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Elemente und Strukturen

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elemente und strukturen


elemente und strukturen


B i l d w e l t e n i m Sy s t e m d e r k l a s s i s c h e n E l e m e nt e


elemente und strukturen friedrich don


Erde Wasser Luft und Feuer Von der Antike bis ins 18. Jahrhundert galten Erde, Wasser, Luft und Feuer als die vier

gekommensein des direkten Sehens bedeutet eine Abkopplung des Menschen

Elemente, die allen Dingen zu Grunde lagen. Spätestens mit Einführung der moder-

von der Wahrheit seiner selbst entdeckten Dingwelt. Wir sehen die wahre Welt

nen Physik und Chemie wurde diese Vorstellung des Menschen jäh und kalt wider-

nur noch durch Apparaturen, verstehen sie nur noch mithilfe von Formeln. Das

legt. Mythologien und Philosophien, die jahrhundertelang mit diesen Grundsätzen

moderne System der Elemente entwickelt daher Räume für neue Hypothesen und

verwoben waren, platzten wie Seifenblasen im Raum der Geschichte. Zwischenzeit-

Phantasien, wie die Welt beschaffen sein könnte. Eine neue Mystifizierung der

lich hat die Wissenschaft statt der vier mehr als hundert Elemente nachgewiesen.

Welt beginnt, trotz aller rationalen Erkenntnisse und Technologien. Der Mensch

Mehr noch, im feinstofflichen Bereich wurden und werden noch immer kleinste

fühlt sich aufs Neue bedroht, weil er sich diese Systeme aus eigener Erfahrung

Teilchen ständig neu entdeckt. Dieser Mikrokosmos kleinster Bausteine scheint

nicht mehr erklären kann.

unendlich zu sein, analog zum Makrokosmos des Universums. Was zunächst als Entzauberung und Rationalisierung der antiken und spätmittelalterlichen Vor-

Das klassische Elemente-System beruhte auf der Sensorik und Beobachtung des

stellungswelt begann, steht heute vor einer neuen Mystifizierung angesichts der

Menschen, war aber nicht nur auf seine pure Stofflichkeit begrenzt, sondern wurde

permanenten Neuentdeckungen ultratechnologischer „Weltmaschinen“ wie dem

auch in andere Kategorien der sinnlichen Wahrnehmung ausgedehnt. Ein Modell

Teilchenbeschleuniger im schweizerischen Cern.

aus der Zeit von Aristoteles vermittelt diese Erweiterung. Die Übergänge zwischen den Elementen sind fließend. Feuer ist warm, aber auch trocken, eine Eigenschaft,

Doch es besteht ein wesentlich-gradueller Unterschied, analysiert man die antike

die der Erde ebenfalls zugeschrieben wird. Daneben ist sie auch noch kalt, das ver-

Sicht der Elemente. Platons Zeitgenossen überfrachteten zwar die Dingwelt ihres

bindet sie mit dem Wasser. Dessen zweites Charakteristikum ist feucht. Feucht

Elemente-Systems mit transzendentem Beiwerk, konnten trotzdem aber mit ihren

ist auch die Luft – und warm wie das Feuer. Kalt und warm, feucht und trocken

eigenen Sinnen diese Welt der „wahren Elemente“ wahrnehmen und verifizieren.

sind physikalische Erscheinungsformen, die unmittelbar sinnlich erfahrbar sind

Sie war stets real und sichtbar. Immer existent und erlebbar für jedermann, trotz

und eine erstaunliche Logik und Ordnung in diesem Leitsystem fanden. Darüber

integrierter Gottheiten und philosophischer Interpretationen, auch noch für viele

hinaus wurden für die vier Elemente auch psychologische Skalen entwickelt, die

nachfolgende Kultursysteme.

als Ansatz zu einem ganzheitlichen Denk- und Wertesystem gelten dürfen. Dem Feuer wurde Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Engagement zugeordnet. Wasser stand

Anfang des 21. Jahrhunderts ist uns diese primär sinnliche Wahrnehmung nicht

für Sanftmut, Weichheit und Nachgiebigkeit. Luft für Flexibilität, Quirligkeit und

mehr möglich. An Stelle des Sichtbaren tritt nun die Abstraktion der Mathematik.

Veränderung. Und die Erde wurde mit Attributen wie Starrheit, Festgefügtsein

Errechnete Zahlenwelten ersetzen individuelle Sinnerfahrung. Diese neue Realität

und Beständigkeit assoziiert. Das Konzept zu diesem System war universell ange-

ist nur noch virtuell dar- und vorstellbar. Im günstigsten Falle macht ein Raster-

legt – rational wie irrational. Die Alchimie als der Anfang der modernen Naturwis-

mikroskop noch Bilder von dieser verborgenen Welt der Moleküle und Atome. Ver-

senschaften war die Fortführung dieser Logik. Ebenso ihr irrationaler Gegenpol,

steh- und deutbar nur noch für einen kleinen Spezialisten-Zirkel. Dieses Abhanden-

die Esoterik.

Einleitung

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Island - Insel der Urgewalten Nach der nordischen Mythologie lebt in den Meeren die weltumschlingende Midgard-Schlange. Es heißt, der Rücken des Ungeheuers rage nur an einer Stelle der Erde aus dem Wasser. Dort wurde die Insel Island aus Feuer geboren.

Auf einer kleinen Landfläche von nur wenig mehr als einhunderttausend Quadrat-

Einen Graben zwischen zwei parallelen Gebirgsketten entstehen zu lassen, der auf

kilometern präsentieren Feuer, Wasser, Luft und Erde facettenreich ihre imposanten

Island dem Schutz des Atlantiks entsteigt und sich für jeden sichtbar quer über die

Erscheinungsformen und Strukturen. In kaum einer anderen Region unseres Plane-

Insel zieht.

ten sind diese Elemente so komprimiert und in sinnlichster Form erfahrbar. Wasser zeigt sich in all seinen Aggregatzuständen. Manchmal auf wenigen Quadratkilo-

Island, geboren aus Feuer. Bezeugt durch über einhundert Vulkane. Durch Risse,

metern in seinen extremsten Formen. Dampfförmig, kochend, gefroren. Feuer in

Spalten und Schlote bahnt sich das glühende Erdinnere seinen Weg nach oben.

allen dramatischen Urformen des Vulkanischen – feurig-flüssiges Magma, er-

Unter Midgards Rücken ist die Haut der Erde porös, ihr Inneres kocht apokalyp-

starrt in skurril-bizarren Formen. Luft in polarer Reinheit, vermischt mit ungefilter-

tisch heiß. Eine Zeitbombe mit erdgeschichtlicher Dimension. Fühlbar. Erlebbar.

tem Licht, bereit, sich den Elementen anzupassen und sich mit ungewöhnlichen

Bedrohlich.

Wolkendramaturgien in Szene zu setzen. Erde in stetem Wandel, den enormen Kräften aus ihrem Inneren unterworfen. Radikalen Erosionen ausgesetzt, verwandeln Landschaften sich in einzigartige Sehstücke. Zeitfenster der jüngsten Erdgeschichte,

Island - eine Insel der Stille, in der die Formen der Natur neue Erfahrungshorizonte schaffen. Ein Land verwoben mit den Urgewalten, die unsere Fantasie und Sinne

ausgebreitet vor unseren Augen.

beflügeln. Ein Stück Erde - das Bilder projiziert, in denen das Ideal der reinen Natur

Aus den tiefen Magmakammern des Erdinneren geboren, stieg Island vor zwanzig

Ort angelangt, an dem die Wertigkeit und Würde unseres Planeten Erde aufs Treff-

echt und unverfälscht gezeigt wird. Island erweckt das Gefühl, man sei an jenem

Millionen Jahren vom Boden des Nordatlantik empor. Erdgeschichtlich jung, daher auch sein Gestein aus dem jüngeren Tertiär und Quartär. Tief unter der Insel brodelt noch immer das Magma, das, sobald es das Erdinnere verlässt, in den Fluten des Ozeans zu Basalt erstarrt. Urgewalt. In der Lage, die nordamerikanische und die eurasische Kontinentalplatte Jahr für Jahr zentimeterweise auseinanderzudrücken.

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lichste repräsentiert ist und sich das Spektrum ihrer Urgewalten am lebendigsten offenbart. Ein Ort der Demut mit einer breiten Skala von Polaritäten. Archaisch, elementar, manchmal bedrohlich apokalyptisch, dann wieder anmutig und vertraut – doch immer faszinierend und tief beindruckend. Ein wahrer Schatz für das Bewusstsein und die Seele.

Einleitung


Feuer und Eis Island ist die größte Vulkaninsel auf unserem Planeten. Aus der Vogelperspektive

Und von 1821 bis 1823 schleuderte allein der Eyjafjallajökull, der „Inselberg-

betrachtet, dominieren jedoch nicht ihre Feuerschlote. Es ist das Weiß der riesigen

gletscher“, aus seinem gleichnamigen Vulkan vier Millionen Kubikmeter Asche

Gletschermassen, das die Blicke auf sich zieht. Die geografische Lage am nördlichen

an die Erdoberfläche. Sein jüngster Ausbruch im Jahr 2010 legte mehr als zwei

Polarkreis schafft die nötigen eiszeitlichen Voraussetzungen für die riesigen Eis-

Wochen den gesamten mitteleuropäischen Luftverkehr lahm. Ein mediales Groß-

kappen, die die Insel überziehen. Große Teile der monumentalen Gletschermassen

ereignis. Feinstaubteilchen kontra Hochtechnologie. Sie wurde unbrauchbar, zum

haben eine gigantische Eisdicke von bis zu neunhundert Metern. Der größte

Spielball der Natur. Außer Betrieb gesetzt schon durch eine vergleichsweise

Gletscher Vatnajökull ist nach Arktis, Antarktis und Grönland die größte zusam-

schwache Vulkanaktivität. Markante Spuren solch kleinerer Ausbrüche findet man

menhängende Eismasse. Doch unter diesen gewaltigen Eispanzern brodeln

allerorts auf den Gletscheroberflächen und Eisbruchkanten. Ihre schwarzweiß-

still und unheimlich Vulkane. Sie haben Namen wie lebende Wesen. Unter dem

adrigen Streifenmuster geben den Eislandschaften ein besonders reizvolles

Myrdalsjökull der Katla und unter dem Vatnajökull der Grimsvötn.

grafisches Gesicht. Sie zeugen von einer fulminant wirkenden flächendeckenden Urkraft.

Ihre Ausbrüche sind die faszinierendsten Schauspiele, die die Natur überhaupt zu bieten hat. Doch gleichzeitig gestatten sie uns auch einen Blick auf die gefährlichsten Endzeitszenarien, in denen ungeheure und unkontrollierbare Energien freigesetzt werden können – Naturgewalt pur. Der Ausbruch des Laki 1784 war einer dieser Supergaus der Natur in der Neuzeit. Monströse Aschewolken und Schmelzwassermassen veränderten ganze Landstriche. Brachten Tod und Verderben für die meisten Inselbewohner. Menschen, Tiere und Pflanzen waren diesen Urkräften vollkommen ausgeliefert. Aschewolken transportierten in den oberen Luftschichten riesige Mengen an Staubteilchen in weit entfernte Regionen. Mitteleuropa wurde von einer mysteriösen überdimensionalen Nebelbank heimgesucht. Schwefelhaltig. Todbringend. Im fernen England starben neusten Forschungsergebnissen zufolge rund fünfundzwanzigtausend Menschen an den Folgen dieser Jahrhundertkatastrophe. Eine Tragödie, der etwa jeder dreihundertste Einwohner zum Opfer fiel.

Einleitung

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Wasserströme und Mondlandschaften Das Eis als größtes Wasserreservoir auf der Insel spaltet die landschaftlichen Ver-

Verlässt man die kargen Areale in westlicher Richtung, stößt man zwischen Krafla

hältnisse. Entweder gibt es zu viel Wasser oder zu wenig. Entweder bewegt man

und Myvatnsee auf ein faszinierendes Schauspiel, das das Auge bannt. Verhaltene

sich in mondlandschaftlichen, wüstenartigen Arealen oder in unübersichtlichen,

Braun- und Ockertöne weichen plötzlich schrillen Farben. Die Solfatarenfelder

deltaartigen Flusslandschaften mit ständig wechselnden Wasserszenarien. Wilde,

von Námaskard verändern die Erdoberfläche in ein nie gesehenes abstrus an-

breite Ströme, sofern sie sich ein Bett gegraben haben, kulminieren, auf der ganzen

mutendes Farbspektakel. Der Vulkanismus direkt unter den Füßen lässt sich durch

Insel verteilt, in gewaltigen Wasserfällen. Gigantische Wassermassen stürzen mit

rauchende, ätzend riechende Schwefelschlote und blubbernde, heiße Schlamm-

Höllenlärm in gischt-neblige Tiefen. Gefühl pur. Ganz nah am Nabel der Urelemen-

trichter mit allen Sinnen erfassen. Chemische Prozesse im Erdboden lassen extreme

te. Riesige weiße Wasserschleier spiegeln unverfälscht die Urkraft und vollendete

Farben entstehen. Die Palette reicht vom schrillen Gelb bis zum giftigen Blau.

Schönheit dieser extremen Naturgewalt wider. In diametralem Gegensatz dazu

Natur mutiert zum Actionpainting auf einer riesigen, begehbaren Leinwand. Ein

die absolute Stille der unwirtlichen Steinwüsten und Mondlandschaften fernab

monumentaler Farbteppich. Verlässt man ihn, gelangt man nach wenigen Kilo-

jeglicher Zivilisation. Orte höchster Wahrnehmungsintensität. In diesen surrealen

metern in eine völlig andere, aber nicht weniger exotische Welt. Die dampfenden

Topografien fühlt man sich auf einen anderen Planeten versetzt. Nicht ohne Grund

Lavafelder des Vulkans Leirhnjúkur. Mysteriös, lebensfeindlich in Nebelschwaden

haben Astronauten der NASA Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahr-

gehüllt. Man kann sich mühelos vorstellen, dass sich hier der Eingang zur Unter-

hunderts in dieser kahlen Erdlandschaft die erste Mondlandung trainiert. Beein-

welt des Hades befindet. Ein Ort, unwirtlich, fremd und alptraumhaft. In unmittel-

druckender Gelände-Minimalismus, reduziert auf baumlose, weich geschwungene

barer Nachbarschaft der glatte, offene Spiegel des Viti Kratersees. Der nach Westen

Berg- und Hügellandschaften. Weiches Licht gleitet über eine Palette von Erdfarben

aufgebrochene Kraterrand präsentiert die massiv türkisfarbene Wasseroberfläche

und verfremdet dieses grenzenlose Flächengebilde bis zum Horizont.

in einer unglaublich reinen und klaren Rundform. Eine atemberaubende Schönheit. Begleitet von zwei kleineren, nicht minder schönen Kraterseen, eingebettet in eine Kulisse dampfender Erdspalten und kolorierter Vulkanhügel.

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Einleitung


Flechten und Moose Erde, Element verbunden mit Feuer und Wasser. Lebensraum organischer Materie.

Island ist Heimat von 600 Moosarten. Auf den weiten Lavafeldern an der islän-

Flechten und Moose inmitten einer lebensfeindlichen Umgebung von Gletschern,

dischen Südküste haben sich riesige Moospopulationen angesiedelt. Hohe Luft-

Flüssen und Vulkanen. Urzeitliche pflanzliche Wesen. Flechten gehören zu den

feuchtigkeit bei niedrigen Temperaturen ist die Wohlfühlumgebung für diese

widerstandsfähigsten und langlebigsten Lebewesen, die wir kennen. Selbst im

Pflanzen, die entwicklungsgeschichtlich um ein Vielfaches älter sind als der

Weltall, dem lebensfeindlichsten Umfeld, haben sie ihre Überlebensfähigkeit

Untergrund, auf dem sie derzeit wachsen. Dreißig Zentimeter hohe weiche

unter Beweis gestellt. Flechten sind Überlebenskünstler. Doppellebewesen aus Pilz

Polster überwuchern spitzes, kantenhartes junges Lavagestein und verwandeln

und Algen. Dominiert von dem Pilz. Er gibt der Flechte Form und Struktur, sorgt

es zu lebendig anmutenden Körperformen. Ihre grün-monochrome Tonigkeit hat

für ihre Vermehrung, gewährt den Partneralgen Schutz. Dafür ernähren sie ihn.

für den Betrachter eine kontemplative Wirkung. Gleichzeitig sind sie ein einzig-

Photosynthese. Symbiose. Grundlage für ein langes Leben. Über Tausend Jahre zum

artiges Seherlebnis, das durch den Eindruck einer chaotisch anmutenden, un-

Beispiel hier bei der Landkartenflechte Rhizocarpon geographicum. Im Laufe ihres

überschaubar großen Flächenskulptur hervorgerufen wird.

Lebens wächst sie zu einem landkartenähnlichen, farbenprächtigen Gebilde heran. Ein zarter Organismus mit fantastischen Flächen- und Farbstrukturen, wie geschaffen als Mustervorlage für abstrakte, informelle Malerei.

Einleitung

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Zwischen Himmel und Erde Luft ist im antiken Vier-Elemente-System gleichbedeutend mit Atmosphäre – ab-

Wolkenstrukturen. Sie sind mehr als nur meteorologische Beobachtungsobjek-

geleitet aus dem Griechischen atmós für Dampf, Dunst, Hauch. Das ist bemerkens-

te. Für den Menschen haben sie ästhetische Bedeutung, sie reizen seine Sinne.

wert, weil die Griechen nur den sichtbaren Teil der Luft beschrieben und als Begriff

Ihre Schönheit beflügelt die menschliche Phantasie. Mit dem Flug der Wolken

gebildet haben. Luft als solche ist ein Gasgemisch aus Stickstoff, Sauerstoff, Kohlen-

assoziieren wir grenzenlose Freiheit, Hoffnung. Ihr Anblick gibt uns ein positives,

stoffdioxyd, Argon und Wasserstoff. In seinem natürlichen Zustand ist es neutral,

unbeschwertes Gefühl. Ihre Leichtigkeit entspannt und veranlasst zum Träumen.

farb- und geruchlos. Unsichtbar. Für die menschliche Wahrnehmung nicht vorhan-

Doch die leichten Riesen am Himmel können auch massiv bedrohlich auf uns

den, gleichzeitig aber absolute Grundvoraussetzung für unsere Existenz. Sicher das

wirken. Wenn sich bei Gewittern und Unwettern Luft und Feuer verbünden,

größte Rätsel in der Antike und ein Dilemma bei seiner Beschreibung. Dieses nicht

fühlen wir uns den urgewaltigen Elementen hilflos ausgeliefert.

mit den Sinnen Erfassbare war dem antiken Menschen fremd und nicht zugänglich, deshalb nahm er nur die sichtbare Seite dieses Urstoffs wahr. Dampf, Dunst oder

In exotisches Licht getaucht, umschmeichelt von sattem Orange oder zartem Rosa

Wolken. Mikrofeine Wassertröpfchen bilden die sichtbare Stofflichkeit von Luft,

können Morgen- und Abendstimmungen tiefe Emotionen in uns wecken. Wolken-

Ergebnis eines physikalisch-chemischen Prozesses. Dies passiert beim Abkühlen

bilder sind Gemälde am Himmel und werden als Monumente der Vergänglich-

des Gases, ausgelöst beispielsweise durch Thermik, oder durch den Austausch

keit bestaunt. Für den wolkenvernarrten Schriftsteller Hermann Hesse waren sie

zweier unterschiedlicher Luftschichten. Es kommt zur Kondensation und Wasser-

„Wesen, deren menschlich irdische Leiber der Schwere trotzen“. Wenige Sujets sind

tröpfchen werden zu Nebel. Das Element Luft wird sichtbar als Wolken.

in der abendländischen Kunst so oft dargestellt worden wie ein Wolkenhimmel. Sie wurden religiös überhöht, dramatisiert, romantisiert oder hyperrealisiert.

Ihr Zuhause ist die Troposphäre, die unterste Schicht der Erdatmosphäre. An den

Ein Meister dieses Sujets ist ohne Zweifel der englische Maler William Turner

Polen acht Kilometer dick, am Äquator achtzehn. Die Lufthülle der Erde enthält

(1775-1851), der mit ihrer vollendeten Darstellung bereits die abstakte Kunst schon

fast den gesamten Wasserdampf unserer Atmosphäre. Diese nimmt ihre Wärme

in der Zeit der Romantik vowegnahm. Ihre ephemere Anwesenheit zusammen

fast ausschließlich vom Erdboden auf, die Sonnenstrahlung spielt nur eine kleine

mit ihren unglaubliche farblich wechselnden Erscheinungsformen faszinieren

Nebenrolle. Wir wissen, warme Gase steigen und kalte sinken – verschiedene Wet-

ausnahmslos schon zu jeder Zeit alle Weltkulturen. Wolken gehören zu den ar-

terlagen entstehen so. Die Wolkenstruktur ist der sichtbare Code für diese Dynamik.

chetypischen Objekten unserer Welt, wie Sonne, Mond und Sterne. In stiller Auf-

Ihre Form, ihr Aussehen, ihre Höhe und ihre Geschwindigkeit geben Auskunft über

merksamkeit werden sie deshalb von allen Menschen stets gerne betrachtet und

lokale Wetterentwicklungen.

bewundert.

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Einleitung


Im Fokus das Detail Die Drucke der dreizehn Fotosequenzen repräsentieren Bilder einer einzigartigen

Es geht mir primär nicht um das handwerklich exakte Ablichten von Naturdoku-

Naturlandschaft, vereint unter dem Thema der klassischen Elemente. Island, die

menten, sondern um die Schaffung neuer Bildideen, die in allen naturalen Erschei-

Vulkaninsel nahe dem Polarkreis, bietet eine Fülle visueller Ereignisse und Erfah-

nungsformen latent vorhanden sind. Meine Wertschätzung gilt ihrer Schönheit

rungen. Natur in ihrer elementarsten Form zu beobachten, sie durch Fotografie

und Stimmigkeit – sie zu unterstreichen und ihre unermessliche Fülle darzustellen

zu einem visuellen Erlebnis zu machen, war für mich die große Herausforderung.

war mein Bestreben. Die Fotografie ist der Schlüssel, um in ihre unmittelbare Nähe

Als gemeinsames bildnerisches Prinzip wählte ich das Bruchstückhafte und Frag-

zu gelangen ohne ihr Schaden zuzufügen. Demut und Behutsamkeit ist die wich-

mentarische der Dinge. Im Fokus stand das Detail. So konnte ich stärker auf die

tigste Voraussetzung bei dem Versuch, unter ihre Oberfläche zu dringen und sie

grafischen Qualitäten der einzelnen Motive eingehen und ihre Einzigartigkeit in

dabei mit ihrem eigenen wundervollen Abbild zu würdigen.

den Mittelpunkt rücken. Die Wirklichkeit optisch filtern, um das Wesentliche aus den verschiedenen Sujets herauszulösen. Details schaffen optische Nähe und fördern Verborgenes zutage, zugleich aber bilden sie auch den gemeinsamen Stil

Friedrich Don · November 2015 (Neuauflage)

und Rahmen. Sie verfremden das Konkrete und verleiten damit das Betrachterauge zu neuem Sehen und Denken. Vermeintlich Unsichtbares wird subjektiv sichtbarer. Die Bildwirklichkeit wird von der tatsächlichen Wirklichkeit abgenabelt und erhält somit ihre eigene Expressivität und Authentizität. Bildinhalte verändern sich zu einer reinen unverfälschten grafischen Information – ein neues Bild von Wirklichkeit entsteht. Alle Fotografien thematisieren spezifische Aspekte aus dem jeweiligen komplexen

Ich widme dieses Buch meiner lieben Frau Hille, in Erinnerung an diese

Umfeld der vier Elemente. Alle Elemente unterliegen dabei einer prioritären Sicht-

wunderschöne Reise im Sommer 2008 und ihre große Geduld mit mir als

weise und werden trotzdem in ihrer natürlichen Vernetzung wiedergegeben. Der

motivsuchendem Reisepartner.

Mensch spielt in allen Sequenzen eine untergeordnete Rolle. Mein Interesse gilt der reinen Stofflichkeit von Natur als materiellem Dingwesen. Licht, Raum und Fläche sind dabei wichtige Kriterien. Die Natur wird zum optischen Destillat. Naturerscheinungen werden lupenartig betrachtet und mit dem Kameraauge isoliert, um das Beobachtete besser zu erkennen. Losgelöst von ihrer totalen Ansicht sind sie Botschafter einer klaren ästhetischen Information, schnörkellos direkt und einfach.

Einleitung

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TERRA

TopoGraphien

20

Terra


22

Moonscape 1


Moonscape 2

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24

Moonscape 4


Moonscape 5

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Moonscape 3


Moonscape 6

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Moonscape 7


Krafla

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TERRA AQUA

FlussDelta

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Skardfjord 1


32

Wasserläufe 1


Wasserläufe 2

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34

Delta 1


Delta 2

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Delta 3


Delta 4

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Delta 5


Delta 6

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Skardfjord 2


Skardford 3

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TERRA AQUA

SeeStücke

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Great Wide Open


Moonscape

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Parallele Welten 3


Parallele Welten 2

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Wasserspiegel 1


Wasserspiegel 2

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Kleiner Viti kratersee 1


Kleiner Viti kratersee 2

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Deep Blue 2


Geothermischer See

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AQUA

WildWasser

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Wassersturz 1


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Wassersturz 2


Wassersturz 3

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56

Wasser Metamorphose 1


Wasser Metamorphose 2

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Wasserwand


Svartifoss Basis

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Spektrum


Under the Rainbow

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AER

WolkenBilder

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Wolkenauge


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Wolkenbank


Wolkenmeer

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Wolkenhorizont 1


Wolkenhorizont 2

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Wolkenspiel 1


Wolkenspiel 2

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WolkenLicht 1


Wolkenlicht 2

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IGNIS

UnterWelten

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LeirhnjĂşkur


Moonscape

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Weisser Engel


Hรถllenschlunde

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Krater Rinnsale


Namaskard Krater

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Solfataren Form 1


Solfataren Form 2

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Solfatarentrichter mit Schwefelgelb


Solfatarentrichter mit Erdbraun

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Relikt 1


Relikt 2

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TERRA IGNIS

LavaFelder

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Lavaweg


86

Lava Skulpturen 1


Lava Skulpturen 2

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Kap Dyrhรณlaey 1


Kap Dyrhรณlaey 2

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90

Hexagonal Basaltwand 1


Hexagonal Basaltwand 2

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92

Devil‘s Bridge 2


Lavawand

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TERRA

FlechtenArt

94

Flechten Universum 1


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Flechten Universum 2


Flechten Universum 3

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98

Rhizocarpon Geographicum 1


Rhizocarpon Geographicum 2

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100

Rhizocarpon Geographicum 6


Rhizocarpon Geographicum 7

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102

Rhizocarpon Geographicum 9


Rhizocarpon Geographicum 10

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TERRA

MoosSkulpturen

104

Lavastein in Moospopulation


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Population 3


Zusammenhalt

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BeschĂźtzer


Schlafende

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110

Verschwรถrung


Tète-à-Tète

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112

Moos Flächenskulptur 1


Moos Flächenskulptur 2

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TERRA

BergSilhouetten

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Bergfuss


116

Doppelspitze


SĂźdliches Bergmassiv

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KĂźstenberge 1


KĂźstenberge 2

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120

Solitär


Snรฆfellsjรถkull

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122

Wolkenfang 1


Wolkenfang 2

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TERRA

ErosionsFlächen

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Viti Krater


Moonscape

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Erosion


SnĂŚfellsnes Bergmassiv

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Viti Krater Fläche


Kratergrund

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See bei Krafla


Erosion 1

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Erosion 2


Erosion 3

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AQUA TERRA

EisZonen

134

Gletscher Lagune Jรถkulsรกrlรณn


136

Eisriesen


Eisberg 3

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138

EisGarten


Blue System

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140

Eisberg 1


Eisberg 2

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142

Lava Eis 3


Lava Eis 4

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TERRA AQUA

ZwischenLand

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Black Beach 1


Moonscape

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Black Beach 2


Black Beach 3

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Vik Beach 1


Vik Beach 2

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150

Zwischenwelt 1


Zwischenwelt 2

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152

Refugium 3


Refugium 5

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Herausgeber Fotografie | Text | Gestaltung Lektorat

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