25. Jahrgang
Nr. 176
April 2017
R E T I E S N E S s U A R D IN
Foto: Stefan Borghardt
Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D
0,90 e für den Verkäufer
1,70 e
K(L)EIN - ZUHAUSE ZELLE
WOHNBOX
ZIMMER
Anzeige
Foto: Sandy Craus
vorwort
Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser,
Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3
in vorliegender Ausgabe geht es um verschiedenste kleine Räume und ihre Funktionen. Da gibt es Räume, die Men-
Schwerpunkt: K(l)eine Räume
schen Obdach und Schutz geben können – wie die Wohnboxen von Sven Lüdecke, die sich in der Szene großer Beliebtheit erfreuen. Gerade mal 1,60 Meter hoch, 2,60 Meter lang und 1,40 Meter breit sind die selbstgebauten Holzhäuser, in denen zum Beispiel Markus und Patrick leben. Wir haben mit ihnen darüber gesprochen, welche
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Bericht: Wohnboxen für Arme �����������4-8
Chancen sich durch die neue Initiative „Little Home Köln“ für sie auftun. Dagegen macht sich in vielen Justizvollzugsanstalten kaum einer Gedanken, was eine Zelle „lehrt“ und welche Bedeutung ein Leben ohne Türgriff auf acht Quadratmetern hat. So groß nämlich ist die Standardzelle seit mehr als 150 Jahren. Wer in einem der alten Knäste sitzt, befindet sich in
Gespräch: Aus Wohltätigkeit muss politisches Handeln werden ��������������� 10-13
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einem Raum, der alle möglichen Staatsformen überlebt hat: Kaiserzeit, Weimarer Republik, Faschismus, Bundesrepublik. Einer, der das erlebt hat, ist Klaus Jünschke, der sich im Interview mit Markus Bernhardt für die weitgehende Abschaffung von Haftstrafen ausspricht und gleichzeitig, ganz ohne Häme, mal einige Dinge klärt – im weiten Feld
S.13
Lesung: WordsWelcome! ���������������� 14-15
von Willkommenskultur, AfD und Kriminalität. Wir wünschen allen einen geschützten Raum, wo man sich gerne und freiwillig niederlässt. Vielleicht, um dieses Heft zu lesen. In diesem Sinne,
Christina Bacher
Verkäuferportrait: Valerie Williams �������������������������� 16-17 Gerd Bonse: Lothar ������������������������������������������������� 18 Spuren der Armut: Et Bolze Lott ��������������������������������� 19 Aus den Einrichtungen ���������������������������������������� 20-21 Comic, Kolumne ���������������������������������������������������� 22 Buch-Tipps ���������������������������������������������������������� 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27
Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: nach Terminvereinbarung 3
K(L)EIN ZUHAUSE
WOHNBOXEN
für Arme
Sven Lüdecke organisiert regelmäßige Bau-Wochenenden in Zündorf
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K(L)EIN ZUHAUSE
Kann man Glück eigentlich weiterreichen? Für den Kölner Fotografen Sven Lüdecke – ein Mann, der nach eigener Aussage alles hat, was er braucht – ist die Ant-
A
ndreas ist stolz wie Oskar. Mit der Faust umschließt er einen Schlüssel und strahlt dabei über das ganze
Gesicht. „Der passt zu meinem Zuhause“, sagt der 51-Jährige stolz und spielt dabei auf die schmale Wohnbox aus Holz an, die er Anfang Dezember von Sven Lüdecke geschenkt bekommen hat. Einfach so.
wort ganz einfach: Klar kann man
„Das war Geburtstags- und Weihnachts-
das. Man muss nur Hand in Hand
dem gepflegten Bart im Blaumann. Seit-
ans Werk gehen. Um herauszufin-
geschenk gleichzeitig“, sagt der Mann mit dem lebt der gebürtige Kölner mit seiner Hündin Bella, einem deutsch-belgischen
den, was der andere benötigt.
Schäferhund, in einem aus Europaletten und Pressholz gefertigten Kleinst-Häus-
architekt Grego-
Und dann nimmt man sich eben
chen irgendwo am rechten Rheinufer und
ry Kloehn Furore mit
kann nach Monaten auf „Platte“ endlich
seinen aus Sperrmüll gefertigten „Home-
mal wieder durchschlafen. Dass sein neu-
less Houses“ machte, die zunächst nur als
chen Geld und einen Hammer,
es Zuhause nur 1,60 Meter hoch, 2,60
Kunst-Objekte gedacht waren. Lüdecke
Meter lang und 1,40 Meter breit ist, ist
hat einen Film über den Amerikaner gese-
und baut demjenigen ein Haus,
ihm dabei egal. „Es ist mehr als ein
hen, von dem es inzwischen sogar „How
der noch keins hat. So macht Sven
abschließbarer Schlafplatz für mich. Aber
to do“-Tutorials im Internet gibt für alle,
dass ich meine Sachen auch tagsüber hier
die die Häuser nachbauen wollen. „So
lassen kann und das ganze Zeug nicht mit
etwas will ich auch machen, habe ich
mir rumschleppen muss, wenn ich mal zu
damals gedacht. Und mir einfach ein paar
Home Köln“ gerade nicht nur in
den Ämtern muss, ist super“, sagt der
Paletten und das nötige Werkzeug
Deutschland Furore – seine selbst
Mann, der im letzten Sommer nach acht-
besorgt“, sagt Lüdecke. Ganz eindeutig ein
zehn Jahren Wanderschaft wieder nach
Mann der Tat. Im September 2016 war die
Köln zurückgekommen ist. Vor kurzem
erste Box zum Abtransport bereit. Heute
fühlte er sich noch von allem und jedem
steht sie am Breslauer Platz, in Bahnhofs-
sogar bis ins chinesische Staats-
verlassen. Und jetzt so etwas. Immer wie-
nähe. Keiner weiß wie lange noch.
der schüttelt er fassungslos den Kopf. Ein
Andreas kam im letzten Sommer in
fernsehen geschafft. Neben großer
Holzhaus. Zwar ohne offiziellen Stellplatz.
Köln an. Einer seiner ersten Wege führte
Und nur so halb geduldet dort, wo es jetzt
ihn zur OASE, einer Einrichtung für Woh-
steht. Aber immerhin ein Anfang. Und
nungslose im Rechtsrheinischen, wo man
der Idealist aber auch Kritik von
was gegen das kalte Wetter, das ihm sonst
ihm neben einer warmen Mahlzeit auch
vor allem nachts ganz schön in die Kno-
ein Schließfach für seinen Rucksack und
Behörden und Vertretern von
chen zieht.
eine Postadresse anbot. Erste Maßnahmen
die Zeit, möglichst auch ein biss-
Lüdecke mit seiner Initiative „Little
gebauten Wohnboxen haben es
Begeisterung in der Szene erntet
Hilfsorganisationen, die in seinem Projekt nur eine Ablenkung vom eigentlichen Problem sehen: dem
hin zu einem geregelteren Tagesablauf.
„Ein Jäger- und Sammlerhaus aus dem 21. Jahrhundert. Errichtet aus den ausrangierten Früchten des urbanen Dschungels.“
Erste Bestrebungen, ein neues Leben zu
Innenarchitekt Gregory Kloehn
zu können“, sagt Ingo Leis, Sozialarbeiter
Mangel an bezahlbarem Wohnraum im städtischen Raum.
Text: Christina Bacher Fotos: Stefan Borghardt
beginnen. „Andreas kam von sich aus auf uns zu. Das ist eine gute Voraussetzung, um jemandem auch längerfristig helfen in der OASE, der dem Obdachlosen auch
Keiner, nicht mal Sven Lüdecke selbst,
bürokratische Hilfe anbot. „Wichtig ist erst
hätte noch vor wenigen Monaten daran
einmal, dass die Leute wieder Vertrauen
gedacht, dass aus seiner verrückten Idee
und Mut gewinnen, dadurch realistische
überhaupt etwas erwachsen könnte.
Ideen für die Zukunft entwickeln. Das
Dabei gibt es schon eine ganz ähnliche
haben wir für Andreas schon mal
Geschichte aus New York, wo der Innen-
geschafft!“ Die OASE bietet – wie einige
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K(L)EIN ZUHAUSE
Die Stimmung ist gut. Alle packen mit an.
andere Einrichtungen in Köln auch –
Andreas’ Kooperationsbereitschaft und
wenigen Wochen vier Leute von der Stra-
Wohnraum für eine gewisse Zeit an, so-
der Wille, sein Leben in neue Bahnen zu
ße Obdach bekommen – in einer Art
wohl in einem eigenen Haus in Porz als
lenken, war auch für Sven Lüdecke aus-
Wohngemeinschaft. Auch Andreas steht
auch in Wohnprojekten der Kölner Innen-
schlaggebend, den gelernten Maler und
auf der Auswahl-Liste für ein Zimmer. Was
stadt. „Es gibt eine Warteliste, aber unmög-
Lackierer als Bewohner für eine Wohnbox
aber wird dann mit seiner Wohnbox pas-
lich ist es nicht, da rein zu kommen“, sagt
in Betracht zu ziehen. „Ich gehe da nach
sieren? Bleibt die dann leer am Rheinufer
Leis, der sich unter anderem um die So-
meinem Bauchgefühl, wer eine der
stehen? Oder wird sie weiter gereicht?
zialarbeiter-Begleitung der Menschen in
begehrten Boxen bekommt. Inzwischen
Anwärter darauf gibt es ja genug. „Das
den Wohnungen kümmert. „Man muss
haben wir eine Warteliste von mehr als
darf Andreas entscheiden. Die Box gehört
eben miteinander im Gespräch bleiben.“
hundert Leuten, die aber nicht alle bereit
ja ihm“, sagt Sven Lüdecke.
sind, auch am Bau mitzuhelfen. Das aber
„Ich gehe da nach meinem Bauchgefühl, wer eine Box bekommt.“ Sven Lüdecke, Initiator
Bald Nachbarn: Patrick und Andreas haben eine Option auf das neue Wohnprojekt in Lüdeckes Hinterhof.
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cke, der als hauptberuflicher Fotograf
„Der Begriff ‚Little Home‘ ist irreführend“.
immer viel unterwegs ist und sich nur am
Rainer Straub, Bauaufsichtsamt
ist für mich die Voraussetzung“, sagt Lüde-
Wochenende um das Projekt kümmern kann. Manchmal nimmt er sogar eigens
Der Stadt Köln scheint die ganze Angele-
Urlaub für „Little Home Köln“, „dass es
genheit gerade eher ein Dorn im Auge zu
weiter geht“, wie er sagt. „Klar, ich merke
sein. Inge Schürmann, Pressesprecherin
schon, dass das Ganze zur Zeit immer grö-
der Stadt Köln, jedenfalls hat bereits
ßer wird. Da ja inzwischen auch Spenden
mehrfach darauf hingewiesen, dass solche
reinkommen, die wir dringend für Mate-
Holzhütten für den dauerhaften Aufent-
rial und Verpflegung brauchen, haben wir
halt von Menschen in keinster Weise
uns zu der Gründung eines Vereins ent-
geeignet seien. Für eine Beurteilung, ob
schlossen“, erzählt Lüdecke von den neu-
sie für einen temporären Aufenthalt von
esten Plänen. Ein aktuelles Bauvorhaben
Menschen oder zur Lagerung von persön-
gibt es auch: Auf dem Gelände, auf dem
lichem Hab und Gut zulässig sein könn-
er selbst lebt, lässt er gerade eine Scheune
ten, fehle bislang die Beurteilungsgrund-
zu Wohnraum ausbauen. Hier werden in
lage durch einen Antrag, heißt es aus dem
K(L)EIN ZUHAUSE
Patrick (re.) hat sogar durch „Little Home Köln“ einen Job bei einer Baufirma gefunden.
gehören ja gar nicht mir. Die
fach nur ein Hammer, Holz, handwerkli-
Anträge müssten dann die stellen,
ches Geschick und Gottvertrauen?
auf deren Grundstücke sie stehen.
Dass selbst Vertreter von Einrichtungen
Oder diejenigen, die die Schen-
der Kölner Wohnungslosenhilfe das Pro-
kungsurkunde und den Schlüssel
jekt kritisch sehen, findet er schade. Er
bekommen haben“, stellt er seine
versteht deren Argumente und weiß, dass
Sichtweise dar. Selbstverständlich will
seine zwölf Wohnboxen nicht die Welt
er nicht, dass seine Freunde von der Stra-
verändern können. Es stimme natürlich,
ße Ärger bekommen. „Ich lasse die Leute
dass die Auswahl der von ihm Beschenk-
jetzt nicht im Regen stehen. Ich helfe
ten immer nur willkürlich sein könne und
natürlich gerne, wo ich kann. Aber alles
dass zu wenige in den Genuss dieses Ange-
Presseamt der Stadt noch Ende Februar.
eben der Reihe nach“, sagt der Mann, der
bots kommen. Ist es deshalb schlecht, was
Auch Rainer Straub vom Kölner Bauauf-
eigentlich nie etwas mit Menschen auf der
er macht?
sichtsamt hat bislang keinerlei Anträge
Straße zu tun hatte. Der quasi über Nacht
erhalten, die aber dringend erforderlich
zum Helfer wurde. Und der auch noch
seien, um die Boxen einer ordentlichen
einen Vollzeitjob hat, der an ihm zehrt.
Prüfung zu unterziehen. „Bei den Bauten
Doch dann hat er auf einer seiner Reisen
handelt es sich, soweit bisher erkennbar,
mitbekommen, wie man eine obdachlose
um bauliche Anlagen, an die Anforderun-
Frau aus dem Bahnhof warf, einfach so.
In Berlin findet man es jedenfalls toll,
gen nach der Bauordnung für das Land
Plötzlich war die Idee da, anderen zu hel-
was der Kölner da auf die Beine stellt.
Nordrhein Westfalen (BauO NRW) zu
fen, die sonst keine Lobby haben. Muss
Dort hat Lüdecke in der Diakonie sofort
stellen sind.“ Da sich Personen durchaus
man dafür ein komplettes Studium der
einen Partner gefunden, der gleich neun
dauerhaft im Bauwerk aufhalten, müssen
Sozialarbeit vorweisen? Heißt das, dass
Boxen fest auf einem Grundstück der Kir-
„Anforderungen an Aufenthaltsräume zu
man nur eine Chance hat, wenn man jah-
che installieren möchte. Auch die Gesprä-
stellen sein“.
Herzlichen Glückwunsch! Peter bekommt heute den Schlüssel und die Schenkungsurkunde für eine Box überreicht.
„Dass ich Sven begegnet bin, ist wie ein Wunder“. Markus, Wohnbox-Bewohner
relang Netzwerke gebildet und Kontakte
che mit den Ämtern laufen reibungslos.
Sven Lüdecke weiß darum. Da er sich
geknüpft hat? Und einen guten Draht zur
„Ich habe in den letzten Monaten viel
aber nicht als Antragsteller sieht, hält er
Bauaufsicht und zur Stadtverwaltung
dazu gelernt. In Köln habe ich eben zuerst
erst einmal die Füße still: „Die Boxen
pflegt? Oder reicht nicht manchmal ein-
gebaut und damit alle überrumpelt, in
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K(L)EIN ZUHAUSE
Andreas ist überglücklich. Er ist dank der eigenen Wohnbox gut über den kalten Winter gekommen.
Köln-Zündorf kommen langsam zum
sehen. „Ich habe ja alles, was ich brauche.
Ende ihres Tagwerks. Nachdem der letzte
Ich möchte davon eben ein Stückchen
Nagel ins Holz getrieben wurde, übergibt
abgeben. Nicht immer so einfach, wie ich
Sven Lüdecke dem Obdachlosen feierlich
zuerst gedacht habe“.
die Schenkungsurkunde und den Schlüssel für die neue Wohnbox. Eben noch ohne festen Wohnsitz, jetzt schon Hausbesitzer. Der kann es gar nicht fassen, zögert, Berlin läuft es
8
lächelt und schaut verlegen in die Runde.
umgekehrt.
„Meins?“ Er zeigt auf das Haus. Lüdecke
Das ist besser!“, weiß er heute. Immerhin
nickt. „Deins. Wo sollen wir es hinstellen?“
hat er eine Einladung von Sozialdezer-
Der Transport der Box gehört nämlich mit
nent Rau bekommen, nachdem er Ober-
zu der Schenkung. Und auch für Andreas
bürgermeisterin Henriette Reker einen
gibt es heute eine Überraschung. Er wird
offenen Brief geschrieben hat. Das ist
in Bälde tatsächlich ein Zimmer in der
doch schon mal was. Er freut sich darüber
neuen Wohngemeinschaft bekommen
wirklich, wichtiger aber ist, dass es voran
und somit direkter Nachbar von seinem
geht mit dem Bau der nächsten Wohnbo-
Kumpel Patrick werden, mit dem er früher
xen. Das nächste Bauwochenende ist
„Platte“ gemacht hat.
jetzt
schon anberaumt, es haben sich 40 Solda-
Sven Lüdecke strahlt. Obwohl er auch
ten der US-Luftwaffe gemeldet, die ihm
müde sein muss nach so einem vollen Tag.
dabei helfen wollen.
Er hat wieder alles gegeben. Mit Men-
Doch erst einmal soll Peter heute
schen Häuser gebaut. Mit Journalisten
beschenkt werden, er hat den ganzen Tag
geredet. Kaffee gekocht. Und er hat heute
fleißig am Bau mitgeholfen. Der Kaffee
wieder mindestens zwei Menschen glück-
dampft schon, die Helfer auf dem Hof in
lich gemacht – mal von sich selbst abge-
lll
unterstützung
Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich via Facebook an Sven Lüdecke wenden: www.facebook.com/Sven.Luedecke/?fref=ts Spenden an Sven Lüdecke „Little Home Koeln“ IBAN DE96 3705 0198 1933 6044 47 BIC COLSDE33XXX www.paypal.me/littlehomekoeln
Soziale stadtrundgänge
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen
Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen
Arbeiten
Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung
Pflegewohnheim
begleiten und fördern I beraten und anleiten
Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
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K(L)EIN ZUHAUSE
„Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden." Abraham Lincoln Foto: Forum für mediale Gegenöffentlichkeit | r-mediabase
Aus Wohltätigkeit muss politisches Handeln werden. Gespräch mit Klaus Jünschke. Über Isolationsfolter, einen Klassenkampf, den die Linke nicht erkennt, und nötige Veränderungen in Willkommensinitiativen.
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Sie waren selbst aufgrund Ihrer Mitglied-
das damals als Folter skandalisiert und uns
der Partei zu werden. Es gibt immer wie-
schaft in der RAF von 1972 – 1988 in Haft
mit Hungerstreiks dagegen gewehrt. Heu-
der die Möglichkeit einzelnen Gefange-
und sind seit 1995 immer wieder vom Rat
te wird kaum noch abgestritten, dass es
nen zu helfen, auch solchen in Isolations-
der Stadt in den Gefängnisbeirat gewählt
Isolationshaft gibt und dass sie men-
haft. Bei einer Gefangenen, die isoliert
worden. Wie haben Sie Ihre eigene Haftzeit
schenunwürdig ist. Nach der Haft habe
war, weil sie verdächtigt wurde, die türki-
wahrgenommen und wie hat sich dies auf Ihr
ich durch Bücher, Zeitungsartikel, Vorträ-
sche DHKP-C unterstützt zu haben, hat
heutiges politisches Engagement ausgewirkt?
ge und Interviews darüber gesprochen. Als
sich sogar der Anstaltsleiter an die Bun-
Klaus Jünschke: Ich war die ersten sieben
mich die Kölner Grünen 1995 fragten, ob
desanwaltschaft gewandt und das Ende
Jahre in Isolationshaft. Im Justizjargon
ich für sie in den Gefängnisbeirat gehen
der Isolationshaft gefordert. In den 70er
heißt das „strenge Einzelhaft“. Wir haben
würde, habe ich zugesagt – ohne Mitglied
Jahren wäre das undenkbar gewesen.
K(L)EIN ZUHAUSE
In den deutschen Knästen existieren eine
liche aus ihrem Freundeskreis mit ihnen
Schutz vor Übergriffen. Ohne ein Gespür
Menge Probleme. Der Resozialisierungsge-
reden und den Konflikt schlichten, der zur
dafür, dass die Zelle selbst ein Übergriff
danke spielt kaum mehr eine Rolle. Wurde
Schlägerei führte. Es kann aber auch dazu
ist. Und um alles noch schlimmer zu
er bereits aufgegeben?
kommen, dass jemand die Polizei ruft, die
machen, wurden Jugendgefängnisse mit
Klaus Jünschke: SPD, Grüne und Linke
dann eine Anzeige wegen schwerer Kör-
über 500 Zellen gebaut.
sind bei jeder Demo gegen die AfD dabei,
perverletzung aufnimmt. Aus einem
In Sammelunterkünften solcher Größe
aber sie wollen nicht kapieren, dass law-
Ärgernis unter Jugendlichen ist damit eine
bilden sich automatisch Subkulturen in
and-order genauso ein Kernelement des
Straftat geworden, die in der Polizeilichen
denen das Recht des Stärkeren gilt. Gefan-
Neofaschismus ist, wie Antisemitismus,
Kriminalstatistik erscheinen wird und viel-
gene haben mich immer wieder gefragt,
Rassismus, Sexismus, Nationalismus und
leicht zu einem Artikel in der Lokalpresse
wie man nur die Idee haben kann, so vie-
Militarismus. Ein Ergebnis dieser Igno-
über Jugendgewalt führt und unter
le von ihnen auf einem Platz zusammen-
ranz: zwei Drittel der Wählerinnen und
Umständen zu einer Gerichtsverhandlung.
zubringen.
Wähler der genannten Parteien sind für
Ein Beispiel für Entkriminalisierung ist
die Abschiebung von straffällig geworde-
der § 175, der 1994 gestrichen wurde. Als
Nun werden trotzdem viele Menschen ein-
nen Ausländern. Dass Kriminalität eine
das Reichsstrafgesetzbuch 1872 in Kraft trat
wenden, dass Verbrecher jedoch bestraft
Zuschreibung ist, wissen sie nicht, für sie
wurde mit dem § 175 sexuelle Handlungen
werden müssten.
ist Kriminalität eine Ausländereigen-
zwischen Männern unter Strafe gestellt.
Klaus Jünschke: Die meisten Opfer von Straftaten wollen, dass der angerichtete
schaft. Die Parteien gehen da nicht dran, weil sie Schiss haben, ihre desorientierte
Was meinen Sie mit „Zellensystem“?
Schaden so weit wie möglich wieder gut
Wählerschaft bestraft sie bei den nächsten
Klaus Jünschke: Hinter den Mauern sind
gemacht wird und dass das, was ihnen
Wahlen. Oder sie machen selbst einen law-
die Gefangenen in Zellen untergebracht,
widerfahren ist, anderen nicht auch noch
and-order-Wahlkampf, wie Schröder 1998
nicht in Zimmern. Eine Zimmertür hat
passiert. Mit dem dafür entwickelten
oder jetzt in diesem Wahljahr, wo alle sich
innen und außen eine Klinke, eine Zellen-
Täter-Opfer-Ausgleich könnten viel mehr
mit vermehrten Abschiebungen über-
tür nicht. Die Standardzelle ist seit über
Delikte bearbeitet und Haft vermieden
trumpfen wollen.
150 Jahren acht Quadratmeter groß, zwei
werden.
Gefangene haben keine starke Lobby,
Meter breit, vier Meter lang. Wer in einem
In der Öffentlichkeit wird das kaum
obwohl die Kritik am Gefängnis so alt ist
der alten Knäste sitzt, befindet sich in
vermittelt. Für die Medien gilt „sex and
wie das Gefängnis selbst. Strafvollzug ist
einem Raum der alle möglichen Staatsfor-
crime sells“.
Ländersache und die Landesregierungen
men überlebt hat: Kaiserzeit, Weimarer
geben Geld für die irrsinnigsten Sicher-
Republik, Faschismus, Bundesrepublik.
Sie machen sich für eine Welt ohne Knäste stark. Wie stellen Sie sich das vor?
heitsmaßnahmen aus, aber sie hören nicht
In der Kindergartenpädagogik und in
auf den Rat derjenigen, die wissen, was
der Schulpädagogik wird heute vom Raum
Klaus Jünschke: Es gibt Menschen, deren
das Zellengefängnis anrichtet. Es werden
als drittem Erzieher oder drittem Lehrer
Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden
viel zu große Gefängnisse gebaut. Das Zel-
gesprochen – nach dem Klassenlehrer als
muss, weil sie für sich oder andere eine
lensystem wird nicht angetastet. Es wird
erstem und den Mitschülern als zweitem
Gefahr sind. Aber das sollte in Häusern
zuwenig Personal eingestellt und zu
Lehrer. Entsprechend wichtig wird die
mit Zimmern geschehen, in Räumen,
schlecht bezahlt. Trotzdem finden sich
Gestaltung der Räume für Kinder und
deren Türen innen eine Klinke haben, die
unter denen, die im Gefängnis arbeiten
Jugendliche genommen. Im Gefängnis
sie folglich verlassen können, wenn sie in
immer noch erstaunlich viele, die für
wird bis heute nicht gefragt, was der Raum
Angstzustände geraten. Und sie sollten vor
einen menschenwürdigen Behandlungs-
Zelle lehrt. Diese ungleiche Sozialbezie-
der Zimmertür immer jemanden treffen,
vollzug eintreten.
hung, für das die Zelle steht, konterkariert
mit dem sie sprechen können.
jedes vernünftige Behandlungsangebot.
Schon in der Weimarer Republik gab es
Wieso ist Kriminalität eine Zuschreibung?
Die Diskussion um die Käfighaltung von
mit Gustav Radbruch einen Justizminister,
Klaus Jünschke: Bestimmte Handlungen
Hühnern ist um Jahre weiter. Als der soge-
der für keine besseren Gefängnisse, son-
können kriminalisiert und Straftatbestän-
nannte Foltermord im Jugendgefängnis
dern für etwas Besseres als das Gefängnis
de können entkriminalisiert werden.
Siegburg bekannt wurde, hat die damalige
warb.
Wenn sich Jugendliche prügeln, können
Landesjustizministerin jedem Gefange-
In der Reformdiskussion um den Straf-
Nachbarn, ihre Eltern und andere Jugend-
nen eine Einzelzelle versprochen - zum
vollzug in der Bundesrepublik, war das
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K(L)EIN ZUHAUSE
NSCHKE Ü J S AU KL
In einem Hochsicherheitsge-
war für die Abgabe von Heroin an die
fängnis wie in Köln-Ossendorf
Süchtigen. Die Politik hat nicht auf ihn
sind 10 % aller Gefangenen nur,
gehört und so ist der Alltag in den Gefäng-
weil sie eine Geldstrafe nicht
nissen mit diesem hohen Anteil von Süch-
bezahlen können. Darunter
tigen bis heute davon geprägt. Ein dum-
immer mehr Rentner. Und jeder
mer Kleinkrieg zwischen Gefangenen und
ihrer Hafttage kostet 135 Euro.
ihren Bewacherinnen und Bewachern.
Noch dramatischer ist die
vorgesehen: Zimmer statt Zellen, ein offe-
Geschlechterblindheit. In jedem kri-
Ein weiteres Problem ist, dass die Gefange-
minologischen Lexikon gibt es die Kapi-
nen trotz ihrer Arbeit im Knast dafür keine
tel Ausländerkriminalität, Jugendkrimina-
Rentenleistungen erhalten. Sehen Sie Chan-
lität, Frauenkriminalität, seit neuestem
cen, dies in naher Zukunft zu ändern?
auch Seniorenkriminalität, aber keine
Klaus Jünschke: Für den Mindestlohn
Abhandlung über Männerkriminalität.
auch in den Gefängnissen und die Einfüh-
ner Vollzug ohne Mauern sollte Regelvoll-
Es ist nicht nur das Patriarchat, das älter
rung der Sozialversicherung engagieren
zug werden. Heute sind bundesweit keine
ist als der Kapitalismus, als Polizei, Justiz
sich nicht nur Bürgerrechtsorganisationen
10 % aller Gefangenen im Offenen Vollzug.
und Gefängnis. Seit es Herrschaft gibt, gibt
wie das Komitee für Grundrechte und
Der ehemalige Gefängnischef Thomas
es einen Bedarf an Sündenböcken. Der
Demokratie. Seit über einem Jahr gibt es
Galli erklärt in seinen Veröffentlichungen,
Münsteraner Soziologe Christian Sigrist hat
eine Gefangenengewerkschaft in der sich
warum er 90 % aller Gefangenen freilas-
zur Entstehung von Herrschaft geforscht.
inzwischen über 1.000 Gefangene organi-
sen würde.
Ein Ergebnis: „Allgemein lässt sich die Ent-
sieren. Diese Initiativen können eine Chan-
stehung von Paria-Gruppen als Ergebnis
ce bekommen, wenn sich in der Bevölke-
Wer wird weggesperrt?
von Herrschaftsbildung und wachsender
rung die Erkenntnis durchsetzt, dass es
Klaus Jünschke: In den 200 Gefängnissen
ökonomischer Ungleichheit erklären. Die
vernünftiger ist, soziale Konflikte sozial zu
in Deutschland sind rund 63.000 Jugend-
religiöse Überhöhung von Herrschaftsins-
lösen, statt mit immer mehr Repression,
liche und Erwachsene. Vor zehn Jahren
tanzen findet ihren Gegenpart in der
Überwachung und Kontrolle zu reagieren.
waren es noch 72.000. Sie sind kein Spie-
Dämonisierung von Randgruppen.“ Sie leben in Köln und engagieren sich mitt-
gelbild der Bevölkerung, sondern ein Zerrbild: Über 95 % aller Gefangenen sind
Auch die Substitution von Drogenkonsumen-
lerweile seit Jahrzehnten in der Flüchtlings-
männlich. Sie kommen überwiegend aus
ten ist mangelhaft, Spritzbesteck und Kon-
arbeit und gegen Rassismus. Wie ist aktuell
armen Familien, haben in der Kindheit
dome werden nur höchst selten zur Verfü-
die Stimmung in der Domstadt, wenn es um
massiv Gewalt erfahren, haben mehrheit-
gung gestellt. Welche Auswirkungen hat dies
das Thema Flucht und Migration geht?
lich keinen Schulabschluss, kaum eine
für Gefangene?
Klaus Jünschke: Die Bereitschaft Flücht-
Berufsausbildung, waren zur Tatzeit
Klaus Jünschke: Von Bundesland zu Bun-
lingen zu helfen ist ungebrochen. In allen
meistens arbeitslos und sind zu über 50 %
desland wird das sehr unterschiedlich
Stadtteilen gibt es Willkommensinitiati-
süchtig. Auch Ausländer mit schwachem
gehandhabt. In der JVA Köln können fast
ven. Gerade haben hunderte Schüler eines
Aufenthaltstitel sind überrepräsentiert in
alle Süchtigen mit Methadon durchsub-
Gymnasiums mit ihren Eltern vor dem
Haft.
stituiert werden. In Bayern ist das selten.
Rathaus gegen die Abschiebung von zwei
Europaweit wird die Vergabe von Einweg-
Klassenkameraden
Damit liegt ja auf der Hand, dass nicht nur
spritzen und sogar Heroin in den Gefäng-
demonstriert. Viele Helferinnen und Hel-
Gefangene ihr Verhalten ändern müssen,
nissen von Spanien von der AIDS-Hilfe
fer sind wegen der Abschiebungen von der
sondern dass auch in der Gesellschaft etwas
sehr gelobt.
Stadtverwaltung enttäuscht, auch weil
Albanien
In Köln hatten wir mit Jörn Foegen
immer noch Tausende Flüchtlinge in Hal-
Klaus Jünschke: Seit über 100 Jahren geis-
einen Anstaltsleiter, der immer wieder
len untergebracht werden. Eine zuneh-
tert der Satz von Franz von Liszt durch die
öffentlich erklärt hat, dass er ein Drittel
mende Zahl von Initiativen ruft zum
Gefängnisdebatten: „Eine gute Sozialpo-
aller Zellen dicht machen könnte, wenn
Widerstand gegen den Bundesparteitag
litik ist die beste Kriminalpolitik.“ Er ist
es in Deutschland eine an Leidverminde-
der AfD auf, der im April im Hotel Mari-
in der Politik noch nicht angekommen.
rung orientierte Drogenpolitik gäbe. Er
tim hier in Köln stattfinden soll.
verändert werden muss.
12
nach
K(L)EIN ZUHAUSE
Ist das nicht prima – eine ganze Stadt gegen
Opfer von Übergriffen waren, ist es viel
worten, dass Flüchtlinge zu Tausenden
die AfD?
wichtiger sich zu fragen, was in Köln zum
im Mittelmeer ertrunken sind und weiter
Klaus Jünschke: Bei den letzten Kommu-
Schutz von Frauen seither geschehen ist.
ertrinken. Sie stellen sich dieser Verant-
nalwahlen 2014 haben die rechten Par-
Die beiden Kölner Frauenhäuser müssen
wortung nicht und versuchen die Schuld
teien AfD, NPD und Pro Köln zusammen
täglich schutzsuchende Frauen abweisen.
den Fluchthelfern zuzuschieben. Die
etwas über 6 % der abgegebenen Stim-
Ihre Forderung nach einem dritten barri-
gnadenlose Abwehr der Flüchtlinge
men bekommen. Die Hälfte der Wahlbe-
erefreien Frauenhaus für Köln ist bis heu-
durch die Regierungen findet sich im
rechtigten blieb zuhause. Zur Wahl der
te nicht erfüllt. Die Kölner Gefängnislei-
blinden Hass der Rechten wieder. Es
Oberbürgermeisterin Reker kamen 2015
tung fordert seit fünf Jahren von der Lan-
kommt darauf an, dass aus der Wohltä-
nur 40,3 %. In den vergangenen Jahren ist
desregierung die Einrichtung einer sozi-
tigkeit der Willkommensinitiativen poli-
auch die Schere zwischen arm und reich
altherapeutischen Abteilung für die
tisches Handeln zur Überwindung der
in Köln weiter auseinandergegangen.
weiblichen Jugendlichen, ohne dass es bis
Fluchtursachen wird und zur Überwin-
Über 25 % aller Kölner sind arm. Aber es
heute dafür eine Finanzierung gibt,
dung der Armut hier.
gibt in Köln keine vergleichbare Mobili-
obwohl im Jugendstrafvollzugsgesetz sol-
sierung gegen die Verarmung, ihre Verur-
che sozialtherapeutischen Einrichtungen
sacher und ihre Nutznießer, wie gegen
vorgeschrieben sind.
Das Interview mit Klaus Jünschke führte Markus Bernhardt für die junge welt, wo es am 18./19.2.2017 erstmals erschienen ist. Wir bedanken uns für die Abdruckgenehmigung.
rechts. Obwohl mit Christoph Butterwegge, Deutschlands bekanntester Armuts-
Es scheint, als wäre es kaum möglich, mit
forscher, seit Jahren hier in Köln die wach-
Teilen der Bevölkerung sachlich über Flücht-
sende Armut skandalisiert. Die AfD hat
linge und das Thema Asyl zu diskutieren.
die Armut nicht verursacht, sie profitiert
Klaus Jünschke: Schon als die damals
nur davon, dass sich arme Deutsche und
noch Fremdarbeiter genannten Arbeits-
arme Zuwanderer als Konkurrenten
migranten Mitte der fünfziger Jahre ange-
gegenüberstehen, weil es keine gesamt-
worben wurden, hat man sie nicht öffent-
gesellschaftliche Bewegung zur Überwin-
lich als Problemlöser gewürdigt, sondern
dung der sozialen Ungleichheit gibt. Es
als Ausländerproblem. Zwei Drittel der
ist grotesk: Milliardäre wie Warren Buffet
Berichte in den Medien über Ausländer
erklären öffentlich, dass es einen Klassen-
in den 60er Jahren waren Berichte über
krieg gibt und es die Klasse der Reichen
Straftaten. Selbst im damals noch linksli-
ist, die diesen Krieg gewinnen wird, und
beralen Spiegel konnten 1972 solche Sät-
auf der Seite der Linken wird sich um den
ze gelesen werden: „Daß Südländer häu-
sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft
figer töten als Nordländer, haben schon
gesorgt.
Untersuchungen aus den Jahren 1922 bis 1926 ergeben.“
Die sexualisierten Übergriffe auf Frauen,
Die vielgerühmte Vergangenheitsbe-
die mehrheitlich von Nichtdeutschen
wältigung dient hauptsächlich legitimat-
begangen worden sein sollen und zu denen
orischen Zwecken.
es in der Silvesternacht 2015 auf 2016 kam,
Die Banken und Unternehmen, die Hit-
wirken jedoch bis heute politisch nach. Neo-
ler und die NSDAP unterstützt haben,
nazis und Rassisten haben die damaligen
wurden bekanntlich 1945 nicht enteignet.
Ereignisse für ihre Propaganda miss-
Dass Rheinmetall erlaubt wurde, in der
braucht. Wurde der Umgang mit Flüchtlin-
Türkei und in Algerien Panzerfabriken zu
gen beeinflusst?
bauen, ist kein Thema in Deutschland.
Klaus Jünschke: Die Dramatisierung und
Der deutsche Pass erlaubt Reisen in
Instrumentalisierung der Silvesternacht
fast alle Länder der Welt – umgekehrt ist
hat Walter van Rossum sensibel analysiert.
das nicht der Fall. Mit der Einführung der
Die Solidarität mit Flüchtlingen wurde
Visapflicht für afrikanische Länder haben
nicht gekippt. Da Frauen in dieser Nacht
die europäischen Regierungen zu verant-
lll
info
Wie Jünschke spricht sich auch der ehemalige Gefängnisdirektor Thomas Galli in Beiträgen für Fachzeitschriften für eine weitgehende Abschaffung von Haftstrafen aus. Im Neuen Deutschland (1.6.2016) formulierte er: „Einen Menschen dazu zu bewegen, sich mit der Gesellschaft und ihren Normen zu versöhnen, indem man ihn – über Jahre oder Jahrzehnte – wegsperrt wie einen Hund, zusammen mit hunderten anderer Normbrecher? Und welchen Sinn soll es haben, die Allgemeinheit vor einem Gefangenen zu sichern, der nach der Haft noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt und somit eher gefährlicher als vorher ist? Nein, Gefängnis ist und bleibt im Kern Vergeltung, ohne Wert für die Zukunft.“ Klaus Jünschke veröffentlicht regelmäßig Beiträge zur Situation Gefangener und Geflüchteter und ist Herausgeber und Mitautor mehrerer Bücher zu diesen Themen, darunter Klaus Jünschke, Jörg Hauenstein, Christiane Ensslin: Pop Shop. Gespräche mit Jugendlichen in Haft. konkret literatur verlag, Hamburg 2007. 13
K(L)EIN ZUHAUSE
WordsWelcome Geflüchtete Autoren aus Krisenländern lasen bei der Premierenveranstaltung „Words Welcome!“ von distriktneun im guckundhorch. Von Thomas Dahl
die Autorin die Gefühlslage des Kindes in unvergessliche Ausrufe des Leids. Mit seiner Bildergeschichte „Schiri – der Milchweiße“, über einen Hirtenhund, der Wanderer vor dem Angriff einer Raubkatze bewahrt, unterstrich Comiczeichner Jahangir Dermani Werte wie Mut und Liebe.
Bedrohung und Zensur „Ich kam 2009 nach Deutschland und lebe seit ungefähr vier Jahren in Köln. In meiner Heimat, dem Iran, konnte ich nicht mehr veröffentlichen. Ich wurde dort
Z
bedroht und meine Bücher wurden zenur Premierenveranstaltung von
heißt es etwa in „Palmyra – was bleibt?“,
siert. An eine Rückkehr ist nicht zu den-
„Words Welcome!“ begrüßten die
vom syrischen Archäologen und Kunsthis-
ken, so sehr ich mir das auch wünschen
Initiatoren von „distriktneun – die
toriker Jabbar Abdullah in Anlehnung an
würde“, erklärt Lyrikerin Pegah Ahmadi
Stadtteilschreiber von Mülheim“ nicht nur
eine vom Regime blutig niedergeschlagene
im Gespräch. In wenigen Wochen wird
vier aus ihren Heimatländern geflüchtete
Studentendemo: „ … Hunderte von Solda-
Ahmadis neues Buch, eine Sammlung von
Autoren, sondern auch annähernd 50
ten stellten sich meinem Traum von einer
Gedichten, im Bremer Sujet Verlag publi-
Besucher im vollbesetzten guckundhorch
demokratischen Freiheit entgegen … Das
ziert. Die Lesung im guckundhorch nahm
an der Buchheimer Straße. Der auf Initia-
Übel hatte über das Gute gesiegt ...“. Auch
die 42-Jährige gerne wahr: „Als man mich
tive von Marco Hasenkopf, Eva-Maria
die iranische Dichterin, Literaturkritikerin
anschrieb, habe ich natürlich zugesagt.
Marx und Lütfiye Güzel in nur zwei Mona-
und Übersetzerin Pegah Ahmadi vermoch-
Das ist eine großartige Möglichkeit, über
ten Vorarbeit realisierte Event möchte
te, Erlebtes in aufwühlende Sprache umzu-
die Literatur mit den Menschen zusam-
Flüchtlingen und deren Geschichten eine
setzen. In ihrem Gedicht „Wucht“ finden
men zu kommen“, so Ahmadi.
Plattform schaffen. Unterstützung erhielt
sich die Zeilen „Die Zunge ist zerschnitten
Abseits der neuen Lesereihe im
das Kollektiv durch NRW-Fördermittel.
vom Schrecken/Nichts macht mehr Angst
guckundhorch plant Mitinitiator Marco
Die in Farsi, Arabisch und Spanisch gehal-
als die Zensur/Liebe ist seit einem halben
Hasenkopf für den Herbst ein interkultu-
tenen Lesungen wurden dabei von Schau-
Jahrhundert ein Ungeheuer/Gib meinem
relles Autorencamp mit Vergabe von Sti-
spieler Thomas Krutmann in einer deut-
blutunterlaufenen Hals eine Unterschrift/
pendien, die einen mehrwöchigen, finan-
schen Übersetzung einfühlsam begleitet.
Die Revolution ist gestürzt ...“. Die freilie-
zierten Aufenthalt in einer Mülheimer
Musikalische Untermalung erfuhr der
genden Emotionen erfuhren mit den Schil-
Künstler-Residenz umfassen sollen.
Abend durch Jamal Abu Khaled an der
derungen von Leocadie Uyisenga einen im
Oud, einer Kurzhalslaute. Neben Prosatex-
wahrsten Sinne des Wortes traurigen
ten stellten die Künstler aus dem Iran,
Höhepunkt. Die aus Ruanda stammende
Syrien und Ruanda Lyrik sowie Comics vor.
junge Frau erinnerte mit ihrem Prosawerk „Das Vermächtnis meiner Mutter“ an den
„Die Zunge ist zerschnitten vom Schrecken“
Völkermord der Hutu, die 1994 in nur wenigen Monaten hunderttausende Angehörige der Tutsi-Minderheit töteten. Unmittel-
14
Mit großer Konzentration verfolgten die
bar vor ihrer Lesung erklärte Uyisenga,
Zuhörer die jeweils rund 15-minütigen
„Oft muss ich weinen, wenn ich meine
Autoren-Auftritte von Jabbar Abdullah,
Texte lese, aber heute versuche ich, das
Pegah Ahmadi, Leocadie Uyisenga und
auszuhalten.“ Die Erzählung beginnt mit
Jahangir Dermani, die das Publikum
dem Erwachen eines Mädchens, auf dem
scheinbar schon vor der Übersetzung zu
die Leiche eines Familienmitglieds liegt
berühren vermochten. Reflektionen auf
und schildert die Flucht der Achtjährigen
die Politik und die Auswirkungen auf das
aus einem wahrgewordenen Albtraum.
Individuum bestimmten die Werke. So
„Ich schrie und schrie und schrie!“, fasst
lll
info
Der einstige Secondhandladen wurde 2016 von acht Kulturschaffenden als guckundhorch zu einer Begegnungsstätte der Künste umfunktioniert. In der Stätte soll mittels Ausstellungen oder Lesungen die Kommunikation im Veedel gefördert werden. Darüber hinaus wird der kulturelle Brückenschlag über den Rhein angestrebt. Für 2017 hat sich das Kollektiv ein verstärktes politisches Programm auf die Fahne geschrieben, um auf den steigenden Populismus in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Adresse: Buchheimer Straße 1A, 51063 Köln Öffnungszeiten: donnerstags, 17 bis 22 Uhr www.guckundhorch.de www.stadtteilschreibermuelheim.wordpress.com
K(L)EIN ZUHAUSE
Leocadie Uyisenga berührte die Zuhörer mit einer traumatischen Schilderung über den Völkermord in Ruanda.
Die iranische Dichterin Pegah Ahmadi fesselte die Zuhörer im guckundhorch mit wortgewaltiger und Metaphernreicher Lyrik.
Der syrische Archäologe, Kunsthistoriker und Autor Jabbar Abdullah berichtete von seinen Erlebnissen bei einer vom Regime blutig niedergeschlagenen Studentendemo.
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aus alles welt
Valerie Williams hat vor kurzem ihr bezahltes Praktikum bei der StraĂ&#x;enzeitung Real Change abgeschlossen. Foto: Real Change.
16
aus alles welt
Verkäuferportrait
Valerie Williams Straßenzeitung Real Change in Seattle, USA Obdachlos zu werden war für Valerie Williams wie ein Schock. Nachdem sie nach Seattle umgezogen war, hatte sie Schwierigkeiten einen Job zu finden, und plötzlich fand sie sich ohne Unterkunft. Doch dank der Straßenzeitung Real Change hat sie heute wieder eine eigene Wohnung und hat sogar vor kurzem ein bezahltes Praktikum beim Blatt begonnen. Jetzt unterstützt sie auch andere Verkäufer.
triebstreffen zu sitzen und den neuen Verkäufern und Veteranen Feedback zu geben. „Ich gebe den neuen Verkäufern etwas Mut, sage ihnen, dass es Zeit und Geduld braucht, bis man sich etabliert hat. Man kann seine eigenen Ziele festlegen. Man macht das, was man kann, um erfolgreich
Von Mike Wold
zu sein. Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Doch wir sind wie ihr Dorf. Wenn es ihnen schwer fällt, die
N
Zeitung zu verkaufen, dann hilft Real Change dabei.“
ichts hat Valerie Williams darauf
Kunden richtig kennenzulernen und
vorbereitet, obdachlos zu werden.
umgekehrt. Ich konnte sehen, wie sie sich
Heute hat Valerie ihre eigene Wohnung
In San Francisco, wo sie aufwuchs,
fragten, ‚Okay, was macht die denn hier?‘
in Columbia City: „Ich liebe Seattle. Ich
konnte sie viel Arbeitserfahrung sam-
und ich sagte ihnen, ‚Ich verkaufe Real
liebe die Stadt jetzt umso mehr, seitdem
meln. Sie war ein aktives Mitglied der
Change. Die Zeitung, die sozial und finan-
ich eine Wohnung habe und ich weiß, wo
Gemeinschaft und Leiterin einer Pfadfin-
ziell benachteiligte Menschen unter-
ich mir etwas zu Essen besorgen kann.“ Es
dergruppe. Ihre Mutter, Schwester und
stützt.‘ Ich fing auch an, die Zeitung regel-
gibt noch einen weiteren Vorteil: Sie strei-
Bruder sowie zwei von ihren drei erwach-
mäßig zu lesen. Ich muss ja wissen, wor-
tet nicht mehr mit ihrem Freund über das
senen Kindern wohnen immer noch in
über ich rede, wenn ich mich mit den
Fernsehprogramm. „Bei ihm schauen wir
Kalifornien.
Leuten über Mietrecht und die Rechte der
meistens Sport. Ich mag lieber Krimiseri-
Obdachlosen unterhalte.“
en, die meinen Freund wahnsinnig
„Vor achtzehn Jahren habe ich einen Typen kennengelernt und der sagte,
Valerie spricht mit den Kunden auch
‚Komm, wir gehen nach Seattle, dort gibt
über deren Leben. Um optimistisch zu
es Arbeit‘. Doch als wir ankamen, waren
bleiben, hört sie Soulmusik aus den 60ern:
wir wohnungslos.“
„Temptations, Al Green, Ray Charles. Es
Damals findet Valerie oft Arbeit durch
entspannt mich.“ Ihre Kunden reagieren
den „Millionair Club“, ein Wohlfahrtsver-
darauf: „Oh, du siehst heute schön aus“,
band, der Menschen hilft, ihr Leben wie-
„Brauchst du irgendwas heute?“, „Darf ich
der aufzubauen. Im Großraum Seattle
dir etwas zu trinken holen?“
bietet er denjenigen Arbeit und Unterstüt-
Weil sie mit der Zeitung vertraut ist
zung, die obdachlos oder arbeitslos sind.
und darauf achtet, wie sie mit den Leuten
Als Valerie zum ersten Mal von der Stra-
umgeht, bekommt sie eine unerwartete
ßenzeitung Real Change hört, ist sie im
Chance: ein Praktikum bei der Zeitung.
Obdachlosenheim Angeline’s: „Angeline’s
Jedes Quartal bietet Real Change als Teil
war in Ordnung. Dort bekommt man drei
des
Mahlzeiten am Tag und man hat auch vor
11-wöchige Praktika an. Es umfasst haupt-
Ort Zugang zu einem Computerraum,
sächlich Büroarbeit, also Fotos machen,
einer Dusche und einer Wäscherei. Was
Namenschilder laminieren und Akten
Real Change angeht, als ich dort anfing,
ablegen. Valeries Lieblingsaufgabe ist es
brauchte ich ungefähr 30 Tage, um meine
jedoch, in Orientierungs- und Ver-
Verkäuferprogramms
bezahlte
machen. Bei mir kann ich mir anschauen, was ich will.“ Mit freundlicher Genehmigung von Real Change / INSP.ngo Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche von Iona Mortimer
lll
real change
Sitz: Seattle (Washington), USA Gestartet: 1994 Erscheint: wöchentlich Verkäufer: mehr als 800 jährlich Auflage: 20.000 Zeitungspreis: 2 US $, davon 1,40 US $ davon darf die Verkäuferin behalten 17
bonse
lothar Lothar kommt aus Zollstock und ist häufiger auf der Schildergasse anzutreffen. Familiäre Schwierigkeiten haben ihn auf die Straße getrieben. Er liest sehr gerne und arbeitet sich hier durch „Die Geburt Europas im Mittelalter“ von Jacques Le Goff. Darüber hinaus sammelt er Leergut, ein schwieriges Geschäft, aber auch besonders Dosen, die er einem obdachlosen Kollegen aus Tschechien vermacht, der daraus kleine Skulpturen (Teelichter, Anhänger etc.) herstellt. Foto und Text: Gerd Bonse
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spuren der armut
Spuren der Armut
Et Bolze Lott Die „Käätzemöhn“ aus der Altstadt
Die „Bolze Lott“ hat es als Kölner Original auf einen Bierdeckel geschafft.
die auch körperlich recht starke Frau, die die Lacher auf ihrer Seite hat. 1874 wird die Mahl- und Schlachtsteuer in Köln abgeschafft, und die Witwe geht auf Wanderschaft, handelt vor Kirchen, an Häusern und in Wallfahrtsorten mit Kerzen und allerlei Gebrauchsgegenständen. In ihren letzten Lebensjahren wohnt sie in der Großen Spitzengasse (Altstadt), wo ihr loses Mundwerk immer noch Heiterkeit wie auch Ärger auslöst – zum Beispiel bei einem alten „Zebingemann“ (so genannt, weil er Steingut geschickt mit Draht flickt oder in alte Körbe neue Böden
S
hinein bindet). Er soll ihr dort einmal so cholastika Bolz (1825-1902) ist Toch-
jett kräje?“, erwidert sie mürrisch: „Eja,
Paroli geboten haben: „Lott, ich krigge
ter eines „Rhingrollers“, eines am
en kahl Fott!“
alles gefleck – nur ding Schnüß, do kann
Rhein arbeitenden Sack- und Koh-
1856 wird wie in allen preußischen
lenträgers. 21-jährig heiratet sie Johann
Städten so auch in Köln die Mahl- und
Friedrich Steinhausen. Er übt den glei-
Schlachtsteuer eingeführt. Sie betrifft in
chen Beruf wie ihr Vater aus, doch seine
die Stadt eingebrachtes Fleisch und
Gewalttätigkeit führt zu längeren Haft-
Getreide. Die Erhebungsstelle befindet
strafen und schließlich zur Einweisung
sich am Filzengrabentor, am Rheintor
in die Arbeitsanstalt Brauweiler. Dort
dagegen ist die „Einbringung steuer-
stirbt er.
pflichtiger Waren“ verboten. Dort wird
Die junge Frau muss nun für ihren
nun kräftig geschmuggelt – auch von
Lebensunterhalt selbst aufkommen. Sie
Frauen, die sich von Kontrolleurinnen
versucht es als Kerzenverkäuferin („Kää-
unter die Röcke schauen lassen müssen.
zemöhn“). Doch als opferwillige Kirchen-
Unter ihrer Krinoline, einem durch Stahl-
besucher merken, dass sie die Kerzen,
reifen aufgeblähten Unterrock, kann
anders als versprochen, nicht anzündet,
auch „et Bolze Lott“ bequem ein Säck-
bleibt die Kundschaft aus. Die verwitwete
chen Mehl oder ein paar Kilo Fleisch
Scholastika Steinhausen reagiert mit Flü-
unterbringen. Zöllnern, die sie festneh-
chen oder deftigen Redewendungen. Als
men wollen, unterstellt sie lautstark
sie im Winter, vor der Kirche hockend, von
unsittliche Annäherungen. Die Umste-
einem Priester gefragt wird: „Hatt ehr ald
henden ergreifen in der Regel Partei für
ich och nix maache!“
Klaus Schmidt (*1935), Theologe und Historiker. Der Menschenrechtsaktivist arbeitet in der Friedensbewegung und verfasst Bücher über Köln wie auch die rheinische Demokratiebewegung des 19. Jahrhunderts. Der Beitrag über „Bolze Lott“, der in längerer Fassung bereits in dem Buch „Kölns kleine Leute. Geschichten und Porträts“ (2011) erschienen ist, ist der dritte Teil der Reihe „Spuren der Armut“, die Christina Bacher und Martin Stankowski für den DRAUSSENSEITER konzipiert haben. 19
gedicht
Wind der Straße Der Wind der durch die Straßen fegt mir alle Sorgen aus dem Herzen weht Der Wind der durch die Straßen fegt die Wolken peitschend in den Himmel hebt Der Wind der durch die Straßen fegt das große Leid dann von mir weht Der Wind der durch die Straßen fegt den Regen ins Gesicht mir legt mich manchmal auch vom Boden hebt Der Wind der durch die Straßen fegt so manche Träume in mir regt Traurigkeit dann wieder geht Denn alles wird durch den Wind in die Straße gefegt Kölsche Linda
20
Aus den einrichtungen
31.500 Euro für gemeinnützige Einrichtungen „Unser Blinklicht e.V.“ spendete 500 Euro an die OASE! Von Thomas Dahl
S
eit 2003 spendet der Verein
für die Aufrechterhaltung der jeweili-
„Unser Blinklicht“ die Erlöse aus
gen Angebote.
Ladenverkäufen für gemeinnützi-
„Das alles ist nur möglich, weil sich
ge Kölner Einrichtungen. Auch 2016
unsere 16 Ehrenamtler so sehr für die
konnte aus den Veräußerungen von
gute Sache einsetzen. Ohne sie wäre das
hochwertig gebrauchten Textilien,
alles nicht möglich“, erklärt Vereins-Vor-
Schmuck, Geschirr, Büchern, CDs,
stand Ulla Pahnke, die seit annähernd
DVDs oder Gesellschaftsspielen eine
neun Jahren im Projekt mitwirkt und
Einladung zum kostenlosen Osterfrühstück für Obdachlose Für musikalische Unterhaltung sorgt das Duo „Anyway“. Als besonderer Gast und Pate des Tages freuen wir uns auf Florian Wess, bekannt als RTL„Dschungelprinz“ 2017 („Ich bin ein Star, holt mich hier raus“); Gespräche und Autogramme sind auf Wunsch möglich.
Essen und Getränke für Obdachlose sind frei!
Ulla Pahnke (r.) und Vereinsgründungsmitglied Gisela Becker arbeiten für den guten Zweck bei „Unser Blinklicht“.
beachtliche Summe vergeben werden:
sich weitere Verstärkung für den Laden
31.500 Euro erhöhten die Gesamterlöse
auf dem Kleinen Griechenmarkt
des Vereins seit seinem Bestehen auf
wünscht. „Leider sind aufgrund des
über 300.000 Euro. Die Gelder werden
hohen Alters einige Mitglieder erkrankt.
in diesem Jahr an rund 50 Institutionen
Wir hatten auch Todesfälle. Über tatkräf-
vergeben. So erhalten unter anderem
tige Unterstützung beim Verkauf der
die Drogenhilfe Köln, die Emmaus
Waren würden wir uns sehr freuen“,
Gemeinschaft, das Deutzer Hospiz, die
wirbt die 70-jährige ehemalige kaufmän-
Lobby für Mädchen, der Förderverein
nische Angestellte für Helfer.
Foto: Thomas Dahl
Kolkrabenweg, Pro Familia, Heimatlos in Köln e.V. (HiK), der Benedikt-Labre e.V. – OASE und das Jugend-, Freizeitund Bildungszentrum Wilhelmshof Beträge zwischen 500 und 1.000 Euro
Kontakt: Ulla Pahnke, Tel. 0221 / 801 64 51, Kleiner Griechenmarkt 81, 50676 Köln Öffnungszeiten: montags bis freitags, 10.00 – 18.00 Uhr
Alle anderen Gäste bitten wir um eine Spende. Auch über mitgebrachten Kuchen würden wir uns sehr freuen. Helfende Hände und Hunde sind sehr willkommen! Wann: Samstag, 15.04.2017, Einlass um 14.00 Uhr Wo: Bürgerhaus Alte Feuerwache Melchiorstraße 3, 50670 Köln
„Werbung ist das Fragezeichen hinter Zufriedenheit.“ Thom Renzie
21
cartoon/kolumne
Cartoon: Heiko Sakurai
hallo liebe Freunde! Frauchen sagt immer, dass ich kein Schoßhund sei. Dafür wäre ich viel zu groß. Dabei finde ich es gar nicht so übel auf ihrem Schoß zu liegen und gekrault zu werden. Ich stehe dann mit meinen Beinen komplett auf ihr und lege meinen Kopf gegen ihre Brust. So weiß sie, was zu tun ist. Wenn ich das abends mache und sie gerade fernsieht, sagt sie immer ‚Clayd, Junge, ich kann nix mehr sehen, was willst du’. Na ja, meine Kuschelzeit finde ich aber auch wichtig – und zwar dann, wenn mir danach ist. Aber sonst funktionieren wir ja gut 22
als Team. Bei den Stadtführungen von Frauchen zum Beispiel. Die sind jetzt bei schönem Wetter viel besser, da kriege ich keine nassen Pfoten mehr. Und immer wenn ich meinen Job dabei besonders gut gemacht habe, macht Frauchen mit mir zur Belohnung ein tolles Spiel. Dafür sammelt sie leere Klopapierrollen. In denen versteckt sie dann Leckerlis und faltet sie zu. Ich darf sie dann suchen und wieder da rauspulen. Und ich darf auch das Papier zerreißen – das ist ’ne coole Sache. Die Rollen kann man so schön über den Boden schieben und dann in ganz kleine Stücke fetzen. Der Boden sieht danach immer besonders hübsch aus, als wäre
er voller Papierschnee ... Frauchen ist aber nie böse darüber. Sie räumt auf und lacht dabei, weil sie weiß, dass mir das Spiel einen Riesenspaß macht. Sie sagt, das sei wie mit dem Überraschungsei für Kinder: Spiel, Spaß und Leckerchen. Und wenn im Fernsehen was kommt, was sie unbedingt sehen will, trickst sie mich damit aus, weil sie weiß, dass ich mit den Rollen erst mal ´ne Weile beschäftigt bin. Ja, wir haben viel Spaß zusammen. Bis bald, grüßt euer Clayd
l l l Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda
Buch-tipps
Ingrid Müller-Münch, Autorin und ehemalige Korrespondentin der Nachrichtenagentur Reuters und der „Frankfurter Rundschau“, Redakteurin beim „Stern“ und Mitarbeiterin beim WDR, unterstützt den DRAUSSENSEITER seit vielen Jahren als freie Mitarbeiterin.
Mats Olsson
Demut Schweden. Harry Svensson ist der Dinge überdrüssig. Seinen Job bei einer Stockholmer Zeitung hat er geschmissen, warum weiß er nicht so recht. Nun will er Kneipenwirt werden. Aber auch nur halbherzig. Eigentlich jagt ihn, eine sexuelle Vorliebe, die er nur mit wenigen Frauen ausleben kann. Doch sie ist es, die ihn auf die Spur eines Serientäters bringt. Zufällig. Als er eines Nachts in sein Hotelzimmer kommt, die Nachbartüre nur angelehnt findet, sie aufstößt und auf dem Doppelbett einen einst bekannten, inzwischen abgehalfterten Blues-Sänger findet. Der schläft seinen Rausch aus. Neben ihm die Leiche einer Frau. Mit dieser Szene beginnt die Jagd auf einen Mörder, der – wie sich bald herausstellt - mit Harry Svensson eines gemeinsam hat: Seine Leidenschaft fürs „Spanking“, eine sexuelle Abart, die darin besteht, dass man der Partnerin den Hintern versohlt. Hierzu führt Harry Svensson stets einen Gitarrenkoffer mit sich, darin versteckt ein Teppichklopfer. Wer also wäre besser geeignet, sich in die Seele eines Mannes zu versetzen, der Frauen dafür bezahlt, dass sie sich von ihm kräftig auf den Po schlagen lassen. Und der offenbar die Kontrolle über sich verloren hat und Frauen auflauert. Und dabei eine Leiche nach der anderen zurücklässt. Die Polizei ist hilflos, kennt sich in dem Milieu der Spanker überhaupt nicht aus. Und so muss Harry denn recherchieren, tut dies so gründlich, wie er immer schon als Journalist gearbeitet hat. Dabei stets bemüht, dass niemand mitbekommt, wie sehr er selbst diesem Laster verfallen ist. Und wie dreist der Serienmörder inzwischen Kontakt mit ihm aufgenommen hat. Per SMS, voll intimer Details, die Harry verbergen will und derentwegen er sich auf gar keinen Fall an die Polizei wenden kann. Debut eines der bekanntesten schwedischen Journalisten. Lebt derzeit in New York, hat Robert Crais und James Lee Burke ins Schwedische übersetzt. Und hat eine wirklich
außergewöhnliche Fantasie, einen flapsigen Schreibstil, trollt sich in einem schrägen Milieu. Seine beiden Protagonisten sind zwei einsame Wölfe, die sich umkreisen, einkreisen, anknurren und irgendwann tatsächlich auch aufeinandertreffen. Ein gebrochener Held, der einsam ist und einsam bleiben wird. Und das alles in einem Schweden, das Olsson an einer Stelle so beschreibt: Ob das der Inbegriff Schwedens im einundzwanzigsten Jahrhundert war? Eine Dorfkirche, dahinter ein Wohnwagenpuff, eine Biker-Gang links daneben und Bewohner, die sich hinter vorgezogenen Gardinen verbarrikadieren? Realistisch, schräg, ohne jegliche Sentimentalität, hat nichts Liebenswertes, mit einem Protagonisten, der trotz seines Lasters und seiner Lügen aufrecht und authentisch bleibt. Schon ein Hammer, dieser Wälzer. Mats Olsson: „Demut“, btb, Übersetzung aus dem Schwedischem v. Leena Flegler, 731 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-442-71464-3
Agustin Martinez
Monteperdido – Das Dorf der verschwundenen Kinder Spanien. Pyrenäen. Das einsam gelegene Dorf Monteperdido. Hier kennt jeder jeden. Glaubt alles vom anderen zu wissen. Doch dann verschwinden zwei elfjährige Mädchen. Am helllichten Tag. Und keiner findet auch nur eine Spur von ihnen. Fünf Jahre lang halten die Eltern von Lucia Mahnwachen ab, während Anas Familie zerbricht. Doch dann, eines Tages, stürzt ein PKW in eine der Schluchten dieser felsen- und gipfelreichen Gegend. Der Fahrer kann nur noch tot geborgen werden. Doch ein Mädchen konnte sich verletzt aus dem Wagen retten. Es ist Ana, eine der beiden Verschwundenen, inzwischen 16 Jahre alt. Und das aus Madrid angereiste Ermittlerteam, Kommissarin Sara Campos und ihr Vorgesetzter, erhoffen sich
Aufklärung darüber, wo sich Lucia befindet. Ob sie noch lebt. Wer der Mann am Steuer war. Doch Ana schweigt. Und Sara Campos ist sich sicher, dass sie etwas verschweigt. Ist es möglich, dass sie fünf Jahre lang ihren Entführer sah und nichts, aber auch gar nichts zu dessen Identifizierung beitragen kann? Oder ist sie so schwer traumatisiert, von dessen Verhalten, der sie immer wieder zwang, ihr Kellerloch zu verlassen, in dem die Mädchen untergebracht waren? Stunden und Stunden musste Ana, gefesselt an einen Pfeiler, warten, bis der Entführer von Lucia abließ und auch sie wieder runter brachte, in das Verlies. Während Sara Campos verzweifelt darum kämpft, auch Lucia noch zu retten, stößt sie auf atemberaubend dilettantische Ermittlungsfehler, begangen damals, vor fünf Jahren, als die örtliche Polizei die Mädchen suchte. Und dabei Rücksicht nahm, auf die Befindlichkeiten der Bewohner von Monteperdido, die ihre Nachbarn sind, mit denen sie aufwuchsen, verwandt sind, die jährlichen Treibjagden organisieren. Ein Krimi, der einen reinzieht in die Atmosphäre dieser Gebirgslandschaft. In der von allen Seiten Gefahren drohen: Durch den Fluss Esera, der immer wieder über die Ufer zu treten droht. Durch die rauen Winter, in denen Monteperdido durch Schneemassen von der Außenwelt abgeschottet wird, und die Bewohner sich im Herbst schon mit einer gut ausgestatteten Hausapotheke versehen. Das ganze Leid und die Trauer kommt nicht von außen, das weiß Kommissarin Sara Campos längst. Dichte Atmosphäre. Glaubwürdige Charaktere. Schräge Gestalten. Ein Dorf, auf dessen Wegen man bald schon einvernehmlich mit den Ermittlern wandelt. Von einem der renommiertesten spanischen Drehbuchautoren, der damit einen ganz großen Coup gelandet hat. Denn allein schon der Plot, dieses Verschwinden, dieses Wiederauftauchen von nur einem Mädchen, all das hält die Spannung bis zuletzt aufrecht. Agustin Martinez: „Monteperdido – Das Dorf der verschwundenen Kinder“, Fischer Verlag, Übersetzung aus dem Spanischen v. Lisa Grüneisen, 494 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-596-03658-5
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IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www.dehaar.de Titelfoto Stefan Borghardt Fotos Christina Bacher, Gerd Bonse, Stefan Borgholt, Marie Breer, Thomas Dahl, Forum für mediale Gegenöffentlichkeit | r-mediabase, Gulliver, Kölsche Linda, Real Change, Hanna Witte Cartoon Heiko Sakurai
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Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Dat Büdche, Aachener Straße 3, 50674 Köln Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, Im Ferkulum 42, 50678 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln VIELFACH, Baudri-Platz, 50733 Köln
Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des
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Eintritt frei z
Hilliges Köln 2.0 2017 wird in ganz Deutschland das 500. Jubiläum der Reformation gefeiert, die 1517 mit Luthers Thesenanschlag eingeleitet wurde. Das „hillige Köln“ als die treuste Tochter der Katholischen Kirche blieb jedoch fest beim alten Glauben und es dauerte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, bis Nicht-Katholikinnen und Nicht-Katholiken mit gleichen Bürgerrechten ausgestattet wurden. Wie passt diese Tatsache zum Kölschen Selbstbild einer toleranten und weltoffenen Stadt?
Am 14. Mai 2017 finden in NRW Landtagswahlen statt. Jeder sollte da sein Kreuzchen setzen. Foto: Christina Bacher
Landtagswahl in nrw Das Historische Archiv nimmt das Jubiläumsjahr zum Anlass, die Entwicklung von religiöser Toleranz in der Kölner Stadtgesellschaft anhand ausgewählter Quellen zu beleuchten und den Bogen bis zu den Herausforderungen der heutigen Tage zu spannen. Dazu gibt es ein ausführliches Begleitprogramm, vorbereitet von jüdischen, christlichen und muslimischen Bildungseinrichtungen in Köln.
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abe ich denn überhaupt eine Wahl? Diese Frage kann man angesichts der Landtagswahlen 2017 ganz klar mit JA beantworten. Selbstverständlich sind auch Wohnungslose ohne feste Adresse wahlberechtigte Bürger. Wir erklären, wie man an die Wahlunterlagen kommt. Und nehmen mithilfe des „AK Umbruchs“ die Kölner Kandidaten etwas genauer unter die Lupe.
Wann: 6. April 2017 bis 30. Oktober 2017, Dienstag und Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 16:30 Uhr, Mittwoch, 10 bis 19:30 Uhr Wo: Historisches Archiv der Stadt Köln Heumarkt 14, 50667 Köln - Altstadt/Nord Der Veranstaltungsort einschließlich Toiletten ist für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer barrierefrei zugänglich. Parkplätze für Menschen mit Behinderung sind ebenfalls vorhanden.
Weitere Infos siehe www.stadt-koeln.de
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 2. Mai 2017. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25
service
http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de
Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de
Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen
n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 15-17 Uhr
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n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr
n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim
n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme
n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9
n Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr
n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung
n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de
Foto: Gulliver
Foto: Hanna Witte
Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewaschen, Kleiderkammer nur für wohnungslose Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr
service
Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.
Nur für Frauen
n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V.
Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de
n agisra e.V. Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org
n Café Auszeit
Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de
Foto: Marie Breer
Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung
n Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück
n Comeback n OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de
Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch nach Terminvereinbarung
Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30–11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Montag 10.30-12 Uhr, Mittwoch 13-15.30 Uhr, Donnerstag 13-15.30 Uhr; Computer-Nutzung: nach Vereinbarung
Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle zwei Wochen, montags um 12.30 Uhr
Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.
n Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.
n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote
n Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen
n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung
n Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
Nur für Männer n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 93 12 21-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren
n „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr