DAS NEUE
EUROPA BEITR Ä G E ZUR NATIONALEN W IR TSC H A FT SO R D N U N G UND G ROSSRAUM W IRTSCHAFT
H E R A U S C E G E B E N VON DER
GESELLSCHAFT FÜR EUROPÄISCHE W IRTSCHAFTSPLANUNG U N D G R O S S R A U M W I R T S C H A F T E. V. , B E R L I N
Conrad R.Thyssen Nordsoder Str. 6 2 7 7 2 6 W o rp s w e d e Tel. 0 47 94-13 00 F a x -1 2 13
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DAS NEUE
EUROPA BEITRÄG E ZUR N A TIO N A LEN
W IR TSCH AFTSO RDNUNG -
UND
G RO SSRAUM W IRTSCH AFT
H E R A U S G E G K B E N VON D E R
GESELLSCHAFT FÜR E U R O PÄ ISC H E W IR T S C H A FT SP L A N U N G U N D G R O S S R A U M W I R T S C H A F T E. V., B E R L I N
ME I N H O L D V E R L A G S G E S E L L S C H A F T D R E S D E N
ADOLF H IT L E R
AM VOR
7, M Ä R Z DEM
1936
D E U T S C H E N
R E I C H S T A G
ieviel Sorgen würden der Mensch heit und besonders den europäischen Völkern erspart geblieben sein, wenn man natürliche und selbstverständliche Lebensbedingungen respektiert und bei der politischen Gestaltung des euro päischen Lebensraumes sowohl als auch bei der wirtschaftlichen Zusammenar beit berücksichtigt haben würde. Dies aber scheint mir unbedingt erforderlich zu sein, wenn man in der Zukunft bessere und befriedigendere Resultate erreichen will als jetzt. Und dies gilt besonders für Europa. Die europäischen Völker stellen nun einmal eine Familie auf dieser Welt d a r . . . Es ist wenig klug, sich einzubilden, auf die Dauer in einem so beschränkten Hause wie Europa eine Völkergemeinschaft ver schiedener Rechtsordnung und Rechts wertung aufrechterhalten zu können... t t „ W
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Copyright 1941 by Mcinhold VerlagBgeseüschaft, Dresden Druck von C. C. Meinhold & Söhne GmbH, Dresden A 1 Printed in Germany
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GESELLSCHAFT FÜR
EUR O PÄ ISC H E W IR TSC H A FT SPL A N U N G UND GROSSRAUM W IRTSCHAFT E. V.
D ie Gesellschaft h at den Zweck u n d die Auf gabe, die wirtschaftliche u n d die kulturelle Zu sam m enarbeit der Völker u n d S taaten im euro päischen G roßraum durch Erforschung ihrer v er schiedenen Lebensgrundlagen, ihrer verschie denen volksw irtschaftlichen S tru k tu ren u n d der sich hieraus ergebenden gegenseitigen E rg än zungsmöglichkeiten planm äßig zu fördern, um Europa, den ewigen zentralen Lebensraum der Völker der weißen Rasse, als natürliche lebensund raumgesetzliche E inheit erstehen zu lassen. Die Gesellschaft ist in das V ereinsregister ein getragen u nd setzt sich zusam m en aus ordent lichen, fördernden •u n d Ehren-M itgliedern. Or dentliche oder fördernde M itglieder können E in zel- oder juristische Personen werden. Ü ber ihre Aufnahme entscheidet der V orstand der Gesell schaft. Dieser ernennt auch die in- u n d aus ländischen Ehrenm itglieder. Die M itglieder haben das Recht und die Pflicht, die E inrichtungen der Gesellschaft zu benutzen, an ihren Tagungen teil zunehmen, ihre Veröffentlichungen zu beziehen und a n -d e n Aufgaben fördernd mitzuwirken.
Die Organe der Gesellschaft sind: der V orstand, der Führerring u n d die M itgliederversam m lung. F ür die Forschungsaufgaben im Sinne der Ge sellschaft können au f Vorschlag des Führerringes m it Zustim mung des V orstandes besondere In stitute errichtet, Ausschüsse u n d B eiräte gebildet werden. DER VORSTAND Werner D a itz Gesandter Erster Vorsitzender: Ralf Brockhausen Reichshauptamtsleiter
Stellvertr. Vorsitzender und Hauptgeschäftsführer: Alexander Bertelsson
PR Ä SID EN T DES F Ü H R E R R IN G E S Werner D a itz Gesandter DER FÜ H R ER R IN G Der Führerring gibt der Arbeit der Gesellschaft die Ausrichtung im Sinne ihrer Zielsetzung. Ihm gehören u. a. an: Staatssekretär F r i e d r i c h A l p e r s Reichsforstamt Staatssekretär H e r b e r t B a c k e • , Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft Ministerialdirektor Dr. W er n e r B e s t Kriegsverwaltungschef
Ministerialdirektor Staatsrat Prof. Dr. W i l h e l m B ö r g e r Reichsarbeitsministerium Präsident H e r b e r t D a ß l e r Reichsstelle für Getreide und Futtermittel Staatssekretär Dr. R o l a n d F r e i s l e r Reichsjustizministerium Ministerpräsident a. D. W a l t e r G r a n z o w Präsident der Deutschen Rentenbank Vizeadmiral Dr. h. c. O t t o G r o o s Oberkommando der Wehrmacht Staatssekretär L e o p o l d G u t t e r e r Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda Ministerialrat Prof. Dr. M a r t i n H a m m i t z s c h Direktor der Staatsbauschule Dresden Ministerialdirektor Prof. Dr. H e i n r i c h H u n k e Leiter der Abteilung Ausland im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Präsident des Werberates der Deutschen Wirtschaft *
Staatssekretär W i l h e l m K l e i n m a n n Reichsverkehrsministerium, Stellvertretender Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Staatssekretär i. W. G u s t a v K o e n i g s Ministerialdirigent W i l h e l m M a r o t z k e Stab Reichsmarschall Hermann Göring Ministerialdirektor Dr. W i l l y M e e r w a l d Persönlicher Referent des Führers und Reichskanzlers
Ministerialdirektor Prof. Dr. R. M e n t z e l Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Vizepräsident des Deutschen Forschungsrates Staatssekretär Dr. H e r m a n n M u h s Reichsstelle für Raumordnung Reichsam tsleiter W i l l i P a r c h m a n n Ministerialdirektor im Reichsforstamt Reichshauptam tsleiter Dr. H e r m a n n R e i s c h l e Reichsamt für Agrarpolitik Reichshauptam tsleiter C l a u s S e l z n e r Deutsche Arbeitsfront Staatssekretär Dr. W i l h e l m S t u c k a r t Reichsministerium des Innern Staatssekretär D r. F r i e d r i c h S y r u p Reichsarbeitsministerium Staatssekretär H a n s v o n T s c h a m m e r u n d O s t e n Präsident der Deutsch-Italienischen Gesellschaft und der Deutsch-Italienischen Studi ^Stiftung Prof. Dr. T h e o d o r V a h l e n Präsident d#t Preußischen Akademie der Wissenschaften
W ISSE N SC H A FTLIC H E R BEIRAT Der wissenschaftliche Beirat soll die Forschungs- und Planungsarbeiten der Gesellschaft fördern und unterstützen. Vorsitzender:
Stellvertreter:
Prof. Dr. T h e o d . V a h l e n Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. A nd r . P r e d ö h l Direktor des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel
Ihm gehören u. a. an: Prof. Dr. W i l h e l m H e d e m a n n Direktor des Instituts für Wirtschaftsrecht an der Universität Berlin Prof. Dr. F r a n z H e s k e Direktor des Reichsinstituts für ausländische und koloniale Forstwirtschaft, Hamburg-Reinbek Prof. Dr. R e i n h a r d H ö h n Direktor des Instituts für Staatsforschung an der Universität Berlin Prof. Dr. E r n s t K e l t e r Direktor des Seminars für Wirtschaftsgeschichte an der Universität München W alter Lörch Direktor des Mitteleuropa-Instituts in Dresden Prof. Dr. F r i t z R ö r i g Direktor des historischen Seminars an der Universität Berlin Prof. Dr. E r w i n S c h e u Direktor des Wirtschaftsgeograpbischen Instituts der Handels-Hochschule Königsberg (Pr) Staatsrat Prof. Dr. Carl S c h m i t t Mitglied der Akademie für deutsches Recht Prof. Dr. K a r l C. T h a l h e i m Direktor des Weltwirtschaftsinstituts an der Handels-Hochschule Leipzig W IR TSC H A FT SB E IR A T Der W irtschaftsbeirat h at die Aufgabe, die w irtschafts wissenschaftliche Arbeit der Gesellschaft nach den Erfah rungen und Erfordernissen der Praxis ausrichten zu helfen. Er besteht aus einem K l e i n e n und einem G r o ß e n Wirtschaftsbeirat.
G E L E IT W O R T
I n seiner Rede am 10. Dezember 1940 h a t der F ührer erk lärt: „D er Mensch leb t nicht von Theorien u nd nicht von Phrasen, nicht von E r klärungen, auch nicht einmal von W eltanschau ungen. Leben t u t er von dem, was er von seiner Erde, durch seine A rbeit gewinnen k an n an Lebensm itteln u n d auch an Rohstoffen. Das k an n er verarbeiten, u n d das kann er essen.“ Dieses W ort des Führers gilt nicht n u r für Deutschland, sondern auch für ganz Europa, die ewige Schicksalsgemeinschaft der Völker der weißen Rasse. Nachdem der F ührer durch die Schärfe des deutschen Schwertes E uropa aus seinen überlebten universalistischen Bindungen befreit h at, kann sich nun die europäische Völker familie in ihrem gemeinsamen Lebensraum nach den natürlichen Gewichten ihrer Völker zu einer produktiveren, krisenfesten z w a n g s lo s e n O r d n u n g neu fügen. Ein neues europäisches Gemein schafts- und Kontinentalgefühl wird entstehen — aber nicht aus noch so bestechend klingenden
Theorien, sondern vor allem aus d er p r a k t i schen w irtsch aftlic h en Z u s a m m e n a rb e it der europäischen Völker, die notw endig ist, wenn sie künftig unabhängig von raum - und rassefrem den M ächten bestehen wollen. Gemein sames Leid v erbindet m ehr als gem einsam e Freude, u n d gemeinsame N ot le h rt gem einsam e A rbeit u nd aus ihr d an n einen gem einsam en Glauben entw ickeln: in diesem F all den G l a u b e n a n E u r o p a . D arum ist die europäische G roßraum w irtschaft das friedliche E rziehungs m ittel für ein neues E uropa. D ie h eu te noch bestehenden ideologischen V erschiedenheiten der europäischen Völker können am b esten d urch gemeinsame A rbeit
ü b erb rü ck t
w erden.
So
wurde auch im deutschen Volk als w ichtigstes Erziehungsm ittel zur V olksgemeinschaft d er all gemeine A rbeitsdienst eingesetzt, u n d so w ird sich auch aus der gemeinsamen A rbeit d er Völker Europas an einer europäischen G roßraum w irtschaft die bew ußte europäische Völkergem ein schaft entwickeln.
ALS G E L E I T W O R T für dieses Werk der Gesellschaft für europäische W irt schaftsplanung und Großraumwirtschaft e. V. richtete der Präsident der Preußischen Akademie der W issen schaften, Prof. Dr. Theodor Vahlen, folgenden offenen Brief an den Präsidenten des Führerringes der Gesellschaft.
Sehr geehrter H err Präsident, lieber Parteigenosse D aitz Der Gedanke „Großraumwirtschaft“ ist gewiß in vielen Köpfen aufgetaucht, besonders seit seine Not wendigkeit durch unsern G roßraum -K rieg in alle denkenden Gehirne eingehämmert wird. Aber Ihr Verdienst ist und bleibt, daß Sie seit Jahren für großräumiges Denken in Fragen der Wirtschaft durch unermüdliche Arbeit in Vorträgen und Ver öffentlichungen gewirkt, geworben und — gekämpft haben. Sie hahen die Sonder-Stellung und -Aufgabe Festland-Europas in der Wirtschaft der Welt er kannt, haben hervorragende Märmer des WirtschaftsDenkens und -Handelns zur Mitarbeit gewonnen und hahen mit der Gesellschaft für europäische W irt schaftsplanung und Großraumwixtschaft e. V. grade das Organ geschaffen, das auf dem Gebiete der W irt schaft noch fehlte. Dieses Verdienst ist um so höher
anzuschlagen, als die Widerstände hier besonders schwer und deshalb erst spät zu überwinden waren, ja, geistig gesehen, noch immer nicht ganz über wunden sind. Die Notwendigkeit einer Revolution des W irtschafts-D enkens haben Sie schon im Welt krieg, der ersten Phase der Welt-Revolution, er kannt und mutig vertreten. Unsere, für die W elt so überraschenden Handelsverträge nach dem Grund satz „Leistung gegen Leistung“ beruhen auf Ihren Grundzügen einer neuen Handelspolitik, der Sie, wie auch der Verkehrs-, Finanz- und Kreditpolitik, die aus nationalsozialistischem Denken entspringende Richtung gewiesen haben. Ich habe Ihr mutiges Vordringen auf dornigem Wege seit Jahren beobachtet, beglückwünsche Sie zu Ihren Erfolgen und hin der festen Zuversicht, daß Ihre Arbeit, ,Ihr Kampf dem Nationalsozialismus auch auf dem Gebiete der W irtschaft zum unbe strittenen Siege verhelfen wird. Heil Hitler! Ihr VAHLEN
Berlin - Charlottenburg,
14. J a n u a r
1-941
•m 1 ZUE EUROPÄISCHEN I MARKTORDNUNG
;
D IE GRUNDLAGEN EU RO PÄ ISCH ER MARKTORDNUNG / * Von Werner D a i t g
I n den letzten vierh u n d ert J a h re n orientierte 6ich die W elt u n i v e r s a l , nach rein geogra phischen G esichtspunkten. D urch den H inzu t r i t t neu entdeckter E rd teile w eitete sich n äm lich das Leben der bestehenden biologisch ge bundenen Lebensräum e scbeiobar hem m ungslos aus. Diese Periode ist h eu te endgültig abge schlossen: neue E rdteile können n ic h t m ehr entdeckt werden. Die in den le tzte n J a h rh u n derten neu erschlossenen E rd räu m e w erden selb ständige Lebensräum e durch U m artu n g der d o rt hin aus anderen L ebensräum en übergesiedelten Menschen, wie beispielsweise N ordam erika u n d Südam erika. Diese r e g i o n a l e A ufspaltung der W elt in bio logisch gebundene Lebensräum e, n ach biolo gischen u nd nich t m ehr nach geographischen G esichtspunkten, bedingt auch einen neuen poli tischen, w irtschaftlichen, kulturellen u n d re c h t lichen Regionalismus. Diese erneute B indung des Lebens a n V olkstum u n d R asse, a n V olks gemeinschaft u n d Völkerfam ilie, fü h rt unw eiger lich auch eine neue W irtschafts- u n d R echts ordnung herauf. D ie alte Auffassung, daß die
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W eltw irtsch aft die Sum m e u n ab h än g ig g edach te r E in zelw irtsc h aften ist, is t h eu te in dop p elter W eise ü b erh o lt. W ie der einzelne a n seine V olks gem einschaft, sein V o lkstum , dessen h ö h ere L eb ensordnung u n d dessen L eb en srau m gebun den is t — so tr e te n h eu te im w eiteren Zuge der N eu o rd n u n g d er W e lt die V ölker b ew u ß t zu biologisch geb u n d en en V ölkergem einschaften, V ölkerfam ilien, m it gem einsam em L ebensraum zusam m en. So e n ts te h t also ern eu t eine d rei fach e B in d u n g d er W irtsc h a ft. E rste n s: a n das V o lk stu m (als V o lk sw irtsch aft), zw eitens: a n die V ölkerfam ilie (als G roßraum w irt6chaft) u n d d ritte n s : die B in dung der G roßraum w irtschaften u n te re in a n d e r, im L eistu n g sau stau sch , als W elt w irtsch aft neu er P räg u n g . So sehen w ir überall in d er W ell als P rin zip der gegenw ärtigen W elt rev o lu tio n sich die P arole d u rch setzen : Eh'ologischer R egionalism us s ta tt geographischer U niversalism us. Sie v erw irk lich t sich in A m erika in dem R u f: N o rd am erik a den N o rd am erik a n e rn ! S ü d am erik a den S ü d am erik an ern ! I n E u ro p a fin d et d er gleiche G edanke seinen A us d ru c k in d em n eu en eu ro p äisch en G ro ß rau m r e c h t u n d d er n eu en euro p äisch en S ittlic h k e it: E u ro p a d en E u ro p ä e rn ! D er europäische B e d a rf m u ß z u e rst in E u ro p a g ed eck t w erden. I n O st asien e n ts te h t in g leicher W eise eine o stasiatisch e L e b e n sra u m -R e c h tso rd n u n g : O stasien d en O st a siaten ! U n d die in d isc h -m ala iisch e V ö lk er fam ilie e rh e b t die F o rd e ru n g : In d ie n d en I n d e r n !
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Die W irtsch aften w erd en h eu te som it L e b e n s r a u m w i r t s c h a f t e n . Sie w erden b estim m t von der H altu n g , dem L ebensstil der jew eiligen V olks gem einschaft oder V ölker fam ilie u n d den K rä fte n ihrer H eim atb ö d en u n d ih res K lim as. Die O rdnung der V o lksw irtschaften u n d G roß rau m w irtsch aften geschieht also n ic h t wie b is her aus universalistischen T heorien h erau s, wie F reihandel, in tern atio n aler A rb eitsteilu n g u n d dem freien Spiel der K räfte in A ngebot u n d N achfrage, sondern aus dem Lebensgesetz der Völker u n d V ölkerfam ilien. D esgleichen w ird das W irtschaftsrech t in V olk sw irtsch aft u n d G roß raum w irtschaft n ic h t'm e h r wie b ish er ju ristisch e K onstruktion sein, sondern aus B lu t u n d B oden erwachsen. Ih re p r a k t i s c h e n A u s w i r k u n g e n finden diese neuen W irtsch aftso rd n u n g en n u n in den M arktordnungen der V olksw irtschaften und der gegenseitigen P räferenzierung d er V olks w irtschaften in den G ro ß rau m w irtsch aften . B e i s p i e l h a f t fü r eine solche lebensgesetzliche Ordnung der W irtsch aft ist die in der n a tio n a l sozialistischen R evolution en tstan d en e neue d e u t sche V olksw irtschaft, die ih ren sich tb arsten u n d bezeichnendsten A usdruck in der nationalsozia listischen M arktordnung u n d W irtschaftslenkung findet. Sie sucht in allen drei S ektoren der W irt schaft das oberste Gesetz aller L ebensordnungen, das A utarkiegesetz, m öglichst vollkom m en zu verw irklichen: a n e r s t e r S t e l l e a u s e i g e n e m R a u m u n d aus eigener K r a f t zu leben. 21
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N ahrungsfreiheit, R ohstofffreiheit, A ußenhandels freiheit u nd G oldfreiheit — insgesam t also die W irtschaftsfreiheit — sind die Folge. Diese neue H altu n g d er nationalsozialistischen W irtsch aft schließt n ich t n u r eine deutsche, son dern zugleich au ch eine e u r o p ä i s c h e H a l t u n g in sich. Sie su ch t n äm lich n ic h t m eh r wie frü h er in frem d en E rd teile n , sondern zu erst bei ih ren n äch sten N a c h b a rn in n erh alb der europäischen Völkerfam ilie den ü b e r die E igenerzeugung hin au sg eh en d en B e d a rf zu decken. Sie v e rk ü n d et also eine neue europäische w irtschaftliche S itt lic h k e it: d e r e u r o p ä i s c h e B e d a r f m u ß z u e r s t i n E u r o p a g e d e c k t w e r d e n ! — Diese H a ltu n g d er nationalsozialistischen W irtsch aft is t n u r folgerich tig . D enn die gesam teuropäische R e v o lu tio n u n serer Tage k a n n ü b e rh a u p t n u r ü b e r die völkischen R evolutionen in E u ro p a v oll zogen w erden. D eshalb sind die nationalsozia listisch e, die faschistische, die falangistische u n d die an d ere n R ev o lu tio n en d er europäischen V ölker, die noch folgen m üssen, n u r n atio n ale L ösungen der au s w eltpolitischen G ründen notw endig' gew ordenen gesam teuropäischen N eu ordnung. D enn die h eu tig e europäische R ev o lu tio n , die a u f eine politische, w irtsch aftlich e u n d soziale N euord n u n g des gem einsam en L ebens- • rau m es der V ölker d er eu ro p äisch en V ölkerfam ilie binzielt, w urde d ad u rch ausgelöst, d aß die n eu en td eck ten E rd teile , a u f die 6ich E u ro p a in den le tz te n 400 J a h r e n g la u b te s tü tz e n zu k ö n n en ,
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im m er m eh r ihre p o litisc h e u n d w irts c h a ftlic h e U n ab h än g ig k e it v o n E u ro p a e rk lä re n , ih r e M en schen- u n d R a u m m a sse n n a c h e ig en en le b e n s räu m lich e n G esetzen o rg a n isie re n u n d n u n m it ih rem E igengew ich t rü c k s ic h tslo s a u f E u r o p a drücken. D a m it sch n ellt d as e u ro p ä isc h e L e b e n , das n ic h t m e h r in fre m d e n E r d te ile n h a f te n k an n , w ieder in seinen u rs p rü n g lic h e n R a h m e n z u rü c k u n d m uß 6 ic h n u n h ie r n e u o rd n e n , u m e in e n G egendruck zu e n tw ick eln g e g e n ü b e r d e n n e u e n tstan d en en G ew ichten, d e r g ro ß g en u g is t, d a ß der ewige K ern le b e n sra u m d e r V ö lk e r d e r w e iß e n R asse aus eigener K r a f t sein e b is h e rig e w ir t schaftliche u n d p o litisch e S te llu n g in d e r W e lt n e u festigen k a n n . — D iese N e u o rd n u n g d e r e u r o p ä ischen V ölker m u ß ein H ö c h s tm a ß a n p o litis c h e r, w irtschaftlicher u n d m ilitä risc h e r K a m p f k r a f t u n d L ehensm ächtig k eit au s d em eig en en n a tü r lic h e n R ah m en E u ro p as v o n G ib ra lta r b is z u m U ra l, vom N ordkap b is zu r a frik a n is c h e n K ü s te e in schließlich d er n a tü rlic h e n w irts c h a ftlic h e n E r gänzungsräum e W e st-S ib irie n u n d A frik a e n t wickeln. Jed es V o lk E u ro p a s, d as b e s te h e n b le ib e n will, w ird deshalb die eu ro p äisc h e R e v o lu tio n in seinem artg e m äß en L eb e n sstil v o llz ie h e n m ü ssen . Die völkischen R e v o lu tio n e n E u ro p a s s in d d e s halb nationale u n d eu ro p äisch e zu gleich. E s t r i t t infolgedessen n eb en d en e rn e u e rte n G la u b e n a n das eigene V olk zugleich a u c h ein G lau b e a n die europäische S ch ick salsg em ein sch aft. So e rw a c h t ein neues L ebens- u n d K o n tin e n ta lg e fü h l.
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In gleicher W eise n u n , wie diese neue völkische H altu n g der einzelnen V ölker E u ro p as eine eu ro päische H a ltu n g b ed in g t, v e rla n g t a u ch die M ark to rd n u n g d er n eu en V o lksw irtschaften zu gleich eine e u r o p ä i s c h e M a r k t o r d n u n g . D ie eine is t ohne die an d ere in ih re n le tz te n F o lgerungen n ic h t d u rc h fü h rb a r. So erw äch st au s der M ark to rd n u n g der n a tio n a l neu ge o rd n ete n W irts c h a fte n E u ro p as die M ark to rd n u n g d er eu ro p äisch en G ro ß rau m w irtsch aft. E u ro p a als L ebens- u n d W irtsc h a ftse in h e it stellt neue R e c h te u n d P flic h ten fü r die Genossen seiner V ölkergem einschaft auf. Aus der P arole „ E u ro p a den E u ro p ä e rn “ , die also v erlan g t, daß je d e s V olk E u ro p as zu n äch st B ürger seines K o n tin e n ts u n d d an n e rs t W eltb ü rg er ist, folgt in w irtsch aftlich er B eziehung die P flich t: den e u ro p ä is c h e n B e d a r f z u n ä c h s t in E u ro p a zu decken u n d d a n n erst in rau m - u n d ra sse fre m d e n E rd te ile n (euro p ä i s c h e g e g e n s e i t i g e P r ä f e r e n z ) . - Es folgt ab er au ch w eiter daraus die Pflicht, den w irt schaftlichen B ed arf der europäischen V ölkerfam ilie a u f dem tech n isch vollkom m ensten Wege u n te r voller W ahrung der S o u v erän ität der einzelnen V olksw irtschaften, ih re r K o n tin gente, P reise usw. ohne V erluste d u rch u n nötige T ran sp o rt- u n d Zw ischengewinne durchzufü h ren z u m g e m e i n e n B e s t e n E u r o p a s . Aus dieser neuen rev o lu tio n ären E insicht, d aß die V ölker E u ro p as eine unzertrennliche Völker- u n d
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d am it L ebens- u n d S c h ic k sa ls g e m e in sc h a ft b il den, ergeben sich u n g e a h n te A u s s ic h te n a u f ein e S teigerung d e r allg e m e in e n L e b e n s h a ltu n g . D ie Idee eines g ee in te n E u r o p a s v e r la n g t, d a ß es k ü n ftig n ic h t m e h r m it d e n e u ro p ä is c h e n P flic h te n eines V olkes z u v e r e in b a r e n I s t, w e n n es o h n e R ü ck sich t a u f die a n d e r e n e u ro p ä is c h e n V ö lk e r seinen in n e r- u n d
a u ß e re u ro p ä is c h e n
W a re n -
u n d L e is tu n g sa u sta u sc h v o llz ie h t. W äh ren d in d e r lib e ra lis tis c h e n W e ltw ir ts c h a f t th e o re tisch die W e lt d u r c h d ie M e is tb e g iin s tigungsklausel d e r H a n d e ls v e r tr ä g e e in e in z ig e r H a n d e lsra u m w a r, w u rd e b e r e its d u r c h d ie O tta w a -V e rträ g e ein v o n d e r ü b r ig e n W e lt d u r c h V orzugszölle a b g e tr e n n te r H a n d e ls r a u m g e s c h a f fen, in n e rh a lb d essen a lle rd in g s d ie a l t e lib e r a listische W irts c h a fts o rd n u n g b e s te h e n b lie b . D ie n eu en sich le b e n srä u m lic h a b g r e n z e n d e n u n d p räferen z ier e n d e n W i r t s c h a f t s r ä u m e aber w erden sich a u c h in n e rh a lb ih re s B e re ic h e s n a c h den G ru n d sä tz e n n a tio n a le r W ir ts c h a f ts le n k u n g u n d -p lan u n g o rd n e n u n d n ic h t n u r m i t d e m äußerlichen M itte l d e r Z ö lle (Z o llu n io n ) z u sam m en g eh alten w e rd e n . Dieses alles fin d e t se in e n le tz te n A u s d r u c k i n ' einer eu ro p äisch en M a rk t- u n d V e r k e h r s o r d n u n g . E s w ird zu m B eisp iel a u f v e r k e h r s p o litis c h e m G ebiet n o tw en d ig sein , die S e e s c h iffa h rt d e r e u r o päischen L ä n d e r m e h r als b is h e r a u f e in a n d e r a b zustim m en u n d ih r e b is h e rig e g e g e n s e itig e K o n k u rren z zu m S c h a d e n E u r o p a s u n d z u m N u tz e n
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an d e re r G ro ß leb en sräu m e d u rc h eine eu ro p äisch gesehene Z u sa m m e n a rb e it zu reg eln . A uch das P ro b lem des ü b e rm ä ß ig e n W e tts tre ite s d er eu ro p äisch en Seehäfen u n te re in a n d e r, ohne R ü c k s ic h t a u f das gem einsam e europäische In teresse, m uß einer n eu en R egelung z u g efü h rt w erden. Als v o rb ild lic h fü r die k ü n ftig e V ersorgung E u ro p a s m it einem ih re r R ohstoffe, n äm lich m it H o lz u n d H o lz p ro d u k te n , im S inne d e r eu ro p äisch e n G ro ß ra u m w irtsc h a ft u n d einer eu ro p ä isc h e n M a rk to rd n u n g v erw eise ich a u f die im n a ch fo lg en d en A rtik e l v o n M inisteriald irek to r W . P a r c h m a n n : „E u ro p ä isc h e F o rstw irtsc h a ft als V o rb ild k o n tin e n ta le r M ark treg elu n g “ d a r g e s te llte n V o rg än g e. D er V erfasser, h e rv o r g eg an g e n a u s d e r S chule R . W a l t h e r D a r r e s , h a t h ie r b a h n b rec h en d e A rb eit g eleistet. W enn a u c h E rz e u g u n g u n d A u stau sch d er ü b rig en R o h sto ffe d e r E rn ä h ru n g sw irtsc h a ft u n d der g ew erb lich en W irts c h a ft in äh n lich er W eise im eu ro p äisc h en S inne g eo rd n et w erd en , w ird n ic h t n u r eine n o ch n ic h t ab zu seh en d e Steige ru n g d e r P ro d u k tio n , so n d ern zugleich au ch d e r E rs p a ru n g a n u n n ö tig e n T ra n sp o rte n u n d Z w ischengew innen e in tre te n , die d e r L eb en s h a ltu n g d er eu ro p äisch en V ölker zu g u te k o m m t. H ierb ei w erd en die einzelnen V olks w irtsc h a fte n n ic h t etw a au fg elö st, so nd ern b e h a lte n ih re n a tio n a le E ig e n s tä n d ig k e it, ja , ge w innen sie eig en tlich e rs t d u rc h e rh ö h te n a tio nale A rb eitsteilu n g , die M o n o k u ltu ren m ö g lich st
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vermeidet und die Prinzipien des englischen Weltwirtschaftssystems in der Struktur der europäischen Großraumwirtschaft auch sonst ausschließt. Es sollen also durch diese europä ische Marktregelung vor allem zwei Ziele er reicht werden: 1. ein verbilligter Austausch dadurch, daß unter voller Aufrechterhaltung der von den einzelnenVolkswirtschaften untereinander souverän abgeschlossenen Handelsverträge, der Kontin gente und Preise usw. die Erzeugung und der Bedarf auf dem kürzesten Wege unter Ver meidung der bisher üblichen Umwege und ZwischeDgewinne zusammengeführt werden, 2. planmäßige Förderung der europäischen E r zeugung und Erschließung bisher zugunsten fremder Erdteile vernachlässigter Rohstoff quellen, Anbaumöglichkeiten usf. Wenn es schon innerhalb der deutschen und der italienischen Volkswirtschaft möglich war, durch lebensgesetzliche Zusammenfassung und Ausrich tung aller Kräfte innerhalb der Nationalwirtschaf ten zu bisher nicht gekannter Leistungssteige rung, Unabhängigkeit und Vergrößerung des Nationaleinkommens zu gelangen, so wird dies in noch viel größerem Maße bei einer sinnvoll und lehensgesetzlich richtigen Zusammenfassung der europäischen Wirtschaftskräfte geschehen. -— Erst den wenigsten ist heute klar,, welch eine 27
g e w a ltig e W irts c h a f ts m a c h t d a s in einer eu ro p ä is c h e n G ro ß ra u m w irts c h a ft g eeinte E u ro p a d a rs te lle n w ü rd e . R u n d 540 M illionen M enschen w o h n e n im e u ro p ä isc h e n L eb en srau m . Sie er z e u g e n , o b g le ich sie n u r 26,6 v o m H u n d e rt d er E rd b e v ö lk e ru n g au sm a c h e n , 45,5 v o m H u n d e rt d e r G ru n d p ro d u k tio n (R ohstoffe u n d N ah ru n g s m itte l) d e r E r d e . G eg en ü b er d ieser gew altigen L e is tu n g E u r o p a s v e rb la sse n die A n teile der ü b rig e n L e b e n srä u m e . N o rd a m e rik a erreich t m it 24,8 v o m H u n d e r t d e r W e lterze u g u n g n u r etw a d ie H ä lf te d e r e u ro p ä isc h e n P ro d u k tio n . Ib ero A m e rik a k o m m t g a r n u r a u f 7,9 v o m H u n d e r t, u n d d e r o s ta sia tisc h e L eb e n sra u m m it d em in d isc h -m a la iis c h e n zu sam m en e rre ic h t n u r 16 v o m H u n d e r t. A frik a u n d A u stralien w eist jed es f ü r sich n u r ein en A n te il v o n 2,9 v o m H u n d e rt der W e lte rz e u g u n g in d e n G ru n d sto ffen au f. E in neues E u ro p a , in e in e r G ro ß ra u m w irtsc h a ft zu sam m en g e fa ß t, d u rc h M a rk t- u n d V erk eh rsreg elu n g a u s g e ric h te t u n d sich alle r sein er ung eh eu eren W irt s c h a fts k rä f te b e w u ß t , is t au c h fü h re n d in d er G e s ta ltu n g d e r ü b rig en ' W elt.
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W IR TSC H A FTSFR EIH EIT FÜR EUROPA Von Gerhard Gebhardt , Essen
Kurze Zeit vor den Präsidentschafts-Wahlen in USA schrieb das hauptamtliche amerikanische „Journal of Commerce“ in einer Betrachtung über die wirtschaftliche Entwicklung während des Krieges: „Die zuständigen Stellen der Ver einigten Staaten müssen Maßnahmen treffen, die in dem allgemein erwarteten W i r t s c h a f t s krieg mit E uropa nach Kriegsende angewandt werden sollen“ (zitiert nach dem V. B.). Klar und eindeutig steht da „in dem a llg e m e in e r w arteten Wirtschaftskrieg“ . Diese Stimme ist nicht vereinzelt, und wenn man ähnliche Auf forderungen auch in anderen Blättern der Ver einigten Staaten zu sehen bekommt, so wird das nur als eine Unterstreichung der „allgemeinen Erwartung“ angesehen werden können. Für den normalen Europäer, namentlich für den Deut schen, sind solche Auslassungen zunächst völlig unverständlich. Der Deutsche, der sich noch an die in den Jahren vor dem Kriege wiederholten Stellungnahmen amtlicher Vertreter des Reiches oder maßgebender deutscher Wirtschaftspoli tiker zum deutsch-amerikanischen Wirtschafts verkehr erinnert, der noch an die mit unend29
liclier Geduld an die amerikanische Adresse ge richteten Aufklärungen und Verständigungsversuche denkt, kann den Grund solcher „Erwar tungen“ nur schwer einsehen. D e ra rtig e Ä u ß e ru n g e n sin d a b e r d er schlüssige B ew eis d a fü r, d a ß alle in die T a ts a c h e eines eu ro p ä is c h e n Z u sam m en sch lu sses u n d die E rh eb u n g des A n sp ru c h e s d e r eu ro p äisch en V ölker a u f S o u v e rä n itä t im eig en en L eh e n sra u m sowie a u f Z u g a n g z u d e n R o h sto ffq u e lle n in d en E in flu ß zo n en E u ro p a s g e n ü g t, als w irtsch aftlic h e K riegs e rk lä ru n g a u fg e fa ß t zu w erd en . Sie zeigen ab er a u c h , d a ß d ie V e rtre te r d er angelsächsischen W e ltw irts c h a ft n ic h t e rk a n n t h a b e n u n d n ic h t w a h r h a b e n w ollen, d a ß sich die W elt h e u te aufs N eue i n r a s s i s c h f e 6 1u m r i s s e n e u n d g e b u n d e n e L e b e n s r ä u m e a u fte ilt1), die sich n a c h eig en en biologischen L ebensgesetzen au ch ih re •w irtschaftlichen G ru n d lag en sicherstellen wollen. D ieser A n te il K o n tin e n ta le u ro p a s m it 45,5 vom H u n d e rt a n d e r G ru n d erzeu g u n g d er W elt is t u m so b ea c h tlic h e r, als d er B ev ö lk eru n g san teil a n d er W e lt n u r 26,6 v o m - H u n d e r t b e trä g t. D iese Z iffern o ffen b aren w ie n ic h ts an d eres die w irtsch aftlic h e S tä rk e eines g eein ten E u ro p a, d em k e in a n d e re r L e b e n sra u m d ieser W elt w irtsc h a ftlic h v erg leich b ar is t. D ie w iedergebore n e n V ölker E u ro p a s h a b e n v o n dieser G rundlage *) *) W erner D a itz : „Neuordnung Europas aus Rasse und Raum“. NS.-Monatshefte, Folge 126/1940.
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aus die von Werner D aitz seit Jahrzehnten ver fochtene Forderung „Freiheit durch Selbstver teidigung“ als ihr Lebensgesetz und ihre natür liche Wirtschaftsordnung erkannt.2) Die europäischen Völker werden sich heute mehr und mehr bewußt — und die Stimmen von jenseits des Ozeans helfen nur diese E r kenntnis zu vertiefen —, daß sie sich in der Zwangsjacke der an g elsäch sischen W e lt w irtschaft ihrer wirtschaftlichen und damit auch ihrer politischen Freiheit allzu lange be geben haben. Eine Zwangsjacke war diese %reltwirtschaft nicht nur für die mit England kon kurrierenden Industrieländer, .sondern ebenso für die Rohstoffgebiete der Erde. Ihr Ziel war, der britischen Weltmacht die notwendigen Roh stoffe ohne eigene Arbeit zu möglichst günstigen Bedingungen zu liefern, die Rohstoffbezüge der anderen — und damit deren Wirtschaftsfrei heit — zu kontrollieren und schließlich Pro duktion und Absatz weitgehend zentral zu er fassen, um Preis und Gewinn bestimmen zu können. Diese Form der Weltwirtschaft — als politisches Druckmittel, verbunden mit großen wirtschaftlichen Gewinnmöglichkeiten •— hat England nicht aber nur in den Kolonialgebieten, sondern in erster Linie lange Zeit hindurch gegen über dem europäischen Festlande erfolgreich an 2) W erner D a itz : „Autarkie als Lebens- u nd W irt schaftsordnung“ , NS.-M onatshefte, F olge 129/1940. 31
g ew an d t. D er V e rra t E n g la n d s a n E u ro p a b e s te h t eb en im w esen tlich en d a rin , d a ß es J a h r h u n d e rte h in d u rc h die K rä fte E u ro p a s — des K e rn ra u m s d e r w eiß en R asse — p la n m äß ig ge sch w äch t u n d so E u ro p a s A u ta rk ie , d. h . ein L eb en au s eigener K r a f t u n d eigenem R au m , b e w u ß t u n te rg ra b e n h a t . U m E u ro p a p o litisc h m a tt zu setzen , h a t E n g la n d drei W ege eingeschlagen: D ie europäischen R o h sto fflä n d e r w u rd e n k ap italm äß ig d u rc h d ru n g e n , u n d die w ich tig sten gew erblichen R oh stoffe w u rd e n in d as b ritisc h e M onopolsystem ein g eg lied ert. D ie ü b rig e europäische R ohstoff erzeu g u n g , a b e r au ch die lan d w irtsch aftlich e P ro d u k tio n w u rd e dem W ettb ew erb m it dem von E n g la n d b e h errsch ten W e ltm a rk t preisgegeben. S chließlich m onopolisierte E n g lan d die R ohstoffe der K olonialgeb iete od er entzog d u rch 6eine R a u b p o litik ganze R äu m e d er europäischen E in flußnahm e u nd A u sw ertu n g . D enn E n g lan d s ■L an d h u n g e r is t j a keinesw egs in seinem eigenen B e d a rf o d er T ätig k e itsd ra n g b eg rü n d et gewesen, sondern d ie n te ausschließlich d er A u frech terh al tu n g des M onopolgrundgesetzes. V ersailles, das A frik a z u r b ritisch -fran zö sisch en D om äne m a ch te, das a b e r gleichzeitig au ch in E u ro p a selbst 2000 k m n eu e Z ollgrenzen zog, is t f ü r diese M ethoden ebenso ein B ew eis, wie die v o n E n g lan d v e rb re ite te F a b e l v o n d er u n b e d in g te n R o h sto ffu n ab h än g ig k eit E u ro p as. F ü r E u ro p a w u rd en die F o lg en d ieser b ritisc h e n
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Politik nicht nur sichtbar in der biologischen und wirtschaftlichen Vernachlässigung der europä ischen Osträume, sondern ebenso auch in der Vernachlässigung der Bodenschätze in den mei sten europäischen Staaten und in der Dauerkrise der europäischen Agrarländer, von der bis heute unerfüllten europäischen Aufgabe in Afrika ganz abgesehen. Wenn heute festgestellt wird, daß wertvolle europäische Bodenschätze noch ihrer Erschließung harren, oder daß beispielsweise die Hektarerträge in den Südoststaaten weit, unter dem Normalstand liegen, daß die Landwirtschaft völlig unzureichend ausgerüstet ist, daß die Kaufkraft mancher europäischen Staaten zu ge ring ist, dann ist der Grund für alle diese E r scheinungen die Außerachtlassung der europä ischen Lebensgesetze unter englischem Einfluß. Das Steuerungsmittel dieser englischen Politik war der Weltmarktpreis. Das Ergebnis der W elt wirtschaft angelsächsischer Prägung ist gewesen, daß England das europäische Lebensgesetz auf den Kopf stellte. Statt in den überseeischen Räumen die Ergänzung Europas zu sehen, be trachtete es Europa — namentlich seit dem Weltkriege — als gelegentliche Ergänzung seiner überseeischen Rohstoffquellen. Die demokratischen „Weltwirtschaftler“ werden es natürlich ablehnen, Europa überhaupt als etwas Zusammengehöriges oder gar als einen biologisch und rassisch bedingten Lebensraum gelten zu lassen. Sie waren Weltbürger, nachdem 3
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sie die R eichtüm er d er E rd e u n te r ih re G ew alt gebracht haben . T atsäch lich is t es — u m ein W ort A l f r e d R o s e n b e r g s zu g eb rau ch en — n ich t m öglich, die Id ee E u ro p a so zu fo rm u lieren, daß sie schw arz a u f w eiß n ach H au se ge tragen w erden k an n . A ber es g ib t doch selbst heute noch, nach ja h rh u n d e rtelan g er A bw endung von der europäischen B in nenw irtschaft, sehr greifbare Beweise fü r die n atü rlich e E in h e it des europäischen R aum es, der n ach einer E rlä u te rung v o n W e r n e r D a i t z als u n ersetzlicher K ernlebensraum der V ölker der w eißen R asse von G ib raltar bis zum U ral u n d vom N ord k ap , bis N ordafrika reich t und dessen n atü rlich e E r gänz ungs- u n d K olonialräum e w eit über N ord asien bis zum O chotskischen u n d Berings-M eer und im Süden bis tie f n ach A frika h in ein greifen. E ntscheidend in dieser E rläu teru n g des europä ischen Lebensraum es is t die H ervo rh eb u n g der biologisch-rassischen G rundlagen im G egensatz zu den bisher allein b eto n ten geographischen Grenzen. Diese r a s s i s c h e M o n r o e d o k t r i n , wie sie von W erner D aitz erstm alig als neues Ordnungsprinzip erkannt u n d fo rm u liert w urde, h a t sehr reale Grundlagen. Die T atsach e, daß es trotz aller raum frem den Einflüsse bisher schon kein Land in E uropa gab — v o n E n g lan d a b gesehen —, das nicht m it m ehr als der H älfte seines Handelsumsatzes in E uropa v eran k ert wäre, spricht fü r sich. Bezieht m an übrigens Afrika und den Nahen Osten m it in den europä-
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isehen G ro ß w irtsc h a ftsra u m (einschließlich Sow je tu n io n ) ein , w as in A n b e tra c h t d er w irts c h a ft lichen Z u g eh ö rig k eit d ieser G ebiete eigentlich se lb stv e rstä n d lic h is t, d a n n u m fa ß t d er B in n en h a n d e l E u ro p a s so g ar m e h r als 60 v . H . d er E in fu h r u n d e tw a 75 v . H . d er A u sfu h r aller L ä n d e r. A uch die s ta rk e p ro d u k tio n sw irtsc h a ftlic h e V er p flich tu n g u n te rs tre ic h t die n a tü rlic h e n G ro ß ra u m v e rh ä ltn isse . A u ffallen d is t beispielsw eise der h o h e A n te il d er R ohstoffe u n d H a lb fa b rik a te am B in n e n h a n d e l E u ro p a s m it f a s t d e r H ä lfte aller W a re n . E r b e s tä tig t, d aß a u c h b ish er schon in E u ro p a eine w eitg eh en d e A rb e itste ilu n g b e s ta n d . B e k a n n t is t ja beispielsw eise die f ü r d e n L aien z u n ä c h st u n v e rstä n d lic h e T a tsa c h e , d a ß L ä n d e r, die ih re n B e d a rf zw eifellos im I n la n d decken k ö n n en , tro tz d e m zu m A u sta u sc h b e s tim m te r R ohstoffe o d er H a lb fa b rik a te sch rei te n , es sei n u r a n K ohle, E ise n u n d T e x tilie n e r in n e rt. D er G ü te ra u sta u sc h in n e rh a lb E u ro p a s b e s c h rä n k t sich also keinesw egs a u f d en p rim i tiv e n T a u sc h v o n F e rtig w a re n gegen Rohstoffe," so n d ern zeig t eine k o m p lizierte V erflechtung, so w ie sie etw a zw ischen d en einzelnen P ro v in zen eines L an d e s b e s te h t. A u f diesen n a tü rlic h e n G egebenheiten des E rd teile s, die sich tr o tz d er V ernachlässigung der europäischen L eb en sg ru n d lag en d u rc h die fü h re n d e n p o litisch en M ächte J a h rh u n d e rte h in d u rch e rh a lte n h ab en , g ilt es k ü n ftig au fzu b a u en . W ie sehr die V o rau ssetzu n g en d a fü r au ch b ish er 3*
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schon gegeben waren, ist fast u n b ek an n t. Je d e r, der bisher an die englische P ropagandaform el von der unbedingten N ahrungs- u n d Rohstoffabhängigkeit Europas geglaubt b a t, w ird er staunt sein zu hören, daß bisher schon E u ro p a einschließlich der Sowjetunion einen A nteil von nicht weniger als 45,5 v. H . an der g e s a m t e n G r u n d p r o d u k t i o n d e r E r d e , also a n der Erzeugung unverarbeiteter N ahrungsm ittel u n d Rohstoffe, b atte. Yon dem errecbneten W ert der W eltproduktion von 258 M illiarden RM im Ja h re 1937 entfielen ru n d 117 M illiarden RM a u f Europa. Gegenüber dieser gew altigen Produktion Europas verblassen die A nteile der übrigen E rd teile : Nordamerika erreicht m it 24,8 v. H . der W elterzeugung n u r g u t die H älfte des europä ischen Produktionsw ertes. Asien einschließlich Indien komm t n u r au f 16 v . H . u n d Ib ero Amerika gar nur auf 7,9 v .H ., A frika u n d A u stralien haben jeweils einen A nteil v o n 2,9 v . H . Es gilt überhaupt manchen A nsichten entgegen zutreten, die sich in der breiten Öffentlichkeit weitgehend eingebürgert haben u n d die doch, ebenso falsch sind, wie sie von bestim m ten poli tischen Richtungen oft genug zur Schw ächung der europäischen Stellung m ißbraucht w orden sind. Das gilt besonders fü r die Rolle der L an d wirtschaft in der europäischen G esam tw irt schaft. Ist es auf den ersten Blick erstaunlich, daß von der Gesamterzeugnng der. W elt an Grundstoffen dem W erte nach über drei V iertel
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a u f die E rze u g u n g d er L a n d w irtsc h a ft u n d n ic h t etwa a u f die b e rg b a u lic h e n R o h sto ffe k o m m en , so ü b e rra s c h t es d o ch n o ch m e h r, d a ß in E u ro p a der la n d w irtsc h a ftlic h e A n te il a n d e r G ru n d sto ffp ro d u k tio n sogar m e h r als 80 v . H . b e tr ä g t. A n der W e ltp ro d u k tio n la n d w irts c h a ftlic h e r E r zeugnisse h a t te E u ro p a 1937 d em W e rte n a c h einen A n te il v o n 47 v . H . D ie so h ä u fig u n te r dem E in d ru c k d er g ew altig en In d u s trie p ro d u k tio n m iß a c h te te eu ro p äisch e L a n d w irts c h a ft stellte also f a s t die H ä lfte d er W elte rz e u g u n g a n la n d w irtsc h a ftlic h e n G runderzeugnissen.* D e r n äch stfo lg en d e E r d te il is t N o rd a m e rik a m it n u r einem F ü n fte l. A u ch in d er E rz e u g u n g n ic h tla n d w irtsc h a ftlic h e r G ru n d p ro d u k te (n a m e n t lich B erg b au ) f ü h r t E u ro p a v o r d e r ü b rig e n W e lt, allerd in g s m it 40,7 v . H . n u r k n a p p v o r N o rd am e rik a m it 39 v l H . D ie angeblich so w eitg eh en d e E in fu h r abhän g ig k e it E u ro p a s w ird d u rc h solche Z ah len sch lag en d w id erleg t. G egenüber dem W e r t d e r g e sa m t eu ro p äisch en G ru n d p ro d u k tio n v o n 117 M illi a rd e n R M n im m t sich die eu ro p äisch e E in fu h r au s a n d e re n E rd te ile n m it in sg e sa m t 18,1 M illi a rd e n RM im J a h r e 1937 doch re c h t b esch eid en au?. D er A n teil der E in fu h r a m G e sa m tv e rb ra ü c h E u ro p a s a n G ru n d erzeu g n issen d ü rfte d em n ach b ish e r schon k a u m 10 v . H . ü b e rstie g e n h a b en . T ro tz seiner g ew altigen E igen erzeu g u n g is t E u ro p a d en n o ch d er b e d e u te n d s te Im p o rte u r . des W e ltm a rk te s. E s k a u fte 1937 m eh r als die
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Hälfte der von den anderen E rd teilen a u f den Markt gebrachten W aren, und zw ar in erster Linie Rohstoffe und Lebensm ittel. Diese in der Welt einzigartige Stellung als Großerzeuger u n d Großimporteur ist das beste K ennzeichen der überragenden W irtschaftskraft des E rdteils, die auch nicht annähernd von irgend einem an d ern Großraum erreicht wird. Diese Zusam m en ballung der W irtschaftstätigkeit der E rd e a u f einem Raum, der einschließlich der Sowjetunion nur ein Fünftel der Landfläche der E rd e u n d nur ein Viertel der Erdbevölkerung u m faßt, wird auch durch die T atsach e allein nicht geklärt, daß die europäischen Länder in den letzten 10 Jah ren jeweils m ehr als zwei D rittel der W eltausfuhr an Fertigw aren stellten. Entscheidend sind viel m ehr die K ulturhöhe und der Eigenverbrauch dieser 570 Millionen Menschen und nam entlich ihres K erns in Zen traleuropa. Dieser Verbrauch wird bis au f einen verh ältn is mäßig kleinen Rest aus dem eigenen R aum ge deckt, Trotzdem d arf dieser R est in seiner Be deutung nicht unterschätzt werden. Für die künftige Ausrichtung der europäischen Rohstoffwirtschaft wird es deshalb entscheidend darauf ankommen, das bisher gleichsam wilde Wachstum der europäischen Erzeugung der neuen politischen Zielsetzung des K ontinents anzupassen. Das Stichwort dazu heißt „W irt schaftsfreiheit“ . Es gilt den europäischen Völ-
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k e rn w ieder ein L e b e n a u s eig en er K r a f t u n d eigenem R a u m zu erm ö g lich en . E in g eein tes, v o n der b ritis c h e n V o rh e rrsc h a ft b e fre ite s E u ro p a k a n n es sich n ic h t le iste n , im E rn s tfä lle d u rc h zufällige o d er v o n d er an g elsä ch sisch en W e lt w irtsc h a ft p la n m ä ß ig geschaffene .V ersorgungs lü ck en bei leb en sw ic h tig e n R o h sto ffen in sein er H an d lu n g sfreih e it b e h in d e rt zu sein. D iejen ig en R ohstoffe, die E u ro p a im E rn s tfä lle z u r le b e n s no tw en d ig en V erso rg u n g seiner B ev ö lk eru n g u n d zu r A u fre c h te rh a ltu n g sein er R ü s tu n g b e n ö tig t, m üssen ih m e n tw ed e r in E u ro p a se lb st o d e r in erreich b arer N ä h e s tä n d ig in au sreic h en d en M engen z u r V erfü g u n g s te h e n ; alles w as ü b e r diesen R a h m e n h in a u sg e h t, u n d d as is t im H in b lic k a u f d en h o h e n L e b e n ssta n d a rd d e r eu ro p ä ischen V ölker n ic h t w enig, is t eine A n g eleg en h eit des W e lth a n d e ls. F ü r die B e u rteilu n g d er b ish erig en eu ro p äisch en V ersorgungslage, die d e r A u sg a n g sp u n k t aller Z u k u n ftsb e tra c h tu n g e n sein m u ß , is t n ic h t so sehr die T a tsa c h e en tsch eid en d , d a ß E u ro p a 1937 eine Ü b ersee-E m fu k v o n 18,1 M illiarden RM h a tte — das m ag im R a h m e n des k ü n ftig e n W elth an d els m eh r od er w eniger a u c h d e r F a ll sein, — s o n d e r n e n t s c h e i d e n d i s t d i e Z u s a m m e n s e t z u n g 'd e r E i n f u h r . E in e U n te r suchung d er W aren ein fu h r zeigt, d a ß m eh r als ein D ritte l des E in fu h rw ertes b ish er a u f fü n f R ohstoffgrupp en entfiel, u n d zw ar a u f Pflanzern öle u n d F e tte , M etalle (au ß er E isen), T ex tilien ,
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Treibstoffe und Gummi. Da alle diese Stoffe fü r die W irtschaftsfreiheit wichtig sind, zeigen sich darin bereits die Lücken der notwendigen E igen versorgung. F aßt m an das Ergebnis der bisherigen Rohstoff versorgung Europas zusammen, so zeigt sich, daß der Erdteil gegenüber jeder Bedrohung von außen den Vorteil der gesicherten N ahrungsfreiheit und einer nich t zu störenden Versorgung mit den wichtigsten Industrierohstoffen, n äm lich Kohle und Eisen, h at. Die N ahrungsm ittelversorgung zeigte bisher abgesehen von kleinen Spannungen lediglich eine fühlbare Lücke in der F ett- und Futterm ittelversorgung. Diese Lücke vermag zwar die W irtschaftsfreiheit nicht ern st lich zu gefährden, sie ist aber zum m indesten unangenehm. Bei den Industrierohstoffen ist das Maß der zur A ufrechterhaltung der W irtsch afts freiheit notwendigen Eigenversorgung n ich t er reicht bei den Buntm etallen, verschiedenen Stahlveredlungsmetallen und beim K autschuk. Dagegen darf man annehmen, daß die T ex til faserversorgung ebenso wie die Treibstoffversorgung ausreichen, um den lebensnotw endigen Eigenbedarf im Ernstfälle zu decken. D aß es wünschenswert wäre, auch in T extilfasern u n d Treibstoffen ein größeres Maß von H andlungs freiheit zu erhalten, ist eine andere Frage. Das Gesicht dieser Bilanz der bisherigen Versor gung entspricht der früheren wirtschaftspoli tischen Zerrissenheit und Planlosigkeit der ge-
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sa m te u ro p ä isc h e n W irts c h a ft sowie d e r m itte l b a re n o d e r u n m itte lb a r e n E in flu ß n a h m e E n g la n d s a u f die V erso rg u n g u n d die R o h sto fferzeu gung. E s b e d a r f k e in e r g ro ß en V o ra u ssic h t, zu sagen, d a ß n a c h d em A b b a u d e r v o r a lle m in V ersailles a u fg e ric h te te n k ü n s tlic h e n S ch ran k en in n e rh a lb des eu ro p äisc h en L eb e n sra u m es u n d d er V erw irk lic h u n g ein er e c h te n G ro ß rau m W irt sc h a ft m a n ch e d er b ish e r v o rh a n d e n e n S ch w ä ch en v o n se lb st g e m in d e rt w erd en . D a m it k a n n es fü r die Z u k u n ft a b e r n ic h t genug sein. D ie S ich eru n g d e r W irts c h a fts fre ih e it is t eine p o litisch e A u fg ab e u n d w ird eb en so , w ie es in d e n J a h r e n v o r d em e u ro p äisc h en K rieg e b e re its in D e u ts c h la n d u n d I ta lie n m it E rfo lg ge schehen is t, m it p o litisch e r T a tk r a f t v e rw irk lic h t w erd en . A us d en b ish erig en E rfa h ru n g e n e r geben sich d rei k la re F o rd e ru n g e n a n tlie Z u k u n f t: 1. V e rstärk u n g d er n a tü rlic h e n la n d w irts c h a ft lic h e n u n d gew erblichen R o h sto ffp ro d u k tio n E u ro p a s, 2. V e rstä rk u n g .d e r in d u striellen (synthetischen) R ohstofferzeugung, 3. großzügige E rsch ließ u n g A frikas u n d d er Gc' b ie te des N ah en O stens, also d er n a tü rlic h e n europäischen E rgänzungsräum e.. . D ie F ra g e der W irtsch aftlich k eit einer solchen V e rstärk u n g d er E igenerzeugung, die frü h e r v e r schiedentlich au fg etau ch t ist, b e a n tw o rte t sich schon d u rch die A u srich tu n g a u f das zur Siche-
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ning der W irtschaftsfreiheit erforderliche Maß, das im einzelnen von der politischen u n d w irt schaftspolitischen Führung festzulegen ist. Die Eigenerzeugung solcher Rohstoffe jedenfalls, die im Ernstfälle über Freiheit und Leben der euro päischen Völker entscheiden, ist niem als zu teuer bezahlt. Man kann h eute schon m it B estim m t heit sagen, daß im R ahm en einer europäischen Großraumwirtschaft, abgesehen von der Lücke bei den Metallen, die Engpässe der R ohstoffver sorgung ohne weiteres bis zur D eckung des fü r die W irtschaftsfreiheit notwendigen Sicherungs bedarfes verbreitert werden können. Die E rfah rungen im deutschen Vier jahresplan haben b e wiesen, daß dort, wo die L eistungskraft des Bodens tatsächlich aufhört, die synthetische E r zeugung mit Erfolg Weiterarbeiten kann. D am it steht schon fest, daß E uropa a u f sich allein ge stellt — abgesehen von gewissen Spannungen in der Metallversorgung, die durch eine entspre chende Vorratswirtschaft ausgeglichen w erden könnten —, durchaus lebensfähig u n d vor allem auch wehrkräftig bleiben würde. Bei allen Z u kunftsbetrachtungen darf m an jedoch die n a tü r lichen Wirtschaftsergänzungsräume des Erdteiles, nämlich Afrika, den Nahen Osten und den n ord asiatischen Raum mit ihren zum eist noch unerschlossenen gewaltigen Reserven nicht außer acht lassen. Die Ergänzungsräume emgerech» nets ist die W irtschaftsfreiheit Europas mehr al8 gesichert.
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E U R O PÄ ISC H E FO R ST W IR T SC H A FT ALS V O RBILD K O N TIN EN TA LER M ARKTREGELUNG Von Reichsamtsleiter W. P a r c h m a n n M inisterialdirektor im Reichsforstamt, Berlin
U n te r G ro ß rau m w irtsch aft v e rsteh e ich d en Z u sam m enschluß d e r W irtsc h a fte n selb stän d ig er L än d e r a u f einem g rö ß eren R au m zu dem Z w eck, d u rch A u stau sch d er L andeserzeugnisse d e n n o t w endigen B e d a rf a n G ü te rn je d e r A rt d e r zu dem G ro ß rau m gehörigen L ä n d e r zu d ecken u n te r m ö glich ster B eseitigung han d eis- oder w irtsch aftsp o litisch er E rschw ernisse, die noch im W esen des bish erig en W irtsch aftsv erk eh rs v o n E in z e ls ta a t zu E in z e lsta a t liegen. D as E n d ziel is t also die H erb eifü h ru n g einer m öglichst w eit gehenden, d e n A u ß en h an d el n ic h t ausschließend en A u ta rk ie in dem G ro ß rau m , die ein einzelner S ta a t n u r selten erreich t, w eil insbesondere lebensw ichtige Stoffe, wie E rze, K ohle, H olz usw. n ic h t in jed em L an d e in d er erforderlichen Menge v o rh an d en sind. N ichts is t also n a tü rlic h e r u n d w ürde einer vern ü n ftig en W irtsch aft m eh r e n t sprechen, w enn diejenigen S ta a te n sich zu einem W irtschaftsblock zusam m enschlössen, die schon räu m lich aufein an d er angew iesen sind u n d die d u rch einen solchen Zusam m enschluß die Mög lich k eit h ä tte n , d u rch gegenseitigen A ustausch
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ihrer Landeserzeugnisse den lebensnotw endigen Bedarf ihrer Völker zu sichern. Einem solchen Zusammenschluß, der die w irt schaftliche Selbständigkeit der sich zu einer Großraumwirtschaft vereinigenden Einzelw irt schaften in seinem Endziel keineswegs beschrän ken, sondern stärken soll, sta n d die bis dahin herrschende liberalistische und hochkapitali stische W irtschaftsform außerordentlich hem mend entgegen. Das letzte Ziel dieses W irt schaftssystems ist die Beherrschung der W irt schaften anderer Länder u n d deren D u rch d rin gung m it K apital zu dem Zweck, diese Völker völlig abhängig und hörig zu m achen. D eshalb auch immer wieder die Forderung nach F re i handel, unter welchem D eckm antel das obige Ziel am besten verw irklicht w erden konnte. D es halb auch die Ablehnung jed er w irtschaftlich , sinnvollen Ordnung im zwischenstaatlichenW xrtschaf tsverkehr m it demZiel, auch den lebensw ich tigen Bedarf des anderenVolkes sicherzustellen. Mit liberalistisch-hochkapitalistischen G edanken gängen einen wirtschaftlichen Großraum bilden zn wollen, hieße ihn von vornherein lebensun fähig machen. Wenn diesen B estrebungen ein «leibender Erfolg beschieden sein soll, m uß der ^ ille dahinterstehen, die europäische W irtsch aft aufhauen zu wollen, d. h. m it den M aßnahm en ßiuß sowohl eine Förderung der zusammengefaßten W irtschaften des Großraums als auch der Einzelwirtschaften verbunden sein.
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D ie d eu tsch e W irtsc h a ft h a t d en B oden der lib erale n , h o ch k ap italistisch en W irtsch aft v e r lassen u n d b a u t diese in n erd eu tsch e W irtsch aft im m er m e h r im S inne d er nationalsozialistischen W irtsc h a ftsfü h ru n g u n d W eltan sch au u n g aus. W en n n u n m e h r d er W ied erau fb au d er euro p äisch en W irtsc h a ft b eg in n t, glau b en w ir berech tig t zu sein, d en W ied erau fb au d er gestö rten europäischen W irtsc h a ft in d ie H a n d zu nehm en, w eil w ir die lib erale u n d ho ch k ap italistisch e W irtsc h a ft, die, wie b e re its b e m e rk t, d as größte H in d ern is einer w irtsch aftlich en V erständigung der V ölker is t, ü b e r B o rd gew orfen h ab en . D er A u fb au u n d die F ü h ru n g eines G roßraum s k a n n n u r b ei einem S ta a te liegen, d er sich v o n den lib eralen u n d h o ch k ap italistisch en W irtsch afts hem m ungen b ereits freigem acht h a t. D ie deutsche F o rst- u n d H o lzw irtsch aft h a t m it zu e rst-d e n L iberalism us und H o chkapitalism us p ra k tisc h b ek äm p ft u n d dieseW irtschaftszw eige d u rch ih re M ark to rd n u n g , die alle Teile der F o rst- u n d H o lzw irtsch aft v o n d er E rzeugung bis zum V erbrauch, einschließlich Regelung der E in fu h r, richtunggebend im Sinne d er n atio nalsozialistischen W irtsch aft beeinflußt. Ih re B rau ch b ark eit h a t die echte M arktordnung im F ried en und im K riege bew iesen u n d d am it ihre A nw endbarkeit als In stru m en t zu r Ü berw indung des Liberalism us und .H ochkapitalism us ü b er h a u p t. Diese h eu te zusam m engeführten W irt schaftszweige haben auch frü h z e itig . die N ot-
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wendigkeit einer G roßraum w irtschaft erk an n t und die V orarbeiten zum A ulbau dieser bereits vor geraumer Zeit begonnen. D arüber soll im folgenden gesprochen w erden. Europa ist als ein W irtschaftskörper anzuseben, dessen organisch verbundene Glieder die Einzel wirtschaften der L änder sind, welche sich gegen seitig ergänzen. Wie bereits b em erkt, w urde der organische A blauf der G esam tw irtschaft, der früher einmal, wenn auch in sehr einfacher Form , bestand, durch die liberale und h o chkapitali stische W irtschaftsform gestört. Den organischen Ablauf wieder herzustellen oder m it anderen Worten, den gegenseitigen A ustausch der G üter auf der Grundlage des Bedarfes wieder an zu bahnen, m ußte also das Ziel sein. Die E rreichung dieses Zieles lag bei der m ehr oder weniger posi tiven Einstellung der verschiedenen L änder zu r liberalen und hochkapitalistischen W irtschaitsform in weiter Ferne. E rst durch den K rieg wurden die Erkenntnisse aufgelockert, was die Auslassungen führender europäischer S ta a ts männer in den letzten M onaten bewiesen. In der Voraussicht, daß eines Tages ein M einungsum schwung eintreten würde, tru g die F orst- u n d Holzwirtschaft in den Jah ren nach 1933 einen Baustein nach dem anderen herbei u n d leistete damit wertvolle Vorarbeiten, w orauf nunm ehr aufgebaut werden kann. Bei den Einrichtungen, die im Laufe der letzten Jahre getroffen wurden und die als Vorarbeiten
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zur Schaffung des G ro ß rau m s b ezeich n et w erden k ö n n en , w u rd e v o n d em G ru n d sa tz ausgegangen, d aß die E in z e lw irtsc h a fte n d e r sich sp ä te r zu einem G ro ß ra u m v erein ig en d en L än d e r selb stän dig b le ib e n m u ß te n . D ie V erb in d u n g dieser E in ze lw irtsc h a fte n u n te re in a n d e r w ar so eng wie m öglich zu g e sta lte n , u m eine v ertrau en sv o lle, ersprießliche Z u sam m en arb eit als erste V oraus setzu n g z u r G ro ß rau m w irtsch aft zu sichern. W eiter w ar diese Z u sam m en arb eit so ein zu rich te n , d aß alle G ru p p en eines W irtschaftszw eiges v o m E rze u g er b is zu m V erb rau ch er, also alle diejenigen, die a m A b la u f des W irtsch aftsp ro zesses in teressiert sind, auch ihre A uffassung ü b er die zw eckm äßigste A xt d er A bw icklung d e r w irt sch aftlich en B eziehungen zu m A u sd ru ck b rin g en k ö n n en . L e tz te re s is t v o n B ed eu tu n g . I n d er lib eral-g ro ß k ap italistisch en W irtsc h a ft w u rd en die am A b lau f des W irtsch aftsp ro zesses b eteilig te n G ru p p en en tw ed er gegeneinander ausgespielt o d er v o n d er jew eils s tä rk s te n G ru p pe zu rü ck g ed rän g t u n d v erg ew altig t. N ach diesen G ru n d sätzen w u rd en die im L aufe d e r J a h re n ach der M ach tü b ern ah m e gem einsam m it den ausländischen S ta a te n geg rü n d eten fo rstu n d holzw irtschaftlichen A usschüsse als E in rich tu n g e n , die die Z usam m enarbeit a n b ah n e n soll te n , zusam m engestellt. D en V orsitz bei d en B e sprechungen ü bernahm , um fü r völlige U n p a rte i lich k eit zu sorgen, stets ein V e rtre te r d er R egie ru n g des L andes, wo der A usschuß ta g te . W erden
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die-Vertreter der W irtschaft, and zwar aller A b laufstufen, von einem R egierungsvertreter, der in seinem Lande den betreffenden W irtschaftszw eig möglichst verantwortlich zu bearbeiten h a t, zu sammengefaßt und geführt, istdieser in der Lage, die Beschlüsse so zu gestalten, daß sie auch Aus sicht haben, verwirklicht zu werden, u n d zw ar in beiden Ländern, weil der Leiter der anderen D e legation in den meisten Fällen wieder ein v e r antwortlicher Staatsbeam ter , des W irtsch afts zweiges seines Landes ist. Mit diesen so zusam m engesetztenforst-und holz wirtschaftlichen Ausschüssen sind die besten E r fahrungen gemacht worden. Sie haben nicht n u r die Zusammenarbeit der Forst- u n d H olzw irt schaften zweier Länder gefördert, sondern auch praktischen Aufbau im Sinne einer Gem ein schaftsarbeit geleistet. Ein nicht unw esentlicher Teil der deutschen Holzeinfuhr is t durch diese Ausschüsse, die, soweit ihre A bm achungen h a n delspolitische Auswirkungen haben, w ieder als Unterausschüsse der Regierungsausschüsse an zu sehen sind, geordnet worden. D arüber hinaus sma zwischen den ausländischen u n d deutschen J «ilnehmern durch diese Ausschüsse freu n d schaftliche Beziehungen angebahnt w orden, die sehr häufig mit dazu beigetragen haben, strittig e ragen schnell und gerecht zu lösen. Zu einer solchen Lösung trug wesentlich bei, daß &ich die ausländischen'! eilnehmer im Laufe derV erhandUngen davon überzeugten, daß Deutschland sich
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a u c h fü r d e n w irts c h a ftlic h e n A u fb a u des a n d e re n ' L andes in te re s sie rte u n d F o rd e ru n g e n z u rü c k stellte, die d iesen A u fb a u o ffen b ar g e fä h rd e te n . Solche fo rs t-u n d h o lz w irts c h a ftlic h e n A u ssch ü sse w u rd en im L a u fe d er J a h r e m it fo lg en d en S ta a te n geschaffen: Ita lie n , B u lg a rie n , Ju g o sla w ie n , R u m änien, U n g arn , Slow akei, F ra n k re ic h , S chw eden, L e ttla n d , E s tla n d , L ita u e n . M it a n d e re n L ä n d e rn w ird die B ild u n g d er A usschüsse b e trie b e n . A u f G ru n d des Ü b erein k o m m en s m it d e n o b ig en L ä n d e rn w u rd e die Z u sa m m e n ste llu n g d e r A ussch ü sse 'in d e r R eg el in d e r F o rm v o rg e n o m m e n , d aß im m er d er fo rstlich e E rz e u g e r, a lso d e r W a ld b esitz, d a n n d e r B e a rb e ite r u n d d e r V e rte ile r (H an d el) sow ohl v o n d em ein en als a u c h v o n d em a n d e re n S ta a te g le ich m ä ß ig v e r tr e te n sein soll. D ie G rü n d e fü r diese M aß n ah m e h a b e ic h b e re its o b en dargelegt. Z u der A rb e it d er fo rst- u n d h o lz w irtsc h a ftlic h e n A usschüsse, is t d as fo lg en d e zu b e m e rk e n , w obei ich m ich d a ra u f b e sc h rä n k e , n u r d as G ru n d sä tz lich e a n z u fü h re n . O b en an s ta n d b ei je d e r zu lö sen d en A u fg ab e d er G ru n d sa tz , d u rc h g eeignete M aß n ah m e n die F o rst- u n d H o lzw irtsch a ft des au slän d isch en S ta a te s m it der D eu tsch la n d s zu v e rb in d e n , d .h . im L au fe d e r Z eit eine g em ein sch aftlich e A u fb a u a rb e it an zu b a h n en . N a c h diesem G esich tsp u n k t ric h te te n sich u . a. die d eu tsch en .H o lzfo rd e ru n g e n , in d em G ew icht d a ra u f gelegt w u rd e, die H olzüberschüsse, sow eit sie die d eu tsch e M ark t4
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Ordnung benötigte, h erein zu n eh m en . D er eine G rundgedanke der G ro ß rau m w irtsch aft, d urch A ustausch der Ü berschüsse die W irtsc h a fte n der Länder gegenseitig zu fö rd ern , w u rd e also a u f dem Gebiete der F o rst- u n d H o lzw irtsch a ft b e reits w eitgehendst v erw irk lich t. W eiter w ar A u f gabe der genannten A usschüsse, a u s d e r P ra x is _ heraus Vorschläge zu m ach en , die geeignet waren, die forst- u n d h o lz w irtsch aftlich en B e ziehungen der L änder w eitg eh en d st zu v e rb e s sern u nd zu vertiefen.' H ierzu w a re n die A u s schüsse •besonders geeignet, d a 'ih re M itglieder aus der forst- u n d h o lzw irtsch aftlich en P ra x is stam m ten. Im Laufe d er J a h r e is t m a n c h .w e rt voller, aus dem W irtsch aftsleb en s ta m m e n d e r Vorschlag der P rak tik er der b e id e n L ä n d e r d e r genannten W irtschaftszw eige v o n d en R eg ie rungen verw irklicht w orden. O hne diese G em ein schaftsarbeit m it den in F rage k o m m en d en S ta a ten wäre die deutsche H olzversorgung n ic h t so gut gesichert gewesen, wie es d er F a ll is t, u n d der W irtschaftsablauf w ürde sich im F rie d e n w ie im Kriege nicht so reibungslos vollzogen .h ab en . Zu diesem reibungslosen A b lau f d er forst- u n d holzwirtschaftlichen zw ischenstaatlichen B ezie hungen tru g der U m stand w esentlich b ei, d a ß es out Hilfe der forst- u n d h o lzw irtschaftlichen A u s schüsse, die ich als B austeine z a einer G ro ß ra u m w irtschaft bezeichne, gelungen w ar, m it m anchen. ändern feste Preisvereinbarungen zu tre ffe n , welche eine größere Sicherheit u n d S tetig k e it im
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H o lzv erk eh r v o n L a n d zu L an d erm öglichten u n d die S p ek u la tio n im w esentlichen ausschalteten. L etzte res is t sehr en tscheidend. W ar doch die S p ek u latio n eine. A usw irkung der liberalistischm a teria listisc h en D enkungsw eise, die, wo es n u r m öglich w ar, d en ehrlichen A ustausch, der ü b er schüssigen L an d e sp ro d u k te v o n L an d zu L and zu v e rh in d e rn su ch te. W o es d u rch G em ein sc h aftsarb eit gelang, feste P reisverhältnisse in F o rm d e r S pannenpreise zu schaffen, h ö rte die S p ek u latio n w eitg eh en d st a u f un d , n ach d em so P reis u n d M enge g eo rd n et w aren, .tr a t in den m eisten F ä lle n eine B eruhigung a u f den M ärk ten ein, die sich, w as im m er w ieder au ch v o n dem A uslande a n e rk a n n t w urde, ganz besonders w ohl tu e n d b em erk b ar m ach te. E n tsc h eid en d w ar ab er, d aß feste w irtschaftliche B eziehungen von L an d zu L an d a n g ek n ü p ft w u r den, die im L aufe der J a h re im m er w eiter au s g e b a u t w u rd en u n d zu der E rk e n n tn is fü h rte n , d aß b ei d e r A rt der gem einsam en A u fb au arb eit, insbesondere d er festen M engen- u n d Preisverh ältn isse u n d der S icherheit bei d er A bnahm e der v o n D eu tsch lan d zu im p o rtieren d en H olzm engen, au ch das H olzüberschußland v o r A bsatzschw ie rig k eiten a u f h o lzw irtsch aftlich em . G ebiete im V erkehr m it D eu tsch lan d geschützt w ar. D am it ab er gelangen w ir bereits zu einem M erkm al, das dem G roßraum u n b ed in g t innew ohnen m uß, die K risenfestigkeit der W irtsch aft, eine Eigenschaft, die die V ertreter .der liberalen u n d m aterialisti4*
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sehen W irtschaft oft m it voller A bsicht verh in derten, weil sie in K risenzeiten sehr häufig die größten Verdienste h atten , n atü rlich au f K osten des ehrlich schaffenden Volkes. In D eutschland ist die F orst- u n d H olzw irtschaft unbedingt krisenfest. Ausländische F orst- und H olzw irt schaften, deren Länder m it uns befreundet sind, und m it denen wir im L aufe d er J a h re eine w irt schaftliche A ufbauarbeit an g eb ah n t haben, b e sinnen, a u f dem Gebiete der F o rst- u n d HolzWirtschaft auch ihrerseits krisenfester zu w erden. Es w ürde zu weit fü h ren , im R ahm en dieses k u r zen Aufsatzes die A ufbauarbeit der F orst- u n d Holzwirtschaftsausschüsse eingehend zu schil dern. Sie sind vielseitig, da ihre A rbeiten das ge sam te w irtschaftspolitische Gebiet der F o rst- u n d Holzwirtschaft der vertragschließenden L än d er umfassen. Die H auptaufgabe w ar im m er die A us gestaltung der forst- u n d holzw irtscha tlichen Beziehungen durch gemeinsame A u fb au arb eiten aller beteiligten G ruppen der Länder, m it denen wir verhandelten. Her Aufgabenkreis der genannten Ausschüsse wurde im Laufe der Ja h re im m er m ehr erw eitert und verdichtete sich besonders in R u m än ien bei gleichzeitiger Anbahnung ähnlicher B estreb u n gen in anderen Staaten zu einer G em einschaftsaröeit im . Sinne einer G roßraum w ixtschaft. Es ist bekannt, daß besonders E ngland u n d Frankreich immer wieder versuchten, ihrer echt liberalistischen u n d hochkapitalistischen Me-
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th o d e fo lg en d , b eso n d ers d en B a lk a n m it riesigen G eld m itteln zu d u rch d rin g e n . D er Zweck dieser D u rch d rin g u n g is t b e k a n n t u n d w eit e n tfe rn t von d er A b sich t, m it H ilfe riesiger G eldsum m en eh r liche, gem einsam e A u fb a u a rb e it zu treib en . Die A b sich t w ar v ielm eh r, d as beliehene L an d sich w irtsch aftlic h zu u n terw erfen . .D em gegenüber k o n n te im L au fe d er A rb eite n d e r fo rst- u n d h o lzw irtsch aftlich en Ausschüsse festg estellt w er den, d a ß u m ih r L a n d b esorgte W irtsch aftsp o li tik e r des A uslandes diese G efahren e rk an n ten u n d selbst n a c h einer an d ere n F o rm d er Z usam m e n arb eit su ch ten . D iese F o rm w urde in d er deu tsch -ru m än isch en V ereinbarung v o m 13. Mai 1939 gefunden, n ach w elcher die fo rst- u n d holz w irtschaftlich en B eziehungen dieser beiden L än d er w esentlich erw eitert w urden. I n diesem Ver tra g e w urde n ic h t m ehr das K a p ita l in den V or d erg ru n d gestellt, sondern die deu tsch e A rb eit, die sich m it der rum änischen A rb eit zum gem ein sam en A ufbau zusam m enschloß. I n dem genan n ten V ertrag e stellte D eutschland seine M itarbeit fü r die E rschließung rum änischer W aldgebiete u n d zur w eiteren In ten siv ieru n g der rum änischen F o rst- u n d H olzw irtschaft zur V er fügung. Es w ar dabei n ic h t n u r a n den A usbau des W aldstraßennetzes, an Lieferungen von T ran sp o rtm itteln , M aschinen usw. gedacht, son d ern D eutschland erk lärte sich au ch b ereit, den ' A ufbau u n d A usbau holzw irtschaftlicher, in d u strieller Anlagen in Gem einschaft m it der rum ä53
nischen Forst- und H olzw irtschaft zu ü b e r nehmen. Um die w irtschaftlichen B eziehungen der beiden Länder au f dem G ebiete d er F o rstund Holzwirtschaft ganz eng zu gestalten , w urde vereinbart, in gemeinschaftlicher A rbeit beider Länder einen gemeinsamen forst- u n d holzw irt schaftlichen Muster- und L ehrbetrieb fü r eine lange Zeitspanne aufzuhauen; d. h. eine größere rumänische Waldfläche sollte zu einer forstlichen Einheit zusammengefaßt und durch F o rstleu te beider Länder un ter Führung eines deutschen Vertreters bewirtschaftet werden. Im Z usam m en hang damit sollten holzwirtschaftliche W erke aller Art in diesem W aldgebiet errich tet w erden. Dieser Musterbetrieb sollte gleichzeitig als L ehrund Versuchsbetrieb fü r F orstleute und H olz wirtschaftler beider Länder dienen. Die Schüler der rumänischen Forstschulen sollten ih re p ra k tischen Arbeiten in diesem L ehrbetrieb aus-1ihren. Weiter war vereinbart, daß der N utzen, der sich aus dieser Vertiefung der w irtschaftlichen Beziehungen auf dem Gebiete der F orst- u n d Holzwirtschaft ergab, D eutschland und R u m ä nien in gleichem Maße zugute kom m en sollte. Lieferungen aus Deutschland fü r den gem einsam betriebenen forst- und holzwirtschaftlichen W irtschaftsbetrieb sollten durch verm ehrte Holzlieferungen abgegolten werden. H ier ist wieder der Grundsatz einer G roßraum wirtschaft zur T at geworden, indem zwei Länder nicht nur ihre Überschüsse austauschen, sondern es wurden die
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Wcgo zu einem vermehrten Güteraustausch an* gebahnt. I n diesem V e rtra g e is t n i c h t m e h r v o n einer k a p i ta listisc h e n D u rc h d rin g u n g die R ede, sondern es w ird A rb e it gegen A rb e it a u sg eta u sc h t. I n A u sfü h ru n g dieses V ertrag es stellte R u m än ien zu n ä c h st 34000 h a W ald zu r V erfügung, welche D e u tsc h la n d fü r 30 J a h r e in P a c h t gegeben w u r den. Im L au fe dieser J a h re soll diese W aldfläche, wie oben schon gesagt, d u rch gem einsam e A rb eit zu einem M u sterb etrieb g e s ta lte t w erd en . V on einer A u sb e u tu n g d er W äld er im lib erale n u n d b o ch k ap italistisch e n Sinne is t also keine R ede. S ehr en tsch eid en d is t d ab ei, d a ß es sich n ic h t n u r u m einen L eh rb e trieb h a n d e lt, so n d ern d a ß die A bm achungen d azu b eitrag en , d en H an d elsv er k e h r zw ischen D eu tsch la n d u n d R u m än ien zu steigern, w as b eid erseits als die H au p ta u fg a b e a n gesehen w urd e. ' D er P a c h tb e trie b w urde v o n d er in B erlin gegrün deten „D eu tsch e n F o rst- u n d H olzw irtschafts gesellschaft“ übernom m en, die d as v o n dieser G esellschaft erzeugte H o lzm aterial grundsätzlich n ach D eutsch lan d auszuführen h a t, soweit die deutsche „M arktordnung der F o rst- u n d H olz w irtsch aft“ die S ortim ente b en ö tig t. D as von D eutschland nich t benötigte H olzm aterial v e r b le ib t in R um änien oder k an n d o rth in v erk au ft w erden, wo es gebraucht w ird. H ier eröffnen sich W ege einer eigenen, nutzbringenden K ap italb il dung im A uslande, die w ieder beiden S taa ten
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gemeinsam zugute kom m t. Die Filiale d er „ D e u t schen Forst- und H olzw irtschaftsgesellschaft“ ist d i e ' „Silvarom“ als Gesellschaft rum änischen Rechts mit dem Sitz in B ukarest. Sie ist, u m den gemeinsamen Aufbauwillen zu betonen, m it d e u t schen und rumänischen V ertretern gleichm äßig besetzt, während, wie schon bem erkt, die L eitung in den Händen eines deutschen V ertreters liegt. Die „Deutsche Forst- und H olzw irtschaftsgesell^schaft“ hat also in Z ukunft A ufgaben zu lösen, die den Rahmen eines H andelsbetriebes w eit überschreiten. Sie ist m it das In stru m en t einer Gemeinschaftsarbeit beim A ufbau d er W irt schaften zweier Länder. Im gleichen Sinne u n d mit gleicher Zielsetzung sind auch in d er Slo wakei entsprechende Abmachungen getroffen worden, die sich in ihren Anfängen bereits auszu wirken beginnen. Im vorstehenden habe ich kurz zu schildern v e r sucht, auf welche A rt die deutsche F orst- u n d Holzwirtschaft durch planmäßige A rbeit V or bereitungen zum Aufbau einer G roßraum w irt schaft getroffen hat. Daß es 6ich lediglich um Bausteine handelt, betonte ich bereits. E in e Grundlage aber, worauf von seiten der F orst- und Holzwirtschaft nun weiter aufgebaut w erden kann, ist durch die jahrelange zwischenstaatliche Arbeit der Forst- und Holzwirtschaftsausschüsse und die weit vorgeschrittenen, erwähnten, p ra k tischen, wirtschaftsverbindenden Arbeiten gelegt. t der Großraumwirtschaft b etritt die Forst56
u n d H o lz w irtsc h a ft also n ic h t einm al N euland. Sie b ra u c h t die b eg o n n en en A rb eiten n u r fo rtzu setzen, n m zu m Ziele zu kom m en. S elb stv er s tä n d lic h sin d n o ch allgem eine, grundsätzliche, w irtsch aftsp o litisch e F ra g e n zu lösen, w enn die g esam te W irts c h a ft n u n m e h r das G ebiet der G ro ß rau m w irtsch aft b e tre te n w ill. D ie Lösung dieser w eiter g esteck ten A ufgaben obliegt n ich t m ehr der F o rst- u n d H o lzw irtsch aft als solcher, obgleich sie d a ra n ü b erau s s ta rk in teressiert ist. D ie A ufgabe d er F o rst- u n d H o lzw irtsch aft was zu n äc h st, in D eu tsch lan d die A usw irkungen der liberalis tisch -h o ch k ap italistisch en W irtsch afts form , die U nsich erh eit u n d U n stetig k eit zu besei tig en , w as geschehen is t, u n d d a rü b e r hin au s d u rch geeignete M aßnahm en dieselbe S icherheit u n d S tetig k eit im zw ischenstaatlichen, holzw irt schaftlichen V erkehr an zu bahnen. L etzteres is t. ebenfalls w eitestgehend erreich t. D am it ab er sind einige V oraussetzungen zu r B ildung .einer Größ. rau m w irtsc h aft b ereits geschaffen. I n d er F orstu n d H olzw irtsch aft ist dies u m so m eh r d er F all, als in den forst- u n d holzw irtschaftlichen K reisen au ch des A uslandes im m er stä rk e r erk an n t w ird, daß die liberale und hochkapitalistische W irt sch aft abgew irtschaftet h a t u n d d urch eine neue F orm ersetzt w erden m uß. — A uf diesem W ege der E rkenntn is befindet sich je tz t ein w esent licher Teil der ausländischen F orst- u n d H olz w irtschaft — und nicht zum Schaden ih rer ehr» lieh arbeitenden und schaffenden Völker.
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BEDEUTUNG DES TROPENWALDES IM EUROPÄISCH-AFRIKANISCHEN GROSSRAUM Von Professor Dr.-Ing. F r a n z He s k e Direktor des Reichsinstituts für ausländische und koloniale Forstwirtschaft, Hamburg-Reinbek
E in e der w esentlichsten Ideen, u m die das gegen w ärtige Ringen geht, ist G roßraum w irtschaft u n d Planw irtschaft. Eine planvolle, im Sinne der G esam tinteressen einer großen L ebens gemeinschaft m ehrerer schicksalsm äßig aufein ander angewiesener Völker gesteuerte E rschlie ßung und Benutzung großer, organisch zusam mengehöriger Lebensräum e, innerhalb d er alle wichtigen Lebensbedürfnisse des m odernen K u l turstandards ihre Befriedigung finden können, sei es autark, sei es im Wege ergänzenden A us tausches m it anderen in gleicher Weise organisch zusammengehöriger Lebensräume, ist als Folge der Übervölkerung und Industriezivilisation, m it ihrem großzügig entwickelten Verkehr u n d ihrem hohen Lebensstandard unabw eisbar geworden. Die Form dieser zukünftigen G roßräum e d rän g t infolge der zunehmenden Bedeutung der tr o pischen Zone als Nahrungs-, Rohstoff- und E n e r giequelle nach einer Nord-Süd-Orientierung. Die Zentren der modernen Industriezivilisation w er den schon aus klimatischen Gründen der H aupt-
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sache n a c h in Z u k u n ft in der gem äßigten Zone liegen, w eil h ie r allein m enschliche T a tk ra ft u n d E rfin d u n g sg ab e n ic h t erlah m en . A ber diese zivili sato risch e n K ra ftz e n tre n v erlan g en eine E rg än zung d u rc h tro p isc h e R äu m e, d eren feu ch t w arm es K lim a sie zu den vegetabilischen R eser v e n der M enschheit u n d zu den w ich tig sten u n d ergiebigsten k ü n ftig en lan d - u n d fo rstw irtsch aft lichen N ahrun'gs- u n d R ohstoffquellen stem pelt. So is t im W esten d er große p anam erikanische R a u m in B ildu n g b egriffen; so su ch t das u m seinen L eh en srau m k äm p fen d e Inselreich' des F e rn e n O stens eine E rg än z u n g im tro p isch en S üden dieses G ebietes, u n d so b ild e t au ch E uropa-A frika einen n a tü rlic h e n , zusam m en gehörigen, ein an d er ergänzenden G roßraum . E u ro p a u n d A frika streb en zu ein an d er als die n a tü rlic h e n H ä lfte n eines a u ta rk e n , v o n N ord n a c h S ü d sich erstreck en d en R aum es, dessen M acht u n d R eich tu m au s d er V ereinigung euro p äisch er Intellig en z u n d E nergie m it afrik a nischen N atu rp o te n z e n sich ergeben w ird. — U n te r den R ohstoffquellen,' die es zu erschließen g ib t, u n d den gew altigen organisatorischen A uf g aben, die zu lösen sein w erden, nehm en der W a l d und die W a l d w i r t s c h a f t eine b ed eu te n d e Stellung ein. Dies fo lg t einm al aus der T atsach e, daß der W ald eine R o h s t o f f q u e l l e d a rste llt, deren B edeutung im R ah m en d er m o dernen Industriezivilisation ständig anw ächst, gleichzeitig- aber Träger in d irek ter N utzw ir59
k u n g en ist, sogenannter „ W o h l f a h r t B w i r k u n g e n “ , von deren u n g estö rter F u n k tio n a u f w eite Sicht gesehen G edeih u n d V erd erb en m ensch licher K ultur in b u chstäblichem Sinne des W o r tes abhängig sind. W enn au ch die E rsch ließ u n g der forstlichen R ohstoffquellen im europäischen Teile des G roßraum es (besonders in Sibirien) im Gefolge der politischen u n d w irtsch aftlich en N eu organisation dieses E rdteiles, v o r allem im Sinne einer besseren A usnutzung der W äld er d er H olz überschußländer u n d einer besseren V ersorgung der H olzbedarfsländer, m anche w ertvolle F ö rd e rung erfahren wird, so liegen doch au ch forstlich e Großaufgaben E uropas a u f afrikanischem B oden. Die Waldfläche Afrikas b e trä g t ru n d 414 Mill. h a, wovon allerdings nur etw a 175 Mill. h a als n u tz holzreicher geschlossener H ochw ald an zu sp rech en sind. Von dieser G esam twaldfläche liegen 7,4 Mill. ha im Norden, d. h. in Tunis, A lgier u n d Marokko, die m it insgesam t 2,7% ih rer L an d es fläche bewaldet sind. Der Schw erpunkt des a fri kanischen Waldes liegt aber im W esten u n d in der M itte dieses Großraum teiles. V on Senegal über Gambia, Portugiesisch-G uinea, S ierra Leone, die Elfenbeinküste, G oldküste, -Togo, Nigerien, K am erun, Spanisch-Guinea bis n ach Französisch-Äquatorialafrika, dem Belgischen Kongo und Angola erstreckt sich ein W aldgebiet von rund 300 Mill. ha. Diese Teile A frikas sind zu fast einem D rittel ihrer Gesamtfläche bew aldet. Der Süden und Osten ist verhältnism äßig w ald-
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a rm . S ü d a frik a , d. h . D eu tsch -S ü d w est, die U nion, R hodesien, B a su to la n d u n d B etsch u an ala n d h a b e n zu sam m en r u n d 73 M ill. h a u n d sind k n ap p zu einem F ü n fte l ih re r G esam tlandesfläche b ew ald et. O stafrik a v o n B ritisch -N y assalan d ü b er P o rtu g iesisch -O stafrik a n a c h D eu tsch -O st, K enya, U ganda, ü b e r Ita lie n isc h -O sta frik a zum anglo-ägyptischen S u d an , M ad ag ask ar einge schlossen, h a t in sg esam t 30 M ill. h a W ald , w as einem B ew aldungsprozent v o n k n a p p 4 e n t sp rich t. Schon h ierau s is t zu erseh en , d a ß d er eigentliche forstlich e R o h sto ffreich tu m A frikas im W esten u n d in d er M itte gelegen is t. D iese große tro p isch e W ald h y läa h a t fü r die R ohstoffversorgung der In d u strie w irtsc h a ft des europäisch-afrikanischen G roßraum es eine b e sondere B edeu tu n g . D ie T ra n sp o rtla g e is t in sofern günstig, als der Seeweg re la tiv fre i is t v o n einer P assage d u rch p o litisch eifersüchtig k o n tro llierte M eeresengen, als das W ald g eh iet v erh ältn ism äß ig le ich t zugänglich u n d ohne Schw ierigkeiten erschließbar is t, als die Flüsse eine günstige S tro m rich tu n g aufw eisen u n d zum T ran sp o rt der W ald p ro d u k te zum T eil g u t b e n u tz t w erden k ö nnen. D er W a l d 'is t reic h a n . H olzarten, deren E ig en sch aften eine B efriedi gung aller w esentlichen A nforderungen m oderner H olzverw ertung erw arten lassen. M anche dieser H olzarten lassen sich g u t a n h au e n u n d w erden, soweit sie raschw üchsig sind, in k u rz e n U m trieb en zur M assenproduktion herangezogen wer61
können- Eine rationelle E rschließung dieser deQ UQ(i äquatorialafrikanischen H y läa m uß "^ v ersch ied en en Seiten an g ep ack t w erden. Die V°chtigste Voraussetzung bleibt die Öffnung die' VlCRohstoffquelle für die ü b erv ö lk erten u n d roh^offhungrigen Länder Europas. W enn m a n überlegt daß der Holzverbrauch D eu tschlands 90 Miß- cbm jährlich b eträg t und daß hierv o n der heimische Wald bei nachhaltiger N u tzu n g nur etwa zwei D rittel decken kann, w äh ren d ein Betrag von 30 Miß. fm, der überdies in w eiterer Zukunft noch anwachsen wird, ungedeckt b le ib t, wenn man weiter bedenkt, daß selbst n a c h N eu ordnung des europäischen K ontinentes durch Im port aus den Überschußländern dieses G roß raumteiles nur ein Teil dieser Lücke befriedigt werden kann, so ergibt sich daraus ohne w ei teres, wie befruchtend gerade dieser R ohstoff hunger die großzügige technische Erschließung der großen Urwälder Afrikas beeinflussen kann. Die mangelhafte Kenntnis der technischen E igen schaften und der praktischen V erw ertbarkeit der zahlreichen afrikanischen W aldprodukte k an n nur durch eine systematische M aterialprüfung beseitigt werden, die, ergänzt durch eine e n t sprechende staatlich gesteuerte W erbung, , den eg in die Verbrauchswirtschaften Europas öff nen wird. Einführung moderner an die NutzungsAussetzungen des Tropenwaldes angepaßter ^ransporteinjichtüngcnuHdcine Senkung der Seeten wird von der wirtschaftlichen Seite her 62
eine ra tio n e lle E rsch ließ u n g d ieser R o h sto ffq u elle fö rd ern . M it fo rts c h re ite n d e r E n tw ic k lu n g d er V e rw e rtb a rk e it a u c h d er b ish e r als u n v e rw e rtb a r angesehenen B eihölzer w erd en die G ew in n u n g s k o sten je M a teriale in h eit sin k en u n d d a m it die P reise der n eu en R ohstoffe. R a tio n e lle P la n u n g , tech n isch d u rc h d a c h te A u srü s tu n g u n d In v e s tio n größerer K a p ita lie n w erd en die W a ld n u tz u n g a u f eine großzügige G ru n d lag e stellen . M it der in te n siv e n N u tz u n g des a frik a n is c h e n W aldes w ird die N o tw e n d ig k e it, seine S u b sta n z d u rch geeignete M aß n ah m e n eines p la n v o lle n W ald au fb au es zu e rh a lte n u n d zu v e rb e sse rn , p arallel gehen. — D ies e rfo rd e rt eine ein g eh en d e K en n tn is der w ald b au lich -b io lo g isch en E ig e n schaften der zah lreich en H o lz a rte n des a frik a nischen W aldes, die u n s a u c h v o n d ieser S eite h e r zu m eist n o ch u n b e k a n n t sin d . E ine E rh a ltu n g des W ald es tr o tz in te n s iv sich entw ickelnder N u tz u n g w ird n ic h t n u r au s G rü n den einer a u f w eite S ich t gleich zu e rh a lte n d e r, ja zu steigernder N u tzu n g sm ö g lich k eit sowie au s G ründen einer u n v e rm in d e rte n F u n k tio n d er w eiter oben g en a n n te n W o h lfah rtsw irk u n g en (Ausgleich des W asserh au sh altes, V erh in d eru n g der Bodenerosion, M ilderung k lim atisch er E x tre m e usw.) notw endig sein, so n d ern .au ch des w egen, weil der tro p isch e U rw ald b o d en in v ielen F ällen durch eine au ffallen d e N ä h rsto ffarm u t . ch ara k terisie rt is t u n d zu r K o n serv ieru n g seines N ährstoffkapitals eine stän d ig e B edeckung d u rch 63
Wald, also Vermeidung größerer F rei- oder K a h l schläge erfordert. Die Inanspruchnahme des ebenso b ed eu tu n g s vollen 'wie schwierigen und iesselnden P roblem s einer systematischen Erschließung des a frik a nischen Waldes wird in besonderem M aße d er vorbereitenden und ständig auszubauenden M it arbeit der W is s e n s c h a f t bedürfen, die in den meisten Fällen erst die Grundlagen einer afrik a nischen Forstwirtschaft erstellen m uß u n d die daher einer großzügigen Förderung bedarf.
64
Mö g l i c h k e i t e n
der
d e u t sc h e n u n d e u r o p ä is c h e n
FETTVERSORGUNG Von W a lte r H ü b e n e r Reichsbeauftragter der Reichsstelle fü r Milcherzeugnisse, öle und Fette, Berlin
W i e lange is t es h er, d a ß w ir N a tio n a lso z ia liste n ob unserer „ T rä u m e re ie n “ v o n ein em e u ro p ä ischen G ro ß w irtsch aftsrau m v o n d e n L ib e ra lis te n aller S c h attieru n g e n b e s p ö tte lt o d e r m itle id ig beläch elt w u rd en ? D er a lte V o rk ä m p fe r f ü r die europäische G ro ß rau m w irtsch aftsid ee, W e rn e r D aitz, h a tte als W irts c h a fts b e a u ftra g te r d e r R eichsleitung d er N S D A P , d em V erfasser in d en J a h re n 1930/32 die A u fg ab e g e ste llt, die V e r lagerung des d eu tsch en Z u sch u ß b ed a rfs a n Ö l saate n , pflanzlichen u n d tie risc h e n ö le n u n d F e tte n v o n Ü hersee a u f d en k o n tin e n ta l-e u ro päischen R a u m p ro p a g a n d istisc h z u v e r tr e te n ; er is t d a m it a u f einem u m g re n z te n W irts c h a fts gebiet in d er Ö ffentlichkeit a u f die g leich e V er ständnislosigkeit gesto ß en , d er W e rn e r D a itz m it seinen um fassen d en G ru n d g ed an k en a u f S c h ritt u n d T r itt begegnete. K n ap p 10 J a h re sin d seitd em ins L a n d gegangen, 7 J a h re sind seit der M ach tü b e rn ah m e verflossen, u n d aus den „ T rä u m e re ie n “ is t h e u te in so w eit eine politische R e a litä t gew orden, als sich u n sere s
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zukünftige W irtschaftsplanung im w esentlichen a u f den G roßraum w irtschaftsgedanken einzu stellen h a t u n d einstellen k a n n , nachdem das deutsche Schwert den Weg dazu eb n ete u n d die Möglichkeit des politischen Gegenspiels der in te r nationalen K räfte hinwegfegte. So, wie für das politische u n d k u ltu relle Lehen der Zukunft die Rangfolge V olksbürger — B ü r ger Europas — W eltbürger G eltung h ab en w ird, so wird in unserer W irtschaftsgestaltung k ü n ftig der Rangfolge Großdeutsche W irtsch aft — euro päische K ontinentalw irt schaft — W eltw irtsch aft nachzustreben sein. W ir werden also unsere lebensw ichtigsten B ed ü rf nisse zunächst in unserem engeren d eu tsch en W irtschaftsraum , in zweiter Linie im w eiteren europäischen G roßraum w irtschaftsraum u n d erst zuletzt die in E uropa nich t zu b efriedigenden Lebensbedürfnisse im großen überseeischen R aum decken. * Nachdem m it dem U nsinn der M eistbegünstigung schon seit langem gebrochen w ordenist, b e d e u te t die bew ußte und konsequente Befolgung dieses gesunden wirtschafts- u n d h andelspolitischen Prinzips die Auslösung ungeheurer v o lk sw irt schaftlicher Energien nicht n u r fü r D eu tsch lan d , sondern für den ganzen europäischen G roßraum . D enn: diese Rangfolge der B edarfsdeckung nim m t nicht n u r G roßdeutschland, sondern d as kontinentale Europa in seiner G esam theit h erau s aus dem Einfluß der ungebundenen K räfte einer 66
sogenannten W eltw irtsch aft u n d m ach t es fü r im m er krisenfest, so, wie das D eu tsch lan d in den zurückliegenden J a h re n schon d urch seine eigen willige O rdnung des A ußenhandels u n d der B innenw irtsch aft fü r sich a l l e i n gelang. N ur in einer k r i s e n f e s t e n europäischen W irt schaft k a n n die höchste E n tfa ltu n g der P ro d u k tio n sk rä fte e rw a rte t w erden. In einer europäischen G ro ß rau m w irtsch aft w ird es vorw iegend d a ra u f ankom m en, die l a n d w i r t s c h a f t l i c h e E rzeugung zu in tensivieren. D as industrielle G ro ß d eu tsch lan d h a t n ic h t n u r einen H ö ch ststan d in seiner in d u striellen P ro d u k tio n , sondern durch sein M ark to rd n u n g sp rin zip au ch einen L eistungsgrad seiner la n d w irtsch aftlich en u n d bäuerlichen E rzeugung erreich t, gegen den die L eistung an d erer, u n d gerade d er v o r w i e g e n d l a n d w i r t s c h a f t l i c h ein gestellten eu ro päischen L än d er, v e rk ü m m e rt erscheint. So w urden 1938 a n B ro t- u n d F u tte rg e tre id e je h a in t g e e rn te t: Weizen
Roggen
Gerste
H afer
Mais
in D eutschland . . . . in den Ländern Süd osteuropas ................
2,34
1,75
2,20
2,15
3,00
1,41
1,11
0,95
0,86
1,35
im ehem aligen Polen in der ehem aligen T sch ech o-S low ak ei.
1,24
1,23
1,16
1,17
1,43
2,02
1,88
2,01
1,81
2,23
in Frankreich . . . . . .
1,86
1,29
1,70
1,68
1,70
in I t a lie n ..................
1,58
1,35
1,20
1,40
2,20
67
Höhere H ektarerträge als D eutschland erzielten zum Teil besserer B odenverhältnisse u n d g ü n sti gerer klimatischer V oraussetzungen n u r : W eiten Roggen
H olland m it ........... B elgien m i t .............. D än em ark m i t .........
3 ,4 4 3,15 3,51
2,27 2,50 1,95
Gerste
Hafer
3,25 2,88 3,42
3,00 2,91 3,05
Maie
_ — —
Der Minder ertrag der übrigen L änder ist dagegen nicht durch schlechte Boden- oder K lim a b e dingungen zu erklären, denn diese sind d o rt eher besser als in D eutschland. Infolge der jahrzehntelangen V ernachlässigung der landwirtschaftlichen P ro d u k tio n sk räfte ins besondere Frankreichs u n d S üdosteuropas h a t sich ein europäischer Z uschußbedarf a n B rotund Futtergetreide, an E iw eiß fu tterm itteln so wie an ölen und F etten pflanzlicher u n d tie rischer H erkunft ergeben, der im großen ü b e r seeischen Raum nach dem Prinzip des b illig sten Preises Deckung suchte. Frankreich deckte seinen Z usch u ß b ed arf a n Eiweiß-Futterm itteln, ö len u n d F e tte n im w e sentlichen in dem von ihm b eh errsch ten kolo nialen Raum. Es kann schon bei einer m äßigen Intensivierung seines eigenen lan d w irtsch aft lichen Anhaus in kurzer Zeit in seiner B ro tund Futtergetreide-Versorgung nicht n u r a u ta rk werden, sondern zur europäischen G esam tver-
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sorgung m it Ü berschüssen b eitrag en . W ir können deshalb bei u n seren B etra c h tu n g e n ü b er die k o n tin en tal-eu ro p äisch e B edarfsdeckung F ra n k reich m indestens u n b erü ck sic h tig t lassen, einer lei wie einm al die koloniale F rag e entschieden w ird. Da die in E u ro p a fü r den A n b au v o n G etreide u n d Ö lsaaten zu r V erfügung steh en d en A g rar flächen w eitgehend u n te re in a n d e r a u stau sch b a r sind, soll u n te rsu c h t w erden, ob sich das k o n ti n entale E u ro p a in d er V ersorgung m it diesen w ichtigsten N ah ru n g sg ü tern u n ab h än g ig m achen k an n , w enn in d er In ten siv ieru n g d er la n d w irt schaftlichen N utzfläohen die eu ropäischen L ä n der dem deutsch en V orbild n ach eifern u n d wie sich das V ersorgungsbild G ro ß d eu tsch lan d s in diesem F alle im k o n tin en tal-eu ro p äisch en Ge sam trau m abzeichnet. E s soll d ab ei n ic h t u n te r sucht w erden, w elche H indernisse sich einer sol chen P lanung au s der M en ta litä t u n d d en w irt schaftlichen V erhältnissen der verschiedenen europäischen V ölker h erau s en tgegenstellen; schon die t h e o r e t i s c h e B erechnung des P ro duktionsvolum ens, das sich fü r K o n tin e n talE uropa u n te r dem obigen B lickw inkel erg ib t, m uß fü r die B eurteilung der M öglichkeiten einer europäischen W irtsch aftsp lan u n g in teressa n t u n d aufschlußreich sein. E s w urden 1938 a n B ro t- u n d F u tte rg etreid e g e e rn te t:
69
6 000 2150 2 700 4 820 3 030
12 700 2170 1 810
16 680
B u lg arien U n g a r n ............. ................... R u m ä n ie n ............................. J u g o s la w ie n ........................
in in in in
S üdosteuropa in s g e s a m t........
ehern. P olen . . . . . . . . . » . . . . . ehern. T s checho- Slowakei . . .
O bige 6 L ä n d e r in s g e s a m t. .
Weizen
in D eutschland einschließlich O s tm a r k ............................ ..
N
10 910
. 7 250 1910
1750
. 190 810 . 520 230
9 200
Roggen
5030
5260
. 1 3 570
51 450
13 580 6 820 130 370 2660 1400 ,
31 050 13 070 1200
2330 1370 1330
3 330 7 200 11750 8 770 530 2 660 5 120 4760
100 310 460 330
| Getreide aus.
360 . 720 . 830 f 420
Mais
26 930
|
/
380
Hafer
r
6800
4550
| - Gerste
in tausen i Tonnen
27 260
o b ig e 6 L ä n d e r in sg e s.
9300
2600 1450
10 320 1 780
4100 2 100
e h e rn . P o l e n ...................... e h e rn . T sc h e c h o -S lo w a k . 14 810
5250
2 710
500 1000 2810 940
330 1 090 ,840 450
21 060
4S50
1
G erste
9 200
Roggen
S ü d o s te u ro p a in s g e s a m t
260. 800 95 0 . 050
\
3 . 3 8 5
6 000
W eizen
B u l g a r i e n .......................... ' U n g a r n ............................... R u m ä n ie n ........................ J u g o s l a w i e n .......................
lie h O s t m a r k ...................
D e u ts c h la n d e in sc h lie ß -
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“
10 660
1 660
6 000
3 000
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480 1 400
320
6 800 100 530 000 530
29 960
260 540
29 160
2 3 15 8
380
in tau sen d Tonnen H afer Mais
91 9 9 0
23 280 7 530
61\ 180
15 770
9 900 29 0 0 0
6 510
26 930
-
180 700 250 000
40 540
710
9 700
30 130
3 2 17 7
—
G etreide zus. m eh r als b ish er
D ie deutschen H e k tar-E rträg e der le tzte n J a h re , a u f die bisherigen A nbauflächen a n g ew an d t, ergeben ab er fü r diejenigen europäischen L änder, die insbesondere fü r die V ersorgung G roßdeutschlands in F rag e k äm en : ^
Der so errechnete t h e o r e t i s c h e M ehrertrag beläuft sich also au f 40,54 Millionen t. D i e s e r Mehrertrag e n t s p r i c h t, w ie d e r n a c h M a ß gabe d e r d e u t s c h e n D u r c h s c h n i t t s e r träge , einer e r s p a r t e n A n b a u f l ä c h e v o n i n s g e s a m t 16,82 M i l l i o n e n h a o d e r e i n e r Verringerung der fü r den b i s h e r i g e n P r o duktionsum fang b e n ö tig te n G e t r e i d e a n b a u f l ä c h e v o n 39,46 M i l l i o n e n h a a u f 22,64 M i l l i o n e n ha. Für die Befriedigung des bisherigen E in fu h r bedarfs K ontinental-Europas an B rot- und F u t tergetreide von zusammen 9,60 Millionen t w ü r den unter Zugrundelegung der deutschen H ektarErträge von der ersparten A nbaufläche n u r 4,0 M i l l i o n e n h a b e n ö t i g t w e r d e n . D a s w ü r d e b e d e u t e n , d a ß b e i v ö l l i g e r Se l b s t versorgung K o n tin e n ta l-E u ro p a s m it B r o t - u n d F u t t e r g e t r e i d e n o c h 12,82 M i l l i onen ha fü r a n d e r e A n b a u z w e c k e z u r V e r f ü g u n g s t ä n d e n . An anbaufähigen B rach flächen waren im Jah re 1938 schätzungsw eise 1,3 Millionen ha vorhanden. Schon bei einem Ölsaatenertrag je ha von n u r l t , wie er gegen wärtig in den Ländern Südosteuropas im D u rch schnitt mindestens erzielt wird, ergäbe sich aus einer Anbaufläche von 14,12 Millionen ha eine Ölsaatenernte von jährlich 14,12 Millionen t m it einer anzunehmenden Ausbeute von 4 Millionen t Pflanzenölen und 10 Millionen t E iw eiß-F utter m itteln. 72
D a pflanzliche u n d tierisch e ö le u n d F e tte w eit gehend u n te re in a n d e r a u sta u sc h b a r u n d Eiw eißF u tte rm itte l le tz te n E n d es w ied eru m als F e ttrohstoffe (M ilchviehfutter) zu w e rte n sind, k ö n n en w ir diese Ziffern in V ergleich setzen zu dem bisherigen Z u sch u ß b ed a rf K o n tin e n ta l-E u ro p a s, der m it ru n d 1,9 M illionen t pflanzlichen u n d tierisch en ö le n u n d F e tte n u n d 4,3 M illionen t E iw e iß -F u tte rm itte ln v o r dem K rieg an zu n e h m en w a r, so d a ß sich th eo retisch ein n en n en sw erter eu ro p äisch er U b e r schuß ergeben vrnrde — a n d e rs a u s g e d r ü c k t: die M öglichkeit, w eitere w ichtige la n d w irtsc h a ftlic h e Erzeuguügszw eige, die im L a u fe d e r le tz te n 150 J a h re v o n E u ro p a n a c h Ü b ersee ab w an d er„ten, n a c h E u ro p a zu rü ck zu h o len . Die oben ang estellte B erech n u n g w ill n ic h t in erster Linie als agrarw issen sch aftlich e B ew eis führung gew ertet w erden, so n d ern z u n ä c h st le diglich zeigen, w ie w e i t d e r S p i e l r a u m is t, in dem eine In te n siv ie ru n g d e r la n d w irts c h a ft lichen P ro d u k tio n sk rä fte K o n tin e n ta l-E u ro p a s m it dem Ziel der a u ta rk e n D eckung d er le b en s notw endigsten B edürfnisse m öglich is t, u n d daß die schließliche E rreich u n g dieses Zieles n ic h t als P hantasiegebilde a b z u tu n is t; d e n n : schon die Zurücklegung d er h alb en W eg streck e w ü rd e die volle B edarfsdeckung K o n tin e n tal-E u ro p as in G etreide, E iw eiß -F u tterm itteln u n d ö le n u n d
73
F etten
e ic h e r s te lle n , e e lb s t w e n n m a n u n t e r d a ß d ie I n te n s iv ie r u n g e in e E r h ö h u n g d er
L e b e n s a n sp r ü c h e d er A n h a u v ö lk e r im
G e fo lg e
haben wird. Sucht m an nach den Gründen, die eine S teigeru n g der B odenerträgnisse Frankreichs u n d der eu ro päischen Südostländer h in tan geh alten h ab en , so w ird m an zu n äch st fe sth a lten m ü ssen , daß G leichgültigkeit, B ed ürfn islosigk eit u n d S ied lungsstruktur der A n bauvölker w esen tlich e F a k toren darstellen. V on gleich großem , w en n n ic h t größerem Einfluß w aren aber zw eifellos au ch die U m ständ e, die v o n außen her A b satz u n d E rlö s der gew onnenen B odenerzeugnisse u n sich er m achten. So haben a u f Frankreichs E ig en a n b a u koloniale E inflüsse des eigen en M achtbereich s eingew irkt u n d a u f die eu ropäischen S ü d o st länder die B eein trächtigun gen des g esa m ten internationalen M arktes der w ich tig ste n N a h rungsgüter.
In den letzten Jah ren h a t D eutschland den euro päischen Südostländern durch die B ezahlung von Uberweltm arktpreisen für einen großen Teil ih rer landwirtschaftlichen Überschüsse bereits Hilfsellung gegeben. In den Jah ren v orher w ar der dostraum in dem A bsatz seiner Ü berschußj
V i0* anhängig von der E ntw icklung überseeischen M arktw erte.
n athLT S L°r AugCn halten’ daß inter’ achußnrorl ^ 3rktWerte für wichtigsten Überm
chußprodukte des Südostraumes, Weizen und 74
Mais, sich n a c h d en R o tte rd a m e r N o tierungen je 100kg in dem J a h r z e h n t 1928 his 1938 im J a h r e sd u r c h sc h n itt e tw a w ie f o l g t g e s ta lte te n : Weizen
M ais RIM
RM
1928 .......... 1934.......... 1936 .......... 1937.......... Sept. 1938 ..........
. . . . 22,64 . . . . 6,21 . . . . 9,86 . . . 12,25 . . . . 6,48
1928 1935 1936 1937 Sept. 1938
.... .... .... .... ....
........ 17,97 ........ 4,73 ........ 5,55 ........ 7,49 ........ 6,59
so is t einleuchtend, d a ß sich schon au s diesem k risen h aften A u f u n d A h d er P reise eine U n sicherheit ergab, die je d es S tre b e n n a c h einer Intensivierung der B o d enbestellung tö te n m u ß te. In n ere u n d äu ß ere U m stän d e h a b e n also die Intensivierung his d ah in v e rh in d e rt. W enn w ir bedenken, d aß w ir die riesig en R äu m e Sow jetrußlands n u r a m R an d e u n se re r B e tra c h tu n g en b erü ck sich tig t h ab en , so eröffnen sich fü r die M öglichkeiten einer w eitg eh en d a u ta rk e n B edarfsdeckung im großeuropäischen W irt schaftsraum z u k u n ftsträ ch tig e P ersp ek tiv en . D aß ausgerechnet E n g lan d , d as a n d e r A u f nahm e überseeischer M assengüter d u rch die großenY erbraucherm a ssen K o n tin e n tal-E u ro p a s das größte Interesse h a b e n m u ß te, den entschei denden A nstoß zum W erd en d er europäischen G roßraum w irtschaft gib t, is t ein B eispiel m ehr fü r die engstirnige englische P o litik . D ie ü b er seeischen N icht-E m pire-L änder w erden E n gland das einm al w enig d anken.
75
V
II.
ZUR E U R O P Ä IS C H E N V ER K EH R SO R D N U N G
\
DIE VERKEHRSPROBLEME DES NEUEN EUROPA Von Staatssekretär W i l h e l m K l e i n m a n n Reichsverkehrsministerium, B e rlin
Durch die Wasserscheiden der deutschen Mittel gebirge sowie des Alpen-Karpatensystems wird Europa in zwei große Verkehrsgebiete getreimt: die nach Nord- und Ostsee abfließenden Ge wässer kennzeichnen einen nördlichen Verkehrs raum, während das Einzugsgebiet der Donau einen südlichen Verkehrsraum hervortreten läßt. Auch der angrenzende russische Raum öffnet sich — allerdings nur zum kleineren Teil — gegen Ostsee und Weißes Meer, zum überwie genden Teil durch Dnjester, Dnjepr und Don zum Schwarzen Meer, durch die Wolga zur Kaspisee. Betrachten wir nun die Lage der großen konti nentaleuropäischen Kultur- und Wirtschafts zentren, so erkennen wir, daß die von ihnen aus strahlenden Kraftlinien "sich keineswegs immer von einfachen geographischen Grundtatsachen leiten ließen, sondern, daß der Mensch oft erfolg reich versucht hat, die natürlichen Hindernisse zu überwinden. Immer wieder wurde die große Trennschranke der Alpen überwunden; sowohl von Süden als auch von Norden wurden auf kriegerischem und friedlichem Wege enge Ver79
kehrsbeziehungen geknüpft. D er W eg zum freien Meer wurde in den Zeiten des w eltum spannenden Freihandels bevorzugt; die N ordseehäfen w urden gewaltige Ausfalltore m itteleuropäischer W irt schaft, obwohl auch Genua u n d T riest n ic h t v e r nachlässigt wurden. W aren es doch m itteleu ro päische, Leipziger H andelskreise, die eindring lich den D urchstich der Landenge v o n Suez forderten und dam it den W eg ü b er T riest in seiner Bedeutung steigen ließen. In geschichtlicher Ü berlieferung fa s t u n v errü ck bar erscheinende Entwicklungsw ege gerieten während des W eltkriegs u n d in der N achkriegs zeit in raschen Verfall. Von London u n d P aris aus versuchte m an, die L ebenskräfte M ittel europas zu lähm en u n d nunm ehr in B ah n en zu zwingen, die weder den n atü rlich en noch den geschichtlichen Gegebenheiten entsprachen. Die Folge war, daß die führenden G eister E u ro p as — soweit sie nicht u n m ittelb ar von L ondon und Paris abhängig geworden w aren — geradezu radikale Lösungen erstreb ten ; das d u rch die Pariser Vorort Verträge geschaffene „G leich gewicht“ Mittel- u n d Südosteuropas b efriedigte weder die unm ittelb ar betroffenen R egierungen noch Italien — ja nich t einm al die P o litik er d er künstlich geschaffenen S taa ten P olen u n d Tschecho-Slowakei, die beide durch ü b ersp an n te Forderungen an ihre M inderheiten u n d a n ih re N achbarn ihre innere Schwäche zu verb erg en suchten.
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K onnte es ab er in dieser Lage eine bessere Lösung geben als die B esinnung a u f die n atü rlich e n , die geographischen G egebenheiten? G egeben w aren die O berflächenform en der E rd e, gegeben die nie zu u nterschätzen d e Y erk eh rsb ed eu tu n g der W asserläufe. Gegeben w aren ab er au c h die a u f angestam m ten G rund u n d B oden siedelnden V ölker. D arü b er h in au s a b e r g ib t es a u f k au m w ertb aren gefühlsm äßigen S ch ätzu n g en b e ru hende geschichtlich-kulturelle u n d politische B indungen der V ölker u n te re in an d er. B indungen, die stä rk e r sind als geographische H indernisse. K au m w ägbar sind a u c h die w irtsch aftlich en Beziehungen, die sich tr o tz tiefster, a u f rassisch kulturellen U nterschieden b eru h e n d e r sozial politischer G egensätze entw ickeln. M an k an n niem als allein d u rch die rech n erisch e R atio den tiefen S inn d er deutsch -italien isch en B indungen erfassen, die im m er w ieder das H in dernis der A lpen überw in d en . M an k a n n n ic h t naturw issenschaftlich die O st-W est- u n d W estO st-Bew egung des H an d els e rlä u te rn , d eren la te n te r D ru ck au ch in d er Z eit d er U n te rb in d u n g d irek ter B eziehungen im R a u m zw ischen R h ein u n d W olga fü h lb ar w ar. A u f G ru n d d er feh len d en K on tin en talo rien tieru n g v o n P o litik u n d W irt schaft w urde der n a tü rlich v o rg e zeich n e te D o n au weg so wenig v o n den A nliegern au sg e b a u t. D er D onauraum k ö n n te eines d er re ic h ste n G ebiete E u ro p as sein — u n d doch w ar es v o r u n d n ach dem W eltkriege den p o litisch en u n d W irtschaft-
liehen K rä fte n n ic h t gelungen, ih n v e rk e h rs politisch ric h tig zu erschließen. A uch der O st seeraum h ä tte , dem w irtsch aftlic h en E n tw ick lu n g sstan d u n d w eiterh in d en E n tw ick lu n g s m öglichkeiten d er A n lieg erstaaten entsprechend, in ten siv er d u rch den A ushau d er V erk eh rsm ittel en tw ick elt w erd en k ö n nen. S eit n u n die B lo ck ad ep o litik d er k ap italistisch ,,w elthändlerisch en “ W estm äch te ganz K on tin e n ta le u ro p a v o m W elth an d el abzuriegeln v e r su ch t, w erden folgende F o rd eru n g en geradezu im p e ra tiv : 1. A usbau der V erk eh rsm ittel, die den O s t s e e . . r a u m zu engerer Z usam m enarbeit lenken. D urch Schiene u n d S traß e bessere V erbin dungen aller O stseeländer u n terein an d er, wo-hei die sogenannte „V ogelfluglinie“ besondere E rw äh n u n g v erd ie n t. 2. N euplanun g u n d A usbau der V erkehrsver„ b in d u n g en im S ü d o s t r a u m . B evorzugte . Schiffbarm achung des gesam ten D onau system s. B au neu er H au p tb ah n e n u n d eines d ichteren N etzes v o n F e rn stra ß e n ; die G rund sätze der P lan u n g sind v o n den E in zelstaaten in engster Z usam m enarbeit zw ar nach eigener In itia tiv e , jed o ch n ach k o n tin en talw irtsch aft lichen G esich tsp u n k ten festzulegen. 3. D ie . verkehrstechnische V erbindung Italiens m it den In d u strieg eb ieten G roßdeutschlands nach neuzeitlichen G esichtspunkten. Vor
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allem lassen sich die großen Verkehrslinien von Venedig u n d T riest nach Schlesien und n ach R um änien verbessern. 4. Die V erbesserung der E isenbahn, A uto straßen u n d W asserstraßen, die den Ostsee r a u m mit dem D onauraum u n d beide R äum e m it dem russischen R aum v erbinden. 5. Die Planung folgt in der H au p tsach e den geographischen G egebenheiten; infolgedessen ✓ w ird der A usbau der n atü rlich en u n d k ü n st lichen W asserstraßen dieser G rundforderung zunächst gerecht w erden können. Die neu zeitliche Technik erm öglicht jedoch die Ü ber w indung natü rlich er H indernisse, w enn die w irtschaftlichen Belange es erfordern sollten. Die endgültige großraum w irtschaftliche P la nung w ird also bew ußt die geographischen H indernisse überw inden u n d d am it eine Ver kehrseinheit aus den H au p tv erk eh rsräu m en schaffen. So, wie die deutschen E isenbahnen u n d die R eichsautobahn ohne R ücksicht a u f H indernisse die deutschen Stäm m e u n d L an d sch aften anein anderbinden, soll die kontinentaleuropäische G roßplanung E uropa zu einer p ro d u k tiv en V er kehrseinheit führen. V erkehrsplanung u m faß t jedoch n ic h t allein die technischen A ufgaben des B aus neuer Strecken u n d des A usbaus bestehender V erkehrsanlagen, F a st ebenso w ichtig ist die O rdnung des Be.-
*•
83
triebes, die Vorsorge fü r die rasch e u n d w irt schaftliche A bw icklung des V erkehrs v o n M en schen u n d G ütern. D ie zw ischenstaatliche A rbeit, die die G leichartigkeit d er V erkehrsbedingungen in allen L än d ern als ideales Ziel zu erstreb e n h a t, g rü n d et sich a b e r teilw eise a u f an d ersartig en w irtschaftlichen u n d sozialen V orarb eiten . F ern er b ed in g t die Senkung der G renzhindernisse tie f greifende zollpolitische, preispolitische u n d poli zeiliche N euregelungen, wie sie allein n u r d urch die k ü n ftig e A u tark ie -P o litik d er europäischen K o n tin e n ta lsta a te n geschaffen w erden k an n . D ie lange T ra d itio n zw ischenstaatlichen E isen b ah n v erk e h rs h a t b ereits m an ch en erfreulichen A usgleich g eb rac h t. A ber au ch im S tra ß e n v e r k eh r b a h n e n sich B esserungen an . E s sei a n die zw ischenstaatlich en K onferenzen erin n e rt, die den A usbau der u n te r dem S chlagw ort L ondon— Is ta n b u l b e k a n n t gew ordenen F e rn s tra ß e n v o n ■der N ordsee ü b e r die R eich sau to b ah n u n d w eiterh in ü b e r W ien u n d B u d ap est b is a n das Schw arze M eer (B u k arest— K o n stan za) u n d an den B osporus (B elgrad— Sofia— E d irn e— I s ta n bul) zum G egen stan d h a tte n . E s w urde a u f diesen K onferenzen w eitgehende E in ig k eit ü b er den technisch g leich artig en A u sb au d er S tra ß e n k ö rp er, ü b e r die V erk eh rsv o rsch riften u n d die F rag en der H ilfeleistu n g erz ie lt; die E rleich te ru n g der G re n z ü b e rtritte k o n n te jed o ch des w egen n ic h t in einem fü r die K ra ftfa h re r fü h l b arem M aße erzielt w erden, w eil eben die
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allgem einen V o rau ssetzu n g en fü r ein e p la n m äßige g ro ß ra u m w irtsc h a ftlic h e Z u sa m m e n a rb e it feh lten . E s k a n n n ic h t b e s tr itte n w erd en , d a ß die eu ro p afeindlichen E inflüsse d e r W e s tm ä c h te g e ra d e die A n lieg erstaaten des D onauw eges v o n w irk sa m e n P lanungs- u n d A u sb a u a rb e ite n z u rü c k g e h a lte n h aben. Dies w ird n a c h d em K rie g a n d e rs w e rd e n . Bis zum h eu tig en T ag e b e s te h e n n o c h z a h lre ic h e S chiffahrtsschw ierigkeiten a u f ein ig en D o n a u streck e n ; sogar die H ä fe n u n d ih r e Z u f a h r te n sind a u f diesem f ü r g an z S ü d o s te u ro p a so u n geheuer w ichtigen V erk eh rsw eg e n ic h t a u f d e n S ta n d g eb rac h t, d e r d em V e rk e h rs d ru c k d e r G ütererzeugung e n tsp ric h t. D ie S c h iffsein h e ite n genügen keinesw egs d e n V erk e h rsm ö g lic h k e ite n . Infolgedessen sind die D o n a u fra c h te n n o c h n ic h t so w eit gesenkt w o rd en , w ie es f ü r d e n A n reiz w eiterer T ra n sp o rte w ü n sc h en sw ert w ä re . E s b ra u c h t n ic h t b e to n t zu w e rd e n , d a ß a u c h a u f der D onau sich die G renz- u n d T ra n s itfo rm a li tä te n hem m end a u sw irk e n . E ine N euregelung d er W irts c h a fts v e rh ä ltn is s e Südosteuropas is t b e re its seit v ie len J a h r e n im G ange; es w ird a b e r e rs t d a n n eine N e u o rd n u n g erreicht, die sich fü r alle S ta a te n K o n tin e n ta l europas n u tz b rin g e n d a u sw irk e n w ird , w e n n d ie V erkehrsplanung v o n g ro ß zü g ig en G ro ß ra u m ideen beseelt w erd en k a n n . V erkehrsplanung s e tz t ein g eh en d e w irts c h a ft liche u n d soziale E rk e n n tn isse a u f eine s e h r w eite
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Sicht voraus. D ie R au m p lan u n g , die m a n zw eck m äßig als organische E in h e it b e tra c h te t, m uß jedoch ste ts in V e rk e h rsb a u te n ih re erste w ich tig ste T a täu ß eru n g finden. D ie europäische W irt schaftsplanung u n d a u f ih r a u fb a u e n d die euro päische G ro ß rau m w irtsch aft w erd en gleicher m aßen in w eitblickenden V erkehrsplanungen ih re vordringlichste A ufgabe zu sehen haben.
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WASSERSTRASSEN UND B I N N E N SCHIFFAHRT IM E U R O P Ä I S C H E N GR OS S WI R T S CHAF T S R AUM Von Gustav K o en ig s Staatssekretär i. TV., Berlin '
V^
'
-Der englische Nationalökonom John Maynard Keynes, der im Jahre 1919 als englischer Wirt schaftssachverständiger an der Friedenskonfe renz der Alliierten in Paris teilgenommen hat, gibt in seinem 1920 erschienenen Buch „The Economic Consequences of the Peace“ ein an schauliches Bild von der Atmosphäre, welche die -Friedenskonferenz beherrschte. „Für jemanden, der den größeren Teil der 6 Monate, welche auf -den Waffenstillstand folgten, in Paris gelebt hat, war ein gelegentlicher Besuch von London ein seltsames Erlebnis. England steht außerhalb Europas. Europas stummes Beben dringt nicht bis England. Europa ist für sich und England -ist nicht von seinem Fleisch und Blut. Aber Europa ist ein in sich festgefügter Körper. Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich und Holland, Rußland, Rumänien und Polen haben den gleichen Pulsschlag, und ihre Struktur und Zivilisation sind im wesentlichen gleich. . . . Auf jeden Fall mußte ein Engländer, der an der Kon ferenz von Paris teilnahm und während dieser 87
M onate als M itglied des O b ersten W irtsch afts ra te s der A lliierten fu n g ierte, zwangsläufig — fü r ih n eine neue E rfah ru n g — in seinem A rbeiten u n d D enken ein E u ro p äe r w erd en .“ D eutlicher als es v o r 20 J a h re n v o n diesem noch h eu te in hohem A nsehen stehenden E ngländer ausgesprochen w urde, k a n n m an es k au m ausdrücken, d aß sich E u ro p a, w enn es sich seihst b eh au p ten w ill, a u f sein k o n tin en tales Eigenleben besinnen u n d den erstark e n d en Ü berseekonti n en te n als eine geschlossene E in h eit gegenüber tre te n m uß. E s is t d as große V erdienst d er „G e sellschaft fü r europäische W irtschaftsplanung u n d G ro ßraum w irtsch aft“ u n d insbesondere ihres G ründers u n d P räsid en ten W erner D aitz, den säk u laren B e ru f des europäischen K o n tin en ts er k a n n t u n d d en verlogenen Ideologien d er w est lichen D em o k ratien den einfachen u n d daru m so k laren G edanken d er Selbstbestim m ung der K on tin e n te entgegengestellt zu haben. W ir wissen noch n ic h t, w ie die L a n d k a rte v o n E u ro p a nach d em K riege aussehen w ird — L loyd George h a t u n s freilich schon v e rra te n , daß w ir uns nach dem K riege neu e A tla n te n w ürden k aufen m üs sen — a b e r das eine kön n en w ir schon h eu te er k en n en : W ir kom m en als Folge der englischen K o n tinentalblo ck ad e zu einer V erstärk u n g des W irtschaftskreislaufs zw ischen den europäischen S ta a te n u n te re in an d er, zu einer planm äßigen V er w ertu n g der B odenschätze u n d E n erg ien des europäischen R aum es u n d zu einer A usrichtung
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der Nationalwirtschaften des europäischen Wirt» schaftsraumes auf eine weitgehende wirtschaft liche Selbständigkeit des europäischen Konti nents. Jede Erweiterung des kontinentalen europäischen Güteraustausches hat einen Aushau der Ver kehrswege zur Voraussetzung und zur Folge. Das gilt in gleichem Maße für Eisenbahnen, Wasserstraßen, Autobahnen und Fluglinien. Wie verhält sich die deutsche Wasserstraßenpolitik zu der Zielsetzung einer europäischen Großraum wirtschaft? I.
Eine deutsche Wasserstraßenpolitik ist erst mit der Übernahme der Wasserstraßen auf das Reich im Jahre 1921 möglich geworden. Solange die Wasserstraßen ebenso wie die Eisenbahnen und Landstraßen bei den früheren deutschen Bundes staaten lagen, konnte es .mir eine partikulare Wasserstraßenpolitik geben. Wasserstraßenpoli tik ist ein Ausschnitt aus der Staatspolitik und wird wie diese durch den Umfang des Staats gebiets begrenzt. Sie bleibt durch die Verkehrs und Wirtschaftsbedürfnisse dieses Gebietes be stimmt. Preußen, Bayern, Sachsen, W ürttem berg, Baden, Hamburg und Bremen — um nur die für die Wasserstraßenpolitik hauptsächlich in Frage kommenden Bundesstaaten zu nennen — entschieden nach ihren engeren staatlichen Not wendigkeiten, welche Arbeiten an den Wasser straßen ausgeführt und welche neuen Wasser89
S traßen in A ngriff genom m en w erden sollten. So w aren H am b u rg u n d B rem en, die sich als T rä ger der beid en deu tsch en /W elthäfen fü r den U n te rla u f d er E lb e u n d d er W eser v e ra n tw o rt lich fü h lte n , in d er E n tw ick lu n g u n d in dem A usbau der seew ärtigen Z ugänge zu ih re n H äfen g ehem m t, w eil sie ü b er die u n te re E lb e u n d über die U nterw eser n ic h t v erfü g en k o n n ten . Die U n terelb e g eh ö rte zu P reu ß en , die U nterw eser zu P re u ß e n u n d O ldenburg. W ollten H am b u rg u n d B rem en d en U n te rla u f der S tröm e, die sie in ih re r F u n k tio n als seew ärtige Zugänge m it R e c h t als B esta n d teile ih re r H äfen ansahen, den w achsenden Schiffsgrößen inder.S eeschiffahrt a n p assen , so w aren sie a u f die M itw irkung der p reu ß isch e n R eg ieru n g u n d der preußischen V er w altu n g sb eh ö rd e n , B rem en au ß erd em a u f die Z u stim m u n g O ldenburgs u n d seiner V erw altungs b e h ö rd e n angew iesen. P re u ß e n u n d O ldenburg s e tz te n a b e r d en au fstreb e n d en H an sestäd te n u n d ih re m Ü b erseeh an d el die In teressen ih rer v o n den F lu ß k o rrek tio n en betroffenen L andw irte u n d F isch ereib erech tig ten entgegen u n d h ab en H a m b u rg u n d B rem en d en A usbau der u n te re n E lb e u n d d e r U n terw eser n ic h t leich t gem acht. D ie B em ühun g en des a lte n R eiches v o n 1871, einen A usgleich zu schaffen, blieb en vergeblich. A uch die g ro ß en W asserstraß en b a u ten , welche w ir h e u te als das R ü c k g ra t d er deu tsch en R eichs w asse rstra ß en p o litik an seh en , sind v o n d en frü h e re n d eu tsch e n B u n d e ssta a te n g ep lan t u n d
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begonnen und darum partikularen Wurzeln ent sprungen.- .. v Preußen hat den Mittellandkanal, der den Rhein über die Weser mit der Elbe verbinden und in Magdeburg den Anschluß an das Fluß- und Kanalnetz der Mark Brandenburg und des Ostens finden sollte, aus den Bedürfnissen seiner preu ßischen Staatspolitik heraus in Angriff genom men. Die Preußische Staatseisenbahnverwaltung forderte bei dem außerordentlichen Ansteigen des Verkehrs um die Wende des 20. Jahrhunderts eine Entlastung ihrer Eisenbahnanlagen im Ruhrgebiet durch den Mittellandkanal, weil sie glaubte, den ständig steigenden Transp ortanförderungen für Kohle und Erz auf der Schiene für die Dauer nicht gerecht werden zu können. Der preußische Innenminister sah in dem M ittelland kanal eine Klammer, welche die beiden bis zum Jahre 1866 voneinander getrennt gewesenen preußischen^ Staatshälften über das ehemalige Weifenreich hinweg miteinander verbinden sollte, und begrüßte den Kanal als eine Festigung des Staatsgefüges. Der preußische Kriegsminister hatte den Wert des Mittellandkanals für den Kriegsfall erkannt und setzte den agrar-politi schen Befürchtungen der ostelbischen Landw irt schaft, wonach der Kanal mit seinen billigen Schiffsfrachten dem kanadischen und argen tinischen Getreide den Weg nach Berlin, und Sachsen öffnen und in diesen Verbrauchszentren das ostelbische Getreide verdrängen würde, das 91
wehrpolitische Moment der S tärk u n g der in n eren Front im Kriegsfälle entgegen. D er P reußische Landtag, in welchem nach dem dam aligen W ahl recht die Agrarier des Ostens eine stark e Stellung innehatten, zwang die Preußische R egierung zu einem Kompromiß: Der M ittellandkanal sollte nach dem Gesetz vom 1. A pril 1905 n u r bis Hannover gebaut werden. D er B au der S trecke von Hannover bis zur Elbe blieb sp äterer Zeit Vorbehalten. Der K anal vom R hein ü b er den Dortmund-Em s-Kanal u n d über die W eser bei Minden bis einige Kilom eter östlich H annover wurde im Jahre 1916 — m itten im W eltkriege — dem Betrieb übergeben. Nach dem W eltkriege beschloß die verfassung gebende Preußische Landesversam m lung, den M ittellandkanal bis Magdeburg durchzubauen. Der Beschluß h a tte keine W irkung, da bereits feststand, daß Preußen seine W asserstraßen an das Reich abgab. Es w ar Sache des R eiches, darüber zu befinden, ob der M ittellandkanal als Torso liegenbleiben oder vollendet w erden sollte. Die Gründe, welche die Preußische R egierung 20 Jahre vorher zu dem U nternehm en b estim m t hatten, waren säm tlich in F ortfall gekom m en. Die Eisenbahnen w aren dank ihrer besseren O rga nisation und technischen A usgestaltung so lei stungsfähig geworden, daß sie — vor allem bei dem Verkehrsrückgang in dem Jah rzeh n t n ach dem Weltkriege — alle Anforderungen des R u h r gebietes auch ohne den M ittellandkanal erfüllen
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konnten. D ie z e n trip e ta le , sta a tsp o litisc h e K ra ft, welche W asserstraß en in n e w o h n t, b ra u c h te n ic h t m ehr au sg e n u tz t zu w erd en , n ach d e m die P ro vinz H an n o v er d u rch d en W eltk rie g so fe st m it P reußen u n d dem R eich zu sam m en g esch w eiß t w ar, d aß es einer V eran k eru n g d er e rs t 1866 zu P reu ß en gekom m enen n eu en P ro v in z n ic h t m ehr b ed u rfte. W eh rp o litisch lag d as R eich n a c h dem V ertrage v o n V ersailles a m B o d en . G leich wohl üb ern ah m das Z w ischenreich die V ollen dung des M ittellan d k an als, b e trie b d e n B a u a b e r, da eine klare Z ielsetzung fe h lte , o h n e in n e re K ra ft u n d lebendige E n erg ie. B ayern h a tte sich schon f rü h im 19. J a h r h u n d e r t fü r eine W asserstraß en v e rh in d u n g v o m R h ein über den M ain zu r D o n au ein g esetzt. D e r Ge danke, den R h ein ü b er d en M ain m it d e r D o n au zu verbinden, w ar m eh r als 1000 J a h r e a lt. K a rl der G roße h a tte d en P la n b e re its g e fa ß t u n d im Ja h re 793 m it d en A rb eite n a n d e r S telle b e gonnen, die v o n d er N a tu r d a fü r v o rg ezeich n et w ar, näm lich a u f d er W asserscheide zw ischen M ain u n d D onau, wo die R e z a t, ein zu m S tro m gebiet des M ains gehörender N ebenfluß d er R e d nitz, u n d die A ltm ü h l, ein N ebenfluß d e r D o n au , n u r 2 km v on ein an d er e n tfe rn t sin d u n d eine geringe H öhe die F lu ß g eb iete des M ains u n d d er . D onau voneinander tr e n n t. G oethe rech n e te zu den drei D ingen, welche er noch zu erleben hoffte, den B au einer V erbindung v o n R h ein u n d D onau. N apoleon I. ließ d u rch die G enerale A ndreossy
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und Marquis Dessoles u n d ihre Ingenieure den Raum zwischen Main u n d D onau technisch au f nehmen und ein G utachten über die L inienfüh rung eines M ain-Donau-Kanals ausarb eiten . D er bayerische König Ludwig I. h a u te in d en J a h re n 1836 bis 1846 den noch heute befahrenen Ludwig-Donau-Main-Kanal, der von B am berg über Nürnberg nach Kelheim an der D onau fü h rt. Der Kanal kann nur Schiffe bis zu 120t T rag fähigkeit aufnehmen und h a t hei den Schiffs größen, wie sie au f dem Rhein u n d der D onau heute üblich sind, fast jede B edeutung verloren. Der Prinzregent Luitpold und König Ludwig I I I . von Bayern nahm en den Gedanken einer voll wertigen W asserstraßenverbindung zwischen Rhein und Donau wieder auf. Das Ziel blieb die Förderung und Hebung der bayerischen W irt schaft, welche in ihrer Produktion und ih rer Absatzfahigkeit nach W esten und zum B alkan hin gestärkt werden sollte. Das Zwischenreich ü b er nahm bei der Yerreichlichung der W asserstraßen auch dieses noch in der Planung befindliche Vor haben und übertrug die Ausführung des Baues der gemeinsam mit Bayern, Baden u n d K reisen der W irtschaft un ter Führung der D eutschen Bank begründeten Rhein-M ain-Donau-Aktiengesellschaft. Die Gesellschaft sollte die bei der Kanalisierung des Mains und der Donau a n fallenden W asserkräfte verw erten und m it deren Überschüssen einen Teil der Schiffahrtstraße finanzieren. Bis 1933 war der Main auf der Strecke
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von A schaffenburg b is W ü rzb u rg etw a zu zwei D ritteln k an alisiert, die D o n au u n te rh a lb R e gensburg bis P assau in d er R eg u lieru n g b egriffen u n d die der S chiffahrt g efährliche S tro m sch n elle in der D onau o b erh alb P assau — d as so g en an n te K achlet — du rch ein W eh r ü b e r s ta u t. W ü rd e n die B au ten in dem gleichen Z e itm a ß fo rtg e s e tz t w erden, in w elchem sie seit d em E n d e d e r In fla tio n bis zum J a h re 1933 b e trie b e n w u rd e n , so w äre dam it zu rech n e n gew esen, d a ß die K a n a li sierung des M ains u n d d er B a u des V e rb in d u n g s kanals v on B am berg n a c h K elh eim im J a h r e 1958 nach N ürnberg gelangen u n d im J a h r e 1988 die D onau erreichen w ü rd en . W ü rttem b erg h a tte seit J a h rz e h n te n d e n W u n s c h , den N eckar a u sg eb au t zu sehen u n d seine h o c h w ertige In d u strie a n d en R h e in a n zu sch ließ en . W ü rttem b erg hoffte gleichzeitig, m it d em A u s b a u des N eckars die B asis d a fü r zu gew in n en , d aß eine V erbin d u n g v o m R h e in z u r D o n a u ü b e r den N eckar h e rg este llt w erd e. W ü rtte m b e rg w a r ab er in seinen V erh an d lu n g e n m it d e n U n te r lie g e rsta a te n a m N eck ar, B a d e n u n d H essen , zu keinem E rg eb n is gekom m en. B ei d e r V erreichlichung d e r W a sse rstra ß e n ü b e rn a h m d as Zw ischenreich au ch dieses V o rh a b e n in sein W asserstraß en b au p ro g ram m u n d fö rd e rte die A rb eiten im Z usam m enw irken m itW ü rtte m b e rg , B aden u n d H essen so w eit, d a ß d er N eck ar im J a h re 1935 bis H eilb ro n n der G roßschiffahrt zu r B efahrung ü b erg eh en w erd en k o n n te . 95
II.
Die nationalsozialistische Regierung h a t diesen drei Bauvorhaben, welche lange Zeit u n te r dem Sammelbegriff der S taatsv ertrag sb au ten zu sammengefaßt wurden u n d sich bis zum J a h re 1933 mühsam dahinschleppten, neues Leben u n d neue Energie eingehaucht. Sie h a t sie au s ih rer Isolierung herausgehohen u n d in ein W asser straßenbauprogramm hineingestellt, welches frei von partikularen B eschränkungen G roßdeutsch land als Einheit erfaßt. Richtung u nd Ziel dieses Program m s is t die Schaffung eines W asserstraßennetzes, das sich gleichmäßig über das Gebiet des G roßdeutschen Reiches ausbreitet. Die B innenschiffahrt k an n die großen Dienste, welche sie der W irtsch aft zu leisten vermag, erst dann voll zur A usw irkung bringen, wenn sie nicht m ehr an die n atü rlich en .. Flüsse gebunden ist, sondern u n ter B enutzung künstlicher K anäle von dem einen F lußgebiet in das andere herüberwechseln u n d V erkehrsbezie hungen bedienen kann, fü r welche die N a tu r Wasserwege nicht geschaffen h a t. Jed e E isen bahnkarte oder L andstraßenkarte zeigt ein Ge wirr von Linien, die das Gebiet erfüllen. Sie mögen enger oder w eiter auseinandergezogen sein, bedecken aber die K artenfläche n etzartig und berühren sich an den verschiedensten P u n k ten. Eine W asserstraßenkarte weist in der Regel nur Linien auf, die an irgendeinem P u n k te a n fangen und irgendwo im Meere enden, aber selten
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oder n u r zu m T eil u n te re in a n d e r v e rb u n d e n sind. Es is t die große A ufgabe d e r R eich sw asser straß en v erw altu n g , in d er gleichen W eise w ie die E isenbahnen u n d L a n d stra ß e n , die ih re L in ien a n den v ersch ied en sten P u n k te n m ite in a n d e r verknüpfen, die W a sse rstra ß e n zu ein em ge schlossenen N etz au szu b au en . Die N a tu r h a t u n s v o n einem solchen N e tz in N orddeutschlan d n u r die L än g sm asch en , d en R hein, die W eser, die E lb e, die O d er, die W eich sel u n d den P reg el gegeben u n d b ie te t u n s in S üddeutschland blo ß eine Q u erm ascb e, die D onau. Sie h a t u n s a b e r a u c h diese F lü sse n ic h t in einer F o rm g esch en k t, d a ß sie d e n A n fo rd e ru n g en der S chiffahrt je d e rz e it en tsp re c h e n . W ir stehen d aru m v o r einer d o p p elten A u fg a b e : die Schiffahrtbedingungen d e r n a tü r lic h e n . F lü sse soweit zu verb essern , als es m it te c h n isc h e n M itteln m öglich is t u n d d ie feh le n d e n M aschen in dem W a s s e rs tra ß e n n e tz . d u rc h k ü n stlic h e Schiffahrtw ege, d . h . d u rc h K an äle , zu ersetzen . III. D ie F lüsse h ab en verschiedene A bm essungen u n d w echseln in ih rer W asserfü h ru n g , sow ohl in ih re m L a u f v o n der Quelle b is zu m M eere j e n a c h d en N ebenflüssen, w elche sie in sich au fgenom m en hab en , als au ch n ach d en Ja h re sz e ite n . Sie fü h re n in den Z eiten der Schneeschm elze u n d n ach s ta r k en N iederschlägen in ih re n Q uellgebieten H och w asser u n d fallen in T ro ck en zeiten b is u n te r die
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für die Schiffahrt notw endige W assertiefe ab. Im W inter frieren sie zu. Sollen die F lüsse das Rückgrat eines Systems von S chiffahrtverkehrs wegen werden, so m üssen sie so w eit au sg eb au t • werden, daß sie der Schiffahrt das ganze J a h r hindurch zur Verfügung stehen. Gegen das Zufrieren der Flüsse im W in ter sind bisher keine technischen M ittel gefunden. J e weiter wir nach Osten blicken, um so stä rk e r m acht sich der F ro st fü r die B en u tzu n g der Flüsse als Schiffahrtwege geltend. In R u ß lan d müssen wir dam it rechnen, daß die Flüsse ü b e r hau p t nur 5 bis 6 M onate im J a h re b efah ren werden können. In unseren B reiten rech n en wir m it Schiffahrtsperren infolge Frostes v o n d u rch schnittlich 2 M onaten D auer. So heftige u n d langdauernde Frostperioden, wie wir sie in den W intern 1928/29 u n d 1939/40 erlebt h aben, kommen glücklicherweise nicht allzu häufig v or. Die W irtschaft h a t sich hei uns a u f die ja h re s zeitlich wiederkehrenden Schiffahrtsperren in folge Frostes eingestellt. Als die Flüsse in dem milden W inter 1929/30 fast die ganze P eriode über offen waren, blieb der W asserstraßenver kehr gering. Der H andel h a tte m it der W in ter sperre gerechnet u n d seine T ransportdisposi tionen so getroffen, daß er bei dem u n erw arteten , offenen W etter keine V erfrachtungen du rch zu führen h atte. Der Wechsel der W asserführung, der durch H och wasser oder Trockenheit bedingt wird, kann weit-
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gehend ausgeglichen w erden. D as F ah rw asser k an n durch V erengung des F lu ß b e tte s u n d E in b a u v on B uhnen sow eit zu sam m en g efaß t w erden, daß es auch bei geringer W asserfü h ru n g des Flusses der S chiffahrt eine ausreich en d e F a h r tiefe b ie te t (R egulierung). D ie F lü sse k ö n n en stufenw eise a n g e sta u t u n d d u rc h E in b a u v o n Schleusen neb en d en W eh ren d e r S ch iffah rt gleichm äßig d ien stb ar g em ach t w erd en (K a n a li sierung). E s können endlich in d en Q uellgebieten u n d Nebenflüssen d er S trö m e T a lsp e rre n e r ric h te t w erden, die d as H o ch w asser z u rü c k h alten u n d in T ro ck en zeiten Z u sch u ß w asser a b geben, u m die zu geringe W asserfü h ru n g in Trockenzeiten an zu reich ern . D er R hein ist n a c h diesen G ru n d sä tzen w e it gehend reg u liert. D ie W eser is t a u f d e r S treck e v o n M inden bis B rem en in d er K an alisieru n g , a u f dem w eiter oberhalb gelegenen A b sc h n itt v o n M ünden bis M inden in der R eg u lieru n g begriffen. Die E lbe w ird reg u liert u n d e rh ä lt fü r d ie M itte l elbe Zuschußw asser au s den S a a le ta lsp e rre n ; a u f sächsischem G ebiet soll sie a u s einem b ei P irn a zu errichtenden S tau b eck en an g ereich ert w erden. D arüber hinaus is t eine T alsp erre in d er B erau n , einem linken N ebenfluß d er M oldau im P ro te k to r a t B öhm en/M ähren, in V o rbereitung. D ie O der is t v o n Cosel ab w ärts b is R an sern u n te rh a lb B reslau k an alisiert, v o n da ab reg u liert u n d b e kom m t Zuschußw asser aus den T alsperren der N eiße bei O ttm ach au , d er M alapane b ei T u raw a,
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der Klodnitz bei Sersnow. W eitere T alsperren bei Schweidnitz und im Quellgebiet der Oder sind im Bau oder in Bearbeitung. Die W eichsel m uß reg u liert werden. Polen hat P rojekte aufgestellt, ab er nichts aasgeführt. Es bleibt A ufgabe der d e u t schen Verwaltung, die Pläne in die W irklichkeit zu überführen. Die Donau wird a u f ih rem Laufe von Regensburg bis zur Reichsgrenze u n terh alb Wiens reguliert. Die Stromschnelle bei P assau ist überstaut, der Greiner S truden w ird ebenfalls durch ein Stauwehr m it einer D oppelschleuse überwunden werden; die A rbeiten bei Y bbsPersenbeug sind im Gange. Oberhalb von R egens burg, von Ulm abw ärts, ist die D onau n u r d u rch Kanalisierung schiffbar zu machen. D er A usbau der oberen Donau h a t darum so besondere B e deutung, weil dieses im M ittelalter hoch e n t wickelte Gebiet an dem großen w irtschaftlichen Aufschwung der neuesten Zeit bisher wenig A n teil gehabt h at und nur durch einen leistungs fähigen Schiffahrtsweg erschlossen w erden k an n . Der Ausbau der Elbe, der W eser u n d der Oder war in Angriff genommen, um den an den M ün dungen der Flüsse belegenen Seehäfen H am burg, Bremen und S tettin ihr H interland zu erschließen und dem deutschen Ein- und A usfuhrverkehr gegenüber dem scharfen W ettbew erb der h o l ländisch-belgischen Seehäfen R otterdam u n d Antwerpen und des polnischen Hafens Gdingen ein natürliches Gefälle zu den deutschen See häfen zu geben. W asserstraßenbaupolitik bleibt 100
in diesem A bschnitt auch k ü nftig Seehafenpolitik. Die B edeutung der A rbeiten u n d V erbesserungen a n diesen Flüssen w ächst ab er d ad u rch , daß sie zugleich die L ängsm aschen des großdeutschen W asserstraßennetzes w erden. Zu den n atürlich en L ängsm aschen des W asser straßennetzes in N o rddeutschland t r i t t die k ü n st liche W asserstraße des D o rtm u n d -E m s-K an als, der 1899 dem B etrieb übergeben w urde. E r h a t dem D ortm under In d u strieg eb iet m it m eh r als 1 Vz M illionen M enschen einen A usgang zur Nordsee gegeben u n d die ih m gestellte A ufgabe, den Kohlenzechen des D o rtm u n d er R eviers die A usfuhr ih re r K ohle zu erleich tern u n d den E isen h ü tten ih re V ersorgung m it schw edischen E rzen sicherzustellen, in vollem U m fang erfü llt. D er V erkehr a u f dem D o rtm u n d -E m s-K an al h a t sich so s ta rk gehoben, daß die E rw eiteru n g des K anals, der fü r Schiffe bis zu 750 t g eb au t w orden w ar, a u f Schiffsgrößen v o n 1500 t b e gonnen u n d erheblich fo rtg esch ritte n ist. IV . IV . D er M ittellandkanal is t die große Q uerm asche, _ welche die nordw estdeutschen Flüsse u n d den D ortm und-E m s-K anal m itein an d er v erb in d et u n d in den von den preußischen K öm gen a n gelegten K anälen zwischen E lbe, O der u n d W eichsel bis w eit in den O sten hinein seine F o rt setzung findet. E r ist a u f seinem S chlußabschnitt zwischen H annover u n d M agdeburg im H erbst 101
1938 dem Verkehr übergeben u n d w ird seine volle Leistungsfähigkeit erhalten, sobald die Kanalbrücke über die Elbe bei M agdeburg fertig gestellt ist. Wir können heute schon sagen, d aß d er M ittel landkanal zur V erbindung der norddeutschen Flüsse nicht ausreicht. E r b ed arf einer E rg ä n zung durch den H ansakanal, jen en v o n den H ansestädten H am burg, B rem en u n d L übeck gemeinsam geforderten K anal, d er vom M ittel landkanal bei Bram sche abzweigend die W eser oberhalb Bremen ü b erquert, bei H am b u rg -H ar burg unterhalb Finkenw ärder die E lb e erreich t und über die E lbe u n d den zu v erb reitern d en Elhe-Lübeck-K anal auch Lübeck a n d as R u h r gebiet anschließt. D er T ran sp o rt v o n K ohlen, Eisen und Erzen zwischen dem R uh rg eb iet u n d H am burg und Lübeck ist über den M ittellan d kanal u nd die Elbe wegen des großen Umweges so langwierig, unw irtschaftlich und te u e r, daß er keine Bedeutung gewinnen kann. E s is t au ch nicht zu verantw orten, daß H olland und B elgien m it ihren geographisch günstig gelegenen H äfen von R otterdam , A m sterdam u n d A n tw erpen im Verkehr über den R hein die großen V orteile au s dem ihnen von der deutschen W irtsch aft zuge führten Verkehr ziehen u n d den E rtra g au s ih ren H äfen in den W ettbew erb gegen die d eu tsch e W irtschaft u n d die deutsche Ü berseeschiffahrt einsetzen. Die deutschen Seehäfen h ab en ein R echt darauf, das geographische Ü bergew icht 102
der holländischen u n d belgischen Seehäfen d u rch einen Verkehrsweg ausgeglichen zu erh alten , welcher ihnen die M öglichkeit b ie te t, w enigstens einen Teil der Schw ergüter aus dem R u h rg eb iet zur Verschiffung ü b er H am b u rg , B rem en oder L übeck zu ziehen. Diesen. A nspruch m üssen die deutschen Seehäfen un ab h än g ig d av o n erheben, wie sich einm al das politische u n d s ta a ts re c h t liche Schicksal von H o llan d u n d B elgien ge stalten wdrd. D er H an sak an al scheint m ir d a ru m eine staatspolitische N otw endigkeit zu sein. E r lö st zugleich ein w eiteres P ro b lem . D ie v ie l u m stritte n e F ra g e : hie R h ein sch iffah rt, hie See häfen findet in dem H an sak an al ih re n atü rlich e Synthese. W as die R heinschiffahrt b ei einer v e r kehrsgeographischen G leichsetzung v o n H a m burg, B rem en u n d L übeck a u f d er F a h r t u n te r halb D uisburg -R u h ro rt zu d en R hein- u n d Scheldehäfen v erliert, gew innt sie a u f dem k ü n f tig en H an sak an al zurück. Die R hein-M ain-D onau-V erbindung is t die erste Längsm asche, welche das n o rd d eu tsch e u n d süd deutsche W asserstraßensystem zu einem N etz v erk n ü p ft. M it der H eim kehr d er O stm ark in das D eutsche R eich w urde ih re große, sta a tsp o li tische B edeutung b litzartig erh ellt. E s g eh t n ich t m ehr darum , B ay ern a u f einer leistungsfähigen G roßschiffahrtsstelle einen billigen M assenver kehr zu geben, wie sie die großen norddeutschen Industriegebiete seit langem besitzen. D ie E in gliederung Ö sterreichs stellt die zwingende For-
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derung: Die Ostmark in die industrielle E n tw ick lung des Altreichs einzuschalten, von w elcher die Ostmark in der Zeit ihrer zwangsweisen A b sperrung künstlich ferngehalten w ar. D er R aum zwischen der Ruhr und W ien ist eine E in h eit geworden und muß für den G üteraustausch durch die Binnenschiffahrt erschlossen w erden. D as Ruhrrevier, Frankfurt/M ain, N ürnberg, Linz m it seinen dort entstehenden H ü tte n der R eichs werke „H erm ann Göring“ und W ien sind die äußeren M arksteine der künftigen Entw icklung. „Die Reichswasserstraße zur V erbindung des Rheins über den Main m it der •D onau soll bis zum Jah re 1945 fertiggestellt werden. Gleich zeitig wird die Donau anschließend bis zur Reichsgrenze unterhalb W ien als Reichswasser straße ausgebaut.“ Mit diesen program m atischen W orten verkündeten der F ü h rer u n d der B eauf trag te für den V ierjahresplan in dem Gesetz über die Rhein-M ain-Donau-Verbindung u n d den Aus hau der Donau vom 11. Mai 1938 den Befehl für den Bau der Rhein-M ain-Donau-W asserstraße und rückten den Bau dieser ersten Verbindung von Nord und Süd in die vorderste Linie. W enn der Krieg den Term in von 1945 auch nicht m ehr erreichbar erscheinen lä ß t, so w ird sich der A uf schub doch au f die durch den K rieg bedingte Verzögerung beschränken müssen. Ein Blick auf die W asserstraßenkarte des D eut schen Reiches zeigt, daß es unmögh'ch genügen kann, wenn von den fünf Längsachsen des nord-
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deutschen System s n u r die eine im W esten , n ä m lich der R hein, die V erb in d u n g m it d e r D o n au erh ält. S treb en n ic h t alle n o rd d eu tsch e n F lü sse, die W eser, die E lb e, die O der u n d die W eichsel danach, m it K an älen ü b e r ih re Q uellgebiete a u s zuholen u n d im S üden W u rzel zu fassen , u m den a n ihren M ündungen gelegenen d e u tsc h e n See häfen das bish er n u r m it d er E ise n b a h n erreich b a re H in te rlan d au ch a u f d em W asserw ege zu erschließen? D ie V erbindung d er O der z u r D o n a u is t b e re its im B au. A m 30. N o v em b er 1939 w u rd e a m A dolf-H itler-K anal o b erh alb Cosel d er e rste S patenstich fü r d en O d er-D o n a u -K an a l g e ta n . D er K an al g eh t v o m A d o lf-H itle r-K a n a l im T al der oberen O der, ü b e rq u e rt d ie W asser scheide u n d steig t im T a l der M arch zu r D o n au a b . M it seinem lin k en F lü g el b le ib t e r in d er M arch, m it seinem re c h te n F lü g el, d e r als S tichkanal g eb au t w ird, en d et er im H a fe n v o n W ien. M it der R egierung des P ro te k to ra ts B öhm en/M ähren sind die A b k o m m en ü b e r die L inienführung u n d die M itw irkung b eim B au getroffen. U ber E inzelh eiten w ird in einer s tä n digen K om m ission v erh a n d e lt. S o b ald es die B ereitstellung v o n A rb eitsk räften , B austoffen u n d M aschinen e rla u b t, w ird m it dem B a u gleich zeitig in Schlesien u n d in W ien u n d v o n d er P ro tektoratsregierung au ch in d er M itte b egonnen. Die V erbindungen des R heins u n d d e r O der m it d er D onau sind in den le tz te n J a h r e n v ielfach
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als Wettbewerbslinien angesprochen w orden. Bayern b atte die Sorge, daß es n ach dem Oder« Donau-Kanal in einen to te n W inkel g ed rän g t werde, Schlesien befürchtete, d u rch d en A n schluß der Donau an die R uhrkohle in seinem Kohlenabsatz in der O stm ark b eein träch tig t zu werden. Beide Besorgnisse sind grundlos. Die Wirkung der beiden großen T ransversalen vom Rhein und von der Oder geht ü b er eine B evor zugung oder Benachteiligung des einen oder an d e ren deutschen Landesteils w eit hinaus. Sie h ab en über ihre innerdeutschen F unktionen hin au s eine weitgreifende Bedeutung fü r den V erkehr m it dem Balkan. D eutschland h a t angefangen, seine Handelsbeziehungen m it den B alk an staaten n ich t auf die Abwicklung der Geschäfte zu beschränken, welche Export- oder Im portfirm en nach ih ren I n teressen m iteinander g etätig t haben. D ie D e u t sche Regierung h a t planm äßige V ereinbarungen mit den Regierungen von R um änien, B ulgarien und Jugoslawien getroffen u n d sich verp flich tet, einen großen Teil der landw irtschaftlichen P ro dukte gegen Industrie-Erzeugnisse abzunehm en und fördert den Anbau von Sojabohnen d u rch Zusage ihres Ankaufs zu angemessenen Preisen. Das Gütervolumen, welches in Auswirkung dieser Vereinbarungen auf den Verkehrswegen von u n d zum Balkan bewegt w erden m uß, ist in s tä n digem Steigen begriffen. Die skandinavischen Staaten, sowie H olland und Belgien, welche b is her vorzugsweise nach Übersee H andel getrieben
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hab en , sin d d u rc h die m itte lb a re oder u n m itte l b are W irkung d er d eu tsch en W affen gezw ungen, sich a u f d en k o n tin en tal-eu ro p äisch en H andel um zustellen. Sie tr e te n ebenfalls als A bnehm er u n d L ieferer a u f dem B alk an a u f u n d nehm en die V erkehrsw ege zum B alk an im T ra n s it d u rch D eu tsch lan d in A n sp ru ch . W en n irgendw o, so w ird m an bei dem R hein-M ain-D onau- u n d OderD o n au -K an al sagen d ü rfen , d aß die n eu en Schifffah rtw eg e den V erkehr n ic h t erst zu w ecken b rau ch en , sondern die V erkehrsbedürfnisse v o r finden u n d h e u te schon einer d rin g en d en N ach frage begegnen w ü rd en , w enn sie n u r schon v o r h a n d e n w ären . R hein-M ain-D onau u n d OderD onau b ed eu ten keine P lan u n g a u f V o rra t fü r eine ungew isse Z u k u n ft, so n d ern en tsp rech en d ringendsten A nforderungen d er G egenw art u n d m üssen d aru m so schnell als m öglich u n d gleich zeitig v o llen d et w erden. Ü ber die O der-D onau-V erbindung erg ib t sich die M öglichkeit, v o n P re ra u einen A nschluß zur oberen E lb e h erzu stellen u n d d a m it einen Schiff fah rtw eg v o n H am b u rg ü b e r die E lb e u n d die D o n au zum B alk an zu. schaffen. A uch h ierü b er sin d m it d er R egierung des P ro te k to ra ts B ö h m en / M ähren V ereinbarungen getroffen. E s b le ib t n u r eine F rag e des Geldes u n d der tech n isch en M ittel, diese V erbindung zu b au en . D ie A rb eiten a n dem O der-D onau-K anal w erden v o rh er so w eit fo rt g esch ritten sein m üssen, d aß ih re F ertigstellung n ic h t du rch die schw ierige Ü berbrückung der
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Wasserscheide zwischen E lbe u n d D onau v e r zögert wird. • • Die dritte Verbindung zwischen N ord u n d Süd wird über den Rhein u n d den N eckar geschaffen werden. Voraussetzung für den N eckar-D onauE anal über die R auhe Alb ist a u f der einen Seite die Kanalisierung des Neckars bis h e ra u f nach S tuttgart und Plochingen u n d a u f der anderen Seite die Kanalisierung der oberen D onau von Ulm bis Kelheim. Sind die Schiffahrtwege von Norden bis S tu ttg art u n d im Süden bis U lm ein mal gebaut, so w ird das Zw ischenstück zw ischen S tuttgart und Ulm zwangsläufig ausgeführt w er den. Die technischen Schwierigkeiten, welche sich für Überquerung der R auhen Alb m it einem Großschiffahrtkanal ergeben, w erden bis d ah in wohl auch überwunden sein. Die vierte Verbindung des norddeutschen u n d süddeutschen W asserstraßennetzes is t m it der^ Herstellung eines Kanals von dem oberen Quell gebiet der Weser nach dem Main g eplant. D ie . Werra wird zur Zeit von Hann.-M ünden aufw ärts kanalisiert. J e weiter die K analisierung in das W erragebiet hinein fortschreitet, um so n äh er rückt die Verwirklichung des Gedankens, von dem oberen E ndpunkt der kanalisierten W erra einen K anal zum Main zu bauen, der den M ain in Bamberg treffen würde. Der Seehafen B rem en würde dam it unm ittelbar an sein süddeutsches Einzugsgebiet angeschlossen. Gleichzeitig w ürde eine kurze und leistungsfällige Verbindung zwi-
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sehen den E rz- u n d H ü tte n re v ie re n d er R eichs w erke „H e rm a n n G öring“ in S alzg itter u n d in Linz geschaffen. D er A dolf-H itler-K anal in O berschlesien, w elcher das oberschlesische B ergbau- u n d In d u s trie gebiet in Glciwitz a n die O der an sch ließ t, h a t seinen grenzpolitischen C h arak ter v erlo ren . N ach dem siegreichen Polenfeldzug is t O berschlesien, das nach Versailles in gefälschter A u sw ertu n g des oberschlesischen A bstim m ungsergebnisses vom Reichsgebiet g e tre n n t u n d zu P o le n ge schlagen w urde, w ieder d eu tsch gew orden. M it der R ückkehr O stoberschlesiens e n ts te h t die zw ingende N otw endigkeit, d en A d o lf-H itle rK an al nach O sten b is K a tto w itz fo rtzu setzen . E in Blick a u f die K a rte le h rt, d a ß der K a n a l a u c h in K atto w itz n ic h t enden d arf, so n d ern b is z u r Przem sa fo rtg efü h rt w erden m uß, w eil er h ier m it wenig M itteln den A nschluß a n die ob ere W eichsel findet. D ie W eichsel h a t v o n je h e r in ih rem oberen L au f bis K ra k a u eine reg e S ch iffah rt ge h a b t. Diese S chiffahrt w ü rd e n u n m e h r a n d as großdeutsche W asserstraß en n etz angeschlossen w erden u n d w äre b eru fen , m it d em F o rtg a n g des A usbaues der m ittleren W eichsel den V erk eh r von O berschlesien bis in das H erz des G eneral gouvernem ents P olen zu fü h ren . O stpreußen, das in seiner ab g esch n itten en Lage an dem W asserstraß en v erk eh r n u r geringen A n te il h a tte , is t du rch die R ückgew innung W est preußens u nd Posens w ieder in die volle N u tzu n g
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der Oder-W eichsel-W asserstraße ü b er die W arth e Netze, dem B rom berger-K anal u n d d is B rahe eingetreten. O stpreußen w ird d a rü b e r hinaus über den Masurischen K anal, der seiner F ertigStellung entgegensieht, u n d üb er einen neuen Kanal, der in Verlängerung des M asurischen K a nals zum Narew geht u n d die Schiffahrt ü b er den Bug an die m ittlere W eichsel fü h rt, d en A n schluß an die neuen deutschen G ebiete im O sten finden. Der Seehafen K önigsberg erhielte die Möglichkeit, die zur Ein- u n d A usfuhr bestim m ten G üter aus dem G eneralgouvernem ent P olen an sich zu ziehen. So erfaßt das deutsche W asserstraßenbaupro gramm das gesamte großdeutsche R eichsgebiet und legt ein N etz von schiffbaren Flüssen und Kanälen über das Reich, welches einen V erkehr zwischen allen Gebieten des Reiches erm öglicht. Das Netz kann u n d w ird voraussichtlich dichtmaschiger ausgebaut werden. E ntscheidend ist nicht, daß m an für diesen oder jenen Landesteil einen neuen K anal b a u t oder ih n frü h er oder später fertigstellt, sondern daß die V erbindung der großen natürlichen W asserläufe u n terein ander hergestellt u n d dam it die G rundlage fü r einen geschlossenen Schiffahrtverkehr geschaffen wird. V. Die Schaffung des großdeutschen W asserstraßen netzes ist eine deutsche Konzeption. Sie bildet zugleich den K ern eines W asserstraßenbaupro110
gram m s fü r eine europäische G roßrau m w irtschaft. D eutschland is t das H erz des kü n ftig en europäischen G ro ß rau m s, u n d b e d a rf dieses W asserstraßennetzes, w en n es die verkehrlichen A ufgaben des in n e rk o n tin en talen W irtsch aftskreislaufs erfüllen soll. W ird d er europäische G roßw irtschaftsraum W irklichkeit, so w erden einige E rgänzungen notw endig w erden. D as K ernstück b le ib t u n v erän d e rt. Im W esten is t d er A nschluß des d eu tsch en W asserstraßennetzes v o m R h ein zu r M aas u n d zur Schelde d u rch das holländisch-belgische K analsystem gegeben. D ie V erb in d u n g m it F rankreich v erm itteln die S aar, d e r R heinMarne- un d der R hein -R h o n e-K an al. D er SaarP falz-K anal, der dem S aarrev ier d en A n schluß a n den R hein bei M annheim -Ludw igshafen geben, u n d der A ach en -R h ein -K an al, d er das W urm - u n d In d e-R ev ier d u rch eine Schiff fa h rtstra ß e m it dem R h ein v erb in d e n sollte, entsprangen ausgesprochen grenzpolitischen F o r derungen. Inw iew eit diese P län e in d er k ü n ftig en N euordnung E u ro p as ih re B erechtigung b eh alten , lä ß t sich h eu te noch n ic h t übersehen. D agegen w ird der v o r dem W eltkriege aufgegebene P la n einer M oselkanalisierung w ieder aufgenom m en w erden m üssen, da m it einer U m stellung der deutschen E rzversorgung a u f die lu x e m b u r gischen, lothringischen u n d französischen E rz rev iere zu rech n en ist. Im Südw esten gew innt die K analisierung des 111
Hochrheins von Basel bis zum Bodensee in einer europäischen G roßraum w irtschaft erhöhte B e deutung. Nachdem die R hein-R egulierung von Straßburg-Kehl bis Basel zu einem vollen E r folge geführt h at, wird es nich t länger v e ra n t wortet werden können, den H ochrhein, der durch eine stark besiedelte Gegend hindurchfließt, fü r den Verkehr ungenutzt zu lassen. Seitdem die W asserkräfte des Hochrheins zu einem erheb lichen Teil ausgebaut sind, g ibt es k au m einen Fluß, der m it so geringen M itteln zu einer lei stungsfähigen Schiffahrtstraße ausgestaltet w er den kann. Der Anschluß des Bodensees a n die Rheinschiffahrt m acht den Bodensee zu dem größten europäischen Binnenhafen. Die O stm ark, welche w irtschaftlich u n d politisch in ih rer ta u send Jah re alten Geschichte nach dem O sten orientiert war, erhielte eine zweite F ro n t n ach dem W esten u nd w ürde die V erbindung zu den großen transatlantischen H äfen der N ordsee küste gewinnen. Mit der K analisierung des H och rheins würde auch der w ürttem bergische P lan einer Verbindung der oberen Donau m it dem Bodensee lebendig werden, u n d die Schweiz m üßte daran denken, eine Verbindung des H och rheins m it der Rhone zu suchen. D er D onauBodensee-Kanal, der N eckar-D onau-K anal u n d die Kanalisierung der oberen D onau w ürden Ulm zu einem V erkehrsknotenpunkt u n d den Boden see zu einem Verkehrskreuz des deutsch-schwei zerisch-französisch-italienischen H andels ausge112
stalten . D er Bodensee k ö n n te d am it die B edeu tu ng wieder erh alten , welche er im M ittelalter Ja h rh u n d e rte h in d u rch g eh ab t h a t. E in W asserstraßendurchbruch nach Süden zum Po w ird fü r die lebende G eneration ein T rau m bleiben. Die A lpen sind fü r uns eine u n überw indliche W asserscheide. Die V erbindung zwischen dem a u f die N ord- u n d Ostsee ge rich teten m itteleuropäischen R au m u n d dem M ittelm eergebiet w ird der E isen b ah n , dem K raftw agen u n d dem Flugzeug V orbehalten bleiben müssen. Im Südosten m uß die D onau u n te rh a lb der deutschen Grenze a u f ungarischem B oden reg u liert u n d die F a h rt d urch das E iserne T or v e r bessert w erden. N otw endig is t es w eiter, einen K anal vonT schernaw oda a n der D onau a u f Constanza zum Schwarzen Meer zu b au en , d a m it die Seeschiffe, welche vom M ittelm eer u n d v o m Schwarzen Meer aus den H an d el m it R um änien bedienen, vo n dem großen U m weg ü b er die D onaum ündungen bei Sulina b efreit w erden, die der Schiffahrt nicht n u r wegen ih rer V ersandungs gefahr Sorgen bereiten, sondern au ch m it hohen Abgaben b elastet sind. Auch in den neuen O stgebieten w ird ein d u rch greifender A usbau der vorh an d en en W asser straßen u n d die Schaffung v o n A nschlüssen an das System G roßdeutschlands erfolgen müssen. Es kom m t vor allem zu n äch st der A usbau des durchgehenden Schiffahrtweges von der Weichsel
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über den Bug, den B ug-D njepr-K anal u n d den Pripet zum D njepr in Frage. V I. Es liegt nahe, allen W asserstraßen einheitliche Ahmessungen zu gehen u n d sie fü r ein E inheitsschiff auszuhauen. Die N atu r h a t uns in dieser Richtung Grenzen gesetzt, die ohne u n v erh ältn is mäßige Aufwendungen an A rbeit u n d Geld nich t überstiegen werden können. W ir m üssen u n s d a m it begnügen, den W asserstraßen solche A b messungen zu geben, daß es einem Regelschiff m ittlerer Größe möglich wird, alle Teile des groß deutschen u nd europäischen W asserstraßen netzes zu befahren. Im W esten können größere Schiffe verkehren als im Osten u n d in der M itte. Auf dem Rhein gilt das 1350t-Schiff als der w irt schaftlich beste Typ. Soweit der V erkehr m it Rheinschiffen reicht, müssen darum auch die westdeutschen K anäle, insbesondere der D ortmund-Ems-Kanal u n d der künftige H ansakanal, Abmessungen erhalten, welche m indestens die sem Typ die Befahrung ermöglichen. Der D ortmund-Ems-Kanal w ird darum fü r das 1500 tSchiff ausgebaüt und auch für den H ansakanal sind diese Abmessungen.vorgesehen. Die K lein schiffahrt, welche in der M itte u n d im O sten v o r herrschend ist, n u tz t die größeren Abmessungen der Flüsse und K anäle meist nicht aus, sondern hält an ihren Kähnen von 250 t fest. Der Klein schiffer kann diesenTyp m it seinen Fam ilienm it
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gliedern b ew irtsch aften u n d ist au ch heim L aden u n d Löschen w eitgehend v o n frem d en A rb eits k räften u n d den technischen U m schlagseinrich tungen in den H äfen u n ab hängig. E s genügt fü r den O sten u n d fü r die M itte E u ro p as, den K a n ä len solche Abm essungen zu gehen, d aß das D onau schiff die durchgehenden W asserstraß en b en u tzen kann. W eitblickend h a t der Z en tralv erein fü r die deutsche B innenschiffahrt eine T ypisierung der Binnenschiffe eingeleitet u n d eine R eihe v o n Schiffen entw ickelt, welche in ih re r L änge, B reite u n d T auchtiefe den A bm essungen d er W asserstraßen u n d den B rü ck en -D u rch fah rthöhen angepaß t sind u n d zugleich d en h ö ch sten 'G rad a n W irtschaftlichkeit im B etriebe besitzen. , Jeder Scbiffahrttreibende is t in der Lage, diese T ypen nachzuhauen, u n d die m eisten h a b e n sich a u f den B au dieser Regelschiffe eingestellt. V I. V II. Soll das europäische B innenw asserstraßennetz dem G üteraustausch des europäischen G roßw irt schaftsraum s w irksam dienen, so m üssen die W asserstraßen den Schiffen der europäischen V olksw irtschaften, deren S taa ten a n dieses N etz angeschlossen sind, gleichm äßig zur V erfügung gestellt w erden. N iem and h a t jem als etw as B e sonderes darin gesehen, daß ein R eisender eine frem de E isenbahn b e n u tz te oder m it seinem K raftw agen über die L an d straß en frem der Län-
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der fuhr. Der Eisenbahnreisende h a t sich einen Paß zubeschaffen, der K raftw agentourist d arü b er hinaus die für seinen W agen notw endigen A us weise für die Zulassung des F ahrzeugs u n d seine eigene oder eines Fahrers E ignung zum Fahren zu besorgen. F ü r die W asserstraßen ist im 19. Jahrhundert ein eigenes V ölkerrecht en t wickelt. Der Wiener Kongreß von 1815 h a tte es als eine große Errungenschaft zu statu ieren ge glaubt, daß die S taaten, welche m it ih ren T erri torien an den gleichen Flußgebieten lagen, diese Flüsse ihren Staatsangehörigen gegenseitig zur Befahrung öffneten. Tatsächlich ist die gem ein same Benutzung solcher m ehrere S taaten d u rch fließenden Ströme n u r ein Ausfluß des N a tu r rechts und bereits im W estfälischen F ried en von 1648 anerkannt. Es blieb den A lliierten im D ik ta t von Versailles Vorbehalten, diesen aus dem Z u sammenleben der Völker im europäischen K u ltu r kreis entspringenden Gedanken zu verzerren u n d ihn zum Vorwand zu nehm en, der deutschen R e gierung durch Einsetzung der in tern atio n alen Schiffahrtkommissionen die ^Verwaltung ih rer Flüsse zu entziehen. D urch die E rk läru n g des Führers vom 14. November 1936, m it der sich Deutschland von den Bestim m ungen des V er trages von Versailles über die In ternationalisie rung der Flüsse lossagte, sind diese Kom m is sionen beseitigt. Aber heute noch haben wir in dem europäischen W asserstraßennetz Strecken, welche der nationalen Schiffahrt Vorbehalten
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sind. D erartig e B esch rän k u n g en , sow eit sie n o ch bestehen, m üssen fallen. D er W echselverkehr u n d der T ran sitv erk eh r m üssen d en S ch iffah rt treibenden aller N atio n en offenstehen, w elche a n dem F lußgebiet liegen oder m it ih re n Schiffen dorthin gelangen k ö nnen. D ie K ab o tag e , d. h . der V erkehr zw ischen zwei n a tio n a le n H äfen , m ag den natio n alen S ch iffah rttreib en d en Vor behalten bleiben. D ie A usübung d e r S ch iffah rt innerhalb eines S taa tes is t ein n atio n ale s G e w erbe u n d b ra u c h t n ic h t ohne w eiteres frem d e n Staatsangehörigen erla u b t zu w erden. D och h a t auch dieser G ru n d satz d o rt seine G renzen, wo er einen w echselseitigen G ü terau sta u sc h u n w irt schaftlich m ach t u n d d a m it ta ts ä c h lic h v e rh in dert. F ran k reich h a tte a u f seinen K an ä le n deutsche Schiffe im W echselverkehr m it H ä fe n a n französischen B in n en w asserstraß en zuge lassen, eine B edienung inn erfran zö sisch en V er kehrs aber ausgeschlossen. E s d u rfte ein S a a r schiffer m it seinem K a h n v o n einem d eu tsch en B innenhafen n ach P aris fa h re n u n d a u f d er H eim reise G üter fü r D eu tsch lan d in P aris lad en . E r h a tte aber n ic h t die E rlau b n is, a u f d er R ü c k fa h rt G üter v o n P aris n ach N an cy oder S tra ß burg m itzunehm en. D a B innenschiffsgüter v o n P aris nach D eutschland so g u t wie g ar n ic h t angeboten w urden, h a tte der Saarschiffer k au m A ussicht, eine R ü ck frac h t zu bekom m en u n d sah sich in der Schw ierigkeit, wie er die Ausreise n ach P aris w irtschaftlich trag en sollte. Diese
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Verhältnisse haben n atü rlich durch die alsbald nach dem W affenstillstand m it F ran k reich a n gebahnte R ationalisierung der gegenseitigen w irtschaftlichen Beziehungen eine vorläufige sachdienliche Ä nderung erfahren. Es w ird A uf gabe der Z ukunft sein, die berechtigten n atio nalen Bedürfnisse m it den Zielen eines inner kontinentalen G üteraustausches abzustim m en. V III. W enn die W asserstraßen den Schiffahrttreiben den aller N ationen zur Verfügung stehen sollen, so m üssen auch die Bedingungen fü r die Schiff fa h rt gleichm äßig w erden. E s ist fü r den Schiffer kaum erträglich, sich nach jed er G renzüber schreitung neuen polizeilichen V orschriften ü b er die F ahrtregeln , Schiffahrtzeichen, A nforde rungen an seine Eignung als Schiffsführer oder A uflagen fü r sein Schiff gegenüberzusehen. F ü r das Gebiet des G roßdeutschen Reiches ist nach langen V erhandlungen eine D eutsche Strom - u n d Schiffahrtpolizeiverordnung geschaffen, die m it A usnahm e des Rheins u n d der D onau gleich m äßig fü r alle W asserstraßen gilt. Die Rheinschiffahrtpolizeiverordnang, die m it Frankreich, der Schweiz, H olland und Belgien abgestim m t. Ist, deckt sich im wesentlichen m it den V or schriften der D eutschen Schiffahrtpolizeiverord nung. D ie Schiffahrtpolizeiverordnung für die D onau, die fü r den ganzen L auf der schiffbaren D onau bis B raila gilt, h a t eine Reihe abweichen
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der B estim m ungen. I n den an d eren N achbar sta a te n bestehengesondertePolizeiverordnungen. E s ist notw endig, diese verschiedenartigen Poli zeiverordnungen zu einer einzigen europäischen Binnenschiffahr Ipolizeiverordnung auszugestal te n . W ir h ab en fü r die Seeschiffahrt einheitliche V orschriften, die a u f der In tern a tio n a len K on ferenz von W ashington im W in ter 1889/90 aus g earbeitet w orden sind u n d die ganze W elt u m fassen. W ir haben fü r den L an d straß en v erk eh r F ah rtreg eln u n d B estim m ungen ü b er S traß en zeichen, die fü r E u ro p a u n d einige Teile N ord afrikas gelten. W arum sollten w ir n ic h t das gleiche auch fü r die europäische B innenschiffahrt erreichen können? E s sind keine politischen, son dern technische Fragen, welche ohne Schwierig keiten d ü rften gelöst w erden können. D er V erkehr ist von jeh er die w ichtigste F u n k tio n in den Beziehungen der verschiedenen Volks w irtschaften gewesen u n d schafft die V oraus setzung fü r einen G üteraustausch. G elingt es, die H em m ungen, welche dem W asserstraßenverkehr in E uropa durch das F ehlen der V erbindungen oder durch die V erschiedenartigkeit der B estim m ungen über die A usübung der Schiffahrt en t gegenstehen, zu beseitigen, so w ird ein w ichtiger u n d bedeutender Schritt in der R ichtung au f eine europäische G roßraum w irtschaft g etan sein.
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D IE L U F T H A N S A F Ü R D I E ZUKUNFTSAUFGABEN
GERÜSTET
Von Oberst d. R. Carl A u g u s t F r e ih e r r v o n G abieng Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa
A is vor über zwanzig Ja h re n in den m eisten K ulturländern Europas der L u ftverkehr seine ersten Versuchssprünge wagte, w aren sich alle beteiligten Persönlichkeiten darüber k lar, daß dieses neue V erkehrsm ittel berufen sei, dem Handel und den kulturellen Beziehungen zwi schen den Völkern ein anderes Gesicht zu geben. Wenn m an heute rückschauend die E ntw icklung betrachtet, dann muß m an feststellen, d aß die Erw artungen von dam als noch übertroffen w u r den. Auch der im Septem ber 1939 ausgebrochene europäische Krieg än d ert an dieser T atsach e nichts, wenn es für den oberflächlichen B etrach te r im ersten Augenblick auch so scheinen m ag. Jede A rt von Verkehr h a t das Bestreben u n d die Aufgabe, zusammenzuführen, trennende E n t fernungen zu überbrücken u n d auseinander liegende P unkte in einen engeren Zusam m en hang zu bringen. Das Handelsflugzeug als Schnellverkehrsträger h a t sich im Laufe von zwanzig Jah ren zu einem V erkehrsträger über große und größte Entfernungen entwickelt und bewiesen, daß es wirklich in der Lage und berufen 120
ist, die B eziehungen zw ischen den V ölkern inniger u n d freu n d sch aftlich er zu gestalten. W enn die T atsach en h eu te dagegen zu sprechen scheinen, so lieg t das d aran , d aß sich besonders in E u ro p a im le tz te n J a h rz e h n t politische K räfte ausw irkten, die in grundsätzlichen P u n k te n nich t zu verein b aren w aren. D as bezog sich a u f alle ideologischen u n d realen G ebiete u n d äu ß e rte sich in einer im m er stärk ere n A bschließung der S ta a te n gegeneinander, w odurch au ch der H a n del m ehr u n d m ehr eingeengt u n d teilw eise ganz abgeschnürt w urde. T ro tzd em ging die B ed eu tu n g des L u ftv erk eh rs im eigenen L an d e v o n J a h r zu J a h r zu g u n sten des in te rn a tio n a le n D ienstes zurück. E in einziges B eispiel bew eist das deutlich. V on den gesam ten, im J a h r e 1938 im deutschen L u ftv erk eh r tra n s p o rtie rte n L u ft frach ten gingen n u r 7,4 v. H . v o n einem In la n d s hafen zum and eren In lan d sh afen , die ü b rig en 92,6 v. H . w aren G üter, die v o n D eu tsch lan d in das A uslandoder u m g ek eh rt reisten oder D eu tsch la n d n u r als D urchgangsgut, aus einem A usland kom m end u n d in ein A usland gehend, b e rü h rte n . Ä hnlich liegen die V erhältnisse im P ersonenver kehr, w enn sich auch gerade hier die vielfältigen Reiseerschwerungen aller A rt, wie u m stän d lich e Beschaffung von Aus- u n d Einreisegenehm i gungen, Devisenbeschaffung usw . besonders u n günstig ausw irkten. D er v o n N a tu r aus einheit liche europäische R aum , zu dem Asien hinzuge rechnet w erden m uß u n d den w ir E u rasien zu 121
nennen pflegen, ließ sich tro tz aller Gegenbe m ühungen n ich t auseinanderreißen. F ast alle europäischen H a u p tstä d te , die bis zu 1000 km von Berlin en tfern t liegen, ko n nten vor A usbruch des Krieges in einem Tag besucht werden, das heiß t, H in- u n d Rückflug m it einem A ufenthalt von drei bis fü n f S tunden w aren in einem Tage zu bew ältigen. H ierdurch allein w urde dem zw ischenstaatlichen H andel vom L uftverkehr eine sehr fühlbare F örderung zu te il, denn es ist schon ein großer U nterschied, oh beispielsweise fü r eine Reise nach London drei Tage notw endig sind oder n u r ein Tag benötigt w ird. Im m erliin h a t es der L uftverkehr so weit gebracht, daß jed e europäische H a u p tsta d t, die a n das L uftverkehrsnetz angeschlossen wurde, auch in einem Tage zu erreichen w ar. D as trifft für die im N orden liegenden S täd te, wie Oslo, Stockholm u n d H elsinki ebenso zu, wie fü r die im Süden E uropas gelegenen P lätze, von denen n u r A then u n d Lissabon erw ähnt seien, die im m erhin 2000 km u n d noch m ehr von Berlin entfernt sind. Zweifellos den größten Vorteil fü r H andel u n d W andel, nicht weniger aber auch fü r die rein kulturellen Beziehungen, b o t der L uftpostver kehr, der sich in der H auptsache in den N ach t stunden abwickelte und es ermöglichte, daß die abends in Berlin aufgegebenen Postsendungen am nächsten Morgen in den Bestim m ungsorten E uropas eintrafen. A uf der größten Luftpost strecke der W elt, der Südatlantikverhindung 122
B erlin— S antiago in Chile, die über 15 300 km fü h rt u n d den A tla n tik sowie das höchste am eri kanische G ebirge, die A nden, ü b erw in d et, w urde . T ag u n d N ach t ohne U n terb rech u n g geflogen, sieht m an v o n den k u rzen P au sen ab , die zur P ostum ladung v o n einem F lugzeug a u f das andere u n d zur B rennstoffübernahm e erfo rd er lich sind. Da die P ostv erw altu n g en in den le tz te n J a h re n auch sogenannte zuschlagsfreie Sen dungen im europäischen D ienst d em Flugzeug m itgaben, w urde den E m p fän g ern u n d A bsen dern m eistens gar n ic h t m eh r b e w u ß t, w elche B edeutung der L u ftv erk eh r b ereits im L eben der V ölker gew onnen h a tte . D ie fü hrende Stellung der L u fth a n sa is t n ic h t n u r der verkeh rsg eo g rap h isch g ü n stig e n L age D eutschlands in E u ro p a zu danken. M aßgebend w aren vielm ehr die L eistungen d er L u fth a n sa , die es stets fü r ih re v o rn eh m ste P flich t h ie lt, so rasch wie m öglich S trecken n a c h d en fe rn ste n P u n k te n der deutschen In tere ssen zu erk u n d en u n d einzurichten. B ereits im J a h re 1926 e n tsa n d te die L u fth an sa eine E xpeditio n , au sg erü stet m it zwei dreim otorigen Ju n k e rs G 24 Flugzeugen, n a c h P eiping, die u n te r L eitu n g v o n D r. K n a u ß sta n d , der dam als P ro k u rist u n d V erk eh rsleiter der L ufthansa w ar. M it diesem F lu g e n a h m die L u ft h ansa als erste L uftverkehrsgesellschaft die E r k undung der L uftw ege n a c h dem F e rn e n O sten in Angriff. Im L aufe der J a h re fo lg ten eine R eihe
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von E rkundungs- u n d Ü berführungsflügen nach China, Siam u n d Jap an , d aru n ter auch die Flüge über das „D ach der W elt“ , über die drei höchsten Gebirgszüge H indukusch, K arakorum u n d P am ir m it dem Junkers-Flugzeug J u 52 D -A N O Y „R u d o lf von T h ü n a“ . N ach jahrelangen Y orbereitungsarbeiten k o nnte die Lufthansa als erste Luftverkehrsgesellschaft der W elt Anfang 1934 einen regelm äßigen L u ft verkehr über den S ü d atlan tik einrichten u n d schon 1936 m it planm äßigen E rkundungsflügen über den N ord atlan tik nach New Y ork beginnen. Diesen bedeutenden Erfolgen w aren mühevolle V orarbeiten vorausgegangen, die bis a u f das J a h r 1926 zurückgehen. G erade hierbei m uß m an sich aber vor A ugen h alten , daß D eutsch la n d keine K üste am A tla n tik besaß u n d nich t über K olonialbesitz verfügte! Einige der w ichtigsten D aten aus der E ntw ick lungsgeschichte der L ufthansa beweisen, daß gerade die H ansa als Schrittm acher hei der Schaffung neuer Luftwege voranging, obwohl sie am stärksten gehemmt wurde. D ie L u f t h a n s a a l s e r s t e L u f t v e r k e h r s gesellschaft der W e l t erkundet 1926
den L uftverkehrs weg nach China .
2 Flüge,
erkundet 1929/35 den N ordatlantik 198 Teil flüge,
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e rk u n d et 1933
den S ü d a tla n tik .
eröffnet
den regelm äßigen S ü d a tla n tik v e r k e h r u n d fü h rte b is 1939 d u rch . . 496 F lüge,
1934
10Flüge,
u n te rh ä lt 1936/38 einen regelm äßigen N o rd a tla n tik v e r su ch sv erk eh r n ach New Y o rk ......... 50 F lüge, erk u n d e t 1937
den L uftw eg n a c h dem F e rn e n O sten ü b e r d as „ D a c h d er W e lt“ . ............
3 F lüge,
e rk u n d et 1938/39 den L uftw eg n ach J a p a n . ....................
3 F lüge.
A ber au ch in o rganisatorischer B eziehung, a u f dem G ebiet d er F lugsicherung, der B lindflug schulung, der E n tw ick lu n g des K a tap u ltd ie n stes usw . fü h rte die L u fth an sa u n d so b ild e te sich u m diesen europäischen L u ftv erk eh rsk ern d as ge sam te europäische F lu g streck en n etz, a n dem sich entsprechend ih re r B ed eu tu n g u n d ih re r geographischen Lage die ü b rig en L u ftv erk eh rs gesellschaften beteiligten. W enn n ach Beendigung des K rieges eine V er schiebung der politischen Schw erfläche u n d d a m it der w irtschaftlichen u n d k u ltu rellen Schw er p u n k te in E u ro p a erfolgt is t, w erden der D eut-
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sehen Lufthansa aberm als neue A ufgaben zur Lösung gestellt werden. D aß diese, w ahrschein lich sehr vielgestaltigen A nforderungen, nich t sofort alle erfüllt werden können, is t wohl selbst verständlich. Ebenso sicher is t aber, daß dem Verlangen der neuen europäischen O rdnung u n d der dam it veränderten W eltlage die L u fth an sa alsobald entsprechen wird. Da h eu te schon fest steht, daß diese N euordnung tatsäch lich eine Ordnung sein w ird u n d n ich t eine w illkürlich gelenkte Gleichgewichtspolitik, die natü rlich e w irtschaftliche Zusam m enhänge zerriß an d d a m it auch das gesam te Verkehrswesen in u n n a tü r liche B ahnen zwang, so w ird auch der N euaufbau des L uftverkehrs ein organischer sein. Die politischen, w irtschaftlichen u n d ku ltu rellen Schw erpunkte der E rd e w erden ganz selb stv er ständlich überlagert von Luftkreuzen. Diese sind zu finden über. E u ro p a, N ordam erika, S üdam e rika, Südafrika, Ostasien, A ustralien u n d In d ien . .Diese Luftverkehrskreuze h a tte n bereits u n te r einander Zusam m enhang. So w ar E u ro p a m it Am erika, A frika, dem Fernen Osten u n d A u stra lien durch die großen Ubersee- oder K onlinentalstrecken verbunden. N icht ausreichend u n d dem technischen S tan d e der Entw icklung entsprechend, w aren die V er bindungen zwischen E uropa u n d Asien, obwohl gerade hier die geographisch günstigsten V oraus setzungen gegeben waren. H ier w ird die nahe Z ukunft eine Ä nderung bringen und einen Luft-
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v erk eh r in E u ra s ie n erm öglichen, -wie er d en ta tsäch lich en A n fo rd eru n g en en tsp re c h e n w ird . Es erg ib t sich d a n n die F o rd e ru n g , n e b e n einem nördlichen W eg, eine M ittelstre ck e e in zu rich ten , die etw a a u f d er b e re its e rk u n d e te n L in ie, die das P am irg eb irg e ü b e rq u e rt, v e rla u fe n so llte. D aneben b e h ä lt die ä lte s te F e rn o s ts tre c k e ü b e r Indien, die als sü d lich er F lugw eg g ilt, ih re B ed eu tu n g . A frika w ird b e re its v o n einem L u ftv e rk e h rs n e tz überzogen, das im S ü d en dieses E rd te ils eine ge wisse D ich te aufzuw eisen h a t. D em en tsp re ch en d is t au ch die B o d en o rg an isatio n au f- u n d a u s g eb au t. W en n die L u fth a n sa a n d er B efliegung eines afrikani sehen L u ftv erk eh rsn etze s b ish e r au ch v e rh in d e rt w ar, so fü h rte doch die S treck e D eutschland— Chile teilw eise ü b e r afrik an isch es G ebiet. D ie großen, b ish er v o n frem d e n G esell schaften beflogenen afrik an isch en E influgw ege fü h rte n entw eder im O sten oder im W e ste n n a c h Süden. D er k ü rzeste W eg, d en d as alle B odenhindernisse überw indende V erkehrsflugzeug a u f seinem W ege zum Ziel im m er n eh m en soll, w u rd e bisher n ic h t beflogen. E r fo lg t etw a d em 12. G rad östlicher L änge u n d ü b e rq u e rt, am A u släu fer des A tlas vorbei, au sg ed eh n te W ü sten g eb iete, die einem p lanm äßig en L u ftv erk eh r k ein größeres H indernis als die au sg ed eh n ten W asserflächen des N o rd a tla n tik b ieten . E s k a n n also au c h in diesem E rd te il keine beso n d eren Schw ierigkeiten fü r die L u fth an sa geben, w enn sie h ier ein größe-
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res Streckennetz übernehm en soll, denn in Afrika nie in Indien oder anderen tropischen G ebieten ist das Fliegen w itterungsm äßig -wohl anders als in Europa, nicht aber schwieriger, denn die W etterunbeständigkeit E uropas w ird kau m übertroffen. Ü ber eingehende E rfah ru n g en im L u ft verkehr u n te r tropischen V erhältnissen v erfü g t m an bei der L ufthansa, denn das regelm äßig b e flogene Streckennetz in S üdam erika, die Linie nach Indien u n d die afrikanische R an d streck e a u f dem Wege nach Südam erika, gaben zah l reichen Besatzungen jah relan g G elegenheit, sich, m it den B esonderheiten des tropischen F lu g dienstes v e rtra u t zu m achen. D er A u fb au einer eigenen, den deutschen Bedürfnissen entsprechen den B odenorganisation in den afrik an isch en Kolonien ist selbstverständlich erforderlich. Da aber, wie schon gesagt, die L u fth an sa in allen tropischen Gegenden über sehr eingehende E r fahrungen verfü g t, so ist auch diese E in rich tu n g kein Problem , sondern n u r eine F rag e d er Z eit. D a die technische E ntw icklung u n d V ervoll kom m nung aller G eräte u n d die A usw ertung neuer E rfahrungen bei der L ufthansa n ich t u n te r brochen w urde, geht sie ih ren neuen A ufgaben gerüstet entgegen. Die deutsche Flugzeug- u n d Flugm otorenindustrie h a t in enger Z usam m en arb eit m it der L ufth an sa Flugzeuge u n d Mo to ren geschaffen, die h eu te als Spitzenerzeug nisse im L uftverkehr des In- u n d A uslandes fliegen.
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N a c h einer den V erhältnissen entsprechenden Ü b e rg a n g s z e it, die notw endig sein w ird, u m den a u g e n b lic k lic h b esch rän k ten L uftverkehrsbetrieb a u f sein en alten U m fang zu bringen u n d darüber h i n a u s zu steigern, k a n n die L u fth an sa ihren g r ö ß e r e n A ufgaben u n te r politisch günstigen V o ra u sse tz u n g e n gerecht w erden.
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D IE P L A N U N G DES R E IC H S A U T O B A H N N E T Z E S E I N E A UFG ABE D E R G R O S S R A U M P L A N U N G Fon Dipl.-Ing. R u d o lf H o ffm a n n beim Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen Berlin
A ls der F ührer im Ja h re 1933 die Geschicke D eutschlands in seine H an d nah m , w aren die grundlegende Förderung der deutschen M otori sierung und der Beginn des Baues eines R eichs autobahnnetzes m it die ersten um fassenden M aß nahm en, die er tra f. Beide M aßnahm en, die engstens H and in H an d gehen, w aren v o n A nfang an a u f w eiteste Sicht geplant u n d in G ang ge setzt; beide w urden im A nfang vielfach m iß verstanden un d als zu w eitgehend em pfunden. Beide haben heute ih ren fü r alle erk en n b aren Smn erhalten: niem and bezweifelt m ehr, daß die M otorisierung fü r eine k o ntinentale M acht wie D eutschland im Kriege wie im F ried en v o n entscheidender B edeutung ist u n d im m er sein wird, und allgemein is t heute klar gew orden, wie sehr das N etz der R eichsautobahnen als H erz stück eines großzügigen kontinentaleuropäischen G roßverkehrsnetzes den w irtschaftlichen u n d politischen Gesetzen dieses E rdteils entspricht. Die Frage, ob das vorhandene L andstraßennetz den Forderungen des anwachsenden K ra ftv e r kehrs schrittw eise anzupassen sei oder ob diesen
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Forderungen a u f weite Sicht m it dem Bau eines A ütobahnnetzes besser Genüge getan werde, w urde praktisch in allen L ändern m it starkem K raftverkehr m ehr als ein Jah rzeh n t lang er ö rtert. Sie w urde lange Zeit kaum irgendwo grundsätzlich entschieden; gleichzeitig verlief aber die praktische Entw icklung in der Form , daß im m er w eiter am vorhandenen Straßennetz gebessert, erw eitert und angestückt w urde und daß am Ende dieses „Flicksystem s“ doch im m er wieder nur ein aus zahllosen Einzelstücken besserer, mäßiger u n d schlechter V erkehrseig nung zusamm engesetztes S traßennetz dem K ra ft verkehr zur Verfügung stand. O ft genug k am es vor, daß schon nach weniger als einem J a h r zehnt neugebaute Straßenstücke dem in der Zahl, der Schnelligkeit, dem Gewicht u n d derGröße der Fahrzeug“e im m er w eiter anw achsen den K raftverkehr nicht m ehr genügten. Auch in D eutschland v erlief bis zum J a h re L933 die Entw icklung nicht anders. Ü ber verschiedene zusamm enhanglose P läne u n d kleine E inzelan sätze w ar der B au von A utobahnen bis dahin praktisch nicht hinausgekom m en. E rs t der F ü h re r m it seinem unerschütterlichen W illen u n d seinem stark en Z ukunftsglauben b rach te den A utobahnbau in D eutschland, d an n ab er auch, gleich au f b reitester G rundlage u n d a u f w eiteste Sicht, in Gang. Die P lanung des R eichsautohahnnetzes is t eine V erkehrsplanungsaufgabe v o n einm aliger Größe 9*
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und Bedeutung. Zwar stan d en au ch am A nfang des Eisenbahnbaues w eitgehende P län e großer Männer, am bekanntesten der von F ried rich List, denen aber aus politischen G ründen die V erw irk lichung versagt blieb, wenn auch schließlich das deutsche und europäische E isen b ah n n etz doch zu einem geschlossenen G anzen zusam m enw uchs. Bei dem E n tw u rf des R eichsautobahnnetzes folgt die große T a t dem großen P la n a u f dem F u ß , und das B autem po von jä h rlic h 1000 km R eichs autohahn bedeu tet eine gewaltige bautechnische und hauw irtschaftliche Leistung. Der erste E n tw u rf des R eichsautohahnnetzes w urde in den Ja h re n 1933/34 von der eigens fü r diesen Zweck ins Leben gerufenen „G esellschaft zur V orbereitung der R eichsautohahnen e. V .“ (Gezuvor) aufgestellt. E r um faßte ru n d 7000 k m und ging von dem G rundsatz aus, die w ich tig sten G roßstädte u n d W irtschaftszentren des d a m a ligen Reichsgebiets m iteinander zu v erb in d en . Schon in den Ja h re n 1936 bis 1937 ergab sieb, daß im Zuge des im m er stärk eren W irtsch aftsaufschwunges und der G ründung neuer I n d u striestandorte eine V erdichtung des vorgesehenen Netzes notw endig w ar; die G esam tlänge des Netzes stieg dam it a u f 10 bis 12 000 k m . M it der W iederaufnahm e der O stm ark u n d des Sude tengaues in das Reich im Ja h re 1938 ergaben sich Erw eiterungen des A utobahnnetzes, fü r die schon vorher entsprechende Vorbereitungen ge troffen w aren. D urch S taatsvertrag m it der da-
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m aligen Tschecho- Slowakei w urde der B au einer N ordsüdstrecke B reslau— W ien, der so g en an n ten D urchgangsautobahn, die in einer L änge v o n ru n d 80 km a u f tschecho-slow akischem G ebiet verlief, beschlossen u n d sogleich b egonnen. Die Feldzüge des gegenw ärtigen K rieges h a b e n das der deutschen A ufsicht oder H errsch g ew alt unterstehende G ebiet w esentlich v e rg rö ß e rt u n d zugleich die B ildung einer europäischen G ro ß raum w irtschaft eingeleitet, die schon j e tz t im K riege überraschend schnelle F o rts c h ritte , zu m Teil gerade a u f G rund d er b eso n d eren U m stä n d e des K rieges, m a ch t. E s is t k la r, d a ß a u c h die P lanung des R eich sau to b ah n n etzes dieser E n t wicklung folgt. S elb stv e rstän d lich w u rd e z u nächst das N etzbild a u f die n eu en R eich sg au e im O sten ausgedehnt, der ein stm als tre n n e n d e K orridor durch sto ß en u n d d e r ' A n sc h lu ß d e r G au h au p tstad t P osen sich erg estellt. In zw isch en w urde die P lan u n g a u f das G ebiet des G en eral gouvernem ents v o rg etrieb en u n d das A u to b a h n netz im W esten z u n äc h st a u f d as E lsa ß , L o th rin g en u n d L u x em b u rg a u sg e d e h n t. Die europäischen S ta a te n v e rh ie lte n sich in d e n Jah ren 1933 bis 1939 dem P la n e u n d d em W e r den eines R eich sau to b ah n n etzes g eg en ü b er v e r schieden. V ielfach sp ielten d ab ei p o litisc h e G ründe m it, u n d es erg ab sich d a n n d e r F a ll, daß aus K reisen der K r a f tf a h r t u n d d e r W ir t schaft A u to b ah n en w egen ih re r V erkehrs- u n d allgem einw irtschaftlichen V orzüge v e rla n g t, v o n 133
der S taatsführung jedoch ab g eleh n t w urden. Dies zeigte sich insbesondere in E n g lan d , wo der Straßenausbau m it den A nforderungen des K raftverkehrs kau m m ehr S ch ritt h ielt. I n den kleineren S taa ten H olland u n d Belgien w urde die F rage unvoreingenom m ener b e tra c h te t u n d m it dem B au einzelner Linien zwischen den w ichtig sten S täd ten begonnen. A uch in D än em a rk b e schäftigte m an sich leb h aft m it dem A u to b ah n gedanken, desgleichen in der Tschecho-Slowakei, wo auch nach der E inbeziehung des G ebiets in das Reich als P ro te k to ra t Böhm en u n d M ähren die b e gonnenen A rbeiten fo rtg esetzt u n d der B au einer Linie P rag —W ien in Gang g ebracht w urde. Es v ersteh t sich v o n selbst, daß wie ein st beim B au der E isenbahnen, so au ch beim A u to b ah n b au eine ü berstaatlich e Z usam m enarbeit erfo r derlich ist, wobei das klare technische V orbild fü r die richtige F orm des zu b au en d en V erkehrs weges eindeutig in den R eichsautobahnen, so wie sie im Reich seit m ehr als sieben J a h re n g ep lan t u n d gebaut w erden, gegeben ist. Die b ish erig e N etzgestalt der R eichsautobahnen g e s ta tte t ohne weiteres eine A usw eitung des N etzes a u f den kom m enden europäischen G roßw irtschaftsraum . W irtschaftlichkeitsuntersuchungen d u rch sorg fältige M eßfahrten einerseits a u f R eich sau to bahnen, andererseits a u f R eichsstraßen h ab en im übrigen den V erkehrsw ert der neuen B ah n en überzeugend nachgewiesen: die erzielbaren E r sparnisse an B etriebskosten und F ahrzeugver
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schleiß reichen schon bei m ittlerenV erkehrsbelastungen voll aus, u m eine volksw irtschaftliche R ente des im B au angelegten Volksverm ögens sicherzustellen. Vor allem tr ä g t auch die V erm in derung des U nfallrisikos dazubei, den w irtsch aft lichen E rtrag sw ert der A nlage zu erhöhen. N eben den verkehrstechnischen u n d verkehrsw irtschaftlichen E rw ägungen spielen heim B au der R eichsautohahnen au ch psychologische G ründe eine w esentliche R olle. E in solch ein heitliches V erkehrsnetz „ a u s einem G uß“ k an n n u r in einem von stark er H a n d geleiteten S taats• wesen W irklichkeit w erden u n d is t d a m it zu gleich sichtbares Sym bol dieser S taatsg ew alt. Die „S tra ß e n A dolf H itlers“ w erden au ch ü b erall im Reich als Zeichen der endlich erru n g en en Reichseinheit u n d als G egenstand des n atio n ale n Stolzes des ganzen deutschen Volkes angesehen. In ihnen v erk ö rp ert sich der B auw ille des F ü h rers, der auch a u f an d eren G ebieten, w ie in der N eugestaltung deutscher S tä d te u n d a u f dem R eichsparteitaggelände in N ü rn b erg , B au d en k m äler .von Ew igkeitsw ert zu schaffen im B egriff ist. Die R eichsautohahnen sind w eit m e h r als n u r ein technisches oder verkehrsw irtschaftliches G ebilde; sie sind in dem Schw ung d er L inien führung, im erhabenen A usdruck ih re r gew al tig en B auw erke u n d in d er n atu rv e rb u n d e n e n E inpassung in die B ew egtheit d er d eutschen L andschaft v o n einzigartiger zeitloser Schönheit. Sie sind dazu b estim m t, n ic h t allein gew altige 135
W irtschaftsverkehre v o n G au zu G au u n d von L and zu L an d des europäischen K o n tin en ts fo rt zubewegen, sondern auch allen schaffenden d e u t schen Menschen, denen der F ü h rer im K dF-W agen ein eigenes G efährt geben w ird, das E rlebnis der Schönheit ihrer H eim at im m er wieder zu verschaf fen un d dam it zur inneren Festigung der deutschen Volksgemeinschaft, die zu rT räg erin einer euro päischen G roßraum w irtschaft u n d G roßraum po litik berufen ist, fü r alle Zeiten beizutragen.
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KONTINENTALE MOTORISIERUNGSAUFGABEN Von Professor Dr. K a r l K r ü g e r Technische Hochschule Berlin
D ie Geschichte D eutschlands le h rt, d aß es tr o tz der rassenm äßigen E in h e it N ord- u n d S ü d deutschlands W egebau u n d P ferd ev erk eh r n ic h t zu erm öglichen verm o ch ten , den P artik u larism u s der deutschen Stäm m e n ach h altig zu überw in d en . Es ist das große V erdienst v o n F rie d ric h L ist, in der E ise n b ah n ein w irksam es p o litisch es M it te l zu einer dau ern d en E in ig u n g d er D eu tsch en erk an n t ,zu h a b e n ; er sch u f den B egriff d e r verkehrstechnisch u n te rb a u te n R au m w irtsch aft — w enn er au ch persönlich n o ch a n dem M iß tra u e n des trad itio n sg eb u n d en en M ettern ich u n d a n der Ä ngstlichkeit k leiner d eu tsch er F ü rste n scheiterte. In der T a t überw anden Schienenw eg u n d L oko m otive S ch ritt fü r S c h ritt die tre n n e n d e n H in dernisse der N a tu r u n d erw iesen sich m äch- tig er als politischer P rovinzgeist in d en K lein staaten . Die Schaffenslust d eu tsch er T ech n ik er trieb den E isen b ah n b au in allen T eilen des d e u t schen R aum es v o ra n — m a n v erg aß L ist, w irk te ab er fa s t in seinem Sinne. G elang es au ch n ich t, den P artik u larism u s zu beseitigen, so w urde doch w enigstens ein D eutsches R eich geschaffen.
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Die Ü berlegenheit der E isen b ah n h a t jedoch in D eutschland lange Zeit den w eiteren A usbau des ' Straßenw esens (und den K an alb au ) gehem m t. Als der W eltkrieg die M otorisierung des S traß en verkehrs erzw ang, verm ochten keine N otschreie der straßenunterhaltungspflichtigen B ehörden die E ntw icklung des K raftv erk eh rs aufzuhalten. Schließlich n ah m die A nzahl der Personen- u n d L astkraftw agen d e ra rt zu, daß sogar die E isen bah n v erw altu n g — vergeblich — nach M itteln u n d W egen sann, wie m a n den gefährlichen W ettbew erb eindäm m en könne. In diesem K am p f „S chiene gegen S traß e“ w irkte es erlösend, als der F ü h re r seinen bereits lange J a h re gehegten P la n eines Schnellverkehrsnetzes fü r den K ra ftv e rk e h r v e rk ü n d ete: der F ü h rer legte zw ar die G esam tdurchführung des Reichs^ autobahnbaues in die H a n d eines b ew äh rte n Straßenbaufachm annes, des G eneralinspektors fü r das deutsche Straßenw esen D r. T o d t, zog jedoch als Zwischenlösung die D eutsche R eichs b ah n zur A usführung heran. H ierdurch w urden die B auerfahrungen der R eichsbahningenieure n u tz b ar gem acht, an derseits ab er die leiten d en M änner der E isenbahnverw altung v e ra n la ß t, im Interesse des S traßenverkehrs w eiterzuden ken. Som it w urde in der T a t erreich t, daß d er sachlich allergünstigste Ausgleich zwischen Schie ne u n d S traße gefunden w u rd e; die R eichsbahn begann, reichsbahneigene K raftfahrlinien a u f der R eichsautobahn zu betreiben.
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Das B edeutsam ste a n d em W erk des F ü h rers is t jedoch, d aß das N etz v o n R eichsautobahnen — also den gem äß dem h eutigen S tan d der T echnik auch fü r sehr hohe G eschw indigkeiten sichersten S traßen, die eine au ß ero rd en tlich große Z ahl von Personen- u n d L astk raftw ag en ohne G efahr der Ü berfüllung aufnehm en k ö n n en — besser als die E isenbahn geeignet sein w ird, die d eu tsch en L andschaften einander zu erschließen; da der F ü h rer es durch die Schaffung des V olksw agens jedem D eutschen erm öglichen w ird, als B esitzer eines eigenen W agens in die n a h e n u n d fern en Gaue zu reisen, w erden au ch die d eu tsch en S täm m e einander n ä h e r g eb rach t. Selbstverständlich b e h ä lt die E ise n b ah n d u rc h aus ih re B edeutung in d er P ersonen- u n d G ü te r beförderung, v o r allem in d er V erfrach tu n g schwerer M assengüter; es k a n n a b e r n ic h t ge leugnet w erden, d aß die F reizügigkeit des K r a f t verkehrs gerade in der Ü b erw indung des P a r ti kularism us besonders w irksam sein w ird , zu m al zahlreiche M aßnahm en der R eichsregierung, die bereits heute zum vollen Sieg des völkischen E in heitsgedankens fü h rten , im E inzelnen stä rk e re Lebensfreude u n d som it au ch größere B egeiste rung an technischen D ingen erw eckten. D ie F reude a n der B eherrschung der T ech n ik lä ß t sich m it besonderer G enugtuung ste ts im B esitz eines eigenen K raftw agens erfüllen. N un is t oft die F rage g estellt w orden, ob denn der S traßenbau au ch „ p ro d u k tiv “ sei, ob es sich
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überhaupt lohne, hierfür M illiardensum m en au f zuwenden. Is t doch frü h er gerade der B au der Reichsautobahn von m anchem als „ u n w irt schaftlich“ verworfen worden. Wir müssen uns hier klar vor A ugen h a lte n , daß in der hberalistisch-kapitalistischen W irtsch aft im allgemeinen erst der Y erkehrsdruck, der „A us fuhrdruck“ der Betriebe, O rte u n d L än d er, fern er der Tourismus den B au von V erkehrsw egen er zwingt. F ast regelm äßig suchten die B ehörden „aus Mangel anM itteln “ V erkehrsbauten zu v e r zögern — obwohl jedoch die deutschen B ehörden, vor allem auch in den deutschen K olonien, stets in erfreulichem Maße a u f das Gemeinwohl b e dacht waren. In einem sozialistischen Staatsw esen, das m an im Gegensatz zum d estru k tiv en M arxism us im Hinblick a u f N ationalsozialism us, Faschism us und w eitere in E uropa neu erstehende F orm en durch den Sammelbegriff des „ k o n stru k tiv en Sozialismus“ kennzeichnen könnte, v e ra n la ß t die Sorge um da-' Gemeinwohl kom m ender G enera tionen die verantw ortungsbew ußten B ehörden, durch alle denkbaren technischen M aßnahm en wirtschaftliche Leistungss teig* rungen in V erbin dung m it sozialen Besserungen zu beschleunigen. Die Behörden w erden also nicht w arten, bis der „A usfuhrdruck“ den V erkehrsbau erzw ingt, son dern werden durch die a u f eingehenden sozialen, wirtschaftsgeographischen u n d politischen V or arbeiten gestützten Verkehrsplanungen u n d V e r-'
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k eh rsb au ten die E rzeu g u n g v o n G ü tern im g a n zen L ande anzu reg en suchen. Im sozialistischen S taate g eh t also d er Y erk eh rsb au v ielfach u n d b ew u ß t dem W irtsc h a ftsa u sb a u v o ra n ! Infolgedessen m uß a u c h die R en ten h erech n u n g der V erkehrsb au ten an d ers w ie die Z insrechnung der kap italistisch en W irtsch aft a u fg este llt w er den. Die R enten b erech n u n g h a t je d o c h v o ll u n d ganz die W irtsch aftlich k eit d er R eich sau to b ah n bewiesen. In dieser R enten rech n u n g spielen die B e trie b s ersparnisse a u f der R eich sau to h ah n im V erg leich zur R eichsstraße (von S tra ß e n g erin g erer G ü te zu schweigen) eine ausschlaggebende R olle. D as deutsche B eispiel w ird die ü b rig en L ä n d e r des europäischen K o n tin e n ts zum N ach d en k en u n d zur N achahm ung an reg en . Als eines d er ersten L änder stellte seinerzeit die T sch ech o slow akei einen P la n n ach d eu tsch em M uster a u f ; H olland u n d B elgien s c h ritte n sogar zu r T a t. E n g lan d p la n te fa s t 5000 k m „ m o to rw a y s“ , scheiterte ab er a n seinem k a p italistisch em S y stem , das keine gesetzliche H a n d h a b e zuließ, u m w iderstrebende G run d eig en tü m er in k u rzem V erfahren zu en teig n en ; fern er w ar die p o litisch e M acht der dam aligen E isen b ah n g esellsch aften in E n g lan d p arlam en tarisch s ta r k genug, u m u n e r w ünschten W ettb ew erb au fzu h alten . D eutschland w ar sich seiner M ittellage in E u ro p a w ohl b ew u ß t u n d h a tte in seiner P lan u n g a u f A nschlußm öglichkeiten an d ere r L än d er R ück-
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sicht genommen. Es erscheint uns als selb stv er ständlich, daß zuerst der A nschluß a n das N etz der italienischen „a u to stra d e n “ d u rch die A u to bahn Berlin—Rom gesichert w urde. Auch an dieser Stelle sei b e to n t, d aß die O rgani sation der Planung u n d des B aues der d eutschen Reichsautobahn, vor allem das geradezu fa h r planm äßige Z usam m enarbeiten d er M enschen und der Maschinen a u f den B austellen u n d d am it die sonst nie erreich ten B au fo rtsch ritte, fern er die soziale Fürsorge fü r die G efolgschaften u n d vieles andere erstm alig u n d einm alig in d er W elt sind. In dieser T atsache d ü rfte sicher d er g rö ß te Ansporn für die Ingenieure an d erer L änder liegen. Die Politiker der übrigen europäischen L änder werden den Anreiz zur N achahm ung h a u p tsä c h lich in den politischen B indew irkungen g u te r Straßen sehen. An sich ist dieses M om ent au s allen geschichtlichen Zeiten b ek an n t — zu letzt am eindrucksvollsten durch die „Ingenieurgeo graphen“ Napoleons verw irklicht, d an n in u n se ren Tagen im „Panam erican H ighw ay“ , im „C ape to Cairo R oad“ usw. versucht. Die Vorteile einer engen Zusam m enarbeit der Völkerwirtschaft Europas liegen h eu te d e ra rt klar au f der H and, daß jede Regierung ständig bem üht sein m üßte, nicht nur durch beschleu nigten Straßenbau im eigenen Lande die E rze u gungswirtschaft ankurbeln zu helfen, sondern durch Anschlußbauten an die Straßennetze der
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N achbarländer den innerkontinentalen G üter austausch m it allen K räften zu fördern. Die F o rtsch ritte der „k onstruktiven Sozialis m en“ gerade in E uropa geben heute bereits die Gewähr, daß die innerkontinentale Y erkehrs w irtschaft E uropas in hohem M aße u n d stetig in ten siv iert w ird. Die N otw endigkeit der beschleu nigten Erschließung des „schw arzen E rdteils“ , des n atürlichen Ergänzungsraum s E uropas, w ird ferner auch in Afrika die G rundsätze der V er kehrsplanung zur A nkurbelung der Erzeugungs w irtschaft zur A usw irkung bringen. G erade au f diesem G ebiet w ird sich die Ü berlegenheit der A utoritärkolonisation gegenüber liberalistischkapitalistischer A usbeutungskolonisation er w eisen. D urch die unm ittelb aren M aßnahm en der R eichs regierung konnte in den le tzte n sechs J a h re n die K raftw agenerzeugung in D eutschland v erviel fach t w erden. Die Verbesserung der S traß en v er hältnisse u n d n ich t zuletzt die T ypenverein fachung w irkten in hohem Maße anregend. Von entscheidendem Einfluß w ird ab er schließlich fü r die deutsche M otorisierungskurve der G roß absatz des Volkswagens sein! N un w erden besorgte G em üter fragen, ob der durch den S traßenbau begünstigte K raftverkehr, ferner der im W ettbew erb m it dem K raftw agen erfolgende E insatz von M otortriebw agen a u f der E isenbahn u n d schließlich von m otorisierten W asserfahrzeugen im L astverkehr der Binnen-
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Wasserstraßen nich t eine abwegige E n tw icklur bedeuten, weil die erforderlichen K ra ft- u n d Schmierstoffe u n d der fü r die R eife n h e rste llu r. benötigte K autschuk n ich t in genügendem Maße beschafft werden können, zum al w enn im F rieden aus irgendwelchen G ründen die europäische bzw. europäisch-afrikanische G ro ß rau m w irtsch aft sich a u f sich selbst stellen m ü ß te. D ie A n tw o rt k an n nur beruhigend lau ten , denn ersten s sind die E rdölvorräte E uropas hei w eitem noch n ic h t voll erschlossen (es ist hier n ic h t der O rt, u m die G ründe der „Erschöpfungserscheinungen“ au fzu zeigen), zweitens sichert der K o h len reich tu m vor allem D eutschlands jede gew ünschten R ohstoff mengen fü r die Gewinnung g rö ß ter M engen v o n K raft- u nd Schmierstoffen, fern er sogar v o n Gummi, u n d d ritten s ist die E rzeu g u n g v o n K raftstoffen aus ewig nachw achsenden P flanzen (sowohl in E uropa als auch besonders in A frika) erst in einem F rü h stad iu m der E n tw ick lu n g (denken wir nur an pflanzliche D ieselkraftstoffe u nd anderseits an' H olzgasgeneratoren). Die Aufgeschlossenheit der R egierungen fü r die Aufgaben w eitgespannter V erkehrsplanungen u nd entsprechender M otorisierung lä ß t im H in blick auf die praktische D u rch fü h rb ark eit u n d den unm ittelbaren Erfolg fü r eine in ten siv ie rte europäische K ontinentalw irtschaft erw arten , d aß der „V erkehrssektor“ zum bed eu tsam sten A r beitsfeld praktischer G roßraum w irtschaft w ird.
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III. Z U R E U R O P Ä IS C H E N W IR T S C H A F T S U N D H A N D E L S P O L IT IK
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NEUE WEGE DER EUROPÄISCHEN H A N D ELSPO L ITIK Von Gesandter Dr. Ca r l Cl o d i u s
D ie H andelspolitik h a t in den le tz te n J a h re n tiefgreifende W andlungen erfahren. In d er Zeit vor dem W eltkriege b esch rän k te sich die T ä tig keit der R egierungen a u f handelspolitischem Ge b ie t im allgem einen d arau f, in lan g fristig en H a n delsverträgen die rechtlichen G rundlagen fü r die N iederlassung u n d die A usübung v o n H an d el u n d Gewerbe durch die S taatsan g eh ö rig en des einen L andes im an d eren L ande zu regeln, fern er die F reih eit des V erkehrs zu ordnen u n d schließ lich V ertragszölle festzulegen. D ie H an d elsv er trä g e d er alte n Z eit, die die erw äh n ten F rag en regelten, g alten oft viele J a h re u n d sogar J a h r zehnte. Sie steck ten n u r in großen Z ügen den R ah m en ab, in dem sich die W irtschaftsbezie hungen zw ischen den S ta a te n a u f G rund der freien In itia tiv e des einzelnen entw ickeln sollten. Z um erstenm al h a t der W eltkrieg eine U m w äl zung dieses System s geb rach t. W äh ren d des W eltkrieges gingen alle S ta a te n dazu ü b er, in m ehr oder w eniger strenger F o rm d en gesam ten A ußenhandel sta a tlic h zu kontrollieren u n d zu lenken. Als es nach der B eseitigung der d e u t schen In flatio n im J a h re 1924 so schien, als w erde io*
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die internationale H andelspolitik zu den V or kriegsm ethoden zurückkehren, w urde einige Jah re, etwa in der Z eit von 1924 bis 1930, der Versuch unternom m en, auch in der p rak tisch en D urchführung der H andelspolitik w ieder a u f die V orkriegsm ethoden zurückzugreifen. D er h eu te nocli in K ra ft befindliche deutsch-italienische H andelsvertrag vom 31. O ktober 1925 u n d der deutsch-französische H an d elsv ertrag vom 17. A ugust 1927 unterscheiden sich in F o rm und In h a lt n ic h t sehr w esentlich v o n den V erträgen, die D eutschland z.B . um die Jah rh u n d ertw en d e abgeschlossen h a t. Die sogenannte W eltw irt schaftskrise, deren erste A nzeichen sich in den V ereinigten S taa ten von A m erika bereits im N o vem ber des Ja h re s 1928 b em erk b ar m ach ten u n d deren w eitere E ta p p e n in M itteleuropa der Zusam m enbruch der K re d ita n sta lt in W ien am 13. Mai 1931 u n d der D arm städ ter B an k in B er lin am 13. Ju li 1.931 w aren, u n d die schließlich in der A bw ertung des englischen P fundes u n d der A bw ertung zahlreicher, der englischen W ä h rung folgender sonstiger europäischer W äh ru n g en ihren sichtbaren A usdruck fan d , zeigte jed o ch bald, daß die im m er schw ieriger w erdenden internationalen w irtschaftlichen Problem e m it den alten M itteln n ich t m ehr gem eistert w erd en konnten. Das entscheidende N ovum , das die g rößte U m wälzung m it sich gebracht h a t, die die H an d els politik ü b erh au p t erlebt hat , seitdem dieser B e
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griff b e ste h t, is t die E rk en n tn is, daß es n ic h t ge nü g t, den W aren v erk eh r d u rch Z ollm aßnahm en u n d selbst d u rch die F estsetzu n g v o n E in- u n d A u sfuhrkonting en ten zu beeinflussen u n d in b e stim m te B ah n en zu lenken, sondern daß es v o r allem erforderlich ist, die P roblem e au ch v o n der Seite des Z ahlungsverkehrs h e r an zu p ack en . Als erste gingen im J a h re 1931 einige m itte le u ro p ä ische L än d er, näm lich das dam alige Ö sterreich, U n g arn u n d B ulgarien dazu ü b er, den Z ah lu n g s v erk eh r einer K o n tro lle n ach b estim m te n ein schränkenden R ich tlin ien zu u n terw erfen . D am it w urden die ersten G rundlagen fü r d en B egriff der D evisenbew irtschaftung geschaff^p, die im Laufe der J a h re fü r die G estaltu n g der H an d els p o litik v o n im m er entscheidenderer B ed eu tu n g gew orden is t. D er G rundgedanke je d e r D evisen bew irtsch aftu n g b e ste h t darin , d aß ein A usgleich n ic h t n u r des W arenverkehrs, sondern des ge sam ten Z ahlungsverkehrs d u rch eine p lan m äß ig e L enkung des A ußenhandels u n d gleichzeitig aller a n das A usland zu leisten d en Z ählungen vorgenom m en w ird. D abei m uß je d e überflüssige E in fu h r u n d je d e v erm eid b are Z ahlung a n das A usland u n te rb u n d e n w erden. A ndererseits m uß erreich t w erden, daß der E ingang v o n Z ah lu n g en aus dem A usland sowohl d u rch eine E r höhu n g der A usfuhr, wie auch — w enn m öglich — d u rch die Steigerung des E rtra g es d er sonstigen Q uellen fü r K apitaleingänge, wie Y ersicherungs v e rk e h r, D ienstleistungen, F ra c h te n u n d ähn-
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liebes nach M öglichkeit gesteigert w ird. D as E n t scheidende ist, die G esam tzahlungsbilanz auszu gleichen u nd dabei doch allen drin g en d en w irt schaftlichen Bedürfnissen des L andes zu e n t sprechen u n d alle nich t v erm eid b aren Zahlungen p ü n k tlich zu leisten. In der internation alen H an d elsp o litik lassen sich etw a vom Ja h re 1931 ab zwei G ruppen von S taaten untersch eid en ; die eine, die zu n äch st glaubte, der durch die W eltw irtschaftskrise h er vorgerufenen Schw ierigkeiten d u rch eine A b w ertung H err w erden zu können, u n d die an d ere G ruppe, zu der au ß er D eutschland eine ganze Reihe von L ändern des europäischen K o n ti nents gehören, die den oben geschilderten W eg der D evisenbew irtschaftung b esch ritten h a t, u m zu dem gleichen Ziele zu kom m en. Die E n tw ic k lung h a t gezeigt, daß a u f die D auer k ein L an d in der Lage gewesen ist, durch W ährungsm anipulationen der durch das V ersagen des liberalistisch-kapitalistischen W irtschaftssystem s ge rad e bei der Regelung der in tern atio n alen H a n delsbeziehungen bedingte gebieterischen N o t w endigkeit einer straffen stark en L enkung des Außenhandels und der gesam ten w irtschaftlichen u n d finanziellen Beziehungen zum A usland a u s zuweichen. W ährend die meisten anderen* L änder diesen Weg nur notgedrungen gegangen sind, begeg neten sich in D eutschland und Italien die G ru n d anschauungen der Nationalsozialistischen u n d 150
der F aschistisch en Bewegung m it den N otw en digkeiten der S tu n d e. D ie E ntw icklung der deutsch - italienischen W irtschaftsbeziehungen seit dem J a h re 1933 is t ein M usterbeispiel d afü r, was erreich t w erden k an n , w enn zwei L än d er vom gleichen S ta n d p u n k t aus an die p lan m äß ig e G estaltung der w irtsch aftlich en u n d finanziellen B eziehungen zw ischen ih n en h erangehen. E s ist in d en le tz te n sieben J a h re n gelungen, d en W aren au stau sch zw ischen D eu tsch lan d u n d Ita lie n fa s t zu v e rd reifach en ; d aneben au ch die F rag en des Z ahlungsverkehrs so b efriedigend zu regeln, d aß sogar die M öglichkeit b estan d e n h a t, viele H u n d erte M illionen v o n Lire fü r den d e u t schen R eiseverkehr n ach Ita lie n zu r V erfügung zu stellen. D iese großen Erfolge w aren n u r m ög lich a u f G rund einer straffen staatlich en L en kung v o n beiden Seiten, in deren R ah m en sich die In itia tiv e der deutschen u n d der italien isch en W irtsch aft voll u n d u n g eh in d ert v o n K risen erscheinungen e n tfa lte n k o n n te. D ie politischen Ereignisse der le tz te n Z eit, d. h. seit der K riegserklärung E nglands u n d F ra n k reichs a n D eutschland, h ab en die H an d els p o litik e r aller europäischen L än d er u n d v o r allem n a tü rlic h die L eiter d er H an d elspolitik D eutschlands u n d Italien s, denen die F ü h ru n g bei der w irtschaftlichen N eugestaltung des euro päischen K o n tin en ts w ährend des K rieges u n d n ach dem K riege obliegt, w iederum vor ganz neue A ufgaben gestellt. D er V ersuch E nglands,
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nicht n u r D eutschland u n d Ita lie n , sondern ganz Europa durch eine rücksichtslose, gegen die ge sam te Zivilbevölkerung einschließlich d er F rau en und K inder gerichtete B lockade zum A ushuhgern zu bringen, h a t w ieder einm al gezeigt," d aß eine K raft, die Böses will, au ch G utes schaffen k an n . Das Gefühl der S o lid arität h a t u n te r den euro päischen V ölkern einen gew altigen A ufschw ung genommen. Ü berall is t die Ü berzeugung im Fortschreiten begriffen, d aß g erad e a u f w irt schaftlichem G ebiet ein engerer Z usam m en schluß der europäischen S ta a te n fü r. alle B e teiligten große V orteile m it sich b rin g en m uß. Es ist nicht n u r fü r D eu tsch lan d u n d Ita lie n , sondern fü r alle Völker des europäischen K o n tinents nicht m ehr zu ertrag en , d aß eine a u ß e r halb E uropas stehende M acht au ch n u r die H off nung haben kann, durch w irtsch aftlich e Zw angs m aßnahm en dem gesam ten E u ro p a seinen W illen zu diktieren. Die europäische W irtsch aft m u ß in gemeinsamer Z usam m enarbeit d er b eteilig ten S taaten so gelenkt w erden, daß sie den d rin g en d sten Bedürfnissen des K o n tin en ts au s eigenen M itteln und aus den M itteln ih r geographisch jederzeit zugänglicher G ebiete gerecht w erd en kann. Das heiß t n ich t, daß E u ro p a etw a völlig sich selbst genügen k an n u n d sich selbst genügen soll. Auch wenn die erw ähnte V oraussetzung, daß E uropa sich m it den dringendsten G ü te rn selbst versorgen kann, erfüllt ist, w ird im m er noch ein um fangreicher u n d für beide P a rtn e r
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in teressa n ter H an d elsv erk eh r zw ischen E u ro p a u n d d en überseeischen L än d ern stattfin d en . W enn es gelingt, d u rch planm äßige Z usam m en arb eit den W o h lstan d der europäischen V ölker im m er w eiter zu h eben, die europäische L a n d w irtsch aft zu in ten siv ieren u n d die In d u strie auszuhauen, so w erden im G egenteil der B ed arf u n d v o r allem die K a u fk ra ft in E u ro p a w eiter steigen u n d E u ro p a als A b satzg eb iet fü r die außereuropäisch en G ebiete noch in teressa n ter m achen, als es dies h eu te schon is t. U m g ek eh rt w ird die Steigerung der europäischen E rzeugung die V oraussetzungen d afü r schaffen, au ch die A us fu h r aus E u ro p a n ach den überseeischen L än d e rn in entsprechen d em U m fange zu erh ö h en . D aß es keine U topie ist, d en W o h lstan d E u ro p as entscheidend heben zu w ollen, h a t die w irtsch aft liche E ntw icklu n g der südosteuropäischen S ta a te n in den le tz te n sieben J a h re n bew iesen. Seit 1933 is t die D eutsche R egierung dazu ü b e r gegangen, in einer H an d elsp o litik a u f lange S icht den W aren au stau sch zw ischen D eu tsch la n d u n d dem D onaubecken ständig zu steigern. D a D eu tsch lan d zusam m en m it Ita lie n in der Lage is t, den gesam ten A usfuhrüberschuß des S üdostens aufzunehm en, b estan d die Möglich k e it, a u f diesem Wege die W irtsch aftsk raft dieser L än d e r ganz erheblich zu fördern. D ie T atsache, d aß D eutschland sich entschlossen h a t, die E r zeugnisse Südosteuropas zu Preisen zu kaufen, die w eit über den W ellm arktspreisen liegen und
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die zu dem a u f G ru n d h an d elsp o litisch er V erein barungen und - im R ah m en des s ta a tlic h ge lenkten V errechnungsverkehrs krisen fest gestal te t w orden sind, h a t als w esen tlich ster F a k to r dazu heigetragen, in einer u n v erh ältn ism ä ß ig ktirzen Zeit die W irtsch aftsk raft u n d d a m it auch die K au fk raft der S üdostländer w esentlich zu er höhen. A uf diese W eise w urd en diese L än d e r in die Lage v ersetzt, au ch ih rerseits ih re E in fu h r aus D eutschland vorw iegend d u rch den Bezug nützlicher Investitio n sg ü ter zu steig ern u n d a u f diesem Wege w iederum die L eistungsfähigkeit ihrer W irtschaft noch w eiter zu verbessern. Ge rade das V erhältnis zwischen D eu tsch lan d u n d Südosteuropa h a t bewiesen, daß m an au s der Not eine Tugend m achen k an n , da die E in fü h rung des V errechnungsverkehrs, d er zu n äch st vielfach als ein unbequem er Zw ang u n d h ö ch stens als eine b itte re N otw endigkeit em pfunden wurde, in erheblichem Maße dazu beigetrag en h a t, die geschilderte güns'ige E n tw ick lu n g zu fördern. Es ist selbstverständlich, daß die E rfah ru n g en aus den Jah ren 1933 bis 1939 und vo r allem au ch die Erfahrungen, die je tz t w ährend des K rieges gem acht w orden sind, bei dem A ufbau der eu ro päischen W irtschaft nach dem Kriege v erw ertet werden müssen. Eine Rückkehr zum freien u n d unkontrollierten W arenverkehr und zum freien Zahlungsverkehr kann nicht in Frage kom m en. Es h a t sich gezeigt, daß au f diesem W ege die
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W e ltw ir tsc h a ft n ic h t zu n eu er B lü te gefü h rt w erd en k a n n .
Die staatlich e L enkung des A ußenhandels u n d des Z ahlungsverkehrs m uß also au frech terh alten w erden. N ur sie k a n n die V oraussetzungen fü r den N eu au fb au der europäischen W irtsch aft nach dem K riege u n d fü r ihre w eitere S tärk u n g schaffen. E s ist erforderlich, au ch in Z u k u n ft dafür Sorge zu trag e n , daß E u ro p a in erster Linie in E u ro p a k a u ft, u n d zw ar selbst d an n , w enn die P roduktionsbed in g u n g en u n d d a m it die Preise vielleicht ungün stig er sind als a u f überseeischen M ärkten. N u r a u f diese W eise k a n n v o r allem den E rzeu g ern v o n lan d w irtsch aftlich en E rzeu g nissen ein a u f lange S icht g ew ährleisteter w irt schaftlicher A ufstieg gesichert w erden. I n dem P ro to k o ll ü b er die deutsch-rum änische Z u sam m enarbeit hei der D u rch fü h ru n g eines Z ehn ja h re sp lan s fü r den A u fb au d er ru m än isch en W irtsch aft vom 4. D ezem ber 1940 is t dieser G ru n d satz m it folgenden W o rte n festg eleg t: „D ie b eid en R egierungen w erden h ei der Ge s ta ltu n g der handelspolitischen B eziehungen zw ischen den beid en L än d e rn d a ra u f b ed ac h t sein, d aß der deutsche M arkt fü r die rum änischen E rzeugnisse als ein sicheres A bsatzgebiet m it angem essenen u n d von w irtschaftlichen K risen unabhängigen Preisen gesichert b le ib t u n d daß die B edeutung des rum änischen M arktes fü r den H andelsverkeh r m it D eu tsch lan d w eiter gestei g e rt w ird .“
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Die B eibehaltung d er sta a tlic h e n L enkung des Zahlungsverkehrs schließt keinesw egs aus, ihn innerhalb E uropas so elastisch zu g estalten , wie dies n u r irgend möglich is t. Dieses Ziel k an n auch bei A ufrechterhaltung von zw eiseitigen V errech nungsabkom m en zwischen den einzelnen europä ischen L ändern erreicht w erden. D a b ereits fast alle europäischen S taa ten zu erk en n en gegeben haben, daß sie b ereit sind, m itzu arb e iten und den gleichen Weg zu beschreiten, w ird es m öglich sein, durch gegenseitige V errechnung n ic h t n u r zwischen zwei L ändern, sondern au ch zw ischen drei u n d m ehr S taa ten zu einer w eitgehenden F reiheit des Zahlungsverkehrs zu gelangen. E in solches System , das in der le tzte n Z eit u n te r dem Begriff Z entralclearing bereits häufig in der Öffentlichkeit erö rte rt w orden ist, v erein ig t die Vorzüge der planm äßigen L enkung m it einem M inimum an B eschränkungen fü r H an d el u n d V erkehr u nd w ird den d aran b eteilig ten S ta a te n au ch den Bezug von Rohstoffen u n d sonstigen lebensw ichtigen W aren aus den überseeischen L ändern erleichtern. Es ist n u r eine n a tü rlic h e Folge der w irtschaftlichen und politischen E n t w icklung der letzten Zeit und der ü b errag en d en Stellung, die die Achsenmächte in E u ro p a ein nehm en, daß die M ittelpunkte dieser Z e n tra l clearingsystem e in Berlin u n d in R om liegen' w erden. Ebenso selbstverständlich aber, is t es, daß ein solches System w irtschaftlicher Z u sam m enarbeit in Europa nur u n ter ak tiv e r M it-
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arb eit aller eu ro p äisch en S ta a te n zu einer w irk lichen B lü te gelan g en k a n n . E s is t eine besondere F reu d e, fe stste lle n zu k ö n n en , d aß sowohl die R egierungen w ie die V ölker selbst a u f dem eu ro p ä isc h e n 'K o n tin e n t d e n W e rt dieser Z u sam m en a rb e it e rk a n n t h a b e n . D as Ziel je d e r H an d els p o litik k a n n n u r das sein, in p la n v o ller Z u sam m en arb eit zw ischen den b ete ilig te n S ta a te n ein O p tim u m a n W o h lstan d fü r die V ölker zu erreichen. W en n dieses Ziel a u f dem W ege ü b er die europäische w irtsch aftlic h e S o lid a ritä t fü r E u ro p a e rre ic h t w ird , so w ird das eine der sch ö n sten F rü c h te dieses K rieges sein. U n d w enn m a n in Z u k u n ft n ic h t m eh r n u r v o n d eu tsch er H an d elsp o litik , italien isch er H an d elsp o litik , schw edischer H an d elsp o litik usw. sprechen w ird, so n d ern w enn das W o rt „eu ro p äisch e H an d els p o litik “ in den S prachschatz der V ölker eingeht, so k ö n n en D eu tsch la n d u n d die n atio n also zia listisch e F ü h ru n g des D eutschen R eiches fü r sich in A nspruch- nehm en, zu diesem E rfo lg entschei d en d u n d b ah n b rech en d heig etrag en zu haben.
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G ROSSRA UM A U T A R K IE U N D W E L T W IR T S C H A F T Von Professor Dr. A n d r e a s P r e d ö h l Direktor des Instituts fü r Weltwirtschaft an der Universität K iel
D ie Siege der deutschen W affen h ab en die F rage des europäischen W irtsch aftsrau m s zur Reife ge b rach t. W ohl d eu tete sich schon in den letzten Jah ren inV erfolg der nationalsozialistischenW irtschaftspolitik eine E ntw icklung an , die a u f einen engeren w irtschaftlichen Zusam m enschluß der kontinentaleuropäischen L änder hinauslief. W ohl w urde diese Entw icklung durch die englische Blockade sta rk gefördert. In ih r eigentlich e n t scheidendes S tadium is t sie ab er doch e rs t ge treten, als die siegreiche A bw ehr rau m frem d er K räfte den deutschen M achtbereich a n dieW estküste des K ontinents Vorschub u n d die K o n ti nentalsperre E ngland von jed er E influßnahm e im Bereich des m itteleuropäischen R aum s aus- . schloß. Seitdem ist die w irtschaftliche G rcßraum bildung nicht n u r ein aktuelles, sondern auch ein populäres Thema geworden, das der grundsätzlichen K lärung m ehr denn je bedarf.
Di e St uf en zur Gr o ß r a umb i l d un g : A bkehr vom Gestern Der erste Schritt zur wirtschaftlichen G roßraum bildung ist die Abkehr von der alten W eltw irt-
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Schaft gewesen. Diese W eltw irtschaft b eru h te au f der Id ee der in tern atio n alen A rbeitsteilung, d. h. a u f dem G rundsatz, daß die einzelnen V olksw irt schaften den größtm öglichen G üterertrag erzie len, w enn sie sich a u f die H erstellung derjenigen G üter beschränken, die sie m it dem verh ältn is m äßig geringsten A ufwand produzieren können, u n d die übrigen G üter im A ustausch beziehen. E in solcher a u f in tern atio n aler A rbeitsteilung be ru h en d er G üterertrag ist n u n aber n u r erzielbar a u f K osten an d erer Belange des Volkes, vor allem a u f K osten der W ehrhaftigkeit u n d Sicher h eit. J a , die in tern atio n ale A rbeitsteilung k an n geradezu das L eben des Volkes gefährden, wenn es im K riege v o n dem Zugang zu den Rohstoffen abgeschnitten w ird. Die W eltw irtschaft der in te r nationalen A rbeitsteilung lag m ith in ausschließ lich im Interesse der englischen V olksw irtschaft u n d ih rer europäischen u n d außereuropäischen T rab a n ten . Sie w ar b eh errsch t vom englischen K reditsystem u n d b eru h te a u f der englischen Seem acht. Bei allen übrigen L ändern w idersprach sie den Gru n dsätzen echter V olksw irtschafts p o litik . Diese E rkenntn is h a t sich frü h er oder sp äter in allen L ändern durchgesetzt u n d G egenkräfte ge w eckt, die a u f den Weg zur w irtschaftlichen Selbstgenügsam keit fü h rten . In vielen L ändern is t es gar nich t erst zu echt ■freihändlerischer W irtschaftspolitik gekommen. Im D eutschen R eich begann die U m kehr m it der B ism arckschen
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S c h u tz z o llp o litik in d e n siebziger J a h re n des ver g a n g e n e n J a h r h u n d e r ts . Sie e rfu h r n ach der libe ra lis ie re n d e n E p o c h e d e r w ilhelm inischen Zeit s ta r k e n A u ftrie b d u rc h d e n W eltk rie g , der die G e fa h re n d e r w irts c h a ftlic h e n A b h än g ig k eit p rak tis c h in E rs c h e in u n g tr e t e n ließ . D ie E pisode der M a c h tlo s ig k e it in d e r s p ä tlib e ra le n N achkriegs z e it b r a c h te z w a r d e n V ersu ch d er W iederein g lie d e ru n g d e r d e u ts c h e n V o lk sw irtsch aft in die a l te W e ltw ir ts c h a ft, f ü h r te a b e r in d er K rise von 1931 z u m Z u s a m m e n b ru c h . M it d e r M achtergrei fu n g des N a tio n a lso z ia lism u s is t die g ru n d sätz lic h e U m k e h r v o llzo g en u n d die en d g ü ltig e Vor h e r r s c h a f t d e r Z iele des V olksganzen ü b e r die ein s e itig w irts c h a ftlic h e n Ziele d e r lib erale n H an d e ls p o litik fe s tg e le g t w o rd en .
Wehrhaftigkeit und Sicherheit im Großraum N u n k a n n a b e r die ein zeln e V o lk sw irtsch aft den W e g d e r w irts c h a ftlic h e n S elbstgenügsam keit n ic h t b is z u m E n d e g ehen. A u tark isieru n g b e d e u t e t n ä m lic h v o n ein em gew issen P u n k t ah s te ig e n d e n A u fw a n d bzw . gerin g ere V ersorgung. D a s m u ß in K a u f g enom m en w erd en , solange d a m it ein e S tä rk u n g d e r B elan g e des V olks g a n z e n v e rb u n d e n is t. S o b ald dagegen die W irt s c h a ftlic h k e it so s ta r k b e la ste t w ird, d aß W eh r h a f tig k e it u n d S ich e rh e it n ic h t m eh r gefö rd ert w e rd e n , i s t die G renze d er A u tark isieru n g e r r e ic h t. J e d e w e ite r g etrieb en e S elbstgenügsam -
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keit w ürde sich zu eb en den Zielen in W id er spruch setzen, u m d eren tw illen die Z u rü ck ziehung au s der W e ltw irtsc h a ft d er in te rn a tio nalen A rb eitsteilu n g re c h t eigentlich erfolgt. A u tark ie is t so w enig e in W e rt a n sich w ieW elthandel. W äh re n d n u n a b e r g ro ß räu m ig e u n d reich a u sg e sta tte te V o lk sw irtsch aften w ie die d er V ereinigten S ta a te n v o n A m erika u n d d er Sow jet-U n io n die S elb stg en ü g sam k eit v e rh ä ltn is m äßig w eit tre ib e n k ö n n en , o h n e m it d er W ir t schaftlichkeit in K onflikt zu g e ra te n , sehen sich an dere w ie die d eu tsch e V o lk sw irtsch aft v o r die Schw ierigkeit gestellt, d ie E rfo rd ern isse d er W irtsch aftlich k eit m it denen d er W e h rh a ftig k e it und S icherheit in E in k la n g zu b rin g en . H ;er b eg in n t d er zw eite S c h ritt z u r w irts c h a ft lichen G roßraum bildung. Z w ar is t es m öglich, du rch A usnutzu n g des tech n isch en F o rts c h ritts die G rundlagen d er S elb stg en ü g sam k eit erh eb lich zu verbessern, w ie dies im V ier ja h re sp la n geschehen ist. Zw ar g ew äh rt die A ngliederung v o n K olonien eine E rw eiteru n g des A u tark isierungsspielraum s. D arü b er h in au s a b e r b le ib t noch — gerade im In tere sse d er W e h rh a ftig k e it — als entscheidende Lö&vng d er w irtsc h a ft liche Zusam m enschluß m it den an g ren zen d en V olksw irtschaften. D u rch diesen Z usam m en schluß w ird die M öglichkeit, zugleich den E rfo r dernissen d er W eh rh aftig k eit u n d d er A u ta rk ! sierung R echnung zu tra g e n , d e ra rt erw eitert, daß V olksw irtschaften wie die deutsche in eine 11
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ä h n lic h g ü n s tig e L ag e k o m m e n w ie die großen ra u m b e g a b te n V o lk sw irtsc h a fte n . N ieh l als ob n u n m e h r d ie A u ta r k ie d as Z iel w ü rd e. D er A u ta r k ie b e g riff is t g ren ze n lo s, e r p a ß t n u r a u f die E rde a ls G a n z e s ; m it ih m k ö n n en w ir d e n G roßraum n ic h t erfassen.- W o r a u f es a n k o m m t, ist, eine so lch e L a g e z u sch affen , d a ß die w esentlichen g e la n g e d es V o lk sg an zen , in e rs te r L inie W ehr h a f tig k e it u n d S ic h e rh e it, in E in k la n g gebracht w e rd e n k ö n n e n m it d en E rfo rd e rn isse n der W irt s c h a ftlic h k e it. D a r in lie g t die N o rm des w irt s c h a ftlic h e n L e b e n sra u m s.
Die Interessen der kleinen Länder D ie se m k la r b e g re n z te n A u sd eh n u n g sd ran g ko m m e n n u n — u n d d a m it v o llzieh t sich d er d ritte S c h r itt z u r G ro ß ra u m b ild u n g — die Interessen d e r k le in e n L ä n d e r en tg eg en . Solange d er w e it-, w irts c h a ftlic h e W ä h ru n g s- u n d M arktm echanis m u s w irk s a m w a r u n d die k lein en L än d er sich a u f se in d a u e rn d e s F u n k tio n ie re n v erlassen zu k ö n n e n g la u b te n , sa h e n sie in d e r V erflechtung in d ie en g lisch e W e ltw irtsc h a ft ih re n V orteil. M it d e m Z u s a m m e n b ru c h dieses M echanism us e rla g e n sie d e r T en d en z zu r Z w an g sau tark ie, was u m so g e fä h rlic h e r w ar, als d a m it angesichts ih r e r g e rin g e n A u tark ie b eg ab u n g eine B elastung ih r e r W irts c h a f t v e rb u n d e n w ar, die ih ren volklic h e n B e la n g e n schw eren A b b ru ch ta t. So such t e n d ie b ritis c h e n D o m in ien in O ttaw a den w irt-
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schaftlichen A nschluß a n E n g lan d , d as sein er seits du rch den Z u sam m en b ru ch seiner W e lt w irtsch aft zur G roßraU m bildung gezw ungen w ar. U nd so m üssen in noch v iel stärk ere m M aße die kleinen europäischen F reih an d elslän d er ih r w irt schaftspolitisches G leichgew icht d urch A nschluß a n den europäischen G ro ß rau m w ied erh erstellen . Indem sie den B edürfnissen d er K e rn lä n d e r encgegenkom m en, dienen sie zugleich d en w irts c h a ft lichen u n d po litischen B ed ü rfn issen des eigenen L andes. D as g ilt u m so m eh r, als d e r Z u sam m en schluß sich je nach den p o litisch en B ed in g u n g en u n d den w echselseitigen In te re sse n in d en u n te r schiedlichsten F o rm en vo llzieh en k a n n . V on d er losen P räferen tialv e rb in d u n g u n d d em zw eisei tig en L ieferun g sv ertrag b is zu r Zoll- u n d W äh rungsunion s te h t eine R eih e v o n Z w isch en stu fen der G roßraum b ild u n g zu r V erfü g u n g . W irtschaftlich e G ro ß rau m b ild u n g is t n u n a b e r beileibe n ic h t n u r ein A k t d er N o tw e h r g eg en ü b er dem an d rän g e n d en Chaos ein er z e r r ü tte te n W eltw irtsch a ft. W enn d er G ro ß ra u m sein en G liedern n ic h t m eh r zu b ie te n h ä t te als ein en n o td ü rftig e n U n tersch lu p f, w äre er ein sch lech te r E rsa tz fü r die ehem alige lib e ra le W e ltw irt schaft. W as er b ie te t, is t w eit m e h r. Z u n ä c h st einm al b e d e u te t die A n leh n u n g a n eine vollbeschäftigte, in stetig em W a c h sttu m begriffene große V olksw irtschaft fü r die k lein en V o lk sw irt schaften einen S tabilisierungs- u n d S ich erh eits fa k to r ersten R anges, d er um so w irk sam er is t, n*
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j e en g er die V erb in d u n g in E in - u n d A usfuhr g e s ta lte t w ird . D a rü b e r h in a u s b ie te t die A rb eits te ilu n g in n e rh a lb d es G ro ß rau m s M öglichkeiten d e r P ro d u k tiv itä ts s te ig e ru n g , die d en en nich t u n ä h n lic h sin d , die die a lte lib erale W eltw irt s c h a ft e rs tre b te , n u r d a ß die A rb eitsteilu n g in n e rh a lb des G ro ß rau m s n ic h t m it den N ach te ile n b e la s te t is t, die die lib e ra le A rb eitsteilung im G efolge g e h a b t h a t . S chließlich is t der neue G ro ß ra u m v o n p o litisc h e n K rä fte n getrag en , die w e it s tä r k e r u n d s te tig e r sin d als die re in w irt s c h a ftlic h e n K r ä f te d e r lib e ra le n W irtsc h a ft u n d d ie z u e in e m in te n s iv e n w irtsc h a ftlic h e n W achs’ t u m fü h re n , d a s die a lte w eltw irtsch aftlich e E x p a n s io n n o c h ü b e r tr if f t.
Die neue Weltwirtschaft D a m it is t n u n a b e r die w irtsch aftlic h e Großr a u m b ild u n g r e c h t eig en tlich die V oraussetzung z u m A u fb a u ein e r n e u e n W eltw irtsc h a ft gew or d e n . D e r v ie r te S c h ritt f ü h r t also b ereits üb er d e n G ro ß ra u m h in a u s . D en n die P ro d u k tiv itä ts s te ig e ru n g d es G ro ß rau m s u n d das w irts c h a ft lic h e W a c h s tu m , d as sie im Gefolge h a t, lä ß t eine F ü lle n e u e n E in fu h rb e d a rfs en tsteh en , d er neue w e ltw irts c h a ftlic h e A u stau sch b ezieh u n g en m it s ic h b r in g t. G ew iß is t es m öglich, einen großen T e il d e r zu w a c h se n d e n E n erg ien a u f K o sten des W a c h s tu m s zu sä tz lic h e r A u tark isieru n g n u tz b a r z u m a c h e n . D as k a n n a b e r w iederum n u r in dem
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U m fang geschehen, den die Ziele des Volksganzen g estatten . Sobald die autarkiebedingten Ziele er reich t sind, insbesondere die W ehrhaftigkeit ge sichert ist, w ürde w eitergehende A utarkisierung nichts anderes als V erzicht au f gesteigerten V olksreichtum u n d vergrößerte W eltgeltung be deuten. Dabei d arf nich t n u r an die Möglichkeit zusätzlichen u n d b'lligen Rohstoffbezugs gedacht w erden, der m it v erstärk tem Industrieexport zu bezahlen ist, sondern auch an die A usfuhr selbst. D enn Erzeugnisse u n d D ienste fü r das A usland sind T räger des Einflusses in der W elt, nich t zum w enigsten das industrielle Q ualitätsprodukt u n d die Flagge des H eim atlandes in der Seeschiffahrt. Sie sind es u m so m ehr, je m ehr ih r Einfluß ge trag en und gesichert wird von der in sich gefestig ten G roßraum w irtschaft. Eine Grenze findet dieser w eltw irtschaftliche A ustausch zunächst noch in der m angelhaften E n tfaltu n g und Stetigkeit der Entw icklung frem der V olkswirtschaften u n d G roßräum e W o konjunkturelle Rückschläge, A rbeitslosigkeit und schwaches w irtschaftliches W achstum die A uf nahm efähigkeit für die E infuhrgüter schmälern, k an n sich kein stark er und stetiger A ustausch entwickeln. In dem Maße aber, wie auch im A us lande die Enge der spätliberalen Desorganisation einem starken und stetigen volksw irtschaftlichen W achstum P latz m acht, w erden auch dort die Voraussetzungen fü r eine neue W eltw irtschaft geschaffen. D ann tr itt an die Stelle der Schein-
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S o lid a ritä t d e r a rb e its te ilig v erflo ch ten en Einzelw irts c h a f te n , d ie m it d e r a lte n W eltw irtsch aft v e rs c h w u n d e n is t, d ie ec h te S o lid a ritä t der tau s c h e n d e n V o lk s w irts c h a fte n . D a s k an n zu einem w e ltw irts c h a ftlic h e n A u sta u sc h fü h ren , der an U m fa n g , S te tig k e it u n d W a c h stu m alles V er g a n g e n e in d e n S c h a tte n s te llt.
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D IE W E L T W I R T S C H A F T NEUER ORDNUNG Von Professor Dr. K a r l C. T h a lh e im Direktor des Wellwirtschaftsinstituts der Handels-Hochschule Leipzig
D a s W o rt „W eltw irtsch aft“ te ilt m it so m anchem anderen F achw ort der W irtsch aftsw issen sch aft u nd des W irtschaftslebens das Schicksal einer schweren B elastung aus der Z eit des lib eralen K apitalism us: ein zu n äch st im w esentlichen fo r m aler Begriff erh ielt dam als au s der spezifischen W ircschaftsauffassung dieser E p o ch e h erau s einen ganz bestim m ten zcitgehundenen In h a lt, der heute m it dem W irtsch aftssy stem , zu dem er und das zu ih m gehörte, u n te rg e h t. F ü r die lib e rale B etrachtungsw eise w ar W eltw irtsc h a ft eben n ic h t n u r ein Form albegriff, sondern ein w irt schaftspolitisches P ro g ram m ; es b e d e u te te E in h eit des W eltm ark tes, Ü b ero rd n u n g des in te r nationalen W irtschaftszusam m enhangs ü b er die V olksw irtschaften m it ih ren besonderen L ehens bedingungen und L ehensnotw endigkeiten, b ed eu te te Freihandel, V erzicht a u f staatlich e L enkung oder E inschränkung des W irtsch aftsau stau sch s von L an d zu L and. W eltw irtsch aft erschien dem nach als die begrifflich le tz te E in h eit, in n erh alb derer sich das W irtsch aftsleb en ab sp ielt. Dieser
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lib e ra le B eg riff d e r W e ltw irtsc h a ft w ar also indi v id u a lis tisc h u n d k o sm o p o litisch zugleich, wie die g an ze W e lta n sc h a u u n g u n d W irtsch aftsleh re des L ib e ra lism u s. F ü r v iele, die d as W o rt W elt w irts c h a ft h ö ren , is t a u c h h e u te n o ch diese Ver b u n d e n h e it m it d e r lib e ra le n W irtsch aftsau f fa s s u n g m a ß g e b e n d ; d a d u rc h w ird die V erw end b a r k e it dieses B egriffes s ta r k b e e in trä c h tig t u n d die U rsa c h e f ü r v ie le M iß v erstän d n isse u n d u n fru c h tb a re s A n ein an d e rv o rb e ired en geschaffen. K einesw egs a b e r is t d er B eg riff W eltw irtsch aft in d e r V erg a n g e n h e it im m er n u r in diesem spezi fisch lib e ra le n S in n e g e b ra u c h t w orden. Die d e u ts c h e W irtsc h a ftsw isse n sc h a ft h a t ih n viel fa c h w irk lic h n u r als F o rm alb eg riff, n ic h t in V er b in d u n g m it ein em b e s tim m te n w irtsch afts p o litis c h e n I n h a lt v e rw e n d e t. B ern h ard H a r m s , d e r B e g rü n d e r d e r „W e ltw irtsc h a ftsle h re “ , hezeic lin e te als W e ltw irts c h a ft „ d e n gesam ten I n b e g riff d e r d u rc h h o ch en tw ick eltes V erkehrs w esen u n d d u rc h s ta a tlic h e in te rn a tio n a le V er tr ä g e g e re g e lte n w ie g e fö rd erten B eziehungen u n d d e re n W ec h selw irk u n g en zw ischen den E in z e lw irts c h a fte n d e r E r d e “ .1) W en n au ch diese D e fin itio n in so fe rn v o n d er stren g lib eralen A uf fa s s u n g a b w e ic h t, als sie die sta a tlic h e R egelung als k o n s titu tiv e n F a k to r eim bezieht, so k o m m t sie ih r d o ch a n d e re rs e its in so fern n ah e, als sie v o n d e m In b e g riff d e r B eziehungen zw ischen den i) „V olksw irtschaft und W eltwirtschaft“ , 1912, S. 106.
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E i n z e l w i r t s c h a f t e n d er E rd e au sg eh t. Diese individualistische B etrachtungsw eise dagegen fällt fo rt, w enn m an m it E r n s t S c h u l t z e die W eltw irtschaft als „G esam th eit der w irtsc h a ft lichen V orgänge u n d B eziehungen, die den B oden m indestens zweier S taa ten b e rü h re n “ ,1) a u ffaß t. Es w ird dabei deutlich, d aß zur W eltw irtsch a ft nur diejenigen w irtschaftlichen V orgänge ge hören, die über die G renzen einer V o lk sw irt schaft h i n a u s g e h e n , u n d d aß ausschlaggebend nicht die B eziehungen zw ischen E in zelw irt schaften, sondern zw ischen den V o lk sw irtsch af te n selbst sind. D enn h ie rin w u rzelt ja d er e n t scheidende G egensatz zw ischen v o lk sw irtsc h a ft lichen u n d w eltw irtsch aftlich en V orgängen, d aß die V olksw irtschaften als die ech ten G anzheiten des W irtschaftslebens m itein an d er in V erb in dung tre te n , w enn au ch scheinbar d er g rö ß te Teil der w eltw irtschaftlichen B eziehungen sich zw i schen zwei E inzelw irtschaften, also etw a einem K affee-E xporteur in B rasilien u n d einem d e u t schen Im p o rth au s in B rem en vollzieh t. E s h a n delt sich auch bei diesen w eltw irtsch aftlich en B e ziehungen n ich t n u r d aru m , d aß bei ih n en das G ebiet einer W ä h r u n g s g e m e i n s c h a f t v e r lassen w ird, w orauf sich der L iberalism us in seinem U nverständnis fü r echte v o lksw irtschaft liche F ragestellungen zurückzog. l) Im A rtikel „W eltw irtschaft“ im „Handwörterbuch der Arbeitsw issenschaft“ , Bd. 3, 1930, S. 4892 bis 4893.
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D a ß es w irts c h a ftlic h e B eziehungen, die über d ie G ren zen ein er V o lk sw irtsch aft hinausgehen, a u c h in Z xikunft g eb en w ird , d ü rfte ebenso k lar z u ta g e lieg en w ie a u f d e r a n d e re n Seite die T a t sach e, d a ß d ie lib e ra le Ideologie d er W eltw irt s c h a ft a ls ü b e rg e o rd n e te r G an zh eit u n d des W elt m a rk te s als E in h e it zu sam m en g eb ro ch en ist. D ie e rs te n A n zeich en d a fü r, d a ß diese Ideologie e r s c h ü tte r t w u rd e , ze ig te n sich b e re its in den le tz te n J a h r z e h n te n v o r d em W eltk rieg e, als n a tio n a le u n d soziale N o tw en d ig k eiten einen S t a a t n a c h d em a n d e re n zw angen, die B ahnen d es u n e in g e s c h rä n k te n F re ih a n d e ls zu verlassen. I m W e ltk rie g e s tü r z te ein g ro ß er T eil des k u n s t v o lle n W e ltw irts c h a fts g e b ä u d e s d er liberalen Ä ra z u s a m m e n ; w as ü b rig b lieb , is t — n ach der flü c h tig e n E p iso d e d e r „ W e ltw irtsc h a ft des Als O b “ in d e n J a h r e n 1925 b is 1929 — d u rc h die s ic h s te tig v e rs tä rk e n d e n atio n alw irtsc h aftlich e P o litik ü b e ra ll a u f d e r E rd e u n d d a n n besonders d u r c h d ie S tö ß e d e r W e ltw irtsc h a ftsk rise u n d s e it d e m H e r b s t 1939 des n e u e n europäischen K rie g e s b is a u f u n b e d e u te n d e R e ste z e rtrü m m e r t w o rd e n . S p ä te re G esch ich tssch reib er w er d e n , w ie h ie r a n g e m e rk t sein m ag , b ei d er Schil d e ru n g des Z u sa m m e n b ru c h s d er „ W e ltw irt s c h a f t a l te r O rd n u n g “ festz u ste lle n h a b en , d aß f ü r d ie se n g e ra d e die M äch te in e rste r Linie v e r a n tw o r tlic h sin d , die sich so g ern als die G rals h ü t e r d e r lib e ra le n Ideologie bezeichnen. D en S p ie lre g e ln des S y stem s w id ersp rach ebenso die
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politische und w irtschaftliche K nebelung D eutschlands durch Versailles u n d die R ep ara tionslast wie der Ilo ch sch u tzzo lltarif der V er einigten S taa ten von 1929 u n d schon fa st ein Ja h rzeh n t vorher das nordam erikanische E in w anderungsgesetz von 1921, das die P eriode der E inw anderungsrestriktionen ein leitete u n d d am it zahlreichen europäischen L än d ern die Möglich keit nahm , ih re B evölkerungsproblem e wie v o r her du rch Abgabe überschüssiger M enschen m assen an die überseeischen G roßräum e zu lösen. D enn w enn es eine W eltw irtsch aft als E in h eit geben soll, dann m uß diese w esensnotw endig a u f a l l e n Teilgebieten zw ischenstaatlichen W irtschaftsaustauschs, dem M enschen- und dem K ap italaü stau sch ebenso wie dem W aren au s ta u sch , vo rh an d en sein. A n die Stelle des sich auflösenden einheitlichen W eltm arktes t r i t t h eu te das N ebeneinander v o n W irtscbaftsblöcken, die sich aus einer A nzahl von räum lich verbundenen, sich s tru k tu re ll er gänzenden u n d m iteinander zu d au erh a fter, la n g fristiger Z usam m enarbeit zusam m engeschiossenen V olksw irtschaften zusam m ensetzen: d e n G r o ß r a u m w i r t s c h a f t e n also. I n ih n en finden die einzelnen V olksw irtschaften die au ß en w irt schaftliche Ergänzung, die sie au ch b ei optim aler E n tfaltu n g der eigenen P ro d u k tiv k rä fte b ra u chen. D enn auch das h a t die w irtsch aftsth eo re tische Diskussion u n d die w irtschaftspolitische P raxis der letzten 20 Ja h re deu tlich bew iesen,
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d a ß — v o n w e n ig e n s ta a tlic h g eein ten G roß r ä u m e n a b g e s e h e n — se lb st in g ro ß en L än d ern d ie B a sis f ü r ein e a u ssch ließ lic h e E n tfa ltu n g der la n d e s e ig e n e n P r o d u k tiv k r ä f te zu schm al ist. D iese S c h m a lh e it d e r B asis zeig t sich n atü rlich u m s o d e u tlic h e r , je k le in e r d er R a u m , je b e g r e n z te r d ie P r o d u k tiv k r ä f te eines L an d e s s in d . D e s h a lb is t h e u te d as P roblem d e r w irts c h a f tlic h e n U m o rie n tie ru n g so b e s o n d e rs sc h w ie rig f ü r die k lein en L ä n d e r m it h o h e m L e b e n s s ta n d a r d , w ie die sk an d in av i s c h e n L ä n d e r , H o lla n d u n d die Schweiz, d e n e n b is h e r als E rg ä n z u n g s ra u m d er ganze W e l tm a r k t z u r V e rfü g u n g s ta n d u n d die sich j e t z t d e r T a ts a c h e g eg en ü b ersehen, d aß die a u s d e n eig e n e n G ren zen h in a u sv e rle g te Basis ih r e s W irts c h a fts a u fb a u e s z e rtrü m m e rt ist. D a s S tr e b e n n a c h ein e r w irtsc h a ftlic h e n Blockb ild u n g in d e r F o rm d e r G ro ß rau m w irtsch aft ist d a s n o tw e n d ig e a u ß e n w irtsc h a ftlic h e G egenstück z u m A u fb a u ein e r s ta a tlic h g elen k ten N atio n al w ir ts c h a f t im In n e rn . F ü r eine solche k o m m t der fre ie , u n g e le n k te W e ltm a rk t als w irtsch aftlich er E r g ä n z u n g s r a u m d esh alb n ic h t in F rag e, weil der s ic h a u f ih m v o llzieh en d e A u stau sch m it an d eren V o lk s w irts c h a fte n m it einem u n tra g b a re n R isiko f a k t o r b e la s te t is t. Z u m W esen einer s ta a tlic h g e le n k te n N a tio n a lw irts c h a ft g eh ö rt ja n ic h t an le t z t e r S te lle d a s S tre b e n n ach S tabilisierung des W irts c h a fts a b la u fs m it dem Ziele d er V oll b e s c h ä ftig u n g , n a c h d er E rreich u n g eines n ic h t
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statischen, sondern dynam ischen Gleichgewichts der W irtschaft. Dieses Stabilisierungsstreben lä ß t sich aber m it einem freien A ußenw irtschaftsver kehr nicht vereinbaren, da die w irtschaftlichen Bew egungserscheinungen, wie K o n ju n k tu r schw ankungen u n d S trukturw andlungen, sich a u f einem „freien“ W eltm ark t voll ausw irken u nd wegen ihres intern atio n alen C harakters auch n ich t dem lenkenden Zugriff eines einzelnen S taates unterliegen können. In der G roßraum w irtschaft dagegen ist die M öglichkeit zu lan g fristiger Planung a u f der Basis zw ischenstaat licher V erträge gegeben, deren Ziel — en tsp re chend dem eben aufgestellten G rundsätze — die Stabilisierung auch der außenw irtschaftlichen Beziehungen ist. Solche v ertraglich geregelten Beziehungen innerhalb der G roßraum w irtschaft bedeuten eine doppelte Sicherung: einm al die Sicherung der Bezüge, besonders au ch in w ehr w irtschaftlicher H in sich t; au f der anderen Seite die Sicherung des A bsatzes, sowohl mengen- wie preism äßig. D em nach können also sowohl die Bezüge von den P artn e rn der G roßraum w irt schaft wie der A bsatz a u f ihren M ärkten als feste P osten in die K alkulation der staatlich en W irt schaftslenkung eingestellt w erden. Diese Sicherung ist von besonderer B edeutung im H inblick a u f das E n t w i c k l u n g s m o m e n t . Die rasche Entw icklung der W eltw irtschaft in den Jah rzeh n ten vor dem W eltkriege w ar in erster Linie a u f die stetige räum liche Expansion zurück-
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z u f ü h r e n , d ie E in b e z ie h u n g im m er n eu er Gebiete in d e n z w is c h e n s ta a tlic h e n G ü te ra u sta u sc h . Diese e x p a n s iv e E n tw ic k lu n g is t h e u te zu E n d e .1) Ein w e ite r e r A u s b a u d e r W e ltw irts c h a ft is t heute a lso n u r n o c h dur^ch ein e In te n s iv ie ru n g a u f ge g e b e n e m R a u m e m ö g lich . E in e solche ab er lä ß t s ic h , w e n n es sich u m eine E rze u g u n g fü r den A u ß e n m a r k t h a n d e lt, n u r a u f ein er sicheren K al k u la tio n s b a s is re c h tfe rtig e n . E in b esonders ty p i s c h e s B e isp ie l b ie te t d a fü r d ie w irtsch aftlich e E n tw ic k lu n g d e r L ä n d e r S ü d o steu ro p as, die bis h e r in fo lg e ih r e r k o s te n m ä ß ig e n U n terleg en h eit g e g e n ü b e r d e n ü b e rse e isc h e n A grargebieten im m e r „ im S c h a tte n “ d e r a lte n lib erale n W elt w ir ts c h a f t s ta n d e n . (A us d ieser b eso n d eren w irt s c h a f ts s tr u k tu r e lle n S itu a tio n des europäischen S ü d o s te n s i s t a u c h d ie A a ß e n h a n d e lsth e o rie zu v e r s te h e n , d ie d e r b e k a n n te ru m än isch e N atio n al ö k o n o m M ih a il M anoilesco in seinem B uche „D ie n a t io n a le n P r o d u k tiv k r ä f te u n d d er A u ß en h a n d e l“ e n tw ic k e lt h a t u n d die tr o tz m an ch er i h r a n h a f te n d e n S ch w äch en ein en seh r b e a c h te n s w e r te n A n g riff g eg en d ie v o n d e r o rth o d o x en N a tio n a lö k o n o m ie m a n c h e r L ä n d e r n o ch im m er d o g m a tis c h g e g la u b te A u ß en h an d elsleh re der „ k la s s is c h e n S c h u le “ b e d e u te t.) U n te r d en V or a u s s e tz u n g e n d e r lib e ra le n W e ltw irtsc h a ft w äre *) *) V g l. d a zu d ie A u sfü h ru n gen v o n A ndreas Predöhl in s e in e m A u fsa tz „ D ie sogen an n ten H andelshem m nisse u n d d er N e u a u fb a u der W eltw irtsch a ft“ im „ W elt w ir ts c h a ftlic h e n A r c h iv “ , B d . 52, 1940, H e ft 2.
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den S taa ten des D onauraum es ein A usbau u n d eine Intensivierung ih rer A grarerzeugung kaum möglich gewesen, weil es sehr fraglich gewesen w äre, ob bei der völligen U nsicherheit der A b satzm öglichkeiten und der P reisgestaltung die dafür aufzuw endenden E ntw icklungskosten sich volksw irtschaftlich gelohnt h ä tte n . E rs t als die sen L ändern seit 1933 in D eutschland ein großer, sicherer und preisstetiger M arkt fü r ihre A grarüberschüsse erschlossen w urde, k o n n ten sie je n e U m stellung u n d jen en A usbau ih rer E rzeugung durchführen, den w ir h eu te im ganzen S üd osten sich vollziehen sehen. D abei s te h t w ohl außer F rage, daß der bisherige E n tw icklungsgrad n u r einen A nfang b ed eu tet u n d daß im R ah m en einer kontinentaleuropäischen G ro ß rau m w irt schaft die la ten te n P ro d u k tiv k rä fte dieses R a u mes eine noch viel stärk ere E n tfa ltu n g finden können. D am it ist der T atsachenbew eis d afü r er b rach t, daß gerade durch die neuen F o rm en der zw ischenstaatlichen w irtschaftlichen Zusam m en arb eit Entw icklungsm öglichkeiten erschlossen w erden können, die in der V ergangenheit im m er unausgenutzt bleiben* m ußten, insbesondere in den Ländern, deren w irtschaftlicher L ebensraum bisher durch ihre kostenm äßige U nterlegenheit gegenüber anderen, stärk eren P a rtn e rn der W elt w irtschaft sta rk v eren g t w ar. Es ist also nach dem bisher G esagten m it Sicher heit anzunehm en, daß in Z ukunft ein sehr erheb licher Teil der außenw irtschaftlichen A ustausch-
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b e z ie h u n g e n sich in n e rh a lb d er G ro ß rau m w irt s c h a fte n a b s p ie le n w ird , u n d zw ar v o r allem bei d e n je n ig e n T e ile n des A u ß e n h a n d e ls, bei denen d e r S ic h e rh e its fa k to r e n tsc h e id e n d in s Gewicht f ä ll t. W a s d e n u n s in e rs te r L inie interessieren d en k o n tin e n ta l-e u ro p ä is c h e n G ro ß ra u m an b elan g t, so b e d a r f d ie ser fre ilic h n o tw en d ig d e r E rgänzung d u r c h k o l o n i a l e n L e h e n sra u m . D er n a tu r g e g e b e n e g eo g ra p h isc h e E rg ä n z u n g sra u m für E u r o p a i s t A f r ik a ; d a s is t d esh alb besonders w ic h .ig , w eil a u f a frik a n isc h e m B o d en m it einer E r s c h ü tte r u n g d e r e u ro p äisc h en H e rrsc h a ft au f ir g e n d a b s e h b a r e Z e it n ic h t z u re c h n e n is t u n d w e il sic h h ie r die G eb iete d er su b tro p isch en und tr o p is c h e n K lim a te fin d en , die E u ro p a selbst fe h le n , d e re n E rz e u g n isse a b e r fü r die H altu n g u n d w e ite re H e b u n g des eu ro p äisch en Lebens s ta n d a r d s u n b e d in g t n o tw e n d ig sind. B isher sind d ie p r o d u k tiv e n K r ä f te A frik as n u r in völlig u n z u re ic h e n d e m M aße g e n u tz t u n d entw ickelt w o rd e n , u n d z w a r d e sh alb , w eil die gegenw ärtige V e rte ilu n g d ie se r g ew altig en L än d erm asse au s sc h lie ß lic h a u s h isto risc h -p o litisch en Z ufällig k e ite n r e s u ltie r t u n d in k e in e r W eise d en B ed ü rf n is s e n u n d d e r L e istu n g sfä h ig k e it d e r eu ro p ä is c h e n V ö lk e r e n ts p ric h t. M ehr als zw ei D ritte l d e s g e s a m te n a frik a n is c h e n B au m es entfielen b is h e r a u f E n g la n d u n d F ra n k re ic h , obw ohl E n g l a n d a u c h in d e n ü b rig e n T eilen seines E m p ire n o c h g e w a ltig e u n g e n u tz te P ro d u k tiv k rä fte b e s i t z t u n d o b w o h l F ra n k re ic h infolge seiner völ-
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kisch-biologischen Schwäche schon seinen eigenen R aum in E uropa n u r unzureichend zu nutzen verm ag. K ein Zweifel, daß die Erzeugung Afrikas in Z ukunft einen ganz anderen H ochstand er reichen kann, wenn erst die stärk sten dyna mischen K räfte u n d organisatorischen F ähig keiten Europas an die Lösung der hier sich bie tenden gewaltigen A ufgaben gesetzt werden.D am it ist in einer Entw icklung a u f längere Sicht zweifellos die M öglichkeit gegeben, im afrik a nischen E rgänzungsraum einen erheblichen Teil des zusätzlichen B edarfs zu decken, den E uropa selbst nicht zu befriedigen verm ag. Neben der Intensivierung des A ustausches in n er halb des G roßraum s u n d neben der kolonialen Ergänzung seiner E rzeugung w erden ab er auch in Z ukunft A ustauschbeziehungen ü b er die Gren zen der G roßräum e hinaus b estehen, zum al ja nicht unbedingt gesagt ist, d aß alle einzelnen L änder der E rde auch Glieder irg en d eines G roß raum es sein w erden. E s is t ja b ek an n t, in wel chem Umfange die überseeischen G ebiete vor u nd auch wieder nach dem W eltkriege R ohstoff und L ebensm ittellieferanten fü r D eutschland und nicht weniger, zum Teil sogar noch erheb lich m ehr, auch fü r andere europäische L änder geworden waren. Die folgende Tabelle zeigt, welchen A nteil die U berseegebiete u n d un ter ihnen wiederum A frika in den J a h re n 1913, 1929 u n d 1938 an der deutschen Ein- u n d Aus fu h r h a tte n : 12
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A nteil an der
Ein. iihr (v. H.)
Auffuhr (v. H.)
Jahr
1913
1929
1938
1913
1929
1938
A u ß er eu ro p a in s g e s a m t . . . .
45,3
47 ,4
45,7
24,0
26,3
32,2
D a v o n A fr ik a .
4 ,6
5,1
7,0
2,1
2,4
3,8
D ie .Z a h le n z e ig e n d e u tlic h , d a ß a u c h noch in den l e t z t e n J a h r e n eb en so w ie v o r d em W eltkriege u n v e r ä n d e r t f a s t die H ä lf te d e r B ezüge D eutsch la n d s a u s a u ß e re u ro p ä is c h e n G eb ieten k am , w äh r e n d n u r e tw a ein V ie rte l b is ein D ritte l d er d eu t s c h e n A u s f u h r in d ie se G eb iete ging. H ierb ei is t a b e r z u b e a c h te n , d a ß d ie E in - u n d A usfuhr D e u ts c h la n d s im J a h r e 1913 r d . 21 M rd. RM . b e t r u g (d ie E in f u h r f a s t 12 M rd., die A usfuhr r d . 10 M rd.)., so d a ß in a b s o lu te n Z ah len gesehen d ie E in f u h r v o n Ü b e rse e sich v o n 1913 b is 1938 u m d ie H ä lf te v e r m i n d e r t h a t. D as gleiche g ilt f ü r d ie A u s fu h r n a c h Ü b ersee. U n d d as is t n u r v e r s tä n d lic h , w e il. D e u ts c h la n d ja seit d er M a c h tü b e rn a h m e d u rc h d e n N atio n also zialism u s d a z u ü b e rg e g a n g e n is t, im In te re ss e d e r N ah r u n g s - , R o h s to ff- u n d A u ß e n h a n d e lsfre ih e it die E i n f u h r a u s Ü b e rse e z u rü c k z u d rä n g e n u n d zw ar d u r c h S te ig e ru n g d e r la n d w irtsc h a ftlic h e n E r z e u g u n g so w ie d u rc h d ie eigene H erste llu n g ü b e rs e e is c h e r R o h sto ffe , w ie K ra ftsto ff, T e x til f a s e r , K a u ts c h u k U3W. I n d e r R a n g o rd n u n g d e r
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Lieferanten haben sich sehr erhebliche V erände rungen vollzogen; so ist z. B. zw ischen 1913 und 1938 der A nteil der V ereinigten S ta a te n an der v e r m i n d e r t e n deutschen E in fu h r v o n 16 a u f 7,6 v. H ., an der deutschen A usfuhr von 7 a u f 3 v .H . zurückgegangen. E benso ist auch der Lieferanteil der britischen Ü berseebesitzungen — allerdings in viel geringerem A usm aß — abgesunken, w ährend der V ordere O rient, Ja p a n , . M ittel- u nd Südam erika u n d die niederländischen Uberseebesitzungen ih ren L ieferanteil a n d er deutschen E in fu h r erheblich zu vergrößern v e r m ochten. Infolgedessen is t bis 1938, tro tz des b e kan n ten Bestrebens nach einer In ten siv ieru n g des W irtschaftsaustausches m it den L än d e rn des D onauraum es, rein m engenm äßig gesehen eine nennensw erte Europäisierung d er Bezüge D eutschlands — abgesehen von der oben schon erw ähnten Steigerung der Eigenerzeugung, die ja auch eine „E uropäisierung“ frü h erer Bezüge darstellt — noch nicht v o r sich gegangen. A ller dings m uß bei der Bew ertung dieser A nteils ziffern berücksichtigt w erden, daß R uß lan d , a u f das 1913 nicht weniger als 13,7 v . H . der d eu t schen E infuhr entfielen, im J a h re 1938 n u r m it 0,9 v .H . und auch un ter E inschluß Polens u n d der R andstaaten n u r m it 6,1 v .H . b eteiligt w ar. In wie starkem Maße bisher außereuropäische Gebiete am A ußenhandel auch anderer europä ischer Länder beteiligt waren, ergibt sich aus der folgenden Z ahlenübersicht: ii*
179
v
Außenhandel im Jahre 1937 in Mill R jj E i n f u l ir Land
aus E u ro p a
A u s f uhr
aus davon A u ß e r aus e u ro p a A frik a
nach E u ro p a
nach A u ß e r nach e u ro p a A frik a
F r a n k r e ic h .............
1717
2550
949
1308
G r o ß b r it a n n ie n ..
4249 1310
8424
977
2292
1106 4131
981
1294
831
235 72
1500 1153
635 421
991
820
160
681
685
B e l g i e n - L u x b c .. . N ie d e r la n d e . . . . I t a l i e n .....................
"
603 990 130 55 404
D ie s e Z a h le n g e b e n e in s e h r d eu tlich e s B ild da v o n , d a ß f ü r e in e n e rh e b lic h e n T eil des kontinen ta le u r o p ä is c h e n W irts c h a fts ra u m e s b ish er so w o h l n a c h d e r B ezu g s- w ie n a c h d er A bsatzseite e in e ü b e r g r o ß e A b h ä n g ig k e it v o n außereuro p ä is c h e n G e b ie te n b e s ta n d . A us d en am Anfang d ie se s A u fs a tz e s a u fg e s te llte n G rundforderungen e r g ib t s ic h d ie zw in g e n d e N o tw en d ig k eit, fü r die Z u k u n f t d ie se A b h ä n g ig k e it zu v errin g e rn . Sie ist i n d e m f r ü h e r e n U m fa n g a u s fo lg en d en H a u p t g r ü n d e n n ic h t m e h r tr a g b a r : 1 1. E i n d e r a r tig h o h e r A n te il ü b erseeisch er E rzeu g u n g s g e b ie te a n d e r D eck u n g lebensw ichtigen B e d a rfe s g e f ä h r d e t d ie S ich e rh e it d e r V ersor g u n g . D a s g ilt n ic h t n u r f ü r d en K rieg sfall u n d die M ö g lic h k e it d e r A b sch n eid u n g d er V erb in d u n g sw e g e d u rc h eine U b erseeb lo ck ad e; in einer Z e it s tä r k s te r P o litis ie ru n g d er W eltw irtsch aft is t d u rc h a u s d ie M öglichkeit gegeben, d aß aus p o litis c h e n G rü n d e n a u c h b ei A u frech terh altu n g
180
eines scheinbaren Friedenszustandes quellen abgeschnitten werden.
Bezugs
2. E in so hoher A nteil der nicht zum G roßw irt schaftsraum gehörigen G ebiete gefährdet die S tab ilität des W irtschaftsablaufs. In nerhalb der kontinentaleuropäischen G roßraum w irtschaft w ird von D eutschland als ihrem Z en tru m die Tendenz der W irtschaftsstabilisierung auch a u f die übrigen P artn er dieser w irtschaftlichen Block bildung ausstrahlen. Dagegen ist keinerlei Ge w ähr dafür geboten, daß auch ü b erall sonst a u f der E rde eine solche S tabilisierungspolitik b e trieben w ird, ja daß sie ü b erh au p t n u r mögh'ch w äre; für eine A nzahl von L än d ern is t dies sogar m it Sicherheit zu verneinen. Sind ab er solche Gebiete m it schw ankender W irtschaftslage am europäischen A ußenhandel in dem bisherigen großen Umfange beteiligt, so m uß im m er d am it gerechnet werden, daß in Zeiten k o n ju nkturellen Tiefstandes der europäische A bsatz a u f diesen M ärkten zurückgeht, som it also fü r E u ro p a die Vollbeschäftigung in der. E x p o rtw irtsch aft ge fährdet wird. A ndererseits b esteh t au ch die Mög lichkeit, daß in einer solchen Lage die au ß er europäischen Lieferländer versuchen w erden, einen Ausgleich fü r ih ren rückläufigen B innen absatz durch Forcierung ihres E x p o rts nach den konjunkturstabilisierten europäischen M ärkten zu schaffen. Im heutigen System der A ußen handelslenkung k an n sich ein solches B estreben
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freilich nur beschränkt auswirken; immerhin liegt darin ein Störungsfaktor, der nicht völlig unberücksichtigt bleiben darf. 3. S c h lie ß lic h is t d ie N o tw e n d ig k e it zu r E in s c h r ä n k u n g d e r B e z ü g e a u s A u ß ereu ro p a auch im H in b lic k a u f d ie A u fre c h te rh a ltu n g des Z ah lu n g s b ila n z -G le ic h g e w ic h ts gegeben. D ie obigen Z a h le n la s s e n d e u tlic h e rk e n n e n , d a ß die k o n ti n e n ta le u r o p ä is c h e n L ä n d e r reg elm äß ig einen s ta r k e n P a s s iv s a ld o ih re s A u ß en h an d els m it A u ß e re u ro p a im g a n z e n z u v e rze ich n en h a tte n . I n d e r „ W e ltw ir ts c h a f t a lte r O rd n u n g “ w urde d e r A u sg le ic h re g e lm ä ß ig d u rc h d ie E rträ g n isse d e s in Ü b e rs e e a n g e le g te n eu ro p äisc h en K ap itals g e s c h a ffe n ; a m d e u tlic h s te n is t d as b e i E n g lan d , d a s im J a h r e 1937 im A u ß e n h a n d e l m it A u ß er e u r o p a e in e n P a s siv s a ld o v o n f a s t 4 y2 M rd. RM a u fw ie s . D ie s e r W eg w ird in Z u k u n ft in v ie l ge r in g e r e m M aß e als f r ü h e r g a n g b a r sein. W ir k ö n n e n d a b e i v o n E n g la n d g an z ab seh en , dessen Ü b e rs e e k a p ita l h e u te d u rc h die K rieg sfin an zie-' r u n g in r a s e n d e m T em p o d a h in s c h w in d e t; d en n E n g la n d h a t sich j a se lb s t als T eil d e r e u ro p ä is c h e n W irts c h a f t b e w u ß t a u sg e sc h a lte t. A ber a u c h s o n s t se h e n w ir g an z allg em ein , d a ß infolge d e r w irts c h a ftlic h e n E rs ta rk u n g A u ß ereu ro p as u n d d e r fo rts c h re ite n d e n n a tio n a lw irtsc h a ft lic h e n T e n d e n z e n ein m e ist stiller, a b e r z ä h e r u n d w irk u n g s v o lle r K a m p f gegen d as A u slan d sk ap ital u n d ein a llm ä h lic h e r A b b au d e r in der P erio d e
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der liberalen W eltm ark tw irtsch aft en tstan d en en finanzkapitalistischen A bhängigkeiten v o r sich geht, eine der in teressan testen u n d w ichtigsten w eltw irtschaftlichen E ntw icklungstendenzen der G egenwart. D am it w ird also die M öglichkeit, einen Passivsaldo des W aren au stau sch s in der bisherigen F orm zu deckeD, im m er geringer. Es kom m t hinzu, daß bei d en m eisten eu ro päischen L ändern die Gold- u n d D evisenreser ven außerordentlich s ta rk zusam m engeschm ol zen sind, so daß au ch ein A usgleich k u rzfristig er Schw ankungen des A ußenhandels d u rch d eren E insatz n u r noch in geringem U m fange m öglich sein wird. W enn so also die u n ab w eisb are N otw en d ig k eit besteht, den A ußenhandel m it au ß ereu ro p äisch en Gebieten au f ein tragbares M aß zu rü ck zu sch rau ben, so m uß dieser A bbau der üb er die K o n tin e n t grenzen hinausgehenden B eziehungen ausgegli chen werden durch einen A usbau des W irtsch af tsaustauschs innerhalb des K o n tin en ts, d er seiner seits wieder, wie oben bereits au sg efü h rt, eine Entw icklung der bisher brachliegenden la te n te n Produktionsm öglichkeiten in vielen Teilen des kontinentaleuropäischen G roßraum es v o rau s setzt. E in solcher A usbau b ed eu tet fü r die L ä n der, in denen er v o r sich geht, einerseits v e r größerte Lieferm öglichkeiten; er b rin g t ihnen andererseits — denken w ir n u r a n d en D onau raum m it seinem bisher infolge geringer P roduk-
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tivität der Wirtschaft äußerst niedrigen Lebens standard — eine -wachsende Kaufkraft, schafft also auch vergrößerte Absatzmöglichkeiten für die industriellen Fertigwaren der Kcrngcbictc des Kontinents. Nur durch diese doppelseitige Entwicklung köxmen ja die Voraussetzungen für einen Zahlungsbilanz-Ausgleich geschaffen wer den. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so ist durchaus mit der Möglichkeit zu rechnen, daß innerhalb des europäischen Wirtschaftsblocks zwar nicht eine Währungsunion geschaffen wird, aber doch immerhin die heutige Devisen zwangswirtschaft großenteils abgebaut werden kann. E i n c h a r a k te r is tis c h e s B eisp iel f ü r eine d erartig e U m s te llu n g b ie te t u n s s e it d e m M ai 1940 die d ä n is c h e L a n d w ir ts c h a f t. D ie ü b erseeisc h en F u tte r m itte lb e z ü g e , a u f d e n e n sie b ish e r ih re h o ch w e rtig e V e re d lu n g s w irts c h a ft a u fb a u te , sin d v o r lä u fig a b g e s c h n itte n ; sie k ö n n e n a b e r h e u te s c h o n z u m T e il d u r c h B ezü g e a u s d em D onaur a u m e r s e tz t w e rd e n , u n d d as w ird in Z u k u n ft in n o c h -viel s tä r k e r e m M aße d e r F a ll sein, -wenn h ier e r s t d ie h e u te n o c h s e h r b esch eid en en H e k ta r e r tr ä g e a u f einen d u rc h a u s im B ereich e des M ög lic h e n lie g e n d e n S ta n d e n tw ic k e lt w o rd en sind. A b e r a u c h b e i o p tim a le r E n tf a ltu n g d er in n ere u ro p ä is c h e n u n d d e r erg än z en d en afrik a n isch en E rz e u g u n g sm ö g lic h k e ite n w ird tro tz d e m eine zu s ä tz lic h e E in f u h r a u c h a u s a n d e re n E rd rä u m e n d u rc h a u s e rs tre b e n s w e rt b le ib e n ; j a w aru m sollte 184
m an nicht m it der M öglichkeit rechnen können daß infolge des nach K riegsende zu erw arten den großen W irtschaftsaufschw ungs in E uropa dieser B ed arf ab so lu t (wenn auch niclic h in sichtlich seines A nteils a n der G esam tversorgung Europas) ebenso groß wie in der V ergangenheit sein w ird? Allerdings ist aus den oben beh an d elten G ründen m it einer w arenm äßigen U m schichtung des A ußenhandels in der W eise zu rech n en , d aß die Bezüge aus außereuropäischen G ebieten vorw ie gend n u r zusätzlichen, nicht lebensw ichtigen B e d a rf decken w erden. A uch bei lebensw ichtigen Erzeugnissen lä ß t sich eine E in fu h r insow eit rechtfertigen, als sie über dao M indestm aß h in a u s geht, das fü r alle Fälle gesichert w erd en m u ß u nd dessen D eckung allerdings, sow eit irg en d möglich, durch* die E rzeugung in n erh alb des G roßraum es erfolgen m uß. D enken w ir etw a a n die K raftstoffe; bei fo rtsch reiten d er M otorisie rung w ird der K raftsto ffb ed arf E u ro p as d u rch die Erdölerzeugung des europäischen K o n ti nents keinesfalls gedeckt w erden k ö n nen. G ru n d sätzlich w äre n atü rlich die M öglichkeit gegeben, bei den ungem ein reichen K o h len v o rräten des großdeutschen R aum es den gesam ten z u sä tz lichen B edarf a u f dem W ege der H y d rieru n g zu decken. Das w ürde ah er bed eu ten , d aß ein sehr erheblicher Teil der n atio n alen P ro d u k tiv k rä fte hierfür eingesetzt w erden m uß. E s is t k ein v e r nünftiger G rund d afü r einzusehen, w aru m n ic h t
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d e r ü b e r d ie w c h rw irts c h a ftlic h no tw en d ig e Ver s o rg u n g h in a u s g e h e n d e B e d a rf, d e r im E rnstfälle s o fo rt a b g e s to p p t w e rd e n k a n n , m in d esten s zu e in e m T e ile d u r c h Ö lb ezü g e a u s a u ß ere u ro p ä is c h e n G e b ie te n g e d e c k t w e rd e n soll. I n b e z u g a u f d ie se n z u k ü n ftig e n G ü terau stau sch d e s e u ro p ä is c h e n K o n tin e n ts m it A ußereuropa e n t s t e h t n u n ein e A n z a h l v o n F ra g e n , a u f die b e u t e e in e e n d g ü ltig e A n tw o rt n o c h n ic h t gege b e n w e r d e n k a n n , d ie a b e r n a c h K rieg sen d e u n b e d i n g t g e lö s t w e rd e n m ü ssen . E r s te n s e in m a l w ies ic h b e r e its o b e n d a r a u f hin, d a ß , j e g r ö ß e r d e r a b s o lu te A n te il A u ß ereu ro p as a n d e n B e z ü g e n u n d L ie fe ru n g e n des k o n tin e n ta l e u ro p ä is c h e n G ro ß ra u m e s is t, d e sto g rö ß er au ch d e r m ö g lic h e S tö ru n g s fa k to r f ü r die A u frech t e r h a l tu n g d e r W ir ts c h a f ts s ta b ililä t sein w ird , der i n d e n u n k o n tr o llie r te n B ew eg u n g sersch ein u n g en n ic h t g e le n k te r V o lk s w irts c h a fte n lie g t. D ie kontin e n ta le u r o p ä is c h e n L ä n d e r w e rd e n d esh alb b e s t r e b t s e in m ü sse n , a u c h ih re n G ü te ra u sta u sc h m i t A u ß e re u ro p a m ö g lic h st a u f fe s te n la n g f r is tig e n A b n a h m e - u n d L ie fe rv e rträ g e n a u fz u b a u e n . O b sich dies v e rw irk lic h e n lä ß t, h ä n g t e in m a l v o n d e m W ille n d e r P a r tn e r a b , d e ra rtig e B in d u n g e n a u f sic h zu n e h m e n , w as — v o n p o li tis c h e n F a k to r e n ab g e se h e n — v o ra u s s e tz t, d a ß a u c h b e i ih n e n d e r W irtsc h a ftslib e ra lism u s e rh e b lic h e K o r r e k tu r e n e r f ä h r t u n d die b ish erig e W irt s c h a fts v e rfa s s u n g in d e r R ic h tu n g s ta a tlic h e r L e n k u n g u n d P la n u n g u m g e b a u t w ird.
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Eine zw eite w ichtige F ra g e is t die R eg elu n g d e r zw ischenstaatlichen Z ah lu n g en , in sb eso n d ere, ob die P a rtn e r b e re it sin d , sich a u f Z ah lu n g e n im Wege des V errech n u n g sv erk eh rs ein zu lassen . So w eit diese B ereitw illig k eit n ic h t v o rh a n d e n is t — w om it sicher w enigstens b ei ein em T eile dieser L änder zu rech n e n is t — , m u ß die F ra g e e n t schieden w erden, in w elchem U m fan g e d as G old noch als M ittel zu m A usgleich v o n Z a h lu n g s bilanzsalden herangezogen w erd en soll u n d k a n n . D ritten s w ird zu k lä re n sein, in w elch em U m fange die w irtsch aftlich en B eziehungen A u ß e r europas zu D eu tsch la n d u n d d em v o n D e u ts c h la n d gefü h rten R au m e d u rch p o litisch e F a k to r e n beeinflußt w erden. W en n w ir a n d ie E n tw ic k lung des deutsch en A u ß en h an d els m it d e n V e r einigten S ta a te n seit 1933 u n d seine B eein flu s sung d u rch den v orw iegend jü d isc h e n a n t i deutschen B o y k o tt d en k en , so seh en w ir seh r deutlich, wie groß die B e d eu tu n g d ieser p o li tischen F ak to ren sein k a n n . In sb eso n d ere f ü r die E ntw icklung u n serer w irtsc h a ftlic h e n B ezie hungen zu den ib ero am erik an isch en L ä n d e rn w ird das A usm aß des p o litisch en u n d w irts c h a ft lic h e n ' Einflusses d er U SA . u n d die T e n d e n z seiner A usw irkung eine große R olle spielen. Die E ntw icklung des d eu tsch e n A u ß en h a n d e ls m it diesen L än d e rn in d en J a h r e n v o r K rie g s ausbruch zeigte, d aß a n sich a u f G ru n d d e r b e i derseitigen stru k tu re lle n G eg eb en h eiten d u rc h aus die M öglichkeit zu einem f r u c h tb a re n A us-
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t a u s c h v o r h a n d e n i s t ; le id e r w u rd e v o n Iberoa m e r ik a h ie r v o n n ic h t g e n ü g e n d G ebrauch ge. m a c h t. D ie s e L ä n d e r n a h m e n u m 230 Mill. R], z u w e n ig v o n D e u ts c h la n d a b , w ä h re n d sie ans U S A . u n d K a n a d a f ü r 200 M ill. R M m ehr be z o g e n , a ls sie d o r th in a u s f ü h r te n , so d a ß D eutsch l a n d d e n I m p o r t d e r ib e ro a m e rik a n is c h e n Länder a u s ' N o r d a m e r ik a e rm ö g lic h te . G erad e deshalb m ü s s e n d ie ib e ro a m e rik a n is c h e n L ä n d e r sich sehr g e n a u ü b e rle g e n , o b d ie v o n N o rd a m e rik a aus g e h e n d e n P lä n e ein es p a n a m e rik a n is c h e n Groß w ir ts c h a f ts r a u m e s — d ie j a ein e s ta r k politische N o te t r a g e n — f ü r sie w irk lic h v o rte ilh a ft sind, d . h . a ls o v o r a lle m : o b d e r M a rk t d er U SA . ge n ü g e n d a u f n a h m e f ä h ig f ü r ih r e g ro ß e n Agraru n d R o h s to ffü b e rs c h ü s s e is t u n d ih n e n einen aus r e ic h e n d e n A u sg le ic h f ü r d e n A u ß e n h a n d e l m it d e m e u ro p ä is c h e n K o n tin e n t z u schaffen v erm ag. R e ic h s w irts c h a f ts m in is te r F u n k h a t d a z u k ü rz lic h fo lg e n d e s g e s a g t: „ D ie V ere in ig te n S ta a te n m ü s s e n d e n G e d a n k e n a u fg e b e n , d a ß sie D e u tsc h l a n d b z w . E u r o p a ih r e w irts c h a ftlic h e n B edin g u n g e n a u f o k tr o y ie r e n k ö n n e n . U m m it d en sü d a m e rik a n is c h e n S ta a te n H a n d e l tre ib e n zu k ö n n e n , b r a u c h e n w ir n ic h t d ie n o rd a m e rik a n isc h e V e rm ittlu n g . E n tw e d e r fin d e t d e r d e u tsc h -sü d a m e rik a n is c h e W irts c h a fts v e rk e h r a u f d er B asis fre ie r V e re in b a ru n g e n m it s o u v e rä n e n sü d am eri k a n is c h e n S ta a te n s t a t t , o d e r e r fin d e t ü b e rh a u p t n ic h t s t a t t . “ D ie P lä n e eines p a n a m e rik a n isc h e n R o h s to ffk a rte lls , d a s in W irk lic h k e it n a tü rlic h
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einseitig v o n d e n U S A . g e f ü h r t u n d a u f d e re n Interessen a u s g e ric h te t w ä re , h a b e n d e s h a lb a u c h in den ib ero am erik an x sch en L ä n d e r n s e lb s t ein e sehr k ü h le A u fn a h m e g e fu n d e n . E ine v ie rte w esen tlich e F r a g e is t, in w e lc h e m U m fange u n d in w elch e n F o r m e n d e r k o n tin e n taleu ro p äisch e G ro ß w irts c h a fts ra u m b e i d e m in te rk o n tin e n ta le n W irts c h a fts a u s ta u s c h h a n delspolitisch als E in h e it a u f tr e te n w ir d (w ie j a auch die F o rm e n , in d e n e n sich d ie in n e re Z u sam m enarbeit d e r P a r tn e r eines G ro ß ra u m e s v o ll ziehen w ird , e rs t im W e rd e n b e g riffe n s in d u n d noch keinesw egs als re stlo s g e k lä rt a n g e s e h e n w e r den können). D a ß ein solches e in h e itlic h e s A u f tre te n n o tw e n d ig is t, s te h t a u ß e r F ra g e , w e n n a u c h die F o rm en im ein zeln en e la stis c h sein k ö n n e n . A uch b ei den ü b e r d ie G ren zen e in e r k o n tin e n ta le n G ro ß rau m w irtsch aft h in a u s g e h e n d e n W i r t schaftsbeziehungen w ird o h n e Z w eifel d ie f r ü h e r e F orm eines sich a u ssch ließ lic h n a c h p r iv a t w i r t schaftlichen R e n ta b ilitä ts g e s ic h ts p u n k te n a u s rich ten d en W irts c h a fts a u s ta u s c h e s n ic h t w ie d e r k eh ren ; au ch b ei ih n e n w ird d e r le n k e n d e u n d planende E influ ß des S ta a te s w e s e n tlic h s tä r k e r sein als in d er Z eit lib e ra le r W e ltm a r k tw ir ts c h a f t, w enn er auch sicherlich h in te r d em A u sm a ß d e r Lenkung in n e rh a lb d er G ro ß r a u m w ir ts c h a f te n zu rü ck steh en w ird . I n je g rö ß e re m U m fa n g e d ie ser K rieg dazu fü h re n w ird , d a ß d u r c h d ie p o li tisch e N eu o rd n u n g d e r E r d e d ie K o n flik ts to ffe endgültig b e s e itig t w e rd e n , d ie sic h i n d e r V er-
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gangenheit auch wirtschaftlich immer.wieder als Störungsfaktoren ersten Ranges erwiesen haben, desto mehr wird damit zu rechnen sein, daß auch der interkontinentale Güteraustausch erheblichen Umfang erreicht und damit der Lebensstandard aller beteiligten Völker gefördert wird.
Ifü
PLA N V O LLE I N D U S T R I A L I S I E R U N G IN D E R G R O S S R A U M W I R T S C H A F T Von Dr. B r u n o K i e s e w e t t e r Abteilungsleiter im Deutschen Auslandswissenschaftlichen Institut Berlin
G ro ß ra u m w irtsc h a ft is t die O rg a n is ie ru n g a lle r p ro d u k tiv en K rä fte in ein em G ro ß ra u m m it d e m Ziele einer S teig eru n g d e r G e s a m tle is tu n g f ü r d ie von dem G ro ß rau m u m sch lo ssen e G e m e in sc h a ft. D er G ro ß rau m is t a b e r k e in e „ E i n h e i t “ im strengen u n d a b so lu te n S in n e, e r u m f a ß t i n s ic h andere, n atio n ale W irts c h a fts ,,rä u m e “ , d ie in einem b estim m ten S inne v ie l e h e r d a s M e rk m a l der „E in h e itlic h k e it“ tra g e n a ls d e r G r o ß r a u m seihst. D er U n tersch ie d b e s te h t w e s e n tlic h in folgendem : Die nationalen W irts c h a fts rä u m e s in d im e ig e n t lichen Sinne des W o rtes m e ist k e in e „ R ä u m e “ , d. h. a u f ausreich en d er m a te rie lle r G ru n d la g e beruhende u n d den E rfo rd e rn isse n e in e r G e m e in schaftsw irtschaft im ziem lich u m fa s s e n d e n M aß e genügende, abgeschlossene, v o n d e r N a tu r g e gebene E in h eiten . Sie sind h is to ris c h g e w o rd e n e , deshalb in ih re r A b g ren zu n g d e r n a tü r lic h e n G e gebenheiten p o litisch g efo rm te G eb ild e, d ie a lle r dings den einen g ro ß en V orzu g h a b e n , d a ß sie d ie U nzulänglichkeiten d er „ n a tü r lic h e n “ A u s s ta t tu n g du rch ein z e n tra le s a u to ritä r e s L e n k u n g s 191
o r g a n b is z u e in e m g ew issen G rad e ausgleichen u n d — a u c h n u r b is z u ein em gew issen G ra d e __ z u r „ E i n h e i t “ s ie b e n tw ic k e ln k ö n n en . Die be w u ß te z e n tr a le p o litis c h e L e itu n g , in der vor a lle m d e r s tr e n g e B e g riff d e r „ E in h e itlic h k e it“ zu s e h e n i s t , f e h lt d e r G ro ß ra u m w irts c h a ft; ih r Vor t e i l lie g t w e n ig e r a u f d e r s ta a tlic h -a u to ritä re n a ls d e r n a tü r lic h - m a te r ie lle n S e ite : die em pirisch g e g e b e n e n V o ra u s s e tz u n g e n fü r eine ertra g r e ic h e r e u n d d a m it d e r G em ein sc h aft dienende W i r t s c h a f t s in d b e i ih r in w eitg eh en d erem Maße v o r h a n d e n a ls in d e n gesch lo ssen en n atio n alen W i r ts c h a f te n , so d a ß sich n a c h ein er O rdnung d e r g ro ß ra u m w ir ts c h a f tlic h e n B ezieh u n g en der m a te r ie lle A u sg le ic h zw isch en diesen b esser voll z ie h e n k a n n . D ie in ein em G ro ß ra u m v o rh a n d e n e n N a tio n a lw ir ts c h a fte n w e rd e n zusam m en, a ls S u m m e , n ie m a ls ein e „ E in h e it“ b ild e n ; sie k ö n n e n a ls G lie d e r dieses R a u m e s d esh alb n u r d a s S tr e b e n n a c h „ V e re in h e itlic h u n g “ aller a u f d e m G e b ie te d e r W irts c h a ft v o rh a n d e n e n B e s tr e b u n g e n zeig en . S t a t t d es P rin z ip s d e r a u to r i t ä r e n Z e n tr a ls te lle w ird d as d eze n tralisieren d e P r in z ip e in e r v e rn ü n ftig e n A rb e itste ilu n g P la tz g re ife n , s t a t t „ H e r r s c h a f t“ eine n e u e „ O rd n u n g “ , s t a t t le b e n s b e d ro h e n d e r „ A b h ä n g ig k e ite n “ eine a lle G lie d e r f ö rd e rn d e „ Z u s a m m e n a rb e it“ . D a d e r G ro ß ra u m sich o rg an isch n u r en tw ick eln k an n » w e n n d ie in ih m eingeschlossenen, m e h r o d e r m in d e r n a tio n a l b e d in g te n T e ilrä u m e die in ih n e n r u h e n d e n K r ä f te e n tfa lte n , w ird m a n
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also die auf natürlichen Voraussetzungen sich gründende organische Entwicklung der nationalräum lichen W irtschaften nicht behindern dürfen, weil sonst dam it ein Verstoß gegen das beherr schende Gesetz allen Lebens, näm lich des orga nischen W achstums, verbunden sein würde. In einer au f einer Gemeinschaftsordnung aufge bauten G roßraum w irtschaft ist die D urch setzung von Entwicklungstendenzen a u f Grund sogenannter „allgem eingültiger“ ideologischer Zielsetzungen fehl am P latz, da sie einen Frem d körper in den Organismus tragen, der nicht rau m bedingt ist. Alles „w eltw irtschaftliche“ doktri näre Denken scheidet also als im eigentlichsten Sinne raumloses Denken aus. Die In d u striali sierung innerhalb eines Großwirtschaftsraumes kann deshalb auch nicht als lediglich im Zuge einer w eltwirtschaftlichen Entwicklungsphase liegend und somit ausreichend begründet ange sehen werden, sondern ergibt sich n u r aus einer im Gegensatz zu der „natürlichen“ Grundlage der betreffenden W irtschaft stehenden Dis krepanz von E a u m u n d B evölkerungskapazität. Das Merkmal des Organischen w ird m an ih r aber auch nur zusprechen können, w enn sie im Einklang steht m it den G egebenheiten von R aum und V olk: die E xistenzgrundlagen fü r die aufzubauenden Industriezweige m üssen ge sichert sein, d .h .e s m uß eine gesicherte Rohstoff basis u nd ein genügend aufnahm efähiger eigener M arkt vorhanden sein. IS
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D ie In d u stria lisie ru n g v o n N atio n alw irtsch aften ü b e rh a u p t w ie au c h die V erlagerung des in d u strie llen S ch w erg ew ich tes' einer V olksw irtschaft in n e rh a lb eines gegebenen G roßraum es ist des h a lb n ic h t n u r eine A ngelegenheit der autonom en W irts c h a fts p o litik des b etreffen d en S taates. Sie m u ß , w en n n ic h t S p an n u n g en in n e rh a lb des G ro ß rau m es e n tste h e n sollen, R ü ck sich ten au f sch o n v o rh a n d e n e E n tw ick lu n g en in an d eren L ä n d e rn n e h m e n u n d ih re A u fb au rich tu n g in das allg em ein e S y stem einglicdern. P lan m äß ig e In d u s tria lis ie ru n g is t also n ic h t ein v o n au ß en her, e tw a v o n d en fü h re n d e n W irtsch aftsg ro ß m äc h ten des R a u m e s, a u fe rle g te r Zw ang, so n d ern ergibt sich als eine se lb stv e rstä n d lic h e A ufgabe im R a h m e n eines O rg an ism u s. Sie g ilt fü r die K lein en wie fü r die G roßen, — fü r die in d e r In d u s tria lis ie ru n g begriffenen S taa ten w ie a u c h fü r die n ic h tin d u stria lisie rte n L änder. P la n m ä ß ig k e it h e iß t a u c h n ic h t etw a bew ußte, ein seitig in te re sse n b e to n te , v o n einer bestim m t e n S eite au sg eh en d e L en k u n g , so n d ern gegen seitig b e d in g te E in o rd n u n g aller. D aß hierbei die allgem eine A u sric h tu n g des G roßraum es u n d sein er G lieder a u f die in ih n e n v o rh an d en e n G ro ß w irtsc h a ftsm ä c h te erfolgt u n d erfolgen m uß, ersc h e in t im w a h rs te n Sinne des W o rtes n a tü r lic h , d e n n a u c h in d er N a tu r r a n k t sich u m das S ta rk e d as S chw ächere. D ie F o rd e ru n g n a c h P la n m ä ß ig k e it zw ecks V er m e id u n g gegen seitig er E n tw ick lu n g sh em m u n g en
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ergibt sich aus einer Reihe von Tatsachen, die m it jeder Industrialisierung verbunden sind und die ich hier nur stichw ortartig aufführen möchte, ohne dam it den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben: 1. Jede Industrialisierung, die eine gewisse durch die oben begründeten natürlichen Vorausset zungen bestim m te Grenze überschreitet, u n te r liegt einem im m anenten, die weitere Entw ick lung selbständig bestimmenden Bewegungsgesetz. Es ist das Gesetz der M assenproduktion, das erst die W irtschaftlichkeit garantiert. In Aus wirkung dieses Gesetzes, das ein technisches ist, würde zwangsläufig ein K am pf um die M ärkte entstehen und somit ein Gegeneinander- s ta tt ein M iteinanderarbeiten. Es kann also nach meiner Auffassung nicht die später, m ehr oder m inder kompromißreiche, deshalb unbeständige- „V er ständigung“ über die M ärkte und deren Ordnung das Ziel sein, sondern nur eine vorhergehende Verständigung über die aufzubauenden Lei stungskapazitäten, d. h. Ordnung innerhalb der Produktionsspbäre. F ü r diese Verständigung werden in Verwirklichung des W irtschaftlichkeitsgrundsatzes gerade die alten Industrieländer Europas vielleicht die größeren Opfer bringen müssen. Der unselige, seit Beginn des 20. J a h r hunderts ständig steigende E x p o rtd iu ck , der durch die Investition überschüssiger Picduktionsmöglichkeiten entstanden war, m uß von den 13*
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W irts c h a fte n g en o m m en w erden. D ie A bstim m u n g d e r K a p a z itä te n d a r f a b e r n ic h t n u r bei ein em is o lie rte n P ro d u k tio n sg e b ie t h altm ach en , s o n d e rn m u ß sich a u c h a u f die infolge d er te c h n isc h e n V e rb u n d e n h e it sich ergebende G esam t h e it d e r P ro d u k tio n erstrec k en , z. B. au ch a n fa lle n d e N ebenerzeugnisse berücksichtigen, die w ied er d ie G ru n d lag e n eu er In d u s trie n abgeben, w ie z. B . in d e r K ohle- u n d chem ischen I n - . d u s trie . 2. In fo lg e des sich au sw irk en d en Gesetzes der M a sse n p ro d u k tio n w ird eine ein m al vorgenom m e n e In d u s tria lis ie ru n g niem als ausschließlich a u f d en B in n e n m a rk t b e s c h rä n k t b leiben, son d e rn a u c h a u f d e n A u ß e n m a rk t d rän g en . D as h a t g ro ß e G efah ren f ü r d as sich in d u strialisieren d e L a n d , d ie v e rm ie d e n w erden k ö n n en . D as w aren m ä ß ig e U m sa tz v o lu m e n im A u ß en h an d el is t in d e n le tz te n 30 J a h r e n k lein er gew orden. Infolge des A u fb a u s v o n V e rb rau ch sg ü terin d u strien u n d h o c h m e c h a n isie rte n u n d ra tio n a lisie rte n D u rch s c h n itt sindu s trie n is t d er A u ß en h an d el im m er m e h r u n d m e h r a u f Q u alitäts- u n d S pezialerzeug nisse b e s c h rä n k t w orden. D ie fo rtsch reiten d e S p ezialisierun g v e rla n g t notw en d ig eine A rb eits te ilu n g , d e n n es ersch ein t' ausgeschlossen u n d w ä re zu d em ein W id ersin n u n d eine V erschw en d u n g p ro d u k tiv e r K rä fte , w enn au c h kleinere V o lk sw irtsc h a fte n m it einem vergleichsw eise k le in e n M a rk t, d e r n iem als T rä g e r um fan g reich er
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Investitionen sein kann, sich eine au f a l l e n Gebieten autarke Industrie aofbauen -wollten. Da heute der Grundsatz allgemein anerkannt ist, daß Ausfuhr auch Einfuhr bedingt, würde gerade die A utarkietendenz — auch die gesunde —, die der entscheidende Antrieb für die Aufnahme der Industrialisierung war, Schiffbruch erleiden. Ganz abgesehen davon, daß im E xport von Q ualitäts gütern die neuindustrialisierten Länder au f die überlegene Konkurrenz der alten stoßen würden, würde aber auch die notwendige Erw eiterung der Einfuhr rein warenmäßig die bereits vorhandene Industriestruktur u n d ihre K ap azitäten sowie die Beschäftigungslage beeinflussen. 3. Jede üher einen bestim m ten echten Bedürfnis stand hinaus getriebene Industrialisierung v er stärk t die Anforderungen an den M arkt der R oh stoffe, die hei der heutigen Lage der Dinge nur aus Übersee bezogen werden können u n d d a durch die Abhängigkeit des K ontinents E uropa von den anderen K ontinenten erhöhen. D er über mäßige und planlose A ufbau bestim m ter In dustrien verhindert also die Erreichung des poli tischen Zieles einer Befreiung E uropas vom Joch der angelsächsischen „W eltw irtschaft“ . N ur solche Industrien, welche die U nabhängigkeit Europas ausbauen und fördern helfen, ohne die Gesamtleistung des K ontinents a u f anderen Ge bieten zu schwächen, fügen sich planvoll in das Gebilde einer G roßraum w irtschaft ein. 197
4. D ie P la n u n g u m fa ß t a b e r n ic h t n u r den Auf* b a u , so n d ern au c h die Sicherung des F o rtb e sta n d e s d e r In d u s trie . M it der S icherung der P ro d u k tio n is t die S icherung des A bsatzes v er b u n d e n . E in au fn ah m efäh ig e r M ark t als Folge d e r In d u s tria lis ie ru n g w ild n u r d o rt entstehen, w o d er A rb e itse in sa tz die höchstm öglichste P ro d u k ti v itä t erz ie lt u n d die K a u fk ra ft steigt. D iese S teig eru n g d er K a u fk ra ft findet selbstver s tä n d lic h in d er B egrenzung des A rbeitseinsatzes u n d d er E rh ö h u n g d er K a p a z itä t eine Schranke. A uch d er In d u stria lisie ru n g sind G renzen gesetzt, so d a ß die v ie lleich t au s einem ü b e rsp itz te n N a tio n a lg e fü h l h e ra u s e rs tre b te A u tark ie n ic h t au f a lle n d e n k b a re n G eb ieten au ch v erw irk lich t w er d en k a n n . D ie A rb e its te ilu n g u n d so m it die v ern ü n ftig e w irts c h a ftlic h e Z u sam m en arb eit d er in einem G ro ß ra u m w o h n en d en V ölker h ö rt n ic h t au f, sie e rh ä lt n u r eine a n d s re G rundlage. Sie b a sie rt n ic h t m e h r a u f d en P ro d u k tio n sk o sten als abso lu te m B estim m u n g sg ru n d , sondern a u f den G ru n d sä tz e n einer gesunden A u tark ie , d. h. einer a u s S ich e rh e itsg rü n d en a u f lebensw ichtigen Ge b ie te n d u rc h fü h lb aren E igenerzeugung. Sollen die V ölker a b e r au s d em G efühl der U n sicherheit u n d stä n d ig e r p o litisch e r B edrohung h erau s n ic h t in eine u n w irtsc h a ftlic h e S elbstversorgung hine in g e trie h e n u n d w ertv o lle P ro d u k tiv k rä fte fü r r e la tiv u n w ich tig e A ufgaben in n e rh a lb d er ein zeln en a u ta rk is ie rte n W irtsch aften gebunden wer-
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den, dann ist vor der D urchführung einer groß raum w irtschaftlichen Planung industrieller In vestitionen eine politische Befriedigung des Kon tinents unbedingte Voraussetzung. Die politi schen A utarkietendenzen, die wir seit dem Ende des W eltkrieges überall beobachten können, wer den sich zu einer in sich gekräftigten Volkswirt schaft zurückbilden müssen, ohne au f allen P ro duktionsgebieten in sich selbst den zum Teil er zwungenen Ausgleich zu suchen. Der Ausgleich der W irtschaften wird sich dann nich t au f dem inneren M arkt, sondern au f den in G roßiäum en geordneten und gesicherten äußeren M ärkten voll ziehen— in einer neuen gesunden W eltw irtschaft.
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VON H A N D E L S V E R T R Ä G E N ZU W IR T S C H A F T S V E R T R Ä G E N Von Dozent Dr. habil. K a r l S c h i l l e r Forschungsgruppenleiter im Institut ß i r Weltwirtschaft K id
G e s ta lt u n d A u fg a b e n d er H an d elsv erträg e haben in d e r Z e it n a c h d em W eltla ieg e, insbesondere a b e r se it d e r g ro ß en W eltw irtsch aftsk rise, tief greifen d e V e rä n d eru n g en erfah ren . D ie üblichen tra d itio n e lle n V e rträ g e , w ie sie im 19. J a h r h u n d e r t a u sg e b ild e t u n d b is in die N achkriegs z e it h in e in an g ew en d et w u rd en , w aren sehr ein fa ch g e h a lte n u n d b e sch rän k ten sich im we se n tlic h e n n u r a u f einige w enige R egelungen: E in m a l w u rd e gew öhnlich die M eistbegünstigung, d u rc h e n tsp re c h e n d e N o rm en festgelegl u n d zum a n d e rn w u rd e n einige besondere T arifab red en b ezü g lich b e s tim m te r G ü ter getroffen. D am it w a re n d em A u ß en w irtsch aftsv erk e h r seine R ah m e n b ed in g u n g en gegeben, u n d innerhalb d er selben k o n n te er sich frei n ach d en ihm in n e / w o h n en d en G esetzm äß ig k eiten en tfa lte n . D er n e u e re G estalt- u n d A ufgabenw andel der H a n d e lsv e rträ g e h a t sich, grob gesprochen, in v i e r E t a p p e n vollzogen. D abei h ab en sich b e zeichnenderw eise die E rgebnisse d er V erände ru n g e n a u f d en jew eiligen S tu fen bis h eu te hin e r h a lte n ; sie sind n ic h t etw a jew eils du rch Ä nde ru n g e n a u f d er n ä c h ste n S tufe v e rd rän g t worden. 200
Einm al sind die handelsvertraglich fcstzulegenden R ahm enbedingungen des zw ischenstaat lichen V erkehrs, die frü h er im w esentlichen n u r durch die Zolltarife v ertre te n w urden, d urch tiefergreifende und das w irtschaftliche Lehen in tensiverbeeinflussende R egulative ersetzt worden. Vor allem h a t die vom N ationalsozialism us b e w ußt geschaffene M arktordnung zur preis- u n d mengenpolitischen L enkung der B innen- u n d A ußenw irtschaft den bisherigen H an d elsv er trägen einen von G rund a u f neuen C h arak ter gegeben. Zum zw eiten h ab en die A ufgaben d er H andelsverträge dadurch gew echselt, daß zu sätz liche A bsprachen zur Regelung des zw isch en staat lichen W irtschaftsverkehrs wie die Z a h l u n g s und V e r r e c h n u n g s a b k o m m e n neben die H a n delsverträge im engeren Sinne g etre ten sind u n d diesen dam it ganz andere F u n k tio n e n gegeben haben: Die H andelsverträge im engeren Sinne als dauernde allgemeine R echtsgrundlage der W irtschaftsbeziehungen zwischen den S ta a te n , die Zahlungs- u n d V errechnungsabkom m en zur Ausfüllung der allgem einen A bm achungen m it konkreten U m sätzen zu b estim m ten K u rsen und im Rahm en bestim m ter W aren k o n tin g en te innerhalb festgesetzter Z eiträum e. E in e d r itte und sehr wesentliche Stufe in dem F u n k tio n s und Formenwechsel der H an d elsv erträg e is t dann erreicht w orden, als die H an d elsv erträg e im w eiteren Sinne sich n ic h t m eh r d a rin e r schöpften, den W irtsch aftsv erk eh r wie frü h e r 201
d u rc h Zölle o d e r wie s p ä te r auch d urch Mengenu n d P reisreg u lieru n g en „v o n oben h e ra b “ zu le n k e n , so n d ern n u n selbst d u rch E in b au be s tim m te r L i e f e r - u n d A b n a h m e a b r e d e n ein ‘B e s ta n d te il dieses W irtsch aftsv erk eh rs wui den. U nd die le tz te E ta p p e in dieser E ntw icklung h a b e n die H a n d e lsv e rträ g e d u rch die in der le tz te n Z eit b e m e rk b a re n A n sätze zur zw ischen s ta a tlic h e n P r o d u k t i o n s - u n d K o n s u m p l a n u n g e rla n g t. E s w ird n ic h t m ehr n u r eine L iefer- u n d A b n ah m ea b red e getroffen u r d deren E rfü llu n g d en P ro d u z e n te n im H erk u n fts- u n d d e n A b n e h m e rn bzw . V e rarb eitern im Bezugs la n d ü b e rla sse n , so n d ern die zw ischenstaatlichv e rtra g lic h e A b red e sch ieb t ihren W irkungs b e re ic h a u f b eid en S eiten noch eine S tufe w eitet v o r : sie so rg t d a fü r, d aß b estim m te P ro d u k tio n s m itte l fü r die E rfü llu n g d er E rzeugungsauf la g e im H e rk u n fts la n d zu r V erfügung gestellt w e rd e n , u n d sie sic h e rt ebenfalls die A bnahm e d ie ser n e u e n P ro d u k tio n d u rch O ffenhalten eines b e s tim m te n B ed arfs im E m p fan g slan d . Mrt einer so lch en R eg elu n g is t d a n n die E n tw ick lu n g vom lo c k e r u n d p u n k tw eis einige R ahm enbcdingungen u m re iß e n d e n H a n d e lsv e rtra g zum um fassenden p ro d u k tio n sp la n e n d e n W irtsc h a ftsv e rtra g zu einem gew issen A b sch lu ß gekom m en. U m die V erän d eru n g n o ch einm al sum m arisch zu s a m m e n z u fa sse n : F rü h e r ersch ö p fte sich die s ta a tlic h e E in flu ß n a h m e a u f d en A u ß en w irt s c h a fts v e rk e h r im A bschluß d er M eistbegünsti202
gungs- u nd T arifv erträg e u n d ließ d an n d en A us tausch innerhalb des so gezogenen R ah m en s frei schalten u n d w alten. M it d er fo rtsc h re ite n d e n D urchdringurg der H an d elsv ertrag sp o litik m it nationalsozialistischem G ed an k en g u t g e h t diese Einflußnahm e sehr viel w eiter. S ta a tlic h e E in oder A usfuhrgesellschaften, E in - u n d A u sfu h r monopole, Ü berw achungsstellen usw . sind z u dem im A ußenhandel v ieler S ta a te n eig en w irt schaftlich u n d lenkend tä tig . Ih re T ä tig k e it u n d schließlich ü b erh au p t die S teu eru n g d er fü r d en A ußenw irtschaftsverkehr w esen tlich en E rz e u gungszweige w ird zum G eg en stan d u n d I n h a lt zw ischenstaatlicher V erträge. W eshalb ist es n u n zu dieser W a n d lu n g g e kom m en? W ir m üssen die h ie rfü r v e r a n tw o r t lichen F ak to ren p rü fen u n d u n s v o r allem a u c h fragen, ob sie au ch in Z u k u n ft w irk sa m sein werden. Als erstes ist w ichtig gewesen fü r die V e rä n d e rung der H andelsv erträg e das A u fk o m m en z a h l reicher q u a n t i t a t i v e r R e g u l i e r u n g e n im A ußenhandel, also die V erd rän g u n g des Zolles als bis dahin m axim ales s ta a tlic h e s E ingriffsm ittel. Die U rsachen fü r diesen Ü b erg an g v o n der Zollpolitik zur M engenregulierung sin d v ie l fältig. H inzuw eisen is t a u f die I n te n s itä t d er großen W eltw irtschaftskrise, d eren n a tio n a lw irt schaftliche A bw ehr (gegenüber dem W e ltm a rk tpreisfall) von schärferen M itteln als d e n e n d es bloßen Zollschutzes g etrag en w erd en m u ß te . H in - \ 203
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zu k o m m t, d a ß die m engenm äßige E infuhrregu lie ru n g eine b essere M ethode d a rs te llt, um eine b e s tim m te b in n e n w irtsc h a ftlic h e Erzeugungs p o litik zu s tü tz e n , eine Z ielsetzung, die ja gerade in d e n le tz te n J a h r e n im m er m eh r a n Gewicht g ew o n n en h a t. E in z w eiter seh r w esen tlich er tre ib e n d e r Vorgang fü r die W a n d lu n g d er H an d elsv erträg e kann s c h la g w o rta rtig als Ü b e r g a n g v o n d e r E i n z e l r e g u l i e r u n g z u r G l o b a l r e g u l i e r u n g um sc h rie b e n w erd en . D er frü h e re Zollschutz wurde je w eils n u r a u s d er b eso n d eren S itu a tio n einzel n e r B ra n c h e n h e ra u s v o n F a ll zu F all eingesetzt, e rh ie lte n do ch z. B. die W eizen- oder Eisenzölle L e g itim a tio n u n d A n sto ß ih res B estehens aus d e r in d iv id u e lle n N o tlag e d er betreffenden ein zeln en heim isch en W irtschaftszw eige. H eu te le i- . te n sich d em g eg en ü b er die m eisten E in- u n d Aus fu h rre g u lie ru n g e n a u s d er N otw endigkeit der L en k u n g des g e s a m t e n A ußenhandelsvolum ens des b etre ffen d en L andes h er. Sie sind n ic h t ein g e se tz t, w eil dieses oder jen es Gewerbe sich in N o t b efin d et, so n d ern sie sind geschaffen worden, w eil etw a die Z ahlungsbilanzlage oder etw a die h an d elsp o litisch e P o sitio n gegenüber bestim m ten L ä n d e rg ru p p e n eine E rw eiteru n g oder E in sch rän k u n g des A u ß en h an d elsu m satzes als solchen oder gegenüber ganzen W irtschaftsregionen erheischte. V or allem a b e r w ar es die nationalsozialistische p o litisch e Z ielsetzung zu r E rlan g u n g d er Nahru n g sfre ih e it, R o h sto fffreih eit u n d A ußenhandels204
freiheit, welche die a lte lib erale H an d elsv ertrag slehre überw and u r d zu r G esam tlen k u n g d er V olksw irtschaft d u rch d en S ta a t f ü h r te 1). F ü r den Ü bergang v o n d er E inzel- zu r G lobal regulierung sind au ch äu ß ere in stitu tio n e ile M erkmale bezeichnend; er lieg t m eisten s d a n n vor, w enn ein allgem eines S y stem d e r D ev isen bew irtschaftung in einem L an d b e s te h t, o d er ein allgemeines E in fu h rbew illigungsverfahren u . ä. Dieser Um schlag is t ebenfalls zu rü ck z u fü h re n au f die besondere In te n s itä t d er le tz te n W e lt w irtschaftskrise, die als to ta le K rise (d u rch das gleichzeitige Z usam m enfallen v o n A g rar-, Industrie- u n d F inanzkrise) in d en einzelnen ' davon betroffenen L ä n d e rn jew eils to ta le A b w ehrm aßnahm en h erv o rrief. Ü b e rh a u p t u n d darüber hinausgehend is t dieser U m sch lag v e r bunden m it dem A ufkom m en d e r a u t o n o m e n W i r t s c h a f t s l e n k u n g als d e r W i r t schaftspolitik, die fü r w esentliche V o lk sw irt schaften der A lten W elt h e u te b e s tim m e n d is t. Die staatliche W irtsc h a ftsp o litik w irk t b e kanntlich a u f die A u ß en w irtsch aft als g an ze z u rück, a u f die Z ah lungsbilanzlage, d ie w a re n mäßige Z usam m ensetzung d e r E in fu h r (v e r stärk te Rohstoffnachfrage) usw ., v o r allem d a n n , wenn die a u to ritä r g efü h rte W irts c h a ft eines Landes sich in einer W e lt v o rw ieg en d n ie d e r l)
Anmerkung d. Scliriftl.: Wir verweisen auf die Schrift von Werner Daitz: „Wege zur völkischen Wirtschaft“.
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g ellender o d er a n d ersp h asig e r W irlscliaftsentw icklung b efin d e t. D a n n m üssen die R egulie ru n g e n d e r ein zeln en E in - u n d A usfuhrposten jew eils a u sg eh en v o n der G esam tk o n stcllalio n der b e tre ffe n d e n A u ß e n w irtsc h a ft, n u r u n te r deren p rim ä re r B erü ck sic h tig u n g k ö n n en sie gehandh a b t w e id e n . U n d lieg t die N otw endigkeit zu ein er solchen G lo b alreg u lieru n g v or, d an n m üssen a u c h d ie h a n d e lsv e rtra g lic h e n A breden um fas se n d e r als b ish e r w erd en . Sie d ü rfen sich nicht m e h r b eg n ü g en m it d er F ix ie ru n g einiger H a n d elsb ed in g u n g en , so n d ern sie m üssen den Ge s a m tu m fa n g des A u stau sch es u n d . seine w arenu n d lä n d e rm ä ß ig e A ufgliederung zum Gegen s ta n d h a b e n . D a m it b ä n g t eng zu sam m en ein d ritte s M om ent, d a s fü r die n e u e re n H an d elsv erträg e w ichtig ge w o rd e n i s t : d as V o rd rin g en des G e g e n s e i t i g k e i t s p r i n z i p s im A u ß en h an d el. D er Gegen s e itig k e itsg ru n d sa tz is t ja ein notw endiges K or r e la t zu r a u to n o m e n K o n ju n k tu rp o litik , wenn d a s b etre ffen d e a u to n o m v o rangehende L an d sich m it gew issen V o lk sw irtsch aften p aarw eis1 v e r stä n d ig e n m u ß zw ecks B efricd'gung seiner eige n e n gestiegen en E in fu h rn a ch frag e u n d zwecks F in a n z ie ru n g der w achsenden Im p o rte d u rch e n t sp rech en d g ek o p p elte A u sfu h ren in diese an d eren L än d e r. D iese notw endige gegenseitige A b stim m u n g m u ß te selb stv erstär d 'ich m it an d eren als den frü h e re n ro h en h an d elsv ertrag lich en M itteln d u rc h g e fü h rt w erden. E s m u ß ten feinere M etho206
den der zw eiseitigen E rw eiteru n g u n d A bschir mung des A ustausches in das handelsv ertrag lich e Rüstzeug aufgenom m en w erden. Diese Bewegung ist n u n noch v o n einer v ie rte n Seite her, gleichsam v o n innen h erau s, g e s tü tz t w orden: näm lich durch die allen th alb en d eu tlich w ahrnehm baren T endenzen der b i n n e n w i r t s c h a f t l i c h e n M a r k t o r d n u n g . D ie D u rc h o rd nung eines großen B in n en m ark tes, seine O rga nisierung nach nationalsozialistischen R ich tlin ien m it dem Ziele der b in n en m ark tlich en P re is s tü t zung und P roduktionslenkung le ite t n o tw e n d i gerweise dazu ü ber, daß, w enn sie e in m al d u rch geführt ist, n un die O rgane einer solchen B in n en m arktordnung m it en tsprechenden O rganen in anderen V olksw irtschaften zu einer n eu en zw ischenstaatlichen K o operation zusam m en wachsen. Neue T räger des zw isch en staatlich en H andels tre te n d am it a u f den P lan . Ih re a u ß e n w irtschaftliche T ätigkeit k an n du rch eine G eneral klausel wie die M eistbegünstigung v e rtra g lic h nicht gebunden w erden, es m üssen zusätzlich e u nd eingehendere V ereinbarungen getroffen w er den, deren E inbeziehung in die h a n d e lsv e r traglichen A breden diesen w iederum ein an d ere s Gesicht v erleih t. Diese F aktoren, die nich t im m er u n d ü b erall v o ll ständig zum D urchbruch gekom m en sir d, w eid en besonders u n ter den v e rä n d e rte n B edingungen des z u k ü n f t i g e n A u s t a u s c h e s w eiterw irk en u nd den H andelsverträgen, oder besser d a n n : 207
W irts c h a fts v e rträ g e n , ih re A ufgaben stellen und ih re F o rm e n p rä g e n . A llerdings w erd en je n e F a k to re n d a b e i a u c h ein en gew issen W andel d u rch m a c h e n . W ä h re n d d er zw isch en staatlich e H andel d e r le tz te n J a h r e w eitg eh en d d u rc h das Gegen se itig k e itsp rin z ip g ek en n zeich n et w ar, w ird der z u k ü n ftig e A u sta u s c h d a d u rc h c h ara k terisie rt sein, d a ß e r g r o ß r ä u m l i c h g e o r d n e t is t, d. h. e in m al, d a ß zw ischen d e n zu G roßräum en zu sam m en g esch lo ssen en L ä n d e rn jew eils ein reger m e h r s e i t i g e r V erk eh r s ta ttfin d e n w ird , zum z w e ite n a b e r, d a ß d e r H an d el zw ischen d en G roß rä u m e n se lb st bzw . a u ß e rh a lb d er R äu m e dem g eg en ü b e r a n d e re n B edingungen unterlieg en wil d. A u c h in ein er solchen, h ie r n u r u m riß a rtig skiz z ie rte n z u k ü n ftig e n in te rn a tio n a le n H an d elso rd n u n g w e rd e n —- w ie b e to n t — die in neu erer Z e it fü r d e n G estalt- u n d F u n k tio n sw an d el der H a n d e ls v e rträ g e b estim m en d en F a k to re n von B e d e u tu n g sein. So w ird einm al die q u a n tita tiv e R e g u lieru n g des A u ß en h an d els notw endig sein fü r d e n g eo rd n e te n in n e re n M ultilateralausgleich eines G roßrau m es. D enn n u r a u f diese W eise w ird es m öglich sein, die a u ftre te n d e n A ußenhandels sald en e n tsp rec h en d zu begrenzen bzw . d u rch A b stim m u n g des H an d els m it d ritte n L än d ern d a s e lb s t zu v erw en d en . E benso is t au ch die G lobalregulierung des A ußenhandels erforderlich, zu m al w ir v o rau ssetze n m üssen, d aß die s ta a t lich e W irtsch aftsle n k u n g w eiterh in fü r die w irt sc h aftlich e E n tw ick lu n g d er betreffenden L änder 208
am W erke sein w ird. V or allem w ird es n o tw en d ig sein, eine in n erräu m lich e P ro d u k tio n sp la n u n g in der Weise d u rch zu fü h ren , d a ß d er M u ltila te ra l verkehr im G ro ß rau m m ö g lich st in te n s iv w ird , d. h. d aß die einzelnen V o lk sw irtsch aften m ö g lichst kom plem en tär zu ein an d er w erd en . D a fü r müssen die M ittel d er b in n e n w irtsc h a ftlic h e n M arktordnung eingesetzt w erd en . E in e solche F örderung u n d A b stim m u n g d er in n e rrä u m lic h e n Erzeugung erfo rd ert zugleich eine e n tsp re c h e n d verschiedene reg u la tiv e B eh an d lu n g d es in n e r un d außerräum lich en A u stau sch es, u n d g e ra d e diese A ufgabe fä llt w ieder in d as G eb iet d e r W irtschaftsverträg e. F ü r alle diese A u fg ab en stehen die b ish er en tw ick elten R e g u lieru n g stec h niken zur V erfügung. Z u m T eil h a t te n sie b is lang andere Zw ecksetzungen, so w u rd e n sie e tw a für den starren G egen seitig k eitsv erk eh r v e rw e n det, w ährend sie in Z u k u n ft fü r d e n g ro ß rä u m lichen M u ltilateralh an d el b e n u tz t w erd en . D a m it ist also ein gewisser F u n k tio n sw a n d e l d e r ü b e r kom m enen R eg u lieru n g sm eth o d en v e rb u n d e n . Zum Teil w ird es au ch erfo rd erlich sein, b e stim m te R egulierungstechniken, n a c h d e m sie ih re A ufgaben erfü llt h ab en , w ied er ü b e r B o rd zu werfen. A ber gerade die b e d e u te n d e n R eg u lie rungsform en, die b ish er schon f ü r die A u sg e sta l tu n g der ‘H an d elsv erträg e tra g e n d w a re n , d ie f ü r die V orbereitung u n d D u rch fü h ru n g d e r zw isch en staatlichen Liefer- u n d A b n ah m ea b red en , ü b e r h au p t die z w i s c h e n s t a a t l i c h e M a r k t o r d 14
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n u n g , die w ic h tig ste n in s titu tio n e lle n V oraus setz u n g e n d a rs te llte n , w erd en in Z u k u n ft u n ter n o c h g rö ß e re n Z ielsetzu n g en bestehen-hleiben. Z u sam m en fassen d stellen w ir fest, d aß die H an d e lsv e rträ g e sch o n in d er b ish erig en E ntw icklung d e u tlic h e A n sä tz e zu einem A u sb au in R ich tu n g a u f u m fassen d e W irtsc h a ftsv e rträ g e aufw iesen. Sie w e rd e n sich in Z u k u n ft u n te r d en v erän d e rten B e d in g u n g e n d e r G ro ß rau m o rd n u n g in dieser R ic h tu n g fo rte n tw ic k e ln m üssen, insbesondere a n g e s ic h ts d e r N o tw e n d 'g k e it zu zw ischenstaat lic h e r S tru k tu rp o litik . U n te r d em freiw irtsch aft lic h e n S y ste m d e r k lassischen H an delsv erträg e w u rd e n d ie S tru k tu re n d e r einzelnen V olksw irt s c h a fte n d u rc h d en K on k u rren zm ech an ism u s au f d e r G ru n d la g e d er k o m p a ra tiv e n K o sten und d u rc h d e n Z ah lu n g sb ilan z au to m atism u s gesteu e r t ; a u f diese W eise w u rd e entsch ied en , welche G ü te r e rz e u g t u n d au sg e fü h rt w erden m üssen u n d w elch e R ic h tu n g d er zw ischenstaatliche A us ta u s c h ein n eh m en soll. I n einem solchen System d e r S e lb stste u e ru n g k o n n te n die H an d elsv er tr ä g e sich in d er F estleg u n g einiger w eitg efaß ter R ah m en b ed in g u n g e n erschöpfen. D iese k o rri g ie rte n d en zw isch en staatlich en A ustausch, so w eit es d er no tw en d ig e S chutz b e stim m ter eige n e r E rzeugungszw eige u n d die handelspolitische Z u sa m m e n a rb e it zw ischen b estim m ten L än d ern v e rla n g te n . M it diesen K o rre k tu re n w u rd en die w esen tlich en F u n k tio n selem en te der Selbstrege lu n g des in te rn a tio n a le n H andelssystem s noch 210
nicht aufgehoben. H e u te d ag eg e n s in d n u n g a n z w esentlicheF un k tio n sg lied er dieses a lte n S y s te m s ausgeschaltet bzw . stillg e le g t, so d a ß sich d a m it der T ätig k eitsb ereic h d e r H a n d e ls v e rträ g e u n g e mein ausdehnen m u ß , d a m it d a s sich n u n n ic h t m ehr se lb s tre g e ln d e S y ste m re ib u n g s lo s, j a r e i bungsloser als frü h e r, g e s te u e rt w e rd e n k a n n . An w elchen S tellen je n e fr ü h e r e n F u n k tio n s glieder aufgehoben sin d , is t b e k a n n t : e in m a l sind ganze v o lk sw irtsc h a ftlic h e S e k to re n ( L a n d w irtschaft, Teile d er in d u s trie lle n R o h sto ffe rz e u gung) aus d em b ish e rig e n m a r k tp o litis c h e n System h erau sg elö st u n d u n a b h ä n g ig v o n k o m p arativ en Vor- o d er N a c h te ile n w ir ts c h a f tlic h stabilisiert. Z um a n d e re n h a t d ie s ta a tlic h e W i r t schaft slenkung d en M ech an ism u s d es Z a h lu n g s bilanzausgleichs, w ie ü b e r h a u p t d es A u ß e n w ir t schaftsverkehrs, a u ß e r K r a f t g e s e tz t, u n d in Z u k u n ft w ird noch eine d r itte w e s e n tlic h e V e r änderung im F u n k tio n s s y s te m d e s z w is c h e n staatlich en H an d els d a d u rc h e in tr e te n , d a ß b e stim m te V o lk sw irtsch afte n sic h z u G ro ß w irtschaftsräum en z u s a m m e n tu n m it d e m Z ie l e in e s besonders großen A u sta u sc h e s u n te r e in a n d e r u n d der gegenseitigen A b stim m u n g ih r e r E rz e u g u n g s s tru k tu re n . D am it h a t sich d er A u fg a b e n k re is d e r H a n d e ls v erträ g e u n g eh eu er v e rg rö ß e rt u n d u m g e s ta lte t. S tellten sie frü h e r n u r ein v e r h ä ltn is m ä ß ig lo se geknüpftes B a n d h a r d e ls m ä ß ig e r Z u s a m m e n arb eit d ar, so sin d sie j e t z t A u s d ru c k u n d M itte l 14*
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intensiver zw ischenstaatlicher K ooperation. Die Länder, die solche W irtsch aftsv erträg e m it einander abschließen, w erden sicherlich m ehr aufeinander ausgerichtet, stärk er aufeinander an gewiesen sein, als das u n te r dem frü h eren H an delsvertragssystem d er F all w ar. A ber gleich zeitig w ird dam it eine höhere E ntw icklung ihrer eigenen w irtschaftlichen K räfte erreicht, eine wirkliche w irtschaftliche Stabilisierung, die sie unabhängig von in tern atio n alen K o n ju n k tu rein flüssen m acht.
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DER OSTSEERAUM IN D E R E U R O P Ä IS C H E N GROSSRAUMWIRTSCHAFT Von Professor Dr. E r w i n Scheu Rektor der Handelshochschule Königsberg i. Pr.
A ls Nebenmeer des A tlantischen Ozeans d rin g t die Ostsee tief in den europäischen K o n tin e n t ein. Sie tren n t zusam m en m it dem F innischen M eerbusen die Masse von F ennoskandia v o n den Tieflandsgehieten M ittel- u n d O steuropas. W ir finden an ihrem S üdrand die großen la n d sch a fts bestim m enden A ufschüttungen des. sk an d in a vischen Inlandeises, w ährend im b altisch en Ge biet schon das russische T afelland a n den F in nischen M eerbusen h erankom m t u n d m it glazia len A ufschüttungen bedeckt w ird, die n a c h O sten allm ählich dünner w erden. Diese A u fsc h ü ttu n gen geben der ganzen S ü dum rahm ung einen ziemlich gleichmäßigen L an d sch aftsch arak ter, der u n te r dem B altischen H öh en rü ck en zu sam m engefaßt w ird. A ber au ch die B öden sind in den verschiedensten Teilen re c h t einheitlich, näm lich sandig-lehmig m it allen Ü bergängen im einzelnen. Es sind also lockere B öden, die a u f w eiten Flächen den L an d b au erm öglichen. In Skandinavien u n d F in n lan d dagegen sind die V erwitterungsböden von dem eiszeitlichen I n landeis abgetragen w orden, so daß w eithin der ••
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felsige U n te rg ru n d die O berfläche b ild et. E rst naeheiszeitliche A u fsc h ü ttu n g e n in d en Tälern u n d Senken, sowie a n d en K ü sten eb en e n Schwe dens u n d F in n la n d s h a b e n in re c h t begrenztem A usm aße B öden geschaffen, die einen A n b au er la u b en . A bgesehen v o n den K ü sten eb en en Fenn oskandias u n d v o n d er m ittelschw edischen Senke k o n n te d er L an d b a u n u r linienförm ig in das L an d eindringen. A uch in k lim atisch er H in sich t is t die Südum ra n d u n g d er O stsee w eit g ü n stig er g estellt als F ennoskandia, wo die Som m er k ü rz e r sind und die A nbauverhältnisse besonders in nördlicher R ich tu n g sich rasch v erschlechtern, so d a ß n u r noch die anspruchloseren F eld frü ch te zum A n b a u kom m en können. Im Bereich des B altischen H öhenrückens w an d elt sich jedoch ebenfalls das K lim a; es versch lech tert sich, je w eiter die kon tin e n ta le n Einflüsse au ftreten , w odurch d e r - , L andbau schwieriger w ird. Die klim atisch en E in flüsse erk en n t m an auch a n der Z usam m en setzung der W älder. In dem M eridian von K önigsberg v erläu ft die B uchengrenze; n ach O sten w erden die M ischwälder und schließlich die N adelw älder charakteristisch, die am E n d e des Finnischen Meerhusens im Bereiche des La dogasees große Flächen einnehm en. A uch a u f d er N ordseite der Ostsee tre te n im südlichen Schwe den noch Laub- u n d Mischwälder auf, d an n b e ginnt aber, über ganz Fennoskandia sich a u s dehnend, die Region der riesigen N adelw ald214
bestände, die ihre Bedeutung fü r ganz Europa haben. Die natürlichen G rundlagen der Lebensräume werden also sowohl nach Osten, als in der N ord richtung im m er ungünstiger. D em entsprechend nim m t auch in beiden R ichtungen die Bevölke rungsdichte ab. In O stpreußen ist sie 63 E in wohner je qkm , in L itauen n u r noch 45, u n d in L ettlan d bzw. E stlan d sinkt sie sogar a u f 30 bzw. 24 Einwohner je qkm herab. In F ennoskandia, wo die Länderräum e ungeheuere A usdeh nungen erreichen, b eträ g t die Bevölkerungsdichte in Schweden 15 Einw ohner je qkm , in F in n la n d 11 und in Norwegen, das wir als R andgebiet noch heranziehen können, sogar n u r noch 9 E in wohner je qkm . Der größere Teil dieser Bevölke rung jedoch sam m elt sich an den Säum en des Meeres u nd den von Meer zu Meer ziehenden Senken, so daß in den K üstenregionen die B e völkerungsdichte größer als der D u rch sch n itt ist, um dann nach dem Inneren um so stärk er abzu fallen. Trotz der großen Landm asse im N orden ist die absolute Bevölkerungszahl bescheiden, denn die drei in B etracht kom m enden S taaten haben nicht m ehr als 12,7 Mill. Einw ohner, w äh rend die drei baltischen Länder bei wesentlich kleinerer Fläche des' Lebensraumes im m erhin 5,5 Milk, aufweisen. Die einheitliche N atu rau sstattu n g h a t die land wirtschaftliche Entwicklung in den anliegenden Gebieten der Ostsee ziemlich gleichmäßig gestal215
te t. M su su ch t in d en A u fsch ü ttu u g sg eh ietcn noch m öglichst viel a n G etreide fü r die E rn ä h ru n g zu g e w i n n e n ; da a b e r die k lim atisch en Be dingungen d en A n b au erschw eren u n d unsicher m achen, is t m a n n ach dem W eltk rieg im B a lti k u m u n te r M itw irkung d er R eg ierungen zur besonderen F ö rd eru n g d e r V ieh w irtsch aft und ih re r P ro d u k te übergegangen. B esonders die M ilchw irtschaft w u rd e in E s tla n d u n d L ettlan d zur B lü te g eb rac h t u n d B u tte r fü r d en W elt m a rk t geliefert. D u rch diese V eredlungsw irt schaft w aren ab er beide L än d e r n ic h t m eh r im stande, ih ren B ro tg etreid eb ed arf v o llständig zu decken. L itau en is t in dieser H in sich t zu rü ck geblieben; es k o n n te deshalb au ch v e rh ä ltn is m äßig viel G etreide zu r A usfuhr b ereitstellen . Im R ahm en der V iehw irtschaft h a t m a n neben der B uttererzeugung die Schw einem ast zu r H e r stellung v o n B acon fü r den englischen M ark t s ta rk gefördert. N eben der L an d w irtsch aft is t im B altik u m auch der W ald von w irtsch aftlich er B edeutung, wenn au ch d er H olzeinschlag n ach dem W eltkrieg w eit größer w ar als d er Z uw achs. In Skandinavien u n d F in n lan d ist die L a n d w irt schaft ähnliche Wege gegangen. D as ra u h e K lim a ist fü r die Vieh W irtschaft günstiger als fü r den L an d b au ; m an suchte den eigenen B e d a rf a n Fleisch u n d B u tte r wenigstens zu decken, n u r F innland h a t eine A usfuhr an B u tter. M it B ro t getreide können sich die drei nordischen L än d e r nur teilweise versorgen. Schweden u n d F in n la n d 216
müssen 16 bzw. 21% ihres B edarfs a n B ro t getreide einführen, Norwegen dagegen 89% . Allerdings liefert die norwegische Fischerei auch eine beachtliche L ebensm ittelausfuhr. Den nordischen L ändern stehen jedoch die u n e r meßlichen N adelw aldbestände zur V erfügung. Die vielen W asserkräfte dienen den zahlreichen Sägewerken, die G rubenhölzer, B re tte r und Holz für die Zellulosefabriken zur A usfuhr bringen. A}>er auch in den nordischen L ändern selbst sind Zellulosefabriken u n d sogar P ap ierfab rik en en t standen, womit eine Indu strialisieru n g in allen drei S taaten u n d besonders sta rk in Schweden eingesetzt h at. W irtschaftlich w ertvoll is t au ch die sk an d in a vische Gebirgsmasse d urch ih ren R eich tu m an Bodenschätzen. In Norwegen t r i t t zw ar d ieE rzausbeutung h in ter der des Holzes zurück, w äh rend in Schweden die B odenschätze die A us richtung der .heimischen W irtsch aft s ta rk beein flussen. Die E rze M ittelschw edens h ab en m it Hilfe von Holzkohle zum A ufbau einer H ü tte n industrie beigetragen, deren P ro d u k te auch zur W eiterverarbeitung angeregt haben. D ie hoch im N orden liegenden schw edisch-lappländischen Erze dagegen w erden vorw iegend ex p o rtiert. Die Ausfuhr geht bekanntlich zum größerenT eil ü b er den eisfreien norwegischen H afen N arvik, zum kleineren Teil über den H afen Lulea am B o tt nischen Meerbusen, der aber im W inter zufriert. U nter den drei nordischen S taaten ist zweifellos 217
Schw eden a m v ielseitig sten a u s g e s ta tte t; seine a u f H olz u n d E isen erzen au fg eb a u te Industrie liefert im m erh in hochw ertige A usfuhrprodukte. N orwegens W irtsch aft b e ru h t h au p tsäch lich auf H olz, E rz u n d a u f d er F ischerei, sowie a u f seiner s ta ttlic h e n H andelsflotte. A m einseitigsten ist F in n la n d a u s g e sta tte t, das n eb en seiner H olz w irtsch aft n u r noch M olkereiprodukte zur Aus fu h r bringen k an n . G roße Eisenerz- u n d Nickel vorkom m en sind e rst im A ufschluß begriffen. A ber au ch in den b altisch en S ta a te n w ar m an n ach dem W eltkrieg vor allem in L e ttla n d be m ü h t, eine In d u strie au fzubauen, n ach d em die alte n F ab rik en aus der Z eit v o r dem W eltkrieg zusam m engebrochen w aren. E ine B rücke zw ischen dem F e stla n d u n d der skandinavischen H albinsel b ild et D än em ark im w ahrsten Sinne des W ortes. Seinen U n terg ru n d bilden noch K reideschollen, die v o n eiszeitlichen A blagerungen ü b erd eck t w erden. Seine w irt schaftlichen G rundlagen sind deshalb ähnlich wie im b en ach b arten N orddeutschland; die L an d w irtsch aft is t die von der N atu r gegebene H a u p t beschäftigung der Bewohner. V erfü h rt d u rch die einseitige A usrichtung a u f das englische W elt w irtschaftssystem , h a t D änem ark die fü r die Lebensm ittelversorgung des eigenen Volkes au s gewogene L andw irtschaft aufgegehen u n d sich überwiegend der V iehw irtschaft zugew andt. F u tte rm ittelan b au un d Grünflächen v erd rän g ten das B rotgetreide; es w urden sogar noch F u tte r218
m ittel a u f dem billigen Seewege eingeführt, u nd zwar von Ubersee in solchem U m fange, daß die V iehhaltung fast ganz a u f auslän discher F utterb asis b eruhte. Die R inder- u n d Schweinehaltung w urden nun das R ückgrat der Landw irtschaft, die je tz t Fleisch- u n d Mol kereiprodukte au sfü h rt, um dam it B rotgetreide einzutauschen. D urch die landw irtschaftlichen Genossenschaften w urde die H erstellung von M ar kenprodukten fü r die W eltw irtschaft sicherge stellt, wodurch die dänische W irtsch aft in hohem Maße von jeder W eltw irtschaftskrise abhängig w urde, An Bro tgetreide m uß D änem ark üb er 50% seines Bedarfs einführen. Es h a t ab er auch unter allen Anliegern der Ostsee die dichteste Bevöl kerung von 83 Einw ohnern je qkm erreicht. D urch die einseitige natürliche A u sstattu n g der Länderräum e um die Ostsee sind es v erh ältn is mäßig wenige M assenartikel u n d einige spezielle Erzeugnisse der V iehw irtschaft u n d In d u strie, die gegenwärtig zur A usfuhr kom m en. Die Ostsee dient ihnen als billiger Seeweg, der auch zum W eltm eer hinausführt. Bis h e u te h a t sich also m it geringer Differenzierung der Z ustand der H anse zeit erhalten, daß das Ostseegebiet hauptsächlich Rohstoffe für die Industrieländer M ittel- u n d W esteuropas lieferte. Als R ückfracht kom m enfür die Ostseeländer teils Lebensm ittel, vor allem je doch hochentwickelte industrielle Erzeugnisse des täglichen Bedarfes, aber auch Kohlen, Maschinen und gewisse Rohstoffe für die örtlichen Indu-
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Strien, w ir d en k en d ab ei a n W olle u n d Baumwolle, herein. D ie F ertig w are n n eh m en bei allen A nliegern fa s t 50% u n d m eh r d er G esam teinfuhr ein. D an n folgen die R ohstoffe u n d H albw aren m it etw a 30 bis 4 5 % . I n d er A u sfu h r dieser L än der steh en dagegen die R ohstoffe u n d Plalbw aren w eitaus a n erster S telle. . B e tra c h te t m an die räu m lich e n B eziehungen des A ußenhandels der L än d er d er O stsee, so ergibt sich, d aß dieser g ro ß artig e Y erk eh rsrau m hin sichtlich des A ußenhandels n ic h t die Rolle spielt, die m a n v erm u ten kön n te. D ie skandinavischen L änder h ab en m it den A n lieg erstaaten d e r O st see, zu denen doch auch das D eutsche R eich ge h ö rt, n ic h t den um fangreichen G üteraustausch, den m an eigentlich erw arten m ü ß te. V on den skandinavischen S taa ten tä tig te n D änem ark und Norwegen n u r ru n d 32% ihres A ußenhandels m it den an die Ostsee grenzenden S taa ten . Bei Schweden w aren es 36% , hei F in n lan d ab er n u r 18% . D agegen w ar der A ußenhandel m it E ng la n d sehr beachtlich. E r b etru g bei D än em ark 45% , bei Norwegen und Schweden je 22 bis 23% , bei F innland jedoch 47% . W ir sehen h ieraus den außergewöhnlich starken w irtschaftlichen E in fluß, den E ngland und das englische W eltw irt schaftssystem bisher im Ostseeraum g ehabt h a ben. E r ist aber nicht nur durch die günstigen Verkehrsbeziehungen über die Nord- und Ostsee bed in g t; h in ter ihm steh t auch das englische K apital und die englische Politik. Dieser eng220
lische Einfluß ist in den baltischen S taaten b e kanntlich ebenfalls sehr wirkungsvoll gewesen. D em entsprechend bew egte sich der A ußenhandel dieser S taaten m it E ngland zwischen 28 u n d 33% . Dagegen h a tte n die an die Ostsee grenzen den S taaten einen A nteil von 36 bis 43% am A ußenhandel der baltischen S taaten. Allein aus der B etrach tu n g des Ostseeraumes heraus sollte die Eingliederung des A ußenhandels in diesen R aum w esentlich größer sein als bisher, nach gewissen Raum gesetzen m indestens 50% . H ier m achte sich die politische u n d k a p ita listische Einw irkung E nglands geradezu stö ren d bem erkbar. D urch die Schöpfung G roßdeutsch lands, die E rschließung des russischen R aum es u nd durch die Bildung der G roßraum w irt schaft w ird die Ostsee das B indeglied fü r die im m er stärk er w erdende V erknüpfung der W irtschaften der skandinavischen S taa ten m it dem von D eutschland organisierten G roßw irt schaftsraum w erden. Die hochentw ickelte deutsche Industrie u n d der ungeheuere B edarf D eutschlands an Rohstoffen u n d H albw aren aller A rt w ird die A ufnahm efähigkeit garan tieren, ebenso die Belieferung der nordischen S taaten m it In d ustrieprodukten.
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IV.
ZUR EUR O PÄ ISC H EN LE B E N S - UND RAUMGESTALTUNG
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E U R O P Ä IS C H E R A U M P L A N U N G ALS Z U K U N FT SA U FG A B E Von Dr. D t. habil. M a r t i n P f a n n s c h m id t Paderborn
A. Die Lebensgrundlagen der europäischen R aum planung Boden und Rasse u n d ihre V erbindung zu Volk u n d R aum sind die Lebensgrundlagen der euro päischen Raum planung. D er R eichtum ihrer Differenzierungen au f engstem R aum is t einzig artig, die K enntnis ih rer Differenzierungen Vor aussetzung einer erfolgreichen R aum politik, gj Die europäischen Böden weisen n u r im Vor kriegsrußland eine großräumige V erbreitung gleicher Bodenarten u n d B odentypen auf, w äh ren d im übrigen E uropa stärk ster W echsel v o r herrscht. Es ist das V erdienst des deutschen Bodenkundlers H erm ann Strem m e, Danzig, in seiner Bodenkarte Europas die erste allgemein anerkannte Bodenkarte geschaffen zu haben, die au f Grund von B odenkartierungen der einzelnen Länder nach einheitlichem V erfahren eine Ü ber sicht der europäischen Bodengüten and ihrer natürlichen Eignung fü r land- u n d forstw irt schaftliche N utzungen gibt. Ebenso w urde eine geologische K arte Europas durch den früheren 15
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P räsidenten der P reu ß isch en Geologischen L an d esan stalt K rusch geschaffen. W ie schon im M ittelalter w erden au ch in Z u k u n ft deutsche Geologen, nun m eh r v o n d er R eich san stalt für Bodenforschung, fü r die europäische Lager stättenforschu n g an g esetzt w erden, u m ih re p lan m äßige E rschließung v o rzu b ereiten . G roßräum ige K artieru n g en d er la n d w irtsch aft lichen u n d gew erblichen B etriebe, ih re r E rzeug nisse u n d M ärkte w u rd en v o n D eu tsch lan d , von Schweden u n d an d eren europäischen L ändern sowie in den U .S.A . d u rch g efü h rt u n d brauchen n u r einheitlich fü r alle europäischen L änder organisiert zu w erden, u m ü b er säm tliche E r scheinungen der europäischen W irtsch aft Aus k u n ft zu geben, die d u rch S chrift u n d Z ahl allein nicht veransch au lich t w erden können. N ach K riegsende w erden hierbei au ch w ehrpolilische. H em m ungen entfallen, die b ish er zu einer Ge heim haltung w esentlicherTeilergebnisse zw angen. E x a k te K artierungen ü b er' die V erteilung von Rasse u n d Bevölkerung liegen bis zu d en k lein sten Siedlungseinheiten vor u n d sind d u rc h die E rfassung von Bewegungen u n d V eränderungen der Bevölkerung als Ursache und Folge p o litisch er u nd w irtschaftlicher W andlungen zu ergänzen. D er von Professor K rebs, Berlin, herausgegebene A tlas des deutschen Lebensraum es k a n n als Beispiel einer derartigen planm äßigen E rfo r schung der völkischen Lehensgrundlagen dienen. Die Planung der w eiteren raum w issenschaftlichen
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A rbeit w ird zweckmäßig so vor sieb gehen, daß eine möglichst klein zu haltende Zahl europä ischer G rundkarten wie die internationale Boden k arte und geologische K arte Europas nach ein heitlichen statistischen Erhebungen u n d Merk m alen in gleichen M aßstäben länderweise durch geführt und zu E uropakarten zusammengefaßt wird, au f der sich sodann die weiteren raum wissenschaftlichen Forschungen der Länder auf bauen. F ü r die neugewonnenen deutschen Ost gebiete sind derartige G rundkarten durch die Reichsarbeitsgemeinschaft fü r Raum forschung und durch die D eutsche Akademie fü r S täd te bau, Reichs- und Landesplanung in Angriff ge nommen worden. B. Die Aufgabengebiete der R aum planung A uf der Erforschung der Lebensgrundlagen der europäischen Länder b au t sich eine einheitliche Raum planung auf, deren wichtigste Teilgebiete Planungen von W irtschaft, Siedlung, Verkehr und Versorgung bilden. Von bereits durchge führten und noch durchzuführenden zwischen staatlichen Umsiedlungen nationaler M inder heiten in ihre H eim atländer abgesehen, be schränkt sich die Siedlungsplanung au f die staatlichen Räume, ist also eine Aufgabe der ein zelnen Länder, w ährend die Planungen von W irt schaft, Verkehr u n d Versorgung sowohl staat licher wie zwischenstaatlicher N atur sind und als 15*
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letztere das ureigenste A ufgabengebiet der Ge sellschaft fü r europäische W irtschaftsplanung u nd G roßraum w irtsch aft e. V. d arstellen. Gleich wohl ist es notw endig, auch die Siedlungsplanung in den B ereich d er europäischen R aum planung einzubeziehen. W irtsch aftsp lan u n g u n d Sied lungsplanung h au en n ic h t n u r a u f d en gleichen G rundlagen d er R aum forschung a u f u n d sind daher auch a n ih re r D urchführung gleicherm aßen beteiligt. Sie ergänzen sich au ch w echselseitig, da säm tliche W irtschaftsplanungen zu v erän d erten A uslastungen d er W irtsch aftsb etrieb e führen, also siedlungst echnische Investieru n g en im G rund u n d B oden n ach sich ziehen, u n d da u m g ek eh rt säm tliche siedlungstechnischen In vestierungen vo n w irtschaftlicher B edeutung sind. D ie P la nungen v on V erkehr u n d V ersorgung schließlich w erden sowohl durch w irtschaftspolitische wie durch siedlungspolitische B edürfnisse b estim m t. E ntgegen der bisherigen A ufspaltung w irtsch afts politischer u n d siedlungspolitischer Forschung u n d P raxis is t daher eindringlich a u f deren engste V erbindung innerhalb 'der R aum forschung u n d R aum planung hinzuweisen. I. I. Die W irtschaftsplanung In nerhalb der W irtschaftsplanung b estim m t die A ußenhandelsplanung den U m fang des zwischenstaatlich en E rg än zungsbedarfs an R ohstoffen u n d W aren. H andelsverträge a u f lange Sicht w erden
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eine steigende landwirtschaftliche Intensivierung der süd- u n d osteuropäischen Fruchtebenen zur Deckung des west- und mitteleuropäischen Zuschußbedarfs erwirken. A bstimm ung von Menge und Preis der hinneneuropäischen Roh stoffversorgung gegen später zu erw artende kolo niale Lieferungen stellen hierbei neue Sonderauf gaben. Die Erforschung und Erschließung der bergbaulichen L agerstätten — magere Eisen erze, Nichteisenmetalle und Rohstoffe fü r K raft stoffgewinnung — und die V erteilung ihrer E r zeugnisse au f Gesamteuropa u n ter E inbeziehung des russischen Raum es w erden Jah rzeh n te a n gespanntester Planungstätigkeit beanspruchen. Die industrielle Entw icklung der südosteuro päischen A grarländer geht m it dem U m bau der alten Industrieländer H and in H an d u n d wird zu einem Abbau überholter volksschädlicher Ballungen und zu einer gesunden D urchdringung von Landw irtschaft u n d Industrie führen. Beide Aufgaben wurden bisher im britischen Em pire und in den U.S.A. nicht gelöst, in D eutschland dagegen nach der nationalsozialistischen M acht ergreifung entschlossen in Angriff genommen. Die natürlichen Standortvorteile der einzelnen In dustriegebiete werden nach dauernder Befriedung K ontinentaleuropas u n d nach Bildung lebens fähiger Staatsräum e voll ausgenutzt werden, wenn kleinere S taaten au f die Entw icklung u n wirtschaftlicher Industriezweige verzichten und w ehrwirtschaftliche Betriebe ohne natürliche 229
S tandortbedingungen a u f ein M indestm aß b e schränken. I I . Siedlungsplanung D urch eine langfristige K läru n g des staatlichen u n d zw ischenstaatlichen Z uschußbedarfs an W irt schaftsgütern w ird auch die staatlich e Siedlungs planung in die Lage v ersetz t, eine b ew u ß te P oli tik des R aum es u n d der B evölkerung zu treib en u n d säm tliche Inv estieru n g en a n A rb eitsstätten , W o h n stätten u n d Folgeeinrichtungen einer p la n m äßigen Siedlungspolitik n u tz b a r zu m achen. Die u n te r der Reichsstelle fü r R au m o rd n u n g seit 1935 zusam m engeschlossenen L andesplanungs gem einschaften h ab en in D eu tsch lan d in Z u sam m enw irken m it den b eteilig ten F ach m in iste rien P rogram m atik, V erw altungstechnik u n d P lanungstechnik der Siedlungsplanung soweit entw ickelt, daß nach N euordnung d er politischen R äum e n u r ih re organische V erbindung m it der W irtschaftsplanung hergestellt zu w erden b rau ch t, um auch schw erste siedlungspolitische A ufgaben m it E rfolg zu lösen. E ntballungen übervölkerter Industriegebiete u n d Aufsiedlungen u n terv ö lk erter A grargebiete ste hen im M ittelp u n k t dieser A ufgaben als die beiden Erscheinungsform en m it um g ek eh rten Vorzeichen der zukünftigen binneneuropäischen W estostw anderung an Stelle der bisherigen O st w estw anderung in Auswirkung rau m frem d er überseeischer Kolonialpolitik.
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Die V erbreitung des Kleinmotors im Betriebe u nd im T ransportfahrzeug bildet die technische Grundlage der industriellen Auflockerung. AnsiedlungsgenehmiguDgen neuer Gewerbebetriebe und Auflagen zur wohnlichen U nterbringung ihrer A rbeitskräfte sind wirtschaftspolitische und wohnungspolitische Grundlagen ihrer siedlungs politischen Durchführung. Ihren sichtbaren Nie derschlag findet die Siedlungsplanung in R aum ordnungsplänen, die sich wie die W irtschafts planungen au f einer exakten kartographischen Erforschung der völkischen Lehensgrundlagen aufbauen und sich in lückenlosem Zusam m en hang .von der Reichsplanung über die G aupla nung bis zu O rtsplanungen kleinster Gemeinde zellen erstrecken. I. I I I . Verkehrsplanung u n d Versorgungsplanung Die Planungen von V erkehr u n d Versorgung werden räum lich durch die Bedürfnisse der W irt schaftsplanung u n d Siedlungsplanung bestim m t. In zwischenstaatlicher Gem einschaftsarbeit wird ein zusammenhängendes Netz binneneuropäischer W asserstraßen, Eisenbahnen, R eichsautobahnen und Straßen erstehen. A uf allen V erkehrsm itteln wird die Verbreitung v o n K leinm otoren die binnenländische Güterbewegung vervielfachen und verbilligen. Die W ettbew erbszonen zwischen dem Seetransport um die europäischen K üsten und dem L andtransport au f binnenländisehen 231
D urchm esserlinien w erden sich h ierd u rch zu gunsten dar le tzte ren in größere N ähe d er K üsten verlagern. D urch planm äßige V erkehrserschließung w erden so tra n s p o rtb c d 'n g te B allungen von Gewerbe, Bevölkerung u n d W o h n stätten im atlan tisch en K üstenbereich aufgelöst u n d die hinneneuropäischen G ebiete d u rch einen ausge glichenen F lächenverkehr gesund d u rch b lu tet w erden. In gleicher R ichtung w ird sich eine V ersorgung der küstenfernen u n d rohstoffarm en G ebiete m it billigen K raftstoffen u n d G rundstoffen ausw irken, die durch eine planm äßige A usschöpfung aller K raftquellen von W asser, Steinkohle, B rau n kohle u n d T reibstofflagern in zw ischenstaatlicher V erbundw irtschaft erreicht w erden k an n . A us führungen K arl K rügers ü b er den zukünftigen K raftsto ffb ed arf R ußlands1) lassen erkennen, daß es notw endig w erden w ird, den w achsenden K raftstoffbedarf säm tlicher europäischer L änder als deren w ichtigsten Z uk u n ftsb ed arf planm äßig zu decken. Am Schluß dieser E ntw icklung ste h t die von W erner D aitz seit langem erhobene F o r derung gleicher Preise (Reichspreise) fü r die ge w erblichen Grundstoffe in d er 1. oder 2. V er arbeitungsstufe, wie Kohle, K oks, K raftstoffe, M etalle u n d elektrische Energie, dam it die w eiter verarbeitende W irtschaft im ganzen R eich m it l) Karl Krüger, „D ie Motorisierung Rußlands“, Dresden 1940. ■
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gleichem S ta rt angesetzt werden kann, um so eine gesunde Mischung zwischen In d u stiie und L andw irtschaft wiederherzustellen und zu er h alten u n d die durch die einseitige R ohstoff orientierung entstandenen Ballungen wieder auf zulösen. C. Raum politische A usw irkungen der R au m planung Die raum politischen Auswirkungen einer d er artigen a u f einheitlicher Raum forschung begrün deten u n d durch Teilplanungen von W irtschaft, Siedlung, V erkehr u r d Versorgung einheitlich durchgeführten R aum planung w eiden das Ge sicht Binneneuropas in den nächsten Jah rzeh n ten - von G rund au f wandeln. Gelang es bisher d eu t schen Städtebauern n u r in wenigen Fällen, in den u n te r dem Einfluß der früheren W estm ächte stehenden europäischen S taaten die Grundziele deutscher Raum planung durchzusetzen, w urde in diesen S taaten bislang der freie W ettbew erb des deutschen Technikers u n d Ingenieurs durch politische Bindungen stark gehem m t, verm ochte sich auch die deutsche A ußenhandelsplanung vor der politischen Bereinigung des europäischen Südostens nur m it großen Schwierigkeiten durch zusetzen, so wird in Z ukunft nach Ausschaltung des englischen Machtbereichs u n d der v o n E ng land getragenen liberalistischen Zersetzung kon tinentaler Binnenwirtschaft freie B ahn fü r ein Zusammenwachsen der europäischen Länder zu
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einem eng verflochtenen G ro ßw irtschaftsraum und zu einer neuen k u ltu rellen G em einschaft. Die Besiedlung d er neugew onnenen deutschen O stgebiete w ird v o n d er M enschenfülle u n d W irt sch aftsk raft W est- u n d M itteleuropas getragen w erden u n d zu einem A usgleich des d u rch üb er holte S tandortbedingungen u n d raum w idrige G renzzerreißungen b ed in g ten w estöstlichen Ge fälles von R eich tu m u n d K u ltu r fü h ren . Als T räger dieses europäischen A uftrages nim m t D eutschland d am it seine m itte lalterlich e Sen dung des Anschlusses u n d der A ufschließung O st europas w ieder auf. Im G egensatz zum M ittela lte r sind jedoch die politischen V oraussetzungen ungleich günstiger, die w irt schaffliehen u n d tech® nischen M ittel größer als je zuvor, u m dieser Sen dung gerecht zu w erden. Im friedlichen W ettb e w erb u n d E rfah ru n g sau stau sch m it D eutschland w erden die übrigen L änder E uropas innerhalb ih rer Grenzen den gleichen A uftrag erfüllen u n d dam it den dauernden F rieden u n d W oh lstan d E uropas begründen. In enger V erbindung hierm it w ird u n te r F ü h rung der A chsenm ächte eine koloniale R au m planung u n d R aum ordnung einsetzen, die der europäischen G roßraum w irtschaft unentbehrliche Ergänzungen an kolonialenN ahrungsm itteln und Rohstoffen bereitstellt, ohne die b inneneuropä ische W irtschaft durch Preisdruck ih rer Liefe rungen zu gefährden. Die erprobten kolonisato rischen K räfte u n d seemännischen F ähigkeiten
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Italiens u nd der westeuropäischen R andstaaten werden hierbei zu vollem Einsatz gelangen. W äh rend die englische W eltherrschaft Unfrieden und Elend über die ganze W elt verbreitete, während die englischen Kolonien durch R aubbau an Volk u nd Boden verarm ten u n d die U.S.Ä. kaum der verheerenden Folgen dieses R aubbaues H err zu w erden verm ögen, wird die neue europäische R aum planung u n te r A chtung der ewigen Lebens gesetze von Volk und R aum den G rund zu einem neuen Aufstieg des europäischen K ontinents und seiner kolonialen Einflußgebiete legen.
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V.
ZUR GESCHICHTE D E R EUR OPÄISC HEN GROSSRAUMWIRTSCHAFT
D IE M I T T E L E U R O P A - I D E E N V ON F R I E D R I C H L I S T Von Gerhard Knol l; Braunschiveig
F ried rich List h a t die Idee und den Glanz des alten Römischen Reiches deutscher N ation in seinem H erzen getragen und h a t dieser Idee den Sinn gegeben, der heute d am it verbunden w ird : den Sinn einer raum politischen u n d raum ökono mischen N eugestaltung der europäischen M ilte u n d des Südostens durch D eutschland im V er ein m it anderen L ändern dieses R aum es.1) List käm pfte gegen Atomismus u n d gegen den dam it verbundenen politischen Kosmopolitismus nicht nur wegen der Einbeziehung nationaler u n d eth i scher Gedanken in die politisch-w irtschaftliche W issenschaft. E r deckte vielm ehr den politisch historischen A usgangspunkt der n u r scheinbar unpolitischen rein w irtschaftlichen Lehre des Freihandels auf. List fan d u n d zeigte Adam Sm ith in Ü bereinstim m ung m it den nationalen Interessen des damaligen Englands. Deshalb b eto n te List im m er wieder die Sinnlosigkeit der Ü bertragung der Freihandelslehre au f das daJ) Friedrich List: „D ie politisch-ökonomische National einheit der Deutschen“ , herausgegeben von Friedrich Lenz und Erwin Wiskemann, Berlin 1931, Seite 186 bis 192.
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m alige D e u tsc h la n d m it seinen ganz anderen, ja gegenteilig g elag erten politisch-ökonom ischen V orbedingun g en . L ist erb lic k te seine Aufgabe w esentlich d a rin , D e u tsc h la n d ü b e r dieses P ro b le m a u fz u k lä re n . F ü r L ist sin d a b e r n atio n a le u n d w eltbürgerliche Id e e n v e rb u n d e n . L ist k e n n t k ein e unnationalen, a b e r ü b e rn a tio n a le W erte, d eren V erb reitu n g die A ufgabe d e r fo rtg e sc h ritte n d ste n N atio n sei. „ D e u ts c h la n d b a t die B estim m u n g , d en S üd o sten zu zivilisieren.“ D ies is t d as L eitm otiv seiner m itteleu ro p äisch en Id ee2), die ih n a u f allen E n tw ick lu n g sstu fen b eg leitet h a t. D ie erste w irtsch aftsp o litisch e S tufe D eu tsch lan d s nach 1815 h ä n g t noch eng m it d em M erkantilism us zusam m en. E s is t dieselbe Z eit, in d er die Freihandslsidee v o n E n g lan d n a c h D eu tsch la n d ge la n g t u n d besonders v o n W issenschaft, B eam ten tu m , a b e r au ch v o n K au fle u te n u n d L an d w irte n aufgenom m en w ird. E in e S y n th ese zwi schen M erkantilism us u n d diesen n eu en B estre b u ngen b ild e t d er preußische Z o llta rif v o n 1818. E r h e b t die B innenzölle in P reu ß en a u f u n d sch ü tzt die p reußische W irtsch aft n ach au ß en . V on diesen Id een , besonders im H in b lick a u f d en S chutz der ju n g en In d u strie w ird L ist e rfaß t, als er 1819 in F ra n k fu rt fü r F a b rik a n te n u n d K au fleu te eine B ittsch rift a n den B u n d esrat a) L ist: „ D ie politisch-ökonom ische N ationaleinheit der D eu tsch en “ , S eite 186 bis 192.
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zur G ründung eines deutschen Handelsvereins zu verfassen h a t. H ierin v eru rteilt List die zoll politische Zerreißung des Reiches u n d verlangt ein a u f dem G rundsatz der R etorsion beruhendes Zollsystem des ganzen Bundes gegen frem de N ationen. Das preußische Zollgesetz stellt er als Beispiel hierfür hin. In diesem ersten A bschnitt der L ist’schen Ideen entstehen die ersten A nsätze seines m itte l europäischen Denkens. E r überreicht dem K aiser eine D enkschrift fü r die V ersam m lung der B undesfürsten, in der er einen „B u n d d er D eu t schen“ fo rd ert u n d n u r in Retorsionszöllen das M ittel sieht, um zu einem europäischen H andels kongreß zu gelangen. Diese P läne m achen List als Revolutionär verdächtig u n d M etternich lä ß t ih n verfolgen, weil L ist seine undeutsche, dynastisch konservative M ächtepolitik zu ge fährden drohte. In diesen Z eitab sch n itt fällt L ist’s T ätigkeit in den V ereinigten S taaten. Von d o rt aus schickte er dem König v o n B ayern den P lan eines bayrischen Eisenbahnsystem s und einer hanseatisch-bayrischen Eisenbahn, die auch Anschluß an Südosteuropa haben sollte.3) Die zweite E tap p e der Entw icklung seiner Ideen dauerte von 1832 bis 1841, also kaum 10 Jah re. -Aus den E rfahrungen an u n d in anderen S taaten -u n d Völkern u n d stets seinen Blick a u f das Ganze u nd die Vereinigung aller produktiven 3) L ist: Ssite 1 bis 38.
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K räfte rich ten d , gelangte L ist h ie r zugleich zu einer neuen K o n stru k tio n einer m öglichen Völ kergem einschaft im kontinentaleuropäischen R aum . E r e rstre b te ein deutsch-französisches B ündnis gegen E n g lan d , n ach d em die beiden F lo tte n sich v erb ü n d en w ollten. F ran k reic h soll in A frika kolonisieren, D eu tsch lan d dagegen sich eine sta rk e In d u strie , eine F lo tte u n d Kolonien schaffen u n d dies alles in den D ienst seines ü b er seeischen H andels stellen. D as Ziel m uß sein, daß die L änder der g em äßigten Zone m it den L än dern der heißen Zone H an d el treib en . D er Schutz zoll is t fü r den noch w enig en tw ickelten K on tin e n t w ichtig, insbesondere fü r D eutschlands ju n g e In d u strie .4) In jed er H insicht h a t L ist a u f dieser S tufe seiner E ntw icklung seinen P län en M itte le u ro p a , zu grunde gelegt. Seine K a rte zum E isen b ah n system aus dem J a h r 1833 zeigt au ß er d er NordSüd- u n d W est-O st-L inie eine do p p elte D iago nale von N ordw esten nach dem S üdosten, von H am burg ü b er B erlin nach B reslau u n d von B rem en ü b er H annover, B raunschw eig, Leipzig nach P rag . D azw ischen liegen als V erbindungs strecken Leipzig-Berlin u n d Berlin-M agdeburg.. Im ersten Ja h rg a n g des E isen h ah n jo u rn als wies L ist besonders a u f die B edeutung d er D onau län d er fü r den R ohstoffbezug D eutschlands ric h tunggebend hin. Seine A usführungen fanden 4) L ist: S eite 1 bis 38.
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größtes Interesse in Österreich, bis M etternich aus den obenerw ähnten Gründen die Zeitung verbot. L ist’s zoll- und handelspolitisches Den ken m ußte notwendig den Südosten m it umfassen, da für ihn die österreichische Monarchie m it zu D eutschland im w eiteren Sinne gehörte. Bis 1844 sah List in Österreich den K aiserstaat, der ,,in allen großen und nationalen Angelegenheiten der D eutschen, sollen sie zur Vollendung reifen, an der Spitze stehen müsse“ . Im L au f der Zeit m ußte L ist diese Hoffnung aufgeben. L ist’s Blick w urde besonders auch aus seiner kontinentalpolitischen u n d sp äter im perialisti schen Schau nach dem Südosten gelenkt. „ S ä m t liche K ontinentalm ächte haben insbesondere darin ein gemeinschaftliches Interesse, daß die beiden Wege aus dem M ittelm eer n ach dem R oten Meer u n d nach dem Persischen Meer busen weder in den ausschließlichen B esitz von E ngland kom m en, noch durch „asiatische B ar barei“ unzugänglich bleiben. Offenbar w ürde die Ü bertragung der O bhut über diese w ichtigen P u n k te an Österreich allen europäischen N atio nen die besten G arantien gewähren. _ D eutschland h a t ferner ein großes Interesse daran, so m eint List, daß in der T ürkei u n d in den un teren D onauländern Sicherheit u n d O rd nung B estand gewinnen, d am it in diese R ichtung n ich t nur der H andelsverkehr, sondern auch die deutsche Auswunderung geleitet w erden kann. U nter den derzeitigen V erhältnissen in der 16*
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Türkei d ü rfte es d en d eutschen S ta a te n in Ver bindung m it Ö sterreich n ic h t unm öglich sein, in der A rt a u f die V erbesserung d er öffentlichen Zu stände jen er L änder (in S üdosteuropa) zu w ir ken, d aß der deutsche K olonist sich n ic h t m ehr zurückgestoßen fühle, zum al w enn die Regie rungen selbst K olonisationssiedlungen stiften, d aran teilnehm en u n d ih n en fo rtw äh ren d ihren Schutz angedeihen lassen. L ist erreicht den H ö h ep u n k t a u f d er d ritte n im perial-politischen E ntw icklungsstufe seines Le bens. D as W ohl des A rbeiters is t ganz an das der N ation geknüpft. H öchste F reih eit, v er bunden m it stärk ster natio n aler M acht ist L ist’s Ziel. F reiheit hier im Sinne der Loslösung von fü rsten staatlich er Enge u n d d ynastischer W ill k ü r. D er Zollverein is t fü r L ist die greifbare O rganisation der D eutschen. „D erZ ollverein soll die D eutschen ökonom isch u n d m ateriell zu einer N ation v erbinden.“ Seit 1841 w ird L ist der im periale C harakter der b ritischen W elth err schaft, die sich a u f Freihandel u n d Liberalism us stü tz te, im m er b ew ußter.5) „E n g lan d , eine W elt fü r sich“ , diese E rk en n tn is s te h t am A nfang des Z ollvereinsblattes u n d fü h rt L ist w eiter zur grundsätzlichen E insicht, daß die im periale E n t w icklungsstufe ü b er die nationale v o lk sw irt schaftliche O rganisation hinausgeht.6) S eit 1842 8) L ist: Seite 255. •) L ist: „E n glan d, Ostindien und das M etropolkolonialsystem “ , 1842, Seite 503.
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schw ankt L ist zwischen der Kam pfansage an E ngland u n d der ersten Idee eines deutsch-eng lischen Bündnisses hin und h er.7) Seit dieser Zeit überlegt er, wie er die englische Meinung zur E in sicht bringen kann, daß D eutschland einen In dustrieschutz und eine M achtentfaltung braucht. F ü r D eutschland selbst findet er A nsatzpunkte u nd Möglichkeiten für eine rau m wirtschaftliche ind raum politische E n tfaltu n g im europäischen Südosten, w ährend er je tz t von dem Gedanken überseeischer Kolonien ganz ab rückt. N ach seiner neuen Idee h a t sich der deutsche Einfluß au f E uropa selbst zu konzentrieren und nich t in überseeischen Besitzungen zu verlieren. Aber erst 1846 verm ag List zwischen den politischökonomischen u n d zivilisatorischen E rw eite rungstendenzen des D eutschtum s u n d zwischen dem englischen Im perialism us eine G edanken verbindung zu schaffen. J e tz t erst fü h rt List n u r die Ideen des nationalen Systems über Südosteuropa w eiter aus, wobei fü r ihn die Besiedlung dieser Gebiete durch D eutsche zunächst im V ordergrund steh t. Ö ster reich ist für ihn „das europäische A m erika“ .8) Die überm äßige Zunahm e des Zwergbesitzes in den süd- und südosteuropäischen Gebieten will L ist durch eine v erstärk te Auswanderung ver7) List: „D ie englische Allianz und die deutsche Industrie“ , 1843, Seite 250. 8) List: „Warum eine Nation für den Verfall ihrer Manu fakturen im Ackerbau keinen Ersatz finden kann.“
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L indern.9) D as n a tü rlic h e Ziel dieser A usw ande ru n g sind a b e r n ic h t A m erik a u n d die englischen K olonien10*), wo die A u sw an d erer ein schweres Los u n d V erlu st ih re r N a tio n a litä t erw artet, sondern die U ferlän d er d e r D o n au v o n P reß b u rg bis zur M ündung, die n ö rd lich en P ro v in zen der T ü rk ei u n d die w estlichen U fer des Schw arzen M eeres. D ie A u sw anderung soll in F o rm einer G ruppenkolo n isatio n v o r sich gehen. D en Schlüssel zum H in te rla n d des S üdostens b ild et U ngarn. W elchen gew altigen S tro m v o n M acht lä ß t D eu tsch lan d n ach d em O zean fließen?. In den K an al d er D onau geleitet, w as k ö n n te er b e w irken? G eringeres w ah rh aftig n ic h t, als die B e grün d u n g eines m ächtigen, germ anisch-m agya rischen östlichen R eichs, einerseits v o m Schw ar zen, an d ererseits vo m A d riatischen M eer b esp ü lt und vom deu tsch en u n d un g arisch en G eist, b e seelt.11) E in freies, au fg ek lärtes M agyarenreich v erm ag n ic h t n u r d eu tsch er K u ltu r u n d d e u t schem H andel, d er Ü berfülle d er d eu tsch en B e völkerung die g en an n ten L än d er au fzu sch ließ en ; es is t auch durch die N a tu r der D inge gezw ungen, fü r im m er u n d ewig B rü d ersch aft m it u n s zu m achen.12) D eutsche u n d M agyaren sin d zu r E rgänzung wie geschaffen. 9) vgl. L ist: Anm ,1), besonders auch Seite 192. 10) L ist: „ D ie Auswanderung der D eutschen nach en g lisch en K olonien“ , 1843, Seite 62. u ) L ist: „D er Zollverein Österreich-Ungarn“ , 1843. 12) L ist: „D er Zollverein Österreich-Ungarn“ , 1843..
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1843 schreibt List im ZoJlvereinsblatt: „Die u n te re n D onauländer könnten 10 bis 20 Mil lionen fleißige D eutsche ernähren, und für unsere In d u strie u n d unseren H andel werden, was die am erikanischen H interländer den Vereinigten S taaten sind. Die D onau könnte den südlichen D eutschen werden, was R hein u n d Elbe den nördlichen sind. Wie m an Wegweiser an die L andstraßen stellt, so sollte m an an den Ufern d e r D onau von Meile zu Meile eine Säule er rich ten m it der A ufschrift: ,W asserstraße nach dem Schwarzen Meer4.“ 13) Bei all diesen P länen h a t List U ngarn nie anders b e tra c h te t als in enger staatsrechtlicher und w irt schaftlicher Verbundenheit m it Österreich. Öster reich nie anders als in Verbindung m it D eutsch land. Dabei h a t L ist stets der staatlichen Ver fassung, in diesem Falle also dem Föderativund N ationalitäten staat, praktisch den Vorzug vor dem rein Völkischen eingeräum t, das er in der heutigen B edeutung nicht gekannt h a t. List h a t nie daran gedacht, etwa n u r Deutsch-Ö ster reich m it dem übr igen R e ic h . vereinigen zu wollen, auch den gesonderten Anschluß Böh mens an den Zollverein h a t er abgelehnt; Es m uß zugegeben w erden, daß List W esen u n d Ziele des damaligen Österreich u n d die ausein anderstrebenden K räfte der .Donaum onarchie v erk an n t h at. Je klarer sich nun aber zeigte, daß 13) List: im Zollvereinsblatt, 1843, Seite 341.
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Ö sterreich eine w irtsch aftsp o litisch e Bundes refo rm o d er einen A n sch lu ß a n d en Zollverein im d eu tsch e n S inne n ic h t w ü n sch te, desto m ehr sah L ist,d ie B ed eu tu n g P re u ß e n s u n d desto m ehr w ar er w illens, Ö sterreic h -U n g arn zu n äc h st eine w irtsch afts- u n d zollpolitische Sonderstellung zuzugestehen. I n diesem Z u sam m en h an g is t es in te re s sa n t, daß L ist den Z ollv erein a u f F ra n k re ic h , B elgien u n d H o lla n d au sg ed eh n t w issen w ollte.14) U b er alle Zw eifel a b e r w ar es fü r ih n k la r, d aß D eu tsch la n d u n d Ö sterreich a u c h ohne Z ollanschluß zusam m engehörten. L ist v erfo lg t in diesem Z e ita b sc h n itt im Zoll v erein eine P o litik d er S chutz- u n d D ifferential zölle, die n ic h t ohne w eiteres a u f Ö sterreich ü b e rtra g b a r w ar. A m .w eiteste n e n tfe rn t sich L ist v o n den m itteleu ro p äisch en Id e e n m it seinem P la n , au ch süd am erik an isch e L ä n d e r wie B rasilien du rch gegenseitige V orzugsbehandlung m it dem Z ollverein zu v erb in d en u n d in die zoll politische F ro n t gegen E n g lan d h ineinzustellen. W ährend dieser Z eit is t L is t’s B lick n a c h d em W esten u n d n ach Ü bersee g eric h tet. D ies k o m m t au ch d ad u rch zum A u sd ru ck , d aß L ist eine A rtikelreihe des F ran zo sen R ichellot ü b er F ra n k reich u n d den Z ollverein zu stim m en d im Zollv ere in sb lä tt aufnahm . H ierbei k am L ist a u f die u ) L ist: „D er Zollverein und Frankreich, B elgien und H olland“ , Seite 169 bis 185.
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Idee der deutsch-französischen K ontinental allianz gegen E n g lan d noch einm al zurück.15) In abgew andelter F orm w ollte L ist seine Diffe rentialzollpläne a u f Ö sterreich und M itteleuropa angew andt sehen, wenn er m it ihnen den Ge danken einer deutschen Schiffahrtsakte nach A rt des Cromwell’scheB Navigationsgesetzes ver b an d . L ist konnte schließlich u n ter B eachtung der Sonderstellung der H absburger Monarchie nur die folgerichtige Zollpolitik betreiben: weiteren A usbau des Zollvereins u n te r preußischer F ü h rung in D eutschland, gleichzeitig aber zoll- und w irtschaftspolitische F orm in Österreich und U ngarn m it dem späteren Ziel einer zoll- und handelspolitischen A nnäherung beider Gebiete. Zugleich sollte sich im perialpolitisch der Zoll verein nach dem europäischen W esten hin, Ö sterreich-U ngarn nach dem Südosten hin, kräftigen, erw eitern u n d hieraus ein stärkeres M itteleuropa erwachsen. M it diesem Gedanken geht L ist im O ktober 1844 noch einm al nach W ien u n d von d ort aus zum erstenm al nach Ungarn. H ier h a t er Gelegenheit die realen Grundlagen seiner Pläne zu studieren. E r form uliert sie dahingehend, daß er nicht eine A utarkie im engeren Sinne wünsche, sondern daß die Stärkung aller politisch-ökonomischen Fundam ente im m itteleuropäischen Gesamt* 1S) List:-ebenda.
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ra u m , d essen W irts c h a ft d a n n ü b e r H am b u rg , B rem en , A m s te rd a m u n d A n tw erp en , ebenso a b e r a u c h ü b e r V en ed ig , G en u a u n d T rie st in die W e ltw irts c h a ft h in a u sströ m e n soll, im Vor d e rg ru n d a lle r E rw ä g u n g e n zu steh en habe. I n d ie sem R a h m e n k a n n U n g a rn fü r D eu tsch la n d n ic h t n u r ein A u sw a n d e ru n g sg e b ie t,'so n d e rn a u c h ein e R o h sto ffb ezu g sq u elle w erden: H a n f, F la c h s, W ein, T a b a k , R ohseide, Zucker, R eis k ö n n te n v o n d o r t gegen d e u tsc h e u n d ö ster re ic h isch e In d u s trie p ro d u k te g e ta u sc h t w erden. I n s tä rk s te m M aße m üsse z u n ä c h st d er H an d els v e rk e h r zw ischen Ö sterreich u n d U n g arp er le ic h te r t w erd en , h a u p tsä c h lic h zu m N u tzen U n g arn s. D eu tsch es u n d österreichisches K ap ital u n d d e u tsc h e E in w a n d e ru n g k ö n n te n w eiter zur E rsc h lie ß u n g U n g arn s b e itra g e n . W ü rd e U ngarn als vorw iegendes A g ra rla n d e rs t einm al a u f eine h ö h e re ökonom ische S tu fe gehoben u n d a u f der. a n d e re n S eite die d eu tsch e In d u s trie zu r L ei stu n g sh ö h e d er österreichischen em por entw ickelt sein, k ö n n e en d lich eine Z ollvereinigung von D e u tsc h la n d , Ö sterreich u n d U n g arn ein treten , zugleich m it dem Ziel einer w eiteren w irtsch afts p o litisch en A u sb reitu n g der gem einsam en Ein-, flußsphäre im S ü d o sten .16) L ist hoffte, fü r dieses P ro g ram m die österreichische R egierung u n d In1#) L ist: „Ö sterreich und der Zollverein“ , 1843; „Ü ber die Zollvereinigung der österreichischen Provinzen m it Ungarn“ , 1843.
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dustrie ebenso wie die ungarischen Magnaten zu gewinnen, aber die ganze Reise war ein Fehl schlag. Sie scheiterte letzten Endes an der ab lehnenden H altung M etternichs. Seit 1845 n u n w irft List seine ganze Hoffnung a u f Preußen. Im Zollvereinsblatt veröffentlicht er 1845 bis 1846 eine Aufsatzreihe über „die politisch-ökonomische N ationaleinheit der D eut schen“ , die sein Vermächtnis an die N ation e n t h ält. List b eto n t hier, daß der Zollverein keine finanzwirtschaftliche Organisation, sondern eine V erkörperung des nationalen Woliens sei. Aber n u r bei einer Schutzpolitik, die alle produktiven K räfte D eutschlands zur E ntfaltung bringt, kann der Zollverein die N ation davor schützen, ein Opfer der im perialen M ächte zu werden, die sich im m er gewaltiger ausdehnen, wie England, Frankreich, Amerika u n d R ußland.17) T rotz aller Rückschläge u n d Enttäuschungen ist L ist aber der Verzicht au f politisches H andeln unmöglich. E r b rich t also sein „V erm ächtnis“ plötzlich ab und begibt sich erneut in die aktuelle P olitik hinein., Im März 1846 gewinnt der Ge danke, die preußische und engb'sche Regierung zu einem Bündnispakt zu bewegen u n d dafür selbst nach .England zu reisen, seine endgültige G estalt. Aber auch dieser P lan ist zum Scheitern verurteilt. List findet 1846 in Preußen kein Ver17), List; „Die politisch-ökonomische Nationaleinheit der Deutschen“ , 1845 bis 1846, Seite 441...
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stä n d n is u n d sein P la n w ird v o n E n g lan d ab g e le h n t. E n g la n d w ü n sc h t k ein größeres und m ä ch tig e res D e u ts c h la n d u n d k ein e deutschen S ch u tzzö lle. P e e l u n d P a lm e rsto n e steh en den L is t’schen P lä n e n a b le h n e n d g eg enüber. Peel s tim m t in ein em S ch reib en a n L ist zw ar einer d eu tsch -en g lisch en A llianz zu , allerd in g s u n te r d e r V o rau ssetzu n g , d a ß D e u tsc h la n d sich dem F re ih a n d e l zuw ende. P a lm e rsto n e v e rsu c h t, List in ein er D e n k sc h rift v o lk sw irtsch aftlich e Irrtü m e r n ach zu w eisen u n d p re is t d en N u tzen des F reih an d els.18) I s t ’s M itteleu ro p a-Id ee h a t sich stufenw eise e n t w ickelt, is t a b e r s te ts a u sg e ric h te t a u f die Z u k u n ft kom m en d er d eu tsch er G esch lech ter; L ist h a t d en a lte n R eichsgedanken politisch-ökono m isch fo rtg eb ild et. E in D eu tsch es R eich d e r Z u k u n ft um schloß fü r ih n k u ltu re ll u n d w irtsc h a ft lich M itteleu ro p a, freilich n ic h t m it sta rre m deutschen Z entralism us, sondern m it einem F ö d e ralism us, der au ch das W esen d er frem d e n N a tio n a litä te n an erk a n n te, a b e r in d er V ereinigung u n d F reu n d sch aft m it ih n en den p ro d u k tiv e n K rä fte n des D eu tsch tu m s die s tä rk s te A usw ei tu n g zu geben suchte. Die M itteleu ro p a-Id ee 18) Friedrich L ist: „ D ie politisch-ökonom ische N ational einheit der D eutschen“ , herausgegehen von Friedrich Lenz und Erwin W iskemann, Berlin 1931, darin B e merkungen Palm erstones und Peels zur A llianzdenk sch rift vom A ugust und September 1846.
L ist’e bleibt sittlichen und geistigen Zielen unterw orfen, die fü r ih n in der Zivilisations aufgabe D eutschlands im mitteleuropäischen R aum gipfeln. Die B edeutung ausreichenden Raum es für die politisch-ökonom ische Entw icklung einer großen N ation h a t L ist, wie keiner vor ihm , erkannt. E iner gehaltlosen R om antik raum politischer W ünsche, einer spekulativen Raum geometrie ist er dennoch nich t zum Opfer gefallen. Ih m war geläufig, daß Landschaften und Meere das ge schichtliche Schicksal n u r durch das Medium des Menschen- und Völkerwillens bestim m en können u nd daß es d arau f ankom m t, was die N ationen aus dem ihrer W irkungssphäre zugänglichen R aum an produktiven K räften geistigen und m ateriellen In h alts zu fördern verstehen.19) .Die L ist’sche M itteleuropa-Idee gerade ist ge eignet, fü r eine europäische Großraum w irtschaft richtungweisende A nhaltspunkte zu geben. Aus gangspunkt fü r die L ist’schen Gedanken w ar das E rste D eutsche Reich. Auch fü r uns h a t das Reich, näm lich das Großdeutsche Reich Adolf H itlers, Basis einer G roßraum w irtschaft zu sein, wie dies von dem ideologischen G estalter n a tionalsozialistischer W irtschaftspolitik, W erner D aitz, seit 20 Jah ren gefordert wird20). i») Erwin Wiskemann: „Mitteleuropa eine deutsche Auf gabe“ , Berlin 1933, Seite 44, N 2 0 ) Werner Daitz: „Der Weg zur völkischen Wirtschaft und zur europäischen Großraumwirtschaft.“ v
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W ir stim m en L ist zu; w enn er eine bedeutsam e A ufgabe D eu tsch lan d s d a rin erb lick t, a n der W eiteren tw ick lu n g d e r Z iv ilisatio n des Süd ostens m itz u w irk e n ; w ir d eh n en diese A ufgabe als k u ltu re lle u n d w irtsch aftlich e a u f K o n tin en ta le u ro p a aus. E s is t zw eifellos ric h tig , d aß E n g lan d im Besitz oder d u rch E in w irk u n g sm ö g lich k eiten a u f die östlichen M ittelm eerausgänge k o n tin en taleu ro p äisch e In te re ss e n v e rle tz t. L ist b e to n t d ie E rg än zu n g sm ö g lich k eiten zwi schen D e u tsc h la n d u n d U ngarn. W ir erkennen g erad e h ie rin ein w esentliches M erkm al einer G ro ß rau m w irtsch aft, d as w ir a u f alle geeigneten L ä n d e r K o n tin e n tale u ro p as ausdehnen. D och a u c h L ist w ill schon H o llan d , B elgien u n d sogar S ü d am erik a d u rc h P räferenzzölle m it D eutsch la n d in einen B lock gegen E n g lan d ziehen. N ic h t A u ta rk ie im engeren Sinne, sondern S tä r k u n g d e r politisch-ökonom ischen F u n d am e n te in E u ro p a is t das Ziel L ist’s. A uch w ir w ollen keine ab so lu te A u tark ie . Als K rön u n g des ganzen h a t schließlich das R eich b ei L ist die A ufgabe, fü r R u h e u n d O rdnung in S üdosteuropa bis in die " T ü rk ei zu sorgen. A uch wir erblicken h e u te hierin eine V erpflichtung G roßdeutschlands, im Verein m it Ita lie n E u ro p a n eu zu ordnen u n d die E in griffe rau m frem d er M ächte ab zu w eh ren .im In teresse aller ko n tin en taleu ro p äisch er Völker.
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ZU M U M BA U D E R V O L K S- U N D W E L T W IR T S C H A F T Dieser Aufsatz wurde von W ern er D a it z schon im Februar 1916 verfaßt, aber wegen der Kühn heit seiner Ideen und des darin vorgetragenen scharfen Angriffs gegen den Wirtschaftsliberalismus von verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften abgelehnt und erst im November 1916 in der Frankfurter Halbmonatsschrift ,,D as freie Wort“ , 16. Jahrgang Nr. 15/16, veröffentlicht.
D e r gegenwärtige W eltkrieg bed eu tet eine Revo lution der W eltgeschichte. Eine unvergleichlich größere als die der napoleonischen Kriege vor hundert Jah ren , da der korsische Im p erato r der Träger des Schicksalswillens w ard and durch den Mund seiner K anonen die Idee der französischen R evolution in ganz E uropa verkündete. N apo leon zertrüm m erte nicht n u r gew altsam den überlebten staatlichen Absolutismus der euro päischen K ulturnationen, sondern zugleich auch die absolutistische W irtschaftsverfassung, das „M erkantilsystem “ , den „Colbertism üs“ , der den lebendigen W irtschaftsorganism us der Völker wie einen P anzer einschnürte und gesprengt w erden m ußte. Im Laufe des neunzehnten Jah rh u n d erts schlug jedoch der von der französischen Revolu tio n u nd Napoleon eingeleitete w irtschaftliche Liberalismus in extrem sten Individualism us um. Die staatlich geschlossene V olkswirtschaft w urde im m er mehr aufgelöst zugunsten einer internatio-
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nalen W eltw irtsch a ft, d er P rozeß d er nationalen A rbeitsteilung , d er b ish er d ieA rb eit derV olksw irtsch aft gegliedert h a tte , im m er m eh r zu m Prinzip d er W e ltw irtsc h a ft e rw eitert u n d die nationale A rb eitsteilu n g zu r in te rn a tio n a le n an g estre b t. D am it w urde die n a tio n a le G rundlage d er Volks w irtsc h a ft aus* d en A ngeln gehoben u n d dem S ta a t als W irtsch aftsein h eit die B asis genom m en. D as K a p ita l w u rd e in te rn a tio n a l u n d b ildete je n e n in te rn a tio n a le n K ap italism u s h erau s, dem n o tw en d ig w ie sein S c h a tte n d e r in tern atio n ale S ozialism us folgte. D ieses ideologische W eltw irtsch aftsid eal, das aus d e r Ü b ersp an n u n g des w irtsch aftlich en L iberalis m us e n tsp ra n g , is t zu einer d e r H au p tu rsach en des W eltkrieg es gew orden, w enn es n ic h t die h a u p tsä c h lic h ste is t. A ber a u c h au s d iesem W eltb ran d e sch läg t die L ohe des E w ig-S chöpferischen a u f ; m it gew al tig e re r M acht d en n je m als. D ie W elt h ä lt sich allein im G leichgew icht d u rc h die G egensätze. N och v erb e rg e n zw ar d e r B lu tsch leier u n d die S tim m en des H asses u n d Zornes d er en tfesselten E rd g e iste r d as G roße, d as sich w ieder au s d em Schoße des W eltw illens lo srin g t. F u rc h tb a r sind die G eburtsw eh en , u n te r d en en die M enschheits geschichte sich w in d et, u m ein N eues a n s L ic h t zu b rin g en . W ohl dem , d er es zu erk e n n e n v e r m ag. E r w ird g e trö ste t w erden. T riu m p h iere n d sie h t er ü b e r d en v o n G eschoß u n d M ordm aschi n e n z e rfe tz te n M enschenleibern die Sonne de*
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Ew ig-Schöpferischen aufsteigen. Die Geburts stunde zweier w eltbedeutender Ideen h a t ge schlagen; einer religiösen und einer w irtschaft lichen. Von der letzteren wollen wir im nach folgender! sprechen. Jede Idee b ed arf der äußeren M acht, um sich durchzusetzen. Unsere Zeit ist ausgefüllt durch die M achtsam m lung und Organisation der neuen w irtschaftlichen Idee: das zum Selbstzweck en t arte te autonom e K apital um zuform en in soziales K apital. U nd zwar soziales K ap ital a u f s ta a t licher Grundlage. M it g e w a lt ig e n S c h lä g e n h ä m m e r t d ie G e g e n w a r t d e n V ö lk e r n w ie d e r in s H i r n , d a ß n u r e in e v o m F e in d e n ic h t tö d lic h zu tr e f f e n d e W ir t s c h a f t d ie e r s t e V o r b e d in g u n g , j a ü b e r h a u p t e r s t d ie M ö g lic h k e it e in e s d a u e r h a f t e n S ie g e s d e r W a f f e n g ib t . Die Welle des w irtschaftlichen Liberalismus, welche die W elt im vergangenen Jah rh u n d ert überflutete, h a t in dies Fundam entalprinzip des Staates klaf fende Lücken geschlagen. Zugunsten eines W eltfreihandels-Idols w urde dem durch die A rbeit der Volksgemeinschaft geschaffenen K apital Freibrief gew ährt, sich überall d o rt anzusiedeln, wo es ihm paßte, u n d zu arbeiten u n te r der Flagge, die ihm gerade den höchsten Zins v er hieß. Diese Freiheit des K apitals w ar keine F rei heit mehr, sondern staatsw irtschaftlich b e - . tra c h te t: Anarchie. Seine Folgen sehen wir heute. Die vielgerühm te „w eltw irtschaftliche Verflech« 17
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tu n g d er V ö lk er“ , die v ie lg ep riesen e,. die köst lich ste F ru c h t d er w irtsch aftlich en Entw icklung des n eu n z e h n te n J a h rh u n d e rts , h a t den K rieg in die g rau sam ste F o rm ü b e rg e le ite t, die es fü r das V olksganze geben k a n n , d en W irtschaftskrieg. D ieser In d u strie - u n d W irtsc h a ftsk rie g ist nur m öglich gew orden, w eil je d es d e r g roßen kon tin e n ta le n V ölker die L eb en sad ern seiner Volks w irts c h a ft h ö ch st m a n g elh aft g esch ü tzt h a t. Die W irts c h a ft d e r S ta a te n des M ittela lters u n d bis in die M itte des n eu n z e h n te n J a h rh u n d e rts hinein k o n n te e rn s th a ft n u r b e d ro h t w erden, w enn der F e in d m it W affengew alt in s L a n d b ra c h . H eute a b e r erleben w ir d a s P arad o x o n , d aß D eutschland u n d seine V erb ü n d ete n ih re H eere ü b erall w eit in F ein d e slan d steh en h ab en u n d doch seine V olks w irtsc h a ft u n d E x isten z in g ro ß er G efahr sind. N u r d ie s tä rk s te W irtsc h a ftsm a c h t d e r N euzeit, das b ritisc h e W eltreich , is t d u rc h die S eeherr sc h a ft in d e r L ag e, sein w eitverzw eigtes W irt sch aftssy stem noch am b esten in ta k t zu h alten . D ie L asten , die E n g lan d zu tra g e n h a t, sind groß, sehr groß, grö ß er d en n je d e der an d e rn V ölker; a b e r m a n tä u sc h e sich n ic h t — die In te g ritä t seines W irtsch aftssy stem s im ganzen blieb ger w a h rt. Sein U m fang v errin g e rte sich, die Z a h lungsbilanz zeigt h e u te ein P assiv u m v o n ru n d v ier M illiarden M ark, s ta t t eines gleich großen A ktiv u m s in F riedenszeit. D as sind gew altige Ziffern. D er A derlaß schw ächt B ritan n ien s W irt sch aft u n d R eichtum . A ber sein K ap ital a rb e ite t,
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wenn auch viel davon ins Ausland abfließt, und ist nicht zum Feiern gezwungen infolge u n ter bundener Rohstoffzufuhr oder Exportm öglich keit. Die deutsche W irtschaft, die mehr denn jede andere au f industriell-technischer und landwirtschaftlich-technischer Produktion aufgebaut ist, erstickt am Schluß m it unfehlbarer Notwen digkeit, wenn ihr die Zirkulation der Rohstoffe u nd E xportw are dauernd unterbunden wird. Die deutsche W irtschaft ist ein einziger riesenhafter G roßbetrieb geworden, der aus dem W eltm arkt und fü r ihn arbeiten m uß. Die W eltraffinerie für die rohen W irtschaftsgüter; das q u alitativ höchst entwickelte Industrieland der E rde. D arum be ginnt sich bew ußt auch in D eutschland zuerst die neue große W irtschaftsidee zu regen, die der Ausgang einer neuen Epoche sein w ird — ge boren aus der N ot der Stunde. Die eiserne N ot wendigkeit sitzt am Steuer u n d zwingt die W irt schaft nach jenem weltweiten Ziele, das nur ihrem Blick erreichbar ist. In D eutschland ist zum ersten Male m it aller D eutlichkeit der W ider sinn begriffen worden, der in der ziellosen, will kürlichen B etätigung des deutschen K apitals au f dem W eltm arkt u n d in der Binnenschiffahrt liegt, die ungeheure Gefahr, die daraus der All gemeinheit droht. Die N ot der Stunde h a t den Stein ins Rollen gebracht, der, zu einer Lawine anschwellend, das W eltwirtschaftsgefüge um w andeln w ird: der Prozeß der Um formung des P rivatkapitals in ein soziales K ap ital; die be17*
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w u ß te ’ U n tero rd n u n g des freien K ap ita ls u n te r die N atio n a lw irtsc h a ft h a t begonnen. A ber m it dem I n h a lt w an d elt sich au ch die F o rm . Die neue T endenz d er W irtsc h a ft b e d in g t gleichzeitig einen völlig ä u ß e rn U m b au d e r W eltw irtsch aft. Z u r See, ü b e r u n d u n te r d e r See, w ird k ü nftig m e h r d en n je g e rü s te t w erden. D ie „freie See“ , d ie a u f d a s vo llk o m m en ste d a s P rin zip des F rei h an d e ls u n d d e r verflossenen lib erale n W irt schaftsepoche zu v e rk ö rp e rn schien, b ie te t h eu te gerade dem m ilitärisch en A n g riff a u f « b ew irtsch aft d e r g ro ß en In d u s trie lä n d e r u n d H a n d e lssta a te n d as d a n k b a rs te u n d ergiebigste Ziel. D ies w elt h isto risch e B eispiel w ird n ic h t vergessen w erden. So sieh t sich d e n n d e r m ilitärisch u n d w irtsc h a ft lic h v e rs tä rk te B lock M itteleu ro p as gen ö tig t, seine w ich tig sten R o h stoffzufuhr- u n d H an d els s tra ß e n so zu legen, d a ß er sie s te ts m it seinen L a n d h e eren sch ü tz e n k a n n . D ie O r g a n i s a t i o n des m itteleu ro p äisch en W irtsc h a ftsv e r b a n d e s h a t b e g o n n e n ; er w ird seine Schienen s trä n g e au sstre c k e n m üssen, w ill er sein Ziel erreichen, v o n H a m b u rg b is a n d en P ersisch en Golf. N u r so w ird d ieser W irtsc h a ftsv e rb a n d w irtsch aftlic h n ic h t m eh r tö d lich zu treffe n sein u n d je d e m d e r ih m an g eh ö ren d en S ta a te n eine au sreich en d e S icherung d e r Z u fu h rstra ß e n u n d E x p o rtw eg e gew ähren1). x) D ie Stap elu ng unentbehrlicher kolonialer R ohstoffe : ; kann die E rreichung dieses ‘W irtschaftszieles erleich ter n , ab er n ic h t entbehrlich m achen.
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Die Schaffung dieses mitteleuropäischen, W irt schaftsverbandes ist-ein Willensziel, kein kurz fristiges, hochlohnendes Geschäftsziel. D arum w ird m an das K ap ital in diesen V erband zwingen müssen — von S taats wegen, vom S tandpunkt einer möglichst geschlossenen N ationalw irtschaft aus, die heute wieder T ru m p f ist. Man täusche sich nicht. Die bisher befahrenen Seehandels straßen sind m it den geringeren T ransportkosten belastet u nd bieten dem K ap ital die bei .weitem größere Möglichkeit, in kurzfristigen Geschäften hohe Gewinnt zu erzielen. U nd da m an dem K a p ital uneingeschränkte Freiheit gab, so ist daraus die heutige rein kapitalistische, W eltw irtschaft entstanden, die sich Selbstzweck w ar. — Die anbrechende W irtschaftsepoche w ird m it.'dieser Selbstzwecksetzung des K apitals gründlich äufräum en und es in die G ebundenheit u n te r sta a ts w irtschaftliche Interessen zurückführen. Eine neue A rt Staatssozialismus b rich t an. Ganz an ders, als ihn jeder von uns erträu m t oder gedacht h a tte . Man w ird die privatw irtschaftliche In itia tive u n d die P rivatkapitalw irtschaft n ich t.läh men, aber von staatssozialistischen Gesichts punkten aus reglem entieren, dadurch, daß das K apital nationalw irtschaftlich geballt u n d m it einheitlicher Stoßkraft nach außen geleitet .wird. S ta a t u nd W irtschaft werden durch den W elt krieg wieder aufs innigste verschmolzen. Der S ta a t beansprucht zur Kriegführung nich t nur fast die gesamte wirtschaftliche Leistung, son
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d e rn v ersch lin g t als A nleihen au c h d en Groß te il des g e sa m te n B etrieb s- u n d A nlagekapitals d e r V o lk sw irtsch aften . D er S ta a t is t in nie ge a h n te m U m fan g e G em einschuldner gew orden u n d w ird es n o ch im m er m e h r. D ie K red itw ü rd ig k e it der V o lk sw irtsch aft h ä n g t n u n m e h r v o n der K re d itw ü rd ig k e it des S ta a te s a b . U n d die K re d it w ü rd ig k eit des S ta a te s v o m Z u sta n d e d e r V olks w irtsc h a ft. D iese V erschm elzung d er In teressen b e d in g t w ied eru m geb ieterisch d en geschlossenen H a n d e ls s ta a t. N u r in d ieser W irtsch aftsfo rm ist eine solche In teressen g em ein sch aft m öglich. Die m oderne F o rm des geschlossenen H an d elsstaa tes soll d e n Z e n tra lm ä c h te n d er m itteleu ro p äisch e W irts c h a fts v e rb a n d b rin g en . — A uch a u s dem G ru n d e w ird ein w irtsch aftlic h er Zusam m en^ Schluß d e r b eid en g ro ß en M äch teg ru p p en , die sich h e u te fein d lich geg en ü b ersteh en , n a c h F rie d ensschluß no tw en d ig w erden, w eil a n d e rs die F in a n z w irtsc h a ft d e r beid en M äch teg ru p p en n ic h t zu o rd n en sein w ird. M an b ed en k e n u r, R u ß la n d p u m p t h e u te in F ra n k re ic h , F ra n k re ic h le ih t gegen U n terla g en v o n E n g lan d , E n g la n d v e rp fä n d e t W e rtp a p ie re in A m erik a. V on d en A nleihen Belgiens, Ita lie n s, Serbiens, M onte negros usw ., u sw ., die ebenfalls d azu b e itra g e n , das F in an z sy ste m d er E n te n te zu einem im m er u n e n tw irrb a re re n K n äu el zu verw ickeln, w ollen w ir ganz absehen. Jed en falls is t a b e r d a s eine sicher, d a ß die L iq u id atio n des E n ten teg e sc h äfts eine re c h t langw ierige sein w ird, u n d d a ß die
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U nm öglichkeit der Zahlung durch die Gewäh rung w irtschaftlicher Vorteile kom pensiert wer den muß und wird. Auch zwischen den Mächten des neuen D reibundes und seinen A nhängern w erden sich gewisse finanzielle Transaktionen als notw endig erweisen. Diese wiederum bedingen nach Friedensschluß ein Operieren nach gemein sam en finanzw irtschaftlichen Gesichtspunkten. So wird die durch den Krieg herbeigeführte V er flechtung der K red it-u n d Finanzverhältnisse der beiden feindlichen M ächtegruppen sich auch später noch als ein gemeinsames G ravitations zentrum dieser S taatenverbände erweisen und sie zu W irtschaftsverbänden zwingen. Es ist dies M oment bisher viel zu wenig berücksichtigt wor den. Ebenso w ird es in der ersten Zeit nach dem Kriege nur möglich sein, m it K riegsanleihen ohne V erlust zu bezahlen innerhalb eines geschlossenen W irtschaftsverbandes, deren jeder die S taaten um fängt, die au f gemeinsame Rechnung den W eltkrieg führten. Mit der P hrase der internationalen F reiheit des H andels u nd K apitals b rich t zugleich auch die des internationalen Sozialismus zusamm en. Die Sozialisierung des Staates m acht in dem gleichen Maße F ortschritte, wie der S taat Schuldner der Volkswirtschaft und der Allgemeinheit w ird. Je länger der Krieg dauert, in desto größere und dauernde Abhängigkeit gerät der S ta a t von der Volkswirtschaft, u n d ein desto sozialeres Gepräge w ird er tragen müssen, weil er sich der Volks-
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W irtschaft u m so en g er a n p a s s e n m u ß . E s ist h ie r n ic h t d e r O rt u n d a u c h v o r a lle m n o ch nicht a n d e r Z e it, im ein zeln e n au fzu z eig en , in welcher W eise sich d e r n e u e S ta a tsso z ia lism u s innerhalb d e r ein zeln en S ta a te n d e r W irtsc h a ftsv e rb ä n d e b e tä tig e n w ird u n d m u ß . W e r d ie Z eich en der Z e it zu d e u te n v e r s te h t, w ird , w e n n er n u r die A u g en ö ffn et, g en u g d es h e u e n G eistes v er sp ü re n , d essen W irk e n n ic h t w ied er v erw isch t w erd en k a n n . D ieselb e a n o n y m e K r a f t, die m it S chicksalsgew alt d e n A u ß e n b a u d e r W eltw irt sc h a ft u m p rä g t, o rg a n is ie rt zu g leich a u c h den in n e re n N e u b a u d e r V o lk sw irtsc h a fte n , in d em sie eine n eu e E n tw ic k lu n g sp h a se d es K a p ita lis m us h e ra ü ffü h rt. D iese W a n d lu n g d es K a p ita lis m us b e d in g t m it N a tu rn o tw e n d ig k e it e in e n U m b a u seiner b ish erig en G e g e n k ra ft, d e s i n t e r n a t i o n a l e n S o z ia lis m u s . Sie z e r s c h l ä g t d iesen in N a tio n a ls o z ia lis m e n , d eren W a h ls p r u c h sein w ird : d ie A r b e i t ü b e r d i e P h r a s e . U n te r diesem Z eich en s te h t h e u te a u c h die K rise d er d eu tsch en S o z ia ld em o k ra tie, die d er organ isierten A rb eit, d en G ew erk sch aften , die H errsch aft ü b er die P a rte id o g m e n en d g ü ltig sichern w ird.
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D IE A LTE S T Ä D T E H A N S E UND D ER K O N TIN EN TA L-EU R O PÄ ISC H E W IR TSC H A FT SK R E ISL A U F Rede, gehalten von W er n e r D a it z auf der ersten Reichstagung der Nordischen Gesellschaft Juni 1934. Als Aufsatz u. a. erschienen in H eft 2 (1934) von „Ausfuhr ist not! Wirtschaftlichsoziale W elt fragen“ , herausgegeben von Dr. Ernst Schultze, o. Prof, der V olts- und W eltwirtschaftslehre an der Handels - Hochschule Leipzig, Direktor des W eltwirtschaftsinstituts.
I. Wiederbelebung einer stolzen Tradition Wfeün ich als Sohn der alten, ruhm reichen S tad t Lübeck und anläßlich der ersten R eichstagung der Nordischen Gesellschaft zu Lübeck an dieser historischen S tätte das W ort ergriffen habe, so geschah dies in D ankbarkeit und E hrfurcht vor dem großen Führer unserer Bewegung. Ihm v er danken wir es, wenn heute der große hansische Gedanke, der vier Jahrhunderte hindurch für immer verschüttet schien, in neuer K raft wie der ersteht. Denn seine W iederverkörperung in neuem Geist und neuer Form ist der kontinental europäische W irtschaftskreislauf, die kontinen taleuropäische Großraumwirtschaft. . " ' In Lübeck wurde einst die Politik der m ittel alterlichen Welt m itbestim m t, der ersten kon
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tin e n ta le u ro p ä is c h e n G ro ß ra u m w irtsc h a ft. Hier w u rd en d ie L ose g ew orfen v o n d en A bgesandten d e r S ta a te n W est-, N o rd - u n d O steu ro p as und d en R a tss e n d e b o te n d e r d e u tsc h e n H an sestäd te ü b e r die W irts c h a fts g e s ta ltu n g u n d W irtsch afts p la n u n g eines g ro ß e n T eils d er europäischen V ölker. U n d w en n ic h h e u te n u n als N atio n al so zialist ü b e r d e n N e u b a u d e r k o n tin e n ta le u ro p ä isc h e n G ro ß ra u m w irts c h a ft sp rech e, so liegt d a rin eine tiefe h isto risc h e L ogik. M an w ird er in n e rt a n N ietzsch es m y stisc h e L e h re v o n der ew igen W ie d e rk u n ft u n d v o n d em A b la u f des g ro ß en W e ltja h rs . D enn d e r g ro ß e K ü n d e r der W e lta n s c h a u u n g A d o lf H itle rs , u n s e r P g . R eichs le ite r A lfre d R o sen b erg , k o n n te v o r w enigen W o ch en — o h n e je d e a u ß e n p o litisc h e S p itze — in d e r v o n d e n F lü g elsc h läg en d e r G eschichte u m ra u s c h te n M arien b u rg d ie W ied erv erk ö rp e ru n g u n d die E rn e u e ru n g des G eistes des D eu tsch ritte ro rd e n s in H a ltu n g u n d O rg a n isa tio n u n serer n a tio n a lso z ia listisc h e n B ew egung v e rk ü n d e n ; u n d ic h d a r f h e u te sp rech en ü b e r G eist u n d F o rm des n eu e rste h e n d e n k o n tin en taleu ro p äisch eD W irtsch aftsk reislau fes — a n d e r g leich en h isto risch en S tä tte , a n d e r d e r e rste , d ie a lte S tä d te h an se, ih re n A n fan g n a h m . E s is t ein d u rc h u n d e u tsc h e G esch ich tssch rei b u n g e rze u g ter I r r tu m , d a ß die a lte H a n s e als re in e r W irtsc h a ftsv e rb a n d g eg rü n d e t u n d v o n H än d lerg eist u n d P ro fitsu b h t b e h e rrs c h t w u rd e. E ch tes K ö n n en ganz g ro ß en S tils a u f allen
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Gebieten steh t am Anfang des hansischen Werdens E chter nordischer W ikingergeist. Die Zwiefältigkeit, die P o larität seines W esens: u n w iderstehlicher D rang und Sehnsucht in die F erne bei gleichzeitigem, unüberwindlichem H ang zur Scholle u n d H eim at: Fernw eh und Heimweh sind die G rundlagen aller echten Kolo nisation. Der Nomade dagegen zieht schweifend durch die W elt u n d lä ß t h in ter sich zerstörte L agerstätten und Dörfer. E r ist überall u n d n ir gends zu H ause. Den nordischen M enschen d a gegen tre ib t es in die Ferne. A ber die Sehnsucht u n d Treue zur H eim at fesselt ih n im m er wieder a n den Boden u n d lä ß t ih n d an n eine neue H ei m at gründen, wenn er zur alten nich t zurück kehren kann. So treiben die W ikinger ihre Drachenschiffe über alle Meere u n d k ehren zur alten H eim at zurück, oder gründen in der F erne eine neue, wenn ihnen der alte H eim atboden keinen R aum m ehr lä ß t. D er Chinese u n te rteilt in unendlicher Vielzahl seinen Ackerboden, im m er enger w ird darum das Menschengewimmel a u f der Scholle. D er n o r dische Mensch dagegen u n te rte ilt seinen Boden nicht. Das Erbhofgesetz, das F u n d am en t der nationalsozialistischen B auernw irtschaft, bringt diesen Gedanken erneut zum A usdruck u n d v er lan g t dam it von den nacbgeborenen Söhnen ge werbliche oder andere B etätigung, die E rrichtung neuer H eim atstätten außerhalb des Erbhofes oder der alten H eim at. Deshalb w ohnt der nor267
dische M enscli a n allen W asserläufen u n d Meerön der W elt u n d au ch n u r h ier. N u r w eil M eer u n d L and in ih re r V erbindung der P o la ritä t seines W esens en tsprechen . 1. D a s W i k i n g e r t u m a l s g e i s t i g e r B e g r i f f D er n ordische M ensch is t ein seefahrender B auer, ein W ikinger. Ü ber die N ordsee k am en sie einst a u f ih re n flinken Schiffen gefahren, su ch ten die K ü ste n heim , fu h ren die F lüsse h in au f, b is ins In n e re des L andes. E rschienen gleichzeitig vor H am b u rg , u n d P a ris. D u rch q u erten die Ostsee u n d g rü n d ete n 862 in R u ß la n d d as W arägerR eich. D rangen d u rch die M eerenge von G ibral ta r ins M ittelm eer u n d g rü n d eten den sizilianischen N o rm an n en -S taat. E ro b erten von N ord fran k reich au s 1066 E n g lan d . A ber au ch der w eite O zean schreck te sie n ich t. Sie ließen sich in Isla n d u n d G rönland nieder, und b ereits um das J a h r 1000 b e tra te n sie, ein H alb jah rtaü sen d vor Colüm bus, das am erikanische F estla n d . ■— W as fü r ein gew altiger, him m elstürm ender Geist offenbart sich in diesen wenigen D a te n ! — N icht u m eitlen R uhm es w illen b o ten sie in ih ren ge brechlichen F ahrzeugen den W eltm eeren T ro tz u n d bezw angen sie. Ih re N a tu r w ar es, die sie trie b u n d im m er w eiter trieb . E in unbezw ing b arer D rang in die F erne, in das noch U nbe kan n te, die innere u n d äußere N otw endigkeit, N euland zu entdecken u n d zu kolonisieren. E in
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käm pferischer, kühner, draufgängerischer- See fahrergeist, gem ischt m it gleich starker, unend licher Sehnsucht zur alten H eim at und zur eige nen Scholle: Fernw eh u n d Heimweh. W ikingertum ist ein geistiger Begriff, ist H altung, ist echtester nordischer Stil. Als W ikinger lä ß t m an sich nicht entdecken. Man entdeckt seihst. Es w ar gar nich t anders mög lich, als daß wir die Indianer, daß wir die Neger, daß wir die anderen W elten entdeckten u n d nicht um gekehrt. — Dieses nordische-B lut h a t alle Völker E uropas d u rch setzt — n u r die G rade sind verschieden. 2. D ie G r o ß r a u m w i r t s c h a f t d e r d e u t s c h e n H anse Doch zurück zur. deutschen H anse, zur ersten kontinentaleuropäischen G roßraum w irtschaft, die in den Ja h re n 1000 bis 1500.errich tet w urde. W ährend die K aiser des E rsten Reiches, des so genannten Heiligen Römischen Reiches D eut scher N ation, ihre A ußenpolitik u ltra montes orientierten u nd jenseits der Alpen in Italien bestes deutsches B lut u n d G ut in S tröm en v e r geudeten, b aute der niedersächsische N orden ziel bew ußt un d m it eiserner Konsequenz die erste kontinentaleuropäische G roßraum w irtschaft. — W ährend der D eutschritterorden von der Ostsee bis hinunter nach Siebenbürgen seine Stellungen ausbaute, holte die Hanse die Agrarüberschüsse
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aus dem S ü d o strau m , bew egte sie ü b er die alte hansische H eer- u n d H an d elsstraß e v o n R hein lan d -W estfalen bis L ü b eck u n d v erschiffte sie — gem ischt m it E rzeugnissen des deu tsch en , italie nischen, flandrischen, französischen u n d anderen G ew erbefleißes — m it ih re n K riegs- u n d K au f fahrteischiffen ü b er die O stsee bis n ach R u ß lan d hinein. Ü b er R u ß la n d schloß sich d a n n dieser G üter-, Geld- u n d V er k eh r skr eislauf dadurch, d a ß im O stseerau m u n d in R u ß la n d R auchw aren u n d a n d e re no rd isch e P ro d u k te eingetauscht w u rd en . D iese e rste kontin en taleu ro p äisch e G roß ra u m w irtsc h a ft, d eren tragende P feiler die H anse u n d d e r D e u tsc h ritte ro rd e n b ildeten, w ar eine B ed arfsd eck u n g sw irtsch aft n ach innen u n d nach a u ß e n . D ie v o n ih r um schlossenen V ölker u n d V olksräum e e rg än z ten sich a u f d as beste. Sie s te llte n sich m it ih re r E rzeugung a u f den gegen seitigen B ed arf ein, u n d es w urde stren g d a ra u f g eac h tet, d a ß d as P rin zip d e r B edarfsdeckung in n e g eh alten w u rd e u n d n ic h t eine ungeordnete, regellose P ro d u k tio n oder gar Ü b erproduktion einsetzte. A uch n a c h in n e n w ar diese erste G roßraum w irtsch aft n a c h d em B e d a rf gebunden, inso fern, als je d em B eruf, je d e r Z u n ft ein bestim m te r S ektor als A rbeitsfeld zugeteilt w ar, d en er m it in n e re r F reih eit u n d S elbstverw altung er fü llte, u nd der n ic h t in die L ebensräum e an d erer eingriff. A u s d ieser b e w u ß t n ach in n e n und n a ch au ß en
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geregelten u n d gelenkten W irtschaft erwuchs d an n m it die hohe K u ltu r und Blüte des M ittel alters, sein W ohlstand u n d seine K unst. Als höchste Zeugen des Geistes dieser Tage — unend liche innere F reih eit in der natürlichen äußeren G ebundenheit — ragen noch h eute überall die B auten der herrlichen B acksteingotik des Ostsee raum es em por: Zeugen eines heiligen germ a nischen Reiches deutscher N ation. II. Die Z ertrüm m erung der organisierten kontinentaleuropäischen Großraum w irtschaft durch die „freie W irtschaft“ Diese wohlgeordnete kontinentaleuropäische G roßraum w irtschaft, die jed e K atastrophenregu lierung ausschloß, in der die P roduktion, der A b satz un d die E xistenz jedes einzelnen ehrlich arbeitenden Menschen gesichert w aren, u n d zu deren H ü ter der gerechte Preis u n d die ehrbare Gesinnung b estellt w aren, zerbrach jedoch, als im W esten ein neuer freier, scheinbar unbegrenz te r R aum — A m erika — en td eck t w urde und sich der neue Seeweg nach Indien erschloß. — Die alte natürliche Ordnung, B indungen und Satzungen w urden zerstört, u n d eine ungehem m te Produktion, die sogenannte „F reie W irtsch aft“ , entfaltete sich. V ierhundert Ja h re lang ta te n sich im mer neue M ärkte auf, die die wilde, ungeregelte P roduktion — den hemmungslosen H andel und die ungebundene B etätigung jedes einzelnen das
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z u tu n , wa6 ih m g erad e p a ß t e — aufnehm en k o n n te n . F re ie W irts c h a ft h a t freie R äum e zur u n u m g ä n g lich e n V o rau ssetzu n g . S eit d e m W e ltk rie g a b e r h a b e n sich diese freien M ä rk te im F e rn e n W este n u n d F e rn e n O sten v e r sch lo ssen , u n d n u n h a t es au ch ein E n d e m it der F re ie n W irts c h a ft. A uch d ie Ideologie einer ü b e r g e o rd n e te n W e ltw irtsc h a ft, einer A rt Ü b erw irt s c h a ft, d ie a u s d em ch ao tisch en D urch ein an d er d e r so g e n a n n te n F re ie n W irts c h a ft als le tz te Id e e d e s tillie rt w o rd en w ar, ze rp la tz te in gleicher W eise. D ieser im p erialistisch e n Ideologie, die v e r la n g t, d a ß zu ih re n G u n sten die einzelnen Volks w irts c h a fte n ih re n a tü rlic h e S elbständigkeit, F re ih e it u n d E h r e au fg eb en sollten, is t au ch der le tz te d e u tsc h e K a is e r zum O pfer gefallen u n d m it ih m d a s Z w eite R eich — g en au so w ie ein st die K a is e r d es E r s te n R eiches a n d e r im p eria listis c h e n Ideo lo g ie des H eiligen R öm ischen R eiches D e u tsc h e r N a tio n zu g ru n d e gingen. I I I . D ie W ied erh erstellu n g des K osm os der V olks w irtsc h a fte n N u n m e h r ste h e n w ir ü b e ra ll in d er W elt v o r d e r T a tsa c h e , d a ß die W e ltw irtsc h a ft sich w iederum a u f ih re n a tü rlic h e n G ru n d lag en , n äm lich die V o lk sw irtsch aften , b e s in n t. D as Chaos d e r zer fallen en W e ltw irtsc h a ft o rd n e t sich allm äh lich ■wieder zu einem w oh lg eo rd n eten K osm os v o n . V olksw irtschaften , u n d diese, n ach d e m sie ih re
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eigene S tab ilität wiedergewonnen und ausgependelt haben, tre te n sodann von neuem in geord nete Beziehungen zueinander. Diese G ruppenbildung nennen wir Großraum w irtschaften. H eute heben sich bereits deutlich solche G ruppenbildungen im W eltw irtschafts raum h e ra u s: der Amerikanische Block und das B ritish Em pire. In der Bildung begriffen sind der Chinesisch-japanische Block u n d die kontinental europäische G roßraum w irtschaft. Das zwischen beiden letzteren liegende R ußland ist heute noch eine undifferenzierte u n d .unentschiedene Masse, deren endliches Schicksal wir nich t k en n en : ob es sich ergänzend neigen w ird zum kontinental-eu ropäischen oder japanisch-chinesischem Raum . Die wiedergewonnene S tab ilität der einzelnen Volkswirtschaften b eru h t n u n a u f der vom Nationalsozialismus proklam ierten unum stöß lichen E rkenntnis, daß die L andw irtschaft die Grundlage aller W irtschaft ist. D aß sie also W irt schaft ersten Grades ist. Die gewerbliche W irt schaft dagegen W irtschaft zweiten Grades, weil sie sich erst in den Überschüssen der L andw irt schaft entfalten kann u n d aus diesen erw ächst. Und daß schließlich die W eltw irtschaft erst W irt schaft d ritten Grades ist, weil sie lediglich der zwischenstaatliche H andel u n d V erkehr m it den Überschüssen der zu V olkswirtschaften vereinig te n Land- u nd gewerblichen W irtschaft der Völker ist. U nd auch der zweite G rundsatz nationalsozia-
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listischen W irtsch afted e n k en s: daß n u r der Freie friedlich sein k an n , g ew innt h e u te im A ufbau der einzelnen V o lk sw irtsch aften d er W elt allgemeine G ültigkeit. — Z u r Z eit des L iberalism us glaubte m an n äm lich fü r die V erteidigung, die F reiheit u n d die S tä rk u n g d e r N atio n genügend g etan zu h a b en , w en n m a n ein m öglichst großes H eer u n d eine m öglichst sta rk e F lo tte u n te rh ie lt. D ie W irt sc h a ft dag eg en ü b erließ m a n d em K au fm an n . U n d dieser t a t , w ie er k lu g w ar, d. h. er v erlegte m itte ls des „ b illig ste n “ Preises die G rundlagen d e r V o lk sw irtsch afte n a u ß erh a lb des m ilitä risc h e n u n d F lo tten m a ch tb ereich es. D as Ge tre id e w u rd e d o r t in d e r W elt eingekauft, wo es a m b illig ste n w ar, u n d ebenso ging es m it den ü b rig e n G ru n d lag en d er V o lk sw irtsch aft: den gew erb lich en R o hstoffen, so d aß am Schluß k eine m e h r die n o tw en d ig e eiserne R a tio n im T o rn iste r h a tte , d ie ih r erla u b te , n ic h t je d e H em m u n g des A u ß en h an d els als eine B edrohung ih re s D asein s au fzu fassen u n d m it W affengew alt zu sc h ü tz e n . U m die ih re m m ilitärisch en M achtbereich e n t schw indende G ru n d lag e d er V olk sw irtsch aft doch w ieder ein zu fan g en u n d zu sichern, v erg rö ß erte m a n d a n n H e e r u n d F lo tte , s ta t t die F re ih e it des K a u fm a n n s d o rt zu b eg ren zen , wo er die S icherheit d er N atio n g efäh rd ete. So e n tsta n d e n die im m er m eh r v e rg rö ß e rte n R ü stu n g e n , die endlich zu einer K a ta stro p h e fü h rte n ,, da je d e r sich schließlich von jed em b e d ro h t fü h lte . E s
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ist deshalb zu erhoffen und zu erwarten, daß durch die neue Konsolidierung der Volkswirt schaften im nationalsozialistischen Sinne unzäh lige Reibungsflächen, die durch die liberalistische W irtschaftsm ethode gegeben waren, zum Ver schwinden kommen, und daß die Rüstungen auf das für die W ehrhaftigkeit eines Volkes unerläß liche Minimum beschränkt werden. Und noch ein drittes nationalsozialistisches W irt schaftsprinzip ist heute auf dem Marsche in die W elt, das alte Sprichwort: Ehrlich w ährt am längsten. Es besagt, daß nur ein gerechter Preis, d. h. ein gerechter Leistungsaustausch, der nicht durch Gewaltm aßnahm en irgendwelcher A rt ver fälscht wird, ein M aximum der Produktion, der K onsum tion und des allgemeinen W ohlstandes ermöglicht. Deshalb w urden im inneren W irt schaftsaufbau Deutschlands Streik u n d Aus sperrung verboten, ebenso monopolistiscbe Prei se, die den gerechten Leistungsaustausch ver fälschten. Eine ebensolche Verfälschung des ge rechten Leistungsaustausches zwischen zwei Volkswirtschaften bedeutet es aber, wenn mit V aluta - Dum ping-M aßnahm en, Exportpräm ien u n d dergleichen gearbeitet wird. Auch im zwischenstaatlichen H andel u n d Verkehr kann ein gerechter und konsolidierter Leistungsaus tausch nur wieder Zustandekommen, wenn m an von allen diesen Verfälschungen A bstand nim m t. Deshalb muß Deutschland nicht nur einen ge rechten Preis für den innerdeutschen Leistungs18 *
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a u stau sch prok lam ieren , sondern au ch die Be gleichung d er Im p o rte u n d E x p o rte n ach dem in n erd eu tsch en M aßstahe einheitlich re g e ln ; denn n u r, w enn E in fu h rw are n ach dem d eu tsch en In d ex b e z a h lt w ird, k a n n d er A uslän d er deutsche A usfuhrw are ohne k ü n stlich e P reiserm äßigung k au fen . E rs t die n a c h diesen d rei G rundprinzipien neu au fg e b a u te n V o lk sw irtsch aften sind in d er Lage, sich ohne A ufgabe ih re r F reih eit, ih re r S elbstän d ig k e it u n d ih re r E h re k am erad sch aftlich neu zu v e rb in d e n u n d zu ergänzen. D ie in der B ildung begriffene k o n tin en taleu ro p äisch e G roßraum w irts c h a ft u n d W irtsch aftsp la n u n g w ird a u f die sen P rin z ip ie n au fg e h a u t w erden oder sie w ird n ic h t sein. D ie k ü n ftig e k o n tin en taleu ro p äisch e G roßraum w irts c h a ft is t d esh alb k ein im peralistisches Ge b ild e, so n d ern eine k am erad sch aftlich e Z usam m e n a rb e it fre ie r V o lk sw irtsch aften zum gem einen B esten . E s is t deshalb notw endig, d aß die ein zelnen V o lk sw irtsch aften des europäischen K on tin e n ts sich w ied eru m a u f d en gegenseitigen B e d a r f zw ecks k am erad sch aftlich er E rg än zu n g ein stellen. D aß k ein e Ü berschüsse m eh r p ro d u zie rt w erden in u n g ereg e lter F o rm f ü r einen u n b e g ren zt au fn ah m efäh ig en W e ltm a rk t, den es n ic h t m ehr g ib t, son d ern zu n äc h st fü r den europäischen B ed arf. E in e europäische W irtsch aftsp lan u n g in g an z großem S til is t m öglich u n d ta ts ä c h lic h schon in d er B ildung begriffen: E u ro p a den 276
Europäern! Der europäische Bedarf muß zuerst in E uropa gedeckt werden. IV. Die Not des europäischen Kontinents Was die Einsicht des einzelnen Staatsmannes oder W irtschaftlers bisher noch nicht zustande bringt, das bew irkt die allgemeine Not des euro päischen K ontinents; denn nicht allein Deutsch land, sondern ganz Europa ist passiv gegenüber der übrigen W elt, und es kann diese Passivität erst wieder ausgleichen, wenn es seine eigene Konsumtions- und Produktionskraft wieder stärkt. Es trifft fü r die europäische W irtschaft im ganzen das gleiche zu, wie für jede einzelne Volkswirtschaft. Die große Aufgabe besteht also darin, den europäischen W irtschaftskreislauf, der seit vierhundert Jah ren immer mehr und mehr zum Stillstand gekommen w ar, wieder neu in Ver bindung m it dem Nordostraum und dem Ostsee becken zu bringen und — wenn einst möglich — beide eines Tages über R ußland zu schließen. Die vom Außenpolitischen Amt der P artei vor geschlagenen und zum Teil schon in der Aus führung begriffenen Pläne, im Südostraam z. B! Ölsaaten, wie Soja, Leinsaat, Rizinus und auch Erdnüsse, anzubauen, finden ihre Ergänzung in der Anregung, in den Ländern des Ostseeraumes .vor allen Dingen die noch dort vorhandenen L ä ger a n Nichteisenmetallen u. a. aufzuschließen u nd dem europäischenB edarfnutzbar zu machen.
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D er europäisch e B e d a rf m u ß z u e rst in E uropa gedeckt w erden. M an k a n n diese T hese n ic h t oft genug w iederh o len . — A uch die V erlagerung eines G ro ß teils des E rd ö lb ed arfs v o n A m erika u n d a n d e re n T eilen d er W elt in den S ü d o strau m E u ro p a s w ird eines T ages n o tw en d ig sein. Je d e n falls fä llt d em O stseerau m , sobald er .n ic h t wie b ish e r in u n g e o rd n e te r W eise n u r m it d em W elt m a rk t a rb e ite t, so n d ern sich b ew u ß t a n erster S telle a u f d e n eu ro p äisch en B e d a rf u m ste llt, eine seh r h o h e B ed eu tu n g w ieder zu, so d a ß seine V ölker n a c h B efreiung v o n d er Irrle h re einer ü b e rg e o rd n e te n W eltw irtsch a ft das feste F u n d a m e n t fü r d en W ied erau fb au K o n tin en taleu ro p as b ild e n k ö n n en . A uch die A m erik a n er, die im russisch-sibirischen R a u m allein n o ch ein B etätig u n g sg eb iet fü r die Z u k u n ft sehen, w en d en neu erd in g s ih r In teresse dem O stseerau m zu, u m v o n h ier au s eine Basis fü r ih re w irtsch aftsp o litisch e B etätig u n g in R u ß la n d -S ib irie n zu finden, n ach d em ih n en der W eg v o m W esten h e r d u rc h die im m er unühersteigb a re r w erdende ja p an isch e S chranke v e rb a u t ist. „ G erade im H in b lick a u f das am erikanische I n te r esse a n R u ß la n d -S ib irie n w ird es u m so n o tw en diger sein, d aß ein enger u n d fester Z usam m en h a lt d er V ölker u m d as O stseebecken h eru m erfolgt, d a m it den k o n tinentaleuropäischen Völ k e rn der gebührende Einfluß bei einer even-. tu ellen w irtschaftspolitischen N eugestaltung des russisch-sibirischen R aum es gew ahrt bleibt.
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V. Die Krisenfestigkeit einer kontinentaleuropäischen Großranmwirtschaft D urch Sund und Belte wird künftig wieder eine neue große W elthandelsstraße gen Osten führen. F ünfhundert Jah re lang, vom Jahre 1050 bis 1550 w ar, wie schon erwähnt, die Ostsee das w ichtigste Meer K ontinentaleuropas; das Ge sicht Europas war während dieser Zeit unverrückt gen Osten gewandt. Für die nächsten vierhun d ert Jah re bis in unsere Tage dreht es sich dann gen W esten. Hemmungslos, ungezügelt, ohne organische Verbindung m it der Heimatscholle verschwendete sich nordische Volkskraft in den freien Raum und die M ärkte des Westens. Der eine Pol nordischen Wesensgefüges, der unbe zähm bare Drang ins Weite, konnte sich hem mungslos entfalten, war nicht inehr Mittel zum Zweck der organischen Ausweitung des Lebens raumes nordischer Menschen, sondern wurde sich Selbstzweck. Aus dem W ikingertum wurde Freibeutertüm . — N un dreht sich langsam das Ge sicht K ontinentaleuropas wieder in seine n atü r liche Blickrichtung: gen Osten. Der von der deutschen Landw irtschaft m it gutem Erfolg begonnenen Verständigung m it den Agrar w irtschaften der Ostseevölker nach den Grund sätzen nationalsozialistischer Handelspolitik w ird und muß auch eine Verständigung und Marktregelung der gewerblichen W irtschaft Deutschlands und der Völker des Ostseeraumes 279
folgen. S o b ald die k la re E in sic h t v o rlieg t, daß n ic h t n u r die ein zeln en V o lk sw irtsch aften , son d e rn a u c h K o n tin e n ta le u ro p a sich zu n äc h st ein_ m al a u f sich selb st stellen u n d eich au s eigener K ra ft h elfen m üssen, w ird eine A n n äh eru n g der E x p o rt- u n d Im p o rtw ü n sc h e u n d de* gegenseiti gen B ed arfsd eck u n g d e r V ölker des O stsee ra u m e s n ic h t schw ierig sein. D er A u ß en h an d el u n te r d iesen V ö lk ern w ird a u c h n ic h t geringer w erden, so n d ern im G egenteil u m fan g reich er und d a z u w eit s ta b ile r u n d k risen feste r. E s h an d elt sich lediglich u m eine Ä n d eru n g d e r B lickrich tu n g u n d u m die W ied erein fü h ru n g d er G rund s ä tz e g esu n d en M enschenverstandes au ch im W irtsc h a ftsp o litisc h e n . S chon h e u te b e trä g t d e r O stseev erk eh r ü b e r 12% des g esam ten W elth an d els. Schon d a ra u s g eh t h e rv o r, zu w elch einem w ich tig en S c h n ittp u n k t des w eltw irtsch aftlich en H an d els u n d V erkehrs die O stsee gew orden is t, u m w ieviel w ich tig er der „O stseekreis“ w ird wie d er „M ittelm eerk reis“ . U n d w ie notw en d ig d a ru m eine enge In te re sse n gem einschaft dieser V ölker is t, die d u rc h gegen seitige B edarfsdeckung u n d k am erad sch aftlich e Z u sam m en arb eit g e k itte t w erd en m u ß , u m diese neu e W elth an d elsstraß e als T o rh ü te r u n te r eigene K o n tro lle zu brin g en . So erw ächst u n s allen die große h isto risch e A uf gabe, m it H ilfe einer n a tu rn a h e n W irtsc h a fts u n d H an d elsv ertrag sp o litik zielbew ußt die k o n tinentaleuropäisch e G roßraum w irtschaft w ieder 280
aufzubauen u n d sowohl den Südostraum als auch den M ittelm eerraum sinnvoll m it dem Ostsee becken zu verbinden, das Ganze sodann als Glied in organischen Ausgleich zu setzen m it dem W esten, dem B ritish Em pire und dem Ameri kanischen Block. VI. Die europäische Aufgabe Deutschlands D eutschland, in der M itte des europäischen Kon tin en ts gelegen, ist von N atur aus der berufene W arentransiteur, das Clearing-House fü r den kontinentaleuropäischen W aren- u n d Leistungs-r austausch. Der deutsche K aufm ann m uß sich des halb in viel größerem Maße als bisher wieder m it der höheren M athem atik s ta tt m it dem E inm al eins des K aufm annstum s befassen: näm lich dem Transithandel. N ur durch diese zusätzliche Dienstleistung kann D eutschland au f die D auer seine Außenhandels- u n d Zahlungsbilanz ak ti vieren. Das Dreieck- u n d Transitgeschäft, zu dem D eutschland durch seine Lage u n d die Viel fältigkeit seines Bedarfes u n d seiner A usfuhr möglichkeiten prädestiniert, ist, ermöglicht ihm m it größerer Sicherheit als jede andere B etäti gung die notwendige A ktivierung seiner Zahlungs- u n d Handelsbilanz. D enn der einfache Gegenseitigkeitsverkehr d rängt im m er m ehr auf möglichsten Ausgleich von Zahlungs- u n d H an delsbilanzen der P artn er. ^ Die im mer m ehr steigende B edeutung des Ost-
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seehandeis u n d -v erk eh re v e rla n g t ab er auch eine k la re A rb eitsteilu n g d e r d eu tsch e n Seestädte. D ie O stseehäfen m ü ssen w e d e r ih re organische F u n k tio n z u rü c k e rh a lte n : T rä g e r des Ostsee h an d els u n d -v erk eh re zu sein. D as gegebene H in te rla n d d e r N o rd seeh äfen sin d R heinlandW estfalen u n d d er D o n au - u n d S ü d o stra u m , und ih re B lic k ric h tu n g e n d er W este n u n d der F erne O sten u n d S ü d en , u m d en n a c h d o rth in gerich te te n H a n d e l u n d V e rk e h r in E in - u n d A usfuhr org an isch zu le ite n u n d zu g lied ern . H am b u rg u n d B rem en sin d die gegebenen E in k au fsp lätze, die B rü ck e zu m D on au - u n d S ü d o stra u m . Die O stsc estäd te d ag eg e n die B asis des g esam ten O stseehandels u n d -V erkehrs. Ih re R eak tiv ieru n g is t eine n a tio n a le N o tw e n d ig k e it; d e n n n u r so w erden sie a u c h die g roße A u fg ab e erfüllen können, d en O sten D eu tsch la n d s w ied er m it M enschen an zu fü llen . — W ä h re n d d er Z eit des D ranges n a c h dem W esten is t d er O sten D eu tsc h la n d s im m er m e h r e n tv ö lk e rt u n d d e r W esten m it M enschen u n d gew erblicher W irts c h a ft m a s siert w orden. E s is t je tz t u n b e d in g t n o tw en d ig , d u rch großzügige u n d organische V erk eh rs- u n d In d u striev e rlag eru n g den O sten n ic h t n u r m it ack e rb au treib en d er B evölkerung, so n d ern au ch m it b o d en stän d ig er In d u strie u n d m it G ew erbe w ieder zu füllen u n d zu m assieren. — L ü b ec k in d er V erk eh rsm itte — im S c h e ite lp u n k t zw i schen R heinland-W estfalen u n d O stp reu ß en ge legen — w ird in diesem ern eu ten W irtsc h a fts-
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verkehr des Ostens in der Zukunft wieder eine hervorragende Rolle spielen. Lübeck, das alte H au p t der H anse, im geschützten Winkel der Ostsee liegend, w ird gemeinsam m it den anderen H äfen wieder ein Bindeglied zwischen dem W esten u nd dem Osten, zwischen dem Südost r a u m und dem Ostseebecken werden. VII. Das Verhältnis zu Frankreich Noch ein W ort über die Rolle Frankreichs im W iederaufbau der kontinentaleuropäischen Groß raum w irtschaft: Es ist bekannt, daß Frankreich seiner w irtschaftlichen S tru k tu r und seiner geo graphischen Lage nach keine besonders hervor ragende Rolle im kontinentaleuropäischen W a ren- und V erkehrskreislauf spielen kann. F rank reich ist deshalb auch von jeher stets m ehr Geld export- als W arenexportland gewesen. Nur h at Frankreich bisher seine Geldüberschüsse meist dazu verw endet, künstliche politische K onstruk tionen zu errichten, die die W irtschaftskreisläufe in E uropa hem m ten, statt sie zu fördern. D er E r folg war dann regelmäßig der, daß Frankreich sein Geld verlor. Denn Geld k an n m an m it Vor teil, d. h. m it Gewinn und m it der Aussicht, es wiederzubekommen, nur in einen laufenden Be trieb hineingeben. In einem zum S tillstand ge komm enen oder gehem m ten B etrieb w ird man es m it Sicherheit verlieren. Zum" Beispiel h at Frankreich an seiner jüngsten politischen Kon-
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stru k tio n , d e r K lein en E n te n te , w irtsch afts politisch keine F reu d e e rle b t. Im G egenteil w ird es au ch w ieder d as n a c h d o rth in ausgeliehenc G eld v erlieren — es sei d en n , d a ß es diesen L än d ern e rla u b t, u nzw eckm äßige B in d u n g en , die ih re r N eulagerung u n d n a tü rlic h e n E in fü g u n g in d en D o n au rau m en tg eg en steh en , aufzugehen. D ie Z eit k ü n stlic h e r p o litisch er K o n stru k tio n en is t 'vorbei. D ie in gegenseitiger B edarfsdeckung aufein an d e r angew iesenen V ölker u n d V olksw irtschaf te n K o n tin e n ta le u ro p a s v erla n g en eben eine k a m erad sch aftlich e Z u sam m en arb eit, die die F re ih e it, die E h re u n d die S elb stän d ig k eit jedes V olkes u n d je d e r V o lk sw irtsch aft re s p e k tie rt u n d die W eg räu m u n g en tg eg en steh en d er, unzw eck m äß ig er B in d u n g en v e rla n g t. W en n F ran k reic h die Z eichen der n eu en Z eit zu d e u te n v e rs te h t, so w ird es den g ro ß en V o rteil erk en n en, d er ih m h e u te w in k t, u n d d e r d a rin b e s te h t, d aß F ra n k reich die F in an zieru n g des europäischen W irtschaftskreislaufes m it ü b ern im m t u n d endlich m it D eu tsch la n d eine k la re A rbeitsteilu n g d a h in trifft, d aß das eine L an d , n äm lich F ra n k re ic h , seiner w irtsch aftlich en S tru k tu r u n d geographi sehen L age gem äß d e r H au p tfin a n zier d e r k o n tin en taleu ro p äisch e n G ro ß rau m w irtsch aft w ird u n d D eu tsch la n d seiner w irtsch aftlich en S tru k tu r u n d geographischen Lage en tsp rech en d d er W arentraneiteui- fü r das gleiche G ebilde. D iese Z u sam m enarbeit u n d n atü rlich e E rg än z u n g
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D eutschlands u n d F ran k reic h s a n u n d in der europäischen Z u k u n ft is t d ie h isto risch e A ufgabe, die h eu te g efo rd ert w ird. Ob sie e rk a n n t w ird, w ird in hohem M aße d a s k o m m en d e Schicksal bestim m en. V III. Die W ied erg eb u rt E u ro p as W enn E u ro p a n ic h t zw ischen d en tra n s o z e a n i schen G roßgebilden, d em B ritish E m p ire , d em A m erikanischen u n d dem C h in esisch -jap an isch en B lock z e rd rü ck t w erd en w ill, w en n dieses a lte E u ro p a eine W ied erg eb u rt erleb en w ill u n d eine neue Z u k u n ft — d a n n m u ß d e r a lte h an sisch e G edanke in n eu em G eist u n d in n e u e r F o rm w ieder erstehen. D ie W irtsc h a ftsp o litik u n d K u l tu rp o litik unseres großen F ü h re rs zeig t h ie r d e n allein m öglichen W eg : g ru n d sätzlich e A b leh n u n g jedes im perialistischen G edankens. Freiw illige Z usam m enarbeit zu m gem einen B este n , u n te r R espektierung der, F re ih e it, d e r E h re u n d d er S elbständigkeit jedes V olkes u n d je d e r V o lk s w irtschaft. E in tra c h t u n d k am erad sch aftlich e Z u sam m en arb eit im In n e rn b e d e u te n a b e r a u c h zugleich F riede n ach au ßen. So e rn e u e rt d e r N a tio n a l sozialismus w ieder d en S pruch, d er a u f d em a l t e n . H olstentor zu L ü b eck s te h t, d em O stto r der m ittelalterlich en W e lt: concordia dom i — fo ris p a x E inigkeit d rin n en — F ried e d ra u ß e n .
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E s w ird au ch d er W ah lsp ru ch der n eu en eu ro p äisch e n G ro ß rau m w irtsch aft sein. I n diesem S inne is t au ch die W ied ercin sch altu n g des alte n h an sisch en H o lsten to res in d en leb en d ig en V er k e h r ein V organg v o n h o h er sym bolischer B edeu tu n g u n d zw ingender h isto risch er Logik. U n d so e rw äch st ganz n a tü rlic h au s d er n eu en geistigen S tru k tu r H itle r-D e u tsc h la n d s die Id ee einer n e u e n g ro ß en k o n tin en taleu ro p äisch e n K u ltu ru n d A rbeitsg em ein sch aft a u f der G rundlage u n v e rrü c k b a re r n a tü rlic h e r D em o k ratie.
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UNTERN EH M ERKRÄ FTE IM F L A N D R IS C H -H A N S IS C H E N RA UM 1) Von Professor Dr. F r i t z R ö r ig Direktor des historischen Seminars an der Universität Berlin
Z w ei G esichtspunkte möchte ich am Eingang meiner A usführungen hervorheben. Es kom m t m ir d arau f an, den wirtschaftlich schöpferischen Menschen als Träger der W irtschaft zu erfassen, nicht ein abstraktes System des „K apitalism us“ in seinen Anfängen zu ergründen. Und w eiter: ich m öchte diese „unternehm enden K räfte“ nicht nur, wie es in dem fast unübersehbaren Schrifttum über die E ntstehung des K apitalis mus die Regel ist, in der Sphäre der priv aten W irtschaft des einzelnen w irtschaftenden Indivi duums suchen, sondern diesen U nternehm ungs kräften gerade auch d ort nachgehen, wo eine Gruppe von Menschen Aufgaben von einer Be deutung löste, die nur durch echtes, wagendes U nternehm ertum gelöst w erden konnten. Einer der verhängnisvollsten Irrtü m er der wirtschaftsgeschichtlichen Forschung vergangener x) Dieser Aufsatz gibt einen Vortrag wieder, der auf dem Internationalen Historikertag in Zürich am 30. August 1938 gehalten wurde. Er ist m it Zustim mung des Verlags Köhler & Amelang, Leipzig, dem , Buche des Verfassers: „Vom Werden und W esen der Hanse“ , 1940, entnommen.
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J a h rz e h n te la g w ohl in ein er V erk en n u n g der psychologischen G ru n d lag en d e r W irtsch aft. M an schied, je d en falls fü r N o rd eu ro p a, eine bis in s s p ä te M itte la lte r reic h en d e Z eit d e r B efriedi gung d e r „b ü rg e rlic h e n N a h ru n g “ v o n ein er sp ä te re n Z eit, in d e r e rs t ein w irkliches G ew inn s tre b e n ü b e r d ie B efriedigung des N otw endigen h in a u s die M enschen g e p a c k t h a b e : d as w ar d a n n d e r b e rü h m te „ k a p ita lis tis c h e G eist“ . Im Z e ita lte r des „ F rü h k a p ita lism u s “ , also u m 1500 h e ru m , h a b e er sich zu m e rste n M ale b ed eu tsa m a u sg ew irk t Und d ie E n g e d e r b is d ah in h e rr sch en d en W irts c h a ft — eng räu m lich u n d der G esinnung n ach — ü b erw u n d en . M an ü b ersah d ab ei, d a ß schon in d e r A n tik e die a u ri sacra fam es u n v e rm itte lt n eb en d em v o n H oraz. zum m in d esten als Id e a l gepriesenen fr u i p a ra tis ste h e n k o n n te . M an v e rk a n n te v o r allem , daß es sich b ei dem Sichbegnügen m it d em zum L eben N otw endigen, u n d d em G ew innstreben ü b e r das u n b e d in g t N otw endige h in au s n ic h t u m L eitm o tiv e ein an d er ablösender P erio d en der W irtsc h a ft h an d elte. M an b e a c h te te endlich n ic h t, d a ß eine verschiedene m enschliche E in stellung zu den D ingen der W irtsch aft ü b e rh a u p t, d arü b er h in au s a b e r zu d er L eb en sh altu n g u n d L ebensgestaltun g schlechthin, gru n d sätzlich im m er nebenein an d er b estan d en h a t. J e n ach dem W an d el d er p o litischen V erh ältn isse, v o r ^llem au ch der technisch-zivilatorischen Mög lichkeiten, kon n te d an n allerdings d as G e w in n -
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streben ungleich stärkere Intensität annchmen u nd andere zwingen, eine straffere w irtschaft liche Leistung au f sich zu nehmen, wenn sie ihr anders geartetes Lebensideal auch nur einiger m aßen befriedigen wollten. Arbeitsleistung und Menge der erzeugten Güter konnten sich so ge w altig steigern; an dem alten Nebeneinander ganz verschiedener Einstellung zu den Dingen der W irtschaft h a t sich dabei aber grundsätzlich nichts geändert. U nter den Forschern, die für das nordeuropäische M ittelalter stets eine Lehre abgelehnt haben, die der m ittelalterlichen W irtschaft nur den angeblieh stets selbstgenügsam en Geist des H and werks zubilligen wollte, nim m t der Meister bel gischer und europäischer Stadtgeschichte, Henri P irenne2), eine bedeutsam e Stellung ein. E r h at für F landern den w irtschaftenden Menschen und sein W erk u n ter voller Ignorierung solcher und ähnlicher Anschauungen — ich lasse das W ort Stufentheorie anklingen — gezeichnet; dafür aber m it einer fast däm onischen Lust am kon k reten Lehen einer vergangenen Zeit. An jenem Problem , das den eigentlichen Aus gangspunkt dieses Vortrages bildet, dem Anfang des städtischen Fernhandels, w ird die grundver schiedene Auffassung der Dinge hüben u n d drü2) Ich nenne hier nur zwei seiner Werke: „Les villes du moyen äge“ , 1927, und die beiden ersten Bände seiner Histoire de Belgique. D ie zeitpolitische Einstellung Pirenne’s kann an dieser Stelle unerörtert bleiben. 19
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b en d eu tlich . U m ih re P ro d u k tio n sm itte l und W a re n v o rrä te zu erg än zen , so w ill es je n e a n g e d eu tete L eh rm ein u n g , seien die in einer S tad t ansässigen H a n d w erk er u n d berufsm äßigen K lein h än d ler gezw ungen gewesen, H andelsreisen zu m a c h e n ; sie w u rd en d ad u rch gelegentlich, gew isserm aßen w ider ih re n eigenen W illen, w ider ih re n u r a u f die G ew innung d er täg lich en N ah ru n g g e ric h te te G esinnung, F e rn h ä n d le r, wo m öglich g a r G ro ß h än d ler. A b e r : n u r gelegent lic h ! H a n d w e rk u n d d er dem H an d w erk er nahescehende K le in h än d ler gaben der S ta d t n ach wie v o r je n e s G epräge, das allein im R ahm en dieser K o n s tru k tio n u n d T heorie zulässig ist. Ganz a n d e rs P ire n n e ! S tä d te im sozialen, w irtsch aft lic h -re c h tlic h e n S inne gab es n ach ihm u m 900 ü b e rh a u p t n ic h t od er n ic h t m e h r; fü r sie w ar die M öglichkeit e rs t gekom m en, als m it dem E n d e der N o rm an n en ein fälle eine p o litisch e B eru h i gung e in tr a t u n d , w as das w ich tig ste ist, sich eine B ev ö lk eru n g sg ru p p e h erau sb ild ete, die in sich die w irtsch aftlic h e u n d p o litische K ra ft zu w irk lich en N eu b ild u n g en f ü h lte : das w aren die m a rc h a n d s a u lo n g cours, K a u fle u te a u f großer F a h rt. E s w aren w agem utige, ra u h e G esellen, e rfü llt v o n G ew in n streb en u n d b e re it, in seinem D ien st d ie G efah ren d a u e rn d e r, w eiter F a h rte n zu e rtra g e n . D en n d a rin lag ih re C hance: W aren m ö g lich st so w eit zu tra n s p o rtie re n , d aß sie d en h ö ch sten S elten h eitsw ert h a tte n , u n d u m g e k eh rt in d er F e rn e W aren ein zu taü sch en , fü r die bei
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der R ückfahrt dasselbe galt. Zweierlei aber war nötig zu solchem Handelszug, mochte er zur See oder zu Lande stattfinden: persönliche W ehr haftigkeit und genossenschaftlicher Schutz. Der wagende Fernhandel, nicht verständlich ohne persönliches Streben nach Gewinn und Macht, fü h rte so die Gleichstrebenden zusammen und b an d sie mit den festen Banden eines selbst gewollten Verbandes, der Gerichtsbarkeit über die Genossen ausübte. Vor allem aber be schränkte „eine solche im Auslande befindliche K aufm annschar“ „die freie H andelstätigkeit des einzelnen Mitgliedes durch Rücksichten au f den H andelsbetrieb der übrigen Reisegenossen. Sie ordnete die Betriebsinteressen der einzelnen denen der Gesamtheit u n te r.“ So h a t W alter Stein 1910 dies V erhältnis ausgezeichnet U m rissen3). M änner solcher A rt w aren es, die neben den fürstlichen Burgen an der flandrischen Küste, a n der Maas u n d Schelde im Laufe des 9. J a h r hunderts die ersten wirklichen Städte Flanderns schufen4). Da sind zunächst jene portus (K auf mannsniederlassungen) in Flandern, die sich an die gräflichen castra (Burgen) anlehnten. D a mals, im 10. Jah rh u n d ert, entstehen Städte wie Brügge, Gent, Y pern, St. Omer u n d andere. Aus 3) Hansische Geschichtsblätter Jg. 1910, S. 587 ff. *) Vgl. hierüber die aufschlußreichen Arbeiten von F. L. Ganshof, z. B. in: „Forschungen und Fortschritte“, 1937, Nr. 14; 19 *
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dem p o rtu s, u rsp rü n g lich d ie W arenniederlage des w an d ern d en K au fm an n s, w ird die w irkliche S ta d t, die aus d en K rä fte n ih re r eigenen B evölke ru n g h erau s le b t. Ih re w irtsch aftlich , sozial u n d politisch v o rw ärtstreib en d e u n d fü h ren d e k au f m ännische O berschicht sch ließ t sich in d er Gilde zusam m en. J e tz t e n tste h e n die n eu en S tä d te als bauliche G eg eb en h eit; v o r allem au ch je n e gro ß angelegten S tad tv erg rö ß eru n g en , u m die sich im 13. J a h rh u n d e rt die zw eiten F e stu n g sg ü rte l von gew altigem U m fang leg ten . M an ü b erlege sich n u r einm al, w as fü r u n g eh eu re b au lich e Lei stu n g en in A nlage, A usbau u n d B efestigung der S ta d t d am als g eleistet w urden, u n d m a n w ird diese a u f die stä d tisc h e G em einschaft u n d ih re L ebenszw ecke ein g estellten K rä fte n ic h t hoch genug ein sch ätzen k ö n n en . Im G ebiet zw ischen R h ein u n d E lb e w ird zu r gleichen Z eit au s v e r w a n d te n U rsach en ein S täd tew esen w esensver w a n d te r A rt leb en d ig ; am frü h e ste n u n d k rä ftig s te n in K ö ln , d as sehr b a ld zu r fü h ren d en S ta d t des N iederrhein s em p o rsteig t. N ich t die civitas (S ta d t) des E rzbischofs h a tte au s den ih r zu r V erfügung steh en d en K rä fte n diesen A ufstieg erleb t. Gewiß b o te n E rzbischof, D om k ap itel, S tiftsk irch en u n d K lö ster, g e stü tz t a u f ih ren großen G rund b esitz eine sehr aufnahm efähige K onsum entensch ich t, fü r d eren B edarfsbefrie digung es sich lo h n te, als H an d w erk er oder H än d ler zu arb eiten . D ie eigentliche G röße K ölns b eg in n t a b e r doch auch erst in d er Periode, als
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sich räum lich getrennt von der eigentlichen B ischofsstadt im 10. Jahrhundert in der Rhein v o rsta d t ein kaufmännisches Leben zu regen be ginnt, das weit mehr erstrebte, als politisch und w irtschaftlich im Schatten der Herrschaft zu leben. Was in Flandern die portus bedeuten, be deutet in Köln die R heinvorstadt St. M artin; vielleicht noch m ehr: denn die erzbischöfliche S ta d t5) war ein weit besserer K onsum ent, als die Besatzungen der gräflicher Burgen in Flan dern. U nter den K aufleuten der M artinvorstadt, die bald auch in den Bereich der übrigen S tadt hinühersiedelten, w aren echte V ertreter jener „K aufleute au f großer F a h rt“ : nach Regensburg, wohl gar bis Kiew zogen sie, London, Frankreich und die Niederlande w aren ihnen 'ein wohlbekanntes A rbeitsfeld. Als es 1074 zu jenem durch die D arstellung Lam berts von Hersfeld berühm ten A ufstand der Kölner Bürgerschaft gegen ihren S tad th errn kom m t, ist die innere W andlung Kölns offensichtlich: die reiche K auf m annschaft, die praedivites, sind die Träger des durch den M ißbrauch der stadtherrlichen Bann gewalt hervorgerufenen Aufstandes. W enn dieser gildenmäßig organisierten Oberschicht die Menge der H andw erker vertrauensvoll folgt, so wird 5) Hier sind die alte Stadt des Erzbischofs und die Rheinvorstadt nur ihren wirtschaftlichen Voraussetzungen nach gegenübergestellt; verfassungsmäßig gesehen war die Rheinvorstadt selbstverständlich auch ein Bestand te il der erzbischöflichen Stadt.
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h ier offenbar, d a ß die B ed arfsd eck u n g d er Kirche u n d ih re r K o rp o ra tio n e n b e re its zu rü ck g etreten is t h in te r dem , w as die K a u fleu tesch ich t dem H a n d w e rk a n A u fträ g e n zu b ie te n h a t t e : sei es fü r ih re n p riv a te n B ed arf, sei es, u n d d as ist das w eit W ich tig e re, zu r D eckung des k au fm ä n n i schen W are n b ed arfs. U ngew öhnlich frü h , w esent lich frü h e r als in d e n flan d risch en S tä d te n , h a t diese K ö ln e r B ü rg e rsc h a ft eine e rste große Ge m e in sch aftsle istu n g u n te rn o m m e n : die B efesti gung des n a c h N o rd u n d S üd erw e ite rte n S ta d t g eb ietes im J a h r e 1106. V on 1180 a n fü h r t die selbe B ü rg e rsc h ic h t je n e noch w eit um fassendere, ü b e ra u s s ta ttlic h e B efestigung d er S ta d t d urch, v o n d e r h e u te n u r n o ch einige T or b ü rg en ein Z eugnis ab leg en . Je d e n fa lls: jen es G esam tköln, w ie es se it E n d e des 12. J a h rh u n d e rts seine fü r la n g e J a h rh u n d e r te reich en d e G estalt gew ann, le g t d a s b e s te Zeugnis ab fü r die u n tern eh m en d en K rä fte , d ie es in diesem U m fang zu schaffen den M ut h a tte n . K ö ln ü b e rs tra h lt allerdings alles, was das S tä d te w esen dieses G ebietes g eleistet h a t. D aß ab er au ch in a n d e re n S tä d te n dieses R aum es im 12. J a h rh u n d e r t k au fm än n isch e U nternehm er^ k rä fte w irk sam w aren, w ird sich tb ar bei der G rü n d u n g d er A lts ta d t B raunschw eigs u m 1120. I n ih re r b au lich en A nlage, in d er A ufteilung der area e, d er W oh n g ru n d stü ck e, in den E ig en tu m s v e rh ältn issen a n d en hochw ertigen M ark tb au lich k eiten v e rrä t sie d eu tlich ihre E n tsteh u n g
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aus dem W irken einer kaufmännischen Unter nehm ergruppe6). H ier wiederholt sich also, was zuerst in den flandrischen portus des 10. J a h r h u n d erts zu beobachten w a r: die Entstehung der bürgerlichen S tad t in Anlehnung an eine landes herrliche Befestigung aus kaufmännischer organi satorischer K raft heraus. Dieselben K räfte haben im V erlauf des 12. Jahrhunderts auch das weitere W eichbild Braunschweigs, den Hagen, im E in vernehm en m it H einrich dem Löwen, geschaffen. Zweifellos ist die au f Braunschweig gerichtete kaufm ännische U nternehm ertätigkeit bereits be einflußt durch die Tatsache, daß sich die G ren zen des deutschen Volksgebietes dam als nach dem Osten w eiteten. Es begann jene Ostwande rung, die aus weiter historischer Sicht gesehen eine Rückw anderung ist, denn es handelte sich hier zum größten Teil um Gebiete, welche ger m anische Stäm m e einst bew ohnt, dann aber im Zusam m enhang m it ihren W anderungen auf gegeben h atten . Slawische Stäm me w aren nach gerückt. J e tz t, als es an der Südwestecke der Ostsee, wieder eine Ostseeküste in deutschem M achtbereich gab, erwuchsen dam it Aufgaben w irtschaftlicher und politischer A rt in der Ost see, deren Lösung zu dem G roßartigsten gehört, was wagende U nternehm erkräfte im M ittelalter geleistet haben. Im M ittelalter selbst ist als Pa•) Das hat F. Timme, „D ie wirtschafts- und verfassungs geschichtlichen Anfänge der Stadt Braunschweig“ , 1931, überzeugend nachgewiesen.-
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rnllele nur die Energie zu nennen, mit der italie nische Städte im Zusammenhang mit der Krcuzzugsbewegung nach der Küste Kleinasiens vor gestoßen sind. W iederum w aren es M änner des w ag en d en F e rn h andels, die v o n 1150 b is 1250 d en vollkom m enen U m hau des O stseeraum s d u rc h g e fü h rt haben. Sie fü h rte n ih n d u rch , in d em sie die im R aum e v o n B rügge bis zu r E lb e au sg ereifte S ta d t in ra tio n a l v e rein fach te r F o rm h in ü b e rtru g e n in d e n O stseeraum . D er O stseerau m seihst b esaß bis d a h in k ein S täd tew esen , d as diesen N am en voll v e rd ie n t h ä t te ; g erad e au ch seiner bau lich en A nlage n ach . In sb eso n d ere feh lte diesen S tä d te n die fü r eine b au lich au sg ereifte S ta d t c h a ra k te ristisc h e K o n stan z d er einzelnen au sg eteilten W oh n g ru n d stü ck e, d e r areae. Gewiß sind häufig die n eu en d eu tsch en S tä d te a n S tellen an gelegt, wo schon frü h e r Siedlungen w aren, oder n eb en ih n en , w ie etw a d e r ' B urg in R ev al oder dem F isch erd o rf in R ostock. Bei S te ttin h a n d e lte es 6ich sogar u m einen b ereits b ed eu tsam en P la tz , d er au ch H andelszw ecken d ien te. A b e r : so w enig am N iederrhein d asD o rsted e des 9. J a h rh u n d e rts m aßgeblich gew orden is t fü r die G rü n d u n g en des 10. J a h rh u n d e rts , n am en tlich in seiner b au lich en G estalt7), so w en ig b esteh t ein innerer Z usam m en h a n g zw ischen älteren Siedlungen im O stseeraum 7) Ü ber D orstat v g l. je tz t die aufschlußreichen A usführun gen von B . Rohwer, „D er friesische H andel im frühen M ittelalter“ , K ieler D iss. 1937, S. 4 3 ff., nam entlich 48ff.
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u nd den zwischen 1150 u n d 1250 gegründeten S tädten. Das Alte verschwindet, ein Neues ent ste h t von ganz anderer H erkunft, ganz anderer G estalt, ganz anderer Funktion; das neue deutsche Städtew esen der Ostsee bedeutet für die Ostsee eine vollkommene K ulturzäsur. In dem Stam m baum der Ostscestädte stehen nicht H aith ab u oder Jum m e-Vineta, nicht das Fischer d o rf Rostock oder das vorhansische S tettin, son d ern G ent, Köln, D ortm und u n d Braunschweig. Aus dem W esten, Flandern und A ltdeutschland bis zur Elbe, kom m t die Substanz, aus der baulich u n d dem Bodenrecht nach die O stseestadt ent w ickelt wird. Aus dem deutschen W esten bis zur E lbe aber kom m t vor allem das wirtschaftliche Ziel und der die neuen S täd te m it seiner Wesens a rt u nd seinem V olkstum erfüllende Mensch. Das E ntstehen der O stseestädte ist überhaupt nicht aus nur örtlichen Voraussetzungen zu ver stehen, sondern nur aus einem wirtschaftlichen P lanen, das sich au f den Ostseeraum als G a n z e s erstreckte. Das gilt bereits von der von Anfang a h bedeutsam sten Gründung, jenem zweiten Lü beck, wie es um 1158 durch wagende U nter nehm er aus dem Kreise der „K aufleute des Rö mischen Reiches“ im Einvernehm en m it Hein rich dem Löwen und autorisiert von ihm an gelegt wurde8). Was einst fü r die flandrischen 8) Vgl. dazu meinen Aufsatz: „Heinrich der Löwe und die Gründung Lübecks.“ D t. Archiv f. Gesch. d. M.-A. Bd. 1,^1937, S. 408 ff.
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S tä d te u n d K ö ln g a lt, d a n n fü r B raunschw eig, ist au ch h ie r au fs d e u tlich ste a u sg e p rä g t: F ührertu m d e r fe rn h ä n d le risc h e n O b ersch ich t u n d ihre B ev o rrech tu n g in d e r V erteilu n g des G ru n d besitzes. D ie d a m it v e rb u n d e n e n E in n ah m en aus G rundeigentum w aren a b e r fü r die u n te rn e h m ende F ü h re rg ru p p e n ic h t die H a u p tsa c h e . Sie b ed e u te n n u r eine S ich eru n g ih rer fe rn h ä n d lerischen, u n te rn e h m e n d e n P län e , O stseehandel u n d O stseesch iffah rt in ih re H a n d zu b e kom m en. U nd d as is t ih r in v o llen d ete m M aße gelungen. M it der G rün d u n g L übecks s c h a lte t sich der d eutsche K a u fm a n n in die O stseeschiffahrt ein. D er in d e r N ordsee e rp ro b te K ogge erw ies sich dab ei dem bish erig en sk an d in av isch en R u d e r schiff d er O stsee als d u rch au s üb erleg en fü r ge reg elte H a n d e lsfa h rt. U n m itte lb a r h in te r d er G rü n d u n g L übecks u n te rn im m t m a n d a s W ag nis, a u f G o tlan d , dem n av ig ato risch en M ittel p u n k t der O stsee, a b e r au ch dem S itz des b is herigen H a u p tb e fa h re rs der O stsee, des sk an d i navischen B au ern k au fm an n s, F u ß zu fassen. D as W agnis gelingt. G o tlan d u n d d as j e t z t als S ta d t en tsteh en d e W isby w erden n ic h t n u r eine ö rtliche S tü tz e des deu tsch en K au fm an n s, son dern d a rü b e r h in au s der M ittelp u n k t seiner o rg a nisatorischen B estrebungen in N ord- u n d O stsee. Sobald es die politischen V erhältnisse zulassen — 1201 — , erfolgt von hier aus im Z u sam m en h an g m it den P län en Erzbischofs A lb ert v o n L iv -
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Iand die vollkommene Neugründung Rigas9),' bei der jeneM otive wieder anklingen, diewir von G ent, Köln und Lübeck her kennen: Ausein andersetzung zwischen Stadtherren und den bei der G ründung maßgeblich beteiligten deutschen K aufleuten von Gotland. Rigas Gründung er schließt dem deutschen Kaufm ann nicht nur das Strom gebiet der Düna, sondern auch einen Landweg nach dem alten warägisch-russischen S tapelplatze der westrussischen W aren: nach Nowgorod. Mit der Gründung des deutschen Reval am Fuße des Revaler Burgbergs 1230, mit der w eiteren von D orpat und Pernau h at sich der von Lübeck über W isby vorstrebende K auf m ann eine breitere Basis am östlichen Ufer der Ostsee geschaffen: durch sein organisatorisches W erk sind Brügge im W esten und Nowgorod im Osten in ein System von regelmäßigen und inten siven wirtschaftlichen Beziehungen gebracht worden. Mit dieser gewiß bedeutendstenA ufgabe der Ost seestadtgründungen ist aber die Leistung der .neuen sich im Ostseeraum auswirkenden U nter nehm erkraft nicht erschöpft, Am Südufer der Ostsee fand sie Betätigungsmöglichkeiten ganz 9) Zu den von Lettland aus neuerdings gemachten Ver suchen, die Gründung Rigas 1201 zu leugnen und ein Jahrhunderte älteres lettisches Riga anzunehmen, vgl. meine Ausführungen in: D t. Archiv f. Landes- u. Volksforschg. 2. Jg., 1938, S. 781 ff. und „Reichssymbolik“ S. 56, Anm. 3.
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n eu er A rt. H ie r h a t d ie S ta d tg rü n d u n g in erster L inie d en B ed ü rfn issen eines sich d am als zuerst k rä ftig reg en d e n G etreid eh an d els g ed ien t, u n d d a m it zugleich d ie lä n d lic h e B esiedelung dieser G ebiete en tsch e id en d g efö rd ert. B ei d en S ta d tg rü n d u n g e n a m S üdufer' d er O st see t r i t t b e re its d eu tlic h h e rv o r, w ie sehr sie die w irtsc h a ftlic h e n K rä fte d e s -g a n z e n v o n ihnen e rfa ß te n L an d es b e le b te n . D as g ilt au ch von schw edischen S ta d tg rü n d u n g e n , n a m e n tlic h von S tockholm . W ied eru m h a t h ie r die d eu tsch e S ta d tg rü n d u n g eine b e d e u tsa m e handelsge-i schichtliche A ufgabe gelöst. M ittelsch w ed en m it seinen Ü b ersch ü ssen a n E ise n u n d K u p fer, a b e r au c h F e tte n u n d H ä u te n , w u rd e ein g e sc h a lte t in d en a u f B rü g g e ein g estellten W a re n a u sta u sc h 10). M it alled em w ar gegen E n d e des 13. J a h r h u n d e rts e in .W e r k v o llen d et, in d em sich ech te, schöpferische U n te rn e h m e rk rä fte ih r bleibendes D en k m al g esetzt h a b en . N ord- u n d O stsee w aren zu einem G rad e w irtsch aftlic h er G em ein sch afts a rb e it zu sam m en g efü h rt w orden, w ie er v o rh e r u n v o rste llb a r w ar. In n e rh a lb eines reic h lic h b e m essenen J a h rh u n d e rts h a tte d e r d e u tsc h e K a u f m a n n d en ö stlich en F lü g e l des a u f B rü g g e h in zielenden V erkehrssystem s a u sg e b a u t u n d ih m eine fü r B rüg g e u n d F la n d e rn se lb st h ö c h s t bel# ) V gl. darüber W .K opp e, „Lübeck-Stockholm er H a n d elsgescbichte im 14. Jahrhundert“ , 1933.
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deutsam e F un k tio n gegeben: sowohl für den A bsatz des flandrischen Tuches, wie für den E m pfang der Rohstoffe des Ostens, vom Pelz w erk bis zum Getreide. Nur deshalb war dies alles möglich geworden, weil seine Schöpfer nicht aus dem G esichtspunkte des nur privatw irtschaftlichen Gewinnstrebens gehandelt hatten, sondern in der U nterordnung unter überpersön liche Ziele. Das gilt nicht nur von den bereits bek an n ten Bindungen an jene Gilden, welche die S toßtrupps w aren für Städtegründung u n d H an d elsfahrt; es gilt vor allem von dem Bewußtsein, aus einer w eit größeren Gemeinschaft heraus u nd fü r dieselbe zu handeln. „G esam theit der G otland besuchenden K aufleute des Römischen Reichs“ nennt sich die Einheit, die den K auf m ann von der Ijssel bis zum Peipussee organi satorisch um faßt. Jene Städtegründungen in ihrer untereinander so beziehungsreichen Ge sam theit w aren die unerläßliche Voraussetzung seines planvollen Handelns. "Wirtschaftlicher U nternehm ungsdrang und kolonisatorische Lei stung sind in ihnen untrennbar m iteinander ver bunden. Am Ende dieses Wirkens steht m it innerer Folge richtigkeit nicht ein völkisch indifferenter W irtschaftsverhand, sondern der Bund der Städte v an der dudeschen Hanse. H ier wurde weit mehr geschaffen als ein, sei es auch noch so erfolgreiches, M ittel zur spekulativen Ausnutzung einer Augen-' blickskonjunktur, näm lich eine Neugestaltung S
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des Gesichtes des Ostseeraumes, die Dauer u n d Bestand hatte für die Jahrhunderte. Überblickt man den Vorgang der Entstehung der Ostseestädte als Ganzes, so kann man einmal sagen: das Ganze war früher da als die Teile. Gewiß nicht als reale Wirklichkeit, aber als pla nende, schöpferische Idee von höchster Durch schlagskraft. Sodann aber: das Ganze war mehr als die Summe der Teile. Denn indem all diesen Städten von vornherein eine ganz bestimmte Funktion innerhalb des werdenden Gesamtbaus zufiel, wuchsen sie aus diesen großen Zusammen hängen und in ihnen empor zu einer Bedeutung, die ihnen ihr isoliertes Einzeldasein im Rahmen der örtlichen Bedingungen ihrer nächsten Um gebung niemals hätte geben können. Gerade für das Verständnis der wirtschaftlichen Funktion der Ostseestädte erweist sich jenes begriffliche Schema als unbrauchbar, das die mittelalterliche Stadt nur im Zusammenhang mit ihrer örtlichen Umgebung sehen will11). So sehr man die überpersönlichen Kräfte und Bindungen einschätzen muß, um die Unter nehmerkräfte im flandrisch-hansischen Raum recht zu würdigen, so verfehlt wäre es selbstver ständlich, die wirtschaftliche Tätigkeit des einu ) V g l. hierüber: H . B e c h te l, „ W ir tsc h a ftsstil des d e u t sch en S p ä tm ittela lters“ , 1930, S .31 ff. F erner: F .R ö r ig , „M ittelalterlich e W eltw irtsch aft“ , 1933 und „ T errito rialw irtsch aft und S tad tw irtsch aft“ . H ist. Z. B d . 150,
,
S. 457 ff.
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zelnen zu ü b e rse h e n . D as S treb en w eiterzu k o m m en , sich em p o rzu arb eiten zu reicherem L eb en sg en u ß u n d , w as sehr w esentlich ist, zu h ö h erem sozialem A nsehen u n d politischem E in fluß, w a r a u c h h ie r eine T rie b k ra ft von elem en ta r e r W u c h t. D as g ilt schon v o n jen em see fa h re n d e n K a u fm a n n um- 1100, den der vor k u rz e m v e rs to rb e n e W alter Vogel 1912 so üb er a u s leb en sv o ll g esch ild ert h a t12):' dem heiligen G o d rik v o n F in ch ale. Vom kleinen H ausierer a rb e ite te sich dieser M ann in n erh alb von vier J a h r e n zu m W an d e rh än d ler größeren Stils em p o r ; d a n n a b e r t u t er sich m it streb sam en ju n g en L e u te n zu gem einsam er H a n d e lsfa h rt a u f w eiten S tre c k e n a u c h zu r See zusam m en. D abei v e r g rö ß e rn sich die E n tfern u n g en d er H andels f a h rte n , d en n ih r Ziel is t es, wie die u m 1170 v e r f a ß te Q uelle au sd rü ck lich h erv o rh eb t, aus dem m it d e r w e ite rn E n tfe rn u n g sich ergebenden g rö ß eren S elten h eitsw ert der W aren den größten G ew inn b eim billigen E in k a u f hier u n d teu ren V e rk a u f d o rt zu erzielen. D ie F o rm des genossen sch aftlich e n H andels, die ih n au ch zum erw ählten Schiffsführer m achte, steigerte seinen W ohlstand, b is er sich au s den G eschäften dieser W elt in die v ita religiosa zurückzog. M it vollem R echt n en n t W a lte r Vogel ih n einen m erkw ürdigen V ertreter jen es G eschlechts städ teg rü n d en d er K aufleute 12
) W . V ogel, „E in seefahrender Kaufm ann um 1100“ . H an sisch e G eschiehtsblätter, Jg. 1912, S. 239ff.
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und Seefahrer. Ich möchte hinzufügen: Er ist ein typischer Vertreter gerade auch des auf genossen schaftlicher Grundlage aufgebauten, wagenden Wanderhandels, der zweifellos bereits Waren im großen einkaufte und, jedenfalls zum Teil, wieder im großen absetzte. Die sehr kirchliche Gesinnung des heiligen Godrik war allerdings durchaus nicht die Regel; ich brauche nur an die bekannten Klagen des Mönchs Alpert von Metz über die Gilde der Kaufleute in Tiel zu erinnern. Das Zeitalter der Städtegründungen im flan drisch-hansischen Raum fiel noch in jene Zeit des wandernden Fernhändlers, der, wie das Tieler Beispiel zeigt, bereits zu festen Stützpunkten seines Handelsbetriebes strebte and eben deshalb der geborene Pionier für Städtegründung und Städtebau war. Für seine Handelstätigkeit war er aber nach wie vor auf ausgedehnte Reisen angewiesen: nur daß etwa dem westdeutschen Kaufmann die von ihm über Lübeck—Wisby bis nach' Riga vorgetriebenen Städtegründungen weit günstigere Stützpunkte seines Fernhandels boten. In Wisby haben sich bis weit ins 13. Jahr hundert hinein tatsächlich die wandernden Kauf leute aus dem ganzen hansischen Raum aufihren Handelsfahrten getroffen; nur deshalb war die gotländische Gemeinschaft überhaupt denkbar. Dann aber kommt die große Wende, dei dem Wanderhandel alten Stils grundsätzlich ein Ende bereitet. Sie wird verursacht durch das Auf kommen einer bürgerlichen Schriftlichkeit, und 304
die V erw en d u n g dieser Schriftlichkeit zur R atio n alisieru n g des k aufm ännischen Betriebes. D ieser V organg b e d e u te t die große Zäsur im k a u fm ä n n isc h e n B etrieb ü b erh au p t. Alles wei te re : v o n d er d o p p elten B uchführung an bis h e ru n te r zu d e n tech n isch en M itteln der neuesten Z eit, sin d im G ru n d e genom m en doch n u r tech n isch e W eiterb ild u n g en des dam als grundsätzlich E rre ic h te n . D as bisherige B ildungsm onopol des K le ru s w ird v o n kaufm ännischen B ürgertum ü b e rw u n d e n . E s is t bezeichnend, d aß Schreiber g eistlich er u n d sp ä te r au ch nichtgeistlicher H er k u n ft j e t z t als clerc in dienende Stellung zu den K a u fle u te n der O berschicht tre te n . Ü ber die F ä h ig k e it, seih st zu schreiben u n d das L atein als in te rn a tio n a le K aufm annssprache zu gebrauchen, v erfü g e n diese K au fleu te b ereits im 13. J a h r h u n d e rt13). D ie „cam b re“ des T uchhändlers u n d ls) N u r beiläufig kann hier darauf hingewiesen werden, daß den A nfängen der kaufm ännischen Schriftlichkeit eine h ö ch st b each tliche Anwendung der Schriftlichkeit in der bürgerlichen Verwaltung entspricht. Ich nenne vor allem die neuerdings durch K . Beyerle und H. Planitz m it v ollem R ech t w ieder in ihrer einmaligen Bedeutung b eton te L eistung des K ölner Grundbuchwesens,. in s besondere der 1135 beginnenden Schreinskarten, von denen b is 1220 bereits 80 Stück erhalten sind. Ich nenne w eiter die durch das Verdienst von Des Marez erschlos senen L ettres de foires von Ypern. (Vgl. 0 . Redlich, U rkundenlehre, Teil I I I , 1911, S. 185, Anm. 2.) Ich erwähne endlich, daß Lübeck 1226 sein erstes Stadt b uch an legte. W ollte m an den heutigen Stand des er-
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Tuchverlegers der flandrischen Städte, die „scri-vekamere“ des frühhansischen Kaufmannes wur den die Stützpunkte ihres Schreibwesens und damit das Zentrum ihres kaufmännischen Ge schäftsbetriebs überhaupt. Die Worte „cambre“ und „scrivekamere“ mögen darauf hinweisen, daß Wort und Wortinhalt sich längst aus den besonderen flandrisch-hansischen Voraussetzun gen herausgebildet hatten, als das fremdländische Wort „Kontor“ die einheimische Bezeichnung verdrängte. Das Erstaunliche ist nun, wie schnell und in welchem Umfang die in der Schriftlichkeit ruhen den Möglichkeiten für die Intensivierung des kaufmännischen Betriebes ausgenutzt und die Aktionsfähigkeit des Kaufmannes damit verviel fältigt worden ist. Siegel- und Kerbschnitth a lte n e n M aterials zu gru n d e le g en , so m ü ß te m a n sagen, daß d iese b ü r g erlich -a m tlic h e V erw endung der S ch rift lic h k e it d er k a u fm ä n n isch -p riv a te n v o ra u sg eh t u nd w e it in te n s iv e r w ar. D ie se A n n ah m e w äre aber ein T rug sc h lu ß , d a , im G e gen satz zu d en S ch riftd en k m älern der V er w a ltu n g stä tig k e it, die p r iv a te n b is a u f ein en B ru ch t e il ein e s P ro z en te s d es eh em als E rh alten en verloren g e g a n g en sin d . V g l. d azu m ein e „ H a n sisc h e n B eiträ g e zur d eu tsc h e n W ir tsc h a ftsg e sc h ic h te “ , 1928, S. 219. — V er d ie n stlic h fü r d ie F rage des A u fk om m en s einer w eltlich bürgerlich en S ch riftlich k e it is t die A rb eit v o n E , H a jn a l (B u d a p est), „ L e role so c ia l de l ’ecritu re e t R evolu tion eu rop eenn e“ , R ev u e de l ’in s titu t de so c io lo g ie S o lv a y , B rü ssel 1934. N u r is t in d ieser A rb eit d ie d eu tsch e L eistu n g a u f d iesem G ebiete n ich t au sreich en d zur D a r stellu n g gekom m en.
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u rk u n d e n 14) g ab en die M öglichkeit, K red it g esch äfte als G läu b ig er oder Schuldner einzu geh en , w en n m a n n ic h t an d ere B eurkundungsjn ö g lic h k e ite n , z. B. im S tad tb u ch , vorzog; n a m e n tlic h h a t die S iegelurkunde als W echsel u rk u n d e B ed e u tu n g gew onnen. M it H ilfe von K a u fm a n n sb rie fe n k o n n te m a n je tz t gleichzeitig in d e n v ersch ie d en en Interessen g eb ieten des selb en B etrieb es, etw a in B rügge, R iga, Bergen o d er F r a n k f u r t d isponieren u n d diese B eziehun g en in ein ratio n elles System b rin g en . D as K om m issio n sg esch äft w ird ein w eiteres, n ach dersel b e n R ic h tu n g zielendes M ittel. S tändige gegen seitig e V erb in d u n g en m it G eschäftsfreunden an v e rsch ie d en en P lä tz e n kom m en hin zu . G eschäft lic h e A n g estellte, die m a n bei B ew ährung m it der N eb en v erab re d u n g einer w edderleginge15) am u ) Ü ber die K erbschnitturkunden im hansischen Gebiet verw eise ic h a u f die v o n m ir bearbeitete T afel 10 der L ieferu n g 19 v o n R eih e I I I der ,,M onum enta Palaeograp h ica“ ; W echselurkunden, Kaufm annsbriefe, Hand. lungsbücher usw . bringen die Tafeln 1, 2 und 7 der Lie feru n g 20. 1S) D iese zw ischen Chef und A ngestellten geschlossenen x „w ed derlegin ge“ entsprachen der späteren süddeut sch en -,,Fürlegung“ . W enn es sich hier auch um eine G esellschaftsform m it zweiseitiger K apitaleinlage han d elte, so ging das von dem A ngestellten eingeschossene K ap ital in W irklichkeit au f den Chef zurück. V gl. dar über F. K eutgen, „H ansische H andelsgesellschaften“ in V SW G . Bd. IV , 1906, insbesondere S. 493 ff. und V . Mayer, „D ie ,Fürlegung4 in den H andelsgesellschaf te n des M ittelalters und des Frühkapitalism us“ , D iss. 20*
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Gewinn beteiligt, treten in beachtlich großer Zahl auf; Handelsgesellschaften verschiedener Art, darunter auch bereits die offene, werden geschlos sen. Mit Urkunden und Briefen allein ist das alles nicht mehr zu meistern: Das Handlungsbuch ge winnt eine zentrale Bedeutung für den kauf männischen Betrieb; von Anfang an sind nicht eins, sondern mehrere solcher Bücher und Hefte geführt worden, entsprechend den verschiedenen Teilgebieten, in die der kaufmännische Betrieb sich zergliederte. Um den Betrieb des einzelnen Kaufmannes schlingt sich so ein ganzes Netz von verschiedenartigen und sich auf verschiedene Räume erstreckenden Vereinbarungen, die alle den einen Zweck haben: die Gewinnmöglichkeiten besser und intensiver auszunutzen. G eg e n ü b e r d e r Z e it u m 1150 is t also re ic h lic h h u n d e r t J a h r e s p ä te r ein e v o llk o m m e n a n d e rs M ü n ch en 1925. — A u f die ü beraus h äufige A nw endung d er w ed d erleg in g e im L ü b eck des 14. Jah rh u n d erts m it d em Z w eck , d en ju n g e n L eu ten G elegen h eit zu geben, s ic h h o ch zu arb eiten , h ab e ic h v er sch ied en tlich h in gew iesen . V g l. z. B . H a n sisch e B eiträge S. 179; H a n sisch e G esch ich tsb lätter J g . 1933 (1934), S. 39. D a s im so c ieta tes-R eg ister d es L ü beck er N ied ersta d tb u ch s ung em ein h äu fige V ork om m en d ieser zw isch en C hef und A n g e stellte n usw . gesch lossen en w ed derlegin ge s te llt dem G em ein sch aftssin n zw isch en C hef u nd A n g e stellte n im h a n sich en G ebiet ein vortrefflich es Zeugnis aus. V gl. auch d ie o b en , S .3 8 , A nm . 21 an gefü h rte A rb eit v o n K .F .B e u g u nd F . B a stia n , „ D a s w ahre G esicht des ,v o rk a p ita li stischen* K au fm an ns“ , V SW G . B d . X X I I I , S. 33 f.
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g e a rte te K au fm an n ssch ic h t v o n B rügge his Now gorod a m W erk e. N ic h t m ehr im U m herziehen m it G enossen, so n d ern in dem bestm öglichen A u sb au der G eschäftszentrale lieg t je tz t die S tä rk e des K au fm an n es. Es is t ohne w eiteres k la r, d a ß diese In ten siv ieru n g des B etriebes die U n te rn e h m e rk ra ft in einem k au m v o rstellb aren G rad e a n reg e n m u ß te. H in zu k am , d aß je n e gro ß a rtig e s tä d tisc h e O stseekolonisation d er fa st grenzenlosen In ten sitä tsste ig e ru n g des k au f m ä n n isch en B etrieb s die allerb esten Möglich k e ite n b o t ; die W an d lu n g fiel also fü r d en h a n sischen K au fm an n in eine Z eit ausgesprochener H o c h k o n ju n k tu r. J e tz t v e rd ä m m e rte die Ge m ein sch aft d e r m ercato res R o m an i im p erii Gotla n d ia m fre q u e n ta n te s. Ih re in n eren V oraus setzu n g en sin d m it d em K a u fm a n n sty p alte n S tils geschw unden; die F rag e is t n u r, ob W ishy im sta n d e w ar, das E rb e d er a lte n G em einschaft in d e r F ü h ru n g a n z u tre te n , oder ob es sie d er S ta d t ü b erla ssen m u ß te , die im Z usam m enhang m it d e r gesch ild erten U m w andlung d er Sitz d er k rä ftig ste n , ih re r G esinnung u n d O rganisation n a c h m o d ern sten K au fm an n sch aft im gesam ten O stseegebiet gew orden w a r: d as w ar L übeck. L übecks Sieg is t a m E n d e des 13. Ja h rh u n d e rts b e re its entschieden, w enn au ch au s politischen G rü n d en -— dem V orstoß d er dän isch en M acht u n te r E ric h M enved — v o rü b erg eh en d ein R ü ck schlag e in tra t. -> A n den schw eren k risen h aften A usw irkungen im
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I n n e r n d e r f ü h r e n d e n S ta d t , L ü b e c k , w ird die W irk u n g d ie ses W a n d e ls v ie lle ic h t a m d e u t lic h s te n . D ie v o n ih r B e tro ffe n e n s in d d ie T räg e r d es a lte n G e s c h ä fts s tils u n d E r b e n d e s a lte n R e ic h tu m s . D ie N a c h f a h r e n je n e r M ä n n e r, die sich e rfo lg re ic h a m G rü n d u n g s v o rg a n g d e r S ta d t b e te ilig t h a t t e n , e r f u h r e n s e h r b a ld , d a ß d a s V er m ö g en , w o m it sie e in R e n tn e r le b e n f ü h r e n zu k ö n n e n g la u b te n , ein e B a g a te lle w a r g eg en ü b e r d e m , w a s d ie M ä n n e r d e s n e u e n k a u fm ä n n is c h e n S tils a n R e ic h tü m e r a n s a m m e lte n ; ih n e n allen v o r a n B e r tr a m M o rn ew ech , e in a u sg e sp ro c h e n e r h o m o n o v u s . M it sein em 1286 e rfo lg te n T o d e flössen g ro ß e B e trä g e a u s sein em G e sc h ä ftsb e trie b z u rü c k u n d f a n d e n A n la g e a u f d e m sich eb en d a m a ls in g rö ß e re m U m fa n g e b ild e n d e n L ü b e c k e r R e n te n m a r k t. B e r n h a r d M o rn ew ech s K a p ita lie n h a b e n d e n R e n te n m a r k t v o n 1286 b is 1293 in ein e m so lc h e n M aß e b e e in flu ß t, d a ß sie d e n Z in s fu ß v o n 10 a u f 6 % % h e r u n te r d r ü c k te n ; ih r A u s b le ib e n lie ß d e n Z in sfu ß w ie d e r h ö h e r a n ste ig e n . V o n 1286 b is 1301 h a t d ie W itw e M o rn ew ech r d . 14 500 m . L ü b . in R e n te n k ä u fe n a n g e le g t; d a s s in d in m o d e rn e m W e r t g u t g e s c h ä tz t rd . 1% M illio n en G o ld m a rk t. W e n n h ie r d e u tlic h w ird , w as f ü r K a p ita lie n d ie n e u e k a u fm ä n n is c h e G e sc h ä ftsfo rm zu b ild e n im s ta n d e w a r, so w ird d a s E rg e b n is n o c h e in d ru c k sv o lle r, w e n n m a n fe s tz u s te lle n h a t : die R e n ts c h u ld n e r d e r W itw e M o tn ew ech g eh ö ren g e ra d e zu d e n a lte n , a n g eseh en en F am ilie n . Sie v e rfü g te n , z u m g u te n
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T eil n o ch a u s d er G rü n d u n g szeit her, über den w e rtv o lls te n G ru n d b esitz d er S ta d t. Dieser w ird j e t z t m it u n g ew ö h n lich hohen R en ten b e la ste t; n u r allz u o ft is t die W itw e M ornewech a u f diesem W ege a u c h E ig e n tü m e r dieses G rundbesitzes ge w o rd en , w eil die R en tsc h u ld n er ih re R en ten nicht zu z a h le n v e rm o c h te n 16). D er N ied erg a n g a lte r F am ilien ist ab er n u r ein n e g a tiv e s S y m b o l fü r die K ra ft derer, die ih n h e r b e if ü h r te n ; u n en d lich w ichtiger ist deren posi tiv e L eistu n g . Sie zielt ab a u f V ervielfältigung d er a lte n H an d elsb ezieh u n g en und a u f ihre E r w e ite ru n g u n d F estig u n g d u rch O rganisieren der P ro d u k tio n 17). D iese O rganisierung der P ro d u k tio n is t ein C h arak teristik u m des m itte lalter lic h e n K au fm an n e s v o n R ang. Sie erw eist sofort, d a ß er keinesw egs n u r ein sich geschickt ein sc h a lte n d e r Z w ischenhändler w ar, sondern eine d e r g ro ß en au fb au e n d en K rä fte seiner Epoche. E in e ungew öhnlich b ed eu tsam e O rganisierung d e r P ro d u k tio n s te h t an der Spitze der flandrischh an sisch en E ntw icklung. D er flandrische K auf m a n n zog die bis d ah in ländliche W ollweberei in 16j D iese F eststellun gen beruhen au f noch nicht veröffent lic h te n eigenenForschungenim Lübecker Oberstadtbuch; vgl. auch Zs. S av.-Stift. G. A. Bd. 57 (1937), S. 451 ff. 17) Im en gsten Zusammenhang hierm it is t die bew ußte und radikale U m gestaltung des rom anischen Lübeck in das gotische Lübeck zu nennen. V gl. dazu m eine Ausfüh rungen in dem von H . F. B lunck herausgegebenen Sammelwerk: „ D ie nordische W elt“ , 1937, S. 200 f.
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die von ihm ausgebauten portus. Er beschaffte ihr aus England eine besonders gute Wolle; er wurde aber auch der Verleger der Tuchproduk tion, und zwar einer Tuchfabrikation, die sich — ich gebrauche eine treffende Formulierung von Henri Laurent — von der älteren flandrischen Tuchproduktion ihrer Wesensart nach ebenso stark unterscheidet, wie die civitates und castra des 9. und 10. Jahrhunderts von den Städten des neuen Typs im 11. und 12. Jahrhundert18). Da mit beherrschte dieser Kaufmann als Verleger vollkommen die tucherzeugenden Gewerbe, vor allem die Weher selbst; in seinen Händen lag selbstverständlich der gesamte Vertrieb, des Tuches. Dieser Tuchvertrieb hat bereits im 12. Jahrhundert zum Aufblühen der berühmten Messen der Champagne und Flanderns geführt, die zweifellos bestimmt waren für den Waren austausch im Großen durch wirkliche Berufs kaufleute19). Durchaus als Partner gleichen Ran ges begegneten sich auf den Messen der Cham pagne die flandrischen und italienischen Kauf leute: das flandrische Tuch geht dem florentinischen als Qualitätstuch bekanntlich voraus und zog die Italiener nach den Messen der Cham pagne. Sie übernahmen seinen Weitervertrieb in das Mittelmeergebiet. Wir kennen sogar ein besonders eindrucksvolles Zeugnis für die Wert18) H . L a u r e n t,„ L a draperie d es P a y s-b a s e n F r a n c e e t d a n s le s p a y s m ed iterran een s (12.-15. s ie d e ) “ , P aris 1935, S .2 7 . 18) H . L a u re n t, a. a. O ., S. 37 u . 39.
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S chätzung, w elche sich die D eutschen in F lan d ern g e ra d e a u c h bei d en Ita lie n e rn erfreu ten . Seit 1288 w äh len die n ach d er C ham pagne handelnden ita lie n isc h e n K a u fle u te fü r ih re O rganisation eine B ezeichn u n g , die offenbar d er B ezeichnung, w elche die „ K a u fle u te des röm ischen Reiches“ , also d ie D eu tsch en , in F la n d e rn fü h rte n , n ach g eb ild e t is t20). E s is t h ie r u n m öglich nachzuforschen, w iew eit je n e r O stse estäd te b au selbst b ereits eine O rgani sa tio n d er P ro d u k tio n b e d e u te t; n am en tlich fü r d a s ö rtlic h e H an d w erk . E rin n e rn d a r f ich a n die en tsch eid en d e B ed eu tu n g , die im 13. J a h r h u n d e r t d e r K a u fm a n n d er südlichen O stseestäd te fü r die O rganisierung eines G etreidegroßhandels g e h a b t h a t. Gegen E n d e des J a h rh u n d e rts h ab en sich die O sterlinge, d . h . die H an sen , m it dem flandrischen K au fm an n in d er W eise in die O rga n isa tio n des flan d risch en T u ch v ertrieb es g eteilt, d a ß diesem E rze u g u n g u n d M ark tfertig m ach u n g d er fü r das h an sisch e G ebiet b e stim m te n Tuche V orbehalten blieb , die O sterlinge ab er den T u ch a b s a tz in s R eich u n d ins g esam te O stseegebiet ü b ern ah m en 21). Z u r gleichen Z eit w urde der 20) D as N ähere habe ic h m itg eteilt in : Z. d. S av. S tift, f. R ech tsgesch ich te. G. A l B d. 59, 1939, S. 498. 21) V gl. dazu je tz t: H . vanW erveke, „D er flandrische Eigen handel im M ittelalter“ . H an sische G eschichtsblätter J g . 1936 (1937), S. 7 ff. F ür die folgenden A usführungen über N orw egen is t heranzuziehen: O. R ö h l k , „ H a n sisch-N orw egische H andelspolitik im 16. Jahrhundert“. N eum ünster 1935.
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G e tre id e h a n d e l n a c h N o rw eg e n v o n d e n H a n se n , in sb e so n d e re Von L ü b e c k , zu e in e m M onopol d er d e u tsc h e n S tä d te a u s g e b a u t u n d m it d e r E ig e n p ro d u k tio n N o rw eg en s, d e m F is c h fa n g , in eine fe s te R e la tio n g e b ra c h t. D e r d e u ts c h e K a u fm a n n b r a c h te d a s „ s c h w e re G u t“ , v o r a lle m d a s G e tre id e , n a c h B e rg e n u n d d a z u n o c h K a p ita l. M it d iesem K a p ita l w u rd e n d ie F is c h e r m it ih re n B o o te n u n d ih r e m F a n g g e r ä t a u s g e r ü s te t o d er zu m m in d e s te n b e v o r s c h u ß t. I h r e G eg en le istu n g w a r d ie A b lie fe ru n g ih r e r F ä n g e z u m m a r k t m ä ß ig e n P re is e in B e rg e n . "D en g e tro c k n e te n F is c h v e r a r b e ite te d a n n d e r d e u ts c h e K a u fm a n n in B e rg e n z u je n e n v e rs c h ie d e n e n , s tre n g g esch ie d e n e n S o rte n d es S to ck fisch es, d ie als tä g lic h e s N a h ru n g s m itte l ein e n A b s a tz in g a n z E u ro p a h a t te n . A lle rd in g s is t N o rw eg e n a u f d ie se W eise in ein e w irts c h a ftlic h e A b h ä n g ig k e it v o m d e u t sc h e n K a u fm a n n g e ra te n . A b e r o h n e sein e o rg a n is a to ris c h e T ä tig k e it h ä t t e N o rw eg e n n ic h t a n n ä h e r n d in d ie sem M aße seine P r o d u k tio n s k r ä f te e n tw ic k e ln k ö n n e n , u n d zw ar d e sh a lb n ic h t, w eil n u r d ie se r d e u ts c h e K a u fm a n n d a m a ls in d e r L ag e w a r, d e n in F e r tig w a r e n g e w a n d e lte n R o h sto ffen N o rw eg e n s e in e n so u m fa n g re ic h e n u n d s tä n d ig a u fn a h m e b e re ite n M a rk t z u sch affen u n d zu sic h e rn . Ä h n lic h e s g ilt v o n d e m E in g re ife n d es d e u ts c h e n K a u fm a n n s in S ch w ed en , d e sse n Ü b e r sch ü sse a n M e ta lle n u n d T ie r h ä u te n in B rü g g e d e n s ic h e re n M a rk t f a n d e n ; es g ilt n a m e n tlic h a u c h v o n d e r O rg an isatio n d er H e rin g sv e ra rb e i-
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tu n g in S chonen u n d ihres V ertriebes. Jährlich v e rlie ß e n m eh rere H u n d ertta u se n d , von B ö tt ch e rn d e r H a n se stä d te g earbeitete H erings to n n e n a u f h an sisch en Schilfen Schonen. Ü ber L a n d w u rd en sie d a n n a u f die regelm äßig m it schonenschem H erin g beschickten täglichen M ä rk te v o n N ü rn b erg , F ra n k fu rt, P rag oder W ien u n d vielen an d eren S täd ten , z. B. auch in d e r Schw eiz, v e rte ilt. O rg an isatio n d er P ro d u k tio n in u n m ittelb arer V erb in d u n g m it d er O rganisation d er V erteilung dieser P ro d u k tio n , d as is t Ziel der U n tern eh m er tä tig k e it im flandrisch-hansischen R au m u n d zugleich G rundlage u n d R ah m en fü r das Gewinn stre b e n des einzelnen. W o die O rganisationstä tig k e it sich a u f die O rganisation d er örtlichen P ro d u k tio n b esch rän k te, wie in den flandrischen S tä d te n , k o n n te sie allerdings sehr bedenkliche F o rm en anneh m en . E sp in as v erd an k en wir die S childerung jenes v e rita b le b a n d it industrjel, des S ire J e a n B oinebroke, d er als Tuchverleger in D ouai in zynischer R ücksichtslosigkeit die von ih m abhängig en W eher, T uchfärber, Tuchscherer usw . zugunsten seines b ru ta le n persönlichen Ge w innstrebens a u sn u tzte22).»Das w ar ein P atriziat ,,en decadence“ , u n d m it einer F ü h rersch aft sol cher A rt ist die flandrische S ta d t sehr b ald von 22) .
G. Espinas, „L es origines du capitalism e: I. Sire Jean : Boinebroke“ . L ille 1933. V gl. dazu m eine Besprechung jh'den H ansischen Geschichtsblättern Jg. 1934 (1935), S. 246 ff. ,
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ihrer Höhe herabgesunken. Anders steht es bei den Städten im weiten hansischen Raum. So weit bei ihnen örtliche Tuchproduktionen eine größere Rolle spielte, konnte es allerdings auch hier zu schweren inneren Konflikten kommen, und zwar aus ähnlichen Gründen wie in Flandern: Köln und Braunschweig mögen genannt sein. Aufs Ganze gesehen liegt aber bereits in der Ent stehung des hansischen Wirtschaftssystems be gründet, daß seine wichtigsten wirtschaftlichen Möglichkeiten, wie sie nur in irgendeiner Form des gemeinschaftsverbundenen Handelns ge schaffen waren, auch nur in einer solchen weiter hin genutzt werden konnten. Man denke hier an die erzieherische und kontrollierende Rolle, welche die großen Auslandskontore der Hanse in Brügge, London, Bergen und Nowgorod in Aus wirkung der alten Tradition der Gotländer Ge meinschaft gerade für die private Geschäftsfüh rung des einzelnen gespielt haben. Daß Gemein nutz vor Eigennutz gehe, war hier eine praktisch geübte Selbstverständlichkeit. Wer dagegen ver stieß, dem drohten Gefahren an Leib und Gut, z. B. bei der Übertretung von Sperrmaßnahmen, welche die Hanse als Mittel des Wirtschafts kriegs23) durchsetzte und die schwere persön liche Opfer des einzelnen Kaufmanns forderten. Wenn ich in diesem zweiten Teile meines Vor2S) V g l. W . F r ic c iu s, „ D e r W ir tsc h a ftsk r ie g a ls M itte l h a n sis c h e r P o lit ik “ . H a n sisc h e G e sc h ic h tsb lä tte r 5 7. u . 5 8 . J g . , 1 9 3 3 /3 4 .
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träges die Unternehmerkräfte des einzelnen, sein persönliches Gewünnstrehen herausarheiten wollte, so stellt sich sehr bald heraus, daß es ge wiß in sehr kräftiger Form vorhanden war — ich erinnere an die homines novi des Lübeck um 1280. Aber auch diese konnten sich nur in dem einmal geschaffenen Rahmen betätigen, und, was vor allem wichtig ist, sie wurden zur Übernahme der politischen Verantwortlichkeit, zum Eintritt in den Rat genötigt. Es wäre aber grundfalsch, die so entstehenden Bindungen als Bindungen aus dem Geiste der Handwerkszunft heraus zu verstehen und werten zu wollen. Wagendes kauf männisches Unternehmertum steht trotzdem am Anfang hansischer Geschichte, ein Unternehmer tum, das von vornherein Aufgaben aufgriff von einer Größe, daß sie nur in Gemeinschaftsarbeit unter einer selbstgeschaffenen politischen Lei tung und Zucht gelöst werden konnten. Deshalb sind die frühhansischen Jahrhunderte bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts von einzigartiger Größe. Aus demselben Grunde haben sie Blei bendes, für Jahrhunderte hinaus Maßgebliches geschaffen. Gewiß, als um die Mitte des 14. Jahr hunderts das Höchstmaß dessen erreicht war, was aus der Idee dieses Systems heraus zu er reichen war, trat Stillstand ein, und dem Still stand folgte reichlich hundert Jahre später der Niedergang. Diese Zeit war günstiger für das Aufkommen von Rentnertum und Rentner gesinnung als der stürmische Aufstieg . des 317
13. Jahrhunderts. Der Rentner im Rat neigt zum Beharren, und in diesem Streben steht er dem auf Sicherung des Gleichmaßes seiner wirtschaft lichen Existenz bedachten Handwerker innerlich näher als dem wagenden Kaufmann, der zu seinen Ahnen gehörte. Man wird im Rate bedäch tig und vorsichtig. Man vermeidet vor allem nach den Erfahrungen der inneren Unruhen um 1400 alles, was den kleinen Mann in der Stadt unzu frieden machen könnte. Ein kleines Ereignis aus dem Jahre 1475 beleuchtet in aller Deutlichkeit, wie sehr sich diese ganze Entwicklung zuungun sten des unternehmenden . Kaufmanns aus gewirkt hatte. Ein Lübecker namens Hinrich Hengelke mußte bei Oldesloe in der Nähe von Lübeck eine Kupferhütte abbrechen, weil die Lübecker Schmiede glaubten, ihre Kohlen wür den durch den Betrieb der Kupferhütte ver teuert; nicht einmal die Erklärung des Beklag ten, seine Kohlen anderwärts einkaufen zu wollen, schützte ihn vor diesem fast unverständ lichen Beschluß. Der Rat aber erklärte, er habe den Beschluß gefaßt: „dat gemene beste be trachtende“24). Eng drohte der Horizont in Lü beck zu werden: eins umfaßte das .„gemeine Beste“ den weiten Kreis von Brügge bis Now24) Diesen Ratsentscheid habe ich abgedruckt in der Einleitung des von mir herausgegebenen „E in kaufsbüchleins der Nürnberg-Lübecker Mulicbs auf der F rankfurter Fastenmesse des Jahres 1495“ 1931 O S. 37 f. ; . ’ 318
gorod; seinen In h a lt bestim m te der wagende K au fm an n . J e tz t b esch rän k t sich das „gemeine B este“ a u f den R au m der S tad t, u n d geradezu sinnlose F orderungen eines H andw erkeram tes b rin g en neue, aussichtsreiche kaufm ännische U n ternehm un g en zu Fall. W er diesen V organg m it jen em großartigen E r schließen d er M etallvorkom m en vergleicht, wie es noch im 15. J a h rh u n d e rt durch die N ü rn b erg er25), d an n im 16. J a h rh u n d e rt durch die F ugger erfolgte, w ird allerdings b ereit sein, L ü b eck u n d die H an se als eine S tä tte engster, au f die S ta d t b e sch rän k ter u n d v o n H andw erker geist b eh errsch ter W irtschaftsgesinnung zu wer te n . G röße u n d W eitblick w ird er n u r in N ü rn berg, bei den F u g g ern u n d selbstverständlich in Ita lie n , zu sehen b ereit sein26). In dieser Auf25) D ie grundverschiedene Entwicklung der W irtschafts gesinnung in Lübeck und Nürnberg habe ich im B an d IV der P ropyläenw eltgeschichte (1932), S. 335 ff., darzu' stellen versucht. D ort ist eingangs sta tt: ,,E s w'ar be reits“ zu lesen : „ E s war bisher“ . 26) U m nur ein B eisp iel dafür zu nennen, w ie einseitig dogm atisch die Lehre von der alleinigen Bedeutung Italiens für das A ufkom m en schöpferischer K räfte in der W irtschaft des M ittelalters auch dann noch auf' rechterhalten wurde, als das schon vorhandene deutsche, belgische und französische Schrifttum eine Korrektur unbedingt erfordert h ätte, nenne ic h das B u ch von A. v . Martin, „Soziologie der R enaissance“ . Zur P h y siognom ik und R hythm ik bürgerlicher K ultur. 1932. (V gl. dazu H ansische G eschichtsblätter J g . 1934 (1935), S. 250, Anm. 6.) — D ie fü r die oberdeutsche W irt-
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fassung haben bekanntlich die Vorstellungen von dem deutschen Frühkapitalismus als dessen Vor läufer Nürnberg, als dessen Hauptträger die Fugger gelten, ihre Wurzel. Den Zustand der Hanse um 1500 hat man für sie als allgemein gültig auch für die frühen Jahrhunderte an gesehen. Daß hier ein Fehler der Auffassung vor lag, ist wohl offenbar geworden. Nicht das Brügge und das Lübeck des 16. Jahrhunderts, beide bereits ihrer eigentlichen Lebensgrundlage beraubt oder zum mindesten schwer gefährdet s c h a fts g e s c h ic h te d e s 16. J a h r h u n d e r ts so v e r d ie n st v o lle n A r b e ite n J . S tried ers u n d se in e r S ch u le h a b e n s ic h v o n e in e r g e w is s e n U n te r sc h ä tz u n g d er fla n d risch h a n s is c h e n L e is tu n g d es 13. u n d 14. J a h rh u n d e rts n ic h t im m e r g a n z fr e ig e h a lte n . W e n n m a n z .B . d ie w ied eru m h ö c h s t e in d r in g e n d e n u n d fü r d ie G e sc h ic h te d er p r i v a t e n U n te m e h m u n g s fo r m e n d es 16. J a h rh u n d e rts e r g e b n isr e ic h e n U n te r su c h u n g e n v o n C. B a u er , „ U n te r n e h m u n g u n d U n te r n e h m u n g sfo r m e n im S p ä tm itte l a lte r u n d in d er b e g in n e n d e n N e u z e it“ , 1 9 3 6 , d u r ch sieh t, so i s t i n d er E in le itu n g ( „ D ie g e s a m tw ir tsc h a ftlic h e F u n k t io n d e s F e r n h a n d e ls im 15. u n d 16. J a h rh u n d e rt“ ) d o c h m a n c h e s, w a s e in V e r d ie n st d es 13. u n d 14. J a h r h u n d e r ts i s t , e r s t fü r d ie M itte d e s 15. J a h rh u n d e rts in A n sp r u c h g e n o m m e n . M iß v e r stä n d lic h i s t je d e n fa lls, w e n n in d ie s e m z e it lic h e n Z u sa m m e n h a n g g e ä u ß e r t w ir d : „ F la n d e r n w ir d zu m W e ltm a r k t E u r o p a s.“ — E s m ö c h te m ir s c h e in e n , d aß d ie ü b lic h e n V o r ste llu n g e n v o m „ F r ü h k a p ita lis m u s “ e n g m it je n e ? e in se itig e n Ü b e r s c h ä tz u n g d er R e n a issa n c e u n d ih r e r L e istu n g zu s a m m e n h ä n g t, d ie z . B . a u c h in d er K u n s tg e s c h ic h te e in e r g e r e c h te r e n B e u r te ilu n g d er „ r o m a n isc h -g o ti s c h e n “ L e is t u n g d a s F e ld j e t z t fr e ig ib t. 3 2 0
und in ihrer inneren S truktur vollkommen ge w andelt, k an n m an m it dem Augsburg des 16. Ja h rh u n d e rts vergleichen, wohl aber diesel b en S tä d te in einem weit früheren Stadium ihrer E ntw icklung, etwa gegen Ausgang des 13. Ja h r h u n d erts. Selbstverständlich h a t auch dieser Vergleich etw as höchst Problem atisches. Aber er trifft gerade fü r die W irtschaftsgesinnung zu. F ü r einen JeanB oinebroke oder B ertram Mornewech im 13. Ja h rh u n d e rt gilt ebensogut wie für einen Ja k o b Fugger das W o rt: „er wollte ge w innen, dieweil er könne“ . U nd noch eins ist zu b e a c h te n : E in Jak o h Fugger h a t, wie Strieder es u n s deutlich gezeigt h a t27), zwei M ittel an gew andt, u m seine kaufm ännischen Ziele zu er reic h en : die Bevorschussung des Produzenten, d en V erlag, u n d die U m w andlung des erworbenen R o h p ro d u k ts zu m arktgängigem K aufm annsgut. D as sind ab er grundsätzlich genau dieselben Me th o d e n , w elche der T uchverleger in Brügge, die H an sen beim F ischhandel in Bergen u n d Schonen oder beim G etreidehandel d er Ostsee bereits im 13. u n d 14. J a h rh u n d e rt anw andten. O rgani sato ren der P ro d u k tio n sind die flandrischen u n d hansischen K au fleu te an den V oraussetzungen ih re r Z eit ebenso gewesen, wie ein Jak o b Fugger. A ber der hansisch e kaufm ännische B etrieb w ar a u f dem e rs ta rrt, w as er bereits u m 1300 erreicht 27) Vgl. z. B. J. Strieder, „ J a k o b Fugger der R eiche“ , S. 38. 21
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hatte28). Die Fugger dagegen haben dieselben Methoden vor allem auf den um 1500 ungeahnten Höchstleistungen zuschreitenden europäischen Bergbau angewandt und sind darüber selbst Großindustrielle geworden. Damit wurden ßie in Riesengeschäfte von einem Umfang verwickelt, wie sie in der Tat vorher niemand in Nordeuropa auch nur für möglich gehalten hätte. Dazu kam vor allem: Die staatlichen Mächte des 16. Jahr hunderts er öffneten mit ihrem Kapitalbedarf, aber auch mit ihrem Reichtum an kaufmännisch auszunutzenden Hoheitsrechten Möglichkeiten von bisher unbekanntem Ausmaße. Das ist die Welt, deren wirtschaftliche Möglichkeiten ein Jakob Fugger meisterte, an der aber auch bereits die zweitnächste Generation kaufmännisch zu grunde ging. So selbstverständlich es ist, das Zeitalter der Fugger mit seinen ganz neuen politischen und wirtschaftlichen Aufgaben scharf und deutlich abzuheben von dem damals verkümmernden flandrisch-hansischen Wirtschaftskreise, so sollte man sich doch nicht durch das schillernde Wort Frühkapitalismus29) dazu verleiten lassen, die gewaltigen Unternehmerkräfte, die den flan drisch-hansischen Raum vom 12. bis 14. Jahr28) V g l. h ie r fü r z . B . B . K o e h le r , „ D a s R e v a lg e s c h ä f t d es L ü b e c k e r K a u fm a n n s L a u r e n s I s e r m a n n 1 5 3 5 )“ . K ie le r D is s . 1 9 3 6 , S . 41 f . *•) V g l. d a z u m e in e S . 4 7 , A n m . 1.
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„ M itt e la lte r lic h e
(1 5 3 2
b is
W e lt w ir t s c h a f t “
h u n d e rt schufen u n d ausbauten, zu ubersehen oder durch eine falsche Begriffsbildung abzu w erten. Ih re S tärke lag, das ist zweifellos, in gem einschaftsbezogenem H andeln; aber nicht dem der engbegrenzten H andw erkerzunft, son d ern dem einen w eiten R aum umfassenden, gem einschaftsverbundenen unternehm enden H an deln u n te r selbstgeschaffener, politischer Lei tu n g . Ih re T räger w aren, wenigstens in der h an sischen F rü h zeit, die in der W irtschaft des ge sam thansischen Gebiets führenden M änner. D aß ein B ertra m Mornewech als Lübecker R atsm ann die L ast dieser V erantw ortung m ittru g , daß aber ein Ja k o b Fugger in A ugsburg n u r den Sitz seines eigenen Geschäftes sah, das ist vielleicht einer der w ichtigsten U nterschiede zwischen h an sischer F rü h zeit u n d dem A ugsburg d er Fugger. Jak o b Fugger is t bereits der T yp des bindungsfreien P rivatu n tern eh m ers, der sein Geschäft, sei es als K au fm an n , sei es je tz t auch als in d u strieller U nternehm er, grundsätzlich nach rein privatw irtschaftlich en G esichtspunkten leiten .kann30). Zu der M acht des S taates steh t er im 30) D as bedeutet selbstverständlich nicht, die Großartig k eit des w eltw irtschaftlichen Handelns eines Jakob Fuggers unterschätzen; auch nicht seine Bereitschaft verkennen, von sich aus in so entscheidendem Maße in die politischen Verhältnisse einzugreifen, w ie er es z. B. bei der W ahl Karls V. getan h at. Es bedeutet nur: feststellen, daß für sein wirtschaftliches Handeln nicht jene politischen und öffentlich-rechtlichen Bindungen bestanden, w ie etwa für den hansischen Kaufmann in 21*
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Verhältnis eines Gegenspielers, oft durch ihn gefördert und an ihm die größten Gewinne machend, oft aber auch an diesem für ihn gefähr lichen Partner zugrunde gehend. Für einen auf wirtschaftlicher und politischer Gemeinschafts arbeit beruhenden städtischen Verband, wie es die Hanse in ihrer Blütezeit gewesen war, war im 16. Jahrhundert kaum mehr Raum. Ihr Ruhm bleibt, aus diesem disziplinierten Gemeinschafts geist heraus ein Ganzes geschaffen zu haben, dessen Aufstieg, Höhepunkt und Niedergang sich im imponierenden Rhythmus der inneren Not wendigkeiten des eigenen Seins vollzog. In ihrer frühen und besten Zeit hat die Hanse europäische Gemeinschaftsarbeit geleistet, die zu einer ersten, von den Hansen ausgebauten und sinnvoll ge leiteten Großraumwirtschaft geführt hat31). Diese Gemeinschaftsarbeit war getragen von se in e r b e s t e n Z eit. J e t z t k o n n te s ic h d as „ n a c k te Gew in n str e b e n “ n u r „ k a ltr e e b n e n d e r G eld m än n er“ in D e u ts c h la n d h e m m u n g slo s u n d d esh a lb v e r h ä n g n isv o ll a u sw irk en . V g l. W . A n d re a s, „ D e u ts c h la n d v o r der R e fo r m a tio n “ , 1 9 3 2 , S. 30 6 , u n d se in e w e ite r e , k n a p p e, h ö c h s t a n s c h a u lic h e D a r ste llu n g d er W a n d lu n g en Im B e r g b a u s e it d er M itte d es 15. J a h r h u n d e r ts, d ie d urch d ie u m fa sse n d e n U n te r su c h u n g e n J . S tried ers, „ S tu d ie n zu r G e sc h ic h te k a p ita lis tis c h e r O rgan isa tio n sfo rm en “ , 2. A u f la g e 1 9 2 5 , z u er g ä n z en sin d . 31) Ü b e r „ G r o ß r a u m w ir tsc h a ft“ v g l. j e t z t d ie A u sfü h r u n gen vo n D a itz in : „ D e r W eg zu r V ö lk isc h e n W ir t s c h a f t “ , A u sg e w ä h lte R ed en u n d A u fsä tz e , 1 938, z. B . T e il I S . 6 6 ff., T e il I I S . 44 ff.
W.
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jen em sicheren Selbstgefühl, das dem eignet, der sein w irtschaftliches H andeln so einrichtet, daß seine P a rtn e r durch den eigenen Aufstieg nicht geschädigt, sondern gefördert w erden. Deshalb is t m it dem W orte H anse noch im m er jenes Ge fü h l der H ochschätzung verbunden, derart, daß noch in diesem J a h re (1938) A ntw erpen eine große Z ahl vo n S tä d te n zu dem Versuch au f fo rdern konnte, w irtschaftliche Schwierigkeiten der G egenw art aus hansischem Geiste zu üb er w inden.
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HANSISCHE KAUFMANNSEHRE Von Johannes Kl ö c k i ng , Lübeck
Zur Zeit, da wir Älteren aufwuchsen, war eine Geschichtsbetrachtung geläufig, die das Mittelalter „finster“ nannte und als eine „Zeit, der Gebundenheit“ ' rückständig schalt. Erst der Mensch der Renaissance habe die Ketten abgeworfen und sich zu individueller Freiheit er hoben. Und diese Freiheit der Einzelpersönlich keit wurde dann wie ein roter Faden durch die Geschichte der neueren Zeit verfolgt: ihr „Durch bruch“ zumal in der französischen Revolution und ihre Vollendung im Weltbürgertum um 1900. Ihr führender Typ war dabei zunächst der Franzose, dann, je länger, je mehr, der Eng länder. Denn das eine ließ sich leider nicht ver schweigen: große Zeiten des deutschen Volkes fielen nicht in diese Jahrhunderte westlich orien tierter Freiheit, sondern — früher, gerade in das „gebundene“ Mittelalter! Damals, in der Kaiserzeit und in der Hansezeit,hatte Mitteleuropa die Führung in der Hand, und der Westen, zumal England, war Außen rand, ja, Anhängsel. Man hat daher auch ver mieden, die Hanse, im Zusammenhang mit „Finsternis und Kette“ zu erwähnen, wenn man in ihr — mit Recht — auch keinen Vorläufer 326
englischen F r eikaufm anntum s anerkennen wollte. H eu te beginnen w ir, die G ebundenheiten des m ittelalterlich en H andels und des hansischen K aufm anns m it anderen Augen anzusehen. J e denfalls ist seitdem ein u nabsehbarer Reichtum a n Q uellen ausgeschöpft worden. U nd je tiefer die F orschung grub, u m so gegenw artsnäher er schien das M ittelalter. Sein H andel, dem m an wegen des angeblich geringen U m satzes die Fähig k eit abgesprochen h a tte , auch n u r als Vorstufe heutigen W elthandels zu gelten, en tp u p p te sich bei näherem Zusehen m ehr und m ehr als ein in d er T a t die ganze b ek an n te W elt einbeziehender H andel, sp an n te er sich doch von Islan d bis Sm olensk u n d P o rtu g al u n d holte ü b er Venedig den-w eiten O rient heran. Erzeugnisse dieses gan zen U m kreises b rach te er a u f jeden S tad tm ark t. Z ur N ahrungsversorgung großer S täd te, üb er v ö lk erter oder klim atisch benachteiligter Gebiete le n k te er V iehherden üb er w eite L änderstrecken v o n P olen nach F ra n k fu rt, von J ü tla n d nach H am b u rg u n d Kornschiffe über ganze Meeres b re ite n — v o n L übeck nach Norwegen, von P reu ß en nach F lan d ern . D ie Entw icklung verlief w eit vielfältiger, als es den Anschein h a tte ; Zeiten strengerer „G ebundenheit w echselten m it solchen, in denen der einzelne freier, beweglich w ar. R evolutionär gebärdete sich vor allem die Zeit des Interregnum s, die des Ü bergangs von der rom anischen zur gotischen G eisteshaltung. D am als.blieben zuerst die m it dem Schiff reisen327
den Kaufleute daheim in ihrer „Skrivkamere“ und begannen Gesellschaftsgeschäfte, teilten das Schiffsrisiko mit anderen und hielten sich an Geschäftsfreunde in den Fernplätzen; sie dran gen erfolgreich als ganze Schicht Neureicher in das ältere Patriziat ein. Zweihundert Jahre spä ter erinnert es schon gelegentlich an Plutokratenmanier, wenn z. B. einem Lübecker der rotgoldne Sammet weder aus Flandern noch aus Nürnberg gut genug erscheint und erst von Florenz Ware kommt, die seinen Ansprüchen genügt. Aber eine Gebundenheit herrschte allerdings vor, die die späteren Jahrhunderte westlicher Geistes haltung aufgegeben haben, eine Gebundenheit, die jedoch freiwillig gesucht war. Formen und Formeln, die dem rückwärts forschenden Blick z.uerst als starr Vorkommen mochten, erweisen sich als späte nachträgliche Festlegung gewohn heitsüblich gewordener Zustände. Die Schweden händler Lübecks haben sich erst im 15. Jahr hundert zu der festen „Kompanie der Holm fahrer“ zusammengeschlossen, aber schon durch das ganze 14. Jahrhundert treten sie gemeinsam handelnd auf, wohnen sogar nahe beieinander in der Fischstraße, halten sich einen eigenen Löschund Ladeprahm und eigene Träger — und dabei sind sie meist selber erst aus den verschiedensten Städten Westfalens eingewandert. Sie haben eben an hundert Beispielen erkannt, welche Vorteile gemeinsames Handeln hat, und haben fr eiwill eine Bindung nach der anderen gesucht. Sollten 328
sich n ic h t im dam aligen R ußland die deutschen K au fleu te u n te r eigenem, besseren R echt zu ge m einsam er V erteidigung der eigenen höheren K u ltu r zusam m enfinden? W er da gegen einen H ansegenossen etw a bei den Eingeborenen R echt suchen w ollte, der w ard als V erräter der über legenen K u ltu r v erfem t. D aher fanden sich wie selbstverstän d lich überall im A usland die „K au f le u te des K aisers“ a u f der deutschen „ B a n k “ , im deutschen H au s zusam m en: in B rügge, Lon don, Bergen, N au g ard und in Schweden. U nd der Zusam m enschluß w ard u m so fester, je m ehr m an d u rch , ih n erreichte. So h a tte m an das S tra n d re c h t d er L an d esfü rsten u n d K üstenleute b eseitig t, ab er m an w ar län g st über die A bwehr hinausgegangen u n d h a tte es a n vielen O rten zum A lleinhandelsrecht gebracht. K ein W under, d aß die im A usland erp ro b te G em einschaftsbin dung in die H e im a tsta d t zurückgetragen w ard u n d n ach u n d n ach das H andels- u n d E rw erbs leb en in feste F o rm en b rach te. Schon w enn je m a n d E in laß in einen E rw erbs s ta n d oder eine S ta d t b egehrte, t r a t ihm das W esen solcher G esinnungsgem einschaft h an d greiflich vor A ugen. M an sah sich den neuen Ge nossen genau an , ob er ein tre u e r Gefolgsmann zu w erden v ersp rach . D ie „B ü rg en zu ch t“ v e r langte, daß sich alte M itglieder fü r ih n einsetzten. U nd niem and k o n n te in hansischer W elt a u f A n nahm e rechnen, d er w ährend eines K rieges sein B ürgerrecht in irgendeiner B u n d esstad t auf329
gegeben batte — nämlicb, um trotz verhängter Handelssperre Vorteil zu suchen — oder mit un' bezahlten Schulden davongegangen war. Selbst der Handwerker mußte nachweisen, daß er nicht wendischer Herkunft sei — Juden gab es in Lübeck bis nach dem Dreißigjährigen Krieg über haupt nicht, — sondern ehrlich geboren und im ehelichen Bett erzeugt sei. Die Bergenfahrer, die bei ihrer besonders harten Schiffahrt und dem strengen Dienst im Kontor inmitten eines kräf tigen Nordvolkes keine Weichlinge brauchen konnten, fügten eine Reihe von Mut- und Härte proben hinzu, an deren Folgen der Aufgenom mene oft wochenlang zu tragen hatte. War jemand aufgenommen, so war er Mitver schworener zum gleichen Ziel, Mitträger gemein samen Schicksals, und sein Wort galt im Kreise wie unter Sippengenossen. Auf Treu und Glauben unter den Hansebrüdern waren Handels- und Geldverkehr aufgebaut. Ganz selten nur gr iff man zu einer schriftlichen oder behördlichen Siche rung. So vor allem bei den Gesellschaftsver trägen. Wenn zwei oder mehr Kaufleute sich zu einem Geschäft oder für dauernd zusammen taten, gaben sie ihren Vertrag mündlich im Lü becker Rathaus kund, wo er dann ins sogenannte Niederstadtbuch eingetragen ward. Dort finden sich auch die Auseinandersetzungen bei Auf lösung der Gesellschaft oder beim Ausscheiden oder Tod eines Gesellschafters, Das Niederstadt buch ist damit eine der reichhaltigsten Quellen 330
hansischer Kaufmannsgeschichte geworden und stellt zugleich die unbestechlichste Geschichtsquelle dieser Zeit überhaupt dar. Es finden sich darin dem Wesen nach bereits alle jene Formen der Handelsgesellschaft, die man der neuesten Zeit Vorbehalten glaubte. Die Einzelgeschäfte er reichen zuweilen ein Ausmaß, daß man die Ab sicht sieht, den europäischen Markt in einem bestimmten Artikel — einmal sind es gedrehte Bernsteinkugeln, von denen mehrere Jahres erzeugungen durch dieses Geschäft laufen — monopolartig in die Hand zu bekommen. Auch die Stadt selbst erscheint mitunter als Teilhaber in einer Handelsgesellschaft, oft nur zu einem Geschäft. Die Tausende von Kontrakten von Reedern mit Schiffern finden wir bereits nicht mehr im Stadt buch; hier ging es nach den festen Regeln, die sich aus dem Gewohnten herausgebildet hatten. Das Frachtgeld empfing der Schiffer im voraus. Ihm vertraute man auch Gelder für die auswärts wohnenden Geschäftsfreunde an, händigte ihm sogar bestimmte Summen ein, um damit nach bestem eignen Gutdünken drüben einzukaufen, was Gewinn versprach. Versäumte er die recht zeitige Rückfahrt — etwa dadurch, daß er den Anschluß an den Geleitzug der Baienflotte ver paßte, die französisches Seesalz zum Pökeln der schonenschen Heringe heranbrachte — „unde blew he biliggende“, so hatte er die Fracht zu rückzuzahlen. Bei. nur halb vollendeter Fahrt 331
- galt das gleiche mit einem entsprechenden Teil preis. Wenn er aher mutwillig seinen Vertrag brach, so traf ihn die Strafe, die im hansischen . Mittelalter für Diebe üblich war — der Tod! Hier stutzt der Mensch der Gegenwart. Also doch! Das finstere, grausame Mittelalter, das ohne Empfinden für Nöte der Einzelseele is t... Aber für den Seelenzustand eines Totschlägers hatte jene Zeit Verständnis; man hatte zu oft im Kampf gestanden, als daß nicht leicht, wenn die Ehre nur angetastet schien, das Schwert aus der Scheide fuhr. Jeder Totschlag ließ sich darum durch Wergeid sühnen. Die Ehre stand höher als das Leben. Ließ sich auch nicht in jedem Fall die vorangegangene Ehrverletzung nachweisen, so war sie doch bei jedem, den man ja aus irgend einer Gemeinschaft kannte, vor so schwerer Tat handlung vorauszusetzen. Ein Dieb aher handelt ehrlos, er zerbricht die Gemeinschaft. Ihn muß man ausmerzen, soll die Ehre der Gemeinschaft ohne Flecken bleiben! Vom Vollzug solch schwerer Strafen melden die überkommenen Nachrichten wenig; aus den Krei sen, zu denen die Kapitäne gehören, so gut wie nichts. Es war eben selbstverständliche Ehren sache, getreulich auszuführen, wozu man sich verpflichtet hatte. Treue gegen Stadt und Bund waren in gleicher Weise Bestandteil der Ehre von Schiffer und Reeder. Es stand unter schimpflicher Strafe, den weißroten „lübschen Vlogel“, den langen Wim332
pel, nicht geführt zu haben. Neutrales Gut auf feindlichen Schiffen — das war hansisches See recht — durfte nicht beschlagnahmt werden, wohl aber hansisches auf feindlichem und feind liches auf hansischem SchifFsboden! Bei Havarie und Seenot stand die Rettung der Mannschaft voran, dann kam das Gut des Befrachters und zuletzt das SchifFszubehör und das Ladegut des Schiffes. Im Hafen angelangt, setzt neuer „Zwang“ ein. Alle Ware muß, soweit sie nicht in anerkannter • Form und Verpackung ist, zur amtlichen Waage. Solcher gibt es gewöhnlich zwei, eine am Markt , eine am Hafen. Mit ihnen sind angesehene Kauf leute vom Rat „belehnt“ ; sie sacken die Gebühr ein, aber sind verantwortlich, daß ihr Wäger richtig und mit rechten Gewichten wiegt. Da bringt vielleicht gerade ein Schiffer auftrags gemäß riesige Pfundsgewichte aus Livland heran —livische Pfunde, im Sprachgebrauch bald Liespfund genannt — und die Gewichte, oder wie es im Brüggeschen Platt heißt, die „Thgewichte“, werden „gheliiket“ ! Was in einer hansischen Stadt gewogen und gemessen ist, wird in der anderen als richtig anerkannt. Als Ausweis gilt die eingebrannte amtliche Marke. Da stellen z. B. die Böttcher in Rostock und Lübeck die Normaltonnen für schonensche He ringe her. Teer wird nur dann als vollmaßig an erkannt, wenn er in Eichenband-Tonnen schwe discher oder livischer Bruderstädte ankommt; 33B
andernfalls muß er auf dem Teerhof „gestürzet“, d. h. auf solche Tonnen „rechten Maßes“ umge gossen -werden. Kommt eine rechte Tonne nor dischen Pökelherings an, so haben dennoch die Heringspacker nachzusehen, wie weit der Inhalt etwa eingesunken ist, und sind verpflichtet,bis an den Rand nachzupacken oder, wie ihr Fachaus druck lautet, zu „verhögen“ ; erst dann wird die neugeschlosseneTonne „gesarkelt“, d. h. mit dem eisernen Zirkel als richtiges hansisches Handels gut gemarkt und darf ins Binnenland gehen. Entsprechend müssen die Salzpacker hei frischer Füllung das Salz zwei Finger breit über dem Rand abstreichen, damit die Tonne prall gefüllt _ an den Empfänger gehe. Das sind viele „Zwangsbestimmungen“, gewiß; aber ebensoviele selbst gewünschte! Hinter ihnen steht die Sorge um die Ehre der Hansestadt und der „Kaufleute des Reiches“. Es ist ihre Ehre und ihre einzige Reklame zugleich: Was aus ihren Händen kommt, ist untadelig, entspricht stets dem Vereinbarten! Denn mit der Sorge um Maß und Gewicht läßt man es nicht bewenden, es folgt die schwierigere Güteprüfung. Die Teerknechte haben das „Gailwasser“ vom Teer abzulassen; der Wraker — der Prüfer, der das Schlechte als ,,-v^rack“ auszuschalten hat — vermerkt den Grad der Dickflüssigkeit auf der Tonne, wozu ihm fünf besondere Brenneisen zur Verfügung stehen. In sechs Größen müssen die ßergenschen Stockfischstücke — damals die 334
w ichtigste Fa6tenspeise M itteleuropas — sortiert 6eün; jed er entspricht ein Handelsname. Der He rin g d a rf n ich t anders bezeichnet werden, „denn m it dem N am en, da er her komm t und gesalzen is t“ ! Die übliche M arktstrafe von drei Mark — dam als eine erkleckliche Summe — erhöht sich in diesem F all sogar a u f z e h n ! Allen Wein probt der R a t selbst durch eins seiner Mitglieder; er d a rf zunächst n u r im R atskeller, später auch in einigen wenigen anderen Kellern un ter beson derer A ufsicht lagern. Ohne ratsherrliche Bier probe geht kein Brauerzeugnis heraus, auch nicht a u f den heim ischen M arkt. D am it beim Flachs n ic h t die H erk u n ft verschleiert werde, gilt die B estim m ung, daß er in der ursprünglichen Bin dung bleibe; n u r wenn er unterw egs naß ge w orden sei, dürfe m an ihn neu binden; aber m it dem vorigen B and. H ier ist die Strafe gar bis zum V erlust der Stadtw ohnung v erschärft! Ver schnürte u n d gesalzene H äu te dürfen nich t ge w eicht u n d neu verbessert aufgem acht werden. (H eute aber quellt m an D atteln u n d Trocken pflaum en durch D ünsten auf, daß sie frischge pflückter aussehen sollen, und gibt ihnen gar lose Stengel bei in der Hoffnung, naive K äufer hielten sie fü r ju s t vom B aum gekommen.) D am it auch die H ändw erksw are v o n vornherein handelsfähig in hansischem Sinne sei, setzt R eval einen „O lderm an m ang de H annepspinner, d a t it to dege (tauglich) ghem aket si“ , will sich aber für H a n f binnenländischer H erk u n ft nich t verbürgen. 335
Münster verspricht 1465 ausdrücklich, daß in Zukunft die Stadt selbst durch ihr Siegel für Maß und Güte der von dort kommenden Leinwand bürge. Lübeck gestattet seiner eigenen Stadt Mölln nicht, das dort gewebte graue Tuch mit den „roten Eggen“, den roten Webkanten, zu versehen, durch die die Lübecker, gleiche Ware bekannt ist. Die Güteprüfung schützt nicht nur den Käufer vor Übervorteilung, sondern gewährleistet auch dem Verkäufer seinen angemessenen Preis. Wenn ein Hopfenwraker z. B. bei seinem Amtseid eine nachträglich „gescholtene“ Ware als von ihm einwandfrei befunden erklärt, so muß der Käufer sie annehmen und die vereinbarte Summe ohne Abzug zahlen. In gleicher Weise wird uns von einer Ratsentscheidung über unrechtmäßig be anstandeten Talg berichtet. Macht ein Käufer dadurch Schwierigkeiten, daß er die Kaufbedingungen nachträglich anders deuten will, so entscheidet das Zeugnis des Maklers, denn dieser ist vom Rat mit seinem Amt belehnt und ihm vereidet. An ihn wendet sich der Rat auch, wenn er über früher übliche Preise Auskunft haben will. Und selbst nach seinem Tode ist sein „Mekelrie-Book“ ein vollgültiger Beweis über die Vorgänge bei einem Kauf. Käufer wde Verkäufer sind also durch die aus der Praxis des Handels in freiwilliger Übereinkunft getroffenen Bestimmungen voll geschützt — oder sollen es wenigstens sein. . . Denn wird nicht 336
da, wo viel Gebot ist, auch viel Übertretung sein? Und sprechen nicht vielleicht gerade die vielen kleinen Vorschriften von eingerissenen Mißbräuchen? Prüfen wir die Urkunden! Da berichtet 1434 der Danziger Rat an den Lübecker, von dort ge kommenes Salz sei schwarz befunden und schimpflich auf dem Markt verbrannt worden; die Marke sei, wie beigefügter Span beweise, zu dem undeutlich. Lübeck mußte bei Nachprüfung zugeben, im neuerrichteten, noch undichten Salz katen, den ein Lübecker Bürger in Oldesloe be sitze, könne Ruß ins Salz gekommen sein, auch sei das Markeisen in der Tat abgenutzt gewesen; im übrigen aber und besonders in Zukunft könne man sich für alles „Travesalz“, Lüneburger wie Oldesloer Herkunft, als beste Ware verbürgen. Einen Span mit Verkäufermarke schickte auch der Rat von Erfurt mit, als er sich über Heringe zu beklagen hatte, die in der Mitte der Tonne nicht so gut gewesen seien, wie nahe den beiden Böden.. Dieser Fall hat den Lübecker Rat zu einer ergänzenden Vorschrift an die Herings packer veranlaßt. Ein anderes. Mal beschwert sich der Rat von Aalborg über Hopfen, der zuviel Stengel und Blätter enthalte; dann wieder kommt vom Straßburger Rat über den Danziger eine Klage vor den Rat in Lübeck, die Stock fischgröße in einer Tonne habe nicht der außen angegebenen entsprochen. In allen diesen Fällen wird für die angefochtene Ware der völligste Er22
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satz geleistet. Einst setzte der Lübecker Rat einen rheinischen Kaufmann gefangen, weil sein Ingwer keine gute Handelsware gewesen sei; aber der Rat seiner Heimatstadt Nymwegen scheut nicht die Mühe dreier Briefe, um sich für die Ehre der Stadt und ihres Bürgers einzusetzen; er bezeugt vor allem, daß die Ware in Nymwegen in gutem Zustande abgegangen sei. Ein anderes Schreiben des gleichen Rates verbürgt sich für Herkunft und Güte aller englischen Tuche, so bald sie mit seiner Marke gezeichnet seien. Das ist in den zwölf Lexikonbänden des Lübecker Urkundenbuches — das nur Urkunden von 1140 bis fast 1470 enthält — die wesentlichste Auslese. Diese Fälle, alle von unerheblicher Bedeutung, machen nicht den Bruchteil eines Prozentes allein von den dort verzeichneten Gesellschaftsver trägen aus. Gegen die Unzahl der Verkaufshand lungen in dreieinhalb Jahrhunderten fallen sie überhaupt nicht ins Gewicht. Dazu muß auf fallen, daß sich mit jedem dieser kleinen Vorfälle zwei bis drei hansische Senate befassen, die sonst in hoher Politik zu.arbeiten pflegen; so wichtig und unerhört erschienen solche Durchbrechungen der kaufmännischen Unantastbarkeit! Die nach solchen Ausnahmefällen in der Regel erweiterten Kaufmannsordnungen fallen trotzdem nirgends durch übergroße Länge auf, so daß man rück wärts auch aus ihnen wiederum auf die Selten heit solcher Vorfälle schließen kann. Es liegt im Wesen der historischen Quellen, daß 338
sie von Geboten und Übertretungen berichten, die eben aus dem Gewohnten herausfallen, aber nicht von dem, was als selbstverständlich gilt. Das kann man nur aus tausend Unwägbarkeiten herausboreben. Man achte auf den Ton, in dem die Kaufleute von 6ich selber reden: die Ham burger Kaufmannschaft nennt sich noch heute wie im Mittelalter „Ein Ehrbarer Kaufmann“, während am Beginn der „besseren, neueren“ Zeit der Engländer fast ehrlich den Ausdruck „merchant adventurers“ findet, den man bei uns in der Regel viel zu zahm mit „wagende Kaufleute“ wiedergegeben hat — aus geborenem Ehrbar keitsgefühl des Deutschen, der vom Gegner und Konkurrenten nicht glaubt, was er selber scheuen würde. Heute aber erkennen wir deutlicher, daß der Titel wirklich meint, was er sagt: „kauf männischer Abenteurer“ ! Und daß er als letzte Steigerung in sich beschließt den Begriff: kauf männisch getarnter Pirat! Wenn die Kaufmannsordnungen einleitend von „nutt der meynheit“ und den Geboten und der Gnade Gottes sprechen, so sind wir geneigt, die Achseln zu zucken. Warum aber? Im Mittelalter war das keine Redensart, sondern eine Grundlage des Lebensgefühls. Erst dadurch, daß später die „freieren“ adventurer-Nationan die Worte tar nend weiter gebrauchten, ist ihr Kurswert bis zu völliger Abnutzung gesunken! Aber wenden wir den Blick, durch Welthandelsgewohnheit miß trauisch geworden, von solchen offiziellen Be22*
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kundungen ab und lenken ihn in die Briefe, in denen von Geschäftsfreund zu Geschäftsfreund doch eine formelhafte Verbrämung des gemein samen Standes nicht nötig ist. Siehe da — auch hier spricht der mittelalterliche Kaufmann von seinem Pfeffer — d. li. seinem Gesamthandel in kostbaren Nahrungs- und Arzneimitteln aus dem Orient — als einem ihm von Gott verliehenen .Lehen! Er nimmt damit für seinen Stand den gleichen Ehrbegriff in Anspruch, der in der großen Kaiserzeit für das christliche Rittertum galt! War die Blütezeit des Lehnsbegriffs — und ge rade für das Rittertum — auch bereits vorbei — dennoch durchzieht das spätmittelalterliche Le ben noch die Anschauung, daß Gott zwei Ämter gesetzt habe, über das Irdische zu walten, das Kaisertum und die Kirche. Darum tritt, zumal im Ausland, der Hansegenosse als „Kaufmann des Kaisers“ auf, obgleich dessen Macht sowohl wie die Beziehung der Hanse zu ihm keine greif bare Tatsache mehr hinter diesen Begriff stellen. Durchaus greifbar aber war jener Zeit das Gefühl: Hier handelt es sich um Lehns- und Gefolgsleute der weltlichen Spitze aller Christenheit; Kauf mannswort ist Ehrenwort in gleichem Sinne wie Ritterwort! Wie sehr die zweite Macht, die da mals noch einheitliche Kirche, diesen Anschau ungskreis vertiefte, ersehen wir Heutigen fast staunend an dem Reichtum der Stiftungen, die der Handelsherr für die Kirche und durch sie für Arme, für Witwen und Waisen gab, oder an 340
ihren Türmen, die er nicht hoch und stolz genug emporführen konnte, um seine eigenen Erfolge in dem ihm von Gott verliehenen Amt dankbar auszudrücken. „Zwei Schwerter gab Gott der Christenheit“, so beginnt der Sachsenspiegel. Und deutsches Recht mit raschem Urteil und volksnahen Formen, das keine Advokatenkniffe erlaubte, herrschte gerade in den Kaufmanns städten, die rechtschöpferisch das Magdeburger wie das Lübecker Recht ausgebildet und durch die vielen auf Rückfragen aus dem ganzen öst lichen Geltungsbereich ergangenen Bescheide ständig vervollkommnet hatten. Das Gefühl, ehrbarer Kaufmann sein zu müssen und sein zu wollen, war selbstverständliche und unverrück bare Grundlage der Lebensauffassung in den Hansestädten. Es kommt schließlich nicht ein mal darauf an, ob diese Lebensauffassung sich immer oder in welchem .Verhältnissatz sie sich in den Einzelhandlungen kundtat — denn Menschen sind zu allen Zeiten fehlsame Menschen gewesen —, sondern darauf, daß sie als Standes norm für alle verpflichtend blieb und Verstöße gegen sie auch als Verstöße gewertet und be handelt wurden. , Die Zahl der Mißbräuche nimmt denn auch so fort zu, sobald die starken und tiefen mittelalter lichen Bindungen sich lockern, mit Humanismus, Renaissance und Reformation die Einzelseele sich vordrängt, römisches Recht heiligen alten Rechtsbrauch auflöst und wirtschaftliche Um-, 341
gestaltungen, ja, solche des Weltbildes die Über lieferungen der hansischen Handelswelt erschüt tern. Bald tritt dann auf dem erweiterten Welt markt jener Typ auf — zunächst eben als eng lischer kaufmännischer Abenteurer —, der zu weilen unwahrscheinlich billig liefert — nämlich, um andere Wettbewerber auszustechen —, der aber auch bei Gelegenheit bedenkenlos schlechte Ware liefert, so daß bald nur die Konkurrenz der vielen als Sicherheit für den Käufer bleibt. Das erfordert dann wieder beim Angebot, daß einer den anderen überschreit: die laute Reklame wird geboren. Die Wertschätzung des Standes sinkt entsprechend; Fürstendiener, Beamter zu sein, gilt mehr. Wenn Einzelstädte hansisches Erbe noch hoch zuhalten trachten, so ist das nicht mehr ohne be dauernde Einschränkungen möglich: „Teer soll in echte Fässer gestürzet werden, so er nach Dänemark und Deutschland geht, da die lübsche Wrake (noch) gilt“, aber der weiter in den Westen ausgeführte Teer ist — „frei“ ! Der alte hansische Kaufmann b e h ä lt m it sein er Ehrbar keit auch noch la n g e seinen Standesstolz, aber er kann es nicht verhindern, daß „die Welt“, die den Kaufmann im allgemeinen nicht mehr hoch einschätzt, darüber lächelt. Staunend muß um 1750 der Lübecker Stadtsyndikus Dreyer, als er alte hansische Urkunden durchblättert, ausrufen: „Des deutschen Kaufmanns Ja und Nein galt damals in England so viel wie ein Eid. Es 342
scheint, daß in diesen Zeiten der Kaufmanns glaube im vollen oder zunehmenden Mond ge wesen sei!“ . . . In Lübeck hielt sich die Einrichtung der Güte prüfung bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Als damals das Amt des letzten Heringswrakers abgeschafft werden sollte, erhoben Krämer und Bürger lauten Einspruch; sie sahen voraus, daß jeder fortan lästig und umständlich selber pro bieren müsse! Und alle waren der Meinung, daß das Lübecker Braunbier, seitdem es Senator P. nicht mehr „probe“, jährlich schlechter werde. .. Heute haben wir wieder eine Eierwrake in ganz Deutschland .. . Nach dem Zusammenbruch des Systems und der Lehre vom „freien Welthandel“ sind wir hell hörig geworden für die Vorteile von Bindungen, gehen freiwillig in Genossenschaften solche ein und möchten abschütteln, was an „Freiheiten“ unser neu wachsendes Gebäude wechselseitiger Hilfe stört. — nämlich jüdische und angelsäch sische Gewissenlosigkeit. Damit knüpfen wir un bewußt an uralte, vergessen geglaubte Bräuche hansischer Vergangenheit an. Es kann ihrer Aus gestaltung nur dienlich sein, wenn wir den Zu sammenhang über die Lücke der letzten Jahr hunderte hinweg verfolgen und bewußt solche überwucherte Formen vor das Auge einer Zu kunft stellen, in der, wie wir hoffen, die damalige Einheit Mitteleuropas unter deutscher Führung eine neue beglückende Tatsache werden soll!, 343
E U R O P A OHNE ENGLAND? Von Carlo Scarfoglio Dieser Aufsatz des ersten ausländischen Ehren mitglieds der Gesellschaft für europäische W irt schaftsplanung und Großraumwirtschaft e. V. ist die einzigartige klassische Formulierung der Neu ordnung Europas, mit den Augen des faschisti schen Italiens gesehen. Er gibt einen Vortrag wieder, der auf Anregung der Gesellschaft und auf Einladung der Deutsch-Italienischen Studien stiftung am 21. Juni 1940 in Berlin gehalten wurde. Der Vortrag erschien darauf als Schrift, der Gesellschaft in drei Auflagen innerhalb eines Vierteljahres und ist bereits wiederum vergriffen. •
Nur
auf einem Gedanken, der kontinentalen Charakter trägt, kann sich ein Kontinental gefühl begründen; denn weder die Gefühle noch die Gedanken, die darin sich ausdrücken, ent stehen von sich aus. Sie sind immer das Produkt von etwas, z. B. von einem Bedürfnis, oder von einer Reaktion auf etwas, z. B. auf eine Drohung. Wenn wir unsere Unabhängigkeit nicht durch Mangel eines Kontinentalgefühls für bedroht hielten, so hätten wir keinerlei Bedürfnis nach einem Kontinentalgefühl. Deshalb kann die .ursprüngliche Form des Kontinentalgefühls nur negativ sein. Erst in einem zweiten Stadium kann es sich in eine konstruktive Form umwandeln. Der Anfang muß darin bestehen, das zu ver neinen, was unsere Unabhängigkeit bedroht. 344
Danach muß das Gebäude unserer Unabhängig keit errichtet werden. Die Männer, die um 1890 herum anfingen, die Notwendigkeit eines Kontinentalgefühls in der rein negativen Form einer Verteidigung gegen den zunehmenden englischen Einbruch in die europäische Unabhängigkeit zu spüren, machten einen schwierigen und ungestümen historischen Sprung; denn bis dahin, und zwar seit 1821, wurde der. Kontinent durch keinerlei Mißtrauen gegen England beseelt; Vor allem war es sehr schwer, den Standpunkt zu verfechten, daß bei England die wahre Gefahr für die kontinentale. Unabhängigkeit lag, zumindest, was die Ver kehrswege anbelangte — die allerdings der wich tigste' Teil der europäischen Unabhängigkeit , sind 1—; denn bis dahin, und zwar seit 1821, war England für die europäischen Liberalen die Muster- und Mutternation, ja die wahre Garantie für die Unabhängigkeit der einzelnen Staaten gewesen, sowohl in der grundsätzlichen Anschau ung wie in der Anwendung. Wohl war aus der Literatur der ersten Jahre des Jahrhunderts die antibritische Reaktion, welche dem während der französischen Revolution und des ersten AuG stiegs Napoleons erfolgten brutalen Eingriff Pitts und Englands in die Angelegenheiten Euro pas und der Unterstützung der europäischen Re gierungen bei der Unterdrückung der internen Freiheitsansprüche ihrer Völker folgte, auf sie überkommen. Aber diese antibritische Strö345
mung, die wahrhafte Haßformen angenommen hatte, war im Verlauf von siebzig Jahren durch die proliberale Politik Englands aufgesogen und erstickt worden. Im Jahre 1890 zu erklären, daß die wahre Bedrohung der Unabhängigkeit des Kontinents und seiner Nationen der englische Imperialismus sei, kam einer Gotteslästerung gleich. Daß es in Italien früher als anderswo Männer ge geben hat, die dies zu erklären wagten, liegt daran, daß sie als Mittelmeeranwohner viel un mittelbarer als die Denker anderer Teile Europas von einem- der brutalsten Ereignisse, welches den Beweis des englischen Eingriffes in die Rechte des Kontinents erbringt, betroffen und berührt wurden, nämlich von der Bombardierung von Alexandria und der Besetzung Ägyptens (1882). Daneben hatten sie das französische Eindringen' in Tunis erlebt, welches überraschend und in Verletzung der Italien von England und Frank reich in offiziellster Form gegebenen Verspre chungen erfolgte. Die beiden Ereignisse zeigten ihnen an, daß zwei Mächte, die sich rühmten, Wiege und Prüfstein des Liberalismus zu sein, sich-nicht scheuten, sich zusammenzutun, um mit brutaler Gewalt von Ländern Besitz zu er greifen, die den gemeinsamen Zugang für den Kontinent darstellten, und das zu dem Zweck, die Rechte der kleineren Völker, wie Italien, mit Füßen zu treten, nur weil sie zu zweit waren und jeder von ihnen stärker war als das mit Füßen 346
getretene Land; um Gebiete, welche dem euro päischen Recht unterstanden, wie Kolonial gebiete zu behandeln und unversehens den offen sten und erklärtesten Zynismus an die Stelle von Liberalismus zu setzen. Diese Männer sahen, daß der Liberalismus, der bis dabin eine heilige Sache für die Italiener gewesen war, in der inter nationalen Politik nichts anderes als ein Geheim zeichen für Gangster war; und sie verwarfen den Liberalismus. Daß es sich um die Endkrisis des Liberalismus handelte, zeigt eine einzige historische Tatsache. England, welches sich nicht stark genug fühlte, gegenüber der europäischen Meinung jeden Skru pel fallen zu lassen, versuchte, sich mit Italien zu verbünden. Aber Italien lehnte ab in Gestalt eines Liberalen von reinstem Wasser, Pasquale . Stanislo Mancinrs. Dieser liberale Jurist wei gerte sich zu glauben, daß man ohne Heraus-* forderung in einen freien Staat eindringen könnte, und wollte seine Zustimmung nicht geben. Ohne ihn würde Italien heute Mitregent in Ägypten sein. In Anbetracht der politischen Schule, wel cher er angehörte, war sein Skrupel ehrenwert. Er zeigte den Unterschied zwischen einem wirk lichen Liberalen und einem Liberalen englischen Typs. Diese Episode gestattet es, mit absoluter historischer Genauigkeit zu behaupten, daß mit der Beschießung Alexandriens der Liberalismus in Europa tot ist. Er war zwar nur in einigen Herzen tot, aber auf diese Weise sterben die 347
politischen Ideen. Von diesem Zeitpunkt an sah jedes Jahr eine größere Anzahl von Menschen klar den Betrug ein und erkannte, daß der Libe ralismus, nachdem er seine historische Funktion erfüllt hatte, nichts mehr weiter war als ein Netz, das den europäischen Völkern übergeworfen wurde, um sich ihres Gehorsams zu versichern. Deshalb haben, alle wirklich politischen Schulen, die seit 1882 entstanden sind, und zwar von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, vom Nationalismus bis zum revolutionären Syn dikalismus, ihren Doktrinen die Verneinung des Liberalismus zugrunde gelegt. Den Liberalismus verneinen hieß jedoch England verneinen; und damit sein politisches Schema des europä ischen Quietismus. England seinerseits hat inseiner instinktiven Art den grundlegenden Cha rakter der herannahenden Umwälzung gespürt 4und hat einzeln und gemeinsam all diese Schulen bekämpft, und zwar vor allem den Nationalis mus als Idee, obwohl es selbst ganz durchdrungen ist-von Nationalismus. Aber es war der euro päische Nationalismus, der es beunruhigte. Um den Liberalismus, den es als tot erkannte, zu ersetzen, hat es den Sozialismus der Zweiten Internationale, den es für sich selbst ablehnte, der aber für den Kontinent in seinen Augen einen großen Vorteil bot, da er nicht wie die anderen Schulen nationalen Charakter trug, aufgebracht und propagiert. Der Markt, auf welchem die neue Ware ausgeboten und lange Zeit mit Erfolg ab348
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g esetzt w urde, w ar Frankreich. Das war ganz n a tü rlic h , da die beiden M ächte nach dem Zw ischenfall von Faschoda im Jah re 1904 ihr antieuropäisches B ündnis erneuert und einen P a k t abgeschlossen h a tte n , welcher nur den einen Zw eck verfolgte, ihre Hegemonie au f dem K o n tin e n t zu festigen u n d diesen in seinen Gren zen eingeschlossen u n d gefangenzuhalten, wäh re n d sie selbst die Teilung dessen, was von der W elt übriggebliehen w ar, zum Abschluß brach te n . T atsächlich genügt es, daran zu denken, daß der A ntinationalism us des europäischen Sozialis m us v o r allem in antikolonialer Form zutage t r a t ; es genügt, d a ra n zu denken, daß dies der außergew öhnlichste W iderspruch war, den m an sich vorstellen kann. D enn wenn der Sozialismus einen G rund h a t zu existieren, so ist es der der K olonisierung, d. h.' der Erw erbung von neuem B oden u n d neuen A rbeitsquellen fü r die Prole ta rie r. E s genügt, d aran zu denken, daß die bei den N ationen, welche den Sozialismus u n d den A ntikolonialism us propagierten, in der Zwischen zeit die. W elt u n te r sich v erteilten, um zu ver stehen, w er der U rheber des sozialistischen A nti kolonialism us ist. E s is t übrigens auch so, daß E ngland und F rank reich d en Sozialismus g etö tet haben, wie sie den Liberalism us tö te te n , u n d der historische euro päische F o rtsc h ritt ist beschleunigt worden, an s ta tt verzögert zu w erden. So wie die Ereignisse von 1881/82 den Liberalism us getötet h a tte n — 349
erst in einigen Herzen, später in ganz Europa _____ so haben die schamlose Verteilung der gemachten Beute in Versailles und das System der Fesse lung und Blockierung, das dem europäischen Kontinent auferlegt wurde, den internationalen Sozialismus getötet. Europa hat mit einem Schlage die Gangsterflagge gesehemind erkannt. Es hat erkannt, daß der internationale Sozialis mus nichts anderes war als das Instrument der Demokratien, um von außen her auf das Innere der Nationen zu wirken, die man impotent halten mußte, während die Verteilung vor sich ging und sich konsolidierte. Wenn der internationale Sozia lismus Verstand genug gehabt hätte, sich gegen Versailles zu stellen, hätte er sich vielleicht ge rettet ; aber, beherrscht vom Freimaurertum, tat er es nicht und verriet sich. Wenn die tota litären Staaten ihre Aktion damitbegonnen haben, sich auf die sozialistischen Parteien ihrer Länder zu stürzen, so liegt das daran, daß sie, ehe sie den Kampf gegen den äußeren Feind aufnahmen, dessen internen Verbündeten beseitigen mußten. Und das alles war, um es noch einmal zu sagen, nichts anderes als eine V erneinung Englands, seines Machtanspruchs und seiner Art, die euro päischen Angelegenheiten zu lenken. In diesen Dingen bedarf es wahrhaftig keiner besonderen Instanz zur Interpretation. Die Reaktion der be drohten Länder reicht aus, um den Charakter des Phänomens dem Studium klarzulegen. Wenn der Totalitarismus Frankreich und England ein350
fach als eine innerpolitische Bewegung erschienen w äre, so h ä tte n sie sich gehütet, sich einzu m ischen oder ihm den K rieg zu erklären, wie sie dies v on A nfang an getan haben. Besonders die E n g län d er, welche die Stierkäm pfe lieben und eine ganze L ite ra tu r über dieses Spezialthema h aben, h ä tte n gern dem Schauspiel beigewohnt a n d h ä tte n es sich etwas kosten lassen, die besten P lä tz e einzunehm en. Viele englische Liebhaber v o n S tierkäm pfen u n terstü tzten im Anfang ernstlich den italienischen Faschismus und sein R echt, ihnen ein schönes Schauspiel darzuhieten. A ber der politische In stin k t der englischen Na tio n ließ sich nicht beirren und erkannte rasch, d aß der Faschism us eine radikale Verneinung E nglands u n d der von ihm vorgesehenen Lebens form fü r die europäischen Völker w ar; daß der N ationalsozialism us eine Verneinung Englands w ar, daß alle Totalitarism en sam t u n d sonders nich ts anderes sein konnten als eine Verneinung E nglands. D en politischen In stin k t der englischen N atio n in Diskussion zu stellen hinsichtlich dieser F ragen, w ürde ein Fehler sein. E r h a t richtig gesehen. A nderseits ist es je tz t klar fü r uns, daß wir uns in bezug a u f das Problem , welches uns in ter essiert, d. h. die E ntstehung u n d Entwicklung eines K ontinentalgefühls, in einer Phase von großer B edeutung befinden, und zwar der Phase der V erneinung von etwas, was sich dem freien Leben u n d der Größe des europäischen Konti351
nents, als ein er E in h e it b e tra c h te t, wider setzt; und dieses Etwas ist die englische Aktion und der englische Wille. Wenn der Kontinent, oder doch ein großer Teil desselben, in seiner G e sa m th e it s p ü rt, daß da etwas ist, was aktiv oder passiv verneint werden muß, so fühlt er gemeinsam; er hat also schon ein Kontinentalgefi hl erworben. Dieses Gefühl darum zu schmä lern, weil es unter den obwaltenden Umständen rein negativ ist, hieße die Methoden des histo rischen Prozesses verkennen. Alle neuen Ideen haben in ihrer Anfangsphase mit Verneinung zu Werke gehen müssen. Man muß auch hinzu.fügen, daß sie immer dazu gezwungen worden sind. Wenn die Ideen entstehen, so glauben sie in argloser Weise, ohne weiteres mit dem Auf bau beginnen zu können; aber die vorhergehen den Ideen und Systeme lassen dies nicht zu und legen den neu entstandenen Ideen die Verpflich tung auf, vor Errichtung eines neuen Gebäudes das alte zu verneinen und zu zerstören. So glaubte der Liberalismus, als er sich anschickte, die poli tischen Staaten Europas in Nationalstaaten zu verwandeln, in harmloser Weise, daß die Herr scher der politischen Staaten ihm die Erlaubnis dazu erteilen würden, seine Arbeit durchzuftihren. Erst nachdem er blutige Erfahrungen gesammelt hatte, verstand er, daß er erst die politischen Staaten verneinen und zerstören mußte, um danach die Nationen aufzubauen. In gleicher Weise hat der europäische Totalitaris352
m us im A nfang ganz ohne Arg geglaubt, daß die D em o k ratien ihm g estatten würden, seine Arbeit du rch zu fü h ren , ja daß sie ihn m it brüderlicher A nerkennung begrüßen würden. Die Geschichte seiner E n ttäu sch u n g ist die Geschichte der letz te n ach tzeh n J a h re europäischen Lebens. Eines T ages, nachdem er das vorhergehende System im In n e rn v ern ein t u n d zerstört h atte, sah er sich v o r der N otw endigkeit, es außerhalb zu ver n ein en u n d zu zerstören, da von dort der Angriff erfolgte. A ber folgendes m uß m an beachten: W äh re n d die V erneinung der internen alten Sy stem e eine besondere Angelegenheit der to ta litä re n S ta a te n seihst w ar, die außerhalb ihrer G renzen Z ustim m ung finden oder nich t finden k o n n te u n d die tatsäch lich Zustim m ung gefunden u n d n ic h t gefunden h a t, h a t die .Verneinung des englischen System s fü r den K ontinent oder, um sich noch genauer auszudrücken, d ie V e r n e i n u n g E n g l a n d s ak tiv oder passiv fast au f dem ganzen K o n tin e n t Zustim m ung gefunden, und d as zeigt, daß sie eine kontinentale Notwendig k e it w ar. E s w äre daher ein Irrtu m zu glauben, daß das K ontinentalgefühl im gegenwärtigen Augenblick, n u r weil es sich a u f die Verneinung von etwas b esch rän k t, kein positives u n d aktives Gefühl w äre. D a das dem K o n tin en t v o n E n g lan d auf gezw ungene System sich, vor allem aus Fesseln u n d V erneinungen zusam m ensetzte, so b ed eu tet V erneinung in diesem F alle B eh au p tu n g , u n d 23
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Behauptung ist Aufbau. Man muß daher ver neinen, verneinen und abermals verneinen; ver neinen mit Leidenschaft, verneinen mit Fanatis mus. England zu schlagen ist nicht so wichtig, wie England zu verneinen. Man muß verneinen, daß eine außerkontinentale Nation das Recht hat, Teile des kontinentalen Bodens zu besitzen, um eine ständige Bedrohung der Völker des Kon tinents zu bilden. Es muß abgelehnt werden, daß eine Verkehrsstraße von kontinentalem Inter esse, wie der Suezkanal, welche nicht einmal von England gebaut -wurde, sondern deren Bau es sich im Gegenteil widersetzte, England gehören darf. Sie muß zum. Kontinent gehören, allein schon, um der Würde des Kontinents willen, ab gesehen von seiner Sicherheit. Aber weil sie dem Kontinent gehören kann, muß zunächst einmal verneint werden, daß Eie England gehören kann. Es muß nicht, vom besonderen, sondern vom allgemeinen, vom k o n tin en talen Gesichts punkt aus ab. elehnt werden. Nur auf diese Weise wird sich ein positives Kontinentalgefühl bilden. Man muß nicht nur auf dem Gebiete der Tat sachen und der Möglichkeit neuer Kriege ver neinen. Man muß verneinen auf juristischem Ge biet, auf politischem Gebiet, auf moralischem Gebiet, überall ist das zu verneinen, was unrecht mäßig, politisch unerträglich, unmoralisch im gegnerischen System ist. Die Möglichkeit muß abgelehnt werden, daß zwei Nationen, Frankreich und England, nachdem sie 354
ganz E u ro p a zu H ilfe gerufen haben, weil sie sich als angegriffen erklärten, den Vorteil daraus ziehen u n d zwei in das europäische Recht ein bezogene G ebiete, welche den unteren Teil des M ittelm eeres bilden — Syrien u n d Palästina —, m it Beschlag belegen u n d dadurch den gesamten Z u sta n d dieses Meeres v erän d e rn — eine politisch u n tra g b a re A ngelegenheit. M an m uß verneinen, d a ß die gleichen N ationen, nachdem sie nur für 25 J a h r e ein M andat fü r Syrien u n d 'P alästin a e rh ie lte n , welches in fü n f Ja h re n abläuft, das v o n ih n e n selbst gegründete R echt verletzen und d a s M an d at in eine d au ern d e Besetzung um w an d e ln dürfen. M an m uß verneinen, daß n u r sie d a s R e c h t h aben , m it E h rfu rch t von Verträgen zu sprechen, w ährend sie im Begriff stehen, das d en A rab ern , E u ro p a u n d der W elt gegebene W o rt zu brechen, eine T atsache, die die rechte V orstellung v o n ih rem M oralgefühl gibt. Was k a n n eine solche V erneinung fü r den K ontinent b e d e u te n ? E s b e d e u te t, daß V erneinen in diesem F a lle B ejah en h eiß t, denn w enn wir England und F ra n k re ic h nach H ause geschickt haben, können w ir, in Ü bereinstim m ung m it den arabischen S ta a te n , m it kontinentalem K ap ital die BagdadE ise n b a h n bauen u n d schließlich eine wirkliche V erk eh rsstraß e ^wischen E uropa u n d Asien er öffnen. . A u ch im gegenw ärtigen A ugenblick ist daher das sch ein b ar negative K ontinentalgefühl, welches b e stä n d ig in der ak tiv en oder passiven Vernei23*
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nung der englischen Eingriffe auf dem Kontinent sich aus wir kt, im tiefsten positiv. Der Grund dafür liegt darin, daß das englische System für den Kontinent nur in einer Reihe von Verhin derungen und Unterdrückungen der eigentlich sten und vitalsten Bedürfnisse des Kontinents hesteht, und daß jede Ablehnung eines englischen Eingriffs einen Lebensweg, die Befriedigung eines tief gefühlten Bedürfnisses, anbahnt. In der gegen wärtigen Lage der Dinge ist es notwendig, durch die-Methode der Negation das positive Kontinentalgefühl zu begründen und dann-zum Auf bau des Europas von morgen überzugehen. Das positive Kontinentalgefühl kann nur folr gendes sein: Der Kontinent, eine geographischie Einheit, kann nichts anderes als eine moralische und politische Einheit sein, und so werden wir ihn von jetzt an betrachten. Es ist daher nicht notwendig, auf dem Papier einen anderen Bund der vereinigten Staaten von Europa zu gründen. Es ist im Gegenteil notwendig, sich vor dem zu hüten, was der Hauptzeitvertreib der Demo kratien ist, dann, wenn der Kontinent Zeichen von Widerstand gibt. Der Kontinent muß stattdessen zu einer moralischen und politischen Ein heit gemacht werden durch das einfache System, alle Sonderinteressen des Kontinents solidarisch als die unseren zu betrachten und sie als solche zu behandeln, auch wenn sie scheinbar für uns von keinerlei Belang sind. In Wirklichkeit gibt es keine Sonderinteressen auf dem Kontinent. 356
D ie S onderheit der Interessen ist nichts als ein M angel a n E in sich t. ' • ' ' />. ..... W enn eine F estlan d sn atio n eine Eisenbahn b ra u c h t, so is t es das Interesse des gesamten K o n tin e n ts, d aß sie sie bekom m t; denn wenn ih re W irtsch aft sich h eb t, so h eb t sich die W irt s c h a ft des K o n tin en ts. W enn eine im Innern des K o n tin e n ts gelegene N ation einen Zugang zum M eer b ra u c h t, so ist es nich t notwendig, natio n ales G ebiet anderer N ationen zu opfern, um ih r diesen zu verschaffen. A ber es liegt im In te r esse aller, ih r die notw endigen Handelsverkehrs erleichterungen zu gew ähren, d am it dadurch die gem einsam en Seeinteressen gefördert werden. W enn z. B . B alk an staaten eines direkten Weges n ach R u ß la n d bedürfen, so ist es tö rich t, sich dagegen zur W ehr zu setzen; denn dieser Weg is t n ic h t n u r ih n en dienlich, sondern auch dem üb rig en E u ro p a, u n d ganz E uropa braucht d i re k te V erkehrsw ege nach R ußland und Asien. N u n is t eine d erartig e Auffassung nichts anderes als die völlige V erneinung der englischen Auf fassung der europäischen W irtschaft Wenn z. B. E n g la n d eine oder alle N ationen des K ontinents d a ra n h in d ert, eine B agdad-B ahn zu bauen, so is t es das Interesse des K ontinents, ohne Zögern E n g la n d zu bekriegen, d am it die Eisenbahn ge b a u t w erden kann. D ie genaue Form ulierung des K o n t i n e n t a l g e f ü h l s kann n u r folgende sein: A lle s , w a s e in e N a tio n des K o n tin e n ts s c h ä d ig t o d e r 357
s i e u n t e r d r ü c k t , s c h ä d i g t o der un ter d r ü c k t d e n g e s a m t e n K o n t i n e n t ; alle s, w a s e in er N a t i o n des K o n tin e n ts Vor t e i l b r i n g t , o h n e N a c h t e i l für a n d e r e , i s t v o r t e i l h a f t für den g e sa m te n Kontin e n t ; w er e in e F e s t l a n d s n a t i o n gegen d i e a n d e r e a u f b r i n g t , i s t e in F e i n d des gesam ten K o n t i n e n t s u n d muß ohne Zö g e r n außer G efecht gesetzt werden.
Diese Formel mag einfach als eine humane For mel erscheinen, aber sie ist nichts dergleichen; sie ist im Gegenteil einer ealisti sehe und n ü tz lic h e R egel und unter den gegebenen Um ständen und in Erwägung dessen, daß die konti nentale englische Politik nur mit der Absicht der Unterdrückung des Kontinents, der Aufteilung des Kontinents und mit seiner Herabminderung zu einem Absatzmarkt umgeht, ist sie auch eine Kriegsformel. Dieser letztere Charakter würde nicht verlorengehen, wenn der Krieg gegen die englische Vorherrschaft auf dem Kontinent nicht gewonnen würde; auch dann bleibt sie eine Me thode der Verteidigung und der Sicherung des Kontinents. Der zweite Grund, weswegen ein derartiges Kon tinentalgefühl von uns geschaffen werden muß, und zwar anfangs v o d uns selbst gefühlt und an gewandt, um später auf die anderen auszustrah len, ist folgender: Der Krieg von 1939 muß einen moralischen Ausgang haben, es ist nicht möglich, 358
einen a n d e re n A usgang in B etracht zu ziehen. D iese m oralische V erpflichtung ergibt sich aus d em C h a ra k te r dieses K am pfes, aus seinem G ru n d c h a ra k te r der V e r n e in u n g .E n g la n d s . D a d a s S ystem E nglands d arau f eingestellt ist, d e n K o n tin e n t zu schwächen, durch Aufrecht e rh a ltu n g eines K onfliktes zwischen Sonderinter essen, die n ic h t w irklich stichhaltig sind, müssen w ir die M ethode der V erneinung bis zum äußer s te n m it ab so lu ter Strenge in Anwendung brin gen ; w ir m üssen die Sonderinteressen verneinen d u rc h V erkündung des G em eininteresses; wir m üssen den K onflikt verneinen u n d jegliche Fol g eru n g v ernein en , die sich daraus ziehen ließe. N ach d em w ir den K onflikt der Interessen ver n e in t h ab en , h ab en w ir das geschaffen, was der eigentliche Zweck des in diesem Augenhlick ausgefochtenen K rieges is t: W ir haben einen K onti n e n t o h n e E n g l a n d geschaffen, weil die eng lische V orherrschaft au f dem K ontinent sich n u r a u f diesen Interessenkonflikt des Festlandes s tü tz t u n d n u r durch ih n besteht. So ist die V erneinung eines unmoralischen S ystem s, das 300 Ja h re lang die Völker des K on tin e n ts gegeneinandergehetzt h at, sich gestern d er D eutschen gegen die Franzosen bediente, h e u te der Franzosen gegen die D eutschen, n u r dem N am en nach eine Verneinung. In W irklich k e it h andelt es sich um eine moralische B ejahung, a u f welcher das künftige Leben des K o n tin en ts zu begründen ist. Das k an n so ausgedrückt wer35 9
den: Indem wir E n g lan d verneinen, be jah en wir den K o n tin en t. Wenn man recht überlegt, so gibt es da in der Tat nur zwei Werte in der Bilanz. Wer England verneint, bejaht den Kontinent; wer das englische System für den Kontinent verneint, bejaht das kontinentale System für den Kontinent. Und ein kontinentales System für den Kontinent kann nur auf dem Grundsatz fußen, den wir aus gesprochen haben und der das Kontinentalgefühl konstituiert. Heute schon ist dieses Gefühl Wirk lichkeit; ihm fehlt nur der öffentliche Ausdruck und der Entschluß, es in Zukunft hei unseren zwischenkontinentalen Beziehungen anzuwen den. Wenn wir die neueste Geschichte Europas prüfen, so sehen wir z. B., daß es Frankreich und England waren, die im 20. Jahrhundert in unser politisches Leben eine Unmoral brachten, die den vorhergehenden Jahrhunderten, so brutal und unmoralisch sie sein mochten, unbekannt war: nämlich die unmoralische Erfindung einer dau ernden Diskriminierung zwischen siegreichen und besiegten Völkern, obwohl die einen wie die anderen Völker des gleichen Kontinents f ind. Das Ziel dieser offenbaren Unmoral war, den Kontinent in einem Zustand der Zwietracht und des unheilbaren Konfliktes zu erhalten, welcher Frankreich und England gestatten würde,-das Festland in zwei feindliche Lager hinter Schüt zengräben zu spalten, und es so zu beherrschen. Dieser unglaubliche Zustand ist tatsächlich von 360
zw ei N atio n en , die sich Demokratien nannten, a u f ju ristisch em u n d politischem Gebiet aufrecht e rh a lte n w orden. Sein moralischer W ert läßt sich d an a c h b eu rteilen , daß er es war, der zum jetzigen K riege g efü h rt h a t. Aber wer kann sagen,- daß die europäischen Völker an diesem Zustand ta t säch lich teilgenom m en haben? Wer kann be h a u p te n , d aß sie w irklich sich in Sieger und Be siegte geschieden fühlten ? Die Politiker, welche als V e rtre te r dieses Systems von England und F ra n k re ic h a n die Spitze einiger Staaten gestellt w a r e n ,; die Benesch, Titulescu und ähnliche L eu te, h ab en v ersu ch t, diesen Zustand in elenden V ersam m lungen, in papierenen Bündnissen, in V ölkerbundsitzu n g en aufrechtzuerhalten. Aber die V ölker selbst nahm en keineswegs teil an die ser U nm oral. D ie P olitiker, welche sie vertraten, sind v e rja g t w orden, bevor noch der Krieg be gann, u n d als er begann,-erinnerte sich niem and m ehr in E u ro p a, daß es einmal Sieger u n d Be siegte gab. DiejenigenVölker, welche gemäß dem englisch-französischen Plan ihr Siegerrecht m it d e n W affen h ä tte n verteidigen müssen,' haben es n ic h t getan, .weil sie sich nicht m ehr d aran er in n erten , daßsiedie Sieger w aren, u n d F ran k reic h u n d England standen allein, wie sie es verdienten. E in K ontinent, der a u f diese W eise a u f eine ihm v o n außen aufgezwungene U nm oral reag iert, ist n ic h t der K ontinent v o n K ainssöhnen u n d M en schenfressern, welchen E n g lan d u n d F ran k reich benötigten, um ih re verd erb lich e P o litik zu be361
treiben. Der beste Beweis dafür ist, daß diese Politik völlig zusammengebrocben ist. Das Kon« tinentalgefühl, das Gefühl, daß die Nationen des gleichen Kontinents Unrecht tun, wenn sie diesen schändlichen Einflüsterungen Folge leisten, ist also vorhanden, vorhanden auch in positiver und aktiver Auswirkung. Das kann leicht durch ein zweites Beispiel bewiesen werden, das ebenfalls aus der jüngsten Geschichte Europas stammt. Eine europäische Nation, Spanien, war in tiefstes Elend und in politische Sklaverei geraten, und zwar durch eine anfänglich republikanisch-demo kratische Regierung, die sich in ein kommunisti sches Terrorkomitee verwandelt hatte, bereit, sich. durch Mord durchzusetzen, und öffentlich von den beiden zum Zwecke der Unterdrückung Europas vereinten Nationen England und Frank reich unterstützt. Das spanische Volk griff zu den Waffen, um dem entgegenzutreten und wie der Herr im eigenen Hause zu werden. Zwei andere Nationen, deren eine ein Mittelmeervolk war, daB gemäß den von England propagierten Prinzipien und gemäß englischer Moral die Er niedrigung Spaniens hätte mit Freuden auf nehmen müssen, haben eingegriffen und dem nationalen Spanien alle Hilfe angedeihen lassen, um seiner Sache zum Triumph zu verhelfen. Sie haben den Haß und die Drohungen der Eng länder und Franzosen herausgefordert und haben nicht nachgegeben, bis Spanien wiedererstand. Im selben Augenblick haben die italienischen 362
T ru p p en , die spanische F ah n e gegrüßt und den s p a n isc h e n B oden verlassen, ohne weder um ein B e rg w e rk noch u m einen V ertrag zu ersuchen, sie e rs u c h te n n u r um die F reundschaft Spaniens. M it dieser T a t h ab en die to ta litä re n Regierungen E u ro p as,, die italienische u n d die deutsche, ta t säch lich das K ontinentalgefühl begründet. Ge m ä ß d e r englischen traditionellen Politik m üßte je d e k o n tin e n ta le N ation froh sein über die Zer s tö ru n g d er an d eren Festlandsm ächte. Zwei Na tio n e n des K on tin en ts, D eutschland und Italien, h a b e n gezeigt, daß sie in genau entgegengesetz te m Sinne dach ten , u n d daß die Zerstörung einer geschichtlichen K ontinentalm acht, wie sie Spa» n ie n d a rstellt, in ihren Augen einen sehr ernsten V erlust bedeutete, welcher den ganzen K ontinent in M itleidenschaft ziehen m ußte. Was haben nun diese beiden N ationen getan, u m zu einer so ein fachen, so hochsinnigen u n d nützlichen Auf fassung zu kom m en? N ichts, als sich im Gegen sa tz zur Handlungsweise und zur Geistesrichtung E n g lan d s a u f dem K ontinent zu stellen; nichts, le tz te n Endes, als E n g l a n d zu v e r n e in e n , wie m an es im m er tu n muß, um den Kontinent, seine Rechte und seine W ürde zu bejahen. Und E ngland zeigt in dieser Hinsicht selbst den Weg. W ir haben gesehen, daß es bestim m te Fälle gibt, wie den Spaniens, wo die Verneinung der eng lischen Position in t o t o und die M ethode der genau entgegengesetzten Stellung dazu fü h rt, nicht nur die m ateriellen R echte des K ontinents 363
zu stärken, sondern auch seine Würde. Und darin vollendet sich die Analyse des Kcfntinentalgefühls, welches von nun an im europäischen Kontinent gepflegt werden muß. Zwischen uns und England handelt es sich nicht nur um die Frage der kontinentalen Rechte, sondern auch und vor allem um die kontinentale Würde. Um festzustellen, was wir unter kontinentaler Würde verstehen, brauchen wir keine besonderen For mulierungen, es genügt, von England für alle kontinentalen Nationen, auch die kleinsten, genau das gleiche zu fordern, was England für seine eigene Würde für unentbehrlich erachtet. Eng land würde es nicht dulden, wenn der kleinste Teil seines Territoriums als Kolonie behandelt würde, nur, weil es für andere nützlich sein könnte; das ist genau das, was wir in Zukunft von England verlangen und durchsetzen müssen, für jegliches Gebiet des kontinentalen Raumes.' Eine derartige Stellungnahme, die, um es noch einmal zu sagen, nichts anderes ist als die Ver neinung der klassischen Einstellung Englands gegenüber dem Kontinent — d.h. daß Teile des kontinentalen Raumes seinem kolonialen Impe rium angehören können und sollen —, löst in einem Satz alle Fragen der Rechte, welche Eng land sich angeeignet und mit Gewalt in Europa aufrechterhält — z. B. die Frage von Malta, Gibraltar und andere gleicher Natur. Wir brauchen, um die Würde des Kontinents wiederherzustellen, nur die entgegengesetzte Hal364
tu n g einzunehm en u n d zu erklären, daß unsere A uffassung v o n der W ürde des europäischen K o n tin e n ts es v erb ietet, daß Teile seines Terri to riu m s als K olonien angesehen und als zu einem K olonialim perium gehörig behandelt werden k ö n n en , u n d daß wir zehn Kriege führen werden, u m dieses zu verhindern. Mit einem Schlage h ä tte n w ir ein grundlegendes Prinzip geschaffen, d a s aus diesem K o n tinent einen wahren K onti n e n t m achen w ird. E s is t in der T a t notwendig, an dieser Stelle zu sagen, d aß all dies vergebliche W orte oder plato nische V ersicherungen, nichts mehr als nur Aspi ra tio n sein w ürden, w enn es nicht allen ganz klar w äre, d aß sie n ichts derartiges sind, sondern im Gegenteil der genaue u n d endgültige Wille einiger N ationen des K ontinents, welche entschlossen sind, das Gesagte durchzusetzen u n d m it allen M itteln zur Anerkennung zu bringen, auch wenn ein etw aiger V erstoß dagegen sie nicht direkt zu b erü h ren scheint, es muß klar sein, daß diese N ationen aus der kontinentalen W ürde, wo im m er u n d wie auch sie v erletzt w ürde, ihre eigene Sache m achen, daß sie in der Lage sind, um gehend einzuschreiten, als ob es sich um ihre - eigene Sache handelte. D enn es gibt keine Son derangelegenheiten der kontinentalen W ürde, sondern wer auch im m er, und sei es n u r gering fügig, die W ürde einer Festlandsnation, v erletzt, beleidigt die W ürde des gesam ten K ontinents. Es is t unmöglich zu sagen, von welcher Bedeu365
tung ein Grundsatz dieser Art sein würde, wenn er einmal ausgedrückt und in die Praxis um gesetzt würde. Mit einem Schlage würde alles auf dem europäischen Kontinent sich wandeln. Die jenigen, welche diese Probleme und ihre Psycho logie studiert haben, und zwar nicht nur am grünen Tisch, sondern direkt im Kontakt mit den Nationen, wissen, daß es auf dem Kontinent Zonen gibt, welche man Zonen des Minderwertig keitsgefühls nennen kann, und diese Zonen gerade diejenigen sind, in welchen die antikontinentale Politik leichter ein offenes Tätigkeitsfeld findet. In einigen dieser Zonen hat der Wille Englands oder Frankreichs oder beider schließlich den Cha rakter eines Fatums angenommen, dem man sich nicht entziehen kann, selbst wenn man es verabscheut. Man muß auch hinzufügen, daß bis zum englisch-französischen Vertrag von 1904 für Jahrhunderte in diesen Zonen die subalterne, aber unvermeidliche Kunst praktiziert wurde, sich auf Kosten und hinter dem Rücken des anderen gesund zu machen und den einen gegen den anderen aufzubringen, um sich zu vertei-, digen. Von 1904 an war auch diese erbärmliche Form der Verteidigung nicht mehr möglich. Es sind Gebiete, welche England und Frankreich wie Kolonien behandeln, und in welchen der Beobachter daher bemerkt — obwohl darin einige der ältesten und edelsten Nationen Euro pas leben —, daß der politische und bürgerliche Geist, der dort herrscht, keinen europäischen, 366
s o n d e rn einen halbkolonialen Charakter trägt. M an b ra u c h t deshalb diese N ationen nicht zu v e ra c h te n öd er anzunehm en, daß es sich um d eg e n e rie rte V ölker h andelt. Es ist die Behand lu n g , d er diese V ölker ausgesetzt waren, und gegen w elche sie bis h eu te keinen Schutz gefun d e n h a b e n , die diesen Z u stan d moralischen Tief s ta n d e s geschaffen h a t. E ine dieser Zonen ist zum B eispiel diejenige des östlichen M ittelmeers. Wer a u c h im m er ih re G eschichte stu d iert, w ird sehen, d a ß es keine B ru ta litä t und keinen M achtm iß b ra u c h g ib t, w elchen E n g lan d u n d Frankreich sich n ic h t gegen die V ölker dieses Gebietes h erau sg en o m m en h ä tte n . D ie Geschichte des öst lich en M ittelm eers is t eine Geschichte der Bom b ard ieru n g en , d er Schiffsdem onstrationen, Ge bietsbesetzung en , D rohungen u n d Vergewalti gungen je d e r A rt. U m n ic h t zu langschweifig d a ra u f einzugehen, brauchen wir n u r a n die Be h an d lu n g zu erinnern, welcher z. B. Griechenland w äh ren d des Krieges von 1914 au sg esetzt war. Zw ei v erb ü n d ete Dem okratien, die erk lärten , fü r . die F reiheit, die Gerechtigkeit u n d das R echt d e r kleinen N ationen zu käm pfen, zögerten n ich t, die H a u p tstad t eines souveränen S taates zu be setzen, seine D ynastie abzusetzen u n d in die V erbannung zu schicken u n d es zu zwingen, gegen seinen W illen in den K rieg ein zu treten . E s is t nicht zu verw undern, d a ß in G ebieten, in welchen derartige Dinge m öglich sind, die V ölker in Erinnerung an die ertrag en en B ru ta litä te n ein 367
Minderwertigkeitsgefühl bezüglich ihrer eigenen Persönlichkeit sich angeeignet haben, und daß es im Augenblick schwer sein wird, von ihnen Kontinentalgefühl zu fordern. Diese Gebiete sind es auch, deren sich die eng lische Politik bedient, um ihre Hilfstruppen zu werben und Beistand und Stützpunkte gegen die anderen Nationen des Kontinents zu suchen. Aber es wird genügen, daß sich In diesen Gebieten die Erkenntnis verbreitet, daß es gegen die eng lisch-französischen Vergewaltigungen einen siche ren Schutz gibt, und daß. dieser uneigennützig gewährt wird, und zwar nur aus jenem hohen Gefühl der Würde des Kontinents, das alle haben müssen, wenn wir würdig sein wollen, uns Euro päer zu nennen; wenn irgendeine auswärtige Nation oder eine verbündete der auswärtigen Nation sich erlaubte, auch nur in etwa der klein sten der Nationen des Kontinents zu drohen, so würde sie die gesamten Geschütze des Konti nents gegen sich haben, denn das Minderwertig keitsgefühl verschwände, der englische Wille würde nicht mehr als ein verhaßtes Fatum an gesehen, und alle Nationen des Festlandes wür den das Gefühl der eigenen Einheit und der eigenen Würde wiedererlangen. Dieses ist das Gefühl, welches die totalitären Staaten in Europa wecken müssen, und dann erst wird der europäische Kontinent eine Wohn-' S tä tte für freie Menschen sein. Warum obliegt jedoch diese Pflicht gerade den totalitären Staa368
te n ? W a ru m sin d es die to talitären Staaten, die d a s K o n tin e n ta lg e fü h l wecken müssen? W äre es f ü r sie n ic h t vorzuziehen, sich m it ihren eigenen P ro b le m e n zu befassen? N e in , es w äre n ic h t vorzuziehen; es wäre auch d u rc h a u s n ic h t em pfehlensw ert. W enn sie diesen W eg einschlag en w ürden, so w ürden sie auf ihre g esch ich tlich e F u n k tio n verzichten, und ihre R e v o lu tio n e n w ürden zum Teil ihre Bedeutung v e rlie re n . I n ih ren Beziehungen zum K ontinent s in d sie, w ie w ir es zu Beginn sagten, als e in e N e g a t i o n E nglands und des englischen Systems f ü r d as k o n tin en tale Leben geboren. Es war not w endig, d aß die Z eit verging, dam it sie es er k a n n te n ; a b e r eines Tages haben sie es nicht m ehr verkennen können, u n d im übrigen h a t E ngland selbst d afü r gesorgt, ihnen die Augen zü öffnen, m it seiner unversöhnlichen Feind schaft, m it seiner kalten Entschlossenheit, den T ag zu erleben, da es sie einzeln oder zusammen s tü rz t und vernichtet. Vom ersten Tage ab ver n e in te n sie England, d. h. den Hedonismus, den M erkantilism us, die Geburtenbeschränkung, die Preisgabe der Grundberufe der Rassen, und zwar der Landwirtschaft und der Waffen, die Preis gabe des nationalen Bodens, den Im p o rt von Lebensm itteln aus fernen K ontinenten. D urch die Verneinung dieser H auptthesen der englischen D en k art verneinten sie England u n d seinen E in fluß au f das Leben des Festlandes, u n d E ngland n ahm dies wahr, ehe sie selbst es bem erkten. 24
369
Folgerichtig müssen sie in der Verneinung fort fahren. Da die englische Politik das größte Ge wicht darauf legt, auf dem Festlande das Ent stehen eines Kontinehtalgefühls, eines kontinen talen Gesamtgefühls, zu verhindern, müssen sie es wecken, ihm einen Namen gehen, es in seinem Inhalt bestimmen, es bewaffnen, es ohne Beden ken anwenden und ausüben, damit es sich bei deü anderen verbreitet, woran es nicht fehlen kann. Sie sind es, die bestätigen müssen, daß alle rechtmäßigen, echten und bestimmbarenInteressen der Festlandsnationen keine Einzel interessen, sondern gemeinsame Interessen sind, und als solche müssen sie allen Festlandsnationen am Herzen liegen. Sie sind es, die bestätigen müssen, daß es das Grundinteresse des euro päischen Kontinents ist, seine politische Auto nomie ganz wiederzuerlangen, um frei — wie ein einziges Wesen — seine Angelegenheiten erörtern und seine Rechte geltend machen zu können in einem binnenkontinentalen Wetteifer, der schon Umrisse gewinnt. Sehen wir nicht in der Tat, wie ein anderer Kon tinent, der zu seinen Gunsten die Monroedoktrin verkündet, sich in seinem Schrecken über den möglichen Verlust der europäischen Märkte auf die Intervention in Europa vorbereitet, und haben wir nicht gehört, wie Herr Churchill ihn aufrief, den europäischen Kontinent zu „be freien“, d. h. ihm von neuem das englische Joch aufzuzwingen? Wir Italiener wissen, was gemeint 370
is t, wenn, w ir je m a n d das A usland zur „Befrei u n g “ Ita lie n s aufrufen hören. Das ist ein Schrei, d e n w ir oftm als in unseren tragischsten J a h r h u n d e rte n g eh ö rt hahen. A b er d av o r b ra u c h t m an sich nicht mehr zu fü rc h te n , w enn das sich ereignete, würde das K o n tin en talg efü h l, der Geist der Grundeinheit unseres K o n tin en ts, seines Bedürfnisses, gemein sam gegenüber allen ausw ärtigen Einflüssen und L a ste n zu h an d eln , zum endgültigen D urch b ru c h kom m en. N ich ts anderes w ürde das Ergeb nis sein. W ir sind keine M ärkte, wie m an in N ew Y o rk g la u b t; w ir h ab en eine Geschichte h in te r u n s. W er g lau b t, u n s wie widerspenstige M ärk te b eh an d eln zu können, um uns gefügig zu m achen, w ird finden, daß wir keine M ärkte sind, es sei d en n solche, wo es Waffen gibt. A ber ü b en w ir Z urückhaltung im W ortgefecht, u n d kom m en wir einfach u n d schlicht zum Ende. W enn w ir w ollen, daß die Erhebung zur konti n en ta le n A utonom ie, die sich in E uropa in der G ründung d er to ta litä re n S taaten, in der Ver dam m ung des V ersailler D iktats, in der Wieder g eb u rt des natio n alen Spaniens und im gegen w ärtigen K riege zeigt, ihren folgerichtigen Ver la u f nim m t, so m uß sie zu einer dauernden kon tin en talen A utonom ie führen, verw urzelt in ge sunden G eistesgrundlagen.. U nd das k an n von je tz t a n n u r der E n tschluß sein, alle kontinen ta le n F ragen als gem einsame F rage zu b eh an deln, welche alle in gleichem Maße interessiert. 24*
371
Das kann nur der Entschluß sein, daß alle Fest landsnationen, welche nach einem echten und kenntlichen ethnischen und historischen Grund satz gebildet und nicht rein politische Staaten, geschaffen zu Schädigungszwecken, sind, von uns anerkannt und hei anderen zur Anerkennung gebracht werden müssen. Nur dann sind sie Nationen von Kontinentaleuropa, unter der Be dingung, daß sie nicht aus der kontinentalen Disziplin ausbrechen. Ist das geschehen, so wird unser Kontinent wieder seinen Platz unter den anderen einneh men. Niemand wird ihn mehr als Markt oder als Verkehrsstraße ansehen. Er wird im Besitze seiner Meerengen und Zugangsstraßen sein. Seine beiden Mittelmeere werden von den Völkern be wacht sein, die daran wohnen. Er wird seine alten Verbindungen mit Asien wiedergewinnen, er wird seinen Warenaustausch auf der Basis, der Gleichberechtigung pflegen, und er wird keine Blockaden, Aushungerungsversuche, Wirtschafts kriege und ähnliche Schmach mehr fürchten, die den Mund dessen beschmutzen, der sie aus spricht, auch wenn er damit im Namen der Zivilisation droht. Wird das also ein Kontinent ohne England sein? Im alten Sinne, gewiß. England wird weder verschw inden noch sterben, denn N atio nen sterben nicht. Nur wird es in unseren Augen eine N ation wie jede andere sein. Wenn es am kontinentalen Leben teil372
n e h m e n w i l l , m u ß es d a s t u n , wie e i n e a n d e r e N a tio n auch. D as w ürde keineswegs eine K atastrophe bedeu te n . N ur die L eute, die ihre Papiere an der Börse stürzen sehen, können behaupten, daß die Zivili satio n zusam m enstürzt, wenn England in bezug a u f uns eine N atio n wie jede andere würde.
373
INH AL TS ÜB E RS I CHT F ü h r er w ort S e ite
D ie Gesellschaft für europäische W irtschafts planung und G roßraum wirtschaft.e. V .............
7
W e r n e r D a it z : Geleitwort ...............................
12
T h e o d o r V a h le n : Offener B rief als Geleitwort
14
I. Z ur europäischen M ark to rd n u n g W e r n e r D a it z : D ie Grundlagen europäischer Marktordnung .......................................................
19
G e r h a r d G e b h a r d t: W irtschaftsfreiheit für Europa ........................................................................
29
W illi P a r c h m a n n : Europäische Forstwirt sch aft als Vorbild kontinentaler Marktregelung
43
F r a n z H e s k e : Bedeutung des Tropenwaldes im europäisch-afrikanischen G roßraum ...........
58
W a lte r H ü b e n e r : M öglichkeiten der deut schen und europäischen F ettversorgu ng.........
65
I I . Z ur europäischen V erkehrsordnung W ilh e lm K le in m a n n : Die Verkehrsprobleme des neuen Europa ..................................................
79
G u s ta v K o e n ig s : Wasserstraßen und Binnen schiffahrt im europäischen Großwirtschafts raum ............................................. ............................. 87 C arl A u g u s t F r e ih e r r v o n G a b le n z : D ie Lufthansa für die Zukunftsaufgaben gerüstet 120 R u d o lf H o ffm a n n : Die Planung des R eichs autobahnnetzes, eine Aufgabe der Großraum planung . . . : ............................................................. 1 3 0 K a r l K r ü g e r : K o n tin e n ta le M otorisieru n gs a u fg a b en ......................................................... .................
1 3 7
III.
Zur europäischen Wirtschafts- und Handelspolitik Seite
C arl C lo d iu s: Neue Wege der europäischen H a n d e lsp o litik ......................................................... 147 ' A n d r e a s P r e d ö h l: Großraum, Autarkie und W eltw irtsch a ft.............................. 158 K a r l C. T h a lh e im : D ie W eltwirtschaft neuer_ O r d n u n g ..................................................................... 167 B r u n o K ie s e w e t t e r : Planvolle Industriali sierung in der Großraumwirtschaft ................. 191 K a r l S c h ille r : Von Handelsverträgen zu W irtschaftsverträgen.............................................. 209 E r w in S ch eu : Der Ostseeraum in der euro päischen Großraumwirtschaft ................... 213
IV. Zur europäischen Lebens- und Raumgestaltung M a r tin P fa n n s c h m id t : Europäische Raum planung als Zukunftsaufgabe............................... 225
V. Zur Geschichte der europäischen Großraumwirtschaft ■G erhard K n o ll: D ie Mitteleuropa-Ideen von Friedrich L i s t ..................................................... 239 W erner D a it z : Zum U m bau der Volks- und W eltw irtschaft............................................................ 255 W erner D a it z : D ie alte Städtehanse und der kontinental-europäische W irtschaftskreislauf. 265 F ritz R ö r ig : Unternehm erkräfte im flan drisch-hansischen R a u m .................. ..................... 287 J o h a n n es K lö c k in g : H ansische Kaufm anns ehre ............................................................................... 326 Carlo S c a r f o g lio : Europa ohne England? . 344
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