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Liebe Leserinnen und Leser, 6,2 Millionen Menschen bezogen im Jahr 2013 in Deutschland Hartz IV. Ein großer Teil von ihnen ist auch langfristig darauf angewiesen, ca. 40 Prozent der Leistungsberechtigten nehmen ihren Anspruch aber erst gar nicht wahr, etwa weil sie sich schämen oder nicht genau wissen, was ihnen zusteht. Dann spricht man von verdeckter Armut, die überall größer wird – auch in Köln.
S.4
S.12
S.17
S.22
Foto: Jo Schwartz
INHALT
Der Gang zum Jobcenter ist für viele zunächst eine große Überwindung.
Die Nationale Armutskonferenz als Zusammenschluss von Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, der Kirchen, des DGB, bundesweit organisierter Initiativen mit professionell und ehrenamtlich Tätigen hat es sich zum Ziel gemacht, über Armut aufzuklären – das finden wir gut und wichtig. Und drucken deshalb Texte von Gast-Autoren ab, die sich im Umfeld der nak engagieren. Auch Straßenmagazine wie der DRAUSSENSEITER wollen Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung von Armut aufzeigen und soziale Ausgrenzung in der Öffentlichkeit thematisieren. Diskutieren Sie also mit: Kommen Sie zu unseren offenen Sitzungen, schreiben Sie uns eine Mail, einen Brief oder besuchen Sie unsere facebook-Seite. Mit herzlichem Gruss,
Vorwort, Inhalt ������������������������������������������������������ 3 Themenschwerpunkt HARTZ IV Interview mit Frank Johannes Hensel (Sprecher der Armutskonferenz) �������������������������������4-6 Working poor: Schattenberichte Familie Meßing ����������������������������������������������������8-9 Karin Breyer ��������������������������������������������������������� 10 Karl-Heinz Hahne ���������������������������������������������������11 Michael David: Ohne öffentlich geförderte Beschäftigung wird es nicht gehen �������������������������� 12-14 Bonse ���������������������������������������������������������������� 16 Rezension: Helmut Kohl ��������������������������������������� 17-18 Buchtipps ������������������������������������������������������������ 19 Kolumne: Statistiken �����������������������������������������������20 Kurzgeschichte ������������������������������������������������������ 21 Aus der OASE ����������������������������������������������������� 22-23 Lebenshilfe: Dr. Engel ����������������������������������������������24 Vorschau ������������������������������������������������������������� 25 Adressen ���������������������������������������������������������26-27
Christina Bacher
Öffnungszeiten der OASE Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: 13.00 – 16.00 Uhr 3
HARTZ IV
Schattenbericht nach „10 Jahre Hartz IV“
HARTZ IV setzt auf die Angst der Menschen Der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, Dr. Frank Joh. Hensel, erklärt, warum die Armut vieler Menschen seiner Ansicht nach politisch einkalkuliert ist
4
HARTZ IV
Dr. Frank Joh. Hensel Foto: Barbara Bechtloff
Herr Dr. Hensel, was genau ist die Aufgabe
ordentliche Sozialversicherung, die regu-
Wie sollte der Hartz-IV-Regelsatz gestaltet
der Nationalen Armutskonferenz?
läre Arbeitsplätze vernichteten. Auch dies
sein, damit es für ein menschenwürdiges
Die Nationale Armutskonferenz trägt der
begünstigt einen Niedriglohnsektor und
Leben reicht?
Politik eindringlich und stetig vor, welche
die Altersarmut.
Eine Zahl in die Welt zu setzen und dann
Auswirkungen Armut und soziale Ausgren-
Trotz guter Konjunktur gelten 16,1 Pro-
zu meinen, dass es reicht und es keine
zung haben. Sie erklärt, wie sehr zu niedrige
zent der in Deutschland lebenden Men-
Armut mehr gibt, entspricht natürlich
Löhne und Regelsätze zu Verarmung und
schen als armutsgefährdet – immerhin
nicht der Realität. Die derzeitige Berech-
Ausgrenzung beitragen. Wir – und viele
jeder sechste.
nungsgrundlage aber, wonach alle fünf
andere Organisationen – bieten aus Erfah-
Jahre das Verkaufsverhalten ausgewertet
rung begründete Lösungen an und arbeiten
Warum gelingt es nicht, den Wohlstand
und die unteren 15 Prozent, also die Per-
daran mit. Es gibt viele Studien, die die
gleichmäßiger zu verteilen?
sonen mit dem geringsten Nettoeinkom-
Zusammenhänge von Armut und Krank-
Das ist eine Frage des gesellschaftlichen und
men, zum Maßstab genommen werden,
heit, Armut und mangelhafter Bildung oder
politischen Willens. Gesetzliche Vorgaben
ist nach politischer Kassenlage so gemacht
Armut und sozialer Ausgrenzung glasklar
begünstigen zumeist Menschen mit hohem
worden. Vormals waren es übrigens noch
belegen.
Einkommen und das schon so oft und so
die unteren 20 Prozent, es ist also einfach
lange, dass die Vermögens- und Einkom-
so gesetzt worden. Man stelle sich vor, die
Und die Politik, wie reagiert die?
mensunterschiede absolut unanständig
Politiker hätten den Mut gehabt, sich am
Geändert hat sich leider wenig bis gar nichts.
sind und den Zusammenhalt gefährden. Bei
unteren Drittel der Bevölkerung zu orien-
Nach wie vor hängt der Schulabschluss ganz
den Einkommen gibt es seitens des Staates
tieren, dann sähe der Satz schon ganz
stark vom Einkommen und der sozialen
ja immerhin noch eine Steuerprogression,
anders aus.
Situation der Eltern ab. Es gibt keineswegs
an die enormen Vermögen und Erbschaften
Für Kinder sollte ein klares Grundeinkom-
bedarfsgerechte Regelsätze, schon gar nicht
gehen die verantwortlichen Politiker aber
men berechnet werden, das alle Kinder
für Kinder. Es geht wieder vielmehr um
nicht heran. Hier ruht das mit Abstand
bekommen und das nicht, wie beim Kin-
Obdach, Nahrung und Kleidung und die
meiste Geld, dass für Schwimmbäder, Schu-
dergeld, auf Hartz IV angerechnet und den
Dienste der reinen Existenzhilfe werden in
len, Krankenhäuser, Straßen und soziale
Ärmsten gleich wieder abgezogen wird.
der Not immer mehr. Das ist kein natürli-
Hilfen so dringend gebraucht wird.
ches Phänomen, sondern die Folge von poli-
Die Nationale Armutskonferenz warnt vor
tischen Fehlentscheidungen und Unterlas-
zunehmender Altersarmut: Welche Dimen-
sungen, es ist politisch einkalkuliert. Sie kritisieren, dass Hartz IV dazu beigetragen hat, dass sich in Deutschland ein Niedriglohnsektor verfestigt. Woran liegt das? Die Hartz-IV-Gesetzgebung drängt jeden, praktisch jede Arbeit anzunehmen und droht ansonsten mit Kürzungen. Hartz IV setzt also auf die Angst der Menschen. Diese Angst führt dazu, dass die Menschen eine Arbeit auch unter Wert annehmen. Diese Zwangssituation trägt zur Verfestigung von Niedriglöhnen bei. Tragen auch staatliche Stellen zu niedrigen Löhnen bei? Ja, durch Ausschreibungen, etwa von Arbeitsmarktmaßnahmen, sind Behörden
Jo Schwartz
gehalten, den jeweils billigsten Anbieter zu nehmen. Und billiger wird man ja meist durch die Senkung der Löhne. Zum anderen entstanden viele 400-Euro-Jobs ohne
sion erwarten Sie?
DIE NATIONALE ARMUTSKONFERENZ
Wie sehr sich Altersarmut ausweitet, ist
ist ein Zusammenschluss von Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, der Kirchen, des DGB, bundesweit organisierter Initiativen mit professionell und ehrenamtlich Tätigen. Diese verfügen über unterschiedlichste Armutserfahrungen und kennen die Auswirkungen von Armut und sozialer Ausgrenzung sehr genau. Ziel der Nationalen Armutskonferenz ist es, über Armut aufzuklären, die Auswirkungen zu beschreiben, Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung von Armut und sozialer Ausgrenzung in die Öffentlichkeit und den politischen Prozess zu tragen. Die kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen gehört ebenso dazu wie der Dialog und die Bereitschaft zur Mitarbeit in den politischen Gremien.
noch nicht ausgemacht, da die Politik hieran eine Menge ausrichten kann. Immerhin und Gott sei Dank regelt das Grundgesetz eine Grundsicherung im Alter. Wohnen und Essen sollte so gelingen. Es wächst aber ausgerechnet die Abhängigkeit von staatlicher Hilfe gerade auch bei vielen Menschen, die ihr Leben lang viel gearbeitet haben, weil das Einkommen es nicht hergibt, damit eine vernünftige Rente aufzubauen. Hierzu tragen – auch so ein politischer Wille – die Absenkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent bis zum Jahr 2030 und der enorme Niedriglohnsektor bei. Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei Wünsche frei, was fordern Sie? Wer Arbeit hat, muss davon leben können! Wer Kinder hat, darf nicht durch sie und mit ihnen arm sein!
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HARTZ IV
KURZ & KOMPAKT (Quelle: Diakonie) l Was ist Armut?
Euro netto monatlich für Alleinstehende
führt häufig auch dazu, dass die Mütter
und 2.056 Euro netto monatlich für zwei
aufgrund fehlender Rentenansprüche
Man unterscheidet zwi-
Erwachsene mit zwei Kindern unter 14
im Alter schlecht abgesichert sind.
schen absoluter und
Jahren aus. Wer weniger als 60 Prozent
relativer Armut. Absolute Armut
des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt laut EU-Definition als armutsgefährdet. Das waren im Jahr
l Wie viele Menschen in Deutschland sind arm?
2013 16,1 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen (EU-weite Ver-
6,2 Millionen Menschen bezogen im
gleichsstatistik „Leben in Europa“,
Jahr 2013 in Deutschland Hartz IV. Ein
EU-SILC). Besonders gefährdet sind
großer Teil von ihnen ist langfristig auf
Alleinerziehende, Beschäftigte im Nied-
diese Hilfen angewiesen: 1,8 Millionen
riglohnsektor, Frauen im Rentenalter
der knapp 6,2 Millionen Leistungsberechtigten (Stand Mai 2013) bezogen
bedeutet, dass Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht decken können, also nicht genug zu essen haben, keine Wohnung
und Familien mit mehr als zwei Kindern. In den Statistiken zur Armuts-
oder ihre ärztliche Versorgung nicht
gefährdung wird deutlich, dass gesell-
sichern können. Der Begriff der relati-
schaftliche Benachteiligungen das
ven Armut bezieht sich auch auf die
Armutsrisiko direkt erhöhen. Viele
Lebens- und Entwicklungschancen in
Mütter leiden beispielsweise darunter,
einer Gesellschaft, es geht also um sozia-
dass sie keine Betreuung für ihre Kinder
le Ungleichheit. Arme Menschen haben
finden und die Angebote auf dem
einerseits materielle Not und anderer-
Arbeitsmarkt wenig familienfreundlich
nach Angaben des Instituts für Arbeits-
seits nicht die Teilhabemöglichkeiten,
sind. Dadurch geraten sie in eine Spira-
markt- und Berufsforschung (IAB) die
die in einer Gesellschaft als normal gelten. Wer relativ arm ist, hat zum Beispiel schlechtere Bildungschancen, weniger
le: geringfügige Beschäfti-
Leistungen seit 2005 ununterbrochen.
gung, niedriges Einkom-
Die Hälfte von ihnen sind Angehörige,
men, Unterstützung
soziale Kontakte und größere Schwierig-
vom Staat, mangeln-
keiten, beruflich aufzusteigen. Die Ursa-
de Teilhabemög-
chen von Armut sind vielfältig. Häufig
lichkeiten. Das
die nicht erwerbsfähig sind. Zwei Drittel aller Menschen, die Grundsicherungsleistungen erhalten, beziehen diese über mehr als zwei Jahre. Zu verdeckter
geraten Menschen in Armut, weil sie
Armut kommt es, wenn Menschen,
ihren Job verlieren, krank werden oder
denen Hartz IV zusteht, ihren
sich von ihrem Partner trennen.
Anspruch nicht wahrnehmen. Das sind in Deutschland ca. 40 Prozent der Leistungsberechtigten, also ungefähr
l Wie definiert man Armutsrisiko?
vier Millionen Menschen, etwa, weil sie sich schämen oder nicht genau wissen, was ihnen zusteht.
In Deutschland geht man derzeit von einem mittleren Einkommen von 979
6
SPORT
„meinKarneval“ zeigt jedem die besten Örtchen des Karnevals. Was ist eure Idee?
Bewerbt euch bis zum 18.10.2015 mit eurer Idee für euren Verein bei der Google Impact Challenge. Die Gewinner erhalten 10.000 € bis 500.000 €. g.co/EureIdee 7
HARTZ IV
„Mal Eis essen gehen, einfach so, weil man gerade Lust drauf hat – ja, das wäre ein Leben!“ Obwohl Markus und Sabrina Meßing arbeiten, leben sie und ihre drei Kinder an der Grenze zur Armut. Von ihrem Lohn kommen sie so gerade über die Runden – etwas leisten können sie sich nicht.
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HARTZ IV
M
arkus
(27),
Grenzen, und es reicht einfach nicht. Ich
Kleider, ein Restaurantbesuch, vielleicht
Samantha (4), Finn (2), Justine
(36),
Sabrina
arbeite nicht, damit wir gut leben können,
einmal in die Disco – Wünsche, die für die
(5) und Juliano (10) – das ist
sondern nur, um unsere Rechnungen zu
junge Frau unerreichbar scheinen. „Ich
bezahlen.“
war nie große Sprünge gewohnt. Das alles
Familie Meßing aus Wermelskirchen. Vater und Mutter arbeiten, die drei Klei-
Hartz IV kommt für Markus Meßing
ist in meinem Leben nicht drin. Noch
nen gehen in den Kindergarten, der Große
trotzdem nicht in Frage: „Ich will das Geld
nicht.“ Ihr großer Traum ist es, bald selbst
zur Schule. Wenn sie alle zusammen sind,
selbst verdienen, wissen, wo es herkommt
einen Führerschein machen zu können
ist einiges los. Sie kickern, fahren Rad,
und meinen Kindern ein Vorbild sein.“
und ebenfalls im Zustelldienst zu arbei-
toben durch die Wohnung oder schauen
Sohn Juliano versteht seinen Vater nicht.
ten. Die Strecken und die Abläufe kennt
gemeinsam fern. Eigentlich ein ganz nor-
„Uns geht es doch gut. Wir haben alles, was
sie. Das wäre ein Vorteil für ihren Arbeit-
maler Familienalltag. Wenn da nicht die
wir brauchen“, sagt er, zeigt auf den Fern-
geber – und für sie. Dann müsste ihr Mann
ständigen Geldsorgen wären. Die Lebens-
seher, das Sofa und die Süßigkeiten, die
weniger schuften, könnte psychisch und
mittel besorgt sich die Familie bei der
seine Eltern letzte Woche von der Tafel
körperlich wieder zu Kräften kommen,
Tafel. Wenn die Familie essen geht, dann
mitgebracht haben. Dass ein berufstätiger
und sie könnte die Familie finanziell
zum Mittagstisch, den die Gemeinde
Familienvater am Ende eines Tages jedoch
unterstützen. Für ihren Führerschein
anbietet.
nicht zur Tafel gehen möchte, sondern in
spart die junge Frau deshalb jeden Cent.
Familie Meßing ist eine „working poor
den Supermarkt, gelegentlich mit seiner
Die Hoffnung, als Familie unabhängig
family“. Übersetzt: eine Familie, die an der
Familie in den Urlaub fahren und seinen
leben zu können, treibt sie an.
Armutsgrenze lebt, obwohl beide Eltern
Kindern auch einmal neue Kleidung kau-
„Ferien machen, vielleicht sogar unsere
arbeiten und eigenes Geld verdienen. Zwi-
fen möchte, wird Juliano wohl erst verste-
Hochzeitsreise nachholen, das kaufen, was
schen 200 und 400 Euro bleiben der Fami-
hen können, wenn er älter ist. Vater Meß-
einem schmeckt, oder einfach mal Eis
lie monatlich zum Leben. Dabei versucht
ing versucht zu erklären: „Man strengt sich
essen gehen, einfach so, weil man gerade
Vater Markus alles, um wirtschaftlich
an, gibt sich Mühe. Deshalb wäre es ein-
Lust drauf hat – ja, das wäre ein Leben!“
unabhängig zu sein. Viele Jahre arbeitete
fach gerechter, wenn das, was man tut,
Text und Fotos: Anna Woznicki
er selbstständig für einen Zustelldienst. In
ausreichen würde. Dann wäre es fair.“
drei Jahren leistete er sich nur eine einzi-
Daran denkt er auch, wenn er mit
ge arbeitsfreie Woche. 85 Cent gab es für
seiner Familie in der langen Schlange
ihn pro Paketzustellung, 36 Cent für Kata-
zur Lebensmittelausgabe der Tafel
loge, 79 Cent für Retouren.
steht. Die meisten, die da mit ihm
Nicht vergütet wurden die kleinen
stehen, arbeiten nicht. Die bekom-
Päckchen, die Markus Meßing für sich
men Hartz IV. Markus Meßing nicht
selbst zu tragen hatte: psychischer Druck,
– und reiht sich trotzdem ein. Eine
körperliche Anstrengung bis an die Gren-
noch größere Überwindung kostet
ze der Belastbarkeit und zuletzt Depressi-
ihn der Mittagstisch. „Da schäme
onen. Die blanke Existenzangst saß ihm
ich mich manchmal richtig. Und es
ständig im Nacken.
tut mir leid für meine Kinder, dass
Seit Anfang des Jahres ist der Familien-
sie dort sitzen müssen“, gesteht er.
vater, ausgebildet als Fachkraft im Gast-
„Deshalb nehmen wir sie auch so
gewerbe, bei einem Paketdienst fest ange-
selten wie möglich mit.“
stellt. Und das ist schon eine große Erleich-
Markus Meßing hat die große
terung für die Meßings. Benzin oder
Hoffnung, dass sie bald wenigs-
Fahrzeugreparaturen, dafür müssen sie
tens auf den Mittagstisch verzich-
nicht mehr selbst aufkommen. Auf staat-
ten können. „Das wäre schon
liche Unterstützung wie etwa Wohngeld
eine große Erleichterung.“ Mut-
ist Familie Meßing trotzdem angewiesen
ter Sabrina unterstützt ihren
– nicht zuletzt wegen der Schulden, die es
Mann, wo sie nur kann. Sie fährt
aus den Zeiten der Selbstständigkeit noch
die Pakete mit ihm aus und
abzutragen gilt. Der Familienvater stützt
trägt sie, wenn Markus keine
seinen Kopf in die Hände: „Manchmal
Kraft mehr hat. „Die Selbststän-
kann ich es selbst kaum glauben. Ich arbei-
digkeit hat ihn kaputtge-
te von morgens bis abends, gehe an meine
macht“, erklärt sie. Schöne
Einnahmen
Nettogehalt: 1. 200 Euro Kindergeld: 80 4 Euro Wohngeld: 4 00 Euro Gesamt: 2.404 Euro
Ausgaben
Miete ( kalt): 900 Euro Gas: 110 Euro
Stro m: 170 Eu ro weitere Nebenk os ten: 180 Eu ro Kfz-Steuer: 60 Euro Versicherung en: 80 Euro Telefon, Rund funkgebühren etc.: 80 Euro
monatliche Ti lgungsrate de r Schulden: 50 0 Euro Gesamt. 2.08 0 Euro
324 Euro blei ben der Famili e durchschnittl ich monatlic h zum Leben.
9
HARTZ IV
SCHATTENBERICHT
Karin Breyer (38) aus Köln-Neubrück, alleinerziehende Mutter einer Tochter (4)
„Ich fühle mich allein gelassen“ Nach sechs Jahren Neuseeland kam ich im Februar 2011 zurück nach Köln – schwanger und alleine. Erst im
der Umgebung und der Freundeskreis
Juni, drei Tage vor der Geburt meiner
bildet sich gerade erst neu um das Kind
Tochter, fand ich eine eigene Wohnung.
herum. Ich fühle mich manchmal ,allei-
Bis dahin war ‚Couchsurfing‘ angesagt –
ne alleinerziehend‘. Geht das anderen
bei Freunden.
auch so? Ich würde mir wünschen, dass
Die ersten drei Jahre habe ich mit
Bürger vereinsamen oder verzweifeln.
gelernte Tischlerin. Das Problem ist,
Denn ich habe den Eindruck, dass der
dass es so gut wie keine Teilzeitstellen
Begriff Sozialleistungen mehr als nur
für Tischler gibt – ich meldete mich also
das finanzielle beinhalten sollte.“
drei Jahren in den Kindergarten ging, konnte ich an einer Arbeitsmaßnahme des Jobcenters für alleinerziehende Väter und Mütter teilnehmen. Seit April 2015 arbeite ich 25 Stunden in der Woche in einer Druckerei. Das Jobcenter stockt mein Gehalt auf, denn von meinem Lohn allein könnte ich nicht leben. Und eine Vollzeit-Stelle ist wegen meiner Tochter nicht drin. Ich komme gut über die Runden und bin dankbar, dass mir der Staat hilft. Natürlich ist der Hartz-IV-Regelsatz kein Vermögen; ich kann zum Beispiel nichts ansparen und es fällt schwer, mir neue Möbel oder die teureren Bio-Lebensmittel zu leisten, die mir eigentlich wichtig sind. Trotzdem bin ich zufrieden, es ging immer irgendwie. Wäre ich in Neuseeland geblieben, wäre es mir nicht so gut ergangen. Dort hätte ich nach spätestens einem halben Jahr Babypause wieder arbeiten gehen müssen, um zu überleben.
10
der Staat mehr darauf achtet, ob seine
meiner Tochter verbracht. Ich bin
arbeitslos. Erst als meine Tochter mit
Fotos: Annette Etges
Was mir fehlt, sind soziale Kontakte. Ich habe keine nahe Verwandtschaft in
HARTZ IV
SCHATTENBERICHT
Karlheinz Hahne (54) aus Köln-Deutz, alleinerziehender Vater eines Sohnes (14)
„Ich möchte so qualifiziert werden, dass ich eine echte Chance auf dem Arbeitsmarkt habe.“ Nach der Geburt unseres Sohnes
Sohn schlimm gewesen wäre. Er hätte
erkrankte meine Frau schwer. Ich
dann nicht nur seine Mutter, sondern
habe sie bis zu ihrem Tod 2010 gepflegt,
auch sein soziales Umfeld verloren. Was
mich um das Kind gekümmert und
ich mir wünsche? Dass mein 400-Euro-
musste deshalb meinen Job an den
Job in eine reguläre Teilzeittätigkeit
Nagel hängen. Ich bin gelernter Kfz-Me-
umgewandelt wird.“
chaniker und habe zuletzt als Filialleiter in einem Unternehmen für Autoteile gearbeitet. Deshalb höre ich vom Jobcenter häufig, ich sei überqualifiziert. Seit 14 Jahren lebe ich jetzt von Sozialhilfe und Hartz IV. Das Ärgerliche ist, dass mich das Jobcenter immer wieder in teure Weiterbildungsmaßnahmen schickt, die mir nicht weiterhelfen. Weigere ich mich, droht man mir damit, den Regelsatz zu kürzen. So musste ich zweimal das Seminar zur Erfassung von Fotos: Jo Schwartz
Fähigkeiten und Potenzialen machen und unzählige Bewerbungstrainings. Aber ich erwarte, dass ich so qualifiziert werde, dass ich wieder eine echte Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt habe. Seit Dezember 2013 habe ich einen 400-Euro-Job als Hausmeister, damit bin ich glücklich, aber finanziell hilft er mir kaum: Nur 160 Euro darf ich behalten, der Rest wird auf den Hartz-IV-Regelsatz von 345 Euro angerechnet. Auch das Kindergeld wird ja nicht obendrauf gezahlt, sondern mit Hartz IV verrechnet – faktisch bekomme ich also kein Kindergeld. Anfangs sollte ich aus meiner Wohnung raus, dann haben die beim Jobcenter aber begriffen, dass das vor allem für meinen
11
Foto: Jo Schwartz
HARTZ IV
Ohne öffentlich geförderte Beschäftigung wird es nicht gehen Die Nationale Armutskonferenz formuliert Anforderungen an einen sozialen Arbeitsmarkt. Menschliches Leben ist mehr, als eine Wohnung zu haben und genug Geld für Kleidung und Essen. Von Michael David, Vize-Sprecher der Nationalen Armutskonferenz
12
HARTZ IV
D
as Glaubensbekenntnis deutscher
werden. Guido Westerwelle (FDP)
Sozialpolitik lautet: „Arbeitslosig-
sprach von „spätrömischer Dekadenz“.
keit abbauen“. Aber was ist
Also: wird da jemand endlich aus Star-
Da wären doch zielgenaue Hilfen angesagt – denkt der naive Leser. Doch woran misst sich der Erfolg des Sozialge-
eigentlich gemeint? Empirische Studien
re erlöst und von den Jobcentern zum
setzbuch II? Eben. Arbeitsvermittlung.
zeigen: nichts wünschen sich Erwerbslo-
Jagen getragen? Pustekuchen. Dass „För-
Was heißt das? Schnell in einen Job,
se sehnlicher, als „dabei“ zu sein, „mit-
dern und Fordern“ kein Versprechen an
irgendeinen. Ein Viertel der erwerbsfähi-
machen“ zu können. Nicht nur Prof.
die Erwerbslosen ist, haben wir spätes-
gen Leistungsberechtigten, die den Leis-
Klaus Dörre (Jena) weist mit seiner kriti-
tens nach 2010 gemerkt. Da wurde der
tungsbezug verlassen, sind nach drei
schen Studie „Bewährungsproben für
Eingliederungstitel für arbeitsmarktpoli-
Monaten wieder da. Ein Fünftel der
die Unterschicht“ nach: Erwerbslose
tische Leistungen – also der finanzielle
Bevölkerung Deutschlands pendelt zwi-
machen fast alles, um mitarbeiten zu
Inhalt des „Fördern“-Versprechens im
schen Hartz IV, prekärer Beschäftigung
können. Auch das Institut für Arbeits-
Bundeshaushalt – auf die Hälfte zurück-
und prekärer Selbstständigkeit. Die
markt- und Berufsforschung der Bundes-
gekürzt. Heute sind die Verwaltungskos-
Armutsrisikoquote steigt oder stagniert,
agentur für Arbeit bestätigt dies.
ten in den Jobcentern höher.
nimmt aber auch im Konjunkturauf-
Warum also Aktivierung? Das Zauber-
Und die Arbeitslosenstatistik? Ein
schwung nie ab – aber die Zahl der Sozi-
wort der Hartz-Reformen suggeriert, da
Drittel der Leistungsbeziehenden in der
alleistungsbeziehenden. Die Arbeitslo-
lägen welche auf der faulen Haut. Die
Grundsicherung (Hartz IV) war schon
sigkeit auch. Prekäre Beschäftigung ist
frühen 2000er Jahre lebten politisch von
2005 dabei, Erwerbslose wie Angehörige.
das Arbeitsmarktwunder. Mit Armutsbe-
solchen Anspielungen. Franz Müntefe-
Und nur ein Drittel der Hartz-IV-Emp-
kämpfung hat das nichts zu tun.
ring verballhornte den Bibelspruch
fänger ist arbeitslos gemeldet. Als
gegen faule Prediger, „Wer nicht arbei-
erwerbsfähig gilt zwar insgesamt die
Arbeit“ nicht aufgeben. Es geht um
tet, soll auch nicht essen“, und hielt ihn
Hälfte aller Leistungsbeziehenden. Ein
Arbeit, von der Menschen leben können.
Erwerbslosen entgegen. Der damalige
großer Teil fällt aber aus der Arbeitslo-
Es geht um die Anerkennung von Arbeit,
Grünen-Politiker Oswald Metzger (heu-
senstatistik heraus: geparkt in Minijobs,
die nicht immer und unbedingt Erwerbs-
te CDU) philosophierte über faule
1-Euro-Jobs, Trainingsmaßnahmen und
arbeit sein muss. Wir sprechen über die
Arbeitslose, die vor dem Fernseher sit-
prekären Jobs mit ergänzendem Leis-
Möglichkeit von Menschen, sich mit
zen, Chips essen, Bier trinken und ihre
tungsbezug. Und dann gibt es noch die
dem, was sie tun, einzubringen. Bei
Kinder vernachlässigen. Roland Koch,
Nicht-Erwerbsfähigen, die andere Hälfte.
Erwerbsarbeit sind Arbeitgeber in der
damals noch CDU-Ministerpräsident
Was heißt Aktivierung bei leistungsbe-
Pflicht anständig zu bezahlen und Tarif-
von Hessen, reiste wiederholt nach Wis-
ziehenden Kindern oder Alleinerziehen-
löhne einzuhalten. Wenn sich Erwerbs-
consin und war beeindruckt, mit wel-
den ohne hinreichende Kinderbetreu-
lose ehrenamtlich etwa in der Selbstor-
chem Druck Arbeitslose dort behandelt
ungsmöglichkeiten?
ganisation engagieren, dann muss das
Trotzdem wollen wir das Ziel „gute
13
Foto: Werner Heibe/Fotolia
HARTZ IV
So fördern, dass sich die Arbeits- und Lebensmöglichkeiten langfristig bessern, fordert Michael David.
unterstützt werden. Warum können
soziale Teilhabe durch Arbeit nicht ein
sich selbst auszudrücken und mitzuge-
nicht Telefon- und Materialkosten über-
soziales Recht ist. Die UNO zählt das zu
stalten. Menschliches Leben ist schließ-
nommen werden? Dafür klagt sich man-
den Menschenrechten.
lich mehr, als eine Wohnung zu haben
che Engagierte durch die Instanzen. Vie-
und genug Geld für Kleidung und Essen.
le werden vor wichtigen Terminen im
verfolgen? Es kann nur um soziale Teil-
Niemand darf mit Sanktionen bezwun-
Rahmen ihres Engagements kurzfristig
habe gehen. Wenn Menschen soziale
gen werden. Der Willen der Einzelnen
beim Arbeitsvermittler einbestellt. Um
Probleme haben – dann geht es eben
ist zu achten. Und die Forderung nach
die tatsächliche Verfügbarkeit zu prüfen.
um Hilfe. Das lässt sich nicht an Vermitt-
einer gerechteren Gestaltung des
lungszahlen messen. Warum muss jede
Arbeitslebens.
Ohne öffentlich geförderte Beschäftigung wird es nicht gehen. Aber ist das
Schuldnerberatung nachweisen, dass die
ein Sonderfall? Arbeitgebern wird viel
Vermittlungsfähigkeit dadurch besser
und gern geholfen: In Brandenburg wird
wird? Es muss um langfristige Perspekti-
die Landschaft umgepflügt, um Braun-
ven gehen. Raus aus der Drehtür zwi-
kohle abzubauen. Und zu verfeuern. Das
schen mieser Arbeit, Hartz IV und
Argument: Arbeitsplätze. Gerät ein
Besuch bei den Tafeln. Nicht mal eben
Automobilbauer in Finanznöte, gibt es
schnell vermitteln. Sondern: so fördern,
schnell staatliche Hilfe. Wenn der Kul-
dass sich die Arbeits- und Lebensmög-
turbetrieb laufen soll, wird er bezu-
lichkeiten langfristig bessern. Von eige-
schusst. Wenn ein Wellnessbad gebaut
ner Arbeit leben, mitbestimmen und sel-
wird, lockt die Standortförderung für
ber Gesellschaft mitgestalten.
Investoren. Aber wenn es einfach darum
14
Welche Ziele soll Arbeitsmarktpolitik
Hört sich utopisch an: die Menschen
geht, dass Menschen zu fairen Bedin-
sind nicht einfach für Arbeit da. Arbeit
gungen mitmachen können? Da wird
ist für die Menschen da. Gute Arbeit
sich gedreht und gewunden. Als wenn
kann ein Teil der Möglichkeiten sein,
Von Michael David, Sozialpolitik gegen Armut und soziale Ausgrenzung, Diakonie Deutschland; stellvertretender Sprecher der Nationalen Armutskonferenz und Koordinator der AG Grundsicherung
lll
MEHR DAZU
Soziale Teilhabe durch Arbeit. Sozialpolitische Anforderung an die Beschäftigungsförderung unter www.nationalearmutskonferenz.de oder anfordern unter: arbeit-soziales@diakonie.de oder Tel. 030 / 652 111 643
ÜBER DEN TELLERRAND: GRIECHENLAND
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen
Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen
Arbeiten
Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung
Pflegewohnheim
begleiten und fördern I beraten und anleiten
Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
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BONSE
MUTTER UND SOHN Seit einigen Jahren sind Mutter Margrit und Sohn Christian auf der Straße angekommen. Persönliches Leid, aber auch eigenes Verschulden, so Christian, hat beide an den Rand der Gesellschaft geführt. Ihre Suche nach einem „friedlichen Zuhause“ begann im hohen Norden in Brunsbüttel, „dort gibt es eine große Chemiefirma“. Von dort ging es über die Stationen Hamburg, Gladbeck, Essen vor etwa einem Jahr endlich nach Köln. Sie malen und zeichnen den ganzen Tag und wollen ihre kleinen Kunstwerke gerne an Passanten verkaufen. Auf dem Breslauer Platz hat man sie häufig beklaut und dann fehlten Taschen, Farbstifte und andere Malutensilien etc. Inzwischen sind sie zum Musical Dome geflüchtet und haben sich dort „häuslich“ eingerichtet. Hier sind sie weitgehend ungestört, es kommen aber kaum Passanten vorbei, die ihre Werke sehen und abkaufen wollen. Irgendwann wollen sie wieder auf den Breslauer Platz zurück, dort haben sie mehr Geld verdient. Über eine andere Stadt denken beide zur Zeit nicht nach. Köln gefällt ihnen von allen bisherigen Städten am besten. Sie wollen nur noch ein ungefährliches Plätzchen zum Zeichnen und Verkaufen finden. Foto und Text: Gerd Bonse
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REZENSION
Friedrich Graf von Westphalen
HELMUT KOHL:
Aus Sorge um Europa. Ein Appell.
E
s ist des vertiefenden Nachdenkens
vergangenen und auch unbestrittenen
private Inhaber von griechischen Staatsti-
durchaus wert, den Gründen nach-
Verdienste und seine sich darin spiegelnde
teln im Jahr 2012 – weg, dann kommt auf
zugehen, warum dieser Appell des
Selbstgefälligkeit manches Mal etwas auf
einmal in dieser Sicht Athen als der ganz
die Nerven gehen.
entscheidende Motor der europäischen
Altkanzlers Helmut Kohl für ein „Haus Europa“ bislang so wenig Resonanz in den
Doch das nur nebenbei. Es sind nämlich
Staats- und Bankenkrise nicht mehr vor.
Medien gefunden hat. Denn zu gewaltig
mehrere grundlegende Einsichten, die –
Der Glaubwürdigkeit des Autors wegen
sind die geschichtlichen Verdienste von
gerade auch im Blick auf die Zukunft, die
ist es aber wichtig zu sehen, dass Kohl
Helmut Kohl um die deutsche Wiederver-
sich ja immer aus den Erkenntnissen und
selbst, doch auch Zeitzeugen glaubhaft
einigung und vor allem auch um Aufbau
Lehren der Vergangenheit speist – dieses
berichten, dass Kohl sich bereits als Bun-
und Weiterentwicklung Europas, als dass
Buch zu einer höchst wichtigen Lektüre
deskanzler seinerzeit dem griechischen
man jetzt – vielleicht auch wegen der
machen. Als erstes: Mit Helmut Kohl als
Beitrittswunsch zum Euro-Land nachhal-
immer noch nicht vergessenen „Spen-
Bundeskanzler, so lässt er den geneigten
tig widersetzt hat. Dennoch: Der Altkanz-
denaffäre“ – den leidenschaftlichen
Leser wissen, hätte die Bundesrepublik
ler lässt keinen Zweifel daran, dass jetzt,
Appell des Autors dieses wichtigen Buches
dem Beitritt Griechenlands zum Euro nie-
nachdem dieser Fehler begangen wurde,
für die Weiterentwicklung des auf Frieden
mals zugestimmt. „Mit mir als Bundes-
nur eines angesagt ist: Solidarität in der
und Freiheit aufbauenden Projekts „Euro-
kanzler hätte es die Zustimmung Deutsch-
Hilfe für Griechenland.
pa“ beiseite schieben oder gar verschwei-
lands zu dieser wichtigen Frage nicht
Ein zweites und nicht minder wichtiges
gen dürfte. Vielleicht liegt der Grund aber
gegeben“. Punktum. Denn Kohl hätte
Versäumnis – „ein Schandstück deutscher
auch darin, dass nicht wenigen Lesern die
darauf bestanden, dass „Beitrittspolitik“
Politik und zugleich ein Verrat an der
emphatischen Lobesworte des Bundes-
in einem ersten Schritt immer „Reform-
deutsch-französischen Zusammenarbeit“,
kanzlers Kohl über seine vielfältigen
politik“ sein muss, dass also Griechenland
nennt es der Altkanzler – sieht Kohl darin,
zunächst „die notwendigen durchgreifen-
dass Bundeskanzler Schröder und sein
den strukturellen Veränderungen“ durch-
französischer Partner, Staatspräsident
zuführen hat, bevor es zum Euro-Land
Chirac, gemeinsam beschlossen haben, die
wird. Und er ist auch sicher, dass er
Verletzung der Stabilitäts-Kriterien von
die übrigen Mitglieder des
Maastricht einfach als „politische“ Verfeh-
EU-Ministerrates davon auch
lung hinzustellen und so durch politischen
hätte überzeugen können.
Druck verhindert haben, dass die EU-Kom-
In der Tat: Denkt man sich –
mission die erforderlichen Sanktionen
bezogen auf die Jahre ab 2008 und
ergreift. Denn – so das Argument des
den Höhepunkt der Euro-Krise
Autors – „der Stabilitätspakt zur Einhal-
mit seinem Schuldenschnitt für
tung der Haushaltsdisziplin in den
17
REZENSION
18
Euro-Mitgliedsstaaten hätte nach der Ein-
schen Berlin und Washington auf Sicht
bundeskanzler, gestritten und gerungen
führung des Euro nicht in Frage gestellt,
schwer belastet: Amerika fühlte sich mit
werden, mit Mut und Zuversicht in die
gebrochen und schließlich aufgeweicht
Recht im Stich gelassen. Kohl nennt dies
Wirkkräfte politischer Gestaltungsfähig-
werden dürfen“.
eine „wahrhaft historische Zäsur“, der
keit. Doch mit einem Wort: „Europa muss
In der Tat: Bedenkt man, wie sehr die
„seit 1945 gravierendste Vertrauensbruch
zur Herzensangelegenheit“ werden,
Euro-Krise – immer noch – durch die
im Rahmen der freien westlichen Welt
sowohl seiner Politiker wie vor allem sei-
wesentlich zu hohen Schuldenlasten der
und Wertegemeinschaft“. Widerspruch
ner Bürger. Denn es gibt kein vergleichba-
Euro-Mitgliedstaaten (vor allem der Peri-
fällt hier schwer.
res politisches Projekt in der Welt, dem
pheriestaaten) und die inhärente Ver-
Schließlich auch dies – als viertes Ver-
ein ähnliches Maß an Zukunft zukommen
flechtung mit – trotz Banken-Union und
säumnis, dieses Mal der Regierung Merkel
kann; der Nationalstaat hat abgedankt.
Stresstest – unterkapitalisierten nationa-
– im Blick auf die gefährliche Krise in der
Neues ist in Europa entstanden und kann
len Banken zum Brandbeschleuniger für
Ukraine und die als aggressiv empfundene
wachsen. Denn – das ist die Vision des
die Krise wurden, dann kann man Helmut
Haltung Moskaus: „Für eine stabile euro-
Altkanzlers – kommenden Generationen
Kohl nur Recht geben. Und wieder fügt
päische Sicherheitsordnung ist die Einbe-
muss neben der nationalen Identität eine
er durchaus mit nachvollziehbaren Grün-
ziehung Russlands essentiell.“ Diese ist im
europäische Idee und damit auch eine
den hinzu: „Mit mir als Bundeskanzler
Zusammenhang mit der Osterweiterung
europäische Identität im zu errichtenden
wäre das niemals geschehen.“ Das
der NATO und der Vergrößerung der EU
„Haus Europa“ vermittelt werden. Das
deutsch-französische Beispiel der Ver-
versäumt worden. Jetzt sei aber, so fasst
Ziel, so Helmut Kohl am Ende seines mehr
tragstreue und eine entsprechende Sank-
der Altbundeskanzler zusammen, wegen
als lesenswerten Buches, ist die Idee von
tion der EU-Kommission hätten nämlich
der Auseinandersetzungen um die Krim
einem „Europa der Vaterländer in einem
in hohem Maß disziplinierende Wirkun-
und in der Ostukraine ein „Konflikt“ ent-
gemeinsamen Vaterland Europa“. So kann
gen auf andere Euroländer entfaltet und
standen, der nur durch „Gespräche“ zu
man nur hoffen, dass möglichst viele die-
dazu beigetragen, die öffentlichen Schul-
lösen sei, die man jedoch „wirklich wollen
se Idee, diese Vision von Helmut Kohl
denlasten zurückzuführen. Gesunde
muss“. Denn zur Lösung dieses Konflikts
aufgreifen und sich seinen Appell für
Staatsfinanzen hätten die Finanzmärkte
mit friedlichen Mitteln steht, nach Auffas-
Europa zu Herzen nehmen. Es gibt kein
kaum dazu verführt, gegen den Euro und
sung des Altbundeskanzlers, nur ein „Zeit-
lohnenderes, kein verlockenderes politi-
seine Zukunft zu wetten und die Krise
fenster“ zur Verfügung, das womöglich
sches Zukunftsprojekt.
zum Flächenbrand werden zu lassen.
nicht dauerhaft offen steht. Diese in jeder Hinsicht berechtigte Kri-
Gewicht, dass Italien und Frankreich erst
tik des Altbundeskanzlers wird getragen
kürzlich ihre Haushalte für das Jahr 2015
und geprägt von seiner – historisch sorg-
in nachhaltiger Unordnung in Brüssel
sam begründeten – Vision eines vereinten
vorgelegt haben und dass die Kommission
Europas. Es geht ihm um die politische
gleichwohl bereit war, jedenfalls für
Union, die „zügig“ auf die Tagesordnung
einen Zeitraum von drei Monaten, Milde
gesetzt werden muss. Und sie bedeutet
walten zu lassen, was in den Verträgen
eine „Vergemeinschaftung“ in der Außen-
wohl so vom Wortlaut her als Maßnahme
und Sicherheitspolitik, aber auch in der
nicht vorgesehen ist.
Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik.
Man kann es drehen und wenden wie
Aber um das zu erreichen, so folgert der
man will: Für beide elementaren Versäum-
Altbundeskanzler, sind vorab Verlässlich-
nisse ist die rot-grüne Regierung unter
keit, gegenseitiges Vertrauen und auch
Gerhard Schröder verantwortlich. Doch
Stabilität in der Finanz- und Wirtschafts-
ein Drittes kommt hinzu, und auch in die-
politik neu und glaubwürdig zu begrün-
sem Punkt hat Helmut Kohl Recht: Es geht
den. Doch die insoweit erforderliche Kon-
um das wiederum durch Bundeskanzler
solidierung und Rückführung der Schul-
Schröder erheblich gestörte Verhältnis zu
denlasten ist und bleibt Sache der einzel-
Washington, weil Berlin im Jahr 2002 den
nen Mitgliedstaaten als grundlegende
USA die Gefolgschaft im Irak-Krieg ver-
Voraussetzung einer gemeinsamen euro-
weigerte und Schröder eine „Politik des
päischen Politik.
Selbstbewusstseins“ proklamierte. Das
Über Inhalte und politische Ziele für
hat, so Helmut Kohl, das Verhältnis zwi-
Europa soll daher, so fordert es der Alt-
Helmut Kohl: Aus Sorge um Europa. Ein Appell. Droemer, München 2014, 119 Seiten, € 11,99.
Foto: Frank Bluemler
Dabei fällt – per Datum heute – ins
lll
INFO
Gastautor Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen ist von Hause aus Rechtsanwalt und Publizist, wie Honorarprofessor der Universität Bielefeld. Auf den DRAUSSENSEITER wurde der begeisterte Musikhörer aus Köln durch einen netten Straßen-Verkäufer vor der Philharmonie aufmerksam. Er kaufte das Heft, las es von vorne bis hinten durch und schrieb eine Mail an die Redaktion. Seit nun mehr fünf Jahren gehört er zum freien Mitarbeiter-Stab unseres Straßenmagazins.
TIPPS
BUCH-TIPPS ausgewählt von Ingrid Müller Münch GILA LUSTIGER
„Die Schuld der Anderen“ FRANKREICH, PARIS. Rasant, spannend, informativ. Ein Parcours durch ein niederschmetterndes Frankreich: Konflikte in den Banlieues, Umweltskandale in Chemieunternehmen, Privatisierungen der großen Firmen unter Mitterand, die letztlich dann in chinesischer Hand endeten, korrupte Politiker, Sex-geile Manager, zerstörte verängstigte Arbeiter - Gila Lustiger lässt nichts aus über ihre Wahlheimat Frankreich, nach ihrem großen Erfolg „So sind wir“, ein Roman über ihre jüdische Familie. Marc Rappaport ist Journalist. Leidenschaftlich. Investigativ. Eigentlich hätte er es gar nicht nötig, zu arbeiten. Er ist Miterbe eines der größten Firmenimperien im Land, von seinem geliebten Großvater aufgebaut. Doch er schert sich nicht um Geld, um feine Tennisclubs, edle Bars, schnelle Autos. Ihn interessiert die Suche nach der Wahrheit, in deren Verlauf er gerne mal den Zeigefinger mahnend erhebt. Hierzu zieht er durchs Land, so wie die Autorin es während der Recherche zu diesem Buch getan hat. Quer durch Frankreich. Und landet irgendwann in einer Kleinstadt, in der alle um ihre Arbeitsplätze beim großen Chemieunternehmen des Ortes bangen. Deshalb macht niemand den Mund, auch als immer mehr Arbeiter an Nierenkrebs erkranken. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass hier eine krebserregende Substanz verarbeitet wird. Doch zunächst einmal ahnt Marc Rappaport nicht, dass ihn die Recherche eines lange zurückliegenden Mordfalls genau in dieses Milieu führen wird. Eine junge Prostituierte wurde eines Tage erwürgt aufgefunden. Der Fall konnte nie geklärt werden. Fast 30 Jahre ist das her. Und nun wird der Fall plötzlich wieder aktuell. Denn dank einer DNA-Analyse kann überraschend der damalige Mörder gefasst werden. Doch Marc Rappaport gibt sich damit nicht zufrieden. Denn
die Spuren des mutmaßlichen Täters könnten auch auf anderem Weg an die Leiche gekommen sein. Ihm ist dieser Täter nicht glaubwürdig genug. Und so macht er sich denn in einem hochsommerlich lahmen Paris, in dem jeder, der irgendwie kann, entweder am Meer oder auf seinem Landhaus weilt, auf, und wühlt ihm Dreck. Auch er verlässt im Zuge seiner Recherche Paris, doch nur, um in der französischen Provinz für Unruhe zu sorgen. Dort, wo die Tote einst herkam. Und wo ein Futtermittel-Konzern noch heute das Sagen hat. „Eigentlich ist die Struktur des Romans die dieser russischen Holzpuppen“. So die Autorin. Recht hat sie. Und so packt ihr Held Marc Rappaport ein Püppchen nach dem anderen aus. Landet unter Mitterand in den 80er Jahren. Entdeckt all die Lücken und Unzulänglichkeiten, die die damaligen Versuche der Regierung, die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen, scheitern ließen. Geht weiter hin zur Globalisierung, zu Antisemitismus und Vorurteilen. Und beendet das Ganze mit der Ohnmacht der Arbeiter angesichts machtvoller Konzerne, verstrickt durch Lobbyisten mit Politik, Justiz und Polizei. Ein Page-Turner der Extraklasse. Wundervoll geschrieben, schwungvoll ihre Sprache, ein Protagonist, der einem unter die Haut geht. Und was den Krimi angeht: alles drin, alles dran. Gila Lustiger: „Die Schuld der Anderen“. Berlin-Verlag, 2015, 22,99 Euro, ISBn 827 012272.
LINDA CASTILLO
„Mörderische Angst“ USA, OHIO. 1979. In einer Amish-Gemeinde in Painters Mill, Ohio wird eine Familie überfallen. Die Mutter wird entführt, wie sich später herausstellt vergewaltigt, halbtot in einen Brunnen geworfen. Der Vater umgebracht. Die kleineren Kinder verbrennen im Haus. Nur der 14-jährige Sohn überlebt, der durch seine Angeberei über angebliches
Ingrid Müller-Münch, Autorin und ehemalige Korrespondentin der Nachrichtenagentur „Reuters“ und der „Frankfurter Rundschau“, Redakteurin beim „Stern“ und Mitarbeiterin beim „WDR“ unterstützt den DRAUSSENSEITER seit vielen Jahren als freie Mitarbeiterin.
Geld, das die Familie im Haus aufbewahre, die Einbrecher überhaupt ins Haus lockte. 35 Jahre später. Von der Mutter fehlt jede Spur, sie gilt als tot. Der Sohn ist verheiratet. Plötzlich geschehen rätselhafte Morde und der Leser bekommt mit, dass den Opfern kurz vorher der Geist der schwer misshandelten und von allen als tot erklärten Mutter erscheint. Alle Opfer haben außerdem kurz zuvor anonyme Warnungen und Drohungen bekommen. Es scheint, das wird dem Leser bald schon klar, dass die Opfer irgendwie mit dem damaligen Geschehen von vor 35 Jahren zusammen hängen. Kate Burkholders 6. Fall, in dem die Polizeichefin von Painters Mill mit den Amish-People zu tun hat. Da sie selbst einst eine Amish war, deren Sprache spricht, die Gebräuche kennt, hat sie am ehesten Zugang. Doch auch sie kann nicht verhindern, dass sich die Morde in ihrer Gemeinde häufen. Nur, wenn es denn Rache sein sollte, wer verübt sie? Und warum erst nach 35 Jahren? Wieder einer der wunderbaren Fälle aus der Welt der Amish. Ich bin absoluter Fan von Kate Burkholder. Leide mit ihr, als ihr Geliebter erfährt, dass der Mann, der mit an der Ermordung seiner Familie beteiligt war, aus dem Knast entlassen wird. Entsetze und empöre mich über den Umgang der sogenannten Englischen mit den Amishen und bin fasziniert darüber, wie dort in Painters Mill zwei Welten, die Jahrhunderte auseinander zu liegen scheinen, um Gemeinsamkeit ringen. Ein wundervolles Buch, ein herrlicher Krimi. Linda Castillo: „Mörderische Angst“. Fischer, 20. Juli 2015, Übersetzung aus dem Amerikanischen von Helga Augustin, 352 Seiten , ISBN 9783596032402.
19
COMIC/KOLUMNE
Illustration: Heiko Sakurai
KOLUMNE
jemand Langeweile, als er nachts schlaflos
Minuten durch den Supermarkt, bringe 32
STATISTIKEN
im Bett lag? Ist Schlaflosigkeit eigentlich in
Minuten mit Essen zu, beschäftige mich elf
oben genannter Statistik berücksichtigt
Minuten mit meiner Wäsche, versorge 50
tatistisch gesehen verschläft der
worden? Ich zum Beispiel benötige viel
Minuten meine alten Eltern, putze fünf
durchschnittliche Deutsche 24 Jahre
weniger Schlaf und recherchiere die halbe
Minuten die Wohnung, lese 42 Minuten ein
seines Lebens. Zwölf Jahre verbringt
Nacht im Internet. Zählt das zu den zwölf
Buch, denke 18 Minuten nach, recherchie-
er vor dem Fernseher, 19 Monate treibt er
Jahren, die ein Mensch vor dem Fernseher
re 225 Minuten im Internet, verbringe 67
Sport. Fürs Putzen im Haushalt verwendet
verbringt? Ich werde in meinem Leben
Minuten vor dem Fernseher und liege 183
er 16 Monate und mit seinen Kindern spielt
auch keine 19 Monate Sport treiben. Mit
Minuten schlaflos im Bett. Und wie steht
er neun Monate lang. Soweit die Zahlen,
den täglichen Kniebeugen komme ich
es mit dem Tabuthema Toilettengang? So
die neulich ein Wissenschaftsmagazin ver-
höchstens auf einen Tag. Und nie im Leben
mancher soll dort sein halbes Leben ver-
öffentlichte. In den meisten Fällen stimmen
putze ich 16 Monate mein Apartment oder
bringen! Und wo werden in der veröffent-
die jedoch nicht und ich frage mich ernst-
spiele neun Monate mit meinen Kindern,
lichten Statistik Wartezeiten und Lange-
haft, wozu derartige Statistiken überhaupt
die ich nicht habe.
weile verbucht? Rechne ich also meine
S
20
erhoben werden. So wurde tatsächlich ein-
Nun bin ich so wenig ein durchschnittli-
persönlichen Zeiten auf ein durchschnitt-
mal errechnet, dass, gäbe es keine Spinnen,
cher Deutscher wie Sie und habe daher
liches Lebensalter von 80 Jahren hoch…
unser Planet mit einer zwanzig Zentimeter
meine eigene Statistik: Pro Tag treibe ich
Aber wen interessiert das ernsthaft? Statis-
dicken Insektenschicht bedeckt wäre! Ent-
zwei Minuten Sport, verbringe 33 Minuten
tiken sind also genau genommen für die
schuldigung? Wer gibt solchen Blödsinn in
im Bad, stehe 41 Minuten im Stau, befinde
Tonne! Daher glaube ich eher Winston
Auftrag und zahlt dafür auch noch Geld?
mich 415 Minuten am Arbeitsplatz, davon
Churchill, der einmal sagte: „Trau keiner
Ein Naturschützer? Ein Düngemittelher-
30 Minuten in der Mittagspause, telefonie-
Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“
steller? Die Bundesregierung? Oder hatte
re 66 Minuten hinter Leuten her, laufe 16
Astrid Hülser
KURZGESCHICHTE
Der
unbekannte
Planet
E
Teil 4
in paar Tage später fanden sich die drei Astronauten –
Kirche gehört ... Daneben machte das Expeditions-Team ein
wieder vereint – in einer großen Arena wieder. Dort war
verblasstes Schild mit der Aufschrift „Dom/Hauptbahnhof“
der hohe Rat des Katzenvolkes zusammengekommen,
aus. Etwas weiter weg fanden sie einen viereckigen Kasten, auf
um über die Fremden zu richten. Die Anspannung war groß.
dem „Linie 18 Richtung Thielenbruch“ stand.
Was würden die Katzenmen-
Braun verstand als Erster, wor-
schen entscheiden? Würden sie
auf sie hier gestoßen waren und
hier sterben?
warf sich vor Wut und Verzweif-
„Bitte glaubt uns, wir kom-
lung auf den Boden: „Verdammte
men nicht aus der verbotenen
Menschheit! Haben wir es doch
Zone. Tötet uns nicht!“
geschafft und unseren Planeten
Cindy hatte große Angst und
zerstört!“
drückte fest Dr. Zakoffs Hand,
„Wieso, was ist los?“ Cindy war
dessen Gesicht sich daraufhin
noch damit beschäftigt, das Gese-
schmerzhaft verzog. Doch
hene zu verarbeiten. „Verstehst du
Tyronn, der Anführer der Kat-
denn nicht?“, rief der Kapitän ver-
zenartigen, ignorierte sie und
zweifelt. „Wir waren die ganze
wandte sich an Kapitän Braun:
Zeit auf der Erde der Zukunft!“ Dr.
„Du und deine Begleiter
Zakoff fasste sich als erster: „Wäh-
sprecht unsere Sprache. Das lässt auf Intelligenz schließen.
rend unsere Rakete startete, wurIllustration: Lazy Magá
Also, sag mir, wenn nicht aus der verbotenen Zone, woher kommt ihr dann?“ „Vom Planeten Erde ... in friedlicher Absicht!“, sagte Braun ernst. „Wir wollten andere Planeten erkunden. Aber unser Schiff ist in einen Strudel gestürzt.“
de eine Atomrakete gezündet und wir sind durch einen Zeitstrudel in
die Zukunft gereist. Das ergibt einen Sinn. Das heißt, wir stehen vor dem Kölner Dom – oder vor dem, was von ihm in dieser Zeit noch übrig ist.“ „Intelligenz und Zerstörung liegen in eurer Natur“, sagte
„Was ist die verbotene Zone?“ Zakoffs Geduld war am
der Katzenkrieger Aaron gefasst. „Das fürchten wir. Doch
Ende. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Und er
sind wir genauso intelligent und können euch eine neue
wollte endlich wissen, was das war. Überraschenderweise
Welt zeigen – ohne Waffen, Hass und Krieg. Wenn ihr das
reagierte Tyronn auf den Ausbruch des Doktors gelassen und
wollt ...“
antwortete sachlich: „Die verbotene Zone ... Dort gab es vor
Die drei Astronauten blieben also. Was sollten sie auch
Jahrtausenden auch einmal Wesen wie euch. Jetzt aber nicht
anderes tun? Und sie hielten ihre Untersuchungen für die
mehr, weil die Seen, Wälder und Flüsse dort verseucht sind.“
Nachwelt fest. In der Hoffnung, dass sich dieses Unglück der
„Lasst uns den Ort sehen. Vielleicht können wir euch helfen,
Zerstörung nicht noch einmal wiederholen würde.
den Raum wieder zu erschließen!“ Braun witterte eine Chance auf ein Abkommen, was beiden Seiten nutzen konnte. Und
Liebe Leser, ich möchte mit dieser Geschichte sagen, dass
tatsächlich ging Tyronn darauf ein. Eine Expedition machte
Frieden besser ist als Krieg. Alle sollen sich vertragen, dann
sich auf den Weg. Nach wenigen Stunden kamen sie zu einem
gibt es keine Atomexplosionen mehr.
kargen Felsplateau in der Wüste. Dort ragten zwei große Steinspitzen aus dem Boden. Es sah aus, als hätten sie mal zu einer
Euer kleiner Günter
21
AUS DER OASE
lll
NEUE PFLEGELEISTUNGEN
Durch das Pflegestärkungsgesetz (seit dem 1.1.2015) werden die Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen spürbar verbessert. Der PflegeleistungsHelfer unterstützt dabei, die Leistungen gezielt auszuwählen und zu kombinieren. http://bmg.bund.de/service/ pflegeleistungs-helfer.html
Butterbrote für die Armen Jeden Dienstag und Freitag ab 9 Uhr schmieren die Leute von der Aktion Biesenbach Brote und geben sie in der OASE an Menschen mit Hunger aus. Heute gab es dazu noch Zwiebeln, Bananen, Milch und Kakao. Zeit, der Deutzer Initiative zwischendurch einfach mal „Danke“ für die gute Kooperation zu sagen. Foto: Christina Bacher
Sommerfest der
OASE
Foto: Christina Bacher
Ca. 100 Leute tummelten sich konstant auf dem diesjährigen OASE-Sommerfest, zu dem Kollegen aus anderen Einrichtungen, zahlreiche Besucher des Offenen Treffs, Ehrenamtler, treue Spender und Freunde der Kölner Einrichtung gekommen waren. Wie in jedem Jahr gab es auch wieder einen DRAUSSENSEITER-Stand. Allen Helfern an dieser Stelle einen herzlichen Dank. (cb)
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AUS DEN EINRICHTUNGEN
LIEBE FREUNDE,
lange Spaziergänge mit mir. Das macht
nachdem ich mich vor Kurzem erst mal
Ruhe arbeiten, vieles erledigen und hat
von einem meiner Kumpel verabschiedet
dann, wenn ich wieder zurück bin, mehr
habe, ist bei Frauchen und mir wieder
Zeit für mich. Finde ich soweit ganz gut.
etwas Alltag eingekehrt. Doch leider war
Tja, und dann habe ich noch ’ne neue
ich die letzten Tage krank und war ständig
Fressstation bekommen. Die steht bei uns
wegen neuer Spritzen beim Tierarzt. Tja,
in der Küche. Aber so ganz traue ich dem
und die Spritzen sind nicht immer so toll, sag’ ich euch. Manchmal brennen sie
Teil noch nicht. Sie ist von der Höhe an meine Bedürfnisse mit der spastischen Spei-
auch unter der Haut. Das
seröhre angepasst. Aber
finde ich gar nicht gut.
ist halt trotzdem ein
Bin dann immer froh,
komisches Teil. Frauchen
wenn ich es hinter mir
lockt mich immer mit
habe. Mein Spezialtraining musste natürlich auch warten. Ich fühlte mich nicht gut genug, um trainieren zu kön-
Leckerlis, damit ich mich an die Futterstation gewöhderstehen? Ist doch klar, dass ich mir die Leckerlis hole. Frauchen ist froh, dass
ben, sagt Frauchen. Ich nehme nun wieder
ich nicht wieder abgenommen habe. Ich
mehr Cortison und ein Antibiotikum
halte brav mein Gewicht. Das ist schon ein
dazu. Das schlaucht mich ganz schön. Und
großer Erfolg, sagt sie. Nur wenn es sehr
bei Frauchen wächst die Rechnung ... und
warm ist, habe ich nicht viel Hunger.
wächst und wächst. Sie meint, ich bin wie
Kennt ihr sicher, oder? Aber ich weiß ja,
eine Wundertüte: Man weiß nie, was der
dass Frauchen immer gut auf mich auf-
nächste Tag bringt. Aber trotz allem ist
passt. Ich wünsche euch auch tolle Aufpas-
unser Leben okay. Wir gehen gemeinsam
ser, die euch so lieb haben. Bis bald.
Gassi und auch ein Kumpel von ihr macht
Euer Clayd
HALLO, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der DRAUSSENSEITER-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. Nun habe ich ein gutes Zuhause und ein schönes Hundeleben. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. lll
Polka Polka Polka
Recklinghausen Münsterstraße
Foto: Nordenfan
ne. Na, wer kann denn da wie-
nen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgeho-
Foto: Christina Bacher
Foto: Kölschen Linda
richtig Spaß. In der Zeit kann Frauchen in
Ein schöner Tag Neulich war ich mit dem Gubbio in Recklinghausen wandern. Schwester Franziska und Bruder Markus haben unsere Gruppe begleitet. Wir hatten Glück mit dem Wetter und die Bahn hat auch nicht gestreikt. Im Kloster auf dem Weg haben wir Rast gemacht. Und es gab leckeres Essen und Trinken. Ein sehr schöner Tag, finde ich. Da gibt es nichts zu beklagen. Tja, so ist das halt, wenn Engel reisen … Kleiner Günter
Auf Karneval freue ich mich schon sehr. Nur noch ein Monat, dann gehe ich mit meiner Tochter wieder op Jück. Und ich tanze und hopse, dass die Wände wackeln! Die Beine müssen ja in Bewegung bleiben. Und vor allem die Knochen müssen bewegt werden. Sonst wird man steif. Musik ist da genau das richtige Heilmittel. Sie bringt meinen ganzen Körper in Schwung. Nicht nur steif herumstehen, während andere feiern. Da halte ich nichts von. Einfach tanzen. Es heißt doch im Karneval „Mariechen, tanz!“. Also, los geht‘s! Es grüßen Lies (88) und Ingeborg (62)
23
LEBENSHILFE / ABO
Kummerkasten
FRAGE UND ANTWORT
Frage: Ich stecke seit vier Jahren in einer
Beziehung, die ich gerne beenden möchte. Nun ist mein Partner auch noch krank geworden. Was soll ich tun?
DRAUSSENSEITER-Abonnement
Antwort: Ich kann verstehen, dass dies für dich eine sehr schwere Situation ist, da du deinen Partner auch nicht kränken möchtest. Es scheint so, als hättest du die Beziehung schon früher beenden wollen, bist aber durch die Erkrankung nicht mehr sicher. Lege deinem Partner in einem ruhigen Gespräch die Tatsachen auf den Tisch. Trennungsgespräche sind nicht einfach zu führen und ich kann verstehen, dass es dir Angst macht, da du ja auch nicht weißt, wie dein Partner darauf reagieren wird. Wenn du möchtest, können
wir das Gespräch vorher auch „üben“, damit du sicherer bist. Das sieht dann so aus, dass ich entweder in deine oder die Rolle des Partners schlüpfe und wir das Gespräch proben. Das gibt dir dann Sicherheit und Erfahrung, um angstfrei das Gespräch mit deinem Partner führen zu können. Ich bin beim Obdachlosen-Frühstück sonntags im Vringstreff, spreche mich bitte einfach an.
Frage: Mein Kumpel auf der Platte hat mich beklaut und ich weiß nicht, wie ich ihn darauf ansprechen soll, ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob er es überhaupt war.
Antwort: Jemand des Diebstahls zu bezichtigen ist eine schwere Anschuldigung und ich empfehle dir, ihn nur darauf anzusprechen, wenn du dir auch sicher bist, dass er es war. Je nachdem was dir weggekommen ist, kannst du es im Gespräch beiläufig erwähnen und ihm sagen,
Ich möchte den DRAUSSENSEITER unterstützen und bestelle:
wie gern du die Sachen wieder hättest, da sie für dich einen hohen Wert darstellen. Vielleicht fühlt er sich dann angesprochen und legt sie wieder zurück. Wenn du ihn nicht auf frischer Tat ertappt hast, ist es schwer, es nachzuweisen. Gibt es denn Zeugen oder wie kommst du auf die Idee, dass er es gewesen sein könnte? Ich weiß, dass es prinzipiell ein Problem ist, kostenfrei eure Sachen wegsperren zu können. Für die Zukunft empfehle ich dir, deine Sachen bei dir zu tragen oder jemanden deines Vertrauens zu bitten, drauf zu achten, während du weg bist. l l l Gisela Engel führt
seit 2014 eine psychologische Praxis in der Kölner Südstadt. Zudem engagiert sie sich regelmäßig ehrenamtlich sonntags als Psychologin beim Obdachlosen-Frühstück der Peter Deubner-Stiftung im Vringstreff.
Lieferanschrift Vorname Name Straße PLZ/Ort Unterschrift
ein Straßen-Abo zu 36,– Euro pro Jahr
Einzugsermächtigung
ein Sponsoren-Abo zu 85,– Euro pro Jahr
Name
ein Förder-Abo zu 150,– Euro pro Jahr
Straße
Als Dankeschön für das Förder-Abo gibt es zudem das Buch „Köln trotz(t) Armut“.
PLZ/Ort IBAN SWIFT Kreditinstitut
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Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.
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IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de
Was glaubst du?
Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Redaktion Marie Breer, Renee Breuer, Thomas Dahl, Kleiner Günter, Ingeborg Helling, Astrid Hülser, Jens Hüttenberger, Lothar Kappes, Elisabeth Molitor, Anika Pöhner, Linda Rennings Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Titelfoto Jo Schwartz Fotos Christina Bacher, Barbara Bechtloff, Gerd Bonse, Marie Breer, Annette Etges, Werner Heibe/Fotolia, Kölsche Linda, Nordfan, Jo Schwartz, Anna Woznicki Illustrationen Lazy Magá, Heiko Sakurai Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www.dehaar.de Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Kiosk Bertram, Elke Bertram, Neumarkt, Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln BUNT Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln
Gottvertrauen gibt mir Kraft, sagt Renee Breuer (42)
Foto: Sabrina Burbach
L
aut Duden ist „Glaube“ eine „gefühlsmäßige, nicht von Beweisen, Fakten o. Ä. bestimmte unbedingte Gewissheit, Überzeugung“. Also etwas, das sich nicht wissenschaftlich erklären lässt, aber dennoch existiert – und zwar für jeden anders. Mal glauben wir an eine besondere Idee, mal an eine unerschüttliche Liebe oder ebend an einen Schöpfer, der das Schicksal der Menschen lenkt – ganz gleich, in welcher Gestalt. Redaktionsmitglied und Lyriklady Renée Breuer hat uns verraten, woran sie glaubt und mit uns über ihre „ernsthafte Beziehung zu Gott“ gesprochen. Außerdem haben wir uns mit dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki darüber unterhalten, welche Position die katholische Kirche gegenüber den Flüchtlingen vertritt.
Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn DRAUSSENSEITER ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. DRAUSSENSEITER ist Mitglied des
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. November 2015. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf facebook. 25
Foto: Hanna Witte
SERVICE
Für Alle Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Fr 9.30-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen §67SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de
Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91
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Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Kleiderkammer: Di und Fr 15-17 Uhr, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr
Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9 http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de
der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim
Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr
Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewa Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber schen, Kleiderkammer nur für wohnungslose und Banker Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Internetzugang, Samstags Frühstück. Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Tel.: 430 39 83 Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in www.skm-koeln.de
GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme
SERVICE
Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung Dienstleistungsagentur „Huddel und Brassel im Veedel“ Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 3377706-17 huddelundbrassel@vringstreff.de Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz. Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de
Nur für Frauen agisra e.V. Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org
OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de
Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9 – 13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9 – 16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr
Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30–11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Dienstag 13-16 Uhr, Mittwoch 13-16 Uhr, Donnerstag 13-16 Uhr;
Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für alle: 9.30-12 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle zwei Wochen, montags um 12.30 Uhr
Wohnprojekt für Frauen
Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen
Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de
Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de
Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück
Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de
Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich. Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet. Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote
Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
Nur für Männer Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr
KÖLN TROTZ(T) ARMUT Bestes vom DRAUSSENSEITER Herausgegeben von Christina Bacher mit einem Vorwort von Martin Stankowski Christina Bacher (Hrsg.) Köln trotz(t) Armut Bestes vom DRAUSSENSEITER – Das Kölner Straßenmagazin Ca. 142 Seiten, zahlr. Abb., Broschur
9,95 € ISBN 978-3-89126-235-1 DAEDALUS Verlag E-Book im EPUB- und Kindle-Format ca. 130 Seiten
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„Ein Reisebegleiter mit dem anderen Stadtplan ist der DRAUSSENSEITER, ein Guide in diese andere Stadt am Strom, aber nicht am Ganges oder am Nil, sondern am Rhein. Seine Perspektive ist die soziale Realität.“ Martin Stankowski