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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 0708/2018: Starke Frauen

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26. Jahrgang Nr. 190 Juli / August 2018

R E T I E S N E S s U A R D N

Foto: Susanne Koplin / Schokolinse

I Z A G A M N E S S STRA R E N L Ö K S A D

0,90 e für den Verkäufer

1,70 e

Starke Frauen SASKIA SCHULTE

NICOLE AUS HH

CAROLIN EMCKE


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Engelbertstraße 44 · 50674 Köln Postfach 27 01 26 · 50508 Köln Telefon (02 21) 93 18 00 - 0 Telefax (02 21) 93 18 00 - 66 e-Mail: wpg@mermagen.de Internet: www.mermagen.de Geschäftsführer: Dipl.-Kfm. Wilhelm Mermagen Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Petra Heider Rechtsanwältin und Steuerberaterin

Wir beraten Privatkunden, Freiberufler und Gewerbetreibende. Wir beraten und prüfen Unternehmen, Verbände und gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen.


Vorwort

Inhalt

Liebe Leser,

Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3 Sie müssen jetzt ganz stark sein, denn in unserer aktuellen Ausgabe kommen Frauen zu Wort, die Sie an Originalität, Mut, Risi-

Schwerpunkt: Starke Frauen

kobereitschaft, Orgasmusfähigkeit und Intelligenz um ein Vielfaches übertreffen. Jedenfalls stellt es sich uns so dar, die wir sie getroffen haben: Die Lebenskünstlerin und Buch-Bloggerin Saskia Savita Schulte, die Publizistin Carolin Emcke oder auch Nicole aus Hamburg, die ihren

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„Es gibt ein genussvolles Leben da draußen!“ ������������ 4-7

Lebensunterhalt unter anderem durch Flaschenpfand-Sammeln bewerkstelligt und dennoch sehr zufrieden ist. Diese und andere starke Frauen werden uns über den Sommer begleiten, denn der DRAUSSENSEITER erscheint traditionell im Juli/August als Doppelausgabe. Allen, natürlich auch unserer weiblichen Leserschaft, möchten wir bis dahin die Ausstellung über „Wohnungslose im

Ich bin obdachlos – und keiner sieht‘s �������������������� 8-11 Armut ist immer auch eine politische Frage ����������� 13-17

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Nationalsozialismus“ im EL-DE-Haus ans Herz legen. Übrigens kommt man am ersten Donnerstag im Monat als Kölner Bürger oder Bürgerin gratis in die Museen. Ausreden gibt es also nicht, nichts wie hin. Und wir von der DRAUSSENSEITER-Redaktion freuen uns, wenn wir Sie am 7.9.2018 in alter Frische beim OASE-Som-

S.20

Cartoon/Clayd ������������������������ 18 Aus der OASE ������������������������� 19

merfest sehen. Dann aber mit Live-Musik, Würstchen vom Grill und Kaffee und Kuchen. Ganz herzliche Grüße,

Christina Bacher

Wohnungslose im Nationalsozialismus ��������������������� 20-21 Buchtipps ������������������������������������������������������������ 22 Spuren der Armut �������������������������������������������������� 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27

Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: nach Terminvereinbarung 3


Starke Frauen

„Es gibt ein genussvolles Leben da draußen!“ Was wäre, wenn wir, statt unseren Körper zu hassen, eine wundervolle Liebesbeziehung zu ihm aufbauen würden? Wenn unser Leben leichter würde, je dicker wir würden? Was wäre, wenn wir mehr an unserer Genussfähigkeit arbeiteten, als immer nur Kalorien zu zählen? Die Wuppertaler Buchautorin Saskia Savita Schulte, die auch als Coach und Bloggerin unterwegs ist, liebt jedes Pfund an sich und ist spätestens seit Gründung ihrer Facebook-Gruppe „Königinnen der Fülle – #BigBodyLove“ vielen übergewichtigen Menschen zum Vorbild geworden. Dabei geht es der 40-Jährigen nicht nur um die Akzeptanz und Liebe zum eigenen Körper. „Wir sollten grundsätzlich an unserer Genussfähigkeit arbeiten“, empfiehlt die lebenslustige Frau mit dem ansteckenden Lachen, die – unter dem Pseudonym Sassy Vanderwitz – jetzt auch noch das eindeutig pornographische Buch BIG BIG LOVE mit einer fülligen Protagonistin geschrieben hat. Das Gespräch über Pfunde, Unmoral, Orgasmusfähigkeit im Allgemeinen und persönliche sexuelle Vorlieben im Speziellen führte Christina Bacher bei Kaffee und Kuchen im Café des MAKK - Museum für Angewandte Kunst in Köln.

Fotos: Susanne Koplin

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Starke Frauen

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Starke Frauen

bes-Lebens-Lust-Virus unter denjenigen zu verteilen, deren Selbstbewusstsein ohne tatsächlichen Grund im Keller ist. Für mich sind alle pummeligen Frauen Königinnen der Fülle. Das ist meine Botschaft. DRAUSSENSEITER: Es handelt sich zuweilen um einen eher unmoralischen Virus, wenn ich da an dein pornographisches Buch BIG BIG LOVE denke, in dem es um eine junge Frau geht, die durch zahlreiche Dates ihre Sexualität entdeckt und sich somit neu kennen- und lieben gelernt hat. Da nimmst du kein Blatt vor den Mund, ob es um eine Sexszene zu dritt oder um Gruppensex im Swinger Club geht. Saskia Savita Schulte: Ich mag Unmoral grundsätzlich lieber, weil Moral ja immer einschränkend ist. Alles, was Spaß und Lust macht, wird dann von vornherein verurteilt. Wenn es aber um Lebenslust geht, ist Moral überflüssig. Im Übrigen würde ich meinen Roman – neben all der Pornographie, die darin steckt – durchaus ins humoristische Fach einsortieren. Deswegen auch mein offenes Pseudonym Sassy Vandewitz, das ich selbst total lustig finde. Ich hatte jedenfalls eine Menge Spaß beim Schreiben und habe gehörig vor mich hin gekichert, wenn ich mir all die Dates vorgestellt habe, die ich darin beschrieben habe. Tatsächlich ist das Buch nicht zu 100 % autobiografisch (lacht). DRAUSSENSEITER: Und du triffst damit tatsächlich einen Nerv der Zeit. Dein Buch ist in der zweiten Auflage und dein Facebook-Account erfreut sich immer größerer Beliebtheit. DRAUSSENSEITER: Du arbeitest als Buchau-

Saskia Savita Schulte: Für mich ist Face-

torin, Übersetzerin, Coach und Bloggerin

book wie ein erweitertes Wohnzimmer,

und hast inzwischen eine große Community,

das ich mit 2000 Gleichgesinnten teile. Ich

die deine Statements auf Instagram und vor

bekomme häufig Zuschriften von Frauen,

allem Facebook liebt. Kann man sagen, dass

die sich zu dick fühlen, sich teilweise des-

du eine „Influencerin“ bist?

wegen nicht mal mehr aus dem Haus trau-

Saskia Savita Schulte: Ich bin jedenfalls

en und dankbar sind, dass mal eine Schluss

keine, die Leute beeinflussen möchte. Viel-

macht mit diesem schrägen Körperbild,

mehr möchte ich sie mit meinen Posts

das so vermittelt wird. Und viele von die-

inspirieren und beweisen, dass man seinen

sen Frauen mit Selbstzweifeln sind nicht

Körper trotz oder wegen seiner Fülle lie-

mal andeutungsweise füllig!

ben kann. Und natürlich freue ich mich,

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wenn das auf fruchtbaren Boden fällt. Mir

DRAUSSENSEITER: Kannst du diese Sorgen

macht es diebisch Freude, diesen Lie-

und Komplexe denn nachvollziehen? Oder


Starke Frauen

warst du von Anfang an eine glückliche

will. Um mal aus dem Nähkästchen zu

Mann dem weiblichen Körper abwertend

runde Frau?

plaudern: Ich hatte mal einen Liebhaber,

gegenüber eingestellt ist, möchte ich mit

Saskia Savita Schulte: Selbstverständlich

der konnte nicht so, wie er wollte. Das

dem nicht ins Bett – fertig. Zwischen den

kommt mir das sehr bekannt vor. Ich habe

hatte medikamentöse Gründe. Er ist damit

Worten Möse und Venus liegen für mich

mich früher auch immer fertig gemacht

locker umgegangen, weil es ihm einfach

Welten, obwohl sie die selben Dinge

und fertig machen lassen, weil ich nicht

um ein gutes Zusammensein ging und

bezeichnen. Aber das ist selbstverständ-

dünn war. Die Eltern sagten dauernd, iss

eben nicht um den Samenerguss. Weil

lich eine Geschmacksache.

nicht so viel. In der Schule wurde ich

dieses große Ziel nun komplett unwichtig

gemobbt. Selbst die Jobsuche gestaltete

geworden war, habe ich mich unglaublich

DRAUSSENSEITER: Bei aller Sympathie für

sich schwierig. Man erlebt allerhand, wenn

wohl gefühlt bei ihm und sehr viele schö-

deine Einstellung: Ist es denn nicht auch ein

man nicht dem Ideal entspricht, das einem

ne Orgasmen gehabt. Es war wie ein leich-

gesundheitliches Risiko, dick zu sein? Allein

die Medien vorgaukeln. Dann gab es diesen

tes Springen über eine Blumenwiese.

für die Gelenke ist es doch sicher schädlich,

Moment vor ein paar Jahren, als ich mich

Einfach schön.

weil sie mehr tragen müssen? Saskia Savita Schulte: Naja, mir geht es

mal – ohne einen Filter im Kopf – nackt im Spiegel betrachtet habe. Und siehe da: Die-

DRAUSSENSEITER: Woher kommt dieser Leis-

gesundheitlich prächtig. Und als ich mal,

ser Körper gefiel mir! Dadurch hat sich

tungsdruck in der Gesellschaft? Man findet

nachdem ich mir beim Umzug den Rücken

nicht nur meine Haltung geändert, son-

ihn offenbar nicht nur schon in der Schule,

verhoben hatte, in einer orthopädischen

dern auch meine Kleidung und – nicht

im Beruf, sondern auch in deutschen Betten?

Praxis war, saßen da fast ausschließlich

unwesentlich – mein Sexualleben. Man

Saskia Savita Schulte: Ich glaube, da ist

dünne Leute herum. Vielleicht ist es ein

glaubt gar nicht, wie viele Männer dicke

auch viel Verunsicherung dabei. Vielleicht

bisschen wie eine selbsterfüllende Prophe-

Frauen schön finden! Genau wie die Prota-

haben viele Leute einfach auch eine fal-

zeiung, weil einem das alle aufschwatzen

gonistin in meinem Buch, habe ich damals

sche Vorstellung davon, was ein Orgasmus

wollen: Du bist dick, also musst du unge-

mal eine Kontaktanzeige aufgegeben und

ist. In der BRAVO las man früher, man

sund sein! Und würden sich mehr Dicke

konnte mich vor Zuschriften nicht retten.

habe „Licht im Kopf“ und man explodiere

in Sportkurse oder zum Lauftreff trauen,

„wie tausend Sonnen“. Naja, darauf kann

wären sie sicher auch noch fitter. Aber das

DRAUSSENSEITER: Ist es dir dabei auch so

man tatsächlich zeitlebens warten. Es gibt

hatten wir ja schon: Viele trauen sich nicht

gegangen wie der Frau im Buch, die eine

– das merke ich in vielen Gesprächen –

mal mehr am öffentlichen Leben teilzu-

monogame Beziehung sucht, stattdessen aber

sehr krude Vorstellungen davon, was man

nehmen. Dabei gibt es ein genussvolles

viele, unterschiedliche Liebhaber findet?

da erwarten darf, gerade als Frau. Wenn

Leben da draußen. Man muss nur daran

Saskia Savita Schulte: Mein Buch lädt

Lust in Wellen kommt und geht, das Wohl-

teilnehmen. Um zu deiner Frage zurück-

dazu ein, sich zu öffnen, rauszugehen und

gefühl aufkommt und wieder abebbt,

zukommen: Sollte ich wirklich mal wegen

Menschen zu treffen. Das habe auch ich

kann das ja auch ein Orgasmus sein. Beim

meiner Leibesfülle gesundheitliche Prob-

getan und ganz unterschiedliche Erfah-

Mann ist ein Orgasmus sicher einfacher

leme bekommen, wäre das der einzige

rungen gemacht. Ich wollte keine davon

festzustellen. In jedem Fall hat das was

Grund für mich abzunehmen. Ansonsten

missen und ich kann nur jedem Menschen

damit zu tun, loslassen zu können.

will ich gerne bleiben wie ich bin.

verstecken. Ob man dann seine Lust mit

DRAUSSENSEITER: Inwieweit spielt denn dei-

DRAUSSENSEITER: Herzlichen Dank für das

Männern oder Frauen im Bett auslebt

ner Meinung nach die Sprache beim Sex eine

Gespräch.

oder fürstlich speist oder vielleicht lieber

Rolle? In deinem Buch reagiert die Hauptfi-

auf Reisen geht, ist doch zweitrangig:

gur sehr sensibel darauf, wenn ein Mann

Wichtig ist, dass man sich seine Genussfä-

derbe Worte benutzt. Stichwort „dirty talk“.

higkeit zurück erobert. Ich berate gern,

Saskia Savita Schulte: Ich will das ja gar

wenn man so gar nicht weiß, wie das geht.

nicht verurteilen, wenn sich zwei Men-

empfehlen, sich nicht hinterm Ofen zu

schen finden, die auf derselben WellenlänDRAUSSENSEITER: Jetzt mal im Ernst: Du

ge liegen und heiß werden, indem sie sich

würdest unseren Leserinnen und Lesern tat-

gegenseitig beschimpfen. Für mich kann

sächlich einen Tipp geben, wie sie ihre

ich sagen, dass eine respektvolle Wortwahl

Orgasmusfähigkeit optimieren?

meinem Körper gegenüber im Bett dafür

Saskia Savita Schulte: Sehr gerne. Der

ausschlaggebend ist, dass ich mich fallen

Orgasmus kommt bei einer Frau jedenfalls

lassen kann. Denn nur so weiß ich, dass

nicht, wenn man ihn unbedingt haben

ich auch respektiert werde. Wenn ein

lll

Comedy-Stand-up-Lesung

27. Juli 2018 ab 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) Tor 28, Raum Esche, Machabäerstraße 28, 50668 Köln Eintritt: 20 Euro inkl. Begrüßungssekt/nichtalkoholisches Getränk http://vanderwitz.com/lesungen 7


Starke Frauen

Ich bin obdachlos – und keiner sieht‘s Nicole ist eine Ausnahme-Obdachlose. Aus vielen Gründen: Sie ist top organisiert und niemand käme auf die Idee, dass diese gepflegte Frau kein Zuhause hat. Und: Sie begreift ihre Obdachlosigkeit eher als Selbsterfahrung – und nicht als Notsituation. Hier erzählt die Hamburgerin ihre Geschichte. Von Nicole

W

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enn ich von meiner jetzigen Situ-

vor fünf Jahren. Zwei Jahre kam ich

senen Umgebung – wie ich fand – meinen

ation spreche, spreche ich

zunächst bei diesen oder jenen Freunden

täglichen Schreibarbeiten nach.

immer von meinem Weg. Mei-

unter, bis ich die Nase davon voll hatte,

Ich habe einen sehr strukturierten

nem ganz persönlichen Jakobsweg – mei-

meinen Bekanntenkreis immer wieder

Tagesablauf, bin äußerst diszipliniert,

nem Weg aus einer Vergangenheit, in der

neu auf diese Art und Weise zu belasten.

denn ohne strengste Disziplin könnte ich

ich immer selbstständig und in den letzten

Mein Motto war von Anfang an „Mit

meinen Standard nicht aufrechterhalten

20 Jahren recht erfolgreich als Kunstma-

Geld, das kann jeder!“ – hinzu kommt jetzt

und dem Anspruch, den ich habe, nicht

lerin tätig war, hinein in eine Zukunft, in

noch „Mit Wohnung, das kann jeder!“. Ich

gerecht werden. Ich bin ein ehrlicher,

der ich mir richtigen Reichtum wünsche.

verzichte absichtlich auf staatliche Gelder,

zuverlässiger Mensch.

Ach ja, ich bin übrigens Nicole, 59 Jahre

weil ich mich auf diese Art freier fühle und

alt und – obdachlos. Meine Obdachlosig-

mich vor niemandem rechtfertigen muss.

keit ist zwar nicht geplant gewesen, den-

Mit meinem früheren Leben machte ich

noch sehe ich meine Situation als selbst-

sehr konsequent einen Schnitt – halte

bestimmt, sehe es eher als ein Abenteuer

meinen Tunnelblick nur noch direkt auf

So viel zu meinem Charakter, meiner Lebenseinstellung, meiner Person. Aber wie kann man ohne Geld überleben?

mit Herausforderungen der ganz beson-

mein Ziel gerichtet. Will nur noch das und

Anfangs schlief ich in meinem Auto –

deren Art. Ich schäme mich nicht, bin eher

sonst gar nichts – keine Kompromisse. Das

einem Fiat 500 Cabriolet – bis dieses leider

stolz auf mich, denn ich kann auch ohne

klingt vielleicht sehr hart mit mir selbst,

mangels einer Meldeadresse nicht mehr

Wohnung und ohne Geld glänzen.

der Leser kann jedoch unbesorgt sein. Ich

zugelassen war und von der Straße runter

„Aber wie kommt jemand wie du dazu,

lasse es mir trotzdem sehr gut gehen. Im

musste. Oft wurde ich gefragt, wie man

obdachlos zu sein?“, fragen mich Men-

Grunde mache und tue ich alles, was ganz

denn in solch einem Auto schlafen könne.

schen immer wieder. „Du siehst doch gar

gewöhnliche Menschen, die in Wohnun-

„Gut!“, habe ich natürlich geantwortet,

nicht so aus!“

gen leben, auch tun. Ich dusche und pfle-

allerdings mit sehr viel Aufwand verbun-

Als ich noch in einer Wohnung lebte,

ge mich mindestens genauso wie früher,

den. Meine Reisetasche quetschte ich vor

erklärte mir mein Vermieter, dass er die

als ich noch in einer Wohnung lebte. Ich

den Beifahrersitz als verlängerte Liegeflä-

Wohnung verkaufen müsse. Ich lebte

wasche und bügle meine Wäsche, putze

che, diverse Kleidungsstücke stopfte ich

bereits sehr lange in der Wohnung und

meine Schuhe, mache meinen Sport –

zwischen die Handbremse und die runter-

war so gut wie unkündbar. Mein Mietver-

natürlich im Freien an der Alster –, habe

gedrehten Sitze. Das alles ergab eine glat-

trag war sehr zu meinen Gunsten und

Spaß daran, mich schick zu kleiden, meine

te und bequeme Liegefläche, wenn ich

machte es ihm quasi unmöglich, die Woh-

Haare zu stylen. Ich kann mich daher

diagonal im Auto schlief.

nung zu veräußern. Da wir befreundet

durchaus im „Vier Jahreszeiten“ sehen

Ich habe mir als Standort die allerbeste

waren, kam ich ihm selbstverständlich

lassen, was ich tatsächlich eine ganze Zeit

Wohnlage ausgesucht – ich stand lange Zeit

entgegen und versprach, innerhalb einer

lang auch gemacht habe. Ich saß dort in

(und bin auch weiterhin dort geblieben)

bestimmten Frist auszuziehen. Das war

der Lobby und ging dort in einer angemes-

immer am gleichen Ort direkt an der Alster.


Wenn mich jemand fragte, wo ich wohne, konnte ich immer sagen „an der Alster“. Ich finde, das klingt gut. Aber trotz des schönsten Wasserblicks wusste ich zu jener Zeit manchmal tatsächlich nicht, wie ich zu meiner nächsten Mahlzeit kommen sollte. Eines Morgens öffnete ich also meine Wagentür, und vor mir lag eine Pfandflasche und ich dachte: „Das ist der Wink mit dem Zaunpfahl.“ Also ging ich los, nach-

Nicole im „Four Seasons“. Sie sitzt hier oft in der Lobby, denkt nach und schreibt.

dem ich meine Hemmungen über Bord geworfen hatte, und fing an, Pfandflaschen zu sammeln – in Rüschenhemdchen und Samtröckchen. Einige Menschen haben mich wirklich entsetzt dabei beobachtet, weil man dies von mir überhaupt nicht erwartet hätte. Ich hingegen war überrascht, was man in Müllbehältern alles finden kann – von den perfektesten, edelsten Lebensmitteln über funkelnagelneue Handtaschen, Schuhen bis hin zu tadellosen Wasserkochern. Die Lebensmittel, die ich nicht in irgendwelchen Müllkästen finden konnte, kaufte ich mir dann von meinem Erlös, den mir das Flaschensammeln brachte. Ich fühlte mich durch diese Tätigkeit niemals degradiert. Wieso auch: Man beseitigt Müll, tut nicht nur was für den Umweltschutz, sondern hält mit der ganzen Lauferei auch noch den Körper fit. Auf mein übliches Walking konnte ich in dieser Zeit verzichten – ich lief circa 20 Kilometer pro

Nicole hat einen geregelten Tagesablauf. Sie steht immer zur gleichen Zeit auf, macht Frühstück und putzt den Hänger. Dann beginnt ihre tägliche Routine.

Tag. Überhaupt bin ich damals alle Strecken zu Fuß gelaufen, bis ich viel später ein Fahrrad geschenkt bekam. Ich sparte jeden Tag 50 Cent von meinem Flaschengeld und legte mir mehrere Spardepots an. Eines war für Benzin. Mein

ten nicht mehr. Jeder kann sich wohl vor-

Auto stand zwar ohne Zulassung auf der

stellen, wie ungeheuer glücklich ich war,

Straße, aber ich musste wegen der Batterie

als ich eines Tages – genau am Nikolaustag

den Motor hin und wieder laufen lassen.

– in der Abenddämmerung auf meiner

Ein weiteres Depot gab es für den Wasch-

Flaschentour an einem Altkleidercon-

salon und für Seifenartikel sowie eines für

tainer vorbeilief und daneben einen riesi-

Vergnügungen, woraus ich mir dann mein

gen Berg mit schönsten Kleidungsstücken

Tablet und Smartphone bezahlte. Eine

vorfand, die fast alle genau in meiner Grö-

kleine Reisetasche mit guten Kleidungs-

ße waren. Ich packte davon ein, so viel ich

stücken aus vergangenen Tagen hatte ich

tragen und schleppen konnte.

noch mit dabei, allerdings hatte ich durch

Zurück an meinem Standort – strate-

eine perfekte Diät kurz zuvor 20 Kilo abge-

gisch günstig gegenüber einem recht sau-

nommen und viele Kleidungsstücke pass-

beren öffentlichen WC gelegen – probierte

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men, die ich immer auf meinen „Flaschenzügen“ fand. Es gab da so einen Blumenladen, der vor seinem Laden eine Mülltonne hatte, in die er, für meinen Geschmack, immer noch perfekte Blumen entsorgte. Ich schnappte mir die Blumen, sammelte kleine Schnapsflaschen, fand noch einen schönen GlasBesonders wichtig ist es ihr, fit zu bleiben. Für ihre regelmäßigen Übungen hat sie einen perfekten Platz gefunden: für jeden gut zugänglich, trocken und mit einem schönen Ausblick.

krug und stellte neben dem Spiegel im WC immer ein schönes Bouquet auf und verteilte kleine Sträuße in den Kabinen. Die Frauen waren begeistert. Der Putzmann war aber der Meinung, ich bräuchte dafür eine Erlaubnis vom Ortsamt. Eines Tages entdeckte ich in einem der umliegenden Hotels ein tolles Behinderten-WC mit einem Waschbecken, unter dem ein großer Gully war. Ich brachte mir eine große Plastikflasche mit, füllte diese mit warmem Wasser und ergoß diese dann über mich in den Gully. Das gab zwar zunächst eine kleine Schweinerei, die ich aber selbstverständlich immer vor Verlassen des Raumes vollständig beseitigte. Dies machte ich so lange, bis ein Security mich mehrfach bitten musste, dieses WC nicht mehr zu benutzen, da es doch schließlich Behinderten vorbehalten sei. Mir ist meine Obdachlosigkeit nicht peinlich, und ich verstecke mich auch nicht, dennoch hat es recht lange gedau-

In der Kemenate für Frauen kann sie ihre Wäsche waschen. Bei ihrer täglichen Arbeit in St. Georg kann Nicole ihre Kleidung flicken. Außerdem leitet sie dort eine Näh- und Haushaltsgruppe – ehrenamtlich.

ert, bis meine Umgebung darauf aufmerksam wurde, dass ich in meinem Auto schlief. Dann kamen immer öfter Menschen zu mir, um Hilfe anzubieten. Eines Morgens, nachdem wir nachts 17 Minusgrade hatten, klopften zwei Polizisten sorgenvoll an meine Wagentür und woll-

ich in diesem WC bis um 4 Uhr nachts

Foto: Sabina von Kessel

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ten sicherstellen, dass es mir gut ging.

Klamotten an – und war der glücklichste

Die Herren kannten mich bereits, hiel-

Mensch der Welt. Seither behielt ich sämt-

ten mich wohl aber für jemanden, der in

liche Kleidercontainer, an denen ich vor-

der Nachbarschaft wohnt.

beilief, gut im Auge und fand regelmäßig

Einmal hatte ich im Revier um heißes

kleinere oder größere Schätze. Apropos

Wasser für meinen Tee gebeten und auch

öffentliches WC – zunächst wusch ich mich

bekommen. Nachdem ich dann ein zwei-

tatsächlich ausschließlich auf diesem WC

tes Mal darum gebeten hatte und man

und das klappte perfekt –, leider war nur

mich fragte, ob ich denn kein Zuhause

kaltes Wasser vorhanden. Da dieses WC

hätte, habe ich das nachgelassen.

nun mit zu meinem Lebensraum gehörte

Nachdem mein Auto ziemlich lange

und ich ein Ästhetik liebender Mensch bin,

ohne TÜV, ohne Zulassung und mit vielen

schmückte ich das WC anfänglich mit Blu-

zugedrückten Augen noch immer auf der


Starke Frauen

Straße stand und Leute schon Wetten

immer so etwas wie aus einem Science-Fic-

Beladen und Transportieren von was auch

abschlossen, wie lange ich wohl noch ste-

tion-Film. Ich wurde völlig aus dem Tief-

immer. Manchmal, wenn ich mir darin

hen bleiben würde, musste ich schließlich

schlaf gerissen und von einem Spot auf

mein Nachtlager bereite, fragen mich

zähneknirschend von der Straße runter.

dem Streifenwagen völlig geblendet und

Menschen, ob ich darin wohne, und ich

Ein Abschleppdienst brachte meinen

konnte die Polizisten immer nur als Sil-

sage dann immer: „Nein, ich schlafe im

Wagen zunächst auf das Grundstück einer

houette wahrnehmen, die dann auf mich

Hänger, aber wohnen tue ich überall.“

Freundin. Irgendwie hatte ich aber das

einredeten, während ich noch ganz

Gefühl, ich hätte – trotz allem, was dage-

benommen war.

Ich werde auch hin und wieder von besorgten Menschen gefragt, ob ich im Winter nicht friere. Nein, ich friere eher

gen sprach – an meinem Platz stehen blei-

nicht. Ich bin äußerst gut mit warmen Klei-

freundlichen Polizeibeamten, wollten

Allerdings waren die Polizisten immer eher freundlich und besorgt, ganz besonders an den kalten Tagen.

ihren Augen nicht trauen, als sie meinen

Nachdem ich eines Nachts völlig einge-

größtenteils in gut beheizten Räumen auf.

Fiat wieder auf dem gewohnten Platz

regnet war, besorgte ich mir von einer

Ich habe einen geregelten Tagesablauf,

sahen. Sie sagten mir, dass sie nichts gegen

nahe gelegenen Baustelle zwei durchsich-

stehe zu einer bestimmten Uhrzeit mor-

mich persönlich hätten, aber leider müss-

tige Planen, mit denen das Baustellenge-

gens auf, mache an ganz bestimmten

ten sie mir jetzt doch eine Anzeige verpas-

rüst verkleidet war. Ich legte mir eine

Tagen meinen Sport, gehe immer zu glei-

sen. Ein Abschleppdienst kam also zum

davon unter meine Isomatte, stellte am

chen Zeiten in die Kemenate, in meine

zweiten Mal. Ohne zu wissen, wohin

Kopfende meinen Einkaufstrolley auf,

Lieblingssuppenküche oder ins Tagwerk

damit, stellte ich meine ganzen Reiseta-

steckte einen aufgespannten Regenschirm

in St. Georg, um dort ehrenamtlich die

schen, Tüten, Krimskrams auf den Bürger-

darauf und spannte darüber die zweite

Frauengruppe zu leiten.

ben müssen und fuhr des Nachts wieder zurück auf meinen Parkplatz. Meine guten alten Bekannten, die

dungsstücken ausgestattet, habe Decken und Schlafsäcke, die gegen die Minusgrade schützen, und tagsüber halte ich mich

Ein Brief von uns an Nicole: Liebe Nicole,

für uns bist Du eine echte Ausnahme. Du hast so eine psychische Stärke, so eine Disziplin und positive Ausstrahlung, von der die meisten Obdachlosen nur träumen können. Viele werden ja spätestens vom Leben auf der Straße traumatisiert, sind gefangen in einem Teufelskreis aus Selbstverachtung, Sucht und Scham. Die meisten wünschen sich sehnlichst ein Dach über dem Kopf. Du bist da ganz anders. Deine Obdachlosigkeit nennst Du Deinen persönlichen Jakobsweg. Hoffentlich bleibst Du stark und gesund – und ehrlich zu Dir selbst. Damit Du weißt, wann Du Dir vielleicht doch Hilfe suchen musst. Deine Hinz&Künztler und wir von der DRAUSSENSEITER-Redaktion schließen uns mit vollem Herzen an!

steig. Leute aus den umliegenden Büros

Plane. Sicherheitsnadeln hatte ich nicht

An den Wochenenden und zu jeder frei-

hatten den Vorgang beobachtet und

zur Hand, dafür aber Broschen, mit denen

en Minute sitze ich in meinem Lieblingsca-

kamen gelaufen, um mir Hilfe anzubieten.

ich die beiden Planen an den Seiten

fé an der Binnenalster, wo ich bei einem

Mir wurde vorübergehend ein kleiner

zusammensteckte.

Kaffee oder Tee kostenlos ins Internet

Ich war auf diese Art zwar etwas wet-

gehen oder auch mal das Handy oder Tab-

tergeschützter, aber richtig regenfest war

let aufladen kann. Dort arbeite ich dann

Ich schlief zunächst nur auf meiner Iso-

das noch nicht. Erst als ich von sehr lieben

an meinem großen Zukunftsplan oder lese

matte direkt auf meinem Parkplatz, auf

Menschen zwei Zelte geschenkt bekam,

ein schönes Buch. Dies ist somit mein

dem zuvor mein Auto stand. Eines Nachts

blieb ich trocken. Allerdings ist natürlich

Wohn- und Arbeitszimmer. Hier mache ich

hielt ein Streifenwagen an, um nachzu-

das Zelten auf einem Parkplatz originell,

es mir gemütlich, hier rufen mich Freunde

schauen, was dort wohl auf dem Boden

aber nicht unbedingt erlaubt. Somit benö-

an und fragen, ob ich mich gerade im

liegt. Die Beamten stiegen aus, und eine

tigte ich eine neue Lösung – auch für mei-

„Hauptquartier“ befinde, um mich dort zu

Dame fragte mich, ob ich nicht die Frau

ne Habe, die ja zeitlich nur begrenzt unter-

besuchen. Dies ist eine der ganz wenigen

mit dem Fiat sei, denn gerade habe sie

gebracht war.

verbliebenen Gelegenheiten, für die ich

Raum zur Verfügung gestellt, um die Dinge dort unterzustellen.

Geld benötige. Aber das gönne ich mir.

über mich gesprochen und nun liege ich

Und da half mir dann ein Freund mit

hier. Einige weitere Male hatte ich die

seinem Hänger. Wenn ich sage Hänger,

Ehre, mitten in der Nacht von Streifenpo-

denken viele an einen Wohnwagen. Nein,

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt

lizisten besucht zu werden und dies hatte

ich meine einen Hänger, so einen zum

von Hinz&Kunzt / INSP.ngo

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körperstyling

Clemens-Josef-Haus

Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de

Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen

Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen

Arbeiten

Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung

Pflegewohnheim

begleiten und fördern I beraten und anleiten

Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause

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Starke Frauen

Armut ist immer auch eine politische Frage Carolin Emcke, die Publizistin und Philosophin sieht die Grundlagen des Zusammenlebens in Gefahr. Ein Interview über Gemeinsinn, die Sorgen der Bürger und die Freiheit der anderen. Von Andreas Düllick und Amir Ali

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Starke Frauen

Frau Emcke, in Ihrer Kolumne für die Süd-

Sie schreiben, dieses Gemeinwesen werde

lei: Erstens schwinden tatsächlich öffent-

deutsche Zeitung haben Sie kürzlich über

nicht mehr verhandelt und drohe zu schwin-

liche Räume, öffentliche, allen gemeinsa-

den Gemeinsinn geschrieben. Was genau

den. Dabei werden heute doch überall und

me Güter wie Stadtbibliotheken oder

verstehen Sie darunter?

jederzeit öffentliche Debatten geführt.

Schwimmbäder oder auch nur Parkbänke.

Carolin Emcke: Unter Gemeinsinn verstehe

Na ja. Die Tatsache, dass debattiert wird,

Und zweitens schwindet der Gemeinsinn

ich das Wissen darum, dass es in einer

bedeutet ja noch nicht, dass auch wirklich

als etwas, an das politisch appelliert wer-

Gesellschaft darum geht, das zu entdecken

miteinander und füreinander debattiert

den kann. Im politischen Diskurs wird

und zu fördern und zu schützen, was alle

wird. Sehr viele der öffentlichen, medial

gern unterstellt, Menschen wollten nur an

angeht. Der Gemeinsinn hängt also an der

vermittelten Debatten sind doch eher Insze-

sich selbst und das eigene soziale oder

Einsicht, dass es jenseits der radikalen Indi-

nierungen von Pseudo-Debatten. Da sollen

religiöse oder ökonomische Kollektiv den-

vidualität jedes und jeder Einzelnen und

Konflikte präsentiert und verschiedene Geg-

ken. Dabei geht verloren, dass es auch gute

jenseits der partikularen Interessen von

nerschaften zelebriert werden, ohne dass die

Gründe geben könnte, warum mehr Steu-

Gruppen auch etwas gibt, das allgemein ist.

sozialen oder politischen oder kulturellen

ern zu zahlen eben im politischen oder

Ich kann mich als Individuum immer in

Phänomene in den Blick genommen wer-

demokratischen Interesse liegen könnte,

unterschiedlichen „Wir“ verorten, ich kann

den, um die es eigentlich gehen sollte. Diese

warum es sinnvoll sein kann, sich für die

mich über die soziale Klasse, den Glauben,

Sorte Debatte suggeriert immer, es könne

Rechte anderer einzusetzen, auch Freihei-

die sexuelle Orientierung definieren und

nicht gemeinsam nachgedacht werden, es

ten zu verteidigen, die für einen selbst gar

artikulieren. Aber in einer pluralen Gesell-

gebe nicht die Kraft oder Bereitschaft, ein

nicht wichtig sind.

schaft muss auch verhandelt werden, was

Problem einfach mal zu erörtern. Was wären diese guten Gründe, mehr Steu-

allen gemeinsam ist. Was die öffentlichen

14

Güter sind, die wir gemeinsam besitzen,

Woran machen Sie diese Bedrohung des

ern zu zahlen und die Freiheit der anderen

was von öffentlichem Belang für alle ist. Es

Gemeinsamen fest?

zu verteidigen?

muss auch an und in einem Wir gedacht

Wenn ich mich sorge, dass die res publica

Nun, ein Gemeinwesen, in dem es nur um

und gesprochen werden, das alle anspricht.

schwindet, dann meine ich damit zweier-

meine eigene Freiheit ginge, wäre keins.


Starke Frauen

Ein Gemeinwesen dagegen, das die freie

ein autoritärer, selbstherrlicher Präsident,

Ausgrenzung oder Missachtung, mit

Entfaltung der Persönlichkeit jedem und

nicht allein ein dysfunktionaler Kongress,

Armut oder Aussichtslosigkeit auch

jeder gestattet, schützt auch mich. Wenn

sondern es fehlt an Infrastrukturen, an

erzählt werden können. Und natürlich ist

ich es ernst meine mit der Religionsfrei-

Öffentlichkeit, an der res publica. Ich den-

es wichtig, auf diese Erfahrungen einzu-

heit oder der Würde des Menschen, dann

ke jedenfalls, dass mehr Steuern, die dann

gehen. Aber nicht jede Stimmung ist es

muss ich sie auch feiern und verteidigen,

wirklich investiert werden in Bildung oder

wert, politisch ernst genommen zu wer-

wenn sie nicht meine eigene Religion oder

Infrastrukturen, sich eben lohnen.

den. Zum einen, weil in der Gegenwart Stimmungen enorm volatil sind. Sie sind

Würde betrifft. Eine solche Gesellschaft ist nicht nur freier, sie ist auch lebenswer-

Ein Satz, der für Politiker/innen jeglicher

auch sehr flüchtig. Manchmal artikuliert

ter, weil sie reicher ist und kreativer und

Couleur zum Standardrepertoire gehört:

sich da nur Hass und Rassismus und die

vielfältiger. Ganz ähnlich verhält es sich

„Wir müssen die Sorgen der Bürger ernst

obszöne Freude am Herabsetzen von

mit der Bereitschaft, höhere Steuern zu

nehmen.“ Was sagen Sie dazu?

anderen. Gerade die Sorge ist nun ein

zahlen: Von einem Gemeinwesen, das

Ich kann den Satz nicht mehr hören. Denn

Begriff, der ein rhetorisches Kalkül bein-

über eine gute Infrastruktur verfügt, exzel-

der Satz allein erklärt nicht besonders viel.

haltet. Mit Sorge wird gern verkleidet, was

lente Schulen für alle, eine hochwertige

Natürlich ist es wichtig, in einer Demokra-

mit sich sorgen um und für nicht viel zu

Gesundheitsversorgung, eine lebendige

tie darauf zu achten, dass die Menschen

tun hat, sondern sich zwischen Paranoia

öffentliche Kulturlandschaft – davon pro-

sich artikulieren können, dass sie Unbe-

und schlichtem Hass bewegt. Insofern

fitieren alle. Schauen Sie sich die Vereinig-

hagen oder gar Schmerzen an der Demo-

verlangt es einfach immer einen ruhigen,

ten Staaten an: Woran die amerikanische

kratie ausdrücken können. Natürlich ist

ausgewogenen Blick: Was wird da artiku-

Demokratie krankt, ist doch nicht allein

es wichtig, dass soziale Erfahrungen mit

liert, wie angemessen ist die Sorge, worauf

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schwindet doch die Welt nicht, verschwin-

aussehen oder anders lieben, da muss

det doch nicht die Möglichkeit, das, was

widersprochen werden.

wahr ist, von dem zu unterscheiden, was falsch oder erfunden ist.

Zurück zum Gemeinsinn: Wie kommen wir weg vom Kampf um Deutungshoheiten hin

Ist ein wahrgenommener Missstand immer

zur gemeinsamen Konstruktion von Realität?

ein Missstand?

Das ist eine sehr wichtige Frage, auf die ich

Ein wahrgenommener Missstand ist ein

auch keine gute Antwort habe. Im Moment

wahrgenommener Missstand. Sonst

sieht es in der Tat danach aus, dass die

nichts. Das ist zunächst ein subjektiver

öffentliche Auseinandersetzung immer

Eindruck, eine Hypothese, und die kann

aggressiver wird und die Wahrnehmungen

dann abgeglichen und überprüft werden

immer weiter auseinanderdriften. Die Wis-

auf ihre Berechtigung.

senschafts- Feindlichkeit, die ideologischen Bewegungen, die die Ideale der Aufklärung

Haben wir in unseren Gesellschaften einen

und der Vernunft angreifen, die propagan-

bezieht sie sich, gibt es eine empirische

zufriedenstellenden Umgang mit wahrge-

distischen Möglichkeiten, über soziale

Grundlage dafür – und dann muss darauf

nommenen Missständen?

Medien Aberglauben und Verschwörungs-

geantwortet werden.

Was heißt denn „wahrgenommen“? Und

theorien zu verbreiten – all das erschwert

wessen Umgang meinen Sie? Das lässt sich

die Verständigung über das, was die gemein-

Wenn ich Sie richtig verstehe, sagen Sie: Die

immer nur an etwas Präzisem festmachen.

same Welt bedeutet. Es braucht sicherlich

empirische Grundlage ist das Kriterium,

Allgemeine, vage Kritik an der Politik lässt

Anstrengungen auf ganz unterschiedlichen

nach dem ernstzunehmende und vernach-

sich nicht fair und differenziert debattieren.

Ebenen: Auf der Ebene der tatsächlich

lässigbare Stimmungen unterschieden wer-

Ich habe den Eindruck, dass es eine Vielzahl

aggressiven propagandistischen Manipula-

den. Aber wir haben doch im Zeitalter von

gravierender sozialer und ökonomischer

tion von Informationen oder ganzen Syste-

Fake News gar keine allseits akzeptierte

Missstände gibt, für die sich entweder nie-

men braucht es internationale Antworten;

empirische Grundlage mehr.

mand zuständig fühlt oder die als zu kom-

auf der Ebene der sozialen Medien wird ja

Nur weil es Lügen gibt, gibt es keine Wahr-

plex oder unbequem empfunden – und

der Druck auf die Monopole wie Facebook

heit mehr? Wenn es so wäre, könnten Sie

dementsprechend nicht bearbeitet werden.

schon erhöht, dass sie mehr zur Verantwor-

ja nicht erkennen, was eine Lüge oder was

Die fehlende soziale Mobilität in dieser

tung gezogen werden für Hass und auch

Wahrheit ist. Natürlich gibt es nach wie

Gesellschaft beispielsweise, also die Tatsa-

Falschmeldungen; die enorme Bedeutung

vor empirisch überprüfbare und nachvoll-

che, dass soziale Herkunft eine nach wie vor

von Journalismus wird daran wieder deut-

ziehbare Tatsachen. Sie können den Kli-

entscheidende Rolle bei der Möglichkeit

lich. Es ist eben Arbeit, echte Arbeit, zu

mawandel nachweisen, mithilfe von

des Aufstiegs spielt. Das ist inakzeptabel.

recherchieren, was belegbar ist und was nicht, was eine Lüge ist und was nicht, was

Daten, die über Jahrzehnte erhoben wur-

16

den, die vergleichbar, methodisch nach-

Sie haben den Hass angesprochen, der als

geschehen ist und wovon nur behauptet

vollziehbar und verifizierbar sind. Das wird

Sorge verkleidet wird. Wie lässt sich dem

wird, dass es geschehen sei. Es braucht hand-

bestritten. Und dann lassen sich die Gegen-

begegnen?

werkliche und ethische Standards für eine

argumente anschauen. Sie können, ganz

Jedenfalls nicht mit Hass und Aggression.

solche Arbeit – und die letzten Jahre haben

gleich wie groß die Propagandamaschine

Und definitiv nicht mit dem Dämonisieren

uns eindrucksvoll vorgeführt, was politisch

einer bestimmten Kriegspartei auch sein

von Menschen. Es geht darum, Kritik

geschieht, wenn sich Propaganda und

mag, immer noch Beweise suchen und

immer nur an Handlungen festzumachen.

Lügen und Falschmeldungen ungefiltert

finden, forensische Belege, Akten, Tonma-

Also an dem, was eine Person sagt oder

und unwidersprochen verbreiten und Men-

terial, um ein Kriegsverbrechen zu rekon-

tut – aber nicht die Person selbst herab-

schen beeinflussen können.

struieren. Natürlich gibt es manchmal

zuwürdigen. Wenn der Hass sich paart mit

Lücken, Grenzen des Wissens, manchmal

Gewaltbereitschaft, wenn der Hass sich in

Bei der Frage, was es bedeutet, eine Einwan-

gibt es nur eine Fülle von Indizien, gibt es

fanatischen Netzwerken oder Bewegun-

derungsgesellschaft zu sein, sprechen Sie von

Annäherungen an die Wahrheit, Hypothe-

gen organisiert, dann müssen die Ermitt-

einer Pluralisierung der Perspektive. Was ist

sen, die gelten unter Vorbehalt, bis sich

lungsbehörden und die Justiz darauf ant-

mit denen, die das als Verlust oder Gefahr

genauere Beschreibungen entdecken las-

worten. Aber dieser Hass, der sich im

sehen?

sen. Aber nur weil es Verschwörungstheo-

Alltag zeigt, in den Stigmatisierungen von

Nun, ich kann mir kein Leben in der heu-

rien, Aberglauben und Lügen gibt, ver-

Menschen, die anders glauben oder anders

tigen Welt vorstellen, ganz gleich in wel-

Foto: Andreas Labes

Starke Frauen


Starke Frauen

chem Land, in welchem Dorf, in welcher

ist die urbaner und mal ländlicher. Aber

Formen der Ausgrenzung. In der jüngsten

Familie, in der es nicht schon verschiedene

sie ist eine reale Erfahrung für alle. Das

Zeit gab es wiederholt den Versuch, diese

Perspektiven gibt. Jede und jeder von uns

Entscheidende ist doch, dass der Staat eine

Gruppen gegeneinander auszuspielen. Es

wächst doch immer schon auf in einem

Garantie dafür geben muss, dass jede und

wurde suggeriert, es gebe hier die soziale

Umfeld, in dem es soziale oder kulturelle

jeder individuelle Bezüge, Vorlieben und

Frage der Armut und der sozialen Ungleich-

Unterschiede gibt. Niemand wächst in

Überzeugungen ausleben darf. Jede und

heit und dort die politische Frage der Aner-

einem komplett einheitlichen Kontext auf.

jeder soll geschützt sein im je spezifischen

kennung von Migrantinnen und Lesben,

Das wissen die älteren Menschen in

Glauben, in der Art und Weise, für die wir

Schwulen und anderen. Das ist politisch

Deutschland, die noch geflohen sind, das

leben oder lieben wollen. Solange ich

fatal: Beide Fragen gehören immer zusam-

wissen die Arbeiter im Tagebau, die die

geschützt bin in meiner Individualität,

men. Die nach der sozialen und politischen

verschiedensten historischen Umbrüche

solange ist auch die Andersartigkeit mei-

Ungleichheit. Die Ausgrenzung von Homo-

miterlebt haben, das wissen die Menschen

nes Nachbarn oder meiner Nachbarin

sexuellen oder Schwarzen ist nicht einfach

in der Landwirtschaft, die mit Saisonarbei-

nichts weiter als das: eben etwas anders.

eine politische, sondern immer auch eine soziale Frage. Armut ist nie nur eine sozi-

tern ihre Ernten einfahren oder früher selbst noch hin und her zogen, das wissen

Homosexuelle, Armutsbetroffene und

ale Frage, sondern immer auch eine der

alle, die mal freitags in die Synagoge oder

Migrantinnen: Sie alle werden mitunter

politischen Stigmatisierung und der feh-

sonntags in die Kirche gehen und die Viel-

bedrängt, weil sie anders sind. Sitzen diese

lenden Repräsentation.

falt der Menschen betrachten, die dort

Minderheiten im selben Boot?

beten. Die Vielfalt ist immer schon eine

Als Minderheiten sind sie alle verletzbarer.

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Konstante in unserer Gesellschaft – mal

Aber es gibt natürlich Unterschiede in den

von Surprise (Schweiz) / INSP.ngo

Du gehst jeden Tag nach Hause. An ihm vorbei.

Dr. Peter Deubner Stiftung

Kölner Obdachlosen Frühstück Jede Hilfe zählt!

www.deubner-stiftung.de Foto: Ingrid Bahß

17


Cartoon / Clayd

Cartoon: Heiko Sakurai

Hallo Freunde, ich gehe wieder zur Physiotherapie. Wegen Arthrose in der Schulter. Die Physio-Frau sagt, dass ich beim Gehen immer leicht eiere. Also ehrlich - eiern? Ein Hund? Aber egal. Wichtig ist, dass mir die Physio echt gut tut. Wenn wir da ankommen, hüpfe ich jedes Mal gleich auf die Liege. Dann kriege ich so Sachen wie Kaltlaser und Reizstrom. Klingt gefährlich, tut aber gar nicht weh. Die Physio-Frau kann ich gut leiden. So gut, dass sie auch schon mal ein Küsschen von mir bekommt. „Clayd“, sagt sie 18

dann, „du alter Schlawiner, zappele nicht“. Ansonsten war ich mit meinem Dosenöffner wieder viel auf Tour. Zum Beispiel in den alten Hallen in Mülheim. Ich glaube, die heißen Raum 13 oder so. Leider hatte ich auch wieder einen ganz schlimmen Anfall, bei dem ich keine Kontrolle mehr über mich hatte und alles ausgespuckt habe. Mein Magen war total übersäuert und ich hatte fürchterliches Bauchweh. Dazu kam dann noch ein Krampf im Kehlkopf. Wir sind gleich zum Doc. Der hat mir Spritzen gegeben und mein Dosenöffner durfte mich nicht mehr aus den Augen lassen. Letzteres fand ich aber gar nicht so schlimm. Aufmerksamkeit kann ja auch ganz nett sein – und die ganzen Kuscheleinheiten erst... Jetzt geht es mir aber wieder besser. Dafür muss für mich noch mehr Zeug besorgt werden als

sonst: Ich brauche nämlich alle vier Stunden was zu futtern, damit mein Magen nicht wieder übersäuert. Frauchen sagt dann immer, sie schleppe schon fast den halben Hausstand mit, wenn wir unterwegs sind. Alles im Rucksack, extra für mich. Tja, leicht scheint es mit mir nicht zu sein. Aber wir haben trotzdem viel Spaß und lassen uns nicht unterkriegen. Bis bald, euer Clayd

l l l Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, was ich so alles in meinem Alltag erlebe. Foto: Jakob Rosenberger, 13 Jahre


Aus den Einrichtungen

Lust oder Frust?!

D

† Zum Gedenken Franz Opfergelt ist am 1. Juni 2018, nach Aussage sei-

ie schöne alte Kaffee-

ner Tochter, friedlich im Krankenhaus Nettetal verstor-

zeit! Als Kind bin ich

ben. Franz kam zu Emmaus, nachdem er Anfang der

damit groß geworden.

Neunziger Jahre ziemlich aus der Bahn geworfen worden

Und auch heute, als Erwachsene, habe ich

war. Er hat sich vor allem für die Hilfstransporte interes-

sie voll in meinen Alltag integriert. Früher,

siert, die Emmaus damals nach Südamerika verschickte,

zu Hause, war es immer eine besondere

und ist so langsam in die Emmaus-Gemeinschaft hinein-

Zeit der Ruhe und mit der Familie, wenn

gewachsen.

wir alle zusammen am Kaffeetisch saßen

Über die Jahre ist er eine der tragenden Säulen in der täglichen Arbeit der Kölner

– vor uns meistens Kuchen oder frisches

Gemeinschaft geworden: Experte in Hausratpreisen, Fahrer unserer LKWs, vor allem aber

Blatzbrot mit Marmelade. Der kurze

engagiert in allen Fragen rund um die Obdachlosenarbeit am Appellhofplatz. Er war der

Moment, in dem man vom Alltagsstress

Fahrer eines Gesundheitsbusses, den Emmaus von der Firma Rheinbraun als Sachspende

eine Auszeit nimmt. Natürlich gibt es dabei

erhalten hatte und darüber hinaus Gründungsmitglied des Vereins „Gesundheit für Woh-

nicht jedes Mal eine festlich gedeckte Kaf-

nungslose e.V.“. Im Rückblick schreibt Willi Does: „Wir haben so manches zusammen

feetafel. Doch auch einfach in einem Café

erlebt, erlitten und erstritten, wir haben oft miteinander gerungen, aber eines war uns

zu sitzen, draußen, und sich einen Kaffee

allen klar: Selten war jemand so loyal Emmaus gegenüber. Deshalb haben wir einen Men-

oder Latte Macchiato schmecken zu lassen,

schen verloren, der über mehr als 20 Jahre Emmaus in Köln maßgebend mitgeprägt hat.“

ist etwas Besonderes. Dazu noch eine gute Zigarette und der Moment ist perfekt. So, und das ist jetzt der Teil, an dem bei mir ab und zu mal Frust aufkommt. Ja, ich liebe es, mir gemütlich eine zu drehen und sie genüsslich bei einer Tasse Kaffee zu rauchen. Doch dann denke ich an das ganze Geld, das ich da in die Luft blase. Das Ergebnis: Frust. Ist schon eine Menge und was könnte man damit alles machen... Trotzdem kann ich dabei am besten abschalten und komme manchmal auch auf gute Ideen. Darum habe ich immer einen Unterwegs-Becher mit Kaffee dabei. Damit setze ich mich bei fast jedem Wetter draußen auf eine Bank und genieße den Moment. Vor allem, wenn ich unter Stress

  Kino der Extraklasse: DRAUSSEN Am 13.7. ab 21 Uhr wird der Dokumentarfilm DRAUßEN als Open Air Kino mit freiem Eintritt im Rahmen der Kölner Kino Nächte auf dem Ebertplatz gezeigt. DRAUßEN portraitiert vier Obdachlose, die in Köln auf der Straße leben. Ausgehend von persönlichen Gegenständen, die aufgeladen sind mit Erinnerungen und Emotionen, öffnet der Film das Tor zu einer Welt, die sonst verschlossen bleibt. Der Film von Tama TobiasMacht & Johanna Sunder-Plassmann ist in Zusammenarbeit mit dem WDR und arte entstanden und wurde gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW. Unter anderem wurde auch in der OASE recherchiert – so freuen wir uns im Namen der Filmemacherinnen über zahlreiches Kommen!

stehe. Aber auch als kleine Pause bei einem schaft schmeckt es besonders gut, doch ist dann auch der Reiz höher, mehr von allem zu sich zu nehmen, als wenn man alleine wäre. So genieße ich das eine wie das andere. Und als Fast-Kaffeespezialistin bin ich immer für einen solchen zu haben, der mir gute Laune macht. Auch wenn es immer Geld kostet, finde ich, man sollte nicht auf alles verzichten. Und die Erinnerung an zu Hause ist was Schönes, egal auf welche Art. Ich wünsche euch eine genussreiche Zeit!

Neues Gesicht in der OASE

Foto: Privat

Spaziergang mit dem Hund. In Gesell-

Mein Name ist Judith Gerling, ich bin Sozialarbeiterin und seit Februar immer freitags in der Oase. Ich habe schon früher in der Wohnungslosenhilfe sowie in der Drogen- und Aidshilfe gearbeitet. Ich freue mich auf die neuen Aufgaben in der Kontakt- und Beratungsstelle!

Kölsche Linda

19


Ausstellung

Im GewĂślbe des Hauses informieren Stelen Ăźber die Ausgrenzung und Verfolgung von Wohnungslosen im NS-Regime.

20


Ausstellung

Wohnungslose im Nationalsozialismus Sonderausstellung im NS-Dokumentationszentrum Text und Fotos: Thomas Dahl

D

as NS-DOK zeigt in Zusammenarbeit

'gemeinschaftsfremd' juristisch etabliert.

mit der Bundesarbeitsgemeinschaft

Dies ermöglichte eine umfangreiche Ver-

Wohnungslosenhilfe e.V. im Gewöl-

folgung. Noch bis 1965 gab es in Deutsch-

be des Hauses bis zum 8. Juli dieses Jahres

land die Arbeitshäuser, in die Bettler oder

die Sonderausstellung „Wohnungslose im

Obdachlose eingewiesen werden konnten.

Nationalsozialismus“. Das Konzept wurde

'Landstreicherei' wurde als Delikt erst

von der Bundesarbeitsgemeinschaft bereits

1974 aufgehoben“, sagte Bürgermeisterin

2004 realisiert. Zahlreiche Stelen informie-

Elfi Scho-Antwerpes in der Eröffnungsrede

ren über die Ausgrenzung, Kriminalisierung

zur Ausstellung. Auch 2018 sei Gewalt

und politische Verfolgung von Menschen,

gegen Wohnungslose ein Teil der Realität

die vom Regime als „andersartig“, „faul“

in Deutschland, so die Politikerin.

oder „arbeitsscheu“ eingestuft wurden.

Ausstellungsmitinitiator Andreas Sell-

Neben der Einweisung in sogenannte

ner vom Verein Bundesarbeitsgemein-

Arbeitshäuser drohte den Menschen im

schaft Wohnungslosenhilfe erinnerte an

Fadenkreuz der Behörden Zwangssterilisie-

die nationalsozialistischen Versuche, den

rung, KZ-Haft und gewaltsamer Tod. Aus-

sogenannten „Wandertrieb“ als gentech-

geklammert wurden aus dem damaligen

nisch vererbbar zu propagieren, um Ängs-

Kontext die Entwicklungen durch die ver-

te und Vorbehalte in der Gesellschaft zu

heerende Weltwirtschaftskrise von 1929, die

schüren. „Wir wollen mit der Ausstellung

in die 1930er Jahre reichte und vielen Men-

daran erinnern, wie man mit schwachen

schen ihre Existenzgrundlage kostete. Die

Menschen umgegangen ist. In einem freien

Zahl der internierten Bettler, Obdachlosen

demokratischen Staat kann man auch bet-

und Nichtsesshaften im „Dritten Reich“

teln. Ob man etwas gibt, ist Ihre Entschei-

beziffert das NS-Dokumentationszentrum

dung“, wandte sich Sellner an die Zuhörer.

auf schätzungsweise 10.000 Menschen.

lll

info

Die Ausstellung wird noch bis zum 8. Juli gezeigt. Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag 11 bis 18 Uhr, erster Donnerstag im Monat (außer an Feiertagen) 10 bis 22 Uhr Adresse: EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln Über das aktuelle Ausstellungsprogramm der Stätte informiert die Web-Seite www.nsdok.de. Köln-Tag An jedem ersten Donnerstag im Monat (ausgenommen Feiertage), dem „Köln-Tag“, haben Kölner Bürgerinnen und Bürger freien Eintritt. Der Personalausweis gilt als Eintrittskarte.

Im Rahmen der Eröffnung setzte sich

„Obdachlose standen außerhalb der

der Leiter des NS-Dokumentationszent-

Gesellschaft. Die Gründe für ihre Obdach-

rums, Werner Jung, für ein Denkmal in

losigkeit wurden nicht reflektiert. Der

der Domstadt ein, das an die Opfer jener

NS-Staat hat Begriffe wie 'asozial' und

Verfolgungen erinnert.

Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes verwies in ihrer Rede auf die tägliche Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber obdachlosen Menschen.

21


Buchtipps

Tom Callaghan

Mörderischer Sommer  Herausragend aus dem Gros der Krimis. Ungewöhnliches Setting, ein Held out of order, Story spielt zwischen Kirgisistan in Zentralasien und Dubai, der größten Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate. „Bei Reisen innerhalb von Kirgisistan wird zur Vorsicht geraten. Gewaltsame Zusammenstöße, beispielsweise im Rahmen von Demonstrationen im Zusammenhang mit innenpolitischen Entwicklungen in Kirgisistan, können im gesamten Land nicht ausgeschlossen werden. Es wird daher empfohlen, Menschenansammlungen zu meiden, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu Fuß unterwegs zu sein und sich regelmäßig über die Sicherheitslage informiert zu halten... In der generell bei Dunkelheit sehr schlecht beleuchteten Hauptstadt Bischkek ist es in der Vergangenheit – vor allem nach Einbruch der Dunkelheit – zu Raubüberfällen auch auf Ausländer gekommen.“ So lautet eine Warnung des Auswärtigen Amtes von 2018. Seinen ersten Krimi „Blutiger Winter“ hat der Kosmopolit Callaghan noch ganz in diesem kirgisischen Milieu von Korruption, Willkürherrschaft und Pöstchenschacherei angesiedelt. Callaghan selbst pendelt zwischen London, Prag, Dubai und Bischkek und der kirgisischen Hauptstadt. Diesmal hat er sich entschieden, einen Spagat zwischen Kirgisistan und Dubai zu wagen. Sein Protagonist, Akyl Borubaew, hat seinen Job bei der Mordkommission in Bischkek verloren. Er war zu frech, zu unbestechlich, zu vielen daher ein Dorn im Auge. Da Akyls geliebte Frau gestorben ist, er sonst nichts im Leben hat, was ihn interessiert, will er auf jeden Fall zurück zu seinem Polizistenjob. Und ist bereit, dafür auf das Ansinnen des für seine Gewaltexzesse und Foltermethoden bekannten Ministers für Staatssicherheit einzugehen: Er soll dessen einstige Geliebte ausfindig machen, die sich nach Dubai abgesetzt hat, im Gepäck einen USB-Stick mit äußerst brisanten, hoch wertvollen und für den Minister gefährlichen Infos. Also macht er sich auf nach Dubai. Und wird schon bald verwickelt in ein Spiel um Macht 22

und Millionen, getrieben aus Angst und Gier, begleitet von tödlichen Zusammenstößen, aus denen Akyl angeschlagen, aber lebend hervorgeht. Dass am Schluss nicht alles in einem „Heile, heile Gänschen, es ist bald wieder gut“ endet, versteht sich von selbst. Ein Szenario, über dem ständig Druck, Drohungen, Folteraussichten und Machteifer schwebt. Das aber vielleicht gerade deshalb einen Einblick in eine Welt erlaubt, die hier eher fremd ist.

Leben?“, „Wie nutze ich meine Lebenszeit?“ und „Wie erzählt man ein Leben?“. Seine Antwort kann man getrost existenzialistisch nennen. Sparschuh vereint leichtfüßig Humor, Lebensweisheit und Philosophie zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Jens Hüttenberger Jens Sparschuh: „Das Leben kostet viel Zeit“, Kiepenheuer & Witsch, 384 Seiten, 20 Euro.

Ingrid Müller-Münch

Castle Freeman Tom Callaghan: „Mörderischer Sommer“, Atlantik bei Hoffmann und Campe, 331 Seiten, 16 Euro.

Jens Sparschuh

Das Leben kostet viel Zeit  Der gescheiterte Journalist Titus Brose hat einen ungewöhnlichen Beruf: Er hört den Bewohnern einer Seniorenresidenz zu und schreibt deren Memoiren gegen einen fünfstelligen Betrag. Der Floskel, jedes Leben sei einen Roman wert, kann Brose nicht zustimmen. Nur die Langweiler im Heim wollen ihr Leben als Biografie verewigt wissen. Die interessanten Bewohner verweigern sich seiner Arbeit. Nebenbei muss er noch die Stilblüten und literarischen Freiheiten seines Kollegen Schulze ausbügeln. Kurzum: Sein Leben schreit nach Veränderung. Doch dann trifft er in der Residenz Dr. Eichhorn, einen schroffen und schrulligen Mann. Dieser begeistert ihn für die Biografien von Adelbert von Chamisso und seinem Herausgeber Eduard Hitzig. Brose entdeckt plötzlich eine neue Aufgabe. „Das Leben kostet viel Zeit“ ist ein kluges, sympathisches und ebenso humorvolles Buch. Mal mit feinem Witz, mal mit Kalauern, beschreibt Sparschuh liebevoll den Kosmos des Altenheims, seine Bewohner, die Angestellten sowie die Atmosphäre und macht sich dabei Gedanken über Sprache und Narration. Indem er die Biografien vieler Menschen anreißt, stellt er Fragen wie „Welchen Sinn gebe ich meinem eigenen

Der Klügere lädt nach  Sheriff Wings geht es langsam an. Seine Methode ist Geduld. Denn in 9 von 10 Fällen löst sich das Problem, wie er sagt, von selbst. Deswegen ermittelt er auch nicht, als einem jungen Dieb aus der Nachbarschaft die Hand abgeschlagen und einem anderen Rowdy sein Auge entfernt wird. Man weiß nie, für was es gut ist. Leider sieht dies der neue Gemeinderatsvorsitzende etwas anders und drängt ihn, die Fälle aufzuklären. So muss Sheriff Wings aktiv werden. Dies wird er, allerdings anders als der Leser vermutet. Castle Freeman, bekannt geworden durch den Roman „Männer mit Erfahrung“, hat sicherlich einen der interessantesten Gesetzeshüter der letzten Jahre entworfen: Sheriff Lucian Wings. Ein Durchschnittsbürger, der nichts mehr liebt als seine Ruhe, dabei aber sehr gut beobachtet und seine Gegend und seine Nachbarn bestens kennt. So weiß er eigentlich ganz genau, was hier vorgeht, nur ist es ihm herzlich egal. In dem Krimi verschieben sich so die Grenzen zwischen Gut und Böse. Am Ende tischt uns Freeman ein überraschendes, aber moralisch höchst zweifelhaftes Finale auf. Dabei zeigt er in knapper Sprache, knackigen Dialogen und mit viel trockenem Humor die amerikanische Provinz von seiner schrägen Seite. „Der Klügere lädt nach“ ist ein sehr amoralischer Lesespaß. Perfekt für den Urlaub. Jens Hüttenberger Castle Freeman: „Der Klügere lädt nach“, Nagel & Kimche, Berlin 2018, 19 Euro.


spuren der armut

Spuren der Armut

Sülzburgstraße 112-118 Zwangsarbeit in Köln eine Begegnungsstätte für Jugendliche eingerichtet wurde, das JUZI. Als diese aber in einem Schacht im Keller Gegenstände der ehemaligen Arbeiterinnen fanden – Zahnbürste, Brillengläser, Brillenetui, zwei Knöpfe und Schuhsohlen – und erfuhren, welche Geschichte sich dahinter verbirgt, ließen sie eine Gedenktafel am Haus errichten, die erst vor kurzem erneuert wurde. Der Text: „Zum Gedenken an die 44 Frauen, die während des 2. Weltkriegs auf diesem Gelände als sogenannte Fremdarbeiterinnen Zwangsarbeit verrichten mussten. Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ Erschreckende und berührende Interviews mit überlebenden Zeitzeugen wurden im Rahmen einer Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums anlässlich des vergangenen Jugend- und Schülergedenktags einer interessierten Öffentlichkeit zugängig gemacht.

Foto: Sabrina Burbach

M

an schätzt, dass während des

Stadtgebiet – nicht selten dort, wo auch

2. Weltkrieges mehr als 100.000

die Firmen saßen, die die Arbeitskräfte für

ausländische Arbeitskräfte in

ihre Zwecke zu nutzen wussten. Einer die-

Köln unter dem nationalsozialistischen

ser Orte war die ehemalige Werkzeugma-

Regime zur Arbeit gezwungen wurden,

schinenfabrik „Quester und Ferres“ in der

eben „Zwangsarbeiter“. Darunter Kriegs-

Sülzburgstraße 112-118, die unter men-

gefangene, ausländische Zivilarbeiter und

schenunwürdigen Bedingungen Zwangs-

Inhaftierte aus den Lagern. Eine vom Köl-

arbeiter zum Trümmerräumen einsetzte.

ner NS-Dokumentationszentrum erstellte

Die Fabrik gibt es nicht mehr, die

Karte gibt Aufschluss über rund 500

Geschichte mit den Zwangsarbeitern war

bekannte Arbeits- und Wohnstätten im

vergessen, als in den 1990er Jahren hier

Christina Bacher (1973), leidenschaftliche Stadtentdeckerin, ist zudem seit über 12 Jahren Chefredakteurin des DRAUSSENSEITER, Deutschlands ältester Straßenzeitung, und Herausgeberin des Buches „Köln trotz(t) Armut“. Für „Spuren der Armut“ schrieben bisher Fritz Bilz, Anke von Heyl, Klaus Schmidt und Martin Stankowski, von dem die Idee für diese Reihe mit dem besonderen Blick auf Köln stammt. 23


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IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, www.dehaar-grafikdesign.de Titelfoto Susanne Koplin Fotos Christina Bacher, Sebastian Bolesch, Sabrina Burbach, Thomas Dahl, Hacky Hagemeyer, Sabina von Kessel, Susanne Koplin, Andreas Labes, Thomas Mueller, Dmytro Pyatkovka/Fotolia, Hanna Witte, Miriam Wolf

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Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.

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vorschau

Eintritt frei z Comedy

WirtzHaus im Ateliertheater Zum 21. Mal wird 2018 drei Monate lang Comedy und kabarettistische Vielfalt im WirtzHaus präsentiert! Vom 04. Juni bis 23. August gastieren, im Rahmen der Kult-Reihe GRATIS & NICHT UMSONST, Newcomer und etablierte KünstlerInnen im WirtzHaus. Das ehemalige Café des ATELIER THEATERs ist seit fast 20 Jahren der Schauplatz des engagierten Sommer-Specials „GRATIS und nicht umsonst“. Hier können schon erfolgreiche Künstler und Künstlerinnen ihren neuen Stoff testen und Newcomer, die noch kein komplettes Soloprogramm haben, ihre ersten Bühnenversuche

Szene der Besetzung des ehemaligen Autonomen Zentrums in der Weißhausstraße. Foto: Hacky Hagemeyer

Häuser besetzen = Wohnraum schaffen?

M

anchmal nehmen sich Menschen eben einfach das, was sie dringend zum Leben brauchen. So auch Wohnraum. Zumindest dann, wenn man auf dem klassischen Mietmarkt in Städten wie Köln keinerlei reale Chancen mehr sieht. Hausbesetzer bedienen sich also freier Wohnungen und Häuser, die trotz großer Wohnungsnot ganz offensichtlich leer stehen. Und in den meisten Fällen geschieht dies ohne Einverständnis der Hauseigentümer. Wir wagen einen Blick zurück, u.a. zur Besetzung der alten Stollwerck-Fabrik im Jahr 1980, die nur 49 Tage dauerte und dennoch Furore machte. Und wir schauen zum aktuellen Autonomen Zentrum in der Luxemburger Straße, dessen Nutzungsvertrag im Dezember 2018 ausläuft, während die Gespräche mit der Stadt über einen alternativen Standort zur Zeit unerfreulich schleppend verlaufen.

probieren. Nah am Publikum und vier Tage die Woche. Künstler und Künstlerinnen präsentieren jeweils ein 2 x 20-minütiges Programm. Ab Juli treten auf: Christin Jugsch, Ása Ástardóttir, Der Storb, Bora, Serkan Ates-Stein, Vicki Blau, Tobi Freudenthal und Norman Soltan. Es gibt keine Platzreservierungen, frühzeitig kommen und dabei sein! Der Eintritt ist frei! Der Hut geht rum und wem es gefallen hat gibt was er oder sie mag. Wann: Montag bis Donnerstag 21 bis 22 Uhr Wo: WirtzHaus im ATELIER THEATER, Roonstraße 78, 50674 Köln Weitere Infos siehe www.ateliertheater.de

Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. September 2018. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25


service

Foto: Hanna Witte

n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, rochus@skm-koeln.de http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäsche waschen Mo bis Do von 11:00-14:30 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do von 12:30 13:30 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Die Wochenenden sind geschlossen. Kleiderkammer: Ausgabe von Kleidung nur notfallmäßig für Besucher der Kontaktstell. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr

n Sozialdienst Katholischer Männer e.V.

n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund

n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de

Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation, Gepäckaufbewahrung Öffnungszeiten: Mo bis Fr 8-16 Uhr (Kernöffnungszeiten), Wochenende und Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 13.30-15.30 Uhr

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n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr

n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim

n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de

Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang Kontaktstellenbereich/Tagestreff: Mo. bis Fr.: 12.00 bis 15.30 Uhr (Essensangebot: 12.00 bis 14.00 Uhr) So. und Feiertage: 12.00 bis 13.00 Uhr Samstags geschlossen Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11.30 Uhr, Mo bis Fr 14-15.30 Uhr

n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de

Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Öffnungszeiten: Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Meditation, thematische Gesprächskreise, religi- Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück öse Filme 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung

Foto: Christina Bacher

Für Alle

Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de


service

Nur für Frauen

n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de

n agisra e.V.

Foto: Marie Breer

Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.

Vringstreff

n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen

Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr

n Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung

n Comeback

Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30-11.30 Uhr und Donnerstag 13.30-14.15 Uhr

Kleiderkammer/Duschen: Montags ab 10.30 Uhr Donnerstags ab 13.00 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Weitere Angebote: Gepäckaufbewahrung

Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung

n Mäc-Up

Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.

n Elisabeth-Fry-Haus

Nur für Männer

Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.

Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr

Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85

Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.

Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de

Offener Treff:

Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de

Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57

n OASE-Benedikt Labre e.V.

Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch nach Terminvereinbarung

für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen

Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210

Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de

Kontakt- und Beratungsstelle:

n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V.

n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 93 12 21-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren

n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Herwarthstr. 10, 50672 Köln, Tel.: 56 20 35, mailn „Reso“ – Resozialisierungsabteilung box@notruf-koeln.de, www.notruf-koeln.de Johanneshaus Köln, Annostr. 11, Beratung telefonisch, persönlich und per 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach Tel.: 93 12 21-54, th.klahr@johannesbund.de sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und

-begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle n Haus Rosalie Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen

Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER:

siehe Aushang

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OASE Sommerfest 7.9.2018 12-17 Uhr

Foto: Christina Bacher mit freundlicher Genehmigung von IKEA-Butzweilerhof.


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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 0708/2018: Starke Frauen by Draussenseiter - Issuu