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Bauen aktuell Smarte Baustoffe 2026

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SONDERHEFT

SMARTE BAUSTOFFE & MATERIALIEN Bild: � Warittha ( KI-generiert), stock.adobe.com

Eine Publikation der WIN-Verlag GmbH & Co. KG ISSN 2195-5913

B AU E N -A KT U E L L . E U

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INHALT / EDITORIAL

DIE ZUKUNFT BAUEN

INHALT

Bild: West Fraser Bild: Pittsburgh Corning (Schweiz) SA

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EDITORIAL

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NEWS

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Kreislaufwirtschaft – ein mächtiger Begriff, hinter dem sich fundamentales Umdenken und echter Paradigmenwechsel verbergen. Es geht nicht mehr nur ums Deponieren, sondern um Wiederverwendung und hochwertiges Recycling. Gebäude werden zu „Materialbanken“ der Zukunft, deren Bestandteile am Ende ihrer Nutzungsphase sortenrein ­getrennt und als wertvolle Rohstoffe erneut in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen sind. Ein entscheidendes Schlüsselelement auf diesem Weg sind smarte Baustoffe und Materialien, die sich nicht nur durch verbesserte technische Eigenschaften auszeichnen, sondern konsequent so konzipiert sind, dass sie die strengen Anforderungen der Kreislaufwirtschaft erfüllen. Beispiele hierfür sind modulare Bauweisen, der Einsatz von Biomaterialien, hochwertige recycelte Baustoffe oder das konsequente „Design for Disassembly“ – das Planen für den Rückbau von Anfang an. Die Potenziale sind enorm. Eine konsequente Kreislaufwirtschaft kann einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten, die Abhängigkeit von Rohstoffimporten signifikant verringern, neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen und die Innovationskraft der gesamten Baubranche massiv stärken. Die Umsetzung ist komplex und fordert alle Akteure der Wertschöpfungskette gleichermaßen: Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer, Materialhersteller und den Gesetzgeber. Es bedarf neuer, kooperativer Geschäftsmodelle, standardisierter Prozesse und einer engen, disziplinübergreifenden Zusammenarbeit.

DIE ÄRA DER ZIRKULÄREN BAUSTOFFE

In diesem Sonderheft stellen wir Ihnen Projekte und Technologien vor, die zeigen, wie die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen bereits heute Realität wird. Zudem lassen wir renommierte Experten zu Wort kommen (S. 6-9), die ihre Visionen einer nachhaltigen Baukultur mit uns teilen.

Kreislaufwirtschaft: Ressourcen im Loop MATERIALIEN MIT WIEDERKEHR

Kreislaufwirtschaft: Expertentalk MEILENSTEIN FÜR DEN KLIMASCHUTZ

Carbon-Removal-Technologie: Clim@Add

Machen wir den ersten Schritt vom linearen Bauen zum zirkulären Wirken und verwandeln wir die Theorie in ­gebaute Kreislauf-Realität. Viel Freude beim Lesen!

KLIMAFREUNDLICH UND INDUSTRIELL SKALIERBAR

Holz- und Hybridbauweise: Entwicklungen und Potenziale WENN DAS FUNDAMENT ZUM MATERIALKONZEPT WIRD

Fundamentierung: Solarcarports auf Bestandsflächen MATERIAL LÜGT NICHT

Kreislaufwirtschaft: Interview mit Daniel Butz, Object Carpet Regine Appenzeller Redakteurin

DÄMMSTOFF FÜR HOCHLEISTUNGSLOGISTIK

Schaumglas: Wärmedämmung mit Foamglas Board T3+

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CO₂-EFFIZIENTE ELEKTRISCHE SCHMELZTECHNOLOGIE

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KLEINES DETAIL, GROSSER EINFLUSS

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WENN MATERIAL ZU DESIGN WIRD

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IMPRESSUM

Dekarbonisierung: nachhaltige Steinwolleproduktion Biopolymere: Befestigungslösung für vorgehängte, hinterlüftete Fassaden Biobasierte Materialien: Akustik-Hanfpaneele

In dieser Ausgabe redaktionell erwähnte Firmen: Blumer-Lehmann Holding AG S. 4, ­Carstorcon Technologies GmbH S. 10, Deutsche Foamglas GmbH S. 18-19, Pittsburgh Corning (Schweiz) SA S. 18-19, Holcim GmbH S. 4, Mogu S. 23, Object Carpet GmbH S. 16-17, Paroc GmbH S. 21, Pillar GmbH S. 14-15, SFS Group AG S. 22, Sihga GmbH S. 4, West Fraser Europe Limited S. 12-13

Bild: Bauen Aktuell

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PUNKTGESTÜTZTES DECKENSYSTEM Ein punktgestütztes Deckensystem ist nun auch mit Holz möglich. Dabei liegt die Decke punktuell auf Stützen auf, ohne dass tragende Wände oder Unterzüge notwendig sind. So lässt sich der Raum architektonisch flexibel ­gestalten und spätere Grundrissänderungen sind leicht realisierbar. Herakulix Max von Sihga ermöglicht eine nahtlose Lastdurchleitung für Pfosten zwischen der Decke – auch bei mehrgeschossigen Gebäuden aus Brettsperrholz. Die Max ist eine nahtlose Verbindungs-­ vertikale Lastübertragung zwischen den Stützen wird Herakulix lösung für punktgestützte Deckenlösungen aus damit optimiert. Zudem verhindert der integrierte Brettsperrholz. Stahlkern ein Querdruckversagen der Decke. Bei der Herstellung wird auf verzinktem Baustahl S355 gesetzt, der für eine deutlich höhere Festigkeit und Belastbarkeit als bei Edelstahl oder Aluminium sorgt. Die Anzahl weiterer Träger oder Unterzüge wird im ­Gebäude deutlich reduziert. Alle Komponenten der Verbindungslösung sind im Set enthalten, sodass auf der Baustelle Material und Zeit eingespart werden. Am Bauteil sind verschiedene Auflager-Varianten denkbar: So lässt sich die Verbindungslösung im ­Zentrum, an der Kante oder auch an der Ecke des Bauteils verarbeiten. Auch kombinierte Auflagervarianten mit zwei Kanten, vier Ecken oder zwei Ecken und einer Kante sind realisierbar. Es lassen sich Brettsperrholz-Bauteile von einer Dicke bis zu 280 Millimetern verbinden. Dabei ermöglichen 30-Grad-Bohrungen eine winklige Schraubenführung, die für eine optimale Kraftübertragung in alle Richtungen sorgt. ­Optional ist auch eine Entkopplung mit dem passenden Profil erhältlich. 

NEWS

NEUES AUS DER BAUWELT

Bild: Sihga GmbH

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WECHSEL AN DER SPITZE DER HOLCIM GRUPPE IN DEUTSCHLAND nehmens ist. Seine Karriere begann er als Werkstudent im Holcim-Zementwerk Lägerdorf. Nach einem dualen Studium zum Wirtschaftsingenieur übernahm er verschiedene Führungsaufgaben im In- und Ausland innerhalb der Gruppe. In den letzten beiden Jahren verantwortete er als Industrial Director die Zementproduktion der deutschen Unternehmensgruppe. Der gebürtige Schleswig-­ Holsteiner lebt mit seiner Familie in Norddeutschland. 

Seit Juli 2026 ist Stephan Hinrichs CEO von Holcim.

Bild: Holcim GmbH

Nach acht Jahren übergibt Thorsten Hahn die Leitung des Unternehmens an seinen Nachfolger Stephan Hinrichs. Der neue CEO war bislang Industrial Director und Mitglied des Management-Teams von Holcim Deutschland. Thorsten Hahn setzt seine Karriere in der Holcim Gruppe fort und wird CEO der Xella Gruppe, deren Übernahme durch die Holcim Gruppe abgeschlossen ist. Mit ­Stephan Hinrichs übernimmt ein erfahrener Manager, der seit 2004 Teil des Unter-

HOLZBAU MIT ZUKUNFT

Bild: Dieter Zinkand, Blumer Lehmann

Das Schweizer Holzbau- und Holzindustrieunternehmen Blumer Lehmann erweitert seine Produktion in Deutschland mit einem neuen Werk im hessischen Steinau an der Straße.

Mit einem neuen Werk in Hessen erweitert Blumer Lehmann seine Produktion in Deutschland.

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Ab Januar 2027 stellt das Unternehmen dort vorrangig Holzelemente und -module für Bauprojekte mit Fokus auf gesellschaftlich relevante Gebäude her. Das neue Werk er-

setzt die bisherige Produktion im nahegelegenen Großenlüder. Auf dem 38.000 m2 großen Grundstück entstehen im ersten Bauabschnitt über 5.400 m2 Produktions- und Lagerfläche mit Fertigungslinien für Wand-, Decken- und Bodenelemente sowie die Modulmontage. Das alles entsteht weitgehend in der Halle: präzise, wettergeschützt und parallel zu den Vorarbeiten auf der Baustelle. Das verkürzt Bauzeiten, reduziert Baulärm und Baustellenverkehr und senkt die Abhängigkeit von Witterungsbedingungen. Die Module lassen sich dank spezieller Verbindungstechnik zurückbauen und wiederverwerten, was angesichts von Kreislaufwirtschaft und Gebäuderessourcen-Richtlinien zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zu den in Deutschland bereits realisierten Projekten zählen unter anderem Schulen in Köln, ­Gießen, Dresden und Schorndorf. 


DIE ÄRA DER ZIRKULÄREN BAUSTOFFE Die Bauwirtschaft steht vor der größten Transformation ihrer Geschichte: dem Abschied vom linearen Pfad des Gewinnens, Nutzens und Entsorgens. Da dieses Modell angesichts von Materialknappheit und volatilen Preisen an seine Grenzen stößt, wandelt sich die Kreislaufwirtschaft vom ökologischen Ideal zum ökonomischen Imperativ. Angesichts ­ambitionierter Klimaziele wird das Denken in geschlossenen Kreisläufen nun zum ­unverzichtbaren Fundament einer zukunftsfähigen Branche. VON REGINE APPENZELLER

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ebäude sind weit mehr als nur Hüllen für Leben Doch das beste Material bleibt wirkungslos, wenn die und Arbeit – sie sind die „Rohstofflager der Zu- passenden Informationen dazu fehlen. Als notwendiger kunft“. Das Konzept des Urban Mining Wegbereiter der Kreislaufwirtschaft schafft die Digitali­betrachtet unsere gebaute Umwelt als wertvolles Depot, sierung hier Abhilfe: Digitale Materialpässe und Building das es systematisch zu bewirtschaften gilt. Damit dies Information Modeling (BIM) machen transparent, welche gelingt, muss der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerks Ressourcen in welcher Qualität verbaut wurden. Erst neu ­gedacht werden: weg vom „Wegwerf-Gebäude“, hin ­diese Datengrundlage erlaubt es, Stoffströme präzise zu zur modularen, demontierbaren Struktur. planen und Kreisläufe tatsächlich zu schließen. Der Schlüssel zu dieser Wende liegt in der Entwicklung Die Umstellung auf zirkuläre Prozesse bleibt dabei eine smarter Baustoffe. Denn ein Material verdient dieses gewaltige Aufgabe für Planer, Hersteller und Bauherren Prädikat im modernen Sinne erst dann, wenn es auch gleichermaßen. Sie erfordert Mut zu neuen Geschäftskreislauffähig ist: schadstofffrei in der Zusammenset- modellen – weg vom reinen Verkauf von Produkten, hin zung und so beschaffen, dass es sich nach dem Rückbau zur Bereitstellung von Funktionen und Rücknahmesysohne Qualitätsverlust wiederverwenden oder stofflich temen. Denn die Kreislaufwirtschaft ist kein kurzfristiger verwerten lässt. Hier setzen innovative Materialkompo- Trend, sondern das neue Betriebssystem einer zukunftssitionen an, die dem „Cradle-to-Cradle“-Prinzip folgen, fähigen Baubranche. Wer schon heute auf zirkuläre ebenso wie reversible Verbindungstechniken, die ein Materialien setzt, legt damit das Fundament für die ­zerstörungsfreies Trennen der Bauteile ermöglichen. Werte von morgen. 

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Bild: � spyrakot (generiert mit KI), stock.adobe.com

KREISLAUFWIRTSCHAFT: RESSOURCEN IM LOOP


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KREISLAUFWIRTSCHAFT: EXPERTENTALK

MATERIALIEN MIT WIEDERKEHR Technisch ausgereifte Baustoffe, überzeugende Pilotprojekte, wachsendes Bewusstsein für ­Ressourcenschonung – die Voraussetzungen für zirkuläres Bauen scheinen längst gegeben, doch der Sprung in die Breite bleibt oft aus. Im Expertentalk gehen wir der Frage nach, welche strukturellen und wirtschaftlichen Hürden Innovationen ausbremsen, welche Strategien jenseits klassischen Recyclings wirklich zukunftsfähig sind, und wie die Branche mehr Sichtbarkeit und ­Vertrauen für neue Materialien schaffen kann. Ein Gespräch über Hürden, Potenziale und die Frage, wie aus Einzelfällen echte Veränderung wird. VON REGINE APPENZELLER FRAGEN 1. Nachhaltige und kreislauffähige Baustoffe sind heute technisch oft ausgereift. Trotzdem schaffen es nur wenige Innovationen in die breite Anwendung. Welche Hürden verhindern den ­Marktdurchbruch – und was müsste sich ändern, damit ­Pilotprojekte zum neuen Standard werden? 2. Die Kreislaufwirtschaft wird häufig über Recycling definiert. Doch immer mehr Projekte setzen auf Wiederverwendung, ­Rückbau und Urban Mining. Welche Ansätze haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial, um Materialien künftig tatsächlich im Kreislauf zu halten? 3. Viele erfolgreiche Beispiele nachhaltigen Bauens bleiben ­außerhalb der Fachwelt weitgehend unbekannt. Wie gelingt es der Branche, Innovationen glaubwürdig sichtbar zu machen und Vertrauen in neue Materialien und Bauweisen aufzubauen?

dung und Projektalltag. Damit Pilotprojekte zum Standard werden, braucht es klare Rahmenbedingungen, belastbare Prüf- und Bewertungsverfahren sowie mehr Mut, erprobte Lösungen in realen Bauprojekten anzuwenden. Recycling ist wichtig, aber es sollte nicht der erste Gedanke sein. Das größte Potenzial liegt aus meiner Sicht im Bestandserhalt und in der Sanierung ganzer Gebäude, weil hier der Hebel deutlich größer ist als bei einzelnen Bauteilen. Wenn neu gebaut wird, muss Kreislauffähigkeit von Anfang an mitgedacht werden – etwa durch lösbare Verbindungen und dokumentierte Materialqualitäten. Entscheidend sind außerdem Rücknahmesysteme, weil sie Logistik und Verantwortung klären: Was passiert mit einem Bauteil nach seiner ersten Nutzung? Nur wenn diese Fragen früh beantwortet werden, können Materialien und Bauteile tatsächlich im Kreislauf gehalten werden – statt am Ende erneut als Abfall- oder Entsorgungsproblem aufzutauchen. Vertrauen entsteht durch Praxis. Die Branche muss zeigen, dass kreislauffähige Lösungen nicht nur theoretisch funktionieren, sondern unter realen Bedingungen bestehen. Dazu gehören belastbare Versuche, nachvollziehbare Ergebnisse und Projekte, „Das größte Potenzial liegt aus denen andere lernen können. Ein Bei- aus meiner Sicht im spiel sind unsere wie- ­Bestandserhalt und in der derverwendbaren Holz- Sanierung ganzer GebäuBeton-Verbunddeckenelemente, die wir in de, weil hier der Hebel einem Praxisversuch deutlich größer ist als bei demontiert, geprüft und erneut eingesetzt einzelnen Bauteilen.“ haben. Ebenso wichtig sind Netzwerke: In Heiden haben wir gemeinsam mit Partnern regionale Strukturen aufgebaut, um R-Beton als neuen Standard einsetzen zu können. Und schließlich braucht es sichtbare Leuchtturmprojekte. Die „Kreisl Kiste“ auf dem Domplatz in Münster zeigt z­ irkuläre Wertschöpfung an einem öffentlichen Ort und macht das Thema auch für Menschen außerhalb der Fachwelt greifbar. Genau solche Beispiele helfen, Vorbehalte abzubauen.

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3. Bild: Plansite

Dr.-Ing. Franziska Struck Projektleiterin Innovation, Plansite

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Eine zentrale Hürde ist die Wirtschaftlichkeit. ­Häufig werden noch vor allem kurzfristige Investitionskosten betrachtet, während Lebenszyklus- oder ­externe Umweltkosten kaum in Entscheidungen einfließen. S­ olange Primärrohstoffe günstig sind und CO₂Kosten nur begrenzte Wirkung entfalten, fehlt der wirtschaftliche Vorteil. Hinzu kommen rechtliche Fragen: Die Anwendung gebrauchter Bauteile steht noch am Anfang – baurechtliche Fragen, Gewährleistung und Haftung sind oft nicht abschließend geklärt. Außerdem fehlt in der Praxis vielfach Erfahrung: Wiederverwendung, Rückbauplanung oder der Einsatz von Recyclingmaterialien waren lange kein selbstverständlicher Bestandteil von AusbilBAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026


Bild: privat

KREISLAUFWIRTSCHAFT: EXPERTENTALK

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sowie höhere Anfangsinvestitionen erschweren insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen ihren Einsatz Helge Bo Flöge und sorgen für Unsicherheiten. Gleichzeitig f­ehlen oft noch Erfahrungen und Wissen über diese Materialien und Bauingenieur, Baufluencer und ihre Leistungsfähigkeit. Damit aus erfolgreichen bekannte Stimme für zirkuläres Pilotprojekten Standardlösungen werden, sind verlässliBauen und nachhaltige Innovatioche rechtliche Rahmenbedingungen, eine s­tärkere nen in der Bauindustrie ­Berücksichtigung der Lebenszykluskosten, sowie mehr Erfahrungsberichte und Wissenstransfer in Planung, Ausführung und Vergabe notwendig. Technisch scheitern nachhaltige Baustoffe heute Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft wird selten. Die größte Hürde ist ihre fehlende Resonanz. nur mit einem intelligenten Mix verschiedener Viele Unternehmen verwechseln Sichtbarkeit mit echter ­Ansätze gelingen. Recycling bleibt ein wichtiger BauWirkung. Hochglanzbroschüren und Messestände stein, reicht allein jedoch nicht aus. Kreislaufwirtschaft ­reichen nicht mehr aus, um Innovabeginnt bereits bei der Planung eines Bauwerks: Gebäutionen in die Baupraxis zu bringen. Es „Erst wenn Lösungen in de sollten so entworfen werden, dass sie langlebig, flexibraucht Menschen, die neue Lösun- den Köpfen ankommen, bel und später möglichst einfach rückgebaut werden gen glaubwürdig übersetzen – Ingekönnen. Die Wiederverwendung von Bauteilen und Baunieure, Architekten und Praktiker mit kommen sie auch auf die stoffen ist ein wichtiger Hebel zur Ressourcenschonung. echter Baustellenerfahrung. Die Bau- Baustelle.“ Urban Mining eröffnet zusätzlich die Chance, wertvolle welt befindet sich kommunikativ Rohstoffe aus dem Gebäudebestand zurückzugewinnen. Wo eine direkte Wiederverwendung nicht möglich ist, noch im Dornröschenschlaf. Wer ­Innovationen zum Standard machen will, muss sie verbleibt hochwertiges Recycling unverzichtbar. Gebäude ständlich erzählen und Vertrauen aufbauen. Denn ­gebaut können so als Materiallager der Zukunft verstanden werwird, worüber gesprochen wird. den. Durch die Lebenszyklusbetrachtung von Bauwerken Recycling bleibt wichtig, doch die eigentliche lassen sich Ressourcen schonen, Stoffkreisläufe schließen und die CO2-Emissionen des Bauens nachhaltig ­Zukunft liegt im Re-Use. Wenn Bauteile ihren Wert behalten und mehrfach genutzt werden können, reduzieren. verändert das die gesamte Wirtschaftlichkeit eines GeDie Bauwirtschaft verfügt bereits über bäudes. Banken, Versicherer und Investoren beginnen zahlreiche erfolgreiche Beispiele bereits, solche Konzepte anders zu bewerten. Rücknahnachhaltigen und kreislaufgerechten Bauens. „Eine funktionierende Diese mesysteme, Materialpässe und sogar Leasingmodelle für müssen deutlich stärker sichtbar geBaustoffe eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Die entKreislaufwirtschaft macht werden. Referenzprojekte, wissenscheidende Frage lautet künftig nicht mehr: Wie recyceln begleitete Demonstrationsvorhawird nur mit einem schaftlich wir ein Produkt? Sondern: Warum sollten wir es überben und der offene Erfahrungsaustausch intelligenten Mix ver- schaffen Vertrauen. Gleichzeitig kommt haupt zerstören? Wer Materialien im Kreislauf hält, ­erhält nicht nur Ressourcen, sondern auch ihren wirtschiedener Ansätze ­Planenden, Sachverständigen und beratenschaftlichen Wert. Institutionen eine Schlüsselrolle zu: Sie gelingen.“ den Nachhaltige Innovationen müssen dort stattfinkönnen über Chancen und Potenziale neuer den, wo heute Meinungen entstehen: auf LinkedIn, ­Materialien und Bauweisen informieren und Social Media und im direkten Dialog. Corporate Influenso Unsicherheiten abbauen. Wenn erfolgreiche Projekte cing wird deshalb zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. nachvollziehbar dokumentiert und ihre wirtschaftlichen, Menschen vertrauen Menschen – nicht austauschbaren wie ökologischen Vorteile belegt werden, entstehen Werbebroschüren oder perfekt inszenierten Imagefilmen. ­Akzeptanz und Vertrauen. Beides ist entscheidend, ebenDie Bauwelt braucht mehr Persönlichkeiten, die ihre so wie die Bekanntmachung dieser Projekte, damit inno­Erfahrungen teilen, Projekte zeigen und auch über Hervative Materialien und Bauweisen auch in der breiten ausforderungen sprechen. Authentizität schafft Glaub­Öffentlichkeit bekannt werden. würdigkeit. Für mich bedeutet das Building Resonance: Innovationen so zu erzählen, dass sie verstanden, diskutiert und schließlich gebaut werden.

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Prof. Dirk E. Hebel

Bild: RG-Bau

Leiterin der RG-Bau im RKWKompetenzzentrum

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Es ist beeindruckend, welche Entwicklung innovative und kreislauffähige Baustoffe gemacht haben. Für den Einsatz in der Praxis stellen aber die Rahmenbedingungen und die Kosten große Hürden dar. A ­ ufwändige Zulassungs- und Nachweisverfahren, fehlende ­Normen

Bild: KIT

Christina Hoffmann

Professor für Nachhaltiges Bauen, Fakultät für Architektur, KIT Karlsruhe

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Ich teile Ihre Beobachtung. Was aber fehlt, ist ein Anreiz, diese Stoffe auch einzusetzen und bevorzugt zu behandeln. Erste Diskussionen, dies durch Quoten und noch mehr Vorschriften zu erzwingen, finde ich falsch. Viel zielführender wäre es, diese Baustoffe aufgrund ihres geringeren CO₂-Ausstosses besser zu stellen und so ­attraktiv werden zu lassen. Einige Länder in Europa ­haben dies bereits vorgemacht: Hier werden Baugeneh2025 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


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KREISLAUFWIRTSCHAFT: EXPERTENTALK

1. Nachhaltige und kreislauffähige Baustoffe sind heute technisch oft ausgereift. Trotzdem schaffen es nur wenige Innovationen in die breite Anwendung. Welche Hürden verhindern den ­Marktdurchbruch – und was müsste sich ändern, damit ­Pilotprojekte zum neuen Standard werden? 2. Die Kreislaufwirtschaft wird häufig über Recycling definiert. Doch immer mehr Projekte setzen auf Wiederverwendung, ­Rückbau und Urban Mining. Welche Ansätze haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial, um Materialien künftig tatsächlich im Kreislauf zu halten? 3. Viele erfolgreiche Beispiele nachhaltigen Bauens bleiben ­außerhalb der Fachwelt weitgehend unbekannt. Wie gelingt es der Branche, Innovationen glaubwürdig sichtbar zu machen und Vertrauen in neue Materialien und Bauweisen aufzubauen?

Peter Theissing Geschäftsführer KS-Original

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Die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen scheitert ­heute weniger an fehlenden Materialien oder Technologien als an eingefahrenen Prozessen und Denkweisen. Viele Lösungen sind bereits vorhanden – auch mit ­bewährten Baustoffen. Die größte Hürde für ihre breite Anwendung sind bestehende Strukturen. Bauprozesse sind auf Sicherheit, Haftungsvermeidung und etablierte Standards ausgerichtet. Zirkuläre Ansätze treffen deshalb häufig auf Unsicherheiten bei Planung, Ausschreibung, Finanzierung und Genehmigung. Die Herausforderung besteht also darin, Bauweisen konsequent weitermigungen nur noch erteilt, wenn der CO₂-Fußabdruck zuentwickeln und stärker auf den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden in der Erstellung und des Betriebs unter von Gebäuden auszurichten. Bei KS-Orieinem Wert liegt, der dynamisch bis zum Jahr 2050 auf „Nur wenn nachhaltiges ginal arbeiten wir deshalb konsequent an für den sortenreinen Rückbau, Netto-Null abgesenkt wird. Planende müssen also überund zirkuläres Bauen als Konzepten legen, welche Materialien und Bauteile eingesetzt werden den Einsatz von Sekundärrohstoffen und können, es ist ein Wettbewerb entstanden um die praxistauglich, bezahlbar die Wiederverwendung von Kalksand­niedrigsten CO₂-Werte. stein. Entsprechende Pilotprojekte konnund dauerhaft wahrge- ten In Skandinavien hat dies einen echten Innovationssprung wir erfolgreich abschließen. Damit nommen wird, gelingt der solche Ansätze zum Standard werden, ausgelöst, noch nie wurden so viele Firmen gegründet, die sich mit der Bereitstellung von Baumaterialien aus eheSchritt aus der Nische in braucht es verlässliche Rahmenbedinmaligen Abfällen beschäftigen. Wir müssen also einen mehr Planungssicherheit und den Markt.“ gungen, Markt für Baustoffe etablieren, der die richtigen Ziele eine stärkere Betrachtung von Lebenszysetzt: Wenn wir im Bauwesen weniger CO₂ ausstoßen kluskosten. Entscheidend ist zudem die wollen, müssen wir auch den CO₂-Fußabdruck eines jeBereitschaft aller Beteiligten, bestehende Lösungen neu den Gebäudes berechnen und diesen bewerten. Und da zu denken und das Potenzial etablierter Baustoffe für eine der Betrieb der Gebäude auch mitgerechnet wird, bräuchzirkuläre Bauwirtschaft konsequent zu nutzen. te es auch keine Gebäudemodernisierungsgesetze mehr. Recycling bleibt ein wichtiger Baustein der KreisEs zählt einzig der CO₂-Ausstoß, unabhängig von den laufwirtschaft, sollte jedoch nicht isoliert betrachtet Technologien, die zum Einsatz kommen. Das wäre eine werden. Das größte Potenzial sehen wir in einer Kaskade einfache Gesetzgebung, die jeder nachvollziehen kann, aus Wiederverwendung, hochwertiger Wiederverwertung die keine ideologischen Vorschriften macht und effektiv durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen. Voraussetzung das Klima schützt. dafür sind sortenreine, schadstoffarme und langlebige Das Wichtigste ist es, einen Markt zu Baustoffe. Kalksandstein bietet hier gute Voraussetzungen: entwickeln, bei dem WiederverwenEr besteht aus den natürlichen Rohstoffen Sand, Kalk und dung und -verwertung an erster Stelle stehen. „Wir müssen einen Wasser, ist materialhomogen und kann nach dem Rückbau Hierbei müssen Planende auf zertifizierte Markt für Baustoffe ohne aufwendige Trennprozesse wieder in Stoffkreisläufe Produkte zurückgreifen können. In den letz- etablieren, der die zurückgeführt werden. Gleichzeitig gewinnen Urban ten Jahren haben viele Büros mit intrinsischer ­Mining, digitale Gebäuderessourcenpässe und rückbauMotivation diese Arbeit mit gemacht, haben richtigen Ziele setzt: gerechte Konstruktionen an Bedeutung. Denn unsere Bausogar neue Berufsfelder wie ‚Bauteiljäger‘ Wenn wir im Bauwewerke, vor allem auch diejenigen, die neu entstehen, sind entwickelt, um an diese Teile und Materialien die Materiallager der Zukunft. Wird der sortenreine Rückheranzukommen. Diese Arbeit muss nun in sen weniger CO2 ausbau schon in der Planung mitgedacht, endet der ­materielle der Breite ankommen, für Planende sollte es stoßen wollen, müsWert nicht mit der ersten Nutzung. extrem einfach sein, zertifizierte Kreislauf- sen wir auch den Die Branche muss Kreislaufwirtschaft stärker anmaterialien zu finden, in die Ausschreibunhand realisierter Projekte und messbarer ErgebCO2-Fußabdruck gen zu bringen und reversibel einzubauen. nisse kommunizieren. Vertrauen entsteht nicht durch Wir müssen in den Themen der Nach- ­eines jeden Gebäudes ­Visionen oder Ideologien, sondern durch nachvollziehhaltigkeit und der Kreislaufwirtschaft bare Praxisbeispiele, transparente Daten und unabhänberechnen und diesen die unglaubliche Chance für unsere Bauwirtgige Bewertungen. Erfolgreiche Referenzprojekte sollten schaft erkennen. Seit Jahrzehnten ist die bewerten.“ deshalb frühzeitig dokumentiert und hinsichtlich CO₂Möglichkeit echter Innovation nicht mehr so Bilanz, Ressourceneinsatz, Wirtschaftlichkeit und Rückhoch wie zurzeit. Dies müsste meiner Ansicht nach mit baubarkeit ausgewertet werden. Ebenso wichtig ist der mutigen politischen Entscheidungen und ökologischer Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette – Weitsicht flankiert werden, wie es einige unserer europäivon Herstellern über Planende bis zu Wohnungswirtschaft schen Nachbarn bereits tun. und Investoren. ­

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BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Bild: KS-Original GmbH

FRAGEN


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KREISLAUFWIRTSCHAFT: EXPERTENTALK

Product Manager Innovation & AI, Allplan

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Nachhaltige Baustoffe sind heute vielfach verfügbar. Die eigentliche Herausforderung liegt weniger in den Materialien als darin, sie wirtschaftlich in Bauprojekte zu integrieren. Die entscheidenden Weichen werden bereits in der Planungsphase gestellt. Dort müssen Nachhaltigkeit, Baukosten, Ausführbarkeit, Rückbau und ­spätere Wiederverwendung prädiktiv betrachtet werden – nicht erst am Ende eines Projekts. Dafür braucht es durchgängige digitale Prozesse, verlässliche Daten, Normen und Standards sowie Best-Practice-Beispiele, damit alle Projektbeteiligten einer innovativen Lösung vertrauen. Wenn nachhaltige Lösungen einfacher planbar und ihre Vorteile transparent werden, können sie sich auch im Alltag der Baupraxis durchsetzen. Das größte Potenzial sehe ich darin, Gebäude künftig als Materiallager zu betrachten. Dafür müssen wir bereits heute detailliert dokumentieren, welche Materialien verbaut werden, welche Eigenschaften sie besitzen und wie sie später getrennt und wiederverwendet werden können. Digitale Gebäudemodelle und digitale Zwillinge schaffen dafür die notwendige Transparenz über den

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Digitale Präzision für Gebäudebetrieb und Kreislaufwirtschaft

Mit As-Built-Modellen in die Zukunft denken

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Bild: Allplan

Stefan Kaufmann

­gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Gleichzeitig gewinnen Ansätze wie „Design for Disassembly“ an Bedeutung: Wer Gebäude so plant, dass sich Bauteile später zerstörungsarm austauschen lassen, schafft die ökonomische Grundlage für Sanierbarkeit und echte Kreislaufwirtschaft. Künstliche Intelligenz wird diesen Prozess künftig unterstützen, indem sie historische Baunormen kennt und beispielsweise geeignete und lieferbare Ersatzbauteile für die Sanierung vorschlägt. Die Grundlage bleibt auch hier eine detaillierte digitale Planung. Die Baubranche gewinnt Vertrauen „Wer Gebäude so plant, nicht durch große Versprechen, sondass Bauteile später dern durch erfolgreiche Projekte. Deshalb ­zerstörungsarm ausge- brauchen wir mehr Praxisbeispiele, die eintauscht werden können, fach nachvollziehbar zeigen, welchen esundheitlichen, ökonomischen und ökoloschafft die ökonomische ­ggischen Mehrwert nachhaltige Bauweisen Grundlage für Sanier- tatsächlich bieten. Messbare Kennzahlen zu Materialkosten, Bauzeit barkeit und echte Kreis- Energie-Einsparung, oder Betriebskosten schaffen deutlich mehr laufwirtschaft.“ Glaubwürdigkeit als allgemeine Nachhaltigkeitsziele. Gleichzeitig sollten wir ­erfolgreiche Projekte stärker teilen und den Austausch zwischen Planern, Bauunternehmen, Bauherren und Betreibern fördern. Digitale Modelle helfen dabei, die Bauwerksqualität transparent zu dokumentieren und den höheren Wert eines nachhaltigen Bauwerks jederzeit monetarisieren zu können. So wird Kreislaufwirtschaft nicht zur Zukunftsvision, sondern zur Renditechance für die Immobilienwirtschaft. 

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ie Daten lassen sich in Facility-Management-Systeme (CAFM) integrieren, um Prozesse wie Wartung, Reinigung oder Flächenmanagement effizient zu gestalten. Durch das präzise Erfassen von Materialtypen, Mengen und deren Eigenschaften lässt sich zudem das Recyclingpotenzial gezielt bewerten. KITA „ZAUBERWELT“ IN HEILIGENHAUS

Ein anschauliches Beispiel für die erfolgreiche Anwendung von BIM-As-Built ist die Kita „Zauberwelt“ in Heiligenhaus (siehe Bild). Brüninghoff trat bei diesem Projekt als Totalunternehmer auf. Architektur, Tragwerksplanung und die Technische Gebäudeausrüstung stammen von Plansite integral design & engineering als Teil der Brüninghoff Group. Plansite erstellte die gesamte Generalplanung nach dem Big-Open-Bim-Ansatz und führte das integrale Koordinations- und Planungsmodell hin zum umfassenden

Bild: Plansite

Building Information Modeling (BIM) hat sich in der Bauwirtschaft als unverzichtbares Werkzeug etabliert. Besonders das As-Built-Modell gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es bietet eine präzise Datenbasis, um den Gebäudebetrieb über den gesamten Lebenszyklus hinweg effizient zu unterstützen und Transparenz zu schaffen. As-Built-Modell, das alle relevanten Informationen für den Gebäudebetrieb enthält. Um maximale Flexibilität für zukünftige Systeme zu gewährleisten, wurde das Modell plattformunabhängig gestaltet. So erleichtern die hinterlegten Daten die Planung und Durchführung von Wartungsarbeiten. Aber auch Raum- und Flächenlisten sowie technische Informationen sind jederzeit abrufbar. Gleichzeitig unterstützt das Modell die spätere Wiederverwendung von Materialien, trägt so zur Kreislaufwirtschaft bei. Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung, Vorteile digitaler Prozesse voll auszuschöpfen. Werden Planungsmodelle zu As-Built-Modellen weitergeführt, bilden sie einen wichtigen Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes abdeckt und langfristig Zeit, Kosten und Ressourcen spart. So werden sie zu einem effizienten Werkzeug, das auch die Qualität und Nachhaltigkeit von Bauprojekten sichert. 2025 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


10 CARBON-REMOVAL-TECHNOLOGIE: CLIM@ADD

MEILENSTEIN FÜR DEN KLIMASCHUTZ Dass Gebäude als CO₂-Senken funktionieren können, beweist der Einsatz von Clim@Add. Ein innovativer Zusatzstoff, der den Kohlenstoff dauerhaft in Bodenplatten, Wänden, ­Betonfertigteilen und vielen weiteren Anwendungen bindet. Clim@AddAnwendung in Asphalt.

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Clim@Add-Anwendung in Beton.

INFO

CARSTORCON TECHNOLOGIES Das Unternehmen ist ein Pionier im Bereich der Carbon-­RemovalTechnologien für die Bauindustrie. Mit dem Ziel, Gebäude und Infrastruktur in aktive Kohlenstoffspeicher zu verwandeln, entwickelt man Lösungen, die Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz verbinden. Seit 2026 treibt Carstorcon von Dülmen aus die Dekarbonisierung der Bauwirtschaft voran.

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Bild: Carstorcon Technologies

.000 Tonnen – diese Menge CO₂ wurde bereits durch den Einsatz von Clim@Add dauerhaft in Bodenplatten, Wänden, Betonfertigteilen und vielen weiteren Anwendungen gebunden. Das entspricht den CO₂Emissionen eines durchschnittlichen Benziners bei einer Fahrt von rund fünf Millionen Kilometern. Man müsste also die Erde 125-mal am Äquator umrunden, um die gleiche Menge an Treibhausgasen auszustoßen, die das Climate-Tech-Unternehmen Carstorcon Technologies mit Clim@Add bereits heute dauerhaft der Atmosphäre entzogen hat. Ein Grund für den Erfolg des Materials ist seine Vielseitigkeit, da es sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lässt, pumpfähig und mit bestehenden Nachhaltigkeitsmaßnahmen wie Recyclingbetonen oder CO2-reduzierten Zementen problemlos kompatibel ist. Zudem ist kein gesondertes Verfahren notwendig: ­Bestehende Anlagen und Einbringungsmechanismen lassen sich direkt nutzen. VOM FUNDAMENT BIS ZUR SERIELLEN FERTIGTEILFERTIGUNG

Über 14.000 m³ Beton wurden bereits mit Clim@Add realisiert, was zeigt, dass die Technologie bereit ist für die Skalierung. Die Referenzliste reicht von privaten Wohnhäusern in Holzhybrid-Bauweise bis hin zu massiven Ringfundamenten von Heizkraftwerken. Sichtbeton-Fronten und innenliegende Fertigteiltreppen beweisen, dass ökologische Optimierung und hohe ästhetische Ansprüche Hand in Hand gehen. Auch in der seriellen Fertigung von Fertigteilen und Betonwaren hat sich das Material bewiesen. Dabei verbessert Clim@Add nicht nur die CO₂-Bilanz der Bauteile, sondern optimiert auch die deren Funktionalität und Dauerhaftigkeit. „Das ist erst ein Anfang“, erklärt Axel Preuß, Gründer und Geschäftsführer von Carstorcon Technologies. „Unsere Technologie funktioniert nahtlos im Betonbau und auf Baustellen. Doch echter Klimaschutz gelingt nur gemeinsam: Es sind die Partner, die unsere Vision in die Praxis umsetzen und zeigen, dass die Bauwende keine ra  Theorie mehr ist.“


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JETZT WIRDS ZIRKULÄR – BODENPLATTE OHNE BETON? Was vor wenigen Jahren noch wie eine Vision klang, entwickelt sich heute zu einer realen ­Alternative für zirkuläres Bauen. Auslöser waren Gespräche mit Architekten und Planern, ­insbesondere aus Skandinavien, die nach Lösungen suchten, den CO₂-Fußabdruck ihrer ­Gebäude deutlich zu reduzieren und konsequent zirkulär zu bauen.

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Bild: ShaktiHaus – Klimaarchitekten, Susanne Körner

ür den norddeutschen Bauingenieur Helge Bo Flöge, war genau diese Fragestellung der Ausgangspunkt für eine neue Art des Fundaments. Wenn Schaumglasplatten seit Jahrzehnten unter Krankenhäusern, Schulen, Flughäfen und Industriegebäuden zuverlässig höchste Lasten aufnehmen – warum sollten sie nicht auch eine klassische Stahlbetonbodenplatte ersetzen?

Aus dieser Idee entstand die Urban-Mining-Boden-­ platte UMB1, 1, die Flöge für GLAPOR entwickelte. entwickelte Das System nutzt Schaumglasplatten aus 100 Prozent Recyclingglas als tragende und dämmende Gründung. Die Platten werden über das Glapor-Connect-Vlies miteinander verbunden und mit einer EPDM-Abdichtung dauerhaft gegen Feuchtigkeit geschützt. Schaumglas nimmt kein Wasser auf, ist nicht brennbar (A1), stauchungsfrei und erreicht Nenndruckspannungen bis 1.600 kPa. Die Umweltproduktdeklaration bestätigt zudem eine Nutzungsdauer von mindestens 100 Jahren – eine wesentliche Voraussetzung für dauerhaft wiederverwendbare Bauwerke. Dass das Konzept funktioniert, zeigte das Bauvorhaben vom Architekturbüro ShaktiHaus aus Bad König. In Messel bei Frankfurt entstand ein dreigeschossiges Wohngebäude in Holz-Strohbauweise auf einer UrbanMining-Bodenplatte. Die Gründung konnte ohne klassische Betonarbeiten hergestellt werden. Weniger Maschinen, kürzere Bauzeiten und ein t­rockener Bauablauf bieten ökologische und wirtschaftliche Vorteile.

Bild: Baufluencer Bo

Wie konsequent sich Schaumglas in einer Kreislaufwirtschaft einsetzen lässt, zeigt außerdem die Circular Hut auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel. Dort wurden sowohl die Urban-Mining-Bodenplatte als auch das erste lose verlegte und wiederverwendbare Schaumglasflachdach UMS Roof realisiert. Beide Anwendungen erhielten

2026 den Cradle to Cradle Certified® Circularity Gold Standard.

Modulbauweise auf betonfreier UrbanMining-BodenAuch die Fachwelt wurde auf aufmerksam: Die Urban-­ platte.

Mining-Bodenplatte erhielt 2026 den Green Product Award, kam bereits 2025 beim mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten Bahrain-Pavillion der ­Architekturbiennale in Venedig zum Einsatz und wurde vom FATZ-Institut als ­Circularity Champion ausgezeichnet.

Für Helge Bo Flöge liegt darin eine grundsätzliche ­Erkenntnis: „Die Lösungen für zirkuläres Bauen sind vielfach bereits vorhanden. Oft müssen wir Materialien nicht neu erfinden, sondern ihre Eigenschaften neu denken. Wenn ein Baustoff über Generationen hinweg seine Funktion behält und sich wiederverwenden lässt, entsteht ­echte Nachhaltigkeit – technisch, wirtschaftlich und ökologisch.“ Vielleicht beginnt die Bauwende deshalb nicht erst mit dem Gebäude selbst. Sondern bereits bei seinem Fundament. 

Beim Verlegen einer betonfreien Bodenplatte aus Schaumglasplatten.

2025 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


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HOLZ- UND HYBRIDBAUWEISE: ENTWICKLUNGEN UND POTENZIALE

KLIMAFREUNDLICH UND INDUSTRIELL SKALIERBAR : Der Holzbau entwickelt sich zunehmend zu einer industriellen, digitalen und klimawirksamen Lösung für zentrale Herausforderungen der Bauwirtschaft. Welche Potenziale der Holzbau mit sich bringt, erläutern Konstantin zu Dohna, Geschäftsführer des Deutschen Holzfertigbauverbandes (DHV), und Reiner Kohlwey, Direktor Marketing und Akquisition DACH bei West Fraser, einem Produzenten von OSB-Platten.

Bild: West Fraser

Holzwerkstoffe spielen eine S­ chlüsselrolle bei zentralen Herausforderungen für die Bauwirtschaft.

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rotz der anhaltenden Krise im Wohnungsbau sehen die Experten eine klare Entwicklung hin zum Holzbau. „Wir erwarten, dass sich 2026 noch schwierig gestaltet. 2027 dürfte es auch im ­Wohnungsbau deutliche Zuwächse geben“, prognostiziert zu Dohna. Besonders der mehrgeschossige Holzbau gewinne an Relevanz – sowohl in Voll-Holz- und Holztafelbauweise als auch im Hybridbau aus Holz und Beton. So entstehen Gebäude mit Stahlbetonkonstruktionen und Fassadenelementen in Holzrahmenbauweise. „Der Marktanteil wächst kontinuierlich“, so zu Dohna. „Und konventionelle Bauunternehmen reagieren darauf zunehmend mit Kooperationen oder Übernahmen von Zimmereien.“

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026


HOLZ- UND HYBRIDBAUWEISE: ENTWICKLUNGEN UND POTENZIALE

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Bild: West Fraser

„Einen großen Vorteil, den wir im Holzbau haben, ist die präzise Vorfertigung in der trockenen Halle“, sagt zu Dohna. Auch aus Sicht der Industrie gewinnt dieser ­Ansatz an Bedeutung: „Aufgrund der fehlenden Fachkräfte im Hauptgewerbe wird eine Vorfertigung von Bauteilen immer wichtiger. Wir gehen davon aus, dass die Modulbauweise in hohem Maß zunimmt“, so Kohlwey. Zwar erfordere die digitale Planung im Vorfeld einen ­hohen Aufwand, gleichzeitig lasse sich dadurch die Ausführung deutlich optimieren. „Dadurch werden ­Kollisionen, Brüche und Unvereinbarkeiten vermieden“, erklärt zu Dohna. „Das Gebäude wird auf den Millimeter genau vorgefertigt. Ein Einfamilienhaus steht so in drei Tagen, ein Dreigeschosser in vier Wochen.“ GROSSE POTENZIALE IM BESTAND

Nachhaltige Rohstoffe, hohe Vorfertigung, Flexibilität im Bestand – der moderne Holzbau eröffnet der Bauindustrie vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Vorfertigung und Automatisierung. „Es ist bereits deutlich zu erkennen, dass es ohne die Erhöhung des Automatisierungsgrads und der Vorfertigung in der Bauwirtschaft nicht mehr ­gehen wird“, hebt Kohlwey hervor. HOLZ ALS KLIMASCHUTZINSTRUMENT

Mit wachsendem Stellenwert von Nachhaltigkeit rücken die klimapositiven Eigenschaften des Werkstoffs Holz stärker in den Fokus. Wie zu Dohna verdeutlicht: „Holz nimmt während seines Wachstums CO₂ aus der Luft auf, speichert und bindet damit erhebliche Mengen Kohlenstoff. Ein ­Kubikmeter Holz bindet rund eine Tonne CO₂, ein Kubikmeter Beton emittiert zusätzliche 0,3 Tonnen.“ Der Ersatz mineralischer Baustoffe durch Holz könne ­somit zusätzliche Klimawirkungen entfalten. Auch technologische Fortschritte tragen dazu bei. „Die ständig fortschreitende Produktionstechnologie ermöglicht nicht nur eine ressourcenschonende Produktion, sondern auch eine emissionsarme Anwendung der Produkte“, erklärt Kohlwey. „Holzwerkstoffe wie OSB-Platten mit ihrem hohen Holzanteil fungieren dabei als leistungsfähige und langfristige CO₂-Speicher.“ PRÄZISE VORFERTIGUNG VERKÜRZT BAUZEITEN

Bild: DHV

Bild: West Fraser

Neben ökologischen Vorteilen bietet der moderne Holzbau auch organisatorische und wirtschaftliche Vorteile.

Konstantin zu Dohna, Geschäftsführer Deutscher Holzfertigbau-Verband

Reiner Kohlwey, Direktor Marketing und Akquisition DACH bei West Fraser

Auch bei Aufstockungen und Sanierungen sehen die ­Experten große Chancen für den Holzbau. Geringes ­Gewicht, kurze Bauzeiten und flexible Anpassungsmöglichkeiten sprechen insbesondere im Bestand für Holzbaulösungen. „Auch in der energetischen Sanierung wird der Einsatz von vorgefertigten Elementen im Holzrahmenbau zunehmend wichtig“, ist Kohlwey überzeugt. Gleichzeitig sieht zu Dohna noch Hemmnisse in bestehenden Bauordnungen: „Aber wir sehen gewaltiges Potenzial, das sich durch die Modernisierung und Liberalisierung der Bauordnung ergeben kann.“ anm 

INFO

WICHTIGE TRENDS IM HOLZBAU 1. Serielles und modulares Bauen gewinnt an Bedeutung Vorgefertigte Elemente ermöglichen schnellere Bauprozesse, mehr Planungssicherheit und eine höhere Ausführungsqualität. Gleich-­ zeitig hilft die Vorfertigung, dem Fachkräftemangel zu begegnen. 2. Mehrgeschossiger Holzbau etabliert sich Holz wird heute immer häufiger auch im Geschosswohnungsbau eingesetzt. Neben klassischen Holzbauweisen gewinnen insbesondere Holz-Hybridkonstruktionen an Bedeutung, bei denen Holz mit Beton oder Stahl kombiniert wird. 3. Hybrid bau verbindet Vorteile unterschiedlicher Baustoffe Viele Projekte setzen auf Materialkombinationen. Während Beton etwa bei Tragwerk und Schallschutz Vorteile bietet, punktet Holz durch geringes Gewicht, hohe Vorfertigung und gute Klimabilanz. 4. Sanierung und Aufstockung als Wachstumsmarkt Wegen des vergleichsweise geringen Eigengewichts eignen sich Holzbausysteme besonders für Dachaufstockungen und energetische Sanierungen. Vorgefertigte Fassaden- und Dachelemente verkürzen zudem die Bauzeit erheblich. 5. Digitalisierung verändert Planung und Fertigung Gebäude werden bereits vor Produktionsbeginn vollständig digital modelliert. Dadurch lassen sich Abläufe besser koordinieren und Fehler im Bauprozess reduzieren. 6. Nachhaltigkeit bleibt zentraler Treiber Neben seiner Funktion als nachwachsender Rohstoff rückt besonders die langfristige CO₂-Speicherung in den Fokus. Zudem gewinnen ressourcenschonende Baukonzepte und kreislauffähige Konstruk-­ tionen an Bedeutung.

2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


14 FUNDAMENTIERUNG: SOLARCARPORTS AUF BESTANDSFLÄCHEN

WENN DAS FUNDAMENT ZUM MATERIALKONZEPT WIRD Parkplätze rücken zunehmend in den Fokus der Energiewende. Entsprechend wächst das Interesse an Solarcarports bei Kommunen, Unternehmen und Infrastrukturbetreibern. In der Praxis entscheidet sich der Projekterfolg jedoch häufig unterhalb der Oberfläche: Die Fundamentierung beeinflusst nicht nur die Standsicherheit einer Konstruktion, sondern auch Bauzeit, Materialeinsatz, Eingriffe in den Baugrund sowie den späteren Rückbau. VON VASYL BETSA

Modell eines Solarcarports mit verschraubter Gründung, ohne aufwändige Betonfundamente.

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uf den ersten Blick unterscheiden sich Parkplätze nur selten voneinander. Unter der Oberfläche sind die Voraussetzungen jedoch oft grundverschieden. Auf bestehenden Gewerbe- oder Infrastrukturflächen verlaufen Wasserleitungen, Kabeltrassen, Leerrohre oder bereits installierte Ladeinfrastruktur. Hinzu kommen standortspezifische Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Grundwasserverhältnisse sowie Schneeund Windlasten. Häufig treffen mehrere dieser Rand-­ bedingungen zusammen. In einem konkreten Projekt befanden sich beispielsweise zahlreiche Leitungen im Baufeld, während der Grundwasserspiegel bereits rund 70 Zentimeter unter der ­Geländeoberkante lag. Solche Bedingungen prägen die Wahl der Gründung und damit den gesamten Bauablauf. Während die Photovoltaikmodule und Teile der Stahlkonstruktion häufig standardisiert geplant werden können, bleibt die Fundamentierung eine ingenieurtechnische Aufgabe, die sich an den tatsächlichen Standort anpassen muss. Baugrund und bestehende Infrastruktur lassen sich nicht standardisieren. Bei Solarcarports kommen je nach Projekt u­ nterschiedliche Gründungssysteme infrage. Eine Alternative zu klassi-

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

schen Betonfundamenten sind Schraubfundamente. Sie bestehen aus einem Stahlrohr mit Gewindeschaufeln und werden direkt in den Boden eingedreht. Über einen passend ausgeführten Kopf – etwa mit Flansch oder als offene Verbindung – wird anschließend die Stahlkonstruktion des Carports angeschlossen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Montagegeschwindigkeit. Das Schraubfundament ist ein industriell gefertigtes Bauteil, dessen Geometrie, Länge, Durchmesser und Anschlussdetails auf Tragwerk, Lasten und Bodenverhältnisse abgestimmt werden können. Bei Pillar werden die Stahlbauteile zum Schutz vor Korrosion feuerverzinkt. Die Beschichtung ist für die Lebensdauer des Bauteils wesentlich: Sie schützt den Stahl dauerhaft gegen Feuchtigkeit und Witterung und verringert so den Wartungsaufwand. ZEITGEWINN OHNE BETONFUNDAMENTE

In einem Projekt fiel die Wahl auf Schraubfundamente, weil die Kombination aus hohem Grundwasserstand und dichter Leitungsführung den Einsatz von Ortbeton ­erschwert hätte. Da keine Betonfundamente hergestellt werden mussten, entfielen Aushub, Schalung, Beton-­


FUNDAMENTIERUNG: SOLARCARPORTS AUF BESTANDSFLÄCHEN

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Bilder: Pillar GmbH

Schraubfundamente aus korrosionsgeschütztem Stahl verankern die Solarcarport-Konstruktion ohne Ortbeton im Boden.

logistik und Aushärtungszeiten. Die einzelnen Fundamentpunkte konnten an die vorhandene Leitungsführung angepasst werden, so dass aufwändige Umverlegungen in vielen Bereichen vermieden wurden. Der Zeitgewinn entsteht dabei nicht allein durch das Eindrehen der Fundamente. Entscheidend ist, dass die Stahlkonstruktion nach dem Einbau unmittelbar montiert werden kann. In diesem Fall waren die Fundamente innerhalb der ersten beiden Bauwochen vollständig gesetzt. Einschließlich Tiefbau, Tragwerksmontage sowie ACund DC-seitigem Anschluss konnte das Projekt in rund sechs Wochen abgeschlossen werden. Gerade bei Standorten mit engem Zeitfenster oder laufendem Betrieb kann dies den gesamten Projektablauf erheblich beeinflussen.

Die verschraubte Gründung verbindet Tragwerk und Baugrund und kann auf die Bedingungen des Standorts abgestimmt werden.

PLANUNG VOR DEM ERSTEN FUNDAMENT

Die eigentlichen Weichen werden bereits in der ­Planungsphase gestellt. Baugrundgutachten, Grundwasserverhältnisse, Schnee- und Windlasten sowie die vorhandene Leitungsinfrastruktur sollten frühzeitig vollständig erfasst werden. Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welche Gründungsart technisch, wirtschaftlich und mit Blick auf Materialeinsatz sowie Rückbau sinnvoll ist. Ebenso wichtig ist die Einbindung weiterer Infrastruktur. Ladepunkte, Kabeltrassen, Entwässerung und Netzanschlüsse sollten nicht nachträglich ergänzt, sondern von Beginn an im Gesamtkonzept berücksichtigt werden. Solarcarports übernehmen zunehmend mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie erzeugen Strom, bieten Witterungsschutz und können Ladeinfrastruktur sowie Energiemanagement integrieren.

MATERIALEINSATZ ALS TEIL DER KLIMABILANZ

Die Diskussion über nachhaltiges Bauen konzentriert sich häufig auf die spätere Nutzung eines Bauwerks. Bei ­Solarcarports steht daher meist die klimafreundliche Stromerzeugung im Mittelpunkt. Ebenso relevant ist jedoch die Frage, welche Materialien und Prozesse bereits in der Bauphase eingesetzt werden. Beton ist im Fundamentbau ein bewährter Baustoff. S­ eine Herstellung ist allerdings material- und energieintensiv. Wo die statischen und geotechnischen Voraussetzungen es zulassen, können vorgefertigte Schraubfundamente den Betonbedarf reduzieren oder vollständig ersetzen. Das senkt nicht automatisch die Umweltwirkung jedes Projekts, denn auch Stahlherstellung, Verzinkung, Transport und die konkrete Auslegung müssen berücksichtigt werden. Gegenüber einer ortsbetonierten Gründung können jedoch Aushub, Baustellenverkehr und der Einsatz zusätzlicher Materialien wie Schalungen entfallen. Ein weiterer Aspekt ist die Rückbaubarkeit. Schraubfundamente werden nicht mit dem Boden vergossen, sondern mechanisch eingebracht. Bei einer Nutzungsänderung oder dem Rückbau können sie – abhängig von Zustand und Projektanforderungen – wieder entfernt und potenziell erneut verwendet werden. Auf bereits versiegelten Parkflächen eröffnet dies eine Bauweise, die Flächen für Energieerzeugung und Mobilität nutzt, ohne zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen.

Zusammen mit der Stromerzeugung der Photovoltaikanlage entsteht so ein doppelter Effekt: Die Konstruktion ermöglicht erneuerbare Energie auf bereits genutzten Flächen, während das Fundamentkonzept den Materialund Bauaufwand von Beginn an mitdenkt. Im ­betrachteten Projekt lassen sich durch die PV-Anlage jährlich mehr als 170 Tonnen CO₂ einsparen.

INGENIEURTECHNISCHE SCHLÜSSELAUFGABE

AUTOR Vasyl Betsa ist Gründer und Geschäftsführer von Pillar. Das Unternehmen entwickelt und realisiert Solarcarports, PV-Unterkonstruktionen und Schraubfundamente für Unternehmen, Kommunen und Infrastrukturprojekte.

Mit der stärkeren Nutzung versiegelter Flächen werden Solarcarports künftig häufiger auf Standorten entstehen, die bereits intensiv genutzt werden. Die Wahl der Fundamentierung ist dabei keine isolierte Detailentscheidung. Sie verbindet Baustoff, Tragwerk, Baugrund, Infrastruktur und Bauablauf. Schraubfundamente zeigen, wie sich ein klassisches Bauteil weiterdenken lässt: als vorgefertigte, korrosionsgeschützte Stahlkomponente, die präzise auf den Standort abgestimmt wird und – wo die Rahmenbedingungen es erlauben – Beton, Aushub und Wartezeiten reduziert. Die nachhaltigste Lösung ist dabei nicht zwingend eine Standardlösung, sondern diejenige, die von den tatsächlichen Bedingungen des Standorts ausgeht. ra  2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


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KREISLAUFWIRTSCHAFT: INTERVIEW MIT DANIEL BUTZ, OBJECT CARPET

MATERIAL LÜGT NICHT

Bilder: Object Carpet GmbH

Im Gespräch mit Bauen aktuell erklärt Daniel Butz, Geschäftsführer von Object Carpet, warum er Materialität für die ­unbewusste Sprache des Raums hält, ­weshalb analog nicht nostalgisch sein muss, und warum Kreislauffähigkeit für ihn die Zukunft bedeutet.

Bauen aktuell: Herr Butz, wie sehr prägt Materialität die Art, wie wir Räume wahrnehmen – jenseits ihrer reinen Funktion? Daniel Butz: Materialität ist im Grunde die unbewusste Sprache des Raums. Sie entscheidet darüber, wie wir ­einen Raum wahrnehmen. Und zwar bevor wir überhaupt anfangen zu denken. In dem Moment, in dem wir eintreten, registrieren wir unterschwellig: Was für eine Atmosphäre herrscht hier? Ist es kalt oder laut? Fühle ich mich hier wohl? Das sind die ersten Informationen, die wir verarbeiten, noch ehe wir ein rationales Urteil fällen. Über die Materialien, mit denen er gestaltet wurde, sendet ein BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Raum seine erste Botschaft. Interessanterweise bleibt ­genau dieses sinnliche Erleben auch am längsten im ­Gedächtnis. Nicht die Grundriss­lösung, nicht das Lichtkonzept. Sondern das Gefühl, das ein Raum hinterlässt. Für uns als Teppichhersteller ist das entscheidend, weil der textile Bodenbelag eins der ersten und prägendsten Raumelemente ist. Teppiche erfährt und erlebt man mit dem ganzen Körper, weil sie weich sind und mit Strukturen und Texturen spielen. In welchem Verhältnis stehen Haptik und Visualität eines Raums zueinander?


KREISLAUFWIRTSCHAFT: INTERVIEW MIT DANIEL BUTZ, OBJECT CARPET

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Daniel Butz: Wir nehmen etwas nur dann als stimmig wahr, wenn das visuelle Konzept, die verwendeten Materialien und ihre hochwertige Verarbeitung ein harmonisches Ganzes ergeben. Obwohl ich selbst eher der visuelle Typ bin, erlebe ich dabei immer wieder, wie sehr die Haptik das visuelle Urteil bestätigt oder in Frage stellt. Was wir gesehen haben, verifizieren wir durch Berührung. Ich war kürzlich auf einem Festival in einer Papierfabrik eingeladen: Papier ist ja ebenfalls ein Material, das vom Anfassen lebt. Für mich war es beeindruckend zu sehen, welche Wertigkeit sich allein über die Haptik übertragen lässt. Je nach Festigkeit und Struktur kann rein über die Berührung enormes Vertrauen gefasst werden. Bilder und Worte können oft täuschen. Aber wenn ich etwas berühre, urteile ich innerhalb von Millisekunden, wie sich das anfühlt. Material lügt nicht. Apropos Wertigkeit und Vertrauen: Welche Rolle spielt hier die traditionelle Handwerkskunst? Daniel Butz: Handwerk ist für mich etwas, womit ich ­Produkten eine individuelle Note geben und eine spezifische Haltung transportieren kann. Es bringt das Authentische und das Originäre zusammen. Wobei mir eins wich- Kollektion Neuland: tig ist: Gutes Handwerk und Hightech stellen für mich neue, auf Kreislauffähigkeit abzielende keine Gegensätze dar. Sie können viel mehr Hand in Technologie gepaart Hand gehen. Ein gutes Beispiel ist die DUO-Technologie, mit hohem Designdie wir gemeinsam mit Niaga entwickelt haben. Neueste anspruch. Herstellungsverfahren und ein klassisch-handwerklich geprägtes Finish lassen ein Produkt entstehen, das verantwortungsbewusst gestaltet und hochwertig ­verarbeitet ist. Umgekehrt gilt: Eine schlechte Verarbeitung ist immer auch ein gebrochenes Qualitätsversprechen. In Bezug auf das Authentische haben Sie kürzlich bei LinkedIn geschrieben: „Analogue is not nostalgic. It‘s forward-looking.“ Wie passt das zu einer Branche, in der Digitalität eine immer größere Rolle spielt? Daniel Butz: Wir leben in einer Welt, die zunehmend ­digitaler und virtueller wird. Das bringt notwendigerweise auch eine neue Sehnsucht nach dem Konkreten, Spürbaren und Echten mit sich. Für mich ist das kein Trend, sondern eine Korrektur des Fokus, den wir zuletzt stark auf das Digitale gerichtet haben. Analog zu sein bedeutet für mich allerdings nicht, mich nach Gestern zu sehnen: Analog ist schlicht das, was bleibt, wenn man den Bildschirm ausmacht. Und deshalb gehört dem Analogen auch weiterhin die Zukunft. Weil wir niemals in einer vollständig virtuellen Welt leben wollen. Gerade textile ­Produkte schaffen da ein gutes Gegengewicht. Sie stehen für bewusstes Erleben: für Rückzug, für Räume, in denen man sich wohlfühlt. Das ist es, was ich mit Analog ­verbinde – nicht der Blick zurück, sondern ins Heute und in die Zukunft.

­ eispiel, was Akustik angeht oder Raumluft. Mittlerweile B lässt sich das gut messen. Die Effizienz von Menschen in einem Raum, in dem gute Akustik herrscht, ist schlichtweg höher, was natürlich auch betriebswirtschaftlich relevant wird. Hinzu kommt das Thema Nachhaltigkeit, das längst keine Kür mehr ist, sondern ein etablierter Standard. Die Richtung weist weg von billigen Massenprodukten, hin zu mehr Qualitätsbewusstsein, mehr Gesundheit, mehr Nachhaltigkeit. Würden Sie ein Thema wie Nachhaltigkeit auch als ­Innovationstreiber sehen, was Gestaltungsmöglichkeiten angeht? Daniel Butz: Natürlich. Reduktion bedeutet nicht Verzicht. Wenn ich von Anfang an ökologisch denke und das Produkt vom Ende seines Lebenszyklus’ her konzipiere, bekommt das Gestalten eine andere Schlüssigkeit und Tiefe. Technische Klarheit erzeugt deshalb auch gestalterische Klarheit. Mit einer Kollektion wie Neuland haben wir beides miteinander vereint: Eine neue, auf Kreislauffähigkeit abzielende Technologie und ein hoher Designanspruch, was Fliesen, Farbigkeit, Kombinationsmöglichkeiten und verschiedenste Strukturen angeht.

Bild: Stefan Pletscher

Wenn Sie das Prinzip Nachhaltigkeit auf die Beziehungen zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden übertragen: Inwieweit spielt auch hier das Material eine Rolle? Daniel Butz: Material bleibt ein Versprechen, das man anfassen kann: Eine Kundenbeziehung, die auf ehrlichen, aus hochwertigen Werkstoffen hergestellten Produkten fußt, hält länger als jede Marketingkampagne. Nehmen Würden Sie sagen, dass damit auch ein Wandel in der Raumgestaltung einhergeht, besonders im Objekt-­ wir nochmal Papier als Beispiel: Die Einladung auf dünner, bereich? billiger Pappe schafft eine andere Verbindung zum EinDaniel Butz: Hier hat sich wahnsinnig viel getan, vor ladenden als eine, die durchdacht und aufwändig gestal­allem die Coronakrise war ein großer Beschleuniger. Räutet ist. Genauso ist es mit dem Teppichboden. Material me müssen heute wieder einen Grund liefern, warum man macht eine Marke überprüfbar: Ich kann wortwörtlich sie betritt, sei es nun das Büro oder das Hotel. Sie müssen spürbares Vertrauen aufbauen. Auch, weil ich über das Orte der Begegnung sein, wo soziales Leben stattfindet, Material eine bestimmte Haltung zeige. Es macht deutDaniel Butz wo Austausch entsteht, und Menschen zusammenkomlich, wofür ein Unternehmen steht – und das ist natürlich Geschäftsführer men. Das bedeutet eine Absage ans reine Quadratmeterwichtig für eine Beziehung. Denn ob man zusammenObject Carpet denken: Es geht um weniger, aber bessere Flächen. Auch GmbH in Denkendorf passt, hängt oft entscheidend davon ab, ob man ähnliche Gesundheit spielt eine immer wichtigere Rolle: zum Werte teilt. ra  2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


18 SCHAUMGLAS: WÄRMEDÄMMUNG MIT FOAMGLAS BOARD T3+

Bilder: Pittsburgh Corning (Schweiz) SA

DÄMMSTOFF FÜR HOCHLEISTUNGSLOGISTIK

Die dauerhaft konstante Dämmleistung des Foamglas-Dämmstoffs unterstützt das Einhalten der klimatischen Bedingungen im Lebensmittellager.

Mit dem Neubau seiner Verteilerzentrale im waadtländischen Aclens investiert der ­Discounter Denner in eine zukunftsfähige und leistungsstarke Logistiklösung für die Westschweiz. Für die Dämmung der Bodenplatte und der erdberührten Wände kommt dabei Foamglas Board T3+ der Pittsburgh Corning Schweiz AG zum Einsatz.

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enner realisiert in Aclens ein hochmodernes Verteilzentrum für Lebensmittel, das voraussichtlich im Jahr 2027 in ­B etrieb genommen wird. Von diesem Standort aus sollen künftig rund 200 Filialen mit Artikeln versorgt werden. Mit dem Neubau reagiert das Unternehmen auf steigende Absatzmengen, wachsende logistische Anforderungen und die zunehmende Auslastung der bestehenden Verteilzentren. Gleichzeitig ermöglicht die neue Anlage eine ­effizientere Versorgung der Westschweiz und eine Entlastung des Standorts Schmitten. WARENVERSORGUNG IN GROSSEN DIMENSIONEN

Das Gebäude umfasst eine Fläche von rund 35.000 Quadratmetern und beinhaltet ein automatisches Hochregallager mit etwa 14.000 Palettenstellplätzen. Jährlich sollen etwa 33 Millionen Collis die Verteilzentrale verlassen. Die Anlage ist mit 42 LKW-Rampen ausgestattet und verfügt über einen eigenen Bahnanschluss. Rund 130 Mitarbeitende werden künftig am Standort Aclens beschäftigt sein. Für die Planung und Umsetzung des Projekts ist die S+B Baumanagement AG als Generalplaner verantwortlich, für die Baumeisterarbeiten wurde ein Consortium unter Federführung der Marti Construction SA beauftragt. Die Auswahl der Materialien und die Ausführung der Arbeiten wurden in enger Abstimmung mit allen ProjektBAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

beteiligten durchgeführt, um die hohen Ansprüche an Qualität und Langlebigkeit zu erfüllen. HOHE ANFORDERUNGEN

Die spezifischen Anforderungen an das Gebäude als Lebensmittellager und logistische Drehscheibe sind komplex: Die erdberührten Bauteile müssen dauerhaft vor Feuchtigkeit geschützt werden, während gleichzeitig hohe statische Lasten aus Lagertechnik, Warenbewegung und dem Gewicht der Gebäudeinfrastruktur sicher aufgenommen werden sollen. Zudem ist eine präzise Aufrechterhaltung konstanter klimatischer Bedingungen innerhalb des Lagers essenziell, um die Qualität der gelagerten Waren langfristig zu sichern. Gefordert war eine Dämmstofflösung, die diese komplexen Anforderungen zuverlässig erfüllt. Für die erdberührten Bauteile unter der Bodenplatte und an den Wänden wurde daher der Hochleistungsdämmstoff Foamglas Board T3+ eingesetzt. Diese Marke wird von der Pittsburgh Corning Europe S.A. vertrieben, die zur Owens Corning Gruppe gehört. Die Platten bestehen aus Millionen abgeschlossenen Glaszellen und sind zusätzlich verklebt sowie formstabil. Sie verfügen über eine hohe Druckfestigkeit von größer oder gleich 500 Kilopascal (CS-Druckfestigkeit nach EN 826 Anhang A). So ist das Material in der Lage, die hohen Lasten aus Lagerregalen, Fördertechnik, Transportfahrzeugen und


SCHAUMGLAS: WÄRMEDÄMMUNG MIT FOAMGLAS BOARD T3+

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der Betonplatte sicher aufzunehmen und gleichmäßig abzutragen, sodass die Bodenstruktur auch bei inten-­ siver Nutzung langfristig stabil bleibt. Gleichzeitig wirkt das Schaumglas als kapillarbrechende Schicht und verhindert zuverlässig das Eindringen von Feuchtigkeit aus dem Erdreich, wodurch die Betonbauteile geschützt werden und die Stabilität der klimatischen Bedingungen im Lager maßgeblich unterstützt wird. Neben dieser Resistenz vor Wasseraufnahme macht die abgeschlossene Zellstruktur Foamglas dampfdicht. Zudem stellt die hohe Dimensionsstabilität ohne Kriechverformung sicher, dass sich die Dämmplatten nicht verformen und die Lastübertragung präzise und gleichmäßig auf die Betonplatte erfolgt. So bleibt die Dämmung unter der Bodenplatte und an den erdberührten Wänden über Jahrzehnte hinweg funktionsfähig – ohne zusätzlichen Wartungsaufwand.

Die Oberseite der Foamglas-Platten ist mit einem PEGlasvlies-Verbundmaterial versehen. Dieses sorgt für zusätzlichen Schutz und erhöht die Stabilität sowohl während der Verarbeitung als auch im eingebauten ­Zustand. Die Unterseite der Platten ist mit einem weißen Glasvlies kaschiert, das eine gleichmäßige Auflage unterstützt. Durch diese Bauweise entsteht eine homogene und dauerhaft stabile Dämmung. Sie erfüllt zuverlässig die thermischen Anforderungen mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,036 Watt pro Meter und Kelvin (Bemes-

sungswert nach Leistungserklärung 120205065B). Gleichzeitig ist die Konstruktion darauf ausgelegt, mechanische Belastungen dauerhaft sicher aufzunehmen. In Aclens kamen rund 4.000 Kubikmeter Foamglas-­ Material in Form von 200 Millimeter dicken Platten zum Einsatz. Mit den Maßen 120 mal 60 Zentimeter lassen sie sich besonders effizient auf großen Flächen verlegen. Zugleich werden Fugen minimiert und damit eine gleichmäßige Schutzwirkung erzielt. Die robuste Bauweise und die effiziente Verlegung tragen maßgeblich dazu bei, dass die Dämmung auch unter hohen Belastungen ra  zuverlässig bleibt.

Dank seiner ­geschlossenzelligen Struktur ist Foamglas Board T3+ ­dauerhaft wasserdicht und trägt als ergänzende Schutzschicht dazu bei, die Bodenplatte zusätzlich vor Feuchtigkeit aus dem Erdreich zu sichern.

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DURCHDACHTER AUFBAU

Smart bauen heißt einfach bauen

Kalksandstein vereint Tragfähigkeit, Schallschutz, Brandschutz und Kreislauffähigkeit in einem Baustoff – und schafft damit die Grundlage für wirtschaftliche, langlebige und zukunftsfähige Gebäude.

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Bild: Olaf Mahlstedt, KS-Original

ezahlbarer Wohnraum wird dringend benötigt, gleichzeitig steigen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Gefragt sind daher Bauweisen, die Komplexität reduzieren und gleichzeitig hohe technische und wirtschaftliche Anforderungen erfüllen. Ein entscheidender Hebel liegt in der Wahl der Baustoffe. Idealerweise übernehmen sie mehrere Funktionen gleichzeitig und schaffen so die Grundlage für robuste, wirtschaftliche und langfristig nutzbare Gebäude. Kalksandstein folgt genau diesem Prinzip. Seine hohe Rohdichte sorgt für einen wirksamen Schallschutz und schafft Ruhe in Wohn- und Arbeitsräumen. Zugleich erfüllt Kalksandstein ohne zusätzliche Maßnahmen höchste Anforderungen an den Brandschutz. Die hohe Speichermasse trägt zudem zu einem ausgeglichenen Raumklima bei – im Sommer wie im Winter. Damit vereint der Baustoff wesentliche Anforderungen bereits in seiner Materialität.

Auch wirtschaftlich bietet Kalksandstein Vorteile. Durch seine hohe Tragfähigkeit können schlanke Wandkonstruktionen realisiert werden, die ein Plus an Wohnflächen schaffen. Insbesondere im Geschosswohnungsbau lassen sich so effiziente Grundrisse und wirtschaftliche Gebäudekonzepte umsetzen.

Weniger Komplexität, mehr Leistung: Kalksandstein vereint zentrale Bauanforderungen in einem Baustoff.

Hinzu kommen ökologische Qualitäten. Kalksandstein besteht aus den natürlichen Rohstoffen Sand, Kalk und Wasser. Seine lange Lebensdauer, die sortenreine Rückbaubarkeit und die Möglichkeit der Wiederverwertung als Sekundärrohstoff unterstützen eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft. Kalksandstein kann mit allen Dämmstoffen und Fassadensystemen kombiniert werden – von konventionellen Lösungen bis hin zu Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen. So lassen sich unterschiedlichste Anforderungen an Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Architektur erfüllen. Smartes Bauen bedeutet heute nicht, mehr Technik einzusetzen, sondern die richtigen Lösungen intelligent miteinander zu verbinden. Kalksandstein zeigt, wie dies gelingen kann: durch einen Baustoff, der technische Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Kreislauffähigkeit in einer einfachen und dauerhaften Lösung vereint. 2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


20 DEKARBONISIERUNG: NACHHALTIGE STEINWOLLEPRODUKTION

CO₂-EFFIZIENTE ELEKTRISCHE SCHMELZTECHNOLOGIE Paroc hat durch konsequente Prozessinnovationen und den Einsatz elektrischer Schmelzöfen die CO₂-Bilanz seiner Steinwolleproduktion verbessert. In Kombination mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen ließen sich die CO₂-Emissionen im Schmelz-­ prozess um bis zu 80 Prozent senken. Darüber hinaus reduzieren sich die EPD-basierten Produktfußabdrücke ausgewählter Dämmstoffe um bis zu 78 Prozent.

Bild: Paroc GmbH

S

teinwolle-Dämmstoffe tragen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zur Energieeinsparung bei. Gleichzeitig ist ihre Herstellung besonders energieintensiv – vor allem der Schmelzprozess der mineralischen Rohstoffe. Dies erfolgt traditionell in koksbetriebenen Kupolöfen, die hohe CO₂-Emissionen verursachen und nur begrenzte Flexibilität in der Prozesssteuerung ermöglichen. Eine interne Analyse der Produktionsabläufe bei Paroc zeigte, dass der Schmelzprozess die Hauptquelle der Emissionen darstellt. Auf Basis dieser Erkenntnis hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren eine umfassende technologische Strategie entwickelt, um die Emissionsintensität der Produktion zu reduzieren. Die Einführung und Skalierung elektrischer Schmelzöfen stellt den wohl tiefgreifendsten Schritt der Produktionsumstellung dar. Im Gegensatz zu Kupolöfen basiert das elektrische Schmelzen nicht auf fossilen Brennstoffen, sondern auf Stromzufuhr und ermöglicht somit einen vollständig anderen energetischen Ansatz. Besonders deutlich wird der Vorteil, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Unter diesen Bedingungen lassen sich die CO₂-Emissionen des Schmelzprozesses um bis zu 80 Prozent reduzieren. Paroc betreibt derzeit drei elektrische Schmelzöfen – eine Anlage in Finnland und zwei in Polen. Sie

Im schwedischen Standort Hällekis wird bereits seit Jahren Strom aus erneuerbaren Quellen für die elektrischen Schmelzöfen genutzt.

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

sind in den laufenden Produktionsbetrieb integriert und bilden die Basis für eine weitreichende Transformation der Steinwolleherstellung. Ergänzend wird in Schweden derzeit die neue „Natura Line“ errichtet – eine Produktionslinie, die vollständig auf diese CO₂-arme Schmelztechnologie ausgelegt ist und damit die Fortsetzung der strategischen Elektrifizierung markiert. ERNEUERBARE ENERGIEN IM FOKUS

Der technologische Wandel ist jedoch nur ein Teil der Emissionsreduktion. Ebenso entscheidend ist die Energiequelle selbst, mit der die elektrischen Öfen betrieben werden. Während Finnland und Schweden bereits seit Jahren Strom aus erneuerbaren Energien beziehen, war dies in Polen zunächst nicht der Fall. Die dortige Stromerzeugung basiert traditionell zu großen Teilen auf Kohle, was die CO₂-Bilanz trotz elektrischer Öfen beeinträchtigte. Um dies zu ändern, initiierte man eine umfangreiche Prüfung verschiedener Energiebezugsmodelle und ­ ­entschied sich 2021 für ein Virtual Power Purchase Agreement (VPPA) mit Octopus Renewables. Seit Anfang 2022 erfolgt die Versorgung der beiden polnischen Elektroschmelzanlagen vollständig mit Strom aus Wind-­ energie.


Bild: OC Paroc

Allein durch diese Umstellung ließen sich die E­ missionen der europäischen Steinwolleproduktion um etwa 30 ­Prozent reduzieren. Die technologischen Maßnahmen zeigen sich nicht nur in der Prozessbilanz, sondern auch deutlich im P­ roduktprofil. Die neue Umweltproduktdeklaration (EPD NEPD-43373565-EN) belegt, dass die Paroc-Dachdämmstoffe ­Tectum 037, Robust 038 und Premo 90 ihren GesamtCO₂-Fußabdruck über den Lebenszyklus (A1–C4) um 78 Prozent reduzieren konnten. Diese Werte basieren auf standardisierten, extern verifizierten Berechnungsverfahren und unterstreichen den direkten Zusammenhang ­zwischen elektrischer Schmelztechnologie, ­erneuerbaren Energiequellen und den Auswirkungen auf das Endprodukt. Bemerkenswert ist zudem, dass diese Emissionsreduktionen nicht auf Kosten der Produktleistung erfolgen. Die Dämmstoffe verfügen weiterhin über ihre gewohnt hohe Brandsicherheit, Langlebigkeit und Formstabilität. In ­einigen Fällen konnten die technischen Eigenschaften sogar weiter verbessert werden – so wurde beispielsweise die Druckfestigkeit von PAROC Premo 90 auf größer oder gleich 90 Kilopascal erhöht. ZUKUNFTSORIENTIERTE VERÄNDERUNGEN

Innovationen werden also nur dort umgesetzt, wo sie ­einen echten Mehrwert liefern. Tommy Lindgren, Leiter der Forschung und Entwicklung, fasst dies wie folgt zusammen: „Wir verändern uns nicht um der Veränderung willen, sondern um der Zukunft willen.“ Qualität ist und bleibt unser zentraler Wettbewerbsfaktor. Jede Prozessoptimierung muss daher sowohl zur Emissionsreduktion als auch zur Sicherstellung der gewohnt hohen technischen Leistungsfähigkeit beitragen.“ Die bisherigen Schritte markieren einen entscheidenden Wandel innerhalb der Steinwolleproduktion. Gleichzeitig ist die Entwicklung nicht abgeschlossen. So arbeitet das Unternehmen kontinuierlich an der Weiterentwicklung seiner elektrischen Schmelzprozesse, an der Ausweitung erneuerbarer Energiequellen sowie an technischen Innovationen in vorgelagerten und nachgelagerten Produktionsphasen. Ziel ist es, die CO₂-Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette weiter zu verbessern und damit ­einen wesentlichen Beitrag für die zukünftigen Anforderungen des europäischen Bauwesens zu leisten. ra 

Kontinuierliche Prozessoptimierung: Vom Rohstoffhandling über den Schmelzprozess bis zur Endfertigung werden alle Produktionsschritte auf Energieeffizienz und Emissionsreduktion geprüft.


22 BIOPOLYMERE: BEFESTIGUNGSLÖSUNG FÜR VORGEHÄNGTE, HINTERLÜFTETE FASSADEN

KLEINES DETAIL, GROSSER EINFLUSS Bei der Montage von Fassaden spielen nicht nur Konstruktion und Material eine Rolle, sondern auch zahlreiche Details im Ablauf auf der Baustelle. Vor diesem Hintergrund hat SFS sein ­Center-Point-System weiterentwickelt: Die vormontierte Zentrierhülse des Befestigers besteht zukünftig aus biologisch abbaubarem Material.

M

it dem Center-PointSystem bietet SFS seit einigen Jahren eine Befestigungslösung für vorgehängte, hinterlüftete Fassaden, bei der Schraube und Setzhilfe in einem System kombiniert sind. Die vormontierte Zentrierhülse unterstützt dabei das präzise Setzen des Befestigers und erleichtert die exakte Positionierung der Fassadenplatten während der Montage. Beim Einschrauben bricht sie ab und erfüllt damit ihre Funktion als Montagehilfe. Die dabei entstehenden Hülsenreste mussten bislang auf der Baustelle aufgenommen und entsorgt werden. Genau hier setzt die Weiterentwicklung des Systems an. BIOLOGISCH ABBAUBARE ZENTRIERHÜLSE

Beim Einschrauben des Befestigers bricht die Zentrierhülse kontrolliert ab.

Die neue Zentrierhülse besteht aus einem biologisch abbaubaren Material auf Basis von Biopolymeren. Die beim Setzen entstehenden Hülsenreste müssen dadurch nicht mehr eingesammelt oder separat entsorgt werden. Sie können auf der Baustelle verbleiben und werden unter natürlichen Bedingungen über einen längeren Zeitraum durch Mikroorganismen abgebaut. Das verwendete ­Ma-­

Die Zentrierhülse besteht aus biologisch abbaubarem Material und verbleibt nach dem Setzen ohne zusätzlichen Entsorgungsaufwand auf der Baustelle.

WEITERENTWICKLUNG IM ­MONTAGEKONTEXT

terial erfüllt die Anforderungen an die biologische ­Abbaubarkeit gemäß DIN EN ISO 14855 sowie die Grenzwerte für Schwermetalle und andere Schadstoffe nach EN 13432. Die Anpassung des Hülsenmaterials greift damit direkt in den Montageablauf ein und reduziert den Aufwand im Umgang mit anfallenden Bauteilen auf der Baustelle. Insbesondere bei größeren Fassadenflächen, bei denen eine Vielzahl von Befestigungspunkten entsteht, wirkt sich dies auch auf die Organisation und Nachbereitung der Montage aus. Gleichzeitig bleibt das Funktionsprinzip des Systems ­unverändert. Die Zentrierhülse erfüllt weiterhin ihre Aufgabe als temporäre Montagehilfe beim Setzen des ­Befestigers und stellt die präzise Positionierung im Bohrloch sicher. Auch im Hinblick auf die Fassadenkonstruktion bleibt das System auf die Anforderungen beweg-­ licher Bauteile ausgelegt. Da beim Setzen kein Material der Zentrierhülse im Bohrloch verbleibt, steht weiterhin ausreichend Raum für temperaturbedingte Bewegungen der Fassadenplatten zur Verfügung.

Bilder: SFS Group AG

ANWENDUNGSVIELFALT

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Das System ist für unterschiedliche Plattenstärken v­ erfügbar und kann bei Fassadenplatten von sechs bis 13 Millimetern eingesetzt werden. Der erforderliche Vorbohrdurchmesser beträgt zehn Millimeter. Dadurch lässt sich das System in unterschiedlichen Fassadenkonstruktionen einsetzen und an projektspezifische ­Anforderungen anpassen. Für die Gestaltung bietet SFS ebenfalls Spielraum: Der Schraubenkopf ist farblich ­individuell anpassbar und kann auf das jeweilige Fassadenbild abgestimmt werden. ra 


BIOBASIERTE MATERIALIEN: HANFPANEELE

Impressum

AUS MATERIAL WIRD DESIGN

Herausgeber und Geschäftsführer: Matthias Bauer (Vorsitz), Dennis Hirthammer Bauen aktuell im Internet: www.bauen-aktuell.eu So erreichen Sie die Redaktion: Chefredakteur: Andreas Müller (v.i.S.d.P.) (andreas.mueller@win-verlag.de, Tel. 089/3866617-11) Redaktion: Regine Appenzeller (regine.appenzeller@win-verlag.de, Tel. 089/3866617-17) Autoren dieser Ausgabe: Roland Bauer, Vasyl Betsa

Biobasierte Materialien entwickeln sich von der Nischenlösung zur praxistauglichen Option für Architektur und Innenausbau. Das Akustik-Wandsystem Kana aus Hanffasern zeigt, wie sich Schallabsorption, natürliche Ästhetik und ökologische Kriterien verbinden lassen. VON ROLAND BAUER

So erreichen Sie die Anzeigenabteilung: Anzeigengesamtleitung: Martina Summer (089/3866617-31, martina.summer@win-verlag.de) anzeigenverantw. Mediaberatung: Manuela Gries (089/3866617-25, manuela.gries@win-verlag.de) Tilmann Huber (089/3866617-26, tilmann.huber@win-verlag.de) Anzeigendisposition: Auftragsmanagement@win-verlag.de Chris Kerler (089/3866617-32, Chris.Kerler@win-verlag.de) Abonnentenservice und Vertrieb Tel: +49 89 3866617 46 bauen-aktuell.eu/hilfe oder E-Mail an abovertrieb@win-verlag.de mit Betreff „Bauen aktuell“ Gerne mit Angabe Ihrer Kundennummer vom Adressetikett.

M

aterialien für Wände, Decken und den Innenausbau beeinflussen unter anderem die CO₂-Emissionen, die Raumluftqualität und die Akustik. Gleichzeitig prägen sie aber auch die ­Atmosphäre eines Raums. Die Suche nach Alternativen zu ressourcenintensiven, konventionellen Werkstoffen führt deshalb zu einem wachsenden Interesse an biobasierten Materialien aus erneuerbaren Rohstoffen, die dazu beitragen, ökologische Anforderungen mit funktionalen und gestalterischen Ansprüchen zu verbinden. Ein Beispiel ist das Akustik-Wandsystem Kana von Mogu. Es wird aus Hanffasern hergestellt und verbindet Schallabsorption mit einer ­natürlichen Materialästhetik. Zum Einsatz kommen kann es unter anderem in Arbeitswelten, Gastronomie, im Einzelhandel und in öffentlichen Räumen. Hanf besitzt eine besondere ökologische ­Eigenschaft: Während des Wachstums bindet die Pflanze atmosphärischen Kohlenstoff. Dieser bleibt über den gesamten Lebenszyklus des M ­ aterials gespeichert. Nach Angaben des Herstellers können 200 Quadratmeter KanaPaneele im Vergleich zu herkömmlichen Innenausbaulösungen bis zu eine Tonne CO₂Emissionen einsparen. Die tatsächliche Bilanz hängt jedoch von den jeweiligen Vergleichsmaterialien, Herstellungsprozessen, Transportwegen und der Nutzung ab. Für eine

Bild: Archiproducts, Fòco

Zweiseitige Akustik-­ paneele aus Hanf.

Layout und Titelgestaltung: Design-Concept, Viktoria Horvath Bildnachweis/Fotos: falls nicht gekennzeichnet: Werkfotos, AdobeStock, shutterstock.com, Titelbild: �Warittha (KI-generiert), stock.adobe.com

­belastbare Bewertung sind daher transparente Lebenszyklusanalysen entscheidend. Neben der Umweltwirkung muss ein Material auch den Anforderungen der Praxis entsprechen. So ist Kana in verschiedenen Standardformaten und auf Anfrage in individuellen Abmessungen erhältlich. Dadurch lässt sich die akustische Planung in unterschiedliche architektonische Konzepte integrieren, ohne die gestalterische Flexibilität einzuschränken. Biobasierte Werkstoffe entwickeln sie sich immer mehr zu Produkten für konkrete Bau- und Innenraumprojekte, haben ihren rein experimentellen oder dekorativen Charakter längst verloren, sind auch nicht als Ersatz für konventionelles Material gedacht. Entscheidend ist stattdessen die Erweiterung des verfügbaren Materialangebots um Lösungen, die funktionale Leistung, gestalterische Qualität und ökologische Kriterien zusammenführen. D ­ amit wird die Materialwahl zu einem wichtigen Instrument, um Innenräume ressourcenschonender und zugleich komfortabler zu gestalten. Biobasierte Materialien sind deshalb keine pauschale Lösung für die Klimawirkung von Gebäuden. Sie leisten jedoch einen Beitrag, wenn sich Herkunft, Verarbeitung, Haltbarkeit und Entsorgung ganzheitlich bewerten lassen. So entsteht eine Architektur, die Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil des Entwurfs versteht und nicht als eine nachträgliche ­Ergänzung. ra 

Druck: Vogel Druck und Medienservice GmbH Leibnizstraße 5 97204 Höchberg Produktion und Herstellung: Jens Einloft (jens.einloft@win-verlag.de, Tel.: 089/3866617-36) Anschrift Anzeigen, Vertrieb und alle Verantwortlichen: WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, D-81549 München Tel.: 089/3866617-0 E-Mail: info@win-verlag.de; www.win-verlag.de Bezugspreise: Einzelverkaufspreis: 9,50 Euro, weitere EU-Länder: 11,70 Euro; im Ausland zuzüglich Versand­kosten Verlagsleitung: Martina Summer (martina.summer@win-verlag.de, Tel.: 089/3866617-31) Zentrale Anlaufstelle für Fragen zur Produktsicherheit: Martina Summer (martina.summer@win-verlag.de, Tel.:089/3866617-31) Erscheinungsweise: 1-mal jährlich Eine Haftung für die Richtigkeit der Veröffentlichungen kann trotz Prüfung durch die Redaktion vom Heraus­geber nicht übernommen werden. Honorierte Artikel gehen in das Verfügungsrecht des Verlags über. Mit Übergabe der Manuskripte und Abbildungen an den Verlag erteilt der Verfasser dem Verlag das Exklusivrecht zur Veröffentlichung. Für unverlangt eingeschickte Manuskripte, Fotos und Abbildungen keine Gewähr. Copyright © 2026 für alle Beiträge bei der WIN-Verlag GmbH & Co. KG. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen insbesondere der Nachdruck, die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM und allen anderen elektronischen Datenträgern. Ausgabe: 01/2026 (ET 27.08.2026) ISSN 2195-5913 Unsere Papiere sind PEFC zertifiziert Wir drucken mit mineralölfreien Druckfarben Außerdem erscheinen bei der WIN-Verlag GmbH & Co. KG: Magazine: AUTOCAD Magazin, DIGITAL BUSINESS CLOUD, DIGITAL ENGINEERING Magazin, DIGITAL MANUFACTURING, e-commerce Magazin, r.energy, PLASTXnow, PLASTVERARBEITER, KGK Rubberpoint

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