tree marks
tree marks
F R I EDR I CH DO N
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woodworks photographisches portfolio
Mancher geht durch den Wald und sieht dort nichts als Brennholz. Leo Tolstoi
tree marks
Fasziniert von der puren Optik des komplexen Biowesens Baum entstanden zwischen 2012 und 2017 verschiedene fotografische Portfolios. Unter dem gemeinsamen Arbeitstitel „woodworks“ wurden in unterschiedlichen Themengruppen rein visuelle Aspekte und formale Entdeckungen des Objektes Baum abgelichtet. Unabhängig von seiner dominanten ökologischen Bedeutung standen ausschließlich die Anmutung und Poesie seiner vielschichtigen Gestalt im Fokus. Das Thema der zweiten Werkgruppe - woodworks 2 - mit dem Titel „tree marks“ präsentiert spezifische Bildfunde aus unserer zeitgenössischen Waldkultur. Es ist der signifikante Ausdruck menschlichen Tuns innerhalb unserem unmittelbaren Umweltbereich - dem Wald. Für mich sind es visuelle Entdeckungen, die sich durch ihre ausgeprägte Farbigkeit und subtiler Zeichnung aus dem Grünspektrum jenes Naturraums augenfällig heraushebt und auffallend kontrastiert. In der Rubrik „Paint Marks“ verbinden sich abstrakte Leuchtfarbflächen und diverse Farbspuren provokativ mit der Natur des Baumes. „Route Marks“ das zweite Thema zeigt minimalistisch diverse Orientierungszeichen des Waldes. In „Scratch Marks“ werden sichtbar signifikante Verletzungen im Stammbereich unterschiedlicher Waldbäume in Szene gesetzt und im vierten Teil zeige ich einige reizvolle Sägeschnitte mit kodifizierten Schriftund Farbmarkierungen aus dem forstwirtschaftlichen Alltagsbetrieb. Im letzten Themenbereich „Typo Marks“ sind ausschnitthaft Kalligrafien zu sehen, die von derben Waldarbeiterhänden rein zweckmäßig gezeichnet wurden - dennoch sich als subtile und sehenswerte Schriftkompositionen darstellen lassen. Der Wald als öffentlicher Raum wird von unterschiedlichen Nutzertypen frequentiert. Zum Beispiel nutzt der Waldeigner seine Baumflächen für die Holzproduktion. Das heißt für ihn, möglichst effizient aufforsten und abholzen und das naturgewachsene Produkt an die holzverarbeitende Industrie verkaufen. Hierbei wird meist eine systematische Vorgehensweise praktiziert, die hauptsächlich durch die der Selektion bestimmt wird. Das bedeutet Waldstücke werden markiert und gekennzeichnet bevor der Holzschlag beginnt. Danach wird das Holz zersägt und vor dem Abtransport bewertet und entsprechend ausgezeichnet. Der gesamte Vorgang der Holzerzeugung zeigt sich vor Ort durch spezielle Markier- und Auszeichnungsmuster auf den sortierten Hölzern, die eine eigene Ästhetik kommunizieren. Ein anderes Beispiel der Waldnutzung ist die Bereitstellung für Freizeit, Sport und Erholung. Es ist ein wichtiges gesellschaftliches Leistungsangebot für alle Bevölkerungsschichten, das in der Regel von den örtlichen Kommunen geschaffen und gepflegt wird. So entstanden Mitte des 20. Jahrhunderts die ersten Waldlehr- und TrimmDich-Pfade, die auf reges Bürgerinteresse stießen. Sie wurden sowohl als didaktische Parcours als auch zur sportlichen Betätigung langfristig angelegt. Für die urbane Gesellschaft wurden so die Wälder zu Freizeit- und Erholungszentren umgestaltet, die ihren Besuchern mehr Freude und Naturgenuss versprachen. Neue Wegestrukturen durchzogen jetzt die Wälder und erweiterten so die spärlich traditionellen Wege um ein Vielfaches.
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Das bedeutete, dass in einem Zeitraum von weniger als 100 Jahre der Wald als Naturraum eine vollkommen neue Nutzungsqualität und Bestimmung erhielt. Wo früher die bäuerliche Bevölkerung den Wald als Quelle für Energie- und Futtermittelgewinnung in Beschlag nahm, steckt heute eine intensive Freizeitkultur und Holzwirtschaft zusammen mit dem Umweltschutz das Terrain des Waldes ab. Dieser drastische Veränderungsprozess strukturierte die meisten Waldgebiete in den großstädtischen Regionen neu. Die daraus resultierenden veränderten Inhalte schufen an der Oberfläche dieses Naturraumes auch entsprechende Zivilisationsspuren, die es so vorher nicht gab. Eine stille Invasion von Markierungen, Symbolen, Typografien und Graffiti jeglicher Art nahm den Baumbestand der Wälder ein. Manchmal zieren Leuchtfarbringe fremdartig die unteren Baumbereiche oder geben an gleicher Stelle Symbole und Zeichen dem Wanderer zur Orientierung. Forstarbeiter schreiben ihre logistischen Formeln auf die Sägeschnitte gefällter Bäume. Achtlose Waldbesucher hinterlassen geritzte Machwerke unwiderruflich auf unzähligen Baumrinden. Allesamt sind sie Spuren unserer Zeit, teilweise notwendig und funktionell motiviert, oft aber auch überflüssig in sinnloser Willkür gemacht. Ein wirres doch reizvolles Sammelsurium entstand, das von unserer Kultur vielleicht auch Unkultur erzählt und unsere Wechselbeziehung zu Wald und Baum beschreibt. Zeichenhaft, fast poesievoll originell lässt sich daraus kreativ eine eigene Bildwelt filtern und erschaffen.
Friedrich Don
Mai 2022
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PAINT MARKS
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ROUTE MARKS
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SCRATCH MARKS
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SAW-CUT MARKS
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TYPO MARKS
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Herausgeber Don Artworks Friedrich Don © Don Artworks 2022
DON ARTWORKS