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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 01/2017: Wünsche wagen

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25. Jahrgang

Nr. 173

Januar 2017

R E T I E S N E S s U A R D IN

Foto: Gerd Bonse

Z A G A M N E S S A STR R E N L Ö K S A D

WÜNSCHE 0,90 e für den Verkäufer

1,70 e

WAGEN

WELT

Frieden

WOHNEN

Flüchtlinge

WUT

Bürger


Anzeige


Foto: Sandy Craus

Inhalt Liebe Leserinnen und Leser, für viele Menschen bedeutet ein neues

Vorwort ��������������������������������������������������������������� 3 Inhaltsverzeichnis �������������������������������������������������� 3 Aus den Einrichtungen ������������������������������������������ 4-5

Jahr auch immer neue Hoffnung. Auf eine Umfrage des International Network of Streetpapers unter unzähligen

Schwerpunkt: Öffentlicher Raum

Straßenzeitungsverkäuferinnen und -verkäufern weltweit werden am häufigsten die Wünsche nach Gesundheit und Weltfrieden genannt. Lesen Sie diesen bewegenden Beitrag – gerne auch als Impuls für eine eigene Wunschliste – ab der Seite 18 ff. Vielleicht haben Sie ihn auch schon gesehen, den in gelb,

S.6

Die Initiative „Wohnen wagen!“ ��������������������������6-10 Die Bank – ein Politikum ������ 11-13

rosa, grün und schwarz bemalten Wohnwagen, der in den letzten Wochen verdächtig häufig auf öffentlichen Plätzen in der Kölner Innenstadt parkt. Das bunte Gefährt gehört zum Projekt „WOhnen WAgen!“, mit dem ein Bündnis aus Kölner Willkommensinitiativen, Technischer Hochschule, AStA, Mittwochsmalern, der evangelischen Kirchengemeinde Nippes auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Köln aufmerksam machen möchte – auch wir vom DRAUSSEN-

Interview mit Karl Kassing ���� 16-17 Gerd Bonse ��������������������������18

S.16

SEITER unterstützen das Projekt und haben ein Interview mit der Filmemacherin Vera Schöpfer geführt, die das Projekt mit betreut. Mit dieser gehaltvollen Ausgabe wünschen wir unseren Leserinnen und Lesern – auch im Namen der OASE – ein frohes Neues Jahr, Ihre

Christina Bacher

S.18

Straßenspezial: Wünsche wagen Verkäuferwünsche für 2017 ��� 18-21

Comic, Kolumne ���������������������������������������������������� 22 Buch-Tipps ���������������������������������������������������������� 23 Abo, Impressum ����������������������������������������������������24 Eintritt frei, Vorschau ����������������������������������������������� 25 Service: Adressen �����������������������������������������������26-27

Öffnungszeiten: OASE e.V. Kontakt- und Beratungsstelle Montag und Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr Dienstag und Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr Mittwoch: 13.00 – 16.00 Uhr 3


Aus den einrichtungen

Wallfahrt nach Rom

OASE gelegt. Eine sehr schöne Erinnerung. Seitdem fühle ich mich wie neu getauft.“

Renée, 42 „Ich mag auch den Kölner Dom. Aber den Petersdom so nah zu erleben mit seinen runden Kuppeln, fand ich sehr beeindruckend. Und der Trevi-Brunnen hat mir gut gefallen. Man hört ja immer, das Paris eine Reise Wert sei. Aber die ewige Stadt, das ist schon was. Da kommt man ja auch nicht so leicht hin. Des-

Renée fand den Petersdom mit seinen runden Kuppeln schon sehr beeindruckend. Foto: Sabrina Burbach

V

halb hab ich mich am freien Nachmit-

om 11. bis 13. November 2016 folgten

Schönsten fand

150 wohnungslose Männer und Frau-

ich das Forum

en aus dem Rheinland der Einladung

Romanum und

Rosie schüttelt Papst Franziskus die Hand. Foto: L’Osservatore Romano

tag auch nochmal von der Stadt verabschiedet. Bei der Audienz war es sehr voll. Der Papst ging in der Mitte zwischen uns durch und viele haben ver-

von Papst Franziskus nach Rom. Mit dabei:

das Kolosseum – und natürlich den Peters-

sucht, ihn noch zu berühren. Einen auffäl-

15 Personen von der katholischen Obdach-

dom. Der ist schon sehr beeindruckend,

ligen Mann mit Rauschebart hat der Papst

losenseelsorge „Gubbio“ in Köln unter der

wenn man direkt davor steht. Und dann

sogar geknuddelt. Ich fand es sehr bewe-

Leitung von Schwester Franziska und Bru-

kam die Audienz. Ich wusste anfangs gar

gend, wie er auf die Menschen zugegan-

der Markus. Unter ihnen befanden sich

nicht, dass ich dem Papst die Hand geben

gen ist. Ich kenne ihn ja nur von Bildern

auch DRAUSSENSEITER-Verkäuferin

darf. Wir haben alle etwa eine Stunde

und da sieht er immer sympathisch aus. Es

Rosie, die seit drei Jahren auf der Straße

lang gewartet und ich sollte ganz nach

war gut, ihn mal persönlich zu erleben,

lebt, und unsere freie Mitarbeiterin Renée.

vorne. Als er dann kam, war ich sehr

wenn auch nur kurz. Mein Highlight war

Erstere konnte dem Papst sogar die Hand

beeindruckt. Er ist ein menschlicher Papst,

die Messe am Sonntag. Wo der Papst am

schütteln. Beide waren von der Reise sehr

so zugänglich, finde ich. Ich habe ihm lie-

Fenster war und zu uns gesprochen hat.

begeistert. Insgesamt trafen sich über 5.000

be Grüße von allen Kölnern bestellt, also

Zwar auf Italienisch, aber wir haben ja

bedürftige Menschen aus ganz Europa im

aus Colonia. Er hat mich angelächelt und

die Übersetzung bekommen. Die schaue

Vatikan. Papst Franziskus empfing die

gesagt: „Bete für mich.“ Auf Deutsch. Ja,

ich mir in Ruhe nochmal an. Das Ganze

obdachlosen Pilger, die unweit vom Peters-

und das mache ich jetzt auch. Es gibt auch

war ein Geschenk. Ich bin so dankbar,

platz gemeinsam untergebracht waren,

ein Foto von diesem Moment. Das habe

dass ich mitfahren durfte.“

zunächst zu einer Audienz und feierte mit

ich erst mal in mein Schließfach in der

(sab)

Die von der französischen Vereinigung „Fratello“ organisierte Wallfahrt soll auf die Situation obdachloser Menschen in deutschen Städten hinweisen und ihr Leben am Rande der Gesellschaft stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen. Sie war die letzte große Veranstaltung im von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das am 20. November letzten Jahres endete.

Rosie, 55 „Die Reise war schön. Wir waren drei Tage dort, in einer Pilgerherberge in der Via Aurelia. Tagsüber haben wir uns selbst verpflegt. Abends gab es ein üppiges Essen. Wir haben auch viel besichtigt. Am

4

Verstärkung in der Oase:

Mona

Mein Name ist Mona Cramer, ich bin 20 Jahre alt und studiere im ersten Semester „Soziale Arbeit“ an der KatHO hier in Köln. Mein 20-tägiges Praktikum läuft neben meinem regulären Studium ab, von daher bin ich immer da, wenn ich Zeit zwischen Uni und Lernen finde. Meistens verteile ich fleißig die Post an diejenigen, die ihre Adressverwaltung in der OASE haben, oder ich springe im Offenen Treff ein, wo es täglich eine warme Mahlzeit gibt. Ich freu mich jedes Mal, meine Zeit mit den Besuchern der OASE zu teilen.

Foto: Christina Bacher

ihnen zum Abschluss einen Gottesdienst.


Aus den einrichtungen

“ s a l t A r d n i t i n r „Luu Jemönk ersingt 900 Euro zugunsten der OASE

Die Kölner Jecken sind auf Initiative von Piranha-Wirt Lutz Nagrotzki erstmals sogar mit einem ganzen Bus nach Gemünd gereist – die Einheimischen warteten bereits im gemütlichen Haus Dahmen bei Kölsch und Schnitzelbrötchen: Pünktlich um 17 Uhr startete am 27.11.2016 die Kult-Veranstaltung „Jemönk sing met“ mit den alten und neuen Liedern der Session. In Kooperation mit „Loss mer singe“ moderierte der DJ der Herzen Harald van Bonn die Veranstaltung. Erst nach getaner „Arbeit“ und nach Auszählung der Stimmen (Gewinner: Querbeat mit „Dä Plan“ ganz knapp vor

Miljös „Wolkeplatz“), gab es dann für alle noch eine fette Belohnung: Die Band Cöllner heizte mit ihren Liedern ein, als Überraschungsgast kam Stephan Brings mit politischen Statements und ein paar Gänsehaut-BRINGS-Klassikern auf die Bühne. Den krönenden Abschluss machten schließlich die Mädels von Pläsier, währenddessen für die OASE ein roter Spenden-Hut herumging. Und da alle Künstler an diesem Abend auf ihr Honorar verzichtet haben und das Gerücht gestreut wurde, in der OASE habe man eine „Nickelallergie“, kamen sage und schreibe

hallo liebe Freunde,

chen niemand zu nahe kommt, der es

neues Jahr, neues Glück, sagt man ja so.

ganz entspannend. Im Winter, wenn wir

Obwohl, 2016 war auch schön. Ich

nicht so oft in den Entenpark gehen kön-

war viel mit Frauchen unterwegs. Am Wichtigsten ist mir aber, dass wir zusam-

le Suchspiele. Dafür habe ich ja meinen Schnüffelteppich

vester. Nur das mit dem

Frauchen die Leckerlis drin

immer verdammt laut. Macht mir richtig Angst. Frauchen sitzt dann mit mir auf der

HOLEN SIE

nen, machen wir zu Hause auch vie-

bekommen. Da versteckt

nicht verstanden. Das ist

Fast ein Heimspiel: Stephan Brings mit dem Wirt vom Haus Dah men

nicht soll. Aber sonst ist so ein Rundgang

men sind. Auch an SilKnallen habe ich noch

900 Euro zusammen – weitestgehend in Scheinen. Wir sagen DANKE, auch für den Ohrwurm: „Luur nit in dr Atlas, un drieß op dinge Kompass, denn mir sin ohne Zweifel medden en d'r Eifel!“ (cb)

und ich muss sie suchen. Tolle Sache! Wenn mein Bauch mir wieder Probleme macht oder ich spucken muss, tröstet mich Frauchen. Sie soll sich aber nicht so

Couch, der Fernseher ist ganz laut und wir

viele Sorgen machen. Das versuche ich ihr

haben die Rollos unten, damit ich nix von

zu sagen. Das mit dem Kommunizieren

dem Rabatz draußen mitkriege. Hör’ ich

zwischen Zwei- und Vierbeinern ist aber

natürlich trotzdem. Bin jedes Jahr froh,

nicht so leicht. Da kommt schon mal was

wenn wieder Ruhe ist. Vielen Hundekum-

anderes an, als es soll … Manches klappt

pels geht es genauso. Vielleicht kommt es

aber gut. Wenn ich spielen will, knurre ich

auch daher, dass mal jemand so ’nen Knal-

Frauchen leise an. Oft, wenn sie auf der

ler auf mich geworfen hat. Aber jetzt geht

Couch liegt und Fernsehen schaut. Wenn

ja zum Glück erst mal wieder alles normal

sie viel zu tun hat, muss ich halt dafür sor-

weiter. Zeit für Alltagsdinge. Eine Stadt-

gen, dass sie Zeit für mich hat. Jedenfalls

führung mit Frauchen zum Beispiel. Die

bin ich gespannt, was dieses Jahr alles pas-

ist immer super. Natürlich mache ich da

siert. In diesem Sinn, ein frohes Neues mit

auch meinen Job: aufpassen, dass Frau-

vielen Kuscheleinheiten! Euer Clayd

Hallo, ich bin Clayd aus Rumänien. Von dort bin ich mit einem halben Jahr zu meinem Frauchen, der Draussenseiter-Verkäuferin Kölsche Linda, gezogen. In meiner Kolumne erzähle ich euch, wie mein Alltag so aussieht, und was ich alles erlebe. Foto: Kölsche Linda

lll

DIESES MAGATRZAINSSE.

VON DER S

Kölns ältestes Straßenmagazin. Jeden Monat neu.

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Fotos: Daniel Steh

ein. Die Cöllner heizten

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der öffentliche raum

Anna Prieß (li.) von „Willkommen in Nippes“ und Monika Wilke von der „Willkommensinitiative im Rheinbogen“ (früher „WiSü – Willkommen in Sürth“).

Raum zum Leben von Sabrina Burbach

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der öffentliche raum

Vor der grauen Kulisse des Rodenkirchener Rathauses fällt er sofort ins Auge: Ein in Gelb, Rosa, Grün und Schwarz bemalter Wohnwagen, der direkt neben dem Eingang parkt und als Farbtupfer die Blicke der vorbeihastenden Menschen auf sich zieht. Das ist durchaus gewollt. Denn das bunte Gefährt gehört zum Projekt „WOHNEN WAGEN!“, mit dem ein Bündnis aus Kölner Willkommensinitiativen, Technischer Hochschule, AStA, Mittwochsmalern, der Evangelischen Kirchengemeinde Nippes u. v. a. auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Köln aufmerksam machen möchte. DRAUSSENSEITER sprach mit Vera Schöpfer, die das Projekt mit koordiniert, über die Schwierigkeit, für jeden eine bezahlbare Wohnung in Köln zu schaffen, und wie man sie überwinden könnte.

Zur Auftaktveranstaltung konnten sich die Menschen auf dem Rudolfplatz über die Aktion informieren. Foto: Marie Breer.

DRAUSSENSEITER: Was gab den Anstoß zum

Vera Schöpfer: Ja, genau. Nach der Umfra-

Projekt „WOHNEN WAGEN!“?

ge haben sich ein paar Initiativen im

Vera Schöpfer: Es gibt seit etwa eineinhalb

Forum für Willkommenskultur getroffen.

Jahren einen Arbeitskreis „Politik“ der

Das wird von der Freiwilligenagentur und

Willkommensinitiativen. Dort haben wir

vom Flüchtlingsrat organisiert. Da ent-

uns immer schon viele Gedanken um die

stand dann auch die Idee, einen Wohnwa-

Unterbringung gemacht, vor allem von

gen zu holen. Damit man einen Ort hat.

Geflüchteten. Letzten Sommer haben wir

Ein Wiedererkennungsmerkmal. Uns war

dann unter den Willkommensinitiativen

eine öffentliche Aktion auch deshalb wich-

eine Umfrage gestartet. Wir wollten wis-

tig, weil das Problem der Wohnungsnot ja

sen, wie aus ihrer Sicht die Unterbrin-

nicht erst durch die Geflüchteten entstan-

gungssituation in den Hallen ist, vor allem

den ist. Dass sie in diesen Hallen leben

in den Turnhallen. Wie ist die Betreuungs-

müssen, liegt generell an der angespann-

situation, wie geht es den Leuten da?

ten Wohnungssituation in Köln. Die Stadt

Unser Fazit war, dass die Großunterbrin-

ist ja jetzt nicht aus Böswilligkeit auf die-

Studenten, Familien mit niedrigem Ein-

gungen teils zu rechtsfreien Räumen wer-

se Hallen ausgewichen. Aber dass es nicht

kommen oder Rentner. Und weil ich

den. Das ist kein Flüchtlingsproblem:

genug günstigen Wohnraum gibt, hat

gemerkt habe, und ich glaube es geht vie-

Sperr’ mal 200 junge deutsche Männer

Gründe. Das ist unserer Ansicht nach

len in den Willkommensinitiativen so, dass

über Monate in eine Halle, zum Nichtstun

hausgemacht aus den letzten 20 Jahren.

es nicht immer so sein sollte „hier die

verdammt. Da möchte ich sehen, was da

Und da sind wir nicht die einzige Initiati-

Flüchtlinge, da der Rest der Gesellschaft“.

abgeht. Und wenn das Personal nicht die

ve, die fordert, dass wieder mehr in sozia-

Sie werden oft für soziale Probleme ver-

Sprache der Menschen spricht, wird das

len Wohnungsbau investiert werden soll.

antwortlich gemacht, egal ob es Schulplätze sind oder um Wohnraum geht. Und in

Aufstellen von Regeln schwierig. Da ist es bei Konflikten schwer nachzuvollziehen,

DRAUSSENSEITER: Eure Aktion bezieht sich

dem Fall, wo es um gering bezahlte

wer wie daran beteiligt war. Wenn schon

nicht nur auf Flüchtlinge, sondern schließt

Arbeitsplätze geht, treten sie auf einmal in

Halle, dann bitte mit genügend kompe-

alle ein, die sich den „Luxus-Wohnraum“

Konkurrenz mit denen, die vielleicht spe-

tentem Betreuungspersonal.

aktuell nicht leisten können. Wie kam es,

zielle AfD-Wähler sind und wo wir gesagt

dass ihr die Idee ausgeweitet habt?

haben, das ist ein gesamtgesellschaftliches

DRAUSSENSEITER: Über die Turnhallen, in

Vera Schöpfer: Weil wir das gesellschaft-

Problem. Wir sind jetzt kein neues Ventil

denen Geflüchtete untergebracht werden,

lich so sehen. Die Wohnungsnot betrifft

für diese Menschen, aber wir wollen zei-

kamt ihr dann zum Wohnwagen, mit dem ihr

nicht nur geflüchtete Menschen, sondern

gen, es ist nicht das Problem der Geflüch-

seit Herbst durch die Kölner Stadtviertel zieht.

auch alleinerziehende Mütter und Väter,

teten, sondern das Problem besteht schon

7


Tradition der öffentliche raum

Daten zum Wohnungsbau 2016 Wohnungsbau in NRW: Von Januar bis September 2016 haben die Bauämter im Land NRW knapp 50.000 Wohnungen genehmigt – das sind 31 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Wohnungsbau in Köln: Die Domstadt liegt mit einem Plus von 24 Prozent, etwa 2.900 genehmigten Wohnungen, unter dem Landesdurchschnitt. Insgesamt fehlen schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Wohnungen. Köln will als attraktive Metropole weiter wachsen. Im Jahr 2030 sollen in der Stadt über 1.050.000 Menschen wohnen. Problem Nr. 1: Für neue Wohnungen fehlt es an Platz. Lösungsansätze: Es gibt ein Konzept der Stadtverwaltung mit Vorschlägen für

müssen. Sie haben also gar keine Chance, sich ein eigenes Zuhause zu bauen. Gleichzeitig hat der Rentner den Luxus, sein Heim einfach mitzunehmen.

verdichtete Bebauung. Es findet sich aber noch keine Mehrheiten für neue Baugebiete. Vor allem fehlt es an günstigen Wohnungen. Deshalb verpflichtet Köln Bauherren, mindestens 30 Prozent einer Immobilie für Sozialwohnungen vorzusehen.

DRAUSSENSEITER: Du hast bei Willkommen-

Wohnberechtigungsschein:

im Gedächtnis geblieben ist?

In Köln hat gut die Hälfte der Bewohner ein Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein (WBS). Wer einen Wohnberechtigungsschein bekommt, hängt von der Höhe des Einkommens ab. Der WBS ist jeweils 12 Monate gültig. Mehr Informationen: www.stadt-koeln.de/service/produkt/wohnberechtigungsschein-wbs

sinitiativen selbst mitgemacht. Erinnerst du dich da an ein bestimmtes Erlebnis, das dir Vera Schöpfer: Eigentlich passiert das ständig. Auf der einen Seite, weil man merkt, wenn man mit diesen Menschen zu tun hat, wie viel Not da ist und wie viel Hilfe sie brauchen. Auf der anderen Seite merke ich, wie sehr viele von denen, die ich kennen gelernt habe, wirklich wollen.

Studenten, Familien mit niedrigem Einkom-

DRAUSSENSEITER: Eben sagte mir jemand

Ankommen wollen. Hier ein Leben begin-

men oder Rentner. Und weil wir gemerkt

am Wohnmobil, dass er den Wohnwagen

nen wollen. Was ihnen aber ganz oft auch

haben, und ich glaube es geht vielen in den

eher spießig findet, weil er damit auch

dadurch verwehrt wird, dass sie als Flücht-

Willkommensinitiativen so, dass es nicht

Rentner verbindet, die damit in Urlaub

linge nicht anerkannt sind oder eben in

immer so sein sollte „hier die Flüchtlinge,

fahren. Eine ganz andere Bedeutungsebe-

den Hallen feststecken.

da der Rest der Gesellschaft“. Sie werden oft

ne. Ist das gewollt?

für soziale Probleme verantwortlich

Vera Schöpfer: Ich finde das ganz witzig,

DRAUSSENSEITER: Welche Ideen schlagt ihr

gemacht, egal ob es Schulplätze sind oder

weil man natürlich mit dem Bild auch

der Stadt vor, um mehr günstigen Wohn-

um Wohnraum geht. Und in dem Fall, wo

spielen kann. Ich nehme mir mein Zuhau-

raum zu schaffen? Das meiste wird doch

es um gering bezahlte Arbeitsplätze geht,

se und trage es irgendwo anders hin. Das

wahrscheinlich mit der Begründung „Res-

treten sie auf einmal in Konkurrenz mit

ist ja ein Gefühl, was Geflüchtete vielleicht

sourcenknappheit“ abgeschmettert und

denen, die auch wenig haben und wo wir

auch gerne hier hätten, was ihnen aber

damit, dass die Investoren sich dann aus

gesagt haben, das ist ein gesamtgesellschaft-

dadurch völlig unmöglich gemacht wird,

Köln zurückziehen, wenn sie keine lukrativen

liches Problem.

dass sie in solchen Unterkünften hausen

Geschäfte mehr wittern, oder?

DRAUSSENSEITER: Bisher wart ihr mit eurem Wagen u.a. auf dem Rudolfplatz, in Nippes und in Rodenkirchen. Jedes Mal begleitet von anderen Aktionen. In Rodenkirchen gab es zum Beispiel zeitgleich im Rathaus eine Ausstellung mit Portraits, die die Fotografin Ulrike Fackert von einigen Bewohnern der Turnhalle in der Mainstraße gemacht hat. Je nach Veedel kann man den Wagen also anders nutzen? Vera Schöpfer: Wir sehen den Wagen so ein bisschen als Hülle oder Ort. Was mit ihm gemacht wird, wie er genutzt wird, ob er nur Mahnmal sein soll oder Werkstatt oder Treffpunkt … Wir fanden wichtig, dass er als Symbol für öffentlich wirksame Sachen nutzbar ist.

Einer für alle: Der Wohnwagen dient der Wiedererkennung, ist Treffpunkt, Ausstellungsort, Werkstatt und Obdach – je nachdem, wer ihn gerade nutzt.

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der öffentliche Tradition raum

Muhadisa Khawavi (14) und ihr Bruder Sayid Farzad kommen aus Afghanistan und leben seit einem Jahr in der Turnhalle in der Mainstraße. Sie suchen eine Wohnung für ihre 6-köpfige Familie.

Vera Schöpfer: Ja, aber deswegen sagen

Stadt und Land zusammengehen. Hier in

gesagt, Turnhallen gehen nicht über einen

wir, wir brauchen wieder eine Gemeinnüt-

NRW wird das regelmäßig abgeschmet-

so langen Zeitraum und wenn die Leute in

zigkeit für die Genossenschaften. Die ist

tert, weil man sagt, es sei ein Kölner Pro-

eine Leichtbauhalle in Ostheim kommen,

ja in den 1990er Jahren in Deutschland

blem. Sonst gäbe es sowas nicht. Warum

wo sie noch nicht mal das soziale Gefüge

abgeschafft worden. Da wird mittlerweile

sollte man dann so einen, ich sag‘ jetzt

eines Stadtteils haben, wird es noch schlim-

viel zurückgerudert, weil sie gemerkt

mal, unbeliebten Vorstoß machen?

mer. Dann sind sie ausgelagert und sich völlig alleine überlassen. Die Tendenz ist

haben, es ist nicht unbedingt gut. Aber da die Leute, die das betrifft, keine Lobby

DRAUSSENSEITER: Wem habt ihr eure Ideen

zwar immer noch, dass die Unterbringung

haben, machen wir das. Auch wenn man

schon präsentiert?

in die Außenbezirke, Gewerbegebiete und

nicht weiß, ob man gehört wird. Aber wir

Vera Schöpfer: Im Juni hatten wir ein

ehemalige Baumärkte geht. Es gibt aber

haben es wenigstens versucht. Zu unserem

Gespräch mit dem Wohnungsamt und dem

auch einen Vorstoß, dass etwa 750 Wohnun-

Vorschlag der Umnutzung von leer stehen-

Flüchtlingskoordinator, bei dem es erst mal

gen neu gebaut werden, von denen auch

dem Büro- und Gewerbebau gibt es sogar

nur um die Hallen ging. Wir haben Verbes-

ein Teil für Geflüchtete und für sozialen

schon Beispiele. Hamburg und Bremen

serungsvorschläge gemacht – alleine an der

Wohnungsbau geplant ist. Aber das sind

beschlagnahmen bereits leer stehende

akuten Situation der Unterbringung.

natürlich immer noch viel zu wenige.

Wohnungen für Flüchtlinge. Das war nach

Damals waren noch mehr Leichtbauhallen

einem längeren Prozess dort möglich.

im Gespräch. Da hat dann aber die Stadt-

DRAUSSENSEITER: Wie lange möchtet ihr

Aber sowas muss vom Land beschlossen

verwaltung gemerkt, dass die ziemlich teu-

den Wohnwagen noch auf Wanderschaft

werden. Und beide haben den Vorteil, dass

er sind und ist umgeschwenkt. Wir haben

schicken?

9


Tradition der öffentliche raum

Kämpft für soziales Wohnen in Köln: Vera Schöpfer.

das Thema Wohnen bewegt, kann sich Akti-

hab ich nichts dazu getan. Aber warum soll-

onen überlegen. Es heißt ja immer lapidar

te ich es dadurch besser haben als andere?

„Tja, es sind ja keine Wohnungen da!“ als

Ich habe in meinem Leben erst in vier ver-

ob das so gottgegeben wäre und das einfach

schiedenen Wohnungen gelebt. Eine davon

eine Tatsache in Köln ist, wogegen niemand

war mein Elternhaus. Und zwei weitere habe

etwas machen könne. Und das ist unserer

ich über Freunde oder Verwandte in Köln

Meinung nach einfach nicht wahr. Darauf

vermittelt bekommen. Er hat in seinem

möchten wir aufmerksam machen. Und

Leben in mindestens 16 Wohnungen ge-

darauf, dass es nicht so ist, dass Geflüchtete

wohnt. In Damaskus, in einer anderen syri-

daran schuld sind, dass Turnhallen nicht für

schen Stadt, in Abu Dhabi, Dubai, Athen,

den Schulsport offen sind. Sondern dass

Belgrad, Iserlohn, Dortmund, Köln – ich habe

eigentlich alle zusammenhalten und dafür

bestimmt irgendwas vergessen. Klar weiß ich,

streiten sollten, dass man in Köln wieder

dass man es nie ganz gerecht machen kann.

„normal“ wohnen kann.

Aber meiner Meinung nach könnte es gerechter gehen, als es gerade der Fall ist.

Vera Schöpfer: Das ist offen. Kommt darauf an wie sich das Ganze entwickelt. Ende Janu-

DRAUSSENSEITER: Wenn du nicht für „WOH-

ar machen wir zum Beispiel was zum Jah-

NEN WAGEN!“ unterwegs bist, arbeitest du

DRAUSSENSEITER: Vielen Dank und viel

restag der Befreiung des KZ Auschwitz, zum

als Filmpädagogin und machst Dokumentar-

Erfolg mit eurem Projekt.

Thema Heimatlosigkeit. Ich kann mir auch

filme mit Jugendlichen. Worin besteht deine

vorstellen, dass man im Sommer einfach mal

persönliche Motivation, bei dem Projekt mit-

ein Fest organisiert, oder sich, wenn jetzt

zumachen?

Wohnproblematiken im Rat besprochen

Vera Schöpfer: Meine Motivation ist – das

werden, mal vors Rathaus stellt.

klingt jetzt so groß – für eine gerechtere Gesellschaft zu kämpfen. Ich habe die Auf-

DRAUSSENSEITER: Euer Projekt wird ja kom-

taktveranstaltung zu „WOHNEN WAGEN!“

plett ehrenamtlich gestemmt. Da steckt

mit einem syrischen Journalisten zusammen

sicher viel Herzblut drin und vor allem viel

moderiert, und wir haben damit angefan-

Arbeit. Was wünscht ihr euch von den Leuten,

gen, dass wir beschrieben haben, wie wir

die zu eurem Wagen kommen?

bisher gewohnt haben. Und ich habe einfach

Vera Schöpfer: Dass sie offen sind für unse-

das Glück in Köln geboren zu sein. Ich muss-

re Ideen und Vorschläge und vielleicht

te hier nie weg. Bin nicht vertrieben worden.

sogar Lust haben mitzumachen. Jeder, den

Weder durch Armut noch durch Krieg. Da

Menschen sensibilisieren: Seit November 2015 ist die Turnhalle in der Rodenkirchener Mainstraße Notunterkunft für 200 Geflüchtete. Die Liegen stehen im Abstand von 50 Zentimetern nebeneinander, wie die Aktion zeigt.

10

lll

Aktionen „WOHNEN WAGEN!“

Wer wagt was 2017? Plenum und Informationen für Neuinteressierte: 10. Januar 2017 um 19 Uhr am Rathenauplatz 30 Heimatlos? „WOHNEN WAGEN!“ zu Gast bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus 26. Januar 2017 ab 18 Uhr AntoniterCityKirche, Schildergasse Mehr Informationen zum Projekt und weiteren Terminen unter: https://wohnen-wagen.de

Auf der Suche: Die Aussichten, in Köln eine bezahlbare Wohnung zu finden, stehen für viele schlecht.


der öffentliche raum

Kommentar zum Thema: Wem gehört der öffentliche Raum?

Fotos: Jens Hüttenberger

Die Bank – ein Politikum B

änke werden immer stärker Gegen-

meln lassen“ kann. In der Wahrnehmung

„Wo wohnst du … da kannst du die Bank

stand von politischen und gesell-

vieler Menschen sind sie Sammelplätze

ja hinstellen. Die pissen und kacken über-

schaftlichen Diskussionen. Die Rede

für Obdachlose und Alkoholiker. Die Emo-

all hin … und machen abends und nachts

ist nicht von Geschäftsbanken, die spätes-

tionen kochen schon mal hoch. So ent-

Krawall.“ Die Diskussion endete in der

tens seit der Finanzkrise 2008 in aller Mun-

brannte in Facebook eine Diskussion um

Forderung: „wird Zeit, dass da mal aufge-

de sind, nein, die Rede ist von der gemei-

eine Bank auf der Deutzer Freiheit, die

räumt wird.“ Ähnliche Diskussionen fin-

nen Sitzbank. Denn: Banken sind Symbo-

von der Stadt wegen einer Werbetafel

den sich in Frankfurt, Berlin oder auch in

le des öffentlichen Raums geworden.

abgebaut wurde. „Gott sei Dank ist sie

London.

Wenn die Stadt Köln auf ihrer Website

weg“, war die erste Reaktion. „Nur Suff

Um was geht es? Im Prinzip um zwei

schreibt, Köln sei eine gewachsene, leben-

und Krawall“, die Ergänzung. Ein Dritter

Fragen – erstens: Wem gehört der öffent-

dige Stadt, und der öffentliche Raum stel-

meinte: „Da, wo ich wohnte, kosteten die

liche Raum? Und zweitens: In was für

le die Bühne für das bunte öffentliche

Wohnungen bis 1300 Euro. Und dann nur

einer Gesellschaft wollen wir leben? In der

Leben dar, so ist die Sitzbank die Empore.

Dreck und Fäkalien! An die Gutmenschen

idealisierten Vorstellung gehört der

In Broschüren werden Bänke gerne als

hier: dann nehmt die Obdachlosen doch

öffentliche Raum allen: Jung und Alt,

Orte des nachbarschaftlichen Plauschs

zu euch, aber da hört eure Menschlichkeit

Reich und Arm, Underdogs und Etablier-

gepriesen, als Ruheoasen, auf denen man

auf!“ Als eine Anwohnerin die Obdachlo-

ten. Dies ist allerdings eine Illusion. Bernd

ein gutes Buch lesen oder die „Seele bau-

sen verteidigte, erhielt sie zur Antwort:

Belina, Professor für Humangeografie,

11


der Ăśffentliche raum

DiskussionswĂźrdige Leerstelle: Hier befand sich eine Bank, die eine wilde Debatte auf Facebook entfachte.

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der öffentliche raum

schrieb in der Frankfurter Rundschau vom

tet eine gute Überleitung zur zweiten

Angst vor Ansteckung dahinter. Doch ers-

23.09.16 zu einer ähnlichen Debatte:

Frage: In was für einer Gesellschaft wollen

tens haben Obdachlose keine verschlosse-

„Gerade in reichen Städten wird versucht,

wir leben? Um es für Kölner provokant zu

nen Türen, hinter denen sie sich zurück-

Armut unsichtbar zu machen. … Der

sagen: Fastelovend und Alkoholismus sind

ziehen können. Und zweitens suchen

öffentliche Raum ist noch nie allen

Geschwister. Wir leben in einer alkoholi-

Suchtkranke den Kontakt zu anderen

zugänglich gewesen“. Randgruppen wie

sierten Gesellschaft. In Köln wird zudem

Menschen. Sie wollen Teil des städtischen

Obdachlose, Alkoholiker und Flüchtlinge

ein Kult um sein Bier betrieben. Solange

Lebens sein. Arbeitslose organisieren

würden als Störung empfunden und soll-

Alkohol einen hohen gesellschaftlichen

durch diese Treffen ihren Alltag. Sie geben

ten aus diesem verschwinden. Beispiele

Stellenwert besitzt, solange muss diese

ihnen Halt. Plätze wie der Neumarkt oder

für die These finden sich viele. So versucht

Gesellschaft mit den Folgen umgehen.

die Deutzer Freiheit dienen dabei als zen-

die Stadt Köln Prostituierte, Suchtkranke

Menschen erkranken am Alkohol. Es gibt

trale Treffpunkte. Dies hat einerseits prak-

und Obdachlose von zentralen Orten zu

mittlerweile zahlreiche Studien, die zei-

tische Gründe, da diese Orte leicht erreich-

entfernen, wie die Prostituierten vom

gen, dass Alkoholismus sowohl von gene-

bar sind, andererseits gewachsene. So

Eigelstein oder die Alkoholiker von der

tischen als auch sozialen Dispositionen

befindet sich in der Nähe des Neumarkts

Bahnhaltestelle Poststraße. Die Bahnhal-

abhängt. Die Krankheit hat nichts mit

eine Methadon-Ausgabestelle.

testellen wurden mit Sitzschalen ausge-

persönlichen Schwächen zu tun, eine Hei-

Wenn der öffentliche Raum die Bühne

rüstet, damit sich ja kein Obdachloser auf

lung ist äußerst schwierig. Im Prinzip kann

für das bunte Leben Kölns darstellt, gehö-

eine Bank legen kann. In der Fußgänger-

jeder daran erkranken. Ergo: Wer keine

ren zu dieser Bühne auch Alkoholiker,

zone werden Lüftungsschächte einge-

Alkoholiker im Stadtbild sehen will, der

Obdachlose und andere Randgruppen.

zäunt oder wie in London mit Stacheln

muss in letzter Konsequenz eine abstinen-

Eine Stadt ist keine Blumenwiese und die

versehen, als ob Obdachlose lästige Tau-

te Gesellschaft fordern. Und ich denke, das

Kategorie „bunt“ besteht nicht nur aus

ben wären. Die Stadtverwaltung bedient

wollen die wenigstens.

rosa, hellblau, gelb und grün, sondern

damit diffuse Ängste der Bewohner, die

Ein Einwand lautet: Ja, ich habe ja

auch aus vielen dunklen Blau- und Grautö-

sich von diesen Personen belästigt fühlen.

nichts gegen Obdachlose, aber sie sollten

nen. Es gibt in Köln genügend Bänke, um

Das bunte Bild der Stadt soll geprägt sein

sich nicht da aufhalten, wo Kinder oder

einen nachbarschaftlichen Plausch zu

von der viel besungenen Toleranz, der

ältere Menschen sind. Der Gedanke, es

halten oder ein Buch zu lesen. Toleranz,

Party- und Kultur-Hochburg, „Jeck im Sun-

mag Armut geben, aber bitte nicht in mei-

angeblich in der DNA Kölns verankert,

nesching“ und Fastelovend. Karneval bie-

nem Sichtfeld. Häufig steckt eine Art

fängt beim Umgang mit Bänken an. Jens Hüttenberger

13


bonse

Clemens-Josef-Haus

Willkommen im Clemens-Josesf-Haus auf dem Vellerhof, einem Fernab der „Straße“ sind die Menschen hier gern gesehene Gäshistorischen Gehöft inmitten eines Naturschutzgebietes, auf dem te, die auf dem Gelände des Clemens-Josef-Hauses auf ihrem ganz heute hilfebedürftige Menschen leben, wohnen und arbeiten. persönlichen Weg begleitet werden. Clemens-Josef-Haus I Altenwohn- & Pflegeheim und stat. Einrichtungen der Gefährdetenhilfe · Vellerhof 1 · 53945 Blankenheim Gefährdetenhilfe: 0 26 97 . 91 00 16 · Altenwohn- & Pflegeheim: 0 26 97 . 91 00 25 · www.vellerhof.de

Wohnungslosenhilfe Station machen I zur Ruhe kommen

Übernachtung I Aufnahme I Wiedereinstiegshilfe I Lebenshilfe I Langzeitwohnen

Arbeiten

Qualifizierung erwerben I Selbstwertgefühl erleben Beschäftigung I Ausbildung I Arbeitstraining I Qualifizierung I Arbeitsvermittlung

Pflegewohnheim

begleiten und fördern I beraten und anleiten

Pflege & Betreuung I Lebenszufriedenheit I Wohlbefinden I Menschlichkeit I Zu Hause

14


gerd bonse

Lyndon Owen (links) und José Manuel Calvo Der inzwischen 60-jährige José stammt von den Kanaren (Teneriffa) und tourt wieder einmal durch Europa, mit Zwischenstation Köln. Eines Tages hatte José genug von seinem gut bezahlten Job für Solaranlagen. Er verließ seine Frau und seine beiden Söhne (heute 27 und 38 Jahre alt) und tingelte als überwiegend obdachloser Bettler durchs Land. Vor 13 Jahren traf er dann in Granada den Waliser Lyndon Owen, der als IT-Spezialist in London gutes Geld verdient, sich aber irgendwann für die Straße entschieden hatte. Inzwischen touren sie überwiegend zusammen. Sie sind Bettler des 21. Jahrhunderts und haben natürlich eine eigene Internetseite: lazybeggers.com. Die Pappschilder haben sie schon viele Jahre dabei. Viele Passanten bleiben stehen und lächeln. „Das Lächeln ist Ihnen doch sicher einen Euro wert?“ José ist dabei sehr charmant und viele Münzen sind die Antwort auf seine Frage. Den Preis für das Foto konnte ich natürlich zügig herunterhandeln, versprach aber dafür dieses an ihre Internetadresse zu schicken. Wo es beide Bettler demnächst hinzieht? Sie lassen sich überraschen. Foto und Text: Gerd Bonse

15


Interview

handeln. Da gibt es das Thema Liebe, ein Drama über den Tod, zwei scherzhafte Geschichten vom Teufel und etwas über Gott. Dann kam mir die Idee, die Themen als kleine rhythmische Gedichtzeile zu formulieren. Wenn sie sich den Umschlag anschauen, steht das Wort „Mensch“ in der Mitte und um es herum befinden sich die Kräfte, die auf den Menschen wirken: Liebe, Tod, Teufel und am Ende Gott. Ich finde, wenn man überhaupt von Gott redet, sollte man das zum Schluss tun. Ich Karl Josef Kassing bei einem Besuch unserer DRAUSSENSEITERRedaktionssitzung in der OASE.

bin eigentlich nicht fromm. Aber ich beschäftige mich intensiv mit theologischen Fragen – in allen meinen Büchern. Draussenseiter: Neben Ihrer Begeisterung

Gedanken in Versform

für Sprache und Schreiben engagieren Sie

Text und Foto: Sabrina Burbach

sation mondiale e.V. oder für die OASE. Was

K

Karl J. Kassing: Mir geht es gut, ich habe

spiel für die Frauenrechts- und Hilfsorganimotiviert Sie dazu?

arl Josef Kassing schreibt seit seiner

immer genau notiert. Bild, Inhalt und

keine Geldsorgen. Als ich jung war, konnte

Studienzeit. Am liebsten Lyrik und

Klang mussten exakt zusammenpassen,

ich mir den Beruf und die Universität aus-

kürzere, epische Texte. Fünf Bücher

damit ich mit einem Gedicht zufrieden war.

suchen. Ich war privilegiert, muss ich im Rückblick sagen. Ohne, dass ich etwas dafür

hat er bereits mit seinen pointierten Versen und Geschichten gefüllt – teils amüsant,

Draussenseiter: In Ihrem neuen Buch fin-

getan habe. Da habe ich immer das Gefühl,

teils ernst. Mit 80 Jahren hat der pensio-

den sich Anlehnungen an Märchen, Fabeln,

ein schlechtes Gewissen wäre zuviel gesagt,

nierte Lehrer nun sein sechstes Buch voll-

Joachim Ringelnatz. Außerdem bringen Sie

aber es gibt viele Leute, denen es schlechter

endet, das gleichzeitig den Beginn einer

eigene Erinnerungen an Ihr Leben in Hülch-

geht, ohne dass sie es selbst verschuldet

Reihe mit seinen gesammelten Werken

rath und Köln mit ein. Das klingt, als fänden

haben. Da habe ich mir gedacht, wenn du

bildet. Dem DRAUSSENSEITER erzählte

Sie überall Inspiration.

was übrig hast, kannst du ruhig was abge-

der Sprachkünstler von seinen Erinnerun-

Karl J. Kassing: Ich bin ein Augenmensch.

ben. Das ist besser, als das Geld auf die Bank

gen an Köln, seiner Liebe für Lyrik und von

Einige Ideen bekomme ich durch Spazier-

zu bringen. Ich bin letztes Jahr 80 Jahre alt

seinem gesellschaftlichen Engagement.

gänge. Der Ausblick von der Deutzer Sei-

geworden, wozu soll ich mein Geld noch

te rheinaufwärts ist einer meiner Liebsten;

anlegen. Deshalb überweise ich lieber ab

Draussenseiter: Sie haben 30 Jahre lang

mit der eleganten Autobahnbrücke und

und an etwas für gute Zwecke. Da habe ich

als Deutsch- und Lateinlehrer am Erzbi-

dahinter, genau in der Wölbung, sieht man

dann das Gefühl, damit geschieht Gutes.

schöflichen Abendgymnasium in Neuss

das Siebengebirge, wenn klares Wetter ist.

gearbeitet und sich fast ihr ganzes Leben

Das ist einer der schönsten Ausblicke, die

lang mit Sprache beschäftigt. Aber wie sind

Köln zu bieten hat. Aber wissen Sie, was

Sie zum Schreiben gekommen?

meine älteste Erinnerung an Köln ist? Wir

Karl J. Kassing: Angefangen habe ich als

sind damals im Hauptbahnhof entlaust

Schüler. Ernsthaft ging es los, als ich in Köln

worden. Das muss 1945 gewesen sein. Das

studiert habe. Ich habe mir in den Kölner

hat sich mir wirklich eingeprägt.

Kneipen Skizzen gemacht und sie später

16

sich mit Spenden für gute Zwecke. Zum Bei-

verarbeitet. Am besten gefallen mir knap-

Draussenseiter: Wie entstand der Titel des

pe, strenge Textformen, wie etwa lateini-

Buches?

sche Lyrik oder japanische Haikus. Früher

Karl J. Kassing: Ich habe Texte zusammen-

habe ich mir deshalb Zeilen und Rhythmus

gestellt und mir überlegt, wovon sie genau

lll

über das buch

„Von Liebe und Tod, Mensch, Teufel und Gott“ ist der erste Band der gesammelten Werke von Karl Josef Kassing (80), herausgegeben vom Fohrmann*Verlag (2016). Es enthält Gedichte und Erzählungen, mal heiter oder ernst, mal weltlich oder religiös erzählt. Jeder Text spiegelt die Gedanken des Autors wieder, über das menschliche Leben an sich und die Suche nach dem Sinn – über den Tod hinaus. 120 Seiten, ISBN 978-3-9810580-7-9, € 12,90


Gedicht

Kölner Dom

Warum zwei Türme? Hätte nicht einer genügt? Ein Turm sagt „ich“, zwei sagen „wir“!

Karl Josef Kassing

17


Wünsche wagen

Was wird

2017?

Von den Straßen von Thessaloniki bis zum Zentrum von Dallas erwirtschafteten sich 2016 mehr als 27.000 obdachlose und arbeitslose Menschen durch den Verkauf ihrer lokalen Straßenzeitungen ein kleines Zubrot. Wir veröffentlichen ihre Hoffnungen und Ängste für 2017 ....

Macca, 46, verkauft Big Issue North in Bilton, Hull im Vereinigtem Königreich

gerne in einer Vollzeitarbeitsstelle sein und ein regelmäßiges Einkommen haben, das wäre ideal. Meinen Kunden möchte ich sagen: Vielen Dank für Ihre Kundschaft und Ihre Unterstützung. Auch denjenigen Danke, die zwar keine Zeitung kaufen, aber sich mit mir unterhalten. Das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, weil ich dann weiß, dass ich als Mensch gesehen werde, da manche Menschen auf einen von oben herabsehen. Also: Danke, dass ihr mich unterstützt während dieser schwierigen Zeiten.

Elena Onica, 34, Verkäuferin von Apropos in Salzburg, Österreich

Ich denke, die Regierung Großbritanniens muss die lokale Bevölkerung an erste Stelle setzen. Ich weiß, dass auch viele andere Menschen unsere Hilfe benötigen, aber ich denke, dass man unseren eigenen Leuten zuerst eine Chance geben sollte. Obdachlosigkeit braucht mehr finanzielle Unterstützung. Und es sollte irgendein

18

Programm geben, wo Menschen freiwillig

2017 hoffe ich auf ein zweites Kind und

helfen können und eine Art Guthaben

viel Gesundheit. Mein Sohn David lebt

erwerben, welches wiederum dazu beitra-

zurzeit mit seinen Großeltern in Rumäni-

gen könnte, für ihre Wohnung zu zahlen.

en in sehr beengten Wohnverhältnissen,

Die Welt ist im Moment sehr nervös und

während ich Straßenzeitungen in Salz-

fragt sich, was Donald Trump tun wird und

burg verkaufe. Ich wünsche mir für ihn

Hätte ich drei Wünsche frei, dann wäre es,

zu was er fähig ist. Ich hoffe, dass die

ein besseres Leben.

dass meine Familie, mein Partner und ich

Macht ihm nicht zu Kopf steigt und es

Im nächsten Jahr sollte die Regierung mei-

selbst im neuen Jahr gesund bleiben. Ich

nicht Menschen auf der ganzen Welt

ner Meinung nach mehr kleinere und

schere mich nicht um Reichtum, es geht mir

betreffen wird.

günstigere Wohnungen zur Verfügung

nur um Gesundheit, das ist das Wichtigste.

Auch habe ich Angst vor Krankheit. Ich

stellen, sodass ich – und andere in einer

Der zweite Wunsch würde etwas sein, dass

will nicht, dass ich oder irgendjemand in

ähnlichen Situation – in Salzburg bleiben

helfen würde, Weltfrieden zu schaffen. Und

meiner Familie Probleme mit der Gesund-

und arbeiten kann und eine Versicherung

der dritte Wunsch wäre, dass ich hoffe, mehr

heit bekommt. 2017 ist Hull Kulturhaupt-

habe.

Kunden zu gewinnen, damit ich meinen

stadt und ich hoffe, dass sich die Dinge

„Apropos“ ist meine Zeitung; meine

Unterhalt verdienen kann.

vorwärts und aufwärts von hier an bewe-

Arbeit und ich hoffe, dass der Verkauf wei-

2017 würde ich gerne einen Kurs für krea-

gen werden.

terhin so gut läuft. Jeden Monat hat die

tives Schreiben belegen. Ich mag es, zu

Nächstes Jahr um diese Zeit möchte ich

Zeitung Interessantes zu bieten und sie

schreiben und einige meiner Gedichte

einen festen Arbeitsplatz haben. Ich wür-

widmet sich auch uns Verkäufern. Im

sind schon in Big Issue North erschienen.

de gerne einen Van mein Eigen nennen

März 2013 zum Beispiel beinhaltete die

Ich würde mich gern weiterentwickeln

und Gelegenheitsarbeiten erledigen, aber

Zeitung ein ganzes Interview mit mir.

und schauen, ob ich vielleicht daraus was

dafür bräuchte ich Hilfe, um das zu ver-

Meine Angst für 2017 ist, dass ich krank

machen kann.

wirklichen. Im Wesentlichen würde ich

werden könnte und dass ich erneut Prob-


Wünsche wagen

leme mit meiner Schilddrüse habe. Und

Die Regierung sollte sich aufmachen, um

auch, dass die Regierung – und Sponsoren

dass der Winter sehr kalt wird (ich schlafe

zu sehen, wie andere Ländern mit Obdach-

– mehr Unterstützung für The Big Issue

in meinem Auto, wenn ich Zeitungen in

losigkeit umgehen, und ihre Arbeitsweise

geben, da es den Verkäufern sehr hilft.

Salzburg verkaufe).

überdenken.

Ich fürchte, dass es 2017 zu einem Anstieg

Nächstes Jahr zur selben Zeit möchte ich

Ich habe Schrottmaterial von verlassenen

der Kriminalität kommen wird, da es an

hier in Salzburg sein. Nächstes Jahr möch-

Gebäuden mitgehen lassen. Daraus kann

Arbeitsplätzen mangelt und die Regierung

te ich auch im Dezember bis in das neue

man viel Geld machen und es ist verlo-

korrupt ist.

Jahr in Salzburg bleiben und weiterhin

ckend, das manchmal wieder zu tun. Ich

Ich wünsche meinen Kunden ein gesegne-

Zeitungen verkaufen.

war jedoch im Gefängnis dafür, in sechs

tes Jahr – man sollte sich selbst respektieren,

Ich möchte all jenen danken, die mir so

verschiedenen Ländern, und ich will dort

denn die Dinge starten bei einem selbst.

sehr das letzte Jahr über geholfen haben:

nicht wieder hin.

mein Vorgesetzter, die Leser, die immer

Letztes Jahr zu dieser Zeit war ich in einem

die Zeitung von mir kaufen, den

Wohnmobil. Davor war ich in einem Steh-

Deutschlehrern und Ärzten und allen

wohnwagen. Davor war ich eineinhalb

anderen. Ich wünsche ihnen nur das Bes-

Jahre in einem alten französischen Mann-

te, viel Gesundheit und ein wunderbares

schaftswagen der Polizei (er wurde nicht

neues Jahr.

benutzt). Also weiß ich nicht, wo ich nächs-

Kölsche Linda, 52, verkauft den DRAUSSENSEITER in Köln

tes Jahr zu dieser Zeit sein werde. Meine Botschaft an meine Kunden für das

Ken, 47, verkauft Big Issue North im Stadtzentrum von Manchester, Vereinigtes Königreich – gemeinsam mit Hund Bailey

nächste Jahr ist: Danke. Kaufen Sie weiterhin die Zeitschrift. Es ist besser, eine Zeitschrift für seinen Lebensunterhalt zu verkaufen als Schrottmaterial zu stehlen, was meinen Sie? Meine Wünsche für 2017 sind Gesundheit

Mkhululi Maqgabi, 29, verkauft The Big Issue Südafrika in Kapstadt

und noch viele weitere Jahre mit meinem Hund, der mein bester Freund ist. Ich wünsche mir auch mehr Unterkünfte für obdachlose Frauen mit Hunden. Für mich persönlich würde ich gern folgendes erreichen: Lernen, wie man gute Artikel schreibt. Viele Zeitungen verkaufen – nicht nur, um Geld zu verdienen, sondern

Ich wünsche mir, dass ich 2017 weiterhin

auch um den DRAUSSENSEITER bekannt

clean von harten Drogen bleibe und es

zu machen. Die Popularität für meinen

mich nicht erneut in die Kriminalität

gerade erst gegründeten Verein erhöhen,

zieht. Ich bin nun seit über sechs Jahren

der obdachlose Frauen unterstützt.

clean. Das kann sehr schwierig sein, auf-

Was die Regierung besser machen könnte:

grund der ganzen Menschen auf der Stra-

Ich wünsche mir für das Jahr 2017, dass

die Gelder in einer gerechteren Weise zu

ße. Wenn es zu viel wird, packe ich meine

ich mein eigenes Geschäft eröffnen kann,

verteilen. Sie sollte auch darüber nachden-

Sachen, nehme meinen Hund und gehe

weil es nicht einfach ist, eine Arbeitsstelle

ken, Flüchtlingsunterkünfte für Obdach-

in die nächstgelegene Stadt.

zu finden. Ich überlege, ob ich lernen soll-

lose zugänglich zu machen, wenn Plätze

Ich hasse es, wie in diesem Land Obdach-

te, wie man näht oder Fleisch verkauft. Ich

dort frei werden, anstatt sie leer stehen zu

lose behandelt werden. In anderen Län-

hoffe, dass ich genug verdienen werde, um

lassen. Sie könnte neue alternative For-

dern wird das um vieles besser gehand-

mir ein eigenes Auto leisten zu können.

men von Unterkünften entwickeln, diese

habt. Es gibt viel bessere Unterstützungen

Ich denke, dass die Regierung Obdachlo-

unterstützen und die Bestimmungen

in Ländern wie Frankreich, Italien und der

sen eine Finanzhilfe gewährleisten sollte,

lockern, damit es Obdachlosen erlaubt ist,

Schweiz. Hier sind es verschiedene Behör-

damit sie sich selbst unterstützen können,

auf Campingplätzen zu bleiben.

den, private Unternehmen, die ein biss-

oder sie sollte ihnen Fähigkeiten beibrin-

Was ich mir für meine Zeitung wünsche:

chen hier und dort etwas unternehmen.

gen, damit sie Arbeit finden. Ich hoffe

das mehr politische Themen behandelt

19


bericht

werden. Dass man noch mehr Kunden gewinnt, da wir eine Menge zu sagen haben. Meine Botschaft für das nächste Jahr lautet:

ten, die einfach keine Wohnung zur Miete

Jeff Greene, 64, verkauft One Step Away in Philadelphia, USA

bekommen und sie damit unterstützen, eine Unterkunft zu erhalten.

Pass auf und lauf nicht einfach davon. Jeder

Meine Sorge ist, dass es Menschen gibt,

Obdachlose hat eine Geschichte zu erzäh-

die psychisch krank sind, sich nicht baden

len und Unglück erlitten. Mehr Toleranz!

und aus Mülltonnen essen, was eine Selbstverletzung ist. Diesen Menschen muss geholfen werden.

Snezana Pusica, 50, verkauft Liceulice in Belgrad, Serbien

Nächstes Jahr um diese Zeit würde ich gern immer noch Verkäufer für StreetWise sein und aufhören, Dinge vor mir herzuschieben und anfangen, Dinge anzugehen. Es gibt Dinge, Ideen für die Menschheit, die ich gerne weitergeben Mein Wunsch für das Jahr 2017 ist die

würde, denn ich denke, dass ich einflus-

Heilung und Segnung der amerikanischen

sreiche Worte habe, die effektiv wären,

Menschen. Ich will ein Verstehen entwi-

zu sagen.

ckeln, mit dem ich das Leben von anderen besser machen kann. Nächstes Jahr um diese Zeit würde ich gerne mehr in meiner Gemeinde engagiert sein.

Hans Speckart, 58, verkauft Kupfermuckn in Linz, Österreich

Für 2017 wünsche ich mir ein besseres Leben und dass ich mehr Geld durch den Verkauf von Liceulice verdiene. Ich hoffe, dass ich einige Fortschritte mit dem

V.W., verkauft StreetWise in Chicago, USA

Verkauf der Zeitschrift mache und damit zu einer der besten Verkäuferinnen im nächsten Jahr werde. Und ich wünsche mir auch, dass ich mehr neue und interessante Menschen treffe. Ich hoffe, dass die Regierung die Sozialleistungen für schwache Menschen anheben wird und Arbeitsplätze geschaffen

Für mich selbst wünsche ich mir in 2017

werden, so dass jeder die Möglichkeit hat,

eine bessere Gesundheit. Ich habe dieses

einen Unterhalt für sich und seine Familie

Jahr viel Zeit im Krankenhaus verbracht

zu verdienen.

20

und ich war nah dran, zu sterben. Dieses

Ich habe Angst, dass Liceulice nächstes

2017 würde ich gerne für Invalidenleistun-

Jahr feiern wir das 20-jährige Bestehen

Jahr nicht mehr gedruckt wird. Und das

gen zugelassen werden. Wenn man sich

von Kupfermuckn. Ich bin schon fast seit

würde bedeuten, dass viele Verkäufer

deren Anforderungen anschaut, dann

dem Anfang dabei und ich hoffe, dass es

ihren Job verlieren würden.

sieht es so aus, als ob mir die Leistungen

die Zeitung auch weiterhin geben wird.

Nächstes Jahr um die Zeit würde ich gerne

genehmigt werden.

Von meiner kleinen Invalidenrente, die

immer noch in derselben Wohnung sein

Ich glaube, dass eine Menge reicher Leute,

ich bekomme, mal abgesehen, benötige

mit den Menschen, die ich liebe.

die sehr reichen Menschen, wenn sie vor-

ich das Einkommen, welches ich mit dem

Ich würde gerne allen sagen, dass sie nicht

treten und sich zusammenschließen wür-

Verkauf der Zeitungen mache, für den

vergessen sollen, Straßenzeitungen zu

den und ihr Geld, welches sie bereit wären,

Erhalt meiner kleinen Mietwohnung. Ich

lesen, denn das ist ein guter Weg, um über

zu spenden, dafür ausgeben würden,

hoffe, dass ich mehr Zeit mit meinen

viele interessante Themen informiert zu

Unterkünfte für Obdachlose bereitzustel-

Stammkunden verbringen kann. Ich finde

werden, die in den Massenmedien kaum

len, dann würde das das Ende von Obdach-

es mittlerweile schwer, für eine lange Zeit

diskutiert werden.

losigkeit bedeuten. Ich vermute, dass die

im Einkaufszentrum zu stehen. Am 13.

Stadt kein Geld hat, also wäre es toll, wenn

Juni machen wir unsere jährliche Pilger-

Menschen für diejenigen spenden könn-

reise zur Kirche auf dem Pöstlingberg,


bericht

eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Linz. Als Kind war ich an Kinderlähmung erkrankt und vor 52 Jahren hat-

dieser Zeit möchte ich gerne Vollzeit arbei-

Nikos Kakavaladis, 28, verkauft Shedia in Thessaloniki, Griechenland

ten, um aus Unterkünften mit Einzelbelegung herauszukommen. Ich finde, die

te mich meine Mutter das erste Mal mit

Regierung sollte aufhören, Gebäude für die

auf diese Pilgerreise genommen. Seit

Reichen zu renovieren, und sie stattdessen

meine Mutter tot ist, kommen meine

in erschwinglichen Wohnraum umwandeln.

Freunde von Kupfermuckn jedes Jahr mit

Ich möchte Lesern von Straßenzeitungen

auf Pilgerreise.

sagen, dass es ein Beruf ist, Street Roots zu

Wir benötigen mehr vom Staat gestellte

verkaufen. Verurteilen Sie uns nicht. Zei-

bezahlbare Wohnungen. Auf dem freien

gen Sie uns lieber Ihren Respekt, denn wir

Markt haben Obdachlose keine Chance.

sind nur einen Gehaltsscheck von der

Sozialleistungen und Mindestlohn (sozi-

Obdachlosigkeit entfernt.

ale Unterstützung) sind längst nicht mehr genug, um ein angenehmes Leben zu füh-

Rüdiger, verkauft den strassenfeger in Berlin, Deutschland

ren. Die Kosten werden gekürzt, allerdings

Für 2017 wünsche ich mir, dass für alle

an den falschen Stellen.

Menschen die Dinge besser laufen werden

Ich denke, Kupfermuckn sollte 2017 öfters

und das diejenigen, die ihr Lächeln verlo-

herausgebracht werden, vielleicht alle

ren haben, es wiederfinden werden. Ich

zwei Wochen. Es sollte auch mehr aktuel-

hoffe, dass ich eine Arbeit finden werde und

le Themen beinhalten, sodass sie einen

ich die Menschen mehr anlächeln kann.

größeren Kundenkreis anspricht. Auch

Unsere Regierung könnte aufhören, so

hoffe ich, dass wir mehr Unterstützer und

gleichgültig zu sein, und sich mehr mit

Sponsoren finden werden.

den Obdachlosen beschäftigen.

Die Politiker in Österreich scheinen kom-

Ich hoffe, dass Shedia auch weiterhin so

plett ahnungslos zu sein und haben keine

viel Liebe und Solidarität bieten kann, wie

Perspektiven. Von dieser Regierung erwar-

sie es bereits jetzt tut.

te ich keinen sozialen Fortschritt, da sie

Manchmal habe ich Angst davor, dass die

anscheinend mehr Probleme schafft, als

Zeiten schwieriger werden, aber wir dür-

Im Sommer 2017 möchte ich meine Aus-

sie zu lösen.

fen nicht aufgeben, denn die Hoffnung

bildung als Assistent in der Gesundheits-

Nächstes Jahr um die Zeit hoffe ich, dass

stirbt zuletzt. Das ist auch meine Botschaft

pflege abschließen und eine dauerhafte

ich noch am Leben bin, sofern es meine

an die Leser der Straßenzeitungen: Egal,

Stelle finden – wenn möglich, an der Cha-

Gesundheit zulässt. Und wenn möglich will

wie schwierig die Umstände sind, gebt

rité in Berlin. Ich hätte gern eine dauerhaf-

ich auch noch in meiner geliebten Solar-

niemals auf. Man muss auch immer auf

te Wohnung und würde auch gern mal

City sein (ein energiesparender Wohnbe-

die positiven Seiten achten.

wieder auf Urlaub gehen.

zirk, der Lebensraum für 4000 Menschen

Die Regierung sollte mehr Sozialwohnun-

bietet), wo mich eine Menge Leute kennen und mich persönlich unterstützen. Dieses Jahr hatte mir ein Kunde sogar mal einen

gen bauen. Sie sollte es einfacher für Leu-

Eileen V., 55, verkauft Street Roots in Portland, Oregon, USA

te mit Schulden machen, eine Wohnung zu finden. Sie sollte die vollen Kosten für

Fernseher geschenkt! Ich würde ihm hier

die Notunterkünfte übernehmen, die von

gerne noch einmal dafür danken.

mob e.V. gestellt werden, und nicht nur

Meine Botschaft an meine Kunden würde

einen Teil davon.

lauten, dass sie auch weiterhin Kupfer-

Meine Sorge für 2017 ist es, dass sich für

muckn kaufen und lesen sollen, weil man

die Obdachlosen in Berlin nichts ändern

darin die wahren Geschichten erfahren

wird. Es ist ja nicht so, dass die leicht linke

kann, von dem, was vor sich geht. Ohne

Regierung, die bald das Steuer in Berlin

diese Zeitschrift wäre es für viele Verkäu-

übernehmen wird, einfach so das Geld aus

fer nicht möglich, dem Teufelskreis der

einem Safe nehmen könnte.

Obdachlosigkeit zu entkommen. Für 2017 wünsche ich mir Frieden in den Herzen der Menschen. Nächstes Jahr zu

Vielen Dank an unsere Übersetzer: Denise DeweyMuno, Iona Mortimer, Sophie Zest, Else Gellinek, JC Jenkins, Translators Without Borders. Mit freundlicher Genehmigung von INSP.ngo

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cartoon/kolumne

Böse Verspannungen

Cartoon: Heiko Sakurai

22

Bargeldlos in die Zukunft

karten dieser Welt in jeden dafür vorge-

verwandelt werden. So kann die Bank

sehen Schlitz stecken. Aber Plastik ist

nachvollziehen, was du einkaufst, wen

eben kein knisterndes Banknotenpa-

du bezahlst und wo du dich aufhältst.

pier und daher so unerotisch wie Fah-

Falls du also, sagen wir mal gekidnappt

D

ren ohne Führerschein! „Bargeldlos“

wirst, findet dich dein Kontoführer

er eine liebt sein Kind, der ande-

heißt die Devise der Bankenzukunft,

überall auf der Welt, weil du ihm spä-

re sein Auto und der Dritte geht

die alle Sparstrümpfe, Schließfächer

testens beim Bezahlen mit der Karte

eine Liebesbeziehung mit sei-

und sonstigen Verstecke ausheben will.

deinen Aufenthaltsort verrätst! Nur

nem Geld ein. Derjenige, der seine ero-

Aus ihrer Sicht gehört das Geld auf die

unbequem darfst du nicht werden.

tische Beziehung zu Geld auslebt und

Bank, wo es gebührenpflichtig gelagert,

Dann schaut sich das Finanzamt, die

mit großem Vergnügen darin badet,

beobachtet und verwaltet werden soll,

Polizei oder eine andere Institution dei-

wird es demnächst mit Spielverderbern

um dem zinslosen Treiben aller Sparfe-

ne Kontobewegungen an und sperrt dir

zu tun haben, die ihm den Fetisch aus-

tischisten ein Ende zu setzen. Spätes-

zu deiner eigenen Sicherheit das Konto.

treiben wollen. Die Rede ist von Ban-

tens in zehn Jahren dürfen keine

Und schon lässt es sich nur noch von

ken, die keinerlei „Badevergnügen“

schmutzigen Scheine mehr im Umlauf

Payback-Rabatten leben … Am besten

mehr dulden. An sowas verdienen sie

sein, die nach illegalen Drogen, unver-

also, du verschenkst dein Geld an

nämlich nichts. Darum drehen sie ihm

steuerter Arbeit oder Omas Kopfkissen

Bedürftige, die sich davon das Nötigste

den Geldhahn zu – natürlich nur im

riechen. Nein, solche unproduktiven

kaufen und damit fürs langersehnte

übertragenen Sinn. Selbstverständlich

Wirtschaftskiller müssen aufs Konto

Wirtschaftswachstum sorgen.

darf er künftig alle verfügbaren Kredit-

und dort in saubere, digitale Zahlen

Astrid Hülser


Buch-tipps

Matthew J. Arlidge

Lucie Flebbe

Pia Solèr

In Flammen

Am Boden

Die Weite fühlen

GB. Southampton. Es brennt. Gleich an drei Orten. Menschen versuchen sich zu retten, Kinder sterben, Familien werden zerstört. Brandstifter sind am Werk. Und sie gehen rücksichtslos vor. Tote scheinen ihnen egal zu sein. So sterben ein kleines Mädchen, eine junge Mutter, eine polnische Kinderfrau, wird ein Teenager schwer verletzt. Nur, worin besteht der Link, die Verbindung zwischen den Opfern? Was haben sie miteinander zu tun, diese Menschen, die an ganz unterschiedlichen Enden der Stadt leben, sich nicht kannten, zwischen denen es augenscheinlich keine Gemeinsamkeit gab? Waren es Zufallsopfer eines aus dem Ruder geratenen Pyromanen? Helen Grace stochert mit ihrer Ermittlercrew im Dunkeln. Angespannt bis zum letzten Nerv versucht sie, weitere Brände zu verhindern. Doch ihr Augenmerk auf einen Feuerwehrmann bringt sie zunächst nicht weiter. Derweil ihre Freizeitbeschäftigung der ganz besonderen Art zu eskalieren droht. Also treibt Detective Inspector Helen Grace ihre Leute an. Immer von der Angst begleitet, ihr Privatleben könnte auffliegen und sie gänzlich ins Abseits bugsieren. Als sie endlich glaubt, den Täter identifiziert zu haben, begeht sie einen entscheidenden Fehler. Spannend wie alle Helen Grace-Folgen. Von einem Autor, der sein Handwerk als Drehbuchautor für die BBC lernte und dessen Debut 2014 mit Helen Grace „Einer lebt, einer stirbt“ in GB das erfolgreichste Debut des Jahres war. Ingrid Müller-Münch

Da ist sie wieder, die verwegene, inzwischen 20-jährige Lila Ziegler, die eigentlich Liliane heißt und aus gutbürgerlichem Elternhaus stammt. Ausgerissen ist sie von zu Hause, weil der hochangesehene Vater sie ständig verprügelt. Heftig. Schmerzhaft. Und während der neue Fall sie und ihren Partner in schwindelnde Höhen entführt, reagiert sie endlich ganz bodenständig und zeigt ihren Vater an. Wegen der vielen, vielen Misshandlungen, die ihre Kindheit prägten. Dabei hätte sie genug anderes zu tun: Roofing, eine Extremsportart unter jungen Leuten, hat zu einem tödlichen Unfall geführt. Ein paar Kids, maskiert und aggressiv agierend, sind in Bochum auf freistehende Kräne geklettert, um sich dort einen entsprechenden Höhenkick zu holen. Und einer hat das mit dem Leben bezahlt. Einer von ihnen ist runtergestürzt und tot. War es lediglich ein Unfall? Oder hat da jemand nachgeholfen, ein bisschen gestoßen, ein bisschen zu sehr gewackelt und schon verlor ein junger Mann die Balance? Während Ben und Lila der Sache noch nachgehen, wundert sich der Leiter der Bochumer Kripo über ihr Interesse. Bis er herausfindet, dass einer der Extremkletterer der Sohn von Molle ist. Molle, dem Wirt in dem Haus, in dem Ben und Lila die Dachgeschosswohnung von Molle vermietet bekamen. Und den der Schlag traf, wirklich der Schlag, als er das Video sieht, das die Roofer von ihren Exzessen drehten. Denn in einem der an diesem Drahtseilakt beteiligten jungen Leute erkennt er seinen Sohn wieder. Den Sohn, den er all die Jahre nicht sehen durfte. Und der nun dort oben herumturnt, involviert möglicherweise in einen Mordfall. Ein Krimi mit zahlreichen überraschenden Wendungen. Kurzweilig, kurzatmig, für behände Leser, die sich gut festhalten können und nicht unter Höhenrausch leiden. Ingrid Müller-Münch

Ursprünglich habe ich dieses Buch gekauft, weil ich gerne Schafe mag. Einfach, weil sie so friedlich aussehen, grasend auf der Wiese, so zufrieden. Und dazu nicht viel brauchen. So wie Pia Solèr. Sie ist Hirtin auf einer Alp im schweizerischen Graubünden. Dort verbringt sie ihre Sommer alleine mit ihren Tieren auf zweitausend Metern Höhe. Von ihrem Alltag, der so ganz anders ist, als es die meisten in der Stadt Lebenden gewohnt sind, erzählt sie in diesem Buch. Es gibt keinen Spannungsbogen und keine ausgefeilten Figuren. Das alles braucht Pia Solèr aber auch nicht, um den Leser mit ihren Geschichten zu bannen. Dazu reichen alleine ihre Gedanken über das Leben fernab von Selfies und Zeitdruck, oder über ihre kleinen Fluchten, die sie von der Alp auch mal in die Sahara oder ins weit entfernte China führen. Seite für Seite setzt sich aus den kleinen Einblicken und persönlichen Momenten, die die Autorin mit ihren Lesern teilt, ein Bild zusammen. Wie ein Mosaik von einem Leben, das teilweise scheint, als hätte es vor 100 Jahren stattgefunden, aber gleichzeitig wichtige Fragen unserer Gesellschaft heute streift. Sehr lesenswert – nicht nur für Schaffreunde, sondern für alle, die eine kleine Pause aus dem gehetzten Alltag wagen möchten. Einmal kurz stehen bleiben, Luft holen, einen anderen Blickwinkel einnehmen und dann mit neuen Impulsen weitergehen. Denn eigentlich ist es ganz so, wie es die Autorin sagt: „Es braucht nicht viel. Wichtig ist, dass das Richtige im richtigen Moment geschieht.“

Matthew J. Arlidge: „D.I. Helen Grace: „In Flammen“, 4. Fall, Verlag rororo, Ü. Engl. Karen Witthuhn, 9/2016, ISBN 9783499271533, 9,99 EUR

Sabrina Burbach

Pia Solèr: „Die Weite fühlen“, Diana Verlag, 2013, 7,99 Euro, ISBN 978-3-453-35723-5.

Lucie Flebbe: „Am Boden“, 8.Fall für Lila Ziegler und ihren Partner Ben Danner, Grafit, ISBN 9783894254759, 11,- EUR 23


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IMPRESSUM Redaktionsleitung Christina Bacher (cb), bacher@draussenseiter-koeln.de www.draussenseiter-koeln.de Redaktionsassistenz Sabrina Burbach, burbach@draussenseiter-koeln.de Herzlichen Dank allen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Ausgabe. Lektorat Barbara Feltes Titelgestaltung Deborah Keser Gestaltung Innenseiten Petra Piskar, de haar grafikdesign, www.dehaar.de Titelfoto Gerd Bonse Fotos Christina Bacher, Gerd Bonse, Marie Breer, Sabrina Burbach, Sandy Craus, Decristoforo/Gehrmann, Jens Hüttenberger, INSP, Kölsche Linda, Marion Ruthardt, Daniel Steh, Dr. Frank Überall, Hanna Witte Cartoon Heiko Sakurai

24

Druck druckdiscount24.de Abos Martina Jühlke, juehlke@oase-koeln.de Vertrieb Ali Baran Herausgeber Benedikt-Labre e.V. – OASE Alfred-Schütte-Allee 4, 50679 Köln Tel.: 0221/989353-0, Fax: 0221/98935316 Depots (nur für Verkäufer) Dat Büdche, Aachener Straße 3, 50674 Köln Gulliver, Trankgasse 20, Bahnbogen 1, 50667 Köln Kiosk Orman, Salierring 15, 50677 Köln OASE, Alfred-Schütte-Allee 2-4, 50679 Köln Vringstreff, Im Ferkulum 42, 50678 Köln Verkauf öffentlich Agnesbuchhandlung, Neusser Straße 63, 50670 Köln Buchladen Neusser Straße, Neusser Str. 197, 50733 Köln Bunt Buchhandlung, Venloer Straße 338, 50823 Köln VIELFACH, Baudri-Platz, 50733 Köln

Kontoverbindungen IBAN: DE66 3705 0198 0016 5020 31 SWIFT-BIC: COLSDE33, Sparkasse KölnBonn draussenseiter ist das Sprachrohr für alle Obdachlosen, deren Freunde, ehemals Obdachlose und andere Betroffene. Leserbriefe sind immer herzlich willkommen. Für namentlich gekennzeichnete Artikel und Leserbriefe sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Bedürftigen wird für veröffentlichte selbstgeschriebene Artikel, Interviews und Fotos ein kleines Honorar gezahlt, wenn dies der Autor ausdrücklich wünscht. Nachträgliche Forderungen werden nicht akzeptiert. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1.1.2009. draussenseiter ist Mitglied des


vorschau

Eintritt frei

Metropolis – Filmstill Metropolis: die Stadt der Zukunft, gigantisch, von unerhörten Ausmaßen, himmelanstrebend. Maschinen: fantastische Zukunftsträume Wirklichkeit geworden. Herzmaschine, Molochmaschine - riesenhaft, von erdrückender Wucht. Menschen des Lichts: glücklich, göttergleich. Menschen der Nacht: sklavisch unterjocht. Maschinenmensch: Lichtkreise schwingen, Funken sprühen, stählerne Glieder wandeln sich in menschliche Formen. Wasserkatastrophe in der Arbeiterstadt! Aufruhr! Die Herzmaschine rast sich zu Tode, Urbild tödlichster Gefährlichkeit - die unterirdische Stadt ersäuft. So wurde der größte Stummfilm Deutschlands 1927 in Köln angekündigt. Fast 90 Jahre nach der Uraufführung von „Metropolis“, 1927, präsentiert die Universitätsund Stadtbibliothek Köln eine Ausstellung über den Filmklassiker. Seine scheinbar zeitlose Ästhetik hat bis in die Gegenwart Einfluss auf die Medienkultur. In der Ausstellung erwarten Sie Filmvorführungen, Kostüme, Filmkameras, Filmsequenzen, Fotografien von den Filmaufnahmen, Entwurfszeichnungen des Filmarchitekten, Musikvorträge, Drehbuchseiten, Filmplakate, nachgebaute Filmrequisiten, Lesungen und Vorträge über den Film und seiner Entstehung.

Für die Aktion „Here's my story“ vom Bayerischen Rundfunk hat auch Ali seine Geschichte erzählt. Sein Gesicht ziert unsere nächste Ausgabe. Foto: Michael Schober

FLUCHT VORAN

I

m Jahr 2015 flohen Mohammad, Davinder und Farhad aus ihrer Heimat vor Krieg und Gewalt. Heute leben sie zusammen in einer Wohngemeinschaft in Köln-Höhenberg. Sie zeigen: Wer flieht, will nicht nur das Alte hinter sich lassen, sondern sucht auch neue Ziele. Hier unterscheiden sich Flüchtlinge nicht von Einheimischen, die ebenfalls fliehen – aus ihren Ehen oder ihren Familienbeziehungen. Wir besuchten die drei jungen Männer in ihrer WG und unterhielten uns mit ihnen über ihre Beweggründe zur Flucht, das Leben in einer anderen Kultur und ihre Ziele.

Ausstellung: noch bis 20. Februar 2017 Wann: Montag bis Freitag, 9 bis 24 Uhr Samstag und Sonntag, 9 bis 21 Uhr Wo: Foyer der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

Filmvorführungen Wann: • 10. Januar 2017, 19 Uhr (Aula der Universität zu Köln) Eintritt frei • 19. Februar 2017, 15:30 Uhr (Filmforum im Museum Ludwig) Filmvorführung am 19. Februar 2017: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro

Info: www.stadt-koeln.de

Der nächste DRAUSSENSEITER erscheint zum 1. Februar 2017. Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de und auf www.facebook.com/Draussenseiter-DasKölner-Strassenmagazin-106192356124749. 25


Foto: Hanna Witte

service

Für Alle n Diakoniehaus Salierring Fachdienst für Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe d. Diakonischen Werkes Köln und Region, Salierring 19, 50677 Köln, Tel.: 27 69 70-0, verwaltung.salierring@ diakonie-koeln.de, www. diakonie-koeln.de Beratung: Mo bis Fr 9-12 Uhr, Di + Mi 16-18.30 Uhr (u. a. Postadressen u. Treuhandkonten) Straffälligenhilfe: Zeiten wie oben Tagestreff: Mo bis Fr 8.30-12.30 Uhr, Frühstück, (donnerstags auch Mittagessen), Duschen, Wäschekeller, Aufbewahrung, Internetzugang Kleiderkammer: Di u. Do 9-11.30 Uhr Krankenwohnung, Betreutes Wohnen § 67 SGB XII, Ambulante Begleitung gem. § 67 SGB XII, Betreutes Wohnen § 53 SG XII, Clearingstelle Claro im Trägerverbund

n Emmaus Geestemünder Str. 42, 50725 Köln, Tel.: 971 17 31, info@emmaus-koeln.de, www.emmaus-koeln.de

Appelhofplatz: Essenausgabe u. medizinische Versorgung, Mo bis Fr ab 21 Uhr Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, günstiger Einkauf von Secondhand-Artikeln, DritteWelt-Arbeit durch Versand von Hilfslieferungen

n Gulliver – Überlebensstation für Obdachlose Trankgasse 20, Nähe Hauptbahnhof, 50667 Köln, Tel.: 120 60 91 26

Duschen, Toiletten, Waschmaschinen, Trockner, Tagesschlafraum, Postadressen, Caféteria mit Frühstück und Snacks, Beratungsangebote, Internetzugang, Kunstausstellungen, Handyladestation Mo bis Fr 6-13 Uhr u. 15-22 Uhr, Wochenende, Feiertage 10-18 Uhr Kleiderkammer: Do 15-17 Uhr

n Lobby-Restaurant LoRe des KALZ für Berber und Banker Domstr. 81, Nähe Hauptbahnhof, 50668 Köln, info@koelnerarbeitslosenzentrum.de, www.koelnerarbeitslosenzentrum.de Mittagessen: Mo, Di 12 -16 Uhr, Mi, Do, Fr 12 -15.30 Uhr

n Kölner Obdachlosenfrühstück, Peter-Deubner-Stiftung Tel.: 430 39 83 Angebote: 9 -11 Uhr: Kostenloses sonntägliches Frühstück jeden 2. u. 3. Sonntag im Monat im Vringstreff, Im Ferkelum 42, jeden 4. Sonntag in der MüTZe, Berliner Str. 77, Köln-Mülheim

n GUBBIO Obdachlosenseelsorge Ulrichgasse 27-29, 50577 Köln, www.gubbio.de Öffnungszeiten: Di, Mi 14 – 17 Uhr Angebote: Raum zum Gespräch, Bibelstunde, Meditation, thematische Gesprächskreise, religiöse Filme

n Kontakt- u. Beratungsstelle Rochus (SKM) Bartholomäus-Schinkstr. 6, 50825 Köln, Tel.: 3377063-4, Fax: 3377063-9

http://skm-koeln.de/9.0/9.1.8/rochus-p.html rochus@skm-koeln.de Angebote: täglich warmes Essen von 12-14 Uhr, kalte u. warme Getränke, Duschmöglichkeit (Behindertendusche u. -toilette), Wäschewaschen, Kleiderkammer nur für wohnungslose Menschen von Di und Do 11-13 Uhr, Beratung täglich von 11-15 Uhr und nach Vereinbarung, Medizinische Sprechstunde Di + Do 12-13 Uhr, Postadresse, Betreutes Wohnen, PC-Nutzung mit Internetzugang, Samstags Frühstück. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11-15 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So 10-14 Uhr

n Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Bahnhofsvorplatz 2a (1. Etage), 50667 Köln-Innenstadt, Tel.: 13 49 19, kontaktstelle@skm-koeln.de, www.skm-koeln.de Angebot: Aufenthaltsmöglichkeit, Begegnung, Freizeitangebote, (Spieleangebot, Kaffee), Essen, Duschen, Wäschepflege, Schreibhilfe, Telefonmöglichkeit, mediz. Versorgung, PC-Nutzung mit Internetzugang offene Info- u. Orientierungshilfen: Mo., Di., Do., Fr. 12-15 Uhr, Mi. 12-14 Uhr Sa., So. und Feiertage 12-13 Uhr Beratung (auch anonym): Mo, Mi, Do, Fr 9-11 Uhr, Mo bis Fr 14-16 Uhr

n Vringstreff e.V. Für Menschen mit und ohne Wohnung Im Ferkulum 42, 50678 Köln, Tel.: 278 56 56, info@vringstreff.de, www.vringstreff.de


service

Mo bis Do 11.30-17 Uhr, Fr 9-12 Uhr Jeden 2. und 3. Sonntag Obdachlosenfrühstück 9-11 Uhr, Café, Freizeitangebote, Veranstaltungen, Beratung

n Bürger für Obdachlose e.V. Basislager Gebrauchtwarenkaufhaus Bürger für Obdachlose e.V. Basislager: Silcherstr. 11, 50827 Köln Tel.: 640 22 68, info@bfoev.de Kleiderkammer, Gebrauchtwaren-Kaufhaus für Jedermann, Arbeitsprojekt und Suppenküche. Obdachlose können gerne auch Kleidung, Schlafsäcke etc. in unserem Gebrauchtwaren-Kaufhaus kostenlos bei uns beziehen. Gemeinsam mit Emmaus betreibt der Verein die Suppenküche am Appelhofplatz.

n Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. Peter-Michels-Str. 1-9, 50827 Köln Tel.: 0221/ 9535301, Fax: 0221/ 5948789 ibwa@netcologne.de www.bauenwohnenarbeiten.de

Nur für Frauen n agisra e.V. Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen Martinstr. 20a, 50667 Köln, Tel.: 0221/124019 oder 1390392, www.agisra.org Beratung nach Terminvereinbarung, Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do 10-15 Uhr

n Café Auszeit Kontakt -und Beratungstelle für wohnungslose Frauen Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695310, cafe-auszeit@skf-koeln.de Tägl. Essensangebot, Duschen & Baden, Wäschepflege, Kleiderkammer, Postadresse, Schließfachnutzung, Beratung und Soforthilfe, Mo, Di, Do, Fr 11-15 Uhr, Mi 15-19 Uhr, u. nach Vereinbarung

Angebot: Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung, n Café Auszeit, Schäl Sick Wohnen, Betreutes Wohnen

SKF e.V., Buchheimer Str. 36, 51063 Köln, Tel.: 0221/946 96 24, Fax: 0221/2855199 cafe-auszeit.schaelsick@skf.koeln.de Beratung, Hilfe und Unterstützung bei allgemeinen Fragen, Vermittlung an weiterführende Hilfen, Rechtsberatung, Frauenfrühstück, Postadresse Mo und Fr 10-12 Uhr, Mo, Mi, Do 15-17 Uhr Do 10-12 Uhr Frauenfrühstück

n Comeback n OASE-Benedikt Labre e.V. Alfred Schütte Allee 4, 50679 Köln, Tel. 0221/9893530 kontakt@oase-koeln.de www.oase-koeln.de

Kontakt- und Beratungsstelle: Montag und Freitag 9 – 13 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9 – 16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr

Offener Treff: Montag 10.30–13 Uhr, Dienstag 13–16 Uhr, Mittwoch 13–16 Uhr, Donnerstag 13–16 Uhr, Freitag 11.30–13 Uhr Frühstück: Montag 10.30–13 Uhr

Sprechstunde Mobiler Medizinischer Dienst: Montag 10.30–11.30 Uhr Kleiderkammer/Duschmöglichkeit für Leute auf der Straße: Montag 10.30-12 Uhr, Mittwoch 13-15.30 Uhr, Donnerstag 13-15.30 Uhr; Computer-Nutzung: nach Vereinbarung

Redaktionssitzung DRAUSSENSEITER: Alle zwei Wochen, montags um 12.30 Uhr

Notschlafstelle für Frauen, Sozialdienst kath. Frauen e.V., Mauritiussteinweg 77-79, Nähe Neumarkt, 50676 Köln, Tel.: 0221/12695-210 Täglich geöffnet von 20 bis 10 Uhr. Angebot für wohnungslose Frauen und Frauen in Notlagen: Schutz, Übernachten, Essen, Duschen, Wäsche waschen, Kleiderkammer, PC und Internetnutzung. Tiere sind erlaubt. Beratung und Vermittlung an weiterführende Hilfen sind möglich.

n Elisabeth-Fry-Haus Albert-Schweizer Straße 2, Nähe Südfriedhof, 50968 Köln, Tel.: 99 56-43 00, efh@diakonie-michaelshoven.de www. diakonie-michaelshoven.de Notaufnahmeheim für Frauen und Frauen mit Kindern, Schutz, Übernachtung, Verpflegung, Wohnen, Beratung und Begleitung. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet.

n Frauen gegen Gewalt e.V. – Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Tel.: 56 20 35, mailbox@notruf-koeln.de www.notruf-koeln.de Beratung telefonisch, persönlich und per E-Mail, Begleitung und Unterstützung nach sexualisierter Gewalt; Prozessvorbereitung und -begleitung; Rechtsberatung; Gruppenangebote

n Haus Rosalie Gocher Straße 45, 50733 Köln-Nippes, Tel.: 0221/97 30 88 88, haus-rosalie@vinzentinerinnen.de Wohnprojekt für Frauen

n LOBBY FÜR MÄDCHEN e.V. für Mädchen und junge Frauen Beratung und Begleitung bei Problemen und in Krisensituationen Mädchenberatung linksrheinisch Fridolinstr. 14, 50823 Köln-Ehrenfeld Tel.: 0221/45 35 56 50 maedchenberatung-linksrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mo bis Do: ganztägig nach Vereinbarung Mi 14-16 Uhr: ohne Anmeldung Di 10-11 Uhr, Do 14-15 Uhr: telefonische Beratung, Di 16-18 Uhr: kostenlose Betreuung Ess-Störungen 0800 5 03 58 85 Mädchenberatung rechtsrheinisch Buchheimer Str. 56, 51063 Köln-Mülheim Tel.: 0221/890 55 47 maedchenberatung-rechtsrhein@lobbyfuer-maedchen.de Mi bis Fr ganztägig nach Vereinbarung Fr 14-18 h ohne Anmeldung

n Mäc-Up Treffpunkt für Mädchen von 14-27 Jahren Gereonstr. 13, Nähe Bahnhof, 50670 Köln, Tel.: 0221/13 35 57 Essen, Trinken, Dusche, Wäsche waschen, Second-Hand-Kleidung, medizinische Versorgung, Beratung Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. und Fr. von 12-15.30 Uhr Di. von 10-13 Uhr, Frühstück gibt es Di. und Mi., gekocht wird Mo. und Fr.

Nur für Männer n Notschlafstelle für Männer Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54 (tagsüber) und -26 (ab 18 Uhr), jhk-notaufnahme@johannesbund.de Sozialarbeiterische Beratung, Erarbeitung einer Perspektive, Vermittlung in weiterführende Hilfen Aufnahme: Täglich (auch Sonn- u. Feiertags) ab 18 Uhr für wohnungslose Männer ab 18 Jahren

n „Reso“ – Resozialisierungsabteilung Johanneshaus Köln, Annostr. 11, 50678 Köln, Nähe Chlodwigplatz, Tel.: 931221-54, th.klahr@johannesbund.de Hilfe für wohnungslose Männer mit sozialen Problemlagen nach § 67 SGB XII: Unterbringung, Verpflegung und Selbstversorgung, individuelle Einzelfallhilfen, Beschäftigungsangebote, Mo bis Fr.: 8-16.30 Uhr


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Kölner Straßenzeitung Draussenseiter 01/2017: Wünsche wagen by Draussenseiter - Issuu