Skip to main content

IT-BUSINESS 08/2026

Page 1


CHANNEL FOKUS KOMPONENTEN & PERIPHERIE

ÜBERLEBEN IN DER GRÜNDERPHASE

KEIN SICHERHEITSNETZ

Es gibt Momente, da merkt man: Jetzt wird’s ernst. Kein doppelter Boden, kein Sicherheitsnetz – nur die Entscheidung, zu springen. Der IT-Markt ist gerade genau an diesem Punkt. Voller Energie, voller Ideen. Aber eben auch voller Risiko.

Unsere Titelstory zeigt, wie nah Aufbruch und Scheitern beieinanderliegen. Rekordzahlen bei Gründungen treffen auf steigende Insolvenzen. Wer jetzt startet, braucht mehr als eine gute Idee: Strategie, Vertrieb und ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt entscheiden (S. 10).

Auch im Channel wird es rauer. Steigende Preise für Speicher und Komponenten verschieben das Geschäft und setzen vor allem das Privatkundensegment unter Druck (S. 28).

Dass Stabilität trotzdem möglich ist, zeigt CPN. Die Kooperation wächst – nicht durch Perfektion, sondern durch Vielfalt, Vertrauen und echte Zusammenarbeit (S. 20).

Neue Wege entstehen auch durch neue Perspektiven. Ilse Versluis steht für eine Generation, die sich nicht mehr fragt, ob sie in die IT gehört, sondern einfach macht (S. 18).

Und währenddessen verändert Künstliche Intelligenz ganze Industrien: weg von einzelnen Use Cases hin zu einer durchgängigen „Industrial Intelligence“, die Prozesse neu denkt (S. 40).

Der Markt wird nicht einfacher. Aber klarer. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Chance.

CHANNEL

FOKUS KOMPONENTEN & PERIPHERIE

18 Anspruchsvoll, aber spannend und erfüllend

Früher war ihr Eindruck, dass sie immer gute Noten in Mathe, Chemie und Physik haben müsste, um in der Cybersicherheitsbranche zu arbeiten. Nun gilt die 26-jährige Ilse Versluis als Ausnahmetalent.

28

Steigende Preise als Risiko

Im Geschäft mit PC-Komponenten und Peripheriegeräten bereiten dem Handel derzeit vor allem die steigenden Preise für Arbeits- und Massenspeicher Kopfzerbrechen.

6 Pit-Stop in Richtung Service-Edge

Infinigate baut sein (Service-) Portfolio stark aus und entwickelt sich vom Value Added Distributor zum Service-Edge.

Angetestet: Galaxy S26 Ultra

Shoulder Surfing – noch nie gehört? Aber gesehen. Schauplatz: volle Züge.

Da lesen Sitznachbarn gerne mal Nachrichten mit oder erspähen PINs. Mit dem Galaxy S26 Ultra gehört Smartphone-Voyeurismus der Vergangenheit an.

TITELSTORY

10

Überlebensformel für Gründer

Wachstum, Innovation, zahlreiche

Neugründungen: Dem IT-Markt geht es gut. Doch nehmen Insolvenzen zu und der KI-Boom zeigt erste Schattenseiten.

MARKT & ANALYSEN

Pit-Stop in Richtung Service-Edge

Infinigate baut sein Portfolio stark aus und entwickelt sich vom VAD zum Service-Edge. > 6

Littlebit setzt auf Handel statt Horten Littlebit Technology hat Mitarbeiter eingestellt, schnell auf die SpeichermarktSituation reagiert und expandiert. > 8

TITEL Überlebensformel für Gründer

Dem IT-Markt geht es gut. Doch nehmen Insolvenzen zu und der KI-Boom zeigt erste Schattenseiten. > 10

IT and She mit Ilse Versluis

Die erst 26-jährige Ilse Versluis ist Cyber Security Analyst bei Eye Security. > 18 Wie CPN Systemhäuser vernetzt

Der CPN-Geschäftsführer erklärt, warum Vielfalt ein Schlüssel zum Erfolg ist. > 20

KI, Migration und digitale Souveränität

Suse präsentiert sich als Alternative zu proprietären Lösungen. > 22

Premium-Hersteller mit stärkerem Channel-Fokus

Beim japanischen Monitorhersteller Eizo rangiert Qualität vor Innovationsgeschwindigkeit. > 24

PRODUKTE

HDD und Gaming-PC

Die USB-HDD von Seagate kommt ohne Netzteil und Dell stellt einen neuen Gaming-PC vor. > 34

Datacenter-SSD und A3-MFPs

Kingston stellt Hochkapazitäts-SSD vor und Kyocera neue Drucker. > 36

Angetestet: Galaxy S26 Ultra

Shoulder Surfing – noch nie gehört? Aber gesehen. Diskretion ist Trumpf beim Galaxy S26 Ultra. > 38

Die Fabrik denkt mit

KI in der Industrie soll künftig als durchgängige „Industrial Intelligence“ gedacht werden. > 40

VERANSTALTUNGEN

Littlebit Hausmesse in Frankfurt

Circa 400 Menschen nahmen in diesem Jahr an der Hausmesse des Distributors Littlebit teil.

52

Infinigate Innovation Summit

Infinigate lud auch in diesem Jahr zum Innovation Summit nach Mainz ein.

Wechsel im Management

Bei Eno, Aagon und Ontinue gibt es Veränderungen auf Führungsebene. > 26

Channel-News

Kooperation für mehr Souveränität, Cancom tritt dem KI Bundesverband bei und Cohere übernimmt Aleph Alpha. > 27

CHANNEL FOKUS

Komponenten & Peripherie

Steigende Preise als Risiko

Im Geschäft mit PC-Komponenten und Peripheriegeräten bereiten dem Handel derzeit vor allem die steigenden Preise für Arbeitsund Massenspeicher Kopfzerbrechen. > 28

40

Die Fabrik denkt mit

KI in der Industrie soll künftig nicht mehr nur aus einzelnen Anwendungen bestehen, sondern als durchgängige „Industrial Intelligence“ gedacht werden.

Susecon in Prag

Nie war die Susecon größer: so viele Partner wie nie, so viele Besucher wie nie.

Hannover Messe 2026

Rund 110.000 Besucher erleben auf der Hannover Messe, wie die Industrie die KI-Experimentierphase hinter sich lässt.

56

AKTUELLE NEWS & HINTERGRÜNDE AUS DEM IT-MARKT

PIT-STOP IN RICHTUNG SERVICE-EDGE

Infinigate baut sein (Service-)Portfolio stark aus und entwickelt sich vom Value Added Distributor zum Service-Edge. André Stark, Anja Marohn und Udo Schillings erklären, was dahintersteckt und welche Rolle Themen wie KI, OT und Partnerbefähigung dabei spielen. | Mihriban Dincel

Der Security-Spezialist und Distributor Infinigate lud auch in diesem Jahr zum Innovation Summit nach Mainz ein. Rund 500 Teilnehmer und 31 Hersteller folgten dem Motto „Accelerate towards a secure digital future. Together.“, Rennstrecke und Formel1-Wagen inklusive. Denn genau darauf zielte der Distributor mit dem diesjährigen Event ab: Partner gemeinsam für das Rennen vorzubereiten. Daher stießen insbesondere die praxisorientierten Workshops zu MSSP, SASE, OT-Security und weiteren Security-Themen auf großes Interesse. Ein klares Zeichen dafür, wo die Prioritäten der Partner derzeit liegen.

Und die liegen unter anderem auf Managed Services, weswegen sich dieses Segment bei Infinigate sehr positiv entwickelt. „Das starke Wachstum wird durch die Wirtschaftssituation getrieben“, so Marohn. Partner können mit flexiblen Service-Modellen besser auf Wachstumsschwankungen ihrer Endkunden reagieren und damit ihre Service-Umsätze skalieren. Das stärkt die Planbarkeit für Partner durch monatliche Einkünfte anstelle von Einmal-Umsätzen.“ Der Fachkräftemangel verstärke diese Entwicklung zusätzlich, ergänzt Udo Schillings, Director Sales

DACH. Daher gewinne auch das Thema Automatisierung stärker an Bedeutung. Das vergangene Jahr verlief also insgesamt erfolgreich. „Wir haben ein gutes Jahr hinter uns gebracht und konnten selbst in einem schwierigen Marktumfeld wachsen“, erklärt André Stark, Managing Director DACH. Ein Highlight sei die deutliche Erweiterung des Portfolios. „Wir haben einige neue, jüngere Hersteller mit innovativen Technologien aufgenommen. Damit bieten wir unseren Partnern ein noch breiteres und tieferes Leistungsangebot.“ Für das aktuelle und kommende Jahr setzt sich Infinigate daher ambitionierte Ziele. „Dabei gehen wir sehr agil in kleineren Schritten vor. Das ermöglicht Flexibilität. Wir setzen uns hohe Ziele, weil das Teil unseres Wertesystems ist. Wachstum ist in unserer DNA“, so Stark.

Um dieses Wachstum weiter zu ermöglichen und die Bedürfnisse der Partner zu decken, hat Infinigate die Service-Palette systematisch ausgebaut. Ende 2024 startete das Unternehmen ein PartnerMarketing-Service-Konzept mit eigenem Team. „Damit unterstützen wir kleinere Partner, die nicht über eigene Ressourcen oder Marketingkonzepte verfügen“, erläutert Marohn. Parallel dazu wurde der Attack Prevention Service (APS) lanciert,

eine Früherkennung möglicher Cyber angriffe. Damit kann ein Angriffsvektor geschlossen werden, bevor ein Cyberangriff wirksam wird. Kurz: Eine Reaktion erfolgt bereits vor einem Cyberangriff. „Partner wollen genau diese Art von Security-Konzept in ihr MSP-Modell integrieren“, bestätigt Schillings. „Das ist die Weiterentwicklung vom Value Added Distributor zum Service-Edge, die nächste Ebene mit proaktiven Services für den Channel.“ Das sei die nächste logische Stufe: bei Services und Enablement eine besonders große Rolle einzunehmen. „Distribution, die sich nicht um ihr Serviceangebot kümmert, wird in der Zukunft keine Differenzierungsmerkmale mehr haben“, prognostiziert daher Marohn.

Ein weiterer Punkt, der den Wandel zum Service-Edge markiert, ist das Center-ofExcellence-Konzept. Damit erzielt Infinigate unter anderem im Bereich OT-Security

Infinigate feiert 30 Jahre

Der 1996 von Axel Schultze und David Martinez gegründete Distributor (damals noch Internet2000) feiert 30-jähriges Bestehen. Seither hat sich vieles verändert, nicht nur der Name, sondern auch die Fokussierung auf IT-Security. Trotz aller Innovation bleibe die Grundausrichtung aber unverändert, versichert Schillings: „Die Grund-DNA ist die gleiche wie vor 30 Jahren:

Erfolge. „Das ist ein themenübergreifender Ansatz zur Partnerbefähigung“, erklärt Stark. „Beim Thema OT-Security war es prozentual einer unserer stärksten Wachstumsfaktoren. Hier haben wir Security- und OT-Expertise jeweils zusammengeführt. Jetzt bauen wir das Konzept für SASE und AI/Robotics aus.“

Die Herausforderung im OT-Bereich: „OT-Experten kennen Security nicht und IT-Security-Experten kennen OT nicht“, bringt es Schillings auf den Punkt. Das Center of Excellence verfüge über viele

sehr nah am Partner, sehr serviceorientiert. Unser Anspruch – gemeinsam die digitale Zukunft sicherer zu machen – ist der Antrieb.“ Die langjährigen Partnerschaften seien ein besonderer Wert, ergänzt Marohn: „Wir haben unglaublich viele langjährige Partnerschaften. Mit vielen Herstellern und Partnern, die wir seit 20 oder sogar 30 Jahren kennen, durften wir wachsen.“

Das ist die Weiterentwicklung vom Value Added Distributor zum Service-Edge, die nächste Ebene mit proaktiven Services für den Channel.

Jahre gebündelte OT-, aber auch SecurityErfahrung. „Wir analysieren zunächst die Produktionsstätte, identifizieren Schwachstellen und entwickeln dann NIS2-

konforme Lösungsansätze – auch mit Produkten außerhalb unseres Portfolios, falls nötig.“

Eine weitere Hürde im OT-Bereich: „Für Partner bedeutet OT oft neue Kontakte beim Endkunden, andere Teams, andere Verantwortlichkeiten, eine andere Sprache“, betont Marohn. „Wir helfen beim Enablement, die richtigen Ansprechpartner zu identifizieren und deren Bedürfnisse zu verstehen“, nennt Marohn eine weitere Befähigung durch das Center.

Solch bedürfnisorientierte Unterstützung ist derzeit auch notwendig. Die aktuellen Pain Points der Partner fasst Marohn zusammen: „Wir alle hoffen, dass das Cybersicherheits-Niveau unserer Infrastruktur in Deutschland besser ist, als es tatsächlich der Fall ist. Viele Partner sehen diese Realität und möchten sie ändern, sind aber teils durch wirtschaftliche Faktoren beim Endkunden limitiert. Die Gratwanderung zwischen dem, was dringend benötigt wird, und dem wirtschaftlich Machbaren ist eine riesige Herausforderung.“

Eine Herausforderung für Partner bestehe laut Schillings auch darin, aus der Masse der Angebote die richtigen herauszufiltern. „Es gibt immer mehr Angebote am Markt: gute, weniger gute und schlechte.“ Ebenso positioniere sich der Distributor hier mit Expertise, Beratung und entsprechender Unterstützung bei der Wahl der richtigen Lösung für das richtige Kundensegment und deren Herausforderungen. 

Udo Schillings, Vendor Alliance Manager DACH bei Infinigate

LITTLEBIT SETZT AUF HANDEL STATT HORTEN

Littlebit Technology hat 20 neue Mitarbeiter eingestellt, schnell auf die Speichermarkt-Situation reagiert und expandiert europaweit. CEO Stefan Ebnöther und Managing Director Christian Bedel über StorageStrategien, Wachstumsziele und partnerschaftliche Werte. | Mihriban Dincel

Circa 400 Teilnehmer fanden den Weg zur diesjährigen Hausmesse von Littlebit. Trotz aller Herausforderungen war die Stimmung positiv. Christian Bedel, Managing Director bei Littlebit Deutschland, beschönigte in seiner Begrüßung nichts. Er sprach offen über die verhaltenen Prognosen. Dennoch machte er Mut: mit dem Zitat „keine Panik“ von Douglas Adams. Denn Business im ITK-Markt wird und werde weiterhin zwischen Menschen gemacht.

Auch im Gespräch mit IT-BUSINESS zeigt sich der Distributor in starker Verfassung. „Wir haben im Herbst ein neues Vertriebsbüro in Köln eröffnet und rund 20 erfahrene Kollegen hinzugewonnen“, spricht Bedel über eine Neuigkeit. Diese positive Entwicklung in Deutschland wirke sich auf die ganze Gruppe aus. „Deutschland als größter Standort hatte natürlich eine gute Sogwirkung auf die gesamte Gruppe. Die positiven Ergebnisse haben sich auf alle Regionen ausgewirkt“, betont Stefan Ebnöther, CEO von Littlebit Technology. Allgemein agiere man nun zunehmend auf Gruppenlevel. So ist Bedel mittlerweile für die strategischen Kunden der gesamten Gruppe zuständig.

Segmente, die gruppenweit besonders gut liefen: Grafikkarten und Mainboards. Besonders erfreulich entwickelt sich auch das B2B-Channel-Geschäft, insbesondere bei Video-Conferencing, Display-Technologien und im Content-Bereich. Ebenso ist

Wir sind Händler. Ein Händler verkauft Ware und hält sie nicht zurück oder verknappt sie zusätzlich.
Stefan Ebnöther, CEO bei Littlebit Technology

das Portfolio des Distributors gewachsen. „Auf der Computex haben wir den Grundstein gelegt und fünf bis sechs neue Distributionsverträge mit Herstellern gezeichnet“, berichtet Bedel.

Storage gehört zu den Kernkompetenzen von Littlebit. Doch die anhaltende Speicherkrise bringt Herausforderungen. „Es ist schwierig, eine langfristige Strategie zu entwickeln, weil der Markt sehr dynamisch

ist“, räumt Ebnöther ein. Doch der Distributor habe sich im Einklang mit der Firmenkultur entschieden, keine Ware zu horten oder zu spekulieren. „Solange der Konsument und der Channel bereit sind, die Ware zu den aktuellen Preisen abzunehmen, verkaufen wir sie entsprechend. Der Einfluss, den wir als Distributor haben, ist sehr gering. Wir können nicht produzieren und die Hyperscaler nicht vom Aufkaufen abhalten. Deshalb gilt für uns: Wir sind Händler. Ein Händler verkauft Ware und hält sie nicht zurück oder verknappt sie zusätzlich“, erklärt der CEO. Bedel ergänzt: „Unsere langjährige Erfahrung in diesem Bereich hilft uns enorm.“

Für das laufende Jahr zeigt sich die Geschäftsführung daher optimistisch. „Aus Gruppensicht bin ich sehr zuversichtlich. Die IT-Industrie entwickelt sich immer dynamisch, das sind teilweise einzigartige Situationen, aber nichts, was uns langfristig Sorge macht“, so Ebnöther. Auch wenn die Markt-Situation derzeit kaum jemandem in die Karten spiele, sieht Bedel die Ziele ebenso nicht gefährdet. 

Christian Bedel (r.) und Stefan Ebnöther (Mitte) eröffnen die Messe mit einer Begrüßungsrede.

ÜBERLEBENSFORMEL

FÜR GRÜNDER

Wachstum, Innovation, zahlreiche Neugründungen: Dem IT-Markt geht es gut. Doch nehmen Insolvenzen zu und der KI-Boom zeigt erste Schattenseiten. Aber mit der richtigen Strategie und einigen Faktoren können Gründungen erfolgreich gelingen. | Mihriban Dincel

Erfolgsfaktoren für unsichere Zeiten

1.Klarer

Fokus auf Chancen: Mark Schröder von Synaxon rät, den Blick auf das Positive zu richten – konkret: das Privileg, in einer weiterhin hochrelevanten Branche tätig zu sein.

2.Kundenfokus intensivieren: „Wir raten unseren Partnern zu hundertprozentiger Zentrierung auf die Bedürfnisse des Kunden aus dem KMU-Umfeld“, so Schröder. Gerade wegen KI bräuchten Kunden eine vertrauensvolle Beziehung zu IT-Dienstleistern und eine „ruhige leitende Hand“.

3.Prozesse optimieren und neue Geschäftsfelder erschließen: Silvia Habeck von ComTeam rät Partnern, „ihre Prozesse zu optimieren, neue Geschäftsfelder zu erschließen und ihre Neukundenansprache zu intensivieren.“

4.Netzwerk ausbauen: „Ein gutes Netzwerk ist wertvoller als ein gutes Produkt. Business Angels und Mentoren sind Gold wert“, legt Rechtsanwalt Wolfgang Schmid Neugründern nahe.

5.Vertrieb lernen: „Marketing und Vertrieb kommen viel zu spät“, weiß Schmid. Dabei ist Vertriebskenntnis eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Geschäft.

6.Timing beachten: „Selbst großartige Produkte und Leistungen scheitern, wenn sie im falschen Jahr auf den Markt kommen –etwa wegen sich ändernder Förderlandschaften bei Kunden“, betont Schmid.

7.Rechtzeitig Rat suchen: Wird es schwierig, sollten Unternehmen rechtzeitig Rat suchen – „spätestens bei Anzeichen drohender Zahlungsunfähigkeit“, rät Simion Berg von der IHK Schwaben.

Während viele

Branchen mit schwacher

Nachfrage ringen, zeigt sich die Digitalwirtschaft

robust.

beim Digitalverband Bitkom

Leiter Startups & Scaleups

Wolfgang Schmid, Rechtsanwalt und Datenschutzrecht-Spezialist bei Schmid Frank Rechtsanwälte, kennt die Gründerszene aus jahrelanger Beratungspraxis und bestätigt die hohen Gründungsaktivitäten, die sich insbesondere in der TechBranche bewegen. „In den letzten fünf Jahren hatte ich nur einen einzigen Gründer ohne digitale Lösung. Alle anderen kamen mit Apps, Plattformen oder KI-gestützten Anwendungen.“

In einer zunehmend digitalen Welt gilt: Ohne IT gibt es keine Handlungsfähigkeit mehr – und wir gestalten die Lösungen für eine agile Zukunft!

Das größte Problem sieht Schmid im fehlenden Vertrieb. „Die Gründer können zwar programmieren, aber keinen Vertrieb. Sie schieben den Markteintritt nach hinten, weil sie zuerst eine perfekte technische Lösung entwickeln wollen. Marketing und Vertrieb kommen viel zu spät.“ Besonders kritisch werde es im dritten Jahr. „Hier kommen mehrere Faktoren zusammen: Die ExistFörderung läuft aus – leider viel zu früh. Die ersten Steuernachzahlungen kommen plus erhöhte Vorauszahlungen. Investoren erwarten messbare Erfolge wie Klick- oder Kundenzahlen. Private Veränderungen führen zu unterschiedlichen Prioritäten bei Gesellschaftern. In dieser Phase scheitern regelmäßig Gründungen.“

Simion Berg, juristischer Berater bei der IHK Schwaben, hebt die rechtlichen Aspekte hervor. Die häufigsten Insolvenzgründe sei die Zahlungsunfähigkeit. Nach § 17 der Insolvenzordnung (InsO) liegt der typische Schwellenwert bei mindestens 10 Prozent Liquiditätslücke über drei Wochen. Er nennt zudem die drohende Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO. Diese ist ein eigener Eröffnungsgrund für ein Insolvenzverfahren und nur durch einen Eigenantrag des Schuldners möglich. Das ist „insbesondere relevant für eine Sanierung oder als Schutzschirm“, erklärt Berg. Auch könnten fehlende Investoren oder überholte Modelle zu einer Insolvenz führen.

Auf die Frage, wie früh Unternehmer Rat suchen sollten, ist Berg eindeutig: „Spätestens bei Anzeichen drohender Zahlungsunfähigkeit – wenn die Cashflow-Planung

Silvia Habeck, Leiterin Partnermanagement bei ComTeam

absehbare Lücken zeigt – oder bei Überschuldungsrisiko.“ Gesetzlich ist ein Insolvenzantrag spätestens drei Wochen nach der Zahlungsunfähigkeit oder sechs Wochen nach Eintritt der Überschuldung verpflichtend (§ 15a InsO). Wer früher handle, könne das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) nutzen. Der Experte rät eine vorlaufende Analyse der Zahlen durchzuführen, um gegebenenfalls rechtzeitig Maßnahmen einleiten zu können. Ein umfassender Überblick über die Lage sowie richtiges Zeitgefühl können bei solch einem Prozess also über das weitere Bestehen eines Unternehmens entscheiden. „Verspätetes Handeln erhöht hingegen Haftungs- und Strafrisiken und verschlechtert Sanierungschancen“, appelliert Berg. Trotzdem blickt er zuversichtlich auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. „Der Gesetzgeber stellt mit StaRUG, Schutzschirm und moderner Eigenverwaltung wirksame Sanierungswege bereit, die gerade bei Tech-Geschäftsmodellen mit frühzeitiger Planung wirksam sind.“ Damit bleibt Grund zum Optimismus. Selbst in schwierigen Phasen haben Unternehmen die Möglichkeit, wieder durchzustarten.

Doch lässt sich dieser Optimismus auch konkret auf den IT-Channel übertragen? Aus dem Blickwinkel der Kooperationen durchaus. Denn Systemhausnetzwerke wie Synaxon und Comteam berichten von

Wir haben das Privileg, in einer Branche tätig zu sein, die zwar auch einem Strukturwandel unterliegt, aber gleichzeitig hochrelevant bleibt.
Mark Schröder, Vorstandsvorsitzender bei Synaxon

einem stabilen bis wachsenden Mitgliederbestand, was für eine positive Entwicklung dieses Segments spricht. Neben etablierten Systemhäusern, die sich jetzt für eine Mitgliedschaft entscheiden, ließe sich daraus auch schlussfolgern, dass mehr mittelständische Dienstleister den Einstieg in den Markt wagen und Kooperationen beitreten.

„Synaxon wächst weiterhin. Gerade in komplexen und wirtschaftlich herausfordernden Marktphasen verzeichnen Kooperationen einen erhöhten Zulauf. Insgesamt schließen sich derzeit mehr Unternehmen unserer Kooperation an, als sie verlassen“, bestätigt Mark Schröder,

Vorstandsvorsitzender der Synaxon. Austritte hingegen seien häufig dem demografischen Wandel geschuldet. „Das Thema ‚Insolvenz‘ ist glücklicherweise noch die Ausnahme.“ Silvia Habeck, Leiterin Partnermanagement bei Comteam, bestätigt: „Bislang sind Austritte aufgrund von Insolvenzen oder Unternehmensschließungen bei Comteam äußerst selten. In diesem Jahr konnten wir sogar bereits einige interessante neue Partner aufnehmen.“

Und bei diesen neuen Partnern handelt es sich nicht ausschließlich um langjährig etablierte Dienstleister. „Es gibt definitiv neue Systemhäuser mit jungen Leuten, die

BILD: SYNAXON
BILD: GEMINI / KI-GENERIERT

Beratung und Unterstützung

Unternehmen, die sich derzeit in einer „Schieflage“ befinden, können sich unter anderem an die jeweils zuständige IHK-Stelle wenden. Die IHK hat eine gesetzliche Beratungsbefugnis zur Früherkennung und Bewältigung von Unternehmenskrisen und darf entsprechende Einrichtungen/Angebote vorhalten (§ 1 Abs. 2a IHKG). Sie wirkt zudem an der Förderung der gewerblichen Wirtschaft mit und kann außergerichtliche Konfliktlösungen unterstützen.

Auch Kooperationen stehen Mitgliedern mit Beratung zur Seite. Gründer können zudem von den Erfahrungen älterer Mitglieder profitieren.

Für Startups mit finanziellen Startschwierigkeiten hat Bitkom einige Tipps zusammengestellt. Sie ersetzen zwar keine Rechtsberatung, können aber Unterstützung und wichtige Anhaltspunkte bieten.

zu CPN kommen“, weiß CPN-Chef Tobias Schulte-Ostermann. Diese Entwicklung sei laut CPN ein positives Zeichen dafür, dass sich Gründungen im Systemhaus-Markt weiterhin lohnen und die Branche lebendig bleibt.

Lebendig und in Bewegung sind die Stichworte: Synaxon nimmt darüber hinaus sogar einen Strukturwandel am Markt wahr. Schröder erklärt, dass kleinere Unternehmen, insbesondere Einzelkämpfer, häufiger aus dem Markt ausscheiden. „Das bedeutet allerdings nicht, dass kleine Unternehmen grundsätzlich keine Zukunft haben. Im Gegenteil: Gerade bei Neugründungen sehen wir viele spezialisierte Dienstleister, die von Anfang an mit einem klaren, fokussierten Geschäftsmodell antreten.“ Es komme auf den richtigen Schwerpunkt, das Modell und den Zeitpunkt an. Habeck sieht vor allem einseitige Spezialisierungen als Risiko: „Spezialisierungen, die ausschließlich die Technologieebene im Fokus haben, ohne gleichwertig die Prozesse und Strukturen des einzelnen Unternehmens zu berücksichtigen, werden es immer schwerer haben. Denn das Gesamtpaket ist für die Kunden entscheidend: die ganzheitliche Lösung in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, Technologie und

Individualität sowie Risiko- und Haftungsthemen.“ Wer diese Punkte im Auge behält, hat gute Chancen am Markt.

Auch zeigt sich ein Paradigmenwechsel. So gewinne aktiver Vertrieb im IT-Dienstleistungsgeschäft seit einiger Zeit wieder deutlich an Bedeutung, berichtet Schröder. Das bestätigt Schmids Beobachtung, dass Vertrieb einen enorm wichtigen Teil bei Neugründungen ausmacht und letztlich über Bestehen oder Schließung entscheiden kann. Habeck konkretisiert die Entwicklung bei Comteam. „Wir beobachten, dass die Comteam-Partner jetzt mehr in ihre Kunden-Neugewinnung investieren. Die letzten Jahre waren hingegen stärker geprägt von der Betreuung bestehender Kunden.“ Vertrieb und Kundenbeziehungen werden damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor, findet auch Schröder: „Wir raten unseren Partnern zu hundertprozentiger Zentrierung auf die Bedürfnisse des Kunden aus dem KMU-Umfeld. Gerade vor dem Hintergrund der Umwälzungen durch KI brauchen diese nun mehr als jemals zuvor eine ruhige leitende Hand. KI kann nicht die vertrauensvolle Beziehung zum IT-Dienstleister ersetzen, der den Kunden verantwortlich begleitet. Das Management der Kundenbeziehung gewinnt daher immer mehr an Bedeutung, während

Technik vielfach zum Hygienefaktor wird.“ Das bedeutet, mit fortschreitenden Technologien eröffnen sich neue Potenziale für den IT-Dienstleister-Markt und darin auch für alle, die jetzt neu gründen möchten.

Wer also jetzt den Start wagen möchte, kann durchaus positiv an die Sache herangehen und „übertriebener Pessimismus schränkt nur die eigenen Möglichkeiten ein“, findet Schröder. „Wir bei Synaxon sind von jeher Optimisten. Für mich ist diese Haltung entscheidend. Wer positiv in die Zukunft blickt, richtet den Fokus automatisch auf Chancen, Projekte und Entwicklungsmöglichkeiten und lässt sich nicht von schwierigen Rahmenbedingungen ausbremsen“, bringt er auf den Punkt. Die Zahlen geben ihm Recht: Laut Synaxon IT-Servicepreisspiegel 2026 erwartet die Mehrheit der Partner für 2026 ein Geschäftswachstum.

Auch Habeck setzt deutlich auf Optimismus. „Wir dürfen in einer Branche arbeiten, die den Fortschritt maßgeblich gestaltet. Systemhäuser helfen ihren Kunden mit innovativen IT-Lösungen, effizienter, schneller und erfolgreicher zu werden. In einer zunehmend digitalen Welt gilt: Ohne IT gibt es keine Handlungsfähigkeit mehr – und wir gestalten die Lösungen für eine agile Zukunft!“

Auf den gesamten IT-Markt betrachtet, teilt Schmid diese Einschätzung. Die Sterne stehen gut, „die IHKs, Universitäten und das Digitale Zentrum Schwaben pushen Gründungen und das ist sehr wertvoll –auch weil sie selbst davon profitieren und das steht ihnen zu. Der Optimismus ist also absolut berechtigt. Es passiert sehr viel am Markt, die Gründungsaktivität ist hoch. Die Herausforderungen sind bekannt und lösbar.“

Die Zahlen zeichnen ein vielschichtiges Bild mit Rekordzahlen bei Neugründungen, einem wachsenden Digitalmarkt und gleichzeitig steigenden Insolvenzen. Dennoch ist der IT-Markt derzeit dynamischer als manch andere Branche. Und er belohnt jene, die frühzeitig Rat suchen, Vertrieb und Kundenbeziehungen priorisieren, Netzwerke nutzen und mit realistischem Blick auf Chancen fokussiert bleiben. Wer diese Faktoren im Griff hat, kann im IT-Markt erfolgreich Fuß fassen. 

BILD: GEMINI

ANSPRUCHSVOLL, ABER SPANNEND UND ERFÜLLEND

Früher war ihr Eindruck, dass sie immer gute Noten in Mathe, Chemie und Physik haben müsste, um in der Cybersicherheitsbranche zu arbeiten. Außerdem schreckte sie das Klischee des technischen und versunkenen Informatikers mit hoher Bildschirmzeit ab. Nun gilt die 26-jährige Ilse Versluis als Ausnahmetalent, da sie 2025 eine relevante Sicherheitslücke bei Microsoft SharePoint entdeckt hat.

Welche Herausforderungen sind Ihnen in Ihrer Karriere begegnet – und wie sind Sie damit umgegangen?

Ilse Versluis: Bisher hatte ich das Glück, in meiner Karriere keine größeren Rückschläge zu erleben. Eine Herausforderung sehe ich jedoch darin, dass die Cybersicherheit ein sich ständig weiterentwickelndes Feld ist. Das bedeutet, dass man sich kontinuierlich weiterbilden und anpassen muss. Das kann zwar anspruchsvoll sein, ist für mich aber gleichzeitig einer der Aspekte, die die Arbeit so spannend und erfüllend machen.

Gab es Menschen, die Ihr Talent gezielt gefördert haben?

Ilse Versluis: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte die Möglichkeit, von vielen hochqualifizierten Kolleginnen und Kollegen bei Eye Security zu lernen, was mich fachlich sehr weitergebracht hat. Außerdem habe ich sehr von dem Vertrauen profitiert, das mir früh in meiner Karriere entgegengebracht wurde, als ich als SOC-Analystin angefangen habe. Die frühe Übernahme von Verantwortung hat mich sowohl beruflich als auch persönlich stark weiterentwickelt.

Ilse Versluis

Cybersecurity-Analystin bei Eye Security

Ilse Versluis wird voraussichtlich im Juli 2026 ihr Studium zur BSc in IT-Sicherheit an der Fachhochschule Den Haag (University of Applied Sciences) abschließen. Seit Anfang 2024 ist sie bei dem Cybersecurity-Anbieter Eye Security tätig. Im Februar 2026 startete sie zudem ein Praktikum bei der Zentralregierung der Niederlande.

Es gibt noch viel ungenutztes Potenzial an Menschen, die sich selbst nicht in der IT sehen.
Ilse Versluis, Cyber Security Analyst bei

Eye Security

Welche Veränderungen wünschen Sie sich für die IT-Branche, insbesondere in Bezug auf Diversität und Gleichberechtigung?

Tauschen Sie sich bewusst mit anderen Frauen in der IT aus?

Ilse Versluis: Ich kenne persönlich nicht viele Frauen in der IT, habe aber immer gerne mit ihnen zusammengearbeitet und von unterschiedlichen Perspektiven profitiert. Grundsätzlich halte ich den Austausch mit anderen in diesem Bereich für sehr wertvoll – unabhängig vom Hintergrund.

Ilse Versluis: Ich denke, es gibt noch viel ungenutztes Potenzial an Menschen, die sich selbst nicht in der Cybersicherheit oder IT sehen – oft, weil sie ihre eigenen Fähigkeiten unterschätzen oder nicht wissen, welche Einstiegsmöglichkeiten es gibt. Ich würde mir mehr Aufklärung darüber wünschen, wie groß der Bedarf an neuen Talenten ist, sowie klarere und zugänglichere Wege in die Branche.

BILD: EYE SECURITY
BILD: EYE SECURITY

WIE CPN SYSTEMHÄUSER VERNETZT

Die IT-Kooperation CPN verzeichnet kontinuierliches Wachstum. Geschäftsführer Tobias Schulte-Ostermann erklärt, warum Vielfalt ein Schlüssel zum Erfolg ist und weshalb familiäre Atmosphäre mehr zählt als schnelles Wachstum. | Sylvia Lösel

Rote Trainingsjacken sind das Markenzeichen von CPN. Das Outfit zeigt exemplarisch, was sich die Kooperation auf die Fahne geschrieben hat: der Sparringspartner und Vermittler für seine angeschlossenen Partner zu sein. Mit inzwischen 160 Mitgliedern an über 200 Standorten in Deutschland, einem Wachstum von 10 bis 20 Prozent pro Jahr und der jüngsten Expansion nach Österreich macht die Kooperation zudem wohl einiges richtig. Anders als Wettbewerber setzt CPN dabei bewusst auf Breite statt Spezialisierung bei seinen Mitgliedern. Bei der diesjährigen Partnerveranstaltung Ignition war der Teamspirit auch deutlich zu spüren.

Das Spektrum reicht von kleinen Systemhäusern mit zwei bis drei Mitarbeitern über Security-Spezialisten bis hin zu Microsoft-365-Spezialisten und sogar KI-Agenten-Programmierern. Die durchschnittliche Größe liegt bei sieben bis zehn Mitarbeitern. Diese Vielfalt ist gewollt und

Die Ignition ist die Partnerveranstaltung der CPN. Diese

2026 in Essen statt.

macht einen wesentlichen Unterschied zu anderen Kooperationen aus. SchulteOstermann: „Die Vielfalt der Partner in unserem Netzwerk ermöglicht es uns, die einzelnen miteinander zu vernetzen.“ Das Prinzip: Ein Systemhaus mit einem Projekt in einer anderen Region oder mit speziellen Anforderungen kann über das CPNNetzwerk den passenden Partner finden. „Je breiter das Spektrum ist, desto besser.“

Schulte-Ostermann stellt zudem klar, dass CPN „nicht handelnd tätig ist. Wir wollen auf gar keinen Fall als Konkurrent für unsere Partner wahrgenommen werden.“ Diese Vertrauensbasis ist essenziell für das Geschäftsmodell. CPN

fungiert als Plattform, auf der sich Systemhäuser treffen und vernetzen können. Projektgeschäfte werden bilateral zwischen den Partnern abgewickelt, nicht über die Kooperation. Dafür sind Events und Veranstaltungen umso wichtiger. „Diese familiäre Atmosphäre, die wir haben, und diese Offenheit, die wollen wir auch weiterspielen“, betont der Geschäftsführer. Trotz des Wachstumskurses verfolgt CPN eine bewusst zurückhaltende Strategie. „Wir wollen moderat wachsen“, so Schulte-Ostermann. Die Rechnung geht auf: Im vergangenen Jahr kamen 16 neue Partner hinzu. Die Fluktuation ist gering, während gleichzeitig die Bindung hoch ist: 16 Partner sind bereits 20 Jahre dabei, 50 Partner feiern dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum.

Für 2026 zeigt sich Schulte-Ostermann durchaus optimistisch: „Wer flexibel ist und eine gute Kundenbindung hat, für den gibt es eine ganze Menge Möglichkeiten. Dafür muss man nicht einmal der günstigste sein. Eine gute Kommunikation mit den Kunden ist entscheidend.“

fand

UND DIGITALE SOUVERÄNITÄT KI, MIGRATION

Susecon in Prag: Der Open-Source-Anbieter Suse präsentiert sich als Alternative zu proprietären Lösungen. Mit einer KI-Factory, automatisierten VMware-Migrationen und einem Partnerprogramm für digitale Souveränität. Die Botschaft: Resilienz entsteht durch Wahlfreiheit. | Sylvia Lösel

Fast wirken sie alle ein wenig überrascht. Überrascht davon, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Als europäisches Unternehmen, als Open-Source-Company. Auf der Susecon, der Kunden- und Partnerkonferenz von Suse, lässt sich erahnen, wie groß das Interesse an den Lösungen des Unternehmens ist. Nie war die Susecon größer: so viele Partner wie nie, so viele Besucher wie nie. Und auch bei den News, die das Unternehmen mit dem Gecko im Logo verkündete, lässt sich die Dimension der Veränderungen im Markt erahnen.

Mit dem Motto „Resilience“ ist der Anbieter bei weitem nicht allein. Ein Schlagwort, das im Moment viele Veranstaltungen begleitet. Bei der Eröffnungs-Keynote präzisiert Suse-CEO Dirk-Peter van Leeuwen: „Resilient ist man, wenn man die Wahl hat. Und die Wahl hat man, wenn man auf offene Lösungen setzt. Statt zu reagieren, lasst uns die Zukunft gestalten.“ Und das natürlich mit Suse-Lösungen. Mit einem Schmunzeln ergänzt er: „Wir sind nicht nur ein langweiliger Linux-Portfolio-Provider.“ Das unterstreichen auch die Neuigkeiten, die van Leeuwen und sein Team in Prag mit im Gepäck haben. Während Leeuwen auf der Bühne betont, dass viele Kunden ihre Anbieter-Strategie gerade überdenken und neue, vielfältigere Partnerschaften nötig werden, hat Suse diese bereits geschlos-

sen. Mit Oracle, mit Nvidia, mit Coriolis –um nur einige zu nennen.

Validierte Architekturvorlagen und GitOps-gesteuerte Workflows sollen Kunden helfen, KI-Lösungen schnell und sicher zu entwickeln, bereitzustellen und zu skalieren – vom Rechenzentrum bis zum Edge. Das ist der Gedanke hinter der AI Factory, die Suse in Zusammenarbeit mit Nvidia vorstellt. Dieser auf Suse AI und Nvidia AI Enterprise basierende SoftwareStack wurde entwickelt, um die Lücke zwischen lokaler Entwicklung und skalierbarem, produktivem Einsatz in Unternehmen zu schließen. Die AI Factory bietet alles, um KI-Anwendungen einheitlich sowie in großem Maßstab über jede Infrastruktur hinweg zusammenzustellen, bereitzustellen, zu verwalten und zu steuern – vom Einsatz am Edge (Netzwerkrand) über die Implementierung im zentralen Rechenzentrum bis hin zur Bereitstellung in der Public Cloud.

Sehr deutlich wurde auf der Susecon die Migration aus VMware-Umgebungen heraus thematisiert. Um Kunden hier einen einfachen und automatisierten Migrationspfad zu bieten, hat Suse eine Partnerschaft mit Cloudbase Solutions geschlossen. Die Cloudbase-Solutions-Lösung Coriolis kann virtualisierte Workloads von VMware und öffentlichen Clouds auf eine Open-Source-

Infrastruktur übertragen. Damit lassen sich technische Hürden der Infrastrukturmodernisierung überwinden, insbesondere das Risiko von Ausfallzeiten und fehleranfälliger sowie zeitaufwändiger manueller Datenübertragung.

In einer wirklich offenen Open-SourceWelt kann man Preise nicht überziehen.

Suse stellt zudem, ebenfalls mittels Coriolis, einen dedizierten Migrationspfad für SAP-Anwendungsserver und SAP-HANADatenbanken bereit. „Die Kunden sind es

leid, in proprietären Ökosystemen festzuhängen, die ihr Budget und ihre Strategie vorgeben“, so Frank Feldmann, Suse Chief Strategy Officer. „Für uns spielt es keine

Rolle, ob man von VMware kommt oder Workloads von Hyperscalern zurückholt, wir ermöglichen einen nahtlosen Übergang in eine resilientere, offenere und kostengünstigere Zukunft.“ Alessandro Pilotti, CEO von Cloudbase Solutions, meint: „Durch die direkte Integration unserer agentenlosen Migrationstechnologie in den Suse Virtualisierungsstack stellen wir sicher, dass Kunden sich nicht mehr zwischen dem Verbleib bei einem bisherigen Anbieter und dem Risiko von Ausfallzeiten entscheiden müssen.“ Das CoriolisMigrationstool steht Kunden ab sofort zur Verfügung.

Das Thema digitale Souveränität wird auch bei Kunden wichtiger. Damit Partner, die in diesem Umfeld ihr Knowhow einbringen, dafür auch Anreize bekommen, führt Suse eine neue Partner-Spezialisierung ein. Diese soll es Kunden erleichtern, bestehende proprietäre Stacks durch Open-SourceLösungen zu ersetzen. Dafür ist die richtige Synergie zwischen Menschen, Prozessen und einem Bekenntnis zu europazentrierten Operationen nötig. Suse kombiniert deshalb seinen Stack mit spezialisierter Partner-Expertise, um Lösungen bereitzustellen, die sowohl global konsistent als auch regional compliant sind. Dieser Ansatz stellt sicher, dass Kunden ihre Infrastruktur modernisieren können, während sie die volle Kontrolle darüber behalten, wo ihre Daten gespeichert sind, wie sie verwaltet werden und wer Zugriff darauf hat. Laut neuer Suse-Forschung zu KI- und Cloud-Einführung ist digitale Souveränität beispielsweise für das Training von KI-Modellen äußerst wichtig (42 %) oder sogar sehr wichtig (40 %) geworden. 

Holger Pfister, Vice President Deutschland, Österreich und Schweiz bei Suse
BILD: SUSE
Holger Pfister, Vice President DACH bei Suse
Die Susecon fand 2026 in Prag statt.

PREMIUMHERSTELLER MIT STÄRKEREM CHANNEL-FOKUS

Beim japanischen Monitorhersteller Eizo rangiert Qualität vor Innovationsgeschwindigkeit. Neue Technologien werden erst eingeführt, wenn sie den eigenen Ansprüchen genügen. Diese Botschaft sollen auch die Partner des Premium-Herstellers transportieren. | Klaus Länger

DWir werden unser Partnerprogramm weiter ausbauen, um unsere Partner künftig noch stärker und zielgerichteter unterstützen zu können.

Der eigene Qualitätsanspruch ist auch der Grund dafür, dass neue Technologien teilweise später etabliert werden als bei Mitbewerbern. „Neue Technologien werden eingeführt, wenn sie sinnvoll und beherrschbar sind“, sagt dazu Armin Collong, Senior Manager Technical Marketing bei Eizo, und nennt hier OLEDPanels als Beispiel. Bisher waren hier Probleme mit Farbsäumen, der Helligkeits-

ie japanische Firma Eizo stellt ausschließlich Monitore her, ist aber hier ausgesprochen vielseitig: Neben Coloredge-Office-Displays baut Eizo noch die professionellen Coloredge-Monitore für Foto- und Filmproduktion, spezialisierte Displays für den Gesundheitssektor, für maritime Anwendungen und für die Industrie. Die Besonderheit ist dabei, dass alle Produkte nicht nur in Japan entwickelt, sondern auch dort produziert werden. Das hängt für Alexander Theemann, seit einem Jahr Vice President Sales und Marketing bei Eizo Europe, auch mit dem Qualitätsanspruch des PremiumHerstellers zusammen. Den IT-Channel, für den primär die ersten beiden Produktkategorien von Bedeutung sind, sieht der Manager hier als wichtigen Multiplikator. Daher soll das Partnerprogramm „mehr Form und Struktur“ bekommen, um die Partner über die Distribution besser zu unterstützen. Gerade bei den Coloredge-Monitoren für das grafische Gewerbe sei die Schulung der Partner sehr wichtig, damit sie auf Augenhöhe mit den professionellen Kunden interagieren können.

steuerung und der Alterung der Panels Gründe dafür, dass Eizo noch keine entsprechenden Monitore anbietet. Das könnte sich aber mit den Tandem-OLEDPanels der neuesten Generation ändern. Ebenso werde es Eizo-Monitore mit

Die Profi-Monitore der ColoredgeSerie erfordern eine hohe Expertise bei den Partnern.

Mini-RGB-Backlight erst dann geben, wenn das Problem mit Halo-Effekten bei hellen Objekten vor dunklem Hintergrund gelöst ist. Als Stärke von Eizo speziell bei Office-Displays unterstreicht Collong deren Energieeffizienz. Mit dem Flexscan FLT bietet der Hersteller den einzigen Büromonitor der Energieeffizienzklasse A an. Der 24-Zöller kommt mit 6 Watt aus. 

BILD: EIZO
Alexander Theemann Vice President Sales und Marketing bei Eizo Europe
BILD: EIZO

ENO MIT NEUER GESCHÄFTSFÜHRUNG

Gernot Teufel, seit 2022 Geschäftsführer von Eno, scheidet aus dem Unternehmen aus. In gegenseitigem Einvernehmen, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Peter Horstmann, ebenfalls seit 2022 Geschäftsführer bei Eno und seit 2017 im Unternehmen, bleibt CEO. Er will künftig einen besonderen Schwerpunkt auf den Ausbau des Servicegeschäfts legen. „Mein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Bereich Logistik & Fulfillment, in dem wir in den vergangenen Jahren bereits nationale wie internationale Kunden gewinnen konnten“, erklärt Horstmann. Sven Gösch, bereits seit Jahren in unterschiedlicher Führungsverantwortung bei dem Nordhorner Distributor, übernimmt künftig die Position des Chief Operating Officer (COO) und steuert das operative Geschäft. „Eno hat in den vergangenen Monaten einen weitreichenden Wandel durchlaufen. Es war ein anspruchsvoller

Prozess, das Unternehmen neu zu strukturieren und gleichzeitig profitabel für die Zukunft aufzustellen.“ Das Portfolio habe sich deutlich erweitert. Neben klassischer Telekommunikation und Mobile Devices umfasst es heute unter anderem einen spezialisierten Vertrieb für den AutomotiveBereich sowie Home Equipment. | sl

PHILIPP NAUJOKS

LEITET DEN CHANNELVERTRIEB BEI AAGON

Aagon, ein Anbieter von UnifiedEndpoint-Management (UEM)-Lösungen „Made in Germany“, baut seine Vertriebsorganisation weiter aus. Philipp Naujoks hat zum 1. April 2026 die Position Leader Channel Sales übernommen. In dieser Schlüsselrolle verantwortet der erfahrene ChannelExperte die strategische Leitung, den Ausbau und die Weiterentwicklung des Partnervertriebs.

Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der IT- und Telekommunikationsbranche bringt Naujoks Expertise im Aufbau und in der Skalierung indirekter Vertriebs-

strukturen mit. Sein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung leistungsfähiger Partner-Ökosysteme sowie auf der nachhaltigen Transformation von Channel-Modellen. Zuletzt war der Vertriebler als Director Channel Sales bei der Empolis Information Management tätig. Dort steuerte er den strategischen Ausbau des Partnergeschäfts und etablierte zukunftsfähige Strukturen im Enterprise-Umfeld. Zuvor bekleidete er über mehrere Jahre verschiedene Führungspositionen bei renommierten Branchengrößen wie Telefónica, Vodafone und Reach. | ap

Ontinue befördert Moritz

Mann zum CEO

Der Führungswechsel bei Ontinue war langfristig geplant: Der neue CEO Moritz Mann war die vergangenen drei Jahre bereits als Chief Strategy Officer für die Unternehmensstrategie, die Produktausrichtung und die Vision des Agentic SOC verantwortlich.

„Manns Ernennung zum CEO steht für einen sorgfältig geplanten Führungswechsel im Einklang mit der langfristigen Strategie von Ontinue. Er bringt tiefgehende technische und produktspezifische Expertise, ein starkes Marktverständnis sowie eine klare, kundenorientierte Umsetzungsperspektive mit“, ist

Dr. Bernd-Michael Rumpf, Vorsitzender des Verwaltungsrats, vom neuen CEO überzeugt. | iz

Sven Gösch wird neuer COO beim Nordhorner Distributor Eno.

KOOPERATION FÜR MEHR SOUVERÄNITÄT

G Data Cyberdefense, Ikarus Security und Securepoint haben eine strategische Partnerschaft vereinbart. Die drei ITSicherheitsunternehmen aus dem DACHRaum bündeln ihre Kräfte in den Bereichen Malware-Erkennung, Netzwerksicherheit und Managed Security. Das Ziel ist es, Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen besser vor zunehmenden Cyberbedrohungen zu schützen. Mit europäischen Technologien wollen sie zudem die Unabhängigkeit von außereuropäischen Anbietern stärken.

Alle drei Unternehmen setzen auf Lösungen strikt nach dem Leitsatz „Made in Europe“. Das bedeutet, dass die Entwicklung, der Betrieb und der Support in Europa stattfinden. Für Systemhäuser und Dienstleister verbessert das die Transparenz. Dadurch ist es leichter nachzuvollziehen, wo Daten verarbeitet werden und welche Rechtsräume gelten.

Die drei Unternehmen planen künftig auch einen Austausch von Threat Intelligence. Dabei teilen sie Informationen über aktuelle Bedrohungen, Angriffsmuster und Schwachstellen in Echtzeit. | nf

G Data, Ikarus und Securepoint gehen eine Partnerschaft ein. Geplant sind gemeinsame Managed Services und der Austausch von Threat Intelligence.

CANCOM TRITT DEM KI BUNDESVERBAND BEI

Der IT-Dienstleister Cancom ist als erstes Großunternehmen dem KI-Bundesverband beigetreten. Das Unternehmen möchte damit sein Engagement für souveräne, vertrauenswürdige AI „Made in Germany“ unterstreichen. Im Fokus steht der Austausch zu Standards, Regulierung und erfolgreichen Methoden der Umsetzung bei KI-Projekten sowie die Unterstützung von Unternehmen bei der sicheren AI-Einführung.

Ausschlaggebend für die Aufnahme waren die umfassenden KI-Kompeten-

zen, das interne AI-Team und die langjährige Erfahrung in produktiven AI Use Cases sowie AI-Infrastruktur. „Mit Cancom gewinnen wir ein Unternehmen, das KI nicht als Schlagwort, sondern als strategisches Fundament begreift“, sagt Prof. Dr. Vanessa Just, stellvertretende Geschäftsführerin beim KI-Bundesverband.

Oliver Parpart, Director Business Development & Mainframe, Cloud & Datacenter bei Cancom, sieht, dass „Deutschland über enormes Potenzial im Bereich Künstliche Intelligenz verfügt“. Cancom wolle „die Entwicklung von KI in Deutschland nicht nur begleiten, sondern aktiv mitgestalten.“ | ap

Cohere übernimmt

Aleph Alpha

Die Bundesregierung setzt im Wettbewerb um Künstliche Intelligenz verstärkt auf internationale Partnerschaften – und rückt dabei Kanada in den Fokus. In Berlin verkündeten die Heidelberger KI-Firma Aleph Alpha und das kanadische Unternehmen Cohere im Beisein von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und seinem Amtskollegen Evan Solomon ihren Zusammenschluss.

Ziel ist ein „globaler KI-Champion“, der eine souveräne Alternative zu US-Anbietern schaffen soll. Das Joint Venture entwickelt sichere KI-Lösungen für kritische Branchen wie Verwaltung, Finanzen oder Gesundheitswesen. Unterstützt wird das Vorhaben von der Schwarz Gruppe, die rund 500 Millionen Euro bereitstellt. | hs

STEIGENDE PREISE ALS RISIKO

Im Geschäft mit PC-Komponenten und Peripheriegeräten bereiten dem Handel derzeit vor allem die steigenden Preise für Arbeits- und Massenspeicher Kopfzerbrechen. Der könnte vor allem das Privatkundengeschäft bremsen. Im B2B-Segment sieht die Lage besser aus. | Klaus Länger

Ende 2025 war die Welt noch in Ordnung: Der befürchtete große Handelskrieg zwischen den USA und China war ausgeblieben und der Ersatz betagter Windows10-Rechner durch moderne Windows11-Maschinen hat auch das Geschäft für PC-Peripherie befeuert. Zudem war die Nachfrage nach Komponenten für GamingPCs hoch, nicht zuletzt wegen der neuen Grafikkarten von Nvidia und AMD. Gerade

Gaming ist weiterhin ein bedeutender Umsatzbringer im Privatkundengeschäft mit PC-Komponenten und mit Peripherie wie Monitoren, Keyboards und Mäusen.

im Privatkundengeschäft ist Gaming ein wichtiger Faktor, da hier Rechner eher und häufiger aufgerüstet werden als bei anderen Heimanwendern, die heute meist Notebooks nutzen. Auch das Geschäft mit Gaming-Peripherie lief gut: Laut den Zahlen von Game – Verband der deutschen Games-Branche, ist der Umsatz hier knapp zweistellig gewachsen. Nun wirbelt der enorme Hunger der großen KI-Rechenzentren nach DRAM, SSDs und auch HDDs den

Markt durcheinander. Zusätzlich sorgt die Sperrung der Straße von Hormus für steigende Herstellungs- und Transportkosten bei IT-Hardware. Für Wikas Narander, Vertriebsleiter bei Siewert & Kau, ist der Markt für PC-Komponenten und Peripherie zwar insgesamt stabil, „derzeit jedoch deutlich stärker von Preis- und Verfügbarkeitsentwicklungen geprägt als noch vor wenigen Monaten“. Für das B2B-Geschäft sieht Narander noch eine weiterhin gut planbare Nachfrage, „insbesondere getragen von Arbeitsplatzmodernisierungen, Ersatzinvestitionen und dem Ausbau leistungsfähiger IT-Infrastrukturen“, während Privatkunden hier sensibler auf die gestiegenen Preise und kurzfristige Marktbewegungen reagieren.

Oliver Gorges, Head of Business Development Deutschland bei Littlebit, sieht beim Markt für PC-Komponenten und Peripheriegeräte ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen Business- und Privatkunden. Zwar scheuen einige Firmenkunden aufgrund der gestiegenen Preise für manche Produkte größere Investitionen und haben unter Umständen verlängerte Entscheidungszyklen, „allerdings ist das Projektgeschäft weiterhin vorhanden und weniger unter Druck“. Der Privatkundenmarkt ist bei Komponenten laut Gorges „ungleich härter umkämpft“ und reagiere

Der Markt für PC-Komponenten und Peripherie bleibt insgesamt stabil, ist derzeit jedoch deutlich von Preis- und Verfügbarkeitsentwicklungen geprägt.
Wikas Narander, Vertriebsleiter bei Siewert & Kau

Verbesserte Stromversorgung für Grafikkarten

Der immer größere Stromhunger von Grafikkarten wächst sich zu einem Problem aus: Gerade bei Nvidia-Karten häufen sich die Berichte über geschmolzene 12-Volt-Stromanschlüsse. Asus hat daher einen eigenen Anschluss mit dem Namen GC-HPWR (Graphics Card High Power) entwickelt und zur lizenzfreien Nutzung freigegeben. Er besteht aus einem eigenen Slot auf dem Mainboard und einer korrespondierenden Kontaktleiste auf der Grafikkarte, die bis zu 1.000 Watt übertragen kann. Mit Sapphire gibt es nun den ersten Hersteller neben Asus, der diesen Anschluss nutzt, allerdings unter dem Namen „PhantomLink“. Ein weiterer Vorteil dieser Technik ist die aufgeräumte Optik bei Gehäusen mit Seitenfenster, da es hier keine störenden Kabel mehr gibt.

Bei der PhantomLink-Technik von Sapphire wird die Grafikkarte über einen eigenen Anschluss auf dem Mainboard mit zusätzlichem Strom versorgt. Das übliche Kabel entfällt.

Spannend und kaum vorhersehbar wird sicherlich die Situation im Bereich SSD/ PSSD.

auf die aktuellen Preissteigerungen. Das betreffe sowohl den stationären als auch den Online-Handel. Sven Wortmann, Mitglied im Aufsichtsrat bei Wortmann, schätzt den Markt für PC-Komponenten und Peripherie insgesamt als stabil ein, allerdings mit „Unterschieden zwischen B2B und B2C“. Das Business-Umfeld bleibe durch Refresh-Zyklen und hybride Arbeitsplatzkonzepte solide, das Privatkundengeschäft normalisiere sich wieder.

Wachstum sieht Wortmann vor allem bei Peripherie wie Dockingstations und Monitoren mit USB-C. Für den professionellen Einsatz seien auch SSDs weiter gefragt. Narander sieht im B2B-Sektor ebenfalls Nachfrage nach „Peripherie für

Oliver Gorges, Head of Business Developement Deutschland bei Littlebit

3. JUNI

FRANKFURT A. M.

Scandic Hafenpark

16. JUNI

HAMBURG

Grand Elysée Hotel

9. JUNI

MÜNCHEN

Design Offices Macherei

23. JUNI

DÜSSELDORF

Design Offices Fürst & Friedrich

Mit unserem Promotioncode »PROTECT26« nimmst Du kostenfrei teil! Anmeldung unter www.isxconference.de/anmeldung

Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Str. 21, 86157 Augsburg

Bei den Monitoren werden Geräte mit OLED-Panel immer stärker nachgefragt. Marktführer ist hier laut eigenen Angaben Asus.

Wachstum sehen wir vor allem bei Peripherie wie Dockingstations, Monitoren mit USB-C sowie All-in-One-Lösungen. Auch SSDs bleiben im professionellen Einsatz gefragt.

Sven Wortmann, Mitglied des Aufsichtsrates bei Wortmann

moderne Arbeitsplätze – insbesondere Monitore, Eingabegeräte, Docking-Stationen und ergonomisches Zubehör“. Speicherlösungen seien ebenfalls gefragt. Bei Gaming-Komponenten liege der Fokus zunehmend „auf einem ausgewogenen Preis-Leistungs-Verhältnis“.

BILD: WORTMANN

Eine kurzfristige Entspannung bei den Preisen für DRAM, SSDs und auch HDDs sieht keiner der Distributoren. Laut Wortmann gibt es in Einzelfällen Preissteigerungen „um bis zu 500 Prozent“, getrieben durch „die hohe Nachfrage sowie die

Verlagerung von Produktionskapazitäten in Richtung KI- und Cloud-Projekte“. Darunter leide die Versorgung klassischer IT-Märkte, insbesondere bei Serverkomponenten. Auch Gorges sieht bei SSDs sowie portablen SSDs eine „kaum vorhersehbare Situation“. Hier sei auch eine Rückverlagerung zu HDDs denkbar, während es im Enterprise-Bereich trotz der Preise eine Verschiebung in Richtung SSD gegeben hätte, da HDDs schlicht nicht verfügbar waren. Speziell bei hohen Kapazitäten registriert auch Narander eine angespannte Versorgungslage. Generell sei eine frühzeitige Bedarfsplanung der Kunden wichtig. 

GROSSVOLUMIGE USB-HDD OHNE ZUSATZNETZTEIL

Bisher kamen nur externe USBHDDs im 2,5-Zoll-Format ohne zusätzliches Netzteil aus. Bei 3,5-Zoll-HDDs war grundsätzlich eine zusätzliche Stromversorgung notwendig. Mit Seagates mobilen 3,5-ZollDatenspeicher One Touch Desktop hat sich das nun geändert. Ihm reicht das beiliegende, 50 cm lange USB-C-Kabel für die Datenübertragung und die Stromversorgung aus, sofern die USB-C-Schnittstelle am Rechner 15 Watt liefert. Bei ThunderboltPorts ab Version 3 ist das auf jeden Fall so, bei anderen USB-C-Ports muss man darauf achten, dass Power Delivery unterstützt wird. Bei der Seagate One Touch ist laut dem Hersteller die Datensicherung die primäre Aufgabe. Die HDD ist mit Speichergrößen von 8 TB, 20 TB und sogar 24 TB erhältlich. Zum Lieferumfang gehört das Seagate Toolkit für automatisierte Backups sowie die Rescue Data Recovery Services. Der Preis startet bei 250 Euro (UVP). | kl

Bei der Seagate One Touch mit bis zu 24 TB Speicherplatz steht die tägliche Datensicherung im Vordergrund. Der Anschluss am Rechner und die Stromversorgung erfolgen über USB-C.

GAMING-PC

MIT AMD RYZEN 9 9950X3D2

Dell ist mit der Gaming-Marke Alienware einer der ersten Hersteller, der AMDs neuen Ryzen 9 9950X3D2 Dual Edition nutzt. Bei der CPU mit 16

Alienware Area-51: Unter dem Wasserblock mit integrierter Pumpe sitzt das neue Ryzen-Topmodell 9950X3D2.

Zen-6-Cores sitzt nun unter beiden CCDs (Core Chiplet Dies) ein zusätzlicher 3D-V-Cache-Chip mit 64 MB L3-Cache für insgesamt 208 MB Cache. In dem Area-51-Tower wird die CPU durch eine All-in-One-Flüssigkeitskühlung auf niedriger Temperaturr gehalten. zudem wurde die Luftführung der vier Gehäuselüfter verbessert. Der auf einem Mainboard im Standard-ATX-Format montierte Prozessor kann auf 32 oder 64 GB RAM zugreifen, zudem gibt es Platz für drei 4-TB-M.2-SSDs. Bei der Grafik kommt Nvidia zum Zug mit GeforceRTX-Karten von der 5070 bis zur 5090. Hier kommt dann ein 1.500-Watt-Netzteil zum Einsatz. Der mit einem großen Seitenfenster ausgestattete Area51-Desktop wartet zudem mit umfangreichen AlienFX-Beleuchtungseffekten auf. Der Alienware-Rechner kostet ab 4.098 Euro (UVP). | kl

HOCHKAPAZITÄTS-SSD FÜR DAS DATACENTER

Der Speicherbedarf in Rechenzentren wächst immer mehr, nicht zuletzt durch den wachsenden Bedarf von KI-Anwendungen. Die Hochkapazitätsoption der KingstonDatacenter-SSD DC3000ME mit 30,72 TB gibt den Betreibern von Rechenzentren die Möglichkeit, sehr große Datenmengen zu speichern, ohne dafür viel Rackspace zu benötigen und Kompromisse bei der Performance einzugehen. Bisher bot die DC3000ME-Baureihe eine maximale Kapazität von 15,36 TB. Die 2,5-Zoll-SSD mit U.2-Interface nutzt für den Enterprise-Einsatz ausgelegten 3D-eTLC-NAND und verfügt über einen Schutz gegen Datenverlust bei Stromausfällen. Die SSD wird über vier PCI-Express-5.0-Lanes angebunden und

A3-MFPS MIT DUAL-TONER

soll so eine hohe Leistung liefern. Laut Kingston erreicht sie eine sequenzielle Lesegeschwindigkeit von bis zu 14 GB/s und eine Random-Read-Leistung von bis zu 2,6 Millionen IOPS. | kl

Die Hochkapazitätsoption der PCIe-Gen5-SSD Kingston DC3000ME mit 30,72 TB Speicherplatz erreicht eine Random-Read-Leistung von bis zu 2,8 Millionen IOPS.

Die Taskalfa-MFPs von Kyocera, hier das Modell MZ10500i mit Finisher und zusätzlichen Papierkassetten, sind für hohe Druckvolumina konzipiert.

Die neuen Modelle der Taskalfa-Serie wurden laut Kyocera für den Einsatz in Umgebungen entwickelt, die eine hohe Druckgeschwindigkeit erfordern und in denen ein hohes Dokumentenaufkommen besteht. Eine Besonderheit der neuen Modelle ist die Dual-TonerTechnologie: Pro Druckfarbe sind zwei Toner im Einsatz. Das ermöglicht einen Tonertausch während des laufenden Druckbetriebs und minimiert so die Zeit, in der nicht gedruckt werden kann. Die Modelle Taskalfa MZ9500ci, MZ8500ci und MZ7500ci sind A3Farb-Multifunktionssysteme mit Druckgeschwindigkeiten von bis zu 80, 75 und 70 A4-Farbseiten pro Minute. Dazu kommen noch die vier A3Schwarzweiß-Multifunktionssysteme Taskalfa MZ10500i, MZ9500i, MZ8500i und MZ7500i mit Druckgeschwindigkeiten von bis zu 105 Seiten pro Minute. Die in den Systemen verbaute Scaneinheit mit Dual-Scan-Funktion erfasst bis zu 300 Bildern pro Minute und kann in einem Scanvorgang bis zu 500 Blatt verarbeiten. | kl

BILD: KYOCERA

Du kennst eine engagierte, führungsstarke oder innovative Frau – oder fühlst Dich selbst angesprochen?

Neben Branchen wie dem eGovernmentoder eHealth-Bereich zeichnen wir starke (IT-)Frauen aus der Business-IT aus, die die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung maßgeblich gestalten.

Radisson Collection Hotel, Berlin 26. N OVEMBER

Das Women’s IT Network (WIN) und die Vogel IT-Akademie verleihen die Readers’ Choice Awards an herausragende Frauen dieser Branchen in den Kategorien:

█ Start Up

█ Digital Transformation

█ Leadership (Young Leader | Team Leader | CxO)

Weitere Infos unter www.fit-kongress.de

Jetzt bis zum 30. Juni nominieren unter: www.fit-kongress.de/award

DISKRETION IST TRUMPF BEIM GALAXY S26 ULTRA

Shoulder Surfing – noch nie gehört? Aber gesehen. Schauplatz: volle Züge. Da lesen Sitznachbarn gerne mal Nachrichten mit oder erspähen PINs. Mit dem Galaxy S26 Ultra gehört Smartphone-Voyeurismus der Vergangenheit an. Zudem überzeugt das Samsung-Top-Modell mit Spitzenperformance und KI-Funktionen. | Margrit Lingner

In der Warteschlange an der Kasse, der vollen U-Bahn oder im Bus passiert es dauernd: Mitreisende und Wartende blicken unbeabsichtigt auf das Display fremder Personen. Und genau das verhindert das Privacy Display des Galaxy S26 Ultra. Anders als aufklebbare Sichtschutzfolien werden dabei hardwareseitig selektiv bestimmte Pixel verdunkelt. So wird erreicht, dass neugierige Blicke von der Seite Bildschirminhalte nicht lesen können. Eingeschränkt wird die Sichtbarkeit von der Seite für andere auch beim Wechsel zwischen Hoch- und Querformat. Praktisch ist außerdem, dass sich die Funktion auch nur für bestimmte Apps aktivieren lässt. So können PINs, Nachrichten oder Termine diskret eingegeben werden. Auch Pop-up-

Benachrichtigungen lassen sich so vor neugierigen Blicken schützen. Allerdings ist bei aktiviertem Privacy Display der Bildschirm insgesamt weniger hell. Und Shoulder Surfing von heimlichen Mitlesern, die direkt von hinten auf das SmartphoneDisplay blicken, lässt sich nicht verhindern.

Beim Design des Galaxy S26 Ultra gibt es kaum Änderungen zum Vorgänger. Statt auf Titanrahmen setzt Samsung wieder auf Alu und etwas stärker abgerundete Ecken. Und wegen der hervorstehenden Linsen auf der Rückseite wackelt das S26, wenn es auf dem Tisch liegt. Zudem ist das Device mit 7,9 mm schlanker und mit 214 g etwas leichter geworden. Trotz seiner Größe (6,9-Zoll-Display) liegt das Gerät nicht zuletzt auch dank hochwertiger Verarbeitung gut in der Hand. Für die Einhandbedienung ist es dennoch zu groß.

KI hat unseren gesamten Arbeitskontext im Blick und erkennt, was wir brauchen, bevor wir selbst daran gedacht haben.

Tuncay Sandikci, Director MX B2B bei Samsung

Schnell eingescannte Dokumente werden dank KI optimiert.

Beim Galaxy S26 Ultra sorgt das aktivierte Privacy Display (rechts im Bild) dafür, dass indiskrete Mitleser Bildschirminhalte nicht einsehen können.

Nach wie vor nützlich ist der S-Pen, der wie auch schon beim Vorgängermodell unten links im Gerät eingesteckt wird. Das AMOLED-Display liefert selbst im Sonnenlicht scharfe Bilder, lebendige Farben und satte Kontraste. Doch trotz Anti-Reflexionsschicht spiegelt es draußen im Hellen. Fürs schnelle Entsperren sind im Bildschirm Fingerabdrucksensor und Gesichtserkennung integriert. Wie es sich für ein Top-Gerät gehört, funktionieren sie zuverlässig und schnell.

Unter der Haube arbeitet der Snapdragon 8 Elite Gen 5 (for Galaxy) von Qualcomm ebenfalls zuverlässig und richtig schnell. In den Benchmarks erreicht das FlaggschiffPhone Spitzenwerte. Multitasking, schnelles Arbeiten und Spielen sind beim S26 Ultra einfach top. Und erfreulicherweise hält der 5.000 mAh starke Akku auch bei intensiver Nutzung locker einen langen Arbeits- oder Urlaubstag durch.

Etwas optimiert hat Samsung das Kamerasystem. So arbeiten die 200-MP-Hauptkamera und die 50-MP-Telelinse (mit 5-fachem optischem Zoom) mit größeren Blenden. So gelingen Bilder problemlos selbst bei wenig Licht. Und Hobbyregisseuren dürfte die Superstabil-Funktion so richtig Spaß machen: Sie können selbst beim Skifahren stabile Videos drehen. Ebenso spaßig wie nützlich sind ferner die KI-Funktionen: So wird aus dem nebligen Skitag im Handumdrehen eine sonnige Abfahrt. Dabei hilft der S-Pen bei präzisem Auswählen von Bildausschnitten für die KI-gestützte Bildoptimierung.

Im Unternehmenseinsatz punktet das S26 Ultra ferner mit DeX für die schnelle Monitor-Anbindung und einfachen Dateiaustausch im Netzwerk. Und KI-Funktionen wie das Glätten von eingescannten Rechnungen erleichtern Workflows. Zudem verfügbar sind in der Enterprise Edition Sicherheitsfunktionen von Samsung Knox. Begrüßenswert ist auch die Tatsache, dass Samsung sieben Jahre Updates verspricht.

Unterm Strich überzeugt das Galaxy S26 Ultra mit starker Ausstattung, hervorragender Verarbeitung und nützlichen KI-Funktionen. Privacy Display, Sicherheitsfeatures und lange Update-Zusagen machen es besonders für Unternehmen attraktiv. 

BILD: SAMSUNG
BILD: SAMSUNG

DIE FABRIK DENKT MIT

Künstliche Intelligenz in der Industrie soll bei Microsoft nicht aus einzelnen Anwendungen bestehen, sondern als durchgängige „Industrial Intelligence“ gedacht werden. Dahinter steckt ein Paradigmenwechsel – weg von isolierten KI-Projekten, hin zu einer integrierten Intelligenzschicht über Daten, Prozesse und Organisationen hinweg. | Alexander Siegert

Auf der diesjährigen Hannover Messe zeigte Microsoft ein neues Zielbild für die Industrie: die Fabrik als lernendes System, in dem Daten, Prozesse und Entscheidungen zunehmend zusammenwachsen. Unter dem Leitmotiv „Industrial Intelligence Unlocked“ ging es nicht mehr um einzelne KI-Anwendungen, sondern um eine durchgängige Architektur industrieller Intelligenz.

Edith Wittmann, Enterprise Commercial Lead bei Microsoft Deutschland, erläutert, warum dieses Umdenken erforderlich ist: „KI ist die Chance für das industrielle Rückgrat Deutschlands.“ Vor allem die industrielle Basis – vom Mittelstand bis zum Großanlagenbau – steht im Zentrum dieser Entwicklung.

Der konzeptionelle Kern ist der Begriff Industrial Intelligence. „Industrial Intelligence bedeutet für uns, Daten, Kontext und Domänenwissen zusammenzubringen und so nutzbar zu machen“, erzählt die Microsoft-Managerin. Entscheidend ist dabei ein Perspektivwechsel: Wettbewerb entsteht nicht mehr primär durch Datenmengen oder Modelle, sondern durch die Fähigkeit, industrielles Wissen mit KI zu verbinden.

Sie bricht klassische Datenarchitekturen auf, indem sie unterschiedliche Datenquellen ohne aufwendige Vorstrukturierung zusammenführt und direkt nutzbar macht. „Es ist nicht mehr zwingend erforderlich, dass Daten vollständig strukturiert vorliegen“, erzählt Wittmann. Daten werden nicht mehr nur vorbereitet, sondern kontinuierlich im Prozess erschlossen und veredelt. Diese Daten bilden die Grundlage für KI-Agenten-Systeme. Dabei ist eine klare Differenzierung wichtig. Auf der einen

Seite stehen Assistenzsysteme am Arbeitsplatz, die einzelne Mitarbeiter unterstützen. Auf der anderen Seite entstehen agentische Systeme in der

Ein zentraler technischer Baustein ist Microsoft Fabric. Die Plattform vereint Datenintegration, Engineering, Analyse und KI in einer durchgängigen Umgebung.

KI ist die Chance für das industrielle Rückgrat

Deutschlands.

Am Stand von Microsoft auf der diesjährigen Hannover Messe
Edith Wittmann, Enterprise Commercial Lead bei Microsoft Deutschland

industriellen Wertschöpfung, die Prozesse selbstständig koordinieren, optimieren und miteinander verknüpfen. Mit der Autonomie wächst jedoch auch die Komplexität der Steuerung. „Unternehmen müssen die Kontrolle darüber behalten, was ihre Agenten tun“, fordert die Managerin. Microsoft verfolgt einen Governance-Ansatz, der KI-Agenten nicht als lose Softwareeinheiten, sondern als digitale Akteure versteht.

Microsoft-Partner Krones zeigte auf der Hannover Messe, wie KI die Industrie transformiert – vom Anlagenverkauf zu „Bottle-as-a-Service“ mit digitalen Zwillingen und Multi-Agenten-Systemen.

Grundlage – gemeinsam mit Security, Datenschutz und einer skalierbaren Cloud-Infrastruktur“, so Wittmann. Gerade in der Industrie entscheidet dieser Faktor darüber, ob KI nicht nur getestet, sondern produktiv eingesetzt wird.

mehr nur Personen stehen, sondern Teams aus KI-Agenten und Menschen.“

Bausteine dafür bilden Microsoft Entra Agent-ID und Agent 365. KI-Agenten erhalten dort eigene Identitäten, Rollen und Zugriffsrechte. Sie werden in Sicherheitsund Compliance-Strukturen eingebettet und durchlaufen ähnlich wie menschliche Mitarbeiter ein Onboarding. Auch der Plattformgedanke sei laut Wittmann bei der Agenten-Einführung entscheidend: „Über eine zentrale Plattform geben wir Kunden die Möglichkeit, KI-Agenten zusammenzuführen, zu orchestrieren und die volle Kontrolle darüber zu behalten, was passiert.“ Damit entsteht eine übergreifende Steuerungsebene für interne und externe KI-Systeme. „Vertrauen ist die

Als Beispiel auf der Messe diente der Hersteller von Abfüllanlagen und Microsoft-Partner Krones. Der Maschinenbauer entwickelte ein Geschäftsmodell namens „Bottle-as-a-Service“. Kern der Innovation ist die Integration einer KI-gestützten Flüssigkeitssimulation in einen digitalen Zwilling ihrer Abfüllanlagen. Ein Multi-Agenten-System ermöglicht es dabei, komplexe Simulationen per Spracheingabe zu steuern. Das Ergebnis: Simulationen, die früher vier Stunden dauerten, laufen nun in unter fünf Minuten. Sollte sich zum Beispiel das Flaschendesign und das Schwappverhalten der Flüssigkeiten verändern, können schneller Anpassungen an der Anlage vorgenommen werden. Die Agenten-Technologie verändert aber auch die Struktur von Organisationen selbst. „In Org-Charts werden künftig nicht

Unternehmen entwickeln sich damit zu hybriden Systemen, in denen Aufgaben, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten neu verteilt werden. „Change-Management spielt eine noch wichtigere Rolle als die Technologie selbst“, so Wittmann. Unternehmen müssen bestehende Prozesse, Rollenbilder und Entscheidungslogiken neu denken, um das Potenzial von Industrial Intelligence tatsächlich zu heben. Für Channel-Partner bedeutet das eine Verschiebung. Klassische Rollen wie Beratung, Entwicklung und Implementierung bleiben zentral, werden jedoch stärker durch Transformationsbegleitung ergänzt. „Für unsere Partner gilt dasselbe wie für uns: Jeden Tag lernen, die Möglichkeiten verstehen und sich selbst up to date halten, um die Kunden optimal beraten zu können“, so Wittmann. Die nächste industrielle Evolutionsstufe entsteht durch das Zusammenspiel von Menschen, Daten, Kontext und autonomen Systemen. Die Fabrik bleibt nicht stehen – sie beginnt, mitzudenken. 

BILD: DEUTSCHE
MESSE AG
BILD: VOGEL
IT-MEDIEN

Verlag: Vogel IT-Medien GmbH

Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, Tel. 0821/2177-0, Fax 0821/2177-150

www.it-business.de, it-business@ vogel.de

Geschäftsführer: Tobias Teske, Matthias Bauer

Chefredakteurin: Sylvia Lösel (sl), verantwortlich für den redaktionellen Teil, (V.i.S.d.P. für redaktionelle Inhalte)

CvD: Heidi Schuster (hs), Ira Zahorsky (iz)

Leitende Redakteure: Margrit Lingner (ml), Dr. Stefan Riedl (sr)

Redaktion: Mihriban Dincel (md), Natalie Forell (nf), Klaus Länger (kl), Agnes Panjas (ap), Alexander Siegert (as)

Co-Publisher: Lilli Kos (-300), verantwortlich für den Anzeigenteil

Media-Sales: Besa Agaj / International Accounts (-112), Stephanie Steen (-211), David Holliday (-193), media@vogel.de

Anzeigendisposition: Mihaela Mikolic (-204), Denise Falloni (-202) Grafik & Layout: Carin Boehm, Johannes Rath, Udo Scherlin; Carin Boehm (EBV)

Titelbild: Gemini - ki.vogel / Top Stock 4u –stock.adobe.com / [M] J Rath

Leserservice/Abo: it-business.de/hilfe oder E-Mail an vertrieb@vogel.de mit Betreff „IT-BUSINESS“. Gerne mit Angabe Ihrer Kundennummer vom Adressetikett: *CS-1234567*

Zentrale Anlaufstelle für Fragen zur Produktsicherheit: Frank Schormüller, frank.schormueller@vogel.de, Tel. 0931/418-2184

Unsere Papiere sind PEFC-zertifiziert.

Druck: Vogel Druck- und Medienservice GmbH, Leibnizstr. 5, 97204 Höchberg

Haftung: Für den Fall, dass Beiträge oder Informationen unzutreffend oder fehlerhaft sind, haftet der Verlag nur beim Nachweis grober Fahrlässigkeit. Für Beiträge, die namentlich gekennzeichnet sind, ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Copyright: Vogel IT-Medien GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, digitale Verwendung jeder Art, Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Verbreitete Auflage: 47.101 (davon 32.212 ePaper) Exemplare (IVW I / 2026)

REDAKTIONSBEIRAT

Torsten Albuschat Managing Director Dierck MPS, Dierck Group

Christian Weiss Geschäftsführer Nordanex

Dirk MüllerNiessner CTO Bechtle

Ulf Masselink Marketingleiter PCO

Klaus Kaiser Geschäftsführender Gesellschafter Teccle Group

Olaf von Heyer Vorstand, Concat

Sandra Balz Vorständin Kiwiko

Caroline Kiel CEO PingUs Solutions

Dirk Henniges Geschäftsführer Compass Gruppe

Mark Schröder CEO bei Synaxon

Kai-Ole Kirsten Geschäftsführer Datagroup Bremen GmbH

Jan Bindig Vorstandsmitglied Kiwiko

Sven Glatter Geschäftsführer Comteam

Thorsten Raquet Geschäftsführer PCG

CHANNEL

https://www.it-business.de/epaper/

9 / 2026 erscheint am 26.05.2026

Mediaberatung 0821 / 2177 - 300

erwähnte Unternehmen

MARKET

HOL DIR DAS IT-BUSINESS E-PAPER

LITTLEBIT IN FRANKFURT HAUSMESSE

Circa 400 Menschen nahmen in diesem Jahr an der Hausmesse des Distributors Littlebit teil. Das Event in der Klassikstadt in Frankfurt bot praktische Schulungen, eine Ausstellungsfläche, Gelegenheit zum Austausch sowie ein Tekken8-Turnier. | Mihriban Dincel

(V. l.) Adem Gürbüz (Jingdong), Jörg Kartschewski (Samsung) und Klaus Schumann (Lemanvisio)

und

Das Logitech-Team mit (v. l.) Benedikt Baumgartner, Marc Reinhold-Invidia, Rico Drechsel, Markus

Mehr Bilder unter: https://voge.ly/vgl1Wpr/

Weinberg
Patrik Küpper (Littlebit)
Torsten Bauer (l.) und Okan Oguz von Msi waren auch vor Ort.
Sandisk mit (v. l.) Frank Seidel, Franziska Löffler, Giulia Dusio, Egils Apsitis und Frank Sälzer
Das Seagate-Team: (v. l.) Alex Kaufinger, Dirk Obendorf, Mark Gilbert-Smith und Philipp Schlichtherle
(V. l.) Kai Frieben (WD), Sascha Zinowsky (Eures), Stephan Jenkins (Littlebit) und Peter Schweinecker (Jet Services Marketing)
Christian Bedel (r.) und Stefan Ebnöther (Mitte) eröffnen die Hausmesse.

INFINIGATE INNOVATION SUMMIT

Der Security-Spezialist und Distributor Infinigate lud auch in diesem Jahr zum Innovation Summit nach Mainz ein. Rund 500

Teilnehmer und 31 Hersteller folgten dem Motto „Accelerate towards a secure digital future. Together.“ | Besa Agaj

Am Info-Desk erhielten die Teilnehmenden von Agnes

Linke (Infinigate) Auskunft über Programm, Hersteller, App und alles rund um das Event.

Für Unterhaltung am Abend sorgte die Band DJ & Friends.

Das Partner-MarketingTeam von Infinigate mit dem Gewinner der Verlosung: (v. l.) Sylvia Lechner (Infinigate), Adem Keskin (SPIE BTAT) und Emily Pham Thi Tran

Christian Ederer (Infinigate) eröffnete mit der Begrüßungsrede den Innovation Summit 2026.
Anja Mahron (l.) und André Stark (r., Infinigate) mit Axel Schultze (Gründer von Infinigate, damals Internet2000) und seiner Frau Marita Schultze
(Infinigate)
Ausklang mit Musik und Cocktails: Sascha Odenthal (l., Choin!) mit Enrico Mahl (Infinigate)
Mareike Gehrmann (l., Infinigate Deutschland) und Jessica Schmidt (Sophos)

SUSECON 2026

Die Susecon 2026 fand in Prag statt. Hier trafen sich Kunden, Partner und Sponsoren, um über KI, Digitale Souveränität, Open Source und die Infrastruktur-Transformation von Unternehmen zu sprechen.| Sylvia Lösel

Keynotes, Paneldiscussions und eine Ausstellung mit Partnern: Auf der Susecon bekamen die Besucher ein umfassendes Informationsangebot.

die

Hingucker:
Suse-Schuhe
Andreas Prins, Global Innovation Officer bei Suse
Margret Dawson, Chief Marketing Officer bei Suse, bei ihrer Keynote.
Jeff Price, Field CTO für Nordamerika bei Suse, präsentierte die Neuigkeiten.
Die Susecon fand dieses Jahr in Prag statt.
Dirk-Peter van Leeuwen, CEO von Suse
Suse vergab in Prag zahlreiche Partner-Awards.

WENN KI PRODUZIERT

Zwischen KI-Agenten, Datenvielfalt und Governance: Rund 110.000 Besucher erleben auf der Hannover Messe, wie die Industrie die KI-Experimentierphase hinter sich lässt. Kontext, Security und Skalierbarkeit werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Humanoide Roboter transportieren Waren, unterstützen in der Montage und zeigen mit Tanz- und Karate-Demos ihre Beweglichkeit. | Alexander Siegert

Premiere für die Defense Production Area. Die Ausstellung informierte zu Produktionstechnologien für Verteidigung.

Ein Hypethema der Messe waren die humanoiden Roboter. Maikel Leder (Terra Robotic) informierte über Einsatzszenarien.

Alexander Ingelheim (Proliance) informierte im IT Mittelstand Pavillon über KI-Compliance.

Humanoider Helfer am Stand von Rokae.
Gute Laune bei Robert Belle (l.) und Michael Hanisch am Stand von AWS.
Rund 110.000 Besucher kamen in die Messehallen.
Alex Siegert (l., IT-BUSINESS) sprach mit Edith Wittmann (Microsoft) über Industrial Intelligence.