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eco.nova Februar 2021

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DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN

ALLES WIRD …

SINNFORSCHUNG. Vom Mut zu leiden SOMMERFRISCHE. Wann kommt der Aufschwung? WEITERMACHEN. Die Krise als Chance BE THRAWN. Verrückt durch die Krise

T U M Ausgabe Nr. 01 | Februar 2021 P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck ZNr. GZ 02Z030672 M | Euro 3.00


diewildenkaiser.com

Dahinter steckt meine Bank*, die mir auch in diesen Zeiten vertrauensvoll zur Seite steht. DIE GANZE GESCHICHTE AUF WWW.JA-ZU.TIROL

* stellvertretend für ein Tiroler Unternehmen

UNG TÄRK ZUR S FT. E IV T A INITIA WIRTSCH EINE R IROLE DER T


© MARIAN KRÖLL

eco.edit

Christoph Loreck und Mag. Sandra Nardin, eco.nova-Herausgeber

MUT ZUM MUT Manchmal weiß man gar nicht, wie stark man wirklich ist, bis man keine andere Wahl mehr hat.

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Diese Ausgabe ist unser Plädoyer für mehr Mut-Ausbrüche. Bleiben Sie optimistisch, Ihre Redaktion der eco.nova

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as vergangene Jahr war herausfordernd – für die Gesundheit, die Wirtschaft, die Gesellschaft, den Menschen, die Unternehmer. Niemand ist von der aktuellen Situation nicht in irgendeiner Weise betroffen, im Kleinen wie im Großen, lokal, regional, national, international, global. 2021 hat nicht minder herausfordernd begonnen und noch weiß niemand so recht, wie sich das Jahr entwickeln wird. Auch wenn sich viele zumindest darin einig sind, dass es spätestens nach dem Sommer aufwärts gehen wird – wirtschaftlich wenigstens. Doch wir wollen das Jahr nicht mit Jammern beginnen (wir wollen eigentlich überhaupt nie jamDas Geheimnis des mern), deshalb haben wir die Glücks ist die Freiheit. erste Ausgabe in diesem neuen, Das Geheimnis der spannenden und aufregenden Freiheit ist der Mut. Jahr unter das Thema „Mut“ gestellt – Mut und Aufbruch, weil PERIKLES es genau diese Stimmung jetzt braucht. Es hilft nichts, wenn wir uns gegenseitig beschimpfen, misstrauen und versuchen, das Virus mit (inter)nationalen Machtspielchen zu bekämpfen. Das wird nämlich nichts. Wir sollten uns viel mehr auf unsere Stärken fokussieren, als die Schwächen bei anderen zu suchen. Wir brauchen Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen, weil nur daraus mutiges Voranschreiten entstehen kann. Mut ist wie ein Muskel. Er wächst durch Gebrauch. Was nichts anderes bedeutet als: Man kann Mut tatsächlich üben, einfach indem man mutig ist. Und Mut verändert – grundlegend. Das Schöne ist: Wo Mut ist, kommt meist noch mehr davon nach. Wir haben uns dem Thema auf viele verschiedene Weisen angenähert und wandeln auf dem schmalen Grat zwischen Mut und Übermut, zwischen Umsicht und Leichtsinn. Wir haben unter anderem mit Sinnforscherin Tatjana Schnell über (Sinn-) Krisen gesprochen sowie mit Mediziner Florian Deisenhammer über Langzeitimmunitäten nach Coronaerkrankungen und Impfungen. So viel vorab: Seine Aussagen machen durchaus Mut. Auch das Interview mit Ökonom Christian Helmenstein zeigt: Die derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklungen mögen nicht rosarot sein, tiefschwarz indes sind sie auch nicht. Das gibt Hoffnung. Davon können wir im Moment nicht genug haben.

genuss to go auf den punkt.


eco.inhalt

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FOTOS: ADOBE STOCK, MARIAN KRÖLL, TOM BAUSE

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E C O .T I T E L 18 WAGE MUT

Mut kann man nicht kaufen, es gibt ihn aber auch nicht geschenkt: von Mut und Zumutung in Zeiten einer Pandemie.

E C O .W I R T S C H A F T 26 DER (SINN-)KRISE ENTWACHSEN

Mit der allgemeinen Kater­ stimmung nehmen auch die individuellen Sinnkrisen stark zu. Warum wir wieder lernen müssen, zu leiden. 32 DIE KRISE ALS CHANCE Nicht unser vertrautes Können und Wissen schenkt uns neue Perspektiven, sondern das Wagen auf unbekanntes Terrain. 38 MUT ZUM RISIKO Von der Rückbesinnung auf die eigenen Stärken: MCIRektor Andreas Altmann über Unternehmenskultur, Erfolg und Mut. 42 DIE LUST AM GESTALTEN Krisenzeiten machen kreativ – renommierte Unternehmer ebenso wie Gründer. 44 FÜHREN MIT VORBILDWIRKUNG Johannes Thurner und Leonhard Neuner, die neuen Geschäftsführer von Fiegl + Spielberger, im Interview über Erfolgsstrategien in Krisenzeiten. 46 KRISEN-PR ALS HANDWERK „Mit reiner Sachlichkeit ist nichts zu gewinnen“, findet PR-Experte Georg Hofherr.

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SOMMERFRISCHE

2021 soll das Jahr des Aufschwungs werden. Noch ist nicht viel davon zu sehen, ab Sommer soll er dann aber spürbar werden, glaubt Ökonom Christian Helmenstein. 58 BUHMANN FREIZEITWOHNSITZE Wenn privater Nutzen zu gesellschaftlichen Kosten führt, gibt’s ein Problem. Freizeitwohnsitze sind davon keine Ausnahme.

ECO.ZUKUNFT 64 MUTMACHER-STUDIE

In einer vielbeachteten Studie hat der Innsbrucker Mediziner Florian Deisenhammer gezeigt, dass Corona-Genesene eine stabile Langzeitimmunität entwickeln. 68 BE THRAWN! Die Corona-Pandemie erzeugt eine neue Orientierungslosigkeit. Wir brauchen wieder eine Besinnung auf unsere innere Weltwahrnehmung. Und damit: eine neue Form von „Verrücktheit“. 72 EIN AWARD FÜR DEN WANDEL Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir dabei zunächst bei uns selbst beginnen.

ECO.GELD 78 GELD-GESPRÄCH

Anders als in der Finanzkrise geben die Banken in dieser Krise Stabilität. OeNB-West-Direktor Armin Schneider spricht über Geld(politik).

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AKTUELLE FRAGESTUNDE

ECO.ART

Ein Querbeetblick in die Welt der Banken.

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KULTUR IST IDENTITÄT

Kunst und Kultur sollten in einer Gesellschaft keine Randerscheinung sein, sondern verbindendes und kreatives Element. Landesrätin Beate Palfrader im Gespräch.

ECO.MOTOR 106 MUSTERSCHÜLER

Mit dem Neubau des Volvo Cube am Langen Weg in Innsbruck setzt der Autopark ein bewusstes Statement und gibt mit ihm ein klares Bekenntnis zur Branche ab. 110 DARFS EIN BISSERL MEHR SEIN? Wer Amerika kennt, der weiß: Dort muss alles ein wenig überdimensioniert sein. So auch beim neuen Ford Explorer, der gerade frisch als Plug-in-Hybrid auf den Markt gekommen ist.

ECO.LIFE 116 MAUERN BRAUCHEN FARBE

Seine ersten Dosen sprayte der Street-Art-Künstler HNRX in Innsbruck leer. Heute malt er in ganz Europa. 03 EDITORIAL 06 KOMMENTAR 10 11¾ FRAGEN 16 KLARTEXT 90 ECO.STEUERN 97 ECO.RECHT 122 IM.GESPRÄCH

HER AUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck,

Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Well­ness, Steuern, Recht, Kulinarium und Life­s tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE S ABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN!

IHR GOLDSCHMIED SEIT 1764

0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, Christiane Fasching, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper, Elisabeth Plattner // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Dr. Michael Posselt // eco.kultur: Julia Sparber-Ablinger // eco.mobil: Felix Kasseroler // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Marina Bernardi ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Mag. Claudia Elzenbaumer, Matteo Loreck L AYOUT: Tom Binder LEK TOR AT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: RadinBerger-Print GmbH UNTERNEHMENS GEGENS TAND:

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eco.mmentar

DIE GESETZE DER KRISE Nach einem Jahr Corona liegen die Nerven blank. Viele Betriebe können nicht mehr, viele Bürger wollen nicht mehr. Einiges ist völlig anders gekommen als erwartet. Und trotzdem: Es scheint so etwas wie Gesetzmäßigkeiten der Krise zu geben. Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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D

ie Hilflosigkeit, mit welcher der Staat Corona-Leugnern und radikalen Demonstranten gegenübersteht, ist erstaunlich. Sonst ist die öffentliche Hand nicht zimperlich und greift hart zu. Wer ein paar km/h zu schnell fährt, wird dafür ordentlich zur Kasse gebeten. Bei Finanzprüfungen fragen die Staatsorgane auch nicht höflich, ob es gerade passt. Umso verwunderlicher ist es, dass der Staat – auch in anderen Ländern – ausufernden Corona-Rave-Partys und Demos ohne jegliche Einhaltung der Abstands- oder Maskenpflicht lange Zeit einfach zugesehen hat. Mit dem Effekt, dass sich alle anderen, die sich an die Regeln halten, ziemlich blöd vorkommen.

V O N K L A U S S C H E B E S TA

DAS VERSAGEN DER EU

Die Hilflosigkeit der Einzelstaaten potenziert sich auf EU-Ebene. Das beginnt schon bei der völlig wirkungslosen Ampel. Noch deutlicher ist das Scheitern beim zentralen Thema Impfstoff. Was haben Israel, Großbritannien oder die USA anders gemacht? Sie haben kühl kalkuliert. Was wirklich nicht so schwer ist. Am Beispiel Österreichs: Wir brauchen 16 Millionen Dosen, je zwei für acht Millionen Einwohner. Die EU hat zugewartet und gefeilscht und zahlt für Pfizer-Biontech zwölf Euro, für AstraZeneca knapp zwei Euro. Bravo. Das ist weitaus günstiger, als etwa Israel für Pfizer-Biontech auf den Tisch gelegt hat, zu lesen ist von 30 Euro. Sind die Israeli dumm? Sicher nicht. Selbst wenn der Impfstoff 50 Euro pro Dosis kosten würde, macht das für Österreich 800 Millionen aus. Der Vergleich macht sicher: Eine einzige Woche österreichischer Lockdown kostet das Doppelte, nämlich 1,7 Milliarden Euro.

NEID FUNKTIONIERT IMMER

Anfang des Jahres galt die größte Sorge der Impfbereitschaft. Dann kam die Sache mit den Bürgermeistern. Natürlich: Wer sich an Betagten und anderen vulnerablen Gruppen vorbeischleicht, nutzt feig seine Stellung aus. Andererseits: Vielleicht werden die betreffenden Bürgermeister im Nachhinein einmal die Impfmedaille bekommen. Denn nach diesen Vorfällen drehte sich die öffentliche Meinung radikal, ganz nach dem Motto: Wenn der Bürgermeister die Nadel kriegt, will ich sie gefälligst auch!

DIE GROSSE STUNDE DER VERSCHWÖRUNGSTHEORETIKER Wer hätte sich vor einem Jahr vorstellen können, dass Menschen scharenweise auf die Straße gehen, um gegen Corona zu demonstrieren? Protestiert wird nicht nur gegen einzelne Maßnahmen, ein nennenswerter Teil der Demonstranten demonstriert gegen einfach alles. Letztlich gegen den Staat, der Corona ja nur erfunden hat, um seine Bürger zu unterdrücken. Diese allgemeine Verwirrung ist die große Stunde für Populisten wie Herbert Kickl, der sich aufführt wie der Babyelefant im Porzellanladen.

KEINER HAT RECHT, ALLE HABEN RECHT

Wenn wir diese Erkenntnis ernst nehmen würden, könnten wir uns viel Aufregung und Ärger ersparen. Wir haben in den letzten Monaten viele Experten gehört, die zum Teil sehr radikale Maßnahmen vorgeschlagen haben. Aber ein einzelner Experte hat nie Recht. Virologen würden am liebsten alle bis zur Durchimpfung unter Hausarrest stellen; Ökonomen drängen darauf, dass alle Geschäfte offenbleiben; Pädagogen wollen sämtliche Schüler durchgehend im Unterricht haben. Wir sollten uns weniger um Einzelmeinungen kümmern. Entscheidungen können nur in einer ganzheitlichen Sicht erfolgen. Schließlich geht es nicht darum, den Weltrekord bei niedrigen Inzidenzzahlen zu brechen, sondern die Maßnahmen so zu wählen, dass die Kapazitätsgrenzen des Gesundheitssystems nicht überschritten werden.

FIX IST, DASS NICHTS FIX IST

Die Veränderung ist derzeit die einzige Konstante. Genau damit können Menschen so schwer umgehen. Die vergangenen Monate waren ein ständiges Auf (Lockerungen) und Zu (Lockdowns), ein Hoffen (Die Impfung kommt!) und Bangen (Wo bleibt der Impfstoff?), ein Erholen (Sommer 2020) und Abstürzen (der Ausfall der Wintersaison), ein Zusammenstehen (Wir schaffen das!) und Resignieren (Ohne mich!). Wir werden die kommenden Monate aber nur mit einem soliden Maß an Solidarität und Eigenverantwortung überstehen. Denn das Virus überträgt sich immer noch von Mensch zu Mensch.


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FÜR GERNI

A

ls damaliger Tirolwerber und kleiner Co-Sponsor des FC Swarovski Tirol wollte ich am 24.10.1990 im Estadio Bernabeu einem Sieg der Tiroler beiwohnen. Es kam anders: Das von Trainer Ernst Happel geplante Angriffsspiel gegen Real Madrid ging mit einer Niederlage von 9:1 spektakulär in die Hose, nachdem bereits nach dem Halbzeitstand von 5:1 die über 3.000 angereisten Tirol-Aficionados sich mit Real-Madrid-Schals und -Kappen eingedeckt und provokativ ihren Beifall den Real-Spielern gespendet hatten. Der Hauptsponsor, Gernot Langes-Swarovski, den ich am Ende des Spiels nicht mehr antraf, rief mich ein paar Tage später an. Ob mir bei der medialen Resonanz nicht aufgefallen wäre, dass fast ausschließlich vom FC Tirol und nicht vom FC Swarovski Tirol die Rede war, fragte er mich vorwurfsvoll. Mit seinem spitzbübischen Humor noch nicht vertraut, stotterte ich etwas über Hilflosigkeit gegenüber schlampigen Journalisten und über gemeinsamen Tiroler Patriotismus ins Telefon. Das schalkhafte Leuchten in seinen Augen nach Beendigung unseres Telefonats kann ich nach dreißigjähriger Nähe lebhaft rekonstruieren: Jetzt habe ich diesen Tirolwerber vom Bozner Platz wenigstens kreativ beunruhigt.

VON ANDREAS BRAUN

Dreißig Jahre später schießt die WSG Wattens unter ihrer Präsidentin Diana Langes-Swarovski am 24.1. und am 27.1. als letzten Ehrensalut für ihren großen, eben verstorbenen Förderer sieben siegreiche Tore gegen den LASK und gegen Altach.

Wie bei dem in europäischer Dimension konzipierten Fußballengagement so auch in seinem sonstigen monumentalen

Lebenswerk: Alles dachte GLS – so sein omnipräsentes Kürzel im gesamten Swarovski-Kosmos – originell, groß, global und – siehe Fußball – mit hohem emotionalem Mehrwert für jedermann/frau an. Wieso sollten wir uns als Erzeuger von Millionen funkelnder Steine in hunderttausend verschiedenen Farben und Formen diskret hinter den Tiroler Bergen und hinter unseren Schmuck-, Mode- und Luster-Handelspartnern verstecken, mag sich GLS mit seinem intuitiven Gespür für emotionales Potential in den 1970er-Jahren gefragt haben. Wieso nicht selbst den Schatz des funkelnden Phänomens Kristall für Millionen Menschen in der ganzen Welt unter der Konsumgütermarke Swarovski heben? Gesagt, getan: In einem gigantischen Kraftakt erweiterte GLS das Portfolio des traditionellen B2B-Unternehmens um das rasant wachsende B2C-Segment. Glitzernde Objekte elementarer Rührung eroberten weltweit Boutiquen und Flughäfen. Parallel zur stürmischen Distribution formte der visionäre GLS die Marke in pionierhaften Schritten: etwa mit einem neuen Erscheinungsbild samt Schwan, mit der erwähnten Fußballstrategie, dem beispielgebenden Customer Relationship Marketing in Form der Swarovski Collectors Society, dem Ausbau eigener Swarovski-Geschäfte, der Erweiterung der Produktpalette um Swarovski-Schmuck samt einer Premium-Brand Daniel Swarovski, der temporären, strategischen Akquise der großen Schmuckhandelskette Zale, dem Einstieg in die Erlebnisökonomie in Form der Swarovski Kristallwelten und der Gründung einer international agierenden Swarovski-Wasserschule. Heute mag man sich fragen, wie dieser Mann es schaffte, einen biederen Produzenten, den an Wattens vorbeifahrende Passanten oftmals für einen Schierzeuger hielten, binnen kürzester Zeit in die Liga der weltweit bekanntesten österreichischen Marken zu katapultieren. Apropos Marke: Die amerikanische Botschafterin in Wien, Swanee Hunt, meinte Mitte der 1990er-Jahre: „Andreas, you are representing the most Austrian company.“ Dies unterstreicht eindrucksvoll den Quantensprung vom braven Zulieferer zum globalen, nationale Identität stiftenden Markenbotschafter!

Welche Musen standen dem erfolgreichen Vater der Konsumgütermarke Swarovski Pate? Der glückliche Zufall trifft nur den Vorbereiteten, das heißt der Frühaufsteher. GLS war ein allseits interessierter, bienenfleißiger „Blitzgneißer“ mit einem stupenden Weltwissen, nicht nur über Landwirtschaft, Flora und Fauna, sondern auch über die wesentlichen globalen Fakten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Er besaß ein frappantes Gedächtnis und pflegte über alle Kontinente hinweg hochkarätige Freundschaften. Hierbei kam ihm seine singuläre Begabung als „Menschen-


nachruf

fänger“, „Entwaffnungsweltmeister“ und „Seelenmasseur“ voll zugute. Er verstand es meisterhaft, mit seiner charismatischen Spontaneität die Herzen und Hirne seiner Gesprächspartner im Sturm zu erobern und für seine Ideen zu begeistern.

Wie oft ging ich bei GLS unsicher bei der Tür hinein und wenig später inspiriert und entschlossen bei selbiger wieder hinaus. Die enorme Erschütterung von tausenden Menschen rund um den Erdball anlässlich seines Todes lässt vermuten, dass ähnliche Erlebnisse ihre Erinnerung an den verstorbenen Menschenfreund prägten. Mit solchen Tugenden gesegnet, führte er seinen Konzern mittels innerer Autorität, subtilem Understatement und Hands-on-Dynamik. Konventionelles Lehrbuch-Management war ihm – abgesehen von einem äußerst präzisen Zeithaushalt – fremd, „management by passion“ jedoch angeboren. Last, but not least lebte und beseelte er authentisch eine partnerschaftliche, für das Unternehmen und seine MitarbeiterInnen gleichermaßen fruchtbare Betriebskultur … der Schlüsselfaktor zum Erfolg. Rückblickend betrachtet scheint es schier unglaublich, welch breiten Fächer unternehmerischer Aktivitäten er neben seiner kräfteraubenden Transformation des Swarovski-Konzerns zusätzlich aufspannte. Mit prophetischem Spürsinn insbesondere für die ökologischen Herausforderungen der Zukunft ortete er leidenschaftlich und risikofreudig mannigfaltige Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft.

Exemplarisch seien zunächst seine Bemühungen in Sachen Verkehr/ Tourismus/ Energie erwähnt: Der sagenhafte Aufstieg der von ihm und Christian Schwemberger gegründeten „Tyrolean Airways“ zur erfolgreichsten europäischen Regionalfluglinie war eine Meisterleistung, welche den Wirtschaftsstandort Tirol substantiell stärkte. Mit Feuereifer förderte er sodann ein Projekt Talpino, ein völlig neuartiges Eisenbahnkonzept, welches das vertikale Prinzip der Umlaufseilbahnen in die Horizontale übersetzen sollte. Hier sei angemerkt, dass die gänzliche Untertunnelung unseres Landes ihm schon lange vor dem Bau des BBT ganz zentral am Herzen lag. Dieses öffnete er auch immer wieder für kleine Projekte, die er mit Begeisterung lancierte: So im Gebäude der Innsbrucker Wasserrettung, als er unter großem Beifall der Öffentlichkeit die Schiffbarmachung des Inns in den Raum stellte, wie er überhaupt viele touristische Ideen entwickelte. Manche, etwa die Kristallwelten oder seine privaten Investitionen in die Außerferner Infrastruktur, setzte er erfolgreich um, manche, wie zum Beispiel die unterirdische Verlegung sämtlicher die Landschaft verunstaltenden Stromoberleitungen, harren noch der Umsetzung, ebenso wie die vielen Ansätze im Bereich Neuer Energie. Wenn ich angesichts des schillernden Spektrums seiner unternehmerischen Leidenschaften eine Gewichtung wagen darf, dann würde ich seinen Dialog mit der Natur in all ihrer faszinierenden Vielfalt ins Zentrum rücken. Den Ge-

heimnissen und Erscheinungen dieser Natur – mit offenen Sinnen lernend – auf der Spur reifte er zu einem „Biosophen“, einem Weisen der Natur. Mit Fischen vor Venedig, mit Trauben in Argentinien und China, mit Rindern in Venezuela, mit natürlichen Lebensmitteln aus regionaler Herkunft, mit Heilmitteln aus Südamerika sowie mit Villgratener Schafen etablierte er zum Teil sehr erfolgreiche Geschäftsmodelle. Mit der bunten Schar von Haustieren in seiner Fritzener Villa Diana, den Riesenschildkröten auf den Galapagosinseln und den schwarzen Krabben auf der kolumbianischen Insel San Andrés – wohin ich ihn unvergesslich begleiten durfte – führte er außerökonomische Gespräche über Gott und eine Welt in ökologischer Schieflage. Er verstand sich als Gärtner, der unablässig an der Wiederherstellung des paradiesischen Eden arbeitete. So war es kein Zufall, dass er mit Helmut Pechlaner und mir zum Eden Project nach Cornwall flog! “What you give is yours, what you not give is lost.” GLS gab und gab und gab, meist schnell und damit doppelt … finanziell und ideell. Viele – insbesondere in Not geratene – Menschen können seine außerordentliche Großzügigkeit bezeugen. Er liebte das Leben, stand mit beiden Füßen fest am Boden und gestattete es sich zu träumen. Er überstand Situationen, die so ernst waren, dass er sie nur mit Scherzen meistern konnte … nach außen … was sein weiches Herz wirklich kränkte, war schwer zu entschlüsseln. Er glich oftmals einer Sphinx, vielbödig und rätselhaft, sicherlich hochsensibel und damit auch sehr verletzlich.

Nachdem er sich knapp nach der Jahrtausendwende relativ jung von der operativen Führung des Swarovski-Konzerns zurückgezogen hatte, präsentierte ihm das Schicksal erste gesundheitliche Mahnungen. Ich erinnere mich noch gut, wie ernst er diese an seinen Körper gerichteten Nachrichten nahm. All diesem Wissen zum Trotz verharrte er, der ehemals Aktivste der Aktiven, in einer eigentümlichen Passivität. Seine prinzipiell robuste Konstitution wurde nach einigen Jahren von schwereren Attacken erschüttert. Die Folgen derselben begleiteten ihn über viele Jahre bis zum 21.1.2021. Es grenzt an ein Wunder, wie tapfer und heldenhaft er diese zuweilen sehr schmerzhafte Beengung seiner Mobilität ertrug. Mit jeder Begegnung wuchs proportional zu meinem Mitleid auch der Respekt vor einem Mann, der – dem Sisyphos ähnlich – seiner steinschweren Last immer wieder schwerelose, glückliche Momente abgerungen hat. Mit Sicherheit haben sein unerschütterlicher Humor und die bedingungslose Liebe seiner (Enkel-)Kinder diese demütige und mitunter fröhliche Schicksalsergebenheit begünstigt. Du hast, lieber Gerni, bis zu Deinem Abschied das Leben mutig bejaht und es hätte Dir noch ein letztes Bonmot auf der Zunge liegen können: „Wer bei meinem Tode weint, mit dem rede ich kein einziges Wort mehr.“ Ich sage Dir wehmütig Lebewohl, Du großer Tiroler Weltbürger und außergewöhnlicher Mensch!

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eco.porträt

11¾ FRAGEN AN

© MARIAN KRÖLL

GABI PLATTNER

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Gabi Plattner ist Leiterin des Frauenhaus Tirol


eco.porträt

Wer sind Sie? Ich bin 1970 in Innsbruck geboren und gemeinsam mit meinem jüngeren Bruder in einer sehr offenen Familie aufgewachsen. Studium der Erziehungswissenschaften und des Psychotherapeutischen Propädeutikums. Mitarbeiterin und Mitbegründerin des Interdisziplinären Archivs für feministische Dokumentation und seit 25 Jahren Mitarbeit im Frauenhaus Tirol, seit 2005 Geschäftsführung und inhaltliche Leitung. Vorlieben beruflich und künstlerisch: Die Verknüpfung von Feminismus, Kunst, Kultur und Politik. Mitarbeit in diversen Projekten mit den Schwerpunkten Musik, Gesang, Performance, Film und Schauspiel.

1.

Warum, glauben Sie, haben wir Ihnen geschrieben? Ich nehme an, weil Sie denken, dass das, was ich in meiner Arbeit im Frauenhaus Tirol mache, mit „Mut und Aufbruch“ zu tun hat. So lautet doch der Titel dieser Ausgabe? Ich denke, dass die Arbeit in einem Frauenhaus sehr viel damit zu tun hat. Frauen, die körperliche, psychische und/ oder sexualisierte Gewalt erleben, sind nämlich nicht „nur“ Opfer. Sie sind starke, mutige Frauen, die den Aufbruch in ein Leben ohne Gewalt wagen, auch wenn die Stolpersteine manchmal sehr groß sind. 2.

3. Wie lautet Ihr Lebensmotto? Sei mutig und hab Spaß dabei. Zugegeben, das klingt, als hätte ich mir dieses Motto für diese Ausgabe zurechtgelegt, es begleitet mich aber tatsächlich schon sehr lange. Ich finde Mut in Kombination mit Humor eine zauberhafte Kraftquelle.

Was macht Sie stolz? Wenn ich mich gemeinsam mit Wegbegleiter*innen beharrlich dafür einsetze, dass unsere Gesellschaft gerechter und gewaltfreier wird; und wenn es mir gelingt, auch Zweifler*innen davon zu überzeugen, dass Geschlechtergerechtigkeit deutlich gesünder ist – und zwar für alle – als Abhängigkeitsstrukturen, die Ungleichheiten fördern. Ohne Geschlechtergerechtigkeit gibt es nämlich keine Gewaltfreiheit.

4.

5. Was bedeutet für Sie Luxus? Für mich bedeutet Luxus den Genuss von kleineren oder größeren besonderen Momenten im Leben, für die ich sonst wenig Zeit habe. Das kann der augenblickliche Genuss eines schönen Sternenhimmels sein und vor allem das Glück zu haben, diese Momente mit anderen teilen zu können.

Mit welcher historischen Persönlichkeit würden Sie gerne einen Abend verbringen – warum? Ich würde gerne mit Johanna Dohnal zu Abend essen oder noch besser mit ihr kochen und Wein trinken. Einladen würden wir auch Menschen, die mir viel bedeuten. Ich würde ihr bei der Gelegenheit gerne sagen, dass es mir unsagbar leidtut und mich wütend macht, wie sie damals als Politikerin und Frauenministerin „abgesägt“ wurde. Ich hätte als Reaktion darauf gerne mehr Widerständigkeit gespürt und selbst gezeigt. 6.

Was ist das ungewöhnlichste Thema, über das Sie richtig viel wissen? Na ja, richtig viel ist übertrieben, aber ich weiß, wie man ein Dach deckt. Das Wissen darüber habe ich aber erst seit dem Tag, an dem mich eine sehr gute Freundin gefragt hat, ob ich ihr dabei helfe. Keine von uns beiden hat jemals daran gedacht, dass wir das nicht können, obwohl zumindest der Gedanke daran jetzt nicht ganz ungewöhnlich gewesen wäre.

7.

8. Welche Frauen haben Sie persönlich in Ihrem Leben am meisten inspiriert? Das sind sehr viele Frauen: Musikerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen, Architektinnen, Verkäuferinnen, Lehrerinnen, Handwerkerinnen … Ich denke, es sind die Heldinnen des Alltags, die mich inspirieren.

9. Was bedeutet Mut für Sie? Mut bedeutet für mich, für die Überzeugung, „ein gutes Leben für alle“ zu erreichen, einzutreten – und zwar unabhängig davon, ob ich dafür gelobt, geliebt oder verachtet werde. Mutig zu sein bedeutet für mich aber auch, Gefühle der Angst und des Zweifelns zuzulassen und sich Hilfe holen zu können. 10. Spüren Sie die Coronakrise in Ihrer Arbeit im Frau-

enhaus? Ja sehr, auf ganz unterschiedliche Weise. Ich denke, „Corona“ lehrt uns mehr denn je, dass die Frage der Verteilungsgerechtigkeit noch lange keine geklärte ist. Nur wenn wir endlich auf Verteilungsgerechtigkeit bestehen und diese auch gesetzlich und gesellschaftlich verankern und danach leben, werden wir zukünftig annähernd so weit sein – symbolisch gesehen –, „in einem Boot zu sitzen“, um das wir uns dann auch gemeinsam kümmern würden. 11. Welche Strategien haben Sie für sich selbst entwickelt, wenn es Ihnen einmal „zu viel“ wird? Ich achte sehr darauf, meine freien Zeiten auch frei zu halten. Ich liebe Musik, Kunst, Kultur, gutes Essen, die Auszeiten in der Natur und gute Freund*innen. In der Arbeit ist es mir sehr wichtig, immer daran zu denken und zu glauben, dass ein gewaltfreies Leben möglich ist; auch wenn oder gerade weil ich täglich mit Gewalt zu tun habe.

11¾ :

W E L C H E F R A G E W O L LT E N S I E S C H O N

I M M E R B E A N T W O R T E N , N U R H AT S I E N O C H N I E J E M A N D G E S T E L LT ?

PLATTNER: Ich glaube, jetzt gerade ist diese Frage ein guter Abschluss für mich in diesem Interview. Also soll mich doch jemand fragen, warum ich so gerne lache? Weil es sich so gut anfühlt und glücklich macht, sage ich dann.

INFOS UND SPENDENMÖGLICHKEIT www.frauenhaus-tirol.at

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WIRTSCHAF

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wirtschaft & unternehmen

Mut zur Selbständigkeit Trotz Coronakrise sind die Gründungszahlen im vergangenen Jahr gestiegen. Insgesamt gab es 2020 exakt 2.948 Neugründungen in Tirol und damit um 2,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Mehr als die Häfte der neuen Unternehmen wird von Frauen gegründet. Das stärkste Motiv für den Schritt zum eigenen Unternehmen ist laut Wirtschaftskammer mit 70 Prozent, sein eigener Chef sein zu wollen. „Für rund 69 Prozent ist das Hauptmotiv die Flexibilität in der freien Zeit- und Lebensgestaltung und knapp 64 Prozent wollen die Verantwortung, die sie als Angestellter tragen, ins eigene Unternehmen einbringen“, so Dominik Jenewein, Landesvorsitzender der Jungen Wirtschaft. Schön: Die Lebensdauer von neu gegründeten Unternehmen ist verhältnismäßig hoch. Nach drei Jahren existieren noch drei von vier Unternehmen, nach fünf Jahren noch rund zwei Drittel.


© ERLEBNISSENNEREI ZILLERTAL

© JULIA TÜRTSCHER

eco.wirtschaft

eco.mmentar

Marina Bernardi, Chefredaktion

Neidgesellschaft Im November 2020 nahmen Christian und Heinrich Kröll die Photovoltaikanlage ihrer Erlebnissennerei Zillertal in Betrieb

JETZT IST DIE BESTE ZEIT Die Themen Klimaschutz und Ökologie sind im Zuge der Coronakrise in den Hintergrund gerückt. Darauf vergessen sollte man dennoch nicht. Laut Regierungsübereinkommen ist das Ziel nach wie vor, in Österreich bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen. Gelingen soll dies unter anderem durch den Ausbau der erneuerbaren Energien. Aktuell kommen wir hierzulande 122 Tage im Jahr mit Energie aus natürlichen Ressourcen wie Wasser, Sonne, Wind sowie Erdwärme aus. Demnach sind wir ab 2. Mai für den Rest des Jahres abhängig von Öl, Kohle und Erdgas, wobei der größte Anteil des Erdöls auf den Bereich Verkehr entfällt. Und ja, die berühmte „Energiewende“ ist mit Kosten verbunden, aber: Österreich zahlte bisher für Erdöl- und Kohleimporte etwa sieben Milliarden*) Euro pro Jahr. Kommt dieser Strom künftig aus Solar, Wind und Wasserkraft, fallen diese Kosten weg. Investitionen in den Bereich der erneuerbaren Energien sowie neue Verkehrsmodelle sollten damit durchaus gerechtfertigt sein. Viele Tiroler Unternehmen gehen bereits mit gutem Beispiel voran. Die ERLEBNISSENNEREI ZILLERTAL zum Beispiel hat mit beeindruckenden 1.644 Modulen kürzlich Zillertals größte Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Damit können mehr als 530.000 kwH Strom am Standort produziert werden. Diese werden zur Gänze selbst genutzt. Ein weiterer Schritt zur Energieeinsparung und Verbesserung der CO2-Bilanz ist eine neue Wärmerückgewinnung an der Dampfkesselanlage, die für die gesamte Wärmeerzeugung im Molkereibetrieb verantwortlich ist. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll außerdem die gesamte Verpackung auf nachhaltige und ressourcenschonende Materialien umgestellt und damit mindestes 30 Tonnen Müll eingespart werden. Und auch der Osttiroler WÄRMEPUMPENSPEZIALIST IDM profitiert vom erhöhten Energiebewusstsein. So konnte der Absatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um 44 Prozent gesteigert werden. Insgesamt wurden am Stammsitz in Matrei rund 10.000 Wärmepumpen produziert. Für 2021 ist ein nächster Wachstumssprung auf 14.500 Geräte geplant. Dabei wird erstmals die 100-Millionen-Euro-Umsatzgrenze geknackt. Zusätzlich werden am Standort im nächsten Jahr acht Millionen Euro investiert. Mit 400 Beschäftigten zählt das Unternehmen der Pletzer Gruppe zu den größten Arbeitgebern im Bezirk Lienz.

*) nicht wie in der Jänner-Ausgabe fälschlich zitiert sieben Millionen

MUT IST WIE VER ÄNDERUNG. NUR FRÜHER.

Zugegeben, ich hab‘s nicht so mit der Religion, dass Neid aber zu den sieben Todsünden gehört, das hat schon was. Manchmal kramt der Neid jedoch auch seine guten Seiten hervor. Neidische Menschen haben‘s wahrlich nicht leicht im Leben. Weil sie irgendwie nie zufrieden sind; nicht mit sich und nicht mit der Welt. Nein, neidische Menschen beneide ich kein bisschen. Andere übrigens auch kaum (Ausnahme: Euromillionen-Gewinner). Wer andere beneidet, macht deren Glück zum eigenen Unglück und das impliziert, dass man selbst eigentlich nie richtig glücklich sein kann. Das halte ich für kein wirklich taugliches Lebenskonstrukt. In den letzten Tagen und Wochen hat der Neid, dem bis dato wohl wenig Positives abzugewinnen war, trotzdem etwas Gutes bewirkt, wie mir dünkt. Wir haben seit geraumer Zeit zugelassene Corona-Impfstoffe (yeah!), nur wollten sich zu Beginn verhältnismäßig wenige Menschen damit impfen lassen. Nun aber haben sich in Phase I der Impfung auch Menschen, vorrangig die mit Argusaugen beobachtete Obrigkeit in Form von Bürgermeistern, quasi „vorgeschummelt“ und sich impfen lassen, obwohl sie laut Plan noch gar nicht dran wären. (Anmerkung: Ich verstehe den Skandal allein deshalb nicht, weil mir schleierhaft ist, warum Bürgermeister*innen und ranghohe Politiker*innen nicht ohnehin sofort geimpft werden. Ich halte es nämlich für problematisch, wenn Kompetenzen bis in Gemeindeebenen hinuntergeschoben werden und der oberste Gemeindebürger plötzlich ausfällt. Aber das nur am Rande.) Und was ist passiert: Der große Impfneid ist ausgebrochen. Menschen, die sich selbst gar nicht impfen lassen wollten, finden es plötzlich schlimm, wenn andere geimpft werden, die zwar wollten, aber noch nicht gedurft hätten. Natürlich mögen auch andere Parameter dazu beigetragen haben, dass die Impfbereitschaft steigt, wenn sich aber nur ein kleiner Teil davon der Trotzigkeit wegen nun doch impfen lässt, dann sollte man auf die Bürgermeister nicht neidisch, sondern ihnen dankbar sein. Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at

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© KUNSTFOTOGRAFIN

eco.mmentar

ETWAS [ÜBER]MUT Mut und Zuversicht sind die Kernaussagen von Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen, die er anlässlich der Regierungskrise 2019 erstmals getätigt hat. Wer konnte ahnen, dass er in den kommenden Jahren diese Aussage mehrmals wiederholen sollte?

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S

prachlich betrachtet stammt das Wort Mut aus dem Indogermanischen und bedeutet so viel wie „sich mühen, starken Willens sein, heftig nach etwas streben“. Also eine positiv besetzte Wortherkunft. In der heutigen Verwendung spannt sich ein Bogen zwischen Mutlosigkeit und Übermut. Am einen Ende des Bogens: die Mutlosigkeit. Eine Situation, in der wir uns antriebslos oder gar ängstlich fühlen und uns nicht trauen, einen ersten Schritt zu setzen. Am anderen Ende: der Übermut. Wir agieren zu fokussiert und lassen unser Umfeld außer Acht. In der Mitte dieses Spektrums sitzt der Mut. Er wird von einem starken Willen befeuert, um etwas zu erreichen, wir nehmen dabei mögliche Risiken für uns selbst in Kauf und lassen uns vom angestrebten Ziel anziehen.

VON ALEXANDER M. SCHMID

MUTLOSIGKEIT UND HELDENMUT

Manchmal ist es gar nicht so leicht, zu unterscheiden, ob Mutlosigkeit von einem fehlenden Antrieb herrührt oder uns ein vermeintliches Risiko blockiert, etwas zu unternehmen. Beides lässt sich überwinden, wenn man kleine erste Schritte setzt – sei es aus Gründen der Effizienz, um möglichst wenig Ressourcen zu vergeuden, oder aus Risikominimierung. Ganz anders verhält es sich bei Heldenmut. Hier stellen Menschen ihre eigenen Bedürfnisse zurück und verschreiben sich dem Wohlergehen anderer. Gerade in der aktuellen Zeit zeigen viele sonst wenig sichtbare Berufsgruppen, die technisch als „systemrelevant“ bezeichnet werden, sehr viel Mut, um anderen Menschen zu helfen. Tag für Tag setzen sie sich einem Risiko aus, das wir Systemnutzer*innen erst dann wahrnehmen, wenn es uns persönlich betrifft.

MUT ERLERNEN

Kleinkinder haben den großen Vorteil, dass sie die Gefahren des Alltags noch nicht kennen und unbekümmert Neues probieren. Bis sie gehen können, setzt es sie mehrere Tausend Mal hin und dennoch machen sie weiter. So lange, bis es klappt. Eltern unterstützen sie dabei, ohne ihnen

das Gehen selbst abzunehmen. Später aber werden manche Eltern zu Helikoptereltern und versuchen, jede Gefahr von ihren Kindern abzuwehren. Das führt dazu, dass Kinder immer weniger eigenen Antrieb entwickeln, etwas selbst zu probieren, daran zu scheitern und es weiter zu probieren. Denn auch das Scheitern mit kleinen Blessuren ist eine wichtige Erkenntnis für das spätere Leben. Der unmittelbare Zusammenhang von Ursache und Wirkung ist die Basis dafür, künftig die richtige Einschätzung von Mut beweisen und Risiko abschätzen treffen zu können.

Sich selbst zu vertrauen und anderen Vertrauen zu schenken, ist die Basis für Mut.

Jahre später – im Berufsleben – rächt sich dieser Mangel an Erfahrung. Sie haben es dann mit Mitarbeiter*innen zu tun, die keinen eigenen Antrieb und keinen Mut zum Risiko beweisen können. Sie haben sich eine Masse an Anweisungsempfänger*innen herangezogen. Trifft diese Erziehung auf ein Führungskräfteverhalten, das Mut zum Risiko auch noch mehr bestraft als fördert, enden wir in einer unselbständigen, ideen- und innovationslosen Wirtschaft.

ZEIT FÜR MUT

Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit für Mut gekommen? Mehr Mut, Neues auszuprobieren und daraus zu lernen, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Mehr Mut, Mitarbeiter*innen selbst entscheiden zu lassen und als ihre Führungskraft die volle Verantwortung dafür zu übernehmen. Nur so erarbeiten wir alle uns wieder Stück für Stück jene Unbekümmertheit zurück, die uns in Kindesjahren so rasch hat Neues lernen lassen. Seien Sie wieder öfters mutig und haben Sie die Zuversicht, dass es gut wird.

ZUR PERSON Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über sechs Jahren mit Vereinfachung in Unter­­nehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at


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05.01.17 14:24


eco.wirtschaft

IE: SER EXT RT KLA

MAN SPRICHT DEUTSH Deutsch geschrieben heißt noch lange nicht verständlich. Ob Recht, Politik, Verwaltung, Technik oder Werbung – der wahre Sinn vieler Aussagen versteckt sich oft hinter barocken Satzgebilden. Ziemlich leichte Sprache nimmt die Luft aus aufgeblasenen Formulierungen und legt den Blick auf die meist bescheidene Substanz frei. Klartext geht einen Schritt weiter und ergründet die wahren Absichten des Verfassers. Es gilt die Unschuldsvermutung. T E X T : K L A U S S C H E B E S TA

O R I G I NA L : D I E W U T K A N Z L E R I N I M O -TO N

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat laut einem Medienbericht in einer internen Videokonferenz mit Fraktionschefs der Christdemokraten aus Bund und Ländern das Management in der Coronakrise scharf kritisiert: „Uns ist das Ding entglitten.“ Zudem sagte Merkel nach Angaben von Zuhörern der Videokonferenz, man müsse „den Flugverkehr so ausdünnen, dass man nirgendwo mehr hinkommt“.

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ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Das ist jetzt etwas schwierig. Normalerweise gilt es, an dieser Stelle eine Übersetzungsleistung zu erbringen und Gefasel in verständliches Deutsch zu transformieren. „Uns ist das Ding entglitten“ muss man einfach so stehenlassen, wie es ist. Interessant hingegen ist der Vorschlag, „den Flugverkehr auszudünnen“. Das ist derzeit gar nicht so einfach. Stellen Sie sich eine Glatze vor. Diese entspricht in etwa dem aktuellen Zustand der Flugbranche. Wie kann man dort noch etwas „ausdünnen“?

KLARTEXT: Die Bemerkung ist Frau Merkel wahrscheinlich herausgerutscht – schade, dass das nicht öfter passiert. Endlich mal eine Politikerin, die Klartext redet.

ORIGINAL: DER DUNNING-KRUGER-EFFEKT

Der nach den US-Psychologen David Dunning und Justin Kruger benannte Dunning-Kruger-Effekt beschreibt das Phänomen, dass inkompetente Menschen ihr eigenes Können überschätzen und zudem nicht in der Lage sind, das Maß ihrer Inkompetenz zu erkennen. Deswegen gibt es in Österreich über die acht Millionen Fußballtrainer hinaus so viele Hobby-Virologen.

ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Ein Freund von David Dunning, der Komiker und Schauspieler John Cleese, hat es perfekt auf den Punkt gebracht: „Das Problem mit dummen Menschen ist, dass sie nicht die leiseste Ahnung haben, wie dumm sie wirklich sind.

KLARTEXT: Jetzt wissen wir wenigstens, wo all diese Verschwörungstheorien herkommen.

ORIGINAL: „ERHEBLICHE KRÄNKUNG“

Es ist zwar schon ein paar Wochen her, aber es ist zu schön, um es zu vergessen. Bedienstete der Landeshauptstadt, die bei Ausschreibungen für Referats-, Amts- oder Abteilungsleiterstellen nicht berücksichtigt werden, sollen, wenn es nach der Innsbrucker FPÖ geht, für den erlittenen „erheblichen Kränkungsschmerz“ ein Jahr lang eine monatliche „Kränkungszulage“ von 250 Euro erhalten.

ZIEMLICH LEICHTE SPRACHE: Beamte sind sehr sensible Menschen. Wenn sie sich auf eine höhere Stelle bewerben und abgewiesen werden, muss man ihnen helfen. Die Zeit heilt zwar alle Wunden. Aber mit Geld geht das schneller.

KLARTEXT: Wenn es eine Steigerung von „daneben“ gäbe, dann wäre dieser Vorschlag definitiv „danebener“. Ausgerechnet in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit zu fordern, dass Beamte (die aufgrund ihres sicheren Jobs ohnehin bereits privilegiert sind) auch noch eine „Kränkungszulage“ erhalten, tut einfach nur weh.


INNSBRUCK MARKETING

ERLEBNISRÄUME Die Innenstadt ist das soziale und kommunikative Zentrum einer Stadt. Hier treffen sich Menschen, verbringen ihre Freizeit, versorgen sich mit Gütern und Dienstleistungen.

E

in Stadtteilzentrum muss attraktiv sein. Einkaufen, bummeln und Freizeitgestaltung – all dies findet in Innenstädten statt. So werden sie zu Erlebnisräumen, in denen die Menschen sich gern aufhalten, in Geschäften mit modernen Konzepten, ansprechenden Restaurants, Cafés und Räumen zum Verweilen. Dienstleister wie Ärzte, Banken und Behörden bilden das Rückgrat einer lebendigen Innenstadt. Alle können digitale Technologien nutzen, um Angebote und Services bis zu den vernetzten Kunden zu bringen. Wenn dies gelingt, steht einer engen und vor allem direkten Kommunikation zwischen allen Beteiligten nichts mehr im Weg. Doch nur mit Technologien allein wird keine Innenstadt zu einem „Dritten Ort“, an dem sich die Menschen gern aufhalten. Hierzu gehört es auch, dass eine Stadt Ambiente hat, Geschichten erzählen und Menschen begeistern kann. Die emotionale Ansprache aller Menschen in einer Stadt und derjenigen, die sie besuchen, ist unerlässlich für eine lebendige und lebenswerte Stadt. Heute hat bereits ein Umdenken in den Städten und im Handel eingesetzt. Viele innovative Ideen werden umgesetzt und zeigen Wirkung. Diese positive Entwicklung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch viel zu tun gibt. FOTOS: © INNSBRUCK TOURISMUS / BERNHARD AICHNER / MARIO WEBHOFER

MEHR ALS SHOPPING

GUTES LEBEN ERMÖGLICHEN

Innenstädte stehen schon seit Längerem in Konkurrenz zum wachsenden Onlinehandel. Die aktuelle Situation zeigt das besonders. Die Alt- und Innenstadt Innsbrucks ist zudem mehr als nur eine Einkaufs-Innenstadt. Sie ist identitätsstiftender Ort nach innen und außen. „Die künftige Entwicklung unserer Innenstadt kann nur gemeinsam mit allen Akteuren gelingen. Daher brauchen wir eine Strategie, die den zukünftigen Nutzungsanforderungen an unsere Stadt gerecht und die von allen Beteiligten mitgetragen wird“, sagt Michael Perger, Obmann des Altstadtvereins. Die Urbanisierung der Gesellschaft schreitet seit Jahren voran – damit einher gehen veränderte Ansprüche der Bewohner*innen an die Qualität der Innenstädte. „Die Agenda der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung ist lang, doch der Handlungsdruck ist durch die Coronakrise enorm gestiegen und erfordert schnell konkrete und vielfältige Maßnahmen“, so Thomas Hudovernik vom Innenstadtverein. Das setzt auch für das Stadtmarketing, zu dessen ureigenster Aufgabe die Arbeit am Stadtprofil und an der Qualität der Innenstadt zählt, neue Maßstäbe.

Doch was bedeutet Stadtqualität heute? Welche Ansprüche müssen erfüllt werden, die auch in Zukunft Bestand haben? Und wie muss zeitgemäßes Stadtmarketing darauf reagieren? Der Markenkern von Innsbruck „alpin urban leben“ entfaltet hier seine umfassende Bedeutung: „Das Stadtmarketing trägt auch in Zukunft dazu bei, den Menschen in den Städten in ihrer Individualität ein gutes Leben zu ermöglichen. Menschen wollen sich in ihrer Stadt wohlfühlen – Arbeit, Wohnen, Lernen, Einkaufen und Freizeit im Einklang erleben. Gemeinsam mit den Akteuren einer Stadt sollte Stadtmarketing den erforderlichen Zukunft gestaltenden Entwicklungsprozess inspirierend, vermittelnd und moderierend vorantreiben und umsetzen“, so Bernhard Vettorazzi, Geschäftsführer des Innsbruck Marketing. Städte müssen im ständigen Austausch mit Politik, Verwaltung, Wirtschafts- und Sozialpartnern die Rahmenbedingungen für die Innenstadt der Zukunft weiterentwickeln und Bündnisse erweitern. Diese Bündnisse sind für die Entwicklung und den Erhalt der Innenstädte im Sinne der europäischen Stadt als Lebensmittelpunkt für ihre Bewohner*innen wie für Gäste einer der wichtigsten Zukunftsgaranten. PR


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WAGE MUT „ E S G E H Ö R T V I E L M U T D A Z U , I N D E R W E LT N I C H T M I S S M U T I G Z U W E R D E N .“ J. W. G OE T HE TEXT: MARIAN KRÖLL

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IN DIE S ER PA NDEMIE MÜ S S EN W IR MEHR A L S ZU VOR DA MI T UMGEHEN L ERNEN, DA S S E S IN DER GL EIC HUNG NIC H T NUR EINE GR O S S E Z A HL A N BEK A NN T EN UNBEK A NN T EN GIB T, S ONDERN V ERMU T L IC H AUC H NO C H EINEN GA NZEN S T R AU S S VOL L ER UNBEK A NN T ER UNBEK A NN T ER . W IR W IS S EN NOC H NIC H T, WA S W IR NIC H T W IS S EN.

M

ut kann man nicht kaufen. So erzählt man es sich. Die allgegenwärtige Coronavirus-Pandemie, mit der zumindest in der breiten Öffentlichkeit niemand so richtig gerechnet hat, gibt seit bald einem Jahr den Takt an. Daher erscheint es höchst notwendig, einer herausgeforderten, zunehmend entmutigten Gesellschaft frischen Mut einzuimpfen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Anders, so scheint es, werden wir aus diesem Schlamassel nicht mehr herausfinden. Testen, testen, testen allein ist zu wenig und tracen, tracen, tracen funktioniert ab einer gewissen Inzidenz offenbar nicht mehr. Hätte man über den vergangenen Sommer mehr tun können, um sich auf eine zweite Welle besser vorzubereiten? Die Vulnerablen besser schützen, das Gesundheitspersonal besser unterstützen, das Contact Tracing signifikant verbessern und digitalisieren? Vielleicht. Wahrscheinlich. Geschenkt. Das ist alles Water under the bridge, wie der Anglophone sagen würde. Hätte, hätte, Fahrradkette würden die Nachbarn im Norden vielleicht sagen, Hätti-wari-tati könnte man hierzulande achselzuckend in den Chor der Versäumnisse aus der näheren Vergangenheit einstimmen.

MUT UND ZUMUTUNG

Sicher ist, nach dem ersten Lockdown durften wir beinahe einen Sommer wie damals erleben, vor der Pandemie. Ein trügerisches Stück weit alte Normalität, weil wir von der neuen nichts wissen wollen. Das ist nachvollziehbar. Ob es heuer in der warmen Jahreszeit auch so werden wird oder sogar besser, ist noch keinesfalls abgemacht. Glaubt man Corona-Kassandras wie dem Virologen Christian Drosten, liegt das Gröbste nicht hinter, sondern möglicherweise sogar noch vor uns. „Dieses Virus lässt nicht mit sich verhandeln“, hat Drosten einmal gesagt. Diese Erkenntnis scheint zunächst trivial, dennoch scheinen wir sie kollektiv ebenso wenig wie die politischen Entscheidungsträger wirklich verinnerlicht zu haben. Deshalb reagieren wir bisweilen trotzig in unseren Bestrebungen, uns den immer wieder neuen Zumutungen, mit denen uns dieses Virus seit fast einem Jahr konfrontiert, entgegenzustellen. Wir wissen mittlerweile fast alle über die Exponentialfunktion Bescheid und haben schon (zu) oft gehört, dass die nächsten Wochen entscheidend sein werden. Wir sind müde und dünnhäutig, abgekämpft, aber auch irritiert und zornig. Dieser Zorn beginnt, sich auf den Straßen und Plätzen in Form von angemeldeten Demonstrationen und nicht angemeldeten „Spaziergängen“ seinen Weg zu bahnen und sich in den Häusern breit

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zu machen. Dort, wo der Staat aus gutem Grund nicht Nachschau hält, ob wir uns auch an die Regeln halten. Wir – besonders die Tiroler – bewegten uns zu viel, hieß es unlängst. Wir bleiben zu wenig zu Hause, heißt das im Umkehrschluss. Mag sein. Stell dir vor, es ist Lockdown, und keiner geht hin. Es sieht manchmal so aus, als würden wir mit allen negativen Konsequenzen leben müssen, die mit Lockdowns einhergehen, ohne aber die Früchte unserer kollektiven Mühen und Verzichte ernten zu können. Ein bissl schwanger gibt’s aber nicht, wie gerade in Österreich allgemein bekannt ist. Und ob ein bissl Lockdown, der sich eine gefühlte halbe Ewigkeit hinzieht, die beste Lösung ist, wird sich noch zeigen. Es sieht derzeit nicht danach aus, das Infektionsgeschehen stagniert auf relativ hohem Niveau. Der Lockdown lohnt nicht. Das Leben (im Lockdown) lebt nicht. Dazu kommen noch diverse Mutanten. Nichts zu tun und dem Virus seinen Lauf zu lassen, ist keine Alternative. Das würde das Gesundheitssystem überfordern und auch die Wirtschaft schädigen und dazu führen, dass mehr jüngere Menschen, die mitten im Leben stehen, sterben müssten. „There is no glory in prevention“, heißt es unter Virologen. Und es stimmt: Prävention ist kein glorreiches Unterfangen, sondern ein höchst unbeliebtes. Die Situation ist unbefriedigend und nicht selten unübersichtlich. Diese Pandemie ist aber kein Schicksal. Sie entzieht sich nicht völlig unserer Gestaltungsmacht, auch wenn sich da und dort Ohnmachtsgefühle breit machen. Wir können ins Agieren kommen, uns Luft verschaffen und uns – Zentimeter um Zentimeter, Dosis um Dosis – unser altes Leben oder zumindest das, was uns davon wirklich am Herzen lag, zurückholen. Und das,

was überflüssig war, abstreifen und korrigieren, was sich in die falsche Richtung entwickelt hat. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis und eine Perspektive. Dazu müssen wir die falsche Dichotomie Freiheit oder Gesundheit überwinden. Mutig in die neuen Zeiten. Auf dass unsere Verzagtheit, ja vielfach die diffuse Wut im Bauch, in Zuversicht und Mut mutieren mögen. Mut kann man nicht kaufen, es gibt ihn aber auch nicht geschenkt. Damit ist nicht der Gratismut gemeint, in den sozialen Medien steile Ansagen zu machen und unbewiesene Behauptungen aufzustellen oder zu vervielfältigen. Mut muss man sich erarbeiten. Das lässt sich schon aus der Wortherkunft herleiten, stammt der „Mut“ doch aus dem indogermanischen mo-, was nichts anderes heißt als sich mühen, starken Willens sein, heftig nach etwas streben. Und was die ganze Gesellschaft kollektiv anstreben kann, ja muss, ist eine Normalisierung, ein Aus für den Ausnahmezustand, eine Befreiung aus der Virokratie.

MUT ZUR UNSICHERHEIT

Dafür gibt es neben der Impfung noch andere Begleitmaßnahmen. Smartphone-Apps zur digitalen Kontaktnachverfolgung – ein Erfolgsrezept asiatischer Länder in

EIN BIS S L S C H WA NGER GIB T ’S NIC H T. UND OB EIN BIS S L L OC K DOW N, DER S IC H EINE GEF ÜHLT E H A L BE E W IGK EI T HINZIEH T, DIE BE S T E L Ö S UNG IS T, W IRD S IC H NOC H ZEIGEN.


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DA S V IRU S KOMM T W EDER MI T DEM AU T O, NO C H FÄ HR T E S BE S ONDER S GERN ODER UNGERN S K I. E S IS T UN T ER UNS , UND E S IS T T R O T Z IMP F UNG GEKOMMEN, UM ZU BL EIBEN. E S IS T ENDEMIS C H.

der Coronabekämpfung – waren dank einer missglückten Informationskampagne hierzulande vor ihrer Ausrollung bereits obsolet. Ebenso wie die Corona-Ampel, gleichermaßen Quelle von Verwirrung und Erheiterung, in etwa so wie ein zweispuriger Kreisverkehr in einer Provinzstadt. Derweil wäre gerade ein Revival einer vertrauenswürdigen App eine effektive Maßnahme, um ein Contact Tracing wieder und effizienter in Gang zu setzen. Datenschutzbedenken sind legitim und ernst zu nehmen, es dürfte sich aber bei der App in jedem Fall um das geringere Übel handeln. Alles andere als übel ist dagegen die Geschwindigkeit, mit der die Impfungen gegen Covid-19 entwickelt worden sind. Dasselbe lässt sich von der Effektivität der zugelassenen Vakzine behaupten. Niemand soll und darf zum Impfen gezwungen sein, aber es gilt, was der Infektiologe Herwig Kollaritsch pointiert gesagt hat: „If you don’t like vaccination, try the disease“ Auf gut Deutsch: „Wenn Sie die Impfung nicht mögen, versuchen Sie’s mit der Erkrankung.“ Das sollte die Wahl dann doch etwas erleichtern. Angesichts der Malaise ist es keine Zumutung, sondern ein noch rares Privileg, sich bereits jetzt aus der Covid-Grube herausimpfen zu können. Sich mit einem simplen Druck auf den Kolben der Spritze aus dem Reservoir des Virus verdrücken zu können und

dadurch selbst nicht mehr gefährdet zu sein und – noch wichtiger – andere nicht mehr im selben Ausmaß zu gefährden. Wobei Letzteres noch nicht abschließend geklärt ist. Als Belohnung fürs Mitmachen winkt als Jackpot eine schrittweise Normalisierung der Zustände, die angesichts von Lieferengpässen und föderalen Reibungsverlusten noch eine Zeit lang ein Zustand sein werden. Geduld und ein langer Atem bleiben gefragt. Wir sind noch eher im Tunnel am Ende des Lichts als andersherum. Mit den Zulassungen verschiedener Impfstoffe wird zudem die Frage der Verteilungsgerechtigkeit auf dem Globus wieder virulent. Denn letzten Endes ist auf dieser hoch globalisierten und vernetzten Welt niemand sicher, solange nicht alle sicher sind. Es wird dauern, bis in allen Weltgegenden zumindest vorübergehende Immunität herrscht. Mut und Gelassenheit braucht es, um die Dinge zu ertragen, die man aus eigener Kraft nicht ändern kann. In dieser Pandemie müssen wir mehr als zuvor damit umgehen lernen, dass es in der Gleichung nicht nur eine große Zahl an bekannten Unbekannten gibt, sondern vermutlich auch noch einen ganzen Strauß voller unbekannter Unbekannter. Wir wissen noch nicht, was wir nicht wissen. Was wir allerdings wissen, ist, dass mit Ende Jänner 2021 nach Daten der WHO bereits rund 240 weitere Impfstoffe in Entwicklung sind, deren gemeinsames Ziel es ist, dem Coronavirus den Garaus zu machen. Die Methoden sind teils völlig neu und vielversprechend. Bis zur Zulassung der Impfstoffe zweiter Generation ist allerdings noch Geduld gefragt. Wir kriechen derweil auf allen Vi(e)ren Lockdown-Lockerungen entgegen, die psychische Volksgesundheit scheint mittlerweile mindestens so bedroht wie die physische.

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MU T K A NN M A N NIC H T K AUF EN, E S GIB T IHN A BER AUC H NIC H T GE S C HENK T.

FREI UND/ODER GESUND

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Die Navigation durch die Nebel der Pandemie scheint es zu erfordern, die individuellen Rechte und Freiheiten – freilich zeitlich begrenzt und parlamentarisch legitimiert – einzuschränken. Das ist schmerzhaft und bedarf der Erklärung und fortwährenden Rechtfertigung. Der Verweis auf die eigene Freiheit ist legitim. Diesem Interesse steht jedoch in Zeiten wie diesen das Recht des Anderen auf den Schutz der Gesundheit gegenüber. Diese Rechte und auch Ansprüche lassen sich nicht uneingeschränkt miteinander vereinbaren. Jedenfalls braucht es ein waches Bewusstsein dafür, dass sich unter dem Deckmantel der gesundheitspolitischen Maßnahme kein repressives Klima verstetigen kann und die notgedrungen totalitären Implikationen der Seuchenkontrolle keinen dauerhaften Nährboden finden können. In den meisten Ländern der Europäischen Union scheint das zuverlässig gewährleistet. Es stellt sich zudem die Frage, ob denn eine demokratische Gesundheitspolitik überhaupt möglich ist. US-Historiker Peter Baldwin verneint dies in seinem Buch „Disease and Democracy“ (2005): „In der Epoche effektiver Staatlichkeit ist die öffentliche Gesundheit immer noch ein Bereich deutlicher gesetzlicher Kontrolle, wo der Durchschnittsbürger damit rechnen muss, dass er die eiserne Faust durch den Samthandschuh hindurch zu spüren bekommt.“ Der Staat macht sich in dieser Krise in einer Deutlichkeit bemerkbar, die zumindest den jüngeren Semestern bislang unbekannt war, macht die Grenzen einigermaßen dicht, lässt die Rollläden herunter. Die Entstehungsgeschichte der Pandemie ist nach wie vor nicht abschließend geklärt. Es gibt unterschiedliche Thesen. Die gängigste ist, dass dieses neue Coronavirus den Sprung vom Tier zum Menschen auf einem Wet Market in China geschafft hat. Eine andere ist, dass es aus einem Labor in Wuhan entkommen ist. Das Gerede vom China-Virus, der Briten-Mutation und der Südafrika-Mutation ist über die Kultivierung von Ressentiments hinaus nicht hilfreich. Generell wird es rasch martialisch, wenn das Virus „bekämpft“ werden soll und man – wie es etwa in Frankreich der Fall ist – dem Virus den „Krieg“ erklärt hat. Man darf getrost davon ausgehen, dass sich das Coronavirus von dieser Rhetorik nicht beeindrucken lässt. Es kommt weder mit dem Auto, noch fährt es besonders gern oder ungern Ski. Es ist unter uns, und es ist trotz Impfung gekommen, um zu bleiben. Es ist endemisch.

KOSTE ES, WAS ES WOLLE

Mit Blick auf die Budgetentwicklung 2020 trat die österreichische Bundesregierung gewissermaßen den Wahrheitsbeweis dieser Ansage an. Während Ökono-

mie eigentlich die Wissenschaft von der Bewirtschaftung knapper Güter ist, scheint sie in diesen Tagen keine Grenzen zu haben, ebenso wie ökonomische Glaubenssätze ihre Geltung weitgehend verloren zu haben scheinen. Fest steht, wir – und ganz speziell unser Geldsystem – wandeln auf ökonomisch unbefestigtem Gelände, für das eine erklärmächtige Theoriebildung wohl erst im Rückblick einsetzen wird. Dafür spricht, dass derzeit vor Inflation wie vor Deflation gleichermaßen gewarnt wird, aber nicht beides zugleich eintreten kann. Jedenfalls dürften, wie auch OeNB-West-Direktor Armin Schneider betont (Seite 78), die Banken und der Finanzsektor diesmal ganz im Gegensatz zur letzten großen Wirtschaftskrise Teil der Lösung und nicht des Problems sein. Mut macht auch die Prognose des IV-Chefökonomen Christian Helmenstein (Seite 48), der sich optimistisch zeigt, wenn er sagt, man dürfe „die Stärke des Aufschwungs nicht unterschätzen“, und davon ausgeht, dass das wirtschaftliche Comeback stärker als im Zuge einer „normalen“ Rezession ausfallen wird. In der Konjunkturerholung darf also – den jüngsten, EU-weit schlechtesten Wirtschaftsdaten zum Trotz – durchaus noch auf den V-Stil gehofft werden, der die Wirtschaft fast ebenso schnell zurück zum Vorkrisenniveau bringt, wie sie abgestürzt ist. Zukunftsforscher dürfen sich in ihrem Wirkungskreis den Luxus erlauben, sich für ihr Geschwätz von morgen nur vorübergehend zu interessieren. Komplexe, interdependente und tief verschachtelte Systeme sind schwer vorhersagbar, vor allem dann, wenn bei vielen Variablen nur ein Leerzeichen steht. Es ist aber gut und wichtig, dass es Menschen gibt, die gebildet und gut informiert, aber immer in der Möglichkeitsform von der Zukunft zu reden wagen und uns dazu ermutigen, die Welt in neuem Lichte zu betrachten.


Aufeinander schauen, einander zuhören, miteinander mehr bewegen.

» Echte Partner sind da, wenn es darauf ankommt.« Fünf Wirtschaftskrisen habe ich in vierzig Berufsjahren bereits erlebt. Keine war wie die andere, aber eines hatten sie alle gemeinsam. Sie gingen irgendwann zu Ende. Auch wenn uns diese Pandemie noch länger in Atem halten wird und die Kollateralschäden gravierend sind: Wir werden diese Krise gemeinsam meistern. Denn Raiffeisen steht für gelebte Partnerschaft. Daher stehen wir auch in herausfordernden Zeiten wie diesen mit Zuversicht und Blick nach vorne an Ihrer Seite.

Foto: Raiffeisen/Günter Kresser

MMag. Reinhard Mayr Sprecher der Raiffeisen-Bankengruppe Tirol

www.raiffeisen-tirol.at


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tungen und Einschränkungen ist weder für den Sender noch den Empfänger der Nachricht vergnügungssteuerpflichtig. Mögen vergleichsweise banale Dinge wie Dieselprivileg und kalte Progression bald wieder zum größten Zankapfel der Nation werden und möge die Gesellschaft wieder am meisten polarisiert sein durch alles, was Andreas Gabalier sagt und tut bzw. nicht sagt und nicht tut. Nicht nur die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krisenfolgen wollen bewältigt werden, sondern auch die psychosozialen Auswirkungen, die vor allem Kinder und Jugendliche besonders hart treffen. Die Jugend fragt sich vermutlich mittlerweile völlig zu Recht, was denn das für 1 life sein soll?

AN DER KRISE WACHSEN

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WAS IST DAS FÜR 1 LIFE? Eine allzu gönnerhafte öffentliche Verkündigung überschaubarer Lockerungen des „harten“ Lockdowns ist sicherlich nicht die Tonart, die die Regierten von den Regierenden hören wollen. Mittlerweile ist sattsam bekannt, dass immer die nächsten Wochen entscheidend sein werden. So wie alle Wochen davor. Immerhin ist die politische Elite dem Volk nicht mehr so offensichtlich böse wie noch im vergangenen Frühjahr, obwohl die Disziplin und die sogenannte Compliance langsam aber stetig abnehmen und sich der Lockdown-Blues breit macht. Der Innenminister schilt zudem die Bürger dieses Landes nicht mehr pauschal als Lebensgefährder. Man fühlte sich bisweilen gar an Bertolt Brecht erinnert, der einst schrieb: „Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“ An der Art und Weise, wie die Politik in dieser Pandemie zu ihrem Volk gesprochen hat, gibt es sicher einiges zu verbessern. Wie das gehen könnte, weiß Kommunikationsexperte Georg Hofherr (Seite 46), der aber zu bedenken gibt, dass auch der viel geschmähte Babyelefant eine Funktion hat und mit reiner Sachlichkeit nichts zu gewinnen ist. Das Reden von der Krise und den damit verbundenen, notwendigen Zumu-

Diverse Verschwörungserzählungen, die sich rund um das Coronavirus ranken, könnte man auch als kollektive Verdrängungsleistung auffassen. Das Virus wird von manchen nicht als Realität erlebt, sondern als Machination eines Marionettenspielers, der Bill Gates oder wie auch immer heißen kann und sich mit dem herrschenden Gesellschaftssystem gegen einen verbündet hat. Das System wird grosso modo für alle Unbill verantwortlich gemacht, ohne dass es für notwendig befunden wird, sich mit den Mechanismen, die dieses System miteinander erst konstituieren, zu beschäftigen. Zuerst wurden nur die News als Fake abgetan, jetzt sogar eine ganze Pandemie. Natürlich bestehen die Demonstrationszüge in den Straßen des Landes nicht nur aus Obskuranten und Neonazis, sondern auch aus sorgenvollen Bürgern, denen die staatlichen Maßnahmen deutlich zu weit gehen. Der Leidensdruck nimmt zu. Es mag kontraintuitiv sein, aber die Sinnforscherin Tatjana Schnell (Seite 26) argumentiert, dass das Leiden, auf das man sich einlässt, die Vorbedingung für posttraumatisches Persönlichkeitswachstum ist. Während die Krisenbewältigung das Leben und Fortschreiten unserer Gesellschaft beinahe zum Erliegen gebracht hat, können wir uns zwischenzeitlich doch individuell weiterentwickeln. Das kann durchaus mit psychischen Schmerzen verbunden sein, mit dem vorübergehenden Abschied von allen Illusionen. Zurückgeworfen auf uns selbst können wir aber auch Kraft schöpfen, innehalten und nachdenken. Über uns selbst als Individuen und als Gesellschaft, als Rädchen in einem System, das größer ist als die Menschheit. Der Sozialanthropologe Alex de Waal hat das so formuliert: „Wir haben die Regeln unserer Ökosysteme verändert, und gewisse Pathogene haben uns durch ihre agile Anpassung an eine Welt überrascht, von der wir glaubten, es sei die unsere.“

DIE S E PA NDEMIE IS T K EIN S C HIC K S A L . S IE EN T ZIEH T S IC H NIC H T VÖL L IG UNS ERER GE S TA LT UNG S M AC H T, AUC H W ENN S IC H DA UND DOR T OHNM AC H T S GEF ÜHL E BREI T M AC HEN.


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Psychosozialer Krisendienst:


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eco.wirtschaft

DER (SINN-)KRISE ENTWACHSEN

M

it der allgemeinen Katerstimmung nehmen auch die individuellen Sinnkrisen stark zu. Wer sie durchleidet, sich richtig „runterziehen“ lässt, kann sogar gestärkt daraus hervorgehen, meint Universitätsprofessorin und Sinnforscherin Tatjana Schnell zum „posttraumatischen Wachstum“.

ECO.NOVA: Wie wird man eigentlich Sinnforscherin? TATJANA SCHNELL: Ich kann nichts dazu sagen, wie „man“

das wird, weil mein Weg ziemlich spezifisch war. Ich habe sehr viele Fächer studiert, die es erlauben, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Das habe ich deshalb getan, weil es mich als Kind schon interessiert hat, warum ich da bin, warum wir sterben müssen und wie wir mit der Endlichkeit des Lebens umgehen. Die ganz großen Fragen des Lebens haben Sie gewissermaßen von Kindesbeinen an begleitet? Ja. Und damals konnte man leichter parallel studieren als heute, wo die Studien sehr verschult sind. Ich wollte ganz viele verschiedene Perspektiven dafür bekommen, wie Menschen mit diesem Hineingeworfensein in die Welt umgehen. Daraus hat es sich kohärent ergeben, das auch in der Forschung weiterzuverfolgen. Was antworten Sie, wenn Sie mit der schwierigen Frage nach dem Sinn des Lebens konfrontiert werden? Was ist der Sinn des Lebens? Da sage ich ganz desillusionierend, dass wir dazu nicht forschen. Wir können nichts über den einen Sinn des Lebens sagen. Wenn es diesen einen Sinn des Lebens gibt, gäl-

Tatjana Schnell beforscht den Sinn der Dinge und macht sich keine Illusionen. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

te er für alle Menschen auf der Welt gleichermaßen. Es müsste ein größerer Plan dahinterstehen. Und das können wir empirisch weder erforschen noch belegen oder validieren. Was wir stattdessen erforschen, ist, was Menschen als Sinn im Leben wahrnehmen. Viele Menschen glauben daran, dass es den Sinn des Lebens gibt. Wir dokumentieren und analysieren das. Andere wiederum glauben nicht an den Sinn des Lebens, bestreiten aber nicht, dass es einen Sinn IM Leben geben kann, nach dem man suchen kann. Dann gibt es noch eine Gruppe, die sich überhaupt keine Sinnfrage stellt, denen das egal ist. Wir untersuchen unter anderem, inwiefern sich diese Menschen voneinander unterscheiden, und können Aussagen treffen, welche Dinge Sinn stiften können. Hat der permanente Ausnahmezustand, in dem wir uns seit Monaten befinden, dazu geführt, dass sich Menschen vermehrt die Frage nach dem Sinn des Ganzen stellen? Ja. Ein Beleg ist, dass Sie jetzt darüber mit mir reden, ein anderer das Ergebnis unserer Studien. Sinnforschung beschäftigt sich immer auch mit Krisen, weil Sinnfragen Fragen sind, die das Grundlegende angehen. Stellt man das Grundlegende in Frage, kommt es zu Krisen. Wir haben unsere Untersuchung im ersten Lockdown und den darauffolgenden Wochen durchgeführt. In den Wochen nach dem Lockdown gab es doppelt so viele Sinnkrisen wie während des Lockdowns. In einer Sinnkrise beginnen die Menschen, Fragen zu stellen. Wenn jemand für sich einen Sinn gefunden hat, dann stellen sich weniger Fragen.

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Wie muss man persönlich ausgestattet sein, um eine derartige Krise besser bewältigen zu können? Es gibt keine psychischen oder physischen Persönlichkeitsmerkmale, die das begünstigen würden. Es hängt größtenteils mit unserer Haltung, unserer Einstellung zusammen. Und dabei zeigt sich – das mag ein wenig kontraintuitiv sein –, dass diejenigen am ehesten durch die Krise wachsen, die sich davon „runterziehen“ lassen. Diejenigen, die zulassen, dass Grundlegendes – also das „Unten“ – dadurch in Frage gestellt wird. Es gibt Menschen, die sagen, sie lassen sich von der Krise gar nicht erst beeindrucken. Und solche, die sagen, sie glauben gar nicht, dass es Corona überhaupt gibt. Wie das geht, weiß ich nicht. Unser Gehirn ist zu einigem fähig. Sollte man nicht arbeitslos werden oder Ähnliches, ist es möglich, so zu leben, als ginge einen das alles gar nichts an. Man kommt gewissermaßen auch gut durch die Krise, wenn man sie gar nicht an sich heranlässt. Es gibt aber eben noch eine andere Art, mit Krisen umzugehen. Wenn Dinge, die als nicht mehr passend erkannt werden, aufgegeben werden, kann man durch eine Krise wachsen. Das nennt sich posttraumatisches Wachstum. Wachstum am Trauma nach einer Krise entsteht dann, wenn ich das, was sich an meinen Grundannahmen nicht mehr bewährt, aufgebe. Nur wenn etwas zerstört wird, kann es neu aufgebaut werden. Dieser Neuaufbau bedeutet, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen und – es klingt banal – sich auf das Leiden einzulassen. Das ist richtig schmerzhaft. Wir wissen, dass Sinnkrisen mit Depressivität, Ängstlichkeit und dem Gefühl, keine Kraft, keine Stärke mehr zu haben, einhergehen. Wenn ich mich auf dieses Leiden einlasse, kann etwas in Bewegung kommen. Daraus ergeben sich Veränderungen, über die – das lässt sich systematisch zeigen – Menschen nachher froh sind, dass es diese Krise gab. Geht man aus persönlichen Krisen, wenn man sich auf sie einlässt, in der Regel also gestärkt hervor? Ganz genau. Sich darauf einlassen heißt, das Leiden zuzulassen. Damit haben wir heute Probleme, weil wir so viele Möglichkeiten haben, das Leiden fernzuhalten. Wenn wir Schmerzen haben, nehmen wir ein Schmerzmittel, Psychopharmaka gegen seelischen Schmerz. Deshalb ist es für uns eigentlich eine Zumutung, zu

„W I R H A B E N V E R L E R N T ZU LEIDEN, WEIL WIR UNS IMMER SELBST OP TIMIEREN UND BESCHLEUNIGT WIEDER HER AUSBEWEGEN M Ü S S E N .“ TATJA N A S C HNEL L

leiden. Im Leiden erleben wir uns aber eigentlich als zutiefst menschlich. Nach dem posttraumatischen Wachstum fühlen die Menschen sich stärker. Aber es ist eine Stärke, die ganz anders ist als das, was man gemeinhin so bezeichnen würde. Es ist eine Stärke, die auf der eigenen Vulnerabilität basiert. Das klingt vielleicht paradox, aber es macht stark, wenn einem bewusst wird, dass man jederzeit verwundbar ist, dass man sterben kann. Die Tatsache, dass man diese Krise überwinden konnte, dass man trotzdem gut leben kann, gibt Kraft.

Es gibt noch immer Menschen, die diese Pandemie nicht wahrhaben wollen oder können. Steckt hinter dieser Indifferenz nicht eine gewaltige Verdrängungsleistung, die irgendwie auch anstrengend sein muss? Diese Indifferenz haben wir auch vor Corona schon als prinzipielle Haltung bei gar nicht so wenigen Menschen vorgefunden, die sagen: „Ich habe zwar keinen Sinn in meinem Leben, vermisse ihn aber auch nicht.“ Diese Personen haben das Gefühl, ihr eigenes Leben nur wenig beeinflussen zu können und dass entweder alles Zufall ist oder „die da oben“ alles entscheiden. Da gibt es interessante Parallelen zu jenen, die jetzt sagen, Corona sei ein Fake. Diese Haltung drückt die Wahrnehmung aus, nicht richtig gehört zu werden, sich nicht als jemanden zu erleben, der in unserem System etwas mitzureden hat.


eco.wirtschaft

Lässt sich diese Gleichgültigkeit ein Leben lang aufrechterhalten? Wir haben dazu noch keine ausreichenden Daten, wir wissen aber, dass Krisen, wenn sie den Menschen berühren, dazu führen, dass er sich hinterfragt. Und wir erleben im Laufe unseres Lebens mehrere Krisen. Deshalb ist es wohl auch so, dass, je älter jemand ist, desto mehr Sinn sieht er im Leben. Ältere Menschen können häufig besser mit kritischen Situationen umgehen als jüngere – wie auch unsere Covid-Studie zeigt –, weil sie in der Vergangenheit schon viele andere Dinge durchgemacht haben. Eine allgemeine Krise muss aber nicht zwangsläufig eine individuelle Krise bedingen. Sie kann durch Verdrängung, Abwehr, aber auch sofortige Kapitulation in die Hilflosigkeit abgewehrt werden. So muss man sich nicht damit auseinandersetzen.

ANLEITUNG ZUR SELBST- BEFRAGUNG 1. Stellen Sie sich Ihr Leben als ein Buch oder einen Film vor. Teilen

Sie es nun in mehrere Kapitel ein und betiteln Sie diese.

2. W orauf werden Sie am Ende Ihres Lebens froh und dankbar

zurückblicken können?

3. Was ist für Sie ein guter Mensch? 4. W enn Sie in einem Satz das große Thema Ihres Lebens benennen

würden, oder Ihr Lebensmotto, was würden Sie sagen?

5. Gibt es Räume oder Orte, in denen Sie eine ganz besondere Kraft

spüren oder die sie als heilig bezeichnen würden?

6. Gibt es Situationen oder Beschäftigungen, bei denen Sie sich

selbst und die Welt um Sie herum ganz und gar vergessen können?

Sie haben vor der Krise bereits beobachtet, dass viele Menschen gleichgültig durchs Leben gehen. Kann man ein glückliches Leben führen, wenn man sich nur als Passagier des eigenen Lebens schicksalsergeben treiben lässt? Gute Frage. Diese Menschen sind so-lala-glücklich, also weder besonders glücklich noch besonders unglücklich. Beim Glückserleben und der Lebenszufriedenheit sind sie genau in der Mitte. Depressivität und Ängstlichkeit sind zugleich nicht so hoch, dass man sagen könnte, diese Menschen würden leiden. Man kann so leben. Aus einer gesellschaftlichen Sicht muss man festhalten, dass es sich um Personen handelt, die sich nirgends engagieren, nirgends mitreden, die sich zurückziehen und keinerlei Position beziehen. Demokratie verlangt aber nach Mitwirkung, nach Mitsprache der Bürger. Als Gesellschaft müssen wir uns überlegen, ob wir nicht Strukturen haben, die dafür sorgen, dass Menschen sich abwenden und nicht mehr

mitreden wollen. Menschen, die arbeitslos werden, sind stigmatisiert und erleben sich nicht mehr als vollwertiger Teil der Gesellschaft. Dasselbe gilt für Menschen mit Migrationshintergrund. Marginalisierte Menschen sind – wie es das Wort schon sagt – an den Rand gedrängt. Folglich empfinden sie kein Zugehörigkeitsgefühl, das ein wichtiger Aspekt des Sinnerlebens ist, ebenso wie das Gefühl, gehört und gesehen zu werden.

Das betrifft vielleicht die Indifferenten weniger, aber ist es in Zeiten wie diesen nicht besonders gefährlich, dass Menschen falschen Propheten aufsitzen? Ich würde gar nicht sagen, dass das die Indifferenten weniger betrifft. Hat man keine eigene Meinung und Haltung, ist es leichter, jemandem hinterherzurennen, nur weil er laut genug schreit. Das können wir allerdings noch nicht empirisch belegen. Wir sehen ganz allgemein, dass jetzt die Menschen am lautesten schreien, die sich lange nicht gehört gefühlt haben. Das ist ein interessanter Indikator dafür, dass in unseren Gesellschaften etwas nicht mehr richtig funktioniert. Es rumort in der Gesellschaft. Das sehen wir alle. Ich glaube, dazu braucht es keine Sinnforscherin, die das bestätigt.

„ES ZEIGT SICH – DAS MAG EIN W E N I G KO N T R A I N T U I T I V S E I N – , D A S S DIE JENIGEN AM EHESTEN DURCH DIE K R I S E WA C H S E N , D I E S I C H D AV O N ‚ R U N T E R Z I E H E N ‘ L A S S E N .“ TATJA N A S C HNEL L

Gerate ich durch die externe, allgemeine Krise in eine individuelle Krise, eine Sinnkrise, was kann ich tun, um diesen Heilungs- und traumatischen Wachstumsprozess zu beschleunigen? Oder gar zu optimieren, weil heutzutage ja alles optimiert werden will. Das ist das Problem. Wir haben verlernt zu leiden, weil wir uns immer selbst optimieren und beschleunigt wieder herausbewegen müssen. Wenn es uns heute schlecht geht und übermorgen auch noch, dann wird zum Arzt gegangen, der dann Antidepressiva verschreiben soll. Bei einer Sinnkrise ist es das Wichtigste, sie überhaupt zuzulassen. Und das braucht Zeit. Niemand kann seine Weltanschauung binnen einer Woche umwerfen und neu aufbauen.

Anders formuliert: Wie kann man besser leiden lernen? Das Wichtigste ist, zu realisieren, dass Leiden nicht unnormal ist. Ich bin nicht krank, nur weil ich leide. Leiden gehört zum Leben dazu.

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Man ist nicht krank, bloß weil man leidet. Ja. Eine Sinnkrise geht zwar mit Ängstlichkeit und Depressivität einher, sie ist aber keine Krankheit, keine Diagnose und keine psychische Störung. Letztere bedeutet, dass das Erleben und Handeln dysfunktional ist und man die Welt nicht mehr sehen kann, wie sie ist. In einer Sinnkrise macht es am meisten zu schaffen, dass man die Welt so sieht, wie sie wirklich ist. In der Sinnkrise lernen wir, unsere sogenannten positiven Illusionen, mit denen wir alle aufwachsen, vorübergehend loszuwerden. Das sind Illusionen wie „Sterben tun nur andere“, „die Welt ist gut“, „ich kann alles kontrollieren, wenn ich nur gut aufpasse“ und „ich bin sowieso besser als alle anderen“. Diese positiven Illusionen helfen uns dabei, unbehelligt zu leben.

Dauerhaft werden wir ohne diese positiven Illusionen wohl nicht auskommen können, weil die Sterblichkeit, Nacktheit und Verwundbarkeit, die wir im Moment der Klarheit erfahren, in Permanenz wohl unerträglich wären? Lässt sich eine illusionslose Existenz überhaupt aufrechterhalten? Es scheint möglich zu sein, illusionslos zu leben. Es ist allerdings bedeutend schwieriger als ein Leben mit Illusionen. Die Menschen, die uns von ihrem posttraumatischen Wachstum berichten, sind überzeugende Beispiele dafür. Diese Personen erleben das permanente Bewusstsein ihrer Vergänglichkeit und Verletzlichkeit nicht als belastend. Es ist möglich, mit diesem Wissen zu leben. Der Philosoph Martin Heidegger hat schon beschrieben, dass die Erkenntnis, dass wir sterblich sind, uns am meisten herausfordert. Sie führt dazu,

dass wir Angst entwickeln. In ihr können wir herausfinden, wer wir wirklich sind, die Eigentlichkeit, wie er es nennt, erfahren. Diese Angst macht uns bewusst, dass wir relativ ungeschützt leben. Sie geht nie ganz weg, aber wir können mit ihr leben. Auch Angst als das Wissen um die eigene Verletzbarkeit ist keine Krankheit und macht uns eher empathisch anderen gegenüber. Im Wissen um unsere eigene Verletzlichkeit sind wir auch nicht so brutal anderen gegenüber. Ja, es ist möglich, illusionslos zu leben. Würden Sie von sich behaupten, ein illusionsloses Leben zu führen? Das würde ich behaupten. Man muss aber ständig daran arbeiten, auch sich selbst immer wieder hinterfragen. Was wir in unserer Gesellschaft heute brauchen, ist eine gewisse Ambiguitätstoleranz. Wir müssen damit leben, dass die Welt nicht schwarz oder weiß ist.

Daran mangelt es eklatant. Ja, Ambiguitätstoleranz heißt aber auch, dass es nie eine totale Sicherheit gibt.

„IN DER SINNKRISE LERNEN WIR, UNSERE SOGENANNTEN POSITIVEN ILLUSIONEN, MIT DENEN WIR ALLE A U F WA C H S E N , V O R Ü B E R G E H E N D L O S Z U W E R D E N .“ TATJA N A S C HNEL L


eco.wirtschaft

Sie ist die Fähigkeit, existenzielle Unsicherheit zu ertragen. Ganz genau.

Müssen Sie das eigene Leiden bewusst zulassen oder ertragen Sie es ganz von allein, werfen sich vielleicht sogar mit der Aussicht auf traumatisches Wachstum bewusst und lustvoll hinein? Von allein würde ich nicht sagen. Aber wenn man es schon einmal durchgemacht hat, ist es leichter, zu leiden. Drücke ich das Leiden von vornherein weg, geht es nicht weg, sondern ist immer irgendwie präsent und macht etwas mit mir. Hineinwerfen würde ich nicht sagen, sondern ertragen und darauf einlassen. Das ist der erste, wichtige Schritt. In der Folge ist es wichtig – das wissen wir auch aus der Forschung –, nicht im Leiden zu verharren und nur noch um sich selbst zu kreisen. Sinnerleben entsteht primär dann, wenn man die Selbsterkenntnis in Handlung übersetzt. Die stärkste Sinnquelle ist die Selbsttranszendenz. Das heißt, etwas für andere zu tun. Ist nicht auch die Selbsttranszendenz eine Dosierungsfrage, die ohne Grenzen als Helfersyndrom pathologisch ausarten kann? Ja. Wir konnten sogar statistisch belegen, dass es für ein stabiles Leben mindestens drei von fünf Sinnquellen*) braucht. Sich nur auf die Selbst-Transzendenz zu beziehen, nur ins Helfen zu gehen, ist nicht gut. In Zeiten wie diesen haben viele Menschen – vielfach unfreiwillig – mehr Freizeit zur Verfügung, die nicht in den Institutionen der Freizeitindustrie verbracht werden kann. In der nichtwissenschaftlichen Literatur, der Belletristik, finden sich viele Verweise auf den Sinn, nein eigentlich die Sinne des Lebens. Können Sie ein Buch empfehlen, das die wichtigen und schwierigen Fragen des Lebens stellt? Das kommt auf den Typ an. Ich selbst bin ein riesengroßer Dostojewski-Fan. Dostojewski hat diese Fragen wunderbar in Romanform verhandelt, etwa bei den Brüdern Karamasow. Belletristik ist super, aber ich würde den Menschen raten, einmal mit ihren Partnern oder Freunden über solche Fragen zu reden. Das tun wir ganz selten, weil diese Fragen für viele sehr intim sind. Diese Fragen verändern uns schon im Gespräch und bringen uns näher zusammen. Das Wichtigste ist es, sich die richtigen Fragen zu stellen.

*) DIE FÜNF DIMENSIONEN VON LEBENSSINN:

1. Vertikale Selbsttranszendenz bzw. Einbindung

des eigenen Lebens in einen größeren Gesamtzusammenhang 2. Horizontale Selbsttranszendenz bzw. praktische Verantwortungsübernahme und Engagement für einen höheren Wert 3. Selbstverwirklichung bzw. Konzentration auf die eigenen Stärken, Potentiale und Entwicklungsmöglichkeiten 4. Wir- und Wohlgefühl bzw. Selbst- und Nächstenliebe 5. Ordnung bzw. Lebensbedeutungen, die durch Bewahrung, Sachlichkeit und Bodenständigkeit gekennzeichnet sind.

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SCHUBKRAFT Unternehmer wollen unternehmen. Wenn es einem die Rahmenbedingungen jedoch verunmöglichen, wird es schwierig. Doch segeln lernt man nicht bei schönem Wetter, sondern auf stürmischer See. TEXT: MARINA BERNARDI

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eco.wirtschaft

„DIE FÜR MICH WICHTIGSTE ERKENNTNIS DER LE TZ TEN M O N AT E : E I N K U R Z E S G E S P R Ä C H Z W I S C H E N D U R C H , E I N G E F Ü H L FÜR SEIN GEGENÜBER ODER AUCH EINE NE T TE BEGRÜSSUNG IST WOHL DAS FUNDAMENT FÜR EIN ZUFRIEDENES UND E R F O L G R E I C H E S M I T E I N A N D E R . E I N P E R S Ö N L I C H E R A U S TA U S C H I S T F Ü R M I C H H E U T E W I C H T I G E R D E N N J E .“ F EL IC I TA S KOHL ER , P L A NL IC H T

D

ie Coronakrise stellt vor viele Herausforderungen. Vieles können wir selbst nicht beeinflussen, manches aber schon. Unsere Gedanken zum Beispiel. Natürlich lässt sich das Virus nicht einfach wegdenken, doch unsere Gedanken setzen etwas in Bewegung. Sie können unsere Selbstzweifel, Sorgen und Schatten nähren. Oder aber unsere Zuversicht und Freude und unser Selbstvertrauen stärken. In Krisenzeiten haben wir eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Nichts zu tun und uns in die Situation zu ergeben oder aktiv dagegen anzugehen. Letztlich ist es nicht unser vertrautes Können und Wissen, das uns neue Perspektiven schenkt, sondern die kleinen, wackeligen Schritte, auf denen wir uns auf unbekanntes Terrain wagen. Das Herantasten und Entdecken, Beobachten und Lernen, Hinfallen und Aufstehen. Das gilt für den privaten Bereich ebenso wie beruflich. Krisen können uns dahinraffen. Oder uns stärker machen. Vieles mussten wir in dieser Krise erst lernen, manches konnten wir aus dem ersten Lockdown bereits mitnehmen, „deswegen fühlt es sich jetzt, bei aller Sorge und Ernsthaftigkeit der Situation, nicht mehr ganz so unsicher an“, schreibt Timo Kaapke in seinem Buch „Krise sei Dank“. Und weiter: „Ich beobachte, dass wir nun nicht mehr nur im Troubleshooting, im Reagieren auf die Situation sind. Sondern dass wir versuchen, aus der passiven Opferhaltung raus wieder ins Agieren zu kommen.“ Auch hierzulande haben viele Unternehmen die Chance genutzt und sich Zeit für sich selbst genommen. „Die Coronakrise bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre eigene Rolle neu zu entdecken und dadurch zu erkennen, was seit langem in Ihnen steckt: echter Unternehmergeist“, findet Kaapke.

ZEIT ZUM TUN

Arbeit und Wirtschaft sind schon seit geraumer Zeit im Wandel. „Disruption“ wurde zum Wort der Stunde. Es ist der (technologische) Fortschritt und der natürliche Lauf des Wirtschaftens, dass sich manche Geschäftsmo-

delle überholen. Dafür entstehen neue. Die Coronakrise kann ein Anlass dafür sein, sein eigenes Tun zu hinterfragen und sich intensiv Gedanken darüber zu machen, wo man mit seinem Unternehmen künftig hinmöchte. Ein Ergebnis dieses Gedankenspiels kann und darf auch sein, zu erkennen, dass man sich bereits auf einem guten Weg befindet. Veränderungen gehören zum Wirtschaften, nicht immer muss eine Veränderung aber derart grundlegend sein, gleich sein ganzes Dasein zu hinterfragen. Manches ist gut, wie es ist. Die Coronakrise kann indes Anstoß sein, Gutes noch besser zu machen oder seine Geschäftsfelder zu erweitern. Vielfach schlummern in Unternehmen Ideen in Schubladen vor sich hin, weil im Alltagsgeschäft keine Zeit zur Umsetzung bleibt. Wie im Fall der Adler-Werk Lackfabrik in Schwaz. Im Zuge des Coronavirus hat man begonnen, Desinfektionsmittel zu produzieren. „Angedacht war das Thema der Desinfektion bereits, richtig in Schwung ist es mit dem Auftreten der ersten Coronafälle in Europa gekommen“, sagt Firmenchefin Claudia Berghofer. „Gemeinsam mit unserem Team wurde innerhalb einer Woche sofort angepackt und wir konnten eine neue Produktionsstraße auf die Beine stellen.“ Auch für heuer ist ein mutiges Investitionsprogramm geplant. Rund 7,5 Millionen Euro will das Unternehmen investieren. Neben dem Schwerpunkt Digitalisierung, in den allein 2,5 Millionen Euro fließen, geht Geld in Klimaschutz- und Energiemaßnahmen (Verbesserungen im Bereich Heizung und Lüftung), Zukunftstechnologie (Stapel- und Lackierroboter) und den Ausbau der Adler-Servicestützpunkte. Eine neue Abfüllanlage für Desinfektionsmittel steht ebenso am Plan. Der Corona-„Nebenschauplatz“ bleibt damit als neue Produktionsschiene bestehen. „Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, nicht in Schockstarre zu verharren, sondern tatkräftig anzupacken und die Zukunft aktiv zu gestalten“, so Adler-Geschäftsführerin Andrea Berghofer, die damit gemeinsam mit ihrer Schwester

dem Motto der Gründer treu bleibt: Lass nie eine Krise ungenutzt verstreichen. Claudia Berghofer: „Wir gehen mit Zuversicht und Optimismus ins neue Jahr und hoffen, dass es ab Herbst 2021 wieder möglich sein wird, ‚normal‘ zu arbeiten.“ Mit Einfallsreichtum und Mut begegnete auch Planlicht der neuen Situation und begann im vergangenen Jahr in Kooperation mit dem Management Center Innsbruck/ MCI damit, UV-C-Licht zur Desinfektion einzusetzen. „Desinfektion mit Licht wurde bei uns im Haus erst mit Corona ein Thema“, sagt Geschäftsführerin Felicitas Kohler, doch auch dieses Thema ist wohl gekommen, um zu bleiben. „Care by light“ nennt sich das dazu gegründete Start-up. „Mut bedeutet für mich, genau das umzusetzen, wofür man sich berufen fühlt und was einem Spaß macht – egal, wie weit und vielleicht auch unangenehm der Weg dorthin ist“, so Kohler.

KRISE SEI DANK Timo Kaapke, Weissklee Verlag, 64 Seiten, EUR 14,90 Timo Kaapke ist Unternehmer, Autor und Kolumnist, Keynotespeaker und deutschlandweit gefragter Sparringpartner für Mittelständler. In seinem Buch hält er ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, die Krise nicht als Ende, sondern als neuen Anfang zu sehen. Er erzählt darin nichts weltbewegend Neues, sondern versucht, das Feuer des Unternehmens (wieder) zu entfachen – und das auf sehr charmante Weise. Ein Buch, das Zuspruch gibt und stärkt, von einem, der selbst mittendrin steht.

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„ALSO HABEN WIR WEITERGEMACHT“ Die Gastronomie hat Corona ganz besonders hart getroffen. Komplettes Herunterfahren, Öffnen mit 22-Uhr-Sperrstunde, Gesichtsvisier-MaskenVerwirrungen, erneutes Zusperren. Doch auch hier gibt es sie, die positiven Geschichten. Wie im Fall des Burenwirt im Innsbrucker Stadtteil Hötting, dessen Lieferservice wohlwollend angenommen wird und dessen Cordon Bleu nicht nur Kult, sondern quasi Innsbrucker Weltkulturerbe ist.

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D

er Innsbrucker Burenwirt ist vielen Einheimischen zum Wohnzimmer geworden und auch Touristen finden in rauen Mengen ihre Wege hierher. Seit 13 Jahren führen Ingrid Marzari und Alfred Nikolai das Traditionsgasthaus in der Dorfgasse in Hötting. Es lief gut. „Als Mitte März des letzten Jahres klar war, was passieren würde, waren wir im ersten Moment total schockiert“, erzählt Marzari. Es folgte Euphorie und Kampfesgeist. „Das Thema eines Zustellservice hatten wir schon länger im Hinterkopf, doch wie so oft lag es tief vergraben in der Schublade. Einen Lieferdienst während des Tagesgeschäfts aufzubauen, ist fast unmöglich“, sagt Alfred Nikolai, der im Burenwirt nicht nur Hausherr, sondern auch Koch ist. Als Gastronomiebetrieb blieb einem im Lockdown wenig Wahl: temporär zusperren oder Take-away bzw. Lieferservice.

PLANLOS GING DER PLAN LOS

Auch wenn man den Lieferdienst bereits angedacht hatte, Konzept gab es noch keines. „Wann, wenn nicht jetzt“, dachten sich die Burenwirte und wurden anfangs richtiggehend überrannt. Konzepte machen nämlich durchaus Sinn. Bestellannahme, die Aufnahme der Daten, kochen, richtig verpacken, Touren einteilen, ausliefern … das verlangt nach Planung. „Der Burenwirt ist vor allem durch Mundpropaganda groß geworden, in der digitalen Welt waren wir nicht wirklich präsent. Auch das haben wir im Zuge unseres neu eingeführten ‚Burenwirt Express‘-Konzeptes geändert. Wir haben eine brauchbare Homepage auf die Beine gestellt und uns um Social Media gekümmert“, erzählt Alfred Nikolai.

© MARIAN KRÖLL

TEXT: MARINA BERNARDI

M MA UTCH ER

Das alles verfehlte seine Wirkung nicht. Am ersten Tag nach dem Start des Lieferangebotes wurden 40 Essen bestellt. „Oh super“, dachten sich alle. Den Dienstag, normalerweise Ruhetag, arbeitet man gleich weiter. 70 Essen. „Großes Kino“, sagt Ingrid Marzari. „Unsere Erwartungshaltung war, dass ein bisschen Geld zusätzlich reinkommt, und plötzlich fängt man an hochzurechnen und zu kalkulieren“, spricht Nikolai weiter. Mittwoch: 120 Essen. Marzari: „An einem Sonntag hatten wir plötzlich 330 Essen und sind davongeschwommen. Wir waren mit den Auslieferungen teilweise 1,5 Stunden zu spät, weil wir die großen Radien von der Hungerburg bis ins O-Dorf nicht mitgedacht haben. Es war ein Lernprozess.“ Ausgeliefert wurde durch die eigenen Mitarbeiter, teils mit Auto, teils per Fahrrad. Noch immer erfolgt die Lieferung intern und weil man den Lieferdienst auch zu hoffentlich bald wieder „normalen“ Zeiten beibehalten möchte, wird ein eigener Mitarbeiter dafür abgestellt. „Wir wollten unsere Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken oder gar entlassen, wir sind eine Familie“, sagt Nikolai. Deshalb war es den Wirtsleuten wichtig, alle mit ins Boot zu holen, und alle zogen mit. Dann kam der Sommer, die Gastro durfte mit strengen Auflagen wieder öffnen. Was in der Theorie schön


eco.wirtschaft

„MAN MUSS VIELE DINGE EMOTIONSBEFREIT SEHEN, SONST IST MAN NICHT M E H R FÄ H I G , F O K U S S I E R T Z U A R B E I T E N .“

I M M O T I O N E N proudly presented by

INGRID MARZARI

Who else?

klang, war es in der Praxis nicht, so Nikolai: „Die Zeit vom 15. Mai bis 15. Juni war die teuerste der gesamten Krise. Wir durften aufsperren, jedoch nur mit halber Sitzplatzanzahl und Sperrstunde um 22 Uhr. Wir mussten also bei maximal halbem Geschäft die gesamte Infrastruktur zur Verfügung stellen. Ich weiß auch nicht, welchen Illusionen man nachgejagt ist, als man dachte, man würde in der Stadt eine touristische Sommersaison hinbekommen. Wir haben dennoch alle Auflagen erfüllt, haben alles mitgemacht, einen Stapel an Zetteln fabriziert, Konzepte geschrieben, die Leute um 22 Uhr vor die Tür gesetzt, unseren Job gemacht und immer versucht, unsere Mitarbeiter zu motivieren. Gebracht hat es letztlich nichts. Da war die Stimmung definitiv am Tiefpunkt.“ Eine Alternative zum Weitermachen gab es trotzdem nicht.

ADLERHORST STUBAITAL

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MIT MASS ZUM ZIEL

Innerhalb kurzer Zeit haben die Wirtsleute den „Burenwirt Express“ auf stabile Beine gestellt, auch wenns zwischen den beiden, die nicht nur beruflich, sondern auch privat verbandelt sind, durchaus mal kracht. Und das darf es auch. Nichtsdestotrotz geht der Weg gemeinsam mit den Mitarbeitern immer weiter nach vorn. Für den Lieferservice wurde ein eigenes Elektrofahrzeug angeschafft – nach zahlreichen Tests ist die Wahl auf einen sympathischen dreirädrigen „Weezl“ gefallen, den man selbst durch die engsten Gassen geschlängelt bekommt. Dennoch wünschen sich Ingrid Marzari und Alfred Nikolai, bald wieder „echte“ Gastgeber sein zu dürfen. „Ich glaube, dass die Leute Lust auf Gastro haben, und wenn man wieder darf, werden jene Lokale, die die Zeit überleben, wieder voll sein“, ist Nikolai überzeugt. „Wir sind stolz, dass wir die Möglichkeit haben, weiterzumachen. Wir haben entsprechende Rücklagen und der Lieferdienst funktioniert gut. Vor allem freuen wir uns, dass wir unseren Mitarbeitern Sicherheit geben können. Wir waren schon vorher eine Gemeinschaft und jetzt noch viel mehr. Leicht ist die Situation dennoch nicht. Wir haben aktuell beinahe Berufsverbot. Wir sind Gastwirte und dürfen keine Gäste empfangen. Wir sind Unternehmer geworden, um etwas zu unternehmen. Man sollte uns aber bitte auch lassen.“ Wohin die Reise gehen wird, lässt sich derzeit schwer abschätzen. „Die Kristallkugel ist gerade kaputt“, sagt Ingrid Marzari. Vieles indes, was in den letzten Monaten entstanden ist, wird nicht mit Corona enden, sondern zum zusätzlichen Standbein werden. An Krisen ist nicht alles schlecht …

Top

Pos.

Zi.

Wohnen ca. m2

Terrasse ca. m2

Garten ca. m2

Preis / Euro

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EG

4

95,74

48,34

27,00

631.900,00

2

EG

3

97,18

45,24

74,00

641.400,00

3

1. OG

3

77,79

20,08

506.800,00

4

1. OG

2

53,10

43,61

345.150,00

5

1. OG

2

53,01

43,61

344.560,00

6

1. OG

3

72,97

20,08

474.300,00

7

2. OG

5

94,67

75,00

618.100,00

8

2. OG

3,5

90,56

75,00

9

3. OG

2

40,22

13,11

70,00

verkauft

10

3. OG

4

163,95

108,98

101,00

verkauft

verkauft

Am Anfang des Stubaitales, ca. 20 Autominuten südlich von Innsbruck, liegt die Gemeinde Fulpmes eingebettet in die romantische Tiroler Bergwelt. An der sonnigen Hangseite des Skigebietes Schlick 2000 wird 2021/2022 dieses exklusive und moderne Terrassenhaus errichtet. Über 5 Geschosse erreicht man mit Lift 10 verschieden große Wohnungen mit großen Terrassen, Gärten, Kellerräumen sowie die 12 Tiefgaragenplätze und 6 Autoabstellplätze im Freien. Die großen Vorteile: Stadtnähe/Naturnähe, hervorragende Verkehrsanbindung und Infrastruktur.

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eco.mmentar

LIEBER VERDAMMT NEUGIERIG ALS VERDAMMT Krisen sind die beste Zeit, um seine Neugierde zu reaktivieren und sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten und alten Mustern zu verabschieden.

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W

ir alle haben Gewohnheiten, über die wir gar nicht mehr nachdenken, weil diese mehr oder weniger gut in unser Leben passen. Schlechte Gewohnheiten hinterfragen wir vielleicht ab und an, aber im Wesentlichen bleibt vieles so, wie es ist, weil es ja im Großen und Ganzen funktioniert. Selbst wenn es für einige Dinge bessere Alternativen gibt, kommen wir in normalen Zeiten selten auf die Idee, etwas zu verändern. Unsere Bequemlichkeit oder – moderner ausgedrückt – unsere Komfortzone ist uns heilig. Wo kämen wir denn hin, wenn wir plötzlich unsere lieb gewonnenen Gewohnheiten hinterfragen würden, wenn wir auf einmal Dinge einfach so ändern, wenn wir uns über (noch) übliche Usancen hinwegsetzen oder uns sogar dafür entscheiden, ausgetretene Pfade zu hinterlassen. Ja, wo kämen wir da hin? Wahrscheinlich in eine bessere Zukunft! Die zwei stärksten Motive, die bei uns Menschen eine wirkliche Bereitschaft zur Veränderung auslösen, sind Druck und Neugierde. Der Unterscheid dieser zwei Faktoren liegt vor allem in der Aktivität. Bei Druck reagieren wir passiv. Erst wenn uns etwas belastet, nicht mehr funktioniert und uns in eine unangenehme Situation bringt, beschäftigen wir uns damit. Je höher der Druck, desto größer wird unsere Bereitschaft zur Veränderung. Bei der Neugierde verhält es sich genau umgekehrt. Wir agieren aktiv, also bevor eine Bedrohung

V O N T O M S TA D L M E Y R

auf das Bestehende stattfindet. Neugierige Menschen brauchen kaum Druck, sie haben andere Motive, um über bessere Lösungen nachzudenken. Ich bezeichne sie als „glücklich unzufriedene Menschen“, weil sie Spaß daran haben und es ihnen leichter als anderen fällt, die Dinge auf den Kopf und in Frage zu stellen, nach Gelegenheiten zu suchen, diese zu erkennen und zu nutzen. Viele ErfinderInnen, DesignerInnen, ForscherInnen, UnternehmerInnen und Kreative sind die Treiber von gesellschaftlichen Innovationen und verlassen ihre Komfortzonen aktiv, um an einer besseren Zukunft für uns alle zu arbeiten. Wer also nicht schon vor der Krise aktiv neugierig war, sollte es spätestens jetzt sein!

Sie tun sich damit schwer? Verdammt! Dann sollten Sie sich mit neugierigen Menschen, die Spaß an der Veränderung haben, umgeben. ZUR PERSON Tom Stadlmeyr ist Unternehmer, Essenzialist und Auf-den-Punkt-Bringer. Er beschäftigt sich mit dem Weglassen von Unwesentlichen.

www.tomstadlmeyr.com


BFI TIROL

JETZT ZEIT FÜR FIRMENSCHULUNGEN NUTZEN Notwendige berufliche Weiterbildung ist weiterhin auch im Präsenzunterricht möglich. © ADOBESTOCK

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D

as BFI Tirol bietet nicht nur zahlreiche Online-Schulungen in verschiedenen Fachbereichen. Notwendige berufliche Weiterbildung ist nach wie vor auch im Präsenzunterricht möglich und bietet viele Vorteile im Vergleich zu reinen Online-Kursangeboten. Die Motivation und der Lernerfolg der Teilnehmer sind beim Präsenzunterricht nachweislich höher.

BREITES BFI TIROL KURSPROGRAMM

Die Palette an Schulungen am BFI Tirol beinhaltet nicht nur eine breite Vielfalt an EDV-Kursen für mehr Know-how zur Digitalisierung im Unternehmen. In gewohnter Qualität stehen auch zahlreiche Seminare und Lehrgänge für das Nachholen von Abschlüssen sowie in den Bereichen Wirtschaft, Gesundheit und Soziales, Elementarpädagogik, Persönlichkeitsentwicklung und Technik zur Auswahl. Das Sprachenangebot wurde komplett überarbeitet und aktuell auf Online-Kurse umgestellt. Von Englisch über Norwegisch bis zu Russisch

und Japanisch steht ein breites Angebot zur Verfügung. Die gesamte Auswahl ist online auf www.bfi.tirol zu finden.

ATTRAKTIVE FÖRDERUNGEN FÜR UNTERNEHMEN

Unternehmen können von verschiedenen Förderungen für die Höherqualifizierung ihrer Mitarbeiter profitieren, wie zum Beispiel aktuell die Bildungskarenz Plus des Landes Tirol (bis 30.6.2021) oder die Schulungskostenbeihilfe für Beschäftigte in COVID-19-Kurzarbeit des AMS. Letztere kann nur mehr bis 31.3.3021 in Anspruch genommen werden.

MASSGESCHNEIDERTE SCHULUNGEN NACH WUNSCH

Nach Bedarf konzipieren wir maßgeschneiderte Firmenschulungen, die auf Ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmt sind. Das BFI Tirol ist mit seiner mehr als 50-jährigen Erfahrung ein verlässlicher Partner für professionelle Firmentrainings. Wir freuen uns auf Ihr Interesse! PR

„ F Ü R F I R M E N KO N Z I P I E R E N W I R GERNE MASSGESCHNEIDERTE SCHULUNGEN, ABGESTIMMT AUF DIE INDIVIDUELLEN ANFORDERUNGEN U N D R A H M E N B E D I N G U N G E N .“ O T HM A R TA MERL , GE S C H Ä F T S F ÜHRER B F I T IR OL

• Diverse E-Learning-Kurse für Windows und Office Start jederzeit möglich nach Vereinbarung • Personalverrechnung – Grundlagen Start am 19. April 2021

• Training für Lehrlingsausbilder Start am 12. April 2021 • E-Commerce (Onlinekurs) Internetplattformen nutzen und Erfolg im eigenen Onlineshop Start am 26. April 2021 • Moderationswerkstatt für Trainer und Referenten Am 16. und 17. April 2021

• Berufsbegleitend studieren Studienbeginn am 1. April BWL, Psychologie und Wirtschaftspsychologie • Online Sprachkurse auf verschiedenen Niveaus Start ab Ende Februar 2021

BFI TIROL Ing.-Etzel-Straße 7, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/59 660 info@bfi-tirol.at www.bfi.tirol

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MUT ZUM RISIKO Von der Rückbesinnung auf die eigenen Stärken. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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ie Coronakrise wirkt faktisch in alle Bereiche des Lebens und Wirtschaftens. Sie schränkt uns ein und zeigt Grenzen auf. Dinge, die bisher vielfach verborgen im Argen lagen, werden gewahr und kommen an die Oberfläche. Vieles von dem, was sich nun offenbart, ist nicht schön. Krisen halten uns gerne den Spiegel vor, aus dem uns unverblümt entgegenblickt, was wir lange nicht sehen wollten. Doch Krisen haben auch ihr Gutes: Sie verstärken nämlich nicht nur Negatives. Sie zeigen uns im Gegenzug, wie kraftvoll wir sein können, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen. Das MCI ist als Unternehmerische Hochschule® vorrangig Ausbildungsstätte, mit seiner Expertise und Forschungstätigkeit dazu eng mit der Wirtschaft verwoben (siehe Factbox). Wir sprachen mit deren Rektor Andreas Altmann über Unternehmenskultur, Erfolg und Mut.

Es gibt Unternehmen, die bei Gegenwind den Kopf in den Sand stecken und hoffen, das Übel möge an ihnen vorüberziehen, andere sehen eine Chance, neue Themenfelder für sich zu eröffnen. Was macht Unternehmen erfolgreich? ANDREAS ALTMANN: Erfolg ist vorrangig eine Sache der Unternehmenskultur, eine Einstellung und Haltung und am Ende auch eine Frage der Struktur. Es gilt die alte Weisheit: A-Leute versuchen A-Leute um sich zu scharen, B- hingegen C-Leute. Erfolgreich zu sein heißt, von anderen zu lernen und miteinander zu wachsen. Das bedeutet auch, andere Meinungen auszuhalten und gegebenenfalls seine eigene zu revidieren, anzuerkennen, dass ein anderer Weg vielleicht der bessere ist als der eigene. Führungskräfte sind nicht selten verleitet, sich mit Ja-Sagern zu umgeben. Das ist verständlich und nachvollziehbar – nicht nur seitens der Führung. Man sagt jemandem viel lieber, was auf der anderen Seite als angenehm empfunden wird. Das ist zum einen Höflichkeit, zum anderen befürchtet man sich unbeliebt zu machen. Wichtig ist, eine ECO.NOVA:

FOTOS: © ANDREAS FRIEDLE

Kultur zu etablieren, die verschiedene Ansichten nicht nur zulässt, sondern in der es offen erwünscht ist, seine Meinung zu sagen. Das verlangt von beiden Seiten Offenheit und Stärke: Von dem, der seine Meinung sagt, und dem, der sie gesagt bekommt. Damit einher geht die Bereitschaft zu einer offenen Fehlerkultur. Damit eine Organisation kreativ und leistungsfähig sein kann, braucht sie eine Kultur der Innovation, sie braucht den Mut, immer wieder Neues anzugehen und Dinge auszuprobieren – auf die Gefahr hin, dass etwas auch einmal nicht klappen sollte. Mit Innovation kann man scheitern, ohne Innovation wird man scheitern!

Kann man Unternehmertum lernen? Viele Werkzeuge kann man zu bedienen lernen, doch es braucht ein bestimmtes Mindset, um Dinge anzupacken. Das beginnt bereits in der Kindheit und zieht sich durchs ganze Leben. Es geht darum, Menschen zu ermutigen, Dinge tatsächlich zu unternehmen und auf sich selbst und seine Fähigkeiten zu vertrauen. Wenn einem die ganze Kindheit lang suggeriert wird, dass man bestimmte Dinge ohnehin nicht könne – und womöglich nie können wird –, ist es im späteren Leben vermutlich zu spät, dieses Selbstvertrauen aufzubauen. Dann wird auch das Erlernen der „handwerklichen“ Grundlagen und Instrumente eines Unternehmertums zu relativ geringen Ergebnissen führen. Im Moment geistert gerne das Wort „Achtsamkeit“ durch viele Berichte. Unternehmer erkennen – teilweise überraschend

plötzlich – den Wert ihrer Mitarbeiter. Corona hat uns quasi alle ins selbe Boot gesetzt, wodurch Grenzen vermeintlich aufgelöst werden und damit auch strikte Hierarchien. Glauben Sie, dass wir wirklich achtsamer werden im Umgang miteinander? Zum einen glaube ich, dass gute Unternehmen und kompetente Führungskräfte den Wert ihrer Mitarbeiter schon immer erkannt haben. Zum anderen finde ich es interessant, dass man glaubt, im Zuge der Krise würden sich Hierarchien auflösen und Strukturen automatisch durchlässiger oder homogener. Ich sehe eigentlich das Gegenteil. Durch den Lockdown wurden soziale Kontakte extrem eingeschränkt – privat und durch Homeoffice auch beruflich. Es gibt Menschen, die können damit psychisch einigermaßen umgehen. Doch es gibt auch die anderen, jene, die weniger stabil und gefestigt sind. Die letztere Gruppe tut sich schwer, Schritt zu halten, und droht weiter abzusinken, nicht wenige drohen in Zeiten der Isolation lau, mut- und antriebslos zu werden, ihnen fehlt die gewohnte Struktur, fehlen Vorgaben, Pläne und Meilensteine, Handlungsanleitungen und Zeitgerüste. Manche tun sich unglaublich schwer, wenn ihnen der Ordnungsrahmen fehlt, das Eingebettetsein in ein System oder eine Gruppe. Genau diese persönliche Interaktion, das Gemeinsame brauchen viele Menschen und gibt ihnen Stabilität und Orientierung. Insofern erzeugt die Situation, die wir jetzt erleben, eher Destabilisierung, weil sie Menschen sich selbst überlässt und gewissermaßen „vergisst“.

„ I C H F I N D E E S I N T E R E S S A N T, D A S S M A N G L A U B T, I M Z U G E D E R K R I S E WÜRDEN SICH HIER ARCHIEN AUFLÖSEN U N D S T R U K T U R E N A U T O M AT I S C H DURCHL ÄSSIGER ODER HOMOGENER. I C H S E H E E I G E N T L I C H D A S G E G E N T E I L .“ A NDRE A S A LT M A NN

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MCI TRIFFT WIRTSCHAFT MCI | Die Unternehmerische Hochschule© ist durch Beteiligungen an Start-ups und Joint Ventures nicht nur Lehr- und Forschungseinrichtung, sondern auch selbst Unternehmer.

CARE BY LIGHT

„ N U R M I T M U T U N D I N N O VAT I O N S B E R E I T S C H A F T H AT M A N D I E M Ö G L I C H K E I T, D I E Z U K U N F T Z U G E W I N N E N .“ A NDRE A S A LT M A NN

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Wie erleben Sie die derzeitige Situation selbst am MCI? Wie haben bereits 2014 unseren ersten Online-Studiengang gestartet und bereits vor COVID-19 insgesamt acht Studiengänge etabliert, die in verschiedenen Ausprägungen jeweils „online“ stattfinden. Wir sind also in Bezug auf Infrastruktur, Know-how, Rechte und Erfahrungen in diesem Bereich gut aufgestellt. Nichtsdestotrotz brauchen wir uns nichts vorzumachen: Vergnügungssteuerpflichtig ist die aktuelle Situation auch für uns nicht. Schwierig ist es vor allem für unsere internationalen Studierenden. Wir haben am MCI üblicherweise rund 1.000 Studierende aus aller Welt, die ihr Austauschsemester/-jahr bei uns verbringen oder zum Auslandssemester/-jahr in aller Welt verstreut sind und die plötzlich in Quarantäne saßen. Weltweit wurden Unis faktisch über Nacht geschlossen und teilweise war es den Studierenden nicht einmal möglich, ausoder einzureisen. Es ist nicht immer leicht, bei den vielen Gleichzeitigkeiten und Unsicherheiten positiv zu bleiben, aber wir haben trotz eines gewissen „Fahrens im Nebel“ auch unsere unternehmerischen Tätigkeiten ausgebaut und als verhältnismäßig kleine Hochschule enorm investiert – zum Beispiel in das Start-up „Care by light“ gemeinsam mit Planlicht, soeben ging „MCI digi.tools“ an den Start, ein Ed-Tech Joint Venture gemeinsam mit duftner.digital. Nun folgt Studo, eine Studierenden-App mit hohem Mehrwert für Hochschulen und ihre Studierenden. Das MCI ist damit auch selbst Unternehmer. Ein Unternehmen zu gründen, ist – nicht nur in Krisenzeiten, aber da ganz

besonders – immer mit Mut verbunden, weil man nie wirklich weiß, wohin die Reise tatsächlich geht. Wie würden Sie für sich Mut definieren? Mut ist verkürzt gesagt die Bereitschaft zu scheitern. Dasselbe gilt auch für Innovation. Beides gehört untrennbar zusammen. Durch Innovation kann es passieren, dass man sich damit im eigenen Unternehmen selbst kannibalisiert, weil neue Technologien oder Produkte alte vom Markt verdrängen. Damit geht zwangsläufig einher, sein bisheriges Modell teilweise oder gänzlich abzuschaffen bzw. durch etwas anderes abzulösen. Es ist jedoch unerlässlich, sich laufend neu zu erfinden. Was letztlich zählt, ist einzig und allein, was uns am vielversprechendsten für die Zukunft scheint. Das ist Innovation und braucht Mut, Risikobereitschaft und Leadership.

Wir bewegen uns langsam, aber doch in Richtung einer Gesellschaft, die dieses Scheitern auch zulässt. Dennoch kann das Scheitern ja nicht Ziel einer Unternehmung sein. Wo ist die Grenze zwischen Mut und Übermut? Etwas neu anzufangen inkludiert immer die Gefahr, dass manches nicht oder nicht sofort funktioniert. Doch man muss Neues probieren. Wer etwas wagt, kann gewinnen oder verlieren. Wer nichts wagt, kann langfristig nur verlieren. Blind ins Abenteuer zu rennen, bringt natürlich nichts und kann nicht die Botschaft sein, dafür trägt man viel zu viel Verantwortung – für seine Mitarbeiter und deren Familien und natürlich auch für sich selbst. Ohne Risikobereitschaft sind Unternehmertum und Erfolg jedoch unmöglich.

Das Tiroler Familienunternehmen Planlicht hat im vergangenen Jahr in Kooperation mit dem MCI damit begonnen, UV-C-Licht zur Desinfektion einzusetzen. Gestartet wurde mit „seCUBE“, einer Art Lichttunnel oder -box, die Einkaufswägen, Rollatoren, Krankenbetten etc. energieeffizient und umweltschonend – da ohne Einsatz von Chemie – desinfiziert. Die Technologie ist auch für die Desinfektion vieler anderer Gegenstände nutzbar. Im Herbst kam mit „seTUBE“ eine maßgebliche Weiterentwicklung. Bspw. ist „seTUBE gondola“ eine hocheffiziente Leuchtkonsole mit eingebautem Akku, die sich kabellos transportieren lässt und damit Gondeln und Beförderungskabinen rasch und wirkungsvoll entkeimt. Für Innenräume bis 120 Quadratmeter wurde „seTUBE air“ lanciert, das mittels einer Kombination aus UV-C-Licht und Luftfilter Raumluft entkeimt. Um laufend effizient weiterzuarbeiten, wurde das Start-up „Care by light“ gegründet, das auch künftig innovative Forschungstechnologien zu konkreten Lösungen entwickeln will. Licht zur Desinfektion zu nutzen, wurde laut Planlicht-Geschäftsführerin Felicitas Kohler tatsächlich erst durch Corona zum Thema, ist aber universell gegen Keime einsetzbar und erschließt damit völlig neue Felder zum bisherigen Geschäftszweig.

www.carebylight.com

MCI DIGI.TOOLS Im Zuge der Digitalisierung verändern sich Prozesse und Arbeitsabläufe in Unternehmen. Faktisch alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden. Es gibt so viele Informationen wie noch nie, diese müssen richtig erfasst, sortiert, verschränkt und nutzbar gemacht werden. Bei all diesen Schritten darf man jedoch nicht darauf vergessen, die Menschen mit auf die Reise zu nehmen. Mit traditionellen Methoden, wie wir sie seit Jahren kennen, wird das nicht funktionieren. Informationen und Wissen werden nicht mehr nur in Seminaren, Workshops und Jour-fixes weitergegeben, sondern müssen dorthin, wo sich die Menschen gerade befinden: mittels Smartphones oder Tablets. Lernen muss positiv besetzt und „sexy“ werden. duftner.digital beschäftigt sich unter anderem mit seinem Institute of Microtraining seit über zehn Jahren mit mobilem Lernen und digitalem Wissenstransfer und bereitet Lerninhalte übersichtlich und klar in kleine Häppchen auf. Gelernt wird nach der so genannten Micro-Methode. Anfang des Jahres wurde MCI digi.tools als Joint Venture von MCI und duftner.digital gegründet. Gemeinsam will man diese moderne Form der Wissensvermittlung systematisch vorantreiben und im Bildungs- und Hochschulbereich einsetzen.

www.mci-digitools.com


Der Star unter den Elektroautos. Und in der Niro-Familie: Kia e-Niro.

Im Leasing1) ab

€

35.190,–

Auto Meisinger GmbH Innsbruckerstr. 57 - 59, 6176 Innsbruck-Völs Tel.: 0512 - 3100 - 28 www.meisinger.at

Autohaus Brunner Lofererstr. 10, 6322 Kirchbichl Tel.: 05332 - 725 17 www.autobrunner.at

Auto Achorner Kaiserbach 1a, 6341 Ebbs Tel.: 05372 - 63818 www.auto-achorner.at

Auto Linser Haller Str. 119a, 6020 Innsbruck Tel.: 0512 - 24 8 21 www.auto-linser.at

Auto Meisinger GmbH Lechtalerstr. 56, 6600 Reutte-Lechaschau Tel.: 0512 - 3100 - 80 www.meisinger.at

Autohaus Krißmer Hauptstr. 71, 6464 Tarrenz Tel.: 05412 - 64111 www.autohaus-krissmer.at

Autohaus Larl Gewerbestr. 12, 6274 Aschau Tel: 05282 - 5746 www.larl.at

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CO2-Emission: 0 g/km2),3) 15,9 - 15,3 kWh/100km3), Reichweite: bis zu 455km3) Druckfehler, Irrtümer und Änderungen vorbehalten. 1) Listenpreis Kia e-Niro Titan € 37.990,00 abzgl. Preisvorteil (inkl. Kia Partner Beteiligung) bestehend aus € 5.400,00 Elektro PKW Förderung (inkl. mögl. € 3.000,00 E-Mobilitätsbonus des BMLFW & bmvit) und € 400,00 Versicherungsbonus bei Abschluss eines Kia Versicherung Vorteilssets. Der Kia Versicherungsbonus ist nur gültig bei Kauf eines Neu- oder Vorführwagens und bei Abschluss eines Vorteilssets bestehend aus Haftpflicht, Vollkasko mit Insassenunfall- und/oder Verkehrs-Rechtsschutzversicherung. Die Bindefrist bzw. Mindestlaufzeit des Vertrages beträgt 36 Monate inkl. Kündigungsverzicht. Gültig bei Kaufvertrags- bzw. Antragsdatum bis 31.03.2021. Die Abwicklung der Finanzierung erfolgt über die Santander Consumer Bank GmbH. Stand 01|2021. Angebot gültig bis auf Widerruf. Erfüllung banküblicher Bonitätskriterien vorausgesetzt. 2) Nutzung von Strom aus 100% regenerativen Quellen vorausgesetzt. 3) Gemessen laut WLTP-Testzyklus. Reichweite und Energieverbrauch abhängig von Faktoren wie z. B. Fahrstil, Streckenprofil, Temperatur, Heizung/Klimatisierung, Vortemperierung. *) 7 Jahre/150.000km Werksgarantie.


eco.wirtschaft

DIE LUST AM GESTALTEN Im vergangenen Jahr wurden trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Coronakrise mehr Unternehmensgründungen verzeichnet als 2019. Vieles davon waren „klassische“ Unternehmensgründungen, doch auch Start-ups haben durchaus Mut zum Aufbruch bewiesen. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

angefangen haben, sich intensiv mit ihrer Zukunft und den unterschiedlichsten Fragen zu befassen: Will ich so weitermachen wie bisher oder kann ich überhaupt? Braucht es neue Ansätze und Lösungswege? Traue ich mich, neue Wege einzuschlagen? Viele haben in der Krise auch gesehen, dass ihr eingeschlagener Weg durchaus funktioniert, und nutzen diese positive Kraft.“ Natürlich geht jeder anders mit der Krise um, abhängig vom eigenen Typ und der Situation, deshalb bezeichnet Robert Schimpf die gesamte Stimmungsbandbreite auch als „heiter bis dunkelwolkig“, was die Lage im InnCubator betrifft, dessen Leiter er ist. Der InnCubator ist eine Art Gründerzentrum der Universität Innsbruck und der Wirtschaftskammer Tirol am Campus des WIFI und damit ein gutes Barometer für die Start-upSzene. Wir haben Katja Hutter und Robert Schimpf ein paar Fragen gestellt.

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risenzeiten machen kreativ, sagt man – einerseits, weil man im Fall von coronabedingten Schließungen plötzlich Zeit hatte für all die Überlegungen und Ideen, die im Alltagsgeschäft oft in Schubladen liegen bleiben, und andererseits, weil uns sich ändernde Gegebenheiten quasi von außen dazu „zwingen“, schnell und flexibel zu reagieren und manche Prozesse oder Konzepte anzupassen. „Aus der Not eine Tugend machen“, nennt es Katja

Hutter, Professorin für Innovation und Entrepreneurship am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus. Krisen können unter bestimmten Voraussetzungen damit sogar zur Chance für das eigene Unternehmen werden und zu Innovations­ schüben führen. Hutter: „Die Lockdowns und damit coronabedingte vorübergehende Geschäftsschließungen haben teilweise dazu geführt, dass sich Unternehmer aus ihrem Alltagsgeschäft zurücknehmen konnten und

ECO.NOVA: Im vergangenen Jahr konnten Sie einen Anstieg an Geschäftsideen verzeichnen, die sich für das Programm am InnCubator beworben haben. Wie nehmen Sie generell die aktuelle Stimmung wahr? ROBERT SCHIMPF: Die Stimmung hängt vielfach von der Branche ab, in dem das Startup agiert, oder davon, ob die Teams noch in der Aufbauphase sind oder bereits am Markt agieren. Für alle war die letzte Zeit nicht einfach. Während sich bei Ersteren jedoch in erster Linie die Geschwindigkeit der Umsetzung verlangsamt, haben jene, die mit ihrem Unternehmen bereits aktiv tätig sind, mit laufenden und manchmal schon mit Personalkosten zu kämpfen. Auf der anderen Seite konnten manche Teams aufgrund ihrer Technologie sogar neue, lukrative Geschäftsfelder finden. Die Lage bei den Teams am InnCubator ist damit nicht anders als in der gesamten Wirtschaft.

Welches Umfeld braucht Innovation? KATJA HUTTER: Vor allem braucht es Visionen, dazu entsprechende Expertise und


© LUIGI CAPUTO

© ANDREAS FRIEDLE

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„ES IST AUCH MUTIG, NEIN ZU SAGEN ODER EINE ANDERE SICHT WEISE Z U V E R T R E T E N .“

„JUNGE MENSCHEN HABEN IMMER ÖF TER DEN WUNSCH NACH EINER S I N N V O L L E N TÄT I G K E I T, D A S H E I S S T E I N E N S H I F T Z U M W I E S O .“

K ATJA HU T T ER

ROBERT SCHIMPF

Durchhaltevermögen. Damit Ideen wachsen können, benötigen Menschen den Raum, um zu experimentieren und sich auszuprobieren. Innovation braucht auch den Austausch mit anderen, durch den sich Ideen weiterentwickeln können. Dies kann in verschiedenen Teams oder mit dem Kunden passieren. Innovation ist nicht plötzlich da, sondern entwickelt sich. Deshalb sollte man dem Prozess Zeit zum Entstehen geben.

Unternehmertum ist bei uns stellenweise negativ assoziiert. Der Unternehmer gilt dann als „der da oben“, der andere für sich arbeiten lässt. Auch in der Schule scheint Unternehmer zu werden nicht wirklich eine Option zu sein. Was muss sich ändern, um eine Kultur des Entrepreneurships zu etablieren? HUTTER: Das sehe ich gar nicht so. Unternehmer zu sein ist verbunden mit viel Engagement und Hingabe, wäre man wirklich „der da oben“, wäre das nach meinem Verständnis eher ein Negativbeispiel eines Leaders. Ich denke, es hat sich in Bezug aufs Gründen viel getan. Einrichtungen wie der InnCubator, die Werkstätte Wattens oder verschiedene TVShows machen das Thema greifbar und tragen es in eine breite Öffentlichkeit, hinaus in die Gesellschaft. Auch an Universitäten und Hochschulen werden vermehrt Kurse und Unterrichtseinheiten zum Thema angeboten. Wir an der Uni Innsbruck bieten mit unserem Team Innovation & Entrepreneurship zum Beispiel Kurse im Masterprogram Strategic Management an. Auch fakultätsübergreifend gibt es Kurse und aktuell arbeiten wir an einem Erweiterungs-

studium „Entrepreneurship“. Wir möchten damit zeigen, dass jeder – egal, aus welcher Disziplin er kommt – die Möglichkeit hat, sein eigenes Unternehmen zu gründen, und ihm die passenden Skills dafür vermitteln. Im sicheren Umfeld der Universität hat man die Möglichkeit, sich als Unternehmer auszuprobieren. Die Opportunitätskosten, nach dem Studium oder sogar noch währenddessen ein Unternehmen auszugründen, sind sehr gering. Damit wäre das meiner Meinung nach die beste Zeit, um erste Erfahrungen zu sammeln.

Die heimische Start-up-Szene wird seit geraumer Zeit stetig größer, zeitweise scheint es fast trendy zu sein, sein eigenes Start-up zu haben. Spüren Sie diesen „Trend“ auch am InnCubator? SCHIMPF: Die Entwicklung des InnCubators seit seiner Eröffnung 2016 ist hervorragend. Über die Jahre und durch verschiedene Initiativen wie den Verein startup.tirol hat sich eine tolle Atmosphäre entwickelt. Jeder Neueinsteiger kann sich in diesem Ökosystem sicher sein, dass er die Unterstützung einer gesamten Community bekommt und sich nicht nur Einzelne seinen aufkommenden Fragen widmen.

Birgt diese trendige Szene ein wenig die Gefahr, dass auch junge Menschen ein eigenes Unternehmen gründen, die eigentlich nicht dafür gemacht sind, nur um quasi „dabei“ zu sein? HUTTER: Menschen gründen ein Unternehmen, um wirklich zu unternehmen und nicht, um dann sämtliche Arbeiten zu delegieren.

Ich denke schon, dass sich der Großteil der Gründer darüber im Klaren ist, dass gerade die Anfangszeit nicht nur cool und lässig ist, sondern die erwähnte Hingabe und das Engagement braucht – und das quasi rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. SCHIMPF: Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er dafür gemacht ist, Unternehmer zu sein. Am Ende geht es darum, ob Unternehmertum mit all der Flexibilität und gleichzeitig notwendigen Verantwortung mit der persönlichen Vision in Balance steht. Um dies herauszufinden, braucht es vielleicht einen Versuch. Programme wie der InnCubator können den für solche Versuche notwendigen Safe-Space bieten und als Entscheidungshilfe dienen. Wenn man ein Unternehmen gründet, geht damit fast automatisch das Risiko einher, dass es fehlschlägt. Ich bin jedoch der Meinung, dass eine Geschäftsidee auch erfolgreich scheitern kann, wenn das auf dem Weg Gelernte erhalten bleibt und man daraus seine Schlüsse zieht.

Unternehmertum hat viel mit Mut zu tun. Wie definieren Sie Mut für sich selbst? SCHIMPF:Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert, wenn ich sehe, mit welchem Mut die Gründer am InnCubator ans Werk gehen. Der Entscheidung, womöglich einen „sicheren“ Job aufzugeben, um seine eigenen Visionen umzusetzen, gebührt mein größter Respekt. Mut bedeutet für mich auch, optimistisch zu sein, in Unsicherheiten Entscheidungen zu treffen und dies auch konsequent zu vertreten, um seine Ziele zu verfolgen.

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„ES GIBT EINE ZEIT NACH DER KRISE“ Als Führungskraft muss man ebenso team- wie ziel- und lösungsorientiert sein. Darin sind sich die beiden neuen Geschäftsführer von Fiegl + Spielberger, Mag. Johannes Thurner und Leonhard Neuner, einig. Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es eine gemeinsame Strategie. Eine solche macht übrigens zu jeder Zeit Sinn. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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eit den 1990er-Jahren standen Ing. Wolfgang und Johannes Leitner an der Spitze der Fiegl + Spielberger-Gruppe. Gemeinsam haben sich die beiden Mitinhaber entschieden, sich mit Ende 2020 aus dem operativen Bereich der Geschäftsführung zurückzuziehen. Dass die Übergabe just in eine Zeit der allgemeinen wirtschaftlichen Krise und damit einhergehenden neuen Herausforderungen fällt, war nicht absehbar, an der Ausrichtung des Unternehmens indes hat dies nichts verändert. Die beiden neuen Geschäftsführer Mag. Johannes Thurner (zuvor Abteilungsleiter Rechungswesen/Controlling) und Leonhard Neuner (zuvor Abteilungsleiter Elektrotechnik) setzen den letztjährig begonnenen Strategieprozess fort. „Anfang des letzten Jahres haben wir vor und damit unabhängig von Corona für uns wesentliche Zukunftsthemen ausgearbeitet, deren Umsetzung durch die Pandemie vielleicht etwas gebremst wurde, unsere Ziele jedoch sind im Großen und Ganzen dieselben geblieben“, sagt Thurner. Er und Neuner verfügen über langjährige Expertise in ihren Bereichen und sind im Unternehmen fest verankert. In die Führungsposition zu wechseln, birgt neue Herausforderungen, die beide gerne annehmen.

ECO.NOVA: Sie haben mit Anfang des Jahres die Unternehmensführung von Fiegl + Spielberger übernommen. Die Übergabe war schon länger geplant und Sie werden sich überlegt haben, welchen Weg Sie mit dem Unternehmen gehen wollen. Hat sich an Ihrer strategischen Ausrichtung mit der aktuellen Situation etwas verändert? LEONHARD NEUNER: Johannes Thurner und ich haben mit 1. Jänner 2021 die Geschäftsführung übernommen und wollen in erster Linie den erfolgreichen Weg unserer Vorgän-

ger, die uns dankenswerterweise jederzeit mit Rat zur Verfügung stehen, weiterführen und ein innovatives Unternehmen bleiben. Die strategische Ausrichtung hat sich nicht verändert. Uns war es immer schon wichtig, flexibel und für neue Geschäftsfelder offen zu sein. Ich glaube auch nicht, dass sich wegen der Krise jedes Unternehmen nun radikal verändern muss. Natürlich wird es Geschäftsmodelle geben, die man überdenken sollte, man kann Prozesse hinterfragen und Abläufe optimieren, für das im Tagesgeschäft oft wenig Zeit bleibt, doch es wird Bereiche geben, die nach der Krise genauso ihre Berechtigung haben werden wie davor.

Das Unternehmen ist seit seinen Anfängen erfolgreich und stark gewachsen. Sind im Zuge des Strategieprozesses weitere Expansionsschritte geplant? JOHANNES THURNER: Fiegl + Spielberger ist seit seiner Gründung kontinuierlich gewachsen. Es ging stetig nach oben, vor allem in den letzten zehn, 15 Jahren. Die Mitarbeiteranzahl bewegt sich Richtung 500. Diese Schritte wollen wir konsequent weiterverfolgen. Expansion in Form von Zukäufen ist mittelfristig nicht geplant, vor allem sehen wir Potenzial in den Märkten, in denen wir bereits mit Niederlassungen vertreten sind. Diese wollen wir erweitern und dort künftig die gesamte Leistungspalette anbieten. NEUNER: Natürlich lebt

ein Unternehmen wie das unsere von Expansionsschritten. Ob die aktuelle Krise dies in jenem Ausmaß von früher zulässt, wird sich zeigen. Es gilt, die Lage ständig zu analysieren und die Unternehmensziele dahingehend anzupassen. Unternehmenswachstum ist natürlich immer ein Stück weit vom Marktumfeld abhängig.

Fiegl + Spielberger hat in den letzten Monaten neue Lösungen zur Pandemie-Eindämmung entwickelt und seit Beginn der Pandemie und entgegen dem Trend über 60 neue Mitarbeiter eingestellt. Was macht Ihrer Meinung nach erfolgreiche Unternehmen generell und Ihres im Speziellen aus? THURNER: Zum einen braucht es eine klare Strategie und Positionierung. Man muss seine Werte nach innen und außen leben und ein positives und vor allem stabiles Umfeld schaffen. Mit der Aufnahme neuer Mitarbeiter konnten wir hier gute Signale setzen. Wichtig ist, auf Veränderungen rasch reagieren zu können. Dazu braucht es die notwendigen Freiräume für die Mitarbeiter, um Innovation zu ermöglichen. NEUNER: In unserem Fall haben wir spezielle COVID-19-Mitigationslösungen auf den Markt gebracht, um zum Beispiel die Personenanzahl in diversen Räumen zu überwachen oder vor dem Eintritt in ein Gebäude automatische Temperaturmessungen durchzuführen. Dieses rasche Re-

„ A L S F Ü H R U N G S K R A F T H AT M A N VORBILDWIRKUNG. MAN MUSS DIE DINGE EHRLICH VORLEBEN UND Z E I G E N , WA S E I N E M W I C H T I G I S T.“ JOHANNES THURNER


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Das neue Führungsduo von Fiegl + Spielberger: Leonhard Neuner (li.) und Mag. Johannes Thurner

„V E R Ä N D E R U N G E N E I N E N S C H R I T T V O R A U S Z U S E I N , I S T D I E K U N S T, U M E R F O L G R E I C H Z U S E I N .“ LEONHARD NEUNER

agieren, Um- und Weiterdenken ist nur mit motivierten Mitarbeitern zu schaffen. Sie sind der wichtigste Hebel. Sie repräsentieren das Unternehmen und sind damit maßgeblich für den Erfolg verantwortlich. Ich möchte an dieser Stelle auch all unseren Mitarbeitern für ihren täglichen Einsatz danken. Es ist derzeit sicher kein einfaches Unterfangen, was die Arbeitssicherheit vor Ort coronabedingt mit sich bringt. Speziell im ersten Lockdown wusste keiner so recht mit dieser Situation umzugehen. THURNER: Am 16. März des letzten Jahres haben wir nicht gewusst, wie es weitergehen wird. Wir haben die Situation jedoch rasch erkannt und eingeschätzt und die Chance genutzt, um uns am Markt umzusehen und Mitarbeiter zu rekrutieren. Es gibt eine Zeit nach der Krise und ich bin überzeugt, dass jene Unternehmen, die aktiv nach vorne schauen – und das notwendige Polster haben, um die Zeit zu übertauchen –, nach der Krise stärker sein werden. Den Kopf in den Sand

zu stecken ist die schlechteste Strategie, egal zu welcher Zeit.

Sie sind mit 70 Lehrlingen einer der größten privaten Ausbildungsbetriebe in Tirol. Viele Unternehmen haben mit der Lehrlingssuche sehr zu kämpfen. Wie ist Ihr Eindruck? NEUNER: Das Problem haben wir auch. Lehrlinge zu finden, ist heutzutage ein schwieriges Unterfangen. Wir nehmen sehr viel Geld in die Hand, um für unser Unternehmen zu werben – etwa bei diversen Lehrlingsveranstaltungen. Trotzdem steckt es noch in vielen Köpfen, dass man nur mit einer weiterführenden Schule oder einem Studium Karriere machen kann. Hier bin ich gänzlich anderer Meinung. Der Spruch „Handwerk hat goldenen Boden“ kommt nicht von ungefähr. Gute Facharbeiter braucht es immer. Wir bilden selbst Lehrlinge aus und ihnen stehen alle Wege offen, im Unternehmen Karriere zu machen. Wir setzen stark auf Weiterbildung, Mitar-

beiter werden in diesem Bereich so gut wie möglich unterstützt. THURNER: Ich bin tatsächlich skeptisch, dass sich diese Situation in naher Zukunft ändern wird. Wir müssen uns deshalb umso stärker als guter, verlässlicher Arbeitgeber am Markt präsentieren. Unsere Mitarbeiter haben viele Freiräume, wir arbeiten sehr ergebnisorientiert. Wir haben das Glück, dass viele unserer Mitarbeiter nicht einfach ihre Arbeit machen, sondern wirklich FÜR das Unternehmen arbeiten. Die Fluktuation ist äußerst gering. Wenn sich ein Mitarbeiter in einem Unternehmen wohl fühlt, dann trägt er das auch nach außen. Das ist die beste Werbung, die man haben kann. Wir befinden uns aktuell in einer ungewöhnlichen Zeit. Wie nehmen Sie die derzeitige Stimmung wahr – auch unter Ihren Kunden? NEUNER: Die Stimmung innerhalb des Unternehmens ist nach wie vor gut. Wir selbst sind in der glücklichen Lage, dass wir weiterarbeiten durften und keine Mitarbeiter entlassen mussten. Im Gegenteil. Kundenseitig ist die Anfrage an Projekten groß. Speziell im Tourismus werden Bauvorhaben vorgezogen. Hier spielt mit Sicherheit die Investitionsprämie der Bundesregierung eine Rolle. Der Anreiz ist attraktiv und zeigt Wirkung. THURNER: Ja, es sind seltsame Zeiten, die sich vor einem Jahr niemand hätte vorstellen können. Auch wenn es für uns gut läuft, so spüre ich schon eine gewisse Müdigkeit ob all der Corona-Maßnahmen. Viele unserer Kunden nutzen die Zeit, um sich für das „Danach“ aufzustellen, und ziehen Investitionen vor, auf der anderen Seite gibt es durchaus Unternehmen, denen schön langsam wirklich die Luft ausgeht. Es ist also an der Zeit, dass es wieder Perspektiven und positive Signale gibt.

FIEGL + SPIELBERGER Seit über 90 Jahren ist Fiegl + Spielberger auf die Planung, den Verkauf, die Installation und die Wartung von Anlagen der Stark- und Schwachstromtechnik spezialisiert. Mit neun Fachabteilungen und über 480 Mitarbeitern – davon 70 Lehrlingen – ist Fiegl + Spielberger neben einem der größten privaten Ausbildungsbetriebe auch das größte private Elektrounternehmen Westösterreichs. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 78 Millionen Euro und verfügt über acht Niederlassungen bzw. Tochterunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

www.fiegl.co.at

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„MIT REINER SACHLICHKEIT IST NICHTS ZU GEWINNEN“ Für den PR-Experten Georg Hofherr ist Krisenkommunikation ein vertrautes Terrain. Trotz handwerklicher Fehler sieht er die gröberen Versäumnisse der Regierung in der anhaltenden Krise allerdings nicht in der Kommunikation, sondern im Krisenmanagement. Man müsse möglichst viele Menschen mitnehmen und vor allem liefern, wenn etwas angekündigt wird. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

Es ist im Laufe dieser Pandemie bei vielen Menschen der Eindruck entstanden, dass die Regierung – unabhängig von epidemiologischen Sachfragen – in der Kommunikation nicht immer alles richtig gemacht hat. Wo sind Ihrer Ansicht nach Fehler passiert? GEORG HOFHERR: Zu Beginn der Pandemie war laut unseren eigenen Befragungen die Zustimmung zur Bundesregierung in der Bevölkerung sehr hoch. Diese hat über das Jahr 2020 spürbar abgenommen. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits ist das Nervenkostüm in der breiten Masse aufgrund der langen Dauer immer angespannter, andererseits sind auch handwerkliche Fehler passiert. Mangelhafte Verordnungen, schlechte Vorbereitungen zum Schulstart bis hin zur aktuellen Impfaktion haben die Stimmungslage verschlechtert. ECO.NOVA:

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Welche Fehler hätten sich womöglich mit vertretbarem Aufwand vermeiden lassen? Ankündigungen müssen speziell in der Krise auch eingehalten werden. Das ist natürlich schwierig, weil sich die Situation laufend ändert und es für diese Krise keine Blaupause gibt. Ich denke, dass die Fehler nicht so sehr in der Kommunikation, sondern vielmehr im Management passiert sind. Wir und unser Staat sind derartige Krisen nicht gewöhnt. Ein anderes Beispiel ist Israel. Da läuft die Impfung der Bevölkerung organisatorisch perfekt ab. Das hängt damit zusammen, dass sich dieses Land im permanenten Krisenmodus befindet. Da ist alles straffer und auch militärischer organisiert.

Was wurde aus Ihrer Sicht handwerklich gut und richtig gemacht? Gerade in der Anfangsphase ist die Kommunikation der Bundesregierung sehr professionell abgelaufen. Auch die laufende Information der Bevölkerung war gut und richtig. Die Einbindung der unterschiedlichen Interessengruppen von Bundesländern bis hin zu den Kammern ist nicht immer gelungen. Aber so wie immer im Leben bestimmt der individuelle Standort

den Standpunkt. Da gilt es viele Interessen unter einen Hut zu bringen, was speziell in Krisenzeiten de facto unmöglich ist. Das führt dann wieder zu medialem Katzenjammer. Welches sind – kurz und knackig formuliert – die wichtigsten Dos und Don’ts aus der Werkzeugkiste der Krisenkommunikation? Transparenz, Aktualität und eine der Krise angepasste Sprache sind entschei-


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Was sagen Sie als Experte dazu, wenn Pressekonferenzen stattfinden, die überwiegend nur dem Zweck dienen, weitere Pressekonferenzen, auf denen tatsächliche Ankündigungen gemacht werden sollen, anzukündigen? In den letzten Monaten haben sich die Einschätzungen der Experten immer wieder geändert. Man denke nur an die neuen Virusmutationen, wodurch der Lockdown über Nacht verlängert und verschärft worden ist. Da ist es oftmals schwierig, konkrete Aussagen zu machen. Dass die eine oder andere Pressekonferenz zu viel war, ist im Nachhinein unbestritten. Da ist es wie im normalen Leben: Wer nichts zu sagen hat, der sollte dann auch lieber still sein. Gilt auch in der Krisenkommunikation manchmal das geflügelte Wort „Weniger ist mehr“? Grundsätzlich muss in der Krise laufend kommuniziert werden, um Gerüchte und Mutmaßungen in der Öffentlichkeit einzudämmen. Wenn aber eine Krise in unserer aller Wahrnehmung zum Alltag wird, sollte man die Taktzahl an Medienaktivitäten reduzieren. 100.000 Tote, Licht am Ende des Tunnels, jeder wird jemanden kennen, der an Corona verstorben ist, österliche Auferstehung etc. Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt schien es bisweilen kommunikativ keine Landmasse zu geben. Führen Krisen unweigerlich dazu, dass die unaufgeregte, sachliche Mitte zwischen Verharmlosung und Dramatisierung verloren geht? Es geht darum, dass wir alle durch einfache Botschaften verstehen, was zu tun ist. Gerade am Anfang der Krise war es wichtig, dass wir die Dramatik der Situation verstehen. Auch ich habe die COVID-Situation Anfang März 2020 nicht so ernst genommen. Da haben die Bilder aus Italien und China schon aufgeschreckt und meine Einstellung verändert. Vereinfachungen und beispielhafte Bilder sind klassische Instrumente der Massenkommunikation. Mit reiner Sachlichkeit ist da leider nichts zu gewinnen. Denkt man an den allgegenwärtigen Babyelefanten, das Wappentier der Pandemie, kann einem unter anderem in den Sinn kommen, dass dieser in unseren Brei-

© P8 HOFHERR

dend. Aber das Wichtigste ist: Den Ankündigungen müssen Taten folgen. Kommunikation löst Erwartungen aus und diese müssen erfüllt werden.

„ D A S W I C H T I G S T E I S T: D E N A N K Ü N D I G U N G E N M Ü S S E N TAT E N F O L G E N . KO M M U N I K AT I O N L Ö S T E R WA R T U N G E N A U S U N D D I E S E M Ü S S E N E R F Ü L LT W E R D E N .“ GEORG HOFHERR

ten normalerweise nicht vorkommt und daher ein zwar eh ganz netter, aber nicht ganz glücklicher, weil abstrakter Bezugspunkt ist. Nebenher steht der Babyelefant, ebenso wie das Motto „Selbsttesten so einfach wie Nasenbohren“, für eine Infantilisierung der Kommunikation. Seit wann wird es in der Politik für eine gute Idee gehalten, zu seinem Volk wie zu Kleinkindern zu sprechen? Das Ganze hat mehrere Ebenen. Es findet meiner Ansicht nach zu wenig Berücksichtigung, dass die Kommunikation rund um das Coronavirus weitgehend ein Eliten- und Mediendiskurs ist, der nicht inklusiv genug ist, um den allergrößten Teil der Bevölkerung zu erreichen. Österreich ist ein buntes Land, hier leben viele Menschen mit Migrationshintergrund, die sich nicht unbedingt über konventionelle, klassische Medien informieren und über diese Kanäle folglich auch nicht erreichbar sind und der nicht immer einfachen Kommunikation komplexer Sachverhalte rund um die Pandemie daher nicht folgen können oder wollen. Das ist ein äußerst relevanter Punkt, der allzu oft vergessen wird. Insofern mag der Babyelefant für den aufgeklärten Diskursteilnehmer vielleicht ein Ärgernis sein, jedenfalls aber ist er der Versuch, mit einfachen, plakativen Mitteln breit zu kommunizieren, dass Abstand halten eine zentrale Maßnahme ist, um diese Pandemie in den Griff zu bekommen. Wie sollte das ideale Verhältnis zwischen Politikern und facheinschlägigen Experten aussehen, was die Kommunikation

und Argumentation mäßig populärer Corona-Maßnahmen betrifft? Experten sollten fachliche Analysen, Einschätzungen und Handlungsempfehlungen abgeben, aber Politiker sollen entscheiden. Daher ist es wichtig, dass Experten öffentlich auftreten. Politiker haben dabei die schwierige Aufgabe, die Expertise von Virologen, Gesundheitsmanagern, Wirtschaftsexperten, Bildungsfachleuten und vielen mehr unter einen Hut zu bringen. Wenn aber zu viel Expertise vermittelt wird, verwirrt diese auch. Dann fehlt es an Klarheit. Das kommt mir aktuell so vor. Vieles, wenn nicht gar alles, scheint vom Erfolg und der Akzeptanz der Coronavirus-Impfstoffe abzuhängen. Wie würden Sie einer teilweise impfskeptischen und nicht selten desinformierten Bevölkerung „Lust“ auf die Impfung machen? Man muss die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Das heißt, dass ich die Argumente der Skeptiker, auch wenn sie noch so falsch erscheinen, ernst nehmen und durch einen Dialog neutralisieren muss. Erst dann kann eine Meinungsveränderung stattfinden. Konfrontation oder platte Werbesprüche bringen da gar nichts. Es wird sich auch zeigen, dass sich viele impfen lassen, wenn sie mit Menschen reden, die bereits geimpft sind und keine Nebenwirkungen haben. Wir haben uns ja auch alle gegen Masern, Röteln und Mumps impfen lassen. Daher sehe ich dieses Thema aus Kommunikationssicht gelassen. Die Skepsis wird deutlich abflachen.

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SOMMERFRISCHE 2021 soll das Jahr des Aufbruchs werden. Noch ist nicht viel davon zu sehen, spätestens im Sommer soll er dann aber spürbar werden, der Aufschwung.

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as Jahr 2020 war zweifelsohne ein außergewöhnliches. Aus der – anfänglich teils unterschätzen – Gesundheitskrise rund um COVID-19 ist eine veritable Wirtschaftskrise geworden. Die Konjunkturprognosen wurden im Laufe des Jahres mehrmals nach unten korrigiert, letztlich schrumpfte die Wirtschaft in Tirol im vergangenen Jahr in Summe um zehn Prozent, der Einbruch liegt damit deutlich über dem Österreichschnitt von rund 7,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote erreichte im Bundesland im vergangenen Jahr mit durchschnittlich acht Prozent den höchsten Wert seit 1950. Im Gegensatz zur Finanzkrise 2009/2010 ist die Tiroler Wirtschaft dieses Mal überproportional betroffen. 40 Prozent der gesamten Wertschöpfung Tirols in Höhe von 31 Milliarden Euro werden von wirtschaftsbezogenen Dienstleistungen erzielt. Besonders Beherbergung, Gastronomie, Seilbahnwirtschaft und stationärer Handel sind im Vergleich zu anderen Bundesländern in Tirol stark ausgeprägt – und durch Corona überproportional betroffen. Erweist sich Tirols Struktur oft als Vorteil gegenüber anderen Standorten, so verkehrt es sich aktuell ins Gegenteil. Der Ausblick auf 2021 ist nicht zuletzt ob der gestarteten Impfungen zumindest gedämpft optimistisch, ab Jahresmitte sollte es jedoch spürbar bergauf gehen. „Viele Institutionen haben im November ihre Konjunkturprognosen für 2021 beträchtlich zurückgenommen. Ich glaube jedoch, wir sollten die Stärke des Aufschwungs – wenn er dann kommt – nicht unterschätzen. Die Wirtschaft hat durch COVID-19 einen extrem starken Einbruch erlitten, das würde an sich schon nahelegen, dass wir auch einen stärkeren Rebound-Effekt als im Zuge einer ‚normalen‘ Rezession erwarten dürfen. Es gibt Faktoren, die uns optimistisch sein lassen, dass wir einen kräftigen Aufschwung vor uns haben“, sagt Univ.-Prof. Dr. Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung. Entscheidend ist

© KURT PRINZ

INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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„ES IST FÜR MICH NICHT NACHV O L L Z I E H B A R , WA R U M D I E A K T U E L L E N E R FA H R U N G E N G E G E N D I E G L O B A L I S I E R U N G S P R E C H E N S O L LT E N .“ CHRISTIAN HELMENSTEIN

natürlich, wann der Aufschwung wirklich einsetzt. „Voraussetzung ist, dass die Kontaktbeschränkungen nicht nur in Österreich, sondern auch international zurückgefahren werden, sodass der grenzüberschreitende Austausch wieder ungehindert erfolgen kann“, so Helmenstein. Dass dies noch im Feber oder März der Fall sein wird, glaubt er zwar nicht, für den Sommer indes ist für ihn eine wirtschaftliche Erholung durchaus realistisch.

ECO.NOVA: Im Jahr 2020 kam es global zu einem Wirtschaftseinbruch von historischem Ausmaß. Wann erwarten Sie eine spürbare wirtschaftliche Erholung? CHRISTIAN HELMENSTEIN: Im Laufe des heurigen Jahres. Offen ist, ob in diesem Jahr noch genügend Monate verbleiben werden, um eine ansehnliche Wachstumsrate für das Gesamtjahr zustande zu bringen. Wir prog-

UNIV.- PROF. DR. CHRISTIAN HELMENSTEIN ist Chefökonom der Industriellenvereinigung Österreich, zudem Leiter des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung und Vorsitzender der BusinessEurope Regional Policy Working Group. Zuvor war er unter anderem Leiter der Abteilung Ökonomie und Finanzwirtschaft am Institut für Höhere Studien (IHS). Helmenstein studierte Betriebswirtschaftssowie Volkswirtschaftslehre und Operations Research an der Universität zu Köln und promovierte in Ökonomie an der Ruhr-Universität Bochum. Er hat eine Professur für Volkswirtschaftslehre an der Privatuniversität Schloss Seeburg inne und forscht insbesondere auf den Gebieten der Makro- und Regionalökonomik, der Finanzwirtschaft und des wirtschaftlichen Strukturwandels.


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BEGRIFFE DER AUSGABE: BRUTTOINLANDSPRODUKT Das BIP gibt den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen) an, die für Endverbraucher innerhalb eines Jahres in einem Land hergestellt wurden. Es zeigt damit die Wirtschaftsleistung eines Landes. 2019 lag das BIP in Österreich bei rund 397,6 Milliarden Euro, das entspricht einem Wert von 44.780 Euro pro Einwohner. Geht es der Wirtschaft gut und gibt es regen Konsum, werden mehr Güter produziert und das BIP steigt. Bricht die Wirtschaft wie im vergangenen Jahr ein, sinkt das BIP. Für 2020 werden rund 370 Milliarden Euro erwartet, das heißt, die Wirtschaftsleistung schrumpft. Unterschieden wird zwischen dem nominalen BIP, bei dem die Summe aller Preise berechnet wird, die für die verkauften Güter abzüglich der Vorleistungen bezahlt wurde, und dem realen BIP, bei dem Preisveränderungen wie die Inflation mit eingerechnet werden. So lassen sich Zahlen aus verschiedenen Jahren besser miteinander vergleichen.

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EXOGENER SCHOCK

nostizieren derzeit eine mögliche Expansion von vier Prozent des BIP für das heurige Jahr, im Moment kostet uns jeder Monat, den sich der Aufschwung verzögert, 0,3 Prozentpunkte Wachstum. Prognosen bilden immer konditionale, also „Wenn-dann“-Aussagen ab. Ich hege jedoch keinen Zweifel, dass wir unmittelbar nach dem Ende der Beschränkungen einen starken Aufschwung erleben werden. Worin sehen Sie die Besonderheit dieser Krise? Der von Ihnen vorhin gebrauchte Begriff des „historischen Ausmaßes“ ist schon ganz zutreffend, und ich bin fürwahr zurückhaltend, was die Verwendung rhetorischer Superlative angeht. In den letzten 60 Jahren gab es keine Rezession, in der nicht irgendwo auf der Welt unter den Top-25-Volkswirtschaften ein Tigerstaat zu finden war – ein solcher definiert sich als schnellwachsende Volkswirtschaft mit mindestens vier Prozent realem BIP-Wachstum. Im letzten Jahr gab es keine einzige Volkswirtschaft unter den Top 25, die mehr als

vier Prozent gewachsen wäre. Überhaupt ist unter diesen nur eine Volkswirtschaft gewachsen, und zwar China – gewissermaßen ein wirtschaftshistorischer Treppenwitz, dass ausgerechnet jenes Land, von dem die Pandemie ausgegangen ist, als einziges von den Top 25 im Jahr 2020 noch Wachstum auf die Beine gebracht hat.

Mit der Krise ist eine weitere Diskussion um die Globalisierung aufgepoppt. Wie realistisch ist es, bestimmte (Produktions-)Bereiche wieder zurück nach Europa oder sogar Österreich zu holen, und wie erstrebenswert ist das überhaupt? Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum die aktuellen Erfahrungen gegen die Globalisierung sprechen sollten. Nehmen wir das derzeit prominenteste Beispiel: die Antibiotikaproduktion. Wenn substanzielle Teile der Weltproduktion in einem einzigen chinesischen Cluster gebündelt werden, hätte doch jedem Beobachter klar vor Augen stehen müssen, dass damit ein erhöhtes Lieferrisiko einhergeht. Je konzentrierter die Produkti-

Als Schock bezeichnet man ein plötzliches, also nicht geplantes oder erwartetes Ereignis, auf das man deshalb nicht sofort und angemessen reagieren kann. Exogen bedeutet, dass etwas aus äußeren Ursachen entsteht (im Fall von COVID-19 wegen eines Virus). Das Gegenteil ist endogen, das salopp gesagt „hausgemacht“ bedeutet.

on und je länger die Lieferketten ausfallen, desto höher ist das Risiko, dass sie von einem exogenen Schock getroffen werden. Genau das ist im Kontext von COVID-19 geschehen. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Problem der Globalisierung, sondern des Risikomanagements, indem solche Klumpenrisiken akzeptiert worden sind. Wie löst man diese? Indem man künftig weitere Produktionsstandorte aufbaut. Das impliziert aber nicht ein Weniger, sondern ein MEHR an Globalisierung, denn für all diese neuen Standorte braucht es neue Verflechtungen zwischen Beschaffungsmärkten, Produktion und Absatzmärkten. Der gegenwärtigen Globalisierungsdiskussion würde ich nur eine Ausleitung zugestehen wollen, nämlich dass sich die Lieferketten im Durchschnitt verkürzen werden, aber selbst das ist nicht


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sicher. Wobei kürzere Lieferketten nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Resilienz, sondern auch aus ökologischer Perspektive zu begrüßen wären.

Diese Punkte betreffen vorrangig Waren und den Handel. Die globale Vernetzung betrifft indes fast alle Bereiche unseres Lebens. Ja, es gibt weitere Dimensionen, etwa die Globalisierung des Dienstleistungssektors. Dass wir über eine Videoverbindung miteinander kommunizieren, ist Ausdruck derselben, schließlich nutzen wir die Software eines US-Unternehmens. Niemand wird in Abrede stellen wollen, dass COVID-19 gerade in diesem Bereich einen enormen Schub ausgelöst hat. Dritter Aspekt neben Handel und Dienstleistung: Direktinvestitionen. Um das Klumpenrisiko hochkonzentrierter Standorte zu reduzieren, sind neue Produktionsstandorte aufzubauen. Aber es gibt nicht nur eine pandemische Pest namens COVID-19, sondern auch eine handelspolitische, als Protektionismus 2.0 zu bezeichnende. In den letzten Jahren nimmt die Strömung, statt den freien Handel zu fördern lieber Handelsbarrieren zu errichten, zu. Um dennoch wirtschaftlich erfolgreich agieren zu können, sind Unternehmen gehalten, ihren sogenannten local content zu erhöhen, also Standorte hinter den Handelsbarrieren der jeweiligen Länder zu errichten. Auch das treibt die Globalisierung über Direktinvestitionen voran. Und schließlich werden die kommenden Jahre und Jahrzehnte die Ära des immateriellen

„ D I E S E PA N D E M I E I S T N A C H M E I N E M D A F Ü R H A LT E N E I N U N Ü B E R H Ö R B A R E R W E C K R U F, D A S S G E R A D E D I E S TA AT E N A U F G E F O R D E R T S I N D , R I S I KO V O R S O R G E N Z U T R E F F E N .“ CHRISTIAN HELMENSTEIN

weißen Goldes konstituieren. Immer bedeutender werden Softwarelizenzen, Big-Data-Analytiken und Schutzrechte wie Patente und Marken. Diese immateriellen Güter werden mehr und mehr weltumspannend gehandelt werden. Summa summarum werden wir folglich ein enormes Plus an Globalisierung sehen.

Von den vier Grundfreiheiten der Europäischen Union wurde nur eine im letzten Jahr nicht durch COVID-19 beeinträchtigt – nämlich der freie Kapitalverkehr. Dass die Personenfreizügigkeit, der freie Dienstleistungsund sogar der freie Warenverkehr entlang nationaler Grenzen eingeschränkt wurden, schockiert mich geradezu. Offensichtlich ist das Rahmenwerk für den Europäischen Binnenmarkt nicht hinreichend krisenfest gestaltet worden, sondern weist Züge einer Schönwetter-Gesetzgebung auf. Hier gilt es baldigst nachzuschärfen. Im heurigen Jahr sollte die europapolitische Hauptaufgabe da-

Die Pandemie hatte auch Auswirkungen auf den europäischen Binnenmarkt. Stößt die Europäische Union an ihre Grenzen? Die Pandemie hat aufgezeigt, dass im Europäischen Binnenmarkt etwas im Argen liegt.

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rin bestehen, die Integrität des Binnenmarktes wiederherzustellen. Niemand von uns kann wollen, dass die großartige Errungenschaft des Europäischen Binnenmarktes zu einer besseren Freihandelszone degradiert.

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Wie kann es sein, dass eine Pandemie die Welt derart hart und vermeintlich unvorbereitet getroffen hat? Das scheint mir eher eine politische Frage zu sein. Der beunruhigende Gedanke dabei ist: Wenn die Welt auf einen solch begrenzten und dem Grunde nach von Experten seit vielen Jahren erwarteten Schock schon so schlecht vorbereitet war, könnte man zu vermuten verleitet sein, dass die Menschheit auch auf andere Schocks möglicherweise weitaus verheerenderen Ausmaßes nicht ausreichend vorbereitet ist. Diese Pandemie ist nach meinem Dafürhalten ein unüberhörbarer Weckruf, dass gerade die Staaten aufgefordert sind, Risikovorsorgen zu treffen. Meistens war es bis dato die Wirtschaft, der vorgeworfen wurde, dass sie zu sehr auf den Gewinn schaue und damit lediglich eine Dimension des wirtschaftlichen Agierens berücksichtige, andere Dimensionen, konkret das Risiko ihres Handelns, hingegen weitgehend ausblende. Die Frage ist, ob diese Kritik nicht auch auf Staaten zutrifft. Sind Staaten angemessen auf exogene Schocks vorbereitet? Schätzen Regierungen die ökonomischen, ökologischen, sozialen und informationellen Folgen ihres Handelns und die damit einhergehenden Risiken hinreichend sorgfältig ab, bevor sie weitreichende Entscheidungen treffen? Beide, Politik und Wirtschaft, tun sich schwer, Ausgaben für Vorkehrungen zu rechtfertigen, deren Nutzen sich möglicherweise nicht unmittelbar erkennen lässt; oder die sich nicht nur kurzfristig, sondern vielleicht sogar niemals bewähren müssen, falls das betreffende Ereignis erst später oder nie eintritt. Aber vielleicht tritt es gerade deshalb nicht ein, weil wir gut vorbereitet sind. Werden hingegen keine Vorkehrungen getroffen, sind wir das nächste Mal wieder mit vermeidbaren Folgeschäden konfrontiert. Durch unter anderem die vielfachen Hilfspakete ist aktuell so viel Geld im Umlauf wie selten. Sehen Sie darin eine Gefahr? Diese Sorge war schon post Lehman zu beobachten. Dem Grunde nach ist die Liquiditätsflut kein Novum, nur ihr Ausmaß erreicht eine neue Dimension. Entscheidend wird sein, ob diese Liquidität unter dem Aspekt der Preisstabilität auf den Märkten kaufkräftig wird. Im Moment bereitet mir diese Frage

wenig Sorge, denn Inflation hat typischerweise drei Gründe: Eine drastische Angebotsverknappung, einen massiven Nachfrageschub oder eine administrativ bedingte, kostengetriebene Inflation, unter anderem aufgrund von Steuer- und Abgabenerhöhungen. Ich sehe keinen derart großen Nachfrageüberhang auf den Gütermärkten, dass es zu Preissteigerungen auf breiter Front käme. In weiten Teilen der Weltwirtschaft bestehen enorme Kapazitätsreserven, die auch eine erhebliche Ausweitung der Nachfrage abdecken könnten. Eine typische Angebotsverknappung infolge von kriegs- oder naturkatastrophenbedingten Zerstörungen liegt auch nicht vor, ebenso wenig waren bis dato drastische Steuer- und Abgabenerhöhungen zu beobachten. Meiner Einschätzung nach

werden wir eine leichte Beschleunigung der Inflation mit wahrscheinlich einer „Zwei“ vor dem Komma sehen, temporär wäre auch eine „Drei“ möglich, insbesondere dann, wenn die Ölpreise weiter anziehen werden. Hiervon wird aber keine Gefahr für ein hohes Maß an Preisstabilität ausgehen. Was wir sehr wohl beobachten – und das unabhängig von COVID-19 –, ist Inflation bei den Vermögenswerten. Man könnte also argumentieren, über Inflation wäre grammatikalisch nicht im Futur, sondern besser im Präsens zu diskutieren. Der Bitcoin zum Beispiel weist für die Periode von gerade einmal fünf Jahren einen Kurszuwachs in Höhe von 7.000 Prozent auf. In der Tat erreichen wir bei solchen Zuwächsen die Größenordnung einer galoppierenden Inflation. Bei Immobilien


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„W I R M Ü S S E N D A M I T R E C H N E N , DASS ES ZU EINER HOHEN Z AHL VON U N F R E I W I L L I G E N M A R K TA U S T R I T T E N , ABER AUCH ‚FREIWILLIGEN‘ GESCHÄF TSAUFGABEN AUFGRUND M A N G E L N D E R P E R S P E K T I V E KO M M T.“ CHRISTIAN HELMENSTEIN

bewegen wir uns glücklicherweise nicht in dieser Dimension, aber dass diese Assetklasse in einigen Städten Österreichs inzwischen überbewertet ist, dürfte außer Frage stehen. Allerdings ist noch keine kreditgetriebene Preisblase zu beobachten, da das Ausmaß der spekulativen Kreditaufnahme bis dato recht gering ausfällt. Noch steht die renditetragende Investition mangels besserer Alternativen als Motiv im Vordergrund, nicht die Spekulation auf Bewertungsänderungen binnen kurzer Zeiträume. Das ändert jedoch nichts daran, dass in manchen Segmenten des Immobilienmarktes ein sehr anspruchsvolles Bewertungsniveau erreicht ist. Das Gleiche zeigt sich auf den Anleihemärkten. Insofern schlägt sich die hohe Liquidität bereits nieder – nur eben auf dem Kapital- und nicht auf dem Gütermarkt. In der Krise schnürte die Regierung Hilfspakete in Milliardenhöhe, auf der anderen Seite fehlen ganz drastisch (Steuer-) Einnahmen. Die Staatschulden sind von 70 Prozent des BIP vor Corona auf rund 85/88 Prozent gestiegen. Muss man sich um unser Land Sorgen machen? Im internationalen Vergleich liegt die Schuldenquote

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Österreichs auf einem moderaten und handhabbaren Niveau. Unschön ist allerdings, dass wir uns von unten in Richtung der 90-Prozent-Marke bewegen. Folgte man der jüngsten OECD-Prognose, würde Österreich diese Marke sogar überschreiten. Das halte ich aus heutiger Sicht für unwahrscheinlich. Als kurzfristiges Phänomen und bei derart niedrigen Nominalzinsen beunruhigt diese Schuldenquote nicht besonders. Viel eher gibt zu denken, dass sich aus den nach Brüssel gemeldeten Zahlen kein wesentlicher Abbau der Staatsschuldenquote bis zum Ende dieser Legislaturperiode herauslesen lässt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die derzeitige Budgetplanung zu wenig ambitioniert ausfällt. Wenn wir aber bis zum Ende dieses Jahrzehnts den Corona-Schuldenzuwachs ohne Steuererhöhungen oder öffentliche Leistungseinschränkungen abbauen wollen, ist dies ehestmöglich zu ändern. Es ist aus meiner Sicht nicht vertretbar, zukünftigen Generationen die Kosten der Abfederung der COVID-19-Folgen aufzubürden. Anders als bei öffentlichen Investitionen wie Infrastrukturinvestitionen, von deren volkswirtschaftlicher Rendite auch nach uns kommende Generationen profitieren, geht es

hier um den Erhalt der Beschäftigungs- und Einkommenserzielungskapazität der jetzt lebenden Kohorten, daher sollten selbige auch die fiskalischen Lasten tragen.

Wie kann eine Rückkehr zum Vor-Corona-Schuldenstand ohne Steuererhöhungen gelingen? Indem wir kein statisches, sondern ein dynamisches Gleichgewicht bei der Budgetgebarung anstreben. Dynamisches Gleichgewicht bedeutet, dass man nicht Ausgaben und Einnahmen kurzfristig in Übereinstimmung bringt, sondern dass man die Ausgabenzuwächse systematisch unter den Einnahmenzuwächsen hält. Das führt dazu, dass die Einnahmen die Ausgaben früher oder später übersteigen und man diese Überschüsse für die Rückzahlung der Schulden verwenden kann. Man muss nicht einmal Einnahmenüberschüsse erzielen, um die Schuldenquote zu senken. Es würde genügen, wenn wir uns beim Budget in den Jahren nach 2022 in der Nähe eines Nullsaldos bewegten. Die Schuldenquote geht dann recht rasch zurück, weil die Schulden auf das nominelle Bruttoinlandsprodukt bezogen werden. Reales Wachstum im Zuge der Konjunkturerholung, ein noch höheres nominelles Wachstum nach Maßgabe der Inflationsrate und zunehmende Steuereinnahmen aufgrund der Progression – alle drei Faktoren führen zu einem soliden Einnahmenwachstum. Erfolgsentscheidend ist daher, in den kommenden Jahren die Ausgabendynamiken im Zaum zu halten. Um ein nahezu ausgeglichenes Budget zu schaffen, bedarf es also weder Einschnitten ins soziale Netz noch Steuererhöhungen. Aber wie so häufig gilt auch hier: Je früher man beginnt, desto geringer fällt der Anpassungsbedarf aus.

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„DIE DERZEITIGE BUDGE TPL ANUNG SCHEINT ZU W E N I G A M B I T I O N I E R T A U S Z U FA L L E N . W E N N W I R BIS ZUM ENDE DIESES JAHRZEHNTS DEN CORONAS C H U L D E N Z U WA C H S O H N E S T E U E R E R H Ö H U N G E N O D E R ÖFFENTLICHE LEISTUNGSEINSCHRÄNKUNGEN ABBAUEN W O L L E N , I S T D I E S E H E S T M Ö G L I C H Z U Ä N D E R N .“ CHRISTIAN HELMENSTEIN

In absehbarer Zeit werden unter anderem Steuerstundungen schlagend, die SVS beginnt bereits mit den ersten Mahnungen. Werden wir in Kürze eine Insolvenzwelle sehen und damit einen weiteren Anstieg der ohnehin schon sehr hohen Arbeitslosigkeit mit fast einer halben Million Menschen ohne Job? Wir müssen damit rechnen, dass es zu einer hohen Zahl von unfreiwilligen Marktaustritten, aber auch „freiwilligen“ Geschäftsaufgaben aufgrund mangelnder Perspektive kommt. Vor allem gegenüber 2020 wird ein drastischer Zuwachs zu beobachten sein, auch weil das Niveau im letzten Jahr aufgrund der Aussetzung von Insolvenzanträgen durch das Finanzamt und die Sozialversicherung ungewöhnlich niedrig war. Wir haben dazu

eine Simulationsrechnung durchgeführt, weil uns die Sorge umgetrieben hat, ob daraus ein besonderes Risiko für den Aufschwung erwachsen könnte. Der Schaden, den COVID-19 im letzten Jahr in Form von entgangener Wertschöpfung in Österreich angerichtet hat, liegt bei ca. 32,5 Milliarden Euro. Wir haben in unserer Simulation unterstellt – und ich betone, es handelt sich um eine Annahme, nicht um eine Prognose –, dass insgesamt 10.000 Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe den Markt verlassen werden. Diese Annahme wurde bewusst vorsichtig gewählt, um ein Worst-Case-Szenario durchzurechnen. Unter dieser Annahme kommt es – abhängig von der jeweiligen Betroffenheit nach Branchen und Unternehmensgrößen – zu einem zusätzlichen Wertschöpfungs-

verlust von 300 bis 800 Millionen Euro im Jahr 2021. Diese vielen Insolvenzen stellen eine persönliche Tragödie für viele der davon betroffenen Menschen dar, da ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage verloren geht. Die hierauf entfallende Bruttowertschöpfung wiederum ist gesamtwirtschaftlich betrachtet aber so gering, dass der Konjunkturaufschwung davon kaum gebremst wird. Auf die Erholungsdynamik sowie die Stabilität des Bankensektors werden diese Marktaustritte daher einen geringen Einfluss haben. Vielmehr ist darauf zu achten, den persönlich Betroffenen insbesondere durch Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik wie Requalifizierung und Mentoring ehestmöglich neue Einkommenserzielungsperspektiven zu eröffnen.


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WIRTSCHAFTEN ERMÖGLICHEN Erfolgreiches Wirtschaften braucht sinnvolle Rahmenbedingungen. Dies gilt zu jeder Zeit, in Krisensituationen jedoch besonders. Für den Tiroler Industriepräsidenten Christoph Swarovski braucht es nicht nur einen möglichst raschen Weg heraus aus dieser Pandemie, sondern auch eine Antwort darauf, wie die Politik mit vergleichbaren Herausforderungen künftig umzugehen gedenke.

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ECO.NOVA: Tirol ist aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur und des Fokus auf Tourismus relativ gut durch die Wirtschaftskrise 2009/2010 gekommen. Genau dieser Fokus führte nun zum Gegenteil. Tirol verzeichnet für 2020 ein Minus von rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung, wobei die Industrie als stabilisierender Faktor gilt. Andererseits verringerten sich die Exporte um rund fünf Prozent auf elf Milliarden Euro. Welche Stimmung orten Sie unter den heimischen Industriebetrieben? CHRISTOPH SWAROVSKI: Die Branchen sind unterschiedlich betroffen, aber die Stimmung ist bei vielen Betrieben gut, auch deshalb, weil es die Industrie versteht, mit Krisen umzugehen. Nicht wenige Betriebe, vor allem jene, deren Erfolg wesentlich von einem funktionierenden Tourismus abhängt, haben aber große Umsatzeinbrüche. Denen muss jetzt wirksam geholfen werden. Dafür setzen wir uns besonders ein.

Der Chefökonom der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein, sieht einen Aufschwung voraussichtlich ab dem heurigen Sommer. Was braucht es, damit sich diese Prognosen auch tatsächlich erfüllen? Viel wird davon abhängen, bis wann es weltweit gelingt, mit der Epidemie fertig zu werden. Der Impfung kommt dabei sicher eine Schlüsselrolle zu. Die Wirtschaft insgesamt und auch die Industrie brauchen jetzt unterstützende Rahmenbedingungen, um sich wieder erholen zu können. Die versprochene Steuerentlastung muss möglichst

reichische oder europäische Industrie ohne Weltmarkt überhaupt funktionieren? Der weltweite Austausch von Waren und Dienstleistungen ist eine der Grundlagen unseres Wohlstandes. Ohne internationale Arbeitsteilung würden sogar einfache Produkte, die wir täglich benutzen – vom Handy bis zum Auto – ein Vermögen kosten. Alles selbst produzieren geht nicht und am Welthandel, der auch friedensstabilisierend ist, führt kein Weg vorbei. Bei lebenswichtigen und systemrelevanten Produkten wie Medikamenten oder bei Produkten der Grundversorgung hat ein Zurückholen wichtiger Produktionen nach Europa aber einen sehr großen Sinn.

bald auch für die Unternehmen kommen. Damit es bei der Beschäftigung aufwärts geht, müssten Unternehmen, die hier in Österreich Leute beschäftigen, steuerlich entlastet werden. Die Industriellenvereinigung Tirol hat bereits Modelle ausgearbeitet, wie das gehen könnte, und wir werden versuchen, dafür auch auf Bundesebene zu werben. Die Corona-Pandemie hat unter anderem eine Diskussion um die Globalisierung angestoßen. Die Industrie ist generell sehr exportorientiert – vor allem die heimische Industrie ist vielfach Teil internationaler Lieferketten. Würde die öster-

Corona hat uns die größte Wirtschaftskrise in Friedenszeiten seit 1928 beschert. Was müssen die Lehren aus dieser Krise sein? Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen sich sofort nach der Krise gemeinsam überlegen, wie sie zukünftig mit vergleichbaren Situationen umgehen werden. Es braucht Schutzvorkehrungen und Krisenpläne, die belastbar sind und ein halbwegs normales Weiterleben auch in Krisenzeiten ermöglichen. Jedes Mal, wenn ein Virus auftaucht, Produktion, Dienstleistungen, Bildung und gesellschaftliches Leben herunterfahren halten wir als Wirtschaft und besonders als Menschen nicht aus. Wirksame Konzepte sind für Wohlstand, Wohlbefinden und den sozialen Frieden eine absolute Notwendigkeit und werden hoffentlich rasch ausgearbeitet und umgesetzt.


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WA S S I C H T I R O L S U N T E R N E H M E N D E R Z E I T AM MEISTEN WÜNSCHEN

MAG. CARINA S C H I E S T L - S WA R O V S K I

GF TIROLER ROHRE UND

DI MAX KLOGER

C E O S WA R O V S K I O P T I K

O B M A N N D E R S PA R T E I N D U S T R I E

„Wir hoffen, dass die Immunisierung der Bevölkerung zügig vorangeht, damit wir unsere kostbare Freiheit wieder in all ihren wunderbaren Facetten leben können. Ein neuer Alltag möge ehestmöglich einkehren, in den wir die Lektionen und Lernbotschaften aus der Krise – wie Weitblick, Agilität und Gemeinschaftssinn – gerne integrieren. Am meisten wünschen wir uns, dass die Menschen sich daran erinnern, dass die Liebe zur Natur und Bewegung an der frischen Luft die körperliche und mentale Gesundheit stärken.“

„Ein zentrales Anliegen der Tiroler Unternehmen ist, dass möglichst viele Menschen in Österreich zügig geimpft werden und wir dadurch bald wieder zu einem normalen Leben zurückkehren und den Geschäften grenzüberschreitend wieder nachgehen können. Bei der Investitionsprämie ist eine Verlängerung des Durchführungszeitraums für die Umsetzung über den 28. Feber 2022 hinaus notwendig, da der derzeitige Zeitrahmen für viele Projekte zu kurz ist. Im Bereich der Digitalisierung ist der rasche Ausbau der Breitbandinfrastruktur eine wesentliche Voraussetzung für eine dynamische Entwicklung des Tiroler Produktionssektors.“

DR. CLEMENS SCHALLER GF STIHL TIROL

„Wir wünschen uns, dass wir bei STIHL Tirol in der Corona-Zeit weiterhin gut über die Runden kommen, wie uns dies bislang dank rigider Maßnahmen und intensiver Kommunikation gelungen ist. Weiters wünschen wir uns einheitliche Regeln, die auch für Grenzgänger logisch und machbar sind. Wie viele wünschen wir uns möglichst rasch verfügbaren Impfstoff, den wir auch bei uns im Unternehmen anbieten können. Bis dahin wären einfache Schnelltests für jedermann hilfreich. Wünschenswert ist auch eine verlässliche Kinderbetreuung in Kindergärten und Schulen, die Entlastung für berufstätige Eltern bringt.“

ANDREAS UNTERHOFER GF DURST AUSTRIA

„Nach den Erfahrungen und Erkenntnissen der letzten Monate erwarten wir uns in erster Linie eine erkennbare Strategie der Politik. Den Unternehmen fehlt es seit Monaten gänzlich an Planungssicherheit und die andauernden Maßnahmenneuauflagen schüren Panik in allen Gesellschaftsschichten. Wir wünschen uns hier eine vereinheitlichte EU-Pandemiepolitik. Wir erwarten uns mehr Mut sowie klare Kommunikation und weniger wissenschaftliche Debatten auf der politischen Bühne. Als internationales Unternehmen sind wir sehr stark auf Kundenbesuche aus dem Ausland angewiesen und erwarten uns letztlich eine vereinfachte Einreiseregelung für Geschäftsreisende.“

HELMUT THÖNI GF THÖNI INDUSTRIEBETRIEBE

„Das Jahr 2020 ist für uns letztendlich besser gelaufen als im ersten Lockdown im März befürchtet, der Mitarbeiterstand konnte trotz des schwierigen Umfeldes um 100 Arbeitsplätze erhöht werden. Mit Zuversicht und positiven Erwartungen schauen wir in das heurige Jahr. Die bereits gute Auslastung im neuen Werk in Pfaffenhofen wird weiter gesteigert und damit einhergehend werden im Jahr 2021 weitere Arbeitsplätze geschaffen. Wir blicken optimistisch in die Zukunft, auch wenn wir Corona-bedingt weiterhin auf Überraschungen eingestellt sein müssen. Wir brauchen eine rasch umgesetzte und schnell greifende Impfstrategie, um wieder weltweit aktiv sein zu können.“

FOTO: © SWAROVSKI OPTIK, STIHL TIROL, TIROLER ROHRE, DURST AUSTRIA, THÖNI INDUSTRIEBETRIEBE

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eco.wirtschaft

BUHMANN FREIZEITWOHNSITZE Wenn privater Nutzen zu gesellschaftlichen Kosten führt, gibt’s ein Problem. Freizeitwohnsitze sind davon keine Ausnahme. Aber ist die Rechnung wirklich so einfach?

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T E X T : S T E FA N D . H A I G N E R

W

er hierzulande die Zeitung aufschlägt, muss den Eindruck gewinnen, dass Tirol ein Problem hat. Und das heißt Freizeitwohnsitze. Das fängt bei den Gemeindebudgets an, wird aber besonders oft in Zusammenhang mit hohen Grundstückspreisen und folglich mit dem Thema des leistbaren Wohnens gebracht. Freizeitwohnsitze scheinen dabei ausschließlich ein Problem zu sein. Eine Sichtweise, die – wie praktisch jede Schwarz-Weiß-Malerei – zu kurz greift. Denn Freizeitwohnsitze sind ebenso wenig Fluch für Tirol wie sie Segen sind. Sie sind eine Entwicklung mit zum Teil unerwünschten Nebenwirkungen.

DIE ACHT- PROZENT- GRENZE

Zum Einstieg in die Diskussion sollte zunächst festgehalten werden, dass es in Tirol eine Acht-Prozent-Grenze gibt. Das Tiroler Raumordnungsgesetz 1) besagt demnach, dass „die Schaffung neuer Freizeitwohnsitze nicht mehr für zulässig erklärt werden [darf], wenn der Anteil der

[…] Freizeitwohnsitze an der Gesamtzahl der Wohnungen […] 8 v. H. übersteigt“ (v. H.: von Hundert). Diese Grenze wird in einem Viertel aller Tiroler Gemeinden überschritten – zum Teil sogar massiv. Illegale Freizeitwohnsitze gar nicht mitgerechnet. Für den Bezirk Kitzbühel gilt das beinahe flächendeckend (siehe Tabelle). In einzelnen Gemeinden geht die Quote von Freizeitwohnsitzen bis über 75 Prozent. Doch sind diese Gemeinden deshalb in Schieflage? Und heißt es, dass bei sieben Prozent alles gerade noch o.k. wäre, bei neun Prozent aber nicht? Wird das Problem immer größer, je höher der Anteil wird? Oder schleift es sich langsam ein, sodass es ab einer bestimmten Grenze „eh schon egal“ ist? Im Sinne von ein Glas Wein täglich ist – angeblich – gesund, zwei Gläser sind auch nicht tragisch, bei sechs Gläsern hat man ein Problem, das mit dem siebten Glas hingegen auch nicht mehr größer wird? Der Punkt ist: Es gibt keine allgemein anerkannte harte Grenze, ab der mit Bestimmtheit von „zu vielen“ Freizeitwohnsitzen ge-

sprochen werden kann. Der Sinn der Grenze liegt vielmehr in deren Existenz selbst begründet und ist nicht so sehr inhaltlicher Natur – ähnlich den Maastricht-Kriterien. Für die 60-Prozent-Staatsschuldenquote gibt es keine harte ökonomische Begründung. Vielmehr ist sie Ausdruck des politischen Willens und Triggerpunkt für Sanktionsmaßnahmen, wenn die Grenze überschrit-

ÜBER GAW Die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) ist eine private Forschungseinrichtung mit Sitz in Innsbruck, die für Unternehmen, Interessenvertretungen sowie die öffentliche Hand Studien zu volksund regionalwirtschaftlichen Themen erstellt. Im Bereich der Erstellung von Wertschöpfungsstudien, aber auch zum Thema kalte Progression zählt die GAW seit Jahren zu den führenden Forschungseinrichtungen in Österreich.

www.gaw.institute


eco.wirtschaft

Dr. Stefan D. Haigner ist geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW)

FREIZEIT WOHNSITZE DÜRFEN DEN ANTEIL VON ACHT PROZENT AN DER GESAMTZAHL DER WOHNUNGEN NICHT ÜBERSTEIGEN. DIESE GRENZE WIRD IN EINEM VIERTEL ALLER TIROLER GEMEINDEN ÜBERSCHRIT TEN – ZUM TEIL SOGAR M A S S I V. D O C H S I N D D I E S E G E M E I N D E N DESHALB IN SCHIEFL AGE ?

ten wird. Im Übrigen: In der Schweiz liegt die Grenze, die es „Tourismusgemeinden ermöglicht, Zweitwohnsitze generell zu verbieten“ bei 20 Prozent – nachzulesen im WISO-Spezial der AK Tirol2). Was aber, wenn die Quote bei 75 Prozent und mehr liegt, also drei von vier Wohnungen einer Gemeinde Freizeitwohnsitze sind? Ist das jedenfalls zu viel? Und was, wenn diese Quote das Ergebnis von 35 Freizeitwohnsitzen auf gesamt 46 Wohnungen laut Gebäude- und Wohnungszählung aus dem Jahr 2011 ist, wie dies etwa in Hinterhornbach der Fall ist? Würde hier jemand

sagen, Hinterhornbach ist Epizentrum eines (über-)regionalen Marktversagens, weil deshalb Wohnen in der Region nicht mehr leistbar ist? Oder die 67 Freizeitwohnsitze (Freizeitwohnsitzquote: 31 %) in Steinberg am Rofan, 62 in Stanzach (27 %), elf in Namlos (25 %), 50 bzw. 55 in Gerlosberg und Rettenschöss (jeweils 22,5 %), 42 Freizeitwohnsitze in Jungholz und sechs Freizeitwohnsitze in Kaisers mit einer Quote von je 15 %. Ist die Quote allein aussagekräftig genug? Die 70 Gemeinden mit einer Freizeitwohnsitzquote von über acht Prozent vereinen im Übrigen rund 70 Prozent aller

offiziellen Freizeitwohnsitze auf sich, aber nur 18 Prozent der Tiroler Wohnungen laut Gebäude- und Wohnungszählung.3) Tirolweit liegt die Quote bei etwas über vier Prozent. Freizeitwohnsitze in Tirol, die notabene zu einem signifikanten Teil auch von Österreicherinnen und Österreichern nachgefragt werden, sind Wohnraumnachfrage und tragen damit ihren Teil dazu bei, dass Wohnraum für so manche unerschwinglich ist oder bleibt. Doch wie stark ist der Effekt, der von den vier Prozent der Freizeitwohnsitze ausgeht – zumindest relativ? Dazu eine einfache Überschlagsrechnung: Tirol hat eine Fläche von 12.648 Quadratkilometern. Die Tiroler Landesstatistik weist davon 6,9 Prozent als Siedlungsraum aus.4) Das sind 869 Quadratkilometer oder 86.894 Hektar. Davon weist das Amt der Tiroler Landesregierung rund 3.500 Hektar (ohne Innsbruck) an Baulandreserven aus, also unbebauter Baulandfläche, worauf nach Schätzung der AK Tirol für rund 200.000 Menschen Wohnraum geschaffen werden könnte. Basierend darauf liegt die von Freizeitwohnsitzen relativ in Anspruch genommene Fläche – und damit der Preiseffekt – im niedrigsten einstelligen Prozentbereich. Umgekehrt ist es so, dass in Tirol die Wohnfläche5) pro Person seit 2004 von 38,7 auf 43,2 Quadratmeter und damit um 4,5 Quadratmeter oder annähernd zwölf Prozent gestiegen ist. Fast jede dritte Wohnung ist dabei ein Singlehaushalt. Würden wir heute wie im Jahr 1994 wohnen, so läge allein dadurch die verbaute Wohnfläche heute um rund 800 Hektar unter dem tatsächlichen Niveau. Das entspricht Wohnraum für 44.000 Menschen. Dass Wohnraum in Tirol also mancherorts für bestimmte Gruppen nicht leistbar ist, ist auch hausgemacht.

BEZIRK KITZBÜHEL: WERTSCHÖPFUNGSEFFEKTE NACH SEKTOREN

Bau

20,0 Mio. EUR

Beherbergung & Gastronomie Finanz- & Versicherungsdienstleistungen Freiber., wiss. & techn. Dienstleistungen

28,8 Mio. EUR 3,2 Mio. EUR 2,8 Mio. EUR

Grundstücks- & Wohnungswesen

10,4 Mio. EUR

Handel, Instandhaltung & Reparatur von Kfz

10,6 Mio. EUR

Kunst, Unterhaltung & Erholung sonst. wirtschaftliche Dienstleistungen

5,3 Mio. EUR 3,1 Mio. EUR

Verkehr & Lagerei Wasservers., Abwasser- & Abfallentsorgung Andere Sektoren

13,5 Mio. EUR 3,9 Mio. EUR 8,9 Mio. EUR

Quelle: GAW, 2020. Rundungsdifferenzen möglich

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eco.wirtschaft

ANZAHL AN FREIZEITWOHNSITZEN IM BEZIRK KITZBÜHEL

Ort Aurach b. Kitzbühel Brixen im Thale

Wohnungen gesamt

Anteil Freizeitwohnsitze in %

205

845

24,3

293

1.752

16,7

Going am Wilden Kaiser

80

1.055

7,6

Hopfgarten im Brixental

325

3.436

Fieberbrunn

Hochfilzen Itter

Jochberg

Kirchberg

Kirchdorf

Kitzbühel Kössen

Oberndorf

95

40

49

231

873

2.302 549

600

1.205

8,2

19,0

20,8

7.216

17,6

1.971

306

2.271

173

7,3

9,3

4.199

179

1.274

4,1

1.239

9,1

13,4

14,0

Reith bei Kitzbühel

304

1.293

St. Johann

305

4.993

Schwendt

66

416

15,6

2.408

25,7

St. Jakob im Haus

St. Ulrich am Pillersee

60

Freizeitwohnsitze

Waidring

Westendorf

Gesamt

45

97

82

620

5.642

463

937

947

40.097

23,5 9,7

6,0

0,0*) 8,6

14,1

Quelle: Amt der Tiroler Landesregierung, 2020 / Stand vom 13.05.2020. *) Ausnahmebewilligungen nach § 13 Abs. 7 sind in der Freizeitwohnsitzquote nicht zu berücksichtigen (diese Anmerkung betrifft in diesem Fall vor allem St. Ulrich am Pillersee, wo durch bestimmte Ausnahmen die offizielle Quote tatsächlich bei 0 Prozent liegt)

Ohne auf die Frage eingehen zu wollen, warum es überhaupt ein politisches Ziel sein soll, dass für alle und allerorts Eigentum6) leistbar sein soll (die Finanzwirtschaftskrise und die darauffolgende Staatsschuldenkrise sind auch Ausfluss dieses politischen Ziels, wie die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung / GAW in ihrem Buch „Wie der Traum vom Haus die Welt bedrohte“, erschienen im MANZ Verlag, nachgezeichnet hat), ist ebenfalls mitzudenken, dass auch die öffentliche Hand kräftig zu den Kosten von Wohnungseigentum beiträgt. So hat die GAW bereits 2016 an Beispielrechnungen aufgezeigt, dass – alles eingerechnet – der Anteil an Steuern und Abgaben an den Gesamtkosten für ein Mehrfamilienhaus zwischen 41,6 und 42,6 Prozent liegt. Änderungen in der Bebauungsdichte oder der Anzahl an Autoabstellplätzen ändern an dieser Belastung wenig. Für eine Doppelhaushälfte liegt dieser Anteil immerhin noch bei rund einem Drittel. Die Belastung geht damit schnell in den sechsstelligen Bereich. Kosten, die durch etwaige Vorschriften

und Normen hinzukommen und als weitere Kostentreiber gelten, nicht mitgerechnet.

GRENZEN - LOS?

Bevor nun diverse Schubladen geöffnet werden, sei noch einmal klar gesagt, dass es hier nicht darum geht, Freizeitwohnsitzen ohne Grenzen das Wort zu reden. Das wäre offenkundiger Unsinn, gibt es doch in der Bevölkerung auch gewisse Befindlichkeiten gegenüber Freizeitwohnsitzen, die ein wesentlicher Treiber in der Diskussion sein dürften und auf die die Politik reagieren muss (?). Auch kommt es zu Belastungen auf Seiten der Gemeinden (Stichwort: Verkehrsinfrastruktur, Altersheime, Sozialsprengel, Friedhof und vieles mehr), auf die Rücksicht genommen werden muss. Es geht darum, die Frage nach den Relationen zu stellen und auch auf die vielen Unbekannten hinzuweisen.7) Das beginnt mit der Frage, ob wirklich eine Mehrheit der Tiroler den Standpunkt vertritt, dass Wohnen im Eigentum für jedermann überall leistbar sein muss, über die Frage, ob Toplagen davon ausgenommen

sind, und wenn ja, warum und welche, bis hin zur Frage, ob vielleicht nicht das Eigentum zu teuer ist, sondern die Einkommen zu niedrig sind. Und es geht auch darum, darauf hinzuweisen, dass Freizeitwohnsitze durchaus Positives für die Regionen bringen. Konkret hat sich die GAW dies für den Bezirk Kitzbühel – als einen der Hotspots in Tirol – im Auftrag8) näher angesehen. Nach den Berechnungen der GAW belaufen sich die Ausgaben, die im Zusammenhang mit den Kitzbüheler Freizeitwohnsitzen stehen, demnach auf rund 142 Millionen Euro (exkl. Mehrwertsteuer) pro Jahr. Die Analysen zeigen, dass über die wirtschaftlichen Verflechtungen diese Ausgaben im Bezirk selbst zu einer zusätzlichen Wirtschaftsleistung in der Höhe von 123,8 Millionen Euro führen. Werden die Effekte in RestTirol sowie Rest-Österreich mitgerechnet, erhöht sich der Effekt auf knapp 200 Millionen Euro pro Jahr, wodurch mehr als 2.000 Arbeitsplätze in Vollzeit gesichert werden. Arbeitsplätze, die es ohne Freizeitwohnsitze so nicht gäbe. Dabei streut die Wirkung sektoral erheblich, wenn praktisch alle Sektoren auf die ein oder andere Weise von den Ausgaben der Freizeitwohnsitzler profitieren (siehe Grafik). Auch die öffentliche Hand freut sich darüber – in Form von Beiträgen zur Sozialversicherung (28,5 Millionen Euro), Lohn- und Einkommensteuer (24,3 Millionen Euro), Umsatzsteuer (30,0 Millionen Euro) und sonstigen Steuern und Abgaben (8,4 Millionen Euro) nämlich. Jahr für Jahr. Einnahmen, die auch den Gemeinden in Form von Kommunalsteuer oder indirekt über den Finanzausgleich wieder zugutekommen. Ein bisschen scheint die Freizeitwohnsitzdebatte so zu sein wie die Debatte über Overtourism.9) Sie hat eine starke emotionale, atmosphärische Komponente. Was zu viel ist, ist jedoch in beiden Fällen nicht objektiv feststellbar – sondern ein Bauchgefühl. Für gute Entscheidungen braucht es indes beides: Kopf und Bauch. Entsprechende Festlegung im Flächenwidmungsplan vorausgesetzt https://tirol.arbeiterkammer.at/service/studien/WISO/2020/ WISO_2020_II.pdf. 3) Rund 70 % bzw. 22 % exklusive Innsbruck. 4) Ebenda 5) Von Hauptwohnsitzwohnungen 6) Gemeint ist Wohnungseigentum 7) Nicht viel anders war die Debatte in Deutschland im Vorfeld zur Einführung des Mindestlohns. Soll dieser deutschlandweit gelten, soll er regional etc. differenziert sein. 8) Verein Regionalmanagement regio3 9) […] ‘overtourism‘ can be defined as the impact of tourism on a destination, or parts thereof, that excessively influences perceived quality of life of citizens and/or quality of visitors experiences in a negative way.” (World Tourism Organization et al., 2018) 1)

2)


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ZUKUNF

bildung & innovation

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Schnell und effizient Bereits im vergangenen März, kurz nach Auftreten der ersten Covid-19-Fälle in Österreich, hat das Spin-off Sinsoma gemeinsam mit den Instituten für Zoologie und Mikrobiologie der Universität Innsbruck ein Testverfahren zum Nachweis von SARS-CoV-2, dem Erreger von Covid-19, entwickelt, das seit Mitte Mai 2020 erfolgreich im Einsatz ist. Nun hat Sinsoma gemeinsam mit Forscher*innen der Universität Innsbruck zwei neue Verfahren entwickelt, die Varianten des Coronavirus schneller und effizienter identifizieren können als bisherige Methoden. Mit einem selbst entwickelten PCR-Test lässt sich die britische Coronavirus-Variante in nur drei Stunden ausschließen. Durch ein effizientes Sequenzierungsverfahren können darüber hinaus weitere Varianten innerhalb von 48 Stunden nachgewiesen werden. Während viele Labore auf vorgefertigte Testverfahren zur Detektion von Virusmutationen angewiesen sind, profitiert das Team von Sinsoma um Michael Traugott, Professor am Institut für Zoologie der Universität Innsbruck, von einer langjährigen Forschungspraxis. Sie sind Spezialist*innen für die DNA/RNA-Spuren-Analyse und können dadurch rasch maßgeschneiderte und effiziente Lösungen entwickeln und schnell auf Markterfordernisse reagieren.


eco.zukunft

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Florian Entleitner, Masterstudent des MCI-Studiengangs Umwelt-, Verfahrens- und Energietechnik, hat den Würdigungspreis des Bundesministers 2020 erhalten. Mit seiner Arbeit „Simulation und Validierung des Wärmedurchgangs in Lamellenpaketverdampfern mit Propan als Kältemittel“ gelang es ihm, durch ein neuartiges Verfahrenskonzept den Wärmedurchgang im Verdampfer und somit die Energieeffizienz von Luftwärmepumpen gegenüber dem derzeitigen Branchenstandard deutlich zu verbessern. Die Ergebnisse seiner Arbeit führten zur Gründung des Technologie-Start-ups LAMBDA, das hocheffiziente Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel entwickelt und produziert.

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VON DER MASTERA R B E I T Z U M S TA R T- U P

DAS MAMMUT- BUCH Naturwissenschaften David Macaulay, DK Verlag 160 Seiten, EUR 16,95 Kindern Dinge wie Atome, chemische Reaktionen, Materie oder Magnetismus näherzubringen, ist gar nicht so einfach. Und auch nicht jeder Erwachsene weiß darüber Bescheid. Nach dem Mammut-Buch der Technik nimmt sich David Macaulay nun die Naturwissenschaften vor und nimmt die Leser gemeinsam mit den zottligen Urzeittieren mit in eine kunterbunte Wissenswelt. Die frechen Mammuts testen, zeigen und erklären Schulwissen wunderbar unterhaltsam und machen Lust auf Physik, Chemie und Biologie. Mit Charme und Witz bringt Macaulay die Naturwissenschaften spielerisch bei und bietet damit einen leichten Zugang zu komplexen Zusammenhängen. Lustige Illustrationen machen selbst anspruchsvolle Themen für Kinder ab acht anschaulich.

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GEHIRN-WISSEN 5,8 Millionen Kilometer lang sind die Nervenbahnen in einem erwachsenen Gehirn. 80 Milliarden Nervenzellen befinden sich in der Schaltzentrale des Menschen. Die Neurowissenschaften sind ein dementsprechend komplexes wie faszinierendes Feld. Im Rahmen der alljährlichen „Woche des Gehirns“ geben Forscher*innen und Ärzt*innen Einblicke in die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Heuer werden erstmals fünf virtuelle Vorträge an der Medizinuni Innsbruck stattfinden. Erstmalig wird das Programm dabei vom Publikum zusammengestellt, das die Möglichkeit hatte, Themenvorschläge einzureichen. Aus den Einsendungen werden fünf ausgewählt, die in den öffentlichen Online-Vorlesungen von 15. bis 19. März 2021 behandelt werden. Infos unter www.i-med.ac.at/gehirn

Ulrike Tanzer, Vizerektorin der Universität Innsbruck, freut sich über eine rege Forschungstätigkeit

FORSCHUNGSGELD Die Welt der Forschung ist für die breite Masse oft eine abstrakte und eine, die vermeintlich weit weg ist vom eigenen Leben. Doch ohne Forschung keine Entwicklung. Das gilt für quasi alle Bereiche und für Grundlagen- ebenso wie für angewandte Forschung. Die Universität Innsbruck ist dabei europaweit höchst erfolgreich und konnte im Rahmen des EU-Forschungsprogramms „Horizon 2020“ insgesamt 56 Millionen Euro an Forschungsgeldern einwerben. Insgesamt lief das Projekt über sieben Jahre, geforscht wurde zu Fragen in Physik, Medizin, Informatik, Klimaforschung und Geisteswissenschaften. „Horizon 2020“ ist Ende letzten Jahres ausgelaufen, mit „Horizon Europe“ startet nun ein neues europäisches Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Es beruht auf drei Säulen: der Unterstützung exzellenter Wissenschaft, der Bewältigung globaler Herausforderungen und Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit in thematischen Clustern wie Digitalisierung, Klimawandel und Gesundheit sowie der Förderung von technologischer Innovation. Rund 95 Milliarden Euro wird die EU in den kommenden sieben Jahren dafür zur Verfügung stellen. Wir hoffen, dass wieder ein (großer) Teil davon nach Österreich fließt.

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eco.zukunft

„KEINE SINNLOSEN DEBATTEN ANZETTELN“

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eco.zukunft

In einer vielbeachteten Studie hat der Innsbrucker Mediziner Florian Deisenhammer gezeigt, dass Corona-Genesene eine stabile Langzeitimmunität entwickeln. Das ist beruhigend, an einer hohen Durchimpfungsrate führt dennoch kein Weg vorbei. Deisenhammer kritisiert außerdem, dass das Coronavirus zum politischen Spielball geworden sei. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Was bedeuten Ihre Studienergebnisse, von denen angenommen werden darf, dass sie valide sind, für den Umgang mit dieser Pandemie? FLORIAN DEISENHAMMER: Da gibt es verschiedene Ebenen. Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie immun sind und praktisch kein Risiko einer Neuinfektion haben. Von weltweit mehr als 50 Millionen Genesenen gibt es nur einzelne Fallberichte einer Wiederinfektion. Das ist aber wenig systematisch untersucht. Wir wollen das in nächster Zeit für Österreich herausfinden. Die Daten sind prinzipiell vorhanden, aber von der Behörde nicht zur Verfügung gestellt. Man darf dennoch davon ausgehen, dass die Wiederinfektionsrate jedenfalls extrem gering sein dürfte.

Genesene sind demnach selbst geschützt, können sie dennoch andere anstecken? Dieses Thema – die sogenannte sterile Immunität – wird viel diskutiert. Das heißt, dass man selbst geschützt ist und auch niemanden anderen anstecken kann. Die systematischen Daten dazu sind weniger dicht und epidemiologisch lässt sich das schwer herausfinden. Es gibt aber einen Surrogatmarker, also die regelmäßige PCR-Testung von Genesenen. Bleiben die Getesteten negativ, sind sie auch nicht ansteckend. Dazu gibt es systematische Studien, in denen sich gezeigt hat, dass fast niemand nach einer stabilen Phase der Genesung – ab drei Monate nach dem Infekt – positiv getestet wurde. In den wenigen Ausnahmefällen war die Viruslast so gering, dass eine Ansteckung auszuschließen ist. Es gibt bislang überhaupt keinen Hinweis, dass Genesene, die immun sind, also mit Antikörpernachweis, andere Menschen angesteckt hätten. Im Gegenteil: Alles deutet darauf hin, dass es eine sterile Immunität gibt. Das ist eine der seltenen positiven Nachrichten in dieser Pandemie. So ist es. Neben der individuellen Ebene gibt es aber noch eine weitere, konkret den offiziellen Umgang der Gesundheitsbehörden mit dieser Information. Der ist sehr zurückhaltend. Das hat zwei Gründe: Die Behörden sind extrem vorsichtig und sagen, was wir herausgefunden haben, ist nicht ausreichend bewiesen. Immerhin wurde bisher die Immunität bis

zu drei Monate nach Erkrankung offiziell anerkannt. Zweitens rechnen die Behörden damit, dass mit der Impfung die Infektionszahlen so weit hinuntergehen, dass sich das Problem erledigt. Die Antikörperpositiven nach Infektion sind eine relativ geringe Masse, so dass sie kaum ins Gewicht fallen. Das ist allerdings denen gegenüber unfair, die das betrifft.

Der Impfstoff ist noch knapp. Ist es denn für Covid-Genesene überhaupt sinnvoll, sich impfen zu lassen? So wie ich es sehe, ist es nicht notwendig. Alle Elemente des Immunsystems, die zu einer Immunität beitragen, wurden bei Genesenen bereits untersucht und nachgewiesen. Es handelt sich um eine vollständige, lehrbuchmäßige, protektive Immunantwort. Davon kann man mit extrem großer Wahrscheinlichkeit ausgehen. Gerüchteweise ist zunächst in Österreich nicht vorgesehen, die Genesenen zu impfen. Wie es weitergeht, wird man sehen. Genesene waren im Übrigen aus den Impfstudien ausgeschlossen.

Es gibt also keine Studiendaten bezüglich der Impfung von Genesenen? In den Publikationen gibt es keine Daten, die Aufschluss darüber geben, wie man reagiert, wenn man bereits durch die durchgemachte Erkrankung immunisiert ist und dann doch geimpft wird. Das wird keinen Schaden machen, aber auch keinen Nutzen bringen. Das höchste Prinzip in der klinischen Medizin lautet nun einmal „Primum non nocere“. Wenn es keinen Nutzen gibt, dann überwiegt – wie geringfügig er auch sein mag – der Schadensaspekt. Deshalb stellt sich die Frage, ob man das machen muss. Letzten Endes wird man wohl auch Genesene impfen, weil eine Eintragung im Impfpass nur durch Impfung und nicht durch einen Univ.-Prof. Dr. Florian Deisenhammer leitet die Arbeitsgruppe für Neuroimmunologie an der Medizinischen Universität Innsbruck.

„W I R H A B E N G U T E C H A N C E N , I N D E R WA R M E N J A H R E S Z E I T E I N E T E I LW E I S E N O R M A L I S I E R U N G Z U ERLEBEN, UND SEHR GUTE CHANCEN A U F N O R M A L I TÄT I M H E R B S T.“ FLORIAN DEISENHAMMER

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eco.zukunft

„FÜR DIE IMPFUNG MÜSSEN WIR – UND DAS SEHE ICH HAUP TSÄCHLICH AL S ÄRZ TLICHE AUFGABE – ÜBERZEUGUNGSARBEIT LEISTEN. ICH ERSUCHE DIE POLITIKER, S I C H H E R A U S Z U H A LT E N , S O W E I T E S G E H T, U N D K E I N E S I N N L O S E N D E B AT T E N A N Z U Z E T T E L N .“ FLORIAN DEISENHAMMER

Antikörpernachweis zu erreichen ist. In naher Zukunft wird man wahrscheinlich geimpft sein müssen, wenn man reisen möchte, oder als Einstellungskriterium, etwa im Gesundheitsbereich. Das wird möglicherweise kommen und in den Gesundheitsberufen auch bei anderen Impfungen schon so gehandhabt.

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Rechnen Sie mit einem gesellschaftlichen Aufschrei durch eine faktische Impfverpflichtung durch die Hintertür? Nein, das wird sich eher auf kritische Bereiche beschränken und keiner breiten Impfverpflichtung entsprechen.

Gibt es nach überstandener Covid-Erkrankung verallgemeinerbare geschlechts- oder altersspezifische Unterschiede in der Immunantwort? Ja, bei Männern kommt es zu höheren Antikörperspiegeln. Die Menge an Antikörpern, die man misst, hat aber nicht unbedingt etwas mit dem Schutz zu tun. Es gibt eine qualitative Komponente in dieser Angelegenheit. Je schwerer man erkrankt, desto mehr Antikörper hat man und desto länger bleiben diese im Körper. Ob man deswegen besser geschützt ist, ist eine andere Frage. Es gibt unterschiedliche Antikörpertypen, die auf verschiedene Teile des Virus reagieren. Das ist aber noch nicht hinreichend untersucht. Die mRNA- und Vektorimpfungen ziehen das Spike-Protein zur Immunisierung heran, und das scheint der wesentliche Teil der Immunreaktion zu sein.

Die neuen, ansteckenderen SARS-CoV-2-Mutanten, etwa aus Großbritannien und Südafrika, weisen Mutationen am Spike-Protein auf. Was bedeutet das für die körpereigene Immunantwort Genesener, welche mit der bislang dominanten Variante des Virus infiziert wurden? Die Impfantwort soll dadurch nicht beeinträchtigt sein und somit auch die natürliche Immunisierung nicht. Die Immunantwort fußt auf einer polyklonalen Mischung unterschiedlicher Antikörper, von denen manche auch trotz Mutation andere Teile des Virus ausreichend erkennen. Es ist völlig normal, dass Viren mutieren. Das treibt die Evolution, und auch Viren unterliegen einem evolutionären Druck. Geht eine Mutation so weit, dass die Immunantwort nicht ausreicht oder sich dieser sogar vollständig entzieht, hät-

ten wir es faktisch mit einem neuen Virus zu tun. Das wäre dann ein Unterschied wie zwischen SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2 und kein Mensch wäre immun.

Bleibt SARS-CoV-2 endemisch, wie etwa die Influenza? Es gibt erst eine menschliche Viruserkrankung, die tatsächlich durch die Impfung vollständig ausgerottet ist, und das sind die Pocken. Einige andere, wie die Kinderlähmung, sind weitgehend ausgerottet. Es ist nicht zu erwarten, dass das mit SARS-CoV-2 passiert. Die Krankheit wird uns erhalten bleiben, wenn auch in wesentlich geringerem Ausmaß. Dafür ist es unbedingt notwendig, dass sich jeder impfen lässt, sobald die Möglichkeit besteht. Das ist die gemeinsame Anstrengung, die es braucht, um zurück zu einem normalen Leben kommen zu können. Wir haben gute Chancen, in der warmen Jahreszeit eine teilweise Normalisierung zu erleben, und sehr gute Chancen auf Normalität im Herbst. Gibt es in dieser Pandemie auch einen Kollateralnutzen, etwa den global beobachteten starken Rückgang der Influenza? Dazu gibt es zwei mögliche Erklärungsmuster: Dass mehr gegen die Grippe geimpft wurde und wir es ohnehin mit einer milderen Grippewelle zu tun haben. Zum anderen die momentan stark reduzierte Mobilität und die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen. Das kann ich aber nicht genau sagen und es wird wohl ein vorübergehendes Phänomen sein.

Wie könnte der behördliche und politische Umgang mit dieser Pandemie verbessert werden? Es gibt, wie man fast täglich und nicht selten mit Verwunderung beobachten darf, Luft nach oben. Aus medizinischer Sicht halte ich es für kritikwürdig, dass diese gesamte Angelegenheit viel zu sehr zum politischen Spielball geworden ist. Es gibt eine Behörde, die an sich


eco.zukunft

Million Publikationen gelistet sind. Das ist nicht mehr überschaubar und deshalb wird vieles nur mehr auf plakative Kurzbotschaften in Schwarz-Weiß reduziert. Die große Grauzone dazwischen lässt sich kaum mehr vernünftig analysieren und kommunizieren.

für solche Angelegenheiten zuständig ist, also für die Gesundheitsvorsorge: die AGES. Meiner Meinung nach hätte man das in deren Hände geben und der AGES freie Hand lassen sollen. Diese Behörde hat eine enorm hohe Expertise, auch in epidemiologischen Dingen. Die Politik hätte sich darüber hinaus weitgehend aus der Kommunikation heraushalten und sie den Experten überlassen sollen. Gelegentlich werden offenbar von der Politik auch Maßnahmen gesetzt, zu denen kein einziger Experte geraten hat.

Forscher sind auf Daten angewiesen. Es werden allem Anschein nach zwar viele Daten gesammelt, aber nicht unbedingt brauchbar aggregiert und modelliert. Teilen Sie diese Auffassung? Das ist ein schwieriges Thema. Ich habe gelegentlich versucht, an bestimmte behördliche Daten zu kommen. Das war nicht wirklich erfolgreich. Die Daten wurden – meistens aus Kapazitätsgründen – nicht zur Verfügung gestellt. Es gibt andere Forscher, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben dürften. Ist die wissenschaftliche Community durch diese Krise und die Dringlichkeit näher zusammengerückt? Global kann ich das nicht beurteilen. Es wird aber wie immer zu schnell und zu viel publiziert. Das ist aber kein Covid-spezifisches Problem, sondern ein allgemeines in der Wissenschaft. Dadurch passiert es oft, dass gewisse Dinge vorschnell publiziert werden und zumindest eine Zeit lang in den Medien und in der öffentlichen Meinung hängen bleiben, obwohl sie sehr rasch widerlegt wurden. Wenn etwas oft genug und laut genug hinausgeschrien wurde, wird es zur Wahrheit. Das gilt leider in der Wissenschaft wie in der Gesellschaft. Wer falsche Sachverhalte widerlegen möchte, braucht einen sehr langen Atem. Das hat auch mit der enormen Informationsflut zu tun. Es gibt eine medizinische Datenbank, in der pro Jahr mehr als eine

SARS-CoV-2 ist sehr wahrscheinlich eine Zoonose, eine Infektionskrankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. Müssen wir unser Leben ändern, wenn wir in Zukunft von derartigen Pandemien verschont bleiben wollen? Das kann ich so nicht beantworten. Ich glaube aber nicht. Die schnelle weltweite Verbreitung solcher Krankheiten hat natürlich mit unserem Gesamtverhalten zu tun, mit unserer Mobilität. Dazu kann man stehen, wie man will. Ich finde es gut, dass man in der Welt herumkommen kann und diesbezüglich normalerweise große Freiheiten hat. Wir können nicht zurück auf die Bäume gehen und alles abstellen, was Fortschritt und Errungenschaft ist. Dadurch wäre der gesamte, unter anderem von der Globalisierung entscheidend abhängige Wohlstand gefährdet, von dem wir letztlich alle etwas haben. Sobald der Wohlstand einbricht, beißen den Letzten die Hunde. In der Krise leiden diejenigen am meisten, die davor schon am meisten benachteiligt sind. Deshalb plädiere ich stark dafür, unser Wohlstandsniveau nach Kräften aufrechtzuerhalten.

Sollten wir in einem Jahr noch einmal videotelefonieren, werden wir dann in der Vergangenheitsform von dieser Pandemie reden können? Davon bin ich überzeugt. Der saisonale Effekt und die Impfung werden dazu führen. Für die Impfung müssen wir – und das sehe ich hauptsächlich als ärztliche Aufgabe – Überzeugungsarbeit leisten. Ich ersuche die Politiker, sich herauszuhalten, so weit es geht, und keine sinnlosen Debatten anzuzetteln. Es gibt Hardcore-Impfgegner, die nicht erreichbar sind, aber eine relativ große Gruppe, die skeptisch ist. Die kann man durch sinnlose Diskussionen, etwa über eine Impfpflicht, relativ leicht verscheuchen. Die Bedenken sind oft sehr persönlicher Natur, auf die man individuell eingehen muss. Auch wenn gut gemeint, helfen plakative Argumente, wie man sie in den Medien immer wieder antrifft, nicht. Wir brauchen keine Impfpflicht, wir sind als Ärzteschaft reif und kompetent genug, genügend Leute zu erreichen, damit diese Impfung ein Erfolg wird und bis zum Herbst eine so gute Durchimpfungsrate erreicht werden kann, damit wir wieder ein normales Leben haben können.

„ A U S M E D I Z I N I S C H E R S I C H T H A LT E ICH ES FÜR KRITIK WÜRDIG, DASS DIESE GESAMTE ANGELEGENHEIT VIEL ZU SEHR ZUM POLITISCHEN S P I E L B A L L G E W O R D E N I S T.“ FLORIAN DEISENHAMMER

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VERRÜCKT DURCH DIE KRISE: BE THRAWN! Die Corona-Pandemie erzeugt eine neue Orientierungslosigkeit und verwischt den Blick auf die Zusammenhänge. Mehr denn je brauchen wir jetzt eine Besinnung auf unsere innere Weltwahrnehmung. Und damit auch: eine neue Form von „Verrücktheit“. T E X T : H A R RY G AT T E R E R

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ie Pandemie hat das mentale Gerüst unseres Zusammenlebens ins Wanken gebracht. Die Konstrukte unserer alten Wirklichkeit sind beschädigt oder existieren gar nicht mehr, und neue Konstrukte sind noch sehr labil. Filme, die vor der Pandemie produziert wurden, wirken heute wie ein Traum aus einer anderen Welt. Vieles, was früher Alltag für uns war – sich umarmen, das Essen teilen, in Clubs tanzen, mobil und unterwegs sein – wirkt heute merkwürdig oder ist ohne Sicherheitsvorkehrungen schlicht unmöglich. Doch die oberflächlichen Symptome sind nicht die wesentlichen. Hinter den Kulissen des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft versetzen die vielen systemischen Lücken uns einen Schlag nach dem anderen. „Was, unsere Druckerei ist pleite?“ „Oh, Wien zu betreten ist ein Risiko.“ „ Wow, Zoom ist mehr wert als die sieben größten Airlines der Welt!“ „ Wie bitte, mein Sohn muss fünf Reservemasken mit in die Schule nehmen?“

Solche Aussagen wären vor der Coronakrise noch wie ein Witz erschienen. Mittlerweile aber ist uns geläufig, dass sich Dinge grundlegend verschieben. Das betrifft auch unseren Kalender: War er vor der Pandemie für die Allermeisten ein Garant für Stabilität, so wankt er heute täglich. Unsere Welt funktioniert nicht mehr linear. Im Großen wie im Kleinen spüren wir, wie die Coronakrise ihr

katastrophales Potenzial entfaltet, mit enormer Wucht. Was wir in diesen Zeiten brauchen, um uns zu orientieren können, ist eine neue Qualität der Weltwahrnehmung. Und damit auch: eine Haltung der „Verrücktheit“, die der keltische Begriff „thrawn“ beschreibt.

ABSCHIED VOM EREIGNISDENKEN

Was im Kontext der Krise zutage tritt, ist alles, was wir können – und alles, was wir nicht können. Der Wirtschaftsjournalist Wolf Lotter hat vollkommen recht, wenn er in seinem Buch „Zusammenhänge“ das Denken in Kontexten als wahres Zukunftsdenken preist. Das Problem ist nur: Niemand hat uns das je beigebracht. Das Wissen über Zusammenhänge ist schon längst einem geschäftigen Pop-up-Wissen gewichen, einem Ereignisdenken. Wir wissen immer nur, was uns gerade vor die Nase kommt, verstehen aber die übergreifenden Dynamiken nicht. Der Sinn, der sich erst bei der Betrachtung der Zusammenhänge erschließen würde, bleibt unklar, alles erscheint willkürlich. Das pure Sammeln von zusammenhanglosen Ereignissen führt in der Krise zu tiefen Irritationen – und zum Versagen der eigenen Weltdeutung. Bis vor Kurzem noch waren Überraschungen willkommen – die Werbewelt setzte alles daran, durch Irritation aufzufallen. Nun, da die Welt selbst zur Überraschungsbox geworden ist, sehnen wir uns nach Sicherheit, Stabilität, Planbarkeit. Das Ereignisdenken ist dabei regelrecht kontraproduktiv. Es zerpflückt unser Hirn, das evolutionär gesehen

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T H R AW N : V E R D R E H T, K R U M M , V E R Z E R R T, M I S S G E S TA LT E T, D E F O R M I E R T, S C H I E F, I N D I E FA L S C H E R I C H T U N G G E W E N D E T; W I D E R S P E N S T I G , TROTZIG, WIDERBORSTIG, STÖRRISCH, U N F Ü G S A M ; D U R C H G E D R E H T, V E R R Ü C K T !

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ein großer „Mustersucher“ ist – und nun verzweifelt Muster sucht in allem, was es wahrnimmt. Die Konsequenzen kennen und erleben wir alle: • Erschöpfung: Je weniger die Mustersuche zu einem kongruenten Erkennen führt, umso mehr werden Angst und Vermeidung gefördert. Menschen entwickeln ein höheres Sicherheitsverlangen – und ziehen sich zurück. Das Geschäft damit machen unter anderem die Versicherungen. • Ü bertreibung: Menschen beginnen, in allem eine Bedeutung zu sehen, so wirr diese auch sein mag. Darauf gründen Verschwörungstheorien, aus denen Panik und Wut erwachsen. Extreme Szenen und Bewegungen wie „QAnon“ kommen in Schwung, Risikosuchende haben Hochkonjunktur.

Das Ereignisdenken erschöpft unsere Fähigkeit, mit der Welt in Kontakt zu treten. Was wir als „Realität“ bezeichnen, lässt sich plötzlich nicht mehr mit unseren gewohnten Denkmustern entschlüsseln, mit denen wir normalerweise Stabilität und Verständnis herzustellen versuchen. Und wenn unsere Weltbilder zusammenbrechen, an was glauben wir dann noch?

Harry Gatterer ist Trend- und Zukunftsforscher und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Verknüpfung von gesellschaftlichen Trends mit unternehmerischen Entscheidungen. Zentraler Bestandteil seiner Arbeit ist die Vernetzung mit außergewöhnlichen Pionieren in führenden Zukunftsdisziplinen. Sein erstes eigenes Unternehmen gründete er bereits im Alter von 20 Jahren. Als Methodenentwickler, Berater, Speaker, Experte und Autor sind die Chefetagen von Unternehmen ebenso sein Zuhause wie Bühnen und TV-Studios.

Im Kontext der Pandemie rächt sich das von uns so lange eingeübte Ignorieren von Zusammenhängen und Dynamiken in Systemen. Wir erleben den Konkurs einer Denkschule, deren Wurzeln in der Erfindung des Buchdrucks zu finden sind und deren Ergebnis das Denken in Linien ist. Die Prinzipien dieses Denkens sind Kausalität und Messbarkeit: „Wer A sagt, muss auch B sagen“, „Was man nicht messen kann, kann man nicht managen“. Dieses Denken ist nicht per se falsch – es reicht nur nicht mehr aus in einer hochkomplexen und unsicheren Welt. Sicher, diese volatile Welt gab es bereits vor Corona. Doch in der Gravitation einer systemischen Katastrophe müssen wir dringlicher denn je lernen, anders zu denken. Dafür gilt es,

umzuschalten: in den Modus des denkenden Lernens und eine neue Weltsicht. Auch in der Dramaturgie der Krise verläuft alles nach einem Plan – nur eben nicht nach einem linearen. Es sind komplexe Bewegungen, die sich auf einer höheren Ebene wieder zu Mustern fügen. So folgt die Pandemie einem eigenen Zyklus, vom Impact der Krise im März und April 2020 über den langsamen Weg in die Öffnung im Mai und Juni und das „Zurück in eine Halb-Normalität“ im Sommer bis zum Tipping Point der zweiten Welle im Herbst und der dritten im Winter mit all ihren deprimierenden Erkenntnissen.

ZUVERSICHT KOMMT VON SICHT

Das Entscheidende ist: Diese Dramaturgie der Krise besteht nicht mehr aus Linien, auf denen wir uns bewegen, sondern aus „Schleifen“: vor und wieder zurück, auf und wieder ab. Und nie bleiben wir dabei auf demselben Platz, alles ist in Bewegung. Damit verschiebt sich ständig der Horizont: In Phasen der Hoffnung scheint er näher, in dunklen Zeiten ist er außer Sicht geraten. Schien es im Sommer noch „bergauf“ zu gehen, wie es auf den großen Plakatwänden der Tirol Werbung zu lesen war, ging es im Herbst wieder steil bergab, als der partielle Lockdown über das kleine Tourismusland hereinbrach. Das Resultat dieses Auf und Ab erzeugt eine neue Instabilität und Erschöpfung. Eine Sichtlosigkeit. Wann wird es wirklich wieder weitergehen? Immer mehr Menschen sind genervt, entmutigt oder im Übertreibungsmodus. Was fehlt, ist die Zuversicht – die nur von einer neuen Sichtweise kommen kann: von einer Sichtweise, die den Blick zunächst nach innen richtet. Denn wenn das Äußere verschwimmt, ist nichts wichtiger als eine innere Klarsicht und Zuversicht.

THRAWN: RE - ORIENTIERUNG IM CHAOS

Ohne klar erkennbare Konturen fällt es uns schwer, können wir uns nicht orientieren. Im Nebel zu fahren, ist gefährlich, und eine Navigation im Dunklen erfordert neue Sensoren. Wir Menschen brauchen Konturen, Unterscheidungen, an denen wir unsere Orientierung ausrichten. Vorn und hinten, innen und außen. Wo diese Konturen fehlen, können wir uns nicht zurechtfinden. Wir haben keine klare Sicht – und können damit auch keine Zuversicht finden. Das Digitale bietet beim Finden dieser Konturen keine Hilfe – eher im Gegenteil. Algorithmen versuchen zwar zunehmend, Konturen für uns zu bauen, indem sie uns sinnvolle Unterscheidungen und Musterdeutungen anbieten. Doch durch das algorithmisierte Pop-up-Vorschlagswesen wird die Kontur identisch mit dem Ereignis, und die Welt bleibt ein


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Haufen zusammenhangloser Vorfälle. Um tät, sondern das Innen. Orientiert man sich das komplexe Denken zu trainieren, gilt es an dieser Maxime, wird man für das Außen deshalb nun mehr denn je, den Blick nach unbequem. Daher die vielen nonkonformisinnen zu richten, zur Quelle unserer Welttischen Bedeutungsfacetten von „thrawn“: wahrnehmung. Die radikale Orientierung am widerborstig, störrisch, unfügsam. Wer sich „Mit-sich-Sein“ ist die Essenz der Zuversicht, selbst nahe kommt, passt nicht mehr in die wenn das „Außen“ nicht mehr jene KongruSchubladen der Welt. Die Dauerablenkung enz liefern kann, mithilfe deder Unterhaltungsindustrer wir unsere Vergangenheit rie, die Unterdrückung der NICHT DAS zur Zukunft machen konnten. eigenen Kreativität im BilAUSSEN Damit wandert die Quelle der dungssystem, die maschiERZEUGT DIE Zukunft in das Innen. Denn nenhafte Funktionserwarnur dort kreieren wir Zukunft tung in der Wirtschaft – all R E A L I TÄT, – und damit auch Zuversicht. S O N D E R N D A S das geht nicht mehr, wenn Die Qualitäten, die wir brauman „thrawn“ ist. INNEN. chen, um „mit uns selbst“ zu Das Jahr 2021 wird uns sein und diese inneren Konviel abverlangen, doch es turen und Haltepunkte zu erschließen, verwird uns auch neue Möglichkeitsräume erdichten sich in dem uralten Wort „thrawn“. öffnen. Um diese wahrzunehmen und mit „Thrawn“ bedeutet, „verrückt“ zu sein geLeben zu füllen, braucht es keine Software, genüber den äußeren Kontexten – und sich sondern ein unternehmerisches Denken und dabei selbst treu zu bleiben. Es geht also nicht Handeln, das sich nicht beirren lässt vom um ein pathologisches Verrücktsein oder eiGewirr der Informationen und Entwicklunnes, das aus der Überforderung mit der Welt gen. Die Basis dafür ist ein „Bei-sich-Sein“, resultiert. Sondern um ein Verrücken der Perdas die Welt lässt, wie sie ist – und sie denspektive: Nicht das Außen erzeugt die Realinoch progressiv weiterdenkt.

ZUKUNFTSREPORT 2021 Dieser Beitrag ist Teil des heurigen Zukunftsreports, in dem das Zukunftsinstitut alljährlich gesellschaftliche Trends, Business-Innovationen und die prägendsten Entwicklungen unserer Zeit analysiert. Ausgewählte Experten und Zukunftsforscher liefern gewohnt provokante Thesen und eröffnen damit neue Perspektiven. Der Zukunftsreport 2021 ist um 150 Euro nebst vielen anderen Trendstudien, Büchern und Reports zu verschiedenen Themen im Onlineshop unter www.zukunftsinstitut.de erhältlich.

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EIN AWARD FÜR DEN WANDEL “Be the change you wish to see in the world.” Dieser plakative Ausspruch birgt eine einfache, aber tiefe Wahrheit: Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir dabei zunächst bei uns selbst beginnen. Der Tirol Change Award rückt Vorzeigeprojekte in den Fokus, die allesamt und auf völlig unterschiedliche Weise dazu beitragen, Veränderung herbeizuführen. Gewonnen hat ihn der Tiroler Bio-Pionier Heinz Gstir. TEXT: MARIAN KRÖLL

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ie Lebensraum Tirol Holding der Raiffeisen-Landesbank Tirol AG. Der holt in Zusammenarbeit mit stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thoihren Tochterunternehmen mas Wass ist sich sicher, dass nachhaltiges (Tirol Werbung, StandortagenWirtschaften und Produzieren das Gebot der tur Tirol und Agrarmarketing Stunde sind. „Das sind wir unserem schönen Tirol) besondere Unternehmen, Projekte, Land und unseren nachfolgenden GeneratiInitiativen und Personen vor den Vorhang. onen schuldig. Der ,Tirol Change Award‘ ist Ihnen allen ist gemein, dass sie auf einen daher die richtige Initiative zum genau richWandel in unserem Verhältnis und unserer tigen Zeitpunkt. Nachhaltigkeit darf durch Wahrnehmung der Natur abzielen. „Langdie Pandemie keinesfalls in den Hintergrund fristig ist es wichtiger denn je, unsere alpirücken“, so Wass. ne Natur ins Rampenlicht zu stellen“, zeigt sich Josef Margreiter, Geschäftsführer der PROJEKTE MIT VORBILDCHARAKTER Lebensraum Tirol Holding, überzeugt. „Viele Im Rennen um den „Tirol Change Award“ erfolgreiche Beispiele von Unternehmen aus waren neun Unternehmen, Initiativen und ganz Tirol zeigen, wie Persönlichkeiten, die ein gesundes Wirtallesamt ihre vorbild„V I E L E E R F O L G schaften mit der alliche, erfolgreiche REICHE BEISPIELE pinen Natur gelingen und nachhaltige AusVON UNTERNEHMEN kann. Sie sind Motivarichtung eint. Nomition und Inspiration, niert waren Zillertal AUS GANZ TIROL die das ganze Land geBier, die LuftkissenZEIGEN, WIE rade jetzt dringend bebahn Serfaus, das EIN GESUNDES nötigt.“ Congress Centrum WIRTSCHAF TEN MIT Der Tirol Change Alpbach, M-Preis, InAward kann auch bei nio, Hollu, Heinz Gstir D E R A L P I N E N N AT U R anderen UnternehG E L I N G E N K A N N . S I E (Bio vom Berg), Höpmen, die sich dem Theperger und nicht zuS I N D M O T I VAT I O N menkomplex Nachletzt Jakob Winklers U N D I N S P I R AT I O N , haltigkeit und Natur Buch „Fatimas Reiwidmen, als Initialse in eine Welt ohne DIE DAS GANZE zündung dienen, iniErdöl“. L AND GERADE tiativ zu werden, sich Der Gewinner des JE TZ T DRINGEND zuzutrauen, ausgetreAwards wurde von eiB E N Ö T I G T.“ tene Pfade zu verlasner externen Jury in sen. Unterstützt wird Verbindung mit eiJOSEF MARGREITER, die Veranstaltung von nem Online-Voting LEBENSRAUM TIROL HOLDING

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© LEBENSRAUM TIROL HOLDING/OSS

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Landeshauptmann Günther Platter und Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding nehmen den Gewinner, Bio-Pionier Heinz Gstir, in die Mitte.

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immer weiter von regionalen und natürlichen Kreisläufen entfernt. Unsere Zivilisation ist verletzlich, es wurde augenscheinlich, dass in einer hoch globalisierten Welt alles mit allem zusammenhängt. Deshalb steht im Brennpunkt des „Change Summit“ die Gesundheit jedes Einzelnen, aber auch die unserer Umwelt. Es geht um eine Rückbesinnung auf Naheliegendes und Naturnahes, die aber nicht etwa rückschrittlich ist, sondern progressiv und angesichts der Situation ohne Alternative scheint. Unter dem Titel „Naturschutz geht durch den Magen – du bist was du isst und unser Planet ist was du isst“ wurden unterschiedliche Perspektiven und Herangehensweisen an die Thematik ausgeleuchtet. „Dynamik und Wandel prägen unsere Zeit und unser alpin-urbanes Leben in Innsbruck. Der ‚Change Summit‘ mit seinen zukunftsorientierten Themen passt auch in dieser Hinsicht perfekt zu uns. Heuer steht zu Recht das Thema Gesundheit im Zentrum mit der Frage, wie gesunde Ernährung gelingt. Es freut mich sehr, den ,Change Summit‘ mit Experten zu einem so wichtigen Thema in Innsbruck begrüßen zu dürfen“, so Karin Seiler, Geschäftsführerin von Innsbruck Tourismus.

der Tiroler Bevölkerung nach den Kriterien Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Innovationsfähigkeit und Internationalität gekürt. Publikum und Jury am meisten überzeugt hat schließlich Heinz Gstir, seines Zeichens ein waschechter Bio-Pionier, der sich auch von anfänglichem Gegenwind Anfang der 1990er-Jahre nicht davon abhalten ließ, mit „Bio vom Berg“ eine Marke zu etablieren, die den Konsumenten im Land ein Begriff ist. „Für mich war klar, dass wir in eine biologische und naturnahe Richtung gehen mussten, um hochwertige Produkte herzustellen“, sagt Gstir, dem Gemeinwohl und regionale Wertschöpfung stets zwei zentrale Leitgedanken waren: „Der Geld- und Warenkreislauf muss weitgehend in einer überschaubaren Region bleiben, dann haben alle was davon und so wird das Gemeinwohl abgesichert. Mir ging es darum, die Wertschöpfung zu den Produzenten – also auf die Bergbauernhöfe – zu bringen.“ Mit der Handelsmarke „Bio vom Berg“ hat Gstir heute mehr als 150 Produkte zu bieten, die Regionalität, Qualität und Gemeinwohlorientierung verkörpern. Geliefert werden sie von mehr als 600 Bauern und Produzenten und nach wie vor unter der Maxime bio, regional und in bester Qualität.

KÖRPER UND PLANET GESUND HALTEN

Vor der Kür des Gewinners hat am „Change Summit“ ein hochkarätiges Podium das Thema der gesunden, nachhaltigen Ernährung diskutiert. Die derzeitige Pandemie hat uns dramatisch vor Augen geführt, was passieren kann, wenn sich die Menschheit

Die Folgen des vorherrschenden Ernährungsstils sind vielen Menschen nicht ausreichend bewusst: So benötigte die Lebensweise von Österreichern im Jahr 2020 doppelt so viel Anbaufläche, wie im eigenen Land zur Verfügung steht. Das hat zur Folge, dass Lebensraum und Natur zer-

„CHANGE SUMMIT“ IM ZEICHEN DER ERNÄHRUNG

stört werden. Bewusst und regional essen ist daher nicht nur gut für die Gesundheit, sondern unentbehrlich, um der globalen Ernährungsfalle zu entkommen und Ausbeutung zu vermeiden. Wie die Zukunft unseres Essens gelingen kann, diskutieren neben Heinz Gstir auch Patrik Baboumian, stärkster Mann Deutschlands und Veganer, die Aktivistin, Autorin und Konsumkritikerin Nunu Kaller, der TV-Foodexperte und Entertainer Sebastian Lege, Hanni Rützler, Gründerin und Leiterin des futurefoodstudios, und Harald Sükar, ehemaliger McDonald’s-Manager und Buchautor. Mit dem in den Change Summit eingebetteten Tirol Change Award wird ein deutliches Zeichen gesetzt, dass Veränderung gerade in stürmischen Zeiten ein probates Mittel sein kann, gestärkt aus einer Krise hervorzugehen. Um diese Veränderung zu bringen, müssen Dinge, die morgen gefragt sein werden, schon heute erkannt werden. Die nominierten Unternehmen, Projekte, Initiativen, Personen und in besonderem Maße Preisträger Heinz Gstir zeigen genau das vor und dürfen als Best-Practice-Beispiele dafür gelten, wie auf Nachhaltigkeit und Natur ausgerichtete Veränderung aussehen kann. www.lebensraum.tirol


LAND TIROL

ERFOLGSGESCHICHTE „DUALE AUSBILDUNG“ IN TIROL

© LAND TIROL/BERGER

Wer in Tirol eine Lehre absolviert, erwirbt im Lehrbetrieb und in der Berufsschule eine qualifizierte, abgeschlossene Berufsausbildung. Die sogenannte „Duale Ausbildung“ zur Fachkraft ist weit über die Landesgrenzen von Österreich hinaus hoch angesehen. Die Arbeitsmarktförderung des Landes Tirol unterstützt die Lehrlinge jährlich mit 2,1 Millionen Euro. Tirolweit wurden im Jahr 2020 10.666 Lehrlinge ausgebildet.

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rotz erschwerter Bedingungen für den Unterricht in den Berufsschulen und oftmals coronabedingter Kurzarbeit bleibt die Lehrlingsausbildung der Weg zur gefragten Fachkraft. Die Chancen für eine Berufsausbildung sind trotz Corona sehr gut. Viele Betriebe suchen engagierte Jugendliche, die sich für eine Berufsausbildung entscheiden. Dabei stehen über 200 Berufe – von A wie AugenoptikerIn bis Z wie ZimmererIn – zur Auswahl. Die aktuelle Lehrberufsliste ist unter www.bmdw.gv.at abrufbar. Trotz der Coronakrise gibt es in Tirol nur 1,9 Prozent weniger Lehrlinge als in den Vorjahren – das wird von ExpertInnen als hoffnungsvolles Zeichen gewertet. Ein Drittel der Lehrlinge hat während der Lehrausbildung Finanzmittel der Arbeitsmarktförderung in Anspruch genommen und konnte so auf dem Weg zur Fachkraft zielgerichtet unterstützt werden.

VOLLE KRAFT VORAUS – LEHRE MIT UNTERSTÜTZUNG Den Lehrlingen stehen die allgemeinen Kursförderungen des Bildungsgeld update ebenso offen wie spezifische Lehrlingsunterstützungen – beispielsweise die Ausbildungsbeihilfe für Lehrlinge. Die Begabtenförderung honoriert besondere Ausbildungserfolge von Lehrlingen mit einer Prämie. Durch die Aktionen „Lehrling des Monats“ und „Lehrling des Jahres“ werden leistungsstarke Tiroler Lehrlinge vorgestellt, die sich auch gesellschaftlich engagieren.

GEFRAGT AM ARBEITSMARKT: TIROLER FACHKRÄFTE

Ausgebildete Tiroler Fachkräfte zeichnen sich durch die Beherrschung von Fertigkeiten aus, die am Arbeitsmarkt nachgefragt sind und am Wirtschaftsstandort benötigt

werden. Die Ausbildung in einem Lehrberuf steht grundsätzlich allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen offen, die die neunjährige Schulpflicht abgeschlossen haben. Der Zugang zur Lehre ist an keinen bestimmten Schulabschluss gebunden. Immer mehr MaturantInnen entschließen sich zu einer Lehre nach der Matura. Für das kommende Schuljahr sind zwei weitere Klassen für MaturantInnen in den Lehrberufen IT/Applikationsentwicklung-Coding und Mechatronik geplant. PR

AMT DER TIROLER LANDESREGIERUNG Abteilung Gesellschaft und Arbeit Meinhardstraße 16 6020 Innsbruck E-Mail: ga.arbeit@tirol.gv.at

www.tirol.gv.at/ arbeitsmarktfoerderung


GEL

finanzieren & versichern

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Vorsorge kommt vor der Sorge Corona nimmt auf unser aller Leben Einfluss. Neben gesundheitlichen Aspekten strahlt die Krise vielfach auch auf die Finanzen aus – in der Wirtschaft wie im Privaten. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Firmenschließungen. Vor diesem Hintergrund untersucht eine Umfrage von IMAS Austria, im Auftrag von Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische, inwieweit sich die wirtschaftliche und gesundheitliche Gefahrensituation auf das Leben und die Vorsorgestimmung der Österreicher*innen auswirkt. Zusammengefasst lässt sich sagen: Corona dämpft die Zukunftserwartungen, nicht aber den Vorsorgewillen. 67 Prozent der Befragten gehen zwar von einer allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse und Lebensqualität der Menschen aus, fast gleich viele Studienteilnehmer*innen fühlen sich selbst aber nicht von finanziellen Einbußen durch Corona betroffen. Das Vorsorgeverhalten hat die aktuelle Situation jedenfalls kaum verändert. 64 Prozent geben an, gleich viel Geld in ihre Absicherung zu investieren (im Schnitt 161 Euro pro Monat), acht Prozent haben ihre Vorsorgeausgaben sogar erhöht. Unter den Top-Vorsorgethemen, also jenen Lebensbereichen, für die man jedenfalls gerne bereit ist, privat ergänzend vorzusorgen, stehen zwei ganz klar im Fokus: Die eigene Pension (64 %) und das Thema Gesundheit (63 %).


eco.geld

M U T I S T, D E N MÖGLICHKEITEN MEHR GL AUBEN ZU SCHENKEN AL S DEM ERLEBTEN.

FINANZ-GEBILDET

L E I C H T E R A N S T I E G D E R I N F L AT I O N Trotz der verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie wird laut Prognose der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) vom Dezember 2020 die Inflationsrate heuer einen leichten Anstieg aufweisen. Verantwortlich dafür seien das Auslaufen des inflationsdämpfenden Ölpreiseffektes und die im Jahresverlauf 2021 (hoffentlich!) einsetzende Verbesserung der Nachfrage. Nachdem die Inflationsrate im Juli 2020 auf 1,8 Prozent gestiegen war und sich damit gegenüber Mai 2020 verdreifacht hatte, ging sie bis November 2020 auf 1,1 Prozent zurück. Für heuer rechnet die OenB mit 1,4 Prozent, gefolgt von einem Anstieg auf jeweils 1,7 Prozent in den Jahren 2022 und 2023. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate indes geht laut Prognosen von 2,0 Prozent im letzten Jahr auf 1,3 Prozent im Jahr 2021 deutlich zurück, da sich die Containment-Maßnahmen vor allem auf die Industriegüter ohne Energie und Dienstleistungen inflationsdämpfend auswirken. Ab dem zweiten Quartal 2021 sollte sich die Kerninflationsrate wieder beschleunigen, im kommenden Jahr rechnet die OeNB mit 1,8 Prozent, 2023 mit 1,7 Prozent.

Die Oesterreichische Nationalbank stellt seit dem Frühjahr 2020 unter der eigenen Finanzbildungsmarke „Eurologisch“ ein qualitativ hochwertiges Onlineangebot für Schulklassen zur Verfügung. Neben einzelnen interaktiven Workshops zu den Themengebieten Bargeld, Preisstabilität sowie Umgang mit Geld wurde im Herbst 2020 eine Onlinechallenge für Schulklassen der ersten Sekundarstufe ins Leben gerufen. Insgesamt nahmen 31 Schulen mit 131 Klassen bzw. 2.610 Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich daran teil. Am Ende konnte das Reith­ manngymnasium in Innsbruck das beste Gesamtergebnis vorweisen und im Schnitt die meisten Fragen der Quizsessions richtig beantworten. Im Sommersemester 2021 wird die Challenge weitergeführt. Interessierte Schulen können sich unter www.eurologisch.at anmelden.

WEITERE FINANZ-BUCHTIPPS

Für viele ist das Geldwesen ein einziges Mysterium. Kein Wunder, weil es in manchen Bereichen richtig kompliziert sein kann. #dkinfografik hat schon viele Themen verständlich aufbereitet und widmet sich nun Geld und Finanzen. Durch moderne Illustrationen und unterhaltsame Fakten werden selbst komplexe Sachverhalte nachvollziehbar. Mit dem Buch lernen Sie die wichtigsten Finanzbegriffe und damit die Sprache des Geldes zu verstehen und nehmen zahlreiche Tipps für die eigene Geldanlage mit. Die Finanzwelt anschaulich erklärt.

GELD UND FINANZEN

Marianne Curphey, Emma Lunn, James Meadway, Philip Parker, Alexandra Black DK Verlag 256 Seiten, EUR 19,95

DIE LIEBE UND DAS LIEBE GELD

GEMEINWOHLÖKONOMIE

SELFMADE AKTIONÄR

Michael Mary Piper Verlag 272 Seiten, EUR 11,00

Christian Felber Piper Verlag 256 Seiten, EUR 11,00

Christoph R. Kanzler campus Verlag 208 Seiten, EUR 22,95

Das Thema Geld gehört zu den häufigsten Konfliktpunten zwischen Paaren – allein deshalb, weil man ungern darüber spricht. Michael Mary liefert Erkenntnisse und Anregungen, wie man als Paar erkennt, welche Rolle Geld in der Beziehung spielt und wie man damit umgehen möchte.

Die Gemeinwohl-Ökonomie setzt darauf, dass Betriebe nicht in Konkurrenz zueinander nach dem jeweils höchsten Finanzgewinn streben, sondern mit dem Ziel des größtmöglichen Gemeinwohls kooperieren. Christian Felber beschreibt, wie sein alternatives Wirtschaftsmodell funkioniert.

Viele Menschen scheuen Investments in Aktien, weil es ihnen zu spekulativ und undurchsichtig erscheint. Mit ein bisschen Beschäftigung mit der Materie zeigt sich jedoch, dass dem nicht so sein muss. Christoph Kanzler macht Mut zur Aktie und erklärt verständlich die grundlegenden Spielregeln.

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ECO.NOVA: Wir sind seit Monaten mit einer

weltweiten Gesundheitskrise konfrontiert, die sich zur epochalen Wirtschaftskrise ausgewachsen hat. Im Gegensatz zur Finanzkrise vor zehn Jahren gibt es bislang aus der Finanzwelt aber so gut wie keine Hiobsbotschaften. Sind die Banken im Land stark und gesund genug, um die zahlreichen Herausforderungen dieser Krise zu bewältigen? ARMIN SCHNEIDER: Krisen sollten immer auch genutzt werden, um daraus zu lernen, das ist in Folge der Finanzkrise bei den Banken genauso passiert. Die Eigenkapitalquoten haben sich seither verdoppelt, daher sind Kreditinstitute heute nicht mehr Ausgangspunkt oder Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Sie haben sich auch sehr bemüht, kundenorientierte Lösungen zu finden und die Kreditvergabe auszuweiten. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 stiegen die Ausleihungen österreichischer Banken gegenüber Privaten und Unternehmen um 14,5 Milliarden Euro. Erwartbar ist, dass mit zunehmender Zeit bzw. dem Auslaufen von Hilfsleistungen mehr Zahlungsausfälle zu verkraften sein werden, die allerdings aus heutiger Sicht von den Banken geschultert werden können, insbesondere da wir hierzulande in den letzten Jahren eine vergleichsweise geringe Ausfallquote zu verzeichnen hatten.

Wie nehmen Sie die Stimmung im Vergleich zur letzten großen Krise wahr? Gewisse Verhaltensmuster haben sich nicht geändert. Der Mensch sucht nach Sicherheit und deckt sich mit Geld und Gold ein. Was in dieser Krise im Gegensatz zur Finanzkrise sicherlich gefehlt hat, war ein Schuldiger, den man damals in den Banken ausgemacht hatte. Für einen gewissen Teil der Bevölkerung hat sich nichts so Dramatisches verändert, weil doch einige Bereiche, beispielsweise der Lebensmitteleinzelhandel, Banken, Gewerbe und Industrie, gar nicht oder wenig eingeschränkt waren. Auf der anderen Seite waren Bereiche wie Gastronomie und Tourismus massiv und unerwartet betroffen. Was sicher schwer zu verstehen ist und an den Nerven aller Beteiligten zehrt, ist die Ungewissheit, dieser ständige Wechsel zwi-

„ BANKEN SIND IN DIESER KRISE TEIL DER LÖSUNG“ Anders als in der Finanzkrise geben die Banken in dieser Krise Stabilität. Den Noten- und Geschäftsbanken im Euroraum kommt eine wichtige Funktion zu. Armin Schneider, Direktor der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) West, spricht im Interview unter anderem über die geldpolitische Situation und die besondere Verantwortung des Bankensektors. INTERVIEW UND FOTOS: MARIAN KRÖLL

79 schen Auf und Zu und mangelnder Planbarkeit, mit einer Vielzahl an Verordnungen, deren Bestimmungen für die breite Masse unverständlich waren und die dann auch nicht alle vor Gericht Bestand hatten, sowie der Umstand, dass als Problemlösung auf die Pandemie häufiger politische als evidenzbasierte medizinische Antworten gegeben wurden.

Was sind in einer Krise wie dieser die zentralen Aufgaben einer Notenbank? Die allergrößte und zugleich erste Herausforderung lag sicherlich in den letzten Tagen vor dem ersten Lockdown, wo die Bedenken der Menschen stark zunahmen und sich die Bargeldbezüge auf bis zu eine Milliarde Euro pro Tag beliefen. Das ist drei bis fünf Mal so viel wie in Normalzeiten. Der Zahlungsverkehr als wichtige Hauptschlagader der Wirtschaft war schon zuvor sehr stark digitalisiert, daher hielten sich hier die Herausforderungen in Grenzen. Doch auch hier konnten wir das Jahr 2020 dazu nutzen, um die Kräfte mit allen wichtigen heimischen Banken zu bündeln und den Boden für weitere Entwicklungen aufzubereiten. Weitere wichtige Aspekte sind die Bereitstellung von Liquidität für die Banken, die Bankenaufsicht mit Fokus auf Finanzmarktstabilität,

die Bereitstellung von aktuellen Daten und die volkswirtschaftliche Analyse der Auswirkungen.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde hat die Inflation in der Eurozone unlängst als „enttäuschend niedrig“ bezeichnet. Die Menschen fürchten traditionell aber eine Inflation mehr als eine Deflation. Was halten Sie für das volkswirtschaftlich präferable Szenario? Die Wahrheit liegt nach unseren Einschätzungen genau in der Mitte. Wir wünschen uns weder eine Zeit stark steigender noch eine lange Phase sinkender Preise. Beide Szenarien führen zu unerwünschten wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Die EZB hat bei ihrer Gründung ein einziges und klares Mandat erhalten, nämlich für insgesamt stabile Preise zu sorgen. Dies, damit sich Einkommens- und Preisentwicklung nicht zu sehr auseinanderbewegen können, die soziale Schere nicht weiter aufgeht und alle am Arbeitsmarkt und am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben können. Gerade in regionalen Wirtschaftskreisläufen ist Vertrauen eine wichtige Währung. Von staatlicher Seite wurden diverse


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ZAHLUNGS VERHALTENS AUFFÄLLIGKEITEN

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Insgesamt wurden in der Eurozone im Jahr 2019 in Summe 160 Milliarden Zahlungstransaktionen in den Geschäften und zwischen Privatpersonen getätigt. Die überwiegende Mehrheit (73 %) der Transaktionen wurden zwar mit Bargeld erledigt, wertmäßig lag das Gesamtvolumen hingegen nur bei 48 Prozent, zumal im Verhältnis eher kleinere Beträge bar bezahlt werden. In Österreich hat Cash nach wie vor Konjunktur. Rund 80 Prozent der ca. 3,5 Milliarden jährlich im Land getätigten Zahlungen wurden mittels Bargeld gemacht. Nur die Malteser, Spanier und Zyprioten setzen noch mehr auf Bares. Bargeldlos wird überwiegend mit der Debitbzw. Bankomatkarte gezahlt. Beim kontaktlosen Bezahlen via NFC gehört Österreich sogar zu den Vorreitern im Euroraum. So wurden 2020 fast 70 Prozent aller Kartenzahlungen kontaktlos abgewickelt. Frau und Herr Österreicher tätigen täglich im Schnitt 2,2 Zahlungen mit einem durchschnittlichen Gesamtwert von 143 Euro. Wertmäßig ist das mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt der Eurozone. Geht es nach den Befragten, wird das Bargeld auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Geldbörse spielen. Nur ein Viertel gibt an, ohne Bargeld ein Auslangen finden zu können, in Österreich sogar nur jeder Sechste. Datenquelle: EZB-Umfrage zum Zahlungsverhalten (SPACE), Dezember 2020.

„ A L L E I N I N D E N E R S T E N N E U N M O N AT E N DES JAHRES 2020 STIEGEN DIE AUSLEIHUNGEN ÖSTERREICHISCHER BANKEN G E G E N Ü B E R P R I VAT E N U N D U N T E R N E H M E N U M 14 , 5 M I L L I A R D E N E U R O .“ ARMIN SCHNEIDER

Maßnahmen ergriffen, damit prinzipiell lebensfähige Unternehmen nicht coronabedingt sonder Zahl untergehen. Kommt den Banken – Geschäfts- wie Notenbanken gleichermaßen – in dieser Hinsicht auch eine Verantwortung zu? Ja, eine sehr große sogar. Die EZB hat neben ihren sehr großzügigen Standardprogrammen zur Liquiditätsversorgung auch einige unkonventionelle Instrumente zum Einsatz gebracht. Darunter ein umfangreiches Pandemieprogramm, das sogenannte PEPP, zudem gezielte Refinanzierungsgeschäfte mit einem Zinsbonus als Anreiz für jene Banken, die ihrerseits das Kreditvolumen halten oder sogar ausweiten. Was kann die OeNB dazu beitragen, das Vertrauen in die Bankenwelt und damit indirekt die Wirtschaft zu stärken? Durch das Zusammenwirken von operativen Elementen – Verfügbarkeit und Sicherheit des Bargeldes, Aufrechterhaltung des unbaren Zahlungsverkehrs, Steuerung von Liquidität und Preisniveau und Bereitstellung von aktuellen Daten –, präventiven Aufgaben – Zahlungssystem- und Bankenaufsicht –, und sogenannter Moral Suasion, also einem guten Zureden an die Wirtschaftsteilnehmer und damit einer Beruhigung, wird dies gewährleistet. Zudem ist uns auch ein Ausbau des Finanzwissens ein großes Anliegen, denn ein breites Verständnis in der Bevölkerung für wirtschaftliche Abläufe und Zusammenhänge ist ein wichtiger Baustein

für eigenständige und verantwortungsvolle Entscheidungen sowie für einen funktionierenden Kapitalmarkt.

Ist die wirtschaftspolitische Krisenbewältigung eine Gratwanderung zwischen Zombifizierung und Pleitewelle? Nein. Bei einer so überfallsartigen und einschneidenden Veränderung wie im Jahr 2020, gegen die man sich auch nicht wirklich absichern kann, ist eine Hilfestellung durch den Staat als angemessen zu betrachten. Allerdings wird diese einerseits nicht unendlich erfolgen können, andererseits wird die Situation für manche Firmen mit zunehmender Zeitachse sicherlich nicht leichter werden. Da und dort werden also bisherige Marktteilnehmer ausscheiden und dafür neue eintreten. Das war aber auch vor der Pandemie so. Welche Dinge werden nach dieser Pandemie nicht mehr sein wie zuvor? Auch wenn die Digitalisierung einen großen Schub erhält, werden es wohl weniger wirtschaftliche Dinge sein. Mehr wird das soziale Verhalten betroffen sein. Das beginnt bei mittlerweile sehr eingelernter körperlicher Distanz zu Gesprächspartnern und einem gewissen Unbehagen bei größeren Menschansammlungen. Irgendwie kommt mir auch vor, dass die Menschen sich schon sehr an das Bild geschlossener Restaurants und Geschäfte gewöhnt haben, sodass es auch eine Zeit brauchen wird, bis das wieder zur gewohnten Freizeitbeschäftigung


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gehören wird und unbeschwert genossen werden kann.

Von welcher Art der wirtschaftlichen Erholung gehen Sie aus? Wir gehen als OeNB ganz klar von einer wirtschaftlichen Erholung aus, wenn auch die Vorzeichen mittlerweile etwas ungünstiger sind als im letzten Sommer und Herbst erhofft. Wir rechnen für die nächsten drei Jahre mit stabilen Wachstumsraten zwischen zwei und vier Prozent, das heißt, die Rückkehr zum wirtschaftlichen Niveau vor der Krise wird wohl zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Wirkt die Pandemie als Digitalisierungsturbo und was bedeutet das für das Bargeld? Digitalisierung ist sicherlich kein Thema, das von heute auf morgen umsetzbar ist. Auch alle bekannten Paradeunternehmen und Vorreiter der Digitalisierung sind nicht von 0 auf 100 gestartet und haben ihr Geschäftsmodell über die Zeit angepasst. Im Zahlungsverkehr hat die Anhebung des möglichen kontaktlosen Zahlungsbetrages von 25 auf 50 Euro für zusätzliche Dynamik gesorgt. Wir haben aber auch gesehen, dass die Menschen wieder sehr schnell in gewohnte

„W I R W Ü N S C H E N U N S W E D E R E I N E Z E I T S TA R K S T E I G E N D E R N O C H E I N E L A N G E PHASE SINKENDER PREISE. BEIDE FÜHREN ZU UNERWÜNSCHTEN WIRTSCHAF TLICHEN U N D S O Z I A L E N F O L G E N .“ ARMIN SCHNEIDER

Muster zurückfallen, wenn die Normalität zurückkehrt. Daher hat der Bargeldanteil in den Sommermonaten wieder deutlich zugenommen und auch 2020 ist der Banknotenumlauf steil angestiegen. Einer aktuellen Studie der EZB zufolge will mit 55 Prozent die Mehrheit der Europäer, dass Bargeld weiterhin eine wichtige Funktion behält. In Österreich sind es sogar 71 Prozent. Einen auch von uns unterstützten Schwung sollen sogenannte Instant Payments bringen, wo jeder mobil Geld an einen Geschäftspartner überweisen kann, der innerhalb von zehn Sekunden eine Zahlungsbestätigung erhält. Zudem untersucht die EZB gerade die Möglichkeiten, eine Form des E-Euros einzuführen. Entscheidungen dazu sind aber erst im Laufe des heurigen Jahres zu erwarten.

Was stimmt Sie in diesem Jahr 2021 zuversichtlich? Irgendwie hatte ich zu Silvester das Gefühl, man könne unter das alte Jahr einen Schlussstrich ziehen und in diesem Jahr wieder neu beginnen. Aber im Grunde haben wir es sowieso alle selbst in der Hand, was wir aus gegebenen Rahmenbedingungen machen. Mancher wird auch die Vorzüge von Homeoffice, der Zeit zum Kochen, Backen oder Lesen genossen und die Schönheit des eigenen Landes kennengelernt haben. Insofern hat sich vielleicht auch eine Entschleunigung und neue Wertekultur, was wirklich wichtig ist, eingestellt. Um zuversichtlich sein zu können, muss man vor allem selbst ein großes Maß an positiver Lebenseinstellung mitbringen.


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MMag. Georg Frischmann in den neu gestalteten Private-Banking-Räumlichkeiten der Hypo Tirol Bank.

ANLAGE-PARADOXON Die Coronakrise stellt uns vor viele Fragen. Vor allem am Geldmarkt herrschen interessante Dynamiken. Während die Wirtschaft im vergangenen Jahr einbrach, verzeichneten die Börsen teils satte Zuwächse, und würde man annehmen, Anleger wären in solchen Zeiten auf Sicherheit bedacht, so schaut die Praxis anders aus.

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INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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ie Konjunktur ist im vergangenen Jahr in Österreich um rund 7,5 Prozent eingebrochen. Am Aktienmarkt spiegelt sich dieser Abwärtstrend nicht wider, im Gegenteil. Immobilien und Gold stehen nach wie vor hoch im Kurs, auch die Sparquote ist gestiegen. Wir haben MMag. Georg Frischmann, Leiter des Private Banking der Hypo Tirol Bank, in den umgebauten Private-Banking-Räumlichkeiten im vierten Stock in der Bankzentrale am Innsbrucker Bozner Platz getroffen und mit ihm über die aktuelle Situation und die Zukunft gesprochen.

E C O . N O VA : Hat die Coronakrise Auswirkungen auf das Anlegerverhalten? G E O R G F R I S C H M A N N : Interessanterweise steigt die Risikobereitschaft unter den Anlegern im Vergleich vor der Krise, was eigentlich paradox scheint. Schaut man jedoch genauer hin, macht das durchaus Sinn. Europa befindet sich seit acht, neun Jahren in einer Nullzinsphase und ich habe das Gefühl,

dass Corona ein Auslöser dafür war, dass die Leute nun realisiert haben, dass sich daran so schnell nichts ändern wird. Die Hoffnung vieler Österreicher auf ansteigende Zinsen ist endgültig zerschlagen worden, was bedeutet, dass man Alternativen sucht. Und eine höhere Rendite geht unweigerlich mit einem erhöhten Risiko einher. Das Thema der Veranlagung ist in den letzten Jahren nicht unbedingt einfacher geworden. Nun kam auch noch eine Krise dazu, so mancher flüchtet sich fast ref­ lexartig in Gold oder Immobilien. Beob­ acht­en Sie das auch bei Ihren Kunden? Ja, durchaus. Generell stehen Sachwerte sehr im Fokus. Ich empfehle für langfristig orientierte Anleger auch seit Jahren, Sachwerte den Geldwerten vorzuziehen. Wir sehen, dass sich viele Leute durch die aktuelle Situation wieder mit dem Thema der Geldentwertung zu beschäftigen beginnen. Sie verstehen nicht, wo diese großen Geldsummen herkommen, die aktuell rund um den Globus

in den Markt gepumpt werden. Österreich erlebte in den 1920er- und 1930er-Jahren Währungsreformen, die teilweise noch in den Köpfen verankert sind, und Menschen neigen dazu, Parallelen zu ziehen. Betrachtet man die Vergangenheit, waren die einzigen Anlageklassen, die Krisen und Reformen stets gut überstanden haben, Immobilien, Aktien und andere Sachwerte. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum gerade in Krisenzeiten vermehrt darin investiert wird. In welchen Branchen sehen Sie aktuell die besten Möglichkeiten bzw. gibt es auch abseits der Onlineriesen und Pharmaunternehmen Krisengewinner, die es lohnt, näher ins Auge zu fassen? Der Technologie- und Pharmasektor ist sicher ein enormer Wachstumsmarkt. Beide sind in unseren Portfolios schon seit Jahren vertreten, ganz unabhängig von Corona. Die Pandemie hat diesen Trend allenfalls verstärkt. Die Pharmabranche halten wir langfristig vor allem aufgrund der demographischen


Entwicklungen für Anleger interessant. Die Weltbevölkerung wird immer älter, die Medizinkosten steigen dadurch überproportional an. Im Schnitt geht man davon aus, dass die Medizinkosten in den nächsten 20 bis 30 Jahren um rund fünf Prozent per anno steigen werden, also deutlich höher als das BIP-Wachstum. Deshalb gehen wir auch davon aus, dass die Pharmabranche davon profitieren wird. Dasselbe gilt für den Technologiebereich: Onlineshopping, Streamingdienste und neue Entwicklungen wie die Künstliche Intelligenz sind hier die Treiber.

Viele dieser technologischen Entwicklungen kommen aus den USA oder China. Halten Sie China für einen interessanten Markt? China wird in den nächsten sieben, acht Jahren die größte Volkswirtschaft der Welt werden. Der chinesische Aktienmarkt ist im Verhältnis zum BIP sehr klein, in globalen Portfolios ist China noch stark unterrepräsentiert. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Indexanbieter MSCI vermehrt chinesische A-Aktien – chinesische Inlandsaktien, auf die man als ausländischer Investor lange keinen Zugriff hatte – aufzunehmen. Das wird dazu führen, dass vermehrt institutionelle Gelder nach China fließen, was dem dortigen Aktienmarkt durchaus guttun und ihn effizienter machen wird. Daneben gibt es in China eine unglaubliche Dynamik im Technologiesektor, die jener im Silicon Valley in nichts nachsteht. Auch auf dieser Ebene erwarten wir in den nächsten Jahren überproportionales Wachstum. Schauen Anleger genauer hin, in welche Unternehmen sie investieren, also vermehrt in nachhaltige oder europäische Unternehmen? Wir sehen es als unsere Aufgabe, unseren Kunden ein globales Portfolio zusammenzustellen. Nachhaltigkeit ja, Europa indes sehe ich unter objektiven Gesichtspunkten nicht als Wachstumsmarkt. In den letzten Jahren landeten europäische Aktien mit ihrer Performance immer auf den hinteren Plätzen. Das Problem ist, dass der demographische Wandel Europa am stärksten trifft, die Erwerbsbevölkerung sinkt. Dazu kommt, dass es in Europa wenig innovative Großunternehmen in den Zukunftsbranchen gibt. Europa ist im Pharmabereich, beim Thema Industrie 4.0, in der Automation oder Robotertechnik gut aufgestellt und wird auch in Zukunft ein wichtiger Markt bleiben, dennoch erwarten wir in den USA und im asiatischen Bereich mehr Wachstum und Innovation.

© ANDREAS FRIEDLE

HYPO TIROL BANK

„DER TECHNOLOGIE- UND PHARMASEK TOR IST SICHER EIN E N O R M E R WA C H S T U M S M A R K T. B E I D E SIND IN UNSEREN PORTFOLIOS SCHON S E I T J A H R E N V E R T R E T E N .“ GEORG FRISCHMANN

Nun ist die derzeitige Krise nicht mit der Finanzkrise zu vergleichen – waren in der Finanzkrise noch die Banken das Problem, sind sie jetzt Teil der Lösung. Kann man trotzdem von dem Wissen, das man aus der Finanzkrise mitgenommen hat, etwas nutzen? Vorrangig die Zentralbanken und die Regierungen haben sehr viel daraus gelernt, vor allem, was Geschwindigkeiten von Hilfen betrifft. Die Finanzkrise begann mit der Lehman-Pleite im September 2008, das erste Konjunkturprogramm kam im Frühjahr 2009. Hier ist man deutlich schneller geworden. Was mir persönlich in den letzten 15 Jahren, seit ich mich mit der Börse beschäftige, immer mehr bewusst geworden ist, ist der enorme Einfluss der Notenbanken auf die Märkte. Auf der einen Seite sorgen sie für eine Stabilisierung des gesamten Systems, auf der anderen Seite hebeln Notenbanken sowie fiskalische Programme der Regierungen damit aber auch ein Stück weit die Marktkräfte aus. Diese Pandemie hat uns das noch einmal deutlich vor Augen geführt. Der Aktienmarkt steht heute um zehn Prozent höher als vor einem Jahr, während die Wirtschaft weltweit um rund vier Prozent eingebrochen ist. Während der Aktienmarkt mit Ausnahme einzelner Segmente aus meiner Sicht durchaus effizient bewertet ist, sehe ich vor allem am Anleihenmarkt enorme Verzerrungen durch die Notenbankinterventionen.

Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, braucht es vor allem Konsum. Das Geld sollte also eher ausgegeben denn angelegt werden. Gibt es hier eine Tendenz unter Ihren Kunden? Das Spannendste an dieser Krise ist für mich: Wir erleben die erste Rezession, in der viele Menschen schlussendlich mehr Geld haben als zuvor. Während die Staaten extrem viel Geld auf Pump verteilt haben, um die Wirtschaft anzukurbeln, sind gleichzeitig die Sparquoten gestiegen und damit die Konto- und Geldvermögen. Es besteht also durchaus Hoffnung, dass die Bevölkerung diese Gelder verkonsumiert. Vermögende Kunden decken ihre Veranlagung erfahrungsgemäß jedoch losgelöst vom Konsum.

HYPO TIROL BANK AG Private Banking

Meraner Straße 8 6020 Innsbruck Tel.: 050 700-7000 service@hypotirol.com

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AKTUELLE FRAGESTUNDE Die Coronakrise stellt Unternehmen wie Haushalte vor Herausforderungen – die einen mehr, die anderen weniger, doch kaum jemand ist davon gänzlich unberührt. Ein Querbeetblick in die Welt der Banken.

MAG. (FH) MARIO ZANGERL

GERHARD BURTSCHER

LEITER FIRMENKUNDEN DER

V O R S TA N D S V O R S I T Z E N D E R D E R

HYPO TIROL BANK

BANK FÜR TIROL UND VORARLBERG (BTV)

ECO.NOVA: Zu einem stabilen Wirtschaften gehört

ECO.NOVA: Der Tourismus ist wohl am härtesten von den Lockdowns und der Coronakrise betroffen. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage in der Branche ein? Die Wintersaison entwickelt sich so, wie wir es nicht einmal in einem Worst-Case-Szenario gesehen haben. Ein wirtschaftlich sinnvoller Betrieb wird in dieser Saison nicht mehr möglich sein. Das trifft die gesamte Branche massiv und ist für viele Unternehmen existenzgefährdend. Nichtsdestotrotz sind wir, was die Zukunft des regionalen Tourismus betrifft, sehr zuversichtlich. Die Produkte und Dienstleistungen, die der Tiroler Tourismus anbietet, werden in den nächsten Jahren eine große Nachfrage erfahren, denn es wird zukünftig einen stärkeren Fokus auf regionale Destinationen im Gegensatz zu Fernreisen geben.

84 eine vorausschauende Finanzplanung, um auch für schwierige Zeiten gewappnet zu sein. Wie sind Tirols Unternehmen diesbezüglich aufgestellt? Generell hat eine adäquate Finanzplanung in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Grund dafür ist sicherlich die zunehmend steigende Komplexität in vielen Bereichen. Die aktuelle Krise hat diesen Trend zusätzlich verstärkt und gezeigt, dass Unternehmen mit einer guten Finanzplanung die aktuelle Situation besser verkraften. Häufig handelt es sich dabei um größere Unternehmen, die international agieren, während kleine und Kleinstunternehmen auf diesem Gebiet teilweise noch Aufholbedarf haben. Ich denke aber, dass auch sie die Wichtigkeit erkannt haben und nachziehen werden. Schließlich eröffnet eine umsichtige und vorausschauende Finanzplanung finanzielle Spielräume und Reserven, die dem Unternehmen die Liquidität sichern, um auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu bleiben. Wir als Finanzpartner der Tiroler Wirtschaftstreibenden unterstützen und begleiten unsere Kundinnen und Kunden dabei. Wie haben sich die Ausleihungen im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr entwickelt? Nach einem starken Start ins Jahr und einer deutlichen Delle im März und April war das Niveau an Finanzierungsanfragen sehr hoch, wodurch unser Ausleihungsvolumen 2020 spürbar gestiegen ist.

Während der Krise rückten die Themen Achtsamkeit und Nachhaltigkeit wieder stark in den Mittelpunkt. Spiegelt sich dies auch in der Veranlagung wider? Bereits in den Monaten und Jahren zuvor wurde eine verstärkte Nachfrage nach nachhaltigen Anlagelösungen verzeichnet. Diese hat während der Coronakrise nochmals zugenommen, denn durch die Pandemie rückten besonders die Themen Regionalität und ökologische Lebensweise vermehrt in den Fokus. In der BTV gehen wir auf jeden Fall davon aus, dass uns dieser Trend langfristig begleiten wird, und wir können mit unseren nachhaltigen Lösungen in der Vermögensanlage sowie entsprechenden Publikumsfonds die diesbezügliche Nachfrage sehr gut bedienen.

FOTOS: © ANDREAS FRIEDLE, THOMAS SCHROTT


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MAG. MARKUS HÖRMANN

DR. HANS UNTERDORFER

V O R S TA N D S V O R S I T Z E N D E R D E R

V O R S TA N D S V O R S I T Z E N D E R D E R

VOLKSBANK TIROL

T I R O L E R S PA R K A S S E

Das Finanzwissen der Österreicher ist nach wie vor bescheiden. Führen Krisen wie die derzeitige zu einem achtsameren, bewussteren Umgang mit Geld? Die Krise hat die Bevölkerung sehr hart getroffen – Unternehmer wie Privatpersonen. Die Arbeitslosenzahlen sind dramatisch gestiegen, Lockdowns führten zu massiven Ertrags- und Umsatzeinbußen in vielen Branchen, insbesondere im Tourismus. Wenn das Geld knapp wird, ist klar, dass generell (betrieblich und privat) genauer kalkuliert und eingeteilt werden muss. Insofern führte die Krise zumindest kurzfristig sicherlich dazu, dass sich sehr viele Betroffene mit der eigenen finanziellen Situation intensiv beschäftigen mussten. Die Volksbank Tirol sieht ihre Rolle dabei, ihre Privat- und Firmenkunden in finanziellen Angelegenheiten durch geeignete Produkte und qualifizierte Beratungsleistungen bestmöglich zu unterstützen (Kontorahmen, Stundungen, Überbrückungsfinanzierungen, Förderungsberatung etc.). Aber auch Anleger und Sparer sind von der Krise betroffen. Die wirtschaftliche Unsicherheit und fehlende Konsummöglichkeiten führten zu einer hohen Sparquote. Die Realzinsen bei den Spareinlagen sind jedoch deutlich negativ und auch die Volatilität der Börsen bleibt in Krisenzeiten hoch. Alle diese Faktoren führen zu einem gesteigerten Interesse der Kunden an chancenorientierten Veranlagungen am Kapitalmarkt, insbesondere auch an Investmentfonds.

ECO.NOVA: Obwohl die Einkommen während der Coronakrise tendenziell gesunken sind, ist die Sparquote im letzten Jahr in Österreich deutlich gestiegen. Worin wird hauptsächlich investiert bzw. lässt sich abschätzen, ob es sich um ein bewusstes Sparen handelt oder ein quasi „erzwungenes“, weil die Möglichkeiten, Geld auszugeben, sehr eingeschränkt waren. Es spielen wohl beide Faktoren eine Rolle. Einerseits sind die Möglichkeiten, Geld auszugeben, eingeschränkt und andererseits besteht eine Tendenz, stärker vorzusorgen. Das bestätigt übrigens auch eine aktuelle Imas-Studie im Auftrag von Erste Group, Wiener Städtischer und S-Versicherung: 48 Prozent der Österreicher blicken sorgenvoll in die kurz- bis mittelfristige Zukunft und sind daher vorsichtiger beim Ausgeben des Geldes. Das wirkt sich nicht nur auf die Ausgaben der privaten Haushalte, sondern auch auf die Sparquote aus. 161 Euro legen die Österreicher im Schnitt pro Monat auf die hohe Kante. Die Top-3-Vorsorgeprodukte sind Sparbuch (58 %), Lebensversicherung (42 %) und Bausparvertrag (39 %). Danach folgen schon Fondssparpläne (20 %), Wertpapiere (17 %) sowie Gold und Immobilien (15 bzw. 13 %). In Summe zeigt sich, dass die wichtigsten Kriterien in der Veranlagung zwar immer noch Sicherheit bzw. ein geringes Risiko sind, aber mittlerweile rückt auch das Thema Rendite und Zinsen stärker in den Fokus der Kunden. Die Österreicher sparen demnach überwiegend, um vorzusorgen. Investiert wird verstärkt in die eigenen vier Wände. Insbesondere der Trend bei der Wohnraumbeschaffung hält weiter an. Hier ist eine nachhaltige Nachfrage nach Finanzierungen gegeben.

ECO.NOVA:

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Vielen Unternehmern wurde und wird durch Kreditstundungen durch die Krise geholfen. Waren auch vermehrte Anträge bei Privatkunden zu verzeichnen? Selbstverständlich trifft die Krise auch Privatkunden. Die Volksbank Tirol versucht mit geeigneten Maßnahmen die Kunden bestmöglich zu unterstützen. Zum Beispiel bieten wir unseren Privatkunden gebührenfreie Ratenstundungen bis zu zwölf Monate für Wohnbaukredite, eine einfache Stundungsmöglichkeit mittels Serviceauftrag im hausbanking, Maßnahmen zur schnellen Liquiditätssicherung über unseren Partner Teambank (Telefonberatung mit Online-Vertragsabschluss, Finanzreserve mit Instant-Payments, Credit-Schutz auch für Kurzarbeit) oder die Einräumung von Überziehungsrahmen.

Während der Krise sind die Kartenzahlungen markant angestiegen. Wird dieser Trend anhalten? Dieser Trend wird nicht nur anhalten, sondern sich verstärkt fortsetzen. Mit Handy und Karte zahlen ist nicht nur einfacher, hygienischer und sicherer, es hilft auch, die Ausgaben besser zu überblicken bzw. zu kontrollieren. Mit professionellen und modernen Online-Banking-Lösungen wie George bleiben auch die Ausgaben immer im Blick. Damit lässt sich einfach und schnell nachvollziehen, wofür das Geld ausgegeben wurde.

FOTOS: © DIE FOTOGRAFEN


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MAG. MARKUS SAPPL LANDESDIREKTOR FIRMENKUNDEN TIROL DER UNICREDIT BANK AUSTRIA

Die aktuelle Pandemie hat – fast naturgemäß – negative Auswirkungen auf den Export. Gerade viele Industriebetriebe in Tirol sind jedoch sehr exportorientiert. Was bedeutet die aktuelle Situation für diese Unternehmen? Die exportorientierten Unternehmen haben gerade zu Beginn der Pandemie durch die Unterbrechung der globalen Lieferketten stark gelitten. Seit dem Sommer hat sich die Situation jedoch schrittweise verbessert. Die Unternehmen haben ihre Produktionsabläufe an die besonderen Rahmenbedingungen gut angepasst und ausgehend vom asiatischen Raum hat der globale Handel in den vergangenen Monaten an Schwung gewonnen. Unsere exportorientierten Industriebetriebe liegen zu Jahresbeginn wieder auf Wachstumskurs und ich bin optimistisch, dass das laufende Jahr in den meisten Branchen sehr erfolgreich abgeschlossen werden kann.

ECO.NOVA:

THOMAS ELZENBAUMER L E I T E R P R I VAT - U N D G E S C H Ä F T S K U N D E N D E R RAIFFEISEN LANDESBANK (RLB) TIROL

Das Eigenheim oder die Adaptierung des eigenen Wohnraums ist während der Krise wieder mehr in den Fokus gerückt. Konnten Sie diesbezüglich vermehrte Anfragen verzeichnen? Menschen, die von der aktuellen Pandemie finanziell nicht betroffen sind, investieren ihr Geld derzeit tatsächlich vermehrt in die Verschönerung ihres Eigenheims, unter anderem in Umbauten, Mobiliar, neue Gartengestaltungen. Gleichzeitig gibt es eine sehr hohe Nachfrage nach Anlegerwohnungen, da geht die Tendenz hin zu kleineren Einheiten in guter Lage, weil hier höhere Renditen zu erwarten sind.

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Manche Menschen neigen dazu, in Krisenzeiten Bargeld zu horten oder Gold zu kaufen. Gab es dafür Anzeichen bzw. sind Goldkäufe sinnvoll? Es gab ganz klar mehr Nachfrage nach Gold, vor allem im ersten Lockdown. Vermehrte Bargeldbehebungen konnten wir hingegen nicht feststellen. Wenn es um Veranlagungen geht, raten wir unseren Kund*innen immer zur Diversifikation, also zur Streuung der vorhandenen Vermögenswerte in verschiedene Finanzprodukte.

Der heimische Aktienindex ATX erholt sich nach (globalen) Einbrüchen oftmals langsamer als andere Indizes. Woran liegt das bzw. in welchen Bereichen sehen Sie derzeit generell Anlagechancen? Der ATX ist als im internationalen Vergleich kleiner Index besonders stark in bestimmten Sektoren vertreten – hier vor allem in zyklischen Werten –, wohingegen Tech-Werte weitgehend fehlen. Das bringt eine erhöhte Volatilität mit sich. Es ermöglicht aber auch besondere Outperformances, wie zum Beispiel im November, als der ATX, angetrieben durch den Anstieg der Zykliker im Sog der erwarteten Corona-Impfung, der Index mit der weltweit drittbesten Performance war. Bremsend wirkt auch, dass Anleger in Krisenzeiten vor allem große Indizes wie zum Beispiel den DAX in Europa suchen. Die Kombination aus massiven finanz- und geldpolitischen Maßnahmen und der Hoffnung auf eine weltweite Erholung ab dem zweiten Quartal 2021 (angetrieben durch die Einführung wirksamer Impfstoffe) stützt Aktien – trotz der hohen Unsicherheit aufgrund des Wiederauflebens von Corona in Europa und den USA. Vom Wiederhochfahren der Konjunktur profitieren besonders zyklische, also konjunktursensitive Werte, die in Europa stark gewichtet sind. FOTOS: © RLB TIROL, T. STEINLECHNER

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L ODER V? Wann mit einem spürbaren (wirtschaftlichen) Aufschwung zu rechnen ist, ist wohl eine jener Fragen, die viele derzeit am meisten umtreibt. Das glauben die heimischen Banken.

WA N N I S T M I T EINEM SPÜRBAREN WIRTSCHAF TLICHEN AUFSCHWUNG ZU RECHNEN? HYPO TIROL BANK

Es ist schwer, dazu eine seriöse Einschätzung abzugeben – hängt doch die wirtschaftliche Entwicklung unmittelbar mit dem weiteren Verlauf der Gesundheitskrise zusammen, und wie wir alle wissen, gibt es hier noch jede Menge Unsicherheitsfaktoren. Die Erwartungen vieler Branchen haben sich in den letzten Monaten mehrfach geändert – Stichwort Grenzsperren, Impfung, Verlängerung Lockdown, Mutation usw. Trotz aller Schwierigkeiten sehen wir die Zukunft optimistischer, als man es manchmal in den Zeitungen liest. Wir wissen nicht, wann die Krise vorbei sein wird, aber sind überzeugt, dass die Wirtschaft nachher rasch wieder Fahrt aufnehmen wird. Die Staaten haben erkannt, dass sie den gesunden Unternehmen über die Krise helfen müssen. Niemand hat ein Interesse daran, dass Hotels, Restaurants, Handelsflächen etc. nach der Krise leer stehen. Wesentlich ist natürlich, dass die zugesagten Hilfen auch so rasch wie möglich bei den Unternehmen ankommen. BANK FÜR TIROL UND VORARLBERG

Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erholung im Jahr 2021 sind maßgeblich zwei Themen: erstens vor allem Planbarkeit und zweitens die Umsetzung der Impfungen in der Fläche. Beides ist derzeit (Jänner 2021) weder gegeben noch absehbar und damit ist eine Erholung schwer abschätzbar. So-

bald diese zwei Punkte umgesetzt sind, wird die Konjunkturerholung – mit Investitionen und Konsum als den Treibergrößen – ganz sicher rasch Fahrt aufnehmen. Eine anhaltende Unterstützung durch Notenbanken und Regierungen muss diese Übergangszeit erleichtern, indem Firmen und Haushalte Subventionszahlungen erhalten und die allgemeine Unsicherheit reduziert wird.

auch letztes Jahr begonnen, ihre Geschäftsmodelle an die Veränderungen anzupassen – aber das braucht Zeit. Und natürlich wird die Wirkung der Impfung bei der Öffnung vieler Betriebe eine entscheidende Rolle spielen und zur Stabilisierung entscheidend beitragen. RAIFFEISEN LANDESBANK TIROL

VOLKSBANK TIROL

Sofern der Impfplan der Bundesregierung erfolgreich durchgezogen werden kann und auch die Impfbereitschaft breiter Bevölkerungsschichten gegeben ist, sollte im zweiten Halbjahr 2021 eine deutliche Entspannung der Krisensituation eintreten und auch dann eine hoffentlich rasche wirtschaftliche Erholungsphase einsetzen. Es bleibt zu hoffen, dass die vielfach befürchtete Pleitewelle in der Wirtschaft durch die Hilfs- und Fördermaßnahmen der Bundesregierung weitestgehend abgewendet werden und auch die besonders in Tirol hart getroffene Tourismuswirtschaft ab Mitte des Jahres wieder Fahrt aufnehmen und sich rasch erholen kann.

Die Pandemie zieht volkswirtschaftlich Verwerfungen nach sich, deren Dimensionen wir noch gar nicht alle absehen können. Der Wirtschaftseinbruch liegt in Österreich nach aktuellen Daten mit knapp über sieben Prozent zwar im Schnitt der Euro-Länder, ist aber damit fast doppelt so hoch wie in der Finanzkrise 2009. Auch die Arbeitslosenzahlen erreichen trotz Kurzarbeit noch nie dagewesene Höchstwerte. Für 2021 wird wieder ein Wirtschaftswachstum von bis zu 4,5 Prozent prognostiziert. Aufgrund des hohen Tourismusanteiles wird dieses in Tirol aber deutlich geringer ausfallen. Faktum ist, dass wir das Vorkrisenniveau erst Ende 2022, Anfang 2023 erreichen werden. UNICREDIT BANK AUSTRIA

T I R O L E R S PA R K A S S E

2021 bleibt für alle ein herausforderndes Jahr. Wann es zu einer spürbaren Erholung kommt, wird für alle Branchen unterschiedlich zu beurteilen sein, da die Betroffenheit der einzelnen Branchen durchaus unterschiedlich ist. Eine positive Entwicklung wird daher sicher schrittweise und von Branche zu Branche differenziert erfolgen. Ein Trend zeichnet sich aber bereits deutlich ab: Die jetzt neu gelebte „Distance-Economy“ wird in vielen Geschäftssparten Teil der Lösung bleiben, so zum Beispiel digitales Bezahlen. Viele Unternehmen haben

Nach den unverändert schwierigen Rahmenbedingungen über den Winter erwarten wir für das zweite Quartal eine Gegenbewegung der Konjunktur, die jedoch eher von Nachholeffekten getragen wird. Erst danach sollte die Eindämmung der Pandemie durch die gestartete Impfkampagne und das wärmere Wetter eine Stimmungsaufhellung auslösen. Erst im zweiten Halbjahr 2021 sollte daher eine grundlegende wirtschaftliche Erholung einsetzen. Mit hoher Dynamik ab dem Spätsommer könnte sich 2021 dann noch ein Wirtschaftswachstum von über drei Prozent ausgehen.

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DER TRAUM VON DER EIGENEN ORDINATION: MUT & DIE RICHTIGEN FRAGEN

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Für Ärztinnen und Ärzte sind die Erfolgschancen auf dem Weg in die Selbständigkeit von der Coronakrise unberührt geblieben und somit weiterhin als sehr gut einzustufen. Die Zinsen sind im Keller und Mediziner gefragter denn je. TEXT: VERENA MARIA ERIAN, RAIMUND ELLER

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st der Wunsch, in die Niederlassung zu gehen, erst einmal geboren, dann braucht es neben dem Mut zur Selbständigkeit vor allem einen roten Faden durch die Zeit der tausend Fragen. Wir haben hier für Sie die Antworten zu den entscheidenden Startfragen zusammengetragen.

FRAGE NR. 1:

SOLL ICH EINE EIGENE PRAXIS NEU GRÜNDEN ODER EINE BESTEHENDE ORDINATION ÜBERNEHMEN? Rein finanziell ist es immer ein Vorteil, eine bestehende Ordination zu übernehmen, wenn der Preis stimmt. Steht eine Praxisübernahme zur

Diskussion, so empfiehlt es sich, eine Expertise zum ideellen Wert (nachhaltige Ertragsstärke) und zum materiellen Wert (Praxisausstattung) der betreffenden Ordination einzuholen. Ist diese Frage geklärt und kommt es dabei nicht zur Übernahme bestehender Praxisräumlichkeiten, so ist der nächste Schritt die Suche nach geeigneten Ordinationsräumlichkeiten. Dabei stellt sich schon die

FRAGE NR. 2:

SOLL ICH KAUFEN ODER MIETEN? Auch hier gibt es eine einfache und klare Antwort: Wenn ein Objekt in guter Lage zum

marktüblichen Preis zum Kauf steht, dann ist der Kauf immer ein Vorteil. Gibt es nichts zu kaufen, so muss nach einem geeigneten Mietobjekt gesucht werden. Hier stellt sich dann die

FRAGE NR. 3:

WELCHE FALLEN ERWARTEN MICH ALS MIETER? Und wieder sind es immer die gleichen Punkte: Neben einem marktüblichen Mietpreis sollte vor allem das Fristenthema beachtet werden. Ideal ist ein möglichst langer Kündigungsverzicht seitens des Vermieters und eine jederzeitige Ausstiegsmöglichkeit für Sie. Sollte das


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„Bleiberecht“ beschränkt sein, dann gilt: Je kürzer die Mietdauer, desto wichtiger wird eine Vereinbarung, wonach allfällige Adaptierungskosten des Gebäudes so weit wie möglich vom Vermieter getragen werden. Ein weiterer Punkt ist die Möglichkeit, sich vertreten zu lassen oder auch eine Kooperation (z. B. Jobsharing) mit anderen Ärzten eingehen zu können, ohne gegen das übliche Untermietverbot zu verstoßen. Die Liste der kritischen Punkte ließe sich noch lange fortsetzen. Auch gibt es einige steuerliche Optimierungsthemen wie etwa die Frage, ob es besser ist, wenn der Ehegatte die Immobilie kauft und dann an Sie vermietet. Idealerweise sollte vor der finalen Unterschrift sowohl ein Steuerberater als auch ein Rechtsanwalt Ihres Vertrauens alle Punkte prüfen. Hat man nun all diese Dinge beieinander, so stellen sich die

FRAGEN NR. 4 & 5:

GEHT SICH DAS ALLES AUS & WIE FINANZIERE ICH DAS? Dazu wird von den Banken in der Regel ein so genannter Businessplan gefordert. Auch damit können und sollen Sie Ihren Steuerberater betrauen. Bei uns in der Kanzlei wird für Praxisgründerinnen und -gründer zum Beispiel gemeinsam mit Ihnen ein spezieller Praxisgründungsplan erarbeitet. Auf Grund unserer Branchenkennzahlen und Expertise benötigen wir dazu von Ihnen neben den Kostenvoranschlägen für die geplanten Investitionen (Medizintechnik, EDV, Einrichtung etc.) nur wenige Informationen, die meist in einem strukturierten persönlichen Gespräch sehr konkret und effizient herausgearbeitet werden können. Dabei werden auch alle Fragen hinsichtlich Kreditlaufzeit, Sicherstellungen und Fixzins versus variable Verzinsung geklärt. Ergebnis ist ein ausgeklügelter Plan, der Ihnen und der Bank die nötige Sicherheit für den Start gibt. Nun gilt es nur noch das beste Bankangebot auszuloten und der Spaß kann beginnen. Bevor es dann richtig losgeht, fehlt noch der entscheidende Faktor „Mensch“ und so kommen wir zur

FRAGE NR. 6:

WIE WERDE ICH ZU EINEM ROUTINIERTEN ARBEITGEBER? Auch hier dürfen Sie mit kräftiger Unterstützung Ihres Steuerberaters rechnen. Ideal ist eine umfassende Beratung/Einschulung (ca. 2 Stunden). Dabei erhalten Sie einen guten Überblick – angefangen bei einer korrekten Gehalts-

Die Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian und StB Raimund Eller

einstufung zur Entlohnung Ihrer Assistentinnen über perfekt ausgearbeitete Dienstverträge bis hin zu wichtigen Tipps und Werkzeugen im Umgang mit dem Personal samt Full-Service-Gehaltsabrechnung. Wichtig ist hier vor allem die fristgerechte Anmeldung aller Dienstnehmer bei der Österreichischen Gesundheitskasse vor Dienstantritt.

FRAGE NR. 7:

WIE WERDE ICH ZU EINEM UNTERNEHMER, DER SEINE ZAHLEN IM GRIFF HAT? Ein weiteres Mal ist es der Steuerberater, der Ihnen hier nachhaltig den Rücken zur Konzentration auf Ihre Kernkompetenzen freihalten kann und soll. Der Klassiker ist ein Rundum-sorglos-Paket von der Einrichtung bis zur Komplettübernahme Ihrer Buchhaltung mit monatlichem Reporting. State of the Art ist aktuell folgende Vorgangsweise: Sie bzw. Ihre Assistentinnen laden Ihre Belege über ein so genanntes Klientenportal auf der Homepage Ihres Steuerberaters hoch, die Bankbewegungen werden automatisch in die Buchhal-

tungssoftware der beauftragten Steuerberatungskanzlei eingespielt und die Sache ist für Sie erledigt. Ideal ist es, wenn Sie jedes Jahr im Herbst automatisch eine Jahreshochrechnung mit konkreten Handlungsempfehlungen bekommen. Das ist die wichtigste Grundlage für Ihre steuerlichen Dispositionen zum Jahresende und zur Optimierung Ihrer Finanzen. Zudem können Sie sich so bereits über ein Jahr im Vorhinein auf Steuer- und Sozialversicherungsnachzahlungen vorbereiten. Im Falle einer Steuerprüfung ist so alles perfekt auf- und vorbereitet, sodass die operative Abwicklung auch hier weitestgehend durch Ihre Steuerberatungskanzlei erfolgen kann.

RESÜMEE

Keine Praxisgründung und keine Übernahme gleicht der anderen. Für die richtige Entscheidung bedarf es der richtigen Fragen und der Unterstützung eines erfahrenen Spezialisten, der die Antworten kennt. Damit sind Sie für alle Problemstellungen im Zuge Ihrer Praxisgründung bestens gewappnet.

SCHRITTFOLGE AUF DEM WEG IN DIE EIGENE NIEDERLASSUNG 1. Check Übernahmemöglichkeit und Preisfindung: Einholung einer Expertise zum ideellen und materiellen Wert der Praxis 2. Beschaffung von Räumlichkeiten: Kommt es nicht zur Übernahme inklusive bestehender Räumlichkeiten, so ist das Raumthema der dringlichste Punkt. 3. Erhebung Investitionsvolumen: Einholung von Kostenvoranschlägen 4. Praxisgründungsplan: Finanzplan, Erfolgsplan und Geldplan 5. Vergleich Finanzierungsangebote und Nachverhandlungen 6. Personalsuche/Personalwesen und Implementierung einer verlässlichen Personalverrechnung 7. Implementierung eines funktionierenden Rechnungswesens/Buchhaltung

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NEUERUNGEN IN DER PERSONALVERRECHNUNG UND IM ARBEITSRECHT

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Das Jahr 2021 bringt eine Fülle von Änderungen in der Personalverrechnung und im Arbeitsrecht. Die COVID-19-bedingten Erleichterungen stellen einen Schwerpunkt dar. Die wichtigsten Neuerungen für das Jahr 2021 haben wir in einem Überblick zusammengestellt. TEXT: MAG. CLAUDIA RIECKH-RUPP

ESSENSGUTSCHEINE Seit 1. Juli 2020 sind Gutscheine für Mahlzeiten bis zu einem Betrag von 8 Euro pro tatsächlich geleistetem Arbeitstag steuerfrei, wenn die Gutscheine nur am Arbeitsplatz oder in einer Gaststätte zur dortigen Konsumation eingelöst werden können. Als Gaststätten gelten jene Betriebe, die an den Arbeitstagen ein Vollmenü anbieten. Gutscheine dürfen in Papierform oder digital (elektronische Chipkarte, App) ausgegeben werden. Auch Homeoffice-Tage gelten als Arbeitstage, für welche ein Gutschein gebührt. Die Gutscheine können auch kumuliert ohne wertmäßiges Tageslimit an jedem Wo-

chentag (auch an Wochenenden) eingelöst werden. Barzuschüsse, die der Arbeitgeber leistet, sind lohnsteuerpflichtig. Essensgutscheine, die für Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien, Würstelstände etc. abgegeben werden, welche kein Vollmenü anbieten, bleiben nur bis zu einem Betrag von nunmehr 2 Euro pro Arbeitstag steuerfrei. Dasselbe gilt für Gutscheine, die auch zur Bezahlung von Lebensmitteln verwendet werden, die nicht sofort konsumiert werden müssen. Pro Arbeitnehmer und Arbeitstag darf nur ein Gutschein gewährt werden. Auch Homeoffice-Tage gelten als Arbeitstage, für welche ein Gutschein gebührt. Zum

Jahreswechsel wurde daher nunmehr beschlossen, dass Essensgutscheine während Homeoffice-Zeiten in 2020/2021 auch zur Bezahlung bei Essensabholungen oder -lieferungen verwendet werden können.

JOBTICKET

Um den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu unterstützen, kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein Ticket für die Nutzung von Massenbeförderungsmitteln unabhängig von der Ticketart (z. B. Netz- oder Streckenkarte) zur Verfügung stellen. Dies gilt jedenfalls für Tickets, die zu Fahrten auf der Strecke Wohnung – Arbeitsplatz gelten.


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Die Begünstigung setzt jedoch voraus, dass die Tickets für Fahrten innerhalb eines längeren Zeitraumes gelten. Einzelfahrscheine oder Tageskarten sind daher nicht von der Begünstigung erfasst. Die Zurverfügungstellung kann ab 1. Juli 2021 auch durch gänzliche oder teilweise Kostenübernahme erfolgen. Kauft also der Arbeitnehmer das Ticket selbst und erhält es vom Arbeitgeber gänzlich oder teilweise ersetzt, so ist dies abgabenfrei möglich. Eine Bezugsumwandlung ist aber weiterhin ausgeschlossen. Der abgabenfreie Ticketersatz gegen Arbeitnehmerverzicht auf Teile des Gehalts, Lohns oder anderer lohnsteuerpflichtiger Bezüge führt somit zu einer Abgabenpflicht.

PENDLERPAUSCHALE

Durch COVID-19 bedingte Homeoffice-Tage bzw. Dienstverhinderungen (wie etwa Quarantänezeiten) haben derzeit keine Auswirkung auf die Weitergewährung des Pendlerpauschales. Diese Regelung ist vorerst bis zum 31. März 2021 befristet. Für 2021 ist zudem eine Klarstellung beim Pendlerpauschale geplant. Die Regelung, wonach keine Pendlerpauschale gebührt, wenn dem Arbeitnehmer ein arbeitgebereigenes Kfz für Privatfahrten (einschließlich Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte) zur Verfügung gestellt wird, gilt nicht bei Nutzung arbeitgebereigener Fahrräder oder Elektrofahrräder. In diesem Fall ist weder ein Sachbezug anzusetzen, noch geht das Pendlerpauschale verloren.

FAMILIENBONUS PLUS

Es besteht nunmehr die Möglichkeit, den Antrag auf Familienbonus Plus formlos zurückzuziehen, um dem anderen Elternteil einen höheren bzw. den gesamten Anteil an der Steuerbegünstigung zu verschaffen. Dieser „Verzicht“ kann bis zu fünf Jahre nach dem Eintreten der Rechtskraft des Veranlagungsbescheides bekannt gegeben werden. Diese Möglichkeit spielt vor allem dann eine Rolle, wenn sich der beantragte Familienbonus Plus bei einem Antragsteller steuerlich nicht auswirkt, aber sich beim zweiten Antragsberechtigten steuerlich zur Gänze auswirken würde.

VERPFLICHTENDE „JAHRES SECHSTELAUFROLLUNG“

Bereits seit Anfang 2020 besteht die Verpflichtung zur Jahressechstelaufrollung, welche im Dezember bzw. Austrittsmonat zu einer Lohnsteuernachzahlung führen kann.

Mag. Claudia Rieckh-Rupp ist Steuerberaterin bei Deloitte Tirol

In Ausnahmefällen – wie bei Elternkarenz, Papamonat oder Mutterschutz – muss das Jahressechstel aber nicht neu berechnet werden. Für das Jahr 2021 wurden nun zusätzliche Ausnahmetatbestände geschaffen (z. B. Bezug von Krankengeld, Altersteilzeitgeld; bei Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit, nicht jedoch bei Bildungskarenz oder -teilzeit). Ab 1.1.2021 ist die „Kontrollsechstelrollung“ nun auch in die andere Richtung möglich: Im Rahmen einer Kontrollrechnung im Dezember bzw. bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist auch die Berücksichtigung eines nicht ausgeschöpften Jahressechstels in Form einer Gutschrift vorgesehen. Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit gilt weiterhin zudem ein um 15 % pauschal erhöhtes Jahressechstel.

KURZARBEIT PHASE III

Seit dem 1. Oktober 2020 können Arbeitnehmer mittels neuer Sozialpartnervereinbarung (Version 8.0) zur Kurzarbeit Phase III angemeldet werden. Die Phase III gilt noch bis zum 31. März 2021. Anträge sind grundsätzlich noch vor Beginn der Kurzarbeit über das eAMS-Konto einzubringen. Die Begehrensstellung für Unternehmen, die die Kurzarbeit im Jänner begonnen haben, endet am 20. Feber 2021. Eine wesentliche Neuerung stellt das zusätzliche Erfordernis der wirtschaftlichen Begründung dar. Wird die Kurzarbeit für mehr als fünf Arbeitnehmer beantragt, so ist zwingend eine Bestätigung der Angaben in der wirtschaftlichen Begründung

durch einen Steuerberater/Wirtschaftsprüfer oder Bilanzbuchhalter vorgesehen. In der Phase III muss die Arbeitszeit grundsätzlich 30 bis 80 Prozent betragen, Abweichungen davon sind gesondert zu begründen (Ausnahmen der Voraussetzungen gibt es für die Zeit des Lockdowns bzw. davon direkt betroffene Unternehmen – Entfall der Steuerberater/Wirtschaftsprüfer-Bestätigung der wirtschaftlichen Begründung sowie Arbeitszeitausfall von über 90 Prozent möglich). Für die während der Kurzarbeit ausgefallene Arbeitszeit besteht in Phase III eine Weiterbildungsverpflichtung seitens der Arbeitnehmer, sofern eine solche vom Arbeitgeber gewünscht ist. Dazu kann vor Beginn der Weiterbildungsmaßnahme über das eAMS-Konto ein Antrag auf Schulungskostenbeihilfe gestellt werden. Falls Lehrlinge in die Kurzarbeit miteinbezogen werden, muss mindestens 50 Prozent der ausgefallenen Arbeitszeit (über den gesamten Kurzarbeitszeitraum gesehen) für ausbildungs- bzw. berufsrelevante Maßnahmen genutzt werden (Unterstützung vom AMS für die Ausbildungskosten). Während Lockdown-Zeiten entfällt diese Weiterbildungsverpflichtung für Lehrlinge. Die Abrechnung für die Kurzarbeitsbeihilfe ist bis zum 28. des Folgemonats über das eAMS-Konto einzubringen. Nach Ablauf der Behaltefrist ist zudem ein Durchführungsbericht via eAMS-Konto zu übermitteln.

VERGÜTUNG FÜR DEN VERDIENSTENTGANG GEMÄSS EPIDEMIEGESETZ (QUARANTÄNE)

Natürliche und juristische Personen sowie Personengesellschaften haben Anspruch auf Vergütung für den Verdienstentgang für die Zeit einer COVID-19-bedingten Absonderung der Mitarbeiter. Die Zeit der behördlichen Absonderung stellt einen sonstigen Dienstverhinderungsgrund nach dem Epidemiegesetz dar. Dementsprechend besteht kein krankenstandsbedingter Entgeltfortzahlungsanspruch. Wird ein Mitarbeiter abgesondert, gebührt diesem aber Entgelt nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz. Mit Auszahlung des Entgelts geht der Anspruch auf Vergütung gegenüber dem Staat auf den Arbeitgeber über. Der Antrag auf Vergütung ist innerhalb von drei Monaten ab der Aufhebung der Quarantäne bei der den Bescheid erlassenden Bezirksverwaltungsbehörde zu stellen.

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SONDERBETREUUNGSZEIT 4.0 UND ENTGELTRÜCKER STATTUNGSANTRÄGE Für Arbeitnehmer besteht nunmehr ein Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit, wenn die nachstehenden Voraussetzungen erfüllt sind: • Notwendige Betreuung eines Kindes unter 14 Jahren, wenn die Betreuungseinrichtung aufgrund behördlicher Maßnahmen ganz oder teilweise geschlossen ist. • Betreuung behinderter Angehöriger, wenn die persönliche Assistenz nicht mehr sichergestellt ist. • Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen, wenn die Betreuungskraft ausgefallen ist. • B etreuungspflicht für ein Kind unter 14 Jahren, welches behördlich unter Quarantäne gestellt wurde, weil Ansteckungs- bzw. Infektionsverdacht besteht (Achtung: Erfolgt die Absonderung wegen Erkrankung an COVID-19, so besteht der Anspruch auf Sonderbetreuungszeit nur dann, wenn zuvor die gesetzliche Pflegefreistellung ausgeschöpft wurde). Der Dienstverhinderungsgrund muss dem Arbeitgeber unverzüglich mitgeteilt werden. Zusätzlich darf es keine anderen zumutbaren Maßnahmen geben, um die Dienstverhinderung abzuwenden (d. h. es darf keine Betreuungsmöglichkeit in Schule oder

Kindergarten geben und auch keine andere Betreuungsperson verfügbar sein). Es besteht jedoch die Möglichkeit, Sonderbetreuungszeit mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren, wenn mangels Erfüllung der Voraussetzungen kein Rechtsanspruch gegeben ist. In diesem Fall sind zuvor allerdings andere arbeitsrechtliche Ansprüche zur Betreuung (nach dem AngG, ABGB oder UrlG) auszuschöpfen. Das Kontingent wurde von drei auf vier Wochen je Arbeitnehmer erhöht. Die Sonderbetreuungszeit trat rückwirkend mit 1. November 2020 in Kraft und dauert bis einschließlich 9. Juli 2021. Die Höhe der Rückerstattung des während der Sonderbetreuungszeit fortgezahlten Entgelts beträgt nun 100 Prozent (davon nicht umfasst sind jedoch Arbeitgeberbeiträge und Lohnnebenkosten). Der Rückerstattungsanspruch ist spätestens sechs Wochen nach Ende der Sonderbetreuungszeit, somit bis längstens 20. August 2021, über das USP-Portal bei der Buchhaltungsagentur des Bundes einzubringen, wobei – außer in begründeten Ausnahmefällen – pro Arbeitnehmer grundsätzlich nur ein Antrag für den gesamten Zeitraum der Phase 4 zulässig ist.

ANGLEICHUNG KÜNDIGUNGS FRISTEN ARBEITER

Die ursprünglich für 1. Jänner 2021 geplante Angleichung der Kündigungsfristen von

Arbeitern an Angestellte wurde auf 1. Juli 2021 verschoben. Die längeren Kündigungsfristen für Arbeiter werden daher erst auf Beendigungen anzuwenden sein, die nach dem 30. Juni 2021 ausgesprochen werden. Der Gesetzgeber hat jedoch vorgesehen, dass für Saisonbranchen (wie Tourismus oder Bauwirtschaft) im Kollektivvertrag davon abweichende (kürzere) Kündigungsfristen bzw. abweichende Kündigungstermine vereinbart werden können.

SONDERFREISTELLUNG FÜR WERDENDE MÜTTER

Im Dezember 2020 wurde vom Gesetzgeber eine Sonderfreistellung für schwangere Arbeitnehmerinnen ab der 14. Schwangerschaftswoche beschlossen. Die neue Regelung gilt vorerst bis 31. März 2021. Im ersten Quartal wird die COVID-Lage erneut evaluiert. Der Anspruch auf Sonderfreistellung besteht, wenn die Arbeit einen direkten Körperkontakt erfordert und Homeoffice oder eine Änderung der Arbeitsbedingungen nicht möglich sind. Ist keine dieser Optionen gegeben, sind Schwangere unter voller Entgeltfortzahlung freizustellen. Im Freistellungsfall hat der Arbeitgeber Anspruch auf Rückersatz des Entgelts sowie der Arbeitgeberbeiträge und Lohnnebenkosten. Der Antrag ist binnen sechs Wochen nach dem Ende der Freistellung unter Vorlage entsprechender Nachweise (ärztliche Bestätigung


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über die Schwangerschaft und voraussichtlicher Entbindungstermin) bei der ÖGK zu stellen (über WEBEKU oder PDF-Formular).

ÖGK-STUNDUNGEN/RATENZAHLUNGEN Für Arbeitgeber, die mit COVID-19-bedingten Liquiditätsproblemen konfrontiert sind bzw. waren, erfolgte eine verzugszinsenfreie Stundung der Beiträge durch die ÖGK. Beiträge im Zeitraum Februar bis April 2020 wurden bei Zahlungsschwierigkeiten verzugszinsenfrei gestundet. Sie sind bis spätestens 31. März 2021 zu entrichten. Beiträge aus dem Zeitraum Mai bis Dezember 2020, für die bereits Ratenvereinbarungen oder Stundungen bestehen, können bis spätestens 31. März 2021 einbezahlt werden. Mit Jahresende 2020 wurde dem § 733 ASVG der Absatz 15 angefügt, wonach auch diese Beiträge nunmehr verzugszinsenfrei zu stunden sind. Für den Beitragszeitraum Jänner und Februar 2021 können die Beiträge ebenfalls bis 31. März 2021 gestundet werden. Ab dem Beitragszeitraum März 2021 sind wieder die bisherigen Fälligkeiten und Zahlungsfristen (15. des Folgemonats) einzuhalten. Bei Weiterbestehen von Liquidi-

tätsproblemen am 31. März 2021 können in Phase 1 Ratenzahlungen bis längstens 30. Juni 2022 vereinbart werden. Hierfür sind coronabedingte Liquiditätsprobleme glaubhaft zu machen. Für Ratenvereinbarungen der Phase 1 gilt ein um 2 Prozent verringerter Verzugszinsensatz (derzeit 1,38 Prozent). Antragstellung ist ab März 2021 möglich. In Phase 2 können für zum 30. Juni 2022 verbleibende Beitragsrückstände aus den Zeiträumen Februar 2020 bis Februar 2021 Ratenzahlungen vereinbart werden. Hierfür steht ein zeitlicher Rahmen bis längstens 31. März 2024 zur Verfügung. Um die Ratenvereinbarungen der Phase 2 in Anspruch nehmen zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden: • Während der Phase 1 wurden mindestens 40 Prozent des Beitragsrückstandes beglichen. • Kein Terminverlust bis 30. Juni 2022 • Keine Neuverbindlichkeiten (Beiträge ab März 2021) • Beitragsrückstand kann zusätzlich zu laufend anfallenden Beiträgen entrichtet werden (Glaubhaftmachung). UBIT

Der Antrag ist bis spätestens 30. Juni 2022 einzubringen. Für die Ratenvereinbarungen ist zu beachten, dass deren Bearbeitung ohne monatliche Beitragsgrundlagenmeldung (mBGM) nicht möglich ist. Es gilt weiters festzuhalten, dass sich trotz Stundung/Ratenzahlung nichts an der gesetzlichen Fälligkeit der Beiträge ändert. Auch die sonstigen Meldeverpflichtungen sind unverändert einzuhalten. Vorsicht bei Kurzarbeit: Beiträge für Mitarbeiter in Kurzarbeit sind von den Stundungen bzw. Ratenvereinbarungen ausgenommen. Diese sind nach der gesetzlichen Regelung weiterhin bis zum 15. des auf die Beihilfenauszahlung zweitfolgenden Kalendermonates an die ÖGK zu entrichten.

ERHÖHUNG DER ZUVERDIENSTGRENZE BEI BEZUG VON FAMILIENBEIHILFE UND STUDIENBEIHILFE

Weiters gilt rückwirkend ab dem Kalenderjahr 2020 eine neue Zuverdienstgrenze bei Bezug von Familienbeihilfe bzw. Studienbeihilfe. Die Zuverdienstgrenze beträgt nunmehr 15.000 Euro (anstatt bisher 10.000 Euro). www.deloitte.at/tirol

IT PROFESSIONALS FÜR TIROL AUSBILDUNG MIT ZUKUNFT Corona verschärft den Fachkräftemangel im IT- und Software-Bereich noch weiter.

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omeoffice, Homeschooling & Co zeigen deutlich, wie hoch der Bedarf an IT-Spezialisten ist. Es gibt massenhaft Jobangebote und viel zu wenige Bewerber. IT Professionals für Tirol, eine Bildungsinnovation der Wirtschaftskammer Tirol, der Bildungsdirektion Tirol und des Landes Tirol, soll Abhilfe schaffen und für die Fachkräfte der Zukunft sorgen. IT Professionals für Tirol eröffnet ein neues Ausbildungsangebot, das speziell auf die Zielgruppe der AHS-MaturantInnen und den Arbeitsmarkt der Zukunft ausgerichtet ist. Auch Personen mit mindestens zwei positiv abgeschlossenen Schulklassen an einer fachverwandten berufsbildenden mittleren oder höheren Schule sind Zielgruppe dieser Einrichtung. IT Professionals für Tirol schafft eine weitere Ausbildungsschiene für hochqualifizierte MitarbeiterInnen der Zukunft. Im IT- und Software-Bereich gibt es seit längerer

IT-Berufsgruppensprecher Clemens Plank: Nach Abschluss der Ausbildung haben die AbsolventInnen beste Chancen am Arbeitsmarkt mit hervorragenden Berufsund Zukunftsaussichten

Zeit einen bedenklichen Fachkräftemangel. Dieser wurde durch den coronabedingten Digitalisierungsschub der letzten Monate massiv verschärft. Bildungseinrichtungen und Schüler im Homeschooling, Ämter sowie ArbeitnehmerInnen im Homeoffice verstärken die Nachfrage nach Spezialisten. Doch nicht nur Corona, auch die allge-

meine Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zeigt, dass im Zeitalter der Digitalisierung eine praxisnahe kontextbezogene IT-Ausbildung von größter Bedeutung ist. Die fundierte Ausbildung findet praxisbezogen im Unternehmen und in der Berufsschule statt. In Form einer Vollzeitanstellung mit attraktivem Einstiegsgehalt wartet ein betriebliches Trainee-Programm direkt im Unternehmen. Für die gesamte verkürzte Lehrzeit von vier auf drei Jahre steht den Auszubildenden ein Mentor oder eine Mentorin zur Seite. Der theoretische Teil in der Berufsschule nimmt 9,33 Wochen in allen drei Lehrjahren in Anspruch. Ein wichtiger Punkt auf dem Lehrplan ist die Vermittlung von Zukunftskompetenzen auf fachlicher, digitaler, sozialer und internationaler Ebene. Nach Abschluss der Ausbildung haben die Absolventinnen beste Chancen am Arbeitsmarkt mit hervorragenden Berufsund Zukunftsaussichten. PR

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C O R O N A & I H R S T E U E R B E R AT E R :

EIN ERSCHRECKENDER BLICK HINTER DIE KULISSEN Seit März 2020 heißt es: „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.“ Die Coronakrise hat in den Steuerberatungskanzleien zu verheerenden Ausnahmezuständen geführt, die nun schon beinahe ein ganzes Jahr permanent andauern. Wir haben mit Prof. MMag. Dr. Klaus Hilber darüber gesprochen. I N T E R V I E W : V E R E N A M A R I A E R I A N , E C O . N O VA - S T E U E R R E D A K T I O N

ECO.NOVA: Sie und Ihre Kollegen scheinen

derzeit die Einzigen zu sein, die mehr als genug Arbeit haben. Zählen Sie damit zu den Krisengewinnern? KLAUS HILBER: Davon kann überhaupt keine Rede sein. Da die rechtlichen Grundlagen der unterschiedlichen Unterstützungsmaßnahmen alles andere als klar sind, finden wir derzeit unzumutbare Arbeitsbedingungen vor. Arbeitstage von 12 bis 14 Stunden und mitunter noch mehr sind an der Tagesordnung. Es können längst nicht alle Stunden abgerechnet werden. Würde man den wahren Stundenaufwand immer korrekt abrechnen, bliebe für so manchen Unternehmer von den bewilligten Zuschüssen weniger als null. Viele Kollegen klagen über Personalmangel und das Personal, das noch da ist, kann bald auch nicht mehr mit Prämien und Zulagen gehalten werden. Das Berufsbild ist für die Jungen unattraktiv geworden.

Ohne Steuerberater geht es nicht: Härtefallfonds, Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz, Verlustersatz, Kurzarbeit. Warum dieses Durcheinander? Warum wurde das alles so umständlich konzipiert? Genau das ist das Problem. Wir Steuerberater bzw. unsere Kammer wurden überhaupt nicht eingebunden. Wir hätten gemeinsam Regelungen finden können, die nicht nur einfacher, sondern vor allem auch um vieles treffsicherer gewesen wären. Man hat uns außen vorgelassen. Wenn hochqualifizierte Lohnverrechner mit mehr als 30-jähriger Erfahrung beim besten Willen nicht wissen, wie sie die Regelungen zur Kurzarbeit umsetzen sollen, dann haben bei der Konzeption offensichtlich die Experten gefehlt.

Prof. MMag. Dr. Klaus Hilber ist Steuerberater und Landespräsident der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (KSW) Tirol. www.kws.or.at

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der COFAG, der COVID-19-Finanzierungsagentur des Bundes? Zusammenarbeit? Eine solche gibt es nicht. Die COFAG spricht nur selten mit uns. Unsere Fragen werden zwar gehört, aber grundsätzlich nicht beantwortet. Es gibt Antworten auf die so genannten FAQs. Damit sind aber längst nicht alle Zweifelsfragen geklärt. So manche Bestimmungen muten geradezu schikanös an, sind kaum umsetzbar und selbst wenn wir uns bis zum genehmigten Antrag nicht vorher schon zu Tode gerechnet haben, gilt es noch die nachträglichen Überprüfungen durchzustehen. Bei vielen Förderanträgen sehen wir aktuell, wie man diese – überspitzt gesagt – „zu Tode“ prüft. Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf das Berufsbild „SteuerberaterInnen“? Wenn sich nicht schnellstens etwas ändert, wird den Job kein junger Mensch mehr machen wollen. Dabei ist es schon längst keine Sache des Wollens mehr, die personellen Ressourcen sind erschöpft. Meine Empfehlung: Haben Sie Verständnis für Ihren Steuerberater, die Grenzen des Zumutbaren sind schon überschritten. Momentan können Arbeiten nicht in der sonst üblichen Zeitspanne erledigt werden. Welchen Ausweg sehen Sie aus diesem Dilemma? Wenn der Karren nicht eh schon verfahren ist, dann steckt er jedenfalls tief im Dreck und es ist fünf Minuten vor zwölf. Um da wieder herauszukommen, muss unsere Kammer schleunigst auf höchster Ebene gehört und eingebunden werden. Die Bundespolitik muss umdenken.


eco.recht

EIN NEW DEAL FÜR VERBRAUCHER Mit der Zielsetzung, die Verbraucherrechte in Europa zu stärken, legt die EU unter dem Schlagwort „A New Deal for Consumers“ diesmal den Fokus auf die digitale Welt und sieht eine Reihe interessanter neuer Bestimmungen vor. T E X T : I V O R U N G G , B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K

M

it der bis zum 28. November 2021 national umzusetzenden Omnibus-Richtlinie werden insgesamt vier bestehende Richtlinien geändert: die Verbraucherrechte-Richtlinie sowie die Richtlinien über die unlauteren Geschäftspraktiken, die Preisangaben gegenüber Verbrauchern sowie über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen. Dabei setzt die EU auf Transparenz und Aufklärung der Verbraucher und Erweiterung des Anwendungsbereichs der einschlägigen Bestimmungen auf digitale Inhalte, digitale Dienstleistungen und Online-Marktplätze, also Plattformen für Dritte Waren anzubieten, und deren Betreiber.

AUFLISTUNG VON ANGEBOTEN

Bei der Produktsuche in einem Webshop muss über die Hauptparameter für die Festlegung des Rankings der vorgeschlagenen Produkte sowie über die Gewichtung dieser Parameter aufgeklärt werden, um zu ersehen, warum gewisse Produkte höher gerankt werden als andere. Unternehmen müssen auch etwaige bezahlte Werbung oder spezielle Zahlungen, die dazu dienen, ein höheres Ranking der jeweiligen Produkte im Rahmen der Suchergebnisse zu erreichen, bei der Anzeige von Online-Suchergebnissen für einen Verbraucher eindeutig offenlegen.

KUNDENBEWERTUNGEN

Potenzielle Käufer empfinden zwar Bewertungen auf Plattformen und in Webshops als gute Informationsquellen, diese sind allerdings oft nicht authentisch. Dem versucht die EU mit zwei Per-se-Verboten einen Riegel vorzuschieben: Zum einen mit dem Verbot der Abgabe gefälschter Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern bzw. der Erteilung des Auftrags an andere juristi-

AUSDEHNUNG DER VERBRAUCHERSCHUTZRECHTE AUF FREIE SERVICES IM INTERNET Ausdrücklich mitumfasst von den Verbraucherschutzbestimmungen wird nun auch die freie (zugesagte) Bereitstellung von digitalen Inhalten durch Unternehmer an Verbraucher. Bis dato war die Anwendbarkeit von Verbraucherschutzbestimmungen oft an entgeltliche Verträge geknüpft.

Dr. Ivo Rungg

sche oder natürliche Personen, gefälschte Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern abzugeben. Dabei wird auch die falsche Darstellung von Verbraucherbewertungen oder Empfehlungen in sozialen Medien zum Zwecke der Verkaufsförderung verboten. Weiters wird die Behauptung, dass die Bewertung eines Produkts von Verbrauchern stamme, die dieses Produkt tatsächlich verwenden oder erworben haben, ohne dass angemessene oder verhältnismäßige Schritte unternommen wurden, um zu prüfen, ob die Bewertung wirklich von solchen Verbrauchern stammen, per se zum Wettbewerbsverstoß.

PERSONALISIERTE PREISGESTALTUNG

Algorithmen können mittels Berücksichtigung persönlicher Interessen und Vorlieben Preise für bestimmte Konsumenten oder Konsumentengruppen verändern. Nunmehr ist der Hinweis auf diese Preisgestaltung mittels automatisierter Entscheidungsfindung verpflichtend.

Die rechtlichen Möglichkeiten, als einzelner Verbraucher wegen entsprechender unlauterer Handlungen Schadenersatz zu verlangen, werden gestärkt. Nun ist in den Richtlinien auch vorgesehen, dass bei grenzüberschreitenden Verletzungen Unternehmen die schon aus dem Datenschutzregime bekannten hohen Strafen drohen, also bis zu vier Prozent des jährlichen Umsatzes oder bis zu zwei Millionen Euro, wenn der Umsatz nicht bekannt ist. Betrachtet man die steigende Bedeutung des Internethandels, sind viele der nun vorgesehenen Bestimmungen längst überfällig. Wie sie aber im Einzelnen umgesetzt werden, ist technisch teilweise noch nicht ganz geklärt – das böse Wort „Uploadfilter“ bei Bewertungen macht wieder die Runde. Auch wird eine wirksame Aufklärung von Verbrauchern über Programmlogiken bei Produktauswahl und Vorkehrungen hinsichtlich der Bewertungen auch von deren Kenntnis über Algorithmen und die Funktionsweise von Software abhängen. Zum zweiten Mal nach der Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken wird nun das österreichische Lauterkeitsrecht – traditionell ein wettbewerbsregelndes Recht unter Unternehmen – verstärkt zum Verbraucherschutzrecht umgebaut.

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KULTU

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Ein Stück vom Glück Das Glück ist ein Vogerl und im Jahr 2020 hatte es in Sachen Veranstaltungen nicht viel zu melden. Für das heurige Jahr sind die Veranstalter der Kufsteiner glück. tage jedoch optimistisch und zählen unter www.glueck-tage.com bereits die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zu Veranstaltungsbeginn. Vom 13. bis 15. Mai werden Philosoph Richard David Precht, „Baum-Guru“ und Holzunternehmer Erwin Thoma und die kultigen Science Busters in den drei Spielstätten Passionshaus Erl, Kultur Quartier Kufstein und Passionsspielhaus Thiersee ihr Stück vom Glück mit den Besucher*innen teilen. Für alle, die keinen Platz in den Sälen finden, wird an alternativen Möglichkeiten gearbeitet, um auf andere Weise dabei zu sein. Letztes Jahr hätte die Veranstaltung ihren fünften Geburtstag gefeiert – möge er heuer umso herzlicher begangen werden können. Tickets ab 32 Euro.


© TLM

eco.art

MEISTER DER RADIERUNG In der Grafischen Sammlung der Tiroler Landesmuseen finden sich rund 50 Druckgrafiken des umfangreichen Gesamtwerks Rembrandts, dessen unübertroffene Bildsprache bis heute nachwirkt. In einer kleinen Studioausstellung zeigt das Ferdinandeum bis Anfang Mai eine exquisite Auswahl. Rembrandt Harmensz. van Rijn, Selbstbildnis mit flacher Mütze und besticktem Kleid, um 1642, Radierung, 93 x 63 mm, Klassik Stiftung Weimar

© GÜNTER RICHARD WETT

Rosa Brunner, Steinskulpturen

Irmgard Hofer-Wolf, Textilobjekte

INS OFFENE Nachdem die Ausstellung des Malers Elmar Kopp in der Innsbrucker Galerie Nothburga aufgrund der derzeitigen Ausnahmesituation ein weiteres Mal verschoben werden musste und nun erst 2022 stattfinden wird, ist die Ausstellung „Ins Offene“ von Rosa Brunner und Irmgard Hofer-Wolf nun die erste Schau der Galerie im neuen Jahr. Vom 23. Feber bis 20. März 2021 sind die Werke der beiden Künstlerinnen zu sehen, die sich in ihrer Unterschiedlichkeit in einer wunderbaren Symbiose wiederfinden. So treten die textilen Arbeiten von Irmgard Hofer-Wolf in einen spannenden Dialog mit den Steinskulpturen von Rosa Brunner. Die in den letzten beiden Jahren enstandenen Textilobjekte streben dabei im wahrsten Sinne „ins Offene“ und lassen die starren Begrenzungen der früheren Werke Hofer-Wolfs hinter sich. „Mein großer Fundus an vererbtem und geschenktem Material bietet mir ständig neue Anregungen und lädt ein zu spielen und zu experimentieren“, sagt Irmgard Hofer-Wolf. Rosa Brunner indes hat eine Steinmetzlehre sowie ein Studium der Bildhauerei und Szenographie absolviert. Als Bildhauerin ist ihr bevorzugtes Material der Stein, dessen Struktur und Farbe die Aufgaben stellen und dessen Kühle einen schönen Kontrast zu den textilen Arbeiten bildet. www.galerienothburga.at

A R T E N V I E L F A LT In einem neuen Ausstellungszyklus öffnet sich erstmals langfristig ein Fenster der naturwissenschaftlichen Sammlungen im Schloss Weiherburg in Innsbruck. In enger Kooperation mit dem Alpenzoo werden die historischen Räumlichkeiten für Besucher*innen geöffnet und führen diese durch wechselnde Themenschwerpunkte. Der Präsentationsreigen beginnt mit einer Schau, die sich insbesondere neu eingewanderten und/oder eingeschleppten Tieren und Pflanzen nach der Entdeckung Amerikas, sprich den sogenannten Neobiota, widmet. Die erste Sonderausstellung „Ex & Neo“ startet (voraussichtlich) am 21. März 2021. Kuratoren sind Peter Morass und Peter Huemer.

„Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage, wovor.“ FRANK THIESS, SCHRIFTSTELLER

Anerkennung des Landes Tirol für Neues Bauen 2020: Naturparkhaus, Längenfeld, 2017–2019. Architektur: Hanno Schlögl

BAUWERKE SCHAUEN Seit 1996 zeichnet das Land Tirol gemeinsam mit Arch+Ing Tirol und Vor­ arlberg, der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs, dem Landesverband Tirol und dem aut. architektur und tirol alle zwei Jahre vorbildliche Bauten in Tirol aus. Aus den letztjährig eingereichten 75 Projekten nominierte eine Jury 18, an die schlussendlich drei Auszeichungen sowie sechs Anerkennungen verliehen wurden. So unterschiedlich alle Projekte sind, so eint viele davon ihr einzigartiger Zugang zur Erschließung der Naturlandschaft. Erfreulich für die Jury war auch, dass innovative Räume für Bildung, Kommunikation und neue Arbeitswelten entdeckt werden konnten. Die Preisverleihung wurde aufgrund der Situation in den digitalen Raum verlagert, das aut stellt die Projekte jedoch wie gewohnt – wenn auch mit Unterbrechung durch COVID-bedingte Schließungen – in ihren Räumlichkeiten im Adambräugebäude am Lois-Welzenbacher-Platz aus. Die Ausstellung ist noch bis voraussichtlich Mitte März zu sehen.

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© LAND TIROL/BERGER

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KULTUR IST IDENTITÄT „Kultur ist die ganze Lebensweise eines Volkes, alles, was das Leben lebenswert macht“, sagte dereinst der Lyriker T. S. Eliot. Kunst und Kultur sollten in einer Gesellschaft keine Randerscheinung sein, sondern verbindendes und kreatives Element. Deshalb sollen und müssen wir ihr den Raum geben, den sie verdient. Letztlich lohnt es sich für uns alle. INTERVIEW: MARINA BERNARDI


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ie Coronakrise ist wie ein Wirbelwind über quasi alle Branchen hinweggefegt. Die Kunstund Kulturszene hat sie jedoch ganz besonders getroffen. Kunst lebt von ihrem Publikum und ohne dieses wird’s ganz schnell still. Wir haben Kulturlandesrätin Beate Palfrader ein paar Fragen gestellt.

ECO.NOVA: Kultur ist ein Wirtschaftsfaktor,

aber nicht nur: Was bedeutet Kunst und Kultur für eine Gesellschaft und was wiederum macht das Fehlen von entsprechenden Angeboten mit ihr? BEATE PALFRADER: Kunst und Kultur sind für mich ein Motor für gesellschaftliche Veränderungen und ein Gradmesser dafür, welche Themen die Menschen bewegen. Sie sind ein unverzichtbares Gut unserer Gesellschaft und eine Bereicherung für das Leben jedes und jeder Einzelnen. Natürlich ist Kultur auch ein wichtiger Faktor für Wirtschaft und Tourismus, aber in erster Linie sehe ich Kultur als identitätsstiftendes Medium, das aktuelle Themen aufgreift und Brücken zwischen den Menschen baut. Dies ist in Zeiten, in denen Gewissheiten brüchig werden und gesellschaftliche Fundamente sich als fragil erweisen, wichtiger denn je. Deshalb hoffe ich, dass im Lauf der kommenden Monate wieder ein reges kulturelles Leben möglich sein wird.

Eine Wiener Künstlerin meinte kürzlich in einem Interview, das Zur-Verfügung-Stellen von Kunst und Kultur sei Aufgabe der öffentlichen Hand. Stimmen Sie dem zu? Ich würde es etwas anders formulieren: Aufgabe der öffentlichen Hand ist es, bestmögliche Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur zu schaffen und durch verschiedene Förderinstrumente die Ausübung kultureller Tätigkeiten zu unterstützen sowie allen Menschen Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Ein vielfältiges Kulturangebot entsteht aber in erster Linie durch die Kreativität und das Engagement der zahlreichen Kulturschaffenden, Vereine und Institutionen in unserem Land, die hervorragende Kulturarbeit leisten und unsere Kulturszene prägen. Vielen Kulturschaffenden wurde aufgrund der aktuellen Situation ihre Exis-

tenzgrundlage genommen. Viele Probleme kommt. Nach welchen Kriterien werden wie kaum finanzielle Reserven oder ein vom Land Tirol Fördergelder an kultuweit verbreitetes Prekariat wurden durch relle Einrichtungen, Künstler, Initiatidie Krise noch einmal deutlich(er). Was ven oder Projekte vergeben? Oder prokann man dagegen tun? Mit den vielfach vokanter gefragt: Wer/was ist es „wert“, schwierigen finanziellen sowie arbeits- und unterstützt zu werden? Die Kulturfördesozialrechtlichen Rahmenbedingungen von rung des Landes erfolgt auf Grundlage des Kunstschaffenden und KulturarbeiterInnen Tiroler Kulturfördergesetzes und der dazu befasst sich aktuell eine vom Bund initiierte erlassenen Kulturförderrichtlinien, die die Arbeitsgruppe zum Thema „Fair Pay“. Es hanFördervoraussetzungen und den Ablauf der delt sich um einen breit angelegten Prozess, Förderverfahren genau festlegen. Sowohl der VertreterInnen von bei den RechtsgrundBund und Ländern, lagen als auch bei der „Ich orte trotz aller aber auch Kunst- und wird Schwierigkeiten und Budgeterstellung Kulturschaffende und darauf geachtet, dass Verunsicherung eine alle Sparten der Kunst deren Interessenvergewisse Zuversicht, tretungen miteinbeund Kultur gleichermazieht, um gemeinsam dass es im Jahr 2021 ßen Berücksichtigung Lösungen für eine besfinden. Die Erhaltung wieder aufwärts sere rechtliche und fides kulturellen Erbes gehen wird.“ nanzielle Absicherung ist ebenso wichtig wie zu erarbeiten. B E AT E PA L F R A DER die Förderung zeitgenössischer kultureller Manche Einrichtung konnte auch schon Ausdrucksformen, was sich in der Kulturförvor der Krise ohne Fördergelder kaum derung des Landes widerspiegelt. In vieüberleben. Muss sich Kunst und Kultur len Fällen werden ExpertInnen bzw. Jurys selbst tragen können? Nein. Die Kunstzur Beratung beigezogen – etwa bei den und Kulturförderung der öffentlichen Hand Kunstankäufen des Landes, der Vergabe von dient dazu, ein vielfältiges und qualitativ Preisen oder bei Förderschwerpunkten wie hochwertiges kulturelles Angebot sicherzuKunst im öffentlichen Raum und TKI Open. stellen, und ermöglicht kulturelle Vorhaben, Sämtliche Förderungen werden im jährlich die ohne Förderung der öffentlichen Hand erscheinenden Kulturförderbericht des Lannicht oder nicht im notwendigen Umfang des veröffentlicht. Damit wird eine größtdurchgeführt werden können. mögliche Objektivität und Transparenz der Fördermittelvergabe gewährleistet. Als Außenstehender gewinnt man den Eindruck, dass der Großteil öffentlicher Welche Aufgabe soll Kulturpolitik erGelder für die Bewirtschaftung verganfüllen und wo stößt sie dabei an ihre gener Kulturschätze aufgewendet wird Grenzen? Kulturpolitik soll ein reges kulund Zeitgenössisches ein wenig zu kurz turelles Leben in allen Regionen unseres

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KULTURBERICHT TIROL 2019 AUSGABEN FÜR: Museen & Archive: 2.222.785,82 Euro Wissenschaft: 712.208,83 Euro Baukulturelles Erbe: 6.544.700,80 Euro Heimat- & Brauchtumspflege: 240.446,08 Euro Literatur: 565.021,90 Euro Bibliothekswesen: 261.557,88 Euro Musik: 3.264.908,12 Darstellende Kunst, Theater: 1.378.498,19 Euro Film, Video & Medienkunst: 303.000 Euro Kulturinitiativen, Zentren: 1.508.961,78 Euro Aus- & Weiterbildung: 1.010.715,00 Euro Erwachsenenbildung: 1.411.868,12 Euro Internationaler Kulturaustausch: 54.910,52 Euro

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Landes ermöglichen und niederschwellige Zugänge eröffnen. Große Kulturbetriebe und über die Grenzen hinaus bekannte Festivals sind ebenso wichtig wie regionale Initiativen und Projekte. Es geht darum, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich Kunst- und Kulturschaffende entfalten können und zukunftsweisende Konzepte zur Umsetzung gelangen. Auch die laufende Verbesserung der kulturellen Infrastruktur ist eine zentrale Aufgabe der Kulturpolitik. Selbstverständlich gibt es gewisse budgetäre Grenzen, aber neben der monetären Unterstützung ist mir auch die Schärfung des Bewusstseins für den hohen Stellenwert von Kultur in unserer Gesellschaft und die Schaffung der notwendigen Freiräume ein wichtiges Anliegen. Wie nehmen Sie die Stimmung in der Kunst- und Kulturwelt in Tirol aktuell wahr? Die aktuelle Situation ist für uns alle sehr herausfordernd. Der Kunst- und Kulturbereich ist von der Coronakrise stark betroffen und insbesondere freischaffend tätige Personen haben kaum Auftritts- und Einnahmemöglichkeiten. Wir haben seitens des Landes rasch reagiert und bereits im April 2020 erste Corona-Soforthilfemaßnahmen für den Kulturbereich beschlossen. Im Lauf der letzten Monate sind weitere Sonderförderungen hinzugekommen, um die Auswirkungen der Pandemie auf den Kunst- und Kulturbereich abzufedern und Kunstschaffende in dieser schwierigen Zeit bestmöglich zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise die Arbeitsstipendien, die Neustart-Förderung und der Digitalisierungsschwerpunkt. Diese Maßnahmen werden sehr gut angenommen und wir

„Ich hoffe, dass im Lauf der kommenden Monate wieder ein reges kulturelles Leben möglich sein wird.“ B E AT E PA L F R A DER

bekommen viele positive Rückmeldungen. Dank der Kreativität und Flexibilität der Kulturschaffenden sind auch zahlreiche neue Angebote im digitalen Raum entstanden. Außerdem wurden die COVID-Sonderförderungen des Landes bis Ende 2021 verlängert. Aus diesem Grund orte ich trotz aller Schwierigkeiten und Verunsicherung eine gewisse Zuversicht, dass es im Jahr 2021 wieder aufwärts gehen wird.

Können Sie nachvollziehen, dass sich viele Kulturschaffende von der öffentlichen Hand wenig beachtet oder vernachlässigt fühlen (nach der ersten Welle wurden z.B. Sportveranstaltungen wieder zugelassen, Baumärkte durften öffnen, Kultur aber nicht)? Mangelnde Planungssicherheit und existenzielle Sorgen sind für viele Kulturschaffende sehr belastend und führen zu Frustration und Zukunftsängsten. Aus zahlreichen persönlichen Gesprächen mit Kulturschaffenden habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass die raschen und umfassenden Corona-Hilfsmaßnahmen des Landes Tirol sehr positiv wahrgenommen werden und durchaus ein Vertrauen in die Unterstützung seitens des Landes gegeben ist. Haben Sie 2020 etwas über den Kulturbetrieb erfahren, das Ihnen davor so noch gar nicht bewusst war? Die Institution der

Kulturbeiräte, mit denen wir auch in Nichtkrisenzeiten in regelmäßigem Kontakt sind, hat sich in dieser Krise besonders bewährt, was mich schon ein wenig mit Stolz erfüllt. Es findet ein sehr intensiver Austausch zwischen den Kulturschaffenden, der Verwaltungsebene und den politisch Verantwortlichen von Stadt, Land und Bund statt, der von allen Beteiligten sehr geschätzt wird. In Krisenzeiten sind Begegnungen auf Augenhöhe und konstruktive Gespräche wichtiger denn je, um gemeinsam gute Lösungen zu erarbeiten und die Hilfsmaßnahmen möglichst treffsicher zu gestalten. Diese enge Abstimmung möchte ich auch in Zukunft fortsetzen. Mit welchem Gefühl sehen Sie dem neuen Jahr entgegen? Ich gehe mit Optimismus in das neue Jahr. Zwar werden uns die kommenden Monate noch einiges abverlangen, ich bin aber zuversichtlich, dass wir mit einer rasch wachsenden Immunisierungsrate in der Bevölkerung bald wieder ein einigermaßen normales Leben führen werden. Dazu zählt selbstverständlich ein lebendiges und vielfältiges kulturelles Angebot. Ich werde mich weiterhin mit ganzer Kraft für den Kunst- und Kulturbereich einsetzen, damit wir die Folgen der Pandemie rasch überwinden und eine positive Weiterentwicklung Tirols als Kulturland ermöglichen.


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MOBILITÄ

auto & motor

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Spitzenathlet Mit „EQ“ hat Mercedes-Benz sozusagen eine eigene Submarke für Elektromobiltät geschaffen und bietet nebst einem familienfreundlichen Van und sportlichem SUV mit dem EQA nun auch ein vollelektrisches Auto im kompakteren Format. Progressiver Luxus für die neue Generation sozusagen. Und sportlich noch dazu. Der „Elektro-Ästhet“, wie ihn die Sterne selbst nennen, bietet 190 PS Systemleistung, erreicht die 100-km/h-Marke aus dem Stand in 8,9 Sekunden und Höchstgeschwindigkeiten von 160 km/h. Nach WLTP kommt der EQA mit voller Batterie bis zu 426 Kilometer, in 30 Minuten sind mittels Schnellverfahren 80 Prozent Batterieladung erreicht. Auch optisch lässt der Neue Mercedes-gewohnt nichts anbrennen und präsentiert sich außen wie innen chic und solide. Der Einstiegspreis liegt bei rund 50.000 Euro.


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RRRRRRRR ... Wunderschön liegt er da und schnurrt beim Fahren wie ein Kätzchen: Der Jaguar XF (nebst Limousine auch als Kombi erhältlich) ist der Inbegriff britischen Understatements. Ins neue Jahr geht das Modell mit gewohnt selbstbewusstem Exterieur sowie einem komplett neuen und dezent luxuriösen Innenraum samt nahtlos integrierten, vernetzten Technologien. Jaguar-Designdirektor Julian Thompson ist jedenfalls zufrieden: „Einfach gesagt ist die XF-Kabine ein sehr angenehmer Aufenthaltsort zum Wohlfühlen.“ Neben zwei Zweiliter-Vierzylinder-Turbo-Benzinern mit 250 bzw. 300 PS gibt es den neuen XF erstmals auch mit Mild-Hybrid-Technologie kombiniertem Dieselmotor mit 204 PS. Alle Varianten sind mit einem Achtstufen-Automatikgetriebe ausgestattet. Der neue Jaguar XF ist so wie sein Sportbreak quasi auslieferungsbereit und startet bei knapp unter 50.000 Euro.

A L LTA G S S P O R T L E R

CRISS CROSS Mit dem neuen Eclipse Cross weitet Mitsu­ bishi sein Plug-in-Hybrid-Angebot weiter aus. Gleichzeitig wurde das Design des Modells überarbeitet, wenngleich es seine Ecken und Kanten behalten durfte. Trotz seiner optischen Robustheit kommt das SUV kompakt und vor allem im Inneren richtig elegant daher. Und auch die Serienausstattung kann sich sehen lassen, zu der ab sofort ein 8-Zoll-SDA-Infotainmentscreen gehört. Insgesamt kommt der Eclipse Cross Plug-inHybrid auf eine Systemleistung von 188 PS, rein elektrisch fährt man bis zu 45 Kilometer. Ab sofort bestellbar ab 34.745 Euro.

Vorbei sind die Zeiten, als es Limousinen, Kombis, Coupés und Cabrios gab. Mittlerweile scheint fast jedes Modell seine eigene Typenbezeichnung zu bekommen. Der neue Audi Q5 Sportback jedenfalls gehört – wie übrigens auch der Mach-E von unten – zur Gattung der CUV. Er ist sohin ein Crossover Utility Vehicle, quasi ein Mischling, in dem man zwar höher sitzt, der aber doch kein Sports Utility Vehicle/SUV ist, weil er das Gelände nicht ganz so gern mag. Was egal ist, weil man da selbst mit einem SUV selten hinfährt. Nach dem e-tron und Q3 ist also der Q5 Sportback das dritte CUV von Audi und als solches ebenso sportlich-schön wie praktisch und alltagstauglich. Das SUV im Coupé-Dress startet mit einem Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit 204 PS in den Markt, zwei weitere sollen ebenso folgen wie zwei Benziner und eine Plug-in-Hybridvariante. Marktstart ist noch im ersten Halbjahr 2021, die Preise beginnen bei rund 52.000 Euro.

„W E R I M M E R T U T, WA S E R S C H O N K A N N , B L E I B T I M M E R D A S , WA S E R S C H O N I S T.“ HENRY FORD

ELEKTRISCHER KRAFTLACKEL Erstmals in der 56-jährigen Geschichte von Ford Mustang ergänzt eine rein batterie-elektrisch angetriebene Variante die Modellfamilie des legendären „Pony Car“. Der fünftürige Mach-E leistet bereits in der Basisversion 269 PS und kommt laut WLTP-Norm bis zu 610 Kilometer weit. Optisch weisen die lange und kraftvoll gezeichnete Fronthaube und die markante Heckpartie mit ihren typisch dreiteiligen Rückleuchten den Mach-E zweifellos als würdiges Mitglied der Mustang-Familie aus. Auch innen und technisch präsentiert sich alles tipptopp. Die Preise beginnen bei rund 47.000 Euro, Ende des Jahres soll eine GT-Version folgen.

FOTOS (WENN NICHT ANDERS VERMERKT): HERSTELLER

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MUSTERSCHÜLER Mit dem Neubau des Volvo Cube am Langen Weg in Innsbruck setzt der Autopark ein bewusstes Statement und gibt mit ihm ein klares Bekenntnis zur Branche ab. Die individuelle Mobilität wird auch in Zukunft einen wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft haben, ist Inhaber Mag. Michael Mayr überzeugt. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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eit 19 Jahren ist Mag. Michael Mayr stark mit dem Autopark verwoben. Als er angefangen hat, lag der Umsatz bei rund 27 Millionen Euro, 2019 wurde die 100-Millionen-Euro-Grenze geknackt. Das ist das Ergebnis von konsequentem Nach-vorne-Arbeiten. Und von ganz viel Mut. Gerade dann, wenn die Zeiten herausfordernd waren, hat man im Autopark investiert. „Sanierung durch Expansion“ nennt es Mayr: „Natürlich haben wir uns bei allen Investitionen am wirtschaftlichen Umfeld orientiert – beim Neubau in Wörgl 2010 ebenso wie dem Zukauf in Kirchdorf oder dem neuen Standort, den wir letztes Jahr in Pfaffenhofen eröffnet haben –, letztlich sind wir jedoch immer unseren eigenen Weg gegangen und haben antizyklisch investiert.“ So auch beim Volvo Cube, der derzeit in Innsbruck entsteht und dessen Spatenstich mit Mitte September 2020 just mitten in die größte Wirtschaftskrise seit dem Krieg gefallen ist. „Wir konnten glücklicherweise von der Investitionsprämie der Bundesregierung profitieren, doch auch unabhängig davon war es uns wichtig, selbst in schwierigen Zeiten einen Schritt nach vorne zu gehen. Ich glaube an die Branche und vor allem glaube ich an die Mobilität als Grundwert.“ Wir sprachen mit Autopark-Geschäftsführer und -Inhaber Mag. Michael Mayr über Volvo, Mobilität und die Zukunft.

ECO.NOVA: Der Bau des Volvo Cube in einem solchen wirtschaftlichen Umfeld ist durchaus ein Statement. Wie kam es grundsätzlich zu dieser Idee und was ist das Besondere an dem Gebäude? MICHAEL MAYR: Seit September 2019 sind wir der einzige Volvo-Händler in Nordtirol. Teil dieses Projektes war der Volvo Cube und wir sind stolz, dass wir im September letzten Jahres mit dem Spatenstich beginnen konnten. Der Rohbau wird im April fertig sein, die offizielle Eröffnung ist für den heurigen

„V O LV O S T E H T NACH WIE VOR FÜR SICHERHEIT UND L A N G L E B I G K E I T. UND DIE AUTOS SIND EXTREM SCHÖN GEWORDEN. DIE M A R K E H AT S O ZIEMLICH ALLES R I C H T I G G E M A C H T.“ M I C H A E L M AY R

September geplant. Das Besondere ist die transluzente Glasfassade. Wenn der Raum dahinter in der Nacht erleuchtet ist, schafft das auch nach außen eine einzigartige Atmosphäre, ähnlich einem Eiswürfel. Auf diesen neuen Auftritt freuen wir uns riesig. Neben einem neuen Volvo-Schauraum und einer Markenwerkstätte wird es eine Tiefgarage geben, ein Reifenlager für 9.500 Räder, ein Schulungszentrum sowie am Dach ein Auslieferungszentrum für Nutzfahrzeuge. Wie viele eigene Ideen kann man als Händler in ein solches Projekt einbringen und wie viel gibt die Marke vor? Es gibt seitens der Marke eine definierte CI, an der sich der vorwiegende Schauraum orientiert. Was

uns als Autopark auszeichnet, ist, dass wir unabhängig von der Marke immer noch ein Stück weitergehen, als uns vorgegeben wird. Wir möchten die Latte, die uns gelegt wird, nicht nur erreichen, sondern überspringen – ähnlich wie ein Musterschüler. Das Ziel ist, unsere Kunden zu faszinieren und den Mitarbeitern ein Umfeld zu bieten, in dem sie mit noch mehr Leidenschaft arbeiten. Das versuchen wir vor allem in den kleinen Details, denn natürlich müssen wir uns für das große Ganze im definierten Kostenrahmen bewegen. Doch wir wollen da und dort eine Stufe weiter- und damit optimistisch und positiv in die Zukunft gehen.

Welche Rolle spielt Volvo im Gesamtportfolio des Autopark? 1923 wurde das Autohaus von unseren Vorgängern gegründet, der Autopark ist der älteste Ford-Händler Österreichs. Damit ist die Marke fest in unserer Grund-DNA verankert. Wir haben uns weiterentwickelt und im Zuge dessen nach Ergänzungen zum bereits sehr breiten Ford-Portfolio gesucht. Zunächst kam Suzuki als Kleinwagen-Allradmarke hinzu, die gerade in Tirol hohen Zuspruch findet. Mittlerweile sind wir Österreichs größter Suzuki-Händler und höchst zufrieden mit der Marke. Was uns noch gefehlt hat, war eine Premiummarke. Volvo gehörte einst zum Ford-Konzern und war damit die perfekte Ergänzung. Heute verkaufen wir rund 5.000 Fahrzeuge im Jahr, die Hälfte davon entfallen auf die Marke Ford – Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, zirka 1.000 auf Suzuki und 200 auf Volvo. Der Rest sind Gebrauchtwagen. Der klassische Volvo galt früher als eine Art „Panzer“, nicht unbedingt schön, aber unheimlich sicher und solide. Letzteres ist er immer noch, dazu hat sich die Optik merklich verbessert. Woher kam dieser Wandel? Als sich Volvo von seiner US-Mutter Ford trennte, sind die Schweden förm-


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© RENDERWERK.AT

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108 lich aufgeblüht. Der neue Eigentümer ließ die Volvo-Leute einfach arbeiten und ihnen mehr oder weniger freie Hand, die Marke eigenständig und unabhängig zu positionieren. Damit konnte sich Volvo völlig neu erfinden. Heute ist ein Volvo die Verkörperung des skandinavischen Lebensgefühls: schlichte Kühle, geradliniges Design gepaart mit hochwertiger Verarbeitung außen wie innen. Das findet viele Fans am Markt. Die Volvo-Designer haben einen großartigen Job gemacht. Nicht umsonst ist der XC40 zu Europas Auto des Jahres gewählt worden. Vormals war die Sicherheit das markanteste Merkmal des „Schwedenstahls“ und natürlich ist das Thema noch immer fest mit der Marke verbunden, aber nicht mehr das einzige. Neben dem aufgewerteten Design setzt Volvo stark auf Nachhaltigkeit in seinem gesamten Tun. Der ökologische Fußabdruck soll gering wie möglich gehalten werden – von der Produktion über das Fahren bis hin zur Verwertung. Nach wie vor sind Volvos extrem langlebig, sparsam und durch die Elektrifizierung aller Modelle (Mildhybrid, Plug-in-Hybrid, Vollelektrisch) up to date. Sind Autokäufer heute noch einer Marke treu verbunden oder rücken andere Parameter in den Vordergrund? Es gibt

VOLVO CUBE Mitte September 2020 fand im Autopark Innsbruck der offizielle Spatenstich zum „Volvo Cube“ statt. Als alleiniger Markenbotschafter für Volvo in Nordtirol setzt der Autopark damit ein klares Zeichen für die gemeinsame Zukunft mit der schwedischen Premiummarke. Insgesamt werden in das Neubauprojekt vier Millionen Euro investiert. Ebenerdig entsteht ein Volvo-Schauraum mit direktem Zugang zum Werkstattbereich. Unterirdisch wird ein modernes Reifenlager errichtet, das bis unter den bestehenden Baukomplex hineinragt, außerdem separate Tiefgaragenplätze. Im ersten Stock entstehen zwei Schulungsräume für die eigenen Mitarbeiter, um deren Weiterbildung im eigenen Haus sicherstellen zu können. Und am Dach wird ein Auslieferungszentrum für Nutzfahrzeuge integriert.

natürlich Kunden, die Marken-gebrandet sind. Das wird oft schon im jugendlichen Alter geprägt. Auch bei Volvo gibt es zahlreiche Fans der ersten Stunde. Durch die neue Designsprache konnte die Marke jedoch viele neue Kunden gewinnen, die gewechselt sind. Volvo ist quasi das Understatement-Auto unter den Premiumprodukten. Es bietet in ganz vielen Bereichen hervorragende Qualität für den Fahrer, ohne dabei protzig oder aufdringlich zu sein. Deshalb verzeichnen wir stetig mehr Businesskunden. Letztlich ist ein Auto immer eine Sache des persönlichen Geschmacks und man wählt jenes Modell, das am besten zur jeweiligen Lebenslage passt. Ein Suzuki zum Beispiel ist der wohl verlässlichste Partner auf vier Rädern, der wird einen nie enttäuschen und man kommt überall hin damit. Der macht keine Probleme. Ford ist für mich die Marke fürs sportliche Fahren, einer leistbaren Sportlichkeit, die Ikone Ford Mustang, mein Lieblingsauto, vereint diese Eigenschaft wohl am besten. Was die Marke aber zu leisten im Stande ist, sieht man an den unzähligen Erfolgen im Rallye-Rennsport und in der Formel 1. In Kürze bekommen wir mit dem Mach-E auch einen Elektro-Mustang in unglaublich sportlichem Design und mit extremer Fahrdynamik.


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Apropos Elektro: Wir werden wir uns in zehn, 15 Jahren bewegen? Der Wunsch nach Mobilität ist bei den meisten nach wie vor tief verankert. Das merkt man in dieser Zeit, in der wir uns nur eingeschränkt bewegen können, einmal mehr. Ich selbst besitze ein paar Oldtimer, der älteste ist aus dem Jahr 1959. Alles ist noch sehr simpel gehalten, die Bremsen, das Fahrwerk, er hat sogar noch Steckfenster. Wenn man sich anschaut, wie sich die Autos in den letzten 60 Jahren entwickelt haben, dann ist das enorm. Mit den neuen technischen Möglichkeiten gehen diese Entwicklungen immer noch schneller. Ich denke, es wird künftig noch mehr Unterstützung für den Fahrer geben in Richtung vollautonomes Fahren. Das alles wird das Fahren noch sicherer machen. Und komfortabler. Man wird sich in Verkehrssysteme einklinken können und das Auto bringt einen quasi wie von selbst von A nach B. Die Branche ist innovativ und wir werden mit vielen verschiedenen Antriebsarten unterwegs sein: Elektro, Benziner, Diesel, Gas, Biokraftstoffe, Wasserstoff und was auch immer noch

kommen mag. Den einzig wahren Antrieb wird und kann es nicht geben.

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Autos werden immer technischer und hilfreicher. Trotzdem ist ein Auto in erster Linie ein emotionales Thema. Wird uns mit all den Hilfsmitteln nicht die Freude am Fahren genommen? Ja, schon ein Stück. Deshalb glaube ich, dass es zu all diesen neuen Entwicklungen auch Kunden geben wird, die – vielleicht nicht immer, aber mit Sicherheit zwischendurch – auch gerne wieder einen Schaltknüppel bedienen und kuppeln möchten. Sie wollen ein Auto fahren, das nicht alles von selbst regelt, sondern mit dem man sich anfreunden, das man kennen und verstehen lernen muss. Mein Lieblingsauto zum Beispiel ist der Mustang. Der passt für mich wie ein Maßanzug. Ich fahre ihn fast zu jeder Witterung, auch im Winter. Ich bin davon überzeugt, dass das Auto auch in Zukunft nicht zum reinen funktionellen Gegenstand verkommen, sondern weiterhin mit Emotion verbunden sein wird. Und ich hoffe auch für mich persönlich, dass es künftig noch Autos gibt, in denen ich schalten und walten und lenken kann.

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n Zeiten des Klimawandels hat auch Ford erkannt, dass ein reiner Verbrennungsmotor am Markt nicht mehr so gern gesehen wird. Dementsprechend hat man sich dafür entschieden, den Ford Explorer des Modelljahrs 2021 als Plug-in-Hybrid anzubieten – mit einem zusätzlich positiven Nebeneffekt: Zusammen mit dem Elektromotor bringt der 3,0-Liter-V6-Twin-Turbobenzinmotor eine Leistung von 336 kW/457 PS auf. Dabei kann ein maximales Drehmoment von potenten 825 Newtonmetern (!) freigesetzt werden. Diese Werte sehen nicht nur auf dem Papier gut aus, nein, denn damit beschleunigt der Amerikaner trotz eines Leergewichts von 2.466 Kilogramm in sage und schreibe 6,0 Sekunden auf Tempo 100 bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 230 km/h. Sollte der Untergrund einmal keine glatte Straße sein, sondern etwas rauer aussehen, so ist auch das für den Explorer dank sieben auswählbarer Fahrmodi kein Problem. Gewählt werden kann beispielsweise zwischen dem Standardmodus, Sport, Unbefestigte Straßen und Rutschig. Der eigentliche Vorteil eines zusätzlichen Elektromotors ist hingegen ein anderer: der niedrige Verbrauch. Zwar speichert der Akku 13,6 kWh, damit ist allerdings nur eine rein elektrische Reichweite von 42 Kilometern nach WLTP möglich. Aufgeladen werden kann dieser an einer normalen Haushaltssteckdose, an einer Wallbox oder unterwegs durch Rekuperation. In Kombination mit dem Benzinmotor lohnt sich der Elektromotor jedoch richtig. Nach Angaben des Herstellers verbraucht der Explorer damit nur 3,2 Liter auf 100 Kilometer. Dabei handelt es sich zwar um einen Für einen Preis von 80.400 Euro bekommt man einen Koloss, wie er im Buche steht – nur etwas größer. Zugegeben, nicht ganz billig. Umso erfreulicher ist es, dass der Explorer voll ausgestattet kommt. Einzig und allein die Lackfarbe und das Aussehen – sportlich als ST-Line, luxuriös als Platinum – können durch den Kunden selbst bestimmt werden.


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DURCHAUS KONKURRENZFÄHIG Wer Amerika kennt, der weiß: Dort muss alles ein wenig überdimensioniert sein. Sei es bei den Essensportionen, den Hotels oder eben den Autos. Beim neuen Ford Explorer, der gerade frisch als Plug-in-Hybrid auf den Markt gekommen ist, darf das natürlich nicht anders sein. TEXT: FELIX KASSEROLER

© TOM BAUSE

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Wert, der realistisch gesehen nur von sehr zurückhaltenden Fahrern erreicht werden kann, dennoch hat sich auch bei unserem Test wieder einmal die Nützlichkeit eines zusätzlichen Elektromotors gezeigt. Der Verbrauch lag im Durchschnitt bei knapp unter sechs Litern auf 100 Kilometer. Gesteuert werden können die verschiedenen Antriebe ganz bequem per Schalter in der Mittelkonsole. Zur Auswahl stehen vier verschiedene Antriebsmodi, darunter auch der EV-Modus.

SATT AUSGESTATTET

Die Innenausstattung fällt beim Ford Explorer abgesehen vom nicht zimperlich verwendeten Hartplastik im Cockpit (Stichwort: amerikanisch) ähnlich hochwertig aus. Angefangen bei der 12,3 Zoll großen Instrumententafel hinter dem Lenkrad über das 10,1 Zoll große Touchscreen im iPadStil bis hin zur induktiven Ladestation für das Smartphone und etlichen USB-Ports. Zu dieser breiten Serienausstattungspalette gehört außerdem ein hochwertiges Bang&-Olufsen-Soundsystem mit erstaunlichen 14 Lautsprechern. Purer Musikgenuss ist also von jedem Sitz im Auto aus garantiert und davon hat der Explorer einige mehr – genauer gesagt sieben: angefangen bei den elektrisch verstellbaren Multikontur-Vordersitzen mit Massagefunktion über die Mittelreihe, die sogar beheizt werden kann, bis zu den elektrisch aufklappbaren Rücksitzen der dritten Reihe. Der Platz geht einem also nicht so schnell aus. Wenn man die Rücksitze gestaffelt umklappt, weist der Explorer

stolze 2.274 Liter Ladevolumen auf, dies mit einer Länge von 2,14 Metern. Sofern alle Sitze aufgeklappt sind, bringt er es immerhin noch auf 330 Liter. In Sachen Technik steht der Ford Explorer seiner Konkurrenz um nichts nach. Bereits bekannt ist das SYNC3, das Handy und Auto vereint. Gesteuert wird es entweder per Touchscreen oder Sprachbefehl. Damit wird das Handy beispielsweise zum Autoschlüssel. Für den ein oder anderen mag das vielleicht noch ein wenig befremdlich klingen, bei den meisten Autoherstellern ist die Zusammenführung von Smartphone und Auto in dieser Hinsicht gängiger Standard. Natürlich hat der Explorer auch alle zeitgemäßen Fahrassistenzsysteme mit an Bord: Fords CO-Pilot360 beinhaltet sowohl eine 360-Grad-Kamera, einen Toten-Winkel-Assistenten, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage inklusive Stauassistent mit Stop&-Go-Funktion sowie einen Fahrspur-Pilot. An dieser Stelle darf ruhig erwähnt werden, dass all dies in der Serienausstattung enthalten ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis kann sich wirklich sehen lassen. Auch der Fahrspaß kommt beim Ford Explorer keinesfalls zu kurz. Sogar im Standardmodus zieht er – dank verkürztem Turboloch – richtig gut. Die gesamte Power merkt man richtig, wenn man in den Sportmodus umgeschaltet hat. Dann greift das Gaspedal enorm schnell, gemütliches Anfahren will dabei erst wieder gelernt werden. Umso genialer ist der Sound aus den vier Endrohren am Heck, die dem Auto noch einen Tick mehr Sportlichkeit ver-

leihen. Abgesehen davon fühlt man sich in dem Fünf-Meter-Koloss eher wie in einem Panzer als in einem Auto – zugegeben, einem sehr, sehr schnellen. Insgesamt ist der Ford Explorer sehr stimmig und durchaus konkurrenzfähig mit anderen Autos in seiner Klasse. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wirklich top: Für knapp über 80.000 Euro erhält man einen ansehnlichen SUV mit allerhand Technik auf dem neuesten Stand. Da kann man auch über klassisch amerikanische Standards wie Hartplastik hinwegsehen.

FORD EXPLORER PLUG-IN-HYBRID Antrieb: Allrad Leistung: 336 kW/457 PS Drehmoment: 825 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 6,0 sec Spitze: 230 km/h Testverbrauch: 5,9 Liter/100 km Spaßfaktor: 9 von 10 Preis: 80.400 Euro


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ELEKTRO-SEELE Elektromobilität ist definitiv auf dem Vormarsch. Viele Autohersteller bieten für ihre Modelle alternative Antriebsmöglichkeiten zu Benziner und Diesel. So auch Kia. Nebst dem e-Soul und e-Niro kommt heuer ein völlig neues Modell und mit ihm das erste ausschließlich für einen batterieelektrischen Antrieb entwickelte Fahrzeug der Marke.

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Elektrische Geschwisterliebe: Der e-Niro (li.) und e-Soul sind Teil einer großen Elektroauto-Offensive von Kia.

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er Markt der BEV-Modelle – gemeinhin als „Elektroauto“ bezeichnet – wird immer bunter. BEV steht für battery electric vehicle und meint Fahrzeuge, die ausschließlich über Elektromotoren als Antriebsstrang verfügen (im Gegensatz zu Hybridmodellen, bei denen der Elektroantrieb als Unterstützung bzw. Zusatz zum Verbrennungsmotor dient). Mit dem e-Soul und e-Niro hat Kia derzeit zwei Elektrovarianten im Angebot, laut der Strategie „Plan S“ des koreanischen Autobauers soll die BEV-Palette der Marke bis 2025 auf elf Modelle ausgebaut werden. Bis dahin sollen in Märkten wie Korea, Nordamerika oder Europa 20 Prozent des Gesamtabsatzes der Marke auf batteriebetriebene Fahrezeuge entfallen.

LANGSTRECKEN - STROMER

Der Kia Soul war 2009 das erste Fahrzeug einer koreanischen Marke, das den renommierten Red Dot Award erhielt. Rund zehn Jahre und Dutzende von Designpreisen später feierte die dritte Generation des Kultautos ihre Premiere. Nachdem Kia 2014 die

Elektroversion Soul EV eingeführt hat, wird das kantige Crossover in Europa nun nur noch mit Elektroantrieb angeboten und trägt den Namen e-Soul. Mit bis zu 452 Kilometern Reichweite in der Topvariante und standardmäßigem Schnellladeanschluss verfügt der e-Soul über echte Langstreckenqualitäten, zu denen auch das wirklich große Platzangebot und seine Variabilität perfekt passen. Wenn‘s schnell gehen muss, ist das Auto in rund 42 Minuten auf 80 Prozent geladen. Schon in der Basis „Titan“ ist der charakterstarke Koreaner umfangreich ausgestattet, mit den Upgrades Silber, Gold und Platin kann man sein Auto entsprechend aufhübschen. Der Einstiegspreis für die 136-PS-Version mit bis zu 277 Kilometer Reichweite liegt bei 34.990 Euro, der des 204-PS-Long-Range bei 39.390 Euro. Mit dem e-Niro macht Kia schließlich einen weiteren Schritt Richtung Elektrifizierung der Marke. Nebem dem Vollhybrid und dem Plug-in ist der rein elektrische e-Niro die dritte Variante des feschen Cross­overs. Das 136-PS-Basismodell schafft eine Reichweite von 289 Kilometern, mit dem kraft-

volleren 204-PS-Modell geht es bis zu 455 Kilometer weit, im Cityzyklus sogar bis zu 615 Kilometer. Und auch die Abmessungen zeigen sich durchaus stadttauglich. Wie der e-Soul ist der e-Niro in vier Ausstattungslevels zu haben, gestartet wird bei 36.690 Euro. Wie immer gewährt Kia eine Werksgarantie für sieben Jahre bzw. 150.000 Kilometer – auch für die Batterie.

ELEKTROZUKUNFT

Zusätzlich zu den elektrifizierten Varianten bringt Kia künftig eigenständige Modelle auf den Markt, die ausschließlich für einen batterieelektrischen Antrieb entwickelt werden und die damit noch mehr Augenmerk auf die entsprechende Fahr- und Ladeleistung legen. Den Anfang macht das Modell „CV“ (noch ein Codename), das im Spätsommer zu den heimischen Kia-Partnern kommen wird. Konkretes dazu ist noch nicht wirklich bekannt, die ersten Details lassen aber Großes vermuten: bis zu 300 PS, Allrad, eine großzügige Reichweite von bis zu 500 Kilometern und viele neue Features mit an Bord. Es bleibt spannend.


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genuss & trends

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Nachhaltigkeits-Statement Seit fünf Jahrzehnten steht der Name Zanier für robuste, hochwertige Outdoorprodukte – sommers wie winters. Wer einmal einen Zanier-Handschuh getragen hat, mag keinen anderen mehr. Seit 2019 ist das Unternehmen außerdem der erste CO2-neutrale Handschuhhersteller der Welt und baut den Anteil nachhaltiger, recycelbarer oder aus recycelten Materialien hergestellter Produkte in seinen Kollektionen laufend aus. Gemeinsam mit dem Fair-Fashion-Label Bleed Clothing hat Zanier unter anderem den multifunktionalen, veganen Outdoor-Handschuh „Bleed X Zanier“ entwickelt, der überwiegend aus Recyclingmaterialien besteht und in seinen Einzelteilen wieder dem Recyclingkreislauf zugeführt werden kann. Der einzigartige – und dabei echt stylische – Handschuh wurde kürzlich von einer 25-köpfigen, internationalen Jury unter 250 Einreichungen mit dem ISPO-Award im Bereich Outdoor Apparel und dem Special Sustainability Achievment 2021 prämiert. www.zanier.com


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EMP

© THOMAS P PESCHAK

FEH LUN G DER RED AKT ION

LESEN IST TRÄUMEN MIT OFFENEN AUGEN Im November letzten Jahres erschien mit „Ms. Molly und ihre Gentlemen“ eine wunderbare Wohlfühlgeschichte über die Liebe und das Leben sowie erfüllte und unerfüllte Träume und mit ihr der Debütroman von Karolina Putz, die mit ihrem Mann und den zwei Kids in Mils zu Hause ist. Sohnemann Maximilian war es indes auch, der die Autorin zu „Die lustigen Abenteuer des Wichtels Valentin“ inspirierte, ein zauberhaftes Buch für Kinder von drei bis fünf Jahren, das von Freundschaft, Kreativität und Lebensfreude erzählt. So viel Positivität kann man gerade in der jetzigen Zeit gut brauchen. Karolina Putz hat das Buch gemeinsam mit ihrem Sohn geschrieben und gezeichnet und spricht damit vielen Kindern aus und in die Seele. Erhältlich sind beide Bücher zum Beispiel unter www.tyrolia.at.

BUCHTIPP

DIE ERSTAUNLICHE WELT DER TIERE Die Besten der besten Naturfotografen Gerstenberg Verlag 224 Seiten, EUR 37,10

SCHÖN + GUT Mit den farbenfrohen lowBOARDS im klassischen Stil von USM Haller treibt‘s infoWERK so richtig bunt. Die minimalistische Formgebung in Kombination mit perfekter Medientechnik, verschiedenen Größen und Farben, zusätzlichem Stauraum und einem drehbaren Monitor erfreut Techniker wie Designliebhaber gleichermaßen. Das hochwertige lowBOARD mit seinen futuristischen Chromrohren verspricht High-End-Qualität für Präsentationen und das TV-Erlebnis. Infos unter www.infowerk-manufaktur.at

© PATRICK SARINGER

1965 hat das BBC Wildlife Magazine den Wettbewerb „Wildlife Photographer of the Year“ ins Leben gerufen, mit dem die besten Naturfotografen der Welt ausgezeichnet werden. 1984 schloss sich das Magazin mit dem Natural History Museum zusammen und stellte den Wettbewerb auf neue Beine. Heute gilt er als einer der renommiertesten im Bereich der Naturfotowettbewerbe. Im Schnitt werden jährlich 50.000 Fotografien dazu eingereicht, 100 davon kommen in die nähere Auswahl. „Die erstaunliche Welt der Tiere“ packt 100 Fotos der zehn besten Naturfotografen der Welt in ein Buch. Alle haben ihren ganz eigenen Blick auf die Dinge und erzählen ihre persönliche Geschichte zu den jeweiligen Bildern. Echt beeindruckend!

ALLER GUTEN DINGE ... Wer uns kennt, weiß, dass wir den „herrn Friedrich“ der Bäckerei Therese Mölk sehr mögen – innen wie außen. Der wird aus Brot von gestern gemacht, was wir ganz besonders spitze finden, und hat mit einem Walnusslikör und einem Vinschgerlbrand nun zwei Brüder bekommen. Die nachhaltigen Kreationen gibt‘s bei MPREIS, Baguette und T&G. www.therese-moelk.at

„Man muss nicht immer da anknüpfen, wo man den Faden verloren hat, sondern kann auch mal etwas Neues einfädeln.“ GERHARD UHLENBRUCK, IMMUNOLOGE UND APHORISTIKER

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MAUERN BRAUCHEN FARBE Seine ersten Dosen sprayte der Street-Art-Künstler HNRX in Innsbruck leer. Heute malt er in ganz Europa. Seit letztem Jahr wird man auch in unserer Redaktion künstlerisch empfangen. TEXT: UWE SCHWINGHAMMER

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© MARIAN KRÖLL

äppi, Brille, dunkler, kurzer Bart. Ein junger „Allerweltstyp“, möchte man meinen. Doch Farbkleckse auf seiner Kleidung verraten ihn. HNRX ist inzwischen in der europäischen Street-Art-Szene auch eine Marke. Sie steht für großflächige Bilder auf Hausmauern oder Zimmerwänden: bunt, abstrakt, plakativ, fantasievoll ....

GESCHICHTE(N)SCHREIBER

Ihren Ausgang nahm die Geschichte des Künstlers HNRX – Henrix gesprochen – vor zwölf Jahren in Innsbruck. HNRX, damals ein Teenager, hat ganze Zeichenblöcke vollgekritzelt, bis „daraus geworden ist, was es heute ist“. Einige Zeit später sprayte er sein erstes Bild auf eine Wand: „Klar habe ich das am Anfang illegal gemacht. Aber ich bin nie durch die Stadt gezogen und habe mutwillig etwas zerstört. Ich habe immer Orte ausgesucht, wo es nicht stört oder sogar einen Mehrwert bringt. Ich will den Leuten ja etwas geben.“ Aus dieser Zeit stammt auch sein Künstlername. Obwohl er heute legal malt, möchte er dennoch sein Gesicht nicht zeigen oder seinen echten Namen preisgeben. Der sei auch nicht wichtig, meint er: „Ich habe viele Kumpels, von denen ich den echten Namen nicht weiß. Aber das ist egal, in der Szene identifiziert man sich mit dem Künstlernamen.“ Im Jahr 2013 malte HNRX seine erste „legale Wand“. Von da an ging alles relativ schnell, erzählt er: „Dann kommt der Erste vorbei und sagt: Cool, magst du nicht bei mir etwas machen? Er zahlt ein bisschen etwas, der Zweite zahlt dann schon ein bisschen mehr und so ergibt sich das von selbst.“ Seit fünf Jahren ist HNRX selbstständiger Künst-

„Ich sehe ständig Wände und Orte, wo ich spüre, dass da etwas passieren kann.“ HNRX

ler und lebt davon: „Ich bin zufrieden damit. Wobei jeder weiß, dass man davon nicht reich wird.“ Heute tourt der 25-Jährige mit dem Zug – Ökologie ist ihm wichtig – durch ganz Europa: „Ich lebe eigentlich ein Vagabundenleben. Demnächst werde ich einen zweiten Wohnsitz in Hamburg haben.“ Wir freuen uns, dass er vorher noch einen Abstecher zu uns gemacht hat. Fast in jeder größeren Stadt hat er schon seine Spuren hinterlassen. Wo seine Kunstwerke entstehen, das ist für ihn eine Frage der Eingebung … und der Zustimmung der Eigentümer: „Ich sehe ständig Wände und Orte, wo ich spüre, dass da etwas passieren kann. In Gent in Belgien habe ich zum Bei-

spiel eine Wand gesehen, an der Tür geläutet und gefragt, ob ich dort etwas machen kann.“ So laufe das, wenn es keine Auftragsarbeit sei, meistens ab. Was dann entsteht, ist mehr oder weniger Zufall, beschreibt HNRX: „Meistens arbeite ich freestyle. Ich habe irgendwelche Farben dabei, mache mein Skizzenbuch auf, überlege, was es werden könnte, fange links oben an und höre rechts unten auf.“ Das sei eine sehr entspannte Arbeitsweise. Anders, wenn Auftraggeber vorher wissen wollen, wie das Bild aussieht. Dann bemüht der gelernte Innenarchitekt das Skizzenbuch intensiver. Schon seit geraumer Zeit verwendet HNRX dazu auch keine Spraydosen mehr, sondern malt mit Fassadenfarben.

DAUERHAFTER MACHER

Zu den Wänden, die alle benützen, geht HNRX schon lange nicht mehr. Dort haben die Bilder nur kurze Zeit Bestand, werden wieder übermalt oder -sprayt. Das will er nicht mehr: „Meine Intention ist ja nicht, dass ich urbane Kunst mache, ein Foto schieße und es dann in den sozialen Medien hochlade und das war’s. Und von denen, die das professionell machen, kenne ich auch keinen, der zu solchen Wänden noch hingeht.“ HNRX hat inzwischen im Raum Innsbruck und Umgebung rund 30 Wände mit dauerhaften Bildern. Außerdem malt er inzwischen auf Leinwänden, macht Ausstellungen, fährt zu Kunstmessen. Fast in jeder größeren Stadt hat HNRX schon seine Spuren hinterlassen. Wo seine Kunstwerke entstehen, das ist für ihn eine Frage der Eingebung.


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HNRX zu Gast in der Redaktion: Unser Empfangstresen hat schon viele optische Verwandlungen durchgemacht. Diese hier ist mit Abstand die spektakulärste.

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„Ich habe viele Kumpels, von denen ich den echten Namen nicht weiß. Der ist auch nicht wichtig.“ HNRX

Doch HNRX malt nicht nur selbst, er will auch andere fördern, einen Austausch herbeiführen, international bekannte Leute nach Österreich bringen. Daher veranstaltete er 2018 das erste Street-Art-Festival „Underbridge“ in der Tiroler Landeshauptstadt. Künstler aus Spanien, Deutschland und Belgien sowie er selbst malten und sprayten drei Tage lang auf Stützen der Autobahn im Süden von Innsbruck – natürlich mit Erlaubnis der Autobahngesellschaft ASFINAG. Im Jahr darauf wanderte das Underbridge nach Salzburg. 2020 muss HNRX eine Pause machen: „Ich bin schon ein Macher und würde

noch viel mehr machen, wenn ich die Kapazität hätte. Es wäre super, wenn es finanziell irgendwann reicht, ein kleines Team für die Organisation zu haben. Ich kann einfach nicht alles sein: Organisator, Geschäftsmann, Künstler.“ Obwohl HNRX inzwischen eher in den Großstädten Europas anzutreffen ist, findet er seine Heimatstadt in Sachen Street Art immer noch „sehr o.k.“: „Gemessen an der Größe von Innsbruck kann man sehr zufrieden sein mit den vorhandenen Flächen. Aber ein Spürchen mehr könnte vielleicht noch los sein.“

WO MAN HNRX IN INNSBRUCK UNTER ANDEREM SEHEN KANN: • Autobahnpfeiler bei der Feldgasse in Innsbruck • Schlossergasse, Innsbruck Altstadt • Casinos Austria, Innsbruck • R adunterführung/Kreisverkehr Anton-Eder-Straße/Olympiastraße • L eopold-Franzens-Universität Innsbruck, Durchfahrt zwischen altem Gebäude und „GeiWi-Turm“ • Egger-Lienz-Straße beim WIFI • Tyrolia-Haus/Lieberstraße


QINAO

NEUES AUS DER WACHMACHERSTRASSE Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Stress im Arbeitsalltag mag wirklich keiner. Um dagegen anzukommen und zugleich das Gehirn längerfristig zu schützen, bietet sich eine neue, pflanzliche Lösung an: Die Qinao-Dragees von R-Pharm Germany halten wach und schützen vor Stress.

nen. Die in ihnen enthaltenen Vitamine, Antioxidantien und ungesättigten Fettsäuren aktivieren den Stoffwechsel und bringen ebenfalls das Gehirn wieder in Schwung. Neben diesen drei Hauptzutaten enthält Qinao B-Vitamine und Eisen, was ebenfalls für die Energieproduktion entscheidend ist. Nicht enthalten sind Zucker, Laktose, tierische Produkte und Gluten.

WIE VIEL NEHMEN, UM ALLES GEBEN ZU KÖNNEN?

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m Arbeitsalltag gibt es gute und schlechte Tage. Das ist ganz normal. Doch steigern sich die Tage, an denen man sich schlapp, unkonzentriert und überfordert fühlt, ist es Zeit, etwas dagegen zu tun, bevor man in einer Abwärtsspirale aus Stress, Unzufriedenheit und verminderter Leistung gefangen ist. Viele greifen deshalb auf koffeinhaltige Getränke, Tabletten oder Energydrinks zurück, doch übersehen, dass diese nur kurzfristig helfen, um munter zu bleiben. Zugleich aber fördern sie Nervosität und Unruhe. Mit Qinao läuft das anders. Auf Ergebnissen der Traditionellen Chinesischen Medizin und ayurvedischen Kräutertherapie aufbauend, werden pflanzliche Inhaltsstoffe zu einer wirksamen Kombination vereint, die nicht nur länger wach und fokussiert hält, sondern

auch langanhaltend die Gehirnzellen vor Stress schützt.

SUPERKRÄFTE

Zu der Wirkung der Dragees tragen vor allem drei Wirkstoffe bei: Brahmi, Matcha und grüne Kaffeebohnen. Jede Zutat hat dabei ihre ganz eigene Superkraft. Brahmi ist gut für das Gedächtnis und die mentale Leistungsfähigkeit, da es die Kommunikation zwischen den Nervenzellen unterstützt. Durch den Neurotransmitter GABA mindert es zudem Angst und Stress. Matcha, auch als Schattentee bezeichnet, stimuliert die Gehirnfunktion, das Herz und den Kreislauf. Es regt uns also an und lässt uns nicht gleich wieder einschlafen. Noch einen zusätzlichen Aktivator für den Körper liefern reife, ungeröstete grüne Kaffeeboh-

Um die eigene Leistungsfähigkeit gezielt zu steigern, reicht ein Dragee am Tag. Knapp 60 Minuten nach der Einnahme setzt der anregende und fokussierende Effekt ein und soll bis zu acht Stunden lang anhalten. Deshalb ist es ratsam, das Dragee nicht zu spät zu nehmen – es sei denn, man möchte die Nacht zum Tag werden lassen. Nimmt man QinaoDragees über einen längeren Zeitraum, so gesellen sich weitere positive Effekte hinzu. Nach etwa acht bis zwölf Wochen Einnahme stellt sich eine stressmindernde Wirkung ein, die das Gehirn zusätzlich schützt und belastbarer für kommende Herausforderungen macht. In Kombination mit der täglichen Dosis Leistungsfähigkeit ist man somit quasi unschlagbar. Erhältlich sind die Dragees bei BIPA und Merkur. www.qinao.at PR

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MÄRCHENHAFT An einem verwunschenen Plätzchen mitten in der Altstadt von Bozen liegt ein wunderschönes Renaissanceschloss. Auf den ersten Blick scheint Castel Hörtenberg wie aus der Zeit gefallen. Nur wenige Gehminuten vom quirligen Stadtzentrum entfernt findet der überraschte Gast hier ganz plötzlich eine zauberhafte Oase der Ruhe.

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astel Hörtenberg ist noch kein Jahr offen und schon kehren Reisende bereits ein zweites oder gar ein drittes Mal in diesen historischen Ansitz zurück. Das Fünf-Sterne-Gästehaus strahlt Magie aus, hat Charakter, ist unaufgeregt lässig und kommt kosmopolitisch daher. An jedem Tag, zu jeder Jahreszeit. Selbst im Winter duftet es drinnen wie draußen nach Süden. Legt sich der erste Nebel malerisch durch den schmucken Garten, wird es erst so richtig gemütlich, der Charme vergangener Epochen macht sich breit.

HISTORISCHE KUNSTWERKS ARBEIT VOM FEINSTEN

Nichts ist beliebig hier: Antike Möbelstücke korrespondieren mit schlichtem Design und Einzelstücken aus der Kunstsammlung der Besitzer. Freigelegte Fresken treffen in den 21 Suiten des historischen Haupthauses auf Antiquitäten. Bei der Renovierung wurden Erker, Nischen und Stuckaturdecken als eigentümliche Elemente in das

Interieur aufgenommen. Die geschwungene Steintreppe verbindet drei Etagen des Schlosses und wird von einem Handlauf in originaler Schmiedeeisenarbeit geziert. Das allein schon würde genügen, um die raffinierte Atmosphäre des Ansitzes in unsere Zeit zu übersetzen. Auf der vierten Etage entstanden im ehemaligen Dachboden zwei Loft-Suiten, die mit ihren freiliegenden Holzbalken und dem offenen Raumkonzept eher an ein Industrieloft erinnern. Der Blick schweift jedoch nicht über die Dächer einer Großstadt, sondern weit über Bozen bis hin zu den Dolomiten. Im neuen Gartenflügel, der sich dezent an den historischen Teil anfügt, befindet sich neben den drei neuen Gartensuiten auch ein Spa-Bereich mit Saunen und einem Ruheraum, der den Blick auf den Garten mit ganzjährig beheiztem Pool freigibt. Die besten Voraussetzungen, in den Entspannungsmodus zu schalten und zu genießen. So einzigartig das Haus, so einzigartig ist auch das Genusserlebnis, das im

jahrhundertealten Weinkeller des Schlosses geboten wird. Neben den edlen Tropfen aus dem familieneigenen toskanischen Weingut „Ampeleia“ und anderen Schätzen aus Südtirol, Italien und der Welt verwöhnt der neapolitanische Kochkünstler Berardino Aversa die Gäste mit besonderen kulinarischen Kreationen. Angekommen in der traumhaften Atmosphäre exklusiver Privatheit wird dem anspruchsvollen Reisenden nur das geboten, was er auch möchte. Der schönste Luxus, den Castel Hörtenberg seinen Gästen bieten darf, ist die unaufgeregte Großzügigkeit eines Hauses, das es seit Jahrhunderten gewohnt ist, Menschen unterschiedlichster Kulturen und Wesensart willkommen zu heißen und ein Zuhause auf Zeit zu bieten.

CASTEL HÖRTENBERG Hörtenbergstraße 4 I–39100 Bozen

www.castel-hoertenberg.com


UNIQA TIROL

LIFES VORS TYLE ORG TIPP E-

VORSORGE AUS DER ZUKUNFT © ANDREAS FRIEDLE

So individuell und einzigartig wie Sie selbst sind auch Ihre Gene. Die Lifestyle DNA-Analyse hilft Ihnen dabei, die Ernährung den persönlichen Bedürfnissen anzupassen.

Igor Richtmann leitet das Vorsorgemanagement und den Spartenbereich der Personenversicherungen. Ihm obliegt die Führung der Projekte zu den Themen Vitalbilanz & Vitalmarketing und Implementierung des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

D

ie Lifestyle DNA-Analyse ist ein wissenschaftlich fundierter Gentest, der Ihnen zeigt, welche Lebensmittel Ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit unterstützen, wie Sie Ausdauer und Muskelkraft optimal trainieren und wo aufgrund Ihrer Genetik Ihre gesundheitlichen Chancen und Risiken liegen.

GESUNDE ERNÄHRUNG NACH DEM MASS?

Welche Nahrungsmittel sind besonders gesund? Die Antwort ist nicht für alle Menschen gleich. Eine DNA-Analyse hilft dabei, die Ernährung den persönlichen Bedürfnissen anzupassen. „Der Mensch soll sich nicht der Ernährung anpassen, sondern die Ernährung dem Menschen“ – dieses Motto ist Basis einer guten Ernährungsberatung. Denn gesunde Ernährung sollte auf die Bedürf-

nisse des Menschen abgestimmt sein. Einen Schritt weiter geht hier der Wissenschaftszweig der Nutrigenetik: Sie untersucht, wie unser Körper auf verschiedene Nährstoffe reagiert. Basierend auf den individuellen genetischen Daten kann dann die Ernährung angepasst werden – also Inhaltsstoffe gemieden werden, die für die genetische Veranlagung schädlich sind, und gesundheitsfördernde Nahrungsmittel bevorzugt werden. Menschen unterscheiden sich stark darin, wie Nahrung von ihrem Körper aufgenommen und verwertet wird. So kann die gleiche Kost bei einer Person zur Gewichtszunahme führen, während eine andere Person damit ihr Gewicht hält. Ein Nahrungsmittel als gesund oder ungesund einzustufen, funktioniert oft nicht. Vielmehr spielt es eine wichtige Rolle, wie der Körper aufgrund der genetischen Veranlagung mit den einzelnen Inhaltsstoffen umgeht.

• Gesund ernähren: Fördern Sie Gesundheit und Wohlbefinden mit einer auf Ihre Gene angepassten Ernährung. Erfahren Sie, welche Nahrungsmittel genetisch gesund für Sie sind und wie Sie Stoffwechselproblemen vorbeugen. • Effektiv entgiften: Verbessern Sie die Fähigkeit Ihres Körpers, sich von giftigen Schadstoffen wie Schwermetallen, Pestiziden und Lösungsmitteln zu befreien. Die Analyse Ihrer Gene hilft Ihnen dabei. • Ergebnisbesprechung mit dem UNIQA VITAL COACH: Wenn Sie das möchten, geht ein Gesundheitsexperte die Ergebnisse der Lifestyle DNA-Analyse mit Ihnen durch. Der VitalCoach gibt Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie diese in Ihren Alltag einbauen und umsetzen können.

DNA - ANALYSE UNTERSTÜTZT DIE GESUNDHEIT

Eine Genanalyse kann wertvolle Informationen darüber liefern, ob bestimmte Stoffe, die allgemein als gesund gelten, auch speziell für eine Person verträglich sind. Die Lifestyle DNA-Analyse kann dabei helfen, schlecht verträgliche Nahrungsmittel zu meiden und den Körper optimal mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Durch eine Analyse von über 50 Genen ist es möglich, Faktoren, die die Gesundheit und sportliche Leistung beeinflussen können, zu erkennen und die persönliche Ernährung entsprechend anzupassen. • Individuell abnehmen: Finden Sie heraus, ob bei Ihnen genetisch eher Fette oder Kohlenhydrate zur Gewichtszunahme führen und wie Sie Sport oder eine Kalorienreduktion beim Abnehmen unterstützen. Ihre Daten sind sicher: Ihre persönlichen Daten sind bestens geschützt. UNIQA oder andere Dritte haben keinen Zugriff darauf. Ihre Proben werden sofort nach der Analyse vernichtet.

UNIQA bietet ihren VitalPlan-Kunden diese innovative Leistung mit dem Ziel, die Gesundheitsvorsorge und gesunden Lebensstil zu fördern. Wenden Sie sich an Ihren Versicherungsberater oder UNIQA Vorsorgemanagement Tirol.

UNIQA ÖSTERREICH VERSICHERUNGEN AG Ing.-Etzel-Str. 9 6020 Innsbruck Team Vorsorgemanagement, Tel.: 0512/53 32 663 Leiter Igor Richtmann

www.uniqa.at

(Gesundheit / VitalPlan Vorsorge und Fitness / Lifestyle DNA-Analyse)

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© THOMAS STEINLECHNER

© WKT/DIE FOTOGRAFEN, HOLZBAU SAURER

SOZIALES ENGAGEMENT

PERSONALIA

Soziales Engagement wird bei Unterberger großgeschrieben. Mehrmals im Jahr unterstützt das Familienunternehmen zahlreiche Projekte in der Region. Zum Jahresstart freut sich der Verein DOWAS über eine Spendensumme in Höhe von 5.000 Euro für das Projekt „Chill Out“ – eine niederschwellige Einrichtung für wohnungslose Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die sich in unterschiedlichen Problemlagen befinden und Unterstützung benötigen.

ARNO WIMMER, Obmann-Stellvertreter der Immobilien- und Vermögens­treu­hän­der, wurde der prestigeträchtige Titel „Kommerzialrat“ verliehen.

Die Vorstände der Tiroler Sparkasse, Claudia Höller und Hans Unterdorfer, mit Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi

N E U G E S TA LT U N G Der Innsbrucker Sparkassenplatz wird einem sanften Umbau unterzogen. Insgesamt wird dabei auf Funktionalität und Flexibilität mit viel Freifläche gesetzt. Der Platz erhält ein neues charaktervolles Gesicht mit einem stufenlosen Natursteinboden, einem neuen Beleuchtungskonzept sowie einer Fassadenbegrünung des Sparkassengebäudes. Der Spatenstich erfolgte Anfang Feber, die Fertigstellung ist bereits für den Herbst geplant. Die Planung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Innsbruck.

MANFRED SAURER, Holzbaumeister aus Höfen im Außerfern, wurde einstimmig als Nachfolger von Karl Schafferer zum neuen Vorstandsvorsitzenden von proHolz Tirol gewählt.

© OFP KOMMUNIKATION

Infos und Möglichkeiten zur Unterstützung unter www.dowas.at

Gerald Unterberger, DOWASVereinsobmann Peter Grüner und Florian Unterberger bei der Spendenübergabe

www.sparkassenplatz.info/umbau

INVESTITION

MAX KOGLER, Inhaber der Tiroler Rohre GmbH in Hall, wurde als Obmann der Sparte Industrie der Tiroler Wirtschaftskammer gewählt und folgt Hermann Lindner nach, der 13 Jahre in dieser Funktion tätig war.

© FERIENPARADIES NATTERER SEE

IM GESPRÄC

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news & events

Mario Manzl (li.), Eigentümer und Geschäftsführer ALPE Holding, mit Bauherr Ferdi Celik, Geschäftsführer ALPE Kanal Salzburg

Um seine Marktführerschaft auszubauen, setzt Alpe Kanal auf Expansion und errichtet einen neuen Standort in Puch-Urstein in Salzburg. Insgesamt werden in das Multifunktionsgebäude samt Tiefgarage, Werkstätten, LKW-Halle und Lagerräumen fünf Millionen Euro investiert. Von hier aus sollen künftig auch die Alpe-Niederlassungen in Wien und St. Pölten betreut werden, zudem entstehen – wie im Center in Thaur – Büros zur Vermietung. www.alpekanal.at

SCHON SCHÖN 40 Campingexperten haben entschieden: Der ADAC-CampingAward in der Kategorie „Innovation & Fortschritt“ geht an das Ferienparadies Natterer See. Begründet wurde die Verleihung mit der stetigen Modernisierung und Entwicklung von neuen und innovativen Übernachtungskonzepten. Im heurigen Sommer will Firmenchef Georg Giner unter anderem schwimmende Floating Homes mit Terrasse und Whirpool installieren lassen. www.natterersee.at


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