K A M B O D S C H A IM REICH DER KHM E R
Das ist eine Bildunterschrift
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Das ist eine Bildunterschrift
K A M B O D S C H A IM REICH DER KHM E R
FRIEDRICH DON
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PORTFOLIO 4 KAMBODSCHA IM REICH DER KHMER
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Wie fast jedes Land auf unserem Globus hat auch Kambodscha zwei unterschiedlich konträre Seiten, die sich zwischen Gut und Böse - Licht und Schatten bewegen. Kambodscha, das Land der Khmer, hat in seiner glanzvollen Vergangenheit gigantische Kulturschätze hervorgebracht, aber leider auch für kurze Zeit Horrorszenarien ungekannten Ausmaßes geschaffen, die durch die sogenannten „Killing Fields“ überall im Lande belegt sind. Denkt man als Europäer an Kambodscha werden phantastische Bilder von geheimnisvollen Dschungeltempel lebendig, aber eben auch grausamste, menschenverachtende Bilder von den Roten Khmer Milizen der Pol Pot Schreckensherrschaft. Zwar betrifft es nur einen kurzen Zeitraum in der langen glorreichen Geschichte der Khmer Kultur, doch leider mußte er mit viel Blutzoll vom eigenen Volk bezahlt werden. Von 1975 1979 verloren zwei Millionen Kambodschaner ihr Leben durch die wahnsinnige Ideologie und Politik des Pol Pot Regimes und brannte einen tiefen dunklen Fleck ins weiße Sympathiekleid des Landes ein. Diese absolut destruktive und düstere Geschichtsphase will ich nicht verschweigen, jedoch aus dem hier vorgestellten Portfolio Konzept bewusst ausblenden, weil es den vorgesehenen Rahmen sprengen würde. Meine Intention galt vornehmlich der Betrachtung von Kambodschas rühmlicher Vergangenheit und ihrer einzigartigen Kulturgeschichte. Mittelpunkt ist ihre Blütezeit, die vom 9. bis zum 15. Jahrhundert andauerte. Angkor, das Zentrum des mächtigen Khmer Reiches verteilte auf rund 200 km2 viele komplexe Tempelanlagen und hatte zur Zeit des Mittelalters wohl die erste große Megacity unserer Erde mit ungefähr einer Million Menschen. Es war eine umfangreiche Infrastruktur mit viel Arbeitskräften notwendig um diesen außergewöhnlichen „Architektur-Archipel“ zu erschaffen. Noch heute ist eine dieser Tempelanlagen - Angkor Wat, das größte sakrale Bauwerk der Welt. Der abrupte Niedergang der Khmer Kultur ist bis heute für die Wissenschaft ein ungelöstes Rätsel. Übriggeblieben sind jedoch prägende Kunstschätze und Bauwerke, die uns auch im 21. Jh. mehr als erstaunen lassen.
KÖNIGREICH KAMBODSCHA
Nicht minder schön und eindrucksvoll ist auch die exzellente Architektur aus dem nahen 19. Jahrhundert, wie zum Beispiel der prächtige Königspalast von König Norodom. Auf Initiative der französischen Kolonialmacht verlegte er seine Residenz im Jahre 1863 von der Provinzstadt Oudong in die Metropole Phnom Penh. Als Geschenk an den König und mit der kolonialen Absicht die Geschicke des Landes besser steuern zu können, übernahmen die französischen Kolonialherren den Bau seines neuen Palastes. Die Architektur war kambodschanischer Herkunft doch die Bautechnik lieferten die Franzosen. Der Baukomplex besteht aus neun Gebäuden, die auf einer Fläche von 6 Hektar errichtet wurden und in unmittelbarer Nähe der Riverfront am Sisiwath Quay des Mekongs stehen. Baubeginn war 1813 und im Laufe der Regentschaft von König Norodom wurden immer neue Gebäudeteile hinzugefügt. 1892 wurde die Anlage mit dem edlen sakralen Bauwerk der Silberpagode komplettiert. Umgeben wurde es von einem langen überdachten Wandelgang, an dessen Wände das hinduistische Ramayana Epos stilvoll dargestellt ist. Wegen seiner phantastisch märchenhaften Wirkung ist der Königspalast auch der ultimative Besichtigungsort von Phnom Penh und wird von einem großen internationalen Publikum stets bewundert und beehrt. 7
KÖNIGREICH KAMBODSCHA 6 1 METROPOLE PHNOM PENH 10 2 LEGENDE WAT PHNOM 20 3 DER KÖNIGSPALAST 30 4 KUNSTHISTORISCHES MUSEUM 50 5 MYTHOS ANGKOR 62 6 TEMPELGIGANT ANGKOR WAT 66 7 DIE KÖPFE VON ANGKOR THOM 86 8 DSCHUNGELTEMPEL TA PROHM 106 9 TEMPELRUINE BANTEAY KDEI 124 10 SCHÖNHEIT BANTEAY SREI 132 11 TEMPELBERG BAPHUON 140 12 PYRAMIDENTEMPEL PRE RUP 148 13 FLACHTEMPEL PREAH KHAN 158 14 UNTERWEGS IN ANGKOR 168
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Mit voller Kraft voraus durchpflügte das vollbesetzte Speedboat stromaufwärts den mächtigen Mekong in Richtung Phnom Penh. Als wir die beiden riesigen Schrägseilpfeiler der Tsubara Bridge unterqueren, wissen wir, dass bald die Stadtgrenze der kambodschanischen Metropole erreicht sein wird. Nach circa 40 km werden die ersten Hochhausgiganten sichtbar und Phnom Penh offenbart seine ganze Größe entlang der weitläufigen Uferpromenade. An der Schiffsanlegestelle erreicht der Mekong eine stattliche Breite von über 1.000 Meter und seine braunen Wassermassen vermischen sich mit zwei anderen Zuflüssen, dem des Tonle Sap und des Bassac River. Beim Betreten der Kaimauer sehen wir zum ersten Mal aus der Nähe die imposanten historischen Gebäude mit ihren typischen kunstvollen Dächern und goldenen Spitztürmen. Wohltuend heben sie sich von den modernen Alltagsfassaden ab und vermitteln einen ganz besonderen, einzigartigen exotischen Charme. Man spürt den klassischen Hauch einer Weltstadt, in der reale Vergangenheit und Zukunft, Tradition und Fortschritt fulminant aufeinandertreffen. Eine geballte Ladung südostasiatischer Lebensart erfüllt die Straßen und Plätze und man fühlt sich darin angenehm aufgenommen. Weniger chaotisch der Verkehr, eher geordnet und nicht so beherrschend. Die 2-Millionen Metropole zeigt sich im Detail sehr authentisch, nicht aufgesetzt oder Hochglanz poliert. Dieses erlebt man nicht nur in bedeutungslosen Nebenstraßen, vielmehr auch in den pulsierenden Boulevards der Innenstadt. Versteckte Nebensächlichkeiten machen das Stadtgeschehen interessant und witzig. Wie der exzentrische Ladenbesitzer mit seinen ulkigen Auslagen, balancierende Affen auf Stromleitungsgewirr, die Idylle kurioser Hauseingänge oder eine buddhistische Mönchsgruppe die gemeinsam den Moment genießt. Keine Spur von einer kalten anonymisierten hektischen Stadtmaschinerie. Man könnte meinen, Phnom Penh hat sich noch den gewissen ländlichen Charme früherer Zeiten bewahrt. Am Nachmittag flanieren wir über die quicklebendige Uferpromenade, die parallel zum Preah Sisowath Quay verläuft. Auf Höhe der Flussmündung des Tonle Sap in den Mekong befindet sich exakt die weite Anlage des Königspalastes und bildet das kulturelle Zentrum der Stadt. Etwas weiter nördlich liegt das besichtigungswürdige National Museum, das wunderbare Exponate aus der Angkorzeit präsentiert. Nicht weit davon entfernt der Ursprungsort der Stadt - Wat Phnom. Ein künstlicher, knapp 30 Meter hoher Hügel auf dem der bekannteste buddhistische Tempel der Stadt seinen Platz gefunden hat. Am Abend besuchen wir eine legendäre Institution von Phnom Penh den „Foreign Correspondents‘ Club“, kurz FCC genannt. In Kriegstagen traf sich hier die internationale Journalistenschar um neueste Nachrichten über das aktuelle Kriegsgeschehen der ganzen Welt mitzuteilen. Das alte Kolonialstilhaus änderte nach Ende des Kriegs zwangsläufig auch seine räumlichen Funktionen. Bar, Restaurant und ein Cafe zogen neue Besucher an, die heute zum kühlen Drink den historischen Hintergrund dieses Ortes erfahren. Geblieben ist eine Stätte der Erinnerung, die mit wechselnden Fotoausstellungen die dramatische Geschichte von Kambodschas Hauptstadt aus erster Hand erzählt. 11
METROPOLE PHNOM PENH
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Preah Sisowath Quay mit Uferpromenade am Tonle Sap.
StraĂ&#x;enszene mit Chan-Chaya Pavillon.
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Hauseingang im Angkorstil mit LÜwenwächter Repliken.
Souvenirs aus Phnom Penh.
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Patrouillengang über den Straßen von Phnom Penh.
Novizen am Tonle Sap.
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FFC Clubräume mit historischer Fotogalerie und „Rote Khmer“ Plakat.
FFC - Foreign Correspondents‘ Club Gebäude.
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Phnom Penh liegt in der flachen Flussebene von Mekong und Tonle Sap auf einer Meereshöhe von knapp 20 Meter. Nur an einer Stelle im Zentrum der Stadt gibt es eine kleinere künstliche Erhebung, die genau 27 Meter höher ist als der gewachsene Boden. Es ist ein magisch religiöser Ort, um den sich eine sehr alte Legende rankt. Im Jahr 1372 so wird erzählt, soll eine wohlhabende Witwe namens Daun Chi Penh in der Nähe ihres Hauses einen auf dem Fluss treibenden hohlen Baumstamm entdeckt haben, in dessen Innerem vier kleine Buddha Statuen aus Bronze und eine aus Stein lagen. Erstaunt über diesen höchst seltsamen Fund errichtete sie aus religiöser Ehrfurcht zusammen mit ihren Nachbarn ein erhöhtes Bodenstück und setzte zu Ehren der Fundstücke einen Schrein darauf. Fortan hieß der Hügel bei den Einheimischen nach seiner Finderin „Phnom Penh“ („Phnom“ heißt Hügel) und wurde zum Namensgeber der späteren Hauptstadt von Kambodscha. Etwa 60 Jahre später zog König Ponhea Yat, der letzte König des mächtigen Khmer-Reiches am Schrein von Phnom Penh vorbei und gab den Befehl den Hügel um ein Vielfaches zu vergrößern und zu erhöhen, um darauf einen hölzernen Tempel zu bauen, der schon von weitem sichtbar sein sollte. Dieses war der erste Umbau unter dem Namen Wat Phnom, was soviel wie Tempelhügel heißt. Noch viele Umbauten der Anlage sollten folgen. Je nach Intention und Laune der jeweiligen Herrscher wurden an dem sakralen Objekt Veränderungen vorgenommen, die auch immer Auswirkungen auf seine Bedeutung hatte. So wurde die buddhistische Tempelanlage im Laufe seiner 600-jährigen Geschichte ein Konglomerat aus vielen verschiedenen Stilen, die sowohl taoistischen als auch konfuzianischen oder hinduistischen Glauben repräsentieren.
L E G E N D E W AT P H N O M
Unsere Exkursion begann am östlichen Fuß des Hügels von Wat Phnom. Wir standen vor einer ausgefallenen Freitreppe, die offiziell der Haupteingang zum obenliegenden Tempelkomplex ist. Sie wird von zwei Naga, den mythischen Schlangen des Hinduismus und Buddhismus, bewacht. In Form eines siebenköpfigen Kobrafächers weisen sie den Weg zur Pagode, die weiter oben ein weiteres Mal von sechs anderen Treppenwächterfiguren beschützt wird. Im Inneren des feingeschmückten Tempels befindet sich ein großer Bronze Buddha, der von einer Vielzahl bunter Freskomalereien umgeben ist. In einer Khmer Version wird hier der Ramayana Mythos pittoresk erzählt. Direkt hinter dem Tempelgebäude ragt ein riesiger Stupa auf, in dem die sterblichen Überreste von König Ponhea Yat liegen. Das gesamte buddhistische Heiligtum ist von einer herrlichen Grünanlage umgeben, die erst Ende des 19. Jahrhunderts von der französischen Kolonialmacht angelegt wurde. Viele Gläubige und Besucher schätzen ihre schattenspendende Wirkung während ihres ausgedehnten Besuchs. Neben dem großen Tempelgebäude befindet sich auch der Schrein zu Ehren der Witwe Daun Chi Penh. Sie wird von vielen Gläubigen mit allerlei Speiseopfer, Blumen und sogar mit Spielgeld bedacht. Viele Frauen kommen hierher und zollen der Gründerin von Phnom Penh ihren Tribut. Beim Verlassen der Anlage entdecken wir im unteren Teil noch ein interessantes symbolisches Denkmal zu Ehren König Sisowath, der durch ein erfolgreiches Vertragswerk mit Thailand drei lang annektierte kambodschanische Provinzen 1907 zurückbekam. Am Ende unseres Rundgangs erfahren wir, dass allein der Besuch Wat Phnoms jedem Glück bringen soll. 21
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Der kleine Stupa von Wat Phnom.
Buddhistische Besucher in Wat Phnom.
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Buddha Inkarnation.
Wat Phnom Stupa - Grabstätte des letzten Khmer Königs Ponhea Yat (1394–1463).
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Spielgeldverkäuferin - Obolus fßr die Ahnen.
Wat Phnom Tempelfiguren.
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Lotusgabe für die Götter.
Schrein in der Wat Preah Chedey Borapaut Pagode (erbaut 1372).
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Manche kulturgeschichtlichen Bauwerke lassen sich aufgrund ihrer puren Erscheinungsform nicht unbedingt in einen Zeitatlas einordnen. Im Falle des Königspalastes von Phnom Penh hat man sicherlich ein solches Objekt vor sich. Allein schon wegen seiner ungewöhnlichen Baustruktur und seines fremdartig arabesken Stils ist man versucht, ihn wesentlich älter zu schätzen als er in Wirklichkeit ist. Als Nichtexperte wundert und täuscht man sich zugleich, dass er ein Produkt des 19. und 20. Jahrhundert ist und außerdem unter Bauführung der fremden Kolonialmacht Frankreich realisiert wurde. Die erste Bauphase begann schon 1813 als Ang Chan II. die Zitadelle Banteay Kev für sich errichten ließ. Der Baugrund lag an einer prädestinierten Stelle mit Namen Chaktomuk, dort wo der Fluss Tonle Sap sich mit dem Mekong verbindet. Auf Anraten der französischen Kolonialherren, die als Schutzmacht für das kambodschanische Königshaus agierte, wurde die königliche Residenz bis zum Jahre 1863 komplett von der Provinzstadt Oudong in die 25 km entfernte Hauptstadt Phnom Penh verlegt. König Norodom I. überbaute dann diesen Baugrund mit der heute noch sichtbaren Architektur. Allerdings waren zu dieser Zeit noch alle wichtigen Gebäudeteile aus korrosionsanfälligem Holz gefertigt. Erst unter König Sisowat, der seine Regentschaft von 1904 bis 1927 hatte, wurden alle bestehenden Palastgebäude bautechnisch vollständig erneuert und unter französischer Bauführung als Steinbauten identisch reproduziert. Alle gestalterischen Stilelemente orientierten sich an alter kambodschanischer Architekturtradition. Ihre pagodenhafte verschnörkelten Giebel und Dächer, wie auch feinste Fassadendetails wurden in die Steinbauten der Neuzeit adaptiert. Der gesamte Palastkomplex wurde nach Osten ausgerichtet und besteht im Wesentlichen aus neun Gebäuden mit unterschiedlichen Funktionen.
DER KÖNIGSPALAST
Populärstes Gebäude davon ist die Architektur der Thronhalle, die einen stattlichen Grundriss von 30 auf 60 Meter hat. Sie befindet sich noch bis heute für religiöse und königliche Zeremonien im Einsatz und ist deswegen auch im Innenbereich für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Ihr Baukörper erstrahlt in einer phantastischen, barockanmutenden Gartenanlage mit tropischem Blumen- und Pflanzenbestand. Die frühere Holzarchitektur aus Zeiten König Norodoms wurde 1919 vom kambodschanischen Architekten Neamit detailgetreu in Stein überarbeitet. Eine Reminiszenz an die Gesichtertürme von Bayon in Angkor Thom ist der 59 Meter hohe goldene Spitzturm mit seinem markanten Kopf, der in alle vier Himmelsrichtungen schaut. Im Inneren des Thronsaales steht der goldene Königsthron, der von einem mehrstufigen Schirm überdacht wird und Friedfertigkeit, Himmelszugehörigkeit und Strebsamkeit symbolisieren soll. Rechts von der Thronhalle steht das Schatzkammergebäude, das als Bronze-Palast bekannt ist und die königlichen Insignien asserviert. Gleich dahinter der Pavillon Napoleon III. Ein Geschenk des Kaisers der Franzosen, der ursprünglich dieses Gebäude für seine Frau Eugénie anlässlich der Eröffnung des Suezkanals 1869 anfertigen ließ. 31
Das Gebäude wurde an seinem Standort vollständig demontiert und in Phnom Penh wieder neu aufgestellt. Rechter Hand nach hinten versetzt liegt der Khemarin Palast, der bis heute die offizielle Residenz des Königs von Kambodscha ist und als Privatsitz keinen öffentlichen Zutritt erlaubt. In nordöstlicher Richtung in Nähe des Westufers steht der wirkungsvolle Chan-Chaya-Pavillon, der als Festbühne für den klassischen Khmer Tanz dient und zugleich Plattform für den König ist, wenn er Paraden abnimmt oder Ansprachen an sein Volk hält. Auf dem Weg zur Silberpagode passieren wir in südlicher Richtung die fast schlicht wirkende Phochani Halle. Sie wurde als Bankettsaal konzipiert und ist für Festmahle, Tanz- und Musikaufführungen ausgerichtet.
die perfekte Reiterstatue, das Napoleon III. auf einem weißen Ross zeigt, zu ihrem neuen Standort nach Phnom Penh. Wahrscheinlich in Ermangelung einer adäquaten Herrscherstatue für den König wurde kurzerhand die französische Großskulptur modifiziert, indem man das Haupt Napoleons gegen das von Norodom austauschte. So konnte mit relativ wenig Aufwand ein meisterhaftes neues Denkmal im Pagodenhof installiert werden. Ein weiteres Kleinod, der etwas anderen Art, befindet sich auf der Westseite der Silberpagode. Es ist ein exzellent detailgetreues Maßstabsmodell von Angkor Wat, wie es vollständig zu seiner Blütezeit ausgesehen haben mag. Für uns war es gleichzeitig ein optimaler Vorabgenuss, auf das was uns tatsächlich in den nächsten Tagen erwarten würde.
Durch einen über 600 Meter überdachten Mauergang getrennt, erreichen wir über ein schön gestaltetes Tor den großen Pagodenhof von Wat Preah Keo Morokat, der Silberpagode. Es ist der religiöse Bereich des Palastes. Hier befinden sich ausschließlich sakrale Bauten, Monumente oder Stupas, in der die Asche ehemaliger Könige der Norodom Dynastie und deren Familienangehörige aufbewahrt werden. Schon der Mauergang allein, ist für sich ein sehenswertes Kunstobjekt, weil hier im Jahr 1903 ein 40-köpfiges Künstlerteam unter Leitung des führenden Experten für Khmer-Bildtradition, Okhna Tepnimit Mak, das Reamker Epos aufwendig als überdimensionales Fresko konzipiert und gemalt hat. Es ist die Khmer Version des indischen Ramayana Epos aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Natürlich ist das wichtigste Gebäude im Pagodenhof die Silberpagode selbst. Auch sie ist heute nur noch eine Reproduktion von der früheren Holzversion aus dem Jahre 1892. Sie wurde aber erst 1962 als Betonbau nachgebildet. Übrigens war das ursprüngliche architektonische Vorbild die Pagode Wat Phra Keo aus dem Königspalast von Bangkok. Ihre mehrstufig verschachtelte Dachkonstruktion wird heute von italienischen Marmorsäulen getragen und im Inneren der Pagode wird der Boden von über 5.000 Fliesen aus kambodschanischem Silber bedeckt, die auch ihr Namensgeber sind. Im Zentrum der Halle steht auf einem edlen Altarsockel die grüne Buddha Figur aus dem 17. Jahrhundert, gefertigt aus wertvollem Baccarat-Kristall. Noch imposanter ist aber der 90 Kilogramm schwere Buddha aus massivem Gold, der mit über 2.000 Diamanten und Edelsteinen besetzt ist, die aus der royalen Schatzkammer stammen. Er wurde extra 1907 für den populären König Sisowath gegossen. Der weite Pagodenplatz wird dominiert von vielen symbolträchtigen Bauwerken, die eigens zum Gedenken an verstorbene Mitglieder der königlichen Familie geschaffen wurden. Ein etwas kurioses Denkmal ist allerdings das große Reiterstandbild von König Norodom, das zusätzlich von einem pavillonartigen Bau umrahmt ist. 1875 gelangte 32
König Norodom in napoleonischer Reiterpose.
Modell von Angkor Wat - im Hintergund Gebäude des KÜnigspalastes mit Turmspitze des Thronsaales.
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SĂźdostansicht des Thronsaales.
Der Thronsaal - offizieller Ort für königliche Zeremonien und Empfänge.
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Thronsaal Säulen Detailansicht.
Der 59 Meter hohe Spitzturm auf dem Thronsaal ist eine Reminiszenz an die GesichtertĂźrme von Bayon.
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KÜnigliches Administrationsgebäude Damnak Chan.
Chan-Chaya-Pavillon - Ort für Musik und Tanzaufführungen und die Tribühne des Königs.
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Phochani Halle - der kรถnigliche Bankettsaal.
Aufgang zur Phochani Halle.
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Mauergang mit Reamker Fries und Tor zum Pagodenhof.
Der 604 m lange Reamker Fries erzählt die Khmerversion des hinduistischen Ramayana Epos.
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Pagodenhof mit Blick auf Reamker Fries und Phochani Halle.
Kรถnigliche Schatzkammer (Hor Samrith Phimean).
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Die Silberpagode (Wat Preah Keo Morokat).
Stupa von Kรถnig Norodom.
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Pagodenhof mit Reiterstandbild von Kรถnig Norodom.
Stupas - die kÜniglichen Grabstätten.
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Die Grundsteinlegung für das National Museum in Phnom Penh war im August 1917, in einer Zeit als Kambodscha unter dem Protektorat von Frankreich stand. Nach knapp drei Jahren Bauzeit wurde das fertiggestellte Ausstellungsgebäude in Anwesenheit seiner Majestät König Sisowath, dem französisches Gouverneur Francois-Marius Boudoin und dem Museumsdirektor George Goslier feierlich eingeweiht. Letzterer ist einer der schillerndsten Persönlichkeiten, die untrennbar mit dieser berühmten Institution verbunden sind. Als Universalgelehrter war George Groslier nicht nur wegen seiner außerordentlichen Kompetenz in Sachen Kulturgeschichte des alten Khmer Reiches Dreh- und Angelpunkt für dieses Museumsprojekt, sondern auch wegen seiner starken Zuneigung zum Land selber. Außerdem gab sein enormes Multitalent als Schriftsteller, Historiker, Ethnologe und Architekt, dem Museum internationale Beachtung und Renommee. Wie kein anderer konnte er die Qualität seiner bedeutungsvollen Ausstellungsstücke kommunizieren. 1917 wurde er eigens vom Generalgouverneur von Indochina Albert Sarraut, dem späteren Premierminister von Frankreich beauftragt, dieses Kunstmuseum zu gründen und gleichzeitig eine Kunstschule für Kambodscha zu organisieren. Zusätzlich halfen ihm seine Kenntnisse in der Khmer Sprache diese Aufgaben mit Bravour zu realisieren. Groslier‘s Credo war, wie er es nannte eine „Rettungsmission“, um die einheimische Kunst Kambodschas vor der Zerstörung zu bewahren. Er war es auch, der das ansprechende Museumsgebäude konzipiert und entworfen hat. Aus der traditionellen KhmerArchitektur heraus, entwickelte er einen genialen museumstauglichen und erweiterungsfähigen Gebäudekomplex, der die vielfältigen Exponat-Formate anschaulich präsentieren konnte. Sein Entwurf basierte auf Khmer Tempelprototypen, wie sie auf historischen Basreliefs abgebildet sind. Das Gestaltungsprinzip bezog sich auf vier miteinander verbundene Galeriebauten, die sich um einen begrünten Atriumhof gruppieren. Daraus entstand ein gelungenes traditionsübergreifendes Architektur-Ensemble, das unter tempelartigen Schachteldächer und Türmchen viele 100 Quadratmeter Ausstellungsfläche bereitstellen konnte.
KUNSTHISTORISCHES MUSEUM
Die Sammlung umfasst heute mehr als 14.000 Objekte aus prähistorischer Zeit, bis zu den Perioden vor, während und nach dem Khmer Reich. Einzigartige Keramiken, Bronzen, Steinskulpturen aus der geheimnisvollen Khmer Vergangenheit begeistern nicht nur das allgemein interessierte Publikum, sondern auch viele Experten weltweit. Zum Ende der Kolonialzeit wurde die Verwaltungshoheit über das Museum endgültig 1951 von den Franzosen an die Kambodschaner weitergegeben. Während des Regimes der Roten Khmer von 1975-79 befand sich das Museum in einem absolut desaströsen Zustand und war fast dem Untergang geweiht. Die Sammlungen waren verwüstet, die Räume geplündert, der Garten verwildert und die Gebäudedächer baufällig. Ein Ort des Niedergangs, wie er nicht schlimmer sein konnte. Doch schon im April 1979 wurde nach der Niederschlagung des Pol Pot Terrors mit größter Kraftanstrengung das Museum wiederaufgebaut. Heute ist das Museum in einer erstklassigen und ausstellungswürdigen Verfassung und kann seinen einzigartigen Artefakten jene Plattform bieten, die ihnen gebührt. Im Geiste von Groslier wird hier ein Teil der wertvollsten Kunstschätze der Menschheit mit Würde und Verantwortung präsentiert. 51
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Im Innenhof des Kunsthistorischen Museums.
Steinstatue des Lepra Kรถnigs Yasovarman I.
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Buddha-Kopf aus dem 12. Jahrhundert.
Exponate aus der FrĂźhzeit Angkors.
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Khmerschrift auf Steinstele - frĂźheste Schriftdokumente stammen aus dem 6. Jahrhundert.
Angkor Buddha Exponat aus dem 12. Jahrhundert.
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Angkorianische Gรถtterwelten auf Holztafeln.
Jayavarman VII. der Gottkรถnig vor Bayon.
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Exponate aus dem 10. Jahrhundert.
Innenhof Ambiente mit Galeriengebäude.
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Wer in einem Land, das gleichermaßen von abwechselnder starker Trockenheit und Monsunfluten gepeinigt wird, die Ressource Wasser kontrollieren kann, hält ein wertvolles Machtinstrument in seiner Hand. So legte im 10. Jahrhundert die technische Intelligenz der Khmer in Kambuja (dem späteren Kambodscha), die Grundlage für eine blühende Kultur und Machtfülle. Ihr König Yasovarman I. ließ von einem Heer an Arbeitern gigantische Staubecken und Kanalnetze bauen und machten so die Wasserfluten, die aus den Kulen Berge während der Monsunzeit herabschossen, nutzbar für seine Landwirtschaft. Es waren nun drei Reisernten während eines Jahres möglich und ihr Überschuss machte ihn reich und mächtig: Denn die Währung hieß Reis. Sein Machteinfluss expandierte, indem er durch erfolgreiche Kriegszüge die umliegenden Nachbarländer untertan machte. Sein Land wurde zu einem Kulturimperium, das im Zenit seines Ruhmes zum größten Machtzentrum von ganz Südostasien emporstieg. Von Birma und Siam im Westen bis nach Vietnam im Osten reichte sein Machteinfluss. Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Kapitale Angkor Thom zum Herrschersitz aller nachfolgenden Könige und mit über einer Million Einwohner war sie der größte urbane Komplex in der vorindustriellen Welt. Fast alle Khmer Herrscher waren einer ausgeprägten Baubegeisterung verfallen, die zahllose Tempel entstehen ließen, um ihren religiösen Glauben sichtbar zu machen. Aber es war auch ein Wettbewerb der Eitelkeiten, um geistige Ideale und Maxime auszuleben. Sie huldigten spirituellen Sphären, in denen göttliche Geschöpfe, wie die Apsaras als himmlische Tänzerinnen und Botinnen zwischen Menschen und Götter fungierten. Zeigte sich einmal der König der breiten Öffentlichkeit gab es größte Spektakel. Feuerwerke wurden abgebrannt, Prozessionen mit goldgezäumten Elefanten und Pferde und Hunderte von buntgeschmückten Palastfrauen zeigten die ganze Pracht des Königreiches. Feste waren Kult, Macht und Zeichen des Überflusses. Eine enorme Infrastruktur wurde notwendig um all die Menschenmassen im täglichen Leben zu versorgen und die vielen Bauvorhaben zu realisieren. Logistische und nahrungstechnische Probleme wurden mit dem Bau von gigantischen Wasserspeicher gelöst. Ihre Verbindungskanäle waren zugleich Frachtwege für die Versorgung und die Bewässerung der vielen Reisfelder. Gleichzeitig waren sie tauglich zum Schwertransport der Steinquader für die Tempelbauten. In einer Steleninschrift im Tempel Ta Prohm wird dieser Aufwand konkret beschrieben. Allein für Ta Prohm, einer relativ kleinen Anlage, arbeiteten 12.460 Fronarbeiter. Außerdem bauten 66.000 Bauern über 2.500 Tonnen Reis pro Jahr an, um sich und die große Anzahl von Priestern, Tänzern und Vasallen zu ernähren. Was dies für größere Baukomplexe wie Bayon oder Angkor Wat bedeutet hat, sprengt jede Vorstellungskraft.
MYTHOS ANGKOR
Ein anderer Aspekt der Khmer Kultur ist ihre geistig ideologische Ausrichtung, die auch grundlegender Baustein für ihre frühe Hightech Zivilisation war. Angkor hinterließ viele steingehauene Zeugnisse auf denen sich die eigene Geschichte und Religion trefflich reflektierte. Auf Torbögen und Stelen der heiligen Stätten wird mit eigenen Schriftzeichen kommuniziert, die schon im 6. Jahrhundert aus der indischen Schrift abgeleitet wurde. 63
Alle diese Aufzeichnungen gaben auch Aufschluss, welche geistigen Strömungen Angkor in ihrer 600jährigen Existenz durchlaufen hat. Durch Handelsbeziehungen zum indischen Subkontinent lernten die Khmer Eliten die Religion und Denkweise indischer Kultur kennen, die wesentlich stärker ausgeprägt war als ihre eigene. Beeindruckt von Indien und deren tiefe spirituelle Verwurzelung mit dem Hinduismus und Buddhismus brachten so Khmer Handelsreisende ihre neuen Erkenntnisse ihren heimischen Potentaten mit. Der Priesterschaft stand nun die Aufgabe zu, diese religiösen Weltsichten so zu verarbeiten, dass die Macht des jeweiligen Herrschers gesichert blieb oder bestenfalls noch erweitert werden konnte. Sie wurden mit neuen Lehren konfrontiert wie die der Astronomie, und bekamen Wissen und Glauben vermittelt über magische Verbindungen zwischen Mensch und Universum, sowie das Thema von Mikro- und Makrokosmos. Eine komplexe Glaubensphilosophie wurde übernommen, die sich letztlich auch in der Architektur von Angkor niederschlug. Stadt und Tempel sollte nach dem archaischen Abbild des Kosmos gebaut werden. Man war der festen Überzeugung, dass die Kopie des kosmischen Ordnungsgefüges allen Schutz und Wohlergehen sichert. In diesem kosmologischen Modell ist die Welt ein Viereck umgeben von Gebirgsketten in dessen Zentrum der Weltenberg Meru steht. Jenseits davon dehnen sich die mythischen Ozeane unendlich aus. Ein Tempel wurde nun genau nach diesem Prinzip gestaltet. So ist der umgebene Wassergraben der Urozean, die inneren Begrenzungsgemäuer die Gebirgsketten und als Weltenberg steht der Tempel mit seinen Türmen in der Mitte. Angkor Wat ist das klassische Beispiel für dieses kosmologische Konzept. Diese Denkweise wurde nicht nur auf die dingliche Welt übertragen, sondern auch auf die des Menschen. Die damalige Glaubenslehre korrespondierte mit dem Bewusstsein, vom Weiterleben der Könige in einem jenseitigen, göttlichen Sein. So ließ sich im Jahre 802 König Jayavarman II. als universeller Herrscher weihen. Mit dem neuen hinduistischen Devaraja-Kult eröffnete er sich eine Stellung als Gott-König. Seit dieser Zeit fühlten sich die Angkor Könige dazu auserkoren, an der göttlichen Energie des ewigwährenden Seins ihres Gottes Shiva Teil zu haben. Bedacht mit dieser universellen Macht, bewahrten sich so alle Khmer Könige widerspruchslos ihre autokratische Position. Zwar gab es immer wieder Thronstreitigkeiten, doch die monarchische Zukunft von Angkor war zwischen dem 9. - 15. Jahrhundert nie in Gefahr. Das 11. Jahrhundert war eine Zeit der Unruhe und der brutalen Machtkämpfe innerhalb den königlichen Machtstrukturen und Nachfolgen. Erst als Suryavarman II. am Anfang des 12. Jahrhunderts das Reich wieder einte und auch erweiterte, war eine positive Aufbruchsstimmung zu spüren. Unter seiner Regentschaft wurde in einer 37-jährigen Bauzeit der größte Tempel Angkors gebaut, der dem Gott Vishnu geweiht wurde. Ursprünglich Vishnuloka genannt, entstand so Angkor Wat, das auch im 21. Jahrhundert noch die größte Tempelanlage der Welt darstellt. Vermutlich starb er während eines Kriegszuges zwischen 1145-1150 gegen die Cham.
Wieder begann eine Periode der Unruhe und Rebellion in Kambuja und die Khmer verloren schließlich die strategisch wichtige Seeschlacht auf dem Tonle Sap See gegen das erstarkte Cham Heer. Dies war der schwerste Schlag gegen die Khmer und Angkor wurde für kurze Zeit Provinz der südvietnamesischen Cham Dynastie. Als letzter der großen Könige von Angkor gilt Jayavarman VII. nicht nur weil ihm die Gebiets-Rückeroberung von den Cham glückte, sondern auch weil er das Tyrannentum gegenüber seinem Volk abschaffte. Als Anhänger des Mahayana-Buddhismus leitete er einen Paradigmenwechsel ein, der sich in großen Bauvorhaben manifestierte. Die neue Hauptstadt hieß nun Angkor Thom mit seinem spektakulären Haupttempel Bayon. 49 hohe massive Gesichtertürme, die mit monumentalen Köpfen dem buddhistischen Erleuchtungswesen Bodhisattva gewidmet waren, machten der sakralen Stätte Angkor Wat Konkurrenz. Jayavarman VII. ließ auch ein gewaltiges Wasserreservoir im Maß von 750 x 450 Meter komplett mit Sandstein einfassen, das heute noch vollständig intakt ist. Er realisierte ein umfangreiches Straßennetz mit über 100 Rasthäuser, die die Provinzstädte des Reiches sicher verknüpften. Aus dem sozialen Engagement des Buddhismus heraus, baute er für sein Volk über 100 Hospitale, die dem „Medizin Buddha“ Bhaisajyaguru geweiht waren. Die Folgezeit nach Jayavarman VII. ist eine geschichtliche Grauzone. Man weiß aber, dass die nachfolgenden Khmer Könige sich aus den zuvor eroberten Provinzen der Champas nach und nach zurückzogen. Im 13. Jahrhundert kam es plötzlich zu Auflehnung und Rebellion gegen die buddhistische Religion und Bevormundung von Angkor Thom. Der blinde Hass von Bilderstürmern zerstörten 10.000 Buddha Statuen und buddhistische Tempel wurden wieder zur hinduistischen Glaubenslehre rückgeführt. Ab dieser Zeitphase wurden keine neuen Tempelanlagen mehr gebaut und die Geschichtsschreibung verliert sich nur noch in diffusen Aufzeichnungen. Der Abstieg und Fall Angkor‘s stand unmittelbar bevor. Noch heute wird spekuliert was den Untergang letztlich bewirkte. Sicher waren es mehrere Aspekte, die zum Untergangsszenario führten. Zum einen die politische Zerstrittenheit, zum anderen waren aber viel größere Kräfte am Werk. Eine wissenschaftlich nachgewiesene Klimaveränderung in dieser Zeit brachte extreme Trockenperioden in das überbevölkerte Angkor. Die Khmer Wasser-Ingenieure konnten die notwendigen Wassermengen des Tonle Sap Sees nicht mehr effektiv umlenken, weil die einzige Pumpe, die der Schwerkraft, letzten Endes versagte. Angkors geheimnisvolles Ende ist eine ernüchternde Lehre, dass menschlicher Gestaltungswille nicht unbegrenzt über der Natur stehen kann. Genialer menschlicher Erfindungsgeist konnte zwar eine 600-jährige phantastische Zivilisation erzeugen, aber nur solange bis eine stärkere Kraft ihnen ihre Grenzen aufzeigte.
Geheimnisvolle Affen-Mensch Wächterfiguren in der Zitadelle der SchÜnheit - Banteay Srei.
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Große Kulturen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre technischen Eliten in der Lage waren die geistigen Ideen ihrer Zeit umzusetzen und zu verwirklichen. Das gilt für alle Hochkulturen, ob Ägypter, Griechen, Römer, Azteken, oder wie hier das alte Khmer Reich in Südostasien. In der Herrschaft von Khmer König Suryavarman II., die von 1113-1150 währte, wurde das größte sakrale Bauwerk geschaffen, das die Menschheit je hervorbrachte. Ursprünglich wurde der Staatstempel der höchsten hinduistischen Gottheit Vishnu geweiht und hieß „Vrah Vishnuloka“, (der heilige Wohnsitz von Vishnu). Doch erst Ende des 13. Jh. erhält das Jahrtausendbauwerk seinen heutigen Namen Angkor Wat als es sich unter König Jayavarman VII. zum buddhistischen Haupttempel der neuen Metropole Angkor Thom transformierte. Die Blütezeit der Khmer Dynastien war in vollem Gange und ihre religiösen Überzeugungen fanden Ausdruck in genialen Architekturprojekten. Suryavarman II. baute in einem Zeitraum von 37 Jahren diese gigantische 163 ha große Tempelanlage, die als eines der schönsten und größten Gesamtkunstwerke der Menschheit gilt. Hinduistische Mythologie und astronomische Erkenntnisse wurden hier in der architektonischen Grundstruktur verankert. So erleben jedes Jahr tausende Menschen ein phantastisches Schauspiel, wenn nämlich exakt hinter dem zentralen höchsten Turm des Quincunx zur Tag- und Nachtgleiche im März und September die Sonne aufgeht. Mit diesem grandiosen Eyecatcher unterstrich der Khmer König seine Macht, die eine unerreichbare Größe und Göttlichkeit darstellte. Die Gestalt des gesamten Tempelkomplexes unterstand dem kosmologischen Modell der hinduistischen Glaubensphilosophie. So umgibt die Tempelanlage ein gigantischer Wassergraben mit 5km Länge und 180m Breite, der den Urozean symbolisiert. Fünf Türme stellen das Zentrum des Universums dar, und die 7 Ringe im 43 m hohen Zentralturm verkörpern die 7 Bergketten des heiligen Berges Meru. Basis für die Turmkonstruktion bildet eine dreistufige Terrasse, die die drei Elemente Erde, Wasser, Wind allegorisieren. Im Gegensatz zu anderen Khmer Tempel und Bauwerken ist Angkor Wat nicht nach Osten ausgerichtet. Laut dem französischen Archäologen Maurice Glaize, deutet das darauf hin, dass der Tempel auch als Grabstätte für König Suryavarman II. konzipiert wurde und deshalb in Richtung des Totenreiches nach Westen weisen musste. Nach Schätzungen lebten bis zu 20.000 Menschen in Angkor Wat, die sich aus königlichem Hofstaat und dem Tempelpersonal summieren. Die prunkvolle Ausstattung des Tempelinneren lässt sich leider nur noch vage nachvollziehen. Jedoch lässt sich aus Fundstücken und den bestehenden Objekten interpretieren mit welcher Fülle und Pracht Angkor Wat sich ehemals präsentierte. Wunderschöne Flachreliefs und Deckenfreskos lassen die einstige Opulenz erahnen. Götter, Dämonen und Mythenbilder in feinster Manier gemeißelt, zieren rätselhaft die vielen Wände. Rund zweitausend Apsaras und Devata Göttinnen machen den Tempel zum magisch mystischen Ort. Sonderliche Balusterfenster, imposante Promenaden und Säulengänge, Terrassen und Turmtreppen unterstreichen die Grandiosität des unglaublichen Bauwerks. Der erste westliche Besucher, der Kapuzinermönch Antonia da Magdalena, der 1586 Angkor Wat besuchte, beschrieb sein Staunen mit den Worten: „Es ist so außergewöhnlich, dass man es weder mit der Feder beschreiben, noch mit einem anderen Monument auf der Welt vergleichen kann“. 67
T E M P E L G I G A N T A N G K O R WAT
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Menschenmenge beobachtet Sonnenaufgang in Angkor Wat vor kleinem See an der Westgalerie.
Kurz nach Sonnenaufgang am Nord-West-Turm von Angkor Wat.
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Feinste Mauerornamentik.
Morgenstimmung auf Angkor Wat‘s zweiter Terrasse.
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Steiler Aufstieg zum Nord-West Turm.
Erste Terrasse mit Innenhof und Umfriedungsmauer.
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Mauerdekor Relikte.
Zwei himmlische Devata Gรถttinnen.
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Typische Balusterfenster an AuĂ&#x;enfassaden.
Nebengebäude mit Freitreppe zur ersten Terrasse.
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Buddhistischer MÜnch segnet Besucherin in Tempelsäulengang.
GroĂ&#x;artiges Tempel Deckenfresko.
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Apsara Fries mit vier Tänzerinnen.
Säulengang mit Apsara Friese.
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Angkor Wat‘s Süd-Westansicht.
Buddhistische Mรถnche besuchen Westgalerie.
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Seerosenidylle im groĂ&#x;en Wassergraben.
Mรถnche an der Wassergraben Balustrade.
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Das ist eine Bildunterschrift
Das starke Heer der südvietnamesischen Cham kamen mit Schiffen über den Tonle Sap See und eroberten im Juli des Jahres 1177 die große Hauptstadt des Khmer Reiches - Yasodharapura. Ihre Zerstörung war jedoch nicht das Ende der Khmer Kultur, sondern im Gegenteil, es war eher der Anfang einer ruhmvollen Epoche. Sie wurde geprägt von einem Mann, der zunächst als junger Heerführer und später als glanzvoller König Jayavarman VII. Geschichte schrieb. Seiner Hartnäckigkeit und erfolgreichen Kriegsführung war es zu verdanken, dass er nach vier Jahren Rückeroberungszeit schließlich die Invasoren besiegte und aus dem Land drängte. Beliebt bei seinem Volk wie keiner zuvor, bestieg er 1181 den Königsthron und leitete die bedeutendste Ära von Angkor ein. Obwohl seine knapp vierzigjährige Regentschaft von vielen Kriegszügen geprägt war, entstanden unter seinem Protektorat so viele sakrale und profane Bauten wie nie zuvor. Ihre phantastischen Architekturen sind von unvergleichlicher Schönheit und Originalität. Sie bildeten den eigentlichen und dauerhaften Ruhm von Angkor. Nahe der zerstörten Kapitale von Yashodharapura entstand auf mehr als 9 Quadratkilometer das Zentrum von Angkor Thom. In- und außerhalb ihrer Stadtmauern entwickelte sich eine so große Bevölkerungsdichte, dass sie die erste Millionenmetropole des Mittelalters wurde. Quadratisch, nach kosmologischer Lehre angelegt, entsprach sie dem Ordnungsprinzip des Mahayana-Buddhismus. Ihre visionäre Gestaltung sah vor, die Macht und Wertschätzung ihres Herrschers mit monumentalen Bauwerken ausdruckstark zu unterstützen. Schon bevor man in die Stadt durch ihre fünf Stadttore mit den wuchtigen Gesichtertürme gelangte, musste man ein Spalier von 108 sogenannten Giganten passieren. Insgesamt 540 schwergewichtige Steinfiguren säumen links und rechts als Balustraden fünf Brücken, die einen 100m breiten Wassergraben überspannen. Die linke Gruppe ausgestattet mit anmutigen Gesichtern, die rechte dagegen mit furchterregenden hässlichen Fratzen. Beim Durchqueren des Torturmes wird einem heute der psychologische Faktor dieser Herrschaftsarchitektur bewusst. Eine steingewordene Machtdemonstration, die Furcht und zugleich Bewunderung auslöste. Diese Motive spielten bei der Konzipierung von Angkor Thom sicherlich eine gewichtige Rolle. Die Stadt sollte fremden Besuchern Respekt abgewinnen und seinen Bewohnern Sicherheit und Stolz verschaffen. Jayavarman VII. dem MahayanaBuddhismus zugeneigt, verordnete seinem Volk eine neue Religion ohne jedoch das alte hinduistische Wertesystem zu ignorieren. Sein Liberalismus wurde von der Bevölkerung hochgeschätzt und seine langjährige Regentschaft erfuhr deshalb höchste Anerkennung. So konnte er ohne Widerstand überall in und außerhalb von Angkor Thom buddistische Tempel bauen lassen. Sein Großprojekt der Staatstempel Bayon wurde beinahe so berühmt wie Angkor Wat. Hauptcharakteristikum sind seine gewaltigen Gesichtertürme. Von 50 Türmen stehen heute noch 37 und lassen das Gesicht von Lokeshvara - des Herrschers der Welt - in vier Himmelsrichtungen schauen. Archäologen behaupten, dass des Königs Gesicht als Vorlage diente. Das ist insofern einleuchtend, da der Bodhissattava Kult mit dem Kult des vergöttlichten Königs verbunden war. Der Mythos von Angkor Thom basiert auf dem Gedanken, dass sein Erbauer ständig zwischen Realpolitik und mystischer Glaubenslehre pendelte und daraus Ideen für seine einzigartigen Bauwerke schöpfte. 87
D I E KÖ P F E V O N A N G K O R T H O M
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Ansicht von Angkor Thom‘s Staatstempel Bayon aus dem 12. Jahrhundert.
KopftĂźrme weisen in die vier Haupthimmelsrichtungen.
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Die linke Seite ist die freundliche Balustrade.
Die rechte Seite ist die dämonische Balustrade.
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Dämonischer Gigant am Wassergraben von Angkor Thom.
Dämonen Gruppe tragen die mythische Nadaschlange.
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Schlangetragende Dämonen vor dem Wassergraben in Angkor Thom.
Kopfersatz fĂźr die linke Balustradenseite.
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Die lächelnden Gesichtertßrme von Bayon.
Die Charakteristik der Gesichter entspricht dem Konterfei von Gott-Kรถnig Jayavarman VII.
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Detail aus einem Schlachtszenen Basrelief mit Kampfelefanten.
Schlachtszenen aus dem „Kriegstagebuch“ von Jayavarman VII. an der Tempelmauer von Bayon.
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Devatas mit schรถnem Kopfschmuck.
Devata Gruppe mit Schaufel.
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Verwitterte Gรถtterstatue.
Lokeshvara Kopfstatue.
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Die Terrasse des Lepra Kรถnig.
Der dreikรถpfige Elefant vor dem Treppenaufgang zur Elefanten Terrasse.
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Das ist eine Bildunterschrift
Anfang des 9. Jahrhunderts hatten die ersten Khmer Völker die große Herausforderung angenommen, tropische Naturgewalten gefügig zu machen. Dadurch gelang es ihnen genügend Bau- und Agrarland für ihren Lebensraum zu gewinnen. Während eines Erntejahres galt es extreme Trockenheit und starke Monsunfluten zu widerstehen. Einen effektiven Ausgleich durch die Beherrschung der Ressource Wasser hatten sie erfolgreich durch intelligente Speicher- und Kanaltechnologien organisiert. Damit konnten sie die Urbarmachung und Bewohnbarkeit des kambodschanischen Urwaldes für viele Generationen sichern. Die großen Holzreserven standen einem stetig wachsenden Baubedarf zur Verfügung. Man muss wissen, dass all die Menschen der Khmer Reiche, samt ihren Königen und deren Trosse in Häusern aus Holz lebten. Alles was wir heute von Angkor wahrnehmen und erblicken waren nur Gebäude für religiöse Zwecke, also Tempel oder Klöster. Nur ihnen war vorbehalten aus Stein zu sein, sozusagen für die Ewigkeit bestimmt. Erst neueste Luftbild-Lasertechnik machte lang Verborgenes sichtbar und zeigte Strukturen versunkener riesiger Wohnareale von Angkor. Dabei ist nur der kleinste Teil sichtbare Wirklichkeit. Es sind die heute bekannten übriggebliebenen Tempelruinen aus Stein. Doch die Wohnstätten hunderttausender Menschen, die am Tempelbau beteiligt waren, bestehen längst nicht mehr. Ihre Existenz wurde in kurzer Zeit von den tropischen Urkräften für immer gelöscht. Als die ersten Ärchäologen die Tempelruinen Mitte des 19. Jh. im Dschungel entdeckten, lagen diese wie verwunschene Steinriesen unter einem dichtgrünen Wildwuchs des Tropenwaldes versteckt. Ein mehrere hundert Jahre altes gepanzertes Naturgeflecht aus Lianen, Luftwurzeln und Flechten hatte sie fest im Griff und für ihre späteren Entdecker gewissermaßen konserviert. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts sorgten dann französische Archäologen für die mühevolle Freilegung und komplizierte Restauration. Von all den vielen überwucherten Kultstätten wurde Ta Prohm als einzige auserwählt, den atmosphärischen Urzustand ihrer Entdeckung zu zeigen. Heute gehört diese Besonderheit von Ta Prohm zum Höhepunkt einer jeden Angkor Exkursion. Das Wechselspiel von morbidem Gemäuer und ungezügelter biologischer Besitzergreifung lässt sich hier aufs vortrefflichste bestaunen. Wie unheimliche Alienarme schlängeln sich die Wurzeln der gigantischen Tetrameles-Bäume durch Öffnungen gehauener Steinblöcke hindurch. Sie umklammern und heben mit ihren fleischlich runden Formen ganze Gebäudeteile und werden Teil einer surrealen Filmkulisse. Noch unheimlicher wirken die Geflechte der Würgefeigen, wenn sie mystische Portale mit ihren undurchdringlichen Netzsträngen für immer okkupieren. Hier werden die parasitären Wesen eines lebendigen Tropenwaldes zur monströsen Realitätsschau. Ihr zähes Wurzelmaterial wird zum schleichenden Tod auch für die massivsten Quadersteine. Hin und wieder sieht man ein göttliches Devata Gesicht aus solch einer feindlichen Umklammerung aufblitzen, als gebe es noch Hoffnung für ihre Zukunft. Trotz des fortgeschrittenen Zerfalls erzählen Steininschriften immer noch Geschichten aus ihrer fernen lebendigen Vergangenheit. So verloren der Tempel auch sein mag, so präsent ist die Schönheit seiner Metamorphose. Doch auch ein Hauch von Wehmut steckt in diesem skurrilen Untergangsszenario, deswegen weil es generell ein sinnlich erfahrbares Symbol für die Vergänglichkeit menschlicher Kultur darstellt. 107
D S C H U N G E LT E M P E L TA P R O H M
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Wßrgefeige im Tempelgemäuer.
Tetrameles Baumgigant in Ta Prohm.
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Die Invasion der Bäume.
Wurzelwerke auf der Eingangsterrasse von Ta Prohm.
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Mauertod.
Im WĂźrgegriff des Tropenwaldes.
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Im Netz der WĂźrgefeige.
Verborgene Devada.
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Okkupation von oben.
Feindliche Ăœbernahme.
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Alien Baum.
Inbesitznahme.
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Konkurrenten aus Stein und Holz.
Regenerative Kräfte der Natur.
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Baumbeute.
Tรถdliche Umarmung.
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Das ist eine Bildunterschrift
Nicht weit von Ta Prohm in südöstlicher Richtung erreichen wir den Klostertempel Banteay Kdei. Er ist der erste von drei Sakralbauwerken, die König Jayavarman VII. gleich nach seiner Inthronisation im Jahre 1181 errichten ließ. Die Besonderheit war, dass er einen älteren hinduistischen Klosterkomplex von König Rajendravarman II. aus dem 10. Jahrhundert vollkommen überbauen ließ. Doch hatte die neue Architektur die gleichen Funktionen zu erfüllen wie das alte Bauwerk, nämlich die der Novizen Ausbildung. Mit dem Unterschied, dass jetzt Buddhisten Mönche ihre Glaubenslehre kommunizierten und keine hinduistische Priesterschaft. Der Tempelname Banteay Kdei aber blieb erhalten, schon deswegen, weil sein Name Programm war und übersetzt „Zitadelle der Mönchszellen“ heißt. Jayavarman’s königlicher Architekt hatte den neuen Tempel im Bayon Stil entworfen, wie danach auch Ta Prohm und Preah Khan. Charakteristische Merkmale, wie die der lächelnden Buddha Gesichter finden sich in einigen Baudetails wieder, zum Beispiel in den Gopuras. Das sind wuchtige turmartige Eingangstore, die alle vier Seiten der ersten umlaufenden Einfriedungsmauer aus Laterit, mittig unterbrechen. Durch sie erreicht man über eine weite Grünzone den inneren Tempelbereich, der mit einem schmalen Grabenband geschützt ist. Banteay Kdei ist als kleine Tempelanlage ausgewiesen, doch ihre Ausmaße sind beträchtlich. Würde man seine äußere Mauer umlaufen, müsste man einen 3.400 m langen Weg zurücklegen. Vom West- oder Südtor aus sind es jeweils nochmals 300 m bis man den eigentlichen Tempelkomplex erreicht. Der Eingang findet über eine Grabenbrücke statt, die mit Löwenstatuen und Naga-Balustraden verziert ist. Im Tempelinneren erwartet einem dann eine labyrinthische Anordnung unzähliger Räume, Galerien und Innenhöfe. Die Anlage ist leider in einem relativ schlechten Zustand, was auf verschiedene Gründe zurückzuführen ist. Ein Hauptgrund sind minderwertige Sandsteine, die von seinen Erbauern verwendet wurden und in der Tropenfeuchte stark korrodierten. Doch auch andere Ursachen spielen eine gewichtige Rolle, wie die religiösen Bilderstürmer des 13. Jh., die viele buddhistischen Kunstwerke für alle Zeit zerstörten oder der Vandalismus der plündernde Schatzräuber nach dem Fall Angkor’s. Banteay Kdei gehörte auch zu den Tempeln, die von der tropischen Vegetation überwuchert waren. Erst zwischen 1920-22 hatten offizielle Rodungen die Anlage freigelegt und unter Führung von Henri Marchal, dem Chefkonservator von Angkor, konnte eine Bestandsaufnahme gemacht werden um danach die größten Schäden zu sanieren. Im März 2002 führten Archäologen der japanischen Sophia Universität zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen durch und fanden in diesem Zusammenhang in einem unterirdischen Versteck Fragmente von 274 Statuen. Trotz des ruinenhaften Zustands verkörpert Banteay Kdei eine ganz eigenständige Atmosphäre und Charakteristika. An seiner Westseite überragt ein gigantischer freistehender Tetrameles Baum die Türme der Anlage und gibt ihr einen signifikanten Blickfang. Sensationell die vielen Basreliefs im Inneren des Tempels. Ihre feinen Steinmetzarbeiten von Aspara Tänzerinnen und Devata Göttinnen bilden einen spannenden Kontrast zu den verwitterten archaischen Wandschichten. Geheimnisvoll beschwören diese steingewordenen Individuen eine Zeit herauf, die nur noch in der Phantasie des Betrachters existiert. 125
T E M P E L R U I N E B A N T E AY K D E I
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Im Schutz der Devatas.
Vier Wandgรถttinnen.
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Devata Dreierbund.
Altes Devata Mauerwesen.
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Rote Sandstein Apsara Tänzerin.
Provisorium gegen den Zerfall.
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Das ist eine Bildunterschrift
Angesichts der Fülle von Angkor’s großartigen Tempelanlagen fällt es schwer, eine besonders hervorzuheben. Doch bei Banteay Srei kann man die berühmte Ausnahme machen und sie als Juwel der Khmer Architektur bezeichnen. Lange vor Angkor Wat und Angkor Thom, während der Regentschaft von Rajendravarman II. (944968) errichtet, unterstand der Bau nicht den Weisungen des damaligen Herrscherhauses, sondern wurde über die private Initiative seines Beraters Yajnavaraha und dessen Bruder Vishnukumara realisiert. Beide waren Enkel von Harshavarman I. und reiche Landbesitzer in der Region um die Stadt Ishvanapura. Ein Jahr vor dem Tod Rajendravarman wurde Banteay Srei fertiggestellt und Yajnavaraha wurde spiritueller Lehrer bei seinem Nachfolger Jayavarman V. Laut Buchautor Lawrence Palmer Briggs war die Regentschaft von Jayavarman V. eine Epoche von hoher Bildung, in der die progressiven Khmer Eliten vermehrt indische Kultur verehrten und in ihren Lebensbereich übernahmen. Die heute etwa 20 km nördlich von Angkor gelegene Tempelanlage war ursprünglich Teil von der kleinen Stadt Ishvarapura. Der Ausnahmecharakter von Banteay Srei begründet sich auf einer Vielzahl von Dingen. Überraschend klein dimensioniert, zieht das Tempelmonument durch seine einzigartige Schönheit auch heute noch viele Besucher in seinen Bann. Keinem Geringeren geweiht als Shiva, dem „Herr der drei Welten“, war der Tempel Ausdruck größter religiöser Ehrerbietung und Symbol imperialer Größe. So wurden die Bauwerke des zentralen Hofes, also das Allerheiligste der Anlage von solch großer Erlesenheit und Kunstfertigkeit geprägt, dass ihre pure Schönheit Staunen bei Jedermann hervorrief. Nicht umsonst bedeutet Banteay Srei frei übersetzt auch „Zitadelle der Schönheit“ - oder „Zitadelle der Frauen“, sicher in Anspielung auf die Anmut der vielen grazilen Devata Darstellungen. Zugleich ist das zentrale Heiligtum von Bantey Srei, mit den drei Terrassentürmen und beigeordneten Bibliotheksgebäuden, die einzige Khmer Architektur, die vollständig mit feinster Reliefkunst überzogen wurde. Der selten verwendete rosa Sandstein machte detailgenaue Steingravuren möglich. Verschwenderisch füllen so pflanzliche und figürliche Dekore ganze Wände, Gesimse und die kompletten Turmbauten. Blattwerke, Blüten, Tiere und mythologische Wesen überziehen die endlos steinernen Oberflächen. Auf einem Dammweg überquert man den breiten Wassergraben und erkennt über der Einfriedungsmauer vor dem Tempelkern die charakteristischen Spitzen der dreifach gestuften Ziergiebel. Durch zwei eindrucksvolle Portale erreicht man das spektakuläre Hauptheiligtum. Nur auf einer einzigen Plattform stehend, in einer Nord-Süd-Linie angeordnet, sind die drei heiligen Prasat Türme. Vor dem wichtigsten zentralen Turm schiebt sich nach Osten eine Mandapa Halle vor und gleichlaufend flankieren zwei prägnante Bibliotheksbauten das Kernensemble. Sechs Treppenaufgänge zur Plattform werden von jeweils zwei kurios erscheinenden knienden Wächterfiguren bewacht. Diese sind Mischwesen aus menschlichen Körpern mit Affen-Löwen- oder Monsterköpfen und geben dem Innenhof eine besondere Kultatmosphäre. Der Umgang mit dem begrenzten Raum, seine Lebendigkeit durch Ornamentik und Skulptur ist meisterhaft. In Banteay Srei zelebriert die Architektur spürbar die spirituelle Welt des Hinduismus und offenbart den Reichtum seines kulturellen Erbes. 133
S C H Ö N H E I T B A N T E AY S R E I
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Magische Ziergiebel von Banteay Srei.
Im heiligen Bezirk der Prasate.
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Die hohe Kunst der Steinbearbeitung.
Phantastische Giebel - und Sturzdekore.
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Die heiligen Prasate.
Wächterfiguren am Treppenaufgang zum mittleren Prasat.
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Das ist eine Bildunterschrift
Im 11. Jahrhundert war die Hauptstadt des großen Khmer Reichs Yasodherapura. Ihr Zentrum, ein riesiges quadratisches Areal, lag fast an der gleichen Stelle wie das spätere Angkor Thom. Der damalige König Udayadityavarman II. erbaute in seiner 16-jährigen Regentschaft einen neuen Staatstempel zu Ehren des Hindu Gottes Shiva. Es war der monumentale Tempelberg Baphuon, der zu den wichtigsten und ambitioniertesten Architekturprojekten der alten Angkor Kultur gehörte. Eine Art Tempelpyramide mit einem außerordentlichen Format, das bombastische Flachreliefs mit szenischen Darstellungen präsentierte. Es war das größte sakrale Bauwerk seiner Zeit und verkörperte mit seiner Extravaganz die glanzvolle Macht und Autorität des Königreichs von Kambuja. Des Tempels bewegte Geschichte verlief dramatisch, fand aber in der Gegenwart noch eine positive Wendung. Es gibt leider von seiner originären Erscheinung nur noch eine detailgenaue Zeichnung, die der Angkor Forscher Lucien Fournereau 1889 nach Studien der alten Pläne gewissenhaft angefertigt hatte. Darauf ist eine architektonische Lichtgestalt mit vier Terrassenstufen und vielen Türmen zu erkennen. Schon im Jahr 1297 war ein chinesischer Diplomat und Besucher von der Höhe und Schönheit des Tempels so beeindruckt, dass er schrieb: „der bronzene mittlere Turm ist ein herrlicher Anblick und höher als die Türme von Bayon“. Tatsächlich ragte der mittlere PrasatTurm 50 Meter in die Höhe und sein bronzener Beschlag war weithin sichtbar. Er war der edle Abschluss der vierten Terrasse, die immerhin noch eine Grundfläche von 42 x 36 Meter hatte. Dagegen war die Basis-Terrasse ein Koloss mit den Maßen von 100 x 120 Meter, die bis zur vierten Stufe 24 Meter Höhe maß. Erste, zweite und vierte Terrassenebene hatten zusätzlich jeweils 4 Ecktürme und je 2 Gopura Torportale. Das daraus resultierende enorme Gewicht des Steinkolosses und die Tatsache, dass der Baugrund im Laufe der Zeit instabil wurde, brachte den Hauptturm zum tragischen Einsturz. Im 15. Jahrhundert entdeckten Buddhisten das lädierte Bauwerk für ihre Zwecke und bauten an der Westseite mit den Steinen des eingestürzten Turmes einen liegenden Buddha von 70 m Länge. Mit dem Fall Angkors wurde nach über 400 Jahren auch dieser massive Tempelbau zur desolaten Ruine und verkümmerte im Dickicht des Tropenwaldes. Erst 1960 dachte man über einen Wiederaufbau nach und die französische Regierung finanzierte mit umgerechnet 10 Millionen Euro das „Restaurationsprojekt Baphuon“. Ein Archäologen Team zerlegte Baphuon nun vollständig, um einem endgültigen Einsturz zuvor zu kommen. 300.000 verschiedene Steinblöcke wurden nummeriert und im Dschungel ausgelagert. Doch bevor man an den Wiederaufbau gehen konnte, veränderte sich die politische Lage in Kambodscha radikal. Die Roten Khmer mit ihrer destruktiven Haltung zu traditionellen Werten zerstörten hasserfüllt alle Zeugnisse der Vergangenheit ihres Landes. Wertvolle historische Aufzeichnungen von Baphuon wurden dabei auch vernichtet. Erst als das Land nach Zerschlagung des Pol Pot Regimes wieder sicher wurde, begann unter Leitung des Architekten Pascal Royère die extrem schwierige Restauration. Ein 3D-Puzzle mit 300.000 Steinen galt es zu bewältigen. Im Jahr 2011 - nach 51 Jahren - beendeten die Restauratoren ihre akribische Arbeit ohne Blaupausen. Sie standen stolz vor ihrem Wunderwerk des wiederaufgebauten Baphuon Tempel und die Weltöffentlichkeit war beeindruckt von der kulturellen Wiedererweckung einer großen Vergangenheit. 141
TEMPELBERG BAPHUON
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Der 180 m lange steinerne Steg zum Tempelberg Baphuon.
Die kolossalen Terrassen von Baphuon.
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Eingangsarchitektur mit Tor und Steg.
Eckturm mit Treppenprovisorium zur vierten Terrasse.
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Tempelstein-Lager neben erster Terrasse.
Ăœbriggebliebene Steinrelikte im Wald.
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Das ist eine Bildunterschrift
Wie alle sakralen Architekturen von Angkor orientieren sie sich an den archaischen Mythologien und transzendenten Weltbilder ihrer Religionen. Ob Hinduismus oder Buddhismus, im Vordergrund stehen immer auch die überlieferten Philosophien und die dazugehörenden Götterwelten. So auch im Beispiel des Pyramidentempel Pre Rup, der als bedeutendstes, hinduistisches Angkor Bauwerk des 10. Jahrhunderts gilt. Zwei Namen sind zu nennen, die sich für seine Realisation verantwortlich zeigen. Es sind dies König Rajendravarman II. und sein Minister und Architekt Kavindrarimathana. Nachdem Rajendravarman II. im Jahr 944 die Hauptstadt von Koh Ker wieder in die Region Angkor verlegt hatte, startete er dort zahlreiche größere Bauprojekte und ließ die alte Hauptstadt Yasodharapura von Yasovarman I. gründlich restaurieren. Dabei tragen vier Tempel seine Inschrift, wie der Inseltempel Mebon im östlichen Baray, Bat Chum, Kutisvara und den hier beschriebenen Pre Rup Tempel. Unter der Herrschaft von Rajendravarman II. wurde für diese Tempel ein spezifischer Architekturstil angewandt, den die Archäologen später auch als den Pre Rup Stil bezeichneten. Kunstgeschichtlich markiert er den Übergang von der vorklassischen zur klassischen Periode der Angkor-Kunst. So ähnelt Angkor Wat in seiner Struktur, natürlich in viel größerem Maßstab, der von Pre Rup. In allen vier Haupthimmelsrichtungen sind die vier Seiten der Anlage identisch. Das Quadrat wird hier zur philosophischen Kategorie. Man besteigt über mittig angeordneten Treppen zwei Terrassen und den fortgesetzten dreistufigen Pyramidenstumpf. Auf der zweiten und dritten Pyramidenstufe befindet sich in der Quincunx angeordnet, die großen Prasat Türme. Alle 5 Türme sind nach Osten hin offen und haben mystische Scheintüren aus Sandstein. Die Ecken des zentralen Turms und die der Osttürme sind mit männlichen und die der Westtürme mit weiblichen Wächterfiguren besetzt. Interessanterweise sind die verschiedenen Ebenen des Pre Rup Tempels mit unterschiedlichen Baumaterialien angelegt. Bis zur 2. Terrasse wurde Laterit verwendet, dann Sandstein und die oberste Ebene ab den Türmen wurden mit Backsteinen bebaut. Die warmen Töne der einzelnen Baustoffe lassen das Bauwerk mit den ersten und letzten Sonnenstrahlen in einem wunderschönen Rotbraun leuchten. Vom architektonischen Habitus her wird Harmonie zwischen Himmel und Erde symbolisiert und von ihrem Aufbau weist der Weg ins Zentrum nach oben, wo die Götter, nach der hinduistischen Kosmogonie, im Weltenberg Meru wohnen. Zwei Funktionen hatte Pre Rup zu erfüllen. Zum einen war er Sitz des Devaraja, also des lebendigen Gott-Königs und zum anderen diente die Anlage für Bestattungsriten und als letzte Ruhestätte des Monarchen. Einige Archäologen vermuten, dass das riesige Gefäß am Fuße der Osttreppe als Stätte für Einäscherungen verwendet wurde. Tatsächlich bedeutet „Pre Rup“ in der Khmersprache „Das Drehen des Körpers“ und deutet auf einen Schritt in alten Begräbnisritualen hin. Mit anderen Worten eine Art angkorianisches Krematorium. Von der obersten Ebene hat man eine phantastische Aussicht ins Umfeld von Angkor und an klaren Tagen kann man die Silhouette „des großen Bruders“ Angkor Wat erspähen. Die Plattform ist ein Ort der Ruhe und Besinnung weit über den großen Baumkronen des Tropenwaldes, der das Bauwerk unter einem mit höchster Würde und Intensität spüren lässt. 149
P Y RA M I D E N T E M P E L P R E R UP
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Seitliche Laterit Freitreppe zur Quincunx der fĂźnf Prasaten.
Schรถner Ausblick von der obersten Pre Rup Terrasse in den Tropenwald von Angkor.
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Pre Rup Mittelturm aus Ziegelsteinen aus dem 10. Jahrhundert.
Balusterfenster in Lateritwand.
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Blick auf die unteren Pre Rup Türme im Vordergrund eine Löwen-Wächterstatue.
Fragment einer Wächterfigur auf der zweiten Terrassenebene.
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Einsturzgefahr der äuĂ&#x;eren Umfriedungsmauer.
1.000 Jahre alte Trockenmauern aus Laterit Quadersteinen.
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Nicht nur wegen seiner vielen erfolgreichen Kriegszüge, sondern auch wegen seinen intensiven Bauwerksaktivitäten machte Jayavarman VII. seine 37-jährige Regentschaft zum bleibenden Vorbild für alle nachfolgenden Khmer Monarchien. Angkors prominenteste Tempelbauten gehören genauso in dieses ehrgeizige Bauprogramm, wie unbeachtete profane Zweckbauten. Ein gigantischer Wasserspeicher, Krankenhäuser und ein Straßennetz, das die Städte des Khmer Reiches verband, sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Alle realisierten Bauprojekte trugen enorm zum Ansehen der Khmer Kultur des 12. Jahrhunderts bei. Sein größtes Bauvorhaben war aber die Realisierung der neuen Hauptstadt Angkor Thom und dessen Staatstempel Bayon. Dieses Mammutwerk konnte aber nur über einen sehr langen Zeitraum verwirklicht werden. Bis zu seiner Fertigstellung diente, nach Meinung vieler Archäologen, die nordwestlich angrenzende Tempelanlage Preah Khan als provisorische Hauptstadt. Historische Quellen belegen, dass auf ihrem Terrain die wichtige Schlacht gegen die Cham gewonnen wurde. Der Name Preah Khan bedeutet übersetzt „Heiliges Schwert oder auch heilige Stadt der Sieger“ und weist unter anderem auf jenes Ereignis hin. Nur wenige Jahre später baute Jayavarman VII. im Jahr 1181 auf diesem Areal den Tempel Preah Khan mit buddhistischen Klöstern und einer Universität. Preah Khan war mehr als ein Ahnen Tempel in Erinnerung an seinen Vater Dharanindravarman II. – er war Mittelpunkt einer Stadt, die über 100.000 Bewohner Platz bot. Der nahegelegener heilige Wasserspeicher „Jayatataka“ mit einer Fläche von 3.500 x 900 m, schuf mit seinem immensen Fassungsvermögen die Basis für das ökonomische Wohlergehen der hier lebenden Menschen. Sein westliches Ufer grenzte direkt an Preah Khan an. Wir betreten Preah Khan durch das Osttor mit seiner großen Terrasse. Dabei sind zwei titanische Wächterstatuen zu passieren, bevor man in der endlos scheinenden offenen Flucht des Hauptganges steht. Seitlich angegliederte labyrinthische Raumketten führen dann bis zur Mitte des Tempels, wo sich das innere Heiligtum befindet. Ursprünglich stand hier die Statue seines Vaters in Gestalt des Lokeshvara nach der auch Preah Khan geweiht wurde. Erst sehr viel später im 16. Jahrhundert wurde sie durch einen Stupa ersetzt. Über den weiterführenden schnurgeraden langen Korridor erreicht man nun das wuchtige dreitürmige Westtor. Beidseitig des Korridors ist eine dichte Anordnung von Innenhöfen und Gebäuden, die so verschachtelt gebaut sind, dass man sich leicht darin verlaufen kann. Einige der Wände sind herrlich mit wunderschönen Apsara Friesen und pflanzlichen Steindekoren geschmückt und mit dem bekannten Relief der betenden Asketen versehen. Über Türstürzen fallen ein paar leere Nischen auf, in denen Buddha Figuren herausgeschlagen wurden. Hinduanhänger des 13. Jh. unter Jayarvarman VIII. haben diesen Frevel zu verantworten. In teilzerstörten Innenhöfen, wie schon in Ta Prohm, schieben mächtige Tetrameles Baumriesen ihr monströses Wurzelwerk durch Mauern und Dächer. Irgendwann erreichen wir das monumentale Westtor mit seiner Brücke über den tropisch anmutenden Wassergraben. Ihre flankierenden Balustraden zeigen Giganten die Riesenschlange Naga tragend. So erinnert Preah Khan mit all seinen vielen baulichen Details an die prachtvolle und geheimnisumwobene Epoche von Angkors Blütezeit. 159
FLACHTEMPEL PREAH KHAN
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Leuchtende Stupaspitze durch Lichteffekt in der Mauerรถffnung im inneren Heiligtum.
Mauerfries der fĂźnf betenden Asketen.
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Mittelgang zum Westtor mit vorgelagertem Innenhof.
LÜwen Wächterstatue vor dem Tempeleingang.
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Tetrameles Baummonster auf Dächern der Klostergebäude.
Devata Gรถttinnen in Mauerfries mit Pflanzenornamentik zwischen blinden Balusterfenster.
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Stelen Allee zum Preah Khan Westtor.
Westtor Giganten-Balustrade vor dem Preah-Khan-Wassergraben.
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Es ist vier Uhr morgens die Luft ist frisch und angenehm. Wir sitzen zwar noch etwas schläfrig auf der weichen Rückbank unseres Tuk-Tuk, doch der kühle Fahrtwind kämmt unsere Haare und macht wach. Routiniert und zielstrebig bringt uns unser junger Fahrerguide Veasna von Siem Reap in die weite Anlage von Angkor. Die Kult- und Tempelstätten des alten Khmer Reichs öffnen ihre Pforten und wir sind bereit, die einzigartigen verborgenen Schönheiten und Schätze der Angkorzeit zu entdecken. Wir werden steinerne Zeugnisse aus der prächtigen und geheimnisvollen Khmer Kultur in einem unglaublichen Umfeld vorfinden und ihre geschichtsträchtige Dimension mit allen Sinnen spüren. Allen voran das weltgrößte sakrale Bauwerk - der Tempel von Angkor Wat. Als wir mit langen Schritten den Haupteingang vor dem großen Wassergraben betreten, verwandelt sich just die Nacht mit einem hellen Horizontschimmer zum Tag. Jetzt ist der Moment gekommen, wo die vielen Besucher ihren optimalen Platz ergattern wollen, um am grandiosen Lichtspektakel vor der imposanten Silhouette Angkor Wat’s teilzuhaben. Schlagartig taucht die Hauptakteurin Sonne auf, um den ganzen Tempelkomplex in ihr wohliges Orangerot zu tauchen und die Menge vor dem kleinen See an der Westgalerie ist hellauf begeistert. Die Exkursion durch Angkor kann beginnen! In der Mittagshitze finden wir Schutz unter den großen schattenspendenden Baumkronen des angkorianischen Tropenwaldes und fahren in Richtung Angkor Thom, die letzte und größte Metropole des Khmer Reiches. Wir passieren sein magisches Südtor mit der Dämonen Balustrade und sehen wenig später mit großem Staunen die monumentalen Kopftürme von Bayon. Nun reiht sich Tempel an Tempel und die historischen Schwergewichte lassen sich nur mit viel Zeit erobern. Rotsandige Nebenwege führen im wahrsten Sinne des Wortes zu Orten mit filmreifer Kulisse, wie Ta Prohm den „Tomb Raider Tempel“. Wir schauen von der Elefantenterrasse auf den großen Paradeplatz von König Jayavarman VII. und nehmen auf der Gegenseite versteckt am Waldrand wunderschöne turmartige Bauwerke wahr. Gleich daneben die legendäre Terrasse des Lepra Königs, dessen Sandsteinmauern mit Götterfiguren überquellen. Verschiedene Tempelarchitekturen aus unterschiedlichen Epochen durchziehen das riesige 200 km2 große Angkorgebiet und machen sein reichhaltiges Angebot leider auch zum Zeitproblem. Immer wieder beindruckend Angkor‘s Naturlandschaft. Wild und vereinnahmend die Tetrameles Baumriesen und ihre allesüberwuchernden Schmarotzerpflanzen. Lianen und die zerstörerischen Würgefeigen liefern exotische Bilder in dem sie ihren Wildwuchs dreist über heilige Tempel legen. Überhaupt zeigt sich hier die Vegetation im tropischen Klima von seiner vitalsten Seite. Der naturbelassene Park schafft optimale Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Ungewöhnliche Vogelstimmen, lautes Zikadengeräusch und gellende Affenschreie geben eine ideale Urwaldszenerie wieder. Weiter draußen, abseits der Besucherströme öffnet sich der Tropenwald und gibt fruchtbares Agrarland frei. Barays, die Wasserspeicher mit ihren glatten, inzwischen aber auch baumbewachsenen Wasserflächen werden sichtbar. Dazwischen wechseln sich saftig grüne und strohgelbe erntereife Reisfelder ab. Immer noch wie in alten Zeiten mit Sichel ausgerüstet, bringen bunte Grüppchen von Reisbauern in stiller Arbeit ihre Reiseernte ein. Ein schönes Bild zum Abschluss, das von Harmonie und Tradition erzählt und unsere Erinnerung beseelt. 169
UNTERWEGS IN ANGKOR
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Paradeplatz von Jayavarman VII. mit Blick von der Elefantenterrasse.
Traditionelles Khmerboot mit kambodschanischem Paar bei Angkor Thom.
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Tote Bäume im Jayatataka Baray.
Wasserkanal vor Reisfeld.
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Die sieben Meter hohe Wallmauer von Angkor Thom mit Wassergraben.
Lianen Baum mit Steinquader Fragmenten.
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Angkor Mädchen mit lausendem Affenfreund.
Wilder Lianenwuchs im Tropenwald.
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In der Stille der Reisfelder vor Palmenhainen.
Traditionelle Reisernte in Angkor.
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Herausgeber Don Artworks www.don-artworks.de
Fotografie + Text Friedrich Don © Don Artworks 2020
Titelbild: Tetrameles Baum in der Tempelruine von Ta Prohm Seite 4 Kopf Relief von Jayavarman VII. in Preah Khan Seite 6 Silberpagode mit Angkor Wat Modell im Königspalast Phnom Penh Seite 8 Denkmal von König Sisowath in Wat Phnom Seite 10 Skyline von Phnom Penh mit Mekong Uferpromenade Seite 20 Freitreppe mit Naga Balustrade in Wat Phnom Seite 30 Giebelfront des Thronsaales im Königspalast Phnom Penh Seite 50 Eingangsfassade des Kunsthistorischen Museums in Phnom Penh Seite 62 Basrelief in Angkor Thom mit Schlachtszene aus dem 12. Jahrhundert Seite 66 Angkor Wat Silhouette bei Sonnenaufgang Seite 86 Gesichterturm im Staatstempel Bayon Seite 106 Tetrameles Baumgigant okkupiert Tempeldach in Ta Prohm Seite 124 Baumphänomen in Banteay Kdei Seite 132 Affenwächter Skulpturen in Banteay Srei Seite 140 Steg zum Tempelberg Baphuon Seite 148 Frontansicht von Pre Rup Seite 158 Osteingang von Preah Khan Seite 168 Touristische Szene in Angkor Thom Seite 180 Gopuram Gesichterturm - Eingang zur Metropole von Angkor Thom
DON ARTWORKS