24. Jahrgang
Nr. 171
November 2016
R E T I E S N E S s U A R D IN
Foto: Christina Bacher
Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D
0,90 e für den Verkäufer
1,70 e
Mobilität IM ROLLI Jasmin
IM AUSBAU KVB
IN MEMORIAN Tom Mutters
Anzeige
Foto: Sandy Craus
Inhalt Liebe Leserinnen und Leser,
Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3
„Es ginge vieles besser, wenn man mehr ginge“, hat Johann Gottfried Seume gesagt, als er im Jahre 1803 – übrigens
Themenschwerpunkt: Mobilität
ungefähr zur selben Zeit wie Johann Wolfgang Goethe – über seine Reise durch Italien berichtete. Er war zu Fuß und ohne Budget unterwegs, Goethe in einer noblen Kutsche – unterschiedlicher können Reiseberichte nicht ausfallen. Es gilt eben nicht immer: Je schneller und weiter, desto besser. Jürgen Fenske, Vorstandschef bei den Kölner Verkehrs-
S.4
„Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt“ – Interview mit Jürgen Fenske (KVB) ����������4 - 7 Interview mit Tom Mutters, Gründer der Lebenshilfe ������� 8 - 10
Betrieben (KVB), hat uns in einem Interview ganz offen Auskunft darüber gegeben, welche Pläne er in naher Zukunft für den Öffentlichen Personennahverkehr verwirklicht sehen möchte. Da die Kölner Bahnen auf vielen Strecken bereits jetzt schon ausgelastet sind, besteht dringender Handlungsbedarf an Ausbau und Erweiterung des Verkehrsnetzes. Baustellen und noch konsequentere Ticketkontrollen sind die Folgen.
Arkadys Blick auf die Welt �������� 11 „Mobilität bedeutet für mich Freiheit“ – Gespräch mit Jasmin Habenicht �������� 12 – 15
S.12
Jasmin Marie Habenicht muss sich seit ihrer Kindheit mit der Perspektive aus dem E-Rollstuhl begnügen: Seit ihrem Schlaganfall ist die junge Frau in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Dass aber akzeptiert die Nachwuchs-Autorin nur bedingt. Inken Kiupel hat mit ihr gesprochen und sie einen Tag lang begleitet. Sehen wir uns bei einem der Konzerte, die unter dem Motto „Nicht nur zur Weihnachtszeit ...“ am 6.12. und 8.12.
S.18
Bonse: Lothar, Künstlername John �������������������������� 17 Aus aller Welt: Penny Sandoval, Denver (USA) ������ 18 – 19
zugunsten der OASE stattfinden? Dann bitte schon mal die Termine fett im Kalender markieren!
Gute Lektüre wünscht
Christina Bacher
Cartoon / Kolumne �������������������������������������������������20 Buch- und Musik-Tipps ������������������������������������������ 21 BLICKLICHT ������������������������������������������������������������ 22 Aus der OASE �������������������������������������������������������� 23 Eintritt frei �����������������������������������������������������������24 Abo �������������������������������������������������������������������24 Impressum ���������������������������������������������������������� 25 Vorschau ������������������������������������������������������������� 25 Service: Adressen �������������������������������������������� 26 – 27
Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: 13.00 – 16.00 Uhr 3
Mobilität
„Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt.“ Seinen Start in Köln hat sich Jürgen Fenske sicher anders vorgestellt. Kurz nachdem der Manager Anfang Januar 2009 aus Kiel als Vorstandssprecher zu den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) gekommen war, steckte das Unternehmen durch den Einsturz des Stadtarchivs auf der KVB-Baustelle am Waidmarkt plötzlich in seiner schwersten Krise. „Sicher auch die tiefste Kerbe meiner beruflichen Karriere“, sagt der Wahl-Kölner, der sich bis heute noch an jede Minute des Unglückstages erinnern kann. Dennoch schaut er als Verantwortlicher für die Ressorts Stadtbahn, Bus und Betriebssteuerung in erster Linie nach vorne und hat mit den Stabsstellen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Vorstandsbüro nach Möglichkeit alles im Blick, was die Kölner Verkehrs-Betriebe nach vorne bringen kann. Chefredakteurin Christina Bacher lud er in den 6. Stock des KVB-Verwaltungsgebäudes und stand für den DRAUSSENSEITER bereitwillig Rede und Antwort.
Foto: KVB
Fotos: Sabrina Burbach
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Mobilität
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Mobilität
„Bei uns werden alle Fahrgäste gleich behandelt“, sagt Jürgen Fenske im Gespräch mit Christina Bacher.
DRAUSSENSEITER: Mit dem Einsturz des
Jürgen Fenske: Ja, leider. Das tut mir
Zusammenarbeit mit dem Jobcenter –
Stadtarchivs wurden Sie hier vor rund sie-
natürlich nicht nur für unser Unterneh-
zahlreiche Praktikumsplätze vergeben
ben Jahren in Köln sehr unsanft im Amt
men, sondern vor allem auch für die Köl-
können, um Flüchtlingen die Möglichkeit
willkommen geheißen. Noch immer ist nicht
ner leid. Weil es aber um einen so großen
zu geben, in den deutschen Arbeitsmarkt
gänzlich bewiesen, wer letztlich die Schuld
Schaden geht und zwei Menschen bei dem
mal rein hinein zu schnuppern.
am Einsturz des Gebäudes trägt und somit
Unglück ihr Leben gelassen haben, müs-
am Tod zweier junger Menschen. Gibt es
sen wir uns weiter in Geduld üben, bis die
DRAUSSENSEITER: Ein Praktikum ist natür-
etwas Neues in der Beweiserkundung?
Ursache vollends aufgeklärt ist.
lich schon mal ein guter Anfang, auch, um die Sprache zu lernen und in ein soziales
Jürgen Fenske: Das war in der Tat kein
6
schönes Willkommensgeschenk. Seit ich
DRAUSSENSEITER: Die KVB ist ja ein großer
Miteinander zu kommen. Doch nach weni-
am 3. März 2009 um 14.10 Uhr – nur kurz
Arbeitgeber, der – jedenfalls ist das unsere
gen Wochen ist es damit ja auch schon wie-
nach dem Einsturz – von dem Ereignis
Wahrnehmung – auch Menschen einstellt,
der vorbei. Gibt es auch Chancen, danach
erfahren habe, hat sich jede Minute bis
die sonst keine Chance auf dem Arbeitsmarkt
im Unternehmen zu bleiben?
zum nächsten Morgen in meinem Kopf
haben. Ist das Unternehmensphilosophie?
Jürgen Fenske: Die gibt es in der Tat. Wir
eingebrannt – sicher für immer. Zur aktu-
Jürgen Fenske: Ihre Beobachtung freut
konnten gerade vor wenigen Wochen
ellen Situation: Bei der Beweiserkundung
mich, denn sie ist richtig. Die Kölner Ver-
einen syrischen Bauingenieur einstellen,
durch den vom Kölner Landgericht
kehrs-Betriebe bilden seit Jahrzehnten
der zuvor hier hospitiert hatte. Gerade
bestellten Sachverständigen Professor
über ihren Bedarf hinaus aus. Wir haben
haben zwei Flüchtlinge bei uns ihre Aus-
Hans-Georg Kempfert – einem Geohydro-
uns immer unserer dieser arbeitsmarkt-
bildung begonnen. Und zur Zeit zeichnet
logen aus Kassel – ist nun die Schicht
politischen Verantwortung gestellt. Zum
sich ab, dass wir eine Busfahrschule ein-
erreicht worden, in der man eine Fehlstel-
anderen erfüllen wir weit über das vorge-
richten, in der 15 Flüchtlinge ihren Bus-
le in einer Außenwand des Gleiswechsel-
schriebene Maß hinaus die Schwerbehin-
führerschein machen können und –
bauwerks am Waidmarkt erkunden konn-
dertenquote. Somit lebt die KVB eine
wenn sie ihn bestehen – danach auch
te. Dennoch muss man noch tiefer gra-
sozialpolitische Verantwortung, manch-
einen Festanstellungsvertrag bekom-
ben, um alle notwendigen Beweise auf-
mal auch eher unbemerkt von der Öffent-
men. Das Thema Integration kann man
nehmen zu können. Wir rechnen damit,
lichkeit. Ein bisschen stolz bin ich, dass die
nicht nur der Politik überlassen, sondern
dass das Beweisverfahren bis zum Jahres-
KVB sich – auch im Vergleich zum Bun-
man ist auch als Unternehmen in der
wechsel 2017/18 abgeschlossen und die
desgebiet überdurchschnittlich – im
Pflicht. Diese Haltung lebt die KVB. Und
Besichtigungsgrube wieder verfüllt ist.
Bereich der Integration von Flüchtlingen
ich fände es schön, wenn das Nachahmer
DRAUSSENSEITER: Eine lange Zeit …
engagiert. Wir haben inzwischen – in
fände.
Mobilität
DRAUSSENSEITER: Nicht immer sozial geht
ticket besitzen, es aber nur vergessen
schen schneller und einfacher zu ihrem
es zu, wenn Leute beim Schwarzfahren
haben – kann man das Ticket in den Tagen
Arbeitsplatz gelangen.
erwischt werden, die offensichtlich keinen
darauf in einem unserer Kundencenter
Die Finanzierung erfolgt aus den finanzi-
Cent in der Tasche haben. Kann man da
nachreichen. Das kostet zwar eine Bear-
ellen Eigenmitteln und den staatlichen
nicht mal ein Auge zudrücken, anstatt dem-
beitungsgebühr von 7 Euro, das Bußgeld
Zuschüssen, auf die wir ja angewiesen
jenigen – manchmal sogar mehrmals am Tag
muss man dann aber nicht bezahlen.
sind. Die kommen zum Teil vom Land NRW, zu einem noch größeren Teil aus
– eine Strafe von 60 Euro aufzubrummen, die er eh nie bezahlen wird? Letztlich wächst
DRAUSSENSEITER: Die Bahnen sind auf
Berlin. Man bewirbt sich um diese Gelder,
dessen Schuldenberg ins Unermessliche und
manchen Linien zu Stoßzeiten sehr voll. In
aber da wir den Bedarf nachweisen kön-
er muss seine Strafe wegen Schwarzfahrens
Köln werden immer mehr Menschen mit
nen, bin ich da ganz zuversichtlich. Also
im Gefängnis absitzen – kein Einzelfall ...
dem Öffentlichen Personennahverkehr
sind wir zur Zeit schon recht konkret
Jürgen Fenske: Menschlich gesehen möch-
(ÖPNV) von A nach B transportiert – Ten-
dabei, Streckenerneuerungen zu planen:
te man da natürlich ein Auge zudrücken.
denz weiter steigend. Also eigentlich eine
Die Ost-West-Achse soll beispielsweise mit
In der Praxis ist das gar nicht umsetzbar und
Erfolgsgeschichte, auf deren Entwicklung
einem Lang-Zug und einem Einzelwagen
auch nicht gewollt: Bei uns werden alle
man aber auch reagieren muss. Reichen
zusätzlich ausgestattet werden. Die unter-
Fahrgäste gleich behandelt. Das Schwarz-
denn – selbst, wenn alle Fahrgäste ihre
irdischen Haltestellen reichen für solche
fahren ist kein Kavaliersdelikt. Einerseits
Tickets bezahlen – die Einnahmen, um das
langen Züge aus, die oberirdischen müss-
würden sich die Fahrgäste, die bezahlen,
Bestehende in Stand zu halten und noch
ten dann angepasst werden. Zudem soll
ungerecht behandelt fühlen. Andererseits
neue Bahnen anzuschaffen?
die linksrheinische Gürtelstrecke bis min-
finanzieren wir durch die Fahrgeldeinnah-
Jürgen Fenske: Wir haben in Köln fast 277
destens zur Bonner Straße verlängert wer-
men ja das Angebot, das alle Kölner nutzen
Millionen Fahrgäste pro Jahr, damit sind
den, rechtsrheinisch ist die Verlängerung
wollen. Die KVB kann also nicht sozialpo-
wir weitestgehend am Limit, mehr ver-
der Linie 4 geplant. Umgesetzt wird das
litisch handeln, sondern muss darauf beste-
trägt unser Netz nicht. Doch Köln ist eine
Ganze dann hoffentlich bis zum Jahr 2025.
hen, dass jeder einen Fahrschein dabei hat.
junge, kreative, frische Stadt mit einer
Dafür gibt es ja Angebote wie den KölnPass
wachsenden Infrastruktur. Die Leute sind
DRAUSSENSEITER: Wir bedanken uns für das
und den MobilPass für Menschen mit gerin-
ÖPNV-affin und nutzen auch Angebote
Gespräch und begrüßen Sie herzlich im Krei-
gem Einkommen. Als ich vor acht Jahren
wie unser KVB-Leihrad, was uns freut. Das
se unserer Leserschaft.
meine Tätigkeit im Vorstand der KVB auf-
heißt aber für uns auch, dass wir unser
genommen habe, wurde ich sehr häufig
Streckennetz und -Angebot ausbauen
gefragt, warum denn nicht regelmäßig kon-
müssen. Das ist unsere zentrale Aufgabe
trolliert würde. Inzwischen ist das anders:
für die nächsten Jahre, auch, wenn die
Wir hatten 2009 eine Schwarzfahrerquote
Finanzierung schwierig ist. Da bedarf es
von 6 % bei 270 Millionen Fahrgästen und
klarer, politischer Entscheidungen.
sind heute bei 2,3 %. Da sind wir also schon
DRAUSSENSEITER: Welche Projekte sind
weit gekommen, was sich auch in den Ein-
denn spruchreif? Und wie würde eine Finan-
nahmen des Unternehmens niederschlägt.
zierung aussehen?
DRAUSSENSEITER: Immer mal kommt es
Jürgen Fenske: Schauen wir uns Vorbilder
auch vor, dass sich in der OASE jemand ver-
wie Kopenhagen, Wien und Zürich an: Die
zweifelt meldet, der zwar einen MobilPass
haben in den letzten Jahren einen fulmi-
besitzt, ihn aber vergessen oder verlegt hat.
nanten Ausbau ihres ÖPNV-Systems betrie-
Der bekommt dann aber ebenfalls eine Buße
ben und eine einzige Erfolgsgeschichte
von 60 Euro aufgebrummt, wenn er erwischt
geschrieben, auch, was die Lebensqualität
wird, obwohl er ja nachweisbar als Kunde
in den Städten angeht.
im System ist. Kann der sein Ticket nachrei-
Wie das in Köln aussehen könnte, kann
chen, um die Strafe zu umgehen?
man schon jetzt in der Südstadt nach dem
Jürgen Fenske: Die Kontrolleure in den
Bau des U-Bahntunnels erleben: Die Wege
Bahnen können nicht ersehen, ob der
werden großzügiger, die Trottoirs breiter,
Fahrgast Besitzer eines MobilPasses ist,
das steigert die Lebensqualität enorm.
der ihn nur nicht dabei hat. Aber als soge-
Und natürlich hat ein Ausbau der Strecke
nannter „Grau-Fahrer“ – so nennt man
auch immer eine wirtschaftliche Bedeu-
diejenigen, die ein Monats- oder Wochen-
tung, zum Beispiel dadurch, dass die Men-
lll
Info
Unterwegs mit Hund Laut den „Allgemeinen Beförderungsbedingungen“ fahren Hunde mit Herr- oder Frauchen kostenlos mit. Allerdings dürfen sie dabei nicht die Sicherheit und Ordnung des Betriebes gefährden oder andere Fahrgäste belästigen. Sonstige Tiere dürfen nur in geeigneten Behältern mitgenommen werden. MobilPass Besitzer eines MobilPasses sind in Köln günstiger unterwegs – sie erhalten Rabatt auf 4er-Tickets und Monatskarten. Das Angebot gilt unter anderem für Empfänger von ALG II und Sozialgeld (SGB II). Sie können die Pässe beim zuständigen JobCenter oder Sozialamt, bzw. dem LVR, beantragen. Voraussetzung hierfür ist ein KölnPass. Mehr Informationen: www.kvb-koeln.de/german/ tarife/tickets/stadt_ticket.html 7
Foto: Klaus Kächler
Mobilität
Dieses Lächeln: Tom Mutters im Alter von 98 Jahren in seinem Sessel im heimischen Wohnzimmer in Marburg-Wehrshausen.
Ein nahezu vergessener Jahrhundertmensch
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Mobilität
Der Gründer der Lebenshilfe Tom Mutters wäre im Januar 2017 hundert Jahre alt geworden. Mit dem Buch „Tom Mutters – Pionier, Helfer Visionär“ (erschienen im DaeMarkus Becker Klaus Kächler dalus Verlag) setzen ihm die zwei Journalisten Markus Becker und Klaus Kächler mit einer liebevoll geschriebenen und sorgfältig recherchierten Biografie jetzt ein Denkmal. Dafür haben sie nicht nur ihn selbst jahrelang in Gesprächen begleiten dürfen, sondern auch mit Zeitzeugen, Familienmitgliedern und denjenigen prominenten Mitstreitern gesprochen, die Mutters lebenslang in seiner Vision unterstützt haben. Man kann sagen, dass ohne das Engagement dieses niederländischen Verbindungsoffiziers mit seiner Vision einer inklusiven Gesellschaft die UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahre 2009 in der Form gar nicht denkbar gewesen wäre: Mutters wollte behinderten Menschen in Deutschland uneingeschränkte Teilhabe garantieren und gründete zu diesem Zweck gemeinsam mit betroffenen Eltern am 23.11.1958 die Selbsthilfevereinigung, Eltern-, Fach- und Trägerverband für Menschen mit geistiger Behinderung. Bereits zehn Jahre später hatte der Verein über 300 Ortsund Kreisverbände und 38.000 Mitglieder; in Sonderkindergärten, Schulen und Werkstätten betreute er über 18.000 Menschen. Tom Mutters war 30 Jahre lang ihr Geschäftsführer. Christina Bacher hat mit Markus Becker und Klaus Kächler über die Arbeit am Buch gesprochen.
storben. Alle, die Tom Mutters kannten, sind offenbar fasziniert von seiner Art, auf Menschen zuzugehen. Wie haben Sie ihn erlebt? Markus Becker: Es war ein großes Glück, Tom Mutters kennengelernt zu haben. Er war ein ganz besonderer Mensch mit einem außergewöhnlichen Charisma. Klaus Kächler: Ja, das ist wahr. Tom Mutters besaß eine wahnsinnig positive Ausstrahlung. Sein Lächeln, selbst mit fast 100 Jahren, wirkte ansteckend. Man kann sich vorstellen, dass dies bei vielen Menschen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
„Man muss das Leben leben. Man darf es nicht an sich vorbei gleiten lassen.“ Tom Mutters
DRAUSSENSEITER: Was war es noch, das ihn auf seinem erfolgreichen Weg begleitete? Seine Hauptantriebskraft scheint ja auch in seiner Kindheit zu liegen: Zwei Weltkriege hat er erlebt, wo Ungerechtigkeiten und Diffamierungen zur Tagesordnung gehörten. Man erfährt in Ihrem Buch, dass seine Fami-
DRAUSSENSEITER: Die Lebenshilfe ist die größ-
und wie kam es, dass er – den alle sehr
lie – unweit des Verstecks von Anne Frank
te und aktivste Einrichtung für Menschen mit
bescheiden in Erinnerung haben – Ihnen als
– einen jüdischen Freund versteckt hat. War-
Behinderungen. Sie arbeitet inzwischen inter-
einzigem über viele Stunden und Jahre sein
um aber hat er gerade zu dieser Zeit weitest-
national. Heute liest sich die Geschichte der
Herz und seine Geschichte für ein Buch
gehend geschwiegen? Was meinen Sie?
Lebenshilfe wie eine Erfolgsgeschichte, hinter
geöffnet hat? Zuerst lehnte er so ein Vorha-
Klaus Kächler: Das kennen viele sicher
der von Anfang an eine tolle Strategie steckte.
ben für sich ab, oder?
von den eigenen Großeltern: Wer den
Oder gab es auch Brüche und Rückschläge?
Markus Becker: Der Grund, warum über
Krieg erlebt hat, will nicht viel aus dieser
Wie war die Idee dahinter?
ihn so wenig bekannt ist, ist ganz einfach:
Zeit erzählen. Auch Tom Mutters hat vie-
Klaus Kächler: Es ist eine Erfolgsgeschichte.
Ihn hat keiner gefragt. Er war quasi ein
le schreckliche Dinge gesehen, aber er hat
Aber ihr Gründer, Tom Mutters, hat die
vergessener Held. Das hat ihn aber auch
immer nach vorne geschaut.
Lebenshilfe nicht am Reißbrett entworfen.
nicht gestört. Und er war niemand, der mit
Seine Visionen stießen sogar auf erhebliche
seinem Lebensweg hausieren ging.
DRAUSSENSEITER: Hat er Ihnen erzählt, wel-
Widerstände. Bei der Gründung der Lebens-
Wir haben uns für ihn und seine Geschich-
che Ungerechtigkeiten ihn besonders zum
hilfe setzte er auf die Eltern behinderter
te interessiert. Er wollte immer etwas für
Nachdenken brachten? Gibt es eine Begeg-
Kinder. Daraus entstand eine einmalige Bür-
die Nachwelt festhalten und hatte ein
nung/eine Begebenheit, die den Ausschlag
gerbewegung, die das Bild und die Rolle von
umfangreiches Archiv. Dabei ging es ihm
gab, die Lebenshilfe zu gründen?
behinderten Menschen in unserer Gesell-
aber stets um die Sache und nie um seine
Markus Becker: Ja, es gab eine Begegnung,
schaft nachhaltig verändert hat. Das war
Person. Ich habe ihn bereits 2008, zum 50.
die sein Leben verändert hat. Er war
letztendlich die entscheidende Strategie.
Jubiläum der Lebenshilfe, interviewt und
Officer bei den Vereinten Nationen und
er hat schon damals viel erzählt.
sollte sich im Philippshospital in Godde-
DRAUSSENSEITER: Sie haben Tom Mutters
lau bei Darmstadt um Kinder sogenannter
persönlich gekannt und über Jahre in Gesprä-
DRAUSSENSEITER: Tom Mutters ist im Feb-
Displaced Persons, von den Nazis aus ihrer
chen begleitet. Wie kam es zu diesem Kontakt
ruar dieses Jahres 99-jährig in Marburg ver-
Heimat verschleppte Personen, kümmern.
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Mobilität
Tom Mutters organisiert im Philippshospital in Goddelau für die geistig behinderten Kinder Ausflüge mit dem Ponywagen. Foto: Bundesvereinigung Lebenshilfe
Sie konnten die Politikerin Ulla Schmidt, Maren Müller-Erichsen (Behindertenbeauftragte des Landes Hessen) oder auch den Modedesigner und TV-Moderator Guido Maria Kretschmer, Mutters‘ Schwiegersohn, zu Beiträgen für das Buch gewinnen … Klaus Kächler: Es war uns wichtig, das Wirken dieses Jahrhundertmenschen aus möglichst vielen Perspektiven zu beleuch-
Und er hatte eine
ten. Die Berichte von Wegbegleitern
Vision. Was er sich
ergänzen das Bild, das wir durch seine
in den Kopf gesetzt
eigenen Erinnerungen von ihm gewonnen
Dort zeigte ihm ein Arzt riesige Kranken-
hatte, setzte er mit enormer Präsenz und
haben. Hinzu kamen eigene Recherchen
haussäle mit in Betten festgebundenen
Überzeugungskraft durch. Dabei flog er
und interessante Funde in Archiven.
geistig behinderten Kindern, die vor sich
auch schon mal aus manchem Ministeri-
hin vegetierten. Und der sagte zu ihm:
albüro. Bürokratie war ihm ein Graus,
DRAUSSENSEITER: Tom Mutters Engage-
Herr Mutters, auch Sie können aus diesen
daraus machte er keinen Hehl.
ment und Lebenseinstellung hat Vorbildcha-
Idioten keine Professoren machen. Er
rakter. War das eine Motivation, dieses Buch
selbst schilderte uns diesen Augenblick so:
DRAUSSENSEITER: Wie Sie schreiben, spielte
zu schreiben?
„In ihrer Hilflosigkeit und Verlassenheit
seine Frau Ursula, die ihm zeitlebens den
Markus Becker: Natürlich! Als Journalis-
haben diese Kinder mir ermöglicht, den
Rücken stärkte, eine ganz entscheidende
ten sind wir von Hause aus immer auf der
wirklichen Sinn des Lebens zu erkennen,
Rolle. Wie haben Sie den Umgang der beiden
Suche nach spannenden Geschichten.
und zwar in der Hinwendung zum Nächs-
erlebt und wie geht es Frau Mutters heute?
Und hier waren wir der Meinung, dass
ten.“ Von da an widmete er sich mit gan-
Markus Becker: Wir haben die beiden als
diese Story möglichst viele Menschen ken-
zer Kraft dem Ziel, behinderten Menschen
unzertrennliches Paar kennengelernt.
nen sollten. Es geht schließlich um ele-
zu helfen, ein menschenwürdiges Leben
Gemeinsam haben sie einen unglaublich
mentare Dinge im Alltag: Toleranz,
zu leben.
anstrengenden Weg zurückgelegt, mit
Menschlichkeit, aber auch um die Einstel-
allen Höhen und Tiefen. Aber sie waren
lung zum Leben. Wir waren selbst völlig
DRAUSSENSEITER: Welche Rolle spielte es,
66 Jahre lang glücklich miteinander. In
überrascht davon, dass es über diesen
dass er ein Niederländer in Deutschland
finanziell schwierigen Zeiten war sie es,
Mann, den so viele Menschen als „ihren
war? Brachte er aus seiner Heimat vielleicht
die es Tom ermöglichte, die ersten Jahre
Helden“ bezeichnen, so gut wie keine Lite-
einen anderen, fortschrittlicheren Blick auf
ehrenamtlich in seiner Mission unterwegs
ratur gab. Wir sind optimistische Men-
Menschen mit Behinderungen mit?
zu sein. Als Lehrerin war sie außerdem
schen und Tom Mutters hat uns darin
Klaus Kächler: Ja, er kannte aus seiner
stets Beraterin und sogar an der Konzep-
bestärkt. Es hilft nichts, den Kopf in den
Heimat Kindergärten für geistig Behinder-
tion des ersten Heimes mit kleineren
Sand zu stecken. Tom Mutters macht uns
te und Werkstätten. Die Situation in
Wohngruppen für geistig behinderte Kin-
allen mit seiner Lebensgeschichte Mut,
Deutschland war da sehr viel schlechter.
der in Marburg beteiligt.
sein Schicksal in die eigenen Hände zu
Eltern behinderter Kinder hatten nur die
Klaus Kächler: Bei unseren Besuchen war
nehmen, Ungerechtigkeit anzuprangern,
Wahl, ihre Kleinen in riesige Anstalten zu
es immer harmonisch und es wurde viel
aber dabei niemals das Positive aus den
geben, die nicht selten Hunderte Kilome-
gelacht – und das, obwohl Tom Mutters
Augen zu verlieren.
ter entfernt lagen, oder sie zu Hause rund
zunehmend altersbedingt nicht immer an
um die Uhr selbst zu pflegen.
den Gesprächen teilnehmen konnte. Er
DRAUSSENSEITER: Herzlichen Dank für das
hatte den Schalk im Nacken und seine
Gespräch.
DRAUSSENSEITER: Wie hat er es geschafft,
Frau Ursula war und ist heute noch mit
im Deutschland der 50/60er Jahre den öffent-
über 90 Jahren schlagfertig und mit einem
lichen Fokus auf ein Thema zu lenken, das
trockenen Humor ausgestattet.
damals als Tabu galt? Er gründete beispiels-
10
weise die Aktion Sorgenkind mit Wim Toelke
DRAUSSENSEITER: Ihr Buch ist keine klassi-
– ein genialer Schachzug für die gute Sache.
sche Biografie über Tom Mutters. Es ist einer-
Markus Becker: Mutters war ein Macher,
seits Hommage, andererseits eine Rück-
ständig auf der Suche nach neuen Ideen.
schau von Zeitzeugen, die ihn gut kannten.
lll
buch
Markus Becker/Klaus Kächler: „Tom Mutters, Pionier, Helfer, Visionär“, Daedalus Verlag, ISBN 978-389126-239-9, 176 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 19,95 Euro
Mobilität
Ein Arsch Когда тебя везут в инвалидной коляске Wenn man dich in einem Rollstuhl schiebt Ехать на ней самому невозможно (selber kannst du dich damit schlecht fortbewegen Потому что у нее очень маленькие передние колеса Weil er sehr kleine Vorderräder hat И каждая трещина в асфальте может стать твоей надолго Und jeder Riss im Pflaster kann dein letzter sein) Так вот, когда тебя везут в инвалидной коляске Also, wenn man dich in einem Rollstuhl schiebt Глаза детей оказываются на одном уровне с твоими глазами Dann sind die Augen der Kinder auf deiner Höhe А от взрослых тебе достаются попы Und von den Erwachsenen bleiben dir nur Ärsche Что в общем очень кстати Was auch nicht schlecht ist, Так как попа не думает про тебя зассаный БОМЖ Weil ein Arsch nicht über dich du beschissener Obdachloser nachdenkt Не думает, что ты съел соседскую кошку Denkt nicht, dass du die Nachbarskatze gegessen hast И не боится к тебе случайно приблизиться Und hat keine Angst, sich dir zu nähern Попа никогда не бывает злой Ein Arsch kann nicht böse sein Попа никогда не бывает ментом Ein Arsch ist auch kein Bulle Хотя некоторые менты выглядят как попы Obwohl manche Bullen wie Ärsche aussehen Да что там некоторые почти все менты почему-то так выглядят Ach was soll das – fast alle Bullen schauen unerklärlicherweise so aus Попа не плюется на улице Ein Arsch spuckt nicht draußen Не роняет хабарики которые летят мимо твоего лица Schmeißt keine Kippen die an deinem Gesicht vorbei fliegen Не кричит в мобильный телефон Schreit nicht in ihr Handy Не говорит «Я в шоке!» Sagt nicht „Ich bin schockiert!“ И выглядит гораздо эротичнее лица Und sieht viel erotischer als ein Gesicht aus Когда не украшает себя стразами Wenn er sich nicht mit Glitzersteinen schmückt А когда украшает выглядит глуповатой, но доброй Und wenn schon, dann sieht er doof, aber trotzdem nicht böse aus Конечно лучше смотреть на попы Ja freilich ist es angenehmer Ärsche anzusehen, Чем на деревянные глаза и металлические штучки, исправляющие зубы Als Holzaugen und all Metalldinger zum Richten der Zähne Они еще никого не сделали счастливым Die haben noch keinen glücklich gemacht А еще ты становишься ближе к собакам и кошкам Und außerdem kommst du den Hunden und Katzen viel näher Про голубей говорить не хочу очень они суетятся Von den Tauben will ich nicht reden – die sind zu hektisch А еще однажды я был близок к хорьку что ли Und einmal war ich einem Hamster sehr nah, glaube ich Но об этом потом, ладно Aber darüber – später. Jawohl? Потому что приехали до свидания Weil ich angekommen bin. Auf Wiedersehen.
Arkady Tyurin , geboren in No vosibirsk, ist Reda kteur der russi schen Straßen zeitung Put Do moi in St. Petersbur g. Nach einer Karriere als Eis hockeyspieler lebte er zweie inha auf der Straße. lb Jahre lang Foto: Marin a Wolf
11
Fotos: Micha Färber
Mobilität
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Mobilität
Mobilität bedeutet für mich Freiheit und Lebensqualität Jasmin Marie Habenicht hatte mit sechs Jahren einen Schlaganfall. Seitdem ist sie halbseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Während es ihr infolge des Hirnschlags schwerfällt, sich verbal verständlich zu machen, ist ihr Sprachverständnis nicht beeinträchtigt. 2011 hat Jasmin an der Anna-Freud-Schule in Köln ihr Abitur gemacht und ist danach nach Marburg gegangen, um zu studieren. Heute lebt die 25-Jährige in einem Wohnprojekt in Bonn. In ihrem Alltag wird sie von Assistentinnen unterstützt, gleichzeitig liegt ihr sehr viel an ihrer Unabhängigkeit.
Jasmin M. Habenicht: Schrecklich! In den ersten Wochen habe ich mich eingeigelt und mich selbst behinderter gemacht als ich bin. Das heißt, ich präsentierte und fühlte mich wie jemand, der nicht allein rausgehen kann, nicht einkaufen kann, sich nicht spontan draußen mit Freunden treffen kann und tatsächlich auch als jemand, der nach 18 Uhr nicht mehr auf der Straße ist und der um spätestens 22 Uhr im Bett liegt. Eigentlich ist diese Rolle echt bequem: Man geht keine unnöti-
Von Inken Kiupel
gen Risiken ein und übernimmt keine Verantwortung. Dennoch habe ich schnell gemerkt, dass mit dieser Rolle auch viele
DRAUSSENSEITER: Jasmin, wie war die Fahrt
Hublift, um hineinzukommen. So einen
Kompromisse einhergehen. Man kann sich
von Bonn nach Köln? Bist du gut durchge-
Hublift muss man 24 Stunden im Voraus
zum Beispiel nach einer Veranstaltung in
kommen?
bei der Bahn bestellen. Grundsätzlich echt
der Uni nicht noch länger mit Freunden
Jasmin M. Habenicht: Ja, sehr gut. Auch
gut, dass man eine solche Hilfe bekommen
unterhalten oder spontan mit ihnen weg-
wenn ich inzwischen recht routiniert mit
kann! Allerdings ist man dann auch auf das
gehen, weil man pünktlich beim Bus vom
der Bahn unterwegs bin: Bei jeder Zug-
Bahnpersonal und dessen Arbeitszeiten
Studentenwohnheim sein muss. Auch
fahrt, die ich alleine mache, habe ich
angewiesen. Das führt dazu, dass man als
kommt es auf der Fahrt gelegentlich zu
immer noch leichtes Herzflattern und
RollifahrerIn nach 22 Uhr mit dem Zug
kleinen Verzögerungen, weil noch andere
befürchte, dass die Türen vom Zug auf-
nicht mehr unterwegs sein kann – zumin-
Studenten eingesammelt werden und man
springen und der Ein-/Ausstieg dann doch
dest, wenn man einen Hublift braucht.
riskiert – und das ist am schmerzhaftesten
nicht ebenerdig ist, aber das ist zum Glück
Wenn ich spontan reisen möchte und die
für mich –, dass man in den Ruf gerät, ein
noch nie passiert.
Strecke noch nicht kenne, nehme ich
hilf- und willenloses Gemüse zu sein, dass
immer vorsichtshalber eine eigene mobi-
bedient und überall hin kutschiert wird.
DRAUSSENSEITER: Du bist nicht nur im Nah-
le Rampe und eine Assistentin mit, die
Ich hatte bald keine Lust mehr, all diese
verkehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln
mir die Rampe vor die Rolli-Reifen legen
Kompromisse einzugehen! Das führte
unterwegs, sondern reist auch weitere Stre-
kann. Wenn ich ganz sicher weiß, dass
schließlich dazu, dass ich mir einprägte,
cken allein mit dem Zug. Musst du deine
ich eine Strecke allein meistern kann
wie der Bus vom Wohnheim zur Uni und
Reisen als Rollstuhlfahrerin gut vorbereiten
(z. B. die Strecke von Bonn nach Köln),
zum Hörsaalgebäude usw. fuhr, damit ich
oder kannst du auch mal spontan einen
mache ich mich auch mal ohne Assistenz
bald darauf die gesamten Strecken alleine
Ausflug machen?
auf den Weg.
mit dem Rolli nachfahren konnte. Noch etwas später habe ich mir – zu-
Jasmin M. Habenicht: Das kommt darauf an: Einige Haltestellen bzw. Bahnhöfe kann
DRAUSSENSEITER: Nach dem Abitur bist du
nächst mit der Unterstützung und Ermu-
ich allein, also ganz allein mit dem Zug
zu Hause ausgezogen und hast dir in Mar-
tigung von sehr lieben Freunden – ange-
anfahren. Das heißt, dass ich da eigenstän-
burg einen Platz in einem Studentenwohn-
wöhnt, Zug zu fahren.
dig ein- und aussteigen kann und ich keine
heim gesucht, um dort zu studieren. Wie war
Rampe oder so brauche. Während ich sol-
es für dich, deine gewohnte Umgebung zu
DRAUSSENSEITER: 2015 hast du ein Buch
che ebenerdigen Züge selbstständig ,,betre-
verlassen und ganz auf dich gestellt in einer
veröffentlicht, „Mein Leben im E-Rolli“. Wor-
ten“ kann, brauche ich bei anderen einen
fremden Stadt neu anzufangen?
um geht es in dem Buch?
13
Mobilität
Der Rollstuhl Eine Entwicklung vom Mittelalter bis zur Gegenwart König Philipp II. von Spanien hatte 1595 offenbar einen Rollenstuhl mit verstellbarer Rücken- und Fußstütze. Einen selbstanzutreibenden Rollstuhl konstruierte der gelähmte Uhrmacher Stephan Farfler 1655. Das erste Patent für einen Rollstuhl wurde im Jahr 1869 in den USA erteilt. Von ersten einfachen Modellen ausgehend, hat sich inzwischen eine Vielfalt an Rollstuhltypen entwickelt, die sowohl nach Behinderungsmerkmalen als auch Anwendungszwecken differenziert sind. Zahlreiche Merkmale der Konstruktion des Rahmens, der Sitzeinheit und der Ausstattung haben sich ausdifferenziert. Einen besonderen Rollstuhl hatte sich der französische Revolutionär Georges Couthon, welcher von der Hüfte abwärts gelähmt war, im 18. Jahrhundert gebaut. Der Stuhl wurde durch zwei links und rechts an den Armlehnen angebrachte Kurbeln mit vertikal liegenden Achsen angetrieben und kann heute noch im Musée Carnavalet besichtigt werden.
Jasmin M. Habenicht und Inken Kiupel trafen sich bei einem Seminar in Köln und waren sich sofort sympathisch.
Jasmin M. Habenicht: Im Grunde geht es
kann, wann, wie schnell und wohin ich will,
um meinen Werdegang von der Grund-
ist ein großer Luxus für mich! Es fällt mir
schule bis zum Erhalt der Bachelor-Urkun-
immer noch schwer, Hilfe einzufordern und
de. Dabei beleuchte ich Verschiedenes:
anzunehmen, wobei die Hemmungen im
Meine Erfahrungen im zwischenmensch-
Laufe der Jahre natürlich aus Gewohnheit
lichen Bereich, meine Beziehung zu Gott,
weniger werden. Die Mobilität im E-Rolli
meinen Umgang mit Hilfsmitteln, meine
bedeutet für mich, dass ich einmal weniger
Begegnungen mit dem Tod.
um Hilfe bitten muss; es ist ein kleines Aufrechterhalten meiner Selbstständigkeit.
DRAUSSENSEITER: Es ist bestimmt kein Zufall, dass du das Thema Mobilität schon im Buchtitel aufgreifst – was bedeutet Mobi-
lll
buch
lität für dich? Jasmin M. Habenicht: Extrem viel Freiheit und Lebensqualität! Schon allein, dass ich dadurch, dass ich in einem Elektro-Rollstuhl und keinem Schieberollstuhl sitze, fahren
14
Jasmin Marie Habenicht: Mein Leben im E-Rolli. Verlag Mainz 2015, ISBN 978-3-8107-0241-8, 9,95 Euro
Selbstangetriebener Rollstuhl des gelähmten Uhrmachers Stefan Farfler aus dem Jahre 1655 von ihm gebaut im Alter von 22 Jahren.
Rollstühle als Luxusangebot Bei der Wiener Weltausstellung 1873 standen Rollstühle als Luxusangebot bereit. Dieser Service war nicht primär ein Angebot für Körperbehinderte, sondern für betuchte Ausstellungsbesucher, denen damit der ermüdende Ausstellungsrundgang angenehmer gestaltet werden sollte. Vor allem mondäne Damen, deren Bewegungsfreiheit durch Kleider mit langen Schleppen eingeschränkt war, machten gerne von dem Service, sich mit Schiebesesseln von livrierten Bediensteten durch die Ausstellung schieben zu lassen, Gebrauch.
Mobilität
Die Auszüge stammen aus dem Buch
„Mein Leben im E-Rolli“
Ungeschönt und authentisch berichtet die Jungautorin Jasmin Marie Habenicht von ihrem frühen Schicksal und gewährt durch ihre Schilderungen vermeintlich banaler Alltagssituationen einen Einblick in ihre Welt. Ohne belehrende, dafür mit vielen selbstbewussten Worten ermutigt sie nicht nur Menschen mit ähnlichen Schicksalen dazu, sich nicht unterkriegen zu lassen, sondern stärkt mit ihrem Optimismus auch den Glauben daran, dass es immer Grund zur Hoffnung gibt.
Zugfahren Seitdem fuhr ich regelmäßig alleine mit dem Zug nach Hause. (…) Obwohl meine Zugfahrten immer sehr abenteuerlich waren und meistens nicht glimpflich verliefen, gingen sie letztlich immer gut aus.
Abhängigkeit Rückblickend finde ich es ziemlich amüsant, was ich alles gemacht habe, um nicht über meinen Schatten springen zu müssen. Wenn mir etwas runterfiel, wartete ich zum Beispiel so lange, bis ich entweder auf die Toilette musste oder ins Bett wollte – denn das waren bzw. sind für mich legitime Gründe, um Hilfe anzufordern –, damit ich die Pfleger/Aushilfen nur einmal und nicht mehrmals herbei klingeln musste. Natürlich war diese Taktik auf Dauer sehr nervig, und auch wenn ich wusste, dass ich mir das selber eingebrockt hatte, gelang es mir nie gänzlich, mein Verhaltensmuster abzulegen.
Der E-Rolli In der Schule bekam ich Krankengymnastik. Glücklicherweise war mein Therapeut besonders engagiert und sorgte u.a. dafür, dass ich meinen Elektro-Rollstuhl bekam. (…) Mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie es war, ständig warten zu müssen, bis jemand einen an eine bestimmte Stelle schiebt – und ich frage mich auch, wie ich das aushalten konnte, ohne durchzudrehen.
Barrieren Woran man sich zweifellos als Rollstuhlfahrer gewöhnen muss, sind Barrieren. Davon wimmelt es überall, mal mehr, mal weniger. In Marburg wohnte ich in der Oberstadt. (…) Mein Wohnheim lag auf einem Berg und das schon seit Ewigkeiten, was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, wie viele Leute sich darüber aufregen, dass man ein Heim für Behinderte ausgerechnet auf einem Berg baut.
Freiheit Alleine zu fahren bedeutet für mich (…) ganz viel Freiheit. Ich kann losfahren, wann ich will, ich kann auf dem Rückweg spontan einkaufen oder auch durch den botanischen Garten kurven.
15
bonse
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen
Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen
Arbeiten
Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung
Pflegewohnheim
begleiten und fördern I beraten und anleiten
Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
16
gerd bonse
Lothar, Künstlername John Lothar (69), in Köln geboren, ist seit wenigen Jahren an seinem Stammplatz links neben dem Hauptportal des Doms zu finden. „Ich muss da irgendwie über die Runden kommen“. Gelder von Behörden bekommt er nicht. Lothar hat für einige Zeit in Leverkusen und im Bergischen Land bei Kürten gelebt. Sein großes Interesse gilt der Beatmusik und in seinen goldenen Zeiten war er Sänger und auch Schlagzeuger, daher stammt sein Künstlername John. In seinem persönlichen Ranking sind natürlich die Beatles auf Platz 1, gefolgt von The Hollies, danach kommen die Rolling Stones, The Who und The Kinks. Auch in New Orleans war er schon gewesen und hat dort den besonderen Duft der Musik eingeatmet. Zur Zeit hofft er mit der Hilfe eines Anwalts wieder auf die Füße zu kommen und lebt von kleinen „Gagen“ von Passanten.
Foto und Text: Gerd Bonse
17
Foto: Denver Voice
aus aller welt
Verkäufer im Rampenlicht
Penny Sandoval, Denver (USA) Von Linette Hidalgo, Denver Voice Penny Sandoval wuchs in Nashville, Tennessee auf. Als junge Musikerin lebte sie in der sogenannten „Music City“, in der Nähe des Produktionsortes der legendären Radioshow „Grand Ole Opry“, die seit 1925 wöchentlich ausgestrahlt wird. Die dort übertragenen Konzerte besitzen seit Jahrzehnten Kultstatus. Da ist es nur logisch, dass Penny ab und an auch Gastgeberin für einige der berühmtesten Musiker war – einschließlich Elvis Presley und Johnny Cash. Aber Penny ließ sich von diesen Momenten nicht einschüchtern: „Ich habe sie nicht als Berühmtheiten gesehen, nur als Menschen“. Sie erinnert sich daran, Cash zu treffen, erzählt uns, wie sie obdachlos wurde, und wie Denver Voice ihr half, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. 18
aus aller welt
K
aum 1,52 m groß, zierlich und
Opry“ wurde Penny sogar selbst so etwas
2013 begann sie, die Denver Voice zu ver-
umwerfend liebenswürdig – das ist
wie ein lokaler Star, weil sie der erfolgrei-
kaufen, denn sie musste etwas hinzuver-
Penny Sandoval, Verkäuferin der
chen amerikanischen Country-Sängerin
dienen. Am Anfang konnte sich Penny
Denver Voice. Es dürfte schwerfallen, eine
Loretta Lynn ähnlich sah. Die Gäste ver-
nicht vorstellen eine Zeitung zu verkau-
Person zu finden, die so sympathisch und
wechselten sie häufig mit ihr und Penny
fen. Doch nach und nach stellte sie fest,
natürlich freundlich ist wie sie. Penny
gab sich manchmal als Lorettas Schwester
dass sie durch den Zeitungsverkauf Kun-
wurde zwar in Colorado geboren, wuchs
aus, um Eindruck zu schinden. Der enge
denbeziehungen aufbauen konnte, so wie
jedoch bei ihrer Oma in Nashville auf, die
Umgang mit den Stars stieg Penny aber
früher als Kellnerin. Und auch hier gab es
starb, als sie zwölf Jahre alt war. Von da
nicht zu Kopf. „Ich sah in ihnen nicht die
Gelegenheiten, interessante Leute ken-
an lebte Penny bei verschiedenen Ver-
Promis, sondern die Menschen“, sagt sie.
nenzulernen. Penny ist nicht gern untätig. Sie erklärt, dass sie durch den Verkauf der
wandten. Mit 17 beschloss sie, lieber zu arbeiten als den High-School-Abschluss zu
On the Road
Voice aktiv und unter Menschen bleibt.
machen. In Nashville fand sie eine Stelle
Mit 22 Jahren beschlossen Penny und ihre
„Ich bin gern unter Menschen. Es dauerte
in einem Restaurant – gleich neben der
beste Freundin Deedee, Nashville den
eine Zeit, einen Kundenstamm aufzubau-
legendären „Grand Ole Opry“. Sie war
Rücken zu kehren und den Rest des Lan-
en. Jetzt nennen mich alle meine Kunden
begeistert von der mitreißenden Welt der
des zu erkunden. Die beiden zogen von
beim Namen und sie sind sehr freundlich.
Musik voller hoffnungsvoller Künstler
einem Bundesstaat in den nächsten, ver-
Sie kümmern sich.“ Mit dem Geld, das sie
und immer neuer Interpreten. Penny war
dienten sich den Lebensunterhalt in Bars,
als Voice-Verkäuferin verdient, kann sie
wild darauf, neue Leute kennenzulernen,
bis das nächste Ziel rief. Am Ende hatte
außerdem ihre Lebensversicherung und
und hier traf sie Menschen aus aller Welt.
Penny 38 Bundesstaaten und vier Länder
andere grundlegende Dinge bezahlen.
Aufgrund ihrer gewinnenden Art fand sie
bereist. Nach mehreren Jahren Umherzie-
Penny beschreibt sich selbst als glücklich
schnell Freunde und war bei vielen Men-
hen durch die USA kehrten die beiden
und dankbar. Ihr Rat? „Mach dir keinen
schen beliebt, die sie unter ihre Fittiche
wieder nach Nashville zurück, wo Penny
Kummer, du kannst nicht mehr als dein
nahmen und sie als Mitglied der Familie
erneut als Kellnerin arbeitete. In den
Bestes geben.“
behandelten. Es war eine tolle Zeit: Penny
1980er Jahren zog sie nach Denver, wie-
begegnete allen möglichen berühmten
derum mit ihrer besten Freundin, und
Menschen, darunter Johnny Cash, Willie
blieb dort, weil Deedee von der Stadt
Nelson, Jimmy Clinton und Elvis Presley
begeistert war. In den folgenden Jahren
– „damals erst ein junger Bursche", wie
kellnerte Penny weiter, heiratete, bekam
sie sagt. „Er war einfach ein guter Freund“,
Kinder und ließ sich irgendwann scheiden.
erinnert sie sich, während sie ein altes
Mit zielsicherem Fleiß arbeitete sie bis
Foto mit sich selbst als Teenager neben
2010 in Restaurants und Bars. Dann stürz-
Johnny Cash betrachtet. Penny hatte auch
te sie und brach sich die Hüfte. Das bedeu-
etwas Musik im Blut: Sie spielte Steel-
tete das Aus für ihre jahrzehntelange
guitar und teilte sich ihr Zimmer mit einer
Arbeit in Bars und als Anzeigenverkäufe-
Bassgitarre. „Damals kamen viele Musiker
rin. Das Geld blieb aus, Penny wurde
zu mir rüber und improvisierten“, erin-
obdachlos. Nach anderthalb Jahren auf
nert sie sich.
der Straße konnte sie mit Hilfe der Colo-
Damals gab es noch keine sozialen Medien. Wenn die Leute von ihren Touren
Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von INSP.ngo / Denver Voice Übersetzt aus dem Englischen von Daniel Gebauer / Translators Without Borders
rado-Vereinigung für Obdachlose eine Wohnung finden.
nach Nashville heimkamen, war es ganz normal, dass man sich bei irgendjeman-
Das Beste geben
dem aus der lokalen Musikszene traf.
„Man kann nie wissen, was noch passiert“,
„Nicht nur bei mir. Auch anderswo. Ein-
meint Penny. „Eigentlich wollte ich arbei-
fach dort, wo sich alle gerade aufhielten.“
ten, bis ich 100 bin. Ich habe mein ganzes
In einer Nacht waren richtig viele Leute
Leben gearbeitet und hätte nie gedacht,
bei Penny zu Hause. Sie erinnert sich nicht
dass ich einmal obdachlos werden könnte.
daran, ob noch ein Promi auf genau dieser
Die Menschen nehmen alles für selbstver-
Party war. Sie ging sogar mit Paul Anka,
ständlich, aber wer weiß schon, was einen
einem damals berühmten Sänger, ins
noch erwartet?“ Glücklicherweise hatte
Kino. Während ihrer Zeit bei „Grand Ole
Penny Anspruch auf Sozialleistungen.
lll
denver voice
Sitz: Denver, USA Gegründet: besteht seit 1997; in der heutigen Form seit 2007 Erscheint: monatlich Verkäufer: ca. 600 Auflage: keine Angabe Zeitungspreis: 2 $ (ca. 1,80 €), davon 1,5 $ (ca. 1,30 €) für den Verkäufer Link: www.denvervoice.org 19
cartoon/kolumne
Cartoon: Heiko Sakurai
Keine Lust auf Fernreisen
20
um nach holprigen zwei weiteren Stunden
auch im multikulturellen Köln. Zumindest
festzustellen, dass die Hotelanlage nicht
ein Teil davon. An jeder Ecke kann ich
meinen Vorstellungen entspricht, weil ich
Spezialitäten aus den unterschiedlichsten
D
die verschlüsselten Formulierungen im
Ländern genießen, ohne nach, sagen wir,
as Reisen in ferne Länder habe ich
Reisekatalog nicht richtig gedeutet habe.
Indonesien oder China zu reisen. Ich kann
eingestellt! Ich habe genug von der
Meist passt mir auch das Wetter vor Ort
in Ruhe shoppen, ohne den Preis verhan-
Hektik am Flughafen, den Verspä-
nicht. Zu heiß, zu kalt, zu windig, zu reg-
deln zu müssen und trotzdem über den
tungen, der toxisch verunreinigten Kabi-
nerisch – weil sich das Klima auf der gan-
Tisch gezogen zu werden. Ich schlafe im
nenluft, dem schlechten Essen an Bord
zen Welt verändert hat. Zu spät wird mir
eigenen Bett solange ich will und benutze
und dem langen Stillsitzen. Genug von
klar, dass ich mit meinem „All-inclusi-
gefahrlos meine saubere Toilette. Ich kann
Sitznachbarn, die das alleinige Recht auf
ve-Angebot“ die umliegenden Restaurants
Wäsche waschen, Kaffee kochen und zwi-
die Armlehne beanspruchen und drin-
in den Ruin treibe. Darum habe ich
schen 300 Fernsehprogrammen wählen.
gend aufs Klo müssen, kaum, dass ich ein-
beschlossen, nicht mehr in die Ferne zu
In meinem nächsten Urlaub werde ich
gedöst bin. Genug von quengelnden Klein-
reisen. Meine Urlaube verbringe ich künf-
also kein bisschen neidisch auf die sein,
kindern und hustenden Erwachsenen!
tig zu Hause, mit Freunden, am Rheinufer,
die in zehn Kilometern Höhe über meinen
Und am Fernziel angekommen, ist der
beim Italiener, im Sportstudio, im Kino,
Balkon hinwegfliegen, während ich
Stress noch lange nicht vorbei: Lange
Theater oder Museum. Das ist erholsamer,
gemütlich einen Eiskaffee trinke und mich
Schlangen vor der Passkontrolle. Warten
als sich die Welt anzusehen, die man dann
an einem Bildband über Kambodscha
auf den letzten Koffer, der garantiert mei-
doch nicht sieht, weil zwei Wochen dafür
erfreue. Bon voyage!
ner ist. Auto mieten oder Hotelbus suchen,
viel zu kurz sind. Die Welt befindet sich
Astrid Hülser
Buch- und Musik-tipps
Sam Gasson
Yrsa Sigurdardottir
Gone Cat
DNA
Bruno ist 11 Jahre alt, ein ausgesprochen gewiefter kleiner Kerl. Sein Vater war Privatdetektiv, muss aber den Beruf aufgeben wegen eines Herzinfarkts. Und Bruno übernimmt quasi dessen Rolle. Mit Leib und Seele. Außerdem ist da noch Mildred, seine Lieblingskatze. Der hängt er, weil er ja nun ein angehender Privatdetektiv ist, nur so aus Neugierde ein Katzenhalsband mit einer integrierten Kamera um. Der Streuner schleicht durch das Viertel und wie es der Zufall will, filmt er als erstes den Teil eines Mordes. Denn Poppy, die Nachbarin von Brunos Familie, wird eines Tages von ihrem brutalen Ehemann vergewaltigt. Der gießt sich in der Nacht ihres Todes kräftig einen hinter die Binde. Und gilt natürlich, als die Leiche seiner Frau am nächsten Morgen entdeckt wird, als Hauptverdächtiger. Dies alles geschah, während ihr gemeinsamer Sohn bei seinem Freund Bruno im Haus gegenüber schlief. Damit beginnt ein Ermittlungswettlauf zwischen dem manchmal arg schlaumeierischen Jungen Bruno und der Polizei. Ein Wettlauf, bei dem der Junge stets einen Schritt weiter ist als die Ermittler. Denn er hat ja Mildred, seine rotgefleckte Lieblingskatze, die mit ihrer Halsbandkamera einen Teil der nächtlichen Geschehnisse filmte und ihm dadurch hilft, die Puzzleteile jener Nacht zusammenzufügen. Die Idee ist wirklich gut. Die Umsetzung humorvoll. Die Story schlicht, aber unterhaltsam.
Island. 1987. Zwei kleine Jungs und ein kleines Mädchen sitzen wie die Orgelpfeifen auf einer Bank. Man sieht, dass sie schon einiges erlebt haben. Ihre Blicke sind leer, ihr Verhalten auffällig stoisch und reglos. Eine Crew des Jugendamtes hat zu entscheiden, wohin die Waisen nun kommen. Sie werden getrennt voneinander adoptiert. So der Beschluss. Damit beginnt ein Drama, das 2015, also knapp 30 Jahre später, seinen Höhepunkt erreicht. Eines Nachts wird Elisa, Mutter von drei Kindern, durch ihre kleine Tochter geweckt, die behauptet, ein Fremder sei im Haus. Der Ehemann ist auf Dienstreise, also steht sie auf. Und kurz darauf beginnt der Alptraum. Am nächsten Morgen stehen ihre beiden kleinen Söhne verstört auf dem Bürgersteig vor dem Haus der Familie. Und die herbeigerufene Polizei sieht sich mit einem Mord konfrontiert, der brutaler und unmenschlicher kaum sein könnte. Die Mutter ist tot. Die 7-jährige Tochter verschwunden. Psychologin Freya und Kommissar Huldar müssen nun gemeinsam an dem Fall arbeiten. Denn nur die kleine Tochter Margret hat den Mord auf die Mutter beobachtet, den Täter gesehen. Doch Margret schweigt, schwer traumatisiert. Während Freya und Huldar ungern aufeinandertreffen, da sie sich schon von einem erst kurz zurückliegenden One-NightStand kennen. Bei dem sich der Kommissar als Handwerker ausgegeben und sich so gar nicht Gentleman-like verhalten hatte. Spannungen sind also vorprogrammiert, ziehen sich durch die ganze Geschichte. Deren Einstieg der Hammer ist. So ausgefeilt unterschwellig bedrohlich, so auf Katastrophen hin programmiert, dass allein er schon die Lektüre lohnt. Ansonsten bis auf einige Längen tatsächlich zu Recht 2014 in Island Krimi des Jahres. Von der bekanntesten isländischen Krimiautorin.
Ingrid Müller-Münch
Sam Gasson: „Gone Cat“ – Die stumme Zeugin. „LYX Egmont Verlagsgesellschaft, gehört zur Egmont Foundation, gemeinnützige Stiftung, deren Ziel es ist, die sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen zu verbessern“, Zitat. Ü engl. Anne-Kathrin Schwarz, ISBN 9783736301573, 14,99 Euro
The Burning Hell
„Public Library “
Ingrid Müller-Münch
Es gibt Bands, die man schon alleine wegen ihres Habitus lieben muss. So eine Band ist „The Burning Hell“. Seit Jahren tingeln die Kanadier durch Europa, spielen mal in Kneipen wie „Die hängenden Gärten von Ehrenfeld“ oder in Clubs wie „Die Wohngemeinschaft“. Es geht weniger um den großen finanziellen Erfolg, sondern um die Freude am Spiel und die Lust am Reisen. Mit ihrem neuesten haben sie nun auch erstmals ein ganz und gar überzeugendes Album abgeliefert: „Public Library“. In der öffentlichen Bibliothek sortiert die Band in acht Liedern die Literaturgeschichte neu – von Mörderballaden über romantische Komödie bis hin zu Science Fiction. In dem Moment, da wir diese Bibliothek betreten, sausen uns Klarinetten, Posaunen, Klavier, Gitarren und Wortwitz entgegen. Es ist ein Hochgenuss – voller Poesie, Polyphonie und Popstar-Anspielungen. Ohrenbesetzende Melodien treffen auf handgemachten Charme. Bonus: Auf dem Album befindet sich das Liebeslied mit dem schönsten Titel des Jahres: „Fuck the Government, I love you“. Es erzählt die Geschichte, wie die beiden Bandgründer, Ariel Sharratt und Mathias Kom, sich auf einer Feier kennen und lieben lernten. „Pass the wine, fuck the Government, I love you. Three statements overheard at once in the crowded room. But I could not be sure which one had come from you. So I passed you the wine and said, yes, fuck the government, I love you, too.” Hach, so schön kann ein Moment sein. So schön kann Popmusik sein. Am 11.12. treten The Burning Hell zusammen mit The Wave Pictures im Gebäude 9 auf. Jens Hüttenberger
The Burning Hell: Public Library, Label: Bb*Island (Cargo Records), 2016, ca. 15 Euro
Yrsa Sigurdardottir: „DNA“, Ü. isländ. Anika Wolff, ISBN 97834427565, 19,99 Euro 21
blicklicht
Hungrig zur Schule
Brief einer StraSSenzeitungsverkäuferin Liebe Leserinnen und Leser,
Kinder der Förderschule Zülpicher Straße kommen oftmals mit leerem Magen in die Bildungseinrichtung – REWE Group spendet bis 2017 tägliche Essenskisten li.: Lehrer Sebastian Reimann und seine Fünftklässler freuten sich über die morgendliche „Power Kiste“.
u.: Bis 2017 beliefert ein örtlicher Händler die Förderschule Zülpicher Straße kostenlos mit Lebensmitteln. Foto: Achim Bachhausen/REWE Group
U
„
nsere Kinder haben Hunger. Viele von ihnen kommen nicht selten mit einem leeren Magen in die
Schule“, sagt Einrichtungsleiterin Judith Schmischke. Mit diesem alarmierenden Zustand sieht sich nicht nur die Sülzer Bil-
„Wir hatten uns bereits 2009 mit der
dungsstätte konfrontiert. Das ausgiebige
damaligen ,Power Tüte‘ engagiert, die wir
Frühstück oder eine Box mit Pausenbroten
rund 650.000 mal an 40 Einrichtungen kos-
für die Kids scheint nach Einschätzungen
tenlos verteilt haben. Doch diese Form
von Lehrern zu einem Relikt der Vergan-
vernachlässigt die soziale Komponente des
genheit zu werden.
Miteinanders. Durch die neuen Kisten wer-
„Mitunter stopfen sich die Kinder mitge-
den die Kinder gemeinsam speisen“, infor-
brachte Nudel-Trockengerichte aus der
miert REWE-Mitarbeiter Andreas Krämer.
Plastiktüte hinein, die es im Discounter
Auch das kollektive Tischdecken oder Ab-
schon für 29 Cent zu kaufen gibt“, so
räumen gehört künftig zur festen Einheit
Schmischke, die die Ursachen für den
am Vormittag. „Dies ist an einer Schule für
Zustand nicht zu erklären vermag. „Dafür
emotionale und soziale Entwicklung, wie
gibt es sicherlich viele Gründe. Fakt ist, dass
wir es sind, enorm wichtig. Man teilt mitein-
wir hier vor Ort etwas dagegen unterneh-
ander und hilft bei den anfallenden Arbei-
men müssen“, erklärt die Pädagogin.
ten“, erklärt Judith Schmischke die positi-
Durch Vermittlung des Vereins „Kölner
22
ven Effekte neben der Stillung des Hungers.
Tafel“, der aktuell rund zehn Kölner Schu-
„Über Nachahmer würden wir uns sehr
len mit Lebensmitteln versorgt, konnte nun
freuen“, appelliert Andreas Krämer an Kon-
die REWE Group als Partner für tägliche
kurrenzbetriebe zur Mithilfe. „Der Bedarf
Essensspenden gewonnen werden. Eine
ist leider sehr hoch. Das sieht man auch an
„Power Kiste“ des Händlers aus dem Veedel
unserer Not, Ehrenamtler für die Unterstüt-
versorgt die Schüler in den kommenden
zung von Bedürftigen zu gewinnen“, er-
zwei Jahren mit Sortimentsartikeln wie
gänzt Karin Fürhaupter von der „Kölner
Vollkornbrot, Käse, Obst, Gemüse, Milch
Tafel“. Informationen über das Tätigkeits-
oder Wasser. Der Inhalt der Schenkungen
feld der gemeinnützigen Einrichtung im
wurde von einer Ernährungswissenschaft-
Netz unter www.koelner-tafel.de oder per
lerin zusammengestellt.
Telefon 0221/351000.
Thomas Dahl
mit meinem Beitrag möchte ich Euch erzählen, was ich auf der Straße erlebe. Ich lebe mit meinem Freund Klaus-Dieter zusammen, er ist 52 Jahre und ich – Simone, die diese Zeilen schreibt – bin 24 Jahre. Wir finden es nicht schön, wie Obdachlose oder Menschen mit Behinderungen auf der Straße behandelt werden, deshalb dieser Brief. Mein Wunsch wäre, dass sich manche unsere Zeilen zu Herzen nehmen. Es ist schon eine Weile her, da sind wir beide auf der Schildergasse spazieren gegangen. Wir haben beobachtet, wie drei Jugendliche – ein Junge und zwei Mädchen – an einem Platz vorbeiliefen, wo sich einige Obdachlose aufhielten. Wir sahen, wie die drei denen das Geld aus dem Becher stehlen wollten. Klaus sagte noch: „Wenn ihr das nicht liegen lasst, gibt es Ärger!“ Sie lachten nur und machten Witze darüber. Mich macht so etwas traurig, ich wünsche mir oft mehr Nächstenliebe unter den Menschen. Stellen Sie sich doch mal vor, dass Sie es sind, die da sitzen. Nichts haben und auch noch beklaut werden – das ist so bitter. Und dann werden Sie ausgelacht – keiner hilft, keiner zeigt Courage. Deshalb hier meine Liste, was ich mir wünsche: • Ich wünsche mir ein Lächeln für Menschen ohne Obdach, auch für Straßenzeitungsverkäufer. • Ich wünsche mir Verständnis für Simone und Kl alle, die Flaaus-Dieter be im OASE-Sommer fest. Foto: C. Bach schenpfand er sammeln oder auf der Straße musizieren. Das ist harte Arbeit! • Ein kleines Gespräch kann Herzen erwärmen und kostet keinen Cent. • Skepsis ist gut. Aber manchmal ist es eben auch sehr wertvoll, wenn man aufeinander zugeht. Was soll schon passieren? • Denkt immer dran, das Straßenleben kann jedem passieren. Auch dem, der nie dran gedacht hat, dass es ihn trifft. Eure Simone
Aus der OASE
hallo Freunde,
ten was. Das hat ganz schön gedauert. Es
neulich war ich mit Frauchen in Trier. Sie
Zeitung da waren. Frauchen hat sich
geredet. Ja, das war was. Erstmal `ne lange Zugfahrt. Es war total heiß und darum auch anstren-
sind wir in Trier schön Gassi gegangen. Die nette Frau vom Bahnhof hat uns die Stadt gezeigt. Ich bin voran, immer
gend. Einmal sind wir
mit der Nase auf dem
umgestiegen, ganz
Boden. Es gab ja viele neue
schön aufregend. In Trier hat uns gleich eine nette Frau abgeholt. Dann
denen ich die „Nachrichten lesen“ musste. Hinterher waren wir noch in einem Restaurant. Frauchen und
Frauchen hat meine Decke auf den
einige andere Frauen haben dort geges-
Boden gelegt und mir Wasser gegeben.
sen und sich unterhalten. Ich glaube, da
Auf dem Weg zur Veranstaltung haben
waren wichtige Leute bei. Habe mich
wir uns noch ein paar Häuser angesehen.
natürlich von meiner besten Seite
Frauchen sagt, dass das Einrichtungen für
gezeigt. Spät abends sind wir zurück ins
Frauen waren. Gefallen haben mir diese
Hotel und ich habe ganz brav auf der
Ausflüge aber nicht, weil da überall keine
Decke geschlafen. Was für ein Tag! Am
Tiere rein durften. Für die Veranstaltung
nächsten Morgen sind wir wieder früh
haben sie für mich eine Ausnahme
raus, weil Frauchen Kaffee brauchte und
gemacht. Da saß ich unter dem Tisch, wo
ich Gassi musste. Und dann mussten wir
Frauchen auch Wasser für mich in mei-
ja schon wieder zurück nach Köln. Ich
ner Unterwegs-Flasche hingestellt hatte.
kann euch sagen, ich komme ganz schön
Man, da war ganz schön viel los. Es
rum mit Frauchen. Euer Clayd
Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda
lll
DIESES MAGATRZAINSSE.
VON DER S
Hundekumpels dort, von
ging‘s rüber ins Hotel zum erholen.
kamen eine Menge Leute und alle rede-
HOLEN SIE
gleich mit mir in Pose gestellt. Danach
Kölns ältestes Straßenmagazin. Jeden Monat neu.
werbeagentur-von-morgen.de
hat da auf so einer Veranstaltung
gab auch Blitzlicht, weil welche von der
WWW.
DRAUSSENSEITER-KOELN
.DE
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02.12.13 11:49
„Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen.“ Hubert Burda
23
eintritt frei / Abo
Eintritt frei
Lebendige Demokratie durch offene Beteiligungskultur Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat eine neue Dialogreihe unter dem Titel „Stadtgespräche“ ins Leben gerufen, um regelmäßig in allen Stadtbezirken mit den Bürgerinnen und Bürgern persönlich ins Gespräch zu kommen. Die Stadtgespräche werden Station in allen Kölner Stadtbezirken machen. Als nächste Termine, jeweils 19 bis 22 Uhr, sind vorgesehen:
DRAUSSENSEITER-Abonnement
2. November 2016 Bezirksrathaus Lindenthal 15. Dezember 2016 Bezirksrathaus Mülheim 18. Januar 2017 Bezirksrathaus Rodenkirchen 16. Februar 2017 Bezirksrathaus Nippes
Ich möchte den DRAUSSENSEITER unterstützen und bestelle:
22. März 2017 Ehrenfeld (Veranstal- tungsort steht noch nicht fest) 25. April 2017 Bezirksrathaus Chorweiler Info: www.stadt-koeln.de
Lieferanschrift Vorname Name Straße PLZ/Ort Unterschrift
ein Straßen-Abo zu 36,– Euro pro Jahr
Einzugsermächtigung
ein Sponsoren-Abo zu 85,– Euro pro Jahr
Name
ein Förder-Abo zu 150,– Euro pro Jahr
Straße
Als Dankeschön für das Förder-Abo gibt es zudem das Buch „Köln trotz(t) Armut“.
PLZ/Ort IBAN SWIFT Kreditinstitut
Unterschrift
Widerrufsbelehrung
www.draussenseiter-koeln.de, abo@draussenseiter-koeln.de
24
Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.
vorschau
IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de
Hinger d’r Britz
Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Titelfoto Christina Bacher Fotos Christina Bacher, Gerd Bonse, Bundesvereinigung Lebenshilfe, Denver Voice, Sabrina Burbach, Sandy Craus, Micha Färber, Klaus Kächler, Kölsche Linda, KVB, Hanna Witte Cartoon Heiko Sakurai Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www.dehaar.de
Frauke Kemmerling mit dem Teil des Ensembles, das gerade Pause hat.
Foto: Christina Bacher
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eit nahezu vier Jahren ist Frauke Kemmerling nun Intendantin am Hänneschen in Köln. Verliebt hat sie sich bereits viele Jahre zuvor in das Theater, in dem sie bereits als Studentin im Manuskript-Archiv jobbte, später die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützte und schließlich – während ihres Volontariat – sogar eine Günther Grass-Puppe entwarf. Wie sich der Balanceakt zwischen Tradition und Moderne anfühlt und wie sie es schaffen will, das Traditionshaus zu einer Kultur-Marke der Stadt zu machen, erzählt uns die Ehrenfelderin bei einem Gang hinter die Bühne. Apropos Tradition: War da nicht noch ein populäres Festchen um den 24. Dezember herum, das es zu feiern gilt? Ja, da war was. Na, lassen wir uns mal überraschen ...
Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. Dezember 2016. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-Das-Kölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25
Foto: Hanna Witte
service
Für Alle Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de
Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91
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Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 15-17 Uhr
Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9 http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de
der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim
Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr
Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewa Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber schen, Kleiderkammer nur für wohnungslose und Banker Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Internetzugang, Samstags Frühstück. Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Tel.: 430 39 83 Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in www.skm-koeln.de
GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme
service
Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz. Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de
Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9 – 13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9 – 16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr
Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30–11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Montag 10.30-12 Uhr, Mittwoch 13-15.30 Uhr, Donnerstag 13-15.30 Uhr; Computer-Nutzung: nach Vereinbarung
Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle zwei Wochen, montags um 12.30 Uhr
Nur für Frauen agisra e.V. Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org
Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen
Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen
Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de
Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de
Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich. Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet. Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote
Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
Nur für Männer Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr
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Britta Schmitz Köln 2017. Jahreskalender ISBN 978-3-95451-887-6 · Hochformat 35 x100 cm · 29,80 Euro
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