/ 4' !;
t
DAS NE UE EUROPA
EUROPAS WIRTSCHAFTSFREIHEIT VON GERHARD GEBHARDT
<T: ! *.
S C H R IF T E N R E IH E DER G E S E L L S C H A F T FÜ R E U R O P Ä ISC H E W IR T S C H A F T S P L A N U N G UND G R O SSR A U M W IR T SC H A FT E.V., B E R LIN
SCHRIFT 5
&9ä$v:..
Europas Wirtschaftsfreiheit
;
Europas Wirtschaftsfreiheit Von G e rh ard G e b h a rd t
D A S N EUE E U R O P A Schriftenreihe d e r Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft e. V., Berlin
Schrift 3
Verlag Glückauf GmbH., Essen
1941
Inhalt 1. Geleitwort von Werner Daitz *................................ 3. Innereuropäische Wirtschaftsverflechtung /
. . . .
7 11
4. Der bisherige Austausch mit Ü b e r s e e ...................
19
5. Europa und das britische R ohstoffkartell...............
39
6. Die europäische Rohstoffbilanz
............................. ’ 4£
7. Der Weg zur W irtschaftsfreiheit.............................
57
8. Statistischer Anhang
69
...............................................
Di e Zahlen in diesem Buch sind entnommen:
,
Stat. Jahrbuch für das Deutsche Reich Stat. Veröffentlichungen des Völkerbundes Int. Agrarwirtschaftliches Institut in Rom Spezialhandbücher des Bergbau-Vereins, Essen Gruppe Nordwest der Wirtschaftsgruppe Eisen schaffende Industrie Metallgesellschaft, Frankfurt a. M.
Geleitwort Die Schrift „Europas Wirtschaftsfreiheit“ ist, wie mir der Verfasser mitgeteilt hat, auf Grund der Anregungen entstanden, die er aus meinen Vorträgen und Schriften seit Jahren empfangen hat. Der „ Ru h r u n d R h e i n W i r t s c h a f t s z ei t u ng“, deren Schriftleitung der Verfasser an gehört und in der die zu dieser Schrift zusammengefaßten Aufsätze erschienen sind, kommt das Verdienst zu, daß sie diesen Fragenbereich untersucht und zur Erörterung ge stellt hat. Dieses kleine Buch ist von grundlegender. Bedeutung. Denn hier wird zum ersten Male der geglückte Versuch unternommen, auch statistisch die Wirtschafts- und Lebens kräfte Europas in der europäischen Großraumwirtschaft zu erfassen. Hieraus ergibt sich dann die Notwendigkeit, auch die übrigen in der Bildung begriffenen außereuropäischen Groß raumwirtschaften in Ziffern zu fassen und ebenfalls als n a t ü r l i c h e L e b e n s r a u m w i r t s c h a f t e n , die an erster Stelle aus eigenem Raum und aus eigener Kraft ihrer Völker zu leben vermögen, vor unseren Augen erstehen zu lassen. Es ist damit von dem Verfasser in privater Arbeit eine der dringlichsten Aufgaben unserer Zeit auf wirtschafts politischem Gebiet erfüllt worden, die von dem großen wirtschaftswissenschaftlichen Apparat in Deutschland und im Ausland bisher nicht geleistet wurde. U n d z w a r deshalb, weil Ziel und N o t w e n d i g k e i t e i n e r europäischen wirtschaftlichen Selbstän digkeit bisher üb erh au p t nicht erkannt w u r d e n .
Dieses kleine Buch wird kein Wirtschaftswissenschaftler unbeachtet lassen können. Einem jungen Nationalsozialisten, der die Lehre der nationalsozialistischen Revolution auf wirtschaftlichem Gebiet in sich aufnahm, gebührt hier die Priorität.
Dazu noch einige kurze ergänzende Bemerkungen: Wie ich schon seit vielen Jahren darlege, besteht der Sinn der gegenwärtigen Weltrevolution, die 1914 mit Beginn des Weltkrieges in ihr kritisches Stadium eintrat, darin, daß sich die Welt wieder in biologisch gebundene Lebensräume aufteilt. Sechs lebensräumliche Ballungszen tren sind heute schon politisch, wirtschaftlich und kulturell voneinander unterscheidbar: 1. der ostasiatische Lebensraum mit einer Bevölkerung von rd. 560 Millionen; 2. der indisch - malaiische Lebensraum mit rd. 520 Millionen; 3. der europäische Lebensraum mit rd. 530 Millionen; 4. der afrikanische Lebensraum mit rd. 160 Millionen; 5. der nordamerikanische Lebensraum mit rd. 185 Millionen und 6. der von ihm deutlich unterscheidbare südamerikanische mit rd. 95 Millionen. Die besonderen Rasseeigentümlichkeiten der beiden amerikanischen Lebensräume sind erst in der Entwicklung begriffen. Durch die bewußte Einwanderungsbeschränkung werden sie sich in den nächsten Generationen immer schärfer ausprägen und voneinander absetzen. Diese sechs Lebensräume stehen nun insofern in einem interessanten Verhältnis zueinander, als die nördlich ge legenen — wohl infolge ihrer härteren Lebensbedin gungen — die stärkeren politischen und wirtschaftlichen Gestaltungskräfte gegenüber den südlicher gelegenen ent wickeln. So findet der ostasiatische Lebensraum als ost asiatische Großraumwirtschaft seine tropische Ergänzung an erster Stelle in dem politisch und wirtschaftlich weniger aktiven indisch-malaiischen Lebensraum, die europäische Großraumwirtschaft im afrikanischen Erdteil, während der nordamerikanische und der südamerikanische Lebensraum trotz ihrer geographischen Zugeordnetheit zwei biologisch und wirtschaftlich völlig voneinander getrennte Lebens räume darstellen. An zweiter Stelle erst stehen neben den vorherrschenden nord-südlichen Ergänzungstendenzen der drei großen doppel-
räumigen Gruppen ihre Querverbindungen. Diese bieten dann die letzten wirtschaftlichen Ergänzungsmöglichkeiten als die neue Form der Weltwirtschaft. Zwischen diesen sechs L e b e n.s r a u m w i r t s c h a f t e n und ihren sich immer mehr festigenden natürlichen Beziehungen untereinander wird das künstliche Gebilde des englischen Weltwirtschaftssystems endgültig zerrieben. Da die V ö l k e r f a m i l i e n der sechs unterschiedlichen Lebens räume ihre ewigen Geburts- und Wiedergeburtsräume nicht auf die Dauer verlassen können, ohne zu e n t a r t e n oder u m z u a r t e n , liegt in dieser Neuordnung der Welt zu gleich auch die Grundlage ihrer politischen und wirtschaft lichen Befriedung. Denn die Lebensraum-Idee wirkt in poli tischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicnt deshalb in natürlicher Weise befriedend, weil sie naturgesetzlich an Volkstum, Rasse und Boden gebunden ist und daher nicht willkürlich und imperialistisch gehandhabt werden kann. L e b e n s r a u m g e g e n I m p e r i a l i s m u s ist also das neue Prinzip der Weltordnung. Das englisch-amerikanische Weltwirtschaftssystem war auf ständigen Eingriffen in die natürlichen Lebensraumwirtschaften aufgebaut, während die nationalsozialistische Lehre von der Lebensraumwirtschaft zu einer zwanglosen Ordnung führt. Wenn nun heute hier und dort reine Gelehrsamkeit sich bemüht, die neu geschaffenen Begriffe: G r o ß r a u m w i r t s c h a f t und L e b e n s r a u m w i r t s c h a f t zu ver drehen in „wirtschaftliche Großräume“ oder „wirtschaftliche Lebensräume“, so beweist dieses Unternehmen, daß man den Sinn der neuen Welt- und Wirtschaftsordnung noch nicht erfaßt hat; denn „wirtschaftlicher Großraum“ und „wirtschaftlicher Lebensraum“ sind lebenswidriger Unsinn. Diese Eigenbrötelei hat im übrigen noch darin ihren Grund, daß man die von mir seit vielen Jahren vorher gesagte Entwicklung einmütig bekämpft oder nicht beachtet hat, nun aber, nachdem sie Realität geworden ist, mit anderen Namen für sich zu beanspruchen sucht. Aber die Geschichte ist unbestechlich und wird alle Dinge nach ihren natürlichen Gewichten wägen. Februar 1941.
W e r n e r Dai tz.
V
Innereuropäische Wirtschaftsverflechtung
Wenn man die Zukunftsmöglichkeiten einer europäischen Groß raumwirtschaft ermessen will, dann muß man zuyor über den bisherigen Aufbau der europäischen „Binnen wirtschaft“ klar sehen. Wie aus jedem statistischen Hand buch hervorgeht, weisen auch heute noch — trotz der 400jährigen Vernachlässigung der europäischen Binnenwirt schaft — die Außenhandelszahlen der europäischen Länder eine stärkere V e r f l e c h t u n g mi t d e m K o n t i n e n t auf als mit irgendeinem anderen Erdteil oder Großraum. Die einzige Ausnahme machte bisher Großbritannien, eben weil es das europäische Land ist, das sich am stärksten aus der Lebensgemeinschaft der Völker des Festlandes entfernt und statt dessen einen eigenen Großwirtschaftsraum aufzu bauen versucht hat. Aus dieser starken innereuropäischen Wirtschaftsver flechtung kann man die Berechtigung ableiten, auch im Rückblick auf den bisherigen Zustand zwischen einer euro päischen B i n n e n w i r t s c h a f t und einem europäischen A u ß e n h a n d e l zu unterscheiden. Folgerichtig muß man dann allerdings auch den Warenaustausch zwischen den einzelnen europäischen Ländern zur Binnenwirtschaft zählen und im europäischen Außenhandel, ebenso wie im Welthandel — im Gegensatz zu der bisher allgemein üb lichen statistischen Betrachtungsweise — den innereuro päischen Warenaustausch außer Ansatz lassen. Ohne künf tigen politischen Entwicklungen damit vorgreifen zu wollen, kann in einem solchen Rahmen auch der B e g r i f f E u r o p a nicht zu eng gefaßt werden. Im folgenden ist daher unter Eu r o p a , soweit nicht ausdrücklich anders gesagt, immer d er ganze Erdtei l ei nschl ießli ch der Br i t i s c h e n I n s e l n und d e r S o w j e t u n i o n zu v e r s t e h e n . Durch den deutsch-russischen Vertrag ist Rußland erst recht zu einem Gliede Europas geworden. Um in jedem Falle die Ver gleichbarkeit der Zahlen sicherzustellen, ist im allgemeinen das Jahr 1937 als Vergleichsgrundlage gewählt worden. Durch die Neuordnung Europas sind die Verhältnisse dieses Jahres natürlich in vielen Punkten überholt, aber sie sind 11
die G r u n d l a g e , auf der der Neubau errichtet wird. Die Rückschlüsse auf die Zukunft ergeben sich aus dem Erkennen der Fehler und Schwächen der Vergangenheit zumeist von selbst. Natürliche europäische Wirtschaftseinheit Wer nicht gewohnt ist, Europa als Ganzes zu be trachten, der wird zunächst erstaunt sein, wie sehr alle europäischen Länder auf den Erdteil selbst als eigent liche Grundlage ihrer Wirtschaft angewiesen sind. Von der Gesamteinfuhr aller europäischen Länder kamen vor dem europäischen Kriege rd. 53 v. H. aus den Ländern des Erdteils selbst. Von der Ausfuhr blieben sogar fast 65. v. H. in Europa. Der Unterschied zwischen dem Anteil der Ein-und Ausfuhr am gesamten europäischen Binnenhandel zeigt deutlich die voraufgegangene Entwicklung. E u r o p a h a t t e b i s h e r mi t d e r ü b r i g e n W e l t e i n e p a s s i v e Ha n d e l s b i l a n z , weil der Kontinent in den letzten Jahr hunderten mehr und mehr dazu übergegangen war, aus frem dem Boden zu leben. Noch klarer wird das Bild, wenn man den Außenhandel der wichtigsten europäischen Länder auf seine Verflechtungen mit dem europäischen Raum und der übrigen Welt untersucht. Das Zahlenverhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr, das sich im gesamteuropäischen Binnen handel ergibt, trifft auch im Durchschnitt auf den Außen handel der einzelnen Länder mit dem Kontinent zu. So kamen beispielsweise von der deutschen Einfuhr im Jahre 1937 (einschließlich Österreich) etwa 58 v. H. aus euro päischen Ländern. Von der deutschen Ausfuhr gingen aber gleichzeitig fast 71 v. H. in europäische Länder. Für das Gebiet der früheren Tschecho-Slowakei war das Verhältnis 61 v. H. zu 74 v. H.; bei Polen 64 v. H. zu 81 v. H. Bei Frankreich entfielen auf den europäischen Binnenhandel rd. 40 v. H. der Einfuhr und 54 v. H. der Ausfuhr; die An teilzahlen sind zwar niedriger, aber das Verhältnis ist doch auch hier das gleiche. Von der englischen Aus- und Einfuhr kamen dagegen nur jeweils rd. 35 v. H. auf den europä ischen Binnenhandel. Bei einer Betrachtung des europäischen Binnenhandels von diesem Standpunkt aus ist vor allem auffällig, daß die hochentwickelten Industrieländer des Westens einen erheb lich geringeren Teil ihres Außenhandels in Europa ab wickelten als die europäischen Agrarländer, von deren Außenhandelsumsatz — namentlich bei den Ländern des 12
Südostens und Ostens — teilweise 90 und mehr v. H. auf Europa entfallen. Trotzdem gibt es kein Land in Europa — von England abgesehen —, das nicht mit mehr als der Hälfte seines Umsatzes in Europa verankert wäre. Bei Frankreich ist allerdings die Einschränkung zu machen, daß von seiner Einfuhr nur gut 40 v. H. auf Europa ent fallen. Das erklärt sich daraus, daß Frankreich dasjenige Land ist, das bisher den höchsten Umsatz mit Afrika hatte. Bezieht man übrigens A f r i k a und den N a h e n O s t e n mit in den europäischen Großwirtschaftsraum ein, was in Anbetracht der wirtschaftlichen Zugehörigkeit dieser Ge biete eigentlich selbstverständlich ist, dann umfaßt der Binnenhandel Europas sogar mehr als 60 v. H. der Einfuhr und etwa 75 v. H. der Ausfuhr. Wenn man die Schlußfolgerungen aus diesen rein sta tistischen Erkenntnissen zieht, dann ergibt sich, daß sich die europäische Binnenwirtschaft trotz aller Hinwendung zur Weltwirtschaft bisher noch eine Stärke bewahren konnte, die den Erdteil ganz von selbst zu e i n e m e i n h e i t l i c h e n W i r t s c h a f t s r a u m stempelt. Anteil des europäischen Binnenhandels am Außenhandel der Länder In v. H. 1937 Dautsches Reich (m, Octerr.) eh. Tschecho-Slow. eh. Polen—Danzig . A lb an ien .............. I t a l i e n ................. Belgien—Luxembg. Bulgarien.............. Dänemark . . . . E stland ................. F in n la n d .............. Frankreich . . . 1 Griechenland . . . Großbritannien Irland.................• Island....................
Einfuhr Ausfuhr 58,30 60,78 63.96 86,67 54,87 57,28 95,71 87,35 80,00 77,83 40,24 79,33 35,03 67.96 93,10
70,60 74.08 81.08 87.50 50.15 70,85 92.16 94,11 94,44 81,96 54,32 74,67 35,69 97,15 87.50
1937
Einfuhr Ausfuhr
Jugoslawien . . . L e ttla n d .............. L itauen................. Niederlande . . . . Norwegen .............. P o r tu g a l.............. Rumänien.............. Schweden.............. S c h w e iz .............. Spanien................. T ü r k e i................. U n g a rn ................. UdSSR....................
84,64 90.43 81,25 96,05 88,76 94,25 61,18 73,62 73,75 75,64 66,92 64,23 90.90 89,94 67,16 • 75.18 75,37 71,72 86,12 70,03 76,11 80,67 89,40 89,58 53,06 76.44
Gesamt-Europa . .
52,94
64,50
Sonderstellung Englands Eine weitere wichtige Erkenntnis, die sich aus den Zahlen entnehmen läßt, ist die aus dem Rahmen heraus springende Stellung Englands. Mit kaum mehr als einem Drittel seiner gesamten Ein- und Ausfuhr ist Großbritannien bisher in Europa verwurzelt gewesen. Diese Sonderstellung wiegt um so schwerer, als Großbritannien einen umfang reicheren Außenhandel hatte als jedes andere europäische 13
/
Land. M e h r al s a l l e a n d e r e n F e s t l a n d s t a a t e n hat sich England f r ü h z e i t i g aus d er e u r o p ä i s c h e n G e m e i n s c h a f t g e l ö s t , und gleich zeitig hat es die ideenmäßig damit zusammenhängende Loslösung von seinem eigenen Grund und Boden vor genommen. England war stets d e r H ä n d l e r u n t e r de n e u r o p ä i s c h e n L ä n d e r n . Wenn man diesen Grund zug der englischen Wirtschaft zusammenfaßt mit der Stel lung, die England in den letzten Jahrhunderten in der Finanzwirtschaft der Welt eingenommen hat, und wenn man gleichzeitig die Rolle der Juden im englischen Wirtschaftsleben kennt, d a n n s c h e i n t es n i c h t w e i t e r v e r w u n d e r l i c h , da ß v o n E n g l a n d d e r s t ä r k s t e Ant r i eb z u r Auf l ös ung der e u r o p ä i s c h e n W i r t s c h a f t s g e m e i n s c h a f t a u s g e g a n g e n i st , und daß das Inselreich bis zuletzt mit allen ihm zur Verfügung stehenden militärischen, politischen und wirtschaftlichen Mitteln versucht hat, jede europäische Einheitsbestrebung schon im Keime zu ersticken. Die natürliche Führerstellung Deutschlands Ist bisher der europäische Binnenhandel in seiner Be deutung für die einzelne Volkswirtschaft betrachtet worden, so bleibt als nächstes die Untersuchung der Frage, welches Gewicht die einzelnen Volkswirtschaften für den europä ischen Binnenhandel haben. Vergleicht man die A n t e i l e d e r e i n z e l n e n L ä n d e r am G e s a m t w e r t des e u r o p ä i s c h e n B i n n e n h a n d e l s untereinander, dann fällt sofort die klare Führerstellung Großdeutschlands ins Auge: In der nachfolgenden Zusammenstellung sind nach vorwiegend politischen Gesichtspunkten die europäischen Länder zu größeren Gruppen zusammengefaßt worden, und zwar auf der Grundlage der Außenhandelsstatistik von 1937. Anteile einzelner Ländergruppen am europäischen Binnenhandel in v. H.
GroSieutsches Reich
. . . . . . . . . . . . . . . . . ..
. .
Nord- u. nordwesteuropäische Länder . I t a l i e n ............................ : .................... Slidosteuropa............................ ... . . . Rußland und Balt. S ta a t e n .................. Großbritannien ................................... Übrige Staaten W esteu ro p as.............. Davon F r a n k r e ic h ................................
14
Einfuhr
Ausfuhr
21,50 26,24 4,95 7,13 2,81 20,26 16,21 (8,47)
30,00 27,46 3,58 9,05 4,65 11,94 12,97 (6,82)
In der Gruppe Großdeutsches Reich sind dabei mit Annähe rungswerten auch das Protektorat und das Generalgouver nement erfaßt; die nord- und nordwesteuropäische Länder gruppe umfaßt auch Holland und Belgien. Die Tabelle zeigt, daß das Großdeutsche Reich zu sammen mit den nord- und nordwesteuropäischen Ländern ü b e r die H ä l f t e des g e s a m t e u r o p ä i s c h e n B i n n e n h a n d e l s u m s a t z e s stellt. Die gleiche Länder gruppe umfaßt übrigens — abgesehen von Italien — a l l e m a ß g e b l i c h e n I n d u s t r i e l ä n d e r des Festlandes, ins besondere wenn noch das Gebiet von Elsaß und Lothringen berücksichtigt wird. Es zeigt sich also, daß das handels politische Schwergewicht in überragendem Maße in den Ländern des Nordostsee-Kreises verankert ist. Europa ernährt England Nach Deutschland hatte vor allem Großbritannien einen besonders starken Anteil am europäischen Binnenhandel. Eine Sonderstellung zeigte es aber auch hier insofern, als es fast doppelt so viel aus Europa bezog, wie es dahin lieferte. Die Erklärung dafür ist gerade während des Krieges besonders deutlich in Erscheinung getreten. Seit langem hat England die Ernährung aus dem eigenen Boden zu gunsten einer umfangreichen Nahrungsmitteleinfuhr aufge geben. Während Europa früher auch die Grundnahrungs mittel, wie Getreide, lieferte, hat England während des letzten Jahrhunderts in steigendem Maße hochwertige land wirtschaftliche Erzeugnisse vom Festland bezogen. Etwa die Hälfte der kontinentaleuropäischen Nahrungsmittel ausfuhr ging in den vergangenen Jahren nach England. Verschiedene europäische Länder, wie Dänemark und Hol land, hatten sich geradezu auf den britischen Bedarf spe zialisiert. Ähnliches gilt auch für den Bedarf Englands an bestimmten Rohstoffen. Gegenüber dem hohen Anteil der britischen Einfuhr am europäischen Binnenhandel war der Anteil der Ausfuhr — gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes — unter durchschnittlich. Dem Anteil der britischen Ausfuhr am europäischen Binnenhandel mit 11,94 v. H. stand beispiels weise der Anteil des kleinen Belgien mit fast 8 v. H. gegen über. Die gleiche E i n s e i t i g k e i t zeigt sich auch in der Verteilung des britischen Handels auf die einzelnen Länder des Festlandes, wie ein Vergleich des englischen Aus tausches mit Skandinavien und etwa dem Südosten beweist. 15
•Zur Stützung seines Führungsanspruches hat England den Mangel an wirtschaftlicher Verbundenheit mit dem gesamten Festland durch eine politisch ausgerichtete Anleihepolitik auszugleichen versucht. Deutschland dagegen wies, ver glichen mit England, bisher schon eine viel größere Aus geglichenheit seines Handels mit den europäischen Ländern auf, ein Zeichen der natürlichen Bindungen. Rußlands und Italiens Stellung ausbaufähig Erstaunlich ist namentlich auch der g e r i n g e An t e i l R u ß l a n d s am europäischen Binnenhandel. Die Gründe dafür waren bisher wohl vor allem politischer Art, denn das Rußland von 1913 war am europäischen Binnenhandel in der Einfuhr noch mit 7,3 v. H. und in der Ausfuhr mit 9,9 v. H. beteiligt. Die seit 1939 von der Sowjetunion mit Deutschland und verschiedenen anderen Ländern abge schlossenen Handelsabkommen haben die Bedeutung des europäischen Handels mit Rußland bereits erheblich ge steigert; sie erstreben, die Vorkriegsziffern von 1913 weit zu überflügeln. Dadurch wird die Sowjetunion wieder ein integraler Bestandteil der europäischen Großraumwirtschaft. Einen verhältnismäßig geringen Anteil weist auch I t a l i e n auf. Das liegt teils an dem übernormal starken Warenverkehr mit Afrika, teils auch an den bisherigen poli tischen Verhältnissen im Mittelmeerraum. Auch hier hat der Krieg bereits eine Neuordnung eingeleitet, die für die Zu kunft von gesteigerter Bedeutung sein wird. Der Warenaustausch innerhalb Europas Die warenmäßige Gliederung des europäischen Binnen handels unterstreicht ebenfalls die Wirtschaftsverflechtung des Kontinents. Der Warenaustausch setzte sich im Durch schnitt der Jahre nach dem Weltkrieg zu fast einem Viertel aus Nahrungsmitteln, zu einem weiteren Viertel aus Ver brauchsgütern, zu 10 v. H. aus Produktionsmitteln und zu rd. 45 v. H. aus Rohstoffen und halbfertigen Waren zusammen. In der Warengruppe Nahrungsmittel und Getränke blieben von der Gesamtausfuhr an unbearbeiteten Erzeugnissen etwa 90 v. H., an bearbeiteten Erzeugnissen etwa 70 v. H. in Europa und deckten etwa ein Drittel bzw. gut die Hälfte des Einfuhrbedarfes. Von der Ausfuhr an Rohstoffen und halbfertigen Waren wurden etwa 80 v. H. im Binnenhandel umgesetzt und damit gut die Hälfte der Gesamteinfuhr aller europäischen Länder gedeckt. Während also in N a h r u n g s m i t t e l n u n d R o h s t o f f e n Europa über die eigene 16
Produktion hinaus bisher einen beträchtlichen Einfuhr bedarf aus anderen Räumen hatte, zeigt sich angesichts der industriellen Leistung des Erdteils ein ganz anderes Bild in der Gruppe F e r t i g w a r e n . Von der Gesamt ausfuhr an Produktionsmitteln blieb nur etwa die Hälfte in Europa, sie deckte aber mehr als drei Viertel des Einfuhr bedarfs aller Länder. Bei den Verbrauchsgütern konnte die Hälfte derGesamtausfuhr den gesamten Einfuhrbedarf D e r in n e re u ro p ä isch e praktisch befriedigen. W a re n a u sta u sc h Diese B i l a n z d e s Warenaustausches läßt allerdings nur sehr grobe Rückschlüsse auf die Selbstversorgungs möglichkeiten Europas zu, da der bisherige Aus tausch durch politische und handelspolitische Rücksichten und Bindun gen stark beeinflußt ge wesen ist. V o r a l l e m h a t a b e r b i s h e r da s Zi el e i n e r e u r o p ä ischen S e l b s t v e r s o r g u n g ü b e r h a u p t gef ehl t . Die Neuordnung der Welt in rassisch gebundene Lebensräume mit selbständigen Großraumwirtschaften, wie sie zuerst von Werner D a i t z aufgezeigt wurde *), wird uns diesem Ziele näherbringen. Starke produktionswirtschaftliche Verflechtung Sehr auffallend ist auf den ersten Blick der hohe Anteil der Ro h s t o f f e und H a l b f a b r i k a t e am Binnenumsatz Europas mit fast der Hälfte aller Waren. Er bestätigt, daß auch bisher schon in Europa eine starke produktionswirt schaftliche Verflechtung und eine weitgehende Arbeitsteilung bestanden. Bekannt ist ja beispielsweise die für den Laien zunächst unverständliche Tatsache, daß Länder, die ihren Bedarf zweifellos im Inland decken können, trotzdem zum Austausch bestimmter Rohstoffe oder Halbfabrikate — es *) Siehe: Werner D a i t z , Neuordnung Europas aus Rasse und Raum. NS.-Monatshefte, Folge 126/1940. Derselbe: Die europäische Großraumwirtschaft. Zeitschrift „Der Vierjahresplan“, Nr. 22, 1939 Derselbe: Das neue Europa, seine Lebenseinheit und Rechtsordnung. ,,Deutsches Recht“ , Heft 49, 1940.
2
17
sei nur an Kohle, Eisen, Textilien erinnert — schreiten. Der Güteraustausch innerhalb Europas beschränkt sich also keineswegs auf den primitiven Tausch von Fertigwaren gegen Rohstoffe, sondern zeigt eine komplizierte Verflech tung, so wie sie etwa zwischen den einzelnen Provinzen eines Landes besteht. Auch das ist ein Beweis dafür, daß Europa von Natur aus ein geschlossener Wirtschaftsraum und ein wirtschaftliches Verdichtungsgebiet ist, und zwar in weit höherem Maße als irgendein sonstiger Erdteil oder Groß raum. Neuer Aufbau Auf diesen natürlichen Gegebenheiten des Erdteils, die sich trotz der Vernachlässigung der europäischen Binnen wirtschaft, insbesondere des osteuropäischen Raumes, durch die führenden politischen Mächte Jahrhunderte hindurch erhalten haben, gilt es künftig aufzubauen. Denn die bisherige europäische Wirtschaftsverflechtung ist . noch keine Großraumwirtschaft. Man braucht nicht einmal an die Zeiten der Deutschen Hanse *) zu denken, um einzusehen, daß eine stetige Entwicklung nur durch den Abschluß von l a n g f r i s t i g e n W i r t s c h a f t s a b k o m m e n der europäischen Staaten untereinander erzielt werden kann. Erst dann wird es nämlich möglich sein, dem euro päischen Raum wieder ein einheitliches wirtschaftliches Ziel zu geben und aus ihm wieder jenes Höchstmaß an Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Arbeitsleistung herauszu holen, das er tatsächlich zu bieten vermag. Das deutsche Beispiel im Vierjahresplan und in den wirtschaftspolitisch weitschauenden Abkommen mit den Südoststaaten sowie die weitreichenden italienischen Autarkieleistungen beant worten am besten die Frage nach den Zukunftsaussichten. Nach der Ausschaltung der politischen Störenfriede wird auch eine A r b e i t s t e i l u n g a uf l a n g e S i c h t Platz greifen können. Die weltwirtschaftlichen „Konjunktur schwankungen“ werden dann von selbst ihre Schrecken ver lieren, und das Recht auf Arbeit wird in einer neuen euro päischen Binnenwirtschaft kein ausschließlich deutsches Vorrecht sein. Spekulanten und bestimmte internationale Geschäftemacher mögen bei einer solchen Ordnung den ge eigneten Nährboden verlieren, die Völker Europas werden nur gewinnen. •) Siehe: Werner D a i t z , Wege zur völkischen Wirtschaft und zur europäischen Großraumwirtschaft. Meinhoid-Verlag, Dresden A 1. 1938.
18
Der bisherige Austausch mit Ubersee
Die Bildung einer europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die Besinnung der europäischen Völker auf ihre Auf gaben im eigenen Raum wird auch auf die Beziehungen Europas zur übrigen Welt von grundlegender Bedeutung sein. Das besagt allerdings nicht, daß Europa eine rest lose Selbstversorgung anstrebt und sich gegenüber den übrigen Erdteilen abschließen will. Nicht Autarkie o d e r Export heißt die weltwirtschaft liche Zukunftsfrage für Europa, sondern Autarkie u n d Export.*) Reichswirtschaftsminister F u n k hat seiner zeit in seiner Eröffnungsansprache, zur Deutschen Ost messe 1940 eindeutig zu verstehen gegeben, daß Deutsch land und Europa keineswegs gewillt sind, aus dem Welt handel auszuscheiden. Aber Europa wird zuvor seine Wirtschaftsfreiheit sicherstellen und dann in der Lage sein, annehmbare Bedingungen für seine Anteilnahme an der Weltwirtschaft durchzusetzen. Der Übergang mancher großer Überseehandelshäuser in Hamburg oder Bremen zum Handel auf dem Festlande, der durch die britische Blockade notwendig geworden war, wird also nur ein Zwischenspiel sein. Mit dem Kriegsende werden die deutschen Übersee kaufleute wieder ihre Posten beziehen, aber hinter ihnen und hinter den deutschen Niederlassungen in Nord- und Südamerika, in Ostasien und Ostindien wird eine neue Macht stehen: das Großdeutsche Reich und die europäische Großraumwirtschaft. .Dann werden jene überseeischen Rohstoffländer, die bis her in Europa lediglich eine Ansammlung sich befehdender Staaten und Völker sahen, erkennen müssen, daß man dem bedeutendsten wirtschaftlichen Kraftzentrum der Erde nicht länger auf Grund alter Schuldforderungen oder aus be stimmten politischen Abneigungen je nach Wunsch Bedin gungen aufzwingen, sondern daß man mit Europa nur nach dem Grundsatz der G l e i c h b e r e c h t i g u n g und der •) Werner Da i t z , Autarkie als Lebens- und Wirtschaftsordnung. NS.-Monatshefte, Folge 129/1940.
2'
19
G e g e n s e i t i g k e i t Handel treiben kann. Dann wird zum Vorteil aller europäischen Völker auch die Handels bilanz des Erdteils ein anderes Gesicht erhalten. Europas passive Handelsbilanz
Es ist eine eigenartige Erscheinung, daß der am stärksten industriewirtschaftlich ausgerichtete Erdteil bisher eine stark passive Außenhandelsbilanz mit der übrigen Welt hatte, obwohl doch die europäische Arbeit gerade wertschaffend und wertsteigernd wirkt. Ein Vergleich der Handelsergebnisse in den Jahren 1913, 1929 und 1937 zeigt, daß diese Entwicklung in den letzten 25 Jahren sogar weitere Fortschritte gemacht hat. Die eigentlichen Gründe dafür liegen aber bereits weiter zurück. Werner Daitz hat hierauf zuerst aufmerksam gemacht und als Grund dafür angegeben, daß der anfänglich auf der Kolonialhörigkeit beruhende ungerechte Leistungsaustausch zwischen Europa und Übersee sich allmählich in dem Maße, wie die überseeischen Räume politisch und wirt schaftlich erstarken und Eigenleben entwickeln, immer mehr auf einen gerechten Leistungsaustausch drängt. Handel Europas mit der übrigen Welt nach Abzug des europäischen Binnenhandels Jahr 1913................................................... 1929................................................... 1937 ...................................................
Ausfuhr Ausfuhr Einfuhr v. H. in Mrd. RM in Mrd. RM derin Einfuhr 21,2 35,7 18,1
14,3 23,0 10,6
67,45 64,43 58,56
Nach der Zeit der großen Entdeckungen schienen die neuen kolonialen Räume wirtschaftliche Möglichkeiten zu bieten, wie sie in Europa niemals vorhanden gewesen sind. Die Au s w e r t u n g der Re i c h t ü me r der neuen We l t beschränkte sich aber bald nicht mehr auf Edelmetalle, sondern griff mit dem zunehmenden wirtschaftlichen Aus bau auf die Erzeugnisse der Farm- und Plantagenwirtschaft sowie des Bergbaus über. Diese Einfuhren aus den über seeischen Räumen waren zunächst verhältnismäßig billig und belasteten die Hanaeisöilanz der europäischen Kolonial staaten wenig. Das änderte sich aber mit der fortschrei tenden wirtschaftlichen Erschließung der kolonialen Gebiete Amerikas. Das Verhältnis zu Europa bekam schließlich sogar ein ganz anderes Gesicht, als die Mehrzahl der 20 .
großen amerikanischen Kolonien sich Anfang des vorigen Jahrhunderts dem Beispiel der Vereinigten Staaten von Nordamerika folgend die Selbständigkeit erkämpfte. Sie waren gleichberechtigte Handelspartner geworden und stellten nun ihrerseits Bedingungen. Seit dem Weltkrieg schien sich das Abhängigkeitsverhältnis sogar umgekehrt zu haben. Die Rückwirkung dieser Entwicklung zur Weltwirtschaft angelsächsischer Prägung ist in Europa eine weitgehende Vernachlässigung der Wirtschaftsgrundlagen des eigenen Raumes gewesen. Das kennzeichnende Beispiel ist auch hier wieder E n g l a n d . England hat im wahrsten Sinne des Wortes darauf •verzichtet, den eigenen Boden für seine Ernährung in Anspruch zu nehmen. Es konnte seine un geheure Einfuhr aus Ubersee, die nicht weniger als 46,5 v. H. der gesamten europäischen Einfuhr aus der übrigen Welt darstellte, zwar auch nicht durch seine Ausfuhr be zahlen, aber es glaubte, sie auf unbegrenzte Zeit mit seinen Kapitalerträgnissen in der ganzen Welt ausgleichen zu können. Wie unnatürlich und unhaltbar eine solche Ein stellung auf die Dauer ist, hat die Entwicklung der letzten Jahre bereits bewiesen: die Z a h l u n g s b i l a n z G r o ß b r i t a n n i e n s ist ebenfalls passiv geworden. England, das Land der „Rentenwirtschaft“, lebte vor dem europäischen Krieg bereits von seinem Kapital.
Miatd ,8
So w ar es vor 1939: i
Vom Außenhandel Europas entfielen 9 0 v. H. auf folgende sechs Länder:
Großbritannien
Großdeutschl.
Frankreich
Belgien
Holland
***
7
,6
Italien
(um gerechnet)
Die britische H a n d e l s b i l a n z übertraf mit einer Pas sivität von 6,25 Milliarden RM im Jahre 1937 jedes andere Land der Erde um ein Vielfaches. Für die europäische Han/ 21
delsbilanz gegenüber den anderen Wirtschaftsräumen wirkte sich das entscheidend aus. Von dem Passivsaldo Europas*) gegenüber der übrigen Welt in Höhe von 7,5 Milliarden RM entfielen auf England 1937 nicht weniger als 4,3 Milliarden RM oder 57,2 v. H. Mehr als die Hälfte des britischen Einfuhrüberschusses (2,56 Milliarden RM) ent stammt übrigens dem Handelsverkehr mit Amerika, und zwar in erster Linie dem Austausch mit den Vereinigten Staaten und Kanada. Im Gegensatz zu England mit seinen umfangreichen Nahrungsmitteleinfuhren beruht der wesentlich „normalere“ Einfuhrüberschuß der übrigen großen Industriestaaten Europas gegenüber Außereuropa in der Hauptsache auf den R o h s t o f f e i n f u h r e n aus Ubersee. Dabei darf im Rahmen der gesamteuropäischen Bilanz nicht übersehen werden, daß diese Länder für das übrige Europa die Rolle der „Einkäufer“ übernommen haben. Von der großen Einfuhr Deutschlands an Nichteisenmetallen, an Textilfasern, an Rohgummi, Mineralölen und kolonialen Lebensmitteln wird ein nicht unerheblicher Teil in verarbeitetem Zustande wieder in andere europäische Länder, die über entspre chende Verarbeitungsindustrien nicht verfügen, ausgeführt. Durch diese Arbeitsteilung werden aber die „ E i n k ä u f e r s t a a t e n “ — also die Industriestaaten — mit dem Haupt gewicht des europäischen Einfuhrüberschusses belastet. Rückläufige Stellung im Welthandel Mit der wachsenden Selbständigkeit der überseeischen Wirtschaftsräume ging auch Europas Stellung im Welt handel laufend zurück; denn die übrigen Erdteile begannen in verstärktem Maße auch untereinander Handel zu treiben. So sank der Anteil der europäischen Länder an der WeltEuropas Anteil am Weltbandel (obne den europäischen Binnenhandel) I Wilteinfiihr Anteil Europas Weltausfuhr Anteil Europas Jahr 1913............................. 1929............................ 1937.............................
In Mid. RMIn Mrd. RMJ In v. H. In Mrd. RMIn Mrd, RM In v. H 51,1 101,0 47,3
21,2 35,7 18,1
41,5 35.3 38.3
46,4 92,3 43,6
14,3 23,0 10,6
30.9 24.9 24,3
*) Europa hier und im folgenden immer einschließlich Großbritannien und der Sowjetunion.
22
z
einfuhr (nach dem Stat. Jahrbuch f. d. Deutsche Reich) von 70.3 im Jahre 1900 auf 56,6 v. H. im Jahre 1937 und der Anteil an der Weltausfuhr ging gleichzeitig von 61,0 auf 47.4 v. H. zurück. Ein vorübergehender scheinbarer Auf schwung der europäischen Stellung in den Jahren der Welt wirtschaftskrise ist lediglich auf die höhere Krisenfestig keit der europäischen Binnenwirtschaft zurückzuführen. Ein klareres Bild gewinnt man deshalb, wenn man die Stellung Europas im Welthandel unter Absetzung des europäischen Binnenhandels vergleicht. Europas Anteil am Welthandelsumsatz ist seit der Zeit vor dem Weltkriege fühlbar zurückgegangen, und zwar von 36.5 v. H. im Jahre 1913 auf 30,7 v. H. im Jahre 1929 und 31.6 v. H. im Jahre 1937. Aus dem Vergleich der Zahlen von 1929 und 1937 ergibt sich aber, daß Europa der z u v e r l ä s s i g e r e Ku n d e auf dem Weltmarkt ist, da sein Anteil in konjunkturellen Hochzeiten verhältnismäßig absinkt, sich in mageren Jahren aber auch besser behauptet. Rückgrat der Weltwirtschaft Mit einem Anteil von fast einem Drittel der Welthan delsumsätze ist Europa, selbst ohne Berücksichtigung seiner außerordentlich starken Binnenwirtschaft, auch heute noch als das tatsächliche Rückgrat der Weltwirtschaft anzu sprechen. Oh n e E u r o p a gi bt es k e i n e W e l t w i r t s c haf t . Das zeigt schon ein Vergleich mit dem nächst stärksten Handelspartner, den V e r e i n i g t e n S t a a t e n von Ame r i k a . Die USA. haben entsprechend ihrer Ent wicklung aus einem' kolonialen Lieferland Europas eine aktive Handelsbilanz. Zwar hat sich ihr Anteil am Welt handel seit der Zeit vor dem Weltkriege — der allgemeinen Entwicklung folgend — erhöht; mit einem Anteil von 17,4 v. H. im Jahre 1937 erreichen sie aber nur gut die Hälfte des europäischen Anteils am Welthandelsumsatz (ohne den europäischen Binnenhandel). Der Anteil der Vereinigten Staaten an der W e l t e i n f u h r stieg von 1913 bis 1929 von 14,5 auf 17,9 v. H., fiel bis 1937 aber wieder auf 16,1 v. H., so daß ihr Anteil um mehr als das Doppelte von Europa übertroffen wird. Das erscheint namentlich wichtig im Verhältnis zu den übrigen Rohstoffländern der Erde, deren Führung die USA. so gern übernehmen möchten. Die Zahlen beweisen, daß diese ausfuhrabhängigen Länder den aufnahmefähigen europäischen Absatzmarkt nicht entbehren 23
I
können. Denn die Vereinigten Staaten sind ja selbst ein ausgesprochenes Ausfuhrland. Ihr Anteil an der W e l t a u s f u h r ist von 1913 mit 13:1 v. H. auf 23,5 v. H. im Jahre 1929 gestiegen, bis 1937 dann aber wieder auf' 18,8 v. H. gefallen. Sie kommen also in der Ausfuhr schon we sentlich näher an die Weltstellung Europas heran. Die stärkeren Schwankungen in der Entwicklung beweisen aber auch, daß die USA. wie alle jüngeren Welthandelsländer noch nicht die i n n e r e F e s t i g k e i t erreicht haben, die die europäische Wirtschaft auszeichnet. Die Gliederung des europäischen Außenhandels Bei einer Betrachtung der Außenhandelsverflechtung Europas geht man zweckmäßigerweise nicht vom Gesamt außenhandel der europäischen Länder aus, sondern von dem Außenhandel des Erdteils mit den übrigen Räumen unter Außerachtlassung des europäischen Bin nenhandels. Der e c h t e Außenhandel Europas zeigt dann folgende Aufglie derung: Außenhandel Europas nach Erdteilen In v. H. (1937) Einfuhr Ausfuhr Afrika . . Asien . . . Amerika Australien Qesamt . .
16,8 21,7 50,9 10,6 100,0
25,2 25,7 41,0 8,1 100,0
Auf den ersten Blick erkennt man in einer solchen Darstellung die bisher b e h e r r s c h e n d e S t e l l u n g A m e r i k a s im europäischen Außenhandel. Es scheint allerdings angebracht, von vornherein zwischen Nord amerika (Vereinigte Staaten und Kanada) sowie Südund Mitteiamerika zu unterscheiden wegen der sehr unterschiedlichen Beziehungen zu Europa, die auf ihrer natürlichen Verschiedenheit als selbständige Lebensräume beruhen. Die beiden Gebiete teilten sich mit etwa je einem Viertel zu gleichen Teilen in die europäische Einfuhr aus dem Erdteil. Von der europäischen Ausfuhr übernahm 24
Nordamerika mit 25 v. H. dagegen einen weit größeren Teil als die Staaten Mittel- und Südamerikas (16 v. H.). Mit beiden Gebieten hatte Europa eine stark passive Handels bilanz; der Minussaldo gegenüber Amerika war mit fast 5 Milliarden RM sogar größer als gegenüber allen anderen Erdteilen zusammengenommen und umfaßte mehr als 65 v. H. des gesamten europäischen Einfuhrüberschusses aus Uebersee. Allein 3 Milliarden RM kamen aber auf das Konto Zentral- und Südamerikas. Es ist also durchaus keine leere Redensart, wenn man Europa als den unentbehrlichen Ab satzmarkt Südamerikas bezeichnet. Denn so einseitig ist das europäische Kundenverhältnis zu keinem anderen Erd teil, von Australien abgesehen. Wie lange Europa sich noch den Luxus eines derartigen handelspolitischen Passiv saldos erlauben kann, steht auf einem anderen Blatt. Die fortschreitende Konsolidierung der Großraumwirtschaften als Lebensraumwirtschaften und die damit verbundene lebensgesetzliche Verlagerung von Produktion, Austausch und Geldverkehr werden künftig eine viel stärkere Gegen seitigkeit im Warenverkehr und damit einen Ausgleich des Passivsaldos bewirken, soweit dieser nicht von Dienst leistungen (z. B. Schiffahrt) getragen wird. Vergleicht man die Erdteile in ihrer Stellung zu Europa untereinander, so zeigt sich noch ein bemerkenswerter Unterschied zwischen der Einfuhr- und der Ausfuhrseite. In der europäischen A u s f u h r hielten sich Nordamerika, Asien und Afrika anteilmäßig etwa die Waage; sie nahmen zusammen mehr als drei Viertel der Gesamtausfuhr auf, während das letzte Viertel von Südamerika und Australien bestritten wurde. Das menschenleere Australien ist aller dings von sehr untergeordnete»- Bedeutung. In der E i n f u h r Europas führten Nordamerika und Südamerika mit je einem Viertel, während Asien gut ein Fünftel, Afrika nur ein Sechstel und Australien, das seinen Außenhandel zu 80 v. H. mit Großbritannien abwickelte, ein Zehntel bei steuerten. Eine voll zutreffende A u f t e i l u n g d e s e u r o p ä i s c h e n A u ß e n h a n d e l s n a c h W a r e n k l a s s e n ist sehr schwierig, da die üblichen Statistiken stets den euro päischen Binnenhandel, der hier unberücksichtigt ist, mit einbeziehen und die Einzelstatistiken der Länder nur schwer vergleichbar sind. Von der Einfuhr aller europäischen Staa ten entfallen etwa je ein Viertel auf Lebensmittel und Ge 25
tränke einerseits sowie Fertigwaren andererseits; die Einfuhr an Rohstoffen und Halbfertigwaren beansprucht die andere Hälfte. Es besteht kein Zweifel, daß der Anteil der Rohstoffe an der Einfuhr aus Uebersee noch weit stärker ist. Der Einfuhrüberschuß Europas von 9,9 Milliarden RM in der Gruppe Rohstoffe und halbfertige Waren kam ja ein wandfrei aus Übersee. Eine überschlägliche Schätzung führt deshalb zu folgender Aufteilung des bisherigen europäischen Warenverkehrs mit der übrigen Welt: Von der E i n f u h r sind 60 v. H. Rohstoffe und halbfertige Waren, 30 v. H. Lebensmittel und 10 v. H. Fertigwaren, namentlich Produk tionsmittel. In der europäischen A u s f u h r überwiegt bei weitem der Anteil der Fertigwaren mit 80—85 v. H., der Rest entfällt auf Lebensmittel, namentlich Getränke, sowie Rohstoffe und Halbfertigwaren. Der bisher verhältnismäßig hohe Anteil der Lebensmittel an der europäischen Einfuhr geht weitgehend auf das Konto Englands, das mehr als drei mal soviel Lebensmittel einführte als Deutschland. Europas Stellung in Amerika
Das wirtschaftliche Verhältnis Europas zu den amerika nischen Staaten hat bereits im Weltkriege, erst recht aber in der gegenwärtigen Auseinandersetzung zwischen dem Kontinent und England zu der Fragestellung geführt: W e r i s t v o n w e m a b h ä n g i g ? Abgesehen von der schon vorher getroffenen und in der Praxis bestätigten Feststel lung, daß eine Weltwirtschaft ohne Europa nicht denkbar ist, scheint es doch gut, auch diese Frage durch unbe stechliche Zahlen zu beantworten. Ist voraufgehend dar gelegt worden, welche Bedeutung Amerika für den euro päischen Außenhandel hat, so sei jetzt einmal das Gewicht Europas im amerikanischem Außenhandel untersucht. Die Bedeutung Amerikas als Lieferant und Kunde ist für Europa sicherlich nicht gering einzuschätzen. Aber das Gewicht der Handelswerte ist auf den beiden Seiten des Ozeans nicht gleich. Ausschlaggebend ist nicht einmal das e i n s e i t i g e L i e f e r a n t e n v e r h ä l t n i s der amerikanischen Staaten zu Europa, sondern vielmehr der Gesamtumfang des Handels der einzelnen Wirtschaftsräume. Im umfangreichen Außenhandel Europas (hier stets o h n e den europäischen Binnenhandel) bedeutete beispielsweise die Ausfuhr nach den V e r e i n i g t e n S t a a t e n ein Fünftel der Gesamtausfuhr; in der Handelsbilanz der USA. w ar das aber mehr als ein Viertel der Gesamteinfuhr. Die Verei 26
nigten Staaten führten 1937 mehr als 40 v. H. ihrer Ausfuhr nach Europa aus, und doch war das auf der anderen Seite noch nicht ein Fünftel der europäischen Gesamteinfuhr. Hundert Mark sind eben im Umsatz eines Kolonialwaren händlers mehr als im weit größeren Umsatz eines Industrie unternehmens. Die verschiedenen amerikanischen Staaten spielen in diesem Vergleich aber die Rolle des Kolonial warenhändlers, wenn auch die Vereinigten Staaten bereits zu einem Großbetrieb der Branche aufgerückt sind. Bei den übrigen amerikanischen Staaten ist das Ver hältnis nämlich noch weit eindrucksvoller. Der Handel mit K a n a d a spielt für Europa eine ganz untergeordnete Rolle, für Kanada selbst aber stellt er ein Viertel der Einfuhr und fast die Hälfte der Ausfuhr dar. Aehnliches gilt für den Verkehr mit S ü d a m e r i k a . Ganz Mittel- und Süd amerika lieferte für Europa ein Viertel der Einfuhr und nahm etwa 16 v. H. der europäischen Ausfuhr auf. Das bedeutete aber für jeden einzelnen dieser Staaten 50—70 v. H. seiner Gesamtausfuhr und etwa die Hälfte seiner Einfuhr. Man ersieht daraus, daß man Außenhandelszahlen immer von zwei Seiten aus betrachten muß: was bedeuten sie für den Lieferanten und wie zählen sie beim Kunden. Das Gewicht eines Raumes im Wirtschaftsaustausch er gibt sich keineswegs aus dem Flächenumfang, sondern allein aus der B e v ö l k e r u n g s z a h l und aus den L e b e n s a n s p r ü c h e n dieser Bevölkerung. Das kleine Europa*), das noch nicht 9 v. H. der Erdoberfläche umfaßt, hat mit 530 Millionen Menschen ein Viertel der Erdbevöl kerung, und zwar den kulturell höchststehenden Teil. Ganz Amerika, das fast ein Drittel der Landfläche der Erde um faßt, hat noch nicht halb so viel Einwohner wie Europa. Das Geheimnis der europäischen Stellung in der Weltwirt schaft liegt eben darin, daß der Erdteil das b e d e u t e n d s t e V e r b r a u c h s z e n t r u m d e r E r d e i st . Durch die Arbeitskraft und den geistigen Hochstand seiner Menschen, aber auch durch die natürlichen Produktions bedingungen ist er zugleich das h e r v o r r a g e n d s t e P r o d u k t i o n s z e n t r u m der Welt. Bester Kunde der Rohstoffländer Aus den statistischen Zahlen geht einwandfrei hervor, daß Europa bis zur Gegenwart als Lieferland wie auch als *) hier ohne das asiatische Rußland.
27
Kunde des gesamten amerikanischen Kontinents eine für das Wirtschaftsleben dieser Räume entscheidende Rolle spielte. Selbst von den USA. übernahm Europa immer noch mehr als 40 v. H. der Ausfuhr; bei den übrigen Län dern aber war dieser Anteilsatz bis um das Doppelte höher. Die Tatsache, daß die Bedeutung Europas seit 1913 für Amerika geringer geworden ist — infolge der gesteigerten Industrialisierung und der Stärkung des Austausches der amerikanischen Staaten untereinander und mit anderen Räumen —, hat offenbar zur Überschätzung der eigenen Selbständigkeit geführt. Selbst wenn die Vereinigten Staa ten in der Lage sein sollten, ihre Ausfuhr nach Europa in den eigenen Kontinent umzulagern und die europäische Ausfuhr nach den amerikanischen Ländern zu ersetzen, so vermögen sie, die nur ein Viertel der Bevölkerungszahl Europas haben, doch keinesfalls Europas Stellung als A b n e h m e r zu übernehmen. Man braucht nur an Baumwolle, Weizen, Fleischproduktion, Kaffee usw. zu erinnern. Das Außenhandelsvolumen ist in Amerika viel zu groß im Verhältnis zur Binnenwirtschaft. Nur die Weckung der produktiven Kräfte und deren organischer Ausgleich inner halb des nordamerikanischen Lebensraumes können ihn zu einem „geschlossenen“, d. h. autarken machen.
Einen kurzen Blick noch auf die S t e 11 u n g d e r e i n z e l n e n e u r o p ä i s c h e n L ä n d e r im Austausch mit 28
Amerika. In weitem Abstand vor dem übrigen Europa führten Großbritannien und Deutschland. Von der Einfuhr Europas aus Gesamtamerika wurden 1937 mehr als 42 v. H. von England und rd. 18 v. H. von dem Gebiet des heutigen Großdeutschen Reiches aufgenommen. Die europäische Aus fuhr nach Amerika kam zu 31 v. H. aus Großbritannien und zu gut 26 v. H. aus dem heutigen großdeutschen Gebiet. Dabei lag für England das Schwergewicht in Nordamerika, - für das Großdeutsche Reich aber in Süd- und Mittel amerika. Die B e d e u t u n g d e s d e u t s c h e n H a n d e l s mit Südamerika und seine wirtschaftspolitische Pionierarbeit wird am besten durch das Beispiel der brasi lianischen Baumwolle, der erst von Deutschland ein echter Markt erschlossen wurde, gekennzeichnet Für die künftigen Formen des Amerikahandels wird es im übrigen wegweisend sein, daß es Deutschland gelungen ist, in den vergangenen Jahren bereits eine weit ausgeglichenere Handelsbilanz im Verkehr mit Amerika zu erzielen, als sie irgendein anderer europäischer Staat aufweist. Austausch mit Asien
Etwa je ein Viertel seiner Aus- und Einfuhr wickelte Europa mit Asien ab. Große Teile Asiens sind Kolonial gebiete europäischer Staaten und geben damit dem Aus tausch von vornherein ein bestimmtes Gepräge. Trotzdem läßt sich für den Gesamtraum, der von altersher in zwei biologisch verschiedene, selbständige Lebensräume zerfällt, den ostasiatischen und den indischen, sagen, daß er ein w e i t s e l b s t ä n d i g e r e s W i r t s c h a f t s g e b i e t darstellt als die beiden Amerika. Das entspricht ja auch seiner wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung. Während die Wirt schaft Amerikas aus der Kolonialwirtschaft entwickelt wurde, haben die Länder Asiens stets hochentwickelte und selbständige Wirtschaftsformen gehabt. Die heute noch selbständigen Staaten haben lediglich in der Zeit der euro päischen Einflußnahme und während ihrer Anpassung an die westlichen Zivilisationsformen vorübergehend in stär kerer wirtschaftlicher Abhängigkeit gestanden. Bei den asiatischen Kolonialgebieten ist die Entwicklung ähnlich, wenn auch langdauernder und stärker ausgeprägt. Die ur sprünglichen Kulturformen der starken und geistig z. T. hochentwickelten einheimischen Völker sind von Europa her in bescheidenem Umfang nur äußerlich beeinflußt worden. So ist es zu erklären, daß die uralten H a n d e l s b e z i e 29
hunge n d e r a s i a t i s c h e n S t a a t e n u n d V ö l k e r u n t e r e i n a n d e r heute noch sehr stark sind und sich unter dem Einfluß Japans noch weiter verstärken. Das Selbständigkeitsgefühl, das in der politischen Entwicklung im Programm eines ostasiatischen und eines indischen Großraumes gipfelt, hat auch im wirtschaftlichen Bereich zu entsprechenden Folgerungen geführt. Das ist das Bild, das auch aus den statistischen Zahlen spricht. Vor allem läßt sich bei J a p a n aus der Entwick lung des Handelsverkehrs mit Europa deutlich ablesen, daß es den wirtschaftlichen Einfluß Europas nur vorübergehend geduldet hat, um die Anpassung an den industriewirtschaft lichen Stand der Technik zu vollziehen. Selbst heute noch sind die Warenbezüge Japans von diesen Überlegungen be stimmt. Vor dem Weltkriege bezog Japan fast ein Drittel seiner Gesamteinfuhr aus Europa; dieser Anteil ist in zwischen fortlaufend gesunken bis auf gut 13 v. H. im Jahre 1937. Europas Anteil an der japanischen Ausfuhr erreichte schon vor dem Weltkriege nicht einmal ein Viertel. Er ist bis 1929 weiter gesunken, dann aber unter dem Einfluß der finanzwirtschaftlich bedingten Ausfuhrkampagne Japans wieder auf rd. 12 v. H. im Jahre 1937 gestiegen. Es ist fer ner bezeichnend, daß der Austausch Europas mit Japan nur etwa ein Zehntel des europäischen Umsatzes mit Asien aus macht und im Gegensatz zum Gesamtaustausch mit Asien stets für Europa einen Überschuß erbracht hat. Für Japan ist Europa also geradezu der L i e f e r a n t f ü r S p e z i a l a r t i k e l , während Amerika mit einem weit größeren Um satz die Rolle des Rohstofflieferanten spielt. Europas W i r t s c h a f t s v e r k e h r m i t C h i n a ist immer politisch gefärbt gewesen. China war für die euro päischen Mächte in erster Linie ein Markt. Anders als bei Japan aber hat der Austausch mit China immer unter dem Druck der Kolonialmächte gestanden. Trotzdem sind auch in China nach dem Weltkrieg die wirtschaftlichen Selb ständigkeitsbestrebungen deutlich hervorgetreten. Wenn trotzdem im Jahre 1937 der Anteil Europas an der chine sischen Einfuhr mit fast einem Drittel noch etwas höher w ar als 1913, so ist das offenbar die Folge des chinesisch-japa nischen Krieges mit seinem gesteigerten Bedarf an Rüstungsmäterial aller Art. Von der chinesischen Ausfuhr hat Europa 1913 mehr als ein Drittel, in den Nachkriegs jahren bis zur Gegenwart jedoch nur noch etwa ein Viertel 30
aufgenommen. Europas Handelsbilanz war auch mit China aktiv. Ein Vergleich der selbständigen ostasiatischen Staaten mit der Stellung Amerikas zeigt also, daß die amerikanischen Staaten für Europa in erster Linie Liefe ranten, die ostasiatischen Staaten dagegen in höherem Maße Kunden waren. Wenn trotzdem der Qesamtaustausch mit Asien die euro päische Handelsbilanz mit einem Einfuhrüberschuß belastete, dann ergibt sich das aus dem V e r k e h r m i t d e n a s i a t i s c h e n K o l o n i a l g e b i e t e n , die als speziaiiAnteil Europas am Außenhandel Indiens in v. H. Ausfuhr
Einfuhr
Britisch-Indien . . . . Niederl.-Indien . . . .
1913
1929
1937
80,3 61,2
62,5 46,4
47,7 43,5
1913
1929
1937
58,6 48,2
47,9 36,5
49,1 33,2
sierte Rohstofflieferanten (Kautschuk, Erdöl, Metalle, Ge nußmittel, Gewürze usw.) anzusehen sind. Um so erstaun licher ist es, daß beispielsweise Britisch- und Niederländisch-Indien eine g e r i n g e r e A u ß e n h a n d e l s v e . r f l e c h t u n g m i t E u r o p a zeigen als etwa die selb ständigen südamerikanischen Staaten. Es hat das vermut lich seinen Grund in der fortschreitenden Verselbständigung des indischen Lebensraumes und seiner intensiveren Zu sammenarbeit mit dem sich festigenden ostasiatischen Lebensraum. Bereits vor dem Weltkriege also, als beispielsweise Ar gentinien noch fast 90 v. H., Chile fast drei Viertel ihrer Ausfuhr nach Europa lieferten, schwankte der Anteil In diens lediglich um etwa 50 v. H. Seitdem sind weitere Rückgänge festzustellen. Noch deutlicher tritt dieser Zug der wirtschaftlichen E n t f l e c h t u n g g e g e n ü b e r E u r o p a in der Einfuhr dieser Gebiete in Erscheinung. Vor dem Weltkriege war Europa fast der einzige Lieferant indu strieller Waren. Inzwischen aber ist Japan auf den Plan ge treten. Trotz der Abwehrbestrebungen der Engländer lieferte Japan in den letzten Jahren durchschnittlich 15 v. H. der Einfuhr Britisch-Indiens, und an der Einfuhr Niederländisch-Indiens war es gar mit mehr als einem Viertel be teiligt. Die Zahlen bestätigen nur, was voraufgehend über die natürliche Wirtschaftsverflechtung im ostasiatischen 31
Raum gesagt worden ist. Hinzu kommt, daß auch die e i n h e i m i s c h e I n d u s t r i e ständig wächst. Es sei dabei
nur an die Aufwärtsentwicklung der einheimischen Textil industrie Britisch-Indiens erinnert, die mit ihren Fertigund Halbfertigwaren 1937 sogar schon einen erheblichen Teil der Ausfuhr (10,7 v. H.) stellen konnte. Unter den europäischen Ländern hatte England als wichtigste Kolonialmacht die Führung im Austausch mit Asien. Von der gesamteuropäischen Einfuhr aus dem asia tischen Raum nahm es 36,9 v. H. auf, während es 38,5 v. H. zur Gesamtausfuhr beisteuerte. An zweiter Stelle folgte Großdeutschland (Zahlen von 1937 auf das großdeutsche Ge biet umgerechnet) mit rd. 21 v. H. der europäischen Einfuhr und etwa 28 v. H. der Ausfuhr, obwohl es keinen Kolonial besitz hatte. Die Brücke des Nahen Ostens
Der geographische Raum Asien umfaßt in Vorderasien auch Gebiete, die politisch und wirtschaftlich mehr zu Europa als zu Asien gehören. Die L ä n d e r d e s N a h e n O s t e n s sind nicht nur durch die teilweise koloniale Ab hängigkeit, sondern stärker noch infolge ihrer politischen Entwicklung seit dem Altertum aufs engste mit dem euro päischen Lebensraum verbunden gewesen; sie bilden die natürliche Brücke zu den beiden Lebensräumen: zu dem 32
ostasiatischen und dem indischen. Auch die selbständigen Staaten dieses Gebietes, wie Iran und der Irak, wickeln heute den größten Teil ihres Außenhandels mit Europa ab. Für die Zukunft dürften die Möglichkeiten in dieser Richtung noch erheblich steigerungsfähig sein. Man darf nicht vergessen, daß diese ehemals blühenden Länder die vernichtenden Folgen des Mongolensturmes unter Tamerlan immer noch nicht haben überwinden können. Europa aber wäre am ehesten in der Lage, dabei künftig in stärkstem Maße Hilfestellung zu leisten. Die reichen Ölvorkommen dieser Gebiete könnten — nach Beseitigung der monopolistischen Bindungen — die geeig nete Ergänzung für das ölarme Europa sein. Der Nahe Osten ist aber auch ein Musterbeispiel des v e r d e r b l i c h e n po l it is c h e n Einflusses Eng l a n d s . Vergleicht man die Gliederung der Ein- und Aus fuhr Irans, dann fällt die starke Unausgeglichenheit auf. Während Deutschland an der iranischen Einfuhr 1937 mit fast 22 v. H. beteiligt war, betrug sein Anteil an der Aus fuhr des Landes nur 6,5 v. H.; Rußlands Anteile waren mit 32 v. H. und 12,5 v. H. ebenso unterschiedlich. Der Grund ist darin zu suchen, daß rd. 70 v. H. der iranischen Ausfuhr aus Erdölprodukten bestehen, die nicht der freien Verfügung des Staates überlassen sind, sondern fast restlos der Kon trolle der britischen A n g l o - I r a n i a n Oi l C o m p a n y unterstehen. Diese Gesellschaft, deren Aktien praktisch im Besitz des britischen Staates sind, besitzt mit Ausnahme der Nordprovinzen das E r d ö l m o n o p o l für Iran. Damit schaltet und waltet England also über rd. drei Viertel der Ausfuhr eines vollkommen selbständigen Staates. Die Engländer haben darin aber nicht einmal eine besondere Verpflichtung gegenüber der Wirtschaft dieses Landes er blickt, sondern eine durchsichtige Ausbeutungspolitik be trieben. Obwohl die Erträge aus der Mineralölausfuhr weit' höher sind als die gesamte Einfuhr des Landes, hat der ira nische Staat nur einen Bruchteil davon für seine eigenen Zwecke erhalten. Wenn deshalb heute erst etwa ein Viertel des kultivierbaren Bodens in Iran tatsächlich bearbeitet wird, wenn die notwendigen Bewässerungsanlagen noch feh len und der Ausbau der Verkehrswege nur verhältnismäßig langsam fortschreitet, dann liegt der Grund dafür in den mangelnden finanziellen Mitteln, die bisher von England ab geschöpft worden sind. 3
33
Afrika, Land der Zukunft
Afrika ist schon geographisch auf das engste mit Europa verbunden. Das Mittelmeer verdient seinen Namen nur, wenn man E u r o p a u n d A f r i k a a l s E i n h e i t be trachtet. Seit dem frühen Altertum ist auch die Geschichte Afrikas eins mit der Europas, und seit dieser Zeit w ar der schwarze Erdteil der n a t ü r l i c h e t r o p i s c h e E r g ä n z u n g s r a u m des Abendlandes. Die Voraussetzungen für eine enge wirtschaftliche Gemeinschaft sind sowohl hin sichtlich der Produkte und Erzeugungsmöglichkeiten Afri kas als auch hinsichtlich seiner Bevölkerung vorhanden. Man soll nicht vergessen, daß der wirtschaftliche Aufbau Amerikas erst mit Hilfe der Neger möglich wurde. Trotzdem ist Afrika jahrhundertelang nicht über die w irt schaftlichen Bindungen zu Europa, wie sie zur Zeit des Römischen Reiches bestanden, hinausgekommen. Schuld daran w ar einmal die Abschnürung Afrikas durch den Islam, später dann die wirtschaftliche Ablenkung Europas nach dem neu entdeckten Westen. Nur daraus erklärt es sich, daß Afrika bisher im euro päischen Außenhandel keine größere Rolle spielte; denn der afrikanische Güteraustausch vollzog sich bisher noch fast ausschließlich im Verkehr mit Europa. Die beiden „selbständigen” Staaten Afrikas, Ägypten und die Südafri kanische Union, wickeln fast 70 v. H. ihres Umsatzes mit Europa ab und für das koloniale Afrika kann man 80—90 v. H. dafür ansetzen. Der Umfang dieses Austausches aber war keinesVegs befriedigend. Der G e s a m t h a n d e l d e r a f r i k a n i s c h e n T r o p e n * ) beispielsweise zeigt fol gende Entwicklung: Jahr
Mill. RM
870 ........................................................ 1900 ........................................................ 1 9 1 3 .............. ... ...................................... 1927 ........................................................ 1933 .............. ..........................................
241,35 880,00 1 932,90 4108,20 1687,37
in v. H. des Welthandels 0,5 1,0 1,2 1.5 1.7
Die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Erdteils gehen eindeutig aus dem sprunghaften Ansteigen der Zahlen bis 1927 hervor, sie halten Schritt mit der verkehrsmäßigen E r schließung, die aus der Zunahme der Eisenbahnstrecken von • ) N a c h P r o f . D r . W a i b e l „ D ie R o h s t o f f g e b i e t e d e s ^ t r o p i s c h e n A f r i k a “ l 1937. B i b l i o g r . I n s t i t u t A .- O ., L e ip z ig .
34
3745 km im Jahre 1900 auf 26 210 km im Jahre 1928 spricht. Der Rückfall der W erte im Jahre 1933 unter den Stand von 1913 aber zeigt den ganzen Widersinn des Weltwirtschaft-, liehen Rechnens der verantwortlichen Kolonialmächte. Deutsche und Italienische Pionierarbeit
Daß ein solcher Rückgang nämlich nur möglich war, weil dabei sog. weltwirtschaftliche Rücksichten der großen Kolo nialmächte, d. h. ein monopolistisches Kapitaldenken, die ausschlaggebende Rolle spielten, zeigt das Gegenbeispiel der i t a l i e n i s c h e n Kolonialgebiete im tropischen Afrika. Ihr Anteil am Gesamthandel der afrikanischen Tropen, der in der Zeit vor dem Weltkrieg gleichbleibend bei 1,9 v. H. lag, stieg unter dem Faschismus auf 2,7 v. H. in den Jahren 1927 und 1930 und entwickelte sich dann gerade während der Weltwirtschaftskrise kräftig weiter bis auf 4 ,4 v. H. im Jahre 1933, obwohl die italienischen Gebiete keineswegs von Natur aus besonders reich sind. Ebenso beispielhaft für die restlos verfahrene Kolonialwirtschaft in Afrika nach dem Weltkriege ist andererseits die Tatsache, daß der An teil der deutschen Kolonien am Gesamthandel der afrika nischen Tropen, verglichen mit den fremden Kolonialge bieten, in der Zeit vor dem Weltkriege am stärksten anstieg, um in der Nachkriegszeit erheblich abzusinken und auf diesem Stande zu beharren. Die afrikanische Wirtschaft ist seit dem Weltkriege nicht nach wirtschaftlichen, sondern n a c h p o l i t i s c h e n Ge s i c h t s p u n k t e n entwickelt worden. Wie es nach den liberalistischen Grundsätzen der bisherigen Weltwirtschaft möglich war, Erfindungen aufzukaufen, nicht um sie auszu werten, sondern um ihre Auswertung durch andere zu ver hindern, so hat man 1918 auch die jungen tatkräftigen Völ ker, Deutschland und Italien, um ihre Ansprüche in Afrika betrogen und diesen natürlichen Ergänzungsraum Europas übersättigten oder menschenarmen Staaten überlassen, die nicht die Kraft oder nicht den Willen hatten, die afrika nische Kolonialwirtschaft so zu entwickeln, wie es den europäischen G e s a m t b e d ü r f n i s s e n entsprochen hätte. Wenn man die tatsächlichen wirtschaftlichen Zu kunftsmöglichkeiten des afrikanischen Raumes abschätzen will, dann muß man die italienische Entwicklungsarbeit und die deutsche Vorkriegsleistung zum Vergleich heranziehen, dann muß man sich wieder der Tatsache erinnern, daß 3*
35
r
„den Deutschen auch das gelungen ist, was andere Kolo nialmächte zuvor vergebens versucht haben: Der Aufbau einer Plantagenwirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent“ (Waibel). Gliederung des Afrikahandels Trotz der eigensüchtigen Politik der Westmächte in Afrika und der dadurch bedingten Erschwerungen hat Deutschland auch in der Nachkriegszeit seinen Afrikahan del weiter gepflegt, ja in den letzen Jahren sogar nicht un wesentlich gesteigert. Im Gesamthandel mit Afrika nahm Deutschland 1937 die dritte Stelle ein. Besonders kennzeichnend für die P o l i t i k d e s ü b e r s ä t t i g t e n E n g l a n d in Afrika ist es, daß es seinen afrikanischen Besitz vor allem als Absatzmarkt ansah: Afrika ist der einzige Erdteil, mit dem Großbritannien eine aktive Handelsbilanz hat. Auf der anderen Seite hatte Deutschland eine stark passive Handelsbilanz mit Afrika. Es führte 1937 von dort fast doppelt soviel ein wie es dahin ausführte. Der Grund liegt in der politisch bedingten Ab schnürung der afrikanischen Kolonien vor der so befürchte ten wirtschaftlichen Einflußnahme der „Habenichtse“. — Be zeichnend für die im Rahmen der weltwirtschaftlichen Ent wicklung zunehmende Bedeutung der Kolonien ist es, daß die Einfuhren aus den Kolonien seit 1929 an der allgemein geschrumpften Einfuhr der großen Kolonialmächte einen wachsenden Anteil haben. So stieg bei Großbritannien der Anteil der Kolonien an der Gesamteinfuhr zwischen 1929 und 1937 von 26,9 auf 38 v. H., bei Frankreich von 12,4 auf Afrikahandel im Zeichen von Versailles
1937 Großdeutschi. Großbritannien Frankreich . . Italien . . . . Belgien-Lux. . Spanien . . . . Portugal . . .
36
Anteil am andel Euroras mit AirIka In v. H. Einfuhr Ausfuhr 17,00 29,10 31,45 5,30 7,79 1,09 1,23
1050 37,16 22,63 15,17 4,88 0 08 0,79
v. H., bei Italien von 0,5 auf 2,5 v. H. und bei Belgien von 3,7 auf 6,9 v. H. Trotzdem ist Afrika noch weit davon entfernt, den Platz in der europäischen Außenwirtschaft ein zunehmen, der ihm von Natur aus zukommt. Die Neuordnung Europas und die Ausrichtung der euro päischen W irtschaft auf europäische Ziele wird gerade an dieser Frage nicht vorübergehen. Zur Wirtschaftsfreiheit des europäischen Raumes, wie sie Reichswirtschaftsminister F u n k gefordert hat, wird Afrika nicht unwesentlich' beisteuern können. Trotz der erzwungenen kolonialen Un tätigkeit während der letzten zwanzig Jahre hat Deutschland auch auf diesem Gebiete nicht geschlafen. Voraussetzung dazu ist allerdings die S p r e n g u n g d e r b r i t i s c h e n K a p i t a l f e s s e l n , die bisher sowohl den Schwarzen Erdteil als auch die Rohstoffwirtschaft der Erde ganz all gemein knebelten. Professor H u n k e hat einmal mit Recht gesagt, das Ergebnis der bisherigen, angelsächsisch be stimmten Weltwirtschaft sei die H e r r s c h a f t d e s P r e i s e s und die M a c h t d e s K a p i t a l s gewesen. Man kann deshalb bei einer Betrachtung der bisherigen weltwirtschaftlichen Beziehungen und der Rohstoffwirt schaft Europas nicht an den Folgen dieser britischen Kapi talwirtschaft vorübergehen. 2 4 ,4
37
Europa und das britische Rohstoffkartell
Spanisches Kupfer — englisches Kapital In der südwestlichen Provinz Spaniens — Huelva —, die einen Teil des weinfrohen Andalusien bildet, liegt am Südrande der erzreichen Sierra Morena ein kleiner Ort mit hohem Rufe in den internationalen Börsen- und Finanz kreisen: M i n a s d e R i o T i n t o . Spanien war lange Zeit hindurch das führende Bergbauland der Erde. Schon die Phönizier, Karthager und Römer gruben auf der Pyrenäen halbinsel und namentlich in der Sierra Morena, nach Gold und Silber, Blei und Kupfer. Sie mögen auch die Schwefel kiesvorkommen von Rio Tinto schon gekannt haben. Diese Erzvorkommen, von einer ungewöhnlichen Mächtigkeit bis zu 200 m und seltener Reinheit, sind ein einzigartiger Roh stoff für die Gewinnung von Schwefel und Schwefelsäure (45—49°/o Schwefel), sie liefern aber ebenso ein hochwer tiges Eisenerz und haben einen so hohen Kupfergehalt, daß das Bergbaugebiet von Rio Tinto Spanien zu einem der wichtigs-ten Kupferproduzenten Europas gemacht hat. Die Rio-Tinto-Minen waren bis zum späten Mittelalter Besitz der spanischen Krone. Mit dem politischen und wirt schaftlichen Niedergang Spaniens gingen die Konzessionen pachtweise in fremde Hände über. Mitte des 19. Jahrhun derts gewannen die Erzvorkommen mit der zunehmenden Industrialisierung und dem wachsenden Rohstoffbedarf Europas erneut an Bedeutung. Eine neue Zeit begann, als im Jahre 1873 die Gruben von einer englischen Gesellschaft, die sich später „Rio Tinto Company Ltd.“ nannte und ihren Sitz in London hatte, erworben wurden. Rio Tinto war dadurch ein B ö r s e n p a p i e r geworden, das bis in die jüngsten Jahre eine hohe Anziehungskraft besaß: das hatte auch einen sehr praktischen Grund, denn die reichen Minen warfen hohe Dividenden ab, die nicht selten 50°/o weit überschritten. Die Erzvorkommen von Rio Tinto — einstmals eine Perle des spanischen Bergbaus — waren 39
international geworden. Im Gebiete von Rio Tinto war zwar noch eine zweite Gesellschaft ansässig, die Tharsis Sulphur and Copper Co., die sich den Anstrich eines fran zösischen Unternehmens gab, in Wirklichkeit aber enge Beziehungen zu der britischen Gesellschaft unterhielt und tatsächlich mit englischem Kapital arbeitete. Durch die Engländer wurde das spanische Kupfer erst einmal „weltmarktfähig“ gemacht, denn die Rio-Tinto-Gesellschaft verfügte auch über erhebliche Beteiligungen an den großen rhodesischen Kupfervorkommen in Afrika und war Mitglied des internationalen Kupfersyndikats, das für die Lenkung des Absatzes und der Preise für Kupfer auf dem Weltmarkt sorgte. Über diesen W eltm arkt gelangte das Rio-Tinto-Kupfer dann wieder nach dem kupferarmen Europa, wo es seiner Bestimmung entgegenging. In den spanischen Minen aber arbeiteten die spanischen Arbeiter unter den gleichen primitiven Bedingungen wie ihre Vor väter vor einigen hundert Jahren. Ausgangs- und Endpunkt waren also die gleichen geblieben: Spanische Arbeiter för derten spanisches Kupfererz, das in den europäischen Industriestaaten dringend benötigt wurde. Dazwischen hatte sich im Rahmen der weltwirtschaftlichen Entwicklung eine britische Kapitalgruppe geschoben, die das spanische Kupfer in ihr M o n o p o l s y s t e m eingliederte. Das britische System
In ein System paßt dieser Vorgang auch in weiterem Sinne, nämlich in das vergangene System der politisch wirtschaftlichen Weltstellung Englands. Es ist nicht immer zu verurteilen, daß fremdes Kapital zur Aufschließung der Rohstoffvorkommen irgendeines Landes herangezogen wird, aber es ist entscheidend, was dieses Kapital über die eigentliche Aufgabe der L e i s t u n g s s te ig e r u n g hinaus bewirkt. Bleiben wir zunächst bei der Lei stungssteigerung. Sie ist nämlich für britisches Kapital durchaus nicht die eigentliche Aufgabe gewesen. Es gibt für eine solche Behauptung genügend Beweise. Zu Beginn des europäischen Krieges wurden bekanntlich von der eng lischen Gesellschaft, die die Zink- und Bleilager der T r e p c a - M i n e n i n J u g o s l a w i e n ausbeutet, die Gruben geschlossen, weil die Arbeiter Lohnerhöhungen ver langten. Die „Trepca Mines Ltd.“ gehörte zum Interessen bereich des „British Selection Trust“, der auch über aus gedehnte Konzessionen in Südafrika und Australien verfügte. 40
Wie es um die Wirtschaftlichkeit des „Trepca“-Unternehmens bestellt ist, geht schon daraus hervor, daß die 1930 gegründete Gesellschaft bereits wenige Jahre später ihr Aktienkapital von rd. 1,7 Mill. Pfund Sterling als Rein gewinn wieder hereingebracht hatte. Ebenso wäre es denk bar gewesen, daß beispielsweise die Rio-Tinto-Minen für die britischen Besitzer „unrentabel“ geworden wären, weil die spanischen Arbeiter infolge ihrer höheren Lebens ansprüche nicht mehr mit den Raffern, die in den rhodesischen Gruben der Gesellschaft arbeiteten, konkurrieren konnten. Die Folge w äre die Stillegung der spanischen Gruben gewesen; verkauft hätte man sie jedenfalls nicht, weil man damit ja einen Wettbewerber des eigenen Mono pols herangezüchtet hätte. Die europäische Kupferproduk tion w äre in der W eltstatistik dann eben um einige Prozent geringer gewesen. Es gab aber auch andere Gründe,- die einer Leistungs steigerung entgegenstehen konnten. Sie konnten politischer Natur sein, wie im Falle der rumänischen Erdölförderung, die von den großen britischen und französischen Gesell schaften in den letzten Jahren durch planmäßige Vernach lässigung sabotiert wurde. Es konnten wirtschaftliche Spekulationen sein, wie sie zweifellos dafür bestimmend waren, daß die Erdölförderung im Irak bisher nur 4 statt 7 Mill. t im Jahre erreichte. Es gab viele Gründe, die einer natürlichen Leistungserhöhung im Wege stehen konnten, aber sie alle paßten in das weltwirtschaftliche System Eng lands, das auf zwei große Gesichtspunkte ausgerichtet war: Profit und W eltherrschaft. Dem unbedingten Gewinnstreben, aus dem Englands ehemaliger Reichtum stammte, widersprach es, die Staaten und Völker, in denen englisches Kapital arbeitete, an den Früchten der Rohstoffwirtschaft und der Arbeit der eigenen Landeskinder teilhaben zu lassen; dafür gab es allenfalls politisch zweckbestimmte Anleihen. Dem kompromißlosen W eltherrschaftsstreben entsprach es andererseits, daß man möglichst jede einigermaßen wichtige Produktion unter britischer Kontrolle hielt. Die wirtschaftliche Abhängigkeit verhinderte auch jede freiheitliche politische Regung. Die Monopolwirtschaft aber warf wiederum infolge weitgehend willkürlicher Preise hohe Gewinne ab, die die Grundlage der Anleihepolitik und der gewaltigen Kapitalinvestitionen im Ausland waren. Fürwahr ein fein durchdachter Kreis
41
lauf, der so lange störungsfrei arbeitete, wie nicht ein eben bürtiger Gegner auf den Plan trat. Weltwirtschaftliche Zwangsjacke
Die angelsächsische Weltwirtschaft war eine Art Zwangs jacke, und zwar nicht nur für die mit England konkurrie renden Industrieländer, sondern ebenso für die Rohstoff gebiete der Erde. Ihr Ziel war, der britischen Weltmacht die notwendigen Rohstoffe ohne eigene Arbeit zu rfiöglichst günstigen Bedingungen zu liefern, die Rohstoffbezüge der anderen — und damit deren wirtschaftliche Freiheit — zu kontrollieren und schließlich Produktion und Absatz weit gehend zentral zu erfassen, um Preis und Gewinn bestim men zu können. Propagandistische Parolen, wie „Politik der offenen Tür“ und „Freihandel“, sollten dazu die mora lische Rechtfertigung abgeben und zugleich die praktische Durchsetzung der Ziele erleichtern. Diese Form der W elt wirtschaft — als politisches Druckmittel, verbunden mit großen wirtschaftlichen Gewinnmöglichkeiten — hat England nicht etwa nur in den kolonialen Gebieten, sondern in erster Linie und lange Zeit hindurch gegenüber dem europäischen Festland erfolgreich gehandhabt. Die B l o c k a d e von 1914 und 1940 war jeweils nur die letzte Folgerung. In Europa hatte England seine ersten wirtschaftlichen Gegner gefunden, vom Festlande drohte auch für die Zukunft die einzige wirkliche Gefahr. Spanien w ar der britischen Piraterie zum Opfer gefallen, die Niederlande waren durch die Navigationsakte Cromwells wirtschaftlich vernichtet worden. Die Kontinentalsperre Napoleons, die England an seiner empfindlichsten Stelle, in seinem Handel, bedrohte, war von den Festlandstaaten selbst zerbrochen worden. Das industriewirtschaftliche Europa des 19. Jahrhunderts, durchdrungen von den Ideen der englischen Wirtschaftslehren und überzeugt vom britischen „Wirtschaftsgenie“ wurde das O p f e r d e r e n g l i s c h e n W e l t w i r t s c h a f t . Um Europa politisch mattzusetzen, hat England d r e i W e g e eingeschlagen. Die europäischen Rohstoffländer wurden kapitalmäßig durchdrungen und die wichtigsten ge werblichen Rohstoffe, wie die Buntmetalle, das Erdöl, die Legierungsmetalle usw., wurden in das britische Monopol system eingegliedert. Die restliche europäische Rohstoff erzeugung, aber auch die landwirtschaftliche Produktion, wurden dem Wettbewerb mit dem W eltmarkt preisgegeben. Schließlich monopolisierte England die Rohstoffe der kolo 42
nialen Gebiete oder entzog ganze Räume durch seine Raub politik der europäischen Einflußnahme. Denn Englands Land hunger ist ja keineswegs in seinem eigenen Bedarf oder Betätigungsdrang begründet gewesen, sondern diente aus schließlich der Aufrechterhaltung des Monopolgrundsatzes. Versailles, das Afrika zur britisch-französischen Domäne machte, das aber gleichzeitig auch in Europa selbst 2000 km neue Zollgrenzen zog, ist für diese Methoden ebenso ein Beweis, wie die von England verbreitete Fabel von der unbedingten Rohstoffabhängigkeit Europas. Die Auswirkungen der britischen Rohstofikartelle Für Europa wurden die Folgen dieser britischen Politik nicht nur sichtbar in dem Ränkespiel Englands auf dem Balkan, in Osteuropa und Skandinavien, sondern mehr noch in der V e r n a c h l ä s s i g u n g d e r B o d e n s c h ä t z e in den meisten europäischen Staaten und in der D a u e r k r i s e d e r e u r o p ä i s c h e n A g r a r l ä n d e r , von der bis heute unerfüllten europäischen A u f g a b e i n A f r i k a ganz abgesehen. Wenn man heute feststellt, daß zahlreiche europäische Bodenschätze noch ihrer Erschließung harren, oder daß die H ektarerträge in den Südoststaaten weit unter dem Normalstand liegen, daß die Landwirtschaft völlig unzureichend ausgerüstet ist, daß die Kaufkraft mancher europäischer Staaten zu gering ist oder — man könnte hier noch endlos fortfahren. Der Grund für alle diese Erschei nungen ist — wenn auch nicht allein — der W e l t m a r k t p r e i s . Wenn der rumänische Bauer früher nicht zum W eltmarktpreis verkaufen konnte, also im Wettbe werb mit allen Weizenfarmern der Erde, dann konnte sein Getreide verfaulen; weniger hochwertige Metallvorkommen konnten trotz der großen Einfuhrabhängigkeit Europas nicht in Abbau genommen werden, weil die Produktionskosten über den Gestehungskosten der Weltproduktion lagen. Eine gute Ernte in der W elt w ar nicht mehr ein Segen, sondern ein Unglück; man verbrannte'einen Teil, um die Preise zu halten. Die Rohstoffkartelle bestimmten in jedem Jahr, wie hoch die Welterzeugung steigen durfte, um einen bestimm ten Preis nicht zu unterschreiten. Solche „Restriktionen“ galten aber nicht nur für die kolonialen Liefergebiete, son dern trafen unterschiedslos auch die europäischen Produk tionsgebiete, ja diese sogar zuerst, weil sie infolge der höheren Lebensansprüche der europäischen Arbeiter und Bauern zwangsläufig „unwirtschaftlicher“ arbeiteten als 43
die ausgesprochenen Rohstoffgebiete der Erde mit ihrer Großerzeugung und ihren z. T. farbigen Arbeitskräften. Daraus, und nicht aus Produktionsgründen erklärt sich das Auf und Ab der statistischen Erzeugungszahlen; deshalb betrug die spanische Kupfererzförderung 1913 rd. 45 000 t, 1929 63 700 t und 1935 nur noch 30 000 t Metallinhalt. Es ist bezeichnend, wenn man heute in erdkundlichen Lehrbüchern Feststellungen findet, wie z. B. folgende: „An Bodenschätzen ist Südslawien reich (Eisen, Kupfer, Blei, Chromerz, Bauxit, Asphalt), jedoch stehen die meisten Lager e r s t a m A n f a n g d e r E r s c h l i e ß u n g . “ Reiche Rohstoffgebiete im Herzen von Europa, dessen Industrieländer nach Roh stoffen hungern, stehen im 20. Jahrhundert noch am An fang der Erschließung! Das ist ein Ergebnis der W eltwirt schaft angelsächsischer Prägung. England hatte das euro päische Lebensgesetz auf den Kopf gestellt: statt in den überseeischen Räumen die Ergänzung Europas zu sehen, betrachtete es Europa — namentlich seit dem W eltkriege — als gelegentliche Ergänzung seiner überseeischen Roh stoffquellen. Dieses britische System ist zuerst von D e u t s c h l a n d u n d I t a l i e n erkannt und bewußt durchbrochen worden, und zwar im Vierjahresplan und im deutschen' Außen handel, sowie von Italien in seiner Autarkiepolitik und seiner Arbeit in Afrika. Deutschland erschloß ohne Rück sicht auf weltwirtschaftliche Rentabilitätsbedenken seine eigenen Rohstoffreserven und wagte es, auch seinen Han delspartnern Preise einzuräumen, die zw ar über dem W elt marktpreis lagen, die aber diese Handelspartner auch zum ersten Male in die Lage versetzten, ein festes Produktions programm aufzustellen und ohne Rücksicht auf mögliche Weltmarktentwicklungen an eine Leistungssteigerung auf lange Sicht heranzugehen. Zwar werden Deutschland und Italien auch nicht wahllos jede nach früheren Anschauun gen „unrentable“ Produktion aufnehmen, aber es ist doch von zukunftweisender Bedeutung, daß sie sich auch schon bisher zur Erringung der Wirtschaftsfreiheit, d. h. der Handlungsfreiheit im Ernstfälle, durch den W eltmarktpreis keine Grenze setzen ließen. Damit hatten die Achsenmächte das System der britischen Weltwirtschaft durchbrochen.
44
Die europäische Rohstoffbilanz
Die Fabel von der europäischen Abhängigkeit
Das alles muß man klar vor Augen haben, wenn man die Erzeugungs- und Verbrauchsstatistiken Europas be trachtet und aus ihnen Rückschlüsse auf die Abhängigkeit in diesen oder jenen Rohstoffen ziehen will. Trotzdem wird jeder, der bisher an die englische Propagandaformel von der unbedingten Nahrungs- und Rohstoffabhängigkeit Europas geglaubt hat, erstaunt sein zu hören, daß nach den statistischen Berechnungen der gewiß unverdächtigen Genfer Liga Europa (einschließlich UdSSR.) bisher schon an der gesam ten G r u n d p r o d u k t i o n d e r E r d e , also an der Erzeugung unverarbeiteter Nahrungsmittel und Roh stoffe, einen Anteil von nicht weniger als 45,5 v. H. hatte. Von dem errechneten W ert der Weltproduktion von 258 Milliarden RM im Jahre 1937 entfielen rd. 117 Milliarden RM auf Europa. E u r o p a a ls R o h sto ffe rz e u ge r (einschl. Rußland)
Anteil an der Erdfläche
Anteil an der Erdbevölkerung
Anteil am Wert der Grunderzeugung der Welt
Gegenüber dieser g e w a l t i g e n P r o d u k t i o n E u r o p a s verblassen die Anteile der übrigen Erdteile: Nord amerika erreicht mit 24,8 v. H. der Welterzeugung nur gut die Hälfte des europäischen Produktionswertes, Asien 45
i
kommt nur auf 16 v. H. und Ibero-Amerika gar nur auf 7,9 v. H., Afrika und Australien haben jeweils einen Anteil von 2,9 v. H. Es gilt überhaupt manchen Ansichten entgegenzutreten, die sich in der breiten Öffentlichkeit weitgehend eingebür gert haben, und die doch ebenso falsch sind, wie sie von bestimmten politischen Richtungen oft genug zur Schwä chung der europäischen Stellung mißbraucht worden sind. Das gilt besonders für die R o l l e d e r L a n d w i r t s c h a f t in d e r e u r o p ä i s c h e n G e s a m t w i r t s c h a f t Ist es auf den ersten Blick erstaunlich, daß von der Gesamterzeugung der Welt an Grundstoffen dem W erte nach über drei Viertel auf die Erzeugung der Landwirt schaft und nicht etwa auf die bergbaulichen Rohstoffe kommen, so überrascht es doch noch mehr, daß in Europa der landwirtschaftliche Anteil an der Grundstoffproduktion sogar mehr als 80 v. H. beträgt. An der Weltproduktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse hatte Europa 1937 dem Werte nach einen Anteil von 47 v. H. D i e s o h ä u f i g u n t e r de m E i n d r u c k d e r I n d u s t r i e p r o d u k t i o n mi ß a c h t e t e e u r o p ä i s c h e L a n d w i r t s c h a f t s t e l l t e also f a s t die H ä l f t e d e r W e l t e r z e u g u n g an l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n G r u n d e r z e u g n i s s e n . Der nächstfolgende Erdteil ist Nordamerika mit nur einem Fünftel. Wer nun meinen sollte, daß ein solches Ergebnis nur durch Einbeziehung des großen sowjetrussischen Rau mes zustande käme, wird überrascht sein zu hören, daß Europa ohne Rußland mit allein 35,7 v. H. immer noch weit an der Spitze marschiert. Selbst wenn man annehmen will, daß in der statistischen Erfassung möglicherweise der ostasiatische Raum nicht ganz zutreffend erfaßt ist, bleibt dieses eindrucksvolle Verhältnis unter den großen, am Welthandel teilnehmenden Räumen gültig. Auch in der Er zeugung nicht-landwirtschaftlicher Grundprodukte (nament lich Bergbau) führt Europa vor der übrigen Welt, allerdings mit 40,7 v. H. nur knapp vor Nordamerika mit 39 v. H. Die angeblich so weitgehende Einfuhrabhängigkeit Euro pas wird durch solche Zahlen schlagend widerlegt. Gegen über dem W ert der gesamteuropäischen Grundproduktion von 117 Milliarden RM nimmt sich die europäische Einfuhr aus anderen Erdteilen mit insgesamt 18,1 Milliarden RM im Jahre 1937, die ja zum größten Teil ebenfalls aus Nah rungsmitteln und Rohstoffen bestand, doch recht bescheiden aus. Der A n t e i l d e r E i n f u h r a m G e s a m t v e r
46
b r a u c h E u r o p a s a n G r u n d e r z e u g n i s s e n dürfte demnach kaum 10 v. H. überstiegen haben. Für die Beur teilung der W irtschaftsfreiheit ist noch zu berücksichtigen, daß ein großer Teil der europäischen und der eingeführten Rohstoffe in Form von Fertigerzeugnissen der Industrie wieder aus Europa ausgeführt wird. Großerzeuger und Großimporteur
Trotz seiner gewaltigen Eigenerzeugung ist Europa den noch der b e d e u t e n d s t e I m p o r t e u r d e s W e l t m a r k t e s . Es kaufte 1937 mehr als die Hälfte der von den anderen Erdteilen auf den Weltmarkt gebrachten Waren, und zw ar in erster Linie Rohstoffe und Lebens mittel. Diese in der W elt einzigartige Stellung als Groß erzeuger u n d Großimporteur ist das beste Kennzeichen der ü b e r r a g e n d e n W i r t s c h a f t s k r a f t des Erdteils, die auch nicht annähernd von irgendeinem anderen Groß raum erreicht wird. Diese Zusammenballung der Wirt schaftstätigkeit der Erde auf einem Raum, der einschließ lich der Sowjetunion nur ein Fünftel der Landfläche der Erde und nur ein Viertel der Erdbevölkerung umfaßt, wird auch durch die Tatsache allein nicht geklärt, daß die euro päischen Länder in den letzten zehn Jahren jeweils mehr als, zwei Drittel der W eltausfuhr an Fertigwaren stellten. Entscheidend sind vielmehr die K u l t u r h ö h e und der E i g e n v e r b r a u c h dieser 530 Millionen Menschen und namentlich ihres Kerns in Zentraleuropa. Es gibt keinen Maßstab, an dem die W irtschaftskraft Europas im Ver gleich zur übrigen W elt gemessen werden könnte; aber in allen Äußerungen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens — sei es nun im Handel, in der Industrieproduktion oder in den Kulturschöpfungen — trifft man auf dieses Übergewicht Europas. So ist es auch im Verbrauch. Die L e b e n s a n s p r ü c h e des europäischen Menschen sind sowohl hinsichtlich der Ernährung als auch im Verbrauch an industriellen Gütern und damit an gewerblichen Roh stoffen im Durchschnitt um vieles höher als die der übrigen Menschheit, von Nordamerika abgesehen. Nordamerika hat aber lediglich ein Viertel der Bevölkerung Europas. Dieser V erbrauch w ird bis auf einen verhältnismäßig kleinen Rest aus dem eigenen Raum gedeckt. Trotzdem darf dieser Rest in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden. Die E i n f u h r E u r o p a s a u s a n d e r e n E r d t e i l e n umfaßt zum großen Teil Waren, die von 47
Natur aus in Europa nicht vorhanden, für die neuzeitlichen Lebensbedürfnisse aber auf die Dauer schwer zu entbehren sind. Andere Güter kommen in Europa nur unzureichend vor. Bei manchen handelt es sich wieder um verhältnis mäßig geringe Mengen, die aber trotzdem für die Industrie wirtschaft von entscheidender Wichtigkeit sind. Von der Erzeugung der Welt an Grundstoffen hatten die N a h r u n g s m i t t e l 1937 einen Anteil von zwei Drittel, die g e w e r b l i c h e n R o h s t o f f e stellten das restliche Drittel. Für die wirtschaftliche Entwicklung der W elt und der europäischen Rohstoffwirtschaft ist es bezeichnend, daß der Anteil der Nahrungsmittel langsam aber deutlich gegen über dem Vordringen der gewerblichen Rohstoffe zurück geht. Es handelt sich dabei wohlgemerkt nur um das Anteil verhältnis, da die absoluten W erte in beiden Gruppen steigen, bei den Rohstoffen aber schneller als bei den Nahrungsmitteln. Wirtschaftsfreiheit, nicht Isolierung Für die künftige Ausrichtung der europäischen Rohstoff wirtschaft wird es entscheidend darauf ankommen, das bisher gleichsam „wilde“ Wachstum der europäischen Roh stoffproduktion der n e u e n p o l i t i s c h e n Z i e l s e t z u n g des Kontinents anzupassen. Das Stichwort dazu heißt „ W i r t s c h a f t s f r e i h e i t “. Ein geeintes, von der briti schen Vorherrschaft befreites Europa kann es sich nicht leisten, im Ernstfälle durch zufällige oder von der angel sächsischen Weltwirtschaft planmäßig geschaffene Versor gungslücken in lebenswichtigen Rohstoffen in seiner Hand lungsfreiheit behindert zu sein. Damit ist auch die Frage des Maßes der Autarkie bereits beantwortet. Zumindestens die jenigen Rohstoffe, die Europa im Ernstfälle zur lebensnot wendigen Versorgung seiner Bevölkerung und zur Aufrecht erhaltung seiner Rüstung benötigt, müssen ihm entweder in Europa selbst oder in erreichbarer Nähe ständig in ausrei chenden Mengen zur Verfügung stehen; was über diesen Rahmen hinausgeht, und das ist im Hinblick auf den hohen Lebensstandard der europäischen Völker nicht wenig, ist eine Angelegenheit des Welthandels. Die Spanne zwischen völliger Selbstversorgung und dem zur Aufrechterhaltung der Wirtschaftsfreiheit notwendigen Grad der Selbstversorgung wird allerdings nicht bei 'allen Rohstoffen gleich sein. Man wird im Ernstfälle verhältnis mäßig leicht auf einen erheblichen Teil der Genußmittel ver 48
zichten können, man kann auch den privaten Motorisie rungsbedarf — also Treibstoff und Gummi — weitgehend herabmindern oder durch heimische Stoffe ersetzen, da gegen scheint es w eniger tragbar, daß die europäische Be völkerung sich bei jeder Bedrohung der Welthandelsver bindungen den Leibriem en enger ziehen soll, denn zwischen Hunger und Norm albedarf liegt eine große Spanne. Außer Frage steht es beispielsweise auch, daß Europa jederzeit voll über seinen B edarf an Kohle und Eisen verfügen können muß. Für die B eurteilung der bisherigen europäischen Ver sorgungslage, die der A u s g a n g s p u n k t a l l e r Z u k u n f t s b e t r a c h t u n g e n sein muß, ist nicht so sehr die Tatsache entscheidend, daß Europa 1937 eine UeberseeEinfuhr von 18,1 M illiarden RM hatte — das mag im Rahmen des künftigen W elthandels mehr oder weniger auch der Fall sein —, sondern entscheidend ist die Z u s a m m e n s e t z u n g d e r E i n f u h r . Eine Untersuchung der Waren einfuhr zeigt aber, daß m ehr als ein Drittel des Einfuhr wertes bisher auf fünf Rohstoffgruppen entfiel, und zwar auf Pflanzenöle und Fette, Metalle (außer Eisen), .Textilien, Treibstoffe und Gummi. Alle diese Stoffe sind für die Roh stofffreiheit wichtig, so daß sich schon in einem solchen Blick auf die W areneinfuhr die L ü c k e n d e r n o t w e n d i g e n E i g e n v e r s o r g u n g zeigen. Nahrungsfreiheit, aber Fettlücke
Von diesen Lücken tritt nur eine im Ernährungsbereich auf, nämlich die sog. Fettlücke.*) Tatsächlich ist die Nahr u n g s f r e i h e i t E u r o p a s , deren unbedingte Notwen digkeit durch zw ei europäische Kriege unterstrichen worden ist, bis auf eine gewisse Knappheit in der Fettversorgung schon bisher gesichert gewesen. Fast vier Fünftel der europäischen Grunderzeugung entfallen auf Nahrungsmittel, so daß das kleine Europa dem W erte nach mehr als die Hälfte der Grundnahrungsmittelerzeugung der Welt stellt. Aber die europäische Bevölkerung hat auch einen weit überdurchschnittlichen Verbrauch. Zudem spielen die Zu sammensetzung der Erzeugung und die Ernährungsgewohn heiten eine wichtige Rolle. Im einzelnen läßt sich sagen, daß die B r o t g e t r e i d e v e r s o r g u n g Europas bis auf • ) S i e h e : W a l t e r H ü b e n e r , M ö g l i c h k e i t e n d e r d e u ts c h e n u n d e u r o p ä i s c h e n F e t t v e r s o r g u n g . I n : N a t i o n a l e W i r t s c h a f t s o r d n u n g u n d G ro ß r a u m w i r t s c h a f t . M e i n h o l d V e r l a g s g e s e l l s c h a f t , D r e s d e n 1941.
4
49
einen Zuschußbedarf der britischen Inseln schon bisher ge sichert war. Bei Weizen, Roggen, Kartoffeln und Zucker rüben führt der Erdteil weitaus in der W elterzeugung. Die Reisernten deckten zwar bisher nur die Hälfte des Bedarfs, sie sind aber auch nicht von erheblicher Bedeutung für die Versorgung. Auch von der Fleischerzeugung der W elt stellte Europa nicht weniger als die Hälfte. Bei B utter und Eiern sind die Einfuhrüberschüsse nicht nennenswert. Voraus setzung für die hohe Erzeugung tierischer Nahrungsmittel war bisher aber eine recht beträchtliche E i n f u h r v o n F u t t e r m i t t e l n , namentlich von Mais und Ölkuchen. D ie H ä lfte d e r N a h r u n g s m it t e le r z e u g u n g d e r W e lt aber nur ein gutes Fünftel der Olrohstoffe entfielen 1937 dem Werte nach auf Europa
Grundnahrungsmittel
Ölfrüchte und Olsam en
Damit hängt auch die F e t t l ü c k e eng zusammen. Wenn die europäische Buttererzeugung den Eigenbedarf bisher im wesentlichen decken konnte, so liegt das lediglich daran, daß die europäischen Länder sich in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr auf die billigeren ü b e r s e e i s c h e n P f l a n z e n f e t t e umgestellt haben. An den Ölrohstoffen der Welt hatte Europa aber bisher nur einen Anteil von einem guten Fünftel. Das beeinträchtigte nicht nur die Pflanzenfettgewinnung selbst, sondern auch die Produktion an tierischen Fetten, weil die Rückstände der Pflanzenölgewinnung (Ölkuchen) wiederum das beste Kraft futter sind. Neben der bis auf den Engpaß in der Fettversorgung gesicherten Nahrungsfreiheit hat es keine Bedeutung, daß Europa in wichtigen Q e n u ß m i t t e l n einfuhrabhängig ist. In der Wein- und Hopfengewinnung der W elt steht Europa mit fast vier Fünfteln weitaus an der Spitze. An Tabak 50
erzeugt E uropa ein gutes V iertel der Weltproduktion. Da neben gab es b isher jährlich etw a 1,5 Milliarden RM für die Einfuhr von U berseetabak, Kaffee, Tee und Kakao aus. Die industrielle Grundlage ist gesichert Über die im industriellen Bereich entscheidenden Roh stoffe K o h l e u n d E i s e n verfügt Europa in ausreichen dem Maße. W as es auch in Zukunft noch bedeuten wird, daß Europa m ehr als die Hälfte der Steinkohlenförderung und fast die gesam te Braunkohlenförderung der Welt stellt, hat das Beispiel D eutschland der W elt schon in den ver gangenen Jahren gezeigt. Die Kohle ist der vielseitigste Energieträger und Rohstoff. Ohne Kohle w äre der zweite Vierjahresplan ein leeres Program m gewesen. Sie hat der deutschen Industrie nicht nur K raft in Form von Dampf, elektrischem S trom und Gas geliefert, sondern auch im Benzol und Kohlebenzin sow ie im Buna der Motorisierung die heimischen G rundlagen gegeben und darüber hinaus manche anderen von N atur aus knappen Rohstoffe wie Metalle, F ette, D üngem ittel, N aturfarben usw. zu ersetzen geholfen. Als A usgangsstoff für fast alle neuen Werkstoffe wird sie auch künftig noch m anche Umwälzung im Roh stoffhaushalt d er W elt verursachen. S e l b s t v e r s o r g e r in K o h le u n d Eisen Verteilung der Welterzeugung 1937 Europa Nordamerika
l
'— -mMMMi
übrige Welt Steinkohle
1
Braunkohle
[
2 3 1 M illio n e n I
i
v:.:;-:
jm
Roheisen
Über die B edeutung des Eisens für Industrie und Rüstung braucht nichts g e sag t zu w erden. Auch in E i s e n ist Europa p rak tisch S elb stv erso rg er. W ie bei der Kohle ist auch die H öhe d er E isenerzförderung bisher lediglich eine Frage des V erb rau ch s und d er M arktverhältnisse gewesen. Die V orräte des euro p äisch en Bodens an beiden Rohstoffen reichen zur D eckung jeden Bedarfs. 4'
51
Der Engpaß der Rüstungsmetalle Eine der wichtigsten Lücken der europäischen Rohstoff versorgung im industriellen Bereich ist dagegen der Eng paß bei den Stahlveredlungsmetallen und den Buntmetallen. Von den für die Stahlgewinnung und Stahlverarbeitung so wichtigen L e g i e r u n g s m e t a l l e n verfügt Europa bei Chrom über gut 40 v. H., bei Mangan über mehr als die Hälfte der Welterzeugung. Nickel,' Wolfram, Vanadium und Molybdän wurden dagegen bisher nur in sehr geringen Mengen gewonnen. Nicht sehr viel besser sah es bei den sog. B u n t m e t a l l e n aus. Nicht der Einfuhrwert, der 1937 für Legierungs- und Buntmetalle zusammen etwa 1,3 Milliar den RM betrug, ist das Wesentliche, sondern die w e h r w i r t s c h a f t l i c h e B e d e u t u n g dieser Metalle. Schon die Monopolisierung durch die angelsächsischen Mächte weist deutlich auf die Wichtigkeit dieser Metalle hin, und die M e ta llsp e n d e des deutschen Volkes hat jedem deut schen Volksgenossen den Begriff der Buntmetalle nahe gebracht. Europa verbrauchte — nicht zuletzt wegen des hohen Bedarfs für die Ausfuhrwaren — jeweils mehr als die Hälfte der Weltgewinnung; es erzeugte dagegen im Rahmen der Weltgewinnung an Zinn nur 1,7 v. H., an Kupfer 11 v. H., an Blei 20 v. H. und an Zink gut 29 v. H. Die Lücke zwischen Bergwerksproduktion und Rohmetallver brauch ist also am größten beim Zinn, dann folgen Kupfer, Blei und Zink. Das ist zwar keine akute. Gefahr, denn wie der europäische Krieg gezeigt hat, läßt sich durch v o r s o r g l i c h e V o r r a t s b i l d u n g und eine v e r n ü n f t i g e B e w i r t s c h a f t u n g auch diese Lücke über brücken, für die Zukunft aber wird sich Europa damit nicht zufriedengeben können. Durch die Erschließung Afrikas drrch die europäische Großraumwirtschaft und die Intensivierung der Wirtschaft der Sowjetunion wird die vorhandene Lücke nicht nur geschlossen, sondern der wachsende Bedarf für jede absehbare Zeit sichergestellt. Ganz anders dagegen sieht es bei den L e i c h t m e f a l l e n aus, die die Buntmetalle teilweise bereits er setzen. Europa erzeugte und verbrauchte 1938 etwa 63 v. H. der Weltaluminiumerzeugung; es stellte aber auch den gleichen Anteil in der Bauxitproduktion. Noch überlegener erscheint seine Stellung in der Magnesiumerzeugung; denn die Ausgangsstoffe dafür, Dolomit, Kalisalze und Magnesit, sind in Europa mehr als reichlich vorhanden. 52
Daß es sich bei den Leichtmetallen nicht um Ersatz stoffe, sondern um eigenwertige Metalle handelt, zeigt ihr Siegeslauf in der ganzen Welt. Beide Metalle haben ihren Weg von Deutschland aus gemacht. Die A l u m i n i um e r z e u g u n g hat sich in noch nicht einem Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Die Welterzeugung von rd. 600 000 t im Jahre 1938 entsprach wegen des weit geringeren spezi fischen Gewichtes schon damals fast der Welterzeugung an Kupfer, das es vor allem ersetzen kann. Eine ähnliche Ent wicklung w eist auch das M a g n e s i u m auf, das in be stimmten Legierungsformen eine außerordentlich vielseitige Verwendungsmöglichkeit hat. A lu m in iu m / ein eu ro päisch e s M e ta ll Welferzeugung und Welfverbrauch
E u ro p a N o rd A m e rik a
ü b r ig e W e lt
. P r o d u k tio n
e rze u gu ng
v e rb ra u c h
Mit den Leichtmetallen haben die Achsenmächte den a n g e ls ä c h s is c h e n Mo n o p o l r i n g d e r R ü s t u n g s m e t a l l e b e r e i t s du r c h b r o c h e n . England hat im europäischen Krieg erfahren müssen, daß Aluminium und Magnesium Rüstungsmetalle sind im gleichen Rang mit Kupfer und Zinn. Der Sieg der deutschen Luftwaffe ist zu gleich ein Sieg der deutschen Leichtmetallindustrie. Textilfasern, Holz, TreibstoU und Gummi Noch stärker als in der Metallwirtschaft muß man in der Versorgung mit T e x t i 1 r o h s t o f f e n mit dem B e d a r f d e r A u s f u h r i n d u s t r i e rechnen. So bemer kenswert an sich auch die Tatsache ist, daß 1937 noch mehr als 16 v. H. des Wertes der europäischen Gesamteinfuhr. 53
aus Ubersee auf die Einfuhr von Textilfasern entfiel, so darf man doch nicht übersehen, daß diese Einfuhr von drei Milliarden RM wenigstens zu einem großen Teil dazu diente, die bedeutende Ausfuhr Europas an Textilfertig waren zu ermöglichen. Ein knappes Viertel der Textilfaser erzeugung der Welt wurde bisher in Europa selbst ge wonnen. Der Verbrauch einschließlich des Ausfuhrbedarfs belief sich dagegen auf etwa die Hälfte der Welterzeugung, so daß die Eigenerzeugung bisher nur etwa die Hälfte des Bedarfs decken konnte. Seit einer Reihe von Jahren tritt allerdings zugunsten der einheimischen Versorgung im Textilbereich eine fortlaufende Verschiebung ein, die heute die Zahlen der Vorkriegszeit bereits überholt erscheinen läßt. Ein großer Unterschied liegt angesichts des bis herigen Bedarfs der großen britischen Ausfuhrindustrie natürlich auch im Grad der Selbstversorgung Kontinental europas und des hier stets zugrunde gelegten gesamteuro päischen Raumes einschließlich der britischen Inseln und der Sowjetunion.*) i Europa ist der größte H o lze rzeu ger d e r W e lt Welterzeugung an Holzprodukten 1937
W e lte rz e u g u n g a n Zellstoff u n d Holzschliff 1 9 3 7
Völlig ausreichend ist dagegen die europäische Versor gung mit H o 1z (abgesehen von den überseeischen Edel hölzern) und mit Zel l st off. Zellstoff, der bisher fast aus *) Im übrigen sei auf die wachsende Produktion der Sowjet-Union und des Balkans an bester Baumwolle hingewiesen; abgesehen davon, da8 bei der Einbeziehung Afrikas in die europäische Großraumwirtschaft nicht nur die ägyptische Baumwolle zur Verfügung steht, sondern auch ganz unausgenutzte Anbaumöglichkeiten offen stehen.
54
schließlich durch chemische und mechanische Aufschließung von Fichtenholz gewonnen wurde, ist ein wichtiger Rohstoff nicht nur für die Erzeugung von K u n s t f a s e r n , sondern auch für die P a p i e r e r z e u g u n g und für bestimmte Rüstungsgebiete. Aber auch für weitere Bedarfssteigerun gen ist bereits vorgesorgt. Wichtig erscheint vor allem die Heranziehung besonders billiger Ausgangsstoffe für die Zell stoffgewinnung, wie Stroh und Kartoffellaub, die in Deutsch land in jüngster Zeit ihre Probe bestanden haben. Im holz armen Italien hat man mit Erfolg Maisstroh und Schilfrohr zur Zellstofferzeugung eingesetzt. . Verhältnismäßig günstig ist auch die T r e i b s t o f f v e r s o r g u n g . Einschließlich der russischen und rumänischen Erzeugung hätte wenigstens rein rechnerisch der europäische Gesamtbedarf des Jahres 1938 zu zwei Dritteln aus dem eigenen Raum gedeckt werden können, denn dem Verbrauch Gesamteuropas von etwa 60 Mill. t stand eine Erzeugung von 41,5 Mill. t gegenüber. Würde man von diesem Gesamt bedarf die britische Einfuhr von rd. 11 Mill.. t absetzen, so zeigt sich, daß Kontinentaleuropa seinen Bedarf bis auf eine Restmenge von 7,5 Mill. t aus eigenen Duellen sowie unter Inanspruchnahme der synthetischen Benzinerzeugung, des Benzols und der übrigen bisher üblichen heimischen Treibstoffe hätte befriedigen können. Wie gesagt, das wäre möglich gewesen, wenn eine planvolle Steuerung von Er zeugung und Verbrauch vorhanden gewesen wäre. Die Fäden dafür haben aber großenteils in englischen Händen gelegen, und dementsprechend hat das tatsächliche Bild natürlich anders ausgesehen. Bei dem zweiten, für die Motorisierung wichtigen Roh stoff, dem G u m m i , ist Europa — wenn man von der bis herigen Erzeugung an Buna und anderem künstlichen Kaut schuk absieht —, früher völlig auf die Einfuhr aus Ubersee angewiesen gewesen. Auch der Kautschuk ist wieder eines der vielen Beispiele für die Monopolisierung der wich tigsten Rüstungsrohstoffe durch England, das das brasilia nische Kautschukmonopol ausgangs des vorigen Jahrhun derts lediglich durchbrochen hat, um in Ostindien eine eigene Monopolwirtschaft aufbauen zu können. Denn auch die Kautschukpflanzungen Niederländisch-Indiens waren zum überwiegenden Teil in englischem Besitz, so daß das W e l t k a u t s c h u k k a r t e l l , das die Erzeugungsmen gen festsetzt und die Preise bestimmt, eine rein britische Einrichtung war. 55
Eine Zwischenbilanz
Faßt man das Ergebnis der bisherigen Rohstoffversor gung Europas zusammen, so zeigt sich, daß der Erdteil gegenüber jeder Bedrohung von außen den Vorteil der ge sicherten Nahrungsfreiheit und einer nicht zu störenden Ver sorgung mit den wichtigsten Industrierohstoffen, nämlich Kohle und Eisen, hat. Die Nahrungsmittelversorgung zeigt, abgesehen von kleinen Spannungen, lediglich eine fühlbare Lücke in der Fett- und Futtermittelversorgung. Diese Lücke vermag zwar die Wirtschaftsfreiheit nicht ernstlich zu ge fährden, sie ist aber zum mindesten unangenehm, nicht zuletzt auch im Hinblick auf den Bedarf an Industriefetten. Bei den Industrierohstoffen ist das Maß der zur Auf rechterhaltung der Wirtschaftsfreiheit notwendigen Eigen versorgung nicht erreicht bei den Buntmetallen, verschie denen Stahlveredlungsmetallen und beim Kautschuk. Da gegen darf man annehmen, daß die Textilfaserversorgung ebenso wie die Treibstoffversorgung ausreicht, um den lebensnotwendigen Eigenbedarf im Ernstfall zu decken. Daß es wünschenswert wäre, auch in Textilfasern und Treib stoffen ein größeres Maß von Handlungsfreiheit zu erhalten, ist eine andere Frage. — Natürlich fehlen Europa auch tro pische Landwirtschaftserzeugnisse, das ist für den W elt handel bedeutsam, für die Wirtschaftsfreiheit aber belanglos.
56
Der W e g zur Wirtschaftsfreiheit
Drei Forderungen an die Zukunft Daß die Verhältnisse bisher so waren, wie sie geschil dert sind, ist allerdings in den meisten Fällen keine natür liche Gegebenheit, sondern entspricht der früheren wirt schaftspolitischen Zerrissenheit und Planlosigkeit der ge samteuropäischen Wirtschaft sowie der mehr oder weniger bewußten Einflußnahme Englands auf die Versorgung und die Rohstoffproduktion Europas. Es bedarf keiner großen Voraussicht, zu sagen, daß nach dem Ab b a u d e r v o r a l l e m in V e r s a i l l e s auf g e r i c h t e t e n k ü n s t l i c h e n S c h r a n k e n i n E u r o p a und der Verwirk lichung einer e c h t e n W i r t s c h a f t s g e m e i n s c h a f t , wie sie Deutschland und Italien zum Teil bereits durch gesetzt haben, manche der bisher vorhandenen Schwächen von selbst gemindert werden. Damit kann es für die Zukunft aber nicht genug sein. Die Sicherung der Wirtschaftsfreiheit ist eine p o 1i t i s c h e A u f g a b e und wird, ebenso wie es in den Jahren vor dem europäischen Kriege bereits in Deutschland und Italien geschehen ist, mit politischer Tatkraft verwirklicht werden. Die Achsenmächte haben die Wege dazu bereits beschritten. Aus den bisherigen Erfahrungen ergeben sich drei klare Forderungen an die Zukunft: 1. Verstärkung der natürlichen landwirtschaftlichen und gewerblichen Rohstoffproduktion Europas, 2. Verstärkung der industriellen (synthetischen) Roh- ' Stofferzeugung,
3. Großzügige Erschließung Afrikas und der Gebiete des Nahen Ostens, also der natürlichen europäischen Er gänzungsräume. Die Frage der W i r t s c h a f t l i c h k e i t einer solchen Verstärkung der Eigenerzeugung beantwortet sich schon durch die Begrenzung auf das zur Sicherung der Wirt57
Schaftsfreiheit erforderliche Maß. Die genaue Festlegung dieses Maßes der Eigenversorgung ist eine Angelegenheit der politischen und wirtschaftspolitischen Führung; es ist natürlich ein Unterschied, ob man gerade noch durchzu halten vermag, ob man auskommt oder ob man gut versorgt ist. Deutschland und Italien sind ausreichend versorgt, aber zum guten Teil durch eine planvolle Vorratswirtschaft, mit der sich das neue Europa künftig nicht begnügen kann. Die Eigenerzeugung solcher Rohstoffe jedenfalls, die im Ernst fälle über Freiheit und Leben der europäischen Völker ent scheiden, ist — soweit sie überhaupt möglich ist — n i e m a l s zu t e u e r b e z a h l t . Alle anderen Rohstoffe jedoch und die Mengen, die über den lebensnotwendigen Bedarf hinausgehen, können auch im Wege des Welthandels be zogen werden. Wo die Grenze im einzelnen gezogen wird, hängt allerdings nicht zuletzt von der Haltung der über seeischen Rohstoffproduzenten ab. Bei der s y n t h e s c h e n E r z e u g u n g bleibt weiter zu beachten, daß der Kostenaufwand zu Beginn der Produktion niemals auf die echten Gestehungskosten bei einer Vollproduktion schließen läßt. Es sei nur an die Beispiele Stickstoff und Kunstfasern erinnert. Die Aufgaben der Landwirtschaft Der Landwirtschaft ist im Rahmen des künftigen euro päischen Rohstoffprogramms neben der a l l g e m e i n e n L e i s t u n g s e r h ö h u n g , auf die bereits die allzu starken Ertragsunterschiede in den einzelnen Ländern hinweisen, vor allem die Aufgabe gestellt, die Lücken in der F e t t - , F u t t e r m i t t e l - u n d T e x t i l f a s e r g e w i n n u n g zu verengen. Diese Aufgabe ist schon insofern bemerkens wert und für eine Gemeinschaftsarbeit besonders geeignet,' als alle drei Forderungen erzeugungsmäßig eng ineinander greifen. Als natürliche Textilfasern kommen in Betracht Wolle, Baumwolle und Flachs. Schafe liefern aber bekannt lich nicht nur Wolle, sondern auch Fleisch und Milch; Baumwolle und Flachs wiederum nicht nur Textilfasern, sondern in ihren Samen auch hochwertige Ölrohstoffe und in den Verarbeitungsresten Ölkuchen als Kraftfutter. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Aufgabe bereits als gelöst zu betrachten ist. Auf einen verstärkten M a i s - u n d G r ü n f u t t e r a n b a u sowie auf die Steigerung der S o j a b o h n e n - und O l i v e n g e w i n n u n g kann nicht verzichtet werden. Die wirtschaftliche Voraussetzung der
58
landwirtschaftlichen Leistungssteigerung, nämlich die Schaf fung einer M a r k t - u n d P r e i s o r d n u n g . i s t v o n d e n Achsenmächten über ihre eigenen Grenzen hinaus bereits weitgehend verwirklicht worden. Die technischen Voraus setzungen, also landwirtschaftliche Maschinen, ausreichende Düngemittelversorgung und verkehrsmäßige Erschließung der Agrargebiete, stellen für Europa keine wesentlichen Schwierigkeiten dar. Die unter ungünstigen politischen Voraussetzungen b i s h e r s c h o n e r r e i c h t e n E r f o l g e erlauben es, zu versichtlich in die Zukunft zu sehen. Die Erzeugung Europas in Sojabohnen beispielsweise stieg — dank der deutschen Pionierarbeit — im Südosten von 1500 t im Jahre 1932 auf 85 000 t 1937; gleichzeitig wuchs die Erzeugung von Leinsaat von 106 000 t auf 256 000 t. Durch technische Verbesserung der Erntemethoden gelang es beispielsweise in Italien im Laufe eines einzigen Jahres, die Ölausbeute von 16,1 kg je dz Oliven auf 17,5 kg zu erhöhen. Der Anbau neuer Ölpflan zen — wie Perilla, Saflor usw. — wird im Südosten ernst haft geprüft; deutsche wissenschaftliche. Erkenntnisse und das deutsche Organisationstalent helfen dabei wirksam mit. Der Erfolg scheint um so aussichtsreicher, als die Gewinnungsgrundlagen für Pflanzenöle außerordentlich breit sind. Keine Pflanze hat sich bisher zu d e r Ölpflanze der Welt gewinnung entwickeln können; den größten Anteil hatten bisher Baumwollsamen mit nur 18 v. H. der Weltölgewin nung. Auch an bestimmte Klimaräume oder Bodenbeschaffen heiten sind die Ölpflanzen nicht gebunden. Es gibt eine ganz •erhebliche Zahl von Pflanzensorten, die sich vornehmlich für den Anbau in Europa oder auch für den Anbau in Afrika eignen. Nach dieser Seite hin ist also der künftigen Ent wicklung keinerlei Grenze gesetzt. . Auch die Textilfasererzeugung hatte sich 1937 gegen über dem Durchschnitt der Jahre 1925—1929 um 80 v. H. erhöht und übertraf damit die Steigerung der Welterzeu gung um fast das Doppelte. Der Krieg hat diese Entwick lung, die sich seit einiger Zeit bereits in allen europäischen Ländern anzeigt, erheblich beschleunigt. Nicht nur in Deutschland sind Flachsbau und Schafzucht wesentlich ge steigert worden; auch in Dänemark will man die F l a c h s anbaufläche von 600 auf 10 000 ha steigern. Ähnliche Pläne bestehen in der Schweiz und in Schweden. Sogar Frank reich hat zwischen 1931 und 1938 die Flachsanbaufläche mehr als vervierfacht. Aussichtsreich sind vor allem die 59
Pläne in Südosteuropa und Rußland. Rußland hat seine B a u m w o l l e r n t e seit 1924 verzwanzigfacht; es kann heute nicht nur seinen Bedarf decken, sondern hat in der letzten Zeit bereits Baumwolle ausführen können. In den Verteilung der W e lte rz e u g u n g a n T e x t ilf a s e r n Afrika Ibero-Amerika Ozeanien Europa], Nord-Amerika ], Asien 4
Südoststaaten stieg die Baumwollgewinnung seit 1930 von 20 000 t auf etwa 90 000 t; sie steht damit aber erst in den Anfängen. Auch Italien will seine Baumwollkultur in Sizi lien ausbauen. Die S c h a f w o l l e r z e u g u n g hat sich in den letzten vier Jahren in der Sowjetunion etwa verdoppelt und weist auch in den Südoststaaten erhebliche Steigerun gen auf. Eine Organisation des Marktes und eine Festigung der Preise werden den weiteren Aufschwung wesentlich beschleunigen können. Ungehobene Bodenschätze Die Sonderaufgaben, die dem europäischen Bergbau ge stellt sind, müssen als ungleich schwieriger angesehen w er den. Es gilt, die europäische A b h ä n g i g k e i t i n d e n R ü s t u n g s m e t a l l e n zu vermindern. Wie schon ge sagt, verfügte Europa bei den Stahllegierungsmetallen bis her nur über sehr geringe Mengen an Nickel, Molybdän, Wolfram und Vanadium. Hier wird es darauf ankommen, auch die früher unter weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten weniger beachteten geringen Vorkommen voll auszuwerten. Bei N i c k e l sind die Aussichten — abgesehen vielleicht von den finnischen Vorkommen — allerdings nicht sehr groß (das Weltmonopol hat Kanada), doch ist ein Austausch durch Chrom und Molybdän in erheblichem Umfange möglich. M o l y b d ä n war bisher ein Monopol der Vereinigten Staaten. Damit braucht sich Europa allerdings noch nicht abzufinden. Deutschland hat bisher etwa ein Drittel seines Bedarfs auf dem Umwege über seine Gelbbleierzvorkommen 60
decken können, Auch in der Türkei sollen ziemlich reiche Molybdänerzgänge vorhanden sein, die sich allerdings erst in der Aufschließung befinden. Außerdem sind bei Erzen, die nur in so geringen Mengen Vorkommen (Welterzeugung 1939 16 300 t Metall) immer überraschende Funde möglich. An W o l f r a m lieferte bisher in Europa nur Portugal nennenswerte Mengen. Die nicht gering einzuschätzenden spanischen Vorkommen scheinen bisher nur unzureichend abgebaut worden zu sein. In V a n a d i u m schließlich wird Europa sich künftig wohl allein auf die afrikanischen Lager stätten stützen müssen. Bei den Buntmetallen sind die Zukunftsaussichten schon besser. In der Z i n n v e r s o r g u n g wird Europa allerdings wohl abhängig bleiben, denn die einzigen wirklich nennens werten Vorkommen hat Großbritannien, sie bringen aber auch nicht mehr als 1 bis 2 v. H. der Welterzeugung. Die Eigenversorgung mit K u p f e r ließe sich dagegen fühlbar erhöhen. Schon die Tatsache, daß die europäische Er zeugung seit 1929 um fast .die Hälfte angewachsen ist, ob wohl die wichtige spanische Erzeugung auf weniger als die Hälfte zurückging, läßt die Zukunftsaussichten günstig er scheinen. Ist die Selbstversorgung Europas in B l e i besser als in Kupfer und Zinn, so ist sie doch trotzdem noch er heblich steigerungsfähig. Rußland und Jugoslawien, die seit 1929 ihre Bergwerkserzeugung versechsfacht haben, sind dafür treffende Beispiele. Das Gegenbeispiel liefert Spanien. Es förderte bis zur Jahrhundertwende zeitweilig ein Drittel der Welterzeugung an Blei. Der dann folgende Abstieg, der zwischen 1913 und 1938 zu einer Schrumpfung der Produktion auf ein Sechstel führte, ist nicht so sehr in der Verarmung der Vorkommen, als vielmehr in dem stärkeren Rückgang des Silbergehaltes der Lagerstätten begründet. Das neue Spanien wird auch hier seine Aufgaben erkennen; denn so gar Deutschland ist es möglich gewesen, seit 1929 seine Produktion um mehr als die Hälfte zu erhöhen. An Zi nk deckte Europa bisher schon mehr als die Hälfte seines Bedarfs selbst. Die europäische Bergwerksproduktion weist in. den letzten Jahren auch hier erhebliche Steigerungen auf, so vor allem in Deutschland, Italien, Jugoslawien und Rußland. Das bedeutendste Zinklager Europas befindet sich in O b e r s c h l e s i e n . Es wurde durch die willkürliche Grenze nach Versailles in eine deutsche und polnische Hälfte geteilt. Die Folgen waren, daß Deutschland seine Berg werkserzeugung in den letzten 10 Jahren um fast die Hälfte
61
steigerte, während die polnische Förderung um ein Drittel zurückging. Auch das ist ein Beispiel für die wirtschaft lichen Folgen der politischen Treibereien Englands und seiner Verbündeten, aber auch für den deutschen Aufbau willen im Gegensatz zur polnischen Mißwirtschaft. Besondere Bedeutung wird künftig auch dem Ersatz verschiedener Buntmetalle durch die heimischen L e i c h t m e t a 11 e und die K u n s t h a r z e r z e u g n i s s e zukommen, die namentlich von Deutschland eingeführt worden sind. Ein erhebliches Gewicht kommt auch den staat lichen B e w i r t s c h a f t u n g s - u n d V e r b r a u c h s l e n k u n g s m a ß n a h m e n zu. Sie haben in Deutschland und Italien wesentlich mit dazu beigetragen, die Metallver sorgung im lebensnotwendigen Bereich für alle Fälle sicher zustellen. Für die europäische Gesamtwirtschaft sind solche Maßnahmen allerdings nur dann von Wirksamkeit, wenn sie allgemein und nach einheitlichen Grundsätzen durchgeführt werden. Von den wichtigen bergbaulichen Rohstoffen, deren Er zeugungssteigerung wünschenswert ist, bleibt als letzter E r d ö l zu nennen. Die europäische Selbstversorgung, die mit dem künftig zweifellos wachsenden Bedarf Schritt hal ten muß, wird sich dabei auf die noch stark ausbaufähige Förderung Rußlands und Rumäniens stützen können. Auch Ungarn soll noch über unerschlossene Lagerstätten ver fügen; andere ölhöffige Gebiete werden planmäßiger als bisher erforscht werden müssen. Die Zukunft der Synthese Die synthetische oder industrielle Erzeugung von Roh stoffen hat in den letzten Jahren eine so große Bedeutung gewonnen, daß sich ihre Zukunftsaussichten heute noch nicht zuverlässig abschätzen lassen. Fest steht allerdings schon, daß der synthetischen Erzeugung von F e t t e n , T r e i b s t o f f e n , T e x t i l i e n und G u m m i sicherlich noch eine große Entwicklung bevorsteht. Die der eng lischen Monopolwirtschaft höchst unangenehme synthetische Rohstofferzeugung ist von der britischen Propaganda immer wieder als unwirtschaftlich bezeichnet worden. Daß solche Behauptungen lediglich zweckbestimmt waren, hat England während des europäischen Krieges am eigenen Leibe er fahren müssen. Hätte es die politische Entwicklung vor ausgeahnt, dann würde das Urteil des bekannten Falmouth-
62
Ausschusses in der Frage der synthetischen Benzinerzeu gung wahrscheinlich anders ausgefallen sein. Die rein technischen Fragen der Erzeugung scheinen sowohl beim Fett wie bei den Kunstfasern, beim Treib stoff und Gummi heute weitgehend gelöst zu sein. In der Zukunft wird für das Ausmaß der industriellen Rohstoff erzeugung also lediglich die a u s r e i c h e n d e E r s t e l l u n g n e u e r A n l a g e n , die Sicherung der für die Synthese benötigten Rohstoffe und die Frage des Gestehungspreises — soweit das Maß der Erzeugung über den lebensnotwendigen Bedarf hinausgeht — von Bedeutung sein. Die letzte Voraussetzung kann man getrost der Zu kunft überlassen. Rohstoffe (Kohle, Kalk, Zellstoff) sind aus reichend vorhanden. Für die Deckung des Sicherungsbedarfs kommt es also lediglich auf den praktischen Ausbau der Erzeugung an. Abgesehen von der Lücke bei den Metallen könnten also für die Zukunft die Engpässe der. europäischen Rohstoff versorgung — wenn man von den unwichtigen Genußmitteln absieht — wenigstens bis zur Deckung des für die Wirt schaftsfreiheit notwendigen Sicherungsbedarfes durch die Synthese wesentlich verbreitert werden. Die Synthese wird also da einsetzen müssen, wo die Leistungskraft des Bodens aufhört. Steht somit schon fest, daß Europa auf sich allein gestellt — abgesehen von gewissen Spannungen in d.er Metallversorgung, die durch eine entsprechende Vorratswirtschaft ausgeglichen werden könnten — durchaus lebensfähig und namentlich auch wehrkräftig bleiben wird, so muß man bei allen Zukunftsbetrachtungen doch die natürlichen Ergänzungsräume des Erdteils, nämlich Afrika und den Nahen Osten, mit in Rechnung stellen. Erdöl aus dem Nahen Osten Der Nahe Osten, der schon im Altertum als ein damals blühendes Gebiet zum Kulturkreis des Mittelmeeres zählte, wird auch in Zukunft dem engeren europäischen Einfluß bereich angehören. Von den früheren reichen Kulturen die ser Landstriche ist seit den Mongolenstürmen des Mittel alters zumeist wasserarmes Steppen- und Wüstenland zu rückgeblieben. Aber der Boden ist auch heute noch frucht bar, wie sich überall da zeigt, wo die Bewässerung einsetzL Die Engländer, die den Nahen Osten in den letzten 50 Jahren zum I ummelplatz ihrer politischen Intrigen ge-
63
I
macht hatten, haben kaum etwas getan, um die tatsächlich vorhandenen Wirtschaftskräfte zu entwickeln. Lediglich der g r o ß e Ö l r e i c h t u m schien ihnen der Ausbeutung wert, aber sie haben dabei nicht an den Bedarf Europas, sondern allein an ihre kapitalmäßigen Interessen gedacht. Im Nahen Osten, d, h. im Irak, auf den BahreinInseln, im Iran und Saudi-Arabien, wurden 1938 rd. 16 Mill. t öl gefördert. Die Erzeugung hätte, wenn sie nach Europa gelangt wäre, ausgereicht, um die Spanne zwischen Bedarf und Selbstversorgung annähernd zu decken, und zwar sogar einschließlich der britischen Inseln. Für die Zu-, kunft wird man — nach Aufhebung der britischen Monopol wirtschaft und Lösung der englischen Kapitalfesseln — aber ' noch mit weit höheren Förderergebnissen rechnen können. S o h ätte Europas Treib stoffversorgung b e re its 1938 aussehen können. Gesamtbedarf:
. . 60,0 Mill. t
E rz e u g u n g : europ. Erdöl . . . 37,3 Mill. t andere europ. Treibstoffe . . . . 4,2 „ t Erdöl des Nahen Ostens. . . 15,9 n t Einfuhr aus Übersee . . . . . . 2.6, , t G esam t:................... 60,0Mill. t
Allein die Leistungsfähigkeit der iranischen Ölfelder wird auf 20 Mill. t jährlich, die Leistungsmöglichkeit des Irak auf 7 Mill. t geschätzt. Die Bahrein-Inseln, die 1938 1,1 Mill. t lieferten, stehen noch in der Aufschließung, ebenso liegen die Verhältnisse in Saudi-Arabien. Der Nahe Osten könnte also selbst bei einer erheblichen Bedarfssteigerung den Z u s c h u ß b e d a r f E u r o p a s an E r d ö l künftig ganz oder weitgehend befriedigen. Das Erdöl ist in dieser Betrachtung nur ein besonders handgreifliches Beispiel. Die übrigen Schätze des Nahen Ostens sind zumeist noch ungehoben. Das gilt nicht nur für Metalle und Mineralien, sondern auch für die Landwirt schaft, die alle Erzeugnisse des Mittelmeergebietes hervor bringt, wenn das nötige Wasser vorhanden ist. Die W a s s e r v e r s o r g u n g ist aber eine technisch durchaus lös bare Aufgabe. In dieser Beziehung sind die Erfahrungen
64
wertvoll, die Italien bisher in L i b y e n hat machen können. Vorderasien und Nordafrika, ja der ganze Mittelmeerraum, bilden eine Einheit, so daß die Verhältnisse nicht grund legend voneinander abweichen. Italien hat in Libyen fest stellen können, daß schon eine verhältnismäßig wenig um fangreiche Urbarmachung oder Bewässerung der Wüste klima-umbildend wirkt, so daß es den Italienern durchaus möglich scheint, das im Altertum sehr volkreiche Nord afrika w ieder einer dichten Besiedlung zu erschließen. Was dort möglich ist, kann aber auch im Nahen Osten durchge führt werden. Ein Beispiel für eine solche Umgestaltung des Landschaftsbildes, ja auch des Klimas, bildet auch Kali fornien, das heute ein w ahrer Fruchtgarten ist und zur Zeit der ersten weißen Siedler doch noch echten Wüsten charakter hatte. Man darf bei solchen Aufgaben überhaupt nicht in zu kleinen Zeiträumen denken und sich nicht an überkommene Vorstellungen anklammern, sondern muß daran denken, daß Nordafrika und der Nahe Osten bereits im Altertum einmal die Kornkammern des Mittelmeer gebietes darstellten. Die afrikanische Reserve Man hat den Erdteil einmal mit Recht den „ K o m p l e m e n t ä r - K o n t i n e n t “ Europas genannt. Die gegen seitige Ergänzung kommt augenfällig schon in einem Ver gleich der' Gliederung der Grunderzeugung Europas und Afrikas zum Ausdruck. Was dem einen fehlt, hat der andere. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die gesamte afrika nische Grunderzeugung bisher k a u m e i n F ü n f z e h n t e l d e r E r z e u g u n g E u r o p a s an Nahrungsmitteln und Rohstoffen erreichte. Afrika ist eben infolge der restlosen Übersättigung und der völkischen Schwäche Englands und Frankreichs ein w i r t s c h a f t l i c h w e i t g e h e n d u n e r s c h l o s s e n e r E r d t e i l geblieben. Wenn Afrika auch in einzelnen Rohstoffen erheblichen Anteil an der Weltproduktion besitzt, so sind das mehr überreife Früchte gewesen, die den englischen und französischen „Koloni satoren“ geradezu in den Schoß gefallen sind. Bisher herrschte in Afrika nicht die Arbeit, sondern das Kapital, das möglichst schnell hoch verzinst sein wollte. Lediglich Italien hat in dieser Hinsicht eine rühmliche Ausnahme ge macht. Es hat trotz der Kargheit seiner Kolonialgebiete keine Ausbeutungspolitik betrieben, sondern in großzügigster 5
65
Weise beträchtliche Investitionen gemacht in der Hoffnung auf eine später um so reichere Ernte. Eu ropäisch-afrikanisch e E r g ä n z u n g Gliederung der Grunderzeugung Europas und Afrika»
Europa
N = Nahrungsmittel, G =
Genußmittel,
Afrika
O = Ölfrüchte u. -samen, T = Textilfasern, A = andere Rohstoffe,
M = Metalle, K = Kraftstoffe,
Aber selbst die b i s h e r i g e n E r g e b n i s s e der afri kanischen Rohstoffwirtschaft würden für Europa schon eine starke Stütze bedeuten. Denken wir wieder an die Lücken der europäischen Eigenversorgung. Die Ö l f r ü c h t e und ö 1s a m e n Afrikas könnten die Pflanzenfettversorgung Europas um mehr als die Hälfte erhöhen. Der K a k a o b e d a r f kann von Afrika mehr als gedeckt werden. An T e x t i l f a s e r n produzierte Afrika bisher schon ein Vier tel der europäischen Erzeugung. Von den wichtigen Stahl veredlungsmetallen stellte Afrika mehr als die Hälfte der Weltgewinnung an Va na di um, das in Europa ganz fehlt, ferner ein gutes Drittel der C h r o m g e w i n n u n g und ein reichliches Fünftel der M a n g a n f ö r d e r u n g . Unter den Buntmetallen sind gerade diejenigen in Afrika vor handen, die Europa am stärksten entbehrt, nämlich K u p f e r und Zi nn. Europa und Afrika haben zusammen bereits 1938 mehr als 70 v. H. der Welterzeugung an Chrom und Mangan, mehr als 50 v. H. der Welterzeugung an Nahrungsmitteln, Kakao, Kohle, Eisen, Vanadium und Holz und mehr als 30 v. H. der Pflanzenöl- und Textilfasererzeugung der Welt gestellt. E r g ä n z t d u r c h d e n a f r i k a n i s c h e n
66
Raum ist E u r o p a s als g e s ic h e r t .
Wirtschaftsfreiheit
me h r
Anteil Europas und Afrikas
an der Weltgewinnung einiger wichtiger Rohstoffe (in v.H.) Europa Afrika Nahrungsmittel ............... . . 50,6 2,4. Ölrohstoffe ...................... . . 21,8 12,6 Kakao .............................. 67,5, 5,0 Kaffee .............................. Tabak .............................. . . 26,5 2,7 T e x tilf a s e r n ...................... . . 24,2 6,0 Kraft- und Treibstoffe . . . . 38,6 0,7 Eisenerz .......................... . . 48,9 3,3 Chrom ............................. .. . 41,1 35,7 M a n g a n ............................. . . 50,6 22,0 V a n a d iu m .......................... 57,0 Zinn ................................. . . 1,7 10,1 Kupfer ............................. . . 11,0 16,5 Wie gesagt, so hätte es bisher schon sein können. A u s s i c h t e n e i n e r p l a n v o 11 e n E r s c h 1 ß u n g Afrikas nur einige Beispiele. Die europäisch-afrika nische K u p f e r e r z e u g u n g betrug 1938 rd. 28 v.H. der Welterzeugung. In Zukunft wird Europa genügend Kupfer beziehen können, denn die riesigen, billig abzubauenden Kupferlager Rhodesiens und des Katangagebietes sind die aussichtsreichsten Lagerstätten der Erde. Seit 1929 konnte sich die afrikanische Erzeugung verdoppeln, die Rhodesiens allein aber auf das Zweiunddreißigfache ansteigen. — Die P f l a n z e n ö l g e w i n n u n g Afrikas hat bisher eine Grenze lediglich durch die restlose Sättigung Englands und Frankreichs gehabt. Sie ist praktisch fast beliebig steige rungsfähig. — Die T e x t i l f a s e r e r z e u g u n g ist — so weit Baumwolle in Frage kommt — lediglich an die Be wässerung gebunden. — Die afrikanische K a u t s c h u k g e w i n n u n g spielte um die Jahrhundertwende noch eine große Rolle, heute ist sie infolge des Raubbaues und des P reisdiktats' des Kautschukmonopols praktisch tot. Die zweifellos aussichtsreiche Gewinnung von Plantagenkaut schuk ist in den ersten Anfängen stecken geblieben. Sie hätte auch im englischen Kautschukmonopol keinen Platz mehr gefunden. Aber genug der Beispiele. Was heute noch Betrachtungen
67
sind, kann morgen schon zum Vorteil aller europäischen Länder der Wirklichkeit entgegengeführt werden. * Die Schlußbllanz Voraussetzung für die Neuordnung der Beziehungen Europas zur Weltwirtschaft und damit für die Neugestal tung des weltwirtschaftlichen Austausches überhaupt ist die Besinnung der europäischen Völker auf das Lebens gesetz des Erdteils. Werner D a i t z , der Vorkämpfer einer europäischen Großraumwirtschaft, hat dieses Gesetz in den Worten „ F r e i h e i t d u r c h S e l b s t v e r t e i d i g u n g ” zusammengefaßt. Das bedeutet, daß Europa nur Europa ist, wenn es sich seine innere und äußere Freiheit in allen Lebensbereichen bewahrt. Diese Freiheit ist Europa in der angelsächsischen Weltwirtschaft weitgehend verlorenge gangen. Sie wieder zu gewinnen, ist das Ziel des gegen wärtigen europäischen Freiheitskampfes gegen England. Aus der politischen Freimachung des Kontinents wird auch eine neue wirtschaftliche Ordnung hervorgehen; eine Ord nung, die von den Achsenmächten geschaffen wird. Das Beispiel der nationalsozialistischen und der faschistischen Volkswirtschaft, deren Grundsätze und Methoden gerade im Kriege ihre Bewährungsprobe so glänzend bestanden haben, ist für alle übrigen Staaten des Festlandes der Hin weis darauf, wie die Zukunft aussehen muß und wird. Seit der ersten öffentlichen Stellungnahme von Reichs wirtschaftsminister Walther F u n k zu den künftigen Formen der neuen wirtschaftlichen Ordnung Europas sind manche der damals ausgesprochenen Grundsätze bereits in die Tat umgesetzt worden. Mit dem Endsieg über Eng land wird auch die neue europäische Wirtschaftsordnung vollgültige Wirklichkeit werden. Sie bedeutet nichts an deres als die Rückkehr des Kontinents zu natürlichem Denken, zu den Gegebenheiten des europäischen Lebens raumes und den Grundlagen aller Wirtschaft: M e n s c h , B o d e n u n d A r b e i t . An diesem neuen Europa, dem Afrika als natürlicher Ergänzungsraum zugehören wird, kann auch die „Weltwirtschaft’ nicht vorübergehen. Ihre Aufgaben werden nicht geringer, sondern größer sein als bisher; denn an die Stelle der Ausbeutung der Welt durch die plutokratischen Methoden wird die unvergleichlich größere Aufgabe einer umfassenden und gesunden E r s c h l i e ß u n g d e r E r d e treten.
68
Statistischer Anhang
Fläche, Bevölkerung und Binnenhandel Europas Fläche 1937
in In 1000 v. H. qkm Europ.
Anteil am Aut europäisch. den Binnenhandel in r.H. in qkm v. H. Ein in wohn. Aus Ein Mill. Eufuhr fuhr rop. Be völkerung
Deutsches Reich mit ehern. Österreich ehern. Tschecho-Slow. ehern. Polen-Danzig . .
554,3 140,5 383,6
4,6 1.2 3,2
72,8 14,7 32,1
13,5 131,3 2,7 103,5 5,9 88,9
17 69 23,88 2,85 4,14 1,86 234
N iederlande.................. Belgien-Luxemburg Dänemark .................. Norwegen . ................... Schw eden...................... F in n la n d ...................... Island ..........................
35,0 30,5 44,3 322.7 449,0 382,8 102,8
0,3 0.3 0,4 2,7 3.7 3.2 0,9
8,6 8,4 3.8 2,9 6,3 3,8 0,1
1,6 246,8 1,6 274,1 0.7 85,5 9,0 0.5 1.2 14,0 9,9 0,7 1,1 -
6,38 6,46 4,02 2,91 4,44 1,90 0,13
6,01 7,81 4,33 2,01 4.96 2,18 0,15
I t a l i e n ......................... A lb a n ie n ......................
310,2 27,5
2,6 0,2
43,6 1.0
8.1 140,5 .0,2 37,7
4,89 0,06
3,54 0.04
B u lg arien ...................... Rum änien..................... Ungarn 4 ...................... J u g o s la w ie n .............. G rie c h en lan d .............. T ü r k e i .........................
103,1 295,0 104,9 247,5 130,2 762,7
0,9 2,5 0,9 2,1 1,1 6,3
6,3 19,6 10,1 15,4 6,9 16,5
1.2 3.6 1,9 2.9 1,3 3,0
61,3 66,6 96,1 62.2
0,74 2,61
53.3 21,6
0,66 1,46 1,54 1,22 1,40 0,85
E s tla n d ......................... L e t t l a n d ...............• . L ita u e n ......................... UdSSR. europäischer Teil •)
47,5 65,8 52,8
0,4 0,5 0,4
1,1 2,0 2,4
0,2 0.4 0,4
23,8 30,0 45,4
0,30 0,45 0,39
0,35 0,63 0,43
50,0 132,9
24,5
22,1
Spanien ........................ P o r t u g a l ..................... S c h w e i z ..................... F ra n k r e ic h ................. Irland ........................ Qroß-Britannlen
• • •
Europa: * ) . . • ■ • •
6002,2 512,0 91,8 41.3 551,0 70,3
4.3 0,8 0,3 4,6 0,6
243,2
2,0
2,02 1,68
0,87 1,13
1,67
3,24
23,9 7.3 4.2 42,0 2,9
4.4 46,7 1.4 79,6 0,8 101,3 7,8 76,1 0,5 41,9
1,28' 0,82 3,82 8,47 1,82
1.55 0.45 2,73 6,82 1.42
47,4
9,0
195,0
20,26
11.94
12000,0 100,0 539,0 100,0
46,5 100,00 100.00
•\ Piäche und Bevölkerung des europäischen Rußland. Die Ein- und Aus fuhranteile gelten filr das gesamte Qebiet der Sowjetunion.
t
71
Die europäischen Länder im Welthandel
Prozentuale Anteile nach den Ergebnissen des Jahres 1937 in v. H. der E i nf uh r Jedes Landes aus: Amer.
Austral.
Europa
Afrika
Asien
55.78 79,91 60,78 63,96
7,56 2,49 5,47 5,75
11,77 5,43 10,73 7,28
23,15 10,70 20,50 19,29
1,74 1.47 2,63 3,72
69,31 85,99 74,08 81,08
3,64 2,45 3,95 2,35
10,87 6,30 7,04 4,32
15,34 0,84 4,90 0,36 14,26 0,67 12,25 -
Niederlande . . . Belgien-Luxemb. Dänemark . . . Norwegen . . . . Schweden . . Finnland . . . . Island . . . .
61,18 57,28 87,35 73,75 67,16 77,83 93,10
3,40 10,28 0,75 1,50 1.19 0,60 -
13,57 6,69 1.61 6,13 5,67 3,02 —
21,52 21,95 10,18 18,37 24,85 17,95 6,90
0,33 3,80 0,11 0,25 1,13 0,60 -
73,62 70.85 94,11 75.64 75,18 81,96 87,50
3,51 6,15 1,02 3,54 2,68 4,12 —
11,94 6,94 0,91 5,50 5,38 2,55 -
10,41 15,44 3,85 14,15 15,42 10,78 12,50
I t a l i e n .............. 54,87 8,86 8,53 24,25 3,49 50,15 Albanien . . . . 86,67 — 6,07 6,67 - 87,50 — Bulgarien . . . . 95,71 0,71 1,43 2,14 92,16 Rumänien . . . . 89,94 4,57 0,92 4,57 — 90,90 U ngarn.............. 89,40 2,58 2,01 6,01 — 89,58 Jugoslawien . . 84,64 1,71 3,41 9,90 0,34 90,48 Oriechenland . ■ 79,33 4,19 3,07 13,13 0,28 74,67 Türkei . . . . . 76,11 2,21 4,87 16,81 - 80,67
0,52 0,62 0,11 1,17 1,34 0,59 -
29,75 4,27 15,24 0,59 - 12,50 — 1,96 4,37 3,24 2,52 2,67 1.12
1,96 3.09 2,32 1,12 0,44 3,34
3,92 — 1,64 — 4,62 0,24 5,88 — 22,22 — 14,87 -
E stlan d .............. Lettland . . . . Litauen . . . . UdSSR................
80,00 81,25 88,76 53,06
4,00 1,79 1.12 0,78
2,67 2,68 3,37 20,09
13,33 — 14,29 — 6,75 — 23,55 2,52
94,44 ___ 1,39 4,17 96,05 0,79 1,58 1,58 94,25 1,15 1,15 3,45 76,44 1,47 13,99 8,10
Spanien.............. Portugal . . . . Schweiz . . . . Irland (Eire) . . Frankreich . . .
70,08 64,23 75,37 67,96 40,24
8,89 14,23 3,12 1.29 22,24
4,58 3,85 4,67 8,29 13.85
14,82 17,31 16,16 18,42 19,92
86,12 66,92 71,72 97,15 54,32
1,63 0,38 0,68 4,05 .3,75
Austral.
Asien
Deutsches Reich ehern. Österreich ehern. Tsch.-Slow. ehem.Polen-Danz.
Amer.
Afrika
^ Europa
Länder:
ln v. H. der A u s f u h r jedes Landes nach :
0,58 15,79 2,73 0,36 25,04
0,58 2,25 7,51 0,71 6,64
_ —
— -
12,72 — 14,29 0,75 16,80 1,24 1,78 — 13,50 0,50
Qroß-Britannien . 35,03 7,49 12,29 33,59 11,60 35,69 15,42 16,24 21.45 11,20 Qesamt-Europa: Oes. Europa (nur Verkehr mit Außereuropa):
72
52,94 7,88 10,20 24,01 4,97 64,50 8,96 9,12 14,54 2,88 -
16,80 21,70 50,90 10,60
—
25,20 25,70 41,00
8,10
Europahandel mit den vier Erdteilen Anteile der einzelnen Länder Im Jahre 1937
Austral.
Afrika I
13,65 0,56 1,72 1,13
16,41 0,95 2,61 1,10
13,72 0,79 2,12 1.24
4,99 0,53 1,26 1,16
8,07 0,53 1,54 0,49
23,65 1,33 2,68 0,89
Niederlande . . . . Belgien-Luxemburg Dänemark . . . . Norwegen . . . . Schweden . . . . F in n la n d ............... I s l a n d ..................
2,39 7,79 0,23 0,40 0,53 0,10 —
7,35 3,92 0.38 1,25 1,95 0,38 —
4,95 5,46 1,03 1,60 3,62 0,97 0,02
0,37 4,57 0,05 0,11 0,79 0,16 —
2,06 4,88 0,34 0,68 1,27 0,79 —
6,90 5,42 0,30 1,03 2,51 0,47 —
I t a l i e n .................. A lb a n ie n .............. Bulgarien . . . . . Rumänien . . . . U n g a rn .................. Jugoslawien . . . Griechenland . . . T ü r k e i ..................
5,30 3,94 4,76 3,31 0.03 0,01 — 0,03 0,05 0,03 — 0,50 0,08 0,16 — 0,30 0,18 0,23 — 0,17 0,26 0,32 0,05 0,50 0,28 0,51 0,05 0,17 0,28 0,42 —
E s tla n d ................. L e t t l a n d .............. L ita u e n .................. UdSSR....................
0,10 0,07 0,03 0,17
0,05 0,08 0,08 3,27
Spanien .............. P o r t u g a l ..............
1,09 1,23 1,06 0,23 31,45
0,44 0,26 1,23 1,15 15,14
Deutsches Reich . ehern. Österreich . . . Tschecho-Slowakei ehem. Polen-Danzig
Irland (Eire) . • Frankreich . . • • Groß-Britannien . • Insgesamt:
C
u
20,97 5,72 0,65 0,24 3,42 0,83 1,57 — 3,77 7,56 0,79 1,66 4,51 1.27 0,09
0,92 1,53 0,13 0,71 1,99 0,35 —
15,17 2,14 4,79 0,92 — 0,02 — — 0,11 0,90 0,53 0,34 0,22 0,11
0,11 0,63 0,37 0,16 0,04 0,32
0,12 — 0,21 — 0,46 — 0,49 — 1.16 — 0,93 0,13
0.11 0,04 0,17 0,06 — 0,04 1,64 0,84 0,44
0,04 0,06 0,08 0,05 0,04 0,06 4,21 1,53
0,60 0,49 1,80 1,09 9,25
0,08 0,12 2,02 0,08 5,90
0,32 0,05 0,37 1,16 8,41
Austral.
Amer.
"v t <
Länder:
Amer.
Asien
*n v.H. der gesamten europäischen Aus f uhr nach:
Afrika
In v. H. der gesamten europäischen E i n f u h r aus:
0,08 0,79 0,75 0,04 22,63
“ —
1,02 0,44 0,13 2,85 1,06 0,12 — 7,52 1.41
29,10 36,90 42,83 71,45 37,16 38,47 31,89 84,02 100
100
100
100 I 100 I 100 | 100 | 100
73
Anteil Europas am Außenhandel wichtiger Uberseeländer Europas Anteil an der Ei n f u h r in v. H
Europas Anteil an der Au s f u h r in v.H.
1913
1929
1937
1913
1929
1937
USA........................ Kanada .................
48,3 29,2
30,3 22,4
27,3 24,1
60,3 54,0
44,7 37,0
41,0 47,4
Argentinien . . . . B rasilie n .............. C h ile ....................
78,0 71,6 63,S
55,4 53,0 50,6
53,1 53,5 44,9
87,2 58,7 74,1
82,2 44,9 55,2
71,0 49,4 48,5
Japan .................... C hina.................... Britisch-Indien . . Niederl.-Indien .
30,2 30,1 80,3 61,2
18,9 23,0 62,5 46,4
13,4 32,2 47,7 43,5
24,0 35,5 58,6 48,2
7,4 26,7 47,9 36,5
12,0 25,9 49,1 33,2
Austral. Bund . . . Neuseeland . . . .
71,7 66,2
52,3 54,2
50,0 54,9
80,4 81,3
68,0 80,8
67,8 80,4
Linder:
Anteil der Erdteile an der Grundproduktion der Erde 0937 In v. H.)
E«■r d t e i l e
Gesamt Land Erd- Erd- produkt, wirt. Fläche Bevölkerung anGrund-i Ertrziugn. zeugn.
Europa mit UdSSR . . A f r i k a ........................ Nord-Amerika............. Ihero-Amerika . . • A sien........................... O zeanien....................
20,0 22,8 14,8 15,8 20,2 6,4
26,6 7.2 6,7 6,1 52,9 0,5
45,5 2,9 24,8 7,9 16,0 2,9 |
W e l t ...........................
100
100
100 | 100
74
47,0 3.1 20,1 8,7 17,5 3,6
Nichtland- Nah wirt. rungs Roh Er- mittel stoffe zeugn. 40,7 50,6 2,5 2.4 39,0 19,2 5,3 8,7 11,5 15,9 l.o 1 3.2
35,1 4,0 36,1 6,1 16,4 2,3
100 || 100 | 100
Die Grundproduktion der Erdteile Ihre wertmäßige Zusammensetzung In v. H. nach dem Stand von 1937 Nord- Ibero- Asien Ozean. Eu ropa Afrika Amer. Amer.
Erzeugungsgruppen
Welt
Landw. Erzeugnisse . . Nicht Iandw.Erzeugnisse
75,5 24,5
80,5 19,5
79,3 20,7
61,3 38,7
Gesamterzeugung . . .
100
100
100
100
100
100
100
66,2 33,8
73,7 26,3
83,4 16,6
82,4 17,6
91,4 8.6
Nahrungsmittel . . . . R ohstoffe......................
66,9 33,1
77,3 22,7
54,7 45,3
51,8 48,2
74,1 25,9
Qesamterzeugung . . .
100
100
100
100
100
100
100
21,1 19,2 1,1 19,8 1.2 1.2 1.5 3,4 8.6 0.5 1.7 12,3 6.1
23,8 20,6 1.1 27,4 2.9 — 0.8 1.5 3.7 — 1.8 9,8 4.1
14,5 13,5 0,1 10,2 3.6 6,5 1.4 14,5 17,6 0,1 — 3,2 12,7
8,3 19,3 0,7 20,3 0,3 — 1.8 2,1 10,2 —* 2,8 23,4 8,5
11,6 40.5 — 10,4 0.8 7.5 1.6 3.4 7.7 0.1 — 8.0 6.4
44,6 4.2 2.9 4,2 — 2.7 3.1 8.9 14,8 2.8 0.5 6.1 3.5
12,2 30,1 0.2 30,7 0.3 0.1 0.1 1.0 16,8
Nahrungsgetreide Kartoffeln, Zucker . . . . F le is c h ......................... Seefisch......................... M ilc h ............................ Wein und Hopfen . . . Kaffee, Tee, Kakao . . Tabak ......................... Ö lro h sto ffe.................. T e x tilf a s e r n .............. K a u ts c h u k .................. H olzprodukte.............. Kraft- und Treibstoffe . M e ta lle ......................... Nichtmetallische M in e ra lie n .................. Gesamterzeugung-. . .
0,2 2.7 4.9
2,3
2.5
2,1
2,3
2.0
1.7
0.7
100
100
100
100
100
100
100
75
|
100
48,5 1,8 9,7 4,3 33,8 1.9
Europa .................... A f r i k a ....................... Nord-Amerika . . . Ibero-Amerika . . . . A sien........................... O zeanien....................
W e l t ...........................
NahrungsGetreide Kartoffeln Zucker
Erdteile
61,0 1.4 25,5 4,2 3,4 4,5
44,1 0,2 16,3 0,3 38,7 0,4 100
47,5 1.9 27,2 15,5 3,5 4,4 100
100
Milch
Fleisch See fisch
100
78,0 10,2 6,2 4.9 0,2 0,5 100
0,4 15,2 — 48,2 36,1 0.1 100
26,5 2,5 29,4 8,2 33,3 0,1 100
21,8 12,6 15,1 7,8 41,9 0,8 100
24,2 6,0 29,4 7.1 27,6 5,7 100
1,7 97,6 —
100
41,6 0.1 4.9 0.2
—
0,7 —
53,2
__
100
38,6 0,7 47,0 5,1 7,9 0,7
Holz KraftWein Kaffee Ölroh Textil Kaut und und Tee Tabak pro Treib stoffe fasern schuk Hopfen Kakao dukte stoffe
ln v. H. der Welterzeugung 1937
Anteil der Erdteile an der Gesamterzeugung verschiedener Roh Stoffgruppen
100
37,7 7,5 34,7 8,3 9,4 2.4
100
54,2 2.6 23,6 7,0 11,6 1.0
Me Nicht metall. talle Miner.
Die Rohstofferzeugung der großen Wlrtschaftsräume (ln v. H. der Weltgewinnung 1937)
Rohstoffe Metalle: Manganj......................... Nickel W o lfra m ..................... Molybdän .................. Vanadium .................. B l e i ............................ Kupfer . . . . . . . . Z i n n ............................ Alum. (Bauxit) . . . . M ag n esit..................... Quecksilber . . . . Mineralien: Z e m e n t......................... K a l i ............................ S tickstoff..................... Phosphate (roh) . . . Kraftstoffe: S te in k o h le ................. B raunkohle.................. Elektr. Strom . . . • . E rd ö l............................ Textilfasern: B aum w olle.................. W o l l e ........................ Flachs ......................... J u t e ............................ H a n f ............................ R o h se id e ..................... K u n stseid e.................. Z ellw olle..................... Kautschuk: Holz: Holzprodukte (roh) . . Zellstoff u. Holzschliff Ölsamen und -Früchte: Baumwollsamen . . . L e in sam en .................. Erdnüsse ..................... Sojabohnen .............. Kopra ........................ O liv e n ö l..................... P a lm ö l........................
Europa u. Afrika
NordAmerika
Asien
52,2 72,6 76,8 3,6 6,0 3,3 57,0 23,0 27,5 31,1 11,8 63,2 72,0 82,8
26,5 5,0 4,8 73,3 6,1 14,0 1.9
58,6 90,3 61,6 60,5
9,0 93,0 20,0 38,1 44,0 42,7 — 11,5 14,0 11,8
1.5 6,0 5,3 0,1 11,0 3,7 23,0 17,5 22,7 10,2 13,2 18,9 — 3,5
10,6 — 12.4 2.3
26,4 9.7 15,2 27,5
3.3 — 8,7 0,6
55.0 97,3 51,9 13,0
8.5 — 8,0 9.1
35.1 1,5 37,2
0.3 — 1.4 16,0
19,7 31,0 99,5 53,3 10,3 50,7 61,6 1,0
22,5 7,8 0,5 100,0 36,5 89,6 20,3 35,3 97,4
49,6 12,1 — — — 27,6 3,1 —
53,2 51,3
4,9 3,6
41,6 45,1
20,4 31.0 23,3 2,8 4,3 97,2 67,9
25,4 13,4 66.7 79,0 81,5 2,7 30,9
45,2 6,1 8,6 18,2 — 0,1
—
6.1 20,5 13,6 1,0 73,0 —
38,9 0.7 0.2
IberoAmerika
90,9
—
'
6 1 ,9
—
8.2 15,7 — — 10,2 0.1 1.4 1,7 0.1
_ 9,0 49,5 1,3 — 0,6 — 1.2
AnmerkunKea: Die A u f t e i l u n g d e r R ä u m e Ist rein geogra phisch, so daß beispielsweise zu „A s 1 e n” auch die Produktion, der Länder des Nahen Ostens gerechnet Ist; die Sowjet-Union ist ein schließlich Ihres asiatischen Teiles zu Europa gezählt. Die Z a h l e n i n F e t t d r u c k zeigen an, daß das Schwergewicht einer Erzeugung (mehr als die Hälfte) in einem bestimmten Wirtschaftsraum liegt. Der Rest der jeweiligen Quersumme bis hundert Ist der hier nicht aufgeführte, im übrigen auch wenig ins Gewicht fallende Anteil Ozeaniens.
77
DAS NEUE EUROPA Schriftenreihe der Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft e. V. Berlin
Schrift 1 : W er ne r Daitz: „Der Weg zur völkischen W i r t s c h a f t und z u r e u r o p ä i s c h e n Gr oß r a u m wi rts c h a f t “. Meinhold Verlagsgesellschaft, Dresden. In diesem W erk zeigt Gesandter W erner Daitz, Präsident des Führerringes der Gesellschaft für europäische W irt schaftsplanung und Großraumwirtschaft, die Wege zur Wiedergeburt Europas. Die Schrift enthält die grundlegen den Formulierungen der nationalsozialistischen W irtschafts ordnung und europäischen Großraumwirtschaft. Schrift 2 :
C a r l o S c a r f o g l i o : „ E n g l a n d u n d d a s F e s t l a n d “. Neuauflage der deutschen Ausgabe, April 1941. Mit einem Geleitwort von W e r n e r Da i t z . Verlag Felix Meiner, Leipzig. Der Kontinentalgedanke, die Erkenntnis von der Gemein samkeit der Interessen des Festlandes gegenüber denen Englands, findet in dieser Schrift von italienischer Seite seinen ersten zusammenfassenden und durch Begründung und Formulierung geradezu klassischen Ausdruck. Mit die sem W erk, das bei seinem ersten Erscheinen großes Auf sehen in Europa erregte, leitet der Verfasser vom romani schen Blickfeld, von den Völkern des Mittelmeerkreises her eine Wendung in der europäischen Geschichtsschreibung ein, die bereits sein Vater, Eduardo Scarfoglio, vorbereitet hatte. E r betrachtet, wie es W erner Daitz mit dem gleichen Ziel vom germanischen Standpunkt aus unternahm, die ein zelnen Völker Europas und ihre Geschichte nicht mehr isoliert, sondern als unlösbare Glieder mit natürlichen Rechten und Pflichten innerhalb der europäischen Völker familie. Schrift 3 : G e r h a r d Ge b h a r d t : „Europas Wi r t s c h a f t s f r e i h e i t“. Mit einem Geleitwort von W erner Daitz. Verlag Glückauf G. m. b. H.. Essen
In Vorbereitung — S c h r i f t 4 : Bar on L a g e S t a e l v o n H o l s t e i n : „ De r N o r d e n im W e l t e n b r a n d“.
„ Na t i o n a l e W i r t s c h a f t s o r d n u n g und G r o ß r a u m w i r t s c h a f t “ — J a h r b u c h 1941. Meinhold Verlags gesellschaft, Dresden. Dieses Buch, im April 1941 erschienen, ist die erste größere Veröffentlichung auf diesem Gebiet und von höchster Aktualität in der europäischen Wirtschaftsentwicklung. Es enthält Aufsätze maßgeblicher Verfasser zur wirtschaft lichen Neuordnung Europas und Geschichte der europäischen Großraumwirtschaft.
Sonderhefte Pr of . Dr. Ka r l K r ü g e r : „ Di e Mo t o r i s i e r u n g R u ß l a n d s “. Meinhold-Verlagsgesellschaft, Dresden. Der Verfasser, bekannt als Verkehrsgeograph, unternimmt hier das erstemal den Versuch, die Motorisierung Ruß lands vom Gesichtspunkt einer großraumwirtschaftlichen europäischen Zusammenarbeit zu sehen. P r o f . Dr. Ka r l K r ü g e r : „ K o l o n i a l a n s p r u c h und k o n t i n e n t a l e Wi r t s c h a f t s p l a n u n g . Meinhold-Ver lagsgesellschaft, Dresden. Die Schrift behandelt von hoher Warte aus die Aufgabe Afrikas als des natürlichen kolonialen Ergänzungsraums der kontinentaleuropäischen Wirtschaft. In grundlegender Dar stellung wird darüber hinaus überhaupt das Interesse Europas und insbesondere Deutschlands am Tropenraum der Erde aufgezeigt.
Reismann-Grone-Druck,
Essen