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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 03/2017: Soziale Stadtrundgänge

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25. Jahrgang

Nr. 175

März 2017

R E T I E S N E S s U A R D IN

Foto: Stefan Mager

Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D

LIEBE 0,90 e für den Verkäufer

1,70 e

DIESE STADT

LYRISCH

Heinz Gröning

SOZIAL

Stadtrundgang

SCHRÄG

Maler Bock


Anzeige


INHALT Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3

Liebe Leserinnen und Leser, auf ihrem außergewöhnlichen Betriebsausflug kam die Gruppe Stadtführer sozialer Stadtrundgänge der Schweizer Straßenzeitung SURPRISE auch in der DRAUSSENSEITER-Redaktion und in den Kölner Einrichtungen OASE und Gulliver zum Gespräch vorbei. Wir berichten über dieses neue Berufsbild, das aus Menschen in sozialen Schwierigkeiten begehrte „Experten der Straße“ macht. Foto: Hanna Witte

Für unsere neue Reihe „Spuren

S.4

Die Macht der Lachkraft ���������4-6

Schwerpunkt: Soziale Stadtrundgänge

der Armut“ hat sich der Theologe und Historiker Klaus Schmidt mit dem Lebens„Überleben habe ich von früh auf gelernt“, sagte Ruedi aus zürich zu Chefredakteurin Christina Bacher auf der Bürger & Berber-Führung durch Köln�

künstler Maler

Der doppelte Stadtplan ���������8-13 Köln 180°������������������������� 14-17

S.8

Bock (1822-1878) beschäftigt, übrigens dem Einzi-

gen unter Kölns „kleinen Leuten“, dem ein Gässchen am Rhein gewidmet wurde. Schon zu Lebzeiten wurde ein Lied über ihn gesungen, in dem seine Verachtung des bürgerlichen Lebens und des Militärs ebenso wie sein Appetit – auf

S.19

gerd Bonse: Kovru������������������ 18 Spuren der Armut: Maler-Bock-gäßchen ������������� 19

sieben Hühner gleichzeitig – zur Sprache kommt: Des Morgens, wann ich fresch opston Un kruffen us dem Sack. Dann ärgert för kapott zo gon mich all dat Bürgerpack. Sugar ald en der Prumenad Röf su ne stiefe Strühzaldat: „Maler Bock! Maler Bock! Stipp de sibben Hööner op!“

Aus den einrichtungen ���������������������������������������� 20-21 Comic, Kolumne ���������������������������������������������������� 22 Buch-Tipps ���������������������������������������������������������� 23 Abo, impressum ����������������������������������������������������24 eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27

In diesem Sinne: gute Lektüre zur Fastenzeit! Ganz herzlich,

Christina Bacher

Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9�00 – 13�00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9�00 – 16�00 Uhr Mittwoch: 13�00 – 16�00 Uhr 3


Foto: Stefan Mager

inTeRVieW

DIE MACHT DER LACHKRAFT ein Mann, eine gitarre und ein Mikrophon� Reduziert bis zum Maximum� Jetzt legt Heinz gröning alias „Der Unglaubliche Heinz“ noch einen drauf: Der Comedian geht für sein neues Buch auf den gedanken-Strich� im gespräch mit Christina Bacher hat der in Köln lebende Künstler zugegeben, dass es sich dabei um mehr als nur einen kleinen Ausflug als Dichter und Denker handelt: Im Herbst geht er mit seinen Kumpels goethe, Schiller und Co� mit dem Programm „Voll auf die glocke“ auf Tournee�

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inTeRVieW

DRAUSSENSEITER: „Auf dem Gedankenstrich“

nen Ansprüchen nicht gerecht werden. Bei

gie. Du kennst also auch Seiten von Köln, die

ist ein schmales Büchlein. Aber es steht eine

den Gedichten und meinen Kurzgeschich-

andere nicht gesehen haben.

ganze Menge drin: Gedichte, Kurzprosa,

ten sieht das schon anders aus. Nur habe

Heinz Gröning: (lacht) Das kann man

Comics – alles aus deiner Feder. Ist es dir und

ich bisher immer gedacht, dass die Texte

wohl sagen, ich bin schon viel rumgekom-

deinem langjährigen Regisseur Andreas

nur lustig sind, wenn ich sie vorlese. Dass

men, als Pathologe und auch als Komiker

Valentin schwer gefallen, eine Auswahl aus

das jetzt auch ohne mich funktioniert, ist

schon an den unmöglichsten Orten aufge-

den Texten zu treffen, die ja größtenteils aus

eine wunderbare Erfahrung.

treten. Zum Beispiel in diesem komischen Waschsalon. Nein, mal Spaß beiseite: Köln

deinen Bühnenprogrammen stammen? Heinz Gröning: Ich habe das Buch vor Jah-

DRAUSSENSEITER: Du bist jetzt Buchautor.

hat einfach zu viele Facetten, um sie alle

ren auf einer 14-tägigen Kreuzfahrt auf der

Was steckt von dem frisch gebackenen Autor

zu kennen. Ich entdecke immer wieder

Aida vorbereitet (ich hatte da einen Auf-

Heinz Gröning in dem unglaublichen Heinz,

neue Seiten an Köln. Im Sommer machen

tritt und sehr viel Zeit). Und dann ist drei

einer Kunstfigur, bekannt aus Film und Fern-

wir mit der Familie manchmal eine Fahr-

Jahre lang nix passiert, weil ich mich ein-

sehen? Und wird da noch mehr kommen?

radtour in einen Stadtteil, in dem wir noch

fach nicht entscheiden konnte. Irgendwann

Eine Comic-Reihe vielleicht?

nie gewesen sind, und da gibt es immer

habe ich einfach alles an Andreas Valentin

Heinz Gröning: Der Unglaubliche Heinz

wieder Überraschungen.

geschickt und der hat dann für mich die

ist so, wie die Leute denken, dass ich bin.

Auswahl getroffen. Ohne seine Hilfe gäbe

Jedenfalls, wenn sie mich zum ersten Mal

DRAUSSENSEITER: Was ist dir zuwider?

es das Buch heute nicht und er hat alles

sehen. Plus die Essenz des Satzes: „Quatsch,

Heinz Gröning: Die kölsche Selbstherr-

richtig gemacht – das Buch kommt bei den

ich leide nicht unter Realitätsverlust. Nein,

lichkeit, die die Augen verschließt vor der

Lesern super an. Ich selber war mir noch

ich genieße ihn.“ In Wirklichkeit bin ich

Vielfältigkeit der Welt. Das kölsche Pro-

nicht mal sicher, ob man überhaupt die

natürlich ganz anders, vielschichtiger, aber

vinzielle, welches sich nur um sich selber

Texte aus den Bühnenprogrammen neh-

wie immer steckt in allem ein wahrer Kern.

dreht und nicht über die Grenzen der

men soll oder doch lieber andere, teilweise

Pläne für neue Projekte gibt es ganz viele.

Stadt hinausblickt.

auch ernste Gedichte oder doch neue Kurz-

Denkbar wäre ein zweites Buch mit dem

geschichten schreiben oder oder oder …

Titel „Auf der Gedankenflucht“ oder eine

DRAUSSENSEITER: Welches Lebensmotto

Autobiografie-Parodie mit dem Titel

trägt dich durch die Höhen und Tiefen des

DRAUSSENSEITER: Im Vorwort merkst du als

„Heinz im Glück“. Für mein nächstes Werk

(künstlerischen) Lebens?

Motivation an, dass heutzutage jeder „Idiot

würde ich mich dann aber nach einem Ver-

Heinz Gröning: ICH GLAUBE AN DIE

ein Buch schreibe“. Tatsächlich schreiben ja

lag umsehen, der sich um alles kümmert:

MACHT DER LACHKRAFT, WEIL DIE

auch zur Zeit viele deiner Kollegen aus dem

Dann muss ich nur schreiben und nicht

LACHKRAFT LOCKER SCHAFFT, WAS

Comedy-Bereich Bücher. Ist man heutzutage

auch noch das Buch verkaufen. Apropos:

KEINE ANDERE MACHT SCHAFFT. Am

nur ein vollwertiger Comedian, wenn man

Kaufen, Leute! Ich habe das ganze Geld für

Ende des Tages bin ich ein unverbesserli-

ein Buch geschrieben hat? Oder gibt es (bei

das Buch nämlich persönlich vorgestreckt!

cher Optimist und Menschenfreund. Ich weiß nicht wo dieser Optimismus her-

dir) noch einen anderen Impuls – Impuls, Bleibendes zu schaffen?

DRAUSSENSEITER: Der Gedankenstrich wird

kommt, aber ich wünsche mir, ihn nicht

Heinz Gröning: Viele Fragen gleichzeitig.

häufig dort verwendet, wo man in der gespro-

zu verlieren.

Erst einmal ist das nicht ganz richtig

chenen Sprache eine deutliche Pause macht.

zitiert. Im Buch steht: „… jeder Idiot

Im Grunde ein sehr sinnvolles Satzzeichen

schreibt ein Buch, da muss ich doch auch

also. Du aber setzt dich einfach drauf.

eins schreiben.“ Ist also eher als Gag zu

Heinz Gröning: Mich interessieren die

verstehen. Das Phänomen, dass jeder

Dinge hinter den Dingen. In der Pause also

Comedian ein Buch schreibt, ist ja in erster

– in den unausgesprochen Gedanken –

Linie darauf zurückzuführen, dass die

kommen sie zum Vorschein. Es gibt den

Bücher sich gut verkaufen und deshalb die

schönen Satz: „Nach der Langeweile

Verlage an die Kollegen herantreten. Ich

kommt die Kreativität.“

mag diese Bücher eigentlich nicht, weil das

Die Phantasie ist für mich das Salz in der

Talent, auf der Bühne lustig zu sein, nicht

Suppe des Lebens.

zwingend auch die Fähigkeit bedeutet, gute Bücher schreiben zu können. Deshalb

DRAUSSENSEITER: Du lebst schon lange in

kam das für mich nicht in Frage. Da kann

Köln, hast hier studiert und schon eine Men-

ich im literarischen Bereich meinen eige-

ge Jobs gehabt, zum Beispiel in der Patholo-

lll

INFO

Nächster Auftritt: Am 26� Oktober 2017 um 20 Uhr im Bürgerzentrum Stollwerck www�facebook�com/Heinz�groening 5


behaupte einfach so über-

Ich wollte nie, wie mein Vater, LKW-Fahrer

zeugend, dass ich die

werden

coolste Sau westlich des

und mein Leben auf der Autobahn ver-

Rio Paco bin, dass ich am

bringen

Ende selber glaube, dass es

sondern Späße machen und Lieder singen

stimmt.

und ich habe viel geopfert und wirklich alles dafür getan

DRAUSSENSEITER:

Man

und was denkt ihr wo ein Komiker die

kann dich neuerdings auch

meiste Zeit verbringt

nach

auf der Autobahn.

Hause

einladen,

sprich: für ein Wohnzim-

6

mer-Konzert. Gerade im

DRAUSSENSEITER: Was erwartet uns bei

Mai und Juni hast du also

deinem neuen Programm, mit dem du im

wieder einen guten Einblick

Oktober im Stollwerck bist? Worauf dürfen

ins Privat-Leben deiner

wir uns freuen?

Fans. Gab es da schon

Heinz Gröning: „Voll auf die Glocke“ von

(böse) Überraschungen?

Schiller, Goethe und Kleist ist ein wunder-

Oder warum schreibst du

bares Lyrik-Programm. Vollgestopft mit

explizit, dass es sich nicht

lustiger Poesie und romantischer Komik.

um Schlafzimmer-Konzerte

Ein Best-of-Programm meiner preisge-

handelt?

krönten Gedichte. Wie zum Beispiel „Der

Heinz Gröning: Nein,

Wortweltrekord“ – ausgezeichnet mit dem

noch keine bösen Überra-

Prädikat „enthält Subjekt und Objekt“.

schungen. Toi, toi, toi. Ich

Außerdem kann man da sehr viele Gedich-

habe mal aus Spaß ein

te aus meinem Buch live erleben und es

Und die Gewissheit, dass ich genau das

kleines Preisausschreiben für meine Fans

gilt nach wie vor der Satz: Comedy (auch

mache, was ich schon immer machen

gemacht und fand es lustig mich selber zu

lyrische Comedy) ist live am lustigsten.

wollte.

verlosen. Beim ersten Auftritt war ich so unglaublich nervös wie „Der Unglaubliche

DRAUSSENSEITER: Herzlichen Dank für das

DRAUSSENSEITER: In deinen Programmen

Heinz“ schon lange nicht war. Aber dann

Gespräch!

– wie auch in dem Buch – geht es oft um

hat es fantastisch funktioniert. Und weil

Körperlichkeit, genauer Sex und manchmal

die ganzen enttäuschten Fans, die mich

auch Liebe. Denken wir da an die Program-

nicht gewonnen hatten, auch ein Wohn-

me „Heinz G-Punkt“ oder auch jetzt

zimmerkonzert wollten, bin ich damit auf

„HEINZIGARTIG – wie die Liebe!“. Legen-

Tour gegangen.

där ist dein Gang zur Gitarre, man hört,

Ein wunderbares Format mit ganz tollen

manche Frauen kämen nur deswegen zu

Begegnungen. Leicht, locker und einfach,

deiner Show. Wie trainierst du deine ero-

es kann jeder bei sich veranstalten und es

tische Ausstrahlung? Oder ist das nur eine

macht einen unglaublichen Spaß. Das

richtig gut gemachte Presse-Kampagne?

letzte Refugium der Freiheit in einer über-

Heinz Gröning: Es geht nicht immer um

regulierten Welt.

Sex, das wirkt nur so. Wenn man genau

Ein wirklich heinzigartiges Event, soweit

hinschaut, sind es am Ende weit unter

ich weiß, bin ich der einzige Komiker in

50 %, aber das ist prozentual immer noch

Deutschland, der solche Wohnzimmer-

mehr als ich damit praktisch in meinem

konzerte macht.

Alltag verbringe. (lacht) Ich bin tatsächlich

DRAUSSENSEITER: Und wohin führen dich

noch nie auf die Idee gekommen, meine

diese außergewöhnlichen Termine? Durchs

erotische Ausstrahlung zu trainieren. Es

ganze Land, durch NRW oder bleibst du eher

geht ja um die Lustig- und Lächerlichkeit

in Nippes, wo du wohnst?

dieses ganzen Männer-Macho-Balz-Geha-

Heinz Gröning: Als Antwort darauf ein

bes. Es ist genau wie in der Realität: Ich

paar Zeilen aus einem neuen Lied von mir:

lll

INFO

Bestellen kann man das Buch nur unter www.derunglaubliche heinz.de

Foto: Stefan Mager

inTeRVieW


inhalt

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Wohnungslosenhilfe 4UBUJPO NBDIFO - [VS 3VIF LPNNFO

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Ali

7


inhalt

DER DOPPELTE STADTPLAN Die Stadtführerinnen und Stadtführer von Sozialen Stadtrundgängen aus zürich, Basel, Düsseldorf und Köln trafen sich jetzt erstmals zum Austausch im Rheinland� Und sie entdeckten in den drei Tagen viel mehr gemeinsamkeiten als Unterschiede� Trotz oder gerade wegen der speziellen Lebensgeschichten gelten die Touren, die inzwischen in vielen großen Städten meist von den Straßenmagazinen angeboten werden, als etwas ganz Besonderes� Und es scheint fast so, als entstehe da ein ganz neues Berufsbild: Das des politisch engagierten ex-Berbers, der mit seinem Straßen-Know-how anderen Menschen den Blick fürs Wesentliche öffnet� Von Christina Bacher (Text), Hanna Witte und Jennifer Braun (Bilder)

8


SOziALe STADTRUnDgänge

die Touren von der Wohnungslosenein-

geglaubt haben“. Mit den Stadtführungen,

richtung OASE, die auch den DRAUSSEN-

die in Köln nur gelegentlich und auf Nach-

SEITER herausgibt. Der Einrichtung kom-

frage durchgeführt werden, will sie vor

men auch die Einnahmen zugute – von

allem eins erreichen: Die Menschen aufrüt-

Lindas Honorar einmal abgesehen.

teln, dass sie nicht mehr wegschauen. „Ich mache eben Politik. Im Kleinen“, sagt die

„Mein Hund Clayd und ich haben einen

Frau, die jetzt sogar einen eigenen Verein

ganz besonderen Blick auf unsere Stadt.

gegründet hat, um obdachlosen Frauen zu

Wir wissen, wo es günstig Mittagessen und

helfen. Nach der Führung wird sie als Red-

die Gratis-Suppe am Abend gibt, eine ärzt-

nerin auf einer Kundgebung zum Thema

liche Versorgung für Mensch und Tier oder

„Wohnraum für Alle“ erwartet.

wo man gut Platte machen (draußen übernachten, Anm. d. Red.) kann. Wenn

„Auch, wenn die Touren von Stadt zu

jemand Hilfe braucht, dann bin ich für ihn

Stadt variieren, verfolgen wir alle offenbar

da. Das ist alte Berber-Ehre, auch wenn

ein und dasselbe Ziel: Die Menschen zu

ich ja inzwischen eine Wohnung habe.“

sensibilisieren für Themen wie Ausgren-

Linda, 53 Jahre, Stadtführerin aus Köln

zung und Armut. Dass das jeder von uns auf seine ganz persönliche Art und Weise

Heute ist die gebürtige Kölnerin mit einer

schafft, macht die Sozialen Stadtrundgän-

ganz besonderen Truppe um den Dom

ge zu etwas ganz Besonderem.“

unterwegs, nämlich mit Kolleginnen und

Peter, 53 Jahre, Stadtführer aus Zürich

Kollegen, die in Basel, Zürich und Düsseldorf genau das Gleiche tun wie sie. Ange-

Einen Tag später und rund 40 Kilometer

zettelt hat diese spezielle Art der Begeg-

weiter nördlich: Auch in Düsseldorf geht

nung das Team um die stellvertretende

die Schere zwischen Arm und Reich

Surprise-Geschäftsleiterin Sybille Roter,

immer weiter auseinander. Jeder zweite

die für die Sozialen Stadtrundgänge in

Einwohner und jede zweite Einwohnerin

Basel, Zürich und bald auch Bern zustän-

hat Anspruch auf Mietzuschüsse, und die

dig ist. Eine Art Betriebsausflug also – mit

offiziellen Schätzungen gehen von rund

Weiterbildungsfaktor.

1.000 wohnungslosen Menschen aus – die

Lindas Befürchtung, dass sich die erfahrenen Stadtführer auf ihrer Tour ohne His-

Dunkelziffer ist viel höher. Gut 20 Minuten Spaziergang von der

toriker Stankowski langweilen könnten,

berühmte

lässt die temperamentvolle Frau zunächst

Luxus-Shopping-Meilen Deutschlands,

D

ein wenig mit angezogener Handbremse

liegt das Büro der Organisation Fifty Fifty,

ie Steinsarkophage vor dem

starten: „Auch, wenn ihr Ähnliches erlebt

die sich in der Stadt der Gegensätze seit

Römisch-Germanischen Museum,

habt wie ich, hat doch jede Lebensgeschich-

vielen Jahren um die Randständigen küm-

knappe 100 Meter vom Kölner Dom

te etwas ganz Eigenes, nicht wahr?“ Alle

mert. Das gleichnamige Straßenmagazin

entfernt, sind seit Jahren mit schweren

nicken aufmunternd. Lindas Sorge ist unbe-

ist nur ein Teil des breiten Angebots der

Eisenplatten zugenagelt. Früher legten

rechtigt: Alle hängen an den Lippen der

Einrichtung, die neben der Sozial-Beratung

sich hier Obdachlose zum Schlafen rein.

Frau, die viele Jahre auf einem Friedhof

und Streetwork auch eine Galerie mit

Die „Kölsche Linda“, die selbst viele Jahre

Unterschlupf gefunden hat – ohne Decke

hochwertiger Kunst betreibt, deren Ver-

auf der Straße gelebt hat, erlebte das noch

und Schlafsack, wohlgemerkt. Sie hat so

kauf das Ganze mitfinanziert. Als neues

mit, sagt sie. Linda ist Verkäuferin von

lange auf dem Grab ihrer Großmutter

Standbein sind vor drei Jahren die so-

Deutschlands ältester Straßenzeitung,

gelebt, bis sie nicht mehr konnte. Abgema-

zialen Stadtrundgänge hinzugekommen,

dem DRAUSSENSEITER in Köln. Seit zwei

gert und schwer krank wurde sie vom Sozi-

die immer im Team durchgeführt werden.

Jahren ist sie zudem auch als Stadtführerin

aldienst katholischer Frauen aufgenommen

Eines der Duos besteht aus zwei Frauen,

der „Bürger und Berber“-Tour unterwegs,

und nach und nach aufgepäppelt. „Dass ich

Mirjam und Sandra – das ist einzigartig und

die sie für gewöhnlich gemeinsam mit

heute hier so vor euch stehe, verdanke ich

bietet einen ganz speziellen weiblichen

dem Historiker Martin Stankowski absol-

auch Projekten wie dem DRAUSSENSEI-

Blickwinkel auf das Thema Obdachlosig-

viert. Geplant und ausgeschrieben werden

TER und vielen Menschen, die an mich

keit. Die beiden wissbegierigen Freundin-

Königsallee,

einer

der

9


SOziALe STADTRUnDgänge

nen haben sich heute ebenfalls der Gruppe

die nötige Toleranz und Offenheit mit-

gutes Gefühl.“. Der heute 63-Jährige, des-

angeschlossen, um die Kollegen aus der

bringt: „Neulich beschwerte sich eine Frau,

sen Selbstwertgefühl noch vor fünf Jahren

Schweiz kennenzulernen. „Wir Stadtführer

weil sie auf der Tour gar keinen Obdach-

vollkommen am Boden gewesen sei, wie er

sind offenbar aus dem selben Holz

losen in der Gosse gesehen hat“, ergänzt

sagt, geht ganz offen mit seiner eigenen

geschnitzt, egal, wo wir herkommen“, freut

Peter aus Zürich. „Dabei achten wir ja

Geschichte um: Heimkindheit, Lehre zum

sich Sandra über die Begegnung. „Wir alle

extra darauf, dass wir niemanden vorfüh-

Schriftsetzer, Jobverlust bei der Umstellung

dürfen keine Angst vor großen Gruppen

ren. Dafür fehlt manchmal das Verständ-

auf Computertechnik. Als er wegen einer

haben und müssen eine Sprache sprechen,

nis.“ Eine Erfahrung, die auch das Stadt-

zu spät diagnostizierten Schlafapnoe bei-

die jeder versteht. Das ist schwerer, als man

führer-Duo Jörg und André in Düsseldorf

nahe einen Unfall baute, war er seinen

sich das so vorstellt!“, sagt sie. Sowohl

schon gemacht haben, wo sie die Einrich-

zweiten Job als Chauffeur auch los. Nach

Selbstbewusstsein als auch die laute Stim-

tungen und Wohnhäuser der Obdachlosen-

Jahren der Arbeitssuche galt er auf dem

me hat sie sich im Laufe der Zeit antrainiert

hilfe immer nur von Weitem zeigen. Nur

Arbeitsamt schließlich als nicht mehr ver-

– beides wichtige Voraussetzungen für

heute wird eine Ausnahme gemacht: In der

mittelbar. Depressive Schübe gaben ihm

ihren neuen Job, auf den sie sehr stolz ist.

Altstadtarmenküche gibt es für die Weit-

den Rest. „Obdachlos war ich nie, aber ich

gereisten einen deftigen Eintopf und zum

war am Ende. Und dann passierte eine Art

„Ich wusste, wenn ich nicht mutiger werde

Ende der Führung im Fifty Fifty-Büro einen

Wunder“, erinnert er sich an das Jahr 2013,

und in Zukunft nicht strikter eine Position

starken Kaffee. Den braucht auch der eine

als Sybille Roter von Surprise auf ihn

beziehe, würde ich nicht vor dieser großen

oder andere, um das Gehörte zu verdauen.

zukam und ihm die neue Idee der Sozialen Stadtrundgänge vorstellte. Zuerst zöger-

Gruppe Menschen bestehen können. Aber nun bin ich schon 1,5 Jahre dabei und

„Ich hatte eigentlich ein super Leben. Bis

lich, dann immer begeisterter entwickelte

sage gerne meine Meinung. Jedenfalls,

es mir bei einem Unfall die Schulter zer-

er mit seinem Partner verschiedene Tou-

solange es noch Männer gibt, die die spezi-

fetzt hat. Viele Operationen später verlor

ren, die seit Jahren gut gebucht sind. Beson-

elle Position der Frau in der Obdachlosig-

ich nicht nur meine Frau, sondern auch

ders stolz ist er auf seine Kandidatur für das

keit dementieren. Das Thema liegt mir am

meinen Job und kurz darauf meine Woh-

Basler Stadtparlament in diesem Jahr. „Mir

Herzen und ist somit auch fester Bestand-

nung. Und dann stand ich da in einer

ist klar geworden, dass die Themen Armut

teil meiner Touren.“

Stadt, die ich vorher wie meine Westenta-

und Ausgrenzung auch in der Politik stär-

sche zu kennen glaubte, und wusste nicht

ker vertreten werden müssen. Mit meiner

wohin. Warum? Weil ich immer wegge-

Kandidatur habe ich einen enormen Ach-

schaut hatte.“

tungserfolg erzielt“. Dass letztlich nur 400

Sandra, 49 Jahre, Stadtführerin aus Düsseldorf

„Willkommen auf der einzigen Wohnungsbesichtigung, bei der das Dach fehlt“,

Rolf, 65 Jahre, Stadtführer aus Basel

Stimmen zu einem Sitz fehlten, motiviert ihn, diesen Weg weiter zu verfolgen.

begrüßt Jörg die Besucherinnen und Besucher, die am Tag zuvor schon in Köln

„Ich nehme unglaublich viel von dieser

zusammen unterwegs waren. Inzwischen

Reise mit“, sagt Surprise-Stadtführer Mar-

„Ich trete bei unseren Stadtführungen

hat sich ein Gefühl eingestellt als kenne

kus, als er nach drei Tagen in Deutschland

nicht als Bittsteller auf, sondern als Exper-

man sich seit Jahren. Für die Fakten zu

wieder im Zug nach Basel sitzt. Vor allem

te. Dadurch erfahre ich täglich eine enor-

Beginn der Tour ist Sozialarbeiter Johan-

die Besichtigung der Überlebensstation

me Wertschätzung!“

nes Dörrenbächer zuständig, der die Orga-

Gulliver am Kölner Hauptbahnhof hat ihn

nisation der sozialen Stadtrundgänge bei

beeindruckt.

Markus, 63 Jahre, Stadtführer aus Basel

Fifty Fifty mitbetreut. „Inzwischen kom-

Für ihn war die Tätigkeit als Stadtführer

Nur wenige Tage nach der gemeinsamen

men auch immer mehr Anfragen von

von Anfang an mehr als ein Zusatzver-

Reise ins Rheinland treffen sich die beiden

Schulen“, erklärt er. „Deshalb haben wir

dienst zu Sozialhilfe und Rente. Er weiß

Surprise-Stadtführer Peter und Ruedi am

ein Begleitheft erarbeitet, weil wir die päd-

jetzt, dass er den Menschen etwas Wichti-

Zürcher Hauptbahnhof zum Mittagessen.

agogische Aufarbeitung der Tour nicht

ges mitzuteilen hat. Dass er sich gut aus-

Die beiden Männer bewältigen gemeinsam

auch noch leisten können und wollen“; er

drücken kann, merkt er an den positiven

bis zu vier Stadtführungen in der Woche

teilt das dünne, für Jugendliche anspre-

Rückmeldungen und dem Feedback nach

und treffen sich auch privat, weil sie sich

chend gestaltete Heftchen aus. „Klasse!“,

seinen zweistündigen Touren. „Ich sehe

gut verstehen. Heute tauschen sie erst ein-

gibt Markus aus Basel eine erste Rückmel-

jeweils, wie sich das Denken in einer Grup-

mal Reise-Erlebnisse aus. „Es war sehr

dung. „So etwas bräuchten wir auch

pe nach und nach wandelt, während wir

berührend zu sehen, dass wir alle im glei-

manchmal. Nicht nur für Jugendliche!“

gemeinsam unterwegs sind. Und dass wir

chen Boot sitzen“, fasst Peter zusammen.

Eine Anspielung darauf, dass nicht jeder

uns am Ende einer Stadtführung auf

„Und am Samstag hast du echt noch was

Teilnehmer eines Sozialen Stadtrundgangs

Augenhöhe begegnen. Ein unglaublich

verpasst, Ruedi“, neckt er den Freund, der


geRD BOnSe

Linda lebte auf dem grab ihrer eigenen großmutter, bis sie nicht mehr konnte� Heute führt sie einen Verein, der obdachlosen Frauen hilft� „ich mache eben Politik� im Kleinen“, sagt sie�

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SOziALe STADTRUnDgänge

„Auch wenn die Touren von Stadt zu Stadt variieren, verfolgen wir alle offenbar ein und dasselbe ziel: die Menschen zu sensibilisieren für Themen wie Ausgrenzung und Armut‘, sagt Peter, 53, aus zürich�"

„Willkommen auf der einzigen Wohnungsbesichtigung, bei der das Dach fehlt“, beginnt Jörg in Düsseldorf seine Tour�

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SOziALe STADTRUnDgänge

sich wegen einer wichtigen Stadtführung schon einen Tag früher auf den Rückweg gemacht hat. Der zuckt nur mit den Schultern. „Wenn ich versprochen habe, dass ich eine Führung übernehme, dann mache ich das auch. Ich habe in all den Jahren noch nie eine Führung abgesagt“, sagt der Mann mit der bunten Mütze selbstbewusst. Er klappt seinen Kalender auf, in dem er fein säuberlich jede einzelne Führung einträgt und über seine Einnahmen Buch führt. Wie ein Unternehmer behält er den Überblick über seine Termine – was gar nicht so einfach ist, denn

„ich mache seit 2014 Stadtführungen für Surprise� Mein Rekord sind 27 Führungen im Monat“, erzählt Ruedi aus zürich�

seine nächsten Wochen sind jetzt schon komplett ausgebucht. Aber Ruedi hat gelernt, sich durchzusetzen – seit seinem ersten Lebenstag als Frühchen, wie er erzählt. „Die Chan-

nicht die beste – weder psychisch noch phy-

bei der Arbeit. Gemeinsam mit seiner neuen

cen, das ich überlebe, standen fifty-fifty“,

sisch. Vielen geht bei einer derart verant-

Partnerin, die sich ebenfalls bei Surprise

grinst er. „Und ich habe es geschafft.“

wortungsvollen Tätigkeit auch die Puste aus.

engagiert, hat er inzwischen ein neues Leben

Andere verlässt dann doch beim Anblick

in Griechenland begonnen. An der Sonne, in

„Ich mache seit 2014 Stadtführungen für

einer großen Gruppe Menschen der Mut,

einem kleinen Dorf auf dem Peloponnes,

Surprise. Mein Rekord sind 27 Führungen

frei zu sprechen. So scheint es, als entstehe

fühlt er sich schon nach den ersten Besuchen

im Monat. Das macht mir große Freude.

gerade ein ganz neues Berufsbild: Das des

wie zu Hause. „Dass ich gemeinsam mit mei-

Heute geht es mir gut. Das war nicht immer

politisch engagierten Ex-Obdachlosen, der

nen Kollegen noch mal eine letzte Runde

so. Als meine Großmutter gestorben ist, war

mit seinem Straßen-Know-how und seiner

durch Köln und Düsseldorf drehen konnte,

das für mich ein harter Schlag. Aber ich

rhetorischen Begabung anderen Menschen

bedeutet mir viel“, sagt Rolf dankbar. Für ihn

habe gelernt, immer wieder aufzustehen

den Blick öffnet.

jedenfalls war der Job als Stadtführer der

und zu kämpfen.“ Ruedi, 58 Jahre, Stadtführer in Zürich

Der 65-jährige Rolf ist in Basel Stadtführer der ersten Stunde. Für ihn war der Ausflug

Schlüssel zu einem neuen Lebensglück. Oder eben wie ein Sechser im Lotto.

ins Rheinland eine Art Abschiedsgeschenk Nicht alle, die sich als Stadtführer bewerben,

von Surprise: Ausgerechnet er, der jahrelang

sind so zuverlässig und belastbar wie Ruedi,

im Straßenchor mitmischte, bevor er sich

Peter, Markus, Rolf, Linda, Sandra, Mirjam,

maßgeblich an der Entwicklung der unter-

Jörg oder André. Die gesundheitliche Verfas-

schiedlichen Sozialen Stadtrundgänge in

sung ist bei Menschen, die jahrelang dem

Basel und Zürich beteiligte, hat sich auf

Leben auf der Straße ausgesetzt waren, oft

seine alten Tage frisch verliebt – und zwar

lll

INFO

www.fiftyfifty-galerie.de www�draussenseiter-koeln�de www�vereinsurprise�ch/magazin 13


SOziALe STADTRUnDgänge

KÖLN 180° >>in die gegenrichtung knipsen

Postkartenmotive prägen das Bild einer Stadt� Sie werden von einheimischen und Besuchern hunderttausendfach reproduziert und millionenfach gesehen� Durch ihre Vervielfachung erlangen diese Motive einen ikonografischen Status. Früher wurde die Fotografie, im Gegensatz zur Kunst, als ein Werkzeug betrachtet, das die Wirklichkeit nur abgebildet� Heute wissen wir, Fotografen schaffen mit ihrer Auswahl die Realität; sie beeinflussen unsere Wahrnehmung

Hohenzollernbrücke

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und bilden ein „image“� Die Folge: Bestimmte Motive stehen für die Stadt� Kölns Außen- und innenwahrnehmung wird bestimmt von wenigen Bildern� Da ist an erster Stelle natürlich der Kölner Dom zu nennen, der in keinem Kölner Bildband, an keinem Kölner Postkartenständer fehlen darf� Weitere beliebte Motive der letzten Jahre sind die Kranhäuser im Rheinauhafen und die Liebesschlösser� Sie prägen das Bild Kölns bei Touristen und

stützen die eigene Stadtwahrnehmung der Bewohner und Bewohnerinnen� Doch wie sieht die Stadt aus, wenn der Fotograf sich einmal um die eigene Achse dreht und in die gegenrichtung des Postkartenmotivs fotografiert? Der Standpunkt bleibt identisch, die Brennweite des Objektivs und der Bildausschnitt bleiben gleich� Was sieht der Besucher? Welche Stadt eröffnet sich ihm? Wie wirkt Köln um 180° gedreht? Unser Redakteur Jens Hüttenberger machte das experiment�

Hohenzollernbrücke 180°


Altstadt

Altstadt 180°

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geDiCHT Groß St. Martin

Groß St. Martin 180°

Liebesschlösser

Liebesschlösser 180°

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Kranhäuser

Kranhäuser 180°

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BOnSe

KOVRU AUS BULGARIEN Kovru ist vor etwa 10 Jahren, aus Bulgarien kommend, in Köln gelandet. Er hat in vielen, sehr vielen, Gelegenheitsberufen gearbeitet. Er war auf dem Bau, hat Müll aufgelesen, hat Zeitungen verteilt, er war überall, wo es etwas Geld zu verdienen gab. Häufig stand er an Straßen und wurde manchmal von Firmen für kleinere Arbeiten abgeholt. Die Konkurrenz war groß und irgendwann hat er es nicht mehr geschafft. Heute schlägt er sich bettelnd durchs Leben, manchmal reicht es für einen Tag, häufig aber nicht. Er lebt von Tag zu Tag und vielleicht gibt es an einem besonderen Tag wieder etwas Arbeit für ihn. Foto und Text: gerd Bonse

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SPURen DeR ARMUT

Spuren der Armut

Maler-Bock-Gäßchen erinnerung an einen kölschen Diogenes

H

einrich Peter Bock erblickt 1822 als

Strauß Feldblumen, etwa mit den Worten:

wiesen, wo er sich als „Gemälde-Restau-

Sohn eines Schreiners das Licht

„Schöne Frau, ich gratuliere herzlich zu

rateur“ vorstellt. Ist er wirklich psychisch

der Welt. Da der Junge jedem bür-

Ihrem Namenstag. Sie sind die Edelste

krank? Sollte er nur den Verrückten spie-

gerlichen Beruf abhold ist und auch die

Ihres Geschlechtes. Mögen Amouretten

len, so verliert er das Spiel. Denn einen

Dragoner in Deutz nichts mit ihm anfan-

Sie in Ihren Träumen umspielen.“ Die

Monat später verlegt man ihn nach Düren

gen können, muss der 19-Jährige schon

Umschmeichelte lädt ihn zu Speis und

in die Provinzial-Irrenanstalt, in der er am

nach kurzer Zeit die Kaserne verlassen.

Trank ein. Bock vertilgt enorme Mengen

2. Dezember 1878 – erst 55-jährig – stirbt.

Bald macht er in seltsamer Aufmachung

und verabschiedet sich artig – nicht ohne

auf sich aufmerksam: Am linken Fuß ein

seinen Blumenstrauß diskret zum nächs-

Pantoffel, am rechten ein Stiefel mit Rei-

ten Termin mitzunehmen.

tersporn, über der linken Schulter ein

Einen festen Wohnsitz hat er nicht. In

spanischer Mantel, auf dem Kopf ein spit-

der kalten Jahreszeit verzieht er sich oft

zer Federhut und unterm linken Arm eine

in einen großen eisernen Dampfkessel am

Rolle, angeblich mit Zeichnungen. So

alten Ufer, weshalb nach frostigen Näch-

zeichnet ihn ein Zeitgenosse.

ten das Gerücht die Runde macht, er sei

Foto:Sabrina Burbach

Bock, der selbst nicht malt, stilisiert sich

„diß Naach en der Prumenad verkahlt“.

gerne als Künstler und „feiner Kenner der

Nach Verhaftungen wegen „fortgesetz-

echten Rubens“. Legendär sind seine

ter Müßiggängerei“ kommt er in die

Methoden, den hungrigen Magen zu fül-

Arbeitsanstalt nach Brauweiler, vier Jahre

len. Er besucht eine Wirtin aus gegebenem

später wird er wegen einer eitrigen Brust-

Anlass in ihrem Lokal, überreicht ihr einen

fellentzündung in die Lindenburg über-

Klaus Schmidt (*1935), Theologe und Historiker� er war Menschenrechtsaktivist, arbeitet in der Friedensbewegung und verfasste Bücher über Köln wie auch die rheinische Demokratiebewegung des 19� Jahrhunderts� Der Beitrag über „Maler Bock“, der in längerer Fassung bereits in dem Buch „Kölns kleine Leute� geschichten und Porträts“ (2011) erschienen ist, ist der zweite Teil der Reihe „Spuren der Armut“, die Christina Bacher und Martin Stankowski für den DRAUSSenSeiTeR konzipiert haben� 19


AUS Den einRiCHTUngen

Andreas Münzel heizte in der OASe ein�

Voting im OASE-Stil

Fotos: Daniel Steh

W

Kölschfraktion mit ihrem Lied vom Fött-

tiative Loss mer singe um Mode-

che, das zum einen zu einer Polonaise mit

rator Harald van Bonn gelungen,

annähernd 100 %iger Beteiligung führte

in der OASE für glänzende Augen, rauhe

und zum anderen ja von nichts anderem

Kehlen und glückliche Gesichter zu sor-

handelt als davon, dass wir schlussendlich

gen. Am 5.2.2017 waren die jecken Sänge-

alle gleich sind – ein Thema, das vielleicht

rinnen und Sänger mit den neuen Liedern

in der Wohnungslosenhilfe auch einen

der Session im Gepäck in der Anlaufstelle

besonderen Wert hat. Dass die Stimmung

für Wohnungslose zum alkoholfreien Ein-

über Stunden bombig war, war auch dem

singen zu Gast. Und wie bereits in der

Auftritt der „Singe und drinke“- Band um

letzten Session voteten die OASE-Besu-

Andreas Münzel zu verdanken, der zu

cher ganz anders als das herkömmliche

Beginn einheizte. Ihm und den Kneipen

Kneipenpublikum: Während nämlich die

Essers, Mollwitz, Oma Kleinmann und

neuen Lieder von Querbeat, Miljö und

Gaffel am Dom, die extra für die OASE

Kasalla mal eben nur im Mittelfeld lande-

Essensgutscheine zur Verlosung zur Ver-

ten, wählte man „Schön dat mer noch

fügung gestellt hatten, sei herzlich

zesamme sin“ von den Bläck Fööss auf

gedankt. Wie überhaupt dem gesamten

Platz 1. Auf der Zwei landeten die köl-

Loss mer singe-Team um den „Moderator

schen Rockabilly-Mädels von Rockemarie-

der Herzen“ Harald van Bonn – ihr seid

che, auf Drei die Paveier und auf Vier die

die Besten!!!! (cb)

Der kleine Rolf freundete sich gleich mit dem LMS-Team an�

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ieder mal ist es der Mitsing-Ini-


AUS Den einRiCHTUngen

Foto: Daniel Steh

, h c s n u w k c ü l G n e h Herzlic Abbé P ier re! Am 22. Januar 2017 jährte sich zum 10. Mal der Todestag von Abbé Pierre, dem Gründer der EMMAUS-Bewegung. Aus diesem Grund lud die Emmaus-Gemeinschaft aus Köln zur Gedenk-Veranstaltung ins gut besuchte Dom-Forum ein. Rolly Brings und sein Sohn Benjamin begleiteten den Abend musikalisch. Die Wohltätigkeitsorganisation Emmaus ist als Stiftung in mittlerweile 43 weiteren Ländern vertreten. Sie beschäftigt 1.400 Angestellte und 10.000 ehrenamtliche Helfer.

„Am schönsten ist es ohne Zweifel – in der Eifel!“ „Können wir nicht auch einmal ein ‚Loss

Rolly und Benjamin Brings führten musikalisch durch den Abend� Foto: Michael Mayé

mer singe‘ in Bad Münstereifel machen?“, lautete die Frage von „Loss mer singe“-Fan Thomas Kürsten. Und so kam es, dass „Jemönk sing met“ um DJ „De Plaat“ Harald van Bonn und Michael „Yeti“ Hartmann einen Ableger namens „Mönster sing met“ bekam. In Kooperation mit einer

SSM baut Unterkünfte und Möbellager erster Spatenstich am 15� März

Handvoll Münstereifler Jecken wurden im „Amadeus“ 20 neue kölsche Lieder vorgestellt und mitgesungen und am Ende durfte jeder Besucher seine Plätze 1 bis 6 benennen, um den Kneipensieger des Abends zu

es ist soweit: Der SSM (Sozialistische Selbsthilfe Mülheim) hat den Auftrag für den Rohbau eines zweigeschossigen Gebäudes an die Baufirma Pelle vergeben. Auf dem 200 qm großen Gelände „Am Faulbach“ entstehen eine gebrauchtmöbel-Verkaufshalle und darüber eine Wohnetage mit acht Räumen für obdachlose Menschen� Die Finanzierung dieses ersten Bauabschnitts geschieht aus Mitteln des Vereines MachMit! und des SSM� Der Förderverein freut sich über weitere Spenden für das Bauprojekt�

ermitteln. Auf einen guten sechsten Platz kamen Dave Zwieback mit „Widder hee“. Die Kölschrock-Band bestritt auch mit einem fulminanten Live-Auftritt das Zwischenprogramm und kam nicht ohne Zugaben von der Bühne. Dies war auch mehr als verdient, zumal Dave Zwieback mitsamt Technikern ohne einen Cent Gage den Weg in die Eifel angetreten hatten, um den guten Zweck zu unterstützen: der inzwischen berühmte rote Zylinder ging wieder für die OASE um und es kamen 555 Euro zusammen. Ein herzliches Danke an alle freiwilligen Helfer, an Dave Zwieback, an alle Spender und an Wirt Mattes, der mit dem 1. Bad Münstereifeler „Loss mer singe“ gleichzeitig seinen letzten Abend im „Amadeus“ erlebte – die urige Kneipe muss leider einem weiteren Outlet-Store

Spende an: MachMit! e.V. – Intelligente Selbsthilfe fördern · IBAN: DE53 3705 0198 1011 3427 04 Spenden sind steuerabzugsfähig

weichen. Mattes, dir viel Glück für die Zukunft!

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CARTOOn/KOLUMne

Cartoon: Heiko Sakurai

HALLO LIEBE FREUNDE! nun, da Frauchen wieder normal ist – Karneval ist ja vorbei –, können wir in unseren Alltag zurückkehren� ich kann euch sagen, so jecke zweibeiner sind ganz schön anstrengend� Und sie singen oft und viel; was ja ganz nett ist, doch dann tanzt Frauchen auch noch mit mir. Manchmal finde ich das lustig und dann denke ich wieder, hoffentlich wird das nicht unser neuer Sport� Vielleicht gewöhne ich mich ja auch daran� glaub ich aber nicht� ich mache viel lieber meine „nasenarbeit“ und suche Sachen – vor allem Leckerlis� Das macht 22

Spaß� Mein Dosenöffner ist da sehr kreativ� ihr fällt immer ein neues verrücktes Versteck ein� Jetzt wo die Sonne wieder mehr scheint, sind wir öfters im Park. Da finde ich neuerdings nicht nur Leckerlis – da laufen auch ganz tolle Ladies rum� An denen rumzuschnuppern ist auch cool� na ja, so als Mann schaut man halt ��� An meiner Kommunikation mit den Menschen arbeite ich noch� immer öfters versuche ich mit Frauchen zu reden und mich verständlich zu machen� ich brumme, knurre oder belle – je nach Thema� Wenn sie genau hinhört, rät sie was ich will� Sie lernt eigentlich recht schnell� Manchmal lege ich einfach die Pfote auf ihren

Arm oder stupse sie an, wenn es mir zu lange dauert bis sie mich verstanden hat� Darauf reagiert sie schon� Das mache ich meistens, wenn sie in die Arbeit vertieft ist oder am Computer sitzt� Was ich gar nicht leiden kann, ist, wenn sie sagt: „Warte, ich komme gleich“� Manchmal ist „gleich“ nämlich ganz schön lange, finde ich. Wenn es gar nicht anders geht, stelle ich mich mit den Vorderbeinen auf ihren Schoß� Mein Kopf ist dann ganz nah an ihrem Kopf. Dann lacht sie und sagt „Okay, ich komme sofort�“ So muss das sein� Bis bald, euer Clayd l l l HALLO, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der DRAUSSenSeiTeR-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen� in meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe� Foto: Kölsche Linda


BUCH-TiPPS

JANET CLARK

Black Memory ALS Clare orientierungslos auf einem Boot vor der indonesischen Küste erwacht, wird sie verhaftet� Sie soll ein kleines Mädchen entführt haben� Da sie selbst sich an nichts erinnern kann, ist sie jedem und allem gegenüber misstrauisch� nur durch den einsatz eines Mannes, mit dem sie angeblich verheiratet ist, kommt sie frei� zurück in London begreift sie, dass der Schlüssel zu dem Schicksal des vermissten Mädchens in ihrer erinnerung vergraben ist� Doch diese ist verschüttet - von einem Trauma, so extrem, dass sich Clare mit einem völligen Blackout zu schützen scheint� Die Münchner Autorin Janet Clark ist eine Meisterin der subtilen Spannung� geschickt gelingt es ihr den Leser in den gleichen hilflosen zustand zu versetzen, in dem sich ihre Protagonistin befindet: Ist das vermisste Mädchen mit der einzigartigen inselbegabung tatsächlich ihre Tochter? Warum kann sich die Ärztin an jedes Detail ihrer Ausbildung erinnern, aber nicht an ihren namen und auch nicht an das Verbrechen, das sie begangen haben soll? Was verheimlicht ihr Paul, der Ehemann? Und was führt ihre Freundin Angela im Schilde? Immerhin weiß sie mehr, als sie zu sagen wagt� Der neueste Thriller von Janet Clark ist bis zur letzten Seite spannend� Wir wollen mehr davon lesen! (cb) Janet Clark: Black Memory, Heyne, 12,99 Euro, ISBN 978-3-453-41833-2. TANA FRENCH

Gefrorener Schrei AN den Krimis der italo-amerikanischen Autorin, die seit 1990 in irland lebt, habe ich eigentlich nur eines auszusetzen: Sie sind zu lang, Tana French darf zu ausgiebig plaudern, jede Szene auswälzen bis zum gehtnichtmehr� Manchmal kommt sie dabei auf über 700 Sei-

ten� Puh� Da muss man erstmal durch� Alles andere stimmt weiterhin: ihr Wortwitz bezaubert nach wie vor, ebenso wie der rasante Schlagabtausch zwischen den Protagonisten und die mitreißenden Dialoge� Diesmal fängt alles eher harmlos an� Antoinette Conway hat es in der Mordkommission Dublins nicht leicht� Sie und ihr Partner Stephen Moran gelten als Außenseiter� Umso mehr freut es Conway, als ihr Chef sie mit einer bedeutenden Mordermittlung betraut� Allerdings nicht, ohne beiden eine Art Aufpasser zur Seite zu stellen� eine junge Frau wurde ermordet in ihrem kleinen Haus aufgefunden� Offenbar erwartete sie jemanden zu einem romantischen Stelldichein� Der Tisch ist festlich gedeckt, die junge bildschöne Frau hatte sich ordentlich aufgebrezelt� Bald schon stellt sich heraus, dass sie mit Rory verabredet war, einem eher schüchternen jungen Mann, den sie schon häufiger versetzte und den sie nun endlich mal zu sich nach Hause eingeladen hat. Rory gerät ins Fadenkreuz der ermittler, die eine Beziehungstat als Hintergrund vermuten� Doch dann nehmen die Dinge eine ganz eigenartige Wendung� Offenbar gibt es im Morddezernat irgendjemanden, der die Ermittlungen von Conway und Moran hintertreibt� Der Beweismittel verschwinden lässt, sie auf falsche Fährten lockt� Und schon bald haben sie Breslin in Verdacht, den Kollegen, der ihnen als Aufpasser zur Seite gestellt wurde� Doch das, was sich nach vielen hintergründig und mit viel Vergnügen zu lesenden Vernehmungen als Wahrheit herausstellt, ist so brisant, dass sich Moran und Conway hieran leicht die Finger verbrennen können� Wären sie selbst nicht so bauernschlau, so hinterfotzig, so ausgebufft� Was den Leser mit großem Vergnügen an den Volten teilnehmen lässt, die beide schlagen� An den Fußangeln und Fallen, die sie aufstellen und in die ihre Opfer auch prompt hineintapsen� zu lang mal wieder - aber grandios� Wirklich eine geschichte, die brennt� Und zwar lichterloh� Ingrid Müller-Münch

Tana French: Gefrorener Schrei, Scherz Verlag, Ü. engl. Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, 16,99 Euro, ISBN 978-3-651-02447-2.

JOY FIELDING

Die Schwester USA� es sollte ein Fest werden, dieser 10� Hochzeitstag von Hunter und Caroline� Dafür waren sie angereist, in dieses tolle Hotel, in dem als Überraschungsgäste ihre Freunde auf sie warteten� Doch dann wurde alles zum Alptraum� Am letzten Tag vor ihrer Abreise wollen sie noch einmal gemeinsam Essen gehen. Doch der Babysitter, der die fünfjährige Michelle und die zweijähre Samantha beaufsichtigen soll, sagt ab� Und Hunter überredet seine Frau, die schlafenden Kinder alleine zu lassen, man sei doch nur wenige Schritte entfernt unten im Restaurant� Und wenn man sich abwechsele, jeder alle halbe Stunde nach den Kindern schaue, könne doch gar nichts passieren� Doch dann geschieht es: Als beide so gegen 22 Uhr abends zurück in ihr zimmer kommen, schaut Caroline nach ihren Töchtern und schreit� Denn Samantha ist verschwunden� Und taucht nicht wieder auf� 15 Jahre lang� ihre ehe zerbrach an dem Drama, ihre ältere Tochter verachtet sie, ihr selbst wurde das Leben schwer gemacht durch die Presse� Doch dann, eines Tages, klingelt ihr Telefon� eine junge Mädchenstimme ist am anderen ende der Leitung� Sie glaube ihre verschwundene Tochter zu sein� Ob man sich nicht mal sehen könne, vielleicht sogar durch einen DnA-Abgleich klären könne, ob an ihrem gefühl was dran sei� Damit beginnt ein erneuter Alptraum für Caroline� zwischen Hoffen und Bangen� ist die fremde junge Frau die einst verschwundene Samantha? Oder sitzt sie einer Betrügerin auf, der es um Geld, um Ruhm, um sonst was geht? Die Autorin eines meiner Lieblingskrimis: „Lauf, Jane, Lauf“ hat sich von Anfang an auf Psychothriller spezialisiert� Und kann das mitreißend gut� Auch wenn ihre erklärungen, ihre zusammenhänge, die sie herstellt, manchmal etwas zu offensichtlich sind, so hält sie doch konstant bis zuletzt eine geradezu unheimliche Spannung� Ingrid Müller-Münch Joy Fielding: Die Schwester, Goldmann, Ü. amerik. Kristian Lutze, 19,99 Euro, ISBN 978-3-442-31272-6. 23


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IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln�de www�draussenseiter-koeln�de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln�de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe� Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www�dehaar�de Titelfoto Stefan Mager Fotos Christina Bacher, gerd Bonse, Jennifer Braun, Marie Breer, Sabrina Burbach, gulliver, Jens Hüttenberger, Kölsche Linda, Michael Mayé, Daniel Steh, Hanna Witte Cartoon Heiko Sakurai

24

Druck druckdiscount24�de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln�de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e�V� – OASe Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel�: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Dat Büdche, Aachener Straße 3, 50674 Köln gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASe, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, im Ferkulum 42, 50678 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen neusser Straße, neusser Str� 197, 50733 Köln BUnT Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln VieLFACH, Baudri-Platz, 50733 Köln

Kontoverbindungen iBAn: De66 3705 0198 0016 5020 31 SWiFT-BiC: COLSDe33, Sparkasse KölnBonn DRAUSSENSEITER ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene� Leserbriefe sind immer herzlich willkommen� Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich� Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht� nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert� es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1�1�2009� DRAUSSenSeiTeR ist Mitglied des


VORSCHAU

EINTRITT FREI z STADTGESPRÄCHE

Lebendige Demokratie durch gute Beteiligungskultur Oberbürgermeisterin Henriette Reker lädt diesmal zum gemeinsamen Stadtgespräch in den Bezirk ehrenfeld ein� Der inhalt soll die Frage sein: Wie wollen wir zukünftig miteinander leben? Wie gelingt es uns gemeinsam, in zeiten knapper Ressourcen den Herausforderungen der modernen, sich immer schneller entwickelnden Welt gerecht zu werden und gleichzeitig den hier lebenden Menschen das Heimatgefühl zu erhalten und einen Ort des Dazugehörens zu schaffen? Die aktuelle Debatte um die integration von Flüchtlingen zeigt dies in aller Deutlichkeit�

Andreas und Patrick sind jetzt stolze „Besitzer“ eines Holzhäuschens� Mit eigenem Schlüssel� Foto: Christina Bacher

HOME SWEET HOME

G Der Kölner Rat hat die Durchführung eines Bürgerbeteiligungsprozesses 2013 in gang gesetzt� ein aus Bürgerschaft, Politik und Verwaltung bestehendes gremium hat am 7� April 2016 ein eckpunktepapier verabschiedet, das im kommenden Jahr zu konkreten Leitlinien für Bürgerbeteiligung weiterentwickelt werden soll� ziel ist es, verlässliche und transparente Regeln für die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in Köln zu formulieren� Die Kölner Öffentlichkeit soll die Möglichkeit erhalten, aktiv an der gestaltung dieser Leitlinien mitzuwirken� Wann: 22� März 2017, 19 bis 22 Uhr Wo: Bürgerzentrum ehrenfeld Venloer Straße 429, 50825 Köln-ehrenfeld Der Veranstaltungsort einschließlich Toiletten ist für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer barrierefrei zugänglich� Parkplätze für Menschen mit Behinderung sind ebenfalls vorhanden�

Weitere Infos siehe www.stadt-koeln.de

anz unumstritten sind sie nicht, die Holzboxen, die Sven Lüdecke mit seinen Helfern baut und dann an Obdachlose verschenkt� „nicht menschenwürdig“ sei es, Menschen auf so kleinem Raum unterzubringen� Dass die elf Boxen, die bislang fertig sind, den Auflagen des Bauamts in keiner Weise entsprechen, ist dem Hobby-Handwerker dabei nicht ganz so wichtig: Der Kölner Fotograf baut eifrig weiter, optimiert und feilt am Konzept� Und freut sich daran, wenn bei der Schlüsselübergabe an seine obdachlosen „Kunden“ die sonst so müden Augen leuchten� Wir haben den in Gründung befindlichen Verein Little Home in Zündorf besucht und uns selbst ein Bild von der inzwischen weltweit beachteten Aktion gemacht�

Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. April 2017. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25


SeRViCe

http://skm-koeln�de/9�0/9�1�8/rochus-p�html rochus@skm-koeln�de

Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d� Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel�: 27 69 70-0, verwaltung�salierring@ diakonie-koeln�de, www� diakonie-koeln�de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18�30 Uhr (u� a� Postadressen u� Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8�30-12�30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, internetzugang Kleiderkammer: Di u� Do 9-11�30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SgB Xii, Ambulante Begleitung gem� § 67 SgB Xii, Betreutes Wohnen § 53 Sg Xii, Clearingstelle Claro im Trägerverbund

n Emmaus geestemünder Str� 42, 50725 Köln, Tel�: 971 17 31, info@emmaus-koeln�de, www�emmaus-koeln�de

Appelhofplatz: essenausgabe u� medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in gemeinschaft, günstiger einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen

n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel�: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u� 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 15-17 Uhr

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n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr� 81, nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum�de, www�koelnerarbeitslosenzentrum�de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15�30 Uhr

n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel�: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2� u� 3� Sonntag im Monat im Vringstreff, im Ferkelum 42, jeden 4� Sonntag in der MüTze, Berliner Str� 77, Köln-Mülheim

n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www�gubbio�de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische gesprächskreise, religiöse Filme

n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr� 6, 50825 Köln, Tel�: 3377063-4, Fax: 3377063-9

n Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Bahnhofsvorplatz 2a (1� etage), 50667 Köln-innenstadt, Tel�: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln�de, www�skm-koeln�de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz� Versorgung, PC-nutzung mit internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo�, Di�, Do�, Fr� 12-15 Uhr, Mi� 12-14 Uhr Sa�, So� und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr

n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel�: 278 56 56, info@vringstreff�de, www�vringstreff�de Mo bis Do 11�30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2� und 3� Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung

n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e�V� Basislager: Silcherstr� 11, 50827 Köln Tel�: 640 22 68, info@bfoev�de

Foto: gulliver

Foto: Hanna Witte

Angebote: täglich warmes essen von 12-14 Uhr, kalte u� warme getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u� -toilette), Wäschewaschen, Kleiderkammer nur für wohnungslose Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-nutzung mit internetzugang, Samstags Frühstück� Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr


SeRViCe

Kleiderkammer, gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche� Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc� in unserem gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen� gemeinsam mit emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz�

Nur für Frauen

n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V.

Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr

Peter-Michels-Str� 1-9, 50827 Köln Tel�: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne�de www�bauenwohnenarbeiten�de

n agisra e.V. informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr� 20a, 50667 Köln, Tel�: 0221/124019 oder 1390392, www�agisra�org

n Café Auszeit

Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen

Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel�: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln�de

Foto: Marie Breer

Tägl� essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u� nach Vereinbarung

n Café Auszeit, Schäl Sick SKF e�V�, Buchheimer Str� 36, 51063 Köln, Tel�: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit�schaelsick@skf�koeln�de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück

n Comeback n OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel� 0221/9893530 kontakt@oase-koeln�de www�oase-koeln�de

Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr

Offener Treff: Montag 10�30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11�30–13 Uhr Frühstück: Montag 10�30–13 Uhr

Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10�30–11�30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Montag 10�30-12 Uhr, Mittwoch 13-15�30 Uhr, Donnerstag 13-15�30 Uhr; Computer-Nutzung: nach Vereinbarung

Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle zwei Wochen, montags um 12�30 Uhr

notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath� Frauen e�V�, Mauritiussteinweg 77-79, nähe neumarkt, 50676 Köln, Tel�: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr� Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in notlagen: Schutz, Übernachten, essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und internetnutzung� Tiere sind erlaubt� Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich�

n Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel�: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven�de www� diakonie-michaelshoven�de notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung� Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet�

n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel�: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln�de www�notruf-koeln�de Beratung telefonisch, persönlich und per e-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; gruppenangebote

n Haus Rosalie gocher Straße 45, 50733 Köln-nippes, Tel�: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen�de Wohnprojekt für Frauen

n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr� 14, 50823 Köln-ehrenfeld Tel�: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen�de Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str� 56, 51063 Köln-Mülheim Tel�: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen�de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung

n Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren gereonstr� 13, nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel�: 0221/13 35 57 essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo�, Mi�, Do� und Fr� von 12-15�30 Uhr Di� von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di� und Mi�, gekocht wird Mo� und Fr�

Nur für Männer n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr� 11, 50678 Köln, nähe Chlodwigplatz, Tel�: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund�de Sozialarbeiterische Beratung, erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u� Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren

n „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr� 11, 50678 Köln, nähe Chlodwigplatz, Tel�: 931221-54, th�klahr@johannesbund�de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SgB Xii: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr�: 8-16�30 Uhr


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