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25. Jahrgang
ISSN 2941-2870 (Print) | ISSN 2944-3598 (Online)
Ausgabe 10/2025
3
29. September 2025
Handlungsfähig
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Digitale Souveränität
Thüringens neue CIO Milen Starke verrät, wie sie die Verwaltung zukunftsfähig aufstellen möchte.
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SPEZIAL
Jutta Horstmann und Peer Heinlein sprechen über Open Source und die Pläne zum Euro-Stack.
Überblick, Hintergründe und Lösungen rund um Public ITSecurity und Cyber Crime Protection.
24. eGovernment-Wettbewerb
Stell dir vor, es ist eGovernment-Wettbewerb, und du bist nicht rechtzeitig am Start – machst am Ende aber trotzdem das Rennen. Genau das ist den Machern des UX-Standards KERN passiert, der in diesem Jahr einen der ersten Plätze belegte. Im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums des Ministerialkongresses fand am 18. September 2025 die Preisverleihung des von Cisco und BearingPoint ausgerichteten eGovernment-Wettbewerbs statt. Eine mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien besetzte Jury hatte sich bereits Monate zuvor die Köpfe darüber zerbrochen, welche der 15 Finalistenprojekte in vier Kategorien ganz oben aufs Treppchen gehörten. Und die Entscheidungen fielen nicht leicht, wie geteilte Podiumsplätze belegen. Kompromissbereitschaft war auch mit Blick auf den Zeitplan gefragt, verspäteten sich die Initiatoren des UX-Designsystems KERN von der Staatskanzlei Schleswig-Holstein
und der Senatskanzlei Hamburg aufgrund technischer Hürden doch zum Jury-Pitch. Ihrem Siegeszug in der Kategorie „Digitalisierungsschub durch KI und moderne Infrastruktur“ tat das keinen Abbruch. Prof. Dr. Dagmar Lück-Schneider hob hervor, dass das modulare Design-System für einheitliche, nutzerzentrierte und barrierefreie eGovernment-Services ganz wesentlich zu deren Akzeptanz beiträgt. „Andererseits beeindruckt, dass das Projekt auf Landesebene entstanden ist und nun das Potenzial besitzt, Wirkung über alle föderalen Ebenen hinweg zu entfalten.“ Das als Open-Source-Toolkit konzipierte System steht allen 16 Bundesländern, Kommunen und IT-Dienstleistern offen.
BA räumt doppelt ab In der Kategorie „Verwaltungsprozesse von Anfang bis Ende neu gedacht“ teilten sich zwei Projekte den ersten Rang. Eines davon ist das Schweizer Projekt DVS4U, eine digitale Nachweis-Infrastruktur des Kompetenzzentrums Digitale Verwaltung Thurgau, um Bürgern einen einfachen und sicheren App-Zugang zu digitalen Dokumenten zu ermöglichen. Auf dem geteilten ersten Platz fand sich auch die Bundesagentur für Arbeit mit ihrer Jobcenter-App wieder, die tags zuvor bereits den begehrten Publikumspreis erhalten hatte, bei dem online über 4.000 Stimmen abgegeben worden waren. Prof. Dr. Peter Paryczek,
© BearingPoint
Für gute Digitalprojekte ist es wohl nie zu spät Jon Abele, BearingPoint (rechts), und Martin Obholzer, Cisco, ehren die Preisträger des 24. eGovernmentWettbewerbs. Leiter des Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer-Institut FOKUS, würdigte das Projekt stellvertretend für die Jury: „Die Jobcenter-App setzt Maßstäbe für nutzerzentrierte Ende-zu-EndeDigitalisierung im Sozialbereich: Sie ermöglicht barrierearmen, datenschutzkonformen Zugang zu Leistungen und steigert zugleich Effizienz und Qualität [...].“
Nachhaltige Veränderung In der Kategorie „Verwaltungstransformation durch Organisations- und Veränderungsmanage-
ment“ gewann das Ministerium für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt mit dem Projekt „Gemeinsam Digital für Sachsen-Anhalt“. Jury-Mitglied Prof. Dr. Maria Wimmer hob den übergreifenden Ansatz hervor: Das Projekt zeige vorbildlich, „wie das übergreifende Zusammenwirken der verschiedenen Akteure im föderalen System dazu beiträgt, ganzheitlich Digitalisierungsbedarfe [...] zu realisieren“. Den Sieg in der Kategorie „Nachhaltigkeit durch Digitalisierung und in der IT“ sicherte sich das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum. Ausgezeichnet wurden dabei zwei Fernerkundungsprojekte zur Überwachung naturschutzrechtlicher Kompensationsmaßnahmen und zur Entwicklung von Planungshilfen für Klimaschutz. Franz-Reinhard Habbel bezeichnete die Projekte als „wegweisend für alle Länder in Deutschland, Österreich und in den Kantonen der Schweiz“. aus Weitere Informationen Impressionen von der Preisverleihung des 24. eGovernment-Wettbewerbs und alle Gewinnerprojekte aus den vier Kategorien finden sich auf der entsprechenden Veranstaltungswebsite.
[ voge.ly/egovwett25gewinner ]
Kurz gemeldet Government Monitor 2025 Der eGovernment Monitor 2025 von Initiative D21 und TUM konnte mit einer guten Nachricht aufwarten: Die Menschen hierzulande stehen der Idee einer rein digitalen Verwaltung, also „Digital Only“, erfreulich offen gegenüber: 34 Prozent der Befragten halten das für selbstverständlich, weitere 34 Prozent können es sich prinzipiell gut vorstellen, auch wenn sie noch Bedenken haben. Allerdings machen die diesjährigen Auswertungen vor allem deutlich, wie weit es bis dahin noch ist: Nur 15 Prozent sehen derzeit ihre Erwartungen an eine moderne, digitale Verwaltung erfüllt. Über
die Hälfte der Befragten gaben an, digitale Verwaltungsangebote nicht intensiver zu nutzen, weil sie sich dafür digital ausweisen müssten. Hier kommt der Online-Ausweis ins Spiel – bei dessen Nutzung zeigte sich aber, nach einer sprunghaften Entwicklung im Vorjahr, kaum noch Bewegung, sie liegt bei 25 Prozent. Der grundsätzlichen Offenheit für „Digital Only“ steht eine digitale Nutzungslücke von 33 Prozent gegenüber – das sind diejenigen Befragten, die in den letzten zwölf Monaten ein Anliegen an ein Amt oder eine Behörde hatten, dieses aber vollständig offline erledigten. Im Vor-
jahr lag dieser Anteil noch bei 31 Prozent. Der eGovernment Monitor betrachtet die Haltung der Bevölkerung zu digitalen Verwaltungsleistungen aber nicht nur insgesamt, sondern nimmt auch die einzelnen Bundesländer in den Blick. Hier ist demnach eine heterogene Entwicklung zu beobachten. Während sich die Nutzungslücke in den meisten Bundesländern kaum veränderte oder nur leicht anstieg, ging sie in drei Bundesländern sogar zurück, am stärksten in Thüringen: von 40 auf 34 Prozent, aber auch in Sachsen-Anhalt (von 36 auf 33 Prozent) und RheinlandPfalz (von 36 auf 32 Prozent).
Größere Anstiege dagegen verzeichneten Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland (von 33 auf 39 Prozent) und vor allem Bayern: von 24 auf 32 Prozent. Unterschiede zeigen sich auch beim Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Staates. Diese ist weiter gesunken: Nur noch 33 Prozent der Befragten in Deutschland haben großes oder sehr großes Vertrauen in den Staat (gegenüber 38 Prozent 2022). In den Bundesländern reicht die Bandbreite dabei von nur 20 Prozent in Sachsen und Sachsen-Anhalt bis zu 45 Prozent in Hamburg. nh voge.ly/eGovMON