26. Jahrgang Nr. 186 März 2018
R E T I E S N E S s U A R D
Foto: Marie Breer
Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D
IN
(Un-) Behauste
0,90 e für den Verkäufer
1,70 e
Frauen
KUNST VON
Monika Mathar
BARBARAS Botschaften
HILFE IM
Haus Rosalie
Anzeige
Vorwort
Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser,
Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3
traditionell widmen wir unsere März-Ausgabe starken Frauen aus Köln. Diesmal schauen wir zunächst in die eigenen
Schwerpunkt: Starke Frauen
Reihen und lassen die Straßenzeitungsverkäuferin Linda Rennings zu Wort kommen. Nach vielen Jahren auf der Platte hat sie mit ihrem Hund Clayd eine kleine Wohnung in Kalk gefunden. Als längerfristiges Zuhause sieht die geborene Kölnerin die Bleibe jedoch
S.4
nicht. Deshalb streckt sie schon wieder die Fühler aus.
Das Haus Rosalie in Nippes ����� 4-7 Kunst: Behauste Frauen ���������8-9
Eins steht fest: Frauen, die aus der Obdachlosigkeit in einen geregelten Alltag zurückfinden wollen, brauchen vor allem Zeit. Zeit, sich zu erholen. Und Zeit, sich wieder zu finden. Monika Schultes, die seit vielen Jahren im Haus Rosalie als Sozialarbeiterin arbeitet, respektiert das. Das Wohnprojekt der Vinzentinerinnen in Köln stellt
Straßenzeitungsverkäuferin Linda aus Köln ������������������ 10-13
S.10
seit fast 20 Jahren sieben Zimmer und Gruppenräume für Frauen in Not zur Verfügung. Unsere Mitarbeiterin Mireille Herz hat sich dort einmal umgesehen. Gute Lektüre wünscht
S.14
Straßenzeitungsverkäuferin Fay aus Sydney … ��������������� 14-15 Barbara: „Ich (k)lebe, also bin ich.“ ������������������������� 16-17
Gedicht: Leben ������������������������������������������������������ 18 Obdach für die Kunst. ���������������������������������������������� 19 Christina Bacher
Aus den Einrichtungen ��������������������������������������������� 21 Cartoon / Kolumne �������������������������������������������������� 22 Tipps ������������������������������������������������������������������ 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27
Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: nach Terminvereinbarung 3
starke frauen
„
Die Frauen brauchen Zeit, um sich selbst zu finden von Mireille Herz
4
starke frauen
Das Haus Rosalie in Nippes begleitet Frauen auf dem Weg aus der Obdachlosigkeit. Nicht selten müssen Frauen, die lange auf der Straße gelebt haben, einen normalen Alltag wieder regelrecht lernen Kochen und Putzen beispielsweise. Aber auch das Einhalten einer festen Tagesstruktur. Viel schwieriger ist es jedoch oft, sich an Gefühle wie Selbstvertrauen und Zuversicht zu erinnern, die in harten Zeiten meist verloren gehen. Wie geduldig man da sein muss, weiß Monika Schultes, die seit vielen Jahren als Sozialarbeiterin in der Einrichtung arbeitet. Mireille Herz hat sie auf einem Rundgang durchs Haus begleitet.
„I
ch will den Schritt von der Straße
Namenspatronin Rosalie Rendu, will man
Sozialarbeiterin Monika Schultes und
in ein geregeltes Leben wagen“.
nicht missionieren, sondern ganz konkret
Schwester Hedwig zumeist schon, in wel-
Es gehört viel Mut zu dieser Aus-
helfen. Die Vinzentinerinnen sind kein
cher Einrichtung der betroffenen Frau
sage. Um so viel mehr Kraft kostet es, den
Orden, der sich abschottet, und die
optimale Hilfe geboten wird. Dort wird
Schritt dann tatsächlich auch anzugehen.
Schwestern sind keine weltfremden Hei-
dann gemeinsam ein Termin vereinbart
Es ist schwer, Hilfe anzunehmen, wenn
ligen. Vielmehr sind alle vor ihrem Eintritt
und man lernt sich erst einmal kennen.
man im Leben immer nur enttäuscht wur-
in den Orden normalen Berufen nachge-
Alles ganz zwanglos. Wenn es besonders
de. Das wissen Schwester Hedwig, Sozial-
gangen. Rosalie Rendu beispielsweise half
dringend ist, kann eine Wohnungslose
arbeiterin Monika Schultes und ihr Team
schon damals durch aktives Anpacken in
schon nach einem Telefonat bis zu drei
„Das Haus Rosalie war mein Zuhause, mein Zufluchtsort. Hier konnte ich ankommen und Ich sein. Ich wusste genau: Die fangen mich auf, wenn es mir schlecht geht – auch morgens um fünf.“ (Ehemalige Bewohnerin) Gemeinschafts-Wohnzimmer im Haus Rosalie
vom Haus Rosalie in Köln-Nippes nur
den Pariser Armenvierteln des 19. Jahr-
Tage lang in eines der Notaufnahme-Zim-
allzu gut. Wenn sich eine Frau aus der Not
hunderts – ein Vorbild auch für die
mer aufgenommen werden. Hier bietet
heraus an die Einrichtung der Vinzenti-
Schwestern von heute.
das Haus Rosalie sogar ein Mut-
nerinnen wendet, hört man ihr hier tat-
Das Haus Rosalie erinnert nicht im Ent-
ter-Kind-Zimmer, während die längerfris-
sächlich erst einmal nur zu. Denn, so
ferntesten an ein Kloster. Einzig die Tracht
tigen Räumlichkeiten nur für Alleinste-
erstaunlich es klingen mag: Das Aller-
von Leiterin Schwester Hedwig und ihren
hende geeignet sind.
wichtigste, das die Frauen zunächst brau-
beiden Mitschwestern verrät die Träger-
„Jeder Fall ist anders, weil die Menschen
chen, sei Zeit, sagt Monika Schultes. Zeit,
schaft der Einrichtung. Es ist völlig unwich-
so unterschiedlich sind“, erklärt Monika
zur Ruhe zu kommen. Zeit, sich von
tig, ob die Bewohnerinnen gläubig sind.
Schultes. Deshalb ist es ihr und Schwester
einem sehr anstrengenden, oft gewaltsa-
Man will einfach nur helfen. Die Frauen
Hedwig sehr wichtig, jede potenzielle
men Leben zu erholen. Und sich wieder
sollen lediglich akzeptieren, dass einige
Neu-Bewohnerin möglichst gut kennen-
selbst zu finden.
der hier arbeitenden Menschen den Ha-
zulernen. Wenn man das Gefühl hat, es
bit tragen. Nicht einmal die Teilnahme an
passt, kann die Frau in eines der sieben
der regelmäßig in der hauseigenen Kapel-
Zimmer einziehen. Die Räume sind
le stattfindenden Heiligen Messe wird
zweckmäßig, aber freundlich eingerichtet.
Das großzügige Gebäude im Herzen von
erwartet. Jede Frau soll ihren Weg auf
Die Bewohnerin hat auch hier die Freiheit,
Nippes mit dem schönen Park drum her-
eigene Weise finden. Der Glaube an Gott
selbst zu gestalten. Neben einem eigenen
um bietet Wohnmöglichkeiten für insge-
ist nur ein Weg, der gerne begleitet wird.
kleinen Kühlschrank gibt es Waschbecken,
samt zehn Frauen, davon drei Zimmer als
Doch nicht alle Frauen, die sich an das
Schrank, Bett, Tisch und Stühle. Die nagel-
Notaufnahme. Gegründet wurde die Ein-
Haus Rosalie wenden, werden dort als
neu renovierten Waschräume werden
richtung vom Orden der Vinzentinerin-
Bewohnerinnen aufgenommen. Nach
gemeinsam genutzt. Oft dauert es Tage
nen. Genauso wie die längst verstorbene
einem Erstgespräch wissen die erfahrene
oder gar Wochen, bis eine neue Bewohne-
Fotos: Mireille Herz
Lebensnahe Ordensschwestern
5
starke frauen
Zimmer einer Bewohnerin
rin aus ihrem Schneckenhaus heraus-
Wohnberechtigungsschein, Kontoeröff-
sie dann hier wohnen, wird ihnen klar, dass
kommt und Rat oder gar Kontakt sucht.
nung, Maßnahmen zur beruflichen Bil-
ein geregeltes Leben auch mit bestimmten
Monika Schultes und die Ordensschwes-
dung, soziale und familiäre Kontakte sta-
Pflichten verbunden ist – und die können
tern sind dann erste Anlaufstelle. Ihre
bilisieren oder wiederherstellen usw. Das
schon mal lästig sein.“ Trotzdem: Gedrän-
Türen stehen immer offen. So lernen die
alles verläuft niemals nach Schema F,
gelt wird im Haus Rosalie nicht. Die Frau-
Sozialarbeiterin und die Vinzentinerin-
sondern immer im Tempo der Bewohne-
en sollen die Möglichkeit haben, zur Ruhe
„Bei jeder anderen Arbeit würde ich nur kochen und das Essen hinstellen. Hier kann ich mit den Leuten reden und ihnen vielleicht etwas beibringen.“ (Doris Niegemann, Köchin)
nen die Bewohnerinnen immer besser
rin. Und das ist häufig ein sehr langsames.
zu kommen. Einzige Vorgabe von Amts
kennen – ihre Eigenheiten und Probleme:
Denn oft hat die neue Bewohnerin durch
wegen: Nach 28 Tagen muss der Hilfeplan
„Natürlich rückt man nicht gleich im ers-
jahrelange ungeregelte Lebensverhältnis-
beim zuständigen Sozialamt vorliegen.
ten Gespräch mit Unangenehmem heraus,
se jeglichen Bezug zum Alltag verloren –
Die Zusammenarbeit mit den Behörden
aber wenn ich mehr weiß, kann ich besser
angefangen von einem Tag-Nacht-Rhyth-
funktioniert hervorragend: Wenn das
helfen.“ Diese Offenheit Fremden gegen-
mus bis hin zu Ordnung und Sauberkeit.
Haus Rosalie eine Frau aufnehmen möch-
über muss oft neu gelernt werden.
Dem großen Schritt aus der Obdachlosig-
te, erfolgt die Bewilligung der notwendi-
keit heraus müssen viele kleine folgen. Das
gen Mittel in aller Regel problemlos. Dann
Team vom Haus Rosalie kann Hilfestellun-
steht einer längerfristigen ambulanten
gen geben, aber die Bewohnerin selbst
Betreuung nichts mehr im Wege.
Viele kleine Schritte
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Die Sozialarbeiterin entwirft zusammen
muss nach und nach ihr neues Leben orga-
mit der Bewohnerin im Gespräch einen
nisieren. „Ist das wirklich nötig?“, hört die
Hilfeplan, um Unterstützung nach § 67
Sozialarbeiterin häufig. „Wenn die Frauen
(Hilfe zur Überwindung besonderer sozi-
sich hier vorstellen, sind sie erst mal zu
Wobei „Betreuung“ in diesem Fall keines-
aler Schwierigkeiten) zu beantragen. Es
allem bereit. Denn sie befinden sich in
falls „du musst“ bedeute, so Monika
werden Ziele formuliert: Antrag auf einen
dem Moment in einer Notsituation. Wenn
Schultes, sondern immer „du kannst“. Das
„Du musst“ gibt es nicht.
starke frauen
Frisch renoviertes Gemeinschafts-Badezimmer im Haus Rosalie
Das Gemeinschafts-Esszimmer der Einrichtung
Haus Rosalie bietet den Bewohnerinnen
begrenzt im Haus, aber während ihrer
bereit wären, auf eigenen Füßen zu stehen,
zahlreiche Möglichkeiten, sich wieder an
Anwesenheit sind sie ständig verfügbar.
potenziell in ihrer Entwicklung zurück-
ein geregeltes Leben zu gewöhnen. Natür-
Da die Ordensschwestern auf dem Gelän-
wirft. Aber bisher hat man es mit vereinten
lich gibt es gewisse Hausregeln – alle mit
de und teilweise im Haus selbst leben, sind
Kräften noch immer geschafft, eine pas-
dem Ziel, dass die Bewohnerinnen sich
sie sogar rund um die Uhr ansprechbar.
sende Wohnung zu finden. Ja, Schwester
wieder an einen strukturierten Alltag
Wer nicht allein sein möchte, ist es auch
Hedwig und Monika Schultes können mit
gewöhnen. Auch macht es Sinn, dass Män-
nicht. Die Bewohnerinnen sollen sich will-
Stolz sagen, dass die meisten ihrer Schütz-
nerbesuch nur sehr eingeschränkt gestat-
kommen und geborgen fühlen. Und das
linge auch nach dem Auszug Kontakt hal-
tet ist, da einige der Bewohnerinnen
tun sie auch. Nach einem längeren Auf-
ten und voller Dankbarkeit an ihre Zeit
durch Gewalterfahrungen und Miss-
enthalt ist das größte Problem, bezahlba-
im Haus Rosalie zurückdenken: „Wenn
brauch traumatisiert sind. Abgesehen
ren Wohnraum zu finden: „Es ist frustrie-
eine Frau uns zehn Jahre nach ihrer Zeit
davon kann man wie in einer eigenen
rend, wenn eine Frau so weit ist, ihren
bei uns noch besuchen kommt, ist das das
Wohnung leben: Jede Frau kann ein- und
eigenen Haushalt zu führen – aber dann
schönste Kompliment.“
ausgehen, wann sie möchte.
bekommt sie bei Wohnungsbewerbungen
So leben die Frauen im Haus Rosalie wie
nur Absagen, weil sie auf Geld vom Amt
in einer großen Wohngemein-
angewiesen ist.“ Ein allgegenwärtiges Pro-
schaft. Zwar sind die Ange-
blem in Köln, das
stellten jeden Tag zeitlich
Schwester Hedwig und Sozialarbeiterin Monika Schultes
Frauen,
die
lll
info
Mit dem Haus Rosalie schufen die Vinzentinerinnen vor fast 20 Jahren ein Wohnprojekt in Köln, das sich vor allem an Frauen in Not richtet. Besonders in Großstädten wächst die Zahl wohnungsloser Menschen von Jahr zu Jahr. Immer mehr Frauen sind darunter. Um in der Öffentlichkeit nicht aufzufallen, versuchen sie, irgendwo unterzukommen, was vielfach zur Folge hat, dass sie psychisch und physisch ausgenutzt und oft auch sexuell missbraucht werden. Das Haus Rosalie verfügt über sieben Einzelzimmer und Gruppenräume. Hunde sind nicht erlaubt. Erstkontakt über Telefon 0221 / 97 30 8888 oder Mail hausrosalie@vinzentinerinnen.de www.vinzentinerinnen.de/projekte-undeinrichtungen/haus-rosalie-koeln-nippes.html 7
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Ein erfüllender Ort Die Künstlerin Monika Mathar gestaltet „behauste Frauen“
A
uf den ersten Blick wirken sie etwas befremdlich. Und sie lösen Erstaunen aus und fordern ein zweites
Hinschauen: Kleine Frauenfiguren – meist Kunststoffpüppchen – bei denen der Kopf ersetzt ist durch ein kleines Haus aus Wachs. „Behauste Frauen“ nennt Monika Mathar ihre Skulpturen-Serie. Öffentlich zu sehen waren sie erstmals im vergangenen Herbst bei den Tagen des Offenen Ateliers in Köln in einer Gemeinschaftsausstellung unter dem Motto „Drei Frauen und ihre Sicht auf Frauen“ im Studio der Fotografin Katrin Lübeck. „Manche Menschen haben mehr ihre Materialität gesehen und über die Bearbeitung des Materials gestaunt“, erinnert sich Monika Mathar, „aber den meisten Menschen, die sie mochten, ist etwas zum Thema 'Behaust sein' eingefallen.“ Der Begriff „Behausung“ ist für viele
gen, Dingen, die eigentlich als wertlos gelten, einen Wert zurückzugeben.
Menschen negativ belegt, als eher schlech-
Mathar ungeheuer wichtig. Für Selbst-
te, notdürftige Unterkunft. Die Kölner
ständigkeit findet sie auch den Begriff
Das Wachs als Material kommt auch
Künstlerin empfindet ihn positiv. Und das
„mit sich selbst verheiratet sein“, den sie
dem Bild von Wandlung und Vergänglich-
Wort „behaust“, das in unserer Alltags-
in einer Frauenpaar-Skulptur umgesetzt
keit entgegen, „was meine Arbeiten the-
sprache kaum mehr vorkommt, beinhaltet
hat. Für sie bedeutet das, „klar seine Ziele
matisch eigentlich immer begleitet.“ Mit
für sie, eine Heimat, ein Zuhause zu
zu formulieren, den eigenen Weg zu
Wachs, das sie nach eigenem Verfahren
haben, heimisch zu sein.
gehen und schwierige Situationen alleine
behandelt, kann sie ihre Arbeiten so anle-
zu klären“.
gen, dass sie sich verändern – „mit dem
„Wie fast alle meine Arbeiten hat auch
Fotos: Marie Breer
Das „in sich zu Hause sein“ ist Monika
diese Serie ihren Ursprung in einem Man-
Ganz wichtige Rohstoffquelle von
Raum, in dem sie sich befinden, aber
gel und in der abstrahierten Umsetzung
Monika Mathar sind alte Kerzen. „Mein
auch aus sich selbst heraus.“ Wechselnde
einer eigenen Erfahrung“, erläutert Moni-
Material ist Wachs, woraus ich Figurencol-
Temperaturen und Licht spielen dabei
ka Mathar die Hintergründe. Die Künstle-
lagen, Masken, Schmuck und andere Din-
eine Rolle.
rin, Jahrgang 1964, hat selbst erlebt, wie
ge fertige.“ Und dazu nutzt sie andere
Zu ihren Frauenskulpturen mit Wachs-
es ist, plötzlich „unbehaust“ zu sein, ohne
„gebrauchte Sachen“, wie sie erzählt. „Tat-
häuschen als Kopf meint sie: „Ich sage oft,
eigene Wohnung dazustehen – und auch
sächlich ist vieles eigentlich dem Müll
dass sie wie Menschen sind. Sie kommen
ohne die Materialien für ihre Projekte.
geweiht, bevor es durch meine Hände
perfekt auf die Welt, und dann beginnen
Ihre ganz persönliche Wahrnehmung
geht“ – wie die alte Schallplatte, die zum
sie sich zu verwandeln, und das Leben
dazu: „Dadurch, dass mir die Arbeit fehlte,
Podest einer ihrer Frauenfiguren mit
zeichnet und verändert sie.“
war meine Seele unbehaust.“
Wachshäuschen wurde. Ihr ist daran gele-
Marie Breer
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starke frauen
Linda: Und wenn gar nichts mehr hilft, schaue ich in die Sterne und bete. DRAUSSENSEITER, Köln
Protokoll: Christina Bacher
I
ch bin im Kölner Stadtteil Mülheim
arbeiten zu gehen. Ich war ein Jahr lang
ist. Meine Oma, die so eine warmherzige
geboren, im Jahr 1963. Keiner kann ja
bettlägerig und verlor meinen Job und die
Frau gewesen ist. Die mir sogar äußerlich
etwas dafür, in welche Familie er gebo-
Abwärtsspirale drehte sich weiter. Mein
sehr ähnlich war. Die ich über alles
ren wird. Ich jedenfalls hatte eine sehr
Kind wollte zu dem Zeitpunkt ausziehen.
bewunderte. Ich klammerte mich an die-
schwere Kindheit, über die ich nicht gerne
Es hat mir das Herz gebrochen, als das
se Erinnerung, weil es das einzige war, das
rede. Mein einziger Halt ist meine Oma
Jugendamt dem zustimmte. Und so stand
ich noch hatte. Ich dachte, wenn meine
gewesen, die viel zu jung verstorben ist.
ich plötzlich ganz alleine da – ohne Freun-
Großmutter in der Nähe ist, wird schon
Ich war schon früh auf mich alleine
de, ohne Familie, ohne Einkünfte und das
alles gut werden. Natürlich war das
gestellt. Vielleicht deshalb heiratete ich
auf dem Land, wo es damals kaum Bera-
Quatsch. Aber tatsächlich fand ich auf
schon mit 25 Jahren und bekam ein Kind
tungsstellen gab. Und dann kam die
diesem Friedhof an ihrem Grab ein wenig
von einem Mann, der gewalttätig war. Wir
Zwangsräumung, weil ich keine Miete
Ruhe. Und eine Toilette und fließendes
hatten wenig Geld und ich musste viel
bezahlt hatte. Ab da war ich schon nicht
Wasser am Brunnen gab es dort auch,
arbeiten. Oft hatte ich verschiedene Jobs
mehr ich. Vermutlich war ich zu dem Zeit-
sodass ich immer etwas zum Trinken hat-
gleichzeitig. Ich war wohl überfordert von
punkt schon nicht nur körperlich erkrankt,
te – eigentlich alles, was ich brauchte. Ich
alldem. Es gab auch immer mehr Stress
sondern auch seelisch. Heute würde ich
war als Kind schon oft dort gewesen, daher
mit meinem Mann. Ich trennte mich
sagen, dass sich das alles viel zu lange hin-
hatte ich auch keine Ängste vor Friedhö-
schließlich von ihm, was gut war. Ich woll-
zog. Dass ich mich um nichts mehr geküm-
fen. So schlief ich viele Monate auf Bän-
te nur weg aus Köln. So ging ich mit einer
mert habe. Auch nicht um mich selbst.
ken, vor einer alten Kapelle in einem
neuen Liebe weg und zog aufs Land. Ich
Hätte ich mich richtig angesehen, hätte
Mauervorsprung.
merkte viel zu spät, dass der neue Mann
ich mich nicht wiedererkannt.
mich geblendet und eine üble Vorgeschichte hatte. Plötzlich hatte ich es immer öfters mit der Polizei und dem Gericht und mit seinen Bewährungshel-
„Ohne zu verstehen, was da passiert, stand ich plötzlich auf der Straße.“
fern zu tun. Wie viele Menschen hatte ich
Das Schlimmste war für mich, als man
mich vorher nie mit so etwas beschäftigt.
Ich hatte nichts mehr und schämte mich
mich beim Klauen erwischte. Es war das
Der Mann tat mir nicht gut. Doch ich war
dafür. Es war der Zeitpunkt gekommen,
allererste Mal gewesen und ich bekam
ja nicht mehr in meiner gewohnten Umge-
wieder alles abzurufen, was ich früher
Hausverbot in dem Laden. Danach zog
bung und konnte von nirgendwo Hilfe
gelernt hatte. Damals als Kind war ich ja
ich mich noch mehr zurück. Und da ich
erwarten. Ich saß mal wieder in der Falle.
auch oft auf mich alleine gestellt gewesen.
nicht bettelte, sah ich oft tagelang keinen
Ich schlief in Hauseingängen, versteckte
Menschen. Nur die Friedhofsbesucher,
mich. Ich wollte nicht, dass jemand mir
die ja auch meine Oma gekannt hatten,
ansah, was los ist. Ich wusste nicht, wohin,
schauten mich manchmal argwöhnisch
Irgendwann spielte mein Körper verrückt
wem ich überhaupt vertrauen konnte, und
an. Ab und zu steckte mir mal jemand
und ich wurde sehr krank. Unter anderem
da ich keine Papiere mehr hatte, beschloss
fünf Mark zu, davon kaufte ich mir dann
bekam ich eine schwere Lungenentzün-
ich, nach Köln zurückzukehren. Zu mei-
Cola oder Zigarillos. Aber ich glaube, ich
dung, die es mir unmöglich machte, weiter
ner Oma, die immer mein Halt gewesen
sah zu dem Zeitpunkt nicht besonders
„Das Ganze machte mir Angst.“
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„Das Wichtigste war es, sich vor Regen zu schützen. Und vor den Mitmenschen.“
Frauen
Linda und ihr Hund Clayd. Foto: Christina Bacher
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1 Ein Leben in Bildern:
1 Erste Liebe 2 Besuch im Wildpark DĂźnnwald 3 Anfang der 80iger Jahre 4 Zweite Ehe in Bergheim 5 Das Grab der Oma
Fotos: privat
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vertrauenswürdig aus. Die Leute machten lieber einen Bogen um mich. Ich blieb selbst im Winter dort und magerte total ab. Ich wusste natürlich nicht, dass ich
„Wer weiß schon etwas über das Leid der Frauen auf der Straße? Sie sind meistens unsichtbar – wie ich damals!“
eine schwere Psychose hatte und keinerlei Warnsysteme im Körper mehr funk-
Heute kommt mir alles so vor, als hätte es
tionierten. Ich hatte ja nicht mal einen
genauso sein müssen. Als hätte diese
Schlafsack dabei.
schwere Zeit ihren Sinn gehabt. Denn nur
„Ich spürte weder Kälte noch Hunger.“
Fernsehsendungen und gebe keine Ruhe, bis dieses Thema mehr Gehör findet.
„Mein Leben heute ist politisch, engagiert und selbstbestimmt. Wer kann das schon von sich behaupten?“
so konnte ich meine Bestimmung finden.
Klar habe auch ich noch viele Baustellen.
Und meinen Seelenhund, den Clayd. Mit
Der Kontakt zu meiner Tochter gehört
diesem Hund, den keiner wollte und der
leider dazu. Man kann nichts ungesche-
fast gestorben wäre, kam mein Glück
hen machen und ich war nicht für sie da.
Ich war bei Eis und Schnee auf diesem
zurück. Er passt auf mich auf und gibt mir
Gut, ich war schwer krank und lebte auf
Friedhof und wäre beinahe erfroren. Doch
Halt, er ist mein bester Freund. Und wenn
der Straße, dafür schämt sich ein Kind.
dann sprach mich ein Mann an. Er gab mir
er der Grund sein sollte, warum ich aus
Außerdem ist auch meine Lunge ange-
einen warmen Kaffee aus und brachte
meiner kleinen, schäbigen Wohnung raus
schlagen von den Jahren draußen, sodass
mich in eine Einrichtung, wo man duschen
müsste, würde ich es tun. Man mag es dort
ich kurzatmig und oft krank bin. Auch mein
konnte und sich aufhalten. Zuvor war ich
nicht, wenn ein Hund bellt. Ich schaue mir
Hund, der ebenfalls schwere Zeiten durch-
nie in einer Einrichtung für Obdachlose
das nicht mehr lange an. Aber davon mal
gemacht hat, bevor er zu mir kam, braucht
gewesen. Ich war misstrauisch und wollte
abgesehen, geht es mir ganz gut. Sogar so
teure Medikamente. Ich versuche das alles
meinen Namen nicht sagen. So ging ich
gut, dass ich vor drei Jahren einen eigenen
so gut wie möglich zu stemmen. Aber ich
zurück auf den Friedhof und wurde letzt-
Selbsthilfeverein „Heimatlos in Köln“
fühle mich heute so stark wie nie. Diese elf
lich total abgemagert in eine Klinik einge-
gründete. Immer wieder mache ich seit-
Jahre, in denen ich kein Zuhause hatte,
liefert. Aber daran kann ich mich kaum
dem anderen Frauen mit meiner Geschich-
haben mich zu einem anderen Menschen
noch erinnern. Jemand in der Einrichtung
te Mut – ich bin eine von ihnen, deswegen
gemacht. Und auf der anderen Seite bin ich
muss den Notarzt gerufen haben, als ich
haben sie Vertrauen. Ich weiß, wie schnell
doch einfach auch eine ganz normale Frau.
dort duschen wollte. Das war meine Ret-
es gehen kann, wieder draußen zu sein.
Die sich gerne hübsch macht, die sich gerne
tung. Erst viel später, nach Jahren in einer
Und deswegen gibt es keinen Grund über-
mit Freundinnen zusammen setzt und die
Wohngruppe und einer langen Therapie,
heblich zu sein, für niemanden. Dennoch
Mutter, Freundin und Helferin sein kann.
war ich wieder soweit, Kontakt mit mei-
lasse ich mich nicht beirren – von all den
Und die, und dafür bin ich sehr dankbar,
nem Kind aufzunehmen und mich den
Neidern, die mir nichts gönnen. Und von
den Glauben an Gott nicht verloren hat.
Herausforderungen des Lebens erneut zu
all denjenigen, die es nicht verstehen kön-
Und wenn gar nichts mehr hilft, schaue ich
stellen. Es waren viele wichtige, kleine
nen, dass ich meine Meinung sage und
in die Sterne und bete. In diesen Momenten
Schritte, die mich zu dem gemacht haben,
mich einmische. Ich spreche auf Podien
komme ich mir immer sehr reich vor.
was ich heute bin. An erster Stelle habe
und auf politischen Veranstaltungen dar-
ich es meinem Job als Straßenzeitungsver-
über, wie es den Frauen draußen geht.
käuferin zu verdanken, dass ich wieder
Dass sie keine Lobby haben und oft von
einen geregelten Tagesablauf und eine
Typen ausgenutzt werden, um ein warmes
Aufgabe hatte. Ich fing an, Kolumnen zu
Bett für eine Nacht zu bekommen. Ich
schreiben. Und Gedichte. Irgendwie sor-
würde mir wünschen, dass man nicht acht-
tierte das das Chaos in meinem Kopf. Und
los an den Frauen vorbeigeht, die länger
ich bekam tolle Rückmeldungen von mei-
und immer zur selben Uhrzeit auf einer
nen Stammkunden und Lesern. Daraufhin
Bank sitzen. Die viele Taschen dabei
begann ich eine Ausbildung als Gene-
haben und verschämt in die Mülleimer
sungsbegleitung. Für mich stand fest, dass
schauen. Ich würde mir wünschen, dass
ich anderen Frauen helfen wollte, die in
man nicht so schnell über diese Frauen
einer ähnlichen Situation sind wie ich
urteilt. Und dass es mehr Schlafplätze mit
damals. Dabei war es wichtig, meine
einem Einzelzimmer in den Einrichtun-
Geschichte zu erzählen, um anderen Mut
gen geben würde. Nach einer seelischen
zu machen. Verstecken war also nicht
Krise braucht man vor allem viel Ruhe.
mehr drin.
Ich sage das in Radiointerviews und in
lll
info
Ohne die Gruppe der wohnungslosen Flüchtlinge zu berücksichtigen, meldet die BAG Wohnungslosenhilfe e.V., dass 2016 52.000 Menschen ohne jede Unterkunft in Deutschland auf der Straße leben. Seit 2014 ist dies ein Anstieg um 33 % – ca. 290.000 (70 %) der wohnungslosen Menschen sind alleinstehend, 130.000 (30 %) leben mit Partnern und/ oder Kindern zusammen. Die BAG W schätzt die Zahl der Kinder und minderjährigen Jugendlichen auf 8 % (32.000), die der Erwachsenen auf 92 % (390.000). Der Anteil der erwachsenen Männer liegt bei 73 % (290.000); der Frauenanteil liegt bei 27 % (100.000) und ist seit 2011 um 3 % gestiegen. Quelle: www.bagw.de/de/themen/zahl_der_ wohnungslosen/index.html 13
starke frauen
Fay: „Lebensfreude heißt für mich vor allem Kontakt zu anderen Menschen zu haben. Daneben verdiene ich durch den Zeitungsverkauf auch noch Geld. Bisher verkaufe ich zwar noch nicht so viele Exemplare, aber ich bin zufrieden, so wie es ist und freue mich, wenn meine Stammkunden mich besuchen.“ Foto: Peter Holcroft
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starke frauen
Fay
von der Zeitschrift erzählt hat, und allen Mitarbeitern von The Big Issue dafür, dass sie mich aufgenommen haben. Sie haben ihre Arme weit ausgebreitet, und dafür bin ich so dankbar. Das hat dazu beigetragen, meine Zeit zu füllen, und ich habe die Möglichkeit, mich in der Rubrik „Streetsheet“ zu äußern.
The Big Issue Australia, Sydney
Ich erfahre Freude am Leben, indem ich Menschen treffe und nebenbei Geld verdiene – bislang verkaufe ich noch nicht
Fay verkauft The Big Issue Australia an einer belebten Kreuzung in Sydneys Innenstadt. Die ehemalige Hebamme musste einige schwere Schicksalsschläge hinnehmen, bevor sie durch die Arbeit als Straßenhändlerin wieder zu einem geregelteren Leben fand. Nach dem Tod ihrer Mutter, ihres Vaters und ihres Bruders – alle starben an einem Sonntag – litt sie unter Depressionen und dem Verlust sozialer Kontakte. Trotz der dunklen Phasen, die sie durchlebte, ist sie dankbar für die Art und Weise, wie sie von der Big Issue-Familie aufgenommen wurde. „Nun sehe ich wieder Licht“, erklärt sie.
viele Exemplare, aber ich bin glücklich, dass ich so weit gekommen bin, und ich freue mich, wenn meine Kunden vorbeischauen. Ich verkaufe in der Harris und in der George Street in der Innenstadt von Sydney. Meine Stammkunden schätze ich sehr – ich unterhalte mich gerne mit ihnen, allerdings halte ich sie nicht zu lange auf, weil sie auf dem Weg zur Arbeit sind. Ich habe einige sehr gute Kunden, wie Jennie und Maria.
Von Fay
Inzwischen lebe ich in einer Sozialwohnung. Dies ist eine große Hilfe, denn zuvor war es sehr schwierig, über die Runden zu kommen. Ich habe eine Katze namens
I
Fluffy, die stark übergewichtig ist – irgendch wuchs in Wentworthville, in der
Phase und dachte, ich wäre nicht gut
jemand füttert sie, ich muss herausfinden,
Nähe von Parramatta auf. Meine
genug. Ich liebte zwar meine Arbeit als
wer das ist.
Eltern hatten einen Laden und das
Krankenschwester, wurde aber selber
Ich lese gerne Romane und Zeitung, ich
Geschäft lief gut, denn zu dieser Zeit gab
immer wieder ins Krankenhaus eingelie-
liebe Zerstreuung und ich liebe es, zu
es noch keine Supermärkte wie Coles und
fert. Es dauerte lange, um darüber hin-
kochen. Zu meinen Freizeitbeschäftigun-
Woolworth. Beide arbeiteten sehr hart,
wegzukommen.
gen gehören auch Stricken und Nähen,
Während einem dieser Krankenhausau-
ich beschäftige mich gern mit Astrologie
Mit 17 begann ich eine Ausbildung zur
fenthalte starb meine Mutter. Sie, mein
und ich mag es, in der Bibel zu lesen. Ich
Krankenschwester am Royal Prince
Bruder und mein Vater starben alle an
kann mich nicht so sehr meinen Hobbys
Alfred Hospital. Dann absolvierte ich eine
einem Sonntag. Jemand sagte einmal zu
widmen, wie ich das möchte, denn ich
Hebammen-Ausbildung am King Geor-
mir: „Wenn ich du wäre, würde ich Sonn-
werde immer noch leicht depressiv, aber
ge V.-Hospital. Während meiner Ausbil-
tage meiden.“
nicht mehr so schlimm wie vorher.
sieben Tage die Woche.
dung zur examinierten Krankenschwes-
Durch die Hilfe einer Krankenschwester
Während dieser dunklen Phase ging es
ter erhielt ich eine Auszeichnung im
überstand ich diese dunkle Phase, und ich
mir wirklich sehr schlecht, und es hat Jah-
Bereich Augenheilkunde. Zehn Jahre lang
war in der Lage, wieder am gesellschaftli-
re gedauert, um darüber hinwegzukom-
arbeitete ich abwechselnd in Pflegeein-
chen Leben teilzunehmen. Ich werde
men. Nun sehe ich wieder Licht.
richtungen und am Royal Hospital for
jedoch nie wieder dieselbe sein, ich habe
Women, danach kümmerte ich mich um
immer noch Angst. Aus diesem Grund
Mit freundlicher Genehmigung von
meine Mutter.
kann ich nicht woanders einer Vollzeitbe-
The Big Issue Australia / INSP.ngo
Ich versuchte, meine Hebammen-Ausbildung am Parramatta Hospital abzu-
schäftigung nachgehen. Aber mit Hilfe von The Big Issue kann ich arbeiten.
schließen. Zu dieser Zeit wurde ich
Ein dreifaches Hoch meinem Nachbarn
jedoch krank. Ich durchlebte eine dunkle
Jim dafür, dass er mir vergangenen April
Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche von Translators without Borders
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starke frauen
„Ich (k)lebe, also bin ich.“
W
Dieses Statement, das auch das Cover ihres Buches ziert, war Barbara ihre erste Unterschrift unter einem ihrer geklebten Zettel wert. Foto: Barbara
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Barbara
er die Street-Art-Künstlerin Bar-
gepflanzt [...]“, schreibt Barbara selbst im
bara wirklich ist, weiß keiner.
Vorwort zu ihrem Buch „Dieser Befehls-
Auch sonst ist nicht viel über sie
ton verletzt meine Gefühle“. Auch den
bekannt. Sie lässt lieber ihre Werke für
Parteien, die „auf ihren Plakaten mit
sich sprechen. Und sie hat viel zu sagen.
plumpen Parolen gegen Flüchtlinge het-
Ihr Hauptthema: die Flut von Botschaften
zen“, möchte sie mit ihrer Kunst etwas
im öffentlichen Raum. Viele, die jeden Tag
entgegensetzen. An anderer Stelle kom-
an den unzähligen Plakaten, Schlagzeilen,
mentiert sie mit Humor, etwa wenn sie
Schildern und Graffitis vorbeigehen, rea-
ein Schild einer Straßenbahn mit Gardi-
lisieren die Nachrichtenflut kaum noch,
nen verziert und die Botschaft zu „Hat
die da auf sie einströmt. Die meisten Bot-
Vorhang“ korrigiert.
schaften sind Befehle oder Verbote, wie
Das Buch zeigt einen Querschnitt durch
„Anlieger frei“, „Hier Parkschein lösen“,
ihre intelligent und humorvoll geklebte
„Fußball spielen verboten“, „Bekleben“
Kunst – und löst einige Aha-Momente aus.
oder „Plakatieren verboten“, etc. – von
Vielleicht inspiriert es auch den ein oder
den vielen teils unsinnigen Werbe- und
anderen dazu, künftig nicht alles einfach
Wahlplakaten ganz zu schweigen. „In gro-
so hinzunehmen, was sie oder er im Vor-
ßen Buchstaben werden mit raffinierten
beigehen unfreiwillig aufschnappt und
Techniken meist lächerliche Inhalte vor
stattdessen einzelne Botschaften gezielt
allem in die Köpfe von jungen Menschen
zu hinterfragen.
(sab)
spuren der armut
lll
das buch
„Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle“, von Barbara, Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover); ISBN: 978-3-78572-541-2, 14 Euro 17
starke frauen
Leben Ich höre die Geräusche, Spüre den Wind, Rieche die Herbstluft, Schmecke die Kälte, Sehe die Stadt Ich bin mittendrin Und doch bin ich weit weg Innerlich spüre ich die Kälte Außen sieht man nur mich Mein Herz, für andere unsichtbar Die Kälte verschwindet Der Schmerz verebbt Ich spüre mein Herz Es springt vor Freude Ich lebe Ich gucke mir selbst zu Wie ich verliere oder gewinne Und trotzdem kann ich entscheiden Wer ich sein will Weil ich endlich frei bin Jana Hochgrebe
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ausstellung
Obdach für die Kunst Überlebensstation GULLIVER präsentiert die Ausstellung „STREET#ART“ mit Bildern von Jonas Gabriel und Peter Mück
Peter Mück
Jonas Gabriel
D
ie Überlebensstation GULLIVER
dia-Arbeiten von einer persönlichen auf
20 Prozent an die Überlebensstation. Im
gewährt Menschen und Kunstwer-
eine politische Ebene getragen. Die sozi-
Rahmen der Werkschau spendet Peter
ken seit der Eröffnung im Jahr
alkritischen auf Acrylglasplatten geritz-
Mück zudem 1.000 Euro aus den Verkäu-
2001 Obdach. Die mittlerweile 68. Aus-
ten und mit Graffiti-Elementen versehe-
fen seiner Sammler-Edition „Deutsche
stellung in der Stätte unweit vom Kölner
nen Exponate spannen einen weiten
Bank“. Als Ausstellungsveranstalter fun-
Hauptbahnhof zeigt noch bis zum 16.
Bogen vom Konsumwahn über die Pro-
giert der KALZ e.V.
April 21 Bilder von Jonas Gabriel und
fitgier von Großkonzernen bis hin zur
Peter Mück. Unter dem Titel
Instrumentalisierung verwaister Kinder
„STREET#ART“ präsentiert das Haus
für Selbstmordattentate. Im Schatten die-
Impressionen, die das Leben auf der Stra-
ser traurigen zivilisatorischen Bestands-
ße reflektieren. Stilistisch verschieden,
aufnahme erinnern auf den Groß-
verarbeiten die Künstler in ihren Expona-
stadt-Straßen die Grenzgänger, Heimatlo-
ten Angst, Enttäuschung, Ignoranz aber
sen, Ausgestoßenen und oftmals Schutz-
auch Hoffnung. Die einfühlsamen Por-
losen an tausende anonyme Schicksale.
traitzeichnungen von Gabriel (der lange
Die Vorbereitung für die aktuelle Aus-
Jahre selbst von Obdachlosigkeit betrof-
stellung umfassten nahezu zwei Jahre.
fen war) werden durch Mücks Mixed-Me-
Von den Erlösen der Bildverkäufe gehen
Fotos und Text: Thomas Dahl
lll
Info
Ausstellung: noch bis zum 16. April 2018 Adresse: Trankgasse 20 / Bahnbogen 1, 50667 Köln Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 6:00 – 12:00 Uhr und 13:00 – 18:00 Uhr Samstag, Sonntag und Feiertag 10:00 – 18:00 Uhr www.koelnerarbeitslosenzentrum.de 19
HILFE IST SO VIELFÄLTIG
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen
Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen
Arbeiten
Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung
Pflegewohnheim
begleiten und fördern I beraten und anleiten
Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
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Aus den einrichtungen
Danke für 1.050
Fotos: Daniel Steh
– Donswieler!
Euro
Zum ersten Mal war „Loss mer singe“ mit „Donswieler, sing met!“ in dem gemütlichen Stadtteil von Pulheim. Und es wurde einer der längsten LMS-Einsingabende aller Zeiten, denn zum einen streikte zuerst die Anlage (Danke an Tom für die Unterstützung!) und außerdem gab es nach der Vorstellung von 20 neuen Sessions-Titeln noch Live-Auftritte von Pläsier, Drei Ahle un 'ne Zivi und dem Dansweiler Dreigestirn! Alle traten in Rulands Zehnthof für lau auf, um den guten Zweck zu unterstützen: für die OASE ging der Hut rum – und der war am Ende mit 1050 Euro sehr gut gefüllt. Zuvor wurden im vollbesetzten Saal natürlich kräftig die neuen Lieder der Session eingeübt. Den haushohen Sieg trugen die Jungs von Lupo mit „För die Liebe nit“ davon. Ein herzlicher Dank an alle, die zu dem schönen Abend beigetragen haben – allen voran dem „Moderator der Herzen“ Harald van Bonn. (ds/cb)
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cartoon/kolumne
Cartoon: Heiko Sakurai
Hallo Freunde, neulich war ich mit Frauchen wieder mal bei einer Führung. An einem Sonntag. Normal ist das ja unser Ruhetag, aber ich mache ja alles mit. Wir gehen also sehr lange Gassi. Plötzlich bleibt sie vor einer großen Halle stehen und klingelt. Ein Mann macht auf. Ich zeig’ dem natürlich gleich, wer der Boss ist, und belle. Der lacht und lässt uns rein – in einen riesigen Raum. Und da riecht es total nach Blumen, Lilien heißen die wohl. Frauchen liebt die. Ich nicht. Gut, dass wir die nicht zu Hause haben! Nach uns kommen immer mehr Leute und ich denke, prima, gleich legt Frauchen los und erzählt denen was über Berber. Aber nö. Dafür 22
sagt eine andere Frau ganz laut: „Willkommen zur Führung in Raum 13. Heute haben wir besondere Gäste. Auch den Hund Clayd, und der ist nicht zum streicheln.“ Da stelle ich gleich meine Ohren auf. Sie sagt noch was von erster Gasmotorenfabrik und Kunst und so Sachen. Dann geht’s los. Zuerst in einen großen Hof mit Blumenkästen. Gerade will ich meine Marke setzen, da zieht mich Frauchen schon weiter, vorbei an Schaufenstern mit Anziehsachen drin – alles ohne Glas. Irgendwo spielt Musik. Ich bin leicht irritiert. Im nächsten riesigen Raum gibt es einen kleinen Wasserlauf. Jemand sagt, dass das die älteste Fabrik in Mülheim sei und dass dort vor sehr langer Zeit mal viele Menschen gearbeitet hätten. Die Gebäude stehen aber jetzt
wohl unter Denkmalschutz – was immer das heißt. Woanders liegen lauter Matratzen auf dem Boden. Gerade will ich mich auf eine legen, da kommt ein Mann aus der Gruppe uns zu nah und ich muss ihn erst mal wegbellen. Das ist ganz schön laut, wegen der Echos ... Schon spannend, die Führung. Und ganz anders als sonst. Die vielen Gänge und Räume. Überall andere Gerüche. Da habe ich mir mein Körbchen abends doppelt verdient. Und weil ich so brav war, gibt es von Frauchen noch einen Schmackofatz-Keks. Damit bin ich für den ausgefallenen Ruhesonntag wieder versöhnt. Erst mal. Bis bald, euer Clayd l l l Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda
Buchtipps
Ingrid Müller-Münch, Autorin und ehemalige Korrespondentin der Nachrichtenagentur Reuters und der „Frankfurter Rundschau“, Redakteurin beim „Stern“ und Mitarbeiterin beim WDR, unterstützt den DRAUSSENSEITER seit vielen Jahren als freie Mitarbeiterin.
Charlie Donlea
Das Mädchen am See Becca Eckersley hat am Abend ihres Todes ahnungslos einem Menschen die Tür geöffnet, der ihr Mörder werden sollte. Sie hatte sich zurückgezogen, in dieses Ferienhaus ihrer Eltern, einsam an einem See in Summit Lake gelegen. Offenbar wollte sie nichts weiter, als ihre Ruhe zu haben, fürs Examen zu lernen. Kein Mensch kann sich erklären, wer dieser schönen, klugen, geselligen jungen Frau ans Leben wollte. Doch irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Der örtlichen Polizei werden kurioserweise die Ermittlungen entzogen. Die Fallakten sind nicht öffentlich zugänglich. Irgendetwas ist eigenartig an diesem Mordfall. Was sich herumspricht und zu Ohren des Chefs eines der angesagten US-Nachrichtenmagazine kommt. Der ahnt eine Story, schickt Reporterin Kelsey Castle, seine beste Kraft, in dieses Gottverlassene Nest, damit sie ihre Nase in diese offenbar manipulierten Ermittlungen steckt. Und sich dabei alle Zeit der Welt lässt. Denn Kelsey Castle hat allen Grund, eine Auszeit zu nehmen. Vor einigen Monaten wurde sie beim Joggen brutal überfallen und vergewaltigt. Seitdem ist sie nicht mehr die Alte, muss dieses Erlebnis erst einmal verkraften. Der Fall der ermordeten Becca Eckersley geht ihr daher besonders nahe, als sie dahinterkommt, dass auch die tote junge Frau vergewaltigt wurde. Und so lässt sie sich nicht beirren. Weder von dem Vater der Toten, der unbedingt Geheimnisse unter den Tisch kehren will. Noch von Ermittlern, die unbedingt an einen Raubmord glauben wollen und bereit sind, sich zur Erhärtung ihrer These Fakten zurecht zu biegen. Und auch nicht von der sich immer mehr entwirrenden Lebensgeschichte der Toten, die nur so von Lebendigkeit und Charme sprüht. Vordergründig, wie die Reporterin bald schon herausfindet.
Das Debut eines Autors aus Chicago, das gleich die US-Charts stürmte. Zu Recht, denn die Geschichte hält in Atem, ist psychologisch ausgefeilt und macht Appetit auf mehr: Für 2018 kündigt der Verlag seinen zweiten Krimi an. Charlie Donlea: „Das Mädchen am See“, LYX/ Bastei Lübbe, Übersetzung aus dem Englischen v. Antje Görnig, 376 Seiten, 8,99 Euro
ihm loyal zu bleiben und das zu erledigen, was ihm aufgetragen wurde. Ein Rückblick auf eine dunkle Zeit. Verpackt in einer Kriminalgeschichte. Die der Wahrheit und dem Alltag sehr sehr nahe kommt. Ellen Sandberg: „Die Vergessenen“, Penguin Verlag, 508 Seiten, 13 Euro
Robert Bryndza Ellen Sandberg
Die Vergessenen Manolis Lefteris ist ein Mann, der mühelos ganz besondere Aufträge erledigt. Eigentlich führt er ein Autohaus, doch wenn er einen bestimmten Anruf bekommt, dann verschwindet er für eine Weile. Dieses Mal soll er Akten, die eine alte Dame bei sich verwahrt, sicherstellen. Für ihn ein Klacks. Doch dann stellt sich heraus, dass es hier nicht um ein paar beliebige Papiere geht, sondern dass sich hinter diesen Dokumenten die dunkle Vergangenheit eines mächtigen Unternehmers verbirgt. Und die alte Dame, durch einen Sturz im Krankenhaus gelandet, ist nicht ansprechbar. Und so muss sich Manolis, der nicht weiß, worum es geht, so langsam hervortasten. An die Geschichte dieser alten Frau, Kathrin Mändler, die gegen Ende des zweiten Weltkrieges als junge Krankenschwester in einem Heim für behinderte Kinder arbeitete, sich in den Chefarzt verliebte, mit ihm eine sexuelle Beziehung begann – um dann irgendwann festzustellen: dieser Mann ist ein Monster. Ein Mörder. Jemand, der gnadenlos Kinder tötet und damit bis heute ungeschoren davonkam. Wäre da nicht die Journalistin Vera Mändler, die ebenfalls dem Geheimnis ihrer Tante Kathrin auf der Spur ist – Manolis würde sich im Gestrüpp der Dokumente und verschiedener Interessen verlieren. Vor allem, weil auch seine Familie ein Opfer der Nazis wurde. Ihn das Massaker, dass er als Kind miterlebte, bis heute in seinen Träumen verfolgt. Umso schwerer fällt es
Das Mädchen im Eis London. Erika Forster, einst eine der erfolgreichsten Londoner Ermittlerinnen, war monatelang außer Gefecht gesetzt, nachdem bei einem fehlgeschlagenen Einsatz Kollegen, darunter auch ihr Mann Mark, getötet wurden. Nun soll sie wieder zeigen, was sie kann. Denn die Tochter einer der nobelsten Upperclass-Familie Londons wurde ermordet – ausgerechnet in einem heruntergekommenen Szeneviertel, in dem die Eltern ihr Kind nie vermutet hätten. Und alle stehen stramm, vor den verzweigten Connections des Vaters der Ermordeten, davor, dass er privaten Zugang zu allen Chefs von Erika Forster hat, und auch, weil Erika Forster gleich zu Beginn die erste Befragung dermaßen in den Sand setzt, dass man als Leser nur den Kopf schütteln kann. Und so geht das weiter, Forster ist definitiv noch nicht bereit, für ihren Job. Zu emotional, zu empfindlich, zu sehr noch in Trauer verhaftet. Dennoch lässt sie ihre Spürnase nicht im Stich. Und so widerlegt sie denn alle vermeintlichen Spuren, die die Polizei ansonsten verfolgt. Ein klassischere Who’s donit. Viel Polizeiarbeit, die minutiös verfolgt wird. Wer das mag, kommt hier auf seine Kosten. Bis zu einem überraschenden Ende. Robert Bryndza: „Das Mädchen im Eis“, Übersetzung: Charlotte Breuer, Marion Matheis und Norbert Möllemann, Penguin Verlag, 430 Seiten, 10 Euro
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Die Bestellung wird erst wirksam, wenn sie nicht binnen einer Frist von 10 Tagen schriftlich widerrufen wird. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Das Abo kann jederzeit gekündigt werden.
Cartoon Heiko Sakurai Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221 / 98 93 53-0, Fax: 0221 / 98 93 53 16 Depots (nur für Verkäufer) Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, Im Ferkulum 42, 50678 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln
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vorschau
Eintritt frei z Musik, Tanz, Text
Un Abrazo – Eine Umarmung Tango Argentino – ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann Sechs Millionen Auswanderinnen und Auswanderer, viele von ihnen aus dem Süden Spaniens und Italiens, erreichten zwischen 1880 und 1920 den Hafen von Buenos Aires in der Hoffnung auf ein besseres Leben. „Un Abrazo“ erzählt in bewegenden Texten, hinreissender Musik und temperamentvoll getanztem Tango Argentino von den Sehnsüchten, Erfahrungen und Enttäuschungen dieser Menschen. In den Hafenspelunken und Elendsquartieren von Buenos Aires entstanden, hat der Tango Argentino längst seinen Siegeszug rund um den Erdball angetreten. Abend für Abend treffen sich in den Metropolen die Tangueras und Tangueros, um für ein paar Stunden den Alltag hinter sich zu lassen.
Ein Brief an sich selbst hilft, die eigenen Gedanken zu reflektieren.
Foto: Dean Moriarty
Blick zurück
S
tellen Sie sich einmal vor, ins Gefängnis zu gehen. Das ist eine sehr beängstigende Sache. Und Sie müssen an Ihrer Realität festhalten [...] auch wenn Sie sehr lange im Gefängnis sitzen.“ Was zuerst klingt, wie eine kreative Schreibaufgabe, hat der Fotograf Trend Bell, von dem auch das obige Zitat stammt, in die Tat umgesetzt. Er bat ehemalige Häftlinge über ihre Vergangenheit zu reflektieren und ihre Gedanken aufzuschreiben – in einem Brief an ihr jüngeres Ich. Die Ergebnisse dieser Dokumentation von vergangenen Entscheidungen und was die Briefe für die Autoren selbst bedeuten, erfahren Sie in unserer nächsten Ausgabe.
„
Georgia Papadimitriou und Jan Weigelt, von der Rheinischen Musikschule, widmen sich mit großem Engagement der Musik des Tangos und haben sich auf diesem Gebiet ein breites Repertoire erarbeitet. Petra Vetter und Ulrich Steiner präsentieren sich sowohl als engagierte Rezitatoren wie auch als begeisterte Tangotänzer. Eine Produktion von MediaDesign Gugel+Steiner in Kooperation mit der Rheinischen Musikschule Köln. Wann: 10. März 2018, 18 Uhr Wo: Rheinische Musikschule - Regionalschule Weiden, Ostlandstraße 39, 50858 Köln-Weiden Preis: Eintritt frei Veranstalter: Rheinische Musikschule Köln Weitere Infos siehe www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/ rheinische-musikschule
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. April 2018. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25
service
Foto: Hanna Witte
n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, rochus@skm-koeln.de http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäsche waschen Mo bis Do von 11:00-14:30 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do von 12:30 13:30 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Die Wochenenden sind geschlossen. Kleiderkammer: Ausgabe von Kleidung nur notfallmäßig für Besucher der Kontaktstell. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr
n Sozialdienst Katholischer Männer e.V.
Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de
n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr
n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim
n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme
Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang Kontaktstellenbereich/Tagestreff: Mo. bis Fr.: 12.00 bis 15.30 Uhr (Essensangebot: 12.00 bis 14.00 Uhr) So. und Feiertage: 12.00 bis 13.00 Uhr Samstags geschlossen Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11.30 Uhr, Mo bis Fr 14-15.30 Uhr
n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung
Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen
n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation, Gepäckaufbewahrung Öffnungszeiten: Mo bis Fr 6-12 Uhr u. 13-18 Uhr, Wochenende und Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 13.30-15.30 Uhr
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Foto: Christina Bacher
Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische
service
Nur für Frauen
n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de
n agisra e.V.
Foto: Marie Breer
Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.
Vringstreff
n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de
Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
n OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de
Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch nach Terminvereinbarung
Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30-11.30 Uhr und Donnerstag 13.30-14.15 Uhr
Kleiderkammer/Duschen: Montags ab 10.30 Uhr Donnerstags ab 13.00 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Weitere Angebote: Gepäckaufbewahrung
Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: siehe Aushang
Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
n Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung
n Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück
n Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.
n Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.
n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und
n Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen
n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung
n Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
Nur für Männer n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 93 12 21-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren
n „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de
Beratung für vergewaltigte Frauen Herwarthstr. 10, 50672 Köln, Tel.: 56 20 35, mail- Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen box@notruf-koeln.de, www.notruf-koeln.de Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Beratung telefonisch, persönlich und per Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote
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e t i e S t e n r e Int e s s e r d A e t ohne fes . e s u a h u Z t h suc Rund 1.500 Kölner haben keine feste Adresse. Die Homeless Homepage auch nicht. Mit dieser ersten obdachlosen Internetseite der Welt macht die OASE auf ihre Arbeit für Menschen in Wohnungsnot aufmerksam. Sie können dazu beitragen, dass diese Aktion viele Menschen erreicht. Etwas Webspace auf Ihrer Unternehmenswebsite genügt. Ihr Engagement kostet Sie keinen Euro und bringt Ihnen zusätzliche Aufmerksamkeit. Geben Sie also der Homeless Homepage ein neues Zuhause. Informationen dazu, wie das geht, finden Sie unter www.homelesshomepage.de
für Wohnungslose und Andere