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Schutz statt Schuld

Warum sexualisierte Übergriffe im Netz so verbreitet sind und weshalb sie oft unterschätzt werden „Wer Täter schützt ist selbst Täter“ oder „Die Scham muss die Seite wechseln“. Auf hunderten Plakaten sind Sätze wie diese am Abend des 26. März zu lesen. Tausende Menschen haben sich auf dem Hamburger Rathausmarkt versammelt – laut Veranstaltern rund 22.000 Personen. Gemeinsam mit Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes fordern sie mehr Schutz für Opfer sexualisierter Gewalt. Ausgelöst hat die Proteste eine Debatte, die inzwischen in aller Munde ist und weit über einen einzelnen Prominentenfall hinausweist. Fernandes hatte zuvor öffentlich gemacht, dass ihr Ex-Mann Christian Ulmen über Jahre hinweg intime Inhalte unter ihrem Namen verbreitet haben soll; auch KI-generierte pornografische Deepfakes stehen im Raum. Der Fall ist auf große Empörung gestoßen und hat eine Diskussion über digitale sexualisierte Gewalt entfacht - darüber, wie wir die Opfer am besten schützen können und welche Lücken die aktuelle Rechtssprechung aufweist. Die rasante Entwicklung der KI hat die Problematik zwar noch verschärft, doch gehört die Konfrontation mit digitaler Gewalt für viele Frauen bereits seit Jahren zum Alltag. Sei es durch die uner-

Bei MaVia e.V. finden von Gewalt betroffene Frauen Schutz.

Foto: Johanna Schikowsky

wünschte Publikation von Nacktbildern oder exzessives Cyberstalking. Wie verbreitet solche Erfahrungen sind, warum digitale Gewalt oft unterschätzt wird und welche Unterstützung Betroffene finden können, darüber haben Johanna Jegg und Marion Güttler mit uns gesprochen. Sie sind Beraterinnen bei MaVia e.V. in Rosenheim und Miesbach – und erleben in ihrer Arbeit mit betroffenen Frauen täglich, wie eng digitale und analoge Formen von Gewalt miteinander verwoben sind. Digitale sexualisierte Gewalt ist ein Begriff, der gerade topaktuell ist – den viele aber nicht genau einordnen können. Was fällt alles darunter? Dafür ist erst mal wichtig:

Gewalt ist etwas ab dem Moment, ab dem es nicht mehr freiwillig passiert, es also keine Zustimmung gibt und sich jemand unwohl oder bedrängt fühlt. Digitale sexualisierte Gewalt ist, wenn ein Täter mit digitalen Geräten/über das Internet im sexuellen Bereich Gewalt ausübt. Das ungefragte Versenden von Dickpicks = digitale sexualisierte Gewalt, einvernehmliches Sexting = keine Gewalt. Aktuell ist bezüglich dem Fall Fernandes vor allem der Begriff „Deepfake“ in aller Munde – das ist, wenn jemand mit Hilfe von KI und einem Foto einer Person künstliche Pornovideos erstellt. Neben digitaler sexualisierter Gewalt gibt es noch viele weitere Formen von digitaler Gewalt, zum Beispiel Cyberstalking, also das unfreiwillige Tracken vom Standort einer Person.

Wie häufig erleben Sie in Ihrer Arbeit bei MaVia e.V., dass Frauen von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen sind? Hat die Zahl der Fälle in den letzten Jahren durch die Nutzung von KI zugenommen? Tatsächlich ist sexualisierte digitale Gewalt bei uns sehr selten Thema. Das ist erstaunlich, denn zum Beispiel die Hate Aid Studie von 2024 zeigt, dass 67,2% der Frauen zwischen 18-27 Jahren mindestens einmal digitale sexualisierte Gewalt, also zum Beispiel das ungewollte Zusenden von Nacktbildern, erlebt haben. Es scheint fast zur Normalität zu gehören, dass junge Frauen diese Erfahrung machen. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung. Digitale Gewalt allerdings ist nahezu alltäglich Thema bei uns in der Beratung und wird immer mehr. Also zum Beispiel Cyberstalking - das kann sein, dass ich von meinem Partner gezwungen werde, meinen Standort freizugeben, damit er immer sehen kann, wo ich bin. Das lässt sich leicht mit Romantik rechtfertigen: „Er sorgt sich eben sehr um mich“. Wichtig ist: Wenn ich den Standort nicht freiwillig freigebe, dann ist es Gewalt. Zudem entwickelt sich die digitale Welt sehr schnell und damit auch die Möglichkeiten,

Viele denken bei Gewalt gegen Frauen zuerst an körperliche Übergriffe für sie klingt digitale Gewalt dann eher „harmlos“. Warum ist digitale Gewalt ein ebenso ernstes Problem? Dazu muss man sagen, dass Gewalt neben digitaler und physischer Gewalt noch viele weitere Formen annehmen kann: psychische Gewalt, soziale Gewalt, finanzielle Gewalt, auch kontrollierendes Verhalten ist Gewalt. Jede dieser Gewaltformen lässt die Betroffenen nicht frei leben und ist damit ein ernstes Problem. Selten tritt eine Gewaltform isoliert auf, meistens sind es mehrere Formen gleichzeitig. So ist es auch bei digitaler Gewalt. Wenn mich also mein Partner zum Beispiel dazu zwingt, meinen Standort am Handy für ihn dauerhaft freizugeben, dann ist das digitale Gewalt aber auch kontrollierendes Verhalten und psychische Gewalt. Besonders an digitaler Gewalt über das Handy ist, dass man dieses immer bei sich trägt. Man kann also nur schwer davor „fliehen“. Außerdem beziehen wir uns vor allem auf Partnerschaftsgewalt, neben dieser kommt Gewalt auch in anderen Beziehungen vor. Fortsetzung auf Seite 2

Familien-App für den Landkreis Rosenheim freigeschaltet

Künstlich Küns he Knie- und Hüft Hü üftgele enke mit Robotik

Informationsveranstaltung (kostenfrei)

Künstliche Intelligenz revolutioniert die orthopädische Chirurgie: Das Gelenkzentrum der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen setzt das Robotiksystem CORI der Firma Smith+Nephew seit über drei Jahren bei Knieund Hüftprothesen ein. Die robotergestützte Vermessung ermöglicht eine präzisere Anpassung an die individuelle Anatomie. Dies verbessert die Funktion und Standhaftigkeit der Endoprothesen und steigert somit auch die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten. Unsere kostenfreie Informationsveranstaltung ermöglicht es Interessierten, dieses Hightechverfahren durch Vorträge und praktische Demonstration kennenzulernen. ▶ Mittwoch, den 15. April 2026, von 18:30 bis 20:30 Uhr Schön Klinik Bad Aibling Harthausen Kolbermoorer Straße 72 | 83043 Bad Aibling ▶ Um Anmeldung bis zum 13. April 2026 wird gebeten unter: AIB-Ortho-Chefarztsekretariat@schoen-klinik.de Weitere Informationen zum Programm der Veranstaltung finden Sie auf unserer Website: www.schoen-klinik.de/ bad-aibling-harthausen

Fortsetzung auf Seite 2

Energie sinnvoll genutzt ............... S. 5

digitale Gewalt auszuüben.

Neue Familien-Plattform Termine zu ElternKind-Gruppen, zu Vorträgen, Workshops oder offenen Treffen, zu Beratungsund Hilfsangeboten in der Region für Familien sind ab sofort gebündelt auf einer digitalen Plattform zu finden. In der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses haben Landrat Otto Lederer, die Leiterin des Kreisjugendamtes Sabine Stelzmann und Familienbildungs-Koordinator Frank Wiens die Plattform familienleben.landkreis-rosenheim.de/ offiziell freigeschaltet.

Diese Woche im

Landrat Otto Lederer, Kreisjugendamt-Leiterin Sabine Stelzmann und Familienbildung-Koordinator Frank Wiens schalten die Familien-App symbolisch mit einem Buzzer frei.

Ganzheitliche Gesundheit .............. S. 6

Wichtiger Hinweis Wegen der Ostterffeiierttage wurde der Anzeigen- und Redaktionsschluss vorverlegt. Für die echo-Ausgabe, 08.04.2026 ist dies bereits der Mittwoch, 01.04.2026, 17 Uhr.

ZÄHNE VOR!

Mit uns immer einen Schritt voraus. SALINSTRASSE 11 – 83022 ROSENHEIM – T 08031 128 83 – INFO@SALIN11.DE – SALIN11.DE


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