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Der Weg zur völkischen Wirtschaft und zur europäischen Grossraumwirtschaft

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W ER N ER DAIXZ

DER WEG ZUR VÖLKISCHEN WIRTSCHAFT I


Buch I der Schriftenreihe des Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Technik

Gegen die Herausgabe dieser Schrift werden seitens der NSDAP, keine Bedenken erhoben. Der Vorsitzende der parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS.sSchrifttums. Berlin, 21. November 1938. Die Schrift wird in der NS.*Bibliographie geführt,


DER W EG Z U R V Ö L K IS C H E N W IR T S C H A F T

A U S G E W Ä H LT E R ED E N U ND A U F S Ä T Z E VON

W E R N E R fDAITZ

TEIL I DEUTSCHLANDS WIRTSCHAFTSORDNUNG AUS EIGENER KRAFT UND EIGENEM RAUM

I Ausgeschioden von 1 ÜBEErlangen-Nürnberg

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VERLAG DER DEUTSCHEN TECHNIK GMBH MÜNCHEN KOMMISSIONSVERLAG UND GESAMTE AUSLIEFERUNG HOLLE & CO.

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VERLAG / BERLIN


A n s d e r h a lb fe tte n M ed iä v a l# A n tiq u a g e s e tz t

und gedruckt in d e r Offizin Haag«Drugulin zu Leipzig C opyright 1938 b y V erlag d e r D eutschen T echnik G m bH / M ünchen A lle R echte Vorbehalten


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Vorwort

D i e Sammlung der in diesem Doppelband: „Der Weg zur völkischen Wirtschaft“ 1 vereinigten Aufsätze und Reden von Werner Daitz verfolgt einen doppelten Zweck. Zunächst ist sie eine Dokumentensammlung, durch die gezeigt werden soll, daß das Fundamentalgesetz der Lehre, nach dem das deutsche Volk wieder lebensgesetzlich richtig ausgerichtet wurde, auch im wirtschaftlichen Raum von aktiven Kämpfern der NSDAP, verwirklicht und auch gedanklich ausgeprägt wurde und nicht von den später sich „anschließenden“ Wirtschaftstheoretikern oder „Sachkennern“ und Spezialisten der früheren Wirt­ schafts- und Finanzpolitik. Diese Aufsätze und Reden bringen den Nachweis, daß nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der gewerblichen, der Verkehrs- und Finanzwirtschaft sowie im Außenhandel die entscheidenden Formulierungen für die Erkenntnis der Neuordnung der deutschen Gesamt­ wirtschaft von der Partei geschaffen, propagiert und im 1 Teil I: Deutschlands Wirtschaftsordnung aus eigener Kraft und eigenem Raum. Teil II: Deutschland und die europäische Großraumwirtschaft. i

D aitz I

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Kampf gegen die „Fach- und Sachkenner“ auch geistig durchgesetzt wurden. Das von Adolf Hitler verkündete Grundgesetz völki­ schen Lebens, das das Grundgesetz der nationalsozia­ listischen Revolution ist, lautet: F reih eit durch S elb stverteid ig u n g . H il f dir selb st, d ann h i l f t dir G o tt. Es wird also die Wirtschaft eines Volkes nur dann richtig geführt und der höchstmögliche Lebensertrag für den einzelnen und das Volk gesichert, wenn ihre Existenz an erster Stelle auf eigenem Grund und Boden und auf eigenen Arbeitskräften gegründet wird. Der Kampf um die Wiedergewinnung der natürlichen Nahrungs- und Rohstofffreiheit und die Ordnung der gesamten deutschen Wirtschaft nach diesem Gesichtspunkt sind die Ver­ wirklichung dieses Grundgesetzes völkischen Lebens im wirtschaftlichen Raum, wie Werner Daitz von Anfang an grundlegend klargestellt hat. Aber auch noch einem anderen Zweck dient diese Sammlung von Reden und Aufsätzen über völkische Wirtschaft und europäische Großraumwirtschaft. Sie soll zeigen, wie wiederum nur durch die NSDAP, und ihre aktiven Vorkämpfer die Kräfte des deutschen Außen­ handels heute nicht mehr über alle W elt zerstreut werden, wie es in der liberalistischen Verfallsperiode der Fall war, sondern wie auch der deutsche Außenhandel — erstmalig bewußt — eingesetzt wird als Instrument für die Stärkung und Neuordnung Europas, damit auch Europa an erster 2


Stelle wieder aus den Wirtschaftsmöglichkeiten des eige­ nen Raumes und der eigenen Kraft seiner Völker leben kann. Um der geschichtlichen Wahrheit und der Er­ haltung der Reinheit der Idee willen ist es notwendig, auch diese Tat des Nationalsozialismus dokumentarisch festzulegen. Werner Daitz

Am 15. Oktober 1884 als Sohn des Kaufmanns Helmuth Daitz in Lübeck geboren, wuchs Werner Daitz in einer Umgebung auf, die sich trotz dem immer weiter umsichgreifenden jüdisch-materialistischen Denken im deut­ schen Kultur-, Geistes- und Wirtschaftsleben ihre art­ eigene hansische Lebensauffassung bewahrt hatte und be­ wahrte. Als er im Jahre 1907 das Diplom als IngenieurChemiker erwarb und in den folgenden Jahren, besonders während der Kriegsjahre, als Betriebsleiter bedeutender chemischer Werke neue, unter ihnen kriegstechnisch und kriegswirtschaftlich wichtige Erfindungen machte, be­ tonte Werner Daitz schon damals, daß Wirtschaft und Technik keine Dinge an sich seien, keine Mittel, ausschließ­ lich Geld zu machen, wie von der damaligen Wirtschafts­ wissenschaft und den wirtschaftlich führenden Schichten betont wurde. Für ihn waren die Technik und die Wirtschaft eines Volkes eben nicht Selbstzweck, sondern Rüstzeug und Kampfmittel für dessen Selbstbehauptung aus eige­ ner Kraft und eigenem Raum im Lebenskampf und im friedlichen Wettbewerb mit anderen Völkern. Die Verhältnisse des Krieges bewiesen die Richtigkeit >*

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dieser Erkenntnis und dieses Denkens. Der Weltkrieg, der den totalen Einsatz aller Lebenskräfte der am Kriege be­ teiligten Völker verlangte - also auch der Wirtschaftskräfte jedes Volkes als eines seiner wichtigsten Kampfmittel — zerstäubte alle die abstrakten Theorien, Lehren und Rezep­ te doktrinärer, liberaler Wirtschaftswissenschaftler. Ihr Gelddenken hatte die deutsche Wirtschaft veranlaßt, sich auf Weltwirtschaft, d. h. Freihandel und internationale Arbeitsteilung, einzustellen sowie die für die Erhaltung des Volkes lebenswichtigsten Nahrungsmittel und Roh­ stoffe ohne Rücksicht auf die Sicherheit der Zufuhr dort einzukaufen, wo sie gerade am billigsten einzuhandeln waren. Der Weg zu diesen lebenswichtigen Nahrungs­ mitteln und Rohstoffen unterlag damit jeder feindlichen Abschnürung. Als im Weltkrieg dann die Feindmächte folgerichtig diese Wege sperrten, zeigte es sich, daß Deutschland durch die Fehlentwicklung seiner W irt­ schaft, die es selbst verschuldete, seine wirtschaftliche Unabhängigkeit und Freiheit verloren hatte. Wirtschafts­ freiheit aber ist die Voraussetzung für die Wehrfreiheit und außenpolitische Handlungsfreiheit. Der Verlust des Weltkrieges und die Auswirkungen des Versailler Diktats haben es dann wohl auch dem letzten Deutschen gezeigt, daß das Vorkriegsstreben nach dem „billigsten Einkaufs­ preis“ in Wirklichkeit ein Weg zum „teuersten Preis“ war. Denn die verlorene Wirtschaftsfreiheit, d. h. der Nahrungsmittel- und Rohstoffmangel in den Kriegs­ jahren, war ja neben der Instinktunsicherheit und der Zerrissenheit in der geistigen Führung und Haltung des 4


deutschen Volkes, bedingt durch volksfremde Ideologien, die Hauptursache für den unglücklichen Ausgang des Krieges. Aus den Erlebnissen der ersten beiden Kriegsjahre her­ aus schrieb Werner Daitz bereits im Februar 1916 den Aufsatz: „Vom Umbau der Volks- und Weltwirtschaft“ , der eine leidenschaftliche Absage an die herrschenden liberalistischen Wirtschaftslehren war, und in dem voraus­ gesagt wurde, daß der Weltkrieg die Geburtswehen zweier weltumstürzenden Ideen, aus denen eine neue Weltord­ nung erwachsen werde, bedeute: einer religiösen Idee (der Durchbruch des völkischen Gedankens auf allen Lebensgebieten) und einer wirtschaftlichen Idee (die völ­ kische Neuordnung der Innen- und Außenwirtschaft der Völker als Mittel ihrer Selbstbehauptung und Selbstbe­ stimmung nach dem Grundsatz: „Freiheit durch Selbst­ verteidigung“ ). Dieser Aufsatz ist der Auswahl der Artikel und Reden als Einleitung vorangestellt. Anfang 1931 wurde Werner Daitz zum Reichsbeauf­ tragten der neugegründeten Wirtschaftspolitischen Ab­ teilung der Reichsleitung der NSDAP, für die zehn Gaue Nord- und Westdeutschland ernannt und im gleichen Jahre vom Führer in den von ihm geschaffenen und nur aus wenigen Personen bestehenden Reichswirtschaftsrat der Reichsleitung der NSDAP, berufen. Im „Nationalsozia­ listischen Wirtschaftsdienst“ , einer der ersten national­ sozialistischen Wirtschaftskorrespondenzen, die Werner Daitz von Anfang 1931 in Hamburg herausgab, schuf er sich neben seinen sonstigen zahlreichen Veröffentlichungen 5


im „Völkischen Beobachter“ und anderen Parteizeitungen eine Plattform, von der aus er die Auffassung einer völ­ kischen, d. h. lebensgesetzlich ausgerichteten deutschen Wirtschaftsführung vortrug und immer weiteren Kreisen vermittelte. Nach der Machtübernahme im Jahre 1933 wurde Wer­ ner Daitz neben seiner Berufung in den Reichstag noch die Vertretung der Freien und Hansestadt Lübeck im Reichsrat bis zu dessen Auflösung übertragen, sowie in Sonderauftrag in dem von Reichsleiter Alfred Rosenberg im Februar 1933 gegründeten Außenpolitischen Amtes der Reichsleitung der NSDAP. In konsequenter Verfol­ gung der nationalsozialistischen Wirtschaftsideen setzte sich Werner Daitz jetzt für ihre praktische Verwirklichung ein. Durch zahlreiche Reden, Vorträge und Aufsätze suchte er die Neuordnung der deutschen Wirtschaft mit dem Ziel der Gewinnung der Nahrungs- und Rohstoff­ freiheit zu klären. Ebenso wurden von Werner Daitz auch „Grenzen und Wesen der produktiven Kreditschöpfung“ 1 theoretisch in allen Einzelheiten bereits in den Jahren vor der Macht­ übernahme entwickelt. Unwiderleglich zeigte er, wie die lebensgesetzlich und lebensstrategisch richtig ausgerich­ tete Produktion eines Volkes jederzeit aus eigener Kraft gefahrlos finanziert werden kann, und wie weiter aus eigener Kraft jederzeit die nötigen Geld- und Kreditmittel auch für das organische Wachstum der Produktion ge­ schöpft werden können. 1 Teil II, Kap. IV, Seite 135. 6


In dieser Erkenntnis, und der, daß nur Arbeit Kapital schafft und nur durch lebensstrategisch, d. h. lebensge­ setzlich ausgerichtete Mehrproduktion eine Erhöhung der Lebenshaltung erzielt werden kann, trat Werner Daitz auch für die natürliche Wiederausweitung des durch Inflation und Deflation zusammengeschmolzenen innerdeutschen Kreditvolumens unter entsprechender Zinssenkung ein. Bahnbrechend war er in seiner Durchführung der ersten freiwilligen Zinssenkung durch die öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten im Juni 19331. Auf dem Außenhandelsgebiet wurden von Werner Daitz bereits 1932 die Grundzüge einer neuen Handelspolitik klar entwickelt und begründet. Aus der Erkenntnis heraus, daß letzten Endes nur mit der Ausfuhr die Einfuhr bezahlt werden kann, wurde damals schon von Werner Daitz als Grundlage künftiger deutscher Handelspolitik grund­ sätzlich der Abschluß von zwei- evtl, dreiseitigen Han­ delsverträgen gefordert mit elastischen Kontingenten, sowie der Abschluß damit zusammenhängender Verrech­ nungsabkommen. Hier wurde eine nach den natürlichen Grundlagen des Warenaustausches wieder neu ausgerich­ tete Außenhandelsidee dem aus allen Fugen gegangenen „Welthandel“ entgegengesetzt. Von Werner Daitz wurde auch die erste praktische Anwendung dieser neuen Han­ delsvertragsidee in dem unter seiner Mitwirkung in Un­ garn abgeschlossenen Handelsvertrag3, dem ersten nach nationalsozialistischen Grundsätzen, erprobt. So war er an der praktischen Neuausrichtung der deutschen Handels­ 1 Teil II, Kap. IV, Seite 174. - »Teil II, Kap. II, Seite 77.

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politik nach Südosteuropa, damit an der ersten Konkreti­ sierung der nach dem Osten gerichteten kontinentaleuro­ päischen Politik des Führers auf wirtschaftlichem Gebiet beteiligt. Hierdurch wird nun die deutsche Handelspolitik nicht nur eingesetzt für die sinnvolle Stärkung und Ergänzung der deutschen Binnenwirtschaft und der deutschen Lebens­ haltung, sondern durch Umlenkung des deutschen Waren­ austausches zum Teil fort von Übersee hin zu diesen euro­ päischen Räumen, auch für die Stärkung des europäischen Binnenhandels und damit für die Mobilisierung aller bisher in Europa ungenutzten Wirtschaftskräfte. Sein immer wieder verkündetes Schlagwort lautet: „Europa den Europäern! Der europäische Bedarf muß zuerst in Europa gedeckt werden!“ Er übertrug damit den Gedanken der natürlichen deutschen Selbstversor­ gung und der darauf beruhenden Selbstbestimmung auch auf den europäischen Kontinent, um so diesem wieder die Möglichkeit zu geben, aus eigenem Raum und der eigenen Kraft seiner Völker neben und mit den anderen Erdteilen ein natürliches Leben zu führen. Die Auf­ sätze und Reden von Werner Daitz sind ein einziger Aufruf, Kontinentaleuropa neu zu ordnen nach den ewigen Lebensgesetzen seiner Völker und den

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setzen seines Raumes. Sie sind eine einzige Mahnung, den in den letzten Jahrhunderten aus dem Intellekt kon­ struierten künstlichen Staats-, Wirtschafts-, Kultur- und Sozialtheorien zu entsagen, die Kontinentaleuropa zur Rechtfertigung seines in diesem Zeitraum geführten un­


natürlichen Lebens entwickelt hatte. Ein widernatürliches Leben, das darin bestand, daß Kontinentaleuropa nicht aus seiner natürlichen räumlichen Ganzheit, von Gibraltar bis zum Ural und vom Nordkap bis zur Insel Cypern an erster Stelle gelebt hat, sondern immer mehr aus frem­ den Räumen, aus den seit dem Jahre 1500 entdeckten beiden Amerika, den beiden Indien, aus Australien und Afrika; daß Europa nicht aus der Kraft seiner eige­ nen, nach ihrer verschiedenen Lebensgesetzlichkeit aus­ gerichteten Völker gelebt hat, sondern aus der Kraft fremder Völker in den neu entdeckten Erdteilen, von denen es auf Grund seiner Schwertgewalt mehr nahm, als es ihnen gab. Heute nun, wo die von Europa entdeckten Erdteile ihre politische und wirtschaftliche Selbständigkeit erklärt haben und ihren Selbstbehauptungswillen gegen den Europas setzen, zwingen sie auch Kontinentaleuropa sich wieder zu dem obersten Grundsatz allen Lebens zu be­ kennen: aus eigenem Raum und der eigenen Kraft seiner Völker zu leben und seinen Selbstbehauptungswillen in Einklang mit dem der übrigen Erdteile zu bringen. Nicht wie bisher durch Gewalt und Eroberung, sondern durch gerechten Leistungsaustausch. Die heute in Deutschland entstehenden Wirtschafts­ formen sind, ebenso wie die gegen 1932 fast verdoppelte Produktivität, nur die Folge einer neuen völkischen Ausrichtung, eben der vom Führer verlangten soldati­ schen Haltung in der Wirtschaft, und nicht das Produkt irgendwelcher neuen Theorien oder theoretischen Erwä­ 9


gungen. Adolf Hitler ebenso wie seine wirklichen, ihm durch die Macht der Idee verbundenen Gefolgsmänner, wußten, daß eine kompromißlose Neuausrichtung der Wirtschaft allein nach der deutschen Lebens- und W achs­ tumsgesetzlichkeit, mit naturgesetzlicher Folgerichtigkeit auch ein Höchstmaß der Leistung, der Lebensmächtigkeit und -entfaltung, sowie der technischen Vollkommenheit der Leistung nach sich ziehen müsse. Dieser lebensgesetzlich bedingte Erfolg ist allerdings nicht mit Krämerkalkula­ tionen im voraus ausrechenbar. An ihn muß man glauben 1 Die Sammlung dieser Aufsätze — Teil I: „Deutsch­ lands Wirtschaftsneuordnung aus eigener Kraft und eige­ nem Raum“ und Teil II: „Der Weg zur europäischen Groß­ raumwirtschaft“ — hat ihren Zweck erfüllt, wenn sie dem Leser die Grundidee allen Lebens anschaulich macht, daß, wie Werner Daitz sie formuliert: „nur solche Lebensformen auf die Dauer lebensbeständig und lebenswürdig sind, die an erster Stelle aus arteigener Kraft und eigenem Raum zu leben vermögen.“ Auch die Wiedergeburt der europäischen Völker kann nur aus der Erneuerung des Glaubens jedes Volkes an sein ihm arteigenes Lebens- und Wachstumsgesetz erfolgen, und die Erneuerung und Neuordnung Europas nur durch das erneuerte Bekenntnis zu der Ganzheit seines Raumes und einer nachbarlichen Zusammenarbeit seiner Völker auf der unverrückbaren Grundlage der gegenseiti­ gen Achtung vor ihrer völkischen Souveränität. In diesen Aufsätzen wurde schon frühzeitig gezeigt, daß die Wiedergeburt Deutschlands durch den Nationalio


Sozialismus, die Wiedergeburt Italiens durch den Fa­ schismus und die Wiedergeburt der Türkei durch den Kemalismus keine isolierten politischen Einzelerschei­ nungen sind, sondern nur der Anfang einer lebensgesetz­ lichen Neuausrichtung der europäischen Völker, und wie diese wiederum unlöslich zusammenhängt mit der Wieder­ herstellung der Ganzheit des europäischen Raumes und der europäischen Völkerfamilie. Es wurde damit gezeigt, daß die deutsche Wiedergeburt und die viel geschmähte Ostraumpolitik nicht menschlicher Willkür entspringt, sondern nur die deutsche Erfüllung einer heute riesen­ groß und unausweichlich vor allen europäischen Völkern stehenden Forderung des Schicksals ist. Nur wer sie aus eigener Kraft erfüllen wird, wird be­ stehen bleiben. Berlin, im Februar 1938

Dr. A lf re d Mischke

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ADOLF H I T L E R auf dem Reichsparteitag in Nürnberg September 1^38

. Im Gesamten wird die deutsche Volkswirtschaft so auf­ gebaut, daß sie jederzeit auch gänzlich unabhängig von anderen Ländern auf eigenen F ü ß en stehen kann. U nd dies ist gelungen.

Den Gedanken an eine Blockade Deutschlands kann man schon jetzt als eine gänzlich unwirksame Waf f e be­ graben. Der nationalsozialistische Staat hat mit der ihm eigenen Energie die Konsequenz aus den Erfahrungen des Weltkrieges gezogen. Und nach wie vor werden wir an dem Grundsatz fest­ hatten, daß wir uns selbst lieber auf dem einen oder anderen Ge­ biet, wenn es notwendig sein sollte, einschränken wollen, als uns in eine Abhängigkeit vom Ausland zu begeben. Vor allem wird an die Spitze unseres wirtschaftlichen Handelns immer der E n t­ schluß treten: D ie Sicherheit derNationgeht allem anderen voran. Ihr wirtschaftliches Dasein ist deshalb auch auf unserer Lebens­ basis und unserem eigenen Lebensraum materiell in vollem U m ­ fang sicherzustellen. D enn nur dann wird auch die deutsche Wehrmacht jederzeit in der Lage sein, die Freiheit und die In ter­ essen des Reiches unter ihren starken Schutz zu nehmen . . . "


Einleitung Z um U m bau der Volks- und W eltwirtschaft t

Aufsatz von Werner D aitz in der Frankfurter Halbmonatsschrift „D a s freie W ort". 1 6. Jahr­ gang N r. 15/16. November 1916.

Der gegenwärtige Weltkrieg bedeutet eine Revolution der Weltgeschichte. Eine unvergleichlich größere als die der napoleonischen Kriege vor hundert Jahren, da der korsische Imperator der Träger des Schicksalswillens ward und durch den Mund seiner Kanonen die Idee der fran­ zösischen Revolution in ganz Europa verkündete. Napo­ leon zertrümmerte nicht nur gewaltsam den überlebten staatlichen Absolutismus der europäischen Kulturnatio­ nen, sondern zugleich auch die absolutistische Wirt­ schaftsverfassung, das „Merkantilsystem", den „Colbertismus", der den lebendigen Wirtschaftsorganismus der Völker wie einen Panzer einschnürte und gesprengt wer­ den mußte. Im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts schlug jedoch der von der französischen Revolution und Napoleon eingeleitete wirtschaftliche Liberalismus in ex­ tremsten Individualismus um. Die staatlich geschlossene Volkswirtschaft wurde immer mehr aufgelöst zugunsten einer internationalen Weltwirtschaft. Der Prozeß der nationalen Arbeitsteilung, der bisher die Arbeit der Volks­ wirtschaft gegliedert hatte, immer mehr zum Prinzip der 13


Weltwirtschaft erweitert, und die nationale Arbeitstei­ lung zur internationalen angestrebt. Damit wurde die nationale Grundlage der Volkswirt­ schaft aus den Angeln gehoben und dem Staat als W irt­ schaftseinheit die Basis genommen. Das Kapital wurde in­ ternational und bildete jenen internationalen Kapitalis­ mus heraus, dem notwendig wie sein Schatten der inter­ nationale Sozialismus folgte. Dieses ideologische Weltwirtschaftsideal, das aus der Überspannung des wirtschaftlichen Liberalismus ent­ sprang, ist zu einer der Hauptursachen des Weltkrieges geworden, wenn es nicht die hauptsächlichste ist. Aber auch aus diesem Weltbrande schlägt die Lohe des Ewig-Schöpferischen auf; mit gewaltigerer Macht denn jemals. Die Welt hält sich allein im Gleichgewicht durch die Gegensätze. Noch verbergen zwar der Blutschleier und die Stimmen des Hasses und Zornes der entfesselten Erd­ geister das Große, das sich wieder aus dem Schoße des Weltwillens losringt. Furchtbar sind die Geburtswehen, unter denen die Menschheitsgeschichte sich windet, um ein Neues ans Licht zu bringen. Wohl dem, der es zu er­ kennen vermag. Er wird getröstet werden. Triumphierend sieht er über den von Geschoß und Mordmaschinen zer­ fetzten Menschenleibern die Sonne des Ewig-Schöpferi­ schen aufsteigen. Die Geburtsstunde zweier weltbedeuten­ der Ideen hat geschlagen; einer religiösen und einer wirt­ schaftlichen. Von der letzteren wollen wir in nachfolgen­ dem sprechen. f Jede Idee bedarf der äußeren Macht, um sich durchzu­ setzen. Unsere Zeit ist ausgefüllt durch die Machtsamm­ lung und Organisation der neuen wirtschaftlichen Idee: 14


das zum Selbstzweck entartete autonome Kapital umzu­ formen in soziales Kapital. Und zwar soziales Kapital auf staatlicher Grundlage. M it gew al ti gen Schlägen hämm ert die G eg en w ar t den Vö lk e rn w i e d er ins Hirn, daß nur eine vom Feinde nic ht tödlich zu tr e ffe n de W i r t s c h a f t die erste Vo rb e d in g u n g , ja ü b e r h a u p t erst die M ö g li c h k e i t eines d a u e r h a f ­ ten Sieges der W a f f e n gibt. Die Welle des wirt­ schaftlichen Liberalismus, welche die Welt im vergange­ nen Jahrhundert überflutete, hat in dies Fundamental­ prinzip des Staates klaffende Lücken geschlagen. Zugun­ sten eines Weltfreihandels-Idols wurde dem durch die Arbeit der Volksgemeinschaft geschaffenen Kapital Frei­ brief gewährt, sich überall dort anzusiedeln, wo es ihm paßte, und zu arbeiten unter der Flagge, die ihm gerade den höchsten Zins verhieß. Diese Freiheit des Kapitals war keine Freiheit mehr, sondern staatswirtschaftlich be­ trachtet: Anarchie. Seine Folgen sehen wir heute. Die vielgerühmte „weltwirtschaftliche Verflechtung der Völ­ ker", die vielgepriesene, die köstlichste Frucht der wirt­ schaftlichen Entwicklung des neunzehnten Jahrhunderts, hat den Krieg in die grausamste Form übergeleitet, die es für das Volksganze geben kann, den Wirtschaftskrieg. Dieser Industrie- und Wirtschaftskrieg ist nur möglich geworden, weil jedes der großen kontinentalen Völker die Lebensadern seiner Volkswirtschaft höchst mangelhaft geschützt hat. Die Wirtschaft der Staaten des Mittelalters und bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hinein konnte ernsthaft nur bedroht werden, wenn der Feind mit Waffengewalt ins Land brach. Heut aber erleben wir das Paradoxon, daß Deutschland und seine Verbündeten ihre 15


Heere überall weit in Feindesland stehen haben und doch seine Volkswirtschaft und Existenz in großer Ge­ fahr sind. Nur die stärkste Wirtschaftsmacht der Neuzeit, das bri­ tische Weltreich, ist durch die Seeherrschaft in der Lage, sein weitverzweigtes Wirtschaftssystem noch am besten intakt zu halten. Die Lasten, die England zu tragen hat, sind groß, sehr groß, größer denn jede der andern Völker; aber man täusche sich nicht - die Integrität seines W irt­ schaftssystems im ganzen blieb gewahrt. Sein Umfang verringerte sich, die Zahlungsbilanz zeigt heute ein Passivum von rund vier Milliarden Mark, statt eines gleich großen Aktivums in Friedenszeit. Das sind gewaltige Z if­ fern. Der Aderlaß schwächt Britanniens Wirtschaft und Reichtum. Aber sein Kapital arbeitet, wenn auch viel da­ von ins Ausland abfließt, und ist nicht zum Feiern ge­ zwungen infolge unterbundener Rohstoffzufuhr oder E x­ portmöglichkeit. Die deutsche Wirtschaft, die mehr denn jede andere auf industriell-technischer und landwirt­ schaftlich-technischer Produktion aufgebaut ist, erstickt am Schluß mit unfehlbarer Notwendigkeit, wenn ihr die Zirkulation der Rohstoffe und Exportware dauernd unter­ bunden wird. Die deutsche Wirtschaft ist ein einziger rie­ senhafter Großbetrieb geworden, der aus und für den Weltmarkt arbeiten muß. Die Weltraffinerie für die rohen. Wirtschaftsgüter; das qualitativ höchst entwickelte In­ dustrieland der Erde: Darum beginnt sich bewußt auch in Deutschland zuerst die neue große Wirtschaftsidee zu re­ gen, die der Ausgang einer neuen Epoche sein wird - ge- boren aus der Not der Stunde. Die eiserne Notwendigkeit sitzt am Steuer und zwingt die Wirtschaft nach jenem 16


weltweiten Ziele, das nur ihrem Blick erreichbar. In Deutschland ist zum ersten Male mit aller Deutlichkeit der Widersinn begriffen worden, der in der ziellosen, willkür­ lichen Betätigung des deutschen Kapitals auf dem Welt­ markt und in der Binnenwirtschaft liegt, die ungeheure Gefahr, die daraus der Allgemeinheit droht. Die Not der Stunde hat den Stein ins Rollen gebracht, der, zu einer Lawine anschwellend, das Weltwirtschaftsgefüge umwan­ deln wird: der Prozeß der Umformung des Privatkapitals in soziales Kapital; die bewußte Unterordnung des freien Kapitals unter die Nationalwirtschaft hat begonnen. Aber mit dem Inhalt wandelt sich auch die Form. Die neue Ten­ denz der Wirtschaft bedingt gleichzeitig einen völlig äußern Umbau der Weltwirtschaft. Zur See, über und un­ ter der See, wird künftig mehr denn je gerüstet werden. Die „freie See", die auf das vollkommenste das Prinzip des Freihandels und der verflossenen liberalen Wirtschafts­ epoche zu verkörpern schien, bietet heute gerade dem mi­ litärischen Angriff auf die Wirtschaft der großen Indu­ strieländer und Handelsstaaten das dankbarste und er­ giebigste Ziel. Dies welthistorische Beispiel wird nicht ver­ gessen werden. So sieht sich denn der militärisch und wirtschaftlich stärkste Block Mitteleuropas genötigt, seine wichtigsten Rohstoffzufuhr- und Handelsstraßen so zu le­ gen, daß er sie stets mit seinen Landheeren schützen kann. D ie O rg a n is a ti o n des m i t t e le u r o p ä i s c h e n W i r t ­ s c h a ft s v e r b a n d e s hat begonnen; er wird seine Schie­ nenstränge ausstrecken müssen, will er sein Ziel erreichen, von Hamburg bis an den Persischen Golf. Nur so wird die­ ser Wirtschaftsverband wirtschaftlich nicht mehr tödlich zu treffen sein. Jedem der ihm angehörenden Staaten eine 2 Daitz I

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ausreichende Sicherung der Zufuhrstraßen und Export­ wege gewähren1. Die Schaffung dieses mitteleuropäischen Wirtschafts­ verbandes ist ein Willensziel, kein kurzfristiges, hoch­ lohnendes Geschäftsziel. Darum wird man das Kapital in diesen Verband zwingen müssen - von Staats wegen, vom Standpunkt einer möglichst geschlossenen Nationalwirt­ schaft aus, die heute wieder Trumpf ist. Man täusche sich nicht. Die bisher befahrenen Seehandelsstraßen sind mit den geringeren Transportkosten belastet und bieten dem Kapital die bei weitem größere Möglichkeit, in kurzfristi­ gen Geschäften hohe Gewinne zu erzielen. Und da man dem Kapital uneingeschränkte Freiheit gab, so ist daraus die heutige rein kapitalistische Weltwirtschaft entstanden, die sich Selbstzweck war. - Die anbrechende Wirtschafts­ epoche wird mit dieser Selbstzwecksetzung des Kapitals gründlich aufräumen und es in die Gebundenheit unter staatswirtschaftliche Interessen zurückführen. Eine neue Art Staatssozialismus bricht an. Ganz anders, als ihn je­ der von uns erträumt oder gedacht hatte. Man wird die privatwirtschaftliche Initiative und die Privatkapitalwirt­ schaft nicht lähmen, aber von staatssozialistischen Ge­ sichtspunkten aus reglementieren, dadurch, daß das Kapi­ tal nationalwirtschaftlich geballt und mit einheitlicher Stoßkraft nach außen geleitet wird. Staat und Wirtschaft werden durch den Weltkrieg wie­ der aufs innigste verschmolzen. Der Staat beansprucht zur Kriegführung nicht nur fast die gesamte wirtschaftliche 1 Die Stapelung unentbehrlicher kolonialer Rohstoffe kann die Erreichung dieses Wirtschaftszieles erleichtern, aber nicht ent­ behrlich machen.

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Leistung, sondern verschlingt als Anleihen auch den Groß­ teil des gesamten Betriebs- und Anlagekapitals der Volks­ wirtschaften. Der Staat ist in nie geahntem Umfange Ge­ meinschuldner geworden und wird es noch immer mehr. Die Kreditwürdigkeit der Volkswirtschaft hängt nunmehr von der Kreditwürdigkeit des Staates ab. Und die Kredit­ würdigkeit des Staates vom Zustande der Volkswirt­ schaft. Diese Verschmelzung der Interessen bedingt wie­ derum gebieterisch den geschlossenen Handelsstaat. Nur in dieser Wirtschaftsform ist eine solche Interessengemein­ schaft möglich. Die moderne Form des geschlossenen Handelsstaates soll den Zentralmächten der mitteleuro­ päische Wirtschaftsverband bringen. - Auch aus dem Grunde wird ein wirtschaftlicher Zusammenschluß der bei­ den großen Mächtegruppen, die sich heute feindlich gegen­ überstehen, nach Friedensschluß notwendig werden, weil anders die Finanzwirtschaft der beiden Mächtegruppen nicht zu ordnen sein wird. Man bedenke nur, Rußland pumpt heute in Frankreich, Frankreich leiht gegen Un­ terlagen von England, England verpfändet Wertpapiere in Amerika. Von den Anleihen Belgiens, Italiens, Serbiens, Montenegros usw., usw., die ebenfalls dazu beitragen, das Finanzsystem der Entente zu einem immer unentwirr­ bareren Knäuel zu verwickeln, wollen wir ganz absehen. Jedenfalls ist aber das eine sicher, daß die Liquidation des Ententegeschäfts eine recht langwierige sein wird, und daß die Unmöglichkeit der Zahlung durch die Gewährung wirtschaftlicher Vorteile kompensiert werden muß und wird. Auch zwischen den Mächten des neuen Dreibundes und seinen Anhängern werden sich gewisse finanzielle Transaktionen als notwendig erweisen. Diese wiederum s*

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bedingen nach Friedensschluß ein Operieren nach gemein­ samen finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten. So wird die durch den Krieg herbeigeführte Verflechtung der Kredit- und Finanzverhältnisse der beiden feindlichen Mächtegruppen sich auch später noch als ein gemein­ sames Gravitationszentrum dieser Staatenverbände erwei­ sen und sie zu Wirtschaftsverbänden zwingen. Es ist dies . Moment bisher viel zu wenig berücksichtigt worden. Ebenso wird es in der ersten Zeit nach dem Kriege nur möglich sein, mit Kriegsanleihen ohne Verlust zu bezah­ len innerhalb eines geschlossenen Wirtschaftsverbandes, deren jeder die Staaten umfängt, die auf gemeinsame Rechnung den Weltkrieg führten. Mit der Phrase der internationalen Freiheit des Han­ dels und Kapitals bricht zugleich auch die des internatio­ nalen Sozialismus zusammen. Die Sozialisierung des Staates macht in dem gleichen Maße Fortschritte, wie der Staat Schuldner der Volkswirtschaft und der Allgemein­ heit wird. Je länger der Krieg dauert, in desto größere und dauernde Abhängigkeit gerät der Staat von der Volks­ wirtschaft, und ein desto sozialeres Gepräge wird er tragen müssen, weil er sich der Volkswirtschaft um so enger an­ passen muß. Es ist hier nicht der Ort und auch vor allem noch nicht an der Zeit, im einzelnen aufzuzeigen, in wel­ cher Weise sich der neue Staatssozialismus innerhalb der einzelnen Staaten der Wirtschaftsverbände betätigen wird und muß. Wer die Zeichen der Zeit zu deuten versteht, wird, wenn er nur die Augen öffnet, genug des neuen Gei­ stes verspüren, dessen Wirken nicht wieder verwischt werden kann. Dieselbe anonyme Kraft, die mit Schick­ salsgewalt den Außenbau der Weltwirtschaft umprägt, or­ 20


ganisiert zugleich auch den inneren Neubau der Volks­ wirtschaften, indem sie eine neue Entwicklungsphase des Kapitalismus heraufführt. Diese Wandlung des Kapita­ lismus bedingt mit Naturnotwendigkeit einen U m b a u seiner bisherigen Gegenkraft, des i n t e r n a t i o n a l e n S o ­ z i a l i s m u s . Sie z e r s c h l ä g t diesen in N a t i o n a l s o ­ z i a l i s m e n , deren W a h l s p r u c h sein wird: die A r ­ b e it übe r d ie Ph ra s e. Unter diesem Zeichen steht heute auch die Krise der deutschen Sozialdemokratie, die der organisierten Arbeit, den Gewerkschaften, die Herrschaft über die Parteidogmen endgültig sichern wird.

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Erstes Kapitel NATIONALSOZIALISTISCHE W IRTSCH AFTS­ E R K E N N T N IS .

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D ie W irtschaftsphilosophie und W irtschaftspolitik des Nationalsozialismus A rtikel in der faschistischen Zeitung „Giornale d ’I ta lia " anläßlich der Zehnjahresfeier des italienischen Faschism us. I n der deutschen Fassung in Nr. 32 d es,.Nationalsozialistischen Wirtschaftsdienstes“ , Hamburg, a m 5 .12 .1g 3 2 erschienen.

Wenn das Deutsche Reich vom Ausland immer wieder als das „Land der Dichter und Denker“ bezeichnet und immer wieder der Wunsch ausgesprochen wird, es möge in diesen Disziplinen des menschlichen Geisteslebens wie­ der seine alte führende Stelle einnehmen zum Besten der ganzen W elt-so sollte man dann konsequenterweise auch im Ausland Adolf Hitler und den deutschen National­ sozialismus freudig als den wahren Erneuerer der deut­ schen Seele und damit auch Deutschlands selbst begrüßen. Denn mit der Sehergabe eines großen Dichters und der alles bezwingenden Gewalt der Rede eines großen Predi­ gers hat Adolf Hitler in übermenschlicher dreizehnjähri­ ger Erziehungsarbeit die breiten Massen des deutschen Volkes dem Sumpf des internationalen Intellektualismus, der Demokratie und des Materialismus entrissen und ihnen wieder eine mit dem Blut ihrer Rasse und der heimatlichen Erde ihres Landes verbundene Weltanschauung gegeben. Diese Erziehungsarbeit hat bereits das ganze Volk in allen 25


seinen Schichten und Parteien erfaßt und ragt weit über den zahlenmäßigen Rahmen der nationalsozialistischen Partei hinaus, die auch in dem heute noch „parlamentari­ schen“ Deutschland als politische Partei erst ein Drittel des Parlamentes umfaßt. Adolf Hitler hat das ganze deut­ sche Volk wieder zu ernstester und tiefster Selbstbesin­ nung und damit zu den Quellen seiner wahren K raft und seines Lebens zurückgeführt. Denn wenn man Deutschland im Auslande richtig ver­ stehen will, so muß man stets berücksichtigen, daß es nicht nur geographisch und verkehrspolitisch in Europa das „Land der Mitte" ist, sondern auch seiner geistigen Struktur nach. Denn es ist eben wegen dieser seiner Ver­ kehrslage und damit als Durchgangsland europäischer Völkerwanderungen auch rassisch stark durchkreuzt wor­ den. Damit hat der deutsche Mensch auf der einen Seite eine große intellektuelle Vielseitigkeit und Regsamkeit ge­ wonnen - das was die Welt an ihm am meisten schätzt zugleich aber auch als Schattenseite eine starke Instinkt­ unsicherheit erworben, das was die Welt in W irklichkeit an ihm fürchtet. Denn der deutsche Mensch ist infolge dieser geistigen und charaktermäßigen Uneinheitlichkeit das Gegenstück, das Pendant seines „Vetters“ des Eng­ länders. Dieser besitzt infolge seiner insularen Abge­ schlossenheit und damit geringer Gelegenheit zur rassi­ schen Durchmischung eine weit geringere intellektuelle Vielseitigkeit, dafür aber eine unvergleichlich größere In­ stinktsicherheit. Beim Engländer zeigt die Magnetnadel dieses Instinkts unverrückbar nach Norden und wird in keiner Weise durch den Umbau eines übermäßig großen intellektuellen Eisengehäuses von ihrer Richtung abge­ 26


lenkt, wie beim Deutschen. Diese unbeirrbare Instinkt­ sicherheit des Engländers erklärt die eiserne Konsequenz, Zielsicherheit und Verläßlichkeit seiner Politik (sofern ihre Grundrichtung von dem Außenstehenden erkannt wird) - und die bisherige Instinktunsicherheit des Deut­ schen in der Außen- und Innenpolitik, sowie die hieraus fließende, vom Ausland gefürchtete Unberechenbarkeit. Zum Ausgleich dieser seiner intellektuellen Vielseitig­ keit und Instinktunsicherheit suchte deshalb der Deutsche stets nach dem Kommando, dem Befehl, dem Führer. Deshalb sein Hang zu Organisation und Militarismus, als den äußeren und notwendigen Korrekturen und Form­ gebungen seines durch Instinkt nicht gebändigten Innern. Diese äußere Formgebung in politischer und geistiger Be­ ziehung wurde ihm früher zuteil durch das viel bewunderte und gefürchtete Erziehungswerk der Preußischen Könige und Bismarcks, sowie durch die „Organisation“ der deut­ schen Kultur, Wissenschaft, Technik und Wirtschaft. Sie ging verloren seit Anfang dieses Jahrhunderts unter dem Einfluß des in Deutschland immer mehr in Politik, Wirt­ schaft und Kultur zur Macht gelangenden international eingestellten Judentums, führte-damit zur deutschen Katastrophe, die infolge der zentralen Lage Deutschlands unvermeidlich zu einer europäischen werden und mit ihren Wellenschlägen im Westen und Osten auch Amerika und Asien berühren mußte. Durch und unter Adolf Hitler entsteht nun von neuem die verlorengegangene Selbstdisziplinierung und Organi­ sation des deutschen Geistes in Politik, Kultur, Wissen­ schaft und Wirtschaft. Wenn diese Formen der Welt wie­ derum als „militärische“ und als „eiserne Organisation“ 27


erscheinen, so muß die Welt sich darüber klar werden, daß diese Formen die notwendigen Lebensformen des deut­ schen Volkes sind, ohne die seine Wiedergesundung un­ möglich ist, und die um nichts gefährlicher für die Um­ gebung sind als die des englischen Volkes. Diese Neu-Disziplinierung und Organisation des deutschen Volkes ist die unerläßliche Voraussetzung für die Neukonsolidierung Europas und der gesamten westlichen Welt. Aus dieser äußeren Verschiedenheit des englischen und deutschen Charakters erklärt sich auch, warum der Deut­ sche und der Engländer eine und dieselbe Sache so ver­ schieden behandeln. Der Engländer handelt zuerst und er­ klärt sein Handeln hinterher durch eine Theorie, die mei­ stenteils nicht sehr gedankenreich ist. Der Deutsche da­ gegen stellt zunächst erst einmal die Theorie mit größter Gründlichkeit auf und versucht hinterher - oft mit wenig Glück - danach zu handeln. Der Deutsche geht eben über den Umweg des disziplinierten Intellekts, die Theorie, und empfängt hieraus die Befehle seines Han­ delns, während der Engländer sie aus der Folgerichtigkeit seines Instinkts unmittelbar erhält. Ein besonders klares Beispiel für das eben Gesagte ist, wie heute Deutschland und England die gleiche W irt­ schaftspolitik betreiben. Da man freie, d. h. ungebundene Wirtschaft im Sinne der liberalistisch-kapitalistischen Wirtschaftsepoche des letzten Jahrhunderts nur treiben konnte, solange freie d. h. noch ungebundene Räume zur Verfügung standen - hat England aus dem Verschwinden des freien Raumes durch die Autarkisierung der über­ seeischen Länder - ohne Besinnen handelnd - sofort die Konsequenzen gezogen: sein Weltreich zu einem einheit­ 28


liehen Lebens-, Herrschafts- und Wirtschaftsraum zu­ sammenzufassen. Das, was das British Empire seinen Kolonien und Dominions an politischen Freiheiten heute geben muß, nimmt es ihnen wirtschaftspolitisch durch ihre Zusammenfassung in einem einheitlichen Wirt­ schaftsreich handeis- und verkehrspolitisch wieder fort und festigt dadurch von neuem wieder den Gesamtbau. Es umgibt ihn mit einem Vorzugs-Zollring, der allerdings auch zugleich der erste Altersring ist, den das British Empire ansetzt, das sich nunmehr vorzugsweise nur inner­ halb der Grenzen seines Imperiums imperialistisch be­ tätigt. Die 40 Millionen Insel-Engländer haben erkannt, daß sie mehr als 400 Millionen Menschen anderer Rassen nicht mit Sicherheit beherrschen können. Mit diesem Vorgehen, dem Ausbau eines einheitlichen Lebens-, Herrschafts- und Wirtschaftsraumes, hat Eng­ land den Stein ins Wasser geworfen, der, nun seine Kreise ziehend, unvermeidlich auch den übrigen Teil der zwi­ schenstaatlichen Wirtschafts- und Verkehrsbeziehungen umwandeln muß. Die bisherige Ideologie eines einheit­ lichen „freien“ zwischenstaatlichen Handels- und Ver­ kehrsraumes, die sog. „Weltwirtschaft“ wird zertrümmert und aufgelöst in einzelne Wirtschaftsräume. In diesem großen Liquidations- und Umbauprozeß der bisherigen „Weltwirtschaft“ stehen wir heute. Der Engländer hat praktisch und instinktsicher bereits diesen Umwandlungs­ prozeß, wie erwähnt, handelnd ergriffen, während der Neu-Deutsche, der Nationalsozialist, diesen Umbauprozeß der Volks- und Weltwirtschaft wohl ebenfalls intuitiv und sogar früher noch als der Engländer erfühlt hat, aber in seiner verschiedenen Geisteshaltung gegenüber dem Eng­ 29


länder zunächst nur in der Theorie der „raumgebunde­ nen Wirtschaft“ zu begreifen versucht, um aus dieser her­ aus dann jetzt erst konstruktiv und konsequent zu handeln, r Die Basis für diesen neuen deutschen Wirtschaftsraum, irr den der Hauptteil der lebensnotwendigen deutschen Außenwirtschaft künftig verlagert und gebunden sein wird, bildet der neu zu erbauende Hansakanal, der den Rhein und die rheinisch-westfälischen Industriebezirke mit der Ostsee über Bremen, Hamburg und Lübeck ver­ bindet - sowie eine starke Flotte in der Ostsee, die diese sicher schützt. Diese neue Basis für die deutsche Ost­ raumpolitik wird in dreifacher Gliederung die billigsten Verkehrslinien von den deutschen Seestädten aus i. über die Ostsee ins Baltikum, 2. die Elbe hinauf bis zur Tschechoslowakei und 3. über die Donau bis ans Schwarze Meer ausstrecken, um dadurch den größten Teil des Außenhandels des neu entstandenen Ländergürtels von Lettland bis zum Schwarzen Meer im Transit und im engen Austausch mit und über Deutschland zu verbinden. Während also das deutsche Außenhandels- und Ver­ kehrsinteresse vorzugsweise nach dem Norden, Osten und auch teilweise nach dem Südosten gerichtet ist, ergänzt ihn hier im Südosten vom Donau-Raum aus, in klarer Abgrenzung und Zusammenarbeit der neue italienische Wirtschafts-, Lebens- und Herrschaftsraum, dessen Hauptinteresse ja auf das Mittelmeer und darüber hinaus nach dem Süden und Westen gerichtet ist. Der durch die Meerenge von Gibraltar, aus dem faschi­ stischen Lebensraum des Mittelmeeres gen West fließende Strom wird sich sodann jenseits des Atlantik wieder mit dem Strom treffen und ergänzen, der durch die Pforten 30


der Belte und des Sundes aus dem nationalsozialistischen Ostseeraum fließend, ebenfalls gen Westen strebt, so daß sowohl im Osten wie im Westen eine Vereinigung der fa­ schistischen und nationalsozialistischen Lebensräume eintreten wird. In diesen seinen neuen Lebensraum wird nun das neue nationalsozialistische Deutschland, ebenso wie das fa­ schistische Italien in den seinen, den für die Ernährung und wirtschaftliche Existenz des deutschen Volkes not­ wendigen Teil seiner Wirtschaft einlagern und ihn dort mit seinen Heeres- und Flottenkräften sichern. - Es er­ gibt sich also in der faschistischen wie in der national­ sozialistischen Wirtschaftsanschauung eine völlige Iden­ tität mit dem, was auch England bereits zu tun im Begriff steht: die Ausbildung je eines genügend großen Herr­ schafts- und Lebensraumes des italienischen, des deut­ schen und des englischen Volkes, in dem Wirtschaft, Ver­ kehr, Handel, Außenpolitik und Wehrpolitik wieder zum kongruenten Einsatz gelangen und eine organische Ein­ heit bilden. Jedes der drei Völker setzt also diese seine raumbildenden Kräfte wieder einheitlich zur Ausbildung eines ihm gemäßen, organischen Lebensraumes ein und verzettelt sie nicht mehr planlos in alle Welt, wie dies in der verflossenen liberal-kapitalistischen Periode der Fall war, die infolgedessen zu Interessen-Überschneidun­ gen der Völker in aller Welt führte und damit zu ständigen außenpolitischen und kriegerischen Beunruhigungen, und schließlich in dem heutigen allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Chaos endete. Mit diesem nationalsozialistischen Neubau eines deut­ schen Lebens-, Herrschafts- und Wirtschaftsraumes in 3i


Parallelität und Zusammenarbeit mit den gleichen Bemü­ hungen des Faschismus und den Konzentrationsbestre­ bungen des British Empire - geht auch ein Umbau der innerdeutschen Wirtschaft vor sich. Auch hier bildet die Raumgebundenheit der Wirtschaft das Fundament. Während die frühere deutsche Binnenwirtschaft nach dem Prinzip der freien Marktwirtschaft orientiert wurde, wird sie nunmehr durch die nationalsozialistische Wirtschafts­ lehre auf die Bedarfsdeckung umgestellt. Das heißt, es ist nationalsozialistischer Wirtschaftsgrundsatz, daß jedes Volk alles, was es zu seiner wirtschaftlichen Existenz be­ darf, unbedingt auf eigener Scholle oder aber innerhalb seines Herrschaftsraumes erzeugen muß, und daß es erst mit darüber hinausgehender zusätzlicher Arbeit und An­ sprüchen in den internationalen Handel und Verkehr eintreten soll. Dieser systematischen Umlagerung des deutschen Außenhandels aus seiner bisherigen planlosen Verteilung über die ganze Welt, durch möglichste Konzentrierung in dem neuen deutschen Lebensraum und seine Umstellung auf die Stärkung des Binnenmarktes, soll die Kontingen­ tierung dienen. Die deutschen Außenhandelskontingente werden an erster Stelle bestimmt durch die Bedürfnisse des deutschen Binnenmarktes, an zweiter Stelle durch den Grundsatz, sie möglichst innerhalb des deutschen Herr­ schaftsbereiches zu erfüllen, und drittens durch das außen­ politische Interesse des vorzugsweisen Handels und Ver­ kehrs mit befreundeten Staaten, wie zum Beispiel Italien, die skandinavischen Länder, Holland, Finnland, Ungarn usw. Auch die deutsche Binnenwirtschaft ist insofern eine 32


raumgebundene, weil sie nach der nationalsozialistischen Wirtschaftslehre aufgeteilt wird in Wirtschaftsräume, von denen jeder einem Wirtschaftszweig zur Selbstver­ waltung übergeben wird. Das heißt, jeder Wirtschafts­ zweig soll den ihm zustehenden Wirtschaftsraum inner­ halb der deutschen Volkswirtschaft mit eigener W irt­ schaftsgesetzgebung und mit eigener Initiative und Frei­ heit erfüllen. Da der Nationalsozialismus die Volkswirtschaft als eine organische lebendige Einheit ansieht, so verlangt er, daß dem Wohl des Einzelnen das Wohl des Ganzen voranzu­ gehen hat, daß also Gemeinnutz vor Eigennutz gehen muß und daß Angebot und Nachfrage deshalb nur gedämpft durch das Wohl der Allgemeinheit, also kontrolliert durch die nationale Gesetzgebung, als Regulator der volkswirt­ schaftlichen Vorgänge wirksam sein dürfen. Im bisherigen zwischenstaatlichen Handel und Verkehr dagegen, der keine organische Einheit bildet, der nur aus dem mechanischen Ausgleich der Überschüsse der Volks­ wirtschaftsorganismen besteht, herrscht dagegen eine an­ dere Ethik: die Ethik des Händlers. Hier geht Eigennutz vor Gemeinnutz, und Angebot und Nachfrage sind mit Recht die ausschließlichen Regulatoren des zwischenstaatlichen Handels und Verkehrs. Die nationalsozialistische Wirtschaftslehre macht erst­ malig auf diesen grundsätzlichen Unterschied zwischen der Ethik des zwischenstaatlichen Handels und Verkehrs: i Eigennutz vor Gemeinnutz und der Ethik der organisch gegliederten Volkswirtschaften: Gemeinnutz vor Eigen­ nutz aufmerksam und sorgt durch diese Klarstellung da­ für, daß die niedere Händler-Ethik des Zwischenstaat3 Daitz I

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liehen, mechanischen Ausgleiches künftig nicht wieder in die organische höhere Ethik, die Produktionsethik, der Volkswirtschaften eindringt und diese zersetzt, wie es unter der Herrschaft des Liberalismus und Marxismus der Fall war. Aus diesem Anschauungsbild der Volkswirtschaft als organische Einheit leitet sich weiter die nationalsoziali­ stische Geld- und Kreditwirtschaftslehre ab. Sie vergleicht das Geld mit dem Blutkreislauf, und den Kredit mit dem Säftekreislauf des menschlichen Körpers, und findet ganz ähnliche Gesetzmäßigkeiten in bezug auf Menge und Um­ laufsgeschwindigkeit von Gold und Kredit im Volkswirt­ schaftskörper. Nur bei Beachtung dieser organischen Ge­ setzmäßigkeiten kann eine möglichst schwankungsfreie Währung und Wirtschaft errichtet werden. Die nationalsozialistische Wirtschaftslehre verlangt des­ halb die Verstaatlichung nicht nur des Geld- und Kredit­ wesens, sondern auch die Verstaatlichung des Rechtes der Kreditschöpfung, damit Menge und Umlaufgeschwindig­ keit von Geld und Kredit in der jeweils notwendigen Größenordnung vorhanden sind. Diese darf niemals durch das zufällige Vorhandensein eines größeren oder gerin­ geren Vorrates von Geld oder Devisen bestimmt werden. Deshalb wird der Nationalsozialismus die deutsche W äh­ rung von der sogenannten „Golddeckung" lösen, ohne jedoch die Kaufkraft der Mark selbst nach oben oder unten willkürlich zu verändern oder eine andere Währung einzuführen. Gold- und Devisenvorräte werden auch künftig angesammelt werden, jedoch lediglich zu dem Zweck des Spitzenausgleiches der deutschen Zahlungs­ bilanz im zwischenstaatlichen Verkehr, niemals jedoch 34


wieder zur Steuerung des innerdeutschen Geld- und Kreditumlaufes. Durch diese neue Geld- und Kreditorganisation wird auch die „Brechung der Zinsknechtschaft” erfolgen, die in der Steuerung des Geld- und Kreditvolumens mittels gleitender Zinssätze besteht. Der Zinssatz wird viel­ mehr in der nationalsozialistischen Wirtschaftsordnung auf den Verwaltungsunkostensatz bzw. eine ganz geringe Risikoprämie herabgesetzt werden, und die notwen­ dige Steuerung durch die bekannten banktechnischen Maßnahmen kontrollierter Einengung und Ausweitung erfolgen. Weiter wird der Nationalsozialismus aus seiner organischenWirtschaftsanschauung heraus die innerdeutschen Verkehrsmittel bis auf den Kurzstreckenverkehr und die Binnenschiffahrt verstaatlichen. Von dieser Verstaat­ lichung bleibt selbstverständlich die Seeschiffahrt gänzlich unberührt, als ein Instrument, das ja im zwischenstaat­ lichen Verkehr sich bewegt, also außerhalb der geschlos­ senen Volkswirtschaft steht. Auch die Erzeugung von Elektrizität, Gas und Wasser wird künftig der Staatshoheit unterstellt werden. Dagegen bleiben alle übrigen Produktionen ausschließlich der Pri­ vatinitiative und -Wirtschaft Vorbehalten, werden aber, wie erwähnt, ständisch gegliedert und zusammengefaßt. Ebenso der Binnenhandel, bis auf die staatliche Regulier* rung des Getreidehandels., Auch innerhalb der vom Han­ delsamt künftig festzusetzenden Kontingente des Außen­ handels wird der deutsche Außenhandel privatwirtschaft­ lich betrieben werden. ^ So führt der Nationalsozialismus den Neubau des deut3'

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sehen Staates und der deutschen Wirtschaft in allen ihren Teilen auf der Grundlage des Prinzips der organischen Frei­ heit durch, wie es sein größter Philosoph Kant entwickelt hat, nämlich Freiheit nach innen, und Gebundenheit nach außen. Er deckt sich in seiner Gesetzmäßigkeit damit durch­ aus mit dem Grundgesetz schöpferischen Lebens, und da­ mit auch wohl in der Hauptsache mit den Gesetzen des Staats- und Wirtschaftsaufbaus des Faschismus.

D ie W irtschaftsprogram m atik des Nationalsozialism us Rundfunkrede, gehalten über den Deutschen Kurzwellensender an das überseeische A u sla n d in der N acht vom i . zum 2. Dezember 1933. — A ls A u fsa tz u. a. erschienen in ,,D as E ch o ". N r. 1 . Januar 1934.

Der Nationalsozialismus und seine Wirtschaftspro­ grammatik kann überhaupt nur begriffen werden, wenn er als eine einmalige große weltanschauliche Bewegung und nicht als einer der üblichen politischen Systemwechsel auf gefaßt wird, an denen die politische Geschichte der Völker reich ist. Der Nationalsozialismus wie der Faschismus und zum Teil auch der Kemalismus - und das, was noch in anderen Ländern kommen wird - sie haben alle eine geistige Wur­ zel! Sie sind der Durchbruch einer großen, neuen welt­ anschaulichen Bewegung, die die heutige liberalistische. Kulturschicht durchstößt, welche die Glaubensbewegun­ gen des sechzehnten Jahrhunderts, der Reformations­ zeit, hinterlassen und über die ganze Erde verbreitet ha36


ben. Diese neue weltanschauliche Bewegung, unter deren Stößen die zum Untergang verurteilte liberalistische Kul­ turschicht bebt wie die Erdkruste bei einem Erdbeben, läßt in keinem der von ihr ergriffenen Völker auch nur ein Gebiet des menschlichen Lebens unberührt. Das politische, das religiöse, das kulturelle und das wirtschaftliche Leben jedes Volkes wird nach Inhalt und Form von Grund auf um­ gestaltet. - Als lebendige, glut- und blutvolle Bewegung besitzt der Nationalsozialismus deshalb auch keine sta­ tisch starre Wirtschaftsdogmatik wie die liberalistische Weltanschauung. Als schöpferischer Ausfluß der inneren Logik der Dinge, die die überspitzte und allerorten brüchig gewordene intellektuelle Oberflächenlogik der bisher herr­ schenden Weltanschauungen zerbricht - ist auch die Wirtschaftsanschauung des Nationalsozialismus eine dynamische. Deshalb besitzt außerhalb der bekannten fünfundzwanzig Punkte die nationalsozialistische Bewe­ gung auch kein eigentliches Wirtschaftsprogramm. Es sind wohl mancherlei Kommentare über den Teil dieser fünfundzwanzig Punkte, die den Wirtschaftsneubau be­ treffen, geschrieben worden, zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Verfassern. Aber keines kann An­ spruch erheben auf dogmatische Gültigkeit. Kommen­ tare über Wirtschaftsfragen werden leicht zu starr und statisch abgefaßt. Gerade der Nationalsozialismus, der seinem Wesen nach dynamisch ist, verwirft das allzu in­ genieurmäßig Konstruktive des Wirtschaftsaufbaus, das mit Kurven und Zeichnungen am Reißbrett die Zukunft berechnen möchte. Solche Konstruktionen und Berech­ nungen enden fast immer mit einer Einsperrung des leben­ digen Lebens in ein intellektuelles Gitterwerk und Ge37


fängnis. Die Zukunft, auch die Wirtschaftszukunft eines Volkes, kann nicht konstruiert werden, sondern muß wachsen I Man kann diesen natürlichen Wachstumsprozeß nur leiten und lenken! So will der Nationalsozialismus Adolf Hitlers und seiner Unterführer - die alle Dynamiker sind und nicht Statiker - auch den Neubau der deutschen Wirtschaft nur leiten und lenken. Die neuen Wirtschafts­ formen sind ihnen nicht die Hauptsache und nicht das Entscheidende, sondern die Wirtschaftsgesinnung, die sie erfüllen soll. Daß diese neue Wirtschaftsgesinnung in ihrer Verwirklichung auch neue Wirtschaftsformen erzeugt, ist selbstverständlich. Aber nicht mit der künstlichen Kon­ struktion neuer Formen soll der Anfang gemacht werden. Deshalb wird auch der ständische Aufbau, der die endgül­ tige Lebens- und Selbstverwaltungsform der deutschen Wirtschaft darstellen wird, auch heute nicht zuerst und künstlich konstruiert, sondern zunächst wird durch Er­ ziehungsinstitutionen, wie den Arbeitsdienst und die A r­ beitsfront usw., eine neue Wirtschaftsgesinnung erzeugt. Der Nationalsozialismus will also nicht durch äußeren Zwang, sondern durch Selbstzwang regieren! Er ist keine Diktatur, sondern eine Volksgemeinschaft. In ihrem wirt­ schaftlichen Mittelpunkt wird deshalb auch wieder der freie Bauer, der für die Ernährung und Erhaltung der Lebenssubstanz des Volkes an erster Stelle verantwortlich ist, stehen. Infolgedessen müssen wieder die Ackerbau­ wirtschaft und die Volksgesundheit, die die Vorausset­ zungen jeder Volkswirtschaft sind, eine besondere Pflege erfahren. In Konsequenz dieser Erkenntnis müssen um die Volkswirtschaften, und zwar nicht nur um die deut­ sche, wieder gewisse Umfriedungen, gewisse Zäune errich38


tet werden, die es verhindern, daß das in der Weltwirt­ schaft nomadisierende Kapital und seine Herrscher, die weltwirtschaftlichen Nomaden, überall nach Belieben mit ihren Kapitalherden in die mit der Erdscholle verbun­ denen Volkswirtschaften einbrechen und, nachdem sie sie abgeweidet haben, weiterziehen. Aus diesem Grunde nimmt der Nationalsozialismus die Landwirtschaft aus der Marktwirtschaft heraus und verbindet sie wieder fest mit der Scholle. Die Autonomiebestrebungen, die unter den verschie­ densten Formen und Abstufungen heute in der ganzen Welt auftreten, sind letzten Endes nur ein Kampf des bodenständigen, des ackerbautreibenden Menschen gegen das weltwirtschaftliche Nomadentum, das mit seinen liberalistischen Ideologien vom Freihandel, Weltmarktpreis, Meistbegünstigungsklausel und dergleichen die notwendi­ gen Zäune und Umfriedungen der Volkswirtschaften zer­ brochen und diese verwüstet hat. Während die bisherige liberalistische Wirtschaftsan­ schauung so schließlich den Kampf aller gegen alle ent­ fesselt hat, weil sie dem einzelnen unbeschränkte Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung gab, will der National­ sozialismus diese in Anarchie ausgeartete Freiheit des In­ dividuums, die das heutige Chaos heraufgeführt hat, wie­ der in ihre natürlichen Grenzen zurückbringen. Er will das mechanische Nebeneinander und Gegeneinander der liberalistischen Welt und Wirtschaftsanschauung durch ein organisches Miteinander, eine freiwillige Zusammen­ arbeit in einer Volksgemeinschaft unter Führung des Staates ablösen. Denn Volkswirtschaft ist nicht ein seelen­ loser Mechanismus, sondern ein lebendiger Organismus. 39


Sie ist nur der vergrößerte Mensch. Deshalb ist für den Nationalsozialismus auch nicht das Geld, sondern der Mensch die Basis der Wirtschaft. Die bekannte Grundformel des nationalsozialistischen Wirtschaftsaufbaus „Gemeinnutz vor Eigennutz“ ist also nur das wirtschaftliche Spiegelbild der nationalsoziali­ stischen Grundideen, der Volksgemeinschaft. Wie nun eine Volksgemeinschaft nur bestehen kann, wenn in ihr Recht regiert statt Gewalt, so kann auch eine Wirtschafts­ gemeinschaft, eine echte Volkswirtschaft, nur entstehen und bestehen, wenn in ihr Recht herrscht statt Gewaltl Deshalb hat der Nationalsozialismus die soziale Sphäre zunächst dadurch befriedet, daß er dem Unternehmer das Gewaltmittel der Aussperrung und dem Arbeiter das Ge­ waltmittel des Streikes genommen hat und durch die so­ genannten Treuhänder der Arbeit die wenigen nun noch auftretenden Streitfälle gerecht und im Sinne der Volks­ gemeinschaft entscheiden läßt. In gleicher Weise wird weiter die Sphäre der Produktion und des Handels befrie­ det und damit der gerechte Austausch von Leistung und Gegenleistung, der allein das Maximum der Produktivität einer Volkswirtschaft, d. h. des allgemeinen Wohlstan­ des, garantiert, durch die vom Staat überwachten Ver­ einigungen der Händler und der Produzenten verbürgt. Diese dürfen sich nicht mehr wie bisher durch volkswirt­ schaftlich schädliche, d. h. zu hohe oder zu niedrige Prei­ se, und durch über den Bedarf hinausgehende Vergröße­ rungen ihrer Anlagen in ungehemmter Weise bekriegen. - Diese produktive Lenkung der Volkswirtschaft wird ihre endgültige Lösung jedoch erst im ständischen Aufbau fin­ den, dessen natürliches Wachstum aber noch mancher 40


Jahre bedarf. In ihm wird die Wirtschaft sich dann mit einem Maximum an Freiheit und persönlicher Initiative selbst verwalten, und der Staat wird außer der letzten Zielsetzung und Führung nur darauf achten, daß die natürlichen Grenzen der Freiheit und Initiative nicht wie­ der zum Schaden des Volksganzen überschritten werden. Es ist ja überhaupt ein Grundprinzip der nationalsozia­ listischen Wirtschaftsanschauung, daß die bisherige Um­ kehrung der natürlichen Funktionen von Staat und Wirt­ schaft wieder richtiggestellt wird. Denn bisher wirtschaf­ tete der Staat und dieWirtschaft regierte, statt umgekehrt. Genau so wie in diesem Fall hat ja die liberalistische Ideologie die Welt auch auf allen anderen Gebieten des menschlichen Lebens buchstäblich auf den Kopf gestellt und die natürlichen, organischen Zusammenhänge will­ kürlich und intellektualistisch zerrissen. Der National­ sozialismus will diese auf den Kopf gestellte Welt wieder auf die Beine stellen, er will überall den einfachen, ge­ sunden, d. h. naturverbundenen Menschenverstand zur Geltung bringen. Denn der Nationalsozialismus ist in Wirklichkeit nur die Philosophie und Politik des gesun­ den Menschenverstandes. Dadurch, daß er überall wieder die natürliche Ordnung der Dinge in neuen Formen auf­ richtet, ist er zugleich auch die denkbar friedlichste Le­ bensform eines Volkes. Wie er überall innerhalb des Staates und der Wirtschaft Recht an Stelle von Gewalt setzt, kann er auch nur in logischer Folgerichtigkeit im handelspolitischen und außenpolitischen Verkehr mit anderen Völkern wünschen und wollen, daß allerorten Recht statt Willkür die oberste Maxime wird. Er respek­ tiert deshalb die Ehre, die Freiheit und die Sicherheit jedes 4i


anderen Volkes wie seine eigene. Er wünscht kein Volk mit ungerechten Handelsverträgen oder gar mit Valutenund Warendumping anzugreifen - verlangt aber, daß auch Deutschland nicht von anderer Seite in dieser Weise angegriffen wird. Denn er ist zutiefst davon überzeugt, daß, wie in der Binnenwirtschaft, nur ein gerechter Aus­ tausch von Leistung und Gegenleistung ein Maximum allgemeinen Wohlstandes sowie von Freiheit und Frieden garantiert, ebenso auch nur ein Maximum des allgemei­ nen Welthandels, der Weltsicherheit und des Weltfrie­ dens erreicht wird, wenn zwischen den Völkern wieder ein gerechter Güteraustausch, der nicht durch Dumping oder andere Gewaltmethoden verfälscht wird, Platz greift. Wenn endlich die Außenhandelsgrundsätze des National­ sozialismus: „Sicherheit zuerst“ und „fair play“ , wieder eingeführt werden. Denn nur der Freie ist friedlich, und Friede ernährt, während Unfriede verzehrt.

Die Erneuerung der W irtschaftsethik Eine U m w ertung aller W erte Erster Vortrag auf der Vortrags- und D is ­ kussionstagung vom 4. bis6.0ktoberig34, veran­ staltet vomA ußenpolitischen A m t d e r N S D A P . und N ationalsozialistischen Rechtswahrerbund für alle deutschen Professoren und H ochschul­ lehrer der Volkswirtschaft und Betriebsw irt­ schaft. — Volle Wiedergabe des Vortrages u. a. in der „B e r lin e r Börsenzeitung," N r . 467 vom 5 . Oktober 1934.

Ich habe meinem ersten Vortrag mit vollem Bewußt­ sein den Untertitel gegeben: Umwertung aller Werte. Denn das Wesen des Nationalsozialismus ist ^utiefst sitt42


liehe Erneuerung auf allen Gebieten der Kultur, des Rech­ tes, der Politik, der Kunst und der Wirtschaft. Es geht darum auch in der Wirtschaft eine Umwertung aller der Werte vor sich, die von dem nunmehr abgeschlossenen liberalistischen Zeitalter ihr Gepräge empfingen. Wir leben in einer unerhört großen Zeit. Die über dem ganzen Erdball verstreute biologische Substanz der nor­ dischen Rasse wird in unseren Tagen, „weil die Zeit er­ füllet ist“ , wieder von den Mutationsschauern, den Ge­ burtswehen einer weltanschaulichen Erneuerung ge­ schüttelt. In allen Teilen der Welt wird um die gleiche Grundfrage gerungen: Ablösung des bisherigen unbiolo­ gischen Weltbildes durch ein biologisches. Ablösung einer anorganischen Weltanschauung durch eine organische. Überall in Politik, Kunst, Philosophie, Wissenschaft und Technik geht das Denken vom Physikalischen und Chemi­ schen ins Biologische. Während die Technik zuerst sich in mechanische Erfindungen erschöpfte, den Pflug verbes­ serte, ging sie später ins Chemische und stellte künstliche Düngestoffe her, und geht nunmehr ins Biologische, züch­ tet Pflanzen, Tiere und Menschen. Kein Land der weißen Rasse kann sich dieser Krise entziehen. Mehr oder weni­ ger wird sein künftiges weltanschauliches Antlitz von dem Geschehen unserer Tage neu geprägt. Doch das Innere je­ des Werdens kann nur erlebt, jedoch nicht intellektuell begriffen werden. So überschreitet das Wachsen und Wer­ den eines Grashalms jede Möglichkeit intellektuellen Be­ greifens und wird dem Betrachter erst dann verständlich und offenbar, wenn er ein Stück gewachsen, d. h. gewor­ den ist. So wird auch die ganze Bedeutung des National­ sozialismus Adolf Hitlers, der ein schöpferisches Werden 43


ist, geboren aus den inneren, über aller menschlichen Vernunft stehenden Gesetzen der Natur, erst dann be­ griffen, wenn er historisch geworden, wenn seine Glut geronnen ist. Die einzige Form, um mit einiger Aussicht den Nationalsozialismus überhaupt dem Ausland und dem intellektuellen Betrachter, der ihn nicht erlebt hat, ver­ ständlich zu machen, ist deshalb der Versuch, ihn heute schon historisch darzustellen und der Versuch, seine zu­ künftigen Gesinnungsformen in Staat, Recht, Kultur, Kunst und Wirtschaft vorausahnend zu umreißen. Der Nationalsozialismus ist kein politischer System­ wechsel, wie die meisten außenstehenden Betrachter bis auf den heutigen Tag glaubten, sondern die deutsche Kampfform eines weltanschaulichen Umbruches, die das Gesicht des deutschen Volkes für die nächsten tausend Jahre prägen wird. In großen, ziemlich gleichmäßigen Perioden, wie ein Baum (die Weltesche) in gewissen Ab­ ständen neue Zweige aus seinem Stamme entbindet mutiert die Lebenssubstanz der nordischen Rasse nach dem Intellekt nicht begreifbaren inneren Gesetzen der Natur, in weltanschaulicher Erneuerung. Die in der vor­ hergehenden Periode gebildete intellektuelle Bildungs­ kruste und Logik wird plötzlich durch die innere schöpfe­ rische Logik der Dinge vielerorts durchbrochen, gleich wie Vulkanausbrüche von Zeit zu Zeit die schrumpfende Erdkruste durchbrechen, die den auf ihr Lebenden als un­ erschütterlich und für die Ewigkeit gegründet erschien. Im Nationalsozialismus erfolgte der große zentrale Aus­ bruch, der die veraltete intellektuelle Kruste mit einer neuen glühenden und feurigen Schicht, mit einer neuen Weltanschauung und Kulturschicht überziehen wird. Der 44


Zentralvulkan des Nationalsozialismus ist heute in voller Tätigkeit und erschüttert mit seinen Ausbrüchen die zum Untergang verurteilte Bildungsschicht, so daß sich auch in den anderen Ländern der weißen Rasse Nebenvulkane auftun, die die Erneuerung ihres Landes einleiten. Von den Außenstehenden werden nach den Gesetzen der Intellektualität diese gewaltigen Ausbrüche des glü­ henden Herzens der Natur als Ausbruch der „barbari­ schen“ Urkräfte angesehen, vor denen alles rennet, rettet und flüchtet. Demokratie und Liberalismus sind eben die letzten Hochspannungserscheinungen der zum Unter­ gang verurteilten, in Überintellektualität erstarrten Welt­ anschauungskruste, die an ihrer eigenen Sprödigkeit nun zersplittert und den Kampf aller gegen alle entfesselt hatte. Überall in den Staaten wie im Verkehr der Staaten unter­ einander wurde das organische Miteinander durch den Intellekt zerrissen und in ein mechanisches Nebeneinan­ der und schließlich Gegeneinander aufgelöst. Aus dem wohlgeordneten Kosmos mittelalterlicher Weltanschauung wurde das Chaos unserer Tage. _ Nur ein vollkommen weltanschaulicher Umbruch, der die überspitzte Intellektualität und damit Unsicherheit aller Dinge entthront und an ihre Stelle wieder den ein­ fachen gesunden, d. h. naturverbundenen Menschenver­ stand setzt, wird zu einer neuen schöpferischen Ordnung und damit neuen Befriedigung aller Dinge führen!] Aber auch aus unserer Geschichte, der Kulturgeschichte des deutschen Volkes heraus läßt sich schon heute die Zielrichtung der nationalsozialistischen Revolution sehr deutlich erkennen. Als das untergehende Rom, der unter der südlichen 45


Sonne und durch Rassemischung entartende nordische Rassekern, sich mit dem Schwert in der Hand des immer von neuem andrängenden nordischen Menschen nicht mehr erwehren konnte, bildete es unter dem Einfluß der vorderasiatischen und jüdischen Intellektualität jene uni­ versalistischen Lehren, jene Dogmatik und Scholastik heraus, in deren Netzen der naive nordische Geist und Mensch gefangen wurde. Seine beste Manneskraft wurde in die Klöster geworfen oder in den Kreuzzügen vernich­ tet. Die Ehre, die Freiheit und die Unabhängigkeit der germanischen Fürsten-, Herzog- und Königtümer wurde mit Hilfe des heiligen römischen Reiches deutscher Na­ tion unter die Oberherrschaft des universalistischen Papst­ tums gebeugt. Es ist ja immer so, daß in einem in seinem schöpferischen Wachstumskräften stockenden Volk, der Intellekt nicht mehr dienendes, unter Intuition und In­ stinkt gebeugtes Werkzeug des Menschen bleibt, wie er es von Natur aus sein soll - sondern sich selbständig macht. Er erzeugt alsdann nach den Gesetzen seiner eigenen Lo­ gik, die mit der inneren, natürlichen Logik der Dinge nichts mehr zu tun hat, künstliche Theorien und Konstruk­ tionen von Staat, Recht, Kunst, Wirtschaft und Kultur, welche die schöpferischen Wachstumskräfte des Volkes nicht mehr fördern und sichern. Er sieht nicht mehr in jedem Volk eine gottgeschaffene Einheit mit eigenem Lebensrecht, ihm sind die Völker nicht mehr unzerstör­ bare Gestalten des Geistes, die sich wohl in einem frei­ willigen Bunde vereinigen können, die man aber nicht zu einer unterschiedslosen Masse in dem Tiegel eines intel­ lektuell erdachten Staats- oder Kulturbegriffs zusammen­ schmelzen kann. Solche universalistisqh-imperialisti46


sehen Lehren sind letzten Endes Zersetzungskräfte, die das organische Wachstum erbgesunder Völker hemmen, ja sogar zerstören können, wenn sie von diesen übernom­ men werden. Sie lösen den Freiheitsbegriff aus seiner natürlichen, organischen Bindung an das Volksganze und machen die Freiheit und damit die Handlungen des ein­ zelnen auf dem einen oder mehreren Gebieten seiner Lebensbetätigung unabhängig von der Volksgemein­ schaft. Der Freiheitsbegriff wird damit auf diesen Ge­ bieten unsittlich, weil er nicht mehr der Förderung und der Sicherung der Wachstumskräfte der Nation dient. Diese universalistisch-imperialistischen Lehren sind also gewissermaßen intellektuelle Angriffshandlungen, ge­ richtet gegen die natürlichen Wachstums- und Lebens­ kräfte erbgesunder Völker. So suchte sich das durch Rassenmischung unschöpfe­ risch gewordene römische Weltreich durch das intellektualistische Gift seiner universalistischen Lehren, seiner Scholastik und Dogmatik, zu schützen gegen das Über­ wachsenwerden durch die erbgesunden Völker Nord­ europas. Das ewige Drama des nordischen Menschen, die Verführung des schöpferischen Faust durch den mephi­ stophelischen Intellekt nimmt hier seinen Anfang. Die Gotenbibel des Ulfilas, die niedersächsische Dichtung des Heliand sind grandiose, aber zum Scheitern verurteilte Versuche des germanischen Geistes, den geistigen Netzen Roms zu entgehen. Erst als der niedersächsische Norden in Verbindung mit den Völkern des Ostseekreises, durch die alte deutsche Städtehanse und den Deutschritterorden, und fußend auf den früheren Kämpfen Widukinds und der kolonisatorischen Leistung Heinrichs des Löwen - zu 47


einer bestimmten wirtschaftlichen, politischen und kultu­ rellen Selbständigkeit erstarkte - konnte mit Erfolg der erste Vorstoß zur Wiederbefreiung des nordischen Geistes aus den geistigen Fesseln Roms unternommen werden. Das he ilige g e rm an isc he R e i c h d e u t sc h e r N a t i o n , ge­ stützt auf die Ostsee, und seine geistigen Mittelpunkte Lübeck und Marienburg, gab erst Luther das Fundament, auf dem er den ersten Teil der deutschen Revolution be­ ginnen konnte. Das heilige germanische Reich deutscher Nation erhob sich so zum ersten Male geistig gegen das heilige römische Reich deutscher Nation. Aber auch die­ se grandiose Empörung des nordischen Geistes widerRom, der nordischen Völker des Ostseekreises gegen den Geist gewisser Völker des Mittelmeerkreises, blieb auf halbem Wege liegen. Luther und der deutsche Bauernkrieg fanden sich nicht. Während der deutsche Bauer im blutigen Kampfe sich gegen das geistige Gift des römischen Rech­ tes zur Wehr setzte, das ihn seiner Scholle und seinem Brauchtum entwurzelte, versuchte Luther die Freiheit der germanischen Kirche gegenüber der universalistischen römischen Idee zu erkämpfen. Was ihm gelungen ist, ist bekannt. Eine deutsche Dogmatik an Stelle der römischen eine relative Befreiung der germanischen Kirche. Eine un­ gewollte, aber um so größere Nebenwirkung der luthe­ rischen Reformation ergab sich durch die völlige Befreiung des nordischen Geistes auf den Gebieten der Naturwissen­ schaften und ihrer praktischen Anwendung, der Technik. Naturwissenschaften und Technik wurden aus den Ver­ strickungen der Scholastik und Dogmatik der reinen Be­ griffswissenschaft radikal befreit und wieder in den Rang echter Naturwissenschaften erhoben. Die empirische Er48


fahrung wurde als die einzig mögliche Grundlage der Naturwissenschaften und Technik erklärt und diese damit wieder mit der Natur und dem Erdboden verbunden. Die der Reformation folgenden Glaubenskriege und die Ent­ deckung Amerikas und des Seeweges nach Indien taten dann das übrige, um zu verhindern, daß die Befreiung des nordischen Geistes aus der mittelalterlichen Scholastik und Dogmatik sich nicht ausdehnen konnte auch auf die Gebiete des Rechts, der Staatslehre und der Wirtschafts­ lehre. Diese bleiben bis auf den heutigen Tag als volks­ tumsfremde, intellektualistische Begriffswissenschaften bestehen. Diese grundsätzliche Verschiedenheit der Entwicklung zwischen Naturwissenschaften und Technik auf der einen Seite und Rechts-, Staats- und Wirtschaftslehre auf der anderen haben dann jene dreihundertjährige liberalistisch-kapitalistische Epoche und im letzten Jahrhundert den Aufstand der eisernen Sklaven der Technik herbei­ geführt, vor dessen Trümmerfeld wir heute stehen. Staat, Volkswirtschaft und Recht konnten so mit der steilen Entwicklungskurve der Naturwissenschaften und der Technik nicht Schritt halten und sie stets sinnvoll der Volksdisziplin ein- und unterordnen. Denn jede Tätigkeit des einzelnen, wie jedes Betätigungsgebiet einer Volks­ gemeinschaft hat einem einzigen obersten Ziel zu dienen: der Förderung und Sicherung der Wachstums- und Le­ benskräfte ihres Volkstums. Dieser natürlichen und damit sittlichen obersten Verpflichtung kann der einzelne und die Volksgemeinschaft aber nur dann nachleben, wenn jedes Gebiet intellektueller Betätigung der Oberherrschaft von Instinkt und Intuition unterworfen bleibt. Denn nur 4 Daitz

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in diesen beiden verkörpert sich, wenn man die Dinge von innen her, d. h. biologisch sieht, das innerste Wesen der Wachstums- und Lebenskräfte der Nation und des ein­ zelnen. Die große Bewegung unserer Zeit hat sich also die weltgeschichtliche Aufgabe gestellt, den zweiten Teil der deutschen Revolution der deutschen Erneuerung zu voll­ enden, indem sie den deutschen Geist aus einer falschen Intellektualität nunmehr gänzlich zu befreien und damit den deutschen, über tausendjährigen Befreiungskampf siegreich beendet. Damit wird auch zugleich beispielhaft die erste Hand angelegt an die Aufräumung des von der liberalistischen Epoche in der ganzen Welt hinterlassenen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Trümmer­ feldes. Der Nationalsozialismus dürfte in den zwanzig Monaten seiner Herrschaft schon bewiesen haben, daß er nicht eine Bewegung von Romantikern und Theoretikern, sondern eine Bewegung von Empirikern größten und här­ testen Stiles ist. Eine Bewegung, die alles, was unnatürlich und verkünstelt geworden ist, wieder natürlich und ein­ fach macht, die Politik, Recht, Kultur, Kunst und W irt­ schaft wieder auf der Grundlage des einfachen und ge­ sunden Menschenverstandes erneuert, der stets in Über­ einstimmung mit der inneren Logik der Dinge ist. Des­ halb ist, wie ich schon zu Anfang meines Vortrages sagte, das Wesen des Nationalsozialismus zutiefst sittliche E r­ neuerung auf allen Gebieten der Lebensbetätigung des deutschen Volkes. Sie alle werden biologisch, d. h. von innen heraus, als die wandelbaren äußeren Formen einer durch gleiche Rasse innerlich gebundenen Volksgemein­ schaft neu begriffen und neu geprägt. Alle diese Formen und Lebensäußerungen eines Volkes sind also nicht für 50


sich und an sich bestehende Dinge, sondern immer nur sein äußeres Gewand. Der Nationalsozialismus ist sich deshalb jeden Augen­ blick bewußt, daß die aus der neuen deutschen Volksge­ meinschaft organisch herauswachsenden nationalsozia­ listischen Formen des Staates, des Rechtes, der Kultur, der Kunst und der Wirtschaft nur dem deutschen Volke eigentümlich sind und nur für die deutsche Volksgemein­ schaft passen, daß es nicht möglich ist, in dieses auf den deutschen Volkskörper zugeschnittene Gewand nun auch noch ein zweites Volk mit hineinzupressen, oder aber anderen Völkern ein gleiches Kleid zwangsmäßig über­ zuziehen. Infolgedessen sind die nationalsozialistische Weltanschauung und damit ihre politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zielsetzungen von Grund aus anti­ imperialistisch. Hier zeigt sich deutlich, daß gerade der Rassegedanke und die Bezogenheit auf das Volkstum die , sicherste Gewähr vor imperialistischen Gelüsten sind, im Gegensatz zu gewissen universalistischen Staats- und Wirtschaftslehren, die auf allgemeine Gültigkeit An­ spruch erheben und glauben, sich über die Völker als un­ zerstörbare Gestalten des Geistes mit intellektueller Ober­ flächlichkeit hinwegsetzen zu können. Ihnen gilt die künstlich am Reißbrett oder im Buch konstruierte oder erklügelte Wirtschafts- oder Staatsform als das Primäre, das lebendige Volk jedoch als das Sekundäre, das man zu seinem eigenen Besten in diese weltbeglückenden Formen hineinstampfen kann. Und die man, da sie von der leben­ digen Volkssubstanz unabhängig sind, auf ein zweites oder drittes Volk, ohne Schaden für ihre Lebens- und Wachstumskräfte auszudehnen, für möglich hält. 4*

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Darum ist der Nationalsozialismus auch nicht eine An­ gelegenheit, die durch soziale Gesetze konstruiert wird, sondern umgekehrt, der Nationalsozialismus ist es, der soziale Gesetze erzeugt. Nationalsozialismus ist weder ein nationalistischer Sozialismus, noch ein sozialistischer Nationalismus, noch eine Mischung von beiden. - Be­ kanntlich wird in letzter Zeit, nachdem der Nationalso­ zialismus aktuell geworden ist, von gewissen Gelehrten der Versuch unternommen, ihn im Mahlwerk ihrer Ter­ minologie staubfein zu vermahlen, um ihn dann in wohl­ dosierten Mengen als Pülverchen für alle Krankheiten des wirtschaftlichen und des sozialen Körpers in ihrer Apo­ theke bereitzuhalten und zu verordnen. Das vom wahren Geist des Nationalsozialismus bei diesem Verfahren auch nicht eine Spur übrig bleibt, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Es gibt nur eine Begriffsbestimmung des National­ sozialismus - meine Herren Professorenl - National­ sozialismus ist Volksgemeinschaft! Nur wer durch das Erlebnis der Volksgemeinschaft gegangen ist, kann prak­ tischer Nationalsozialist sein. . Ebenso wie jede Volksgemeinschaft an Blut und Boden gebunden ist, diesen ewigen Symbolen ihres Geistes, so ist auch jede Betätigung des einzelnen und der Gemein­ schaft, wenn sie sinnvoll und schöpferisch sein soll, un­ löslich an Blut und Boden gebunden. Es gibt deshalb keine Wirtschaft und keine Wirtschaftswissenschaft an sich, die ihre Prinzipien aus dem luftleeren Raum bezieht, wie es die Begriffskrämerei eine Weile verkündete, sondern die Volkswirtschaft und ihre Deutung, die Wirtschaftswissen­ schaft, muß senkrecht wie die Pflanze, wie das Volkstum 52

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selbst aus dem Boden wachsen und mit ihm verbunden bleiben. Die Wirtschaftswissenschaft hat die Aufgabe, die wirt­ schaftliche Betätigung der einzelnen und des Volkes er­ kenntnismäßig so zu disziplinieren, daß sie der Sicherung und der Förderung der Wachstums- und Lebenskräfte des Volkes dient. Sie hat zu zeigen, wie überall im Bereich der Wirtschaft, vom Bauernhof bis zur Großraumwirtschaft, die Handlungsfreiheit des einzelnen oder von Gruppen so gebunden bleiben muß, daß sie den Wachstums- und Le­ benskräften des Volkes oder der Völker freien Durchlaß gewährt. Die ewige philosophische Grundfrage: von Frei­ heit und Gebundenheit - beantwortet der Nationalsozialis­ mus von seinem biologischen Standpunkt aus dahin, daß die Handlungen des einzelnen und der Gemeinschaft nur frei und damit sittlich sind, wenn sie sich in der Richtung der Lebens- und Wachstumskräfte des Volkstums bewe­ gen. Daß die sittlich wirtschaftliche Betätigung des ein­ zelnen oder von Wirtschaftsgruppen also stets den Wachs' tums- und Lebenskräften der Nation parallel laufen und sie verstärken und sichern soll. Daß in dieser Richtung eben die Sittlichkeit ihres Handelns besteht! Denn nur freies Handeln ist sittlich! Es kommt also alles darauf an, 'daß der einzelne durch das Erlebnis der Volksgemein­ schaft wieder die richtige Gesinnung und damit die rich­ tige Richtung seines Handelns empfängt. Denn nicht da­ durch fühlt sich ein Mensch wahrhaft frei und befreit von aller Sklavenarbeit, daß ihn die besten sozialen Gesetze und Fürsorge umgeben, sondern erst dann, wenn er in­ stinktiv fühlt und empfindet, daß durch seiner Hände Werk der ewige Strom der Wachstums- und Lebenskräfte 53


seines Volkes flutet. Daß sein Wille auch der Wille seiner Volksgemeinschaft ist. Erst dann wird der ein­ zelne wahrhaft frei und tut sein Werk, wohin ihn auch sein Schicksal gestellt haben mag, mit Liebe und Hin­ gebung. Nur so adelt der feinzelne die Arbeit und wird von ihr wieder geadelt. Nur so wird die Mechanik der Naturgesetze nicht mehr als äußere, feindliche und bru­ tale Macht empfunden, die uns als Sklaven unerbittlich in die eiserne Kette alles Geschehens spannt, sondern hier geschieht das große Wunder, daß der äußere Druck verschwindet und daß der Zwang mechanischer Not­ wendigkeit nur als Folge und Ausfluß des eigenen Han­ delns erscheint. Aus solchermaßen verrichteter Arbeit erhebt sich dann das Postulat der gleichen sozialen Ehre. Denn die Arbeit des ärmsten Tagelöhners und des größten Staatsmannes, wenn sie nur von beiden mit voller Hingabe und Pflicht­ erfüllung getan wird, gilt vor den Augen der Ewigkeit gleich viel und bedingt darum auch nach außen die gleiche soziale Ehre. Aus diesem tiefsten Erlebnis, aus dieser in­ neren Erleuchtung und Wiedergeburt heraus fließfauch das letzten Endes immer unfehlbar richtige Handeln un­ seres großen Führers Adolf Hitler. Wir sagten vorhin, daß der Nationalsozialismus von seinem biologischen Standpunkt aus die wahre Hand­ lungsfreiheit nur in der Richtung der Lebens- und W achs­ tumskräfte des Volkstums gegeben sieht. Daß die Hand­ lungsfreiheit also nur immer in der Richtung des vertika­ len Aufbaus liegt und daß sie darum in der Horizontalen abgebunden werden muß. Deswegen verlaufen auch alle nationalsozialistischen, wirtschaftspolitischen Maßnahmen 54


in der Vertikalen. Zum Beispiel ist die Marktregelung eine solche vertikale Maßnahme. Sie sichert im tragenden Erd­ geschoß des nationalsozialistischen Wirtschaftsaufbaus, der Bauernwirtschaft nicht nur die für die Entfaltung der Lebens- und Wachstumskräfte nötige Nahrungsfreiheit der Nation, sondern sie sichert in gleicher Weise auch im darübergelagerten Stockwerk, in der gewerblichen Wirt­ schaft, die ebenso notwendige Rohstofffreiheit. Denn das natürliche Betätigungsfeld der nachgeborenen Söhne der Bauern ist die durch ihre organische Verknüpfung mit dem Erdgeschoß verwachsene, gewerbliche Wirt­ schaft, die durch ihre technischen Hilfs- und Dienstlei­ stungen dann den Ertrag der Scholle so steigert, daß auch die im gewerblichen Stockwerk beschäftigten Glieder der Volksgemeinschaft aus der gleichen Scholle mit ernährt werden können. Zur Sicherung und Stärkung der Wachs­ tums- und Lebenskräfte der Nation ist deshalb nicht nur die Nahrungsfreiheit, sondern auch die Freiheit an ge­ werblichen Rohstoffen erforderlich. Diese müssen durch eigene Erzeugung, Stapelung oder Sicherung der Züfuhrwege in gleicher Weise durch die Marktregelung gesichert werden wie die Nahrungsmittel. Damit ergibt sich auch für das zweite Stockwerk, die Außenwirtschaft, die ent­ sprechende Ein- und Ausfuhrregelung. Im nationalsozialistischen Wirtschaftsaufbau muß also die organische Marktregelung, die im Erdgeschoß der Bauernwirtschaft, verankert ist, vertikal auch durch die beiden anderen Stockwerke, die gewerbliche und die Außenwirtschaft, hindurchgreifen, wenn sie die Lebens­ und Wachstumskräfte der Nation wirklich in allen Teilen wirtschaftlich sichern und fördern will.

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Es ist unmöglich, daß im ersten Stockwerk oder im zweiten eine andere Politik getrieben werden kann als im Erdgeschoß. Dies würde den organischen Zusammenhang und das richtig abgewogene Verhältnis der drei Ge­ schosse untereinander und damit die Gesundheit des ge­ samtwirtschaftlichen Aufbaus zerstören. Die Erfahrung hat gezeigt, daß ein vom Intellektualismus angekränkel­ tes oder verführtes Volk in den oberen Stockwerken seines Wirtschaftsaufbaus der Neigung verfällt, horizontale Bin­ dungen in Form von Preisverbänden für Geld und Ware einzugehen, horizontale Bindungen, die sich anfänglich vielleicht noch im Rahmen der eigenen Volkswirtschaft bewegen, aber mit der Auflockerung ihres organischen Gefüges immer mehr und mehr zu internationaler „Ver­ flechtung“ neigen. So entstanden die bekannten „Inter­ nationalen“ , wie wir sie in der goldenen, der jüdischen, der marxistischen, der kommunistischen und anderen auf allen Gebieten der Wirtschaft und der Kultur erlebt ha­ ben. Die am Schluß ein solches Übergewicht erlangten, daß sie die wirtschaftliche Betätigung der Völker aus ihrer organischen Bindung an Blut und Boden, aus der Volks­ gemeinschaft, lösten und sie zum Sektor einer internatio­ nal erdachten Weltwirtschaft umprägten. Durch diese horizontalen Bindungen wurden dann die in der Vertika­ len verlaufenden Lebens- und Wachstumskräfte der ein­ zelnen Völker abgebunden. - Die Handlungsfreiheit des einzelnen, ganzer Wirtschaftsgruppen und schließlich der gesamten Volkswirtschaft wurde aus der natürlichen ver­ tikalen Richtung durch den Intellekt um neunzig Grad in die Horizontale umgebogen. Aus der sittlichen, in orga­ nischer Marktregelung entsprechend den W achstums­

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und Lebenskräften disziplinierten und gebundenen Volks­ wirtschaft wurde so die unsittliche „freie Wirtschaft“ der verflossenen liberalistisch-kapitalistischen Epoche. Alles wurde Ware. Alles wurde käuflich. Alles wurde schwimmend. An die Stelle der bodenständigen Bauern­ wirtschaft trat die unstete Nomadenwirtschaft. An die Stelle der mit dem Volkstum und der Scholle verbundenen ehrbaren Gesinnung und des gerechten Preises trat überall der ausgeklügelte Vertrag und der international „billigste Preis“ . An die Stelle von naturgewachsenem Recht aller­ orten intellektuelle Gewalt. An die Stelle sinnvoller Frei­ heit sinnlose Anarchie. Aus der Arbeitsehre wurde der Arbeitsfluch, der Tummelplatz von Marxismus und Kapi­ talismus. In summa: überall wurde das Prinzip der organischen, der Kantischen Freiheit in sein Gegenteil, das der intellektualistischen Freiheit verkehrt. Während das Prinzip der schöpferischen, der organischen Freiheit erklärt: na­ türliche Gebundenheit nach außen, unendliche Hand­ lungsfreiheit und Selbstverantwortung nach innen - pro­ klamiert das Prinzip der intellektualistischen, der un­ schöpferischen Freiheit: unbegrenzte Internationalität nach außen, aber Gebundenheit durch Dogmen nach in­ nen. In Wirklichkeit aber wird so das lebendige Leben al­ lerorten in Recht, Staat, Kultur, Kunst, Wirtschaft hinter einem intellektuell erdachten Gitterwerk gefangengesetzt, bis eines Tages die beleidigte Natur aufsteht und durch revolutionäre Handlungen, wie wir sie im Nationalsozia­ lismus erleben, das künstliche intellektuelle Gitterwerk zerbricht und überall wieder natürliches Recht an Stelle intellektuellen Zwanges setzt. Nach einer Periode über­

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spitzter Intellektualität, nach einer Periode des Sklavenauf­ standes des Intellekts muß dann zur Gesundung und na­ türlichen Neuordnung der Dinge in allem auf die einfach­ sten Grundlagen alles Geschehens zurückgegangen wer­ den. Der weltanschauliche Umbruch und die mit ihm ver­ bundene Erneuerung der Gesinnung und der Sittlichkeit gewähren dann erst die großen und dabei so einfachen strategischen Ideen und Planungen, die allein eine Neu­ ordnung der Dinge von Grund aus ermöglichen. Und die dann im einzelnen Menschen, den geborenen Führern, ihre den ganzen Erdball erschütternde Verkörperung finden. Diese von den Weltanschauungsverächtern, den Takti­ kern und Mächlern des ancien regimes als Romantiker und Phantasten verspotteten Menschen sind dann die Führer in eine neue Zukunft. Wie ein Magnet langsam, aber sicher die Eisenfeilspäne aus einem Sandhaufen zieht und sie zu einem Kraftfeld sinnvoll ordnet, so zieht dann der geborene Führer alle die schöpferischen Kräfte aus der Volksgemeinschaft und sammelt sie um sich als seine Jüngerschaft, als seine Unterführer, denen er den höchsten Lohn, der ihnen werden kann, gewährt, indem er sie nach der Maßgabe seines Willens und Planes an der Führung der Volksgemeinschaft beteiligt. Denn diese verschworene Gemeinschaft schöpferischer Menschen reizt nicht Geld und Wohlleben und äußere Ehren, sondern für sie allein wertvoll ist die Betätigung ihrer schöpferi­ schen Fähigkeiten in Kampf und Gefahr und im Dienst am Volk. Sie sind die vom Führer berufenen Hüter seiner Lehre. Sie halten durch ihr schöpferisches Feuer seine Lehre im Fluß, damit sie nicht zu früh in Intellektualität erstarrt. Denn noch immer war es so, daß die von den Gro­

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ßen zur Verdeutlichung ihrer Lehre gebrachten Formen und Gleichnisse schließlich von den Kleinen als die allei­ nige Wahrheit angesehen und weitergegeben und dadurch ins Gegenteil verkehrt wurde. Ihre Augen sind zu sehr mit irdischem Staub bedeckt, als daß sie den Geist der Lehre und Taten ihrer großen Führer von den von ihnen ge­ brauchten Symbolen immer zu unterscheiden vermöchten. Dies ist auch der Sinn und die Aufgabe der national­ sozialistischen Partei als Orden: die Lehre unseres Füh­ rers in ewigem, lebendigem Fluß zu halten, damit sie nicht in Formeln und Äußerlichkeiten erstarrt.

Organischer A ufbau von Volks- und Großraum wirtschaft Zweiter Vortrag auf der Vortrags- und D is ­ kussionstagung vom 4. bis 6. Oktober 1934, ver­ anstaltet vom Außenpolitischen A m t der N S D A P , und Nationalsozialistischen Rechts­ wahrerbund für alle deutschen Professoren und Hochschullehrer der Volkswirtschaft und B e­ triebswirtschaft. — Volle Wiedergabe der Rede u. a. in d e r ,.Berliner Börsenzeitung", N r. 469 vom 6 .1 0 .1 9 3 4 .

In meinem ersten Vortrag habe ich mich bemüht, zu zeigen, daß der Nationalsozialismus seinem innersten Wesen nach eine sittliche Erneuerung des ganzen deut­ schen Volkstums ist. Und daß ein Gebiet der Lebens­ betätigung des deutschen Volkes nach dem anderen, ganz gleich, ob es sich um Politik, Kultur, Kunst, Recht oder Wirtschaft handelt, von dieser sittlichen Erneuerung er­ faßt und von innen heraus umgebildet wird. Daß also die 59


deutsche Nation heute auch mit anderen Augen in die Vergangenheit zurückblickt und auf Grund anderer Wertungen als der bisher üblichen ihr Geschichtsbild formt. - Ich habe weiter versucht, zu zeigen, wie diese sittliche Erneuerung sich im besonderen im wirtschafts­ politischen Sektor auswirkt. Und wie erst der weltanschau­ liche Umbruch die wenigen einfachen Grundwahrheiten wieder freilegt, die die ewigen Fundamente jedes natür­ lichen und damit gesunden Wirtschaftsaufbaues waren und auch in der Zukunft wieder sein werden. Diese weni­ gen, ewigen Grundwahrheiten waren so tief unter dem intellektualistischen Schutt der vergangenen liberalistischen Epoche begraben und so tief vergessen worden, daß ihre Freilegung durch den Nationalsozialismus sie auf den ersten Blick fast als völlig neue Wahrheiten erscheinen lassen. Sie waren aber in Wirklichkeit immer gegenwär­ tig, nämlich verborgen in den wenigen, alten Bauern­ regeln, die sich schon immer mit der Steuerung des W irt­ schaftslebens befaßten. Aber dem intellektualistischen Hochmut und Dünkel, dem Routinimismus, den Spezia­ listen und Taktikern der liberalistischen Epoche waren und sind auch heute noch diese Bauernweisheiten viel zu einfach und viel zu wenig kompliziert, als daß sie sie für beachtenswert hielten. Und doch läßt sich mit den ganz wenigen, aus uraltem bäuerlichen Weistum stammenden Grundwahrheiten das ganze, nur nach außen so kompli­ ziert erscheinende moderne Wirtschaftsgetriebe (inklusive „Bankwirtschaft“ ) regeln. Denn ebenso wie das Bauern­ tum die ewige Grundlage jeder Volkswirtschaft ist, so sind seine wenigen einfachen wirtschaftspolitischen Grundsätze die Grundlage der gesamten Volkswirtschaft 60


und gelten ebenso in der gewerblichen Wirtschaft und Außenwirtschaft wie in der Landwirtschaft. Hierin besteht ja gerade die unüberwindliche Stärke der nationalsozialistischen Wirtschaftslehre, daß sie nicht theoretisch am Reißbrett erklügelte und errechnete Wirt­ schaftsformen konstruiert, sondern daß sie gerade im Gegenteil das komplizierte, intellektualistische Gitter­ werk der vergangenen liberalistischen Epoche, das gründ­ lich und „sachverständig“ bis zur Selbstvernichtung aus­ gedacht war - rücksichtslos wieder hinweggeräumt, um so dem lebendigen Leben wieder Gelegenheit zu geben, zu wachsen. Denn auch die Wirtschaft muß wie die Pflanze, ' wie das Volkstum selbst, dem Boden entwachsen. Ihr Auf­ bau ist nur dann natürlich, wenn er vertikal ist. Die echte Volkswirtschaft ist in Wirklichkeit nur die optische Ver­ größerung des Bauernhofes. Sie gliedert sich wie dieser in drei miteinander in organischem Zusammenhang stehende Sphären. Ebenso wie auf dem einzelnen Bauernhof nur eine be­ stimmte Anzahl Familienmitglieder den ihr gehörigen Acker bestellen kann, so kann auch in der echten Volks­ wirtschaft nur ein Teil der Volksgemeinschaft den Boden praktisch bearbeiten. Der übrige Teil der Familienmit­ glieder des Bauernhofes wie der Volksgemeinschaft muß sich gewerblicher, d. h. Klein- und Großgewerbe, Aus­ tausch und Verkehr zuwenden. Durch diese gewerblichen Hilfs- und Dienstleistungen wird dann die Intensität der Bestellung und damit die Produktivität des Bodens so ge­ hoben, daß dadurch auch diese Mitglieder der Familien und der Volksgemeinschaft vom Ertrag derselben Scholle leben können. Die durch gewerbliche Dienstleistungen er­ 61


zielten Mehrerträge des Ackerbodens sind also das natür­ liche Betätigungsfeld der nachgeborenen Söhne der Bauern, und ihre Ernährungsgrundlage. Die Bauernwirtschaft trägt also vom Gesichtspunkt der Familie und Volksgemeinschaft aus auch die Verantwor­ tung für das Wohlergehen der von ihr verursachten ge­ werblichen Wirtschaft, für die Wohlfahrt der hier be­ schäftigten Glieder des Bauernhofes und der Volksge­ meinschaft. Das richtig abgewogene Verhältnis zwischen dem Erd­ geschoß, der Landwirtschaft, und ihrem ersten Stock­ werk, der gewerblichen Binnenwirtschaft, ist maßgeblich für die Gesundheit des gesamtwirtschaftlichen Aufbaues. Wächst nun eben infolge der gesunden Struktur der W irt­ schaft die Familie auf dem Bauernhof und damit die Volksgemeinschaft, so wird es mit der Zeit notwendig, wenn eigener Siedlungsraum nicht mehr zur Verfügung steht, ein zweites Stockwerk auf die gewerbliche Binnen­ wirtschaft zu setzen: Die Außenwirtschaft. Ein Teil der nachgeborenen Söhne des Bauernhofes und Mitglieder der Volksgemeinschaft müssen so einen Teil ihrer Existenz darin suchen, daß sie einen Teil ihrer Be­ tätigung außerhalb des Bauernhofes bzw. der Volkswirt­ schaft verlegen. So entsteht die gesunde Dorfgemein­ schaft durch kameradschaftliche Zusammenarbeit meh­ rerer Höfe, und im großen gesehen die Großraumwirt­ schaft durch föderalistische Zusammenarbeit mehrerer Volkswirtschaften. Die Dienstleistungen dieser an der Peripherie des Bauernhofes und der gewerblichen W irt­ schaft des Volkes tätigen Menschen heben so den Lebens­ und Kulturstandard der einzelnen Bauernhöfe und Volks­ 62


wirtschaften. Die Sphäre der Außenwirtschaft kann vor­ übergehend sogar mehr zur Hebung des materiellen und geistigen Standards der Bauern- und Volkswirtschaft beitragen, wie die beiden anderen, dann nämlich, wenn sie auf noch unerschlossenen Raum trifft. Dieser ent­ lohnt zunächst den Aufwand an technischer und inten­ siver Arbeit in viel höherem Maße, weil er noch jung­ fräulicher Boden ist oder neue Ergänzungsmöglichkeiten bietet. Diese an der Peripherie des Bauernhofes und der Volks­ wirtschaften vor sich gehende Betätigung trägt aber nicht nur die Möglichkeit ungeahnter Erhöhung des Lebens­ standards der Sippen- und Volksgemeinschaft in sich, sondern auch die Gefahr der Zerstörung und Zersplitte­ rung ihrer Wachstums- und Lebenskräfte. Denn man darf nicht übersehen, daß diese im dritten Stockwerk tätigen Menschen leichter der im Fundament verankerten Fami­ lien- und Volksdisziplin entgleiten. Ihr Freiheitsbegriff löst sich unter Umständen im neuen freien Raum mehr und mehr aus der Gebundenheit der alten Volksgemein­ schaft, und ihr Handeln wird mehr und mehr Ichbezogen. Eine nach der anderen der sinnvoll in den Wachstums­ und Lebenskräften der Nation verknüpften und gebunde­ nen Funktionen der Volkswirtschaft wird gelockert und entartet zum Selbstzweck. An die Stelle des Dienstes tritt der Verdienst. An die Stelle des Wirtschaftsoffiziers der Freibeuter. Aus der volkswirtschaftlichen Kapital­ bildung wird Kapitalismus. An Stelle des an die ehrbare Gesinnung der Gemeinschaft gebundenen „gerechten Preises“ tritt der sich als Selbstzweck setzende internatio­ nale „billigste Preis“ . Aus der national gebundenen 63


Volkswirtschaft wird der Sektor einer erdachten Welt­ wirtschaft. So wird aus der sittlich in gesunder Marktrege­ lung gebundenen Volkswirtschaft die sittlich ungebundene also unsittliche, „freie Wirtschaft“ . So können die Le­ bens- und Wachstumskräfte einer Sippe und eines Vol­ kes im freien Raum zersplittern und durch falsche Sitt­ lichkeit entarten. Dies ist nicht nur eine theoretische Mög­ lichkeit, sondern leider bittere Wahrheit. Die Zerstörung der ersten natürlichen europäischen Großraumwirtschaft des Mittelalters durch die Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Indien und die hierdurch eingeleitete, jetzt abgeschlossene Epoche der „freien W irtschaft“ hat in der ganzen Welt ein politisches, kulturelles und wirtschaft­ liches Trümmerfeld von unerhörten Maßen hinterlassen, mit dessen Aufräumung und Neuordnung viele Genera­ tionen zu tun haben werden und an das der National­ sozialismus die erste Hand gelegt hat. Die Entdeckung neuer freier Räume und ihre Besiedlung (Kolonisation) sowie die zwischenstaatliche Betätigung überhaupt, be­ deutet nur dann eine Stärkung der Wachstums- und Le­ benskräfte der heimatlichen Volkswirtschaften, wenn sie ihrer Disziplin und ihrem Machtbereich nicht entgleiten. Die unorganische Kolonial- und die undisziplinierte Außenhandelspolitik war für viele europäische Länder kein Glück, sondern hat zur Zerstörung der heimatlichen disziplinierten Wirtschaft geführt, eben durch die Infek­ tion von der Außenwirtschaft her, von der aus dann die Zersetzungskeime, genannt „freie W irtschaft“ eindran­ gen. Von dem Erdgeschoß, der heimatlichen Bauernwirt­ schaft ausgehend, muß vielmehr durch die Stockwerke der gewerblichen und der Außenwirtschaft hindurch eine 64


einheitliche, straffe und völkische Disziplin - eine Markt­ regelung nicht nur der Nahrungsmittel, sondern auch der Grundstoffe für gewerbliche Wirtschaft - aufrechterhal­ ten bleiben. Eine Marktregelung, die nicht nur den gerech­ ten Preis den Mitgliedern der Volksgemeinschaft für den Leistungsaustausch untereinander sichert, sondern der auch den gerechten Zoll gegenüber der Nation als Ganzes in sich schließt: indem er ihr die Sicherheit und die Stär­ kung ihrer Lebens- und Wachstumskräfte garantiert. Jede Volksgemeinschaft muß ihre Wirtschaftsführung so disziplinieren, daß sie die eiserne Ration an Nahrungs­ mitteln und gewerblichen Rohstoffen stets innerhalb ihrer Mauern hat. Denn nur der Freie kann friedlich sein. Erst die Nahrungs- und Rohstofffreiheit erlaubt es jedem Volke, nicht jene handeis- und außenpolitische Verwick­ lung als Bedrohung seiner Existenz aufzufassen, der mit Waffengewalt begegnet werden muß. Heer und Flotte sind die ultima ratio, die erst dann eingesetzt werden dür­ fen, wenn es um die letzten und höchsten Güter, die Ehre und Freiheit der Nation geht. Erst bei einer solchen Steuerung der Wirtschaft folgt dann wieder, wie es sich gehört, der Handel der Flagge und nicht, wie das liberalistische Zeitalter es verlangte, die Flagge dem Handel! Aus dem internationalen Händler wird dann wieder der ehrbare hanseatische Kaufmann. Die unsterbliche Hanse war nicht eine Krämerangelegen­ heit, sondern eine Opfer- und Speisegemeinschaft. Eine Disziplinierung des Fernhandels von unerhörter Kühn­ heit und Größe, die nie den heimatlichen Boden unter den Füßen und den Zusammenhang mit der Volksgemein­ schaft verlor. Sie barg in sich als seelische Triebkraft das 5 Daitz I

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Fernweh und das Heimweh des nordischen Menschen. Sie war eine gestaltete Ordnung des Außenhandels. Denn es muß immer wieder mit aller Deutlichkeit gesagt wer­ den, daß der deutsche Außenhandel zu einer Zeit seine größte Blüte hatte, als nicht jeder Kaufmann für sich oder auf eigene Faust Geschäfte zu machen versuchte, sondern als der Geist gemeinsamen genossenschaftlichen Wirtschaftens völlig im Vordergrund stand und zu einer Entfaltung schöpferischer Kräfte auf allen Gebieten der Kultur, der Kunst und der Wirtschaft führte, hinter der die heute abgeschlossene liberalistische Handelsepoche weit zurücksteht. Denn die erste kontinentaleuropäische Großraumwirt­ schaft, vom Jahre 1000 bis zum Jahre 1600, die eine na­ türliche Vergrößerung echter Bauernhof- und Volks­ wirtschaft war - umschloß das heilige germanische Reich deutscher Nation mit ihren geistigen Mittelpunkten: Lü­ beck und Marienburg. Während der Deutschritter-Orden von der Ostsee bis hinunter nach Siebenbürgen die Wacht gen Osten hielt und den europäischen Lebensraum gen Osten weitete, holte die Hanse, der deutsche Städtebund unter Lübecks Führung, die Agrarüberschüsse aus dem Südostraum her­ auf, bewegte sie über die alte hansische Heer- und Han­ delsstraße von Rheinland-Westfalen bis Lübeck und ver­ schiffte sie - gemischt mit Erzeugnissen des deutschen, italienischen, flandrischen und anderen Gewerbefleißes mit ihren Kriegs- und Kauffahrteischiffen über die Ost­ see bis nach Rußland hinein. Über Rußland schloß sich dann dieser Güter-, Geld- und Verkehrskreislauf dadurch, daß im Ostseeraum und in Rußland Rauchwaren und an­ 66


dere nordische Produkte eingetauscht wurden. Diese erste kontinentaleuropäische Großraumwirtschaft, deren tra­ gende Pfeiler die Hanse und der Deutschritter-Orden bil­ deten, war eine raumgebundene Wirtschaft nach innen und nach außen. Die von ihr umschlossenen Völker und Volksräume ergänzten sich auf das beste. Sie stellten sich mit ihrer Erzeugung auf den gegenseitigen Bedarf ein, und es wurde streng darauf geachtet, daß das Prinzip der Bedarfsdeckung innegehalten wurde und nicht eine unge­ ordnete regellose Produktion oder gar Überproduktion einsetzte. Auch nach innen war diese erste Großraumwirt­ schaft gebunden, insofern, als jedem Beruf, jeder Zunft ein bestimmter Sektor als Arbeitsfeld zugeteilt war, den er mit eigener Freiheit durch Selbstverwaltung erfüllte und der nicht in die Lebensräume anderer eingriff. Aus dieser bewußt nach innen und nach außen geregel­ ten und gelenkten Wirtschaft erwuchs dann die hohe nor­ dische Kultur und Blüte des Mittelalters, sein Wohlstand und seine Kunst. Als höchste Zeugen des Geistes dieser Tage: unendliche innere Freiheit und Selbstverantwor­ tung in der natürlichen äußeren Gebundenheit, ragen noch heute überall die gotischen Dome und die herrliche Backsteingotik des Ostseeraumes empor. Diese wohlgeordnete kontinentaleuropäische Groß­ raumwirtschaft, die jede Katastrophenregulierung, näm­ lich das liberalistische „freie Spiel der Kräfte“ , ausschloß, in der Produktion, Absatz und die Existenz jedes einzelnen ehrlicll arbeitenden Menschen gesichert war, und zu deren Hüter der gerechte Preis und die ehrbare Gesinnung be­ stellt waren, zerbrach jedoch, als im Westen ein neuer freier, scheinbar unbegrenzter Raum - Amerika - ent­ s

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deckt wurde und sich der neue Seeweg nach Indien er­ schloß. Die alte natürliche Ordnung, Bindungen und Satzungen wurden zerstört, und eine ungehemmte Produktion, die sogenannte „freie Wirtschaft“ entfaltete sich. Dreihun­ dert Jahre lang taten sich immer neue Märkte auf, die die wilde ungeregelte Produktion - den hemmungslosen Handel und die ungebundene Betätigung jedes einzelnen, das zu tun, was ihnen gerade paßte - aufnehmen konnten. Seit dem Weltkrieg aber haben sich diese freien Märkte im fernen Westen und fernen Osten verschlossen, und nun hat es auch ein Ende mit der freien Wirtschaft. Auch die intellektualistische Ideologie einer übergeordneten Weltwirtschaft, einer Art Überwirtschaft, die aus dem chaotischen Durcheinander der sogenannten „freienWirtschaft“ als sublimste Idee destilliert worden war, zer­ platzte in gleicher Weise. Nunmehr stehen wir überall in der Welt vor der Tatsache, daß die Weltwirtschaft sich wiederum auf ihre natürlichen Grundlagen, nämlich die Volkswirtschaft, besinnt. Das Chaos der zerfallenen W elt­ wirtschaft ordnet sich allmählich wieder zu einem wohlgeordneten Kosmos von Volkswirtschaften, und diese, nachdem sie ihre eigene Stabilität wiedergewonnen und ausgependelt haben, treten sodann wieder in geordneten Beziehungen zueinander. So wird der natürliche, organische Wirtschaftsaufbau: Bauernhof, Volkswirtschaft, Großraumwirtschaft wieder­ hergestellt und das •natürliche Gleichgewicht zwischen dem Erdgeschoß und den beiden Obergeschossen der Volkswirtschaft wiedergewonnen. Eine Epoche imperia­ listischer Ideologie gelangt zum Abschluß; Überall greifen 68


die Lebens- und Wachstumskräfte des Volkstums wieder vertikal durch die drei Sphären der Wirtschaft hindurch und disziplinieren sie in erneuter Ordnung und Sittlich­ keit. Überall werden die vertikalen Bindungen, entspre­ chend der Richtung der Wachstumskräfte wieder hergestellt und die horizontalen Bindungen intellektueller Destruktion zerstört. An die Stelle von privatwirtschaft­ lichen Kartellen und Preisverbänden, die in Wirklich­ keit Privatkollektive sind, tritt die vertikale organische Marktregelung, nicht nur in der landwirtschaftlichen, son­ dern auch in der gewerblichen Sphäre und damit der Einund Ausfuhr beider. Diese zur Sicherung und Förderung der Wachstums­ und Lebenskräfte des Volkes notwendige Marktregelung, dieser von der politischen Führung des Volkes bewußt ge­ zogene Rahmen, der die Freiheit des wirtschaftenden Menschen nur dort beschneidet, wo er die Freiheit der Nation gefährdet - kann von der Wirtschaft in voller Selbstverantwortung und mit eigener Tatkraft nur dann ausgefüllt werden, wenn sie sich in drei klar unterschie­ dene Berufsgruppen gliedert, entsprechend ihren verschie­ denen Funktionen im Dienst am Volksganzen. Diese drei Gruppen sind 1. die Landwirtschaft (Reichsnährstand). Sie hat die Erneuerung des Blutes und die Nahrungsfreiheit zu sichern. 2. Die gewerbliche Wirtschaft (Handwerk, Industrie, Handel, Verkehr, Bankwesen der Binnenwirt­ schaft). Sie hat die zivilisatorischen und techni­ schen Belange des Volkes und die Rohstofffreiheit zu sichern. 69


3.

Die Außenwirtschaft (Außenhandel, Seeverkehr und Geld- und Kreditwesen des Außenhandels). Sie hat die äußeren Stoffwechsel und Lebensraum der Volks­ wirtschaft zu fördern und zu sichern, j Diese klare Gruppenbildung erst ermöglicht eine klare und einheitliche Führung der Gesamtwirtschaft und die spontane Bildung der notwendigen Selbstverwaltungsfor­ men der Wirtschaft. Sie entspricht im Aufbau jeder Gruppe für sich und in der Zusammenfassung aller drei dem nationalsozialistischen sittlichen Grundprinzip des Volksaufbaues: Freiheit und Selbstverantwortung in der natürlichen Gebundenheit/ Während die Gruppen I und II, die nichtgewerbliche und die gewerbliche Binnenwirt­ schaft, sich innerhalb der Landesgrenzen bewegen, mit der Erdscholle mehr oder weniger fest verbunden sind und sich infolgedessen ständisch selbst verwalten können, be­ tätigt sich die Außenwirtschaft außerhalb der Landesgren­ zen und muß zudem in ihrer außerordentlich elastisch und beweglich sein; sie kann infolgedessen nicht ständisch un­ terbaut, sondern muß kammermäßig gestaltet werden. Sie ist kein eigener Berufsstand, sondern gewisse Ange­ hörige des Nährstandes und der gewerblichen Wirtschaft üben in ihr zusätzliche, nämlich außenwirtschaftliche Funktionen aus. Diese Selbstverwaltungsreformen der Wirtschaft, wie sie heute bereits durch das Reichsnährstandgesetz und durch das Gesetz zur Ordnung der gewerblichen W irt­ schaft in der Bildung begriffen sind, sind dann nicht nur das geeignete Instrument für die einheitliche Führung der Wirtschaft durch die Politik, sondern werden zugleich auch derTräger derBerufsehre und das sachverständige Gremium 70


für die Bildung des „gerechten Preises“ . Sie sind vertikale Organisationen, die automatisch eine Auflösung aller hori­ zontalen Preisverbände für Ware, Geld und dgl. nach sich ziehen, der Privatkollektive, dieser Lieblingskinder des Li­ beralismus. Durch sie erst wird positiv der gerechte Preis und damit der gerechte Leistungsaustausch wiederherge­ stellt, der negativ bereits jetzt durch Verbot von Aussper­ rungen, Streiks und monopolistische Preisverbände für Geld und Ware gesichert ist. Durch sie wird erst der Vor­ rang der Arbeit vor dem Kapital und der Vorrang des ar­ beitenden Menschen und der Leistung vor unsittlichen Gewaltmaßnahmen wiederhergestellt. Nicht nur im Innern wird so der gerechte Preis, der ge­ rechte Leistungsaustausch proklamiert - sondern auch im zwischenstaatlichen Handel und Verkehr wird vom Nationalsozialismus der gerechte Leistungsaustausch als die einzig mögliche Basis eines gesicherten und erhöhten Außenhandels wiederhergestellt. Ein- und Ausfuhr müs­ sen mit demselben Maßstab gemessen werden. Das roh­ stoffliefernde Land muß für seine Ware einen solchen Preis erhalten, daß es z. B. auch in Deutschland ebenso­ viel deutsche Exportware kaufen kann, wie es für seine Rohstofflieferung von anderen Ländern an gleichartigen Industriewaren erhält. Das Ausland muß in seinem ge­ samten Leistungsaustausch mit Deutschland in gerechter Weise an den Vorteilen und Nachteilen des deutschen Marktes beteiligt werden, wie dies bereits durch die land­ wirtschaftlichen Marktregelungsabkommen mit dem Aus­ land mustergültig geschieht. Die autonome deutsche Markt­ regelung hat also nicht nur die Nahrungsfreiheit und die Rohstoff freiheit der deutschen Volkswirtschaft zu regeln, 7i


sondern auch die Verpflichtung, um zu einem dauerhaf­ ten, umfangreichen und sinnvollen Außenhandel zu kom­ men, der den Lebens- und Kulturstandard des deutschen Volkes erhöht, den gerechten Preis auch nach außen in Ein- und Ausfuhr zu regeln. Aufgabe der deutschen Außenhandelspolitik ist es danach, die deutsche Lei­ stungsbilanz im Warenverkehr wie in den Transiteurlei­ stungen (Schiffahrt) so zu gestalten, daß die Zahlungs­ bilanz zumindest ausgeglichen ist und nach Möglichkeit die Abtragung der Schuldverpflichtungen gestattet. Jeder Handelsvertrag muß ein Sektor dieser volkswirtschaft­ lichen Außenbilanz sein. Aufgabe des deutschen Geldund Kreditwesens ist es dann, dafür zu sorgen, im Zu­ sammenwirken mit den ausländischen Kontrahenten die nötigen Geld- und Kreditmittel für die dynamische, die flüssige Abwicklung der Kompensationsverträge zur Ver­ fügung zu stellen. Nur wenn genügend flüssige Mittel vor­ handen sind, kann die notwendige Freiheit, Selbstverant­ wortung, Arbeitsteilung und Tatkraft der Wirtschaft in­ nerhalb der handelspolitischen Gebundenheit durch Kompensations- bzw. Handelsverträge zu Raum kommen und eine Zwangswirtschaft vermieden werden. Da das der deutschen Volkswirtschaft sowie den meisten seiner euro­ päischen Kontrahenten bisher zur Verfügung stehende zwischenstaatliche Betriebskapital (Gold und Goldan­ weisungen) dadurch verlorengegangen ist, daß die De­ visen- und Goldbewegung sich von der Warenbewegung getrennt in andere Bahnen (Schuldenzahlung, Goldhor­ tung) gelaufen ist wie der Warenverkehr, rückt der W a­ renverkehr zwischen Deutschland und den meisten seiner europäischen Kontrahenten in den Zug-um-Zug-Verkehr. 72


Ihr geldliches Spiegelbild sind die zweiseitigen Verrech­ nungsabkommen, in denen der Geldverkehr zunächst erst einmal gewaltsam diszipliniert wird, nachdem er nicht die genügende eigene Disziplin aufgebracht hat, nur Diener und Träger der Warenbewegung zu sein. Hierdurch wird naturgemäß eine starke Schrumpfung des an sich mög­ lichen Kompensationsverkehrs bedingt. Dieser kann erst wieder behoben und der Außenhandel wieder ausgeweitet werden, wenn diese zweiseitigen Verrechnungsabkom­ men mit der Zeit sinnvoll durch zweiseitige Überbrükkungskredite ergänzt werden. Daß dieser zweiseitige Waren- und Verrechnungsver­ kehr dann durch Dreiecksabkommen und* Geschäfte er­ gänzt werden muß und abermals ausgeweitet werden kann, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Hier beginnt die höhere Mathematik des Kaufmanntums und der Han­ delsvertragspolitik, die, wenn sie geschickt gehandhabt wird, Deutschland auf Grund seiner geographischen Lage und seines vielfältigen Bedarfes in Stand setzt, einer neuen kontinentaleuropäischen Großraumwirtschaft wieder den Weg zu bereiten. Denn wie wir im Voraufgehenden schon mehrfach ausgeführt haben, läuft die Logik des natio­ nalsozialistischen organischen Wirtschaftsaufbaus grad­ linig über Bauernhof, Volkswirtschaft zur Großraumwirt­ schaft. Aber eine Großraumwirtschaft, die die Freiheit und die Ehre und die Selbständigkeit jeder Volkswirt­ schaft unangetastet läßt, ihr jedoch die Möglichkeit gibt, mit dem für den eigenen Bedarf entbehrlichen Überschüs­ sen mit den übrigen Volkswirtschaften des Großraumes zum gemeinen Besten sich zu verbinden. So würde eine Großraumwirtschaft entstehen, die vertikal gewachsen ist 73


und nichts gemein hat mit den künstlichen, rein intellek­ tuell erdachten horizontalen Konstruktionen, wie sie in der liberalistischen Epoche schon mehrfach für Europa vorge­ schlagen wurden. Jeder kennt sie unter dem Namen „Ver­ einigte Staaten von Europa“ , „Europäische Zollunion“ , „Paneuropa“ und dergleichen. Die nationalsozialistische Wirtschaftslehre hat nichts mit ihnen zu tun. Ihr Ziel ist eine echte Gesellschaft der Volkswirtschaften, die sich zum ge­ meinen Besten ihrer Völker ergänzen und so eine neue eu­ ropäische Arbeits- und Kulturgemeinschaft mit gehobenem Lebensstandard für alle Beteiligten wieder aufrichtet. E u ro p a den E u ro p ä e rn ! lautet ihre Parole. Der eu­ ropäische Bedarf muß zuerst in Europa gedeckt werden 1Der europäische Binnenhandel muß zuerst gestärkt werden eine Erkenntnis, die heute bereits Allgemeingut geworden ist in bezug auf die Binnenwirtschaft des Bauernhofes und des Binnenmarktes der Volkswirtschaft, um zu einem so­ liden und sinnvollen Außenhandel dieser beiden Wirt­ schaftsaggregate zu gelangen. Folgerichtig muß jetzt in Europa durch eine entsprechende Handelspolitik und Pro­ paganda das Bewußtsein geweckt werden, daß der Binnen­ handel des kontinentaleuropäischen Großraumes, zu­ nächst durch Ausschöpfung aller Anbau- und Kombina­ tionsmöglichkeiten und durch Aufschluß aller Erdschätze zuerst gestärkt werden muß, ehe die Volkswirtschaften des kontinentaleuropäischen Großraumes in Warenaus­ tausch mit anderen Großräumen eintreten. Diese Handels­ politik wird konsequent heute schon von den übrigen transozeanischen Großwirtschaftsräumen verfolgt*, die heute neben Europa entstehen: das britische Weltreich durch seine Ottawa-Politik, der amerikanische Block 74


durch die Monroe-Doktrin, der chinesisch-japanische Block durch die Errichtung des Protektorats Japans über China. Wenn deshalb das alte Europa nicht zerdrückt wer­ den will zwischen diesen transozeanischen Großgebilden, den neuen Quadersteinen einer neuen Weltwirtschafts­ organisation, und wenn Europa nicht auf die ihm gebüh­ rende wirtschaftliche Einflußnahme, auf die Zukunft des russisch-sibirischen Raumes verzichten will, dann müssen die kontinentaleuropäischen Völker wirtschaftlich wieder näher zusammenrücken und auf der Basis kameradschaft­ licher Zusammenarbeit und Ergänzung einen kontinen­ taleuropäischen Wirtschaftskreislauf in moderner Form wieder errichten, wie er schon einmal zur Zeit der Hanse existierte. Über die Ostsee wird dann wieder ein neuer Weg gen Osten führen, dessen Hüter zum gemeinsamen Besten Europas die Völker des Ostseekreises sein werden. Denn nur die jedem Imperialismus abgeneigten föderali­ stischen Staats- und Wirtschaftsanschauungen der Völker des Ostseekreises können eine neue europäische Arbeits­ und Kulturgemeinschaft errichten, in der Freiheit, die Ehre und Selbständigkeit jedes Volkes und jeder Volks­ wirtschaft das unverrückbare eherne Fundament bildet.

Deutscher Wirtschaftsneubau Zweiter T eil aus dem Leitaufsatz für das Jahr­ buch 1934 der Vedag. (Vereinigte D achpappenFabriken AG . Berlin W 33.)

Wirtschaftsformen sind nach nationalsozialistischer Auffassung nicht Dinge an sich, sondern eine Folge der Lenkung der Arbeit. Je nachdem diese Lenkung und Lei75


tung durch den gesunden, naturverbundenen Menschen­ verstand erfolgt oder aber durch den von der Natur abge­ lösten reinen Intellekt, werden ihre Formen verschieden sein. Schöpferisch und mit wahrer, innerer Freiheit er­ füllt im ersten Fall und unfruchtbar und unfrei (weil ge­ knebelt durch Dogmen) im zweiten Fall. Wirtschaft ist nichts weiter als gelenkte Arbeit. Je nachdem ihre Len­ kung nach natürlichen oder unnatürlichen Grundsätzen erfolgt, wird auch die Wirtschaft gesund oder ungesund sein, wahrhaft frei oder nur scheinbar frei, friedlich oder unfriedlich. Denn nur der Freie ist friedlich 1 Der Nationalsozialismus ist deshalb viel einfacher, viel klarer, als er sich heute noch in den meisten intellektuell vergifteten und mißleiteten Köpfen darstellt. Er ist ledig­ lich die Wiedereinführung des gesunden Menschenver­ standes auf allen Gebieten des menschlichen Lebens und kann deshalb von jedem unverbildeten Kopf ohne weiteres eingesehen werden. Sein Wirtschaftsaufbau orientiert sich deshalb an fünf einfachen Grundsätzen: Während Demokratie und Liberalismus mehr und mehr überall Gewalt an die Stelle von Recht setzten, setzt der Nationalsozialismus allerorten Recht an die Stelle von Gewalt. Denn er ist ja der Baumeister einer neuen Ord­ nung der Dinge. Dauerhafte Ordnung aber kann nur auf Recht, nie auf Gewalt errichtet werden. Der erste ökonomische Grundsatz, der zugleich auch das Fundamentalgesetz der privaten Wirtschaft und der Volkswirtschaft umreißt, ist eine uralte Bauernregel, die aber in den demokratischen Zeitläuften gänzlich außer Kurs gesetzt wurde. Sie lautet: Die Steuern dürfen nicht 76


den Zehnten und die Zinsen nicht den halben Zehnten überschreiten, wenn sie nicht statt Erhalter und Vermeh­ rer der Substanz ihre Verzehrer sein sollen. Mit dieser einfachen Bauernregel, die seit Jahrtausenden und in jedem Wirtschaftssystem, dem einfachsten und dem kompliziertesten der Welt, richtig war und ist, wird das richtige, d. h. natürliche Maß in derWirtschaftsführung gesetzt. Sie will verhüten, daß auf die Dauer mehr flüssige Mittel verzehrt als erzeugt werden, so daß dadurch ein Be­ triebskapitalschwund herbeigeführt wird, der letzten Endes dann zu gänzlicher Illiquidität der privatwirtschaftlichen Betriebe und damit auch der gesamten Volkswirtschaft führt. Diese Illiquidität drückt sich dann in einer hohen Arbeitslosenziffer aus, die dem Recht jedes einzelnen auf Arbeit Hohn spricht und ihn der Gewalt eines unnatürlichen, intellektuell mißleitenden Wirtschaftssystems preisgibt. Ein Maximum an Produktion und Konsumption, d. h. an allgemeinem Wohlstand und Verhinderung von Ar­ beitslosigkeit kann in einer Volkswirtschaft nur erreicht und erhalten werden, wenn das natürliche biologische Verhältnis zwischen flüssigem (Betriebs-) und festem (Sachwert-) Kapital durch gesetzmäßige Regelung erhal­ ten und nicht dem freien Spiel der Kräfte, d. h. schran­ kenloser Gewalt überantwortet wird. Daraus ergibt sich auch der zweite Grundsatz, der den sozialen Frieden im nationalsozialistischen Staate an Stelle des demokratischen Klassenkrieges proklamiert. Man gestattet dem Unternehmer nicht mehr, Gewalt durch Aussperrung anzuwenden, wie man dem Arbeiter nicht mehr erlaubt, durch Streik seinerseits mit Gewalt vorzugehen. Denn der gerechte Ausgleich von Leistung 77


und Gegenleistung, der ebenso wie die erste Bauernregel die maxanale Produktion und Konsumption innerhalb der Volkswirtschaft erst ermöglicht und die Arbeitslosig­ keit verhindert, darf von keiner Seite durch Gewaltan­ wendung verfälscht werden. Im demokratischen Staate war es doch so, daß bald die Arbeiter, bald die Unter­ nehmer sich von ihrem Geschäftspartner durch Gewalt­ anwendung eine höhere Gegenleistung erzwangen, als sie selbst gewährten. Es wurde das Schwert der Gewalt bald von der einen, bald von der anderen Seite zu ihrer Lei­ stung in die Waagschale geworfen und dadurch das na­ türliche Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung / willkürlich gestört. Der nationalsozialistische Staat gestattet diese Gewalt­ anwendung in der sozialen Sphäre ebensowenig wie bei sonstigen Streitigkeiten des menschlichen Lebens, Es hat sich gezeigt, daß das Verbot von Streik und Aussperrung, d. h. das Appellieren an den Knüppel, sofort zu einer sol­ chen Befriedung in der sozialen Sphäre geführt hat, daß mindestens 90% aller früheren Streitfälle von selbst in Fortfall gekommen sind. Die letzten 10% werden nun ebenfalls nicht durch Gewalt, sondern durch Recht ent­ schieden. Auch hier geht der Nationalsozialismus eigene Wege, indem er nicht ein geschriebenes Recht aufstellt, sondern ein lebendiges Recht, bestehend aus den dreizehn Treuhändern der Arbeit, die wirkliche und erfahrene Nationalsozialisten sind, gänzlich unabhängig, nur nach bestem Wissen und Gewissen nach dem alten Grundsatz entscheiden: men not measures. An diesen zweiten Grundsatz schließt sich nun in logi­ scher Konsequenz an der dritte, der in der Produktions­ 78


und Handelssphäre den Frieden sichert, d. h. also den Wirtschaftsfrieden. Auch hier ist die Gewaltanwendung, die das demokratische und liberalistische System pre­ digte, nicht mehr gestattet. Es ist auch hier nicht mehr er­ laubt, daß Leistung und Gegenleistung durch Gewaltan­ wendung verfälscht werden. Es darf der kapitalistisch Stärkere durch ungehemmte Produktionsvergrößerung oder Preisschleuderung den kapitalistisch schwächeren Konkurrenten nicht mehr hemmungslos bekriegen. Denn unnütze Vergrößerung von Produktionsanlagen, die nur Kampfzwecken und nicht der natürlichen Bedarfsdekkung dienen, bedeutet Fehlinvestierung und damit Ver­ schleuderung von Volksvermögen, genau so wie zu niedri­ ge und zu hohe Preise. Produzenten wie Händler werden deshalb zu Vereini­ gungen zusammengeschlossen, die unter Aufsicht des Reichswirtschaftsministeriums weder zu hohe noch zu niedrige Preise festsetzen dürfen, die das gerechte Ver­ hältnis von Leistung und Gegenleistung, zwischen Kon­ kurrenten oder zwischen einzelnen Gruppen und der ge­ samten Volkswirtschaft willkürlich verschieben. So ist auch in der Produktions- und Konsumptions-Sphäre durch den Nationalsozialismus ebenfalls Recht statt Gewalt auf­ gerichtet und damit die Befriedung gesichert, die ein Maxi­ mum des allgemeinen Wohlstandes mit der Zeit garantiert. Der Nationalsozialismus handelt hier also nach der ur­ alten Erfahrung des gesunden Menschenverstandes: daß Friede ernährt, Unfriede aber verzehrt. Diese unverrückbare Grundlage des inneren Wirt­ schaftsaufbaus und Erklärung des inneren Friedens findet nun ihre logische Fortsetzung und Ausstrahlung auch in 79


der Außenhandelspolitik und der Außenwirtschaft des nationalsozialistischen Staates. Auch hier ist das ganze Bestreben des Nationalsozialis­ mus auf eine neue, haltbare und natürliche Befriedung der zwischenstaatlichen Verhältnisse gerichtet. Er wünscht, daß nicht nur in politischen Verhandlungen die Ehre und Freiheit jedes der an ihnen beteiligten Völker wieder re­ spektiert wird, sondern will auch im zwischenstaatlichen Handel und Verkehr diese Grundsätze wieder zur Herr­ schaft bringen und damit der Gewaltanwendung, die von den liberalistischen und demokratischen Wirtschafts- und Regierungssystemen im nationalen Verkehr bisher ge­ duldet werden, endlich einen Riegel vorschieben. Die all­ gemeine Unsicherheit, die durch die schrankenlose An­ wendung freihändlerischer Grundsätze in alle zwischen­ staatlichen Beziehungen im letzten Jahrhundert hinein­ getragen wurde, soll wieder einer neuen, klaren, natür­ lichen Ordnung der Dinge weichen, der zwangsläufig eine erhöhte Befriedung folgen wird. Die beiden Außenhandelsgrundsätze des Nationalsozia­ lismus sind nichts anderes als eine Transformierung, eine Widerspiegelung der Befriedungsgrundsätze der Binnen­ wirtschaft in den zwischenstaatlichen Handel und Ver­ kehr. Sie wollen nur die natürliche Sicherheit und Anstän­ digkeit jedes Staates im außenwirtschaftlichen Verkehr wiederherstellen. Hier findet der vierte Grundsatz des nationalsozialisti­ schen Wirtschaftsaufbaus „safety first“ seine Begrün­ dung. Er besagt, daß jedes Land seine Wirtschaft so or­ ganisieren soll, daß sie ihm innerhalb seiner Grenzen auf alle Fälle die Nahrungsfreiheit und die Grundlagen seiner 80


gewerblichen Wirtschaft sichert, so daß bei irgendwelchen Verwicklungen außerhalb der Grenzen nicht die Existenz des Volkes in Gefahr gerät, daß seine Wirtschaft eine Burg ist, in der es nicht ausgehungert werden kann. Es wird dadurch ein großer Unsicherheitsfaktor, der sich aus der Anwendung des demokratischen Freihandelsprinzips der „Meistbegünstigungsklausel“ , dem Weltmarktpreis und anderem intellektuellen Unsinn ergab, und der bisher nur durch immer verstärkte Rüstungen auszugleichen versucht wurde, ein für allemal beseitigt. Auch der fünfte Grundsatz des nationalsozialistischen Wirtschaftsaufbaus, der zweite der Außenhandelspolitik, dient dem gleichen Ziel. Er proklamiert die Wiederauf­ richtung des „fair play“ . Kein Land soll seine Produkte im Ausland billiger absetzen, als es sie selbst erzeugt, um Leistung und Gegenleistung auch im zwischenstaatlichen Handel und Verkehr in einem gerechten Verhältnis zu­ einander zu erhalten. Er verbietet also die Gewaltanwen­ dung zur Erzwingung ungerechter Vorteile. Was ist das Valutadumping oder Warendumping denn anderes als ein Angriff mit staatlichen Machtmitteln auf die Wirtschaft anderer Staaten? So spiegeln auch die beiden letzten Grundsätze des na­ tionalsozialistischen Wirtschaftsaufbaus denselben echten Friedenswillen wider, der uns im inneren Wirtschafts­ aufbau begegnete, und der nicht nur im inneren, sondern auch im zwischenstaatlichen Handel und Verkehr überall an die Stelle der Gewalt wieder das Recht setzen will. Nur der Freie kann friedlich sein. Dadurch, daß der Nationalsozialismus auf allen Gebieten des menschlichen Lebens wieder eine natürliche Ordnung nach den Grund6 Daitz I

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Sätzen des gesunden Menschenverstandes einzuführen be­ strebt ist, will er die allgemeine Unsicherheit, die Demo­ kratie und Freihandel in alle Dinge hineingetragen haben, wieder beseitigen und einer neuen, wahrhaften Friedens­ politik nach innen und außen den Weg bahnen. Die über die ganze Welt durch den Freihandel, Meistbegünstigung und die Jagd nach dem sogenannten „billigsten“ Preis zerstreuten Grundlagen der Volkswirtschaften haben Un­ sicherheit und Unfrieden in alle Dinge hineingetragen und den sogenannten „billigen“ Preis durch die unerhörten Rüstungslasten in den teuersten, den die Völker bezahlen können, verwandelt. Der Nationalsozialismus verwirft die Herrschaft des „billigsten“ Preises; er wünscht die W ie­ derherstellung des gerechten Preises 1 So wird auch der Nationalsozialismus heute wieder über seine Tore, die zum Welthandel führen, genau denselben Spruch schreiben, der das Lübecker Holstentor ziert, das einst ein Tor des Welthandels war und es nun wieder wird: „Concordia domi, foris pax.“

W eltanschauung und W irtsch aft Vortrag vor der ,,Deutschen A k a d e m ie " im K aiserhof in B erlin am 31. 10. 193 5. — A ls Broschüre vom Verlag für Sozialpolitik, W irt­ schaft und Statistik GmbH, B erlin S W 68, her­ ausgegeben, y

D ie E n t a r t u n g des F r e i h e i t s b e g r i f f e s Es ist der tiefe Sinn jeder echten Revolution, daß sie die Frage nach der Freiheit und Gebundenheit neu aufwirft und neu beantwortet. Denn eine echte weltanschauliche 82


Umwälzung erfolgt immer erst dann, wenn in der vorauf­ gegangenen Epoche der Freiheitsbegriff entartet ist. Eine Entartung des Freiheitsbegriffes aber ist stets Folge der Entartung der Geisteshaltung. Dann nämlich, wenn der durch Instinkt und Intuition bisher als gesunder, schöp­ ferischer Menschenverstand gebunden gehaltene Intellekt diese seine natürlichen Fesseln zerbricht und sich nun wie ein entlaufener Sklave betätigt. Er emanzipiert sich, er macht sich selbständig und setzt sich zum Selbst­ zweck. Das heißt, der ursprünglich gesunde, instinktsichere Menschenverstand wird zum Intellektualismus. Und damit beginnt nun seine zerstörerische Tätigkeit. Denn der von seinen natürlichen Bindungen losgelöste und damit unschöpferisch gewordene Intellekt ist der ewige Widersacher der natürlichen schöpferischen Ganz­ heit des Lebens. Der Intellekt erhebt sich gegen den Geist. Ähnlich wie ein Prisma den Lichtstrahl in die Farben des Spektrums zerlegt und nun alle Dinge in einseitigem Licht erscheinen läßt —so zerlegt auch der instinktlos und damit zum Selbstzweck gewordene Intellekt die Ganzheit des Lebens in tausend Fachgebiete und Ressorts. Die leben­ dige schöpferische Ganzheit des Lebens wird zu einer Kar­ tothek, zu einer Schubfachangelegenheit, die nun von em­ sigen Kärrnern auf allen Gebieten, in der Politik, Wirt­ schaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur immer weiter unterteilt und bis ins Unübersehbare vermehrt wird. Jedes dieser Fachgebiete und Ressorts - und jeder Fachmann verliert so seinen natürlichen Zusammenhang mit den übrigen. Es entstehen dann die berühmte „Objektivität“ im Denken, Handeln und Forschen und das Spezialisten­ 6*

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tum, die ihre Resultate beziehungslos in den luftleeren Raum stellen. Diese Entwicklungslinie stellt also ein Streben dar, nach einer vermeintlichen Objektivität, die aber zur Lösung von der Wirklichkeit und vom gelebten Leben führte, hin zum rein Gedachten, zur Entleerung der Wirklichkeit, zum Relativismus, zur Wertfreiheit und damit aber auch zur Wirkungslosigkeit. Statt „geprägter Form, die lebend sich entwickelt“ , ent­ steht ein zum Berg getürmtes Chaos von Tatsachen, das sich in beängstigender Weise vermehrt, bis dieser Berg eines Tages ins Rutschen gerät und seine Erzeuger unter sich begräbt! So endet die zur Anarchie entartete natür­ liche Freiheit stets in Chaos. Es gibt eben keine absolute Freiheit, nach außen. Die Freiheit des einzelnen endet stets dort, wo sie die übergeordnete Freiheit der Gemein­ schaft beschränken könnte. Das Prinzip der natürlichen, der organischen, der kantischen Freiheit sagt: Jedes Ding hat seine natürliche Grenze und Bindung nach außen nach innen aber ist es grenzenlos. Dagegen sagt das Prin­ zip der intellektualistischen, der unnatürlichen Freiheit genau umgekehrt: Gebundenheit nach innen durch Dog­ men, dafür aber Grenzenlosigkeit, unbeschränkte Inter­ nationalität nach außen. So haben wir es in unseren Tagen erlebt, daß in Deutsch­ land ein neues Volk, ein neuer Staat, eine neue Wirtschaft entstanden sind, ohne daß die Geisteswissenschaften und die Wirtschaftswissenschaften einen nennenswerten An­ teil daran gehabt haben, und die Naturwissenschaften, mit Ausnahme der Erblehre und Rassenkunde, nur einen sehr bescheidenen. Die Geisteswissenschaften standen neben 84


dem lebendigen Leben und führten ein Sonderdasein. Ja, man war sogar stolz auf diese Tatsache und sah in ihr nicht etwas Belastendes für die Wissenschaft, sondern im Gegenteil ein gutes Zeichen für ihre „Objektivität" und die Unversehrtheit ihres wissenschaftlichen Denkens. D er neue Geist So mußte die neue deutsche Volksgemeinschaft, der neue Staatsgedanke, der neue Wirtschafts- und Kulturge­ danke außerhalb der Sphären der zünftigen Wissenschaft entstehen. Aber es muß um der Gerechtigkeit willen gesagt wer­ den, daß es auch ein unbilliges Verlangen gewesen wäre, von allen diesen Fleißigen, Emsigen, Zünftigen, von allen diesen Spezialisten, deren Aufgabe nun einmal die Zer­ spaltung, die Analyse der Ganzheit ist, um zu immer neu­ em Tatsachenmaterial gelangen zu können - von diesen Menschen die Schöpfung einer neuen Volksgemeinschaft und eines neuen Staates und einer neuen Wirtschaft zu verlangen. Denn das durch den Intellekt bewußt und spek­ tral zerlegte Leben kann immer nur von instinktsicheren, d. h. künstlerischen Persönlichkeiten und nicht von NurFachleuten zur schöpferischen Ganzheit wieder vereinigt werden. So daß die lebendige Ganzheit in der Tageshelle des Bewußtseins wieder entsteht, wie sie vorher im Unbe­ wußten, vor der Zerlegung durch den Intellekt, vorhanden war. Aus diesem Grunde stehen auch um unseren Führer nur solche Menschen als seine Unterführer geschart, die Kämpfer für die Wiederherstellung der Ganzheit des deut­ schen Lebens sind, weil sie bewußt oder unbewußt als in­ stinktsichere und schöpferische Persönlichkeiten diese 85


Ganzheit der deutschen Volkheit immer in sich trugen. Und wenn nun heute die Fachgelehrten und Fachwirt­ schaftler von allen Seiten gelaufen kommen und mit größ­ ter Genauigkeit nachweisen, daß alles, was der Führer oder seine Gefolgsleute sagen oder schreiben, schon längst da war, daß dieser Politiker vor Jahren das sagte und jener Wissenschaftler dieses und der Wirtschaftler das - so er­ widern wir ihnen: wir bezweifeln das ja gar nicht, ihr habt recht. Alle diese Dinge sind vielleicht schon einmal zu irgendeiner Zeit ausgesprochen oder geschrieben worden. Es fehlte aber immer nur eine Kleinigkeit: nämlich die entscheidende Tat. Denn am Anfang aller Dinge steht nicht das Wort, sondern die Tat. Man kann weder einen Staat noch ein Volk vom Schreibtisch oder vom Katheder her erobern und umformen; sondern nur durch die schöp­ ferische Tat, die darin besteht, daß das intuitive innere Wissen des Volkes aufgerufen wird zum Kampf um die Wiederherstellung der Einheit seines ewigen Lebens. — Das ist die unvergängliche Tat des Führers! Denn der Nationalsozialismus ist dem Mutterkristall zu vergleichen, der vom Schicksal zu seiner Stunde in eine übersättigte Salzlösung geworfen wird, und nun auf einmal diese Salz­ lösung zur Kristallisation bringt. Der alle latent vorhan­ denen Möglichkeiten, die sich selbst nicht erlösen konn­ ten, auslöst - und die amorphe Lösung zur geprägten Form wandelt. D ie G a n z h e i t des L eb e ns Die primäre Aufgabe des Nationalsozialismus ist es also nicht, das äußere Wissen, den Wissensstoff zu vermehren oder in der Wirtschaft neue, rationellere Betriebsmetho86


den zu erfinden oder dgl. - sondern aus dem inneren, in­ tuitiven Wissen heraus dem Wissensstoff und der Wirt­ schaft eine neue Richtung, eine neue schöpferische Hal­ tung zu geben, aus der heraus sich dann ganz von selbst auch eine erhöhte allgemeine Produktivität, d. h. eine neue Förderung und Sicherung der Lebens- und Wachs­ tumskräfte unseres deutschen Volkes ergibt. Die nationalsozialistische Revolution dient also nicht der Aufrichtung irgendwelcher künstlicher, aus dem Ver­ stand konstruierter Formen, sondern sie ist die natürliche Reaktion der Ganzheit des Lebens unseres Volkes, das alle durch den Intellekt beziehungslos gewordenen Dinge wie­ der zu einer lebendigen Ganzheit - der Volksgemeinschaft - zusammenfügen will. Von hier aus erhält auch die wirt­ schaftliche und wissenschaftliche Betätigung nicht einen neuen Sinn, sondern ihren ursprünglich ewigen Sinn zu­ rück, nämlich der Ganzheit des Lebens zu dienen. Zunächst der Ganzheit unseres völkischen Lebens - der Volksge­ meinschaft - und darüber hinaus auch dem Leben ande­ rer Volkstümer, deren Souveränität und Lebensberechti­ gung uns ebenso heilig ist wie die unsrige. Wir National­ sozialisten glauben in einer Zeit, in der in allen Teilen der Welt die alten, in Intellektualität erstarrten Lebensformen zerbrechen, nur an eines: an das schöpferische Leben und an seine Unbesiegbarkeit und daran, daß das ewige Leben immer wieder neue und besser angepaßte Formen an Stelle der beseitigten wachsen lassen wird. Alle Kräfte stellt der Nationalsozialismus deshalb in den Dienst des lebendigen, des ewigen Lebens... Dem Leben zu dienen, ist seine ober­ ste Parole, und nirgends läßt er sich verführen, liebgewor­ dene Formen oder Gewohnheiten zu schonen, wenn sie

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der Erneuerung des schöpferischen Lebens unseres Volkes auf irgendeinem Gebiete im Wege stehen. Auch heute wird nirgends in Deutschland der Freiheit von Forschung und Lehre irgendein Hindernis bereitet, es sei denn, sie verstießen gegen die sittlichen Grundlagen und den Zusammenhalt des deutschen Volkes. Grundsätz­ lich ist jede Forschung in Deutschland frei. Jedermann kann erforschen, was er will und wie er will. Nur die Be­ wertung der Ergebnisse behalten wir uns vor. Hierfür ist die völkische Bindung der Maßstab. Während in der ver­ flossenen liberalistisch-kapitalistischen Periode die Bin­ dung des einzelnen an eine nur erdachte, also intellektualistische „Internationale“ den Vorrang beanspruchte, und die Bindung des einzelnen an sein Volkstum völlig sekun­ där angesehen wurde, verlangen wir Nationalsozialisten die Anerkenntnis des Vorranges der Bindung des einzelnen an sein Volk. Denn wir sind zutiefst der Überzeugung, daß die völkische Gemeinschaft alles, der einzelne aber nichts ist. Der Führer sagt: „Dein Volk ist alles, du bist nichts.“ Während die liberalistisch-kapitalistische Periode umge­ kehrt sagt: „D u bist alles.“ Denn erst aus dem Leben der völkischen Gemeinschaft empfängt der einzelne Leben und Existenz. Und deshalb ist er auch der Erhaltung dieser völkischen Gemeinschaft zuerst verpflichtet. Der Intellekt nun, der den Vorrang der internationalen Bindungen des einzelnen verkündet und damit das individuelle Lebens­ recht vor das Lebensrecht der völkischen Gemeinschaft stellt, zerstört unweigerlich auf allen Lebensgebieten die völkische Lebensgemeinschaft und damit letzten Endes die Grundlagen der an Blut und Boden gebundenen Exi­ stenz des einzelnen selbst. Die natürlichen, organischen 88


Bindungen auf allen Lebensgebieten wurden also zugun­ sten rein erdachter Konstruktionen aufgelöst, mechani­ siert, entgeistigt und alles ins Chaos gestürzt, an dessen Ende dann der Weltkrieg stehen mußte. D er V o l k s t u m s g e d a n k e Keine Wissenschaft kann deshalb heute mehr an dem von Adolf Hitler verkündeten alles beherrschenden Volks­ tumsgedanken Vorbeigehen. Dieser verbürgt vielmehr eine neue Einheit, eine neue Universitas litterarum und eine Wissenschaft, die nicht mehr losgelöst vom Leben ein frag­ würdiges Sonderdasein führt, sondern blufvoll aus dem innersten Kerne des Volkslebens heraus denkt und wirkt. Nur was im Lichtkegel desVölkischen erscheint, gewinnt für uns Bedeutung. Wir sehen die „Menschheit“ nicht als eine chaotische Ansammlung von Einzelmenschen aller Ras­ sen und Hautfarben - die den Vorrang vor den organisch gewachsenen Volkstümern beansprucht —sondern als eine würdige Gesellschaft souveräner Volkstümer, deren jedes stolz ist auf seine Eigenart und Unabhängigkeit. Nicht in der unnatürlichen, nur erdachten Gleichheit aller Men­ schen sehen wir das Wesen der Demokratie - sondern im gegenseitigen Respekt und in der Achtung vor der natür­ lichen Ungleichheit aller Menschen. Auch hier beseitigen wir nur das, was der die Grenzen seiner natürlichen Frei­ heit überschreitende Intellekt als Widersacher des Lebens verdorben hat. Die Formaldemokratie wird abgelöst durch eine natürliche Demokratie, deren unverrückbare Grund­ lage die Souveränität jedes Volkstums in seinen staat­ lichen,'kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen ist. Wir wollen auch in dieser Hinsicht, soweit es an uns liegt, 89


nur wieder den gesunden Menschenverstand in die Dinge, d. h. in die staatlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen der Völker untereinander bringen, um so zu einer anständigeren, friedlicheren und leistungsfähigeren Zusammenarbeit aller Völker zu gelangen, wie sie uns durch das Zeitalter des Liberalismus beschert wurde. Auch hier wollen wir nun die Dinge, die buchstäblich auf dem Kopf, weil auf den Intellekt gestellt wurden, wieder auf ihre natürlichen Beine stellen. Soldatensozialism us Ebenso wie die deutsche Wehrmacht niemand bedroht, sondern durch ihr bloßes Dasein wirkt, nämlich Volk und Lebensraum nach außen schützt, ebenso wirkt die Partei schon durch ihr bloßes Dasein auf die innere schöpferische Ausrichtung des gesamten völkischen Lebens. In beiden Fällen ist es ein Wirken ohne zu handeln. Denn die Wehr­ macht braucht keinen Krieg zu führen, um ihren Schutz nach außen wirksam werden zu lassen. Die Partei braucht keinen Bürger- und Interessenkrieg zu entfesseln, und soll auch nicht in den Ablauf der staatlichen Verwaltung eingreifen, um ihre geistige Führung wirksam werden zu las­ sen. In beiden Fällen wird das Ziel: Sicherung der völki­ schen Lebens- und Wachstumskräfte nach innen und nach außen - erreicht durch Erziehung zur soldatischen Haltung. Denn Volksgemeinschaft heißt: Wehrgemeinschaft nach ' außen und soziale Eintracht im Innern. Eines ohne das andere ist unmöglich. Beide sind einzig und allein durch die soldatische Haltung des deutschen Volkes auf jedem seiner Betätigungsgebiete zu erreichen, durch Soldaten­ sozialismus. 90


Deshalb verlangen wir auch von der Wirtschaft eine soldatische Haltung nach innen und nach außen. Denn wenn der Führer eines Wirtschaftsbetriebes diesen ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Na­ tion allein nach der höchstmöglichen Rendite steuert so muß er unfehlbar auch den sozialen Frieden im Innern seines Betriebes zerstören. Seine Gefolgschaft wird unver­ meidlich dieselbe Geisteshaltung einnehmen - wie der Herr so das Gescherrl - und nun ihrerseits ohne Rücksicht auf den sozialen Frieden und den Bestand des Betriebes mit al­ len Mitteln nach dem höchstmöglichen Lohn streben. Denn dem Kapitalismus folgt stets als sein Schatten der Mar­ xismus. Beide wachsen aus derselben Wurzel - dem jüdi­ schen Gelddenken, das immer erst in das nordische Wirt­ schaftsdenken Einlaß findet, wenn dieses über den Intel­ lekt zersetzt wurde. Beide zerstören so gemeinsam um eines vermeintlichen höheren Geldverdienstes willen Blut und Boden, die biologischen Grundlagen ihres Volkstums, und damit ihre eigene Existenz. S o ld a t i s c h e H a l t u n g und jü di sch es Gelddenken Denn der urewige Fluch des Goldes und Geldes wird immer nur dann wirksam, wenn das Geld zu einer eigen­ gesetzlichen, den ganzen Wirtschaftsprozeß beherrschen­ den Größe erhoben wird, statt nur Mittel für den Leistungs­ austausch zu sein. Der ganze organisch gewachsene und sinnvoll ineinander geknüpfte Wirtschaftsprozeß wird me­ chanisiert und damit entwurzelt. Alles wird „flüssig“ ge­ macht und Objekt des von Gelddenken beherrschten jü­ disch-internationalen Händlergeistes. Selbst Wohnhaus und Bauernhof werden Gegenstände finanzieller Transak­ 9i


tionen, werden das Objekt von Hypotheken- und Rechts­ geschäften. Das persönliche Verhältnis zur Scholle, zum Haus und zum Gewerbebetrieb wird immer mehr abge­ löst und entartet in unpersönliches, mit Aktien, GmbH.Anteilen und Hypotheken geschäftemachendes Händlertum. Die Wirtschaftsgesinnung des bodenständigen Men­ schen und seine an sein Volkstum gebundene Tätigkeit werden immer mehr abgelöst durch eine an fremdes Blut gebundene, nomadische Wirtschaftsgesinnung. Soldatische Haltung, bei der Dienst vor Verdienst geht, und die damit den eigenen Lebensraum des Volkstums schützt, steht im ewigen Gegensatz zum jüdischen Geld­ denken, bei dem Verdienst vor Dienst geht, weil es eigenen Lebensraum nicht zu schützen hat. Denn das Judentum kann sich des Lebensraumes seines Gastvolkes nur in dem Maße bemächtigen, wie dieses durch intellektualistische Auflösung der völkischen Le­ bensgemeinschaft und Übernahme seines Gelddenkens sei­ ne wehrhafte Haltung verliert. Deshalb wird der nordische Mensch stets Wehrpolitik vor Geldpolitik stellen, während das jüdische Händlertum Geldpolitik vor Wehrpolitik stellen muß. Wehe deshalb dem Volke, das in seiner Wirtschaftsführung die soldati­ sche Haltung verläßt und defaitistischeWirtschaftsmethoden übernimmt, das die Wirtschaft aus der geschlossenen Wehrfront der Nation herausbricht! Eiserne Ration, nicht A u ta rk ie Denn die Freiheit des deutschen Volkes hängt nicht nur von seiner militärischen Stärke ab, sondern ebensosehr von seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Wirtschaft92


liehe Unabhängigkeit bedeutet für das deutsche Volk nicht Autarkie, sondern die Wiedergewinnung seiner ihm durch die intellektualistische Freihandelsdoktrin verlorengegan­ gene Nahrungsfreiheit und Rohstofffreiheit, durch deren Fehlen wir den Weltkrieg verloren haben. Die national­ sozialistische Wirtschaftspolitik verlangt deshalb an erster Stelle, daß die eiserne Ration an Nahrungsmitteln für Mensch und Vieh und die eiserne Ration an gewerblichen Rohstoffen im Lande selbst erzeugt wird, nur dann sind wir bei Handelsboykott oder Blockade vor Kapitulation geschützt. Auch Wirtschaftsfreiheit kann nur durch Selbst­ verteidigung gesichert werden. Was darüber nach Aus­ nützung aller binnenwirtschaftlichen Möglichkeiten zur Erhöhung der Lebenshaltung unseres Volkes dient, soll durch sinnvollen und umfangreichen Außenhandel in kameradschaftlicher Zusammenarbeit und Ergänzung durch Austausch mit den übrigen Völkern hereingenom­ men werden. Nicht gegen den Umfang des Vorkriegsaußenhandels richtet sich deshalb die nationalsozialistische Wirtschafts­ kritik, sondern gegen seine damalige falsche Struktur und Lagerung. Die falsche Struktur bestand darin, daß man ohne Rück­ sicht auf die Erhaltung der politischen Handlungsfreiheit des deutschen Volkes auf die gewerblichen Rohstoffe und Nahrungsmittel dort in der Welt einkaufte, wo sie gerade am billigsten und mit dem größten geldlichen Nutzen ein­ zuhandeln waren. Die falsche Lagerung bestand darin, daß Deutschland seinen Außenhandelsraum in das Interessengebiet und den Machtbereich anderer Völker lagerte, so daß ihm dieser

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im entscheidenden Moment abgeschnitten werden konnte, was ja auch geschehen ist. Diese Fehler werden durch die neue soldatische Haltung der deutschenWirtschaft vermieden. Durch Arbeitsschlacht und Marktregelung in der Agrarwirtschaft, und mehr und mehr auch in der gewerblichen Wirtschaft, wird zunächst erst einmal die heimische Erzeugung der eisernen Ration an Nahrungsmitteln und Futtermitteln und an gewerbli­ chen Rohstoffen (letztere evtl, durch synthetische Verfah­ ren) sichergestellt. Wenn diese Selbsterzeugung auch an­ fangs höhere Kosten verursachen sollte als ihr Bezug aus den jeweils billigsten ausländischen Rohstoffgebieten, so muß dieser Mehrpreis getragen werden. Er ist die Ver­ sicherungsprämie gegen Kapitulation, die ebensowenig er­ spart werden kann, wie die Versicherungsprämie gegen Feuersgefahr. Weil die Vorkriegswirtschaft aus ihrem fal­ schen Gelddenken heraus diese Prämie zu ersparen ver­ suchte, hat sie durch die Kapitulation Deutschlands am Schluß des Krieges ihr gesamtes Kapital verloren. So wa­ ren auch, kaufmännisch gesehen, diese angeblich billig­ sten Preise in Wirklichkeit die teuersten Preise, die je ein Volk für den Bezug seiner unentbehrlichen Lebensmittel und Rohstoffe aus dem Auslande bezahlt hat. Überdies werden in Kürze deutsche Technik, Organi­ sation und Arbeitswilligkeit den anfänglich hier und da vielleicht noch höheren Erzeugungspreis ausgeglichen ha­ ben, so daß von einer verminderten Konkurrenzfähigkeit der deutschen Produktion in der Welt aus diesem Grunde keine Rede sein kann. Aber mag dem sein, wie es will, für die Freiheit ist kein Opfer zu großl Denn was an Geld ge­ spart wird, muß sonst eines Tages mit Blut bezahlt werden. 94


Was heißt überhaupt teuere Produktionskosten? Doch nur, daß zunächst für die Erzeugung gewisser Güter in Deutschland mehr Arbeit aufgewendet werden muß als in einem anderen Land, in dem die natürlichen Verhältnisse günstiger liegen. Auch die Erfüllung der Wehrpflicht der Wirtschaft verlangt Opfer für die Volksgemeinschaft, und zwar letzten Endes immer nur Opfer an Arbeit, sowohl vom Betriebsführer wie von seiner Gefolgschaft. Aber noch immer hat es dann die technische Begabung des deutschen Volkes verstanden, solche durch die Ungunst der Verhält­ nisse bedingte Mehrarbeit wieder aufzuheben durch die Konstruktion eiserner Sklaven. Das heißt, die Erfindung neuer arbeitsparender Maschinen und besserer arbeit- und rohstoffsparender Produktions- und Verteilungsmethoden. Und so wird es auch künftig sein. Der Lebensstandard des I deutschen Volkes wird durch die Erfüllung der natürlichen Wehrpflicht der Wirtschaft auf die Dauer niemals unter den anderer Völker gesenkt oder die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft mit anderen Völkern herabge­ mindert werden. Allerdings werden unsere Wirtschaftsführer sich die geistlosen, dem Gelddenken entsprungenen Methoden abgewöhnen müssen, das Schwergewicht der deutschen Aus­ fuhr auf die Herstellung billigster uniformer Massenwaren zu verlegen. Also den zwischenstaatlichen Wettbewerb auf der Plattform des reinen Preis- und Geldkampfes statt der Qualitätsunterschiede zu führen. Denn um diese uniformen Massenwaren mit denselben Produktionskosten herzustel­ len wie die primitivsten oder von der Natur besonders be­ vorzugten Volkswirtschaften, müßte allerdings der „ReisStandard“ in Europa eingeführt und der deutsche Arbeiter 95


auf den Stand der Kuli herabgedrückt werden. Damit wür­ de aber auch zugleich seine natürliche, geistige und tech­ nische Überlegenheit zugrunde gerichtet, welche allein die Herstellung hochwertiger Erzeugnisse ermöglicht und in der die Überlegenheit der nordischen Rasse gegenüber an­ deren sichtbar und wirksam wird. Andere Völker und Ras­ sen können die industriellen Methoden immer nur von den nordischen Menschen übernehmen und nachahmen und bleiben ihm deshalb im großen ganzen technisch unter­ legen. Denn ich habe noch nie gefunden, daß man schöp­ ferischen Geist und schöpferische Veranlagung stehlen kann. Es kommt aber alles darauf an, sie zu erhalten, um die Überlegenheit zu bewahren. Deshalb ist auch die Industrialisierung kleinerer Agrar­ länder nicht, wie man vielfach annimmt, ein Hemmnis für die Steigerung des zwischenstaatlichen Güteraustausches: Denn durch die Selbsterzeugung industrieller Massenwa­ ren in diesen Staaten wird ihr Clearing überhaupt erst frei für den Bezug hochwertiger deutscher Industrieerzeug­ nisse, die auf der eigenen schmäleren Absatzbasis dieser Völker und geringerer technischer Befähigung niemals er­ zeugt werden können. Bisher wird nämlich das Clearing dieser Agrarstaaten größtenteils verstopft durch den Bezug billigster Massenwaren, die überdies Deutschland aus den obengeschilderten Gründen nicht „billig“ genug liefern kann und die deshalb von den Ländern des „Reis-Stan­ dards“ bezogen werden. Die deutsche Ausfuhr und der Rohstoffbezug kann nur über die Industrialisierung der kleineren Agrarstaaten gehoben werden. Wenn heute von dieser oder jener Seite Wirtschaftsfüh­ rern mit großem Wort- und Zahlenaufwand versucht wird 96


klarzumachen, daß nur eine angemessene militärische Rüstung die beste Kapitalsanlage sei, so setzt der National­ sozialismus dieser kapitalistischen Rechnung seine grund­ sätzliche weltanschauliche Forderung entgegen: daß die Wirtschaft nach innen und außen einfach eine wehrhafte Haltung besitzen muß, um die Freiheit des Volkes zu schützen, und in der Totalität des heutigen Krieges über­ haupt bestehen zu können. D er neue A u ß e nh a nd e l Durch diese soldatische Haltung der deutschen Wirt­ schaft nach außen durch Sicherung der notwendigsten wirtschaftlichen Unabhängigkeit ist zugleich das Funda­ ment für einen umfangreicheren, dauerhafteren und vor allem auch friedlicheren Außenhandel gelegt, als er in der Vorkriegszeit bestand. Handelspolitische Verwicklungen führen nun nicht mehr zwangsläufig zum Einsatz von Heer und Flotte, wie dies unter der Ägide der planlosen „weltwirtschaftlichen Verstrickung“ geschah, sondern der Einsatz der Wehrmacht braucht nunmehr erst dann zu geschehen, wenn es wirklich um die höchsten und letzten Güter der Nation, ihre Ehre und Freiheit geht. Diese neue Wirtschaftsstruktur ermöglicht es Deutsch­ land auch in höherem Maße als bisher seiner Verpflichtung gegenüber Kontinentaleuropanachzukommen.Denn durch die unvermeidlicheHerausbildung von Großwirtschaftsräu­ men als Zwischenstufe eines neuen weltumspannenden Handels und Verkehrs, wie wir sie heute im British Em­ pire, 'im japanisch-chinesischen Block, in der MonroeDoktrin Nordamerikas, im französischen Ottawa, in der Abgeschlossenheit des russisch-sibirischen Raumes ent7

Daitz I

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stehen sehen - gerät Kontinentaleuropa in eine äußerst bedrängte Lage. Dadurch, daß es vierhundert Jahre lang seine besten Lebens- und Wirtschaftskräfte über alle Welt in die neuentdeckten Länder verschwendete, die sich nun heute gegen Kontinentaleuropa abschließen, ist die Wirtschafts- und Lebenskraft seiner Völker äußerst ge­ schwächt. Es wird vielfach übersehen, daß nicht nur Deutschland, sondern ganz Kontinentaleuropa in seiner Handels- und Zahlungsbilanz passiv ist gegenüber der übrigen Welt. Wenn sich nun heute siebzig Millionen deutscher Men­ schen im Herzen Europas vom Westen zum Osten drehen und damit die vierhundertjährige liberalistisch-kapitalistische Wirtschaftsepoche beenden, so muß sich damit ganz Kontinentaleuropa vom Westen zum Osten drehen, ob es will oder nicht 1 Damit erwächst Deutschland die Pflicht und die Möglichkeit, seinen Außenhandelsraum, den es durch die Verschließung des überseeischen Westens und des Fernen Ostens dort abbauen muß (Südamerika macht hierbei eine Ausnahme), vorzugsweise nach Nord- und Südosteuropa zu verlagern. Mehrere Milliarden Mark, die Deutschland bisher jährlich für den Bezug von Waren aus dem Fernen Westen und Fernen Osten ausgab, können und müssen künftig nach und nach der Verstärkung des deutschen Außenhandels mit den Ländern Südost- und Nordeuropa zur Verfügung gestellt werden. Dadurch wird den Völkern Nord- und Südosteuropas in Deutschland und über Deutschland im gegenseitigen Austausch ein neuer Markt erschlossen, der weit über den Umfang der Märkte hinausgeht, die sie durch den Zusammenbruch der früheren Weltwirtschaft außerhalb Europas verloren haben. Ja, es 98


besteht nicht nur die Möglichkeit, sondern die Gewißheit, daß durch diese Verstärkung des europäischen Binnenhan­ dels, der die Passivität der europäischen Handels- und Zahlungsbilanz im Verkehr mit den übrigen Kontinenten wieder ausgleicht, auch ein erhöhter Handelsverkehr Kon­ tinentaleuropas mit anderen Großwirtschaftsräumen wie­ der einsetzen kann und ein verstärkter Bezug von tropi­ schen Erzeugnissen durch die erhöhte Kaufkraft Deutsch­ lands und der übrigen nord- und südeuropäischen Länder, so daß auch der gesamte Welthandel und -verkehr aus Europa wieder einen neuen starken Auftrieb erfährt. Nur ein starker europäischer Binnenhandel kann wieder Trä­ ger eines umfangreichen, gesunden Welthandels sein. D ie neue e u r o p ä is c h e A r b e i t s - und K u lt u rg e m e in s c h a f t Nur Deutschland, im Herzen Europas gelegen, mit sei­ nem großen und vielfältigen Bedarf, vermag eine neue wirtschaftliche und kulturelle Stärkung des Kontinents herbeizuführen, die Europa wieder den Europäern sichert, und alle Anbau- und Schürfungsmöglichkeiten für den europäischen Bedarf nutzbar macht. Nur auf diese Weise kann eine neue europäische Arbeits- und Kulturgemein­ schaft entstehen, beruhend auf der völligen Souveränität aller an ihr beteiligten Völker in politischer, wirtschaft­ licher und kultureller Hinsicht^Denn gerade die soldati­ sche Haltung Deutschlands, die Verkündung des Volks­ tumsgedankens als Fundament der nationalsozialistischen Weltanschauung durch Adolf Hitler, ist die sichere Bürg­ schaft dafür, daß die Souveränität fremder Volkstümer in jeder Hinsicht für Deutschland unantastbar ist. Deutsch­ 7*

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land verwirft schon aus weltanschaulichen Gründen eben­ so wie aus praktischen politischen Erwägungen jede Art Imperialismus, Universalismus und Despotismus,]wie sie seit zwei Jahrtausenden immer wieder entstanden sind durch Entartung der einst herrschenden nordischen Volks­ substanz unter der südlichen Sonne und durch das Ein­ dringen jüdisch-intellektualistischen Geistes und wie sie sich immer wieder über Europa auszubreiten versucht haben und noch heute auszubreiten versuchen. £Der noch aus intellektualistischem Gelddenken gebo­ rene Geldimperialismus gewisser westlicher Länder, der den Völkern Osteuropas Geld leiht, ohne den Außenhan­ delsumsatz mit ihnen in gleicher Weise zu erhöhen, lind dadurch ihre Souveränität bedroht, ist eine der Spielarten dieser Geisteshaltung. Deutschland hält sich deshalb in seiner Handelspolitik von allen derartigen Geldgeschäften, die die Souveräni­ tät fremder Volkstümer beeinträchtigen, fern und läßt nur gegenseitige Warenaustauschverpflichtungen entstehen, Warenkredite. Deutschland betrachtet die Unterdrückung fremden Volkstums als die dümmste und reaktionärste Politik, die es gibt. Und wünscht nur, daß auch andere Völker der gleichen Ansicht wären. Der zusätzliche Lebensraum, den Deutschland in Form seines Außenhandelsraumes vom Westen zum Osten ver­ lagert, bedeutet deshalb keinen handelspolitischen oder gar politischen Imperialismus, der auf gewaltsame Grenzver­ rückungen ausgeht, gegenüber Südost-, Ost- und Nord­ europa. Sondern seine vorhin geschilderte, die deutsche Unabhängigkeit schützende Struktur ist zugleich auch ein ebenso starker Schutz für die Unabhängigkeit der Völker, ioo


mit denen Deutschland in Außenhandelsbeziehungen tritt. Er ist nur ein friedlicher Beitrag für die gegenseitige Hebung des Lebens- und Kulturstandards der kontinental­ europäischen Völker weit über den Grad hinaus, der jedem einzelnen durch die eigene Scholle gegeben werden kann. So begründet der Volkstumsgedanke Adolf Hitlers eine neue kontinentaleuropäische Arbeits- und Kulturgemein­ schaft souveräner Volkstümer. D er w e h r h a f t e A u f b a u der deutschen W i r ts c h a ft Zum Schluß noch einen Gesamtüberblick über den wehrhaften, d. h. lebensgesetzlich richtigen Aufbau der deutschen Wirtschaft. Er ist keine künstliche Konstruk­ tion, sondern ergibt sich aus dem natürlichen Wachstum des Bauernhofes zur Volkswirtschaft, wenn das zer­ störerische Dazwischentreten des intellektualistischen Gelddenkens verhindert wird. Denn der Bauernhof enthält im Keime eingeschlossen bereits die gesamte Volkswirtschaft mit allen ihren tau­ sendfältigen Verästelungen. Die echte Volkswirtschaft ist gleichsam nur eine optische Vergrößerung des Bauern­ hofes. Denn in Wirklichkeit muß jede natürlich gewach­ sene Volkswirtschaft strukturgleich bleiben, der wehrhaf­ ten Struktur des Bauernhofes, wenn sie die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Volkes erhalten will, des Bauernho­ fes, der Pflug und Schwert nie voneinander trennt und seine Souveränität auch bei Zusammenarbeit mit anderen Bauernhöfen niemals aufgibt. Deshalb gliedert sich auch die Volkswirtschaft in die drei natürlichen Berufsgruppen, die schon auf dem Bauernhof vorhanden sind und deren jede besondere Aufgaben im Dienst am Volksganzen hat. ioi


Denn auch auf dem Bauernhof kann nur ein Teil der Fa­ milienmitglieder den Acker bestellen, also Ackerwirtschaft treiben. Der andere Teil, die nachgeborenen Söhne, müs­ sen, wenn neuer Siedlungsraum nicht zur Verfügung steht, sich der Erhaltung und Verbesserung der Ackergeräte zu­ wenden, um so die Intensität der Bestellung und den Er­ trag des Bodens zu heben, damit sie aus derselben Scholle leben können. So entsteht die gewerbliche Binnenwirt­ schaft über Handwerk, Industrie, Handel, Verkehr und das Geldwesen des Binnenmarktes. Wächst nun die Fami­ lie auf dem Bauernhof und in der Volkswirtschaft weiter, und steht neuer Siedlungsraum nicht zur Verfügung, so muß auf das Erdgeschoß der Ackerwirtschaft und das erste Stockwerk der gewerblichen Binnenwirtschaft ein zweites Stockwerk, die Außenwirtschaft, aufgebaut werden. Eben­ so wie mehrere Bauernhöfe ohne Aufgabe ihrer Unab­ hängigkeit in sinnvollen Austausch miteinander treten und dadurch neue Arbeits- und Lebensmöglichkeiten für ihre wachsenden Familien schaffen - so treten auch die Volkswirtschaften ursprünglich ohne Aufgabe ihrer Sou­ veränität in sinnvollen, ergänzenden Austausch mitein­ ander. Es entsteht so die Außenwirtschaft, die sich in Außenhandel, Seeverkehr und Geld- und Kreditwesen des Außenhandels aufgliedert. Wir haben also, organisch aus dem Bauernhof ge­ wachsen, vor uns drei natürliche Berufsgruppen, deren jede besondere Aufgaben im Dienst am Volksganzen, an der Wehrpflicht der Wirtschaft zu erfüllen hat und die dadurch ihre Strukturgleichheit mit dem wehrhaf­ ten Bauernhof wahren und die völkische Wehrfront schließen. 102


Diese drei Gruppen sind: X. Die Landwirtschaft (Reichsnährstand). Sie hat die Erneuerung des Blutes und die Nahrungsfreiheit durch Marktregelung zu sichern. 2. Die gewerbliche Wirtschaft (Handwerk, Industrie, Handel, Verkehr, Bankwesen der Binnen Wirtschaft). Sie hat die zivilisatorischen und technischen Belange des Volkes und die Rohstofffreiheit durch Marktrege­ lung zu sichern. 3. Die Außenwirtschaft (Außenhandel, Seeverkehr und Geld- und Kreditwesen des Außenhandels). Sie hat den äußeren Stoffwechsel und Lebensraum der Volks­ wirtschaft zu fördern und zu sichern. Diese klare Gruppenbildung ermöglicht auch eine klare und einheitliche Bildung der notwendigen Selbstverwal­ tungskörper und Selbstverantwortungskörper der Wirt­ schaft. Der Aufbau jeder Gruppe entspricht dem national­ sozialistischen sittlichen Grundprinzip des Volksaufbaus: Freiheit und Selbstverantwortung in der natürlichen völ­ kischen Gebundenheit, j Diese Selbstverwaltungs- und Selbstverantwortungskör­ per der Wirtschaft, von denen der erste bereits durch das „Reichsnährstandgesetz“ für die Landwirtschaft fertig dasteht, und deren zweiter durch die Reichswirtschafts­ kammer ebenfalls nahezu vor der Vollendung steht, und die noch durch ein Gesetz zur Ordnung der Außenwirt­ schaft ergänzt werden müssen - sind dann nicht nur die drei natürlichen Selbstverwaltungskörper der Wirtschaft, sondern zugleich auch das geeignete Instrument für ihre einheitliche Führung durch die Politik des Führers. Und sie sind weiter auch der Träger der Berufsehre und das 103


sachverständige Gremium für die Bildung des „gerechten Preises“ , d. h. des volkswirtschaftlich richtigen Preises, der die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Nation nach außen und den sozialen Frieden im Innern sichert. Sie sind also vertikale Organisationen, die wie die Pflan­ ze aus dem Boden wachsen und den Lebens- und Wachs­ tumskräften des deutschen Volkes wieder Durchlaß ge­ währen. Sie stehen also im Gegensatz zu den intellektualistisch-horizontalen Organisationen der liberalistisch-kapitalistischen Zeit, die die immer vertikal gerichteten Le­ bens- und Wachstumskräfte des deutschen Volkes ab­ schnürten. Wiedergeburt natürlicher Freiheit Der Freiheitsbegriff wird also durch diese soldatische Neuausrichtung der deutschen Geisteshaltung aus der Ebene des Mechanischen in die Ebene des Organischen zu­ rückgeführt. Nirgends soll die persönliche Freiheit und Tatkraft des einzelnen beschnitten werden, bis auf eine Ausnahme, nämlich dort, wo er die übergeordnete Freiheit der Gesamtheit und ihren völkischen Zusammenhalt ge­ fährdet. Diese ureinfache natürliche Wirtschaftsauffassung zer­ trümmert die rein intellektualistisch konstruierten öko­ nomischen Theorien der letzten hundertfünfzig Jahre, die die Wirtschaft aus der natürlichen Wehrfront der Nation herausbrachen und ihr eine unsoldatische defaitistische Haltung gaben, durch die der Unfrieden in der Welt ge­ mehrt wurde. Auch die Freiheit und Unabhängigkeit der Wirtschaft können nur durch Selbstverteidigung gesichert werden. 104


Heldischer Geist steht wieder auf gegen Händlergeist. Des­ wegen erklären wir, daß das Volkstum vor der Wirtschaft und daß die Fahne vor dem Gelddenken gehen muß. Die intuitive Klugheit des Volkes aber fühlt in der Ver­ kündung dieser Grundsätze die Erneuerung seines inner­ sten, ewigen Lebens und Wachstums, die Wiedergeburt aller irrationalen Kräfte. So zeigt der Führer des ewigen Deutschlands, Adolf Hitler, denen, die ihn früher als den größten Phantasten und unrealsten Menschen bezeichneten, mit jedem Tag von neuem, daß er der größte Realpoli­ tiker auf jedem Gebiete ist, weil er alle Dinge von der weltanschaulichen Seite her anpackt und erneuert und ihnen so ihren ewigen Sinn wiedergibt. Leben aus der Ganzheit ist darum unsere Parole. Natio­ nalsozialismus ist Soldatensozialismus. Einer für alle und alle für einen!

Völkische Haltung der Wirtschaft W irtschaftspolitik als Teil der Kulturpolitik Vortrag vor der Deutschen Weltwirtschaft­ lichen Gesellschaft in Berlin am 22. 2. 1935.

Wirtschaft und Weltanschauung sind nicht voneinan­ der zu trennen. Wirtschaft ist nicht nur eine Angelegen­ heit des Geschäftemachens, sondern ein unlöslicher Be­ standteil der gesamten Lebenskräfte des Volkes. Die wirt­ schaftliche Betätigung auf allen Gebieten muß deshalb auch denselben Richtlinien folgen, die allen Lebenskräften durch den Lebens- und Wachstumswillen der Nation ein­ heitlich gesetzt sind. Dieses einheitliche biologische Ziel aller Lebensbetätigungen eines Volkes verkörpert sich in 105 i.-uiule 1! in j urnberg L aBibliothek i


seiner Kulturpolitik. Deshalb ist auch die Wirtschafts­ politik ein Teil der gesamten Kulturpolitik des Volkes und nicht von ihr zu trennen. Wenn die Wirtschaft dies nicht erkennt und sich aus dieser Gesamtdisziplin, dieser einheitlichen Ethik des Vol­ kes löst, dann verliert sie unweigerlich ihre natürliche Haltung und damit letzten Endes ihre Berufsehre. Nie­ mals darf also vergessen werden, daß die Berufsehre des wirtschaftenden Menschen untrennbar verknüpft ist mit seinem Dienst an diesem einheitlichen Lebensziel der Nation. Es gibt also für die Wirtschaft keine Eigengesetzlich­ keit und es gibt für die Wirtschaft keine eigene Sittlich­ keit. Sie ist praktische Weltanschauung. Ihr sittliches Handeln muß das gleiche Ziel haben wie die übrigen Handlungen des Volkes in Politik, Kunst, Wirtschaft und Technik, nämlich die Stärkung und Sicherung der Lebens­ und Wachstumskräfte der Nation. Dies ist auch der tiefe biologische Sinn des Wortes: Gemeinnutz geht vor Eigen­ nutz, Nur wenn Sie, meine Damen und Herren, Ihre wirt­ schaftliche Tätigkeit in den Dienst um die Sicherung und Stärkung der Lebens- und Wachstumskräfte der Nation stellen, werden Sie wirklich erst Mitglied der neuen Volks­ gemeinschaft, die der Nationalsozialismus Adolf Hitlers als die Voraussetzung für die Erneuerung des deutschen Volkes verlangt. Um nun diese Forderung, die heute an Sie gerichtet wird, wirklich von Grund auf zu verstehen, ist es notwen­ dig, daß ich zunächst einmal klarlege, nach welchen Richt­ linien eigentlich in den letzten anderthalb Jahrhunderten 106


die Wirtschaft sowohl im Agrar- wie im gewerblichenSektor gefürt wurde. England war in diesen letzten anderthalb Jahrhunder­ ten nicht nur in den Herrenmoden, sondern auch in den Wirtschaftsmoden und -methoden tonangebend. Solange England mit seiner Flotte alle Meere unbestritten be­ herrschte, verkündete es unter dem Einfluß der Lehren von A. Smith, Cobden und Ricardo als die höchste wirt­ schaftliche Weisheit: das Freihandelsprinzip, das Prinzip der freien Wirtschaft. Daneben wurde die internationale Arbeitsteilung zum Ideal aller wirtschaftlichen Betätigung erhoben. In der Welt dort einzukaufen, wo es am billigsten war und dort zu verkaufen, wo dies mit dem größten pri­ vaten Nutzen geschehen konnte, wurde als die natürliche Berufsmoral des Kaufmannes verkündet. Damit wurde aber die wirtschaftliche Betätigung aus ihrem natürlichen, organischen Zusammenhang mit den übrigen Betätigun­ gen des Volkes gerissen. Die Volkswirtschaften wurden so allmählich in Sektoren einer internationalen Arbeitstei­ lung umgewandelt, für die als einzige Richtschnur ihrer Arbeits- und Wirtschaftspolitik der maximale Geldver­ dienst galt. England konnte sich diese Methode des Wirtschaftens, maximale Kapitalsbildung durch Ausnutzung aller Mög­ lichkeiten der Welt, vor dem Weltkrieg ungestraft er­ lauben, weil es eben die Meere und damit alle Zufuhr­ straßen unbeschränkt beherrscht. Niemand konnte Eng­ land die Zufuhr aus dieser internationalen Arbeitsteilung, die ihm ein Maximum an Kapitalzuwachs ermöglichte, unterbinden. Für alle übrigen Völker bedeutete aber diese Verflechtung in die internationale Arbeitsteilung 107


und das Freihandelsprinzip eine mehr oder weniger starke Schwächung ihrer politischen Handlungsfreiheit. Denn dadurch und daß die Völker die Grundlagen ihrer Volks­ wirtschaften mehr und mehr außerhalb ihres Machtbe­ reiches verlagerten und sie in die internationale Arbeits­ teilung verknüpften, wurden sie mehr oder weniger von dem Wohlwollen Englands abhängig. Die Folgen die­ ser in den letzten hundert Jahren von Deutschland be­ denkenlos mitgemachten Wirtschaftsmethode haben wir im Weltkrieg am eigenen Leibe erfahren. Ihr verdanken wir zum großen Teil den Verlust des Krieges. Unsere Heere standen schützend vor unseren Grenzen und die Flotte deckte unsere Küsten. Aber die in die internationale Ar­ beitsteilung verflochtene deutsche Wirtschaft hatte vor dem Kriege die Grundlagen unserer Volkswirtschaft, die Nahrungs- und Rohstofffreiheit, langsam aber sicher aus dem deutschen Machtbereich hinausgetragen. Sie war zum Gegenstand des Außenhandels geworden. Wir konnten we­ der an Nahrungs- noch Futtermitteln, noch an gewerb­ lichen Rohstoffen die eiserne Ration innerhalb unseres Machtbereiches selbst erzeugen, die uns vor Kapitulation schützte. Die Zermürbung des Volkes nahm hier ihren An­ fang. Unter dem Einfluß der Irrlehre einer internationalen Arbeitsteilung, einer freien Wirtschaft und einer denVolkswirtschaften übergeordneten Weltwirtschaft, löste so der deutsche Kaufmann ethisch seine Haltung immer mehr aus der Gesamthaltung der Nation. Sein Streben wurde ein Sonderstreben zur Erzielung eines maximalen privatwirtschaftlichen Nutzens. Er wünschte seine Leistung voll in Geld entschädigt zu sehen. Damit glaubte er naiver­ 108


weise am besten der Nation zu dienen. Daß dieser privat­ wirtschaftlich maximale Nutzen nicht mehr mit den Auf­ gaben einer wahren Volkswirtschaft übereinstimmte, die nicht nur Kapital zu bilden, sondern an erster Stelle die Sicherheit und die Stärkung der Wachstums- und Lebens­ kräfte der Nation mit wirtschaftlichen Mitteln zu betreuen hat, wurde nicht gesehen. Es muß aber gerechterweise auch gesagt werden, daß derzeit niemand dem Kaufmann eine andere Anweisung gab. So entfernte sich mit seiner Haltung auch seine Be­ rufsehre immer weiter von der des altpreußischen Offi­ ziers, Beamten, Wissenschaftlers und Künstlers, denen allen der Dienst höher galt als der Verdienst. Deren Lei­ stung niemals ihren vollen Gegenwert in Geld fand. Die einen Teil ihrer Leistung der Allgemeinheit opferten und denen dieses Opfer dann vergolten wurde in erhöhter Ehre und Ansehen. Man beruhigte sich in der Wirtschaft damit, Deutschland habe ja ein starkes Heer und eine starke Flotte: damit sei für die Sicherheit und Stärkung der Na­ tion genug geschehen. Damit habe der Kaufmann nichts zu tun. So verflachte nach und nach der ehrbare Kauf­ mann immer mehr zum internationalen Händler. Auch der Industrielle arbeitete nicht mehr für einen ihm bekannten Bedarf, sondern immer mehr für einen un­ persönlichen Markt und internationalen Handel. Auch die Produktion wurde so immer mehr dem Handel unterwor­ fen. Die ganze wirtschaftliche Betätigung wurde entwur­ zelt und letzten Endes Handelsobjekt. Selbst Wohnhaus und Bauernhof wurden Gegenstände finanzieller Trans­ aktionen, wurden das Objekt von Hypotheken- und Rechtsgeschäften. Das persönliche Verhältnis zur Scholle, 109


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v-rrurckt wsr^n, uud dam t d e e^r^r-e S j ^ r j n u s-af R afctfggfaB h ct Tarieren hahen., suad hieran letzten Endes

England and seme Verbündeten snfcruitan diu ld.tt.iimachten und unser»n W’af fer. gefährten di» lehearjrkhtjgen Zufuhren ab. So war um eines maximalen Geldverdienrtes willen die Handlungsfreiheit der Nation rer kauft worden. Statt die Freiheit des Kaufmannes dort zu be­ schränken, wo er die Freiheit der Nation gefährdete, ver­ suchte man eben vor dem Weltkrieg bei allen Völkern durch Verstärkung von Heer und Flotte die aus ihrem Machtbe­ reich entgleitenden Grundlagen der Volkswirtschaft doch noch wieder einzu/angen. So wurde also durch diese fal­ sche Wirtschaftsführung die Wahrscheinlichkeit mili­ tärischer und politischer Zusammenstöße zwangsläufig gesteigert und immer neue Unruheherde geschaffen. Auch kaufmännisch gesehen waren diese scheinbar bil­ ligsten Preise, die man für den Bedarf des Volkes zahlte, 110


sie versuchten, die »erurherungsrar hasdebpnihischen: 3-ojsrutue Haprtul tt.r.r. tot kurt snd Eiocxade ru ersparer. Ei ist unbestreitbar, dai £** eiseme Ration an Kahrung :ttein für 5i« a ch und die eiserne Rstscn 4a Ec hstcffen. deren jedes V c i ra r Erhaltung seiner politischen HandI.n -n reihest bedarf —die es erst frei und friedlich macht and die es darum innerhalb seines Mich tbereiches e n r j3 — m -irh m s e h r kostet, «Is ihr Benag aas den brT'gmyn Aaslande. Es wird eben nichts im Leben geschenkt- A ach die Freiheit and Ehre des einzelnes wie der Völker g r ö le n immer wieder darch Opfer erkauft und er■ chrpf: werden. —Aber dieser Gesichtspunkt war, wie ge­ sagt. girzE ch unter dem Ehzflgfl der Freüiand&Iälehre und des in ihr E in g a n g gefundenen jüdisches intarsatiaualen Hlr-diergentes., die r a r r e m Gelddenken beherrscht wardea, — Sur f ür England war, wie ich diese Methode zwehebchue za der Zeit ziringend, weil hier die Voraussetzungen grundlegend andere waren. Hur England gewährte die „freie Wirt­ schaf t" und die Internat Irma >. Arbeitsteilung einen raazömalen Geldverdierst, ohne hierbei die Sicherheit des bri­ tischen Weltreiches zu gefährden. Als min aber England nach dem Krieg* sich pidtzEeh entgegen seiner Kalkulation drei starken fremden Flotten gegenübersah, hat es, seinem gesunden Sinn und IrVir.kt folgend, ohne viel Worte zu machen oder tiefsinnige Theo­ rien aufzustellen, das bisher ab unumstöSHche 'Wahrheit verkündete Freihandebprinzip und damit das Prinzip der ui


internationalen Arbeitsteilung und der „freien Wirt­ schaft“ über Bord geworfen und auf sein Imperium be­ schränkt, dessen Umfang und Arbeitsteilung es mit seiner Flotten- und Heeresmacht sicher schützen kann. Dem Freihandel wurde die neue britische Disziplin: die Otta­ wa-Politik entgegengesetzt! Die übrigen Teile der Welt überließ man sich selbst, und diesen bleibt nun gar nichts anderes übrig, als wieder der veränderten englischen Wirt­ schaftsmode und -methode zu folgen und sich wieder in echte Volkswirtschaften zu verwandeln oder zu Großraum­ wirtschaften, soweit dies möglich ist, neu zusammenzu­ schließen. Und in der Tat sehen wir heute außer dem British Em­ pire bereits vier andere Großwirtschaftsräume in der Bil­ dung begriffen. Da ist zuerst Amerika, das die MonroeDoktrin verkündet, das amerikanische Ottawa. Da ist der im Entstehen begriffene chinesisch-japanische Block, der die Parole verkündet: Asien den Asiaten! Da ist der in sich geschlossene russisch-sibirische Raum, und da sind schließ­ lich Frankreich und seine Kolonien, die sich bemühen, ein französisches Ottawa herauszubilden. - Wieweit in jedem dieser Großwirtschaftsräume eine Arbeitsteilung durch­ geführt werden kann, bleibt abzuwarten. Wenn also Europa zwischen diesen transozeanischen Großgebilden nicht zerdrückt werden will und ebenfalls nicht auf die ihm gebührende wirtschaftliche Einfluß­ nahme auf den russisch-sibirischen Raum verzichten will, dann muß es sich zu einer neuen europäischen Arbeits­ und Kulturgemeinschaft, einem europäischen Ottawa zu­ sammenschließen?1 Dem steht die nationalsozialistische Wirtschaftslehre in keiner Weise entgegen, im Gegenteil, 112


sie führt geradlinig über Bauernhof, Volkswirtschaft zur Großraumwirtschaft. Aber eine Großraumwirtschaft, die die Freiheit und die Ehre und die Selbständigkeit jeder an ihr beteiligten Volkswirtschaft unangetastet läßt, ihr je­ doch die Möglichkeit gibt, mit dem für den eigenen Bedarf entbehrlichen Überschüssen mit den übrigen Volkswirt­ schaften des Großraumes zum gemeinen Besten sich zu verbinden. So würde eine Großraumwirtschaft entstehen, die vertikal gewachsen ist und nichts gemein hat mit den künstlichen, rein intellektuell erdachten horizontalen Konstruktionen, wie sie in der liberalistischen Epoche schon mehrfach für Europa vorgeschlagen wurden. Jeder kennt sie unter dem Namen „Vereinigte Staaten von Euro­ pa“ , „Europäische Zollunion“ , „Paneuropa“ und der­ gleichen. Die nationalsozialistische Wirtschaftslehre hat nichts mit ihnen zu tun. Ihr Ziel ist eine echte Gesell­ schaft der Volkswirtschaften, die sich zum gemeinen Be­ sten ihrer Völker ergänzen und so eine neue europäische Arbeits- und Kulturgemeinschaft mit gehobenem Lebens­ standard für alle Beteiligten wieder aufrichten. Europa den Europäern! lautet ihre Parole. Der euro­ päische Bedarf muß zuerst in Europa gedeckt werden! Der europäische Binnenhandel muß zuerst gestärkt werden nicht nur durch Ausschöpfung aller Anbau- und Kombi­ nationsmöglichkeiten, sondern auch durch Aufschluß aller Erdschätze, ehe die Volkswirtschaften des kontinental­ europäischen Großraumes in Warenaustausch mit anderen Großräumen eintreten. Über die Ostsee und über die Donau werden dann wieder zwei Wasserwege gen Osten führen, die ihren sinnvollen Zusammenschluß eines Tages im Westen durch i

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den Donau-Main-Rhein- und Hansakanal und im Osten über den Ladoga-See, Dnjestr und Schwarzes Meer finden werden. Damit wird wieder der alte kontinentaleuropäische Wirt­ schafts-, Handels- und Verkehrskreislauf erstehen, der den an ihm beteiligten Völkern eine weitgehende Unab­ hängigkeit von seiten des Atlantik und des Mittelmeeres gewährleistet. Und der es auch umgekehrt Deutschland und Mitteleuropa erlaubt, sich für wenig interessiert zu er­ klären an den Wirtschaftskreisläufen, die sich auf das Mittelmeer und den Atlantik stützen."" Auf diese Weise erscheint auch eine neue natürliche Or­ ganisation der politischen und Wirtschaftsinteressen der europäischen Großmächte möglich. Der kontinentaleuro­ päische Wirtschaftskreislauf wird sich nirgends mit denen von London, Paris und Rom kontrollierten überschneiden. Denn das British Empire ist gen Westen und den Fernen Osten orientiert. Auch der Großwirtschaftsraum: Frank­ reich und seine Kolonien überschneidet sich nirgends mit dem kontinentaleuropäischen und ebenso nicht der ita­ lienische, wenn dieser sich auf sein natürliches Gebiet, das Mittelmeer und Afrika, beschränkt. Auf alle Fälle ist aber Großbritannien wieder den übri­ gen Völkern im instinktsicheren und logischen Bau seines Großwirtschaftsraumes weit voraus. Deutschland wie den anderen Volkswirtschaften, denen keine Großwirtschaftsräume unmittelbar zur Verfügung stehen, bleibt nach dieser äußeren und inneren Nötigung nichts anderes übrig, als ihre Wirtschaft von neuem und von Grund auf wieder zu einer echten Volkswirtschaft um­ zugestalten, um so auch die Voraussetzung für eine euro­


päische Großraumwirtschaft zu schaffen. Deutschland muß, wenn es seine politische Handlungsfreiheit, seine na­ tionale Ehre und wirtschaftliche Unabhängigkeit wieder gewinnen und behaupten will, seine Wirtschaft so auf­ bauen, daß sie ihm eine Burg ist, in der es gegen handels­ politische Blockade oder Boykott geschützt ist. Das hier­ für notwendige Minimum an Nahrungsmitteln für Mensch und Vieh und gewerblichen Rohstoffen muß Deutsch­ land wieder innerhalb seines Machtbereiches selbst erzeu­ gen. Dies kann nur durch eine sinnvolle Marktregelung und einen sinnvollen Außenhandel erreicht werden. Der Außenhandel darf weder die für die Wahrung der poli­ tischen Handlungsfreiheit nötige Selbsterzeugung stören und muß so gelagert werden, daß selbst bei handelspoli­ tischen Verwicklungen so wenig wie möglich gekappt zu werden braucht, obgleich dies ohne Gefährdung der natio­ nalen Sicherheit geschehen könnte. Dafür ist aber eine neue nationale Disziplin auch für den Kaufmann die Vor­ aussetzung. Eine Disziplin, eine Abwendung vom Geld­ denken, die ihn und seine Arbeit wieder mit den übrigen Betätigungen des Volksganzen wieder einreiht in die Wehrfront der Nation mit ihr zu einer neuen Gemein­ schaft vereint in einer neuen Gesamthaltung: Einigkeit nach innen, Geschlossenheit nach außen. Entsprechend der englischen Parole, die das Fundament des britischen Weltreiches bildet. Recht oder Unrecht - mein Vaterland. Diese für das deutsche Volk lebensnotwendige Umstel­ lung in Wirtschaftsgesinnung und -gestaltung wurde von der demokratisch-marxistischen Schicht, die nach dem Zusammenbruch Deutschlands an die Regierungsspitze gespült wurde, nicht gesehen. Im Gegenteil, sie versuchte 8*

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Deutschland erneut wieder in eine, gar nicht mehr vor­ handene, nur noch in ihrer Vorstellung lebende, von Eng­ land längst aufgegebene „Weltwirtschaft“ zu verflechten. In Wirklichkeit bedeutete dies aber eine gänzliche wirt­ schaftliche Wehrlosmachung des deutschen Volkes. Nur von Adolf Hitler wurde sogleich nach dem Kriege mit unerhörter intuitiver Sicherheit der Wahnsinn der Wie­ deraufrichtung einer nicht volksgebundenen sogenannten „freien Wirtschaft“ erkannt und fanatisch bekämpft. Es stand für unseren Führer und seine Mitkämpfer von vornherein als unumstößliche Tatsache fest, daß die neue Disziplinierung der deutschen Wirtschaft, ihre neue Ver­ wurzelung und Verankerung im deutschen Boden und deutschen Volkstum, ihre Einreihung in die Wehrgemein­ schaft eine der unerläßlichsten Voraussetzungen der Wie­ dererneuerung des deutschen Volkstums überhaupt sei. Nicht irgendwelche theoretische wirtschaftliche Konstruk­ tion suchte unser Führer an die Stelle der bisherigen „freien Wirtschaft“ zu setzen, die in Wirklichkeit ein Im­ perialismus schlimmster Art gewesen war, weil sie die Ehre, die Freiheit und die Unabhängigkeit der Volkswirtschaf­ ten aller Völker einer erdachten übergeordneten Weltwirt­ schaft unterwarf - sondern gerade unter stärkster Ableh­ nung aller Theorien, aller künstlichen oder planwirtschaft­ lichen Konstruktionen wollte Adolf Hitler die Volkswirt­ schaft wieder aus ihren einfachsten Urgründen neu er­ stehen, d. h. wachsen lassen. Deshalb schleuderte er der in ideologischer Überspitzung und Gelddenken zusammen­ gebrochenen „freien Wirtschaft“ seine Antithese entgegen: Deutschland wird ein Bauernreich sein oder es wird nicht sein! Die wenigsten haben bis heute die unerhörte Zielsicher116


heit dieses Ausspruches unseres Führers begriffen, der damit das tiefste Wesen jeder echten Volkswirtschaft, nicht nur der deutschen, gekennzeichnet hat. Denn in Wirklichkeit muß jede echte Volkswirtschaft strukturgleich sein der Struktur des Bauernhofes. Denn der Bauernhof ist die Urzelle, aus der in Wahrheit jede Volkswirtschaft und darüber hinaus auch jede Großraumwirtschaft erwächst. Die Disziplin des Bauernhofes muß die Disziplin der Volkswirtschaft sein, und sie muß auch die Disziplin des Außenhandels sein. Diese These klingt zunächst so paradox, so völlig ent­ gegengesetzt dem bisherigen Wirtschaftsdenken, daß sie vor der Machtergreifung kopfschüttelnd abgelehnt und auch heute erst in wenigen Köpfen in ihrer ganzen Tiefe klar erkannt worden ist. Und doch ist diese Anschauung die einfachste und natürlichste der Welt. Denn das Wesen jeder echten Revolution besteht ja dar­ in, eine nur noch äußerlich und verstandesmäßig begrif­ fene Welt, die damit innerlich hohl, unwahr und unnatür­ lich geworden ist, wieder auf ihre natürlichen Ursprünge zurückzuführen und von dort aus auch gedanklich wieder neu aufzubauen. Als echte Revolutionäre sind deshalb auch Adolf Hitler und seine Mitkämpfer Dynamiker und nicht Statiker. Sie denken nicht daran, ich habe es schon oft gesagt, künstlich am Reißbrett erklügelte Konstruk­ tionen und Planungen in die Welt zu setzen, weder auf dem Gebiet der Politik, der Kunst, der Kultur, noch der Wirtschaft. Im Gegenteil, die Lebens- und Wachstums­ kräfte des deutschen Volkes, die hinter dem intellektualistischen Gitterwerk einer liberalistisch-kapitalistischen Periode gefangengesetzt waren, wollen sie wieder von allen unnatürlichen Bildungen befreien und ihnen wieder1 117 1


Gelegenheit geben, zu wachsen. Allerdings nicht zu einem regellosen und ziellosen Wachstum, sondern unter der sorglichen und führenden Hand des Gärtners: dem einzel­ nen Lebensgesetz. Diese bewußte Erziehungsarbeit des Nationalsozialis­ mus ist eine unmittelbare, bewußte und gradlinige Fort­ setzung des Wachstums in der Natur, wie ja auch die Ethik des Nationalsozialismus, die Haltung, die er predigt, allein aus dem Gesetz der Biologie, aus dem Geist der Na­ tur, aus dem Geist der Lebens- und Wachstumskräfte des deutschen Volkes geschöpft werden. Das ist der biologi­ sche Sinn des Wortes: Gemeinnutz vor Eigennutz. So ist es auch nur zu verstehen, daß der Nationalsozia­ lismus Adolf Hitlers kein äußerer politischer Regierungs­ wechsel ist, sondern die deutsche Form jenes großen welt­ anschaulichen Umbruchs, der sich heute in allen Teilen der Welt vollzieht, der allerorten die Ablösung des che­ misch-physikalischen Weltbildes durch ein biologisches bezweckt, und der von innen heraus alle Formen des Staa­ tes, der Kultur, der Kunst und der Wirtschaft jedes Vol­ kes neu gestaltet. Es kann dies gar nicht oft genug betont werden. Und daß gerade diese Umbildung von innen her­ aus, diese Erneuerung der Wachstums- und Lebenskräfte des deutschen Volkes, ihre neue Disziplinierung, der schärfste Feind aller künstlichen Konstruktionen und Theorien ist. Bringt überall wieder den gesunden, natur­ verbundenen Menschenverstand in die Dinge und es wer­ den sich dann überall wieder natürliche, gesunde und wachstumsfähige Lebensformen von selbst bilden! Diese Anschauung ist selbst ein Stück schöpferische Natur, ist das Gegenteil der Anschauung der Statiker, der 1x8


Theoretiker, der Intellektualisten und Materialisten. Diese sagen: ändere die Umwelt und es ändert sich der Geistl Sie klügeln sich irgendwelche nur logisch begründete Formen aus und verkünden sie dann als die allein seligmachenden, und in sie wollen sie dann das lebendige Leben pressen und stampfen. Dieser Art sind auf wirtschaftlichem Gebiet die Konstruktionen des Liberalismus, des Marxismus, des Kommunismus und der Plan- und Zwangswirtschaft. Sie sind das unnatürliche Gegenteil der natürlichen neuen Le­ bensentfaltung der Volkstumskräfte durch den National­ sozialismus. Hier möchte ich noch eine Zwischenbemer­ kung machen: Niemals haben Mitglieder der Reichsleitung der Partei oder gar unser Führer selbst eine absolute Autarkie des deutschen Volkes als wünschenswert bezeichnet. Eine ab­ solute Autarkie gibt es unter zivilisierten Völkern über­ haupt nicht. Diese rein theoretische Konstruktion ist im­ mer und immer wieder der Partei vom Liberalismus unter­ stellt worden. Denn der Liberalist bewegt sich infolge sei­ ner falschen Geisteshaltung nur in Extremen. Wirtschaft­ lich gesehen, kennt er entweder nur hemmungslose „freie Wirtschaft“ oder aber absolut gebundene, also Zwangs­ wirtschaft. Etwas anderes kann er sich nicht vorstellen und glaubt deshalb, wenn die bisherige „freie Wirtschaft“ vom Nationalsozialismus abgelehnt wird, nun unweiger­ lich die Zwangswirtschaft nach innen und nach außen, also Autarkie, an ihre Stelle treten müsse. Deshalb ver­ wandelt sich auch über Nacht sehr oft der Liberalist in einen Zwangswirtschaftler, wenn er mit der freien Wirt­ schaft festgefahren ist. Deshalb ist auch das bolschewisti­ sche Wirtschaftssystem, die Zwangswirtschaft, das unver-


meidliche Gegenstück zur liberalistischen „freien Wirt­ schaft“ . Beide sind Kinder desselben Geistes, nur mit um­ gekehrten Vorzeichen. Es ist dem Nationalsozialismus durchaus bewußt, daß der Lebensstandard des deutschen Volkes, wenn er nur auf der eigenen Nahrungs- und Rohstoffbasis begründet würde, dann ein so niedriger ist, daß mit ihm die heutigen Spitzenleistungen nicht mehr gehalten werden können, mit denen allein das deutsche Volk seine Lebenshaltung so verbessert, wie sie noch heute ist und wie sie noch weiter gesteigert werden soll. Nur durch sinnvollen Leistungsaustausch von Volks­ wirtschaft zu Volkswirtschaft läßt sich auf die Dauer die Lebenshaltung des deutschen Volkes über den Lebens­ standard heben, den ihm die enge eigene Scholle und die Technik gewähren kann. Dieses sinnvolle Wirtschafts­ system aus Nahrungs- und Rohstofffreiheit einerseits und sie ergänzendem, aber nicht zerstörendem, möglichst um­ fangreichem Außenhandel andererseits nennt der Natio­ nalsozialismus „völkisch ausgerichtete Wirtschaft“ . Um nun den erneuerten Sinn der Wirtschaft, und damit das Wort des Führers: Deutschland wird ein Bauernreich sein oder es wird nicht sein, zu begreifen, wie er durch den Zusammenbruch der früheren liberalistisch-imperialistischen Weltwirtschaft äußerlich und durch den organischen Neubau der deutschen Volkswirtschaft innerlich bedingt wird, ist es notwendig, noch einen kurzen Blick auf den neuen deutschen Wirtschaftsaufbau zu werfen. Jede echte Volkswirtschaft muß wie die Pflanze, wie das Volkstum selbst, dem Boden entwachsen, aber unlöslich mit ihm verbunden bleiben. Ihr Aufbau ist nur dann na­ 120


türlich, wenn er vertikal ist. Denn die echte Volkswirt­ schaft ist in Wirklichkeit völlig strukturgleich mit dem Bauernhof. Sie ist gewissermaßen nur die optische Ver­ größerung des Bauernhofes. Und es kann ja auch gar nicht anders sein, denn der Bauernhof ist ja die Urzelle des ge­ samten volkswirtschaftlichen Körpers, sofern man diesen als Einheit sieht. Es ist deshalb unmöglich, daß im volks­ wirtschaftlichen Gesamtorganismus eine andere Disziplin herrschen kann, wie in seinen einzelnen Teilen. Dies ist auch im menschlichen Körper nicht anders. Und wenn es doch der Fall ist, so ist der Körper krank. Deshalb gliedert sich auch die Volkswirtschaft wie der Bauernhof in drei klar voneinander geschiedene, aber doch im unlöslichen organischen Zusammenhang miteinander stehende Ar­ beitskreise. Ebenso wie auf dem einzelnen Bauernhof nur eine be­ stimmte Anzahl Familienmitglieder den ihr gehörenden Acker bestellen kann, so kann auch in der echten Volks­ wirtschaft nur ein Teil der Volksgemeinschaft den Boden praktisch bearbeiten. Der übrige Teil der Familienmitglie­ der des Bauernhofes wie des Volkes muß sich gewerblicher Tätigkeit, d. h. Klein- und Großgewerbe, Austausch und Verkehr zuwenden. Durch diese gewerblichen Hilfs- und Dienstleistungen wird dann die Intensität der Bestellung und damit die Produktivität des Bodens so gehoben, daß dadurch auch diese Mitglieder der Familien-und der Volks­ gemeinschaft vom Ertrag derselben Scholle leben können. Die durch gewerbliche Dienstleistungen erzielten Mehr­ erträge des Ackerbodens sind also das natürliche Betäti­ gungsfeld der nachgeborenen Söhne der Erbhofbauern und ihre Ernährungsgrundlage. 121


Die Bauernwirtschaft, das Erbhofrecht, trägt also vom Gesichtspunkt der Familie und Volksgemeinschaft aus auch die Verantwortung für das Wohlergehen der von ihr verursachten gewerblichen Wirtschaft, für die Wohlfahrt der hier beschäftigten Glieder des Bauernhofes und der Volksgemeinschaft. Das richtig abgewogene Verhältnis zwischen dem Erd­ geschoß der Landwirtschaft und dem ersten Stockwerk der Volkswirtschaft, also der gewerblichen Binnenwirtschaft, ist maßgeblich für die Gesundheit des gesamtwirtschaft­ lichen Aufbaus. Wächst nun die Familie auf dem Bauernhof, und damit das Volk, so wird es mit der Zeit notwendig, wenn eigener Siedlungsraum nicht mehr zur Verfügung steht, ein zwei­ tes Stockwerk auf die gewerbliche Binnenwirtschaft zu setzen: die Außenwirtschaft. Ein Teil der nachgeborenen Söhne des Bauernhofes und Mitglieder der Volksgemeinschaft müssen so einen Teil ihres Unterhaltes darin suchen, daß sie einen Teil ihrer Be­ tätigung außerhalb des Hofes bzw. der heimischen Volks­ wirtschaft verlegen. So entsteht, im kleinen gesehen, die Dorfgemeinschaft durch kameradschaftliche Zusammen­ arbeit mehrerer Höfe, und im großen gesehen: die Groß­ raumwirtschaft durch kameradschaftliche Zusammen­ arbeit mehrerer Volkswirtschaften. Die Dienstleistungen dieser an der Peripherie des Bauernhofes und der gewerb­ lichen Wirtschaft des Volkes tätigen Menschen heben so den Lebens- und Kulturstandard der einzelnen Bauern­ höfe und Volkswirtschaften. Diese außenwirtschaftliche Betätigung kann vorübergehend sogar mehr zur Hebung des materiellen und geistigen Standards der Bauern-und 122


Volkswirtschaft beitragen, wie die beiden anderen, dann nämlich, wenn sie auf noch unerschlossenen Raum trifft. Dieser entlohnt zunächst den Aufwand an technischer und intensiver Arbeit in viel höherem Maße, weil er noch jung­ fräulicher Boden ist oder neue Ergänzungsmöglichkeiten bietet. Diese am äußersten Umkreis des Bauernhofes und der Volkswirtschaften vor sich gehende Betätigung trägt aber nicht nur die Möglichkeit erheblicher Erhöhung des Le­ bensstandards der Sippen- und Volksgemeinschaft in sich, sondern auch die erhöhte Gefahr der Zerstörung und Zer­ splitterung ihrer Wachstums- und Lebenskräfte, ihres bio­ logischen Ziels. Denn man darf nicht übersehen, daß diese im zweiten Stockwerk der Volkswirtschaft tätigen Men­ schen leichter der im Fundament verankerten Familienund Volksdisziplin entgleiten. Ihr Freiheitsbegriff löst sich unter Umständen im neuen freien Raum mehr und mehr aus der natürlichen Gebundenheit der alten Volksgemein­ schaft, und ihr Handeln wird mehr und mehr Ich-bezogen. Eine nach der anderen der sinnvoll in den Wachs­ tums- und Lebenskräften der Nation verknüpften und ge­ bundenen Funktionen der Volkswirtschaft wird gelockert und entartet zum Selbstzweck. An die Stelle des Dienstes tritt der Verdienst. An die Stelle des Wirtschaftsoffiziers der Freibeuter. Aus der volkswirtschaftlichen Kapitals- ; bildung wird Kapitalismus. An Stelle des an die ehrbare Gesinnung der Gemeinschaft gebundenen „gerechten Preises“ tritt der sich als Selbstzweck setzende internatio­ nale „billigste Preis“ . Aus der national gebundenen Volks­ wirtschaft wird der Sektor einer erdachten Weltwirt­ schaft. So wird auch der sittlich in gesunder Marktregelung 123


gebundenen Volkswirtschaft die sittlich ungebundene, also unsittliche „freie Wirtschaft“ . So können die Lebens- und Wachstumskräfte einer Sippe und eines Volkes im freien Raum zersplittern und durch falsche Sittlichkeit entarten. Dies ist nicht nur eine theoretische Möglichkeit, sondern leider bittere Wahrheit. Die Zerstörung der ersten natür­ lichen europäischen Großraumwirtschaft des Mittelalters durch die Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Indien und die hierdurch eingeleitete, jetzt abgeschlossene Epoche der „freien Wirtschaft“ hat in der ganzen Welt ein politisches, kulturelles und wirtschaftliches Trümmerfeld von unerhörten Maßen hinterlassen, mit dessen Aufräu­ mung und Neuordnung viele Generationen zu tun haben werden. Die Entdeckung neuer freier Räume und ihre Besiedlung (Kolonisation) sowie die zwischenstaatliche Betätigung überhaupt bedeutet nämlich nur dann eine Stärkung der Wachstums- und Lebenskräfte der heimat­ lichen Volkswirtschaften, wenn sie ihrer Disziplin und ihrem Machtbereich nicht entgleiten. Die unorganische Kolonial- und die undisziplinierte Außenhandelspolitik war für viele europäische Länder kein Glück, sondern hat zur Zerstörung der heimatlichen disziplinierten Wirtschaft geführt, eben durch die Infektion von der Außenwirtschaft her, von der aus dann die Zersetzungskeime, genannt „freie Wirtschaft“ , „freies Spiel der Kräfte“ und „W elt­ wirtschaft“ , eindrangen. Von dem Erdgeschoß der heimatlichen Bauernwirt­ schaft ausgehend, muß vielmehr durch die beiden darüber­ liegenden Stockwerke: die gewerblichen und die Außen­ wirtschaft hindurch, eine einheitliche straffe und völkische Disziplin - eine Marktregelung nicht nur der Nahrungs­

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mittel, sondern auch der Grundstoffe für die gewerbliche Wirtschaft — aufrechterhalten bleiben. Eine Marktrege­ lung, die nicht nur den gerechten Preis den Mitgliedern der Volksgemeinschaft für den Leistungsaustausch unterein­ ander sichert, sondern der auch den gerechten Zoll ge­ genüber der Nation als Ganzes in sich schließt, indem er ihr die Sicherheit und die Stärkung ihrer Lebens- und Wachs­ tumskräfte garantiert. Sie muß die völkische Wehrfront schließen und nicht öffnen. Jede Volksgemeinschaft muß deshalb ihre Wirtschaftsführung so disziplinieren, daß sie die eiserne Ration an Nahrungsmitteln und gewerblichen Rohstoffen stets innerhalb ihrer Mauern hat. Denn nur der Freie kann friedlich seinl Erst die Nahrungs- und Roh­ stofffreiheit erlaubt es jedem Volke, nicht jede handelsund außenpolitische Verwicklung als Bedrohung seiner Existenz aufzufassen, der mit Waffengewalt begegnet wer­ den muß. Heer und Flotte sind die „ultima ratio“ , die erst dann eingesetzt werden dürfen, wenn es um die letzten und höchsten Güter, die Ehre und Freiheit der Nation geht. Erst bei einer solchen Steuerung der Wirtschaft folgt dann wieder, wie es sich gehört, der Handel der Flagge, und nicht, wie das liberalistische Zeitalter es verlangte, die Flagge dem Handel. Aus dem internationalen Händler wird dann wieder der ehrbare Kaufmann. Auch die alte Hanse war nicht eine Krämerangelegenheit, sondern eine Opfer- und Arbeitsgemeinschaft. Eine Disziplinierung des Fernhandels von unerhörter Kühnheit und Größe, die nie den heimatlichen Boden unter den Füßen und den Zu­ sammenhang mit der Volksgemeinschaft verlor. Sie barg in sich als seelische Triebkraft das Fernweh und das Heim­ weh des nordischen Menschen. Sie war eine gestaltete 125


Ordnung des Außenhandels. Denn es muß immer wieder mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß der deutsche Außenhandel zu einer Zeit seine größte Blüte hatte, als nicht jeder Kaufmann für sich oder auf eigene Faust Ge­ schäfte zu machen versuchte, sondern als der Geist ge­ meinsamen genossenschaftlichen Wirtschaftens, einer ge­ meinsamen Haltung völlig im Hintergrund stand und zu einer Entfaltung schöpferischer Kräfte auf allen Gebieten der Kultur, der Kunst und der Wirtschaft führte, hinter der die heute abgeschlossene liberalistische Handelsepoche weit zurücksteht. Denn die erste kontinentaleuropäische Großraumwirt­ schaft vom Jahre 1000 bis zum Jahre 1600, die eine natür­ liche Vergrößerung echter Bauernhof- und Volkswirtschaft war, umschloß erstmalig ein heiliges germanisches Reich deutscher Nation. Seine geistigen Mittelpunkte waren Lü­ beck und Marienburg und seine Basis nicht das Mittel­ meer, sondern die Ostsee. Während der Deutschritterorden von der Ostsee bis hin­ unter nach Siebenbürgen die Wacht gen Osten hielt und den europäischen Lebensraum gen Osten weitete, holte die Hanse, der deutsche Städtebund unter Lübecks Führung, die Agrarüberschüsse aus dem Donau- und Südostraum herauf, bewegte sie über die alte hansische Heer- und Han­ delsstraße von Rheinland-Westfalen bis Lübeck und ver­ schiffte sie - gemischt mit Erzeugnissen des deutschen, italienischen, flandrischen und anderen Gewerbefleißes mit ihren Kriegs- und Kauffahrteischiffen über die Ost­ see bis nach Rußland hinein. Über Rußland schloß sich dann dieser Güter-, Geld- und Verkehrskreislauf dadurch, daß im Ostseeraum und in Rußland Rauchwaren und an126


dere nordische Produkte eingetauscht wurden. Diese erste kontinentaleuropäische Großraumwirtschaft, deren tra­ gende Pfeiler die Hanse und der Deutschritterorden bil­ deten, war eine raumgebundene Wirtschaft nach innen und nach außen. Die von der Hanse umschlossenen Völker und Volksräume ergänzten sich auf das beste. Sie stellten sich mit ihrer Erzeugung auf den gegenseitigen Bedarf ein, und es wurde streng darauf geachtet, daß das Prinzip der Bedarfsdeckung innegehalten wurde und nicht eine ungeordnete regellose Produktion oder gar Überproduk­ tion einsetzte. Auch nach innen war diese erste Groß­ raumwirtschaft diszipliniert, insofern, als jedem Beruf, jeder Zunft ein bestimmter Sektor als Arbeitsfeld zuge­ teilt war, den er mit eigener Freiheit und Selbstverant­ wortung erfüllte, und der nicht in die Lebensräume ande­ rer eingriff. Aus dieser bewußt nach innen und nach außen geregelten und gelenkten Wirtschaft erwuchs dann die hohe nordische Kultur und Blüte des Mittelalters, sein Wohlstand und seine Kunst. Als höchste Zeugen des Gei­ stes dieser Tage: innere Freiheit und Selbstverantwortung in der natürlichen äußeren und deshalb völkischen Ge­ bundenheit ragen noch heute überall die gotischen Dome und die herrliche Backsteingotik des niedersächsischen und Ostseeraumes empor. So sehr bei alledem wirtschaftliche Ziele mitgewirkt ha­ ben, so weit entfernt war man von rein privatwirtschaft­ lichem Denken. Für den deutschen Kaufmann, wie er sich seit 1150 planvoll als Städtegründer und Organisator im Ostseeraum durchsetzte, galt nicht das Wort „ubi bene ibi patria“ , sondern er trug seine patria, seine deutsche patria, in die Ostsee hinein. Wenn heute die südliche Ostseeküste 127


deutsch ist, von Lübeck bis Memel, und wenn weiter Plätze wie Riga und Reval immer noch deutsche Züge aufwei­ sen, so ist dies das Verdienst des niederrheinischen und niedersächsischen Kaufmannes, der nicht eher ruhte, bis er selbst jene deutschen Städte geschaffen hatte, die dann allerdings die wichtigsten Stützpunkte seines wirtschaft­ lichen Schaffens wurden. Nicht Krämergeist, aber auch nicht wirklichkeitsfremdes Verleugnen der wirtschaft­ lichen Grundlagen menschlichen Seins und menschlicher Kultur, sondern die kraftvolle Synthese vom deutschen Kolonisator und wagendem Kaufmann, das gibt den An­ fängen hansischer Geschichte das Gesicht und erklärt es, daß sie nicht zu einem völkisch indifferenten Wirtschafts­ verband, sondern zum Bund der Städte von der deutschen Hanse wurde. Sie war ganz bewußt ein Wirtschaftsver­ band auf blutmäßiger Grundlage. In dieser Bindung der Wirtschaft an das Blut liegt es begründet, daß der hansi­ sche Kaufmann durch Jahrhunderte hindurch zum ange­ sehensten und einflußreichsten Vertreter seines Volkes im Auslande wurde. Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn die Ostseestädte nur von Deutschen gegründet, aber nicht immer wieder mit Volkstum aus Altdeutschland, vorzugsweise aus Rheinland-Westfalen aufgefüllt worden wären. Man löst die Wirtschaft nicht vom Volkstum, das war die eine Lehre hansischer Geschichte; man löst sie aber erst recht nicht von der Politik. Man schätzt die Wirt­ schaft, aber man überschätzt sie nicht. Man wußte nur zu genau, daß nur bei einer gesunden politischen Entwick­ lung eine gesunde Wirtschaft möglich ist. Nicht weil die Hanse ein Wirtschaftsverband war, hat sie ihre ehrenvolle 128


Rolle in der deutschen Geschichte spielen können, sondern weil sie ein wirtschaftlicher Verband war mit ihr selbst wesenseigener überragender, meisterhafter politischer Füh­ rung. Jedenfalls: es war eine echt hansische Tugend, die Pri­ vatwirtschaft dem Ganzen unterzuordnen, die führenden Männer der Wirtschaft mit echter Verantwortung dem Ganzen gegenüber zu belasten. An diesem entscheidenden Punkte wird offenbar, wie falsch es wäre, hansische Ge­ schichte als Beleg materialistischer Gesinnung oder Ge­ schichtsauffassung in Anspruch nehmen zu wollen; in ihren guten Zeiten war das, was wir heute unter dem Wor­ te: Gemeinnutz geht vor Eigennutz verstehen, für sie eine Selbstverständlichkeit. Sie ersehen aus diesen Ausführungen, wie notwendig es ist, nicht nur die deutsche Geschichte und Kulturge­ schichte neu zu schreiben, sondern auch die deutsche Wirt­ schaftsgeschichte. Auch hier müssen Licht und Schatten neu verteilt werden. Das durch die nationalsozialistische Erneuerung gewandelte Auge sieht auch die deutsche Wirtschaftsgeschichte heute in anderem Licht. Diese eben geschilderte, wohlgeordnete kontinental­ europäische Großraumwirtschaft, die jede Katastrophen­ regulierung, nämlich das liberalistische „freie Spiel der Kräfte“ ausschloß, in der Produktion, Absatz und die Exi­ stenz jedes einzelnen, ehrlich arbeitenden Menschen ge­ sichert war, und zu deren Hüter der gerechte Preis und die ehrbare Gesinnung bestellt waren, zerbrach jedoch, als im Westen ein neuer freier, scheinbar unbegrenzter Raum Amerika - entdeckt wurde und sich der neue Seeweg nach Indien erschloß. 9 Daitz I

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Die alten natürlichen Ordnungen, Bindungen und Sat­ zungen wurden zerstört und eine ungehemmte Produk­ tion, die sogenannte „freie Wirtschaft“ entfaltete sich. Dreihundert Jahre lang taten sich immer neue Märkte auf, die die wilde, ungeregelte Produktion, den hemmungs­ losen Handel und die ungebundene Betätigung jedes ein­ zelnen, das zu tun, was ihm gerade paßte, aufnehmen konnten. Seit dem Weltkrieg aber haben sich diese freien Märkte im fernen Westen und fernen Osten verschlossen, und nun hat es auch ein Ende mit der „freien Wirtschaft“ . Auch die intellektualistische Ideologie einer übergeord­ neten Weltwirtschaft, einer Art Überwirtschaft, die aus dem chaotischen Durcheinander der sogenannten „freien Wirtschaft“ als sublimste Idee destilliert worden war, zer­ platzte in gleicher Weise. Ich habe schon zu Anfang meines Vortrages gezeigt, wie England diese „freie Wirtschaft“ unter dem Einfluß der Lehren von A. Smith, Cobden und Ricardo zu dem System der internationalen Arbeitsteilung und des Freihandels ausbaute, weil dieses System seinen derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Zwecken auf das beste diente - so­ lange eben wie Großbritanniens Flotte unbestritten die Meere beherrschte. Das Freihandelssystem war also keine neue Wirtschaftslehre, sondern eine machtpolitische Zwecktheorie. Dies zeigte sich sofort, sobald seine Grund­ lage, die unbestrittene Seeherrschaft Englands, dahin war und es daher sich nach Beendigung des Weltkrieges, wie bereits erwähnt, drei anderen starken Flotten gegenüber sah, der amerikanischen, der japanischen und der franzö­ sischen. Im selben Augenblick hat das praktische England dem Freihandelssystem und damit der notdürftig in ein 130


System gebrachten Lehre von der „freien Wirtschaft“ den Rücken gekehrt, während unsere Ewig-Gestrigen noch immer diesem entschwundenen Phantom nachtrauern, es gibt überhaupt keine ökonomischen Systeme, sondern nur machtpolitische Gestaltung der Wirtschaft. So erfolgte also sowohl von innen wie von außen her der Anstoß zum Neubau von Volks- und Weltwirtschaft. Wir stehen also überall in der Welt vor der Tatsache, daß auch die Außenhandelsbeziehungen sich wieder allerorten auf ihre natürlichen Grundlagen, nämlich auf die echten Volkswirtschaften besinnen müssen. So erwächst heute aus diesem Zusammenbruch ganz folgerichtig unter Adolf Hitlers Führung wieder der na­ türliche organische Wirtschaftsaufbau: Bauernhof Volkswirtschaft - Großraumwirtschaft. Diese ureinfache Wirtschaftslehre stellt zugleich auch das natürliche Gleich­ gewicht zwischen dem Erdgeschoß der Bauernwirtschaft und den beiden Obergeschossen, der gewerblichen Binnen­ wirtschaft und der Außenwirtschaft, wieder her. Eine Epoche imperialistischer Ideologie gelangt so zum Ab­ schluß. Überall greifen die Lebens- und Wachstumskräfte des Volkes wieder vertikal durch die drei Arbeitskreise der Wirtschaft hindurch und disziplinieren sie in erneuter Ordnung und Sittlichkeit. Überall werden die vertikalen Bindungen, die den Wachstumskräften Durchlaß gewäh­ ren und sie stützen, wieder hergestellt und die bisherigen horizontalen Bindungen, die die Wachstumskräfte hemm­ ten und abschnürten, wieder aufgehoben. An die Stelle von privatwirtschaftlichen Kartellen und Preisverbänden, die in Wirklichkeit Privatkollektive sind, tritt die vertikale organische Marktregelung nicht nur in der landwirt-


schaftlichen, sondern nach und nach auch in der gewerb­ lichen Sphäre und damit auch im Außenhandel. An die Stelle des nur privatwirtschaftlich bestimmten Preises tritt nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der gewerblichen Wirtschaft der volkswirtschaftlich richtig bestimmte Preis. Das ist der Sinn der Marktregelung in der Landwirtschaft und künftig auch in der gewerblichen Wirtschaft. Diese zur Sicherung und Förderung der Wachstums­ und Lebenskräfte des Volkes notwendige Marktregelung, dieser von der politischen Führung des Volkes bewußt ge­ zogene Rahmen, der die Freiheit des wirtschaftenden Men­ schen nur dort beschneidet, wo er die Freiheit der Nation gefährdet, kann von der Wirtschaft in voller Selbstverant­ wortung und mit eigener Tatkraft nur dann ausgefüllt werden, wenn sie sich in die drei natürlichen Berufsgrup­ pen gliedert, wie sie schon auf dem Bauernhof vorhanden sind und deren jede besondere Aufgaben im Dienst am Volksganzen hat. Diese drei Gruppen sind: i. Die Land­ wirtschaft. 2. Die gewerbliche Wirtschaft. 3. Die Außen­ wirtschaft. Diese klare Gruppenbildung ermöglicht auch eine klare und einheitliche Bildung der notwendigen Selbstverwal­ tungsformen der Wirtschaft. Der Aufbau jeder Gruppe entspricht dem nationalsozialistischen sittlichen Grund­ prinzip des Volksaufbaus: Freiheit und Selbstverantwor­ tung in der natürlichen völkischen Gebundenheit. Diese Selbstverwaltungsformen der Wirtschaft, von de­ nen die erste heute bereits durch das „Reichsnährstands­ gesetz“ für die Landwirtschaft fertig dasteht, und deren zweite durch das „Gesetz zum organischen Aufbau der 132


Wirtschaft“ für die gewerbliche Wirtschaft in der Bil­ dung begriffen ist und die vielleicht noch durch ein Gesetz zur Ordnung der Außenwirtschaft ergänzt werden muß, sind dann nicht nur das geeignete Instrument für die ein­ heitliche Führung der Wirtschaft durch die Politik des Führers, sondern werden zugleich auch der Träger der Berufsehre und das sachverständige Gremium für die Bil­ dung des „gerechten Preises“ , d. h. volkswirtschaftlich richtigen Preises. Sie sind vertikale Organisationen, die mehr und mehr eine Auflösung aller horizontalen Preis­ verbände für Waren, Geld und dgl. nach sich ziehen müs­ sen, der Privatkollektive, die bisher neben dem hemmungs­ losen Wettbewerb die Lieblingskinder des Wirtschafts­ liberalismus waren. Durch sie erst wird auch positiv der gerechte Preis und damit der gerechte Leistungsaustausch wieder hergestellt, der negativ bereits jetzt durch Verbot von Aussperrungen, Streiks und monopolistische Preis­ verbände für Geld und Ware gesichert ist. Durch sie wird erst der Vorrang der Arbeit vor dem Kapital und der Vor­ rang des arbeitenden Menschen und der Leistung vor un­ sittlichen Gewaltmaßnahmen wieder aufgerichtet. Ich hoffe, durch meine Ausführungen klargestellt zu haben, daß der Nationalsozialismus als echte weltanschau­ liche Bewegung das große Grundmotiv aller Weltan­ schauungen, die Frage nach Freiheit und Gebundenheit von neuem aufwirft und sie einer erneuten natürlichen Lösung zuführt. Nirgends soll die persönliche Freiheit und Tatkraft des einzelnen beschnitten werden bis auf eine Ausnahme, nämlich dort, wo er die Freiheit des Volkes be­ schränkt. Echte Volksgemeinschaft heißt: Einigkeit nach innen, Geschlossenheit nach außen. Eines ohne das andere 133


ist unmöglich. Deshalb hat auch Adolf Hitler als den ein­ fachsten und natürlichsten Ausdruck für den National­ sozialismus eben den Begriff der Volksgemeinschaft ge­ setzt. Die Pflege echter Volksgemeinschaft läßt alle diese Tugenden: Treue, Ehre, Freiheit und Selbstverantwort­ lichkeit in ihrer völkischen Gebundenheit ganz natürlich und von selbst wieder aus ihrem Boden sprießen. Aus der natürlichen Volksgemeinschaft heraus wird der einzelne Mensch, wenn er sich bewußt als Glied des Ganzen fühlt und einordnet, zu einer neuen Haltung in seinem Leben und in allen seinen Betätigungen erzogen. Und zwar nicht nur auf den Gebieten der Politik, der Kunst und der Kul­ tur, sondern auch der Wirtschaft. Denn alle diese Lebens­ äußerungen sind eine Einheit und nicht voneinander zu trennen. Eine neue Gesamthaltung des deutschen Menschen, ein neuer Lebensstil ist damit im Werden begriffen. Diese neue Zucht und Erziehung des deutschen Volkes, die heute in der Hauptsache noch über Kolonnen und For­ mationen erfolgen muß, also durch äußere Disziplin, wird im Laufe der Geschlechterfolge mehr und mehr abgelöst werden durch innere Disziplin, durch Selbstzucht. Denn der Nationalsozialismus weiß genau, daß alles, was auf äußerer Zucht errichtet wurde, vergänglich, alles aber, was auf innere Zucht, auf Selbstzucht gebaut ward, unvergänglich ist. Aber das deutsche Volk wurde durch die Fehlleitung von Schichten, die sich in den letzten Jahr­ hunderten immer mehr aus der lebendigen Volksgemein­ schaft durch Standes-, Klassen- oder Bildungsdünkel ab­ sonderten, innerlich und äußerlich so außer Rand und Band gebracht, daß es erst einmal wieder einer straffen 134


äußeren Zucht, eines äußeren Befehls über Kolonnen und Formationen bedarf, damit der Nationalsozialismus mit seinem großen Erziehungswerk überhaupt beginnen kann. Diese Erziehung besteht in einer bewußten Stärkung (über Rassenpflege und immer stärkerer Führungsbeteiligung) desjenigen Rassekerns des deutschen Volkes, der ausge­ sprochen deutsch und nordisch, d. h. instinktsicher ist und damit den Befehl aus seinem Innern empfängt. Erst durch solche, sich über Geschlechterfolgen erstreckende Stärkung des deutsch-nordischen Rassekerns wird das deutsche Volk allmählich wieder aus seinem Innern her­ aus, aus den Ursprüngen seines Wesens, eine neue natür­ liche Selbstzucht, eine neue Gesamthaltung, einen neuen Lebensstil auf allen Gebieten entwickeln. Und erst dann, wenn sein größter und führender Teil wieder instinktsicher geworden ist, wenn er wieder die Befehle aus seinem In­ nern, aus seiner Intuition empfängt, wird er wieder mehr des äußeren Befehls enbehren können. Aber niemals der soldatischen Haltung (Einigkeit nach innen, Geschlossen­ heit nach außen), denn diese verlangt die geographische Lage des deutschen Volkes in Europa zu allen Zeiten. Diese soldatische Haltung, die das oberste Lebens- und Wachstumsgesetz der Nation von jedem einzelnen ver­ langt, besteht in dem Opfer, das er der Allgemeinheit in seiner Arbeit zu bringen hat. Also auch der Bauer, der Handwerker, der Industrielle und der Kaufmann haben, indem sie sich freiwillig unter dieses oberste Gesetz der Gemeinschaft beugen, einen Teil ihrer Leistung zu opfern. Ebensowenig wie der Offizier, wie der Beamte, der Künst­ ler und Erfinder ihre Leistungen hundertprozentig in Geld bezahlt erhalten, ebensowenig kann der wirtschaftende 135


Mensch erwarten, wenn er sich mit seiner Arbeit in den Dienst des Ganzen stellt, für seine Leistung hundertpro­ zentig mit Geld entschädigt zu werden. Für den Teil sei­ ner Leistung, den er opfert, wird ihm dann aber ebenso wie dem Offizier, wie dem Künstler und Beamten mit erhöhtem sozialen Ansehen und Ehre vergolten werden. Denn seine Haltung ist nun wieder die gleiche Haltung wie die der anderen Lebenskreise der Nation. Der wirtschaftende Mensch ist mit seiner Tätigkeit wie­ der eingerückt in die geschlossene Front der Lebens- und Wachstumskräfte der Nation. Seine Tätigkeit hat sich aus der Ebene der rein zivilisatorischen erhoben in die Sphäre der kulturellen Haltung. Die Wirtschaftspolitik wird wie­ der zur Kulturpolitik. Worin besteht nun, konkret gesprochen, dieses Opfer des wirtschaftenden Menschen?lWorin besteht diese sol­ datische Haltung! Sie besteht darin, daß der Bauer die Nahrungsfreiheit unter Verzicht auf den größtmöglichsten Nutzen sichert. Sie besteht darin, daß der Gewerbetreibende, der Handwer­ ker, der Industrielle unter Opfern die Rohstofffreiheit sichert. Und sie besteht darin, daß der Kaufmann und der Arbeiter in diesem Sinne Verzicht leisten auf einen maxi­ malen Lohn für ihre Arbeit im Güteraustausch und in der Güterherstellung. Der wirtschaftende Mensch soll also der Nation nach au­ ßen die Handlungsfreiheit sichern, und nach innen, indem er als Hauptmann vor seiner Gefolgschaft oder als Soldat vor seinem Betriebsführer steht, den sozialen Frieden si­ chern unter der Parole: Alle für einen und einer für alle. Sie wissen es aus eigener Erfahrung, daß die Kompanie 136


nur etwas wert ist, wenn der Hauptmann etwas wert ist. Und das umgekehrt, wenn der Hauptmann ein ganzer Kerl ist und er sich rücksichtslos einsetzt für seine Ge­ folgschaft, auch jeder einzelne seiner Soldaten für ihn durchs Feuer geht. Nicht um maximalen Geldverdienst und Lohn dreht sich dann das Verhältnis der Betriebsleiters zu seiner Gefolg­ schaft und des wirtschaftenden Menschen gegenüber dem Volksganzen, sondern wieder um die höchsten sittlichen Werte der Nation. In dieser erneuerten Haltung wird uns dann auch der Opfergeist vergangener Generationen in Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Städtebau wieder lebendig. Nur aus seiner echten Volksgemeinschaft und ihrer heldischen Haltung ist zu verstehen, daß in Lübeck und in Nürnberg, in Danzig und in Köln wie in allen an­ deren Hochburgen unserer Vergangenheit, rein repräsen­ tative Bauten emporgetrieben wurden, die nicht irgendwel­ chen wirtschaftlichen Zwecken dienten. Nicht durch Stif­ tung einzelner, sondern durch das Opfer der namenlosen Gemeinschaft wurden diese Rathäuser, diese Dome, die Stifte und Abteien und ihre herrlichen Kunstwerke ge­ schaffen. Sie sind die unvergänglichen Kulturdenkmäler einer ersten deutschen Gemeinschaft, der infolge ihrer inneren Geschlossenheit und Haltung das Opfer nicht mehr als Opfer, erschien, sondern als höchste Sicherung der Lebens- und Wachstumskräfte der Gemeinschaft und damit ihrer Kinder und Kindeskinder. Nicht Opfer, sondern Liebe, Stolz und Treue war unse­ ren Ahnen der Dienst an der Gemeinschaft, und damit fanden sie den tiefsten inneren Sinn jeder kulturellen und schöpferischen Arbeit. Die Erneuerung des deutschen 137


Volkes durch den Nationalsozialismus wird diese ewigen Kräfte der Vergangenheit und des deutschen Volkes wie­ der wachrufen und zu neuem Opfer und Dienst befähigen. Denn alle die Regierungsmaßnahmen auf allen Gebieten, wie sie von unserem Führer verfügt werden, gewinnen erst ihren lebendigen Sinn, wenn sie auch Willens- und Opfer­ bereitschaft bei jddem von ihnen treffen. An Sie alle, an den deutschen Kaufmann, den deutschen Arbeiter, den deutschen Bauer, den deutschen Industriellen und Gewerbetreibenden, ergeht durch den Mund unseres Führers der Ruf des ewigen Deutschlands: Helft mit und arbeitet mit aus innerster Überzeugung an dem Neubau einer neuen deutschen Lebens- und Kulturgemeinschaft. Alle für einen und einer für alle. Alles für Deutschland.

Völkische W irtschaft ist wehrhafte W irtschaft A ufsatz in der Zeitschrift „ Deutsche Technik, Betrieb und W ehr", M a i-H eft 1936.

Wehrhafte Haltung ist die unverrückbare Grundlage alles einzelmenschlichen und völkischen Seins. Volk wie Einzelmensch empfangen ihre Existenz allein aus Gottes Hand und nicht aus irgendwelchen menschlichen „kollek­ tiven Sicherungen“ . Die Erhaltung dieser autonomen Exi­ stenzberechtigung von Einzelmensch und Volk ist deshalb die Voraussetzung aller zusätzlichen kollektiven Siche­ rung. Freiheit und Ehre können darum an erster Stelle immer nur durch Selbstverteidigung erhalten werden. Nur wer sich selbst hilft, dem helfen die Götter. Völkische Haltung bedeutet deshalb nicht nur eine wehr138


hafte heldische Haltung in den staats-, kunst- und kultur­ politischen Lebensräumen eines Volkes, sondern ebenso auch im Raum seines wirtschaftlichen Denkens und Han­ delns. Denn Freiheit und Ehre völkischen Lebens sind un­ teilbar. Erst wenn durch biologische Entartung oder Überlage­ rung mit artfremden Denkformen diese schöpferische Ganzheit völkischen Lebens schwach wird, beginnt der bisher an die Intuition und den Instinkt der rassischen Substanz gebundene Intellekt sich aus diesen seinen natür­ lichen Bindungen zu befreien und zerlegt die wehrhafte Ganzheit völkischen Lebens in für das Ganze immer un­ fruchtbarer werdende Teilgebiete und Spezialistentum. Das Leben wird zu einer Schubfachangelegenheit, und je­ des Einzelgebiet beginnt ein Sonderdasein zu führen und seine „Eigengesetzlichkeit“ zu entwickeln. Es tritt dann jener Zustand ein, den wir in der vergangenen liberalistisch-kapitalistischen Epoche kennengelernt haben, der in völkischem Tod, in Rassenchaos und Bolschewismus enden muß. — Der heroische Kampf Adolf Hitlers geht deshalb letzten Endes darum, den entarteten Intellekt auf allen Gebieten deutschen Lebens wieder unter die Herrschaft der irratio­ nalen, der ewigen Lebens- und Wachstumskräfte unseres Volkes zu beugen und ihn durch zielbewußte Aufartung unserer Volkssubstanz wieder in seine natürliche Bindung zurückzuführen. Denn erst diese Bindung und die Wieder­ herstellung einer einheitlichen, wehrhaften Haltung aller Lebens- und Wachstumskräfte gibt unserem Volkstum die Möglichkeit neuen Wachstums und neuer Selbstbehaup­ tung. 139


Deshalb ist eine wehrhafte Gestaltung des deutschen Lebensraumes und eine wehrhafte Ausrichtung der geisti­ gen Haltung auf allen Gebieten, auch auf dem der Wirt­ schaft, die Voraussetzung für jedes neue Wachstum deut­ schen Lebens. Diese Einsicht kann nicht vermittelt werden durch die Anrufung der „ratio“ , durch die Aufstellung neuer intellektualistischer Theorien und Doktrinen, son­ dern nur durch den Anruf der „irratio“ der ewigen Lebens­ und Wachstumskräfte unseres Volkes selbst. Durch Auf­ ruf zu neuer heldischer Haltung des deutschen Geistes und zu wehrhafter Gestaltung seines Lebensraumes, So wurden durch Adolf Hitler die falschen, wehrlos­ machenden Freiheitsdoktrinen einer früheren Zeit bereits in der Staats-, Rechts- und Kulturpolitik beseitigt und eine neue wehrhafte Haltung an ihre Stelle gesetzt. Das gleiche hat in dem Bereich der Wirtschaftspolitik zu geschehen. Den das deutsche Volk wehrlosmachenden wirtschaftlichen Intellektualismus - den Kapitalismus - und den wehrlos­ machenden sozialen Intellektualismus - den Marxismus kann man nicht durch freundliches Zureden, sondern nur durch radikale Überwältigung seitens der irrationalen Kräfte beseitigen. Nicht durch die Aufstellung neuer, aus dem Intellekt konstruierter Wirtschaftstheorien und Wirtschaftsdoktri­ nen, neuer Prinzipien und Grundsätze kann man deshalb die Wirtschaft erneuern, sondern nur durch Erziehung zu einer neuen wehrhaften Haltung, also durch Verkündung einer neuen Wirtschaftsanschauung. Nur so wird es ge­ lingen, die in „Eigengesetzlichkeit“ und Materialismus entartete wirtschaftliche Betätigung eines Volkes wieder zu einer echten Volkswirtschaft zu wandeln und ihre Hal140


tung wieder in Einklang mit der gleichen soldatischen Hal­ tung auf den übrigen Lebensgebieten zu bringen. So daß auch durch sie dieselben Lebens- und Wachstumskräfte wieder hindurchströmen und sie in die biologische Einheit des Volksganzen wieder eingeordnet wird. Echte Volkswirtschaft ist deshalb immer wehrhafte Wirtschaft. Sie ist keine isolierte Angelegenheit von Mark und Pfennig, sondern eine geistige Angelegenheit. Nicht höchste Wirtschaftlichkeit und höchster Lohn um jeden Preis ist ihr oberstes Ziel - wie Kapitalismus und Marxis­ mus verkündeten, sondern die Erfüllung der wirtschaft­ lichen Wehrpflicht: die Sicherung der Lebens- und Wachs­ tumskräfte des deutschen Volkes und seines Lebensraumes mit wirtschaftlichen Mitteln. Erst nach der Erfüllung dieser Wehrpflicht - nämlich der Sicherung der Rohstofffreiheit und Nahrungsfreiheit, die zusammen erst die Wirtschaftsfreiheit ausmachen - ist die höchste Wirtschaftlichkeit in der Auswahl der Produk­ tions- und Handelsmethoden unabdingbares Gebot. Erst nach erfüllter Wehrpflicht beginnt somit die Wirtschafts­ pflicht, d. h. Auswahl der rationellsten Betriebs- und Han­ delsmethoden. Die im völkischen Sinne defaitistische Wirtschaftsgesinnung der beiden Zwillingsbrüder: Kapi­ talismus und Marxismus - bestand ja gerade darin, daß die höchste Wirtschaftlichkeit an sich, die sog. Wirt­ schaftspflicht - ohne Rücksicht auf die Sicherheit der Na­ tion - vor die Wehrpflicht der Wirtschaft gesetzt wurde. Man glaubte während der liberalistischen Epoche allen Ernstes seine „patriotische Pflicht“ dadurch dem Staate gegenüber erfüllt zu haben, wenn man mit Hilfe der denk­ bar rationellsten Produktions- und Handelsmethoden einen


möglichst großen Überschuß erzielte. Denn aus diesem konnte dann ja der Staat sich im großen Umfange Steuern beschaffen für Heer, Flotte und Luftstreitkräfte, die, nach Ansicht der liberalistischen Wirtschaftsordnung, allein den Staat zu sichern hatten. Daß aber die Wehrmacht die Auf­ gabe des äußeren Schutzes von Lebensraum und Volkstum nicht erfüllen kann, wenn der laufende Nachschub für Wehrmacht und Volk aus der Binnenwirtschaft nicht ge­ sichert ist, wurde vergessen. Dadurch haben wir ja auch letzten Endes den Weltkrieg verloren. Man kann sich eben nicht durch Steuerzahlung von der Wehrpflicht der Wirtschaft loskaufen. Freiheit ist nicht käuflich. Auch die Wirtschaftsfreiheit kann nur durch Selbstverteidigung gesichert werden. Und ohne Wirt­ schaftsfreiheit keine Wehrfreiheit! Denn nur, wenn die eiserne Ration an Nahrungsmitteln für Mensch und Vieh und die eiserne Ration an gewerblichen Rohstoffen, die ein Volk vor Kapitulation schützen —bei Boykott oder Bela­ gerung - im Lande selbst gewonnen wird, ist die Wehr­ macht durch eine solche soldatische Haltung der Wirt­ schaft im Rücken gesichert, so daß sie nun den äußeren Schutz des Lebensraumes des Volkes auch wirklich durch­ führen kann. Eine solche Steuerung der Wirtschaft verteuert vielleicht am Anfang hier und da Produktion und Handel. Sie ver­ langt also Opfer an Mehrarbeit. Denn der Bezug mancher Güter aus irgendwelchen Teilen der Welt ist oft billiger als die Selbstherstellung im eigenen Lande. Diese Opfer müs­ sen aber gebracht werden. Denn was hier an Geld ge­ spart wird, muß sonst eines Tages mit Blut bezahlt werden. Die Bewahrung von Freiheit und Ehre verlangt stets Op­ 142


fer. Auch die W irtschaft kann sich, wenn sie echte Volks­ wirtschaft sein will, niemals dieser Opfer für Freiheit und Ehre entziehen. Denn sie ist ja nicht eine isolierte Ange­ legenheit von Mark und Pfennig. Ein Mechanismus, um Geld zu verdienen - sondern ein Teil der lebendigen Le­ bens- und Wachstumskräfte des Volkes, deren Ganzheit und Unversehrtheit sie mit wirtschaftlichen Mitteln zu fördern und zu sichern hat. Im übrigen können wir zu deutschem Erfindungsgeist, deutscher Technik und deutscher Arbeit das Zutrauen ha­ ben, daß die durch Synthese, auf künstlichem Weg erzeug­ ten Stoffe mit der Zeit so verbilligt werden, daß sie die Konkurrenz mit den natürlichen Rohstoffen des Auslan­ des aufnehmen können. Noch immer ist die Entwicklung so verlaufen. Denn die Technik ist ein Produkt nordischen Geistes. Ihr tiefster Sinn besteht darin, durch arbeitspa­ rende Methoden, Maschinen und Apparate die Mehrarbeit wieder auszugleichen, die uns nordischen Menschen durch ungünstige Bodenbeschaffenheit und ungünstiges Klima gegenüber anderen Völkern der Welt auferlegt ist. Nur so können wir die für kulturelle Betätigung erforderliche Muße gewinnen, die anderen Völkern durch leichtere Ge­ winnung ihrer Rohstoffe und Nahrungsmittel von der Na­ tur gewährt wird. Diese Erneuerung der geistigen Haltung in der wirt­ schaftlichen Betätigung des deutschen Volkes ist also nur durch Verkündung einer neuen, völkisch-wehrhaften Wirtschaftsanschauung, und nicht durch Aufstellen von neuen Wirtschaftsdoktrinen und -maximen möglich. Diese neue Wirtschaftsanschauung setzt Wehrpolitik vor Geld­ politik und zerbricht alle in den letzten hundertfünfzig 143


Jahren aufgestellten Wirtschaftstheorien, die umgekehrt Geldpolitik vor Wehrpolitik stellten und die die Folge einer unvölkischen und damit wehrlosen Haltung waren. Wie kann nun praktisch die Wirtschaftsfreiheit, ohne die eine Wehrfreiheit nicht möglich ist, gewonnen wer­ den? Dies kann nur durch umfassende Marktregelung ge­ schehen. Die Marktregelung ist die Selbstverteidigung, ist das Steuerorgan, das die Gewinnung der eisernen Ration an Nahrungsmitteln und gewerblichen Rohstoffen für Mensch und Vieh sichert. Sie ist bereits weitgehendst durchgeführt im Agrarsektor durch die Selbstverwaltungs­ und Selbstverantwortungskörper des Reichsnährstandes. Sie wird auch im gewerblichen Sektor durch den Selbstverwaltungs- und Selbstverantwortungskörper der ge­ werblichen Binnenwirtschaft - die Reichswirtschaftskam­ mer - zwecks Sicherung der Rohstofffreiheit noch mehr wie bisher durchgeführt werden. Schließlich wird für die Sicherung des über die Nahrungs- und Rohstofffreiheit hinausgehenden Einfuhrbedarfes noch ein dritter Selbstverantwortungs- und Selbstverwaltungskörper - eine Reichsaußenhandelskammer - mit der Zeit notwendig werden. Denn alles, was über die Sicherung der Wirt­ schaftsfreiheit hinaus an Gütern für ein Volk erstrebt wird, kann durch möglichst großen Außenhandel hereinge­ schafft werden. Nur durch einen großen Außenhandel läßt sich der Lebensstandard des deutschen Volkes über den schmalen Stand heben, den ihm die enge eigene Scholle gewährt. Die eigene Scholle muß somit dem deutschen Volke in der Hauptsache zur Sicherung seiner Wirt­ schaftsfreiheit und der Außenhandel zur Sicherung seines hohen Lebensstandards dienen. 144


Als Ergänzung einer neu geordneten Binnenwirtschaft muß auch der Außenhandel neu geordnet und so gerichtet werden, daß er den Lebens- und Wachstumskräften des deutschen Volkes und seiner Tauschpartner dient. Denn auch der Außenhandel kann nicht mehr nach liberalistischer Manier als Hausierhandel getrieben werden, der heute hier, morgen dort in der Welt einkauft, je nachdem, wo es am billigsten ist. So wird der deutsche Außenhandel mit der Zeit zu klaren Abmachungen und einer immer en­ geren Zusammenarbeit vor allem mit den Volkswirtschaf­ ten des Südostraumes und des Nord- und Ostseegebietes kommen müssen. Erst auf kameradschaftlicher Grund­ lage, die durch Handels- und Währungsverträge die gegen­ seitige Souveränität garantieren, läßt sich eine friedliche Zusammenarbeit der Völker des europäischen Kontinents aufbauen. In dieser sinnvollen Gliederung und Selbstverwaltung von Landwirtschaft, Gewerbe und Außenhandel kehrt die Volkswirtschaft zu der natürlichen Ordnung des Lebens zurück, wie sie im Bauernhof als der Urzelle aller echten Volkswirtschaft gegeben ist. Der einzelne Bauernhof ist immer wehrhaft. Pflug und Schwert sind nicht voneinan­ der getrennt. Vergrößert sich die Familie über den Nah­ rungsspielraum des einzelnen Hofes hinaus und steht neuer Siedlungsraum nicht zur Verfügung, so setzt ein Austausch mit landwirtschaftlichen und gewerblichen Leistungen zwischen den Bauernhöfen ein, wobei jedoch der einzelne Bauernhof in seiner Unabhängigkeit niemals gefährdet wird. Der einzelne Bauernhof gibt daher auch in Zusam­ menarbeit und im Austausch mit anderen Bauernhöfen seine Selbständigkeit niemals auf. Er dient keinem andexo

Daltz I

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ren Zwecke als dem: die Lebens- und Wachstumskräfte der auf ihm lebenden Sippe zu fördern und zu schützen, ihr die unerschütterliche materielle Grundlage für ihre Selbstbehauptung und ihr Wachstum zu geben. Was aber für den Bauernhof gilt, gilt auch für die Volks­ wirtschaft, die im Keim mit all ihren Verästelungen schon im Bauernhof ist. Beide haben daher, sofern sie gesund sind, in gleicher Weise den Grundsatz der Wehrhaftigkeit durchzuführen. Einer Volkspersönlichkeit wird ebenso­ wenig wie einer Einzelpersönlichkeit die Freiheit durch kollektive Sicherheit von oben herunter verliehen. Nur wer sich auf dieser Erde selbst verteidigt, bleibt frei. Diese Verteidigung aber muß sich auf alle Gebiete, auch auf die Wirtschaft, erstrecken. Denn ohne wirtschaftliche Frei­ heit gibt es keine politische Freiheit und keine Wehrfrei­ heit eines Volkes. So ist völkische Wirtschaft immer wehrhafteWirtschaft 1DieWiederzusammenfassung von Agrar-, gewerblicher und Außenwirtschaft zu einer lebendigen, ge­ führten, nicht auf äußeren Befehl, sondern letzten Endes auf innerer Zucht beruhenden, biologischen Einheit.

D er völkische Sinn des zweiten Vier jahresplanes Aufsatz in der Zeitschrift ,,Metallwirtschaft". H eft 42, Oktober 1936.

Eine wirkliche politische und kulturelle Unabhängig­ keit des deutschen Volkes ohne wirtschaftliche Unabhän­ gigkeit ist unmöglich. Da dem neuen Volksstaat Adolf Hitlers die Verteidigung seiner Ehre und seiner Freiheit das oberste Gesetz ist, muß auch die Wirtschaft so geführt 146


werden, daß Deutschland wegen Nahrungs- oder Rohstoff­ mangels niemals vor fremden Zumutungen zu kapitulie­ ren braucht. Denn völkische Haltung ist wehrhafte Hal­ tung: Freiheit durch Selbstverteidigung auf allen Gebieten völkischen Lebens 1 Keines kann davon ausgenommen werden; weder das staatspolitische oder das kulturpoliti­ sche, noch das wirtschaftspolitische. Keines ist eigenge­ setzlich. Keins kann sich in seiner geistigen und ethischen Haltung von den anderen lösen. Die irrationale, lebendige Einheit völkischen Lebens ist unteilbar und ebenso ihre obersten Werte: Ehre, Freiheit, Treue und Opferbereit­ schaft. - Deshalb muß das Existenzminimum an Nah­ rungsmitteln für Mensch und Vieh und an gewerblichen Rohstoffen, das wir im Frieden und Krieg brauchen, in­ nerhalb unseres Landes selbst erzeugt oder gesichert wer­ den - koste es was es wolle. Denn für Ehre und Freiheit ist kein Preis zu hoch. Erst der zusätzliche Bedarf, der die Wirtschaftsfreiheit des deutschen Volkes nicht in Frage stellt, der aber für die Erhaltung und Hebung seines heu­ tigen Lebensstandards notwendig ist, kann Gegenstand des Außenhandels sein. Da die Wirtschaftsfreiheit sich aus Nahrungsfreiheit und Rohstofffreiheit zusammensetzt, so wurden vom Füh­ rer zwei Vierjahrespläne für die Wirtschaft verkündet. In dem ersten sollte die Nahrungsfreiheit erkämpft und die Arbeitslosigkeit beseitigt werden. Und im zweiten Vier­ jahresplan soll nun die Rohstofffreiheit errungen und da­ mit auch der Außenhandel geordnet werden. Der erste Vierjahresplan ist voll gelungen. Wie die Ar­ beitslosigkeit überwunden wurde nicht durch Verteilung der Arbeit, durch irgendeine ausgeklügelte „Arbeits- oder IO*

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Kapitallenkung“ , sondern durch Produktionssteigerung nach dem Grundsatz: Arbeit schafft Kapital - ist allen be­ kannt. Und ebenso wie gleichzeitig durch Arbeitsfront und die „Treuhänder der Arbeit“ eine neue nationalsozialisti­ sche Arbeitsgemeinschaft aufgerichtet wurde als lebendi­ ger Ausdruck der alles umfassenden Volksgemeinschaft. Eine neue Arbeitsordnung, die von völkischer Haltung ge­ tragen wird und nicht von dem Streben nach maximalem Lohn oder Gewinn ohne Rücksicht auf die Sicherung und Förderung der Lebens- und Wachstumskräfte von Betrieb und Volkswirtschaft, sondern von völkischer Ehre und Leistung. In der also nicht das Geld das oberste Regulativ ist, sondern die irrationalen ewigen völkischen Werte: Ehre, Freiheit, Treue und Opferbereitschaft. In der jeder­ mann gleich geehrt und geachtet wird, wenn er seine Ar­ beit nur mit ganzem Herzen und nach besten Kräften tut. Es wurde mit dem kapitalistischen Grundsatz aufgeräumt, daß Geld Ehre bedeutet und daß die soziale Frage eine Lohnfrage ist. So wurde im ersten Vierjahresplan auch eine Arbeits­ ordnung aufgerichtet, die die neue völkisch-wehrhafte Haltung auf diesem deutschen Lebensgebiet verkörpert, die damit den völkischen Wachstumskräften, d. h. einer neuen echten Leistungssteigerung und Überschußwirt­ schaft wieder den Weg freimacht. Der andere Teil des ersten Vierjahresplans befaßte sich, wie erwähnt, mit der Neuordnung der Landwirtschaft. Es wurde ein Anbauplan entworfen und in der Erzeugungs­ schlacht durchgeführt, der eine solche Menge und Mannig­ faltigkeit an Nahrungsmitteln für Mensch und Vieh und landwirtschaftlichen Rohstoffen aus deutschem Boden 148


vorsah, daß damit die deutsche Nahrungsfreiheit ge­ sichert ist. Wie uns jetzt der Reichsbauernführer verkündet, ist es dem Selbstverantwortungs- und Selbstverwaltungskörper der deutschen Landwirtschaft, dem Reichsnährstand, der mit der Durchführung dieses Anbauplanes und der Markt­ regelung betraut ist, vollauf gelungen, mit dem ersten Vierjahresplan dem deutschen Volke die Nahrungsfreiheit zu erkämpfen. Durchschnittlich 85% des normalen Jah­ resbedarfes, d. h. des Bedarfes, der dem heutigen hohen Lebensstandard des deutschen Volkes entspricht - werden bereits im Lande gewonnen. Und dies war möglich, trotz­ dem die landwirtschaftliche Nutzungsfläche des deutschen Reiches um rund 15 % gegenüber 1913 vermindert ist, und die Volkszahl in dem um 13 % kleineren deutschen Vater­ lande heute wieder die gleiche ist wie im größeren Deutsch­ land von 1913. Wenn wir hierzu noch die Erhöhung des heutigen Lebensstandards gegen 1913 in Betracht ziehen, so kann man sagen, daß die neue deutsche Agrarpolitik es im ersten Vier jahresplan tatsächlich fertiggebracht hat, die Erzeugung so zu heben und so mannigfaltig zu gestalten, daß wir auf 15% kleinerer Nutzungsfläche heute das deutsche Volk bereits 100 prozentig auf den Lebensstandard von 1913 aus eigenem Boden ernähren können. Diese Leistung war nur dadurch möglich, daß auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft an die Stelle der händleri­ schen Gesinnung das ewige völkische Ethos trat. Genau so wie die deutsche Arbeitsfront und das „Gesetz zur Ord­ nung der nationalen Arbeit“ , die ja in Wirklichkeit der deutsche Selbstverantwortungs- und Selbstverwaltungs­ 149


körper der sozialen Ehre sind, diesen Gesinnungswechsel in der Arbeitsgestaltung durchführten. Mit dem landwirtschaftlichen Produktionsplan allein war es ja nicht getan, sondern Erzeugung, Austausch und Verzehr mußten nach einem anderen Gesetz geregelt wer­ den, wie dies bisher in der liberalistischen Wirtschaft ge­ schah. An die Stelle des „freien Spiels der Kräfte“ und der Freizügigkeit von Geld und Ware wurden Berufsehre und der gerechte Preis, der nirgends die organische Freiheit von Erzeuger, Händler und Verbraucher antastete, ge­ setzt. Also auch hier wieder die lebendigen Werte: Ehre, und Freiheit als Steuerung des Wirtschaftsvorganges statt eines toten Geldautomatismus. Das Instrument des Reichsnährstandes, die landwirtschaftliche Marktrege­ lung, ist die Verkörperung dieses Gesinnungswechsels, der es bewirkt, daß nicht mehr das Volk für die Agrarwirt­ schaft, sondern die Agrarwirtschaft für das Volk da ist. So konnte der erste Vier jahresplan, der dem deutschen Volke auf dem Gebiete der Agrar- und Arbeitspolitik eine wehrhafte Haltung und damit auf diesen Gebieten seine völkische Ehre und völkische Freiheit zurückgab, nur durchgeführt werden, weil diese Gebiete sich auf ihre ewi­ gen völkischen Ursprünge besannen und sich vom intellektualistischen, jüdischen Gelddenken befreiten. Die Quelle der Leistungssteigerung und einer neuen gesunden Überschußwirtschaft im ersten Vierjahresplan und die Wiederaufrichtung von völkischer Ehre und Freiheit war also nicht irgendein ausgeklügelter Finanzplan, sondern die Freilegung der ewigen Lebens- und Wachstumskräfte des deutschen Volkes auch auf diesem Gebiete durch un­ seren Führer Adolf Hitler. - Aber auch bei der Durchfüh150


rung dieses ersten wirtschaftlichen Vierjahresplanes zeigt es sich wieder, daß gerade bei den Fachleuten, den Spezia­ listen und Routiniers, den „Größen“ des vergangenen liberalistisch-kapitalistischen Systems, dieser Wechsel der Haltung von einer händlerischen zu einer heldischen, von einer wehrlosmachenden zu einer wehrhaften Wirtschafts­ führung - dem größten Unverständnis begegnete. Also auch hier wieder das gleiche Erlebnis wie beim Struktur­ wechsel im politischen und kulturpolitischen Raum, wo die Zünftigen, die Berufspolitiker und Gelehrten dem na­ tionalsozialistischen Umbruch das geringste Verständnis entgegenbrachten. Und das ist letzten Endes durchaus be­ greiflich. Denn die völkische Gesinnung wird ja nicht aus der Ratio, dem Intellekt, geboren, sondern erwächst im­ mer nur aus den irrationalen ewigen Lebens- und Glau­ benskräften des Volkstums. Darum wurde ja auch der Führer niemals von den „K lugen“ , sondern immer von den „Einfältigen“ , denen, die starken Herzens waren, zu­ erst verstanden. - Das Landvolk und der einfache, unver­ bildete Arbeiter wurden deshalb auch von dieser neuen Geisteshaltung zuerst durchdrungen und so zu Trägern des ersten Vierjahresplanes. Im zweiten Vierjahresplan wird nunmehr auch die bis­ herige Statik der gewerblichen Wirtschaft, der liberalistischen Spezialisten- und Sachverständigendünkel, das Gelddenken von der Dynamik der Bewegung aufgelöst und auch hier in eine völkische verwandelt werden. Es ist zu hoffen, daß die Betriebsleiter in der gewerblichen Wirt­ schaft und im Außenhandel sich ein Beispiel an der Hal­ tungsänderung im Agrarsektor nehmen werden, um so intellektuelle Hilfen und Stützen für das Verständnis der


neuen geistigen Haltung, die in die gewerbliche Wirt­ schaft einziehen muß, zu gewinnen. Denn die Erkämpfung der deutschen Rohstofffreiheit verlangt, ebenso wie im Agrarsektor, nicht nur die Aufstellung eines Produktions­ planes, sondern auch eine Marktregelung in den haupt­ sächlichsten Grundstoffen. Eine Marktregelung, die von einem inneren Verständnis und einer inneren Bereitschaft getragen sein muß, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll, die im Anfang vielleicht teueren synthetischen Werkstoffe oder minderprozentigen deutschen Erze in sinngemäßer Weise an Stelle der Auslandswaren zu verarbeiten. Es muß begriffen werden, daß auch die gewerbliche Wirt­ schaft wie der Außenhandel nicht nur materiellen Zwekken, der Erzielung der billigsten oder höchsten Preise dient, sondern an erster Stelle die Ehre und die Freiheit des Volkes zu sichern hat. Es muß begriffen werden, daß, wenn gewisse im Inland synthetisch hergestellte Rohstoffe auch am Anfang mehr kosten werden als ihr Bezug aus dem jeweils billigsten Auslande - letzten Endes weder un­ sere „Konkurrenzfähigkeit“ auf dem Weltmarkt noch die innerdeutsche Wirtschaftlichkeit leiden wird. Der Führer hat dies in unübertrefflicher Weise in seiner Proklamation in Nürnberg ausgedrückt. - Die anhaltende Strukturände­ rung und Außenwährungsschwankungen im Welthandel und -verkehr, die sich noch über viele Jahrzehnte fort­ setzen und von der Struktur der Vorkriegswirtschaft auch nicht einen Deut nachlassen werden, lassen heute fast nirgends mehr Weltmarktpreise im früheren Sinne und ebenso wenig eine sich automatisch regelnde Ein- und Ausfuhr entstehen. Da es also weder Weltmarktpreise noch gleichmäßige Rohstoffversorgung jetzt und in den 152


nächsten Jahrzehnten geben wird, ist es da nicht viel wirt­ schaftlicher, den Umfang des deutschen Produktions­ volumens mit selbsterzeugten synthetischen Rohstoffen oder aus deutschem Boden gewonnenen Erzen (auch wenn sie etwas teurer oder minderprozentiger sind) aufrechtzu­ erhalten und evtl, noch zu steigern - statt das deutsche Produktionsvolumen einzuschränken und zu warten, bis aus dem Auslande gelegentlich einmal die nötigen Roh­ stoffe hereinkommen, auch wenn sie dann zufällig billiger sein sollten? Es gibt hierauf wohl nur eine Antwort. Jeder erfahrene Techniker und Kaufmann weiß, daß die Stetig­ keit der Erzeugung und die Ausweitung des Produktions­ volumens die wichtigsten Verbilligungsfaktoren sind. Und daß die von der deutschen Technik und Wissenschaft erzeugten synthetischen Rohstoffe, Aufbereitungs- und Fabrikationsmethoden bei einem durch die gewerbliche Marktregelung garantierten entsprechenden Absatz sich in viel kürzerer Zeit als man heute glaubt, den billigsten Weltmarktpreisen der natürlichen Rohstoffe nähern wer­ den - daran braucht man nach den Erfahrungen, die wir seit Jahrzehnten mit synthetischen Stoffen, wie künst­ lichen Indigo, Stickstoff u. a. besitzen, keinen Augenblick zu zweifeln. Jedenfalls werden die deutschen synthetischen Stoffe oder minderprozentigen Erze eher den billigsten Weltmarktpreis erreicht haben, ehe eine neue stabile Ordnung des zwischenstaatlichen Handels und Verkehrs wieder aufgerichtet ist. Es bedarf wohl für den Einsichtigen keiner weiteren Ausführungen, daß nur auf diesem Wege der größte Teil der deutschen Rohstofffreiheit erkämpft werden kann. Produktionsplan und Marktregelung, die nicht durch pri153


vatwirtschaftliche Kartelle, sondern möglichst durch die Gruppen der Reichswirtschaftskammer selbstverant­ wortlich und selbstverwaltend ausgeübt werden sollten würden in der gewerblichen Wirtschaft dieselbe Haltung und denselben Erfolg durchsetzen wie im Agrarsektor der Reichsnährstand. Denn die Reichswirtschaftskammer hat ja im Grunde genommen in der gewerblichen Wirtschaft dieselben Funktionen auszuüben - Marktregelung und Produktionsplan durchzuführen - wie der Reichsnähr­ stand in der Agrarwirtschaft. Beide sind die natürlichen, aus der neuen völkisch-wehrhaften Haltung geborenen Selbstverwaltungs- und Selbstverantwortungskörper, die, jede auf ihrem Wirtschaftsgebiet, die Rohstofffreiheit und die Nahrungsfreiheit und damit die politische Handlungs­ freiheit und die Ehre des ganzen Volkes zu verteidigen ha­ ben. In beiden herrscht Ehre und Freiwilligkeit - also das heldische und nicht das händlerische Ethos - als oberstes Gebot. Daß eine solche Wirtschaftsführung nicht autarkisch und nicht imperialistisch ist, ist ohne weiteres einzusehen. Nicht autarkisch ist sie deshalb, weil sie ja nur auf alle Fälle das Existenzminimum an Nahrungsmitteln und Roh­ stoffen durch Selbsterzeugung sicherstellt, die Deutsch­ land vor der Kapitulation vor fremden Zumutungen schützt. Der restliche Teil des deutschen Bedarfes, der die Höhe des heutigen Lebensstandards und seine künftige weitere Erhöhung sichert, soll und muß ja auch durch den Austausch mit anderen Völkern hereingeholt werden. Und dieser Anteil wird vermutlich so groß sein, daß er mit der Zeit den heutigen deutschen Außenhandel wieder ver­ doppeln wird. Aber er wird auch bei dieser Höhe dann nie154


mals mehr die deutsche Ehre und Unabhängigkeit in Fra­ ge stellen. - Diese völkisch-wehrhafte Haltung der deut­ schen W irtschaft ist aber auch zugleich die friedlichste. Denn da das deutsche Volk seine Wirtschaftsfreiheit in sich selbst findet, braucht es nun nicht das Gewicht seiner Wehrmacht in die Schale zu werfen, wenn ihm Unver­ stand oder böser Wille den zusätzlichen Bedarf mehr oder weniger sperren. Nur der Freie kann friedlich sein. Der wirtschaftlich Unfreie ist es niemals. Die Durchsetzung einer solchen völkisch-wehrhaften Haltung im gewerblichen Sektor zieht noch zwei weitere Folgerungen nach sich: Einmal wird die deutsche Ver­ kehrswirtschaft mehr noch wie bisher von der gleichen völkisch-wehrhaften Haltung durchdrungen werden müs­ sen und dementsprechend eine weitgehende Umtarifie­ rung und Verkehrsumlagerung, die die völkisch-wehrhaf­ te Haltung im Agrar- und gewerblichen Sektor unter­ stützten, vornehmen müssen. Denn die Verkehrswirt­ schaft, die Zusammenfassung aller deutschen Verkehrs­ mittel, ist ein integraler Bestandteil der Gesamtwirtschaft. Ihre enge Zusammenarbeit mit der Reichswirtschaftskam­ mer zeigt dies auch schon organisatorisch. Die zweite Folgerung, die sich aus der völkischen Hal­ tung in der gewerblichen Wirtschaft durch den zweiten Vierjahresplan ergibt, ist, daß nun auch für den Außen­ handel eine noch straffere Zusammenfassung in einem Außenhandelsplan notwendig wird. In diesem wird nicht nur die Menge und Mannigfaltigkeit der Einfuhr und Aus­ fuhr in großen Zügen geregelt werden müssen, sondern auch die Richtung, in die Ein- und Ausfuhr möglichst zu lagern sind. Auch dies wird vielleicht am besten durch ISS


einen dritten noch zu schaffenden Selbstverwaltungs- und Verantwortungskörper geschehen, in dem ebenfalls unter dem Gesichtspunkt der völkischen Freiheit und Ehre der Außenhandelsvorgang abgewickelt und gerichtet wird. Denn die Produktionspläne in dem Agrar- und gewerb­ lichen Sektor und die geistige Haltung und Technik ihrer Abwicklung ergeben zwangsläufig einen entsprechenden Außenhandelsplan und die gleiche geistige Haltung in ihm bei seiner technischen Abwicklung. So stellt der zweite Vierjahresplan die Durchdringung des gewerblichen Sektors und des Außenhandels mit völ­ kisch-wehrhaftem Geist dar - ein Parallelstück zu dem ersten Vier jahresplan, in dem die Agrarwirtschaft und die Arbeitsordnung vom gleichen Geist beseelt wurden. Nach vier Jahren wird hier der gleiche Erfolg erzielt sein, wie ihn der Führer im ersten Vierjahresplan erreichte. Auch hier wird sich wieder das Wunder echter Leistungssteige­ rung und erhöhter Wirtschaftlichkeit zeigen, das durch die Tat des Führers alle Landesräume des deutschen Vol­ kes wieder durchdringt und ihm den höchsten Lebens- und Kulturstandard seiner Geschichte verleihen wird.

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Zw eites Kapitel W I K I N G E R T U M UND W I R T S C H A F T


W ikingertum — ein Grundelement nordischer Rassenseele A u fsa tz im ,,Lübecker General-Anzeiger" vom 20. 6. 1936 anläßlich der 3. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft.

Unter dem gleichen Himmel, am gleichen Meer und aus dem gleichen Blut sind die Völker des Nord- und Ostsee­ kreises gewachsen. Der gleiche Raum und das gleiche Blut sind immer auch der gemeinsame Boden für die gleiche Geisteshaltung. Denn diese kommt nicht von irgendwoher aus dem luftleeren Raum, sondern gleiche Menschenart und gleiche Erziehung sind ihre natürliche Bindung. Die Norweger, die Schweden, die Dänen, die Engländer, die Holländer, die Finnen, die Bewohner Islands - uns alle verbindet der gleiche Himmel und das gleiche Meer. Ihnen allen gemeinsam ist die Geisteshaltung des Wikingertums: Das Fernweh und das Heimweh - die unlösliche Verbun­ denheit mit der heimatlichen Scholle und der unbezähm­ bare Drang in die Ferne. Deshalb wohnt auch der nordische Mensch an allen Wasserläufen und Meeren der Welt und auch nur hier. Nur weil Meer und Land in ihrer Verbin­ dung der doppelten Polarität seines Wesens entsprechen. Dieses Raumgesetz der nordischen Seele ist der eigent­ liche Urheber aller Entdeckung und Erfindung, der den nordischen Geist fortlockt zu einer nie abreißenden Kette von Entdeckungsfahrten in die Außen- und die Innenwelt. 159


Der nordische Mensch trägt das Gesetz seiner Landschaft in sich. Das unterscheidet ihn elementar von allen anderen Rasseträgern. Die ungebrochene nordische Seele weiß um das Geheimnis, daß sein metaphysischer Drang zur Raum­ beherrschung, wenn er nicht ein zielloses Herumstolpern in Raum und Zeit sein soll - eine Festung, eine Burg als Aus« gangsstellung haben muß, Heimathof, Herd und Familie. Wohl hat der Entwicklungsprozeß des nordischen Men­ schen uns in Engländer, in Holländer, in Norweger, in Schweden, in Dänen, in Isländer, in Finnen, in Deutsche geschieden. Aber unter der Oberfläche pulst immer das gleiche Blut und das tiefe Verständnis des einen für den anderen. Wenn man es öffentlich und äußerlich oft auch nicht für wahrhaben will. Denn der Entwicklungsprozeß, dessen Mechanik uns der große englische Philosoph Her­ bert Spencer in klassischer Weise dargestellt hat, besteht nicht nur aus immer neuer Scheidung, sondern zugleich auch aus immer neuer Zusammenfassung des Geschie­ denen und Unterschiedenen, aus Differenzierung und In­ tegration. Die geistige Einheit, die nordische Seele bleibt immer gewahrt. So liegen die Dinge zwischen uns Völkern des Nord- und Ostseekreises. Aber man braucht gar nicht so weit in die philosophischen Gefilde zu schweifen. Schon in jeder Fa­ milie sehen wir dasselbe, daß trotz aller innern Verbun­ denheit jedes Familienmitglied ängstlich bestrebt ist, sein Eigenleben gegenüber den übrigen aufrechtzuerhalten und zu entwickeln. Ja, man sagt, daß sich oft Brüder am schärfsten äußerlich veruneinigen können. Aber immer wieder erlebt man dann das Wunder, daß trotz aller in­ neren Scheidung und Unterscheidung innerhalb der Fa­ 160


milie, der Umwelt gegenüber diese doch wieder als eine Einheit auftritt. Und so ist es auch mit uns nordischen Völkern des Nordund Ostseekreises. W ir sind nur einzelne Zweige am glei­ chen Baum. Alle Unterschiede in Kultur-, Staats- und Wirt­ schaftsformen, sie sind nur äußerlicher Art. In uns allen singt dasselbe Blut und dieselbe Melodie des Lebens. Und gerade deshalb ist sie so schön, weil sie in den verschiedenen Lebensformen der nordischen Völker polyphon wird. Die den Völkern des Nord- und Ostseekreises gemein­ same geistige Haltung ist das Wikingertum. Die Rodung der Scholle im eigenen Land oder über See, die Erweite­ rung der Geisteswelt durch Entdeckungen auf den Gebie­ ten der Wissenschaft und Technik durch die nordischen Völker - sie entspringen demselben Geiste. Sie alle zu­ sammen sind erst Wikingertum. Seinem Wesen entspricht es, das Ferne zu entdecken. Deshalb war es auch gar nicht anders möglich, daß wir die Japaner, die Chinesen, die In­ dianer und die anderen Welten entdeckten und nicht sie uns. Als Wikinger läßt man sich nicht entdecken, man entdeckt selbst! Und so hält auch heute der nordische Mensch, der Wikinger, wie immer Ausschau nach neuen geistigen Welten, nachdem seinen räumlichen Entdekkungsfahrten Grenzen gesetzt wurden. Deutschland, das durch die Not der Zeit am meisten ge­ troffen wurde, rüstet sich als erstes zu neuer geistiger Wikingfahrt. Seine Menschen werden wieder zu einer neu­ en Bordgemeinschaft erzogen: einer für alle und alle für einen. Das ist der tiefe Sinn des Nationalsozialismus. Denn ohne eine solche Bordgemeinschaft ist Entdecker­ fahrt unmöglich. Nach neuen, bisher unentdeckten Räu­ ii

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men der Staats-, Kultur-, Wirtschafts- und Kunstpolitik richtet der Führer des neuen Deutschlands den Bug seines Wikingschiffes. - Es ist nur natürlich, daß der Aufbruch eines Wikingschiffes Unruhe, Kritik und Sehnsucht der zu Hause Gebliebenen und der Nachbarn hervorruft. - So war es früher auch, wenn die Seekönige auf Wikingfahrt gin­ gen. Aber wenn sie dann nach glücklicher Heimkehr die Früchte ihrer Entdeckerfahrt zur Schau stellten und ver­ teilten, dann gewann nicht nur ihre eigene Sippe, sondern auch der Nachbar davon. Und so wird es auch heute wieder sein. Die Früchte der gewaltigen geistigen Wikingfahrt, die Deutschland in neue, unentdeckte Gefilde des Geistes unternimmt, zu der es seine Mannschaft durch den Nationalsozialismus in einer echten Lebens- und Bordgemeinschaft zusammenfaßt - wird nicht nur Deutschland zugute kommen und neue Lebens­ formen bescheren, sondern auch unseren nordischen Blutsverwandten wieder neue Geistes- und Lebenswege eröffnen. Ihr Volkstum und Eigenleben wird durch das vom Nationalsozialismus freigelegte Geistesgut nicht ge­ schwächt, sondern gestärkt werden. Ihre staatliche, kul­ turelle und wirtschaftliche Souveränität wird, so hoffe ich, sich rings um den Nord- und Ostseekreis zu immer herr­ licherer Blüte entfalten. Denn die Weltmission des Nordund Ostseekreises ist niemals erschöpft. Von seiner geisti­ gen und völkischen Strahlungskraft auf allen Gebieten zehrt ein großer Teil der Welt. Sie ist aus ihrem Gesamt­ gefüge ohne den Zusammensturz des Ganzen nicht hin­ wegzudenken. Das Verhältnis zwischen den Völkern des Nord- und Ostseekreises und Deutschland beruhte von jeher auf 162


gegenseitigem Geben und Nehmen, auf Strahlung und Gegenstrahlung. Auch heute noch ist es doch so, daß fast jedem großen Dichter oder Künstler des Nordens, Schwe­ dens, Norwegens, Finnlands, Dänemarks und Islands - erst durch denWiderhall, den er im deutschen Lebensraum fand und findet, der W eg für seine Geistessaat aus der heimat­ lichen Enge über die ganze Welt geöffnet wurde. Selbst der höchste Gipfel nordischer Dichtkunst: Shakespeare, fand erst über Deutschland den Weg in seine englische Heimat. Deutschland und die übrigen Länder des Nord- und Ost­ seeraumes sind eben wie ein Akkord, aus dem man keinen Ton entfernen kann, ohne das Ganze mißtönend zu zer­ reißen - wie eine Geige, die nur klingen kann, solange Saiten und Violinkörper miteinander verbunden bleiben in Wirkung und Gegenwirkung.

N ordischer Seefahrergeist und im perialistisches Händlertum Vortrag vor der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft in Berlin am 2 9 .1 1 .19 3 5 .

Nur durch Seefahrt wird eine Großmacht zur Welt­ macht und bleibt es nur so lange, als sie sich echten See­ fahrergeist unverfälscht erhält. Aber auch Außenhandels­ politik und Seefahrt sind nicht voneinander zu trennen. Denn Seefahrergeist und Handelsgeist der nordischen Völ­ ker waren immer eine lebendige Einheit. Wehe darum der Handelspolitik eines Volkes, die sich vom echten Seefah­ rergeist trennt. Sie wird entgeistigt, mechanisiert und ent­ artet in Geld- und Kredithändlergeist. Und wehe der See­ n

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fahrt selbst, deren geistige Triebkräfte nicht mehr das Fernweh und das Heimweh des nordischen Menschen sind, deren Steuermann der „Finanzkapitalismus“ ward und deren Leitstern die höchstmöglichste Rendite um je­ den Preis wurde. Mit der „Ballinisierung“ der deutschen Großschiffahrt vor dem Kriege wurde die Wandlung ech­ ten deutschen Seefahrergeistes sichtbar und ihre Vertru­ stung durch den Geld- und Kredithändler Jakob Gold­ schmidt in der Nachkriegszeit ihr geistiges und damit auch ihr wirtschaftliches Ende. Die Haltung des großen hanseatischen Kaufmannes, Seefahrers und Siedlers Adolf Woermann, der seinen sich beschwerenden Schiffs­ partnern erklärte: „W ir sind nicht dazu da, Dividenden zu verteilen, sondern Seefahrt zu treiben“ - und die Haltung jüdischen Geldhändlergeistes, der die deutsche GroßSchiffahrt zum Objekt von „lukrativen Finanzkonstruk­ tionen“ erniedrigte, erhellen blitzartig den ewigen Gegen­ satz zwischen nordischem Seefahrer- und Seehandels­ geist und jüdischem Geld- und Kredithändler-Ungeist. Immer wieder habe ich in den Jahren der Kampfzeit als Wirtschaftsbeauftragter der Reichsleitung der Partei, und ebenso nach der Machtergreifung in vielen Versammlungen und Veröffentlichungen darauf hingewiesen, daß wir vor einer grundsätzlichen Änderung der Methoden der Außen­ handelspolitik nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt stehen. Und daß diese Änderung der han­ delspolitischen Methoden letzten Endes auf eine Wieder­ geburt der geistigen Haltung der Hanse hinausläuft und hinauslaufen muß. Denn die zeitlichen Formen von Bin­ nenwirtschaft, Außenhandel und Seefahrt kommen nicht von irgendwoher aus dem luftleeren Raum, sondern sind


immer Ausdruck einer bestimmten geistigen Haltung der Völker. - W ir haben nun hinter uns eine vierhundertjäh­ rige Periode, eine Welle auf dem Ozean der Geschichte der nordischen Völker, die sich in unseren Tagen in ihrem liberalistisch-kapitalistischen Kamm überschlug und nun neuen Ufern zustrebt. In dieser Periode wurde die nor­ dische Haltung der hanseatischen Handels- und Seefahrts­ politik, die vom Jahre 1000 bis zum Jahre 1500 der Aus­ druck schöpferischer Lebenshaltung der Völker des NordOstseekreises war, zersetzt dadurch, daß immer mehr im­ perialistische Ideologien gewisser Völker des Mittelmeer­ kreises, und das aus den gleichen geographischen Bezir­ ken stammende jüdische Gelddenken in ihr die Oberhand gewannen. Unter dem Wahn von Freihandelslehre, inter­ nationaler Arbeitsteilung und schließlich einer selbstän­ digen, den Volkswirtschaften übergeordneten Weltwirt­ schaft wurden Wirtschaftsführung und Seefahrt der Völ­ ker zu einer höchst ungeistigen Angelegenheit herabge­ drückt. Das lebendige, von völkischen Kraftlinien getra­ gene Kunstwerk hanseatischer Außenhandels- und See­ fahrtsplanung, das aus der geistigen Wurzel nordischen Wikingertums erwuchs, entartete zunächst in eine plumpe materialistische, von Gold- und Geldgier getragene Frei­ beuter- und Gewaltpolitik, die fremdes Land und Volks­ tum ausplünderte und unterdrückte. Denn der fundamen­ tale Unterschied zwischen der nordisch-völkisch be­ stimmten hanseatischen Handelspolitik und der späteren jüdisch-mittelmeerländisch bestimmten liberalistisch-kapitalistischen Handels- und Kolonialpolitik ist der fol­ gende: niemals erhob die Hanse Besitzanspruch auf frem­ des Volkstum und auf fremden Boden. Wohl errichtete sie


autonome Auslandskontore als Hauptpfeiler im Westen, im Norden und Osten, in Brügge, in London, in Bergen und Nowgorod. Wohl schuf sie durch das Wunderwerk ihrer Städtegründungen im Ostsee- und niederdeutschen Raum weitere Stützpunkte ihrer den ganzen Norden um­ spannenden Schiffahrts- und Handelsplanung. Wohl schlossen sie über diese Kontore und Stützpunkte Han­ delsverträge und was besonders charakteristisch ist, auch Währungsverträge, mit den umliegenden Völkern, um keine betrügerische Verschiebung der Schuldverhältnisse aufkommen zu lassen. Aber nirgends tastete die Hanse de­ ren völkische, kulturelle und staatliche Souveränität an. Streitigkeiten entstanden meist erst dann, wenn diese durch die Hanse zum völkischen Eigenleben erweckten und erstarkten Völker versuchten, Handelsverbindungen abzuschütteln, die ihnen erst infolge ihrer eigenen völki­ schen Erstarkung mit der Zeit lästig wurden und Ände­ rung entsprechend der natürlichen Wandlung der Ver­ hältnisse verlangten. Aber die sprichwörtlich gewordene instinktsichere politische Klugheit hanseatischer ,,Ratssendeboten“ kam in der Mehrzahl der Fälle der unver­ meidlich gewordenen Wandlung entgegen und paßte das hanseatische Außenhandelssystem immer wieder elastisch dem lebendigen Leben an. Handelspolitische Sanktionen und Kriege waren immer nur die Ausnahmen von der Re­ gel, und nur dann traten sie an die Stelle von kluger Ver­ handlung, wenn absolute Halsstarrigkeit, Unbelehrbarkeit oder böser Wille das Wort führten. Daß die Geschich­ te der Hanse durch die Brille liberalistischer Historiker als eine Geschichte von Kriegen und handelspolitischen Sanktionen erscheint, spricht nicht gegen die Hanse, son166


dem gegen die völlige Verständnislosigkeit dieser Ge­ schichtsschreiber. Nur zwei Historiker der Hanse, die die­ sen Namen wirklich verdienen, sind bekannt: Dietrich Schaefer und dann vor allem aber auch der heute unter uns weilende, neuerdings der Berliner Universität ange­ hörende Prof. Dr. Fritz Rörig. Ihm vor allem verdanken wir die Erkenntnis und Begründung der Hanse als eines auf völkischer Grundlage und genossenschaftlicher Zu­ sammenarbeit beruhenden Fernhandelsverbandes. Und ich hoffe, daß sein in Arbeit befindliches neuestes Werk weitere wertvolle Einzelheiten über die hansische Fern­ handelspolitik und Wirtschaftsplanung bringen wird. Es ist notwendig geworden, wie ich immer und immer betont habe, nicht nur die Geschichte und die deutsche Kulturgeschichte, sondern auch die Wirtschaftsgeschichte neu zu schreiben. Denn das durch den Nationalsozialismus gewandelte Auge sieht alle Dinge neu als Teile einer völki­ schen Gesamtschau. Erst gewissen jüdisch bestimmten Völkern blieb es Vor­ behalten, die von ihnen nach den Wikingern, nach Piening und Potthorst abermals entdeckten Länder im Fer­ nen Westen und Osten mit einer rein materialistischen und imperalistischen Handels- und Kolonialpolitik zu überziehen, eine Außenhandelsplanung, die sich auf den Besitzanspruch, auf fremdes Volkstum und fremden Boden begründete. Die also in ihrer geistigen Haltung das gerade Gegenteil der hansischen Handels- und Schiffahrtspolitik und deren sinnvoller Unterstützung deutsch-nordischer Siedlungspolitik bedeuten. Ich habe schon vorhin erklärt, daß die hansische Han­ dels- und Seefahrtspolitik instinktiv nirgends Anspruch auf 167


fremdes Volkstum und fremden Boden erhob. Die Handels­ verträge setzten sich infolgedessen zusammen aus Waren­ lieferungsverträgen oder sonstigen Verträgen auf gegensei­ tigem Leistungsaustausch. Dabei wurden die Handelsver­ träge in kluger Erkenntnis der wirtschaftlichen Zusam­ menhänge und der intuitiven Rechtschaffenheit der geisti­ gen Haltung der Hanse durch Währungsverträge ergänzt. Die Gesamtpolitik war organisch aufgebaut und daher wirtschaftlich gesund. Der Kredit, meist in Naturalform gegeben, diente zur Überbrückung der Tausch Vorgänge. Die große Kredit­ kraft des hansischen Kaufmanns befähigte ihn, den W a­ renaustausch durch Vorleistung zu befruchten. Ein gutes Beispiel hierfür bietet die norwegische Fischerei, die die Hanse im 14. Jahrhundert, wie schon früher die Schonensche Fischerei, in ihr Handelsnetz einbezog. Zur Durch­ führung des Seefischereibetriebes war der norwegische Bauer auf fremde Hilfe angewiesen. Diese Hilfsstellung geschah aber seitens der Hanse nicht durch Hergabe von Geld, ja nicht einmal von Produktionsmitteln, so daß z. B. der alte norwegische Schiffstyp, die herkömmlichen Fang­ geräte usw. bestehen blieben, ja, nicht einmal die Fisch­ zubereitung wurde' durch vorschußweise Hergabe von Salz im Sommer verbessert, wie es, rein wirtschaftlich ge­ sehen, zweckmäßiger gewesen wäre. Nichts sollte an über­ lieferten norwegischen Fangmethoden geändert werden. Was völkisch verwurzelt war, blieb bestehen. Völkischer Wert ging eben vor ökonomischen Nutzen. Die Vorleistung, die die Hansen gewährten, bestand nur in der Hergabe eines Naturalvorschusses, d. h. in der Hauptsache in Lebensmitteln, war also Verbrauchskredit 168


zum Unterhalt der gen Norden fahrenden norwegischen Fischer. Er wurde zwar sofort in Geld umgerechnet und in rechtskräftigen Schuldverschreibungen, den sogenannten Nordfahrerrollen, festgelegt, durfte aber niemals in Geld abgegolten werden, sondern mußte während der Marktzeit des folgenden Jahres durch Hergabe der erforderlichen Fischmengen zurückgezahlt werden. Solange ein Fischer auf diese Weise seine Schuld beim hansischen Unterneh­ mer nicht zurückgezahlt hatte, war es ihm verboten, seine Fische bei anderen Firmen abzusetzen. Reichte trotzdem ein Jahresfang zum Abdecken der Warenschuld nicht aus, so wurde die Restsumme auf neue Rechnung vorgetragen. Dann blieb der Fischer an ein und dieselbe hansische Fir­ ma gebunden, und er bildete mit seinen Booten gewisser­ maßen nach Art des Verlagssystems einen Teilbetrieb der hansischen Unternehmungen. Mag der norwegische Fischer durch dieses Kreditsystem auch in eine gewisse Abhängigkeit vom hansischen Kauf­ mann gebracht sein, so bleibt doch bestehen, daß sie eine natürliche und organische war. Denn nur auf diese Weise hatte der Fischer eine wirtschaftliche und soziale Auf­ stiegsmöglichkeit. Denn erst durch die Kreditgewährung in Naturalform konnte er seinen Fischereibetrieb dauernd in großem Rahmen betreiben und damit allmählich selb­ ständiger Unternehmer werden. Und wichtig ist, daß der hansische Kaufmann in der Blütezeit seine Monopolstel­ lung niemals zum Preisdruck mißbrauchte, sondern im­ mer der Preis der aufzukaufenden Fische mit den Preisen des von ihm eingeführten Getreides in Einklang hielt. Auf dem Fischmarkt zu Bergen wurden daher die Fischpreise jeweils nach den Kornpreisen aus dem Kontinent aus­ 169


gerichtet, und dieses feste Preisverhältnis, an das sich der hansische Kaufmann freiwillig, wenn auch aus wirtschaft­ lich zwingenden Gründen, hielt, gewährleistete einen Ab­ lauf der Geschäfte frei von spekulativen und Währungs­ schwankungen. So war in hansischer Zeit der Kredit nicht ein Instrument zur Ausbeutung des wirtschaftlich Schwa­ chen, sondern nur dazu bestimmt, den Wirtschaftsverkehr zwischen den tauschenden Teilen in Gang zu setzen und in Gang zu halten. Dieser Tauschvorgang unter Kreditge­ währung beruhte also auf gerechtem Leistungsaustausch dadurch, daß der Kredit in Ware und nicht in Geld zu­ rückgezahlt werden mußte und durch die Bindung der Fischpreise an die Kornpreise stets kursgesichert war. Zwischen den von den Hansen eingeführten Kornmengen und den von ihnen ausgeführten Fischmengen bestand daher immer ein gerechtes Leistungsverhältnis, das der Wissenschaft vom Betrüge, der Geldspekulation, keinen Raum ließ. Erst gegen Mitte des sechzehnten Jahrhunderts trat we­ gen der allmählichen Verdoppelung des Getreidepreises auf dem Kontinent eine erhebliche Verschiebung in dem Verhältnis der nominell gleichbleibenden Fischpreise zu den gestiegenen Kornpreisen ein. Damals aber hatte schon der Verfall der Hanse durch Entartung in Gelddenken ein­ gesetzt, und die relativ gesunkenen Fischpreise erleichter­ ten den kapitalkräftigen Holländern, die hansischen Kauf­ leute in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts aus ihrer wirtschaftlichen Vormachtstellung in der Ostsee zu verdrängen. Nur solange das hansische Wirtschafts­ system als organisches Ganzes festgefügt war, d. h. auf einem gerechten Leistungsaustausch beruhte, wurde der 170


Austausch der Waren, z. B. von Fisch gegen Korn, mit Hilfe des Kredits, dem keine Eigengesetzlichkeit zukam, im Gleichgewicht gehalten. Das Abweichen von dem ge­ rechten Leistungsaustausch im internationalen Tausch­ verkehr durch das Aufkommen des Gelddenkens, das in der fälschlichen Annahme einer Eigengesetzlichkeit des Tauschmittels beruht, trug zu dem Verfall der Hanse bei. Das ist im Wirtschaftsleben der Völker heute nicht an­ ders als zur Zeit der Hanse! Die Hohenpriester und Schriftgelehrten des „modernen“ Gelddenkens sind immer die Totengräber gesunder Wirtschaft. Sehen wir ab von dieser Verfallserscheinung, so ergibt sich aus dem Gesagten, daß durch die Hanse zum ersten­ mal in der Geschichte nicht nur das Schwert, sondern auch die Handelspolitik in den Vordergrund gerückt wurde als Mittel zur Verfolgung politischer Ziele. Sie wurde in der Blütezeit der Hanse regelmäßig nicht als Waffe eingesetzt, sondern sie diente in der Hauptsache einmal als Mittel zur Auffüllung alten germanischen Siedlungsraumes, dann aber auch zu einer Führung der Völker durch nordisch­ deutschen Geist. Von imperialistischen Bestrebungen war die Hanse weit entfernt. Sie wirkte allein durch Führung, die durch Beispiel und Leistung andere zu freiwilliger Ge­ folgschaft und Ausrichtung zum gemeinen Besten veranlaßte. Nicht durch äußeren Zwang, nicht durch Gewalt­ maßnahmen, nicht durch Herrschaft wurde also der han­ sische Wirtschaftsraum erweitert, sondern durch freiwil­ lige Eingliederung in handelspolitischer Beziehung von souveränen Volkstümern und selbständigen Staaten. Durch diese hansische Führung wurden andere Völker des Nord-Ostseeraumes nicht in ihrem Volkstum und Eigen­ 171


leben geschwächt, sondern gestärkt, und zwar nicht nur wirtschaftlich, sondern auch durch Strahlung und Gegen­ strahlung in ihrem kulturellen Leben und ihrer staat­ lichen Selbständigkeit. Auch heute noch ist es doch so, daß fast jedem großen Dichter oder Künstler des Nordens: Schwedens, Norwegens, Finnlands, Dänemarks oder Is­ lands - erst durch die Resonanz, die er im deutschen, be­ sonders aber im oberdeutschen Lebensraum fand und fin­ det, der Weg für seine Geistessaat aus der heimatlichen Enge über die ganze Welt geöffnet wurde. Deutschland und die übrigen Länder des Nord-Ostseeraumes sind wie ein Akkord, aus dem man keinen Ton entfernen kann, ohne das Ganze mißtönend zu zerreißen wie eine Geige, die nur klingen kann, solange Saiten und Violinkörper miteinander verbunden bleiben in Wirkung und Gegenwirkung. Andererseits aber vergaß die im nordischen Sinne ge­ führte Handelspolitik der Hanse niemals, daß der Urquell ihrer Kraft im deutschen Blute und im deutschen Boden lag. Sie war geboren aus dem deutschen Volkstum und blieb immer mit ihm verbunden. Soziale Eintracht nach innen und Wehrhaftigkeit nach außen war ihr Leitstern und die bestückte Hansekogge ihr Symbol, getreu dem al­ ten Lübecker Spruch am Holstentor, dem Welttor des Mittelalters gen Osten: „Eintracht drinnen - Friede drau­ ßen“ . So entsprach sie auch über See den Erfordernissen einer völkisch gebundenen Wirtschaft, die auch auf der heimatlichen Scholle Pflug und Schwert nicht voneinan­ der trennt und so in ihrem ganzen Aufbau eine friedliche Haltung sich bewahrt. Will man die Rechtshaltung der nachhansischen, der 172


liberalistisch-kapitalistischen Periode auf eine einfache und zugleich umfassende Formel bringen, so kann man sagen: in der liberalistisch-kapitalistischen, also der vor­ wiegend vom mittelmeerländischen Geist bestimmten Pe­ riode, wurde den internationalen Bindungen des einzelnen ein Vorrecht eingeräumt vor seinen natürlichen Bindun­ gen an seine Lebens- und Volksgemeinschaft. Zugunsten einer Bindung an eine der rein erdachten, nur aus dem Intellekt geborenen imperialistischen Internationalen (wie die goldene, die rote, die schwarze Internationale) zugunsten einer sogenannten eigengesetzlichen „Welt­ wirtschaft“ und „Menschheit“ wurden seine Bindun­ gen an seine natürliche Lebensgemeinschaft, aus der er überhaupt erst Leben und Existenzmöglichkeit emp­ fängt - aufgelöst und zerstört. Fremder jüdischer Geldund Kredithändlergeist und jüdisch-marxistische reine Intellektualität triumphierten und mußten das allge­ meine Chaos herbeiführen, an dessen Ende dann der W eltkrieg stand. Auch heute noch besteht allerorten riesengroß die intellektualistische Drohung, der Skla­ venaufstand des Intellekts, der sich seiner natürlichen Fesseln von der Intuition und dem Instinkt, d. h. seiner völkischen Bindungen entwunden hat und nur als die blinde Kraft der Zerstörung in der Welt sein Werk ver­ richtet. Gegen ihn erhebt sich nun allerorten die beleidigte Na­ tur und zwingt den entlaufenen Sklaven, den Intellekt wie­ der in seine natürlichen Bindungen zurück. Allerorten wird das Vorrecht der Bindung des einzelnen an seine Le­ bens- und Volksgemeinschaft wieder proklamiert. Adolf Hitler ist ihr Sprecher. Er sagt: Dein Volk ist alles, du bist 173


nichts. Und damit stellt er den natürlichen Zustand der Dinge wieder her. Und deshalb ist unser Führer unüber­ windlich: weil die Naturgesetze für ihn fechten. Nicht nur in Deutschland, sondern nach und nach in allen Teilen der Welt gelangt so der gesunde schöpferische Menschenver­ stand wieder an die Führung. Und nur noch mit Erlaub­ nis seiner Volksgemeinschaft darf der einzelne sich über seine Volksgemeinschaft hinaus international binden. Überall wird der internationalen Bindung wieder der ihr gebührende sekundäre Platz zugewiesen. (Von hier aus werden auch die von rein internationalem Denken be­ herrschten zwischenstaatlichen Pools, Kartelle und Trusts eine grundsätzliche Umgestaltung erfahren.) Von dem primären Recht - der Sicherung und Förderung - des Volkstums aus erfolgt jetzt der Neubau von Staat, Kultur, Kunst und Wirtschaft. Und von eben diesem sel­ ben Standort aus erfolgt auch eine Neuordnung der zwi­ schenvölkischen und zwischenstaatlichen Beziehungen auf allen Gebieten, und damit eine Umwertung aller bis­ herigen Wertsetzungen der liberalistisch-kapitalistischen Periode. Kein Vqlk und kein Ort der Welt kann sich dieser Neubewertung aller Dinge vom Standpunkt des völkischen Gedankens aus entziehen. Die deutsche Metaphysik, die­ ses im deutschen Volkstumsraume vor sich gehende Ge­ schehen, ist der Nationalsozialismus. Andere Völker wer­ den ihre eigene Metaphysik begründen. — Auch die neue deutsche Außenhandels- und Seefahrtspolitik kann und wird nur von der nationalsozialistischen Haltung des neuen Deutschlands aus bestimmt werden. Im übertragenen Sinne wird die geistige Haltung der hansischen Fernhandelspolitik wieder die Haltung der neuen Außenhandelspolitik. 174


Ihre Hauptelemente werden vor allem in Anbau- und Übernahmeverträgen und deren Bevorschussung durch Überbrückungskredite bestehen. Und da eine einheitliche auf Kosten der Volkswirtschaft sich selbsttätig stabilisie­ rende Gold-Weltwährung, wie sie in der liberalistisch-kapitalistischen Periode erstrebt wurde, unter der neuen Gei­ steshaltung nicht mehr durchführbar ist, muß die von der neuen Wirtschaftsführung angestrebte möglichste Stabi­ lität der Binnenwährungen der Völker durch Währungs­ verträge nach außen gesichert werden. Dabei wird die Na­ tionalisierung der bisher international orientierten Geldund Kreditkreisläufe nur durch elastische Handhabung der Währungsverträge gesichert werden. Sie wird zugleich eine Abkehr von allen geldimperialistischen Handelsme­ thoden mit sich bringen. Eine „Kreditverflechtung“ mit anderen Völkern wird nur soweit erfolgen, wie die verschiedene Rhythmik des Waren- und Leistungsaustausches ein von den verschie­ denen Volkswirtschaften gegenseitig gegebenen Kredit­ volumen verlangt, um den sonst unterbrochenen Außen­ handel in einen fließenden zu verwandeln. Denn nur ein genügend großes, durch Währungsverträge kursgesicher­ tes Kreditvolumen, das sich die Volkswirtschaften als Überbrückungskredit gegenseitig gewähren, vermag ein Maximum des Leistungsaustauschs zu gewährleisten und gleichzeitig den Raum zu schaffen, in dem sich die Ar­ beitsteilung von Exporteur und Importeur, von Sach­ kenntnis und Tüchtigkeit privater Tatkraft wieder entfal­ ten kann. Geld- oder Kreditausleihung als Selbstzweck, also Geld- und Kredithandel, ohne entsprechende Ver­ größerung des Leistungsaustausches, wird als reaktio175


näres und imperialistisches Überbleibsel einer vergangenen Epoche empfunden und beseitigt werden. Auch die Kolonialpolitik der liberalistisch-kapitalistischen Periode wird aus diesem neuen Geiste eine neue Haltung bekommen. Das Vorbild der Hanse: wirtschaft­ liche Stützpunkte zur gegenseitigen Förderung der Han­ delsbeziehungen der Völker zu errichten und den so erschlossenen Raum durch Handels- und Währungs­ verträge zu einer natürlichen, organischen Einheit zu ge­ stalten, lebt wieder auf. Nur von diesem Gesichtspunkt aus ist auch die neue, in Ottawa eingeleitete englische Handelspolitik zu verstehen, die eine Hinwendung zum nordischen Führungsgedanken bedeutet. Denn das bri­ tische Imperium wird immer mehr ein unter englischer Führung stehender britischer Völkerbund, zusammenge­ halten durch eine einheitliche Handels- und Währungs­ politik, die dem Eigenleben der erstarkenden verschie­ denen Volkstümer des Empire, im Maße ihrer Erstarkung instinktsicher und ela stisch - politisch immer weiter entgegenkommt. Außenpolitik ist immer die Kunst des Seefahrens, In­ nenpolitik die Kunst der richtigen Lastenverteilung im fahrenden Schiff. Volksgemeinschaft ist Bordgemeinschaft!

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Die germ anischen Tugenden als Lebensgesetzlich­ k e it des deutschen Volkes A ufsatz im Lübeckischen Jahrbuch „D er Wa­ g en " 1938. Erschienen Dezember 1937.

Alles Leben ist Kampf. Auch Friede ist Kampf, näm­ lich Wettkampf mit anderen Mitteln. Der Kampf bleibt, nur seine Formen wechseln. Absoluter Friede würde Still­ stand bedeuten. Die Natur aber kennt keinen Stillstand, sondern immer nur Fortschritt oder Rückschritt, alles in ihr ist Bewegung. Stillstand ist nur etwas Scheinbares, eine lebensleere und unwahre Konstruktion unseres In­ tellekts, wie der Friede oder wie ein Punkt. In Wirklich­ keit ist ein Punkt unvorstellbar, ist Stillstand bereits der Beginn des Rückschritts oder des Todes. Deshalb wird auch ein Volk, das durch willkürliche Beschränkung sei­ ner Kinderzahl glaubt, einen Stillstand, einen Punkt in seinem biologischen Wachstum setzen zu können, in die­ sem Augenblick bereits den ersten Schritt zu seinem Un­ tergang tun. Weil alles Leben Kampf ist, hat darum die Vorsehung jedem Volk bei seiner Geburt eine bestimmte Lebensgesetz­ lichkeit, bestimmte Kampfregeln mit in die Wiege gelegt, nach denen es allein den Lebenskampf bestehen kann. Je­ des Volk kann darum nur dann wachsen und gedeihen und in seinem Lebensraum gesichert sein, wenn es un­ verbrüchlich dieser seiner autonomen, seiner göttlichen Lebensgesetzlichkeit nachlebt. Was nun von außen - also wissenschaftlich betrachtet als natürliche, als biologische Lebensgesetzlichkeit er­ scheint, ist, von innen gesehen, vom Gesetz des Handelns her, das natürliche Sittengesetz. 12

D a itz I

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Damit also von Anfang an die autonome Tat auch be­ wußt lebensgesetzlich richtig nach dem Willen der Vor­ sehung getan wird, muß man wissen, wie sich diese auto­ nome Lebensgesetzlichkeit in ihrem selbstbewußten Han­ deln, Denken und Tun widerspiegelt. Und es zeigt sich nun, und das möchte ich hier als neue Entdeckung zum erstenmal aussprechen, daß die gottgegebene Lebensge­ setzlichkeit jedes Volkes ihrer selbst bewußt wird in seinen völkischen Tugenden, seinen Idealen, seinen ewigen Le­ benswerten. Jedes Volk muß also seine Lebensgesetzlichkeit in einem völkischen Erziehungsideal, das alle Räume seines Volks­ lebens durchdringt, gestalten und als Sittengesetz lehren und predigen. - Lebensgesetz und Sittengesetz müssen ein und dasselbe sein. Und nur, wenn es einem Volk gelingt, seine Lebensgesetzlichkeit in einem alles und alle verbin­ denden und über allem stehenden Erziehungsideal zusam­ menzufassen, ordnet es sich ganz von selbst zu einem kampfkräftigen Organismus, der wehrhaft nach außen und sozialeinträchtig nach innen ist. Damit wird der von der Natur gewollte Zweck erreicht, den Volkskörper in sei­ nem Lebensbestand, in seiner Substanz nicht nur zu sichern, sondern ihn im Wettkampf mit anderen Volksorganismen wachsen und gedeihen zu lassen. Denn ein Baum kann auch nur dadurch im Wettkampf mit anderen Bäumen be­ stehen, wenn er seine Lebens- und Wachstumskräfte le­ bensstrategisch im Stamme mit eiserner Selbstzucht und Disziplin zusammenfaßt und sie emporreckt zum Himmel, in die Unendlichkeit des Raumes, dort wo neuer Licht-, Luft- und Lebensraum zu gewinnen ist. Würde er dies nicht tun, sondern die Entwicklung seiner Lebens- und 178


Wachstumskräfte sich selbst überlassen, so würden sie als Buschholz an der Erde entlangkriechen. So muß auch je­ des Volk seine Lebens- und Wachstumskräfte lebensstra­ tegisch zusammenfassen und dies geschieht in seinen Idealen, in seinen Tugenden, in einem völkischen Erzie­ hungsideal, um Licht, Luft und Lebensraum im Wett­ kampf mit anderen zu erringen. Durch ein solches völkisches Erziehungsideal, durch den Glauben an die alles überwindende und alle Materie, alles Wissen und Können ordnende Kraft der völkischen Ideale oder Tugenden, die identisch sind mit der Lebensgesetz­ lichkeit des Volkstums, wird ihm auch sein „ewiges“ Le­ ben gesichert. Denn durch diesen unverbrüchlichen Glau­ ben wird ein Volk in eine schöpferische Lebensordnung gebracht und dadurch, trotz seiner zeitlichen Form, in sei­ ner sittlichen Haltung identisch mit dem ewigen Leben; es ist ja jetzt nur ein Teil von ihm. Wie nun eine Eiche nicht das Lebens- und Wachstumsgesetz einer Tanne oder Fich­ te übernehmen kann und umgekehrt, ohne daß beide Or­ ganismen sich selbst zerstören, so kann ein Volk auch nicht die Lebensgesetzlichkeit, die Ideale, die Tugenden eines anderen übernehmen, ohne in seinem Lebens- und Wachstumsgesetz gehemmt zu sein. Wie verschieden die natürlichen Lebensgesetze und damit die Ideale und Tu­ genden der Völker sein können - dafür ist ein lehrreiches Beispiel die gegenwärtige große Auseinandersetzung zweier lebensgesetzlich verschiedener Völker in Ostasien: der Japaner und der Chinesen. Das japanische Volk in viel­ tausendjähriger Geschichte, durch Blut und Boden, also Raum und Rasse, zusammengeschweißt zu einem irra­ tionalen völkischen Kraftfeld von größter Stärke: einer 12*

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Glaubens- und Gesinnungsgemeinschaft, besitzt eine Le­ bensgesetzlichkeit, die völlig verschieden, ja fast gegen­ sätzlich ist zu der des chinesischen Volkes. Auch das chinesische Volkstum hat sich in vieltausend­ jähriger Geschichte durch Raum und Rasse zu einem völ­ kischen Kraftfeld, einem kampfkräftigen Volkskörper zu­ sammengefügt, der in seiner Lebenskraft, in der Überwin­ dung aller Widerstände des Lebens sicherlich ebenso stark ist wie der japanische. So ringen heute zwei Lebensgesetzlichkeiten, die chine­ sische und die japanische, in Ostasien um einen neuen Ausgleich, der von größter politischer Bedeutung für die Geschichte und das Schicksal Europas und des ganzen Erdballs sein kann. Nun sind aber die japanischen Tugen­ den auf Ausgriff gestellt, auf Expansion. Sie finden ihren bewußten Ausdruck in dem Samurai-Ideal, dem Ideal ja­ panischer Ritterlichkeit. Die Lehre des Buschido und der Samurai sind also das japanische, völkische Erziehungs­ ideal, sind das Selbstbewußtsein der japanischen Lebens­ gesetzlichkeit. Sie ordnen das japanische Volk zu einem kampfkräftigen schöpferischen Organismus, wehrhaft nach außen und erfüllt von sozialer Eintracht im Innern. Dem japanischen Volkstum, das seiner schöpferischen Le­ bensordnung bewußt wurde, ist diese seine Volksordnung deshalb zugleich auch Religion. Denn in dieser schöpfe­ rischen Ordnung verbindet sich sein zeitliches Leben mit dem ewigen, d. h. der ewigen Schöpferkraft aller Dinge. So wird dem Japaner sein Volkstum zur Religion, und es weiß, daß es nur leben, wachsen und gedeihen kann, wenn es die­ sen seinen ewigen Lebenswerten und Idealen, seinen Tu­ genden um ihrer selbst willen unverbrüchlich nachlebt. 180


Ein gleiches gilt für die Lebensgesetzlichkeit des chine­ sischen Volkstums. Nur ist dieses ganz anders geartet. Die chinesischen Ideale sind nämlich im Gegensatz zu den japanischen auf Intensität, auf Innerlichkeit gestellt. Die Chinesen haben deshalb in ihrer Geschichte niemals An­ griffskriege geführt, aber jeden Gegner, der in den Macht­ bereich ihrer Lebensgesetzlichkeit, ihrer Ideale, eindrang, überwunden und aufgelöst. Sie haben andere Völker nie­ mals angegriffen, sondern sie nur unterwandert, einge­ kreist und so restlos aufgesogen, daß auch nicht eine Spur von ihnen übriggeblieben ist. Sie haben jeden Feind, der in sie eindrang, verdaut. Ihre nationalen, ihre lebensgesetz­ lichen Tugenden, die ihnen dies ermöglichen, sind: Höf­ lichkeit, Bescheidenheit, Redlichkeit und Gelassenheit. Ihr Volkserziehungsideal ist der „Weise“ , der die Welt, d. h. alle Widerstände, nicht aktiv als „Ritter“ , sondern pas­ siv als „W eiser“ zu überwinden trachtet. - Würden die Chinesen heute die japanischen Ideale des Angriffs und des Ausgriffs nachzuahmen versuchen, so würden sie unfehl­ bar zugrunde gehen. Genau so wie die Japaner zugrunde gehen, wenn sie die chinesischen Ideale und Lebenswerte sich zu eigen machen. Sie würden einen Bruch in ihrer Lebensgesetzlichkeit erleiden. Deswegen hüten sich heute auch die Japaner, in den Machtbereich der chinesischen Ideale einzudringen, ihr Land und Blut mit dem chine­ sischen zu mischen und die Lehre des Konfuzius und des Laotse in der chinesischen Auslegung zu übernehmen. Denn in demselben Augenblick würden sie von dem chine­ sischen Volkstum überwältigt werden. Sie werden sich deshalb darauf beschränken, nicht Teile oder ganz China zu erobern und ihren Staatsgrenzen einzuverleiben, son181


dem das chinesische Volk, das zahlenmäßig größte der Welt, das von ungeheurer Lebenskraft erfüllt ist, verwal­ tungsmäßig, regional aufzuteilen und zu führen. Es kann auf diese Weise in Ostasien eine japanisch-chinesische Zu­ sammenarbeit entstehen, die die schärfste Abwehr gegen den russisch-sibirischen Raum, gegen Mittelasien und den ihn beherrschenden Bolschewismus bedeutet, die aber auch auf die Verdrängung des überragenden Einflusses ge­ wisser anderer Völker hinausläuft, der nach der Meinung der Japaner in China nichts zu suchen hat und die Japa­ ner aus ihrem natürlichen Markt: China, verdrängt hat, so daß sie genötigt sind, die übrige Welt mit ihren Waren zu überschwemmen, dazu mit einem „dumping“ , das sie mit ihrer Volksgesundheit bezahlen und deshalb auf die Dauer nicht aufrechterhalten können - höchstens so lange, bis sie sich China wieder erschlossen haben. Die Lebens­ gesetzlichkeit des japanischen und des chinesischen Volks­ tums können sich so, ohne sich zu vermischen, zu einer neuen produktiven Zusammenarbeit finden, die von größ­ ter Bedeutung für die Geschichte sein würde. Gerade dadurch, daß Japan den Schild seiner intakten Lebensgesetzlichkeit schützend vor China, vor Ostasien hält, wird es dem chinesischen Volk erst wieder die Mög­ lichkeit geben, hinter diesem Schild seine Wiedergeburt, seine geistige Wiederaufrüstung, über die Lehre vom „Neuen Leben“ ungestört zu vollenden, um so eines Tages aus wiedergewonnener Lebensstärke, aus eigener Kraft, immun gegen die bolschewistische Zersetzung zu sein. Da die Lehre Tschiangkaischeks vom „Neuen Leben“ China bisher noch nicht genügend hat durchdringen und seine Lebensgesetzlichkeit wieder hat stärken können, würde es 182


heute vermutlich ohne Japans Hilfe eine Beute des Bol­ schewismus werden. Ob Japan sich hierfür vielleicht mit Handelsvorteilen auf dem ganzen chinesischen Markt, mit Bevorzugung auf dem Gebiete der Rohstoffversorgung (Mandschukuo) und der Siedlung entschädigen lassen wird, also einem japanisch-chinesischen „Ottawa“ - in dem die bisherigen nichtjapanischen Berater durch japa­ nische ersetzt werden - um auch seinen Lebens- und Wachstumskräften neuen Spielraum zu geben, ist nicht Gegenstand dieses Aufsatzes. Ebensowenig wie die Frage, ob die gegenwärtige Auseinandersetzung und Neuordnung der Lebensgesetzlichkeiten Japans und Chinas sich nicht unblutig vollzogen hätte, wenn nicht dritte Mächte, vor allem der Bolschewismus, dazwischengetreten wären. Die germanische Lebensgesetzlichkeit, die für das deut­ sche Volkstum maßgeblich ist, findet nun ihren bewußten Ausdruck in den ewigen germanischen Idealen und Le­ benswerten: Tapferkeit, Treue, Opferbereitschaft und Ehre. Nur wenn jeder Deutsche diese Ideale für sich als verbindlich anerkennt und ihnen bewußt nachlebt und nachdenkt, kann und wird sich das deutsche Volk zu einer Gesinnungsgemeinschaft, einer neuen Glaubensgemein­ schaft und damit zu einem manövrierfähigen Volkskörper ordnen, der wehrhaft nach außen und sozial-einträchtig nach innen ist. Diese von Adolf Hitler geschaffene und immer wieder gepredigte germanische Gesinnungsge­ meinschaft ist in Wirklichkeit die geistige Wiederaufrü­ stung, der tragende Grund der Volksgemeinschaft des Dritten Reiches und sein Ordnungsprinzip - seine ewige Seele. Deutschland wird nur so stark sein, wie jeder ein­ zelne tapfer, treu, opferbereit und ehrenhaft in seinem 183


Denken und Handeln ist. Nur wenn jeder einzelne diese Ideale als obersten Leitstern, als oberstes Regulativ all seines Spezialwissens und -könnens anerkennt, wenn je­ der einzelne diesen Tugenden nachlebt, um ihrer selbst willen, ohne zu fragen, was danach kommt, ordnet sich das deutsche Volkstum zu einem lebensgesetzlich richtig ausgerichteten Volksorganismus, der schöpferisch ist und deshalb unüberwindlich im friedlichen oder kriegerischen Wettkampf mit anderen Volksorganismen. Der Nationalsozialismus ist also nicht nur eine weltan­ schauliche Bewegung, sondern in Wirklichkeit macht er auch wieder die Bahn frei für eine sittliche Erneuerung des deutschen Volkes auf der Basis seiner natürlichen Lebens­ gesetzlichkeit. Er greift tiefer als jede bisherige politische oder weltanschauliche Bewegung. Er ist in der deutschen Geschichte eigentlich nur der lutherischen Reformation zu vergleichen. Nur daß er nicht wie diese auf halbem Wege liegenbleibt. Luther hatte versucht, das Germanische, das sich seinerzeit mit dem Glauben einer bedeutungslo­ sen kleinen Sekte am Mittelmeer verbunden, ihr Flügel verliehen und sie zum Range einer Weltreligion erhoben hatte, wieder zu beleben. Denn in dem Jahrtausend vor Luther hatten mittelmeerländische Ideologie und Impe­ rialismus das germanische Christentum des Heliand, das die Lebens- und Wachstumskräfte, die völkischen Kräfte, führen und stärken wollte, nach und nach so in ihrem nordisch-völkischen Kern, dem Führungsgedanken, ge­ schwächt und ins Gegenteil verwandelt, daß der römische Glaubens-Universalismus durch seine imperialistischen Herrschaftsansprüche alle völkischen Kräfte zu vernich­ ten drohte. Die lutherische Reformation, die das Netz theo­ 184


logischer Doktrinen und religiöser Dogmen, in die das ger­ manische Christentum und sein Führungsgedanke ver­ strickt worden waren, zerreißen wollte, um den lebendigen schöpferischen Kräften und der Lebensgesetzlichkeit und Lebensordnung der germanischen Völker wieder Raum zu schaffen, konnte sich jedoch nicht durchsetzen, weil es der lutherischen Bewegung nicht gelang, im Heiligen Rö­ mischen Reich Deutscher Nation die politische Macht restlos an sich zu reißen. Die politischen Kräfte des ersten Reiches blieben im Dienste des römischen Glaubens-, Rechts- und Staats-Universalismus. So mußte schließlich auch die lutherische Reformation versanden und in ihren heutigen „Bekenntnissen“ erstarren. Die ewigen germa­ nischen Lebenswerte und Ideale konnten sich nicht wieder als oberstes Gebot der deutschen Lebensordnung durch­ setzen, sondern blieben vermischt mit allerlei Idealen fremden jüdischen und mittelmeerländischen Volkstums, sowie blutleeren, von theologischen Intellektualisten er­ klügelten ethischen Systemen und Theorien. Dieser Bruch in der sittlichen Haltung des deutschen Volkes hat dann nicht nur den Untergang des ersten, sondern auch des zweiten Reiches herbeigeführt. Fremde Glaubensbekennt­ nisse, d. h. der Glaube an artfremde Lebensordnungen, zerstörten die naturnotwendige Einheit und Kampfkraft des deutschen völkischen Kraftfeldes, der deutschen Glau­ bens- und Gesinnungsgemeinschaft. Der Nationalsozialismus hat sich nun von vornherein in den restlosen Besitz der politischen Macht gesetzt, so daß von dieser Seite her die sittliche Erneuerung des deutschen Volkes nicht wieder gehemmt werden kann. Die national­ sozialistische Volksordnung und Volkslenkung steht 185


nicht, wie das erste und zweite Reich, im Dienste irgend­ einer Konfession. Unbehindert durch staatliche Gewalten, kann nun das deutsche Volk sich auf allen Lebensgebie­ ten zum erstenmal seit tausend Jahren wieder lebensge­ setzlich richtig ausrichten, so daß die ewigen germani­ schen Ideale: Tapferkeit, Treue, Opferbereitschaft und Ehre wieder die obersten Leitsterne der deutschen Außenund Innenpolitik, der Wehr-, Kultur- und Wirtschafts­ politik und auch im religiösen Raum werden. So erneuert heute das deutsche Volk das Glaubensbekenntnis zu der alle Widerstände, alle Sorgen und Nöte seines Lebens­ kampfes überwindenden Macht der germanischen Ideale, der germanischen Lebensgesetzlichkeit, und ordnet damit sein Wissen, Können und Wollen auf allen Lebensgebieten so, daß ein manövrierfähiger, seelisch und stofflich einheit­ licher Volkskörper entsteht. Denn nur der allen gemeinsa­ me Glaube an die gleichen Ideale ist das unzerstörbare, allen Stürmen der Welt gewachsene Fundament eines Volkes. Glaube, der auf innerem Wissen um die Lebensgesetzlich­ keit des deutschen Volkstums beruht, bedeutet, daß einem solchen Glauben der Segen Gottes, in Form einer neuen, un­ geahnten Leistung und Lebensmächtigkeit auf allen Gebie­ ten seines völkischen Daseins nicht fehlen kann, sondern sich als selbstverständliche Folge einstellt. - Lebensgesetz­ lich richtiges Leben wird zwangsläufig immer von höchster technischer Vollkommenheit und höchster Produktivität begleitet. Darin beruht das „Wunder“ , daß der Glaube „Berge versetzt“ . Daß der Glaube an die völkischen Ideale als die höchste Realität, mächtiger ist als alles Wissen und alle papierneri Kalkulationen und Theorien auf staats-, wirtschafts-, kulturpolitischem oder religiösem Gebiet. 186


Wir müssen also heute nachprüfen und eventuell mit dem Hammer philosophieren, ob in allen Räumen unseres völkischen Lebens die germanischen Ideale als höchste sittliche Realität gelehrt und verehrt werden, oder ob sich unter allerlei Tarnungen andere Lebenswerte und Ideale eingeschlichen haben, die den Lebenswert, die Kampf­ kraft unseres Volkskörpers schädigen. Deswegen muß auch das neue Deutschland endlich ein einheitliches Er­ ziehungsideal für den deutschen Menschen von der Wiege bis zum Grabe aufrichten, das wir heute bereits im „Sol­ datischen“ (nicht Militärischen) erfühlen. England, das uns um dreihundert Jahre in der Volkwerdung voraus ist, weil dort infolge der Insellage der kirchliche Universa­ lismus nicht in gleichem Maß wie in dem im Herzen Europas gelegenen Deutschland seine zersetzende Tä­ tigkeit entfalten konnte, England hat bereits in seinem allesverbindenden Gentleman-Ideal die germanischen Tu­ genden englisch und seiner Insellage entsprechend kon­ kretisiert. Auf dem Boden dieser Einheitlichkeit der Ge­ sinnung und des Instinkts ist dann das machtvolle InselEngland und sein ungeheures Weltreich erwachsen. „R igh t or wrong - my country“ ist für das „house of Lords“ ebenso verbindlich und selbstverständlich wie für Labour-Party. Die unübertreffliche Manövrierfähigkeit des englischen Volkskörpers im Lebenskampf beruht auf dieser einheitlichen Führung des englischen Volkes durch ein einheitliches Erziehungsideal. England lebt aus dem Instinkt und nicht aus dem Intellekt. Darum kann Eng­ land von heute auf morgen, ohne ein Wort zu verlieren oder theoretische Begründungen zu geben, vom Freihan­ del zum Ottawa schwenken, von der Völkerbundspolitik M87 i


| zur natürlichen Sicherheit durch Selbstverteidigung. Eng­ land und Japan sind also zwei der in ihrer Volksordnung und Volkslenkung - autoritärsten - Völker dieser Erde, weil sie instinktiv ihrer Lebensgesetzlichkeit nachleben. Der Engländer ist in W irklichkeit viel uniformer als der Deutsche, viel weniger individualistisch als er; der Eng­ länder trägt nur eine Uniform: die Gentleman-Uniform. Wir tragen noch mehrere. Der Versuch Nietzsches, dem universalistischen Erzie­ hungsideal des mehr oder weniger römischen Christen­ tums ein anderes universalistisches, den „Übermenschen", entgegenzustellen, mußte eben an diesem Universalismus seines Gegenideals scheitern. Der „Übermensch", war et­ was Erdachtes, nichts biologisch Begründetes und Ge­ wachsenes. Nietzsche wußte noch nicht, daß jedes Volk aus biologischen Gründen sich sein völkisches Erziehungs­ ideal seiner Lebensgesetzlichkeit entsprechend formen muß: aus seinem besonderen Blut und Boden, aus seinem Raum und seiner Rasse. Nietzsche wollte den Teufel mit Beelzebub austreiben. Ebensowenig wie der Nationalsozialismus an sich eine bestimmte Religion verkündet, ebensosehr macht er aber den Weg frei auch für eine germanische, lebensgesetzlich richtige Neuordnung der Dinge im religiösen Raum. Da­ durch, daß er jeden religiösen und kirchlichen Universa­ lismus, der sich eine priesterliche, nach internationalen, also undeutschen Gesichtspunkten ausgerichtete Ober­ herrschaft über das deutsche Volk anmaßt, innerhalb der nationalsozialistischen Lebens- und Staatsordnung un­ möglich macht, aber jede andere Religionsausübung, „so ­ weit sie nicht gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der 188


germ anischen Rasse verstößt“ , völlig frei gewähren läßt, w ird es ganz von selbst der deutschen Lebensgesetzlichkeit den germanischen Idealen, gelingen, sich auch wieder im religiösen Raum durchzusetzen, da kein politischer Zwang sie von nun ab daran hindert. So werden eines Tages die germ anischen Ideale wieder die Führung im Christentum, d. h. im religiösen Raum, übernehmen und ihn der deut­ schen Lebensgesetzlichkeit entsprechend wandeln. Die lu­ therische Reformation wird dann vollendet werden und beispielhaft wiederum den übrigen nordisch-germani­ schen Völkern auf ihren eigenen Wegen leuchten. Dann w ird endlich entstanden sein das Heilige Germanische R eich Deutscher Nation, das seinen geistigen Schild vor Osteuropa gegen den Bolschewismus, gegen Asien hält, w ie auf der andern Seite, in Ostasien, Japan vor China.

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D rittes Kapitel S A A T A U S N I E D E R D E U T S C H E M RAUM


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D er nordische C h arak ter des Dritten Reiches u nd N iederdeutschlands Aufgabe A u fsa tz in den „Lübeckischen Blättern" vom 2 1. 6. 1936 anläßlich der dritten Reichstagung der Nordischen Gesellschaft.

Es wird in der Zukunft die vornehmste Aufgabe der „Nordischen Gesellschaft“ sein, deren dritte Reichstagung in dieser Woche in Lübeck stattfindet, dem deutschen Menschen des Dritten Reiches zum klaren Bewußtsein zu bringen, daß dieses Reich endgültig ausgeschieden ist aus dem Ideenkreis und der Formenwelt des Mittelmeeres, die das erste Reich ganz, und das zweite noch größtenteils be­ herrschten, sondern daß die im Dritten Reich sich voll­ ziehende Volkwerdung dem deutschen Menschen wieder einen durch und durch nordischen Charakter verleiht. Zwar ist wiederholt ausgesprochen worden, daß das neue Reich keine Fortsetzung des ersten und zweiten sei, son­ dern ein in vielem völlig Neues. Aber in das Bewußtsein des Großteils unseres Volkes ist dieser grundsätzliche Wan­ del der Haltung des deutschen Menschen noch nicht ge­ drungen, wenn man auch allerorten den Strukturwechsel fühlt. Da ist es nun der Sinn der nationalsozialistischen Schulung und Aufklärung und vor allem auch Aufgabe der „Nordischen Gesellschaft“ - dieser Entwicklung Augen zu verleihen, damit der aus der Volkwerdung Deutschlands 13 Daitz I

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herauswachsende nordisch-völkische Charakter deutlich gesehen wird. Daß seine Geburt und Ausgestaltung, daß die nordische Formung deutschen Wesens nicht nur dumpf, unbewußt sich bildet, sondern in der Tageshelle des Be­ wußtseins ihre Gestaltung und kulturelle Vollendung er­ fährt. Diese Arbeit der „Nordischen Gesellschaft“ - dem deut­ schen Volke das klare Bewußtsein seiner nordischen Hal­ tung auf allen Lebensgebieten zu geben und es kulturpoli­ tisch wieder einzugliedern in das um die gemeinsame Achse: nordischen Führertums schwingende System der Völker der Nord-Ostseekreises - kann nur durchgeführt werden, wenn vor allem auch Blut und Boden des nieder­ deutschen Raumes für diese große Aufgabe mobilisiert werden. Es ist gewißlich eine der wunderbarsten Fügungen im deutschen Schicksal, daß der Führer gerade aus dem ober­ deutschen Raum heraus Bewegung und Reich schuf. Daß von ihm München zur „Hauptstadt der Bewegung“ und Nürnberg zur „Stadt der Reichsparteitage“ bestimmt und erhoben wurden. Damit hat der Führer bewußt und für alle Zeiten nun den oberdeutschen Raum und die ober­ deutschen Stämme eisern verklammert und verpflichtet zu untrennbarer Einheit mit dem niederdeutschen Raum und Menschen. Denn immer war der oberdeutsche Raum am meisten gefährdet in seiner Zugehörigkeit zum Ge­ samtdeutschtum, weil er am meisten durch seine geopolitische Lage von der mittelmeerländischen Ideen- und For­ menwelt in seinem nordischen Rassekern überlagert war. Die „M ain-Linie“ war stete Mahnung und Warnung. Man denke nur, wenn Luther die Bibel nicht in die hochdeut194


sehe, sondern niederdeutsche Sprache übersetzt hätte - der ganze Süden Deutschlands wäre wahrscheinlich verloren­ gegangen. Erst diese politische Verklammerung des Sü­ dens mit dem Norden durch die Geburt der nationalsozia­ listischen Bewegung und des Dritten Reiches im oberdeut­ schen Raum hat nun für alle Zeiten seine Absplitterung unmöglich gemacht und die Volkwerdung aller deutschen Stämme - ihre Verschmelzung zu einer biologischen ein­ heitlichen deutsch-nordischen Volkspersönlichkeit - er­ möglicht. Das Kraftfeld der Donau, die als einziger deut­ scher Strom gen Süden fließt, wurde damit aufgehoben und geistig eingegliedert in das Kraftfeld der übrigen deut­ schen Ströme, deren Strömung einheitlich gen Norden weist. - Darin liegt eine tiefe Symbolik. Denn wie liegen die Dinge kulturbiologisch und -histo­ risch gesehen? Kultur und Geschichte eines Volkes sind ja letzten Endes immer nur die Auseinandersetzung seines Rassekerns in geistiger und künstlerischer Beziehung mit Umwelt und Zeitgeist. Das erste Reich, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, hatte einen imperialen Charakter. Es war in seiner geistigen Haltung, unbeschadet der großen germanischen Könige und ihres Wirkens, ein Bestandteil des Mittelmeer­ kreises und seiner, die totale Form auf allen Lebensgebie­ ten betonende Geisteshaltung. Es einigte von außen, durch einen Überstaat etwa 159 deutsche Einzelstaaten - ver­ mochte aber nicht von innen heraus die deutschen Stämme zu einem Volk zu einigen. Staat ging vor Volk. Und sein Lebensgefühl haftete darum als Herrschaftsgedanke am Staat. Auch das zweite Reich, dessen Lebensgefühl auch in der *3*

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Hauptsache noch ein Staatsgefühl, der Patriotismus war, und dessen innerer Zusammenhalt vor allem durch die preußische Armee und die schwarz-weiß-roten Reichs­ farben gesichert wurde, zerbrach mit seinem mittelmeer­ ländischen Ideen- und Gedankengut im Weltkrieg, und zwar letzten Endes im Kampfe mit dem derzeit stärksten nordischen Führungsstaat, England (das nicht vom Parla­ ment oder der Krone im staatlichen Sinne regiert, son­ dern letzten Endes von common sense geführt wird) und in dessen Führungsraum, den „British Commenwealth“ , den „Britischen Völkerbund“ das zweite Reich mit seiner führungslosen Handelspolitik eingedrungen war. — Denn das auf freiwilliger Ein- und Unterordnung, also auf Selbstzucht beruhende nordische Führertum ist am Ende immer stärker als der auf äußerer Zucht, auf Unterwer­ fung und Diktatur beruhende frühere mittelmeerländische Imperialismus. Durch das Erlebnis des geistigen Zusammenschmel­ zungsprozesses der deutschen Stämme im Weltkrieg und die aus ihm geborene Tat Adolf Hitlers ist nun zum erstenmal Deutschland von innen her geeinigt worden und die Vielzahl der deutschen Stämme auch politisch zu einem Volke zusammengeschmolzen, zu einer Volks­ persönlichkeit. Das Dritte Reich, das Hitler-Reich, trägt darum einen durch und durch völkischen Charakter. Sein Lebensgefühl ist nicht mehr der an die sekundäre Staats­ form anknüpfende Herrschaftsgedanke des ersten und der Patriotismus des zweiten Reiches, sondern das lebendige Lebensgefühl der Volksgemeinschaft. Es erklärt die To­ talität des Volkstums und nicht wie das Mittelmeer, die Totalität des Staates, des Paragraphenrechtes, der Kon­ 196


fession usw. Es setzt also das lebendige Volk und seine Ein­ heit über jede seiner formalen Äußerungen im staat­ lichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Leben. Es betont gegenüber der Formgerechtigkeit des Mittelmeeres die Wesensgerechtigkeit der Völker des Nord-Ostseemeeres. Gegenüber dem Herrschaftsgedanken: divide et impera, teile und herrsche, den Gedanken nordischen Führertums: einige und führe. Es beruht also auf freiwilliger Ein- und Unterordnung, auf Selbstzucht, also zu 90% auf innerem Befehl. Es ist wehrhaft, aber nicht kriege­ risch! Diese schöpferische Polarität, diese verschiedene - nicht gegensätzliche - Geisteshaltung der Völker des Mittel­ meeres und des Nord-Ostseemeeres, beruht auf der Ver­ schiedenartigkeit der biologischen Substanz. Denn im Mittelmeer ist der formende Rassekern in seinem inneren Wachstum durch Mischung und klimatische Einflüsse weit­ gehend abgeschlossen und muß nun seine Existenz auf die Herausbildung möglichst rationeller, klarer und harter Formen stützen, während die Völker des Nord-Ostsee­ kreises noch nicht in allen Lebensgebieten zu eigenen For­ men durchgedrungen sind. Jedenfalls ist mit der Geburt der deutschen Volksper­ sönlichkeit, der Einigung Deutschlands von innen heraus, das Dritte Reich in seiner geistigen Haltung ausgeschie­ den aus dem früheren mittelmeerländischen Ideen- und Gedankenkreis. Aus einem imperialistischen Staat wurde ein wehrhaftes Volk. In der schöpferischen Auseinander­ setzung mit diesen Formen - und das ist der Sinn der letz­ ten einundeinhalb Jahrtausend deutscher Geschichte findet es jetzt seine arteigenen Formen. Dieser Entwick197


lungsgang war notwendig, weil nur am Fremden das Art­ eigene erkannt werden kann! Erst über den antiken Staats­ gedanken, über das Christentum, über das römische Recht und über die mittelmeerländische Kunst konnten die Völ­ ker des Nord-Ostseekreises ihre arteigenen Formen finden. Die deutsche Volkwerdung bedeutet also einen völligen Strukturwechsel,, nicht nur in der Gesinnung, sondern auch in den bisherigen Formen des deutschen Volkslebens. An die Stelle des mittelmeerländischen staatlichen Befehls tritt der nordische Führungsgedanke: freiwillige Ein- und Unterordnung unter die höhere Leistung des Führers zum gemeinen Besten. An die Stelle äußeren Zwanges, der Selbstzwang, das Führertum, auf allen Gebieten völkischen Lebens. Die schon vorhin erwähnte Aufgabe der Nordischen Ge­ sellschaft, dem werdenden deutschen Volk seinen nordi­ schen Charakter und seine nordische Haltung bewußt zu machen, muß nun ergänzt werden durch die niederdeut­ sche Bewegung. Diese kommt von weit her. Denn in allen Großzeiten deutscher Geschichte ist immer im niederdeut­ schen Raum der Widerstand gegen die Überfremdung deutsch-nordischen Wesens durch mittelmeerländische Formen besonders lebendig und wirksam geworden. In Widukind, in Heinrich dem Löwen, im Reich der Hanse und der Reformation bäumte sich letztmalig in großen geschichtlichen Ereignissen der niederdeutsche Raum auf gegen den mittelmeerländischen. Seit dieser Zeit ruhte scheinbar die Auseinandersetzung in Europa zwischen nordischem Führertum und mittelmeerländischer Dik­ tatur. Die Spannung blieb jedoch latent und wurde dem oberflächlichen Auge nicht sichtbar, daß in den letzten 198


vierhundert Jahren durch die liberalistische Epoche ge­ blendet wurde, die einer Ausbeutung der neuentdeckten Erdteile durch die aus dem Mittelmeer entbundene im­ perialistische Kolonialpolitik entsprang und ihren schein­ baren Reichtum über die ganze Welt streute. Diese Epoche hat nun ihr Ende erreicht, und nun beginnen die beiden Kulturkreise des Mittelmeeres und der Nord-Ostsee im Faschismus und Nationalsozialismus die ihrer biologi­ schen und volklichen Substanz gemäßen geistigen Hal­ tungen neu zu entwickeln. Zwischen dem Nationalsozia­ lismus und Faschismus, zwei verschiedenen Arten der Volksordnung und Volkslenkung, bildet sich nunmehr wieder das schöpferische Spannungsfeld Kontinentaleu­ ropas aus. Und in diesem schöpferischen Spannungsfeld beginnt nun auch der niederdeutsche Raum wieder seine alte hi­ storische Rolle zu spielen. Die Kräfte seines Blutes und Bodens werden dem nationalsozialistischen Deutschland erst die eiserne Härte und Zähigkeit geben, die die Men­ schen dieses Raumes immer ausgezeichnet hat und die jetzt erst nach und nach in der Volkwerdung aller deut­ schen Stämme zur Auswirkung gelangen. Hier in Niederdeutschland liegen noch, ungeheure Kraftquellen und ungeheure Kraftspeicher für das Dritte Reich, die eben erst angeschlagen sind, denn in Niederdeutschland faßte ja die nationalsozialistische Be­ wegung erst seit 1927/28 Fuß, und alle die aktivsten Kräfte des niederdeutschen Raumes, die in den letzten vierhundert Jahren sich über ihr Wikingertum in die neuentdeckten Erdteile verströmen konnten, werden heute in diesem Raum zurückgehalten und werden seine 199


Dynamik im Dritten Reich immer mehr und mehr v e r ­ stärken. Es ist deshalb von größter W ichtigkeit, daß die g e is t i­ gen Brennpunkte des niederdeutschen Raumes und s e in e der Volkwerdung Deutschlands dienenden Kräfte, die s i c h heute noch in Tausenden von heimatkundlichen und v o l k kundlichen Vereinen zersplittern, zusammengefaßt u n d in der richtigen Weise in die nationalsozialistische B e w e ­ gung und damit in die deutsche Volkwerdung richtig e i n ­ gegliedert werden. In Soest, in Lübeck und in Elbing o d e r Königsberg müssen deshalb Brenn- und Schnittpunkte der niederdeutschen Bewegung geschaffen werden. D ie s e niederdeutsche Bewegung, die durch den Nationalsozia­ lismus aufgewühlt wurde, will nun die dem niederdeut­ schen Menschen eigentümlichen Kräfte seines Blutes u n d Bodens dem Gesamtdeutschtum zur Verfügung stellen . Denn die niederdeutsche Unruhe und Bewegung ist k e in e intellektualistische Bewegung, die an Hochschulen und in Weltstädten gelehrt und gemacht werden kann, sondern quillt aus den schöpferischen Tiefen niederdeutsch-nor­ dischen Volkstums und sucht heute nach Stätten, an d e ­ nen sie sich ihrer selbst bewußt werden kann, um dann b e ­ wußt den Weg in unser deutsches Gesamtvolkstum fin d en zu können, wie es dem oberdeutschen Raum bereits g e ­ lungen ist. So muß die Arbeit der Nordischen Gesellschaft mit d e r Zeit ergänzt werden durch die niederdeutsche Bew egung, damit diese im Gesamtdeutschtum ihre besondere A u f ­ gabe erfüllen kann, die natürliche Brücke zu den u n s blutsverwandten Niederländern, Flamen, Engländern u n d Skandinaviern zu sein. Denn der zweitausendjährige G e 200


burtsprozeß germanisch-nordischer Volkstumspersönlich­ keiten ist heute abgeschlossen. Schweizer, Deutsche, Nie­ derländer, Engländer, Dänen, Schweden und Norweger ha­ ben sich gleichsam als Volksplaneten aus der ursprüng­ lich homogenen nordischen Volkssubstanz, die um Nordund Ostsee lagerte, herausgebildet und schwingen nun um das gemeinsame Zentrum: die geistige Haltung nordi­ schen Führertums. Der zweitausendjährigen Periode der Scheidung folgt jetzt die Periode der Zusammenfassung. Die Periode des Bewußtwerdens der gemeinsamen geisti­ gen Haltung, die in der Erkenntnis und dem Bewußtwer­ den des gleichen nordischen Blutes und Bodens wurzelt. Diese germanisch-nordische Kulturrevolution, die etwa im Jahre 500 begann und um 1500 für vierhundert Jahre zum Stillstand gelangte und sich jetzt erneut, wird den niederdeutschen Raum und den niederdeutschen Menschen als natürlichen Vermittler zu den übrigen Völkern des Nord-Ostseekreises nicht entbehren können.

Lübecks deutsche Aufgabe Aufsatz im Lübecker Jahrbuch „D er Wagen", Januar ig36.

Lübeck und Nürnberg wurden gleichsam als Zwillinge geboren. Alt-Nürnberg im Jahre 1025 und Alt-Lübeck wie München im Jahre 1045. (Heinrich der Löwe, Bayerns und Niedersachsens größter Herzog, war ihr Schöpfer). Beide Städte mußten in polarer Ergänzung erstehen, weil hier die beiden Brennpunkte deutschen Geistes lagen. Denn zwischen Nürnberg und Lübeck spannte sich bis 201


iöoo das elliptische Kraft- und Strahlungsfeld deutschen Wesens, der geistige Träger des alten Europas. Und in dieser polaren Spannung offenbarte sich von jeher die schöpferische Zwiefalt deutschen Lebens. Beiden Städ­ ten widerfuhr deshalb auch das gleiche Schicksal. Lü­ becks und Nürnbergs Lebenskurven liefen parallel und werden es, dank der Volkwerdung Deutschlands durch die Tat des Führers, der Deutschland dem Osten und damit seiner europäischen Aufgabe wieder zuwendet, auch in der Zukunft. Nie wieder wird darum die schöpferische Zwie­ falt deutschen Wesens zum Zwiespalt werden, wie es in der letzten vierhundertjährigenPeriode deutscher Schwach­ heit geschah. In der Zeit verderblicher Westpolitik und freihändlerischer „W eltw irtschaft“ , die Deutschland sei­ ner europäischen Aufgabe entfremdete und seine besten Lebenskräfte in alle W elt verstreute. In einer Zeit, in der in das alte Reich widerstandslos jüdisch-mittelmeerlän­ disches Recht und jüdisch-mittelmeerländischer Glaube eindrang, so daß es in Kleinstaaterei und Konfessionalität zersplitterte, in einer Zeit, in der das nordisch­ adlige Freibauerntum in Fesseln geschlagen und die deutsche Volkwerdung für vierhundert Jahre unter­ brochen wurde. CNürnberg war im alten Reich der Brenn- und Sammel­ punkt aller geistigen Kräfte und Mächte des oberdeut­ schen Raumes: vom Rhein bis zum Schwarzen Meer. Lü­ beck für den niederdeutschen Raum: von Flandern bis Nowgorod. Im oberdeutschen Raum wurzelte die alte deutsche Kaisermacht; sie erkor sich Nürnberg zum Sym­ bol ihrer Herrlichkeit und kulturellen Schöpferkraft. Im niederdeutschen, im hansischen Raum hingegen wurzelte 202


die welterobernde Macht und kulturelle Kraft deutschen seefahrenden Bauern- und Wikingertums; sie erwählte sich Lübeck zum Haupt der „dudeschen Hanse“ . Lübeck hieß das „Nürnberg des Nordens“ . Der rheinische Städte­ bund unter Nürnbergs Führung entstand zu gleicher Zeit wie der Bund wendischer Städte, die Urzelle der Hanse, unter Lübecks Führung. Mit Pflug und Schwert wurde von Nürnberg aus der-Donauraum, der europäische Südosten, wieder geöffnet; von Lübeck aus der Ostseeraum, der eu­ ropäische Nordosten. Von der Niederlassung des Deutschritterordens mit der Jakobskirche zu Nürnberg ausgehend über die Do­ nau, Oder, Weichsel, Memel bis zum Peipussee, und von dort über die Ostsee bis zum Deutschritterhaus zu Lübeck, spannte sich der Bogen deutschen Kraft- und Kulturwillens. Beide königliche Städte tragen den deut­ schen Königsadler und die alten deutschen weiß-roten Königsfarben in ihren Wappen bis auf den heutigen Tag. So ward Nürnberg im alten Reich die kultur- und wirt­ schaftspolitische Stimmgabel für den oberdeutschen Raum!] Die tiefe Musikalität, die Vielfalt und Lieblichkeit und den ganzen Reichtum deutscher Kunst und Kunst­ gewerbes brachte Nürnberg neben großzügiger Wirt­ schaftsplanung in dem gesamten oberdeutschen Raum und weit darüber hinaus zum Schwingen und Klingen. Der oberdeutsche Raum stand in einem festen Schwin­ gungsverhältnis zu NürnbergFln gleicher Weise war Lü­ beck die Stimmgabel des niederdeutschen Raumes?Unter grauem Himmel und ziehenden Wolken, an den Ufern der grauen Meere, schuf es die harte, herbe, in sich verschlos203


sene und doch himmelstürmende Gemeinschaft des B ack­ steingotischen und umspannte in großzügiger Handels­ planung weit darüber hinaus die Reiche des Nordens und Westens. r So schloß sich um Nürnberg und Lübeck der erste euro­ päische Wirtschafts- und Kulturkreislauf vom Schwarzen Meer über die Donau, Main, Rhein bis Westfalen und die Niederlande, von da weiter über die Nord- und Ostsee, Peipussee und Dnjester bis wieder ans Schwarze Meer. In diesen Raum hinein stießen nun in dreifach gegliederter Staffel Heinrich der Löwe - Bayerns und Niedersachsens großer Herzog - die Hanse und der Deutschritterorden, um den in der Völkerwanderung von deutschen Menschen und Wesen leergewordenen Raum wieder mit deutschem Blut aufzufüllen. So wurden Lübeck und Nürnberg die geistigen und kulturellen Eckpfeiler der ersten deutschen Ostkolonisation. Eingeschlossen in diesen kontinental­ europäischen Wirtschafts- und Kulturkreislauf erblühte dann das erste Reich. Die Geburt des neuen Deutschlands, durch die Verkün­ dung des Volkstumsgedankens durch Adolf Hitler und die damit ausgelöste neue staatspolitische Dynamik wird un­ fehlbar wieder eine neue kontinentaleuropäische Arbeits­ und Kulturgemeinschaft erstehen lassen. Sie wird in der geachteten Souveränität jedes Volkstums, in seiner staat­ lichen, kulturellen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit, ihre unverrückbare Basis finden und sich dadurch unter­ scheiden vom mittelalterlichen und vom liberalistischen Europa, in welchem beiden es den gottgegebenen Lebens­ kräften jedes Volkstums nicht gestattet war, sich ver­ schiedene, ihrer Eigenart gemäße Staats-, Kultur- und 204


Wirtschaftsformen zu schaffen. In welchem die göttliche Souveränität der einzelnen Volkspersönlichkeiten verge­ waltigt wurde durch von außen herangetragene, nur er­ dachte imperiale Staats- und universalistische Glaubens­ ideen, die den Vorrang beanspruchten, - und deren Ge­ burtsstätte immer die kleinasiatischen Gestade des Mittel­ meeres waren. Denn der Geist der Völker des Nord- und Ostseekreises stand zu diesen imperialen Ideologien des Mittelmeerkreises immer im schärfsten Gegensatz, so daß die Geschichte Europas seit fünfzehnhundert Jahren in der Hauptsache ein Kampf war zwischen der imperialisti­ schen, universalistischen und despotischen Geisteshal­ tung und der auf nordischer, d. h. natürlicher Demo­ kratie, auf natürlicher Verschiedenheit beruhenden Gei­ steshaltung der Völker des Nord-Ostseekreises - ein fünf­ zehnhundertjähriger Kampf zwischen Herrschaft und Führung1 So erneuert in ganz natürlicher Weise die Geisteshal­ tung des Dritten Reiches zugleich auch wieder die alte Bedeutung der beiden Brennpunkte: Nürnberg und Lü­ beck. Nürnberg wird wieder die Repräsentantin der stärk­ sten politischen Macht des Dritten Reiches; sie wurde vom Führer persönlich zur „Stadt der Reichsparteitage“ er­ hoben. Lübeck wird ebenso natürlich wieder zur Reprä­ sentantin des nordischen Gedankens: sie wurde die Stadt der Reichstagungen nordischen Geistes. Lübeck wird wie­ der das Nürnberg des Nordens. Und damit ist zugleich die alte natürliche Polarität deutschen Wesens wiederherge­ stellt und beiden Städten werden ihre alten Aufgaben wie­ der zugeteilt. Und es kann ja auch gar nicht anders sein. Denn die Hauptverkehrslinien einer neuen kontinental205


europäischen Arbeits- und Kulturgemeinschaft auf der Grundlage kameradschaftlicher Zusammenarbeit und Er­ gänzung, unter voller Wahrung der Souveränität jedes an ihr beteiligten Volkstums, werden im großen und ganzen wieder in die Bahnen der alten hansischen Gleise laufen, d. h. vom Schwarzen Meer über die Donau (Nürnberg, München, Regensburg, Augsburg), Main, Rhein, Rhein­ land-Westfalen, Bremen, Hamburg, Lübeck, Ostsee, und sich zunächst über Polen, und später vielleicht einmal wie­ der über den Ladogasee, Dnjepr, Schwarzes Meer schlie­ ßen. Ein Verkehrs- und Wasserkreislauf, der allein durch die mitteleuropäischen Völker, die an diesem Kreislauf be­ teiligt sind, beherrscht wird und weder vom Mittelmeer noch vom Atlantik her gestört werden kann, und der um­ gekehrt es auch den an diesem erneuerten Kreislauf be­ teiligten Völkern erlaubt, eine weitgehende Uninteressiert­ heit am Mittelmeer und Atlantik zu erklären. Selbstver­ ständlich bedeutet diese Abwendung vom überseeischen Westen keinen Bruch mit dem Westen. Und niemals kann der Zustand Europas wieder eintretenj der vor der Ent­ deckung Amerikas und des Seewegs nach Indien und dem Fernen Osten bestand. Aber Europa wird wieder Europa. Es gelangt zur Selbstbesinnung einem natürlichen Leben aus eigener Kraft und eigenem Raum und damit wieder zur Selbstbehauptung gegenüber den anderen Erdteilen, in die es vierhundert Jahre lang seine besten Kräfte ver­ schwendete und die sich heute gegen dieses alte Europa wenden. t-Aber wenn sich heute siebzig Millionen deutscher Men­ schen im Herzen Europas einheitlich vom Westen zum Osten drehen, so muß sich nach und nach ganz Konti­ 206


nentaleuropa in die gleiche Richtung drehen; ob es will oder nicht. Der kultur- und wirtschaftspolitische Sinn dieser Ost­ wärtswendung Deutschlands findet nun darin seinen sicht­ baren Ausdruck, daß Deutschland seinen ihm unentbehr­ lichen, zusätzlichen Lebensraum, nämlich seinen Außen­ handelsraum, größtenteils vom überseeischen Westen weg zum Osten, d. h. nach Osteuropa hinüber verlagert. Dadurch wird den Völkern Süd- bis Nordosteuropas in Deutschland selbst und im Austausch über Deutschland untereinander ein gewaltiger neuer Markt nicht nur für Wirtschafts-, sondern auch für Kulturgüter eröffnet, der eine ungeahnte Intensivierung der europäischen Wirt­ schaft und Förderung des europäischen Kulturlebens und damit eine Stärkung der gesamten Lebenskräfte Europas bewirken wird. Es handelt sich also nicht nur um einen Ersatz für die den europäischen Völkern unwiderruflich durch die Struk­ turänderung der früheren freihändlerischen „Weltwirt­ schaft“ verlorengegangenen Austauschmöglichkeiten mit den überseeischenVölkern, sondern zugleich auch um eine bewußte Stärkung des Eigenlebens der Völker des euro­ päischen Kontinents, Mehrere Milliarden Reichsmark jährlich, für die Deutschland bisher aus dem Westen und Fernen Osten Waren bezog, werden künftig der Erhöhung der Kaufkraft der osteuropäischen Länder dienen, und damit der Förderung ihres wirtschaftlichen, staatlichen und kulturellen Eigenlebens. Deutschland wird sich wie­ der seiner großen europäischen Aufgabe und Verpflich­ tung bewußt: das völkische, kulturelle, wirtschaftliche und staatspolitische Eigenleben der Völker Europas zu stär207


ken. Europa den Europäern! Der europäische Bedarf muß zuerst in Europa gedeckt werdenl Der europäische Bin­ nenhandel muß zuerst gestärkt werden! Alles, was der Boden Europas an Erdschätzen und Anbaumöglichkeiten hergeben kann, muß zuerst mobilisiert werden, ehe Kon­ tinentaleuropa seine Kaufkraft anderen Kontinenten und Großraumwirtschaften zuwendet! Die Wiederherstellung der natürlichen kulturellen, macht- und wirtschaftspoli­ tischen Souveränität Europas verlangt gebieterisch diese Haltung. Denn nicht nur Deutschland, sondern Konti­ nentaleuropa als Ganzes ist durch die sinnlose Verschwen­ dung und Zerstreuung seiner Kräfte in alle W elt in seiner wirtschafts-, macht- und kulturpolitischen Bilanz gegen­ über der übrigen Welt passiv geworden. Lübeck und Nürnberg als Brückenköpfe eines sich neu über Deutschland herausbildenden europäischen Wirt­ schafts- und Kulturkreislaufes im Nordosten und Süd­ osten erwachen damit wieder zu neuem Leben!! Große Baupläne reifen im oberdeutschen Raum, in Nürnberg, München, Augsburg, Regensburg, Ulm, bereits heran. Wie immer hat auch hier Adolf Hitler in intuitiver Erfühlung und Erschauung der kommenden Dinge den Anstoß ge­ geben und die erste Planung entworfen. Der niederdeut­ sche Raum hat nun die Pflicht, von sich aus widerhallend im gleichen Sinn die gleiche Aufgabe zu erfüllen. Lübeck hat deshalb nicht nur die Aufgabe, wieder wirtschafts- und verkehrspolitischer Brückenkopf Deutschlands nach dem Ostseeraum zu werden, sondern muß auch wiederum kul­ tureller Sammelpunkt für den gesamten niederdeutschen Raum in nordischer Musik, nordischem Theater, in Ma­ lerei, Literatur und Plastik, und vor allem auch im nieder 208


deutschen Städtebau werden. Der Durchbruch der natio­ nalsozialistischen Idee und die dadurch bedingte grund­ stürzende Umgestaltung deutscher Politik, Wirtschaft und Kunst geben Lübeck seine alte Aufgabe und Verpflich­ tung wieder, die es im niederdeutschen Raum, im NordOstseekreis für das Volksganze zu erfüllen hat. Hierbei wird sich zwischen Lübeck und Hamburg eine ähnliche Arbeitsteilung herausbilden in bezug auf ihre Aufgaben im niederdeutschen Raum und ihre Pflichten dem Ganzen gegenüber, wie sie zwischen Nürnberg und München als der „Stadt der Reichsparteitage“ und als der „Stadt der Bewegung“ bereits besteht. Die neue Geistes­ haltung Deutschlands wird eben auch den deutschen Städten wieder ihren alten kulturellen Hochsinn zurück­ geben, den sie in der kapitalistisch-liberalistischen Epoche der letzten vierhundert Jahre völlig verloren hatten. Den Geist dieser alten Städte, die einstmals Blüten am Baum des deutschen Volkstums waren und mit ihrer Kultursaat immer wieder den deutschen und fremden Volksboden be­ fruchteten - bis die liberalistisch-kapitalistische Zeit ihn verfälschte, so daß die Städte zu Verzehrern der besten deutschen Volkstumskräfte wurden. Deswegen können Städte wie Nürnberg und Lübeck, die einstmals den echten deutschen Geist beispielhaft verkörperten, auch am ehe­ sten wieder in die frühere Haltung zurückfinden. Dadurch, daß das neue Deutschland sein Gesicht vom Westen zum Osten wendet, erfolgt auch eine Umlagerung der gesamten deutschen Lebenssubstanz.Vierhundert Jahre lang hatte sich die deutsche Volkssubstanz im Westen gehäuft und den Osten blut- und geistesleer gemacht, so daß Asien volkhaft und geistig in die leeren Räume ein14

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dringen konnte. Nunmehr flutet die deutsche Lehenssub­ stanz langsam zurück und eine neue Wirtschafts- und Ver­ kehrsstruktur entsteht. Heute schon sehen wir in Mittel­ deutschland, in Sachsen, um die Elbe und in Thüringen, ein neues starkes Wirtschaftsgebiet entstehen, das dem Rheinland-Westfalen mindestens ebenbürtig wird, und das seinen Ausgleich über die Ostseemündung der Elbe den Elbe-Trave-Kanal - und damit über Lübeck mit dem Baltikum und vor allem auch mit dem neu erstehenden Wirtschaftsgebiet Ostpreußens suchen muß. Dieser ge­ waltige Strukturwechsel der deutschen Volks- und Wirt­ schaftssubstanz ist ein Vorgang, der sich über Generatio­ nen erstrecken wird, und dem auch die Reichsreform Rech­ nung tragen wird durch Aufrichtung eines möglichst ela­ stischen Verwaltungsgebildes. Eine auf dem heutigen Zu­ stand abgestellte starr-statische Gaueinteilung würde durch die noch nicht abgeschlossene Verlagerung der le­ bendigen Substanz innerlich leicht unwahr werden. Form ist immer nur geronnenes Leben. Zeiten der Revolution haben darauf zu achten, daß das aus toten Formen be­ freite Leben nicht zu früh wieder hinter neue intellektuelle Gefängnisgitter gefangengesetzt wird. Dadurch, daß Lübeck wieder an hervorragender Stelle in den neuen kontinentaleuropäischen Wirtschafts- und Verkehrskreislauf eingeschaltet wird, und dadurch, daß für den Neubau Europas die Ostsee wieder wichtiger wird als das Mittelmeer, muß bei kluger Beachtung der Be­ lange der übrigen Ostseehäfen vor allem auch eine Vertei­ lung der Aufgaben unter den drei Hansestädten, Lübeck, Hamburg und Bremen, erfolgen. Denn diese alten Seehan­ dels- und Verkehrsstädte bilden die Achse, um die sich der 210


deutsche Außenhandel einstmals vom Osten zum Westen und heute wieder vom Westen zum Osten dreht, und sind daher der stärksten Belastung ausgesetzt. Besonders Ham­ burg und Lübeck müssen und werden daher, um nicht un­ ter dieser Last und Verantwortung zu brechen, zu einer klaren Arbeitsteilung über den Nord- und Ostseeverkehr kommen. Beide Städte, die die schwere Aufgabe zu lösen haben, die kürzeste Landverbindung zwischen der Nordund Ostsee zu tragen, müssen und werden sich mehr denn je zu gemeinschaftlicher Arbeit zusammenfinden. Auf die­ se Weise vollzieht sich mit der Wiedergeburt Deutsch­ lands auch die Wiedergeburt Lübecks als lebenswichtiges Organ in den ihm von altersher zugehörigen Kultur- und Wirtschaftskreislauf. Als Teil einer Volksgemeinschaft, die allein Träger der deutschen Freiheit und damit der deutschen Zukunft sein kann. Denn Volksgemeinschaft im Sinne der nationalsozialistischen Idee heißt: soziale Eintracht im Innern und Wehrgemeinschaft nach außen. Deutschland ist immer nur so stark wie es einig ist.

Lübeck, die S tadt der Reichstagungen der Nordischen Gesellschaft A ufsa tz im „Pressedienst Nord" vom g. 6. 1937. Herausgegeben von der Nordischen Ge­ sellschaft.

Es ist Schicksal und Aufgabe jeder Blüte und Frucht, zunächst Verzehrer zu sein. Verzehrer eines Teils der be­ sten Kräfte und Säfte ihres Lebensstammes. Aber die Schönheit von Blüte und Frucht und die Saat, die sie er­ zeugen, sind ihre ewige Rechtfertigung. Denn Blüte und w

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Frucht nehmen nicht nur, sondern geben noch mehr, wenn sie gesund sind. Gilt dies nicht auch für die Städte? Auch sie sind ge­ wiß zunächst Volkstumsverzehrer. Sie leben und wachsen nicht aus ihrem eigenen Bevölkerungsüberschuß, sondern ziehen immer wieder einen großen Teil der besten Volks­ tumskräfte und -säfte des flachen Landes und ihrer Um­ welt an sich. Vernichten ihn scheinbar, aber lassen ihn doch wieder in Kunst, Technik und Wissenschaft auf er­ stehen, die nun als Saat und Same wieder über das ganze Land, über die Gemeinschaft gestreut werden. Als Spende und Dank für das von ihr dargebrachte Blutopfer. Saat und Same, die rückwirkend in der Gemeinschaft die Le­ benskräfte des außerhalb der Stadt verbliebenen Volks­ tums in höherem Maße vermehren und stärken als von ihm wertvolle Kräfte in der Stadt verzehrt wurden. Aber nur dann können die Städte dieses Opfer rechtfertigen, können sie in Kunst, Kultur und Wissenschaft das Leben der Gemeinschaft erhöhen und stärken, wenn sie dem arteigenen Charakter ihres Volkstums, seine ewige Seele, trotz der Verstädterung bewahren und in der Ver­ städterung den ewigen Stil ihres Volkstums erhalten. Wenn sie also Herr bleiben über das ebenfalls von der Stadt angezogene eigenvölkische oder fremde Untermen­ schentum. Hat dies nicht auch Adolf Hitler sagen wollen, als er schrieb: „Deutschland wird ein Bauernreich sein oder es wird nicht sein.“ Wollte er damit nicht ausdrücken, daß es trotz der Städte seinen nordischen adelsbäuerlichen Charakter bewahren müsse? Und daß deshalb die deut­ schen Städte in diesem Stil und Geist neu geordnet wer­ den müssen? Die alten deutschen Städte waren immer le2 12


bendige Gebilde germanischen Führungsgedankens. Die nordische und damit deutsche Volksgemeinschaft errich­ tet ihre Machtgebilde, nach innen wie nach außen, immer auf der Freiwilligkeit der Geführten. Sie trägt also stets dem Lebensgesetz des „innern Abstandes“ - der Freiheit Rechnung, ohne die der nordische, der deutsche Mensch nicht leben, wachsen und gedeihen kann. Das ist der Le­ bensstil deutscher Gemeinschaft, deutscher Städte. Ist nicht die nach Adolf Hitlers Willen erfolgende Aufsied­ lung der in der liberalistischen Zeit Deutschlands ent­ standenen chaotischen Stein wüsten, die sich stolz „Groß­ städte“ nannten, und die Neuordnung ihres Stadtkerns in Haltung und Form, der Anfang der Abkehr von der „Ver­ städterung“ , die auch Hans F. K. Günther in unwiderleg­ licher und unvergleichlicher Weise für die Wiedergeburt germanischen Volkstums verlangt? Alles, was Günther über die Verstädterung sagt, ist unbedingt richtig, dann nämlich, wenn die Städte vom Ungeist des Rassenchaos beherrscht werden, und durch ihr in Haltung und Form entarten. Solche Städte sind nur noch Giftblumen und ver­ faulte Früchte, die das Volkstum, auf dem sie wuchern, zersetzen. Nicht nur das germanische, sondern auch jedes andere echte Volkstum. Das untergehende, vom Rassenchaos beherrschte Rom ist ein welthistorisches Beispiel. Rom war solange das Kraftzentrum der mittelmeerländischen Welt, solange es seinen ursprünglichen Charakter in Sitte, Staat und Reli­ gion bewahrte. Erst als das Rassenchaos in Rom die Ober­ hand gewann, als das Untermenschentum des römischen Imperiums sich in der Stadt Rom sammelte und die Herrschaft an sich riß, wandelte sich alte Sitte in römi213


sches Paragraphenrecht, nordisch bedingter Volksstaat in spätrömischen Staatsvolkgedanken und die Lebensfröm­ migkeit in jüdisch-dogmatisches Christentum. Diese Gift­ blüten und verfaulten Früchte Roms zersetzten nicht nur das große römische Weltreich, sondern vergifteten auch weit hinauf jenseits der Alpen den Norden. Und zerstörte nicht ebenso die ohne gemeinsame innere Haltung und Art in den „deutschen“ Großstädten der letzten hundert Jahre zusammengelaufene Bevölkerung den adelsbäuerlichen Grundcharakter des deutschen Vol­ kes, so daß der Bolschewismus, der Ungeist des Rassen­ chaos, seine Fahne über Deutschland entrollen konnte? Alles, was Hans F. K. Günther gegen die Verstädterung Deutschlands zu sagen hat, trifft die schnell gewachsenen Steinwüsten der letzten hundert Jahre vernichtend. Auf dem Boden dieser Verstädterung wuchs ja auch nur Zivi­ lisation, d. h. zum Selbstzweck gewordene Technik und Wirtschaft, sich als Kunst ausgebende Artistik und sich selbst genügende Wissenschaft, aber keine Blüte und kein Same mehr für die Stärkung der Lebens- und Wachstums­ kräfte des Volksganzen, des ewigen Deutschlands. Keine Spur mehr hatten diese neuen deutschen Städte gemein mit den herrlichen Kunst- und Lebenszentren mittelalter­ licher Städte. Diese wurden entweder überwuchert von der neuen Zeit, oder sie gerieten zu ihrem Glück aus dem Strom des großen Verkehrs und sanken in einen Dornröschen­ schlaf. Nun erwachen diese alten Städte zuerst wieder zu neuem Leben (und die jüngsten versuchen sich aus ihrem oft alten Stadtkern neu zu gestalten). Es ist deshalb kein Zufall, daß der Führer Nürnberg zur Stadt der Reichsparteitage 214


erhob. Die unerhörte Kraft der Intuition, die nachtwand­ lerische Sicherheit, mit denen der größte Künstler und geliebteste Mensch des neuen Deutschlands Volk und Reich neu formt - standen ihm auch zur Seite, als er das geistige Nürnberg, die ungebrochene wahrhaft deutsche Haltung dieser alten Königsstadt zum Vorbild der deutschen Städte erhob. Heute weiß es jeder: nur in Nürnberg sind die Reichsparteitage möglich. Nur hier schwingt die deutsch­ nordische Haltung des alten und des neuen Deutschland in unbeirrbarem Gleichklang und formt den deutschen Men­ schen wieder neu. Und ein Ähnliches ist es um Lübeck. Lübeck, die Nach­ folgerin Haithabus, die deutsche Wikingerstadt im nieder­ deutschen Raum. In ihr wurde der Geist deutschen Wikingertums als Hansegeist zum erstenmal eine der ganz gro­ ßen Triebkräfte der deutschen Geschichte und fand seinen Ausdruck in der Ostkolonisation - der Geist deutschen Wikingertums, der auch heute noch die Weltmeere durch­ pflügt und über die räumliche Enge unseres Landes in die Fernen greift. Und der darüber hinaus dem deutschen Leben in Kunst, Wissenschaft und Technik immer neue geistige Zonen und Fernen erobert. Diese Kraft nor­ dischen Wikingertums im deutschen Menschen fand in Lübeck seinen ersten himmelstürmenden Ausdruck. Darum prägte auch diese Stadt mit ihrer unerhörten Backsteinkunst, mit ihrer unvergeßlich heldischen Ge­ bärde, das Gesicht des ganzen Ostseeraumes; Von Lübeck empfingen Wismar, Rostock, Stralsund, Stettin, Elbing, Königsberg, Libau, Reval, Riga, Dorpat, Nowgorod, Stockholm, Wisby, Malmö, Gotenburg, Kopenhagen, Oslo und Bergen bis tief hinein in die Mark und auch west­


wärts bis an die flämische Nordseeküste, die nordischen Städte ihre Haltung und Form. Dazu verband in gleichem Ausgriff lübisches Recht, lübische Handels- und Ver­ kehrsplanung und Kunst diese Räume zu einer nordischen Gemeinschaft. Denn als Lübecks königliche Bauten er­ wuchsen, standen die Deutschen, die Niederländer, die Engländer, die Norweger, die Dänen und Schweden erst am Anfang ihrer völkischen und staatlichen Trennung. Die Geburt nordischer Volkspersönlichkeiten aus dem verhältnismäßig einheitlichen, um die Nord- und Ostsee gelagerten, in der Hauptsache nur in Sippen und Stämme aufgegliederten nordischen Volkstum war erst in der Bil­ dung begriffen. Und so zog denn diese bedeutendste Stadt des Nord-Ostseeraumes, diese Stadt deutsch-nordischen Wikingertums, nicht nur die besten Kräfte aus der näch­ sten Umgebung, aus dem niederdeutschen Raum an sich, sondern auch aus Flandern und England, aus Dänemark, aus Schweden und Norwegen. So ist Lübeck aus dem Blutopfer der ganzen nordischen Welt geboren und hat wiederum auch dieser ganzen nordischen Welt, allen Völ­ kern des niederdeutschen und des Ostseeraumes, tausend­ fältig in seiner Saat: in Kunst, Kultur, Wirtschaft und Technik ihr Opfer an besten Volkstumskräften vergolten. Keine andere deutsche Stadt ist darum so verwachsen mit den Hauptwurzeln nordischen Volkstums wie diese Stadt. Und so war es denn etwas ganz Natürliches, daß gerade so wie Nürnberg im Dritten Reich als Stadt der Reichspar­ teitage wieder auferstanden ist, als Symbol der politischen und kulturellen Macht des Dritten Reiches - Lübeck eben­ falls wieder auferstanden ist als lebendiges Symbol deut­ schen Wikingertums. Denn das Wikingertum ist ein Ur216


bestandteil der deutschen Seele, wie es ein Urbestandteil, ein Lebensbestandteil aller nordischen Völker ist, es ver­ bindet sie alle. In ihm offenbart sich die schöpferische und damit kämpferische Unruhe der nordischen Rassen­ seele. Deshalb wird und muß der nordische Mensch immer Eroberer sein, immer Führer sein auf den Meeren dieser Erde oder in den unendlichen Gefilden des Geistes. Immer richtet er den Bug seiner Seedrachen und Seewölfe auf die Entdeckung neuer Küsten. Er kann nicht ohne das Meer leben. Denn das Meer war ihm nie etwas Trennendes, sondern immer nur Verbindendes. Es verband ihn mit der Heimatscholle und der Unendlichkeit und gab allein sei­ nem politischen und geistigen Ausgriff Raum. Es ist darum nichts Zufälliges, daß mehr denn vier Fünftel der Weltschiffahrt von den nordischen, den ger­ manischen Völkern betrieben wird. Und wenn es möglich wäre, eine ähnliche Aufstellung über die wissenschaftliche Entwicklung und die technischen Erfindungen der Welt zu machen, die geistigen Entdeckungsfahrten nordischen Menschentums festzustellen, so würde auch hier ein nicht geringerer Anteil auf die nordischen Völker entfallen. Das Lebensgesetz der Entwicklung verlangt, daß auf eine Periode der Differenzierung, der Scheidung, immer wieder eine der Integration, der Zusammenfassung folgt. — Und so erleben wir heute, daß nach einem fast tausend­ jährigen Zeitabschnitt, in dem sich die Deutschen, die Holländer, die Engländer, die Schweden, die Norweger, die Dänen und die Schweizer aus der einheitlichen Mutter­ substanz nordischen Volkstums geschieden haben, diese Völker heute wieder - ob sie wollen oder nicht - aus den inneren Gesetzen, aus ihrer Lebensgesetzlichkeit heraus 217


zu einer neuen Zusammenarbeit gedrängt werden. Der In­ tellekt, das äußere Wissen, der ja den Dingen immer nur hinterdreinhinkt, und der ja auch nur dazu da ist, um die autonomen schöpferischen Vorgänge später zu erklären, zu beschreiben und in Büchern niederzulegen - bewegt sich zwar noch in der Periode der Scheidung und der Aus­ einandersetzung der nordischen Völker. Die nur intellek­ tuellen Wortführer sind ja auch zu allen Zeiten die ärgsten Reaktionäre gewesen. Aber das innere Wissen um die Ein­ heit ihrer Lebensgesetzlichkeit, ihres' Blutes und ihrer Geisteshaltung beginnt bereits überall unter dem Schein­ wissen unserer Tage sich zu regen, und so besinnt sich denn die nordische Welt aus diesem inneren Wissen um ihre natürliche Zusammengehörigkeit auch wieder auf einen der alten Brennpunkte ihres gemeinsamen Kraftfel­ des: auf Lübeck. Lübeck, diese backsteinrote Wunderstadt des Nordens, bildet deshalb den würdigsten geistigen Raum, in dem die Einheit nordischen Blutes, nordischer Haltung und der nordischen Tugenden trotz ihrer ver­ schiedenen völkischen Verkörperung, gepredigt und wie­ der gestärkt werden kann. Nur so konnten die Reichs­ tagungen der Nordischen Gesellschaft in Lübeck eine weit über die Stadt und das Reich hinausgehende Bedeutung gewinnen. Und immer tiefer wird in Zukunft ihre Arbeit wirken, weil sie nicht in irgendeiner willkürlich gewählten Stadt angesetzt wurden, sondern in der des steingeworde­ nen Wikingertums. Und wenn die diesjährige Reichsta­ gung unter dem Zeichen des Verkehrs steht, wenn von den ersten Fachmännern Deutschlands und der anderen Staa­ ten des Ostseeraumes über die Zusammenfassung, Ver­ besserung und Vereinheitlichung des Verkehrs über und

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um die Ostsee gesprochen wird - so ist dies nicht eine rein technische oder wirtschaftliche Angelegenheit - sondern für den, der Augen hat zu sehen, erhebt sich hinter den Dingen das Wikingertum als gemeinsame geistige Hal­ tung und strebt neuen und doch eigentlich wieder alten Zielen zu!

S a a t aus niederdeutschem Raum A u fsa tz in dem Buch ,,Deutsche Saat in frem­ der E rd e". Herausgegeben von der Verlags-und Vertriebsgeseilschaft mbH. Berlin W 35. 1936.

N o rd isch e V ersch w endung Die tiefste menschliche Weisheit mündet in die Er­ kenntnis: Alles ist Saat. Und die höchste sittliche Forde­ rung an den einzelnen wie an die Völker lautet: Säe, ver­ schwende dich! Denn was von jeder Saat aufgeht, ob viel oder wenig, ob es gut gedeiht oder schlecht - steht nicht in Menschenhand und Volkesmacht. Das entscheidet allein die schöpferische Allmacht, die in allem Geschehen wirkt. Sie läßt oft Millionen Keime vergehen, damit einige weni­ ge leben. Sie ist nicht in Raum und Zeit gebunden. Für sie gibt es weder Leben noch Tod, weder Anfang noch Ende. Alle Dinge sind in ihr gleichräumig und gleichzeitig, ohne Anfang und Ende. Nur der menschliche Verstand zerlegt die lebendige Ganzheit aller Dinge in diese armseligen Maße. Und nur deshalb, weil die Maße der göttlichen Ein­ heit, des ewigen Lebens, andere sind als menschliche Maße, zeigt der dünkelhafte Menschenverstand auf sie mit Fin219


gern: Seht, wie stümperhaft, wie „unrationell“ die Natur arbeitet! Schöpferische Menschen und schöpferische Völker aber können nur so schaffen und denken wie die Natur selbst, so säen und sich verschwenden, weil sie lebendige Teile sind der ewigen Schöpferkraft aller Dinge. Niemals aber darf diese Verschwendung so weit gehen, daß daran der Einzelmensch oder die Volkspersönlichkeit zerbricht. Dar­ um hat die Natur dem Germanen nicht nur das Fernweh, sondern auch das Heimweh in die Brust gesenkt, damit seine Verschwendung nicht sinnlos wird. Auf daß das Heimweh ihm ewiger Mahner ist an Blut und Boden der Heimat, die ewigen W urzeln seiner Kraft, von denen er sich niemals völlig trennen darf. Von dieser Erkenntnis aus empfängt auch die Ver­ schwendung, die unerhörte Saat, ihren ewigen Sinn und Unsinn, die der nordische Mensch des Ost- und Nordsee­ kreises in unendlicher Fülle zu allen Zeiten über den gan­ zen Erdkreis verstreute. Hier an den Ufern der Nord- und Ostsee springt die ewige Quelle nordischer Völkerströme, die sich zunächst gen Ost über Südosteuropa, Iran bis nach Indien hinein ergossen. Die an ihren Ufern die un­ begreiflich herrlichen nordischen Kulturen und Reiche Kleinasiens, Irans und Indiens erstehen ließen. An deren beiden Abzweigungen ins Mittelmeer dann Hellas und Rom erblühten. Und die sich dann später gen Westen wen­ dend vom niederdeutschen Raum aus über die See Eng­ land eroberten und von dort Nordamerika, den Fernen Osten und Australien. Die Afrika sich unterwarfen und beide Pole der Erde. Unbegreiflich und „unwirtschaftlich“ nach mensch220


liehen Maßen ist diese Saat, die immer neue Völkerwellen aus dem Nordostseekreis über den Erdball warf. Hier fließt die ewige Quelle blutsmäßiger und geistiger Erneue­ rung. Und von hier aus wird auch heute Europa wieder er­ neuert werden und durch Europa das Gefühl der Welt. Unersetzlich wichtig ist deshalb auch heute wieder für die nationalsozialistische Erneuerung Deutschlands und für die geistige Neuordnung Europas der Raum von Flandern bis Reval. Ganz gewiß soll hier nicht einer landschaftlichen Poli­ tik als einem Hang zur Vereinzelung das Wort geredet werden. Denn die Stärke des neuen Reiches liegt gerade darin, daß es machtpolitisch zentral, kulturpolitisch aber dezentral regiert wird. Wir lehnen es daher auch ab, den niederdeutschen Kultur- und Lebensraum für wertvoller zu halten als irgendeinen anderen deutschen. Aber wir wissen, daß in der natürlichen Polyphonie der deutschen Stämme und Stimmen Niederdeutschland den Grundak­ kord immer gespielt hat. Wir wissen, daß die niederdeut­ sche Stammesgruppe, die gemeinsam von Niedersachsen, Friesen, Ostseedeutschen und Niederfranken gebildet wird, wiederum die Basis des neuen Deutschlands sein wird. Denn hier an der Nord- und Ostsee liegen die ewigen Wur­ zeln des deutschnordischen, des germanischen Geistes. Hier ballt sich in allen Großzeiten deutscher Geschichte letzter Widerstand und Vorstoß gegen den eindringen­ den Geist des Mittelmeeres. Nordisches Führertum gegen vorderasiatischen Despotismus und mittelmeerländischen Imperialismus. Dabei stehen selbstverständlich unsere Be­ trachtungen der mehr als zweitausendjährigen Spannun­ gen zwischen den Einflußkräften des Nordmeerraumes 221


und des Südmeerraumes nicht unter dem kleinlichen Ge­ sichtspunkt der Verneinung von irgendwelchen wesent­ lichen, vom Mittelmeer ausgegangenen Gestaltungskräften der deutschen Vergangenheit. Aber wir wissen, daß die ger­ manische Geistesrevolution unserer Tage - der Nationalso­ zialismus - der Anfang einer neuen, gewiß von der Überlie­ ferung befruchteten, aber nicht mehr in ihrem Wesenskern beeinträchtigten deutsch-nordischen Kulturerhebung ist. Und daß sie zu ihrer Verwirklichung der unversehrten Ur­ kraft des Nordens bedarf, damit sie unter entsprechender Änderung geschichtlich gewordener Formen einen neuen arteigenen nordischen Kulturbau errichten kann. Unvermeidlich bildet deshalb diese jahrtausendalte Aus­ einandersetzung nordischen und mittelmeerländischen Geistes, die das Schicksal Europas bestimmt, auch den Hintergrund unserer Darstellung. In ihr soll in zeitlich und räumlich eng begrenztem Rahmen, vom Jahre 1000 bis zum Jahre 1600 vornehmlich die Saat auf gezeigt wer­ den, die vom niederdeutschen Raum mit Pflug und Schwert und durch die bestückten Hansekoggen gen Nor­ den und Osten getragen wurde. Die ihren geschichtlichen Ausdruck findet in der ersten großen Nordostsiedlung Heinrichs I., Heinrichs des Löwen, der Hanse und des Deutschritterordens, deren baukünstlerische Zeugen heute noch jedem sichtbar emporragen in der herrlichen Ge­ meinschaft des Backsteingotischen des Nord- und Ost­ seeraumes. Unvergängliche Zeugen einer ersten deutschen Volksgemeinschaft, unlöslich verbunden mit Blut und Boden, Künder eines ersten Heiligen Germanischen Rei­ ches Deutscher Nation mit ihren geistigen Mittelpunkten: Lübeck und Marienburg. 222


Aber auch diese eng begrenzte Aufgabe verlangt zu ihrem Verständnis einen kurzen Blick auf die Vorge­ schichte, auf vorgeschichtliches Blut und vorgeschicht­ lichen Boden des niederdeutschen Raumes. Denn unser biologisches Denken weiß heute, wie unlöslich verbunden die Urgeschichte unseres Volkes mit der eigentlichen Ge­ schichte, d. h. mit dem Beginn der schriftlichen Überlie­ ferung ist. Und wir wissen ferner, wie falsch der mit be­ stimmter Absicht im neunzehnten Jahrhundert geprägte, uns allen bekannte Satz ist: ,,Ex Oriente lux“ . Daß viel­ mehr das Licht wahren Geistes aus dem Norden kommt, daß die Verbreitung der Kultur bereits in jungpaläolithischer Zeit ihren W eg von Westen nach Osten genommen hat. Geschichtliche Betrachtung muß also in vorgeschicht­ licher Zeit ihre Wurzeln legen. Es ist leider viel zu wenig bekannt, daß der niederdeut­ sche Raum an der Nord- und Ostsee sowohl in der Vor­ ais Frühzeit unserer Geschichte eine geschlossene Einheit war, die immer das Kernstück des großen nordischen Kul­ turkreises bildete. Die Bodenfunde zeigen, daß schon die Kulturen der Bronzezeit Niederdeutschlands einheitlich von den Germanen getragen wurden, die aus der Ver­ schmelzung der ureingesessenen Bevölkerung, den Trä­ gern der Riesensteingräberkultur des Nordens, mit dem nordischen Einzelgräbervolk der jüngeren Steinzeit (3500-2000 v. Chr.) entstanden sind. Die Germanen sind also aus der Mischung fälischer und nordischer schöpfe­ rischer Menschen erwachsen. In zahlreiche Stämme aufge­ spalten, saß dieses Volk, das als Germanen bezeichnet wurde, schon vor der Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends in den Gebieten westlich und südwestlich 223


der Ostsee, also in Jütland, Schleswig-Holstein, M ecklen­ burg, Pommern, Brandenburg und Niedersachsen. D urch die aus diesem nordischen Kulturkreis entbundenen V ö l­ kerwellen sind dann die bekannten Hochkulturen der m ei­ sten alten Völker entstanden, deren Schicksale wir m a h ­ nend als die unserer Blutsverwandten erleben müssen. Denn immer ist es eine nordische Führerschicht, die das fremde Volkstum unter Aufopferung seines eigenen n o r­ dischen Blutes zu kultureller Hochblüte treibt. Mit der Verausgabung seiner Kräfte für die Hervorbringung die­ ser Kulturen mit fremdem Blute, auf fremdem Boden und unter fremder Sonne erschöpft sich dann aber auch jedes­ mal die Kampf- und Schöpferkraft des nordischen M en­ schen, weil der stete Zufluß nordischen Blutes aus der a l­ ten Heimat fehlt, und reißt dann in seinem Sturz auch das von ihm Geschaffene wieder mit sich. W ie hoch das kulturschöpferische Potential der Ger­ manen bereits um 2000 v. Chr. gewesen, beweisen die zahlreichen Funde in Skandinavien und den Mooren J ü t­ lands. W ie stark die Stoß- und Lebenskraft dieses Volkes überhaupt gewesen, belegt die Geschichte mit den germ a­ nischen Völkerbewegungen seit etwa 1200 v. Chr. bis au f den heutigen Tag mit jener unerhörten und einzigartigen Ausweitung der germanischen Volkstumsgrenzen über ganz Europa und weit darüber hinaus. Reiche wurden gegründet, die kam en und wieder v e r­ gingen. Im Osten die Herrschaft der Goten bis an die G e­ stade des Schwarzen Meeres, die erst unter dem Ansturm der Hunnen erlag, die aber ihre Fortsetzung fand im Ostgotischen Reich in Italien (493-552) unter Theoderich, der das im Rassenchaos entartete römische W e lt­ 224


reich zerbrach. Tolosanisches und Toledanisches Reich (419—71 x) » Vandalenreich um Karthago (429-534), Bur­ gunderreich um Saöne und Rhone und Langobardisches Reich in Oberitalien sind nicht minder würdige Namen, die von der verschwenderischen Schöpferkraft germani­ scher Stämme zeugen. Sie alle gossen nordisches Blut in fremdes Volk, ohne aber die Ernte für die alte nordische Heimat nutzen zu können. Denn Sprache und Volkstum konnten unter dem Einfluß fremden Blutes und fremder Sonne nur vorübergehend erhalten werden, so daß wir heute mit zwingender Notwendigkeit die Folgerung aus der Lehre, die die Geschichte uns gab, zu ziehen haben: Deutscher Mensch, erkenne, daß die germanische Wiege nicht unter dem heiter-blauen Himmel des Südens, viel­ mehr unter den dunklen Hainen des Nordens gestanden. Und erst, wenn Südsehnsucht und Fernweh des germani­ schen Menschen durch das Heimweh gebunden werden und unlöslich verbunden bleiben mit der alten Nordhei­ mat, erst wenn in uns der Geist des Nordmeeres sich von den uns artfremden Geistesformen des Südmeeres endgül­ tig wieder befreit hat, erst dann werden wir die Aufgabe zu lösen vermögen, die uns heute der große Führer aller Deutschen und seine Bewegung erneut stellen: Die Wieder­ geburt Deutschlands und Europas aus dem Geist nordi­ schen Führertums. N o rd isch e B in dun g So zeigt uns die Vorgeschichte, daß vom niederdeut­ schen Raum aus nordische Saat hinausgetragen wurde in fremde Völker, wobei durch Verlust der blutsmäßigen Bindungen das nordische Erbgut fremdem Einfluß viel­ 15 Daitz I

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fach erlag. Aber nicht nur die Vorgeschichte, sondern auch die schon in die geschichtliche Helle gerückten spä­ teren Jahrhunderte erhärten uns die Bedeutung des nie­ derdeutschen Raumes als die ewige Geburts- und Aus­ gangsstätte nordisch-deutschen Geistes. Schauen wir mit dieser Blickrichtung zurück in die er­ sten nachchristlichen Jahrhunderte, so halten wir als Er­ gebnis fest: Deutsche Saat wurde im Süden und Westen Europas und weit darüber hinaus in verschwenderischem Reichtum auf fremder Erde sinnlos verstreut. Sinnhaft nur insofern, als sich die Frucht dieser Aussaat in der vor­ übergehenden Kulturblüte des sogenannten Mittelalters zeigte, die in all den Ländern zu höchster Entfaltung ge­ langte, in denen germanische Völker für dauernd seß­ haft wurden. Doch der Verlust an riesigen Mengen nor­ discher Volkskraft für den niederdeutschen Raum war größer. Er mußte um so stärker sich auswirken, als im Osten um dieses zweifelhaften Gewinnes im Westen wil­ len sogar große Teile des alten Kernlandes an den Ufern der Ostsee entvölkert wurden. Der heimische Boden zwi­ schen Elbe und Weichsel wurde nicht mehr bestellt, weil die germanischen Völker ihre Saat, ihre Volkskraft auf fremdem Boden verschwendeten. Hierin liegt die Tragik der Großzeit germanischer Völkerbewegung. Denn in den durch die Abwanderung der ostgermanischen Stämme freigewordenen Raum östlich der Elbe drangen die Völ­ kermassen der Slawen ein, die sich nunmehr auf altem ostgermanischen Boden von Dnjepr und W olga bis zur Regnitz, Saale und Elbe weithin verstreuten. Auf diese Weise gingen Ostelbien, Böhmen, Mähren und Westun­ garn dem nordisch-deutschen Volkstum verloren. 226


Den alten germanischen Lebensraum östlich der Elbe wieder mit deutschem Blut aufzufüllen und mit deutscher Saat zu bestellen, wurde als vornehmste Pflicht und erste geschichtliche Aufgabe dem restlich verbliebenen Kern­ land vom Schicksal gestellt. Eine Aufgabe, die aber nie gelöst werden konnte, solange die starke Hand einer völ­ kisch gebundenen Zentralgewalt fehlte. Sondern immer nur vorübergehend dann, wenn eine zielstrebige Ostpoli­ tik den Osten mit dem Westen verband. So wechselten die Geschicke hin und her. Was wir daher in der Folgezeit bis in die jüngste Gegenwart hinein in diesem Raum zwi­ schen Elbe und Weichsel erleben, ist ein Hin- und Her­ fluten der Völkermassen, ist das Vor- und Rückweichen slawischen und deutschen Volkstums in einer ununter­ brochenen Kette erbitterter Kämpfe, beginnend mit Karl dem Franken, der im Jahre 798 den ersten Stoß über die Elbe gegen die kriegerischen Wilzen führte und zwischen Elbe, Saale und Oder die Sorbische Mark be­ gründete. Der erste für die Festigung des deutschen Volkstums nach Osten zielbewußt eintretende deutsche König war der Niedersachse Heinrich I. (919-936), von dem unsere Geschichte im eigentlichen Sinne ihren Ausgang nimmt. Er drängte die eingebrochene slawische Völkerwelle bis zur Oder zurück und errichtete als Grenzwall die Marken Brandenburg und Meißen. Deutsche Bauern rückten wie­ der in ihre alten Lande ein. Und über allen diesen Marken wehten als Hoheitszeichen des urdeutschen Königtums die rot-weißen Farben, der rote Adler im weißen Tuch, der auch später in den Farben der Hanse, in Nürnberg und in Lübeck sowie in den gen Süden und Westen vorgescho­ 15*

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benen deutschen Grenzmarken: in Tirol, in Kärnten, in Brandenburg und in Burgund die germanisch-deutsche Königshoheit verkörperte. Erst dann, als sich der deut­ sche König zum römischen Kaiser glaubte erhöhen zu müssen, verwandelte sich auch der einköpfige rote Adler in den zweiköpfigen, doppelzüngigen schwarzen Adler. W as jedoch von Heinrich I. erreicht, ging mit dem Tode Ottos II. (983) wieder verloren, und wieder wurde die Elbe für fast anderthalb Jahrhunderte zur Völkergrenze. Erst unter dem Niedersachsen- und Bayernherzog Heinrich dem Löwen (1129-1195), dem völkischen Rebellen gegen den römisch-universalistischen Staufen Friedrich I. (112 1-119 0 ), trat in Niederdeutschland der Kampf des Deutschtums mit dem Slawentum in einen neuen Ab­ schnitt ein. Denn er allein trieb eine Ostpolitik von welt­ geschichtlicher Bedeutung, eroberte dem deutschen Bau­ ern und Bürger, dem Ritter und Kaufmann altes Sied­ lungsland im Osten zurück. Damit ergoß sich der Strom der deutschen Stämme vom Mutterland in stetem Zuge wieder nach dem Osten, der bald stärker, bald schwächer die ganze deutsche Geschichte durchzieht und im Mittelalter vom zwölften bis vierzehnten Jahrhundert seinen Höhepunkt erreicht. Bald folgten dem W elfen in seinem heldischen Kampf ebenbürtig die gleichgerichteten Wendenzüge des Deut­ schen Ordens und die das Nord- und Ostmeer umspannen­ den Handelsfahrten der deutschen Hanse. So versuchten Ostsiedlung, Deutschritterorden und deutsche Hanse in dreifach gegliedertem Vorstoß die geschichtliche Aufgabe zu lösen, die dem deutschen Menschen im niederdeutschen 228


Raum damals gestellt war. Sie vollbrachten mit der Wie­ derauffüllung des alten germanischen Volksbodens östlich der Elbe mit deutschem Blut und deutschem Volkstum ge­ meinsam die größte Tat des deutschen Mittelalters. Eine Tat, die um so höher zu bewerten ist, als sie kein Werk des artfremden, römischen Kaisertums ist, sondern ein Werk des gesamten deutschen Volkes: von Bauern, Bürgern, Rittertum und Geistlichkeit deutschen Blutes. So beruht die letzte und tiefste Bedeutung dieser völ­ kischen Großtat des mittelalterlichen deutschen Menschen darin, daß sie im Gegensatz zu der ultra montes orientier­ ten Politik der staufischen Kaiser dem deutschen Norden unter naturhafter Verbindung von Pflug und Schwert die Möglichkeit schuf, sich auf dem durch sein Volkstum be­ stimmten Raum zu festigen und sich so aus seinem eige­ nen Wesensgesetz heraus zu einem organischen, auf der Grundlage germanischen Führertums aufgebauten Staat zu entwickeln. So entstand hier im deutschen Norden aus dem Geiste germanischer Führung die Basis eines heili­ gen germanischen Reiches deutscher Nation, das nicht aus eigener Schuld auf diesen Raum beschränkt blieb. Und von hier aus erfolgte nun die Verschiffung der deutschen Saat mit den hansischen Koggen nach dem russischen Osten und nach den germanischen Ländern des Nordens, jenseits der Ostsee und Nordsee. Und der mit nordischem Blut durchtränkte Boden ward fruchtbar. Die Saat ging auf und festigte die artgleichen germanischen Völker Däne­ marks, Norwegens, Schwedens und Englands in ihrem eigenen Leben. Stärkte das eigene Volkstum und das völkische Selbstbewußtsein dieser uns rassisch verbun­ denen Völker. Damit aber war die urnordische Heimat, 229


Niederdeutschland und Skandinavien, wiederum zu einem großen Kulturkreis im Geiste germanischen Führertums geschlossen. Aber auch über die hansischen Wege Oberdeutschlands, den Donauraum entlang, wirkte sich die deutsche Saat bis tief in den Balkan hinein aus und förderte auch hier das Eigenleben fremden Volks­ tums. Denn im Gegensatz zur kleinasiatisch-mittelmeerländi­ schen Geisteshaltung, welche die Form über den Inhalt setzt, das geronnene über das lebendige Leben und das Chaos immer von außen zu bändigen sucht und die des­ halb immer imperialistisch und universalistisch eingestellt ist — besteht das Wesen germanischen Führertums darin, daß es das Chaos stets von innen, durch freiwillige Ein­ ordnung und Unterordnung unter die höhere Leistung bän­ digt, und die deshalb stets antiimperialistisch, antiuniver­ salistisch und antidespotisch ist. Niemals tastet deshalb ger­ manisches Führertum die gottgegebene Souveränität frem­ den Volkstums auf irgendeinem Gebiete seiner Lebens­ äußerung an. Weder in ihren staatlichen, kulturellen noch wirtschaftlichen Bezirken. Dem alten Wahlspruch mittel­ meerländischer Geisteshaltung: „divide et impera“ - teile und herrsche - der mit den römischen Legionen, römi­ schem Recht, jüdischemGelddenken und sonstigen imperia­ listischen Geistesmächten vom Mittelmeer her in den nordi­ schen Kulturkreis eindrang - der Deutschland in ohnmäch­ tige Kleinstaaterei zersplitterte, den deutschen Bauern von seiner Scholle löste, die volksgebundene Wirtschafts­ planung der Hanse zerstörte - steht gegenüber der nor­ dische Leitspruch: „E inige und führel“ In ihm verkörpert sich nordische Bindung. 230


K u lt u r e lle A u s s tra h lu n g der Hanse In dem engen Rahmen dieser Arbeit können wir nicht allen drei Kräften, die zur Wiedergewinnung des deut­ schen Ostens und zur Erstarkung des nordischen Blutes im gesamten Nordostseeraum geführt haben, gemein­ sam nachspüren, sondern müssen uns in erster Linie auf das Wirken der deutschen Hanse beschränken. Nur am Wesen und Sinn der Hanse wollen wir die deutsche Saat aufzeigen, die auf heimischer Erde ihre Blüten trieb, die darüber hinaus mit der ganzen Fülle ihrer Ausstrahlungen in die nördliche und östliche Welt Europas ordnend wirkte und insbesondere zur Erweckung der nordischen Reiche an den Ufern der Nord- und Ostsee geführt hat. Und zwar wollen wir uns dabei nicht nur auf die handelspolitische Seite beschränken, sondern auch der kulturpolitischen Be­ trachtung Raum geben, denn der nordische Mensch be­ gnügt sich niemals mit der Materie allein, sondern betrach­ tet selbst seine Handels- und Wirtschaftspolitik als unlös­ lichen Teil der Ganzheit seines völkischen Lebens. Denn die nordische Geisteshaltung läßt es nicht zu, daß der Strom schöpferischen Werdens, wenn er aus dem Un­ bewußtsein ins Hellbewußte tritt, durch den Intellekt zer­ legt wird und zerfasert bleibt wie ein Lichtstrahl durch das Prisma. Nordischer Geist und Nationalsozialismus ist Leben aus der Ganzheit. Und was die liberalistische Epoche und der Intellekt zersetzte und zerlegte, faßt er wieder zu­ sammen zur bewußten Ganzheit des Lebens. Rheinland-Westfalen müssen wir als die Mutter und die ewige Blutspenderin der alten Hanse in Anspruch neh­ men. Von hier aus zogen seit Beginn des zwölften Jahr231


hunderts rheinisch-westfälische Fernhändler nach Eng­ land und Gotland hinüber und schlossen sich zum Schutze ihrer Handelsrechte zu genossenschaftlichen Vereinigun­ gen zusammen. Denn der Kaufmann des Mittelalters war in der Fremde schutzlos und rechtlos. Von den Englän­ dern wurden sie, die sich als Kaufleute gleichen Volks­ tums und gleicher Sprache nach Art einer Gilde in der Gildhalle zusammengeschlossen, zutreffend mit dem alt­ germanischen W ort „Hanse“ benannt (urgermanisch Hanse = Gemeinschaft, Schar, eigentlich bewaffnete Schar, cohors). Von dort her hat also der deutsche Kauf­ mannsbund, der sich dann um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts im nieder- und oberdeutschen Raum zur Ge­ meinschaft der deutschen Städte - der dudeschen Hanse entwickelte, seinen Namen empfangen. Gestützt auf Rheinland-Westfalen und den oberdeut­ schen Raum, ging der Zug deutscher Kaufleute vornehm­ lich nach dem Osten, wurde der Boden in stetem Blut­ strom vom Niederrhein bis hin nach Riga und Reval mit deutschem Volkstum gespeist und deutsche Saat über die Nord- und Ostsee gestreut. Bereits vor 1150 zogen deut­ sche Kaufleute aus altehrwürdigen Städten wie Köln, Soest, Dortmund, Osnabrück und Münster über Haithabu zur See nach Wikingerart gen Osten, um ihre rheinischen und französischen Weine und flandrischen und englischen Tuche vorzugsweise gegen russisches Pelzwerk und Wachs, Honig und schwedische Erze einzutauschen. Sie erkann­ ten bereits die Bedeutung und die wirtschaftlichen Mög­ lichkeiten dieses Raumes, in der sie ganz auf sich selbst und den Schutz ihrer eigenen Schwerter gestellt, nach dem Osten vordrangen. Gesicherter gestalteten sich die Ver­ .232


hältnisse erst, als eine zielstrebige Ostpolitik einsetzte, die sich in systematischer Siedlung und Städtegründung im dünnbesiedelten Osten durch die überschüssigen Kräfte im deutschen Westen auswirkte. Besonders aus der indu­ striell früh entwickelten flandrischen Landschaft (Webe­ reien in Gent, Ijperen und Brügge, als dem Weltmarkt der abendländischen Völker bald nach 1200, sprechen für die blühende Industrie) kamen die Siedler, die, wenn sie auch zum Teil politisch zu Frankreich gehörten, deutsche Sprache und deutsches Volkstum als lebendig erhaltenes Erbgut mitbrachten. Schon damals erklang aus ewiger ger­ manischer Raumnot das alte flämische Auswandererlied: Naer Oostland willen wy ryden, Naer Oostland willen wy mee, All over die groene heiden, Frisch over die heiden! Daer isser en bettere stee. Damit beginnen also im zwölften Jahrhundert neben den Wikingerzügen der Fernhändler auch die großen Siedlerzüge der Bauern, die über die Elbe hinausstrebten, genutzt und gefördert durch den klar und weitschauenden Blick Heinrichs des Löwen. Ihm, dem Niedersachsen und Bayernherzog, dankt mit dem Sieg des Deutschtums im Osten auch Lübeck, das „Haupt unser Aller“ (caput et principium omnium nostrum) - wie Lübeck in einem Schreiben der friesischen Kaufleute aus dem Jahre 1280 genannt wird - seine Neugründung im Jahre 1158 als das „an die Küste vorgeschobene Bardowiek" mit westfäli­ schen Menschen als Grundstock seiner Bevölkerung.

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Schnell blühte Lübeck w ie vordem die W ikingerstadt Haithabu an der Schlei, dank seiner unvergleichlichen Lage im Mittelpunkt des w estöstlichen Fernverkehrs am Nordrand Europas und der kürzesten Landverbindung zwischen Nord- und Ostsee empor, so daß Lübeck bereits 1293 von allen Hansestädten als V orort und Oberhof aner­ kannt und dadurch zum Haupt der Hanse wurde. So w ar die Travestadt von der Natur w ie geschaffen als ein B o ll­ werk und Ausfalltor

nordisch-deutschen

Geistes gen

Osten. Von hier aus waren schon vor Ende des zw ölften Jahr­ hunderts deutsche Siedler und K aufleute hinüber nach Gotland gezogen, wo sie das stolze W isby begründeten, eine Siedlung wie Lübeck rein deutschen Gepräges. Seine gigantischen Trümmer und gew altig ragenden Türme sind noch heute stumme Zeugen vergangener Macht. Von Gotland aus strahlte der deutsche H andelsverkehr verschwistert mit dem lübischen R echt bis tief in den russi­ schen Osten aus, nach der Düna, nach Schweden und Finnland. Und von hier aus erschloß sich dann das Balten­ land, um dessen Gewinnung besonders L übeck sich unge­ heure Verdienste erwarb. Schnell folgten im Osten die Gründungen von R iga und Dorpat, und als östlichste Siedlung Nowgorod am Ilmensee. Dieser große hansische W irtschaftsbereich wurde an seinem südlichen Rand zielbewußt gesichert durch die lange Kette deutscher Städtegründungen in dem weiten Raum von W ismar bis Memel. Unter lübischem Einfluß und lübischem Recht erwuchsen diese Städte, in denen sich durch den gleichen, immer wieder erneuernden B lu t­ strom vom Niederrhein her eine wahre, au f lebendigem 234


Gemeinschaftsgeist aufgebaute Volksgemeinschaft bil­ dete. Dieser Blutstrom wurde dadurch besonders angeregt, daß niederdeutsche und rheinisch-westfälische Bauernund Handwerkersöhne ausreichende Nahrung für sich und ihre Familien im Ostraum fanden und infolgedessen vom dichter besiedelten Westen dorthin abwanderten. Lübeck hatte damals als Auswandererhafen eine Bedeu­ tung, die sich mit derjenigen Hamburgs oder Bremens im neunzehnten Jahrhundert vergleichen läßt. Besonders wichtig aber war, daß auch die Führerschicht folgte. Im­ mer wieder wurden vom Niederrhein jüngere Glieder der führenden Kaufmannsfamilien in das Ostseegebiet zur Fortführung der Städtegründungen abgegeben. Teilweise verbanden sie sich hier durch Heirat mit den schon früher eingewanderten Familien. In Köln, Dortmund oder Soest, in Lübeck oder Rostock, in Riga oder Reval, in Bergen und Stockholm sind daher überall die Namen derselben Ratsgeschlechter anzutreffen, und zielstrebig betrieben ihre Träger eine große, durch hansischen Geist gleichge­ richtete Politik. So wurde durch Heirat und Wanderung im weiten Raum vom Niederrhein bis Reval in allen Schichten der Bevölkerung eine lebendige, blutsmäßige Gemeinschaft erzielt. Sie erschloß und sicherte den aufzu­ füllenden Ostraum planmäßig durch Gründung von Städ­ ten. Städte, die, organisch gewachsen, aus ihrem Volks­ tum heraus das wurden, was sie heute noch sind: Zeugen deutschen Wollens und Könnens, Zeugen des ewigen Deutschlands! Von Nowgorod im Osten aus schloß sich dann der Kreis nach Westen in folgerichtiger, handelsbedingter Entwick­ lung durch den Ausbau fester Stellungen im ganzen Sy235


stem. Seine Eckpfeiler wurden im Norden und Osten die hansischen Kontore von Bergen („D eutsche B rücke“ ) und Nowgorod (St. Peterhof) und im W esten Brügge und Lon­ don (Stahlhof). Diese vier Hauptkontore nahm en ganze Stadtviertel ein. Sie w aren Strahlungszentren deutscher Saat im nordischen Raum. Damit war nun eine sichere Grundlage geschaffen, um die Rohstoffe des westlichen Rußlands gegen westeuro­ päische Fertigwaren auszutauschen. Eine Grundlage, die niemals abgelöst wurde von der Heimat. Immer trug der deutsche Kaufm ann aus mittelalterlichem Gemeinschafts­ geist heraus seine deutsche Heimat überall dort hin, wo er sich im Ostseeraum niederließ. Nur so konnte es kom­ men, daß noch heute Memelland und Baltenland rein deut­ sche Züge aufweisen. Der Hanse w ar somit nicht nur w a­ gemutiger und unternehmungslustiger K aufm ann, der sich zielbewußt wichtige Stützpunkte für seine wirtschaft­ liche Machtstellung schuf, sondern zugleich auch deut­ scher Siedler und deutscher Kulturträger im wieder zu be­ siedelnden Osten. Durch ununterbrochene Zufuhr von neuem deutschen Blut aus dem unerschöpflichen Energie­ zentrum Niedersachsen und Rheinland-W estfalen wurde dafür Sorge getragen, daß der Kulturträger nicht zum Kulturdünger wurde. Vom Judentum hielt sich die Hanse dabei bewußt fern. So vermerkt der Lübecker Chronist im Jahre 1499: „Tho Lübeck syn kene juden, man bedarf erer ok nicht“ , woraus folgt, daß auch damals schon Ju­ den „unerwünscht“ waren. Auf seinen weiten Fahrten trug so der Hanse von A n­ fang an den Adel echten Kaufmannsgeistes hinaus in die damalige Welt. Und es war nicht Zufall, daß sowohl im I 236 l


Lübecker Ratskeller als auch über dem Portal des Hauses Seefahrt in Bremen der alte Spruch mahnend dem Be­ schauer entgegenblickt: Navigare necesse est, vivere non est necesse. Denn für den Hansen war Leben ohne See­ fahren wertlos, er strebte hinaus mit seinen Koggen, und draußen zeugte er durch die steinerne Sprache seiner Bau­ ten allgewaltig von der Größe deutschen Geistes und der Strahlungskraft deutschen Volkscharakters. Sie schufen den wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung und die Blüte der Nord- und Ostseegebiete und des Donau­ raums. Dank der Wiederbesiedlung der ostelbischen Lande wuchs der hansische Kaufmann gewaltig in die Höhe, ähn­ lich seinem oberdeutschen Stammesbruder, der im Ge­ folge der Kaiserpolitik und der Kreuzzüge zu Macht und Reichtum gelangte und damit der Schöpfer unermeßlicher deutscher Kunstschätze wurde. Wir erinnern nur kurz an die Fugger und Welser in Augsburg, an die Tücher in Nürnberg, die Weltfirmen wurden, sowie an die Städte Nürnberg, Augsburg, Ulm, Straßburg und Basel, die mit der Blüte des deutschen Bürgertums und mit dem Auf­ blühen des deutschen Handwerks zu Kunst- und Bildungs­ mittelpunkten und damit zu Zentren deutschen Geistes wurden. W eit strahlten sie aus nach Osten, Süden und Westen: Schongauersche Stiche wanderten nach England, Spanien und Italien, und Nürnberger Kunst war im Osten sehr begehrt. Peter Vischers Grabplatten wanderten bis nach Polen hinein, und selbst Krakau erhielt durch eine deutsche Oberschicht sein kulturelles Gepräge. Während also Nürnberg, Ulm und Augsburg deutsche Saat bis in die Mittelmeerländer und den Südostraum zu 237


Lande ausstrahlten, geschah das gleiche im Nord- und Ost­ seeraum durch den Vorstoß deutschen Geistes über die See. Denn mit der Kogge führte der hansische Kaufm ann neben den stofflichen Gütern auch die Güter des Geistes mit sich. Die Seehandelswege wurden somit auch zu Vor­ marschstraßen von Kunst und K ultur. Z u besonderer Be­ deutung gelangte die A usfuhr von K unst und Kunstge­ werbe an der W asserkante, wobei Lübeck eine bevorzugte Stellung einnahm. Denn in Lübeck beherrschte nament­ lich im fünfzehnten Jahrhundert nicht nur die norddeut­ sche Kunst in weitestem Umkreis, sondern lübeckische Plastik und Malerei wirkte weit darüber hinaus in die nor­ dischen Länder, jenseits der Ostsee. Trotzig und stolz, herb und männlich reckten sich hier die Backsteinwerke des deutschen Nordostens gen Himmel: Dome und Burgen, Bürgerbauten und Tore und Türme. Sie alle als Ausdruck einer schlichten, wesenseigenen Kunst, die mit der Hanse und dem Deutschen Orden ihre Ausstrahlung ins Baltikum, nach Finnland und die skandinavischen Länder fand. Den­ ken wir nur an das Gipfelwerk spätgotischer Kunst: Sankt Jürgen den Drachentöter in der Stockholmer Nikolai­ kirche aus der W erkstatt Bernt Notkes zu Lübeck und den Allerheiligen-Altar, den Klaus Berg in der Stiftskirche von Odense auf Fünen errichtete. Immer ist es nordisch-deutscher Geist, der sich im Ost­ seeraum sinnhaft verschwendete. Der den Boden aufriß und empfänglich machte für die Saat, die deutsche Men­ schen in ' wesensverwandten Volkstumsboden streuten. Eine Saat, die aus gemeinsamem, nordischem Blute dann arteigene souveräne Kulturen zu herrlicher Blüte trieb, und die darum eines Tages auch eine nordische Gemein­ 238


schaft souveräner Völker im Nord- und Ostseeraum er­ zeugen wird. So waren Nürnberg für den oberdeutschen und Lübeck für den niederdeutschen Raum die beiden sich ergänzen­ den Pole deutschen Wesens, die ihre Kraftlinien in die ihnen gehörigen Räume machtvoll ausstrahlten. Die in ihrer Polarität die ungeheure Vielfalt des deutschen Gei­ stes umspannten. Die auch schon äußerlich diese polare Zusammengehörigkeit durch ihre Stadtwappen und ihre Stellung als freie Reichsstädte zum Ausdruck brachten. Beide hatten den roten Adler und die weiß-roten Farben in Wappen und Fahnen. (Auch in Lübeck wurde erst spä­ ter der rote Königsadler schwarz, während Nürnberg ihn heute noch in alter Treue bewahrt hat.) Lübeck wurde vielfach das „Nürnberg des Nordens" ge­ nannt. Und auch heute wieder im Reich Adolf Hitlers, der Deutschland aus seinen Urkräften heraus erneuert, ge­ winnen beide Städte ihre Stellung als Brennpunkte deut­ schen Wesens für die deutsche Zukunft zurück. Wie könnte es auch anders seinl Nürnberg als die Stadt der Reichs­ parteitage und Lübeck als die Stadt „nordischen Gedan­ kens“ verkörpern symbolhaft und weithin sichtbar die Rückkehr zu den Ursprüngen deutschen Wesens.

G e is tig e H a ltu n g der H anse Als ein Verband von insgesamt 164 Städten, deren Vor­ ort Lübeck war und deren tragende Pfeiler im Auslande durch die vier großen Kontore in Brügge, London, Bergen und Nowgorod gebildet wurden, lag es im Wesen der Hanse, daß ihr Blick nach außen, weit über die Grenzen 239


des Reiches hinaus gerichtet w ar. W eltw irtschaftliche Züge, gemessen an den damaligen Verhältnissen, sind un­ verkennbar. Innerlich verwandt m it den in die Ferne stre­ benden nordischen W ikingern strebten auch die Hansen aus dem engen Raum der Heimat hinaus in die W eite, wo­ bei sie niemals ihre deutsche A rt vergaßen. Im Gegensatz zu den W ikingern zersplitterten sie aber nicht ihre Volks­ tums- und W irtschaftskräfte über die W elt, sondern hiel­ ten sie in einem geschlossenen, von gleichen Rechts-, Handels- und W ährungsgrundsätzen gebundenen Raum fest zusammen. Saat im edelsten Sinne des W ortes war es darum, was sie auf fremder Erde verstreuten. Natürlich hatte die Hanse als wirtschaftspolitischer Verband vor al­ lem die wirtschaftlichen Belange ihrer Glieder im Aus­ land zu sichern und zu fördern. W äre sie aber in ihrem Streben nur erwerbsmäßig eingestellt gewesen, hätte sie nur an die Anhäufung von materiellem Reichtum gedacht, so hätte sie nie und nimmer die Rolle in der Geschichte spielen können, die dem gewandelten Auge heute wieder offenbar wird und die in der Erweckung und Stärkung des Eigenlebens der übrigen Völker des Nordostseekreises be­ stand. In der Tat hielt sich die Hanse in ihrer besten Zeit selbst bei Verfolgung ihrer geschäftlichen Ziele stets von geld­ süchtigem Krämergeist fern. Immer zeigte sie nationale Würde und völkisches Bewußtsein. Die K raft und das Geld des einzelnen gehörten nicht ihm, sondern dem Gan­ zen, dem die Fähigsten und Tüchtigsten in den Räten der Hansestädte als Ratsherren in höchster Ehrenstellung, aber auch mit höchster Verantwortung zu dienen hatten. Oftmals hatten sie wichtige diplomatische Missionen im 240


Ausland zu erfüllen, und durch die kämpferische Hal­ tung der erfolgreichen jungen Ratsherren wurde die Ruhe der älteren zu einer entschlossenen, aber abgeklärten Gesamthaltung geformt, so daß die Politik des Rates, immer von einheitlicher Willensführung getragen und von Verantwortungsbewußtsein für das Ganze beseelt, Be­ harrlichkeit und Anpassungsfähigkeit, aber auch eiserne Stoßkraft in einer glücklichen, geradezu vorbildlichen Mischung aufwies. Das ehrendste Zeugnis für diese männ­ lich-kämpferische, dabei aber doch schmiegsame hansi­ sche Staatskunst wurde von John Rüssel, dem Führer der englischen Abordnung, gesetzt, der gegenüber der starken Führerpersönlichkeit des lübischen Bürgermeisters Hinrich Castorp im Jahre 1474 die berühmten Worte sprach: er wolle lieber mit allen Fürsten der Welt verhandeln denn mit hansischen Ratssendebotenl So war die Hanse weit mehr als ein nur nach Gelderwerb strebender Wirtschaftsverband: sie war die erste völkisch­ deutsche Großraumwirtschaft, die nach Osten in den alten germanischen Siedlungsraum ausstrahlte, und die nach der hansischen Frühzeit von 1150 bis 1350 ihre spätere wirtschaftliche Vormachtstellung in den Randgebieten der Nord- und Ostsee nur dem Umstand verdankte, daß sie schon von ihren Uranfängen, im elften Jahrhundert an, völkisch-kulturelle Ziele größten Ausmaßes verfolgte. Und zwar immer in enger blutsmäßiger Bindung mit der ' Heimat und als organisches Glied der großen mittelalter­ lichen Ostsiedlungsbewegung. Darin liegt ihre größte Be­ deutung für Deutschland. Denn das Werk der Ritter, Mönche und Bauern wäre unvollendet geblieben, wenn nicht die Hanse zur See gewissermaßen als Flankenschutz x6 Daitz I

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in der Ostsee wirtschaftlich und politisch geführt hätte. Königliche Kaufleute, nicht K räm er, nicht Geld- und Kredithändler waren es, welche erkannten, daß die großen wirtschaftlichen M öglichkeiten im Osten nur dann voll er­ schlossen werden konnten, wenn der deutsche Handel, dem Ganzen dienend, im Ostseeraum nicht nur w irtschaft­ lich führend, sondern auch in gleicher W eise machtpoli­ tisch auftreten konnte. Diese Erkenntnis bewirkte, daß die Hanse im Zuge der Ostsiedlung aus eigenem Antrieb dem überlegenen deut­ schen Pflug die segeltüchtige K ogge zur Seite stellte. Ziel­ weisend und selbst wehrhaft fand die K ogge nachdrück­ lichen Schutz durch das hansische Orlogschiff. D ank dieser soldatischen Haltung in ihrer Geschäftsführung und in richtiger Erkenntnis der machtpolitischen Erfordernisse gründete die Hanse, wie bereits gezeigt, im weiten Ost­ seeraum von Lübeck bis Riga und Reval von lebendigem Gemeinschaftsgeist erfüllte deutsche Städte von harmo­ nischer mittelalterlicher Prägung. Selbst dort, wo die deutsche Stadt unter fremder politischer Hoheit in frem­ dem Volksgebiet und unter voller W ahrung der Souverä­ nität fremden Volkstums begründet werden mußte. So verlor der hansische Kaufmann seine deutsche Heimat auch nicht in der Fremde, sondern er trug sie mit sich und bewahrte sie draußen als kostbarstes Gut. A u f diese Weise gelang es der Hanse, das deutsche Blut mit dem neuen Boden so fest zu verbinden, daß die Saat nicht nur für die deutsche Heimat, sondern auch für das fremde Volkstum in fruchtbarster W eise aufgehen konnte. Als Männern der Tat lagen den Hansen haltlose Frie­ densträumereien fern. Sie zogen nüchtern die Lehren aus 242


der Geschichte, und trotz aller Vorliebe für Verhandlun­ gen, in denen sie Meister waren, blieb ihre Haltung stets kämpferisch. Kräm ergeist verachteten sie ebenso wie Spießbürgertum. W aren Kriege unvermeidlich, so wurden sie gut vorbereitet und dann mit rücksichtsloser Energie geführt. W ehrfreudig griffen Führer und Mannen zum Schwert, und todesmutig waren sie bereit, ihre Führer­ stellung in der Ost- und Nordsee mit der W affe in der Hand zu verteidigen. So verband sich der Pflug zu Lande mit dem Schwert und zur See mit der Kogge. Traten Miß­ erfolge ein, so wurde der Führer vom Rate zur Rechen­ schaft gezogen. Selbst vor Enthauptung der für schuldig Befundenen scheute man im äußersten Falle nicht zurück. Denn die führende Stellung und das hohe Ansehen, das der hansische R at in den Städten gegenüber den Zünften und Innungen einnahm, konnte nur gehalten werden bei erfolgreicher Leitung und Leistung. Das aus der nordi­ schen Volksordnung durch Leistung herauswachsende Führertum wurde hier vorbildlich verkörpert. Infolge ihrer ausgeprägten völkischen Haltung griffen die Hansen nur als ultima ratio zum blutigen und immer verlustreichen Mittel des Krieges. Ein alter lübeckischer Ratsspruch sagt: „D as (Kriegs-) Fähnlein ist leicht an die Stange gebunden, aber es ist schwer, es in Ehren wieder herunterzuholen.“ Diplomatische Verhandlungen, auf die man sich meisterhaft verstand, wurden bevorzugt, und die Handelspolitik wurde als geläufigste Waffe verwendet. W irtschaftskrieg, Blockade und Einfuhrverbote waren die wichtigsten handelspolitischen Druckmittel. In Friedens­ zeiten jedoch war die Handelspolitik nur auf die Siche­ rung und den Aufbau der wirtschaftlichen Machtstellung 16*

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durch Erwerb von Handelsrechten eingestellt. Dabei w ur­ den die Handelsverträge in kluger Erkenntnis der w irt­ schaftlichen Zusam m enhänge immer durch W ährungs­ verträge ergänzt. Denn die dam alige hansische „W e lt­ wirtschaft“ baute sich sinnvoll auf Ländern verschiedener und arteigener Struktur auf. Diese lebensbedingte V er­ schiedenheit der völkischen Struktur wurde von der han­ sischen Handelspolitik bewußt geschont - im Gegensatz zu der liberalistisch-kapitalistischen, im Chaos geendeten W eltwirtschaftspolitik des

letzten

Jahrhunderts.

Die

durch völkische Haltung, d. h. auf der unverrückbaren Grundlage nordischer Volksordnung und nordischen Führertums aufgebaute hansische Handelspolitik ist deshalb geschichtliches Vorbild der künftigen, wieder von impe­ rialistischem Kolonial- und jüdischem Geldhändlergeist befreiten, auf völkisch disziplinierten und souveränen Volkswirtschaften sich neu erhebenden Außenwirtschaft der Völker. H a n s is c h e W i r t s c h a f t s p o l i t i k Der Kredit, meist in Naturalform gegeben, diente zur Überbrückung der Tauschvorgänge. Die große Kredit­ kraft des hansischen Kaufmanns befähigte ihn, den W a­ renaustausch durch Vorleistung zu befruchten. Ein gutes Beispiel hierfür bietet die norwegische Fischerei, die die Hanse im vierzehnten Jahrhundert, wie schon früher die Schonensche Fischerei, in ihr Handelsnetz einbezog. Zur Durchführung des Seefischereibetriebes war der norwegi­ sche Bauer auf fremde Hilfe angewiesen. Diese Hilfsstel­ lung geschah aber seitens der Hanse nicht durch Hergabe von Geld oder von Produktionsmitteln, so daß z. B. der 244


alte norwegische Schiffstyp, die herkömmlichen Fangge­ räte usw. bestehen blieben, ja nicht einmal die Fischzube­ reitung wurde durch vorschußweise Hergabe von Salz im Sommer verbessert, wie es, rein wirtschaftlich gesehen, zweckmäßiger gewesen wäre. Nichts sollte an den über­ lieferten norwegischen Fangmethoden durch äußeren Eingriff geändert werden. Was völkisch verwurzelt, blieb bestehen. Völkischer W ert ging eben vor ökonomischen Nutzen. Die Vorleistung, die die Hansen gewährten, bestand nur in der Hergabe eines Naturalvorschusses, d. h. in der Hauptsache in Lebensmitteln, war also Verbrauchskredit zum Unterhalt der gen Norden fahrenden norwegischen Fischer. Er wurde zwar sofort in Geld umgerechnet und in rechtskräftigen Schuldverschreibungen, den sogenannten Nordfahrerrollen, festgelegt, durfte aber niemals in Geld abgegolten werden, sondern mußte während der Marktzeit des folgenden Jahres durch Hergabe der erforderlichen Fischmenge zurückgezahlt werden. Solange ein Fischer auf diese Weise seine Schuld bei seinem hansischen Un­ ternehmer nicht zurückgezahlt hatte, war es ihm verbo­ ten, seine Fische bei anderen abzusetzen. Reichte trotz­ dem ein Jahresfang zum Abdecken der Warenschuld nicht aus, so wurde die Restsumme auf neue Rechnung vorgetragen. Dann blieb der Fischer an ein und dasselbe hansische Haus gebunden, und er bildete mit seinen Boo­ ten gewissermaßen nach Art des Verlagssystems einen Teilbetrieb der hansischen Unternehmungen. Mag der nordische Fischer durch dieses Kreditsystem auch in eine gewisse Abhängigkeit vom hansischen Kauf­ mann gebracht sein, so bleibt doch bestehen, daß sie gegen­ 245


seitige und damit eine natürliche und organische war. Denn nur auf diese W eise hatte der Fischer eine w irt­ schaftliche und soziale Aufstiegsm öglichkeit. Erst durch die Kreditgewährung in Naturalform konnte er seinen Fischereibetrieb dauernd in großem Rahm en betreiben und damit allmählich zum selbständigen Unternehmer er­ starken. Vorbedingung hierfür w ar, daß der hansische Kaufmann, wie es in der Blütezeit geschah, seine Mono­ polstellung niemals zum Preisdruck mißbrauchte, son­ dern immer den Preis der aufzukaufenden Fische mit den Preisen des von ihm eingeführten Getreides in Einklang hielt. A u f dem Fischm arkt zu Bergen wurden daher die Fischpreise jeweils nach den Kornpreisen aus dem Kon­ tinent ausgerichtet, und dieses feste Preisverhältnis, an das sich der hansische Kaufm ann freiwillig, aus seiner inneren Haltung heraus hielt, gewährleistete einen Ab­ lauf der Geschäfte frei von spekulativen und W ährungs­ schwankungen. So w ar in hansischer Zeit der Kredit nicht ein W erkzeug zur Ausbeutung des wirtschaftlich Schwa­ chen, sondern nur dazu bestimmt, den W irtschaftsverkehr zwischen den tauschenden Teilen in Gang zu setzen und in Gang zu halten. Dieser Tauschvorgang unter Kredit­ gewährung beruhte also auf gerechtem Leistungsaus­ tausch dadurch, daß der Kredit in W are und nicht in Geld zurückgezahlt werden mußte und durch die Bindung der Fischpreise an die Kornpreise stets kursgesichert war. Erst gegen Mitte des sechzehnten Jahrhunderts trat wegen der allmählichen Verdoppelung des Getreidepreises auf dem Kontinent eine erhebliche Verschiebung in dem Verhältnis der nominell gleichbleibenden Fischpreise zu den gestiegenen Kornpreisen ein. Diese Verdoppelung der 246


Kornpreise wurde verursacht durch die allmähliche Über­ flutung (Inflation) Europas vom Mittelmeer her mit den von den,, Kon quistadoren“ aus den neuentdeckten Ländern geraubten Gold- und Silbermengen, die die Zahlungsmittel Europas vermehrten, ohne den Warenumsatz entsprechend zu erhöhen. Damit begann der Verfall der auf gerechtem Leistungsaustausch und nordischem Führertum beruhen­ den hansischen Handelspolitik. Das Eindringen jüdischen Gelddenkens erleichterte so den scheinbar kapitalkräfti­ geren Holländern, infolge der relativ gesunkenen Fisch­ preise die hansischen Kauf leute in der ersten Hälfte des sieb­ zehnten Jahrhunderts aus ihrer wirtschaftlichen Vormacht­ stellung in der Ostsee zu verdrängen. Nur solange das hansi­ sche Wirtschaftssystem als organisches Ganzes festgefügt war, d.h. auf einem gerechten Leistungsaustausch und der Achtung vor der Souveränität fremden Volkstums beruhte, wurde der Austausch der Waren z. B. von Fisch gegen Korn mit Hilfe des Kredits, dem keine Eigengesetzlichkeit zu­ kam, im Gleichgewicht gehalten. Das Abweichen von dem gerechten Leistungsaustausch im Tausch verkehr durch das Vordringen des jüdisch-mittelmeerländischen Geldden­ kens, das in der fälschlichen Annahme einer Eigengesetz­ lichkeit des Tauschmittels wurzelt, trug zu dem Verfall der Hanse bei. Das ist im Wirtschaftsleben der Völker heute nicht anders als zur Zeit der Hanse! Die Hohen­ priester und Schriftgelehrten des „modernen“ Geldden­ kens sind immer die Totengräber gesunder Wirtschaft. Kapitalismus ist Denken in Geld statt in Waren. Durch die Hanse wurde zum erstenmal in der Ge­ schichte nicht nur das Schwert, sondern auch die Han­ delspolitik in den Dienst der Außenpolitik gestellt. Sie 247


wurde in der Blütezeit der Hanse regelm äßig nicht als W affe eingesetzt, sondern sie diente in der Hauptsache einmal als Mittel zur Auffüllung alten germ anischen Sied­ lungsraumes, dann aber auch zu einer Führung der V öl­ ker in nordisch-deutschem Geist. Von imperialistischen Bestrebungen war die Hanse weit entfernt. Sie wirkte allein durch Führung, die durch Beispiel und Leistung andere zu freiwilliger Gefolgschaft und Ausrichtung ver­ anlaßt. Nicht durch äußeren Zw ang, nicht durch Gewalt­ maßnahmen, nicht durch Herrschaft wurde also der han­ sische W irtschaftsraum erweitert, sondern durch Füh­ rung und freiwillige Eingliederung in handelspolitischer Beziehung von souveränen Volkstüm ern und selbständi­ gen Staaten. Durch diese hansische Führung wurden an­ dere Völker des Nordostseeraumes nicht in ihrem Volks­ tum und Eigenleben geschwächt, sondern gestärkt, und zwar nicht nur wirtschaftlich, sondern auch durch Strah­ lung und Gegenstrahlung in ihrem kulturellen Leben und 1 ihrer staatlichen Selbständigkeit. Auch heute noch ist es doch so, daß fast jedem großen Denker oder Künstler des Nordens: Schwedens, Norwegens, Finnlands, Dänemarks oder Islan ds-erst durch die Resonanz, die er im deutschen, besonders aber im oberdeutschen Lebensraum fand und findet, der W eg für seine Geistessaat aus der heimatlichen Enge über die ganze W elt geöffnet wurde. Deutschland und die übrigen Länder des Nordostsee­ raumes sind wie ein Akkord, aus dem man keinen Ton entfernen kann, ohne das Ganze mißtönend zu zerreißen wie eine Geige, die nur klingen kann, solange Saiten und Violinkörper miteinander verbunden bleiben, in W irkung und Gegenwirkung. 248


Anderseits aber vergaß die im nordischen Sinne geführte Handelspolitik der Hanse niemals, daß der Urquell ihrer K raft im deutschen Blut und im deutschen Boden lag. Sie war geboren aus dem deutschen Volkstum und blieb im­ mer mit ihm verbunden. Soziale Eintracht nach innen und W ehrhaftigkeit nach außen war ihr Leitstern, getreu dem alten lübeckischen Spruch am Holstentor, dem Welttor des Mittelalters gen Osten: „Concordia domi - foris pax“ (Eintracht drinnen - Friede draußen). Sie entsprach daher den Erfordernissen einer völkisch gebundenen W irt­ schaft: Freiheit und Frieden durch Selbstverteidigung! W enn trotzdem die Hanse im sechzehnten Jahrhundert einem tödlichen Siechtum verfiel, so nur wegen des W ir­ kens besonderer Gründe, die wir z. T. schon vorhin ge­ schildert haben. Dieser Verfall der Hanse vollzog sich in der Form einer allmählichen Abbröckelung. Er begann im fünfzehnten Jahrhundert mit der Loslösung der märki­ schen Städte durch Kurfürst Friedrich II. und verstärkte sich noch im gleichen Jahrhundert mit dem Sinken der Ordensmacht im Osten nach der Schlacht bei Tannenberg (1410). Schon 1494 mußte das Kontor zu Nowgorod ge­ schlossen werden. Im sechzehnten Jahrhundert kam hin­ zu das Wachsen der niederländischen Selbständigkeit im Westen, wodurch die friesisch-geldernschen Städte wie­ der abgesplittert wurden. Auch die Wanderungen des Herings, der im dreizehnten Jahrhundert von der pommerschen an die schonensche und norwegische Küste gezogen war, weiter zur holländischen Küste, trugen zur Verschie­ bung der wirtschaftlichen Macht nach dem Westen bei. Entscheidend aber war, daß auf der einen Seite die Stel­ lung der deutschen Städte durch die wachsende Macht der 249


Fürsten und Territorialherren immer mehr eingeschränkt und der selbstbewußte deutsche Bürger des Mittelalters mehr und mehr in die Rolle eines engstirnigen, städtischen Spießbürgers und obrigkeitlichen Untertanen gedrängt wurde. Und daß auf der andern Seite im W esten kraftvoll geschmiedete Nationalstaaten heranwuchsen, denen gegen­ über die schon von innen unterhöhlte deutsche Hanse nichts mehr vermochte. Denn Schöpferkraft und Wille zur Macht sind in jedem V o lk immer die letzten, entschei­ denden Kräfte. So war wegen der fehlenden völkischen Einigung des deutschen Volkes die K raftquelle des heimischen Bodens und des heimischen Blutes für die Hanse nicht mehr aus­ reichend, um sich gegenüber fremdem, von einheitlicher Zentralgewalt vertretenen nationalen W illen durchzuset­ zen. W ar bis dahin die politische Selbständigkeit der Han­ se für ihre Entwicklung ein Vorteil gewesen, weil sie ihre Politik ausschließlich nach den Belangen des Gemein­ wesens und nicht nach Dynastierücksichten lenken konnte, so erwies sich jetzt die politische Selbständigkeit als ein Nachteil. Denn in der deutschen Kleinstaaterei fehlte die kraftvolle Zentralgewalt, welche gesamtdeutsche Funk­ tionen zielbewußt hätte ausüben und die immer mehr sich erweiternde K luft zwischen Stadt und Land hätte über­ brücken können. Dies und die veränderte geistige Haltung des Nordsee­ kreises durch das Eindringen mittelmeerländischer impe­ rialistischer Außenhandelsmethoden bedingte somit den Untergang der Hanse. Im siebzehnten Jahrhundert war er vollzogen: 1629 wurde Lübeck, Hamburg und Bremen die Wahrnehmung der hansischen Belange übertragen. 250


Vierzig Jahre später fand der letzte, nur noch von sechs Städten beschickte Hansetag statt. Und weitere fünfzehn Jahre später, im Jahre 1684, war die Hanse ohne förm­ lichen Auflösungsbeschluß erloschen. Ferner hat zum Untergang der Hanse der Zug nach dem Westen als Folge der Entdeckung Amerikas und des See­ weges nach Indien, und der dadurch bedingten Verlage­ rung des Welthandels in den Atlantischen Ozean beige­ tragen. W enn auch im sechzehnten Jahrhundert der Han­ del mit Am erika noch nicht gewinnbringend war, so trat doch durch die Gier nach dem Gold der neuentdeckten Länder ein Gesinnungswechsel in der Handels- und Wirt­ schaftspolitik aller europäischen Länder ein. Gelddenken trat an die Stelle gerechten Leistungsaustausches. Wirt­ schaftliche Piraterie an Stelle seefahrenden Bauerntums. Imperialistische

Kolonialpolitik an

Stelle hansischer

Außenhandelsführung. So kam es, daß die Hanse die großen Möglichkeiten, welche der niederdeutsche Raum von Flandern über Lü­ beck bis Reval bot, trotz einer wirtschaftlichen Führung in rund vier Jahrhunderten nicht für die Dauer ausnutzen konnte. Wertvolle deutsche Saat war wieder wegen des Unverständnisses der Heimat verschwendet worden. Auch die nordischen, von der Hanse befruchteten Reiche konn­ ten ihre Strahlungskraft nicht zu einem gemeinsamen Neuaufbau Kontinentaleuropas ausnutzen. Der Sieges­ zug Gustav Adolfs wurde jäh unterbrochen. Dafür begann jetzt, angetrieben durch Abenteurerlust, eine vierhundert­ jährige Verschwendung nordischen Geistes nach Westen über den neu erschlossenen Ozean nach Nord- und Süd­ amerika, nach Afrika und nach Australien, nach Indien 251


und dem Fernen Osten. Dieser W estzug verschärfte sich im neunzehnten Jahrhundert durch die von nordischem Geist bewirkten technischen Verbesserungen im Schiffs­ bau. Er führte zu einer unerhörten kolonisatorischen Tä­ tigkeit, die mit Ausnahm e von England eine erneute Ver­ schwendung nordischen Geistes für die nordischen Völker bedeutete. N o r d is c h e s F ü h r e r t u m Das Kennzeichen der noch unverfälschten hansischen Handelspolitik in ihrer Großzeit bestand, wie w ir gesehen haben, darin, daß die Bindung an B lut und Boden des eigenen Volkes nicht verlassen und dem Gelddenken kein Raum gegeben wurde, und daß in vollem Bewußtsein die­ ser Bindung die Erschließung anderer Länder in gleichem Geiste geschah. Nirgends wurde die Souveränität anderer Volkstümer angetastet. Nirgends wurde die unverrückbare Grundlage nordischer Handelspolitik - der gerechte Lei­ stungsaustausch - mißachtet. Dies w ar Führung, die al­ lein auf Leistung beruhte. So wurden nach und nach an­ dere Völker des nordischen Raumes handelspolitisch ent­ wickelt, ohne in ihrem völkischen Eigenleben oder ihrer staatlichen Souveränität angetastet zu werden. Solche Führung ist zutiefst begründet im W esen ger­ manischen Führertums. Denn der Gegensatz zur Füh­ rung ist Herrschaft. Führung im Sinne germanischer Volksordnung ordnet allein durch überragende Leistung und Beispiel die Menschen und Völker freiwillig zu ei­ nem geschlossenen Kraftfeld. Also nur durch inneren Zwang, durch Selbstzwang, gleich wie der Magnet sein Kraftfeld. 252


Im Gegensatz hierzu versuchen westliche Demokratie und der frühere Universalismus des Mittelmeerraumes das Chaos von außen zu bändigen. Herrschaft tritt an Stelle von Führung. Intellektuell konstruierte Theorie geht

vor lebendigem

Leben. Überall

wird erdachte

Form über den lebendigen Inhalt gesetzt. Allerorten die Ganzheit schöpferischen Lebens verstandesmäßig zerglie­ dert und zerfasert und in Funktionen aufgelöst, die im Selbstzweck erstarren. Der Mensch wird durch einen Zwang, der von außen kommt, gewaltsam und nicht frei­ willig einem übergeordneten W illen untergeordnet. Alle diese in Europa auf Gewalt auf gebauten Systeme (die goldene, die rote, die schwarze, also letzten Endes alle jüdischen „Internationalen“ ) nahmen ihren Beginn im Osten des Mittelmeers. Alle auf dem Gedanken nordischer Führung auf gebauten Staaten nahmen dagegen ihren Aus­ gang vom Nordostseeraum. Sie gingen daran zugrunde, daß sie sich in der Führung erschöpften. So war es bei der Hanse. Das gleiche wiederholte sich bei der unerhörten überseeischen Siedlung der vergangenen Jahrhunderte, deren Träger nordische Menschen des Nordostseeraumes waren. Diese Besiedlung der W elt im Westen hatte außer einem ungeheuren Verlust besten nordischen Blutes, der größer war als der Verlust in den germanischen Völker­ wanderungen, wiederum zur Folge, daß der nordische Mensch die ihm vom Schicksal auferlegte Ostsiedlung unterbrach, so daß schließlich asiatischer Despotismus unter jüdischer Führung in Form des Bolschewismus in Ost-Europa wieder Raum gewinnen und bis in die Kern­ lande nordischen Menschentums vorstoßen konnte. Im selben Augenblick aber, wo der Westen durch den 253


Umsturz aller Machtverhältnisse der W elt sich selbsttätig wieder der nordischen Verschwendung verschließt, erhebt dieselbe Schicksalsfügung Adolf Hitler und seine Bewe­ gung auf den Schild, um unter dem Einsatz des von ihm geschaffenen neuen Deutschlands Europa wieder vom asia­ tischen Geiste zu befreien und den Lebensraum des nor­ dischen Menschen wieder in den alten Bahnen zu weiten. Zum erstenmal wird durch Adolf Hitler und den National­ sozialismus die ewige niederdeutsche Aufgabe zur gesamt­ deutschen Aufgabe erklärt und ihre Lösung in den Mittel­ punkt des neuen europäischen Aufbaus im Geiste nordi­ scher Führung gestellt, wie der Führer sie uns gelehrt hat: „W ir hängen mit grenzenloser Liebe und Treue-an un­ serem eigenen Volkstum. Aber wir respektieren die natio­ nalen Rechte auch der andern Völker aus dieser selben Ge­ sinnung heraus. W ir kennen daher nicht den Begriff des Germanisierens. Die Mentalität des vergangenen Jahr­ hunderts, welche glaubte, vielleicht aus Polen oder Fran­ zosen Deutsche machen zu können, ist uns genau so fremd, wie wir uns leidenschaftlich gegen den umgekehr­ ten Versuch wenden. W ir sehen die europäischen Natio­ nen um uns als gegebene Tatsachen. Franzosen, Polen und die andern Völker sind unsere Nachbarvölker, und wir wissen, daß kein geschichtlich denkbarer Vorgang diese W irklichkeit ändern könnte.“ Aus dem Geist der auf Verschwendung nordischer Saat gerichteten W estwendung wurde auch die Handelspolitik der letzten Jahrhunderte geboren. Der nordische Mensch wendet sich ab von dem großen um Nord- und Ostsee ge­ lagerten Kulturkreis und beginnt wahllos und regellos mit aller W elt Handel zu treiben. Die wehrhafte völkische Hal­ 254


tung der W irtschaft wird gesprengt und die Wirtschaft damit ihrer vornehmsten Aufgabe: Verteidiger und För­ derer von Blut und Boden ihres Volkstums mit wirtschaft­ lichen Mitteln zu sein, entäußert. Die souveränen Volks­ wirtschaften wurden um einer erdachten und „eigengesetz­ lichen“ W eltwirtschaft willen zerstört, zu Sektoren einer internationalen Arbeitsleistung erniedrigt. Die Funda­ mente des „Weltwirtschaftsgebäudes" wurden so um des Daches willen zerstört. Wirtschaftspolitisch wurden alle Dinge buchstäblich auf den Intellekt und damit auf den Kopf gestellt. Geld und Ware wurden nicht nur aus ihrer volklichen Bindung, sondern auch aus ihrer Bindung an­ einander gelöst. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten der W irtschaft in der vergangenen Verfallsperiode, die wir auch heute noch überall mit ihrer Einbildung und Überheblichkeit am Werke sehen, verkündeten mit talmudischer Spitzfindigkeit die „Eigengesetzlichkeit“ so­ wohl der Geld- als auch der Warenbewegung und stürz­ ten damit alles in wirtschaftliches Chaos. Damit wurde die Ganzheit des lebendigen Lebens in zum Selbstzweck entartende und zum Tode verurteilte Teilfunktionen aufgelöst. Nur England machte im ganzen gesehen eine Ausnah­ me. Hier ging die blutsmäßige Bindung mit der Heimat nicht verloren, und auch die Notwendigkeit einer Siche­ rung der Auslandsstellungen durch das Schwert wurde nicht übersehen. Das ist der Grund, weswegen England noch heute sein Wikingertum in seinem Welthandels­ bereich, das es im achtzehnten Jahrhundert von den Hol­ ländern übernahm, ungebrochen ausübt. Im Geiste echt germanischen Führertums führt England instinktsicher 255


und zielbewußt durch Leistung und Beispiel. Nur dadurch gelang es ihm, das Britische W eltreich, das größte poli­ tische und handelspolitische Kunstwerk, das die Ge­ schichte je gesehen hat, aufzubauen und durch alle Fähr­ nisse, selbst durch die Katastrophe des W eltkrieges unver­ sehrt hindurchzutragen. Ein W eltreich, in dem eine nor­ dische Führerschicht von siebzig Millionen Menschen die Führung über 420 Millionen Andersrassiger zu deren eige­ nem Vorteil inne hat. Zusammenfassend läßt sich somit sagen: Während die Hanse, entsprechend dem nordischen Füh­ rungsgedanken niemals Besitzansprüche auf -fremdes Volkstum und fremden Boden erhob - niemals Kolonien besaß - vergewaltigte die zunächst völlig vom jüdischen Geist des Mittelmeeres beherrschte Handelspolitik der Nachhansezeit fremdes Volkstum und fremden Boden. Rücksichtslos wurden die neu entdeckten überseeischen Völker und Staaten zerstört, ihres Goldes beraubt und dieses in den europäischen W irtschaftskreislauf geworfen, ohne gleichzeitig den Außenhandel mit den geplünderten Staaten zu erhöhen. So wurde auch in diesem Fall wieder der ewige Fluch des Goldes und Geldes wirksam , der ver­ borgen in ihm ruht und immer dann geweckt wird, wenn es durch falsches Gelddenken aus dem organischen Produk­ tionsprozeß als dienendes Glied herausgerissen und in ein selbständiges imperialistisches Machtmittel, in Kapitalis­ mus, umgewandelt wird. So wurde die schöpferische, auf Stärkung fremden Volkstums gerichtete hansische Außen­ handelspolitik in eine imperialistische, fremdes Volkstum zerstörende Kolonialpolitik verwandelt. - Durch den neuen 256


Vorstoß nordischen Führertums aus Europa heraus wird aber auch diese Kolonialpolitik der liberalistisch-kapitalistischen Periode eine Wandlung erfahren. Das Vorbild der Hanse: wirtschaftliche Stützpunkte zur gegenseitigen Förderung der Handelsbeziehungen der Völker zu errich­ ten und den so erschlossenen Raum durch Handels- und Währungsverträge zu einer natürlichen, organischen Ein­ heit zu gestalten, lebt wieder auf. Nur von diesem Ge­ sichtspunkt aus ist auch die neue, in Ottawa eingeleitete englische Handelspolitik zu verstehen, die eine immer stärkere Hinwendung zum nordischen Führungsgedan­ ken bedeutet. Denn das britische Imperium wird immer mehr ein unter englischer Führung stehender britischer Völkerbund, zusammengehalten durch eine einheit­ liche Handels- und Währungspolitik, die dem Eigenleben der erstarkenden verschiedenen Volkstümer des Empire im Maße ihrer Erstarkung instinktsicher und elastisch mit Hilfe der Politik immer weiter entgegenkommt. Außenpolitik ist eben die Kunst des Seefahrens, Innen­ politik die Kunst der richtigen Lastenverteilung im fah­ renden Schiff. Welches der Erfolg der nordischen Saat aus dem Ostund Nordseeraum in Nordamerika sein wird, ist heute un­ gewiß. Nachdem die Vereinigten Staaten den nordischen Blutstrom aus der alten Heimat durch ihre Einwande­ rungsgesetzgebung unterbunden haben, wird das nordi­ sche Menschentum in Nordamerika sich allein nun aus­ einanderzusetzen haben mit dem fremden Blut aus Afrika, aus dem Judentum und aus andern östlichen Gegenden Europas, Asiens und des Mittelmeeres. Um so höher wird diese innere, völkische und soziale Spannung des nord17 Daitz I

257


amerikanischen Kontinents steigen, je m ehr die W irt­ schaftspolitik sich von ihrer bisherigen expansiven Me­ thode zur intensiven wandeln muß, nachdem der Nord­ amerikaner nunmehr von seinem ganzen K ontinent Be­ sitz ergriffen hat. Anders in Deutschland. Nach der Verschließung des Westens steht riesengroß wieder unsere ewige geschicht­ liche Aufgabe vor uns auf: den alten deutschen Raum wieder mit nordischem Geist aufzufüllen und damit die Tat zu vollenden, die von Heinrich dem Löwen, vom Deut­ schen Orden und der deutschen Hanse nach der Völker­ wanderung wieder begonnen, aber durch die vergangene mehrhundertjährige Periode der W estpolitik w iederunter­ brochen wurde. Die Abwendung vom Westen und die erneute deutsche Hinwendung zum Osten bedeutet keinen Imperialismus, sondern durch sie wird lediglich der Neuaufbau Europas auf der Grundlage unantastbarer Souveränität jedes echten Volkstums und des nordischen Führertums wieder in A n ­ griff genommen. Die geistige Vorbereitung dazu kann nur von Deutschland aus beginnen, denn Deutschland allein kann auf geschichtlichen Ansätzen weiterbauen. Auch fällt ins Gewicht, daß Frankreich durch seine K olonial­ politik und Italien durch seine Mittelmeerpolitik allzu­ sehr abgelenkt sind, als daß sie sich dem Neubau Ost­ europas an erster Stelle widmen könnten. Ebenso hindert die geographische Lage dieser am Rande W est- und Süd­ europas gelegenen Staaten ihre Arbeit am Aufbau Nordund Osteuropas der nur auf antiimperialistischer Grund­ lage erfolgen kann. Nur Deutschland, nicht nur geographisch, sondern 258


auch verkehrspolitisch im Herzen Europas gelegen, ver­ mag diese Aufgabe zu lösen. Nur Deutschland, dieser durch den Nationalsozialismus festgefügte Block von siebzig Millionen Menschen mit einem Produktionsver­ mögen, einem Bedarf und einem technisch entwickelten W irtschaftsapparat wie sonst kein Volk der Erde ihn be­ sitzt, - der nicht nur im Zentrum Europas liegt, sondern es ist. Allein schon sein wirtschaftlicher Bedarf, den Deutschland heute dem europäischen Kontinent nach der Abwendung von der Westpolitik zur Verfügung stellt, er­ möglicht eine ungeahnte Aufschließung und Stärkung der Länder des Südost- und Ostseeraumes, wenn dieser nach hansischem Vorbild erfolgt: nicht durch Ausleihung von Geld, sondern durch erhöhten Warenaustausch, durch erhöhte Ausnutzung aller Anbauungsmöglichkeiten (Öl­ früchte, Futtermittel, Faserstoffe usw.) und Hebung der Mineralschätze (Kupfer, Mangan, Zinn, Nickel usw.), die Deutschland und das übrige Europa bisher, vielfach dem Beispiel Deutschlands folgend, aus dem überseeischen Westen und Fernen Osten bezog. In Deutschlands Hand alsp liegt es, durch vermehrte Hinlenkung seines direkten und indirekten Bedarfes den Völkern Osteuropas und des Ostseeraumes erhöhte Kaufkraft zu verleihen und dadurch sie zu befähigen, hochwertige deutsche Industriewaren, die sie auf ihrer schmäleren Industrieund Rohstoffbasis und ihrer anders gearteten Befähigung nicht herstellen können, doch zur Erhöhung ihres Lebens­ standards zu kaufen. Nur durch eine solche wirtschaftliche und kulturelle Stärkung Europas, die nur aus seinen eigenen Kraft­ quellen und der Wiederherstellung der Ganzheit seines 17*

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Raumes von Gibraltar bis zum U ral und vom Nordkap bis zur Insel Cypern entwickelt werden kann, wird es die Stärke wieder gewinnen, die es braucht, um nach der un­ erhörten Kraftverschwendung der letzten vier Jahrhun­ derte nicht von den aus seinem eigenen B lut und Geist erschaffenen transozeanischen und transkontinentalen Großgebilden erdrückt zu werden. Deutschland wird Eu­ ropa den Europäern wieder zurückgew innen und damit Europa die ihm gebührende Stellung unter den Konti­ nenten der W elt. Das große Ziel, das Deutschland zu verfolgen hat, steht also unverrückbar fest. Es besteht darin, fremdes Volks­ tum Im europäischen Ostraum im Geiste echter nordi­ scher Führung, also unter voller W ahrung seiner völki­ schen, staatlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Sou­ veränität, freiwillig wieder m it dem deutschen Lebensraum zu einer neuen europäischen Lebens- und Arbeitsgemein­ schaft zu verbinden. Dieser neue europäische Lebens- und W irtschaftskreislauf wird auf kam eradschaftlicher Basis und natürlicher wirtschaftlicher und kultureller Ergän­ zung den europäischen Kontinent erst wieder befähigen, seinen Teil beizutragen an dem friedlichen Neubau der W elt. Denn, w ie soziale Eintracht im Innern jedes Volkes' auch Frieden in seinen Handlungen nach außen bedeutet durch die W iedererlangung der natürlichen Stärke und Geschlossenheit des Volkstums - so bedeutet auch für den europäischen Kontinent erst die Eintracht seiner Völker Geschlossenheit und damit Frieden nach außen gegenüber andern Großräumen der Welt. Getreu dem Vorbild der Hanse muß hierbei die neue geistige Haltung schon bei der Handelspolitik beginnen, und die europäischen Han260


delsverträge müssen durch Währungsverträge ergänzt werden, die den Grundsatz des gerechten Leistungsaustau­ sches zunächst einmal für Europa wiederherstellen und so die Außenpolitik von der wirtschaftlichen Seite her wir­ kungsvoll unterstützen. Heute wird unser Volk wirtschaftlich und kulturell von dem gleichen Problem wie zur Zeit der Hanse bedrängt: dem Problem des kontinentaleuropäischen Wirtschafts­ und Kulturkreislaufes, der Herstellung eines europäi­ schen Ottawas. Da, wo die Arbeit vor vierhundert Jah­ ren abgebrochen wurde, müssen wir heute wieder einsetzen. Dieses hohe Ziel ist es wert, daß die besten Kräfte sich dabei verzehren. Sie werden wiederum deutsche Saat in fremde Erde legen, aber nicht in sinnloser Verschwen­ dung, auch nicht in dem unfruchtbaren Geist mittelmeer­ ländischen Imperialismus und Universalismus, sondern ln blutmäßiger Verbundenheit mit der Heimat und durch freiwilligen Zusammenschluß der einzelnen Teile zu einem geordneten Kraftfeld. Dann ersetzen wir die leere und heute überall brüchig gewordene Formaldemokratie des Westens durch echte nordische Führung, und eine neue organische Ordnung Europas wird entstehen, die allein die Grundlage für die friedliche Fortentwicklung seiner Völker bilden kann. Diese neue Haltung Europas wird schöpferisch sein. Sie wird jedes Volkstum nach dem ihm eingeborenen Lebens­ und Wachstumgesetz zur höchsten Entwicklung seiner Fähigkeiten bringen. Denn die Geburt der Volkspersön­ lichkeiten, das Aufbegehren lebendiger Volkstumsdynamik gegenüber toter intellektualistischer Statik ist der große weltrevolutionäre Vorgang unserer Zeit, der das mechani-


sehe Weltbild allerorten ablösen wird durch ein biologi­ sches. Der sich nicht nur auf die W iedergeburt Deutsch­ lands durch denNationalsozialismus oder inltaliendurchden Faschismus und in der Türkei im K em alism us beschränkt, sondern sich in andern Völkern nach arteigenem Gesetz wiederholt. Überall werden selbstbewußte, arteigene Volks­ persönlichkeiten entstehen, die es aus kulturellen Grün­ den ablehnen werden, künftig noch aus dem W arenhaus westlicherFormaldemokratie nach w ie vor die staatlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Kleidungsstücke fertig von der „Stan ge“ zu beziehen, m it denen sich heute der größte Teil der Völker, die noch nicht zum Selbstbewußt­ sein und damit zu eigener K ultur erw acht sind - nach ein und demselben Vorbild bekleiden zu m üssen glaubt. Sie werden vielmehr aus ihrem eigenen Volkstum und A rt­ gesetz heraus die ihrer Natur gemäßen Form en des Staa­ tes, des Rechts, der W irtschaft der K ultur, der K unst ent­ wickeln - von innen heraus, wie der Krebs seine Schale und der Baum seine Rinde als sekundärer Vorgang. Nur der Volktum sgedanke und der Geist nordischer Führung sind bis heute befähigt, diesen weltgeschichtlichen Gesin­ nungswechsel zu erschauen, der eine neue Duldsamkeit gegenüber der M annigfaltigkeit der Lebensform en d er' Völker verlangt, um dem ewigen Leben in den Völkern als ewige Form en des Geistes wieder R aum zu schaffen. Denn darin liegt die große Sendung Adolf Hitlers und seiner Bewegung, des neuen Deutschlands, beschlossen: mit all seinem Tun dem lebendigen Leben in Freiheit zu dienen. W ir Nationalsozialisten sind Gläubige des Lebens, das immer wieder zu seiner Zeit lebensleer gewordene For­ 262


m en

geronnenes Leben, in seinen ewigen Mutterschoß

e i n s c h m i l z t , damit besser angepaßte und wieder vom le­ b e n d i g e n Leben durchpulste Form en aufs neue aus ihm • w a c h s e n können. Tod ist nur Formwechsel. Tod ist nur e i n e F u n ktio n des Lebens, ein Teil des ewigen Lebens aller D i n g e . E r gehört zum Leben wie die Schatten zum Licht.


Inh altsverzeichnis •ituf ■ J

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• . ' r r/-'1 V £ Vorwort . .ii. . W erner D a itz . . . . . . . .

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3

Einleitung: Zum Umbau der Volks- und Weltwirtschaft. A ufsatz von W erner Daitz aus dem Jahre 1 9 x 6 ................. •

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13

Kapitel: Nationalsozialistische Wirtschaftserkenntnis. 1. Die Wirtschaftsphilosophie und W irtschaftspolitik des N ationalsozialism us.'193Z..............................

25

2. Die W irtschaftsprogrammatik des Nationalsozialis­ m us. 1933 ....... . ;........................................... .... . • • 3. Die Erneuerung der W irtschaftsethik. Eine Um­ wertung aller Werte. 1934.....................

36

42

4. Organischer Aufbau von Volks- und Großraumwirt­ schaft. 1934. . ,. . .............................................................. 59 5. Deutscher W irtschaftsneubau. 1934................................... 75 6. W eltanschauung und W irtschaft. 1 9 3 5 .......................... 82 7. Völkische Haltung der W irtschaft. Wirtschaftspolitik als Teil der Kulturpolitik. 1 9 3 5 ......................................105 8. Völkische W irtschaft ist wehrhafte Wirtschaft. 1936

138

9. Der völkische Sinn des zweiten Vierjahresplanes. 1 9 3 6 ...................................................................................146

II. Kapitel: W ikingertum und Wirtschaft. 1. W ikingertum — ein Grundelement nordischer Rassen­ seele. 1 9 3 6 ................................... ...................................... 159


2. Nordischer Seefahrergeist und imperialistisches Händ-

lertum. ............................................................................. 163 3. Die germanischen Tugenden als Lebensgesetzlichkeit des deutschen Volkes. .................................................. III. Kapitel: Saat aus niederdeutschem Raum. 1. Der nordische Charakter des Dritten Reiches und Niederdeutschlands Aufgabe. 1 9 3 6 ....................................I93 2. Lübecks deutsche Aufgabe. 1 9 3 6 ........................................ 20l 3. Lübeck, die Stadt der Reichstagungen der Nordischen

Gesellschaft. 1 9 3 7 ........................................................... 4. Saat aus niederdeutschem Raum. 1 9 3 6 ..........................219


W ERN ER DAITZ

DER W EG ZU R VÖ LK ISCH EN W IR TSCH AFT II ’V


Büch I der Schriftenreihe des Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Technik


DER W E G Z U R VÖLKISCHEN WIRTSCHAFT AUSGEWÄHLTE REDEN UND AUFSÄTZE VON

W E R N E R D A IT Z

TEIL II D EU TSCH LAN D UND DIE E U R O PÄ ISC H E GRO SSRAUM W IRTSCH AFT

VER LAG DER DEUTSCHEN TECHNIK GMBH MÜNCHEN K O M M IS S IO N S V E R L A G U N D G E SA M T E A U S L IE F E R U N G H O L L E 6. C O . / V E R L A G / B E R L IN


Erstes Kapitel EU RO PÄISC H E GROSSRAUMWIRTSCHAFT


D ie alte Städtehanse und der kontinentaleuropäische W irtschaftskreislauf Rede gehalten auf der Reichstagung der Nordi­ schen Gesellschaft J u n i 1934. A ls Aufsatz u. a. erschienen in Heft 2 (1934) von „ A usfuhristnot l W irtschaftlichsoziale Weltfragen", herausgegehen vonD r.ErnstSchultze, o.Prof. derVolks-und Wellwirtschaftslehre an der Handelshochschule L eip zig, Direktor des Weltwirtschaftsinstituts.

I. W i e d e r b e l e b u n g ei ner st ol zen Tradi t i on W enn ich als Sohn der alten, ruhmreichen Stadt Lübeck und anläßlich der ersten Reichstagung der Nordischen Ge­ sellschaft zu Lübeck an dieser historischen Stätte das Wort ergriffen habe, so geschah dies in Dankbarkeit und Ehrfurcht vor dem großen Führer unserer Bewegung. Ihm verdanken wir es, wenn heute der große hansische Ge­ danke, der vier Jahrhunderte hindurch für immer ver­ schüttet erschien, in neuer Kraft wieder ersteht. Denn seine Wiederverkörperung in neuem Geist und neuer Form ist der kontinentaleuropäische Wirtschaftskreis­ lauf, die kontinentaleuropäische Großraumwirtschaft. In Lübeck wurde einst die Politik der mittelalterlichen W elt mitbestimmt, der ersten kontinentaleuropäischen Großraumwirtschaft. Hier wurden die Lose geworfen von den Abgesandten der Staaten West-, Nord- und Osteuro­ pas und den Ratssendeboten der deutschen Hansestädte über die Wirtschaftsgestaltung und. Wirtschaftsplanung eines großen Teils der europäischen Völker. Und wenn ich heute nun als Nationalsozialist über den Neubau der kon­ tinentaleuropäischen

Großraumwirtschaft spreche, so

liegt darin eine tiefe historische Logik. Man wird erinnert

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an Nietzsches m ystische Lehre von der ewigen W ieder­ kun ft und von dem Abl auf des großen W eltjahrs. Denn der große Künder der W eltanschauung Adolf Hitlers, un­ ser Pg. Reichsleiter Alfred Rosenberg, konnte vor wenigen W ochen - ohne jede außenpolitische Spitze - in der von den Flügelschlägen der Geschichte um rauschten Marien­ burg die W iederverkörperung und die Erneuerung des Geistes des Deutschritterordens in H altung und Organi­ sation unserer nationalsozialistischen Bew egung verkün­ den; und ich darf heute sprechen über Geist und Form des neu erstehenden kontinentaleuropäischen W irtschafts­ kreislaufes - an der gleichen historischen Stätte, an der der erste, die alte Städtehanse, ihren A nfang nahm. Es ist ein durch undeutsche Geschichtsschreibung er­ zeugter Irrtum , daß die alte Hanse als reiner W irtschafts­ verband gegründet und von Händlergeist und Profitsucht beherrscht wurde. Echtes Können ganz großen Stils auf allen Gebieten steht am A n fan g des hansischen Werdens. E chter nordischer W ikingergeist. Die Zw iefältigkeit, die doppelte Polarität seines W esens: unwiderstehlicher Drang und Sehnsucht in die Ferne bei gleichzeitigem, unüber­ windlichem H ang zur Scholle und Heimat: Fernweh und Heimweh sind die Grundlagen aller echten Kolonisation. Der Nomade dagegen zieht schweifend durch die W elt und läßt hinter sich zerstörte Lagerstätten und Dörfer. Er ist überall und nirgends zu Hause. Den nordischen Menschen dagegen treibt es in die Ferne. Aber die Sehnsucht und Treue zur H eim at fesselt ihn immer wieder an den Boden und läßt ihn dann eine neue Heimat gründen, wenn er zur alten nicht zurückkehren kann. So treiben die W ikinger ihre D rachenschiffe über alle Meere und kehren zur alten 8


V. . V - *

Heimat zurück, oder gründen in der Ferne eine neue, wenn ihnen der alte Heimatboden keinen Raum mehr läßt. Der Chinese unterteilt in unendlicher Vielzahl seinen Ackerboden, immer enger wird darum das Menschenge­ wimmel auf der Scholle. Der nordische Mensch dagegen unterteilt seinen Boden nicht. Das Erbhof-Gesetz, das Fundament der nationalsozialistischen Bauernwirtschaft,. bringt diesen Gedanken erneut zum Ausdruck und ver­ langt damit von den nachgeborenen Söhnen gewerbliche oder andere Betätigung, die Errichtung neuer Heimat­ stätten außerhalb des Erbhofes oder der alten Heimat. Deshalb wohnt der nordische Mensch an allen Wasser­ läufen und Meeren der Welt und auch nur hier. Nur weil Meer und Land in ihrer Verbindung der doppelten Pola­ rität seines Wesens entsprechen.

i. D a s W i k i n g e r t u m al s g e i s t i g e r B e g r i f f Der nordische Mensch ist ein seefahrender Bauer, ein W ikinger. Über die Nordsee kamen sie einst auf ihren flin­ ken Schiffen gefahren, suchten die Küsten heim, fuhren die Flüsse hinauf, bis ins Innere des Landes. Erschienen gleichzeitig vor Hamburg und Paris. Durchquerten die Ostsee und gründeten 862 in Rußland das Waräger-Reich. Drangen durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittel­ meer und gründeten den sizilianischen Normannen-Staat. Eroberten von Nordfrankreich aus 1066 England. Aber auch der weite Ozean schreckte sie nicht. Sie ließen sich in Island und Grönland nieder, und bereits um das Jahr 1000 betraten sie, ein Halbjahrtausend vor Columbus, das ame9


rikanische Festland. - W as für ein gewaltiger, him m el­ stürm ender Geist offenbart sich in diesen wenigen Daten 1 - Nicht um eitlen Ruhm es w illen boten sie in ihren ge­ brechlichen Fahrzeugen den W eltm eeren Trotz und be­ zw angen sie. Ihre Natur w ar es, die sie trieb und immer wei­ ter trieb. Ein unbezwingbarer Drang in die Ferne, in das noch Unbekannte, die innere und äußere Notwendigkeit, Neuland zu entdecken und zu kolonisieren. Ein käm pfe­ rischer, kühner, draufgängerischer Seefahrergeist, ge­ m ischt m it gleich starker, unendlicher Sehnsucht zur alten H eim at und zur eigenen Scholle: Fernweh und Heimweh. W ikin gertum ist ein geistiger Begriff, ist Haltung, ist echtester nordischer Stil. A ls W ikinger läßt man sich nicht entdecken. Man entdeckt selbst. Es w ar gar nicht anders m öglich, als daß wir die Indianer, daß wir die Neger, daß w ir die anderen W elten entdeckten und nicht umgekehrt. — Dieses nordische B lut hat alle Völker Europas durch­ setzt - nur die Grade sind verschieden.

2. D ie G r o ß r a u m w i r t s c h a f t d e r d e u t s c h e n H a n s e Doch zu rü ck zur deutschen Hanse, zur ersten kontinen­ taleuropäischen Großraumwirtschaft, die in den Jahren iooo bis 1500 errichtet wurde. W ährend die Kaiser des Ersten Reiches, des sogenannten Heiligen Römischen Rei­ ches Deutscher Nation, ihre Außenpolitik ultra montes orientierten und jenseits der Alpen in Italien bestes deut­ sches Blut und Gut in Strömen vergeudeten, baute der niedersächsische Norden zielbewußt und mit eiserner Konsequenz die erste kontinentaleuropäische Großraum10


W irtschaft. - Während der Deutschritterorden von der Ostsee bis hinunter nach Siebenbürgen seine Stellungen ausbaute, holte die Hanse die Agrarüberschüsse aus dem Südostraum, bewegte sie über die alte hansische Heerund Handelsstraße von Rheinland-Westfalen bis Lübeck und verschiffte sie - gemischt mit Erzeugnissen des deut­ schen, italienischen, flandrischen, französischen und an­ deren Gewerbefleißes - mit ihren Kriegs- und Kauf­ fahrteischiffen über die Ostsee bis nach Rußland hinein. Über Rußland schloß sich dann dieser Güter-, Geld- und Verkehrskreislauf dadurch, daß im Ostseeraum und in Rußland Rauchwaren und andere nordische Produkte ein­ getauscht wurden. Diese erste kontinentaleuropäische Großraumwirtschaft, deren tragende Pfeiler die Hanse und der Deutschritterorden bildeten, war eine Bedarfsdeckungs­ wirtschaft nach innen und nach außeni Die von ihr um­ schlossenen Völker und Volksräume ergänzten sich auf das beste. Sie stellten sich mit ihrer Erzeugung auf den gegenseitigen Bedarf ein, und es wurde streng darauf ge­ achtet, daß das Prinzip der Bedarfsdeckung innegehalten wurde und nicht eine ungeordnete, regellose Produktion oder gar Überproduktion einsetzte. Auch nach innen war diese erste Großraumwirtschaft nach dem Bedarf gebun­ den, insofern, als jedem Beruf, jeder Zunft ein bestimm­ ter Sektor als Arbeitsfeld zugeteilt war, den er mit innerer Freiheit und Selbstverwaltung erfüllte, und der nicht in die Lebensräume anderer eingriff. Aus dieser bewußt nach innen und nach außen geregel­ ten und gelenkten Wirtschaft erwuchs dann mit die hohe Kultur und Blüte des Mittelalters, sein Wohlstand und seine Kunst. Als höchste Zeugen des Geistes dieser Tage n


unendliche innere Freiheit in der natürlichen äußeren Gebundenheit - ragen noch heute überall die Bauten der herrlichen B acksteingotik des Ostseeraumes empor: Zeu­ gen eines heiligen germ anischen Reiches deutscher Na­ tion.

II. D i e Z e r t r ü m m e r u n g d e r o r g a n i s i e r t e n kontinentaleuropäischen G roßraum w irt­ s c h a f t d u rc h die „ f r e i e W i r t s c h a f t “ Diese

wohlgeordnete

kontinentaleuropäische

Groß­

raum w irtschaft, die jede Katastrophenregulierung aus­ schloß, in der Produktion, Absatz und die Existenz jedes einzelnen ehrlich arbeitenden Menschen gesichert war, und zu deren Hüter der gerechte Preis und die ehrbare Ge­ sinnung bestellt waren, zerbrach jedoch, als im Westen ein neuer freier, scheinbar unbegrenzter Raum - Amerika — entdeckt wurde und sich der neue Seeweg nach Indien erschloß. - Die alte natürliche Ordnung, Bindungen und Satzungen wurden zerstört, und eine ungehemmte Pro­ duktion, die sogenannte „F reie W irtschaft“ , entfaltete sich. Vierhundert Jahre lang taten sich immer neue Märkte auf, die die wilde, ungeregelte Produktion - den hem­ m ungslosen Handel und die ungebundene Betätigung jedes einzelnen, das zu tun, was ihm gerade paßte - aufnehmen konnten. Freie W irtschaft hat freie Räume zur unumgäng­ lichen Voraussetzung. Seit dem W eltkrieg aber haben sich diese freien Märkte im Fernen W esten und Fernen Osten verschlossen, und nun hat es auch ein Ende m it der Freien W irtschaft. Auch die Ideologie einer übergeordneten W eltwirtschaft, einer

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Art Überwirtschaft, die aus dem chaotischen Durchein­ ander der sogenannten Freien Wirtschaft als letzte Idee destilliert worden war, zerplatzte in gleicher Weise. Die­ ser imperialistischen Ideologie, die verlangt, daß zu ihren Gunsten die einzelnen Volkswirtschaften ihre natürliche Selbständigkeit, Freiheit und Ehre aufgeben sollten, ist auch der letzte deutsche Kaiser zum Opfer gefallen und mit ihm das Zweite Reich - genau so wie einst die Kaiser des Ersten Reiches an der imperialistischen Ideologie des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zugrunde gingen. III. D ie W i e d e r h e r s t e l l u n g des K o s m o s der V o l k s w i r t s c h a f t e n Nunmehr stehen wir überall in der Welt vor der Tat­ sache, daß die Weltwirtschaft sich wiederum auf ihre na­ türlichen Grundlagen, nämlich die Volkswirtschaften, be­ sinnt. Das Chaos der zerfallenen Weltwirtschaft ordnet sich allmählich wieder zu einem wohlgeordneten Kosmos von Volkswirtschaften, und diese, nachdem sie ihre eigene Stabilität wiedergewonnen und ausgependelt haben, treten sodann von neuem in geordnete Beziehungen zueinander. ( Diese Gruppenbildung nennen wir Großraumwirtschaf­ ten. Heute heben sich bereits deutlich solche Gruppenbil­ dungen im Weltwirtschaftsraum heraus: der Amerikani­ sche Block und das British Empire. In der Bildung begriffen sind der Chinesisch-japanische Block und die konti­ nentaleuropäische Großraumwirtschaft. Das zwischen beiden letzteren liegende Rußland ist heute noch eine un­ differenzierte und unentschiedene Masse, deren endliches 13


Schicksal w ir nicht kennen: ob es sich ergänzend neigen w ird zum kontinentaleuropäischen oder japanisch-chine­ sischem Raum . | Die wiedergewonnene Stabilität der einzelnen Volks­ w irtschaften beruht nun auf der vom Nationalsozialismus proklam ierten unum stößlichen Erkenntnis, daß die Land­ w irtschaft die Grundlage aller W irtschaft ist. Daß sie also W irtschaft ersten Grades ist. Die gewerbliche W irtschaft dagegen W irtschaft zweiten Grades, weil sie sich erst in den Überschüssen der Landw irtschaft entfalten kann und aus diesen erwächst. Und daß schließlich die W eltwirt­ schaft erst W irtschaft dritten Grades ist, weil sie lediglich der zwischenstaatliche Handel und Verkehr mit den Über­ schüssen der zu Volkswirtschaften vereinigten Land- und gewerblichen W irtschaft der Völker ist. Und auch der zweite Grundsatz nationalsozialistischen W irtschaftsdenkens: daß nur der Freie friedlich sein kann, gew innt heute im A ufbau der einzelnen Volkswirtschaften der W elt allgemeine Gültigkeit. - Zur Zeit des Liberalis­ mus glaubte man näm lich für die Verteidigung, die Frei­ heit und die Stärkung der Nation genügend getan zu ha­ ben, wenn m an ein m öglichst großes Heer und eine mög­ lichst starke Flotte unterhielt. Die W irtschaft dagegen überließ m an dem K aufm ann. Und dieser tat, wie er klug war, d. h. er verlegte mittels des „billigsten“ Preises die Grundlagen der Volkswirtschaften außerhalb des mili­ tärischen und Flottenmachtbereiches. Das Getreide wurde dort in der W elt eingekauft, wo es am billigsten war, und ebenso ging es m it den übrigen Grundlagen der Volks­ wirtschaft: den gewerblichen Rohstoffen, so daß am Schluß keine mehr die notwendige eiserne Ration im Tor14


nister hatte, die ihr erlaubte, nicht jede Hemmung des Außenhandels als eine Bedrohung ihres Daseins aufzufas­ sen und mit W affengewalt zu schützen. Um die ihrem militärischen Machtbereich entschwin­ dende Grundlage der Volkswirtschaft doch wieder einzu­ fangen und zu sichern, vergrößerte man dann Heer und Flotte, statt die Freiheit des Kaufmanns dort zu begren­ zen, wo er die Sicherheit der Nation gefährdete. So ent­ standen die immer mehr vergrößerten Rüstungen, die endlich zu einer Katastrophe führten, da jeder sich schließ­ lich von jedem bedroht fühlte. Es ist deshalb zu erhoffen und zu erwarten, daß durch die neue Konsolidierung der Volkswirtschaften im nationalsozialistischen Sinne un­ zählige Reibungsflächen, die durch die liberalistische Wirtschaftsmethode gegeben waren, zum Verschwinden kommen, und daß die Rüstungen auf das für die Wehr­ haftigkeit eines Volkes unerläßliche Minimum beschränkt werden. £ Und noch ein drittes nationalsozialistisches Wirtschafts­ prinzip ist heute auf dem Marsche in die Welt, das alte Sprichwort: Ehrlich währt am längsten. Es besagt, daß nur ein gerechter Preis, d. h. ein gerechter Leistungsaus­ tausch, der nicht durch Gewaltmaßnahmen irgendwelcher Art verfälscht wird, ein Maximum der Produktion, der Konsumption und des allgemeinen Wohlstandes ermög­ licht. Deshalb wurden im inneren Wirtschaftsaufbau Deutschlands Streik und Aussperrung verboten, ebenso monopolistische Preise, die den gerechten Leistungsaus­ tausch verfälschten. Eine ebensolche Verfälschung des ge­ rechten Leistungsaustausches zwischen zwei Volkswirt­ schaften bedeutet es aber, wenn mit Valuta-Dumping-Maß15


nahm en, Exportpräm ien u. dgl. gearbeitet wird. Auch im zwischenstaatlichen Handel und Verkehr kann ein ge­ rechter und konsolidierter Leistungsaustausch nur wieder Zustandekommen, wenn m an von allen diesen V erfäl­ schungen Abstand nimmt. Deshalb muß Deutschland nicht nur einen gerechten Preis für den innerdeutschen Lei­ stungsaustausch proklam ieren, sondern auch die Beglei­ chung der Importe und Exporte nach dem innerdeutschen Maßstabe einheitlich regeln; denn nur, wenn Einfuhrware nach dem deutschen Index bezahlt wird, kann der Aus­ länder deutsche Ausfuhrw are ohne künstliche Preisermä­ ßigung kaufen. E rst die nach diesen drei Grundprinzipien neu aufgebau­ ten Volksw irtschaften sind in der Lage, sich ohne A uf­ gabe ihrer Freiheit, ihrer Selbständigkeit und ihrer Ehre kam eradschaftlich neu zu verbinden und zu ergänzen. Die in der Bildung begriffene kontinentaleuropäische G roßraum w irtschaft und W irtschaftsplanung wird auf diesen Prinzipien aufgebaut werden oder sie wird nicht sein. JDie künftige kontinentaleuropäische Großraumwirt­ schaft ist deshalb kein imperialistisches Gebilde, sondern eine kam eradschaftliche Zusam m enarbeit freier Volkswirt­ schaften zum gem einen Besten. Es ist deshalb notwendig, daß die einzelnen Volkswirtschaften des europäischen Kontinents sich wiederum auf- den gegenseitigen Bedarf zw ecks kam eradschaftlicher Ergänzung einstellen. Daß keine Überschüsse m ehr produziert werden in ungeregel­ ter Form für einen unbegrenzt aufnahm efähigen W elt­ m arkt, den es nicht m ehr gibt, sondern zunächst für den europäischen Bedarf. Eine europäische W irtschaftspla-

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nung in ganz großem Stil ist möglich und tatsächlich schon in der Bildung begriffen: Europa den Europäern! Der europäische Bedarf muß zuerst in Europa gedeckt werden.

IV. D ie N o t d e s e u r o p ä i s c h e n K o n t i n e n t s W as die Einsicht des einzelnen Staatsmannes oder W irtschaftlers bisher noch nicht zustandebringt, das be­ wirkt die allgemeine Not des europäischen Kontinents; denn nicht allein Deutschland, sondern ganz Europa ist passiv gegenüber der übrigen Welt, und es kann diese Passivität erst wieder ausgleichen, wenn es seine eigene Konsumtions- und Produktionskraft wieder stärkt. Es trifft für die europäische Wirtschaft im ganzen das gleiche zu, wie für jede einzelne Volkswirtschaft,/pie große Auf­ gabe besteht also darin, den europäischen Wirtschafts­ kreislauf, der seit vierhundert Jahren immer mehr und mehr zum Stillstand gekommen war, wieder neu in Gang zu setzen, den Südostraum vor allem in Verbindung mit dem Nordostraum und dem Ostseebecken zu bringen und - wenn einst möglich - beide eines Tages über Rußland zu schließen. 1 Die vom Außenpolitischen Amt der Partei vorgeschla­ genen und zum Teil schon in der Ausführung begriffenen Pläne, im Südostraum z. B. Ölsaaten, wie Soja, Leinsaat, Rizinus und auch Erdnüsse, anzubauen, finden ihre Er­ gänzungen in der Anregung, in den Ländern des Ostsee­ raumes vor allen Dingen die noch dort vorhandenen Lä­ ger an Nichteisenmetallen u. a. aufzuschließen und dem europäischen Bedarf nutzbar zu machen. Der europäische Bedarf muß zuerst in Europa gedeckt werden. Man kann 2

D aitz II

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diese These nicht oft genug wiederholen. - A uch die Ver­ lagerung eines Großteils des Erdölbedarfs von Am erika und anderen Teilen der W elt in den Südostraum Europas wird eines Tages notwendig sein. Jedenfalls fällt dem Ost­ seeraum, sobald er nicht wie bisher in ungeordneter Weise nur m it dem W eltm arkt arbeitet, sondern sich bewußt an erster Stelle auf den europäischen Bedarf umstellt, eine sehr hohe Bedeutung wieder zu, so daß seine Völker nach B efreiung von der Irrlehre einer übergeordneten W elt­ w irtschaft das feste Fundam ent für den W iederaufbau Kontinentaleuropas bilden können. A uch die Am erikaner, die im russisch-sibirischen Raum allein noch ein Betätigungsgebiet für die Zukunft sehen, wenden neuerdings ihr Interesse dem Ostseeraum zu, um von hier aus eine Basis für ihre wirtschaftspolitische Be­ tätigung in Rußland-Sibirien zu finden, nachdem ihnen der W eg vom W esten her durch die immer unübersteigbarer werdende japanische Schranke verbaut ist. Gerade im H inblick au f das am erikanische Interesse an RußlandSibirien wird es um so notwendiger sein, daß ein enger und fester Zusam m enhalt der Völker um das Ostseebecken herum erfolgt,dam it den kontinentaleuropäischen Völkern der gebührende Einfluß bei einer eventuellen wirtschafts­ politischen Neugestaltung des russisch-sibirischen Rau­ mes gew ahrt bleibt.

V . D ie K r i s e n f e s t i g k e i t e i n e r k o n t i n e n t a l ­ europäischen G roßraum w irtschaft f

Durch Sund und Belte wird künftig wieder eine neue

große W elthandelsstraße gen Osten führen. Fünfhundert

18


Jahre lang, vom Jahre 1050 bis 1550 war, wie schon er­ wähnt, die Ostsee das wichtigste Meer Kontinentaleuropas; das Gesicht Europas war während dieser Zeit unverrückt gen Osten gewandt. Für die nächsten vierhundert Jahre bis in unsere Tage dreht es sich dann gen Westen. Hem­ mungslos, ungezügelt, ohne organische Verbindung mit der Heimatscholle verschwendete sich nordische Volks­ kraft in den freien Raum und die Märkte des Westens! Der eine Pol nordischen Wesensgefüges, der unbezähmbare Drang ins Weite, konnte sich hemmungslos entfalten, war nicht mehr Mittel zum Zweck der organischen Auswei­ tung des Lebensraumes nordischer Menschen, sondern wurde sich Selbstzweck. Aus dem Wikingertum wurde Freibeutertum. - Nun dreht sich langsam das Gesicht Kontinentaleuropas wieder in seine natürliche Blickrich­ tung: gen Osten,~\ Der von der deutschen Landwirtschaft mit gutem Er­ folg begonnenen Verständigung mit den Agrarwirtschaf­ ten der Ostseevölker nach den Grundsätzen nationalsozia­ listischer Handelspolitik wird und muß auch eine Verstän­ digung und Marktregelung der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands und der Völker des Ostseeraumes folgen. Sobald die klare Einsicht vorliegt, daß nicht nur die ein­ zelnen Volkswirtschaften, sondern auch Kontinental­ europa sich zunächst einmal auf sich selbst stellen und sich aus eigener Kraft helfen müssen, wird eine Annähe­ rung der Export- und Importwünsche und der gegenseiti­ gen Bedarfsdeckung der Völker des Ostseeraumes nicht schwierig sein. Der Außenhandel unter diesen Völkern wird auch nicht geringer werden, sondern im Gegenteil umfangreicher und dazu weit stabiler und krisenfester. Es 2'

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handelt sich lediglich um eine Änderung der Blickrichtung und um die W iedereinführung der Grundsätze gesunden M enschenverstandes auch im W irtschaftspolitischen. Schon heute beträgt der Ostseeverkehr über 12% des gesam ten W elthandels. Schon daraus geht hervor, zu w elch einem wichtigen Schnittpunkt des weltw irtschaft­ lichen Handels und Verkehrs die Ostsee geworden ist, um w ieviel w ichtiger der ,, Ostseekreis“ wird wie der „M ittel­ m eerkreis“ . Und w ie notwendig darum eine enge Inter­ essengem einschaft dieser V ölker ist, die durch gegensei­ tige Bedarfsdeckung und kam eradschaftliche Zusam m en­ arbeit gekittet werden m uß, um diese neue W elthandels­ straße als Torhüter unter eigene Kontrolle zu bringen. So erw ächst uns allen die große historische Aufgabe, m it H ilfe einer naturnahen W irtschafts- und Handels­ vertragspolitik

zielbewußt

die

kontinentaleuropäische

G roßraum w irtschaft wieder aufzubauen und sowohl den Südostraum als auch den M ittelm eerraum sinnvoll mit dem Ostseebecken zu verbinden, das Ganze sodann als Glied in organischen A usgleich zu setzen m it dem Westen, dem British Empire und dem Am erikanischen Block. V I.

V I. D i e e u r o p ä i s c h e A u f g a b e D e u t s c h l a n d s

rD eutschland, in der Mitte des europäischen Kontinents

gelegen, ist von Natur aus der berufene W arentransiteur,

das Clearing-H ouse fü r den kontinentaleuropäischen W a­ ren- und Leistungsaustausch."] Der deutsche Kaufm ann muß sich deshalb in viel größerem Maße als bisher wieder m it der höheren M athem atik statt m it dem Einm aleins des K aufm annstum s befassen: näm lich dem Transithandel J 20


[Nur durch diese zusätzliche Dienstleistung kann Deutsch­ land auf die Dauer seine Außenhandels- und Zahlungs­ bilanz aktivieren. Das Dreieck- und Transitgeschäft, zu dem Deutschland durch seine Lage und die Vielfältigkeit seines Bedarfes und seiner Ausfuhrmöglichkeiten präde­ stiniert ist, ermöglicht ihm mit größerer Sicherheit als jede andere Betätigung die notwendige Aktivierung seiner Zahlungs- und Handelsbilanz. Denn der einfache Gegen­ seitigkeitsverkehr drängt immer mehr auf möglichsten Ausgleich von Zahlungs- und Handelsbilanzen der Part­ ner. / > e immer mehr steigende Bedeutung des Ostseehan­ dels und -Verkehrs verlangt aber auch eine klare Arbeits­ teilung der deutschen Seestädte. Die Ostseehäfen müssen wieder ihre organische Funktion zurückerhalten: Träger des Ostseehandels und -Verkehrs zu sein. Das gegebene Hinterland der Nordseehäfen sind Rheinland-Westfalen und der Donau- und Südostraum, und ihre Blickrichtun­ gen der Westen und der Ferne Osten und Süden, um den nach dorthin gerichteten Handel und Verkehr in Ein-und Ausfuhr organisch zu leiten und zu gliedern. Hamburg und Bremen sind die gegebenen Einkaufsplätze, die Brücke zum Donau- und Südostraum. Die Ostseestädte dagegen die Basis des gesamten Ostseehandels und -Verkehrs. Ihre Reaktivierung ist eine nationale Notwendigkeit; denn nur so werden sie auch die große Aufgabe erfüllen können, den Osten Deutschlands wieder mit Menschen anzufüllen. Während der Zeit des Dranges nach dem Westen ist der Osten Deutschlands immer mehr entvölkert und der We­ sten mit Menschen und gewerblicher Wirtschaft massiert worden. Es ist jetzt unbedingt notwendig, durch großzü21


gige und organische Verkehrs- und Industrieverlagerung den Osten nicht nur m it ackerbautreibender Bevölkerung, sondern auch m it bodenständiger Industrie und m it Ge­ werbe wieder zu füllen und zu massieren. - Lübeck in der Verkehrsm itte - im Scheitelpunkt zwischen RheinlandW estfalen und Ostpreußen gelegen - wird in diesem erneu­ ten W irtschaftsverkehr des Ostens in der Z u ku n ft wieder eine hervorragende Rolle spielen. Lübeck, das alte Haupt der Hanse, im geschützten W inkel der Ostsee liegend, wird gem einsam m it den anderen H äfen wieder ein Bindeglied zw ischen dem W esten und dem Osten, zwischen dem Süd­ ostraum und dem Ostseebecken werden. 1

V II. D a s V e r h ä l t n i s z u F r a n k r e i c h Noch ein W ort über die Rolle Frankreichs im Wieder­ aufbau der kontinentaleuropäischen Großraumwirtschaft: c Es ist bekannt, daß Frankreich seiner wirtschaftlichen Struktur und seiner geographischen Lage nach keine be­ sonders hervorragende Rolle im kontinentaleuropäischen W aren- und Verkehrskreislauf spielen kann. Frankreich ist deshalb auch von jeher stets mehr Geldexport- als W arenexportland gewesen. | Nur hat Frankreich bisher seine Geldüberschüsse meist dazu verwendet, künstliche politische K onstruktionen zu errichten, die die W irt­ schaftskreisläufe in Europa hemmten, statt sie zu fördern. Der E rfolg w a r dann regelm äßig der, daß Frankreich sein Geld verlor. Denn Geld kann man m it Vorteil, d. h. mit Gewinn und m it der Aussicht, es wiederzubekommen, nur in einen laufenden Betrieb hineingeben. In einem zum Stillstand gekom m enen oder gehemmten Betrieb wird man 2 2


es mit Sicherheit verlieren. Zum Beispiel hat Frankreich an seiner jüngsten politischen Konstruktion, der Kleinen Entente, wirtschaftspolitisch keine Freude erlebt. Im Ge­ genteil wird es auch wieder das nach dorthin ausgeliehene Geld verlieren - es sei denn, daß es diesen Ländern er­ laubt, unzweckmäßige Bindungen, die ihrer Neulagerung und natürlichen Einfügung in den Donauraum entgegen­ stehen, aufzugeben. Die Zeit künstlicher politischer Kon­ struktionen ist vorbei. ^~Die in gegenseitiger Bedarfsdeckung aufeinander an­ gewiesenen Völker und Volkswirtschaften Kontinental­ europas verlangen eben eine kameradschaftliche Zusam­ menarbeit, die die Freiheit, die Ehre und die Selbständig­ keit jedes Volkes und jeder Volkswirtschaft respektiert und die Wegräumung entgegenstehender, unzweckmäßi­ ger Bindungen verlangt. Wenn Frankreich die Zeichen der neuen Zeit zu deuten versteht, so wird es den großen Vorteil erkennen, der ihm heute winkt, und der darin be­ steht, daß Frankreich die Finanzierung des europäischen Wirtschaftskreislaufes mit übernimmt und endlich mit Deutschland eine klare Arbeitsteilung dahin trifft, daß das eine Land, nämlich Frankreich, seiner wirtschaftlichen Struktur und geographischen Lage gemäß der Haupt­ finanzier der kontinentaleuropäischen Großraumwirt­ schaft wird und Deutschland seiner wirtschaftlichen Struk­ tur und geographischen Lage entsprechend der Waren­ transiteur für das gleiche Gebilde. Diese Zusammenarbeit und natürliche Ergänzung Deutschlands und Frankreichs an und in der europäischen Zukunft ist die historische Aufgabe, die heute gefordert wird. Ob sie erkannt wird, wird in hohem Maße das kommende Schicksal bestimmen.^ 23


V III. D ie W i e d e r g e b u r t E u r o p a s W enn Europa nicht zwischen den transozeanischen Großgebilden, dem British Empire, dem Am erikanischen und dem Chinesisch-japanischen B lock zerdrückt werden w ill, wenn dieses alte Europa eine W iedergeburt erleben w ill und eine neue Z u ku n ft - dann muß der alte hansische Gedanke in neuem Geist und in neuer Form wieder er­ stehen. Die W irtschaftspolitik und K ulturpolitik unseres großen Führers zeigt hier den allein möglichen W eg: grundsätzliche Ablehnung jedes imperialistischen Gedan­ kens. Freiw illige Zusam m enarbeit zum gemeinen Besten, unter Respektierung der Freiheit, der Ehre und der Selb­ ständigkeit jedes Volkes und jeder Volkswirtschaft. E intracht und kam eradschaftliche Zusam m enarbeit im Innern bedeuten aber auch zugleich Friede nach außen. So erneuert der Nationalsozialism us wieder den Spruch, der au f dem alten Holstentor zu Lübeck steht, dem Osttor der m ittelalterlichen W elt: concordia domi - foris pax E inigkeit drinnen — Friede draußen. Es wird auch der W ahlspruch der neuen europäischen G roßraum w irtschaft sein. In diesem Sinne ist auch die W iedereinschaltung des alten hansischen Holstentores in den lebendigen Verkehr ein Vorgang von hoher symboli­ scher Bedeutung und zwingender historischer Logik. Und so erwächst ganz natürlich aus der neuen geistigen Struk­ tur H itler-Deutschlands die Idee einer neuen großen konti­ nentaleuropäischen K ultur- und Arbeitsgem einschaft auf der Grundlage unverrückbarer natürlicher Demokratie.^]

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N atio n also zialism u s, Faschism us u n d Südostcuropa Aufsatz im „Völkischen Beobachter" vom

io. 3. 1934.

Die NSDAP, hat wiederholt erklärt, daß der National­ sozialismus keine Exportware und jede nationalsozialisti­ sche Propaganda außerhalb der deutschen Reichsgrenzen auf das strengste verboten ist. W ohl sind der nordische Mensch, das nordische Blut, Hauptträger der weltgeschichtlichen und Kulturwende unserer Tage. Aber auch die Völker, in denen der Anteil nordischen Blutes nur gering ist oder nicht die Führung besitzt - können sich diesem revolutionären Geschehen nicht entziehen; ebensowenig wie große vulkanische Aus­ brüche sich nicht nur auf die nächste Umgebung, sondern über ganze Kontinente auswirken. Gleichwie von Zeit zu Zeit die durch Abkühlung erstarrende und schrumpfende Erdrinde an ihrer eigenen Sprödigkeit zerspringt - und dem Feurig-Flüssigen ihres Innern wieder den Weg zur Neuschöpfung freigibt - , ebenso zerspringt von Zeit zu Zeit die weltanschauliche Kruste der führenden Kultur­ völker, wenn sie lebensfremd geworden, d. h. in reiner Intellektualität erstarrt und geschrumpft ist. Nach den primären, ewig unerforschlichen Gründen der Mutation brechen dann aus der lebendigen Substanz, dem schöpfe­ rischen Blut der Rasse spontan neue weltanschauliche Formen hervor, die jedes Gebiet menschlichen Lebens: Politik, Kultur, Wirtschaft und Kirche revolutionär neu gestalten und sie wieder in eine neue schöpferische, le­ bensnahe Ordnung bringen. Auch der heutige weltanschauliche Umbruch kündigte 25


sich schon vor m ehr als einem H albjahrhundert in geisti­ gen Vorbeben an: in Nietzsche und anderen. In dem un­ geheuerlichen Geschehen des W eltkriegs zersplitterte dann diese in Intellektualität erstarrte K ulturschicht. A us ihren Bruchspalten traten in revolutionären Ausbrüchen, zu­ nächst in der T ürkei der Kem alism us, sodann in Italien der Faschism us und jetzt im großen zentralen Durchbruch der N ationalsozialism us hervor. Jeder dieser Durchbrüche sandte eine Flutw elle über die W elt und rief das Entsetzen der Intellektualisten aller Länder hervor, die ja der wesent­ lichste Teil der überalterten und zum Untergang verur­ teilten w eltanschaulichen K ruste sind. Jedes V o lk wird nach dem Anteil seines schöpferischen Blutes und der besonderen E igenart seiner Erbmasse eigene, neue Lebensform en hervorbringen. Deshalb ist es unmög­ lich, die deutsche Lebensform, den Nationalsozialism us, auf andere V ölker zu übertragen. Der reichsdeutsche National­ sozialism us kann und wird deshalb niemals auf imperialisti­ sche Ideen verfallen. E r wird zum Beispiel niemals irgend­ w elchen Völkern des Donauraum es nationalsozialistische Lebensform en direkt oder indirekt empfehlen. W ir sind sicher, daß auch Mussolini und der Faschismus niemals dar­ an denken, die faschistische Eigenform Italiens als nach­ ahm enswert anderen Völkern aufdrängen zu wollen. Der Nationalsozialism us, der seinem innersten Wesen nach völkisch ist, kann also niemals imperialistisch sein. Denn das Prinzip des V ölkischen erklärt die Kam erad­ schaftlichkeit,

Zusam m enarbeit und Ergänzung nach

innen und nach außen, respektiert die Freiheit der anderen Volkspersönlichkeiten und Volkswirtschaften, ihre be­ sondere Lebensgesetzlichkeit, genau so wie die eigene. 26


Dagegen ist die jüdische Mentalität, weil von reinen intel­ lektuellen Prinzipien beherrscht, stets imperialistisch. So bestand vorübergehend die Gefahr für den Faschismus, daß er aus seiner italienisch-völkischen Gebundenheit und Berechtigung durch jüdische Zwischenhändler und Politik einen internationalen Charakter erhielt, den ihm sein großer Schöpfer sicher nicht verleihen wollte. Die Schwäche des al­ ten untergehenden Rom bestand in seinem hemmungslosen Imperialismus, die weltgeschichtliche Größe des heutigen faschistischen Roms in seiner zielklaren Umgrenzung. Die wirtschaftspolitischeNeulagerung der Völker desDonauraumes und des Balkans, sowie ihr natürlicher Anschluß an die sich herausbildende kontinentaleuropäische Groß­ raumwirtschaft kann sich nur vollziehen, wenn alle politi­ schen Hemmungen, die der Wiedereinspielung des natürli­ chen W aren- und Kulturgüterkreislaufs entgegenstehen, gelöst werden. So hat bisher die unzweckmäßige politische Verkram pfung der Kleinen Entente mit Erfolg verhindert, daß der Südostraum als natürliche Basis der mitteleuropäi­ schen W irtschaft wieder eingeschaltet werden konnte. Diese wirtschaftspolitische Notwendigkeit zerrt deshalb unablässig an dem Bestand der Kleinen Entente. Die wirtschaftspolitische Einflußsphäre Italiens im Donauraum und auf dem Balkan kann deshalb nur stabili­ siert und im Interesse Italiens und ganz Europas richtig gelagert werden, wenn eine vorgängige Verständigung zwischen Italien, Deutschland und den Völkern des Süd­ ostraumes nach den neuen Grundsätzen völkischer Außen­ handelspolitik erfolgt. Es ist undenkbar, daß mangels einer vorgängigen Verständigung zwei autonome, sich selbst bestimmende Volkswirtschaften von unverantwortlichen 27


Zw ischenspielern gegen ihren W illen sich schließlich mit liberalistischen M itteln bekäm pfen. D ie strategische Lage Europas in der W elt ist doch heute die folgende. D urch das Selbständigwerden der seit dem Jahre 1500 entdeckten und besiedelten Kontinente: der beiden A m erika, der beiden Indien, Australien und A frik a - w ird vom W esten, Süden und Osten her K on­ tinentaleuropa unter konzentrischen D ruck gesetzt, der früher nicht vorhanden w ar. Gegen diesen allseitigen D ru ck der neu entdeckten Kontinente muß sich K onti­ nentaleuropa schützen, indem es seinen Selbstbehaup­ tungsw illen gegen den der anderen Kontinente setzt mit der Parole: Europa den Europäern. Hierbei fällt nun Eng­ land die A ufgabe zu, m it seinem Empire Europa gegen den D ruck der überseeischen Kontinente abzuschirmen. Italien h at die Aufgabe, die auch nur Italien, auf Grund seiner besonderen völkischen Struktur zu lösen vermag, E uropa gegen den D ruck A frikas abzuschirm en durch das neue faschistische Imperium. Deutschland dagegen fä llt die A ufgabe zu, nach Verschwinden des Bolschewis­ mus, Europa m it einem „osteuropäischen O ttaw a” , einer m ittel- und osteuropäischen Arbeitsgem einschaft der Völ­ ker dieses Raum es, die sich bis zum Ural erstrecken müßte, gegen M ittelasien abzuschirmen. K lare Abgren­ zung der Interessens-Sphären dieser drei Hauptvölker Europas, die R ücken an Rücken stehen müssen, um die alte Größe Europas in einer neuen W elt zu verteidigen, ist die eine Voraussetzung. Die andere, daß alle drei Völker sich durch Rassenschutzgesetzgebung auch bewußt die Führung in ihren Lebensbereichen sichern.!In Deutsch­ land ist dies bereits durch die in der E ntw icklung begrif-

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fene Gesetzgebung geschehen. Italien wird in Kürze fol­ gen müssen, wenn es sein Mittelmeer- und afrikanisches Imperium dauernd führen will. Das gleiche gilt für Eng­ land, das zw ar auf Grund seiner völkischen Haltung auch heute schon unbewußt und praktisch Rassenpolitik treibt, aber ebenfalls mit der Zeit zu einer bewußten Rassen­ schutzgesetzgebung fortschreiten muß.

D eutschland, die Türkei u n d das europäische Schicksal A ufsatz in der Festschrift der Türkischen Handelskammer inDeutschland anläßlich ihres iojährigen Bestehens. Ju n i 1938.

Es ist nicht wegzuleugnen, daß wir mit Beginn unseres J ahrhunderts in einen neuen Abschnitt der Weltgeschichte eingetreten sind, der sich grundsätzlich von den voraufge­ gangenen vier Jahrhunderten unterscheidet. Der einmalige Vorgang der Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Indien, die Aufschließung und Besiedlung dreier, ja eigent­ lich vier neuer Erdteile, erlaubte es den Völkern Konti­ nentaleuropas, das als raumpolitische Einheit von Spanien bis zum Ural, vomNordkap bis zur kleinasiatischen Halb­ insel, diese eingeschlossen, reicht, zum großen Teil nicht aus eigener Kraft zu leben, sondern aus der Ausbeutung der neu erschlossenen Erdteile: Nord- und Südamerikas, Australiens, Afrikas und beider Indien. Nur ein Leben aus seiner Lebensgesetzlichkeit und Le­ bensganzheit verbürgt jedoch jedem Volk ein Maximum der Entfaltung aller seiner Lebens- und Wachstumskräfte 29


und dam it seines Lebenserfolges auf allen Gebieten. Aber oft zw in gt erst der D ruck der U m w elt die Völker zu einem solchen m ehr oder weniger starken Leben aus ihrer Le­ bensgesetzlichkeit, um eben diesem D ruck der Umwelt widerstehen zu können. Not lehrt beten!, d. h. arbeiten und käm pfen. Dadurch, daß sich in den letzten vier Jahr­ hunderten zw ei Drittel der W elt neu den Völkern Euro­ pas öffneten, verminderte sich, w ie noch nie in einer Zeit vorher, der D ru ck

auf ihren bisherigen Lebensraum,

so daß in den letzten vier Jahrhunderten bei fast allen europäischen Völkern eine

Verfälschung,

flachun g ihrer Lebensführung eintrat und

eine

Ver­

damit fal­

sche Ordnungsgedanken, d. h. falsche Staats- und W irt­ schaftstheorien, falsche Doktrinen auf kulturpolitischem und religiösem Gebiet, die nicht mehr mit ihrer natür­ lichen

Lebensgesetzlichkeit

übereinstimmen,

sondern

m ehr oder w eniger intellektuelle Konstruktionen waren. Der M indererfolg an Lebensleistung und Produktivität der V ölker wurde aber in dieser Periode ausgeglichen durch die leichte Ausbeutung der neu entdeckten Länder. Europa hat also während dieser Z eit nicht aus seinem eigenen Le­ bensraum und einer m axim alen Lebensleistung seiner Völ­ ker, sondern aus einem z u s ä t z l i c h e n Lebensraum, den es sich in Übersee erschloß, und aus der Lebenskraft anderer Völker gelebt, also nicht aus eigener K raft und Sicherheit, sondern aus frem der K raft, d. h. kollektiver Sicherheit. Nun ist diese letzte vierhundertjährige Periode abge­ schlossen. Die neu in die Geschichte eingetretenen Erd­ teile haben sich selbständig gem acht in politischer und wirtschaftlicher B eziehung oder sind feste Bestandteile der K olonial- und Führungsbereiche einiger europäischer 30


R andvölker im Westen und Süden des Kontinents ge­ worden: Englands, Belgiens, Hollands, Frankreichs, Por­ tugals und neuerdings auch Italiens. Damit ist ein Zeit­ abschnitt, in dem alles flüssig, beweglich, dynamisch war, abgelöst worden durch einen neuen Zeitabschnitt, in dem die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse starr­ statisch geworden sind. Europa, in seiner raumpolitischen Einheit, von der Pyrenäen-Halbinsel bis zum Ural, vom Nordkap bis zur kleinasiatischen Halbinsel, steht nun un­ ter dem konzentrischen Druck dieser starr-statisch ge­ wordenen Verhältnisse in der Welt der ihre politische und wirtschaftliche Autonomie erklärenden neuen Erdteile. Die W elt ist also heute nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich aufgeteilt. Dieses starr und statisch ge­ wordene Gefüge kann von jetzt ab nur noch geändert wer­ den durch die Steigerung oder das Sinken der Kraftent­ faltung der einzelnen Kontinente und seiner Völker.^7 Der W eltkrieg war also nicht Ursache, sondern Folge eines Geschehens, das aus der Stauung der letzten euro­ päischen Völkerwanderung, der nach Übersee, und dem daraus sich ergebenden politischen und wirtschaftlichen Strukturwechsel der Welt um die Jahrhundertwende ent­ stand. Der von Europa in Übersee erschlossene neue Le­ bensraum war von diesem Zeitpunkt ab nicht mehr ge­ willt, sich durch Europa bedingungslos ausbeuten zu las­ sen und den Überschuß seiner Völker aufzunehmen. (Im Gegenteil hat in den letzten Jahrzehnten bereits eine leb­ hafte Rückwanderung von Übersee nach Europa eingesetzt; insbesondere nach Deutschland, England und Skandina­ vien. Im Jahre 1936 sind z. B. in Deutschland 14993 Per­ sonen, hauptsächlich Juden, nach Übersee ausgewandert, 3i


aber 47525 wieder zurückgekehrt! — nach Inselengland ca. 9000, nach U ngarn über 20000 mehr zurückgekehrt!) Jedenfalls — Übersee w ar gefüllt, und eine weiter unent­ w egte W estpolitik und dam it W estw anderung der kon­ tinentaleuropäischen Völker, die ganz besonders auch zu einem Stauungsdruck auf England führte, mußte wegen m angelnder E lastizität m it einem Bruch, m it einer K ata­ strophe enden. W o m enschliche Schuld diese Katastrophe dann auslöste, ist vom Gesichtspunkt des Gesamtschick­ sals sekundär. Jedenfalls versäum ten die europäischen V ölker, sich rechtzeitig wieder gen Osten zu wenden, denn in der Periode der vierhundert jährigen W est- und Über­ seepolitik hatten die V ölker einen großen Teil ihres natür­ lichen osteuropäischen Raum es freiw illig aufgegeben. Über den Ural sickerte Asien mehr und mehr ein und entzog die V ölker Osteuropas zwischen Ural, Schwarzem Meer und W eichsel durch einen unfruchtbaren, imperialen Uni­ versalism us, den Zarism us, einer w irklich fruchtbringen­ den Zusam m enarbeit m it den westeuropäischen Völkern. D och konnte W esteuropa die innige Zusammenarbeit mit diesem R aum und seiner Erschließung, die die Hanse, H einrich der Löwe, der Deutschritterorden so erfolgreich begonnen hatten, entbehren, weil es, wie bereits erwähnt, sich große, neue Lebensräum e in Übersee als Ersatz er­ schloß. W äre die Abw anderung des Bevölkerungsüber­ schusses nach Übersee nicht erfolgt, sondern dieser in Ost­ europa, w ie zu r Z e it der Hanse und des DeutschritterOrdens in natürlicher W eise angesetzt worden, so wären heute in Osteuropa ca.

150 Millionen Mitteleuropäer

m ehr vorhanden, und der Zarism us und Bolschewismus hätten dort nie Fuß fassen können. 32


Der europäische Zusammenbruch nach dem Kriege verschärfte jedoch die Lage im osteuropäischen Raum ins Ungemessene. Die Mittelasiatische Wüste und die ihr ent­ sprechende Geisteshaltung ihrer Völker ergriff nun völlig Besitz von Osteuropa. Diese geistige Wüste, die Ideologie des Bolschewismus, drohte ganz Europa zu verwüsten. Doch die durch den europäischen Zusammenbruch und die Autonomieerklärung der fremden Erdteile am meisten betroffenen und bedrückten Länder Europas: Deutsch­ land, Italien, Ungarn, Bulgarien und die Türkei, begannen sich zuerst gegen die bolschewistische Verwüstung Euro­ pas, dem Einbruch mittelasiatischer Geisteshaltung, zur W ehr zu setzen. Die Wiedergeburt Deutschlands aus seiner Lebensgesetzlichkeit im Nationalsozialismus, die Wieder­ geburt Italiens im Faschismus und die Wiedergeburt des türkischen Volkes aus seiner Lebensgesetzlichkeit im Ke­ malismus sind die hervorstechendsten Widerstandsbewe­ gungen des neuen Europas. In Gemeinschaft mit Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien und Polen versperrten sie dem Bolschewismus den Weg nach Westeuropa und trieben ihn im ersten Rückstoß wieder über ihre Landesnach. Osten zurück. Wiedergeburt der kontinentaleuropäischen Völker aus ihrer Lebensgesetzlichkeit, dem Nationalsozialismus, dem Kemalismus und dem Faschismus, ist also unmittelbar und unausweichlich verknüpft mit einer Neuordnung Euro­ pas. Europa muß wieder in seiner raumpolitischen Ganzheit hergestellt werden, damit es wieder als sich selbst behaup­ tende Einheit aus eigenem Lebensraum und aus eigener K raft seiner Völker leben kann, nachdem es seinen über­ seeischen größtenteils verloren hat und die Tochtererdteile 3

D aitz II

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sich heute gegen die Mutter Europa m it ihren Autonom ie­ ansprüchen erhoben haben. Jetzt muß Europa wieder Euro­ pa w erd en : Europa den E uropäern! A lle falschen Doktrinen a u f staatlichem , wirtschaftlichem , kulturellem und reli­ giösem Gebiet, die den Lebensgesetzlichkeiten der euro­ päischen V ölker nicht gemäß sind und die ihre Lebens­ stärke, ihre Produktivität behinderten, müssen verschwin­ den, um wieder einem Leben aus der jedem Volke eigen­ tüm lichen Lebensgesetzlichkeit, einem völkischen Leben nach völkischen Idealen P latz zu m achen. Ein großer Teil der ost- und mitteleuropäischen V ölker von Finnland bis zur T ürkei haben jedenfalls diese Notwendigkeit, diese Forderung, die das Schicksal an sie stellt, begriffen. Deutschland, die Türkei und Italien haben bereits in w ei­ testem Maße eine ihrer Lebensgesetzlichkeit entsprechen­ de Neuordnung ihrer politischen, wirtschaftlichen, kul­ turellen und religiösen Verhältnisse in die W ege geleitet. Sie sind damit zu einem „w eisen “ Leben, zu einem Leben aus ihrer Lebensganzheit zurückgekehrt und haben damit einen ungeahnten A ufstieg in der technischen Vollkom ­ m enheit ihrer Leistung und einer m axim alen Produktivi­ tät au f allen Lebensgebieten erreicht, wie sie durch keine aus dem Intellekt konstruierte Staats-, W irtschafts- oder sonstigen Theorien, durch kein „gelehrtes“ Leben, durch Bücher- und Professorengelehrsam keit erzielt werden — und wie sie niem als auf dem Papier vorausberechnet wer-

' \

den kann. A lle drei Völker haben wieder auf die W ur­ zeln ihrer K ra ft zurückgegriffen und sich aus ihnen re­ generiert, weil es sich bei allen drei Völkern im Kem alis­ mus, Nationalsozialism us und Faschism us um eine echte, natürliche W iedergeburt von innen heraus handelt und 34


nicht um eine künstliche, nur äußerliche Änderung ihrer Lebensformen. Deshalb wurde ihnen auch von der Vor­ sehung je ein großer Führer berufen, der diesem gött­ lich-schöpferischen, aus sich selbst rollenden Wiederge­ burtsprozeß Augen und Zunge verleiht, damit er auch der Masse ihrer Völker sichtbar und verständlich wird. A d o l f H i t l e r , Mu s s o l i n i und K e m a l A t a t ü r k sind deshalb auf Grund ihrer göttlichen Berufung ihren Völkern mehr als Könige und Kaiser, sie sind ihre Führer. Es ist deshalb keinWunder, daß nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus sich bei den neuen Leitern der Geschicke Deutschlands ein vertieftes Verständnis für den Kemalismus und damit für die neue Türkei zeigte. Auch von dem Ghazi und dem türkischen Volk wurde dieses Interesse erwidert, und es kam gleich nach der Macht­ ergreifung durch den Nationalsozialismus in Deutschland zu eingehenden Verhandlungen über die Vertiefung der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit zwi­ schen der Türkei und Deutschland. Der Gleichklang in der neuen geistigen Haltung beider Völker, ihre völkische Le­ bensordnung, bot hierfür die beste Voraussetzung, in gleicher Weise aber auch die sich wirtschaftlich ergän­ zenden Räume, ihre Agrarerzeugnisse und Erdschätze. Zwischen dem ersten Fünf jahresplan Kemal Atatürks, der eine weitgehende Industrialisierung der Türkei als notwendige Folge seines völkischen Aufbauprogramms vorsah, und dem ersten Vierjahresplan Adolf Hitlers gab es bereits weitgehende Berührungs- und Ergänzungsmög­ lichkeiten. ["Um auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein Leben aus eigener K raft zu führen, war es notwendig, alle Möglich3'

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keiten, die das türkische V o lk und sein Raum boten, aus­ zuschöpfen und sich nicht durch lächerliche papierne wirt­ schaftliche Theorien, w ie einer „internationalen Arbeitsteilun g in A grar- und Industrievölker“ , „F reihand el“ und dergleichen daran hindern zu lassenT? Hier wurde also von K e m a l A t a t ü r k genau so ein Leben aus der Lebensganz­ heit des türkischen Volkes und Raum es begonnen und alle entgegenstehenden gelehrten Doktrinen zerbrochen, wie es der G hazi auch im religiösen Leben der Türkei begon­ nen hatte. Denn die islam ische Theokratie, eine univer­ salistische Ideologie, hatte ja bisher auf allen Gebieten die großen völkischen und schöpferischen K räfte des tür­ kischen V olkes niedergehalten und sie in eine unnatür­ liche Lebens-, Staats- und R aum ordnung gezwängt. E rst die Befreiung von diesem theokratischen System und allen seinen äußerlichen K u lt- und Bekleidungsvor­ schriften, deren strenge Beseitigung den übrigen westund nordeuropäischen V ölkern zunächst oft nicht ganz verständlich erschien, w ar aber die notwendige Voraus­ setzung für eine Neuordnung auch der W irtschaftskräfte der T ürkei. D aß hierdurch das w irklich religiöse Leben nicht gelitten h a t, sondern im Gegenteil neu entbunden und gestärkt wurde, eben durch die Beseitigung äußer­ lich und un zw eckm äßig gewordener Form eln und Fesseln, sei nur nebenbei bem erkt. Der W irtschaftsaufbau K e m a l A t a t ü r k s gin g also ebenso wie auf allen übrigen Gebieten von dem ersten Grundgesetz alles Lebensaus: daß nur ein Leben aus eigener K ra ft und eigenem Raum lebenswürdig ist und im Lebenskam pf bestehen kann. In dem Industriali­ sierungsprogram m und der Intensivierung der Landw irt­ sch aft nahm diese echt völkische W irtschaftsführung Ge36


stalt an. Sie verstieß natürlich gegen die überlebten Handels­ theorien der Intellektualisten und „Demokraten“ in aller W elt; und auch auf der Internationalen Wirtschaftskon­ ferenz in London, die vom Mai bis Oktober 1934 in Lon­ don tagte und auf der die Wirtschafts„köpfe“ aus aller W elt zusammengekommen waren, um zu beraten, wie man die W elt wieder vom Dach aus aufbauen könne, statt von ihren Fundamenten, den V ö l k e r wirtschaften, erhob sich ein allgemeines Wehgeschrei über das natürliche und vernunftgemäße Aufbauprogramm, insbesondere das In­ dustrialisierungsprogramm der neuen Türkei. Es zeugt von einer großen Einsicht K e ma l At a t ü r k s auch in den schöpferischen Aufbau der türkischen Wirt­ schaft, wenn er anordnete, daß mit der Selbsterzeugung aller derjenigen Massengüter in der Türkei begonnen wer­ den sollte, für die die nötigen Rohstoffe in der Türkei selbst zur Verfügung ständen. — K e m a l A t a t ü r k ging hierbei von der Voraussetzung aus, daß das türkische Volk mit einer Seelenzahl von sechzehneinhalb Millionen Menschen eine genügend breite und wirtschaftliche Konsumenten­ basis für die Selbstherstellung

der

billigen

Textil-,

Papier-, Porzellan-, Zement- und Eisenwaren und dgl. böte. Denn wenn sich früher die türkische Wirtschaft mit dem Bezug dieser billigen Massenprodukte vom Ausland in ihren Austauschmöglichkeiten erschöpfte, blieb ihr ja kei­ nerlei M öglichkeit mehr für den Bezug hochwertiger In­ dustrieprodukte, die sie auf Grund ihrer zu schmalen Bevölkerungs- und Wirtschaftsbasis nicht selbst herstellen kann, die aber zur Hebung ihres Lebensstandards uner­ läßlich sind. Denn die Leistungspyramide, die sich auf der türkischen Bevölkerungsbasis errichten läßt, kann aus 37


natürlichen Gründen bei weitem nicht an die Spitzenlei­ s tu n g e n in Fertigw aren heranreichen, die beispielsweise die deutsche gewerbliche W irtschaft auf einer vier- bis fü n fm al so breiten Bevölkerungsbasis spielend erzielen *

kan n . Mit einer solchen W irtschaftspolitik der neuen Türkei w a r aber gerade einem Land w ie Deutschland gedient,

.*■ .

dessen natürliche A usfuhr so w enig wie m öglich in Roh­ stoffen und H albfabrikaten bestehen sollte, sondern in Fertigw aren, seinen gewerblichen Spitzenleistungen (also E d elarbeit), in denen es unübertroffen ist und deren A us­ fu h r allein eine w irkliche Erhöhung seines eigenen Lebens­ standards w ie die der aufnehmenden V ölker bedeutet. — D aß in der liberalistischen Z eit in Deutschland auch in dieser H insicht eine ungesunde W irtschaftspolitik betrie­ ben w urde und gerade um gekehrt m öglichst viele Roh­ stoffe und H albfabrikate ausgeführt wurden in schärfster K on ku rren z m it anderen Ländern geringeren Lebens­ standards, w as m it schwerster Hem m ung der Erhöhung des Lebensstandards seiner deutschen Industriearbeiter­ sch aft und vernichtendem D ruck auf die Preise der deut­ schen L an dw irtschaft bezahlt werden mußte, ist eine A n­ gelegenheit fü r sich. Jedenfalls w urde m it der M achtübernahm e durch den N ationalsozialism us auch m it dieser falschen W irtschafts­ politik D eutschlands gebrochen und die A u sfuhr immer m ehr a u f die hochqualifizierten deutschen gewerblichen Erzeugnisse verlagert, um hierm it die Rohstoffeinfuhr zu finanzieren oder aber in im m er steigendem Maße Erzeug­ nisse einzuführen, die n ur aus der besonderen Eigenart frem den V olkstum s und fremden Bodens erzeugt werden

38


konnten und damit wiederum das deutsche Leben berei­ cherten und hoben. Denn es ist Grundsatz jeder v ö l k i s c h e n , d. h. an e r s t e r S t e l l e a u s e i g e n e r K r a f t lebendenundlebensgesetzlich ausgerichteten Wirtschaftsführung, die Ex i ­ s t e n z g r u n d l a g e n des Volkes in eigener wirtschaftlicher5 Betätigung und ira eigenen Raum zu suchen. Erst was über die Möglichkeiten der eigenen Volkskraft und des eigenen Raumes hinausgeht, sollte Gegenstand eines sinnvollen Austausches sein. Hier verfolgt die neue Türkei* dieselbe Linie wie das neue Deutschland. Und es war deshalb kein Wunder, daß eine immer größere Ausweitung des deutschtürkischen Warenaustausches in den letzten fünf Jahren eingesetzt hat Im Jahre 1937 war dieser nicht nur um das Mehrfache größer als derjenige der Jahre 1932/1933, sondern mit 209 Millionen Reichsmark der umfangreichste Waren­ austausch, der überhaupt zwischen der neuen Türkei und Deutschland stattgefunden hat.— Wenn die Türkische Re­ publik heute darangeht, sich nicht nur von dem Bezug aus­ ländischer Kohle, ausländischen Erdöls und ausländischen Eisens durch eigene Erzeugung aus ihren nationalen Vor­ kommen unabhängig zu machen, sondern auch an dem Aufschluß ihrer reichen Mangan-, Kupfer-, Chrom-, Anti­ mon-, Zink-, Blei- und Quecksilberlagerstätten mit e ig e ­ n em Kapital herangeht, so ist auch dies eine Entwicklung, die das neue Deutschland nur begrüßen kann. Wenn auch der Aufschluß vielleicht etwas langsamer vor sich geht als mit geborgtem oder fremdem Kapital, so liegt doch in der Erschließung dieser Erzlagerstätten mit eigenen Geldmit­ teln die Sicherheit, daß die neue Türkei sich keinen fremden 39


politischen oder w irtschaftlichen Einflüssen zu beugen braucht, sondern ihre w irtschaftlichen, politischen, k u l­ turellen und W eh rkräfte nach eigenen Bedürfnissen ent­ w ick eln und zu einer m axim alen Leistung und E ntfal­ tu n g bringen kann. Eine solche W irtschaftsführung der neuen Türkei wird deshalb auch ganz von selbst in die Bahnen einer neuen Stärku n g der kontinentaleuropäischen Zusam m enarbeit einbiegen. Denn w enn m an die volks- und raum politi­ schen K räfte und Notwendigkeiten des europäischen K on­ tinents sich nach ihrer naturgesetzlichen Bedingtheit selbst entw ickeln läßt und sie nicht durch universalistische W eltw irtschaftsdogm en und -theorien verfälscht und ver­ gew altigt, wird sich unter dem D ruck des Schicksals, das heute auf Kontinentaleuropa und seinen Völkern lastet, gan z von selbst eine neue sinnvolle und produktive Z u ­ sam m enarbeit aller kontinentaleuropäischen Völker her­ ausbilden, die Europa wieder einen lebendigen Sinn gibt und zu einer neuen m achtvollen Lebenseinheit unter den übrigen Erdteilen erhebt. Das Gefühl und die Verpflich­ tung n a c h b a r l i c h e r u n d k a m e r a d s c h a f t l i c h e r V e r b u n d e n h e i t ist heute auch in Europa wieder eine R ealität geworden und wird es immer mehr. Die neue Tür­ kei ist ein integraler, nicht wegdenkbarer Bestandteil des neuen K ontinentaleuropa. A us diesem gleichen Grunde hat sich ja auch die nationalsozialistische Außenhandels­ politik einer besonders engen Zusam m enarbeit m it den Völkern des Südostraumes und des Ostseegebietes ange­ nommen. Nicht um irgendwelcher imperialistischer oder politischer Absichten willen, sondern um den naturgesetz­ lichen Notwendigkeiten einer Neuordnung der europäi4o


sehen W irtschafts-, Kultur- und Raumgestaltungskräfte seiner V ölker zu dienen und zu gehorchen. Die Entwick­ lung aller M öglichkeiten, die der deutsche Raum und der deutsche Geist durch Aufschließung seiner Erdschätze, Verbesserung seiner landwirtschaftlichen Erzeugung und Gewinnung neuer Werkstoffe, die nicht nur die Unab­ hängigkeit der deutschen W irtschaft von fremden Konti­ nenten (z. B. in Treibstoffen, Farbstoffen, Kautschuk, Kampfer, W olle usw.) ermöglichen, sondern darüber hin­ aus auch den Völkern Osteuropas, vom Nordkap bis nach Zypern, die Möglichkeit gibt, im Austausch mit Deutsch­ land und untereinander die kontinentale Zusammenarbeit Europas zu stärken gegenüber den übrigen Erdteilen, liegt auf dieser Linie. Die neuen deutschen Werkstoffe werden ein wichtiger Faktor der Stärkung der Souveränität Euro­ pas werden. Denn wenn man bedenkt, daß auch heute noch Deutschland auf dem europäischen Kontinent in seinem Außenhandel mit über einer Milliarde Reichsmark aktiv ist und mit sechshundert Millionen Reichsmark pas­ siv in seinem Handel mit den übrigen Kontinenten, wie groß m ag dann erst die Außenhandelspassivität der übri­ gen europäischen Länder gegenüber den anderen Erdteilen sein — m it Ausnahme von England, Holland, Belgien, Frankreich und Portugal, die z u r Z e i t noch durch „aus­ gleichende“ Maßnahmen in ihren Kolonialreichen dies aus einem unnatürlichen Leben herrührende Passivum da­ durch zum Verschwinden bringen können: indem man den Kolonialvölkern weniger gibt als man von ihnen nimmt. — Vom Gesichtspunkt der Stärkung Kontinental­ europas, seiner Selbstbehauptung gegenüber den anderen Erdteilen, ist es deshalb unerläßlich, daß der mittel- und ost4i


europäische Außenhandel im Ganzen zum mindesten wie­ der m it den übrigen Erdteilen zum Ausgleich gelangt. Daß die neue T ürkei mehr und m ehr ihr europäisches Schicksal und ihre europäische Bedeutung erkennt, scheint mir aus dem neuerlichen, noch engeren Aufschluß der Türkei an den Balkanbund, ihre festere Bindung m it Griechenland zur K ontrolle der Dardanellen und ihr sich immer mehr ver­ stärkender Außenhandel m it den kontinentaleuropäischen Ländern außerhalb der Sowjetunion hervorzugehen. Auch dies ist eine Entw icklung, die allein wieder dem natür­ lichen und gesunden Sinn der neuen völkischen Türkei entspringt und der genialen Einsicht ihres großen Füh­ rers. Im m er m ehr w ächst so wieder die neue Türkei als ein vorbildliches und wertvolles Glied in die kontinentaleuro­ päische Völkerfam ilie hinein, sie gewinnt von dieser neuen geistigen H altung einen immer größeren Einfluß auf die Neuordnung Europas und schafft damit rückwirkend wie­ der die Vorbedingung für eine immer größere Entwick­ lungsm öglichkeit des stolzen, tapferen und schöpferischen türkischen Volkes. W ir wollen hoffen, daß der Außenhandel zwischen Deutschland und der Türkei sich vom Gesichtspunkt die­ ser großen Ideen immer mehr verstärken wird. Denn das deutsche V o lk m it seinen fünfundsiebzig Millionen Men­ schen im Herzen Europas gelegen, mit seiner gewaltigen W irtschaftskraft und seinem hohen Lebensstandard ist nun einm al das Gravitationszentrum einer natürlichen Neuordnung Europas. In diese Rolle hat sich Deutsch­ land nicht gedrängt. Aber die Natur hat ihm nun einmal diese Rolle zugewiesen, die ihm mehr Pflichten als Rechte auferlegt und ihm m ehr Arbeit als Lebensgenuß bereitet. 42


Deutschland erhofft und erwartet deshalb von den anderen europäischen Völkern Verständnis für diese schwere Auf­ gabe. Seine im Nationalsozialismus unverbrüchlich veran­ kerte völkische Haltung gestattet ihm keine andere Füh­ rung seiner Innen- und Außenpolitik, als die einer kame­ radschaftlichen Zusammenarbeit mit anderen Völkern, die die gegenseitige Souveränität der Völker auf allen Le­ bensgebieten a l s d a s h ö c h s t e G e s e t z resp ek tiert. Denn das neue Deutschland weiß aus eigener innerster Überzeugung, daß nur eine völkische Lebensführung und Lebensordnung bei sich und den anderen Völkern, die frei ist von jedem Imperialismus und jeder Vergewaltigung auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem oder religiösem Gebiet, nur ein Höchstmaß der Lebenskräfte der europäi­ schen Völker wieder entbinden kann, die sich dann ganz von selbst zu einem e u r o p ä i s c h e n O t t a w a verbinden werden. Nur diese aus eigener völkischer Lebensordnung und auf völkischer Souveränität aufbauende Leistung der europäischen Völker kann wieder eine neue glücklichere, reichere und friedlichere Zukunft für Europa herbeiführen: ein Leben aus eigener Kraft, das sich nicht auf den Staats-, Religions- und Wirtschaftsdoktrinen, einer unfruchtbaren, ausgeklügelten Formaldemokratie, sondern einer echten n a t ü r l i c h e n D e m o k r a t i e , einer auf der lebendigen und souveränen K raft seiner Völker beruhenden europäischen Völkergemeinschaft aufbaut.

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G r o ß r a u m w ir ts c h a ft A u fsa tz im „Handwörterbuch der Betriebs­ w irtschaft". 2. A u fla g e. 1938. Herausgegeben von P ro f. N ick lisch .

r D ie E ntstehung von Großwirtschaftsräum en entspringt einer zw eifachen W urzel. Teils sind es politische Kräfte, die im Vordergrund stehen und einen Großwirtschafts­ raum bilden und tragen, also K räfte des Volkstum s, der Rasse. Teils sind es K räfte, die von der natürlichen Ein­ heit eines R aum es und seinem Inhalt an Erdschätzen, A nbaum öglichkeiten und ihrer Verteilung ausstrahlen. B ei der B ildung und dem Bestand von Großwirtschafts­ räum en spielen som it die dynam ischen K räfte der Rasse und die statischen des Raum es in verschiedener Abstufung f die ausschlaggebende Rolle. J 1 Großw irtschaftsräum e, ganz gleich nun, ob sie an erster Stelle durch politische K räfte oder aber durch nachbar­ liche E rgänzung und Zusam m enarbeit bestimmt werden, sind natürliche und notwendige Zwischengebilde in einer gesunden, w irtschaftlichen Zusam m enarbeit der Völker J [

Denn w enn m an „W eltw irtsch aft“ im Gegensatz zum

Liberalism us, als m öglichst intensive dauerhafte und um fangreiche Zusam m enarbeit selbständiger Volkswirt­ schaften auffaßt, dann muß sich eine solche W eltw irt­ schaft au f Großw irtschaftsräum en aufbauen, die gewis­ sermaßen ihre Ecksteine und tragenden Pfeiler bilden. Ein solcher zw ischenstaatlicher, weltumspannender Han­ del und Verkehr, der gestützt wird durch Zwischenglieder, den Zellenbau, von Großwirtschaftsräum en, ist ein viel zuverlässigeres und beständigeres Gebilde, als ein zw i­ schenstaatlicher Handel und Verkehr, der au f einer Viel44


zahl von selbständigen Volkswirtschaften unmittelbar aufsetzt, ganz zu schweigen von der Weltwirtschaft liberalistischer Prägung, wie wir sie vor dem Weltkrieg er­ lebt haben, die auf einer weitgehenden Auflösung sogar der Selbständigkeit der Volkswirtschaften beruhte. Die Großwirtschaftsräume erhöhen also die Stabilität des W irtschaftsverkehrs der Völker und verhindern, daß Schwankungen, die durch politische oder Naturkatastro­ phen irgendwo in der W elt eintreten können, sogleich den gesamten zwischenstaatlichen Handel und Verkehr der W elt in seiner ganzen Ausdehnung in Mitleidenschaft ziehen.^ Im übrigen ist es das Grundgesetz alles Lebens, daß nur solche Lebensformen lebenswürdig und lebensbeständig sind, die aus eigener Kraft und eigenem Raum zu leben vermögen. W ahre Freiheit und Entfaltung kann also nur aus Selbstverteidigung gewonnen werden. Es ist deshalb das oberste ethische Grundgesetz alles Lebens: Freiheit durch Selbstverteidigung, nur wer sich selbst hilft, dem hilft Gott. Dies gilt nicht nur für Pflanzen, Tiere, Men­ schen und Völker, sondern auch für Entstehung und Be­ stand gewisser Raumeinheiten und der in diesen Räumen lebenden Völker. Kontinentaleuropa kann sich deshalb unter den übrigen Erdteilen als wirtschaftliche und kul­ turpolitische Einheit nur selbst behaupten, wenn es aus der eigenen K raft seiner Völker und seines Raumes im Notfall allein leben kann. Deshalb muß Kontinentaleuro­ pa als raumpolitische Einheit von Gibraltar bis zum Ural und vom Nordkap bis zur Insel Zypern reichen. Nur in diesem Raum sind alle Möglichkeiten an landwirtschaft­ lichen Erzeugnissen und Erdschätzen vorhanden, die mit

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H ilfe einer hochentw ickelten T echnik den Völkern dieses R au m es bei entsprechender Zusam m enarbeit ein Leben aus eigener K ra ft erm öglichen. Z u einer solchen Lebenshöchstleistung der Völker und ihrer R äum e kann es aber nur kom m en, w enn jedes Volk sich nach seinem eigenen ihm angeborenen Lebens- und W achstum sgesetz ausrichten kann. W enn alle Arbeit, alles Spezialwissen und -können der einzelnen Glieder eines V olkstum s durch die Lebensgesetzlichkeit, d. h. die völkischen Ideale dieses Volkstum s einheitlich ausge­ rich tet wird. D a die Lebensgesetzlichkeiten der einzelnen V ö lk er ebenso unterschiedlich sind und voneinander ab­ w eichen, w ie beispielsweise die Lebens- und W achstum s­ gesetze der verschiedenen Baum arten, so ist es unverträg­ lich m it der erstrebten Höchstleistung, wenn au f intellek­ tuellem W ege Staatsform en, W irtschaftsform en, Kultur­ form en oder religiöse Form en konstruiert werden, also „B ek en n tn isse“ , die für alle V ölker passen sollen. Eben­ sow enig w ie alle Menschen dasselbe Arbeitskleid von der­ selben Form und Größe anziehen können, wenn sie in ihrer A rbeitsleistung nicht behindert werden sollen, eben­ sow enig kann m an den V ölkern ein für alle passendes 4

Staats-, A rbeits-, Festtags- und K ultusgew and von der Stange liefern, ohne ihnen schwerste Einbuße an ihrer aus ihrer Lebenseigenart erwachsenden Lebensm ächtig­ k eit und Lebensleistung zuzufügen. Es muß sich also jedes V o lk die seine ihm eingeborenen Lebensgesetzlichkeit ent­ sprechenden eigenen Staats-, W ärtschafts-, K ultur- und religiösen Lebensform en selbst schaffen. Es ist deshalb nichts verderblicher, als W irtschafts­ theorien und -doktrinen aufzustellen, die für alle Völker

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gelten sollen. Solche allgemeingültigen, auf einer an­ geblichen Eigengesetzlichkeit der Wirtschaftsvorgänge beruhenden Doktrinen haben deshalb immer zu einer Minderleistung und schließlich gänzlichen Auflösung der W irtschaftsbetätigung der Völker geführt. Das größte weltgeschichtliche Beispiel ist der Zusammenbruch der liberalistischen, der sogen. „Weltwirtschaft“ der Vor­ kriegszeit, auf deren Entstehung noch zurückzukommen ist. Die letzte in der europäischen Geschichte klar ausge­ prägte Großraumwirtschaft war der von der deutschen Hanse geführte und von ihr in Verbindung mit Heinrich dem Löwen und dem Deutschritterorden aufgerichtete kontinentaleuropäische Wirtschafts- und Kulturkreislauf vom Jahre 1200 bis etwa 1600. Da die staatspolitischen Kräfte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Na­ tion nicht hinter dieser europäischen Großraumwirt­ schaft standen, sondern diese letzten Endes nur durch die verhältnismäßig schwachen politischen Kräfte der Hanse getragen wurde, beruhte sie im übrigen weitgehendst auf freundnachbarlich-natürlicher Ergänzung der Völker des europäischen Raumes. Sie umfaßte als Kerngebiet den Raum

eingeschlossen vom Schwarzen Meer, Donau-

Main-Rhein, Flandern, Nordsee, Ostsee bis Nowgorod und wieder bis zum Schwarzen Meer. Auch die Völker außerhalb dieses Kreises standen in lebhafter Wechsel­ wirkung m it den von dieser Linie vorzugsweise um­ schlossenen Völkern, die einem besonders innigen Wirt­ schafts- und Kulturaustausch unterlagen. Diese erste europäische Großraumwirtschaft wurde von einem ge­ rechten Leistungsaustausch, d. h. einer völkischen Markt-

i


regelun g getragen, die Geld und W are von den Gesichts­ punkten der verschiedenen Lebensgesetzlichkeiten und -notw endigkeiten der V ölker und ihrer Räum e aus lenkte. D a es also kein e die verschiedenen Lebensgesetzlichkeiten der europäischen V ölker vergewaltigende einheitlichen Staats-, W irtschafts- und K ulturtheorien gab, m it A us­ nahm e einer H em m ung eines angeblich für alle Völker passenden religiösen Bekenntnisses, erstarkten und er­ blühten die V ölker Europas in ungeahnter W eise. Die ganze hohe K u ltu r des Mittelalters hatte ihre W urzel in dieser ersten europäischen Großraum wirtschaft. Durch B erüh rung m it ihr wurden erst die Norweger, die Dänen, die Schweden, die Holländer, die Schweizer als ausge­ prägte Volkspersönlichkeiten geboren. D iese europäische Großraum wirtschaft zerfiel durch die E ntdeckung A m erikas und des Seeweges nach In­ dien. Die beiden A m erika und die beiden Indien, Austra­ lien, ja auch erst A frik a öffneten sich dem Bevölkerungs­ überschuß Europas, der bis dahin nach dem osteuropäi­ schen R aum abfloß und dort den Bevölkerungsdruck gegen A sien stärkte. Es begann nun eine 400 Jahre an­ dauernde Völkerw anderung nach Übersee, die Europa mindestens 150 Millionen jetzt lebender Menschen ge­ kostet hat. Europa gab also einen Teil seines natürlichen Raum es auf, erlaubte es Asien volklich und ideologisch in den europäischen Ostraum einzusickern und erschloß sich dafür zusätzlichen R aum in Übersee. Es hat nun vierhundert Jahre lang nicht nur aus der Ausbeutung dieser Räum e, sondern auch aus der A us­ beutung der dort ansässigen Völker gelebt, die in K olo­ nialhörigkeit

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gezw ungen

und

unterbezahlt

wurden.


Europa hat also in den letzten vierhundert Jahren weit­ gehendst einen ungerechten Leistungsaustausch nach Übersee betrieben und zum großen Teil aus fremdem Raum und fremder Volkskraft gelebt und damit gegen das oberste Gesetz alles Lebens verstoßen. Um dieses bequeme Leben nach dem Westen, das nicht auf der Lebensgesetz­ lichkeit aufbaute, und das auf die harte Lebensführung im Osten, die Verteidigung des eigenen Raumes und die stän­ dige Auseinandersetzung mit Asien glaubte verzichten zu können — zu rechtfertigen, wurden aus dem Intellekt konstruierte Theorien erfunden, wie Demokratie, Frei­ handel, internationale Arbeitsteilung, Marxismus, Kapi­ talismus und dergleichen. Dieses unnatürliche Leben zog zwei Folgerungen nach sich: im Osten Europas sickerte, wie bereits erwähnt, über den Ural immer weiter Asien volkhaft und ideologisch ein. Die alles verwüstende, aus dem Intellekt konstruierte jüdisch-asiatische Ideologie des Bolschewismus hat heute in letzter Konsequenz wie eine Wüste Osteuropa und seine Völker, d. h. den russischen Raum befallen und ihn aus der früheren europäischen Arbeits- und Kulturge­ meinschaft ausgeschaltet. Als letzte Konsequenz der Aus­ richtung nach dem Westen hinüber, diesem unnatür­ lichen Leben der europäischen Völker, ergab sich eben­ falls auf die Dauer lebensunfähige Konstruktion der liberalistischen Weltwirtschaft. Eine Wirtschaftsmethode, die keinerlei völkische Bindungen und Lebensnotwendig­ keiten anerkennt, sondern die im „eigengesetzlichen“ freien Spiel der Wirtschaftskräfte einer internationalen Arbeitsteilung und dem Freihandelsprinzip folgen wollte. Also auch hier im Westen wie im Osten eine alles ver4

D altz I I

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wüstende W irtschaftsideologie, die nur m it einem Z u ­ sam m enbruch enden konnte und dann auch geendet hat. Die politische und w irtschaftliche Selbständigkeitser­ k läru n g der fremden Erdteile, die nach dem W eltkrieg end­ g ü ltig wurde, zw ingt nunm ehr auch Europa, sich wieder zu seiner raum politischen E inheit und der Eigengesetzlich­ k eit seiner V ölker zu bekennen. Dieser Strukturwechsel der W elt, die Forderung der fremden Erdteile, m it Europa nur noch im gerechten Leistungsaustausch zu verkehren, zeigt nun au f einm al die früher durch den ungerechten Leistungsaustausch verdeckte handelspolitische Passivi­ tä t K ontinentaleuropas gegenüber Übersee und zwingt Europa, alle seine W irtschaftskräfte und W irtschaftsm ög­ lichkeiten zu mobilisieren und in einer Zusammenarbeit zu einen und ferner seinen R aum in seiner natürlichen G anzheit wieder herzustellen.

Die W iedergeburt der

europäischen V ölker, d. h. die Neuordnung ihrer Lebens­ substanz nach ihrer eingeborenen Lebensgesetzlichkeit, w ie w ir sie im Nationalsozialism us, im Faschism us und im K em alism us bereits bei drei V ölkern vor A ugen haben, sow ie die w irtschaftliche M obilisierung des Südost- und Ostseeraum es durch

die deutsche Handelspolitik sind

der B eginn der E rfüllun g dieser schicksalhaften For­ derung. Die neue europäische Zusam m enarbeit, die au f dem völkischen Gedanken, der völkischen Lebensordnung als der prim ären U rsache aller Staats-, W irtschafts-, Kulturund R eligionsform en aufbaut, hat auch die ideologische Hegem onie F rankreichs der letzten hundertfünfzig Jahre gebrochen, die E uropa au f dem P rim at des Staatsgedan-


kens in einer unnatürlichen Ordnung halten wollte, wie sie nur einm al vorübergehend aus der Eroberung des überseeischen W estens und des überseeischen Ostens

r

alimentiert, m öglich war. |Diese Neuordnung Europas auf der Basis des völkischen Gedankens überwindet also nicht nur die ideologische Wüste im Westen, son­ dern auch die im Osten unter gleichzeitiger Aufrichtung einer neuen europäischen Arbeits- und Kulturgemein­ schaft, in den Bahnen der alten deutschen Hanse, die auf der lebensgesetzlichen Eigenart seiner Völker als unverbrüchliches Fundament beruhen und sich wirtschaft­ lich als eine neue europäische Großraumwirtschaft dar­ stellen wird.

1

[ In gleicher Weise, wie sich die Herausbildung eines kontinentaleuropäischen Ottawas vollzieht, sieht man aus dem Zusammenbruch der liberalistischen Weltwirt­ schaft die Großraumwirtschaft des britischen Empire, das britische Ottawa sich erheben. Ferner zeichnen sich be­ reits am Horizont immer deutlicher die Grundlinien eines japanisch-chinesischen Ottawas, einer japanisch-chine­ sischen Großraumwirtschaft ab, sowie der Großwirt­ schaftsraum eines Pan-Amerika. An weiteren schon be­ stehenden Großwirtschaftsräumen wären noch zu nennen das französische Kolonialreich und das italienische Im­ perium, die hauptsächlich auf politischen Kräften be­ ruhen. J Es zeigt sich also, daß heute bereits ein neuer Welt­ handel und -verkehr im Entstehen begriffen ist, der auf Großwirtschaftsräumen aufbaut, die wiederum als tra­ gende Fundamente zu Arbeitsgemeinschaften zusammen­ geschlossene selbständige Volkswirtschaften haben. 4'

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D ie Großraum w irtschaften zeigen sich also als not w endige Glieder einer neuen unum gänglichen Ordnung der W eltw irtsch aft, die dieser eine künftige größere Sta b ilität verleihen werden. Selbst w enn dann einm al der eine oder andere Großw irtschaftsraum aus irgendwelchen Ur. Sachen zusam m enbrechen sollte, wird damit nicht wieder die ganze W eltw irtschaft zusam m enbrechen können.

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Zw eites K apitel N EUE AUSSENHANDELSPOLITIK Der „Neue Pl a n“


G r u n d s ä tz lic h e s zu r nationalsozialistischen A u ß e n h a n d e ls- und Verkehrspolitik A u fs a tz im ,,Nationalsozialistischen Wirt­ schaftsdienst", Hamburg, N r. 8 vom 18. 6. 1932.

Die nationalsozialistische Wirtschaftslehre hat schon immer die anorganische, d. h. freie Marktwirtschaft als einen handelspolitischen Unsinn und als auf einer ethi­ schen Ebene liegend bezeichnet, die in ihren Auswir­ kungen zum Zusammenbruch der organisch gegliederten Volkswirtschaften und ihrer höheren Moral führen mußte. i_Aus

diesem Grunde haben wir auch die allgemeine Meist­

begünstigungspolitik stets verworfen. Es gibt kein Außen­ handelssystem, das, für den Verkehr mit allen Staaten gleichmäßig passend istTfcerade heute, mitten in dem Pro­ zeß der Liquidierung der bisherigen sogenannten „Welt­ wirtschaft“ - denn nichts anderes bedeutet die gegen­ wärtige W eltkrise - muß wieder auf die Fundamente ver­ nunftgemäßer Handelspolitik zurückgegangen werden. Diese Grundsätze: gesunder, d.h. organisch mit der Volks­ wirtschaft verknüpfter Außenhandels- und Verkehrspolitik sind in der letzten Epoche, die unter der Herrschaft der falschen Begriffsbildung der sogenannten „Weltwirt­ schaft“ stand, gänzlich verlorengegangen. Sämtliche Handels-, Zahlungs- und Produktionsbilan­ 55


zen der am zwischenstaatlichen Handel und Verkehr be­ teiligten V olksw irtschaften sind durch die Nichtbeachtung organischer Außenhandelspolitik, d. h. durch die freie M arktw irtschaft, durch die Kriegsschulden und Tribut­ zahlungen, so heillos verw irrt und ineinander verstrickt, daß eine Lösung dieses gordischen Knotens auch durch den klügsten K opf und die um fangreichsten W eltw irt­ schaftskonferenzen nicht mehr möglich ist, sondern nur m it dem scharfen Schwert der allgem einen Liquidation durchhauen werden kann. Anders sind angemessene Ver­ hältnisse nicht wieder herzustellen, als eben nur durch die B eseitigung des bisherigen, völlig verfehlten Systems, das den stolzen Namen „W eltw irtsch aft“ trug und das von oberflächlichstem Intellektualism us als der übergeordnete O rganism us hingestellt wurde, dem die Volkswirtschaften sich unterzuordnen oder gar zu dienen hatten. Der Glaube an das den biederen Bewohnern der Volkswirtschaften von

intellektuell verdorbenen oder verführten W irt­

schaftsprofessoren und überall und nirgends zu Hause be­ heim atetem Händlertum vorgespiegelte Phantom einer „intern ationalen A rbeitsteilung“ wird heute m it dem Elend und der Not von ungezählten Millionen in allen Ländern bezahlt. Unsere

nationalsozialistische

W irtschaftslehre

sagt

k la r und deutlich: es gibt keine W eltw irtschaft, sondern nur zw ischenstaatlichen Handel und Verkehr. Dieser ist kein O rganism us, sondern ein Mechanismus, der m echa­ nische A usgleich,

das Clearing der Produktionsüber­

schüsse der V olksw irtschaften. Noch niem als hat die so­ genannte „W e ltw irtsch a ft“ etwas produziert. Sie ist also kein produktives Elem ent, sondern lediglich ein Vertei56


lungssystem, das völlig abhängig ist vom Zustand der Volkswirtschaften. Die Volkswirtschaften sind das Pri­ märe, die E rzeuger aller Güter. Nach ihnen allein hat sich der zwischenstaatliche Handel und Verkehr, das Sekun­ däre, zu richten. Die Volkswirtschaften haben allein den Anspruch auf den Titel „W irtschaft“ , d. h. organisch ge­ gliederte, schöpferische Wesen zu sein. Sie allein sind Or­ ganismen. Ihr Produktionsprozeß vollzieht sich nach or­ ganischen Spielregeln. Der mechanische, brutale Aus­ gleich durch Angebot und Nachfrage wird hier einem höheren Gesichtspunkt untergeordnet, d. h. wird korri­ giert und gedämpft durch eine zentrale Autorität, näm­ lich die Gesetzgebung, die das Interesse des Ganzen des Volkes vertritt und so von diesem übergeordneten Ge­ sichtspunkt aus der heutigen Hemmungslosigkeit des liberalistischen ,,Privat“ wirtschaftlers Zügel anlegt. Volkswirtschaft ist eben kein mechanisches Nebenein­ ander, sondern ein organisches Miteinander, eine Einheit mit einer Seele, ein Geformtes, das durch seine Gesetzge­ bung die Erhaltung dieser Form sichert. Jede produktive, d. h. schöpferische Volkswirtschaft ist deshalb aufgebaut auf dem Gesetz der organischen Freiheit, dieses lautet: „Gebundenheit nach außen, Freiheit durch Selbstverwal­ tung nach innen“ und seine Ethik: „Gemeinnutz vor Eigennutz“ . Der zwischenstaatliche Handel und Verkehr (die ver­ flossene „W eltw irtschaft“ ) dagegen ist lediglich ein me­ chanisches Nebeneinander, ein mechanischer Ausgleich, ein unschöpferisches, keinerlei Güter produzierendes, son­ dern nur austauschendes Verteilungssystem. In Ihm ist keine zentrale Autorität und keine Gesetzgebung, die über 57


dem Ganzen w acht, vorhanden. W ie kläglich Völkerbund und seine E rgänzung, die „B a n k für internationale Zah­ lu n gen “ , gescheitert sind, bedarf keines W ortes mehr. Es gibt keine W eltpolitik und deshalb auch keine W eltw irt­ sch aft, sondern nur W elthandel und -verkehr. In ihm herrscht A ngebot und Nachfrage, das Einzelinteresse ab­ solut, und die hier herrschende E thik ist infolgedessen das genaue Gegenteil des ethischen Fundamentes jeder Volks­ w irtschaft, näm lich „E igennutz vor Gem einnutz“ und ihr Freiheitsideal ist die Um kehrung des Organischen, näm lich: „F reih eit nach außen und Gebundenheit durch G ew alt nach innen.“ Es dürfte deshalb jedem, der den trü­ gerischen Schleier der „W eltw irtsch aft“ durchschaut hat, klar sein, daß, wenn man m it der niederen Händlermecha­ n ik und -ethik: „E igennutz vor Gem einnutz“ des zwi­ schenstaatlichen Handelsverkehrs in die höhere Organik der V olksw irtschaft eindringt, diese unfehlbar zerfällt. D aß deshalb auch niem als von seiten des W elthandels und -Verkehrs eine Gesundung der Volkswirtschaften herbei­ geführt werden kann, w ie uns dies immer wieder vom zwi­ schenstaatlichen Händlertum und am Narrenseil des In­ tellekts laufenden W irtschaftlern und Professoren weis­ gem acht werden soll, sondern daß allein durch die Volks­ w irtschaften, als dem Prim ären, Produzierenden, und demnach sich au f höherer ethischer Stufe bewegenden W esen, die notwendige Reorganisation des Welthandels und -Verkehrs wieder kom m en kann und muß. So besinnt sich denn heute jede Volksw irtschaft auf ihre eigene Gesetzm äßigkeit. Jede Volksw irtschaft muß heute aus Selbsterhaltungstrieb erbarmungslos ihre Bilanz, ihre Gewinn- und Verlustrechnung gegenüber dem zwi58


schenstaatlichen Handel und Verkehr ziehen. Sie muß sich auf die Voraussetzung ihrer Existenz, auf die orga­ nische Produktion besinnen und sich innerlich und auch äußerlich neu orientieren. Jede Volkswirtschaft muß zu diesem Z w eck ihren fälschlich in den zwischenstaatlichen Handel und Verkehr verlagerten Schwerpunkt wieder in sich selbst gewinnen. Das bedeutet: jeder Staat wird zum Zw ecke der Festigung seiner Existenz nicht nur seine Bin­ nenw irtschaft im höchstmöglichen Maße wieder ent­ w ickeln und stärken, sondern hiermit zugleich auch dem A ufbau eines neuen gesunden zwischenstaatlichen Han­ dels und Verkehrs dienen. Nur auf starken Binnenwirt­ schaften ruhend, kann ein krisenfester und katastrophen­ freier W elthandel und -verkehr wieder aufgerichtet wer­ den. Hierzu gehört vor allem, daß jedes Volk seine Ernäh­ rungsbasis innerhalb seines Herrschaftsbereiches ver­ legt. W as nicht innerhalb der politischen Grenzen an Nahrungsmitteln und lebensnotwendigen Rohstoffen einer Volksw irtschaft erzeugt werden kann, muß aber innerhalb ihres Herrschaftsbereiches, d. h. so weit wie ihre Flottenund Heeresm acht reicht, jederzeit erlangbar sein.^Das heißt, jede Volkswirtschaft, vor allem aber die deutsche, muß nach den Erfahrungen des letzten Krieges seinen durch seine Streitkräfte geschützten Lebens- und Wirtschafts­ raum ausbilden, m it dem es dann in den zwischenstaat­ lichen Handel und Verkehr von neuem eintritt. Die Außen­ politik muß also dem Außenhandel wieder Umfang und Richtung bestimmen und seinen Schutz in jeder Weise übernehmen können. Außenpolitik wirkt so wieder raum­ gestaltend, und der Handel folgt wieder der Flagge. Die aus Händlergesinnung entsprungene Umkehrung dieses 59


Satzes, daß die F lagge dem Handel zu folgen habe, findet dam it ihr Ende. 3 Und ein w eiterer Grundsatz wird von der deutschen V o lk sw irtsch aft kü n ftig auf das ernsteste zu berücksich­ tigen sein,[näm lich, daß das Volum en seines Außenhan­ dels stets in einem angem essenen Verhältnis zu dem Volu­ m en seiner Binnenproduktion und seines Binnenhandels stehen m uß. Nur so kann die U nabhängigkeit der deut­ schen V olksw irtsch aft und größtm ögliche Krisenfestig­ k e it gew ahrt werden. Es ist aber denkbar, daß das Eigen­ volum en der deutschen Binnenw irtschaft in gewissem Um­ fan ge und ohne Gefahr ergänzt und vergrößert werden k an n durch einen besonders engen Tausch verkehr mit den Staaten, die innerhalb des künftigen Schutzbereiches der deutschen W ehrkräfte liegend] E s erscheint also nicht unm öglich, daß nach Konsoli­ dierung der deutschen Binnenw irtschaft unter Berück­ sichtigung des gesam ten künftigen deutschen Schutz­ raum es, der deutsche Außenhandel und -verkehr, vor al­ lem eben durch seine zusätzliche Verm ittlertätigkeit, einen ähnlichen U m fang wieder annehmen kann, wie er ihn vor dem K riege besaß. Nie wieder aber wird der nach nationalsozialistischen Grundsätzen aufgebaute Außen­ handel und -verkehr das deutsche V olk in seiner landwirt­ schaftlichen

und

Rohstoffselbstversorgung

gefährden

und in politische und wirtschaftliche Abhängigkeit und Arbeitslosigkeit stürzen können. Der organische Aufbau und der starke B innenm arkt wird jederzeit in der Lage sein, von außen kom m ende Krisen aufzufangen und durch nationale Selbsthilfe auszugleichen. Die praktischen Handeslgrundsätze (der „N eue P lan“ ),

60


nach denen zunächst verfahren werden muß, werden darin bestehen, daß m it jedem Lande ein besonderer Handels­ vertrag abgeschlossen wird, der auf dem Grundsatz be­ ruht, daß, was an fremder Einfuhrware bezogen wird, nur mit deutscher Exportware bezahlt werden kann und muß. Der deutsche Außenhandel wird sich also nicht nur der A rt der Güter nach, sondern auch der Richtung der Aus­ fuhr und Ihres Bezuges nach völlig neu orientieren müs­ sen, und jew eils nur mit den Ländern in Austauschbezie­ hungen treten, die grundsätzlich gewillt sind, im gleichen Umfange auch deutsche Ausfuhrware aufzunehmen. Während z. B. die deutsche Außenhandelsbilanz mit dem British Empire im ganzen genommen ungefähr ausgegli­ chen ist, ist sie Nordamerika gegenüber in starkem Um­ fange passiv. Hier wird unbedingt Abhilfe geschaffen wer­ den müssen durch Einfuhrverweigerung nordamerikani­ scher W aren, oder aber Nordamerika wird sich entschlie­ ßen müssen, deutsche Ausfuhrware in gleichem Umfange aufzunehmen. Oder aber der Einkauf wird über andere Länder geschehen, die der deutschen Ausfuhrware sich williger öffnen. Es läßt sich denken, daß diese Kontingente, die mit je­ dem Lande festgelegt werden und die durchaus nicht starr zu sein brauchen und auch nicht sein werden, in gewisser Hinsicht m it der Zeit auch kombiniert werden können, so daß der Außenhandel über Kontingentscheine durchaus frei ist, nur wird der Staat jeweils die Richtung und die Größe der Kontingente nach dem dem einzelnen überge­ ordneten Staatsinteresse lenken und bestimmen. Es gibt überhaupt keinen anderen Weg zu einer neuen Ordnung des zwischenstaatlichen Handels und Verkehrs, 6

:


da n ich t nur die deutsche, sondern au ch die Devisenbilan­ zen der übrigen Staaten diesen W e g des W arenclearings gebieterisch verlangen. (Nationalsozialism us ist ja über­ h au p t nichts anderes als bewußte U nterstützung und För­ derung des Selbstheilungsprozesses der Natur, der heute nach einem Z eitalter überspitzter falscher, intellektualistischer W irtschaftsm ethoden m it unerhörter W ucht ein­ gesetzt hat. D er N ationalsozialism us ist nichts anderes als der gute A rzt, der die K ran kh eit frühzeitig erkannt und verkündet h at und nun durch richtige Behandlung seinem V o lke unnötige Leiden zu ersparen und die Leidenszeit ab­ zu k ü rzen bestrebt ist, w ährend die Ew ig-G estrigen mit ihren falsch en Behandlungsm ethoden und veralteten Me­ dikam enten das deutsche V o lk in höchste Lebensgefahr bringen.) W ie w ir schon wiederholt betont haben, halten wir des­ halb den von den Brem er, H am burger und Lübecker KreU_ sen beschrittenen W e g eines W arenclearings im Prinzip fü r richtig, aber als lokale Erscheinung für vollkommen verfehlt. K ontin gentw irtschaft und W arenclearing kön­ nen eben nur national w irtschaftlich, als Ganzes, durchge­ fü h rt werden. A u ch ihre übrigen M aßnahm en stim m en im allgemeinen m it unseren A bsichten überein. W esentlich ist jedoch, daß der N ationalsozialism us verlangen wird, daß auf alle Fälle deutsche W are nur m it deutschen Schiffen befördert werden m uß und daß die über See gehenden A ustauschgüter der im Transithandel uns angeschlossenen binnenländischen Staa­ ten unseres W irtschaftsraum es ebenfalls m ittels deutscher T onnage befördert werden. A u ch im übrigen werden wir d afür eintreten, daß allen den F laggen die deutsche Küsten-

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fahrt verboten wird, die in ihren Ländern deutschen Schiffen die Küstenfahrt verweigern. W ir werden weiter mit allen Mitteln der deutschen Han­ delsflagge behilflich sein, innerhalb des Raumes, der zwi­ schen dem Kontingentverkehr stets bleiben wird, den not­ wendigen Bewegungs- und Lebensraum zu erstreiten, da­ mit sie durch ihre Dienstleistung zusätzlichen Verdienst hereinbringt und dadurch unsere Handelsbilanz weiter aktiviert. Die deutsche Schiffahrt wird hierfür mehr denn je das wertvollste und von uns besonders gepflegte Mittel sein. Sie muß aber damit rechnen, daß die frühere Ordnung der Dinge, auf die sie ihren Liniendienst aufgebaut hatte, ihr heute unter den Füßen versinkt und nie wiederkehrt. Menge, Richtung und Art der Aus- und Einfuhrware jeder Volkswirtschaft ändert sich eben infolge des Liquidations­ prozesses der sogenannten „Weltwirtschaft“ und des Um­ baus aller Volkswirtschaften. Diese strukturellen Verän­ derungen ziehen unweigerlich auch eine Zerschlagung des gegenwärtigen Seeverkehrsnetzes nach sich. Verhältnis­ mäßig noch am wenigsten wird von dieser Umwandlung der Passagierliniendienst betroffen werden, dagegen wird der Frachtliniendienst der stärksten Wandlung unterlie­ gen. Die Verknüpfung der deutschen Schiffahrt mit dem durch Kontingente geregelten deutschen Außen- und Transithandel wird einen neuartigen Schiffahrtsdienst entstehen lassen, ein Mittelding zwischen dem bisherigen Frachtliniendienst und der Trampfahrt. Die deutsche Schiffahrtsorganisation muß deshalb in weitgehendstem Maße aufgelockert und beweglich gestaltet werden, um sich schnell und leicht den in ununterbrochener Wandlung 63


befindlichen D ingen anpassen zu können. A uch muß sie sich au f jeden F all die F ührun g in der Ostsee, die sie v o r dem K riege besaß, wieder zurückerobern. Mit welchen M itteln ihr hierbei die nationalsozialistische Staats- und W irtsch aftsfü h ru n g zu H ilfe kom m en wird, muß späteren A u sfü h ru n gen Vorbehalten bleiben. Diese Darlegungen zeigen w ohl au f das deutlichste, daß der Nationalsozialis­ m us nichts fü r ungeeigneter zur V erstaatlichung und Bü­ rokratisierun g hält, als gerade den Außenhandel und See­ verkehr, dem unbedingt seine B ew eglichkeit im Rahmen der G esam tpolitik gesichert bleiben muß. A lles in allem : die nationalsozialistische Kontingent­ w irtsch aft unterscheidet sich eindeutig von den überlebten liberalistischen und kollektivistischen W irtschaftsform en. Sie gibt jedem einzelnen innerhalb der durch die Staats­ fü h ru n g erlassenen Rahm engesetze die Freiheit der priva­ ten Initiative und Selbstverw altung. Es ist Unvermögen oder Lüge, w enn von den E w ig-G estrigen immer wieder behauptet wird, daß die nationalsozialistische W irtschafts­ lehre zu kollektivistischen W irtschaftsform en führe. Nichts zeigt klarer die U nhaltbarkeit des Führeranspruches dieser Schicht, daß sie unfähig ist, die neuen Lebens- und W irt­ schaftsform en zu erkennen, und daß sie nur in liberalisti­ schen oder kollektivistischen W irtschaftsform en zu den­ ken und nur noch in dieser versinkenden W elt sich zu orientieren verm ögen.

6

4


Ü b e r d ie E r r ic h tu n g eines Handelsamtes (A ußenhandelskam m er) A u fs a tz

im

„ Nationalsozialistischen

Wirt­

schaftsdienst", Hamburg, Nr. g vom 25.6,1932.

Auch der m it engsten Scheuklappen durch das heu­ tige wirtschaftliche Geschehen spazierende Freihändler kann die Tatsache nicht übersehen, daß die bisher auf dem Freihandelsprinzip basierende sogenannte „Welt­ wirtschaft“

einem

unaufhaltsam

sich abwickelnden

Liquidationsprozeß unterliegt und sich zunächst einmal in autonome d. h. sich selbst bestimmende Wirtschafts­ räume aufspaltet. Dies ist eine Tatsache, die, wie alle großen Geschehen, wie alle Geburten, mit Leiden ver­ knüpft ist, aber auch eine neue Zukunft in sich trägt. Zur Debatte steht heute lediglich, wie man sich dieser ehernen und m it dem Leiden und Unglück vieler Zehn­ millionen Menschen verknüpften Tatsache gegenüber­ stellt. Ob m an sie auffaßt als den Ausfluß eines vorüber­ gehenden Irrsinnanfalls der Menschen oder als ein eigen­ gesetzliches großes Naturgeschehen, das die Torheit, Ein­ sichtslosigkeit und mangelnde Vorausschau des mensch­ lichen Verstandes, insbesondere seiner beamteten Wirt­ schaftsprofessoren, eines besseren belehrt, und zwar nach dem Grundsatz: wer nicht hören will, muß fühlen. Daß den beamteten Wirtschaftsprofessoren und besonders der bestimmten, rein intellektualistisch-dogmatisch eingestell­ ten Schicht, für die ein besonders typisches Beispiel Herr Professor Bonn ist, diese Belehrung durch die Tatsache höchst unsympathisch ist, ist verständlich. Und weiter ist psychologisch verständlich, daß diese meist recht selbst­ gefälligen Herrschaften versuchen, die ihnen durch die 5

D aitz II

65


T atsach en zu teil werdende B eleh rung m öglichst mit Iro­ n ie, Spott und W itzch en vor ihrem andächtigen Publikum z u versch leiern, u m ihre P osition zu w ahren. Besonders die jüd isch e Intellektualität, deren H eim die freihändle­ rische W eltw irtsch aft w ar, fü h lt sich durch den neuen T atsach en ko m p lex a u f das unangenehm ste berührt und su ch t m m m ittels intellektueller T arnung den übrigen Zeitgenossen das Geschehen zu vernebeln, um eine neue A u fn ah m estellu n g vorzubereiten. D as goldene Kalb, die frühere W eltw irtsch aft, ist nun m al hin, und seine Prie­ ster m üssen sich nach anderen Göttern umsehen, um auch k ü n ftig ihre Gläubigen scheren zu können. D och zur Sache selbst. - D a der nur intellektualistisch fundam entierte B au, eine auf Freihandel beruhende W eltw irtsch aft, sich als nicht lebensfähig, sondern als ein toter, überspitzter M echanismus erwiesen hat, in dem sich säm tliche Zahlungs-, Handels- und Produktions­ bilanzen der einzelnen Nationalwirtschaften unlösbar ver­ w ick e lt und verknotet haben, so besinnt sich heute zw angsläu fig jede Volksw irtschaft auf den realen Inhalt, der der Ideologie der W eltw irtschaft zugrunde lag. Die sogenannte W eltw irtschaft besteht ja in W irklichkeit lediglich aus zwischenstaatlichem Handel und Verkehr, d. h. dem Austausch der Produktionsüberschüsse der ein­ zelnen V olksw irtschaften. Von einer eigenen Produktion ist keine Spur vorhanden. Diesem Überschußaustausch der V olksw irtschaft hatte W elthandel und -verkehr zu dienen, und nicht, w ie die verflossene W eltwirtschafts­ ideologie vorzutäuschen suchte, als höheres, übergeord­ netes und selbständiges W esen Menge und A rt der Er­ zeugnisse jeder Volksw irtschaft zu bestimmen. Die Volks66


wirtschaften sind das Primäre und Welthandel und -ver­ kehr das Sekundäre, und nicht umgekehrt. Aus dieser intellektualistischen Verdrehung der na­ türlichen Tatsachen, an denen besonders die jüdisch­ händlerische führend beteiligt war, gibt es nur einen Weg, nämlich den: daß jede Volkswirtschaft von sich aus und nach den eigenen Bedürfnissen den Welthandel und -ver­ kehr wieder neu aufbaut und gleichzeitig ihre bisherige Beteiligung an dem gestorbenen Gebilde der Weltwirt­ schaft schnellstens liquidiert. In diesem Prozeß stehen wir heute mitten drin. Daß die beamteten Wirtschaftsprofes­ soren, wie etw a Herr Bonn, diesen Prozeß erst erkennen werden, wenn er abgeschlossen ist, entspricht durchaus ihrer bisherigen Übung, die Dinge später rückschauend zu beleuchten. Die Politiker und Wirtschaftler jedes Volkes sind deshalb heute auf sich selbst gestellt und müssen ver­ suchen, aus eigenem Verständnis die Dinge zu durchdrin­ gen und den W ortschleier, der sich über den Umbaupro­ zeß der Volkswirtschaften und des zwischenstaatlichen Handels und Verkehrs gelegt hat, zu durchdringen. Zu­ nächst tut erst einmal jeder, wie er klug ist. Nicht nur der W eltkrieg, sondern auch seine gegenwär­ tigen „weltwirtschaftlichen“ Folgeerscheinungen häm­ mern jedem einzelnen und jeder Volkswirtschaft wieder ins Hirn, daß nur eine Volkswirtschaft, deren Fundamente und deren wichtigste Lebensadern von den eigenen Landund Seestreitkräften geschützt werden können, und auch zu Friedenszeiten innerhalb des eigenen wirtschaftlichen Machtbereiches liegen, den für das Volksganze notwendi­ gen Schutz gegen Krieg und sonstige Katastrophengefahr bieten. „S afety first“ gilt nicht nur gegen kriegerische Er5

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eignisse, sonden auch gegen katastrophale Ereignisse des zw ischen staatlichen Handels und Verkehrs. A us diesen ein fachen , gesunden und klaren Überlegungen, die selbst­ verständ lich sein sollten, die aber im letzten Jahrhundert vollstän d ig dem Gedächtnis der politischen und W irt­ sch aftsführer entschwunden w aren, erklärt sich die ,,Neu­ h e it“ der heutigen Vorgänge und die Ratlosigkeit in der diesen Selbstverständlichkeiten die heutige Generation gegenübersteht. So erklären sich auch heute alle die ver­ schiedenen Selbsthilfen, die von den beam teten W irt­ schaftsprofessoren

als vorübergehende Notstandsmaß­

nahm en belächelt oder toleriert und von der gegenwärtigen Staatsfüh rung überhaupt nicht verstanden werden. Denn die A u fgab e der Staatsführung im nationalsozialistischen Sinne sollte es gerade sein, diese Dinge vorausschauend zu erkennen und ihre Geburt zu erleichtern und diesen Selbst­ hilfeprozeß der Natur in geordnete Bahnen zu leiten. So stehen w ir N ationalsozialisten heute der Selbsthilfe­ m aßnahm e der W arenclearing-G esellschaften gegenüber. D iese haben rich tig erkannt, daß die Grundlage des W elt­ handels und -Verkehrs nicht die Geldbewegung, sondern die W arenbew egun g ist, und daß durch Neuordnung der W aren erzeu gu n g unter dem Grundsatz: safety first in jeder V olksw irtsch aft und der sich hieraus ergebenden neuge­ richteten W arenbew egun g im zwischenstaatlichen Ver­ kehr die Grundlage für eine neue Außenhandels- und Ver­ kehrspolitik geschaffen werden muß. Diese W arenclearingGesellschaften sind jedoch nur erste Bausteine und in ihrer Isoliertheit gänzlich ungeeignet, von sich aus das Fundam ent eines neuen Außenhandels und -Verkehrs zu bilden. Sie können den von ihnen beabsichtigten Z w eck nur 68


erfüllen, w enn sie verständnisvolle Leitung und Führung von seiten des Staates erfahren und das Warenclearing auf den gesamten deutschen Außenhandel und -verkehr volks­ wirtschaftlich ausgedehnt wird. Nur so können die Erfor­ dernisse der Devisenbilanz wirklich gewahrt und ein unor­ ganischer und unsachgemäßer Aufbau verhindert werden. Das Prinzip der Warenclearing-Gesellschaften ist, wie wir nochm als betonen wollen, an und für sich richtig, aber in seiner lokalen Handhabung verkehrt, daher ist ihre Zu­ sammenfassung in einem deutschen Handelsamt notwen­ dig, das dieses an sich richtige Prinzip in geordnete Bahnen lenkt und gestaltet. Aber nur ein Handelsamt (Außenhan­ delskammer) , das als Parallelorganisation zum Selbstver­ waltungskörper der Landwirtschaft (Reichsnährstand) und dem Selbstverwaltungskörper der gewerblichen Bin­ nenwirtschaft (Reichswirtschaftskammer) als ein Selbst­ verwaltungskörper der deutschen Außenwirtschaft auftritt, kann den deutschen Außenhandel richtig lenken und in Verbindung m it der Reichsbank die Devisenbewirtschaf­ tung volkswirtschaftlich, d. h. den Notwendigkeiten der deutschen Gesamtwirtschaft entsprechend, mit dem Wa­ renclearing in Übereinstimmung bringen und so auch den zwischenstaatlichen Geldverkehr wieder als Diener dem W arenaustausch unterordnen und zu einem vernünftigen Funktionieren bringen. Zehn von Hundert können immer nur durch Verord­ nungen und Gesetzesvorschriften bewirkt werden. Neun­ zig von Hundert aber immer nur aus eigener Haltung und Freiheit. Das gilt für alle Gebiete des Lebens. Deshalb wer­ den auch in der nationalsozialistischen Wirtschaftsfüh­ rung Selbstverwaltungskörper der Land-, Binnen- und 69


A u ß en w irtsch a ft unerläßlich sein, in denen alles Spezial­ w issen und -können der in der W irtsch aft tätigen aus eige­ ner H altu n g und W illen eingesetzt wird, um der Gesamt­ le n k u n g der W irtsch a ft durch die Staatsführung zum vol­ len, hundertprozentigen E rfolg zu verhelfen.

A u ß e n h a n d e ls p o litik u n d O s tr a u m p o lit ik A u fsa tz

im

„ N a tio n a ls o z ia lis tis c h e n

W irt­

s c h a ftsd ie n st", H a m b u rg , N r . 2 3 vom 3 .1 0 . 193 2.

In Ivar K reu gers Abschiedsbrief an seinen Vertrauten L ittorin stehen die W o r t e : . Ich habe ein solches Durch­ einander an gerichtet, daß über meinen Fortgang nichts m ehr zu sagen übrig b le ib t...“ D iese W o rte könnte m an auch als Schlußsatz setzen ans Ende des W irtschaftskapitels der letzten achtzig Jah­ re, das sich sto lz ,W e ltw irts c h a ft“ nannte. Das ungeheuer­ liche D urcheinander der Zah lungs-, Handels- und Pro­ duktionsbilanzen aller Länder, die die gestorbene W elt­ w irtsch aft hinterließ, kann, ebenso wie Ivar Kreugers N achlaß, nur m it dem Schw ert der Liquidation durchhauen, niem als aber durch K onferenzen entw irrt werden. In diesem Prozeß der Liquidation der W eltw irtschaft ste­ hen w ir nun heute. Sie zieht unw eigerlich das vom Natio­ nalsozialism us von A n fa n g an propagierte System der K ontin gentierung im Außenhandel nach sich. Das Meist­ begünstigungsrecht, dem Deutschland auch heute noch in seinen H andelsverträgen huldigt, hat neben den Tributund Schuldenzahlungen dieses unlösbare Durcheinander verursacht. A ber ebenso w ie die Tribut- und Schulden70

,


Zahlungen zw angsläufig ihr Ende finden, wird auch das Meistbegünstigungsrecht als Handelsvertragsprinzip un­ weigerlich sein Ende finden. Je schneller dies von der deut­ schen Handelspolitik erkannt und verwertet wird, desto besser für uns. Nur das Kontingentierungssystem erlaubt den sinngemäßen Umbau unseres Außenhandels sowie die Sicherstellung derEinfuhr der unentbehrlichsten Rohstoffe. Die Erkenntnis, daß das Fundament der Austauschbe­ ziehungen zwischen zwei beliebigen Staaten stets eine ausgeglichene W aren- bzw. Dienstebilanz sein muß, ist verlorengegangen. Daß man grundsätzlich von einem Lande eigentlich nur so viel beziehen darf, wie es gewillt ist, um gekehrt W aren und Dienste in Austausch wieder in Empfang zu nehmen, und daß die prinzipielle Sicherung dieser Austauschkontingente die Grundlage aller Han­ delsvertragspolitik sein muß, ist unter der Herrschaft des Durcheinanders, das sich als Weltwirtschaft präsentierte, verlorengegangen. Es besteht ja die Möglichkeit, vorübergehend rein rech­ nerisch m it Überschüssen, die im Handelsverkehr mit an­ deren Ländern erzielt werden, Unterbilanzen geldlich aus­ zugleichen. Das ist auch geschehen und wurde schließlich zum eigentlichen Sinn der Weltwirtschaft. Der Geldaus­ gleich entartete zum Selbstzweck und wurde damit zum Unsinn. Er wäre es nie geworden, wenn der Staat die Führung der W irtschaft und des Außenhandels fest in der Hand behalten und die Grundlage des volkswirtschaft­ lichen Austausches im zwischenstaatlichen Verkehr ge­ wahrt hätte. So überließ man aber der Wirtschaft die Füh­ rung und den Ausgleich dem sogenannten „freien Spiel der K räfte“ , die zu der berühmten „ Wirtschaf tsverflech7i


tu n g “ führte, die m it ihrem Geldschleier das wirkliche Fundam ent der zwischenstaatlichen Beziehungen ver­ nebelt und schließlich unterhöhlte.

H eute nun schüttelt aus Selbsterhaltungstrieb die Volks­ w irtsch aft jedes Landes diese vom jüdischen Geldhändlertu m und ihren an allen H ochschulen sitzenden W irt­ schaftsprofessoren, von allen W irtschafts,,fü hrern “ und B ankd irektoren

geförderte

internationale

Erkrankung

ab. D as unm ögliche D urcheinander von Außenpolitik, W eh r- und H andelspolitik jedes Volkes strebt heute wie­ der zu r Ordnung und zum m öglichst kongruenten Einsatz in dem ihm gem äßen Lebensraum . W ir sehen diesen Um­ bau sich im englischen Im perium vollziehen. W as neuer­ dings das englische M utterland seinen Kolonien und Do­ m inions entsprechend ihrer wachsenden Selbständigkeit innerhalb des British Empires an politischen Freiheiten geben m uß, nim m t es ihnen gleichzeitig an handelspoli­ tischen durch Um schließung des gesam ten Weltreiches m it einem Z o llrin g wieder weg. Diese gleichgerichtete räum liche Orientierung von Handels- und Verkehrspoli­ tik wird ergänzt durch die W ehrpolitik, die in der Lage ist, den ganzen R aum des British Empire mit seinen See- und Landstreitkräften zu decken. Dieser V organg im W esten, die Ausbildung eines ein­ heitlichen britischen Lebens-, W irtschafts- und Herr­ schaftsraum es, zw in gt Mittel-, Ost- und Nordeuropa zu gleichem Vorgehen, wenn es nicht zwischen den ent­ stehenden gew altigen W irtschaftsblöcken des British Em­ pires, Nordam erika und Japan und China zerrieben wer­ den will. Deutschland fällt nun die historische Aufgabe zu, diesen östlichen europäischen Lebensraum aufzurichten. 7?


W ie kan n dies geschehen? Die nationalsozialistische Ostraum politik weist hier den Weg. Er kann nicht in dem Rahmen dieses kurzen Aufsatzes in allen Einzelheiten auf­ gezeigt werden. Z u diesem Zweck ist aber zunächst eine außenpolitisch und wehrpolitisch klare und freundschaft­ liche Auseinandersetzung mit dem British Empire und auch mit Nordam erika, das seinen Hauptexpansionsweg nach Nordrußland über Skandinavien und das Baltikum vor­ treibt, notwendig. Deutschland kann unter keinen Um­ ständen darauf verzichten, seine Seestreitkräfte so auszu­ bauen, daß es m it ihnen jederzeit Sund, Belte und den Nord­ ostseekanal sperren kann, die Tore zu seinem künftigen Lebens- und Wirtschaftsraum, dem Ostraum. Eine, alle Möglichkeiten des Versailler Diktates aus­ schöpfende starke Flotte in der Ostsee als Sicherung, sowie die mit Hilfe des zu bauenden Hansakanals über die Ost­ see, die Elbe hinauf und über den künftigen Rhein-MainDonau- K anal bis zum Schwarzen Meer ausstrahlend billigst W asserfrachten nach dem Osten, schaffen einen neuen verkehrspolitischen Aufmarschraum mit dem Gesicht gen Osten. Dieser ermöglicht zunächst erst einmal die wirt­ schaftliche Aktivierung des ganzen Staatengürtels von Lettland bis zum Schwarzen Meer, von den einzelne Be­ standteile, wie sich bereits erwiesen hat, nicht genügend wirtschaftspolitische Eigenkräfte besitzen, um ohne wirt­ schaftliche Anlehnung dauernd auf eigenen Beinen stehen zu können. Diese Völker, und das darf ihnen nie vergessen werden, bilden einen Schutzwall, hinter dem der mitteleuropäische R aum die eines Tages unbedingt eintretende Zersetzung Sowjetrußlands beobachten kann. 73


N otw endig aber ist für jedes V olk, daß sein Eigenwirt­ sch aftsrau m , d. h. alles, w as es zur Aufrechterhaltung seiner w irtsch afts- und staatspolitischen Selbständigkeit bedarf, innerhalb seiner politischen Grenzen liegt. Die S tä rk u n g des B innenm arktes ist darum das fundamentale P rin zip jeder V o lksw irtsch aft: die Bedarfsdeckung, sowie die n ation ale Sicherheit, verlangen deshalb gleicherweise einen system atischen Um bau der deutschen Außenhandels­ beziehungen. R ich tig verstandene A u tarkie bedeutet für ein V o lk ja nichts anderes als Staat und W irtschaft zu einer festen B u rg auszubauen, in der es gesichert ist, wie dies fü r D eutschland im W eltkriege nicht der Fall war in­ folge der falsch en K onstruktion der deutschen W irtschaft, deren H auptlebensadem überall in die sogenannte „W elt­ w irtsc h a ft“ verflochten w aren und nicht von unseren See­ land L an dstreitkräften geschützt werden konnten. Die für jedes V o lk notwendige K ongruenz von W irtschafts- und W eh rp o litik g ilt es auch für Deutschland wieder aufzurich­ ten. D ie w eh r- und verkehrspolitischen Notwendigkei­ ten haben w ir k u rz angedeutet. Handelspolitisch müssen sie ergän zt werden durch einen system atischen Umbau des deutschen A ußenhandels von W esten nach dem Osten. M it H ilfe der K ontingentw irtschaft ist es m öglich, den größten T eil des lebensnotwendigen deutschen Außen­ handels system atisch in den europäischen Kontinent zu verlagern. W ie w eit die D inge sich bereits von selbst, d. h. in B egleitung des heutigen Zerfalls des einheitlichen W elt­ w irtschaftsraum es in Einzelräum e umgruppieren, zeigt die deutsche Außenhandelsstatistik der letzten Jahre immer deutlicher. ^Die Passivität der deutschen Handelsbilanz nach Über74


see wird laufend größer, während ihre Aktivität nach Europa relativ zunimmt. Dies ist, nationalwirtschaftlich gesehen, ein höchst gefährlicher Zustand, der kategorisch Änderung verlangt.' Ein ganz beträchtlicher Teil dieses unerwünschten Einfuhrüberschusses aus Überseeländern, die nicht gew illt sind, in gleichem Umfange deutsche Aus­ fuhrwaren entgegenzunehmen zur Bezahlung, könnte ver­ mindert, resp. nach europäischen Ländern, vorzugsweise denen des Nord-, Ost- und Südostraumes abgelenkt wer­ den, die K äu fer deutscher Industrieware sind. Es bedarf eben einer systematischen Analyse der deutschen Han­ delsbilanz und eines planvollen Umbaues im Sinne der Ostraumpolitik, einer neuen, europäischen Wirtschafts­ planung. Inwieweit an den verhängnisvollen Einfuhrüberschüs­ sen im ersten H albjahr 1932 die verschiedenen Übersee­ länder beteiligt sind, zeigt die nachfolgende Tabelle: Mül. RM. 1. Aus den Ver. Staaten von Nordamerika........ 170,9 2. Aus dem Britischen Empire: a) K a n a d a .............................................................

7,5

b) Übriges Britisches A m e rik a ........................

26,3

c) Britisch-Indien inkl. Ceylon, Malaya.......... 35,3 d) B ritisc h -A frik a ...............................................

43,2

e) Australien und Neuseeland..........................

57,5

3. Niederländisch-Indien ......................................

35,8

4. C h in a ...................................................................... 41,9 5. Südam erikanische Staaten ................................123,8 Die Vereinigten Staaten von Nordamerika beispiels weise, die von uns laufend in erheblichem Umfange Zins 75


Zahlungen und außerhalb des Stillhalteabkom m ens fällige Z a h lu n g en zu erhalten w ünschen, reagierten nicht etwa m it einer passiven H andelsbilanz Deutschland gegenüber, w ie der gesunde M enschenverstand annehm en sollte, son­ dern m it einem A usfuhrüberschuß nach Deutschland von 170,9 M illionen im ersten H albjahr 1932! Also statt mit einer passiven, m it einer aktiven Handelsbilanz. Das ist ein unm öglicher Zustand. D as gleiche gilt dem British E m pire gegenüber. Um dieser Einfuhrüberschüsse aus Ländern, die norm alerw eise uns gegenüber eine passive H andelsbilanz haben sollten, w illen - sind wir dagegen gezw un gen , unseren nächsten Nachbarn und Freunden, den nordischen Ländern: Schweden, Finnland, Norwegen und D än em ark eine erhebliche Passivität in deren Handels­ bilanzen uns gegenüber zuzufügen. Der Nettoexportüber­ schuß D eutschlands nach den vorgenannten vier nordischen Ländern betrug im Jahre 1930 1,1 Milliarden Reichsmark 1 Und im Jahre 1931, trotz der Schrum pfung der K aufkraft usw . und sonstigen Störungen durch Pfund- und Kronen­ fall, auch im m er noch rund 800 Millionen Reichsmark. A lso, unsere nächsten Freunde innerhalb des Ostrau­ mes, unseres künftigen Lebensraumes, müssen wirtschafts­ politisch uns gegenüber starken Blutverlust erleiden, da­ m it w ir w eniger befreundeten Völkern in fremden Lebens­ räum en uns gegenüber eine aktive Handelsbilanz gestat­ ten. Ein außenpolitisch vollkom m en sinnwidriger und un­ haltbarer Zustand, der nur entstehen konnte, weil Außen­ politik und H andelspolitik vollständig verschiedene Wege gingen, oder besser gesagt, weil w ir seit Jahrzehnten über­ haupt keine Staatsführung besessen haben und die Außen­ handelspolitik

76

den

sogenannten

„W irtschaftsführern“


überließen. Daß auch unsere skandinavischen Freunde die­ sen Zustand als einen unzulässigen immer stärker emp­ finden und auf Abhilfe dringen, wurde besonders deutlich gelegentlich der Tagung der Deutschen Gesellschaft für W eltw irtschaft in Lübeck, im Sommer dieses Jahres, in der die Außenm inister der skandinavischen Länder von Deutschland verlangten, auf Abhilfe zu sinnen, wie ein besser ausgeglicheneres gegenseitiges Austauschverhält­ nis stabilisiert werden könnte.1 Also eine Forderung, die den eigentlichen Prinzipien der bisherigen freien Welt­ w irtschaft und damit der Tagung, die gerade nach Mittel und Z w eck suchte, das berühmte „freie Spiel der Kräfte“ wiederherzustellen, d. h. die völlige Desorganisation aller zwischenstaatlichen Handels- und Verkehrsbeziehungen noch weiter zu treiben - völlig widersprach. Auch hier er­ wiesen sich die Tatsachen, d. h. die unausbleibliche Um­ gruppierung der zwischenstaatlichen Handels- und Ver­ kehrsbeziehungen der Völker nach bestimmten Räumen m ächtiger als das bisherige liberal-kapitalistische Den­ ken, das die Schuld an dem heutigen weltwirtschaftlichen Chaos trägt, das dem von Ivar Kreuger in seinem Bereich verursachten um nichts nachsteht.

N a tio n a lso zia listisch e Außenhandelsgrundsätze Vortrag, gehalten vor Vertretern der ungarischen Regierung und Wirtschaft in Budapest am 28. 5 . ig33, bei Abschluß des ersten Handels­ vertrages nach nationalsozialistischen Grund­ sätzen.

Die mehrfachen freundlichen Einladungen, die in der letzten Zeit an mich gelangten, haben mich heute zu 77


Ihn en gefü h rt. Ich bin diesem R u f um so lieber gefolgt, als vo n jeh er U ngarn und D eutschland durch traditio­ n elle F reu n d sch aft verbunden sind und Deutschland ge­ rade in den vergangenen vierzehn Jahren des öfteren G elegenh eit gehabt hat, erneute Beweise der freundschaft­ lich en H altu n g des ritterlichen ungarischen Volkes zu em pfangen. W ährend das frühere Regim e in Deutsch­ land vielleich t n icht im m er die richtige Einstellung das rich tige Verständnis - für die H altung und für die Lebensbedürfnisse des ungarischen V olkes fand, ist nach der M achtübernahm e durch die N SD A P, in Deutschland a u ch

h ierin

ein

grundsätzlicher W andel eingetreten.

D ie letzte große Reichstagsrede unseres Führers Adolf H itler dürfte dem gesam ten Ausland unzweideutig ver­ ständlich gem ach t haben, daß Deutschland, nachdem es sich je tz t endlich seine innere Freiheit wiedererkäm pft hat, nunm ehr auch in der L age ist, die Freiheit aller anderen V ö lk e r zu w ürdigen und zu respektieren. Deutschland setzt heute n icht m ehr seine H offnung au f irgendeine ideo­ logische Internationale, sondern gedenkt seine Beziehun­ gen a u ch in handelspolitischer H insicht auf der freien F reun dschaft von V o lk zu V o lk und einem gerechten wirt­ sch aftlich en Interessenausgleich zwischen ihnen aufzu­ bauen. W a s la g deshalb näher, als daß w ir uns an erster Stelle an das ungarische V o lk wenden, das aus sich selbst heraus den W un sch äußerte, die wirtschaftspolitischen A nsich ten der N S D A P , und des heutigen Deutschland aus autoritärem M unde kennenzulernen. Dieser freimütigen A ufforderung w ird eine freim ütige Antw ort folgen; denn das neue D eutschland wird genau so wie es im Innern sei­ nen W eg offen und gerade geht, auch in seinen Außenhan78


delsbeziehungen einen offenen und klaren Weg beschrei­ ten. Denn nur durch eine freimütige Auseinanderlegung und K larstellung der heute zu einem unentwirrbaren Knäuel verschlungenen Interessen kann eine wirkliche Be­ friedung der W elt erfolgen. Unser Führer und Reichskanz­ ler Adolf Hitler hat gerade in der letzten Reichstagsrede diesen W eg als den einzig möglichen zur Befriedung der W elt, nach der er wie nur irgend jemand strebt, gewiesen. Nicht nur ln politischer, sondern auch in handelspoliti­ scher Beziehung anerkennt deshalb Deutschland dieselbe Freiheit, die es selbst beansprucht, auch bei seinen Kon­ trahenten. W enn ich Ihnen nun heute die Außenhandelsgrund­ sätze der N SDAP, darlegen soll, so muß ich an erster Stelle die mißverständlichen Auffassungen beseitigen, die im Auslande über die deutschen sogenannten Autarkiebestre­ bungen verbreitet wurden,;' Selten ist so viel Unsinn und Unklarheit verbreitet worden wie gerade über das Wort Autarkie. Deutschland versteht unter Autarkie1 das erste Lebensrecht jedes Volkes und jeder Nation, seine Wirt­ schaft so zu gestalten, daß sie ihm eine Burg ist, in der es im Falle handeis-, währungspolitischer oder gar kriege­ rischer Verwicklungen nicht ausgehungert und nicht aus­ gedürstet werden kann. Aus diesem Bild ergibt sich der Um fang der A utarkie von selbst. Es ist klar, daß in einer solchen B urg kein üppiges Leben geführt werden kann 1 U m gegen die nationalsozialistische Wirtschaft Propaganda zu m achen, hatte insbesondere das internationale jüdische Leihkapital versucht, das neue deutsche Wirtschaftsziel als „autarkisch“ in Ver­ ruf zu bringen. U m diesem entgegenzutreten, gab W. Daitz in diesem Vortrag dem W ort „A u tark ie" den Sinn von „Wirtschaftsautono­ m ie“ , die das w irkliche Ziel des neuen Wirtschaftens war und ist.

79


und daß der Leibriem en eng geschnallt werden muß. Aber die U n ab h än gigkeit der E xistenzgrundlage muß auf alle F ä lle garan tiert werden. Und w eiter leitet sich unm ittel­ b a r au s diesem Bild, das ich als safety first bezeichnen m öchte, au ch der zw eite Grundsatz der nationalsozialisti­ sch en A ußenhandelspolitik ab, daß m an näm lich allen w eiteren B edarf, der es in norm alen Zeiten gestattet, den L eibriem en zu lockern und die kulturellen und leiblichen B edürfnisse und A nn ehm lichkeiten des V olkes zu pflegen, also daß m an diese Bedürfnisse m öglichst aus dem Lebens­ ra u m deckt, der durch haltbare politische Bündnisse und F reun dsch aften gesichert ist und der auch im Falle von V erw ick lu n g e n erreichbar erscheint. A utarkie bedeutet also n ich t ein Abschließen der Grenzen in wirtschaftspoli­ tisch er H insicht, sondern nur eine Sonderung der Bedürf­ nisse des V o lkes unter wehrpolitischen Gesichtspunkten; daß m an m öglichst jenseits der Grenzen nur das einhan­ delt, w a s m an im N otfälle entbehren kann, und daß man sich von den Gütern, die m an auf alle Fälle nur jenseits der G renzen erlangen kann, die aber zum eisernen Bestand der V o lk sw irtsch aft gehören, entsprechende Vorräte hinlegt. A u ß er diesen drei Grundsätzen, die sich zw angsläufig aus der volksw irtsch aftlich en Betrachtungsweise des zw i­ schenstaatlichen Handels und Verkehrs ergeben, und die m an - w ie erw ähnt — unter dem Gesichtspunkt safety first zusam m enfassen kann, lehrt diese volksw irtschaft­ liche B etrachtungsw eise noch einen vierten Grundsatz, näm lich den des fair play. D arunter ist zu verstehen, daß kein Land seine Produkte im Außenhandel billiger ver­ kau fen sollte, w ie es sie im Innern erzeugt. Diese unfaire internationale K onkurrenz, die insbesondere in den letz80


ten anderthalb Jahrzehnten nach Beendigung des Krieges überhand genom m en hat, findet ihre Ursache in der all­ gemein falschen Einstellung des Wirtschaftsdenkens. Man hat sich in den letzten Jahrzehnten vor Ausbruch des Krieges unter dem Einfluß des liberalistisch-finanzkapitalistisch und freihändlerischen Denkens immer mehr dar­ an gewöhnt, die sogenannte Weltwirtschaft als das Pri­ märe - als das Übergeordnete - anzusehen, dem sich die Volkswirtschaften unterzuordnen hatten.1In Wirklichkeit ist aber der B egriff Weltwirtschaft eine reine Ideologie. Denn m it dem W ort Wirtschaft verbindet sich stets der Begriff des Produzierens. Niemals aber ist bisher in der sogenannten W eltwirtschaft auch nur ein Grashalm ge­ wachsen! Im m er nur hat sie aus dem zwischenstaatlichen Handel und Verkehr, mit den allein von den Volkswirt­ schaften produzierten Gütern bestanden. Infolgedessen ist auch die sogenannte Weltwirtschaft nichts Einheitliches, kein Organismus, sondern ein Mechanismus, ein mecha­ nisches Nebeneinander. Infolgedessen kann auch in der W eltwirtschaft, d. h. dem zwischenstaatlichen Handel und Verkehr, der Geist des Ganzen niemals verletzt werden, weil ein Ganzes nicht vorhanden ist. Deshalb herrscht in der W eltw irtschaft Angebot und Nachfrage als ausschließ­ licher Regulator, d. h. ethisch gesprochen: Eigennutz vor Gemeinnutz. In der Volkswirtschaft dagegen ist es umge­ kehrt. Die Volkswirtschaft ist eine Einheit, ein Ganzes. Durch eine zentrale Gesetzgebung und Autorität wird hier der Geist des Ganzen vor das Einzelne gestellt. Angebot und Nachfrage herrschen in der Volkswirtschaft deshalb nur gedämpft als Regulator, gedämpft durch das Wohl des Ganzen. Das heißt ethisch gesprochen: in der Volks6

D aitzII

8l


W irtschaft geht Gem einnutz vor E igennutz. Dies ist die E th ik des Produzenten. Ihr trat nun, w ie erwähnt, in den letzten Jahrzehnten im m er schärfer und m it dem A n­ rech t des Prim ats die E thik des zw ischenstaatlichen Han­ dels und V erkehrs, des internationalen Händlertums ent­ gegen, m it der M axim e: E igennutz vor GemeinnutzJUnd da sich diese M axim e über eine falsch eingestellte W irt­ schaftslehre überall in den V olksw irtschaften Geltung versch affte, so hat diese niedere E th ik des internationalen H ändlertum s allm ählich den Verband der Volksw irtschaf­ ten zersetzt und ihre Grundlagen zum internationalen Han­ delsobjekt gem acht. A lles wurde dadurch W a re -a lle s wurde schw im m end. Und dam it wurden alle Dinge unsicher. Hier­ aus ist dann dieser nahezu unentwirrbare K näuel von A u­ ßenhandels- und Zahlungsbilanzen-, Schulden- und W äh­ rungsschw ierigkeiten entstanden, der nur dadurch wieder geordnet oder zu einer ordnungsmäßigen Liquidation ge­ fü h rt werden kann, wenn m an den Volkswirtschaften als den ewigen Produzenten aller Güter und ihrer E thik wieder den V orrang vor der des zwischenstaatlichen Handels und V erkehrs einräum t. Nur so kann wieder eine geordnete W eltw irtsch aft entstehen, wenn sich diese aus gemein­ nützigen V olksw irtschaften als Fundam ent zusammen­ setzt. Erst m it ihren Überschüssen und m it ihren Spitzen­ leistungen sollen die Volkswirtschaften dann in Austausch m iteinander treten. Und auch hier nur nach den vier Grundsätzen, die w ir vorher unter-den beiden Gesichts­ punkten safety first und fair play charakterisierten. Nur so wird wieder eine W eltw irtschaft entstehen, die unend­ lich konsolidierter ist als die heutige, weil sie auf der natür­ lichen L ogik der D inge und nicht einer trügerischen Ideo82


logie gebaut wird. Der so einsetzende Welthandel und Verkehr wird keinesfalls ein geringerer sein als der heu­ tige, sondern im Gegenteil ein größerer, weil er auf dem Prinzip der Gerechtigkeit und des wirklichen Interessen­ ausgleichs der Völker aufgerichtet wird. Ein solcher Welt­ handel und Verkehr, der die Freiheit eines jeden einzelnen Volkes respektiert und sich zu'm Diener der wirtschaft­ lichen Interessen der Völker macht, statt sich zu ihrem Herrn aufzuw erfen, wie die falsche Ideologie der letzten Jahrzehnte es bewirkt hat - eine solche wahrhaft schöp­ ferische Neukonstruktion der Weltwirtschaft wird zu­ gleich auch unendlich viel zur Befriedung der Welt bei­ tragen. Keine noch so großen Rüstungen sind in der Lage, die heutige Unsicherheit in der Weltwirtschaft, die durch falsche Handelsprinzipien hineingetragen wurden, zu be­ seitigen. Erst die klare Erkenntnis der Volkswirtschaft als der unvergänglichen Fundamente allen zwischenstaat­ lichen Handels und Verkehrs und die sich hieraus ergeben­ de logische K lärung und freimütige Offenlegung aller zwischenstaatlichen Interessen wird den Weltwirtschafts­ frieden bringen, den alle ersehnen, der auch in der Rede des deutschen Reichskanzlers gefordert wurde. Mit dem Zerfall der Ideologie einer einheitlichen über­ geordneten W eltwirtschaft ist nun auch die Ideologie eines einheitlichen Weltwirtschaftsraumes zerfallen. Überall sehen w ir deshalb heute die Ansätze von Großraumwirt­ schaften, die mit schicksalhafter Gewalt ihrer Ausbil­ dung und Vollendung zustreben und durch keinerlei machtpolitische Einflüsse gehemmt werden können. Im­ mer noch hat die natürliche Logik der Dinge über kurz­ sichtige intellektuelle Zielsetzung triumphiert. Wir Na6«

83


tionalsozialisten w ollen ja nichts anderes, als diesen na­ tü rlich en A b la u f der Dinge fördern und den Leidenspro­ zeß der V olks- und W eltw irtschaft, die auch heute noch vo n un fähigen Ä rzten m it veralteten Medizinen und W irt­ sch aftsd ogm atiken gequält wird, abkürzen und erleich­ tern. W ir w ollen m it unserer klaren Erkenntnis der Dinge das U n g lü ck und Leiden in der W elt verm indern. D a W o h ltu n zu H ause beginnt, so betrachtet es Deutsch— land als seine vornehm lichste Pflicht, die ihm seine zen­ trale L age in K ontinentaleuropa auferlegt, zunächst erst einm al alles das zu tun, w as in seinen K räften steht, um u n ter den unverrückbaren Gesichtspunkten von safety first und fa ir p lay einen m öglichst intensiven W arenaus­ tau sch m it den Ländern einzuleiten, m it denen eine natür­ lich e W irtschaftsverbundenheit besteht. Mit den bereits zu erheblicher V ollendung gediehenen autarken Großraum ­ w irtsch aften , w ie das britische Em pire, Frankreich und seine K olonien, Nord- und Südam erika, besteht keine derartige natürliche Verbundenheit, w ie sie nunm ehr be­ w u ß t zw ischen D eutschland und den Staaten des Südost­ donauraum es und des Nordostraum es stabilisiert werden muß/^Um k ü n ftig und dauernd dem Südostraum seinen A b satz zu sichern, ist es notwendig, diesen system atisch a u f Grund genauesten Studium s der H andelsbilanzen nicht nur

m it D eutschland,

sondern darüber hinaus über

D eutschland au ch m it dem Nordostraum zu verbinden. D urch diese N euordnung kan n das so überaus stark zu­ sam m engeschm olzene H andelsvolum en säm tlicher V olks­ w irtsch aften des G esam traum es in ungeahnter W eise w ie­ der erw eitert werden. D as intensive interne W aren - und D evisen clearin g innerhalb des Gesam traum es erm öglicht 84


eine zusätzliche Ausweitung von Produktion und Handel der Volksw irtschaften, die dem Gemeinnutz der daran be­ teiligten Volkswirtschaften dient, ohne ihre nationale Eigenart und Stabilität in Gefahr zu bringen und ohne den übrigen Großraumwirtschaften zu schaden.Jim Gegen­ teil, es wird auch diesen Großraumwirtschaften ein er­ heblicher Vorteil dadurch erwachsen, daß die Kombina­ tionsm öglichkeiten zwischen Deutschland und den Volks­ wirtschaften des Südost- und Nordostraumes zugleich auch die Basis bilden können für einen stärkeren Bezug von tropischen und sonstigen überseeischen Erzeugnissen, die hfjute von den einzelnen isolierten, mit Handels- und Devisenschwierigkeiten kämpfenden mitteleuropäischen Volkswirtschaften

nicht ausgenutzt werden können.

Deutschland würde dadurch in die Lage versetzt werden, im Transithandel Hilfestellung sowohl für den Südost- wie für den Nordostraum zu geben. j^Um den ersten Schritt in dieser Neuordnung der mittel­ europäischen Wirtschaftsbeziehungen zu tun und aus der Erkenntnis heraus, daß der Südostraum das handelspoli­ tische Fundam ent auch des Nordostraumes ist, hat sich das nationalsozialistische Deutschland, und zwar nicht nur die Industriekreise, sondern ebensosehr auch die landwirtschaftlichen Kreise in Verbindung mit dem Wirt­ schaftsministerium, entschlossen, unter voller Berück­ sichtigung der deutschen landwirtschaftlichen Autarkie­ bestrebungen, wie ich sie vorhin schon dargelegt habe, seine landwirtschaftlichen Importbedürfnisse und Tran­ sit m öglichst im Südostraum zu verankern. Daß diese Neuorientierung des wirtschaftlichen Willens und Wollens auch eine Neuordnung des deutschen und des mittel85


europäischen Verkehrsnetzes, insbesondere auch seine T a rifieru n g zu r F olge hat, darf n icht unerw ähnt bleiben. E s erscheint dann durchaus m öglich, daß zum Beispiel der Z usch uß bed arf des Nordostraum es an Getreide in Un­ garn und den übrigen Ländern im D onauraum gedeckt w erden kan n . W eiter erscheint der Abschluß von Anbau­ verträgen über Ö lfrüchte, die D eutschland heute von Ü bersee bezieht, durchaus m öglich und äußersterw ünscht. D och m öchte ich m ich hier nicht in weitere Einzelheiten verlieren. Jedenfalls h at die neue deutsche R egierung die­ ser N euorientierung der deutschen Außenhandelspolitik dadurch R echn un g getragen, daß sie m it Beschleunigung die W irtschaftsverhand lungen

durch

ihren

offiziellen

D elegierten, H errn Geheim rat W aldeck, wieder hat auf­ nehm en lassen. D aß die gegenw ärtigen Verhandlungen n o ch n ich t zu einem vollkom m en befriedigenden Resultat fü h ren können, h a t in folgendem seinen Grund: Sie wissen, w ie es heute, überall in der Landwirtschaft aussieht. D ie N S D A P , geht von dem Grundsatz aus, daß die W iedergesundung des Bauerntum s die Voraussetzung der V o lk sw irtsch aft überhaupt ist. In A usführung dieses V orhabens h a t die R eichsregierung in den letzten W ochen eine R eihe von M aßnahm en getroffen, von denen zu er­ ho ffen ist, daß sie sich in nicht zu ferner Z eit in diesem Sinne au sw irken werden. H inzu kom m t, daß w ir am Vor­ abend der W eltw irtsch aftskon feren z stehen. Sobald zu übersehen ist, ob und w elche greifbaren R esultate sich auf ih r ergeben w erden, ist die Z eit gekom m en, daß w ir uns zu r grundsätzlichen N euregelung unseres handelspoliti­ schen Verhältnisses beschleunigt zusam m ensetzen.jE s be­ d arf w oh l kein er besonderen E rw ähnun g, daß m it den vor8 6


hin von m ir gekennzeichneten Grundsätzen einer natür­ lichen organischen Außenhandelspolitik das mechanische Prinzip der Meistbegünstigungsklausel nicht mehr in Ein­ klang zu bringen ist, daß dieses sich immer mehr als eines der schwersten Handelshemmnisse herausgestellt hat, das eben auf der irrigen Annahme basierte, daß die Volks­ wirtschaften nach denselben Gesetzen regiert werden wie die zwischenstaatlichen Handels- und Verkehrsbeziehun­ gen. A u ch diejenigen Länder, die heute noch in der Lage sind, von Kontingenten in der Außenhandelspolitik abzu­ sehen, werden in Kürze durch den Zustand ihrer Zah­ lungsbilanzen hierzu gezwungen werden. Denn die Grund­ lage allen Handelsverkehrs ist die Ware und nicht der geld­ liche Spitzenausgleich. Dieser gerät unfehlbar in Unord­ nung, sobald der Ausgleich der Handelsbilanzen dauernd ignoriert wird, wie dies unter der Herrschaft der nun verlassenen Ideologie des Freihandels und der weltwirt­ schaftlichen Arbeitsteilung geschehen ist?. Als weiteres charakteristisches Zeichen dafür, wie die falsche soge­ nannte weltwirtschaftliche Verflechtung sich allerorten löst, ist die Separierung der Währungen in allen Ländern, das sogenannte Abgehen vom Goldstandard, anzuspre­ chen. Die Geldkreisläufe lösen sich ebenso wie die übrigen Interessen der einzelnen Volkswirtschaften aus ihren un­ natürlichen internationalen Bindungen und nationalisie­ ren sich. Sie werden künftig nur über Devisen- und Gold­ vorräte miteinander in Verbindung treten, ohne aber wie bisher diesen maßgeblichen Einfluß auf das innere Geldund Kreditvolum en einzuräumen. Jede Volkswirtschaft braucht eben ein bestimmtes eigenes Geld- und Kredit­ volumen, um seine Arbeitsleistungen erfüllen zu können,

87


gen au so w ie jeder m enschliche K örper ein bestimmtes B lu t- und Säftevolum en benötigt, um seine Arbeits- und L ebensfunktionen ausüben zu können. Das Maß hierfür k a n n ihm nie von außen gegeben werden, sondern unter­ lie g t biologischer E igengesetzlichkeit. Genau so steht es u m die Geld- und K reditkreisläufe der einzelnen V olks­ w irtsch aften. A u ch diese dürfen ausschließlich nur von der eigenen organischen G esetzm äßigkeit bestim m t w er­ den und n icht abhängig sein von den zu fällig vorhandenen größeren oder geringeren Vorräten an Gold oder Devisen, die lediglich den Charakter des zusätzlichen zw ischenstaat­ lichen Betriebskapitals besitzen. Z u m Schluß m öchte ich nochm als darauf hinweisen, daß der N ationalsozialism us genau so konsequent und energisch, w ie er gew ohnt ist, im Innern des Reiches zu handeln, auch herangehen wird, die Außenhandelspoli­ tik im Sinne seiner Grundsätze zu ordnen, sobald die Zeit h ierfü r gegeben ist, w as ich im Interesse nicht nur <in Deutschland-, sondern auch aller anderen Völker, speziell U ngarns, w ünschen m öchte. Ich habe auch die bestimmte H offnung, daß dieser Zeitpunkt bald gekom m en Sein wird. D eutschland w ü n scht im Interesse der allgem einen Be­ friedung und der allgem einen Sicherung der Verhältnisse, daß jedes L and seine W irtsch aft so ordnen m öge, wie es selbst gew illt ist, seine eigene Innen- und A ußenw irt­ schaft zu ordnen, um durch ihre K onsolidierung und K lar­ heit im A u fb a u zu r Sicherung des allgem einen W ohls der W elt beizutragen.

88


N e u e A u ßenhan delspolitik A u fsa tz in dev ,,Diplomatenzeitung", Heft 80 vom 28, 2.19 3 4 .

Die nationalsozialistische Außenhandelspolitik ist das getreue Spiegelbild der nationalsozialistischen inneren W irtschaftspolitik. Beide stehen unter demselben Leit­ stern: Gem einnutz vor Eigennutz. Beide haben dasselbe Ziel: Stärkung und Sicherung der Nation. Es ist deshalb undenkbar, daß die Außenhandelspolitik nach anderen Prinzipien geführt werden kann als die innere Wirtschafts­ politik. Die letztere sichert: 1. in ihrem landwirtschaftlichen Teil die Nahrungsfrei­ heit des Volkes und die Erneuerung seines Blutes durch Erbhofgesetzgebung, Erbgesundheitspflege und M arktregelung für die landwirtschaftlichen Erzeug­ nisse. 2. in ihrem gewerblichen Teil (Handwerk, Industrie, Handel, Verkehr und das zugehörige Geld- und Kre­ ditwesen) die technischen, zivilisatorischen, sozialen und die dem Wirtschaftsfrieden dienenden Belange durch das „Gesetz zur Ordnung nationaler Arbeit“ , und durch die Herauslösung der gewerblichen Wirt­ schaft aus der bisherigen kapitalistischen Marktwirt­ schaft vorläufig durch Festsetzung von Mindestprei­ sen, Zusammenschlüssen von Händlern und Pro­ duzenten und den Numerus clausus. Zw ar steht die Entkapitalisierung der Sphäre der ge­ werblichen Produktion des Handels und Verkehrs noch in den Anfängen, und ihre Durchführung wird im Gegen­ satz zur Regelung im landwirtschaftlichen Teil noch ge89


rau m e Z e it beanspruchen. D ie Gründe hierfür liegen in der V ielseitigkeit der M aterie und vor allem auch darin, w eil hier die H ochburg des liberalistischen Denkens beran n t werden m uß. Jedenfalls w ird aber sow ohl in der Sphäre der Landwirt­ sch aft w ie in der Sphäre der gew erblichen Binnenwirt­ sch aft die liberalistische U nordnung durch eine organische Ordnung abgelöst und dam it R echt an Stelle von Gewalt gesetzt. D er Leistungsaustausch der

Binnenwirtschaft

w ird überall wieder ein gerechter. E r darf nicht mehr, wie es die liberalistische W eltansch auu ng erlaubte, durch Ge­ w altanw end ung:

Streik, Aussperrung, monopolistische

oder kapitalistische M aßnahm en verfälscht werden. Der gerechte Preis tritt überall an die Stelle des Marktpreises. D er volksw irtsch aftlich e W ert jedes Gutes an Stelle seines V erkehrsw ertes. D urch die E inführung des gerechten Preises, durch Erb­ gesundheitspflege und sozialistische Arbeitsordnung wird som it überall der gerechte, unverfälschte Leistungsaus­ tausch und dam it ein M axim um der Produktivität und des allgem einen W ohlstandes in der Binnenwirtschaft ge­ sichert. D am it wird der innere Stoffwechsel der Volks­ w irtsch aft w ieder au f eine solche Basis gebracht, daß er die Sicherheit und das W achstum der Nation garantiert. Ehre, Freiheit, K am eradschaftlichkeit und Leistung tre­ ten an die Stelle von Geld, Preis, Unfrieden und Dünkel. Nach diesen Grundsätzen seiner seelischen, völkischen und w irtschaftlichen Erneuerung w ünscht nun Deutsch­ land auch seinen außenpolitischen und handelspoliti­ schen V erkehr m it den anderen Völkern einzurichten. Im m er wieder w urden deshalb von m ir die zw ei Grund90


Sätze Sicherheit (safety first) und Anständigkeit (fair play) als die neuen unverrückbaren Grundsätze der deut­ schen Außenhandelspolitik verkündet und sie auch von den K ontrahenten auf der anderen Seite gefordert. Denn nur, w enn der Außenhandel so gelagert wird, und zwar nicht nur für Deutschland, sondern für jedes Volk, daß er die Sicherheit jeder Volkswirtschaft erhöht und sich der V erfälschung

des Leistungsaustausches zwischen den

Völkern durch Valutadumping oder Warendumping ent­ h ält - kan n überhaupt erst eine neue Befriedung der han­ delspolitischen und außenpolitischen Verhältnisse eintreten und ein M axim um des Warenaustausches und da­ m it des W eltwohlstandes wieder erreicht werden. W eil heute die Außenhandelspolitik der übrigen Welt nach den entgegengesetzten Prinzipien geführt wird, herrscht heute überall Unfrieden und ein Minimum des W elthandels und -Verkehrs und damit des allgemeinen W eltw ohlstandes. Alle Verhältnisse sind unsicher gewor­ den dadurch, daß es nach der kapitalistisch-liberalistischen Unordnung der Dinge in jeder Nation dem Kauf­ m ann erlaubt w ar, mit der Wirtschaft zu verfahren, wie ihm gut dünkte. Man ging hier von der törichten Vorstel­ lung aus, daß man für die Stärkung und für die Sicherheit jeder Nation genug getan habe, wenn man ein möglichst starkes Heer und eine möglichst große Flotte unterhielt. D a m an den Kaufm ann nicht beaufsichtigte und der Frei­ heit seines Handels keine Grenzen gesetzt wurden, so hat er Produktionsm ittel und Produktionsgüter nicht nach ihrem volkswirtschaftlichen, sondern nur nach ihrem Ver­ kehrswert, der je nach Angebot und Nachfrage schwankt, bewertet und damit alles zu Ware gemacht. Alles wurde 9i


dadurch schw im m end, und die G rundlagen der Volksw irt­ sch aften w urden außerhalb des m ilitärischen und mariti- ■ m en M achtbereichs der V ö lker verlagert. Die dadurch ein­ tretende U nsicherheit wurde dann versucht durch erhöhte R üstun gen auszugleich en - jedoch ohne E rfolg. Es tritt eben hier aus N aturnotw endigkeit dieselbe Unfriedlichkeit a u f im V erkeh r der V ölker untereinander, w ie der Un­ friede innerhalb jedes V olkes im m er größer wurde, weil au ch hier durch das Prinzip der liberalistisch-kapitalistischen „F re ih e it“ alles zu W are gem acht und alles käuf­ lich wrurde: A rbeitskraft, Grund und Boden usw. D er soziale K rieg und der W irtschaftskrieg aller gegen alle innerhalb jedes Volkes findet so sein getreues Spiegel­ bild in dem Außenhandel und dem außenpolitischen Ver­ k e h r aller V ölker. Genau so wie Deutschland durch seine grundsätzliche A bkeh r von der liberalistisch-kapitalistischen W eltansch auu ng eine neue Organisation des inneren Friedens, neues W achstum und neue Sicherheit der Na­ tion garantiert hat, so kann naturgem äß eine neue Sicher­ heit, ein neues W achstum und eine neue Befriedung des Außenhandels und des außenpolitischen Verkehrs der Völ­ ker erst eintreten, wenn auch diese sich entschieden von der liberalistisch-kapitalistischen W eltanschauung ab­ wenden. A n allen Orten der W elt treten die Zeichen hier­ für bereits zutage. In Italien, in der Türkei haben sie ähn­ lich w ie in D eutschland bereits festere Formen ange­ nommen. Dieser Strukturw echsel Deutschlands, hervorgerufen durch den Sieg der nationalsozialistischen W eltanschau­ ung, hat auch einen völlig neuen Geist erzeugt. Der Geist des Dritten R eiches ist ein grundsätzlich anderer als der 92


des Ersten und Zw eiten. Der Geist des Ersten Reiches war ein universalistischer und damit imperialistischer. Das Heilige Röm ische Reich Deutscher Nation wollte das Reich Gottes auf Erden gründen. Es nahm seine Legitimation au s einer theokratischen Idee und wollte damit alles die­ ser Idee gew altsam territorial unterwerfen. Es war die w eltliche Parallele des allen Völkern übergeordneten Papsttum s. D as Zw eite Reich: das Bismarck-Reich, das nach dem endgültigen Zerbrechen des Heiligen Römischen Reiches D eutscher Nation aufgerichtet wurde, hatte seiner inneren Struktur nach hegemoniale Tendenzen. Preußen führte das Reich hegem onial, und dieser Geist wirkte dann auch n ach außen. Denn Außenpolitik und Außenverkehr eines V olkes können immer nur seiner inneren Struktur ent­ sprechen. Sie sind immer nur das Spiegelbild seines inneren W esens. Das Zw eite Reich, das Bismarck-Reich, ist an diesen innern hegemonialen Tendenzen zerbrochen. Das Dritte Reich, das Hitler-Reich, dagegen bedeutet etw as völlig Neues. Es ist nicht universalistisch-imperiali­ stisch. Es ist nicht hegemonial, sondern es ist völkisch. D as Völkische als Grundprinzip einer Nation erklärt die K am eradschaftlichkeit nach innen und nach außen, er­ k lä rt die Respektierung von Ehre, Freiheit, Leistung und Sicherheit des eigenen Volkes, wie für jedes andere. Die völkische Struktur kennt nicht nur Rechte, sondern auch gleich große Pflichten. Deutschland billigt jedem anderen Land dieselben Rechte zu, die es für sich selbst bean­ sprucht. Es wünscht jedem Land dieselbe Freiheit, die es selbst besitzt und es will einen gerechten Leistungsaus­ tausch, unverfälscht durch Gewalt- oder betrügerische 93


M aßnahm en, wie sie V alutadum ping und W arendum ping darstellen, d. h. billigerer V erkauf, als ihr H erstellungs­ wert, und verw irft alle finanzkapitalistischen M anöver. Es w ill für jedes V olk die gleiche Sicherheit in der Neu­ lagerung im Außenhandel, die es selbst beansprucht, und w ünscht niem and von sich abhängig zu m achen. - Die Handelsverträge sollen und m üssen in einem ganz anderen Geist abgeschlossen werden, w ie es bisher der F all war, wo einer den anderen m öglichst zu übervorteilen oder zu übertölpeln versuchte und dies als fairness und kaufm än­ nische T üchtigkeit ansah. Deutschland w ünscht kam erad­ schaftliche Ergänzung, ohne die nationale und volksw irt­ schaftliche Sicherheit seiner Vertragskontrahenten anzu­ tasten. W enn deshalb Deutschland als nächstes handels­ politisches Ziel die große europäische A ufgab e angreift: die kontinentaleuropäische Großraum w irtschaft zu orga­ nisieren, den W arenaustausch zunächst in K ontinental­ europa durch Deutschlands geographische L age als Mitt­ ler auszuweiten und geschickt zu kom binieren, so w ill es damit nur den gerechten Leistungsaustausch fördern, das Außenhandelsvolum en zunächst auf dem europäischen Kontinent m öglichst ausweiten und eine kam eradschaft­ liche Zusam m enarbeit und E rgänzung erzielen, ohne je ­ doch auch nur eines der am kontinentaleuropäischen A us­ tausch beteiligten Völker abhängig von sich oder anderen zu machen und dam it in seiner nationalen Sicherheit zu gefährden. Deutschland kann heute seiner ganzen inne­ ren Struktur und seiner ganzen Geisteshaltung nach gar nicht anders handeln. Deutschland kann und muß in die­ sem Geist einer neuen K am eradschaft das Entscheidende tun zum A ufbau einer kontinentaleuropäischen Groß94


ra u m w irtsc h a ft, die für die Neukonsolidierung der Welt­ w irts c h a ft ebenso unerläßlich ist wie die immer klarere H e rau sa rb eitu n g des British Empire, des amerikanischen B lo c k s und des chinesisch-japanischen Wirtschaftsrei­ c h e s. E rst a u f konsolidierten Großraumwirtschaften, die w ie d eru m

als

Zellen konsolidierter Volkswirtschaften

e in e n v ö lk isch en A u fbau zur Voraussetzung haben, kann sic h eine neue W eltw irtschaft, deren Außenhandel größer is t als der liberalistisch-kapitalistische, und gesicherter u n d fried fertiger ist als dieser - wieder erheben. Ein Ma­ x im u m des W elthandels und Weltwohlstandes sowie des W e ltfried e n s ist eben nur durch einen Weltanschauungs­ w e c h s e l an allen Orten zu erzielen. Und dieser ist auf dem M a rsch . D enn w a s heute vor sich geht, ist ein großer welt­ a n sc h a u lic h e r Um bruch, wie er vielleicht nur alle fünf­ h u n d e rt Jah re au ftritt und damit allen lebenskräftigen V ö lk e r n eine neue Chance gibt zu einem neuen Auf­ s c h w u n g und einer neuen Blüte. \

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D rittes Kapitel VERKEHRSPOLITIK


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W a n d lu n g e n des Weltverkehrs Vortrag, gehalten auf d e n . Verkehrswirtschaft­ lichen Tagung anläßlich der Leipziger Herbst­ messe am 28.8.1935. - A l s Aufsatz in der Zeit­ schrift „ Verkehrstechnische Woche", Heft 37 vom 1 1 . 9 .1 9 3 5 erschienen.

Napoleon I. h a t einm al gesagt: „Zw ei Mächte regieren die W elt, das Schw ert und der Geist. Am Ende aber wird der Geist stets das Schwert besiegen.“ - Dies ist ein Aus­ spruch, der unvergänglich ist wie das Leben selbst. Er stellt das ew ige Leben, den Geist aller Dinge, über jede F o rm seiner Ä ußerun g und Erscheinung. Denn jede Form ist vergän glich und zum Untergang verurteilt, wenn aus ih r das schöpferische Leben weicht. Das Schwert oder ir­ gendeine F orm m enschlicher Macht, sei es der Intellekt, seien es die Form en der Wirtschaft, des Staates, der Kul­ tu r, der K u n st oder der Religion - wenn sie sich gegen das lebendige Leben wenden und damit versündigen - dann w erden sie von diesen ewigen Herren aller Dinge zu ir­ gendeiner Z e it immer wieder überwältigt und ausgetilgt werden. Diese Selbsterkenntnis des schöpferischen Lebens: Herr über alle seine Erscheinungsformen zu sein - und der aus dieser E rken ntnis fließende Glaube an die Unbesiegbarkeit des Lebens, ist auch das Wesen der nationalsozialistischen B ew egun g. In einer Zeit, in der in allen Teilen der Welt die 7*

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alten, in In tellektu alität erstarrten Lebensform en zer­ brechen, glaubt der N ationalsozialism us n ur an eines: an das schöpferische Leben und a n sein e Unbesiegbarkeit, und daran, daß das ew ige Leben im m er w ieder neue und besser angepaßte F orm en an Stelle der beseitigten wach­ sen lassen wird. A lle K rä fte stellt er deshalb in den Dienst des lebendigen, des ew igen L eb e n s. . . D em Leben zu die­ nen, ist seine oberste P arole, und nirgends läßt er sich verführen, liebgew ordene Fprm en oder Gewohnheiten zu schonen, w enn sie der E rneuerung des schöpferischen Le­ bens au f irgendeinem Gebiete im W eg e stehen. W ir N ationalsozialisten sind deshalb D ynam iker und keine Statiker und Techniker. Nirgends lassen w ir uns ver­ führen, die Form en über den In h alt zu setzen. Nirgends beginnen w ir unsere R eform en dam it, daß w ir auf ir­ gendeinem Gebiete der Staatsführung, der W irtschaft, der K u ltu r oder K u n st - zuerst eine erdachte oder am Reiß­ brett erklügelte Form hinstellen, sondern zuerst erneuern w ir in jedem R aum des Volkslebens den Inhalt. Stets geht die Erneuerung des Inhalts der neuen Form bildung vor­ aus. - So ist unsere nationalsozialistische B ew egung ein Teil der schöpferischen Natur selbst, und darum handelt auch unser großer Führer w ie diese, allein nach ihren Ma­ ßen und nach ihrer L ogik. D arin liegt für den Intellektua­ listen, für den an die M echanik der vergangenen Epoche Verhafteten, die U nbegreiflichkeit, die Irrationalität der nationalsozialistischen B ew egung begründet - die eben den Geist über jede Form setzt. Die allerorten zuerst den Geist, den Inhalt erneuert, um aus dieser inneren Erneue­ rung heraus dann die neuen Form en des Lebens wachsen zu lassen.

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Deshalb, meine deutschen Volksgenossen und meine Freunde aus dem Auslande, werden Sie finden, daß jeder wirkliche Nationalsozialist alle Dinge anders sieht und jede Aufgabe, die ihm gestellt wird, anders behandelt, als die Routiniers und die Techniker einer vergangenen Epoche sie sehen und sie behandeln. Diese sind nämlich in der Mehrzahl Menschen, die ihr Technikerexamen, und zwar oft m it besten Zensuren, bestanden haben in der Be­ herrschung der Mechanik von Lebensformen, die heute zum Untergang verurteilt sind. Deshalb können uns auch diese oft sehr tüchtigen Leute nur noch wenig helfen. Denn w ir stehen heute vor einem totalen Neubau der W elt. Einer Erneuerung aller Dinge aus dem Geist, aus der Tiefe des schöpferischen Lebens heraus. Diese läßt heute allerorten neue Lebensformen wachsen und damit eine neue Mechanik ihrer Beherrschung entstehen, für die eben die Exam ina und die Befähigung der Maschinisten des früheren Apparates nicht mehr ausreichen. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um Geldtheoretiker des alten Systems handelt oder um Theoretiker der früheren Staats­ führung, der Kunst, der Wirtschaft usw. Sie alle sind und müssen heute Widersacher des neuen Geistes und der Er­ neuerungsbewegungen in der ganzen Welt sein. Ihre Gründe, die sie für die Strukturwandlungen der Welt auf allen Gebieten angeben, sind unrichtig, und ebenso die Schlüsse, die sie daraus ziehen. Denn sie glauben ja an eine Wiederkehr nie wiederkehrender Verhältnisse. Es ist hierbei oft sehr belustigend, zu beobachten, wie diese Rou­ tiniers und Techniker einer vergangenen Epoche uns Künder des neuen Geistes als Phantasten, Utopisten, als Romantiker oder, was in ihren Augen das schlimmste ist: IOI


als T heoretiker bezeichnen. In W irk lic h k e it aber sind sie die R om antiker; denn sie glauben an die W iederkehr einer endgültig überwundenen E poche. In W irk lich k e it sind sie die Theoretiker, w eil sie glauben, m it dem H andwerks­ zeu g und der T ech n ik einer versu n ken en Z e it die sich an­ bahnende neue Ordnung der D in ge m eistern zu können. A uch die grundstürzenden h eu tigen W andlungen des W eltverkehrs und ihre U rsachen w erden darum von uns N ationalsozialisten anders gesehen und anders gedeutet w ie von den Theoretikern, die in der früheren Periode ihr Zeugnis m it i a bestanden und nun glauben, m it erhobenem Zeigefinger dem sich erneuernden Geist aller D inge weise V erhaltungsm aßregeln geben zu können. D as gleiche gilt für die W andlungen des Geldverkehrs, der W arenbew egung der K unst und der K ultur. Und darum auch, w eil die neuen Form en des erneuerten Lebens in jedem V olke heute vielfach noch gar nicht sicht­ bar oder erst in den zartesten A nfängen ihrer B ildung be­ griffen sind - darum stellen w ir heute überall das Grund­ sätzliche, das Erzieherische eines gesunden, natürlichen W achstum s und der neuen Gesinnung allem anderen vor­ aus. Deswegen erklären wir, daß das V olkstum vor der W irtschaft und daß die Fahne, d. h. die Ehre vor dem Gelddenken gehen muß. Die intuitive K lugh eit des Volkes aber fühlt in der Verkündung dieser Grundsätze die E r­ neuerung seines innersten, ewigen Lebens und W ach s­ tums, die W iedergeburt aller seiner irrationalen K räfte. So zeigt der Führer des ewigen Deutschlands, A d olf Hit­ ler, denen, die ihn früher als den größten Phantasten und unrealsten Menschen bezeichneten, m it jedem T ag von neuem, daß er der größte Realpolitiker auf jedem Gebiete 102


ist, weil er alle Dinge von der weltanschaulichen Seite her

anpackt und erneuert und ihnen so einen neuen Wert gibt. W ie sah nun der frühere Weltverkehr aus? In welchem Zustand befindet er sich heute? Und welchen neuen Zie­ len strebt er zu? Der Verkehr, ganz gleich, ob es sich um Binnen- oder zwischenstaatlichen Verkehr handelt, ist keine selbstän­ dige Größe. Ebenso wie das Geld nur Sinn hat als Über­ brückungskredit im binnenwirtschaftlichen oder zwischen­ staatlichen Leistungsaustausch und sofort zum Unsinn wird, wenn es sich aus dieser dienenden Rolle emanzi­ piert, sich selbständig macht und damit zum Kapitalis­ mus wird - genau so verliert der Verkehr seinen natür­ lichen Sinn, wenn er nicht materieller Träger des Lei­ stungsaustausches innerhalb eines Volkes oder zwischen den Staaten bleibt, sondern sich eine Eigengesetzlichkeit beimißt, die ihm nicht zukommt. Zum Selbstzweck entartetes Geld (Kapitalismus) und zum Selbstzweck entarteter Verkehr (Verkehrswirtschaft) werden unfruchtbar und vernichten sich damit zuletzt selbst. Ebensowenig wie man mit dem Geld die Wirt­ schaft, d. h. den gesamten Leistungsaustausch steuern kann und darf, ebensowenig darf man dies über den Ver­ kehr tun. W ohl kann man, wenn man weltanschaulich ein pro­ duktiver Kopf ist, d. h. aus intuitiver natürlicher Klugheit heraus, wie das Volk künftige Entwicklungen erschaut, mit dem Verkehr vorausgehen, um so wirksame Geburts­ hilfe für neue Wege des Verkehrs und damit Erweiterung von Produktion und Handel vorbereiten. Niemals aber ist der Verkehr, ebensowenig wie das Geld, ein Organ, mit 103


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dem m an die produktiven K rä fte selbst steuern darf. B e­ vorschussung kü n ftig er P rod u ktion serw eiteru n gen durch E insatz von Ersparnissen oder durch K reditvorschöpfung finden ihre P arallelvorgän ge a u f dem G ebiete des V er­ kehrs. A u ch hier kan n eine E rw eiteru n g des Leistungs­ austausches in der B innen- w ie in der A u ß en w irtsch aft der V ölker durch vorausschauende V erkeh rserw eiteru n g oder -um lagerung gefördert werden. Unter dem P rotektorat der englischen F lotte und des englischen Pfundes hatte sich in den letzten hundertfünf­ zig Jahren vor dem W eltk rieg eine intern ationale A r ­ beitsteilung, die sogenannte „W e ltw irts c h a ft“ herausge­ bildet und dam it eine F reizü gigkeit von Geld und W are, die überall die Souveränität, die U nabh än gigkeit der V o lks­ w irtschaften m ehr oder w eniger auflöste und sie zu Sek­ toren einer internationalen A rbeitsteilun g degradierte. Denn die V olksw irtschaften w urden dam it ihrer vern ehm ­ lichsten völkischen A ufgabe, der w irtsch aftlich en W eh r­ pflicht, entfremdet, die darin besteht, m it w irtschaftlichen M itteln die Lebens- und W achstum skräfte ihrer V ölker zu verteidigen und zu fördern. Diese w irtschaftliche W eh r­ pflicht hat, konkret gesprochen, die A ufgabe, darüber z u wachen, daß die eiserne R ation an N ahrungsm itteln fü r Menschen und Vieh, und die eiserne R ation an gew erb­ lichen Rohstoffen, die ein V o lk bei H andelsboykott und Blockade vor

K apitulation schützen, innerhalb jeder

Volksw irtschaft selbst erzeugt werden. Denn die U nab­ hängigkeit eines Volkes hängt nicht nur von seiner m ili­ tärischen Stärke ab, sondern bei der T otalität der h eu ti­ gen K riegsführung ebensosehr von seiner w irtsch aft­ lichen Selbständigkeit. 104


Diese ursprüngliche und natürliche Souveränität der meisten am W elthandel und -verkehr beteiligten Volks­ wirtschaften wurde aber, wie bereits erwähnt, durch ihren vorbehaltlosen Anschluß an die sogenannte Weltwirt­ schaft mehr oder weniger zerstört. Nur England, das vor dem W eltkrieg mit seiner Flotte alle Zufahrtstraßen der W elt beherrschte, konnte sich diese Wirtschaftsführung erlauben:

m axim ale privatwirtschaftliche Kapitalsbil­

dung neben absoluter Sicherheit seines Empire. Denn nie­ mand konnte England die Zufuhren aus dieser interna­ tionalen Arbeitsteilung abschneiden, die alle Möglich­ keiten der W elt ausschöpfte. Die es England erlaubte, dort in der W elt einzukaufen, wo es gerade am billigsten war, und dort zu verkaufen, wo der größte privatwirtschaft­ liche Nutzen winkterNur für England waren die machtpo­ litischen Grundlagen vor dem Kriege für diese Wirt­ schaftsführung, das Freihandelssystem und die internatio­ nale Arbeitsteilung, gegeben. Alle anderen Völker mußten, wenn sie in gleicher Weise ihre Wirtschaft führten, mehr oder weniger ihre politische Handlungsfreiheit verlieren. Es w ar aber nicht Englands Schuld, daß dies geschah, sondern schuld hatte vor allem an dieser Entwicklung der Dinge die Instinktlosigkeit professoraler Gelehrsamkeit, die die intellektuelle Logik über die natürliche Logik der Dinge setzt, die da glaubte, eine für alle Völker passende ökonomische Theorie, eben die Freihandelslehre und die internationale Arbeitsteilung, konstruieren zu können."-] So wurde durch diese Irrlehre, in der das jüdische Geld­ denken seinen zersetzenden Einfluß entfalten konnte, nicht nur die politische Handlungsfreiheit der Völker mehr oder weniger untergraben, sondern auch der soziale Friede

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im Innern der V ö lker zerstört. D enn diese, vom Gesichts­ punkt der E rh altu n g und F örd eru n g des V olkstum s un­ m oralische W irtsch a ftsfü h ru n g zo g notw end ig auch so­ ziale U ngerechtigkeit und U n ein igkeit im Innern der Völ­ ker nach sich. D as Geld, eine F orm m enschlicher Macht, wurde also über das lebendige Leben gesetzt, nicht nur in der A ußen-, sondern auch in der Innenw irtsch aft. W irt­ schaft g a lt m ehr als die Sicherung und E rhaltung des Volkstum s, das Geld m ehr als die n ation ale Sicherheit und dam it die nationale Ehre. So folgte dem jüdischen K api­ talism us, d. h. dem zum Selbstzw eck entarteten Kapital als sein unverm eidlicher Schatten der ebenso unnatür­ liche jüdische Sozialism us, der M arxism us. D agegen ist der natürliche Sozialism us, die Volksge­ m einschaft -

Soldatensozialism us. E r bedeutet soziale

E intracht nach innen und W ehrgem einschaft nach außen. - So wurde durch das jüdische Gelddenken nicht nur das nationale V olkstum nach außen geschw ächt durch Her­ auslösung der W irtsch aft aus der natürlichen W ehrge­ m einschaft der Nationen, sondern auch nach innen durch Zersetzung in w irtschaftliche Kam pfverbände, Interessen­ tengruppen und dgl. Statt also vernünftigerw eise die Freiheit der W irt­ schaft, d. h. die F reizügigkeit von Geld und W are dort zu beschränken, wo sie die Freiheit der V ölker gefährdeten, versuchte m an vor dem W eltkrieg bei allen Völkern die aus ihrem M achtbereich entgleitende Nahrungs- und R oh­ stoffreiheit dadurch wiederherzustellen, daß m an Heer und Flotte verstärkte, um die Zufuhren zu sichern. In W irklichkeit w ar also diese „F reie W irtsch aft“ , die nach der Meinung der Intellektgläubigen den allgem einen W elt106


frieden vorbereiten sollte, die unfriedlichste, die die Welt je gesehen hatte. Und weiter: indem sie die natürliche W ehrhaftigkeit der Volkswirtschaften nach außen zer­ störte und damit zugleich den sozialen Frieden im Innern untergrub, vernichtete sie auch die Fundamente jeder na­ türlichen W eltw irtschaft selbst, die immer nur als Dach auf souveränen Volkswirtschaften ruhen kann. Man ver­ gaß, daß die Freiheit und Ehre des einzelnen wie der Völ­ ker immer wieder von neuem durch Opfer und Verzicht erkauft und erkämpft werden müssen, daß nicht die denk­ bar größte W irtschaftlichkeit, sondern die Sicherung und Förderung der Volkstumskräfte der Nationen das höchste Ziel ist. Daß auch für den Wirtschaftler die soldatische Parole und Haltung gilt: erst der Dienst und dann der Verdienst. A ls nun England nach dem Kriege sich drei starken fremden Flotten gegenübersah, hat es, seinem gesunden Sinn und Instinkt folgend, ohne tiefsinnige Theorien auf­ zustellen, den bisher als unumstößliche Wahrheit ver­ kündeten Freihandelsgrundsatz und damit den Grundsatz der internationalen Arbeitsteilung und der Freizügigkeit von Geld und Ware einfach über Bord geworfen und diese Wirtschaftsmethode nur auf sein Imperium beschränkt, dessen Umfang und Arbeitsteilung es mit seiner Flottenund Heeresmacht sicher schützen kann. Dem Freihan­ del wurde die neue britische Disziplin, die Ottawa-Poli­ tik, entgegengesetzt, d. h. in neuer Form die Wehrpflicht der Wirtschaft erklärt! - Die übrigen Teile der Welt überließ man;sich selbst, und diesen bleibt nun gar nichts anderes übrig, als sich ebenfalls wieder in echte, d. h. un­ abhängige Volkswirtschaften zu verwandeln und sich über 107


G roßraum w irtschaften, sow eit dies m ö g lich ist, zunächst zu neuem , die U n abh än gigkeit der einzelnen V o lksw irt­ schaften nicht antastenden W elth an d el neu zusam m enzu­ schließen. W ir haben also aus diesen V o rg ä n g en zw ei Schlüsse z u ziehen: 1. Daß es fü r alle V ö lker gü ltige ökonom ische Theorien des W irtsch aftsau fb au s

und

der W irtsch a ftsfü h ­

rung überhaupt nicht gibt. W ir setzen uns dam it in bew ußten Gegensatz zu den Lehren der W irtsch afts­ w issenschaften der letzten hundert Jahre. W ir be­ haupten, daß jedes V o lk, nach M aßgabe seiner v ö l­ kischen und nationalpolitischen N otw endigkeiten, nach seinem eigenen Gesetz, seine W irtsch aft fü h ­ ren und form en m uß, und daß erst nach E rfü llu n g dieser vorgängigen P flichten - die ohne R ü cksich t au f höheren oder geringeren Geldertrag zu erfolgen hat - sich jedes V o lk erst dann die w irtschaftlichste Betriebsm ethode schaffen kann, aber auch sch affen m uß. D aß also nicht der den höchsten Geldertrag bringenden W irtschaftsm ethode der V o rran g

auf

alle Fälle zukom m t, sondern daß an erster Stelle die Sicherung und Förderung der volksw irtsch aftlich en U nabhängigkeit steht. W enn sich hieraus dann ein verschieden hoher Lebensstandard in den einzelnen V olksw irtschaften ergibt, so kann und muß er au sge­ glichen werden durch erhöhte A rbeitsleistung oder bessere technische Organisation. 2. Daß die so hergestellte Souveränität, die U nabh än gig­ keit der Volksw irtschaften, das unverrückbare F u n 108


dament jeder künftigen weltwirtschaftlichen Zu­ sammenarbeit sein wird, und daß erst dann, wenn diese Erneuerung des natürlichen Sinnes alles Wirtschaftens wieder Allgemeingut in der Welt geworden ist, wieder eine neue, gefestigtere, friedlichere und weit umfangreichere Weltwirtschaft, wie die zusam­ mengebrochene entstehen kann, weil diese dann von einer natürlichen, anständigen Gesinnung und Hal­ tung und nicht mehr vom internationalen Geldden­ ken getragen wird. Die vorhin geschilderten machtpolitischen und geisti­ gen Strukturänderungen in den zwischenstaatlichen Be­ ziehungen haben neben der politischen Schuldenverflech­ tung, die auch nur aus der falschen Geisteshaltung der früheren Weltwirtschaft, in der man glaubte, daß das Geld eine selbständige Größe sei, als unvermeidliche Folge die heutigen Handelshemmnisse und das Währungschaos nach sich gezogen. Diese sind also Übergangserscheinungen, letzten Endes bedingt durch den Wechsel der Geisteshal­ tung, der Organisationsprinzipien in der Weltwirtschaft. Sie sind also nur die Folge der grundsätzlichen weltwirt­ schaftlichen Strukturänderungen und nicht ihre Ur­ sache, wie sie von den Liberalisten, deren weltanschau­ liche Einsicht nicht ausreicht, stets hingestellt werden. Auch hier wieder verwechseln die Ewig-Gestrigen Ur­ sache und Wirkung und sind deshalb blinde Blinden­ führer. Daß diese nicht wieder rückgängig zu machenden Strukturänderungen als weitere Folge auch eine völlige Änderung des Binnen- und Weltverkehrs nach sich gezo109


gen haben und w eiter noch n a ch sich zieh en müssen, ist selbstverständlich. Sie können sich, m eine d eutschen Volksgenossen, und m eine Freunde aus dem A u slan d e, diese W andlungen am einfachsten an folgendem V erkeh rsb ild klarm achen: Die frühere W eltw irtsch aft w a r gew isserm aß en ein einheit­ licher M echanism us, eine überstaatlich e M acht, dirigiert von dem freizügigen, hin und her flutenden internationa­ len K apital, das sich stets dort hinw an dte, ohne R ücksicht auf die vo lks- und staatspolitischen N otw endigkeiten der einzelnen V ölker, w o es gerade den höchsten Geldver­ dienst erzielen konnte. D er L eistun gsaustausch , die W a ­ renbew egung w urde von dieser G eldherrschaft in gleicher W eise geleitet, so daß auch der V erkeh r als m aterieller T räger des Leistungsaustausches in den gleichen Bahnen laufen m ußte. Es spielten sich also m it der Z e it bestimmte Verkehrsw ege im Innern der V olksw irtsch aften, w ie im zw ischenstaatlichen V erkehr ein, die schließlich dasR ückgrat einer gewissen, im m er selbständiger werdenden V er­ kehrsw irtschaft bildeten. Diese letztere verkörperte sich, allen A u gen sichtbar, in einem über die ganze W elt gespannten F ra ch t- und Per­ sonenliniennetz. Die Z iffern des W eltverkehrs w uchsen so von Jahr zu Jahr, w ie aus jeder H andelsstatistik zu er­ sehen ist. Sie w uchsen teilweise im Verhältnis m ehr als der Binnenverkehr in den einzelnen V olksw irtschaften. Der Grund ist sehr einfach, weil eben auch dem überstaat­ lichen Verkehr im m er m ehr und mehr der V orran g einge­ räumt wurde vor den nationalw irtschaftlichen N otw en­ digkeiten, eben entsprechend der Gesam thaltung der frü ­ heren W eltw irtschaft. no


Nachdem nun durch die vorhin geschilderten machtpoli­ tischen Strukturänderungen und durch das Aufkommen des völkischen Organisationsprinzips, nämlich durch die Geburt der Volkspersönlichkeiten, ein Wandel, eine Er­ neuerung von Grund auf, auch in der geistigen Haltung der W eltw irtschaft eintritt, muß sich selbstverständlich auch der Verkehr dieser Strukturwandlung anpassen. W ie kann dies geschehen? Ebensowenig wie man ein Haus vom D ach her aufbauen kann, ebensowenig kann man die neue W eltwirtschaft, den neuen Weltverkehr wieder von den veralteten, jüdisch-internationalen Ideo­ logien her auf bauen, wie es immer wieder die Ewig-Ge­ strigen versuchen. Sie versprechen sich darum von inter­ nationalen W ährungs-, Wirtschafts- und Verkehrskon­ ferenzen usw., bei denen sämtliche Sorgen der Völker alle auf einm al und zugleich auf den Tisch des Hauses gelegt werden, bei denen alle Noten zugleich gespielt werden sol­ len - den Wiederaufbau von Welthandel und -verkehr. E in vergebliches Bemühen! Nur von den Fundamenten, den unabhängigen Volkswirtschaften aus, durch die gei­ stige Erneuerung des Inhaltes, kann ein neues Weltwirt­ schaftsgebäude errichtet werden. Praktisch kann dies nur dadurch geschehen, daß zunächst einmal Abkommen von Land zu Land in handeis-, währungs- und verkehrspoliti­ scher Beziehung in der neuen Geisteshaltung getroffen werden. - Die bisherigen Handelsverträge müssen also bewußt durch Währungsverträge ergänzt werden, die zu­ nächst einmal der Stabilisierung der Währungen und da­ m it der Wiederherstellung des gerechten Leistungsaus­ tausches von Volkswirtschaft zu Volkswirtschaft dienen. D as gleiche hat mit der Regelung des Verkehrs zu ge­ rn


schehen. Selbstverständlich m üssen alle zw e i- oder m ehr­ seitigen Abkom m en im m er im H in b lick a u f das neu zu er­ richtende gesam t-zw ischen staatliche H andels- und Ver­ kehrsgebäude geform t w erden. D iesem w ird allerdings niem als wieder der V o rran g vo r den V olksw irtsch aften eingeräum t werden, sondern es w ird im m er nur ihre sinn­ volle E rgänzung sein. D aß dieses Gebäude darum nicht kleiner zu sein braucht, sondern um fan greich er und weit gefestigter und friedlicher sein wird, m öchte ich nochm als betonen. D er alte W eltm echanism us ist also zerrissen. Ehe nun aber die V olksw irtsch aften nach ihrer F reisetzung ihr inneres G leichgew icht w iedergefunden haben, treten sie zunächst in eine Periode der Schw ankungen ein. Die Pro­ duktions- und K onsum tions-, die Geld- und K redit-, die Handels- und V erkehrskreisläufe innerhalb jeder V olks­ w irtsch aft werden und m üssen so lange hin und her pen­ deln, bis der P u n k t gefunden wurde, der jeder V olksw irt­ schaft ein M axim um an B eschäftigung, ein M inim um an Arbeitslosigkeit, einen gerechten Lohn für jede T ätigkeit und eine w irklich stabile W ährung, d. h. einen gerechten Leistungsaustausch im Innern, gew ährleistet. A lso eine in sich ruhende neue Stabilität und soziale E intracht, die m öglichst w enig wieder von der W eltw irtschaftsseite her erschüttert werden kann. Deshalb ist auch die unerschüt­ terliche E rhaltung der K a u fk ra ft der M ark im Innern der deutschen W irtschaft der archim edische P u n kt des ge­ samten deutschen W irtschaftsneubaus. Erst von hier aus wird ganz selbstverständlich, w arum die K a u fk ra ft der M ark im Innern der deutschen W irtschaft eisern erhalten bleiben muß und nicht zu irgendwelchen W ährungsexperi1 12


menten mißbraucht werden darf. - Wie die Währungs­ schlüssel der einzelnen Volkswirtschaften nach außen aussehen und untereinander neu abgestimmt werden, kann heute noch niemand übersehen und wird erst dann fest­ stellbar sein, wenn auch die übrigen Volkswirtschaften ihr inneres Gleichgewicht in gleicher Weise gefunden haben, ["in der Zwischenzeit bis zur endgültigen Stabilisierung der "einzelnen Volkswirtschaften werden die zwischenstaat­ lichen W ährungs-, Handels- und Verkehrsverhältnisse. labil bleiben und auch bleiben müssen. Aber eines kann man schon heute sehen, daß nämlich infolge des Wechsels des Organisationsprinzips die Verhältnisse in der künfti­ gen W eltwirtschaft beweglicher und labiler sein werden wie in dem früheren starren mechanischen Weltwirtschaftssystem. Es tritt auch hier eine völlige Umkehrung der gewohnten Verhältnisse ein, eine Umwertung aller W erte. Früher war der weltwirtschaftliche Mechanismus verhältnismäßig stabil, dagegen die Volkswirtschaften ."als • y •

untergeordnete Glieder labil, eben um der Stabilität der „übergeordneten“ Weltwirtschaft willen. Jetzt tritt das Gegenteil ein. Die erhöhte künftige Stabilität der Volks­ wirtschaften -""in der wieder Mensch und Arbeit die un­ verrückbare Achse bilden, um die sich alles zu drehen hat, während früher Mensch und Arbeit sich um die weltwirt­ schaftliche Achse, die Stabilität des internationalen Geld­ preises zu drehen hatten - bedingt eine erhöhte Labilität des zwischenstaatlichen Handels und Verkehrs. Und dem­ entsprechend muß auch der bisherige zu große, starre Frachtliniendienst des Seeverkehrs auf alle Fälle in den nächsten Jahrzehnten in großem Umfang durch eine be­ wegliche Trampschiffahrt ersetzt werden müssen, um den 8

D a itz I I

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nach A rt und R ich tu n g w echselnden zw ischenstaatlichen G üterverkehr in rationeller W eise bew egen z u können. A ls ich im Jahre 1931/32 a u f diese notw endige Umge­ staltung des Seeverkehrs h in w ies und u. a. verlangte, daß die M am m utkonzerne der S ch iffa h rt w ieder dezentrali­ siert werden m üßten, die einzelnen Reedereien wieder ver­ selbständigt und vor allem der bestehende Frach tlinien­ dienst um etw a 40% w egen zu erw artender dauernder künftiger U nrentabilität abgebaut und an seiner Stelle erstklassige T ram pschiffe gebaut w erden m üßten, um den künftigen Strukturänderungen des W elthandels jeder­ zeit und schnell folgen zu können - erklärte m an m ich für einen W irtschafts-N euheiden. M an fu h r die alten un­ rentablen F rachtlinien stur w eiter in der H offnung, die ja auch heute noch fast alle W irtschafts- und V erkehrs­ theoretiker zu ihren verkehrten A nn ah m en veranlaßt, daß näm lich der frühere W eltw irtschaftsm echanism us w iederkehren und eines T ages wieder „n o rm a l“ funktio­ nieren werde. Inzw ischen wurden aber auch unsere Schiffahrtssach­ verständigen durch die zw angsläufige E n tw icklu n g im W eltverkehr eines Besseren belehrt und haben, der besse­ ren E insicht des Staatssekretärs im Verkehrsm inisterium und des Führers der deutschen Seeschiffahrt folgend, ihren Verkehrsapparat nunm ehr in die R ichtung der neuen Ver­ kehrsform en hineingedreht. Not lehrt beten! Folgende Z iffern m ögen Ihnen zeigen, w ie die Struktur der Handelsflotten der bedeutendsten seefahrenden L än ­ der gewaltsam verändert wurde durch die beginnende U m ­ w älzung in der W eltw irtschaft: Die A u f liege quoten 1932, als also noch keine besonderen M aßnahm en (subventio-


nierte A bw rackung, Währungsabwertung, laufende Zu­ schüsse usw.) eine künstliche Verschiebung herbeigeführt hatten, ergaben das folgende Bild: Deutschland mit sage und schreibe 81 % Linien­ schiffstonnage hatte eine Aufliegequote von 36 % seiner Flotte, während die durchschnittliche Auf liege quote der W elttonnage nur etwa 20 % betrug. Es ragt also weit über den Durchschnitt hinaus. Ähnlich erging es Ame­ rika, dessen ebenfalls viel zu hoher Bestand an Linienund Tankschiffen in seiner Gesamttonnage ihm die nächst höchste Auf liege quote von etwa 32% seiner Tonnage bescherte. Danach folgte Frankreich aus dem gleichen Grunde mit einer Aufliegequote von etwa 30 %. Dagegen blieben die übrigen Handelsflotten, deren Ver­ hältnis: Trampschiffe zu Linienschiffe, günstiger zu­ sammengesetzt war, die meistens sogar überwiegend Tram pfahrt betrieben, mit einer Aufliegequote von nur 10 bis 17% unter dem Weltdurchschnitt von 20%. Zum Schluß möchte ich noch eins erwähnen, daß näm­ lich die Schrumpfung des zwischenstaatlichen Handels, auf die immer wieder hingewiesen wird, kein Maßstab für die Schrumpfung der Weltproduktion ist. Die Erhöhung der Produktion in der Binnenwirtschaft der meisten Staa­ ten tritt in einem erhöhten Binnenverkehr in die Erschei. nung, so daß in Wirklichkeit ein erheblicher Teil der Schrumpfung des Weltverkehrs durch eine Umlagerung des Verkehrs bedingt wird. Die Schrumpfung des Gesamt­ verkehrs ist also nicht so stark, wie es auf den ersten Blick erscheint. Daß auch der Binnenverkehr künftig nach anderen s*

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Sternen orientiert werden m uß w ie v o r dem K riege, be­ darf nach m einen vo rgän gigen A u sfü h ru n g e n keiner wei­ teren E rkläru n g. Und daß erst a u f solch en neu ausgerich­ teten und gefestigten B in n en verk eh r der V olksw irtsch af­ ten ein neuer um fan greich er zw isch en staatlich er Verkehr w ieder au fgebau t werden ka n n , ergibt sich ebenfalls. •D ie große U m w ertung aller W erte, deren Z eu g en w ir heu­ te sind, bedeutet, m athem atisch gesprochen, heute eine Schw enkung u m einen W in k e l von 180 Grad. F ü r Deutsch­ land und einen großen T eil K on tin en taleuropas also eine D rehung seines Gesichtes vom W esten, n ach dem es vier­ hundert Jahre lan g gerichtet w ar, zu m O sten. D aß diese gew altigen Strukturänderungen in der deut­ schen V o lksw irtsch aft und im zw ischen staatlichen Han­ del und V erkehr nicht vo n heute a u f m orgen durchgeführt werden können, und daß im m er erst eine A u fgab e nach der anderen im nationalsozialistischen Sinne angepackt werden kann, wird leider o ft übersehen. D ie m annig­ fachen w irtsch aftlich en H em m ungen und H ärten, deren w ir Z eu ge sind, und die w ir alle am eigenen Leibe ver­ spüren, sind jedoch nur durch die Ü bergangszeit bedingt, in der w ir leben. W a s w ir heute in D eutschland a m neuen W irtsch aftsau fb au sehen, ist naturgem äß erst der A nfang einer nationalsozialistischen Neuordnung. - U nverrück­ bar h ä lt der F ührer des ew igen D eutschlands den K u rs auf das einm al von ihm ins A u ge gefaßte und verkündete Ziel. U nerschütterlich ist deshalb auch unser Glaube an die g lü ck ­ lichere Z u k u n ft, der uns alle unverm eidlichen W id rig­ keiten der Ü bergangszeit ertragen läßt. Unser Glaube hat Berge versetzt und wird sie auch kü n ftig versetzen.

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D ie R ich tu n gsä n d eru n g der deutschen V erkehrsw ir tschaf t A u fs a tz in der Zeitschrift „Verkehrstechnische W oche", H eft 4 2 -4 4 vom 1 4 .1 0 .1 9 3 6 .

W ährend der erste Vierjahresplan den Sinn hatte, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen und der deutschen Agrar­ wirtschaft eine völkisch-wehrhafte Haltung zu verleihen, ist es der Sinn des zweiten Vierjahresplanes, diese Struk­ turwandlung nun auch auf die gewerbliche Wirtschaft zu übertragen. Die deutsche Gesamtwirtschaft soll also nicht mehr einer kapitalistischen „Rentabilität“ ohne Rücksicht auf die Sicherheit und Förderung der Lebens- und Wachs­ tumskräfte des Volkes nachjagen, sondern sie hat an erster Stelle die Ehre und die Unabhängigkeit des Volkes mit wirtschaftlichen Mitteln zu sichern und zu fördern. Also erst die Wehrpflicht und dann die Wirtschaftspflicht! Daß dies sowohl im Agrarsektor als auch im gewerblichen Sek­ tor auf die wirtschaftlichste Weise zu geschehen hat, ist selbstverständlich. Es ist ebenso selbstverständlich, daß die W irtschaft sowohl im Agrar- als auch im gewerb­ lichen Sektor produktiv bleiben soll und muß, trotz dieses Gesinnungswechsels. Und sie wird es auch. Ja sie wird es jetzt überhaupt erst im letzten und tiefsten Sinne. Denn das Endergebnis dieser Strukturwandlung, von einer händlerischen zu einer wehrhaften Gesinnung, läuft ja auf eine Erhöhung, Steigerung und Sicherung der völkischen Lebens- und Wachstumskräfte' hinaus. Und hieraus er­ gibt sich nun auch ganz von selbst eine erhöhte Produkti­ vität der umgeformten Wirtschaft. Denn wahre Rentabi­ lität, d. h. wirklicher Reichtum, wirkliche Überschuß117


W irtschaft, h a t zum U rquell n ich t irgendein e verständnis­ m äßig ausgeklügelte K a p ital- oder A rb eitslen k u n g , son­ dern im m er nur eine w irk lich e S teigeru n g der irrationa­ len Lebens- und W ach stu m sk rä fte des V o lk es. E rst die von A d o lf H itler g esch affen e irration ale E in­ heit der deutschen V olksgem ein sch aft, die sich als W ehr­ gem einschaft nach außen und soziale E in tra ch t im Innern verkörpert, verhindert, daß die vö lk isch en E inzelkräfte sich zerstreuen und bew irkt, daß sie sich im geschlosse­ nen Verband des V olkstum s so steigern, daß aus ihr das „W u n d er“ der Leistungssteigerung entsteht, das von den R ationalisten und den kapitalistisch denkenden „W irt­ sch aftlern“ niem als begriffen werden kan n . Denn diese Zusam m enfassung aller E in zelkräfte zu einer irrationalen völkischen E inheit addiert sie nicht nur in ihren Leistun­ gen, sondern m ultipliziert sie. W enn nun heute im zw eiten V ierjahresplan vom Füh­ rer auch in der gew erblichen W irtsch aft dieser Gesin­ nungsw echsel und die dam it verbundene völkisch -w ehr­ h afte H altung und Leistungssteigerung verlangt wird dann ist es selbstverständlich, daß m it diesen U m lagerun­ gen in der A g ra r- und gewerblichen W irtsch aft auch eine entsprechende U m lagerung der V erkehrsw irtschaft in H altung und Form Hand in Hand gehen m uß. Denn im Grunde genom m en ist ja der Verkehr das H auptm ittel zur Neuverteilung der W irtschaftskräfte im deutschen Raum und ihre E rhaltung in dieser organisch-w ehrhaften V o lks­ und Raum ordnung. Die hieraus sich ergebende nationalsozialistische V er­ kehrspolitik erhebt drei Forderungen:

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Schärfste Zusammenfassung aller Verkehrsmittel: Bahnen, A uto, Binnen- und Seeschiffahrt zum ein­ heitlichen Einsatz.

2. Anpassung der Tarifpolitik an die Forderungen des völkisch-w ehrhaften Wirtschaftsaufbaues. 3. Richtungsänderung der Verkehrsfront vom Westen zum Osten. W ährend der ersten Periode der deutschen Ostraumpoli­ tik, etw a vom Jahre 1000 bis zum Jahre 1500, war die W irtschafts- und Verkehrsfront sowie die gesamte Volks­ front m it den Augen gen Osten gerichtet. Der Südostraum und das Ostseegebiet waren die Hauptausfallstore des deutschen Verkehrs, der die völkisch aufgebaute hansische W irtschaft m it den deutschen Menschen in den europäi­ schen Osten trug. Völkische Verkehrs- und Wirtschafts­ front waren unter den ersten großen sächsischen Kaisern sowie Heinrich dem Löwen, der Hanse, gleichmäßig dort­ hin ausgerichtet. Die Elbe war der deutsche Fluß, der mit­ ten durch den deutschen Raum und damit durch das deut­ sche Schicksal floß. Die Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach In­ dien und die daran anschließende vierhundertjährige Aus­ beutung der drei neuentdeckten Kontinente: Amerika, Australien und Afrika - durch Europa -, die sich stolz „Weltwirtschaft* nannte, und die mit dem Weltkrieg ihr endgültiges Ende fand - drehte dann das Gesicht der deut­ schen Außen-, Wirtschafts-, Handels- und Verkehrspoli­ tik vom Osten zum Westen. Diese vierhundertjährige Pe­ riode deutscher und europäischer Westpolitik entfremdete Deutschland seiner eigenen und seiner europäischen Auf-


gäbe. Sie m achte den deutschen O sten leer von deutschem Handel und V erkehr, deutschen M enschen und deutschem Geist. Sie m assierte alle deutsche V o lk sk ra ft, insbeson­ dere auch die gew erbliche W irtsc h a ft und das V erkehrs­ w esen im W esten. D iese kün stlich e und naturw id rige Mas­ sierung der deutschen V o lk sk ra ft im W esten verzerrte auch die natürliche V erkeh rsstru ktu r D eutschlands. Die Ver­ kehrsfront w urde vierhundert Jah re la n g einseitig gen W esten gerichtet. D er V erkeh r n ach dem Südostraum und dem Ostseegebiet w urde vern ach lässigt w ie die gesamte W irtschaftsen tw icklun g nach dem Osten. Die durch A d olf H itler aus der V o lkw erd u n g erneuerte deutsche O straum politik dreht nun m it unw iderstehlicher K ra ft die deutsche A ußen-, W irtsch afts- und Handels­ politik wieder vom W esten zum Osten zu rü ck . D am it muß auch die V erkehrsfront ihr G esicht w ieder vom W esten zum Osten wenden. Die V erkehrspolitik darf n icht nur dem Z u rü ckflu ten der deutschen V olks- und W irtschaftssub­ stanz vom W esten zum Osten folgen, um so eine bessere völkisch -w ehrhafte V erteilung und U m siedlung, vo r allem auch der unnatürlich im W esten gehäuften gewerblichen W irtschaft, zu unterstützen, sondern m uß ihr planend vorausgehen! D er D rang nach dem W esten und die vor dem K riege und der M achtergreifung aus ihm erwachsenen Verkehrsplanungen m üssen deshalb heute gründlichst re­ vidiert und zum Teil einem Richtungsw echsel unterw orfen werden. Dem entsprechend muß auch die F in anzpolitik eine U m lagerung in der Bereitstellung der E tatsm ittel für diese Verkehrsplanungen vornehm en. Ferner muß der Ostverkehr, sowohl nach dem SüdostV raum als auch nach dem deutschen Nord-Ostseegebiet, f

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mehr als bisher gefördert werden gegenüber dem Verkehr nach dem W esten, der sich heute in viel zu großem Um­ fange über fremde Häfen auswirkt. Hier muß nun auch die Tarifpolitik sowohl der Reichsbahn wie der Binnen­ schiffahrt einer Änderung unterzogen werden. Es geht nicht an, daß heute viele Millionen Tonnen deutscher Gü­ ter im Jahr mehr noch als 1913 in Ein- und Ausfuhr den W eg über fremde Westhäfen nehmen, statt über Hamburg und Brem en. Nicht nur die deutsche Devisenbilanz wird sehr erheblich durch diesen für die deutsche Volkswirt­ schaft unwirtschaftlichen Westverkehr belastet, sondern die Schwierigkeiten Hamburgs und Bremens, denen ohne­ hin durch Ostwärtswendung der deutschen Gesamtpolitik und die vorhin geschilderte Strukturänderung der bis­ herigen „W eltwirtschaft" ein erhebliches Verkehrsvolu­ men im Westen entzogen wird, leidet mehr als es nötig ist, unter dieser falschen Verkehrsströmung. Es ist unumgänglich notwendig, daß durch eine Um­ tarifierung dieser ausgeuferte deutsche Güterstrom mög­ lichst wieder über die deutschen Nordseehäfen gelenkt wird.Und zwar zunächst erst einmal mindestens zehn bis dreizehn Millionen Tonnen pro Jahr, die den Verkehrs­ zuwachs der ausländischen Nordseehäfen gegenüber 1933 darstellen, und die allein durch die innerdeutschen Ar­ beitsbeschaffungsmaßnahmen bedingt sind. Es ist auch volkswirtschaftlich überhaupt nicht einzusehen, warum dieser Verkehrszuwachs, der unter Opfern des ganzen Vol­ kes zuwege gebracht ist, nicht den deutschen Nordseehä­ fen an erster Stelle zugleitet werden soll. Es würde allein hierdurch eine Devisenersparnis von etwa fünfzig bis sechzig Millionen Reichsmark jährlich erzielt werden kön121


nen. P rivatkap italistisch e In teressen m üssen hier den vo lksw irtsch aftlich en N otw en digkeiten untergeordnet w er­ den. D adurch, daß dies bisher n ich t der F a ll w ar, haben Brem en und H am burg nun ihrerseits w ieder versucht, sich an dem ihnen organ isch n ich t zu geh ö rigen Ostseeverkehr schadlos zu halten, indem sie über eine nationalw irt­ schaftlich ebenfalls u n zw eck m ä ß ig e T a rifieru n g des Nord­ o stsee-K an als und durch eine vo lksw irtsch aftlich nicht vertretbare private K a rtellieru n g vo n Seefrachten für Stückgüter usw . zw ischen deutschen und ausländischen Ostseereedereien, einen erheblichen T eil des Ostseever­ kehrs von den deutschen O stseehäfen fortzogen und künst­ lich in die Nordsee verlagerten. A u ch hier w ird wiederum die D evisenbilanz dadurch erheblich belastet, daß die ver­ kehrsgeographisch günstigere L age der deutschen Ostsee­ häfen, die geringere D evisenaufw endungen fü r die See­ transporte in der Ostsee und dem B altik u m beanspruchen würde, nicht w irksam werden kann. E s han d elt sich hier­ bei um etw a zw eieinhalb bis drei M illionen Tonnen im Jahre. Diese U m lagerung ist für die O stseehäfen ebenso w ich tig w ie die zehn bis dreizehn M illionen Tonnen für die deutschen Nordseehäfen. Die deutsche Verkehrsstruktur ist also heute noch vom Osten nach dem W esten verzerrt. Die deutschen Nordsee­ häfen reißen aus der Ostsee ihnen nicht organisch zu ge­ hörigen V erkehr an sich unter D evisenverlusten für die Gesam tw irtschaft und unter Schw ächung der deutschen Verkehrsbasis in der Ostsee. Frem de W esthäfen ziehen da­ für ein Vielfaches des deutschen Nordseeverkehrs an sich, ebenfalls unter großen Verlusten für die deutsche D evisen­ bilanz und unnötiger Schw ächung der Verkehrsbasis der 12 2


deutschen Nordseehäfen. Hier kann nur eine gründliche Neuordnung der Tarifpolitik Wandel schaffen. Über die Unterstützung, die dem erhöhten Verbrauch deutscher Rohstoffe seitens der Verkehrspolitik zu gewäh­ ren ist, ist hier nicht der Ort, im einzelnen zu reden. Daß aber auch hier die Tarifpolitik sich nicht vom rein kauf­ männischen Gesichtspunkt des Einzelgeschäfts oder der Konkurrenz der Verkehrsmittel untereinander leiten las­ sen darf, sollte selbstverständlich sein. Es ist weiter hier auch nicht möglich, im einzelnen über die Aufgabe der neuen deutschen Verkehrspolitik zu sprechen in bezug auf eine erhöhte Sicherung der Zufuhr der für Deutschland wichtigen, über das eigene Produktionsprogramm in der Agrarwirtschaft und im gewerblichen Sektor benötigten Nahrungsmittel und Rohstoffe. Hier fällt der national­ sozialistischen Verkehrspolitik die Aufgabe zu, den deut­ schen Lebensstandard sichern zu helfen. Alle diese neuen Aufgaben, die der deutschen Verkehrs­ wirtschaft und -politik bei ihrer Umstellung aus einer liberalistischen in eine nationalsozialistische, d. h. völkisch­ wehrhafte, erwachsen, sind nur zu lösen aus einer Ge­ samtschau der Verkehrswirtschaft. Diese wird aber auch dann nicht nur eine erhöhte Gesamtrentabilität ergeben, sondern zugleich auch eine gewaltige Leistungssteigerung und Sicherung der gesamten Volkswirtschaft und aus die­ ser heraus rückwirkend auch wiederum eine erhöhteWirtschaftlichkeit der Gesamtverkehrswirtschaft, die aller­ dings in jedem Fall als Ganzes gesehen werden muß, und als integraler Bestandteil der deutschen Volkswirtschaft, die an erster Stelle die Ehre und die Freiheit des Volkes zu verteidigen hat. 123


Die Verkehrsidee im mitteleuropäischen Raum Zweiter T e il des Vortrages au f der Verkehrs­ wirtschaftlichen Tagung anläßlich der Leip­ ziger Herbstmesse am 4.

9 . 193 7.

- A l s Aufsatz

in der Z eitsch rift,, Verkehrstechnische Woche", Heft 40, Jahrgang 19 3 7 erschienen.

Es ist das un au sw eich lich e

S ch ick sa l

K ontinental­

europas, vor allem und im m er w ieder O straum handel und O straum verkehr treiben zu m üssen. D as h eißt fü r die Ent­ faltung der Lebens- und W a ch stu m sk rä fte der m ittel- und osteuropäischen V ö lker im m er w ieder neue M öglichkeiten durch friedliche A useinandersetzun g und neue Zusam ­ m enarbeit m it den V ölkern des russischen und asiatischen R aum es zu finden. D enn K ontin entaleuropa, scheinbar nur eine kleine H albinsel des großen asiatischen Erdteils, aber m it schöpferischem M enschentum besiedelt, muß sich deshalb im m er wieder - ob es w ill oder nicht - wirtschaftsund kulturpolitisch m it A sien auseinandersetzen. Der na­ türliche E rgänzungs- und dam it Lebensraum fü r die V öl­ ker K ontinentaleuropas ist und bleibt der asiatische Raum. Diese in großen geschichtlichen R hythm en im m er wieder erneuerte A useinandersetzung der V ö lker K ontinental­ europas m it denen des asiatischen Raum es h at in den letz­ ten vierhundert Jahren eine U nterbrechung erfahren durch die E rschließung A m erikas und des Seeweges nach Indien. Vierhundert Jahre lan g versuchte nun K ontinen­ taleuropa in den neuentdeckten Erdteilen den für seinen B evölkerungszuw achs und die Steigerung seiner Lebens­ haltung notwendigen E rgänzungs- und Lebensraum zu ge­ winnen. Von den europäischen Völkern ist es bisher nur England, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Portu12 4


gal und neuerdings auch Italien gelungen, sich außerhalb Europas in den neuerschlossenen Erdteilen und im fernen Westen und Osten für die Dauer den für die Entwicklung ihrer Lebens- und Wachstumskräfte erforderlichen Er­ gänzungsraum zu schaffen. Die übrigen Völker Konti­ nental- oder genauer: Mittel-, Nord- und Osteuropas fin­ den dagegen im überseeischen Westen, Süden und Osten keinen Raum mehr für ihren Bevölkerungsüberschuß. Denn ganz gleich, ob diese Erdteile inzwischen selbstän­ dig geworden sind, wie USA. und die Staaten Mittel- und Südamerikas, oder ob sie Bestandteile der weltumspan­ nenden Kolonialreiche Frankreichs, Italiens, der Nieder­ lande und Belgiens oder des Britischen Empire sind, das ja kein Kolonialreich in romanischem Sinne ist, sondern ein auf dem Führungsgedanken aufgebauter Staatenbund in jedem Fall sind diese Erdräume nunmehr der unbe­ schränkten Einwanderung des mittel-, ost- und nordeuro­ päischen Bevölkerungsüberschusses grundsätzlich ver­ schlossen. Diese sich schon Jahrzehnte vor dem Weltkrieg be­ merkbar machende Entwicklung wurde nach 1918 auf lange bestimmend. Notgedrungen haben sich von diesem Zeitpunkt ab die Völker Mittel-, Ost- und Nordeuropas, also von Skandinavien bis zur Türkei wieder verstärkt dem Osten zugewandt. Es blieb ihnen keine andere Wahl. Es ist deshalb das Ostrauminteresse, d. h. der Versuch, wie­ der zu einem angemessenen und vorteilhafteren Verhält­ nis als in den letzten Jahrhunderten mit dem asiatischen Erdteil, und damit zunächst mit dem russisch-sibirischen Raum zu gelangen - wenn auch erst von wenigen erkannt doch heute die gemeinsame Lebens- und Schicksals125


frage aller dieser V ö lker, die sich riesen groß vor ihnen er­ hebt und E rfü llu n g verlan gt. W en n nun, u m diesen leb en sgesetzlich en Forderungen feige auszuw eichen, von unverbesserlichen Intellektuali­ sten im m er w ieder em pfohlen w ird, die K in d erzah l der an R aum m angel leidenden V ö lk e r E uropas freiw illig zu be­ schränken, so bedeutet dies in W irk lich k e it die Em pfeh­ lung ihres U nterganges, den vö lkisch en Selbstm ord. Denn die Natur ken n t keinen Stillstand, sondern im m er nur F ortschritt oder R ücksch ritt, Leben oder Tod. Stillstand ist etw as nur Scheinbares. In W irk lich k e it ist der Still­ stand im m er nur der A n fa n g des R ü cksch rittes - in diesem F all des Volkstodes. D a also neue E n tfaltu n gsm öglich keiten fü r die Erhö­ hun g ihrer L ebenshaltung und ihrem natürlichen Bevöl­ kerungszuw achs fü r die kolonielosen V ö lker K ontinen­ taleuropas in Übersee n icht m ehr gegeben sind, wird mit der Z e it ganz zw a n g släu fig die W irtsch afts-, Handels­ und V erkehrspolitik aller dieser kontinentaleuropäischen V ö lker eine W endung vom W esten zu m Osten nehmen m üssen, um hier für ihre Lebens- und W achstum skräfte neuen R au m durch friedliche A usschöpfung bisher in­ folge einseitiger W estpolitik ungenützter oder vernach­ lässigter M öglichkeiten zu schaffen. Dieser von den gleichen Lebensnotwendigkeiten und dem gleichen Schicksal bedingten einheitlichen A usrich­ tung der nord-, m ittel- und osteuropäischen V ölker zum russisch-asiatischen R aum hinüber tritt heute nun ein allen diesen Völkern gem einsam er Feind entgegen: der jüdische m ittelasiatische Bolschewism us. E r allein m acht heute einen natürlichen und vernünftigen A usgleich zw i126


sehen den natürlichen Lebens- und Wachstumsrechten Mittel- und Osteuropas und denen des russisch-asiatischen Raumes zum Schaden beider Teile unmöglich. Denn ohne das unheilvolle Dazwischentreten des Bolschewismus und seiner jüdischen Wortführer wäre jederzeit eine neue fried­ liche, dem W ohle aller dienende Zusammenarbeit und da­ mit eine Stärkung aller Lebens- und Wachstumskräfte und des Wohlstandes der Völker des nord-, mittel- und osteuropäischen Raumes wie der des russisch-asiatischen Raumes möglich. Denn immer und immer wieder muß es in das europäische Bewußtsein gehämmert werden, daß aus Gründen der Rasse und des Raumes in entscheidender W eise nicht der überseeische Süden, Westen und Osten der natürliche Ergänzungsraum für Mittel- und Osteuropa ist, sondern der russisch-asiatische. - Wir wissen nun aus der Geschichte, daß von Zeit zu Zeit immer wieder aus den innersten Wüstengebieten Asiens Horden und Heere aufbrachen, die, weil sie auch diese Wüste geistig in sich trugen, nicht die Kulturvölker Asiens, sondern auch ganz Kontinentaleuropra zu verwüsten drohten. In jedem Falle konnte nur durch vereinten Einsatz der kontinentaleuro­ päischen Völker, vor allem der Mittel- und Osteuropas, die materielle und geistige Verwüstung ost- und mitteleuro­ päischen Raumes abgewehrt werden. Heute ist der Bol­ schewismus der wieder aus den Tiefen asiatischer Wüsten hervorbrechende Sturm, der in erster Linie die Völker Kontinentaleuropas und darüber hinaus auch die übrigen Teile der Welt geistig und materiell zu zerstören droht. Und der überall in der Welt die Menschen zu seinen Bun­ desgenossen aufruft und sie auch findet, deren ursprüng­ liches völkisches Leben durch Blutmischung oder die Vor127


herrschaft

des

heim aten tfrem deten

Intellekts

zerstört

wurde. Der jüdische B olschew ism us, der W üsten sturm unserer Zeit, der sich in der R oten A rm ee seine m aterielle R üstung zu schaffen sucht, u m in brutaler V ern ich tu n gs­ w u t Europa und die K u ltu rvölker des Fernen Ostens z u verwüsten. D as prophetische W ort Nietzsches: ,,W eh d em , der W üsten in sich trägt“ , findet im Bolschewism us sein e furchtbarste geschichtliche Ausprägung.

Die V ö lk er M ittel- und O steuropas sind also heute e in e r zw iefach en Not, einem zw iefach en D ru c k ausgesetzt, v o m W esten her d rückt au f sie die U n m öglich keit, ihren B e ­ völkerungsüberschuß nach dorthin abzugeben. E in V e n ­ til, das vierhundert Jah re lan g geöffn et w a r und d e n Ü berdruck abström en ließ, w urde geschlossen. Und v o m Osten her drückt geistig und m ateriell der B o lsch ew ism u s. Im W esten sind die neuen Schranken durch R a u m u n d Rasse, also naturgeschichtlich bedingt. Im Osten d a g e g e n versperrt ihren natürlichen Lebens- und W a c h s tu m sk rä f­ ten, die auf eine neue gesteigerte Zusam m enarbeit m it d e n V ölkern des russisch-asiatischen Raum es gerichtet sind, e in w idernatürliches künstliches, politisches System den W e g . Solange nun dieses System nicht an seiner eigenen U n ­ fruchtbarkeit,

an

seiner

Lebensunvernunft

z u g ru n d e

gegangen ist, bleibt den m ittel- und osteuropäischen V ö l ­ kern nichts anderes übrig, als zunächst durch eine g e ­ steigerte Zusam m enarbeit ihren Lebens- und W a c h s tu m s ­ kräften innerhalb ihres heutigen Raum es neue E n t fa l­ tungsm öglichkeiten zu geben. Sie müssen sich also m it a l ­ len K räften ihres Volkstum s und ihres Bodens zu H ilf e kommen und sich gegenseitig ergänzen. Eine solche g e ­ genseitige Lebenssteigerung ist aber nur m öglich, w en n d e r 128


Quell dieser Lebenskräfte: Volkstum und Boden, Rasse und Raum unangetastet bleiben. Wenn also von keiner Seite Gewalt angewandt wird in aktivem oder passivem Sinne, d. h. durch Erzwingung oder Verweigerung gesteigerter Zusammenarbeit. Nur auf einer kameradschaftlichen, die völkische, staatliche, wirtschaftliche und kulturelle Un­ antastbarkeit wahrende Vereinigung aller seiner Kräfte kann eine neue kontinentaleuropäische Wirtschafts- und Kulturgem einschaft aufgerichtet werden: Eine Gemein­ schaft, die nicht nur für dieses Jahrhundert den kontinen­ taleuropäischen Völkern, besonders aber denen Mittel­ und Osteuropas genügenden Spielraum für die Entfaltung ihrer natürlichen Lebens- und Wachstumskräfte gewährt, sondern auch eine unübersteigbare Mauer für den Bol­ schewismus bildet, eine Basis, von der aus dann, wenn eines Tages die Wüste sich wieder auf sich selbst zurückziehen muß, auch der russisch-asiatische Raum neu befruchtet werden kann. Im großen und ganzen gesehen muß also der kontinen­ taleuropäische Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturkreis­ lauf — der hansische - der vor der Erschließung Amerikas und des Seeweges nach Indien Kontinentaleuropa trug, und die bisher schönste Blüte europäischer Kultur vom Jahre xioo bis 1500 hervorgebracht hatte, wiederhergestellt werden. Dieser Kreislauf, der sich vom Schwarzen Meer über Donau, Main, Rhein, Flandern, Nordsee, Ost­ see, Ladogasee erstreckte und vom niederdeutschen, dem hansischen Norden geführt wurde. Selbstverständlich ist hierbei zu berücksichtigen, daß heute England, Frankreich, Italien, und zum Teil auch die Niederlande und Belgien, an der Wiedererrichtung die­ 9

D aitz II

129


ses kontinentaleuropäischen W irtsch a fts- und

Kultur­

kreislaufes durch ihre Bindung an ihre Kolonialreiche und den Britischen Staatenbund w eniger interessiert sind. Um so mehr Interesse aber haben an der W iedererstehung die­ ses Verkehrskreislaufes neben D eutschland die zum Teil neu entstandenen Staaten Nord-, O st- und Mitteleuropas. W enn ihnen dieser W e g heute noch nicht imm er bewußt ist, weil ihnen infolge ihrer staatlichen Jugend noch der historische Sinn fehlt, so wird die Not sie im m er mehr zu dieser Einsicht führen. Not lehrt beten 1

Es ist nicht A ufgab e dieses V ortrages, die verkehrspoli­ tischen und verkehrstechn ischen E in zelm aßn ahm en auf­ zuzeigen, die zur W iederherstellung des kontinental­ europäischen V erkehrskreislaufes dienen, der weder die Verkehrslinien des M ittelm eeres noch der Nordsee und des A tla n tik überschneidet, an deren U nversehrtheit die K olo­ nialvölker Europas vorzugsw eise interessiert sind. Die folgerichtige D urchsetzung des kontinentaleuropäischen Verkehrskreislaufes wird zw an gsläu fig auch das unlogi sehe Hineinreden gewisser westeuropäischer V ölker in die Lebensbedürfnisse und N otw endigkeiten der m ittel­ europäischen verm indern. Dies ist vielm ehr A ufgabe der Verkehrsspezialisten und der W irtschaftsw issenschaftler und ganz gewiß nicht zuletzt der praktischen W irtschaft. Dieser sich im m er m ehr durchsetzenden m itteleuropäi­ schen Verkehrsidee m it ihrer A usrichtung gen Osten In­ halt und Gestalt zu verleihen. Das lebendige Leben der ko ­ lonielosen V ölker Kontinentaleuropas zu einer neuen K raftanstrengung und einer neuen Blüte m it der A u s­ richtung gen Osten über den Südostraum und das Ostsee­ gebiet zusam m enzufassen. 130


Das neue Verkehrsbild Europas stellt sich also, auf gro­ ße Linien gebracht und stark vereinfacht, als zwei Kreis­ läufe dar: der eine ist der eben geschilderte, andern die ost­ wärts orientierten kolonielosen Völker Europas interes­ siert sind, und die andere beruht auf den Verkehrsstraßen des Mittelmeeres, der Nordsee und des Atlantik, an deren Unversehrtheit wiederum die Kolonievölker Süd- und W esteuropas besonders interessiert sind. Es sind dies zwei Verkehrskreisläufe, die sich in keiner Weise stören und überschneiden, wenn die heute kolonielosen und die koloniebesitzenden Völker Europas die gebührende Rück­ sicht auf ihre nach Osten und Westen ausgerichteten Haupt­ interessen nehmen. Der Verkehrswirtschaft und -Wissen­ schaft fällt hier eine eminentpolitischeAufgäbe zu, diese sich auf Grund ihres geopolitischen und volkspolitischen Schick­ sals mit Naturnotwendigkeit herausbildende neue Ver­ kehrsstruktur Kontinentaleuropas bewußtzu unterstützen, um so Europa aus dem Chaos der bisherigen liberalistischen Verkehrswirtschaft herauszuhelfen und die Lebens­ und Wachstumskräfte seiner Völker auch mitverkehrspoli­ tischen Mitteln wieder in der richtigen Weise zu fördern. Pionierdienste im wahrsten Sinne des Wortes hat Deutschland für diese Entwicklung bereits durch die von ihm seit 1933 geförderte wirtschaftliche Entwicklung des Südostraumes und die sich heute aus denselben geopoli« tischen Notwendigkeiten ergebende Verkehrs- und Han­ delspolitik im Ostseeraum geleistet. Diese viel geschmähte und mißverstandene deutsche Haltung, die in Wirklich­ keit nur auf den natürlichen Ausgleich der vorzugsweise nach Westen oder nach Osten orientierten Völker gerich­ tet ist, um so die Lebens- und Wachstumskräfte sämt9

131


licher europäischer V ölker zu sam m eln und zu stärken, da­ mit Europa wieder E uropa wird und sich ehrenhaft und lebenskräftig behaupten k an n unter den übrigen neu ent­ standenen transozeanischen Großgebilden. Lebens- und Erdräume, die es m it seinen besten V o lk s- und W irt­ schaftskräften in den letzten vierhundert Jahren gekräftigt hat und die heute K ontinentaleuropa, die ursprüng­ liche Quelle ihrer K raft, nich t berücksichtigen: der PanAm erika-Gedanke, die O ttaw a-P olitik , das französische Kolonialreich und der im Entstehen begriffene japanisch­ chinesische R aum . Diese neue, auf den europäischen Kon­ tinent ausgerichtete deutsche P o litik verkündet: Europa denEuropäern! Sie verkündet und verkörpert nur wieder den gerechten und natürlichen Selbstbehauptungswillen Euro­ pas. Sie hat nicht das geringste m it Imperialismus zu tun. Lassen Sie mich zur Charakterisierung dieser Politik schließen m it dem W ort des Führers:

„W ir hängen m it grenzenloser Liebe und Treue an unserem eigenen Volkstum . Aber wir respektieren die nationalen Rechte auch der anderen Völker aus dieser selben Gesinnung heraus. W ir kennen daher nicht den Begriff des Germanisierens. Die Mentalität des vergan­ genen

Jahrhunderts, welche glaubte,

vielleicht aus

Polen oder Franzosen Deutsche machen zu können, ist uns genau so fremd, wie wir uns leidenschaftlich gegen den umgekehrten Versuch wenden. W ir sehen die euro­ päischen Nationen um uns als gegebene Tatsachen. Franzosen, Polen und die anderen Völker sind unsere Nachbarvölker, und wir wissen, daß kein geschichtlich denkbarer Vorgang diese W irklichkeit ändern könnte."

132


V iertes K apitel N E U E F I N A N Z - UND K R E D I T P O L I T I K


\ »

I


W esen u n d G re n ze n produktiver Kreditschöpfung A u fs a tz im i . Sonderheft 1932 der Zeitschrift „ D i e deutsche Volkswirtschaft".

Eine Theorie der produktiven Kreditschöpfung oder bes­ ser: der Vorschöpfung produktiver Kredite gibt es bisher nicht. Hier soll der Versuch dazu unternommen werden, denn K larheit und Einsicht in die Mechanik der produk­ tiven Kreditschöpfung zu schaffen, ist heute zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit. Der gegenwärtige Übergang von freier Marktwirtschaft zu gebundener Raumwirtschaft in allen Teilen der Welt verlangt, daß das Halbdunkel, das über einem der wich­ tigsten Vorgänge der Volkswirtschaft, nämlich der frucht­ baren Kreditschöpfung, heute noch liegt, aufgehellt wird. Ebensowenig wie das Geld- und Kreditwesen insgesamt nicht mehr sich selbst oder der Behandlung nach einigen wenigen groben Faustregeln überlassep bleiben darf, son­ dern bewußt aus seiner heutigen Isolierung, in die es eben durch die Herrschaft dieser groben Faustregeln geraten ist, wieder herausgelöst und als Träger des volkswirtschaft­ lichen Güterumsatzes organisch wieder in den volkswirt­ schaftlichen Organismus eingegliedert werden muß - eben­ sowenig kann der wichtige Vorgang, die Kreditschöpfung, ungeklärt bleiben und nach einigen groben Regeln weiter betrieben werden. Diese Regeln reichen heute nicht mehr


» aus, weil der vollkom m ene U m bau der Volkswirtschaften und ihre strukturellen Veränderungen m ehr als die Kennt­ nis einiger äußerlicher M erkm ale verlangen. Die Wieder­ ingangsetzung des fast zu 50 % zu m Stillstand gekommenen deutschen W irtschaftsapparates und sein Um bau ver­ langen, daß m an sich in den K reisen der künftigen ver­ antwortlichen Führer der deutschen W irtsch aft völlig klar ist über die innere M echan ik fruchtbarer Kredit­ schöpfung. Denn die produktive K reditschöpfung ist der wichtigste R egulator, der den Pulsschlag, d. h. die Um­ laufsgeschwindigkeit der vorhandenen realen Betriebs­ mittel so steuert, daß überhaupt erst die Entstehung ge­ nügend neuer Güter, und dam it die dem jew eiligen Z u ­ stand der W irtschaft gem äße A u sw eitu n g des Produktions­ und Konsumtionsprozesses erm öglicht. Eine Bem erkung über das W esen von Geld und Kredit zur K larstellung vorweg. Jede V olksw irtschaft bedarf zum Betrieb bzw. zur Um ­ schichtung ihrer Sachwerte, die ja in W irklich keit alle miteinander nur Produktionsm ittel sind,

wie

Häuser,

Schiffe, Höfe, Maschinen usw. - der Betriebsm ittel. Diese Betriebsmittel zerfallen in zwei Arten: in die sichtbaren und die unsichtbaren. Sie sichtbaren, gewissermaßen der Kassenbestand der Volkswirtschaft, sind die Geldzeichen (Gold, Silber, Papier). Die dienen dem Tagesverkehr und dem Spitzenausgleich und besitzen infolgedessen eine hohe Um laufsgeschwindigkeit. Die weit um fangreicheren, die unsichtbaren Betriebsmittel sind dagegen die Kredite, das Buchgeld. Sie sind die wirklichen Betriebsmittel der V olks­ wirtschaft; ihre Um laufsgeschwindigkeit ist jedoch eine weit geringere.

136


Beispielsweise bestand das gesamte Betriebsmittelvolu­ men der deutschen Volkswirtschaft im Jahre 1913 aus etwa 125 Milliarden, und zwar etwa 5 Milliarden sicht­ baren Betriebsmitteln, Geldzeichen (Gold, Silber, Papier) und 120 Milliarden unsichtbaren Betriebsmitteln, langund kurzfristigen Krediten. Und zwar zerfielen diese letz­ teren wieder in 100 Milliarden Langkredite und 20 Milliar­ den K urzkredite. Also, das wichtigste volkswirtschaftliche Betriebsmittel sind die Kredite, und nicht die viel gerin­ gere Menge der Geldzeichen. Von der genügenden Menge und richtigen Umlaufsgeschwindigkeit jedes der beiden Betriebsmittel hängt vor allem das richtige Arbeiten des volkswirtschaftlichen Apparates ab. Man kann sich diese Dinge auch so vorstellen: Das Blut im volkswirtschaftlichen Körper sind die Geldzeichen. Ihre Menge ist verhältnismäßig klein und ihre Umlaufsge­ schwindigkeit groß. Die kurz- und langfristigen Kredite, das B uch- oder Giralgeld, dagegen sind den Säften ver­ gleichbar, die eine vielfach größere Menge darstellen, als das B lut, aber eine weit geringere Umlaufsgeschwindig­ keitbesitzen. DieProduktionsmittel, die Sachwerte schließ­ lich entsprechen der festen Körpersubstanz. Gerade eben­ so w ie Blut und Säfte im menschlichen Körper eine ge­ meinsame Eigenschaft haben, die sie eindeutig unter­ scheidet von der festen Körpersubstanz, nämlich eben die, daß beide flüssig sind, obgleich sie untereinander in ihren Funktionen, ihrer Umlaufsgeschwindigkeit und Menge wesentlich verschieden sind - so haben auch die sichtbaren volkswirtschaftlichen

Betriebsmittel,

die

Geldzeichen

(Gold, Silber, Papier), mit den unsichtbaren Betriebs­ mitteln, den eigentlichen Krediten, eines gemein: daß sie 137


beide flüssiges K apital sind und sich dadurch eindeutig von dem festen Kapital der Sachwerte, der Produktionsm ittel, unterscheiden. - Der Vergleich geht noch weiter. So wenig wie die feste Körpersubstanz: Fleisch, Z äh ne, Knochen, Horn, Haut usw. sich jem als wieder in Säfte oder Blut zurückverwandeln können, obgleich sie aus dem Blut und den Säften hervorgegangen sind, ebensowenig kann man die Sachwerte, die Produktionsm ittel, einer Volkswirt­ schaft rückwärts wieder in Betriebsm ittel, d. h. lang- oder kurzfristige Kredite oder Geldzeichen verwandeln, ob­ gleich sie aus diesen hervorgegangen sind. Die Verwand­ lung von Blut oder Säften in feste Körpersubstanz ist kein umkehrbarer Prozeß. Ebensowenig ist die R ückverw and­ lung von festgewordenem K apital in flüssiges möglich. A u s diesem Grunde sind auch alle die Theorien falsch, die immer wieder in Notzeiten wie den heutigen auftauchen und die den Versuch unternehmen, die vorhandenen Sach­ werte der deutschen W irtschaft, sei es nun Höfe, Häuser, Fabriken, Eisenbahnen oder dgl., wieder in flüssige Mittel, in Betriebsmittel, meistens sogar in sichtbares Geld zu verwandeln. Die immer wieder vorgeschlagene Ausgabe von Geldscheinen irgendwelcher Art, die m an zudem auf m öglichst kom plizierte W eise bewirken will, und die dann durch Grund und Boden, Eisenbahnen usw. „g ed eck t“ oder „gesichert“ sein sollen, beruht auf dem Irrtum, daß es m öglich sei, festgewordenes Kapital oder festgewordene Körpersubstanz wieder flüssig zu m achen. W enn dies möglich wäre, so könnte m an ja für die etw a 200 Milliar­ den deutscher Sachwerte einfach 200 Milliarden Geld­ zeichen ausgeben, und alle Betriebsm ittelnot wäre zu Ende! Z u s ä t z l i c h e

138

flüssige Mittel

können

nur


d u r c h z u s ä t z l i c h e A r b e i t g e w o n n e n werden. A r ­ b e i t s c h a f f t K a p i t a l 1. Man kann Sachwerte, festgewordenes Kapital, eben nur benutzen als Unterlage, als Pfand für einen Kredit. Das heißt, wenn der Kreditnehmer das Vertrauen nicht recht1 D ie

für den jew eiligen Güterumsatz einer Volkswirtschaft not­

w endigen G eldzeichen stehen in einem festen Verhältnis zu die­ sen. Ihre M en ge und Umlaufsgeschwindigkeit darf nicht willkür­ lich geändert werden, ohne daß schwerste Schwankungen der K a u fk ra ft auftreten. Vermindert man über Gebühr die Menge der Geldzeichen, oder m ittels finanztechnischer Maßnahmen ihre U m laufsgeschw indigkeit, so treten Deflationserscheinungen auf. V erm ehrt m an dagegen unverhältnismäßig die Geldzeichenmenge oder ihre Um laufsgeschwindigkeit gegenüber dem Güterumsatz, so treten Inflationserscheinungen auf. Die gleichbleibende Kauf­ k raft, d. h. die Stabilität der Geldzeichen ist abhängig von ihrem gleichbleibenden dynamischen Gleichgewicht zu dem jeweiligen volksw irtschaftlichen Gütemmsatz. Das Produkt aus Menge und U m laufsgeschw indigkeit der Geldzeichen muß eben jeweils dem G ü terum satz in der Volkswirtschaft elastisch entsprechen. Die K on trolle erfolgt durch den Index. Allein dieses elastische Ver­ h ältn is

h ä lt

die

Kaufkraft der Geldzeichen einer Währung

innerhalb der Volkswirtschaft stabil. Niemals irgendeine soge­ n a n n te D ecku n g durch Gold, Silber, Grund und Boden oder dgl. D ie W ä h r u n g k a n n nur durch A r b e i t g e d e c k t w e r ­ den.

E s g i b t nur eine Arbeitsmark.

D ie Stabilität einer binnenwirtschaftlich so stabilisierten, in­ dexkontrollierten Währung kann auch im zwischenstaatlichen V e rk e h r nur dann erschüttert werden, wenn infolge einer passi­ v e n H andels- und Zahlungsbilanz dauernd mehr Geldzeichen die­ ser W äh ru n g im zwischenstaatlichen Verkehr angeboten werden, als N achfrage besteht. Gold- und Devisenvorräte haben lediglich die A u fgab e, im Falle solcher vorübergehender Passivität der Zahlu ngsbilanz den Ausgleich zu schaffen. D e s h a l b i s t e s d i e P f l i c h t jeder V o l k s w i r t s c h a f t , für eine m i n d e ­ s t e n s a u s g e g li c h e n e Z a h l u n g s b i l a n z Sorge zu t r a ­ g e n , u m s i c h so v o n d e m B e s i t z o d e r N i c h t b e s i t z v o n G o l d v o r r ä t e n mö glichst u n a b h ä n g i g zu machen.

139


fertigt, das der Kreditgeber in ihn setzt, daß er nämlich m it Hilfe dieses Kredits W aren herstellt, also erarbeitet, und so richtig kalkuliert, so richtig gearbeitet hat, daß er beim Verkauf der W aren den Kredit wieder löschen kann, oder wenn er nicht au f anderem W ege vorhandene flüssige Mittel anschafft, die die Löschung des Kredites bewerk­ stelligen - , dann wird sein als K reditunterlage gegebener Sachwert durch den Kreditgeber an einen Dritten weiterge­ geben, der seinerseits über flüssige Mittel verfügt, die ihm erlauben, das Pfandobjekt zu kaufen und den Kredit des Fehlkalkulanten zu löschen. Durch eine Kreditgew ährung, bei der Sachwerte als Kreditunterlage und Sicherheit dienen, wird also niemals eine W iederflüssigm achung der Sachwerte selbst bewirkt. A u ch jede H ypothek au f einen Sachwert bedeutet ledig­ lich die E rrichtung eines Kredites, der von dem Kredit­ nehmer eines Tages wieder zurückgezahlt werden muß oder von einem Dritten, der dann den Sachwert gegen seine eigenen flüssigen Mittel eintauscht. Sachwerte können also nur gegen vorhandene flüssige Mittel getauscht, niem als aber wieder flüssig gem acht werden durch A usgabe irgendwelcher Geldzeichen

Der

Tausch von festgewordenem K apital gegen flüssiges Kapi­ tal ist der Sinn jedes K aufes. A u s dieser K larstellung ergibt sich zugleich auch die K larstellung dessen, w as ein Kredit ist. K au f bedeutet Tausch, d. h. A ustausch von gegenwärtiger Leistung und Gegenleistung; Kredit jedoch bedeutet Vertrauen auf eine künftige Leistung. So ist auch verständlich, daß aller Kre­ dit auf Vertrauen beruht, und so ist auch weiter verständ­ lich, daß die Konstruktionselemente des Kredits und sei140


ner Schöpfung auf das sorgfältigste durchforscht werden müssen, w eil sie zugleich auch die Grundlage des Ver­ trauens sind. A us dieser Einsicht wird die zu Eingang dieser Ausfüh­ rungen erhobene Forderung verständlich, daß eine voll­ kom m ene exakte Durchleuchtung der Mechanik des be­ sonderen Falles der Kreditvorschöpfung erfolgen muß, wenn m an diese nunmehr bewußt in den Dienst der volks­ wirtschaftlichen Produktion und vor allem der Finanzie­ rung der Arbeitsbeschaffung stellen will, nachdem sie bis­ her nur privatwirtschaftlich und ohne ■ wirkliche Kenntnis ihres W esens und ihrer Grenzen gewissermaßen unbewußt angewandt wurde. Es gibt zwei verschiedene Kreditvorgänge. Der normale F all ist der folgende: Nehmen wir an, eine Bank besitzt ein flüssiges Eigenkapital von einer Million Mark und er­ hält nun von seiten ihrer Kunden weitere 4 Millionen M ark Einlagen (Depositen), so ist die Bank in der Lage, 5 Millionen Mark Kredite auszuleihen. Also: 5 Millionen realen Einlagen stehen 5 Millionen gegebene Kredite ge­ genüber. Dies ist der Vorgang der auf realen flüssigen Ein­ lagen beruhenden Kreditgewährung. Hier erzeugt also das Deposit (die Einlagen) den Kredit. Es muß also zuerst eine Einlage vorhanden sein, ehe ein Kredit gewährt werden kann. Bei diesem Vorgang hat das Deposit den Vorrang vor dem Kredit. In Wirklichkeit erfolgt hier überhaupt keine Schöpfung von Kredit, sondern es werden in diesem Fall nur durch die Bank die flüssigen Mittel eines Einlegers, mit denen er selbst nicht gewillt ist, zu arbeiten - weitergegeben - aus­ geliehen! Mit seiner Hilfe werden Waren erzeugt, die dann


später beim V erkauf nicht nur die R ü ck ga b e der geliehenen flüssigen Mittel ermöglichen, sondern evtl, auch einen ge­ wissen Überschuß an flüssigen M itteln erbringen, der dem Produzenten verbleibt und die

Gesam tsum m e der der

Volksw irtschaft zur V erfügung stehenden flüssigen Mit­ tel vermehrt. Das W esen der produktiven Kreditschöpfung, wie sie von den Kreditbanken immer geübt wurde, besteht da­ gegen in folgendem :W enn sich die oben geschilderte Bank nicht darauf beschränkt, für 5 Millionen Kredite auszu­ leihen (entsprechend ihren realen flüssigen M itteln), son­ dern darüber hinaus vielleicht bis 10 oder gar 20 Millionen Kredite gewährt, so tut sie das im Vertrauen darauf, daß die Kreditnehmer einmal richtig kalkulieren, und daß zweitens genügend reale flüssige Mittel im M arkt vorhan­ den sind, oder diese befähigt werden, durch Erhöhung ihrer Um laufsgeschwindigkeit die jeweils erzeugten W a­ ren des Kreditnehmers zu kaufen, und ihn in die Lage ver­ setzen, den Kredit wieder zu löschen. Diese im Verrech­ nungsw eg entstandenen

Kredite sind eine echte Vor­

schöpfung, sind also nicht substantiell unmittelbar be­ gründet, sondern finden ihre R ealität erst in der erfolgten W arenherstellung und können nur eingelöst werden durch Erhöhung der Um laufgeschwindigkeit der vorhandenen realen Betriebsmittel. Diese Kreditschöpfung bewirkt also, daß die vorhan­ denen realen Betriebsmittel eine Erhöhung ihrer Um laufs­ geschwindigkeit erfahren. Das Produkt aus Menge mal Um laufsgeschwindigkeit des Buchgeldes wird ein größe­ res und ermöglicht somit die Erhöhung der W arenerzeu­ gung bzw. des W arenumsatzes. In der richtig angesetzten 142


Kreditschöpfung besitzen wir also das Mittel, in einer Volksw irtschaft, die an zu geringen realen Betriebsmitteln krankt, a u s e i g e n e r K r a f t doch eine erhöhte Produk­ tion in Gang zu setzen, eben durch Erhöhung der Wirk­ sam keit der vorhandenen Betriebsmittel. Die Kreditschöpfung ist also der Regulator, der je nach dem Bestand der Volkswirtschaften an flüssigen Mitteln den B lut- und Säftekreislauf in angemessener Weise be­ schleunigt oder verlangsamt, also steuert. Ist die Wirt­ schaft vollblütig und vollsaftig, d. h. besitzt sie genügend flüssiges Kapital, so wird die Kreditvorschöpfung nur in verhältnism äßig geringem Umfange benötigt und der B lut- und Säftekreislauf kann sich in gemäßigtem Tempo vollziehen. Krankt jedoch eine Wirtschaft, wie die heutige deutsche, an besonders starkem Betriebsmittelschwund, in diesem Fall an Mangel an flüssigem Kapital und damit an Krediten, so muß der Umlauf der Säfte durch produktive Kreditvorschöpfung stark beschleunigt werden, wenn die gesamte Maschinerie des volkswirtschaftlichen Körpers in Gang gehalten werden und allmählich wieder eine Auf­ füllung an realen Betriebsmitteln erfolgen soll, die dann wiederum eine Mäßigung des Tempos des Umlaufes nach sich zieht. Denn wie liegen heute die Dinge in der deutschen Volks­ wirtschaft? Es ist bekannt, daß die öffentliche und private Mißwirtschaft, die Tributzahlungen und andere Ursachen seit 19x8, die Steuern für unproduktive Zwecke und den Zinssatz so erhöht haben, daß die realen flüssigen Mittel und ihre Umlaufsgeschwindigkeit innerhalb der deutschen W irtschaft auf etwa 60% ihrer Wirksamkeit von 1913 zusammengeschmolzen sind und daß daher auch nur noch 143


etw a 60 %

des deutschen Produktionsapparates infolge

dieses Betriebsm ittelm angels bew egt werden können. D .h. also, daß von etw a 18 M illionen arbeitswilliger und ar­ beitsfähiger deutscher Menschen etw a 7 Millionen nicht beschäftigt werden können. A ber nicht nur die Abstellung der großen Fehlinvestierungen seitens der öffentlichen Hand und privaten W irtschaft (Arbeitslosenunterstützung ohne Arbeitsleistung), also eine durchgreifende Senkung der Steuern für u n p r o d u k t i v e

Zwecke,

mindestens

auf den Stand von 1913 wird allm ählich eine Auffüllung des Volum ens der realen Betriebsm ittel bewirken, son­ dern, um diesen Prozeß in G ang zu bringen und zu unter­ halten, muß als w ichtigstes M ittel die Betriebskreditschöp­ fung hinzutreten. Und zw ar eine besonders intensive Kre• ditschöpfung, die die vorhandenen realen Betriebsmittel zu einer schnelleren Zirkulation antreibt, um dadurch den M angel an realen Betriebsm itteln auszugleichen, den gan­ zen W irtschaftsapparat wieder zu durchbluten, und vor allem schnellstens den größten Teil der Arbeitslosen wie­ der dauernd in produktive und gesicherte Beschäftigung zu bringen. Diese intensive produktive Kreditschöpfung verlangt nicht nur die Beseitigung des übermäßigen Steuerdruckes für unproduktive Z w eck e und die künftige Vermeidung von Fehlinvestierungen, die den Reinertrag der gesamten Arbeit des V olkes imm er wieder aufzehren würden, son­ dern sie verlangt an erster Stelle und als Voraussetzung überhaupt die Beseitigung des Zinsdruckes. Heute fressen die übermäßig hohen Zinsen nicht nur den Ertrag des schaffenden K apitals auf, sondern die Betriebsmittel selbst. Dadurch wird das Mißverhältnis zwischen flüssigem K api144


tal und Sachkapital (Sachwerten) immer ungünstiger und diese im m er weiter entwertet, so daß sie als Unterlagen für Kredite im m er unwürdiger werden und das Volumen der Kredite immer mehr zusammenschrumpft. Das Ganze nennt sich bekanntlich: Deflation. Unproduktive Steuern, Fehlinvestierungen und Zinsen wirken also heute in der gleichen Richtung, sie verschieben das Verhältnis zwischen flüssigem Kapital und Sachwerten immer mehr zu ungunsten der letzteren. Durch die fortgesetzte Minderung der Kreditwürdigkeit der Sachwerte wird zwangsläufig also auch das Kredit­ volum en eingeschränkt und damit auch die Umlaufsge­ schwindigkeit der schon an und für sich zu geringen Be­ triebskredite. Der Herzschlag der Wirtschaft wird immer schwächer! Es erhebt sich so mit zwingender Notwendig­ keit die Forderung nach einer Verminderung des Zins­ druckes, denn diese bewirkt zwangsläufig eine Erweiterung des Kreditvolumens und damit eine Belebung des Puls­ schlages der Wirtschaft. Das Volumen der möglichen pro­ duktiven Kreditschöpfung und des Zinsdruckes stehen eben im umgekehrten Verhältnis zueinander. Produktive Kreditvorschöpfung ist deshalb auch, solange Deflation herrscht, nicht möglich. Es muß also zunächst der De­ flation das Genick gebrochen werden. Hierfür ist die radi­ kale Zinssenkung das wirksamste und am schnellsten durchführbare Mittel. Die Verminderung des gegenwärti­ gen Zinsdruckes für erststellige Hypotheken auf höchstens 2V2 % und 31/a% für zweitstellige Hypotheken und für alle offenen und sonstigen verbrieften und unverbrieften Kre­ dite, wie sie der Nationalsozialismus als ersten Schritt zur „Brechung der Zinsknechtschaft“ schon seit Jahr und IO

Daitz II

14s


T ag fordert und sie auch durchführen wird - verbilligt die Produktion jedes einzelnen Unternehm ers erheblich und erhöht die K reditw ürdigkeit der Sachwerte in gleicher W eise. Bei der gegenwärtigen Struktur der deutschen W irt­ schaft kann m it großer Sicherheit angenom m en werden, daß durch diese erste H erabm inderung des Zinsdruckes eine autom atische Erw eiterung des Kreditvolum ens um etw a zehn Milliarden eintritt. Die private W irtschaft wird also zunächst in Stand gesetzt, durch Verbesserung ihrer Rentabilität und durch entsprechende Zu nah m e der Kre­ ditwürdigkeit ihrer Sachwerte nach und nach etwa io Mil­ liarden zusätzliche Kredite für Betriebszwecke in Form von Zehntausenden von kurzfristigen Einzelkrediten auf­ zunehmen. Es tritt also eine produktive Kreditvorschöpfung und damit organische A usw eitung des Kreditvolu­ mens für kurzfristige W arenherstellung im volkswirt­ schaftlichen Querschnitt ein. Die vorhandenen realen Be­ triebsmittel werden also schon durch die Zinssenkung zu erhöhter Um laufsgeschwindigkeit gezwungen, d. h. sie werden befähigt, eine erhöhte Erzeugung von io Milliar­ den Güter umzusetzen. Die Erhöhung der Produktion um io Milliarden bedeutet aber die W iedereinschaltung von mindestens 2 1 / i bis 3 Millionen Arbeitslose in den Produk­ tions- und Konsumtionsprozeß. Sie bedeutet die Erhöhung des gegenwärtigen Volkseinkomm ens um etwa 20 bis 25 % . Dies wäre das privatwirtschaftlich zu lösende Ar­ beitsbeschaffungsprogramm. Diese organische privatwirtschaftliche Ausweitung des Kreditvolumens durch produktive

Kreditvorschöpfung

muß aber, wie oben geschildert, sinnvoll unterstützt wer146


den durch Senkung der öffentlichen und privaten Unko­ sten und durch Vermeidung jeglicher Fehlinvestierungen. Hierzu gehört vor allem, daß zunächst bis zur Vollaus­ nutzung der vorhandenen nicht neue industrielle Produk­ tionsmittel und -statten geschaffen werden. Diese selbsttätige private produktive Kreditvorschöpfung bedeutet die Befreiung der privaten Initiative von den bisherigen unproduktiven Zins-und Steuerfesseln! Sie darf nur und ausschließlich dem Zweck der Schaffung neuer Be­ triebsmittel (Betriebskredite) dienen. Sie soll also nur einer Ausweitung der Produktion der vorhandenen Betriebe, vor allem der mittleren und kleinen Betriebe bewirken. Durch die so vor sich gehende organische Ausweitung des Kreditvolumens im volkswirtschaftlichen Querschnitt und die dadurch eintretende gleichmäßige Beschleunigung der vorhandenen realen Mittel, d. h. bessere Durchblutung und Durchsäftung des gesamten Wirtschaftsorganismus, entsteht keine mengenmäßige Ausweitung des Geld­ zeichenvolumens. Die gegenwärtige Menge der Geldzei­ chen von etwa 5 bis 5V2 Milliarden ist völlig ausreichend auch für den erhöhten Güterumsatz. Die Geldzeichen wer­ den eben auch automatisch durch die Erhöhung der Ge­ schwindigkeit der unsichtbaren Betriebsmittel um etwa 20 % in ihrer eigenen Umlaufsgeschwindigkeit und damit Wirksamkeit erhöht. Irgendwelche inflatorische Erschei­ nungen können nur durch eine unorganische, d. h. durch erhöhte Arbeitsleistung nicht erforderliche Erhöhung der Menge der Geldzeichen oder ihrer Umlaufsgeschwindig­ keit entstehen, also dann, wenn sie nicht durch einen parallelen Vorgang in der Sphäre der unsichtbaren Betriebsmittel (Kredite) und damit letzten Endes in IO '

147


einer entsprechenden W arenerzeugung ihren Ausdruck findet. A u s dieser Überlegung ergibt sich ein weiterer Grund­ satz der produktiven K reditschöpfung: diese soll möglichst unsichtbar bleiben. Sie soll so w en ig wie m öglich durch zu­ sätzliche Ausgabe von Geldzeichen in die Erscheinung treten. Eine Verm ehrung der Geldzeichen soll erst dann stattfinden, wenn die U m laufsgeschw indigkeit nicht mehr gesteigert werden kann, oder eine zu hohe U m laufsge­ schwindigkeit finanztechnische U nzuträglichkeiten ent­ stehen

läßt.

Es

muß

eben

das

Bestreben

sein,

im

W irtschaftsorganism us die Geldzeichenm enge und ihre Um laufsgeschwindägkeit im richtigen funktionellen und elastischen Gleichgew icht m it seiner jew eiligen Arbeits­ leistung, d. h. W aren, Produktions- und Verkehrsmittel­ erzeugung zu erhalten. Genau so, wie im lebendigen Or­ ganism us Blut oder Säfte in Menge und Um laufsgeschwin­ digkeit nicht ohne schwere Schädigungen des gesamten Organism us w illkürlich gegenüber seiner Arbeitsleistung verändert werden dürfen. W ir haben schon aus diesem Grunde zu A n fan g dieser Abhandlung darauf hingewiesen,

daß die Herausgabe

irgendwelcher Geldzeichen auf Grundlage vorhandener Sachwerte an sich ein unzuläßlicher V organg ist. Durch die vorstehenden Ausführungen wird dies erneut illu­ striert. D as organisch bedingte Geldzeichenvolumen wür­ de durch Fremdkörper, wie sie solche m it Grund und Bo­ den, Häusern, Eisenbahnen und dgl. „ged eckte“ Geldzei­ chen darstellen würden, verfälscht und vergiftet. Verän­ derungen des Geldzeichenvolumens können eben nur zu dem Z w eck der Erhaltung des funktionellen und elasti148


sehen G leichgew ichts vor sich gehen und sind immer ver­ knüpft m it parallelen Vorgängen im Kreditvolumen, in der Arbeitsleistung und in der Warenerzeugung. Es würde daher eine vollkommene Umkehrung des natürlichen Pro­ duktionsprozesses bedeuten, wenn man nicht durch Er­ höhung der Arbeitsleistung, d. h. der Warenerzeugung, sondern nur durch Vermehrung der sichtbaren Geldzei­ chen den gesamten Wirtschaftsprozeß „ankurbeln“ wollte. „A rb e it schafft Kapital.“ A uch eine „Ankurbelung“ der Wirtschaft durch zu­ sätzliche staatliche Arbeitsbeschaffung ist nur auf dem eben geschilderten Wege lösbar. Also nicht etwa in erster Linie durch vorgängige Vermehrung der Geldzeichen, durch sichtbare Kreditschöpfung, sondern vor allem durch unsichtbare Kreditschöpfung, d. h. durch Vermehrung des Buchgeldes für die Zwecke der Finanzierung der staat­ lichen Arbeiten. Diese Kreditschöpfung, die ausschließ­ lich langfristige Kredite für Investierungszwecke benö­ tigt, bedeutet zweifellos zunächst einen unorganischen Eingriff in den organischen Prozeß der Kreditschöpfung, der nur größtenteils kurzfristige Betriebskredite erzeugt. E r ist zu vergleichen mit der Injektion einer physiologi­ schen Kochsalzlösung in die Blut- und Säftebahn, um eine durch übermäßigen Blut- und Säfteverlust drohende akute Lebensgefahr abzuwenden. Aber angesichts der Lage der deutschen Wirtschaft ist dieser Eingriff heute nicht nur berechtigt, sondern drin­ gendste Notwendigkeit. Wie wir schon wiederholt betont haben, ist das Kreditvolumen in seiner Wirksamkeit auf höchstens 60 % der für den Betrieb des deutschen Wirt­ schaftsapparates notwendigen zurückgegangen. Hier droht 149


tatsächlich Lebensgefahr. W en n auch durch Zinssenkung und Abbau unproduktiver Steuern ein w eiterer Schwund der realen Betriebsmittel verhindert werden kann und weiter eine autom atische, m indestens zwanzigprozentige Kreditausw eitung verm utlich im L aufe eines Jahres eintreten wird, so verlangt jedoch der gegenw ärtige wirt­ schaftliche und soziale Gefahrenzustand des deutschen Volkswirtschaftskörpers

eine

zusätzliche

Maßnahme,

näm lich eine zusätzliche produktive Kreditschöpfung für die Finanzierung

langfristig

sich

tilgender staatlicher

Aufträge für d ie S i c h e r u n g u n d V e r s e l b s t ä n d i g u n g der d e u t s c h e n W I r t s c h a f t , a l s o e i n e s n e u e n d e u t ­ schen

Lebens

aus

eigener

Kraft

und eigenem

R a u m . W enn diese staatliche K reditschöpfung für Staats­ aufträge, dieses staatliche Arbeitsbeschaffungsprogram m zunächst auch als ein Fremdkörper in der normalerweise selbsttätigen

organischen

K reditschöpfung

erscheinen

m ag, so ist sie jedoch heute unum gänglich, sie ist erstes Erfordernis einer wirklichen Staatsführung und national­ sozialistischen Führens der W irtschaft durch den Staat. Der deutsche Volkswirtschaftskörper bricht sonst zusam ­ men und die unbedingt notwendige beschleunigte W ieder­ eingliederung der Arbeitslosen in den Produktions- und Konsum tionsprozeß würde sich über einen Zeitraum er­ strecken, der weder staats- noch wirtschaftspolitisch trag­ bar ist. E s muß deshalb unverzüglich m it einer zusätzli­ chen Injektion staatlicher produktiver Kreditschöpfung begonnen werden, um den Säftekreislauf vorübergehend so zu stärken und zu stützen, bis die selbsttätige organische Kreditschöpfung den weiteren W iederaufbauprozeß selbst übernehmen und allm ählich der Stütze wieder entbehren

150


kann. D urch dieses zusätzliche staatliche Arbeitsbeschaf­ fungsprogram m , das eine ähnlich große Kreditschöpfung verlangt, ist dann die deutsche Wirtschaft nach innen und außen gesichert und weitgehend von Einflüssen des „Welt­ m arktes“ befreit. Daß überhaupt künftig die Vorfinanzierung langfristig sich tilgender Staatsunternehmungen durch produktive Kreditschöpfung nach Überführung der Leitung des ge­ samten Geld- und Kreditwesens in die Hand des Staates die gegebene Methode sein wird, ist selbstverständlich und steht hier nicht zur Diskussion. W elcher Nutzen und welche Gefahren ergeben sich nun aus dieser heutigen zusätzlichen Schöpfung ausschließlich langfristiger Kredite für ein staatliches Arbeitsbeschaf­ fungsprogramm? Den Nutzen haben wir bereits erwähnt. Er besteht in der Hauptsache darin, den zusammen­ geschmolzenen Kredit und den Wirtschaftsorganismus schnell wieder aufzurichten und zu stützen und zunächst einmal zu neuer Lebenstätigkeit, d. h. eigener produk­ tiver Kreditvorschöpfung anzuregen; weiter schnell eine große Zahl Arbeitsloser in den Arbeitsprozeß, wenn auch zunächst unorganisch, wieder einzugliedern. Den eigenen Heilkräften der deutschen Wirtschaft und einer klugen und zielsicheren Staats- und Wirtschaftsführung wird es dann gelingen, nach und nach die zusätzliche langfristige produktive Kreditschöpfung abzubauen und auszuschei­ den, zumal dann, wenn tatkräftig und zielbewußt die pri­ vate produktive Kreditvorschöpfung durch Abbau unpro­ duktiver Steuern und Lasten sowie durch Vermeidung aller Fehlinvestierungen unterstützt wird. Das staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramm befaßt


sich naturgem äß m it Arbeiten, die erst in längeren Zeit­ räumen sich selbst tilgen können. E s bedarf also zu ihrer Finanzierung, wie erwähnt, ausschließlich langfristiger Kredite. Es wird also zun äch st die norm ale Mischung von vielen k u rz- und w en ig langfristigen Krediten der privatwirtschaftlichen produktiven Kreditschöpfung ein­ seitig m it sich langfristig tilgenden Krediten belastet. Es werden Arbeiten finanziert m it langfristigen Krediten, für die m an früher vorhandene flüssige M ittel über Anleihen und dgl. aufwandte. W eder für verzinsliche noch unver­ zinsliche Anleihen stehen jedoch heute flüssige Mittel in der deutschen W irtschaft zur Verfügung, wie wir ja zur Genüge betont haben. Denn das K ennzeichen der heuti­ gen Lage ist ja gerade der katastrophale M angel an flüs­ sigen Mitteln. Infolgedessen m üssen auch diese m angeln­ den flüssigen Mittel für langfristig sich tilgende Staats­ aufträge auf dem W ege der K reditschöpfung ( Staatsbank oder andere staatlich

garantierte W echsel)

gewonnen

werden. Die Gefahr, die sich hieraus ergibt, besteht, wie schon erwähnt, darin, daß die normale M ischung kurzund langfristiger Kredite einseitig zugunsten der langfri­ stigen Kredite verändert wird. Hierdurch kann, wenn die Schöpfung solcher langfristigen Kredite in sehr großem U m fange erfolgt, ein zusätzlicher Bedarf an Geldzeichen eintreten, d. h. die langfristigen vorgeschöpften Kredite haben die Tendenz, sich aus der Sphäre des Verrechnungs­ kredites in die Sphäre der Geldzeichen zu begeben, sicht­ bar zu werden, gewissermaßen aus dem Säftekreislauf mit der Zeit hinüberzuwechseln in den Blutkreislauf und die­ sen in unzulässiger W eise zu vermehren. Es muß deshalb bei der staatlichen Kreditvorschöpfung für langfristig sich 152


tilgende Staatsaufträge, wie Straßen, Siedlungen, Melio­ rationen, Rohstoff-Fabriken und anderen Maßnahmen für die deutsche Unabhängigkeit dafür Sorge getragen wer­ den, daß zwischen der Kreditvorschöpfung für langfristige Zwecke und der selbsttätigen privatwirtschaftlichen kurz­ fristigen Kreditvorschöpfung ein angemessenes Verhältnis besteht. Normalerweise entsteht nämlich auch bei der pri­ vaten produktiven Kreditvorschöpfung ein gewisser Pro­ zentsatz langfristiger Kredite, die nur dem Verzehr dienen, oder entgegen ihren eigentlichen Bestimmungen doch für Investierungen verwendet werden. Es handelt sich also darum, gewissermaßen die staatliche Schöpfung lang­ fristiger Kredite durch die privatwirtschaftliche zu über­ tönen und zu überlagern.

Aber auch an und für sich ist eine zusätzliche staatliche Schöpfung langfristiger Kredite in keiner Weise von den inflatorischen Wirkungen und Gefahren begleitet, die uns als Inflation aus den Jahren von 1918 bis 1924 bekannt sind. Es entsteht überhaupt keine Inflation! Es werden ja in diesem Falle nicht zur Finanzierung des staatlichen Verzehrs oder seiner Fehlinvestierungen wie 1918 bis 1924 einfach zusätzliche Geldzeichen gedruckt, sondern auch bei der staatlichen Kreditschöpfung für Arbeitsbeschaf­ fung sollen ja auf alle Fälle volkswirtschaftlich produk­ tive Anlagen entstehen, die mit der Zeit die aufgewandten Kredite aus der Steigerung und Sicherung des volks­ wirtschaftlichen Ertrages löschen werden. Es handelt sich in Wirklichkeit hauptsächlich darum, die Zwischenzeit bis zu ihrer Löschung zu überbrücken. Es werden also im wesentlichen nur Zwischenkredite notwendig, für die eventuell Schatzwechsel oder Schatzscheine und dergl.

153


hinterlegt oder ein „produktives K reditkon tin gen t“ be­ reitgestellt werden muß. Es besteht weiter die Möglichkeit, diese Schatzwechsel usw. auch durch vorübergehend frei­ werdende flüssige M ittel einzulösen und nur bei Anspan­ nung der flüssigen M ittel wiederum in entsprechendem Um fange zu emittieren. Für eine um sichtige Leitung der Staatsbank wird es keine nennenswerte Schwierigkeit bedeuten, diese langfri­ stigen vorgeschöpften Kredite durch geschickte Einglie­ derung in dem vorhandenen K redit- und Geldzeichen­ volum en aufzufangen und in der Sphäre des Buchgeldes bis zu ihrer endgültigen T ilgu n g festzuhalten. A u ch hier zeigt sich wieder, wie richtig die national­ sozialistische Grundforderung ist, das B a n k - und Kredit­ wesen zu vereinheitlichen und in die Hand des Staates zu überführen. Nur durch Verstaatlichung und einheitliche Leitung des Bankwesens ist es m öglich, dafür zu sorgen, daß die zum Betrieb der Gesam twirtschaft notwendigen Geldzeichen und Kreditm engen in genügender Fülle er­ halten bleiben, und nicht durch übermäßigen Verzehr, Fehlleitungen oder übermäßige Beanspruchung seitens der öffentlichen Hand geschw ächt werden, wie dies in der Ver­ gangenheit ja der Fall gewesen ist und zu dem heutigen Zustand geführt hat. W enn durch einheitliche Übersicht für die nötige Fülle der Geldzeichen- und Kreditvolumina jederzeit gesorgt wird, so wird der Zins ganz von selbst bis an den Verwaltungsunkostensatz heruntergehen, wie wir dies ja heute bei der Überfülle von flüssigen Mitteln bei den holländischen, Schweizer und anderen Auslandsban­ ken erleben, die für Einlagen keinen Zins mehr zahlen, sondern zum Teil sogar noch Verwaltungsgebühren oben154


drein beanspruchen. Es ist also kein unmöglicher oder nie­ mals dagewesener Zustand, daß für Geld kein Zins mehr gezahlt wird. Es ist dies lediglich eine Organisationsfrage. Eine vernünftige staatliche Organisation des Geld- und Kreditwesens, die eben dafür sorgt, daß jederzeit die aus der W irtschaft selbst erzeugten Geld- und Kreditmengen dieser in solcher Fülle erhalten bleiben, daß größeres An­ gebot als Nachfrage existiert, so daß der Zins ganz von selbst in W egfall kommt - ist eben ein gesunder und wün­ schenswerterer Zustand als der heutige, in denen Zeiten unerhörter Geldknappheit mit Zeiten größter Überfülle ab­ wechseln. Die Steuerung der Geldzeichen- und Kredit­ volum ina soll in der nationalsozialistischen Wirtschafts­ führung eben nicht mehr durch das „freie Spiel der Kräf­ te “ , den Zins, sondern durch bewußte Einengung oder Ausweitung der Geldzeichen- und Kreditvolumina erfol­ gen und dadurch zu einer k r i s e n f e s t e n Wi r t s c h a f t führen, die den Rechtsanspruch jedes Volksgenossen auf Arbeit und Brot im weitestgehenden Maße erfüllt. Nur durch zentrale, staatliche Verwaltung des Geldzeichenund Kreditvolumens bei dezentralisierter, d. h. örtlicher Vergebung der Kredite, wird eine genügende Übersicht über den jeweiligen Stand und die einheitliche Manipu­ lierung der Geldzeichen und Kredite möglich sein, und da­ mit gleichzeitig auch das wichtigste Hilfsmittel, die pro­ duktive Kreditschöpfung zum richtigen und organischen Einsatz gelangen. Erst diese organische Zusammenfas­ sung von Geld, Kredit und Kreditvorschöpfung und die Erhaltung ihrer natürlichen und produktiven Verhält­ nisse zu der Menge der vorhandenen Sachwerte (Produk­ tionsmittel) gestattet die Errichtung einer schwankungs155

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freien und krisenfesten, in sich selbst ruhenden W irt­ schaft. Daß von außen hierzu eine m indestens ausgegli­ chene A ußenhandels- und Z ah lu n gsbilan z treten muß, ist ein weiteres Erfordernis. Z u m Schluß noch eine B em erku ng über die äußerlichen M erkm ale, die die Grenzen der produktiven Kreditaus­ w eitung und V orschöpfung kennzeichnen. Bisher haben wir lediglich ihre innere M echan ik zu durchleuchten versucht. E rw ähnt wurde bereits, daß die herköm m liche, unbewußte Selbststeuerung der

Geldzeichen- und

Kreditvolum ina

durch das H in au f- und H erabgleiten des Zinses bewirkt • wurde und daß diese Steuerung durch Zins in einer be­ w ußt gelenkten, organisch aufgebauten W irtschaft ein R udim ent bedeutet, von dem der Volkswirtschaftskörper sich schnellstens befreien muß. Denn dieses Überbleibsel einer niederen W irtschaftsform gibt andernfalls immer wie­ der A n laß zu A nsiedlungen von Parasiten und Infektions­ keim en, die den ehem aligen Sinn des Zinses als Steuer­ organ verfälschen und vergiften und versuchen, aus den flüssigen M itteln, entsprechend ihren Händlerinstinkten, eine Handelsware zu m achen. Der letzte Sinn aller Geldzeichen- und Kreditsteuerung zielt doch darauf ab, eine stabile und schwankungsfreie W irtschaft und W ähru n g aufzurichten. Die Stabilität der W ähru ng findet ihren Ausdruck in ihrer Kaufkraftbe­ ständigkeit und die Stabilität der W irtschaft in der Ver­ meidung von Arbeitslosigkeit. Deshalb muß die Ausw ei­ tung oder Einengung der Geldzeichenvolumen durch den Index kontrolliert werden und die W irtschaft im einzelnen und im ganzen nach außen und innen durch Kontingen­ tierung.


Die Raumgebundenheit organischer Wirtschaft nach innen und außen findet ihren adäquaten Ausdruck in der Kontingentierung der Geldzeichen und Kredite durch Einengung und Ausweitung ihrer Volumina, entsprechend dem Index. Der Index bestimmt die jeweilige Grenze der Geldzeichen und Kreditvolumina. Der Index stellt ein weit zuverlässigeres und mißbrauchfreieres Mittel der Steu­ erung des Kreditvolumens dar, als der Zins- und Goldund Devisen,,deckung“ für das Geldzeichenvolumen. Man hat an Stelle von indexkontrollierter Ausweitung und Einengung variable Tilgungsdiskonte und dgl. vorge­ schlagen. Zweifelsohne stellt ein variabler Tilgungsdis­ kont, wie von Boedler, Jarmer und anderen vorgeschla­ gen, eine Verbesserung gegenüber der Zinssteuerung dar er schafft den Zins ab - aber er vermag nicht die Stabili­ tät der Kalkulation in gleicher Weise zu erhalten, wie das tilgungsdiskontfreie Darlehn, dessen Umfang durch den Index kontrolliert wird. Die Stabilität der Wirtschaft ist aber wesentlich für die Stabilität der Produktion und damit für die Kaufkraftbeständigkeit der Währung.

Kontingentwirtschaft als Grundlage der nationalsozialistischen Geldund Kreditwirtschaftsorganisation Aufsatz in der Zeitschrift „ D ie Deutsche Volks­ wirtschaft"; A p r il 1932.

Die deutsche Revolution, d. h. die Wiederbefreiung des deutschen Geistes aus den Fesseln internationaler, jüdisch intellektualistischer Dogmatik und Scholastik, in die ihn das untergehende Rom verstrickt hatte, als es sich des an157


drängenden nordischen M enschen m it dem Schwert nicht mehr erwehren konnte - zerfällt in zw ei Abschnitte. Der erste beginnt m it der lutherischen Reform ation. Diese setzte zw ar an Stelle der röm isch -kath olischen Dogm atik eine andere; aber im m erhin doch eine deutsche, d. h. eine nationale, statt der bisherigen international-universali­ stischen. W en n so auch die deutsche K irche und Glau­ benslehre nur unvollkom m en befreit wurde, so weitete sich doch die Reform ation zur deutschen Revolution da­ durch, daß sie die W issenschaften, die Philosophie und die K unst gänzlich von Scholastik und D o gm atik befreite, allein auf empirische Grundlagen stellte und in den Rang der Naturwissenschaften erhob. - D urch die anschließen­ den Glaubenskäm pfe, den Dreißigjährigen Krieg, vor allem aber die Französische Revolution, die den Juden politisch und den jüdischen Geist literarisch freisetzte, d. h. wieder­ um eine W elle reinsten naturwidrigen Intellektualismus und Internationalism us entband und über Deutschland hinschwem m te, wurde zunächst noch verhindert, daß sich das Befreiungswerk auch auf die Gebiete der deutschen S taats- und W irtschaftslehre ausdehnte. A u s diesem ungeheuerlichen, sich immer mehr verbrei­ ternden und vertiefenden Abgrund, der sich zwischen den auf empirischen Grundlagen in organischer, schöpferi­ scher Freiheit erhebenden deutschen Philosophie, Na­ turwissenschaften, Technik und K unst auf der einen Seite und der in unschöpferisch-dogmatischen Liberalismus und Marxismus verharrenden Staats- und W irtschafts­ lehre andererseits - auftat, ist das große U nglück und die Katastrophe unserer Tage aufgestiegen. Hier setzt nun der zweite Teil der deutschen Revolution ein: unsere na158


tionalsozialistische Bewegung. Sie will das von der Re­ form ation begonnene, durch den Kantischen Kritizis­ mus geläuterte Befreiungswerk des deutschen Geistes auch auf die Staats- und Wirtschaftslehre ausdehnen, diese ebenfalls in den Rang der Naturwissenschaften erheben und damit das deutsche Volk in allen seinen Lebensregun­ gen wieder auf eine einheitliche Ebene und unter das Ge­ setz der organischen Freiheit stellen. Die Formel des Organisch-Schöpferischen lautet: na­ türliche Gebundenheit, d. h. Begrenzung nach außen und Freiheit nach innen. Die entgegengesetzte Formel des unschöpferischen Me­ chanismus dagegen: dogmatische Gebundenheit nach in­ nen, hemmungslose Freiheit, d. h. Internationalismus, nach außen. Nach unserer nationalsozialistischen Weltanschauung und Erkenntnis treten sich diese wesensverschiedenen For­ mulierungen besonders charakteristisch in den Begriffen: Volkswirtschaft und Weltwirtschaft gegenüber. Volkswirt­ schaft ist ein Organismus, eine lebendige Einheit, die durch­ waltet wird von organischer Gesetzmäßigkeit. Weltwirt­ schaft dagegen ist ein toter Mechanismus und die ihm zu­ geordnete Gesetzmäßigkeit rein mechanischer Ausgleich. Während die Ganzheit der Volkswirtschaft überwacht wird durch die Autorität der zentralen völkischen Gesetz­ gebung, die das Primat und den Geist des Ganzen vor je­ des seiner Glieder stellt - , besitzt die sogenannte Welt­ wirtschaft keine zentrale Autorität, keinen Zellkern, keine zentrale Gesetzgebung. Die Weltwirtschaft ist eben kein selbständiges Wesen, sondern nur mechanischer Ausgleich und Austausch der 159


Überschüsse der V olksw irtschaften . In der W eltwirtschaft herrscht infolgedessen als R egu lator u n geh em m t Angebot und Nachfrage. E in e höhere E th ik ist dort unbekannt. In der Volksw irtschaft herrscht dagegen A n geb o t und Nach­ frage nur gedäm pft durch die zentrale Gesetzgebung: das W oh l des Ganzen. Oder in unserer nationalsozialistischen Form ulierung ausgedrückt: In dem geschlossenen Orga­ nismus der V olksw irtschaft geht G em einnutz vor Eigen­ nutz, dagegen in der W eltw irtsch aft E igen n utz vor Ge­ m einnutz. Es w ar die große Sünde des vergangen en Jahrhun­ derts, daß diese natürliche und ethische Grundverschieden­ heit von V o lksw irtschaft und W eltw irtsch aft nicht gesehen oder bewußt verfälscht wurde. Die W eltw irtsch aft wurde nicht als der untergeordnete, abhängige, m echanische A u s­ gleich der Volksw irtschaften hingestellt, sondern als eine selbständige, den V olksw irtschaften übergeordnete Einheit. Überall unternahm das liberalistisch-m arxistische Den­ ken den Versuch, den m echanischen Spielregeln und Ge­ setzm äßigkeiten der W eltw irtsch aft auch in den Organis­ m en der V olksw irtschaft zur H errschaft zu verhelfen, diese dadurch zu zersetzen und in den allgem einen Brei, den Schein-O rganism us einer W eltw irtschaft aufzulösen. Das heißt, das Ende dieses Bestrebens ist das heutige w elt­ wirtschaftliche Chaos, in dem nun der m arxistisch-liberalistische Geist selbst untergeht. A u s dem sich aber in ent­ schlossener Selbstbehauptung die einzelnen Volksw irt­ schaften wieder herausgliedern und in bewußter Selbst­ besinnung ihre organische Gesetzm äßigkeit gegenüber den mechanischen Spielregeln der W eltw irtschaft wieder her­ aussteilen. 160


Das Prinzip des Organischen ist das Kontingent. Es verhütet, daß organisch Geformtes im Mechanischen, im Ungeform ten, im Brei versinkt. O rganische W irtschaft ist deshalb Kontingentwirt­ schaft. K ontingent ist aber nichts Starres, sondern ein Elastisch-Lebendiges; es unterliegt der Einengung und Ausweitung, der Rhythmik. Dies ist seine innere Freiheit, die jedoch niemals die letzte äußere Gebundenheit über­ schreitet. Die nationalsozialistische Wirtschaftslehre beabsich­ tigt also nichts weiter, als durch Kontingentwirtschaft die ausgeuferten, ihre natürlichen Grenzen überschreitenden Dinge wieder unter ihre natürliche Gebundenheit zurück­ zuführen und sie in lebendig-elastischer Weise, d. h. in ihrer natürlichen Freiheit, zu erhalten. Das, was die Na­ tur bisher mittels unbewußter Regulative in lebendiger Form erhielt, das aber durch das Dazwischentreten des mephistophelisch-materialistischenlntellekts zerstört wur­ de, nunmehr durch bewußte Organisation wieder herzu­ stellen, allen widernatürlichen Unsinn zu beseitigen und die innere Logik und den inneren Sinn der Dinge in Wirt­ schaft und Staat wieder aufzurichten. Unter diesen Ge­ sichtspunkten stellt sich ihr Kernstück, die nationalsozia­ listische Geld- und Kreditwirtschaftsorganisation, folgen­ dermaßen dar: Die empirischen Grundlagen der letzten fruchtbaren Epoche der deutschen Volkswirtschaft in den Jahren 1912/13 sahen, kontingentmäßig betrachtet, so aus: Einem Immobilienvolumen von etwa 270 Milliarden Mark waren ein Kreditvolumen von etwa 120 Milliarden Mark und ein Geldzeichenvolumen von etwa 6 Milliar-

11

D aitz II

IÖI


den M ark zugeordnet. Das Verhältnis dieser drei Grund­ kontingente der V olksw irtschaft untereinander bewirkte eine fruchtbare Arbeitsleistung der Gesam tw irtschaft, die sich in einem Jahres-Bruttoeinkom m en von 5 0 -5 5 Milliar­ den M ark ausdrückte, von dem als Nettoüberschuß etwa 5 -6 Milliarden verblieben. U m diesen ersparten Betrag vergrößerte sich jährlich das Im m obilienkontingent. Oder wenn man die D inge m ittels eines biologischen Gleich­ nisses darstellen will, so bedeutet das Geldzeichenvolum en das Blut, das Kreditvolum en die Säftem enge und das Im ­ m obilienvolum en die feste Körpersubstanz. In den Jahren fruchtbarer W irtsch aft wurde durch den rationellen Stoff­ wechsel, der sich hauptsächlich über den Blutkreislauf und Säftekreislauf vollzog, ein Überschuß in Form eines Fettansatzes erzielt. M it anderen W orten: u m das ganze Im m obilien- oder Sachw ertvolum en der Volksw irtschaft, das gewisserm aßen das H andw erkszeug, den Gerätepark aller w erktätigen Deutschen darstellt, zu bewegen und laufend produktiv um zugruppieren, also ein Nationalein­ kom m en von etw a 5 0 -5 5 M illiarden jährlich zu erzielen, sind eben liquide M ittel erster Ordnung, d. h. Geldzeichen von etw a 6 M illiarden M ark und liquide Mittel zweiter Ord­ nung, Kredite in Höhe von etw a 120 Milliarden M ark nötig. Die Geldzeichen stellen gewisserm aßen das K leingeld dar. Sie besitzen eine hohe U m laufgeschw indigkeit. Die K re­ dite, ob B a n k - oder Hypothekarkredite, sind das Groß­ geld, das wesentlich langsam er zirkuliert. Dieses

gesunde,

produktive

G leichgew icht

der

drei

Grundkontingente wurde erhalten und innerhalb der für jedes K ontingent zulässigen Grenze reguliert durch einen autom atischen R egulator, den Zins. Sobald beispielsweise 162


während des Arbeitsaustausches zwischen dem Geldzei­ chenvolum en und dem Kreditvolumen oder dem Kredit­ volum en Und dem Sachwertvolumen unzulässige Grenz­ übertritte zu erfolgen drohten, die etwa das Geldzeichen­ volum en zugunsten des Kreditvolumens oder das Kredit­ volum en zugunsten des Immobilienvolumens unzulässig einzuengen drohten, sprang der Zins auf, verteuerte die Geldzeichen oder die Kredite, erhöhte also gewissermaßen die Trennungswände und drosselte damit den Abfluß der Geldzeichen oder Kredite ab, so daß sich ihre Volumina wieder auffüllen konnten. Es trat auch der umgekehrte F all ein. Sobald sich eine Überfülle von Geldzeichen oder Krediten bemerkbar machte, sank der Zins und erleich­ terte damit den Übertritt in das Immobilienkontingent. D urch diese Funktion des Zinses wurde im ersten Fall eine Deflation, die durch unzulässige Verknappung der Kredite oder Geldzeichen entstehen konnte, verhindert, im zweiten Fall eine Inflation, die durch Überfüllung der Geldzeichen und Kreditvolumina zu befürchten war. Es wurde also gewissermaßen durch diese automatisch-unbe­ wußte Regulierung, die der Zins vornahm, indem er die Geldzeichen oder die Kreditvolumina verteuerte oder ver­ billigte, eine notdürftige Kontingentierung, d. h. Auswei­ tung oder Einengung der Geldzeichen- oder Kreditvolu­ m ina vorgenommen, zum Zweck der Erhaltung ihres bio­ logischen Gleichgewichtes und damit einer relativ krisen­ losen in- und deflationsfreien Wirtschaft. Außerdem ver­ hinderte die Zinsherrschaft recht und schlecht, daß Großund Kleingeld ihrer natürlichen Funktion entfremdet wurden; sie blieben beide Verkehrsmittel und in genügen­ der Zirkulation. Die Folge dieser Geldzeichenfülle war I I !

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w eiter, daß das P ro d u ktio n skap ital 1913 einen E rtrag von etw a 7 bis 8 % , und das L eih k ap ita l einen E rtra g von etwa 3 bis 4 % erzielte. D as L eih k a p ita l erlitt also gegenüber dem P rod uktion skapital einen re la tiv en Schw und durch den geringeren E rtrag . E s en tstan d so ein G efälle, das das L eih k ap ital zw an g, w en n es n ich t einen relativen Verlust erleiden w ollte, sich der P ro d u k tio n dringend anzubieten. W äh ren d der verän d erliche Z in s a u f diese W eise bereits eine, w en n au ch m an gelh afte K o n tin g en tw irtsch a ft inner­ halb der deutschen V o lk sw irtsch a ft b ew irkte und damit die W ä h ru n g im Innern re la tiv w ertbestän d ig h ielt (nie­ m als h a t die sch w an ken d e G old- und D ev isen -,,D ecku n g“ die deutsche W ä h ru n g stab il g e h a lte n ), w u rd e a u ch durch den gleitenden Z in s die deutsche W ä h ru n g n ach außen, n ach der Seite der W e ltw irtsch a ft, w ertbestän d ig gehalten. T ra t zu m Beispiel durch vorübergeh en d verstä rk te E in­ fu h r die G efahr au f, daß m eh r M arkbeträge im W elth an ­ del zu m A n g eb o t gelan gten , a ls vo n diesem fü r B ezahlun g g leich zeitig er deutscher A u sfu h r v e rla n g t w urden, so daß n ach dem G esetz vo n A n g e b o t und N ach frage, das die w e ltw irtsch a ftlich e n V o rg ä n g e u n b esch rän k t beherrscht, ein S in ken der deutschen V a lu ta eintreten ko n n te - so sorgte a u ch h ie r der Z in s durch A n steigen fü r vorüber­ gehende A n le ih u n g vo n G old und frem den V a lu ten (sofern die eigenen D evisen - und G oldreserven n ich t ausreichten) und fü r D rosselu n g der E in fu h r. Setzte dann später wieder eine v e rstä rk te A u s fu h r ein, so tra t erhöhte N achfrage nach M arkb eträgen a u f, und die frem den Gold- und D e­ visenbeträge k o n n ten w ied er abgestoßen w erden, bzw . kon n te ein eigener größerer S to ck an solchen Z a h lu n g s­ m itteln w ieder an g esam m elt w erden. 164


A u ch im Außenhandelsverkehr wurde so durch das H inauf- und Hinabgleiten des Zinses schon eine gewisse grobe Kontingentierung von Einfuhr und Ausfuhr be­ w irkt.

Diese

zinsmäßige unbewußte Kontingentwirt­

schaft, die mit Ausweitung oder Einengung der Geldzei­ chen und Kreditvolumina arbeitet, ist heute nicht mehr m öglich, da nirgends mehr die schrankenlose Freizügig­ keit von Waren, Gold und Geld vorhanden ist, die das heutige Chaos herbeigeführt hat. Nur in der im Welthan­ delsverkehr geborenen mechanisch-materialistischenGeldwirtschaft, die mit Hilfe des jüdisch-intellektualistischen Geistes auch in die lebendige Organik der Volkswirtschaf­ ten eindrang und diese zersetzte - konnte der Zins als Regulator wirksam sein. Mit ihrem heutigen Zusammen­ bruch und der klaren Auseinandersetzung zwischen selbst­ bewußter volkswirtschaftlicher Organik und untergeord­ neter weltwirtschaftlicher Mechanik ist zugleich auch der Zins als automatisch-unbewußter Regulator der volks­ wirtschaftlichen Kontingente unbrauchbar geworden. An die Stelle des einer niederen Entwicklungsstufe angehören­ den Zinses muß die bewußte Regulierung durch natür­ liche Organisation der Geld- und Kreditvolumina treten, wie auch die übrige Volkswirtschaft durch den beginnen­ den ständischen Aufbau sich den Kontingentgedanken be­ wußt zu eigen macht. Klare bewußteFestlegung von Kontingenten, auf Grund empirisch-wissenschaftlicher Untersuchung, jedoch ver­ bunden mit einer gewissen Ausweitung und Einengung, die ihre elastische Handhabung ermöglicht, ist, wie wir be­ reits schon vorher sagten, das Grundprinzip des organi­ schen Wirtschaftsaufbaus und -Verkehrs, und zwar nicht


nur nach innen, sondern au ch im zw isch en staatlich en Ver­ kehr. N ur m it dieser fu n d am en talen E rk en n tn is vor Augen k an n der N ationalsozialism us an den W ied erau fb au der deutschen V o lk sw irtsch aft heran treten , insbesondere auch den N eubau der Geld- und K red itw irtsc h a ft errichten, der als erstes in A n g riff genom m en w erd en m uß. E s muß also n icht nur das G eld zeichenvolum en k ü n ftig m anipuliert werden, sondern a u ch das K red itvo lu m en ; und zw ar beide n icht m ehr durch den Z in s, sondern m en gen m äßig durch bew ußte A u sw eitu n g oder E in e n g u n g und B eschleuni­ gun g oder H em m ung ihrer U m lau fsgesch w in d igkeit, mit H ilfe einer elastischen, jed erzeit einen Gesam tüberblick gestattenden O rgan isation.

Grundsätzliches zur Zinsfrage Rede anläßlich der außerordentlichen General­ versammlung des Zentralverbandes des Deut­ schen B an k- und Bankiergewerbes e. V. am 2-5•1933•

E ben sow en ig w ie die A rm u t vo n der P o verte kom m t, eben sow enig finden die hoh en Z in sen ihren Grund in der U n sich erh eit des K a p itals. V ielm eh r m ach en die hohen Z in sen erst jed en K ap italan sp ru ch unsicher. E in e uralte E rbw eisheit unserer V o rfah ren , die bisher in jed em W irt­ sch aftssystem rich tig w a r, über die m an sich aber glaubte in den verflo ssen en fü n fze h n Jah ren hinw egsetzen zu kön n en - besagt, daß die Steuern fü r reine V erw altu n gs­ zw ecke n ich t über den Z e h n ten und die Z in sen n ich t über den halben Z e h n ten steigen dürfen. D enn sonst sind beide nicht m ehr E rh alter, sondern V erzeh rer der Substanz. 166


D adurch, daß in den Jahren vor dem Kriege der durch­ schnittliche Zinssatz des Leihkapitals etwa 4% betrug und der durchschnittliche Ertrag des arbeitenden Kapitals etwa 8 % , bestand ein gesundes Gefälle im Verhältnis zwi­ schen Leihkapital und schaffendem Kapital. Das erstere drängte sich in die Produktion, weil diese ihm den doppel­ ten Ertrag verhieß. Heute ist das Verhältnis umgekehrt. Es ist vorteilhafter, Geld auszuleihen, als mit ihm pro­ duktiv zu arbeiten. Dieser Zustand ist unmöglich. W enn Sie mich nun fragen: woher die heutigen hohen Zinssätze kommen, so muß ich Ihnen sagen, daß diese eine doppelte W urzel haben. Einmal haben zweifellos die unge­ heuerlichen Tributlasten sowie die gleich ungeheuerlichen, unproduktiven Aufblähungen der Haushalte von Reich, Ländern und Gemeinden sowie der öffentlichen Betriebe da­ zu geführt, das Betriebskapital wie flüssige Mittel der deut­ schen Volkswirtschaft immer mehr zu verknappen. Die unproduktiven Steuern sind eben weit über den Zehnten des Nationaleinkommens gestiegen, ja, sie haben zeitwei­ lig 45% des Bruttoeinkommens verzehrt. Die deutsche Volkswirtschaft ist dadurch aus einem Betrieb, der jähr­ lich 5 bis 6 Milliarden mehr flüssige Mittel erzeugte als er verbrauchte, in einen Betrieb verwandelt worden, der fast den gleichen Unterschuß an flüssigen Mitteln aufwies. Da­ durch ist der Zins, der Warner vor solcher Unvernunft, immer mehr gestiegen, aber niemand hat auf ihn gehört. Dadurch ist der Zins, der in der verflossenen anorgani­ schen Wirtschaft als das unentbehrliche Steuerorgan für die Aufrechterhaltung des richtigen Verhältnisses von flüssigem Kapital zu Sachkapital angesehen worden, ge­ rade von denen der Funktion beraubt worden, für die der 167


gleitende Z in s als das F un d am en t der K ap itallen ku n g galt. W ir werden uns infolgedessen in der Z u k u n ft nach einem anderen Steuerorgan um seh en m üssen, und ich darf daran erinnern, daß a u ch heute n ich t eigen tlich mehr m it dem Zins, sondern nur noch m it bew u ß ter K reditein­ engung oder -au sw eitu n g gesteuert w ird. D o ch über diese sich hier anbahnende neue E n tw ic k lu n g der D in ge län­ gere A u sfü h ru n gen zu m achen , ist es n o ch n ich t an der Z eit. Jedenfalls ist durch die N ich tbeach tu n g des Zinses als Steuerorgan in w eiterer F o lg e eine E n tw e rtu n g der Sach­ w erte, d. h. der gesam ten P ro d u ktio n sm ittel — denn alle Sachw erte sind P rod u ktion sm ittel — der deutschen V o lk s­ w irtsch aft eingetreten, so daß die K red itbasis u m über 60 M illiarden gesch m älert w orden ist. E s ru h t also heute eine H yp othek der U n vern u n ft vo n etw a 60 M illiarden auf den deutschen Sachw erten, die das H auptbetriebskapital der deutschen V o lk sw irtsch aft, das G iralgeld, in gleicher H öhe ein geen gt h a t. D enn es ist bei den h eu tigen Z in s­ sätzen n u r m ö glich , m it etw a 5 M illiarden Z in sen , die e tw a den Z e h n ten des deutschen N ationaleinkom m ens au sm ach en , e tw a 60 M illiarden

K red ite z u verzinsen,

w äh ren d m an m it der gleich en Sum m e im Jah re 1913 e tw a 120 M illiarden K red ite verzin sen konnte. D iese Illiq u id itä t der deutschen V o lk sw irtsch a ft ist also durch die u n g eh eu erlich en T ribu tlasten und die un prod uk­ tive A u fb lä h u n g der H au sh alte vo n R eich , L ändern und Ge­ m einden, und v o r allen D in gen a u ch der ö ffen tlich en B e­ triebe, also aus G ründen der äußeren und inneren M ißw irt­ schaft, erfolgt. E in T eil der heutigen Z in sh ö h e fin d et also hierin seine B egrün d un g. A b er der andere T eil w ird erst 168


durch den in gleicher Weise aufgeblähten Bankenapparat erzeugt. Das deutsche Volk und die deutsche Volkswirt­ schaft verlangen von Ihnen, daß Sie diesen Teil der heu­ tigen hohen Zinssätze unverzüglich bereinigen. Dieser Teil unterliegt Ihrer Macht, Ihrem Sachverstand und Ihrem gu­ ten W illen. Die Hoffnung, daß die Dinge so bleiben könn­ ten, wie sie sind, bitte ich Sie ein für allemal zu begraben. W enn Sie Eingriffe des Staates vermeiden wollen, so grei­ fen Sie selbst zu. Ich wiederhole: Den Teil der übermäßigen Zinshöhe, der in der heute noch bestehenden Mißwirtschaft, d. h. in den noch immer zu sehr für unproduktive Zwecke auf­ geblähten Etats von Reich, Ländern und Gemeinden und vor allen Dingen der öffentlichen Betriebe seinen Grund hat, werden wir auf andere Weise regeln. Vielleicht durch Aktivierung des Sparkommissariats, dem ein zentrales Budgetbüro angegliedert werden muß, um die Etats von Reich, Ländern und Gemeinden und vor allen Dingen der öffentlichen Betriebe zu durchleuchten und mit Ausnahme der Kosten, die durch die Arbeitslosenfürsorge und die inneren Kriegslasten bedingt werden, auf den Stand und unter den Stand von 1913 zu bringen. Aber der sehr erhebliche Teil der heutigen Zinshöhe, der durch die in gleicher Weise erfolgte Aufblähung Ihres Bankenapparates und seine für die heutigen Verhält­ nisse unzweckmäßige Organisation erfolgt ist, für den sind Sie verantwortlich, den haben Sie abzustellen. Volk und Regierung verlangen von Ihnen, daß Sie selbst Hand anlegen, damit derartige Eingriffe und halbe Maßnahmen, wie sie von früheren Regierungen in den verschiedenen „Zinsensenkungsaktionen“ vorgenommen


wurden, k ü n ftig verm ieden w erd en . W ie w e it Sie aus eige­ ner In itiative u n v erzü g lich a n die S e n k u n g der überhöhten Z insen herangehen k ö n n en , z e ig t Ih n en das V orgehen der D eutschlandkasse, die es fe rtig g e b ra c h t h a t, aus eigener K ra ft den Z in se n a u fsch la g z u h a lb ieren , so daß der letzte K red itn ehm er n u r n o ch 2 %

ü ber R eich sb a n k sa tz, das

sind zu r Z e it 6 % , zu z a h le n h a t. E s ist sinnlos für die R eich sban k, m it dem D isk o n t h e ru n terzu g eh en , w enn die übrigen K red itin stitu te n ic h t g le ich ze itig , und zw ar in w eit stä rk erem M aße, die Spann e zw isch e n D ebet- und K red itzin s sen ken . A u c h die E in la g e zin se n m üssen ge­ sen kt w erden. D aß m an a u ch die P fa n d b riefzin sen n ic h t g a n z ver­ schonen k a n n , m ö ch te ich a m R an d e b em erken , aber ich bitte Sie, sich im m er w ied er v o r A u g e n z u h a lten und dies a u ch den Sparern im m er w ied er z u verkü n d en : daß hoher Z in s die U n sich erh eit des K a p ita ls erhöht, und daß nie­ derer Z in s den K a p italan sp ru ch sichert. D em Sparer ist ja n ich t u m ho h en Z in s z u tun , sondern vo r allem um Sich erh eit seines K a p itals. D ies k a n n ih m n u r der niedere Z in s gew äh ren . B itte, stellen Sie Ihre A g ita tio n u m . Denn bisher ist das A u g e n m e rk des Sparers im m er a u f einen m ö g lich st ho h en Z in ssa tz g e len k t w orden. Im übrigen bin ich ü berzeugt, daß die R eich sb an k Ih rem V o rg eh en in angem essener W eise durch D iskon t­ sen ku n g fo lg en w ird . D u rch eine solche, vo n Ihn en einge­ leitete Z in sse n k u n g in V erbind ung m it einer folgenden Senkung des R eich sban kd isko n ts und einer erheblichen Senkung der h eu tigen überm äßigen R ealsteu ern , sow ie der Senkung der T a rife fü r Gas, W asser, E le k triz itä t und V erkeh r w ürde n icht n ur die H yp othek der U n vern u n ft 170


von den deutschen Sachwerten genommen, eine selbst­ tätige Kapitalausweitung für privatwirtschaftliche Zwecke in größtem Umfange eingeleitet, sondern auch eine natür­ liche Arbeitsbeschaffung in die Wege geleitet, die mit der Zeit mindestens vier Millionen durch die Wiederbele­ bung der Privatinitiative wieder in den Arbeitsprozeß ein­ gliedern wird, so daß für die Arbeitsdienstpflicht und die zusätzliche Arbeitsbeschaffung nur noch anderthalb Mil­ lionen Arbeitslose nachbleiben werden. Das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft ver­ langen also, daß Sie unverzüglich an diese wichtige Auf­ gabe der Zinssenkung herangehen und alles tun werden, w as von Ihrer Seite aus getan werden kann, damit wieder der gesunde Menschenverstand in der Wirtschaft seinen Einzug halte. In welcher Weise im übrigen der Geld- und Kreditkreis­ lauf zwangsläufig infolge der Umformung der deutschen W irtschäft von einer bisher international orientierten zu einer echten Nationalwirtschaft durch Sie erfolgen muß und ebenfalls zu einem n a t i o n a l o r i e nt i e r t e n, d. h. e i n e m d e u t s c h e n Ge l d- und K r e d i t k r e i s l a u f wi rd, darüber möchte ich mich heute im einzelnen nicht äußern, sondern werde dies in Kürze von einer anderen Stelle aus tun. Nur so viel bitte ich zu beachten, daß die Herauslö­ sung des deutschen Geld- und Kreditkreislaufes aus seiner internationalen Verflechtung einer künftigen organischen Gesetzmäßigkeit und Bindung unterworfen wird, während er früher infolge seiner internationalen Verflechtung den mechanischen Gesetzen des zwischenstaatlichen Handels und Verkehrs unterlag. Durch die Erhebung der deutschen Volkswirtschaft aus einem mechanischen Nebeneinander


zu einem organ isch en M itein ander w ird a u ch der Geldund K red itk reisla u f, das B lu t des W irtsch a ftsk ö rp ers, zu einer organ isch en F u n k tio n , ein em dienenden Glied des V olkskörpers erhoben. D iesen P ro zeß der N ationalisie­ ru n g der Geld- und K re d itk re islä u fe in den einzelnen V o lk sw irtsch aften sehen Sie h eu te in der g a n zen W e lt vor sich gehen und in der L o slö su n g vo m G oldstandard ihren A u sd ru ck finden. G en au so, w ie ü b erall die U m gruppie­ ru n g der gesam ten W irtsc h a ft und des A ußenhandels n ach dem obersten G esich tsp u n kt: sa v e ty first — Sicher­ heit zu erst — erfolgt. A l l e s s o l l u n d m u ß e b e n d e r V e r ­ t e id i g u n g der L e b e n s g r u n d l a g e n der N a tio n die­ n e n . G anz gleich , w a s es ist, ob L a n d w irtsch a ft oder In­ dustrie, G eldw esen oder A u ß en h an d el. E rst die vergan gen e W irtsch aftsep o ch e der berühm ten w e ltw irtsch a ftlich en „V e rfle c h tu n g “ , die m an besser als die Periode der allgem ein en V erm a n sch u n g bezeichnen ka n n , h a t die allgem ein e U n sich erh eit h erbeigeführt, un­ ter der w ir a lle leiden. A u s ihrem L iquidationsprozeß sehen w ir h eu te ü berall konsolidierte V o lk sw irtsch afte n sowie G ro ß rau m w irtsch aften sich erheben, die das anorganisch e Chaos z u o rg an isch gegliederten R a u m w irtsch a ften u m ­ form en . E rst a u s dieser k la re n A u sein an d ersetzu n g der Interessen k a n n a u ch w ied er eine erhöhte B efried u n g der W e lt erw ach sen , die durch die größten R ü stu n gen niem als erzielt w erd en k a n n , so lan ge die V e rfle ch tu n g des z w i­ sch en staatlich en H andels und V erkeh rs sow ie Geldwesen in dem h eu tigen ch ao tisch en Z u stan d verh arren . D ie Se­ p arierung der G eld- und K red itkreisläu fe der einzelnen V o lk sw irtsch aften aus ihrer intern ationalen „V e rfle c h ­ tu n g “ und ihre U m fo rm u n g zu nation alen G eld- und 172


Kreditkreisläufen wird in erheblichem Maß zur Konsoli­ dierung und damit Befriedigung aller Verhältnisse führen. W ie w eit dieser Prozeß der Herauslösung der Geld- und K reditkreisläufe der einzelnen Volkswirtschaften heute bereits vorgeschritten ist, sehen Sie daran, daß die jeweili­ gen V orräte an Gold und Devisen, über die eine Volks­ w irtschaft verfügt, in keiner Weise mehr maßgeblich sind für den inneren Geld- und Kreditkreislauf, sondern daß die V orräte an Gold und Devisen lediglich die Funktion von zwischenstaatlichem Betriebskapital angenommen haben, von denen jede Volkswirtschaft einen möglichst großen Teil besitzen sollte. Das sogenannte Deckungsprin­ zip ist bekanntlich überall verlassen worden. Daß wir in Deutschland nur ein so geringes zwischenstaatliches Be­ triebskapital besitzen, ist höchst bedauerlich. Es ist dies ja durch die mangelnde Übersicht der früheren Reichsbank­ leitung verursacht, die sich die Gold- und Devisenvorräte abziehen ließ, ehe der unvermeidliche Riegel vorgescho­ ben wurde. Diese geringe Menge an zwischenstaatlichem Betriebskapital wird sich noch in unangenehmerWeise be­ merkbar machen, sobald erst einmal die deutsche Wirt­ schaft sich erholt und erhebliche Rohstoffe einführen muß, die sie später erst in Form von Fertigfabrikaten wieder exportieren kann. Neben der inneren Zinssenkung spielt deshalb die Pflege der Devisenbilanz eine hervorragende Rolle. Zum Schluß möchte ich nochmals die Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß durch engste Zusammenarbeit die vorgezeichneten Ziele erreicht werden. Technische Schwierigkeiten sind dazu da, damit sie überwunden wer­ den. 173


Aufgaben der deutschen Kreditwirtschaft Ansprache bei der Tagung der öffentlich-recht­ lichen Kreditanstalten in

B a d Pyrmont am

9 • 6• 1 9 3 3 -

Seit meiner letzten Rede vor dem Zentralverband des Deutschen B a n k - und Bankiergew erbes am 2. Mai, mit der ich die Zinserm äßigun gsaktion im V erfolg der Rede des Herrn R eichskanzlers in Fluß brachte,

sind fünf

W ochen verstrichen. M an fragt heute n ich t g an z unberechtigt m it einer ge­ wissen U ngeduld im ganzen Lande: w as ist denn nun in­ zwischen in der Zinserm äßigungsfrage geschehen? A m Schluß meiner Rede vom 2. M ai m achte ich ganz besonders au f den bedrohlichen Z ustand der deutschen Geld- und Devisenreserve aufm erksam . Ich habe seit Jahren im m er und im m er wieder auf die Notwendigkeit der E rh altu n g bzw. A n sam m lu n g eines starken Geld- und Devisenbestandes hingewiesen, nicht um dam it den inne­ ren deutschen Geldzeichen- und K reditum lauf zu regu­ lieren, dieser unterliegt vielm ehr der biologischen Eigengesetzlichkeit des deutschen Volkswirtschaftskörpers, son­ dern einzig und allein u m über einen eigenen angem esse­ nen Stock zw ischenstaatlichen Betriebskapitals verfügen zu können. Meine W arnu ngen sind leider nich t beachtet worden, so daß die G old- und Devisenreserve so w eit zu ­ sam m engeschm olzen ist, daß m an nun auch von dieser Seite her die F rage des Transfers der Auslandszinsen aufrollen m ußte. E s ist deshalb zu begrüßen, daß der R eichs­ bankpräsident sogleich als erste T at, inVerbindung m it der A u frollu ng der Zinsfrage im Innern, in energischer W eise die Frage des Zinstransfers und die W iederauffüllung der 174


Gold- und Devisenreserve in die Hand genommen hat. Diese Bemühungen, die ihren Niederschlag in dem heute erlassenen vorübergehenden Transfermoratorium gefun­ den haben, haben naturgemäß verzögernd auf die Be­ handlung der Frage der Inlandszinsen eingewirkt. Trotz­ dem ist aber in Verbindung mit dem Reichsbankpräsiden­ ten auch diese Angelegenheit inzwischen soweit geför­ dert worden, daß wir heute aus dem Stadium der Verhand­ lungen heraus sind und die erste entscheidende Tat auf diesem Gebiet verzeichnet werden kann. Die deutschen öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben sich in Verbindung mit den Sparkassen und Giro­ verbänden entschlossen zu folgender Resolution: ,,Die unter dem Vorsitz des Herrn Gesandten Werner Daitz tagende Hauptversammlung des Verbandes deut­ scher öffentlich-rechtlicher Kreditanstalten e. V. ist ein­ stimmig der Auffassung, daß zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft die umgehende Ermäßigung der überhöhten Zinssätze auf eine etwa den Vorkriegsver­ hältnissen entsprechende Höhe erforderlich ist. Die betei­ ligten Institute erwarten daher sofortige Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles. Sie sind ihrerseits bereit, im Personalkreditverkehr den höchsten Zinssatz gegenüber den letzten Kreditnehmern ab X. Juli unter Zugrundelegung des jetzigen Reichs­ banksatzes auf 67a %, späterhin möglichst auf 6 % herab­ zusetzen. Die Berechnung aller kreditverteuernden, offe­ nen und versteckten Provisionen muß in Zukunft unter­ bleiben; insbesondere muß sofort mit der immer noch übli­ chen Praxis, bei Aufnahme des Kredits den üblichen Kre­ ditbetrag zu belasten und auf der anderen Seite die auf I 7S


Scheckkonto üblichen niedrigen K reditzinssätze zu ver­ güten, gebrochen werden. Zinssatz die

und

Provision

vorgenannten

Sofern

eine Tren n u n g

angebracht

H öchstzinssätze

erscheint,

von

sollen

nich t überschritten

werden. E s besteht ferner E in stim m igkeit darüber, daß für lang­ fristige mündelsichere H ypotheken und sonstige Auslei­ hungen ein H öchstzinssatz von 4Y2 % einschließlich Ver­ w altungskostenbeitrag erreicht werden muß. Die V ersam m lung fordert ihre Mitglieder auf, ihrerseits alle M aßnahm en zu ergreifen, u m das vorgenannte Ziel zu erreichen, insbesondere die Zinssätze entsprechend zu be­ messen. Die V ersam m lung ist aber der Auffassung, daß eine all­ gem eine und w irksam e Kreditverbilligung nur dann er­ reicht werden kann, wenn säm tliche Gruppen der Kredit­ w irtschaft sofort bindende gleichartige Beschlüsse fassen; sie h ält die E rreichung dieses Zieles m it für eine Voraus­ setzung für die Gesundung der deutschen W irtschaft. Der Herr Vorsitzende wird gebeten, diese Entschließung den m aßgebenden Stellen zu unterbreiten und die notwendigen weiteren M aßnahm en einzuleiten.“ E s bleibt je tzt nur noch übrig, daß sich auch die deut­ schen Großbanken diesem Vorgehen anschließen, damit ein einheitliches Vorgehen auf dem Geld- und K apital­ m arkt gesichert ist. W ie ich höre, h a t Herr Dr. Otto Christian Fischer, der Vorsitzende des Zentralverbandes des Deutschen B an kund Bankiergew erbes zu heute abend ebenfalls eine Sit­ zun g in Berlin, Hotel Kaiserhof, einberufen und ich hoffe, daß es hierbei nicht bei theoretischen Erörterungen blei176


ben wird, sondern daß die Großbanken diese Sitzung be­ nutzen werden, ihrerseits die Initiative zu ergreifen, um sich unserem Vorgehen anzuschließen. D am it ist der erste praktische Schritt zu einer organi­ schen Zinsermäßigung geschehen. Seinen Folgen wird sich auch der übrige Geld- und Kapitalmarkt nicht mehr entziehen können. Ich möchte erneut als grundsätzlich betonen, daß die heutigen Zinssätze nicht als Ding an sich im luftleeren R aum stehen, sondern ihre Ursache in der falschen Struk­ tur des deutschen Geld- und Kapitalmarktes finden. Diese falsche Struktur des Geld- und Kapitalmarktes wird einer­ seits verursacht durch den aufgeblähten und nicht nach einer klaren Arbeitsteilung organisierten Kreditapparat, andererseits durch die bisherige falsche Wirtschaftsfüh­ rung von Reich, Ländern, Gemeinden und den Betrieben der öffentlichen Hand, die Gas, Wasser, Elektrizität und Verkehr verwalten. Daß die notwendige Strukturänderung die die Voraussetzung für eine weitere Senkung der Zin­ sen ist, keinesfalls von der Seite der Kreditinstitute allein gelöst werden kann, sondern daß alle diese Dinge nur zu lösen sind vom Gesichtspunkt einer Reorganisation der gesamten Volkswirtschaft aus, muß immer wieder fest­ gestellt werden. Mit Hilfe eines Höchstsatzes für Debetzinsen soll zu­ nächst nur der Rahmen geschaffen werden, innerhalb des­ sen ein gewisser Druck auf die sämtlichen deutschen Kre­ ditinstitute ausgeübt wird, ihren stark übersetzten und nicht arbeitsteilig organisierten Apparat den wirklichen Bedürfnissen des heutigen und künftigen Volumens der Volkswirtschaft wieder anzupassen. Es geht nicht an, daß 12

D a ltz I I

177


immer wieder Versuche unternom m en werden, genau so wie im übersetzten V erw altu ngsapparat von Reich, Län­ dern und Gem einden und öffentlichen Betrieben, diesen Zustand auch im B ankgew erbe als go ttgew o llt und zwangs­ läufig hinzustellen, an dem nichts zu ändern ist. Genau so wie im R eich, Ländern und Gem einden und den öffent­ lichen Betrieben, die Gas, W asser und E lektrizität ver­ walten, auch heute noch viel zu viel Verwaltungsleerlauf besteht, genau so h ä n gt auch heute u m das zusam m enge­ schm olzene

K reditvolum en

der

deutschen

Volkswirt­

schaft schlotternd und hem m end der viel zu große Kre­ ditapparat. E s ist zu erwarten, daß sobald auch die Großbanken den

Absprung

gefunden

haben,

die

einer D iskonterm äßigung folgen wird,

R eichsbank

mit

u m die Zinsen

auf das N iveau zu bringen, die der Führer verlangt hat. E s wird dann A u fgab e eines um fassenden Bankgesetzes sein,

den

gesam ten

sinnvoll der

neuen

deutschen

Kreditapparat

wieder

deutschen V olksw irtschaft

einzu­

fügen. E s ist tatsächlich so, daß gegenüber einem Geldzeichen­ um lauf vo n .5 bis 6 M illiarden und einem innerdeutschen Kreditvolum en von etw a 120 M illiarden im Jahre 1913, ein Geld- und K reditapparat bestand, der nur zwei Drit­ tel des heutigen ausm achte, obgleich der heutige Geld­ zeichenum lauf etw a der gleiche, das Kreditvolum en je­ doch ganz erheblich gegenüber 19 13 zusam m engeschm ol­ zen ist. A u f keinen F a ll ist deshalb ein größerer Apparat wie der des Jahres 19 13 zulässig, und wir müssen auch hier genau so w ie in Reich, Ländern und Gemeinden und öffentlichen Betrieben au f eine Vereinfachung, Verbilli­

eg


gu n g und Reduktion der Verwaltung auf und unter den Stand von 1913 schnellstens hinwirken. Im übrigen muß ich immer wieder darauf aufmerksam m achen, daß die auch heute noch viel zu hohe Belastung m it offenen oder versteckten unproduktiven Steuern und Abgaben und der bisher immer noch versäumte Währungs­ ausgleich (Exportzuschuß) nicht nur die Schuld an der In­ flation trägt, sondern auch an der heute immer noch fort­ wirkenden Deflation, und damit an der falschen Struktur des Geld- und Kapitalmarktes und der zu hohen Zins­ sätze. Dadurch, daß wir die uralte Erbweisheit unserer Vorfahren, die die Grundlage jedes Wirtschaftssystems bilden muß, daß nämlich die Steuern für reine Verwal­ tungszwecke nicht über den Zehnten und die Zinsen nicht über den halben Zehnten hinausgehen dürfen, weil sie sonst nicht Erhalter, sondern Verzehrer der volkswirt­ schaftlichen Substanz sind - vernachlässigen - haben wir nicht zum geringsten Teil den heutigen Zustand her­ aufbeschworen. Sobald nämlich die Steuern und Abgaben jeder Art für reine Verwaltungszwecke den Zehnten des Volkseinkommens überschreitet, ergibt sich zwangsläufig entweder eine Inflation oder eine Deflation. Die Inflation haben wir von 1918 bis 1924 gehabt und die Deflation von 1927 bis auf den heutigen Tag. Im ersteren Fall wurde das Geldzeichenvolumen, im letzteren ist das Kreditvolumen verzehrt. In jedem Fall wurden die Verwaltungsabgaben und Tarife als der Pol hingestellt, um den sich die gesamte Wirtschaft zu drehen habe, während diese umgekehrt sich um die Wirtschaft drehen müssen. Dieser Irrweg wird und muß verlassen werden, denn andernfalls besteht keine Möglichkeit, das heutige gewaltige Arbeitslosenheer wieder 13*

179


in den Produktionsprozeß einzugliedern. D ie künstliche Arbeitsbeschaffung allein, sofern sie n ich t als Ergänzung angesehen und begleitet wird von einer energischen und planm äßigen H erabsetzung der unproduktiven Steuern, Zinsen und Lasten, sowie von einem W ährungsausgleich (Exportzuschuß), fällt hoffnungslos ins Leere und wird schwere Belastungen im G efolge haben. D enn die zusätz­ liche A rbeitsbeschaffung ist nur eine Hilfskonstruktion, um denjenigen T eil der Arbeitslosen au fzu fangen und ethisch und volksw irtschaftlich nutzbringend zu beschäfti­ gen, bis sie die von dem heutigen unnatürlichen, d. h. unpro­ duktiven Steuer-, Z in s-, L asten - und W ährungsdruck be­ freite und zu einer echten N ationalw irtsch aft um gebau­ ten W irtsch aft selbsttätig wieder aufnim m t. Die in den vorstehenden A bhand lu ngen entwickelten Gesichtspunkte der K reditschöpfung und der Geld- und K reditlenkung gelten im Grundsatz für den A u fb au j e d e r völkischen W irtsch aft - nich t nur der deutschen. Denn nur nach den in diesen A bhandlu ngen entwickelten Ge­ sichtspunkten k a n n und m u ß sich jede echte Volkswirt­ schaft die nötigen Betriebsm ittel für ihre B innen- und A u ß en w irtsch aft selbst beschaffen. Nur so wird sie auch in geldw irtschaftlicher H insicht u n abh än gig sein und bleiben und aus eigener K ra ft und eigenem R au m leben können: Freiheit durch Selbstverteidigung hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!


Inhaltsverzeichnis T e i l II

I. K apitel: Europäische Großraumwirtschaft. 1. Die alte Städtehanse und der kontinentaleuropäische W irtschaftskreislauf. 1934..........................................

7

2. Nationalsozialismus, Faschismus und Südosteuropa.

1934

........................................................... ... • • 25

3. Deutschland, die Türkei und das europäische Schicksal

29

4. Großraumwirtschaft. 1 9 3 8 ...................................... 44 II. Kapitel: Neue Außenhandelspolitik. Der „Neue Plan“ . 1. Grundsätzliches zur nationalsozialistischen Außen­ handels- und Verkehrspolitik. 19 3 2 ............................... 55 2. W ir fordern schnellste Errichtung eines Handelsam­ tes. 1 9 3 2 ........................................................................... 65 3. Außenhandelspolitik und Ostraumpolitik. 1932 . . .

4. Nationalsozialistische Außenhandelsgrundsätze. 1933

77

5. Neue Außenhandelspolitik. 1934 . . . . . . . . .

89

III. Kapitel: Verkehrspolitik. x. Wandlungen des Weltverkehrs. 1 9 3 5 ............................ 9 9 2. Die Richtungsänderung der deutschen Verkehrswirt­ schaft. 19 3 6 ...................................................................... I i 7 3. Die Verkehrsidee im mitteleuropäischen Raum.

1937

I2 4

IV . Kapitel: Neue Finanz- und Kreditpolitik. I, Wesen und Grenzen produktiver Kreditschöpfung.

....................................................................................135


{t als Grundlage der nationalso-

Kontingentwirtscfca ^VKtUcMnGeW- ““ 1 1932 • * *

d.twittschaitsorgamsatioiv. ............................

t ^insirage. 1933

3 Gtundsät^c^es 1 A.A u i6a b t n d « d « s

.................. *66

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