26. Jahrgang Nr. 189 Juni 2018
R E T I E S N E S s U A R D N
Foto: Deborah Keser
I Z A G A M N E S S STRA R E N L Ö K S A D
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Flucht FUSSBALL
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Kunst
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Wir beraten Privatkunden, Freiberufler und Gewerbetreibende. Wir beraten und prüfen Unternehmen, Verbände und gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen.
Vorwort
Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser,
Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3
Sanary-sur-Mer ist heute ein touristisch erschlossener Badeort. Viele verbringen dort gerade eine schöne, ausgelassene
Schwerpunkt: Pfade
Urlaubszeit. Kaum etwas deutet noch darauf hin, dass sich in dem kleinen verschlafenen Dorf am Mittelmeer in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts viele Flüchtende niederließen, die sich in Hitlerdeutschland nicht mehr sicher fühlten, darunter Erika und Klaus Mann oder
S.4
auch Lion Feuchtwanger. Daran, dass Deutsche noch vor
geschichte einer Flucht in die Freiheit ���������������������4-6 Wir wohnten im Paradies – notgedrungen �������������������� 7-10
nicht allzu langer Zeit selbst auf der Flucht und auf die Hilfe anderer angewiesen waren, erinnert Ingrid Müller-Münch auf den Seiten 7-10. Auch der Kölner Autor Rüdiger Bertram, der für sein Buch „Der Pfad“ im Selbstversuch den holprigen Weg über die Grenze von Frankreich nach Spanien gewandert ist, hat sich
Fußballkunst �������������������12 - 15 Fußball als Lebensmodell ���������16 American Football ������������������ 17
S.12
die Ängste und Hoffnungen der Menschen damals beim Schreiben vor Augen geführt. Sein bewegendes Buch ist aus der Perspektive eines kleinen Jungen geschrieben – trotz des Verlustes seiner Eltern hat er sein Ziel – die USA – immer im Blick. Apropros Ziel: Im Juni gibt es eine Weltmeisterschaft zu
S.18
graphic novel „no borders“ ������������������ 18 - 19 Aus der OASe �������������������������20
gewinnen – so ganz ohne Fußball kommt diese Ausgabe deshalb nicht aus. Drücken wir also allen die Daumen, die es verdient haben. Ganz herzlich,
Ausflug ins Schnütgen ��������������������������������������������� 21 Buchtipps ������������������������������������������������������������ 22 Spuren der Armut �������������������������������������������������� 23 Abo, impressum ����������������������������������������������������24 eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27
Christina Bacher
Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9�00 – 13�00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9�00 – 16�00 Uhr Mittwoch: nach Terminvereinbarung 3
PFADe
Flucht Für Rüdiger Bertram hat der Fluchtweg von Deutschland über Frankreich nach Spanien eine ganz besondere Bedeutung� Der Autor erzählt eine bewegende geschichte in dem Buch „Der Pfad“�
genau hier verläuft die grenze zwischen Spanien und Frankreich� Hatten die Flüchtlinge es bis dort geschafft, waren sie so gut wie gerettet�
4
PFADe
DRAUSSENSEITER: Im Mittelpunkt Ihres
über die Pyrenäen“ in die Hände. Darin
Romans lautet dann ja auch: „Schuld
Kinderromans „Der Pfad“ steht Rolf, ein
beschreibt sie, wie sie deutsche Emigran-
sind immer die Mörder“.
zwölfjähriger Junge aus Berlin, der mit sei-
ten über die Pyrenäen nach Spanien
DRAUSSENSEITER: In dem Roman geht es
nen Eltern Ende der 30er-Jahre fliehen
geschleust hat. Darunter war u.a. auch
ja um einen Abschnitt unserer Geschichte,
muss, weil sein Vater, ein Journalist, ein
Walter Benjamin. An einer Stelle erzählt
die vielen Jüngeren gar nicht so bekannt
bekannter
sie, dass manchmal
ist: Die Flucht deutscher Intellektueller
Nazi-Gegner ist. Die
auch Kinder dabei
über Frankreich und Spanien nach Ameri-
Mutter reist weiter
waren. Da fiel mir
ka. Viele haben diesen langen, gefährli-
nach New York,
auf, dass es kaum
chen Weg nicht überlebt. Wäre da nicht
Vater und Sohn flie-
Bücher über die
eine gemeinsame Lektüre – von Erwachse-
hen nach Marseille.
Kinder der deut-
nen und Kindern – angebracht? Oder
Sie schildern zu
schen Flüchtlinge
haben die Graphic Novel-Passagen zu
Beginn den Alltag
gibt. Das wollte ich
Beginn des Buches genau diese erklärende
der Menschen, die
ändern.
Funktion? Rüdiger Bertram: Ich fände es super,
dort am Hafen auf eine Weiterreise
DRAUSSENSEITER:
wenn Eltern das Buch gemeinsam mit
hoffen: Die Geflüch-
Nur Rolf gelingt die
ihren Kindern lesen würden, und für
teten schwimmen
Flucht über die
mich stellte sich natürlich die Frage:
im Meer, tauschen sich in Cafés aus, ver-
Das Hotel Splendid, in dem viele der deutschen Flüchtlinge lebten. Heute kein Hotel mehr, sondern ein Wohnhaus�
Fotos: Rüdiger Bertram
lieben sich, lachen
Grenze, zu Fuß
Was kann ich an historischem Wissen
durchs Gebirge,
bei jungen Lesern voraussetzen? Zuerst
geführt von dem Hir-
hatte ich geplant, einen Vorspann zu
miteinander. Doch über allem schwebt die
tenjungen Manuel. Sein Vater wird unter-
schreiben, der in die Zeit einführt. Aber
Angst, nie wieder nach Hause zu kommen.
wegs verhaftet, woran Rolf mitschuldig ist.
das ist natürlich stinklangweilig. Dann
Kann man überhaupt von Alltag unter die-
Eine krasse Vorstellung, dass ein Kind
kam die Idee, die Geschichte von 1933
sen besonderen Umständen sprechen?
einer solchen Situation ausgesetzt ist.
bis 1941 in einem Comic zu erzählen.
Rüdiger Bertram: Ich glaube, der
Umso tragischer, weil – so viel kann man,
Das funktioniert sehr gut und am Ende
Mensch ist ein Meister der Anpassung.
denke ich, verraten
der illustrierten
Rolf und sein Vater sind seit 1933 auf der
– der Vater nie in
Doppelseite weiß
Flucht. Der Roman spielt 1941, das heißt
Amerika ankom-
der Leser, warum
sie sind schon acht Jahre unterwegs und
men wird. Ist das
Rolf und sein
da helfen solche Rituale der Normalität,
historisch verbürgt?
Vater im Hafen
wie gemeinsames Schwimmen im Meer.
Gibt es Kinder, die
von Marseille
Ich glaube auch nicht, dass man acht
diesen Weg über
gestrandet sind.
Jahre lang jeden Tag verzweifelt in sei-
den Bergkamm
nem Hotelzimmer hocken kann. Das
gegangen sind und
DRAUSSENSEITER:
Leben geht weiter, auch unter den
weiß man von Men-
Es gibt eine Menge
abstrusesten Umständen.
schen, die es nicht
Augenzeugenbe-
überlebt haben?
richte und Bücher über diese Flucht-
DRAUSSENSEITER: Als es dann schließlich
Rüdiger Bertram:
für Rolf und seinen Vater weiter geht,
Dass Kinder mit
beginnt eine abenteuerliche, lebensgefähr-
ihren Eltern über
liche Flucht. Zu Beginn muss die Entschei-
die Pyrenäen geflo-
dung getroffen werden, den geliebten
hen sind, kann man tatsächlich nur bei
ßungsvolles neues Leben. Sie zitieren
Hund zurück zu lassen. Was Rolf erlebt, ist
Lisa Fittko nachlesen. Was aus ihnen
immer wieder Erich Kästner, der für Rolf
ganz schön harter Tobak für Kinder und
geworden ist, dazu habe ich leider keine
eine wichtige Rolle spielt. Wie haben Sie
Jugendliche. Welche Zielgruppe wünschen
Quellen gefunden. Aber die Schuld-Frage
sich in das Thema eingelesen?
Sie sich für das Buch? Und warum haben
war für mich ganz wichtig und auch in
Rüdiger Bertram: Da viele der Flüchtlin-
Sie für den Roman die Perspektive eines
den Lesungen vor Schülern ist es das
ge Autorinnen oder Autoren waren, fin-
12-jährigen Jungen gewählt?
zentrale Thema. Hat Rolf unabsichtlich
det man in ihren Lebenserzählungen
Rüdiger Bertram: Durch Zufall fiel mir
Schuld an der Verhaftung seines Vaters?
auch immer wieder Beschreibungen
Lisa Fittkos Autobiografie „Mein Weg
Ich denke nicht, und der letzte Satz des
ihrer Flucht über die Pyrenäen. Neben
Der Bahnhofsvorplatz von Marseille, Ankunftsund Abreiseort auch vieler Deutschen damals�
wege von Nazideutschland hin in ein sicheres, verhei-
5
PFADe
Lisa Fittkos Buch war auch die Autobio-
Nazis sicher. Ich
zeigen: Es ist nicht
grafie von Varian Fry wichtig, einem
habe mir von dort
mal 80 Jahre her, da
US-Amerikaner, der in Marseille vielen
in einem Reagenz-
waren auch Deut-
deutschen Flüchtlingen geholfen hat,
glas etwas Erde mit-
sche auf der Flucht.
u.a. Heinrich Mann, den Werfels und
genommen, das
auch Walter Mehring.
steht jetzt auf mei-
DRAUSSENSEITER:
nem Schreibtisch.
Finden Sie, dass wir
DRAUSSENSEITER: Und schließlich sind Sie
aus unserer eigenen
selbst gereist. Haben Sie eine Art Tagebuch
DRAUSSENSEITER:
Geschichte – immer-
geführt oder sogar schon auf der Reise
Das Thema Flucht
hin war es ein deut-
geschrieben? Welche Emotionen stellen
ist zur Zeit immer
sches Regime, das in
sich ein, wenn man in dieser beeindrucken-
und überall in den
den Landschaft an einem solch belasten-
Medien. Häufig geht
den Thema arbeitet? Zudem noch als deut-
es um die Geflüchte-
scher Schriftsteller?
ten aus Kriegsgebieten, die hier bei uns
Die Route, die von den Flüchtlingen genutzt wurde�
den 40er Jahren all diese Menschen zur Emigration gezwun-
gen hat – eine besondere Verantwortung
Rüdiger Bertram:
Hilfe suchen. Es ist
haben? Haben wir die Pflicht, Menschen
Ich bin zuerst nach
sicher kein Zufall,
Asyl zu gewähren?
Marseille und habe
dass Sie sich gerade
Rüdiger Bertram: Auf jeden Fall und das
dort die Orte
in diesen Zeiten
ist ja auch der Grund, warum das Asyl-
besucht, an denen
selbst ein Fluchtthe-
recht Teil unseres Grundgesetzes ist. Aus
man damals die
ma als Stoff für ein
den Erfahrungen heraus, die Deutsche
deutschen Flücht-
Buch ausgesucht
selber vor gar nicht langer Zeit machen
linge getroffen hät-
haben.
mussten. Das wird heute leider oft ver-
te: Cafés, Hotels,
Rüdiger Bertram:
gessen.
der Bahnhof. Dann
Natürlich ist „Der
bin ich mit dem
Pfad“ ein aktuelles
DRAUSSENSEITER: Woran arbeiten Sie als
Zug weiter an die
Buch, auch wenn es
nächstes?
Pyrenäen gefahren
in der Vergangen-
Rüdiger Bertram: An etwas völlig ande-
heit spielt. Aber das
rem. Ich schreibe gerade an einer neuen
sage ich bei Lesun-
Reihe mit Fantasy-Elementen, da werde
und den Pfad selber
ein Wegweiser mit dem namen Walter Benjamins, der den PFAD auch gegangen ist�
gegangen. Das war sehr bewegend, vor allem als ich an der
gen nicht. Brauche ich auch nicht, das
ich wohl keine Recherche-Reise zu Trol-
Stelle stand, an der die Flüchtlinge
finden die jungen Leser ganz schnell sel-
len, Drachen und Zauberern machen
damals wussten: Ab hier bin ich vor den
ber heraus. Für mich war es wichtig zu
können. Schade eigentlich.
lll
INFO
Rüdiger Bertram: Der Pfad� Die geschichte einer Flucht in die Freiheit� Mit Comics von Heribert Schulmeyer. Verlag cbj München, ab 12 Jahren, 235 Seiten, 12,99 euro� 6
PFADe Sanary-sur-Mer, Hafen und Altstadt
Foto: Richard Gertis/Creative Commons/Wikipedia
Wir wohnten im Paradies – notgedrungen Von Ingrid Müller-Münch
7
PFADe
D
ie Tage verliefen entspannt, aber
rend an manchen Abenden Bertolt Brecht
diesem Nest. Dennoch – genau hierhin
gleichtönig. Jedenfalls in der Erin-
seine neuesten Lieder gegen die Macht-
hatte es damals die Crème de la Crème der
nerung derjenigen, die dabei
haber des Dritten Reiches vortrug, „und
deutschsprachigen Literatur verschlagen
waren. Mittags, „da schlugen wir unsere
wenn er in seiner ewigen Lederjacke, dem
– nachdem im Hitlerdeutschland ihre
Bücher zu und schlenderten, die Körbe
in die Stirn gekämmten Haar da saß und
Bücher verbrannt, ihr Leben bedroht wor-
überm Arm, hinunter nach Sanary. Wenn
mit seiner bayrischen Stimme frech die
den war.
wir die wenigen Besorgungen erledigt
Lieder krähte, die uns allen aus dem Her-
„Das Exil begann für einen Teil der
hatten, suchten wir uns einen geschützten
zen kamen, fühlte man sich der deutschen
Schriftsteller bereits in der Nacht der
Tisch auf der Terrasse des Chez Schwob,
Dichtung aufs Engste verbunden, auch
Machtergreifung, am 30. Januar 1933“,
einer der bar tabacs“, erinnerte sich die
wenn Deutschland gerade diese Dichter
erklärt der in Köln lebende Verleger und
Schriftstellerin Sybille Bedford, die als
herausgeworfen hatte.“
Sammler Deutscher Exilkultur, Thomas B.
junges Mädchen mit ihrer Mutter in dem
Sanary-sur-Mer, heute ein touristisch
Schumann. “ Sie hatten fliehen müssen,
kleinen Ort an der Côte d’Azur Zuflucht
erschlossener Badeort, war in den dreißi-
viele gerade mal mit einem Koffer in der
suchte.
ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts
Hand.“ Doch warum waren sie ausgerech-
Nachmittags versammelte man sich
ein kleines verschlafenes Dorf am Mittel-
net hier, in diesem verträumten Örtchen,
häufig bei „interessanten Teestunden“ in
meer. Die Bewohner hier lebten vom
gelandet, über das Ludwig Marcuse ein-
dem herrlichen Garten am Meer, erzählt
Fischfang, die Frauen flickten die Netze
mal sagte: „Wir wohnten im Paradies –
später Marta Feuchtwanger, exzentrische
abends am Kai. Eine Handvoll Hotels, eini-
notgedrungen.“? Erika und Klaus Mann
Ehefrau des damals schon weltberühmten
ge nur schwer beheizbare Villen – mehr
liebten diese Gegend, hielten sich hier
Schriftstellers Lion Feuchtwanger. Wäh-
gab es nicht für die wenigen Badegäste in
schon vor ihrer Flucht häufig auf. „René
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Schickele und Lion Feuchtwanger waren, aus welchen Gründen auch immer, 1932 in Sanary gewesen“, so Schumann und vermutet, dass sie die mit ihnen befreundeten Schriftsteller nach sich zogen. Im Frühjahr 1933 jedenfalls füllt sich Sanary, so der Historiker und Journalist Wilhelm von Sternburg. Thomas Mann kam schon im April in den Nachbarort Bandol, „mietet sich dann für den Sommer in Sanary, in der Villa La Tranquille, ein; Arnold Zweig und Brecht erscheinen, werden künftig fast jedes Jahr Gäste bei Feuchtwangers sein. Dennoch, es ist keine Idylle, von der hier erzählt wird. Die politischen Sorgen lassen keinen von ihnen los, der tägliche Überlebenskampf fällt den meisten bitter schwer.“ In den Hafencafés, in denen sich die deutschen Exilanten trafen, wurde heftig diskutiert und knallhart gestritten, war die Luft – laut Ludwig Marcuse – geschwängert von originellen Apercus, Indiskretionen und Streitigkeiten. Obwohl sie alle Vertriebene waren, Exilanten, Heimatlose, empfand man sich anfangs offenbar mehr als Kurgast denn als Flüchtling. Katia Mann meinte, es sei eigentlich ein netter deutscher Kreis gewesen, dort in Sanary. Man grüßte sich untereinander, kaufte Sardinen, Langusten oder Seebarben an den Fischständen im Hafen, spielte nachmittags eine Partie Boule. Nur Klaus Mann meckerte in seinen Erinnerungen: „Zum Tee bei Feuchtwangers. Er
Gedenktafel für die deutschen und österreichischen Flüchtlinge am Fremdenverkehrsbüro von Sanary-surMer, ursprünglich enthüllt am 18. September 1987. Foto: Anima/Creative Commons/Wikipedia
spricht ununterbrochen von seinen Auflagen, dem, was er isst, verdient usw. Völlig desinteressiert an allem anderen. Nach dem Abendessen zu dritt bei Kischs in Les
trübsten Stunden zum Leben verführt
nen Staatenlosen im Alter von 17 bis 55
Sablettes. Er direkt aus Australien kom-
wurde.“ In den Stunden, in denen sie dann
Jahren, Männer und Frauen, hätten sich
mend. Alles ein bisschen zäh.“
anschließend alle unten am Kai in einem
an dem und dem Tag da und dort einzu-
der Bistros saßen, da geschah es schon mal,
finden, um interniert zu werden.“
Dem Essayisten Ludwig Marcuse blieben vor allem die kurzen und leichten
dass er „Deutschland selig vergaß.“
An diesem Tag im Jahre 1939 endete für
Winter in Erinnerung, „mit Rosen, weißem
Irgendwann, so gegen Ende der 1930er
Feuchtwanger und viele seiner Mitexilan-
Thymian, frühen Mimosen und Nelken.
Jahre, wendete sich das Blatt. Für Lion
ten der Traum vom friedlichen Exil. Von
Es war gar kein Winter, wenn man aus dem
Feuchtwanger begann der Umbruch an
da an war es aus mit der Freundlichkeit
Norden kam. Im Januar wurde es schon
einem Abend nach Sonnenuntergang, als
der hiesigen Behörden, standen die Exil-
wieder Frühling.“ Gemeinsam mit seinen
er alleine auf einer Ottomane lag und
schriftsteller unter dem Generalverdacht,
Exilkollegen wanderte er häufig „ins Land
Radio hörte. „Da, auf einmal, hieß es, alle
für die Nazis zu spionieren. Für Alma
hinein; die Narzissen-Felder betäubten
im Bezirk von Paris ansässigen deutschen
Mahler-Werfel eine schwere Zeit: „Täglich
uns so schmeichelnd, dass ich noch in den
Staatsbürger oder in Deutschland gebore-
kommt die Polizei oder Gendarmen oder
9
PFADe
Anfragen, ob unsere Papiere in Ordnung
seien. Ab dem 22. Juni 1940 hieß es in Arti-
kaner inzwischen den Namen Sanary
seien? Hausdurchsuchungen – bis in alle
kel 19, Absatz 2 des Waffenstillstandsab-
kannten: „Der kleine Ort wurde so
Winkel – täglich! Die Gendarmen sind
kommens zwischen Deutschland und
berühmt, dass das große amerikanische
ungefährlich, sie bekamen viel Geld von
Frankreich, dass von nun an Frankreich
FBI mich vor der Einbürgerung immer
uns und, wenn es kalt war, heißen Grog,
alle Personen deutscher Abstammung
wieder fragte: please tell us something
und waren leicht befriedigt. Auch die Mai-
auszuliefern habe. Von da an ging es für
about the German colony Sanary.“
rie bekam größere Summen. Franz Werfel
die Exilanten in Sanary-sur-Mer ums schie-
wurde einmal am Marktplatz angehalten
re Überleben.
– seine Taschen visitiert und folgendes
Alma Mahler-Werfel floh gemeinsam
sprechend begonnen – und dann so elen-
Gespräch fand statt: ‚Sie sind Kommunist!‘
mit ihrem Mann im Juni 1940. Ihre erste
dig geendet. Heute erinnern sich nur noch
‚Nein!‘ ‚Sie schreiben doch für die Armen?‘
Nacht verbrachten sie in Narbonne: „Es
wenige an die Unbekannteren der Exil-
‚Ich schreibe für jeden, arm und reich.‘
war unterdessen 11 Uhr abends geworden.
schriftsteller. Und wer, wie Thomas B.
Franz Werfel kam bleich wie der Tod und
Von Hotel zu Hotel abgewiesen, fanden
Schumann, ihre Bücher sammelt und
krank vor Wut nach Hause. Jedenfalls – die
wir auf der Straße ein paar alte Frauen,
hierfür eine Museumsstätte sucht, hat es
Dorfbewohner hatten ihren Spaß gehabt.
die Mitleid mit uns hatten und uns an ein
schwer.
Man hatte Werfel seinen Rock böswillig
Spital wiesen: wir bekamen schließlich
Auch Sanary-sur-Mer fällt das Erinnern
vom Leib gerissen. Viele schmutzige Hän-
Betten in einem ehemaligen Kinderspital,
nicht immer leicht. Zwar steht vor dem
de hatten an ihm herumgetastet.“
jetzt Flüchtlingsheim. Muffige Dreckstie-
Touristenbüro eine Stele mit 36 eingra-
gen führten in ein schmales Vorzimmer,
vierten Namen fast aller damaligen
in dem eine leidliche Pritsche stand.“
Emigranten. Zwar werden Führungen
Ja, so war es, bestätigt der in Köln lebende Exilforscher Schumann. „Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in
„Nun bin ich also nach Wochen der Haft
durch die Stadt zu den Villen der einstigen
Frankreich und nach der Etablierung des
wieder mit meiner Frau in Sanary“, notier-
deutschen Exilanten angeboten. Doch wer
Vichy-Regimes, das ja mit der deutschen
te Alfred Kantorowicz. „Es ist Weihnach-
mehr erfahren will, muss gezielt nachfor-
Regierung kollaborierte, wurden dann
ten 1940, von den Rationen, auf die wir
schen. Das 2004 auf Deutsch und Franzö-
auch deutsche Emigranten als Spione ver-
gesetzt sind, können wir nicht satt werden.
sisch erschienene Büchlein über die deut-
dächtigt. Es gab schon relativ bald Lager
Die Kälte, der Lebensmittelmangel, mit-
schen Exil-Schriftsteller, zum Beispiel,
wie Les Milles und Gurs, in denen wurden
unter auch die Furcht machen jedermann
liegt im Office de tourisme nicht etwa für
deutsche Künstler und Exilschriftsteller
ungesellig.“
jedermann gut sichtbar aus. Erst auf Nach-
inhaftiert. Sie lebten dort in erbärmlichen
Lion Feuchtwanger betrachtete mit
frage kramt die freundliche Mitarbeiterin
Verhältnissen. Es wurde zwar niemand
Sorge das Schicksal seiner weniger
in diversen Fächern, gebückt hinter dem
ermordet, aber sie lebten quasi im Dreck
berühmten Landsleute: „Es lebten also die
Tresen durchwühlt sie Kartons, um dann
und Schlamm. Es herrschten Typhus, Cho-
deutschen Emigranten zumeist in Dürf-
endlich doch, triumphierend, das Gesuch-
lera und, und, und.“
tigkeit. Es gab Ärzte und Rechtsanwälte,
te hochzuhalten. „Voilà! Hier ist es ja“,
Zweimal wurde Lion Feuchtwanger in
die jetzt mit Krawatten hausierten, Büro-
ruft sie, und wirkt fast ein wenig erstaunt
ein solches Lager gesperrt. Zweimal kam
arbeit verrichteten oder sonst wie illegal,
darüber, dass es tatsächlich über eine ihr
er frei. „Wir hatten es uns alle anders vor-
von der Polizei gehetzt, ihr Wissen an den
so unbekannte Zeit ein ganzes Buch gibt.
gestellt, als wir nach Frankreich gekom-
Mann zu bringen suchten. Es gab Frauen
men waren“, schrieb er in seinen Erinne-
mit Hochschulbildung, die als Verkäufe-
rungen. „Liberté, Égalité, Fraternité stand
rinnen, Dienstmädchen, Masseusen ihr
riesig über dem Portal des Bürgermeister-
Brot verdienten.“
amtes, man hatte uns gefeiert, als wir, vor
Die Lage spitzte sich zu, es wurde immer
Jahren, gekommen waren, die Zeitungen
tragischer, so Exilexperte Schumann.
hatten herzliche, respektvolle Begrü-
„Einige der Künstler versuchten über die
ßungsartikel geschrieben, die Behörden
Pyrenäen zu Fuß nach Spanien zu ent-
hatten erklärt, es sei eine Ehre für Frank-
kommen. Der alte Heinrich Mann, Golo
reich, uns gastlich aufzunehmen.“
Mann, kraxelten dann über die Berge.
Am 17. Mai 1940 bat der Bürgermeister von Sanary den Präfekten des Départe-
10
Sanary-sur-Mer, das aufgezwungene Paradies. Es hatte so friedlich, so vielver-
Walter Benjamin hat es nicht geschafft. Hat Selbstmord begangen.“
ment Var, die „feindlichen“ Deutschen aus
Ludwig Marcuse, dem die Flucht in die
seiner Kommune zu entfernen, da sie für
USA gelang, wurde bei seiner Einreise
Unruhen in der Gemeinde verantwortlich
davon überrascht, dass selbst die Ameri-
lll
INFO
Sanary-sur-Mer (provenzalisch Sant nari de Mar) ist eine französische Gemeinde mit 16.168 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Var in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Sie gehört zum Kanton Ollioules im Arrondissement Toulon�
PFADe
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Wohnungslosenhilfe 4UBUJPO NBDIFO - [VS 3VIF LPNNFO
iFIVREGLXYRK - %YJRELQI - ;MIHIVIMRWXMIKWLMPJI - 0IFIRWLMPJI - 0ERK^IMX[SLRIR
Arbeiten
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Pflegewohnheim
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4µIKI &IXVIYYRK - 0IFIRW^YJVMIHIRLIMX - ;SLPFI´RHIR - 1IRWGLPMGLOIMX - >Y ,EYWI
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kรถRPERStylinG
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FUSSBALL
Unserer Mannschaft halten wir die Daumen gedrückt! Ohne Rücksicht auf Vereinszugehörigkeit, landesgrenze und ligaplatzierung haben sich die kölner künstlerinnen Julja Schneider und iris Stephan unter dem label ARtvisite der Fußballkunst verschrieben� Die fertigen Werke werden ab dem 9. Juni 2018 im Mittelrhein-Museum koblenz gezeigt. Christina Bacher hat mit den beiden kreativen über dieses und andere Projekte gesprochen� Denn nach dem Spiel ist ja bekanntlich auch vor dem Spiel …�
DRAUSSENSEITER: Ohne Rücksicht auf Ver-
– eine gewiefte Zusammenstellung von Far-
„Unternehmenskunst“, wie es auf eurer
einszugehörigkeit, Landesgrenze und Liga-
ben, Hintergrund, Foto und Text. So entsteht
Website steht? Was war das Verrückteste,
platzierung habt ihr euch dieses Mal der
etwas ganz Neues. Aber wie geht ihr da vor?
was ihr erlebt habt?
Fußballkunst verschrieben. Spielt ihr selbst
Steht zuerst ein Konzept des Bildes oder ent-
Julja Schneider: Tatsächlich kennenge-
Fußball? Oder seid ihr doch heimlich Fan
wickelt sich etwas in einer Art Dialog?
lernt haben wir uns vor über zehn Jahren.
einer ganz bestimmten Mannschaft? Für
Iris Stephan: Ja, Dialog ist ein guter
Den Namen Iris Stephan hatte ich inner-
wen drückt Ihr bei der WM die Daumen?
Begriff. Wir arbeiten zusammen in einem
halb der Kölner Kunst-Szene schon oft
Julja Schneider: Leider bin ich durch mei-
unserer Ateliers. Mal inspiriert uns ein
gehört, und irgendwann sind wir uns dann
ne Geburt in Köln in lebenslange Geisel-
altes Spielerfoto, mal ein verrücktes Zitat,
begegnet, zum Glück. Die ARTvisite
haft durch den FC genommen worden. Das
mal einfach nur ein farbiger Pinselstrich
haben wir gegründet, weil wir beide uns
ist nicht immer schön, aber aus der Num-
auf dem Papier. Wir nehmen die Dinge
sehr gern von neuen, auf den ersten Blick
mer komm ich nicht mehr raus. Ich bin
aus ihrem ursprünglichen Zusammen-
kunstfernen Orten inspirieren lassen und
einfach FC-Fan. Meine liebe Kollegin Iris
hang, verschieben die alten Bedeutungs-
dort arbeiten wollen, zum Bespiel in
hat sich eigentlich nicht für Fußball inte-
ebenen, die Orte und die Zeiten aus denen
Unternehmen.
ressiert – bis zu dem Zeitpunkt, an dem
sie stammen und kombinieren die Ele-
Iris Stephan: Wir hatten beispielsweise
wir die Fußballkunst begonnen haben ...
mente wie Foto, Zeichnung, Malerei.
mal einen Auftrag bei der LVM-MÜNS-
jetzt kommt sie davon nicht mehr los.
Dadurch entstehen neue, oft unverhoffte
TER. Da haben wir dann in der Kantine
Iris Stephan: Aber WM habe ich schon
Sichtweisen – ein bisschen wie in einem
unser Atelier aufgebaut. Die ersten Tage
immer geguckt ... dieses Jahr natürlich
Theaterstück. Der Vorhang geht auf, ein
haben die Münsteraner Versicherungsan-
auch und da drücken wir dann beide
neuer Akteur kommt ins Bild. Wir reichen
gestellten komisch geguckt. Das war ihnen
„unserer Mannschaft“ die Daumen,
uns die unfertigen Arbeiten hin und her,
neu. Zum Ende hin standen dann immer
schließlich haben wir uns jetzt lang genug
bis sie fertig sind.
alle an unseren Arbeitsplätzen und haben geguckt,
mit ihr beschäftigt.
kommentiert,
Vorschläge
DRAUSSENSEITER: Spannend! Als Künstle-
gemacht und es sind richtig tolle Gesprä-
DRAUSSENSEITER: Ihr arbeitet bei der ART-
rinnen arbeitet ihr schon viele Jahre erfolg-
che entstanden, sogar der Vorstand, der
visite immer zu zweit. Beispielsweise bei den
reich miteinander. Wo habt ihr euch ken-
dort ganz normal in der Kantine mit den
Fußballbildern handelt es sich um Collagen
nengelernt? Und was versteht ihr unter
Angestellten zusammen isst, hat uns mit
13
Iris Stephan: Ja, wir haben einen Katalog zur Ausstellung gemacht, weil ein Katalog einfach sehr wichtig ist. Er ist das, was bleibt, nach der Ausstellung. Er ist so zusagen der Arbeitsnachweis der bildenden Künstlerin und hilft bei der Akquise neuer Kontakte. Wir halten Crowdfunding ja nach wie vor für eine tolle Sache. Es ist sinnvoll, weil es zum einen dafür sorgt, das ein Projekt finanziert wird, zum anderen aber auch eine breitere Öffentlichkeit erreicht. Außerdem hat es für den, der unterstützt einen tollen Effekt ... irgendwann kommt dann per Post das Dankeschön ins Haus ... und wenn es der Katalog selbst ist, den man mitfinanziert hat. DRAUSSENSEITER: Das Bild, das nun zugunsten des DRAUSSENSEITERs versteigert wird, ziert unseren Umschlag und eine Postkarte, die wir gemeinsam mit der ARTvisite zur WM rausgegeben haben. Was für eine wunderbare Kooperation! Erlaubt mir die Frage: Haben, eurer Meinung nach, Künstler und Künstlerinnen immer auch eine soziale Wieder mal gemeinsam auf dem kunst(Rasen)Platz: Julja Schneider und iris Stephan.
Verantwortung? Oder aus welchen Motiven unterstützt ihr unser Straßenmagazin? Julja Schneider: Meiner Meinung nach hat
Vergnügen bei der Arbeit besucht. Die
Julja Schneider: Wenn ein Kölner Ausstel-
jeder Mensch eine soziale Verantwortung.
entstandenen Werke hängen jetzt bei
lungsort die Ausstellung nach dem Mittel-
Das Wort Verantwortung wiegt so schwer,
denen in der Kantine.
rhein-Museum zeigen möchte, gern. Unser
ich möchte umformulieren: Jeder Mensch
Julja Schneider: Ja, das war eine erfolgrei-
Vorschlag: Das Deutsche Sport- und Olym-
sollte sein soziales Herz entdecken, dass
che ARTvisite nach unserem Geschmack.
pia-Museum. Da würden sie natürlich
man helfen möchte und Mitgefühl hat
Viel Spaß hatten wir auch in unserer Grün-
wunderbar hinpassen. Und sicher. Alle
zum gelungenen Mensch-Sein dazu. Und
dungsphase als wir uns ganz klassisch als
Arbeiten zum Thema Fußballkunst sind
ich mein das jetzt nicht christlich, sondern
Start up-Unternehmen beraten haben
auf unserer Homepage zu sehen ... und
universell-spirituell. Und wenn eine
lassen. Da trafen teilweise schon Welten
können von da auch immer erworben
Zusammenarbeit mit einem so sinnvollen
aufeinander, unsere spontan-kreative und
werden. Einfach eine Email an uns schrei-
Projekt wie dem DRAUSSENSEITER
die, die auf Zahlen guckt und ganz klar
ben – und die Sache läuft.
zustande kommt, dann sind wir gern dabei!
der Kunst nun aber leider nicht immer in
DRAUSSENSEITER: Den Katalog zu der Aus-
DRAUSSENSEITER: Ganz herzlichen Dank
Zahlen meßbar.
stellung habt ihr durch Crowdfunding finan-
und alles Gute für Eure Ausstellung während
ziert. Neben dem Geld, das dabei rein
der Fußball-WM!
fragt: Was kommt dabei raus? Das ist bei
14
DRAUSSENSEITER: Nochmal in Bezug auf
kommt, ist das ja immer auch eine Möglich-
das Thema Fußball: Eure Bilder werden in
keit, neue Fans, Kunden und Interessenten
einer Ausstellung in Koblenz zu sehen sein.
zu gewinnen. Was sind eure – ja ganz fri-
Darf man hoffen, dass sie auch nach Köln
schen – Erfahrungen mit Crowdfunding.
wandern? Oder werden sie vom Fleck weg
Was ja bedeutet, dass viele Menschen – die
gekauft. Wenn nicht: Wie kommt man an
Crowd – eine Sache gemeinsam quasi vorfi-
die Kunstwerke dran?
nanzieren. Könnt ihr das weiter empfehlen?
lll
INFO
ein Katalog soll durch eine Crowdfunding-Aktion finanziert werden siehe www.startnext.com/ artvisite-fussballkunst z www�artvisite�de
Foto: B� SvoSch
FUSSBALL
kรถRPERStylinG
15
FUSSBALL
Fußball als Lebensmodell
D
Menschen aus der Stadt verjagt wurden, damit diese schöner erscheint. Das Leben hat gezeigt, dass es einfacher und nützlicher ist, einfach man selbst zu sein, als sich abzumühen um besser auszusehen. Deshalb erwarten wir trotzdem noch keinen Anstieg der Verkaufszahlen wäh-
ie allgemeine Begeisterung für Fuß-
Johann Grasshof, Sozialarbeiter aus Ham-
rend der Meisterschaft, denn unsere Leser-
ball hat es dieser Sportart ermög-
burg. Irgendwann, im Zuge seines Zivil-
schaft ist vergleichbar mit den Anhängern
licht, zum Wundermittel für eine
dienstes, war er bei einer Hilfsorganisation
der großartigen deutschen Band Kraft-
soziale Reintegration zu werden. Denn
in Sankt Petersburg und arbeitete dort mit
werk – und das sind nachdenkliche Stu-
Fußball ist nicht nur Bestandteil einer
Obdachlosen. Er hörte von unserer Mann-
denten, Bohemians und die Intellektuel-
gesünderen Lebensweise, sondern fördert
schaft, fragte, ob er zum Training kommen
len der Mittelklasse. Fußball aber ist mög-
auch die Zusammenarbeit im Team – bei-
dürfe, kam, trainierte und spielte während
licherweise das beste Lebensmodell über-
des sind unabdingbare Voraussetzungen
der ganzen Zeit, die er in Sankt Petersburg
haupt. Denn Fußball, genau wie das
für die Rückkehr ins Leben. Obdachlose
war, für unser Team. Nach einigen Jahren
menschliche Leben, ist ein Mannschafts-
spielen seit 2003 Fußball, seit das Interna-
war er wieder in der Stadt um hier eine
sport. Fußball ist sinnlos ohne Mitspieler,
tional Network of Street Papers den ersten
wissenschaftliche Arbeit zu schreiben und
aber auch ohne Gegner. Ohne selbstlose
Foto: Alexey talipov
Foto: Alexander Menus
Foto: Viachieslav Filippov
Homeless World Cup der Welt organisier-
rief uns an. Seither haben wir uns nicht
Arbeit und ohne Regeln und Gesetze.
te. Die Mannschaft der Straßenzeitung
mehr aus den Augen verloren. Und so wur-
Ohne Schmerzen und ohne diese zu über-
„Put Domoi“, gibt es ebenfalls seit 2003
de er am 25. Februar als Teil dieser Mann-
winden. Deshalb ist die wichtigste Lehre,
und die Mannschaft besteht genau aus
schaft Sieger des Baltischen Mini-Fußball-
die der Fußball denjenigen mitgeben
den jungen Leuten, aus denen eben keine
Cups der Obdachlosen und chemisch
kann, die von diesem Spiel begeistert sind,
Geschäftsführer geworden sind. Stattdes-
Abhängigen in Helsinki (Finnland).So kurz
die Ermutigung, dass das Spiel nie vorbei
sen sind die Straßenkinder von einst
vor der WM bereitet sich die ganze Stadt
ist. Dass es immer noch einen Versuch gibt.
erwachsen geworden. Sich gegenseitig
auf das große Fußballturnier vor – denn in
unterstützend haben sie es geschafft, den
Sankt Petersburg werden einige Spiele der
Drogen den Rücken zu kehren. Die Erin-
Weltmeisterschaft stattfinden. Und einer
nerung jedoch bleibt – noch immer ist die
der bekanntesten Zeitungsverkäufer der
häufigste Krankheit im Team Nasenne-
„Put Domoi“, Witali Petrowitsch Scha-
benhöhlenentzündung – „denn das Pulver
schlow (Foto), wird seinen Traum wahr-
war längst nicht immer von guter Quali-
machen und freiwilliger Helfer bei der
tät“, erklären die oft recht fröhlichen Spie-
Weltmeisterschaft werden. Schon jetzt
ler heute etwas schuldbewusst.
versucht er bei unserem Verteilungszent-
Wie es sich für einen echten Fußballver-
16
in Moskau, als alle sozial benachteiligten
rum nur noch Englisch zu sprechen.
ein gehört, haben wir auch unsere
Aber was bringt diese Meisterschaft
Top-Spieler. Der bemerkenswerteste dar-
überhaupt den Obdachlosen? Es gibt kei-
unter (sowohl was die Körpergröße, als
nen Grund zu glauben, dass sie sich nega-
auch was das Spiel angeht) ist der Torwart
tiv auswirken wird wie die Olympiade 1980
Wäre doch super, wenn genau nach diesen Worten der Pfiff ertönte.
lll
INFO
Der text von Arkady tyurin erschien erstmals in „Put Domoi“, Russlands einziger Straßenzeitung mit Sitz in Sankt Petersburg� er ist Chefredakteur und – als ehemals Obdachloser – seit 2003 Mitglied des FC 'Put Domoi‘� Mit freundlicher genehmigung von trott-war, der Straßenzeitung im Südwesten, die die Übersetzung aus dem Russischen durch „Kern Ag, Sprachendienste“ organisierte, konnten wir diesen text in Auszügen abdrucken.
BUCHTiPP
Patrick Esume:
Believe the Hype! American Football: Mehr als nur ein Spiel
P
atrick „Coach“ Esume ist der Chef-
Innenleben einer Footballmannschaft
experte der NFL-Übertragungen
und seine Berichte aus verschiedenen
von ProSieben. Damit ist er viel-
NFL-Trainingscamps, in denen er als Trai-
leicht nicht das Gesicht, aber auf jeden
ner gearbeitet hat. Zusammen mit dem
Fall die Stimme des American Football in
Sportjournalisten Björn Jensen gelingt es
Deutschland. Sein Buch ist eine Mischung
ihm zudem sogar, einige Feinheiten von
aus Autobiografie und Hintergrundbe-
Spielsystemen und -formationen zu erklä-
richt. Wie ein Footballspiel ist es in vier
ren, ohne dass man als Leser Kopfschmer-
Viertel aufgeteilt, in denen der Coach aus
zen bekommt. Am Ende gibt es dann noch
seiner Jugend, seiner Spielerkarriere, sei-
einen Ausblick auf die Saison 2017, den
ner Trainerlaufbahn und seiner Arbeit als
man wahlweise überblättern oder aber,
TV-Experte berichtet. Am interessantesten
und das ist auch sehr unterhaltsam, mit
für Hardcore-Fans und Gelegenheitsgu-
dem tatsächlichen Ausgang der Spielzeit
cker sind sicherlich seine Einblicke ins
vergleichen kann.
Bastian Exner
Du gehst jeden Tag nach Hause. An ihm vorbei.
Dr. Peter Deubner Stiftung
Kölner Obdachlosen Frühstück Jede Hilfe zählt!
www.deubner-stiftung.de Foto: Ingrid Bahß
17
DEutzkultuR
DRAUSSENSEITER: Ausgangspunkt für die totale Überwachung ist ein Terroranschlag. Das ist ein sehr realistisches Szenario. Denn auch hier erleben wir nach Anschlägen wie in Berlin auf dem Breitscheidplatz lauter werdende Rufe nach mehr Überwachung. Gab es für euch ein auslösendes Moment, sich dem Thema anzunehmen? Barck/TeMeL: Das letztlich auslösende Moment für „No Borders“ waren keine Terroranschläge, sondern
vielmehr
Edward Snowden und seine Enthüllungen zum NSA-Skandal in den USA sowie der Dokumentarfilm „Citizenfour“ von Laura Poitras mit Edward Snowden und dem Journalisten Glenn Greenwald. Wir haben uns allerdings schon im Vorfeld des Buches politisch in die Richtung engagiert, die wir mit „No Borders“ weiter gegangen sind. Insofern passte das gut zusammen. DRAUSSENSEITER: Ihr zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft. Wollt ihr eher mahnen oder befürchtet ihr einen solchen Überwachungsstaat? Barck/TeMeL: Unser Buch ist eine eindeutige Mahnung vor den Folgen des Überwachungsstaats und gleichzeitig vor allem
No Borders Totale Überwachung als Thema der graphic novel
ein Appell an die Gesellschaft, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Wir erleben derzeit gesellschaftlich den Trend, dass Einschränkungen von Freiheitsrechten weitgehend widerstandslos hingenommen werden. Man sollte das nicht unterschätzen: Der Weg zum Überwachungsstaat ist kurz und einige Dinge sind längst keine Dystopie mehr. Das neue bayerische
im Jahr 2025 findet ein verheerender terroranschlag statt. Die Folge: zensur, totale Überwachung und Generalverdächtigungen. 15 Jahre später will ein Hacker die geschichte verändern� Mittels des internets reist er durch die zeit, um den Anschlag und seine Folgen zu verhindern� Diese spannende und aktuelle geschichte erzählen uns die zeichnerin TeMeL und der Autor Michael Barck in der graphic novel „no Borders“� DRAuSSEnSEitER-Redakteur Jens Hüttenberger hat mit den beiden über das aktuelle Thema des Überwachungsstaats gesprochen und auch darüber, wie die Graphic novel entstand.
Polizeigesetz ist da ein gutes Beispiel. Es untergräbt die Gewaltenteilung und die Trennung von Polizei und Geheimdienst. Die Polizei wird Maßnahmen, denen bisher immer noch ein Richter zustimmen musste, nach Gutdünken durchführen können – das öffnet polizeilicher Willkür Tür und Tor. Wenn solche Gesetze erst einmal in Kraft sind, ist es schwer, die Uhr wieder zurückzudrehen. DRAUSSENSEITER: Überwachung und Sicherheit setzen viele Menschen und einige Politiker gleich. Was entgegnet ihr denen?
18
DEutzkultuR
Barck/TeMeL: Dass wir damit unsere
Barck/TeMeL: Wir sind beide große Fans
Gesellschaft und den Rechtsstaat zerstören.
von Dystopien und Zeitreise-Geschichten.
Der Staat unterstellt, dass wir alle poten-
Unsere Filmbibliothek zuhause ist voll von
zielle Straftäter sind. Wo immer man hin-
Serien wie „Doctor Who“ oder auch Fil-
schaut, gibt es Eingriffe in persönliche
men wie „The Time Machine“, „Timecri-
Rechte und rechtsstaatliche Prinzipien, die
mes“ oder „Minority Report“. Das hat uns
Beweislast wird umgekehrt, deine Privat-
natürlich Inspirationen geliefert und eini-
sphäre vernichtet, Willkür ermöglicht. Dein
ge Reminiszenzen finden sich ja auch in
Verhalten wird gescannt und beurteilt. Wir
dem Comic wieder.
Borders“ hat recht aufwändige, vollfarbige
fangen unter Überwachung an, unser Ver-
Die detaillierte Ausarbeitung der Geschich-
Seiten, viel Text und eine komplexe Story,
halten anzupassen. Was aber erlaubt und
te hat dann einige Zeit in Anspruch genom-
so eine Geschichte braucht natürlich mehr
nicht erlaubt ist, definiert letztlich der Staat
men, vor allem, weil sie so vielschichtig
Zeit als etwas „Simpleres“, es gibt zum
– wenn es gut geht, ist es ein vertrauens-
aufgebaut ist. So mussten wir immer wie-
Beispiel auch zahlreiche Graphic Novels,
würdiger, demokratischer Rechtsstaat,
der mal Anpassungen vornehmen, da in
die nur in schwarz und weiß gehalten sind.
wenn es schlecht geht, ist es ein diktatorisch
der Zeit, in der die Geschichte geschrieben
geführter Staat. Das geht also spätestens
wurde, auch immer neue und unglaubliche
DRAUSSENSEITER: Wie lang habt ihr an „No
dann schief, wenn autoritär anmutende
Details zum NSA-Skandal bekannt wurden.
Borders“ gearbeitet?
Michael und Thekla (TeMel) Barck
Barck/TeMeL: Vom ersten Gedanken, ein
Regierungen an die Macht kommen. Dem entgegen steht ein Gefühl von Sicher-
DRAUSSENSEITER: Das Internet ist in „No
solches Buch zu erschaffen, bis zu dem
heit, aber keine tatsächliche Sicherheit.
Borders“ eine Art Januskopf: Mittel der
Zeitpunkt, an dem es tatsächlich in den
Vorhin wurde der Anschlag auf den Ber-
Überwachung, aber auch Befreiung. Seht ihr
Buchregalen stand, sind rund drei Jahre
liner Weihnachtsmarkt genannt. Der
das so?
vergangen. Allein die Story zu konstruie-
Attentäter war bekannt, es gab zig Möglich-
Barck/TeMeL: Das Internet ist erst einmal
ren, hat eine Weile gedauert, bis wir
keiten ihn zu stoppen, aber nichts geschah.
weder gut noch schlecht, sondern ein Spie-
sowohl die Handlung selbst als auch die
gel der Gesellschaft. Wie bei so vielen
Erzählreihenfolge konzipiert hatten und
DRAUSSENSEITER: Was war der erste Schritt,
Dingen, gibt es auch beim Internet zwei
das Ganze auch in ein zeichenfähiges
nachdem ihr das Thema definiert hattet?
Seiten der Medaille und es liegt an uns
Drehbuch mit der passenden Seitenzahl
Barck/TeMeL: Als wir wussten, was wir
Menschen, wie und wofür man ein Medi-
umgewandelt hatten. Das Zeichnen und
erzählen wollen, haben wir uns relativ
um oder eine Technik einsetzt. Eine Zei-
Layouten allein hat dann noch einmal
schnell damit beschäftigt, wie wir es erzäh-
tung, zum Beispiel, kann aufklärerische
etwa zwei Jahre gedauert.
len können. Und zwar auch, ohne dass die
Berichte schreiben oder die Leser mit
Man muss das aber etwas relativieren. In
Graphic Novel zu lang oder zu trocken
„fake news“ manipulieren und auf falsche
Deutschland von Comics zu leben ist mit
wirkt, da sie ein recht anspruchsvolles, viel-
Wege führen, wie wir es heutzutage leider
wenigen Ausnahmen ziemlich unmöglich,
schichtiges Thema behandelt. Daher haben
immer öfter sehen.
da hinken wir leider unseren Nachbarlän-
wir uns dafür entschieden, neben den erns-
Das Internet ermöglicht, Kommunikation
dern Belgien und Frankreich sehr weit hin-
ten Passagen auch viel Science-Fiction,
bzw. Daten flächendeckend, automati-
terher. Für uns war „No Borders“ also ein
Popkultur und einige „heitere“ Szenen
siert, geheim und ohne Verdachtsmomen-
Freizeitprojekt, das wir neben unseren
einfließen zu lassen. Das
te zu überwachen und auszuwerten. Das
eigentlichen Jobs als Illustratorin und Jour-
alles zu konzipieren, sinn-
unterwandert den Rechtsstaat. Das Inter-
nalist durchgezogen haben. Dabei ging
voll zu einer Geschichte
net kann aber auch eine freie Kommuni-
dann aber auch schon mal die eine oder
zu verbinden und weiter
kation ermöglichen und gesellschaftliche
andere Nacht drauf.
auszuarbeiten, war der
Umwälzungen in Gang bringen helfen –
nächste Schritt.
das ist ja auch der Grund, warum in autoritär geführten Staaten wie der Türkei das
DRAUSSENSEITER: Die
Internet zensiert wird.
Geschichte spielt auf mehreren Ebenen. Hattet
DRAUSSENSEITER: Wie lange muss man sich
ihr die Geschichte von
die Arbeit an einer solchen Graphic Novel
Anfang an so im Kopf
ganz allgemein vorstellen?
oder entstand sie wäh-
Barck/TeMeL: Das hängt sehr stark von Stil
rend des Zeichnens?
und Umfang der Graphic Novel ab. „No
lll
LESUNG
Am Dienstag, den 29�05�2018, lesen die beiden Autoren um 20 Uhr im Constantin-Pub (Constantinstraße 78) aus „no Borders“� Dabei werden die zeichnungen auf eine Leinwand projiziert und mit Musik untermalt. Die lesung findet im Rahmen des SommerStart-Festivals des Vereins deutzkultur statt� www.deutzkultur.de 19
AuS DER OASE
Foto: Privat
LESERBRIEF DES MONATS „Ich habe mir ein DRAUSSENSEITER-Heft gekauft, als ich verzaubert aus dem Zirkus Roncalli kam – einer der Verkäufer stand vor der Tür. Ich dachte in dem Moment sofort daran, wie gut es mir geht, dass ich in den Zirkus gehen und danach auch noch schön essen gehen kann. Ich fragte mich, was denn Leute machen, die obdachlos sind und sich wohl keine Zirkuskarten und Restaurants leisten können. Glücklicherweise erzählte mir der Verkäufer dann aber, dass er in einigen Tagen auch die Roncalli-Vorstellung besuchen könne. Da hat ihm wohl einer die Karte spendiert.“
Sven von loga aus klettenberg kauft den DRAuSSEnSEitER regelmäßig, wenn ihm ein Verkäufer über den Weg läuft. Der Geologe, der die Steine dieser Stadt wie seine Westentasche kennt, lernt bei der lektüre immer noch einen neuen Blick auf köln kennen. Wir bedanken uns herzlich für diese spontane zusendung. Gibt es denn noch weitere DRAUSSENSEITER-Leser, die uns ihre Meinung schreiben wollen? Gerne mit einem Foto an bacher@draussenseiter-koeln.de
Hallo Freunde, tolle Sachen passieren gerade bei uns� ich bin jetzt ein „Marktaufpasser-Hund“� Frauchen war ja so lange krank, und als es ihr endlich besser ging, konnte sie noch nicht so weit zum einkaufen laufen� Darum gehen wir jetzt oft auf den Markt hier nebenan� Die Leute da kennen uns auch schon� ich bin ja fast der einzige Hund da� An einem Stand bekomme ich auch schon mal ein Leckerli� Die Leute habe ich mir gut erzogen, hihi� Wir laufen jedenfalls immer in aller Ruhe über den Markt und mein Dosenöffner bleibt immer da stehen, wo sie was interessiert� Da gibt es dann so coole Decken, die an den Ständen herunterhängen� Hinter denen kann man sich gut verstecken oder darunter kriechen, wenn es mal regnet� Aber oft kann ich das nicht machen� 20
Frauchen kriegt dann nämlich immer zu viel, weil sie gleichzeitig einkaufen muss und darauf achten, wo ich bin� Damit mich keiner tritt oder so. Da hat sie ganz schön zu tun. Die Süßkartoffeln, die ich so mag, gibt es dort auch und der arme Dosenöffner muss immer alles im Rucksack nach Hause tragen. Jedenfalls bin ich auf dem Markt nun bekannt wie ein „bunter Hund“, sagt man, glaube ich� Ansonsten gibt es weniger gute nachrichten� ich bekomme jetzt ein neues Medikament und alle sind gespannt, ob ich es vertrage� Die enzyme, die ich brauche und immer hatte, wurden nämlich vom Markt genommen� Dafür haben sie irgendein anderes zeug herausgebracht. Frauchen war ganz schön sauer als sie gesehen hat, dass es jetzt doppelt so viel kostet wie vorher� geschimpft hat sie, dass das reine geschäftemacherei sei� in den neuen Kapseln ist auch weniger drin und sie sind kleiner� Darum brauche ich die doppelte Menge und komme nicht mehr so lange damit aus� Deshalb wird es halt sehr teuer��� Doch Frauchen sagt, es nutzt ja
nix. Ohne diese Enzyme, die ich im Futter gar nicht rausschmecke, würde ich verhungern, weil mein essen von meinem Bauch nicht verwertet werden würde. ich bekomme nun in der ersten zeit der Umstellung Kortison dazu� Wenn das vorbei ist, wird sich zeigen, ob ich die neuen Kapseln vertrage� Und stellt euch vor, ich – ja ich – soll neben der ganzen Aufregung auch noch abnehmen! Das sagt zumindest der Doktor� Frauchen hat darüber nur gelacht. Früher hätte sie niemals gedacht, dass er mal sowas zu mir sagen würde. ich war doch immer ganz dürr... tja, mein Frauchen pflegt mich halt echt gut und gibt alles, damit ich gut drauf bin� na, einem Prinzen steht das eigentlich auch zu, oder? Es grüßt, euer Clayd
l l l HALLO, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der DRAuSSEnSEitER-Verkäuferin kölsche linda, gezogen. in meiner Kolumne erzähle ich euch, was ich so alles in meinem Alltag erlebe� Foto: Jakob Rosenberger, 13 Jahre
AuS DER OASE
Auf den Spuren der Armut
Durch das Schnütgen die Spuren der Armut im Museum Schnüt-
schen eine Museumsführung der
gen. Dabei lauschten alle gebannt dem
ganz besonderen Art genießen. Auf
bald zweistündigen Dialog der beiden
Einladung von Museumsdirektor Dr.
Fachmänner und genossen sichtlich die
Moritz Woelk und unter fachkundiger
mal konträre, mal launige Sichtweise auf
Begleitung des Historikers Martin Stan-
die dort ausgestellte Kunst des Mittelalters
betrachtet und, obwohl aus reichem Haus,
kowski begab sich eine Gruppe von
im Speziellen und des Zehngebotsfensters
nicht die Augen verschlossen hat. Im Muse-
DRAUSSENSEITER-Lesern, -Verkäufern,
im Besonderen. DRAUSSENSEITER-Ver-
um Schnütgen gibt es ein Fenster, das als
-Redakteuren, OASE-Mitarbeitern und
käufer Lothar Schmieding hat den besonde-
Zehngebotsfenster bekannt ist. Auch wenn
Kollegen verschiedener Einrichtungen auf
ren Abend, für den keinerlei Eintritt erho-
es sich hier nur um ein Teil des ursprüngli-
ben wurde, in seinen eigenen Worten
chen Glasfensters handelt – mit der Überga-
zusammengefasst:
be der Tafeln an Moses, der Darstellung der
Ein Spiegel ist aus Glas, auf dem eine Silber-
Gebote und dem Bild der heiligen Elisabeth
schicht aufgedampft ist. Schaut man hinein,
als Zentralfigur, die als Handelnde gezeigt
so sieht man sich in einem Spiegelbild.
wird – dieses Fenster ist so bunt wie ein-
Erkennen wir uns nur als eine Kreatur aus
drucksvoll. Es will uns daran erinnern, auf
Fleisch und Blut? Oder sehen wir tiefer in
was es in einem erfüllten Leben ankommt:
unsere verletzte Seele und erkennen so unse-
Barmherzigkeit darf kein Fremdwort für uns
re eigentliche Bestimmung auf dieser Erde?
bleiben, sondern sie wird von jedem erwar-
Ein Fenster aus Glas, durch das wir schauen
tet, ob wir arm sind oder reich. Vor Gott sind
können, wenn es klar und in die Außenwelt
wir alle arm, seine Barmherzigkeit richtet
gewandt ist. Durch so ein Fenster wird Eli-
sich direkt an uns: „Wie barmherzig seid
sabeth geschaut haben im 13. Jahrhundert,
ihr?“ Mit dieser Frage stelle ich mich ab jetzt
als sie die Armut in ihrer nahen Umgebung
vor den Spiegel und versuche zu erkennen.
Dr� Moritz Woelk und Martin Stankowski
Fotos: Marie Breer, Markus Düppengießer, Christina Bacher
A
m 12.4.2018 durften ca. 30 Men-
21
BUCHTiPPS
Diesmal hat unsere Krimi-Expertin Ingrid Müller-Münch tief, abgrundtief in die Psychokiste gegriffen. Sie hat zwei US-amerikanische Krimis mitgebracht, die an Spannung nichts zu wünschen übrig lassen – ohne dass einem gleich die Kugeln nur so um die Ohren fliegen. Dafür gibt es Nervenkitzel vom Feinsten.
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Brad Parks
A. J. Finn
Nicht ein Wort
The Woman in the Window
Hier wird nicht lange gefackelt, hier geht es gleich rein ins epizentrum des Tornados� Richter Sampson, seine Frau Allison und die 6-jährigen zwillinge emma und Sammy führen ein unspektakuläres, aber glückliches Familienleben� Bis zu dem Mittwochnachmittag um 15:28 uhr, als Richter Sampson von seiner Frau eine SMS bekommt: Sam und emma wurden entführt. und damit beginnt ein Alptraum, der einfach kein ende nimmt� Und all die schönen Dinge im leben dieser bis dahin unscheinbaren Familie� Stattdessen verlangen die Entführer von Richter Sampson, er solle sich genau an ihre Anweisungen halten und keine Polizei einschalten� Sie wollen kein geld, sie verlangen, dass er seine Urteile nach ihren Anweisungen spricht� Sampson hat keine Ahnung, worum es den Entführern geht. Während er und Allison vor Sorge und Verzweiflung kaum klar denken können, muss er die Fassade aufrechterhalten� Vor aller Welt so tun, als wäre auch das absurdeste Urteil, das er gerade gefällt hat, durchaus vertretbar� Damit bringt er sich um sein Ansehen, ja beinahe auch um seinen Job. Bis dann die Anweisung in einem Verfahren kommt, bei dem es um Millionen und Abermillionen geht� Und er endlich versteht, was man von ihm will� Wie weit wird er gehen, um seine kinder zu schützen? ein Krimi, der all das enthält, was zu einem grandiosen Coup gehört. Pfeffrige Handlungsstränge, das brutale zerbröseln von einst normalem Leben� Die genaue Beschreibung von zwei Menschen, die von jetzt auf gleich außerhalb jeglicher Legalität stehen und zu allem bereit sind�
US-Debut der Meisterklasse� Die entfaltung eines grandiosen Plots. Anna Fox – eine tablettenabhängige Alkoholikerin, die in einer großen Villa lebt, ihre nachbarn mittels eines Kamerateleskops beobachtet und agoraphob ist� Das heißt, sie kann ihr Haus nicht verlassen, seitdem etwas Schreckliches passiert ist� ihr Mann ed und ihre Tochter Livvie leben irgendwo anders, aber telefonieren fast täglich mit ihr� An sich schon eine Ausgangssituation, die neugierde weckt� Diese neugierde steigert sich allerdings, denn Anna Fox bekommt eines tages Besuch von ihrer nachbarin Jane, Mutter von eethan, einem pubertierenden Sohn� Die beiden Frauen verbringen einen netten Abend� Doch dann geschieht das Unglaubliche: Anna Fox sieht durch ihr kamerateleskop, wie ihre neue Freundin kurz darauf in dem Haus gegenüber blutend mit einem Messer im Bauch zusammenbricht. Fox alarmiert die Polizei. Doch die wimmelt ihre Schilderungen ab� niemand nimmt Anna Fox so richtig ernst. ihr Psychiater meint, manche der verordneten Medikamente könnten Halluzinationen hervorrufen. Vor allem, wo eethans eltern beide, sein Vater Allistar und seine Mutter Jane, im Beisein der Kripobeamten versichern, nichts sei geschehen� Dabei weiß Anna Fox genau, diese Jane, die sich da als eethans Mutter ausgibt, ist nicht die Jane, deren Ermordung sie miterlebte. Bis zuletzt bleibt offen, ob Fox sich all das nur einbildete oder ob es wirklich geschah. Die lösung ist in jeder Hinsicht ein genialer Streich� Wird derzeit in 38 Sprachen übersetzt und verfilmt.
Brad Parks: „Nicht ein Wort“. Fischer-Verlag, 490 Seiten, 14,99 Euro.
A. J. Finn: „The Woman in the Window“. Verlag blanvalet, 541 Seiten, 15 Euro.
Romy Fölck
Totenweg in einer Herbstnacht wird der Vater der Polizistin Frida brutal niedergeschlagen und liegt seither im Koma� ein Mordversuch? Sie kehrt in ihr Heimatdorf in der Elbmarsch zurück, auf den Obsthof ihrer eltern� Dort trifft sie Kriminalkommissar Haverkorn wieder, der vor zwanzig Jahren einen Mordfall bearbeitet hat, in den Frida verwickelt gewesen ist� Als nämlich ihre beste Freundin ermordet wurde, galt sie kurz als Mordverdächtige� Und bis heute trägt sie ein geheimnis mit sich herum, das sie schwer belastet� Schon seit damals hat sie eine Ahnung, wer Marit im Viehstall am Totenweg erdrosselt hat� Packt sie aus, ist sie selbst in Lebensgefahr. Die Herbststürme ziehen auf und zeitgleich auch all die alten Sorgen und Ängste. und plötzlich verschwindet ein weiteres Mädchen, das dazu noch Marit wie aus dem gesicht geschnitten ähnelt� Romy Fölck mischt seit dem Erscheinen ihres Romans „totenweg“, bei lübbe erschienen, hierzulande ganz oben in der Riege der bekannten krimiautoren mit: Der Krimi ist nicht nur spannend und anrührend, sondern stellt ganz nebenbei einen Landstrich vor, der vielen bislang weitestgehend unbekannt war: Die elbmarsch mit ihren Reetdachhäusern, den Deichen und den historischen Apfelhöfen, um deren erbe es auch in dieser geschichte geht. Wer schützt die alten Apfelsorten, wenn es einigen reichen investoren nur noch darum geht, mit dem Verkauf der ländereien Reibach zu machen? Schön, dass eine Fortsetzung mit dem ermittlerduo Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn schon in Planung ist� Christina Bacher
Romy Fölck: „Totenweg“. Lübbe Verlag, 416 Seiten, 15 Euro.
SPuREn DER ARMut
Spuren der Armut
Sühne & Schuld Das zwangsarbeiterlager im gremberger Wäldchen sturmmann berichtete bei seiner Vernehmung durch die britische Besatzungsbehörde im März 1948, dass dann befohlen wurde, die Krankenbaracken zu verbrennen, „um einen Seuchenherd zu beseitigen“. Man steckte mehrere Ballen Stroh in die Baracken, schüttete Benzin darüber und legte dann Feuer. Die Schwerkranken, die nicht mehr laufen konnten, verbrannten bei lebendigem Leib. Wie viele das waren, wird man nie erfahren. Durch die britischen Ermittlungen konnten der Tathergang und die drei Haupttäter ermittelt werden. Die Akten der Anklageerhebung gegen drei namentlich bekannte Personen wurden am 15. Juli 1949 an den Kölner Generalstaatsanwalt übersandt. Die Staatsanwaltschaft ging diesen Fällen nicht nach. Vielleicht hatte man bei der deut-
Das Mahnmal im gremberger Wäldchen�
schen Justiz, die noch viele Richter aus der
Foto: Dr� Fritz Bilz
Nazizeit beschäftigte, kein Interesse an der Ein Spaziergänger, der im idyllischen
man ließ sie hier krepieren. Die Kranken
Verfolgung ehemaliger Kameraden. Die
Gremberger Wäldchen unterwegs ist, fin-
starben wie die Fliegen, pro Monat etwa
drei namentlich bekannten Mörder sind
det sich unvermittelt vor einem düsteren
20 Menschen, die Gesamtzahl der Toten
inzwischen verstorben.
Mahnmal wieder. In kyrillischen Buchsta-
betrug weit über 500. Wir wissen wenig
Bis heute ist der Mord an diesen vielen
ben wird hier an Ereignisse erinnert, die in
über das Lager. Aber aus einem Zeitzeu-
Menschen ungesühnt, obwohl die deut-
ihrer Brutalität auch heute noch verstö-
genbericht und den Ermittlungsakten der
sche Justiz alle Fakten kannte. Ein Armuts-
rend wirken. Die Übersetzung lautet: Hier
britischen Besatzungsbehörde erfahren
zeugnis für unsere Zivilgesellschaft.
sind 74 sowjetische Bürger begraben, die
wir von den grausamen Einzelheiten die-
während ihrer Gefangenschaft unter dem
ses Lagers zum Ende des Krieges. Am 6.
Faschismus in den Jahren 1941 bis 1945
März 1945 befreiten die amerikanischen
ermordet wurden.
Truppen das linksrheinische Köln. Am 7.
W
April 1945 gab der Kölner NSDAP-Kreisas ist dort geschehen? Von 1941
leiter Alfons Schaller den Befehl, das Lager
bis 1945 standen hier mehrere
im Wald zu räumen. Einen Tag später
Baracken, die als Lager für in
kamen zwei LKW mit Volkssturmmännern
Kölner Betrieben eingesetzte und erkrank-
aus Poll und Deutz und umstellten das
te Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbei-
Lager. Sie forderten die Insassen auf, ihre
ter dienten. Etwa 150 Menschen aus der
Habseligkeiten zusammenzupacken und
Sowjetunion, aus Polen, der Ukraine und
sich auf der Straße in Kolonnen aufzustel-
Frankreich sollten nicht etwa in diesem
len. Die meisten folgten dem Befehl, man-
Lager gepflegt werden. Ihr Zustand wurde
che konnten fliehen, viele waren zu
von den Ärzten als „elend“ bezeichnet und
schwach, das Lager zu verlassen. Ein Volks-
Dr. Fritz Bilz (1944) lebt seit 1945 in köln-Brück. Der aus einer Arbeiterfamilie stammende Bilz arbeitete in verschiedenen Berufen, bis er die Liebe zum Schreiben entdeckte� 2015 wurde Bilz mit dem Ehrenamtspreis kölnEngagiert der Stadt köln ausgezeichnet. 2016 erhielt er den Verdienstorden des Landes nordrheinWestfalen. Mithilfe der 1998 gegründeten „Bilz-Stiftung“ werden zudem alljährlich lokale und regionale institutionen ausgezeichnet, die sich entweder der Völkerverständigung widmen, sich für politisch, rassistisch oder religiös Verfolgte oder gegen Diskriminierung von Minderheiten einsetzen� 23
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IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln�de www�draussenseiter-koeln�de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln�de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe� Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, www.dehaar-grafikdesign.de Titelfoto Deborah Keser Fotos Anima, Christina Bacher, Marie Breer, Sabrina Burbach, Markus Düppengießer, Viachieslav Filippov, Richard Gertis, Susanne koblin, Alexander Menus, B� SvoSch, Alexey talipov, Hanna Witte, Miriam Wolf
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Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.
Druck druckdiscount24�de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e�V� – OASe Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 köln tel.: 0221 / 98 93 53-0, Fax: 0221 / 98 93 53 16 Depots (nur für Verkäufer) Gulliver, trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 köln kiosk Orman, Salierring 15, 50677 köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 köln Vringstreff, im Ferkulum 42, 50678 köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, neusser Straße 63, 50670 köln Buchladen neusser Straße, neusser Str. 197, 50733 köln BUnT Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 köln
Kontoverbindungen iBAn: De66 3705 0198 0016 5020 31 SWiFt-BiC: COlSDE33, Sparkasse kölnBonn DRAUSSENSEITER ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene� Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich� Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert� es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1�1�2009� DRAuSSEnSEitER ist Mitglied des
VORSCHAu
Eintritt frei z Open Air
Mittsommerfest Das Mittsommerfest kommt auch dieses Jahr wieder nach Köln! Ein Fest für die ganze Familie mit abwechslungsreichem Programm, hochwertigem kulinarischen Angebot und einem großen Kunsthandwerkermarkt auf dem Platz vor dem Schokoladenmuseum� im Mittelpunkt steht nach altem Brauch der Mittsommerbaum� Dieser wird mehrere Tage gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern geschmückt und am Samstag feierlich zusammen mit den gästen aufgestellt� Dazu zeigt eine skandinavische Tanzgruppe traditionelle Tänze, bei denen Kinder und erwachsene zum Mitmachen eingeladen sind�
Hat sich als Bloggerin und Buchautorin einen namen gemacht: Saskia Savita Schulte� Fotos: Susanne Koplin, www�die-schokolinse�de, Haare & Make-up: iwona Dambiec
Den Sommer genießen
E
in großes eis mit Sahne oder doch lieber ein richtiges Steak? Über die Sommerzeit gibt es viele Verlockungen, die man oft nur mit schlechtem gewissen genießen mag� Damit soll jetzt Schluss sein, meint die Buchautorin und Bloggerin Saskia Savita Schulte und beantwortet genussvoll alle unsere Fragen nach den Verlockungen des lebens. Dabei geht es der „königin der Fülle“ nicht nur um kulinarische Themen, sondern vor allem um eine umfassende Lust am Leben – jenseits vom Reichtum im Geldbeutel.
PROGRAMM
Täglich ab 11 Uhr Kunsthandwerker- und Designmarkt, hochwertige gastronomie, Kinderkarussell, kostenloses Kinderspielzelt und Vorführungen auf dem kunsthandwerkermarkt sowie vieles mehr. Ausführliches Programm siehe internet� Die an den jeweiligen tagen stattfindenden WM-Fußballspiele werden selbstverständlich übertragen. Wann: 22. bis 24. Juni 2018, täglich von 11 bis 22 Uhr Wo: Am Schokoladenmuseum, Rheinauhafen Weitere Infos siehe www.stadt-koeln.de www.mittsommerfest-koeln.de
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. Juli 2018. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25
SERViCE
Foto: Hanna Witte
n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 köln, Tel�: 3377063-4, rochus@skm-koeln�de http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html Angebote: täglich warmes essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u� -toilette), Wäsche waschen Mo bis Do von 11:00-14:30 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do von 12:30 13:30 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-nutzung mit internetzugang, Samstags Frühstück. Die Wochenenden sind geschlossen� Kleiderkammer: Ausgabe von Kleidung nur notfallmäßig für Besucher der kontaktstell. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr
n Sozialdienst Katholischer Männer e.V.
Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes köln und Region, Salierring 19, 50677 köln, Tel�: 27 69 70-0, verwaltung�salierring@ diakonie-koeln�de, www� diakonie-koeln�de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18�30 Uhr (u� a� Postadressen u� Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, internetzugang Kleiderkammer: Di u� Do 9-11�30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SgB Xii, Ambulante Begleitung gem� § 67 SgB Xii, Betreutes Wohnen § 53 Sg Xii, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 köln, Tel�: 971 17 31, info@emmaus-koeln�de, www�emmaus-koeln�de
n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, nähe Hauptbahnhof, 50668 köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum�de, www�koelnerarbeitslosenzentrum�de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15�30 Uhr
n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel�: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, im Ferkelum 42, jeden 4� Sonntag in der Mütze, Berliner Str. 77, köln-Mülheim
n GUBBIO Obdachlosenseelsorge ulrichgasse 27-29, 50577 köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische gesprächskreise, religiöse Filme
Bahnhofsvorplatz 2a (1� etage), 50667 köln-innenstadt, tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln�de, www�skm-koeln�de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-nutzung mit internetzugang Kontaktstellenbereich/Tagestreff: Mo� bis Fr�: 12�00 bis 15�30 Uhr (essensangebot: 12�00 bis 14�00 Uhr) So� und Feiertage: 12�00 bis 13�00 Uhr Samstags geschlossen Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11�30 Uhr, Mo bis Fr 14-15�30 Uhr
n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung im Ferkulum 42, 50678 köln, tel.: 278 56 56, info@vringstreff�de, www�vringstreff�de Mo bis Do 11�30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung
Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen
n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, nähe Hauptbahnhof, 50667 köln, tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation, gepäckaufbewahrung Öffnungszeiten: Mo bis Fr 6-12 Uhr u� 13-18 Uhr, Wochenende und Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 13�30-15�30 Uhr
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Foto: Christina Bacher
Appelhofplatz: essenausgabe u� medizinische
SERViCE
Nur für Frauen
n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 köln Tel�: 640 22 68, info@bfoev�de
n agisra e.V.
Foto: Marie Breer
kleiderkammer, Gebrauchtwaren-kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch kleidung, Schlafsäcke etc� in unserem gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen� gemeinsam mit emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.
Vringstreff
n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 köln tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne�de www�bauenwohnenarbeiten�de
Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 köln, tel.: 0221/124019 oder 1390392, www�agisra�org Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
n Café Auszeit kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 köln, tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln�de Tägl� essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u� nach Vereinbarung
n Comeback
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10�30-11�30 Uhr und Donnerstag 13�30-14�15 Uhr
Kleiderkammer/Duschen: Montags ab 10�30 Uhr Donnerstags ab 13�00 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Weitere Angebote: gepäckaufbewahrung
Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 köln-Mülheim tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen�de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung
n Mäc-Up
essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo�, Mi�, Do� und Fr� von 12-15.30 uhr Di. von 10-13 uhr, Frühstück gibt es Di� und Mi�, gekocht wird Mo� und Fr�
n Elisabeth-Fry-Haus
Nur für Männer
notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung� Das Haus ist rund um die uhr geöffnet.
Montag 10�30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11�30–13 Uhr Frühstück: Montag 10�30–13 Uhr
Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85
täglich geöffnet von 20 bis 10 uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in notlagen: Schutz, Übernachten, essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und internetnutzung� Tiere sind erlaubt� Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.
Alfred Schütte Allee 4, 50679 köln, tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln�de www�oase-koeln�de
Offener Treff:
Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 köln-Ehrenfeld tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen�de
treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, nähe Bahnhof, 50670 köln, tel.: 0221/13 35 57
n OASE-Benedikt Labre e.V.
Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch nach Terminvereinbarung
für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen
notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e�V�, Mauritiussteinweg 77-79, nähe neumarkt, 50676 köln, tel.: 0221/12695-210
Albert-Schweizer Straße 2, nähe Südfriedhof, 50968 köln, tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven�de www� diakonie-michaelshoven�de
Kontakt- und Beratungsstelle:
n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V.
n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus köln, Annostr. 11, 50678 köln, nähe Chlodwigplatz, tel.: 93 12 21-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund�de Sozialarbeiterische Beratung, erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u� Feiertags) ab 18 uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren
n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Herwarthstr. 10, 50672 köln, Tel�: 56 20 35, mailn „Reso“ – Resozialisierungsabteilung box@notruf-koeln.de, www.notruf-koeln.de Johanneshaus köln, Annostr. 11, Beratung telefonisch, persönlich und per 50678 köln, nähe Chlodwigplatz, E-Mail, Begleitung und unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und Tel�: 931221-54, th�klahr@johannesbund�de
-begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SgB Xii: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle n Haus Rosalie einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Gocher Straße 45, 50733 köln-nippes, Mo bis Fr�: 8-16�30 Uhr tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen�de Wohnprojekt für Frauen
Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: siehe Aushang
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26. Jahrgang Nr. 184 Januar 2018
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D RAUsSEN SEIT STR ASS ENMAGA DAS KÖL NER
Foto: Jennifer Braun
Auf ein Neues!
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ZIN
KLASSE
STARK
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Adam Smith
Rhein in die Küche
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„Bin stolz, dabei zu sein!“, Lothar, freier Mitarbeiter Foto: Hanna Witte
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