25. Jahrgang Nr. 181 Oktober 2017
R E T I E S N E S s U A R D IN
Foto: Christina Bacher
Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D
0,90 e für den Verkäufer
1,70 e
Treib-Gut HAARE
HEILSARMEE
HALTUNG
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vorwort
Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser,
Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3
im Leben gibt es immer mal Phasen, in denen man sich lieber treiben lässt. Ohne bestimmtes Ziel – einfach sehen, was auf einen zukommt. Auch mal schön! Doch was, wenn
Treibgut
man daueraft den Boden unter den Füßen verliert? Regelrecht zum Treibgut wird? Da helfen Einrichtungen wie das Erik-Wickberg-Haus, das unsere Redakteurin Sabrina Burbach besucht hat. Der Text über die Anlaufstelle für wohnungslose Männer in Köln-Ehrenfeld befindet sich auf den Seiten 4-7.
S.4
Jeder Einzelne zählt ������������� 4-7
Kluge Frauen scheitern anders ��������������������������� 8-10 Schlimmer geht immer ���������11-12
Unser Cover-Foto entstand während der INSP-Jahrestagung in Manchester auf einem Gang durch die Salford Quays.
S.16
S.8
Kommentar: Der Neubau der JVA Köln ��������������������� 14-15 100 % – Benefizkonzert �������16-18
Foto: Christina Bacher
Was genau versteht man eigentlich unter Scheitern? Und
Spuren der Armut: Kalk ������������������������������������������� 19
bringen Krisen – beruflich oder privat – einen nicht vielleicht sogar immer ein Stück weiter? Nadine Nentwig hat sich nach einem Tief wieder gefangen und möchte anderen mit ihrem Buch Mut machen. Was sie zu sagen hat, können Sie auf den Seiten 8-10 lesen. Wir sprechen uns hoffentlich am 17.10.2017, dem Tag der Armut: Da lädt der AK Umbruch und die Intiative
Aus der OASE ���������������������������������������������������� 20-21 Cartoon/Kolumne ��������������������������������������������������� 22 Buch-Tipps ���������������������������������������������������������� 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27
wohnen wagen zum Gespräch über Wohnungslosigkeit im Besonderen und Speziellen, Ecke Schildergasse/Gürzenichstraße, ein. Ganz herzlich
Christina Bacher
Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: nach Terminvereinbarung 3
jugend Liebe
4
jugend
Jeder Einzelne zählt Text und Fotos: Sabrina Burbach
5
jugend
li.: Treffpunkt für regen Austausch: das Café Vis-à-vis direkt am Haus. M. li.: Aktuell gibt es im Haus 55 Einzelzimmer.
o. von li. nach re.: Sozialarbeiter Lazlo Kröll, Sozialarbeiterin Kristiane Kreuzbusch und Einrichtungsleiter André Herbst. li.: Der gemeinsame Speisesaal. Eine Etage tiefer befindet sich die Kleiderkammer.
Das Haus liegt etwas versteckt vom hippen Ehrenfeld mit seinen Cafés und Ateliers. Doch wer ab der Haltestelle Äußere Kanalstraße stadteinwärts läuft, gelangt schnell zu dem weißen, dreistöckigen 70er-Jahre-Zweckbau. Der hohe Zaun, der das Gelände umgibt, mag auf Passanten etwas abschreckend wirken. Wie ein Gefängnis oder ein Hochsicherheitstrakt. Doch das ist es ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Das Tor steht offen – für Besucher wie Bewohner. Seit 1974 ist das Erik-Wickberg-Haus der Heilsarmee Anlaufstelle für wohnungslose Männer. 6
D
erzeit gibt es im Haus 66 Plätze. 55 davon sind Einzelzimmer, zweckmäßig eigerichtet mit Bett, Tisch, Stuhl, Schrank, Waschbecken und Vorhängen. Eine Dreier-WG wohnt in
der Subbelrather Straße. Hinzu kommen acht Einzelwohnungen in der Marienstraße. Die sind bei den Männern besonders beliebt. Hier haben sie eine eigene Küche zur Verfügung und können in der Praxis ausprobieren, wie das später einmal aussehen könnte – wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Selbst zu kochen und einen Haushalt zu führen. Genau das sollen sie nämlich für das betreute Wohnen und für das spätere Wohnen in einer eigenen Wohnung trainieren. Einen gemeinsamen Speisesaal mit Küche, zwei Köchen und zwei Hauswirtschaftshilfen gibt es im Haupthaus auch. Im Geschoss darunter befindet sich noch ein Kellergewölbe mit Kleiderkammer, Werkstatt und Waschkeller. Ihre Kleidung
TREIBGUT
waschen die Männer selbst. Zieht einer
schen an, die keine Papiere haben, keinen
mit dem passenden Namen Vis-à-vis. Hier
aus, renovieren die anderen das Zimmer.
Personalausweis, keine Krankenversiche-
wird das Sommerfest gefeiert und es finden
Aber auch in anderen Bereichen haben die
rung. Gar nichts. Dann kümmern wir uns
Spiele-Nachmittage statt. Jeder kann mit-
Männer die Möglichkeit, mit anzupacken.
darum. Damit sie wieder ins System einge-
machen. Die Gemeinde der Heilsarmee
Meist handwerklich, in der Küche oder
gliedert werden können. Hier braucht aber
bietet zudem Seniorentreffen, Bibelkreise
beim Reparieren von Geräten. Das gehört
keiner einen Personalausweis, um unser
und einen sonntäglichen Gottesdienst an.
mit zum Konzept des Hauses und dient
Angebot zu nutzen. Wir müssen nur seine
Schließlich ist die Heilsarmee ja auch eine
dazu, ihnen eine Aufgabe zu geben, einen
Identität feststellen können.“ Das passiert
christliche Freikirche, die ihre sozialen
geregelten Alltag. „Jeder kann bis zu fünf
meist, wenn die Männer ankommen. Wer
Dienste nach dem Motto des Gründers Wil-
Stunden pro Tag arbeiten, 25 Stunden die
Glück hat, kann am Tag der Anfrage schon
liam Booth – „Suppe, Seife, Seelenheil“ –
Woche. Für je 1,53 Euro. Uns geht es dabei
einziehen. Vorausgesetzt, es ist ein Platz frei
anbietet. Besagte Suppe kostet im Spei-
hauptsächlich darum, die Basisfähigkeiten
und das Zimmer schon bezugsfertig. Man-
sesaal des Erik-Wickberg-Hauses übrigens
zu trainieren. Pünktlichkeit, Zuverlässig-
che Bewohner finden sich so gut zurecht,
50 Cent. Und das Angebot wird gut ange-
keit, Konzentration, Ausdauer, Belastungs-
dass sie später selbst ein Teil des Teams
nommen. Gleiches gilt fürs Vis-à-vis: Ins
fähigkeit. Alles, was sie später auf dem
werden. Der Pförtner ist so ein ehemaliger
Café trauen sich immer mehr Menschen,
ersten oder zweiten Arbeitsmarkt benöti-
Bewohner – und fast alle Pförtner vor ihm.
die mit dem Haus selbst sonst nichts zu tun
gen“, sagt André Herbst, der das Erik-Wick-
Die Vorteile liegen auf der Hand: Er kennt
haben. Neben Bulgaren und Rumänen
berg-Haus seit 2016 leitet. Einer der weni-
sich mit den Bewohnern und den Begeben-
kommen auch Rentner vorbei oder andere
gen Leiter, der selbst nicht in die Heilsar-
heiten gut aus, weiß, wie es läuft und was
Neulinge aus dem Veedel. Sie tauschen sich
mee eingetreten ist. Früher wäre das noch
die Einzelnen brauchen.
aus, verbringen gemeinsam Zeit, erzählen
undenkbar gewesen. Da wohnten die
Freizeitgestaltung ist auch immer ein
aus ihrem Leben. Darauf möchte das Team
Einrichtungsleiter sogar selbst mit im
Thema. „Die Bewohner können selbst
aus dem Haus künftig gerne weiter aufbau-
Haus – mitsamt ihrer Familie. Und sie nutz-
vorschlagen, was sie interessiert. Letztens
en – den Menschen zeigen, dass Wohnungs-
ten auch den Garten. Heute sitzen dort
waren sie zum Beispiel in Maastricht. Ein
lose auch ganz normale Menschen sind.
meist die Sozialarbeiter in ihrer Pause.
Ausflug ins Phantasialand kommt auch
Möglichkeiten dazu gibt es viele. 2017 hat
immer gut an. Alles, was im Kostenrahmen
die Heilsarmee das Erik-Wickberg-Haus von
Der Hilfeplan: Gemeinsam ans Ziel
möglich ist“, sagt Sozialarbeiterin Kristi-
der Stadt gekauft. In den nächsten zwei bis
Die Heilsarmee nimmt Männer im Alter
ane Kreuzbusch, die seit Januar im Haus
drei Jahren soll alles komplett saniert wer-
von 21 bis 65 Jahren auf. Momentan ist von
arbeitet. Da sie noch woanders zu tun hat,
den. Innen wie außen. Die Bewohner haben
25 bis 65 Jahren alles dabei. Bis zu zwei
schließt sie routinemäßig ihre Bürotür ab,
schon einige Flure verschönert und in
Jahre können sie im Erik-Wickberg-Haus
bevor sie geht. Auch das gehört mit zur
Arbeitsgemeinschaften
bleiben. Die meisten wohnen etwa ein hal-
Arbeit. Denn die Büros und die Wohnflu-
gezeichnet. Für mehr Nähe zu den Anwoh-
bes Jahr vor Ort, finden dann eine andere
re befinden sich alle im selben Gebäude-
nern hat André Herbst auch noch einen
Unterkunft oder werden in eine neue Ein-
trakt. Vor dem Büro ihres Kollegen hat sich
Wunsch: „Der Zaun soll weg, damit das
richtung vermittelt. In einigen Fällen gehen
mittlerweile eine lange Schlange gebildet.
Haus offener und freundlicher wirkt. Der
die Männer wieder zurück auf die Straße;
Heute ist nämlich der erste Donnerstag
Heilsarmee ist es wichtig, dass sie an die
etwa wenn die Zusammenarbeit nicht
im Monat, der Tag, an dem die Männer ihr
Orte geht, wo gesellschaftlich stigmatisiert
funktioniert hat oder die Bewilligung aus-
Taschengeld erhalten: 110,43 Euro, finan-
und ausgegrenzt wird. Deshalb sagt sie ja
läuft. Damit das möglichst nicht passiert,
ziert vom Kostenträger des Hauses, dem
‚jeder zählt und jeder ist wichtig’. In der
arbeiten die Sozialarbeiter mit den Bewoh-
Landschaftsverband Rheinland.
sozialen Arbeit sollte das, denke ich, gene-
Bilder
rell immer ein Grundsatz sein.“
nern bestimmte Ziele aus, die die Männer sie im sogenannten Hilfeplan fest. „Viele
Café Vis-à-vis: Kommt doch mal rüber
möchten gerne eine eigene Wohnung fin-
Neben den Angeboten in den Bereichen
den, gesund werden, Kontakt mit ihrer
Wohnen, Arbeiten und Weitervermittlung
Familie aufnehmen oder ihre Schulden
ist dem Haus auch ein guter Draht zu den
verringern“, erzählt Sozialarbeiter Laslo
Nachbarn wichtig. Schließlich befindet sich
Kröll. Er selbst wünscht sich, dass die
die Einrichtung inmitten eines Wohngebie-
Bewohner zuverlässiger im Erledigen von
tes. Direkt gegenüber liegt eine Kinderta-
Ämter- und Behördengängen werden. „Ich
gesstätte. Als Ort der Begegnung nutzen die
finde das wichtig. Hier kommen oft Men-
Bewohner vor allem das angegliederte Café
sich für ihren Aufenthalt setzen, und halten
neue
lll
die heilsarmee (KdöR)
Erik-Wickberg-Haus Stationäre Einrichtung der Wohnungslosenhilfe Marienstraße 116-118 50825 Köln Telefon: 0221.955 609–0 Café Vis-à-vis: Mo. bis Fr. geöffnet Mehr Infos unter: www.heilsarmee.de/ewh 7
TREIBGUT
Kluge Frauen scheitern anders „Nach einer ordentlichen Bruchlandung macht das Aufstehen wieder richtig Spaß!" Nadine Nentwig im Gespräch mit Christina Bacher
Nadine Nentwig
8
TREIBGUT
DRAUSSENSEITER: Liebe Nadine Nentwig,
auf Bewerbungen, mitleidige Blicke. Richtet
DRAUSSENSEITER: Sie beschreiben im ersten
was verstehen Sie unter Scheitern?
sich der Grad des Scheiterns vielleicht auch
Teil des Buches recht ausführlich, dass sich
Nadine Nentwig: In meinem Fall verstehe
nach der Fallhöhe? Oder erlebt man das
zunächst Ihre Geschäftspartnerin in die
ich unter Scheitern die Aufgabe meiner
eher subjektiv?
Elternzeit (und später ins Ausland) verab-
Firma. Ich habe meine PR-Agentur mit
Nadine Nentwig: Wer viel hat, hat auch
schiedete. Später hinderte Sie Ihre eigene
dem Vorhaben gegründet, aus ihr ein soli-
viel zu verlieren. Das heißt, ja, ich denke,
Familienplanung daran, weiterhin als Wor-
des Unternehmen zu machen, das dauer-
dass man umso tiefer fällt, je höher man
kaholic unterwegs zu sein. Unterschwellig
haft Bestand hat. Das hat am Ende leider
fliegt. Gleichzeitig hängt der Umgang
schwingt also auch das Thema Mutterschaft
nicht funktioniert, was ich als Scheitern
damit stark mit der eigenen Persönlich-
als Karrierekiller mit, wenn man so will. Was
empfinde.
keitsstruktur zusammen. Ich hatte immer
raten Sie jungen Müttern aus heutiger Sicht,
sehr hohe Ansprüche an mich selbst, woll-
die Beruf und Kind unter einen Hut bekom-
DRAUSSENSEITER: Schon in dem Titel Ihres
te immer alles perfekt machen. Deshalb
men wollen?
Buchs „Kluge Frauen scheitern anders“
bin ich auch sehr hart mit mir ins Gericht
Nadine Nentwig: Ich hatte es mir definitiv
steckt viel Selbstironie: Denn schon im Vor-
gegangen, als klar war, dass ich meine
leichter vorgestellt, Kind und Karriere mit-
wort geben sie zu, dass Sie Ihren Umgang
Agentur für immer aufgeben muss. Bis ich
einander zu verbinden. Es ist eine riesige
mit dem Scheitern eben nicht besonders
für mich akzeptiert hatte, dass es ganz
Herausforderung, die immer Opfer fordert
schlau angestellt haben. Sie waren 33 Jah-
normal und menschlich ist, auch mal Feh-
und mit einem enormen organisatori-
re alt, als Ihre ehemals erfolgreiche Fashi-
ler zu machen, war es ein langer Weg.
schen und meist auch finanziellen Aufwand verbunden ist. Jede Frau muss hier
on-PR-Agentur ins Straucheln geriet. Was hätten denn „Klügere“ an Ihrer Stelle
DRAUSSENSEITER: Nahezu alle Menschen
für sich eine ganz individuelle Lösung
gemacht?
würden sich so eine Geschäftsaufgabe sicher
finden. Wichtig ist dabei, sich selbst nicht
Nadine Nentwig: Die Entscheidung, die
zu Herzen nehmen, gerade auch, wenn ein
zu vergessen und sich von seinem Perfek-
Agentur aufzugeben, als absehbar war, dass
riesiger Schuldenberg übrig bleibt. Bei Ihnen
tionsanspruch zu verabschieden, sonst
ich sie leider nicht mehr retten kann, war
aber kamen, wie Sie es sehr anschaulich
reibt man sich zu sehr auf.
klug. Unklug war vielmehr mein
schreiben, nach einer ganzen Weile noch
Umgang mit dem vermeintlichen
Panikattacken, eine Therapie und eine län-
DRAUSSENSEITER: Sie haben sich heute wie-
Scheitern. Ich habe mir für alles
gere berufliche Auszeit dazu. In Ihrem Buch
der selbstständig gemacht, arbeiten u.a. als
die Verantwortung gegeben
nimmt diese Zeit nach der Insolvenz eine
Texterin und Buchautorin. Offenbar läuft es
und mich über viele Jahre
noch wichtigere Rolle ein als die Geschäfts-
– und Sie sind ja inzwischen sogar zweifache
hinweg gefragt, was ich
aufgabe selbst. Ist es also auch entscheidend,
Mutter – anders / besser als damals. Was ge-
oder
wie man mit so einem Bruch im beruflichen
nau hat sich für Sie durch diese überwundene
anders machen kön-
Lebenslauf umgeht? Oder provokant: Ist
Krise vielleicht auch zum Positiven verändert?
hätte
besser
Scheitern Typ-Sache?
Nadine Nentwig: Ich habe die Krise für
„Supergau“ zu ver-
Nadine Nentwig: Ich glaube, kein Mensch
mich tatsächlich als Chance genutzt und
meiden. Außer-
gibt einfach so sein Unternehmen auf und
einige Dinge in meinem Leben geändert.
dem habe ich
macht dann einfach weiter, als wäre nie
Als Agenturinhaberin stand ich perma-
mich geschämt,
etwas gewesen. Glücklich schätzen kann
nent unter Druck und trug sehr viel Ver-
habe lange Zeit
sich derjenige, der so eine Niederlage
antwortung. Das wollte ich so für mich
mein
sportlich sehen kann und sich denkt
nicht mehr. Deshalb habe ich mich ganz
Scheitern zu vertu-
„Neues Spiel, neues Glück“. Ich konnte
bewusst dafür entschieden, mein Business
nen, um diesen
versucht,
schen, und war zu stolz,
das leider nicht so leicht nehmen und war
klein zu halten. Ich habe kein festes Büro,
um Hilfe anzunehmen.
deshalb eine ganze Weile schwer damit
keine festen Mitarbeiter und auch sonst
Das war, rückblickend betrach-
beschäftigt, die Krise zu verarbeiten. Da
keine größeren Verpflichtungen mehr. Ich
tet, sehr unklug von mir und hat
ich auch keinen Plan B in der Tasche hat-
arbeite freiberuflich von Zuhause aus und
mir das Leben nur unnötig schwer
te, musste ich mich komplett neu orien-
teile mir meine Arbeitszeit selbst ein. So
tieren, was gleichzeitig natürlich auch
kann ich meinen Tag auf die Bedürfnisse
eine große Chance sein kann. Eine Chan-
meiner Kinder abstimmen und Job und
DRAUSSENSEITER: Sie haben mit Promis wie
ce, die ich nutzen wollte, weshalb ich mir
Familie optimal miteinander kombinieren.
Elle Macpherson diniert und Champagner-
die Zeit genommen habe, genau zu über-
party und Reisen gehörten zum beruflichen
legen, wie mein Leben in Zukunft weiter-
DRAUSSENSEITER: Was war für Sie das
Alltag. Dann plötzlich Arbeitsamt, Absagen
gehen soll.
Schlimmste in dieser Zeit, in der Sie ja erst
gemacht.
9
TREIBGUT
einmal die Geschäftspartnerin und Freun-
haben und ich empfinde heute große
ren, die anderen weiterhelfen können. Man
din, dann die Kunden und Mitarbeiter ver-
Dankbarkeit dafür, dass ich so ein Leben
kann das Buch also auch als Ratgeber sehen,
lassen haben und Sie zunächst ganz alleine
führen darf, weil ich weiß, dass es alles
der einen durch die Tiefen der Selbststän-
da standen?
andere als selbstverständlich ist.
digkeit navigiert. Vor allem plädieren Sie dafür, sich von außen Hilfe zu holen, wenn
Nadine Nentwig: Ganz alleine stand ich zum Glück ja nie da, da mein Partner, mei-
DRAUSSENSEITER: Die Mühlen der Bürokra-
man selbst nicht mehr weiter weiß. Hätten
ne Familie und auch viele Freunde immer
tie haben auch bei Ihnen Spuren hinterlas-
Sie sich damals so einen Ratgeber gewünscht?
hinter mir standen. Aufgrund der Schul-
sen und nur Hartnäckigkeit und ein neuer
Und hätten Sie ihn auch gelesen?
den, die die Unternehmensaufgabe mit
Sachbearbeiter hat sie vor weiterem Scha-
Nadine Nentwig: Als ich im Begriff war,
sich brachte, war der finanzielle Druck
den gerettet. Als Sie finanzielle Sorgen hat-
mich selbstständig zu machen, habe ich
und die damit verbundene Existenzangst
ten, stand Ihnen Ihre Familie bei und an
viele Ratgeber gelesen. In denen stand
besonders belastend. Jeden Tag hatte ich
Ihrer Seite stand ein Ehemann mit einer
aber immer nur drin, wie man zum Bei-
Panik den Briefkasten zu öffnen, weil ich
Vollzeit-Stelle. Was aber kann man Men-
spiel einen Businessplan schreibt, eine
befürchtete, wieder ein Schreiben von
schen raten, die vielleicht keine Familie im
Einnahmen-Überschuss-Rechnung auf-
einem Gläubiger oder einen Vollstre-
Hintergrund haben oder sich vielleicht nicht
stellt, welche Rechtsformen es gibt usw.
ckungsbescheid vom Finanzamt zu erhal-
so gut ausdrücken können, weil sie beispiels-
Kein Ratgeber erklärt dir, was es bedeutet,
ten. Das war sehr zermürbend, weil sich
weise aus dem Ausland kommen und keine
plötzlich die Verantwortung für vier Mit-
diese Phase ja über mehrere Jahre
Muttersprachler sind? Wer berät solche Leu-
arbeiter zu tragen, welche Auswirkungen
erstreckte.
te und steht ihnen bei? Haben Sie da Ideen,
es haben kann, wenn man sich gemeinsam
erste Anlaufstellen oder einen heißen Tipp?
mit einer Freundin selbstständig macht,
DRAUSSENSEITER: Überhaupt liest sich Ihr
Nadine Nentwig: Darüber habe ich auch
wo man Hilfe findet, wenn mal nicht alles
Buch – bei allem Leid, was darin beschrieben
sehr oft nachgedacht. Was wäre gewesen,
rund läuft. Wie man mit diesem enormen
wird – unterhaltsam und streckenweise lus-
wenn ich nicht diese Unterstützung
Druck umgeht und und und. Mir war es
tig. Ist das auch eine Gabe, die man braucht,
gehabt hätte? Und selbst ich als Mutter-
einfach wichtig, einen ehrlichen Ratgeber
um gut durch eine Krise zu kommen: Humor?
sprachlerin habe die Schreiben vom
zu schreiben, der auch oder insbesondere
Oder handelt es sich eher um so eine Art
Finanzamt kaum verstanden und musste
die emotionalen Aspekte einer Selbststän-
Galgenhumor oder gar Sarkasmus?
vieles nachfragen. Wichtig ist, den Kopf
digkeit aufgreift. Ich selbst habe mich
Nadine Nentwig: In meinem Fall war es
nicht in den Sand zu stecken, sondern sich
damals sehr nach Gleichgesinnten ge-
auf jeden Fall Galgenhumor, der mir tat-
aktiv um Hilfe zu bemühen. Immer wieder
sehnt, mit denen ich mich hätte austau-
sächlich über vieles hinweggeholfen hat.
nachzufragen, wenn man etwas nicht ver-
schen können und hätte mich daher sehr
Und ich freue mich immer sehr, wenn ich
steht. Signalisieren, dass man gewillt ist,
über so einen Ratgeber gefreut.
die Zuhörer auf meinen Lesungen mit
sich um seine Angelegenheiten zu küm-
meinen Anekdoten zum Lachen bringe.
mern. Ich habe für mich irgendwann
Denn dann weiß ich: Wenigstens war das
beschlossen, mir Hilfe zu suchen, und bin
Ganze am Ende noch für einen Lacher gut!
fündig geworden. Unter anderem habe ich mich bezüglich der Schulden an die
DRAUSSENSEITER: Wie man aus manchen
Onlineberatung der Caritas gewandt. Das
Passagen im Buch (siehe Leseprobe S. 11)
geht anonym und man muss nicht lange
ersehen kann, hat sich ihr Blick auf andere
auf eine Antwort warten. Außerdem habe
Menschen in dieser Zeit grundlegend geän-
ich mir einen ehrenamtlichen Unterneh-
dert. Haben Sie diese Veränderung bewusst
mensberater und eine Mentorin zur
erlebt und wie bewerten Sie das heute?
Unterstützung gesucht, die mir geholfen
Nadine Nentwig: Die Krise hat mir gezeigt,
hat, die Krise zu bewältigen. Es erfordert
dass ich trotz meines Scheiterns immer
natürlich Mühe, sich all diese Helfer
noch verdammt reich bin. Ich bin gesund,
zusammenzusuchen, aber am Ende lohnt
ich habe eine Familie und Freunde, auf die
es sich und ich habe die Erfahrung
ich immer zählen kann. Außerdem habe
gemacht, dass, wer aktiv Hilfe sucht, diese
ich ein Dach über dem Kopf und kann mir
in der Regel auch erhält.
den Luxus erlauben, mir an einem heißen
10
Sommertag ein kühles Eis zu kaufen. Das
DRAUSSENSEITER: Sie haben sich die Mühe
ist so viel mehr als viele andere Menschen
gemacht, Tipps und Adressen zu recherchie-
lll
Info
Nadine Nentwig: Kluge Frauen scheitern anders, Eden Books, Februar 2017, 208 Seiten, ISBN-10: 395-9-10088-4, ISBN-13: 978-3-95910088-5, 14,95 Euro.
gescheiter(t)
Auszug aus dem Ratgeber „Kluge Frauen scheitern anders“
Schlimmer geht immer Vom Loslassen und Abschied nehmen
O
ft erfahren wir Hilfe, ohne groß
Nervennahrung in Form eines dicken fetten
darum gebeten zu haben. Meistens
Schokofrappuccinos mit Sahne für das
sind wir uns dieser Hilfe nicht ein-
anstehende Gespräch zu wappnen. Als ich
mal bewusst. Das gilt übrigens sowohl für
damit geräuschvoll schlürfend an besagtem
den Helfenden als auch für den, dem
Obdachlosen vorbeiging, sah er mich fle-
geholfen wird.
hend an und fragte: „Lässt du mich mal dran
An einem meiner schwersten Tage, dem
ziehen? Es ist so heiß!“ Doch ich schlurfte
Tag, an dem ich die Türen meiner Agentur
nur irritiert von dannen, voll und ganz auf
für immer schließen musste, half mir ein
meinen Weltschmerz konzentriert.
Obdachloser über meine Traurigkeit hin-
In den Räumen selbst wartete bereits
weg. Er saß direkt vor dem Bürogebäude. Es
der Vermieter beziehungsweise ein gelack-
war ein sehr heißer Tag. Eigentlich ein rich-
ter Jungspund von der Hausverwaltung
tig schöner Tag, denn das Universum hatte
auf mich. Auf unserem einstigen Bespre-
tatsächlich geliefert – wenn auch mit reich-
chungstisch, den wir eigens von einem
lich Verspätung – und es gab einen Nach-
Schreiner hatten maßanfertigen lassen,
mieter für das Büro. Die Schlüsselübergabe
hatte er das Übergabeprotokoll ausgebrei-
stand an. Ich hätte froh sein müssen, den
tet, das ich nur noch unterschreiben muss-
Kostenfaktor Büro endlich los zu sein. Statt-
te. Er hielt mir auffordernd einen Kugel-
dessen überwog der Abschiedsschmerz. Vor
schreiber unter die Nase und ich setzte,
lauter Aufregung war ich eine halbe Stunde
wie in Trance, meine Unterschrift darun-
zu früh vor Ort und beschloss, mich mit
ter. Dann übergab ich ihm die Schlüssel.
Folgende Fragen können helfen, Deine Gedanken in eine positivere Richtung zu lenken (am besten Du notierst Dir die Antworten in einer Liste): • Wie stellst Du Dir den Worst Case vor? • Was kannst Du tun, um zu verhindern, dass er eintritt bzw. was kannst Du tun, wenn er eintritt? • Wofür könnte Deine aktuelle Situation gut sein bzw. was kannst Du daraus für die Zukunft lernen? • Welche Erfolge konntest Du in den vergangenen Jahren verbuchen und wie ist es zu diesen Erfolgen gekommen? • Worin bist Du besonders gut? Könntest Du Deine Talente vielleicht noch besser beruflich nutzen? Wenn ja, wie? • Was hat Dir in der Vergangenheit geholfen, Krisen zu überwinden?
11
TREIBGUT
„Gut, das war’s“, sagte er daraufhin. „Ich
buch eingeklebt und folgenden Text dazu
nahm ich bewusst die Treppe und ließ
verabschiede mich. Ziehen Sie die Tür
geschrieben: „Am 23. Dezember habe ich
dabei meinen Tränen freien Lauf. War der
dann einfach hinter sich zu. Auf Wieder-
beschlossen mich in den Mutterschutz zu
Abstieg jetzt das Symbol für meine
sehen“, rief er mir zu und war kurz darauf
verabschieden, was mir ziemlich schwer
Zukunft? Würde es ab jetzt nur noch ber-
auch schon verschwunden.
gefallen ist. Der letzte Arbeitstag und auch
gab gehen? Wäre ich auch bald obdachlos
Jepp, das war’s also jetzt. Meine Agentur
schon die Zeit davor, waren nicht gerade
und müsste vor meinem ehemaligen Büro
war ab sofort Geschichte. Nur noch eine
einfach für mich, weil ich mir die ganze
auf der Straße kampieren?
verblassende Erinnerung.
Zeit Gedanken gemacht habe, wie die Fir-
Unten angekommen, trat ich aus dem
Ein letztes Mal schlenderte ich durch
ma ohne mich laufen wird. Nichtsdesto-
Gebäude auf die Straße. Die warmen Son-
alle Räume und blieb lange in meinem
trotz wusste ich auch, dass es langsam an
nenstrahlen schienen mir direkt ins
Bürozimmer stehen. Ich sog alle Eindrü-
der Zeit war, mich ein bisschen zu schonen
Gesicht und trockneten meine Tränen. In
cke noch einmal ganz bewusst auf, um sie
und zu Hause zu bleiben. Am 23. war ich
der Hand hielt ich noch immer meinen
für immer zu bewahren. Als wir damals in
dann ziemlich sentimental und immer
Frappuccino. Dabei fiel mein Blick auf den
unser Büro eingezogen waren, hatte ich
kurz vorm Weinen. Ich habe letzte
Obdachlosen und plötzlich überkam mich
gerade erfahren, dass ich schwanger war.
Abschieds-E-Mails an meine Kunden
ein Gedanke.
Ich habe also die gesamte Schwanger-
geschrieben und war zum Abschluss noch
Meine aktuelle Situation war gerade
schaft in diesen Räumlichkeiten ver-
einmal mit Rosa essen. Den Mitarbeitern
verdammt beschissen. Ja, ich hatte Schul-
bracht, mich oft gefragt, wie alles so kom-
habe ich gesagt, dass wir uns gar nicht groß
den, keinen Job, musste meine Agentur
men würde, wäre mein Sohn erst einmal
verabschieden müssen, weil ich sowieso
aufgeben, hatte absolut null Plan, wie es
auf der Welt. Ob und wie sich Kind und
regelmäßig vorbeikommen oder mich
weitergehen sollte. Das alles war großer
Karriere miteinander vereinen ließen.
zumindest melden würde. Ich wollte kein
Mist, ohne Frage. Aber heute schien die
Kurz vor Weihnachten feierten wir
großes Abschieds-Tamtam. Das hätte es
Sonne, ich hatte ganz viel Zeit und immer
schließlich meinen offiziellen Abschied in
irgendwie so endgültig gemacht.“
noch genug Geld in der Tasche, um mir
die Elternzeit. Ich ging mit einem lachen-
Jetzt stand ich genau an dem Platz, an
an einem herrlich warmen Tag wie diesem
den und einem weinenden Auge. Lachend,
dem das Foto aufgenommen worden war.
einen eisgekühlten Frappuccino zu kau-
weil ich mich wie verrückt auf mein Baby
Wie gut, dass ich zum damaligen Zeit-
fen. Also konnte es doch wohl so schlimm
freute. Weinend, weil ich besorgt war, wie
punkt noch nicht wusste, dass es ein
nicht sein, entschied ich, besorgte mir
in der Agentur wohl alles so laufen würde,
Abschied für immer war. Dass ich nie wie-
einen weiteren Frappuccino und schenkte
wenn ich eine Zeit lang nicht mehr jeden
der an diesen Ort zurückkehren würde.
ihn dem Obdachlosen. Dieser wusste
Tag vor Ort war. Es gibt ein Foto von die-
Zumindest nicht als diejenige, als die ich
zunächst gar nicht, wie ihm geschah, sah
sem letzten Tag. Es zeigt mich, wie ich
ihn verlassen hatte.
mich dann aber freudestrahlend an und
kugelrund an meinem Schreibtisch sitze
Dann ging ich zur Tür, holte noch ein-
rief laut: „Danke, du wunderschöne Prin-
und lachend in die Kamera winke. Ich
mal tief Luft und zog sie ganz langsam
zessin!“ „Ich habe zu danken“, erwiderte
habe es in mein Schwangerschaftstage-
hinter mir zu. Für den Weg nach unten
ich lächelnd und spazierte davon.
Fazit:
Im Rahmen einer Selbstständigkeit kann es immer wieder zu Krisen kommen. Das ist kein Grund gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Auch wenn Dir im ersten Augenblick alles absolut trost- und hoffnungslos erscheint, so ist es doch immer eine Frage der Perspektive. Anstatt Dich auf den Verlust und Deine vermeintlichen Schwächen zu konzentrieren, solltest Du Dich besser auf das fokussieren, was Du hast und kannst.
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jugend
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen
Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen
Arbeiten
Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung
Pflegewohnheim
begleiten und fördern I beraten und anleiten
Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
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kommentar
einmal befasst. In ihrer Deidesheimer Erklärung heißt es: „Nur eine leistungsstarke und unabhängige Justiz garantiert einen starken und sozialen Rechtsstaat – die Grundlage von Freiheit, Sicherheit und Wohlstand.“ Dass Gefangene heute noch, im Jahr 2017, in Armut entlassen werden, in Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit, möchte man nicht sehen. Aus der Diskussion um die Flüchtlinge wissen wir, dass viel von Bekämpfung der Fluchtursachen die Rede ist, aber tatsächlich wird in die Flüchtlingsabwehr investiert. Wie ignorant die Bekämpfung von Ursachen ist, zeigt die Geschichte der Drogenpolitik. Vor 20 Jahren erklärte Jörn Foegen, der damalige Leiter der JVA Köln, im Interview mit der Zeitschrift der Grünen im Rat der Stadt Köln: „Entscheidend ist, dass wir sagen, ein Drogenabhängiger ist krank. Dann frag ich mich, was soll der
Der Kommentar
denn bei mir? Bin ich leitender Arzt oder
Der Neubau der JVA Köln
sind, dann muss ich ihnen das Medika-
bin ich Knastdirektor? Wenn die krank
… und die neue Law and Order-Regierung in Düsseldorf
ment geben. Das ist im Moment die Droge. Ein Schweizer Versuch hat ja sogar gezeigt, dass es besser ist, gleich anständiges Heroin zu geben anstatt Methadon. Gäbe es das notwendige Suchtmittel unter
über 500 Plätze – dieses ignoriert. Protes-
dann hätten wir beides, den vernünftigen
zeiger und Rundschau über den Neu-
te sind nicht öffentlich kommuniziert
Umgang mit der Droge und das Infekti-
bau der JVA berichtet. 2020 soll mit
worden. Unsere kleine Ausstellung „Für
onsproblem gelöst.“ In Köln ist nicht ein-
dem Neubau begonnen werden. Nach
ein Europa ohne Jugendgefängnisse“, mit
mal die Basisversorgung der Süchtigen mit
sechs Jahren soll die neue JVA stehen.
der wir von 2007 bis 2011 in NRW unter-
Drogenkonsumräumen realisiert. Die
Statt der 1.200 Haftplätze sollen es „nur“
wegs waren, wurde von Lokalzeitungen
Grünen, die Linke und die FDP haben
noch 1.000 sein und die Zellen werden 2
wohlwollend begleitet, blieb aber poli-
Absichtserklärungen zur Entkriminalisie-
qm größer. Die Toiletten werden nicht
tisch folgenlos. Der ehemaligen Gefäng-
rung von Cannabis in ihre Programme
mehr offen sein, sondern in abgetrennten
nisdirektor Thomas Galli findet derzeit
aufgenommen, aber der Alltag in den
Räumen.
mit seinen Vorträgen, Interviews und
Städten wird vom Räuber und Gendarm-Spiel dominiert.
Es ist trostlos, dass es zu diesem Projekt,
Büchern eine größere Öffentlichkeit – ob
das 240 Millionen kosten soll, keine öffent-
es politische Folgen haben wird, bleibt
liche Diskussion um Alternativen gibt.
abzuwarten.
Warum benötigt NRW in Köln ein Gefäng-
Ähnliches kann zur Gefangenengewerk-
zu besichtigen, die es geschafft haben, im
schaft festgestellt werden, die seit vier
Zuge ihres „War on drugs“ mehr Bürge-
Für den Jugendvollzug gibt es immerhin
Jahren nicht nur für die reguläre Bezah-
rinnen und Bürger zu inhaftieren als Russ-
Statements von Kriminologen, die für eine
lung und die Einbeziehung der Gefange-
land und China zusammen, heißt es im
Größe von maximal 200 Haftplätzen plä-
nen in die Sozialversicherung streitet. Die
Koalitionsvertrag der neugewählten
dieren. Wie wir wissen, hat die Politik mit
Justizministerkonferenz, die im Juni zwei
CDU-FDP-Regierung in Düsseldorf:
den Jugendvollzugsanstalten in Wupper-
Tage in Deidesheim tagte, hat sich mit der
„Christdemokraten und Freie Demokra-
tal-Ronsdorf und Heinsberg – beide haben
Rentenversicherung für Gefangene nicht
ten werden künftig eine Null-Toleranz-Po-
nis mit über 1.000 Plätzen?
14
Als wäre das Scheitern der Null-Toleranz-Politik nicht seit Jahren in den USA
Foto: Lou Oates
L
ärztlicher Begleitung in anderer Form, etztens haben Medien wie Stadtan-
kommentar
litik gegen Kriminelle verfolgen, um den
Strafrechtspflege dar. Unser Ziel ist des-
kann, um Ersatzfreiheitsstrafen zu redu-
besonderen Charakter Nordrhein-Westfa-
halb die Sicherstellung ausreichender
zieren. Wir werden ein Pilotprojekt für
lens als tolerantes und vielfältiges Land
Haftkapazitäten sowie eine höhere Effek-
den Jugendstrafvollzug in alternativen
dauerhaft bewahren zu können.“
tivität des Strafvollzuges. Wir halten es für
Formen auf den Weg bringen.“ Und: „Durch eine Optimierung des Übergangs-
Seit über 100 Jahren wird im Hinblick
geboten, den Sicherungsauftrag des Straf-
auf die Straffälligkeit von armen Leuten
vollzugs wieder als Vollzugsziel gesetzlich
managements zur Vorbereitung der Ent-
betont, dass eine gute Sozialpolitik die
festzuschreiben.“
lassung aus dem Vollzug werden wir dabei
beste Kriminalpolitik ist. Bei CDU und
Und natürlich wird nicht mit Jörn Foe-
helfen, dass ehemalige Strafgefangene
FDP in Düsseldorf ist das nicht angekom-
gen gefragt, was die Süchtigen im Straf-
nach Haftverbüßung wieder Fuß fassen.
men. Sie fordern nicht nur mehr Polizei:
vollzug sollen. Bekämpft werden sollen
Durch Gewährleistung einer umfassenden
„Die gegen das Votum der Polizeigewerk-
sie: „Wir werden Drogenkonsum und
Entlassungsvorbereitung in der letzten
schaften beschlossene Kennzeichnungs-
-handel im Strafvollzug konsequent
Phase des Vollzugs werden wir zudem die
pflicht für Polizeivollzugsbeamte werden
bekämpfen. Zu diesem Zweck werden wir
Basis für den bestmöglichen Übergang zu
wir wieder abschaffen.“
künftig mehr Drogenspürhunde einsetzen
einem straflosen Leben in Freiheit bieten.“
Im Abschnitt „Personelle Ausstattung
und die Anzahl der Kontrollen erhöhen.
Angesichts der großen Zahl von Arbeits-
und Personalentwicklung“ erfahren wir,
Außerdem werden wir eine NRW-Initiati-
und Obdachlosen in unseren Städten und
dass das Recht gesellschaftliche, politische,
ve zur besseren Bekämpfung von Drogen
der sich weiter öffnenden Schere zwischen
wirtschaftliche und internationale Bezüge
im Strafvollzug in den Bundesrat einbrin-
Arm und Reich, sind das Wunschvorstel-
hat: „Dazu werden wir die kritische Aus-
gen.“ Um den dummen Kleinkrieg zwi-
lungen von Leuten, die es vielleicht gut
einandersetzung mit den gesellschaftli-
schen den süchtigen Gefangenen und
meinen, aber keine Ahnung haben.
chen, politischen, wirtschaftlichen und
ihren Bewachern zu ändern, wäre immer-
Das Kapitel Justiz endet mit einem Aus-
internationalen Bezügen des Rechts in der
hin auch die Zulassung von Heroin als
blick auf „kriminalpolitische Akzente“, in
Juristenausbildung stärken.“ Wieso hat
Medikament möglich, statt die Substituti-
der das Wort Sozialpolitik an keiner Stel-
der Straftäter diese Bezüge nicht?
on mit Methadon, mit der das Drogenpro-
le vorkommt. Kriminalität ist ein soziales
Die Autoren des Koalitionsvertrags
blem in Haft nicht zu lösen ist. In
Phänomen, für das es soziale Lösungen
erwähnen Prävention einmal im Abschnitt
Baden-Württemberg wurde die Vergabe
gibt. Wer Kriminalität zu einer Eigenschaft
„Terrorismusbekämpfung und -präventi-
von Heroin immerhin angedacht: „Seit
von Menschen macht, transformiert sozi-
on“. „Neben der repressiven Strafverfol-
2011 sieht eine Verwaltungsvorschrift des
ale Konflikte in Probleme der Überwa-
gung und der Gefahrenabwehr wollen wir
Justizministeriums Baden-Württemberg
chung und Kontrolle. Die Polizei kann
vor allem die Prävention stärken. Dazu ist
vor, dass geeignete Gefangene an einer
aber nicht Armut überwinden und die
ein wirksames Konzept zu erarbeiten. Ins-
‚Diamorphin-Substitution‘ teilnehmen
Gewalt in den Familien beenden und sie
besondere muss die Aufklärung in den
können sollen.“ Bis dato umgesetzt wurde
kann den Süchtigen nicht helfen.
Schulen verstärkt werden, da gerade junge
die Vorschrift nicht.
Menschen Adressaten von gezielten Wer-
Klaus Jünschke
Dessen ungeachtet, hat in einem bun-
bemaßnahmen der Extremisten sind.
desweit
Zudem sollen Austeigerprogramme aus-
Beschluss, die mit drei Richter und Rich-
wohl
bislang
einmaligen
geweitet werden.“ Auch hier wird deutlich:
terinnen besetzte Große Strafvollstre-
nicht in der Gesellschaft muss sich etwas
ckungskammer des Landgericht Freiburg
ändern – die Pädagogik soll‘s richten.
(Az.: 12 StVK 402/13 (SV), Entscheidung
Nicht nur bei der Polizei sind mehr Stel-
vom 08.10.2013, die Justizverwaltung ver-
len geplant – sie werden auch Richtern
pflichtet, dem Betroffenen, Herrn R. „bin-
und Staatsanwälten versprochen und den
nen einer Frist von 6 Monaten (…) die
Bediensteten im Strafvollzug. Bei der
Teilnahme an einer Diamorphin-Substitu-
Überschrift „Sicherer Strafvollzug“ ahnt
tion anzubieten.“
man schon, was kommt: „Die Bereitstel-
Angesichts der hohen Rückfallquoten
lung einer ausreichenden Anzahl von
wird angedeutet, wie etwas Besseres an
Haftplätzen ist eine staatliche Kernaufga-
die Stelle des Gefängnisses treten könnte:
be. Sie stellt die Grundvoraussetzung für
„Die Sozialtherapie werden wir auswei-
einen effektiven Strafvollzug, das Gelin-
ten, um Rückfallrisiken zu minimieren.
gen von Resozialisierung und das Vertrau-
Wir werden prüfen, wie das Ableisten
en der Bevölkerung in eine geordnete
gemeinnütziger Arbeit gefördert werden
lll
Info
Weiterführende Links zum Thema www.rundschau-online.de/region/koeln/millionenprojekt-zeitplan-fuer-jva-neubau-in-ossendorfsteht-weitestgehend-27845970 www.jugendliche-in-haft.de www.thomas-galli.de https://ggbo.de www.metropolnews.info/mp265537/deidesheimererkla%CC%88rung-eine-starke-justiz-fu%CC%88reinen-starken-rechtsstaat www.gruenekoeln.de/pages/rr/105/rr10507.htm http://annefreiburg.blogsport.de/2013/11/08/heroinim-knast 15
Foto: Ralph Sondermann
benefiz
Die Kölsch-Rockband DAVE ZWIEBACK wurde 2012 von Clemens Roer gegründet. Mit ausschließlich eigenen Songs in rheinischer Mundart hat die Band bisher drei EPs veröffentlicht: „Jeck, verzäll!“ (2014), „Ze Hus!“ (2015) und „Dave Zwieback – live“ (2016). Unter dem Motto „Kölsch-Rock – nor för üch“ präsentieren sich die fünf Musiker Eddie Leo Schruff (Gesang), Clemens Roer (Keyboards), Klaus Haarmeyer (Schlagzeug), Claudio Chariarse (Gitarre) und Thomas Meister (Bass) mit handgemachter Rockmusik und gefühlvollen Balladen – immer wieder mit einem Augenzwinkern, kleinen Doppeldeutigkeiten und musikalischen Eskapaden.
100 %
hslung musikalische Abwec für die OASE und Freunde guter Musik
Clemens Roer über den Konzertabend „Dave Zwieback hilft!“ im Lapidarium von Mireille Herz
16
benefiz
I
ch habe viele Ideen – manche sind
Erfolge zurückblicken. So gewann man
songs wie „Uns Stadt es bunt“ bis zu alber-
wirklich verrückt – aber diese war
2015 sowohl den „Kölsche Musik Bänd Kon-
nen Spaßsongs wie „Grümmel en der Tröt“.
es wert, sofort umgesetzt zu wer-
test“ als auch das „Loss mer singe Live Cas-
Einen Kontrast zu den lauteren Tönen bei
den.“ Clemens Roer, Kopf der Kölschrock-
ting“. Außerdem hatten Dave Zwieback mit
Dave Zwieback wird im Oktober Philipp
Band „Dave Zwieback“ berichtet voller
„Ze Hus“ und „Zweimol Fastelovend“
Oebel bilden, der sich ganz den traditionel-
Stolz von den Vorbereitungen zum „Dave
schon zwei Mal Hits in der Songauswahl
len Kölschen Krätzchen verschrieben hat.
Zwieback hilft“-Konzert , das am 5.10.2017
der karnevalistischen Mitsing-Initiative.
Begleitet nur von seiner Gitarre, erzählen
ab 19.30 Uhr im Lapidarium stattfinden
Dabei sind Auszeichnungen gar nicht das,
die teilweise fast hundert Jahre alten Lieder,
wird. Helfen möchte die Band mit dieser
worauf die Band zuallererst schielt: „Wir
die er interpretiert, meist von Streichen, sind
Aktion der OASE: „Die Einnahmen gehen
wollen Stücke schreiben, die den Leuten
aber immer gewürzt mit einer Prise Humor.
zu 100 % an den guten Zweck. Da bleibt
und uns gefallen. Die Texte dürfen hier und
Oebel sollte den meisten Kölnern durch
nichts hängen – weder bei den Musikern,
da mal zwischen den Zeilen zu deuten sein,
seine
noch bei der Technik.“
Foto: Armin Zedler
„
„Stroßesänger-Sonndachstour“
zum Nachdenken anregen und ein bisschen
bekannt sein: Jeden Sonntag führt er Freun-
Roer hatte den Plan, einen Abend zu
anspruchsvoller sein. Aber natürlich immer
de des alten Kölschen Liedguts durch ein
gestalten, an dem Bands auftreten, die er
komplett auf Kölsch.“ Positives Feedback
Veedel, in dieser Saison den Eigelstein.
persönlich schätzt und die dem Publikum
von Seiten des Publikums ist dem Songwri-
Texthefte werden ausgeteilt, bei einem Spa-
möglichst gute und breit gefächerte Unter-
ter von Dave Zwieback das Wichtigste: „Die
ziergang gibt Oebel Anekdoten zum Besten
haltung bieten: „Ist doch klar: Je mehr Leu-
Zuhörer sollen nach dem Konzert sagen
und natürlich wird ganz viel gesungen. Cle-
te von dem Programm angesprochen wer-
‚Das war ein cooler Abend‘ – selbst, wenn
mens Roer schätzt an seinem Kollegen vor
den, desto mehr kommt am Ende für den
sie uns vorher nicht kannten. Und zum
allem die Authentizität: „Ich liebe Krätzchen
guten Zweck rum.“ Gemeinsam ist allen
Glück passiert das ziemlich oft.“ Die fünf-
und Philipp Oebel bringt sie perfekt rüber
Musikern nur die Sprache, in der gesungen
köpfige Band hat bisher drei EPs veröffent-
– nicht nur musikalisch, sondern auch als
wird: Kölsch.
licht, das erste eigene Album soll im Okto-
Typ. Man spürt, dass er voll hinter dem steht,
Natürlich wird Anfang Oktober unter
ber folgen. In eine Stil-Schublade lässt sich
was er tut.“ Bei Konzertabenden wie diesem
anderem Roers Band DAVE ZWIEBACK
Dave Zwieback kaum einordnen. Das
ist Oebel eher selten anzutreffen. Deshalb
auftreten. Er gründete die Kölschrock-For-
Repertoire reicht von gefühlvollen Balla-
freute sich der Organisator umso mehr über
mation 2012 und kann bereits auf einige
den wie „Em Hätze“, über melodische Rock-
die Zusage des Krätzjessängers – natürlich
Die Baend wurde etwa 1992 als Coverband gegründet und nach der Entdeckung, in der eigenen Mundart schreiben zu können, entstanden immer mehr Stücke in kölscher Sprache. Dies wurde ausgebaut und so entwickelte sich mit den Jahren ein umfangreiches Repertoire von rockigen Titeln bis hin zu berührenden Balladen in der geliebten „kölschen Sproch“. Die Baend sind Oliver Kerk (Gitarren und Gesang), Claus Connot (Bass und Gesang), Kai Gehlen (Schlagzeug und Gesang), Lutz Meißner (Keyboards und alles was Tasten hat …)
17
benefiz
Foto: Thomas Ahrendt
Die Bläck Fööss wurden 1970 gegründet und haben bisher 42 Alben veröffentlicht. Viele Lieder aus ihrem weit mehr als 400 Titel umfassenden Fundus sind schon längst zu Evergreens geworden („Bye by my love“, „Du bes die Stadt“ u.a.) – manche haben bereits den Status von Volksliedern (Lieder wie „Drink doch eine met“, „En unserem Veedel“, „Unsere Stammbaum“ u.a.) und gehören zum kölschen Liedgut. 2017 hat sich die Besetzung der Band auf zwei Positionen verändert. Sänger Mirko Bäumer hat die Nachfolge von Kafi Biermann angetreten und anstelle von Peter Schütten ist nun Pit Hupperten (Gitarre, Gesang) mit dabei.
Der Organisator von „Dave Zwieback
man kann eben nichts dafür!“ So hofft Roer
hilft!“ ist überwältigt von dem Zuspruch,
auf regen Zuspruch seitens des Publikums.
Weitere Mitstreiter bei „Dave Zwieback
den seine Idee erhalten hat und weiterhin
Und den wird er bekommen, denn wo sonst
hilft!“ werden Die Baend sein. Auch diese
erhält: „Ich habe wirklich nur mit den Bands
bekommt man für 15 Euro gleich vier
vier Musiker singen auf Kölsch, und das
gesprochen, die jetzt tatsächlich auftreten.
Top-Musikacts an einem Abend geboten?
schon seit 2005. Die Songs erinnern an frühe
Nicht mal eine andere Location musste ich
„Ich kann jedem nur empfehlen, sich das
BAP-Zeiten. Die Einladung zu „Dave Zwie-
anfragen“. Mit dem LAPIDARIUM konnte
anzuhören. Es wird ein sehr bunter Abend
back hilft!“ sprach Clemens Roer spontan
Clemens Roer eine echte Kult-Kneipe als Ort
werden – mit einem guten Gedanken und
aus, als er die Formation um Frontmann
gewinnen. Obwohl Wirt Ernst Mörs, der sich
einer tollen Kombination von Bands.“
Oliver Kerk beim diesjährigen „Kölsche
Mitte 2018 in den Ruhestand verabschieden
Musik Bänd Kontest“ im Piranha hörte. Der
wird, eigentlich keine Konzerte mehr beher-
Songwriter war sofort begeistert von dem
bergen will, macht er für „Dave Zwieback
anspruchsvollen Kölschrock. Das Publikum
hilft!“ eine Ausnahme – eine große Ehre für
teilte seine Einschätzung: Die Baend wurde
den Organisator und ein echter Gewinn für
zweite bei dem Wettbewerb, der bisher größ-
den guten Zweck.
ganz im Stil der ironischen Krätzchentexte: „Ich muss dir leider sagen: Ich bin dabei!“
te Erfolg in der Bandgeschichte.
18
Dass der Erlös des Abends komplett an
Mit dem Highlight des Abends im Lapi-
die OASE gehen würde, war für Roer von
darium erfüllt sich Clemens Roer einen
vorneherein klar: „Mir war der Köln-Bezug
persönlichen Traum: einmal mit den Bläck
wichtig. Deshalb wollte ich ein lokales Pro-
Fööss auf der Bühne stehen. Kafi, Bömmel
jekt unterstützen. Und bei der OASE weiß
und Hartmut haben ihre Teilnahme zuge-
ich, dass das Geld auch wirklich ankommt.“
sagt. Der Keyboarder bezeichnet die „God-
Der Songwriter verbindet ein persönliches
fathers der Kölschen Musik“ als prägender
Anliegen mit seinem Engagement für Men-
Einfluss seiner Kindheit. Welche Musik die
schen in sozialen Schwierigkeiten: „Wenn
drei Fööss darbieten werden, bedarf keiner
man Schulden hat, kann man schnell
weiteren Erklärung – zweifellos das High-
obdachlos werden. Ich mag dieses Klischee
light des Abends.
nicht, dass das selbstverschuldet ist. Nein –
lll
tickets
Wann: Donnerstag, 05.10.2017, 19.30 Uhr Wo: Lapidarium (Eigelstein 118, 50668 Köln) Wer: > Dave Zwieback > Die Baend > Philipp Oebel > Bömmel, Kafi & Hartmut von den Bläck Fööss Moderation: Georg Hinz (Loss mer singe) Eintritt: 15 EUR Verkauf: > Buchladen Neusser Straße (Neusser Str. 197) > Lapidarium (Eigelstein 118) > Geschäftsstelle der Oase e.V. (Alfred-Schütte-Allee 4) > Abendkasse Websites der Bands: Dave Zwieback - www.davezwieback.de Philipp Oebel - www.philipp-oebel.de Die Baend - https://die-baend.jimdo.com Bläck Föss – www.blaeckfoeoess.de
spuren der armut
Spuren der Armut
Kalk um die Jahrhundertwende Ein von Industrie geprägter Ort
Der alte Wasserturm oberhalb der Köln-Arkaden ist noch ein Relikt aus vergangener Zeit in Kalk. Foto: Christina Bacher
Manche Familien hielten sich in nur einem einzigen Zimmer auf, das als Wohnund Schlafzimmer und Küche gleichsam diente. Oft lebte dort zusätzlich noch eine Ziege – sozusagen die Kuh des kleinen Mannes. Sie gab Milch für die Kinder und war leicht zu ernähren. Die sogenannten Schlafgänger, meist alleinstehende Männer, die sich keine Wohnung leisten konnten, hielten tagsüber die Betten warm, wenn die Väter auf der Arbeit waren. Hatte der Hausherr Nachtschicht, mussten sie Tagschicht
U
haben. So wurde das Bett, in dem die m 1900 war Kalk noch eine selb-
Steuern als die Fabrikbesitzer zahlen, so
ständige Stadt mit rund 20.000
hoch war ihr Profit. In den dreigeschossi-
Einwohnern. Der Ort war von der
gen Häusern mit jeweils acht Fenstern zur
Industrie geprägt, hauptsächlich Metallfa-
Straße und zum Hinterhof lebte hinter
briken und chemische Industrie. Es stank,
jedem Fenster eine Familie mit mindes-
es war laut und die Luft war verpestet – die
tens zwei Kindern, also zusammen 16
Arbeiterwohnungen – oft in unmittelba-
Familien. In der rückwärtigen Bebauung
rer Nähe der Fabriken – waren dem Lärm
nochmal so viele Arbeiterfamilien, insge-
und den Schadstoffen unmittelbar ausge-
samt 32 Familien in einem Haus mit min-
setzt. Die Firmenchefs dagegen wohnten
destens 128 Bewohnern.
zumeist in den der Industrie abgelegenen
Um in den schlecht isolierten Häusern,
Straßen oder in ruhigen Stadtteilen wie
die mit dem billigsten Material erbaut
Bayenthal oder Marienburg.
wurden, im Winter nicht zu erfrieren, wur-
Es herrschte große Wohnungsnot. Das
den in manchen Häusern die Treppenge-
nutzten schon damals Spekulanten aus.
länder und bis zu zwei Dritteln der Holz-
Größte Besitzer von Arbeiterwohnhäu-
stufen verheizt, genauso die Bodenbretter
sern waren damals Johann Adam Wahlen
und Türen der Klosetts. Dies konnte man
und Balduin Trimborn. Sie mussten mehr
in einem Polizeibericht von 1903 lesen.
gesamte Familie schlief, niemals kalt.
Dr. Fritz Bilz, geboren 1944 in Riedenburg, lebt seit 1945 in seinem Elternhaus in Köln-Brück. Der aus einer Arbeiterfamilie stammende Bilz arbeitete zunächst in verschiedenen Berufen bis er die Liebe zum Schreiben entdeckte. 2015 wurde Bilz mit dem Ehrenamtspreis KölnEngagiert der Stadt Köln ausgezeichnet. 2016 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Mithilfe der 1998 gegründeten „Bilz-Stiftung“ werden zudem alljährlich lokale und regionale Institutionen ausgezeichnet, die sich entweder der Völkerverständigung widmen, sich für politisch, rassistisch oder religiös Verfolgte oder gegen Diskriminierung von Minderheiten einsetzen. 19
Fotos: Christina Bacher
aus der oase
Über-Leben-in-Köln Eine Aktion des AK Umbruchs in Kooperation mit WOHNEN WAGEN! anlässlich des „Tags der Armut“ am 17.10.2017 in der Fußgängerzone
A INSP-Tagung in Manchester 2017
nlässlich des „Tags der Armut“, der
Neben Vertretern der Einrichtungen
in diesem Jahr zudem auf den „Tag
und Vereine Bauen-Wohnen-Arbeiten,
der Menschenrechte“ fällt, findet
Ev. und Kath. Obdachlosen-Seelsorge,
am 17. Oktober von 12 bis 17 Uhr vor dem
Emmaus, Gulliver, KALZ, OASE, WOH-
Harzheim-Brunnen Ecke Schildergasse/
NEN WAGEN! und Vringstreff, werden
Hohe Straße (vor dem Kaufhof) die Aktion
auch prominente Gast-Redner sowie enga-
„Über-Leben-in-Köln“ des AK Umbruch
gierte Einzelpersonen vor Ort sein, die seit
statt. Der aus zahlreichen Einrichtungen
Jahren gemeinsam versuchen, die Lebens-
der Wohnungslosenhilfe bestehende
bedingungen für Wohnungs- und Obdach-
Arbeitskreis möchte, mit der in einem
lose in Köln so mitzugestalten, dass die
Wohnwagen der Initiative WOHNEN
Menschenwürde der Frauen, Männer und
WAGEN! stattfindenden Aktion, darauf
Jugendlichen gewahrt bleibt und sie gege-
aufmerksam machen, dass es in unserer
benenfalls wieder einen Weg „ins Leben
Stadt mehr als 5.000 Wohnungslose gibt,
finden“ bzw. am gesellschaftlichen Leben
die täglich unter schwierigen gesellschaft-
partizipieren können. Das jedoch wird
lichen, gesundheitlichen und sozialen
immer schwerer: Denn obwohl das Recht
Bedingungen in Zelten, Bauwägen, Not-
zu Wohnen ein international verbrieftes
An der Weltkonferenz der Straßenzei-
Menschenrecht ist und somit auch in
tungen in Manchester nahmen auf Ein-
Deutschland – als Teil des Rechts auf einen
ladung des INSP in diesem Jahr 127
angemessenen Lebensstandard in der All-
Teilnehmer von 54 Straßenzeitungen
gemeinen Erklärung der Menschenrechte
aus 28 unterschiedlichen Ländern teil.
von 1948 – fest verankert ist, haben gerade
Dank eines Stipendiums des INSP war
Menschen ohne Obdach auf dem sowieso
auch DRAUSSENSEITER-Chefredakteu-
engen Wohnungsmarkt kaum eine Lobby.
rin Christina Bacher dabei, am deutschsprachigen Tag konnte auch Grafikerin Petra Piskar von dem Netzwerk und dem professionellen Input profitieren. Höhepunkt der Tagung war wie in
lll
veranstalterkreis
jedem Jahr die Vergabe der INSPAwards für kreative Kampagnen, das beeindruckendste Cover, ein bewegenFoto: Gubbio
des Verkäuferporträts oder auch tiefgründige Reportagen. Herzlichen Glückwunsch nochmals auf diesem Weg allen Preisträgern und besten Dank an den INSP und das gesamte
unterkünften und diversen Wohneinrich-
BIS ISSUE NORTH-Team. (cb)
tungen leben. „Je mehr man über deren Leben weiß, desto toleranter kann man Menschen in sozialen Schwierigkeiten begegnen“, so Bruder Markus von der Kath. Obdachlosenseelsorge Gubbio.
20
Der AK Umbruch in Köln ist ein lockerer Zusammenschluss von Initiativen, gemeinnützigen Vereinen und Einzelpersonen, die sich für wohnungs- und obdachlose Menschen in Köln engagieren. www.draussenseiter-koeln.de www.emmaus-koeln.de www.koelnerarbeitslosenzentrum.de/gulliver/dasprojekt.php www.bauenwohnenarbeiten.de www.gubbio.de www.oase-koeln.de www.vringstreff.de
Aus den einrichtungen
Fotos: Gerd Bonse
KVB-Kunden unterstützen die OASE in Deutz
v. l. n. r: Marion Densborn (KVB), Isabelle Nelles (KVB), Gast der OASE und Rudolf Fronczek (OASE Benedikt-Labre e. V.) Coole Friseure, coole Frisuren: Die Barber Angels.
Elvis – ein Kölner Original bretzelt sich auf.
Linda, DRAUSSENSEITER-Verkäuferin und H.I.K.Chefin, bekam Locken verpasst.
Barber Angels Sie haben es wieder getan. Die Barber Angels waren auf Einladung der Initiative Heimatlos in Köln in der Alten Feuerwache zu Gast, um obdachlosen Menschen die Haare zu schneiden. Etwa 50 Obdachlose und Bedürftige nutzten dieses wun-
Die KVB-Kunden unterstützen die gemeinnützige Organisation OASE – Benedikt-Labre e.V. in Deutz mit einer Spende in Höhe von 1.000 Euro. Das Spendengeld wurde am 18. Juni im Rahmen der Veranstaltung „Tag des guten Lebens“ in Deutz gesammelt, an dem die KVB mit Informations- und Sportangeboten teilgenommen hat. Gegen eine Spende von mindestens zwei Euro erhielten die Spender eine Marzipan-Figur oder einen besonderen Luftballon in Form eines KVB-Busses. Nun konnte Marion Densborn, Projektleiterin der KVB, den entsprechenden Scheck übergeben. Mit dem Betrag wird ehrenamtliche Arbeit der OASE unterstützt. Die Spenden kommen vollständig den Bedürftigen zu Gute, während die Personal-, Beratungsund Verwaltungskosten der Organisation durch die finanzielle Zuwendung der Stadt Köln sowie des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) bestritten werden. Weitere Informationen unter: www.oase-koeln.de
dervolle Angebot und freuen sich schon auf den nächsten Schnitt in etwa vier bis sechs Wochen. „Barber Angels Brotherhood“ ist der Club der Friseure mit inzwischen fast 50 Mitgliedern, die alle vier Wochen in ganz Deutschland kostenlos Obdachlosen und anderen Bedürftigen HaaAuch Lothar nutzte die Gelegenheit.
„Armut ist wie ein Löwe – kämpfst du nicht, wirst du gefressen.“ Sprichwort der Haya
re und Bärte schneiden.
21
cartoon/kolumne
Illustration: Heiko Sakurai
hallo liebe Freunde! Nochmal zurück zu meinem Urlaub in der Hundepension. Hab’ ja noch gar nicht alles erzählt. Zum Beispiel vom Essen. Ich kann euch sagen, in der Pension hat man immer Hunger. Die anderen fressen da nämlich andauernd und dann will ich halt auch. Frauchen hat natürlich die Hundetrainerin vorher geimpft, was ich darf und was nicht, wie viel und wovon. Boah, sag’ ich euch – da dachte ich, ich kann mal tricksen und nix is‘. Die Zweibeiner halten sich an ihre Absprachen, egal, wie treu du sie ansiehst. 22
Ganz schön frustrierend. Aber sonst war der Urlaub auch total aufregend, weil ständig einer der anderen Hundekumpels irgendwas angestellt hat. Zu viel Aufregung ist zwar nicht gut, dann muss ich wieder spucken, doch es macht ja auch viel Spaß. Ich hatte übrigens kaum Heimweh. Aber ich hatte ja auch alles mit, was ich brauchte – einschließlich meines Kuscheltieres. Und ich wurde mit dem Auto hin- und hergefahren. War fast wie ein Taxi für Hunde. Nur eins ist komisch: Immer, wenn es losgeht,
will ich gar nicht von meinem Dosenöffner weg und wenn ich wieder zurück soll, will ich dann da nicht weg. Alles, was toll ist, geht halt zu schnell vorbei ... Euer Clayd
l l l Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda
Buch-tipps
Ingrid Müller-Münch, Autorin und ehemalige Korrespondentin der Nachrichtenagentur Reuters und der „Frankfurter Rundschau“, Redakteurin beim „Stern“ und Mitarbeiterin beim WDR, unterstützt den DRAUSSENSEITER seit vielen Jahren als freie Mitarbeiterin.
Themenschwerpunkt Literatur
Verschwundene Kinder Nichts trifft Eltern so sehr wie das Verschwinden eines Kindes. Nichts hält die Öffentlichkeit so in Atem wie die Suche nach den Verschollenen. Zweifel kommen auf. Trauern die Eltern wirklich oder haben sie ihrem Sohn oder der Tochter etwas angetan? Wurde ihre Kleine entführt, ist der Jüngste einfach abgehauen? Was steckt dahinter? Kein Wunder also, dass Krimis sich immer wieder diesem Thema widmen - mehr oder weniger erfolgreich, mehr oder weniger originell. In dieser Krimisaison jedenfalls verschwinden Kinder dermaßen häufig, dass sich unsere Krimi-Expertin Ingrid Müller-Münch dieses Themas annahm und eine Vorauswahl traf.
Ein beliebtes Sujet auch in Agustin Martinez: „Monteperdido – Das Dorf der verschwundenen Kinder“, Fischer, 494 Seiten, wo in einem einsam gelegenen Dorf in den spanischen Pyrenäen eines Tages zwei elfjährige Mädchen einfach nicht mehr auftauchen. Fünf Jahre später stürzt ein PKW in eine der Schluchten dieser felsenreichen Gegend. Der Fahrer ist tot. Doch jemand überlebt: Es ist Ana, eine
Lone Theils: „Die Mädchen von
geht es in Krimis, in denen Kinder ver-
der beiden Verschwundenen, inzwi-
der Englandfähre“, Rowohlt,
schwinden, um die Frage, was geschah an
schen 16 Jahre alt.
428 Seiten.
dem Tag, nachdem sie nicht mehr gese-
Die Autorin las irgendwann
hen wurden. Wenn dann noch, wie eben-
Manche tun sich schwer, das
mal über einen amerikani-
falls häufig beschrieben, Jahre später ein
Thema neu zu gestalten. So
schen Serienmörder, der in Kali-
völlig fremdes Wesen vor der Türe steht
Shari Lapena: „The couple next
fornien in einer Todeszelle sitzt und der
und behauptet, das seinerzeit verschwun-
door“, Lübbe, 350 Seiten. Die
seine Opfer genüsslich fotografierte,
dene Kind zu sein, wird es kompliziert.
Geschichte von „The couple next door“ ist altbacken. Tau-
bevor er sie tötete. Eines der Fotos zeigte zwei dänische Mädchen. Und so ent-
So wie in Amy Gentry: „Good as
sendfach in allen möglichen Variationen
stand das Debut um die Reporterin Nora
Gone - Ein Mädchen verschwin-
erzählt. Erinnert an das spurlose Ver-
Sand, das in Dänemark sofort die Best-
det. Eine Fremde kehrt zurück“,
schwinden der kleinen Maddie McCann
sellerlisten stürmte und in dem zwei
Bertelsmann, 317 Seiten.
vor 20 Jahren aus einer portugiesischen
Debut einer Literaturkriti-
Ferienanlage. Erst im vergangenen Jahr
dänische Mädchen im Sommer 1985 auf der Überfahrt mit einer Fähre nach Eng-
kerin aus Texas. Eines Nachts
wurde haargenau dieser Plot mit gro-
land spurlos verschwinden. Und deren
geschieht es und zerstört das Leben einer
ßem Erfolg von der US-Bestsellerautorin
Verbleib Nora Sand so nach und nach
ganzen Familie. Jane, die jüngere der bei-
Joy Fielding in „Die Schwester“ verar-
aufspürt. Atemlos
den Töchter, beobachtet per Zufall, wie
beitet. Ein Paar verbringt den Abend bei
aber fesselnd.
ein Mann mit einem Messer in der Hand
Nachbarn. Der Babysitter hat abgesagt.
ihre ältere, 13-jährige Schwester entführt.
Und so installieren sie ein Babyphone,
Immer wieder
Acht Jahre später schellt es eines Tages an der Haustür ihrer Eltern. Vor der Tür steht eine heruntergekommene junge Frau. Angeblich die damals entführte Julie. Jeder fragt
horchen ständig, ob ihre Kleine Töne von sich gibt, und alle halbe Stunde gehen Mutter oder Vater abwechselnd rüber und schauen nach dem schlafenden Baby. Dennoch ist es verschwunden, als beide kurz nach 1 Uhr nachts betrunken nach Hause kommen. Was
sich, ist sie das
ich bei Schari Lapenas „The couple next
wirklich, die
door“ las, war nichts weiter als ein
Kleine, die
Remake von längst Erzähltem. Ein über-
damals verschwand?
flüssiges Buch. Ingrid Müller-Münch
23
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Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, Im Ferkulum 42, 50678 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln
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vorschau
Eintritt frei z kunst
Was heißt heute Toleranz? In der Podiumsdiskussion werden vor dem Hintergrund wachsender (religiöser) Intoleranz und in Zeiten von Vorbehalten gegen alles, was fremd und anders erscheint, zentrale Fragestellungen thematisiert: > Was ist der Beitrag der Religionsgemeinschaften zur Förderung von Toleranz, und wie könnte dieser Beitrag aussehen? > Existieren Grenzen der religiösen Toleranz? > Brauchen wir überhaupt Religion, um tolerant zu sein? > Ist Köln tatsächlich eine besonders tolerante Stadt?
Der Kölner Willi Does ist seit September 2016 Präsident von Emmaus Europa.
Foto: Michael Mayé
Der Pulsschlag Europas Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes begrüßt die Gäste, die Podiumsdiskussion wird moderiert von Jürgen Wiebicke (WDR 5). Das Podium setzt sich zusammen aus: • Generalvikar Dr. Dominik Meiering • Stadtsuperintendent Pfarrer Rolf Domning • Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor • Publizist Günther Bernd Ginzel • Schriftsteller und Philosoph Dr. Michael Schmidt-Salomon Ein prominent besetzter Kabarettblock mit Fatih Cevikkollu, Klüngelbeutel und Wilfried Schmickler sorgt für einen runden Abschluss.
M
it 300 Gruppen in 17 Ländern steht die Emmaus-Bewegung seit vielen Jahrzehnten für ein vereintes Europa ein und vermittelt an vielen Orten Werte des Friedens, der Freiheit und der Gerechtigkeit. Als frisch gewählter Präsident von Emmaus Europa mahnt der Kölner Willi Does nun auch EU-Politiker in Straßburg und Brüssel ohne Unterlass, sich für diese Werte auf unserem Kontinent einzusetzen. Als Privatmann lebt Willi Does – ganz nach den Grundsätzen des EmmausGründers Abbé Pierre – mit seiner Familie seit mehr als dreißig Jahren in einer Lebensgemeinschaft mit Menschen zusammen, die den Boden unter den Füßen verloren haben und sich so gemeinsam stützen. Nach wie vor ist er davon überzeugt, dass „wir Bürger der Pulsschlag Europas sind“.
Wann: 5. Oktober 2017, 18 Uhr Wo: Historisches Rathaus, Rathausplatz 50667 Köln (Altstadt/Nord) Veranstalter: Historisches Archiv der Stadt Köln Anmeldung erforderlich bis 2. Oktober unter 0221 / 221-24146 Weitere Infos siehe www.stadt-koeln.de http://historischesarchivkoeln.de/de/info/ hilliges-koeln-2-0
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 2. November 2017. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25
service
n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM)
Foto: Hanna Witte
Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9 http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de
Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de
n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr
n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim
n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme
Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäsche waschen Mo bis Do von 11:00-14:30 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do von 12:30- 13:30 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Die Wochenenden sind geschlossen. Die Kleiderkammer ist im Moment geschlossen, Ausgabe von Kleidung nur notfallmäßig für Besucher der Kontaktstell. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr
n Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr
n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung
Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen
n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 15-17 Uhr
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Foto: Christina Bacher
Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische
service
Nur für Frauen
n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de
n agisra e.V.
Foto: Marie Breer
Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.
n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de
Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
n Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung
n Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück
n Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210
n OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de
Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.
Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch nach Terminvereinbarung
Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30-11.30 Uhr und
n Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.
n Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen
n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung
n Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
Nur für Männer n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 93 12 21-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren
n „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de
Donnerstag 13.30-14.15 Uhr
n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und
Kleiderkammer/Duschmöglichkeit nur für Leute auf der Straße:
Beratung für vergewaltigte Frauen Herwarthstr. 10, 50672 Köln, Tel.: 56 20 35, mail- Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen box@notruf-koeln.de, www.notruf-koeln.de Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Beratung telefonisch, persönlich und per Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote
Montag 10.30-12 Uhr, Donnerstag 13-15.30 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung
Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: siehe Aushang
BENEFIZ KONZERT für die Obdachlosenhilfe OASE
Donnerstag,
05.10.2017 ab 19:30 Uhr im „Lapidarium“
DIE BAEND
Finalist Kölsche Musik Bänd Kontest 2017
PHILIPP OEBEL DAVE ZWIEBACK Krätzcher-Spezialist
Kölsch-Rock – nor för üch!
und
Bömmel, Kafi und Hartmut von den
BLÄCK FÖÖSS Eintritt: 15,00 € (Abendkasse) Vorverkauf: Lapidarium; OASE, Alfred-Schütte-Allee 4; Buchhandlung Neusser Straße, Neusser Str. 197