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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 09/2017: Jugend

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25. Jahrgang Nr. 180 September 2017

R E T I E S N E S s U A R D IN

Jugend

0,90 e für den Verkäufer

1,70 e

Foto: B.O.J.E.-Bus

Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D

BUS

B.O.J.E.

KALK

Mittagstisch

APP Mokli


Anzeige


vorwort

Inhalt

Liebe Leserinnen und Leser,

Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3

eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland rund 37.000 Jugendliche und junge Erwachsene auf der Straße leben; 20 Prozent von

Schwerpunkt: Jugend

ihnen sind noch minderjährig. Auch die Kölner Innenstadt zieht Kinder und Jugendliche magisch an, die sich an keinem Ort zuhause fühlen. Wir haben mit Anja Köster darüber gesprochen, die seit vielen Jahren im B.O.J.E.-Bus am Bahnhof als Sozialarbeiterin

S.4

Die Perspektivlosigkeit wächst und wächst. �������������4-9

arbeitet. „Die jungen Leute kommen aus allen Kölner Stadtteilen, manche sind zugezogen, manche sind auf der Durchreise. Wie im richtigen Leben ist da alles möglich“, sagt sie. Das ganze Interview lesen Sie auf den Seiten 4-9. Dass es gar nicht erst soweit kommt, dass die Kinder den Boden unter den Füßen verlieren, dafür sorgt Elisabeth Klotz

Kein Kind in Köln darf hungern! ������������������ 10-11 „Ihr seid willkommen wie ihr seid“ ��������������������� 12-13

S.10

mit der Initiative Kalker Mittagstisch. Das ehrenamtliche Team bietet an Wochentagen ab 11 Uhr rund 80 bis 100 Kindern eine warme Mahlzeit und die Möglichkeit, die Hausaufgaben dort zu erledigen. Respekt vor diesem Engagement! Mögen sich diese Hilfsangebote weiter herumsprechen unter denjenigen, die sie brauchen können. Vielleicht tragen Sie ja dazu bei? Ganz herzlich,

Christina Bacher

S.14

Vorsätze zum neuen Jahr – Oder: das Fett muss weg ������ 14-15 MOKLI – Die App für Kinder in der Kälte �������������������������� 16

Marta von Big Issue North, UK ��������������������������������18-19 Spuren der Armut: Käthe Kollwitz �������������������������������20 Aus den Einrichtungen �������������������������������������������� 21 Cartoon/Kolumne ��������������������������������������������������� 22 Buch-Tipps ���������������������������������������������������������� 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27

Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: nach Terminvereinbarung 3


jugend Liebe

Die Perspektivlosigkeit wächst und wächst.

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jugend

Der B.O.J.E.-Bus stellt einen geschützten Raum dar. Nur wer Hilfe bekommen möchte, kann sich auch beraten lassen. Und wer ein Anliegen hat, kann direkt zur BOOT-Sprechstunde kommen. Was genau das ist, erzählt uns die Sozialarbeiterin Anja Köster im Gespräch mit Christina Bacher.

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jugend

DRAUSSENSEITER: Wer nutzt denn das Ange-

einer Auszeit aus dem aktuellen Lebens-

kommen die gesundheitlichen Themen

bot des B.O.J.E.-Busses? Wer ist die Ziel-

umfeld (Herkunftsfamilie, Pflegefamilie,

auf den Tisch.

gruppe?

Einrichtung, u.a.) an den Bahnhof, weil

Anja Köster: Der Beratungsbus B.O.J.E. ist

den Leuten dort die Konflikte ganz einfach

DRAUSSENSEITER: Welche Krankheiten

da für Jugendliche und junge Erwachsene,

über den Kopf wachsen.

werden denn am häufigsten behandelt?

die sich am Kölner Hauptbahnhof aufhal-

Am Bahnhof fehlt es den Leuten dann an

Und: Spielt Drogenkonsum eine Rolle? Wel-

ten. Das war's dann schon mit der Gemein-

Tagesstruktur und die Perspektivlosigkeit

che Drogen sind denn gerade bei jungen

samkeit, denn abgesehen davon ist diese

wächst und wächst. Das kann die Men-

Leuten „in“?

Zielgruppe sehr unterschiedlich. Die

schen dann schwer belasten.

Anja Köster: Erkrankungen der Atemwege, Hauterkrankungen, Verletzungen und

Altersspanne reicht von ca. 15 bis 26 Jah-

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ren, wobei der größte Teil der Besucherin-

DRAUSSENSEITER: Die Zusammenarbeit mit

Probleme mit wundgelaufenen Füßen

nen und Besucher junge Volljährige sind.

dem Gesundheitsamt, das ja auch deine

sind häufig. Neben den körperlichen

Die jungen Leute kommen aus allen Köl-

Stelle finanziert – im Gegensatz zu den ande-

Erkrankungen spielen auch psychische

ner Stadtteilen, manche sind zugezogen,

ren vier Teilzeit-Stellen – ist von Anfang an

Erkrankungen eine Rolle. Der Drogenkon-

manche sind auf der Durchreise. Wie im

im Konzept vorgesehen gewesen. Was ist der

sum kann die physische und psychische

richtigen Leben, ist da alles möglich.

Gedanke dabei? Und gibt es auch eine medi-

Gesundheit der Leute verschlechtern. Je

Auch die Biographien der Leute sind sehr

zinische Versorgung in dem Bus?

länger die Menschen konsumieren, desto

unterschiedlich. Manche kommen aus

Anja Köster: Ja, richtig, das Gesundheits-

mehr können gesundheitliche Begleiter-

reichen Familien, viele aus Familien am

amt übernimmt hier die Verantwortung,

scheinungen sichtbar werden. Konsumiert

Rande der Existenz. Einige haben in eher

präventiv zu wirken. Wir haben es hier

werden überwiegend Cannabis, chemi-

schlecht funktionierenden Patchwork-Fa-

mit einer jungen Zielgruppe zu tun, die

sche Drogen und Alkohol.

milien gelebt, andere haben unglaublich

sich in einem Umfeld bewegt, das viele,

lange Karrieren in der Jugendhilfe hinter

insbesondere gesundheitliche Gefahren,

DRAUSSENSEITER: Das Angebot ist ja kos-

sich. Manche haben Gewalt erlebt bzw.

birgt. Ziel ist, die Leute gesund durch die-

tenfrei, freiwillig und niedrigschwellig. Den-

erlitten, andere sind eher behütet aufge-

sen Lebensabschnitt zu führen, damit vor

noch muss man den Weg erst einmal hierher

wachsen. Die Spanne der Möglichkeiten

ihnen ein gesundes und selbstbestimmtes

finden. Gibt es Streetworker, die die Leute

ist unendlich. Die Gemeinsamkeit

Leben liegen kann. Von Anfang an liegt

in den Bus einladen? Oder Flyer, die auf das

besteht dann erst wieder darin, dass alle

hier ein besonderer Fokus auf der HIV-

Angebot aufmerksam machen? Oder läuft

einen Grund haben, an den Bahnhof zu

und Aids-Prävention. Die Themen „safer

das vor allem über Mund-zu-Mund-Propa-

kommen.

sex'und 'safer use“ werden in der B.O.J.E.

ganda?

Die meisten der Leute sind am Bahnhof

groß geschrieben. Die Besucherinnen und

Anja Köster: Wir machen tatsächlich kei-

erst mal alleine unterwegs. Hier treffen

Besucher können in der B.O.J.E. z.B. kos-

ne Werbung für die B.O.J.E. Meistens tref-

sie auf andere junge Menschen, in ähnli-

tenlos Kondome bekommen, die Heroin-

fen neue Leute recht schnell auf Personen,

chen Situationen und mit ähnlichen Pro-

Konsumentinnen und -konsumenten kön-

die sich schon länger im Bahnhofsumfeld

blemen. Dabei geht es dann häufig um das

nen bei uns Spritzen tauschen. Dazu

aufhalten und werden dann von denen

Fehlen einer konstanten Unterkunft oder

haben wir natürlich auch noch viele Infor-

mit in den Bus gebracht. Andere junge

die Bedrohung von Obdachlosigkeit, eine

mationen und Wissen anzubieten.

Leute werden durch Einrichtungen oder

prekäre wirtschaftliche Situation, die tota-

Medizinische Unterstützung erhalten wir

Streetworker auf uns aufmerksam

le Überforderung bei der Verselbständi-

darüber hinaus vom Mobilen Medizini-

gemacht. Wieder andere laufen einfach

gung im Übergang zwischen Jugend- und

schen Dienst (MMD) des Gesundheitsam-

am Bus vorbei und kommen rein.

Erwachsenenalter, die Beendigung der

tes. Zwei Mal in der Woche kommt der

Jugendhilfe wegen mangelnder Teilnah-

MMD mit seiner mobilen Arztpraxis zu

DRAUSSENSEITER: Was alles bietet der

me oder aufgrund der (nahenden) Voll-

uns. Dass es eine medizinische Versorgung

B.O.J.E.-Bus für Jugendliche an? Und was ist

jährigkeit und, und, und. Das Thema Sucht

vor Ort, ohne Plastikkärtchen und Termin,

besonders beliebt? Gibt es Computer und

spielt eine Rolle, genauso wie eine gesell-

gibt, ist für viele überhaupt erst der Grund,

WLAN?

schaftliche Randstellung aufgrund psychi-

dass sie sich behandeln oder beraten las-

Anja Köster: Ohne Internet ist ein

scher Erkrankungen, traumatischer Erfah-

sen. Wichtig ist dabei auch der persönliche

Jugendangebot natürlich nicht denkbar.

rungen, Intelligenzminderung, geistiger

Kontakt zwischen den Besuchenden und

WLAN haben wir zwar nicht, aber einen

oder körperlicher Behinderungen sowie

dem Arzt und Krankenpfleger. Nicht sel-

Computer mit Internetzugang, den die

anderer gesundheitlicher Einschränkun-

ten drehen sich die Gespräche erst um

Besucherinnen und Besucher nutzen kön-

gen. Manche treibt das Bedürfnis nach

Fußball und erst im Verlauf des Gesprächs

nen. Für die nicht digitale Unterhaltung


jugend

bekommen wir jede Woche Zeitschriften

haben, der für die Leute reserviert ist und

ist. Da kann dann von interessierten Bür-

gespendet, wir haben einen Bücher-

an dem sie sich wohlfühlen können. Wer

gerinnen und Bürgern, Fachleuten, Bus-

schrank und einiges an Spielen. Wir sind

dann noch offen ist für Gespräche mit den

fahrern und sogar Bus-Spottern alles dabei

da aber auch immer offen für Vorschläge

Sozialarbeiterinnen und -arbeitern, kann

sein. Es gibt offensichtlich viele gute Grün-

der Besuchenden. Mal wollte jemand stri-

beim chillen auch noch ganz unkompli-

de, sich für die B.O.J.E. zu interessieren.

cken lernen, dann wurden Devil-Sticks

ziert Beratung zu allen möglichen The-

und Jonglage-Bälle gebastelt, aktuell

men erhalten.

DRAUSSENSEITER: Ganz zu Beginn, Anfang der 90er Jahre, stand der B.O.J.E.-Bus ja

möchten die Besucherinnen und Besucher den Bus von innen mit dicken Stiften

DRAUSSENSEITER: Wie nehmen die Bürge-

noch auf der anderen Seite des Bahnhofvor-

bemalen. Dafür werden wir zukünftig

rinnen und Bürger den bunten Bus am

platzes. Heute habt ihr euren Standort mit

Stifte und ein Fenster zur Verfügung stel-

Bahnhof wahr? Kommt ab und zu mal einer

Bus Numero 3 vor dem Musical Dome –

len, das die Kunst beherbergen wird.

vorbei, der einfach nur neugierig ist, und

sogar mit Rheinblick. Das sind Äußerlich-

Wichtig ist natürlich unser Angebot an

schaut herein?

keiten. Was aber hat sich in den letzten

Getränken, Brötchen, Obst und anderen

Anja Köster: Eher selten, der Bus fügt sich

dreißig Jahren tatsächlich in eurer Arbeit

Leckereien, das wir von verschiedenen

ja recht unauffällig in die Umgebung des

mit Kinder und Jugendlichen geändert, die

Spendern zur Verfügung gestellt bekom-

Busbahnhofes ein. Einige Menschen lau-

auf der Straße leben?

men. Die kulinarischen Highlights sind

fen vorbei, wundern sich, lesen vielleicht

Anja Köster: Ja, die B.O.J.E. musste in den

das Nikolausfest und das legendäre

noch unsere Schilder und ziehen ihrer

vergangen Jahren wegen der Umstruktu-

B.O.J.E.-Grillfest, das sehr beliebt ist.

Wege. Nur ab und an kommen wir mit

rierungen am Busbahnhof tatsächlich

Ganz besonders beliebt ist aber einfach in

Interessierten ins Gespräch, was natürlich

einige Male umziehen. Natürlich hat sich

der B.O.J.E. „abhängen“ – einen Ort zu

nur außerhalb der Öffnungszeiten möglich

auch sonst einiges verändert. Zum Beispiel

7


jugend

Stadt Köln. Der ehemalige Linienbus wurde dem Gesundheitsamt von der KVB überlassen. Die KVB hat uns damals mal so richtig aus der Patsche geholfen, nachdem unser alter Bus sehr unerwartet kaputt war. Dass sich die KVB um die Wartung der B.O.J.E. kümmert, freut uns besonders, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen sich natürlich großartig mit Bussen aus und unterstützen uns von Anfang an einfach super! Die KVB hat auch den aufwendigen Umbau realisiert. Den Ausbau und die Optik haben Studierende der KIDS (Köln International School of Design/TH Köln) entworfen. Dabei wurden natürlich auch die Wünsche und Ideen der Besucherinnen und Besucher mit einbezogen. DRAUSSENSEITER: Jugendliche, die von zu Hause abgehauen sind, haben im Vorfeld sicher eine Menge durchgemacht. Ist es da nicht schwierig, Vertrauen zu fassen zu den Sozialarbeitern, die ja auch Erwachsene war Anfang der 2000er Jahre Heroin noch

ungewohnt und ich war auch skeptisch.

sind?

ein großes Thema im Bus. Diese Konsu-

Waren wir doch eher gewohnt, so gut es

Anja Köster: Ja, das stimmt. Die jüngeren

mentinnen und Konsumenten sind inzwi-

geht (vermeintlich) für alle zu entschei-

Besucherinnen und Besucher der B.O.J.E.

schen aus dem Angebot der B.O.J.E. her-

den. Dass die Arbeit auf Augenhöhe mehr

sind oft sehr zurückhaltend und skeptisch

ausgewachsen. An die Stelle von Heroin

Spaß macht, dass die jungen Leute tolle

den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

sind die chemischen Drogen, Cannabis

Ideen haben und großartig mithelfen, die

gegenüber. Die jungen Volljährigen sind

und Alkohol getreten.

B.O.J.E. zu gestalten, das ist eine Erfahrung,

sehr viel offener, was ihre Situation und

Aber nicht nur die Zielgruppe hat sich

die ich machen durfte. Heute bin ich ein

ihre Probleme angeht. Dann ist der Start

verändert, auch die Arbeit hat sich weiter

großer Fan und ich freue mich, dass die

in die Zusammenarbeit natürlich leichter.

entwickelt. Unterstützt durch die Aktion

Partizipation in der Arbeit mit den jungen

„wir helfen“ vom Kölner Stadtanzeiger,

Menschen so eine große Rolle spielt.

Sanktion gibt es eigentlich, wenn mal eine

haben wir 2016 unser Beratungsangebot ausgebaut. Dienstags und donnerstags von

DRAUSSENSEITER: Wie wichtig ist die Bahn-

Besucherin oder ein Besucher Mist baut?

11 bis 12:30 Uhr bieten wir seitdem zusätz-

hofsnähe für ein solches Angebot?

Kommt das denn häufig vor?

liche Beratungen an. Daraus entwickeln

Anja Köster: Der Standort am Bahnhof ist

Anja Köster: Wir versuchen alle an „Bord“

sich oft gemeinsame Arbeitsprozesse, bei

die Grundvoraussetzung für die Arbeit mit

zu behalten und möchten daher keine

denen wir die Leute auch zu Terminen

den Jugendlichen und jungen Erwachse-

Haus- oder Busverbote aussprechen.

begleiten. Die Beratung außerhalb des

nen. Woanders ist diese Zielgruppe nicht

Wenn die Regeln der B.O.J.E. doch mal

B.O.J.E.-Trubels wahrzunehmen, hat den

erreichbar.

verletzt werden, schließen wir für den Tag die Einrichtung. Das kann passieren, wenn

Vorteil, dass ganz in Ruhe gearbeitet wer-

8

DRAUSSENSEITER: Welche Möglichkeit der

den kann. Ohne Störungen, Ablenkungen

DRAUSSENSEITER: Am Wochenende wird

vor dem Bus gedealt wird oder es zu einer

und ohne, dass tausend Ohren zuhören.

der Bus ja weggefahren und parkt auf dem

körperlichen Auseinandersetzung kommt.

Und es gibt noch ein Thema, dass uns im

Gelände der KVB. Besteht denn eine gute

Für die Leute bedeutet das, dass sie selber

Team wichtig ist, wenn es um Veränderun-

Zusammenarbeit mit Stadt und KVB? Wem

dafür verantwortlich sind, ob ihnen das

gen geht: Das ist das Thema Partizipation.

gehört eigentlich der Bus und wer hat ihn

Angebot der B.O.J.E. zur Verfügung steht

Die jungen Leute konsequent einzubezie-

finanziert/gestaltet/umgebaut?

oder nicht. Da der Bus vielen sehr wichtig

hen, war für mich als Sozialarbeiterin erst

Anja Köster: Der B.O.J.E.-Bus gehört der

ist, regulieren sich die Besucherinnen und


jugend

Besucher auch untereinander. Da wird

men auch zu uns mit Themen wie Mob-

noch in Kontakt? Erfahrt ihr dann, was

dann auch schon mal ein heftiger Konflikt

bing in sozialen Medien, Stalking, Konflik-

aus den ehemaligen Straßenkindern ge-

mit Worten statt mit Fäusten ausgetragen

ten mit Freunden und vielem mehr.

worden ist?

– damit der Bus bleibt. Um es in Zahlen

Die Beratung ist auf freiwilliger Basis, auf

Anja Köster: Es gibt immer mal wieder

zu sagen, im letzten Jahr war die B.O.J.E.

Wunsch anonym und natürlich kostenfrei

Besucherinnen und Besucher von früher,

an 239 Tagen geöffnet, an vier Tagen muss-

– wie übrigens alles in der B.O.J.E.

die noch mal bei der B.O.J.E. vorbeischauen, voll Neugierde, ob es wohl den alten

ten wir den Bus schließen. DRAUSSENSEITER: Der B.O.J.E.-Bus gehört

Bus noch gibt. Häufig sind die Leute dann

DRAUSSENSEITER: Euer neues Beratungsan-

ja zu dem Verein „Auf Achse“, der auch noch

eigentlich mit dem Zug unterwegs und

gebot, das durch „wir helfen“ finanziert

das Wohnprojekt UPSTAIRS oder auch das

nutzen die Zeit des Umsteigens, um kurz

wird, nennt ihr BOOT. Ein schönes Bild, wie

Projekt CALYPSO, das das Ziel verfolgt,

vorbei zu schauen. Eine super Plattform

ich finde: Während die Boje einem Halt im

Jugendlichen und Familien schnell und

für den Kontakt mit früheren Besucherin-

tiefen Wasser gewährt, kann das Boot einen

bedarfsorientiert eine individuell angepass-

nen und Besucher ist die Facebook-Seite

Menschen ans rettende Ufer bringen. Oder

te Unterstützung zu bieten, ohne sie dabei

der B.O.J.E. Das Angebot wird sehr rege

zumindest ein ganzes Stück weiter … Was

aus ihrem Lebensumfeld zu lösen, betreut.

genutzt. Für uns ist es natürlich schön zu

genau kann man sich unter der BOOT-Be-

Inwiefern arbeiten diese verschiedenen Pro-

hören, was aus den Leuten geworden ist

ratung vorstellen?

jekte denn Hand in Hand?

und viele haben tatsächlich einen guten

Anja Köster: In der BOOT-Beratung sind

Anja Köster: AUF ACHSE/KJSH e.V. ist ein

Weg gemacht.

alle Fragen willkommen. Wer ein Anliegen

Jugendhilfeträger und betreut hauptsäch-

hat, kann direkt zur BOOT-Sprechstunde

lich minderjährige Klientinnen und Klien-

DRAUSSENSEITER: Wir bedanken uns für das

kommen. Oft startet die Arbeit aber auch

ten. Ein Großteil der B.O.J.E.-Besucherinnen

ausführliche Gespräch!

mit

offenen

und Besucher sind aber in der Altersgrup-

B.O.J.E.-Angebot. Der Zugang zum BOOT

pe der jungen Volljährigen. Hilfen über

ist also vielseitig. Viele junge Menschen,

das Jugendamt sind für junge Volljährige

mit denen wir zu tun haben, sind mit den

in Einzelfällen möglich, aber leider aus

Anforderungen, die an sie gestellt werden,

unterschiedlichen Gründen in der Praxis

überfordert. Sie verstehen die Sprache der

nur schwierig zu erreichen.

Bürokratie nicht, wissen nicht, welche

Die minderjährigen Besucherinnen und

Möglichkeiten und Rechte sie haben, ken-

Besucher, die die B.O.J.E. aufsuchen sind

nen die Wege nicht. Da unterscheiden

dem jeweiligen Jugendamt meist schon

diese jungen Menschen sich gar nicht von

bekannt und sind eigentlich in (pädagogi-

anderen. Aber die anderen haben eben

schen) Bezügen. Wir unterstützen und

z.B. Eltern, die ihren 18-, 19-, 20-jährigen

motivieren die Jugendlichen, Kontakt zu

helfen. Alleine würden die meisten von

den bestehenden Hilfen oder wichtigen

denen auch das Handtuch werfen. Das

Bezugspersonen aufzunehmen und ver-

Handtuch werfen, bedeutet kein Geld,

suchen dort zu vermitteln. Überschnei-

keine geregelte Unterkunft, Schulden,

dungen mit Jugendlichen aus Einrichtun-

niemand übernimmt die Kosten für die

gen von AUF ACHSE gibt es tatsächlich

Krankenversicherung und so weiter. Im

eher selten.

BOOT bieten wir an, das Chaos gemein-

Nur in wenigen Fällen sind Minderjährige

sam zu beseitigen Wir räumen sozusagen

die sich regelmäßig am Bahnhof aufhalten

auf. Eine Übersicht über die eigene Lage

noch nicht im Hilfesystem angebunden.

zu erhalten, wirkt für alle immer sehr

Bei der Vermittlung in ein passendes

befreiend und schafft wieder die Möglich-

Angebot steht dann im Vordergrund, wel-

keit, neue Ziele anzugehen. Ganz oben auf

che Hilfe passen könnte, unabhängig von

der Liste stehen dann oft die Wohnsitua-

der Trägerzugehörigkeit. Das geht natür-

tion und eine Tagesstruktur. Wir begleiten

lich nur in Zusammenarbeit mit dem

diese Prozesse verlässlich und so lange,

Jugendamt.

einem

Gespräch

im

wie das gewünscht wird. Im BOOT geht es aber nicht immer um

DRAUSSENSEITER: Steht ihr mit manchen

die Existenz. Die jungen Menschen kom-

ehemaligen Besucherinnen und Besuchern

lll

Info

B.O.J.E. - Beratung und Orientierung für Jugendliche und junge Erwachsene. Die B.O.J.E. ist ein umgebauter Linienbus, der Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Kölner Bahnhofsmilieu als Kontakt- und Anlaufstelle zur Verfügung steht. Das Angebot leistet das Gesundheitsamt in Kooperation mit AUF ACHSE Kjsh e. V. und mit Unterstützung durch das Amt für Soziales und Senioren. Der B.O.J.E.-Bus steht auf der Rückseite des Kölner Hauptbahnhofes, auf dem Busbahnhof am Breslauer Platz. Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag: 14 bis 17 Uhr Dienstag und Donnerstag: 11 bis 12:30 Uhr Offene Einzelberatung Freitag mit Frühstück: 10 bis 13 Uhr Ergänzt wird das Angebot montags und donnerstags von 14:30 bis 16:30 Uhr durch einen Arzt und einen Krankenpfleger des Mobilen Medizinischen Dienstes des Gesundheitsamtes. Das Team bietet vor Ort Sprechstunden mit medizinischer Grundversorgung auch für Nichtversicherte an. Web www.facebook.com/BOJE-109353762480028 www.auf-achse.de 9


jugend

Elisabeth Klotz hat den Verein 2009 ins Leben gerufen und bekocht zwischenzeitlich mit ihrem Team von montags bis freitags für ca. 100 Kinder, die zu Hause nicht ausreichend versorgt werden. Fotos: Christina Bacher

Die liebevoll gedeckten Tische und eine gemütliche Chill-Ecke für Mädchen wirken einladend. Die kleinen und auch größeren Gäste schätzen das sehr.

10


jugend

Kein Kind in Köln darf hungern! Der Kalker Mittagstisch bereitet täglich ca. 100 Essen zu. Und gibt Wärme, wo oft nur Kälte ist.

F

ußballer Lukas Podolski hat letztens erst einen Überraschungsbesuch absolviert, der Rapper Mo-Torres

spendet seine CD für die gute Sache und das Kölner Traditions-Corps schwingt in der Küche gelegentlich selbst schon mal den Kochlöffel: Wenn der Kalker Mittagstisch an Wochentagen ab 11 Uhr seine Tür öffnet, ist die Bude immer schnell voll. Rund 80 bis 100 Kinder, hauptsächlich aus der Umgebung, kommen oft direkt nach der Schule zum Essen und chillen hierher – ganz ohne Anmeldung und ohne etwas bezahlen zu müssen. Denn „Ersatzmama“ Elisabeth Klotz und ihr Team kochen – und das schon seit 2009 – für alle Kölner Kinder von 0 bis 19 Jahren, die einen knurrenden Magen haben. Dabei ist es ganz egal, woher sie kommen und wer sie sind. Aber wie ist das möglich? Ist Essen nicht unglaublich

Ohne ehrenamtliche Hilfe wäre das Angebot, das aus Kalk nicht mehr wegzudenken ist, gar nicht möglich.

teuer? Und ist es nicht auch ein bisschen peinlich, Hilfe von anderen anzunehmen? Einfach so? Nö, ist es eben nicht. Schon morgens um halb sieben fahren

Inzwischen gibt es im hinteren Bereich

die ersten Helfer los, um Essens-

sogar eine gemütliche Chill-Ecke für Mäd-

Spenden in verschiedenen Geschäften

chen, einen riesigen Sport- und Tobe-

und Supermärkten abzuholen. Jeden Tag

Raum mit Geräten für alle, die sich mal

wird nämlich frisch gekocht, wobei man

abreagieren wollen, und eine regelmäßi-

Schweinefleisch auf der Speisekarte ver-

ge Hausaufgaben-Hilfe. Die Eltern kom-

gebens sucht. Außer drei festangestellten

men nur ab und zu mal vorbei, wenn

Frauen arbeiten hier alle ehrenamtlich,

nämlich der Gebraucht-Kleiderbasar im

bekommen also für ihren Einsatz kein

vorderen Bereich Nachschub bekommt

Geld. Leuchtende Kinderaugen und dank-

– manchmal sind da sogar richtig tolle

bare Blicke sind ihnen Lohn genug. Und

Markensachen dabei. Selbstverständlich

schmatzen, wenn es schmeckt, ist aus-

kann man Klamotten, die man selbst

drücklich erlaubt. Kein Wunder also, dass

nicht mehr braucht und die noch okay

sich kleine wie große Kinder hier richtig

sind, auch dort abgeben.

wohl fühlen.

Christina Bacher

lll

Info

Möchten Sie den Verein durch eine Spende unterstützen? Kontoinhaber: Kalker Kindermittagstisch e.V. IBAN: DE56370502990000363543 Bank: Kreissparkasse Köln Verwendungszweck: Spende Kalker Kindermittagstisch Vereinsnummer: VR 16556 Adresse: Kalker Mittagstisch, Bertramstraße 45, 51103 Köln, Tel. 0221 88 75 18 62 Anreise: ÖPNV Bahn 1, 9, Bus 150, 159 bis Haltestelle Kalk Post Öffnungszeiten: Mo–Fr 10 bis 15 Uhr u.n. Absprache Internet: www.kalkermittagstisch.de 11


Foto: Pexels/skitterphotos.com

jugend

„Ihr seid willkommen wie ihr seid“

Derzeit arbeiten laut Familienministerin Christina Kampmann rund 3.400 Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen als Familienzentren. Ihre Aufgabe: Sie sollen die Erziehungskompetenz der Eltern stärken sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Sabine Kucharczyk leitet das zertifizierte Familienzentrum Am Hackenbruch im 30.000 Einwohner großen Stadtteil Eller, der zu Düsseldorf gehört. Die Angebote werden derzeit von Familien aus 22 verschiedenen Ländern genutzt. Einige von ihnen sind arbeitslos oder gerade in einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil angekommen. Wie das tägliche Miteinander in der Kita funktioniert und worauf es dabei ankommt, verrät Sabine Kucharczyk im Interview. Das Gespräch führte Sabrina Burbach. DRAUSSENSEITER: Ihre Einrichtung verfügt

tätig sind. Die älteren Kinder kommen oft

SGBII. Der Anteil von Kindern, die in

über sechs Tagesstätten-Gruppen. Welche

aus Familien, in denen Arbeitslosigkeit

SGBII aufwachsen, ist in Eller und in dieser

Familien bringen ihre Kinder zu Ihnen?

vorherrscht oder die einen Migrationshin-

Einrichtung, im Gegensatz zu den übrigen

Sabine Kucharczyk: Das ist ganz verschie-

tergrund haben, aber auch aus Familien, die

Stadtteilen Düsseldorfs, überdurchschnitt-

den. Es gibt hier in Eller Ein- und Zweifami-

sich bewusst dafür entschieden haben, ihr

lich hoch. Hier gibt es wenige Arbeitsplät-

lienhäuser im Eigentum, aber auch viele

Kind drei Jahre lang zu Hause zu betreuen.

ze und der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund liegt bei über 50 Prozent.

Wohnungen, die noch für Familien bezahl-

12

bar sind, die durchs Wohnungsamt unter-

DRAUSSENSEITER: Und einige der Familien

Bei uns kommen Familien aus 22 verschie-

stützt werden. Insgesamt betreuen wir 122

erhalten auch Unterstützung vom Amt?

denen Ländern zusammen – ganz gleich,

Kinder aus ganz unterschiedlichen Sozial-

Sabine Kucharczyk: Momentan sind 30

welcher Konfession sie angehören.

räumen vom vierten Lebensmonat bis zur

unserer Kinder Bildungs- und Teilhabepa-

Einschulung. Wobei wir feststellen, dass

ket berechtigt. Oder sie bekommen in

DRAUSSENSEITER: Wie macht sich Ausgren-

Kinder unter drei Jahren vielfach aus Fami-

irgendeiner anderen Form Unterstützung

zung durch Armut in Ihrem Arbeitsalltag

lien kommen, in denen beide Eltern berufs-

vom Staat – etwa Kindergeldzuschlag oder

bemerkbar?


jugend

Sabine Kucharczyk: Zum Beispiel daran,

Aktuell habe ich einer Familie mit drei

Politik stellt uns keine zusätzlichen Res-

was die Kinder zum Frühstück mitbringen.

Kindern darüber Geld für Winterkleidung

sourcen zur Verfügung. Und die Gehalts-

Manche haben eine Auswahl von fünf

organisieren können.

erhöhung, die es jetzt vor kurzem gab, spiegelt einfach nicht die Palette an Arbeit

verschiedenen Komponenten in ihrer Box. Von Gemüse und Obst bis hin zu vollwer-

DRAUSSENSEITER: Was steht bei Ihrer Arbeit

wieder, die wir leisten müssen – und auch

tigem Brot. Andere haben immer das Brot

im Vordergrund?

leisten wollen. In diesem Beruf gibt es ja

vom Discounter dabei. Vielleicht ist auch

Sabine Kucharczyk: Einfach für jeden das

viele, die sagen, ja, das ist meine Bestim-

keine Wurst drauf, kein Käse – nur ein Brot

bereitzuhalten, was er braucht. Und ich

mung, dafür engagiere ich mich gerne. Auf

mit Margarine und kein Obst. Wir stellen

sage immer, es steht ja keinem auf der

der anderen Seite ist aber nicht die Aner-

aber jeden Tag einen Obstteller zur Ver-

Stirn geschrieben, Hartz IV-Empfänger

kennung dafür da. Manchmal habe ich das

fügung und zwei Mal die Woche frische

oder Flüchtling zu sein – alle kommen zu

Gefühl, die Politik nutzt das aus. Chancen

Vollmilch. Fruchtsäure greift ja den Zahn-

uns und wir gucken, was der Einzelne

sehe ich darin, dass man vielen Familien

schmelz an und Frischmilch gleicht den

braucht. Bei manchen Dingen sprechen

signalisiert: Es gibt noch Institutionen, die

Säurehaushalt wieder aus.

wir Familien auch gezielt an. Zum Beispiel,

sich für euch einsetzen. Das finde ich wich-

wenn es um pädagogische Beratung geht.

tig. Damit wir, zumindest in unserem Bereich, den Menschen das Gefühl geben,

DRAUSSENSEITER: Wie sieht es mit Kindergeburtstagen im Familienzentrum aus?

DRAUSSENSEITER: Zusätzlich bieten Sie

hier werdet ihr nicht ausgegrenzt. Hier seid

Sabine Kucharczyk: Wir feiern Geburts-

Sprachkurse für Flüchtlinge an.

ihr willkommen, so wie ihr seid.

tage gerne, aber wir haben den Eltern

Sabine Kucharczyk: Ja, wir haben hier in

verboten, extra gepackte Tütchen für jedes

unmittelbarer Nähe drei Flüchtlingsunter-

DRAUSSENSEITER: Warum ist es so wichtig,

Kind mitzubringen. Bei so etwas liegt der

künfte, die auch bestehen bleiben. Des-

ihnen dieses Gefühl zu vermitteln?

Inhalt schon mal im Kostenraum von drei

halb bieten wir Deutsch und Englisch an.

Sabine Kucharczyk: Weil das unsere Wert-

bis vier Euro. Das bringt Eltern, die es sich

Letzteres auch für Familien, die gerne in

schätzung gegenüber den Familien zeigt

nicht leisten können, in Zugzwang, genau-

Kontakt mit Flüchtlingen treten wollen,

und sie deshalb möglicherweise anders

so wie ihre Kinder. Und das möchten wir

denn die sprechen vielfach Englisch.

mit ihren Problemen umgehen. Wenn sie wissen, sie werden wertgeschätzt, stärkt

nicht. Wer trotzdem was mitbringt, darf DRAUSSENSEITER: Wie integrieren Sie Flücht-

das auch ihr Selbstbewusstsein. Und das

lingsfamilien in die bestehenden Gruppen?

hilft ihnen dabei, Dinge anzugehen, die

DRAUSSENSEITER: Durch die Arbeit im

Sabine Kucharczyk: In erster Linie geht

ihnen vielleicht schwer fallen.

Familienzentrum unterstützen und entlas-

es darum, die Familien hier so anzuneh-

ten Sie Familien im Alltag. Wie sieht das in

men, wie sie sind. Unser Hauptfokus liegt

der Praxis aus?

dabei auf dem Kind, ihm hier einen Rah-

Sabine Kucharczyk: Indem wir zum Bei-

men zu geben, in dem es sich als Kind

spiel keine Angebote haben, die Familien

erleben darf. Die Flüchtlingsunterkünfte

zusätzlich bezahlen müssen. Also, was

sind doch sehr knapp bemessen. Meist

früher gang und gäbe war, dass man extra

sind es Zweiraumwohnungen für fünf

Bastelgeld oder so eingesammelt hat, das

Personen, inklusive zweier Kleinkinder,

passiert bei uns nicht. Wir machen alle

das ist schwierig. Gerade versuchen wir

Familien gleich beim Anmeldegespräch

einen Kinder-Eltern-Nachmittag aufzu-

darauf aufmerksam, dass sie Leistungen

bauen, mit Spiel, Bewegung und Sprache.

für Bildung und Teilhabe beantragen kön-

Zum näheren Kennenlernen. Was uns

nen. Dann bleibt es den Eltern überlassen,

aber ganz wichtig ist: Wir nehmen nicht

zu mir zu kommen und zu sagen, ja, ich

nur Flüchtlinge auf, sondern bieten Inte-

bin berechtigt. Das läuft fast anonym ab.

gration im Allgemeinen an. Unsere Ange-

Was wir auch machen: Wenn Familien

bote sind für alle Menschen offen.

es wieder mit nach Hause nehmen.

ihren Kindern bestimmte Dinge nicht kaufen können, weil das Geld knapp ist, also

DRAUSSENSEITER: Wo sehen Sie bei Ihrer

etwa keine Gummistiefel oder wetterfeste

Arbeit Grenzen oder auch Chancen?

Kleidung, dass wir dann einen Antrag an

Sabine Kucharczyk: Im Kindertagesstät-

das Schutzengelprojekt stellen. Das ist ein

ten-Bereich wird einfach alles aufgefangen,

Projekt, das Familien gezielt unterstützt.

ohne einen bestimmten Fokus. Aber die

lll

Info

Ev. Kita Am Hackenbruch Das zertifizierte Familienzentrum NRW vereint verschiedene Angebote zur Unterstützung und Entlastung des Familienlebens in einem Haus. Dazu gehören u.a. Beratungen zu Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen, Tagespflege, Sprachförderung sowie die Beratung Soziale Dienste (BSD) und Seelsorge. Pädagogisch orientiert sich die Kita an der individuellen Lebenssituation des Kindes und seiner Familie. Adresse: Am Hackenbruch 86, 40231 Düsseldorf Öffnungszeiten: montags bis freitags von 7.30 bis 16.30 Uhr Weitere Informationen: www.diakonieduesseldorf.de/kita, www.familienzentrum.nrw.de 13


Kolumne von Gerlis Zillgens

Annika (11) bloggt

Vorsätze zum neuen Jahr – Oder: das Fett muss weg 22.45 Uhr Gibt es eigentlich Magersahne?

!

kann. Bin voll schockiert. Bin ich eine fette, übergewichtige Tochter, die von allen gehänselt wird, weil sie im Sportunterricht

22.47 Uhr

die simpelsten Sachen nicht hinkriegt?

Auf der Waage gestanden. Noch kein

Was habe ich nur für eine Mutter?

Gramm abgenommen. Es gibt keine Magersahne.

20.45 Uhr Mum ist inzwischen dreimal in meinem

3. Januar

Zimmer gewesen, um sich zu entschuldi-

17.30 Uhr

zu fragen, ob ich wirklich nur Gemüse zu

Das neue Jahr beginnt mit einer schreckli-

Abend essen will. Darüber haben die bei-

chen Erkenntnis: Ich bin fett. Das muss

den dann noch heftigeren Krach gekriegt.

gen. Dad ist auch dreimal gekommen, um

sich ändern. Ich fange damit an, dass ich nicht zu Abend esse. „Dinner-Cancelling“

21.29 Uhr

nennt Mum das, und sie macht das zwei-

Bin müde und will schlafen. Mum und

mal die Woche. Dad findet das voll

Dad streiten immer noch, kann jedes Wort

4. Januar

verstehen. Bin etwas irritiert. Es geht über-

scheiden lassen. Aber ich bin ja nicht ver-

18.30 Uhr

es um Aufräumen, Zahnpastatuben und

heiratet.

Mum und Dad haben Krach. Mum hat das

Theaterpförtner.

bescheuert, und Mum und Dad wollten sich schon mindestens dreimal deswegen

haupt nicht mehr um mich. Jetzt geht

mit der Mousse au Chocolat rausbekom19.50 Uhr

men. Als sie das Wort „Magersahne“

21.42 Uhr

Hunger!

gehört hat, ist sie explodiert. Sie wirft Dad

Wow, bin wieder hellwach. Mum hat Dad,

vor, er torpediere meine Versuche, ein

als ich noch nicht auf der Welt war, mit

21.30 Uhr

gesünderer, beweglicherer, sportlicherer

dem gehirnamputierten Aushilfspförtner

ICH VERHUNGERE!

Mensch zu werden, weil er Angst habe,

ihres Theaters betrogen.

eine Verbündete in seiner unbeweglichen 22.19 Uhr

Genusssucht zu verlieren. Dad wiederum

22.11 Uhr

Heulend in Mums Armen gelegen. Mum

wirft Mum vor, dass es ungesund sei, wenn

Dad hat Mum, als ich zweieinhalb war,

hat mir erklärt, dass Dinner-Cancelling

ein Kind so viel abnehme. Mum hat geru-

mit der übergewichtigen Leiterin des Kin-

nur was für Fortgeschrittene ist. Ich soll

fen, von „so viel“ könne gar keine Rede

derhorts betrogen. Herrscht hinter der

lieber gedünstetes Gemüse zu Abend

sein, noch hätte ich schließlich kein einzi-

glücklichen Fassade unseres heilen Fami-

essen. Ich hab Mum ganz doll lieb.

ges Gramm abgenommen und Dad solle

lienlebens Sodom und Gomorra?

doch mal gucken, was dabei rauskommt,

14

22.35 Uhr

bei der ganzen Esserei, eine fette, überge-

Dad hat mir ein Schüsselchen Mousse au

wichtige Tochter, die von allen gehänselt

Chocolat gebracht. Mit Magersahne

wird, weil sie im Sportunterricht die sim-

gemacht, hat er gesagt. Dad hab ich noch

pelsten Sachen nicht hinkriegt und nicht

doller lieb als Mum.

mal über einen einfachen Bock springen


Kolumne von Gerlis Zillgens

konnte. War so frustriert, dass ich Dad

23.12 Uhr

gebeten hab, mir Mousse au Chocolat zu

Krach nebenan. Mum hat die Mousse ent-

machen.

deckt.

„Mit Magersahne?“, hat Dad gefragt und gegrinst.

23.18 Uhr

„Mit viiiiieel Magersahne“, habe ich

Ich werde nie heiraten.

geantwortet und zurückgegrinst. Mum ist heute Abend im Theater.

23.25 Uhr Jedenfalls nicht jemanden wie Mum.

5. Januar

23.40 Uhr

20.50 Uhr

Jemanden wie Dad schon.

Bin heute um den ganzen Park. Im Lauf-

Aber nur ohne Sex.

schritt. Die totale Tortur! Mir tun die Oberschenkel weh. 21.30 Uhr Und die Waden.

7. Januar 18.29 Uhr Der Muskelkater ist noch stärker als gestern. Gut, dass noch Mousse au Chocolat da ist. Dad hat sie gut getarnt in Tupperware unter einer Schicht Obst im Kühl-

6. Januar

schrank versteckt.

07.25 Uhr Es gibt keine Stelle am ganzen Körper, die nicht weh tut. Hab totalen Muskelkater. Kann nicht zur Schule. 07.35 Uhr Mum sagt, Muskelkater ist kein Grund, nicht zur Schule zu gehen. Rabenmutter! 07.40 Uhr Dad sagt, es kann schon ein Grund sein.

8. Januar

Ich wünsche mir eine andere Mutter. Hab

19.30 Uhr

Dad gefragt, wie die Hortleiterin denn so

Mousse ist alle.

ist. Mum hat gefragt, welche Hortleiterin. Hab gesagt, die, mit der Dad was hatte, als

20.35 Uhr

ich zweieinhalb war. Dad war sauer. Mum

Dad hat neue gemacht.

auch. Auf mich!!! Als ob Sodom und Gomorra meine Schuld wäre!

21.58 Uhr Auf der Waage gestanden. Geschockt.

19.28 Uhr

Zwei Kilo zugenommen. Dad hat recht.

Heute nicht trainiert, weil ich vor lauter

Sport ist Mord. Und nützen tut es gar

Muskelkater gar nichts mehr bewegen

nichts. Voll Frust. Ich hör auf damit.

lll

zur person

Gerlis Zillgens arbeitete nach dem Studium als Schauspielerin und Regisseurin an diversen Theatern, bevor sie ihren Schwerpunkt aufs Schreiben legte. Sie tourt mit Kabarettprogrammen durchs Land und schreibt mittlerweile in viele Sprachen übersetzte Romane für Jugendliche und Erwachsene. Seit einigen Jahren gibt sie Schreibseminare für Erwachsene und Jugendliche, mehr dazu unter www.zillgens.de. 15


jugend

MOKLI – Die App für Kinder in der Kälte

Liebe Straßenkids, mit MOKLI, der Hilfeplatt-

gations-Link im Info-Fenster jeder Einrich-

form für jugendliche Aus-

tung auch direkt dorthin lotsen lassen.

reißer, findet Ihr, was Ihr

Dabei wird weder Euer Standort noch

braucht. Egal, ob Ihr Hun-

Eure Suche irgendwo gespeichert – beides

ger habt, einen sicheren

kann demnach auch von niemandem

Schlafplatz sucht oder

zurückverfolgt werden.

jemanden zum Reden, MOKLI zeigt Euch, wo ihr in Eurer Nähe Hilfe findet.

Wer hat MOKLI gedacht und gemacht?

Eine Initiative von MOMO – The Voice of Dis-

Die Idee zu MOKLI kommt von Euch –

connected Youth und

genauer gesagt von einer Gruppe junger

KARUNA International.

Leute, die früher selbst einmal obdachlos waren und sich nun dazu entschlossen

Was ist MOKLI?

haben, anderen in der gleichen Situation zu helfen. MOMO – The Voice of Dis-

Die Geschichte von Mogli, dem Men-

connected Youth nennen sie sich und

schenkind, dass im Dschungel auf-

haben mit ihrer Idee den Grundstein für

wächst kennen wahrscheinlich viele

diese Webseite gelegt.

von Euch. Manche können sich viel-

Mit Unterstützung des Berliner Jugend-

leicht sogar besser in Mogli hinein

hilfevereins KARUNA Zukunft für Kinder

versetzen, als ihnen lieb ist: Ihr kennt

und Jugendliche in Not International e.V.

das Gefühl, nicht zu wissen, wann man

sowie der KARUNA Sozialgenossenschaft

das nächste Mal etwas zu essen bekommt

mit Familiensinn eG haben die MOMOs

oder wo man heute Nacht schläft.

diese Idee dann anschließend weiter aus-

So wie Mogli in der Geschichte von sei-

gebaut und gemeinsam mit Google Ger-

nen Gefährten Balu und Baghira begleitet

many GmbH, Ashoka Deutschland gGm-

wird, die ihn vor Gefahren beschützen, soll

bH und ubilabs GmbH umgesetzt. Das

auch MOKLI, die mobile Webseite von

Ergebnis seht Ihr hier. Wir hoffen, dass es

MOMO und KARUNA, Euch begleiten

Euch gefällt und vor allem, dass es Euch

und Euch helfen, das zu finden, was Ihr

dabei hilft, besonders in schwierigen Situ-

braucht: Essen, Schlafplätze, Duschgele-

ationen das zu finden, was Ihr sucht.

genheiten, Beratungsstellen und kostenEure Begleiter von MOMO – The Voice of Disconnected und KARUNA International

lose Ärzte. Über das MOKLI-Hauptmenü könnt Ihr gezielt auswählen, was Ihr braucht, und diese Auswahl dann in den Untermenüs und über verschiedene Filtermöglichkeiten weiter spezifizieren. Wenn Ihr gefunden habt, was Ihr sucht, könnt Ihr Euch

lll

Info

die passenden Einrichtungen auf einer Karte anzeigen und Euch über den Navi-

16

https://mokli-help.de/#


bericht

Clemens-Josef-Haus

Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de

Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen

Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen

Arbeiten

Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung

Pflegewohnheim

begleiten und fördern I beraten und anleiten

Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause

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aus aller welt

Die gebürtige Rumänin Marta verkauft Big Issue North in Manchester, wo sie mit ihrem Freund lebt. Foto: Christian Lisseman

Verkäufer im Rampenlicht

Marta von Big Issue North, UK von Christian Lisseman

Marta, geboren in Rumänien, verkauft den „Big Issue North“ in Manchester, wo sie mit ihrem Freund lebt. Sie ist im zweiten Monat schwanger. Nachdem sie vier Jahre lang vergeblich versucht hatte, ein Kind zu bekommen, freut sie sich sehr, dass ihr erstes Baby in England zur Welt kommen wird. Trotz der harten Lebensumstände, wegen derer sie ihr Heimatland verlassen hat, sagt sie: „Ich hätte gerne eines Tages ein Haus in Rumänien, in dem ich mit meinen Kindern und meinem Freund leben kann.“

18


aus aller welt

Erzähl uns mehr über dich.

Meine Mama und mein Papa leben in

Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Rumä-

Rumänien. Sie haben keine Arbeit, also

nien. Ich lebe hier seit drei Monaten.

schicke ich manchmal Geld für meine Familie. Ich habe auch drei Brüder und

Warum verkaufst du Big Issue North?

vier Schwestern. Sie leben alle in einem

Ich verkaufe es für mich selbst – um zu

Haus. Es ist kein schönes Haus. Es ist klein.

essen, Kleidung zu kaufen, alles. Und um

In meinem Haus hier haben wir eine

etwas zu tun. Ich verkaufe dieses Magazin

Dusche. Sie haben solche Dinge nicht.

gerne, weil es mir gefällt, dass ich Geld verdienen kann.

Bist du in Rumänien zur Schule gegangen? Ich ging zur Schule, ja. Es hat mir gefallen.

Warum bist du nach England gekommen?

Dort habe ich begonnen, Englisch zu ler-

Ich brauchte einen Job, also kam ich hier-

nen. Wir hatten einen Lehrer, der Rumä-

her. In Rumänien gab es keine Arbeit,

nisch und Englisch gesprochen hat.

keinen Job, kein Geld, kein Essen. Ich bin schwanger und als ich erfahren habe, dass

Wie ist es, dieses Magazin zu verkaufen?

ich schwanger bin, wusste ich, dass ich

Es kann manchmal hart sein. An einem

einen Job brauchte. Mein Freund lebte in

Tag habe ich nur drei Magazine verkauft,

England und er sagte zu mir: „Komm zu

gestern waren es sechs. Es gibt gute und

mir. In England wirst du ein gutes Leben

schlechte Tage. Ich werde auch ein wenig

haben.“ Also sagte ich meiner Familie,

müde, weil ich schwanger bin. Manchmal

dass ich nach England gehen muss, um

ist mir ein wenig schlecht. Sonntags und

einen Job zu finden. Ich habe sie in Rumä-

montags verkaufe ich nicht. Da bleibe ich

nien zurückgelassen. Ich vermisse meine

daheim und relaxe.

Familie sehr. Aber das Leben in Rumänien war hart, und jetzt geht es mir gut.

Was machst du in deiner Freizeit? Ich bete. Ich bin eine Christin. Ich gehe

Wann kommt das Baby?

manchmal in die Kirche.

Ich bin nicht sicher, wie weit die Schwangerschaft im Moment ist. Vielleicht zwei

Wie sehen deine Hoffnungen für die Zukunft

Monate. Die Leute im Büro von Big Issue

aus?

North helfen mir bei der Vereinbarung

Eines Tages hätte ich gerne ein Haus in

eines Arzttermins, damit ich es herausfin-

Rumänien, zusammen mit meinen Kin-

den kann.

dern und meinem Freund.

Machst du dir über die Mutterschaft Sorgen? Nein. Das ist mein erstes Baby. Ich freue mich, weil ich seit vier Jahren versuche, schwanger zu werden. Ich wünsche mir

Übersetzt aus dem Italienischen von Natalija V/Translators Without Borders Freundlicherweise zur Verfügung gestellt Big Issue North / INSP.ngo

vielleicht zwei, drei, vier Babys, ich weiß nicht. Ich hoffe, es ist ein Mädchen. Ich würde es Isabella nennen, weil mir dieser Name gefällt. Wo wohnst du? Ich lebe in einem Haus zusammen mit meinem Onkel, meiner Tante und meinem Freund. Erzähl uns etwas über deine Familie in Rumänien.

lll

The Big issue north

Sitz: Manchester, Leeds, Liverpool und Sheffield Gegründet: Dezember 1992 Erscheint: wöchentlich Link: www.bigissuenorth.com

Kolumne

Kein Smartphone, aber jede Menge Apps – die Kuriosität, im Jahre 2017 Mutter zu sein n Wie ist man früher nur groß geworden so ganz ohne Apps? Heute kaum noch vorstellbar! Beispielsweise ich – ein Kind der 1975er Generation – erinnere ich mich an einen ganz normalen Tag in den 80ern. Der ging dann so: Aufstehen mit Wecker (mit Märchenmotiv), frühstücken mit Teller (mit Zahlenmotiv und kleinen Entchen), danach Kindergarten (mit einfacher Tasche mit Mainzelmännchen-Aufdruck); zu Hause angekommen spielte man im Garten, z.B. im Sandkasten und mit Förmchen, ja ohne Schutzanzug und ohne Mamas, die aufs Handy starren. Danach war Baden angesagt (mit einem schönen Eimer in Rot), anschließend Schlafanzug anziehen (natürlich mit Tom und Jerry-Motiv vorne drauf). Anschließend wurde Sesamstraße geguckt und dann ab ins Bett (im grünen Kinderzimmer mit Monchichi-Bettwäsche). Seufz. Für die heutige Zeit scheint ein Tag ohne Smartphone unvorstellbar – das gilt für Große und Kleine. All diese Apps und Programme, sind einfach unglaublich praktisch: Es gibt Apps, um Kinder zu beschäftigen; es gibt welche, um Kindern Spiele beizubringen und ja, es gibt Apps, die Kinder animieren sollen, mehr nach draußen zu gehen. Andererseits sagen aber immer mehr Leute, dass Smartphones so schädlich sind für Kinder ... Ja, was stimmt denn nun? Heute braucht man für die Kinder vom Aufstehen bis zum Schlafen jede Menge Apps und die Mütter diskutieren wegen allem in den sozialen Netzwerken. Brauchten wir damals nicht. Unsere Netzwerke waren wir selber, wir haben beim Freund geklingelt und nicht stundenlang diskutiert ob und wann. Schade, ich wäre jetzt gerne im Jahre 1975, da war wirklich alles besser. Wenn ich ehrlich bin, vermisse ich sogar ein bisschen die Biene Maja. Tamara Klein ist 1975 in Köln geboren und schreibt gerne für den DRAUSSENSEITER Kolumnen. 19


spuren der armut

Spuren der Armut

Das letzte Brot Ein Bild von Käthe Kollwitz

Käthe Kollwitz Brot! 1924 Lithographie Käthe Kollwitz Museum Köln (mit Dank für die Bereitstellung der Abbildung)

schen so ratlos und hilfsbedürftig sind“, wie sie selbst einmal sagte. Es war ein günstiger Umstand, der dazu führte, dass es in Köln ein „Käthe Kollwitz Museum“ gibt. Die Kreissparkasse Köln konnte 1985 eine größere Anzahl von Arbeiten der Künstlerin von ihren Enkelinnen erwerben, die hier ansässig waren. Das Museum ist ganz zentral in Köln am Neumarkt gelegen und über einen

„

M

Glasaufzug in der Neumarkt-Passage zu erreichen. Oben erwarten die Besucher ama, ich habe solchen

schön gestaltete Räume, in denen die

Hunger!“ Zwei kleine Kin-

und konnte dank der Unterstützung

mittlerweile auf hunderte Stücke ange-

der hängen an den Rock-

ihrer Familie eine künstlerische Lauf-

wachsene Sammlung und wechselnde

zipfeln der Mutter und betteln um ein

bahn einschlagen, was am Ende des 19.

Sonderausstellungen präsentiert werden.

Stückchen Brot. Heute können wir uns

Jahrhunderts noch sehr ungewöhnlich

in unserer westlichen Welt keine Vor-

war. Zeit ihres Lebens hatte sie ein

stellung mehr davon machen, wie das

besonderes Auge auf die Sorgen und

ist: Hungern! Aber als Käthe Kollwitz

Nöte der Armen. Viele ihrer Bilder

diese Zeichnung 1924 als Steindruck

beschäftigen sich mit Armut, aber auch

veröffentlicht hat, war das alltäglich!

mit dem allgegenwärtigen Tod.

Vor allem die vielen notleidenden

20

Käthe Kollwitz wurde 1867 geboren

Die Kollwitz war eine der besten Gra-

Arbeiterfamilien hatten oft nicht genug

fikerinnen ihrer Zeit. Sie konnte meister-

zu essen auf dem Tisch. Käthe Kollwitz

haft mit den unterschiedlichen Techni-

hat die teilweise dramatische Armut

ken umgehen. Vor allem ihre mitfühlen-

hautnah miterlebt. Als Frau eines

den Lithographien wurden oft zu Plakat-

Armenarztes, der nicht selten umsonst

motiven, mit denen sie auch „wirken“

behandelte.

wollte. In einer Zeit, „in der die Men-

Anke von Heyl, M.A., Kunsthistorikerin und Autorin, u.a. von einem Kinderführer zum Käthe Kollwitz Museum, ist auf kreative Methoden der Wissensvermittlung spezialisiert. Ihr Beitrag zu der Litographie „Brot!“ ist der siebte Teil der Reihe „Spuren der Armut“, die Christina Bacher und Martin Stankowski für den DRAUSSENSEITER konzipiert haben.


Aus den einrichtungen

Fotos: OASE-Archiv

Dave Zwieback hilft!

Von B wie Bömmel bis Z wie Zwieback Am 5. Oktober 2017 findet ab 19.30 Uhr im Lapidarium ein Benefizkonzert der Extraklasse zugunsten der OASE, einer Einrichtung für Wohnungslose, statt: So konnte Clemens Roer, Gründer und Keyboarder der Kölsch-Rockband Dave Zwieback – gemeinsam mit Harald van Bonn von www.koelschemusik.info als Initiator der Veranstaltung – nicht nur den Kölner Krätzchen-Sänger Philipp Oebel und die DRAUSSENSEITER-Verkäufer und freie Mitarbeiter des Magazins trafen sich zum Austausch in der OASE. Bild links Dorothee und Renee und rechts Gigi – Verkäufer in Braunsfeld.

diesjährigen zweiten Sieger des Kölsche Musik Bänd Kontest „Die Baend“ für den Abend gewinnen, sondern auch Bömmel, Hartmut und Kafi von den Bläck Fööss.

Verkäufertreffen in der OASE

E

„Ohne mit der Wimper zu zucken, haben alle zugesagt, als sie hörten, worum es geht“, freut sich Roer, der – wenn es weiter so gut läuft – zum Wie-

infach mal meckern, sich untereinander austauschen oder nur mal wieder gemüt-

derholungstäter

lich zusammensitzen und sich freuen, dass man zur DRAUSSENSEITER-Familie

werden will. Mit

gehört: Unser Verkäufertreffen, zu dem auch einige freie Mitarbeiter und Mitar-

der Idee „Dave

beiterinnen gekommen waren, war mal wieder richtig schön. Bei einem reichhaltigen

Zwieback hilft“

Frühstück feierten wir unsere neue Ausgabe mit dem bunten Cover, das Ralf König illus-

schweben ihm weitere Bene-

triert hat, und tauschten Neuigkeiten aus. „Ich find das Heft sowieso richtig gut. Ohne

fizkonzerte vor. Auch wenn es dabei in ers-

den Verkauf würde ich gar nicht über die Runden kommen“, sagt Markus, der mit der

ter Linie um den guten Zweck geht – denn

Ausweisnummer 9 zu unseren dienstältesten Verkäufern gehört. (cb)

selbst die Techniker und der Lapidarium-Wirt Ernst sind ehrenamtlich am Start

Frühstück

Jeden Montag von 10.30 bis 13 Uhr bietet die OASE ein kräftigendes Frühstück an. Foto: Christina Bacher

– hat sich Zwieback so auch einen Traum

Wir laden ein ... ... zum alljährlichen OASE-Sommerfest mit Live-Musik, Würstchen, Kaffee und Kuchen. Wann: 8. September 2017, 12 bis 17 Uhr Wo: vor der OASE, Alfred-Schütte-Allee 4, Haltestelle Drehbrücke Wir freuen uns auf euch! Euer OASE- und DRAUSSENSEITER-Team

erfüllt: „An dem Abend sind ausschließlich Musiker dabei, die ich selber gerne höre. Ich habe mir schon immer gewünscht, mal mit ihnen gemeinsam auf einer Bühne zu stehen!“ Selbst die Mitsing-Initiative Loss mer singe unterstützt die Veranstaltung und stellt an dem Abend mit Georg Hinz einen erstklassigen Moderator. lll

info

Veranstaltung: Am 5.10. ab 19.30 Uhr (Einlass um 18.30 Uhr) Ort: Lapidarium (am Eigenstein) Kosten: 15 Euro Vorverkauf: Im Lapidarium und im Buchladen Neusser Straße 21


cartoon/kolumne

Illustration: Heiko Sakurai

hallo Freunde! Letzten Monat war ich ganz schön urlaubsreif. Und so hat Frauchen für mich gebucht – bei der Ex-Hundetrainerin, die auch eine Pension hat. Ist echt gar nicht schlecht da. Jede Menge Hundekumpels zum spielen. Und wenn es richtig warm ist, gehen wir an den See. Naja, das mit dem Schwimmen ist eigentlich nicht so mein Ding. Aber wenn die anderen im Wasser sind, geh’ ich auch mal rein – mit den Pfoten. Das reicht mir. Einmal bin ich am Ufer dabei weggerutscht. Habe mich total erschrocken und lag 22

gleich mitten im See. Bin natürlich direkt wieder raus. Gut, dass das mein Dosenöffner nicht gesehen hat. Der regt sich bei sowas immer so auf und macht sich Sorgen. Na, ich habe mir dabei schon ein wenig die rechte Pfote verletzt. Das wurde dann aber schnell behandelt. War trotzdem toll, so ein Hundeurlaub. Ich habe mich aber auch drauf gefreut, wieder mit Frauchen auf Tour zu sein. Zuhause habe ich auch ihren besten Freund getroffen. Mit dem hat sie während meiner Auszeit zusammengearbei-

tet. Ich habe ihn gleich für nett befunden und meinem Dosenöffner mein ‚Okay’ für ihn gegeben. Ist ja schließlich mein Job, auf sie aufzupassen. Euer Clayd

l l l Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda


Buch-tipps

Astrid Frank

Gabriel Rolón

Unsichtbare Wunden Der Psychologe Durch die sozialen Medien im Internet, aber auch die mobilen Endgeräte ist es heute noch viel leichter geworden, jemanden rund um die Uhr zu schikanieren. Insbesondere Schüler sind sehr stark davon betroffen. Die Kölner Jugendbuchautorin Astrid Frank greift dieses Thema in ihrem Roman „Unsichtbare Wunden“ geschickt auf: Anna ist ein hübsches, kluges und fröhliches Mädchen. Zu ihrem 13. Geburtstag bekommt sie von ihrem Vater ein Tagebuch geschenkt: „Für deine Geheimnisse“, sagt er. Doch Anna hat keine – bis ihre beste Freundin sich von ihr abwendet und in der Schule eine verhängnisvolle Mobbingspirale einsetzt. Irgendwann verselbstständigen sich die Beleidigungen. Immer mehr Mitschüler werden in die Angelegenheit mit hineingezogen. Anna leidet unter dieser Situation und gibt sich die Schuld daran. Sie beginnt sich zu hassen, fügt ihrem Körper mit Absicht Wunden und Schmerzen zu. Doch als auch noch ihr geliebtes Pferd bedroht wird, bekommt sie regelrecht Panik. Keine Frage, dass das Tagebuch bald voller schlimmer Geschichten und Vorwürfe steht – Anna selbst wird daraus nicht mehr vorlesen können. Ein berührendes Buch, das sicher Spuren bei seinen Lesern hinterlässt. Egal, ob sie erst 13 Jahre alt oder schon erwachsen sind. Vielleicht deshalb empfiehlt die Vereinigung MOBBING GELP DESK die Lektüre. (cb) Astrid Frank: Unsichtbare Wunden, 288 Seiten, ISBN-10: 382-51796-64, Urachhaus Verlag, 15,90 Euro, empfohlen ab 13 Jahren

Da kommt dieses Büchlein, blau gewandet, einfach so daher geschlichen. Versteckt sich hinter dickbäuchigen Angebern – und verbirgt somit, was für ein wahrer Schatz es ist. Ein Goldstück. Ein Fund, der es mich hat verschlingen lassen. Denn die hintergründige, alles nachfragende Vorgehensweise des Psychologen Pablo, der hier durch den in Buenos Aires spielenden Krimi führt, entpuppt sich als perfekt für das, was ich am meisten liebe: Psychokrimis, die diesen Namen verdienen. Gewohnt, nichts, was ihm jemand erzählt, für bare Münze zu nehmen, sondern immer noch nach der versteckten Botschaft in dem gesprochenen Wort zu suchen – mit dieser Vorgehensweise therapiert Pablo Rouviot seine Patienten. Und kann nicht anders, auch so geht er immer vor, privat wie beruflich. Das erweist sich in diesem Fall als fatal. Die Katastrophe beginnt damit, dass ihm sein Freund José eine seiner Klientinnen schickt: Paula Vanussi, eine bildschöne junge Frau, deren psychisch kranker Bruder unter Verdacht steht, ihren Vater ermordet zu haben. Nun will Paula erreichen, dass Javier, der Bruder, nicht ins Gefängnis muss, sondern für seine Tat – die er übrigens gestanden hat – in der Psychiatrie (und da in einer ganz bestimmten Einrichtung ihrer Wahl) bleiben darf. Doch irgendwas stimmt an dieser Geschichte nicht, vermutet Psychologe Pablo gleich. Irgendwie werden ihm hier Botschaften gesteckt, die sich hinter der vordergründigen Aussage, Javier sei doch ganz bestimmt der Mörder, verbergen. Nun war der Tote alles andere als beliebt, er war ein Menschenschinder, Mädchenhändler, Ausbeuter und Misshandler seiner Familie. Man könnte also alles auf sich beruhen lassen. Doch nicht so Pablo, dessen Lebensmotto es ist, der Angst zu trotzen und die Wahrheit aufzudecken. Ingrid Müller-Münch Gabriel Rolón: „Der Psychologe“, btb, Übersetzung aus d. Spanischem Peter Kultzen, 1/2017, ISBN 978-34427445-65, 9,99 Euro

Lone Theils

Die Mädchen von der Englandfähre Die Idee basiert auf einer realen Geschichte. Und wurde aufgegriffen von einer Journalistin, die für eine angesehene dänische Tageszeitung als Korrespondentin in London gearbeitet hat. Lone Theils las über einen amerikanischen Serienmörder, der in Kalifornien in einer Todeszelle sitzt und der seine Opfer fotografierte, bevor er sie tötete. Eines der Fotos dieses Mörders zeigte zwei dänische Mädchen. Und so entstand das Debut um die Reporterin Nora Sand. Auch hier geht es um zwei dänische Mädchen, die mit einer Gruppe Gleichaltriger im Sommer 1985 auf der Überfahrt mit einer Fähre nach England spurlos verschwanden. Rein zufällig stößt Nora Sand auf diese Geschichte. Als sie bei einem Antiquitätenhändler einen altertümlichen Koffer ersteht, aus dem, nachdem sie ihn geöffnet hat, ein Umschlag mit Fotos herausfällt. Fotos, auf denen Mädchen und junge Frauen zu sehen sind, u.a. eben die beiden damals verschwundenen Lulu und Lisbeth. Nora Sands Neugierde ist geweckt. Und als sie dann noch in den Koffer eingraviert die Initialen eines seit Langem schon im englischen Knast einsitzenden Massenmörders entdeckt, gibt es für sie kein Halten mehr. Sie spürt die Ermittler auf, die nie das Rätsel um Lulu und Lisbeth lösen konnten. Und schleicht sich bis hin zu Bill Hix, diesem Mörder, der bereit ist, mit ihr zu sprechen. Damit beginnt eine Hexenjagd auf sie. Und die letztendlich Nora selbst in tödliche Gefahr bringt. Nur die Tatsache, dass sie ebenso wie die Autorin Kick-Boxerin ist, rettet ihr das Leben. Für ein Debut ein wirklich außergewöhnliches Thema. Ingrid Müller-Münch

Lone Theils: „Die Mädchen von der Englandfähre“, rororo, 6/2017, Übersetzung aus Dänischem Ursel Allenstein, 428 Seiten, 9,99 Euro

23


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IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www.dehaar.de Titelfoto B.O.J.E.-Bus Fotos Christina Bacher, Sabrina Burbach, Kölsche Linda, Christian Lisseman, OASE Archiv, Hanna Witte Cartoon Heiko Sakurai

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Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, Im Ferkulum 42, 50678 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln VIELFACH, Baudri-Platz, 50733 Köln

Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des


vorschau

Eintritt frei z kunst

Kabine Rudolfplatz/ Stadtlabor Stadtlabor ist ein von der Stadt Köln initiiertes und gefördertes Projekt für Kunst im öffentlichen Raum. 2017 sind drei Künstlerteams eingeladen, im Laufe des Jahres Interventionen auf den Kölner Ringen zu realisieren. Der Hohenzollernsaal - ein Teil des Steigenberger Hotels gegenüber dem Rudolfplatz - wird am 8. September zur Kabine Rudolfplatz. Der Raum, ein quadratischer Glaskasten, erlaubt in drei Richtungen einen grandiosen Panoramablick auf das dichte städtische Treiben sowie auf den Abriss eines großen Gebäudekomplexes auf der südlichen Seite des Rudolfplatzes. Hier spielen sich unendlich viel Miniatur-Szenen ab, die Verkehrswege am Ring kreuzen sich.

Das Café Vis-à-Vis neben dem Erik-Wickberg-Haus für wohnungslose Männer ist eine beliebte Anlaufstelle für Bewohner und Nachbarn aus dem Veedel. Foto: Sabrina Burbach

Suppe, Seife, Seelenheil Kino für einen Tag Uschi Huber und Boris Sieverts richten in diesem Saal ein „Kino“ für einen Tag ein, indem sie die gesamte Bestuhlung an die Fenster rücken und den konzentrierten Blick der Besucherinnen und Besucher nach außen richten. Gleichzeitig wird das Gesehene, das durch die Größe der Glaswände filmischen Charakter bekommt, wie in einem Real-Stummfilm mit Live-Musik verbunden. Über 12 Stunden hinweg entwickelt sich ein ineinander fließendes Programm mit Live-Musik, Sprecherinnen, Sprechern und Beiträgen von den Beiträgen der Besucherinnen und Besuchern selbst.

L

ondon, 1865. Der methodistische Pfarrer William Booth möchte das Elend in den dortigen Slums der Frühindustrialisierung bekämpfen. Dazu gründet er kurzerhand mit Freiwilligen aus verschiedenen Kirchen die „Christliche Erweckungsgesellschaft“ – seit 1878 auch bekannt under dem Namen „Die Heilsarmee“. Das Ziel: gemäß dem Motto „Suppe, Seife, Seelenheil“ zu helfen, wo es geht. Das ist bis heute so. Das Kölner Erik-Wickberg-Haus, eine Einrichtung der Heilsarmee, ist seit den 70er Jahren Anlaufstelle für wohnungslose Männer mit besonderen sozialen Schwierigkeiten. Viele bringen gesundheitliche Probleme, Schulden oder eine Drogenvergangenheit mit. Wir haben mit den Mitarbeitern gesprochen und sie gefragt, wie die Rückkehr in einen normalen Alltag gelingen kann und welche Hürden es dabei zu nehmen gilt.

Wann: 8. September 2017, 12 bis 24 Uhr Wo: Hohenzollernsaal - Steigenberger Hotel Habsburgerring 9-13, 50674 Köln Veranstalter: Kunstbeirat, Richartzstraße 2-4 50667 Köln Weitere Infos siehe www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/ ausschuesse-und-gremien/kunstbeirat http://stadtlabor-koeln.de

Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. Oktober 2017. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25


service

n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM)

Foto: Hanna Witte

Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9 http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de

Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund

n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de

n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr

n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim

n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme

Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewaschen, Kleiderkammer nur für wohnungslose Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr

n Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr

n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung

Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen

n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 15-17 Uhr

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Foto: Christina Bacher

Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische


service

Nur für Frauen

n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de

n agisra e.V.

Foto: Marie Breer

Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.

n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen

Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr

n Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung

n Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück

n Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210

n OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de

Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.

Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch nach Terminvereinbarung

Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr

Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30-11.30 Uhr und

n Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.

n Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen

n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung

n Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.

Nur für Männer n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 93 12 21-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren

n „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de

Donnerstag 13.30-14.15 Uhr

n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und

Kleiderkammer/Duschmöglichkeit nur für Leute auf der Straße:

Beratung für vergewaltigte Frauen Herwarthstr. 10, 50672 Köln, Tel.: 56 20 35, mail- Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen box@notruf-koeln.de, www.notruf-koeln.de Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Beratung telefonisch, persönlich und per Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote

Montag 10.30-12 Uhr, Donnerstag 13-15.30 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung

Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: siehe Aushang


E S A O fest

r e m Som

Uhr 17 is b 12 , 17 0 2 r e b Wann: 8. Septem -Allee 4 e tt ü h c S d re lf A , E S A Wo: Vor der O tchen, rs ü W , ik s u M e iv L : Was gibt's Kaffee und Kuchen

2017


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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 09/2017: Jugend by Draussenseiter - Issuu