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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 02/2017: Flucht voran

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25. Jahrgang

Nr. 174

Februar 2017

R E T I E S N E S s U A R D IN

Foto: Michael Schober

Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D

0,90 e für den Verkäufer

1,70 e

Flucht voran MOHAMMAD

FARHAD

DAVINDER


Anzeige


Foto: Sandy Craus

Inhalt Liebe Leserinnen und Leser, wie neueste neurowissenschaftliche

Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3 Aus der OASE ������������������������������������������������������ 4-5

Forschungen beweisen, können sich Armutserfahrungen in die DNA von Menschen eingraben und somit das

Schwerpunkt: Flucht

Erbgut nachfolgender Generationen beeinflussen. Welche Spuren aber hinterlässt Armut in einer Stadt wie Köln, die seit Jahrhunderten – mehr als viele andere in unserem reichen Land – davon betroffen ist? Gibt es vielleicht eine Art Stadtgedächtnis, auch wenn wir Menschen oft vergessen, die Orte zu markieren oder Hinweise aufzustellen? Gemeinsam

S.10

Zu Besuch bei Mohammad, Davinder und Farhad ������������6-9 Flucht nach vorne ���������������10-11

mit dem Stadthistoriker Martin Stankowski eröffnen wir in dieser Ausgabe die neue Reihe „Spuren der Armut“ – den ersten Teil lesen Sie auf der Seite 19. Die Lebensgeschichten von Mohammad, Farhad und Davinder sind sehr unterschiedlich, alleine deshalb schon, weil sie aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen stammen. Doch gemeinsam haben die jungen Männer, die zur Zeit in Köln in einer betreuten Wohngemeinschaft leben, dass sie

Gerd Bonse: André ����������������� 13 ZeitZeugenBörse ���������������� 14-15 Essay: Wenn Gefühle Tatsachen werden ������������� 16-17

S.14

vor nicht allzu langer Zeit Angst um ihr Leben haben mussten. Jens Hüttenberger hat mit ihnen gesprochen. Sehen wir uns am 5. Februar ab 15 Uhr in der OASE zum (alkoholfreien) Einsingen bei „Loss mer singe“? Würde mich sehr freuen! Ganz herzlich,

Christina Bacher

S.18

Gedicht: Augen-Blicke ������������� 18 Spuren der Armut: Neue Rheinische Zeitung ��������� 19 Blick in die Welt: Leo von „Bodo“ 21

Comic, Kolumne ���������������������������������������������������� 22 Buch-Tipps ���������������������������������������������������������� 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27

Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: 13.00 – 16.00 Uhr 3


Aus der oase

! e k n Da U

nser herzlicher Dank geht an die Gothaer Versicherung, die in diesem Jahr 70 bedürftige Menschen

mit liebevoll eingepackten Päckchen Wünsche erfüllt hat. Die zahlreichen Wünsche waren vorab in der OASE eingesammelt worden – vom Rucksack über Hundefutter bis hin zum Toaster als Erstausstattung für eine neue Wohnung. Bereits im dritten Jahr wird die OASE von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gothaer Versicherung bei der großen Foto: Christina Bacher

Geschenkeaktion bedacht, so verwandelt sich die Einrichtung vor den Feiertagen für einige Stunden in eine gut gefüllte Weihnachtsstube ... (cb)

Wir feiern 10.000 Menschen die in 35 Ländern 110 verschiedene Straßenzeitungen verkaufen.

#VendorWeek 6-12 Februar 2017 insp.ngo @_INSP

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/inspstreetpapers


Aus der oase

LOSS MER SINGE exklusiv für OASE-Besucher und ihre Freunde Am

„Man muss nicht zwingend eine gute Figur

5.2.2017 ist es endlich

haben, um eine

wieder soweit: Die Kult-Initiative „Loss mer singe“ verlässt die Kneipe und kommt um

15 Uhr in die OASE zur (alkoholfreien) Stimmbildung. Woh-

gute Figur zu

nungslose und andere OASE-Besucher sowie Vereinsmitglieder, die gerne zusammenstehen und singen, können sich noch bis zum 1. Februar 2017 bei Ingo Leis in der OASE eine kostenfreie Karte sichern, solange der Vorrat reicht.

machen.“

Für Frikadellen und Getränke ist gesorgt – gute Stimmung inklusive. Verklei-

Thom Renzie

hallo liebe Freunde!

und kräftiger als ich. Natürlich weiß ich,

Jetzt, wo es von einer Feier zur nächsten

sollte usw., aber was soll ich machen? Bin

geht, kommt man nicht viel zum

halt eher der zierliche, schmale Typ. Jeden-

Schlafen. Zumindest bei uns

dass der Mann immer der Größere sein

falls finde ich die Amy Bombe. Ich

nicht. Erst war ja Weih-

hoffe, ich sehe sie bald wieder

nachten, dann Silvester,

und dann werde ich mein

was ich gar nicht leiden

schönstes Lächeln aufsetzen,

kann, und nun kommt

meine Zähne zeigen und

bald schon Karneval. Das ist eine komische Zeit, Frauchen singt und lacht dann ganz viel. Klar gefällt es mir, wenn sie so gut drauf

ganz sanft an ihr schnuppern, wenn sie mich lässt. Sie ist ein wenig scheu und hat es nicht so mit anderen Hundekumpels – liegt aber wohl daran, dass sie mich noch nicht

ist. Sie spielt dann viel mit mir und wir

so gut kennt. Das werde ich jetzt ändern.

machen Konzentrationsübungen. Tja, und

Frauchen sagt, Verliebte schenken sich

dann gibt es noch den besonderen Tag,

dann was. Na ja, wenn ich mich runter

den die Zweibeiner „Valentinstag“ nen-

beuge und ihr eine Spielaufforderung

nen, also irgendwas mit Liebe und so. Wir

mache, schenke ich ihr ja auch was. Das ist

Hunde brauchen dafür gar keinen

der Plan. Schließlich bin ich ja ein stolzer

bestimmten Tag, wir lieben immer und

Bube. Frauchen hat direkt gemerkt, dass

überall. Aber dieses Mal ist der Tag auch

ich Amy nett finde und die hat mich nicht

für mich wichtig, denn ich habe ‘ne super

weggeknurrt. Das heißt schon was. Zwar

tolle Lady getroffen. Sie heißt Amy und ist

hat sie mich später weggebellt, aber es war

ganz braun, also so fuchsfarben, und hat

ein Versuch wert. Ich wünsche euch jetzt

wunderschöne dunkle Augen. Leider ist

auch viele tolle nette Begegnungen!

sie, wie alle Ladys, die ich toll finde, größer

DIESES MAGATRZAINSSE.

VON DER S

Kölns ältestes Straßenmagazin. Jeden Monat neu.

Euer Clayd

Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda

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HOLEN SIE

werbeagentur-von-morgen.de

dung ist natürlich kein Muss, aber gerne gesehen.

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DRAUSSENSEITER-KOELN

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inhalt

Köln ist eine schöne Stadt. Ein Besuch in einer WG von minderjährigen Flüchtlingen von Jens Hüttenberger

Sie sind teilweise über 7.000 Kilometer zu Fuß gegangen, haben Berge überquert, in überfüllten Lagern gelebt und sind in Schlauchbooten über das Mittelmeer geschippert, doch über ihre Flucht wollen sie nicht viel sprechen, aus ihren Augen weicht das Lachen, viel lieber reden sie über ihre Ziele und Wünsche. Sie wollen keine traurigen Geschichten erzählen, sondern neue entdecken. Sie, das sind Mohammad, Farhad und Davinder, drei jugendliche Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Indien. Jens Hüttenberger hat sie getroffen und mit ihnen gesprochen.

6


inhalt

7


flucht I Bericht

W

ir befinden uns in einer frisch

habe ich mich an das deutsche Essen

stützen, die weiterhin in Afghanistan lebt.

renovierten Mustersiedlung aus

gewöhnt.“ Am liebsten essen die Jungs

Kontakt hat er kaum zu ihr, da in der Re-

den 1920er Jahren. Die Straßen

allerdings – wie deutsche Jugendliche –

gion nur selten eine Internetverbindung

Fast Food.

steht. Auf ihre beruflichen Träume berei-

sind hell und weiträumig, Fassaden wie

ten sich die drei in Förderklassen in einem

Fensterrahmen frisch grün und weiß gestrichen, sauber reihen sich die Mülleimer in den gepflegten Vorgärten. Nichts

 KFZ-Mechatroniker ein Wort wie Haus oder Hund

sie Mathematik, Politik, Landeskunde, Religion und Sport. Sie sind äußerst enga-

deutet darauf hin, dass sich in einem der

8

Berufskolleg vor. Neben Deutsch lernen

Reihenhäuser eine Wohngemeinschaft

WG-Sprache ist mittlerweile Deutsch.

giert und schauen sich auch jenseits der

mit zehn minderjährigen Flüchtlingen

Auch wenn es manchmal noch mit der

Schule nach Weiterbildungsmöglichkei-

befindet. Seit 2015 leben hier die jungen

Wortfindung hapert, ist es erstaunlich, wie

ten und Arbeitsstellen um. Das Erlebte

Männer zwischen 15 und 18 Jahren, die

schnell die jungen Männer die Sprache

vergessen und das Neue anstreben, darum

ohne Begleitung nach Deutschland flüch-

gelernt haben und welche Worte sie ken-

geht es ihnen. So wirken sie erstaunlich

teten. Die Bewohner kommen aus dem

nen. „Ich möchte KFZ-Mechatroniker

aufgeräumt – trotz der schrecklichen, teils

Irak, Iran, Albanien und eben aus Syrien,

werden“, sagt Mohammad, als ob Mecha-

lebensbedrohlichen Reisen und Erfahrun-

Afghanistan und Indien. „Manchmal strei-

troniker ein Wort wie Haus, Hund, Auto

gen. „Ich fühle mich hier gut. Köln ist eine

ten wir uns, weil keiner putzen will“, sagt

wäre. Der Syrer, mit 18 Jahren der älteste

schöne Stadt. Ich spaziere viel“, sagt der

Mohammad, ein syrischer Kurde, lachend.

der Dreien, machte vor seiner Flucht in

Syrer. Nur seine Familie vermisst er. Fast

„Will keiner machen, müssen wir aber.“

Syrien Abitur. „Ich konnte in Al-Hasaka

täglich schickt er seinen Eltern und sei-

Sonst gibt es erstaunlich wenig Probleme

studieren, Anwalt werden. Musste aber

nem Bruder, die noch in Syrien leben,

zwischen den Jugendlichen, trotz kultu-

fliehen.“ Wie alle jungen Syrer wurde er

WhatsApp-Nachrichten. Da sein Dorf an

reller Unterschiede. „Zweimal die Wochen

eingezogen. Als Kurde hätte er dann auf

der Grenze zur Türkei liegt, können diese

spielen wir Fußball. In der Halle. Am

der Seite des Regimes von Baschar al-As-

auf das türkische Internet zurückgreifen.

Nachmittag sitzen wir gemeinsam zusam-

sad gegen seine eigenen Landsleute kämp-

Obwohl der sogenannte IS seit einigen

men, schauen Fernsehen, spazieren in der

fen müssen. Die Alternative wären die

Monaten von den kurdischen Rebellen aus

Stadt“, ergänzt Davinder, ein Sikh aus

kurdischen Rebellen gewesen. Er wollte

der Region verdrängt wurde, hat er Angst

Indien, der einen Dastar, die traditionelle

aber auch nicht Araber bekriegen, mit

um seine Familie. Erst wenige Tage vor

Kopfbedeckung der Sikh, trägt. Er floh aus

denen er sich immer gut verstand. Als

dem Gespräch fielen wieder Bomben auf

seiner Heimat, weil Sikhs in Nord-Indien

Kämpfer kann man sich den gepflegten

seinen Ort. Wer dafür verantwortlich ist,

aufgrund ihrer Religion verfolgt werden.

jungen Mann mit seiner akkuraten Kurz-

weiß er nicht in dieser diffusen Lage. Am

Sechs Monate dauerte seine Odyssee

haarfrisur, dunklen Hornbrille und

liebsten hätte er es, wenn seine Familie

durch etwa zehn Länder. Wie viele es

grauem Rollkragen-Pullover auch kaum

nachkommen könnte; das ist aber sehr

genau waren, weiß er nicht mehr. Am

vorstellen, eher als BWL-Student. So floh

unwahrscheinlich, da die Bundesregie-

Ende wog er nur noch knapp 50 Kilo bei

er mit Schleppern, versteckt in einem

rung die Regeln für den Familiennachzug

einer Größe von circa 1,80 m. „In den

Auto, über Istanbul nach Griechenland

erschwerte. Und wie sieht es mit Freun-

Lagern gab es immer Essen mit Fleisch.“

und von dort weiter über die Balkanroute

dinnen aus? Verlegen senken die drei

Seine Religion verbietet ihm den Verzehr

nach Deutschland. „Ich suche einen Prak-

Jugendlichen den Blick. Später vielleicht

von Fleischprodukten. „Ich habe nur Kek-

tikumsplatz in einer Autowerkstatt. Ich

einmal. Im Augenblick obsiegt die Schüch-

se gegessen.“ Mittlerweile wiegt er wieder

hatte schon ein Vorstellungsgespräch.“

ternheit, ihr Fokus liegt auf Wohnen und

knapp 70 Kilo. Dabei hilft auch das

Auch diese Wörter fließen wie selbstver-

Arbeiten. Als langfristiges Ziel können

gemeinsame Kochen am Wochenende. In

ständlich aus seinem Mund. Arbeit finden

sich Farhad und Mohammad vorstellen,

der Wohngemeinschaft sollen sie auf ein

und sich schnell integrieren ist auch das

irgendwann wieder in ihre Heimat und zu

eigenständiges Leben vorbereitet werden

Ziel von Farhad. „Ich möchte KFZ-Mecha-

ihren Familien zu ziehen, wenn die Lage

und dazu zählt auch das Zubereiten von

niker werden.“ Der 17-jährige Afghane

dort nicht mehr so gefährlich ist. Aber

Speisen. Denn sobald sie volljährig sind,

floh aus Kundus vor den Taliban. „Immer

zurzeit spricht nicht viel dafür. Davinder

müssen sie die Wohngemeinschaft verlas-

Krieg, immer Gewalt“, meint er. Sein

ist Waise, er sieht seine Zukunft in

sen. In manchen Fällen, wie bei Moham-

Vater, der als Lkw-Fahrer arbeitete, verlor

Deutschland. Einen spezifischen Berufs-

mad, kann eine kurzzeitige Verlängerung

bei einem Anschlag das Augenlicht, sodass

wunsch hat er noch nicht, aber auch ihn

genehmigt werden, aber dann sind sie auf

er nicht mehr arbeiten und die Familie

faszinieren Autos.

sich alleine gestellt. „Kartoffeln mag ich

ernähren konnte. So fühlt sich Farhad

nicht so“, meint Mohammad. „Aber sonst

auch verpflichtet, seine Familie zu unter-


inhalt

 Fußball, Hausaufgabenbetreuung, Mutter-Kind-Gruppen Die Jugendlichen in der Wohngemeinschaft werden von dem Verein Pro Humanitate betreut. Der Verein wurde im Jahr 1996 von dem Franziskanerbruder Jürgen Neitzert und Memo Sahin gegründet. Mit den jungen Männern führen die Mitarbeiter des Vereins Freizeitprogramme in und um Köln durch oder veranstalten Fußballtraining. Eine wesentliche Aufgabe ist die Betreuung der 15- bis 17-Jährigen bei Behördengängen. So begleiten Mitarbeiter die Jungs zum Jugendamt, zur Ausländerbehörde oder zum Bundesamt für Migration. Rund um die Uhr stehen ihnen Betreuer zur Seite. Weitere Integrationshilfen, die der Verein anbietet, sind Hausaufgabenhilfen, Mutter-Kind-Gruppen sowie Nachmittagsbetreuung von Kindern und Jugendlichen in einem ehemaligen Ladenlokal. Die Räumlichkeiten stellt die GAG zur Verfügung.

lll

michael schober

Der Fotograf Michael Schober hat mit seiner Kamera das Projekt „Here's my story“ des Bayerischen Rundfunks dokumentiert, für das Jugendliche aus Mittelschulen und aus Flüchtlingsklassen an beruflichen Schulen ihre kulturelle und biografische Identität und ihre Lebensziele reflektieren. Ali aus Libyen, der unser Titelbild ziert, gehört auch dazu. Er erzählt in seiner Geschichte „Glück im Unglück“, wie er zunächst von libyschen Rebellen als Gefangener genommen wird und dann als Arbeitskraft missbraucht wird. Während er den Boden eines Imbisses schrubben muss, hört er eine Explosion und wird unter den Trümmern des Hauses begraben. Schwer verwundet, rettet man ihn aus dem Schutt und bringt ihn erst einmal in Sicherheit. Er arbeitet hart und als er genug Geld gespart hat, macht er sich auf den Weg nach Deutschland. www.br.de/mediathek/video/video/mystory-bszamberg-106.html Mehr zum Verein: www.pro-humanitate-koeln.de

Ali

9


inhalt

Amnesie, eine andere. Keine, die vom Staatsanwalt genehmigt werden musste. Wer weiß, für was das gut war. Auch eine Flucht, weg vom Wissen. Hin zum einfachen Hinvegetieren im schlichten Einerlei. Leif Gassmann blieb auch jetzt lieber etwas abseits. Die schwarzen dünnen Haare zum Zopf gebunden, den hageren Körper in eine viel zu große Hose gesteckt, darüber einen braunen Blouson, der sicher schon lange aus der Mode gekommen war, so stand der fast 60-Jährige da und merkte, wie der Wind um ihn herum plötzlich

Flucht voran

immer eisiger wurde. Er verspürte einen starken Impuls, umzukehren. Zurück in die Zelle, die ihm all die Jahre Obdach gewährt hatte, zurück in den Schutz der Gefängnisküche, in der er viele Jahre Dienst gescho-

Eine Kurzgeschichte von Christina Bacher

ben hatte, um sich illegales Knast-Heroin Foto: Ralf Bruns

und Zigaretten leisten zu können. Heim ins Hüttchen, back to the Bau. Was kehrte ihn Weihnachten? Verlogenes Fest in einer ihm fremden Glitzerwelt voller Saubermänner. Just in dem Moment, als er hinter sich die schwere Tür ins Schloss fallen hörte,

E

10

begann es heftig zu schneien – zeitgleich, r stand vor dem Tor der JVA und war

immer verbrannte Erde. Deshalb war er

was für ein seltsamer Zufall. Er schloss die

frei. Das Haus mit Gittern war ihm

zunächst überhaupt nicht scharf darauf

Augen, seine Nase wurde feucht, er fror

neun Jahre lang Zuflucht gewesen.

gewesen, den Knast zu verlassen. Genau-

an den Ohren. Ganz bewusst sog er die

Und nun sollten heute – dem ersten Tag

genommen war er damals, als man ihn mit

kalte Luft ein, so, als sei es eine andere als

im Dezember – noch zwanzig weitere

der Knarre vor dem Supermarkt gestellt

drinnen im Gefängnishof, wo er all die

Männer aus der Haftanstalt entlassen wer-

und mitgenommen hatte, froh gewesen,

Jahre unzählige Runden und Zigaretten

den. Wegen guter Führung und weil der

dass es vorbei war. Ein Leben lang auf der

gedreht hatte, bis man ihn nach einer

Staatsanwalt den Entlassungstermin Ende

Flucht. Vor den Eltern, vor den Zuständen

Stunde in die Zellen zurück gepfiffen hat-

des Jahres absichtlich so legte, dass einige

seines Lebens, vor sich selbst. Schon längst

te. Als ob es sauerstoffhaltige, gesündere,

in den Genuss der sogenannten Weih-

hätte er sich auch dort drinnen aufgege-

reinere Luft hier draußen wäre, dachte er.

nachtsamnesie kamen: Nur, wer sowieso

ben, hätte ihn sein bester Freund Karim

Es war ihm plötzlich, als explodiere ihm

bis Neujahr seine Haft ohne besondere

nicht immer wieder darin bestärkt, dass

davon sein Gehirn. Angst machte sich

Vorkommnisse abgesessen hatte, bekam

auch ein alter Sack wie er noch auf einen

breit. Aufregung. Wut. Weg will ich. Die

ein paar Tage im Knast erlassen. Der

Neuanfang hoffen durfte: „Wir machen

Flucht ist in mir. Will nicht bleiben, will

Gedanke dahinter war, dass die sowieso

draußen zusammen einfach ne Män-

immer weg. Und wenn man mich ein-

schon gestraften Teufel endlich mal wie-

ner-WG auf. Ein-Zimmer, Küche, Bad und

sperrt, vergesse ich, wer ich war.

der das Weihnachtsfest bei der Familie

jeden Monat ein neues Pin-Up an den

Es standen nur noch wenige Männer auf

daheim verbringen konnten.

Spint – wie gewohnt“. Aus Karims Augen

dem asphaltierten Vorhof. Einige der ehe-

Leif Gassmann jedoch konnte sich beim

hatte dabei der Schalk geblitzt, wie so häu-

maligen Häftlinge hatten sich inzwischen

besten Willen an Niemanden erinnern, der

fig. Die beiden Männer waren vom ersten

aus der Gruppe gelöst und bewegten sich

all die Jahre draußen auf ihn gewartet hät-

Tag der Haft an unzertrennlich gewesen.

wie in Zeitlupe auf die nahe Bushaltestel-

te. Er hatte keine Angehörigen und Freun-

Oder kannten sie sich sogar aus früheren

le zu. Andere standen noch beisammen

de außerhalb des Stacheldrahts. Und Hil-

Tagen? Das hatte Gassmann leider verges-

und klopften sich wortlos auf die Schul-

lesheim, ein kleiner Ort in der Eifel, in dem

sen, wie so vieles. Sein Gehirn streikte

tern, als fiele ihnen die Trennung nach all

er geboren und aufgewachsen war, war für

gehörig, seit er einsaß – auch eine Art der

der Zeit unglaublich schwer. Heuchler.


flucht I erzählung

Dabei wusste doch jeder hier, dass man

Totschlag im Affekt, sagten die einen.

natürlich nicht besser mache. Einmal hat-

im Knast selten wahre Freunde fand. Es

Mord, behaupteten die anderen. Seinen

te er leise hinzugefügt: „Auch du hast

sei denn, man hatte Glück. Wie Leif und

besten Freund um die Ecke gebracht, habe

mich nicht immer nett behandelt, Leif.“

Karim, das Dream-Team aus Haus 17, wo

er, der Leif Gassmann. Aus Eifersucht. Das

Und wenn schon. Noch lange kein Grund,

nur schwere Burschen einsaßen. Nur

kam ihm bis heute absurd vor. Warum

ihn jetzt im Stich zu lassen. In diesem

gemeinsam sind wir stark, hatten sie sich

sollte er so etwas tun? Doch in der Nacht,

Moment brauchte er seinen türkischen

abends vor dem Einschlafen gesagt. Und

in der er sein Gedächtnis verloren hatte,

Freund nötiger als je. Gassmann ballte die

am Morgen – nach dem Weckruf in aller

hatte er auch irgendwie sein altes Leben

Hand zur Faust. Sollte Karim sich nun

Früh – wiederholten die Freunde ihr Man-

dran gegeben. Im Grunde war er im

auch gegen ihn gestellt haben?

tra erneut. Nur so hatten sie überleben

Gefängnis ein Anderer geworden. Ein

Bekannte Musik drang nun an sein Ohr

gelernt in der Hölle, die man so harmlos

Mensch ohne Gedächtnis und Geschichte.

– orientalisches Gedudel, türkische Tanz-

Justizvollzugsanstalt nannte.

Ein Guter, wenn er zuvor ein schlechter

musik, ein blauer BMW zog gemächlich

Von weitem sah Gassmann jetzt, wie ein

Mensch gewesen war. Die einen geben ihr

an ihm vorbei. Da hatte einer dieser

Bus um die Ecke bog. Verächtlich zog er

Leben, um es zu retten. Oder so. Der neu-

jugendlichen Angeber offenbar die Musik

den Rotz in der Nase hoch und spuckte

este Spruch der Flüchtlingsbewegung.

im Auto krass laut gestellt. Gassmann

ihn lautstark auf den Boden, direkt vor

Manchmal beneidete er die Menschen, die

nahm das breite Grinsen des Fahrers wahr,

seine eigenen klobigen Schuhe. Er würde

aus Gründen flohen. Er würde lebenslang

der trotz Kälte die Scheibe seines Wagens

da nicht einsteigen. Wusste ja nicht mal,

weg wollen ohne zu wissen warum.

herunter gekurbelt hatte und nur Augen

wie man ein Ticket zog. Kannte keine Hal-

„Karim!?!“ hörte er sich selbst gegen

für die attraktive Frau auf dem Beifahrer-

testelle – weder in die eine noch in die

den Schneeregen anbrüllen. „Karim!!!!!“

sitz hatte. Fanny! Sie war gar nicht älter

andere Richtung. Seltsamerweise war von

Ein ehemaliger Knastbruder, der ihm

geworden in all den Jahren. Sie sah immer

Karim immer noch keine Spur zu sehen.

zufällig am nächsten stand, tippte sich mit

noch so aus wie damals, als er – Leif – mit

Wo blieb der Kerl überhaupt? Warum war

seinem dicken tätowierten Finger mehr-

ihr zusammen gewesen war. Heiraten hat-

er noch nicht durch die Schleuse gekom-

fach an den Kopf. Der spinnt doch, sollte

te er sie wollen, Kinder kriegen, den gan-

men? Hatte es Probleme mit seinem Spint

das heißen. Einige lachten hämisch. Lach-

zen bürgerlichen Mist eben. Heimgekom-

gegeben? Oder war er vor Aufregung noch

ten über Gassmann. Wäre Karim jetzt hier,

men war er an diesem Apriltag vor fünf-

schnell pissen gegangen? Aber wer konn-

hätten sie sich das sicher nicht getraut,

zehn Jahren, früher als sonst. Mit einem

te schon in Ruhe aufs Klo gehen, wenn

dachte dieser. Der war wie sein Bruder,

Strauß Rosen, so, wie man eben einen

einen nur noch wenige Schritte von der

sein Beschützer, sein Vorbild. „Hat ihn

Antrag aus dem Fernsehen kennt. Nackt

Freiheit trennten? Ohne ihn würde er nir-

jemand gesehen?“ Immer panischer sah

war sie gewesen und nicht alleine. Sie war

gendwohin gehen, soviel stand fest.

Leif Gassmann sich um. Es beschlich ihn

leidenschaftlicher gewesen als sonst, dar-

Träge ging Leif Gassmann in Gedanken

langsam der Verdacht, dass er den Freund

an erinnerte er sich jetzt wieder. Brutal

die Namen der Gefangenen durch, die in

nicht mehr wiedersehen würde. Dass der

hatte er zugestochen und mehrmals, ohne

die Gunst der Weihnachtsamnesie gekom-

für immer weg sein könnte. Dennoch

nachzudenken. Flucht voran. Wohlwis-

men waren, auch, wenn sie sie – wie er –

überlegte er, ob er nicht doch noch mal

send, dass er sie dennoch verloren hatte.

gar nicht ernsthaft beantragt hatten. Dass

zurückgehen gehen sollte und an die ver-

Der Tote hatte schwer auf seiner Verlob-

er in nun im Rentenalter in Freiheit sein

schlossene Tür klopfen, um Karim Benze-

ten gelegen, schwerer als zuvor beim Akt.

Gnadenbrot bekommen sollte, kam ihm

ma als vermisst zu melden. Auch, wenn

Auch sie voller Blut – jetzt sah er es wieder

schon fast zynisch vor: Er hatte dem Knast

das Personal in der JVA es nie besonders

vor sich: Er war es gewesen, der den

seine besten Jahre geschenkt. Dabei wuss-

gemocht hatte, wenn er über den treuen

Nebenbuhler von ihr abgerollt hatte. Her-

te er nicht mal mehr, warum er vor 15

Freund gesprochen hatte. Sie hatten sei-

umgedreht. Angestarrt. Es war Karims

Jahren inhaftiert worden war. Falsche

nen Zellengenossen lieber tot geschwie-

Totenfratze, die ihm jetzt die Weihnachts-

Gerüchte, fiese Anschuldigungen, haltlose

gen und so getan, als sei er gar nicht da.

amnesie zum Fest bescherte – ein lange

Anklagen – doch keine Erinnerung mehr,

Hatten den beiden Freunden lediglich

verloren geglaubtes Bild, das jetzt wieder

an nichts. Wie sollte man ein besserer

eine gemeinsame Einzelzelle zugeteilt

in seinem Gehirn aufploppte wie ein Wer-

Mensch werden, wenn man sich nicht mal

und nur eine schmale Pritsche für Zwei

beslogan auf einer Internetseite.

mehr an eine Tat erinnern konnte? Wovor

– eigentlich eine Unverschämtheit. Im

So stand Leif Gassmann nun vor den

konnte man fliehen, wenn man sich doch

Gegensatz zu Leif, der sich regelmäßig

Toren des Gefängnisses und wusste plötz-

an nichts mehr erinnern konnte? Blieb

über diese Ungerechtigkeit aufgeregt hat-

lich, dass er nie frei sein würde. Auch, wenn

nur der Verdacht von einem Fluchtgrund.

te, hatte Karim es gelassen hingenommen.

er seine Schuld abgesessen hatte. Die

Woher Bedauern, woher Reue nehmen?

Er sei Diskriminierung gewohnt, was es

Flucht war vorbei. Begonnen hatte die Jagd.

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Clemens-Josef-Haus

Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de

Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen

Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen

Arbeiten

Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung

Pflegewohnheim

begleiten und fördern I beraten und anleiten

Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause


gerd bonse

André geht „einkaufen“ André (43) kommt fast täglich aus Köln/Riehl zu seinem Sitzplatz am Kölner Dom. Viele Gründe haben ihn zu seinem neuen „Aufenthalt“ gezwungen. Sein Markenzeichen ist ein kleiner Einkaufswagen, in den zwar keine Ware hineingeht, der aber etwas Platz für eine kleine Spende bietet, mit der André sich dann etwas zum Essen und Trinken kaufen kann. Pappbecher, aus denen man vorher getrunken hat oder die man sich aus Mülleimern zum Sammeln von Almosen herausgeholt hat, hält er für stillos. Er wünscht sich sehnlichst einen gut gefüllten kleinen Einkaufswagen, damit es später auch einen gut gefüllten großen Einkaufswagen geben kann. Foto und Text: Gerd Bonse

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zeitzeugen

Erinnerungen im Angebot Senioren der „ZeitZeugenBörse Köln“ bieten Institutionen persönliche Lebenserfahrungen an

„Die Börse hat mich aus einem tiefen Loch geholt, nachdem ich meine Kinder und meinen Mann verloren hatte“, erklärt Ingeborg Tober. Die 89-jährige ehemalige medizinische Mitarbeiterin aus Köln fand in der Gruppe eine Gemeinschaft, die sie nach den familiären Tragödien wieder auffing. „Die Treffen sind für mich fast wie ein neues Zuhause geworden. Aber auch die positive Einstellung uns Alten gegen-

von Thomas Dahl

über an den Schulen ist eine enorme Bereicherung. Dieser Wissenshunger, der von den Kindern ausgeht, stellt eine große

E

Motivation dar, weiter zu machen. Die in nicht alltägliches Angebot offeriert die „ZeitZeugenBörse Köln“

Generationenübergreifendes Verständnis schaffen

Schüler erkennen, dass dies lebendige Geschichte und nichts Abgelesenes ist“, offenbart Tober ihre Leidenschaft für die

Institutionen aus der Stadt und dem

ehrenamtliche Tätigkeit.

Umland: Die seit 2007 bestehende Einrich-

„Wir organisieren und vernetzen Erinne-

tung verschenkt Lebenserfahrungen von

rungen“, verlautbaren die Senioren selbst-

Senioren. Neben Schulen, Altenheimen

bewusst auf ihren Informationsschreiben.

sowie Universitätsfakultäten nutzen auch

„Das trifft unsere Ziele auf den Punkt. Es

Museen oder Medien die ehrenamtlichen

war und ist unser Anliegen, zwischen-

Im zehnten Jahr ihres Bestehens soll der

Dienste der Zeitzeugen.

menschliche Kontakte zu knüpfen, um ein

Leitgedanke des Erinnerns von der „Zeit-

Aufmerksamkeit erwünscht

„Aufgrund meiner langen Tätigkeit als

generationenübergreifendes Verständnis

ZeugenBörse“ weitergetragen werden.

Lehrerin wusste ich, wie unbeliebt das

zu schaffen“, erläutert Wegner die Absich-

Dafür erhoffen sich die Teilnehmer neben

Fach Geschichte für viele Schüler ist.

ten der Initiative. Die regelmäßigen, mehr-

weiteren Mitstreitern ein erhöhtes Maß

Daten zur Historie werden oftmals sehr

stündigen Meetings im Bezirksrathaus der

an Aufmerksamkeit seitens der Stadt: „Wir

trocken vermittelt. Nach meiner Pensio-

Innenstadt gelten zudem als Plattform für

kooperieren gut mit den Seniorenvertre-

nierung suchte ich Mitstreiter, um ein

individuelle Erzählbedürfnisse und ein

tungen und sind für diese Unterstützung

Projekt aus der Taufe zu heben, das die

gegenseitiges Zuhören. Nicht selten beste-

dankbar. Aber es wäre nett, wenn zumin-

Geschichtswissenschaft für junge Men-

he in den jeweiligen Familien allenfalls

dest die Reisekosten, die unseren Referen-

schen wieder spannender machen sollte.

ein geringer Bedarf an den Erlebnissen der

ten entstehen, übernommen werden

So entstand die ‚ZeitZeugenBörse‘“,

Großmütter und Großväter, weiß die Pä-

könnten. Die Anfahrt zu Schulen, Senio-

erzählt Initiatorin Barbara Wegner im

dagogin. Dabei sei auch die Erkenntnis

renhäusern oder Museumsausstellungen

Gespräch mit der Kölnischen Rundschau.

wichtig, dass die als wahrhaftig empfun-

zahlen die Senioren bisher allesamt aus

Die gebürtige Berlinerin stieß mit ihrer

dene eigene Geschichte nicht unbedingt

der eigenen Tasche“, erinnert Barbara

Idee auf nachhaltiges öffentliches Interes-

mit der wissenschaftlich aufgearbeiteten

Wegner an einen Aufwand, vom dem nicht

se: „Das ging alles recht schnell. Schon zu

Historie übereinstimme.

zuletzt auch die Metropole profitiert.

Anfang bestand das Team aus 15 Personen. Mittlerweile sind wir 20 bis 30 Leute, die

Geschichte live

sich regelmäßig zum Austausch und der Koordination von Aktivitäten treffen.

„Es gibt mir eine gewisse Befriedigung,

Zwei bis drei Mal pro Monat sind wir bei

wenn vor allem junge Leute an meinem

Veranstaltungen, beispielsweise an Schu-

Leben interessiert sind. Ich finde es wich-

len“, berichtet die 76-Jährige. Die Alters-

tig, dass die Menschen erfahren, wie es

spanne des Kollektivs gereicht von Mitte

war, als Telefon, Medienvielfalt oder ein

70 bis Ende 80. Neben Erfahrungen aus

Überfluss an Lebensmitteln keine Selbst-

der nationalsozialistischen Herrschaft flie-

verständlichkeit waren“, sagt der einstige

ßen auch Erlebnisse der Nachkriegszeit in

Maschinen-Schlosser, Seefahrer und jetzi-

das Spektrum der Berichte ein.

ge Uni-Gasthörer sowie Dozent, Reinhard Storz (74).

14

lll

info

Interessierte Bürger erreichen die Ansprechpartnerin der Initiative telefonisch unter 0221/4971550 oder via E-Mail an b.l.wegner@t-online.de. Monatliche Treffen finden am ersten Montag von 10 Uhr bis 12 Uhr in den Räumlichkeiten der Seniorenvertretung Innenstadt, Ludwigstraße 8 in Köln statt. www.zeitzeugenboerse-koeln.de


Fotos: Thomas Dahl

zeitzeugen

(r.): Neben der Koordination künftiger Veranstaltungstermine bieten die Treffen der „ZeitZeugenBörse Köln“ den Teilnehmern eine Plattform zur Aufarbeitung persönlicher Erlebnisse. (o.): Alte Briefe, Postkarten, Schulbücher oder biographische Texte dienen den Zeitzeugen als Arbeitsmaterialien für Besuche an Bildungseinrichtungen. (r.u.): Reinhard Storz (74) berichtet mittels seiner Biographie „Erinnerungen aus meinem Leben“ von Zeiten, in denen Telefon, Medienvielfalt oder der Überfluss an Lebensmitteln keine Selbstverständlichkeit waren. (l.u.): Für Ingeborg Tober (89) stellen die Treffen und Events der Zeitzeugen nach dem Tod ihrer Kinder und des Ehemannes eine neue Lebensmotivation dar.

15


Foto: Š Mopic/Fotolia

Essay

16


essay

Wenn Gefühle zu Tatsachen werden von Friedrich Graf von Westphalen

statt, in der das „like it“, die uneinge-

re freiheitliche Demokratie, wenn

schränkte Bestätigung, vorherrscht und

der

„Gefühle“ zu politischen Tatsachen wer-

deutsche

Außenminister

Frank-Walter Steinmeier soeben öffentlich

den lässt.

die Frage stellt, ob nicht mittlerweile die

Daher ist daran zu erinnern, dass der

Lüge – anstelle der Fakten und damit der

große Philosoph Karl Jaspers vor vielen

„Wahrheit“ – einen Großteil der politi-

Jahren bereits die schwerwiegende Frage

schen Debatte beherrscht. Und es ist kaum

stellte, ob denn der Bürger in einer frei-

zwei Monate her, dass die politisch und

heitlich, pluralistisch verfassten Demokra-

wirtschaftlich wohl bekannteste interna-

tie noch „richtig“, das heißt gemessen und

tionale Zeitschrift „The Economist“ die

geprüft, nach den Kategorien der Wahr-

gleiche Frage gestellt hat, ob denn das jetzt

heit informiert wird. Jaspers sah darin eine

angebrochene Zeitalter der sozialen Medi-

Schicksalsfrage. Denn freiheitliche Demo-

en gleichzusetzen sei mit „post-truth poli-

kratie kann ohne ein verlässliches Min-

tics“. Es wäre eine Politik, welche die Fra-

destmaß an Wahrheit im politischen Dis-

ge nach den Fakten nicht mehr stellt, ein

kurs schlechterdings nicht funktionieren.

Zeitalter der „Kunst der Lüge“ wäre ange-

Sie muss sich ständig – gemessen am

brochen: Anstelle der Wahrheit herrscht

Urteil des einzelnen Bürgers – darüber

das nicht geprüfte „Gerücht“, das „Vorur-

Rechenschaft geben, dass ein ungeprüftes

teil“ weithin ohne Gegenwehr, und ver-

Vorurteil genauso wie die halbe Wahrheit

drängt die Wahrheit, die inzwischen zu

in der Regel eine ganze Lüge ist. Aufklä-

wenige Advokaten hat.

rung ist geboten.

Im Hintergrund stehen in der Regel die

Das aber führt im Endergebnis, wie

Vorurteile der zu kurz Gekommenen, der

Yvonne Hofstetter, die wohl beste Kenne-

Armen, der von den Wirkmächten der

rin der Besonderheiten von Internet und

Globalisierung zurück gelassenen Bürger,

künstlicher Intelligenz, soeben in ihrem

der Landbevölkerung zumal, welche sich

Bestseller mit tiefer Sorge festhält, zum

den „Nationalstaat“ zurücksehnen, der

„Ende der Demokratie“. Denn der

angeblich Sicherheit schafft und Vertrau-

Mensch wird immer mehr in seinem kom-

en verspricht. Das war beim BREXIT zu

munikativen, sozialen und auch politi-

besichtigen und im amerikanischen

schen Verhalten von den Algorithmen der

Wahlkampf in der Politik von Donald

Maschine beherrscht. Diese sind aber

Trump zu erleben. 72 Prozent seiner Aus-

nichts anderes als das mathematische

sagen, so wurde ermittelt, waren unwahr.

Ergebnis der im Internet zurückgelasse-

Seine Wähler interessierte es nicht. Die

nen personenbezogenen Daten des Bür-

gleichen Schlussfolgerungen gelten im

gers. Martin Schulz, der Präsident des

Kern für Marine Le Pen in Frankreich

Europäischen Parlaments, nannte dieses

und für die AfD: Die politische Kommu-

Phänomen einen „technologischen Tota-

nikation findet hier abseits der „Lügen-

litarismus“. Alleiniger Herrscher ist Big

presse“ vor allem in den sozialen Medien

Data im Silicon Valley.

Foto: Frank Bluemler

E

s ist schon ein Alarmsignal für unse-

lll

zur person

Gastautor Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen ist von Hause aus Rechtsanwalt und Publizist, sowie Honorarprofessor der Universität Bielefeld. Auf den DRAUSSENSEITER wurde der begeisterte Musikhörer aus Köln durch einen netten Straßen-Verkäufer vor der Philharmonie aufmerksam. Er kaufte das Heft, las es von vorne bis hinten durch und schrieb eine Mail an die Redaktion. Seit nun mehr fünf Jahren gehört er zum freien Mitarbeiter-Stab unseres Straßenmagazins. 17


gedicht

Augen – Blicke Nur eine kurze Zeit Gleich ist sie Erinnerung Ein Teil von dir Berührungen für Sekunden Augen-Blicke voller Leidenschaft Spiegel-Reflexe im Auto Im Dickicht des Verkehrs Und schon im nächsten Moment Aufgesogen vom Strom der Straße Was bleibt: Meine Phantasien über dich Meine Gefühle für dich Und mein Bild von dir Über unsere Augen-Blicke hinaus Wolfgang Hübner-Bergfeld

18


spuren der armut

Spuren der Armut

Karl Marx was here Der Heumarkt

A

m Heumarkt 65, direkt neben

Feudallasten ein, unter denen vor allem

theoretischen und poltischen Organs

einer Konditorei, findet man ein

die Bauern litten, beschäftigte sich mit

„Neue Rheinische Zeitung“.

unscheinbares Messingschild mit

der Situation von Arbeitern und Hand-

Neben dieser Adresse am Heumarkt

der Überschrift „Neue Rheinische Zei-

werkern, widmete sich aber auch in gro-

gibt es einige andere, die an die Sozialre-

tung“. Hier befanden sich – damals noch

ßem Umfang internationalen Themen.

volutionäre Marx und Engels erinnern:

unter der alten Adresse „Unter Hutmacher Gasse 17“ – die Redaktionsräume

Köln kannte damals eine breite soziale Bewegung, hatte den größten Arbei-

Marx lebte mit Frau und Kindern in der Cäcilienstraße 7, Engels nicht weit entfernt vom Heumarkt In der Höhle 14, und gedruckt wurde das Blatt in St. Agatha Nr. 12, der Gasse neben der Schildergasse. Sie alle könnten erinnern, es gibt aber keine Hinweise auf dieses doch wichtige Kapitel der Kölner Sozialgeschichte. Gut: die Karl-Marx-Allee in Chorweiler und seit neuestem auch eine

Foto: Marie Breer

Marx-Figur auf dem Ratsturm.

der Zeitung, hier arbeiteten Karl Marx

terverein Deutschlands – der übrigens

und Friedrich Engels in den Jahren

im nahen Gürzenich seine Massenver-

1848/49 als Redakteure und Autoren an

sammlungen abhielt –, ein liberales Bür-

dem Blatt.

gertum und die demokratische Gesell-

Die „Neue Rheinische Zeitung“ war

schaft, aber andererseits auch zurückhal-

das wichtigste Organ der Demokraten

tende Aktivisten, die es nicht auf Stra-

und Sozialisten in den Revolutionsjah-

ßenkämpfe mit dem preußischen Militär

ren und es war das berühmteste und

anlegten. Die Stadt am Rhein war

erfolgreichste Medium dieser Zeit. Vor

damals immerhin die bedeutendste mili-

allem die soziale Frage war das drängen-

tärische Festung im Westen. So zeichne-

de Thema und die Errichtung einer

te sich Köln vor allem durch Massenauf-

demokratischen, deutschen Republik.

läufe, Versammlungen und Petitionen

Das Blatt trat für die Aufhebung der

aus. Und eben als Erscheinungsort des

Martin Stankowski, geboren 1944, arbeitet als Publizist, Geschichtenerzähler und Rundfunkautor in Köln. Er wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem KölnLiteraturpreis. Für den DRAUSSENSEITER hat er unter anderem die „Bürger & Berber“-Stadtführung entwickelt. 19


aus aller welt

Jeden Tag verkauft Leo das Straßenmagazin „Bodo“ in der Nähe des kleinen Supermarktes am Körner Hellweg in Dortmund.

20


aus aller welt

Verkäufer im Rampenlicht:

Leo von „Bodo“, Dortmund Text und Fotos: Sebastian Sellhorst

E

inige Verkäufer des Straßenmaga-

scheibenbehandlungen und den unter-

zins „Bodo“ sind so bekannt, dass die

schiedlichen Orthopäden der Stadt. Das

Leser nach ihnen fragen, wenn sie

Gespräch ist kaum beendet, da kommt

einen oder zwei Tage lang nicht an ihrem

bereits die nächste Kundin und lässt sich

bekannten Standplatz auftauchen. Leo ist

für die kommende Ausgabe entschuldi-

einer dieser Verkäufer. Bodo hat ihn zu

gen. Eine längere Kur stehe an, und Leo

seinem typischen Standort begleitet: dem

solle sich nicht wundern, wenn sie nächs-

Rewe Supermarkt im Körner Hellweg im

ten Monat nicht vorbei komme. Norma-

Westen von Dortmund.

lerweise kauft sie das Magazin immer

Eigentlich trifft man Leo immer auf

direkt am Monatsanfang, erzählt mir Leo.

seinem Fahrrad. Für uns hat er es heute

Ab zehn Uhr an fünf Tagen der Woche

mal stehen gelassen und ist mit uns in die

steht Leo an seinem Platz. „Zum Mittag-

Bahn gestiegen. „Normalerweise fahre ich

essen fahre ich nach Hause. Wenn das

immer mit dem Rad, solange es nicht reg-

Wetter gut ist, komme ich nachmittags

net. Ich bin auch schon zu Fuß nach Körne

nochmal wieder. Ich darf zwar auch drin-

gelaufen. Aber das ist mir mittlerweile zu

nen verkaufen, oder mich in der kleinen

weit. Meine Knie sind auch nicht mehr die

Sitzgruppe im Eingangsbereich ausruhen,

jüngsten“, erzählt Leo. Mit dem Rad ginge

aber am liebsten stelle ich mich vor den

es aber noch ganz gut. Auf gut zehn Kilo-

Laden.“ Wenn hier der Verkauf nicht so

meter kommt er so mindestens jeden Tag.

gut läuft, fährt Leo abends noch ins

Meistens würden es aber mehr.

„Mama Mia“. Anfangs habe er nur vor

Während wir gemeinsam den Hellweg

dem italienischen Restaurant im Saarland-

entlang fahren, erzählt Leo von seiner Zeit

straßenviertel verkauft. Mittlerweile

unter Tage: „Ein bisschen Fahrradfahren

kennt er den Geschäftsführer und darf

ist da doch Erholung. Wahrscheinlich mag

auch dort drinnen verkaufen. „Wenn es

ich Bodo deshalb so, weil ich so gerne an

geschlossene Gesellschaften gibt, halte ich

der frischen Luft bin. Meine Frau wundert

mich natürlich zurück. Es sei denn, der

sich manchmal schon, warum ich so oft

Chef sagt mir, dass es in Ordnung ist, wenn

verkaufe, aber ich muss einfach raus. Zu

ich kurz rein schaue. Das ist eine nette

Hause rumsitzen ist nichts für mich.“

Abwechslung. Viele Leute sehe ich so

Jeden Tag verkauft er vor dem kleinen

mehrmals am Tag. Morgens kaufen sie bei

Supermarkt an der Kreuzung Körner Hell-

mir die Zeitung und abends treffe ich sie

weg und Berliner Straße.

beim Essen. Schön zu hören, dass sich mei-

Wir sind noch nicht ganz an Leos Verkaufsplatz angekommen, da bleibt auch

ne Kundinnen Sorgen machen, wenn sie mich mal ein paar Tage nicht sehen.“

schon die erste Kundin stehen und erkundigt sich, was der Rücken mache. Schnell entwickelt sich ein Fachgespräch zu Band-

Mit freundlicher Genehmigung von Bodo / INSP.ngo

lll

bodo

Sitz: Dortmund, Bochum und Umgebung Gestartet: am 1. Februar 1995 Erscheint: monatlich Verkäufer: mehr als 120 Auflage: 20.000 Zeitungspreis: 2,50 €, 75 Cent davon darf der Verkäufer behalten 21


cartoon/kolumne

Cartoon: Heiko Sakurai

diäten

W

22

ir unterscheiden Diäten für

te Zeit der Diätenkur. Allerdings „falten-

Sorgen zu machen. Seine Diäten füllen

Übergewichtige von Diäten für

frei“ klappt in der Regel beim Überge-

ihm nicht nur die Brieftasche, sondern

Abgeordnete. Der erste Fall

wichtigen nicht, denn das abgebaute Fett

lassen auch seine Pensionsansprüche

meint die spezielle Ernährung zur Abnah-

hinterlässt unschöne Hautfalten, sobald

wachsen, damit er nicht von Altersarmut

me des Gewichts, der zweite die finanzi-

es die Fettzellen verlassen hat. Daher

bedroht wird. Und das Füllen der Briefta-

elle Zunahme der Abgeordnetengehälter.

sehen die Menschen nach erfolgreichem

sche verursacht nachweislich keine

Obwohl die beiden Diäten unterschiedli-

Verzicht zwar schlank, aber alt aus. Doch

unschönen Haut- oder Sorgenfalten, son-

cher nicht sein könnten, haben sie doch

auch diesem Problem lässt sich leicht

dern schlägt nur Wellen, wenn eine Diä-

eines gemeinsam: Den Jojo-Effekt! Nach

abhelfen: Der Gang zum Schönheitschir-

tenerhöhung ausgerechnet in Zeiten

einer gewissen Zeit sind beide Diäten wie-

urgen verschafft nicht nur Bewegung,

passiert, wenn den Bürgern genau von

der fällig. Das Ziel einer Diät zum Abneh-

sondern auch ein besseres Aussehen mit

diesen Politikern Sparmaßnahmen, Steu-

men ist rank und schlank und faltenfrei

anschließendem Loch im Portemonnaie

ererhöhungen oder Teuerungsraten auf-

zu sein. Davon träumen Frauen, manch-

– was zwangsläufig einen weiteren Ver-

gezwungen werden. Doch da macht uns

mal auch Männer, und verzichten hierfür

zicht erforderlich macht, um die Kosten

die Politik ja laufend Mut: Leute, ihr

gerne auf Kohlenhydrate und sonstige

der OP wieder einzusparen. Darüber

schafft das!

Dickmacher – jedenfalls für die begrenz-

braucht sich ein Politiker natürlich keine

Astrid Hülser


Buch-tipps

Ingrid Müller-Münch, Autorin und ehemalige Korrespondentin der Nachrichtenagentur Reuters und der „Frankfurter Rundschau“, Redakteurin beim „Stern“ und Mitarbeiterin beim WDR, unterstützt den DRAUSSENSEITER seit vielen Jahren als freie Mitarbeiterin.

rosamund lupton

James Carol

rita falk

Lautlose Nacht

Prey – Deine Tage sind gezählt

Weißwurstconnection

USA. New York. Der Einstieg ist grandios: Jefferson Winter geht eines Nachts eine Kleinigkeiten essen. In einer einsamen New Yorker Kneipe, in der sich außer ihm nur noch eine Frau aufhält. Es ist nach Mitternacht. Alles sieht friedlich und ruhig aus. Doch als der Koch ihm das Bestellte bringen will, steht die fremde Frau auf, geht seelenruhig auf den Mann zu und ersticht ihn vor Winters Augen. Danach verschwindet sie, nicht ohne eine Zeitung zurück zu lassen, die ein paar Jahre alt ist und auf der Titelseite über ein lang zurückliegendes Verbrechen berichtet, bei dem ein junges Paar ermordet wurde und der bald gefasste Täter Selbstmord beging. Diese Szene läutet einen Machtkampf ein zwischen dem Ex-FBI-Agenten Winter, Sohn eines erst vor Kurzem per Giftspritze hingerichteten Massenmörders, und einer eiskalten Frau, die einfach nicht zu packen ist. Doch Winter ist von einer durchschlagend brillanten Intelligenz. Eigentlicher Mittelpunkt ist wieder er, eine gebrochene Gestalt, ein „lonesome Rider“, den nichts von seiner Spurensuche abhält. Er ist der Hauptdarsteller, er derjenige, der mich das Buch nicht aus der Hand legen ließ. So lange, dass ich ganz vergaß, wie wenig ich eigentlich Krimis mit Serientätern oder Thriller von unvorstellbarer Brutalität leiden kann. Ein Geniestreich des Autors ebenso wie seines Protagonisten. Sie beide haben mich durch ihre Brillanz überrumpelt. Und das nicht zum ersten Mal. Und wer Serienmörder mag, der kommt hier ganz auf seine Kosten.

Neulich, da wollte ich es wissen. Lahmgelegt durch einen revoltierenden Magen und einen schmerzenden Hals reichte meine Kraft gerade noch aus, mir Rita Falks neuen Krimi über den Eberhofer Franz aus dem Regal zu greifen. Seit Wochen stand „Weißwurstconnection“ nun schon auf den Bestsellerlisten der großen Wochenmagazine – und mich interessierte: Warum? Also vertiefte ich mich in den Weißwurst-verschlingenden Ermittler Franz Eberhofer, dessen größtes Laster es ist, sich bei seinem Lieblingsmetzger, dem Simmerl, einmal am Tag eine Handvoll mit Leberkäs belegte Semmeln zu holen und sie gleich im Stehen zu verschlingen. Ansonsten triefte die Geschichte ähnlich wie die Leberkässemmeln vor sich hin. Des Eberhofers Susi will ihn festnageln und auf dem Hof eine Doppelhaushälfte beziehen. Der Sohn seines Lieblingsmetzgers richtet eine vegetarische Ecke neben der Wursttheke ein. Und ganz Niederkaltenkirchen versammelt sich abends, wenn ansonsten die Bürgersteige hochgeklappt sind, beim Wolfi in der Kneipe. Die übrigens seit Kurzem besonders gut läuft, weil der Eberhofer dem Wolfi eine erotisch-fesche Leuchtreklame spendierte. Ach ja, eine Leiche gibt es auch. Und die liegt ausgerechnet in der Badewanne des neuen Wellness-Hotels. Da muss der Eberhofer sich schon was einfallen lassen, um den Toten klammheimlich aus seiner Suite zu schaffen, hin auf den Tisch des Gerichtsmediziners. Ein Krimi soll das sein? Steht jedenfalls auf dem Titelbild. Ach so, ein Provinzkrimi. Nun gut. Mehr als Provinz ist er nun wirklich nicht. Warum er es bis auf die Bestsellerlisten schaffte, hat sich mir nicht erschlossen.

USA/Alaska. Was treibt eine junge Astrophysikerin dazu, mit einen Riesenlaster und ihrer kleinen Tochter Ruby mitten in der Nacht zum nördlichen Polarkreis zu kutschieren? Yasmin, die junge Mutter, hatte sich zunächst auf eine Reise begeben, die nicht nach Gefahr aussah. Mit ihrer gehörlosen 10-jährigen Tochter Ruby war sie von London aus in den Flieger gestiegen, um sich in Fairbanks mit ihrem Mann Matt zu treffen. Matt, der seit Wochen schon in Alaska Tieraufnahmen macht. Und von dem Yasmin glaubt, er sei ihr untreu. Doch am Flughafen von Fairbanks erwartet sie die Polizei. Denn der Ort, in dem Matt sich zuletzt aufhielt, ging in Flammen auf. Alle Einwohner kamen dabei um. Und auch Matt. Nur sein Ehering aus Platin konnte der Trooper Yasmin überreichen. Doch die glaubt nicht an Matts Tod. Immerhin hat er sie noch zu einem Zeitpunkt versucht anzurufen, als laut Polizeiangaben der gesamte Ort längst Opfer des Feuers geworden war. Also bittet sie einen der LKW-Fahrer, die gen Norden zu den Ölbohrstationen aufbrechen, sie doch mitzunehmen. Der einzige ist Azizis, ein schwerkranker Mann. Doch schon kurz nach Beginn der gemeinsamen Reise bricht Azizis zusammen. Verzweifelt übernimmt Yasmin das Steuer, getrieben von einer Welle aus Adrenalin und Tollkühnheit. Sie will Matt finden. Die Strecke ist komplett vereist, die Bremsen des riesigen LKWs versagen, das Tempo wird vom Laster selbst bestimmt. Dann kündigt sich auch noch ein Schneesturm an. Ein Krimi, der die kuschelige Wärme zuhause richtig fühlbar macht. Und bei dem man froh ist, nicht bei 42 Grad Außentemperatur in einem eisigen Laster durch Alaska zu kurven. Ein Kleinod inmitten der Krimifülle. Von einer in London lebenden Autorin, die schon mit ihrem Debut „Liebste Tess“ einen Weltbestseller landete. Dieser hier wird ihm folgen. Rosamund Lupton: Lautlose Nacht. Dtv, Ü. engl. Christine Blum, 2016, 14,90 Euro, ISBN 9783423261210.

James Carol: Prey – Deine Tage sind gezählt – Ein Fall für Jefferson Winter. Dtv. Ü. engl. Franka Reinhart, 2016, 9,95 Euro, ISBN 0783423216418.

Rita Falk: Weißwurstconnection – Ein Provinzkrimi. Dtv, 2016, 303 Seiten, 15,90 Euro, ISBN 9783423261271.

23


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IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www.dehaar.de Titelfoto Michael Schober Fotos Christina Bacher, Gerd Bonse, Jennifer Braun, Marie Breer, Ralf Bruns, Thoms Dahl, Gulliver, Kölsche Linda, Michael Schober, Sebastian Sellhorst, Hanna Witte Cartoon Heiko Sakurai

24

Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Dat Büdche, Aachener Straße 3, 50674 Köln Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, Im Ferkulum 42, 50678 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln VIELFACH, Baudri-Platz, 50733 Köln

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vorschau

Eintritt frei

Dom sweet home Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des Areals um den Kölner Dom seit dem 19. Jahrhundert. Anlass ist die Schenkung einer großformatigen, dreidimensionalen Dom-Nachbildung des Papierkünstlers Ollanski von Sony PlayStation an die Stadt Köln. Die Schau thematisiert die Verbindung von Papier und Dom in Köln anhand von ausgewählten Archivalien. Diese verdeutlichen den ständigen Wandel, dem die Domumgebung vor allem seit dem Weiterbau des heutigen Weltkulturerbes 1842 ausgesetzt war. Gezeigt werden Pläne, Kartenausschnitte, Aktenauszüge und Fotografien. Ergänzt wird das Angebot durch Multimediastationen, die sich dem Kölner Dom und seiner Umgebung widmen. Der Bogen wird gespannt bis in die heutige Zeit, in der das Domumfeld eine weitere Umgestaltung erfährt. Das PlayStation-Spiel „Tearaway Unfolded“, das im Rahmen der Ausstellung gespielt werden kann, legt eine Welt aus Papier in die allmächtigen Hände seiner Spielerinnen und Spieler. Ebenso thematisiert wird das Projekt einer Gruppe von Studierenden der Hochschule Fresenius in Köln, die in Kooperation mit der Dombauhütte den Kölner Dom mit großem Aufwand über drei Monate digitalisiert haben. Ausstellung: noch bis 17. März 2017 Wann: Dienstag, Donnerstag und Freitag, 10 bis 16:30 Uhr, Mittwoch,10 bis 19:30 Uhr Wo: Historisches Archiv der Stadt Köln Heumarkt 14, 50667 Köln - Altstadt/Nord (Der Haupteingang ist nur über eine Stufe erreichbar. Für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer ist das Gebäude nur durch den Innenhof über die Rheingasse voll zugänglich.)

Info: www.stadt-koeln.de

Stadtführer von sozialen Stadtrundgängen trafen sich erstmals im Rheinland zum Austausch. Foto: Jennifer Braun

Der doppelte Stadtplan

E

s ist der besondere Blick auf die eigene Stadt, der soziale Stadtrundgänge für deren Bewohner so wertvoll macht. So sind es weniger die Touristen als die Einheimischen selbst, die eine Stadtführung mit einem (ehemals) Obdachlosen buchen. Inzwischen werden die Touren in vielen großen Städten angeboten. Jetzt haben sich Stadtführerinnen und Stadtführer von sozialen Stadtrundgängen aus Zürich, Basel, Düsseldorf und Köln zum Austausch im Rheinland getroffen. Und sie entdeckten in den drei Tagen viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. März 2017. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25


service

http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de

Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund

n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de

Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen

n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 15-17 Uhr

26

n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr

n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim

n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme

n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9

n Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr

n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung

n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de

Foto: Gulliver

Foto: Hanna Witte

Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewaschen, Kleiderkammer nur für wohnungslose Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr


service

Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.

Nur für Frauen

n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V.

Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr

Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de

n agisra e.V. Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org

n Café Auszeit

Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen

Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de

Foto: Marie Breer

Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung

n Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück

n Comeback n OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de

Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr

Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr

Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30–11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Montag 10.30-12 Uhr, Mittwoch 13-15.30 Uhr, Donnerstag 13-15.30 Uhr; Computer-Nutzung: nach Vereinbarung

Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle zwei Wochen, montags um 12.30 Uhr

Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.

n Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.

n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote

n Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen

n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung

n Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.

Nur für Männer n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren

n „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr


Hännesche at a m r e s e I om

Tag der offenen Tür am Hänneschen Theater mit Puppensitzung auf Großbildleinwand

Dienstag 21.02.2017 16:00 Uhr

16:00 Uhr: Einlass // 16:30 – 17:15 Uhr: Bleck hinger die Britz // 17:30 Uhr: Begrüßung durch das Hänneschen Ensemble // Anschließend: Film ab (Dauer: ca. 3 Std inkl. 30 Min Pause) // 22:00 Uhr: Ende


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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 02/2017: Flucht voran by Draussenseiter - Issuu