Asphalt Arbeiten
Asphalt Arbeiten friedrich don
Photographische Arbeiten
2003 - 2017
5
Ein Kunstwerk existiert dann, wenn der Betrachter es angeschaut hat. Bis dahin ist es nur etwas, das gemacht worden ist und wieder verschwinden kann, ohne dass jemand davon weiĂ&#x;. Marcel Duchamp
Asphalt Arbeiten
Impulsgeber für die hier vorliegenden Arbeiten war ein Foto, das ich 2003 bei einer Reise durch den Westen der USA in Utah gemacht habe (S. 95). Es zeigt ein Stück rot asphaltierte Landstraße mit einem gedoppelten gelben Mittelstreifen und einem groben amorphen Linienraster darauf. Das Besondere daran war, dass es in der vertikalen Fotoansicht wie eine Art abstrakte Zeichnung wirkte. Diese Aufnahme gab mir nach längerer Betrachtung eine neue Blickadresse für mein damaliges Motivrepertoire an. Zunächst war ich einfach nur fasziniert von der kompositorischen Aussage. Aber je mehr ich meine Seh-Sensorik mit diesen asphaltierten Zeichenobjekten konfrontierte, desto mehr befasste ich mich mit ihrem tieferen Bildgehalt. Mir gefiel auch die Möglichkeit, dass ich mit der Wahl des Bildausschnitts eine vollkommen eigenständige Zeichnung kreieren und sie aus ihrem realen Kontext lösen konnte. Ungewöhnlich war auch, dass sich diese Linien-Zeichnungen auf einem völlig unkonventionellen Trägermaterial befanden. Nicht Papier, sondern die homogen gekörnte dunkle Oberfläche des profanen Werkstoffs Asphalt mutierte zum reizvollen Bildträgermaterial.
sich dabei auch um die Darstellung von anonymen, rätselhaften Formen mit ausschweifenden Dimensionen handelte, verstärkte mein künstlerisches Interesse. Außerdem gefielen mir ihre eigenwillige Strukturen und die Reduktion ihrer Formen.
Es war der Anfang einer interessanten Motivreihe, die sich sowohl als standortunabhängig wie auch als inhaltlich ausbaufähig erwies. Visuelle Entdeckungen waren in meiner nächsten Umgebung genauso möglich wie an fernen Orten dieser Welt. Das Wissen, dass es sich um ein globales Thema mit spezifischen Erscheinungsformen handelt, gab mir den letzten künstlerischen Drive, dieses Sujet in seinem ganzen Spektrum weiter zu verfolgen.
Das erste Fotoprojekt Winterbach Drawings skizziert einen Straßenzug aus meiner nächsten Umgebung, der vollständig mit dem Teerpinsel saniert und entsprechend bemalt wurde. Als ich die Flächen sah, war ich hingerissen und blendete den profanen Anlass ihrer Erscheinung komplett aus. Sie erschienen mir der Inbegriff reiner Kunst zu sein, stringent nur den eigenen funktionalen ideellen Werten folgend. Mir fielen dazu Marcel Duchamps Ready mades ein – ich war fasziniert von diesen chaotisch anmutenden Linien und Zeichen, die sich jenseits menschlichen Schöpfertums befanden. Es war mir bewusst, dass sich meine individuelle Wahrnehmung von der tristen Wirklichkeit abwandte und Kausalitäten daraus verbannte. Im Vordergrund stand nicht mehr die Trivialität eines ausgeführten Reparaturauftrags irgend eines unbekannten Straßenarbeiters, der sorgfältig Risse und Spalten mit dem groben Teerpinsel versiegelte, sondern vielmehr spürte ich das bestimmende Diktat davor, nämlich dass unbekannte Kräfte aus Umwelt und Natur die eigentlichen Gestalter waren. Rational in der Ursache, irrational genial in der Wirkung. Es entstand dabei eine kühne, extravagante, provozierende Zeichensprache, unverfälscht, mit höchstem Abstraktionsgrad und dennoch nicht wahllos. Formen, die mit einer fast mystischen Logik geschaffen wurden ohne diese jemals preiszugeben.
Die frühen Fotoserien standen alle unter dem Arbeitstitel Repairs. Es waren Abbilder, die tatsächlich Reparaturspuren auf einer beliebigen Asphaltfläche waren. Der Aspekt, dass es
Friedrich Don April 2018
7
Repairs
8
Bildtitel und Legende
Winterbach No.25 Detail | 42 x 59,4 cm | 2013
9
Winterbach Drawings
10
Winterbach No.1 | 70 x 100 cm | 2014
11
12
Winterbach No.1 | 29 x 46 cm | 2013
Winterbach No.2 | 29 x 46 cm | 2013
13
14
Winterbach No.3 | 29 x 46 cm | 2013
Winterbach No.4 | 29 x 46 cm | 2013
15
16
Winterbach No.5 | 29 x 46 cm | 2013
Winterbach No.6 | 29 x 46 cm | 2013
17
18
Winterbach No.7 | 29 x 46 cm | 2013
Winterbach No.8 | 29 x 46 cm | 2013
19
20
Winterbach No.11 | 29 x 46 cm | 2013
Winterbach No.12 | 29 x 46 cm | 2013
21
22
Winterbach No.15 | 42 x 59,4 cm | 2013
Winterbach No.16 | 42 x 59,4 cm | 2013
23
24
Winterbach No.17 | 29 x 46 cm | 2013
Winterbach No.18 | 29 x 46 cm | 2013
25
26
Winterbach No.26 | 42 x 59,4 cm | 2013
Winterbach No.27 | 42 x 59,4 cm | 2013
27
28
Winterbach No.32 | 59,4 x 42 | 2013
Winterbach No.33 | 59,4 x 42 cm | 2013
29
30
Winterbach No.34 | 59,4 x 42 cm | 2013
Winterbach No.35 | 59,4 x 42 cm | 2013
31
32
Winterbach No.36 | 59,4 x 42 cm | 2013
Winterbach No.37 | 59,4 x 42 cm | 2013
33
34
Winterbach No.38 | 59,4 x 42 cm | 2013
Bildtitel und Legende
Ston Drawings
36
Bildtitel und Legende
Die Ston Serie
Der Massenwerkstoff Asphalt, noch relativ jung in seiner industriellen Anwendung, begann im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts seinen Siegeszug als Baustoff für Verkehrswege. Inzwischen versiegeln bis heute etwa allein 29 Millionen Straßenkilometer mit einem wasserundurchlässigen Asphaltbelag unseren gesamten Erdboden. Unüberschaubar gigantisch überzieht Asphalt massiv und dauerhaft urbane Straßennetze und riesige Platzanlagen. Flächenbauwerke, die in ihrer Masse und Ausdehnung unsere Vorstellungskraft sprengen. Trotz der problematischen Belastung für unsere Umwelt wurde ich von seinen visuellen Qualitäten und Eigenschaften angezogen. Optisch dunkelflächig homogen und durch die Körnung der Mineralstoffe lebendig und gleichmäßig strukturiert, agieren seine Flächen kontrastreich, fast weich zur Natur. Veränderungen an der Oberfläche unterbrechen seine Ebenmäßigkeit und prädestinieren ihn als eine Art überdimensionale Zeichenfläche. Der Werkstoff Asphalt als Background verblüffte mich sehr, weil er sich mitunter lichttechnisch optimal verhält. Er stellt sich im optischen Nahbereich pixelartig grazil und höchst sensibel dar.
mit ihm ein rätselhaftes Linienspiel auf. Ihre Strukturen sind komplexer und undurchschaubarer. Im Gegensatz dazu die Hochformatreihe. Hier herrscht konsequente Strenge und Einfachheit. Es wird zum Prinzip der Gestaltung. Ihre Poesie manifestiert sich in ihrem vorherrschenden Minimalismus, während sich in den horizontalen Ansichten eine unkontrollierte Vernetzung zeigt. Beide Ston Portfolios zeichnen sich durch eine gewisse Nüchternheit, Distanz und Klarheit aus, dies aber nicht ohne völlige Emotionslosigkeit. In den betonten vertikalen Bildkörpern ist Kraft und Zielgerichtetheit zu konstatieren. Die horizontalen Fotografien produzieren für den Betrachter Irritationen und lehnen vorgegebene Schemata ab.
Im Rahmen einer Kroatienreise 2014 entstand eine Bildreihe von mehr als 40 Asphaltbildern mit dem Namen Ston, abgeleitet aus dem Standort des Projektes. Die Ston Bilder unterscheiden sich durch ihre hellere Erscheinung deutlich von den anderen Asphaltbildern. Ursache dieser Eigenschaft ist hauptsächlich die Verwendung einer helleren Mineralstoff-Mischung und natürlich das Licht des Südens. Quer- und Hochformate bilden die zwei Säulen der Bildumsetzung. In den Querformaten sind die Linienzeichnungen einer perspektivischen Bildansicht unterworfen, die analog dazu den Bildausschnitt vergrößern. Die meisten schwarzen Linienstrukturen ranken sich um den weißen Mittelstreifen und nehmen
37
Ston horizontal Drawings
Ston No.25 | 70 x 100 cm | 2013
39
40
Ston No.1 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.2 |29 x 46 cm | 2014
41
42
Ston No.30 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.31 | 29 x 46 cm | 2014
43
44
Ston No.3 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.4 | 29 x 46 cm | 2014
45
46
Ston No.5 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.6 | 29 x 46 cm | 2014
47
48
Ston No.7 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.8 | 29 x 46 cm | 2014
49
50
Ston No.9 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.10 | 29 x 46 cm | 2014
51
52
Ston No.11 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.12 | 29 x 46 cm | 2014
53
54
Ston No.13 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.14 | 29 x 46 cm | 2014
55
56
Ston No.15 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.16 | 29 x 46 cm | 2014
57
58
Ston No.17 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.18 | 29 x 46 cm | 2014
59
60
Ston No.21 | 29 x 46 cm | 2014
Ston No.22 | 29 x 46 cm | 2014
61
62
Ston No.19 | 70 x 100 cm | 2014
Ston No.20 | 70 x 100 cm | 2014
63
64
Ston No.26 | 70 x 100 cm | 2014
Bildtitel und Legende
65
Ston vertical Drawings
66
Bildtitel und Legende
Ston No.17 vertical | 70 x 100 cm | 2015
67
68
Ston No.8 vertical | 70 x 100 cm | 2015
Ston No.7 vertical | 70 x 100 cm | 2015
69
70
Ston No.1 vertical | 70 x 100 cm | 2015
Ston No.2 vertical | 70 x 100 cm | 2015
71
72
Ston No.3 vertical | 70 x 100 cm | 2015
Ston No.21 vertical | 70 x 100 cm | 2015
73
74
Ston No.6 vertical | 70 x 100 cm | 2015
Ston No.9 vertical | 70 x 100 cm | 2015
75
76
Ston No.5 vertical | 70 x 100 cm | 2015
Ston No.13 vertical | 70 x 100 cm | 2015
77
78
Ston No.14 vertical | 70 x 100 cm | 2015
Ston No.10 vertical | 70 x 100 cm | 2015
79
80
Ston No.18 vertical | 70 x 100 cm | 2015
Ston No.12 vertical | 70 x 100 cm | 2015
81
82
Ston No.25 vertical | 70 x 100 cm | 2015
Ston No.24 vertical | 70 x 100 cm | 2015
83
84
Ston No.23 vertical | 29 x 46 cm | 2015
Ston No.22 vertical | 29 x 46 cm | 2015
85
86
Ston No.28 vertical | 70 x 100 cm | 2015
OAB Tour Series Diese Fundstücke rätselhafter Zeichenobjekte auf Asphalt entdeckte ich während einer Radtour durch die Allgäu/Bodensee-Region. Die schnörkeligen Gebilde erinnerten mich stark an Nonsens-Skripturen oder an kalligraphische Fragmente mit ihrer sensitiven Anmutung. In den Bewegungsmustern der Pinselstriche sucht man vergeblich nach Geschriebenem. Deutbare Zeichen lassen sich nicht finden und das kalligraphische Abstraktum gibt weiter Rätsel auf, ähnlich den abstrusen Zeichen aus der Winterbach und Ston Serie. Wir wissen, der rationale Ursprung ist banal und flach, ihre ästhetische Erscheinung dagegen Ausdruck lebendiger Wildheit und Energie. Ein schlichtes Formenchaos trifft auf unsere Netzhaut und dringt in die tiefen Areale des Unbewussten und Irrationalen. Unerklärlich zieren sie weder schön noch hässlich große Flächen schwarzen Asphalts. Verharren fast erschreckend mystisch in Absichtslosigkeit und ihre Absurdität verhallt im Leeren. Doch ihr Anblick macht neugierig und verspricht den Reiz der Poesie. Eine Kategorie, die ebenfalls nicht fassbar ist und sich nur der wohlwollenden Bereitschaft des Sehenden vage erschließt.
OAB Tour 1 | 70 x 100 cm | 2015
89
90
OAB Tour 2 | 70 x 100 cm | 2015
OAB Tour 3 | 70 x 100 cm | 2015
91
92
OAB Tour 4 | 70 x 100 cm | 2015
OAB Tour 5 | 70 x 100 cm | 2015
93
94
OAB Tour 7 | 70 x 100 cm | 2015
first 2003
USA · Utah Mt. Carmel Highway 9 | 50 x 34,5 cm | 2003
97
98
Playing Area 1 | 70 x 100 cm | 2017
last 2017
Bildtitel und Legende
99
Hyperion Hyperion war in der altgriechischen Mythologie der Titan des Lichts. Sein Vater Uranos verkörperte in der Vorstellung das Himmelsgewölbe und seine Mutter Gaia die Erde. In den Hyperion Bildern sind sowohl das Universum, die Erde und das Licht vertreten. Das Erdensymbol offenbart sich hier in der abgebildeten Materialkonstellation einer schwarzen Bitumenschicht, die ihre Verwerfungen durch eine feine Sandschicht erst so richtig zu zeigen vermag. Von mächtigen Winden als Aerosol in die Erdatmosphäre getrieben fiel die helle SaharaStaubschicht auf die umweltbedingten Faltstrukturen einer schwarzen Bitumenmatte und machte ihre Formen effektvoll sichtbar. Die so auf einer Schwarzfläche entstandenen Sandspuren erinnern mich stark an Stern-Strukturen unseres Universums. An die Lichtnetze von Abermillionen Sternen und Nebeln. Die Gestalter dieser Fotorealität sind in einem diffusen Netz von Zufällen und rätselhafter Logik zu suchen. Und doch sind sie weiter nichts als eine Reflexion aus Licht und Dunkelheit auf einem ordinären Stück Dachpappe. Wichtig ist nicht das Finden der Ursache ihrer Form, sondern die versteckte Schönheit ihres Abbildes.
Hyperion Cluster 1 ¡ Saharan Dust on Bitumen | 34 x 51 cm | 2013
101
102
Hyperion Cluster 2 ¡ Saharan Dust on Bitumen | 34 x 51 cm | 2013
Hyperion Cluster 3 ¡ Saharan Dust on Bitumen | 34 x 51 cm | 2013
103
Net Cracks Diese Motivreihe ist eine Art Vorstufe zu den Bildserien Winterbach und Ston. In ihnen zeigt sich im Rohformat die Grundidee zu Asphalt Arbeiten. Es sind Abbildungen von feinadrigen Strukturen, die durch eigendynamische Prozesse in Erscheinung treten. Durch extrem dauerhafte umweltbedingte Einwirkungen verursacht entstehen über amorphe Rissbildungen solch filigrane Gebilde. Nässestau in winzigen Spalten und Rissen erschaffen über längere Zeiträume hinweg kleine Cluster. Verschiedene Aggregatzustände sorgen für diese wundersame Transformation. Es sind Momentaufnahmen von Formen, die über einen speziellen Grad von Trockenheit und Nässe mit der homogenen Asphaltfläche kontrastieren. Flüchtige Formen, die sich stetiger Veränderung unterwerfen und dabei unaufhörlich expandieren. Tote Materie scheint lebendig zu werden. Ihre Gemeinsamkeit sind archetypische Schemata wie Netz- und Linienstrukturen. Sie schließen sich in immer größer werdenden Verbänden zusammen und folgen den unsichtbaren Gesetzen der Physik. Ab und zu versucht der Mensch sie zu bändigen, aber ohne großen Erfolg.
Net cracks 1 | 35 x 47 cm | 2017
105
106
Net cracks 2 | 47 x 35 cm | 2017
Net cracks 9 | 47 x 35 cm | 2017
107
108
Net cracks 5 | 47 x 35 cm | 2017
Net cracks 6 | 47 x 35 cm | 2017
109
110
Net cracks 15 | 47 x 35 cm | 2017
Net cracks 16 | 47 x 35 cm | 2017
111
112
Net cracks 18 | 47 x 35 cm | 2017
Net cracks 17 | 47 x 35 cm | 2017
113
114
Net cracks 19 | 47 x 35 cm | 2017
Net cracks 22 | 47 x 35 cm | 2017
115
116
Net crack and Repair 1 | 70 x 100 cm | 2015
Net crack and Repair 2 | 70 x 100 cm | 2015
117
118
Net cracks 4 | 35 x 47 cm | 2017
Marks Die Bildsequenz Marks ist eine Themenerweiterung im Sujet Asphalt Arbeiten. Es sind Asphaltbilder, in denen sich die Urbanisierung widerspiegelt. Die Asphaltflächen wurden hier zu Regulierungsinstrumenten und visuellen Leitsystemen umfunktioniert. Was wir hier sehen, sind verkehrstechnische Zeichenfragmente von Straßen-, Parkplatz- und Tiefgaragenmarkierungen. Sie werden als Regel- und Ordnungsinstanzen eingesetzt, um dem normalen Verkehrschaos entgegenzuwirken. Sie teilen Flächen auf, geben Richtungen vor, bilden Schutzzonen für ihre Akteure und beschreiben über simple kontrastierende Linien und Flächen Regularien, die zu befolgen sind. Sie kanalisieren Verkehrsflüsse und geben allen Wegen ihre spezifische Zuordnung und Relevanz. Wie kaum ein anderes Zeichensystem sind sie über sämtliche Ländergrenzen hinweg zu einer standardisierten Zeichensprache geworden. Als akzeptiertes Ordnungsinstrument vereinen sie die urbanisierte Weltgemeinschaft. In der Detailansicht aber entsteht ein seltsamer Abstraktionsgrad ihrer Erscheinung, der mir sehr imponiert, weil er Sinn und Kontext völlig außer Acht lässt und neue, zweckfrei-neutrale Formen und Bilder unserem Auge zeigt. Überdies bekommt die strenge Korrektheit ihrer Zeichen eine neue Qualität zu spüren, die des Verschleißes an ihrer Oberfläche. Sporadisch wird ihre Akkuratesse durch Auflösungsspuren unterbrochen und lässt einen Hauch von Poesie spüren.
Luzern (Detail) | 34,5 x 50 cm | 2016
121
122
Autumn Road| 42 x 59,7 cm| 2015
> Exit < London | 67 x 104 cm| 2015
123
124
Asolo | 42 x 59,7 cm | 2014
> Angle < London | 42 x 59,7 cm | 2015
125
126
Portsmouth 1 | 34,5 x 50 cm | 2015
Portsmouth 2 | 34,5 x 50 cm | 2015
127
128
La Geria | 34,5 x 50 cm | 2011
Vertical Marks In den Vertical Marks suche ich bewusst nach diesen Spuren der Auflösung, des Zerfalls – es gilt eine Art Patina der Straße zu finden. In der reinen Betonung der Vertikalen entsteht das minimalistische Prinzip der Strenge und des Erhabenen zugleich. Inspiriert von Barnett Newmans Vertikalbildern habe ich diese Grundform für die Darstellung des Ausschnitthaften gewählt, um kontemplative Bildinhalte besser ansprechen zu können. Aus der Einfachheit und Monotonie der Grundkonstruktion des Bildes selber kann intensiveres Sehen hervorgehen. Kleinste Deformierungen und Verwerfungen im Bildgegenstand werden so fokussiert und vermitteln neue Seherfahrungen, sowohl innerhalb der Präsenz des Abbilds als auch in der äußeren, vermeintlich vertrauten Wirklichkeit. Im gesamten Raum des Bildes werden Deformation und Exaktheit als Polaritäten abgerufen und registriert und machen es zu einem entdeckungswürdigen Ganzen. Die Neutralität des Bildaufbaus bekommt durch die zusätzliche Darstellung dieser Verfallserscheinungen unverwechselbaren Charakter und Individualität. Aus ihrer anfangs trivialen Struktur entsteht eine Ikone des intensiveren Sehens. Die puristische Form scheint sich zu erweitern, und die neu erworbene Komplexität präsentiert sich mit ungewöhnlichen Kraftfeldern. Sie lädt ein, die Wirklichkeit im Detail aufs Neue zu entdecken.
Capetown Road Mark | 70 x 100 cm | 2011
131
132
Metz Road Mark | 70 x 100 cm | 2011
Vienna Road Mark | 70 x 100 cm | 2007
133
134
Road Mark No.3 | 70 x 100 cm | 2013
Road Mark No.4 | 70 x 100 cm | 2010
135
136
England No.1 | 70 x 100 cm | 2015
England No.2 | 70 x 100 cm | 2015
137
138
London Roadmark No.1 | 70 x 100 cm | 2015
London Roadmark No.2 | 70 x 100 cm | 2015
139
140
Roadmark on yellow | 59,7 x 42 cm | 2014
Roadmark Fragment on yellow | 59,7 x 42 cm | 2014
141
142
Cotocachi Road Mark | 70 x 100 cm | 2014
London Roadmark No.3 | 70 x 100 cm | 2015
143
144
South Africa Roadmark | 70 x 100 cm | 2013
Bilbao Series Im Oktober 2016 führte mich eine Reise in die baskische Metropole Bilbao. Am Ende dieser Reise hatte ich eine Vielzahl interessanter Asphaltobjekte abgelichtet. Noch immer von dem kreativen Sog dieser Stadt und dem Gesehenen berührt, gab mir meine künstlerische Intention vor, neues Terrain in der Bildumsetzung zu beschreiten. Zu dieser Zeit arbeitete ich an meinem Transform-Projekt. Einem Konzept, in dem die Bildtransformation und Manipulation eine zentrale Rolle spielte. Was ich hier noch mit vektorgrafischen Elementen umsetzte, versuchte ich nun auch mit diesen pixelbasierten Fotografien zu erreichen. Ausgangspunkt hierfür waren detailorientierte Fotos von Zebrastreifen-Mustern, die ich von Bilbaos Straßen adaptiert hatte. Ihre Darstellungsform und Motive sind als Weiterentwicklung von Vertical Marks zu sehen. Mit partiellem Farbeinsatz und Eingriffen in die Bildstrukturen gestaltete ich eine Bildserie, die auch die Möglichkeit von Sequenzen zuließ. Wie zum Beispiel im Triptychon Bilbao Transformation Marks oder bei Bilbao Blue Relict. In der gesamten Bilbao Serie habe ich versucht, mich von der faktisch dokumentarischen Fotografie zu lösen und experimentierte mit den Mitteln der Transformation, die mir einen neuen künstlerischen Spielraum eröffnete. Die Schaffung kreativer Freiräume gab mir auch gleichzeitig die Option einer Neupositionierung, was die Betrachtung der Grundthemen der Fotografie angeht. Beispielweise nicht nur dokumentarische Aussage von Objekten zu sein, sondern selber die Grundlage zur Bildumsetzung zu werden, um ein innovativ erweitertes Abbild von Wirklichkeit darzustellen. Eine Strategie, in der das Abbild seine eigene Wirklichkeit neu definieren und entsprechend für unsere Wahrnehmung installieren kann.
Bilbao Road Mark No.1 | 70 x 100 cm | 2016
147
148
Bilbao Blue Relict | 70 x 100 cm | 2016
Bilbao Golden Relict| 70 x 100 cm | 2016
149
150
Bilbao Red Veritical Mark| 70 x 100 cm | 2016
Bilbao Brown Veritical Mark| 70 x 100 cm | 2016
151
152
Triptycon | Bilbao Diagonal Mark | single 70 x 100 cm | 2016
153
154
Bilbao Black Mark | 70 x 100 cm | 2016
Bilbao White Mark| 70 x 100 cm | 2016
155
156
Quadrichon | Bilbao Rh ythm | single 70 x 100 cm | 2016
157
158
Triptychon | Bilbao Transformation Mark | 120 x 60 cm | 2016
159
160
Bilbao Curvy Relief | 70 x 100 cm | 2016
Crosswalk | 70 x 100 cm | 2016
Herausgeber Don Artworks Friedrich Don www.don-artworks.de Š Don Artworks 2017
Bildtitel und Legende
163