgeschäft mangeln könnte. Das Handelsblatt sieht die Entscheidung darüber, wo in Zukunft das Privatkundengeschäft stattfinden werde – in der Bank oder auf einer Plattform – als noch nicht getroffen, aber das Rennen sei bereits eröffnet. Derweil scheinen die Riesen zwar noch auf Kooperation zu setzen, doch es ist längst nicht gesagt, dass das so bleiben wird. Es ist auch nicht abgemacht, dass die Partnerschaften der Banken mit Amazon, Meta, Google und Apple auf Augenhöhe eingegangen werden, weil die Tech-Giganten allein schon aufgrund ihrer globalen Nutzerbasis, die in die Milliarden geht, letztlich dominant sein dürften. Im Wachstumsmarkt der Mobile Payments geht es nie nur um Geld, sondern immer auch um Information. Information, die – so zeigen es die Geschäftsmodelle der Internetriesen eindrucksvoll – letzten Endes geldwert ist. Der Bankensektor zeigt sich momentan noch vorsichtig abwartend und betrachtet, wie Hans Unterdorfer erklärt, „Apple- oder Google Pay wie eine Plastikkarte“. ECO.NOVA: Wie stehen die Tiroler Banken zum Mobile-

Mobiles Bezahlen dürfte auch dazu führen, dass das Smartphone in Zukunft eine noch zentralere Rolle im Alltag der Menschen spielen und noch mehr zur Verlängerung des Selbst wird.

Payment-Angebot der Internetgiganten, konkret Apple Pay und Google Pay? Betrachtet man es im Bankensektor als Konkurrenz oder Ergänzung? HANS UNTERDORFER: Mobile Payments sind ein Wachstumsmarkt und daher integraler Bestandteil des Zahlungsverkehrsangebots jeder Bank. Sie sind kein „Konkurrenzprodukt“, sondern eine zusätzliche, moderne und – in Pandemiezeiten besonders wichtige – kontaktlose Zahlungsmethode. Die Nachfrage der Kundinnen und Kunden ist eindeutig, da es eine innovative und komfor-

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table Form der Kartenzahlung darstellt und sich dadurch weitere Möglichkeiten und Einsatzszenarien ergeben. Bei Apple und Google Pay wird die Karte hinterlegt. Natürlich müssen wir beobachten, wohin die Reise geht. Wir leben in einem partnerschaftlichen Wettbewerb. Derzeit ist es aber ganz klar eine sehr gute Ergänzung für unsere Kundinnen und Kunden. Welche heimischen Banken unterstützen die Funktionalität von Apples und Googles Zahlungssystemen bereits? In Österreich und damit auch in Tirol unterstützt die Mehrheit der Banken sowohl Apple Pay als auch die Bezahlung mit Android-Endgeräten mithilfe der bankeigenen Wallets. Google Pay wird in Österreich nur vereinzelt unterstützt, weil die meisten Banken schon eine eigene Lösung für Android-Nutzerinnen und -Nutzer haben. Mit ein Grund dafür ist, dass Google im Gegensatz zu Apple viele Kundendaten verlangt. Bei Kundenbedarf sind die Banken natürlich offen für die Einbindung weiterer Zahlungssysteme. Gibt es etwaige Exklusivvereinbarungen mit einem der Anbieter? Nein, das ist nicht deren Strategie.

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Was ist ganz allgemein die Mobile-Payment-Strategie der Tiroler Banken? Wird in Zukunft ein (eigener) Weg an diesen Angeboten der gigantischen neuen Player vorbeiführen? Als Banken bieten wir unseren Kundinnen und Kunden je nach Bedarf die Wahlfreiheit für ihre Bezahlmethode. Dabei achten wir besonders auf die Customer Experience, auf Sicherheit und Datenschutz. Apple Pay findet besonders bei den Kundinnen und Kunden bis 20 sehr guten Anklang und im Zuge der Corona-Pan-

demie haben viele das kontaktfreie Bezahlen sehr zu schätzen gelernt. Selbstverständlich beobachten die Banken regelmäßig die Marktsituation und evaluieren laufend potenzielle neue Lösungen im Bereich Mobile Payment. Bei den Tiroler Banken existieren wie auch österreichweit eigene Lösungen für Android-User in Form der Banken-Wallets. Für iPhone-Userinnen und -User schreibt Apple bekanntermaßen vor, dass die NFC-Schnittstelle nur mittels Apple Pay genutzt werden darf. Als Alternative für iPhone-Userinnen und -User steht das optische Bezahlsystem von Bluecode zur Verfügung. Hier erfolgt die Bezahlung mittels Scannens eines Bar- oder QR-Codes. In Zukunft wird es entscheidend sein, einen Mehrwert über das Payment hinaus zu schaffen. Jeder neue Anbieter wird speziell unter dem Aspekt Sicherheit und Datenschutz geprüft, um die sehr strengen österreichischen und europäischen gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Welche Kosten entstehen den Nutzern dieser MobilePayment-Lösungen? Oder ist es so, dass der User mit seinen Daten „bezahlt“? Wie bei Kartenzahlungen mit der Plastikkarte entstehen für die Endkundinnen und -kunden keine zusätzlichen Kosten. Meist ist das ein zusätzliches Angebot innerhalb der jeweiligen Kontomodelle. Es werden von Seiten der Banken – wie bei einer normalen Kartenzahlung auch – keine zusätzlichen Kunden- oder Zahlungsdaten erhoben. Die Banken selbst geben keine Daten weiter. Im Zuge der Registrierung für Apple oder Google Pay müssen Kundinnen und Kunden deren Geschäftsbedingungen zustimmen. Dort ist geregelt, welche Daten Apple und Google erhalten. Gibt es bereits ein konkurrenzfähiges europäisches Angebot, um die Nutzerdaten, die andernfalls in die USA wandern würden, in der EU zu halten? Für alle Banken hat der maximale Schutz der Kundendaten oberste Priorität. Die Transaktionen werden technisch in Europa abgewickelt. Es gibt Bestrebungen auf EU-Ebene, ein europäisches System zu implementieren. Allerdings ist derzeit trotz umfangreicher Konsultationen noch nicht final entschieden, wie dieses genau aussehen wird. Als europäische Alternativen zu den amerikanischen Bezahlschemas sind vor allem die optischen wie Bluecode zu nennen. Bluecode hat das Potenzial, von europäischen Initiativen wie Instant Payments bereits in absehbarer Zeit zu profitieren. Nur darf man nicht die Rechnung ohne den Akzeptanzpartner machen. Das gilt insbesondere für den Point of Sale (POS). Ein System, das es nicht über kurz oder lang auf entweder das gewohnte POS-Terminal – sprich Bankomatkassa – oder in die Integration mit dem Kassensystem schafft, wird nicht erfolgreich sein.


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HANS UNTERDORFER

67 Was hat die Bank davon, sich als Partner einem oder beiden Bezahlmodellen der Internetgiganten Apple oder dem Google-Mutterkonzern Alphabet zur Verfügung zu stellen? Die Kundinnen und Kunden wollen diese Lösungen. Die Mobile-Payment-Lösungen von Apple oder Google haben eine gute Durchdringung und Akzeptanz bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Das zeigt auch das starke Wachstum im Bereich, das mit der Pandemie noch einmal beschleunigt erfolgt ist: Von 2020 auf 2021 hat sich das über Mobile Payment abgewickelte Volumen zum Teil verdoppelt. Eigene Lösungen, wie sie in Deutschland mit der zehnfachen Marktgröße versucht wurden, werden schnell zum Investitionsgrab. Daher sehen die Banken Apple oder Google Pay so wie eine Plastikkarte. Auch das Trägermedium Plastikkarte müssen die Banken bezahlen und genau so funktioniert das auch mit dem Handy. Die Banken bezahlen eine Gebühr, damit sie diese Anwendungen für ihre Kundinnen und Kunden nutzen dürfen. Der Einsatz von Alphabet- oder Apple-Lösungen löst aber keine Provisionszahlungen aus. Welche Kosten entstehen bankenseitig für die Nutzung von Apple Pay bzw. Google Pay? Die Vereinbarungen sind hier individuell. Da die Konsumentenpreise für Bankdienstleistungen in Österreich einer Indexierung unterliegen, können diese Kosten nicht auf die Bankkunden umgewälzt werden. Insofern haben die Banken die Kosten für diese technischen Innovationen selbst zu tragen.

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chon immer waren es die Banken, die als Mitindikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung galten. Das Gute ist: Die Signale aus der Branche sind positiv. Wir haben mit MMag. Georg Frischmann, Leiter des Private Banking der Hypo Tirol, gesprochen.

Wie verorten Sie die aktuelle Stimmung in der Branche und unter Ihren Kunden? GEORG FRISCHMANN: Die Stimmung unter unseren Kunden ist großteils positiv, was vor allem daran liegt, dass die Börsen in den vergangenen zwei Jahren stark zugelegt haben. Der Aktienmarkt verzeichnete im letzten Jahr ein Plus von fast 30 Prozent. Auch wenn es aktuell Korrekturen nach unten gibt, sind unsere Kunden noch entspannt. In der Bankenbranche und speziell im Private Banking orte ich eine gewisse Aufbruchstimmung. Das zeigt sich auch in einer regen Personalsuche in diesem Umfeld. Das Nullzinsumfeld unterstützt die Richtung, in Realwerte zu investieren. Corona hat diesen Trend sicherlich zusätzlich befeuert. Auch am Immobilienmarkt gab es im vergangenen Jahr teilweise Preissteigerungen von 20 bis 30 Prozent. Der Veranlagungsbereich ist mit Sicherheit jener, in dem Banken am stärksten wachsen können.

ECO.NOVA:

Die Banken waren und sind eine der tragenden Säulen während der Pandemie – nicht nur als Geldgeber für die Wirtschaft, auch die Banken selbst verzeichnen fast durchwegs gute Geschäftsjahre. Was ist Ihr Resümee über das vergangene Jahr, und wie schätzen Sie das heurige ein? Ich schaue prinzipiell positiv ins Jahr. Das Niedrigzinsumfeld macht es zwar auch den Banken selbst nicht einfach, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, dennoch verliefen die vergangenen Jahre besser als erwartet. Vor allem die befürchtete Unternehmens-Pleitewelle ist ausgeblieben. Das Niveau an Kreditausfällen ist tief, und es macht nicht den Eindruck, als würde sich das noch ändern. Trotz der Pandemie geht es der Wirtschaft im Allgemeinen gut. Zudem steigt die Hoffnung auf steigende Zinsen. Ich denke zwar, dass nachhaltig höhere Zinsen in Europa nicht wirklich realistisch sind, ganz auszuschließen ist es indes nicht. Wenn die In-

MUT ZUR AKTIE Wir befinden uns mittlerweile in Jahr drei der Coronapandemie. Trotz vieler Rückschläge gibt es auch Krisengewinner: den Aktienmarkt zum Beispiel. Das wiederum freut die Anleger und sorgt für gute Stimmung. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

flationsraten bis Jahresende hoch bleiben, könnte die Nullzinspolitik aufgehoben werden, was für die Bankenbranche sehr positiv wäre.

quenz den Immobilien- und Aktienmarkt befeuert hat, weil dieses Geld folglich darin investiert wurde. In Amerika sehen wir außerdem, dass die Einzelhandelsumsätze massiv gestiegen sind und deutlich über Vorkrisenniveau liegen, weil eben plötzlich so viel Geld am Markt war.

Der Konsumeinbruch vor allem im Jahr 2020 ließ das private Finanzvermögen auf ein Rekordhoch steigen. Hat sich dies auch auf das Anlageverhalten ausgewirkt Die Aktionärsquote in Österreich ist – oder kommt es noch zu Nachholeffekwenn auch ausgehend von einem niedten? Ein Punkt ist, dass in Zeiten von Lockrigen Niveau – während der Krise erdowns weniger Geld ausgegeben werden kennbar gestiegen, vor allem bei jungen konnte und dadurch Anlegern. Worauf die Sparquoten geführen Sie das zu„Die Kunden werden stiegen sind. Auf der rück? Grundsätzlich gebildeter und anderen Seite wurde denke ich, dass die kostensensibler. – weltweit – extrem Leute vor allem im viel Geld verteilt, in ersten Jahr der Krise Die Dienstleistung Amerika sogar an Priplötzlich mehr Zeit von Banken muss vatpersonen in Form hatten, sich mit dem sich also laufend von Schecks. Auch die Finanzmarkt zu beverbessern und die vielen Gelder aus den schäftigen. Tatsächunterschiedlichsten lich haben während Preisgestaltung Corona-Hilfsfonds, des Lockdowns auch gleichzeitig fair die an Unternehmen einige jener Leute anbleiben.“ ausbezahlt wurden, gefangen, aktiv mit GEORG FRISCHMANN landen letztlich in Aktien zu handeln, irgendjemandes Tadie vorher damit wesche. Es gibt Unternehmen, die im vergannig bis gar nichts zu tun hatten. Ein Teil dieser genen Jahr Rekordergebnisse erzielt haben Neo-Aktionäre bewegt sich dabei im hochund von diesem Fördermechanismus sogar spekulativen Bereich – das sehen wir vor profitieren konnten. In einigen Fällen wurallem bei jüngeren Leuten, die sich unter de der eigentliche Sinn dieser Förderungen anderem immer öfter für das Thema Krypsicherlich verfehlt, was in weiterer Konsetowährungen interessieren. Diese (jungen)

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„In der Bankenbranche und speziell im Private Banking orte ich eine gewisse Aufbruchstimmung.“ GEORG FRISCHMANN

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Spekulanten sind jedoch nicht unsere Klientel, sondern eher bei Onlinebrokern zuhause und in der virtuellen Welt unterwegs. Wir sehen jedoch auch bei unseren Kunden, dass sich der Anteil an Aktionären erhöht. Die Niedrig- und sogar Negativzinsphase wurde Jahr für Jahr verlängert, was die Anleger zu Gegenmaßnahmen veranlasst hat. So mancher ist vom Immobilien- in den Aktienmarkt gewechselt und hat sein Portfolio breiter gestreut. Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Beim Blick in den Rückspiegel zeigen sich extrem erfolgreiche Börsenjahre und so mancher ist vielleicht verleitet, zu glauben, dass ginge dauerhaft so weiter. Hier ist es unsere Aufgabe, unsere Kunden aufzuklären und entsprechend zu beraten. Der langfristige Ausblick bleibt dennoch positiv und man kommt in einer ausgewogenen Anlagestrategie um Aktien nicht herum. Um am Aktienmarkt zu spekulieren, braucht es entsprechende liquide Geldmittel, ebenso wie die Veranlagung an sich. Wird die vermögende Mittelschicht generell jünger? Im Allgemeinen steigt unser Wohlstandsniveau Jahr für Jahr an. Hinzu kommt, dass wir uns in einer Phase der einkommensstärkeren und vermögenderen Erbengeneration befinden, die immer jünger wird. Immer öfter wird Vermögen auch schon zu Lebzeiten der Eltern an die Kinder weitergegeben. Klassischerweise ist der Private-Banking-Kunde um die 50, hat eine gute Ausbildung genossen, sich Wohneigentum geschaffen, seinen Kredit weitestgehend abbezahlt und ist nun in der Lage, seinen

finanziellen Überhang zu investieren. Bei jungen Menschen stammt das Geldvermögen in der Regel von der Elterngeneration und weniger von der eigenen Arbeit. Unterm Strich geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf und ohne Erbanteil ist es heutzutage tatsächlich extrem schwierig, entsprechendes Vermögen aufzubauen. Steigt damit einhergehend auch das Interesse junger Menschen am Thema Veranlagung? Was wir bemerken, ist, dass jede Generation ihren eigenen Zugang zu diesem Thema hat. Insgesamt ist die junge Generation besser ausgebildet, verfügt also über ein größeres fachliches Basiswissen und außerdem über ein entsprechendes Know-how, um im Internet zu navigieren, Produkte zu vergleichen und sich Informationen zu holen. Junge Menschen lesen sich in Blogs und Foren ein oder spezielle Finanzwebsites und versuchen, selbständig Finanzwissen aufzubauen. Viele junge Menschen veranlagen ihr Geld bei Onlinebrokern, weil sie es einfach gewohnt sind, sich im Internet zu bewegen. Diese Tendenz nimmt mit Sicherheit zu. Was bedeutet diese Entwicklung für die Bankenbranche? Die Kunden werden gebildeter und kostensensibler. Die Dienstleistung von Banken muss sich also laufend verbessern und die Preisgestaltung gleichzeitig fair bleiben. Wir müssen Packages schnüren, die dem Kunden einen Mehrwert bieten, und für dessen Service es sich lohnt, entsprechend zu bezahlen. Deshalb macht eine individuelle Vermögensverwaltung mit

professionell gemanagten Portfolios erst ab einem hinreichenden Anlagevermögen Sinn. In welchen Bereichen/Branchen sehen Sie Anlagepotenzial, und haben sich diese in den letzten zwei Jahren verändert? Gesundheit und Pharma sind mit Sicherheit Branchen, die langfristig interessant bleiben, und das völlig unabhängig von der Pandemie. Hier geht es um globale Makrotrends: Die Leute werden älter, die Gesundheitskosten steigen überproportional an. Davon profitiert die Pharmabranche. Der Sektor ist außerdem noch fair bewertet, sodass man mit einem derartigen Investment auf Sicht von zehn Jahren vermutlich wenig falsch machen kann. Schwieriger ist es aktuell für den Technologiesektor. Hier kommt es zu einer Art Bereinigung, denn einige Bewertungen fielen in der Vergangenheit deutlich zu hoch aus. In vielen Unternehmen ist der Verschuldungsgrad hoch, nur wenige schreiben tatsächlich gute Gewinne. Die Techbranche ist sehr wachstumsorientiert und schuldenfinanziert. Nichtsdestotrotz denke ich, dass der Sektor langfristig interessant ist für Investitionen, auch wenn es in den nächsten zwei Jahren Durchhaltevermögen brauchen wird.

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Auto Linser Haller Str. 119a, 6020 Innsbruck Tel.: 0512 - 24 8 21 www.auto-linser.at

Auto Meisinger GmbH Lechtalerstr. 56, 6600 Reutte-Lechaschau Tel.: 0512 - 3100 - 80 www.meisinger.at

Autohaus Krißmer Hauptstr. 71, 6464 Tarrenz Tel.: 05412 - 64111 www.autohaus-krissmer.at

Auto Linser St. Margarethen 152, 6220 Buch Tel.: 05244 - 62 4 34 www.auto-linser.at

CO2-Emission: 166-127 g/km, Gesamtverbrauch: 4,8-7,3 l/100km

28.190,– Autohaus Larl Gewerbestr. 12, 6274 Aschau Tel: 05282 - 5746 www.larl.at

Symbolfoto. Druckfehler, Irrt잻mer und 얷nderungen vorbehalten. 1) Listenpreis Kia Sportage Titan 줺 30.590,00 abzgl. Preisvorteil (inkl. Kia Partner Beteiligung) bestehend aus 줺 1.000,00 Eintauschbonus f잻r Ihren Gebrauchten (mind. 6 Monate Zulassung auf den K웞ufer, Abmeldebest웞tigung erforderlich), 줺 1.000,00 Leasingbonus bei Finanzierung 잻ber Kia Finance und 줺 400,00 Versicherungsbonus bei Abschluss eines Kia Versicherung Vorteilssets. Der Kia Versicherungsbonus ist nur g잻ltig bei Kauf eines Neu- oder Vorf잻hrwagens und bei Abschluss eines Vorteilssets bestehend aus Haftp쟣icht, Vollkasko mit Insassenunfall- und/oder Verkehrs-Rechtsschutzversicherung. Die Bindefrist bzw. Mindestlaufzeit des Vertrages betr웞gt 36 Monate inkl. K잻ndigungsverzicht. G잻ltig bei Kaufvertrags- bzw. Antragsdatum bis 31.03.2022. Die Abwicklung der Finanzierung erfolgt 잻ber die Santander Consumer Bank GmbH. Stand 12|2021. Erf잻llung bank잻blicher Bonit웞tskriterien vorausgesetzt. *) 7 Jahre/150.000km Werksgarantie.


ALPEN PRIVATBANK

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STRATEGISCHER GLÜCKSFALL 1983 wurde die AlpenBank in Innsbruck gegründet. Kerngeschäft ist die Vermögensverwaltung und Anlageberatung für den wohlhabenden Mittelstand. Anfang des Jahres verschmolz die Vorarlberger Walser Privatbank ihre Private-Banking-Einheit auf die AlpenBank. Aus dieser Fusion entstand die Alpen Privatbank AG. TEXT: MARINA BERNARDI

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eplant war die Fusion schon seit längerer Zeit, hat jedoch ob ihrer Komplexität etwas gedauert. Mit 3. Jänner 2022 war sie abgeschlossen: Die Alpen Privatbank AG ist eine Verschmelzung der Tiroler AlpenBank AG und der Vorarlberger Walser Privatbank AG zur größten Privatbank Westösterreichs mit dem Schwerpunkt Vermögensverwaltung und Anlageberatung. Tatsächlich ist der Zusammenschluss ein ungewöhnlicher, weil es sich weniger um eine klassische Übernahme denn um eine Partnerschaft im besten Sinn handelt. „Beide Banken sind im internationalen Vergleich kleine Einheiten und beiden war uns bewusst, dass

es einer gewissen Größe bedarf, um auch in Zukunft erfolgreich und beständig am Markt tätig zu sein“, sagt Mag. Martin Sterzinger, nunmehriger Direktor und Generalbevollmächtigter am Standort Innsbruck. Die Kostenstruktur von Banken hat sich in den letzten Jahren ebenso verschärft wie (aufsichts)rechtliche Vorschriften, deren Bewältigung personal- und zeitintensiv ist. Die Fusion stärkt außerdem die Eigenkapitaldecke. Dass beide Häuser zueinandergefunden haben, beschreibt Sterzinger als „strategischen Glücksfall“. Beide Häuser wurzeln durch ihre Eigentümer – Walser Raiffeisen Holding bzw. Raiffeisen Landesbank Tirol


© ANDREAS FRIEDLE

ALPEN PRIVATBANK

Mag. Martin Sterzinger, Direktor und Generalbevollmächtigter am Standort Innsbruck

„Private Banking wird auch in Zukunft menschlich bleiben. Unser Leitspruch lautet ‚Wir für Sie‘.“ MARTIN STERZINGER

und Südtirol – auf genossenschaftlichen Strukturen, die Denkweise und Stoßrichtung ist in beiden Fällen dieselbe und beide Banken waren zur selben Zeit auf der Suche nach einem strategischen Partner. „Die Besonderheit ist vor allem, dass wir uns wie Mosaiksteinchen ergänzen, denn es gibt zwischen den Banken keinerlei Kundenüberschneidungen. Die Walser Privatbank betreut aus der Historie und der Positionierung der Zentrale in Riezlern im Kleinwalsertal sowie mit Standorten Düsseldorf und Stuttgart fast ausschließlich deutsche Kunden, die AlpenBank war hauptsächlich in Tirol, Salzburg, Südtirol und Trient tätig. Der Zusammenschluss ist also optimal“, so Sterzinger.

ABSPALTUNG ZUR AUFNAHME Um eine klare Struktur zu schaffen und den Fokus auf professionelles Private Banking zu unterstreichen, wurde die Walser Privatbank aufgespalten, ein Teil verbleibt als regionale Raiffeisenbank im Kleinwalsertal, die Private-Banking-Unit wurde in die AlpenBank eingebracht. Eine derartige „Abspaltung zur Aufnahme“ ist in Österreich einzigartig und war entsprechend vielschichtig in der Ausarbeitung. Für die Kunden der vormaligen

AlpenBank ändert sich durch die Änderung in die Alpen Privatbank indes nichts. „Die Herausforderungen sind eher unternehmerischer Natur“, sagt Sterzinger. „Es gilt, zwei über lange Zeit gewachsene Unternehmenskulturen zueinanderzuführen und Abläufe aufeinander abzustimmen. Das Schöne ist, dass wir uns in unseren Grundstrukturen und Stärkefeldern sehr ähneln. Die Fusion ist weniger darauf ausgelegt, Personal einzusparen und überall den Rotstift anzusetzen, sondern Synergieeffekte sinnvoll zu nutzen, um unser Kerngebiet – also die Vermögensverwaltung, Anlageberatung und Produktkreation – weiter auszubauen und noch kundengerechter und individueller zu gestalten. Allerdings hat jeder Markt seine Eigenheiten. Dienstleistungen, die in Österreich gut angenommen werden, funktionieren nicht automatisch auch in Deutschland oder Italien. Man braucht Spezialisten für die jeweiligen Märkte und hier sind beide Banken eine perfekte Ergänzung füreinander.“ Die unterschiedlichen Standorte in Österreich, Deutschland und Italien ermöglichen es, nahe am Kunden zu sein, denn trotz aller Digitalisierung ist und bleibt Geld ein Vertrauensgeschäft. „Private Banking ist eines der Zukunftsfelder im Bankensektor. Stan-

dardgeschäfte oder Kreditvergaben werden zusehends digitalisiert, das Feld des Private Banking, in dem wir uns bewegen, aber lebt von der Nähe zum Kunden. Es geht um Redlichkeit und Vertrauen“, ist Sterzinger überzeugt. Vermögensverwaltung ist beratungsintensiv, weil man damit nicht selten ins Innerste des Lebens von Personen bis hin zu ganzen Familien vordringt. Durch die Fusion ist die Mitarbeiterzahl auf rund 140 gestiegen. Betreut werden in der Alpen Privatbank Kunden mit einem Anlagevermögen ab 250.000 Euro. Erst dann kann man dem Kunden jene Zeit widmen, die es braucht und die er verdient. Sterzinger: „Wir erklären unseren Kunden jeden einzelnen Schritt, erläutern unsere Ansätze, zeigen Alternativen auf und wägen Ertrag und Risiko individuell ab. Wir wollen ein Wegbegleiter für unsere Kunden sein und sind nach wie vor keine transaktionsorientierte Bank. Wir sind keine Abwickler für Geldgeschäfte, sondern begleiten unsere Kunden langfristig und professionell beim Aufbau und der Verwaltung ihres Vermögens. Unsere Zielgruppe ist der vermögende Mittelstand. In dieser Nische kennen wir den Markt und unsere Kunden sehr gut, weil sich unsere Mitarbeiter selbst in diesem Umfeld bewegen. Man begegnet sich auf Augenhöhe. Vor diesem Hintergrund, der gelungenen Fusion und unserem Stamm an Kunden, sind wir überzeugt, auch künftig am Markt erfolgreich sein zu können.“ PR

ALPEN PRIVATBANK AG Bilanzsumme: ca. 470 Mio. Euro Gesamtkapital: ca. 75 Mio. Euro Gesamtkapitalquote: ca. 28 % Wertpapier-Depotvolumen: 2,9 Mrd. Euro Betreutes Kundenvolumen: 3,2 Mrd. Euro Geschäftsvolumen: 3,3 Mrd. Euro Standorte: Österreich (Riezlern – Firmensitz, Innsbruck, Salzburg), Italien (Bozen), Deutschland (Düsseldorf, Stuttgart) Mitarbeitende: rund 140

www.alpenprivatbank.com

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eco.steuern

GUTES FÜR MITARBEITER Coronaprämien und sonstige steuerlich vorteilhafte Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung. TEXT: VERENA MARIA ERIAN, RAIMUND ELLER

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eco.steuern

ABGABENFREIE CORONAPRÄMIEN – BIS 28. FEBER 2022 Knapp vor Ablauf des vorangegangenen Jahres 2021 hat der Nationalrat die Abgabenfreiheit einer Coronaprämie für 2021 beschlossen. Danach sind Prämien oder Bonuszahlungen an Arbeitnehmer, die aufgrund der COVID-19-Krise für das Kalenderjahr 2021 gezahlt wurden oder noch werden, bis zur Höhe von 3.000 Euro je Arbeitnehmer abgabenfrei. Dies gilt allerdings nur, wenn die Bezahlung bis spätestens Ende Februar 2022 erfolgt. Wurden bereits solche Prämien bezahlt, sind diese bei weiteren Zahlungen anzurechnen und können in abgabenfreie Prämien umgewandelt werden. Voraussetzung ist natürlich, dass diese Prämien ganz speziell als Kompensat für besondere Verdienste oder Belastungen auf Grund der COVID-19-Situation gedacht und ausbezahlt wurden. Sollte dies bei Ihnen der Fall gewesen sein, teilen Sie dies bitte umgehend Ihrem Lohnbüro mit, damit eine entsprechende Umwandlung noch rechtzeitig vorgenommen werden kann. Eine solche abgabenfreie Coronaprämie hat es bereits für das Jahr 2020 gegeben. Ob es für das 2022 auch nochmals eine derartige Neuauflage gibt, ist zum derzeitigen Zeitpunkt schwer zu sagen.

STEUERFREIE GEWINN BETEILIGUNG – AB 2022 Davon unabhängig sieht die so genannte ökosoziale Steuerreform ab dem Jahr 2022 jedenfalls eine steuerfreie Gewinnbeteiligung ebenso im Ausmaß von jährlich bis zu 3.000 Euro pro Arbeitnehmer vor. Die Begünstigung ist an das Vorliegen eines Gewinnes des Dienstgebers geknüpft und darf gesamthaft den steuerlichen Vorjahresgewinn nicht übersteigen. Auf weitere Details zu dem geplanten Gewinnbeteiligungsmodell darf man noch gespannt sein.

STEUERFREIES JOBTICKET – SEIT 1. JULI 2021 Damit können den Dienstnehmern zusätzlich zum Gehalt umfassende Wochen-, Monats- und Jahreskarten zum Verkehr mit den „Öffis“ (Öffiticket) angeboten werden, wenn der Geltungsbereich zumindest entweder den Wohn- oder den Arbeitsort umfasst. Sogar das neue „Klimaticket“ kann unter diesem Titel spendiert werden, sofern der Wohn- oder Arbeitsort im Inland liegt.

Die Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian und StB Raimund Eller

GESUNDHEITSFÖRDERNDE MASSNAHMEN Unter diesem Titel können Dienstnehmern zusätzlich zum vereinbarten Gehalt zur Gesundheitsförderung und Prävention abgabenfreie Leistungen zugewendet und vom Arbeitgeber steuerwirksam in Ansatz gebracht werden. Die Steuerfreiheit ist dabei an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. So müssen die Maßnahmen allen Mitarbeitern oder bestimmten Gruppen von Mitarbeitern angeboten werden sowie zielgerichtet (z. B. Erhaltung des Stütz- und Bewegungsapparates) und wirkungsorientiert (Wirkung muss wissenschaftlich belegt sein, also z. B. nicht Homöopathie) sein. Weiters muss der Arbeitgeber direkt mit dem Gesundheitsdienstleister abrechnen und Letzterer muss entsprechend qualifiziert sein. Damit sind zum Beispiel übernommene Beiträge für ein Fitnessstudio nicht beitragsfrei, wohl aber Zuwendungen für bestimmte Kurse, wenn die Kurse zielgerichtet (z. B. Stärkung der Rückenmuskulatur) und wirkungsorientiert sind sowie von einer entsprechend qualifizierten Person abgehalten werden.

KINDERGARTENBEITRÄGE Ähnliches gilt für Direktzahlungen an Kindergärten und Kinderkrippen bis zu einer Jahresgrenze von 1.000 Euro pro Mitarbeiterkind. Der Gleichheitsgrundsatz ist auch hier einzuhalten.

ESSENSMARKEN Aktuell können den Mitarbeitern pro Arbeitstag Essenmarken im Wert von acht Euro zur Konsumation zubereiteter Mahlzeiten im Restaurant oder auch als Takeaway bzw. zwei Euro für Lebensmittel zum Mitnehmen ebenso abgabenfrei zusätzlich zum Entgelt gewährt werden.

GESCHENKE & FEIERLICHKEITEN Für Weihnachtsfeiern und andere Betriebsfeiern sowie für Betriebsausflüge können pro Mitarbeiter jährlich bis zu 365 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei abgesetzt werden. Zudem darf jeder Mitarbeiter pro Jahr Sachgeschenke im Wert von 186 Euro von seinem Dienstgeber steuerfrei im Rahmen von Feierlichkeiten entgegennehmen. Wegen der Coronasituation konnten im Jahr 2021 alternativ auch insgesamt 551 Euro an Sachgeschenken oder Gutscheinen zugewendet werden, insoweit die 365 Euro mangels Feierlichkeiten (Weihnachtsfeier) ansonsten brach liegengeblieben wären.

JAUSNEN OHNE LIMIT Zusätzlich zu den genannten Grenzwerten gibt es eine generelle Abgabenbefreiung für die unentgeltliche oder verbilligte Verköstigung von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz. Diese steuerfreien Mahlzeiten (auch Jause, Obst, Kuchen, Eis etc.) sowie Getränke zur Konsumation am Arbeitsplatz fallen also nicht unter die Grenze von 365 Euro pro Jahr.

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eco.steuern

DIGITALISIERUNG IM RECHNUNGSWESEN ALS HEBEL FÜR NACHHALTIGEN UNTERNEHMENSERFOLG Zwei Jahre COVID-19-Krise haben zu einer zentralen Erkenntnis geführt: Die Digitalisierung ist das Gebot der Stunde für die heimischen Unternehmen – gerade im Finanz- und Rechnungswesenbereich. TEXT: ANDREAS KAPFERER

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eco.steuern

Bankbewegungen, Webshops, Kassa etc. laufend zu verarbeiten und betriebswirtschaftlich zu analysieren.

© DELOITTE/FEELIMAGE

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bläufe im Rechnungswesen, die früher mühsam manuell und zeitintensiv bearbeitet werden mussten, können heute durch Automatisierung viel effizienter abgewickelt werden. Seit mehreren Jahren beobachtet Deloitte im Rahmen der Studie Digitalisierung im Rechnungswesen die digitalen Veränderungen in diesem zentralen Unternehmensbereich, zuletzt unter dem Titel Rechnungswesen in Zeiten von COVID-19.

ZEIT FÜR KERNAUFGABEN

DAS RECHNUNGSWESEN IM DIGITALEN WANDEL Zahlreiche Unternehmen in Österreich haben die Corona-bedingten Lockdowns im letzten Jahr genutzt, um sich mit ihren Finanzprozessen genauer auseinanderzusetzen und diese zu digitalisieren. Für gewöhnlich haben bisher insbesondere kleinere Unternehmen die Buchhaltung an die Steuerberatung ausgelagert. Nun ist jedoch der Trend zu erkennen, dass auch größere mittelständische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen verstärkt auf Outsourcing des Rechnungswesens setzen. Ein Grund für diesen Umschwung liegt in der zunehmenden Komplexität, die sich sowohl im Fachlichen, aber auch im Organisatorischen wiederfindet, und der Erschwernis, überhaupt geeignetes Personal für diese Aufgaben zu finden. Die Anforderungen im Rechnungswesen erfordern laufende Weiterbildung bei den Mitarbeitern sowie die gründliche Auseinandersetzung mit stetig neuen gesetzlichen Regelungen. Konnte dies bei vielen Themenstellungen in der Vergangenheit noch im Rahmen der Jahresabschlusstätigkeiten inhaltlich analysiert werden, so braucht es heutzutage ein zeitnahes und verlässliches Reporting. Die virtuelle Zusammenarbeit war aufgrund der Lockdowns der vergangenen Jahre erforderlich und hat in vielen Unternehmen zu Arbeitsplätzen im Homeoffice geführt. Barrieren in der Zusammenarbeit verschwinden im Technischen wie Organisatorischen, beispielsweise durch die Nutzung von Videokonferenzsystemen. So sind virtuelle Besprechungen und Arbeitsmeetings nicht nur innerhalb von Unternehmen, sondern auch zwischen Unternehmen inzwischen üblich und zur Gewohnheit geworden. Diese sichtbaren Fortschritte im Digitalen lassen viele Unternehmer, die einer Auslagerung des Rechnungswesens bisher kritisch gegenübergestanden sind, umdenken. Denn die notwendigen Technologien,

Mag. Andreas Kapferer LL.M., Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Partner bei Deloitte Tirol

„Unser erklärtes Ziel ist es, die Unternehmen am heimischen Standort gut durch die anhaltende Krise zu begleiten – das gelingt mit umfassender Beratung vor Ort und dem Know-how eines internationalen Netzwerks.“ ANDREAS KAPFERER

um die Buchhaltung vollständig digital abzuwickeln, existieren seit Jahren.

DIGITALISIERUNG UND COVID - 19 - HILFSPAKETE Gerade die Pandemie hat eindrücklich aufgezeigt, wie schnell sich die Rahmenbedingungen und die Marktsituation verändern können. Die COVID-19-Hilfsprogramme der Bundesregierung werden ständig angepasst und erneuert. Zuletzt wurden viele Maßnahmen über den Jahreswechsel hinaus verlängert. Eine qualitative und fehlerfreie Buchhaltung ist gerade für den korrekten Bezug von Hilfsgeldern wichtiger denn je. Denn bei einer mangelhaften Buchhaltung können staatliche Förderungen wegfallen oder fälschlicherweise in Anspruch genommen werden. Hier hilft eine digitalisierte, zeitgemäße Buchhaltung, um alle Informationen wie Rechnungsfreigaben, Erlösbuchungen,

Die freien Zeitressourcen ermöglichen es außerdem, den Fokus auf die Kernkompetenzen des eigenen Unternehmens zu legen: Notwendige unternehmensinterne Prozessveränderungen, im Rahmen von internen Change-Projekten sind teils mit erheblichem Aufwand verbunden. Denn die übergreifende Funktion des Rechnungswesens erfordert die Anpassung von Abläufen zu allen Abteilungen. Interne Projekte dieser Art erfolgreich in Angriff zu nehmen, kann neben dem Tagesgeschäft eine Herausforderung sein. Weiters zeigt sich aktuell die Erschwernis, überhaupt geeignetes Personal für die Aufgaben im Rechnungswesen zu finden. Eine Fokussierung auf die Kernkompetenzen des Unternehmens und eine Auslagerung des Rechnungswesens entlastet die Führungsebene. Dies schafft zudem freie Zeitressourcen bei erfahrenen Mitarbeitern, beispielsweise für Marktaktivitäten, Produktentwicklung und Service Offerings. In Krisenzeiten liefert ein modernes Rechnungswesen zudem die notwendige Basis für weitreichende Unternehmensentscheidungen. Die Digitalisierung des Rechnungswesens einhergehend mit einer Auslagerung an einen Steuerberater führt insbesondere dann zu großen Vorteilen, wenn Informations- und Datenaustausch weitgehend automatisiert erfolgen können. Dafür werden Schnittstellen aufeinander angepasst und elektronische Workflows zur Verfügung gestellt. Damit das erfolgreich gelingt, ist es erforderlich, sich intensiv mit den jeweiligen Vorsystemen des Unternehmens auseinanderzusetzen, und es braucht Know-how, um den technologischen Wandel so unkompliziert wie möglich umzusetzen. Die aktuell herausfordernde Situation am Arbeitsmarkt kann so gesehen auch den Blick schärfen, wo Entlastung möglich ist. Sei es mittels durchgängiger elektronischer Workflows zwischen Abteilungen, der Umsetzung längst fälliger Datenschnittstellen oder der Auslagerung an spezialisierte Outsourcing-Partner. Denn gerade in Krisenzeiten ist das Rechnungswesen gefordert, der Geschäftsführung aktuelle Zahlen für weitreichende Unternehmensentscheidungen zur Verfügung zu stellen. Unternehmen bei der steuerlichen Optimierung sowie bei der Digitalisierung und Automatisierung im Rechnungswesen zu begleiten ist das Ziel von Deloitte Tirol. www.deloitte.at/tirol

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eco.recht

SCHADENERSATZ BEI IRREFÜHRENDER WERBUNG Mit einer vielbeachteten Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof (OGH) im Dezember 2021 einem Verbraucher Schadenersatz aufgrund von irreführender Werbung zugesprochen und damit an eine vereinzelt gebliebene Entscheidung von vor Ende der 1990er-Jahre angeknüpft. T E X T : I V O R U N G G , B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K

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M

it seiner Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof einer geplanten Gesetzesänderung vorgegriffen, die im Mai dieses Jahres einen Schadenersatzanspruch der Verbraucher gesetzlich festschreiben soll. Eine jahrzehntelange rechtliche Diskussion wird beendet und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) damit wieder ein Stück näher an den Verbraucherschutz gerückt. Der Ausgangsfall der letzten OGH-Entscheidung betraf dabei die irreführende Werbung eines Herstellers von Tresoren und die dem Tresor beigefügten Angaben zu bestimmten Qualitätsstandards, insbesondere dass der Tresor eine bestimmte Sicherheitsklasse aufweist. Die Käufer des Tresors hatten diesen gerade wegen der Sicherheitsklasse erworben. Bei einem Einbruch wurde jedoch ein im Tresor befindlicher Geldbetrag von mehr als 60.000 Euro gestohlen. Die Haushaltsversicherung lehnte den Ersatz des Schadens mit dem Hinweis auf die fehlende Sicherheitsklasse ab und bekam vor Gericht Recht. An den Verkäufer des Tresors konnten sich die Käufer nicht mehr wenden, da dieser nicht mehr existierte. Nun versuchten die Käufer den Hersteller aufgrund von Angaben auf der Website, der Verpackung des Tresors und einer Plakette zum „Resistance Guide“ des Tresors in Anspruch zu nehmen. Den Anspruch lehnten die ersten beiden Instanzen ab, weil das Bundes-

Dr. Ivo Rungg

gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb/ UWG keinen Schadenersatzanspruch von Verbrauchern gegenüber Unternehmern wegen Wettbewerbsverstößen vorsehen würde. Dagegen hat der OGH in dritter Instanz entschieden, dass sich Verbraucher auch auf das UWG stützen und Schadenersatzansprüche geltend machen können, wenn ein Unternehmer unlauter handelt. Aber auch der Gesetzgeber hat auf der Basis einer EU-Richtlinie die gesetzliche Verankerung des Schadenersatzanspruchs von Verbrauchern in Angriff genommen. Auf der Grundlage dieser Richtlinie und der beschriebenen Entscheidung des OGH sieht

auch ein – derzeit in der Begutachtungsphase befindlicher – Gesetzesvorschlag unter anderem zu diesem Punkt eine Änderung des UWG vor. Demnach haben Verbraucher nun explizit Schadenersatzansprüche gegenüber offensichtlich unlauter handelnden Unternehmern, wenn durch derartige Handlungen Verbraucher zu einer geschäftlichen Entscheidung veranlasst werden, die sie andernfalls nicht getroffen hätten. Der Entwurf sieht vor, dass sich der Anspruch auf den Ersatz des positiven Schadens bezieht, der durch offensichtlich irreführende oder aggressive Geschäftspraktiken sowie vergleichende Werbung entstanden ist. Das Gesetz ist noch nicht erlassen, da wird schon diskutiert, wann ein Unternehmer „offensichtlich“ unlauter handelt und ob die Einschränkung auf den positiven Schaden ein Rückschritt zu der OGH-Judikatur ist. Diese Entwicklung bedeutet jedoch grundsätzlich eine weitere Stärkung des Verbraucherschutzes, da (nun) Verbraucher neben Gewährleistung und Schadenersatzansprüchen des allgemeinen Zivilrechts auch auf der Basis des UWG insbesondere gegenüber den werbenden Herstellern entsprechenden Schadenersatz aus (offensichtlich) aggressiven oder irreführenden Geschäftspraktiken fordern können. Für Unternehmen ist dies eine weitere nicht zu unterschätzende Sanktion für Angaben in der Bewerbung und Bezeichnung ihrer Produkte und entsprechenden Kampagnen.


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auto & motor

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Allround-Talent Der BWM 2er Active Tourer kommt in der zweiten Modellgeneration angerollt und gibt sich dabei betont dynamisch. Außen präsentiert er sich in markentypisch aufgeräumt-klarer Formensprache, der Innenraum indes wurde komplett überarbeitet, oder wie es die Bayern selbst sagen: „fundamental neugestaltet“. Die Geometrie sowie zahlreiche Details orientieren sich am Innenraumkonzept des Technologie-Flaggschiffs iX, was dem neuen 2er ein fortschrittliches Ambiente verleiht. Wesentliche Designmerkmale sind die flache Armaturentafel, das Curved-Display, die schwebend wirkende Armauflage mit integriertem Bedienfeld und eine angenehme Reduktion von Bedienelementen. Darüber hinaus soll der neue Active Tourer eine Vorreiterrolle für Innovationen in den Bereichen Antrieb, Fahrerassistenz, Bedienung und Vernetzung einnehmen. Zur Markteinführung stehen vier Modellvarianten mit Frontantrieb und Motorenleistungen von 136 bis 218 PS (204 PS aus dem Verbrenner, 19 PS durch zusätzlichen elektrischen Antrieb) zur Wahl. Für Effizienz sorgt das in allen Varianten serienmäßige 7-Gang-Steptronic-Getriebe mit Doppelkupplung. Die Basisvariante startet bei 36.400 Euro.


© AUTOPARK

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Autopark-Inhaber Mag. Michael Mayr

IM KREIS DER BESTEN

EURO-SPORTLER Der Kia Sportage erscheint in seiner fünften Modellgeneration erstmals in einer speziell für Europa konzipierten Version. Wie das Außendesign ist auch der Innenraum speziell auf hiesige Ansprüche zugeschnitten worden. Ein besonders markantes Interieurelement ist dabei das gewölbte Panoramadisplay mit zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen als volldigitales Kombiinstrument samt Infotainment-Touchscreen. Die kompakten Abmessungen des Sportlers haben sich zwar nicht wesentlich verändert, der Innenraum wurde aber geschickter konzipiert, wodurch das Raumangebot deutlich gewachsen ist. Zum ersten Mal wird der Sportage außerdem in einer Plug-in-Hybrid-Variante angeboten. Eingestiegen wird bei rund 31.000 Euro.

A U F, A U F ! Die nächste Generation des Honda-Kompakt-SUV HR-V wurde konzipiert, um noch mehr Fahrspaß und Komfort zu bieten, und soll ein neus Level an Dynamik liefern. Dafür wurde die Karosseriestruktur verbessert sowie die Radaufhängung, Lenkung und das Bremssystem optimiert. Das alles führt zu einem selbstbewussteren und gleichzeitig komfortableren Fahrerlebnis. Serienmäßig ist der HR-V mit einem e:HEV-Hybridantrieb ausgestattet, der aktuell auch im Jazz eingesetzt wird und der ein optimales Ansprechverhalten mit hoher Effizienz verbindet. Der neue HR-V ist in drei Ausstattungsvarianten mit je 130 PS ab 31.300 Euro erhältlich.

Nach sieben Auszeichnungen im deutschen Markt prämieren AUTO BILD und Statista zum ersten Mal auch den besten Autohändler Österreichs. Dafür haben über 2.000 Kund*innen ihr Urteil abgegeben, zusätzlich wurden über 1.000 Autohändler eingeladen, andere Autohäuser zu empfehlen. Das Ergebnis ist sohin eine qualifizierte Mischung aus Konsument*innenerfahrung und Expert*innenwissen. Gleich beim ersten Anlauf zählt der Autopark mit seinen Standorten Innsbruck, Vomp und Telfs-Pfaffenhofen zu den „Besten Autohändlern 2022“. Bravo!

„Es hängt von dir selbst ab, ob du das neue Jahr als Bremse oder als Motor benutzen willst.“ HENRY FORD, WIE IMMER WEISE

V O N E U R O P A I N D I E W E LT Der neue S-CROSS von Suzuki feierte im vergangenen November seine Online-Weltpremiere und verbindet ein mutiges SUV-Design mit hohem Komfortniveau, kraftvollen (Fahr-)Leistungen, moderner Konnektivität und höchster Sicherheit. Auffällig ist vor allem der schwarze Kühlergrill, innen setzt das dreidimensionale Design das mutige Design von außen fort. Das neue Vollhybridsystem, das laut Suzuki intern in den kommenden Jahren massiv ausgebaut werden soll, kombiniert einen neu entwickelten Verbrenner mit einer Motor-Generator-Einheit (MGU) und einem automatisierten Schaltgetriebe (AGS) und ermöglicht sowohl das Fahren im Hybridmodus als auch rein elektrisch mit abgeschaltetem Benzinmotor. Die Preise starten bei 25.000 Euro, erhältlich ist er ab sofort. FOTOS (WENN NICHT ANDERS VERMERKT): HERSTELLER

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SCHÖN STARK Der neue Audi Q4 Sportback e-tron ist vor allem eines: attraktiv. Das liegt nicht nur an der stromlinienförmigen Coupé-Karosserie oder den vier Ringen vorne am Kühlergrill. Der Ingolstädter hat viel mehr zu bieten und ist keineswegs – wie es der Name vermuten ließe – nur ein billiger(er) Abklatsch vom großen Bruder, dem e-tron. Der Q4 Sportback ist seinem Namensvetter sowohl in Sachen Design als auch der Reichweite eine ganze Ladekabellänge voraus. TEXT: FELIX KASSEROLER // FOTOS: TOM BAUSE

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chon im Design wird beim Q4 Sportback e-tron klar, dass er eigenständig sein möchte. Das zeigt sich in erster Linie am Heck. Zwar lassen sich auch hier die e-tron-typischen tropfenartigen LED-Heckleuchten finden, doch insbesondere der Bereich über dem Leuchtband hat es in sich: So hat das SUV aus Ingolstadt nicht nur eine, sondern zwei Heckscheiben, die durch einen schmalen Heckspoiler voneinander getrennt sind. Wirklich verbessern tut das die Sicht nach hinten vom Cockpit aus nicht, aber das ist auch nicht der eigentliche Sinn und Zweck der Geschichte, hat es doch in erster Linie aerodynamische Gründe. Dazu sieht’s aber wirklich schick aus und verleiht dem Kompakt-SUV den Extraschub Sportlichkeit. Ein Blick auf die Front zeigt – sofern man es noch nicht am fehlenden Motorengeräusch während der Fahrt

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Unterm Strich bekommt man ein stylisches Auto mit viel Platz im Innenraum und modernster Technik.

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gemerkt hat –, dass es sich beim neuesten Mitglied der Audi-Familie um ein Auto aus der Sparte Elektro handelt. Ein geschlossener Kühlergrill symbolisiert, dass der Antrieb dahinter vollkommen grün arbeitet, natürlich nur, sofern das auch der Ladestrom ist.

HARDFACTS Angetrieben wird unser Sportback 50 e-tron quattro von einem 220 kW (299 PS) starken Elektromotor mit einem maximalen Drehmoment von 460 Newtonmetern und ist damit die stärkste Variante. In korrekter Elektroautomanier beschleunigt das SUV dementsprechend in knapp über sechs Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde, Schluss ist bei 180 km/h. Und die Namensbezeichnung quattro verrät es bereits: Bei der größten Variante des Q4 Sportback e-tron erfolgt die Kraftübertragung mittels eines Automatikgetriebes auf alle vier Räder. Viel interessanter ist bei einem Elektroauto hingegen die Reichweite und die fällt beim Sportback 50 e-tron quattro überaus großzügig aus. Audi gibt die Reichweite dank der 82-kWh-Batterie mit 491 Kilometern im gemischten Fahrbetrieb an, der durchschnittliche Verbrauch liegt dabei in etwa zwischen 17 und 20 kWh auf 100 Kilometer. Da es sich beim Q4 Sportback um ein SUV handelt, ist die Frage nach dem Kofferraumvolumen angesichts der Tatsache, dass es bei Elektroautos eine große Batterie zu verstauen gibt, nicht weniger interessant. Die Antwort:

Geräumige 535 Liter können hinten verstaut werden. Legt man die Fondreihe um, wächst das Volumen auf satte 1.500 Liter an. Erfreulich ist der doppelte Unterboden, unter dem sich die Ladekabel verstecken. Geräumig ist indes nicht nur der Platz hinter der Fondsreihe, sondern auch diese selbst. Obwohl es sich beim Q4 Sportback um ein Coupé mit einer recht stark abfallenden Dachlinie handelt, kann man auf den serienmäßigen Stoffsitzen angenehm Platz nehmen, selbst mit einer Größe jenseits der 1,80 Meter.

Texte oder Bilder. Hauptanwendungsfall ist die Routenführung, bei der Richtungspfeile direkt in das Blickfeld der Windschutzscheibe projiziert werden. So viel Technik hat ihren Preis: Stolze 3.440 Euro sind für das „MMI Navigation Pro-Paket“, mit dem das Head-up-Display erworben werden kann, zu bezahlen. Ob es das wirklich braucht, hat am Ende jeder für sich zu entscheiden. Fahren lässt er sich auf alle Fälle auch ohne Augmented Reality einwandfrei, im Stadtverkehr ebenso wie mit der gewissen Portion Sportlichkeit auf der Landstraße oder Autobahn. Dank geschwindigkeitsabhängiger progressiver Lenkung hält der Q4 Sportback selbst bei schneller Geschwindigkeit immer die Spur und folgt jedem Lenkbefehl millimetergenau – so soll es sein. Ist der Akku leer, heißt es runter vom Gas, Sitzheizung aus und ab zur Ladesäule. Serienmäßig lädt der Ingolstädter mit bis zu 125 kW und ist dementsprechend nach nur 33 Minuten von zehn auf 80 Prozent, an der herkömmlichen Wallbox mit 11 kW dauert es hingegen acht Stunden. Unterm Strich bekommt man für die stärkste Variante ab 58.760 Euro ein stylisches Auto mit viel Platz im Innenraum und modernster Technik. Lediglich in Bezug auf die Serienausstattung könnte Audi – wie so oft – noch ein wenig mehr drauflegen.

SZENENWECHSEL INS COCKPIT Innen zeigt sich die altbekannte deutsche Ingenieurskunst. Auch wenn die Haptik beispielsweise bei den Armaturen nicht voll und ganz befriedigt, wiegt die Verarbeitung diese kleinen Mängel hervorragend auf. Alles hat seinen Platz und nichts scheint zufällig oder überflüssig zu sein. Die Mittelkonsole besteht beispielsweise nur aus dem Startknopf, den Tasten für die Warnblinkanlage, das ESB und die Parkkamera, einer Slidefläche zur Bedienung des Infotainmentsystems sowie dem Gangshifter. Aus. Ruft man sich vergleichbare Cockpits in Erinnerung, findet man dort zahlreiche Tasten und Bedienflächen, von denen man einige überhaupt nicht benutzt. Eindrucksvoll ist das optionale Augmented-Reality-Head-up-Display, das insbesondere bei der Routenführung einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Zweck ist eine Erweiterung der Realität um

AUDI Q4 SPORTBACK 50 E-TRON Antrieb: Allrad Leistung: 220 kW/299 PS Drehmoment: 460 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 6,2 sec Spitze: 180 km/h Verbrauch: 18,5 kWh/100 km Ladedauer: 22 Min. (0 auf 80 %) Spaßfaktor: 9 von 10 Preis: ab 58.760 Euro


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KANTIGER BURSCHE

Er soll das Elektroauto des Jahres 2021 werden und alle anderen in den Schatten stellen: der neue 5 der IONIQ-eigenen BEV-Marke von Hyundai. TEXT: FELIX KASSEROLER

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er IONIQ 5 besticht vor allem durch die außergewöhnlich schnelle Ladezeit von gerade einmal 17 Minuten von zehn auf 80 Prozent – machbar durch die Möglichkeit, mit 350 kW zu laden. Die Reichweite beträgt laut Herstellerangabe 481 Kilometer, in der Realität kratzt er im Test lediglich an der 400-Kilometer-Marke. Das Exterieur mit seinen Ecken und Kanten präsentiert sich eigen aber überaus lässig. Die Front überzeugt im Besonderen mit der modernen rechteckigen parametrischen Pixel-LED-Beleuchtung, die auch dem Heck sein spannendes Design verleiht. Die Türgriffe sind beim IONIQ 5 keine Haltegriffe im eigentlichen Sinn, sondern perfekt in die Karosserie eingebettet und kommen nur beim Aufschließen zum Vorschein. Das zukunftsträchtige Design ist auch von der Seitenansicht stimmig, besonders in Kombination mit den 19beziehungsweise optional erhältlichen 20-Zoll-Leichtmetallrädern. Die futuristische Linie zieht sich im Inneren insbesondere mit einer innovativen, beweglichen Mittelkonsole, elektrisch verstellbaren Vordersitzen mit Relaxfunktion

sowie einem schlicht und ergreifend cleanen Design fort. Dazu trägt unter anderem der offene Raum zwischen den Fußbereichen des Fahrers und des Beifahrers bei, sodass man bequem auf der jeweils anderen Kabinenseite – beispielsweise aufgrund einer zu engen Parklücke – aussteigen kann. Diese Geräumigkeit findet sich auch im Fondbereich, wo es sich auch als große Person wirklich angenehm Platz nehmen lässt und der sich durch Knöpfe an der Seite des Beifahrersitzes durch Vor- oder Zurückschieben der Fondsitze elektrisch verkleinern oder vergrößern lässt. Gerade bei Elektroautos stellt der Kofferraum oft ein Manko dar. Nicht so beim IONIQ 5. Mit geräumigen 531 Litern bringt der Südkoreaner einiges an Volumen mit sich, bei umgeklappter Fondreihe erhöht es sich sogar auf unfassbare 1.591 Liter. In Sachen Technik steht der Hyundai IONIQ 5 seiner Konkurrenz um nichts nach, besonders in der von uns getesteten TopLine, der besten Ausstattungsvariante, hat der CUV, wie ihn Hyundai selbst betitelt, alles und noch mehr mit an Bord. Beispielsweise die perfekt funktionierende 360-Grad-Übersichtskamera und der Tote-Winkel-Assistent mit Monitor, der ein Kamerabild des toten

HYUNDAI IONI1 5 TOP LINE Antrieb: Heck Leistung: 160 kW/218 PS Drehmoment: 350 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 7,4 sec Spitze: 185 km/h Verbrauch: 16,8 kWh/100 km Ladedauer: 17 Min. (10 auf 80 %) Spaßfaktor: 8 von 10 Preis: ab 56.990 Euro

Winkels auf die rahmenlosen digitalen Armaturen im 12-Zoll-Format überträgt. In derselben Größe findet sich unmittelbar anschließend das Infotainment-mit Navigationssystem, von dem abgesehen von den essenziellsten Funktionen wie Klimaanlage oder Sitzheizung bzw. -belüftung beinahe die gesamte Technik gesteuert werden kann. Im Ergebnis überzeugt der IONIQ 5 nicht nur optisch, sondern auch technisch. Lediglich die Reichweite dürfte, angesichts des Umstandes, dass es sich beim Testmodell um die Long-Range-Variante mit der größeren 72,6-kWh-Batterie und dem 160 kW (218 PS) starken Elektromotor gehandelt hat, gerne etwas länger sein.

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ELEKTRO-STERN Der bis dato kompakteste Elektro-Mercedes ist nicht etwa eine A-Klasse, sondern der elektrifizierte Bruder des beliebten GLA und hört – man ahnt es – auf den schmucken Namen EQA. TEXT: FELIX KASSEROLER // FOTOS: TOM BAUSE

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ährend der GLA sowohl außen als auch innen seiner Bezeichnung als SUV ein bisschen hinterherhinkt, erfüllt der mit 4,47 Meter nur etwas größere EQA alle Anforderungen mit Bravour: Großzügige Kopffreiheit sowohl im Fondbereich als auch in der ersten Reihe, angenehm große Sitze auch für längere Strecken und ein Ladeabteil, das mit 340 Litern angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um ein Elektroauto mit einer 66,5-kWh-Batterie handelt, ausreichend groß ausfällt. Wer etwas mehr Laderaum zur Verfügung haben möchte, kann auf den größeren EQB ausweichen.

LEUCHTEND Angetrieben wird das uns zur Verfügung gestellte Testmodell von einem 140 kW (190 PS) starken Elektromotor, der ein maximales Drehmoment von 375 Newtonmetern ermöglicht. Die Beschleunigung von null auf 100 Kilometer pro Stunde erfolgt binnen 8,9 Sekunden, Ende ist hingegen bereits bei 160. Seine doppelstöckige Lithium-Ionen-Batterie ermöglicht dem EQA 250 eine solide Reichweite von bis zu 426 Kilometern nach Angaben von Mercedes und befindet sich unterhalb der Fahrerkabine im Unterboden. Trotz alledem kommt der Stuttgarter mit einer Bodenfreiheit von über 20 Zentimetern.

Das Außendesign ist geprägt von cleanen, abgerundeten Flächen und insgesamt stimmig. Das Hauptaugenmerk liegt einerseits auf dem Mercedes-EQ-typischen Black-Panel-Grill mit dem auffällig großen, in der Mitte befindlichen Mercedes-Stern, andererseits auf den LED-Leuchten vorne und hinten. Die Front wird geziert von Voll-LED-Tagfahrleuchten, die durch einen horizontalen Lichtleiter verbunden werden. Schön gemacht sind die blauen Farbakzente innerhalb der Scheinwerfer, die dem EQA zusätzlich zu seiner Silhouette etwas mehr Eleganz verleihen. Ein Leuchtenband findet sich auch am Heck, welches die LED-Heck-


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Der EQA 250 ist ein spannendes Auto mit einigen optischen Schmankerln, die selbst eingefleischten Verbrennerliebhabern den Umstieg auf ein Elektromodell erleichtern. leuchten in der Mitte verbindet. Optisch gefällt hierbei besonders, dass das geradlinige Heck nicht durch die Kennzeichentafel durchbrochen wird, wie das beispielsweise beim GLA der Fall ist. Diese wurde beim EQA auf den Stoßdämpfer versetzt. Der Innenraum zeigt sich beim EQA ebenfalls auffallend geordnet, mit einigen roségoldfarbenen Dekoreinlagen, die zum Beispiel die Lüftungsdüsen verzieren. Herzstück des EQA sind wie schon beim GLA das Kombiinstrument sowie das Media-Display. Serienmäßig mit dazu gibt es das hervorragend funktionierende Infotainmentsystem MBUX, ergänzt beispielsweise mit der sogenannten Electric Intelligence. Sinn und Zweck? Wer Angst hat, dass ihm während einer längeren Fahrt der Strom ausgeht, kann sich beruhigt in die geräumigen Sitze zurücklehnen. Das System kalkuliert automatisch den schnellsten Weg zum Ziel, inklusive Darstellung möglicher und notwendiger Ladestopps, und rechnet dabei sogar die aktuellen Wetterverhältnisse in das Geschehen mit ein. Kurz und knapp: Reichweitenangst ade. Ansonsten überzeugt das Interieur mit einer gewohnt feinen Verarbeitung und stylischen Akzenten wie der Slide-Fläche auf der Mittelkonsole.

recht beschaulich beschleunigt, merkt man davon im Alltag nichts – ob von der Ampel weg oder beim kleinen Überholmanöver auf der Landstraße. Keine Spur von Trägheit, ausschließlich ein Hauch von Freiheit. Das ist er also, der Charme von Elektroautos. Daneben fährt sich der EQA auch in Kurvenlagen ausgesprochen angenehm. Gelenkt wird dabei über das Multifunktions-Sportlederlenkrad, hinter dem sich Schaltwippen befinden. Diese sind, anders als bei Verbrennern, nicht etwa zum Gangschalten zu verwenden, sondern für die Einstellung der Rekuperation, also der Energierückgewinnung. Auf höchster Stufe kommt diese dem One-Pedal-Drive – dem Fahren ohne Betätigen des Bremspedals – schon sehr nahe. Einen Vorteil hat das auf jeden Fall: Bremsverschleiß wird es so schnell keinen geben. Reichen die dank Rekuperation zurückgewonnenen Restkilometer nicht mehr aus, kann der EQA 250 auch an der Ladesäule binnen kurzer Zeit wieder Kilometer gewinnen. An der Schnellladesäule ist der Akku mithilfe von bis zu 100 kW innerhalb von gerade einmal 30 Minuten wieder auf 80 Prozent, zuhause dauert es bei 11 kW knapp sechs Stunden. Damit ist der EQA am nächsten Tag selbst bei niedrigem Akkustand garantiert wieder vollgeladen und einsatzbereit.

GEMÜTLICH Das Fahren geht beim EQA 250 gemütlich vonstatten. Obwohl der Stuttgarter auf dem Papier mit den erwähnten 8,9 Sekunden

FAZIT Der EQA 250 ist ein spannendes Auto mit einigen optischen Schmankerln, die selbst

eingefleischten Verbrennerliebhabern den Umstieg auf ein Elektromodell erleichtern. Überzeugend ist auch der Preis. Zu haben ist der EQA 250 mit Frontantrieb und 140kW-Elektromotor bereits ab 49.660 Euro, abzüglich der derzeitigen Elektromobilitätsförderungen ergibt sich bei Erfüllung aller Voraussetzungen ein Preis von 44.660 Euro.

MERCEDES EQA 250 Antrieb: Front Leistung: 140 kW/190 PS Drehmoment: 375 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 8,9 sec Spitze: 160 km/h Verbrauch: 19,0 kWh/100 km Ladedauer: 30 Min. (0 auf 80 %) Spaßfaktor: 7,5 von 10 Preis: ab 49.660 Euro

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UNGEWÖHNLICH (GUT)AUSSEHEND Parametrisch. So werden die zahlreichen doch eher ungewöhnlichen Linien, Flächen, Winkel und Formen von Hyundai selbst bezeichnet, die sich annähernd im gesamten Design des Tucson Prestige Line finden. Eben diese auf den ersten Blick unfairerweise vielfach als unförmig bezeichneten Elemente sind Teil einer völlig neuen Designsprache von Hyundai: Sensuous Sportiness. TEXT: FELIX KASSEROLER // FOTOS: TOM BAUSE


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inn und Zweck der gewagten Herangehensweise von Hyundai ist die Vision edelsteinartiger Oberflächen, adaptiert auf die Karosserie eines beliebten SUV. Auch wenn die Optik manch einem nicht gefallen mag – eines muss man den Entwicklern lassen: An Vorstellungskraft mangelt es ihnen nicht. Ob das Exterieur nun ankommt oder nicht – neuartig ist es allemal. Hervorstechendstes Merkmal ist die Front mit ihrem Kühlergrill, in den nicht weniger eindrucksvoll die LED-Hauptscheinwerfer sowie das LED-Fernlicht eingebettet sind. Besonders charmant ist der Umstand, dass die Lichter, sofern sie ausgeschaltet sind, sprichwörtlich mit dem Kühlergrill eine Einheit bilden und kaum noch zu erkennen sind. Auch die Seitenansicht überzeugt mit ihren parametrischen Juwelen, wie Hyundai die durchaus spannenden Vertiefungen in den Türen bezeichnet. Diese ziehen sich bis an das Heck des SUV und gehen schier nahtlos in die einzigartigen Heckleuchten über, die in der Mitte über ein schmales Leuchtband knapp unter dem erstmals in Glas ausgestalteten Hyundai-Emblem zusammenfinden. Auch im Innenraum hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell einiges getan. Herzstück ist die ausgedehnte Mittelkonsole, an deren oberen Ende das großzügige Navigationsdisplay seinen Platz findet. An dieser Stelle können gleich zwei erfreuliche Auffälligkeiten erwähnt werden: Zum einen findet sich unterhalb der Mittelkonsole eine ausreichend große Ablagefläche für allerhand Gegenstände wie Tablets oder sogar kleinere Laptops; noch besser ist der unterhalb des Navigationsdisplays gelegene Touchbereich für verschiedenerlei hinterlegte essenzielle Features wie Klima, Sitzheizung oder sonstige Einstellungen. Wer nun meint, dass dieser Bereich anlässlich des darüber liegenden Displays seine Sinnhaftigkeit verliert, der irrt, denn gerade während der Fahrt erweisen sich diese Shortcuts als überaus nützlich. Einziges Manko: keine haptische Rückmeldung. Auch sonst ist das Interieur überdurchschnittlich auf Komfort ausgerichtet. Angefangen beim beheizten Leder-Multifunktionslenkrad mit Schaltwippen über die induktive Ladestation in der Mittelkonsole bis hin zur serienmäßigen Sitzheizung – sogar im Fondbereich. Wir hatten das Glück, mit der Prestige-Line die Top-Notch-Variante testen zu dürfen, doch selbst diese ist bereits für 48.990 Euro zu haben.

Der Hyundai Tucson macht wirklich was her. Das zeigt sich nicht zuletzt an den Verkaufszahlen.

HYUNDAI TUCSON PRESTIGE LINE Antrieb: Allrad Leistung: 100 kW/136 PS Drehmoment: 320 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 11,6 sec Spitze: 180 km/h Verbrauch: 6,0 Liter/100 km Spaßfaktor: 8 von 10 Preis: ab 48.990 Euro

INNERE WERTE Unter der Motorhaube des in Tschechien produzierten Tucson versteckten sich beim Testmodell ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor mit 136 PS (100 kW) sowie ein 48-Volt-Mildhbyrid-System – keineswegs die stärkste Variante des SUV, aber absolut ausreichend. Insbesondere in Kombination mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und dem perfekt abgestimmten Allradantrieb fährt sich der Tucson einwandfrei. Sowohl der stockende Stadtverkehr als auch rasante Kurven auf der Landstraße können ihm nichts anhaben. Selbst wenn man sich auf die eigenen Fahrkünste einmal weniger verlassen möchte (was wir natürlich nicht empfehlen!), ist man mit dem Südkoreaner dank allerhand Fahr- und Sicherheitsassistenzsystemen bestens bedient: Vom Autobahnassistenten über den Abstandsregeltempomat bis hin zum Blind-Spot-Col-

lision-Avoidance-Assist ist beim SUV alles serienmäßig mit dabei. Hat der Hyundai Potential? Keine Frage, das hat er. Allein die Tatsache, dass man für faires Geld so viel Auto bekommt, überzeugt. Auch die Fahrdynamik des Tucson passt, nur in Sachen Geschwindigkeit hängt er ein wenig hinterher. 11,6 Sekunden vergehen zwischen Null und 100 Kilometer pro Stunde. Wirklich stören tut das nicht. Der Tucson zeigt seine Qualitäten eben in anderen Bereichen wie dem modernen Design, der üppigen Liste an Serienausstattung sowie seinem üppigen Kofferraumvolumen. Geräumige 546 bis 1.725 Liter sind es, damit macht er seiner Bezeichnung als SUV alle Ehre. Es steht also fest: Der Hyundai Tucson macht wirklich was her. Das zeigt sich nicht zuletzt an den Verkaufszahlen. Allein 2021 wurden in Österreich über 3.000 Stück des gutaussehenden SUV verkauft – Tendenz steigend.

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kultur & trends

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Licht-Akustik-Wunder Gestalterin Nina Mair, deren Designs wir wirklich sehr mögen, hat in einer interdisziplinären Kooperation mit dem deutschen Akustikhersteller Ydol und dem Lichtexperten Bartenbach die Akustikleuchte „Tube Light“ entwickelt. Die ist nicht nur schön, sondern auch ein hochwirksamer Schallabsorber, der für eine gute Raumakustik sorgt. Die zylinderförmige LED-Leuchte kann einzeln oder gruppiert in beliebiger Höhe von der Decke baumeln, ist dimmbar und hat ein eigenes Farbsteuerungssystem integriert. Die Oberfläche des Schallabsorbers ist mit feinstem Merinowollstoff überzogen, der sich nahtlos an die namensgebende Zylinderform anschmiegt. Kürzlich wurde Nina Mair und ihrer Lampe der renommierte LIT Award für herausragende Beleuchtungskonzepte verliehen. Eine international besetzte Jury von erfahrenen Vertreter*innen aus der Branche beurteilt dabei alle Faktoren einer guten Gestaltung wie Innovation, Ästhetik, Funktionalität, Ergonomie, Nachhaltigkei oder emotionale Wirkung. Nina Mairs Entwurf konnte besonders durch die Vereinigung der beiden Funktionen Licht und Akustik überzeugen.


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© VISUALISIERUNG: HENNING LARSEN ARCHITECTS

BUCHTIPP

BE MORE DOG

Alison Davies Gerstenberg Verlag 144 Seiten, EUR 12,–

NORDISCH ANGEHAUCHT Dass die Skandinavier was von Design verstehen, wissen wir nicht erst seit Bang & Olufsen (siehe unten), auch der Entwurf für den neuen MCI-Campus in Innsbruck stammt von einem Dänen: Hennig Larsen nämlich. Er entschied den mehrstufigen europäischen Architekturwettbewerb für sich und konnte sich aus 20 renommierten Büros durchsetzen. Der Entwurf sieht einen Baukörper mit einem kompakten, quadratischen Fußabdruck vor. Durch die städtebauliche Positionierung wird ein durchlässiges Raumgefüge von den Stadtteilen Saggen und Dreiheiligen in Richtung des denkmalgeschützten Hofgartens und der Innsbrucker Altstadt gebildet, wodurch die Sichtbarkeit des Zugangs aus dem umliegenden Stadtraum gestärkt werden soll. Baubeginn ist 2023, die Fertigstellung ist für 2025 geplant.

TIPP DER AUSGABE:

Einfach mal machen. Könnte ja gut werden!

Nachdem uns Alison Davies schon auf sehr charmante Weise gezeigt hat, was wir von Katzen, Bäumen oder Bienen lernen können, sind nun auch die Hunde dran, die auf ganz wunderbare Weise die drei Hs „Herz, Hirn und Hingabe“ in sich vereinen. So ist „Be more dog“ ein entzückender Ratgeber, der das Dasein der Hunde als Leitfaden für unser Leben beschreibt. Und das mit einem Augenzwinkern, das uns zeigt, dass man den Alltag manchmal mit Humor nehmen muss. Jeder Struppi weiß, dass das Leben einen bunten Haufen verlockender Herrlichkeiten bietet. Man muss nur hineinspringen – am besten mit Anlauf.

SUPER SOUND Die dänische Lifestyle-Premiummarke Bang & Olufsen schafft es wie kaum eine andere, akustische Qualität derart formschön zu verpacken, dass die Geräte selbst dann was hermachen, wenn sie einfach nur so dastehen. Das ist auch beim Bluetooth-Lautsprecher Beolit 20 erwartungsgemäß gelungen. Als Weiterentwicklung eines Lautsprechers mit Kultstatus ist der Beolit 20 eine moderne Hommage an die klassische Beolit-Silhouette mit einer Reihe von Designaktualisierungen, einschließlich eines neuen Gitters und eines vereinfachten, intuitiven Satzes an Funktionstasten. Der kraftvolle Klang begleitet einen gern überall hin mit, transportieren lässt sich das Ding mittels Leder-Trageriemen. Bei normaler Lautstärke sind Wiedergabezeiten von bis zu acht Stunden drin. Um 500 Euro gesehen bei IQ TEC in Rum. www.iq-tec.at

Petit*ion: SMS mit

Hörst du den Hilfeschrei?

HILF55E4 an 54

meeresschutz.greenpeace.at

*Mit Ihrer SMS erklären Sie sich einverstanden, dass Greenpeace Ihre Telefonnummer zum Zweck der Kampagnen-kommunikation erheben, speichern & verarbeiten darf. Diese Einwilligung kann jederzeit per Nachricht an service@greenpeace.at oder Greenpeace, Wiedner Hauptstraße 120-124, 1050 Wien widerrufen werden. SMSPreis laut Tarif, keine Zusatzkosten. Greenpeace dankt für die kostenlose Schaltung dieses Inserats.

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Rezepttipp

DESSERTS UNPLUGGED

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Kay Baumgardt ist Chefpatissier des mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants Incantare im Gasthaus zur Fernsicht im schweizerischen Heiden und Gault&Millaus „Patissier des Jahres 2020“. In diesem Buch zeigt er 50 seiner Meisterwerke, die zugegebenermaßen teilsweise echt ambitioniert sind. Da braucht‘s Liebe zum Nachtisch und manchmal richtig Zeit. Doch es lohnt sich, sich durchzuschmökern und sich von den spannenden Aromenkombis inspirieren zu lassen.

© ADRIAN EHRBAR, AT VERLAG / WWW.AT-VERLAG.CH

Kay Baumgardt at Verlag 240 Seiten, EUR 40,–

CHEESECAKE ADE

MÜRBTEIGBODEN

120 g Butter | 100 g feiner Rohrzucker | 2 Eier (Größe M) | 250 g Mehl | 1 unbehandelte Zitrone, Abrieb Die Butter und den Rohrzucker in der Küchenmaschine oder mit dem Handrührgerät verrühren. Das Ei dazugeben und am Schluss das Mehl kurz unterkneten. Den Teig portionsweise in Frischhaltefolie einschlagen und 30 Minuten kalt stellen. Dann etwa 4 mm dick ausrollen und in ein etwas tieferes, mit Backpapier ausgelegtes Blech oder eine Auflaufform (15 x 30 cm) geben. Wieder kalt stellen. CHEESECAKEMASSE

75 g Sauerrahm | 60 g Rohrzucker | 3 Eier (Größe M) | 3 TL Vanillecremepulver | 1 Prise Salz | je ½ unbehandelte Zitrone und Orange, Abrieb Alle Zutaten gut miteinander verrühren und auf dem Mürbteig verteilen. Im Backofen bei 95 Grad etwa 1 Stunde garen.

Aus dem Ofen nehmen und 2 Stunden kalt stellen. Dann aus dem Kuchen vorsichtig Kreise mit einem Durchmesser von 5 cm ausstechen. HIMBEERGEL

250 ml Himbeersaft | 10 g feiner Rohrzucker | 1 Spritzer Limettensaft | 1 Prise Salz | 3 g Agar-Agar Alle Zutaten miteinander vermengen, in einem Topf aufkochen und 1 Minute köcheln lassen. Auskühlen lassen und mit dem Stabmixer zu einem glatten Gel mixen. ZUM ANRICHTEN

einige frische Himbeeren Die Cheesecakes mit dem Himbeergel und frischen Himbeeren dekorieren.


TIROLER EDLE

EINE FRAGE DES GUTEN GESCHMACKS Was schmeckt, mag subjektiv sein. Bei den TIROLER EDLE SCHOKOLADEN liegt der exquisite Geschmack allerdings auch objektiv an den qualitätsvollen Zutaten, an der Art und Weise, wie die Rezepturen entstehen, und an der Überzeugung, dass das Gute nahe liegt –in Tirol nämlich.

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arte Edelbitter trifft auf Preiselbeere, Walnüsse betten sich auf Milchschokolade. Es muss einfach kompromisslos passen, innen drin wie oben drauf. Heimische Früchtchen und knackige Nüsschen gehen mit besten Kakaobohnen eine perfekte Verbindung ein. Und bei den Couverturen – hergestellt vom Schweizer Traditionsunternehmen Felchlin und vom italienischen Meisterproduzenten Domori – darf nie und nimmer die Milch vom Tiroler Grauvieh fehlen.

TIROL SCHMECKT … … nach Preiselbeeren, nach Stanzer Zwetschke, nach Bergmarille, nach Almrosenhonig, nach Zirbe und Nougat. In der TIROL EDITION vereinen sich einzigartige Aromen zu einem unverwechselbaren Quintett, das Tirol auch optisch zeitgemäß in Szene setzt.

Füllung - von Bergminze bis Tiroler Single Malt Whisky, von Schüttelbrot bis Galtürer Enzian, von Grauviehbutter bis Kastanie. Im Holzkistchen oder in der Kartonschachtel sind die Tafeln geschätzte Geschenke für jeden Anlass zu jeder Zeit. Edle Schokolade von edlem Grauvieh für edle Genießer*innen! PR

GESCHENKE IN HÜLLE MIT FÜLLE Das Sortiment der TIROLER EDLE umfasst rund 50 Sorten: Edelbitter und Milchschokolade, ganz pur oder mit fein abgeschmeckter

INFOS Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.tiroleredle.at


© STADTARCHIV/STADTMUSEUM INNSBRUCK

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S TA D T G E S C H I C H T E ( N )

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Die Innsbrucker Stadtgeschichte umfasst mehr als die touristischen Hotspots. Begibt man sich auf Entdeckungsreise in die Stadtteile fernab vom Goldenen Dachl, kann man ungewöhnliche Geschichten hören. So auch in der Reichenau, wo ab Mitte der 1930er-Jahre die Bocksiedlung entstand und den Stadtteil prägte. Auch wenn heute keine Spuren mehr von der Siedlung zu sehen sind, erinnern sich noch viele Menschen an die „Bockala“ und ihre Erzählungen über das Leben am Rande der Stadt, über Ausgrenzung und Freiheit, Zusammenhalt und Abenteuer. Die aktuelle Ausstellung „Legendär: Die Bocksiedlung“ im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck ist in einer Kooperation der Universität Innsbruck, Fach Europäische Ethnologie, mit Heidi Schleich, dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck und dem Amt für Grünanlagen entstanden und zeigt das Leben in der Siedlung.

„In Wirklichkeit spiegelt die Kunst den Beschauer, nicht das Leben.“ OSCAR WILDE

VERNETZT Tirol verfügt mit rund 170 Museen über eine bunte Kulturlandschaft. Um sich innerhalb dieser besser zu vernetzen, wurde Ende letzten Jahres der Verein Tiroler Museen TIMUS gegründet. „Ein Großteil der Museen wird ehrenamtlich betrieben und befindet sich in ländlichen Regionen. Die Museen verfügen über eindrucksvolle Sammlungen und die vielfältigen Aufgaben werden oftmals durch kleine Teams erledigt – das kann sehr herausfordernd sein“, so die Obfrau des Vereins und Vorsitzende des Vorstandes Christine Weirather, Leiterin des Stadtmuseums Hall. Der Verein soll helfen, den Außenauftritt vor allem kleinerer Museen zu stärken. Aktuell konnten rund 30 Museen als Mitglieder gewonnen werden.

MYTHEN, POESIE, WEISHEIT UND EINZIGARTIGE KLÄNGE Noch ist zwar Winter, aber träumen darf man ja schon, von der warmen Jahreszeit. Die wird in Hall auch heuer wieder künstlerisch begangen. Mit dem BurgSommer in der Burg Hasegg nämlich. Das Highlight der 2022er-Auflage von „Molden & Hawara“ wird ein einzigartiges neues Projekt sein, das Ernst Molden mit den Künstler*innen Ursula Strauss, Herbert Pixner, Manuel Randi und Maria Petrova auf besondere Weise vereint: Im Programm „Oame Söö“ (Arme Seele) werden Sagen und Mythen aus der Heimat der Musiker*innen in einem zeitgemäßen, poetischen Gewand vertont. Das Album dazu erscheint im Frühjahr, die einzigen Liveaufführungen 2022 inklusive der Premiere finden beim Haller BurgSommer statt. Schon zum dritten Mal in Folge beehren Ernst Molden und seine Hawara heuer die Veranstaltung. Eintönig wird das jedoch nicht, denn der Meister des Verknüpfens von Worten, virtuose Gitarrist und Vorreiter des „neuen Wienerliedes“ schafft es immer wieder, ein Programm auf die Beine zu stellen, das zwar scheinbar Wien im Fokus hat, aber mit seinen Figuren, Sehnsüchten und Assoziationen das ganze Land bespielt. Unser Tipp: Den Juni kulturell schon mal im Auge behalten, stattfinden soll der BurgSommer vom 22. bis 25 Juni. Hoffen wir auf eine entspannte Veranstaltung und gutes Wetter!


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Gondelfahren im Winter? Aber sicher doch!

WINTER IN DER SERENISSIMA BÄUME, BERGE, SONNE & SCHNEE Das Forsthofgut in Leogang wurzelt auf einer bereits 400-jährigen Geschichte und Familientradition und wurde im Laufe der Jahre liebevoll und mit viel Gespür zum Detail zu einem Rückzugsort für Ruhesuchende und Genießer um- und ausgebaut.

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as Naturhotel Forsthofgut ist der ideale Ausgangspunkt, um die Leoganger Bergwelt zu erkunden – egal ob im Winter auf Skiern oder im Sommer zu Fuß und mit dem Rad. Das Hotel liegt direkt an der Piste, im Sommer locken der Badesee und der Garten hinaus in die Natur. Erholungsuchende finden diese im WaldSpa, das auf 5.700 Quadratmetern mit Blick auf das hauseigene Wildgehege am Waldesrand nicht nur den Körper zur Ruhe kommen lässt. Die Küche setzt voll auf Regionalität, Nachhaltigkeit und fairen Handel. Gekauft wird bei biologisch und ökologisch orientierten Landwirten. Wählt man das „R50-Heimatliebe-Menü“ garantiert der Küchenchef, dass alle Zutaten aus maximal 50 Kilometern Entfernung kommen. Wer trotzdem gerne über den regionalen Rand blicken möchte, ist im Mizumi – dem japanischen Seerestaurant – bestens aufgehoben, in dessen offener Showküche japanische und österreichische Köstlichkeiten kombiniert werden. WWW.FORSTHOFGUT.AT

Venedig – die untrennbar mit dem Wasser verbundene Stadt hat gerade in den Wintermonaten einen ganz besonderen Reiz. Abseits der Hauptsaison ist die derzeit ohnehin weniger besuchte Lagunenstadt magischer denn je. 95

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iele kennen Venedig nur in den Sommermonaten. Überschwemmt mit Touristen, heiß und eng. In der kalten Jahreszeit dagegen findet man sich auf halbleeren Plätzen wieder, schlendert ohne Stau über Brücken und durch enge Gassen. Sogar bei den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gibt es kaum Schlangen. Es kann kühl werden, doch die Temperaturen sinken in der Regel nicht unter null Grad. Trotzdem empfiehlt es sich, an warmer Kleidung nicht zu sparen – eine kühle Meeresbrise hat schon manchem Urlauber zu schaffen gemacht. Der „Palazzo Veneziano” ist ein guter Ausgangspunkt, um Venedig zu Fuß zu entdecken. Vis-à-vis von Giudecca und direkt am Wasser gelegen bietet das neue ****S-Hotel neben einem modernen Ambiente zweistöckige Suiten, die gerade für Familien ideal sind. Von der nahen Haltestelle „Zattere“ aus fährt man mit dem Vaporetto ganz unkompliziert rund um die Stadt oder zu den wichtigsten Knotenpunkten für eine gemütliche Weiterfahrt.

UNSERE VENEDIG -TIPPS

Schlafen: Palazzo Veneziano ****S, www.palazzoveneziano.com Essen: • Wildner: ideal für ein Mittagessen in der Sonne unweit des Dogenpalasts. www.hotelwildner.com • Trattoria Vittoria da Aldo: klassische Gerichte, freundliches Personal. www.trattoriavittoria.it • Trattoria Anzolo Raffaele: spektakuläre Weinkarte, perfektes venezianisches Essen auf hohem Niveau. www.trattoriaanzoloraffaele.it • Al Vecio Maragon: eng, gemütlich, authentisch. Facebook @alveciomaragon, alveciomarangon1210@gmail.com


© ANDREAS FRIEDLE

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„LUSTVOLL AUF EINE NEUE REISE GEHEN“ Die künftige Intendantin des Tiroler Landestheaters, Irene Girkinger, im Gespräch über ihre Pläne für Innsbruck und die Leidenschaft fürs Theater. INTERVIEW: IVONA JELČIĆ

Braucht es im Theater in Krisenzeiten mehr Komödien oder eher Stoffe, die die Krisen reflektieren? IRENE GIRKINGER: Es braucht beides. Das sage ich aus tiefer Überzeugung, weil das Theater prinzipiell beides braucht. Abgesehen davon haben die besten Komödien ja auch einen gesellschaftskritischen Hintergrund. Ich glaube, dass wir in Zeiten wie diesen diese Leichtigkeit wieder zurückkriegen müssen, die das Leben auch braucht. Und dazu kann das Theater einen großen Beitrag leisten, weil es uns unmittelbar berührt, weil wir dort gemeinsam lachen, uns austauschen. Gleichzeitig braucht es gerade in Zeiten wie diesen aber natürlich auch die kritischen, zeitgenössischen Stücke, in denen es um eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft geht. Es ist eine Tradition des Theaters, dass es Dinge verhandelt, die in einer Gesellschaft passieren. Und es gibt aktuell viel, was man sich anschauen muss: Die Spaltung der Gesellschaft, die Wertediskussion, die wieder ganz neue Dimensionen gekriegt hat. Ich denke, dass die gesellschaftspolitische Dimension von Theater wieder stark gefragt ist und man sich dieser auch aussetzen muss. ECO.NOVA:

Sie haben bereits angekündigt, verstärkt Themen wie Migration, Diversität oder ökosozialer Wandel behandeln zu wollen. Soll das Tiroler Landestheater wieder mehr zur „moralischen Anstalt“ werden, von der Friedrich Schiller gesprochen hat? Ja, vielleicht. Ich sehe diese „moralische Anstalt“ jedenfalls nicht negativ. Ich sehe auch Universitäten und andere öffentliche Institutionen, auch die Medien als moralische Anstalten. Wobei nicht wir im Theater diejenigen sind, die entscheiden, was gut und was schlecht ist, sondern diejenigen sind, die wieder mehr auf die Vielseitigkeit des Denkens, die Diversität in der Gesellschaft, auf

„Ich glaube, dass wir in Zeiten wie diesen diese Leichtigkeit wieder zurückkriegen müssen, die das Leben auch braucht.“ IRENE GIRKINGER

verschiedene Formen des Zusammenlebens, auf Utopien hinweisen und sie unterstützen müssen. Abonnentenzahlen sind die harte Währung, wenn es darum geht, den Erfolg zu messen. Wo zu sehr auf Besucherzahlen geschielt wird, kann es aber schnell gefällig werden. Sehen Sie es als Herausforderung, Neues zu wagen, ohne das Publikum zu vergraulen? Girkinger: Ich sehe das eigentlich nicht als Widerspruch. Ich sehe das Abonnent*innenpublikum als eines, das per se total interessiert ist und von sich aus gerne ins Theater geht. Und ich glaube nicht, dass dieses Publikum immer das Gleiche sehen will. Dann würde es sich ja nicht jedes Jahr ein Abo kaufen. Es geht bei einem Neuanfang nicht darum, das Publikum vor den Kopf zu stoßen, sondern lustvoll auf eine neue Reise mitzunehmen. Ich mache Theater nicht für mich, sondern fürs Publikum, und man muss sich daher aufeinander einlassen. Manche Veränderungen in Form und Ästhetik wird es sicher geben, denn es geht auch darum, ein neues Publikum zu finden. Es ist ganz wichtig, dass wir verstärkt junges Publikum ins Theater bringen. Innsbruck hat auch das große Glück, so viele Student*innen zu haben.

Allerdings rennen die dem Landestheater bislang nicht gerade die Türen ein. Da müssen wir uns sicher etwas überlegen. Vielleicht mit neuen Angeboten, einem attraktiveren Zugang zu Karten, weil ein Theaterbesuch für junge Menschen natürlich auch eine finanzielle Frage ist. Und in der Vermittlung. Wir sind als Theater noch viel zu sehr hinter verschlossenen Türen, wir müssen mehr raus, mehr zu den Menschen hin, auch mit kleineren Aktionen, sodass man aufmerksam macht auf das, was auf der Bühne alles passiert. Sie wollen spartenübergreifende Projekte forcieren. Das klingt spannend, aber wie soll es in einem Repertoirehaus wie dem Landestheater konkret funktionieren? Fragen Sie mich in einem Jahr noch einmal. Aber im Ernst: Ich glaube, da muss sich einfach etwas verändern. Logischerweise hat jedes Dreispartenhaus das Problem, dass der Repertoire-Spielplan gewisse Gesetze, gewisse Takte vorgibt. Aber wenn man in andere Länder wie Deutschland oder auch die Benelux-Länder schaut und generell die Entwicklung des Theaters verfolgt, sieht man, dass sich da in den letzten zwanzig, dreißig Jahren immer mehr vermischt hat. Gerade das Musiktheater macht in dieser Hinsicht einen Wandel durch. Da ist auch mehr Vielseitigkeit innerhalb der Ensembles eines Mehrspartenhauses hinzukriegen. Ich meine mit spartenübergreifend aber nicht, dass man – vereinfacht gesagt – da oder dort ein paar Tänzer*innen oder Schauspieler*innen zu Sänger*innen „dazustellt“. Sondern ich habe das ehrgeizige Ziel, dass man anfängt, einen Spielplan gemeinsam zu denken, wodurch sich automatisch Verwebungen und dramaturgische Querverweise ergeben und die Grenzen aufgeweicht werden. Es sollen außerdem auch andere Disziplinen wie Videokunst dazukommen. Und es sollen Pro-

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„Es war mir relativ früh klar, dass die Textebene und die Ebene des Ermöglichens von kreativen Prozessen diejenigen sind, die mich interessieren.“ IRENE GIRKINGER

jekte stattfinden, bei denen man nicht mehr genau sagen kann: Gehört das jetzt zum Musiktheater, zum Schauspiel oder zum Tanz? Es gehört zu unserem Theater! Die Sparte Tanz ist im Tiroler Landestheater ein Quotenbringer, steht aber nicht unbedingt für große künstlerische Experimente. Wird es hier eine personelle Änderung geben? Es ist auf jeden Fall so, dass da ein sehr erfolgreicher Weg beschritten wurde und dass der jetzige Direktor der Tanzcompany (Enrique Gasa Valga, Anm.) eine tolle Arbeit macht. Jede Intendanz bringt natürlich Veränderungen mit sich, aber wie die genau aussehen werden, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten.

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Was hat bei Ihnen die Liebe zum Theater entfacht? Die Literatur. Und das Theater Phönix in Linz, dort habe ich in meiner Jugend das erste Mal erlebt, was Theater eigentlich sein kann. Es gab dort Uraufführungen wie „H. J.“ von Thomas Baum, ein Stück, in dem es um den Aufstieg von Jörg Haider und den Populismus ging, der zu der Zeit so richtig um sich gegriffen hat und mit dem wir als Jugendliche konfrontiert waren. Oder „Kalte Hände“, wo es um Missbrauch in der Familie ging. Und gleichzeitig gab es ganz tolle Klassiker-Inszenierungen. Das hat mich fasziniert und ich dachte mir, ich muss unbedingt ins Theater. Aber hinter die Bühne und nicht auf die Bühne! Tatsächlich hat es Sie nie auf die Bühne und auch nicht auf den Regiestuhl gezogen. Warum nicht? Weil ich als Schauspielerin absolut talentfrei bin. Ich habe höchste Achtung vor dieser Kunstform und auch vor der Regie, aber meine Begabungen liegen woanders. Ich glaube ich kann gut beobachten, Texte analysieren, habe ein Gefühl dafür, wer sie umsetzen könnte, mit wem man welchen Weg innerhalb der künstlerischen Vision, die ich für ein Haus habe, geht. Das war mir relativ früh klar, dass diese Textebene und die Ebene des Ermöglichens von kreativen Prozessen diejenigen sind, die mich interessieren.

Welche österreichischen Dramatikerinnen und Dramatiker der Gegenwart halten Sie für spannend? Unweigerlich natürlich Elfriede Jelinek. Jeder Satz, den sie schreibt, hat hundert Wahrheiten in sich. Und sie ist auch diejenige, die unmittelbar und fast manisch auf alles reagiert, was in der Gesellschaft passiert. Es gibt aber auch sehr viele junge Autorinnen und Autoren, die spannend sind, die sich wieder sehr mit Stilistik und Rhythmik beschäftigen, die die Genres vermischen wie Miroslava Svolikova, die jetzt sehr viel am Schauspielhaus Wien gespielt worden ist. Dann gibt es Ewald Palmetshofer, der für Österreich total wichtig ist und war in den letzten zehn Jahren, Thomas Arzt, der das Genre des neuen Volksstücks wiederbelebt hat, oder Martin Plattner, auch ein ganz toller österreichischer Autor, der das Libretto für Manuela Kerers Oper „Toteis“ geschrieben hat, die im März bei uns in Bozen uraufgeführt wird. Sie sind seit 2012 Intendantin der Vereinigten Bühnen Bozen und wechseln jetzt auf die andere Seite des Brenners. Seltsamerweise wirkt die Brennergrenze gerade in kultureller Hinsicht nicht besonders durchlässig, man hat nicht das Gefühl, dass da viel Austausch passiert. Sehen Sie das anders? Ich teile dieses Gefühl, aber eher von Seiten des Publikums. Der wirkliche kulturelle Austausch zwischen Südtirol und Tirol ist noch ausbaufähig. Das ist auch ein großer Punkt, den ich mir in Zukunft anschauen möchte. Innerhalb der Szene funktioniert der Austausch zum Teil bereits sehr gut, aber von Seiten des Publikums ist noch eine eher geringere Wahrnehmung da. Mir schwebt vor, die Euregio auch kulturell mehr zu beleben, Kooperationen mit anderen Kulturinstitutionen innerhalb dieses Kulturraumes hinzubekommen. Innsbruck muss da noch ein stärkeres Zentrum werden, von dem etwas ausgeht. Und ich sehe mich da als Katalysator. Die (Über)regionalität zu stärken ist ein sehr wichtiger Punkt für mich. Da geht es um die Euregio, aber auch darum, zu schauen, was auf dem Kontinent passiert. Das ist auch die Idee hinter dem, was ich „europäisches Landestheater“ genannt habe.

Zu dieser Idee gehört es auch, internationale Regisseure ans Haus zu holen? Genau. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, aber ich bin gut vernetzt und habe das auch im kleinen Bozen geschafft. Es gab eine Zusammenarbeit mit dem Toneelhuis in Antwerpen, Jan Lauwers war mit einer Produktion im Rahmen des Transart Festivals eingeladen, wir hatten den kroatischen Regisseur Rene Medvešek da. Innsbruck liegt im Herzen von Europa und verträgt schon noch mehr Internationalität. Das Landestheater wird deshalb kein internationales Koproduktionshaus und auch nicht das Festival von Edinburgh, aber es gibt etwas dazwischen. Was hat Bozen, was Innsbruck nicht hat – und umgekehrt? Bozen: Wärme ‚Wärme, Wärme. Und dieses italienische Lebensgefühl, das schon sehr präsent ist. Und in Innsbruck gibt es – einmal abseits vom privaten Lebensgefühl – sicher eine größere Kontextualisierung, die mich sehr reizt. Innsbruck liegt einfach toll, es gibt diese Ost-West- und die Nord-Süd-Achse, die es leichter machen, theatermäßig auch anderswo anzudocken und in einen größeren Kontext einzutreten. Darauf freue ich mich schon sehr.

ZUR PERSON

Irene Girkinger, geboren 1976 in Linz, übernimmt mit der Spielzeit 2023/24 die Intendanz im Tiroler Landestheater. Die studierte Romanistin und Kulturmanagerin ist seit 2012 Intendantin der Vereinigten Bühnen Bozen, wo sie die künstlerische und kaufmännische Gesamtleitung des Theaters verantwortet. Von 2007 bis 2011 arbeitete sie als Dramaturgin am Volkstheater Wien, davor war sie am Theater Phönix Linz, Schauspielhaus Salzburg sowie bei den Salzburger Festspielen tätig. Girkinger ist mit dem gebürtigen Innsbrucker Alexander Kratzer verheiratet, der als künstlerischer Leiter des Theaters an der Effingerstrasse in Bern tätig ist und unter der Intendanz von Brigitte Fassbaender Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater war.


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Eine Ode an die Kultur „Kultur ist die ganze Lebensweise eines Volkes, alles, was das Leben lebenswert macht“, sagte dereinst der Lyriker T. S. Eliot. In der Tat sollten Kunst und Kultur in einer Gesellschaft keine Randerscheinung sein, sondern verbindendes und kreatives Element. Die Pandemie hat es den Kunst- und Kulturschaffenden des Landes lange schwer gemacht, umso schöner, dass die Tiroler Landesmuseen im vergangenen Jahr wieder einen regen Besucherzuwachs verzeichnen konnten.

Maria Lassnig, Augensprache (Eye Language), 2000, Bleistift, Kreide / Papier

© MARIA LASSNIG STIFTUNG / BILDRECHT, WIEN 2022, FOTO: ROLAND KRAUSS

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unst und Kultur kommen in Österreich im Allgemeinen und in Tirol im Speziellen in den unterschiedlichsten Ausprägungen daher. Etablierte Hochkultur trifft auf eine vielschichtige unabhängige, freie Kreativszene. Allein die fünf Häuser der Tiroler Landesmuseen (Ferdinandeum, Tiroler Volkskunstmuseum, Hofkirche, Zeughaus, Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum) bieten ein schönes Potpourri an Kunst, Kultur, Geschichte und Natur in Tirol – und darüber hinaus. Und das wird durchaus geschätzt. Im Vergleich zum Coronajahr 2020 verzeichneten

die Tiroler Landesmuseen im vergangenen Jahr ein Besucherplus von insgesamt 65 Prozent. Die Steigerung ist zum einen auf die zusätzlichen Projekte, die Sonderausstellung „Artenvielfalt Tirols“ im Alpenzoo und das Pop-up-Museum „Schaufenster ins Museum“ in der Innsbrucker Altstadt zurückzuführen. Zum anderen entwickelten sich auch die regulären Standorte wieder mehr zu Besuchermagneten. Zum Jahresanfang wurde das heurige Ausstellungsprogramm vorgestellt. Im Laufe des Jahres laden Ferdinandeum, Volkskunstmuseum, Tirol Panorama

mit Kaiserjägermuseum und Zeughaus zu insgesamt 21 neuen Präsentationen, darunter neun Sonderausstellungen, vier Interventionen und acht Sammlungspräsentationen. Neben den Historischen und Kunsthistorischen Sammlungen beteiligen sich die Naturwissenschaften, die Archäologie, das Volksliedarchiv, die Restaurierung und die Kulturvermittlung am Angebot. Gemeinsam sorgen sie für eine tolle thematische Vielfalt, ergänzt wird das Ausstellungsangebot durch hochkarätige Konzertveranstaltungen der Musiksammlung und ausgewählte Events.


© TLM

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Thomas Feuerstein, Herz, Körperloses Organ II, 2005, Tiroler Landesmuseen, Moderne Sammlung

Ein Blatt aus dem „Rossbach-Album“, darstellend den Bergisel in der Mitte des 19. Jahrhunderts

KUNST UND RESTAURIERUNG

gen und manieristische Grafiken aus den Niederlanden vor, die Moderne Sammlung präsentiert Werke Martin Kippenbergers und unternimmt zusammen mit der Archäologischen Sammlung eine „Reise zu einem anderen Kontinent“.

Das Ferdinandeum legt im neuen Ausstellungsjahr einen Schwerpunkt auf das künstlerische Schaffen Maria Lassnigs und präsentiert im Rahmen einer ihr gewidmeten Sonderausstellung bisher noch nie gezeigte Grafiken. Die Ausstellung wird in Kooperation mit der Maria Lassnig Stiftung Wien realisiert. Dank der einstigen Teilnahme der Künstlerin am Grafikwettbewerb Innsbruck finden sich auch viele ihrer Werke im Bestand der Tiroler Landesmuseen. Daneben widmet sich das Ferdinandeum dem bahnbrechenden Ausstellungsdesign von René D’Harnoncourt im New Yorker Museum of Modern Art und stellt mit „Arttirol“ die Kunstankäufe des Landes Tirol der vergangenen fünf Jahre vor. Die Ausstellung „Im Detail“ lässt die Besucher hinter die Kulissen des Museumsbetriebs blicken, indem sie die Konservierung und Restaurierung von Kunstwerken greifbar macht. Anhand vielfältiger Praxisbeispiele werden die Facetten des Restauratorenberufs greifbar gemacht. Gleichzeitig lassen sich dabei Parallelen zur Geschichte der Tiroler Landesmuseen und dem geplanten Sanierungsprojekt des Ferdinandeums ziehen. Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums soll das Haus 2023 um- und ausgebaut werden. Das Siegerprojekt dafür steht seit Sommer 2021 fest und stammt vom renommierten Feldkircher Architekturbüro marte.marte. Der ursprünglich für das heurige Frühjahr anvisierte Start für den Umbau wurde indes nach hinten verschoben. Zu den Sonderausstellungen kommen schließlich acht Sammlungspräsentationen. Die Grafische Sammlung stellt unter anderem Reproduktionen nach Peter Paul Rubens, unbekannte italienische Zeichnun-

KONZERTHIGHLIGHTS Die Musiksammlung der Tiroler Landesmuseen wartet unter der Marke „musikmuseum“ 2022 wieder mit einem umfassenden Programm an hochkarätigen Konzerterlebnissen auf und bringt exquisite heimische und internationale Künstler auf die Bühne. Erweitert wird das Repertoire um die neue Konzertreihe „Innsbrucker Hofmusik“, die die Hofkirche als herausragenden Ort für Musik würdigt, indem sie in Zusammenarbeit mit internationalen Spezialisten vielfältige Veranstaltungen rund um Alte Musik präsentiert. Neben dem abwechslungsreichen Ausstellungs- und Konzertangebot bekommt eine Reihe an Großveranstaltungen und Events wieder einen Platz im aktuellen Kulturkalender. Zu den Fixstartern zählen neben dem Tag der offenen Tür und der „ORF-Langen Nacht der Museen“ das Bergiselfest im Tirol Panorama und „Rundum Weihnacht“ im Zeughaus. In den Sommermonaten geht der „Kultursommer im Zeughaus“ unter freiem Himmel in die nächste Runde, während spezielle Sommerangebote in allen Häusern der Tiroler Landesmuseen für extra sommerlichen Kulturgenuss sorgen. Zwischendurch ist das Kulturjahr gespickt mit „Freien Sonntagen im Museum“. Auf Initiative von Landesrätin Beate Palfrader gewährt das Angebot seit letztem Jahr an ausgewählten Sonntagen ganztägig allen Besuchern freien Eintritt in je ein Museum der Tiroler Landesmuseen.

AUSBLICK 2022: VOLKSKUNSTMUSEUM

• „Ostern feiern – hier und anderswo“: Sonderpräsentation von Osterbräuchen rund um den Globus 4. März bis 24. April 2022 • „Land – Sorten – Vielfalt“: Sonderausstellung zum 100. Geburtstag der Genbank Tirol 29. April bis 30. Oktober 2022 • „Wir Tiroler sind lustig!“: Ausstellung zur Rolle der Volksmusik für den Tourismus 10. Juni bis 27. November 2022 • „As en Bersntol“: Intervention mit Wissenswertem über das mehrsprachige Fersental im Trentino 12. August bis 20. November 2022

TIROL PANORAMA MIT KAISERJÄGERMUSEUM

• „Für Gott, Kaiser und Vaterland“: Sonderausstellung zur Propaganda im Ersten Weltkrieg noch bis 24. April 2022 • „Denkmal weiter“: interaktive Stationen für junge Leute zur Auseinandersetzung mit der Denkmal- und Erinnerungskultur 13. Mai bis 2. Oktober 2022 • „Freiherr von Rossbach“: Sonderausstellung zur Zeit des Biedermeier am Bergisel 14. Oktober 2022 bis 8. Mai 2023

ZEUGHAUS

• „… uuund Schnitt!“: Sonderausstellung zu Film und Kino in Tirol 22. April bis 2. Oktober 2022 • „geld macht geschichte“: die Archäologische Sammlung erzählt anhand römischer Münzen von früheren Zeiten 2. Dez. 2022 bis 8. Oktober 2023

ALPENZOO

• „Alpine Grenzgänger“: Sonderausstellung über Tiere und Pflanzen im Hochgebirge 1. April 2022 bis 28. Feber 2023

INFO

Während die Weiherburg einen externen Ausstellungsstandort darstellt, ist das Taxispalais in der Innsbrucker Innenstadt seit Jahresbeginn eine Tochtergesellschaft der Tiroler Landesmuseen Betriebsgesellschaft m.b.H. Insbesondere Fans der zeitgenössischen Kunst und alle Museumsbesucher können sich in diesem Zusammenhang über eine Neuerung beim Kombiticket der Landesmuseen freuen. Das Ticket berechtigt nun zu einem Eintritt ins Ferdinandeum, Volkskunstmuseum mit Hofkirche, Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum, Zeughaus und ins Taxispalais. Der Preis von 12 Euro bzw. 9 Euro ermäßigt für ein Kombiticket bleibt dabei unverändert. www.tiroler-landesmuseen.at

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Albin Egger-Lienz, „Totentanz 1809“, 1916, 130 x 165 cm, erzielter Preis: 1,03 Mio. Euro

Gerhild Diesner, Blaue Landschaft (Gardasee), 1958, 120 x 120 cm, erzielter Preis: 87.800 Euro

GUTE ZEITEN FÜR DIE KUNST

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Kunstauktionen: Die Dynamik eines besonderen Marktes. TEXT: MARIANNE HUSSL-HÖRMANN*)

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ie Kunst – jener wunderbare Begriff für alles, was die Kreativität des Menschen je hervorgebracht hat und immer noch schafft – ist ein bisschen janusköpfig: Zum einen ist sie museal, was nichts anderes heißt, als dass wir sie zwar bewundern, aber nicht besitzen können. Zum anderen ist sie schlicht und einfach eine Ware, deren hauptsächlicher Wert in ihrem Betrachten liegt. Während die eine Seite in Museen, Kirchen oder auf öffentlichen Plätzen zelebriert wird, spielt sich das andere auf einem äußerst vielseitigen Markt ab, dem Kunstmarkt. Und in diesem bietet kein anderer Mitspieler einen umfassenderen Überblick für die sich stets wandelnden Tendenzen der Sammlerinteressen und damit auch der Werte als die Auktionshäuser.

SIEGESZUG Es war in Wien, als im Jahr 1707 Kaiser Joseph I. die Gründung eines „Versatz- und Fragamtes“ veranlasste, das als weltweit erstes Auk-

tionshaus der Neuzeit Geschichte schrieb: das Dorotheum, wie es kurze Zeit später durch die Übersiedlung in das ehemalige Dorotheerkloster in der gleichnamigen Gasse benannt wurde. Kunst wurde ab nun wieder versteigert, nach einem Prinzip, wie es bereits von den Etruskern und besonders im antiken Rom mit großem Erfolg durchgeführt worden war: An einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit Objekte zu einem bestimmten Preis auszurufen und nach festgesetzten Bieterschritten an den letzten Bieter zu verkaufen. Die Kulmination von Zeit, Angebot und Nachfrage führt seit damals zu oft überraschenden und rekordmäßigen Preissteigerungen, sie verleiht aber auch dem Käufer – abgesehen vom erworbenen Wunschobjekt – das durchaus befriedigende Gefühl, ein Bietgefecht als Sieger verlassen zu haben. Erstaunlich also, dass Auktionen für gefühlt mehr als 1.000 Jahre in Europa zumindest den Überlieferungen nach nicht mehr praktiziert wurden. Erst ab dem 18. Jahrhundert, als 1744 und 1777 auch die Herren

Sothebys und Christies in London Auktionshäuser für Autographen und alte Bücher gründeten, entstand eine bis heute andauernde, wachsende Dynamik für dieses Geschäftsmodell. Heute gibt es weltweit geschätzt mehrere 1.000 Kunstauktionshäuser mit einem Umsatz von jährlich 50 bis 60 Milliarden Euro. Wenn auch der größte Teil dieses Kuchens dem angloamerikanischen und mittlerweile chinesischen Markt gehört, führt Österreich immerhin die Rangliste der kleineren europäischen Staaten an – dank der internationalen Präsenz des Dorotheums, des größten Auktionshauses in Kontinentaleuropa. Die Covid-Pandemie hat seit 2020 auch den Kunstmarkt nicht verschont, verursachte demgegenüber aber einen notwendigen, bislang noch weitgehend verzögerten Digitalisierungsschub. Gewinner waren jene Häuser, die bereits vorbereitet waren, wie das Dorotheum, das seither alle Auktionen online *) Dr. Marianne Hussl-Hörmann ist Dorotheum-Expertin für das 19. und 20. Jahrhundert


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Alfons Walde, Der Aufstieg der Schifahrer, um 1927, 41 x 66 cm, erzielter Preis: 965.300 Euro

präsentiert und auch durchführt. Nur die großen internationalen Meisterwerke-Auktionen werden noch im Saal mit der Möglichkeit zum Live-Bidding abgehalten. Das Ergebnis? Mehr Sammler, die den leichten Zugang und die vor allem orts- und zeitunabhängige Teilnahme begrüßten und für mehr Verkäufe und mehr Umsatz sorgten. Ein großformatiges Gemälde von Gerhild Diesner, der Tiroler Grande Dame, konnte 2020 erstmals an einen amerikanischen Sammler verkauft werden, der die Qualität des blauen Gardasee-Bildes allein online erkannte und gleich zu einem neuen Rekordpreis der Künstlerin führte: einem Kaufpreis von 87.800 Euro nämlich! Im Schnitt beteiligen sich bei den großen Auktionen des renommierten Wiener Hauses mittlerweile Bieter aus über 100 Ländern, die durchschnittliche Verkaufsrate liegt bei sensationellen 60 bis 70 Prozent, in manchen Sparten sogar bei 80 Prozent. Nicht zu übersehen ist das dramatisch gesteigerte Interesse für Zeitgenössische Kunst. Ihr Anteil ist weltweit auf 23 Prozent gestiegen, vor 20 Jahren waren es noch bescheidene drei Prozent. Der besondere Vorteil dieser Sparte ist, dass sie sich quasi täglich erneuert und es seinen besonderen Reiz hat, ein Werk eines lebenden Künstlers zu erwerben.

PREISFRAGE Wer oder was bestimmt jedoch den Preis eines Kunstwerks? Warum erfreuen sich manche Kunstwerke einer größeren Nachfrage als andere? Die eine Antwort hierfür gibt es nicht, auch wenn ein Hauptargu-

ment der Verweis auf die Qualität bleibt. Nur, wie erkennt man sie? Letztlich durch Erfahrung, viel Schauen und Vergleichen sowie Beratung, um die eigene Wahrnehmung zu schulen und den subjektiven Geschmack zu verfeinern. Die Nachfrage richtet sich auch nach der Wiedererkennbarkeit eines künstlerischen Stils, der Bekanntheit eines Namens, bevorzugt bestimmte Motive, Farben, abstrakte Kompositionen. Für das Topsegment ist eine Frage noch entscheidend: Wie sehr verkörpert das Bild seine Epoche? Wie innovativ, bahnbrechend und wegweisend ist die künstlerische Lösung? Nehmen wir den „Totentanz“ von Albin Egger-Lienz. Für das Schicksal des Krieges hat der Maler 1909 erstmals ein ungewöhnliches künstlerisches Bild entworfen, mehrere Varianten folgten. Im Juni 2021 kam im Dorotheum eine Variante der IV. Fassung von 1916 zum Angebot. Die Provenienz ließ sich lückenlos nachvollziehen, die Originalität durch den Eintrag im Werkverzeichnis war bestätigt, der Zustand perfekt. Mit 500.000 Euro als unteren Schätzpreis orientierte sich das Haus an früheren Ergebnissen für Bilder dieses Motivs und dieser Größe. Spannend blieb die Frage, ob dieses Thema heute noch derart begeistern kann. Ein sensationeller Kaufpreis von über einer Million Euro bewies am Ende, dass ein Bild trotz des nicht einfachen Themas von Tod und Krieg dank einer innovativen künstlerischen Umsetzung an Faszination und damit Interesse nicht verliert. Ein Superstar Tiroler Kunst ist der Kitzbüheler Maler Alfons Walde. Wenige andere

Künstler können so anhaltend begeistern und erzielen für ihre Werke seit ihren Lebzeiten immer wieder bemerkenswerte Wertsteigerungen. Und das, obwohl viele seiner Motive Wiederholungen sind. Doch Walde erkannte in visionärer Weise die Bedeutung einer „Marke“, die auf dem Repetieren weniger, aber charakteristischer Bildsymbole beruht, und übertrug diese Erfahrung aus der Werbung auf die Kunst. Walde quasi ein Vorläufer der Pop-Art. So entstand die Marke Kitzbühel und Tirol, er schuf fantastische Symbolbilder für das gute Leben zwischen Bergen und weißen Hängen. Damit kann man sich nach wie vor sehr gut identifizieren, wie jene Bieter, die sich für das Gemälde „Aufstieg der Skifahrer“ im Dorotheum hartnäckig überboten und den ursprünglichen Schätzpreis von 350.000 Euro bis auf das Rekordniveau von 800.000 Euro hinauflizitierten, was einen Kaufpreis von 965.000 Euro, also einer knappen Million Euro, bedeutete.

KUNST- ZUKUNFT Die Begeisterung für Kunst hält an. Auch 2022 wird ein Jahr sein, in dem Kunst auf hohe Nachfrage stößt und die Zeit für Verkäufe da ist. Für Sammler wiederum bildet das umfangreiche Angebot eine Chance auf besondere Stücke in jeder Preisklasse. Der Markt der Kunst ist ein abwechslungsreiches, spannendes Terrain, doch am Ende gilt: Der eigentliche Wert der Kunst liegt nicht im Monetären, sondern in ihrer Betrachtung, in der Unterhaltung, die sie bietet, und in ihrer Inspiration wie Provokation. www.dorotheum.com

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Zentrales Thema der SenCity ist – der Name lässt’s ein wenig erahnen – die Stadt, ein von Menschen für Menschen gebauter Organismus und seine Klänge.


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Mit den Ohren auf Reise gehen

© AUDIOVERSUM/DWORSCHAK

Das Audioversum in Innsbruck als interaktives Museum rund ums Hören ist in seiner Form einzigartig in Europa. Die akustische Erlebniswelt verbindet Medizin, Technik, Bildung und Kunst und vermittelt Wissen in modernem, teils spielerischem Format. Aktuell nimmt die Sonderausstellung „SenCity“ mit auf einen akustischen Städtetrip.

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ass man sich im Audioversum intensiv mit dem Thema Hören auseinandersetzt, ist thematisch wenig verwunderlich, ist doch der Initiator des Science Centers das Innsbrucker Unternehmen MED-EL und als solches weltweit führend bei innovativen (implantierbaren) Hörlösungen. Bessere Auskenner gibt es also kaum. In der Hauptausstellung des Akustikmuseums geben interaktive Stationen außergewöhnliche Einblicke in das menschliche Ohr und dessen Funktionen, in Lärm und Stille. Hören mit allen Sinnen quasi. Dazu gibt es wechselnde Sonderausstellungen, die sich unterschiedlichsten Themen auf akustisch einzigartige Weise nähern und sich auf wunderbare Weise mit Kunst und Kultur verweben. So auch in der aktuellen Ausstellung „SenCity – ein akustischer Städtetrip“. Zentrales Thema der SenCity ist – der Name lässt’s ein wenig erahnen – die Stadt,

ein von Menschen für Menschen gebauter Organismus und seine Klänge: die von ihm erzeugten, die verbannten oder die von seinen tönenden mechanischen Gehilfen. Die SenCity ist eine akustisch vielfältige, bisweilen durchaus laute 3-D-Klangstadt der Soundkünstler Peter Kollreider und Thomas Aichinger von Sonic Traces. Die beiden erstellen Augmented-Audio-Realitäten, die man begehen kann, also akustische Welten und Geschichten, die sich mit der eigenen Bewegung erfahren lassen. Man kann auf Klangquellen zugehen oder sich von ihnen entfernen, die eigene Bewegung steuert, was gehört wird, und man erlebt damit auf eindrückliche Weise, welche Geräusche (Achtung Spoiler: Es sind viele!) der Mensch in seiner Umwelt erzeugt. Plötzlich beginnt man sich selbst die Frage zu stellen, wann aus Geräuschen Lärm wird und wie wohl eine alternative urbane Welt klingen könnte.

Gestaltet wurden die Fassaden des Stadtlabyrinths von der Wiener Künstlerin Deborah Sengl. Im Original auf Büttenpapier gezeichnet und gemalt, wurde es in Menschengröße nachgebaut und zu einer 3-D-Welt aus Orient und Okzident, aus alter und neuer Welt. Und sollten Sie sich über die Tiergesichter wundern, die sind ein Stilmittel der Künstlerin: „Ich verwende seit jeher Tiere bzw. deren Köpfe, um menschliche Eigenschaften darzustellen. Durch das Weglassen von menschlichen Gesichtern vermeide ich die naheliegende und ganz automatische Anziehung oder Ablehnung der jeweiligen Protagonisten“, erklärt sie. „Im Rahmen dieser Ausstellung schöpfe ich aus dem Fundus meiner unzähligen Akteure und baue diese, der Geschichte entsprechend, in meine Stadt ein.“ Mit diesem kleinen Ausflug in die Kunst legen wir Ihnen abschließend dringendlich ans Herz, die Ausstellung zu besuchen. Gehört gesehen! www.audioversum.at


© FREUDENTHALER

© FG GESUNDHEITSBETRIEBE

UNTER NEUER FÜHRUNG

Fachgruppenobmann Oswald Jenewein (Mi.), Stellvertreter Franz Größwang (re.) und Fachgruppengeschäftsführer Patrick Rauter

S Y S T E M R E L E VA N T In Tirol tragen mehr als 120 private Gesundheitsbetriebe zu einer flächendeckenden medizinischen Versorgung bei. Speziell in der Pandemiezeit wird sichtbar, dass sie neben den öffentlichen Krankenanstalten und den niedergelassenen Ärzt*innen die dritte wichtige Säule des Gesundheitswesens im Land bilden. In den vergangenen Monaten verzeichneten viele der Gesundheitsbetriebe weniger Patient*innenfrequenz. In Zukunft möchte die Interessenvertretung – die Fachgruppe Gesundheitsbetriebe der Wirtschaftskammer Tirol – vermehrt über die systemrelevanten Leistungen ihrer Mitglieder informieren. Gemäß dem Versorgungsauftrag sind die privaten Tiroler Gesundheitsbetriebe auch während der gesamten Pandemie für ihre Patient*innen da. Einige Kurien wie die physikalischen Ambulatorien waren und sind indes immer noch stark von der Pandemie betroffen, unter anderem, weil viele Patient*innen derzeit auf ihre Therapie verzichten.

Vor Kurzem übernahm Thomas Kahn die Position des Geschäftsführers des Congress Centrum Alpbach (CCA). Er setzte sich nach mehrmonatiger interimistischer Ausübung dieser Position im offenen Bewerbungsprozess durch. Die Neubesetzung erfolgte nach dem tragischen Bergunglück seines Vorgängers Georg Hechenblaikner, der das CCA rund 18 Jahre erfolgreich geführt hatte. Die Aufgabe ist für den 35-Jährigen nun eine „spannende Herausforderung und Herzensangelegenheit“.

© UNI INNSBRUCK

IM GESPRÄC

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news & events

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, Unirektor Tilmann Märk, Karin Obwexer, Ehrenzeichenträger Walter Obwexer und Landeshauptmann Günther Platter

SILBERNE EHRE Walter Obwexer, Universitätsprofessor für Europarecht und Völkerrecht an der Universität Innsbruck und wissenschaftlicher Berater in EU-Rechtsfragen der österreichischen Bundesregierung sowie der Landesregierungen von Tirol und Südtirol, wurde im Landhaus für seine herausragenden Leistungen mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich geehrt. Obwexer erhielt bereits mehrere Auszeichnungen, darunter das Verdienstkreuz des Landes Tirol, den Wissenschaftspreis der Stadt Innsbruck und den Förderungspreis des Landes Tirol.

Z U WA C H S AU S D E N E I G E N E N R E I H E N Die Innsbrucker Rechtsanwaltskanzlei Greiter Pegger Kofler & Partner ist auch 2022 weiter auf Wachstumskurs. Mit Andrea Pegger (li.) und Laura Neururer wurden zwei Rechtsanwältinnen aus den eigenen Reihen zu Partnerinnen der Kanzlei. Pegger wird weiterhin Start-ups und nationale und internationale Klienten in Fragen des Unternehmens- und Gesellschaftsrechts, bei M&As sowie Prozessführungen und Schiedsverfahren beraten. Neururer ist vorwiegend im Arbeitsrecht und damit zusammenhängenden Vertretungen bei Gerichten und Behörden befasst. Beide sind auch als Lehrbeauftragte am MCI tätig.


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„Kein Alter, kein Geschlecht, kein Stand, keine Nation ist von den Vorteilen ausgeschlossen, welche die Spar-Casse jedem Einlegenden anbietet.“ Auszug aus der Gründungsurkunde der Sparkassen.

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