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PROCESS 06/2026

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33. Jhg. www.process.de

KOMPONENTE GESUCHT?

Zuverlässig dicht, schon auf den ersten Klick Digitale Effizienz in der Ozontechnik: Ozonbehandlung verlangt absolute Zuverlässigkeit, nicht zuletzt von den eingesetzten Komponenten. Kann eine digitale Shop-Lösung da mithalten und helfen, Prozesse zu beschleunigen?

Innovation in der Chemie

Verfahrenstechnik

PharmaTEC Special

Was Start-ups der Branche wirklich bringen

Praxisbeispiel: Welches Schwingsieb ist das beste?

Visionen für die Pharmafabrik von morgen


Editorial

Soziale vs. Sozialistische Marktwirtschaft?

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ie Standortdebatte in Chemie und Pharma hat einen neuen Aufhänger. Während der jüngsten VCI-Forschungspressekonferenz lobte Thomas Wessel, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung sowie Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei Evonik, Chinas Innovationspolitik in aller Klarheit. Forschung, industrielle Skalierung, neue Materialien, KI und Kreislaufwirtschaft seien dort strategisch verzahnt, der Transfer zur Marktreife staatlich flankiert, geistiges Eigentum offensiv geschützt. „China kleckert nicht, es klotzt“, so Wessel – und meinte damit auch: Deutschland klotzt nicht. Es fehle an Koordination zwischen Forschung, Regulierung und industrieller Anwendung; die Lücke zwischen Labor und Produktion bleibe eine Dauerbaustelle. Die Botschaft: Der Staat soll liefern, damit die Industrie liefern kann. Siemens-Healthineers-Chef Bernhard Montag bezieht eine andere Position. Das „Rumgenörgel“ vieler Wirtschaftslenker gefalle ihm nicht, sagte er der dpa. Unternehmen agierten in einer Marktwirtschaft, nicht in einer Staatswirtschaft – wer dauernd auf die Politik schaue, mache es sich zu einfach. Paradox sei es, wenn Manager von ihren Mitarbeitern Eigeninitiative fordern, selbst aber auf staatliche Absicherung pochen. Beide haben recht. China zeigt, wie konsequente Industriepolitik Innovationszyklen beschleunigt. Doch der Ruf nach dem starken Staat darf keine Ausrede sein, eigene Hausaufgaben – Investitionsmut, Effizienz, Risikobereitschaft – zu vernachlässigen und neidvoll auf ein autokratisch geführtes Land mit völlig anderen Rahmenbedingungen zu blicken. Wer nur nach Peking und/oder nach Berlin schaut, verpasst die eigentliche Frage: Unternehmen wir selbst genug, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Wolfgang Ernhofer Chefredakteur

PROCESS 6 | 2026

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Inhalt September

6 | 2026 · 33. Jahrgang · process.de

Eine neue Richtlinie verlangt von Anlagenbetreibern, die Lösungsmittelbilanz von einer unabhängigen Stelle prüfen zu lassen. Seite 10

Markt & Management Chemieunternehmen und Start-ups

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Offen für Innovationen Anlagen-/Apparatebau Prüfpflicht für die Lösungsmittelbilanz

10 Richtig statt nur plausibel MSR/Automatisierung Safety & Security

14 Resilienz in Krisenzeiten? Aber sicher doch!

Werden Bestandsanlagen erweitert, muss auch das Sicherheitskonzept für die Lagerbereiche angepasst werden. Seite 20

Verfahrenstechnik Phosphorrückgewinnung – Vom Abfall zum Wertstoff

30 In einem Schritt wird Klärschlammasche zu Dünger NPK-Klassiersiebung

32 Kornbruch, Steckkorn und Staub meistern 34 Produktmeldungen Lebensmittel-/Getränketechnik Mechanische Trenntechnik in der Getränke- und Molkereiindustrie

16 Versteckte Potenziale erkennen

36 Dekanter & Co. machen aus Nebenströmen Wertschöpfung

18 Produktmeldungen

38 Produktmeldungen

KI-gestützte Prozessdaten-Analyse

Sicherheit/Ex-Schutz

Branchen-Special PharmaTEC

Gefahrstofflagerung

Vom Maschinenbauer zum Generalunternehmer

20 Risikofaktor Bestandsanlage 22 Produktmeldungen Strömungstechnik Online-Plattform für Gleitringdichtungen

24 Auf den ersten Klick sicher dicht 28 Produktmeldungen

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40 Visionen für die Pharmafabrik von morgen Übergewicht und Diabetes

42 Wer gewinnt das Rennen um die Abnehmpille? Intelligente Technologien

46 Rettet Next-Gen-Tech die Pharmabranche? Digitaler Produktpass

48 Bürokratische Hürde oder Datenschatz?


Branchen-Special: PharmaTEC Zwei Pharmagiganten dominieren den Markt für Abnehmmedikamente mit Spritzen und Tabletten. Doch welche Unterschiede gibt es bei Wirkstoffen, Produktion und Anwendung? Seite 39

Weitere Rubriken

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Editorial

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News-Highlights weltweit

50 Impressum 50 Vorschau & Dechema-Forum

Wissenswertes zum Titel Ein Onlineshop entlastet den technischen Vertrieb: Standardkomponenten und Ersatzteile lassen sich schnell online bestellen. So bleibt mehr Zeit für die persönliche Beratung bei komplexen Anwendungen. Seite 24 In Zusammenarbeit mit EagleBurgmann

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Markt & Management

HIGHLIGHTS Grafik: © great19 – stockadobe.com

Weltweit ... mehr Highlights auf process.de

DEKARBONISIERUNG

Lanxess befeuert erstmals Großanlage mit Wasserstoff

LIEFERKETTEN UNTER DRUCK

WASSERSTOFFHOCHLAUF

Die deutsche Chemieindustrie warnt vor Produktionskürzungen. „Wenn Schiffe weniger laden können oder ganz ausfallen, steigen Kosten, Lieferketten geraten unter Druck und es kommt zu Produktionseinschränkungen“, sagte Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VCI, der Deutschen Presse-Agentur. Zwar seien Chemie- und Pharmaunternehmen auf Niedrigwasser vorbereitet, aber Notfallpläne ersetzten keine funktionierende Infrastruktur. Deutschland brauche ein Verkehrsnetz, das auch in Extremlagen funktioniere: „robuste Wasserstraßen, leistungsfähige Schienen und Straßen und echte Ausweichmöglichkeiten für die Industrie.“ Der VCI fordert schon länger das Beseitigen von Engstellen in der Rheinrinne. Komplexe Verfahren in der Verwaltung verzögerten die Realisierung bis in die 2030er Jahre, kritisiert der Verband. (dpo)

Im Zuge des laufenden Inbetriebnahmeprozesses für zwei 100-Megawatt-Elektrolyseanlagen von RWE in Lingen werden erste Mengen erneuerbaren Wasserstoffs erzeugt. Diese fließen jetzt über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE sowie der Evonik-Tochter Syneqt zum Chemiepark Marl der Evonik. Damit arbeiten alle Bausteine des integrierten Wasserstoffprojektes „Get H2 Nukleus“ im Verbund erfolgreich zusammen. RWE nimmt in Lingen bis Ende 2026 eine Elektrolyseleistung von 200 Megawatt in Betrieb; ab 2027 soll die gesamte Anlage mit 300 Megawatt produzieren. Der in den Elektrolyseanlagen von RWE hergestellte Wasserstoff erfüllt die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nichtbiologischen Ursprungs (RFNBO). Abnehmer erhalten dafür Nachhaltigkeitsnachweise und können den Wasserstoff somit auf

Bild: Lanxess

Michael Ertl (l.), Leiter des Lanxess-Geschäftsbereichs Inorganic Pigments kooperiert mit Rob Eek (r.), Produktionsleiter bei Covestro.

Der Spezialchemie-Konzern Lanxess trocknet seine Eisenoxidpigmente am Standort Krefeld-Uerdingen künftig mit Wasserstoff anstelle von Erdgas. Der Sprühtrockner ist damit eine der ersten großtechnischen Industrieanlagen in Deutschland, die Wasserstoff im Dauerbetrieb als Brennstoff einsetzen. Das Unternehmen reduziert seinen CO2-Fußabdruck dadurch nach eigenen Angaben um rund 6.000 Tonnen pro Jahr. Der Wasserstoff fällt bei der Chlorelektrolyse im benachbarten Covestro-Betrieb an und gelangt über eine Pipeline direkt zu Lanxess. „Der Schritt vom Erdgas- zum Wasserstoffbrenner markiert für uns einen technologischen Meilenstein hin zu treibhausgasarmen Prozessen“, sagt Michael Ertl, Leiter des

Geschäftsbereichs Inorganic Pigments bei Lanxess. Lanxess hat den Wasserstoffbrenner Ende 2025 installiert und seitdem schrittweise in Betrieb genommen. Die Anlage ist so ausgelegt, dass sie vollständig mit Wasserstoff betrieben werden kann. Die technische Anbindung umfasst eine eigene Wasserstoffleitung, angepasste Brennerund Messregeltechnik sowie zusätzliche Sicherheits- und Steuerungssysteme. Lanxess und Covestro verbindet am Standort eine langjährige Zusammenarbeit. Covestro liefert Nitrobenzol, das Lanxess zur Herstellung seiner Eisenoxidpigmente einsetzt. Als Nebenprodukt entsteht dabei Anilin, das wiederum als Rohstoff für die Kunststoffproduktion an Covestro zurückfließt. (dpo)

Niedrigwasser im Rhein Wasserstoff aus Lingen erreicht Chemiepark Marl

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Bild: Helmut Kramer/ Nowega

ihre Dekarbonisierungsziele anrechnen. Die Leitungen gehören zu den ersten Teilen des Wasserstoff-Kernnetzes, das bundesweit Stück für Stück aufgebaut wird. (dpo)

Wasserstoff geht auf die Reise: (v.l.n.r.) Dennis Hoeveler, Bereichsleiter Technik Nowega; Thomas Hüwener, CEO OGE; Thomas Basten, CEO Syneqt; Nikolaus Valerius, CEO RWE Generation; Andreas Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender Deutscher Wasserstoffverband.


Markt & Management

EMOLLIENTS FÜR KOSMETIKPRODUKTE

BASF eröffnet neue Produktionsanlage für Kosmetikprodukte in Düsseldorf Produktion. Sie ist eine Investition in unsere Expertise, unsere Kunden dabei zu unterstützen, einzigartige Produkte auf den Markt zu bringen.“ Sven Crone, der die globale Verantwortung für die Produktion verantwortet, betont: „Wir sind überzeugt, dass unser Produktionsstandort in Düsseldorf zukunftsfähig ist, und nehmen die notwendigen Schritte zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit beherzt in die Hand.“ Dank der guten Zusammenarbeit konnte die Anlage nach nur zwei Jahren Bauzeit in Betrieb genommen werden. In Düsseldorf befindet sich der drittgrößte BASF-Standort in Europa, der gleichzeitig Bild: BASF

Am Standort in Düsseldorf hat BASF eine neue Anlage für die Produktion von Emollient-Spezialitäten, insbesondere für Hautund Sonnenschutzprodukte eröffnet. Für die Kapazitätserweiterung hat das Unternehmen einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert. Emollients auf Basis nachwachsender Rohstoffe sollen den Grundstein für innovative Lösungen im Bereich der Körperpflege legen. Sie erfüllen die sich wandelnden Erwartungen der Verbraucher an Leistung, Flexibilität bei der Formulierung und Nachhaltigkeit. Agus Ciputra, Leiter der globalen Geschäftseinheit Personal Care bei BASF, unterstreicht die Bedeutung für das Unternehmen: „Die neue Anlage ist mehr als nur eine Investition in die

Helya Masoud, Werksleiterin, BASF Düsseldorf (links) eröffnet zusammen mit Gästen aus Politik und Wirtschaft die Produktionsanlage.

der weltweit größte BASF-Standort für die Herstellung und Entwicklung kosmetischer Inhaltsstoffe ist. (dpo)

WORLD-SCALE-ANLAGE

In Leshan, Provinz Sichuan, China, hat die Produktion in der neuen Wasserstoffperoxid-Großanlage begonnen, die von Evonik lizenziert und von Fuhua betrieben wird. Mit einer Jahreskapazität von 200 Kilotonnen ist die Anlage eine der größten in der Region für Wasserstoffperoxid (H₂O₂). Die neue Anlage wird Kunden auf dem regionalen Markt mit Wasserstoffperoxid beliefern und gleichzeitig das kürzlich gegründete Joint Venture „Evonik Fuhua New Materials“ mit Rohstoff versorgen. Dort wird das Wasserstoffperoxid weiter aufbereitet, um die Rein-

heitsanforderungen anspruchsvoller Spezialanwendungen aus der Elektronik- und Lebensmittelindustrie zu erfüllen. Das Projekt wurde zweieinhalb Jahre nach der Unterzeichnung des Lizenzvertrags im Jahr 2023 abgeschlossen. Neben seiner proprietären H₂O₂-Technologie lieferte Evonik kritische Anlagenteile, Katalysatoren und die Arbeitslösung für die Anlage. Technische Experten aus China, Deutschland und den Vereinigten Staaten unterstützten das Projekt bei der Planung, dem Bau, der Inbetriebnahme und der Produktionsphase. (dpo)

Bild: Evonik

Neue Wasserstoffperoxid-Großanlage startet in China

Die von Fuhua betriebene WasserstoffperoxidAnlage ist eine der größten in der chinesischen Provinz Sichuan.


Markt & Management

CHEMIEUNTERNEHMEN UND START-UPS

Offen für Innovationen Flache Hierarchien und offene Türen? Das gilt scheinbar nicht, wenn es um die F&E-Aktivitäten großer Chemieunternehmen geht. Aber ist das noch zeitgemäß? Und wie könnte eine Alternative aussehen?

D VERFASST VON

Dominik Stephan Redakteur PROCESS

ie Chemieindustrie wirkt oft wie ein Dinosaurier: Schwergewichtige Großkonzerne mit oft über hundertjähriger Geschichte dominieren den Markt. Echte Disruption scheint anderswo stattzufinden. Dafür gibt es auch Gründe: Die Forschung im Reich der Moleküle ist extrem aufwändig. Nur Weltkonzerne scheinen diese Last allein stemmen zu können. Aber muss das so sein? Kleine Unternehmen und Start-ups entstammen – zumindest in der Chemie – meist dem universitären Umfeld. Mit einer großen Forschungstiefe und ohne den Overhead einer großen Organisation im Hintergrund können sie schnell und effizient innovative Produkte und Verfahren entwickeln. Schon heute ergänzt – gerade in der Pharmazie – die Auftragsforschung bestehende Entwicklungsprozesse.

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Nun erreicht eine neue Vision die Branche: Open Innovation. Dieser vom US-Wissenschaftler Henry Chesbrough geprägte Begriff bezeichnet das „Öffnen“ der eigenen Forschungs- und Entwicklungspipeline für externes Wissen und Ressourcen. So können Unternehmen, anstatt sich nur auf die eigene Forschung zu verlassen, auf die Erfahrung, Ideen und Prozesse externer Partner zurückgreifen. Ein gern zitiertes Beispiel ist etwa das „Ausschreiben“ einer Produkt- oder Markenentwicklung (Crowdsourcing), das bis zum Ideenwettbewerb gehen kann. Die Vorteile sind klar: schnelle Innovationszyklen, größere Flexibilität, das Erschließen von Ressourcen abseits der eigenen Mittel und das geringere Risiko, da die ausgelagerten Innovationen keine „eigenen“ Ressourcen blockieren.


Markt & Management

Technologien von Chemie-Start-ups in Deutschland 2019

„Die Art, wie Chemie heute Innovation betreibt, muss sich radikal verändern – sonst verpassen Unternehmen die Zukunft.“

Organ./anorgan. Chemie Technologieplattformen

32,0

Biotechnologie

30,2

Organisationen öffnen sich „Unternehmen müssen Open Innovation forcieren, wenn sie in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben wollen“, erklärt dementsprechend Martin Bellof, Gründer & Lead Ventures & Partnering des Chemie-AcceleratorProgramms Chemstars. „Die Art, wie Chemie heute Innovation betreibt, muss sich radikal verändern – sonst verpassen Unternehmen die Zukunft.“ Und dieses radikale Ändern bedeutet aus Sicht der Experten, Innovation teilweise auszulagern, Partnerschaften strategisch zu nutzen und Prozesse so zu gestalten, dass Ideen schneller marktreif werden. Firmen wie Bayer setzen zunehmend auf strategische Partnerschaften, um schnell zu funktionierenden Lösungen zu kommen: So nutzen die Leverkusener eine innovative Plasmabeschichtungs-Technologie des RWTH-Aachen-Spin-offs Ionkraft. Ziel der Partnerschaft ist es, Plastik-Kanister für Pflanzenschutzmittel zu 100 Prozent recycelbar zu machen und umweltschädliche Fluorierung oder Mehrschicht-Kunststoffe zu ersetzen, erklären die am Projekt beteiligten Experten. Ein Chemieunternehmen mit über einem Jahrhundert Molekül-Expertise, das Schützenhilfe von „jungen Wilden“ bekommt – in Umkehrung des alten NewtonSinnbilds quasi Riesen auf den Schultern von Zwergen. Aus monolithischen Strukturen wird so ein Innovations-Ökosystem, indem große wie kleine Partner sich vernetzen und aufgabenbezogen organisationsübergreifend zusammenarbeiten. Auch die akademische Welt ist – sowohl durch Auftragsarbeiten für die Industrie als auch als Nährboden für Ausgründungen – zentraler Player. Kein Wunder, dass Bellof Strukturen wie Chemstars als „Reaktionsraum der Chemie“ begreift. Damit ist die Zusammenarbeit von Bayer und Ionkraft typisch für derartige Projekte: „Die Kompetenz vieler Chemie-Start-ups besteht im Angebot von Spezialprodukten, die in der industriellen Produktion zum Einsatz kommen, und von spezifischen Dienstleistungen für die etablierten Chemieunternehmen“, sagt Dr. Christian Rammer, stellvertretender Leiter des ZEW-Forschungs-

25,6

Digitale Technologie Sensorik

14,2

Nanotechnologie

12,5

Katalyse (chem., enzym.)

10,7

Quelle: ZEW

Martin Bellof, Chemstars

Dass es dabei nicht bei wolkigen Versprechungen und visionären Ausblicken bleibt, zeigen Projekte wie die „Innovate with us“-Plattform der BASF, die Beteiligung von Evonik am EU-Forschungstransfernetzwerk Macbeth oder der Invest von LG Chem in vielversprechende Newcomer (im Rahmen des LG Technology-VenturesProgramm).

59,4

Meister der Moleküle: Verglichen mit anderen Sektoren sind Chemie-Startups selten an bloßen Plattformmodellen interessiert.

PROCESS-TIPP Zur Achema 2027 schreiben Dechema, Business Angels Frankfurt RheinMain und der High-TechGründerfonds den Achema-Gründerpreis aus – mehr Infos auf www.process.de

Anteil an allen Chemie-Start-ups in %

bereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“.

Die Frage der Finanzierung Die Zusammenarbeit mit Start-ups öffnet der Industrie auch ganz neue Geldquellen – denn Wagniskapitalgeber investieren gern in junge, agile Einheiten. In klassische Aktiengesellschaften fließt dieses Geld selten. Hier hat die deutsche Chemie jedoch Nachholbedarf. Im Jahr 2011 flossen noch fast 35 Millionen Euro in hiesige Chemie-Start-ups – doch zuletzt sank dieser Wert dramatisch: Deutschland rutschte im europäischen Vergleich auf Platz sieben. Andere Nationen wie Großbritannien oder die Niederlande investieren deutlich mutiger. Deutsche Investoren konzentrieren sich vor allem auf Firmen mit angemeldeten Patenten. Fast 550 solcher Patente stammen bereits aus deutschen Chemie-Startups. Allerdings – und das sollte nicht verschwiegen werden – hat nicht jedes Start-up neue Moleküle oder Reaktordesigns im Gepäck: Auch Dienstleistungen und digitale Services sind typische Angebote der jungen Unternehmen. (dst)

PROCESS-INFO

Die Initiative Chemstars Chemstars fungiert als Brücke zwischen der etablierten Chemieindustrie und jungen Gründerteams: Namhafte Partner wie BASF, Covestro oder Evonik unterstützen diese Initiative mit dem Ziel, marktfähige Innovationen schneller in die Produktion zu bringen. So stärkt Chemstars die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland nachhaltig. Start-ups erhalten über das Netzwerk Zugang zu Laborplätzen und wertvollem Branchenwissen. Etablierte Konzerne finden hier wiederum frische Impulse für ihre drängenden technischen Herausforderungen. Interessierte Unternehmen oder Gründer nutzen das Angebot über gezielte Programme zum Austausch. Eine einfache Anmeldung über das Onlineportal ebnet den Weg zur nächsten strategischen Partnerschaft.

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Anlagen-/Apparatebau

Stimmt die (Lösungsmittel-)Bilanz? Die neue BImSchV verlangt jetzt neben der behördlichen Prüfung die Feststellung der Richtigkeit durch eine unabhängige Stelle.

PRÜFPFLICHT FÜR DIE LÖSUNGSMITTELBILANZ

Richtig statt nur plausibel Betreiber genehmigungsbedürftiger Anlagen, in denen organische Lösungsmittel zum Einsatz kommen, stehen vor einer neuen Aufgabe: Die novellierte 31. BImSchV verlangt, die Richtigkeit der Lösungsmittelbilanz von einer unabhängigen Stelle feststellen zu lassen.

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VERFASST VON

Kai Arnholdt Sachverständiger Umweltgutachten TÜV Süd Industrie Service

in Behördenschreiben, wonach die eingereichte Lösungsmittelbilanz plausibel und nachvollziehbar ist, reicht künftig nicht mehr aus. Mit der seit 2024 geltenden Novelle der 31. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) entsteht eine neue Pflicht: Neben der behördlichen Prüfung erweitert sich die Bilanzkontrolle auf die Feststellung der Richtigkeit durch eine unabhängige Stelle. Künftig reicht es nicht mehr, wenn die Bilanz rechnerisch plausibel wirkt. Betreiber müssen belegen können, welche Lösungsmittel eingekauft, eingesetzt, zurückgewonnen, entsorgt oder emittiert wurden. Rechtsgrundlage ist § 6 Absatz 5 der Verordnung. Darin ist die Rede von der Feststellung der Richtigkeit. Im Betriebsalltag hat sich dafür der Begriff Prüfpflicht eingebürgert. Für die Durchführung erkennt die Verordnung zwei Wege an: Eine Feststellung durch Sachverständige nach § 36 der Gewerbeordnung mit einschlägiger Fachkunde. Messstellen, die nach § 29b des Bundes-Immissionsschutzgesetzes für organische Stoffe zugelassen sind. Bei neuen oder wesentlich geänderten Anlagen steht die erste Feststellung zwölf Monate nach der Inbetrieb-

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nahme an, danach in jedem dritten Kalenderjahr. Für Bestandsanlagen gilt sie erstmals im Januar 2027 – genau drei Jahre nach Inkrafttreten der Novelle. Anschließend erfolgt die Feststellung ebenfalls im Dreijahresturnus. Die übrigen Anforderungen der Novelle greifen für bestehende Anlagen größtenteils erst 2029. Das betrifft vor allem verschärfte Emissionsgrenzwerte und erweiterte Messpflichten. Wer eine nicht genehmigungsbedürftige Anlage betreibt, bleibt von der neuen Feststellungspflicht ausgenommen. Hier ordnet die Behörde eine sachverständige Aufstellung der Lösungsmittelbilanz nur an, wenn offensichtlich schwerwiegende Mängel bestehen und der Betreiber sie nicht in angemessener Frist behebt. Die jährliche Bilanzpflicht selbst besteht in beiden Fällen fort.

Vom Tabellenblatt zum Nachweis Die Verordnung begrenzt die Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC), die als Vorläufer für bodennahes Ozon gelten. Hintergrund der Novelle ist die Umsetzung europäischer Vorgaben. Lösungsmittel-


Anlagen-/Apparatebau

Die Tätigkeit entscheidet Ob eine Anlage unter die Verordnung fällt, entscheidet der Lösungsmittelverbrauch je Tätigkeit. Das ist die eingesetzte Menge abzüglich des zur Wiederverwendung zurückgewonnenen Anteils, der nicht erneut in dieselbe Tätigkeit einfließt. Die Schwellenwerte unterscheiden sich je nach Tätigkeit erheblich. In der Prozessindustrie betroffen sind etwa die Herstellung von Farben, Lacken und Klebstoffen, die Arzneimittelproduktion sowie die Extraktion von Pflanzenölen. Der Begriff des organischen Lösungsmittels reicht dabei weiter, als viele annehmen. Die Verordnung umfasst ausdrücklich auch Reinigungs-, Dispersions- und Konservierungsmittel,

Wenn die Bilanz zeigt, das Grenzwerte auch im Worst Case sicher eingehalten werden, kann auf ein Wiegen angebrochener Fässer oder Kanister verzichtet werden.

Bild: © littlewolf1989 - stock.adobe.com

bilanzen als schlichte Tabellenkalkulation, ergänzt um wenige Erläuterungen, genügen nicht mehr. Denn die Bilanz belegt die Einhaltung der Grenzwerte für diffuse Emissionen und Gesamtemissionen oder die Ziele eines Reduzierungsplans. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der im November 2025 aktualisierte Auslegungsfragenkatalog der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI). Er enthält als Anhänge eine Orientierungshilfe zur Prüfung von Lösungsmittelbilanzen und eine Musterlösungsmittelbilanz. Die Musterbilanz führt Betreibern vor Augen, wie stark Umfang und Detailtiefe steigen. Die Orientierungshilfe soll die Prüfungen bundesweit vereinheitlichen.

Weichmacher sowie Mittel zur Einstellung von Viskosität oder Oberflächenspannung. Selbst Stoffe, die erst unter den Verwendungsbedingungen im Prozess flüchtig werden (etwa Weichmacher), zählen zu den VOC. Bilanziert wird je Tätigkeit, nicht je Standort: Das bedeutet, dass eine Tätigkeit sich auf mehrere Anlagen und Produktionslinien verteilen kann, sodass alle Lösungs-

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Anlagen-/Apparatebau

Bild: © Itxu - stock.adobe.com

mittelverbräuche zusammengezählt und in derselben Bilanz abgebildet werden. Sind die Tätigkeiten unterschiedlich, muss es jeweils gesonderte Bilanzen geben. Eine Sonderrolle nehmen krebserzeugende, keimzellmutagene und reproduktionstoxische Lösungsmittel ein, kurz CMR-Stoffe: Für die schwerwiegendsten CMRKategorien gilt ein Substitutionsgebot. Zudem gelten Höchstwerte von 2,5 Gramm je Stunde oder 1 Milligramm je Kubikmeter im gefassten Abgas. Für CMR-Verdachtsstoffe und Stoffe der Klasse I gemäß TA Luft liegen die Grenzen bei 100 Gramm je Stunde oder 20 Milligramm je Kubikmeter.

Worst Case zuerst

PROCESS-TIPP Noch mehr Infos und Praxistipps zur Lösungsmittelbilanz finden Sie auf www.tuvsud.com (Suchwort „Lösungsmittelbilanz“)

Kern der neuen Anforderungen ist Anhang V Nummer 3. Betreiber beschreiben darin Methoden, mit denen sie Eingangs- und Austragsgrößen ermitteln, dokumentieren verwendete Umrechnungsfaktoren und beziffern die Unsicherheit ihrer Angaben. Am Ende stellt sich die Frage, ob die Bilanz die Einhaltung der Grenzwerte auch im Worst Case belegt, wobei für jede unsichere Größe der jeweils ungünstigste Wert angesetzt wird. Gelingt so der Nachweis, ist die Analyse abgeschlossen. Andernfalls fordert die Verordnung genauere Zahlen: Das geschieht etwa durch das Wiegen angebrochener Fässer oder Kanister, ein Erfassungssystem für Lösungsmittel oder die laufende Aufzeichnung der Rohgasfracht vor der Abgasreinigung (z.B. mittels kontinuierlicher Messung). Die Bilanz erfasst sämtliche Wege des Lösungsmittels. Das betrifft auf der Eingangsseite frisches und zurückgewonnenes Lösungsmittel und auf der Ausgangsseite behandeltes und unbehandeltes Abgas, Abwasser, Abfall, den Verbleib im Produkt sowie zurückgewonnene, aber noch nicht wieder eingesetzte Mengen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen der Lösungsmitteleinsatz und die in einer Abgasreinigungseinrichtung abgebaute Stoffmenge. Hier verändern schon kleine Unsicherheiten das Gesamtergebnis signifikant. Die Genauigkeit muss daher belegt werden. Aufzuzeichnen sind außerdem Ereignisse, die die Aussagekraft der Daten beeinträchtigen. Dazu gehören etwa Störungen der Abgasreinigung oder der Austausch von Ventilatoren und Antrieben, der den Gasdurchsatz verändert –

Auf einen Blick Seit der Novellierung der 31. BImSchV ist die regelmäßige Prüfung der Lösungsmittelbilanz für genehmigungsbedürftige Anlagen verpflichtend. Die Prüfung bestätigt die Richtigkeit der Lösungsmittelbilanz und dient als belastbarer Nachweis gegenüber der zuständigen Behörde. Fehlerhafte oder unvollständige Lösungsmittelbilanzen können zu behördlichen Auflagen führen. Eine unabhängige Prüfung minimiert dieses Risiko. In den Gesetzestexten der 31. BImSchV wird der Begriff „Lösungsmittelbilanz“ verwendet. In der betrieblichen Praxis und im fachlichen Sprachgebrauch hat sich jedoch auch der Begriff „Lösemittelbilanz“ etabliert. Beide Begriffe bezeichnen denselben Sachverhalt.

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Ob eine Anlage unter die Verordnung fällt, entscheidet der Lösungsmittelverbrauch je Tätigkeit.

und damit die berechnete VOC-Menge. Ein weiterer relevanter Punkt ist fachkundiges Personal. Um die Bilanz zu erstellen, braucht es eine gute Kenntnis der Prozesse und die richtige Einordnung aller Einsatzstoffe. Die Feststellung folgt einem klaren Ablauf. Zunächst sichten die Sachverständigen die Sicherheitsdatenblätter, Verbrauchsaufzeichnungen, Entsorgungsnachweise und vorhandene Messberichte. Eigene Messungen gehören nicht zur Prüfung. Bereits erhobene Emissionsdaten fließen jedoch ein. Eine Anlagenbegehung ergänzt die Durchsicht. Dabei gleichen die Fachleute die beschriebenen Prozesse mit der betrieblichen Realität ab. Betreiber verkürzen die Bearbeitungszeit spürbar, wenn sie sämtliche Unterlagen, die der Bilanz zugrunde liegen, vollständig und geordnet übergeben. Am Ende steht der Prüfbericht der Sachverständigen mit einer Gesamtbewertung, die die entscheidenden Fragen beantwortet. Erfüllt die Bilanz die Vorgaben des Anhangs V? Und besteht irgendwo Nachbesserungsbedarf? Unabhängige Prüfer wie TÜV Süd verstehen die Feststellung dabei nicht als reine Fehlersuche. Zeigt der Bericht Schwachstellen, erhalten Betreiber zugleich Hinweise, wie die nächste Bilanz besser gelingt. Nach dem ersten Durchgang sinkt der Aufwand deutlich. Vergleichbar ist das mit einer gut vorbereiteten Steuererklärung. Steht die Systematik einmal, lassen sich die Folgejahre mit überschaubarem Einsatz fortschreiben.

Früh starten und Spielraum schaffen Je näher der Stichtag rückt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Terminbücher der zugelassenen Stellen voll sind. Sinnvoll ist deshalb, Datengrundlage und Methodik der aktuellen Bilanz schon jetzt kritisch zu sichten. Der Aufwand zahlt sich doppelt aus. Eine belastbare Bilanz schafft Rechtssicherheit gegenüber der Behörde. Zugleich macht sie Stoffströme transparent. Wer weiß, wo Lösungsmittel in den Prozess gelangen und wo sie verbleiben, erkennt Einsparpotenziale bei Material und Entsorgung und senkt gleichzeitig die VOC-Emissionen. Unabhängige Stellen unterstützen Betreiber dabei, die Vorgaben fristgerecht und mit vertretbarem Aufwand umzusetzen. (dst)


MSR/Automatisierung

SAFETY & SECURITY

Resilienz in Krisenzeiten? Aber sicher doch! Sicherheit hat – gerade in Krisenzeiten – Konjunktur: Hima kann auch 2025 als einen (wenn auch kleinen) Erfolg verbuchen. Doch damit das so bleibt, muss die Sicherheitstechnik den Bedrohungen folgen, und die analoge und digitale Safety und Security verschmelzen lassen.

A VERFASST VON

Dominik Stephan

Bild: PROCESS/Stephan

Redakteur PROCESS

nscheinend kann die Schwäche der Prozessindustrie dem Sicherheitsbedürfnis nichts anhaben. Ganz im Gegenteil – manchmal scheint es, als wären in unsicheren Zeiten gerade die Technologien, die einen sicheren Betrieb versprechen, besonders gefragt. So blickt Hima auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück: Die Spezialisten für automatisierte Sicherheitslösungen steigerten ihren Umsatz um 2,4 Prozent auf 190,5 Millionen Euro – und das trotz Zollstreit, Energiepreiskrise und wirtschaftlichen Unsicherheiten bei Kernbranchen und Märkten. Das Wachstum ist in schwierigen Zeiten respektabel, bleibt aber moderat, zumal die anhaltende Schwäche der Prozessindustrie im DACH-Raum auf die Stimmung drückt. Dementsprechend ist es besonders die interna-

Jörg de la Motte, Hima-CEO: „Wir sind in einem deutlich schwierigeren Umfeld nochmals leicht gewachsen. Das zeigt die Robustheit unseres Geschäftsmodells. Gleichzeitig sehen wir, dass Investitionsentscheidungen in vielen Märkten länger dauern und Projekte teilweise verschoben werden.”

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tionale Expansion, die zum Hoffnungsträger wird – die Hima-Story ist 2026 eine der Resilienz, nicht des Triumphes: Trotz Deindustrialisierungs-Tendenzen im heimischen Kernmarkt bleiben die Sicherheitsexperten vorsichtig optimistisch.

Das Erfolgsrezept: Fokus statt Bauchladen „Wir sind in einem deutlich schwierigeren Umfeld nochmals leicht gewachsen. Das zeigt die Robustheit unseres Geschäftsmodells“, erklärt dementsprechend Jörg de la Motte, CEO der Hima Group. Geholfen dabei hat den Brühlern sicher die Unabhängigkeit als Familienunternehmen genauso wie der klare Fokus auf die Sicherheitstechnik – ein Bereich, in dem typischerweise die großen Vollausrüster der Automatisierungsbranche „nebenbei“ tätig sind. Bei Hima ist das anders: Keine SPS und kein Leitsystem-Portfolio verstellt den Blick aufs Wesentliche. Mit Planar4, HIQuad, HIMatrix und HIMax (2008 als erstes TÜV-zertifiziertes Nonstop-Sicherheitssystem eingeführt) stellt Hima nach eigenen Angaben die größte Auswahl SIL 3/ 4-zertifizierter Sicherheitssysteme für Steam-Cracker, Polymer-Produktion, Pipelines, Raffinerien und viele andere Bereiche der chemischen und petrochemischen Industrie. Außerdem beschäftigt das Unternehmen mehr TÜV-zertifizierte Sicherheitsspezialisten in den Bereichen Consulting, Engineering und Service als viele Mitbewerber. Das war schon zu Zeiten der ersten TÜV-geprüften Steuerung (System „Planar“) so und ist im Umfeld von Cyber-Resilience-Act und NIS2 nicht anders – „Umso wichtiger ist es, dass wir unsere internationale Präsenz, unsere digitalen Kompetenzen und unsere Rolle als Lösungsanbieter gezielt ausgebaut haben,“ so de la Motte. Denn Sicherheit ist auch in der Prozessindustrie längst nicht nur eine Frage der Notabschaltung oder des Überdruckventils. Cyberattacken nehmen gezielt Industriesteuerungen ins Visier.

IT oder OT? Sicher ist sicher! Die Sicherheitsexperten bei Hima erweitern daher mit Partnern wie Genua (Teil der Bundesdruckerei) oder der Übernahme der norwegischen Origo Solutions ihr An-


gebots- und Dienstleistungsportfolio in Richtung digitaler Safety und Security. Die Norweger sind insbesondere als Anbieter von Sicherheits- und Automatisierungslösungen zur Überwachung und Steuerung für Offshore-Anlagen sowie SCADA-Systemen für Windkraft-Betreiber eine Größe am Markt. Das Nervenzentrum dieser neuen Sicherheitswelt hört dabei auf den Namen Hima360 – eine Art Asset Management für die Sicherheitstechnik, die das Thema Safety&Security aus der Rolle des stummen Wächters holen und in einen aktiven Akteur im Analgenlebenszyklus verwandeln will. Die als offenes Ökosystem konzipierte Plattform begleitet eine Anlage von der ersten Risikoanalyse über das Engineering bis zur täglichen Wartung. Damit, so versprechen die Entwickler, werde die nicht zuletzt die Dokumentation automatisiert, sondern Compliance quasi auf Knopfdruck möglich. Anlagenbetreiber können in Echtzeit den „Gesundheitszustand“ ihrer Sicherheitsfunktionen überprüfen und erkennen, welche Prüfungen fällig sind oder wo Anomalien auftreten.

Bild: PROCESS/Stephan

MSR/Automatisierung

Mit Hima 360 haben die Sicherheitsexperten eine offene Plattform für digitale Sicherheitslösungen eingeführt. Dieses System bündelt sicherheitsrelevante Daten, Applikationen und Services, um den gesamten Lebenszyklus industrieller Sicherheitsanlagen zu vernetzen.

Künstliche Intelligenz: Nutzen oder Risiko? Beim Thema KI verfolgt das Management einen nüchternen Kurs: CEO Jörg de la Motte schließt den Einsatz von KI in kritischen Sicherheitssteuerungen derzeit aus – Immerhin könnten „halluzinierende“ Systeme unvorhersehbare Entscheidungen treffen. In der Sicherheitstechnik zählt jedoch nur die absolute Vorhersehbarkeit. Dennoch nutzt das Unternehmen die Chancen der Technologie in anderen Bereichen: Algorithmen für maschinelles Lernen kommen etwa bei der vorausschauen-

PROCESS-TIPP Machen Sie mit beim Smart Process Manufacturing Kongress, dem Leitkongress für Digitalisierung in der Prozessindustrie! Infos unter: www.smart-processmanufacturing.de

„Umso wichtiger ist es, dass wir unsere internationale Präsenz, unsere digitalen Kompetenzen und unsere Rolle als Lösungsanbieter gezielt ausgebaut haben.“ Jörg de la Motte, CEO der Hima Group

den Wartung zum Einsatz. Sie analysieren Prozessdaten und erkennen Verschleißmuster, bevor ein Bauteil versagt. Zudem optimiert das Unternehmen interne Abläufe im Engineering und Vertrieb durch KI-gestützte Werkzeuge.

Unabhängigkeit als Stabilitätsfaktor Für die Kunden in der Prozessindustrie – wo Anlagen oft drei Jahrzehnte oder länger laufen – spielt die langfristige Verfügbarkeit von Systemen eine zentrale Rolle. Als inhabergeführtes Familienunternehmen setzt Hima auf Kontinuität. Diese Unabhängigkeit von kurzfristigen Kapitalmarktinteressen ermöglicht es dem Unternehmen, langfristige Partnerschaften zu pflegen. Hima positioniert sich damit für die Herausforderungen der kommenden Jahre. Denn egal, ob künftig Wasserstoff-Infrastrukturen abgesichert oder die Digitalisierung der Anlagensicherheit weiter vorangetrieben werden soll: Das Ziel bleibt unverändert, mit präziser Technik Menschen und die Umwelt zu schützen. (dst)

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MSR/Automatisierung

KI-GESTÜTZTE PROZESSDATEN-ANALYSE

Versteckte Potenziale erkennen Wie werden Anlagenbetreiber der enormen Datenflut Herr, die vernetzte Sensoren und intelligente Prozesse Tag für Tag produzieren? Damit aus der smarten Produktion tatsächlich greifbare Prozesse werden, braucht es den digitalen Durchblick.

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ndustriebetriebe stehen unter enormem Druck. Energiekosten, strenge Qualitätsanforderungen und scharfer Wettbewerb belasten die Bilanzen. Gleichzeitig erfassen moderne Prozessanlagen tausende Messwerte. Sensoren, Leitsysteme und Datenbanken stellen kontinuierlich Daten über Energieverbrauch und Prozessparameter zur Verfügung. Doch Optimierungspotenziale bleiben oft unentdeckt. Das liegt nicht immer an fehlenden Daten. Unternehmen besitzen oft jahrelang gesammelte Informationen in Historian-Systemen. Entscheidungen basieren jedoch meist auf Erfahrungswerten und Annahmen. Komplexe Prozesse mit vielen gleichzeitigen Einflussgrößen überfordern die manuelle Auswertung. Erst eine strukturierte Datenanalyse im Kontext des Prozesses schafft echten Mehrwert. KI-gestützte Analyseverfahren und Machine-Learning können hier helfen, indem sie Muster, Korrelationen und Wechselwirkungen in großen Datenmengen erkennen, die mit klassischen Auswertungen nur schwer sichtbar werden. Dadurch, sind Experten überzeugt, ließen sich Hypothesen prüfen, mögliche Stellhebel identi-

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fizieren und Optimierungsvorschläge ableiten. Der Mehrwert entsteht nicht durch den Algorithmus allein: Erst wenn die Ergebnisse mit Prozesswissen validiert und in den betrieblichen Kontext eingeordnet werden, werden aus Daten sinnvolle, konkrete und umsetzbare Maßnahmen.

Künstliche Intelligenz als Hebel Hier helfen KI-gestützte Analyseverfahren und Machine Learning. Sie erkennen Muster und Korrelationen in großen Datenmengen, die klassische Auswertungen verbergen. Dominic Brunner, Geschäftsleiter von Control Tech Engineering (CTE), erklärt: „Wir können mittels unserer KI-Applikation eine Prozessanlage effizient optimieren, ohne dass man etwa Simulationen dafür benötigt.“ Optimalerweise sind für dieses Vorgehen Daten aus unterschiedlichen Prozesszuständen vorhanden, sodass eine KI vergleichende Schlüsse ziehen kann. Wenn aber – wie in der Praxis auch vorhanden – eine Anlage über Jahre hinweg an einem bewährten Betriebs-


MSR/Automatisierung

punkt betrieben wird, braucht es ein anderes Vorgehen: In diesem Fall ermittelt die KI neue, aussichtsreiche Betriebspunkte für Testbatches und nähert sich so iterativ einem neuen, optimierten Betriebspunkt an. Dabei hat das Modell eine Vielzahl von Parametern und Dimensionen zugleich im Blick und erstellt so Matrizen für verschiedene Prozessfahrweisen – etwa einer angepassten Temperatur oder Eduktkonzentration – immer mit dem Ziel der optimierten Ausbeute bei minimiertem Einsatz: „Die Qualitätskriterien und die Mengen für die nächste Prozessstufe, die benötigt werden, werden eingehalten – sonst verlagert man eigentlich die Kosten einfach in die nächste Prozessstufe.” Fehlen Daten aus unterschiedlichen Prozesszuständen, ermittelt die KI interessante Betriebspunkte selbstständig. Statt in hunderten Läufen benötigt man mit der KI eine oder mehrere Größenordnung weniger Durchläufe als mit konventionellen Verfahren. Zuweilen liegt dieser neu ermittelte Betriebspunkt sogar gänzlich außerhalb des erwarteten Bereichs, den Simulationen gar nicht erfassen. Ein Algorithmus allein reicht jedoch nicht aus. Erst das Zusammenspiel mit dem Wissen von Operatoren und Verfahrenstechnikern macht aus Daten konkrete Maßnahmen.

Erfolge in der Praxis Dass diese Versprechungen nicht bloße Theorie sind, zeigt ein Projekt beim Agrarchemie-Spezialisten Syngenta: Hier wurden bei einer stabil betriebenen Destil-

lationskolonne Betriebsdaten systematisch analysiert. Das Ergebnis: Dampfverbrauch und Energiekosten sanken um bis zu drei Prozent bei gleichbleibender Qualität. Nicht selten schließt sich an ein erfolgreiches Projekt gleich das nächste an: Läuft eine Anlage erfolgreich auf einem neuen, effizienteren Betriebspunkt, entscheiden nicht wenige Betreiber, die Kapazität zu erhöhen. Also lautet die Frage, ob die gefundenen Erkenntnisse auch bei einem deutlich höheren Durchsatz funktionieren – keine Selbstverständlichkeit, wie Brunner betont: „Eine Trennkolonne etwa wird auf einen gewissen Durchsatz optimiert – fluiddynamisch, oder thermodynamisch verhalten sich gewisse Mechanismen nicht zwingend linear. Nur, weil ich mehr heize, heißt das nicht, dass der Wärmetauscher gleich effizient die Energie überträgt.” Ein neuer Einsatz für das Machine Learning also, bei dem sich nicht selten zeigt, dass auch erhöhte Durchsätze ähnlich effizient bewältigt werden können – und das rein durch eine andere Prozessführung, ohne konstruktive Änderungen an der Anlage vornehmen zu müssen. Das hat erhebliche Vorteile für den Betreiber nicht zuletzt da so auch keine neuen Abnahmen und Qualifizierungen nötig sind, wie Brunner bemerkt. Dominic Brunner ist so überzeugt vom Potenzial von KI und Machine Learning zur Prozessoptimierung, dass CTE anbietet, ein derartiges Projekt gemeinsam mit dem Betreiber im Risk-Sharing zu betreiben. Ein Vertrauensvorschuss und ein attraktives Einstiegsangebot für potenzielle Interessenten. (dst)

PROCESS-TIPP Fühlen Sie Ihrer Produktion auf den Zahn: Auf www.process.de lesen Sie, wie Chaos Engineering zum Stresstest für die Anlage wird!


MSR/Automatisierung

DEZENTRALE AUTOMATISIERUNG

Neuer IO-Link-Master für raue Umgebungen

www.ifm.com

soll. Die Snap-In-Anschlusstechnologie ermöglicht eine werkzeuglose Verdrahtung in Rekordzeit: Leiter mit und ohne Aderendhülse werden einfach bis zum Einrasten in die geöffnete Anschlussstelle gesteckt. www.weidmueller.com

DRUCKTRANSMITTER

Bewährte Messtechnik weiterentwickelt Die Anforderungen an Messtechnik steigen kontinuierlich. Strengere Regularien, komplexere Lieferketten und zunehmende Umweltauflagen verlangen nach Geräten, die neben hoher Messperformance auch eine einfache Wartung ermöglichen. Yokogawa

Bild: Yokogawa

Bild: Krohne

Das Schwebekörper-Durchflussmessgerät H250 M40 von Krohne erhält neue SIL2-Zertifizierungen und setzt damit nach Herstellerangaben einen neuen Branchenstandard für die funktionale Sicherheit von Schwebekörper-Durchflussmessgeräten in der Prozessindustrie. Die Prüforganisation Exida hat sowohl die Grenzwertschalter als auch erstmals den 4…20-mA-Analogausgang des Geräts nach SIL 2 zertifiziert. Die neue Zertifizierung umfasst nicht nur die zufälligen Ausfallraten der Hardware, die über eine FMEDA ermittelt und mit Felddaten bestätigt wurden, sondern auch den Nachweis der systematischen Eignung der Soft- und Hardware durch geeignete Entwicklungs- und Fertigungsprozesse gemäß den Anforderungen aus der IEC 61508:2010 Teil 1-3. Sie löst damit die bisherige herstellerseitige SIL-Selbsterklärung (SIL 2 für Grenzwertschalter bzw. SIL 1 für den 4…20-mA-Ausgang) ab.

Fachleute aus der Automatisierungstechnik sehen sich häufig mit der Aufgabe konfrontiert, Steuerung, Sensorik und weitere Komponenten auf engem Raum unterzubringen. Gerade im Schaltschrank zählt jeder Zentimeter. Die überarbeitete PRO-eco-Serie von Weidmüller wurde für diese Anforderungen konzipiert: Dank ihrer schlanken Bauform lässt sie sich auch in platzkritischen Umgebungen integrieren. Die Geräte liefern Ausgangsströme von bis zu 10 A bei stabilen 24 V DC, was eine Versorgung auch für leistungsintensive Verbraucher ermöglicht. Die PRO-eco-Stromversorgungen erreichen einen Wirkungsgrad von bis zu 93 Prozent, was Energieverluste minimieren und gleichzeitig die Wärmeentwicklung reduzieren

Bild: Weidmüller

Werkzeuglose Steuerung und Sensorik verdrahten

Messen mit SIL2Zertifizierung

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Link-Integration nun auf ein neues Leistungsniveau: Der AL1602 steht mit seinem schwarzen glasfaserverstärkten Obergehäuse für eine neue Generation dezentraler Automatisierungslösungen. Der Master mit Multiprotokoll-Schnittstelle bietet acht IOLink-Ports (Class A/B) mit insgesamt 16 flexibel nutzbaren Ein- und Ausgängen. Für die Praxis relevant ist die integrierte Multiprotokoll-Schnittstelle, über die sich der IOLink-Master problemlos in unterschiedliche Feldbus-Architekturen integrieren lässt. Mit seiner IP67-Schutzart und einem Temperaturbereich von -40 bis 70 °C ist das Gerät selbst für den Einsatz in rauen Industrieumgebungen geeignet.

STROMVERSORGUNGEN

SCHWEBEKÖRPER-DURCHFLUSS

www.krohne.com

Bild: ifm

Kondensat, Vibrationen und heterogene Feldbus-Landschaften stellen IO-Link-Infrastrukturen in der Prozess- und Fertigungsindustrie täglich vor Belastungsproben. In den vergangenen Jahren hat sich IO-Link als industrielle Kommunikationslösung bewährt, um gleichzeitig mehrere Prozesswerte und Parameter aus einem Gerät über eine ungeschirmte Standardleitung zu übertragen. Dabei spielen nicht nur die in den Anlagen verbauten IO-Link-fähigen Sensoren und Aktoren eine Rolle, sondern auch der IO-Link Master als zentrale Schnittstelle zwischen der Steuerung und Sensoren. Mit der neuen Generation seines IO-Link-Masters AL1602 der Automation-Line hebt das Automatisierungsunternehmen ifm die IO-

bringt mit der Oprex-Drucktransmitter-EJXS-Serie die nächste Generation seiner EJXProduktlinie auf den Markt. Die Serie baut auf der seit über 30 Jahren etablierten Silizium-Resonanzsensor-Technologie von Yokogawa auf. Dank der Silizium-Resonanzsensor-Technologie des Herstellers soll die EJX-S-Serie noch größere Genauigkeit, Langzeitstabilität und Messbereichsspanne bieten, heißt es vom Unternehmen. Die Messgenauigkeit beträgt ±0,025 Prozent (mit optionalem Spezifikationscode), die Langzeitstabilität liegt bei ±0,1 Prozent über 20 Jahre bei einem Messspannenverhältnis von bis zu 400:1. Unterstützt werden HART und Profinet. www.yokogawa.com


Sicherheit/Ex-Schutz

GEFAHRSTOFFLAGERUNG

Risikofaktor Bestandsanlage

Die Erweiterung von Produktionskapazitäten führt in Bestandsanlagen oft zu einer Verdichtung der Lagerbestände. Wenn Infrastrukturen nicht mitwachsen, entstehen Risikokonstellationen. Eine systematische Einbindung der Lagerbereiche in das Sicherheitskonzept ist daher für Anlagenbetreiber unerlässlich.

F VERFASST VON

Paul Fricke Geschäftsführer Protectoplus

lexiblere Produktionsmengen führen oft dazu, dass auf bestehenden Flächen deutlich mehr Stoffe gelagert werden als ursprünglich genehmigt. Während die Prozesstechnik modernisiert wird, veraltet die Lagerinfrastruktur oft. Das verstößt stark gegen die Vorschriften der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV). Ein kritisches Szenario in der Bestandssicherung ist das Missverhältnis zwischen tatsächlicher Lagermenge und vorhandenem Rückhaltevolumen: Viele ältere Lagerbereiche wurden nach dem Grundsatz der „einfachen Barriere“ konzipiert, die für ein spezifisches Volumen ausgelegt war. Erhöht ein Betrieb die Anzahl der Gebinde oder stellt von Kleingebinden auf IBC um, reicht die Kapazität der vorhandenen Bodenwannen oder beschichteten Flächen im Havariefall oft nicht mehr aus.

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Hierbei ist sowohl das reine Volumen des Stoffes entscheidend als auch die geforderte Vorhaltung für Löschwasser. Ein effektives Gefahrstoffmanagement muss daher zwingend die hydrostatischen Anforderungen berücksichtigen, die bei einer Havarie in Kombination mit Brandbekämpfungsmaßnahmen entstehen. Wenn die Barriere versagt, drohen nicht nur Umweltschäden, sondern auch massive haftungsrechtliche Konsequenzen für die Geschäftsführung und die verantwortlichen Fachkräfte für Arbeitssicherheit.

Herausforderung für die Sicherheit Die technische Nachrüstung im Bestand erweist sich allerdings oft als bauliche Herausforderung, da tiefgreifende Erdarbeiten oder nachträgliche Beschichtungen


Sicherheit/Ex-Schutz

den laufenden Betrieb stören. Dennoch erfordern die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), insbesondere die TRGS 510, eine kontinuierliche Anpassung der Gefährdungsbeurteilung. Betreiber müssen also sicherstellen, dass auch bei einer Verdichtung der Lagerung die notwendigen Abstände und Barrieren gewahrt bleiben, um eine unkontrollierte Ausbreitung von Leckagen zu verhindern. Ein weiteres Risiko bei Anlagenerweiterungen ist die so genannte Zusammenlagerung: In historisch gewachsenen Strukturen werden neue Stoffe oft dort platziert, wo gerade Platz ist, ohne die chemische Kompatibilität im Detail zu prüfen. Was bei geringen Mengen noch als beherrschbar galt, entwickelt bei größeren Volumina eine gefährliche Dynamik: Exotherme Reaktion bei unbeabsichtigtem Kontakt; Bildung toxischer Gase durch Vermischung von Säuren und Laugen; Erhöhte Brandlasten durch die räumliche Nähe brennbarer Flüssigkeiten zu Oxidationsmitteln; Erschwerte Brandbekämpfung durch unterschiedliche Löschmittelanforderungen. Sicherheitsdatenblätter sind die Basis, um Risiken zu vermeiden. Die Gefährdungsbeurteilung muss strikt zwischen aktiver und passiver Lagerung differenzieren, da Umfüllvorgänge das Unfallrisiko drastisch erhöhen.

Moderne Brandschutzkonzepte setzen auf eine Kombination aus baulichen und technischen Maßnahmen: Während Sprinkleranlagen den Brand begrenzen, müssen die Lagerflächen so gestaltet sein, dass sie als Retentionsraum fungieren.

Wechselwirkungen im Ereignisfall Besonders in gemeinsamen Auffangwannen drohen bei Leckagen gefährliche Kettenreaktionen. Eine physische Trennung durch separate Rückhaltesysteme ist hier oft die einzige normgerechte Lösung, um das Brandschutzkonzept der Anlage nicht zu gefährden. Das Zusammenspiel von Stofffreisetzung und Brandereignis stellt die höchste Eskalationsstufe in der Anlagensicherheit dar. In Bestandsanlagen sind die Richtli-

Sicherheitsupdate für die Bestandsanlage: Durch flexible Schutzsysteme lassen sich wachsende Lagermengen und komplexe Risikokonstellationen normgerecht beherrschen.

nien zur Rückhaltung von Löschwasser (LöRüRL) oft nur unzureichend umgesetzt. Wenn bei einer Erweiterung die Brandlast steigt, muss zwangsläufig auch die Kapazität zur Aufnahme von kontaminiertem Löschwasser neu bewertet werden. Moderne Brandschutzkonzepte setzen hierbei auf eine Kombination aus baulichen und technischen Maßnahmen: Während stationäre Sprinkleranlagen den Brand begrenzen, müssen die Lagerflächen so gestaltet sein, dass sie zugleich als Retentionsraum fungieren, ohne dabei die Standsicherheit des Gebäudes zu gefährden. Dies erfordert eine enge Abstimmung zwischen dem Brandschutzbeauftragten und den Verantwortlichen für die Umweltcompliance, um sicherzustellen, dass Löschmittel nicht über die Kanalisation in die Umwelt gelangen können. Um Bestandsanlagen auch ohne großflächige Abrissarbeiten auf den Stand der Technik zu bringen, bieten sich modulare technische Lösungen an. Diese ermöglichen eine flexible Reaktion auf veränderte Stoffströme und Mengen, ohne die bauliche Substanz dauerhaft verändern zu müssen. Eine effiziente Methode zur Risikominimierung ist der Einsatz von autarken Gefahrstoffcontainern oder begehbaren Lagersystemen. Diese Einheiten verfügen über integrierte Auffangwannen, die bereits werkseitig auf die spezifischen Stoffe und Volumina geprüft sind. Sie können sowohl im Außenbereich als auch innerhalb bestehender Hallen aufgestellt werden und bieten einen geprüften Brandschutz von bis zu 90 oder 120 Minuten (F90/REI120). Für die Lagerung auf Freiflächen oder in bestehenden Regalsystemen stellen passgenaue Auffangwannen aus Stahl oder Kunststoff eine wirtschaftliche Nachrüstoption dar. Wichtig ist hierbei die Beständigkeit des Materials gegenüber den gelagerten Medien. Zudem können automatische Barrieren an Toren und Durchgängen installiert werden, die im Alarmfall den gesamten Lagerraum in eine dichte Wanne verwandeln.

Logistik als Teil der Anlagensicherheit

Vielfältige Optionen für die gesetzeskonforme Gefahrstofflagerung: von mobilen Auffangwannen bis hin zu spezialisierten Lagersystemen für maximale Sicherheit im Bestand.

Gefahrstofflagerung ist ein dynamischer Prozess: Jede Produktionsänderung beeinflusst das Risikoprofil im Lager direkt und unmittelbar mit. Ohne logistische Anpassung entstehen bei Anlagenerweiterungen kritische Sicherheitslücken. Moderne Konzepte integrieren Lagerbereiche daher vollumfänglich in die digitale Überwachung. Nur die Berücksichtigung dieser Wechselwirkungen garantiert eine langfristig rechtssichere Betriebserlaubnis. (dst) PROCESS 6 | 2026

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Sicherheit/Ex-Schutz

NOTLICHTLEUCHTE

EXPLOSIONSSCHUTZSCHIEBER

Bringt Licht ins Ex-Schutz-Dunkel

Neue Nennweiten bis DN 300 für Großanlagen Rico Sicherheitstechnik hat das Produktportfolio des Explosionsschutzschiebers Redex Slide speziell für den Einsatz in Großanlagen erweitert. Das System ist ab sofort auch in den Nennweiten DN 200, DN 250 und DN 300 erhältlich. Damit deckt die Baureihe nun Nennweiten von DN 50 bis DN 300 ab. Das Schutzkonzept eignet sich für explosionstechnisch unterdrückte und für explosionstechnisch entlastete Anlagen. Es dient dazu, bei der Verarbeitung organischer Stäube ein hohes Sicherheitsniveau sicherzustellen. Der Schieber lässt sich in jeder Einbaulage installieren und kann dadurch in unterschiedliche Anlagenkonzepte integriert werden, heißt es vom Unternehmen. Er ist für Unter- und Überdruckanwendungen bis 0,5 bar ik chn ausgelegt. Mit der Erweiterung ste eit h r he der Nennweiten bis DN 300 Sic ico :R steht der Explosionsschutzd l Bi schieber auch für größere Anlagenkonzepte zur Verfügung.

Die neue Notlichtleuchte Exlux Pro 6009 von R. Stahl eignet sich für die Beleuchtung in explosionsgefährdeten Bereichen. Das LED-Licht gewährleistet dank integrierter Batterie eine Notbeleuchtung von bis zu drei

Nachrüstlösung für Sicherheitsschränke

www.r-stahl.com

Das weiterentwickelte Sicherheits-Assistenz-System (SAS) von Asecos ist jetzt erstmals auch als Nachrüstkit für bereits vorhandene Sicherheitsschränke erhältlich. Diese kompakte Lösung überwacht kontinuierlich die technische Entlüftung der

FUNKTIONALE SICHERHEIT

VORBEUGENDER BRANDSCHUTZ

VDI-Richtlinie für reduzierte Komplexität

Schränke. Zudem wurde die Elektronik vollständig überarbeitet. Das SAS erfasst kontinuierlich den Differenzdruck im Abluftsystem, erkennt kritische Betriebszustände frühzeitig und alarmiert, sobald der erforderliche Mindest-Abluftvolumenstrom unterschritten wird. So erhöht es laut Firmenangaben die Sicherheit im Arbeitsalltag. Das System ist in zwei Varianten erhältlich: Bei Bestellung eines neuen Asecos-Sicherheitsschranks ist es auf Wunsch direkt ab Werk integriert und mit Türschließüberwachung vorkonfiguriert. Für bereits bestehende Sicherheitsschränke steht es jetzt auch als Nachrüstkit ohne Türschließüberwachung zur Verfügung. www.asecos.com

Brandrisiken in Neubau und Bestand reduzieren

Die Anforderungen an funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie gelten als komplex, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Die neue Richtlinie „VDI/ VDE 2180 Blatt 5 E“ soll diese Hürde nun senken: Sie beschreibt ein kompaktes, leicht nachvollziehbares Vorgehen und unterstützt Unternehmen bei der Einhaltung von Störfall-, Betriebs- und Anlagenvorschriften. Die Richtlinie richtet sich speziell an KMUs und reduziert organisatorisch und technisch stellenweise den Grad der Komplexität und verzichtet auf technische Sonderlösungen, erklärt der VDI.

Mit einer vormontierten, anschlussfertigen und für den schnellen Einsatz vor Ort ausgelegten Brandschutz-Anlage zeigen die Spezialisten von Fagus-Grecon, wie sich Risiken mit einem Schutzkonzept, etwa entlang der gesamten Recycling-Prozesskette reduzieren lassen. Der Grecon Protector Recycling ist auf die Anforderungen ausgelegt – von der Anlieferung über Zerkleinerung, Förderung und Aufbereitung bis hin zu Lager- und Haldenbereichen. Dort, wo Zündquellen direkt im Prozess entstehen, setzen vorbeugende Grecon-Systeme an: Sie erkennen Gefahren im Materialstrom und leiten entsprechende Gegenmaßnahmen ein, bevor sich ein Brand entwickelt. Mit dem Protector Cube adressiert das Unternehmen eine typische Herausforderung vieler Recyclingbetriebe: Häufig fehlen geeignete Gebäude, Technikräume oder infrastrukturelle Voraussetzungen, um Brandschutztechnik klassisch zu installieren.

www.vdi.de

www.fagus-grecon.com

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Bild: Fagus-Grecon

Stunden bei Stromausfall – mit bis zu 50 Prozent des Lichtstroms. So bleibt ausreichend Zeit für Evakuierung, Prozesssicherung und den Einsatz von Rettungskräften. Mit einer Lebensdauer von bis zu 100.000 Betriebsstunden für LED und Elektronik profitieren Betreiber von deutlich geringeren Energiekosten, weniger Wärmeentwicklung und minimalem Wartungsaufwand, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit Schutzart IP66/67, Schlagfestigkeit IK10 und einem Temperaturbereich von -40 °C bis +55 °C eignet sich die Leuchte für Umgebungen in der Öl- und Gasindustrie, der Chemie- und Lebensmittelbranche sowie im Anlagenbau. Sie kann als Decken-, Hänge- oder Mastleuchte montiert werden.

SICHERHEITS-ASSISTENZ

Bild: Asecos

Bild: R. Stahl

www.rico.ch


Sicherheit/Ex-Schutz

KOMMUNIKATION IM EX-BEREICH

HMI-LÖSUNG FÜR SICHERHEITSBEREICHE

Klarheit im Ernstfall: Interface sortiert Alarme

Mit dem IS541.1 bringt i.safe Mobile ein neues 5G-Smartphone auf den Markt, das für explosionsgefährdete Bereiche der Zone 1/21 entwickelt wurde. Das Gerät unterstützt das 450-MHz-Frequenzband und ist für den Mission-Critical-Einsatz zugelassen. Das neue Smartphone für explosionsgefährdete Bereiche hat ein Austausch-Akkusystem und ein 16-poliges ISM-Interface. Das ermöglicht den Dauereinsatz im Schichtbetrieb. Integrierte Alleinarbeiterschutz-Funktionen (LWP) erhöhen die Sicherheit für Anwender in gefährdeten Bereichen. Das 450-MHz-Band nutzt niedrige Frequenzen, die eine hohe Reichweite erzielen und tief in Gebäude vordringen. Das Funknetz bleibt auch bei einem Blackout stabil und autark. Damit lassen sich Anlagen steuern, überwachen und Krisen managen, etwa in den Sektoren Energie, Wasser, Verkehr, Logistik, Gesundheitswesen sowie öffentlicher Verwaltung. Weltweit sind rund 40 kommerzielle Netze im 450-MHz-Band in Betrieb.

In sicherheitskritischen Automatisierungsprozessen spielt eine klare Darstellung relevanter Informationen eine zentrale Rolle. Ein neues System verbindet dafür zertifizierte Steuerungs- und Visualisierungstechnik. Hima, Anbieter sicherheitsgerichteter Automatisierungstechnik, und Deuta, Spezialist für zertifizierte Anzeige- und Sicherheitstechnologien, stellen mit „SafeHMI“ eine neue Lösung für si- Dr. Rudolf Ganz, CEO der Deuta Group und Deuta-Werke cherheitskritische Anwendungen und Jörg de la Motte, CEO der Hima Group (v.l.n.r.) prävor. Das Interface basiert auf der sentieren SafeHMI. Icon-Trust-Technologie von Deuta und kombiniert Hima-Sicherheitssysteme mit standardisierten Funktionsbaustein-Bibliotheken. Im Vergleich zu konventionellen Scada-Systemen oder Mimic-Panels bietet es eine strukturierte und priorisierte Darstellung. Kern der Lösung ist eine dynamische Alarmanzeige, die Bediener in Stör- und Ausnahmesituationen unterstützt. Alarme werden automatisch nach Relevanz sortiert und zu jedem Eintrag werden klare Handlungsanweisungen angezeigt. Die Icon-Trust-Funktion von Deuta überwacht permanent den Bildschirminhalt und vergleicht die angezeigten mit den erwarteten Werten. Auf diese Weise wird das Display selbst zu einem sicherheitsgerichteten Element, das bis SIL 3 zertifiziert ist.

www.isafe-mobile.com

www.hima.de

Bild: Hima Group

5G in Zone 1/21

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Über den Onlineshop lassen sich Komponenten wie Gleitringdichtungen schnell finden, Verfügbarkeiten prüfen und Ersatzteile bestellen.

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Bild: KI-generiert

Strömungstechnik


Strömungstechnik

ONLINE-PLATTFORM FÜR GLEITRINGDICHTUNGEN

Auf den ersten Klick sicher dicht Ozonbehandlung verlangt absolute Zuverlässigkeit, nicht zuletzt von den eingesetzten Komponenten. Kann eine digitale Shop-Lösung diese Prozesse beschleunigen? Ein Technologieunternehmen zeigt das Potenzial digitaler Plattformen.

Ersatzteilmanagement ohne Umwege Allerdings braucht selbst ein Desinfektions-Champion gelegentlich einen Boxenstopp: Bewegliche Maschinenteile unterliegen im Betrieb einem natürlichen Verschleiß. Dazu gehören auch Gleitringdichtungen, die rotierende Wellen gegen das Gehäuse abdichten. Die passenden Komponenten liefert etwa EagleBurgmann – ein Joint-Venture der deutschen Freudenbergund der japanischen EKK-Gruppe: Die Dichtungsspezialisten aus Wolfratshausen sind auf moderne Dichtungstechnik für rotierende Maschinen spezialisiert.

Bild: EagleBurgmann

O

zon ist weit mehr als nur ein Begriff für den Sommersmog in der Atmosphäre: Das instabile Molekül mit den drei Sauerstoffatomen bildet nicht nur die schützende Ozonschicht in der Stratosphäre, sondern dient etwa in der Wasseraufbereitung als umweltfreundliches Desinfektionsmittel. Das stark reaktive Gas baut organische Belastungen vom Krankheitskeim bis zum Pharmarückstand ab und stellt so eine echte Alternative zur Wasserbehandlung mit UV-Strahlen oder Chlor dar. Zudem lässt sich Ozon direkt vor Ort aus Sauerstoff gewinnen und erzeugt keine potenziell gefährlichen Abbauprodukte – lediglich Sauerstoff bleibt nach der Reaktion zurück. Damit das Gas seine Wirkung entfalten kann, muss es allerdings vollständig ins Wasser übergehen. Aus diesem Grund ist die Transferrate ein entscheidendes Leistungskriterium für die Oxidationswirkung. Ein zuverlässiger und energiesparender Gaseintrag steht entsprechend ganz oben auf der Betreiber-Wunschliste, erklären die Experten des 2018 gegründeten Technologieunternehmens up2e! aus Rain im schwäbischen Landkreis Donau-Ries. Mit dem Roturi haben die Oxidations-Spezialisten eine modulare Gaseintragslösung im Programm. Der wartungsarme Gaseintrager hält den Ozonbedarf dank optimierter Lösungsperformance niedrig und die Reaktionskinetik hoch. Das System desinfiziert selbst anspruchsvolle Abwässer wie Spülwässer aus der Pharma-Produktion oder mit Kohlenwasserstoff-Resten belastete Prozesswässer aus der Ölindustrie – schneller und mit geringerem Aufwand als vergleichbare Alternativen. Das spart nicht nur Geld, sondern ist dank des geringeren Energiebedarfs auch umweltfreundlicher als alternative Technologien, so die Entwickler.

Digitalisierung verändert den Vertrieb Doch die Dichtungsexperten wollen ihren Kunden mehr als „nur“ reine Hardware bieten. Mit dem Portal MyEagleBurgmann stellen sie eine digitale Plattform bereit, die Anwender auch bei der Auswahl und Beschaffung geeigneter Technologien unterstützt. Das überzeugt auch die Anwender, wie Ulla Pöschl, Managing Partner bei up2e!, erklärt: „Der EagleBurgmann Onlineshop ist für uns ein echter Effizienztreiber. Wir finden sofort die richtigen Produkte und können Bestellungen deutlich schneller abwickeln.“ Die Digitalisierung verändert den traditionellen Vertrieb von Dichtungstechnik vor allem durch mehr Transparenz entlang der gesamten Vertriebskette. Produktverfügbarkeit, technische Spezifikationen und Lieferstatus lassen sich digital abrufen und in Echtzeit verfolgen. Gleichzeitig können klassische Abläufe wie die Angebotserstellung, die Produktauswahl oder die Ersatzteilbestellung durch digitale Konfiguratoren und automatisierte Prozesse deutlich schlanker werden. Industriekunden erhalten dadurch schneller einen Überblick über geeignete Komponenten und können Bestellungen unabhängig von Geschäftszeiten oder

Das EagleBurgmannPortfolio umfasst Seriendichtungen und anwendungsbezogene Einzelkonstruktionen.

VERFASST VON

Dominik Stephan Redakteur PROCESS

Sarah Junker Volontärin PROCESS

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Die Gleitringdichtungen „HSMR34“ und „SeccoMixR3“ wurden für den Einsatz in Rührwerken, Mischern, Knetern und Trocknern entwickelt.

„Der EagleBurgmann Onlineshop ist für uns ein echter Effizienztreiber. Wir finden sofort die richtigen Produkte und können Bestellungen deutlich schneller abwickeln.“

Bild: EagleBurgmann

Strömungstechnik

Ulla Pöschl, Managing Partner bei up2e!

PROCESS-TIPP Entdecken Sie die digitale Seite der Gleitringdichtung auf www. myeagleburgmann.com!

der Verfügbarkeit eines Ansprechpartners auslösen. Für den technischen Vertrieb bedeutet diese Entwicklung nicht, dass der persönliche Kontakt an Bedeutung verliert. Vielmehr übernehmen digitale Lösungen zunehmend standardisierte und wiederkehrende Aufgaben. Dadurch entstehen Freiräume für die Kernaufgaben im Vertrieb, bei denen technisches Fachwissen und Erfahrung entscheidend sind: die persönliche Beratung bei komplexen Anwendungen, die individuelle Problemlösung und der Aufbau langfristiger Kundenbeziehungen.

Schneller zur passenden Komponente

Der Onlineshop ist auch über mobile Endgeräte erreichbar.

Der EagleBurgmann Onlineshop umfasst mehr als 40.000 Produkte. Typische Komponenten wie Gleitringdichtungen, Stopfbuchspackungen und Flachdichtungen können rund um die Uhr bestellt werden. Die individuell hinterlegten Bestellhistorien und Favoritenlisten ermöglichen schnelle und einfache Nachbestellungen, erklären die Produkt-Verantwortlichen. Bereits bestellte Artikel lassen sich so schnell wiederfinden und erneut ordern; häufig benötigte Produkte können übersichtlich in Listen angelegt werden. Das verkürzt den Bestellprozess und reduziert Fehlbestellungen. „Besonders schätzen wir die Transparenz und

die einfache Bedienung. Der Onlineshop unterstützt uns optimal im Tagesgeschäft und passt perfekt zu unserem digitalen Anspruch“, bekräftigt Pia Thaller, Procurement-Spezialistin bei up2e!. Gerade bei ungeplanten Stillständen kann das wertvolle Zeit sparen. Anwender müssen nicht erst alte Unterlagen durchsuchen oder Produktdaten manuell zusammenstellen, sondern können auf bereits bekannte Komponenten zurückgreifen. Verfügbarkeit, Lieferinformationen und Lieferstatus werden direkt angezeigt und lassen sich jederzeit verfolgen. Fest steht: Wenn kurzfristig ein Ersatzteil benötigt wird, bietet der Onlineshop eine schnelle und flexible Beschaffungsmöglichkeit. Diese Geschwindigkeit zahlt sich aus, wenn es darauf ankommt und jede Verzögerung den Projektfortschritt oder die Anlagenverfügbarkeit beeinträchtigt. Schließlich wollen Ingenieure konstruieren und nicht Formulare ausfüllen oder auf die Suche nach Ersatzteilen gehen. Zu den entscheidenden Vorteilen aus Anwendersicht zählen: Zeitersparnis: Favoritenlisten verkürzen den Bestellund Beschaffungsprozess. Planungssicherheit: Transparente Verfügbarkeitsund Lieferinformationen sind direkt einsehbar. Weniger Verwaltung: Zentrale Produktinformationen erleichtern interne Abstimmungen. Weniger Fehlbestellungen: Hinterlegte Artikel und eindeutige Produktdaten erleichtern die Auswahl. Mehr Flexibilität: Bestellungen sind unabhängig von Geschäftszeiten jederzeit möglich.

Bild: EagleBurgmann

Digital bestellen, persönlich beraten

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Bei komplexen Dichtungsanwendungen stößt ein standardisierter Bestellprozess allerdings naturgemäß an seine Grenzen. Nicht jede Anwendung lässt sich über Produktfilter oder eine Bestellhistorie abbilden. Betriebsbedingungen, Medien, Temperaturen, Drücke, Drehzahlen und Werkstoffanforderungen müssen im Einzelfall bewertet werden. Der Onlineshop ersetzt die persönliche und technische Beratung deshalb nicht, sondern ergänzt sie gezielt. Standardbestellungen und regelmäßig benötigte Ersatzteile können schnell und unkompliziert digital abgewickelt werden. Bei komplexen oder kundenspezifischen Anforderungen stehen Vertriebs- und Anwendungstechniker persönlich zur Verfügung. So verbindet die Plattform die Effizienz der digitalen Bestellung mit dem technischen Know-how, das gera-


de bei anspruchsvollen Dichtungslösungen in der Prozessindustrie gefragt ist. Der digitale Kanal übernimmt standardisierte Abläufe, während die Experten dort unterstützen, wo Erfahrung, Bewertung und individuelle Problemlösung erforderlich sind.

Bild: EagleBurgmann

Strömungstechnik

Plattform für mehr Dichtungseffizienz

Schritt für Schritt zur digitalen Beschaffung Unternehmen, die bei der digitalen Beschaffung technischer Komponenten noch zögern, sollten nach Einschätzung der Dichtungsspezialisten nicht auf die vermeintlich perfekte Gesamtlösung warten. Sinnvoller sei es, mit klar definierten Anwendungsfällen zu beginnen – etwa mit häufig benötigten Standardkomponenten oder wiederkehrenden Ersatzteilbestellungen. So können Unternehmen erste Erfahrungen sammeln und schnell konkrete Effizienzgewinne erzielen. Wichtig sei zudem, die eigenen Mitarbeiter frühzeitig einzubinden und zu schulen. Denn in der Praxis scheitere die Digitalisierung oft weniger an der Technik als an fehlender Akzeptanz im Team. Ein schrittweiser Einstieg ermöglicht es, Prozesse zu testen, Verantwortlichkeiten zu klären und die digitale Beschaffung in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Nicht nur die Dichtung wird smart Clemens Günther, Product Owner für den Onlineshop bei EagleBurgmann, fasst den Nutzen des digitalen Angebots zusammen: „Durch die Transparenz und Erleichterungen, die der Onlineshop uns und unseren Kunden bietet, können wir uns mehr auf das Wichtige konzentrieren, das hinter den Geschäften steht: die Personen selbst, die sie tätigen.“ Die effizienteste Anlage kann ihr Potenzial nicht ausspielen, wenn die dahinterstehenden Komponenten und Prozesse nicht Schritt halten. Mit den digitalen Lösungen von MyEagleBurgmann können sich Anlagenbauer und Technologieunternehmen wie up2e! auf das konzentrieren, was im Mittelpunkt steht: effiziente Gaseintragstechnologien für sauberes Wasser. (dst/sju)

NACHGEFRAGT Bild: EagleBurgmann / mit KI bearbeitet

Das ist noch nicht alles, wie die Dichtungsexperten betonen: Der Onlineshop ist Teil der digitalen MyEagleBurgamnn-Welt – so lassen sich mit automatisierten Einkaufsprozessen noch schlankere Beschaffungen auf den Weg bringen, sind die Entwickler überzeugt. „Wir wollen das Portal Schritt für Schritt vom reinen Onlineshop zu einer umfassenden digitalen Plattform für Beschaffung, technische Information und Beratung weiterentwickeln“, sagt Lorenz Niggl, Digital Business Manager bei EagleBurgmann. Im Mittelpunkt stehen eine noch intuitivere Produktauswahl, mehr Automatisierung und eine stärkere Vernetzung mit den Einkaufsprozessen der Kunden – beispielsweise über ein zukünftiges External-Punch-Out-System. Welche konkreten Funktionen künftig hinzukommen, möchten die Verantwortlichen noch nicht verraten. Nur so viel: Die Anwender können sich auf weitere Entwicklungen freuen. Als Teil der langfristigen Digitalisierungsstrategie verfolgt der Dichtungsspezialist mit dem Onlineshop das Ziel, wiederkehrende Bedarfe effizient abzubilden und zugleich mehr Raum für die persönliche Beratung bei komplexen Anwendungen zu schaffen.

Gasgeschmierte Gleitringdichtungen kommen in Turbokompressoren zum Einsatz, um hochentzündliche, toxische oder wertvolle Prozessgase sicher abzuriegeln.

Lorenz Niggl, Digital Business Manager bei EagleBurgmann

Der Onlineshop als Vertriebsbaustein Wie verändert die Digitalisierung den traditionellen Vertrieb von Dichtungstechnik und Komponenten? Sie schafft Transparenz bei Verfügbarkeit, technischen Daten und Lieferstatus. Automatisierte Abläufe verschlanken Routineprozesse und geben dem technischen Vertrieb mehr Freiraum für Beratung und individuelle Problemlösung. Welche Vorteile bietet der Onlineshop Industriekunden? Ersatzteile lassen sich rund um die Uhr identifizieren und bestellen. Hinterlegte Profile und Bestellhistorien erleichtern die Auswahl, reduzieren Fehlbestellungen und sparen besonders bei ungeplanten Stillständen wertvolle Zeit. Wie bleibt die persönliche Beratung erhalten? Der Onlineshop ergänzt die persönliche und technische Beratung. Wiederkehrende Standardbestellungen können digital abgewickelt werden; bei komplexen oder kundenspezifischen Anforderungen stehen Vertriebs- und Anwendungstechniker weiterhin persönlich, auch vor Ort, zur Verfügung. Wie wird sich das Portal weiterentwickeln? MyEagleBurgmann soll zu einer umfassenden Plattform für Beschaffung, technische Information und Beratung werden. Geplant sind unter anderem eine intuitivere Produktauswahl, mehr Automatisierung und eine stärkere Anbindung an die Einkaufsprozesse der Kunden, beispielsweise über ein External-Punch-Out-System. Was raten Sie Unternehmen, die noch zögern? Mit überschaubaren Anwendungsfällen beginnen, Erfahrungen sammeln und die Mitarbeiter frühzeitig einbinden, denn Digitalisierung scheitert weniger an der Technik als an fehlender Akzeptanz im Team. So lassen sich erste Effizienzgewinne erzielen, ohne auf persönliche Beratung zu verzichten. Das Interview führte Dominik Stephan, Redakteur PROCESS.

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Strömungstechnik

VAKUUMPUMPEN

PROZESSGASANWENDUNGEN

Gasespezialist setzt auf trockenes Vakuum

Trockenes Vakuum bietet Anwendern aus den unterschiedlichsten Branchen viele Vorteile – selbst, so seltsam es klingt, beim Vakuum. Dazu gehören eine längere Laufleistung und letztlich eine höhere Effizienz in den Prozessen. Als einer der führenden Anbieter von Spezialgasen, Schweißzubehör und Automatisierungslösungen setzt OE Meyer aus dem US-Bundesstaat Ohio seit Januar 2023 auf Trockenvakuumtechnologie Dryvac von Leybold (Teil der Atlas-CopcoGruppe) – damit konnte das Unternehmen erhebliche Prozessverbesserungen erzielen. www.atlascopco.com

NAMUR-EMPFEHLUNG

Frisch überarbeitete Empfehlung Eine neue Namur-Empfehlung zu Drehstrom-Asynchronmotoren berücksichtigt aktuelle technische Entwicklungen: Die Namur-Empfehlung NE047 mit dem Titel „Drehstrom-Asynchronmotor – Technische Ausführungen“ legt seit Jahrzenten technische Anforderungen für die Auslegung, Beschaffung und den sicheren Betrieb von Drehstrom-Asynchronmotoren unter besonderer Berücksichtigung der Erfordernisse der chemischen Industrie, Kraftwerksanlagen oder in Raffinerien fest. Die neue Ausgabe berücksichtigt geänderte normative Rahmenbedingungen sowie praktische Erfahrungen aus Industrie und Betreiberpraxis, heißt es von der Namur. Ergänzt wurden etwa Anforderungen an Dokumentation, Leistungskennzeichnung, Energieeffizienz, Isolationsfestigkeit bei Umrichterspeisung sowie Explosionsschutz und Lackierung. Die Empfehlung wurde im Namur-Arbeitskreis Antriebstechnik gemeinsam mit Experten aus Industrie, Anlagenbau und Betreiberunternehmen erarbeitet. www.namur.net

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Bild: Aerzen

Aerzen will Prozessgasanwendungen mit Kompetenz aus einer Hand unterstützen: Mit der Anfang des Jahres gegründeten Tochter Aerzen Process Gas GmbH unterstützt das Unternehmen Betreiber und Anlagenbauer mit maßgeschneidertem Engineering und realisiert Prozessgaslösungen für industrielle Anwendungen – von modernster Verdichtertechnik bis hin zu integrierten, schlüsselfertigen Anlagensystemen. Prozessgasverdichter sind eine zentrale Schlüsseltechnologie in vielen industriellen Prozessen und stellen hohe Anforderungen an Verfügbarkeit, Effizienz und Prozessstabilität. Als erfahrener Branchenpartner kennen die Verdichterexperten die applikationsspezifischen Herausforderungen und liefern kundenspezifische Systemlösungen für nahezu alle Prozessgase, Gasgemische, Anwendungen und Branchen. Die neu aufgestellte Aerzen Process Gas GmbH ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Aerzen und Spezialist für die Förderung und Verdichtung von Prozessgasen. Das Unternehmen unterstützt Betreiber und Anlagenbauer mit maßgeschneidertem Engineering und realisiert Prozessgaslösungen für industrielle Anwendungen – von modernster Verdichtertechnik bis hin zu integrierten, schlüsselfertigen Anlagensystemen. Die Integration der Emmerthaler Apparatebau und der GPE Turbo erweitert das Leistungsspektrum und erhöht die Technologieund Systemtiefe, ist man bei Aerzen sicher: Die Expertise und Innovationskraft reduziere die Schnittstellenkomplexität, ermögliche die durchgängige Umsetzung komplexer Anlagenlösungen und verkürze so Projektlaufzeiten, heißt es. Alle Lösungen wer-

den individuell auf die jeweiligen Prozessbedingungen zugeschnitten. Das Credo: Nicht die Maschine bestimmt den Prozess, sondern der Prozess die Maschine. Das Portfolio umfasst Drehkolben-, Schrauben- und Turbotechnologie für die chemische und petrochemische Industrie, Raffinerien, Stahlwerke, Energieerzeugung und die Industriegaserzeugung, für Drücke bis zu 300 bar und Volumenströme bis zu 350.000 m³/h. Die Drehkolbengebläse erreichen zwei bar Differenzdruck bei einem maximalen Betriebsdruck von 25 bar sowie Volumenströme bis 104.000 m³/h. Die Schraubenkompressoren decken Drücke bis 25 bar und Volumenströme bis 75.000 m³/h ab. Die Turbokompressoren eignen sich für Drücke bis 300 bar und Volumenströme bis 350.000 m³/h. Sie sind in verschiedensten Bauformen, Größen und Ausführungen für nahezu alle Gase verfügbar und arbeiten onshore und offshore. Alle maßgeblichen internationalen Regeln, Vorschriften oder Spezifikationen der verschiedensten Industriezweige werden erfüllt, heißt es vom Unternehmen. www.aerzen.com

KUPPLUNGEN UND VERBINDER

Maximale Prozesssicherheit gegen Korrosion

Bild: Stäubli

Bild: Leybold

Verdichterspezialist mit Prozessgaskompetenz

Korrosion kann zu Leckagen, Produktionsausfällen und Sicherheitsrisiken führen. Deshalb beginnt wirksamer Korrosionsschutz bei der Auswahl hochwertiger Komponenten. Stäubli setzt hierbei auf Hastelloy, eine hochleistungsfähige Nickelbasislegie-

rung, die für ihre Beständigkeit gegenüber aggressiven Chemikalien und extremen Betriebsbedingungen bekannt ist. Diese Eigenschaften machen Hastelloy geeignet für Anwendungen mit Medien wie Schwefelsäure, Salzsäure, Ammoniak, Trifluoressigsäure (TFA), Dimethylformamid (DMF), Dichlormethan (DCM), aktiven pharmazeutischen Inhaltsstoffen (API) oder schwefelwasserstoffhaltigen Medien (H₂S). Stäubli kombiniert die Vorteile von Hastelloy mit seiner Expertise in der Entwicklung von Kupplungs- und Verbindungssystemen für die Prozessindustrie. Das Portfolio umfasst unter anderem Schnellkupplungen, Trockenkupplungen und Nottrennsysteme. www.staubli.com


Strömungstechnik

QUARTALSZAHLEN

KSB kann vor allem dank Dienstleistungen im zweiten Quartal zulegen Der Pumpen- und Armaturenhersteller KSB behauptet sich trotz der weiter andauernden geopolitischen Herausforderungen im zweiten Quartal 2026. Sowohl Umsatz als auch Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern (EBIT) konnten gegenüber dem ersten Quartal 2026 gesteigert werden. Das Unternehmen konnte den Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr 2025 von 1.698 auf 1.849 Millionen Euro steigern.

POLYMER-EXTRUSION

Bild: Maag

Zahnradpumpe für Hart-PVC

Die Zahnradpumpe Extrex6 EC von Maag ist speziell für die kontinuierliche Förderung von Hart-PVC (Polyvinylchlorid) ausgelegt. Hart-PVC gilt aufgrund der hohen thermischen Empfindlichkeit als anspruchsvolles Fördermedium. In herkömmlichen Zahnradpumpen verweilt Material häufig in Spalten und Toträumen. Um diese Problematik zu adressieren, verfügt das Produkt über eine spaltfreie Konstruktion ohne Toträume. Das verhindert, dass sich Polymere in der Pumpe anhaften oder stauen und reduziert die thermische Belastung des PVCs. Die Pumpe fördert gleichmäßig und druckstabil. Je nach Anwendung steigert das den Materialdurchsatz oder spart Energie von bis zu 20 Prozent ein. Die Temperaturerhöhung über die Pumpe ist nicht größer als 6 K. Die Prozesstempertaur ist um bis zu 10 °C abgesenkt, was die thermische Belastung des Schmelzeprozesses reduziert und den Anteil an thermischen Stabilisatoren im Rezepturaufbau einsparen kann. www.maag.com

Von den Auftragseingängen entfallen 836 Millionen Euro auf das zweite Quartal 2026. Im Vergleich zum zweiten Vorjahresquartal entspricht dies einer Erhöhung des Auftragseinganges um zwei Prozent. Den stärksten Anstieg im zweiten Quartal 2026 erzielte mit 9,6 Prozent auf 272 Millionen Euro das Segment „SupremeServ“, in dem das Ersatzteilgeschäft und Servicedienstleistungen gebündelt sind. Während der Auf-

tragseingang im Segment Pumpen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,0 Prozent auf 462 Millionen Euro stieg, verzeichnete das Segment Armaturen einen Rückgang um 10,9 Prozent auf 102 Millionen Euro. Im Segment Pumpen realisierte das Geschäft mit Neupumpen im Absatzmarkt Bergbau im zweiten Quartal 2026 eine Steigerung des Auftragseingangs um 15,2 Prozent. www.ksb.com


Verfahrenstechnik

PHOSPHORRÜCKGEWINNUNG – VOM ABFALL ZUM WERTSTOFF

In einem Schritt wird Klärschlammasche zu Dünger Ab 2029 verpflichtet der Gesetzgeber in Deutschland zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm – ein zentraler Baustein der Kreislaufwirtschaft. Das Eirich-Aufschlussverfahren zeigt, wie sich Klärschlammasche wirtschaftlich und ohne Nebenprodukte in hochwertigen Phosphatdünger überführen lässt. VERFASST VON

Thomas Lansdorf Chemiker und Sales Engineer Eirich

effizienten Aufschlussprozess in hochwertigen Phosphatdünger überführt.

Monoverbrennung von Klärschlamm Nach der mechanischen Entwässerung mittels Kammerfilterpresse oder Dekanter enthält Klärschlamm noch 65 bis 75 Prozent Wasser. Zur weiteren Behandlung ist eine thermische Vortrocknung erforderlich, um einen Feuchtegehalt von 40 bis 55 Prozent zu erreichen. Dies erfolgt häufig unter Nutzung von Abwärme aus der Verbrennung. Die anschließende Verbrennung findet meist in stationären Wirbelschichtanlagen bei etwa 850 °C statt. Dadurch wird eine vollständige Oxidation gewährleistet und die Bildung von klimaschädlichem Lachgas (N2O) minimiert.

Abbildung 1: Arbeitsprinzip des Eirich-Smartmixer: Aus Klärschlammasche und verdünnter Schwefelsäure entstehen in einem Reaktionsschritt Düngemittelgranulate. Optional können weitere Nährsalze eingemischt werden.

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Bild: Eirich

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hosphor ist ein unverzichtbares Element für die Landwirtschaft, auf die weltweit über 80 Prozent des Phosphorverbrauchs entfallen. Aktuell stammt er nahezu ausschließlich aus endlichen Phosphatgesteinen. Angesichts der begrenzten Ressourcen hat der Gesetzgeber in Deutschland beschlossen, ab 2029 eine verpflichtende Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm einzuführen. Traditionell erfolgt die Gewinnung aus Bergwerken, insbesondere in Marokko, China, den USA und Russland. In Europa sind nur geringe Vorkommen bekannt, kleinere Lagerstätten befinden sich beispielsweise in Finnland und Norwegen [1]. Wie viele andere Rohstoffe ist auch Phosphor nur begrenzt aus abbauwürdigen Lagerstätten verfügbar. Die EU hat ihn daher, ähnlich wie Lithium, als strategisch bedeutenden Rohstoff eingestuft [2] und fördert die Rückgewinnung aus Sekundärquellen wie Klärschlamm. Allein in Deutschland liegt das jährliche Rückgewinnungspotenzial bei rund 50.000 Tonnen Phosphor aus Klärschlammasche. Eirich stellt hierfür ein wirtschaftliches Verfahren vor, das Klärschlammasche über einen


Verfahrenstechnik

Abbildung 2: Anlagenbeispiel zur automatisierten Herstellung von Düngemittelgranulaten

Die resultierende Klärschlammasche ist vollständig getrocknet und enthält etwa 10 bis 25 Prozent P2O5. In modernen Anlagen können Schwermetalle bereits während der Rauchgasreinigung als Filterstaub abgetrennt werden.

Stammt die Asche aus modernen Wirbelschichtverbrennungsanlagen, können leichtflüchtige Schwermetalle praktisch vollständig abgetrennt werden. Man spricht hier von „grünen Aschen“. Insbesondere bei älteren Anlagen ist jedoch noch eine Nachbehandlung zur Abreicherung von Schwermetallen erforderlich. Diese können durch thermochemische Verfahren in Drehrohröfen bei 900 bis 1.100 °C reduziert werden. Typische Verfahren sind „EuPhoRe“, „AshDec“ und „Pyrophos“ [3]. Durch die Zugabe von Additiven wie Erdalkalichloriden (CaCl2, MgCl2) entstehen flüchtige Metallchloride (z. B. PbCl2, ZnCl2), die leicht abgetrennt werden können. Die Verweilzeit liegt typischerweise bei 30 bis 60 Minuten. Bei einem gesonderten Verfahren, dem so genannten R-Rhenania-Verfahren [4], wird der Klärschlammasche 15 bis 20 Prozent wasserfreies Natriumcarbonat (meist Schwersoda) zugesetzt. In einem thermochemischen Prozess in Drehrohr- oder Paddelöfen erfolgt der Aufschluss bei Temperaturen von ca. 900 bis 1.000 °C. Dabei entsteht ein schwermetallfreier Phosphatdünger. Hauptphosphatträger ist dabei Calcium-Natrium-Phosphat (CaNaPO4).

Von der Klärschlammasche zum Düngemittel Die aus der Wirbelschichtverbrennung stammende Asche ist in der Regel ausreichend fein für den Einsatz im Intensivmischer. Bei gröberem Material ist eine Vorzerkleinerung (z. B. in einer Eirich-Orbitmühle) zweckmäßig, um die Reaktionsgeschwindigkeit und die erforderliche Festigkeit der Granulate zu verbessern. Aufgrund der hohen Temperaturen entstehen bei der Klärschlammverbrennung schwer lösliche Phosphate z. B. Apatite, deren Nährstoffe für Pflanzen nicht direkt verwertbar sind. Auch bei der Fällung mit Eisen- oder Aluminiumsalzen entsteht zusätzlich schwer lösliches Eisen(III)-phosphat (FePO4) oder Aluminiumphosphat (AlPO4). Zur Verbesserung der Pflanzenverfügbarkeit kann die Asche mit verdünnter Schwefelsäure oder auch optional mit Phosphorsäure im Eirich-Intensivmischer aufgeschlossen werden. Dadurch werden schwer lösliche Phosphate in pflanzenverfügbare Verbindungen überführt. Durch den Aufschluss mit Phosphorsäure lässt sich der P2O5-Gehalt im Düngemittel zusätzlich erhöhen, um stark angereicherte Düngemittel zu erzeugen. Diese Vorgehensweise ist vergleichbar mit der Herstellung von Triple-Superphosphat (TSP). In den meisten Fällen wird aber die kostengünstigere Variante mit Schwefelsäure bevorzugt. Nach Abschluss der Reaktion können optional weitere Nährsalze (Additive) zugesetzt werden, beispielsweise Ammoniumsulfat ((NH4)2SO4) als Stickstoffquelle oder Kaliumsulfat (K2SO4) als Kaliumquelle. Dadurch lässt sich in einem Aufbereitungsschritt ein hochwertiger Mehrkomponentendünger (NPK + S + Ca + Mg)

Bild: Eirich

Thermochemische Abtrennung von Schwermetallen

1 Lagerpuffer (KlärschlammAsche) 2 Mahlung der KSAsche (Orbitmill) 3 Becherwerk 4 Zwischenpuffer (Mahlgut) 5 Dosierung und Verwiegung der KS-Asche 6 Lagerpuffer Recyclat 7 Verwiegung, Dosierung Recyclat 8 Dosierung Schwefelsäure 9 Eirich Smartmixer 10 Zuführung Trockner 11 Fließbetttrockner mit Filtereinheit 12 Becherwerk (Zuführung zur Siebung) 13 Taumelsieb, Klassierung Gutkorn, Überkorn 14 Überkorn zur Mahlung (Recyclat) 15 Transportband der fertigen P-Granulate 16 Transport zum Agrarhandel 17 Ausstreuung des Phosphatdüngers in der Landwirtschaft

erzeugen, siehe dazu Abbildung 1. Nach der Trocknung und Siebung können die Granulate in einheitliche Kornfraktionen getrennt werden. Über- und Unterkornfraktionen können durch Mahlung recycelt werden und lassen sich als Rohstoffkomponente in den Prozess zurückführen.

Ein Verfahren ohne Nebenprodukte Ein mögliches Anlagenschema ist in Abbildung 2 dargestellt. Ein besonderer Vorteil ist, dass bei dem Verfahren keinerlei Nebenprodukte entstehen. Die komplette Asche lässt sich mithilfe des Verfahrens in einen nachhaltigen Wertstoffdünger überführen. Ein wesentlicher Pluspunkt ist zudem, dass mit Schwefelsäure eine sehr kostengünstige Mineralsäure verwendet werden kann. Schwefelsäure ist deutlich günstiger als Additive wie z. B. Soda, welches für den alkalischen Aufschluss eingesetzt wird. Außerdem wird gegenüber thermochemischen Verfahren keine zusätzliche Heizenergie benötigt. In einem Prozessschritt wird ein streufähiges Granulat erzeugt. Das so erzeugte Granulat hat eine hohe Druckfestigkeit und ist ausreichend lagerstabil. Durch die Zugabe von Schwefelsäure wird auch der Schwefelanteil signifikant erhöht. Reine Schwefelsäure besteht zu ca. einem Drittel der Masse aus Schwefel. Zusätzlich bilden sich aus den enthaltenen Erdalkalimetallen der Asche Gips, welcher die Druckfestigkeit der Granulate zusätzlich erhöht. Das Granulat hat je nach Quelle der Klärschlammasche einen pflanzenverfügbaren Phosphatanteil von ca. 15 bis 20 Prozent P2O5. (wüh) Quellen: [1] Ilina, A. (2023): Phosphor Occurrences in Norway, VDI Verlag./[2] Sewage Sludge Regulation – AbfKlärV (2017), Bundesgesetzblatt I Nr. 65./[3] LANUV NRW (2020): Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm./[4] BAM, Hannes Herzel (12.11.2025) 8. BKK: Success-Story CaNaPO4: Inbetriebnahme thermochemischer Anlagen Düngewirkung und REACH Registrierung. PROCESS 6 | 2026

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Verfahrenstechnik

NPK-KLASSIERSIEBUNG

Kornbruch, Steckkorn und Staub meistern Nach der Zerstäubung im Prilling-Tower entscheidet die nachgeschaltete Klassiersiebung über Produktqualität und Ausschussquote. Ein Praxisbeispiel mit acht Schwingsieben zeigt, welche konstruktiven Maßnahmen Bruchempfindlichkeit, Steckkorn und Staubentwicklung wirksam begegnen. VERFASST VON

Ingo Neumann Leiter Marketing J. Engelsmann

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ei der Ausbringung von NPK-Prills (Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K)) auf dem Feld spielt die Korngröße eine zentrale Rolle. Sie beeinflusst, wie schnell die Nährstoffe verfügbar sind und wie das Handling in Transport und Lagerung funktioniert. Landwirte können so je nach eingesetzter Landtechnik, Pflanzkultur und Standortbedingungen das für sie optimale Düngeprodukt auswählen. Im Herstellungsprozess entsteht bei der chemischen Umsetzung von Stickstoff- und Phosphorkomponenten zunächst die NP-Basisschmelze. Durch Beimischen von Kaliumsalzen und Additiven erhält man als Zwischenprodukt den NPK-Slurry. Für die anschließende Prillbildung wird dieser Slurry in einem Prilling-Tower zerstäubt; während die Tropfen nach unten fallen, erstarren sie im Gegenstromwind zu runden Prills unterschiedlicher Größe. Um die Prills in die verschiedenen Größenfraktionen zu trennen, durchlaufen sie danach eine Klassiersiebung, bei der es einiges zu beachten gibt.

Hohe Bruchempfindlichkeit und Steckkorn NPK-Prills sind sehr bruchempfindlich. Beim Aufprall auf Flächen aus größerer Höhe oder durch hohe Beschleunigungen im Siebprozess kann es zu Kornbruch kommen. Dies führt zu einer Verschiebung der Partikelgrößenverteilung: Die Produktausbeute in den Zielkornfraktionen sinkt und es entstehen mehr Feinanteile als Ausschuss. Des Weiteren bildet sich beim Sieben von NPK-Prills Steckkorn, das heißt einzelne Partikel verkeilen sich in den Maschenöffnungen des Siebgewebes. Der Siebeinleger setzt sich immer mehr zu, Durchsatz und Trennschärfe der Siebmaschine nehmen sukzessive ab.

Staubentwicklung und Abrasion Ein weiterer kritischer Faktor ist Staub. Durch die Beanspruchung während des Transports oder Siebprozesses lösen sich feine Partikel als Abrieb von den Prills ab,

Bild: J. Engelsmann

Um eine Trennschärfe von nahezu 100 Prozent zu erreichen, ist bei der Fertigung der Siebeinleger höchste Präzision gefragt.

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Verfahrenstechnik

was zu einer hohen Staubbelastung in der Anlage führt. Darüber hinaus wirken Düngemittel-Prills abrasiv auf produktberührende Bauteile. In Kombination mit Dauerbetrieb und hohen Massenströmen entsteht eine anspruchsvolle mechanische und chemische Belastungssituation. Bei falscher Auslegung führt dies zu einer reduzierten Lebensdauer der Siebmaschinen.

Zweistufige Klassiersiebung In der Anlage des Kunden sind insgesamt acht Schwingsiebe des Typs JEL-Freischwinger von Engelsmann im Einsatz. Jedes einzelne Sieb ist auf eine Produktmenge von 50 bis 85 Tonnen pro Stunde ausgelegt. Die Freischwinger arbeiten kontinuierlich und sind in vier Linien mit je zwei Siebmaschinen angeordnet, die übereinander aufgebaut sind. Die Grobsiebung läuft über die vier Maschinen im oberen Stockwerk. Auf der unteren Ebene findet die Feinsiebung statt. Bei der Grobsiebung werden die Korngrößen in 2 bis 4 mm (Gutware) und größer als 4 mm (Überkorn) ausgesiebt; alle kleineren Partikel werden nach unten in die Feinsiebung geleitet, wo die Größen 1 bis 2 mm (Gutware) und unter 1 mm (Feinanteile) abgetrennt werden. Das Fehlkorn außerhalb des Zielkornspektrums wird der Produktion wieder zugeführt. Die Gutware wird in den Endproduktstrom geleitet und anschließend gelagert und versandt. Neben den Vorgaben bezüglich Durchsatzleistung und Siebverfahren, produktschonendes Siebverfahren und hohe Trennschärfe innerhalb der Fraktionen, formulierte der Kunde weitere Anforderungen, die bei der Auslegung der Maschinen berücksichtigt werden mussten: verlängerte Lebensdauer der Bauteile, geringer Reparatur- und Wartungsaufwand, hohe Energieeffizienz, niedrigere Betriebskosten.

Fokus auf Trennschärfe Die Siebbewegung bei Schwingsieben ist ausschließlich horizontal, das heißt die Prills gleiten sanft auf dem Siebgewebe entlang, ohne auf und abzuspringen, wie dies beim Vibrationssieben der Fall ist. So entsteht wesentlich weniger Kornbruch beziehungsweise weniger Ausschussware. Der JEL-Freischwinger bietet schon in der Basisversion eine große Siebfläche, die höchste Durchsätze garantiert. Durch die längere Verweilzeit des Produkts auf dem Siebgewebe in Kombination mit hochwertigen Siebeinlegern und homogenen Maschenweiten des Gewebes, werden Trennschärfen von bis zu 99 Prozent realisiert. Jedes der acht Siebe verfügt über eine Siebfläche von über 12 m2.

Energieeffizienter, laufruhiger Betrieb Die Siebe werden über einen besonders energieeffizienten Schwungantrieb angetrieben. Die vollständige Antriebsleistung von 5,5 kW wird nur beim Anfahren der Maschine benötigt. Der Motor beschleunigt über Keilriemen eine Schwungscheibe, die ihre kinetische Energie über Schubstangen auf den Siebtrog überträgt. Da der Siebtrog mit Federelementen schwingend gelagert ist, wird eine Eigenbewegung erzeugt, sodass das Sieb

im laufenden Betrieb nur noch 10 bis 20 Prozent der Antriebsleistung benötigt. Ein weiterer Vorteil von Schwungantrieben ist, dass sie sehr laufruhig sind. Fliehkräfte und Schwingungsübertragungen auf Stahlbau und Fundament werden deutlich reduziert, und die Geräuschentwicklung bleibt für eine Maschine dieser Größe vergleichsweise niedrig.

Konstruktive Details Über Produktverteilerbleche unterhalb des Einlaufs wird das Material gleichmäßig und mit reduzierter Fallenergie auf die Siebfläche geführt. Zusammen mit der horizontalen Schwingbewegung wird die punktuelle Belastung einzelner Prills minimiert. Die flächige Verteilung verbessert gleichzeitig die Ausnutzung der Siebbreite und erhöht die Effizienz des Siebprozesses. Um zu verhindern, dass sich das Siebgewebe mit Steckkorn zusetzt, sind die Siebeinleger mit GummiAbreinigungskugeln ausgestattet. Durch die Schwingbewegung springen die Kugeln während des Siebprozesses auf und ab, prallen dabei von unten gegen das Siebgewebe und lösen festsitzendes Steckkorn. Das Siebgewebe bleibt durchlässig, und die Trennschärfe wie auch Durchsatz konstant hoch. Die Siebtröge sind aus V2A-Edelstahl. Durch die starke physische und chemische Belastung kann es im Bereich des Auslaufs der Siebe stellenweise zu Mikro-Rissen kommen. Aus diesem Grund wurden die Siebtröge an kritischen Stellen mit Verschleißschutzblechen ausgeführt, um deren Lebensdauer noch weiter zu erhöhen. Dies führt auch zu reduzierten Wartungs- und Lebenszykluskosten.

Schneller Zugang, weniger Aufwand Gerade bei staubigen Produkten wie Düngemittel sind die Siebmaschinen in der Regel mit Deckel verschlossen. Bei großen Siebmaschinen wie einem JEL-Freischwinger werden dazu mehrere größere Metalldeckel verbaut. Die Deckel dichten die Maschine zwar zuverlässig ab, sind aber bei dieser Baugröße schwieriger zu handhaben, sodass man beim Öffnen des Siebes meistens zu zweit arbeiten, oder auf Hebezeug wie Krane zurückgreifen muss. Bei kontinuierlicher Produktion ist es jedoch entscheidend, Stillstandszeiten bei den Siebmaschinen so gering wie möglich zu halten. Wartungseinsätze und besonders der Wechsel der großen Siebeinleger-Segmente dürfen nicht zu lange dauern. Für die Siebtröge gab es in diesem Fall eine einfache, aber wirkungsvolle Lösung: Statt Metalldeckel schützt eine robuste Abdeckplane die Siebfläche. Sie ist leichter zu handhaben und sorgt dafür, dass das Siebgut geschützt bleibt. Beim Austausch der Siebeinleger müssen nur die Einhängeösen der Plane gelöst und Exzenterspanner geöffnet werden. Gleichzeitig schützt die Abdeckplane davor, dass zu viel Staub in die Anlagenumgebung entweicht. Die Planen können optional auch mit Sichtfenster ausgeführt werden, sodass der Siebvorgang beobachtet werden kann, ohne dass die Plane entfernt werden muss. Dies erhöht also die Anlagenverfügbarkeit und schützt auch das Produktionspersonal vor zu hoher Staubbelastung. (wüh) PROCESS 6 | 2026

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Verfahrenstechnik

WIRBELSCHICHT-VERFAHRENSTECHNIK

Versuchsanlage testet Granulation und Coating

Bild: K-Industries

Eine neue WirbelschichtVersuchsanlage von KIndustries-Ammag testet Agglomeration, Granulation und Coating in der Wirbelschicht. Die Anlage ist in drei Baugrößen verfügbar und deckt Batchgrößen von 100 Gramm bis fünf Kilogramm ab. Anwender können die Module flexibel an ein zentrales Versorgungsmodul anschließen, das Gebläse, Lufterhitzer und die Steuerung enthält. In der Standardkonfiguration nutzt der Prozess Umgebungsluft. Optional lässt sich die Anlage mit gekühlter oder getrockneter Luft sowie Stickstoff betreiben; auch eine Kreislaufführung des Prozessgases ist möglich. Das System verarbeitet Stoffe aus den Bereichen Food/Feed, Pharma, Chemie und Baustoffe. Durch den integrierten konstruktiven Explosionsschutz eignet sich die Anlage auch für staubexplosionsgefährdete Produkte. Organische Lösungsmittel können eingeschränkt zum Einsatz kommen. Ein 15-Zoll-Touchpanel bedient die Anlage, erfasst kontinuierlich alle Prozessdaten und speichert diese für Auswertungen. Powtech: Halle 7A, Stand 515 www.ammag.com www.k-industries.at

HYGIENISCHE SCHLEUSENTECHNIK

Sichere Schleusenwartung

Bild: Gericke

Gericke hat sein Sortiment an Rotaval-Schnellreinigungsschleusen aktualisiert und verbindet dabei ein verbessertes hygienisches Design mit innovativen Funktionen, welche die Produktivität steigern, Ausfallzeiten reduzieren und einen zuverlässigen Betrieb gewährleisten sollen. Das aktualisierte Sortiment ist nach den Standards USDA Dairy, EHEDG und Atex zertifiziert und wurde für Branchen entwickelt, in denen Sauberkeit und Prozessintegrität von entscheidender Bedeutung sind. Das reicht beispielsweise von der Lebensmittel- und Milchwirtschaft bis hin zur pharmazeutischen und chemischen Produktion. Mit der Aktualisierung des Sortiments sind standardmäßig ausziehbare Ausführungen bis zu 400 mm erhältlich. Eine Neuerung ist das patentierte Rotalign-Rotorausrichtungssystem, das in die gesamte Fast-Clean-Produktreihe integriert ist. Diese selbstausrichtende Rotortechnologie vereinfacht den Wiedereinbau und macht manuelle Einstellungen oder Spielprüfungen überflüssig, heißt es vom Unternehmen. Powtech: Halle 7A, Stand 418 www.gerickegroup.com

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Verfahrenstechnik

TURNKEY-ANLAGEN

Die Hosokawa Micron Group wird auf der Powtech 2026 ihr Portfolio für die Pulverund Schüttgutverarbeitung präsentieren. Ausgestellt wird u. a. die Labormühle Picoline, die Hosokawa für den Scale-up vom Labor zur Produktion entwickelt hat, erweitert um Containment-Lösungen zum Schutz von Prozessbeteiligten vor toxischen Produkten. Des Weiteren wird ein Mini-Modell des Kompaktors MS-75 gezeigt, der in der chemischen Industrie für die Lignin- und Düngemittelproduktion oder auch in der Nahrungsmittelindustrie zur Kompaktierung von Proteinkonzentrat eingesetzt werden kann. Der Chargenmischer Vitomix komplettiert die ausgestellten Maschinenlösungen. Der Low- und Mid-Shear-Bandschneckenmischer hat eine bis zu acht Mal höhere Förderleistung als herkömmliche

Bild: Howokawa

Verarbeitung von Pulver und Schüttgütern

Schneckenmischer aufgrund seiner extrem kurzen Zykluszeiten, heißt es in einer Pressemitteilung.Unabhängig von den ausgestellten Maschinen können sich Besucher zudem über Lösungen zur Gummivermahlung und Faserverarbeitung, zu maßgeschneiderten Verfahren für die Feinstvermahlung und Sichtung von Keramik und

Glas sowie für Verarbeitungssysteme von Recovered Carbon Black informieren. Abgerundet wird der Messeauftritt durch verschiedene Webinare im Vorfeld der Messe zu den Themen Kompaktieren, Pulver- und Schüttguthandling und Laborlösungen. Powtech: Halle 7a, Stand 530 www.hosokawa-alpine.com

PROZESSKÜHLUNG

In vielen verfahrenstechnischen Anlagen entsteht an der einen Stelle Abwärme und an der anderen muss gekühlt werden. Statt konventionelle Kältemaschinen mit entsprechend hohen Stromkosten nutzen immer mehr Unternehmen die vorhandene Abwärme zum Kühlen. Herzstück solcher Energiekonzepte ist die Absorptionskälteanlage Biene von W. Baelz & Sohn. Sie nutzt Abwärme als Antriebsenergie und erzeugt beispielsweise Kaltwasser. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kompressionskältemaschinen benötigt die Absorptionskälteanlage nur einen sehr geringen Anteil elektrischer Energie. Als Kältemittel dient Wasser, als Lösungsmittel Lithiumbromid. Wie es vom Unternehmen heißt, arbeitet die Anlage dadurch besonders umweltfreundlich und ohne synthetische Kältemittel. Im Sommer-

betrieb nutzt die Biene die gesamte verfügbare Abwärme zur Erzeugung von Kaltwasser. Im Winterbetrieb wird die Abwärme vorrangig für die Gebäudeheizung eingesetzt. Damit die Produktionsanlagen dennoch zuverlässig mit Kaltwasser versorgt werden können, kann ergänzend ein Freikühlsystem installiert werden. Sobald die Außentemperaturen ausreichend niedrig sind, übernimmt dieses die Kühlung des Prozesswassers mithilfe der kalten Außenluft. Das Zusammenspiel aus Wärmerückgewinnung, Absorptionskälteanlage und Freikühlung sorgt dafür, dass die vorhandene Energie ganzjährig optimal genutzt wird. Solche Optimierungsprojekte lassen sich nach dem BAFA-Programm für Kälte- und Klimaanlagen fördern. www.baelz.de

Bild: W. Baelz & Sohn

Absorptionskälteanlage nutzt Prozessabwärme statt Strom

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Lebensmittel-/Getränketechnik

MECHANISCHE TRENNTECHNIK IN DER GETRÄNKE- UND MOLKEREIINDUSTRIE

Dekanter & Co. machen aus Nebenströmen Wertschöpfung

Steigende Rohstoffpreise und Nachhaltigkeitsanforderungen zwingen Molkereien, Brauereien und Saftproduzenten, ihre Prozesse auf den Prüfstand zu stellen. Aktuelle Praxisbeispiele zeigen, wie sich Ausbeute, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit gezielt steigern lassen. VERFASST VON

Andreas Metzenauer Vertriebsleiter Getränke und Milch Flottweg

S

teigende Rohstoffpreise, wachsender Kostendruck und verschärfte Nachhaltigkeitsanforderungen stellen die Getränke- und Molkereiindustrie vor grundlegende Herausforderungen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach hochwertigen, proteinreichen Produkten und funktionellen Inhaltsstoffen. In diesem Spannungsfeld gewinnt die mechanische Trenntechnik zunehmend an Bedeutung: Sie ermöglicht es, Stoffströme effizient zu fraktionieren, Nebenprodukte aufzuwerten und Prozesse robuster sowie wirtschaftlicher auszulegen. Technologien wie Dekanterzentrifugen, Tellerseparatoren und Bandpressen sind dabei längst etablierte Werkzeuge. Ihr tatsächliches Potenzial erschließt sich jedoch oft erst, wenn bestehende Prozessgrenzen kritisch hinterfragt und neue verfahrenstechnische An-

sätze erprobt werden. Moderne Test- und Entwicklungseinrichtungen – wie etwa das neue Flottweg Prozesscenter – bieten hierfür geeignete Rahmenbedingungen, um neue Anwendungen zu testen, zu validieren und in die industrielle Praxis zu überführen. Grundsätzlich gilt: Wer bereit ist, etablierte Prozesse zu hinterfragen und neue Ansätze zu prüfen, kann die Vorteile mechanischer Trenntechnik gezielt nutzen – insbesondere hinsichtlich Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Produktqualität.

Molkereitechnologie: Potenziale in etablierten Prozessen Zentrifugale Trennverfahren sind seit über 140 Jahren ein fester Bestandteil der Molkereitechnologie. Dennoch

geklärtes Presswasser Presswasser

Flottweg Tricanter ©

entwässerte Feststoffe

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Ölphase Bild: Flottweg

Beispiel 3-PhasenTrennung von Kaffeepresswasser


zeigen aktuelle Beispiele, dass sich auch in etablierten Anwendungen neue Potenziale erschließen lassen. Zur Entwässerung fermentierter Milchprodukte wie Quark, Joghurt oder Skyr kommen traditionell Membranverfahren oder spezielle Düsenseparatoren zum Einsatz. Dekanterzentrifugen bieten hier eine interessante Alternative. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der hohen Flexibilität: Unterschiedliche Entwässerungsstufen können gezielt eingestellt werden, wodurch sich Produktionsprozesse besser an wechselnde Anforderungen anpassen lassen. Darüber hinaus ergeben sich wirtschaftliche Vorteile durch vergleichsweise geringere Investitions- und Serviceaufwände sowie durch eine hohe Anlagenverfügbarkeit. Vor dem Hintergrund der weiterhin steigenden Nachfrage nach proteinreichen Milchprodukten eröffnen sich dadurch zusätzliche Spielräume für Anlagenbetreiber. Ein weiteres praxisrelevantes Beispiel ist die Aufbereitung von Mozzarellaziehwasser. Dieser anspruchsvolle Nebenstrom enthält neben Feststoffen auch wertvolle Fettanteile. Durch den Einsatz eines 3-Phasen-Tellerseparators mit spezieller Trommelkonfiguration lassen sich die enthaltenen Phasen gezielt trennen. Der Einsatz maßgeschneiderter Hochleistungs-Werkstoffe ermöglicht dabei auch den zuverlässigen Betrieb unter herausfordernden Bedingungen. Die zurückgewonnenen Fettanteile können anschließend wieder in den Produktionsprozess integriert werden, wodurch sich die Rohstoffnutzung deutlich verbessert.

Pflanzliche Milchalternativen: Effizienz entlang der Prozesskette Auch die Produktion pflanzlicher Milchalternativen profitiert von modernen Trennlösungen. So werden beispielsweise Dekanterzentrifugen zur Abtrennung von Pflanzenfasern aus Rohstoffen wie Soja, Hafer oder Reis eingesetzt. Darüber hinaus bieten sich auch in vorgelagerten Prozessschritten Optimierungsmöglichkeiten. Ein Beispiel ist die Herstellung von Kokosmilch: Im klassischen Verfahren kommen häufig Schneckenpressen zur Extraktion zum Einsatz. Durch einen angepassten Vermahlungsprozess und den Einsatz speziell ausgelegter Bandpressen lassen sich jedoch höhere Ausbeuten erzielen. In der Praxis sind Ausbeutesteigerungen von etwa 10 bis 15 Prozent möglich. Vor dem Hintergrund steigender Rohstoffpreise und wachsender Nachfrage nach pflanzlichen Produkten stellt dies einen relevanten wirtschaftlichen Faktor dar.

Nebenströme in der Brauindustrie: Vom Reststoff zur Ressource Biertreber ist mit rund 80 bis 85 Prozent das größte Nebenprodukt der Bierherstellung. Traditionell wird er überwiegend als Viehfutter genutzt. Diese Verwertung ist jedoch stark von regionalen Gegebenheiten abhängig. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Hoher Wassergehalt, steigende Transportkosten und wachsender Kostendruck machen alternative Nutzungskonzepte erforderlich. Moderne Dekanterzentrifugen ermöglichen eine effiziente Entwässerung von Biertreber und erreichen dabei Abscheidegrade von bis zu 98 Prozent. Wertvolle Inhaltsstoffe wie Proteine und Ballaststoffe verbleiben ge-

Bild: Flottweg

Lebensmittel-/Getränketechnik

zielt im Feststoff und bilden die Grundlage für eine weitergehende Nutzung, beispielsweise in Proteinkonzentraten, funktionellen Inhaltsstoffen und Lebensmittelanwendungen. So wird aus einem klassischen Nebenprodukt ein wertvoller Rohstoff und aus Entsorgung Wertschöpfung. Auch die flüssige Phase bietet Einsparpotenziale. Das abgetrennte Prozesswasser kann – abhängig von der Qualität – im Brauprozess wiederverwendet werden, beispielsweise als Prozess- oder Spülwasser. Dies trägt dazu bei, den Frischwasserverbrauch zu reduzieren und die Abwasserbelastung zu senken.

Typische Installation einer Bandpresse für die Lebensmittelproduktion.

Frucht- und Gemüsesäfte: Gezielte Trennung für anspruchsvolle Produkte Der Einsatz zentrifugaler Trenntechnik ist auch in der Verarbeitung von Frucht- und Gemüsesäften weit verbreitet. Dennoch bestehen hier Optimierungspotenziale, insbesondere hinsichtlich Ausbeute und Produktqualität. Dekanterzentrifugen können beispielsweise: Retentate aus Ultrafiltrationsprozessen weiter aufbereiten die Wirtschaftlichkeit bei schwer filtrierbaren Rohstoffen verbessern Abfallströme reduzieren Ein weiterer Ansatz ist die so genannte Klassierung: In diesem verfahrenstechnisch anspruchsvollen Prozess werden Partikel aufgrund unterschiedlicher Dichte und Größe selektiv getrennt. In der Praxis lässt sich dies beispielsweise bei tropischen Fruchtsäften nutzen, um unerwünschte Partikel („Black Specs“) zu entfernen, während gewünschte Pülpe im Produkt verbleibt. Durch die flexiblen Einstellmöglichkeiten moderner Dekanter lassen sich solche Trennaufgaben gezielt realisieren. Ein weiteres Beispiel ist die Aufbereitung komplexer Nebenströme: In der Instantkaffeeherstellung konnte die Präsenz von Kaffeeöl im Presswasser nachgewiesen werden. Durch den Einsatz eines 3-Phasen-Tricanters ließ sich der Strom fraktionieren und anschließend gezielt weiterverwerten. Dadurch wurde eine deutliche Aufwertung des Nebenstroms erreicht. (wüh)

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Lebensmittel-/Getränketechnik

ABFÜLLUNG SENSIBLER GETRÄNKE

HOMOGENISATOREN

www.gea.com

KHS hat seine vollautomatischen InnokegContikeg-Maschinen zum Reinigen und Füllen von Fässern weiterentwickelt. Mit der Verarbeitung von Gebindegrößen zwischen fünf und rund 58 Litern eignet sie sich für ein breites Produktspektrum – von Whiskey-

Soda, Bier, Biermischgetränke und Wein über Wasser und Softdrinks bis hin zu Säften. Für eine besonders ressourcen- und produktschonende Abfüllung setzt KHS auf sein Füllsystem Direct Flow Control (DFC). Es steuert die Durchflussgeschwindigkeit präzise über das DFC-Ventil. Das reduziert den CO2-Einsatz um bis zu 40 Prozent und sorgt gleichzeitig für eine kontrollierte, schaumfreie Füllung. Für ein verbessertes hygienisches Design nutzt KHS eine pulsierende Spritzung mit bis zu drei verschiedenen chemischen Reinigungsmedien. Besonders bei der Reinigung kritischer Keg-Innenbereiche wie Fitting und Federpakete spielt die Einweichfunktion ihre Stärken aus. www.khs.com

REINIGUNG UND DESINFEKTION

Heißwasserdosierer senkt Chemikalienverbrauch

Bild: LDT Level Dosiertechnik

Die KOB-Hochdruckhomogenisatoren von Gea decken Leistungen von bis zu 400 bar ab. Sie eignen sich für ein breites Spektrum an Anwendungen in den Bereichen Lebensmittel, Milch und Milchzutaten, Getränke oder auch pflanzenbasierte Formulierungen – einschließlich Homogenisierung und Beschickung von Sprühtrocknern. Die Homogenisatoren können selbst anspruchsvolle, mittelviskose und abrasive Produkte verarbeiten. Dafür stehen optional leistungsstärkere Homogenisierventile sowie besonders verschleißfeste Werkstoffe zur Verfügung, die die Standzeiten bei stark abrasiven Formulierungen verlängern. In der Standardausführung kommen wirtschaftliche, verschleißresistente Komponenten zum Einsatz, die sich für weniger beanspruchende, nicht abrasive Produkte eignen. Anwender mit begrenztem Platzangebot profitieren von der kompakten Bauweise. Diese basiert auf einem optimierten Kurbelgehäuse- und Getriebekonzept, das eine hohe mechanische Effizienz bei gleichzeitig geringer Wärme-, Geräusch- und Vibrationsentwicklung ermöglicht. Da der Antriebsbereich weder Ölkühlung noch Zwangsbelüftung erfordert, reduziert sich der Einsatz von Zusatzaggregaten deutlich. Dies senkt Installations- und Wartungsaufwand ebenso wie den Energieund Betriebsmittelverbrauch, heißt es vom Unternehmen. Zudem sind alle Modelle CIPund SIP-fähig und lassen sich so konfigurieren, dass sie den 3-A-Hygienestandards entsprechen. Dämpfbare Sterilkammern mit vollem Hub gewährleisten eine aseptische Produkthandhabung.

Bild: Frank Reinhold

Schonend Abfüllen und sicher Reinigen

Für kleine und mittlere Produktionen

Der D3TR von Dosatron ist ein wasserbetriebener, proportional arbeitender Dosierer, der speziell für den Einsatz mit Heißwasser bis 70 °C entwickelt wurde. Er arbeitet vollständig ohne elektrische Energie und nutzt den Wasserdurchfluss als Antriebsquelle. Die Dosierung des Reinigungs- oder Des-

infektionsmittels erfolgt dabei proportional zur durchströmenden Wassermenge, unabhängig von Druck- oder Durchflussschwankungen. Dies soll sicherstellen, dass die eingestellte Konzentration des Chemikalienzusatzes jederzeit konstant bleibt. Was laut Firmenangaben ein entscheidender Faktor für reproduzierbare und normkonforme Hygieneprozesse ist. Der Heißwasserdosierer eignet sich für CIP- und COP-Reinigungen von Rohrleitungen, Tanks und Prozessanlagen, Desinfektion von Produktionsbereichen und Fördertechnik, Schaum- und Sprühreinigung in Schlacht-, Molkerei- und Getränkeanlagen sowie Reinigung von Abfüll- und Verpackungslinien. www.ldt.info

VERNETZTE KENNZEICHNUNGSPROZESSE

Bild: Logopak Systeme, Paul Leibinger

Integrierte Softwarelösung für die Kennzeichnung

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Mit dem Umstieg auf 2D-Codes verändert sich auch das Datenmanagement. Die Datendichte in den Codes steigt, die Rückverfolgbarkeit wird umfassender und damit wächst der Bedarf an intelligenten, effizient steuerbaren Datenflüssen. Parallel dazu schreitet die Automatisierung in den Fabriken weiter voran, während technische Ressourcen direkt in der Produktion knapper werden. Umso wichtiger werden verlässliche, vernetzte Systeme mit zentralem Zugriff, klarer Übersicht und durchgängiger Kontrolle. Genau hier setzt die Zusammenarbeit von Leibinger und Logopak an. Erstklassige CIJKompetenz, leistungsstarke industrielle Drucksysteme und maximale Zuverlässig-

keit im laufenden Betrieb: dafür steht Leibinger. Logopak ergänzt dies durch umfassende Expertise in den Bereichen Print-andApply, industrielle Integration und Datenmanagement. Gemeinsam bieten die Unternehmen einen offenen Lösungsansatz, der alle Kennzeichnungsprozesse von der Primärverpackung bis zur Palette verbindet. Ein zentrales Element ist „manage.ID“, die Software von PID, mit der sich unterschiedliche Kennzeichnungstechnologien unabhängig vom Hersteller in einer zentralen Umgebung steuern und überwachen lassen. Damit lassen sich auch Leibingers CIJ-Systeme nahtlos in übergeordnete Produktionsarchitekturen integrieren. www.leibinger-group.com


II 2026

Wer gewinnt das Rennen um die Abnehmpille? Neben den Abnehmspritzen kommen nun auch immer mehr orale Alternativen auf den Markt – auch in Deutschland. Zwei Pharmariesen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wer wird den Adipositasmarkt für sich gewinnen? process.de/pharma

Ein Branchen-Special von


Branchen-Special PharmaTEC

VOM MASCHINENBAUER ZUM GENERALUNTERNEHMER

Visionen für die Pharmafabrik von morgen

Bild: Ima / Emanuele Anselmi

Ima als One-Stop-Shop für komplette Pharmafabriken – diesem Ziel kommt der italienische Maschinenbauer immer näher. Wie der Weg dorthin war und warum er Indien als wichtigen Wachstumsmarkt sieht, verriet Thomas Fricke, Commercial Director bei Ima Pharma, im PROCESS-Interview auf der Interpack 2026.

Thomas Fricke, Commercial Director von Ima Pharma, auf der Interpack 2026.

D

er Messeauftritt in Düsseldorf schien gut anzukommen. Die gesamte Halle 17 war dem italienischen Maschinenbauer zugeschrieben – auf 4.500 Quadratmetern wurden 38 Maschinen aus dem breiten Portfolio in Action gezeigt. Ein Hingucker und Publikumsmagnet war in jedem Fall ein Roboterhund für sterile Arbeitsprozesse, der in regelmäßigen Abständen über den Messestand navigierte. In einem Interview auf der Achema 2024 zeichnete Thomas Fricke, Commercial Director bei Ima Pharma, noch den Weg zum One-Stop-Shop-Supplier vor – heute ist das Konzept etabliert. Auf der diesjährigen Interpack sprach PROCESS mit dem studierten Maschinenbauer über diesen Fortschritt und wo er die Zukunft der Branche sieht.

Akquisitionen schließen Portfoliolücken VERFASST VON

Sarah Junker Volontärin PROCESS

Komplette Linien und sogar Fabriken für verschiedene Produkttypen aus einer Hand anbieten zu können – das ist der One-Stop-Shop-Ansatz, den Ima seit geraumer Zeit verfolgt. Fricke beschreibt die Entwicklung zum All-

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in-One-Partner in drei Schritten: Einzelmaschine – Linie – Fabrik. „Die Idee von Ima ist, dass sich ein Kunde nicht mehr umschauen muss, wenn er eine Fabrik bauen will.“ Dieses Konzept ist unter anderem das Ergebnis einer langfristigen Akquisitionsstrategie. Mit den Geschäftsbereichen Ima Active (feste Darreichungsformen), Ima Life (aseptische Prozesse) und Ima Safe (Verpackungstechnologie) deckt das Unternehmen inzwischen fast die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Wirkstoffverarbeitung bis zur Palettierung. Strategische Übernahmen wie Edwards für Gefriertrocknung, Komax Medtech für die Montage von Autoinjektoren oder zuletzt Prosys für Containment-Lösungen haben einige der verbliebenen Portfoliolücken geschlossen. Für Pharmahersteller gewinnt der Turnkey-Ansatz an Bedeutung, weil viele ihre internen Engineering-Abteilungen verkleinern. Statt zahlreiche Lieferanten koordinieren zu müssen, wächst die Nachfrage nach Projekten inklusive Anlagenplanung, HVAC-Konzepten, Qualifizierung und Mitarbeiterschulung. „Wenn bei uns die Linie entsteht, sind wir für alles verantwortlich – von der Tablettenpresse bis zur Palette“, erklärt Fricke.

Erste Auslieferung des Achema-Prototyps Nachdem ein Prototyp für die Abfüllung von Zell- und Gentherapien bereits auf der Achema für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, wurde in Düsseldorf nun die vollständige Version der neuen Tile-X-Plattform präsentiert. Die Anlage richtet sich an hochpreisige Biopharmazeutika und Advanced Therapy Medicinal Products (ATMPs). Herzstück ist die Magnetschwebetechnologie, die Komponenten berührungslos durch den aseptischen Fill-Finish-Prozess transportiert. Die Mover schweben dabei über der Arbeitsfläche im Isolator. Der Nutzen geht dabei weit über den technischen Effekt hinaus: Wo kein mechanischer Kontakt ist, entstehen auch keine Abriebpartikel. Besonders bei hochsensiblen Zell- und Gentherapien ist die Partikelfreiheit entscheidend.

Tile-X soll vielversprechende ParkinsonTherapie abfüllen Die erste Tile-X wurde bereits an einen großen deutschen Pharmakonzern ausgeliefert, mit dem die Linie


gemeinsam entwickelt wurde. Eine zweite Anlage baut Ima für einen Kunden in Spanien, parallel ist eine Laborversion in Entwicklung. 40 Vials pro Minute können so mit den teuren Medikamenten befüllt werden. Fricke hebt die besondere Bedeutung des Projekts hervor: Auf der Linie soll ein Parkinson-Medikament abgefüllt werden, das direkt in den Kopf injiziert wird. Da das Therapeutikum üblicherweise bei minus 120 °C gelagert und innerhalb kürzester Zeit abgefüllt werden muss, sind die Anforderungen an die Anlage extrem hoch – die Erfolgsaussichten für das Medikament dabei durchaus vielversprechend.

Wenn die Maschine antwortet: vom Smartzum Cognitive Manufacturing Unter dem Motto „Cognitive Manufacturing“ geht Ima über das herkömmliche Konzept der Smart Factory hinaus: Die riesigen Datenmengen vernetzter Anlagen sollen in handlungsrelevantes Wissen transformiert werden. Mit Intellecta präsentiert das Unternehmen eine Lösung, die als „ChatGPT für Professionals“ fungiert und das Gehirn einer verteilten Intelligenz-Architektur (Distributed Architecture) bildet. Das System arbeitet auf zwei Ebenen: Die zentrale Gen-AI-Plattform erkennt Muster und korreliert Wissen über ganze Werke hinweg – „AI on Edge“ unterstützt das Personal direkt an der Linie. Die KI-basierte Datenbank bündelt Bedienungsanleitungen, Schaltpläne, Ersatzteillisten und Troubleshooting-Videos. Ein Bediener kann die Maschine direkt fragen: „Ich habe Alarm XY – was soll ich tun?“ Die Software identifiziert Korrelationen zu ähnlichen Fällen, schlägt konkrete Lösungswege vor und liefert die passenden Montage-Videos und Artikelnummern für Ersatzteile. Für Pharmaunternehmen bedeutet das nicht nur eine schnellere Fehlerbehebung, sondern auch eine effizientere Ersatzteillogistik. Während früher häufig umfangreiche Ersatzteillager beim Kunden aufgebaut wurden, ermöglicht „Virtual Warehousing“ nun, die benötigten Teile digital zu reservieren und on-demand zu versenden. „Digital und Sustainable arbeiten für uns eng zusammen. Digital hilft uns sehr, sustainable zu werden“, betont Fricke mit Blick auf die Reduzierung von Lagerhaltung, Transporten und Materialverschwendung.

Alberto Vacchi als größter Verfechter der Nachhaltigkeit Allen voran stehe der Firmeninhaber Alberto Vacchi hinter dem Nachhaltigkeitskonzept von Ima. Schon vor Jahren war Ima Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit – nach und nach holen jetzt auch andere Unternehmen auf und die Science Based Targets Initiative (SBTi) könnte zum Standard werden. Auch Ima ist Teil der Initiative und hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt, deren Fortschritte wissenschaftlich gemessen werden. Ein Beispiel aus der Nachhaltigkeitsstrategie ist das neue Konzept der Interlocking Blister: Durch geschicktes Ineinanderschachteln der Tablettenverpackungen wird das Leervolumen in der Faltschachtel so reduziert, dass doppelt so viele Blister hineinpassen als zuvor. Das kann die CO2-Belastung in Verpackung und Logistik um bis zu 37 Prozent senken. Die Giant-1-Serie nutzt dafür keine neuen Blisterdesigns, sondern ein Wendemodul für bestehende Geometrien.

Bild: Messe Düsseldorf / Tillmann

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Kühlsysteme mit Luftkompression Auch regulatorische Anforderungen wie die europäische Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) beeinflussen den italienischen Maschinenbauer. Im firmeneigenen „OPENLab“ testet Ima nachhaltige Verpackungsmaterialien vor der Markteinführung. Kunden sollen so auf alternative Materialien umsteigen können, ohne ihre bestehenden Anlagen ersetzen zu müssen. Ein weiterer Aspekt in Sachen Nachhaltigkeit findet sich in der Gefriertrocknung, die bisher alles andere als umweltfreundlich ist. Gemeinsam mit Linde arbeitet Ima an Kühlsystemen für Gefriertrocknungsanlagen: Statt klimaschädlicher Kältemittel ermöglicht eine reine Luftkompression Temperaturen von bis zu minus 120 °C.

Ein Roboterhund navigierte über den Ima-Messestand auf der Interpack – in jedem Fall ein Hingucker und Publikumsmagnet.

Indien als Wachstumsmarkt Bei aller Technologie bleibt der Markt entscheidend. Fricke sieht die weltweite Verpackungsmaschinenindustrie weiterhin von Deutschland und Italien dominiert. Der Wettbewerb sei intensiv, werde aber zunehmend über Portfoliobreite und Systemintegration entschieden. Besonders dynamisch entwickelt sich Indien. Dort betreibt Ima bereits ein Werk in Mumbai und zwei in Indore, wo das komplette Produktportfolio lokal gefertigt wird. Während chinesische Anbieter wie Tofflon oder Truking technologisch aufholen und den heimischen Markt zunehmend selbst versorgen, entstehen in Indien und in osteuropäischen Pharma-Clustern wie Slowenien neue Wachstumschancen.

Erfolgsfaktor nachhaltige Portfoliobreite Die Entwicklung hin zum All-in-One-Lieferanten spiegelt einen grundlegenden Trend im Pharmamaschinenbau wider. Wer in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben will, muss mit einem breiten Portfolio und Systemintegration überzeugen. Gleichzeitig könnte eine strengere Überwachung von Nachhaltigkeitsaktivitäten zum Standard werden. Auch eine starke Präsenz in Wachstumsmärkten wird eine entscheidende Rolle spielen. Ima ist in diesen Aspekten bereits gut positioniert und könnte in den kommenden Jahren noch bestehende Portfoliolücken schließen – etwa im Bereich der Blow-Fill-andSeal-Technologie oder der Inspektion. (sju) PROCESS 6 | 2026

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Bild: KI-generiert

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ÜBERGEWICHT UND DIABETES

Wer gewinnt das Rennen um die Abnehmpille? Nach dem Siegeszug der Abnehmspritzen beginnt nun das Rennen um die Tablette zum Schlankwerden. Eli Lilly und Novo Nordisk liefern sich auch hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen – und die erste Pille ist inzwischen auch in deutschen Apotheken erhältlich.

Wirkstoff-Chemie und Bioverfügbarkeit: Small Molecule vs. Peptid Die zentrale pharmazeutische Herausforderung bei oralen GLP-1-Therapien liegt im Abbau im Magen-DarmTrakt. Hier verfolgen die beiden Marktführer zwei unterschiedliche Ansätze: Bei Orforglipron von Eli Lilly handelt es sich um ein Small Molecule mit einer stabilen chemischen Ringstruktur. Der nicht-peptidische Wirkstoff wird im Gastrointestinaltrakt nicht so schnell enzymatisch abgebaut und wirkt ebenso wie das körpereigene Peptid GLP-1 selbst als Agonist am GLP-1-Rezeptor. Laut Hersteller kann Orforglipron einmal täglich, unabhängig von Mahlzeiten und ohne spezielle Wasseroder Einnahmevorschriften eingenommen werden. Novo Nordisk baut sowohl bei der Spritzen- als auch der Tablettenvariante auf den Wirkstoff Semaglutid. Da das Peptid von der Magensäure schnell abgebaut wird, erfordert die perorale Aufnahme eine hohe Wirkstoffmenge. Nur so kann genügend resorbiert werden, um im Blut vergleichbare Spiegel wie bei der subkutanen

Bild: Eli Lilly

N

ach dem globalen Boom der Abnehmspritzen Wegovy und Mounjaro zeichnet sich die nächste Phase im Kampf gegen Adipositas ab – dieses Mal in Tablettenform. Während die Injektionen das therapeutische Bild bislang dominierten, steigt die Nachfrage immer mehr nach oralen Alternativen. Der globale Markt für GLP-1-Rezeptoragonisten und andere Adipositastherapien erreichte 2025 ein Volumen von rund 63 Milliarden US-Dollar. Im laufenden Jahr 2026 dürfte er auf über 73 Milliarden US-Dollar ansteigen. Langfristige Prognosen sehen den Sektor bis zum kommenden Jahrzehnt sogar auf über 180 Milliarden US-Dollar wachsen, angetrieben durch eine jährliche Wachstumsrate (CAGR) von fast 17 Prozent. Die Dynamik zeigt sich auch auf dem deutschen Markt: Rund vier Millionen Haushalte nutzen nach aktuellen Erhebungen bereits GLP-1-basierte Abnehmmedikamente oder ziehen eine solche Behandlung in Betracht. Die Platzhirsche Novo Nordisk und Eli Lilly dominieren das Geschehen und vereinen zwischen 70 und 90 Prozent der weltweiten Markenumsätze auf sich – wobei Novo mit etwa 46 Prozent vor Lilly mit rund 27 Prozent führt.

Orforglipron wird durch chemische Synthese in mehrstufigen, steuerbaren Laborverfahren hergestellt.

Verabreichung durch die Spritzen zu erzielen. Die Wegovy-Pille muss laut Novo täglich zur gleichen Zeit morgens auf nüchternen Magen und nach mindestens acht Stunden Fasten eingenommen werden; Essen, Trinken oder andere Medikamente sind erst nach einer halben Stunde erlaubt.

Zulassung und Markteinführung in Europa Anfang April 2026 erteilte die FDA die Zulassung für Orforglipron unter dem Namen Foundayo in den USA als oral verfügbare GLP-1-Abnehmpille für Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht und gewichtsbedingten Begleiterkrankungen. Als erstes Land in Europa zog das Vereinigte Königreich nach. Das Präparat soll ab August verfügbar sein, nachdem es im Juli zugelassen wurde. Novo Nordisk sicherte sich bereits Ende Dezember 2025 die FDA-Genehmigung für die Wegovy-Pille, gefolgt von der Markteinführung in den USA Anfang Januar 2026. Mitte Juli erteilte die EU die offizielle Zulassung. Seit dem 1. September 2026 ist die Wegovy-Tablette auch in deutschen Apotheken auf Rezept erhältlich und damit

VERFASST VON

Sarah Junker Volontärin PROCESS

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Bild: Novo Nordisk

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Semaglutid wird durch rekombinante DNA-Technologie in Zellen des Hefepilzes Saccharomyces cerevisiae hergestellt.

in einem der wichtigsten EU-Gesundheitsmärkte verfügbar. Im direkten Vergleich der Phase-3-Studiendaten zeigt sich bei beiden Tabletten eine hohe Wirksamkeit: Mit der höchsten Orforglipron-Dosierung (36 mg) verloren Nicht-Diabetiker nach 72 Wochen durchschnittlich 12,4 Prozent ihres Körpergewichts. Die Wegovy-Pille erzielte nach 64 Wochen eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 16,6 Prozent – und liegt damit etwa auf dem Niveau der injizierbaren Version.

Kosten: mehrere Hundert Euro im Monat Da Abnehmmittel als Lifestyle-Medikamente gelten, tragen Patienten die Kosten in der Regel selbst; nur bei diagnostiziertem Typ-2-Diabetes übernehmen die Krankenkassen die Behandlung und somit die Kosten für die Tablette. Für Patienten ist der Preis daher ein ausschlaggebender Punkt: Während Selbstzahler in den USA für Foundayo rund 149 US-Dollar im Monat aufbringen müssen (Privatversicherte ca. 25 US-Dollar), könnten die monatlichen Kosten für die Wegovy-Tablette hierzulan-

PROCESS-INFO

Wie wirken die Abnehmtabletten? Ähnlich wie die Abnehmspritzen enthalten die Tabletten Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Diese Stoffe ahmen das natürliche Darmhormon GLP-1 nach und signalisieren dem Gehirn ein Sättigungsgefühl. Außerdem verlangsamen sie die Magenentleerung, sodass die Nahrung länger im Magen bleibt. Patienten essen dadurch insgesamt weniger und nehmen ab.

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de mehrere Hundert Euro umfassen – abhängig von der Dosierung und Therapiedauer.

Langwirksame Therapien in der Pipeline Neben den beiden Branchenriesen positionieren sich weitere globale Pharma- und Biotech-Unternehmen im Abnehmtabletten-Segment – mit teils vielversprechenden Ansätzen: Structure Therapeutics entwickelt mit Aleniglipron einen nicht-peptidischen GLP-1-Agonisten, der in einer Phase-II-Studie nach 44 Wochen einen Gewichtsverlust von 16,3Prozent ermöglichte. Viking Therapeutics erzielte mit der Tablette VK2735, einem dualen GLP-1/GIP-Agonisten, bis zu 8,2 Prozent Gewichtsverlust nach nur 28 Tagen. Astrazeneca treibt mit Elecoglipron (ursprünglich von Eccogene) eines der fortgeschrittensten Projekte außerhalb von Novo und Lilly voran: Eine Kooperation mit CSPC Pharmaceuticals verspricht eine innovative monatliche Verabreichungsform. Roche setzt nach der Übernahme von Carmot Therapeutics auf das orale GLP-1-Präparat CT-966, das in ersten Studien 6,1 Prozent mehr Gewichtsverlust erzielte als das Placebo. Pfizer musste die Entwicklung des oralen Kandidaten Danuglipron vorerst aufgrund unzureichender Verträglichkeit und Leberbedenken stoppen.

Hype oder therapeutischer Fortschritt? Trotz der Euphorie an den Finanzmärkten und in der Industrie sehen viele Fachleute die Entwicklung kritisch. Für Prof. Dr. Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) in Düsseldorf, ist die Tabletten-


form „kein Durchbruch“ in der Adipositasbehandlung. Die bekannten Probleme, insbesondere der Jo-Jo-Effekt nach Absetzen, bleiben bestehen – unabhängig davon, ob das Medikament wöchentlich gespritzt oder täglich geschluckt wird. Den Patienten eröffne sich lediglich die Wahl der Applikationsform. Nina Meyer, Leiterin des Ernährungsteams und der Endokrinologie am Adipositaszentrum der Charité, betont, dass Pharmakotherapie zwingend in eine strukturierte ärztliche Begleitung sowie in Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltens-Therapien eingebettet sein muss. Auch konventionelle Ernährungstherapien könnten Erfolge erzielen – mit weniger Nebenwirkungen und unabhängig von teuren Präparaten. Zudem bemängelt der Stoffwechselmediziner Dr. Stefan Kabisch vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) die begrenzte Aussagekraft bisheriger Studien, da die Medikamente darin bislang kaum mit etablierten Ernährungstherapien oder anderen Abnehm-Präparaten verglichen wurden.

Das Angebot muss die Nachfrage decken Mit der Tablette als alternative Verabreichungsform verändern sich auch die Anforderungen an die industrielle Produktion. Bei den Injektionspräparaten stehen vor allem die aseptische Abfüllung und Herstellung der Pens im Mittelpunkt. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Lagerung und Logistik, da die Spritzen in der Regel durchgehend gekühlt werden müssen. Bei den oralen Wirkstoffen verschieben sich die Schwerpunkte in Richtung chemische Synthese, Tablettierung und Beschichtung. Semaglutid besteht aus 31 Aminosäuren und wird durch rekombinante DNA-Technologie in Zellen des Hefepilzes Saccharomyces cerevisiae hergestellt. Nach Angaben des Chemikers Achim Link von Solvias werden bei diesen Peptidprozessen typischerweise rund 13.000 Kilogramm Ausgangsmaterial benötigt, um ein Kilogramm Wirkstoff herzustellen. Bei Small Molecules liegen die Vergleichswerte mit etwa 168 bis 308 Kilogramm deutlich niedriger. Diese kleinen Moleküle werden durch chemische Synthese in mehrstufigen, steuerbaren Laborverfahren hergestellt. Entscheidend wird sein, ob und welcher Hersteller die steigende Nachfrage dauerhaft bedienen kann. Novo Nordisk hat im März 2026 mehr als 400 Millionen Euro in die Erweiterung seines irischen Standorts in Athlone investiert. Das Werk soll speziell die Produktion der Wegovy-Pille unterstützen. Eli Lilly baut seine Kapazitäten ebenfalls frühzeitig aus und investiert unter anderem Milliardenbeträge in Produktionsstandorte in den USA, den Niederlanden, Puerto Rico und China.

Jo-Jo-Effekt: 60 Prozent kommen zurück Studien zu Semaglutid hatten gezeigt, dass Patienten je nach Dosierung und Studiendesign durchschnittlich etwa 11 bis 17 Prozent ihres Körpergewichts verlieren können, was einer Gewichtsabnahme von rund 10 bis 12 Kilogramm entspricht. Experten betonen, dass das Medikament allein nicht ausreicht, um das Gewicht auch langfristig zu halten. Eine britische Studie zeigte, dass ein Jahr nach dem Therapiestopp durchschnittlich rund 60 Prozent des zuvor verlorenen Gewichts wieder zurückgekehrt sind. Hinsichtlich der Nebenwirkungen sind sich Tablette und Spritze sehr ähnlich. Übelkeit, Er-

Bild: Novo Nordisk

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Mit der Tablette verändern sich die Produktionsanforderungen von der aseptischen Abfüllung zur Tablettierung.

brechen und Verstopfung traten in bisherigen Studien meist mild bis moderat auf.

Gewichtsverlust allein reicht nicht Die Behandlung von Adipositas befindet sich an einem Wendepunkt. Mit Foundayo und der Wegovy-Pille stehen erstmals zwei orale GLP-1-Medikamente in Europa zur Verfügung. Auch andere Unternehmen arbeiten an oralen und langwirksamen Adipositastherapien, wodurch sich die Marktverhältnisse in den kommenden Jahren noch deutlich verschieben könnten. Wer das Rennen letztlich gewinnt, wird daher nicht allein von der Höhe des Gewichtsverlustes abhängen. Ebenso entscheidend sind Langzeitsicherheit, Verträglichkeit, Produktionskapazitäten und die Preisgestaltung. Fest steht jedoch, dass sich der Markt für Adipositas-Medikamente zu einem der dynamischsten und umkämpftesten Wachstumsfelder der globalen Pharmaindustrie entwickelt hat. (sju)

PROCESS-INFO

Was sind die Unterschiede zwischen Pille und Spritze? Die Spritze wird nur einmal pro Woche angewandt, während die Tablette jeden Tag eingenommen werden muss. Für die TablettenEinnahme müssen je nach Hersteller spezifische Regeln beachtet werden – beispielsweise muss vorher acht Stunden gefastet werden oder Patienten dürfen erst 30 Minuten danach wieder essen, trinken oder andere Medikamente zu sich nehmen. Die Dosis der Tabletten ist deutlich höher, da ein Großteil des Wirkstoffs von der Magensäure oder der Leber abgebaut wird, bevor er wirken kann. Tabletten brauchen vom gleichen Wirkstoff etwa 70-mal so viel wie Spritzen. Semaglutid wird zum Beispiel in der Spritzenform bis maximal 2,4 Milligramm hochdosiert, die Tablette dagegen bis 25 Milligramm.

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INTELLIGENTE TECHNOLOGIEN

Rettet Next-Gen-Tech die Pharmabranche? Die Pharmaindustrie steht an der Schwelle zu einer digitalen Revolution: KI, digitale Zwillinge, Supercomputer und Quantencomputing eröffnen neue Möglichkeiten für Forschung, Entwicklung und Produktion. Best-Practice-Beispiele von Sanofi, Siemens, Eli Lilly und Qubit Pharmaceuticals zeigen, wohin die Reise gehen könnte.

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marte Technologien prägen unsere heutige Welt – sei es in der Industrie oder im alltäglichen Leben – sie sind überall. Auch stark regulierte Branchen wie die Pharmaindustrie setzen zunehmend auf NextGen-Technologien. Künstliche Intelligenz (KI), digitale Zwillinge, Supercomputer und Quantencomputing sind zukunftsweisende Ansätze, die Produktionsprozesse effizienter gestalten sollen und die Zukunft der Arzneimittelentwicklung nachhaltig verändern. „Auf praktischer Ebene verändern diese Technologien die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden“, erklärt Andrew Whytock, Head of Thought Leadership und Market Development im Life Sciences Segment bei Siemens. „Sie helfen Pharmaunternehmen, schneller und mit größerer Sicherheit zu handeln – auf Grundlage realer Betriebsdaten. Digitale Zwillinge und Simulationen ermöglichen es Teams, Prozesse bereits vor ihrer tatsächlichen Umsetzung zu entwickeln, zu testen und zu optimieren. Dadurch werden Risiken reduziert und die Markteinführungszeit verkürzt. KI baut darauf auf, indem sie Daten in prädiktive Insights umwandelt und eine Optimierung in Echtzeit auf der Produktionsebene unterstützt – beispielsweise indem Prozessabweichungen erkannt werden, bevor sie die Qualität beeinträchtigen. Nichts davon funktioniert ohne gute Daten. Wenn Daten sauber, kontextualisiert und nutzbar sind und mit Hochleistungsrechnern kombiniert werden, können Unternehmen komplexere Probleme schneller lösen. Das Ergebnis sind eine bessere Qualität, größere Flexi-

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bilität und eine zuverlässigere Produktion gleich beim ersten Versuch.“

KI über alle Geschäftsbereiche hinweg Der französische Pharmakonzern Sanofi strebt an, das erste Pharmaunternehmen zu werden, das KI in großem Maßstab über seine gesamten Geschäftsbereiche hinweg einsetzt. Im Mittelpunkt dieser Strategie steht Plai, eine KI-basierte App, die Echtzeit-Interaktionen mit Daten ermöglicht und einen nahtlosen Zugriff auf Informationen aus allen globalen Unternehmensbereichen bietet – von Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zur Geschäftsanalyse. Nach Angaben des Unternehmens unterstützt die Anwendung Teams dabei, klinische Studien neu zu gestalten. Zudem soll sie der Biopharma-Supply-Chain geholfen haben, 80 Prozent der Niedrigbestandspositionen vorherzusagen, sodass Gegenmaßnahmen schneller eingeleitet und die Versorgung gesichert werden konnte.

Weniger Abfall und Experimente durch digitale Zwillinge Im Jahr 2020 entwickelte Siemens gemeinsam mit Atos, einem Anbieter für digitale Transformation, eine Lösung für die Pharmaindustrie: den „Process Digital Twin“. Durch den Einsatz von IoT, KI und fortschrittlichen Analyseverfahren soll die Lösung eine höhere Ef-

Bild: © Thachakrit - stock.adobe.com / KI-generiert

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fizienz und Flexibilität in der pharmazeutischen Produktion ermöglichen. Der Ansatz wird derzeit in der Pharmaindustrie getestet und eröffnet neue Möglichkeiten für eine nachhaltigere Prozessentwicklung. Dazu zählen die Verkürzung von Experimentierzeiten, Reduzierung von Ausschuss und Abfall sowie die Sicherstellung einer konstanten Produktqualität. Auch der Übergang zu neuen „Quality-by-Design“-Modellen soll unterstützt werden, bei denen das Produkt bereits beim ersten Versuch spezifikationsgerecht hergestellt wird.

Supercomputer betreibt AI Factory für Arzneimittelforschung Im vergangenen Jahr 2025 gab der globale Pharmakonzern Eli Lilly bekannt, gemeinsam mit dem US-amerikanischen Technologiekonzern Nvidia einen der leistungsfähigsten Supercomputer der Branche entwickeln zu wollen. Der Supercomputer soll eine AI Factory antreiben. Das ist eine spezialisierte Computerinfrastruktur, die den gesamten Lebenszyklus von KI-Anwendungen verwaltet: von der Datenaufnahme und dem Training über die Feinabstimmung bis hin zu umfangreichen Inferenzprozessen. Der Supercomputer soll der weltweit erste „NVIDIA DGX SuperPOD“ mit DGX-B300-Systemen sein und über mehr als 1.000 B300-GPUs verfügen, die über ein gemeinsames Netzwerk verbunden sind. Mit dieser Infrastruktur können Wissenschaftler KI-Modelle anhand von Millionen von Experimenten trainieren, um potenzielle Wirkstoffe und Arzneimittelkandidaten zu bewerten.

Quanten-KI-Modell sagt Molekülverhalten von Wirkstoffkandidaten voraus Das nach eigenen Angaben weltweit fortschrittlichste Quanten-KI-Modell stellte Qubit Pharmaceuticals, ein Deeptech-Unternehmen mit Schwerpunkt auf der Entdeckung neuer Wirkstoffkandidaten, 2025 vor. Die Lösung könnte dazu beitragen, die Entwicklung einer neuen Generation von Therapeutika zu beschleunigen und Zeitaufwand sowie Kosten im Vergleich zur herkömmlichen Arzneimittelforschung deutlich zu reduzieren. Das gemeinsam mit der französischen Sorbonne-Universität entwickelte Quanten-KI-Modell soll das Verhalten von Molekülen mit hoher Präzision und Geschwindigkeit simulieren können. Nach Angaben von Qubit Pharmaceuticals kann diese besonders genaue Vorhersage dazu beitragen, die kostenintensive Laborforschungsphase bei der Entwicklung neuer Moleküle deutlich zu verkürzen. Im Idealfall könnten sich bestimmte chemische Synthesen von Wirkstoffkandidaten durch präzise Computersimulationen ersetzen oder zumindest gezielter vorbereiten lassen.

VERFASST VON

Ahlam Rais Redakteurin PROCESS

Bessere Therapien sollen schneller zu den Patienten gelangen KI, digitale Zwillinge, Supercomputer und Quantenmodelle treiben Innovationen voran. Sie führen die Branche weg von traditionellen Prozessen hin zu einer prädiktiven, vernetzten und anpassungsfähigen Produktion. Das Ergebnis ist vielversprechend: schnellere Arzneimittelentwicklung, höhere Compliance und bessere Therapien, die Patienten schneller erreichen. (sju) PROCESS 6 | 2026

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DIGITALER PRODUKTPASS

Bürokratische Hürde oder Datenschatz? Was wäre, wenn jedes Ventil oder jeder Sensor über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg eine digitale Identität besäße? Die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) macht dies zur gesetzlichen Pflicht. Der bürokratische Aufwand kann für KMUs aber schnell auch zum Wettbewerbsvorteil werden.

Bild: Dennis Scherr

und Schadstoffe enthalten sind, wie es produziert wurde und wie die Reparatur und Entsorgung erfolgen soll. Ziel ist es, Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu schaffen als Grundlage für eine nachhaltige Produktion beim Hersteller und bewusste Kaufentscheidungen beim Verbraucher. Die Europäische Union (EU) will damit die Kreislaufwirtschaft gezielt intensivieren und Ressourcenabhängigkeiten von anderen Ländern reduzieren.

Simon Stadtmüller, Product Owner bei Gemü, erklärt beim Workshop den Weg des Unternehmens zum digitalen Produktpass – bereits 2015 hat CEO Gert Müller das Thema mit der internen Digitalisierung angestoßen.

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ie Vision des digitalen Produktpasses ist bestechend: Ein Bauteil – beispielsweise ein Ventil – landet Jahrzehnte nach dem Verkauf in der Hand eines Servicetechnikers oder eines Recyclers. Ein Scan des QR-Codes genügt, um sofort den gesamten Lebensweg des Produkts zu kennen: Hersteller, enthaltene Materialien, passende Ersatzteile und die CO2-Bilanz sind sofort sichtbar. Doch auf dem Weg von der Vision zur industriellen Realität müssen viele kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) noch einige Fragen beantworten: Wo fängt man am besten an? Welche Daten werden benötigt? Und wo werden die Daten gespeichert? Bei einem Workshop im 2024 eröffneten Headquarter der Gebrüder Müller Apparatebau (Gemü) in Kupferzell gaben Experten des VDMA, der IHK Heilbronn-Franken, des Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) und des Gastgebers Gemü Einblicke in den Status quo und die praktische Umsetzung des digitalen Produktpasses (DPP).

Was ist der digitale Produktpass? VERFASST VON

Sarah Junker Volontärin PROCESS

Der DPP ist ein digitaler Datensatz, der zum Beispiel über einen QR-Code auf dem physischen Produkt aufgerufen werden kann. Er enthält standardisierte technische und ökologische Informationen zum Produkt: Welche Roh-

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Die ESPR als rechtlicher Rahmen Die EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (Ecodesign for Sustainable Products Regulation, ESPR) bildet seit Juli 2024 die Rechtsgrundlage für den DPP. Als Rahmenverordnung legt sie noch keine Details fest, ermächtigt jedoch die EU-Kommission zu delegierten Rechtsakten für spezifische Produktgruppen. Im Fokus stehen Branchen wie Eisen, Stahl, Aluminium, Textilien, aber auch Hersteller von Chemikalien und energieverbrauchsrelevanten Produkten. Ein Produkt darf künftig nur mit einem entsprechenden Pass und Registereintrag in der EU in den Verkehr gebracht werden. Die genauen Datenanforderungen bestimmen die jeweiligen Rechtsakte, wobei folgende Inhalte voraussichtlich immer gefordert sein werden: Produktidentität: eindeutiger Produktidentifikator, Modell, Charge, Herstelldatum; Materialien: Herkunft, enthaltene (besorgniserregende) Stoffe Reparaturhinweise; Recyclingfähigkeit: Rezyklatanteil, Recycling- und Rücknahmehinweise; CO2-Fußabdruck; Angaben zur Herkunft entlang der Lieferkette. Ab dem 18. Februar 2027 wird der DPP erstmals für EV- (für Elektrofahrzeuge), LMT- (light means of transport, wie E-Bikes, E-Scooter) und Industriebatterien (> 2 kWh) zur Pflicht.

Plattform vs. Datenraum: Wo werden die Daten für den DPP gespeichert? Ein zentrales Thema bei der Diskussion zur Digitalisierung ist der Schutz geistigen Eigentums. Unternehmen


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müssen Informationen bereitstellen, ohne dabei sensible Rezepturen oder Prozessdaten offenzulegen. Hier gibt es verschiedene Ansätze: Wie sich klassische Datenplattformen von modernen Datenräumen unterscheiden, erklärte Jan Fischer, VDMA-Experte für Datenräume, den teilnehmenden KMUs im Workshop. Eine Datenplattform speichert Daten zentral bei einem Plattformbetreiber (z. B. AWS, SAP). Dieser definiert Zugriffsrechte, Datenformate und Nutzungsbedingungen. Das kann zu technischen Abhängigkeiten (Vendor Lock-in) und potenziellen Risiken für die Kontrolle über das eigene geistige Eigentum führen. Datenräume sind demgegenüber keine zentrale Speicherplattform, sondern ein Governance-Framework für den sicheren Datenaustausch. Basierend auf Architekturen wie dem IDS (International Data Spaces) verbleiben die Daten dezentral beim Urheber. Ein Austausch erfolgt Peer-to-Peer ausschließlich bei Bedarf und nach gemeinsam definierten Regeln. Nur wenn alle Beteiligten dieselben Datenmodelle und Begriffe verwenden – die Chemie-Anlage in Deutschland also dieselbe „Sprache“ spricht wie der Verarbeiter in Asien – können Informationen entlang internationaler Lieferketten automatisiert interpretiert werden. Ohne diese im Datenraum vereinbarten Regeln wäre der DPP nur ein digitaler Haufen unstrukturierter PDF-Dokumente.

Lifecycle-Management-System Conexo. „Seit 2021 statten wir unsere Ventile mit QR-Codes zur Rückverfolgung aus. Mittlerweile sind mehr als fünf Millionen eindeutig identifizierbare Gemü-Produkte auf dem Markt“, sagt Simon Stadtmüller, Product Owner bei Gemü. Über die Asset Administration Shell (AAS) können Herstellerdaten von Unternehmen wie Endress+Hauser, Bürkert, Dockweiler, Krohne, Rembe und Gemü selbst in Conexo für Anwendungen im Bereich Instandhaltung und Anlagenmanagement genutzt werden. Die seit 2022 verfügbare DPP Software baut darauf auf und unterstützt Unternehmen dabei, Produktinformationen gemäß den ESPR-Vorgaben zu strukturieren. Ein beispielhafter DPP kann direkt auf der Unternehmens-Webseite für beliebige Produkte erstellt werden.

So können sich KMUs jetzt vorbereiten

Mit der Scale-MX-Initiative unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie insbesondere KMUs beim Einstieg in Datenräume und ManufacturingX. Ziel ist es, den DPP nicht erst mit den Produktvorgaben anzugehen, sondern frühzeitig organisatorische und technische Voraussetzungen zu schaffen. Mit einer Checkliste können Unternehmen ihren Standpunkt selbst ermitteln und erste Maßnahmen planen: Werden Daten lückenlos und standardisiert erfasst? Sind Anwendungsfälle, strategische Ziele, personelle und finanzielle ResZoll und Recycling sourcen vorhanden? scannen QR-Codes Welche IT-Systeme (ERP, MES, PLM) werden Wichtig für den Schutz genutzt und sind diese des geistigen Eigentums über offene Standards der beteiligten Unterneh(z. B. OPC UA) vernetzt? men: Der DPP ruft über Sind Datenschutz, Konnektoren nur die freiJan Fischer, VDMA-Experte für Datenräume und Manufacturing-X Nutzungsrechte, Datengegebenen und jeweils klassifizierung und Zugeforderten Informatioständigkeiten festgelegt? nen aus dem Datenraum Inwiefern sind die Mitarbeiter auf die neuen digitain Echtzeit ab. Betriebsgeheimnisse verbleiben beim len Prozesse vorbereitet? Unternehmen. Datenräume nutzen digitale Identitäten Entscheidend ist, vorhandene Daten schrittweise zu und dezentrale Register (Verifiable Credentials), um die Vertrauenswürdigkeit von Teilnehmern automatisiert konsolidieren und zunächst einen klar abgegrenzten zu prüfen. So kann nachvollzogen werden, wer wann Use Case umzusetzen. So lassen sich Erfahrungen sammeln und Investitionen gezielt steuern. welche Daten eingesehen hat. Ein mögliches Szenario könnte in Zukunft etwa so aussehen: Ein Zollbeamter oder ein Recycling-UnterWoran es noch hakt: IT, Finanzen und nehmen scannt den QR-Code eines Produkts. Der DPP Change Management bezieht über den Datenraum-Konnektor die aktuellsten freigegebenen Daten in Echtzeit von den relevanten Im Readiness-Workshop mit Scale-MX waren sich die Quellen. Abhängig von den Zugriffsrechten sehen Nutteilnehmenden KMUs einig: Vor allem die Finanzierung zer nur die für sie bestimmten Informationen. Weil die hemmt die Umsetzung. Die Kosten können mehrere ProDaten an der Quelle gepflegt werden, bleibt der DPP jezent des Umsatzes ausmachen und hängen stark vom derzeit aktuell. Digitalisierungsreifegrad des Unternehmens ab. Zugleich sei es eine Frage des Change Managements, so Katrin Bürger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im InstiFrühe Digitalisierung als Basis für den DPP tut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) Dass der DPP keine unüberwindbare Hürde sein muss, und Projektpartnerin bei Scale-MX. zeigt Gemü. Getrieben von der internen DigitalisieDa viele KMUs keine eigene IT-Abteilung besitzen und rungsstrategie des CEO Gert Müller startete der HerstelSysteme oft extern hosten, raten die Workshop-Experten ler für Ventil-, Mess- und Regeltechnik bereits 2015 mit zu externen Dienstleistern für den Aufbau der DPP-Inder digitalen Produktidentifizierung in der Fertigung: frastruktur. Der Einstieg muss pragmatisch sein: BeZunächst per RFID, ab 2021 mit QR-Codes und seit 2022 standsaufnahme der vorhandenen Produktdaten, Abmit RFID für Membranen, um Wartungs- und Ausgleich mit künftigen Anforderungen und Definition eitauschprozesse im Anlagenbetrieb zu erleichtern. Aus nes klaren Use Cases. So gelingt schrittweise der Ausbau des digitalen Produktpasses. (sju) der Optimierung interner Prozesse entstand das Asset-

„Wenn Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen sie sich mit Daten auseinandersetzen.“

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Vorschau

Highlights PROCESS 7-2026

Im nächsten Heft lesen Sie: Schlammtrocknung In einer Müllverwertungsanlage verursachte ein Trockensubstanzgehalt von nur 30 Prozent hohe Transport- und Entsorgungskosten. Jetzt verwandelt eine geschlossene Kondensationstrocknung nassen Zinkhydroxidschlamm in ein leichteres, günstiger zu entsorgendes Material. Special Wasser/Abwasser Starkregenereignisse und lokale Überflutungen nehmen zu. Doch wie entsteht ein zukunftsweisendes Frühwarnsystem? Mit autarken Messstellen, präziser Radartechnik und cloudbasierter Alarmierung ist dies Entwicklern von Vega gemeinsam mit Experten von Zahnen Technik gelungen.

PROCESS 7-2026 erscheint am 20.10.2026.

DECHEMA-FORUM Erfolgreicher Methodentransfer statt „lost in translation“ Wie kommen neue Entwicklungen aus den Hochschulen in die industrielle Anwendung? Diese Frage beschäftigt die „große Politik“ derzeit in fast jeder Diskussion, in der es ansatzweise um Forschung und Innovation geht: Wie teuer sind die Brücken über das „Valley of Death“, wer finanziert den Scale-up eines neuen Verfahrens, wer trägt die Risiken einer Investition in Innovation? Doch die Hürden liegen nicht nur in den großen Industrialisierungsprojekten und auch nicht nur beim Geld. Die Erfahrung zeigt, dass Dr. Kathrin Rübberdt auch bei kleinen, bilateralen Projekten zwischen Hochschulen oder Forschungseinrich- Bereichsleiterin Wissenschaft & tungen und industriellen Partnern manche Industrie, Dechema e.V. Innovation versandet. Woran das liegt und wie Abhilfe geschaffen werden kann, hat die Dechema/VDI-Fachgruppe „Modellgestützte Prozessentwicklung und -optimierung“ (MPO) in einer neuen Praxishilfe zusammengefasst. Ob Stoffdatenabschätzung, Prozessmodellierung oder fortgeschrittene mathematische Optimierung: Moderne Verfahrenstechnik ist ohne methodische Werkzeuge nicht denkbar. Doch der Übergang aus dem akademischen Prototypenstatus in eine robuste, dauerhaft nutzbare Industrielösung scheitert häufig an grundlegenden Rahmenbedingungen: Die Ziele (und Zielvorgaben) der Partner unterscheiden sich ebenso wie die Zeithorizonte, akademische Neugier trifft auf den Bedarf nach zuverlässigem Routinebetrieb. Die Praxishilfe benennt zentrale Einflussfaktoren, die über Erfolg oder Scheitern entscheiden können. Dazu gehören z.B. die Akzeptanz bei den Anwendern, klare Zuständigkeiten und Budgets für die gesamte Lebensdauer einer Methode, ein robustes Softwareengineering und die Nutzerfreundlichkeit. Wer die Praxishilfe und die zugehörige Checkliste benutzt, kann Hürden frühzeitig umgehen, aktiv ansprechen und Prozesse etablieren, die die Einführung und Verstetigung sicherstellen. Und wer im Kleinen Erfahrungen gesammelt hat, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen und anhand gemeinsamer Interessen zusammenzuführen, dem gelingt dies auch leichter beim nächsten „großen“ Innovationsprojekt. Das Papier ist kostenfrei verfügbar unter dechema.de/Methodentransfer; DOI: 10.83455/202606METHODS.

Bild: Dechema

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