26. Jahrgang Nr. 190 Juli / August 2018
R E T I E S N E S s U A R D N
Foto: Susanne Koplin / Schokolinse
I Z A G A M N E S S STRA R E N L Ö K S A D
0,90 e für den Verkäufer
1,70 e
Starke Frauen SASKIA SCHULTE
NICOLE AUS HH
CAROLIN EMCKE
Anzeige
Engelbertstraße 44 · 50674 Köln Postfach 27 01 26 · 50508 Köln Telefon (02 21) 93 18 00 - 0 Telefax (02 21) 93 18 00 - 66 e-Mail: wpg@mermagen.de Internet: www.mermagen.de Geschäftsführer: Dipl.-Kfm. Wilhelm Mermagen Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Petra Heider Rechtsanwältin und Steuerberaterin
Wir beraten Privatkunden, Freiberufler und Gewerbetreibende. Wir beraten und prüfen Unternehmen, Verbände und gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen.
Vorwort
Inhalt
Liebe Leser,
Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3 Sie müssen jetzt ganz stark sein, denn in unserer aktuellen Ausgabe kommen Frauen zu Wort, die Sie an Originalität, Mut, Risi-
Schwerpunkt: Starke Frauen
kobereitschaft, Orgasmusfähigkeit und Intelligenz um ein Vielfaches übertreffen. Jedenfalls stellt es sich uns so dar, die wir sie getroffen haben: Die Lebenskünstlerin und Buch-Bloggerin Saskia Savita Schulte, die Publizistin Carolin Emcke oder auch Nicole aus Hamburg, die ihren
S.4
„Es gibt ein genussvolles Leben da draußen!“ ������������ 4-7
Lebensunterhalt unter anderem durch Flaschenpfand-Sammeln bewerkstelligt und dennoch sehr zufrieden ist. Diese und andere starke Frauen werden uns über den Sommer begleiten, denn der DRAUSSENSEITER erscheint traditionell im Juli/August als Doppelausgabe. Allen, natürlich auch unserer weiblichen Leserschaft, möchten wir bis dahin die Ausstellung über „Wohnungslose im
Ich bin obdachlos – und keiner sieht‘s �������������������� 8-11 Armut ist immer auch eine politische Frage ����������� 13-17
S.8
Nationalsozialismus“ im EL-DE-Haus ans Herz legen. Übrigens kommt man am ersten Donnerstag im Monat als Kölner Bürger oder Bürgerin gratis in die Museen. Ausreden gibt es also nicht, nichts wie hin. Und wir von der DRAUSSENSEITER-Redaktion freuen uns, wenn wir Sie am 7.9.2018 in alter Frische beim OASE-Som-
S.20
Cartoon/Clayd ������������������������ 18 Aus der OASE ������������������������� 19
merfest sehen. Dann aber mit Live-Musik, Würstchen vom Grill und Kaffee und Kuchen. Ganz herzliche Grüße,
Christina Bacher
Wohnungslose im Nationalsozialismus ��������������������� 20-21 Buchtipps ������������������������������������������������������������ 22 Spuren der Armut �������������������������������������������������� 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27
Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: nach Terminvereinbarung 3
Starke Frauen
„Es gibt ein genussvolles Leben da draußen!“ Was wäre, wenn wir, statt unseren Körper zu hassen, eine wundervolle Liebesbeziehung zu ihm aufbauen würden? Wenn unser Leben leichter würde, je dicker wir würden? Was wäre, wenn wir mehr an unserer Genussfähigkeit arbeiteten, als immer nur Kalorien zu zählen? Die Wuppertaler Buchautorin Saskia Savita Schulte, die auch als Coach und Bloggerin unterwegs ist, liebt jedes Pfund an sich und ist spätestens seit Gründung ihrer Facebook-Gruppe „Königinnen der Fülle – #BigBodyLove“ vielen übergewichtigen Menschen zum Vorbild geworden. Dabei geht es der 40-Jährigen nicht nur um die Akzeptanz und Liebe zum eigenen Körper. „Wir sollten grundsätzlich an unserer Genussfähigkeit arbeiten“, empfiehlt die lebenslustige Frau mit dem ansteckenden Lachen, die – unter dem Pseudonym Sassy Vanderwitz – jetzt auch noch das eindeutig pornographische Buch BIG BIG LOVE mit einer fülligen Protagonistin geschrieben hat. Das Gespräch über Pfunde, Unmoral, Orgasmusfähigkeit im Allgemeinen und persönliche sexuelle Vorlieben im Speziellen führte Christina Bacher bei Kaffee und Kuchen im Café des MAKK - Museum für Angewandte Kunst in Köln.
Fotos: Susanne Koplin
4
Starke Frauen
5
Starke Frauen
bes-Lebens-Lust-Virus unter denjenigen zu verteilen, deren Selbstbewusstsein ohne tatsächlichen Grund im Keller ist. Für mich sind alle pummeligen Frauen Königinnen der Fülle. Das ist meine Botschaft. DRAUSSENSEITER: Es handelt sich zuweilen um einen eher unmoralischen Virus, wenn ich da an dein pornographisches Buch BIG BIG LOVE denke, in dem es um eine junge Frau geht, die durch zahlreiche Dates ihre Sexualität entdeckt und sich somit neu kennen- und lieben gelernt hat. Da nimmst du kein Blatt vor den Mund, ob es um eine Sexszene zu dritt oder um Gruppensex im Swinger Club geht. Saskia Savita Schulte: Ich mag Unmoral grundsätzlich lieber, weil Moral ja immer einschränkend ist. Alles, was Spaß und Lust macht, wird dann von vornherein verurteilt. Wenn es aber um Lebenslust geht, ist Moral überflüssig. Im Übrigen würde ich meinen Roman – neben all der Pornographie, die darin steckt – durchaus ins humoristische Fach einsortieren. Deswegen auch mein offenes Pseudonym Sassy Vandewitz, das ich selbst total lustig finde. Ich hatte jedenfalls eine Menge Spaß beim Schreiben und habe gehörig vor mich hin gekichert, wenn ich mir all die Dates vorgestellt habe, die ich darin beschrieben habe. Tatsächlich ist das Buch nicht zu 100 % autobiografisch (lacht). DRAUSSENSEITER: Und du triffst damit tatsächlich einen Nerv der Zeit. Dein Buch ist in der zweiten Auflage und dein Facebook-Account erfreut sich immer größerer Beliebtheit. DRAUSSENSEITER: Du arbeitest als Buchau-
Saskia Savita Schulte: Für mich ist Face-
torin, Übersetzerin, Coach und Bloggerin
book wie ein erweitertes Wohnzimmer,
und hast inzwischen eine große Community,
das ich mit 2000 Gleichgesinnten teile. Ich
die deine Statements auf Instagram und vor
bekomme häufig Zuschriften von Frauen,
allem Facebook liebt. Kann man sagen, dass
die sich zu dick fühlen, sich teilweise des-
du eine „Influencerin“ bist?
wegen nicht mal mehr aus dem Haus trau-
Saskia Savita Schulte: Ich bin jedenfalls
en und dankbar sind, dass mal eine Schluss
keine, die Leute beeinflussen möchte. Viel-
macht mit diesem schrägen Körperbild,
mehr möchte ich sie mit meinen Posts
das so vermittelt wird. Und viele von die-
inspirieren und beweisen, dass man seinen
sen Frauen mit Selbstzweifeln sind nicht
Körper trotz oder wegen seiner Fülle lie-
mal andeutungsweise füllig!
ben kann. Und natürlich freue ich mich,
6
wenn das auf fruchtbaren Boden fällt. Mir
DRAUSSENSEITER: Kannst du diese Sorgen
macht es diebisch Freude, diesen Lie-
und Komplexe denn nachvollziehen? Oder
Starke Frauen
warst du von Anfang an eine glückliche
will. Um mal aus dem Nähkästchen zu
Mann dem weiblichen Körper abwertend
runde Frau?
plaudern: Ich hatte mal einen Liebhaber,
gegenüber eingestellt ist, möchte ich mit
Saskia Savita Schulte: Selbstverständlich
der konnte nicht so, wie er wollte. Das
dem nicht ins Bett – fertig. Zwischen den
kommt mir das sehr bekannt vor. Ich habe
hatte medikamentöse Gründe. Er ist damit
Worten Möse und Venus liegen für mich
mich früher auch immer fertig gemacht
locker umgegangen, weil es ihm einfach
Welten, obwohl sie die selben Dinge
und fertig machen lassen, weil ich nicht
um ein gutes Zusammensein ging und
bezeichnen. Aber das ist selbstverständ-
dünn war. Die Eltern sagten dauernd, iss
eben nicht um den Samenerguss. Weil
lich eine Geschmacksache.
nicht so viel. In der Schule wurde ich
dieses große Ziel nun komplett unwichtig
gemobbt. Selbst die Jobsuche gestaltete
geworden war, habe ich mich unglaublich
DRAUSSENSEITER: Bei aller Sympathie für
sich schwierig. Man erlebt allerhand, wenn
wohl gefühlt bei ihm und sehr viele schö-
deine Einstellung: Ist es denn nicht auch ein
man nicht dem Ideal entspricht, das einem
ne Orgasmen gehabt. Es war wie ein leich-
gesundheitliches Risiko, dick zu sein? Allein
die Medien vorgaukeln. Dann gab es diesen
tes Springen über eine Blumenwiese.
für die Gelenke ist es doch sicher schädlich,
Moment vor ein paar Jahren, als ich mich
Einfach schön.
weil sie mehr tragen müssen? Saskia Savita Schulte: Naja, mir geht es
mal – ohne einen Filter im Kopf – nackt im Spiegel betrachtet habe. Und siehe da: Die-
DRAUSSENSEITER: Woher kommt dieser Leis-
gesundheitlich prächtig. Und als ich mal,
ser Körper gefiel mir! Dadurch hat sich
tungsdruck in der Gesellschaft? Man findet
nachdem ich mir beim Umzug den Rücken
nicht nur meine Haltung geändert, son-
ihn offenbar nicht nur schon in der Schule,
verhoben hatte, in einer orthopädischen
dern auch meine Kleidung und – nicht
im Beruf, sondern auch in deutschen Betten?
Praxis war, saßen da fast ausschließlich
unwesentlich – mein Sexualleben. Man
Saskia Savita Schulte: Ich glaube, da ist
dünne Leute herum. Vielleicht ist es ein
glaubt gar nicht, wie viele Männer dicke
auch viel Verunsicherung dabei. Vielleicht
bisschen wie eine selbsterfüllende Prophe-
Frauen schön finden! Genau wie die Prota-
haben viele Leute einfach auch eine fal-
zeiung, weil einem das alle aufschwatzen
gonistin in meinem Buch, habe ich damals
sche Vorstellung davon, was ein Orgasmus
wollen: Du bist dick, also musst du unge-
mal eine Kontaktanzeige aufgegeben und
ist. In der BRAVO las man früher, man
sund sein! Und würden sich mehr Dicke
konnte mich vor Zuschriften nicht retten.
habe „Licht im Kopf“ und man explodiere
in Sportkurse oder zum Lauftreff trauen,
„wie tausend Sonnen“. Naja, darauf kann
wären sie sicher auch noch fitter. Aber das
DRAUSSENSEITER: Ist es dir dabei auch so
man tatsächlich zeitlebens warten. Es gibt
hatten wir ja schon: Viele trauen sich nicht
gegangen wie der Frau im Buch, die eine
– das merke ich in vielen Gesprächen –
mal mehr am öffentlichen Leben teilzu-
monogame Beziehung sucht, stattdessen aber
sehr krude Vorstellungen davon, was man
nehmen. Dabei gibt es ein genussvolles
viele, unterschiedliche Liebhaber findet?
da erwarten darf, gerade als Frau. Wenn
Leben da draußen. Man muss nur daran
Saskia Savita Schulte: Mein Buch lädt
Lust in Wellen kommt und geht, das Wohl-
teilnehmen. Um zu deiner Frage zurück-
dazu ein, sich zu öffnen, rauszugehen und
gefühl aufkommt und wieder abebbt,
zukommen: Sollte ich wirklich mal wegen
Menschen zu treffen. Das habe auch ich
kann das ja auch ein Orgasmus sein. Beim
meiner Leibesfülle gesundheitliche Prob-
getan und ganz unterschiedliche Erfah-
Mann ist ein Orgasmus sicher einfacher
leme bekommen, wäre das der einzige
rungen gemacht. Ich wollte keine davon
festzustellen. In jedem Fall hat das was
Grund für mich abzunehmen. Ansonsten
missen und ich kann nur jedem Menschen
damit zu tun, loslassen zu können.
will ich gerne bleiben wie ich bin.
verstecken. Ob man dann seine Lust mit
DRAUSSENSEITER: Inwieweit spielt denn dei-
DRAUSSENSEITER: Herzlichen Dank für das
Männern oder Frauen im Bett auslebt
ner Meinung nach die Sprache beim Sex eine
Gespräch.
oder fürstlich speist oder vielleicht lieber
Rolle? In deinem Buch reagiert die Hauptfi-
auf Reisen geht, ist doch zweitrangig:
gur sehr sensibel darauf, wenn ein Mann
Wichtig ist, dass man sich seine Genussfä-
derbe Worte benutzt. Stichwort „dirty talk“.
higkeit zurück erobert. Ich berate gern,
Saskia Savita Schulte: Ich will das ja gar
wenn man so gar nicht weiß, wie das geht.
nicht verurteilen, wenn sich zwei Men-
empfehlen, sich nicht hinterm Ofen zu
schen finden, die auf derselben WellenlänDRAUSSENSEITER: Jetzt mal im Ernst: Du
ge liegen und heiß werden, indem sie sich
würdest unseren Leserinnen und Lesern tat-
gegenseitig beschimpfen. Für mich kann
sächlich einen Tipp geben, wie sie ihre
ich sagen, dass eine respektvolle Wortwahl
Orgasmusfähigkeit optimieren?
meinem Körper gegenüber im Bett dafür
Saskia Savita Schulte: Sehr gerne. Der
ausschlaggebend ist, dass ich mich fallen
Orgasmus kommt bei einer Frau jedenfalls
lassen kann. Denn nur so weiß ich, dass
nicht, wenn man ihn unbedingt haben
ich auch respektiert werde. Wenn ein
lll
Comedy-Stand-up-Lesung
27. Juli 2018 ab 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) Tor 28, Raum Esche, Machabäerstraße 28, 50668 Köln Eintritt: 20 Euro inkl. Begrüßungssekt/nichtalkoholisches Getränk http://vanderwitz.com/lesungen 7
Starke Frauen
Ich bin obdachlos – und keiner sieht‘s Nicole ist eine Ausnahme-Obdachlose. Aus vielen Gründen: Sie ist top organisiert und niemand käme auf die Idee, dass diese gepflegte Frau kein Zuhause hat. Und: Sie begreift ihre Obdachlosigkeit eher als Selbsterfahrung – und nicht als Notsituation. Hier erzählt die Hamburgerin ihre Geschichte. Von Nicole
W
8
enn ich von meiner jetzigen Situ-
vor fünf Jahren. Zwei Jahre kam ich
senen Umgebung – wie ich fand – meinen
ation spreche, spreche ich
zunächst bei diesen oder jenen Freunden
täglichen Schreibarbeiten nach.
immer von meinem Weg. Mei-
unter, bis ich die Nase davon voll hatte,
Ich habe einen sehr strukturierten
nem ganz persönlichen Jakobsweg – mei-
meinen Bekanntenkreis immer wieder
Tagesablauf, bin äußerst diszipliniert,
nem Weg aus einer Vergangenheit, in der
neu auf diese Art und Weise zu belasten.
denn ohne strengste Disziplin könnte ich
ich immer selbstständig und in den letzten
Mein Motto war von Anfang an „Mit
meinen Standard nicht aufrechterhalten
20 Jahren recht erfolgreich als Kunstma-
Geld, das kann jeder!“ – hinzu kommt jetzt
und dem Anspruch, den ich habe, nicht
lerin tätig war, hinein in eine Zukunft, in
noch „Mit Wohnung, das kann jeder!“. Ich
gerecht werden. Ich bin ein ehrlicher,
der ich mir richtigen Reichtum wünsche.
verzichte absichtlich auf staatliche Gelder,
zuverlässiger Mensch.
Ach ja, ich bin übrigens Nicole, 59 Jahre
weil ich mich auf diese Art freier fühle und
alt und – obdachlos. Meine Obdachlosig-
mich vor niemandem rechtfertigen muss.
keit ist zwar nicht geplant gewesen, den-
Mit meinem früheren Leben machte ich
noch sehe ich meine Situation als selbst-
sehr konsequent einen Schnitt – halte
bestimmt, sehe es eher als ein Abenteuer
meinen Tunnelblick nur noch direkt auf
So viel zu meinem Charakter, meiner Lebenseinstellung, meiner Person. Aber wie kann man ohne Geld überleben?
mit Herausforderungen der ganz beson-
mein Ziel gerichtet. Will nur noch das und
Anfangs schlief ich in meinem Auto –
deren Art. Ich schäme mich nicht, bin eher
sonst gar nichts – keine Kompromisse. Das
einem Fiat 500 Cabriolet – bis dieses leider
stolz auf mich, denn ich kann auch ohne
klingt vielleicht sehr hart mit mir selbst,
mangels einer Meldeadresse nicht mehr
Wohnung und ohne Geld glänzen.
der Leser kann jedoch unbesorgt sein. Ich
zugelassen war und von der Straße runter
„Aber wie kommt jemand wie du dazu,
lasse es mir trotzdem sehr gut gehen. Im
musste. Oft wurde ich gefragt, wie man
obdachlos zu sein?“, fragen mich Men-
Grunde mache und tue ich alles, was ganz
denn in solch einem Auto schlafen könne.
schen immer wieder. „Du siehst doch gar
gewöhnliche Menschen, die in Wohnun-
„Gut!“, habe ich natürlich geantwortet,
nicht so aus!“
gen leben, auch tun. Ich dusche und pfle-
allerdings mit sehr viel Aufwand verbun-
Als ich noch in einer Wohnung lebte,
ge mich mindestens genauso wie früher,
den. Meine Reisetasche quetschte ich vor
erklärte mir mein Vermieter, dass er die
als ich noch in einer Wohnung lebte. Ich
den Beifahrersitz als verlängerte Liegeflä-
Wohnung verkaufen müsse. Ich lebte
wasche und bügle meine Wäsche, putze
che, diverse Kleidungsstücke stopfte ich
bereits sehr lange in der Wohnung und
meine Schuhe, mache meinen Sport –
zwischen die Handbremse und die runter-
war so gut wie unkündbar. Mein Mietver-
natürlich im Freien an der Alster –, habe
gedrehten Sitze. Das alles ergab eine glat-
trag war sehr zu meinen Gunsten und
Spaß daran, mich schick zu kleiden, meine
te und bequeme Liegefläche, wenn ich
machte es ihm quasi unmöglich, die Woh-
Haare zu stylen. Ich kann mich daher
diagonal im Auto schlief.
nung zu veräußern. Da wir befreundet
durchaus im „Vier Jahreszeiten“ sehen
Ich habe mir als Standort die allerbeste
waren, kam ich ihm selbstverständlich
lassen, was ich tatsächlich eine ganze Zeit
Wohnlage ausgesucht – ich stand lange Zeit
entgegen und versprach, innerhalb einer
lang auch gemacht habe. Ich saß dort in
(und bin auch weiterhin dort geblieben)
bestimmten Frist auszuziehen. Das war
der Lobby und ging dort in einer angemes-
immer am gleichen Ort direkt an der Alster.
Wenn mich jemand fragte, wo ich wohne, konnte ich immer sagen „an der Alster“. Ich finde, das klingt gut. Aber trotz des schönsten Wasserblicks wusste ich zu jener Zeit manchmal tatsächlich nicht, wie ich zu meiner nächsten Mahlzeit kommen sollte. Eines Morgens öffnete ich also meine Wagentür, und vor mir lag eine Pfandflasche und ich dachte: „Das ist der Wink mit dem Zaunpfahl.“ Also ging ich los, nach-
Nicole im „Four Seasons“. Sie sitzt hier oft in der Lobby, denkt nach und schreibt.
dem ich meine Hemmungen über Bord geworfen hatte, und fing an, Pfandflaschen zu sammeln – in Rüschenhemdchen und Samtröckchen. Einige Menschen haben mich wirklich entsetzt dabei beobachtet, weil man dies von mir überhaupt nicht erwartet hätte. Ich hingegen war überrascht, was man in Müllbehältern alles finden kann – von den perfektesten, edelsten Lebensmitteln über funkelnagelneue Handtaschen, Schuhen bis hin zu tadellosen Wasserkochern. Die Lebensmittel, die ich nicht in irgendwelchen Müllkästen finden konnte, kaufte ich mir dann von meinem Erlös, den mir das Flaschensammeln brachte. Ich fühlte mich durch diese Tätigkeit niemals degradiert. Wieso auch: Man beseitigt Müll, tut nicht nur was für den Umweltschutz, sondern hält mit der ganzen Lauferei auch noch den Körper fit. Auf mein übliches Walking konnte ich in dieser Zeit verzichten – ich lief circa 20 Kilometer pro
Nicole hat einen geregelten Tagesablauf. Sie steht immer zur gleichen Zeit auf, macht Frühstück und putzt den Hänger. Dann beginnt ihre tägliche Routine.
Tag. Überhaupt bin ich damals alle Strecken zu Fuß gelaufen, bis ich viel später ein Fahrrad geschenkt bekam. Ich sparte jeden Tag 50 Cent von meinem Flaschengeld und legte mir mehrere Spardepots an. Eines war für Benzin. Mein
ten nicht mehr. Jeder kann sich wohl vor-
Auto stand zwar ohne Zulassung auf der
stellen, wie ungeheuer glücklich ich war,
Straße, aber ich musste wegen der Batterie
als ich eines Tages – genau am Nikolaustag
den Motor hin und wieder laufen lassen.
– in der Abenddämmerung auf meiner
Ein weiteres Depot gab es für den Wasch-
Flaschentour an einem Altkleidercon-
salon und für Seifenartikel sowie eines für
tainer vorbeilief und daneben einen riesi-
Vergnügungen, woraus ich mir dann mein
gen Berg mit schönsten Kleidungsstücken
Tablet und Smartphone bezahlte. Eine
vorfand, die fast alle genau in meiner Grö-
kleine Reisetasche mit guten Kleidungs-
ße waren. Ich packte davon ein, so viel ich
stücken aus vergangenen Tagen hatte ich
tragen und schleppen konnte.
noch mit dabei, allerdings hatte ich durch
Zurück an meinem Standort – strate-
eine perfekte Diät kurz zuvor 20 Kilo abge-
gisch günstig gegenüber einem recht sau-
nommen und viele Kleidungsstücke pass-
beren öffentlichen WC gelegen – probierte
9
men, die ich immer auf meinen „Flaschenzügen“ fand. Es gab da so einen Blumenladen, der vor seinem Laden eine Mülltonne hatte, in die er, für meinen Geschmack, immer noch perfekte Blumen entsorgte. Ich schnappte mir die Blumen, sammelte kleine Schnapsflaschen, fand noch einen schönen GlasBesonders wichtig ist es ihr, fit zu bleiben. Für ihre regelmäßigen Übungen hat sie einen perfekten Platz gefunden: für jeden gut zugänglich, trocken und mit einem schönen Ausblick.
krug und stellte neben dem Spiegel im WC immer ein schönes Bouquet auf und verteilte kleine Sträuße in den Kabinen. Die Frauen waren begeistert. Der Putzmann war aber der Meinung, ich bräuchte dafür eine Erlaubnis vom Ortsamt. Eines Tages entdeckte ich in einem der umliegenden Hotels ein tolles Behinderten-WC mit einem Waschbecken, unter dem ein großer Gully war. Ich brachte mir eine große Plastikflasche mit, füllte diese mit warmem Wasser und ergoß diese dann über mich in den Gully. Das gab zwar zunächst eine kleine Schweinerei, die ich aber selbstverständlich immer vor Verlassen des Raumes vollständig beseitigte. Dies machte ich so lange, bis ein Security mich mehrfach bitten musste, dieses WC nicht mehr zu benutzen, da es doch schließlich Behinderten vorbehalten sei. Mir ist meine Obdachlosigkeit nicht peinlich, und ich verstecke mich auch nicht, dennoch hat es recht lange gedau-
In der Kemenate für Frauen kann sie ihre Wäsche waschen. Bei ihrer täglichen Arbeit in St. Georg kann Nicole ihre Kleidung flicken. Außerdem leitet sie dort eine Näh- und Haushaltsgruppe – ehrenamtlich.
ert, bis meine Umgebung darauf aufmerksam wurde, dass ich in meinem Auto schlief. Dann kamen immer öfter Menschen zu mir, um Hilfe anzubieten. Eines Morgens, nachdem wir nachts 17 Minusgrade hatten, klopften zwei Polizisten sorgenvoll an meine Wagentür und woll-
ich in diesem WC bis um 4 Uhr nachts
Foto: Sabina von Kessel
10
ten sicherstellen, dass es mir gut ging.
Klamotten an – und war der glücklichste
Die Herren kannten mich bereits, hiel-
Mensch der Welt. Seither behielt ich sämt-
ten mich wohl aber für jemanden, der in
liche Kleidercontainer, an denen ich vor-
der Nachbarschaft wohnt.
beilief, gut im Auge und fand regelmäßig
Einmal hatte ich im Revier um heißes
kleinere oder größere Schätze. Apropos
Wasser für meinen Tee gebeten und auch
öffentliches WC – zunächst wusch ich mich
bekommen. Nachdem ich dann ein zwei-
tatsächlich ausschließlich auf diesem WC
tes Mal darum gebeten hatte und man
und das klappte perfekt –, leider war nur
mich fragte, ob ich denn kein Zuhause
kaltes Wasser vorhanden. Da dieses WC
hätte, habe ich das nachgelassen.
nun mit zu meinem Lebensraum gehörte
Nachdem mein Auto ziemlich lange
und ich ein Ästhetik liebender Mensch bin,
ohne TÜV, ohne Zulassung und mit vielen
schmückte ich das WC anfänglich mit Blu-
zugedrückten Augen noch immer auf der
Starke Frauen
Straße stand und Leute schon Wetten
immer so etwas wie aus einem Science-Fic-
Beladen und Transportieren von was auch
abschlossen, wie lange ich wohl noch ste-
tion-Film. Ich wurde völlig aus dem Tief-
immer. Manchmal, wenn ich mir darin
hen bleiben würde, musste ich schließlich
schlaf gerissen und von einem Spot auf
mein Nachtlager bereite, fragen mich
zähneknirschend von der Straße runter.
dem Streifenwagen völlig geblendet und
Menschen, ob ich darin wohne, und ich
Ein Abschleppdienst brachte meinen
konnte die Polizisten immer nur als Sil-
sage dann immer: „Nein, ich schlafe im
Wagen zunächst auf das Grundstück einer
houette wahrnehmen, die dann auf mich
Hänger, aber wohnen tue ich überall.“
Freundin. Irgendwie hatte ich aber das
einredeten, während ich noch ganz
Gefühl, ich hätte – trotz allem, was dage-
benommen war.
Ich werde auch hin und wieder von besorgten Menschen gefragt, ob ich im Winter nicht friere. Nein, ich friere eher
gen sprach – an meinem Platz stehen blei-
nicht. Ich bin äußerst gut mit warmen Klei-
freundlichen Polizeibeamten, wollten
Allerdings waren die Polizisten immer eher freundlich und besorgt, ganz besonders an den kalten Tagen.
ihren Augen nicht trauen, als sie meinen
Nachdem ich eines Nachts völlig einge-
größtenteils in gut beheizten Räumen auf.
Fiat wieder auf dem gewohnten Platz
regnet war, besorgte ich mir von einer
Ich habe einen geregelten Tagesablauf,
sahen. Sie sagten mir, dass sie nichts gegen
nahe gelegenen Baustelle zwei durchsich-
stehe zu einer bestimmten Uhrzeit mor-
mich persönlich hätten, aber leider müss-
tige Planen, mit denen das Baustellenge-
gens auf, mache an ganz bestimmten
ten sie mir jetzt doch eine Anzeige verpas-
rüst verkleidet war. Ich legte mir eine
Tagen meinen Sport, gehe immer zu glei-
sen. Ein Abschleppdienst kam also zum
davon unter meine Isomatte, stellte am
chen Zeiten in die Kemenate, in meine
zweiten Mal. Ohne zu wissen, wohin
Kopfende meinen Einkaufstrolley auf,
Lieblingssuppenküche oder ins Tagwerk
damit, stellte ich meine ganzen Reiseta-
steckte einen aufgespannten Regenschirm
in St. Georg, um dort ehrenamtlich die
schen, Tüten, Krimskrams auf den Bürger-
darauf und spannte darüber die zweite
Frauengruppe zu leiten.
ben müssen und fuhr des Nachts wieder zurück auf meinen Parkplatz. Meine guten alten Bekannten, die
dungsstücken ausgestattet, habe Decken und Schlafsäcke, die gegen die Minusgrade schützen, und tagsüber halte ich mich
Ein Brief von uns an Nicole: Liebe Nicole,
für uns bist Du eine echte Ausnahme. Du hast so eine psychische Stärke, so eine Disziplin und positive Ausstrahlung, von der die meisten Obdachlosen nur träumen können. Viele werden ja spätestens vom Leben auf der Straße traumatisiert, sind gefangen in einem Teufelskreis aus Selbstverachtung, Sucht und Scham. Die meisten wünschen sich sehnlichst ein Dach über dem Kopf. Du bist da ganz anders. Deine Obdachlosigkeit nennst Du Deinen persönlichen Jakobsweg. Hoffentlich bleibst Du stark und gesund – und ehrlich zu Dir selbst. Damit Du weißt, wann Du Dir vielleicht doch Hilfe suchen musst. Deine Hinz&Künztler und wir von der DRAUSSENSEITER-Redaktion schließen uns mit vollem Herzen an!
steig. Leute aus den umliegenden Büros
Plane. Sicherheitsnadeln hatte ich nicht
An den Wochenenden und zu jeder frei-
hatten den Vorgang beobachtet und
zur Hand, dafür aber Broschen, mit denen
en Minute sitze ich in meinem Lieblingsca-
kamen gelaufen, um mir Hilfe anzubieten.
ich die beiden Planen an den Seiten
fé an der Binnenalster, wo ich bei einem
Mir wurde vorübergehend ein kleiner
zusammensteckte.
Kaffee oder Tee kostenlos ins Internet
Ich war auf diese Art zwar etwas wet-
gehen oder auch mal das Handy oder Tab-
tergeschützter, aber richtig regenfest war
let aufladen kann. Dort arbeite ich dann
Ich schlief zunächst nur auf meiner Iso-
das noch nicht. Erst als ich von sehr lieben
an meinem großen Zukunftsplan oder lese
matte direkt auf meinem Parkplatz, auf
Menschen zwei Zelte geschenkt bekam,
ein schönes Buch. Dies ist somit mein
dem zuvor mein Auto stand. Eines Nachts
blieb ich trocken. Allerdings ist natürlich
Wohn- und Arbeitszimmer. Hier mache ich
hielt ein Streifenwagen an, um nachzu-
das Zelten auf einem Parkplatz originell,
es mir gemütlich, hier rufen mich Freunde
schauen, was dort wohl auf dem Boden
aber nicht unbedingt erlaubt. Somit benö-
an und fragen, ob ich mich gerade im
liegt. Die Beamten stiegen aus, und eine
tigte ich eine neue Lösung – auch für mei-
„Hauptquartier“ befinde, um mich dort zu
Dame fragte mich, ob ich nicht die Frau
ne Habe, die ja zeitlich nur begrenzt unter-
besuchen. Dies ist eine der ganz wenigen
mit dem Fiat sei, denn gerade habe sie
gebracht war.
verbliebenen Gelegenheiten, für die ich
Raum zur Verfügung gestellt, um die Dinge dort unterzustellen.
Geld benötige. Aber das gönne ich mir.
über mich gesprochen und nun liege ich
Und da half mir dann ein Freund mit
hier. Einige weitere Male hatte ich die
seinem Hänger. Wenn ich sage Hänger,
Ehre, mitten in der Nacht von Streifenpo-
denken viele an einen Wohnwagen. Nein,
Freundlicherweise zur Verfügung gestellt
lizisten besucht zu werden und dies hatte
ich meine einen Hänger, so einen zum
von Hinz&Kunzt / INSP.ngo
11
körperstyling
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen
Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen
Arbeiten
Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung
Pflegewohnheim
begleiten und fördern I beraten und anleiten
Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
12
Starke Frauen
Armut ist immer auch eine politische Frage Carolin Emcke, die Publizistin und Philosophin sieht die Grundlagen des Zusammenlebens in Gefahr. Ein Interview über Gemeinsinn, die Sorgen der Bürger und die Freiheit der anderen. Von Andreas Düllick und Amir Ali
>>> 13
Starke Frauen
Frau Emcke, in Ihrer Kolumne für die Süd-
Sie schreiben, dieses Gemeinwesen werde
lei: Erstens schwinden tatsächlich öffent-
deutsche Zeitung haben Sie kürzlich über
nicht mehr verhandelt und drohe zu schwin-
liche Räume, öffentliche, allen gemeinsa-
den Gemeinsinn geschrieben. Was genau
den. Dabei werden heute doch überall und
me Güter wie Stadtbibliotheken oder
verstehen Sie darunter?
jederzeit öffentliche Debatten geführt.
Schwimmbäder oder auch nur Parkbänke.
Carolin Emcke: Unter Gemeinsinn verstehe
Na ja. Die Tatsache, dass debattiert wird,
Und zweitens schwindet der Gemeinsinn
ich das Wissen darum, dass es in einer
bedeutet ja noch nicht, dass auch wirklich
als etwas, an das politisch appelliert wer-
Gesellschaft darum geht, das zu entdecken
miteinander und füreinander debattiert
den kann. Im politischen Diskurs wird
und zu fördern und zu schützen, was alle
wird. Sehr viele der öffentlichen, medial
gern unterstellt, Menschen wollten nur an
angeht. Der Gemeinsinn hängt also an der
vermittelten Debatten sind doch eher Insze-
sich selbst und das eigene soziale oder
Einsicht, dass es jenseits der radikalen Indi-
nierungen von Pseudo-Debatten. Da sollen
religiöse oder ökonomische Kollektiv den-
vidualität jedes und jeder Einzelnen und
Konflikte präsentiert und verschiedene Geg-
ken. Dabei geht verloren, dass es auch gute
jenseits der partikularen Interessen von
nerschaften zelebriert werden, ohne dass die
Gründe geben könnte, warum mehr Steu-
Gruppen auch etwas gibt, das allgemein ist.
sozialen oder politischen oder kulturellen
ern zu zahlen eben im politischen oder
Ich kann mich als Individuum immer in
Phänomene in den Blick genommen wer-
demokratischen Interesse liegen könnte,
unterschiedlichen „Wir“ verorten, ich kann
den, um die es eigentlich gehen sollte. Diese
warum es sinnvoll sein kann, sich für die
mich über die soziale Klasse, den Glauben,
Sorte Debatte suggeriert immer, es könne
Rechte anderer einzusetzen, auch Freihei-
die sexuelle Orientierung definieren und
nicht gemeinsam nachgedacht werden, es
ten zu verteidigen, die für einen selbst gar
artikulieren. Aber in einer pluralen Gesell-
gebe nicht die Kraft oder Bereitschaft, ein
nicht wichtig sind.
schaft muss auch verhandelt werden, was
Problem einfach mal zu erörtern. Was wären diese guten Gründe, mehr Steu-
allen gemeinsam ist. Was die öffentlichen
14
Güter sind, die wir gemeinsam besitzen,
Woran machen Sie diese Bedrohung des
ern zu zahlen und die Freiheit der anderen
was von öffentlichem Belang für alle ist. Es
Gemeinsamen fest?
zu verteidigen?
muss auch an und in einem Wir gedacht
Wenn ich mich sorge, dass die res publica
Nun, ein Gemeinwesen, in dem es nur um
und gesprochen werden, das alle anspricht.
schwindet, dann meine ich damit zweier-
meine eigene Freiheit ginge, wäre keins.
Starke Frauen
Ein Gemeinwesen dagegen, das die freie
ein autoritärer, selbstherrlicher Präsident,
Ausgrenzung oder Missachtung, mit
Entfaltung der Persönlichkeit jedem und
nicht allein ein dysfunktionaler Kongress,
Armut oder Aussichtslosigkeit auch
jeder gestattet, schützt auch mich. Wenn
sondern es fehlt an Infrastrukturen, an
erzählt werden können. Und natürlich ist
ich es ernst meine mit der Religionsfrei-
Öffentlichkeit, an der res publica. Ich den-
es wichtig, auf diese Erfahrungen einzu-
heit oder der Würde des Menschen, dann
ke jedenfalls, dass mehr Steuern, die dann
gehen. Aber nicht jede Stimmung ist es
muss ich sie auch feiern und verteidigen,
wirklich investiert werden in Bildung oder
wert, politisch ernst genommen zu wer-
wenn sie nicht meine eigene Religion oder
Infrastrukturen, sich eben lohnen.
den. Zum einen, weil in der Gegenwart Stimmungen enorm volatil sind. Sie sind
Würde betrifft. Eine solche Gesellschaft ist nicht nur freier, sie ist auch lebenswer-
Ein Satz, der für Politiker/innen jeglicher
auch sehr flüchtig. Manchmal artikuliert
ter, weil sie reicher ist und kreativer und
Couleur zum Standardrepertoire gehört:
sich da nur Hass und Rassismus und die
vielfältiger. Ganz ähnlich verhält es sich
„Wir müssen die Sorgen der Bürger ernst
obszöne Freude am Herabsetzen von
mit der Bereitschaft, höhere Steuern zu
nehmen.“ Was sagen Sie dazu?
anderen. Gerade die Sorge ist nun ein
zahlen: Von einem Gemeinwesen, das
Ich kann den Satz nicht mehr hören. Denn
Begriff, der ein rhetorisches Kalkül bein-
über eine gute Infrastruktur verfügt, exzel-
der Satz allein erklärt nicht besonders viel.
haltet. Mit Sorge wird gern verkleidet, was
lente Schulen für alle, eine hochwertige
Natürlich ist es wichtig, in einer Demokra-
mit sich sorgen um und für nicht viel zu
Gesundheitsversorgung, eine lebendige
tie darauf zu achten, dass die Menschen
tun hat, sondern sich zwischen Paranoia
öffentliche Kulturlandschaft – davon pro-
sich artikulieren können, dass sie Unbe-
und schlichtem Hass bewegt. Insofern
fitieren alle. Schauen Sie sich die Vereinig-
hagen oder gar Schmerzen an der Demo-
verlangt es einfach immer einen ruhigen,
ten Staaten an: Woran die amerikanische
kratie ausdrücken können. Natürlich ist
ausgewogenen Blick: Was wird da artiku-
Demokratie krankt, ist doch nicht allein
es wichtig, dass soziale Erfahrungen mit
liert, wie angemessen ist die Sorge, worauf
Ökostrom
Ökogas Beteiligung
GESTALTE DEINE ZUKUNFT Nicht nur an heute, sondern auch an morgen denken – und das zu fairen Preisen. Unser Ökostrom kommt zu 100% aus sauberen Energiequellen, unser Ökogas ist klimaneutral. Beteiligen Sie sich genossenschaftlich an unserem Unternehmen. Bei Vertragsabs
chluss
NUS 30 € SOFORTBO CT5 67 Rabatt-Code: E O
ProEngeno Naturmix Family Premium Naturmix Premium
sehr gut ÖKO-TEST Spezial Spezial Energie 2017 2015
ProEngeno GmbH & Co. KG Nendorper Str. 15 26844 Jemgum Tel. 0 49 02 / 9 15 70 - 00 info@proengeno.de 15 www.proengeno.de
schwindet doch die Welt nicht, verschwin-
aussehen oder anders lieben, da muss
det doch nicht die Möglichkeit, das, was
widersprochen werden.
wahr ist, von dem zu unterscheiden, was falsch oder erfunden ist.
Zurück zum Gemeinsinn: Wie kommen wir weg vom Kampf um Deutungshoheiten hin
Ist ein wahrgenommener Missstand immer
zur gemeinsamen Konstruktion von Realität?
ein Missstand?
Das ist eine sehr wichtige Frage, auf die ich
Ein wahrgenommener Missstand ist ein
auch keine gute Antwort habe. Im Moment
wahrgenommener Missstand. Sonst
sieht es in der Tat danach aus, dass die
nichts. Das ist zunächst ein subjektiver
öffentliche Auseinandersetzung immer
Eindruck, eine Hypothese, und die kann
aggressiver wird und die Wahrnehmungen
dann abgeglichen und überprüft werden
immer weiter auseinanderdriften. Die Wis-
auf ihre Berechtigung.
senschafts- Feindlichkeit, die ideologischen Bewegungen, die die Ideale der Aufklärung
Haben wir in unseren Gesellschaften einen
und der Vernunft angreifen, die propagan-
bezieht sie sich, gibt es eine empirische
zufriedenstellenden Umgang mit wahrge-
distischen Möglichkeiten, über soziale
Grundlage dafür – und dann muss darauf
nommenen Missständen?
Medien Aberglauben und Verschwörungs-
geantwortet werden.
Was heißt denn „wahrgenommen“? Und
theorien zu verbreiten – all das erschwert
wessen Umgang meinen Sie? Das lässt sich
die Verständigung über das, was die gemein-
Wenn ich Sie richtig verstehe, sagen Sie: Die
immer nur an etwas Präzisem festmachen.
same Welt bedeutet. Es braucht sicherlich
empirische Grundlage ist das Kriterium,
Allgemeine, vage Kritik an der Politik lässt
Anstrengungen auf ganz unterschiedlichen
nach dem ernstzunehmende und vernach-
sich nicht fair und differenziert debattieren.
Ebenen: Auf der Ebene der tatsächlich
lässigbare Stimmungen unterschieden wer-
Ich habe den Eindruck, dass es eine Vielzahl
aggressiven propagandistischen Manipula-
den. Aber wir haben doch im Zeitalter von
gravierender sozialer und ökonomischer
tion von Informationen oder ganzen Syste-
Fake News gar keine allseits akzeptierte
Missstände gibt, für die sich entweder nie-
men braucht es internationale Antworten;
empirische Grundlage mehr.
mand zuständig fühlt oder die als zu kom-
auf der Ebene der sozialen Medien wird ja
Nur weil es Lügen gibt, gibt es keine Wahr-
plex oder unbequem empfunden – und
der Druck auf die Monopole wie Facebook
heit mehr? Wenn es so wäre, könnten Sie
dementsprechend nicht bearbeitet werden.
schon erhöht, dass sie mehr zur Verantwor-
ja nicht erkennen, was eine Lüge oder was
Die fehlende soziale Mobilität in dieser
tung gezogen werden für Hass und auch
Wahrheit ist. Natürlich gibt es nach wie
Gesellschaft beispielsweise, also die Tatsa-
Falschmeldungen; die enorme Bedeutung
vor empirisch überprüfbare und nachvoll-
che, dass soziale Herkunft eine nach wie vor
von Journalismus wird daran wieder deut-
ziehbare Tatsachen. Sie können den Kli-
entscheidende Rolle bei der Möglichkeit
lich. Es ist eben Arbeit, echte Arbeit, zu
mawandel nachweisen, mithilfe von
des Aufstiegs spielt. Das ist inakzeptabel.
recherchieren, was belegbar ist und was nicht, was eine Lüge ist und was nicht, was
Daten, die über Jahrzehnte erhoben wur-
16
den, die vergleichbar, methodisch nach-
Sie haben den Hass angesprochen, der als
geschehen ist und wovon nur behauptet
vollziehbar und verifizierbar sind. Das wird
Sorge verkleidet wird. Wie lässt sich dem
wird, dass es geschehen sei. Es braucht hand-
bestritten. Und dann lassen sich die Gegen-
begegnen?
werkliche und ethische Standards für eine
argumente anschauen. Sie können, ganz
Jedenfalls nicht mit Hass und Aggression.
solche Arbeit – und die letzten Jahre haben
gleich wie groß die Propagandamaschine
Und definitiv nicht mit dem Dämonisieren
uns eindrucksvoll vorgeführt, was politisch
einer bestimmten Kriegspartei auch sein
von Menschen. Es geht darum, Kritik
geschieht, wenn sich Propaganda und
mag, immer noch Beweise suchen und
immer nur an Handlungen festzumachen.
Lügen und Falschmeldungen ungefiltert
finden, forensische Belege, Akten, Tonma-
Also an dem, was eine Person sagt oder
und unwidersprochen verbreiten und Men-
terial, um ein Kriegsverbrechen zu rekon-
tut – aber nicht die Person selbst herab-
schen beeinflussen können.
struieren. Natürlich gibt es manchmal
zuwürdigen. Wenn der Hass sich paart mit
Lücken, Grenzen des Wissens, manchmal
Gewaltbereitschaft, wenn der Hass sich in
Bei der Frage, was es bedeutet, eine Einwan-
gibt es nur eine Fülle von Indizien, gibt es
fanatischen Netzwerken oder Bewegun-
derungsgesellschaft zu sein, sprechen Sie von
Annäherungen an die Wahrheit, Hypothe-
gen organisiert, dann müssen die Ermitt-
einer Pluralisierung der Perspektive. Was ist
sen, die gelten unter Vorbehalt, bis sich
lungsbehörden und die Justiz darauf ant-
mit denen, die das als Verlust oder Gefahr
genauere Beschreibungen entdecken las-
worten. Aber dieser Hass, der sich im
sehen?
sen. Aber nur weil es Verschwörungstheo-
Alltag zeigt, in den Stigmatisierungen von
Nun, ich kann mir kein Leben in der heu-
rien, Aberglauben und Lügen gibt, ver-
Menschen, die anders glauben oder anders
tigen Welt vorstellen, ganz gleich in wel-
Foto: Andreas Labes
Starke Frauen
Starke Frauen
chem Land, in welchem Dorf, in welcher
ist die urbaner und mal ländlicher. Aber
Formen der Ausgrenzung. In der jüngsten
Familie, in der es nicht schon verschiedene
sie ist eine reale Erfahrung für alle. Das
Zeit gab es wiederholt den Versuch, diese
Perspektiven gibt. Jede und jeder von uns
Entscheidende ist doch, dass der Staat eine
Gruppen gegeneinander auszuspielen. Es
wächst doch immer schon auf in einem
Garantie dafür geben muss, dass jede und
wurde suggeriert, es gebe hier die soziale
Umfeld, in dem es soziale oder kulturelle
jeder individuelle Bezüge, Vorlieben und
Frage der Armut und der sozialen Ungleich-
Unterschiede gibt. Niemand wächst in
Überzeugungen ausleben darf. Jede und
heit und dort die politische Frage der Aner-
einem komplett einheitlichen Kontext auf.
jeder soll geschützt sein im je spezifischen
kennung von Migrantinnen und Lesben,
Das wissen die älteren Menschen in
Glauben, in der Art und Weise, für die wir
Schwulen und anderen. Das ist politisch
Deutschland, die noch geflohen sind, das
leben oder lieben wollen. Solange ich
fatal: Beide Fragen gehören immer zusam-
wissen die Arbeiter im Tagebau, die die
geschützt bin in meiner Individualität,
men. Die nach der sozialen und politischen
verschiedensten historischen Umbrüche
solange ist auch die Andersartigkeit mei-
Ungleichheit. Die Ausgrenzung von Homo-
miterlebt haben, das wissen die Menschen
nes Nachbarn oder meiner Nachbarin
sexuellen oder Schwarzen ist nicht einfach
in der Landwirtschaft, die mit Saisonarbei-
nichts weiter als das: eben etwas anders.
eine politische, sondern immer auch eine soziale Frage. Armut ist nie nur eine sozi-
tern ihre Ernten einfahren oder früher selbst noch hin und her zogen, das wissen
Homosexuelle, Armutsbetroffene und
ale Frage, sondern immer auch eine der
alle, die mal freitags in die Synagoge oder
Migrantinnen: Sie alle werden mitunter
politischen Stigmatisierung und der feh-
sonntags in die Kirche gehen und die Viel-
bedrängt, weil sie anders sind. Sitzen diese
lenden Repräsentation.
falt der Menschen betrachten, die dort
Minderheiten im selben Boot?
beten. Die Vielfalt ist immer schon eine
Als Minderheiten sind sie alle verletzbarer.
Freundlicherweise zur Verfügung gestellt
Konstante in unserer Gesellschaft – mal
Aber es gibt natürlich Unterschiede in den
von Surprise (Schweiz) / INSP.ngo
Du gehst jeden Tag nach Hause. An ihm vorbei.
Dr. Peter Deubner Stiftung
Kölner Obdachlosen Frühstück Jede Hilfe zählt!
www.deubner-stiftung.de Foto: Ingrid Bahß
17
Cartoon / Clayd
Cartoon: Heiko Sakurai
Hallo Freunde, ich gehe wieder zur Physiotherapie. Wegen Arthrose in der Schulter. Die Physio-Frau sagt, dass ich beim Gehen immer leicht eiere. Also ehrlich - eiern? Ein Hund? Aber egal. Wichtig ist, dass mir die Physio echt gut tut. Wenn wir da ankommen, hüpfe ich jedes Mal gleich auf die Liege. Dann kriege ich so Sachen wie Kaltlaser und Reizstrom. Klingt gefährlich, tut aber gar nicht weh. Die Physio-Frau kann ich gut leiden. So gut, dass sie auch schon mal ein Küsschen von mir bekommt. „Clayd“, sagt sie 18
dann, „du alter Schlawiner, zappele nicht“. Ansonsten war ich mit meinem Dosenöffner wieder viel auf Tour. Zum Beispiel in den alten Hallen in Mülheim. Ich glaube, die heißen Raum 13 oder so. Leider hatte ich auch wieder einen ganz schlimmen Anfall, bei dem ich keine Kontrolle mehr über mich hatte und alles ausgespuckt habe. Mein Magen war total übersäuert und ich hatte fürchterliches Bauchweh. Dazu kam dann noch ein Krampf im Kehlkopf. Wir sind gleich zum Doc. Der hat mir Spritzen gegeben und mein Dosenöffner durfte mich nicht mehr aus den Augen lassen. Letzteres fand ich aber gar nicht so schlimm. Aufmerksamkeit kann ja auch ganz nett sein – und die ganzen Kuscheleinheiten erst... Jetzt geht es mir aber wieder besser. Dafür muss für mich noch mehr Zeug besorgt werden als
sonst: Ich brauche nämlich alle vier Stunden was zu futtern, damit mein Magen nicht wieder übersäuert. Frauchen sagt dann immer, sie schleppe schon fast den halben Hausstand mit, wenn wir unterwegs sind. Alles im Rucksack, extra für mich. Tja, leicht scheint es mit mir nicht zu sein. Aber wir haben trotzdem viel Spaß und lassen uns nicht unterkriegen. Bis bald, euer Clayd
l l l Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, was ich so alles in meinem Alltag erlebe. Foto: Jakob Rosenberger, 13 Jahre
Aus den Einrichtungen
Lust oder Frust?!
D
† Zum Gedenken Franz Opfergelt ist am 1. Juni 2018, nach Aussage sei-
ie schöne alte Kaffee-
ner Tochter, friedlich im Krankenhaus Nettetal verstor-
zeit! Als Kind bin ich
ben. Franz kam zu Emmaus, nachdem er Anfang der
damit groß geworden.
Neunziger Jahre ziemlich aus der Bahn geworfen worden
Und auch heute, als Erwachsene, habe ich
war. Er hat sich vor allem für die Hilfstransporte interes-
sie voll in meinen Alltag integriert. Früher,
siert, die Emmaus damals nach Südamerika verschickte,
zu Hause, war es immer eine besondere
und ist so langsam in die Emmaus-Gemeinschaft hinein-
Zeit der Ruhe und mit der Familie, wenn
gewachsen.
wir alle zusammen am Kaffeetisch saßen
Über die Jahre ist er eine der tragenden Säulen in der täglichen Arbeit der Kölner
– vor uns meistens Kuchen oder frisches
Gemeinschaft geworden: Experte in Hausratpreisen, Fahrer unserer LKWs, vor allem aber
Blatzbrot mit Marmelade. Der kurze
engagiert in allen Fragen rund um die Obdachlosenarbeit am Appellhofplatz. Er war der
Moment, in dem man vom Alltagsstress
Fahrer eines Gesundheitsbusses, den Emmaus von der Firma Rheinbraun als Sachspende
eine Auszeit nimmt. Natürlich gibt es dabei
erhalten hatte und darüber hinaus Gründungsmitglied des Vereins „Gesundheit für Woh-
nicht jedes Mal eine festlich gedeckte Kaf-
nungslose e.V.“. Im Rückblick schreibt Willi Does: „Wir haben so manches zusammen
feetafel. Doch auch einfach in einem Café
erlebt, erlitten und erstritten, wir haben oft miteinander gerungen, aber eines war uns
zu sitzen, draußen, und sich einen Kaffee
allen klar: Selten war jemand so loyal Emmaus gegenüber. Deshalb haben wir einen Men-
oder Latte Macchiato schmecken zu lassen,
schen verloren, der über mehr als 20 Jahre Emmaus in Köln maßgebend mitgeprägt hat.“
ist etwas Besonderes. Dazu noch eine gute Zigarette und der Moment ist perfekt. So, und das ist jetzt der Teil, an dem bei mir ab und zu mal Frust aufkommt. Ja, ich liebe es, mir gemütlich eine zu drehen und sie genüsslich bei einer Tasse Kaffee zu rauchen. Doch dann denke ich an das ganze Geld, das ich da in die Luft blase. Das Ergebnis: Frust. Ist schon eine Menge und was könnte man damit alles machen... Trotzdem kann ich dabei am besten abschalten und komme manchmal auch auf gute Ideen. Darum habe ich immer einen Unterwegs-Becher mit Kaffee dabei. Damit setze ich mich bei fast jedem Wetter draußen auf eine Bank und genieße den Moment. Vor allem, wenn ich unter Stress
Kino der Extraklasse: DRAUSSEN Am 13.7. ab 21 Uhr wird der Dokumentarfilm DRAUßEN als Open Air Kino mit freiem Eintritt im Rahmen der Kölner Kino Nächte auf dem Ebertplatz gezeigt. DRAUßEN portraitiert vier Obdachlose, die in Köln auf der Straße leben. Ausgehend von persönlichen Gegenständen, die aufgeladen sind mit Erinnerungen und Emotionen, öffnet der Film das Tor zu einer Welt, die sonst verschlossen bleibt. Der Film von Tama TobiasMacht & Johanna Sunder-Plassmann ist in Zusammenarbeit mit dem WDR und arte entstanden und wurde gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW. Unter anderem wurde auch in der OASE recherchiert – so freuen wir uns im Namen der Filmemacherinnen über zahlreiches Kommen!
stehe. Aber auch als kleine Pause bei einem schaft schmeckt es besonders gut, doch ist dann auch der Reiz höher, mehr von allem zu sich zu nehmen, als wenn man alleine wäre. So genieße ich das eine wie das andere. Und als Fast-Kaffeespezialistin bin ich immer für einen solchen zu haben, der mir gute Laune macht. Auch wenn es immer Geld kostet, finde ich, man sollte nicht auf alles verzichten. Und die Erinnerung an zu Hause ist was Schönes, egal auf welche Art. Ich wünsche euch eine genussreiche Zeit!
Neues Gesicht in der OASE
Foto: Privat
Spaziergang mit dem Hund. In Gesell-
Mein Name ist Judith Gerling, ich bin Sozialarbeiterin und seit Februar immer freitags in der Oase. Ich habe schon früher in der Wohnungslosenhilfe sowie in der Drogen- und Aidshilfe gearbeitet. Ich freue mich auf die neuen Aufgaben in der Kontakt- und Beratungsstelle!
Kölsche Linda
19
Ausstellung
Im GewĂślbe des Hauses informieren Stelen Ăźber die Ausgrenzung und Verfolgung von Wohnungslosen im NS-Regime.
20
Ausstellung
Wohnungslose im Nationalsozialismus Sonderausstellung im NS-Dokumentationszentrum Text und Fotos: Thomas Dahl
D
as NS-DOK zeigt in Zusammenarbeit
'gemeinschaftsfremd' juristisch etabliert.
mit der Bundesarbeitsgemeinschaft
Dies ermöglichte eine umfangreiche Ver-
Wohnungslosenhilfe e.V. im Gewöl-
folgung. Noch bis 1965 gab es in Deutsch-
be des Hauses bis zum 8. Juli dieses Jahres
land die Arbeitshäuser, in die Bettler oder
die Sonderausstellung „Wohnungslose im
Obdachlose eingewiesen werden konnten.
Nationalsozialismus“. Das Konzept wurde
'Landstreicherei' wurde als Delikt erst
von der Bundesarbeitsgemeinschaft bereits
1974 aufgehoben“, sagte Bürgermeisterin
2004 realisiert. Zahlreiche Stelen informie-
Elfi Scho-Antwerpes in der Eröffnungsrede
ren über die Ausgrenzung, Kriminalisierung
zur Ausstellung. Auch 2018 sei Gewalt
und politische Verfolgung von Menschen,
gegen Wohnungslose ein Teil der Realität
die vom Regime als „andersartig“, „faul“
in Deutschland, so die Politikerin.
oder „arbeitsscheu“ eingestuft wurden.
Ausstellungsmitinitiator Andreas Sell-
Neben der Einweisung in sogenannte
ner vom Verein Bundesarbeitsgemein-
Arbeitshäuser drohte den Menschen im
schaft Wohnungslosenhilfe erinnerte an
Fadenkreuz der Behörden Zwangssterilisie-
die nationalsozialistischen Versuche, den
rung, KZ-Haft und gewaltsamer Tod. Aus-
sogenannten „Wandertrieb“ als gentech-
geklammert wurden aus dem damaligen
nisch vererbbar zu propagieren, um Ängs-
Kontext die Entwicklungen durch die ver-
te und Vorbehalte in der Gesellschaft zu
heerende Weltwirtschaftskrise von 1929, die
schüren. „Wir wollen mit der Ausstellung
in die 1930er Jahre reichte und vielen Men-
daran erinnern, wie man mit schwachen
schen ihre Existenzgrundlage kostete. Die
Menschen umgegangen ist. In einem freien
Zahl der internierten Bettler, Obdachlosen
demokratischen Staat kann man auch bet-
und Nichtsesshaften im „Dritten Reich“
teln. Ob man etwas gibt, ist Ihre Entschei-
beziffert das NS-Dokumentationszentrum
dung“, wandte sich Sellner an die Zuhörer.
auf schätzungsweise 10.000 Menschen.
lll
info
Die Ausstellung wird noch bis zum 8. Juli gezeigt. Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag 11 bis 18 Uhr, erster Donnerstag im Monat (außer an Feiertagen) 10 bis 22 Uhr Adresse: EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln Über das aktuelle Ausstellungsprogramm der Stätte informiert die Web-Seite www.nsdok.de. Köln-Tag An jedem ersten Donnerstag im Monat (ausgenommen Feiertage), dem „Köln-Tag“, haben Kölner Bürgerinnen und Bürger freien Eintritt. Der Personalausweis gilt als Eintrittskarte.
Im Rahmen der Eröffnung setzte sich
„Obdachlose standen außerhalb der
der Leiter des NS-Dokumentationszent-
Gesellschaft. Die Gründe für ihre Obdach-
rums, Werner Jung, für ein Denkmal in
losigkeit wurden nicht reflektiert. Der
der Domstadt ein, das an die Opfer jener
NS-Staat hat Begriffe wie 'asozial' und
Verfolgungen erinnert.
Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes verwies in ihrer Rede auf die tägliche Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber obdachlosen Menschen.
21
Buchtipps
Tom Callaghan
Mörderischer Sommer Herausragend aus dem Gros der Krimis. Ungewöhnliches Setting, ein Held out of order, Story spielt zwischen Kirgisistan in Zentralasien und Dubai, der größten Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate. „Bei Reisen innerhalb von Kirgisistan wird zur Vorsicht geraten. Gewaltsame Zusammenstöße, beispielsweise im Rahmen von Demonstrationen im Zusammenhang mit innenpolitischen Entwicklungen in Kirgisistan, können im gesamten Land nicht ausgeschlossen werden. Es wird daher empfohlen, Menschenansammlungen zu meiden, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu Fuß unterwegs zu sein und sich regelmäßig über die Sicherheitslage informiert zu halten... In der generell bei Dunkelheit sehr schlecht beleuchteten Hauptstadt Bischkek ist es in der Vergangenheit – vor allem nach Einbruch der Dunkelheit – zu Raubüberfällen auch auf Ausländer gekommen.“ So lautet eine Warnung des Auswärtigen Amtes von 2018. Seinen ersten Krimi „Blutiger Winter“ hat der Kosmopolit Callaghan noch ganz in diesem kirgisischen Milieu von Korruption, Willkürherrschaft und Pöstchenschacherei angesiedelt. Callaghan selbst pendelt zwischen London, Prag, Dubai und Bischkek und der kirgisischen Hauptstadt. Diesmal hat er sich entschieden, einen Spagat zwischen Kirgisistan und Dubai zu wagen. Sein Protagonist, Akyl Borubaew, hat seinen Job bei der Mordkommission in Bischkek verloren. Er war zu frech, zu unbestechlich, zu vielen daher ein Dorn im Auge. Da Akyls geliebte Frau gestorben ist, er sonst nichts im Leben hat, was ihn interessiert, will er auf jeden Fall zurück zu seinem Polizistenjob. Und ist bereit, dafür auf das Ansinnen des für seine Gewaltexzesse und Foltermethoden bekannten Ministers für Staatssicherheit einzugehen: Er soll dessen einstige Geliebte ausfindig machen, die sich nach Dubai abgesetzt hat, im Gepäck einen USB-Stick mit äußerst brisanten, hoch wertvollen und für den Minister gefährlichen Infos. Also macht er sich auf nach Dubai. Und wird schon bald verwickelt in ein Spiel um Macht 22
und Millionen, getrieben aus Angst und Gier, begleitet von tödlichen Zusammenstößen, aus denen Akyl angeschlagen, aber lebend hervorgeht. Dass am Schluss nicht alles in einem „Heile, heile Gänschen, es ist bald wieder gut“ endet, versteht sich von selbst. Ein Szenario, über dem ständig Druck, Drohungen, Folteraussichten und Machteifer schwebt. Das aber vielleicht gerade deshalb einen Einblick in eine Welt erlaubt, die hier eher fremd ist.
Leben?“, „Wie nutze ich meine Lebenszeit?“ und „Wie erzählt man ein Leben?“. Seine Antwort kann man getrost existenzialistisch nennen. Sparschuh vereint leichtfüßig Humor, Lebensweisheit und Philosophie zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Jens Hüttenberger Jens Sparschuh: „Das Leben kostet viel Zeit“, Kiepenheuer & Witsch, 384 Seiten, 20 Euro.
Ingrid Müller-Münch
Castle Freeman Tom Callaghan: „Mörderischer Sommer“, Atlantik bei Hoffmann und Campe, 331 Seiten, 16 Euro.
Jens Sparschuh
Das Leben kostet viel Zeit Der gescheiterte Journalist Titus Brose hat einen ungewöhnlichen Beruf: Er hört den Bewohnern einer Seniorenresidenz zu und schreibt deren Memoiren gegen einen fünfstelligen Betrag. Der Floskel, jedes Leben sei einen Roman wert, kann Brose nicht zustimmen. Nur die Langweiler im Heim wollen ihr Leben als Biografie verewigt wissen. Die interessanten Bewohner verweigern sich seiner Arbeit. Nebenbei muss er noch die Stilblüten und literarischen Freiheiten seines Kollegen Schulze ausbügeln. Kurzum: Sein Leben schreit nach Veränderung. Doch dann trifft er in der Residenz Dr. Eichhorn, einen schroffen und schrulligen Mann. Dieser begeistert ihn für die Biografien von Adelbert von Chamisso und seinem Herausgeber Eduard Hitzig. Brose entdeckt plötzlich eine neue Aufgabe. „Das Leben kostet viel Zeit“ ist ein kluges, sympathisches und ebenso humorvolles Buch. Mal mit feinem Witz, mal mit Kalauern, beschreibt Sparschuh liebevoll den Kosmos des Altenheims, seine Bewohner, die Angestellten sowie die Atmosphäre und macht sich dabei Gedanken über Sprache und Narration. Indem er die Biografien vieler Menschen anreißt, stellt er Fragen wie „Welchen Sinn gebe ich meinem eigenen
Der Klügere lädt nach Sheriff Wings geht es langsam an. Seine Methode ist Geduld. Denn in 9 von 10 Fällen löst sich das Problem, wie er sagt, von selbst. Deswegen ermittelt er auch nicht, als einem jungen Dieb aus der Nachbarschaft die Hand abgeschlagen und einem anderen Rowdy sein Auge entfernt wird. Man weiß nie, für was es gut ist. Leider sieht dies der neue Gemeinderatsvorsitzende etwas anders und drängt ihn, die Fälle aufzuklären. So muss Sheriff Wings aktiv werden. Dies wird er, allerdings anders als der Leser vermutet. Castle Freeman, bekannt geworden durch den Roman „Männer mit Erfahrung“, hat sicherlich einen der interessantesten Gesetzeshüter der letzten Jahre entworfen: Sheriff Lucian Wings. Ein Durchschnittsbürger, der nichts mehr liebt als seine Ruhe, dabei aber sehr gut beobachtet und seine Gegend und seine Nachbarn bestens kennt. So weiß er eigentlich ganz genau, was hier vorgeht, nur ist es ihm herzlich egal. In dem Krimi verschieben sich so die Grenzen zwischen Gut und Böse. Am Ende tischt uns Freeman ein überraschendes, aber moralisch höchst zweifelhaftes Finale auf. Dabei zeigt er in knapper Sprache, knackigen Dialogen und mit viel trockenem Humor die amerikanische Provinz von seiner schrägen Seite. „Der Klügere lädt nach“ ist ein sehr amoralischer Lesespaß. Perfekt für den Urlaub. Jens Hüttenberger Castle Freeman: „Der Klügere lädt nach“, Nagel & Kimche, Berlin 2018, 19 Euro.
spuren der armut
Spuren der Armut
Sülzburgstraße 112-118 Zwangsarbeit in Köln eine Begegnungsstätte für Jugendliche eingerichtet wurde, das JUZI. Als diese aber in einem Schacht im Keller Gegenstände der ehemaligen Arbeiterinnen fanden – Zahnbürste, Brillengläser, Brillenetui, zwei Knöpfe und Schuhsohlen – und erfuhren, welche Geschichte sich dahinter verbirgt, ließen sie eine Gedenktafel am Haus errichten, die erst vor kurzem erneuert wurde. Der Text: „Zum Gedenken an die 44 Frauen, die während des 2. Weltkriegs auf diesem Gelände als sogenannte Fremdarbeiterinnen Zwangsarbeit verrichten mussten. Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ Erschreckende und berührende Interviews mit überlebenden Zeitzeugen wurden im Rahmen einer Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums anlässlich des vergangenen Jugend- und Schülergedenktags einer interessierten Öffentlichkeit zugängig gemacht.
Foto: Sabrina Burbach
M
an schätzt, dass während des
Stadtgebiet – nicht selten dort, wo auch
2. Weltkrieges mehr als 100.000
die Firmen saßen, die die Arbeitskräfte für
ausländische Arbeitskräfte in
ihre Zwecke zu nutzen wussten. Einer die-
Köln unter dem nationalsozialistischen
ser Orte war die ehemalige Werkzeugma-
Regime zur Arbeit gezwungen wurden,
schinenfabrik „Quester und Ferres“ in der
eben „Zwangsarbeiter“. Darunter Kriegs-
Sülzburgstraße 112-118, die unter men-
gefangene, ausländische Zivilarbeiter und
schenunwürdigen Bedingungen Zwangs-
Inhaftierte aus den Lagern. Eine vom Köl-
arbeiter zum Trümmerräumen einsetzte.
ner NS-Dokumentationszentrum erstellte
Die Fabrik gibt es nicht mehr, die
Karte gibt Aufschluss über rund 500
Geschichte mit den Zwangsarbeitern war
bekannte Arbeits- und Wohnstätten im
vergessen, als in den 1990er Jahren hier
Christina Bacher (1973), leidenschaftliche Stadtentdeckerin, ist zudem seit über 12 Jahren Chefredakteurin des DRAUSSENSEITER, Deutschlands ältester Straßenzeitung, und Herausgeberin des Buches „Köln trotz(t) Armut“. Für „Spuren der Armut“ schrieben bisher Fritz Bilz, Anke von Heyl, Klaus Schmidt und Martin Stankowski, von dem die Idee für diese Reihe mit dem besonderen Blick auf Köln stammt. 23
DRAUSSENSEITER - Abonnement
Abo / Impressum
Ich möchte den DRAUSSENSEITER unterstützen und bestelle:
Lieferanschrift Vorname Name Straße PLZ/Ort
Unterschrift
ein Straßen-Abo zu 36,– Euro pro Jahr
Einzugsermächtigung Name
ein Sponsoren-Abo zu 85,– Euro pro Jahr Straße
ein Förder-Abo zu 150,– Euro pro Jahr PLZ/Ort
Als Dankeschön für das Förder-Abo gibt es zudem das Buch „Köln trotz(t) Armut“.
IBAN SWIFT Kreditinstitut
Unterschrift
Widerrufsbelehrung
www.draussenseiter-koeln.de, abo@draussenseiter-koeln.de
IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, www.dehaar-grafikdesign.de Titelfoto Susanne Koplin Fotos Christina Bacher, Sebastian Bolesch, Sabrina Burbach, Thomas Dahl, Hacky Hagemeyer, Sabina von Kessel, Susanne Koplin, Andreas Labes, Thomas Mueller, Dmytro Pyatkovka/Fotolia, Hanna Witte, Miriam Wolf
24
Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.
Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221 / 98 93 53-0, Fax: 0221 / 98 93 53 16 Depots (nur für Verkäufer) Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, Im Ferkulum 42, 50678 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln
Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des
vorschau
Eintritt frei z Comedy
WirtzHaus im Ateliertheater Zum 21. Mal wird 2018 drei Monate lang Comedy und kabarettistische Vielfalt im WirtzHaus präsentiert! Vom 04. Juni bis 23. August gastieren, im Rahmen der Kult-Reihe GRATIS & NICHT UMSONST, Newcomer und etablierte KünstlerInnen im WirtzHaus. Das ehemalige Café des ATELIER THEATERs ist seit fast 20 Jahren der Schauplatz des engagierten Sommer-Specials „GRATIS und nicht umsonst“. Hier können schon erfolgreiche Künstler und Künstlerinnen ihren neuen Stoff testen und Newcomer, die noch kein komplettes Soloprogramm haben, ihre ersten Bühnenversuche
Szene der Besetzung des ehemaligen Autonomen Zentrums in der Weißhausstraße. Foto: Hacky Hagemeyer
Häuser besetzen = Wohnraum schaffen?
M
anchmal nehmen sich Menschen eben einfach das, was sie dringend zum Leben brauchen. So auch Wohnraum. Zumindest dann, wenn man auf dem klassischen Mietmarkt in Städten wie Köln keinerlei reale Chancen mehr sieht. Hausbesetzer bedienen sich also freier Wohnungen und Häuser, die trotz großer Wohnungsnot ganz offensichtlich leer stehen. Und in den meisten Fällen geschieht dies ohne Einverständnis der Hauseigentümer. Wir wagen einen Blick zurück, u.a. zur Besetzung der alten Stollwerck-Fabrik im Jahr 1980, die nur 49 Tage dauerte und dennoch Furore machte. Und wir schauen zum aktuellen Autonomen Zentrum in der Luxemburger Straße, dessen Nutzungsvertrag im Dezember 2018 ausläuft, während die Gespräche mit der Stadt über einen alternativen Standort zur Zeit unerfreulich schleppend verlaufen.
probieren. Nah am Publikum und vier Tage die Woche. Künstler und Künstlerinnen präsentieren jeweils ein 2 x 20-minütiges Programm. Ab Juli treten auf: Christin Jugsch, Ása Ástardóttir, Der Storb, Bora, Serkan Ates-Stein, Vicki Blau, Tobi Freudenthal und Norman Soltan. Es gibt keine Platzreservierungen, frühzeitig kommen und dabei sein! Der Eintritt ist frei! Der Hut geht rum und wem es gefallen hat gibt was er oder sie mag. Wann: Montag bis Donnerstag 21 bis 22 Uhr Wo: WirtzHaus im ATELIER THEATER, Roonstraße 78, 50674 Köln Weitere Infos siehe www.ateliertheater.de
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. September 2018. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25
service
Foto: Hanna Witte
n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, rochus@skm-koeln.de http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäsche waschen Mo bis Do von 11:00-14:30 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do von 12:30 13:30 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Die Wochenenden sind geschlossen. Kleiderkammer: Ausgabe von Kleidung nur notfallmäßig für Besucher der Kontaktstell. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr
n Sozialdienst Katholischer Männer e.V.
n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de
Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation, Gepäckaufbewahrung Öffnungszeiten: Mo bis Fr 8-16 Uhr (Kernöffnungszeiten), Wochenende und Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 13.30-15.30 Uhr
26
n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr
n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim
n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de
Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang Kontaktstellenbereich/Tagestreff: Mo. bis Fr.: 12.00 bis 15.30 Uhr (Essensangebot: 12.00 bis 14.00 Uhr) So. und Feiertage: 12.00 bis 13.00 Uhr Samstags geschlossen Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11.30 Uhr, Mo bis Fr 14-15.30 Uhr
n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de
Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Öffnungszeiten: Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Meditation, thematische Gesprächskreise, religi- Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück öse Filme 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung
Foto: Christina Bacher
Für Alle
Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de
service
Nur für Frauen
n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de
n agisra e.V.
Foto: Marie Breer
Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.
Vringstreff
n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
n Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung
n Comeback
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30-11.30 Uhr und Donnerstag 13.30-14.15 Uhr
Kleiderkammer/Duschen: Montags ab 10.30 Uhr Donnerstags ab 13.00 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Weitere Angebote: Gepäckaufbewahrung
Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung
n Mäc-Up
Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
n Elisabeth-Fry-Haus
Nur für Männer
Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.
Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr
Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85
Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.
Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de
Offener Treff:
Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de
Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57
n OASE-Benedikt Labre e.V.
Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch nach Terminvereinbarung
für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen
Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210
Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de
Kontakt- und Beratungsstelle:
n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V.
n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 93 12 21-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren
n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Herwarthstr. 10, 50672 Köln, Tel.: 56 20 35, mailn „Reso“ – Resozialisierungsabteilung box@notruf-koeln.de, www.notruf-koeln.de Johanneshaus Köln, Annostr. 11, Beratung telefonisch, persönlich und per 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach Tel.: 93 12 21-54, th.klahr@johannesbund.de sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und
-begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle n Haus Rosalie Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen
Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER:
siehe Aushang
27
OASE Sommerfest 7.9.2018 12-17 Uhr
Foto: Christina Bacher mit freundlicher Genehmigung von IKEA-Butzweilerhof.