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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 09/2016: Stadtgespräch

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24. Jahrgang

Nr. 169

September 2016

R E T I E S N E S s U A R D IN

Foto: H. Marie Breer

Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D

0,90 e für den Verkäufer

1,70 e

Stadtgespräch Fest Oase

HOFFNUNG

Freunde der Straße

WANDEL Graffiti


Anzeige


Liebe Leserinnen und Leser,

Inhalt

die „Freunde der Kölner Straßen und ihrer Bewohner e.V.“ haben allen Grund zur Freude, denn seit Neuestem vervollständigt ein Mercedes Sprinter BJ 2010 die ehrenamtli-

Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3

che Truppe um Arzu Mischkoff. Seit die 36-jährige Kölnerin zur Jahreswende 2014/15 ein paar Freunde zusammen-

Themenschwerpunkt: Stadt aktuell

trommelte und mit viel Engagement und Improvisationstalent die erste „Versorgungs-Tour“ startete, hat sich die Gruppe professionalisiert. Unsere Redakteurin H. Marie Breer durfte eine Runde dabei sein und sich davon überzeugen, wie dankbar die privaten Helfer auf der Straße empfangen werden.

S.4

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker schätzt den DRAUSSENSEITER als wichtige andere Stimme der Stadt. Christina Bacher und Gigi Bergmeister freuen sich über das Feedback. Foto: H. Marie Breer

Stadtgespräch: Interview mit Henriette Reker �����������������4 - 7 Stadthilfe: Freunde der Kölner Straßen ������������������ 8 - 11

Stadtkultur: Akademie der Künste: Pluriversale V, Migration und kulturelle Entwurzelung �����12 – 13

S.12

Einer sehr persönlichen Begegnung durfte ich im Kölner Rathaus beiwohnen, als ich mit unserem dienstältesten Verkäufer Gigi bei Oberbürgermeisterin Henriette Reker zum Interview geladen war. Die Beiden kennen sich schon

Freude am Scheitern ��������������� 15

lange, gehört die Politikerin doch seit Jahren zu seinen Stammkunden. Lesen Sie unser Gespräch auf den Seiten 4-7. Ganz herzlich möchte ich unsere Leserinnen und Leser zum OASE-Sommerfest am 9.9.2016 einladen. Die OASE wird 25 Jahre alt – na, wenn das kein Grund ist, den Grill anzuheizen! Mit herzlichem Gruss

Christina Bacher

S.16

Schwedische Verkäufer privat �������������������������� 16 – 19

Cartoon / Kolumne �������������������������������������������������20 Buch- und CD-Tipps ����������������������������������������������� 21 Aus der OASE �������������������������������������������������� 22 - 23 Eintritt frei �����������������������������������������������������������24 Abo �������������������������������������������������������������������24 Impressum ���������������������������������������������������������� 25 Vorschau ������������������������������������������������������������� 25 Service: Adressen �������������������������������������������� 26 – 27

Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: 13.00 – 16.00 Uhr 3


stadtgespräch

„Hallo Reker, wie geht’s?“, begrüßt DRAUSSENSEITER-Verkäufer Gigi Bergmeister seine Stammkundin im Rathaussaal wie eh und je. „Sie sehen aber gut aus!“, freut sich die Oberbürgermeisterin über das Wiedersehen.

Zuerst gehen Worte spazieren und dann die Messer Kölns heutige Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist seit Jahren Stammkundin von Gigi Bergmeister, der ihr monatlich den aktuellen DRAUSSENSEITER auf dem Markt in Braunsfeld verkauft. Doch am 17. Oktober 2015 – am Tag vor der OB-Wahl – wird der Straßenzeitungsverkäufer Zeuge, als ein Attentäter die Politikerin lebensgefährlich mit einem Messerstich in den Hals verletzt. Die Medien greifen das Thema auf, bundesweit bangt man um Henriette Reker, die bei ihrem Wahlsieg im Koma auf der Intensivstation liegt. Das politisch motivierte Attentat habe nicht nur ihr gegolten, sondern sei als Anschlag auf die Demokratie zu sehen, sagt die 59-Jährige heute, die wie durch ein Wunder wieder vollständig genesen ist. Seit einigen Monaten hat sie nun ihren Dienst im Rathaus angetreten. Davon will sich Gigi Bergmeister persönlich überzeugen und fragt nach einem Interviewtermin – mit Erfolg. Gemeinsam mit DRAUSSENSEITER-Chefredakteurin Christina Bacher findet sich der dienstälteste Straßenzeitungsverkäufer Kölns im Rathaus zum Gespräch ein. Daraus entsteht mehr als eine Plauderei – über die Situation von Wohnungslosen und Menschen in sozialen Schwierigkeiten im Allgemeinen und den Tag des Attentats im Speziellen. Fotos: H. Marie Breer

4


stadtgespräch

DRAUSSENSEITER: Danke, dass Sie uns hier

den sozialen Bereich mehr Mittel. Und

rung haben. Es geht also an erster Stelle

empfangen. Ist ja doch eine ruhigere Atmo-

deshalb müssen wir alles daran setzen, die

darum, diesen Anspruch zu ermitteln und

sphäre als draußen auf dem Markt, wo wir

Wirtschaft zu stabilisieren. Das ist meine

denjenigen, falls noch nicht geschehen,

Sie lange nicht mehr gesehen haben. Jetzt

Linie, wenn man so will, in wenigen Worten.

dafür anzumelden. So ist unser Sozialhilfe-System eben aufgebaut: Dass zunächst

sind Sie seit knapp einem Jahr im Amt. Im Gegensatz zu Ihren Konkurrenten mussten

DRAUSSENSEITER: Als ehemalige Sozialde-

mal geprüft wird, ob es einen gesetzlichen

Sie im Wahlkampf die Interessen verschie-

zernentin sind Ihnen die Themen, die wir

Anspruch gibt, und wenn es den gibt, wird

dener Parteien wahren, die sie gemeinsam

im Gepäck haben, ja nicht neu. Sicher ist

er angemeldet und dann ist die Sache

als OB-Kandidatin unterstützt haben. Wie

Ihnen ja bekannt, dass sich die Situation auf

eigentlich erst einmal erledigt. Selbstver-

schaffen Sie denn nun den Spagat, alle zufrie-

der Straße in den letzten Jahren und Mona-

ständlich bemühen wir uns dennoch, die

den zu stellen und sich selbst treu zu bleiben?

ten extrem verändert hat, während die För-

Henriette Reker: Ich bin wirklich sehr ger-

derrichtlinien für die Beratungsstellen seit

ne Oberbürgermeisterin, weil ich die ein-

rund 10 Jahren nicht angepasst wurden. In

malige Chance habe, meine Heimatstadt

vielen Beratungsstellen ist beispielsweise das

zu gestalten. Und es gelingt mir sicher nicht

Angebot eines Offenen Treffs nicht refinan-

immer, alle zufrieden zu stellen. Das geht

ziert. Sehen Sie da einen Handlungsbedarf?

ja vielleicht auch gar nicht. Meine Linie ist

Henriette Reker: Zunächst glaube ich

eben, so habe ich das immer empfunden,

schon, dass Sie das richtig diagnostizieren.

Teilhabe zu organisieren und Chancen-

Die Beratungsangebote sind mit der Viel-

gleichheit. Und damit meine ich für alle

zahl der Menschen mit Bedarf nicht mit-

Kölnerinnen und Kölner. Nur, was wir

gewachsen. Da handelt es sich um einen

erkennen müssen, ist, dass es darauf

Prozess, der in Gang gesetzt werden muss

ankommt, wie die Wirtschaft funktioniert:

und der nicht von heute auf morgen pas-

Denn die Wirtschaft zahlt die Gewerbesteu-

siert. Dennoch möchte ich zuallererst

er und wenn das Gewerbesteueraufkom-

erwähnen, dass fast alle Menschen, die in

men hoch ist, dann gibt es viele Arbeitsplät-

die Einrichtungen kommen, einen

ze in Köln und dann hat die Stadt auch für

Anspruch auf Hartz IV und Grundsiche-

lll

Henriette Reker …

… studierte Jura, schloss ihre juristische Ausbildung ab und arbeitete vorerst als Sachbearbeiterin und Justiziarin. Nach ihrer Zulassung als Rechtsanwältin wurde Henriette Reker zuerst zur Beigeordneten für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz in Gelsenkirchen, danach ging sie zu den Grünen zurück in ihre Geburtsstadt Köln und wurde dort Beigeordnete für Soziales, Integration und Umwelt. Am 18. Oktober 2015 wurde Reker zur neuen Oberbürgermeisterin von Köln gewählt. Sie erhielt die absolute Mehrheit der Stimmen. Nur einen Tag zuvor wurde Henriette Reker an einem Wahlkampfstand von einem Angreifer niedergestochen und schwer verletzt. Wenige Wochen später hat sie ihr Amt angetreten. 5


stadtgespräch

Träger zu fördern, die diejenigen auffan-

Henriette Reker: Wir heißen jeden will-

nicht leisten, eine Immobilie übers Jahr leer

gen, die diesen gesetzlichen Anspruch nicht

kommen, der in Köln arbeiten und leben

stehen zu lassen. Aber tatsächlich streben

haben oder auch aus anderen Gründen

möchte. Problematisch ist es natürlich,

wir aus den von Ihnen genannten Gründen

durchs Raster des Systems fallen. Übrigens

dass viele Zuwanderer keine ausreichende

in Zukunft eine langfristige Winterhilfe in

sind uns als Stadt da auch oft die Hände

Qualifikation und große Sprachprobleme

einer gut erreichbaren Lage an, da uns

gebunden: Viele verstehen nicht, dass die

haben. Aber es ist nun mal so, auch wenn

Unterkünfte am Stadtrand nicht weiter-

Förderung durch die Landesprogramme

der Vergleich hinkt, dass für diese Leute

bringen, weil da keiner hinkommt. Diese

erfolgt, die an besondere Voraussetzungen

das Gleiche gilt wie für mich, wenn ich

Immobilie muss noch gefunden werden.

gebunden sind, zum Beispiel eine Einglie-

nach Rumänien oder Bulgarien fahre.

derung der Menschen in den Arbeitsmarkt.

Habe ich kein Zimmer gebucht oder keine

DRAUSSENSEITER: In einem Ratsbeschluss in

Freunde vor Ort, wird sich dort für mich

2011 hat sich die Stadt erneut selbst verpflich-

DRAUSSENSEITER: Durch die EU-Osterwei-

niemand verantwortlich fühlen. Außer-

tet, neuen preiswerten Wohnraum zu schaffen.

terung und den daraus resultierenden

dem gibt es ja Anlaufstellen, wie das

Dennoch gestaltet sich die Situation auf dem

Zustrom an sogenannten „Elends-Migran-

Ehrenfelder Veedelsmanagement in der

Kölner Wohnungsmarkt immer katastropha-

ten“, die die Angebote der Kölner Wohnungs-

Venloer Straße 419. Dort kümmert sich

ler. Inzwischen konkurrieren da junge Fami-

losenhilfe ebenfalls nutzen, hat sich ja nicht

Frau Konuk um die Beratung dieser Ziel-

lien mit Studierenden, Singles, Flüchtlingen

nur die Nutzerzahl der Angebote in Köln

gruppe. Darüber hinaus hat der Ehrenfel-

und Wohnungslosen – letztere sind dann fast

erhöht, sondern tatsächlich sind auch die

der Verein für Arbeit und Qualifizierung

immer diejenigen, die sich ganz hinten anstel-

Anforderungen an die Sozialarbeiter ande-

e.V. für eine legale berufliche Qualifizie-

len müssen und leer ausgehen, wenn es um

re geworden. Da kommen nun viele Men-

rung und Beschäftigung für diese Ziel-

die Verteilung von Wohnraum geht. Wie kon-

schen, die keinerlei Anspruch auf soziale

gruppe zwei Projekte im Rahmen von

kret können Sie also sicherstellen, dass in

Hilfe haben, unsere Sprache nicht sprechen.

„Willkommen in Köln“ eingerichtet.

Zukunft auch Wohnungslosen Wohnraum zur Verfügung gestellt wird?

Ich nenne hier stellvertretend mal diejenigen Osteuropäer, die seit einigen Jahren in Köln

DRAUSSENSEITER: Die Erfahrungen aus den

Henriette Reker: So ist das leider und wir

leben, die jetzt alt und krank werden und im

letzten Jahren zeigen, dass im Winter ca. 200

haben viel zu wenig sozialen Wohnungs-

Sinne der Freizügigkeit als „wilde Camper“

zusätzliche Notschlafplätze in Köln fehlen, um

bau. Der Neubau muss gefördert werden

gelten. An wen können die sich wenden?

Erfrierungstote zu vermeiden. Obwohl der

und dazu gehört aber in erster Linie auch,

Henriette Reker: Das ist in der Tat ein

Winter vor der Tür steht, ist bislang wieder

dass wir freie Grundstücke haben und nicht

schwieriges Klientel, das Sie da ansprechen.

kein langfristig funktionierendes Konzept für

jedes freie Grundstück von einem Investor

Rumänische und bulgarische Zuwanderer

eine barrierefreie Winterhilfe bekannt, die wir

sind jetzt EU-Bürger und dürfen hier arbei-

in den Einrichtungen kommunizieren könn-

ten. Tun sie es nicht, haben sie keinerlei

ten. Gibt es denn in Zukunft einen dauerhaf-

Anspruch auf Leistungen nach dem SGB

ten Platz für die Winterhilfe? Das würde auch

II beziehungsweise Hartz IV. Es sei denn,

die Informationspolitik erleichtern, denn

sie kommen aus einem Beschäftigungsver-

viele Einrichtungen erfahren es erst einige

hältnis. Sehr häufig fehlt ihnen eine Aus-

Tage zuvor, wo und wann das Angebot öffnet.

bildung und somit eine Aussicht auf Arbeit.

Henriette Reker: Obwohl es ja jede Menge

Obwohl viele das Problem der Wohnungs-

Hilfsangebote gibt, ist es uns durchaus

losigkeit mitbringen, besteht – im Gegen-

bewusst, dass die Unterbringungsmöglich-

satz zu Flüchtlingen – kein Recht auf

keiten in Köln noch nicht ausreichend sind.

Unterbringung durch die Stadt. In der Pra-

Und natürlich ist uns das ganze Jahr über

xis wird natürlich niemand weggeschickt,

schon klar, dass wir bald wieder eine Win-

wenn es draußen kalt ist und jemand einen

terhilfe brauchen werden – die kalte Jah-

Schlafplatz benötigt. Aber ich gebe zu, dass

reszeit kommt ja nicht überraschend. Doch

diese Menschen tatsächlich in unserem

in den letzten Jahren war es eben so, dass

Hilfesystem durchs Netz fallen.

wir für die kalten Wintermonate ein Quartier eingerichtet haben, dass danach von

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DRAUSSENSEITER: Dennoch bleiben sie ja

anderen Nutzern gebraucht wurde und

hier, weil es in Deutschland auf der Straße

somit im nächsten Winter nicht zur Verfü-

offenbar immer noch besser ist als im eige-

gung stand. Wir haben zurzeit einen gro-

nen Land zu leben.

ßen Mangel an Raum und können es uns

Foto: Alexander Arbabha

lll

gigi bergmeister:

„Sie hat Glück gehabt. Sie hätte tot sein können. Ich war zuerst total geschockt, wie alle, die dabei waren. Ich stand da, der Täter stand da, Reker lag auf dem Boden. Dann habe ich mich umgeschaut nach etwas, mit dem ich ihn in die Flucht schlagen kann. Ich habe ein Wahlplakat gesehen, das schien mir tauglich. Doch dann hat er das Messer in die Rosen geworfen und ein Mann, der sich später als Polizist in Zivil entpuppte, hat ihn festgenommen. Er war nur zufällig auf dem Markt gewesen. So wie ich auch. Mein kleiner Stand war komplett zerstört, ein Rad abgebrochen, weil einer in dem Chaos drüber gefallen war. Und ich hab mir solche Sorgen um Reker gemacht, als man mich als Zeugen mit zur Polizei genommen hat. Ich bin froh, dass es ihr gut geht. Ich kümmere mich eben um meine Stammkunden.“


stadtgespräch

mit teuren Wohnungen bebaut wird. Wissen

Not in den Stadtrandbereich zu verhindern.

zuteilen. Da war dann auch schon der

Sie, ich sehe das im Grunde so: Ob man

Wird die Stadt diesbezüglich Mittel zur Ver-

Mann, der das Messer zog. Gigi war fast der

einen Flüchtling unterbringen muss oder

fügung stellen, um da Abhilfe zu schaffen?

Letzte, mit dem ich in meinem alten Leben

einen EU-Bürger aus Bulgarien, das Problem

Henriette Reker: Es gibt ja diese Angebote,

noch gesprochen habe. Das war eine Situ-

ist ja im Grunde das gleiche. Aber ich gehe

wie beispielsweise die Kältegänge im Win-

ation, die wir gemeinsam erlebt haben und

eben mit Steuergeldern um und deswegen

ter. Aber die werden natürlich dem Bedarf,

sicher nie vergessen werden. Ich glaube

muss ich eine Anspruchsgrundlage haben.

der da in den letzten Monaten entstanden

auch, dass die Menschen um mich herum

Flüchtling ist Flüchtling – letztendlich. Egal,

ist, nicht gerecht, das stimmt. Aber es ist

ja noch viel mehr mitbekommen haben als

ob einer keine Chance im Heimatland hat-

eben auch so, dass wir als Stadtverwaltung

ich. Da war ja ein absolutes Chaos, Aufre-

te und sich hier etwas aufbauen möchte

mit unserem Regelbetrieb nicht in der

gung, Angst. Wir standen alle unter Schock.

oder ob er aus einem Kriegsgebiet kommt.

Lage sind, diese Bedarfe aufzugreifen. Das

Es ist derselbe Status, dieselbe rechtliche

ist eine Entwicklung, die eben ein bisschen

DRAUSSENSEITER: Welches Gefühl bleibt?

Grundlage, nach der ich handeln kann. Aber

dauert. Und deshalb bin ich auch froh, dass

Henriette Reker: Es geht mir nicht um so

natürlich profitieren alle davon, wenn wir

wir in Köln Vereine haben wie die OASE

etwas wie Rache. Das nicht. Aber ich bin

freie Flächen bebauen und die Schaffung

und den Gulliver, das SKF und den SKM

natürlich schon sehr nachdenklich gewor-

sozialen Wohnraums dabei im Blick haben.

– weil wir das alleine gar nicht schaffen

den, dass Menschen unter uns sind, die

würden. Wir brauchen – gerade jetzt mehr

aus politischen Motiven solche Gewaltta-

DRAUSSENSEITER: Stichwort Poller Wiesen:

als in den letzten Jahren – die Träger der

ten verüben. Und ich sage ganz ehrlich,

Dort, wo die OASE seit vielen Jahren als

Wohnungslosenhilfe, um diese Situation

dass mir das große Sorge bereitet: Zuerst

Anlaufstelle im Rechtsrheinischen zu Hause

Hand in Hand in den Griff zu bekommen.

gehen die Worte spazieren und dann die Messer. Es herrscht zurzeit ein besorgnis-

ist, wird es in den nächsten Jahren massive Veränderungen geben. Die Planungen laufen

DRAUSSENSEITER: Wir würden uns freuen,

erregender politischer Umgangston, es

auf Hochtouren. Ist das eine solche freie Flä-

wenn wir dieses Gespräch fortführen könn-

wird Menschen Gehör geschenkt, die sich

che, von der Sie gerade sprachen?

ten. Sehen Sie da eine Möglichkeit?

gegen demokratische Grundsätze wenden.

Henriette Reker: Ja, der Deutzer Hafen ist

Henriette Reker: Ich bin sehr interessiert

Letztlich hat der Mann ja nicht nur mich

eine der Flächen, die gerade Stadtentwick-

daran. Und wenn ich es aus zeitlichen

getroffen. Es war genaugenommen auch

lung erfährt und dort wird es natürlich

Gründen nicht schaffen kann, wird Dr.

ein Anschlag auf die Demokratie.

auch Sozialen Wohnungsbau geben. Das

Harald Rau als neuer Sozialdezernent Ihr

„Kooperative Bauland-Modell“ muss ja

Ansprechpartner sein und für diese The-

DRAUSSENSEITER: Wir bedanken uns sehr

beim Bau von mehr als 25 Wohnungen

men ein offenes Ohr haben. Und auch,

für dieses Gespräch.

30 % im sozialen Wohnungsbau errichten.

wenn in den letzten Wochen an einen

Das wird eine großartige Situation werden

Abstecher auf den Braunsfelder Markt aus

und wir werden von Anfang an darüber

Zeitgründen nicht zu denken war, nehme ich mir das mal wieder fest vor, dort vor-

schichte wird, sondern dass es dort eine

beizukommen, Gigi. Momentan erledigt

soziale Durchmischung gibt. Das wünsche

tatsächlich mein Mann die Einkäufe. Und

ich mir übrigens für die ganze Stadt. Wir

der ist ja eher unerkannt überall unterwegs.

wollen keine Ghettobildung – auf der einen Seite die Reichen und auf der ande-

DRAUSSENSEITER: Sie gehören ja seit Jahren

ren Seite Niedrigstandards.

zu Gigis Stammkunden auf dem Markt in Braunsfeld. Im Moment des Attentats stand

DRAUSSENSEITER: Dennoch kann von einem

er gerade neben Ihnen. Ist da eine besonde-

gleichberechtigten Miteinander in Köln noch

re Beziehung entstanden?

lange nicht die Rede sein. Es gibt immer weni-

Henriette Reker: Das kann man wirklich

ger Parkbänke, auf denen man sich einfach

sagen. Ich hatte ja gerade die aktuelle Aus-

mal niederlassen kann. Dabei ist für viele

gabe vom DRAUSSENSEITER gekauft. Ich

Obdachlose der Weg über die Schwelle einer

schätze dieses Magazin als eine wichtige

Einrichtung oft ein sehr großer Schritt. Es

andere Stimme der Stadt. Wir haben noch

stellt sich mehr und mehr die Frage nach

ein Foto zusammen gemacht, bevor ich

dem Ausbau einer aufsuchenden Sozialar-

mich dem nächsten Menschen widmen

beit, um die Abwanderung von Menschen in

wollte, um meine Wahlkampf-Rosen aus-

Foto: Katharina Stohr/Stadt Köln

wachen, dass es nicht so eine Exklusivge-

lll

dr. harald rau (54, parteilos) …

…ist neuer Sozial-, Umwelt- und Gesundheitsdezernent der Stadt Köln. Damit tritt er die Nachfolge von Oberbürgermeisterin Henriette Reker an, die bis zu der Annahme ihrer Wahl im Oktober vergangenen Jahres dieses Amt innehatte. Zu seinem künftigen Geschäftskreis gehören in seinem Dezernat das Amt für Soziales und Senioren, das Gesundheitsamt, Amt für Wohnungswesen, Umwelt- und Verbraucherschutzamt mit der Koordinationsstelle Klimaschutz, die Stabsstellen EU-Osterweiterung und „Diversity“, sowie das kommunale Integrationszentrum und die Geschäftsstelle für den Integrationsrat. Außerdem vertritt er die Stadt Köln bei der Steuerung des Jobcenters und den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben. 7


stadthilfe

Die Hilfe ist gefragt: An der ersten Station am Breslauer Platz ist der Bollerwagen dicht umlagert. Foto: H. Marie Breer

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stadthilfe

Mit dem Bollerwagen auf „Versorgungs-Tour“ Freunde der Kölner Straßen und ihrer Bewohner e.V. von H. Marie Breer

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stadthilfe

Leere Töpfe am Ende freut die Helfer der „Freunde der Kölner Straßen“, die schon mal eine Strecke von sechs bis sieben Kilometer an einem Abend bewältigen.

Die Helfertruppe ist groß geworden mit der Zeit. Manche gehen regelmäßig mit, andere nur mal zwischendurch. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen – Ingenieure sind darunter, Handwerker, Lehrer, Studenten, und auch ehemalige Obdachlose wie Ralf. „Keiner von uns ist ein professioneller Sozialarbeiter und das ist in unserem Fall auch gut so, da uns das einen anderen ‚Zugang‘ verschafft und man sich wirklich auf menschlicher Ebene begegnet und nicht auf beruflicher“, heißt es in einer Vorstellung des Projektes im Internet. Sie eint der Gedanke, dass sich nicht die ganze Welt verändern lässt, aber dass sie

S

sich – direkt vor der eigenen Haustür – ein ie schauen nicht weg, sie kümmern

beladenen Bollerwagen los. An Bord

wenig liebenswerter gestalten lässt.

sich. Sie packen an und hören zu.

haben sie etwas Warmes zu Essen, Obst,

Gefunden haben sie sich über soziale

Regelmäßig ziehen die „Freunde der

Getränke, Kleidung und sonstige not-

Netzwerke, darüber halten sie Kontakt,

Kölner Straßen und ihrer Bewohner“ am

wendige Dinge, die sie an „Straßenbe-

tauschen sich aus und gewinnen neue Mit-

Abend los, um Obdachlose und andere

wohner“ weitergeben. Die Spenden

streiterInnen. Und oft gerät einer ganz

Hilfsbedürftige mit Proviant und weiteren

stammen von Privatleuten (Arzu Misch-

zufällig in den aktiven Helferkreis, wie

notwendigen Dingen zu versorgen. Eben-

koff: „Es gibt auch immer wieder Freiwil-

Alex: „Ich wollte eigentlich nur eine Klei-

so wichtig wie die Sachspenden sind den

lige, die etwas kochen“) und von Restau-

derspende abgeben.“ Das war im Mai

ehrenamtlichen Helfern die persönlichen

rants. Die Versorgungs-Touren beginnen

vergangenen Jahres. „Ich bin einfach hän-

Gespräche mit den Menschen.

am Breslauer Platz und führen über

gen geblieben“, sagt er lachend.

Einfach mal anfangen, das war der

Hohe Straße, Schildergasse und Rudolf-

Grundgedanke von Arzu Mischkoff. Die

platz über den Eigelstein zurück zum

36-jährige Kölnerin trommelte zur Jahres-

Breslauer Platz. Sechs bis sieben Kilome-

wende 2014/15 ein paar Freunde zusam-

ter bewältigen die Helfer und treffen

men und startete mit viel Engagement

dabei meist mit 60 bis 70 „Straßenbewoh-

und Improvisationstalent die erste „Ver-

nern“ zusammen.

sorgungs-Tour“. Mittlerweile sind die

„Ja, ich komme immer mal wieder vor-

„Freunde der Kölner Straßen“ fester

bei und hol mir was zu essen“, sagt Rein-

Bestandteil der ehrenamtlichen Obdach-

hold. Keine Arbeit, keinen festen Wohnsitz

losenhilfe in Köln und haben sich als ein-

– mehr möchte er erst einmal nicht von

getragener gemeinnütziger Verein eine

sich erzählen. Den Helfern ist das egal. Sie

rechtliche Basis geschaffen.

kommen „mit offenem Herzen und offe-

Die Ehrenamtler ziehen in der Regel zweimal in der Woche mit bis zu vier voll

10

nem Ohr“, drängen nicht, nehmen sich Zeit, Vertrauen aufzubauen.

lll

weitere infos

Wer Mitglied im Verein werden möchte, kann im Internet einen Antrag ausdrucken: www.fdks-obdachlosenhilfe.de Das Projekt trägt sich nur durch Spenden: GLS Bank Bochum IBAN: DE25 4306 0967 4097 2082 00 BIC: GENODEM1GLS


stadthilfe

Mit voll beladenen Bollerwagen geht ProjektGründerin Arzu Mischkoff (zweite von links) mit anderen ehrenamtlichen Helfern auf Versorgungs-Tour.

Hat die „Freunde der Kölner Straßen und ihrer Bewohner“ erfolgreich zusammengetrommelt: Arzu Mischkoff.

Fotos: H. Marie Breer

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stadtkultur

Quelle: Akademie der Künste

PLURIVERSALE V vom 2. September – 16. Dezember 2016 Die diesjährige Herbstausgabe der PLURIVERSALE V – organisiert von der Akademie der Künste der Welt – wird sich mit Migration, kultureller Entwurzelung und den damit verbundenen Formen struktureller Gewalt auseinandersetzen. Die PLURIVERSALE ist eine zwei Mal pro Jahr stattfindende, interdisziplinäre und internationale Veranstaltungsreihe mit nicht-westlichen Schwerpunkten. Ort der Veranstaltungen ist Köln. Während ferne Metropolen sich in Kriegszonen verwandeln, teilen in den vorgeblich friedlichen Städten des Westens Verdrängung, Überwachung und Militarisierung städtische Räume in scharf voneinander getrennte Abschnitte auf. Geflüchtete, die in ihren Herkunftsländern körperlichem Leid entronnen sind, treffen anschließend auf subtilere und manchmal noch heimtückischere Formen von Gewalt. Althergebrachte fremdenfeindliche Muster treffen auf neue Methoden erzwungener Eingliederung.

Mareike Theile & Dominik Müller

Urban War Stories 11.9. – 6.11.2016

Köln ist eine merklich vom Krieg geprägte Stadt. Im Schutz ihrer massiven mit-

In einem dichten Programm aus Gesprächen, Filmvorführungen, Installationen, Performances, Konzerten, Diskussionen und einer Ausstellung beschäftigen sich Künstler, Filmemacher und Musiker mit den realen Gegebenheiten von Krise und Unterdrückung.

telalterlichen Stadtmauern überstand sie epochale Schlachten, bis sie im Zweiten Weltkrieg durch die Flächenbombardements der Alliierten fast vollständig zerstört wurde. Heute suchen Kriegs-

Die PLURIVERSALE V wird die Themen rund um Fragen des Kolonialismus und die Stadt Köln fortführen, welche die soeben erfolgreich zuende gegangenen PLURIVERSALE IV erkundet hat. Was ist Kolonialismus und welche Rolle spielt er für die Gegenwart? Haben Kolonialismus und Rassismus so selbstverständlich Eingang in unsere Wahrnehmung und unser alltägliches Verhalten gefunden, dass wir uns dessen gar nicht mehr bewusst sind? Sind sie längst ein selbstverständlicher Teil unserer politischen Kultur geworden? Inwiefern bestimmen derart tradierte Denkmuster, wie wir uns selber und wie wir andere sehen?

flüchtlinge aus aller Welt in Köln Zuflucht. Wie hat sich der Krieg in die Topografie der Stadt eingeschrieben, welche Geschichten hat er hinterlassen und was passiert, wenn sie sich mit Erfahrungen aus anderen, entfernteren Konflikten überschneiden? Diesen Fragen gehen Mareike Theile und Dominik Müller in ihrem Projekt Urban War Sto-

Teilnehmende Künstler sind u.a.:

ries nach. Zeitzeugenberichte über die Bombardierung Kölns, Hitlers Pläne für

Bakhtyar Ali Arjun Appadurai Rochus Aust Uriel Barthélémi Madhusree Dutta Tamer El Said Mona Kakanj Gintersdorfer/Klaßen Lawrence Abu Hamdan

Louis Henderson Birgit Auf der Lauer und Caspar Pauli Bonaventure Ndikung Mazzay Rap Band Avi Mograbi Sina Seifee Christian von Borries Katarina Zdjelar Želimir Žilnik

den Wiederaufbau der Stadt und die Napoleonischen Kriege – die Teilnehmer ihrer performativen Stadtwanderungen werden an sechs Sonntagen von der Vergangenheit in die Gegenwart einer Stadt geführt, die heute vieles zugleich ist: eine Spielwiese für War Gamer, eine Drehscheibe der Rüstungsindustrie und für Flüchtlinge ein Hindernisparcours der Institutionen. Mareike Theile und Dominik Müller, beide Theaterwissenschaftler und als

Das komplette Programm > www.academycologne.org

Mitglieder von Theaterkollektiven in der Freien Szene aktiv, lernten sich 2011

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stadtkultur

kennen. Er arbeitet für das Impulse The-

Das Künstlerduo Birgit Auf der Lauer und

ater Festival, sie am Theater an der

Caspar Pauli projiziert die ambivalente

Ruhr. Urban War Stories ist ihr erstes

Praxis des Menschenschmuggels auf den

gemeinsames Projekt.

Ebertplatz in Köln, einem autogerechten, von einer Fußgängerunterführung

l So, 11.9.2016 / 15:00

durchschnittenen, bombenkraterähnli-

Oral History. Erzählung eines Augenzeugen l So, 25.9.2016 / 15:00 Nachschub. Erzählungen der Industrie l So, 9.10.2016 / 15:00 Stadtsoldaten. Erzählung eines Funken l So, 16.10.2016 / 15:00 Virtual Reality. Erzählung eines Kriegsspielers l So, 23.10.2016 / 15:00 Wiederaufbau. Erzählung eines Architekten l So, 6.11.2016 / 15:00 In Köln. Erzählung nach der Flucht

chen Ort. In ihrem Projekt Grenzfährservice III laden sie das Kölner Publikum zu einer Stadtwanderung ein, ergänzt durch eine Installation in der Projektgalerie LABOR. In der Rolle von Schleusern entwerfen sie ein alternatives Bild von Menschenschmugglern als Brücken-

Avi Mograbi

Between Fences

France, Israel 2016 (film still) Filmvorführung und Gespräch 20.10.2016 • 20:00 • 3 €

bauern, Geschichtenerzählern und Vorboten von Veränderungen. Das Berliner Künstlerduo Birgit Auf der Lauer und Caspar Pauli arbeitet seit dem

Avi Mograbi, Between Fences, 85', Frankreich, Israel 2016, Farbe, Hebräisch, Tigrinya mit englischen UT

Studienabschluss 2011 (UdK Berlin und

Dauer: 90 Minuten • Freier Eintritt Treffpunkt: ACADEMYSPACE, Herwarthstraße 3, 50672 Köln Anmeldung erbeten unter uws@academycologne.org

KHB) zusammen. 2014 erhielten sie eine Förderung des ifa-Programms Künstler-

Ort: Filmforum im Museum Ludwig, Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln

kontakte, 2015 ein dreijähriges Atelierstipendium des BBK Berlin. Performances im Rahmen ihres Projekts Grenzfährser-

Anschließendes Gespräch in englischer Sprache

vice waren 2015 beim 2. Berliner Herbstsalon am Maxim Gorki Theater in Berlin Foto: Paul Holdsworth

zu sehen.

In Kooperation mit der ifs internationale filmschule köln

l Fr, 30.9.2016 / 19:00 Foto: Akademie der Künste

Ausstellungseröffnung l So, 30.10.2016 / 19:00

Finissage Öffnungszeiten des Galerieraums: Fr / Sa: 17:00 – 19:00

Birgit auf der Lauer & Caspar Pauli

Grenzfährservice III 30.9. – 30.10.2016

Wenn Flüchtlinge auf dem Weg in die EU ums Leben kommen, beschuldigen die Medien in der Regel die Schleuser, die die Migranten an ihr Ziel bringen, ohne groß Fragen zu stellen. Schleuser

Stadtwanderungen: l Sa, 1.10.2016 / 16:00 > So, 2.10.2016 / 16:00 l Sa, 8.10.2016 / 16:00 > So, 9.10.2016 / 16:00 l Fr, 28.10.2016 / 16:00 > Sa, 29.10.2016 / 16:00 > So, 30.10.2016 / 16:00 Dauer: bis zu drei Stunden • Freier Eintritt Die Stadtwanderungen finden bei jedem Wetter statt, bitte entsprechende Kleidung tragen und Kleingeld für öffentliche Verkehrsmittel mitbringen.

ermöglichen die Einwanderung, für sie sind Flüchtlinge nichts anderes als „Reisende“. Ihr Ziel ist allein der erfolgreiche Transfer über geschlossene Grenzen ent-

Ort: LABOR, Ebertplatzpassage 5, 50668 Köln Gemeinsame Veranstaltung mit LABOR

Felipe Castelblanco & Borderless TV

Fernsehen als Selbstbestimmung Videovorführung und Gespräch 17.11.2016 • 19:00 • Freier Eintritt

Ort: ACADEMYSPACE, Herwarthstraße 3, 50672 Köln In deutscher Sprache

lang der kolonialen Verbindungswege – nun allerdings in umgekehrter Richtung.

Gemeinsame Veranstaltung mit CAT Cologne 13


bonse

Clemens-Josef-Haus

Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de

Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen

Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen

Arbeiten

Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung

Pflegewohnheim

begleiten und fördern I beraten und anleiten

Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause

14


kommentar

FREUDE AM SCHEITERN

Zukunft hinter sich. Und die früher gepflegte und sorgsam gehegte Erkenntnis der Debattenkultur, dass es im politischen Diskurs nie um die „Wahrheit“ gehen darf,

von Friedrich Graf von Westphalen

A

Abstimmung nicht zulässig ist, droht an ngela Merkel hat vor kurzem in

blanke Häme, dass die Politik der Kanzle-

ihr Ende zu kommen. Immer nur darf es

einem ganzseitigen Interview einen

rin möglichst bald „scheitert“. Das gilt für

ja – das ist das demokratisch-freiheitliche

höchst bemerkenswerten Satz

die Flüchtlingsfrage, für den Deal mit der

Credo – um das Obsiegen des sachgerech-

gesagt. Sie irritiere, so führte sie aus, die

Türkei, für ihre Politik in Europa, aber

teren, mit guten und besser einsichtigeren

„Freude am Scheitern“ der Politik, die

auch für die noch gehegte Hoffnung der

Gründen versehenen Arguments gehen,

landauf, landab zu beobachten sei. „Freu-

Kanzlerin, dass der „Brexit“ nicht kommt,

an dem dann Politik Maß nehmen muss.

de am Scheitern“ als ein irritierendes

dass der Euro als Währung alle noch dro-

In dieses Arsenal aber gehört nicht die

Erlebnis der Regierungschefin – das ist ja

henden Turbulenzen überlebt, dass Liby-

„Freude am Scheitern“ der Politik, son-

nicht als Reaktion auf die politische Oppo-

en sich wieder stabilisiert, dass nur noch

dern eben nur die „Freude“ daran, dass

sition zu verstehen. Denn jede politische

sehr wenige Menschen auf der Flucht im

der gegenläufige, alternative Ordnungs-

Opposition – die Linke wie die AfD – leben

Mittelmeer ihr Leben lassen und der Syri-

entwurf einer politischen Lösung für

davon, dass die amtierende Regierung

en-Krieg bald beendet werden möge. Eine

unser Gemeinwesen bei den Bürgern am

scheitert und von den Wählern abgewählt

solch hämische „Freude am Scheitern“,

Wahltag Erfolg hat. Wäre es anders, würde

wird. Das ist – so gesehen – politischer

die letztlich alle Politikfelder – auch die

ja – und dies ist dann die Steigerung ins

Alltag. Der Wähler als der demokratische

der Innenpolitik (Stichwort: Integrations-

Fatale – diese, die Kanzlerin irritierende

Souverän entscheidet über das je bessere

politik) – erfasst, wirkt für den politischen

„Freude“, die Häme des Bürgers auch auf

politische Programm, das ihm die Parteien

Diskurs wie eine ätzende Lauge, die alles

ein durchgängiges „Scheitern“ der politi-

– repräsentiert durch die handelnden poli-

zersetzt.

schen Eliten gerichtet sein. Davon ist

Ein Blick in die sozialen Medien belegt

inzwischen freilich schon zu oft und zu

Doch die von der Bundeskanzlerin kon-

das Gemeinte zur Genüge. Die unge-

ausführlich die Rede, weil Argwohn und

statierte, sie irritierende „Freude am

bremste Aggressivität hat vielfach die

Misstrauen vieler Bürger an der „Politik“

Scheitern“ der Politik ist in Wirklichkeit

Oberhand und beansprucht für sich

und über die etablierten Politiker nur

ganz und gar eindimensional. Hinter

jeweils die „Wahrheit“ der politischen

noch eine Verweigerungshaltung mit ein-

ihr verbirgt sich nämlich kein

Aussage als Monopol. Das aufmerksame

fachen Antworten gebären, die als Zerr-

anderes politisches Pro-

Hinhören auf das Sachargument des

bild der Wirklichkeit unserer „res publica“

gramm, sondern eben nur

Andersdenkenden hat in sehr

ins Einseitige und oft Maßlose in den sozi-

vielen Fällen bereits die

alen Medien verstärkt werden.

Foto: Frank Bluemler

tischen Eliten – präsentieren. Foto: Christoph de Haar

weil über sie eine auf Mehrheit zielende

lll

zur person

Gastautor Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen ist von Hause aus Rechtsanwalt und Publizist, sowie Honorarprofessor der Universität Bielefeld. Auf den DRAUSSENSEITER wurde der begeisterte Musikhörer aus Köln durch einen netten Straßen-Verkäufer vor der Philharmonie aufmerksam. Er kaufte das Heft, las es von vorne bis hinten durch und schrieb eine Mail an die Redaktion. Seit nun mehr fünf Jahren gehört er zum freien Mitarbeiter-Stab unseres Straßenmagazins. 15


aus aller welt

16

csaba

emelie

anne

khan

kalju

bertil


aus aller gedicht welt

jesper

lakos

lilemor

Fotoprojekt:

Was schwedische Verkäufer nach der Arbeit machen von Laura Smith / Fotos: Hükan Ludwigson

marie

franz

17


aus aller welt

Das schwedische Straßenmagazin Faktum hat zwei Fotografen beauftragt, festzuhalten, wie die Verkäufer der Straßenzeitung nach der Arbeit ihre Zeit verbringen. Dabei sind dynamische und offene Porträts entstanden, die die Verkäufer an den verschiedenen Plätzen zeigen, die sie ihr Zuhause nennen. Die Fotos bilden die Grundlage für den aktuellen Kalender des Magazins, der den Titel „Thank God It’s Friday“ trägt.

A

18

rbeiten, nicht betteln. Das ist ein

tum-Leser geschenkt hat; während Anne

Brücke. Jeder der Orte war auf dem Kalen-

Mantra, das sich viele Straßenzei-

bei einer Freundin auf der Couch gestran-

der abgebildet. Die Straßenzeitung Fak-

tungen auf der ganzen Welt zueigen

det ist, die sie mit ihrem treuen Hund

tum, die dieses Jahr ihr 15-jähriges Beste-

gemacht haben und das sehr erfolgreich

Tjabo teilt, sind ihre wenigen Habselig-

hen feiert, stellt seit 2010 solche Kalender

die Tatsache unterstreicht, dass die Verkäu-

keiten in einem kleinen Schrank dane-

her. Das Projekt ist für die Verkäufer zu

fer für ihren Lebensunterhalt hart arbei-

ben verstaut. Aus diesen Bildern besteht

einer wichtigen zusätzlichen Einkom-

ten. Dennoch werden nur wenige in der

der Kalender für das Jahr 2016, der den

mensquelle im Winter geworden und ist

Bevölkerung wissen, was ihr Verkäufer

Titel „Thank God It's Friday“ trägt.

so beliebt, dass viele Leser ihre Kalender

nach einem langen Arbeitstag macht –

„’Thank God It's Friday’ ist ein Ausdruck,

schon Monate im Voraus bestellen. Der

oder inwiefern sich das von ihren eigenen

den alle von uns mit etwas Schönem ver-

Kalender 2016 kann bei einem Fak-

Gewohnheiten nach Feierabend unter-

binden, zum Beispiel damit, nach der

tum-Verkäufer oder online für umgerech-

scheidet. In Schweden wurden diese priva-

Arbeit mit Freunden etwas trinken zu

net 16,22 Euro erworben werden. Die

ten Momente jetzt von der Göteborger

gehen und über die Woche zu sprechen“,

Verkäufer kaufen den Kalender für die

Straßenzeitung Faktum enthüllt, die einen

fügt Henell hinzu. „Wir wollten diese

Hälfte ein und behalten den Erlös.

Fotografen des Magazins Condé Nast Tra-

Redewendung in einen anderen Kontext

Bertil Schmidt lud die Fotografen in

veller dafür gewinnen konnte, unverstellte

setzen, indem wir die Freitage unserer

sein Zuhause ein, das er sich dank Faktum

Fotos von Verkäufern an den unterschied-

Verkäufer zeigen – die ganz anders aus-

leisten kann. Der Verkauf der Straßenzei-

lichen Orten aufzunehmen, die sie ihr

sehen können.“

tung half im außerdem, seine sozialen Ängste zu überwinden.

Zuhause nennen. „Wir wollen zeigen, dass

Die Fotos hat der Fotokünstler Håkan

die Menschen, die Straßenzeitungen ver-

Ludwigson aufgenommen, der schon seit

Auf dem Foto steht Schmidt stolz in

kaufen, einen Job haben wie alle anderen

langem für das Magazin Condé Nast Tra-

seinem Apartment, das er jetzt mit seinem

auch, denn viele Leute glauben, sie würden

veller arbeitet, zusammen mit seinem

Hund und drei Katzen teilt. „Anstatt den

ihr Geld einer Wohltätigkeitsorganisation

schwedischen Kollegen Bo Kågerud.

Kunden zu sagen, dass ich da drin bin,

spenden, wenn sie eine Straßenzeitung

Håkan hat schon früher mit Faktum

erzähle ich ihnen, dass die Katze drin ist

kaufen“, so Faktum-Chefin Åse Henell.

zusammengearbeitet, und zwar an dem

– den Rest müssen sie sich dann selbst

„Außerdem wollen wir darauf aufmerksam

innovativen und äußerst erfolgreichen

denken!“, sagte er.

machen, wie unsere Verkäufer leben, wenn

Kalender „Faktum Hotels 2012“. Der

„Ich glaube, der Kalender ist echt gut

sie mit der Arbeit fertig sind.“

Kalender und die dazugehörige Website

geworden, er verkauft sich so viel besser

Das Zuhause der rumänischen Brüder

regten die Menschen dazu an, ein „Hotel-

als letztes Jahr!“

Victoras und Cristinel befindet sich vor

zimmer“ an einem Ort zu buchen, an dem

einer Kirche im Zentrum Göteborgs; Csa-

ein obdachloser Mensch gezwungen sein

ba aus Ungarn findet Unterschlupf in

könnte zu schlafen, zum Beispiel im Wald,

dem Wohnwagen, den ihm ein Fak-

an einer Straßenecke oder unter einer

Mit freundlicher Genehmigung von INSP News Service www.INSP.ngo Übersetzung: Sonja Häußler


aus aller welt

Csaba stammt aus

Anne und ihr Hund

Bertil ist ein vertrautes

Ungarn. Er verkauft

Tjabo wohnen bei einer

Gesicht in Göteborgs

Faktum und spart so

Freundin auf der

Einkaufszentrum Nord-

viel er kann. Er lebt in

Couch. Auf dem kleinen

stan. Der Verkauf der

einem gebrauchten Wohnwagen in der

Tisch neben ihr liegen all ihre Habseligkei-

Straßenzeitung hat ihm geholfen, seine

Nähe einer Kirche in Mölndal. Den Wohn-

ten; ein Bild von George Harrison und

sozialen Ängste zu überwinden und eine

wagen hat ihm ein Kunde geschenkt, der

alles, was sonst noch wichtig ist. Anne ist

dauerhafte Bleibe zu finden. Er lebt mit

inzwischen ein guter Freund von ihm ist.

bereits eine eigene Unterkunft angeboten

seinem Hund und drei Katzen in einem

worden, aber dort hätte sie ihren Hund

Apartment.

nicht halten dürfen. Deshalb teilen sie sich Emmelie hatte ein

weiterhin die Couch. Marie ist schon Groß-

schweres Leben, geprägt von Missbrauch, Dro-

mutter und denkt dauKhan glaubte, er hätte

gen und so genannten

ernd an ihre Kinder

Freunden, durch die sie sich noch schlech-

seine große Liebe

ter fühlte. Der Wendepunkt kam, als sie in

gefunden, als er in Indi-

Wunsch ist es, dass sie sie besuchen kom-

en ein schwedisches

men, aber im Moment ist die Wohnung, in

einem Behandlungszentrum ihren Freund

und Enkel. Ihr größter

Matthias kennenlernte. Jetzt leben sie

Mädchen kennenlernte. Sie wurde

der sie lebt, nichts für Kinder. Marie

zusammen in Jönköping und haben ganz

schwanger, fuhr wieder nach Hause und

braucht Routine, es tut ihr gut, Faktum zu

neu angefangen. Faktum zu verkaufen hilft

Khan reiste ihr nach. Aber die Beziehung

verkaufen, weil sie dann aus dem Haus

ihr, voran zu kommen. „Heute bin ich clean

ging in die Brüche. Jetzt verkauft Khan

und unter Leute kommt.

und es geht mir gut“, sagt Emmelie.

Faktum, damit er in Schweden bleiben und seinen Sohn sehen kann. „Wenn ich meinen Lebensunterhalt nicht selbst

Frans ist Künstler und

Jespers Leben verän-

bestreiten kann, habe ich keine Chance

malt in seiner Woh-

derte sich vollkommen,

auf ein geteiltes Sorgerecht“, sagt er.

nung. Er will seine Kunst verkaufen und

als er bei einem Auto-

hat seine Werke bereits in mehreren Aus-

unfall schwer verletzt wurde. Der Unfall wirkte sich auch auf sei-

Lillemor blüht auf,

ne Psyche aus. Jesper ist sehr künstlerisch

wenn sie Faktum ver-

veranlagt. Durch den Verkauf von Faktum

kauft. Sie liebt es, Leute

hat er eine tägliche Routine und kommt

zu treffen und sich aus-

stellungen gezeigt.

Die Brüder Victoras und Cristinel stam-

auch mit seinen Ängsten besser klar.

giebig mit ihnen zu unterhalten – sowohl

men aus Rumänien. Sie sind nach Göte-

Manchmal findet er Farbdosen, die er

mit Kunden als auch mit Kollegen. Sie lebt

borg gekommen, um zu arbeiten und Geld

dann mit zu sich nach Malmö nimmt, wo

in Malmö und sammelt Porzellanfiguren.

zu verdienen, das sie an ihre Familie in

er wohnt; die Toilette seiner Unterkunft

Jedes Jahr an Weihnachten holt sie ihre

Rumänien schicken können. Aber es ist

benutzt er auch als Atelier.

kostbare Sammlung heraus, die aus 280

schwierig, Arbeit zu finden, selbst für Cris-

Figuren besteht.

tinel, der ausgebildeter Koch ist. Beide verkaufen Faktum und leben vor einer Kirche

Lakos sagt, dass die

in der Stadtmitte, die denjenigen, die nir-

Natur magisch sei. In

Kalju ist klug und rede-

ihr manifestiere sich die

gewandt. Er verkauft

Macht unseres gesam-

am späten Nachmittag

ten Universums. Er lebt in einem Zelt in

gendwohin können, Schutz bietet.

und abends, wenn die

der Nähe des Göteborger Friedhofs und ist

Leute nach Hause gehen beziehungsweise

sowohl Naturphilosoph als auch Musiker.

wieder ausgehen. Er hofft, genug Geld zu

Aber er ist traurig, weil ihm seine Geige

sparen, um in eine andere Unterkunft

gestohlen wurde. Jetzt trägt er seine Instru-

umziehen zu können.

mente und andere wichtige Gegenstände immer bei sich, wenn er das Zelt verlässt.

19


cartoon/kolumne

Cartoon: Heiko Sakurai

TAMARAS BLICK

das fleisch und ich

einem leckeren Steak mit Pommes war,

die Fleisch essen, dieses jeden Tag machen

hörte ich noch mit einem Ohr etwas von

… nee, ich achte schon drauf, was ich esse

N

Rabenmutter, Mörderin und Ähnlichem

und wo es herkommt, trotzdem bin ich

eulich abends auf einem Spie-

und: „Ich esse Käse, lebe also vegetarisch.“

deswegen keine Mörderin. Sah leider fast

le-Abend, da kam die Frage die

Sollte ich die Bombe platzen lassen? „Für

jeder in diesem Wohnzimmer anders. Tja,

heute wohl viele stellen …„Seit

Käse werden aber auch Tiere getötet“,

Abendrunden unterhalten ist halt meine

wann lebst du denn vegan?“ Äh ich …

antwortete ich. Ich erzählte vom armen

Stärke – sie zu sprengen offenbar auch.

seit gerade, heute Morgen hatte ich

Kalb, das brutal der Mutter entrissen wird

noch ein Fleischwurstbrötchen.

… und was soll ich sagen? Der Abend war

Großes Entsetzen und bitterböse Blicke, die mich trafen.

20

gelaufen, nachdem die Dame weinend die Wohnung verließ und immer wieder was

„Was??? Du tötest Tiere???“

von einer Kuh und ihrem armen Kalb

Äh ich … ich dachte das sei Aufgabe von

faselte. Die Welt ist halt so, hat ja mit Mord

Westfleisch. Aber egal, ich dachte, ich

nix zu tun, so ist der Lauf der Dinge, und

mache einfach weiter und schocke alle

es wird so bleiben, egal wie viele Men-

gleich noch mal. „Ja, und nicht nur ich,

schen Fleisch essen, Tiere werden immer

mein Mann und meine Kinder auch. Mei-

getötet werden. Auch für andere Produk-

ne Tochter liebt Wurst in allen Varianten.“

te, aber darüber denken leider die wenigs-

Während ich in Gedanken schon bei

ten nach. Auch denken viele, dass Leute,

lll

Tamara Klein

über die autorin

Tamara Klein, Jahrgang 1975, schreibt seit vielen Jahren für den DRAUSSENSEITER, wenngleich sie eine zweijährige Pause eingelegt hat, aus der sie gerade zurück ist. Diese hat sie nicht nur genutzt, um am Abendgymnasium ihr Abitur nachzuholen, sondern nebenbei noch eine Familie zu gründen. Die 40-Jährige liebt Paris, Literatur und lebt mit ihrem Partner und drei Kindern in Köln.


Buch- und cd-tipps

Regina Schleheck

Violent Femmes

Andrew Bird

Wer mordet schon in Köln?

We can do anything

Are You Serious

Indie | Es ist ein bisschen so, als ob man einen alten Freund wiedertrifft, den man jahrelang aus den Augen verloren hatte oder besser gesagt, von dem man seit Jahren nichts mehr gehört hat. Genaugenommen seit 15 Jahren. Denn so lange liegt das letzte Album der Violent Femmes zurück, einer der irrsten Bands der Popgeschichte. „Femmes“ steht übrigens nicht für Frauen, sondern ist in Milwaukee, der Heimatstadt der Band, ein gebräuchlicher Ausdruck für Weicheier. Die Band heißt also: Gewalttätige Weicheier. Generationen von Heranwachsenden hörten, sangen und tanzten zu Liedern wie „Blister in the Sun“, „Gone Daddy Gone“ oder „American Music“. Die erste LP ist übrigens die meistverkaufte Scheibe der Welt, die es nie in die amerikanischen Top 100 schaffte und die erst nach acht Jahren Platin-Status erreichte. Was zeigt, wie zeitlos die Musik war und ist. Nun sind sie also zurück – und der Freund hat sich kaum verändert. Wieder hört man eine wilde Mischung aus Country, Folk und Punkattitüde. Die Melodien sind eingängig. Gordon Gano singt quengelig und juvenil wie eh und je. Brian Ritchies Bass treibt die Lieder munter voran. Dazu scheppert ein Schlagzeug. Ab und an tauchen sogar die „Horns of Dilemma“ auf, ein Bläsersatz, der die zweite Platte dominierte. Nur ein wenig kurzatmig ist der Freund geworden. Gerade mal 30 Minuten dauert seine Erzählung. Natürlich ist der Zauber der ersten Begegnung verflogen. Er wird nie wieder kommen. Aber dennoch freut man sich, den alten Knaben wiederzusehen. Das Gefühl der Vertrautheit stellt sich sofort ein und Spaß hat man sowieso. Es ist ein gelungenes Wiedertreffen. Jens Hüttenberger

pop | Andrew Bird ist ein Solitär im Musikgeschäft. Seit nun mehr 20 Jahren durchstreift der Multi-Instrumentalist die popmusikalische Landschaft. Er geht dabei seltsame Pfade; spielt erst Swing, dann Indie-Rock, später Pop und Country, zuletzt Instrumentalmusik. Immer am Mainstream vorbei, dennoch füllt er zumindest in den USA große Hallen und tritt in Talkshows auf. Das hat seine Gründe: Erstens sind ihm eingängige Melodien nicht fremd. Zweitens besitzt er eine glasklare Stimme. Drittens sind sein Geigenspiel und sein Pfeifen dermaßen charmant, dass man davon leicht gefangen wird. Vor allen Dingen ist er ein großer Ästhet. Mit „Are You Serious“ legt er nun sein 13. Album vor und es bewegt sich wieder Richtung Pop. Er selbst meint, es sei sein persönlichstes, da es sich wohl in weiten Teilen um die – mittlerweile überstandene – Krankheit seiner Frau dreht. Herzstück der Scheibe ist somit auch ein Liebeslied: „Left Handed Kisses“, ein Duett mit der ebenso einzigartigen Fiona Apple. Bird mimt den liebesernüchterten Zyniker, Apple mit bezaubernder Whiskystimme die Romantikerin. In den anderen Stücken zelebriert er Pop in all seinen Facetten. Hier ein Funkrhythmus, da ein Rock-Riff, hier etwas Afro-Pop, da ein wenig Country. Mal lässt er den Song laufen, mal unterbricht er ihn und gibt ihm plötzlich eine andere Richtung. Das ist klug kalkuliert; die Lieder werden nicht eintönig und gewinnen beim mehrmaligen Hören. Manche schimpfen diese Art des Musizierens verkopft. Aber so sind Ästheten nun mal. Doch Schönheit siegt. Jens Hüttenberger

Es ist schon erstaunlich, dass den Kölner Krimiautoren der Stoff nie auszugehen scheint. Aber eine Multikulti-Metropole wie Köln bietet eben Steilvorlagen ohne Ende für das beliebteste Genre auf dem Buchmarkt: Solche mit historischen Bezügen römischen, französischen, preußischen, jüdischen - oder „et hillije Köln“ in Person der Stadtpatronin Ursula. Neben dem Tatort Rhein bieten sich die Medien-, Museums- und Schwulen-Szene an. Noch ein bisschen „Jeföhl“ beigefügt, landet man schnell beim Karneval, Komödiantenkultur, Kölschen Klüngel und dem FC Köln. Der besondere Kniff bei Regina Schlehecks neuem Krimi-und Freizeitführer „Wer mordet schon am Rhein?“ ist in der Tat die Verwebung von elf bitterbösen Geschichten mit informativen Hintergründen zur Domstadt – ein Freizeitführer der besonderen Art. Schade nur, dass dem Buch kein Kartenmaterial beigefügt wurde, wo es sonst schon viel Wert auf Übersichtlichkeit und Markierung von touristischen Orten legt. Aber warum nicht einfach mal in Gedanken durch Köln spazieren, denn Schlehecks neuestes Werk ist tatsächlich zunächst ein reines Lesevergnügen. Die Autorin aus Leverkusen – für ihre Kurzgeschichten mehrfach ausgezeichnet – ist nämlich die Meisterin der Gänsehaut: Man ahnt beim Lesen, dass vielleicht doch der heimische Balkon der sicherere Ort ist, wenn man noch ein paar Jährchen am Leben bleiben möchte. Köln kann also warten. Die Lektüre aber nicht. (cb) Regina Schleheck: „Wer mordet schon in Köln?“ Der kriminelle Freizeitführer: 11 Krimis und 125 Freizeittipps, Gmeiner Verlag, 978-3-8392-1962-1, 9,99 Euro

Andrew Bird „Are You Serious“, Label: Concord Records, 2016, CD 16,99 Euro, MP3 9,99 Euro

Violent Femmes „We Can Do Anything“, Pias Recordings (rough trade), 2016, CD 12,99 Euro, MP3 9,49 Euro, Vinyl 17,99 Euro

21


Aus der OASE

Vertriebskooperation mit Vringstreff und GULLIVER

Karl-Heinz Kreutzmann und ein Mitstreiter Anfang der 90er Jahre auf der Beerdigung von Knut, der auf dem Gräberfeld für Wohnungslose beerdigt wurde. Foto: Branislav Sattelmeyer

Im März 1996 wurde der Verein Oase – Benedikt Labre e.V. gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Wohnungslosen und Menschen in sozialen Schwierigkeiten zu helfen. Nach Stationen am Zülpicher Platz, in der Machabäerstraße und Buchheimer Straße zog die Einrichtung auf die Siegburger Straße. Heute hat sie ihren Sitz auf der Alfred-Schütte-Allee, im Haus der Wasserschutzpolizei. Gigi fertigte damals das erste Türschild in der Werkstatt des Künstlers Gilbert Flöck an. Foto: OASE-Archiv

Wie wir wurden, was wir sind:

DIE OASE

A

nlässlich des 25-jährigen Vereins-Ju-

Jesu am Zülpicher Platz nutzen, die soge-

biläums haben wir für Sie mal ins

nannte OASE. Dort entstand auch die Idee

OASE-Fotoarchiv geschaut. In den

einer eigenen Straßenzeitung als Sprach-

kommenden Ausgaben erinnern wir uns

rohr und als Möglichkeit, toten Berbern

auf jeweils einer Seite an vergangene Zei-

zu gedenken. Die erste Ausgabe der BANK

ten. Wer selbst etwas dazu beitragen

EXTRA (heute DRAUSSENSEITER)

möchte, Fotos, Erinnerungen und Glück-

erschien im Juni 1992 und gilt somit als

wünsche, ist herzlich dazu eingeladen.

erste Straßenzeitung Deutschlands.

Auf einer Beerdigung eines obdachlo-

Hand in Hand gingen gerade in den

sen Punks auf dem Südfriedhof beschlos-

90er Jahren viele Einrichtungen der Woh-

sen seine Freunde, dass es so nicht weiter-

nungslosenhilfe gemeinsam mit den

gehen kann. Das war im Frühjahr 1992.

Betroffenen auf die Straße, um gegen

Durch den Geistlichen Karl-Heinz Kreutz-

Missstände von Seiten der Stadt aufmerk-

mann (†) konnten die Betroffenen einen

sam zu machen. Als man Anfang die Dom-

Raum hinter der Kirche Herz

platte „aufhübschen“ wollte, indem man die Armen aus dem Stadtbild vertrieb, engagierte sich auch die OASE bei Demonstrationen gegen die Ausgrenzung von Obdachlosen aus der Kölner

Die durch den „Arbeitskreis Umbruch“ schon seit Jahren bestehende gute Zusammenarbeit einiger Kölner Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe wird jetzt vertieft durch eine neue Vertriebskooperation des Straßenmagazins DRAUSSENSEITER, die die OASE mit dem Vringstreff in der Südstadt und dem GULLIVER am Bahnhof eingeht. Ab September können Betroffene, die das niedrigschwellige Beschäftigungsangebot nutzen wollen, die Zeitungen nun in allen drei Einrichtungen erhalten – allerdings nur gegen Vorlage eines Verkaufsausweises. Dieser wird nach wie vor in der OASE ausgestellt, wo die Straßenzeitungsverkäufer auch die Möglichkeit haben, Kleiderkammer und Duschen zu nutzen, eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen und – nach Bedarf – eine Beratung durch die Sozialarbeiter in Anspruch zu nehmen. „Die Ausweitung des Vertriebs auf weitere Ausgabestellen ist sicher für viele Straßenzeitungsverkäufer eine große Erleichterung. Oft ja nur mit kleinen Stückzahlen ausgestattet, können sie sich in Zukunft dort mit Nachschub eindecken, wo sie sich gerade aufhalten“, freut sich Chefredakteurin Christina Bacher über die Kooperation. (cb)

lll

gulliver

Ansprechpartner sind die Sozialarbeiter Abholzeiten: Vormittags: Mo-Do: 08.00-13.00 Uhr Nachmittags: Mo-Do: 15.00-18.00 Uhr

Innenstadt. lll

VRINGSTREFF

Ansprechpartner sind Swen Knott, Dirk Berger und Nicole van Achten Hier im Bild übrigens Rolf Bünger, selbst ehemals Betroffener und lange im Vorstand der OASE. Bis zu seinem Tod im Januar 2016 blieb er dem Verein eng verbunden und beschäftigte sich mit der Frage: „Wem gehört die Stadt?“

22

Abholzeiten während der Postausgabezeiten: Vormittags: Mo-Do: 09.00-12.00 Uhr Fr: 11.00-12.00 Uhr Nachmittags: Mo, Mi, Do: 16.00-17.00 Uhr


Aus der OASE

Walter Herrmann ist tot Walter Herrmann (Jahrgang 1939)

Walter Herrmann in der Kölner

starb am 26.06.2016 an Leukämie. Er

Obdachlosenhilfe herausragend aktiv.

war Kölner Aktivist und Initiator und

Er wird fehlen.

Betreiber der Kölner Klagemauer. Die

Am 04.08.2011 trafen sich Kazuo Soda

ursprüngliche Klagemauer für Frieden

(Jahrgang 1930), Überlebender des

und Völkerverständigung hatte Herr-

Atombombenabwurfs auf Nagasaki

mann im Zuge des Golfkrieges 1991

am 9. August 1945 und Walter Herr-

vor dem Dom aufgestellt. Besucher aus

mann auf der Domplatte, um an die

aller Welt hinterließen auf Pappkarten

grausamen Tage der Atombombenab-

Friedensbotschaften. Für seine frie-

würfe (am 6. August in Hiroshima und

densbewegte politische Botschaft und

am 9. August 1945 in Nagasaki) mah-

ungewöhnliche Protestform erhielt er

nend zu gedenken. Sie nahmen sich

1998 den Aachener Friedenspreis. Sei-

auf der Kölner Domplatte an die Hand

ne in den letzten Jahren an der Klage-

und versprachen, alles Mögliche zu tun,

mauer gezeigte Israelfeindlichkeit und

um der Welt eine Wiederholung zu

Antisemitismus brachte ihm allerdings

ersparen. Text und Fotos: Gerd Bonse

Hallo Freunde,

besonderen Gelegenheiten gibt. Den Rest

hier geht’s rund! Ich habe nämlich ein

waren wir ja erst in Holland unterwegs.

neues Trockenfutter bekommen, das ich

Ich habe wohl öfters im Jahr Geburtstag,

besser verdauen kann. Was soll ich euch

wenn ich mir so überlege, wie viele tolle

sagen? Ich vertrage es gut und es

Sachen wir machen. Bald geht es nach

HOLEN SIE

des Tages haben wir dann relaxt. Kürzlich

schmeckt mir sogar. Außerdem bekomme

Trier. Frauchen muss da was auf einer Ver-

ich eine Physiotherapie – schwieriges

anstaltung erzählen und ich bin natürlich

Wort. Ich werde massiert und sie piksen mir Nädelchen unter die Haut. Das soll mir bei meinen Problemen mit

mit dabei. Zwischendurch laufen wir manchmal mit vielen Leuten durch die Stadt und Frauchen erzählt denen

der Pfote helfen und gut

von mir und ihren Kum-

für meinen Rücken sein.

pels – also von anderen

Bei der ersten Behand-

Obdachlosen. Alle hören

lung war ich ganz schön aufgeregt. Aber Frauchen war immer bei mir und es gab Leckerlis. Dann hatte ich ja

VON DER S

Kölns ältestes Straßenmagazin. Jeden Monat neu.

ihr dabei sehr aufmerksam zu und ich passe gut auf, dass sie nix Falsches sagt. Das sind die berühmten DRAUS-

auch noch Geburtstag. Na, das war was!

SENSEITER-Stadtführungen. Dabei

Erst mal gab’s ganz viele Kuscheleinheiten

machen sie immer viele Fotos, besonders

und dann habe ich Putenhackfleischbäll-

von mir. Mein Dosenöffner ist dann ganz

chen bekommen. Im Nullkommanichts

stolz. Es ist schon toll, die Nummer eins im

war die Schüssel leer. Frauchen hat ganz

Leben von so einem Zweibeiner wie mei-

groß geguckt. Ich fand‘s cool. Komisch nur,

nem zu sein. Jetzt freue ich mich aber erst

dass es solche leckeren Extras nur bei

mal auf Trier. Bis bald, Euer Clayd

lll

DIESES MAGATRZAINSSE.

Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der

Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. Nun habe ich ein gutes Zuhause und ein schönes Hundeleben. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda

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auch sehr viel Kritik ein. Zudem war

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eintritt frei / Abo

Eintritt frei

„Köln – Graffiti im Wandel der Zeit “ Helmut Nick hat über viele Jahre Graffiti in Köln fotografisch festgehalten. Erkundet hat er das ganze Stadtgebiet und die GraffitiKultur in ihren unterschiedlichen Facetten dokumentiert. Die Ausstellung ist ein beeindruckendes Stück Stadtgeschichte und zeigt darüber hinaus eindrucksvoll wie sich diese Kunstrichtung über die Jahrzehnte verändert hat.

DRAUSSENSEITER-Abonnement

Foto: Helmut Nick

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Eröffnung der Ausstellung ist am Freitag, 9. September 2016 um 19 Uhr. Es begrüßt: Amelie Wangrin, Volkshochschule Köln Es spricht: Dr. Louis Peters Musikalisches Rahmenprogramm: Rolly Brings Ort: VHS Galerie in Lindenthal, Foyer, 1. OG Aachener Straße 220, Eingang Oskar-JägerStraße 1, 50931 Köln Ausstellungsdauer: 10.9. - 28.10.2016 Öffnungszeiten: Mo - Fr, 9 - 21.30 Uhr Wochenenden nach Absprache Herbstferien: 10.10. - 21.10.2016 Mo - Do: 9 - 17 Uhr und Fr: 9 - 13 Uhr

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Als Dankeschön für das Förder-Abo gibt es zudem das Buch „Köln trotz(t) Armut“.

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vorschau

IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de

Asphaltklänge

Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Titelfoto Marie Breer Fotos Alexander Arbabha, Frank Bluemler, H. Marie Breer, Leo Decristoforo/Jakob Gehrmann, Christoph de Haar, Paul Holdsworth, Kölsche Linda, Håkan Ludwigson, Helmut Nick, OASE-Archiv, Branislav Sattelmeyer, Katharina Stohr/Stadt Köln, Hanna Witte Cartoon Heiko Sakurai Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www.dehaar.de Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Dat Büdche, Aachener Straße 3, 50674 Köln Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, Im Ferkulum 42, 50678 Köln

Die ausgebildeten Musiker der Replika-Band können in ihrem Heimatland Rumänien nicht von ihrem Beruf leben – so kommen sie regelmäßig nach Westeuropa auf Tournee, auch nach Köln. Foto: Leo Decristoforo/Jakob Gehrmann

S

traßenmusik hat sich vor allem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als Form der Kleinkunst etabliert, dabei gibt es sie schon seit der Antike. Das Musizieren auf der Straße ist oft mit romantischen Vorstellungen vom idealistischen Künstler und verkannten Genie verbunden, angefeuert durch Gruppen wie der Kelly Family oder auch internationale Künstler wie Passenger, der es von der Straße auf die Bühnen der Welt schaffte. Doch wer sind die Menschen wirklich, die sich in der Kölner Fußgängerzone für ein geringes Einkommen Wind und Wetter und auch dem gnadenlosen Urteil wildfremder Menschen aussetzen. Wir haben hingesehen und zugehört.

Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln VIELFACH, Baudri-Platz, 50733 Köln Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des

Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. Oktober 2016. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-Das-Kölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25


Foto: Hanna Witte

service

Für Alle  Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund

 Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de

Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen  Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91

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Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 15-17 Uhr

 Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9 http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de

der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim

Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr

Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewa Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber schen, Kleiderkammer nur für wohnungslose und Banker Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Internetzugang, Samstags Frühstück. Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr  Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung  Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Tel.: 430 39 83 Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in www.skm-koeln.de

 GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme


service

 Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung  Dienstleistungsagentur „Huddel und Brassel im Veedel“ Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 3377706-17 huddelundbrassel@vringstreff.de  Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.  Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen

 OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de

Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9 – 13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9 – 16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr

Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr

Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30–11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Montag 10.30-12 Uhr, Mittwoch 13-15.30 Uhr, Donnerstag 13-15.30 Uhr; Computer-Nutzung: nach Vereinbarung

Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle zwei Wochen, montags um 12.30 Uhr

Nur für Frauen  agisra e.V. Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org

 Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen

Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr

 LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen

 Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de

Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de

Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung  Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück  Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.  Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.  Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote

Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung  Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.

Nur für Männer  Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren  „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr


GROSSES

SE A O R E D M U Ä L I B FEST ZUM 25. JU

bis 17 Uhr. Schütte-Allee 4. d re lf A r e d in OASE Vor der Tür der e und Kuchen e ff a K , n e h tc rs ü W n „DANNY PRILL“, o v k si u M e v Li it M

6 von 12 1 0 2 R E B M E T P E S AM 9.


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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 09/2016: Stadtgespräch by Draussenseiter - Issuu