26. Jahrgang Nr. 184 Januar 2018
R E T I E S N E S s U A R D Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D
Auf ein Neues!
0,90 e für den Verkäufer
Foto: Jennifer Braun
1,70 e
IN
KLASSE
Foodsharing
STARK
Adam Smith
LECKER
Rhein in die Küche
Anzeige
Vorwort
Inhalt
Liebe Leserinnen und Leser,
Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3
sind Sie gut ins neue Jahr gekommen? Haben Sie sich auch ein paar gute Vorsätze mit rübergenommen? Wir jedenfalls haben uns vorgenommen, keine Lebensmittel mehr wegzu-
Schwerpunkt: Foodsharing
werfen und bewusster einzukaufen. In Deutschland landen 81,6 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf im Jahr im Müll, während anderswo Menschen Hunger leiden. Menschen wie Adam Smith aus Manchester – der Begründer des „The Real Junk Food Projects“ – und Christian Horsters vom BrotFairTeiler in Köln sprechen sich ganz klar gegen die
S.4
Interview: Brot fair teilen ������� 4-7 Konzepte: Ein Herz für Lebensmittel ����������������������8-9
Überproduktion von Lebensmitteln aus. Sie sammeln sie ein und geben sie weiter. Klingt doch ganz einfach. Wir haben mit den beiden Lebensmittelrettern gesprochen.
Test: Essen retten mit Apps ���� 10-11 Projekt: The Real Junk Food! � 12-15
S.10
Interview: Rhein in die Küche ������������������������ 16-17 S.16 Guten Appetit!
Maison Blue – Blick in die Töpfe … ����������������������18-19
Foto: Jennifer Braun
Einer, der mit Chucks in der Küche steht, obwohl er bei Sternekoch Jean-Claude Bado gelernt hat, ist André Niediek, der auch unseren Umschlag ziert. Der Betreiber des Südstadt-Restaurants „Maison Blue“ ist einer derjenigen Köche, die die Autorin Susanne Brandau-Herzet und die Fotografin Jennifer Braun in ihrem Buch „Rhein in die Küche“ porträtiert haben. Wir durften ihnen dabei über die Schulter
Aus den Einrichtungen ��������������������������������������������� 21 Cartoon/Kolumne ��������������������������������������������������� 22 Tipps ������������������������������������������������������������������ 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27
schauen – herzlichen Dank! In diesem Sinne wünsche ich allen auch in 2018 einen herzhaften Appetit!
Christina Bacher
Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: nach Terminvereinbarung 3
in eigener sache
Christian Horsters, der DJ der guten Laune, setzt sich dafĂźr ein, dass gute, Ăźbriggebliebene Lebensmittel nicht in der Tonne landen.
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foodsharing
Brot fair teilen von Sabrina Burbach
Unglaublich, aber wahr: Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. So landen pro Jahr in Deutschland gut 11 Millionen Tonnen Essen im Müll – 275.000 voll beladene Lastwagen. Das fand die Universität Stuttgart 2012 in einer Studie heraus, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wurde. Christian Horsters, der DJ der guten Laune, wollte dieser Verschwendung nicht länger tatenlos zusehen. Seit 2012 „rettet“ er Brot, Brötchen, Kuchen und andere Lebensmittel vor der Tonne, unter anderem für die Kölner Tafel und Foodsharing. Vor drei Jahren hat er dazu noch ein eigenes Projekt gegen Essensverschwendung ins Leben gerufen. DRAUSSENSEITER: Hast du heute Morgen
ten ist das entkoppelt, die Verkäufer sehen
einem DJ-Auftritt gefilmt und das Video bei
schon Backwaren „gerettet“?
ja nicht, dass es weggeworfen wird. Und
YouTube hochgeladen. Seitdem bist du als
Christian Horsters: Ja, für morgen. Dann
dann gibt es einige Ketten, die suggerieren,
„DJ der guten Laune“ bekannt und auf Fei-
findet die Fahrraddemo „Pedal the
dass die Retouren an die Tafel gehen. Statt-
ern unterwegs. Wie bist du dazu gekommen,
highway“ von Braunkohlegegnern und
dessen produzieren sie dafür extra neu,
dich zusätzlich noch für Lebensmittel zu
Leuten, die zum Weltklimagipfel Aktio-
während sie die Retouren wegschmeißen.
engagieren?
nen machen, statt. Die fahren mit Rädern
Backwaren vom Vortag müssen ja abge-
Christian Horsters: Das Video ging 2010 im
vom Verteiler Süd nach Bonn. Da sind
schrieben werden. Und wenn die dann
Mai online und im Juli hatte es schon eine
auch einige Lastenräder dabei und für die
einmal draußen waren und zurückkom-
Millionen Views. Seitdem ist mein Leben
besorge ich Kuchen. Da habe ich heute
men, dann werden sie wie Müll behandelt.
völlig auf den Kopf gestellt, im positiven Sinn. Ich habe ja im Schnitt fünf Tage die
Foto: Sabrina Burbach
Morgen schon zwölf Kisten gepackt. Nix Empfindliches, Rosinenschnecken und so
DRAUSSENSEITER: Das klingt ja unglaublich.
Woche Zeit, selbst wenn ich am Wochen-
was, etwa 600 Teilchen.
Wie viele Backwaren landen denn deines
ende DJ mache. Und da dachte ich mir, jetzt
Wissens in Köln im Müll?
mache ich nur noch sinnvolle Sachen. Im
DRAUSSENSEITER: Und wo holst du die Teil-
Christian Horsters: Ich habe das mal aus-
April 2012 kam dann der Film „Taste the
chen und Brote ab?
gerechnet, ziemlich präzise sogar. Der
Waste“ von Valentin Thurn raus. Der hat
Christian Horsters: Von einer Bäckerei-
Dom hat ein Volumen von ca. 230.000
mein Leben total beeinflusst, weil ich
zentrale. Einer der wenigen in dieser Grö-
Kubikmeter. Und von dem, was in einem
gedacht habe, Lebensmittel retten, das ist
ßenordnung, die nachhaltig arbeiten. Die
Jahr an Backwaren in Köln weggeworfen
das Ding überhaupt, da kannst du ökolo-
haben 45 Filialen und da kommen jeden
wird, füllst du den Innenraum vom Kölner
gisch dermaßen viel erreichen. Also bin ich
Tag bis zu 600 Brote, 1.000 Teilchen und
Dom komplett. Die ganzen 230.000 Kubik-
im Oktober 2012 zur Kölner Tafel gegangen.
12.000 Brötchen zurück. Das kommt
meter. Nur in Köln. Und hier haben wir
daher, dass sie, wie in diesem Segment
1/80 der deutschen Bevölkerung. Das ist
DRAUSSENSEITER: Am 12. Dezember 2012
üblich, zehn bis 15 Prozent mehr produ-
wirklich das absolute Unding. In Köln
hat sich Foodsharing in Köln gegründet; eine
zieren, als gekauft wird. Damit die Regale
könnten wir locker 100.000 bis 150.000
Initiative gegen Lebensmittelverschwen-
abends nicht halb leer sind. Alle Bäckerei-
Leute kostenlos mit Backwaren versorgen.
dung, die Lebensmittel abholt und verteilt, die sonst weggeworfen werden würden. Was
ketten, die ich kenne, machen das so. Einzelne Bäckereien nicht. Die können ja
DRAUSSENSEITER: Bis 2010 hast du als kauf-
machen sie anders als die Tafel?
nicht morgens Brote aus dem Ofen holen
männischer Angestellter in einem Verlag für
Christian Horsters: Die Tafel gibt nur an
und abends in die Tonne werfen. Ansons-
Stoffe gearbeitet. Dann hat dich jemand bei
Bedürftige. Foodsharing gibt an jeder-
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foodsharing
mann. Da steht der Gedanke im Vorder-
DRAUSSENSEITER: So ein regelmäßiger Ter-
grund, dass gutes, übriggebliebenes Essen
min braucht sicher viele Helfer, die die Brote
nicht einfach im Müll landen sollte. Anfangs
und Brötchen abholen und für den reibungs-
lief das von Privat an Privat. Also wer zu
losen Ablauf sorgen. Woher nehmt ihr die?
viel hat, kann es über eine Internetplatt-
Christian Horsters: Wir haben 15 bis 20
form anbieten und jemand anders kann es
Ehrenamtler – alle Generationen, von
abholen. Später haben wir dann von Super-
knapp über 20 bis 80 Jahren. Das ist sehr
märkten Essen abgeholt. Das geht dann
schön. Und es ist wichtig, dass da jemand
nicht mehr privat. Wer kennt schon 100
ist wie die Pastorin, Eva Esche, die sehr
Leute? Und wenn du da, sagen wir mal 200
professionell ist. Alle fünf Wochen haben
Kilogramm Zeug abholst, und willst dich
wir eine Reflexion und ohne die wäre das
zum Verteilen verabreden, dann bist du nur
Projekt vielleicht schon zusammengebro-
noch damit beschäftigt. Also hat Foodsha-
chen. Weil, du hast natürlich Probleme mit
ring die Verteilerregale installiert. Von da
Bedürftigen und mit Gier und so weiter.
springe ich schon mal ein. Obwohl ich da
kann jeder gerettetes Essen mitnehmen. Ich
Das ist so. Da brauchst du unter 100 Leu-
eigentlich auch keine Lust zu habe. Früher
habe bei Foodsharing vor allem Akquise
ten nur zwei oder drei Störenfriede zu
musste ich immer um viertel nach fünf
gemacht und zum Beispiel Manufactum
haben. Aber das kriegen wir bisher gut in
aufstehen, um zur Arbeit nach Gum-
angeworben, die Kette Épi und das Café
den Griff, toi, toi, toi.
mersbach zu fahren. Da habe ich mir gedacht, nein, das mache ich nicht mehr.
Riese an der Schildergasse. Aber ich war auch selbst als Essensretter unterwegs.
DRAUSSENSEITER: Wie sieht es bei der gan-
Und was hab ich danach gemacht? Ich bin
zen Essensretterei eigentlich mit Geld aus?
um drei Uhr aufgestanden. Zum Backwa-
DRAUSSENSEITER: Mittlerweile rettest du
Christian Horsters: Das Projekt an der
renretten. Für lau. Das habe ich jetzt etwa
weniger für Foodsharing und mehr für dein
Thomaskirche finanziert sich durch Spen-
500 Mal gemacht. Ist wirklich eine Krux,
eigenes Projekt. Worum geht es dabei?
den. Und das läuft ganz gut. Foodsharing
dass du da spezielle Leute für brauchst, die
Christian Horsters: Vor gut drei Jahren
sagt bisher, wir machen alles Geld-frei. Wir
da Bock drauf haben. Bei der Thomaskir-
habe ich eine Aktion an der Thomaskirche
nehmen keine Mitgliedsbeiträge. Die
che kriegen die, die das Brot beim Bäcker
gegründet. Da leben wir im Grunde genom-
Abholer zahlen keinen Cent. Da kommst
abholen, auch eine kleine Aufwandsent-
men die Synthese von Tafel und Foodsha-
du natürlich nicht in große Dimensionen.
schädigung. Für die Spritkasse und auch
ring. Ich respektiere aber den Tafelgedan-
Mich hat das Retten von Backwaren im
für die Anerkennung. Ich finde das wich-
ken absolut und finde die Tafel gut. Ich
Wert von 150.000 Euro seinerzeit an die
tig. Für diese Backwarengeschichte
finde auch gut, dass es Foodsharing gibt, mit
2.000 bis 3.000 Euro gekostet. Das ist ja ein
brauchst du ja einen Pkw oder einen Bus.
den Verteilerregalen. Aber meine ideale
gutes Verhältnis, aber das kann doch nicht
Vorstellung ist an der Thomaskirche reali-
sein, dass sich nur reiche Leute leisten kön-
DRAUSSENSEITER: Du fährst viel Rad, lebst
siert: Da wird an jedermann abgegeben. Da
nen, im großen Maßstab zu retten. Heute
vegetarisch, weil du die Industrie mit ihrer
kommen sowieso überwiegend Bedürftige
rette ich meistens für die Thomaskirche.
Massentierhaltung nicht unterstützen willst,
hin. Und das Essen wird kontrolliert verteilt.
Da bekomme ich fürs Backwaren besorgen
und bist anfangs zu deinen DJ-Auftritten nur
Wir haben mal 300 Stücke Kuchen, mal nur
10 Euro. Das ist keine Bezahlung der Ware,
mit der Bahn gefahren – quer durch ganz
100. Und dann sagen wir, hier Leute, heute
es geht nur um den Aufwand.
Deutschland. Wie sieht es mit den Sachen aus, die du abholst? Nutzt du die auch für dich?
gibt’s drei Stücke Kuchen oder nur eins. Und
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dazu gibt es ein Frühstück. Natürlich ist da
DRAUSSENSEITER: Und bei Backwaren muss
Christian Horsters: Ich lebe ganz streng
auch schon mal Gedränge. Aber man hat
ein Essensretter ja auch sehr früh aufstehen
so: Was ich kaufe, ist bio, und ansonsten
Zeit, in Ruhe zu frühstücken und sich ken-
– bestimmt kein leichter Job.
nehme ich gerettete Sachen. Obwohl das
nenzulernen. Jeder kann kommen. Das
Christian Horsters: Ja, das ist ganz blöd.
schon zwei Welten sind, Supermarkt und
Ganze nennt sich „BrotFairTeiler“. Im Kern
Die, die dienstags für die Kirche retten,
Backwaren. Wenn du als Foodsaver zum
geht es um Brot, weil es eben bei uns Brot
deren Wecker klingelt um drei Uhr mor-
Supermarkt retten gehst, hast du eine Stun-
ohne Ende gibt. Dann kommt natürlich die
gens. Ab viertel nach Vier kommen die
de Aufwand und dann ist der Kühlschrank
religiöse Sicht hinzu, „Brot zu teilen“. Statt
Retouren. Dann sind die vor Ort. Und das
am Ende voll. Also alles, was jetzt nicht
findet es jeden Dienstag, außer an Feierta-
ist der Haken, warum weder die Tafel
gerade Nudeln oder Öl oder so ist. Obst
gen. Da kannst du dann die Uhr nach stel-
Köln, noch Foodsharing genug Leute zum
und Gemüse musst du praktisch gar nicht
len, und das kannst du bei Foodsharing
Abholen finden. Auch die Kirchenaktion
mehr kaufen. Ein echt guter Stundenlohn.
nicht. Das geht ja auch gar nicht.
hat daran immer wieder gekrankt. Da
Wobei das natürlich auch der Allgemein-
foodsharing
Meist rettet Christian Horsters Brot, Brötchen und Kuchen. Hier ist er gerade unterwegs, um Übriggebliebenes für eine Fahrraddemo zu sammeln. Foto: Privat
nix. Die Leute dazu zubewegen, dass sie ihr Einkaufsverhalten ändern, ist schwer. DRAUSSENSEITER: Welche Projekte, neben der Thomaskirche, hast du aktuell noch geplant? Oder vielleicht gibt es spezielle Wünsche, die du gerne mal wahr werden lassen würdest? heit dient. Du holst ja in der Regel das
einfach nachfragen, im Internet recher-
Christian Horsters: Ich möchte gerne mal
Zwanzig- bis Dreißigfache von dem ab, was
chieren, Foodsharing fragen, mich fragen,
eine gigantische Geschichte machen. Dass
du konsumierst. Aber wenn du dasselbe
und sagen, wie ist das genau? Dann kann
man mal so ein paar Sattelschlepper orga-
bei Backwaren machst, dann hast du da nix
man noch bestimmte Geschäfte bevorzu-
nisiert, die voller Backwaren macht, die
von, außer einem Brötchen oder zwei. Auf
gen. Je kleiner eine Organisation ist, desto
sonst weggeschmissen würden und die vor
Dauer wirst du ja auch nicht so viel Kuchen
humaner ist sie. Das trifft zum Beispiel auf
dem Dom ablädt. Im Dom geht ja nicht.
essen, kein Mensch macht das.
inhabergeführte Geschäfte zu oder auf
Aber so hätte man dann vor dem Dom eine
solche, die Backwaren vom Vortag verkau-
große Kulisse Brötchen, Brote und Kuchen.
DRAUSSENSEITER: Es gibt viele Berichte, in
fen. Die wenigsten Backwarenstationen in
Und die Leute sehen, okay, das ist das, was
denen immer wieder gezeigt wird, dass
Köln verkaufen nachhaltig. Aber Biobä-
an einem Tag weggeschmissen wird oder
Supermärkte extrem viele Lebensmittel wege-
cker, Alnatura, Kraus, Kaufland, die geben
die Hälfte davon oder so ähnlich. Dass das
werfen. Wie siehst du das hinsichtlich deiner
auch an Foodsharing ab. In Köln hast du
einfach mal plastisch wird. Zum Anfassen.
bisherigen Erfahrung mit dem Thema?
ja in der Regel die Alternative. Ansonsten,
Das kann sich sonst ja keiner vorstellen.
Christian Horsters: Bei Supermärkten in
wer im Umkreis der Thomaskirche wohnt
Deutschland wandert prozentual gesehen
oder da vorbeikommt, kann gerne mal bei
nicht so viel in die Tonne, wie man denkt.
uns zum Frühstück reinschauen.
Das lässt sich nur optisch gut darstellen. So ein Haufen Gemüse und Kühlware im
DRAUSSENSEITER: Du bist ja jetzt schon län-
Müll. Es gibt einen inhabergeführten
ger in der Food-Rettung aktiv. Was müsste
Rewe bei mir, der hat drei Märkte. Und
passieren, damit die Verschwendung, spezi-
der hat mir gesagt, dass er insgesamt eine
ell von Backwaren, weniger wird?
Wegwerfquote von 1,2 Prozent hat. Ich
Christian Horsters: Meiner Meinung nach
hab Ähnliches auch bei Rewe selbst gele-
ist das bei den Backwaren nur politisch zu
sen. Denen hab ich es allerdings nicht
lösen. Und zwar durch eine Änderung der
geglaubt, aber dem glaube ich das.
Besteuerung. Für die Hersteller, diese Ketten, wenn die Steuern zahlen, relativ zum
DRAUSSENSEITER: Was kann man als Pri-
Einkauf. Wenn sie zum Beispiel Zutaten für
vatperson tun, um bewusster mit Lebens-
1.000 Brote kaufen, müssen sie auch 1.000
mitteln umzugehen? Vielleicht auch dieje-
versteuern, abzüglich der Brote, die sie ver-
nigen, die jetzt nicht regelmäßig Zeit haben,
billigt verkaufen. Ich meine, so ein kleiner
früh morgens Backwaren zu retten. Was
Bäcker verkauft auch vom Vortag oder der
können die tun?
inhabergeführte Biobäcker, hier im Agnes-
Christian Horsters: Auf jeden Fall überall,
viertel. Das ist doch gut. So ein Graubrot
wo sie einkaufen, mal nachfragen, was mit
ist nach zwei Tagen reif. Wieso soll das nach
den Sachen, die weggeworfen werden,
einem Tag weggeschmissen werden?
passiert. Diese Frage schafft Bewusstsein,
Anders herum ginge es natürlich auch,
weil die so selten kommt. Und zum Teil
über das Verbraucherbewusstsein. Aber da
antworten die ehrlich. Und wenn sie lügen,
arbeite ich seit Jahren dran, da erreiche ich
lll
info
BrotFairTeiler an der Thomaskirche verteilen Brot, Brötchen und Kuchen vom Vortag. Jeden Dienstag von 10 bis 11.30 Uhr im Foyer der Thomaskirche, Frühstück im Gemeindesaal, Neusser Wall 63/Lentstraße. l www.thomaskirche-koeln.de/brotfairteilerthomaskirche-koeln.aspx Foodsharing Foodsharing (siehe auch Seite 9) ist eine 2012 entstandene Initiative gegen Lebensmittelverschwendung. Die Plattform foodsharing.de basiert auf ehrenamtlichem Engagement. Das Retten und Teilen von Lebensmitteln findet Geld-frei statt. Foodsharing bleibt als gemeinnütziger Verein unkommerziell. l www.foodsharing.de Kölner Tafel e.V. Sie unterstützt Bedürftige mit gespendeten Lebensmitteln. Dabei gibt die Tafel die Lebensmittel nicht selbst an die bedürftigen Menschen, sondern sie sammelt Spenden und verteilt diese an über 180 soziale Einrichtungen im Kölner Stadtgebiet. l www.koelner-tafel.de 7
foodsharing
Ein Herz für Lebensmittel Kölner Ideen gegen Verschwendung von Sabrina Burbach
Wer hätte das gedacht: Köln ist in Sachen Lebensmittel-Rettung ganz weit vorne mit dabei – auf Platz zwei. So gibt es in unserer Stadt an die 20 Foodsharing-Stationen, an denen jeder nicht mehr gebrauchtes Essen ablegen und einsammeln kann. Berlin hat mit knapp 34 die Nase vorne. Trotzdem - gar nicht übel. Und das Beste: Ein paar der aktuellsten Essensrettungskonzepte entstanden in direkter Nachbarschaft zu Dom und Umland. Schauen Sie mal:
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foodsharing
FoodLoop GmbH
„Nimm mich zuerst“
Eine App mit Plattform zur Reduktion von
Noelle Gangloff unterstützt seit 2016
Lebensmittelverschwendung. Über Food-
Supermärkte bei der Vermarktung von
Loop können Händler Produkte, die bald
Lebensmitteln, die nicht mehr lange halt-
ablaufen, automatisch rabattieren und
bar sind. Sie erhalten einen Sticker mit
gezielt verkaufen. Durch die App werden
der Aufschrift: „Nimm mich zuerst. Ich
Verbraucher in Echtzeit über die Angebote
schmecke lecker. Ich bin unbedenklich.“
informiert. So können sie in einem Super-
Ein Roll-up weist auf die Preisreduzierung
markt in ihrer Nähe reduzierte Waren res-
dieser Produkte hin. Die Kunden bekom-
sourcenschonend einkaufen. Das Projekt
men für jedes so gekaufte Produkt einen
wird unterstützt von der Europäischen
Stempel auf eine Karte. Ist diese voll, gibt
Kommission.
es einen Fünf-Euro-Einkaufsgutschein.
Ort: Online, entwickelt in Köln Kosten: reduzierter Preis für Produkte, die bald ablaufen Info: www.foodloop.net/de
Ort: Edeka Zielke, Willich Kosten: reduzierter Preis für Produkte, die bald ablaufen Info: facebook.de/nimmmichzuerst
Foodsharing
The Good Food
Zu gut für die Tonne
Wer Lebensmittel übrig hat, kann sie auf
Das Start-up, gegründet im Oktober 2014,
Eigentlich schon ein wenig raus aus dem
der Plattform foodsharing.de kostenlos
verkauft Lebensmittel weiter, die in der
Kölner Radius, aber trotzdem interessant:
anbieten. Nutzer können sie in digitale
Industrie, bei der Produktion und in der
Eine kostenlose App, herausgegeben vom
Essenskörbe legen, die auf einer digitalen
Landwirtschaft aussortiert werden – etwa
Bundesministerium für Ernährung und
Landkarte angezeigt werden. Interessierte
Obst und Gemüse, das nicht mehr so schön
Landwirtschaft. Sie enthält etwa 340
suchen Angebote aus und verabreden sich
aussieht oder eine seltsame Form hat.
Rezepte für übriggebliebene Lebensmittel.
zum Abholen. Daneben holt der gemein-
Aber auch Lebensmittel, bei denen das
Kochpaten sind u. a. Sterneköche und Pro-
nützige Verein – in enger Zusammenar-
Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist,
minente wie Sarah Wiener und „Taste the
beit mit den Tafeln – deutschlandweit bei
wie eingelegtes und eingewecktes Gemüse
Waste“-Filmemacher Valentin Thurn.
2.500 Betrieben Lebensmittel ab, die
oder Trockenware. Sie alle bekommen
Dazu gibt es viele Tipps zum Einkaufen,
unverkäuflich, aber noch genießbar sind.
beim Verkauf im Laden in Ehrenfeld eine
zur richtigen Aufbewahrung und Verwer-
Zudem können Menschen an öffentlichen
zweite Chance.
tung von Lebensmitteln.
Kühlschränken und Regalen Lebensmittel
Ort: Venloer Str. 414, Mi. bis Sa., 11 bis 19 Uhr Kosten: Es wird das bezahlt, was einem die Ware wert ist. Info: www.the-good-food.de
Ort: Online-Plattform/App, aus Bonn/Berlin Kosten: kostenlose Nutzung Info: www.zugutfuerdietonne.de
retten.
Ort: Online, entwickelt in Köln, an 20 Stationen in Köln (siehe Webauftritt) Kosten: Das gerettete Essen und die Anmeldung auf der Plattform – alles kostenlos. Info: www.foodsharing.de
Mindesthaltbarkeitsdatum
Was ist das? Es gibt an, dass das Lebensmittel bestimmte Eigenschaften wie Farbe, Geschmack und Konsistenz bei richtiger Lagerung bis zu dem angegebenen Datum behält. Was ist es nicht? Ein Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum. Deshalb sind die Lebensmittel in der Regel auch nach dem angegebenen Datum noch essbar. Kann man das verkaufen? Aus rechtlicher Sicht ja – solange der Kunde darüber informiert und aufgeklärt wird, dass das Produkt abgelaufen ist und die Lebensmittelsicherheit gewährleistet wird.
Foto: Rainer Zenz
lll
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foodsharing
Essen retten mit Apps Text und Fotos: Jörg Burbach
meiner Nähe suchen und Favoriten speichern – praktisch. „ResQ Club“ bietet zwar keine Filter, dafür kann ich meine „Ernährungspräferenzen“ eingeben, um mehr Angebote zu erhalten, die zu meinem Geschmack passen. Bei beiden gibt es
Frühstück vom HotelBuffet für 3,40 Euro.
Social-Media-Sharing und eine Beschreibung der Vorgänge mit weiterführenden Informationen.
Das Essen Eigentlich ist es logisch, trotzdem sage ich es einmal ganz deutlich: Wer Essen per App rettet, bekommt, was übrig ist. Das ist aber nichts Schlechtes. Vielleicht nur etwas schwieriger für Menschen, die nicht alles essen (können), wie Allergiker, Vegetarier
D
etc. In meinem Fall gab es im getesteten
as Konzept ist so einfach wie genial:
– inklusive Menge, Preis und Abholzeit.
China-Restaurant zum Beispiel Leber, Okto-
Restaurants, Bäckereien, Imbisse
Neue Angebote kommen via Mitteilungen
pus und scharfes Thai-Curry vom Buffet in
und andere Gastronomie-Betriebe
direkt aufs Smartphone. „Too Good To
einer Box vereint. In einem anderen Test
bieten via App übriggebliebene Speisen
Go“ orientiert sich mit einer übersichtli-
waren auch Hühnchen und Fisch dabei.
an. App-User reservieren sich die Gerich-
chen Darstellung an normalen Bestell-
Der Bäcker hatte zu meiner Abholzeit noch
te online und holen sie dann im jeweiligen
Apps: Mit Filtern kann ich ganz leicht
viele leckere Brötchen und Teilchen übrig.
Lokal ab – für kleines Geld. Ein Deal, von
nach Speisen, Orten oder Anbietern in
Das mag später anders aussehen.
dem alle profitieren: Im Laden landet weniger Essbares in der Tonne, der Abholer spart Geld und das Essen wird mehr wertgeschätzt. Doch wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Jörg Burbach hat die beiden kostenlosen Apps „Too Good To Go“ und „ResQ Club“ ausprobiert.
Die Anmeldung Für beide Apps gelten die gleichen Bedingungen: Nutzer registrieren sich mit E-Mail und Passwort. Schon kann das Essenretten starten.
Die Funktionen Eine Kartenansicht zeigt die Restaurants und Geschäfte, in denen es Angebote gibt
10
Wildes Durcheinander vom China-Buffet mit Leber und Oktopus für 3,40 Euro.
foodsharing
Brotkorb vom Bäcker für 2,50 Euro.
Die Preise Die Mahlzeiten habe ich via Kreditkarte oder PayPal direkt in der App gekauft und dafür einen elektronischen Beleg sowie die Abholzeit (mit einer halben Stunde Puffer) bekommen. Gerettetes Essen kostete im Test zwischen 2,50 Euro und 5 Euro. „Too Good To Go“ nimmt pro Portion 1 Euro Provision, bei „ResQ Club“ sind es 25 Prozent vom Warenwert. In ResQ wird PayPal nicht zum direkten Bezahlen
eingesetzt.
Der
Nutzer
bekommt hier so genannte „ResQ Credits“ mit bis zu 5 Prozent Rabatt. Interessant, um etwa ein monatliches Budget
App-Infos auf einen Blick
festzulegen. Die Credits können auch verschenkt werden.
Das Abholen Ich war pünktlich in den Geschäften. Alle Anbieter waren freundlich und professionell. Die Speisen waren frisch zur Abholung vorbereitet oder wurden sofort zusammengestellt. Der elektronische Gutschein soll bei Abholung durch einen Fingerwisch des Verkäufers entwertet werden. Kontrolliert wird dies jedoch nicht. Zum Glück hatte ich an dem Tag keinen nervösen Finger...
Das Fazit Das Konzept „Essenretten via App“ funktioniert gut – wenn man nicht zu wählerisch ist und ein PayPal-Konto oder eine Kreditkarte hat. Wer früh kommt, hat die größere Auswahl. Wer zu spät kommt, kriegt im schlechtesten Fall nichts mehr
Too Good To Go Motto: Gutes Essen gehört auf den Teller! Gegründet: Ende 2015 – von fünf Freunden; seit Anfang 2016 in Deutschland aktiv Sitz: Düsseldorf, Kopenhagen Konzept: Überproduzierte Lebensmittel werden zum reduzierten Preis über die kostenlose App an Kunden vermittelt und zu günstigen Preisen abgegeben. Der Auftrag des Startups: Essen retten, Geld sparen und die Welt verbessern. Kosten: Essen ab 1 Euro Bezahlen mit: Kreditkarte, PayPal Netz: Deutschland, Dänemark, Frankreich, Norwegen, Großbritannien, Schweiz Aktiv in Köln: seit 2016 Geräte: iOS, Android Gerettet: bis November 2017: 1,5 Millionen Mahlzeiten (eigene Angabe) Website: https://toogoodtogo.de
ResQ Club Motto: Wir verschwenden kein gutes Essen! Gegründet: Mai 2017 – als Zusammenschluss einer Essensrettungsfirma aus Helsinki (seit 2016) und dem in Berlin gestarteten „MealSaver“ Sitz: Helsinki, Berlin Konzept: Gutes und günstiges Essen in der Umgebung finden, neue Restaurants entdecken und Gutes tun, indem der App-Nutzer übrig gebliebene Mahlzeiten vor dem Wegwerfen rettet. Kosten: Essen auch unter 2 Euro Bezahlen mit: Visa, Mastercard, Amex, Diners Club, EC-Karte, Apple Pay (noch nicht in Deutschland), PayPal für Credits Netz: Deutschland, Finnland, Schweden, Niederlande, Estland, Großbritannien, Kanada Aktiv in Köln: seit Februar 2017 (als MealSaver) Geräte: iOS, Android, Web Gerettet: seit Januar 2016: über 350.000 Mahlzeiten aus über 1.750 Restaurants (eigene Angabe) Website: www.resq-club.com/de
– auch wenn er bezahlt hat. Mir persönlich hat „Too Good To Go“ von der Darstellung her besser gefallen. Und ich habe dort im Testzeitraum mehr Angebote gefunden. Bei „ResQ“ gab es teilweise nur eine Abholstelle in Köln. Aber das wird ja vielleicht noch. Lediglich die Provision trübt das insgesamt positive Bild des Versuchs ein wenig. Andererseits habe ich beim Kauf etwa 40 bis 70 Prozent gegenüber dem Normalpreis gespart. Und das gute Gefühl, Essen vor der Mülltonne gerettet zu haben, gibt es kostenlos obendrauf. Das sollte doch etwas wert sein.
11
foodsharing
Adam Smith, Gründer des Real Junk Food Projects:
Gib mir Lebensmittel und ich gebe allen zu essen! Von Tony Inglis
Adam Smith hatte bei seiner Arbeit auf einer australischen Farm beobachtet, wie Schweine mit perfekt genießbaren Lebensmitteln gefüttert wurden, die als Abfall aussortiert worden waren. Nach der Rückkehr in seine britische Heimat, rief er das Real Junk Food Project ins Leben. Das Projekt soll Lebensmittel, die als ungenießbar gelten, in leckeren Mahlzeiten verwenden und die Verschwendung von Lebensmitteln ausmerzen. Auf dem weltweiten Treffen der Straßenzeitungen (2017) erzählte Adam Smith INSP von seinen Plänen, wirklich die ganze Welt zu speisen.
D
12
as Gespräch mit Adam Smith, dem
überflüssig angesehen. Nun dient es
beibringen, dass sie nicht nur ihre Nah-
Gründer von The Real Junk Food
einem guten Zweck. Es steht im Mittel-
rung als Ressource schätzen dürfen, son-
Project, beginnen wir ganz oben in
punkt von Smiths Bewegung.
dern auch sich selbst. Lebensmittelabfälle
den Victoria-Bädern in Manchester. Uns
Für diejenigen, die es nicht kennen –
haben ein schlechtes Image und werden
beiden entgeht nicht, dass diese maleri-
und angesichts des rasanten Aufstiegs
oft mit armen, bedürftigen, wohnungslo-
sche architektonische Schönheit genau
sollte es kaum zu übersehen sein: Das Real
sen und schutzbedürftigen Menschen in
das verkörpert, was Smith sich vorgenom-
Junk Food Project wurde vor vier Jahren
Verbindung gebracht. Um das zu ändern,
men hat. Wenn er von seinem Engage-
von Smith ins Leben gerufen, um der
versuchen wir, Schluss mit der Einteilung
ment gegen Lebensmittelverschwendung
Lebensmittelarmut ein Ende zu bereiten.
der Menschen in diese Gruppen zu
und Armut spricht, ist er leidenschaftlich,
Dazu sammelt die gemeinnützige Organi-
machen. Menschen sind Menschen.“
nicht zu bremsen und absolut eindeutig.
sation Lebensmittel und andere Erzeug-
Smith kam auf die Idee, nachdem er
Wir sollten uns schämen als Gesellschaft,
nisse, die nach Ablauf des Haltbarkeitsda-
eine Zeit lang als gut bezahlter Koch in
in der Kinder hungrig zur Schule gehen,
tums ansonsten als Abfall gelten würden.
Nobelrestaurants in Australien verbrach-
Tafeln und Wohnungslosigkeit in diesem
Anschließend bietet sie diese den Men-
te: „Ich habe auf einer Farm gearbeitet
Land zunehmen, Ressourcen auf der gan-
schen in Cafés an, die dafür so viel zahlen,
und mich um die australische Staatsbür-
zen Welt verschwendet werden und Nah-
wie sie möchten. Letzteres sei für den
gerschaft bemüht. In Sydney habe ich zu
rung unnötigerweise weggeworfen wird,
Geist des Projekts von entscheidender
der Zeit extreme Armut und Wohnungs-
wenn sie noch vollkommen genießbar ist:
Bedeutung, sagt Smith: „Mir geht es mehr
losigkeit beobachtet. Täglich wurden dort
„Überall im Land stehen Gebäude leer,
um Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen müs-
die Occupy-Protestcamps zerstört. Das
während Menschen wohnungslos sind.
sen als solche behandelt werden. Alle
Konzept des „Pay-as-you-feel“, also des
Gebt ihnen diese Häuser. Die Antworten
müssen gleich bewertet werden, unabhän-
Bezahlens nach Gefühl, sah ich zum ersten
liegen offen vor uns.“
gig davon, wer sie sind, woher sie kommen
Mal im Restaurant eines buddhistischen
Die Victoria-Bäder, ein historisches, ver-
oder in welcher Situation sie sich befin-
Mönchs in Melbourne. Eines Tages, mitten
fallenes öffentliches Schwimmbad aus
den. Sie sollten immer die Möglichkeit
in der Wüste, auf dieser Farm, kam mir die
dem frühen 20. Jahrhundert, wurden
haben, etwas zurückzugeben. Der Zugang
Idee: Ich werde die Welt mit Lebensmit-
saniert und umgewidmet. Lange Zeit war
zu Lebensmitteln sollte ein Menschen-
telabfällen ernähren. Das ist alles. Wer
das Gebäude aufgegeben und wurde als
recht sein. Wir müssen den Menschen
weiß, woher es genau kam. Um mich her-
foodsharing
Der Gründer von The Real Junk Food Project, Adam Smith.
Adam Smith wendet sich an die Teilnehmer/Innen der INSP-Tagung 2017. Auch DRAUSSENSEITER-Chefredakteurin Christina Bacher war fasziniert von dem Tatendrang des Engländers. Foto: Wendy Keogh
Foto: Lee Brown
Der Projekt-Chef von Real Junk Food bereitet einige der Gerichte zu, die am Abend gereicht werden. Foto: Wendy Keogh
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foodsharing
Foto: Lee Brown
Foto: Lee Brown
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um war nichts außer Mandelbäumen und
te Lebensmittelverschwendung in der
einem Wohnwagen auf dieser schreckli-
modernen Welt infrage gestellt und ent-
chen Farm, auf dem uns die Besitzer
larvt wird, aber auch die Armut und die
schlimm behandelten. Ich war Koch, ich
Verachtung, die wir Armut entgegenbrin-
kann kochen, ich kann mit Essen umge-
gen.“ In vier Jahren ist das Projekt vom
hen. Ich aß dasselbe Essen, mit dem
ersten Café auf 127 in sieben Ländern
Schweine gefüttert wurden – schöne Kür-
weltweit angewachsen. Allein in Leeds,
bisse, Aprikosen und Zucchini, die auf
seiner Heimatstadt, versorgt das Projekt
benachbarten Bauernhöfen aussortiert
jede Woche 35.000 Menschen mit Lebens-
worden waren. Es kam einfach alles
mitteln. In den USA steht das erste Real
zusammen. Es gab keinen Moment der
Junk Food-Café kurz vor der Eröffnung.
Erleuchtung, es war einfach die ganze Rei-
Zusammen mit dem Partnerprogramm
se nach Australien und das Leben dort war
„Fuel for School“ erreicht Smith 20.000
eine sehr eindrucksvolle Erfahrung. Ich
Schülerinnen und Schüler in Leeds. Sie
wusste, dass ich in die Heimat zurückge-
lernen die Zubereitung abgelaufener
hen und das machen könnte.“
Lebensmittel, ihre Verarbeitung und sinn-
Smith ist von seinem Ziel besessen. Er
volle Verwendung. Sein Ziel ist, dass das
kann zehn Minuten ohne Unterbrechung
Programm innerhalb von 18 Monaten im
über das Problem sprechen, das er ausmer-
ganzen Land umgesetzt wird.
zen will und über die Arbeit des Projekts.
Smith weiß, dass die Verbindung zu jun-
„Ich habe das Real Junk Food Project als
gen Menschen entscheidend ist, wenn sein
ein einziges Café angelegt, damit die ech-
Projekt eine positive und nachhaltige Wir-
foodsharing
kung haben soll: „Wenn es darum geht,
ist absolut albern. Warum brauchen wir
Menschen beginnen, sich mit den Grund-
Probleme im Zusammenhang mit Armut
Avocados rund um die Uhr, 365 Tage im
lagen des Projekts und seinen Zielen zu
und Wohnungslosigkeit anzugehen, fange
Jahr – das ist völlig unhaltbar. Warum wer-
beschäftigen. Heute Abend werden die
ich ganz unten an. Ich versuche, ganz vorn
den Bananen in Plastikhüllen mit Datum
Menschen sich an nahrhaften wertvollen
zu beginnen, und den Menschen beizu-
eingepackt? Eine Banane hat schon eine
Lebensmittel satt gegessen haben, die alle
bringen, ihre Lebensmittel nicht zu ver-
Hülle, ihre Schale! Es gibt einen wirklich
aus Erzeugnissen stammen, die sonst weg-
schwenden. Wir müssen diese jungen
sinnlosen Ansatz, wie wir mit unserem
geworfen worden wären. Die Umweltaus-
Menschen stärken und aufklären. Es kann
Essen umgehen und uns verhalten.“
wirkungen davon sind unglaublich. Und
10 oder 15 Jahre dauern, bis Menschen in
Er macht sich auch keine Illusionen dar-
doch gibt es genau gegenüber wahrschein-
eine Situation kommen, in der sie bedürf-
über, wo das Grundübel liegt, und er
lich Familien, Kinder, die keinen Zugang
tig und verwundbar sind. Daher müssen
scheut sich nicht davor, die Täter zu nen-
zu dem Abfall haben, den wir heute ver-
wir diese Generation stärken. Wenn wir
nen: „Als Verbraucher wurden wir mani-
wendet haben. Das ist der Widerspruch in
es jetzt nicht an der Basis anpacken, wer-
puliert. Die Schuld liegt bei den großen
unserem Lebensmittelsystem. Wir versu-
den Probleme wie Lebensmittelver-
Konzernen. Sie profitieren davon, dass
chen, das aufzudecken und mit gesundem
schwendung, Wohnungslosigkeit, Mange-
Menschen in die Supermärkte laufen und
Menschenverstand anzugehen. Das ist
lernährung weiter bestehen. Wir könnten
immer mehr Lebensmittel kaufen. Sie
meiner Meinung nach das Richtige, und
in Supermärkte gehen und sagen, sie sol-
sagen, wir wollten genau das. Aber wir
mehr Leute sollten das Richtige tun.“
len keine Lebensmittel mehr wegwerfen,
haben nicht wirklich eine Wahl. Wir wer-
Aber für Smith ist die Anzahl der eröff-
aber es ist ihnen egal, sie scheffeln nur
den ausgebeutet und manipuliert, wir
neten Cafés und die Anzahl der Menschen,
Profit. Wir könnten wohnungslosen Men-
sollen uns dafür verantwortlich fühlen, wie
die gespeist werden, kein echter Indikator
schen etwas zu essen geben, aber was
unsere Lebensmittelindustrie funktioniert.
für den Erfolg seines Projekts: „Die Tatsa-
bringt das? Wir würden nur die Woh-
Die Situation, die wir haben, ist völlig
che, dass das Real Junk Food Project noch
nungslosigkeit fördern, indem wir nur
unhaltbar. Wir bauen nicht genug von
immer hier ist, beweist, dass es nicht besser
zulassen, dass die Menschen nicht weiter-
unserem eigenen Essen an, wir bringen
geworden ist. Die Tatsache, dass wir wach-
kommen, und viele andere lobenswerte
den jungen Leuten nicht bei, woher das
sen, sehe ich nicht als Maßstab für den
Organisationen tun das ohnehin. Wir wol-
Essen kommt. Kindern wird vorgemacht,
Erfolg – ich sehe sie als Maßstab für die
len verhindern, dass das überhaupt pas-
dass Äpfel aus Supermärkten in Plastiktü-
Größe des Problems. Je mehr wir wachsen,
siert. Wir sollten die jungen Menschen
ten kommen. Nachdem, was ich in den
desto mehr existiert das Problem. Je mehr
stärken, aufklären und ihnen Grundfähig-
letzten vier Jahren im In- und Ausland
unsere Maßnahmen weltweit zurückge-
keiten beibringen, damit sie sich selbst
gesehen und erlebt habe, werden sich die
hen, desto weniger werden wir gebraucht.
schützen und für sich und ihre Familien
Dinge erst dann verbessern, wenn diese
Das wird zeigen, wie sehr wir uns verän-
sorgen können, wenn sie einmal in diese
Konzerne weniger verdienen.“
dert haben.“ Trotz der Schwere des Prob-
Später am Abend, unter den Oberlich-
lems ist für Smith die Arbeit des Projekts
Smith ist wie ein ICE, schnell und rati-
tern der Victoria-Bäder, serviert die Man-
extrem einfach durchzuführen. Er sieht es
onal. Es wäre beinahe unhöflich, seine
chester-Abteilung des Real Junk Food
nicht als revolutionär oder bahnbrechend
Begeisterung zu unterbrechen. Er fiel mir
Project den Gipfelteilnehmern fünf köst-
an: „Das Projekt wurde als radikal und
sofort auf, als er am ersten Abend noch
liche Gerichte, die vollständig aus Essens-
totaler Unsinn angesehen, aber ich gebe
spät mit den Delegierten von Straßenzei-
resten hergestellt wurden, die zuvor als
den Menschen nur etwas zu essen. Einige
tungen auf dem Global Street Paper Sum-
ungenießbar galten. Die Delegierten aus
sehen uns nur deshalb als radikal an, weil
mit 2017 sprach; mit seinem Wissen, seiner
28 Ländern genießen frische Salate von
sie so weit weg vom Problem sind. Wir
Dringlichkeit und seinem Willen zum
Fenchel und Pak Choi, ein würziges vege-
müssen aufhören, uns auf Budgets und
Erfolg. Auch wenn das Problem sich noch
tarisches Chili, gekochter Eierkürbis und
Finanzierung zu konzentrieren, und wir
verschlimmert, gibt er nicht auf: „Das Pro-
Curry-Blumenkohl werden serviert. Die
müssen uns nicht auf immer ausgeklügel-
blem gerät außer Kontrolle. In Großbri-
schmackhafte, exotische Küche entsprach
tere Lösungen für die Problembewälti-
tannien werden wir vom Einzelhandel
der Philosophie von Real Junk Food – aus
gung konzentrieren. Gib mir Lebensmittel
stark manipuliert, wenn es um Super-
lokalen Quellen und in den Müll gewor-
und ich gebe allen zu essen!“
märkte und den Überfluss an Lebensmit-
fen. Smith erzählt mir von der wachsen-
teln geht. Es ist völlig unmenschlich, wenn
den Öffentlichkeit, die das Projekt erreicht,
wir daran denken, dass Menschen nichts
dass die Politik es zunehmend beachtet
zu essen haben, wenn es in einer Straße
und wie die Ziele des Projekts nun auf
20 Supermärkte nebeneinander gibt. Das
globaler Ebene verbreitet werden: „Die
Situation kommen.“
Übersetzt aus dem Englischen ins Deutsche von Daniel Gebauer / Translators Without Borders Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von INSP.ngo
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reportage RHEIN IN DIE KÜCHE
Es ist angerichtet! Kölns Gastronomie ist vielfältig, individuell und persönlich. Die Autorin Susanne Brandau-Herzet und die Fotografin Jennifer Braun haben sich mit der Entdeckungsreise durch 20 Kölner Küchen ein großes Projekt vorgenommen. Gemeinsam mit dem Grafiker Dominik Lanhenke ist jetzt ein Buch erschienen, das Appetit macht. „Rhein in die Küche“ präsentiert einen Querschnitt Kölner Kochkunst und zeigt anhand von Lieblingsrezepten zahlreicher Köche, dass man gar nicht verreisen muss, um gut zu speisen. Das Interview führte Christina Bacher.
DRAUSSENSEITER: Für euer Buch „Rhein in
gehen, und dann unsere Liste noch ein
die Küche“ habt ihr 20 Kölner Köche anhand
wenig ergänzt und verändert.
ihrer Lieblingsrezepte vorgestellt – eine schöne Idee. Wie schwer ist euch die Auswahl
DRAUSSENSEITER: Wie viele Kilo habt ihr
gefallen? Nach welchen Kriterien seid ihr
zugelegt bei der Arbeit am Buch? Ihr „muss-
bei der Auswahl vorgegangen?
tet“ doch sicher immer Probe essen?
Susanne: Ich bin ja schon länger als Auto-
Susanne: Ich hab‘ auf jeden Fall 2-3 Kilo
rin in der Kölner Gastroszene unterwegs
mehr auf den Rippen als vor „Rhein in die
und habe als Redakteurin einige Restau-
Küche“! Das Probe-Essen war immer eine
rantguides betreut, sodass ich mit der Idee
großartige Sache und wird mir noch lange
direkt viele Häuser und ihre Köche im Kopf
in Erinnerung bleiben. Geröstete Schup-
hatte. Die Liste war fast doppelt so lang,
pen, gebackener Kalbskopf oder einfach
das hätte den Umfang unseres Buches
ein Cashew-Crumble, das waren und sind
gesprengt. Bei der Auswahl gab es zwei
tolle Geschmackserlebnisse.
wichtige Kriterien – erstens: Es sollten mög-
Jennifer: Bei mir waren es ein paar Kilo
lichst unterschiedliche Kochstile vorge-
mehr, aber jedes hat sich gelohnt. Für
stellt werden, um die kulinarische Vielfalt
mich besonders spannend waren alle
der Domstadt im Querschnitt beleuchten
Sachen, die ich sonst nicht esse, zum Bei-
zu können. Und zweitens: Jeder sollte Spaß
spiel rohes Fleisch oder Fisch, Schnecken
an dem Projekt haben. Das geht häufig nur,
oder Innereien – für das Kochbuch habe
wenn du selbst Herr im Haus bist und kei-
ich mir vorgenommen, alles zu probieren
nen fragen musst, was das Einkaufen der
und war besonders vom Geschmack von
Zutaten angeht, und du dir die Zeit für uns
Lunge und Herz beim Salonbeuschel posi-
einfach nehmen kannst. Wenn es mir in
tiv überrascht.
der Vorrecherche mit jemandem zu kom-
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pliziert wurde, habe ich keinen überredet.
DRAUSSENSEITER: Das Buch präsentiert
Manche haben sich auch gar nicht zurück-
einen Querschnitt Kölner Kochkunst. Was
gemeldet, andere hatten Bedingungen
aber ist das? Gibt es tatsächlich eine typisch
oder waren zu beschäftigt. Ein, zwei
kölsche Küche? Oder macht das gerade den
Köchinnen mehr hätte ich mir gewünscht,
Reiz dieser Stadt aus, dass Menschen von
aber das ist ein generell schwieriges Thema.
überall herkommen und das, was sie kennen
Jennifer: Wir haben natürlich auch im
und können, hier anbieten?
Laufe der Produktion immer wieder mit
Susanne: Ja, eher Letzteres. Ich wollte
den Köchen gesprochen, die wir fotogra-
zeigen, dass Köln auf der Zunge genauso
fiert haben, wo sie selber gerne essen
global und urban ist, wie die Menschen,
RHEIN IN DIE KÜCHE
die hier in unserer Stadt leben. Und es sind
war für mich mit das Tolle, dass sie sich
DRAUSSENSEITER: Manche Rezepte sind für
in Köln ja immer die Menschen, die beson-
dadurch so locker in der Küche und im
Laien gut machbar, andere sehr anspruchs-
ders sind. Eine typisch kölsche Küche ist
Restaurant bewegen konnte, dass die
voll. Hatten die Köche eine Vorgabe, in wel-
etwas anderes, sie zelebriert eben klassi-
Köche einfach entspannt ihr Ding gemacht
che Richtung das Rezept gehen soll? Ist auch
sche kölsche Rezepturen wie „Himmel un
haben und ich dabei meine Fragen loswer-
Veganes/Vegetarisches dabei?
Äd“ oder Reibekuchen. Die Köche von
den und in die Töpfe gucken konnte.
Susanne: Grundsätzlich habe ich bei den Lieblingsrezepten erstmal freie Hand gelas-
heute spielen mit diesen Klischees und Zutaten – machen aber immer etwas Eige-
DRAUSSENSEITER: Das Buch wurde ja von
sen und geschaut, was als Vorschlag kommt.
nes daraus, das dann ihre Handschrift
einem dreiköpfigen Kreativ-Team gemacht.
Je mehr Rezepte wir zusammen hatten,
trägt. Wie die „Frittata Colonia“ von Son-
Hier haben Autorin, Fotografin und Gra-
desto wichtiger wurde es, immer wieder zu
ja Baumann. Aber Kölner Küche, das ist
fik-Designer Dominik Lanhenke Hand in
prüfen, ob die Auswahl vielfältig, interessant
genau so das Couscous von André Niediek,
Hand gearbeitet, was man dem Buch auch
bleibt und sich nichts doppelt. Etwas mit
bei dem die Südstadt quasi mit Südfrank-
ansieht, finde ich. Wie finden sich drei so
Huhn habe ich mir irgendwann gewünscht,
reich und Marokko verschmilzt.
unterschiedliche Künstler zusammen und wie
weil das so komplett fehlte. Viele Gerichte
kommt man auf ein solch spezielles Thema?
lassen sich natürlich auch ohne Fleisch
DRAUSSENSEITER: Essensfotografie ist sicher
Vielleicht beim gemeinsamen Abendessen?
machen (siehe das Couscous!) – oder man
ein schweres Metier. Wenn ich da alleine an
Susanne: Es gibt ja keine Zufälle im Leben,
greift sich nur eine Rezeptur heraus. Die
Essens-Fotos vor Dönerbuden denke, da ver-
und so war es auch bei diesem Projekt. Ich
meisten Gerichte bestehen ja aus mehreren
geht einem oft der Appetit. Was sind die
habe mit Jennifer schon einige Jobs und
Komponenten und bieten Gimmicks wie
ist das Essen auf den Fotos nicht irgendwann kalt? Warum sieht es dann aber so frisch aus? Und was sind die häufigsten Fehler
Foto: Annika Feuss
und Menüs zu machen? Mal blöd gefragt:
Foto: Jennifer Braun
Tricks, solche tollen Fotos von Lebensmitteln
beim Fotografieren von Essen? Jennifer: Kommt darauf an, wie schnell man fotografiert, ob das Essen noch warm ist. Ich schaue mir beim Anrichten des Tellers in der Küche schon genau an, wie er aufgebaut ist, überlege, welche Seite ich nach vorne drehen werde und von wo das Licht kommen soll. Den Tisch für das Foto habe ich mir vorher schon ausgesucht – für
www.susanne-brandau-herzet.de
www.jennifer-braun.de
das Kochbuch war das meist ein Tisch in Fensternähe. Das Bild ist also in meinem Kopf schon fast fertig, bevor der Teller an
Shootings gemacht – es war immer sehr
Mixed Pickles oder Paprikalack. Beides kann
den Tisch kommt – daher bin ich beim
inspirierend und harmonisch. Als ich sie
man einfach so mal machen und zu seinen
eigentlichen Fotografieren ziemlich schnell.
fragte, ob sie Lust auf „Rhein in die Küche“
eigenen Lieblingsgerichten servieren.
Für gute Foodfotos gibt es natürlich meh-
hätte, war sie sofort begeistert. Denn sie
rere Faktoren, die entscheidend sind. Aus
wiederum hatte mit Art Direktor Dominik
DRAUSSENSEITER: Tüftler im Detail – was
meiner Sicht sind die beiden wichtigsten
Lanhenke auch parallel über ein Kochbuch
muss für euch ein Koch mitbringen, um eine
Punkte, dass das Essen einfach toll ange-
nachgedacht! Und dann war das gemein-
Gastronomie nachhaltig voranzubringen?
richtet ist, mit dem Blick für das Detail
same erste Kaffeetrinken und Werkstatt-
Gerade in Köln?
und mit frischen Lebensmitteln gearbeitet
gespräch in Jennifers Atelier nicht weit.
Susanne: Den vielzitierten Blick über den
wird. Zum anderen das Licht. Für unser
Jennifer: Ja, ich erinnere mich noch gut
Tellerrand und den Mut zum Experiment.
Kochbuch habe ich mich entschieden,
an mein promptes „JA – unbedingt“, als
Dann werden kulinarische Traditionen indi-
ausschließlich mit weichem Tageslicht
mich Susanne das erste Mal auf das The-
viduell interpretiert, und etwas Neues kann
vom Fenster zu arbeiten.
ma Kochbuch angesprochen hatte. Domi-
entstehen. Denn darum geht es doch auch
Susanne: Ich liebe die Art, wie Jennifer
nik kenne ich schon seit dem Studium und
in der Küche: Nicht stehenzubleiben, sich
Essen in Szene setzen kann. Sie kommt ja
ich schätze seine klare, gestalterische
weiterzuentwickeln. Und dem Gast im Ide-
komplett mit natürlichem Licht aus. Das
Arbeit sehr.
alfall ein unvergessliches Erlebnis zu bieten.
17
RHEIN IN DIE KÜCHE
„Gott schickt uns das Fleisch, … … aber der Teufel die Köche“, steht als Motto über dem Sturz seiner kleinen Küche. Die Gäste wissen: Hier kocht ein Unkonventioneller. André Niedieks ehrliche Landküche weckt Sehnsucht nach mediterraner Lebensart. Seine Gerichte erzählen auf der Zunge und im Kopf Geschichten. von Susanne Brandau-Herzet
I
ch bin der mit der Axt“, stellt André
André ist ein Profi, für den Kochen und
Niediek bei der Begrüßung im
Essen eine zutiefst sinnliche Sache ist. „Als
„Maison Blue“ klar und schärft
Koch schmilzt dein Leben quasi im Feu-
auch gleich ein großes Messer, um das
er“, sagt der Ende 40-Jährige in der Rück-
Fleisch für die Paté zu schneiden. In seiner
schau über seine lange Berufslaufbahn.
„
„Freiheit ist das, was für mich Kochen bedeutet. Die Freiheit aus der Kindheit an der Ardèche, die will ich mir ein Stück weit bewahren in der Küche.“ Andrés Philosophie
reich. Aber seine kulinarische Welt ist nie eindimensional. „Maison Blue“ - der Name signalisiert den Bruch und das Unkonventionelle. „Ich liebe die blaue Stunde, wenn sich alles mischt“, erklärt er. „Das Reinrassige, das mag ich nicht. Ich bin ein totaler Exzentriker.“ Einer, der mit Chucks in der Küche steht, sein Team schätzt und die Freizeit mit seiner jungen Familie im Fachwerkhaus auf dem Land genießt. Apropos Land: Es sind die Gerüche und Geschmäcker vieler schöner Zeiten, vor allem im Ferienhaus seiner Mutter und beim Zelten an der Ardèche im Südosten Frankreichs, die er sich beim Kochen zurückholt: Das rauchige Knistern eines Lagerfeuers, der Schmelz selbstgemachter Karamellbonbons, der Duft der Fines herKüche mit den gelb-blauen Dekorfliesen
Sein Meister: kein Geringerer als
bes. „Estragon ist sexy, aber Thymian finde
und dem Gewürzbord voller exotischer
Jean-Claude Bado, Sternekoch des „La
ich so unfassbar männlich. Ich gehe
Gewürze ist nicht viel Platz. André bewegt
Pôele d`Or“ und Sohn des Lothringers
manchmal in den Garten und reibe mir
sich geschickt in diesem Wirkungsfeld,
Roland Bado, der in den achtziger Jahren
damit das Gesicht ein.“
während er beim Kochen über das Kochen
als Pionier der neuen französischen Küche
philosophiert, zwischendurch für ein
in Köln galt. Jean-Claude hat unlängst
anstehendes Filmcrew-Catering telefo-
seinen Hochzeitstag bei André gefeiert.
niert, die originelle Feuerstelle mit den
„Da bleibt man Lehrling“, fasst André den
Holzscheiten
Abend zusammen.
oder
die
angebaute
Nana-Minze auf der begrünten Terrasse kontrolliert.
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Seit 2004 ist er Küchenchef und Betreiber des Südstadtlokals, seinem Stück Frank-
lll
maison blue
Im Ferkulum 18-22, 50678 Köln Tel. 0221 / 93 28 996 Mi – So ab 18.30 Uhr, Küche bis 22.30 Uhr www.maisonblue-koeln.de
RHEIN IN DIE KÜCHE
Hauptgang Couscous marocain 1 Zwiebel 1 Zucchini 1 rote Paprika 1 gelbe Paprika 1 Kartoffel 2 Karotten 1/4 Stange Sellerie
Vorspeise
1 Aubergine 3 Tomaten 1 EL Tomatenmark 1 Tasse helle Brühe 1 Dose Kichererbsen Etwas Ras el Hanout (marokkanische Gewürzmischung) 1-2 Lorbeerblätter
Olivenöl Knoblauch 1 EL Zucker 1 EL Essig Thymian, Rosmarin 1 Paket Couscous Salz, Pfeffer 4 Lammkotelettes, 4 Merguez
Alle Gemüse grob würfeln und zusammen anbraten. Dann die Kräuter, Gewürze und Kichererbsen zugeben und die Mischung sanft etwa 20 Minuten köcheln lassen. In der Zwischenzeit das Couscous nach Packungsanleitung zubereiten. Für die Fleisch-Variante
Paté vom Schwein im Weckglas 100 g Schweineleber 200 g rohes, fettes Schweinefleisch 100 g gekochtes, fettes Schweinefleisch, z.B. Haxe oder Bauch 100 g fetter Speck oder Schweineschmalz 50 g Pistazien 2 Eier 100 ml kaltes Wasser Gewürze nach eigenem Geschmack wie: Piment, Knoblauch, Oregano, Rosmarin, Muskatblüte, Thymian Salz, Pfeffer 20-30 g Pökelsalz
die Lammkotelettes und Merguez braten.
Tipp: Ehrliches Couscous Statt nur mit Wasser kann man das Couscous zur Hälfte mit Geflügelfond aufsetzen, das gibt mehr Geschmack. Zum Würzen nimmt André Niediek ungereinigtes Meersalz mit 15 Prozent Restfeuchte. „Man schmeckt die Mineralien, man denkt an einen alten Tanker am Hafen“, so der Küchenchef. Zum Schuss zur Abrundung ein Stück Butter oder einen Schuss Olivenöl dazugeben.
Das Fleisch klein schneiden. Mit den übrigen Zutaten und den Gewürzen vermischen. Die Masse in mehreren Portionen in einen Blitzhacker geben und grob zerhacken – sie soll noch stückig bleiben. In heiß
Crème Caramel
chen und unter die Eimasse rühren. Dann
ausgespülte Weckgläser füllen. Rund 40
alles durch ein Küchensieb laufen lassen.
Tipp: Einwecken im Wasserbad
250 ml Milch 250 ml Sahne 90 g Zucker 1 Vanilleschote 5 Eier, Größe M ca. 10 EL Zucker für das Karamell
Das Garen im Wasserbad macht den Inhalt
Den Zucker ohne Wasser in einer Pfan-
auffüllen. Die Crème Caramel etwa 40
für mehrere Wochen haltbar und ist ein tol-
ne karamellisieren lassen. Er sollte „bier-
Minuten stocken lassen. Ist sie „tupffest“,
ler persönlicher Gruß aus der eigenen Küche.
flaschenbraun“ sein und Blasen werfen.
ist sie fertig.
Minuten in einem großen Topf im Wasserbad garen. Die Gläser sollten bis zur Hälfte im Wasser stehen. Fotos: Jennifer Braun
Dessert
Die fertige Masse in die vorbereiteten Formen mit dem Karamell gießen. Die Förmchen auf ein tiefes Blech bei 140 -160 Grad in den Ofen stellen. Das Blech mit kochendem Wasser bis zum Rand der Formen
Heiß in Stürzformen oder Tassen gießen.
„Rhein in die Küche“, J.P. BACHEM Verlag, Susanne Brandau-Herzet und Jennifer Braun, Köln 2017, 168 Seiten mit zahlreichen Fotografien, ISBN 978-3-7616-3182-9, 19,95 €
Der Boden sollte ca. 3 Millimeter mit dem
Tipp: Krokant als Topping
Karamell bedeckt sein. Erkalten lassen.
André empfiehlt: „Ein bisschen Haselnuss-
Die Vanilleschote der Länge nach auf-
krokant über die Crème Caramel, das
schneiden und das Mark herauskratzen.
bringt noch einen Crunch-Effekt. Die
Die Eier miteinander verquirlen. Milch,
Mischung von cremig und knusprig im
Sahne, Zucker und Vanillemark aufko-
Mund bringt es einfach.“
Texte und Fotos entnommen aus „Rhein in die Küche“ | © Susanne Brandau-Herzet
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HILFE IST SO VIELFÄLTIG
Clemens-Josef-Haus
Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de
Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen
Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen
Arbeiten
Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung
Pflegewohnheim
begleiten und fördern I beraten und anleiten
Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause
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Aus den einrichtungen
Jemönk tobte. Und spendete – für den guten Zweck! Foto: Daniel Steh
„JEMÖNK SING MET“ Erstes Einsingen der Session in der Eifel für den guten Zweck! Zum vierten Mal fand ein Einsingen in die neue Session in Gemünd in der Eifel statt. Im Haus Dahmen drängelten sich 120 Sängerinnen und Sänger, darunter eine Busladung aus Köln – organisiert vom Piranha-Wirt Lutz. Auch das Gemünder Dreigestirn ließ es sich nicht nehmen, neue Hits der Session zu testen. Und die Köln-Eifler-Mischung sorgte für fantastische Stimmung.
Klar ist: Die Gemünder Auswahl ist nicht die Kölner Auswahl – das Auswahlverfahren von „Loss mer singe“ ist noch im Gange und es sind noch keine Entscheidungen getroffen! Aber trotzdem ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre stark davon auszugehen, dass man eine größere Anzahl der Lieder auch in der Kölner Auswahl wiederfinden wird. So hat die Veranstaltung in der Eifel einen Testlauf-Charakter.
Kunst und Kultur im GULLIVER | Ausstellung
Jonas Gabriel / Peter Mück
STREET#ART Beide Künstler verbindet die Sensibilität und Wachsamkeit für die soziale Umwelt, das Gegenüber, das Leben am Rand oder mitten in der Wohnungslosigkeit, ein Thema, das derzeit ein Wegbegleiter vieler Menschen ist. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist zum gedanklichen Begleiter vieler Menschen geworden. Die Politik scheint immer mehr zu versagen, wenn sie den Problemen vieler Menschen und Familien nicht mehr gerecht wird.
Begrüßung: Pfarrer i.R. Karl-Heinz Iffland, Ev. Obdachlosenseelsorger u. Vorsitzender des KALZ e.V. Einführung und Kuratorin: Elvira Reith Vernissage: Freitag, 16. Januar 2018, 19.00 Uhr | Dauer: bis 16. April 2017 Ort: Überlebensstation GULLIVER, Trankgasse 20, 50667 Köln, Bahnbogen 1 Veranstalter: KALZ e.V., Hans-Böckler-Platz 1, 50672 Köln, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de
Was aber an dem Abend zu merken war: es gibt inzwischen so viele Lieder, die man mitsingen kann, dass man dies eigentlich gar nicht mit einer Auswahl von 20 Songs abbilden kann. Immerhin haben uns ca. 390 neue kölsche Lieder erreicht! Wie zum Beispiel das Motto-Lied der Cöllner „Mir Kölsche danze us dr Reih“ oder das erste Kölsche Karnevalslied auf französisch „Le Carnaval de Cologne“ von toi et moi, mit denen der Abend eröffnet wurde. Weit vorne im Voting fanden sich am Ende neben Kasalla, Räubern, Miljö und Bläck Fööss auch zwei Bands, die manche noch zum Nachwuchs zählen: Lupo und Pläsier. Beide Bands waren vor Ort und legten in der Auszählpause famose Auftritte hin – die Musik kam zwar vom Band (was u.a. der Enge der Lokalität geschuldet ist), aber gesungen wurde live. Dazu gesellten sich noch Geppie und Wolli von den Räubern, die nur mit Gitarre ein tolles Medley kölscher Hits servierten. Alle Bands und Musiker traten für den guten Zweck auf. Denn der Hut ging rum für die OASE und kam prall gefüllt zurück: 1.150 Euro konnten überwiesen werden! Danke an alle Spender, an alle Musiker, an alle, die mitgeholfen und mitgesungen haben und an das Haus Dahmen. Wir kommen wieder in 2018!
Nicht nur zur Weihnachtszeit Besinnliches Benefizkonzert im PIRANHA war ein voller Erfolg Dass sich vier Kölner Künstler im Advent zum wiederholten Mal zusammen finden, um ein handgemachtes Konzert mit viel Herz zugunsten der OASE zu geben, ist ja schon des Dankes genug. Dass dann aber auch noch die Bude voll ist und der Spendenhut, ist nicht selbstverständlich: Harald van Bonn, Marie Bascoul, Jörg Schnabel und Danny Prill haben es geschafft, 1.325 Euro zu sammeln. Und ganz nebenbei allen, die da waren, einen zauberhaften Abend zu bescheren. Ganz herzlichen Dank auch an Lutz Nagrotzki, der sein PIRANHA für den guten Zweck zur Verfügung stellte.
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cartoon/kolumne
Cartoon: Heiko Sakurai
Hallo liebe Freunde! Klasse Neuigkeiten: Ich trainiere wieder. Und ich bin gut. Ich kann jetzt an einer Stelle „absitzen“ und dort warten, bis Frauchen zurückkommt. Dass hat sie an jeder Straße mit Pfeiler oder irgendwas anderem, wo man meine Leine drüber machen kann, mit mir geübt: Sie macht die Leine fest und geht ein paar Schritte weg. Ich muss brav sitzen bleiben und auf sie warten. Und wenn ich schön sitzen geblieben bin, gibt es ein Leckerli. Eine leichte Übung für mich! Mein Dosenöffner war erstaunt, wie schnell ich das drauf hatte. Dann war mein Trainer allerdings eine Zeit lang nicht da und ich hatte Trainingspause. Ich sag’ euch, da kann 22
man ganz schön schnell wieder aus allem raus kommen. Irgendwie gehen die Tage auch so schnell vorbei. Und plötzlich hat Frauchen wieder ihre Tasche gepackt und ich dachte ‚Prima, noch ein Ausflug’. Aber nee, war nix. Jedenfalls nicht für mich. Stellt euch vor, da fährt die einfach ohne mich weg und lässt mich mit ihrem Kumpel zu Hause allein. Der hat sich zwar wirklich gut um mich gekümmert, aber ich war trotzdem gefrustet. Anfangs sogar so sehr, dass ich nix mehr fressen wollte. Frauchen hat gesagt, sie müsse zu einem Seminar, wo ich nicht mit hin könne. Ich weiß zwar nicht, was ein Seminar ist, aber ich weiß, dass ich nicht gerne abgeschoben
werde. Überhaupt nicht. Trotzdem hab‘ ich mich natürlich gefreut, als sie wieder da war. Ich bin ja nicht so. Wir haben uns dann auch wieder vertragen, als ich abends mit ihr auf dem Sofa lag. Vielleicht fahren wir ja auch bald mal wieder zusammen in den Urlaub und ich starte eine neue Karriere als Reisehund. Das wäre prima. Es ist schon aufregend, irgendwo einzusteigen und woanders geht es dann wieder raus. Nie weiß ich vorher, wo ich mit dem Dosenöffner lande. Doch solange sie dabei ist, geht ja alles gut. Bis bald, euer Clayd l l l Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda
Buch- und musiktipps
Flake Lorenz
Karen-Susan Fessel
Mélanie de Biasio
Heute hat die Welt Geburtstag
Schatten-Blicke
Lilies
Alex ist glücklich: Eine Woche Klassenfahrt nach Ungarn liegt vor ihr. Doch gleich nach ihrer Ankunft macht sie Bekanntschaft mit zwei üblen Typen, die sie auszurauben versuchen. Gut, dass dieser hübsche Junge in der Nähe ist, der sie im letzten Moment rettet. Was für ein Zufall, dass der auch noch Deutsch spricht. Als sie sich abends bei ihm bedanken möchte, tauchen plötzlich zwei Männer auf, die sie betäuben und verschleppen. Ab sofort liest sich der Thriller nicht mehr wie eine anbahnende Liebesgeschichte auf Klassenfahrt. Jetzt wird es ernst: Denn das Mädchen erwacht in einem kargen Gefängnis ohne jegliche Information darüber, warum man sie entführt hat. Die Sprache der Menschen, die sie mit Essen versorgen, kommt ihr seltsam vor. So hat auch ihre verstorbene Großmutter gesprochen – eine Serbin. Der Autorin Karen-Susan Fessel, die schon mehrfach für ihre Romane ausgezeichnet wurde, gelingt es wieder einmal im Jugend-Genre in die Tiefe zu gehen und eine Geschichte zu erzählen, die auch Erwachsene fasziniert. Letztlich lädt sie den Leser ein, auf eine weite Reise zu gehen. Ihre Hauptfigur Alex jedenfalls kehrt sehr verändert zurück. Erwachsener. Gereifter. Und bis über beide Ohren verliebt. Christina Bacher
Jazz | Seit ein paar Jahren erspielt sich die Belgierin Mélanie de Biasio eine treue und immer größere Fangemeinde. Mit ihrem neuen Album „Lilies“ könnte diese noch weiter anwachsen, denn waren die ersten beiden Platten doch sehr düstere Ausflüge in den Jazz noir, so gibt es auf „Lilies“ lichtere, ja poppige Elemente, die die Scheibe zugänglicher machen. Im Mittelpunkt steht weiterhin die hypnotische Stimme der Enddreißigerin. Diese wird ummantelt von schwebenden Keyboard-Klängen und einem dezenten Schlagzeug-Rhythmus. Portishead trifft Nina Simone, so ließe sich die Musik auf den Punkt bringen. Die große Stärke des Albums ist einerseits seine atmosphärische Dichte. Die Sängerin erzeugt eine bleibende Düsterkeit, ohne dabei depressiv zu klingen. Beim Hören sehnt man sich nach einem Ohrensessel in einer schummrigen Wohnung, einem Glas Tee oder Whiskey und Kaminfeuer. Andererseits setzt die Belgierin immer neue Reize. So wird das Lied „Sitting in the Stairwell“ nur von Fingerschnipsen begleitet. Das titelgebende Stück „Lilies“, eine Klavierballade, tropft vor Einsamkeit. Während das Eröffnungsstück „Your Freedom Is The End Of Me“ an gute alte 1990er Trip-Hop-Zeiten erinnert. Zum Reinhören empfiehlt sich „Let me love you“. Hier kommen alle Einflüsse zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Es sind Stücke für die dunkle Jahreszeit, die einen nicht mehr loslassen. Oder: Durch „Lilies“ von Mélanie de Biasio werden Lilien zu Winterblumen.
In seiner ersten Autobiografie „Der Tastenficker“ ließ Flake Lorenz fast keinen Teil seines Lebens und Schaffens unerwähnt. Einzige Ausnahme: Er verlor so gut wie gar kein Wort (es war genau eins) über seine Zeit als Keyboarder von Rammstein. Genau zu diesem Thema hätten die meisten Buchkäufer aber sicher gern etwas gelesen. Diese Lücke schließt Flake nun mit seinem zweiten Buch „Heute hat die Welt Geburtstag“. Dieses Mal geht es um fast nichts anderes als die Band, ihre Geschichte und das Tourleben. Ganz offensichtlich wollte der Verlag mit einer Biografie gleich zwei Mal Geld verdienen. Wer sich diese Vermarktungsstrategie gefallen lässt und in das neue Buch investiert, erfährt auf 352 Seiten so einiges - zum Beispiel über die Unvereinbarkeit von Flugangst und Tourleben oder die Anfänge der Band mit Auftritten vornehmlich in ostdeutschen Dorfsälen. Als Anleitung zum Berühmtwerden sollte man das Buch dabei nicht verstehen. Glaubt man dem Verfasser, ist er eher zufällig zum Star geworden. Nämlich weil er ein paar Mal zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war und weil es in der Anfangszeit von Rammstein keinen Grund gab, ihn aus der Band zu schmeißen. Bastian Exner
Flake Lorenz: Heute hat die Welt Geburtstag, S. FISCHER Verlag, Frankfurt 2017, ISBN-10: 310-397-263-6, ISBN-13: 978-310397-263-4, 20 Euro
Karen-Susan Fessel: Schatten-Blicke, dtv, ISBN 978-3-423-71565-2, 8,95 Euro
Jens Hüttenberger
Mélanie de Biasio: Lilies, 2017, CD, Label: Pias/le Label, ca. 16 Euro
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www.draussenseiter-koeln.de, abo@draussenseiter-koeln.de IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www.dehaar-grafikdesign.de Titelfoto Jennifer Braun (mit herzlichem Dank für die Genehmigung des Abdrucks an den BACHEM Verlag) Fotos Christina Bacher, Marie Breer, Jennifer Braun, Jörg Burbach, Sabrina Burbach, Annika Feuss, Wolfgang Jorzik, Kölsche Linda, Jörg Paschke, Petra Piskar, Daniel Steh, Hanna Witte, Miriam Wolf, Rainer Zenz Cartoon Heiko Sakurai
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vorschau
Eintritt frei z Ausstellung
„Kölner Clubs früher und heute“ Seit vielen Jahrzehnten hat Köln eine sehr lebendige und vielseitige Clubszene. Viele namhafte nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler sind aus der Kölner Clubszene hervorgegangen. Das Musikarchiv NRW widmet diesem Thema nun eine eigene Ausstellung mit dem Schwerpunkt auf drei Clubs, dem Basement (1979 bis 2013), dem Underground (1988 bis September 2017) und dem Luxor, das seit 1981 besteht. Daneben werden jedoch auch weitere Clubs angesprochen. Gezeigt werden Programme, zwei original Schriftzüge sowie teils unveröffentlichte Fotografien unter anderem von den Bangles, der
Hinweis oder Verbot
Foto: Wolfgang Jorzik
Verbote
S
üffisant wird immer mal wieder gerne bemerkt, dass Deutschland ein Land mit besonders vielen Verboten sei. Zumindest wird unterstellt, dass hierzulande nahezu alles besonders bürokratisch geregelt ist. Was aber hat es tatsächlich auf sich mit dem Ruf der „Verbote-Repulik“? Mit dieser Frage hat sich der verstorbene Journalist Wolfgang Jorzik gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund Dr. Frank Überall beschäftigt, der das Debatten-Werk nun in Buchform vorgelegt hat. Das Projekt, das sich unter dem Hashtag „Es ist untersagt….“ schon lange bei Facebook, Twitter und Instagram herum gesprochen hat, nehmen wir zum Anlass für eine Ausgabe zum Thema VERBOTE.
Zeltingerband, BAP, Melissa Etheridge, Joy Division und Annie Lennox. Die Ausstellung kann auf der 4. Etage besichtigt werden. Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Köln und den Landschaftsverband Rheinland Wann: 15. Dezember 2017 bis 17. Februar 2018 Wo: Stadtbibliothek Köln, Josef-Haubrich-Hof 1 50676 Köln - Altstadt/Süd Öffnungszeiten: Montag, 10 bis 18 Uhr Dienstag und Donnerstag, 10 bis 20 Uhr Mittwoch und Freitag, 10 bis 18 Uhr Samstag, 10 bis 15 Uhr Veranstalter: Musikarchiv NRW Weitere Infos siehe www.stadt-koeln.de http://musikarchiv-nrw.de
Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. Februar 2018. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25
service
n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM)
Foto: Hanna Witte
Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9 http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de
Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund
n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de
n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr
n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim
n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme
Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäsche waschen Mo bis Do von 11:00-14:30 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do von 12:30- 13:30 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Die Wochenenden sind geschlossen. Die Kleiderkammer ist im Moment geschlossen, Ausgabe von Kleidung nur notfallmäßig für Besucher der Kontaktstell. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr
n Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr
n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung
Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen
n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 13.30-15 Uhr
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Foto: Christina Bacher
Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische
service
Nur für Frauen
n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de
n agisra e.V.
Foto: Marie Breer
Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.
Vringstreff
n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de
Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, Wohnen, Betreutes Wohnen
n OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de
Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9–13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–16 Uhr, Mittwoch nach Terminvereinbarung
Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr
Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30-11.30 Uhr und Donnerstag 13.30-14.15 Uhr
Kleiderkammer/Duschen: Montags ab 10.30 Uhr Donnerstags ab 13.00 Uhr Computer-Nutzung: nach Vereinbarung Weitere Angebote: Gepäckaufbewahrung
Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: siehe Aushang
Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr
n Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung
n Café Auszeit, Schäl Sick SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück
n Comeback Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.
n Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.
n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und
n Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen
n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung
n Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.
Nur für Männer n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 93 12 21-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren
n „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de
Beratung für vergewaltigte Frauen Herwarthstr. 10, 50672 Köln, Tel.: 56 20 35, mail- Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen box@notruf-koeln.de, www.notruf-koeln.de Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Beratung telefonisch, persönlich und per Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote
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26. Jahrgang Nr. 184 Januar 2018
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Foto: Jennifer Braun
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