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Bauen aktuell 04/2026

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D, A, CH: 9,50 Euro weitere EU-Länder: 11,70 Euro ISSN 2195-5913

Bild: � santima (KI-generiert), stock.adobe.com

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Titelthema: Garten- & Landschaftsbau

Scan-to-BIM-Lösungen

Planungen brauchen eine ­verlässliche Datengrundlage: Scan-to-BIM soll genau das liefern.

Büro- & Managementsoftware

Projektfortschritt, Arbeitszeiten, Kommunikation und Dokumentation: zentral organisieren, verwalten und smart automatisieren.

Eine Publikation der WIN-Verlag GmbH & Co. KG

Die Digitalisierung verändert den Galabau. Neben effizienter Planung und präziser ­Kalkulation werden zuverlässige Vermessungsdaten immer wichtiger.


EDITORIAL

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ZWISCHEN PUNKTWOLKE UND HAUSHALTSPLAN Mitte September ist es wieder so weit: In München trifft sich zur Intergeo die Geodäsie- und BIM-­ Community. Zur gleichen Zeit öffnet in Nürnberg die Galabau ihre Tore. Zwei Messen, zwei Branchen. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt mehr Berührungspunkte, als die getrennten Hallenpläne vermuten lassen. Auf der einen Seite steht eine technologische Entwicklung, die längst über die reine Vermessung ­hinausreicht: Scan-to-BIM (S. 24-36) ist aus der ­Nische heraus und heute etablierter Workflow. Laserscanner und fotogrammetrische Systeme ­ ­liefern Punktwolken in bisher unerreichter Dichte und Präzision. KI-gestützte Algorithmen erkennen daraus automatisiert Bauteile, Leitungen und Strukturen. Aus rohen Messdaten entsteht so in ­kürzester Zeit ein strukturiertes, semantisch angereichertes Modell als echte Arbeitsgrundlage für Planer, Statiker und Bauleiter.

auch die Verzahnung von Geoinformationssys-­ temen mit BIM-Modellen stärker in den Fokus. Erst wenn Lagebezug, B ­ estandsdaten und Planungsmodelle in einem g­ emeinsamen Datenraum zusammenfinden, lässt sich ein Projekt wirklich durchgängig steuern – ob Straße, Gebäude oder Grünanlage. Von der ersten Bestandsaufnahme bis zur Übergabe an den B ­ etrieb. Wer diese Entwicklungen nutzen will, braucht schließlich auch die passende Organisation im ­Hintergrund. Mehr digitale Modelle, mehr Fördermittelanträge, mehr Koordinationsaufwand – bei gleichzeitigem Fachkräftemangel in Planungsbüros wie in ausführenden Betrieben. Büro- und Managementsoftware (S. 42-51) wird damit zum notwendigen Gegenstück zur technischen Aufrüstung auf der Datenseite. Wer Projekte, Ressourcen und Kalkulation integriert, statt in Insellösungen abbildet, ­verschafft sich einen klaren Vorteil.

Genau darauf zielen auch die aktuellen Trend-­ themen der Intergeo (S. 7): Sensorfusion aus GNSS, Lidar und optische Systeme, mobile Erfassung im Gelände, KI-gestützte Fotogrammetrie. Sie alle verkürzen den Weg von der Erfassung zum nutzbaren Modell – und machen ihn zuverlässiger. Für Bestandsgebäude, Infrastrukturprojekte und komplexe Umbauten eröffnet das neue Möglichkeiten, die bislang schlicht zu aufwändig oder zu ungenau gewesen wären.

Was sich in diesem Herbst zwischen München und Nürnberg abzeichnet, ist mehr als ein Nebeneinander zweier Fachmessen. Es ist ein Zusammenspiel unterschiedlicher, zunehmend verzahnter Entwicklungen: präzisere Erfassungstechnologien auf der einen Seite, wachsender Handlungsdruck bei ­Klimaanpassung und Fördermitteln auf der anderen. Zusammengehalten von einer Digitalisierung, die längst nicht mehr an Gewerkegrenzen Halt macht.

Ganz andere Themen treiben derzeit die Grün- und Freiraumplanung, den Kernbereich der Messe Galabau (S. 6). Starkregen und Hitzeperioden zwingen Kommunen zum Handeln. Die Förderlandschaft reagiert entsprechend deutlich: Aktuell laufen mehrere Programme zur Klimaanpassung, von Bundesmitteln bis zu länderspezifischen Schienen für Entsiegelung, Begrünung und Regenwassermanagement – teils mit vereinfachten Verfahren für kleinere Vorhaben. Wer solche Mittel abrufen will, braucht belastbare Bestandsaufnahmen, eine nachvollziehbare Planung und eine Dokumentation, die im Zweifel auch einer Prüfung standhält. SchwammstadtKonzepte, Retentionsflächen und Begrünungsmaßnahmen sind damit längst kein reines Umweltthema mehr. Sie sind ein wachsendes Geschäftsfeld für Garten- und Landschaftsbaubetriebe.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre – und, sofern der Kalender es zulässt, zwei ergiebige ­Messewochen im September.

Bild: Bauen Aktuell

Auch auf der regulatorischen Seite (S. 8-13) zeichnet sich eine Entwicklung ab, die beide Bereiche mittelfristig näher zusammenrücken lassen könnte. Im Bundesfernstraßenbau ist BIM 2026 offiziell vom Pilotstatus in den Regelbetrieb übergegangen. Eine flächendeckende gesetzliche Pflicht für den privaten Hochbau gibt es zwar ­weiterhin nicht. Doch immer mehr öffentliche Auftraggeber verankern eigene BIM-Anforderungen in ihren Vergaben. Damit rückt

Ihre Regine Appenzeller Redakteurin

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Bild: Bimeto GmbH

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Bild: Geo Capture GmbH

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NEUES AUS DER BAUWELT MESSEN

Galabau 2026 und Arbeitsschutz Aktuell DIE ZUKUNFT SICHTBAR MACHEN

Messe: Intergeo 2026 in München

SMARTE BODENPROBEN VIA APP

Integrierte GIS- & BIM-basierte Planung: Bodenprobe via App MIT RÄUMLICHER INTELLIGENZ ZUM BAUSTELLENFORTSCHRITT

Integrierte GIS- & BIM-basierte Planung: Sprachmodelle mit KI erweitern NEUE ÄRA KOMMUNALER GIS-NUTZUNG

Integrierte GIS- & BIM-basierte Planung: KI-Lösung Riwanexis FLEXIBEL UND STRUKTURIERT

Gartenbau & Landschaftsplanung: Aufmaß und Mengenermittlung EINMAL ERFASSEN, MEHRFACH NUTZEN

Gartenbau & Landschaftsplanung: Wie weit der Plattformgedanke trägt WARUM LEITUNGSAUSKÜNFTE UNVERZICHTBAR SIND

Gartenbau & Landschaftsplanung: Tiefbauerkundigung GNSS-VERMESSUNG FÜR EFFIZIENTE BAUPROZESSE

Gartenbau & Landschaftsplanung: Measure now Pro DIGITALISIERUNG SCHAFFT RESSOURCEN

Gartenbau & Landschaftsplanung: Hero im Einsatz bei Meiser OHNE DAS GROSSE MODELL

Scan-to-BIM_Lösungen: Datengrundlage für Digitalisierungsprojekte VOM RAUMSCAN ZUM RECHENFÄHIGEN GEBÄUDEMODELL

Scan-to-BIM-Lösungen: Bestandsaufnahme neu gedacht BESTANDSGEBÄUDE EFFIZIENT DIGITALISIEREN

Scan-to-BIM-Lösungen: Vom Reality-Capture- zum BIM-Modell ANNAHMEN DURCH MESSDATEN ERSETZEN

Scan-to-BIM-Lösungen: Vom Bestand zur verlässlichen Planungsgrundlage CLOUDGESTÜTZTE KOLLABORATION IN ECHTZEIT

Scan-to-BIM-Lösungen: Kollaboration in der Cloud GEBÄUDE ENERGETISCH BEWERTEN

Scan-to-BIM-Lösungen: Forschungsprojekt ESG-Readiness ReadE VOM SCAN ZUM PLAN

Scan-to-BIM-Lösungen: Bluebeam und Metaroom bündeln Kräfte beim Bauen im Bestand SIMULIEREN, BEVOR GEBAUT WIRD

Digitale Stadtentwicklung: Plattform Oasity für klimaresiliente Stadtgestaltung

WENN DIE NORM LEERLÄUFT

Digitale Stadtentwicklung: Was zum Bauleistungssoll gehört WARUM BAUUNTERNEHMEN JETZT HANDELN SOLLTEN

Thomas Philipp Reiter, Billit, zur E-Rechnungspflicht DATENDURCHGÄNGIGKEIT MIT BAU-MOBIL

Büro- & Managementsoftware: Neue Software für Sanierungstechnik Dommel ZWISCHEN LEISTUNG UND ERGEBNIS

Büro- & Managementsoftware: Unterm Strich Software im Planungsbüro MANAGEMENTSOFTWARE VERLÄSST DAS BÜRO

Büro- & Managementsoftware: Mitarbeiter-App von Quiply Editorial Marktplatz Vorschau/Impressum In dieser Ausgabe redaktionell erwähnte Firmen: Arbeitsschutz Aktuell S. 6, Billit S. 42-43, Bimeto S. 24-25, Bluebeam S. 36-37, BPS S. 48-49, Capex S. 6, Connect 2 Mobile S. 44-45, Dataflor S. 20-21, Declaro S. 8-9, First Invision S. 26-27, Fraunhofer S. 34-35 und 38-39, Geo Capture S. 16-17, Hero Software S. 22-23, Hinte Expo & Conference S. 7, Infrest S. 18-19, Leica Geosystems S. 32-33, MWM S. 14-15, Nürnberg Messe S. 6, Orca Software S. 5, Parallelum S. 30-31, Point 2 BIM S. 28-29, Quiply S. 50-51, Riwa S. 12-13, Sauter S. 5, The Green Bridge S. 10-11, TÜV Süd S. 40-41, Unterm Strich Software S­ . 46-47


Bild: Sauter

NÄCHSTE GENERATION MODULO 6 UND ECOS 5

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NEWS

NEUES AUS DER BAUWELT

Höhere Leistung, Vernetzung und Sicherheit mit der neuen Generation der Sauter-Gebäudeautomationsstationen Modulo 6 (links) und Raumautomationscontroller Ecos 5 (rechts).

NEUES WHITEPAPER VON ORCA Die Orca Software GmbH hat ihr Whitepaper „Ausschreibung & Vergabe öffentlicher Bauprojekte“ überarbeitet. Neu ist ein eigenes Kapitel zum Vergabebeschleunigungsgesetz, das am 1. Juli 2026 in Kraft getreten ist. Das Gesetz ändert in einem Schritt mehrere zentrale Regelwerke des Vergaberechts, darunter das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), die Vergabeverordnung (VgV), die Bundeshaushaltsordnung (BHO) sowie die Sektorenverordnung (SektVO). Ziel ist es, öffentliche Beschaffungsvorgänge und Bauaufträge einfacher, schneller und stärker digitalisiert abzuwickeln, um insbesondere Infrastrukturprojekte zügiger umsetzen zu können.

Das aktualisierte Whitepaper zeigt Planern und Auftragnehmern, was sich in der Praxis konkret ändert: So steigt die Wertgrenze für Direktaufträge auf 50.000 Euro, Nachweispflichten werden vereinfacht, das Nachprüfungsverfahren wird digitalisiert, und der Rechtsschutz im Beschwerdeverfahren wird durch den Wegfall der aufschiebenden Wirkung der sofortigen Beschwerde eingeschränkt. Bei dringlichen, aus dem Sondervermögen Infrastruktur finanzierten Vorhaben können künftig zudem mehrere Lose zusammengefasst vergeben werden. Auch die Erleichterungen für junge Unternehmen und Start-ups sowie die neuen Regelungen zu Nebenangeboten werden im Detail ­erläutert. 

Bild: Orca Software GmbH

Mit zunehmender Digitalisierung und Vernetzung von Gebäuden steigen auch die Anforderungen an die Gebäudeautomation. Systeme müssen immer größere Datenmengen v­ erarbeiten, unterschiedlichste Technologien integrieren und gleichzeitig höchste Ansprüche an Zuverlässigkeit und Sicherheit erfüllen. Die neuen Sauter-Plattformen Modulo 6 und Ecos 5 wurden gezielt entwickelt, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Im Zentrum der neuen Generation steht eine leistungsstarke Multi-Core-CPU-Architektur, die eine schnelle parallele Datenverarbeitung und kurze Reaktionszeiten ermöglicht. Dank des erweiterten Speichers können Betriebsdaten kontinuierlich erfasst und analysiert werden. Dies unterstützt Gebäudebetreiber dabei, die Energieeffizienz zu optimieren, den Nutzerkomfort zu erhöhen und Betriebskosten langfristig zu senken. Die neuen Modulo-6-Automationsstationen erhöhen zudem die Skalierbarkeit von Systemen durch die Unterstützung dezentraler I/O-Topologien. In Kombination mit Remote-I/O-Modulen und IP-basierten Kopplern lassen sich flexible, verteilte Systemarchitekturen realisieren, die die Planung vereinfachen, s­ pätere Erweiterungen erleichtern und den Wartungsaufwand reduzieren. Auch die Ecos-5-Raumautomationscontroller profitieren von der gesteigerten Rechenleistung. Sämtliche Raumfunktionen können direkt in einem einzigen Controller abgebildet werden. Über Schnittstellen wie KNX, DALI, Modbus, M-Bus, En Ocean und SMI lassen sich Beleuchtung, Sonnenschutz und HLK-Systeme nahtlos ­integrieren. So entstehen effiziente und vollständig vernetzte Lösungen für die Raumautomation. Die neue Generation setzt zudem neue Maßstäbe bei der Cybersicherheit. Basierend auf einem konsequenten Security-by-Design-Ansatz verfügen die Geräte über eine gehärtete Systemarchitektur, moderne Verschlüsselungstechnologien sowie sichere Update- und Zertifizierungsmechanismen. Damit erfüllen sie bereits heute aktuelle und zukünftige Anforderungen an die Cybersicherheit, einschließlich der Vorgaben des europäischen Cyber Resilience Act (CRA). Zusätzlich profitiert man in der Anwendung von einer optimierten Bedienung: Der integrierte Webserver Modu Web Unity ermöglicht eine schnellere Inbetriebnahme, D ­ iagnose und Bedienung der Automationsstationen – ganz ohne zusätzliche Software. Das macht den täglichen ­Betrieb einfacher und effizienter. Ein weiterer Vorteil: Die neue Generation ist vollständig kompatibel mit bestehenden Sauter-Lösungen für die Gebäude- und Raumautomation. 

Das neue Whitepaper „Ausschreibung & Vergabe öffentlicher Bauprojekte“ bietet unter anderem einen kompakten Überblick über das neue Vergabebeschleunigungsgesetz.

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MESSEN: ARBEITSSCHUTZ AKTUELL & GALABAU

ARBEITSSCHUTZ AKTUELL 2026 IN STUTTGART Seit über 50 Jahren gehört die „Arbeitsschutz ­ ktuell” zu den festen Größen der Branche. Wer A schon einmal dort war, weiß auch warum. Fachkräfte für Arbeitssicherheit treffen hier auf ­Betriebsärzte, HSE-Verantwortliche auf BGM- und HR-Profis, und zwischen den Ständen entstehen die Gespräche, für die im Arbeitsalltag sonst kaum Zeit bleibt. Fachmesse und Praxisprogramm sind mit einem einzigen Ticket zugänglich und so miteinander verzahnt, dass sich ein Besuch auch dann lohnt, wenn der Kalender eigentlich keinen Spielraum hergibt. Vom 20. bis 22. Oktober 2026 versammelt sich die Community nun wieder in der Messe Stuttgart: Mit neuen Themenwelten, den Safety Trails und der Live Experience Area „Büro“ entwickelt sich der traditionsreiche Community-Treff konsequent wei- Impressionen von der Arbeitsschutz Aktuell 2024. ter – nah an den Fragen, die Betriebe heute wirklich Die nächste Ausgabe findet vom 20. bis 22. Oktober 2026 in Stuttgart statt. beschäftigen.

Bild: Arbeitsschutz Aktuell

MESSEN

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Die Themen 2026 Was macht KI mit dem Arbeitsschutz? Wie arbeiten Mensch und Roboter sicher Seite an Seite? Und was tun, wenn der Kopf nicht mehr mitmacht, obwohl der Helm sitzt? Das Programm der Arbeitsschutz Aktuell nimmt sich genau dieser Fragen an: Mensch und Maschine, Autonome Systeme und Fernarbeit, Resilienz und mentale Gesundheit und ESG und Nachhaltigkeit – denn sichere Arbeit ist längst Chefsache und Kulturfrage zugleich. Dazu kommt jede Menge Handfestes: PSA, Gefahrstoffmanagement, konkrete Lösungen für Baustelle, Halle und Lager. Große Messe, wenig Zeit, klares Ziel? Dafür gibt es 2026 erstmals die Safety Trails. Vier Routen führen über die Messe direkt zu den passenden Ausstellern und Vorträgen: Smart Safety, Next Generation, PSA und Workwear sowie High Risk. So funktioniert‘s: QR-Code auf dem eigenen Badge scannen, Hallenplan aufs Handy, loslaufen.

MENSCHEN, IDEEN UND INNOVATIONEN VERNETZEN

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stellern wie ACO, Kann Baustoffwerke, Godelmann, Richard Brink oder Paul Bauder zeigt die Galabau das breite Spektrum und die Innovationskraft der Branche. Ergänzt wird das Angebot durch Unternehmen aus den Bereichen urbane Gestaltung, Spielplätze, Freizeitanlagen und Sportplätze sowie Privatgarten-Ausstattung und -Einrichtung. So präsentieren beispielsweise Ziegler Metallbearbeitung, Bega, Kompan, Berliner

Seilfabrik, Brügmann Traum Garten und R ­ iviera Pool ihre Produkte und Konzepte für lebenswerte, attraktive und zukunftsfähige Freiräume. Weitere Aussteller aus den Bereichen Verwertung, Entsorgung und Umweltschutz, spezielle Arbeitsgebiete sowie Organisationen runden das Angebot ab und machen die Messe zum zentralen Branchentreffpunkt für die gesamte Wertschöpfungskette des Garten- und Landschaftsbaus.

Bild: Nürnberg Messe

Die internationale Leitmesse für urbanes Grün und Freiräume Galabau bringt vom 15. bis 18. September in Nürnberg die gesamte Wertschöpfungskette der grünen Branche zusammen. Mit rund 1.100 Ausstellern in 14 Hallen entsteht eine einzigartige Plattform für persönliche Gespräche, Produktvergleiche und den direkten Austausch mit Experten, Herstellern und Dienstleistern. Die Messe schafft damit Orientierung in einer Branche, die sich durch Klimaanpassung, Digitalisierung und neue Anforderungen kontinuierlich weiterentwickelt. Zu den Ausstellern zählen zahlreiche renommierte Unternehmen aus unterschiedlichen Marktsegmenten. Im Bereich Baumaschinen und Baugeräte, Transport, Baustellen und Bauhöfe präsentieren unter anderem Wacker Neuson, Zeppelin Baumaschinen, Takeuchi, Komatsu Germany und JCB Deutschland ihre Produkte. Bei den Pflegemaschinen und Pflegegeräten sind unter anderem Stihl, Husqvarna, John Deere, Kubota und Toro vertreten. Auch in den Bereichen Pflanzen mit Unternehmen wie Lorberg Quality Plants, Bruns Pflanzen Export oder der Baumschule Lorenz von Ehren sowie bei Stoffen und Bauteilen mit Aus-

Die Galabau 2026 startet am 15. September in Nürnberg.


MESSE: INTERGEO 2026 IN MÜNCHEN

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ZUKUNFT SICHTBAR MACHEN Vom 15. bis 17. September 2026 ist München internationaler Treffpunkt der Geo-Community. Auf der Intergeo treffen sich wieder führende Köpfe, Unternehmen, Start-ups, Wissenschaft und Anwender aus Geodäsie, Geoinformation, Landmanagement und Digitalisierung.

D

ie Fachmesse und Konferenz der Geo-Branche setzt dieses Jahr mit einem weiterentwickelten Konzept neue Impulse und verbindet Expo, Conference, Networking und Live Experience miteinander. Im Mittelpunkt stehen Anwendungen rund um Geodaten, digitale Zwillinge, KI, Reality Capturing und intelligente Datenräume – für Infrastruktur, Verwaltung, Mobilität, Immobilienwirtschaft, Umwelt und Klimaanpassung. Erstmals ist die Eröffnung der Intergeo-Conference mit den Keynotes für alleTicketinhaber zugänglich, womit man den Austausch zwischen Expo- und Konferenzteilnehmern stärken möchte. Internationale Experten, Anwender und Technologieanbieter diskutieren hier am ersten Messetag aktuelle Entwicklungen rund um d­ igitale Zwillinge, GeoAI, Earth Observation, BIM, Climate Tech und vernetzte Geodateninfrastrukturen. Ergänzt wird das Programm durch Themen wie Digitalisierung der Verwaltung, Energiewirtschaft oder Ingenieurgeodäsie. KI VERÄNDERT DIE GEO-BRANCHE

HOTSPOT REALITY CAPTURING

Mit neuem Live- und Erlebnisformat rückt Reality Capturing in den Mittelpunkt: In Halle C5 bietet der Experience Parc einen Treffpunkt für Technologien, Anwendungen und Anbieter rund um Mobile Mapping, Laserscanning, Fotogrammmetrie und digitale Erfassung. Ob praxisnahe Demonstrationen, Hands-on-Anwendungen oder Live-Workflows für Anwendungen in Infrastruktur, Bau, ­Immobilienwirtschaft, Stadtentwicklung, Industrie und Verwaltung: Anbieter erhalten die Möglichkeit, ihre ­Lösungen in einem realitätsnahen Umfeld zu präsen-­tieren und im direkten Marktumfeld sichtbar zu ra  machen.

Bild: Niko Herzog

Ein besonderer Schwerpunkt des Conference-Programms liegt auf Geo-AI. In mehreren Sessions am zweiten Messetag werden aktuelle Entwicklungen vorgestellt – von wissenschaftlichen Grundlagen über Anwendungen in der Fernerkundung bis hin zu Praxisbeispielen aus der Wirtschaft. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie KI räumliche Zusammenhänge analysiert, um fundierte Entscheidungen in Wirtschaft, Verwaltung und Infrastruktur zu unterstützen. Digitale Zwillinge zählen zu den zentralen Innovationstreibern der Conference. Mehrere Sessions am ersten Konferenztag beleuchten ihre Potenziale für Infrastruktur, Energiewirtschaft und kommunale Anwendungen. M ­ atthias Knuhr (Gelsenwasser AG) etwa zeigt in

seinem Vortrag „Vom Smartphone zum digitalen Zwilling: Effiziente Bestandsdokumentation im ­Leitungsbau“, wie moderne Erfassungsmethoden die Grundlage für präzise digitale Zwillinge im Infrastrukturbereich schaffen. Weitere Schwerpunkte sind Praxisbeispiele wie der Digitale Zwilling München, neue Datenplattformen sowie die Frage, wie Geodaten Planung, Betrieb und nachhaltiges Ressourcenmanagement intelligent miteinander verknüpfen. Komplettiert wird das Programm durch Beiträge zu Extended Reality und Smarten Geodaten, die zeigen, wie immersive Technologien und intelligente Datenräume künftig zusammenwirken. Der zweite Konferenztag steht im Zeichen digitaler Transformation von Bauwesen, Infrastruktur und Verwaltung. Mehrere Sessions, präsentiert von Building Smart Deutschland, zeigen, wie digitale Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse zunehmend eins werden. Z­ udem steht der Einsatz von Erdbeobachtung für das Krisenmanagement im Fokus, ergänzt durch das Real Estate Lab, das die Immobilienwirtschaft mit innovativen Geodatenanwendungen verbindet.

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INTEGRIERTE GIS- & BIM-BASIERTE PLANUNG: BODENPROBE VIA APP

Als standardisierte, digitale Schnittstelle erleichtert die Declaro-App auch die Arbeit im Labor.

SMARTE BODENPROBEN VIA APP Schluss mit Papierchaos und hohem Zeitaufwand bei Bodenproben: Eine neue App macht die Probenahme einfacher, schneller, kostengünstiger und komplett digital und führt strukturiert und intuitiv durch den Prozess. VON SABRINA DEININGER und die Bodenprobe eindeutig miteinander verknüpft. Die App führt von der Erfassung der Probedaten bis zum fertigen Ergebnis der Probe. So funktioniert’s: Zuerst wird die Probenahmestrategie definiert und anschließend werden die Probedaten erfasst. Die App leitet die Anwender durch den standardisierten Probenahmeprozess gemäß LAGA PN 98. Wie gewohnt wird die Bodenprobe des Haufwerks auf der Baustelle entnommen, anschließend generiert Declaro ein automatisiertes und umfangreiches Probenahmeprotokoll. Die ­erfassten Daten werden per Klick an das zuständige Labor übermittelt, das die Daten auswertet. Über das Dashboard der App können alle Beteiligten jederzeit den Status ihrer Proben einsehen. Am Ende erhalten die Anwender die Ergebnisse mitsamt Prüfprotokoll.

SMARTE PROBENAHME

Die deutliche Erleichterung zur analogen Probenahme liegt auf der Hand. „Bislang läuft ein Mitarbeiter mit Papier und Stift auf die Baustelle und trägt die Daten für die Bodenproben zusammen. Am Ende wird der Eimer mit

Die App wickelt den gesamten Prozess einfach und digital ab. Über einen Barcode auf dem Eimer sind die Daten BAUEN AKTUELL 04/26

KEIN PAPIERCHAOS MEHR Bilder: Declaro

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it nur wenigen Klicks erfassen Mitarbeitende auf der Baustelle mit der Declaro-App die Probedaten, erhalten das Probenahmeprotokoll, übermitteln die Daten an das zuständige Labor und erhalten die Ergebnisse der Probe. Das spart geschätzt 15 Minuten Zeit pro Probe und vermeidet Doppelerfassungen. Anwender können sich auf eine standardisierte ­Erfassung gemäß LAGA PN 98 verlassen und arbeiten komplett papierlos. Auch für Labore erleichtert es die Arbeit, da sie die Daten standardisiert über eine digitale Schnittstelle in ihren Prozess einbinden können. „Declaro fungiert als digitalisierte und automatisierte Schnittstelle zwischen Baustelle, Ingenieurbüro/Bauunternehmen und Labor. Unsere neue App vereinfacht und beschleunigt die Prozesse zwischen den drei Akteuren signifikant“, erklärt Michael Biechele, Geschäftsführer des Start-ups mit Sitz im württembergischen Berkheim.


INTEGRIERTE GIS- & BIM-BASIERTE PLANUNG: BODENPROBE VIA APP

der Probenahme ebenfalls händisch beschriftet, bevor er ins Labor geht. Die Daten auf dem Papier tippt der Mitarbeiter dann im Büro in seinen PC. Auch das Labor tippt die ganzen Daten noch einmal ab. Ein echtes Papierchaos und obendrein auch fehleranfällig“, erklärt ­Michael Biechele. Nun geht es einfacher und ganz ohne Papier: Die Daten für die Probenahme werden standardisiert nach LAGA PN 98 direkt in der App erfasst. Sie liegen in einer Cloud und ausschließlich beim Kunden, und Declaro hat keinerlei ­Zugriff auf die Daten der Probenahme. Durch die digitale Probenahme mit Barcode und Schritt-für-Schritt-Anleitung in der App sparen sich Ingenieurbüros und Bauunternehmen vor allem Zeit, weil Daten nicht mehr doppelt zu erfassen und abzugleichen sind. Der smarte Prozess ist weniger fehleranfällig, da die App Mitarbeitende strukturiert durch die Probenahme führt. Gleichzeitig ist auch weniger Vorerfahrung bei der Person nötig, die die Bodenprobe auf der Baustelle entnimmt. AUS DER PRAXIS, FÜR DIE PRAXIS

Der Anstoß für die Entwicklung der App kam vom Bauunternehmen Max Wild. „Wir haben uns gefragt: Gibt es für den Prozess der Probenahme keine einfache, digitale Lösung? Nach einer Recherche wurde klar: Nein, da gibt es noch nichts auf dem Markt. Also haben wir uns selbst daran gemacht, etwas zu entwickeln,“ erklärt Elias Haitz, Oberbauleiter im Bereich Umwelt der Max Wild GmbH.

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Bild links: Schluss mit Papierchaos und hohem Zeitaufwand bei Bodenproben: Mit Declaro gelingt die smarte Probenahme. Bild rechts: Die digitale Probenahme mit Barcode und Schrittfür-Schritt-Anleitung in der App spart Zeit.

Als innovatives Start-up wurde Declaro aus der Max Wild GmbH ausgegründet und hat jetzt als eigenständiges Unternehmen die gleichnamige Softwarelösung auf den Markt gebracht. Die Declaro-App ist für iOS und A ­ ndroid erhältlich und über den App Store und Google Play ­verfügbar. Da die smarte Probenahme via App wird stetig weiterentwickelt und optimiert wird, will das Start-up künftig auch für andere Arten der Probenahme eine Lösung ­bieten und damit die Prozesse auf der Baustelle, in den Ingenieurbüros und den Laboren digitalisieren und vereinfachen. ra 

AUTORIN Sabrina Deininger Redakteurin bei Jensen Media


10 INTEGRIERTE GIS- & BIM-BASIERTE PLANUNG: KI-SPRACHMODELLE ERWEITERN

MIT RAUMINTELLIGENZ ZUM BAUSTELLENFORTSCHRITT Künstliche Intelligenz hilft Baustellenleitern mit Building Information Modeling, Projektmanagement, Überwachung, Automatisierung repetitiver Aufgaben oder Robotereinsatz ihre Baustellen zu p­ lanen, überwachen und dokumentieren. Doch basieren alle gängigen Sprachmodelle ausschließlich auf der Interpretation von Texten. Räumliche und zeitliche Dimension erfassen sie nicht und e­ rlauben damit weder Vergleichbarkeit noch lokales Verständnis. VON PROF. DR. ROMAN BRYLKA

Ein Large Intelligence Model (LIM) bringt mit künstlicher Intelligenz Effizienz auf die Baustelle.

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arge Language Models (LLM) suchen vergeblich Veränderungen über Raum und Zeit bleibt unerkannt. nach geeigneten Lagerplätzen bei Linienbaustellen, ­Aktuelle Systeme arbeiten mit text- oder objektbasierten um einen Vergleich der Mannschaftskapazität für Daten und ohne einen einheitlichen räumlichen Rahmen. die letzten fünf Jahre durchzuführen oder Verkehrstrends Selbst fortschrittliche KI-Systeme ohne komplexe externe zu höherer Anlieferungseffizienz vorauszuschauen. Ihnen GIS-Logik scheitern daran, sich verändernde Geografien fehlt das Raum-Zeit-Kontinuum, die sich aus räumlichen zu verfolgen, aufkommende Hotspots zu identifizieren oder räumliche Muster im Zeitverlauf zu erkennen. Weder Informationen ergebende Geointelligenz. Das bayerische Deep-Tech-Unternehmen The Green Microsoft noch Google, OpenAI oder Meta weisen in Bridge schließt diese Lücke und entwickelt eine Techno- ­ihren Modellen spatio-temporales Können auf. Dafür logie, die räumliche Daten in Zeithorizonte bettet und braucht es neben einem Large Language Model eine automatisiert Dynamiken erkennt. Unabhängig von ame- ­universelle räumliche Sprache. rikanischen Technologien setzt deutsche Ingenieurskunst damit neue Standards auf dem Weg zu großen Intelli- MASCHINENLESBARES BEZIEHUNGSNETZWERK genzmodellen. Bauleiter erhöhen damit die Effizienz auf Bauplätzen, schöpfen Ressourcen aus und erkennen Um diese Herausforderung zu meistern, konstruiert das ­Problemzonen. Team um Prof. Dr. Roman Brylka das Large Geo Grid Verändern sich Daten, betrachtet ein Standard-LLM jede Model (LGM). Das Fundament legt das EEA Reference Aktualisierung als neue, unabhängige Information. Eine Grid, ein europaweit einheitliches offenes Referenz-Raszusammenhängende Landschaft von Beziehungen mit tergitter der European Environment Agency. TGB

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INTEGRIERTE GIS- & BIM-BASIERTE PLANUNG: KI-SPRACHMODELLE ERWEITERN

ü­ berführt es in den globalen Raum. Um räumliche ­Daten vergleichbar, überlagerbar und statistisch auswertbar zu machen, unterteilt das Modell die Erde in ein präzises, hierarchisches Gitter aus festen Zellen. Jede Einheit bekommt eine permanente ID, eine definierte Nachbarschaft und einen konsequenten Eltern-Kind Bezug über 17 Rasterebenen in einer Größenskalierung von einem Millimeter bis 100 km. Eine stabile G ­ rammatik des Raums entsteht, die Umgebung, Richtung und Entfernung einbettet. Sobald gewünschte Daten zu Lagermöglichkeiten, Anlieferungszeiten, Fachkraftverteilung, Arbeits- und Pausenzeiten, Energiekosten, Wetter, Verzögerungen oder zur vergleichenden Nachkalkulation auf dieses Gitter projiziert sind, versteht sich jede Zelle als konsistentes räumliches Token mit Zeitstempel.

ihrem vertrauten Sprachassistenten gewohnt sind: Wo befinden sich Lagerplätze für die Bewehrungsgitter, wann ergibt Anlieferung verkehrstechnisch Sinn, wo lauern ­Kollisionen? Welche LKW sind wie lange mit welchem Baustoff zwischen Baustellen unterwegs? Wie verläuft die Zusammenarbeit der Fachkräfte im Vergleich zum letzten Projekt? Wo stockt der Workflow und lohnt sich das ­Zubuchen weiterer Mitarbeitender? In Windeseile erhalten sie geointelligente Antworten in Form visuell leicht erfassbarer Karten. Zu Baustellen, Nachkalkulationen und zukünftigen Planungen erhalten Verantwortliche relevante Informationen und federn Terminabwei­ ch­ungen souverän ab. KOMBI AUS GEO-GRID- UND SPRACHMODELL

PROMPT BEANTWORTET

Dessen Merkmale entwickeln sich im Laufe der Zeit ­ eiter. Das LGM lernt die Raum-Grammatik eigenstänw dig: Wie verbindet sich jede Zelle mit ihren Nachbarn? Wie aggregieren sich Schichten von unten nach oben? Wie hängen Entfernungen und Ausrichtungen zusammen? Fließen Daten aus verschiedenen Zeiten ein, ­erkennt das Modell räumliche Dynamiken. Es verfolgt Wachstumsfronten, identifiziert Muster und sieht Clustering-Trends. Das LGM versteht, was sich verändert, wo, wie schnell und in welche Richtung. Das Ziel: Baustellenleiter prompten komplexe Fragen, wie sie es von

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AUTOR Prof. Dr. Roman Brylka Gründer und ­Geschäftsführer des Deep-Tech-­ Unternehmens The Green Bridge

Die Verbindung aus Geo-Grid-Modell und Sprachmodell entfacht das Potenzial echter künstlicher Intelligenz. Ein Large Intelligence Model (LIM) braucht das LLM als Denkund Kommunikationsebene, während das LGM die räumliche und zeitliche Grundlage stellt. In dieser Konfiguration sendet das Sprachmodell über Prompts strukturierte Tool-Aufrufe an das LGM. Dieses führt die georäumliche Schlussfolgerung aus und gibt ­Ergebnisse in einer Form zurück, die das LLM interpretieren und erklären kann. Das LIM (LLM + LGM) zieht Parameter wie Wetterdaten, Preisentwicklung oder Verkehrsfluss zurate, berechnet Dichten, analysiert räumliche Muster und liefert eine ­Erklärung und eine Karte als ­Antwort. ra 


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INTEGRIERTE GIS- & BIM-BASIERTE PLANUNG: KI-LÖSUNG RIWANEXIS

NEUE ÄRA KOMMUNALER GIS-NUTZUNG Riwanexis ist eine KI-Lösung für das Geoinformationssystem von Riwa.

Vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen in der öffentlichen Verwaltung gewinnt der Einsatz intelligenter Technologien zunehmend an Bedeutung. So stellt der GIS-Anbieter ­Riwa mit Riwanexis eine KI-Lösung für sein Geoinformationssystem zur Verfügung, um ­Suchanfragen per freier Texteingabe in natürlicher Sprache zu stellen.

INTELLIGENTER ZUGANG ZU KOMMUNALEN DATEN

Verbindung, Weiterentwicklung und neue Wege: das ­beschreibt die zentrale Idee der Anwendung: Informationen aus unterschiedlichen GIS-Bereichen werden mithilfe eines KI-Abfrageassistenten zusammengeführt, strukturiert und unmittelbar für Städte und Gemeinden nutzbar gemacht. Kommunale Geoinformationssysteme bündeln heute eine Vielzahl an Daten aus unterschiedlichen Fachbereichen. Klassische Abfragen sind daher oft komplex und erfordern detaillierte Kenntnisse der Systemstruktur. Das Programm soll genau diese Herausforderung adressieren und natürlich formulierte Suchanfragen in strukturierte Abfragepläne übersetzen, wie etwa „Zeige mir alle Bebauungspläne, für die bereits XPlan-konforme Daten vorliegen“ oder „Zeige mir alle Bäume, die dieses Jahr kontrolliert wurden und im Abstand von fünf Meter um eine Wasserleitung stehen. So lassen sich relevante Daten automatisiert und modulübergreifend ermitteln und für BAUEN AKTUELL 04/26

den Anwender bereitstellen. Damit markiert das Tool ­einen grundlegenden Wandel im Umgang mit kommunalen Geodaten: weg von spezialisierten Anfragen hin zu einem intuitiven, KI-gestützten Zugang für alle Anwendergruppen. Recherche und Datenauswertung werden so deutlich effizienter, unabhängig vom GIS-Vorkenntnisstand. DATENSCHUTZ UND SICHERHEIT IM FOKUS

Besonderes Augenmerk legt das Unternehmen auf ­Datenschutz und Sicherheit. Das Programm nutzt ein vollständig in Deutschland gehostetes, von US-Hyperscalern unabhängiges und DSGVO-konformes Large Language Model (LLM). Datensparsamkeit war zudem ein zentrales Kriterium bei der Entwicklung der Lösung: An die KI werden ausschließlich die jeweilige Nutzeranfrage sowie eine Beschreibung der Datenstruktur übermittelt, nicht jedoch die Inhalte der Datenbestände. Die KI erstellt daraus einen Abfrageplan, der anschließend von der ­Riwa-Software ausgeführt wird. Durch eine transparente Darstellung der Abfragen können Anwender dabei jederzeit nachvollziehen, wie ihre Frage interpretiert wurde. Protokollierungen erfolgen anonymisiert und gemäß den geltenden gesetzlichen Vorgaben. FÜR ALLE ANWENDERGRUPPEN GEEIGNET

Riwanexis richtet sich sowohl an Verwaltungsmitarbeitende als auch an GIS-Experten. Anwender ohne tiefes

Bilder: Riwa GmbH

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aut „Dbb Monitor öffentlicher Dienst 2026“ fehlen im öffentlichen Dienst derzeit rund 600.000 Fachkräfte. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Geschwindigkeit, Transparenz und Qualität von ­Entscheidungen. Lösungen, die den Zugang zu komplexen Daten vereinfachen und Arbeitsprozesse effizienter gestalten, werden damit zu einem zentralen Baustein leistungsfähiger Verwaltungen. Riwanexis setzt genau hier an erhöht die Aussagekraft kommunaler Geodaten um ein Vieles.


Bild oben: Mit Riwanexis Suchanfragen durch freieTexteingabe in natürlicher Sprache ­stellen. Bild unten: Natürlich formulierte Suchanfragen in­strukturierte Abfragepläne übersetzen.

GIS-Fachwissen gelangen schneller zu den benötigten Informationen, ohne sich in komplexe Abfragesprachen einarbeiten zu müssen. Fachanwender wiederum profitieren insbesondere bei fachübergreifenden Analysen von deutlich höherer Geschwindigkeit und Effizienz. „Wir markieren einen Wendepunkt in der GIS-Arbeit. Was bislang Zeit, spezialisiertes Fachwissen und komplexe Abfragen erforderte, wird nun durch KI zu einem intuitiven Prozess“, sagt Reinhard Kofler, Geschäftsführer von Riwa. „Für uns ist das der nächste Evolutionsschritt kommunaler GIS-Systeme: Wir schaffen einen intelligenten Zugang zu kommunalen Datenbeständen und legen damit den Grundstein für eine neue Klasse kommunaler Fachsoftware, die komplexe Prozesse in Verwaltungen künftig zunehmend automatisieren wird. Gerade vor dem Hintergrund steigender Anforderungen in den Verwaltungen wird dies Mitarbeitende im Alltag spürbar entlasten.“ Bis Ende 2026 will Riwa seine KI-Funktionen weiter ausbauen. Im Fokus steht dabei insbesondere eine agen-­ tische KI, die mehrstufige Aufgaben im GIS eigenständig planen und ausführen kann. Eine entsprechende Weiterentwicklung wird im Oktober auf der Smart Country ­Convention in Berlin erstmals vorgestellt. Darüber hinaus soll das Tool komplexe Geodatenverarbeitungen automatisiert erstellen und dabei wiederkehrende Aufgaben vollständig übernehmen. In Planung ist zudem eine KI-gestützte Identifikation und Bewertung potenzieller Ent-­ wicklungs- und Bauflächen als Grundlage für die ­strategische Stadtentwicklung. ra 


14 GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: AUFMASS UND MENGENERMITTLUNG

FLEXIBEL UND STRUKTURIERT May Landschaftsbau aus München suchte für seine komplexen und großen ­Projekte ein Programm für eine den Regelungen für die elektronische Bauabrechnung (REB) gerechte Aufmaßerstellung und Mengenermittlung. 2023 entschied sich das Unternehmen aus Feldkirchen bei München für die Software MWM-Libero und die Zusatzanwendung DIG-CAD Aufmaß. VON HEIKE BLÖDORN

REB-KONFORMITÄT UND WINDOWS-OBERFLÄCHE

Das Unternehmen war auf der Suche nach einem Programm, das REBkonform Aufmaß und Mengenermittlungen ermöglicht und sich durch eine hohe Benutzerfreundlichkeit auszeichnet. Mit der Zusatzanwendung DIG-CAD Aufmaß ermittelt der Anwendende schnell und einfach Mengen aus Plänen, Zeichnungen und Bildern für eine grafische Bauabrechnung. Das Tool erstellt daraus

Landesgartenschau Kirchheim: Keltenspielplatz.

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Bild: May Landschaftsbau GmbH & Co.KG, Feldkirchen

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it rund 100 Mitarbeitenden realisiert der Gala-Spezialist komplette Außenanlagen mit einem Investitionsvolumen von bis zu mehreren Millionen Euro. Das Arbeitsspektrum des Landschaftsbaubetriebes umfasst dabei die Neugestaltung großer Parkanlagen und ökologischer Ausgleichsflächen ebenso wie die Um- und Neugestaltung der Außenanlagen von Wohn- und Bürogebäuden. Darüber hinaus sorgt das Unternehmen für optimale Sportmöglichkeiten und legt komplette Sportstätten inklusive Rasenspielplätze, Tenniscourts, Beachanlagen, Kunststoffbahnen oder Kunstrasen an. Selbstverständlich kümmern sich die Experten auch um den langfristigen Erhalt der Anlagen und führen alle Arten von Pflegearbeiten und Sportplatzsanierungen durch. Zu den erfolgreich realisierten Projekten zählen unter anderem die BMW Welt in München, die Allianz Arena, die Pschorr Höfe des Europäischen Patentamtes und die Residenz in München.


GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: AUFMASS UND MENGENERMITTLUNG

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Bild: May Landschaftsbau GmbH & Co.KG, Feldkirchen

Mühlberger, der bei May Landschaftsbau als Ansprechpartner für die Bereiche Aufmaß, Mengenermittlung, ­Maschinensteuerung und digitale Geländemodelle fungiert, ist auch Dienstleister für seine Kollegen in Sachen MWM-Libero. Gemeinsam mit einer Kollegin und mit Unterstützung von MWM arbeitet er sich in das Programm ein. Um eine optimale und strukturierte Vorgehensweise zu gewährleisten, erledigen er und seine Kollegin den überwiegenden Anteil der Vorarbeiten für die Bauleiter. Dazu gehört das Vermessen der Pläne in DIG-CAD, die Zuordnung der Bauabschnitte zu den entsprechenden Positionen und das Einlesen der Leistungsverzeichnisse sowie deren Aufbereitung in MWM-Libero. ÜBERSICHTLICHE DARSTELLUNG UND ERFASSUNG

Bild oben: Landesgartenschau Kirchheim: Wasserspielplatz.

ANLEGEN VON KRITERIEN ÜBERZEUGT

Bild unten: Aufmaßplan in DIG-CAD Aufmaß.

MWM-Libero, eine Software für Aufmaß, Mengenermittlung, Bauabrechnung und XRechnung, des Bonner Softwarehauses MWM Software & Beratung GmbH bietet genau diese Funktionalität. Aber auch die WindowsOberfläche, die Flexibilität des Programms, die Möglichkeit der Einbindung von Fotos und PDF-Dokumenten und nicht zuletzt die Definition von Kriterien haben den Garten- und Landschaftsbaumeister und Bauleiter Roland Mühlberger überzeugt. Kriterien sind zusätzliche Informationen, die zu einem ­Mengenermittlungsansatz erfasst werden können. Sie umfassen alle weiteren Informationen zu den erfassten Ansätzen, wie etwa Aufmaßnummer, Abschlagszahlung, Achsen, Abschnitte, Bauteile, Eigen-/Fremdleistungen, Statusinformationen, Zeichnungsnummer usw. Der ­Anwender kann diese frei anlegen und an die Baumaßnahme anpassen. Bei May Landschaftsbau sind das zum Beispiel beim Bauvorhaben Landesgartenschau Kirchheim unterschiedliche Rechnungsempfänger, die Aufteilung in Abschlagszahlungen oder Bauabschnitte. Mithilfe von ­Kriterien kann Mühlberger nicht nur Mengen dokumentieren, sondern diese auch schneller und einfacher auswerten.

Bild: MWM Software & Beratung GmbH

automatisch einen Aufmaßplan und eine prüffähige Mengenermittlung inklusive der Dokumentation der Einzelwerte. So bringt die REB-konforme Aufmaßerstellung mit DIG-CAD aus Plänen mit Übernahme der Daten in MWM-Libero zeitliche Vorteile für May Landschaftsbau. Zudem sind die Aufmaße schnell überprüfbar und nachvollziehbar.

KRITERIEN HINZUFÜGEN ODER LÖSCHEN

Darüber hinaus kann Roland Mühlberger während der Bauphase jederzeit flexibel Kriterien hinzufügen oder ­löschen. Dies ist für ihn besonders wichtig, da er oft erst während des Projektablaufes erfährt, auf wie viele und welche Rechnungsempfänger er die Daten aufteilen muss. Gründe dafür können sein, dass es für verschiedene ­Bereiche unterschiedliche Fördermittel gibt, wie zum ­Beispiel bei der Landesgartenschau Kirchheim. Der ­Garten- und Landschaftsbauer dazu: „Das ist relativ komplex, wenn ich die Teilmengen eines LVs verschiedenen Rechnungsempfängern zuordnen muss.“ Die Zuordnungen erfolgen dann per Eingabe oder per Drag & Drop.

Das Programm stellt dazu das Leistungsverzeichnis mit seinen Positionen und den zugehörigen Kurztexten in einer Baumstruktur auf der linken Bildschirmseite dar. Durch Auswahl eines Titels oder einer Position werden die dazu erfassten Ansätze auf der rechten Seite angezeigt. Diese Zuordnung kann bei der Erfassung oder später per Drag & Drop erfolgen. Genauso einfach können Ansätze kopiert oder in andere Positionen verschoben werden. Hilfreich ist auch die Möglichkeit, zu jeder Position einen Memotext anzulegen. Dies können Notizen, Veränderungen im Bauablauf, Hinweise zum Fertigstellungsgrad usw. sein. Zur besseren Übersicht können diese Texte automatisch in der Baumstruktur markiert und in eine interne Liste gedruckt werden.

AUTORIN Heike Blödorn Freie Journalistin, Duisburg.

Da die gebaute Realität bei den Projekten oft von der ­Planung abweicht und eine exakte Abrechnung wichtig ist, ermitteln die zuständigen Bauleiter während des Baufortschritts die Mengen vor Ort und ordnen sie den einzelnen Positionen zu. Für das Erstellen der Abschlagszahlungen gleicht Roland Mühlberger ab, was in welchem Planindex bereits erfasst wurde. Dazu nutzt er die Möglichkeit mehrere Pläne in ein Projekt zu laden, um die Änderungen schnell einzuarbeiten. Bei May Landschaftsbau schätzt man die leichte Bearbeitung der Pläne in DIG-CAD, aber auch die Übersichtlichkeit von MWM-Libero. Die intuitive Menüführung, die leichte und schnelle Zuordnung von Positionen, das effiziente Verschieben und Kopieren von Mengen sowie das Einlesen von PDF-Dateien und Fotos erleichtern Roland ra  Mühlberger die Arbeit und sparen ihm viel Zeit. 04/26 BAUEN AKTUELL


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GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: WIE WEIT DER PLATTFORMGEDANKE TRÄGT

Bild: Geo Capture GmbH

Wer morgens am Betriebshof ­startet, stempelt am Terminal: eine von mehreren Erfassungsarten, die sich frei kombinieren lassen.

EINMAL ERFASSEN, MEHRFACH NUTZEN Tagesberichte per WhatsApp, Stundenlisten in Excel, Projekte im ERP, Löhne in Datev: Die ­meisten Galabaubetriebe arbeiten längst digital – nur mit Systemen, die nebeneinander statt miteinander arbeiten. Jedes Programm speichert seinen Teil, aber nicht dort, wo er als nächstes ­gebraucht wird; die Übertragung bleibt Handarbeit im Büro, mit einer Fehlerquelle bei jedem ­Medienwechsel. VON FRIEDHELM BRÜGGE

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rfasst wird dort, wo die Arbeit passiert: Der Polier stempelt auf der Baustelle, die Kolonne scannt ­Material per Handy. Entscheidend ist aber nicht die Technik, sondern was danach mit den Daten passiert. Meldet ein Minibagger Standort und Betriebsstunden selbst, sieht die Disposition den Einsatzort, die Werkstatt den nächsten Wartungstermin, und die Nachkalkulation bekommt die Maschinenstunden aufs Projekt gebucht: eine Information, drei Auswertungen. Der Standort von Werkzeugen und Geräten ist nur die erste Verwendung der gelieferten Daten: Am selben ­Datensatz hängen Wartungsintervalle, UVV-Prüfungen und Schadensmeldungen, sodass die Disposition nur mit einsatzbereiter Technik plant. Steckt die eine Information in der einen Software und die Prüffristen in Excel, führt beides niemand zusammen – Wartungen und Einsatzplanung sind lückenhaft und fehleranfällig. Für die Fahrzeugortung gilt das gleiche. Die Position zeigt, welcher Transporter am nächsten steht; dieselben Daten belegen Anfahrten und Standzeiten gegenüber dem Auftraggeber und buchen Fahrtzeiten aufs Projekt. Eine reine Telematiklösung endet an der Karte, weil sie die Projekte nicht kennt – zuordnen muss dann wieder das Büro. ARBEITSZEITEN: ABRECHNUNG, NACHWEIS, LOHN

Eine Stempelung ist gleichzeitig Projektzeit für die Abrechnung, Leistungsnachweis für den Kunden und BAUEN AKTUELL 04/26

Grundlage für den Lohn – vorausgesetzt, sie wird nicht in ein zweites System übertragen. Erfasst wird per ­Handy, Wandterminal oder Geofence; der Aufwand verschiebt sich von der Erfassung zur Prüfung. Eine automatische Prüfung meldet fehlende Buchungen. Eine isolierte Zeiterfassung liefert am Monatsende nur eine Summe von Zeiten, die niemand mehr einem Projekt ­zuordnen kann. Ein Sack Zement ist kein Bauzaun: Material wird verbaut, Ausrüstung kommt zurück. Wer beides per QR-Code oder NFC-Tag auf Projekt, Fahrzeug oder Mitarbeiter bucht, beantwortet mit einem Vorgang drei Fragen – wo die Bauzäune stehen, was nachgeliefert werden muss und was das Projekt verbraucht hat. Fehlt die Verbindung zum Projekt, bleibt die Nachkalkulation wieder nur Bauchgefühl. OFFENE SCHNITTSTELLEN ALS VORAUSSETZUNG

Diese Beispiele von Datennutzung zeigen, dass Informationen nur nützen, wenn sie die an einem Ort gebündelt und weiterverarbeitet werden. Abgeschottete Systeme verlagern die Integrationsarbeit zurück in den Betrieb. Anbieter wie Geo Capture gehen mit Geonardo.ai ­deshalb den umgekehrten Weg und binden zudem Branchensoftware wie Dataflor oder Galawork sowie Automatisierungsplattformen wie Make, Zapier oder n8n an. Im Alltag heißt das: Ein Mitarbeiter wird einmal angelegt, Projekte stehen in der Erfassung bereit, die Stunden


Bild: Geocapture GmbH, KI-generiert

­kommen fertig zugeordnet zurück – sofern die Stammdaten abgeglichen sind. Bleibt die Frage: Was lässt sich aus verbundenen Daten machen? Ein Sprachmodell kann nur beantworten, was der Betrieb erfasst hat. Wo die Daten zusammenlaufen, kehrt sich das Verhältnis um: Bisher musste der Anwender wissen, in welchem Menü die Auswertung steckt, künftig soll die Software den Betrieb verstehen. Vier Anforderungen folgen daraus. Die Wissensbasis muss der eigene Betrieb sein. Ein allgemeines Sprachmodell kennt Normen und Fachliteratur, nicht den eigenen Fuhrpark. Nutzen entsteht erst, wenn es auf die eigenen Fahrzeug-, Maschinen- und Zeitdaten zugreift – als Schicht über dem vorhandenen Bestand, nicht als weiteres Programm daneben. Fragen müssen ohne Auswertungslogik funktionieren. Standort eines Geräts, Stunden je Baustelle, fällige Wartungen: Solche Auskünfte müssen in normaler Sprache kommen, ohne Filter und Menüpfade. Prüfstein ist der Bauleiter, der vom Fahrzeug aus fragt, nicht der g­ eschulte Büroanwender.Betriebseigene Regeln müssen abbildbar bleiben. ­Zuschläge, Spesen, Pausen und Urlaub folgen im Galabau selten dem Standard. Tragfähig ist eine KI erst, wenn sich eine Regel einmal in Alltagssprache festlegen lässt und danach automatisch greift. Die Kontrolle muss beim Menschen bleiben. Belastbare Umsetzungen starten keinen Vorgang selbsttätig: Anstoß, Prüfung und Freigabe bleiben beim Anwender, und jede Antwort weist aus, auf welchen Buchungen sie beruht.

Ein Foto genügt, den Rest des Berichts übernimmt die KI.

WENIGER RÜCKFRAGEN, BESSERE ZAHLEN

Ortungs-App hier, Excel-Liste da, Zeiterfassung dort: ­Jede Insel funktioniert für sich, zusammenführen muss sie am Ende jemand im Büro. Eine Plattform dreht das um – einmal erfassen, mehrfach nutzen. Niemand tippt ab, niemand fragt nach: Die Rechnung geht schneller raus, das Projekt trägt die Kosten, die es verursacht hat, und die Kappsäge ist auf der Tracking-Karte sichtbar. Auf dieser Grundlage ändert KI vor allem die Bedienung: Nicht der Bauleiter muss wissen, in welchem Menü die Auswertung steckt – er fragt in normaler Sprache, und geantwortet wird mit den Zahlen und Regeln des eigenen Betriebs. Freigeben muss er weiterhin selbst. Am Anfang steht deshalb keine neue Software, sondern die Frage, ob ein Programm mit denen zusammenarbeitet, die im ­Betrieb ohnehin laufen. ra 

AUTOR Friedhelm Brügge Geschäftsführer von Geo Capture.


18 GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: TIEFBAUERKUNDIGUNG

WARUM LEITUNGSAUSKÜNFTE UNVERZICHTBAR SIND Ob Neuanlage einer Grünfläche, Umgestaltung eines Parks, Wegebau, Bewässerungssysteme, Baumpflanzungen oder die Installation von Lade- und Beleuchtungs- oder leitungsgebundener Infrastruktur: Kaum ein Projekt im Garten- und Landschaftsbau kommt ohne Eingriffe in den Untergrund aus. Gleichzeitig nimmt die Dichte unterirdischer Infrastruktur stetig zu. VON JÜRGEN BESLER

Auch typische Garten- und Landschaftsbauarbeiten greifen häufig in den Leitungsraum ein.

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Bild: Canva Content Library

F

ür Planer, Kommunen und ausführende Bauunternehmen bedeutet dies: Wer gräbt, muss wissen, was sich im Boden befindet. Eine vollständige Tiefbauerkundigung und die rechtzeitige Einholung von ­Leitungsauskünften sind damit zu einem zentralen Baustein jeder sicheren und wirtschaftlichen Projektabwicklung geworden. Beschädigungen an vorhandenen Leitungen können erhebliche Folgen haben. Neben Versorgungsunterbrechungen drohen hohe Reparaturkosten, Bauverzögerungen, Haftungsrisiken und im schlimmsten Fall Gefährdungen für Mitarbeitende und Anwohner. Besonders im Garten- und Landschaftsbau werden ­Arbeiten häufig in Bereichen durchgeführt, in denen die Lage vorhandener Leitungen nicht unmittelbar sichtbar ist. Pflanzgruben, Fundamentarbeiten, Entwässerungseinrichtungen oder der Einbau von Bewässerungssystemen greifen regelmäßig in den Leitungsraum ein. Eine professionelle Leitungserkundigung schafft hier die notwendige Planungssicherheit. Sie hilft dabei, vorhandene Infrastruktur frühzeitig zu berücksichtigen, Konflikte zu vermeiden und Bauabläufe effizient zu organisieren.


GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: TIEFBAUERKUNDIGUNG

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Vor Beginn von Erdarbeiten sind vorhandene Leitungen und Infrastrukturen zuverlässig zu erkunden.

Bild: Canva Content Library

DIE HERAUSFORDERUNG: WER IST ÜBERHAUPT ZUSTÄNDIG?

In der Praxis besteht die größte Schwierigkeit oft nicht darin, eine Leitungsauskunft anzufragen, sondern alle relevanten Infrastrukturbetreiber zu identifizieren. Je nach Standort können zahlreiche Betreiber mit eigenen ­Leitungsnetzen betroffen sein. Neben klassischen Versorgungsunternehmen für Strom, Gas und Wasser kommen beispielsweise Telekommunikationsanbieter, Fernwärmeversorger, Betreiber kommunaler Infrastruktur, Breitbandnetzbetreiber oder Unternehmen aus dem ­Bereich erneuerbare Energien hinzu. Gerade durch den dynamischen Ausbau von Glasfaserund Energienetzen wächst die Zahl der Infrastruktur-­ betreiber kontinuierlich. Für Planungs- und Bauunternehmen wird es dadurch immer aufwändiger, alle potenziell betroffenen Stellen eigenständig zu recherchieren.

Für diese Herausforderung hat Infrest – Infrastruktur ­eStrasse mit Leico – Leitungs-check-online eine deutschlandweit nutzbare Lösung etabliert. Das Portal bündelt die Recherche nach zuständigen Infrastrukturbetreibern sowie den Versand von Leitungsanfragen in einem ­digitalen Prozess. Über eine zentrale Anfrage können die für eine Baumaßnahme relevanten Betreiber identifiziert und direkt kontaktiert werden. Die Anwendung verfügt inzwischen über eine Datenbank mit mehr als 18.600 hinterlegten Infrastrukturbetreibern aller Sparten, unter anderem Energie, Wasser, Telekommunikation und weiteren Infrastruktursparten. Damit bietet das Metasystemportal eine der umfassendsten deutschlandweiten Abdeckungen für Leitungsauskünfte. Die Anwendung erfolgt vollständig digital: Das Bauvorhaben wird kartografisch erfasst, die notwendigen ­Anfragedaten ergänzt und anschließend gebündelt an die identifizierten Infrastrukturbetreiber versendet. Dies reduziert den Rechercheaufwand erheblich und unterstützt eine revisionssichere Dokumentation der Leitungsanfragen und -auskünfte. Neben der eigenständigen Nutzung des Portals bietet Infrest mit den Servicepaketen Premium und Premium+ zusätzliche Unterstützung für Unternehmen, die den gesamten Prozess der Leitungserkundigung oder Teile davon auslagern möchten. Hier übernehmen spezialisierte Fachkräfte die Einholung der Leitungsauskünfte, prüfen diese auf Vollständigkeit und übergeben im Ergebnis alle Auskünfte nach einer Qualitätssicherung. MEHR SICHERHEIT UND EFFIZIENZ IM PROJEKTALLTAG

Für Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus ergeben sich daraus mehrere Vorteile. Zum einen sinkt das Risiko, einzelne Betreiber zu übersehen und dadurch unvollständige Leitungserkundigungen durchzuführen. Zum anderen werden Planungs- und Bauprozesse beschleunigt,

Bild: Infrest

DIGITALE UNTERSTÜTZUNG DURCH LEICO

da die Recherche der Infrastrukturbetreiber und Versendung der Leitungsanfrage gebündelt erfolgt. Die digitale Bearbeitung unterstützt darüber hinaus den steigenden Dokumentationsbedarf auf Baustellen. Sämtliche Anfragen und Rückmeldungen können nachvollziehbar archiviert und im Projektverlauf jederzeit nachgewiesen werden. Auch Kommunen und öffentliche Auftraggeber profitieren von einer höheren Transparenz. Konflikte mit Bestandsnetzen werden frühzeitig erkannt, wodurch Umplanungen und Nachträge reduziert werden können.

Mit Leico – Leitungscheck-online lassen sich Leitungsan-­ fragen digital gebündelt an die zuständigen Infrastruktur-­ betreiber versenden.

BLICK UNTER DIE OBERFLÄCHE

Die Anforderungen an den Tiefbau werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Der Ausbau von Glasfasernetzen, Ladeinfrastruktur, Wärmenetzen sowie Anlagen für erneuerbare Energien führt zu einer stetig wachsenden Zahl von Eingriffen in den Untergrund. Gleichzeitig verlangen Auftraggeber und Behörden zunehmend digitale und effiziente Prozesse. Moderne Auskunfts- und Informationsplattformen leisten deshalb einen wichtigen Beitrag zur sicheren Umsetzung von Bau- und Infrastrukturprojekten. Für den Garten- und Landschaftsbau bedeutet dies: Die professionelle Tiefbauerkundigung entwickelt sich vom formalen Vorbereitungsschritt zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Digitale Lösungen helfen dabei, die zunehmende Komplexität beherrschbar zu machen und Projekte von Beginn an auf eine verlässliche Informationsbasis zu ­stellen. Denn sichere Bauprojekte beginnen nicht erst auf der Baustelle, sondern bereits mit dem Blick unter die ­Oberfläche. ra 

AUTOR Jürgen Besler Geschäftsführer Infrest – Infrastruktur eStrasse GmbH, Berlin

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20 GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: MEASURE NOW PRO

GNSS-VERMESSUNG FÜR EFFIZIENTE BAUPROZESSE Die Digitalisierung im Garten- und Landschaftsbau schreitet voran. Neben einer ­wirtschaftlichen Planung und Kalkulation gewinnen vor allem präzise Vermessungs-­ daten zunehmend an Bedeutung. Sie bilden die Grundlage für exakte Absteckungen, ­verlässliche Aufmaße und eine sichere Abrechnung. VON GÖTZ THOMAS

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it dem GNSS-Roversystem Measure now Pro bietet Dataflor eine moderne Vermessungs-­ lösung, die digitale Prozesse auf der Baustelle und im Büro miteinander verbindet. Das System wurde speziell für die Anforderungen im Garten- und Landschaftsbau sowie im Erd- und Tiefbau entwickelt und unterstützt alle wichtigen Satellitennavigationssysteme wie GPS, Galileo, Bei Dou und Glonass. Dadurch können Anwender auch in anspruchsvollen Umgebungen, etwa bei dichter Vegetation oder in Bereichen mit enger Bebauung, präzise Messergebnisse erzielen. Die hohe Satellitenverfügbarkeit sorgt für eine zuverlässige Positionierung und ermöglicht Messungen im Zentimeterbereich. Ein besonderes Merkmal von Measure now Pro ist die unlimitierte Schrägmessung mit echter Neigungskompensation. Während bei klassischen GNSS-Systemen der Messstab möglichst senkrecht gehalten werden muss, können mit dem Rover auch geneigte oder waagerecht geführte Messungen präzise durchgeführt werden. Dadurch lassen sich schwer zugängliche Objekte wie Mauerkanten, ­ Schächte, Bordsteine, Einbauten oder Überstände schnell und sicher erfassen.

Die unlimitierte Schrägmessung mit echter Neigungskompensation ermöglicht präzise Messungen im Zentimeterbereich, selbst bei geneigtem oder waagerechtem Lotstab.

BAUEN AKTUELL 04/26

Z­ usätzliche Hilfsmittel oder zeitaufwändiges manuelles Ausrichten sind nicht erforderlich. VERMESSUNG VIA APP

Die Vermessung wird durch die Measure-App ergänzt, die sämtliche Arbeitsschritte direkt auf der Baustelle unterstützt. Von der Datenerfassung über die Visualisierung bis zur Qualitätskontrolle und Dokumentation erfolgt der gesamte Prozess digital. Die Daten stehen in Echtzeit zur Verfügung und können ohne Medienbrüche in CAD- und Abrechnungssysteme übernommen werden. Damit entstehen durchgängige digitale Workflows, die Fehler-­ quellen reduzieren und wertvolle Zeit sparen. Gerade im Garten- und Landschaftsbau bringt dies entscheidende Vorteile: Bestandsaufnahmen können schneller durchgeführt, Flächen direkt abgesteckt und Mengen präzise ermittelt werden. Planabweichungen lassen sich frühzeitig erkennen und dokumentieren, das vereinfacht die Kommunikation zwischen Baustelle und Büro und schafft gleichzeitig eine verlässliche Grundlage für Nachweise und Abrechnungen. Wie groß der praktische Nutzen ist, zeigt die Erfahrung der Jens Müller GmbH aus Holzminden. Polier Mike Kussatz berichtet: „Mit dem Roverstab sparen wir enorm Zeit: Flächen können direkt abgesteckt werden, ohne Warte-


GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: MEASURE NOW PRO

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Das Team der Stockreiter GmbH in Mettingen hat seinen digitalen Bauablauf vollständig mit den Lösungen von Dataflor abgebildet.

zeiten. Gleichzeitig stehen alle Aufmaßdaten sofort im Büro zur Verfügung. Das macht unsere Prozesse deutlich effizienter und erleichtert die Arbeit auf der Baustelle spürbar.“

Neben der hohen Genauigkeit überzeugt das System auch durch seine robuste Bauweise. Der Sensor ist für den täglichen Baustelleneinsatz konzipiert und verfügt über Akkulaufzeiten von bis zu 24 Stunden. Ein gut ablesbares Touchscreen-Display und eine intuitive Benutzerführung erleichtern die Arbeit im Feld und ermöglichen eine schnelle Einarbeitung. Dadurch eignet sich die Lösung sowohl für kleinere Betriebe als auch für größere Unternehmen mit mehreren Baustellen. So kann moderne Vermessungstechnologie den Arbeitsalltag im Galabau vereinfachen. Die Kombination aus präziser GNSS-Technologie, mobiler Datenerfassung und direkter Weiterverarbeitung schafft die Grundlage für effiziente und nachvollziehbare Prozesse. KI, CLOUD UND VERNETZTE PROZESSE

Neben der Weiterentwicklung der Vermessungslösungen richtet Dataflor den Blick bereits auf die nächste Generation digitaler Anwendungen. Mit Dataflor 2027 stehen vor allem künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und die stärkere Vernetzung von Anwendungen im Mittelpunkt. „Unsere Vision ist klar: Software muss mitdenken.“, erklärt Christoph Honig, Vorstand der Dataflor AG. „Durch den gezielten Einsatz von KI und Cloud entstehen Lösungen, die Betriebe aktiv unterstützen – von der Kalkulation bis zur Baustellendokumentation.“ Eine zentrale Rolle übernimmt künftig die Cloud-Plattform my Dataflor, die Anwendungen aus den Bereichen Kalkulation, Vermessung, CAD und mobile Datenerfassung miteinander verbindet. Projekte, Daten und Informationen stehen dadurch jederzeit ortsunabhängig zur Verfügung – im Büro, auf der Baustelle oder unterwegs. Mit Business web entsteht eine neue browserbasierte Oberfläche für die Verwaltung von Projekten, Leistungsverzeichnissen, Aufgaben und Adressen. Ergänzend ­liefert Business BI betriebswirtschaftliche Auswertungen und macht wichtige Unternehmenskennzahlen ­direkt verfügbar. Vorgefertigte Analysen helfen dabei, Projekte wirtschaftlich zu steuern und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Bilder: Knumox

FÜR TÄGLICHEN BAUSTELLENEINSATZ

DIE CAD-WELT WEITERENTWICKELN

Ab Version 2027 werden die Zeichenprogramme von ­Dataflor unter dem Namen „Landxpert“ gebündelt. ­Ergänzt wird das Portfolio um eine browserbasierte CADLösung, die ortsunabhängiges Arbeiten ermöglicht. In Verbindung mit den Measure-Lösungen entsteht ein durchgängiger Workflow: Leistungsverzeichnisse lassen sich direkt mit Aufmaßen verknüpfen, während Kartenund Geodaten nahtlos in die Bearbeitung einfließen. Darüber hinaus unterstützt die KI bereits heute zahlreiche Routineaufgaben. Ein digitaler Posteingang verarbeitet Dokumente automatisch, intelligente Kalkulationshilfen nutzen vorhandene Leistungsverzeichnisse als Grundlage, und die Time-App ermöglicht eine sprachgestützte Baustellendokumentation. So reduzieren sich Verwaltungs-­ aufwand und zeitintensive Routinetätigkeiten deutlich. Damit verfolgt Dataflor konsequent das Ziel, digitale Prozesse im Garten- und Landschaftsbau weiter zu vereinfachen und Unternehmen ­leistungsfähige Werkzeuge für eine zunehmend vernetzte Arbeitswelt bereitzustellen. ra 

AUTOR Götz Thomas Leiter Produkt-­ management bei Dataflor


22 GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: HERO IM EINSATZ BEI MEISER

DIGITALISIERUNG SCHAFFT RESSOURCEN Meistergärtner Meiser ist ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb aus der Nähe von Oldenburg. Eric und Sonja Meiser führen den Betrieb seit 2020. Auftragsmanagement, Einsatzplanung und Kundenkommunikation organisieren sie in ­einem zentralen System.

Eric Herrmann Meiser beim Bepflanzen eines Gartens.

A

us Samstagsarbeit wurde ein wachsendes Unternehmen. Was heute ein professionell aufgestellter Meisterbetrieb ist, begann mit einer Kettensäge des Opas, einem Anhänger des Vaters und dem Entschluss, es einfach mal auszuprobieren. Die Covid-Pandemie erwies sich da als unerwarteter ­Beschleuniger. Weil Reisen und Freizeitveranstaltungen

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Bild: Meistergärtner Meiser

VON FRANK WEBER UND LEA OLTERSDORF

wegfielen, investierten viele Menschen in ihr direktes Wohnumfeld. Die Aufträge häuften sich, der erste Mitarbeiter wurde eingestellt, Eric kündigte seinen Angestelltenjob und Sonja stieg vollständig in den Betrieb ein. Aus dem kleinen Samstagsgeschäft war ein wachsender ­Betrieb geworden – mit neuen Anforderungen an die tägliche Organisation.


GARTENBAU & LANDSCHAFTSPLANUNG: HERO IM EINSATZ BEI MEISER

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WENIGER KOORDINATIONSAUFWAND, MEHR ÜBERBLICK

Rechnungserstellung von Hero im ­Betriebssystem für Handwerker.

Bild: Hero Software

Mit dem Team wuchs auch schnell der Koordinationsaufwand. Anfangs lief vieles so, wie im Handwerk heute noch: analog, mit Zetteln und ausgedruckten Unterlagen. Doch wurde schnell klar, dass das auf Dauer nicht produktiv war. Noch bevor aus einzelnen Tools, Notizen und Kalendern Chaos entstehen konnte, entschied sich das Team für eine Handwerkersoftware. Seitdem laufen Kundendaten, Auftragsdetails, Teamplanung und ­offene Angebote zentral an einem Ort zusammen – klar strukturiert, verlässlich und für alle im Team jederzeit im Blick. Ihr digitales Betriebssystem für den Garten- und Landschaftsbau vereint sämtliche Prozesse in einer Oberfläche. Besonders das Angebotsmanagement hat sich seit der Entscheidung für Hero Software grundlegend verändert. „Angebote müssen am besten direkt nach dem Erstkontakt raus, nicht erst nach zehn Tagen. Hero ist da sehr hilfreich, weil wir per Drag and Drop schnell die ganzen Positionen in die Dokumente schieben können. Rasen, Bagger, fertig“, sagt Eric Meiser. Was früher zeitaufwändige Handarbeit war, lässt sich heute in wenigen Minuten erledigen – und das direkt beim Kunden vor Ort oder auf dem Weg zur nächsten Baustelle. Hero ist nicht nur im Büro präsent, sondern begleitet das Team überall dorthin, wo die Arbeit stattfindet. Über die mobile App greifen die Mitarbeitenden jederzeit auf aktuelle Projektdaten zu, navigieren zu Einsatzorten und dokumentieren ihre Arbeit digital. Eric Meiser: „Für die Mitarbeiter auf der Baustelle ist es einfacher mit der App zu arbeiten und zu navigieren. Dafür klickt man einfach auf den Link von Google.“ Früher habe er in der Ausbildung noch Ausdrucke mit Routeninformationen in die Hand gedrückt bekommen: „Dinge wie die moderne ­Navigation direkt hingegen sind Kleinigkeiten, die das Rad einfach leichter laufen lassen.“

Bild: Meistergärtner Meiser

Dr. Sonja Meiser und Eric Herrmann Meiser: Geschäftsführende ihres Garten- & Landschaftsbaubetriebs.

weile sind die da alle relativ happy“, sagt sie. Heute ist die Software für den Garten- und Landschaftsbau aus dem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken. VISUALISIERUNG UND DIGITALES ARBEITEN

Der Garten- und Landschaftsbaubetrieb geht beim Ein besonders spürbarer Vorteil der digitalen Prozesse: Thema Digitalisierung aber noch einen Schritt weiter: Die gesamte Teamplanung läuft heute zentral über Er erstellt für anspruchsvollere Projekte detaillierte 3DHero. Die digitale Plantafel ersetzt die Kombination Visualisierungen der geplanten Gartenanlagen – mit aus verschiedenen Kalendern und Absprachen, die vor- Sonneneinstrahlung, Bepflanzung und Wegeführung. her nötig war, um neun Mitarbeitende, zwei speziali- Was früher abstrakte Planskizzen waren, wird nun für sierte Kolonnen und einen vollen Auftragskalender zu Kunden visuell greifbar. Die Leute wüssten im Handkoordinieren. Einsätze werden übersichtlich einge- werk oft nicht, was sie kaufen. Wenn sie im Supermarkt plant, Mitarbeitende zugeordnet und Fahrzeuge zehn Bananen kauften, hätten sie die Früchte in der ­d isponiert – alles in einer Oberfläche, die für das Hand, aber der Kauf einer Terrasse beim Handwerker ­g esamte Team einsehbar ist. sei so nicht sichtbar, sagt Eric Meiser. Mit der KombiSonja Meiser bringt es auf den Punkt: „Digitalisierung nation aus digitaler Planung, schnellen Angeboten ist etwas, das Ressourcen schafft.“ Gemeint ist damit Hero und professioneller Visualisierung hat sich der nicht nur die Zeitersparnis im operativen Tagesgeschäft, Betrieb einen echten Wettbewerbsvorteil erarbeitet. Ist sondern auch die Fähigkeit, als kleines Team professio- der Plan einmal erstellt und freigegeben, ist die nell zu skalieren. Die Grünpflegekolonne und die Bau- ­A bschlussquote hoch. kolonne können eigenständig arbeiten, weil alle Infor- Für das Ehepaar Meiser ist Digitalisierung kein Selbstmationen jederzeit abrufbar sind – ohne lange Abstim- zweck, sondern eine strategische Entscheidung, die sie mungsschleifen oder Telefonate zwischen Büro und täglich in ihrer Arbeit bestätigt sehen: Die AuftragsBaustelle. Anfangs brauchte das Team zwar noch Zeit, bücher sind stets gut gefüllt. Die Umsetzung der vielen um sich an die neue Software zu gewöhnen, aber die Projekte lässt sich nur dann reibungslos abwickeln, Vorteile sind mittlerweile deutlich: „Es hat einen Monat wenn Planung, Kommunikation und Dokumentation ra  gedauert, bis das angenommen wurde, aber mittler- sauber ineinandergreifen.

AUTOREN Frank Weber Senior Content Manager und Lea Oltersdorf Communications Managerin, beide Hero Software

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24 SCAN-TO-BIM_LÖSUNGEN: DATENGRUNDLAGE FÜR DIGITALISIERUNGSPROJEKTE

OHNE DAS GROSSE MODELL Ein großer Teil des Bauvolumens in Deutschland entsteht im Bestand: Sanierung, Umnutzung, Aufstockung. Dafür braucht Planung eine verlässliche Datengrundlage. Scan-to-BIM soll genau das liefern. Doch je nachdem, wen man fragt, meint der Begriff sehr unterschiedliche Dinge und das entscheidet, wie ein Digitalisierungsprojekt sinnvoll aufgesetzt wird. VON BASTIAN STAHL

Millimetergenaue Punktwolke eines Gebäudes nach dem Laserscan – Rohdatengrundlage für jeden Scan-to-BIM-Prozess.

E Aus der Punktwolke entstandenes, vollparametrisches 3D-Modell: der klassische, aber zeitintensive Weg der manuellen Modellierung.

in Laserscanner tastet einen Raum millionenfach mit Laserpunkten ab und liefert eine Punktwolke mit Millimetergenauigkeit. Für ein mittleres Bürogebäude fallen so schnell mehrere Milliarden Punkte an. Im klassischen Verständnis von Scan-to-BIM folgt darauf die vollständige Modellierung in einer CAD-Software: Wände, Fenster, Türen und Rohrleitungen werden Bauteil für Bauteil nachgezeichnet. Je nach Detailgrad können bei einem mehrstöckigen Gebäude schnell mehrere Wochen Arbeit zusammenkommen, bevor überhaupt j­ emand mit den Daten weiterplanen kann.

ZWEI LESARTEN VON BIM

Diese Vorstellung, Scan-to-BIM als Weg zu einem vollparametrischen 3D-Modell, ist die geläufigste, aber nicht die einzige. Building Information Modeling wird oft mit einem konkreten Modell gleichgesetzt, in dem jedes Bauteil mit Attributen in einer Datei steckt. Die internationale Norm ISO 19650 beschreibt BIM ­dagegen als Informationsmanagement über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks: Entscheidend ist, ob die richtige Information zur richtigen Zeit im richtigen Format ankommt und nicht, ob alles in einem einzigen ­Modell steckt. Das hat eine praktische Konsequenz: Das Ziel ist verlässliche, strukturierte Bauwerksinformation. Ein vollständiges parametrisches CADModell ist ein möglicher Weg dahin aber nicht der einzige, und oft nicht der wirtschaftlichsten.

Wer Wohnflächen berechnen, den Zustand eines ­Bestands dokumentieren oder Objekte für Versicherung oder GIS bewerten will, braucht vor allem belastbare Zahlen und BAUEN AKTUELL 04/26

Bilder: Bimeto

SCAN-TO-BIM OHNE DAS GROSSE MODELL


SCAN-TO-BIM_LÖSUNGEN: DATENGRUNDLAGE FÜR DIGITALISIERUNGSPROJEKTE

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Statt eines vollständigen Modells liefert die automatisierte Auswertung gezielt strukturierte Informationen, etwa Flächen oder Bauteilklassen, für unterschiedliche Zielsysteme.

Klassifikationen und nicht zwingend eine Datei, in der jede Wand als parametrisches Bauteil existiert. Genau hier setzt automatisierte Informationsextraktion an: KI kann direkt aus Punktwolken und ergänzenden Fotos strukturierte Informationen ableiten wie zum ­Beispiel Raumgeometrien, Flächen, Bauteilklassen oder den baulichen Zustand. Diese Informationen lassen sich gezielt in Zielsysteme wie CAFM-Software einspeisen, über offene Formate wie IFC oder direkt über Schnittstellen, ohne dass zwingend ein natives BIM-Modell als Zwischenschritt entsteht. Der Vorteil: Man liefert nur die Informationen, die ein Zielsystem tatsächlich braucht, statt sie später mühsam aus einem Modell herauszuziehen. Für Bestandshalter mit vielen vergleichbaren Gebäuden ist das oft der Unterschied zwischen einem Digitalisierungsprojekt, das sich rechnet und einem, das an den Kosten der Vollmodel-­lierung scheitert. Das heißt nicht, dass das klassische Modell überflüssig wird: Für Ausführungsplanung oder Kollisionsprüfung zwischen Gewerken bleibt ein geometrisches Modell oft unverzichtbar, weil Planer dort unmittelbar weiterarbeiten. Beides schließt sich nicht aus. Die Frage, w ­ elches Zielsystem am Ende mit den Daten arbeiten soll, sollte nur am Anfang eines Projekts stehen, nicht erst am Ende.

Automatisierte Erkennung von Bauteilen in Punktwolke und Bilddaten: Die KI übernimmt die Klassifizierung, die bisher manuell ­erfolgte.

WAS KI IM PROZESS KONKRET ÜBERNIMMT

Automatisierung verändert nicht nur die Geschwindigkeit einzelner Projekte, sie verändert auch, was wirtschaftlich digitalisierbar wird. Ein einzelnes Gebäude von Hand zu modellieren, hat sich schon immer gerechnet, wenn eine größere Sanierung anstand. Ganze Portfolios flächendeckend zu digitalisieren, war mit rein manueller Arbeit dagegen kaum finanzierbar. Wird die Objekterkennung automatisiert und die menschliche Arbeit auf Qualitätssicherung konzentriert, verschiebt sich diese Kalkulation deutlich. Auf beiden Wegen ist der technische Kern derselbe: eine KI wertet die Rohdaten aus und erkennt die relevanten Informationen in Punktwolke und Bildern automatisch. Der Mensch muss nicht mehr jedes Bauteil einzeln erfassen. Je nach gewünschtem Zielformat entsteht daraus entweder ein parametrisches Bauteil oder ein strukturierter Datensatz. Das Fraunhofer IPM in Freiburg, aus dem 2022 das Unternehmen Bimeto hervorgegangen ist, verfolgt ­genau diesen Ansatz: Die Software lernt anhand von Beispieldaten, welche Strukturen in einem Gebäude wiederkehren, und wendet dieses W ­ issen auf neue Aufnahmen an. Auf die Durchlaufzeit wirkt sich das deutlich aus: Wo klassische, vollständig manuelle Prozesse mit Wochen kalkulieren, liefert ein automatisierter ­Prozess direkt ein einsatzbereites Ergebnis. Automatisierung verändert nicht nur die Geschwindigkeit einzelner Projekte, sie verändert auch, was wirtschaftlich digitalisierbar wird. Ein einzelnes Gebäude von Hand zu modellieren, hat sich schon immer gerechnet, wenn eine größere Sanierung anstand. Ganze Portfolios flächen-

deckend zu digitalisieren, war mit manueller Arbeit kaum finanzierbar. Wird die Objekterkennung automatisiert und die menschliche Arbeit auf Qualitätssicherung konzentriert, verschiebt sich diese Kalkulation deutlich. So leistungsfähig automatisierte Objekterkennung ­inzwischen auch sein mag, ersetzt sie doch kein baufachliches Urteil. Historische Bauwerke mit unregelmäßigen Wandstärken oder nachträglichen Umbauten stellen ­jedes trainierte Modell vor größere Herausforderungen als ein orthogonaler Neubau. Verdeckte Bereiche hinter Möblierung lassen sich nicht scannen und müssen interpretiert oder ergänzend erfasst werden. Seriöse Anbieter lassen deshalb Fachleute die automatisiert erzeugten Ergebnisse prüfen. Und unabhängig vom Zielformat gilt: Der ­Umfang der zu liefernden Informationen muss vorab klar vereinbart werden, sonst entstehen Missverständnisse zwischen Bestellung und Ergebnis. AUSBLICK

Der Trend ist eindeutig: Das Erfassen wird durch ­mobile Scanner ohnehin schon schneller und günstiger, und die Weiterverarbeitung holt mit KI-gestützter Automatisierung auf. Wer Scan-to-BIM heute plant, sollte sich deshalb zuerst fragen, welches System die Information am Ende nutzen soll und dann, in ­welcher Form sie dort ankommen muss. Diese Entscheidung bestimmt am Ende, ob ein Projekt im Alltag wirklich Zeit spart. ra 

AUTOR Bastian Stahl CEO von Bimeto

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Aus dem digitalen Bestandsmodell entsteht eine fotorealistische Darstellung.

VOM RAUMSCAN ZUM GEBÄUDEMODELL Wer ein Bestandsgebäude saniert, beginnt oft mit einem Problem: Die Pläne stimmen nicht mehr mit der Realität überein. Oder sie existieren gar nicht mehr. Scan-to-BIM-Lösungen schaffen hier Abhilfe – vom professionellen Laserscanner bis zum Smartphone mit integriertem Lidar. Dieser Beitrag zeigt, welches Verfahren sich für welche Aufgabe eignet und warum die eigentliche ­Arbeit erst nach der Erfassung beginnt. VON BENEDIKT TSCHÖSCHER

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in Mehrfamilienhaus aus den Sechzigern, mehrfach verkauft, dreimal umgebaut und im Archiv liegt ein vergilbter Grundriss, der von alldem nichts weiß. Diese Situation ist keine Ausnahme. Sie ist der Normalfall: Bestandsunterlagen fehlen, existieren nur auf Papier oder wurden nach Umbauten nie nachgeführt. Gleichzeitig verlagert sich das Baugeschehen immer stärker in den Bestand. 74 Prozent des Wohnungsbauvolumens entfielen 2025 nach Berechnungen des DIW Berlin auf ­Bestandsmaßnahmen, und die EU-Gebäuderichtlinie EPBD wird den Sanierungsdruck weiter erhöhen. Jedes dieser Projekte beginnt mit der gleichen Frage: Wie sieht das ­Gebäude wirklich aus? Immer häufiger liefert die ­digitale Bestandsaufnahme die Antwort. Scan-to-BIM

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beschreibt die Überführung des realen Gebäudes in ein digitales Bauwerksmodell. VOM ZOLLSTOCK ZUR PUNKTWOLKE

Für die Erfassung gibt es heute drei Verfahrensklassen – und drei sehr unterschiedliche Preisschilder. Terrestrische Laserscanner messen millimetergenau, kosten je nach Klasse 20.000 bis 60.000 Euro und verlangen geübtes Personal. Mobile Slam-Scanner messen im Gehen: ­Studien der Hafen City Universität Hamburg bescheinigen ihnen in Innenräumen Abweichungen von wenigen Millimetern, bei etwa zehnfachem Tempo gegenüber ­stationären Geräten. Hinzu kommt eine dritte Geräte-

Bild: First In Vision Software GmbH

26 SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: BESTANDSAUFNAHME NEU GEDACHT


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Bild: Amrax GmbH

SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: BESTANDSAUFNAHME NEU GEDACHT

Bild: First In Vision Software GmbH

kategorie, die inzwischen viele Planer ohnehin dabeihaben: Aktuelle iPhone- und iPad-Pro-Modelle verfügen serienmäßig über einen Lidar-Sensor. Unabhängige Untersuchungen bescheinigen ihnen raumweise Genauigkeiten von ein bis drei Zentimetern. Reicht das? Kommt darauf an. Wer Werkpläne oder ein verformungsgerechtes Aufmaß braucht, kommt am ­Laserscanner nicht vorbei. Wer dagegen eine Energiebilanz erstellen möchte, benötigt keine Millimetergenauigkeit: Die GEG-Berechnung rechnet mit Hüllflächen im Zentimeterbereich – Millimeter kosten hier nur Geld. Es gewinnt nicht das beste Gerät, sondern das passende. NACH DEM SCAN BEGINNT DIE ARBEIT

Der unterschätzte Teil folgt im Büro. Eine Punktwolke ist noch kein Gebäudemodell. Zunächst besteht sie lediglich aus Millionen einzelner Messpunkte. Branchenkalkulationen zufolge macht das Scannen gerade einmal fünf bis 15 Prozent der Kosten eines Scan-to-BIM-Projekts aus. Der Rest ist Modellierung: Aus Punkten werden Wände, Decken, Fenster und Türen mit Bauteilinformationen – ein manueller Schritt, den die Fachliteratur seit Jahren als zeitaufwendig und fehleranfällig beschreibt. Dazu kommt eine prinzipielle Grenze: Ein Scanner erfasst nur, was er sieht. Wandaufbauten, verdeckte Leitungen, Bauteile hinter Verkleidungen – dafür braucht es weiterhin die fachkundige Begehung. Zwei Entwicklungen entschärfen den Engpass. KI-Verfahren klassifizieren Punktwolken zunehmend automatisch, vom Förderprojekt BIMKIT bis zu kommerziellen Werkzeugen. Und eine neue Generation von Scan-Apps überspringt die Punktwolke gleich ganz: Sie rekonstruiert bereits auf dem Gerät ein bauteilorientiertes Modell und übergibt es als IFC-Datei. Das offene Austauschformat sorgt dafür, dass Modelle unabhängig von einzelnen Softwareherstellern weiterverarbeitet werden können.

Bild oben: Der ­Tablet-Scan erfasst die Raumgeometrie während der Begehung – Wände, Fenster und Türen werden in Echtzeit erkannt. Bild unten: Das importierte ­Bestandsmodell in der 3D-CAD-Software dient als Grundlage für die Weiterplanung sowie die GEG- und Ökobilanz-Berechnung.

die IFC-Schnittstelle in die CAD-Software und von dort ohne erneute Eingabe in die GEG- und Ökobilanz-­ Berechnung. Solche durchgängigen Workflows setzen sich inzwischen zunehmend durch. Ein Beispiel ist die ­Anbindung der Scan-App Metaroom an die 3D-CADSoftware Cascados. Nach Angaben des Anbieters reduziert sich der Zeitaufwand für Vermessung und Modellerstellung um bis zu 90 Prozent. Ganz ohne Handarbeit geht es trotzdem nicht: Dachschrägen und komplexe Deckengeometrien erfordern Nacharbeit im Modell. Nicht immer muss gescannt werden, was schon einmal gezeichnet wurde. Für viele Gebäude existieren brauchbare Pläne. Nur eben auf Papier. Moderne CAD-Systeme lesen gescannte Bestandspläne ein und machen sie als Zeichnungsgrundlage nutzbar; das 3D-Modell entsteht dann auf dem vorhandenen Grundriss. In der Praxis ­bewährt sich oft die Kombination: der alte Plan als Ausgangsbasis, der Raumscan als Kontrolle, ob der tatsächliche Gebäudebestand noch mit den vorhandenen Unterlagen übereinstimmt. GENAUIGKEIT NACH BEDARF

DURCHGÄNGIG BIS ZUR ENERGIEBILANZ

Was das praktisch bedeutet, zeigt ein typischer Fall aus der Energieberatung. Ein Berater übernimmt ein Einfamilienhaus, Baujahr 1972, Pläne unauffindbar. Klassisch hieße das: mehrere Stunden Begehung, Aufmaß mit dem Laserdistanzmesser, danach die händische Eingabe der Gebäudehülle in die Bilanzierungssoftware. Mit einem Lidar-Raumscan erfasst er das Gebäude dagegen in ­wenigen Minuten pro Geschoss; das Modell wandert über

AUTOR Benedikt Tschöscher verantwortet Marketing und Fachkommunikation bei der First In Vision Software GmbH.

Die europäische Normung bringt das Prinzip mit dem „Level of Information Need“ (DIN EN 17412-1) auf den Punkt: so viel Information wie nötig, so wenig wie möglich. Smartphone-Lidar, KI-gestützte Modellierung und offene Schnittstellen senken die Einstiegshürden derzeit rapide. Nicht jedes Planungsbüro benötigt einen Laserscanner für 50.000 Euro. Entscheidend ist, dass Genauigkeit und Aufwand zur jeweiligen Aufgabe passen, die eigentliche ra  Stärke moderner Scan-to-BIM-Workflows. 04/26 BAUEN AKTUELL


28 SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: VOM REALITY-CAPTURE- ZUM BIM-MODELL

BESTANDSGEBÄUDE EFFIZIENT DIGITALISIEREN Im Neubau haben sich digitale Gebäudemodelle bewährt, die jedoch bei der Sanierung von Bestandsgebäuden meist fehlen. Zum Erstellen von BIM-Modellen im B­ estand hat sich deshalb der Scan-to-BIM-Prozess etabliert – leider oft mit falschen Erwartungen an digitale Rundgänge und Scandaten. Der Beitrag beleuchtet den Workflow, die Grenzen einzelner Technologien und worauf bei der Digitalisierung zu achten ist. VON DR. MARIO GEISSLER

Bild:KI-generiert, ©Johannes Richter

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n der Baubranche wächst der Bedarf an digitalen B­ estandsdaten rasant – ob für Umbauplanung, F­ acility Management oder die Bauabrechnung. Häufig werden dabei Begriffe wie 3D-Scan, digitaler Rundgang und BIM-Modell synonym verwendet. Das führt in der Praxis zu Missverständnissen und enttäuschten Erwartungen. Tatsächlich handelt es sich um drei aufeinander aufbauende Verarbeitungsschritte: Der Scan liefert die Rohdaten, das Reality-Capture-Modell macht sie sichtbar und begehbar, und erst das BIM-Modell macht sie für Planung, Mengenermittlung und Betrieb wirklich nutzbar. 3D-Laserscanner und mobile Reality-Capture-Systeme erzeugen aus Laserscans und 360-Grad-Aufnahmen eine so genannte Punktwolke. Diese ist ein visuell begehbares,

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maßhaltiges Abbild eines Gebäudes – vergleichbar mit einem dreidimensionalen Foto. Im Ergebnis kann man virtuell durch Räume gehen, grobe Distanzen messen und sich schnell einen Überblick verschaffen. Für Dokumentation, Marketing oder die digitale Baustellenbegehung ist das ein enormer Fortschritt gegenüber Papierplänen und Einzelfotos. Wichtig ist, dass Reality-Capture-Daten keine Geometrie liefern, sondern zunächst reine Bild- beziehungsweise Punktinformationen. Als Betrachter erkennen wir darin sofort eine Wand. Für das System sind das jedoch unstrukturierte Daten ohne jede Bedeutung. Erst in einem weiteren ­Arbeitsschritt werden dar-


Bilder dieser Seite: Points2BIM GmbH

SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: VOM REALITY-CAPTURE- ZUM BIM-MODELL 29

Ein Vermesser erstellt Punktwolken mit einem mobilen Laser-­ scanner.

aus Geometrien gebildet und einer Objektklasse zugewiesen. Wenn dies geschehen ist, „weiß“ ein Bauteil, dass es eine Wand oder ein Fenster ist. In der Praxis führt das immer wieder zu überzogenen Erwartungen: Kunden gehen davon aus, aus dem Rundgang direkt Mengen ­ermitteln, Kollisionen prüfen oder ein BIM-taugliches Modell ableiten zu können. Das ist aber nicht der Fall. Für diese Ziele braucht es genau diesen zusätzlichen Schritt. In aller Kürze: Ein Reality-Capture-Modell zeigt, wie ein Gebäude aussieht. Ein BIM-Modell beschreibt, was es ist. VOM SCAN ZUM BAUTEIL

Der Weg vom Reality-Capture- zum BIM-Modell läuft in mehreren Teilschritten ab: Aus der Punktwolke werden zunächst Bauteile wie Wände, Decken, Türen und Fenster erkannt und klassifiziert. Diese Zuordnung ist heute eine der größten Herausforderungen bei der Weiterverarbeitung von Scandaten: Üblicherweise identifizieren Fachleute die Bauteile und deren Geometrien manuell in Spezialsoftware. Dieser Vorgang erfordert Erfahrung, Zeit und Budget und summiert sich bei großen oder komplexen Objekten entsprechend. Anschließend erhalten die erkannten Bauteile Attribute – etwa Materialeigenschaften oder Bauteiltypen. Am Ende steht ein parametrisches Modell, das sich in der für die Erstellung ­genutzten BIM-Software weiterverarbeiten lässt und die Grundlage für Planung, Mengenermittlung oder Betrieb bildet. ZUVERLÄSSIGE DATENGRUNDLAGE

Darstellung der Points2BIM-Plattform mit dem Prototyp des automatisierten Aufmaßes und der Abrechnungsvorbereitung.

Problemen bei Bemaßung und Planableitung führen und ein Modell sehr komplex machen. Ob diese Genauigkeit nötig ist, hängt vom Zweck ab: Für den mm-genauen Einbau eines Anschlussbauteils ja, für eine grobe Kollisionsprüfung meist nicht. Diese Frage gehört an den Anfang jedes Projekts, nicht ans Ende. VON MANUELLER ARBEIT ZU AUTOMATISIERTEN WORKFLOWS

Wie viel manueller Aufwand für ein Modell nötig ist, hängt vom Verwendungszweck ab. Bei Umbau- und Kollisionsplanung wird ein objektbasiertes Modell benötigt, gegen das neue Bauteile und Gewerke geprüft werden können. Für Mengen- und Massenermittlung sowie die Bauabrechnung braucht es klassifizierte, parametrisierte Bauteile – aber nicht zwingend jedes Detail wie Wandaufbauten oder Materialeigenschaften. Genau an diesem manuellen Engpass setzen automatisierte Ansätze an: Aus Scans lässt sich heute bereits mit hohem Automatisierungsanteil ein parametrisches BIM-Modell erstellen, das über gängige Bauteile mit korrekter Geometrie verfügt – ohne die aufwändige manuelle Einzelidentifikation. Auch Prozesse auf der Baustelle wie die Vorbereitung von Aufmaß und Abrechnung profitieren davon: Mit einer Neuentwicklung von Points2BIM entsteht aus Scan- und ergänzenden Panoramafotos automatisiert ein raumweises Leistungsverzeichnis inklusive Fotos zur Beweissicherung – eine direkt nutzbare Abrechnungsvorbereitung, ohne dass jemand die zugrundeliegende Punktwolke manuell auswerten muss.

Zwei Fragen sollten vor jeder Beauftragung geklärt werden. Erstens: Wie gut sind die einzelnen Scanpositionen zueinander registriert? Bei fehlerhafter Registrierung entstehen Drift-Effekte – Wände, die eigentlich fluchten, „knicken“ über größere Distanzen leicht ab. Auftraggeber sollten die Qualität der Punktwolke prüfen, bevor sie weitere Verarbeitungsschritte unternehmen. Zweitens: Soll das Modell idealisiert oder verformungsgerecht dargestellt werden? ­ ­Gerade im Bestand haben sich Bauteile über Jahrzehnte verformt – Balken durchgebogen, AUTOR Stützen stehen 3 bis 4 Zentimeter aus der Dr. Mario Geißler Flucht statt exakt im Raster. Wird das realiGeschäftsführer tätsgetreu abgebildet, können nicht-ortho- Points2BIM GmbH gonale Winkel oder versetzte Stützenraster zu

FAZIT

Scan-to-BIM ist kein Selbstläufer und kein Ersatz für einen digitalen Rundgang – aber richtig eingesetzt eine leistungsfähige Grundlage für Planung, Abrechnung und Betrieb. Vor jeder Beauftragung lohnt sich deshalb eine einfache Frage: Wofür wird das Modell am Ende gebraucht – und wie genau muss es dafür sein? Diese beiden Antworten bestimmen Aufwand, Modelltiefe und letztlich auch die Kosten des Projekts. ra  04/26 BAUEN AKTUELL


30 SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: VOM BESTAND ZUR VERLÄSSLICHEN PLANUNGSGRUNDLAGE

ANNAHMEN DURCH MESSDATEN ERSETZEN Ob Sanierung, Umbau oder serielle Modernisierung – wer im Gebäudebestand plant, braucht verlässliche Daten über den Ist-Zustand. Genau daran scheitern viele Projekte bereits in der ­frühen Phase: Bestandspläne fehlen, sind veraltet oder geben die tatsächliche Geometrie nicht wieder. 3D-Laserscanning und Scan-to-BIM schaffen Abhilfe und liefern innerhalb weniger Tage ein digitales Abbild des Gebäudes als Grundlage für die weitere Planung. VON LARS BECKMANN

Die berührungslose Erfassung dauert je nach Objektgröße wenige Stunden bis Tage – auch im ­bewohnten Zustand.

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­bindet über Wochen Personal, erfasst nur ausgewählte Punkte und bildet Verformungen wie Schiefstellungen oder durchbiegende Decken kaum ab. Hier setzt die digitale Bestandserfassung an. VOM SCAN ZUR PUNKTWOLKE ZUM MODELL

Beim 3D-Laserscanning erfassen terrestrische und mobile Scansysteme das Gebäude berührungslos – innen wie außen, vom Keller bis zum Dach. Das Ergebnis ist eine Punktwolke aus vielen Millionen einzelner Messpunkte, die die

Bilder: Parallelum GmbH

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ie Erfahrung aus mehreren hundert Vermessungsprojekten zeigt ein klares Bild: Praktisch keine der vorhandenen Bestandsunterlagen stimmte vollständig mit der gebauten Realität überein. Wände wurden versetzt, Öffnungen verändert, Einbauten ergänzt – dokumentiert wurde davon oft nichts. Wer auf fehlerhaften Grundlagen plant, produziert Kollisionen, Nachträge und Verzögerungen, die sich in der Ausführung teuer ­rächen. Die klassische Antwort darauf, das manuelle Aufmaß, stößt bei größeren Objekten schnell an Grenzen. Es


SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: VOM BESTAND ZUR VERLÄSSLICHEN PLANUNGSGRUNDLAGE

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Aus der Punktwolke entsteht ein As-Built-BIM-Modell, das den tatsächlichen Zustand des Gebäudes verformungsgerecht abbildet.

Geometrie des Gebäudes verformungsgerecht abbildet. Ergänzend kommen Drohnen zum Einsatz, etwa für Dachflächen, Fassaden oder schwer zugängliche Bereiche. Die Punktwolke ist zunächst ein Rohdatensatz. Ihren Wert entfaltet sie im zweiten Schritt: der Modellierung. Beim Scan-to-BIM entsteht aus den Scandaten ein As-BuiltBIM-Modell, das den tatsächlichen Zustand des Gebäudes abbildet – je nach Anforderung im Detaillierungsgrad LOD 200 bis 500. Die Modelle werden in gängigen Formaten wie IFC übergeben und lassen sich direkt in der Planungsumgebung des Auftraggebers weiterverwenden, unabhängig von der eingesetzten Software. Nicht immer ist ein vollständiges BIM-Modell das Ziel: Aus derselben Punktwolke entstehen ebenso verformungsgerechte 2D-Grundrisse, Schnitte und Ansichten im CAD-Format oder rechtssichere ­Flächenberechnungen nach WoFlV, DIN 277 oder MF-G. Die einmal erfasste Datenbasis lässt sich also für unterschiedliche Zwecke auswerten – und bei Bedarf später erneut heranziehen, ohne das Gebäude ein zweites Mal betreten zu müssen. Wichtig ist dabei ein realistischer Blick auf die Genauigkeit: Entscheidend ist nicht die theoretische Präzision des einzelnen Messgeräts, sondern die Genauigkeit des ­Gesamtprozesses aus Erfassung, Registrierung und ­Modellierung. In der Praxis sind ±30 mm ein belastbarer Standard; wo höhere Anforderungen bestehen, lassen sich über tachymetrisch bestimmte Kontrollpunkte ±zehn Millimeter absichern. PRAXISBEISPIEL SERIELLE SANIERUNG

Wie das im Projektalltag aussieht, zeigt ein Wohnquartier in Düsseldorf-Stockum: 19 Mehrparteienhäuser aus den 1930er-Jahren mit 76 Wohneinheiten und rund 5.400 m² Wohnfläche sollten seriell saniert werden – mit industriell vorgefertigten Fassadenelementen nach dem Energiesprong-Prinzip. Die Vorfertigung verlangt eine Genauigkeit von ±10 mm, denn die Elemente müssen später passgenau am Bestand montiert werden. Die Vor-Ort-Erfassung aller Gebäude dauerte zwei Wochen. Laserscanner und Tachymeter wurden kombiniert, die Genauigkeit über Kontrollpunkte im Scanprozess ­laufend abgesichert. Anschließend entstanden BIM-Modelle, die der integralen Planung wöchentlich in Teillieferungen übergeben wurden – so konnte die Fassadenplanung parallel zur Modellierung beginnen, statt auf den Abschluss der gesamten Erfassung zu warten. Das Beispiel zeigt zwei Stärken des Verfahrens: Geschwindigkeit und Skalierbarkeit. Gerade bei Portfolios der Wohnungswirtschaft, wo viele ähnliche Gebäude in ­kurzer Zeit erfasst werden müssen, spielt die digitale Bestandsaufnahme ihre Effizienz aus – auch im bewohnten Zustand und ohne nennenswerte Störung des laufenden Betriebs. KI-GESTÜTZTE AUSWERTUNG

Der aufwändigste und teuerste Schritt im Scan-to-BIMProzess ist bis heute die Modellierung. Sie wird weitgehend manuell von erfahrenen Fachleuten geleistet – die

Punktwolke muss interpretiert, jedes Bauteil einzeln ­erkannt und nachmodelliert werden. Genau an diesem Flaschenhals setzt die aktuelle Entwicklung an, und sie verändert die Wirtschaftlichkeit des gesamten Verfahrens. Moderne KI-Verfahren analysieren Punktwolken semantisch: Sie erkennen, dass eine bestimmte Punktmenge eine Wand ist, eine andere eine Decke, ein Fenster oder eine Tür – und leiten daraus automatisiert Geometrien, Flächen und Mengen ab. Aus dem reinen MesspunktRohdatensatz wird so ein strukturierter, „verstandener“ Datensatz. Der Mensch verlagert sich vom aufwändigen Nachzeichnen zur Qualitätskontrolle und zu den Fällen, die echtes Fachwissen erfordern. Für die Praxis heißt das: Kosten und Bearbeitungszeit ­sinken – verlässliche Bestandsdaten werden damit auch dort wirtschaftlich, wo sich ein vollständiges BIM-Modell bislang nicht gerechnet hat, etwa bei großen Portfolios der Wohnungswirtschaft. Entscheidend bleibt die Qualitätssicherung: Automatisiert erkannte Bauteile müssen gegen die Punktwolke geprüft werden, bevor sie in eine Planungsgrundlage eingehen. Für Planer, Wohnungsunternehmen und Bauherren heißt das: Der digitale Zwilling des Bestands wird vom Spezialwerkzeug zum Standardinstrument – als belastbare ­Datenbasis über den gesamten Lebenszyklus, von der Sanierungsplanung bis zum Facility Management. ra 

Punktwolke in ­Röntgendarstellung: Fassade transparent, Innenstruktur ­sichtbar.

AUTOR Lars Beckmann Geschäftsführer Parallelum GmbH, Stuttgart

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32 SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: KOLLABORATION IN DER CLOUD

ECHTZEIT-KOLLABORATION IN DER CLOUD 3D-Laserscanning und Building-Information-Modelling (BIM)-Plattformen haben sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. Der Workflow, um beides ­durchgängig zu vernetzen, blieb jedoch weitgehend unverändert. Die Kollaboration in der Cloud bietet nun einen innovativen Lösungsansatz.

Bilder: Leica Geosystems

VON CHIARA FRANCOLINI

D Bereits während der Datenerfassung vor Ort stehen diese in Echtzeit in der Cloud zur Verfügung.

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ie Herausforderung bei Scan-to-BIM-Prozessen besteht nicht in der Technologie, sondern vielmehr in der Effizienz des Arbeitsablaufs. Moderne Laserscanner erfassen mittlerweile Millionen von Punkten pro Sekunde, während BIM-Plattformen in der Lage sind, riesige und hochkomplexe Modelle zu verarbeiten. Beides nahtlos mit-­ einander zu verbinden, erforderte bislang noch immer einen manuellen Zwischenschritt. In der Regel scannt ein Anwender zunächst den Standort und erzeugt dabei dreidimensionale Daten – eine sogenannte Punktwolke. Anschließend werden die Daten physisch ins Büro übertragen, um mit dem PostProcessing starten zu können. Wurde vor Ort ein Bereich nicht vollständig erfasst, zeigt sich dies erst beim späteren Import der Daten. Zu dem Zeitpunkt hat der Anwender den Einsatzort jedoch bereits verlassen – ein erneuter, kostenintensiver Termin vor Ort ist dann erforderlich.


SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: KOLLABORATION IN DER CLOUD

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lassen sich problemlos vernetzen, da sämtliche Daten innerhalb einer gemeinsamen Live-Projektumgebung zusammenlaufen. Datenerfassung und Registrierung erfolgen parallel und in Echtzeit. Sämtliche Daten stehen unmittelbar nach ihrer Erfassung zur Verfügung und alle Projektbeteiligten arbeiten immer mit dem aktuellsten Modell. Das verkürzt Projektlaufzeiten und optimiert den Einsatz von Personalressourcen. FACHKRÄFTEMANGEL KOMPENSIEREN

Über eine gemein-­ same Live-Projektansicht wird die Abdeckung vor Ort oder im Büro geprüft.

AUTORIN Chiara Francolini Reality Capture Software Product Manager, Leica Geosystems

Scan-to-BIM-Workflows mit Cloud-Konnektivität in Echtzeit erhöhen auch die Teameffizienz. Ein Scan-Experte fungiert als Koordinator zwischen Büro und Einsatzort, überwacht die eingehenden Daten und kann im Fall von Erfassungslücken sofort eingreifen, solange das Team noch vor Ort ist. Der einzelne Anwender kann sich uneinBei größeren Projekten mit mehreren Laserscannern ver- geschränkt auf die Datenerfassung konzentrieren. Neue schärft sich dieses Problem zusätzlich. Um Datenlücken Mitarbeitende sind schneller einsatzbereit: Der Schuweitgehend auszuschließen, erfassen die Teams vor Ort lungsaufwand für die Datenerfassung mit hochmodernen mehr Daten als nötig. Die Vollständigkeit dieser Scan- Scannern ist erheblich geringer als für die eigenständige daten lässt sich jedoch erst sicher prüfen, sobald alle Koordination des gesamten Registrierungsprozesses. Daten im Büro zusammengeführt sind. Der eigentliche Auch weniger erfahrene Einsteiger können so an der SeiEngpass liegt demnach im Workflow selbst. te des Koordinators in der Praxis kontinuierlich ihre Moderne Scan-to-BIM-Prozesse entwickeln sich dahin- Kenntnisse vertiefen. gehend weiter, dass sie Datenerfassung, Registrierung Der Koordinator kann Analysen bereits während des und Modellierung in einem durchgängigen Prozess inte- Scanvorgangs durchführen, wie Messungen vor Ort oder grieren. Analysen der Ebenheit von Bodenflächen, während das Die Funktionalität Livelink der kürzlich eingeführten RTC- Team noch im Einsatz ist. Diese unmittelbare QualitätsProduktreihe von Leica Geosystems wird diesem Aspekt sicherung und -kontrolle bringt erhebliche Vorteile für den vollumfänglich gerecht. Livelink verbindet Teams am Ein- gesamten Projektablauf. So lassen sich fundierte Entsatzort und im Büro über eine gemeinsame cloudbasierte scheidungen hinsichtlich zusätzlich erforderlicher DetailProjektumgebung in Echtzeit – während der Datenerfas- vermessungen, Nivellements, Nachbesserungen oder sung. So können alle Scandaten bereits im laufenden Soll-Ist-Toleranzvergleichen deutlich schneller treffen. Prozess effizient genutzt werden. Die vom Laserscanner erfassten Daten werden in Echtzeit INTEROPERABILITÄT ALS SCHLÜSSELFAKTOR auf alle Geräte des gemeinsamen Projekts synchronisiert. Teams am Einsatzort und im Büro haben unmittelbaren Mit der Integration von Scan-to-BIM-Workflows in die Zugriff auf alle Scandaten, um die Abdeckung am Ein- Cloud gewinnt auch die Interoperabilität an Bedeutung. satzort noch vor dem physischen Datentransfer ins Büro Eine gemeinsame Live-Projektumgebung bietet nur dann einen echten Mehrwert, wenn sich die Daten nahtlos inprüfen und verifizieren zu können. Die Registrierung erfolgt bereits während der Datener- nerhalb der eingesetzten CAD- und BIM-Plattformen fassung. Parallel dazu kann im Büro mit der Ergebnis­ sowie in die gewünschten Zielformate übertragen lassen. bereitstellung begonnen werden, noch bevor das Team Ein Workflow, der zwar Einsatzort und Büro vernetzt, aber vor Ort die Baustelle verlässt. Damit verändern sich Dy- auf ein proprietäres Ökosystem beschränkt ist, würde das namik und Wirtschaftlichkeit klassischer Scan-to-BIM- Problem lediglich verlagern. Projekte grundlegend. Auch der kostenintensive Nach- Mit zunehmender Projektgröße gewinnt dieser Aspekt arbeitsaufwand lässt sich auf ein Minimum reduzieren. noch an Bedeutung. Bei der Vermessung eines mehrstöckigen Gebäudes können etwa Scanner, ModellierungsSCANNING EINES MEHRSTÖCKIGEN GEBÄUDES software sowie die BIM-Umgebung des Kunden von drei unterschiedlichen Herstellern zum Einsatz kommen. Falls Stellen Sie sich die Bestandsaufnahme eines Hochhauses die Kollaboration in Echtzeit nur innerhalb eines geschlosvor. Ein Mitarbeitender scannt vom obersten Stockwerk senen Tool-Sets realisierbar wäre, würde diese zu einer nach unten, während ein zweiter im Erdgeschoss startet. massiven Einschränkung bei der Wahl potenzieller ProBei einem herkömmlichen Workflow erfahren Sie erst jektpartner führen und damit alle Workflow-Verbessenach dem Import der Daten im Büro, ob diese lückenlos rungen zunichtemachen. erfasst wurden und in das BIM-Modell einfließen können. Der größte Vorteil der Konnektivität zwischen Einsatzort Dank Livelink erscheint jedes neue Scanner-Setup sofort und Büro liegt in der Zeitersparnis. Qualitätskontrollen nach Erfassung in einer gemeinsamen Projektansicht. und Koordinationsaufgaben erfolgen bereits während der ­Alle Beteiligten sehen die Abdeckung des Gebäudes und Datenerfassung und nicht erst im Nachgang. Dadurch erkennen Überlappungen oder Erfassungslücken bereits verkürzt sich die Zeitspanne zwischen Scanprozess und vor Ort. So kann zuverlässig sichergestellt werden, dass einsatzbereitem BIM-Modell erheblich. die 3D-Daten vollständig sind und nahtlos registriert Da das Datenvolumen kontinuierlich zunimmt, geht es ­sowie modelliert werden können. heute nicht mehr nur darum, wie viele Daten erfasst werGleichzeitig lässt sich das Projekt deutlich einfacher ska- den, sondern wie schnell diese Daten genutzt werden lieren. Weitere Laserscanner oder sogar ganze Gebäude können. ra  04/26 BAUEN AKTUELL


34 SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: FORSCHUNGSPROJEKT ESG-READINESS READE

GEBÄUDE ENERGETISCH BEWERTEN Steigende regulatorische Anforderungen an die energetische Bewertung von Gebäuden sowie die wachsende Relevanz für Marktwert und Finanzierbarkeit erfordern eine ­systematische Erfassung des Bestands. Insbesondere dort fehlen jedoch oft aktuelle ­Unterlagen, was die Erfassung aufwändig macht. Die manuelle Aufnahme von ­Gebäudekubatur und weiterer energetisch relevanter Daten ist zeit- und kostenintensiv. VON MURIEL LAUSCHKE UND TOBIAS SCHÖNER

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DER WEG ZUM DURCHGÄNGIGEN WORKFLOW

Die Forschenden entwickelten dazu eine vierstufige Prozesskette. Zunächst werden die vorhandenen Bestandsinformationen strukturiert erfasst. Es folgt die digitale Erfassung der Gebäudekubatur mittels 3D-Scan und die Ableitung eines 3D-Gebäudemodells. Abschließend werden alle Informationen im offenen Datenformat IFC zusammengeführt und eine energetische Bewertung (bei Bedarf mit Buchstabenklasse) entsteht. Zur Vorbereitung erstellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst ein Informationslastenheft, das alle für die energetische Bewertung erforderlichen Daten definiert, wie etwa Bauteile, Nutzung (Bild 1) und Anlagentechnik. Bereits während der Gebäudeaufnahme wurden diese Informationen ergänzt und anschließend mit typischen Kennwerten vervollständigt. Für die Scan-to-BIM-Erfassung wurden verschiedene Technologien hinsichtlich Aufwand, Kosten und Genauigkeit untersucht. Da für eine energetische Ersteinschätzung keine hochpräzise Vermessung nötig ist, sondern eine einfache Handhabung und Schnelligkeit vorrangig sind, erfolgte die ­Innenaufnahme SLAM-basiert (Simultaneous Localization and Mapping). Die Außenerfassung der Kubatur wurde mit einer Drohne und mittels Photogrammetrie

Bilder: Fraunhofer IBP

Bild 1: Darstellung der unterschiedlichen Nutzungszonen einer Pilotliegenschaft im neu erstellten 3D-Gebäudemodell.

m Forschungsprojekt ESG-Readiness ReadE wurde ein teilautomatisierter Workflow zur energetischen Bewertung von Gebäuden entwickelt. Kern des Verfahrens ist eine Scan-to-BIM-Methode, die die digitale Erfassung der Gebäudegeometrie mit der strukturierten Aufnahme energetisch relevanter Informationen verbindet. Die ­Methodik wurde an je einer Liegenschaft aus Handel, ­Produktion und Hotellerie erfolgreich erprobt.


Bild: � Porawit (generiert mit KI) , stock.adobe.com

Bild 2: Kolorierte Punktwolke nach Erfassen des Gebäudepiloten für den Sektor Hotel.

durchgeführt. Aus den Scandaten entstanden eine kolorierte Punktwolke (Bild 2) und anschließend ein 3DIFC-Modell (Bild 3). Dieses wurde mit den alphanumerischen Bestandsinformationen verknüpft und über eine Schnittstelle an den Berechnungskern „ibp 18599 kernel Simplified” übergeben. Dessen Vorparametrierungen reduzieren den Eingabeaufwand gegenüber einer detaillierten Berechnung nach DIN V 18599 deutlich. Im Ergebnis entstand eine energetische Einschätzung der Liegenschaft.

Bild 3: Schnittdarstellung des abgeleiteten 3D-Gebäudemodells für die Pilotliegenschaft des Sektors Handel.

ZUSAMMENFASSUNG

Die entwickelte Prozesskette verbindet digitale Bestandserfassung, BIM und energetische Bewertung zu einem durchgängigen Workflow. Durch offene IFC-Datenstrukturen und Scan-to-BIM-Verfahren ermöglicht sie eine wirtschaftliche und praxisnahe energetische Ersteinschätzung. Zugleich schafft sie eine Datengrundlage für weiterführende Energieberatungen und Sanierungskonzepte mit höherer Detailtiefe. ra 

AUTOREN Muriel Lauschke und Tobias Schöner Projektleitung ReadE, FraunhoferInstitut für Bauphysik IBP


36 SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: BLUEBEAM UND METAROOM BÜNDELN KRÄFTE BEIM BAUEN IM BESTAND

VOM SCAN ZUM PLAN Von der Bestandsaufnahme eines Altbaus zum fertigen Plan in zehn Minuten? Eine ­Kooperation für Planen und Bauen im Bestand beweist, dass es funktioniert. Metaroom liefert den Scan und Bluebeam führt die Planung fort. Auf Abruf gibt es dazu ein ­Webinar mit Praxisbeispielen auf der Webseite von Bluebaem. VON CHRISTINE RYLL

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eim Bauen im Bestand ist ein präzises Aufmaß unverzichtbar. Aktuelle Bestandspläne liegen häufig nur in Papierform vor. Da der tatsächliche Bauzustand zudem meist von der ursprünglichen Planung abweicht, werden Räume, Installationen und Einbauten immer öfter per Scan exakt erfasst. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für verlässliche Bestandspläne, Umbaumaßnahmen sowie die passgenaue Vorfertigung von Bauteilen – und sind nicht selten auch die Voraussetzung für Kauf- oder Mietentscheidungen. METAROOM UND BLUEBEAM

Scannen per Smartphone: So entsteht in kurzer Zeit ein ­genaues Abbild des Projekts.

Um die beim Scanvorgang erzeugte digitale Punktwolke in einen nutzbaren Plan zu überführen, war bislang ein aufwändiger Prozess mit spezialisierten Tools, zahlreichen Arbeitsschritten und Schnittstellen notwendig. Eine deutlich schnellere Lösung bietet nun die Kooperation zwischen Metaroom, einem Anbieter für die digitale Erfassung und Modellierung von Bestandsgebäuden, und Bluebeam, Lösungsanbieter für planbasierte ­ Kommunikation, Planprüfung, Mengenermittlung, Dokumentation und Projektkoordination. Der Weg, der ohne Vorkenntnisse nutzbaren Lösung: Mit einem iPhone Pro ab Generation 12 Pro und iPad Pro der 2020er-Generation erstellt der

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Nutzer innerhalb weniger Minuten ein Aufmaß mit einer Abweichung von etwa ±ein Prozent bezogen auf die gemessene Länge. Gescannt wird direkt in der MetaroomApp auf dem iPhone oder iPad. Die erfassten Daten werden anschließend in den Metaroom-Workspace, die browserbasierte Webanwendung, hochgeladen und dort automatisch zu einem maßstabsgetreuen Modell aufbereitet. Über eine direkte Schnittstelle gelangen die Daten dann zu Bluebeam. Dort lässt sich mit wenigen Klicks ein vollständiger Plan inklusive Maßketten erzeugen. Dabei können Mängel dokumentiert, Fotos integriert und weitere Projektdaten ergänzt werden. Das spart Zeit, ist unkompliziert und reduziert den zeitlichen und finanziellen Aufwand einer Bestandsaufnahme und -planung auf ein Minimum. VOM SCAN ZUM PLAN

Wie der Prozess in der Praxis funktioniert, zeigt das Webinar anhand eines Praxisbeispiels, der Erfassung eines Hotelzimmers mit Bad: Durch einfaches Auf- und Abbewegen eines mit der App ausgestatteten iPhone im Raum generiert die Scan-Lösung binnen zwei Minuten einen vollständigen Grundriss. Ein auf dem SmartphoneBildschirm entstehendes 3D-Modell zeigt dabei während des Scans in Echtzeit, welche Bereiche bereits ­erfasst wurden. Zusätzlich können

Bilder: Bluebeam/Metaroom

Auf Papier gezeichnete Pläne sind für Umbauten keine gute Grundlage.


SCAN-TO-BIM-LÖSUNGEN: BLUEBEAM UND METAROOM BÜNDELN KRÄFTE BEIM BAUEN IM BESTAND

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Die mit dem Smartphone gescannten, auf dem Metaroom-Workspace rekonstruierten Daten werden über eine direkte Schnittstelle im PDF-Format in die BluebeamUmgebung übertragen.

­ etails wie Steckdosen per Snapshot – einer im 3D-MoD dell verorteten Fotoaufnahme – markiert, dokumentiert und mit Notizen ergänzt werden. Im Anschluss erfolgt die Rekonstruktion des Scans zunächst in Form eines 3D-Modells in der zugehörigen Webanwendung von Metaroom. Im dortigen Workspace steht sie binnen weniger Minuten für die weitere Bearbeitung bereit, wobei die aufgenommenen Räume automatisch zu einem Gebäudemodell zusammengeführt werden. Eine Internetverbindung ist lediglich für die Datenübertragung erforderlich. Der eigentliche Scanvorgang funktioniert auch vollständig offline. Der Metaroom-Workspace dient dabei nicht nur der ­Anzeige der aufgenommenen Daten – sie lassen sich dort auch ergänzen und anpassen: Räume lassen sich lokalisieren und benennen, zusätzliche Informationen, Fotos und Snapshots den erfassten Elementen zuordnen und deren Position, Größe und Ausrichtung verändern. So entsteht Schritt für Schritt ein intelligentes Gebäudemodell, das 2D-Bilddateien und 3D-Raumdaten miteinander verknüpft und jederzeit eine vollständige visuelle Dokumentation ermöglicht. Einzelne Scanabschnitte lassen sich dabei beliebig miteinander kombinieren, sodass auch große Objekte mit mehreren tausend Quadratmetern Nutzfläche vollständig erfasst werden können. PER SCHNITTSTELLE ZUR NACHBEARBEITUNG

Die nachbearbeiteten Daten werden nun über eine direkte Schnittstelle im PDF-Format in die Bluebeam-Umgebung übertragen, wo Anwender das jeweilige Projekt mit ihrem Account öffnen und weiterbearbeiten können. Über die Benutzerverwaltung lassen sich auch Teammitglieder zum Projekt einladen. Echtzeitfunktionen unterstützen die Zusammenarbeit zwischen Büro und B­ austelle. Für eine planbasierte Kollaboration haben Anwender beispielsweise die Möglichkeit, Markierungen, Textfelder und Anmerkungen entweder direkt zu beschriften oder Verantwortlichen zuzuweisen. Änderungen werden der jeweiligen Person im Kommentar zugeschrieben und lassen sich somit nachverfolgen. Im Sinne eines komfortablen Workflows bei der Planbearbeitung steht dem Anwender in der Webanwendung der vollständige Bluebeam-Werkzeugkasten zur Verfügung. Er umfasst zahlreiche Planungs- und Markierungs-, Mess- und Auswertungswerkzeuge. Man kann auch weitere Werkzeugsets erstellen und häufig verwendete ­Elemente in individuellen Werkzeugkästen bündeln sowie Symbole – etwa für Bauelemente – nutzen, generieren und hinzufügen. PLANUNG DIREKT IM PDF

In den im Vorfeld erstellten PDFs lassen sich nun mit Hilfe dieser Tools direkt im Plan Punkte markieren, Maßketten generieren und präzise Linien-, Flächen- und

Die mit dem Smartphone gescannten, auf dem MetaroomWorkspace rekon­ struierten Daten werden über eine direkte Schnittstelle im PDF-Format in die Bluebeam-Umgebung übertragen.

AUTORIN Christine Ryll Fachautorin mit Schwerpunkt Digitalisierung der Baubranche

Kettenmessungen durchführen. Möbel, Bauteile oder Symbole können platziert werden und passen sich dabei automatisch dem hinterlegten Maßstab an. Ist dieser noch nicht definiert, kann er manuell festgelegt werden. Über definierte Referenzlängen werden weitere Abstände korrekt skaliert. Auch die Snapshots lassen sich ­direkt mit dem Plan verknüpfen und als bildgestützte Markierungen mit Kommentaren ergänzen. Alle Anmerkungen werden dabei zentral verwaltet und lassen sich zur Dokumentation, Weitergabe oder Archivierung als CSV- oder PDF-Bericht exportieren. Sämtliche Informationen bleiben dabei dauerhaft mit ihrer Position im Plan verbunden. Die Planvergleichsfunktion in Bluebeam Revu oder auch eine manuelle Überlagerung gewährleisten den präzisen Abgleich von Bestands- und Planungsständen. Unterschiedliche Versionen können überlagert, Ebenen gezielt ein- oder ausgeblendet und Abweichungen zwischen Istund Soll-Zustand schnell erkannt werden. Zeichen- und Kommentarfunktionen machen es darüber hinaus möglich, ergänzende Planungen direkt im Bestandsplan umzusetzen. Dabei können für Freigaben erforderliche Stempel und strukturgebende Blattrahmen hinzugefügt und so Pläne standardisiert und zur Weitergabe vorbereitet werden. Damit bietet die Kooperation von Bluebeam und Metaroom auch ohne CAD-System die Möglichkeit, kleinere Umbau- und Bestandsprojekte maßstabsgetreu zu skizzieren und einfache Planungsaufgaben effizient und ­direkt im nach dem schnellen Scan generierten PDF zu erledigen – binnen kürzester Zeit direkt vom Scan per Smartphone zum fertigen Plan. ra  04/26 BAUEN AKTUELL


38 DIGITALE STADTENTWICKLUNG: PLATTFORM OASITY FÜR KLIMARESILIENTE STADTGESTALTUNG

SIMULIEREN, BEVOR GEBAUT WIRD Um die Wirkung von Klimaanpassungsmaßnahmen frühzeitig zu bewerten, unterstützen Forschende des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP mit der Webplattform Oasity. Sie ermöglicht es, die Wirkung von Neu- oder Umbauprojekten, Begrünung, Entsiegelung und weiteren Maßnahmen bereits in frühen Planungsphasen zu simulieren. VON MATTHIAS WINKLER

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n stark versiegelten Stadtquartieren liegen die Temperaturen häufig mehrere Grad über denen des Umlands. Nachts bleibt es warm, weil Asphalt und Beton Wärme nur langsam abgeben. Die Hitzewelle ­Ende Juni hat die damit verbundene Gesundheitsrisiken erneut deutlich gemacht: Laut RKI-Wochenbericht (KW 28/2026) wurden in Deutschland bereits rund 7.900 hitzebedingte Sterbefälle registriert. Damit wächst der Handlungsdruck auf Kommunen und der Bedarf an verlässlichen Methoden. VON DER FORSCHUNG IN DIE PLANUNGSPRAXIS

Grundlage der Simulationen ist das Stadtklimamodell PALM-4U, das im Programm „Stadtklima im Wandel – Urban Climate under Change [UC]²“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelt und validiert wurde. Es bildet die physikalischen Prozesse im Stadtraum ab und beantwortet typische planungsrelevante Fragestellungen zu thermischem Komfort, Kaltluftversorgung, Windkomfort und Schadstoffausbreitung auf Quartiers- und Stadtebene. Damit die Simulationen ohne Spezialwissen nutzbar sind, stellt Oasity kuratierte Vor-

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DIGITALE STADTENTWICKLUNG: PLATTFORM OASITY FÜR KLIMARESILIENTE STADTGESTALTUNG

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Mit Oasity simulierte Hitzebelastung (UTCI-Index) um 14 Uhr in ein Meter Höhe für eine Planungsvariante des Neubauquartiers. Der UTCI-Index berücksichtigt neben der Lufttemperatur auch Windgeschwindigkeit, Strahlung und Luftfeuchte und erlaubt so eine Bewertung der thermischen Belastung des Menschen.

Bild: Fraunhofer IBP (2022)

lagen für typische stadtklimatische Analysen bereit. P­ lanende und kommunale Mitarbeitende können Simulationen eigenständig durchführen und verschiedene Szenarien systematisch vergleichen.

Ein typischer Einsatzfall ist der Vergleich von Planungsvarianten für neue Stadtquartiere, wie im Projekt UCARe4Citizen: Analysiert wurden die Hitzebelastung am Tag (Bild oben) sowie die nächtliche Kaltluftströmung aus dem Umland und einem angrenzenden Stadtpark. Die Ergebnisse zeigen: Gebäudeanordnung und Grünstrukturen beeinflussen sowohl den thermischen Komfort am Tag als auch die nächtliche Durchlüftung. Wo ­Bebauung den Kaltluftabfluss behindert, steigen die Nachttemperaturen messbar – mit Folgen für Schlafqualität und Gesundheit. Derartige Analysen schaffen eine belast­bare Grundlage für Entscheidungen zu Gebäudestellung, Grünstruktur und Bebauungsdichte, und zwar bevor ­Planungsbeschlüsse gefasst werden. Besonders wirkungsvoll ist Oasity in Verbindung mit urbanen digitalen Zwillingen. In Pilotprojekten mit den Städten Rosenheim und Paderborn erprobte das Fraunhofer IBP die Integration der Simulationen direkt in die jeweiligen digitalen Stadtmodelle. Die dabei entwickelten ­Lösungen dienen als Blaupause für weitere Kommunen und erleichtern den Einstieg in eine eigenständige Klimafolgenabschätzung im Planungsalltag. ra 

Bild: Fraunhofer IBP (2024)

SIMULATIONEN UNTERSTÜTZEN PLANUNGSENTSCHEIDUNGEN

Oasity kommt auch jenseits kommunaler Klimaanpassung zum Einsatz: Im F­ orschungsprojekt „Keres” untersuchte das Fraunhofer IBP die Windumströmung des Kölner Doms und leitete daraus eine Kartierung von Orten hoher Windbelastung sowie starker Abwinde ab.

Bild: Xxxxxxxxxxxx

Bild: � finecki, stock.adobe.com

AUTOR Matthias Winkler Gruppenleiter Stadtbauphysikalische Modellierung, Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP

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40 DIGITALE STADTENTWICKLUNG: WAS ZUM BAULEISTUNGSSOLL GEHÖRT

Bild: � tynza (generiert mit KI), adobe.stock.com

WENN DIE NORM LEERLÄUFT Zwei zentrale Vorgaben der Elektroplanungsnorm DIN 18015-1 finden sich auf deutschen Baustellen selten wieder. Dass es dafür ­nachvollzieh- bare Gründe gibt, erklärt TÜV Süd anhand eigener ausgewerteter Projektdaten. Wer Theorie und Praxis verbindet, bringt Bauprojekte rechtssicher und wirtschaftlich zum Abschluss. So lässt sich Streit über vermeintliche Mängel vermeiden. VON DR.-ING. MARKUS WEISSENBERGER UND STEFAN WENZ

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ie DIN 18015-1 gehört im Wohnungsbau zum festen Repertoire von Planern, Bauträgern und Fachbetrieben. Mit ihrer Überarbeitung im Jahr 2020 wurden mehrere zentrale Anforderungen präzisiert: den Überspannungsschutz, das Trennen von Stark- und Schwachstrom mittels separater Leerrohre sowie den mechanischen Schutz auf Rohdecken geführter Leitungen. Vieles davon ist heute im Wohnungsbau Routine. Aus den Begehungs- und Abnahmedaten der Sachverständigen treten jedoch zwei Punkte hervor, bei denen Normung und Baustelle deutlich auseinanderlaufen. 16-AMPERE-LÖSUNG

Kochfelder und Herde sollen laut Norm mit 20 Ampere abgesichert sein. Tatsächlich werden diese Stromkreise nahezu durchgehend mit 16 Ampere abgesichert – ohne dass den Experten sicherheitsrelevante Vorkommnisse oder Nutzungseinschränkungen bekannt wären. Für die gelebte Praxis sprechen zwei Argumente: Die marktgängigen Splitter-Boxen für Einzelgeräte sind auf 16 Ampere ausgelegt, diese wären bei einer höheren Absicherung weitgehend nicht mehr einsetzbar. Zudem dürfen ­Küchenmonteure, sofern sie als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) qualifiziert sind, ohnehin nur Stromkreise bis zu 16 Ampere anschließen. Ein Umstieg BAUEN AKTUELL 04/26

auf 20 Ampere hätte somit weitreichende Konsequenzen, für die Planung, die Montageabläufe und die Verantwortlichkeiten gleichermaßen. ZWEITER VERTEILER BLEIBT DIE AUSNAHME

Ähnliches gilt für die Forderung, in Einfamilienhäusern und mehrgeschossigen Wohnungen mindestens zwei Wohnungselektroverteiler vorzusehen. Eine Auswertung von 2025 zeigt, dass nur rund zwei Prozent der untersuchten Vorhaben diese Vorgabe erfüllen. Die übrigen ­Gebäude funktionieren mit einem Verteiler zuverlässig – auch im Neubau. Da die Norm bauordnungsrechtlich nicht eingeführt ist und es keine Nachrüstpflicht gibt, stellt sich die Frage: Ist eine derart selten umgesetzte Anforderung überhaupt eine anerkannte Regel der Technik? Nach Einschätzung der Sachverständigen ist das hier nicht der Fall: Anerkannte Regeln der Technik sind wissenschaftlich richtig, fachlich mehrheitlich anerkannt und auf der Baustelle bewährt. EINFACHER BAUEN MIT GEBÄUDETYP E

Diese pragmatische Bauweise fügt sich dem Trend. Der geplante Gebäudetyp E steht für einfacheres Bauen bei gleichbleibendem Sicherheitsniveau. Bund, Länder und


Bilder: TÜV Süd

TÜV Süd führt jedes Jahr baubegleitende Begehungen und Abnahmen an über 1.000 Bauobjekten durch.

Fachleute arbeiten derzeit daran, diese Bauweise praxisfähig zu bekommen. Leitlinien, Pilotprojekte und ein eigener Vertragsrahmen sollen dabei helfen. Im Allgemeinen, aber auch für die Elektrotechnik, sollte klar unterschieden werden: Was ist technisch zwingend, was betrifft nur Komfort, Reserven oder Kundenwünsche? MANGEL ODER BEGRÜNDETE ABWEICHUNG?

AUTOREN Dr.-Ing. Markus Weißenberger Fachgruppenleiter Gebäudetechnik, TÜV Süd Industrie Service GmbH und Stefan Wenz Sachverständiger Elektrotechnik, TÜV Süd Industrie Service GmbH

Wer als Planer oder Ausführender von der Norm abweicht, riskiert nicht automatisch einen Baumangel. Ausschlaggebend ist, ob die Abweichung Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit berührt oder lediglich Komfort und Ausstattung. Diese Linie bestätigte das OLG Düsseldorf im Verfahren 5 U 227/21 zur DIN 18015-2: Allein aus einem Normtext lässt sich kein Mangel ableiten. Im konkreten Fall klagte ein Generalübernehmer gegen ein TGAPlanungsbüro. Er sah die Planung als mangelhaft an, da diese die Mindestvorgaben der DIN 18015-2 unterschritt. Das Landgericht gab der Klage zunächst statt, die ­Berufungsinstanz hob das Urteil jedoch auf. Nach Auffassung des OLG war die Einhaltung der DIN 18015-2 weder vertraglich vereinbart, noch stellen deren Vorgaben zur Anzahl von Steckdosen und Anschlüssen generell anerkannte Regeln der Technik dar. Diese Vorgaben beschreiben überwiegend ein Komfort-/Ausstattungsniveau und keinen sicherheitstechnischen Mindeststandard. Ob ein Mangel vorliegt, hängt vielmehr von der Einordnung der Vorgabe ab. Entscheidend ist, ob diese als anerkannte Regel der Technik gilt oder vertraglich zugesichert wurde. Die Empfehlung des 10. Deutschen Baugerichtstags 2025 zielt in die gleiche Richtung: „Allein die Abweichung von technischen Regeln ohne Beeinträchtigung der Funktionalität oder der Gebrauchsfähigkeit während der intendierten Gebrauchsdauer begründet keinen Mangel.“ Rechtssicher wird ein Projekt deshalb nicht erst auf der Baustelle, sondern bereits in der Baubeschreibung und dem Leistungsverzeichnis. Pauschale Verweise auf die DIN 18015-1 fordern im Zweifel auch die 20 A-Herdsicherung und den zweiten Elektroverteiler und verlagern Konflikte nur nach hinten. TÜV Süd unterstützt Bauvorhaben mit Qualitätscontrolling, prüft Baubeschreibungen und Ausführungsunterlagen und bewertet Gewerke gutachterlich. Aber auch über Planung, Bau und Abnahme hinaus werden elektrische Anlagen begutachtet und Betreiber bei ihren Gewährleistungsthemen und Prüfpflichten unterstützt. ra 


42 BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: THOMAS PHILIPP REITER, BILLIT, ZUR E-RECHNUNGSPFLICHT

Bild: © momius/stock.adobe.com

WARUM BAUUNTERNEHMEN JETZT HANDELN SOLLTEN

Seit Januar 2025 gilt bereits die Empfangspflicht für E-Rechnungen. Thomas Philipp Reiter, Digitalisierungs­experte und Head of D/A/CH bei Billit, erklärt im ­Interview, warum die Baubranche jetzt handeln muss und welche Fehler es zu vermeiden gilt. Bauen aktuell: Herr Reiter, seit Januar 2025 müssen Unternehmen E-Rechnungen empfangen können. Was hat sich seitdem in der Praxis verändert? Thomas Philipp Reiter: Viele Unternehmen wurden erst durch die Empfangspflicht erstmals mit E-Rechnungen konfrontiert. Trotzdem beobachten wir leider auch heute noch häufig Ausweichstrategien anstelle echter Akzeptanz. Statt ihre Buchhaltungsprozesse wirklich digital zu transformieren, nutzen viele Betriebe umständliche, aber vertraute Reader-Anwendungen oder lassen sich zusätzlich eine PDF schicken und arbeiten wie bisher weiter. Welche Fehler beobachten Sie bei Bauunternehmen besonders häufig? Thomas Philipp Reiter: Der häufigste Irrtum ist auch im zweiten Jahr nach Einführung der E-Rechnung, dass eine PDF bereits eine digitale Rechnung sei. Noch immer werden Rechnungen in Word oder Excel erstellt und anschließend lediglich als PDF verschickt. Außerdem beobachten wir, dass viele Bauunternehmen die Umstellung bewusst immer weiter aufschieben. Deshalb rate ich jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer in der Baubranche, möglichst frühzeitig zu beginnen. Der erste Schritt in Richtung E-Rechnung bringt sofort Vorteile. BAUEN AKTUELL 04/26

Wer sollte sich jetzt besonders auf die verpflichtende Ausstellung vorbereiten? Thomas Philipp Reiter: Besonders dringlich ist das für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz, da für sie die gesetzlich bindende Verpflichtung zum E-Rechnungsversand schon ab 2027 gilt – also in gerade mal etwas mehr als vier Monaten! Außerdem müssen auch Bauunternehmen mit öffentlichen Auftraggebern sowie Generalunternehmer, Betriebe mit vielen Geschäftskunden sowie Unternehmen mit einem hohen Rechnungsvolumen jetzt unverzüglich aktiv werden. Warum sind Rechnungen aus Word, Excel oder als einfache PDF nicht ausreichend? Thomas Philipp Reiter: Word-, Excel- und PDF-Rechnungen reichen künftig nicht mehr aus, weil sie keinen einheitlichen Standard für den automatisierten Rechnungsaustausch bieten. Rechnungen sollen nicht nur für Menschen lesbar, sondern auch von Software automatisch verarbeitet werden können. Eine PDF ist wie ein digitales Blatt Papier. Programme können sie zwar auslesen, ausschlaggebend ist jedoch, dass die Inhalte immer erst interpretiert werden müssen. Eine E-Rechnung enthält dagegen standardisierte XMLDaten nach der europäischen Norm EN 16931. Jede Information vom Rechnungsbetrag bis zur Projektnummer hat ihren festen Platz und kann dadurch automatisch verarbeitet werden und dadurch Fehler vermeiden. Zudem erhöht die E-Rechnung die Sicherheit. Besonders sicher ist der Versand über Netzwerke wie Peppol: Rechnungen werden direkt von System zu System übertragen und Absender sowie Empfänger eindeutig identifiziert. Das erschwert Manipulationen und schützt deutlich besser vor Rechnungsbetrug. Was unterscheidet XRechnung und ZUGFeRD?


BÜRO- UND PROJEKTMANAGEMENT: THOMAS PHILIPP REITER, BILLIT, ZUR E-RECHNUNGSPFLICHT 43

Bilder: Billit.de

Thomas Philipp Reiter: Eine XRechnung ist eine rein strukturierte elektronische Rechnung. Sie wird üblicherweise als XML-Datei übermittelt und enthält keine klassische, für Menschen gestaltete Rechnungsansicht. Um sie wie eine herkömmliche Rechnung lesen zu können, benötigt man daher eine geeignete Buchhaltungssoftware. XRechnung wird insbesondere für Rechnungen an öffentliche Auftraggeber verwendet. ZUGFeRD kombiniert dagegen zwei Bestandteile in einer Datei: Ein lesbares PDF-Dokument und darin eingebettete strukturierte XML-Daten. Menschen können die Rechnung deshalb wie ein gewohntes PDF öffnen und lesen. Gleichzeitig kann eine geeignete Software die eingebetteten Rechnungsdaten automatisch übernehmen und weiterverarbeiten. Wie sollten Bauunternehmen die Umstellung praktisch Stufenplan zur angehen? deutschen E−RechThomas Philipp Reiter: Der erste Schritt ist eine Be- nungspflicht. standsaufnahme: Wie werden Rechnungen heute empfangen, verarbeitet und erstellt? Welche Systeme sind beteiligt? Anschließend sollte geprüft werden, ob die vorhandene Software E-Rechnungen erstellen, empfangen und – ganz wichtig – GoBD-konform archivieren kann. Ist das nicht der Fall, gibt es zwei Möglichkeiten: Die bestehende Software wird erweitert oder durch eine Buchhaltungslösung ersetzt, die alle gesetzlichen Anforderungen bereits erfüllt. Gerade für kleinere und mittlere Bauunternehmen ist Letzteres oft der einfachere Weg, da ein Flickenteppich aus verschiedenen Programmen zusätzlichen Verwaltungsaufwand schafft. Anschließend empfehle ich Praxistests mit typischen Geschäftsvorfällen aus der Baubranche, also etwa mit Abschlags-, Teil- und Schlussrechnungen sowie Bauleistungen nach § 13b UStG, bei denen der Leistungsempfänger und nicht der Rechnungssteller die Umsatzsteuer schuldet. Gerade diese Fälle eignen sich besonders gut, um die neuen Prozesse vorab zu testen. Welche finanziellen oder rechtlichen Risiken entstehen bei einer verspäteten Umstellung? Thomas Philipp Reiter: Das größte Risiko sind Zahlungsverzögerungen. Immer mehr Unternehmen und öffentliche Auftraggeber prüfen Rechnungen automatisiert. Entspricht eine Rechnung nicht den gesetzlichen Vorgaben oder dem geforderten E-Rechnungsformat, wird sie sofort zurückgewiesen und muss korrigiert werden. Bis dahin fließt natürlich kein Geld. Hinzu kommen steuerliche Risiken. Liegt keine ordnungsgemäße Eingangsrechnung vor, können Finanzbehörden der Vorsteuerabzug so lange ablehnen, bis eine korrekte Rechnung vorliegt. Gerade für Bauunternehmen kann das die Liquidität spürbar belasten, insbesondere, wenn es sich um einen strukturellen Fehler in der Buchhaltung handelt. Welche Erfahrungen aus Belgien lassen sich auf Deutschland übertragen – insbesondere für die Baubranche? Thomas Philipp Reiter: Gerade in der Baubranche zahlt sich das aus. Hier müssen täglich Rechnungen von Generalunternehmern, Nachunternehmern, Lieferanten und Planungsbüros den richtigen Projekten zugeordnet werden. Standardisierte E-Rechnungen erleichtern diese Zuordnung, reduzieren Rückfragen und beschleunigen Freigabe- und Zahlungsprozesse.

Welche drei Empfehlungen würden Sie Bauunternehmen mit auf den Weg geben? Thomas Philipp Reiter: Aus meiner Erfahrung möchte ich Bauunternehmen vor allem drei Empfehlungen mitgeben: Erstens: Nicht bis zum Jahreswechsel warten. Je früher Unternehmen die neuen Prozesse testen, desto entspannter gelingt die Umstellung. Zweitens: Nicht nur das Rechnungsformat umstellen, sondern den gesamten Prozess betrachten, vom Rechnungseingang über die Verarbeitung und den Versand, idealerweise über Peppol, bis hin zur GoBD-konformen Archivierung. Nur dann entfaltet die E-Rechnung ihr volles Potenzial. Drittens: Reicht die bestehende Software dafür nicht aus, sollte eine passende Lösung gewählt werden. Wichtig ist, dass sie XRechnung, ZUGFeRD und Peppol unterstützt, die bereits genannten Besonderheiten der Baubranche abbilden kann und sich nahtlos in die bestehenden Abläufe integriert. Für kleine und mittelständische Unternehmen kann eine Lösung wie Billit sinnvoll sein, die alle gesetzlichen Anforderungen bereits erfüllt und gleichzeitig einfach zu bedienen ist. Herr Reiter, vielen Dank für das Gespräch.

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„Viele Unternehmen wurden erst durch die Empfangspflicht erstmals mit E-Rechnungen konfrontiert. Trotzdem beobachten wir leider auch heute noch häufig Ausweichstrategien anstelle echter Akzeptanz.“ Thomas Philipp Reiter, Digitalisierungsexperte und Head of D/A/CH bei Billit

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44 BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: NEUE SOFTWARE FÜR SANIERUNGSTECHNIK DOMMEL

DATENDURCHGÄNGIGKEIT MIT BAU-MOBIL Die Sanierungstechnik Dommel GmbH mit Stammhaus in Hamm ist auf die grabenlose Sanierung von Abwassernetzen spezialisiert. Für öffentliche und privatwirtschaftliche Auftraggeber im gesamten Bundesgebiet offeriert das Unternehmen seit mehr als 30 Jahren maßgeschneiderte Lösungen aus einer Hand – von der Inspektion bis zur grabenlosen Komplettsanierung. VON VERENA MIKELEIT

Bilder: Sanierungstechnik Dommel

Beim so genannten Berstverfahren werden alte Kanalrohre aufgeborsten und ins Erdreich verdrängt.

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ie Software Bau-mobil ist Dommel-Geschäftsführer Stefan Schmidt und seiner Mannschaft bereits seit vielen Jahren bekannt. Vor rund zehn Jahren beschloss das Management bereits die Einführung der Erfasser-App auf mobilen Geräten sowie der Einsatzplanung für die Disposition. Im Zuge einer Masterarbeit wurde das ITSystem implementiert, wich dann allerdings über die Jahre im Bereich Erfassung einem anderen Programm, das fragmentiert im Zusammenspiel mit weiteren IT-Anwendungen – vom ERP- bis zum Projektmanagementsystem – im Unternehmen im Einsatz war. Bau-mobil wurde lediglich für die

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Planung weiter genutzt. Da das Thema Datendurchgängigkeit für Stefan Schmidt eine besonders hohe Priorität erlangte, fiel im vergangenen Jahr die Entscheidung, das System bereichsübergreifend und flächendeckend einzusetzen. In nur neun Monaten wurden Planung, Erfassung sowie Urlaubsplanung implementiert und sämtliche ­Kollegen haben seit Februar 2026 einen Zugang zu Baumobil: Von der Geschäftsführung über die Einsatzplanung und Bauleitung bis hin zu Erfassern und Auszubildenden sowie Mitarbeitern aus dem kaufmännischen Bereich.


BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: NEUE SOFTWARE FÜR SANIERUNGSTECHNIK DOMMEL 45

BAUSOFTWARE FÜR DEN MITTELSTAND

„Eine Langzeitplanung mit Hilfe der Software war für unser Unternehmen besonders wichtig“, berichtet Marcus Müller aus der Disposition. „Diese bildet eine entscheidende Grundlage für den übergreifenden Einsatz von Bau-mobil, genauso wie die Anbindung an unser ERP-System“, fügt er hinzu. Lager- und Geräteverwaltung erfolgen bei Sanierungstechnik Dommel derzeit noch mit anderen Programmen, sollen aber zeitnah transferiert werden. Während der Übergangsphase sorgen in Zusammenarbeit mit Connect2Mobile erstellte Schnittstellen für die ­gewünschte Datendurchgängigkeit und Funktionalität. Hier hat das Unternehmen die Wünsche der Baufirma zügig umgesetzt. Connect2Mobile offeriere Lösungen, die zu mittelständischen Unternehmen hervorragend passten, so Schmidt. Der Softwarefabrikant aus Stadtlohn sei deutlich näher am Kunden als andere, größere Anbieter. Er habe „Die Mitarbeiter-App ist wunderbar übersichtlich“, betont einen Ansprechpartner, der verschiedene Module und Max Stemmler, der 2023 seine Ausbildung bei Dommel ­Arbeitsbereiche aufzeigen und schulen könne. begonnen und seit kurzem seinen Facharbeiter in der Zwölf Bauleiter arbeiten derzeit bei Dommel mit der Bau- ­Tasche hat. „Von morgens bis abends sind wir durchweg leiter-App von Connect2Mobile und kommen damit gut mit allen relevanten Informationen versorgt. Wir wissen, zurecht. „Dank Bau-mobil sind wir in der Lage, die Stun- auf welchen Baustellen und in welchen Kolonnen wir eindenkontrolle und -prüfung nicht nur vor Ort, sondern auch geteilt sind und sind auf einen Blick über jegliche Fahrbequem aus der Ferne zu erledigen“, sagt Oberbauleiter zeug- oder Mitarbeiterwechsel im Bilde. Bau-mobil ist Marcel Horn. Auch Marcus Müller aus der Disposition unheimlich praktikabel und bietet sehr gute Möglichkeischätzt die Transparenz und Durchgängigkeit des Systems ten für eine intelligente Vorausplanung“, ergänzt er. und bestätigt, dass die gewerblichen Mitarbeiter bei Dommel mit der App im Baualltag einfach gut klarkommen. GEMEINSAME DATENBASIS FÜR ALLE „Wir greifen allesamt auf eine gemeinsame Datenbasis zu. So können wir viele Synergien freisetzen, meiner Meinung Mit der langfristigen Lager- und Geräteverwaltung in Bau-mobil stehen die nächsten Projekte im Unternehmen nach eine der größten Stärken von Bau-mobil.“ an. Geplant sind die durchgängige Abbildung der LagerHOHE AKZEPTANZ BEI MITARBEITERN wirtschaft, der Aufbau eines Baushops sowie die ­Planungsdarstellung über eine Webview-Komponente. Ob es die 26 Erfasser mit Diensthandy oder ihre 35 Kol- Sämtliche Funktionen lassen sich mit Hilfe der Software legen sind, die auf ihren privaten Endgeräten die Mitar- darstellen, und auf der Agenda steht nun, sie Schritt für beiter-App nutzen: Alle gewerblichen Mitarbeiter bei Schritt umzusetzen. Dommel können zu jeder Zeit sehen, auf welchen Bau- Die Voraussetzungen sind im Unternehmen geschaffen, stellen sie eingeplant sind. Kehren sie beispielsweise aus da die Belegschaft glücklich mit dem neuen IT-System ist. dem Urlaub zurück, sind ihnen Vorarbeiter und Einsatzort Sowohl diejenigen Kollegen, die die Planung und Zeiterfür den ersten Arbeitstag durch einen Blick auf ihre App fassung noch aus der Vergangenheit kennen als auch all stets bekannt. Sie brauchen weder extra in die Firma zu die Mitarbeiter, die das System erst seit Februar täglich kommen, um ihre Informationen zu erhalten, noch mit im Baustellenalltag nutzen. „Wir wollen die DatendurchMarcus Müller aus der Disposition Kontakt aufzunehmen. gängigkeit in unserem Hause konsequent weiter forcieren. Bei den Auszubildenden ist ebenfalls vermerkt, wann sie Diese ist der Schlüssel für erfolgreiche Bauprojekte sowie in der Berufsschule sind und wann ein gewerblicher eine zufriedene Belegschaft“, fasst Stefan Schmidt ­Einsatz ansteht. ­zusammen. ra 

Die Kommunikation zwischen allen ­Projektbeteiligten bestmöglich unterstützen.

AUTORIN Verena Mikeleit Freie Journalistin und PR-Beraterin


46 BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: UNTERM STRICH SOFTWARE IM PLANUNGSBÜRO

Gute Planung zeigt sich in starken Entwürfen, belastbaren Konzepten und Bauprojekten, die im Alltag nachhaltig funktionieren. Sie wird aber auch davon beeinflusst, ob ein B­ üro seine Leistung wirtschaftlich abbilden kann. Denn ein voller Auftragsbestand ist nicht automatisch auch ein gutes Ergebnis. VON NIKLAS BAKENHUS

Bild: Unterm Strich Software GmbH, KI-generiert

ZWISCHEN LEISTUNG UND ERGEBNIS

Planungsbüros erfassen viele Daten, doch oft fehlen die entscheidenden Zusammenhänge.

AUTOR Niklas Bakenhus verantwortet Kommunikation und Marke bei Unterm Strich Software GmbH.

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DATEN SIND DA, DAS GESAMTBILD FEHLT

In vielen Büros fehlt es nicht an Daten. Projektstände liegen im Projektmanagement, Stunden in der Zeiterfassung, Honorare in der Abrechnung, Kosten in der Buchhaltung und Kapazitäten in Kalendern – oder alles in unterschiedlichen Excel-Listen. Jede Information kann für sich korrekt sein. Zusammengenommen ergeben sie trotzdem nicht automatisch ein verlässliches Bild. Genau dort entstehen die blinden Flecken: Ein Projekt steht auf dem Papier gut da, obwohl bereits zu viele Stunden geleistet wurden. Zusätzliche Leistungen werden ­erbracht, aber nicht sauber festgehalten. Ein Nachtrag bleibt liegen, die Marge wird kleiner. Eine Auslastung wirkt hoch, während die verfügbaren Ressourcen längst gebunden sind. Die Abweichung wird sichtbar – aber zu spät, um noch ohne Reibungsverluste gegenzusteuern. Das ist kein Zeichen mangelnder Professionalität. Es ist die Folge gewachsener Abläufe, verteilter Systeme und eines Arbeitsalltags, in dem fachliche Aufgaben fast immer Vorrang haben. Verständlich, denn darin liegt die Passion der Architekten und Planer. Gerade deshalb

Bild: Unterm Strich Software GmbH, KI-generiert

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lanungsbüros arbeiten heute unter hohem Druck. Projekte werden komplexer, Abstimmungen nehmen zu. Mit der Nachhaltigkeit und den regulatorischen Vorgaben wachsen die Anforderungen an Nachweise und Dokumentation. Gleichzeitig müssen ­Geschäftsführungen und Projektleitungen alle Termine, Kapazitäten, Budgets und Honorare im Blick behalten. Im Tagesgeschäft bleibt dafür oft nur noch eins: wenig Zeit. Viele Entscheidungen werden deshalb aus dem Bauch heraus getroffen. Welches Projekt braucht jetzt Aufmerksamkeit? Wo laufen Stunden aus dem Ruder? Welche Mitarbeiter sind in den kommenden Wochen tatsächlich verfügbar? Welche Leistungen sind erbracht, aber noch nicht vollständig dokumentiert oder abgerechnet? Und welche neuen Aufträge passen überhaupt noch in die ­Kapazität des Büros? Wer diese Fragen erst beantwortet, wenn die BWA vorliegt oder das Projekt abgeschlossen ist, bekommt zwar Zahlen – aber keine echte Steuerungsgrundlage. Dann wird nicht mehr aktiv gesteuert, sondern reaktiv ­aufgeräumt.


BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: UNTERM STRICH SOFTWARE IM PLANUNGSBÜRO

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Das individuell konfigurierbare Dashboard in Unterm Strich, das relevante Informationen – Projekte, Zeiten, Teamverwaltung, Aufgaben und mehr – direkt auf einen Blick sichtbar macht.

braucht es eine Bürosteuerung, die die Informationen ohne Aufwand zusammenführt, statt zusätzliche Recherchearbeit zu erzeugen. KEIN BACKOFFICE-THEMA

Bilder dieser Seite: Unterm Strich Software GmbH

Wirtschaftliche Klarheit sollte nicht erst am Monatsabschluss bei der Geschäftsführung entstehen. Sie gehört in die tägliche Arbeit von Projektleitung und Team. Denn jede Entscheidung im Projekt hat auch eine wirtschaftliche Seite: die Besetzung eines Arbeitspakets, die Priorisierung einer Aufgabe, die Dokumentation einer Planungsänderung oder die Frage, ob eine Leistung bereits abgerechnet werden kann. Wenn Projekte, Zeiten und Zahlen zusammen betrachtet werden, erkennt man Entwicklungen früher. Budgetabweichungen werden sichtbar, bevor sie zum Problem werden. Ressourcen lassen sich realistischer planen. Leistungen werden nachvollziehbar ­erfasst. Und die Geschäftsführung muss nicht länger Informationen aus verschiedenen Quellen zusammensuchen, um eine Entscheidung abzu-­ sichern. Das reduziert Planung nicht auf Kennzahlen. Im Gegenteil: Es schafft genau den Freiraum, den gute Planung braucht. QUALITÄT BRAUCHT SPIELRAUM

Qualitativ hochwertige Planung entsteht nicht unter beliebigem Zeit- und Kostendruck. Sie braucht Raum für Abstimmung, sorgfältige Entscheidungen und fachliche Lösungen, die über die nächste Abgabe hinaus Bestand haben. Dieser Spielraum entsteht nicht durch gute Auslastung oder volle Auftragsbücher. Er entsteht, wenn Verantwortliche wissen, welche Projekte wirtschaftlich tragen, wo Risiken entstehen und welche Kapazitäten tatsächlich verfügbar sind. Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck und die Herausforderung auch nicht einfach durch noch ein weiteres Tool gelöst. Der Wert von Digitalisierung zeigt sich dort, wo sie Medienbrüche reduziert und aus verstreuten Informationen eine belastbare Entscheidungsgrundlage macht. Ein System, in dem Projekte, Zeiten, Honorare und Kosten zusammengehören, schafft nicht mehr Daten. Es schafft Zusammenhänge – und damit mehr Klarheit. KLAR SEHEN, BESSER STEUERN

Die Zukunftsfähigkeit eines Planungsbüros entscheidet sich deshalb nicht nur im Entwurf, im BIM-Modell oder auf der Baustelle. Sie entscheidet sich auch in der Frage, ob Verantwortliche jederzeit erkennen können, wo ein Projekt steht, was es noch braucht und ob sein wirtschaftlicher Rahmen hält. Qualitativ hochwertige Planung

b­ edarf einer belastbaren Steuerungsbasis. Nicht rückblickend. Nicht nach Gefühl. Sondern auf Grundlage von zusammenhängenden Informationen. Mit Unterm Strich als Basis der Anwenderdaten werden diese Zusammenhänge gut sichtbar: Projektfortschritt, geleistete Zeiten, Kommunikation und Dokumentation, wirtschaftlicher Rahmen und offene Leistungen bilden eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen. So können Projektleitungen früher gegensteuern, Geschäftsführungen sicherer priorisieren und Teams nachvollziehen, was ihr Projekt gerade braucht. Nicht mit mehr Daten und zusätzlichen Reports, sondern mit der Klarheit, die aus zusammenhängenden Informationen entsteht. ra 

Über das Stundenmodul in Unterm Strich lassen sich Zeiten direkt im Projektkontext erfassen.

Die Zukunftsfähigkeit eines Planungsbüros entscheidet sich deshalb nicht nur im Entwurf, im BIM-Modell oder auf der Baustelle. Sie entscheidet sich auch in der Frage, ob Verantwortliche jederzeit erkennen können, wo ein Projekt steht, was es noch braucht und ob sein ­wirtschaftlicher Rahmen hält. 04/26 BAUEN AKTUELL


BÜRO UND BAUSTELLE IM GLEICHSCHRITT Informationen, die zu spät das Büro erreichen, Daten, die mehrfach erfasst werden, und ein Büroalltag, der vom Nachpflegen bestimmt wird statt vom Vordenken. Der Druck zur Digitalisierung ist längst angekommen, doch viele Softwarelösungen passen nicht zur Realität auf deutschen Baustellen. Was Bauunternehmen brauchen, ist kein weiteres ­Einzelsystem, sondern ein durchgängiges digitales Werkzeug, das vom ersten Angebot bis zur Schlussrechnung und von der ­Planungsphase bis zur Dokumentation vor Ort trägt.

B

PS Software entwickelt seit über 25 Jahren ERP-Lösungen, die speziell auf die Anforderungen kleiner und mittelständischer Bauunternehmen zugeschnitten sind. Das Herzstück ist BPS Bau, eine vollständige ERP-Lösung, die alle ­zentralen Abläufe im Bauunternehmen abbildet: von der ­Angebotskalkulation und Arbeitsvorbereitung über Ressourcenund Kolonnenplanung bis hin zu Aufmaß, Abrechnung und Nachkalkulation. Alle Bausteine sind miteinander verzahnt. ­Einmal erfasste Daten stehen sofort im gesamten System zur Verfügung, ohne Doppeleingaben, ohne Medienbrüche. Die Software übernimmt die technische Vorarbeit, verknüpft ­ ­Arbeitsabläufe und gibt Bauunternehmen mehr Zeit für ihr ­eigentliches ­Kerngeschäft.

BAUEN AKTUELL 04/26

Bauleitungen koordinieren Aufgaben und Dokumen-­ tation direkt vor Ort.

Bilder: BPS Software GmbH

48 BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: BPS BAU UND UPMESH


BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: BPS BAU UND UPMESH 49

BPS Bau bildet den gesamten Projektverlauf ab: von der Angebotskalkulation bis zur Nachkalku-­ lation laufen alle Daten in einem System zusammen.

Die praxisrelevanteste Neuerung ist die KI-gestützte ­Kalkulation. Bislang mussten Kalkulatoren beim Rückgriff auf bestehende Stammdaten exakt die richtige Schreibweise eines Begriffs kennen und eingeben. Das neue S­ ystem denkt mit: Es sucht nicht nur nach identischen Begriffen, sondern erkennt auch ähnliche Schreibweisen und semantisch verwandte Bezeichnungen. Wer etwa „Betonierarbeiten“ eingibt, findet auch Positionen, die unter „Betonarbeiten“ oder „Betonage“ abgelegt sind. Das beschleunigt die Kalkulation erheblich, gerade beim Rückgriff auf Erfahrungswerte aus abgeschlossenen ­Projekten. Darüber hinaus unterstützt die KI bei der Textarbeit, etwa beim Formulieren von Schriftverkehr oder der Beantwortung von Rückfragen direkt im System.

plattform, die als Partneranwendung direkt mit BPS Bau verbunden ist. Mit der Upmesh-App für iOS und Android dokumentieren Bauleitungen und Kolonnenführer ­Mängel, Aufgaben und den Baufortschritt direkt vor Ort, mit Fotos, Kommentaren und Verortungen auf dem ­digitalen Bauplan. Das digitale Bautagebuch, das Mängelmanagement und die Nachtragserfassung laufen rechtssicher und lückenlos in der App. Alle Daten werden auf Servern in Deutschland gehostet und erfüllen die Anforderungen der DSGVO. Entscheidend für den Baustelleneinsatz: Upmesh funktioniert auch offline, etwa im Untergeschoss oder in ­Bereichen ohne Netzabdeckung. Sobald die Verbindung wiederhergestellt ist, werden alle Eingaben automatisch synchronisiert.

KEINE ERZWUNGENE CLOUD-MIGRATION

Cloud-Modelle gelten in der Softwarebranche zunehmend als Standard. Für viele Bauunternehmen stellen sich dabei berechtigte Fragen: Wie entwickeln sich die Kosten langfristig? Wer hat die Hoheit über die eigenen Projektdaten? Wie abhängig macht man sich von einem ­Anbieter? Hier verfolgt man bewusst einen offenen ­Ansatz. BPS Bau ist sowohl als Cloudals auch als On-Premise-Lösung verfügbar. Kunden entscheiden selbst, welches Modell zu ihren Rahmenbedingungen passt, und können diese Entscheidung bei veränderten Anforderungen anpassen. Der Betrieb der Cloud-Variante erfolgt DSGVO-­ konform auf Servern in Deutschland, in Zusammenarbeit mit dem Partner mitteldeutsche IT. Ein Büro ist nur so gut informiert wie die Daten, die von der Baustelle ankommen. Hier setzt Upmesh an, eine mobile BauprojektmanagementUpmesh zeigt auf einen Blick, ob der Plan auf dem Gerät auf dem neuesten Stand ist und liefert offene Tickets direkt dazu.

KEIN NACHPFLEGEN MEHR

Wer beide Systeme einsetzt, profitiert von einem durchgängigen Informationsfluss ohne Brüche. Aufmaße, die mit Upmesh auf der Baustelle erfasst werden, fließen ­direkt in die Baukalkulation von bps bau ein. Baudokumentation und Projektstand sind im ERP sofort abrufbar, ohne manuelle Übertragung. Das Büro arbeitet mit denselben Informationen wie die Baustelle, in Echtzeit, ohne Nachpflegen am Feierabend. Diese durchgängige Vernetzung ­reduziert Doppelerfassungen, vermeidet Informationsverluste und gibt Projektverantwortlichen einen aktuellen Überblick, unabhängig davon, ob sie gerade im Büro sitzen oder auf dem Weg zur nächsten Baustelle sind. Digitalisierung im Baugewerbe funktioniert dann, wenn sie den ­Arbeitsalltag konkret erleichtert: mit einem ERP, das KI als echtes Arbeitswerkzeug integriert, mit Wahlfreiheit beim Betriebsmodell und einer Schnittstelle, die Büro und Baustelle nahtlos auf einen Stand bringt. ra  04/26 BAUEN AKTUELL


50 BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: MITARBEITER-APP VON QUIPLY

MANAGEMENTSOFTWARE VERLÄSST DAS BÜRO Bauunternehmen haben in den vergangenen Jahren viel in ihre Verwaltung investiert, und die Investition trägt. Kalkulation, Bauzeitenplanung, Aufmaß und Rechnungswesen laufen in den meisten Betrieben digital, im Büro greifen die Systeme sauber ineinander. Der nächste Ausbauschritt zeichnet sich bereits ab, und er führt aus der Verwaltung heraus auf die Baustelle. VON JULIA VON DEM BUSSCHE

Bild: � StratfordProductions, adobe.stock.com

Urlaubsanträge, Krankmeldungen und Stundennachweise gehen direkt in die Verwaltung, statt über den Bauleiter zu wandern.

W

ie viel auf der Baustelle noch zu heben ist, zeigt eine Befragung von PwC Deutschland an 150 Bauunternehmen, Planungsbüros und Zulieferern aus dem Frühjahr 2026. 75 Prozent nennen fehlendes digitales Know-how und den Fachkräftemangel als größte Hürde für eine schnellere Digitalisierung. In einem typischen Bauunternehmen arbeitet die Mehrheit der Beschäftigten nicht an einem Bildschirm. Im Bauhauptgewerbe stellen die gewerblichen Arbeitnehmer rund zwei Drittel der Belegschaft, sagt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Polierer, Facharbeiter, ­Maschinenführer

BAUEN AKTUELL 04/26

und die Kolonnen der Nachunternehmer haben weder ­einen Rechnerarbeitsplatz noch eine dienstliche E-Mail-­ Adresse. Was das Büro plant und dokumentiert, erreicht sie über Umwege, über den Aushang im Container, den Anruf des Bauleiters oder eine Nachricht im privaten Messenger. Bei keinem dieser Wege lässt sich später nachvollziehen, wer die Information wann erhalten hat. Die Folgen kennt jeder Bauleiter: Ein Gewerk arbeitet nach einem überholten Stand weiter, Material geht an die falsche Stelle, eine Sperrung ist nur der halben Mannschaft bekannt. Daraus entstehen Nacharbeit, Stillstand


BÜRO- & MANAGEMENTSOFTWARE: MITARBEITER-APP VON QUIPLY

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und Diskussionen über Verantwortlichkeiten. In einer Branche, in der 91 Prozent der Unternehmen laut PwC über zunehmenden Kostendruck klagen, sind das teure Reibungsverluste. NOTLÖSUNG MIT NEBENWIRKUNGEN

Viele Betriebe haben die Lücke daher pragmatisch ­geschlossen und Gruppen in privaten Messengern eingerichtet. Das ist nachvollziehbar, weil jeder die Anwendung kennt. Rechtlich und organisatorisch schafft dieser Weg allerdings neue Probleme. Betriebliche Kommunikation läuft über private Geräte und Konten, Telefonnummern der Belegschaft werden untereinander sichtbar, und die Rechenschafts- und Löschpflichten der DatenschutzGrundverordnung lassen sich auf diesem Weg kaum ­erfüllen. Hinzu kommt, dass wichtige Nachrichten Gefahr laufen, zwischen privater Kommunikation wie Fotos und SMS untergehen und niemand sagen kann, welche ­Dokumentenfassung gerade gilt. UNTERWEISUNGEN BRAUCHEN NACHWEISE

BINDEGLIED ZUR BAUSTELLE

An dieser Stelle setzen Mitarbeiter-Apps wie die von ­Quiply an, die für Beschäftigte ohne festen Bildschirmarbeitsplatz, so genannte Non-Desk-Worker, entwickelt wurde. Sie laufen auf dem Smartphone und decken den Kanal ab, den klassische Bürosoftware offenlässt. So sind Informationen über private oder berufliche Endgeräte mobil oder im Web jederzeit für alle verfügbar. Für jede Baustelle lässt sich ein eigener Bereich anlegen, in dem Planänderungen, Sperrungen und Lieferverzüge alle ­betroffenen Gewerke gleichzeitig erreichen. Standards und Unterweisungen liegen zentral und mit klarer Versionskennzeichnung vor, sodass jederzeit eindeutig ist, was gilt. Lesebestätigungen dokumentieren, wer informiert ist und wer noch fehlt. Mängel lassen sich vor Ort mit Foto melden, dem zuständigen Polierer zuweisen und bis zur Erledigung nachverfolgen. Der Rückkanal ist dabei so wichtig wie die Verteilung von oben nach unten. Urlaubsanträge, Krankmeldungen und Stundennachweise gelangen direkt in die Verwaltung, statt als Papier über den Bauleiter zu wandern. WAS BEI DER EINFÜHRUNG ZÄHLT

Dass eine Technik verfügbar ist, heißt nicht, dass sie im Betrieb ankommt. Das zeigt sich beim Building Information Modeling (BIM), also der Methode, ein Bauwerk vorab als digitales Modell mit allen Bauteil- und Sach-

Bilder dieser Seite: Quiply GmbH

Besonders deutlich wird das bei der Arbeitssicherheit. Für 2025 registrierte die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft 89.113 meldepflichtige Arbeitsunfälle am Bau und in den baunahen Dienstleistungen. 74 Menschen kamen dabei ums Leben, mit Abstürzen als häufigster Ursache tödlicher Unfälle. Unterweisungen sind deshalb keine Formalie. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt sie, die DGUV Vorschrift 1 konkretisiert sie auf mindestens einmal jährlich. Es genügt also nicht, eine Unterweisung verteilt zu haben. Im Ernstfall zählt der Nachweis darüber, wer sie zur Kenntnis genommen hat, zu welchem Zeitpunkt dies erfolgt ist und welche Fassung damals galt. Ein Aushang im Baucontainer und ein PDF im Mailanhang leisten das nicht. Bild oben: Lesebestätigungen zeigen, wer eine Unterweisung zur Kenntnis genommen hat und wer noch fehlt. Bild unten: Chats, Umfragen und Echtzeit-Übersetzung bündeln die betriebliche Kommunikation an einer Stelle.

daten abzubilden und dieses Modell von der Planung bis zum Betrieb gemeinsam zu nutzen. Nach einer Bitkom-­ Erhebung setzt erst knapp ein Fünftel der Unternehmen im Bau- und Ausbaugewerbe BIM ein, obwohl mehr als die Hälfte die Potenziale anerkennt. Der Erfolg entscheidet sich im Bauwesen selten an der Software selbst, sondern scheitert häufig an der richtigen Einführung. Drei Punkte haben sich bewährt: Der Betriebsrat gehört von Beginn an mit an den Tisch, denn eine Betriebsvereinbarung zu Nutzung und Erreichbarkeit nimmt der Debatte die Schärfe. Es braucht einen benannten Kreis von Verantwortlichen mit Zuständigkeit für dedizierte Inhalte, sonst verwaist die Anwendung nach wenigen Wochen. Der Start gelingt am besten mit einem Pilotprojekt und wenigen, dafür wirklich nützlichen Anwendungsfällen. NÄCHSTER AUSBAUSCHRITT

AUTORIN Julia von dem Bussche Senior Product Lead bei Quiply, Teil der Proalpha Group

Eine Büro- und Managementsoftware hat im Bauwesen spürbar an Reife gewonnen. Sie ist leistungsfähig, eingeführt und liefert in der Verwaltung verlässliche Ergebnisse. Ihr Ausbau führt hinaus zu den Menschen, die am Bau ihrer Arbeit nachgehen. Betriebe, die diesen Schritt gehen, profitieren neben integrierten digitalen Prozessen und mehr Tempo vor allem von einer nachvollziehbaren und lückenlosen Informationskette vom Bauleiter bis zur ra  Kolonne, die auch im Streitfall Bestand hat. 04/26 BAUEN AKTUELL


Impressum Herausgeber und Geschäftsführer: Matthias Bauer (Vorsitz), Dennis Hirthammer

VORSCHAU 05|26

Bauen aktuell im Internet: www.bauen-aktuell.eu So erreichen Sie die Redaktion: Chefredakteur: Andreas Müller (v.i.S.d.P.) (andreas.mueller@win-verlag.de, Tel. 089/3866617-11) Redaktion: Regine Appenzeller (regine.appenzeller@win-verlag.de, Tel. 089/3866617-17) Autoren dieser Ausgabe: Niklas Bakenhus, Lars Beckmann, Jürgen Besler, Heike Blödorn, Friedhelm Brügge, Prof. Dr. Roman Brylka, Sabrina Deininger, Chiara Francolini, Dr. Mario Geißler, Muriel Lauschke, Verena Mikeleit, Lea Oltersdorf, Christine Ryll, Tobias Schöner, Bastian Stahl, Götz Thomas, Benedikt Tschöscher, Julia von dem Bussche, Frank Weber, Dr.-Ing. Markus Weißenberger, Stefan Wenz, Matthias Winkler

Bauen aktuell 05/26 erscheint am 21.10.2026

Ausblick BIM World Munich

Vom 24. bis 25. November 2026 zeigt die BIM World in München digitale Innovationen für das Bauwesen: KI-Anwendungen, Building Information Modeling, autonome Baumaschinen und generative Design-Verfahren stehen im Fokus.

So erreichen Sie die Anzeigenabteilung: Anzeigengesamtleitung: Martina Summer (089/3866617-31, martina.summer@win-verlag.de) anzeigenverantw. Mediaberatung: Manuela Gries (089/3866617-25, manuela.gries@win-verlag.de) Tilmann Huber (089/3866617-26, tilmann.huber@win-verlag.de) Anzeigendisposition: Auftragsmanagement@win-verlag.de Chris Kerler (089/3866617-32, Chris.Kerler@win-verlag.de)

NEU: Kolumne

„Mal ehrlich, Bauwelt … Baufluencer Bo über Bauwende, Menschen und Visionen.“ Künftig in jeder Ausgabe von Bauen aktuell.

KI im Bauwesen

Abonnentenservice und Vertrieb Tel: +49 89 3866617 46 bauen-aktuell.eu/hilfe oder E-Mail an abovertrieb@win-verlag.de mit Betreff „Bauen aktuell“ Gerne mit Angabe Ihrer Kundennummer vom Adressetikett

Machine-Learning-Algorithmen optimieren Bauzeitenpläne, KI-gestützte Bildanalyse überwacht Baustellen in Echtzeit, und Predictive-MaintenanceSysteme senken Ausfallzeiten von Maschinen deutlich. Im Fokus stehen zudem die Integration von KI in BIM-Prozesse, autonome Baumaschinen sowie generative Design-Verfahren zur Ressourcenoptimierung. Datenschutz, Haftungsfragen und technische Voraussetzungen für den erfolgreichen KI-Einsatz auf der Baustelle runden das Themenspektrum ab.

Layout und Titelgestaltung: Design-Concept, Viktoria Horvath Bildnachweis/Fotos: falls nicht gekennzeichnet: Werkfotos, AdobeStock, shutterstock.com, Titelbild: Bluebeam GmbH Druck: Vogel Druck und Medienservice GmbH Leibnizstraße 5 97204 Höchberg

Bild: � Muhammad (generiert mit KI), adobe.stock.com

Produktion und Herstellung: Jens Einloft (jens.einloft@vogel.de, Tel.: 089/3866617-36 Anschrift Anzeigen, Vertrieb und alle Verantwortlichen: WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustr. 148, 81549 München Tel.: 089/3866617-0 E-Mail: info@win-verlag.de; www.win-verlag.de Bezugspreise: Einzelverkaufspreis: 9,50 Euro, weitere EU-Länder: 11,70 Euro; im Ausland zuzüglich Versand­kosten Verlagsleitung: Martina Summer (martina.summer@win-verlag.de, Tel.: 089/3866617-31) Objektleitung: Martina Summer (martina.summer@win-verlag.de, Tel.: 089/3866617-31)

Innenarchitektur

Weitere Themen: BIM in der Baustellenplanung AVA und Kostencontrolling Tragwerksplanung BAUEN AKTUELL 04/26

Zentrale Anlaufstelle für Fragen zur Produktsicherheit: Martina Summer (martina.summer@win-verlag.de, Tel.:089/3866617-31) Erscheinungsweise: 6-mal jährlich Eine Haftung für die Richtigkeit der Veröffentlichungen kann trotz Prüfung durch die Redaktion vom Heraus­geber nicht übernommen werden. Honorierte Artikel gehen in das Verfügungsrecht des Verlags über. Mit Übergabe der Manuskripte und Abbildungen an den Verlag erteilt der Verfasser dem Verlag das Exklusivrecht zur Veröffentlichung. Für unverlangt eingeschickte Manuskripte, Fotos und Abbildungen keine Gewähr. Copyright © 2026 für alle Beiträge bei der WIN-Verlag GmbH & Co. KG.

Bild: Pilati Interior & Design

Funktionalität, Ästhetik und Nachhaltigkeit verschmelzen zunehmend zu ganzheitlichen Raumkonzepten, die den ­Alltag prägen. Biophiles Design, modulare Möblierungssysteme und nachhaltige Materialien setzen dabei neue Maßstäbe, während digitale Planungstools präzise Visualisierungen und effiziente Umsetzungsprozesse ermöglichen. Auch flexible Arbeitswelten, ­ durchdachte akustische Raumgestaltung und smarte Technologien gewinnen an ­Bedeutung – sowohl im Wohn- als auch im Geschäftsbereich. Praxisnahe ­Projektbeispiele veranschaulichen, wie moderne Innenarchitektur Funktionalität und Wohlbefinden gelungen vereint.

Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen insbesondere der Nachdruck, die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM und allen anderen elektronischen Datenträgern. Ausgabe: 04/2026 (ET 27.08.2026) ISSN 2195-5913 Unsere Papiere sind PEFC zertifiziert Wir drucken mit mineralölfreien Druckfarben Außerdem erscheinen bei der WIN-Verlag GmbH & Co. KG: Magazine: AUTOCAD Magazin, DIGITAL BUSINESS, DIGITAL ENGINEERING Magazin, DIGITAL MANUFACTURING, e-commerce Magazin, r.energy, PLASTVERARBEITER, KGK Rubberpoint


SONDERHEFT

SMARTE BAUSTOFFE & MATERIALIEN Bild: � Warittha ( KI-generiert), stock.adobe.com

Eine Publikation der WIN-Verlag GmbH & Co. KG ISSN 2195-5913

B AU E N -A KT U E L L . E U

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INHALT / EDITORIAL

DIE ZUKUNFT BAUEN

INHALT

Bild: West Fraser Bild: Pittsburgh Corning (Schweiz) SA

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EDITORIAL

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NEWS

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Kreislaufwirtschaft – ein mächtiger Begriff, hinter dem sich fundamentales Umdenken und echter Paradigmenwechsel verbergen. Es geht nicht mehr nur ums Deponieren, sondern um Wiederverwendung und hochwertiges Recycling. Gebäude werden zu „Materialbanken“ der Zukunft, deren Bestandteile am Ende ihrer Nutzungsphase sortenrein ­getrennt und als wertvolle Rohstoffe erneut in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen sind. Ein entscheidendes Schlüsselelement auf diesem Weg sind smarte Baustoffe und Materialien, die sich nicht nur durch verbesserte technische Eigenschaften auszeichnen, sondern konsequent so konzipiert sind, dass sie die strengen Anforderungen der Kreislaufwirtschaft erfüllen. Beispiele hierfür sind modulare Bauweisen, der Einsatz von Biomaterialien, hochwertige recycelte Baustoffe oder das konsequente „Design for Disassembly“ – das Planen für den Rückbau von Anfang an. Die Potenziale sind enorm. Eine konsequente Kreislaufwirtschaft kann einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten, die Abhängigkeit von Rohstoffimporten signifikant verringern, neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen und die Innovationskraft der gesamten Baubranche massiv stärken. Die Umsetzung ist komplex und fordert alle Akteure der Wertschöpfungskette gleichermaßen: Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer, Materialhersteller und den Gesetzgeber. Es bedarf neuer, kooperativer Geschäftsmodelle, standardisierter Prozesse und einer engen, disziplinübergreifenden Zusammenarbeit.

DIE ÄRA DER ZIRKULÄREN BAUSTOFFE

In diesem Sonderheft stellen wir Ihnen Projekte und Technologien vor, die zeigen, wie die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen bereits heute Realität wird. Zudem lassen wir renommierte Experten zu Wort kommen (S. 6-9), die ihre Visionen einer nachhaltigen Baukultur mit uns teilen.

Kreislaufwirtschaft: Ressourcen im Loop MATERIALIEN MIT WIEDERKEHR

Kreislaufwirtschaft: Expertentalk MEILENSTEIN FÜR DEN KLIMASCHUTZ

Carbon-Removal-Technologie: Clim@Add

Machen wir den ersten Schritt vom linearen Bauen zum zirkulären Wirken und verwandeln wir die Theorie in ­gebaute Kreislauf-Realität. Viel Freude beim Lesen!

KLIMAFREUNDLICH UND INDUSTRIELL SKALIERBAR

Holz- und Hybridbauweise: Entwicklungen und Potenziale WENN DAS FUNDAMENT ZUM MATERIALKONZEPT WIRD

Fundamentierung: Solarcarports auf Bestandsflächen MATERIAL LÜGT NICHT

Kreislaufwirtschaft: Interview mit Daniel Butz, Object Carpet Regine Appenzeller Redakteurin

DÄMMSTOFF FÜR HOCHLEISTUNGSLOGISTIK

Schaumglas: Wärmedämmung mit Foamglas Board T3+

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CO₂-EFFIZIENTE ELEKTRISCHE SCHMELZTECHNOLOGIE

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KLEINES DETAIL, GROSSER EINFLUSS

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WENN MATERIAL ZU DESIGN WIRD

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IMPRESSUM

Dekarbonisierung: nachhaltige Steinwolleproduktion Biopolymere: Befestigungslösung für vorgehängte, hinterlüftete Fassaden Biobasierte Materialien: Akustik-Hanfpaneele

In dieser Ausgabe redaktionell erwähnte Firmen: Blumer-Lehmann Holding AG S. 4, ­Carstorcon Technologies GmbH S. 10, Deutsche Foamglas GmbH S. 18-19, Pittsburgh Corning (Schweiz) SA S. 18-19, Holcim GmbH S. 4, Mogu S. 23, Object Carpet GmbH S. 16-17, Paroc GmbH S. 21, Pillar GmbH S. 14-15, SFS Group AG S. 22, Sihga GmbH S. 4, West Fraser Europe Limited S. 12-13

Bild: Bauen Aktuell

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Besuchen Sie BAUEN AKTUELL auch auf Facebook, X, XING und LinkedIn. 2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


PUNKTGESTÜTZTES DECKENSYSTEM Ein punktgestütztes Deckensystem ist nun auch mit Holz möglich. Dabei liegt die Decke punktuell auf Stützen auf, ohne dass tragende Wände oder Unterzüge notwendig sind. So lässt sich der Raum architektonisch flexibel ­gestalten und spätere Grundrissänderungen sind leicht realisierbar. Herakulix Max von Sihga ermöglicht eine nahtlose Lastdurchleitung für Pfosten zwischen der Decke – auch bei mehrgeschossigen Gebäuden aus Brettsperrholz. Die Max ist eine nahtlose Verbindungs-­ vertikale Lastübertragung zwischen den Stützen wird Herakulix lösung für punktgestützte Deckenlösungen aus damit optimiert. Zudem verhindert der integrierte Brettsperrholz. Stahlkern ein Querdruckversagen der Decke. Bei der Herstellung wird auf verzinktem Baustahl S355 gesetzt, der für eine deutlich höhere Festigkeit und Belastbarkeit als bei Edelstahl oder Aluminium sorgt. Die Anzahl weiterer Träger oder Unterzüge wird im ­Gebäude deutlich reduziert. Alle Komponenten der Verbindungslösung sind im Set enthalten, sodass auf der Baustelle Material und Zeit eingespart werden. Am Bauteil sind verschiedene Auflager-Varianten denkbar: So lässt sich die Verbindungslösung im ­Zentrum, an der Kante oder auch an der Ecke des Bauteils verarbeiten. Auch kombinierte Auflagervarianten mit zwei Kanten, vier Ecken oder zwei Ecken und einer Kante sind realisierbar. Es lassen sich Brettsperrholz-Bauteile von einer Dicke bis zu 280 Millimetern verbinden. Dabei ermöglichen 30-Grad-Bohrungen eine winklige Schraubenführung, die für eine optimale Kraftübertragung in alle Richtungen sorgt. ­Optional ist auch eine Entkopplung mit dem passenden Profil erhältlich. 

NEWS

NEUES AUS DER BAUWELT

Bild: Sihga GmbH

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WECHSEL AN DER SPITZE DER HOLCIM GRUPPE IN DEUTSCHLAND nehmens ist. Seine Karriere begann er als Werkstudent im Holcim-Zementwerk Lägerdorf. Nach einem dualen Studium zum Wirtschaftsingenieur übernahm er verschiedene Führungsaufgaben im In- und Ausland innerhalb der Gruppe. In den letzten beiden Jahren verantwortete er als Industrial Director die Zementproduktion der deutschen Unternehmensgruppe. Der gebürtige Schleswig-­ Holsteiner lebt mit seiner Familie in Norddeutschland. 

Seit Juli 2026 ist Stephan Hinrichs CEO von Holcim.

Bild: Holcim GmbH

Nach acht Jahren übergibt Thorsten Hahn die Leitung des Unternehmens an seinen Nachfolger Stephan Hinrichs. Der neue CEO war bislang Industrial Director und Mitglied des Management-Teams von Holcim Deutschland. Thorsten Hahn setzt seine Karriere in der Holcim Gruppe fort und wird CEO der Xella Gruppe, deren Übernahme durch die Holcim Gruppe abgeschlossen ist. Mit ­Stephan Hinrichs übernimmt ein erfahrener Manager, der seit 2004 Teil des Unter-

HOLZBAU MIT ZUKUNFT

Bild: Dieter Zinkand, Blumer Lehmann

Das Schweizer Holzbau- und Holzindustrieunternehmen Blumer Lehmann erweitert seine Produktion in Deutschland mit einem neuen Werk im hessischen Steinau an der Straße.

Mit einem neuen Werk in Hessen erweitert Blumer Lehmann seine Produktion in Deutschland.

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Ab Januar 2027 stellt das Unternehmen dort vorrangig Holzelemente und -module für Bauprojekte mit Fokus auf gesellschaftlich relevante Gebäude her. Das neue Werk er-

setzt die bisherige Produktion im nahegelegenen Großenlüder. Auf dem 38.000 m2 großen Grundstück entstehen im ersten Bauabschnitt über 5.400 m2 Produktions- und Lagerfläche mit Fertigungslinien für Wand-, Decken- und Bodenelemente sowie die Modulmontage. Das alles entsteht weitgehend in der Halle: präzise, wettergeschützt und parallel zu den Vorarbeiten auf der Baustelle. Das verkürzt Bauzeiten, reduziert Baulärm und Baustellenverkehr und senkt die Abhängigkeit von Witterungsbedingungen. Die Module lassen sich dank spezieller Verbindungstechnik zurückbauen und wiederverwerten, was angesichts von Kreislaufwirtschaft und Gebäuderessourcen-Richtlinien zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zu den in Deutschland bereits realisierten Projekten zählen unter anderem Schulen in Köln, ­Gießen, Dresden und Schorndorf. 


DIE ÄRA DER ZIRKULÄREN BAUSTOFFE Die Bauwirtschaft steht vor der größten Transformation ihrer Geschichte: dem Abschied vom linearen Pfad des Gewinnens, Nutzens und Entsorgens. Da dieses Modell angesichts von Materialknappheit und volatilen Preisen an seine Grenzen stößt, wandelt sich die Kreislaufwirtschaft vom ökologischen Ideal zum ökonomischen Imperativ. Angesichts ­ambitionierter Klimaziele wird das Denken in geschlossenen Kreisläufen nun zum ­unverzichtbaren Fundament einer zukunftsfähigen Branche. VON REGINE APPENZELLER

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ebäude sind weit mehr als nur Hüllen für Leben Doch das beste Material bleibt wirkungslos, wenn die und Arbeit – sie sind die „Rohstofflager der Zu- passenden Informationen dazu fehlen. Als notwendiger kunft“. Das Konzept des Urban Mining Wegbereiter der Kreislaufwirtschaft schafft die Digitali­betrachtet unsere gebaute Umwelt als wertvolles Depot, sierung hier Abhilfe: Digitale Materialpässe und Building das es systematisch zu bewirtschaften gilt. Damit dies Information Modeling (BIM) machen transparent, welche gelingt, muss der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerks Ressourcen in welcher Qualität verbaut wurden. Erst neu ­gedacht werden: weg vom „Wegwerf-Gebäude“, hin ­diese Datengrundlage erlaubt es, Stoffströme präzise zu zur modularen, demontierbaren Struktur. planen und Kreisläufe tatsächlich zu schließen. Der Schlüssel zu dieser Wende liegt in der Entwicklung Die Umstellung auf zirkuläre Prozesse bleibt dabei eine smarter Baustoffe. Denn ein Material verdient dieses gewaltige Aufgabe für Planer, Hersteller und Bauherren Prädikat im modernen Sinne erst dann, wenn es auch gleichermaßen. Sie erfordert Mut zu neuen Geschäftskreislauffähig ist: schadstofffrei in der Zusammenset- modellen – weg vom reinen Verkauf von Produkten, hin zung und so beschaffen, dass es sich nach dem Rückbau zur Bereitstellung von Funktionen und Rücknahmesysohne Qualitätsverlust wiederverwenden oder stofflich temen. Denn die Kreislaufwirtschaft ist kein kurzfristiger verwerten lässt. Hier setzen innovative Materialkompo- Trend, sondern das neue Betriebssystem einer zukunftssitionen an, die dem „Cradle-to-Cradle“-Prinzip folgen, fähigen Baubranche. Wer schon heute auf zirkuläre ebenso wie reversible Verbindungstechniken, die ein Materialien setzt, legt damit das Fundament für die ­zerstörungsfreies Trennen der Bauteile ermöglichen. Werte von morgen. 

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Bild: � spyrakot (generiert mit KI), stock.adobe.com

KREISLAUFWIRTSCHAFT: RESSOURCEN IM LOOP


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KREISLAUFWIRTSCHAFT: EXPERTENTALK

MATERIALIEN MIT WIEDERKEHR Technisch ausgereifte Baustoffe, überzeugende Pilotprojekte, wachsendes Bewusstsein für ­Ressourcenschonung – die Voraussetzungen für zirkuläres Bauen scheinen längst gegeben, doch der Sprung in die Breite bleibt oft aus. Im Expertentalk gehen wir der Frage nach, welche strukturellen und wirtschaftlichen Hürden Innovationen ausbremsen, welche Strategien jenseits klassischen Recyclings wirklich zukunftsfähig sind, und wie die Branche mehr Sichtbarkeit und ­Vertrauen für neue Materialien schaffen kann. Ein Gespräch über Hürden, Potenziale und die Frage, wie aus Einzelfällen echte Veränderung wird. VON REGINE APPENZELLER FRAGEN 1. Nachhaltige und kreislauffähige Baustoffe sind heute technisch oft ausgereift. Trotzdem schaffen es nur wenige Innovationen in die breite Anwendung. Welche Hürden verhindern den ­Marktdurchbruch – und was müsste sich ändern, damit ­Pilotprojekte zum neuen Standard werden? 2. Die Kreislaufwirtschaft wird häufig über Recycling definiert. Doch immer mehr Projekte setzen auf Wiederverwendung, ­Rückbau und Urban Mining. Welche Ansätze haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial, um Materialien künftig tatsächlich im Kreislauf zu halten? 3. Viele erfolgreiche Beispiele nachhaltigen Bauens bleiben ­außerhalb der Fachwelt weitgehend unbekannt. Wie gelingt es der Branche, Innovationen glaubwürdig sichtbar zu machen und Vertrauen in neue Materialien und Bauweisen aufzubauen?

dung und Projektalltag. Damit Pilotprojekte zum Standard werden, braucht es klare Rahmenbedingungen, belastbare Prüf- und Bewertungsverfahren sowie mehr Mut, erprobte Lösungen in realen Bauprojekten anzuwenden. Recycling ist wichtig, aber es sollte nicht der erste Gedanke sein. Das größte Potenzial liegt aus meiner Sicht im Bestandserhalt und in der Sanierung ganzer Gebäude, weil hier der Hebel deutlich größer ist als bei einzelnen Bauteilen. Wenn neu gebaut wird, muss Kreislauffähigkeit von Anfang an mitgedacht werden – etwa durch lösbare Verbindungen und dokumentierte Materialqualitäten. Entscheidend sind außerdem Rücknahmesysteme, weil sie Logistik und Verantwortung klären: Was passiert mit einem Bauteil nach seiner ersten Nutzung? Nur wenn diese Fragen früh beantwortet werden, können Materialien und Bauteile tatsächlich im Kreislauf gehalten werden – statt am Ende erneut als Abfall- oder Entsorgungsproblem aufzutauchen. Vertrauen entsteht durch Praxis. Die Branche muss zeigen, dass kreislauffähige Lösungen nicht nur theoretisch funktionieren, sondern unter realen Bedingungen bestehen. Dazu gehören belastbare Versuche, nachvollziehbare Ergebnisse und Projekte, „Das größte Potenzial liegt aus denen andere lernen können. Ein Bei- aus meiner Sicht im spiel sind unsere wie- ­Bestandserhalt und in der derverwendbaren Holz- Sanierung ganzer GebäuBeton-Verbunddeckenelemente, die wir in de, weil hier der Hebel einem Praxisversuch deutlich größer ist als bei demontiert, geprüft und erneut eingesetzt einzelnen Bauteilen.“ haben. Ebenso wichtig sind Netzwerke: In Heiden haben wir gemeinsam mit Partnern regionale Strukturen aufgebaut, um R-Beton als neuen Standard einsetzen zu können. Und schließlich braucht es sichtbare Leuchtturmprojekte. Die „Kreisl Kiste“ auf dem Domplatz in Münster zeigt z­ irkuläre Wertschöpfung an einem öffentlichen Ort und macht das Thema auch für Menschen außerhalb der Fachwelt greifbar. Genau solche Beispiele helfen, Vorbehalte abzubauen.

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3. Bild: Plansite

Dr.-Ing. Franziska Struck Projektleiterin Innovation, Plansite

1.

Eine zentrale Hürde ist die Wirtschaftlichkeit. ­Häufig werden noch vor allem kurzfristige Investitionskosten betrachtet, während Lebenszyklus- oder ­externe Umweltkosten kaum in Entscheidungen einfließen. S­ olange Primärrohstoffe günstig sind und CO₂Kosten nur begrenzte Wirkung entfalten, fehlt der wirtschaftliche Vorteil. Hinzu kommen rechtliche Fragen: Die Anwendung gebrauchter Bauteile steht noch am Anfang – baurechtliche Fragen, Gewährleistung und Haftung sind oft nicht abschließend geklärt. Außerdem fehlt in der Praxis vielfach Erfahrung: Wiederverwendung, Rückbauplanung oder der Einsatz von Recyclingmaterialien waren lange kein selbstverständlicher Bestandteil von AusbilBAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026


Bild: privat

KREISLAUFWIRTSCHAFT: EXPERTENTALK

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sowie höhere Anfangsinvestitionen erschweren insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen ihren Einsatz Helge Bo Flöge und sorgen für Unsicherheiten. Gleichzeitig f­ehlen oft noch Erfahrungen und Wissen über diese Materialien und Bauingenieur, Baufluencer und ihre Leistungsfähigkeit. Damit aus erfolgreichen bekannte Stimme für zirkuläres Pilotprojekten Standardlösungen werden, sind verlässliBauen und nachhaltige Innovatioche rechtliche Rahmenbedingungen, eine s­tärkere nen in der Bauindustrie ­Berücksichtigung der Lebenszykluskosten, sowie mehr Erfahrungsberichte und Wissenstransfer in Planung, Ausführung und Vergabe notwendig. Technisch scheitern nachhaltige Baustoffe heute Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft wird selten. Die größte Hürde ist ihre fehlende Resonanz. nur mit einem intelligenten Mix verschiedener Viele Unternehmen verwechseln Sichtbarkeit mit echter ­Ansätze gelingen. Recycling bleibt ein wichtiger BauWirkung. Hochglanzbroschüren und Messestände stein, reicht allein jedoch nicht aus. Kreislaufwirtschaft ­reichen nicht mehr aus, um Innovabeginnt bereits bei der Planung eines Bauwerks: Gebäutionen in die Baupraxis zu bringen. Es „Erst wenn Lösungen in de sollten so entworfen werden, dass sie langlebig, flexibraucht Menschen, die neue Lösun- den Köpfen ankommen, bel und später möglichst einfach rückgebaut werden gen glaubwürdig übersetzen – Ingekönnen. Die Wiederverwendung von Bauteilen und Baunieure, Architekten und Praktiker mit kommen sie auch auf die stoffen ist ein wichtiger Hebel zur Ressourcenschonung. echter Baustellenerfahrung. Die Bau- Baustelle.“ Urban Mining eröffnet zusätzlich die Chance, wertvolle welt befindet sich kommunikativ Rohstoffe aus dem Gebäudebestand zurückzugewinnen. Wo eine direkte Wiederverwendung nicht möglich ist, noch im Dornröschenschlaf. Wer ­Innovationen zum Standard machen will, muss sie verbleibt hochwertiges Recycling unverzichtbar. Gebäude ständlich erzählen und Vertrauen aufbauen. Denn ­gebaut können so als Materiallager der Zukunft verstanden werwird, worüber gesprochen wird. den. Durch die Lebenszyklusbetrachtung von Bauwerken Recycling bleibt wichtig, doch die eigentliche lassen sich Ressourcen schonen, Stoffkreisläufe schließen und die CO2-Emissionen des Bauens nachhaltig ­Zukunft liegt im Re-Use. Wenn Bauteile ihren Wert behalten und mehrfach genutzt werden können, reduzieren. verändert das die gesamte Wirtschaftlichkeit eines GeDie Bauwirtschaft verfügt bereits über bäudes. Banken, Versicherer und Investoren beginnen zahlreiche erfolgreiche Beispiele bereits, solche Konzepte anders zu bewerten. Rücknahnachhaltigen und kreislaufgerechten Bauens. „Eine funktionierende Diese mesysteme, Materialpässe und sogar Leasingmodelle für müssen deutlich stärker sichtbar geBaustoffe eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Die entKreislaufwirtschaft macht werden. Referenzprojekte, wissenscheidende Frage lautet künftig nicht mehr: Wie recyceln begleitete Demonstrationsvorhawird nur mit einem schaftlich wir ein Produkt? Sondern: Warum sollten wir es überben und der offene Erfahrungsaustausch intelligenten Mix ver- schaffen Vertrauen. Gleichzeitig kommt haupt zerstören? Wer Materialien im Kreislauf hält, ­erhält nicht nur Ressourcen, sondern auch ihren wirtschiedener Ansätze ­Planenden, Sachverständigen und beratenschaftlichen Wert. Institutionen eine Schlüsselrolle zu: Sie gelingen.“ den Nachhaltige Innovationen müssen dort stattfinkönnen über Chancen und Potenziale neuer den, wo heute Meinungen entstehen: auf LinkedIn, ­Materialien und Bauweisen informieren und Social Media und im direkten Dialog. Corporate Influenso Unsicherheiten abbauen. Wenn erfolgreiche Projekte cing wird deshalb zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. nachvollziehbar dokumentiert und ihre wirtschaftlichen, Menschen vertrauen Menschen – nicht austauschbaren wie ökologischen Vorteile belegt werden, entstehen Werbebroschüren oder perfekt inszenierten Imagefilmen. ­Akzeptanz und Vertrauen. Beides ist entscheidend, ebenDie Bauwelt braucht mehr Persönlichkeiten, die ihre so wie die Bekanntmachung dieser Projekte, damit inno­Erfahrungen teilen, Projekte zeigen und auch über Hervative Materialien und Bauweisen auch in der breiten ausforderungen sprechen. Authentizität schafft Glaub­Öffentlichkeit bekannt werden. würdigkeit. Für mich bedeutet das Building Resonance: Innovationen so zu erzählen, dass sie verstanden, diskutiert und schließlich gebaut werden.

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Prof. Dirk E. Hebel

Bild: RG-Bau

Leiterin der RG-Bau im RKWKompetenzzentrum

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Es ist beeindruckend, welche Entwicklung innovative und kreislauffähige Baustoffe gemacht haben. Für den Einsatz in der Praxis stellen aber die Rahmenbedingungen und die Kosten große Hürden dar. A ­ ufwändige Zulassungs- und Nachweisverfahren, fehlende ­Normen

Bild: KIT

Christina Hoffmann

Professor für Nachhaltiges Bauen, Fakultät für Architektur, KIT Karlsruhe

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Ich teile Ihre Beobachtung. Was aber fehlt, ist ein Anreiz, diese Stoffe auch einzusetzen und bevorzugt zu behandeln. Erste Diskussionen, dies durch Quoten und noch mehr Vorschriften zu erzwingen, finde ich falsch. Viel zielführender wäre es, diese Baustoffe aufgrund ihres geringeren CO₂-Ausstosses besser zu stellen und so ­attraktiv werden zu lassen. Einige Länder in Europa ­haben dies bereits vorgemacht: Hier werden Baugeneh2025 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


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KREISLAUFWIRTSCHAFT: EXPERTENTALK

1. Nachhaltige und kreislauffähige Baustoffe sind heute technisch oft ausgereift. Trotzdem schaffen es nur wenige Innovationen in die breite Anwendung. Welche Hürden verhindern den ­Marktdurchbruch – und was müsste sich ändern, damit ­Pilotprojekte zum neuen Standard werden? 2. Die Kreislaufwirtschaft wird häufig über Recycling definiert. Doch immer mehr Projekte setzen auf Wiederverwendung, ­Rückbau und Urban Mining. Welche Ansätze haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial, um Materialien künftig tatsächlich im Kreislauf zu halten? 3. Viele erfolgreiche Beispiele nachhaltigen Bauens bleiben ­außerhalb der Fachwelt weitgehend unbekannt. Wie gelingt es der Branche, Innovationen glaubwürdig sichtbar zu machen und Vertrauen in neue Materialien und Bauweisen aufzubauen?

Peter Theissing Geschäftsführer KS-Original

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Die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen scheitert ­heute weniger an fehlenden Materialien oder Technologien als an eingefahrenen Prozessen und Denkweisen. Viele Lösungen sind bereits vorhanden – auch mit ­bewährten Baustoffen. Die größte Hürde für ihre breite Anwendung sind bestehende Strukturen. Bauprozesse sind auf Sicherheit, Haftungsvermeidung und etablierte Standards ausgerichtet. Zirkuläre Ansätze treffen deshalb häufig auf Unsicherheiten bei Planung, Ausschreibung, Finanzierung und Genehmigung. Die Herausforderung besteht also darin, Bauweisen konsequent weitermigungen nur noch erteilt, wenn der CO₂-Fußabdruck zuentwickeln und stärker auf den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden in der Erstellung und des Betriebs unter von Gebäuden auszurichten. Bei KS-Orieinem Wert liegt, der dynamisch bis zum Jahr 2050 auf „Nur wenn nachhaltiges ginal arbeiten wir deshalb konsequent an für den sortenreinen Rückbau, Netto-Null abgesenkt wird. Planende müssen also überund zirkuläres Bauen als Konzepten legen, welche Materialien und Bauteile eingesetzt werden den Einsatz von Sekundärrohstoffen und können, es ist ein Wettbewerb entstanden um die praxistauglich, bezahlbar die Wiederverwendung von Kalksand­niedrigsten CO₂-Werte. stein. Entsprechende Pilotprojekte konnund dauerhaft wahrge- ten In Skandinavien hat dies einen echten Innovationssprung wir erfolgreich abschließen. Damit nommen wird, gelingt der solche Ansätze zum Standard werden, ausgelöst, noch nie wurden so viele Firmen gegründet, die sich mit der Bereitstellung von Baumaterialien aus eheSchritt aus der Nische in braucht es verlässliche Rahmenbedinmaligen Abfällen beschäftigen. Wir müssen also einen mehr Planungssicherheit und den Markt.“ gungen, Markt für Baustoffe etablieren, der die richtigen Ziele eine stärkere Betrachtung von Lebenszysetzt: Wenn wir im Bauwesen weniger CO₂ ausstoßen kluskosten. Entscheidend ist zudem die wollen, müssen wir auch den CO₂-Fußabdruck eines jeBereitschaft aller Beteiligten, bestehende Lösungen neu den Gebäudes berechnen und diesen bewerten. Und da zu denken und das Potenzial etablierter Baustoffe für eine der Betrieb der Gebäude auch mitgerechnet wird, bräuchzirkuläre Bauwirtschaft konsequent zu nutzen. te es auch keine Gebäudemodernisierungsgesetze mehr. Recycling bleibt ein wichtiger Baustein der KreisEs zählt einzig der CO₂-Ausstoß, unabhängig von den laufwirtschaft, sollte jedoch nicht isoliert betrachtet Technologien, die zum Einsatz kommen. Das wäre eine werden. Das größte Potenzial sehen wir in einer Kaskade einfache Gesetzgebung, die jeder nachvollziehen kann, aus Wiederverwendung, hochwertiger Wiederverwertung die keine ideologischen Vorschriften macht und effektiv durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen. Voraussetzung das Klima schützt. dafür sind sortenreine, schadstoffarme und langlebige Das Wichtigste ist es, einen Markt zu Baustoffe. Kalksandstein bietet hier gute Voraussetzungen: entwickeln, bei dem WiederverwenEr besteht aus den natürlichen Rohstoffen Sand, Kalk und dung und -verwertung an erster Stelle stehen. „Wir müssen einen Wasser, ist materialhomogen und kann nach dem Rückbau Hierbei müssen Planende auf zertifizierte Markt für Baustoffe ohne aufwendige Trennprozesse wieder in Stoffkreisläufe Produkte zurückgreifen können. In den letz- etablieren, der die zurückgeführt werden. Gleichzeitig gewinnen Urban ten Jahren haben viele Büros mit intrinsischer ­Mining, digitale Gebäuderessourcenpässe und rückbauMotivation diese Arbeit mit gemacht, haben richtigen Ziele setzt: gerechte Konstruktionen an Bedeutung. Denn unsere Bausogar neue Berufsfelder wie ‚Bauteiljäger‘ Wenn wir im Bauwewerke, vor allem auch diejenigen, die neu entstehen, sind entwickelt, um an diese Teile und Materialien die Materiallager der Zukunft. Wird der sortenreine Rückheranzukommen. Diese Arbeit muss nun in sen weniger CO2 ausbau schon in der Planung mitgedacht, endet der ­materielle der Breite ankommen, für Planende sollte es stoßen wollen, müsWert nicht mit der ersten Nutzung. extrem einfach sein, zertifizierte Kreislauf- sen wir auch den Die Branche muss Kreislaufwirtschaft stärker anmaterialien zu finden, in die Ausschreibunhand realisierter Projekte und messbarer ErgebCO2-Fußabdruck gen zu bringen und reversibel einzubauen. nisse kommunizieren. Vertrauen entsteht nicht durch Wir müssen in den Themen der Nach- ­eines jeden Gebäudes ­Visionen oder Ideologien, sondern durch nachvollziehhaltigkeit und der Kreislaufwirtschaft bare Praxisbeispiele, transparente Daten und unabhänberechnen und diesen die unglaubliche Chance für unsere Bauwirtgige Bewertungen. Erfolgreiche Referenzprojekte sollten schaft erkennen. Seit Jahrzehnten ist die bewerten.“ deshalb frühzeitig dokumentiert und hinsichtlich CO₂Möglichkeit echter Innovation nicht mehr so Bilanz, Ressourceneinsatz, Wirtschaftlichkeit und Rückhoch wie zurzeit. Dies müsste meiner Ansicht nach mit baubarkeit ausgewertet werden. Ebenso wichtig ist der mutigen politischen Entscheidungen und ökologischer Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette – Weitsicht flankiert werden, wie es einige unserer europäivon Herstellern über Planende bis zu Wohnungswirtschaft schen Nachbarn bereits tun. und Investoren. ­

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BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Bild: KS-Original GmbH

FRAGEN


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KREISLAUFWIRTSCHAFT: EXPERTENTALK

Product Manager Innovation & AI, Allplan

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Nachhaltige Baustoffe sind heute vielfach verfügbar. Die eigentliche Herausforderung liegt weniger in den Materialien als darin, sie wirtschaftlich in Bauprojekte zu integrieren. Die entscheidenden Weichen werden bereits in der Planungsphase gestellt. Dort müssen Nachhaltigkeit, Baukosten, Ausführbarkeit, Rückbau und ­spätere Wiederverwendung prädiktiv betrachtet werden – nicht erst am Ende eines Projekts. Dafür braucht es durchgängige digitale Prozesse, verlässliche Daten, Normen und Standards sowie Best-Practice-Beispiele, damit alle Projektbeteiligten einer innovativen Lösung vertrauen. Wenn nachhaltige Lösungen einfacher planbar und ihre Vorteile transparent werden, können sie sich auch im Alltag der Baupraxis durchsetzen. Das größte Potenzial sehe ich darin, Gebäude künftig als Materiallager zu betrachten. Dafür müssen wir bereits heute detailliert dokumentieren, welche Materialien verbaut werden, welche Eigenschaften sie besitzen und wie sie später getrennt und wiederverwendet werden können. Digitale Gebäudemodelle und digitale Zwillinge schaffen dafür die notwendige Transparenz über den

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Digitale Präzision für Gebäudebetrieb und Kreislaufwirtschaft

Mit As-Built-Modellen in die Zukunft denken

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Bild: Allplan

Stefan Kaufmann

­gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Gleichzeitig gewinnen Ansätze wie „Design for Disassembly“ an Bedeutung: Wer Gebäude so plant, dass sich Bauteile später zerstörungsarm austauschen lassen, schafft die ökonomische Grundlage für Sanierbarkeit und echte Kreislaufwirtschaft. Künstliche Intelligenz wird diesen Prozess künftig unterstützen, indem sie historische Baunormen kennt und beispielsweise geeignete und lieferbare Ersatzbauteile für die Sanierung vorschlägt. Die Grundlage bleibt auch hier eine detaillierte digitale Planung. Die Baubranche gewinnt Vertrauen „Wer Gebäude so plant, nicht durch große Versprechen, sondass Bauteile später dern durch erfolgreiche Projekte. Deshalb ­zerstörungsarm ausge- brauchen wir mehr Praxisbeispiele, die eintauscht werden können, fach nachvollziehbar zeigen, welchen esundheitlichen, ökonomischen und ökoloschafft die ökonomische ­ggischen Mehrwert nachhaltige Bauweisen Grundlage für Sanier- tatsächlich bieten. Messbare Kennzahlen zu Materialkosten, Bauzeit barkeit und echte Kreis- Energie-Einsparung, oder Betriebskosten schaffen deutlich mehr laufwirtschaft.“ Glaubwürdigkeit als allgemeine Nachhaltigkeitsziele. Gleichzeitig sollten wir ­erfolgreiche Projekte stärker teilen und den Austausch zwischen Planern, Bauunternehmen, Bauherren und Betreibern fördern. Digitale Modelle helfen dabei, die Bauwerksqualität transparent zu dokumentieren und den höheren Wert eines nachhaltigen Bauwerks jederzeit monetarisieren zu können. So wird Kreislaufwirtschaft nicht zur Zukunftsvision, sondern zur Renditechance für die Immobilienwirtschaft. 

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ie Daten lassen sich in Facility-Management-Systeme (CAFM) integrieren, um Prozesse wie Wartung, Reinigung oder Flächenmanagement effizient zu gestalten. Durch das präzise Erfassen von Materialtypen, Mengen und deren Eigenschaften lässt sich zudem das Recyclingpotenzial gezielt bewerten. KITA „ZAUBERWELT“ IN HEILIGENHAUS

Ein anschauliches Beispiel für die erfolgreiche Anwendung von BIM-As-Built ist die Kita „Zauberwelt“ in Heiligenhaus (siehe Bild). Brüninghoff trat bei diesem Projekt als Totalunternehmer auf. Architektur, Tragwerksplanung und die Technische Gebäudeausrüstung stammen von Plansite integral design & engineering als Teil der Brüninghoff Group. Plansite erstellte die gesamte Generalplanung nach dem Big-Open-Bim-Ansatz und führte das integrale Koordinations- und Planungsmodell hin zum umfassenden

Bild: Plansite

Building Information Modeling (BIM) hat sich in der Bauwirtschaft als unverzichtbares Werkzeug etabliert. Besonders das As-Built-Modell gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es bietet eine präzise Datenbasis, um den Gebäudebetrieb über den gesamten Lebenszyklus hinweg effizient zu unterstützen und Transparenz zu schaffen. As-Built-Modell, das alle relevanten Informationen für den Gebäudebetrieb enthält. Um maximale Flexibilität für zukünftige Systeme zu gewährleisten, wurde das Modell plattformunabhängig gestaltet. So erleichtern die hinterlegten Daten die Planung und Durchführung von Wartungsarbeiten. Aber auch Raum- und Flächenlisten sowie technische Informationen sind jederzeit abrufbar. Gleichzeitig unterstützt das Modell die spätere Wiederverwendung von Materialien, trägt so zur Kreislaufwirtschaft bei. Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung, Vorteile digitaler Prozesse voll auszuschöpfen. Werden Planungsmodelle zu As-Built-Modellen weitergeführt, bilden sie einen wichtigen Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes abdeckt und langfristig Zeit, Kosten und Ressourcen spart. So werden sie zu einem effizienten Werkzeug, das auch die Qualität und Nachhaltigkeit von Bauprojekten sichert. 2025 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


10 CARBON-REMOVAL-TECHNOLOGIE: CLIM@ADD

MEILENSTEIN FÜR DEN KLIMASCHUTZ Dass Gebäude als CO₂-Senken funktionieren können, beweist der Einsatz von Clim@Add. Ein innovativer Zusatzstoff, der den Kohlenstoff dauerhaft in Bodenplatten, Wänden, ­Betonfertigteilen und vielen weiteren Anwendungen bindet. Clim@AddAnwendung in Asphalt.

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Clim@Add-Anwendung in Beton.

INFO

CARSTORCON TECHNOLOGIES Das Unternehmen ist ein Pionier im Bereich der Carbon-­RemovalTechnologien für die Bauindustrie. Mit dem Ziel, Gebäude und Infrastruktur in aktive Kohlenstoffspeicher zu verwandeln, entwickelt man Lösungen, die Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz verbinden. Seit 2026 treibt Carstorcon von Dülmen aus die Dekarbonisierung der Bauwirtschaft voran.

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Bild: Carstorcon Technologies

.000 Tonnen – diese Menge CO₂ wurde bereits durch den Einsatz von Clim@Add dauerhaft in Bodenplatten, Wänden, Betonfertigteilen und vielen weiteren Anwendungen gebunden. Das entspricht den CO₂Emissionen eines durchschnittlichen Benziners bei einer Fahrt von rund fünf Millionen Kilometern. Man müsste also die Erde 125-mal am Äquator umrunden, um die gleiche Menge an Treibhausgasen auszustoßen, die das Climate-Tech-Unternehmen Carstorcon Technologies mit Clim@Add bereits heute dauerhaft der Atmosphäre entzogen hat. Ein Grund für den Erfolg des Materials ist seine Vielseitigkeit, da es sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lässt, pumpfähig und mit bestehenden Nachhaltigkeitsmaßnahmen wie Recyclingbetonen oder CO2-reduzierten Zementen problemlos kompatibel ist. Zudem ist kein gesondertes Verfahren notwendig: ­Bestehende Anlagen und Einbringungsmechanismen lassen sich direkt nutzen. VOM FUNDAMENT BIS ZUR SERIELLEN FERTIGTEILFERTIGUNG

Über 14.000 m³ Beton wurden bereits mit Clim@Add realisiert, was zeigt, dass die Technologie bereit ist für die Skalierung. Die Referenzliste reicht von privaten Wohnhäusern in Holzhybrid-Bauweise bis hin zu massiven Ringfundamenten von Heizkraftwerken. Sichtbeton-Fronten und innenliegende Fertigteiltreppen beweisen, dass ökologische Optimierung und hohe ästhetische Ansprüche Hand in Hand gehen. Auch in der seriellen Fertigung von Fertigteilen und Betonwaren hat sich das Material bewiesen. Dabei verbessert Clim@Add nicht nur die CO₂-Bilanz der Bauteile, sondern optimiert auch die deren Funktionalität und Dauerhaftigkeit. „Das ist erst ein Anfang“, erklärt Axel Preuß, Gründer und Geschäftsführer von Carstorcon Technologies. „Unsere Technologie funktioniert nahtlos im Betonbau und auf Baustellen. Doch echter Klimaschutz gelingt nur gemeinsam: Es sind die Partner, die unsere Vision in die Praxis umsetzen und zeigen, dass die Bauwende keine ra  Theorie mehr ist.“


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JETZT WIRDS ZIRKULÄR – BODENPLATTE OHNE BETON? Was vor wenigen Jahren noch wie eine Vision klang, entwickelt sich heute zu einer realen ­Alternative für zirkuläres Bauen. Auslöser waren Gespräche mit Architekten und Planern, ­insbesondere aus Skandinavien, die nach Lösungen suchten, den CO₂-Fußabdruck ihrer ­Gebäude deutlich zu reduzieren und konsequent zirkulär zu bauen.

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Bild: ShaktiHaus – Klimaarchitekten, Susanne Körner

ür den norddeutschen Bauingenieur Helge Bo Flöge, war genau diese Fragestellung der Ausgangspunkt für eine neue Art des Fundaments. Wenn Schaumglasplatten seit Jahrzehnten unter Krankenhäusern, Schulen, Flughäfen und Industriegebäuden zuverlässig höchste Lasten aufnehmen – warum sollten sie nicht auch eine klassische Stahlbetonbodenplatte ersetzen?

Aus dieser Idee entstand die Urban-Mining-Boden-­ platte UMB1, 1, die Flöge für GLAPOR entwickelte. entwickelte Das System nutzt Schaumglasplatten aus 100 Prozent Recyclingglas als tragende und dämmende Gründung. Die Platten werden über das Glapor-Connect-Vlies miteinander verbunden und mit einer EPDM-Abdichtung dauerhaft gegen Feuchtigkeit geschützt. Schaumglas nimmt kein Wasser auf, ist nicht brennbar (A1), stauchungsfrei und erreicht Nenndruckspannungen bis 1.600 kPa. Die Umweltproduktdeklaration bestätigt zudem eine Nutzungsdauer von mindestens 100 Jahren – eine wesentliche Voraussetzung für dauerhaft wiederverwendbare Bauwerke. Dass das Konzept funktioniert, zeigte das Bauvorhaben vom Architekturbüro ShaktiHaus aus Bad König. In Messel bei Frankfurt entstand ein dreigeschossiges Wohngebäude in Holz-Strohbauweise auf einer UrbanMining-Bodenplatte. Die Gründung konnte ohne klassische Betonarbeiten hergestellt werden. Weniger Maschinen, kürzere Bauzeiten und ein t­rockener Bauablauf bieten ökologische und wirtschaftliche Vorteile.

Bild: Baufluencer Bo

Wie konsequent sich Schaumglas in einer Kreislaufwirtschaft einsetzen lässt, zeigt außerdem die Circular Hut auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel. Dort wurden sowohl die Urban-Mining-Bodenplatte als auch das erste lose verlegte und wiederverwendbare Schaumglasflachdach UMS Roof realisiert. Beide Anwendungen erhielten

2026 den Cradle to Cradle Certified® Circularity Gold Standard.

Modulbauweise auf betonfreier UrbanMining-BodenAuch die Fachwelt wurde auf aufmerksam: Die Urban-­ platte.

Mining-Bodenplatte erhielt 2026 den Green Product Award, kam bereits 2025 beim mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten Bahrain-Pavillion der ­Architekturbiennale in Venedig zum Einsatz und wurde vom FATZ-Institut als ­Circularity Champion ausgezeichnet.

Für Helge Bo Flöge liegt darin eine grundsätzliche ­Erkenntnis: „Die Lösungen für zirkuläres Bauen sind vielfach bereits vorhanden. Oft müssen wir Materialien nicht neu erfinden, sondern ihre Eigenschaften neu denken. Wenn ein Baustoff über Generationen hinweg seine Funktion behält und sich wiederverwenden lässt, entsteht ­echte Nachhaltigkeit – technisch, wirtschaftlich und ökologisch.“ Vielleicht beginnt die Bauwende deshalb nicht erst mit dem Gebäude selbst. Sondern bereits bei seinem Fundament. 

Beim Verlegen einer betonfreien Bodenplatte aus Schaumglasplatten.

2025 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


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HOLZ- UND HYBRIDBAUWEISE: ENTWICKLUNGEN UND POTENZIALE

KLIMAFREUNDLICH UND INDUSTRIELL SKALIERBAR : Der Holzbau entwickelt sich zunehmend zu einer industriellen, digitalen und klimawirksamen Lösung für zentrale Herausforderungen der Bauwirtschaft. Welche Potenziale der Holzbau mit sich bringt, erläutern Konstantin zu Dohna, Geschäftsführer des Deutschen Holzfertigbauverbandes (DHV), und Reiner Kohlwey, Direktor Marketing und Akquisition DACH bei West Fraser, einem Produzenten von OSB-Platten.

Bild: West Fraser

Holzwerkstoffe spielen eine S­ chlüsselrolle bei zentralen Herausforderungen für die Bauwirtschaft.

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rotz der anhaltenden Krise im Wohnungsbau sehen die Experten eine klare Entwicklung hin zum Holzbau. „Wir erwarten, dass sich 2026 noch schwierig gestaltet. 2027 dürfte es auch im ­Wohnungsbau deutliche Zuwächse geben“, prognostiziert zu Dohna. Besonders der mehrgeschossige Holzbau gewinne an Relevanz – sowohl in Voll-Holz- und Holztafelbauweise als auch im Hybridbau aus Holz und Beton. So entstehen Gebäude mit Stahlbetonkonstruktionen und Fassadenelementen in Holzrahmenbauweise. „Der Marktanteil wächst kontinuierlich“, so zu Dohna. „Und konventionelle Bauunternehmen reagieren darauf zunehmend mit Kooperationen oder Übernahmen von Zimmereien.“

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026


HOLZ- UND HYBRIDBAUWEISE: ENTWICKLUNGEN UND POTENZIALE

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Bild: West Fraser

„Einen großen Vorteil, den wir im Holzbau haben, ist die präzise Vorfertigung in der trockenen Halle“, sagt zu Dohna. Auch aus Sicht der Industrie gewinnt dieser ­Ansatz an Bedeutung: „Aufgrund der fehlenden Fachkräfte im Hauptgewerbe wird eine Vorfertigung von Bauteilen immer wichtiger. Wir gehen davon aus, dass die Modulbauweise in hohem Maß zunimmt“, so Kohlwey. Zwar erfordere die digitale Planung im Vorfeld einen ­hohen Aufwand, gleichzeitig lasse sich dadurch die Ausführung deutlich optimieren. „Dadurch werden ­Kollisionen, Brüche und Unvereinbarkeiten vermieden“, erklärt zu Dohna. „Das Gebäude wird auf den Millimeter genau vorgefertigt. Ein Einfamilienhaus steht so in drei Tagen, ein Dreigeschosser in vier Wochen.“ GROSSE POTENZIALE IM BESTAND

Nachhaltige Rohstoffe, hohe Vorfertigung, Flexibilität im Bestand – der moderne Holzbau eröffnet der Bauindustrie vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Vorfertigung und Automatisierung. „Es ist bereits deutlich zu erkennen, dass es ohne die Erhöhung des Automatisierungsgrads und der Vorfertigung in der Bauwirtschaft nicht mehr ­gehen wird“, hebt Kohlwey hervor. HOLZ ALS KLIMASCHUTZINSTRUMENT

Mit wachsendem Stellenwert von Nachhaltigkeit rücken die klimapositiven Eigenschaften des Werkstoffs Holz stärker in den Fokus. Wie zu Dohna verdeutlicht: „Holz nimmt während seines Wachstums CO₂ aus der Luft auf, speichert und bindet damit erhebliche Mengen Kohlenstoff. Ein ­Kubikmeter Holz bindet rund eine Tonne CO₂, ein Kubikmeter Beton emittiert zusätzliche 0,3 Tonnen.“ Der Ersatz mineralischer Baustoffe durch Holz könne ­somit zusätzliche Klimawirkungen entfalten. Auch technologische Fortschritte tragen dazu bei. „Die ständig fortschreitende Produktionstechnologie ermöglicht nicht nur eine ressourcenschonende Produktion, sondern auch eine emissionsarme Anwendung der Produkte“, erklärt Kohlwey. „Holzwerkstoffe wie OSB-Platten mit ihrem hohen Holzanteil fungieren dabei als leistungsfähige und langfristige CO₂-Speicher.“ PRÄZISE VORFERTIGUNG VERKÜRZT BAUZEITEN

Bild: DHV

Bild: West Fraser

Neben ökologischen Vorteilen bietet der moderne Holzbau auch organisatorische und wirtschaftliche Vorteile.

Konstantin zu Dohna, Geschäftsführer Deutscher Holzfertigbau-Verband

Reiner Kohlwey, Direktor Marketing und Akquisition DACH bei West Fraser

Auch bei Aufstockungen und Sanierungen sehen die ­Experten große Chancen für den Holzbau. Geringes ­Gewicht, kurze Bauzeiten und flexible Anpassungsmöglichkeiten sprechen insbesondere im Bestand für Holzbaulösungen. „Auch in der energetischen Sanierung wird der Einsatz von vorgefertigten Elementen im Holzrahmenbau zunehmend wichtig“, ist Kohlwey überzeugt. Gleichzeitig sieht zu Dohna noch Hemmnisse in bestehenden Bauordnungen: „Aber wir sehen gewaltiges Potenzial, das sich durch die Modernisierung und Liberalisierung der Bauordnung ergeben kann.“ anm 

INFO

WICHTIGE TRENDS IM HOLZBAU 1. Serielles und modulares Bauen gewinnt an Bedeutung Vorgefertigte Elemente ermöglichen schnellere Bauprozesse, mehr Planungssicherheit und eine höhere Ausführungsqualität. Gleich-­ zeitig hilft die Vorfertigung, dem Fachkräftemangel zu begegnen. 2. Mehrgeschossiger Holzbau etabliert sich Holz wird heute immer häufiger auch im Geschosswohnungsbau eingesetzt. Neben klassischen Holzbauweisen gewinnen insbesondere Holz-Hybridkonstruktionen an Bedeutung, bei denen Holz mit Beton oder Stahl kombiniert wird. 3. Hybrid bau verbindet Vorteile unterschiedlicher Baustoffe Viele Projekte setzen auf Materialkombinationen. Während Beton etwa bei Tragwerk und Schallschutz Vorteile bietet, punktet Holz durch geringes Gewicht, hohe Vorfertigung und gute Klimabilanz. 4. Sanierung und Aufstockung als Wachstumsmarkt Wegen des vergleichsweise geringen Eigengewichts eignen sich Holzbausysteme besonders für Dachaufstockungen und energetische Sanierungen. Vorgefertigte Fassaden- und Dachelemente verkürzen zudem die Bauzeit erheblich. 5. Digitalisierung verändert Planung und Fertigung Gebäude werden bereits vor Produktionsbeginn vollständig digital modelliert. Dadurch lassen sich Abläufe besser koordinieren und Fehler im Bauprozess reduzieren. 6. Nachhaltigkeit bleibt zentraler Treiber Neben seiner Funktion als nachwachsender Rohstoff rückt besonders die langfristige CO₂-Speicherung in den Fokus. Zudem gewinnen ressourcenschonende Baukonzepte und kreislauffähige Konstruk-­ tionen an Bedeutung.

2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


14 FUNDAMENTIERUNG: SOLARCARPORTS AUF BESTANDSFLÄCHEN

WENN DAS FUNDAMENT ZUM MATERIALKONZEPT WIRD Parkplätze rücken zunehmend in den Fokus der Energiewende. Entsprechend wächst das Interesse an Solarcarports bei Kommunen, Unternehmen und Infrastrukturbetreibern. In der Praxis entscheidet sich der Projekterfolg jedoch häufig unterhalb der Oberfläche: Die Fundamentierung beeinflusst nicht nur die Standsicherheit einer Konstruktion, sondern auch Bauzeit, Materialeinsatz, Eingriffe in den Baugrund sowie den späteren Rückbau. VON VASYL BETSA

Modell eines Solarcarports mit verschraubter Gründung, ohne aufwändige Betonfundamente.

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uf den ersten Blick unterscheiden sich Parkplätze nur selten voneinander. Unter der Oberfläche sind die Voraussetzungen jedoch oft grundverschieden. Auf bestehenden Gewerbe- oder Infrastrukturflächen verlaufen Wasserleitungen, Kabeltrassen, Leerrohre oder bereits installierte Ladeinfrastruktur. Hinzu kommen standortspezifische Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Grundwasserverhältnisse sowie Schneeund Windlasten. Häufig treffen mehrere dieser Rand-­ bedingungen zusammen. In einem konkreten Projekt befanden sich beispielsweise zahlreiche Leitungen im Baufeld, während der Grundwasserspiegel bereits rund 70 Zentimeter unter der ­Geländeoberkante lag. Solche Bedingungen prägen die Wahl der Gründung und damit den gesamten Bauablauf. Während die Photovoltaikmodule und Teile der Stahlkonstruktion häufig standardisiert geplant werden können, bleibt die Fundamentierung eine ingenieurtechnische Aufgabe, die sich an den tatsächlichen Standort anpassen muss. Baugrund und bestehende Infrastruktur lassen sich nicht standardisieren. Bei Solarcarports kommen je nach Projekt u­ nterschiedliche Gründungssysteme infrage. Eine Alternative zu klassi-

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

schen Betonfundamenten sind Schraubfundamente. Sie bestehen aus einem Stahlrohr mit Gewindeschaufeln und werden direkt in den Boden eingedreht. Über einen passend ausgeführten Kopf – etwa mit Flansch oder als offene Verbindung – wird anschließend die Stahlkonstruktion des Carports angeschlossen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Montagegeschwindigkeit. Das Schraubfundament ist ein industriell gefertigtes Bauteil, dessen Geometrie, Länge, Durchmesser und Anschlussdetails auf Tragwerk, Lasten und Bodenverhältnisse abgestimmt werden können. Bei Pillar werden die Stahlbauteile zum Schutz vor Korrosion feuerverzinkt. Die Beschichtung ist für die Lebensdauer des Bauteils wesentlich: Sie schützt den Stahl dauerhaft gegen Feuchtigkeit und Witterung und verringert so den Wartungsaufwand. ZEITGEWINN OHNE BETONFUNDAMENTE

In einem Projekt fiel die Wahl auf Schraubfundamente, weil die Kombination aus hohem Grundwasserstand und dichter Leitungsführung den Einsatz von Ortbeton ­erschwert hätte. Da keine Betonfundamente hergestellt werden mussten, entfielen Aushub, Schalung, Beton-­


FUNDAMENTIERUNG: SOLARCARPORTS AUF BESTANDSFLÄCHEN

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Bilder: Pillar GmbH

Schraubfundamente aus korrosionsgeschütztem Stahl verankern die Solarcarport-Konstruktion ohne Ortbeton im Boden.

logistik und Aushärtungszeiten. Die einzelnen Fundamentpunkte konnten an die vorhandene Leitungsführung angepasst werden, so dass aufwändige Umverlegungen in vielen Bereichen vermieden wurden. Der Zeitgewinn entsteht dabei nicht allein durch das Eindrehen der Fundamente. Entscheidend ist, dass die Stahlkonstruktion nach dem Einbau unmittelbar montiert werden kann. In diesem Fall waren die Fundamente innerhalb der ersten beiden Bauwochen vollständig gesetzt. Einschließlich Tiefbau, Tragwerksmontage sowie ACund DC-seitigem Anschluss konnte das Projekt in rund sechs Wochen abgeschlossen werden. Gerade bei Standorten mit engem Zeitfenster oder laufendem Betrieb kann dies den gesamten Projektablauf erheblich beeinflussen.

Die verschraubte Gründung verbindet Tragwerk und Baugrund und kann auf die Bedingungen des Standorts abgestimmt werden.

PLANUNG VOR DEM ERSTEN FUNDAMENT

Die eigentlichen Weichen werden bereits in der ­Planungsphase gestellt. Baugrundgutachten, Grundwasserverhältnisse, Schnee- und Windlasten sowie die vorhandene Leitungsinfrastruktur sollten frühzeitig vollständig erfasst werden. Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welche Gründungsart technisch, wirtschaftlich und mit Blick auf Materialeinsatz sowie Rückbau sinnvoll ist. Ebenso wichtig ist die Einbindung weiterer Infrastruktur. Ladepunkte, Kabeltrassen, Entwässerung und Netzanschlüsse sollten nicht nachträglich ergänzt, sondern von Beginn an im Gesamtkonzept berücksichtigt werden. Solarcarports übernehmen zunehmend mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie erzeugen Strom, bieten Witterungsschutz und können Ladeinfrastruktur sowie Energiemanagement integrieren.

MATERIALEINSATZ ALS TEIL DER KLIMABILANZ

Die Diskussion über nachhaltiges Bauen konzentriert sich häufig auf die spätere Nutzung eines Bauwerks. Bei ­Solarcarports steht daher meist die klimafreundliche Stromerzeugung im Mittelpunkt. Ebenso relevant ist jedoch die Frage, welche Materialien und Prozesse bereits in der Bauphase eingesetzt werden. Beton ist im Fundamentbau ein bewährter Baustoff. S­ eine Herstellung ist allerdings material- und energieintensiv. Wo die statischen und geotechnischen Voraussetzungen es zulassen, können vorgefertigte Schraubfundamente den Betonbedarf reduzieren oder vollständig ersetzen. Das senkt nicht automatisch die Umweltwirkung jedes Projekts, denn auch Stahlherstellung, Verzinkung, Transport und die konkrete Auslegung müssen berücksichtigt werden. Gegenüber einer ortsbetonierten Gründung können jedoch Aushub, Baustellenverkehr und der Einsatz zusätzlicher Materialien wie Schalungen entfallen. Ein weiterer Aspekt ist die Rückbaubarkeit. Schraubfundamente werden nicht mit dem Boden vergossen, sondern mechanisch eingebracht. Bei einer Nutzungsänderung oder dem Rückbau können sie – abhängig von Zustand und Projektanforderungen – wieder entfernt und potenziell erneut verwendet werden. Auf bereits versiegelten Parkflächen eröffnet dies eine Bauweise, die Flächen für Energieerzeugung und Mobilität nutzt, ohne zusätzliche Flächen in Anspruch zu nehmen.

Zusammen mit der Stromerzeugung der Photovoltaikanlage entsteht so ein doppelter Effekt: Die Konstruktion ermöglicht erneuerbare Energie auf bereits genutzten Flächen, während das Fundamentkonzept den Materialund Bauaufwand von Beginn an mitdenkt. Im ­betrachteten Projekt lassen sich durch die PV-Anlage jährlich mehr als 170 Tonnen CO₂ einsparen.

INGENIEURTECHNISCHE SCHLÜSSELAUFGABE

AUTOR Vasyl Betsa ist Gründer und Geschäftsführer von Pillar. Das Unternehmen entwickelt und realisiert Solarcarports, PV-Unterkonstruktionen und Schraubfundamente für Unternehmen, Kommunen und Infrastrukturprojekte.

Mit der stärkeren Nutzung versiegelter Flächen werden Solarcarports künftig häufiger auf Standorten entstehen, die bereits intensiv genutzt werden. Die Wahl der Fundamentierung ist dabei keine isolierte Detailentscheidung. Sie verbindet Baustoff, Tragwerk, Baugrund, Infrastruktur und Bauablauf. Schraubfundamente zeigen, wie sich ein klassisches Bauteil weiterdenken lässt: als vorgefertigte, korrosionsgeschützte Stahlkomponente, die präzise auf den Standort abgestimmt wird und – wo die Rahmenbedingungen es erlauben – Beton, Aushub und Wartezeiten reduziert. Die nachhaltigste Lösung ist dabei nicht zwingend eine Standardlösung, sondern diejenige, die von den tatsächlichen Bedingungen des Standorts ausgeht. ra  2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


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KREISLAUFWIRTSCHAFT: INTERVIEW MIT DANIEL BUTZ, OBJECT CARPET

MATERIAL LÜGT NICHT

Bilder: Object Carpet GmbH

Im Gespräch mit Bauen aktuell erklärt Daniel Butz, Geschäftsführer von Object Carpet, warum er Materialität für die ­unbewusste Sprache des Raums hält, ­weshalb analog nicht nostalgisch sein muss, und warum Kreislauffähigkeit für ihn die Zukunft bedeutet.

Bauen aktuell: Herr Butz, wie sehr prägt Materialität die Art, wie wir Räume wahrnehmen – jenseits ihrer reinen Funktion? Daniel Butz: Materialität ist im Grunde die unbewusste Sprache des Raums. Sie entscheidet darüber, wie wir ­einen Raum wahrnehmen. Und zwar bevor wir überhaupt anfangen zu denken. In dem Moment, in dem wir eintreten, registrieren wir unterschwellig: Was für eine Atmosphäre herrscht hier? Ist es kalt oder laut? Fühle ich mich hier wohl? Das sind die ersten Informationen, die wir verarbeiten, noch ehe wir ein rationales Urteil fällen. Über die Materialien, mit denen er gestaltet wurde, sendet ein BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Raum seine erste Botschaft. Interessanterweise bleibt ­genau dieses sinnliche Erleben auch am längsten im ­Gedächtnis. Nicht die Grundriss­lösung, nicht das Lichtkonzept. Sondern das Gefühl, das ein Raum hinterlässt. Für uns als Teppichhersteller ist das entscheidend, weil der textile Bodenbelag eins der ersten und prägendsten Raumelemente ist. Teppiche erfährt und erlebt man mit dem ganzen Körper, weil sie weich sind und mit Strukturen und Texturen spielen. In welchem Verhältnis stehen Haptik und Visualität eines Raums zueinander?


KREISLAUFWIRTSCHAFT: INTERVIEW MIT DANIEL BUTZ, OBJECT CARPET

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Daniel Butz: Wir nehmen etwas nur dann als stimmig wahr, wenn das visuelle Konzept, die verwendeten Materialien und ihre hochwertige Verarbeitung ein harmonisches Ganzes ergeben. Obwohl ich selbst eher der visuelle Typ bin, erlebe ich dabei immer wieder, wie sehr die Haptik das visuelle Urteil bestätigt oder in Frage stellt. Was wir gesehen haben, verifizieren wir durch Berührung. Ich war kürzlich auf einem Festival in einer Papierfabrik eingeladen: Papier ist ja ebenfalls ein Material, das vom Anfassen lebt. Für mich war es beeindruckend zu sehen, welche Wertigkeit sich allein über die Haptik übertragen lässt. Je nach Festigkeit und Struktur kann rein über die Berührung enormes Vertrauen gefasst werden. Bilder und Worte können oft täuschen. Aber wenn ich etwas berühre, urteile ich innerhalb von Millisekunden, wie sich das anfühlt. Material lügt nicht. Apropos Wertigkeit und Vertrauen: Welche Rolle spielt hier die traditionelle Handwerkskunst? Daniel Butz: Handwerk ist für mich etwas, womit ich ­Produkten eine individuelle Note geben und eine spezifische Haltung transportieren kann. Es bringt das Authentische und das Originäre zusammen. Wobei mir eins wich- Kollektion Neuland: tig ist: Gutes Handwerk und Hightech stellen für mich neue, auf Kreislauffähigkeit abzielende keine Gegensätze dar. Sie können viel mehr Hand in Technologie gepaart Hand gehen. Ein gutes Beispiel ist die DUO-Technologie, mit hohem Designdie wir gemeinsam mit Niaga entwickelt haben. Neueste anspruch. Herstellungsverfahren und ein klassisch-handwerklich geprägtes Finish lassen ein Produkt entstehen, das verantwortungsbewusst gestaltet und hochwertig ­verarbeitet ist. Umgekehrt gilt: Eine schlechte Verarbeitung ist immer auch ein gebrochenes Qualitätsversprechen. In Bezug auf das Authentische haben Sie kürzlich bei LinkedIn geschrieben: „Analogue is not nostalgic. It‘s forward-looking.“ Wie passt das zu einer Branche, in der Digitalität eine immer größere Rolle spielt? Daniel Butz: Wir leben in einer Welt, die zunehmend ­digitaler und virtueller wird. Das bringt notwendigerweise auch eine neue Sehnsucht nach dem Konkreten, Spürbaren und Echten mit sich. Für mich ist das kein Trend, sondern eine Korrektur des Fokus, den wir zuletzt stark auf das Digitale gerichtet haben. Analog zu sein bedeutet für mich allerdings nicht, mich nach Gestern zu sehnen: Analog ist schlicht das, was bleibt, wenn man den Bildschirm ausmacht. Und deshalb gehört dem Analogen auch weiterhin die Zukunft. Weil wir niemals in einer vollständig virtuellen Welt leben wollen. Gerade textile ­Produkte schaffen da ein gutes Gegengewicht. Sie stehen für bewusstes Erleben: für Rückzug, für Räume, in denen man sich wohlfühlt. Das ist es, was ich mit Analog ­verbinde – nicht der Blick zurück, sondern ins Heute und in die Zukunft.

­ eispiel, was Akustik angeht oder Raumluft. Mittlerweile B lässt sich das gut messen. Die Effizienz von Menschen in einem Raum, in dem gute Akustik herrscht, ist schlichtweg höher, was natürlich auch betriebswirtschaftlich relevant wird. Hinzu kommt das Thema Nachhaltigkeit, das längst keine Kür mehr ist, sondern ein etablierter Standard. Die Richtung weist weg von billigen Massenprodukten, hin zu mehr Qualitätsbewusstsein, mehr Gesundheit, mehr Nachhaltigkeit. Würden Sie ein Thema wie Nachhaltigkeit auch als ­Innovationstreiber sehen, was Gestaltungsmöglichkeiten angeht? Daniel Butz: Natürlich. Reduktion bedeutet nicht Verzicht. Wenn ich von Anfang an ökologisch denke und das Produkt vom Ende seines Lebenszyklus’ her konzipiere, bekommt das Gestalten eine andere Schlüssigkeit und Tiefe. Technische Klarheit erzeugt deshalb auch gestalterische Klarheit. Mit einer Kollektion wie Neuland haben wir beides miteinander vereint: Eine neue, auf Kreislauffähigkeit abzielende Technologie und ein hoher Designanspruch, was Fliesen, Farbigkeit, Kombinationsmöglichkeiten und verschiedenste Strukturen angeht.

Bild: Stefan Pletscher

Wenn Sie das Prinzip Nachhaltigkeit auf die Beziehungen zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden übertragen: Inwieweit spielt auch hier das Material eine Rolle? Daniel Butz: Material bleibt ein Versprechen, das man anfassen kann: Eine Kundenbeziehung, die auf ehrlichen, aus hochwertigen Werkstoffen hergestellten Produkten fußt, hält länger als jede Marketingkampagne. Nehmen Würden Sie sagen, dass damit auch ein Wandel in der Raumgestaltung einhergeht, besonders im Objekt-­ wir nochmal Papier als Beispiel: Die Einladung auf dünner, bereich? billiger Pappe schafft eine andere Verbindung zum EinDaniel Butz: Hier hat sich wahnsinnig viel getan, vor ladenden als eine, die durchdacht und aufwändig gestal­allem die Coronakrise war ein großer Beschleuniger. Räutet ist. Genauso ist es mit dem Teppichboden. Material me müssen heute wieder einen Grund liefern, warum man macht eine Marke überprüfbar: Ich kann wortwörtlich sie betritt, sei es nun das Büro oder das Hotel. Sie müssen spürbares Vertrauen aufbauen. Auch, weil ich über das Orte der Begegnung sein, wo soziales Leben stattfindet, Material eine bestimmte Haltung zeige. Es macht deutDaniel Butz wo Austausch entsteht, und Menschen zusammenkomlich, wofür ein Unternehmen steht – und das ist natürlich Geschäftsführer men. Das bedeutet eine Absage ans reine Quadratmeterwichtig für eine Beziehung. Denn ob man zusammenObject Carpet denken: Es geht um weniger, aber bessere Flächen. Auch GmbH in Denkendorf passt, hängt oft entscheidend davon ab, ob man ähnliche Gesundheit spielt eine immer wichtigere Rolle: zum Werte teilt. ra  2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


18 SCHAUMGLAS: WÄRMEDÄMMUNG MIT FOAMGLAS BOARD T3+

Bilder: Pittsburgh Corning (Schweiz) SA

DÄMMSTOFF FÜR HOCHLEISTUNGSLOGISTIK

Die dauerhaft konstante Dämmleistung des Foamglas-Dämmstoffs unterstützt das Einhalten der klimatischen Bedingungen im Lebensmittellager.

Mit dem Neubau seiner Verteilerzentrale im waadtländischen Aclens investiert der ­Discounter Denner in eine zukunftsfähige und leistungsstarke Logistiklösung für die Westschweiz. Für die Dämmung der Bodenplatte und der erdberührten Wände kommt dabei Foamglas Board T3+ der Pittsburgh Corning Schweiz AG zum Einsatz.

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enner realisiert in Aclens ein hochmodernes Verteilzentrum für Lebensmittel, das voraussichtlich im Jahr 2027 in ­B etrieb genommen wird. Von diesem Standort aus sollen künftig rund 200 Filialen mit Artikeln versorgt werden. Mit dem Neubau reagiert das Unternehmen auf steigende Absatzmengen, wachsende logistische Anforderungen und die zunehmende Auslastung der bestehenden Verteilzentren. Gleichzeitig ermöglicht die neue Anlage eine ­effizientere Versorgung der Westschweiz und eine Entlastung des Standorts Schmitten. WARENVERSORGUNG IN GROSSEN DIMENSIONEN

Das Gebäude umfasst eine Fläche von rund 35.000 Quadratmetern und beinhaltet ein automatisches Hochregallager mit etwa 14.000 Palettenstellplätzen. Jährlich sollen etwa 33 Millionen Collis die Verteilzentrale verlassen. Die Anlage ist mit 42 LKW-Rampen ausgestattet und verfügt über einen eigenen Bahnanschluss. Rund 130 Mitarbeitende werden künftig am Standort Aclens beschäftigt sein. Für die Planung und Umsetzung des Projekts ist die S+B Baumanagement AG als Generalplaner verantwortlich, für die Baumeisterarbeiten wurde ein Consortium unter Federführung der Marti Construction SA beauftragt. Die Auswahl der Materialien und die Ausführung der Arbeiten wurden in enger Abstimmung mit allen ProjektBAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

beteiligten durchgeführt, um die hohen Ansprüche an Qualität und Langlebigkeit zu erfüllen. HOHE ANFORDERUNGEN

Die spezifischen Anforderungen an das Gebäude als Lebensmittellager und logistische Drehscheibe sind komplex: Die erdberührten Bauteile müssen dauerhaft vor Feuchtigkeit geschützt werden, während gleichzeitig hohe statische Lasten aus Lagertechnik, Warenbewegung und dem Gewicht der Gebäudeinfrastruktur sicher aufgenommen werden sollen. Zudem ist eine präzise Aufrechterhaltung konstanter klimatischer Bedingungen innerhalb des Lagers essenziell, um die Qualität der gelagerten Waren langfristig zu sichern. Gefordert war eine Dämmstofflösung, die diese komplexen Anforderungen zuverlässig erfüllt. Für die erdberührten Bauteile unter der Bodenplatte und an den Wänden wurde daher der Hochleistungsdämmstoff Foamglas Board T3+ eingesetzt. Diese Marke wird von der Pittsburgh Corning Europe S.A. vertrieben, die zur Owens Corning Gruppe gehört. Die Platten bestehen aus Millionen abgeschlossenen Glaszellen und sind zusätzlich verklebt sowie formstabil. Sie verfügen über eine hohe Druckfestigkeit von größer oder gleich 500 Kilopascal (CS-Druckfestigkeit nach EN 826 Anhang A). So ist das Material in der Lage, die hohen Lasten aus Lagerregalen, Fördertechnik, Transportfahrzeugen und


SCHAUMGLAS: WÄRMEDÄMMUNG MIT FOAMGLAS BOARD T3+

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der Betonplatte sicher aufzunehmen und gleichmäßig abzutragen, sodass die Bodenstruktur auch bei inten-­ siver Nutzung langfristig stabil bleibt. Gleichzeitig wirkt das Schaumglas als kapillarbrechende Schicht und verhindert zuverlässig das Eindringen von Feuchtigkeit aus dem Erdreich, wodurch die Betonbauteile geschützt werden und die Stabilität der klimatischen Bedingungen im Lager maßgeblich unterstützt wird. Neben dieser Resistenz vor Wasseraufnahme macht die abgeschlossene Zellstruktur Foamglas dampfdicht. Zudem stellt die hohe Dimensionsstabilität ohne Kriechverformung sicher, dass sich die Dämmplatten nicht verformen und die Lastübertragung präzise und gleichmäßig auf die Betonplatte erfolgt. So bleibt die Dämmung unter der Bodenplatte und an den erdberührten Wänden über Jahrzehnte hinweg funktionsfähig – ohne zusätzlichen Wartungsaufwand.

Die Oberseite der Foamglas-Platten ist mit einem PEGlasvlies-Verbundmaterial versehen. Dieses sorgt für zusätzlichen Schutz und erhöht die Stabilität sowohl während der Verarbeitung als auch im eingebauten ­Zustand. Die Unterseite der Platten ist mit einem weißen Glasvlies kaschiert, das eine gleichmäßige Auflage unterstützt. Durch diese Bauweise entsteht eine homogene und dauerhaft stabile Dämmung. Sie erfüllt zuverlässig die thermischen Anforderungen mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,036 Watt pro Meter und Kelvin (Bemes-

sungswert nach Leistungserklärung 120205065B). Gleichzeitig ist die Konstruktion darauf ausgelegt, mechanische Belastungen dauerhaft sicher aufzunehmen. In Aclens kamen rund 4.000 Kubikmeter Foamglas-­ Material in Form von 200 Millimeter dicken Platten zum Einsatz. Mit den Maßen 120 mal 60 Zentimeter lassen sie sich besonders effizient auf großen Flächen verlegen. Zugleich werden Fugen minimiert und damit eine gleichmäßige Schutzwirkung erzielt. Die robuste Bauweise und die effiziente Verlegung tragen maßgeblich dazu bei, dass die Dämmung auch unter hohen Belastungen ra  zuverlässig bleibt.

Dank seiner ­geschlossenzelligen Struktur ist Foamglas Board T3+ ­dauerhaft wasserdicht und trägt als ergänzende Schutzschicht dazu bei, die Bodenplatte zusätzlich vor Feuchtigkeit aus dem Erdreich zu sichern.

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DURCHDACHTER AUFBAU

Smart bauen heißt einfach bauen

Kalksandstein vereint Tragfähigkeit, Schallschutz, Brandschutz und Kreislauffähigkeit in einem Baustoff – und schafft damit die Grundlage für wirtschaftliche, langlebige und zukunftsfähige Gebäude.

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Bild: Olaf Mahlstedt, KS-Original

ezahlbarer Wohnraum wird dringend benötigt, gleichzeitig steigen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Gefragt sind daher Bauweisen, die Komplexität reduzieren und gleichzeitig hohe technische und wirtschaftliche Anforderungen erfüllen. Ein entscheidender Hebel liegt in der Wahl der Baustoffe. Idealerweise übernehmen sie mehrere Funktionen gleichzeitig und schaffen so die Grundlage für robuste, wirtschaftliche und langfristig nutzbare Gebäude. Kalksandstein folgt genau diesem Prinzip. Seine hohe Rohdichte sorgt für einen wirksamen Schallschutz und schafft Ruhe in Wohn- und Arbeitsräumen. Zugleich erfüllt Kalksandstein ohne zusätzliche Maßnahmen höchste Anforderungen an den Brandschutz. Die hohe Speichermasse trägt zudem zu einem ausgeglichenen Raumklima bei – im Sommer wie im Winter. Damit vereint der Baustoff wesentliche Anforderungen bereits in seiner Materialität.

Auch wirtschaftlich bietet Kalksandstein Vorteile. Durch seine hohe Tragfähigkeit können schlanke Wandkonstruktionen realisiert werden, die ein Plus an Wohnflächen schaffen. Insbesondere im Geschosswohnungsbau lassen sich so effiziente Grundrisse und wirtschaftliche Gebäudekonzepte umsetzen.

Weniger Komplexität, mehr Leistung: Kalksandstein vereint zentrale Bauanforderungen in einem Baustoff.

Hinzu kommen ökologische Qualitäten. Kalksandstein besteht aus den natürlichen Rohstoffen Sand, Kalk und Wasser. Seine lange Lebensdauer, die sortenreine Rückbaubarkeit und die Möglichkeit der Wiederverwertung als Sekundärrohstoff unterstützen eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft. Kalksandstein kann mit allen Dämmstoffen und Fassadensystemen kombiniert werden – von konventionellen Lösungen bis hin zu Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen. So lassen sich unterschiedlichste Anforderungen an Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Architektur erfüllen. Smartes Bauen bedeutet heute nicht, mehr Technik einzusetzen, sondern die richtigen Lösungen intelligent miteinander zu verbinden. Kalksandstein zeigt, wie dies gelingen kann: durch einen Baustoff, der technische Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Kreislauffähigkeit in einer einfachen und dauerhaften Lösung vereint. 2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026 BAUEN AKTUELL SONDERHEFT


20 DEKARBONISIERUNG: NACHHALTIGE STEINWOLLEPRODUKTION

CO₂-EFFIZIENTE ELEKTRISCHE SCHMELZTECHNOLOGIE Paroc hat durch konsequente Prozessinnovationen und den Einsatz elektrischer Schmelzöfen die CO₂-Bilanz seiner Steinwolleproduktion verbessert. In Kombination mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen ließen sich die CO₂-Emissionen im Schmelz-­ prozess um bis zu 80 Prozent senken. Darüber hinaus reduzieren sich die EPD-basierten Produktfußabdrücke ausgewählter Dämmstoffe um bis zu 78 Prozent.

Bild: Paroc GmbH

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teinwolle-Dämmstoffe tragen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zur Energieeinsparung bei. Gleichzeitig ist ihre Herstellung besonders energieintensiv – vor allem der Schmelzprozess der mineralischen Rohstoffe. Dies erfolgt traditionell in koksbetriebenen Kupolöfen, die hohe CO₂-Emissionen verursachen und nur begrenzte Flexibilität in der Prozesssteuerung ermöglichen. Eine interne Analyse der Produktionsabläufe bei Paroc zeigte, dass der Schmelzprozess die Hauptquelle der Emissionen darstellt. Auf Basis dieser Erkenntnis hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren eine umfassende technologische Strategie entwickelt, um die Emissionsintensität der Produktion zu reduzieren. Die Einführung und Skalierung elektrischer Schmelzöfen stellt den wohl tiefgreifendsten Schritt der Produktionsumstellung dar. Im Gegensatz zu Kupolöfen basiert das elektrische Schmelzen nicht auf fossilen Brennstoffen, sondern auf Stromzufuhr und ermöglicht somit einen vollständig anderen energetischen Ansatz. Besonders deutlich wird der Vorteil, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Unter diesen Bedingungen lassen sich die CO₂-Emissionen des Schmelzprozesses um bis zu 80 Prozent reduzieren. Paroc betreibt derzeit drei elektrische Schmelzöfen – eine Anlage in Finnland und zwei in Polen. Sie

Im schwedischen Standort Hällekis wird bereits seit Jahren Strom aus erneuerbaren Quellen für die elektrischen Schmelzöfen genutzt.

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

sind in den laufenden Produktionsbetrieb integriert und bilden die Basis für eine weitreichende Transformation der Steinwolleherstellung. Ergänzend wird in Schweden derzeit die neue „Natura Line“ errichtet – eine Produktionslinie, die vollständig auf diese CO₂-arme Schmelztechnologie ausgelegt ist und damit die Fortsetzung der strategischen Elektrifizierung markiert. ERNEUERBARE ENERGIEN IM FOKUS

Der technologische Wandel ist jedoch nur ein Teil der Emissionsreduktion. Ebenso entscheidend ist die Energiequelle selbst, mit der die elektrischen Öfen betrieben werden. Während Finnland und Schweden bereits seit Jahren Strom aus erneuerbaren Energien beziehen, war dies in Polen zunächst nicht der Fall. Die dortige Stromerzeugung basiert traditionell zu großen Teilen auf Kohle, was die CO₂-Bilanz trotz elektrischer Öfen beeinträchtigte. Um dies zu ändern, initiierte man eine umfangreiche Prüfung verschiedener Energiebezugsmodelle und ­ ­entschied sich 2021 für ein Virtual Power Purchase Agreement (VPPA) mit Octopus Renewables. Seit Anfang 2022 erfolgt die Versorgung der beiden polnischen Elektroschmelzanlagen vollständig mit Strom aus Wind-­ energie.


Bild: OC Paroc

Allein durch diese Umstellung ließen sich die E­ missionen der europäischen Steinwolleproduktion um etwa 30 ­Prozent reduzieren. Die technologischen Maßnahmen zeigen sich nicht nur in der Prozessbilanz, sondern auch deutlich im P­ roduktprofil. Die neue Umweltproduktdeklaration (EPD NEPD-43373565-EN) belegt, dass die Paroc-Dachdämmstoffe ­Tectum 037, Robust 038 und Premo 90 ihren GesamtCO₂-Fußabdruck über den Lebenszyklus (A1–C4) um 78 Prozent reduzieren konnten. Diese Werte basieren auf standardisierten, extern verifizierten Berechnungsverfahren und unterstreichen den direkten Zusammenhang ­zwischen elektrischer Schmelztechnologie, ­erneuerbaren Energiequellen und den Auswirkungen auf das Endprodukt. Bemerkenswert ist zudem, dass diese Emissionsreduktionen nicht auf Kosten der Produktleistung erfolgen. Die Dämmstoffe verfügen weiterhin über ihre gewohnt hohe Brandsicherheit, Langlebigkeit und Formstabilität. In ­einigen Fällen konnten die technischen Eigenschaften sogar weiter verbessert werden – so wurde beispielsweise die Druckfestigkeit von PAROC Premo 90 auf größer oder gleich 90 Kilopascal erhöht. ZUKUNFTSORIENTIERTE VERÄNDERUNGEN

Innovationen werden also nur dort umgesetzt, wo sie ­einen echten Mehrwert liefern. Tommy Lindgren, Leiter der Forschung und Entwicklung, fasst dies wie folgt zusammen: „Wir verändern uns nicht um der Veränderung willen, sondern um der Zukunft willen.“ Qualität ist und bleibt unser zentraler Wettbewerbsfaktor. Jede Prozessoptimierung muss daher sowohl zur Emissionsreduktion als auch zur Sicherstellung der gewohnt hohen technischen Leistungsfähigkeit beitragen.“ Die bisherigen Schritte markieren einen entscheidenden Wandel innerhalb der Steinwolleproduktion. Gleichzeitig ist die Entwicklung nicht abgeschlossen. So arbeitet das Unternehmen kontinuierlich an der Weiterentwicklung seiner elektrischen Schmelzprozesse, an der Ausweitung erneuerbarer Energiequellen sowie an technischen Innovationen in vorgelagerten und nachgelagerten Produktionsphasen. Ziel ist es, die CO₂-Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette weiter zu verbessern und damit ­einen wesentlichen Beitrag für die zukünftigen Anforderungen des europäischen Bauwesens zu leisten. ra 

Kontinuierliche Prozessoptimierung: Vom Rohstoffhandling über den Schmelzprozess bis zur Endfertigung werden alle Produktionsschritte auf Energieeffizienz und Emissionsreduktion geprüft.


22 BIOPOLYMERE: BEFESTIGUNGSLÖSUNG FÜR VORGEHÄNGTE, HINTERLÜFTETE FASSADEN

KLEINES DETAIL, GROSSER EINFLUSS Bei der Montage von Fassaden spielen nicht nur Konstruktion und Material eine Rolle, sondern auch zahlreiche Details im Ablauf auf der Baustelle. Vor diesem Hintergrund hat SFS sein ­Center-Point-System weiterentwickelt: Die vormontierte Zentrierhülse des Befestigers besteht zukünftig aus biologisch abbaubarem Material.

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it dem Center-PointSystem bietet SFS seit einigen Jahren eine Befestigungslösung für vorgehängte, hinterlüftete Fassaden, bei der Schraube und Setzhilfe in einem System kombiniert sind. Die vormontierte Zentrierhülse unterstützt dabei das präzise Setzen des Befestigers und erleichtert die exakte Positionierung der Fassadenplatten während der Montage. Beim Einschrauben bricht sie ab und erfüllt damit ihre Funktion als Montagehilfe. Die dabei entstehenden Hülsenreste mussten bislang auf der Baustelle aufgenommen und entsorgt werden. Genau hier setzt die Weiterentwicklung des Systems an. BIOLOGISCH ABBAUBARE ZENTRIERHÜLSE

Beim Einschrauben des Befestigers bricht die Zentrierhülse kontrolliert ab.

Die neue Zentrierhülse besteht aus einem biologisch abbaubaren Material auf Basis von Biopolymeren. Die beim Setzen entstehenden Hülsenreste müssen dadurch nicht mehr eingesammelt oder separat entsorgt werden. Sie können auf der Baustelle verbleiben und werden unter natürlichen Bedingungen über einen längeren Zeitraum durch Mikroorganismen abgebaut. Das verwendete ­Ma-­

Die Zentrierhülse besteht aus biologisch abbaubarem Material und verbleibt nach dem Setzen ohne zusätzlichen Entsorgungsaufwand auf der Baustelle.

WEITERENTWICKLUNG IM ­MONTAGEKONTEXT

terial erfüllt die Anforderungen an die biologische ­Abbaubarkeit gemäß DIN EN ISO 14855 sowie die Grenzwerte für Schwermetalle und andere Schadstoffe nach EN 13432. Die Anpassung des Hülsenmaterials greift damit direkt in den Montageablauf ein und reduziert den Aufwand im Umgang mit anfallenden Bauteilen auf der Baustelle. Insbesondere bei größeren Fassadenflächen, bei denen eine Vielzahl von Befestigungspunkten entsteht, wirkt sich dies auch auf die Organisation und Nachbereitung der Montage aus. Gleichzeitig bleibt das Funktionsprinzip des Systems ­unverändert. Die Zentrierhülse erfüllt weiterhin ihre Aufgabe als temporäre Montagehilfe beim Setzen des ­Befestigers und stellt die präzise Positionierung im Bohrloch sicher. Auch im Hinblick auf die Fassadenkonstruktion bleibt das System auf die Anforderungen beweg-­ licher Bauteile ausgelegt. Da beim Setzen kein Material der Zentrierhülse im Bohrloch verbleibt, steht weiterhin ausreichend Raum für temperaturbedingte Bewegungen der Fassadenplatten zur Verfügung.

Bilder: SFS Group AG

ANWENDUNGSVIELFALT

BAUEN AKTUELL SONDERHEFT 2026

Das System ist für unterschiedliche Plattenstärken v­ erfügbar und kann bei Fassadenplatten von sechs bis 13 Millimetern eingesetzt werden. Der erforderliche Vorbohrdurchmesser beträgt zehn Millimeter. Dadurch lässt sich das System in unterschiedlichen Fassadenkonstruktionen einsetzen und an projektspezifische ­Anforderungen anpassen. Für die Gestaltung bietet SFS ebenfalls Spielraum: Der Schraubenkopf ist farblich ­individuell anpassbar und kann auf das jeweilige Fassadenbild abgestimmt werden. ra 


BIOBASIERTE MATERIALIEN: HANFPANEELE

Impressum

AUS MATERIAL WIRD DESIGN

Herausgeber und Geschäftsführer: Matthias Bauer (Vorsitz), Dennis Hirthammer Bauen aktuell im Internet: www.bauen-aktuell.eu So erreichen Sie die Redaktion: Chefredakteur: Andreas Müller (v.i.S.d.P.) (andreas.mueller@win-verlag.de, Tel. 089/3866617-11) Redaktion: Regine Appenzeller (regine.appenzeller@win-verlag.de, Tel. 089/3866617-17) Autoren dieser Ausgabe: Roland Bauer, Vasyl Betsa

Biobasierte Materialien entwickeln sich von der Nischenlösung zur praxistauglichen Option für Architektur und Innenausbau. Das Akustik-Wandsystem Kana aus Hanffasern zeigt, wie sich Schallabsorption, natürliche Ästhetik und ökologische Kriterien verbinden lassen. VON ROLAND BAUER

So erreichen Sie die Anzeigenabteilung: Anzeigengesamtleitung: Martina Summer (089/3866617-31, martina.summer@win-verlag.de) anzeigenverantw. Mediaberatung: Manuela Gries (089/3866617-25, manuela.gries@win-verlag.de) Tilmann Huber (089/3866617-26, tilmann.huber@win-verlag.de) Anzeigendisposition: Auftragsmanagement@win-verlag.de Chris Kerler (089/3866617-32, Chris.Kerler@win-verlag.de) Abonnentenservice und Vertrieb Tel: +49 89 3866617 46 bauen-aktuell.eu/hilfe oder E-Mail an abovertrieb@win-verlag.de mit Betreff „Bauen aktuell“ Gerne mit Angabe Ihrer Kundennummer vom Adressetikett.

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aterialien für Wände, Decken und den Innenausbau beeinflussen unter anderem die CO₂-Emissionen, die Raumluftqualität und die Akustik. Gleichzeitig prägen sie aber auch die ­Atmosphäre eines Raums. Die Suche nach Alternativen zu ressourcenintensiven, konventionellen Werkstoffen führt deshalb zu einem wachsenden Interesse an biobasierten Materialien aus erneuerbaren Rohstoffen, die dazu beitragen, ökologische Anforderungen mit funktionalen und gestalterischen Ansprüchen zu verbinden. Ein Beispiel ist das Akustik-Wandsystem Kana von Mogu. Es wird aus Hanffasern hergestellt und verbindet Schallabsorption mit einer ­natürlichen Materialästhetik. Zum Einsatz kommen kann es unter anderem in Arbeitswelten, Gastronomie, im Einzelhandel und in öffentlichen Räumen. Hanf besitzt eine besondere ökologische ­Eigenschaft: Während des Wachstums bindet die Pflanze atmosphärischen Kohlenstoff. Dieser bleibt über den gesamten Lebenszyklus des M ­ aterials gespeichert. Nach Angaben des Herstellers können 200 Quadratmeter KanaPaneele im Vergleich zu herkömmlichen Innenausbaulösungen bis zu eine Tonne CO₂Emissionen einsparen. Die tatsächliche Bilanz hängt jedoch von den jeweiligen Vergleichsmaterialien, Herstellungsprozessen, Transportwegen und der Nutzung ab. Für eine

Bild: Archiproducts, Fòco

Zweiseitige Akustik-­ paneele aus Hanf.

Layout und Titelgestaltung: Design-Concept, Viktoria Horvath Bildnachweis/Fotos: falls nicht gekennzeichnet: Werkfotos, AdobeStock, shutterstock.com, Titelbild: �Warittha (KI-generiert), stock.adobe.com

­belastbare Bewertung sind daher transparente Lebenszyklusanalysen entscheidend. Neben der Umweltwirkung muss ein Material auch den Anforderungen der Praxis entsprechen. So ist Kana in verschiedenen Standardformaten und auf Anfrage in individuellen Abmessungen erhältlich. Dadurch lässt sich die akustische Planung in unterschiedliche architektonische Konzepte integrieren, ohne die gestalterische Flexibilität einzuschränken. Biobasierte Werkstoffe entwickeln sie sich immer mehr zu Produkten für konkrete Bau- und Innenraumprojekte, haben ihren rein experimentellen oder dekorativen Charakter längst verloren, sind auch nicht als Ersatz für konventionelles Material gedacht. Entscheidend ist stattdessen die Erweiterung des verfügbaren Materialangebots um Lösungen, die funktionale Leistung, gestalterische Qualität und ökologische Kriterien zusammenführen. D ­ amit wird die Materialwahl zu einem wichtigen Instrument, um Innenräume ressourcenschonender und zugleich komfortabler zu gestalten. Biobasierte Materialien sind deshalb keine pauschale Lösung für die Klimawirkung von Gebäuden. Sie leisten jedoch einen Beitrag, wenn sich Herkunft, Verarbeitung, Haltbarkeit und Entsorgung ganzheitlich bewerten lassen. So entsteht eine Architektur, die Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil des Entwurfs versteht und nicht als eine nachträgliche ­Ergänzung. ra 

Druck: Vogel Druck und Medienservice GmbH Leibnizstraße 5 97204 Höchberg Produktion und Herstellung: Jens Einloft (jens.einloft@win-verlag.de, Tel.: 089/3866617-36) Anschrift Anzeigen, Vertrieb und alle Verantwortlichen: WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, D-81549 München Tel.: 089/3866617-0 E-Mail: info@win-verlag.de; www.win-verlag.de Bezugspreise: Einzelverkaufspreis: 9,50 Euro, weitere EU-Länder: 11,70 Euro; im Ausland zuzüglich Versand­kosten Verlagsleitung: Martina Summer (martina.summer@win-verlag.de, Tel.: 089/3866617-31) Zentrale Anlaufstelle für Fragen zur Produktsicherheit: Martina Summer (martina.summer@win-verlag.de, Tel.:089/3866617-31) Erscheinungsweise: 1-mal jährlich Eine Haftung für die Richtigkeit der Veröffentlichungen kann trotz Prüfung durch die Redaktion vom Heraus­geber nicht übernommen werden. Honorierte Artikel gehen in das Verfügungsrecht des Verlags über. Mit Übergabe der Manuskripte und Abbildungen an den Verlag erteilt der Verfasser dem Verlag das Exklusivrecht zur Veröffentlichung. Für unverlangt eingeschickte Manuskripte, Fotos und Abbildungen keine Gewähr. Copyright © 2026 für alle Beiträge bei der WIN-Verlag GmbH & Co. KG. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen insbesondere der Nachdruck, die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM und allen anderen elektronischen Datenträgern. Ausgabe: 01/2026 (ET 27.08.2026) ISSN 2195-5913 Unsere Papiere sind PEFC zertifiziert Wir drucken mit mineralölfreien Druckfarben Außerdem erscheinen bei der WIN-Verlag GmbH & Co. KG: Magazine: AUTOCAD Magazin, DIGITAL BUSINESS CLOUD, DIGITAL ENGINEERING Magazin, DIGITAL MANUFACTURING, e-commerce Magazin, r.energy, PLASTXnow, PLASTVERARBEITER, KGK Rubberpoint

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